Einbürgerung

David Vasella, Oktober 2004 – keine Gewähr

Rechtsgrundlagen

Anspruch auf Einbürgerung (GemG 21)

Kein Anspruch auf Einbürgerung4, aber Möglichkeit (GemG 22 I i.V.m. 21)

Gemeinde GemG 20 ff.; BüVO Voraussetzung für das Kantons- und Staatsbürgerrecht; erlaubt Mitwirkung i.d. bürgerlichen Abteilung − Schweizer, falls 2 Jahre WS i.d. Gemeinde (für Schweizer zwischen 16 und 25 Jahren reichen 2 Jahre WS im Kanton); − Fähigkeit, sich und die Familie selbst zu erhalten − genügende Ausweise über Familien- und bisherige Heimatverhältnisse − unbescholtener Ruf = keine Einträge „von Bedeutung“ im Straf- und Betreibungsregister der letzten 5 Jahre Gleichstellung mit Schweizern gilt für: − in der Schweiz geborene Ausländer, wenn sie die Voraussetzungen (vgl. unten) erfüllen (GemG 21 II);1 − im Ausland geborene Ausländer zwischen 16 und 25 Jahren, wenn sie in der CH mind. 5 Jahre auf Volks- oder Mittelschulstufe in einer Landessprache zur Schule gingen (GemG 21 III) Diese Personen haben also einen Rechtsanspruch auf Einbürgerung, sind aber auch sonst Schweizern gleichgestellt.2 − zwei Jahre Wohnsitz5 in der Gemeinde − Fähigkeit, sich und die Familie selbst zu erhalten6 − genügende Ausweise über Familien- und bisherige Heimatverhältnisse − unbescholtener Ruf = keine Einträge „von Bedeutung“ im

Kanton GemG 20 ff.; BüVO

Bund BüG

Automatisches Kantonsbürgerrecht bei Einbürgerung in einer Gemeinde

Der Kanton prüft auch bei diesen Personen, ob sie geeignet i.S.v. BüG 14 sind (GemG 20 III i.V.m. BüVO 33), bevor er sie ins kantonale Bürgerrecht aufnimmt.

Einbürgerungsbewilligung3: nach BüG 12 ff., falls − 12 Jahre WS in der CH, davon 3 in den 5 Jahren vor Gesuchstellung (doppelte Anrechnung der Jahre zwischen 10 und 20); bei Ehegatten reichen 5 Jahre, wenn der andere Gatte die Anforderungen erfüllt Eingliederung in schweizerische Verhältnisse Vertrautheit mit schweizerischen Lebensgewohnheiten und Sitten beachtet schweizerische Rechtsordnung keine Gefährdung der inneren o. äusse-

− Aufnahme ins Kantonsbürgerrecht durch Beschluss des Regierungsrates (GemG 20 III), falls folgendes erfüllt ist (BüVO 33): − Einbürgerung in der Gemeinde − − −

Nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts besteht der Anspruch auf Einbürgerung in der Gemeinde unabhängig von der Eignung (die Gemeinde hat diese also nicht zu prüfen), doch wird bei fehlender Einung die kantonale Einbürgerungsbewilligung nicht erteilt (der Kanton prüft diese Frage), und damit ist auch die kommunale Einbürgerung nicht gültig. 2 Für Schweizer ist nach GemG 21 II nur zu prüfen, ob sie die Wohnsitzerfordernisse erfüllen (zwei Jahre in der Gemeinde), ob sie wirtschaftlich erhaltungsfähig sind, einen unbescholtenen Ruf haben und die Einkaufsgebühr entrichten. Nicht vorausgesetzt ist dagegen die Eignung i.S.v. BüG 14. Daher haben die Gemeinden auch bei gleichgestellten Ausländern die Eignung nicht zu prüfen. 3 Wird erst eingeholt, wenn Kanton und Gemeinde die Einbürgerung beschlossen haben.

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− − keine Ablehnungsgründe Einbürgerungsbeschluss sachlich vertretbar ren Sicherheit der Schweiz

Gebühren

Straf- und Betreibungsregister der letzten 5 Jahre Sind diese Voraussetzungen gegeben, verfügt die Gemeinde die Einbürgerung; sie steht unter dem Vorbehalt der Einbürgerung auch durch den Kanton (BüVO 29). Einkommensabhängig zwischen CHF 500 und 50'000 (GemG 24 I).

Zuständigkeiten

Verfahren

Entfällt für Schweizer mit einem Wohnsitz in der Gemeinde von mind. 10 Jahren (GemG 25). Seit dem 1- August 2004 gilt, daß Ausländer bis 27 einheitlich CHF 200 bezahlen.7 − Erteilung des Gemeindebürgerrechts: je nach GO; die Gemeindeversammlung (Legislative) auf Antrag des Gemeinderates [Exekutive; GemG 23 I]); die GO kann die Befugnis auf den Grossen Gemeinderat (Legislative) oder den Gemeinderat (Exekutive) übertragen (GemG 23 II).8 Stimmberechtigt: nur die bürgerliche Abteilung! Zunächst richten die Bewerber ein Gesuch um Erteilung der eidgenössischen Einbürgerungsbewilligung an das EJPD. Die Unterlagen, v.a. das Gesuchsformular, sind bei der Wohnsitzgemeinde zu beziehen. Das Formular wird an das Gemeindeamt (ein Amt der Direktion der Justiz und des Innern) des Kantons geschickt. Der Kanton prüft, ob die Voraussetzungen, insb. die Wohnsitzerfordernisse, gegeben sind und die Rechtsordnung beachtet wird. Die Gemeinde ihrerseits prüft, ob die Voraussetzungen der Erteilung des Gemeindebürgerrechts gegeben sind (BüVO 28 I; damit sind die Voraussetzungen nach GemG 21 i.V.m. 22 I gemeint, also die kommunalen Wohnsitzerfordernisse und die soziale Integration). Nach dem kommunalen Entscheid über die Einbürgerung entscheidet der Kanton über die Erteilung des Kantonsbürgerrechts, und dann der Bund über die Einbürgerungsbewilligung auf Antrag des Kantons. Der Kanton stellt die Rechtskraft fest, schliesst das Verfahren und orientiert die Amtsstellen.

Nur für Ausländer: auch Gebühr für das kantonale Bürgerrecht (GemG 24 I). Ebenfalls einkommensabhängig zwischen CHF 500 und 50'000. Reduziert um ½ für Personen unter 27 Jahren, wenn sie mind. 10 Jahre in der CH gelebt haben (ansonsten erhalten sie die Einbürgerungsbewilligung ohnehin nicht). Die Direktion der Justiz und des Innern prüft die Erteilung der kantonalen Einbürgerung und stellt dem EJPD Antrag.

… und damit Ausschluss der Beschwerde ans Verwaltungsgericht, VRG 43 II lit. l. Der Rekurs an den Regierungsrat bleibt möglich (VRG 19 II). Kein Anspruch auf Einbürgerung hieß früher nach 29a I aBüVO, daß die bürgerliche Abteilung der Gemeindelegislative keine Begründung für die Ablehnung nennen mußte. Da aber auch die Gemeindeversammlung, wenn sie wie hier staatliche Funktionen wahrnimmt, an die Verfassung gebunden ist, muß sie eine Begründung für den Entscheid liefern können. Der RR hat die BüVO daher dahingehend geändert, daß auch Entscheide der Gemeindeversammlung bzw. des Grossen Gemeinderates begründet werden müssen (RRB v. 24. Juli 2002; in Kraft seit 1. August 2004). 5 Wohnsitz i.S.v. BüVO liegt vor bei ständigem, auf Dauer angelegtem Aufenthalt in Übereinstimmung mit den polizeilichen Vorschriften. (ZGB 23 ist nicht anwendbar; diese Bestimmung regelt nur den zivilrechtlichen Wohnsitz). In Übereinstimmung mit polizeilichen Vorschriften befindet sich auch, wer sich nach Abweisung des Asylgesuches in der Schweiz aufhält, solange noch keine Wegweisungsverfügung ergangen ist (AsylG 44). 6 Sog. wirtschaftliche Erhaltungsfähigkeit; sie ist nach BüVO gegeben, wenn die Lebenskosten und allfällige Unterhaltsverpflichtungen des Bewerbers durch Einkommen, Vermögen und/oder Ansprüche gegen Dritte gesichert sind; „Dritte“ in diesem Sinne sind auch Eltern, weshalb Kinder dann wirtschaftlich erhaltungsfähig sind, wenn ihre unterhaltspflichtigen Eltern in der Lage sind, den Lebensunterhalt der Familie zu bestreiten. Keine Ansprüche gegen Dritte im Sinne dieser Bestimmung sind Fürsorgeansprüche gegen den Staat. 7 RRB v. 21. Juli 2004. Damit soll das Kostendeckungsprinzip verwirklicht werden, das ab 2006 von Bundesrechts wegen für Einbürgerungen gilt. 8 Soweit ein Anspruch auf Einbürgerung besteht, ist nach der GO i.d.R. der Gemeinderat zuständig, so dass die Gemeindeversammlung nur noch über die Einbürgerung von Ausländern entscheidet, die nicht in der Schweiz geboren sind oder die nicht zwischen 16 und 25 sind, oder die nicht 5 Jahre in der CH zur Schule gegangen sind.

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Rechtsschutz

Beschwerde oder Rekurs an den Bezirksrat nach §§ 151 f. GemG: − wegen Unregelmässigkeiten bei Wahlen und Abstimmungen9 bzw. wegen Widerrechtlichkeit, falls die Legislative zuständig ist: Beschwerde nach § 151 GemG − aus anderen Gründen, wenn die Exekutive zuständig ist: Rekurs nach § 152 GemG (der Unterschied ist unerheblich, da die Legitimation beim Gesuchsteller ohnehin gegeben ist)

Beschwerde ans Verwaltungsgericht nur, falls ein Anspruch auf Einbürgerung besteht (§ 43 II lit. l VRG).10 In anderen Fällen Rekurs an den Regierungsrat (VRG 19c II).11

Die VwGB ist nach OG 100 I lit. c ausgeschlossen. Die StaB ist zulässig, scheitert aber meist (kein selbständiger Anspruch auf Willkür; ohne weiteren Grund kein „rechtlich geschütztes Interesse“). Daher muss sich der abgewiesene Bewerber auf die Verletzung des Diskriminierungsverbots i.S.v. BV 8 II stützen (vgl. BGE 129 I 217).12 Gegen die Verweigerung der Einbürgerungsbewilligung ist eine Beschwerde an das EJPD möglich (BüG 51 III).13

Hier sind §§ 128 ff. WAG anwendbar; daher hat die Beschwerde erst nach Abschluss der Abstimmung aufschiebende Wirkung. Die Frist beträgt entgegen § 129 30 Tage, nicht 20. Der Bezirksrat kann die Abstimmung aufheben, wenn es glaubhaft ist, dass die Unregelmässigkeit das Resultat erheblich beeinflusst hat. 10 Dabei handelt es sich um eine Eintretensvoraussetzung. 11 Allerdings sind Entscheide der Gemeindelegislative in diesen Fällen nur bezüglich der Verfahrensvorschriften und der Einhaltung des übergeordneten Rechts zulässig, BüVO 29a II. 12 Auch wenn die Legislative, z.B. alle an der Urne, entscheidet: Die Stimmbürger handeln als Organe der Gemeinde und sind damit an die Verfassung gebunden. Urnenentscheide sind nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts (Fälle SVP Stadt Zürich; Emmen) rechtswidrig, weil sie die Ansprüche an die Begründungspflicht nicht erfüllen. 13 Dieses entscheidet endgültig. Nur die Regierung des betreffenden Kantons kann gegen den Entscheid mit Beschwerde an den Bundesrat gelangen.

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