Betreibungsorte und Gerichtsstände im SchKG

David Vasella, Oktober 2004

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Betreibungsorte 1
Ordentlicher Betreibungsort (SchKG 46) Wohnsitz des Schuldners Gesellschaften im HR: Sitz Nicht eingetragene Gesellschaften: Ort der Verwaltung Gemeinderschaft: Ort der gemeinsamen wirtschaftlichen Tätigkeit StWEG: Ort der gelegenen Sache Geschäftsniederlassung und Spezialdomizil (SchKG 50) Der Betreibungsort am Ort der Geschäftsniederlassung ist möglich für Forderungen, die mit der Geschäftsniederlassung im Zusammenhang stehen, falls der Schuldner im Ausland wohnt bzw. seinen Sitz hat. Für schweizerische Schuldner gilt SchKG 46 ff., 51 f. Schuldner im Ausland können in der Schweiz für die Erfüllung einer Forderung ein Spezialdomizil bestimmen; für diese Forderung ist das der Betreibungsort. Schuldner ohne festen Wohnsitz (SchKG 48) Das betrifft Schuldner überhaupt ohne festen Wohnsitz, also weder in der CH noch im Ausland. Sie sind am Aufenthaltsort in der Schweiz zu betreiben. Erbschaft (SchKG 49) Die Erbschaft ist für Erbschaftsschulden und solange keine Teilung und keine amtliche Liquidation stattgefunden hat und keine Gemeinderschaft gebildet wurde, am Betreibungsort des Erblasser z. Zt. seines Todes betrieben werden. Arrestort (SchKG 52) Eine Forderung, für die Arrest gelegt worden ist, kann am Ort des Arrestgegenstandes in Betreibung gesetzt werden. Eine Forderung ist am Erfüllungsort belegen, wenn der Schuldner in der Schweiz ist, d.h. bei Geldschulden i.d.R. am Wohnsitz des Gläubigers. Wohnt der Schuldner im Ausland, ist der Sitz seines Schuldners, also meistens der Bank, der Ort der Belegenheit. Eine Ergänzungs- oder Nachpfändung an diesem Ort ist ausgeschlossen. Ein Konkursort besteht nur am ordentlichen Betreibungsort ! Flüchtiger Schuldner (SchKG 54 i.V.m. 191) Ist der Schuldner flüchtig, besteht ein materieller Konkursgrund, der SchKG 43 vorgeht; Konkursort ist der letzte Wohnsitz des Schuldners. Das gilt auch, wenn er im Ausland unbekannten neuen Wohnsitz hat. Perpetuatio fori Der Betreibungsstand ist fixiert, wenn Spezialexekution: Pfändungsankündigung bzw. Ankündigung der Pfandverwertung Generalexekution: Konkursandrohung bzw. Zahlungsbefehl zur Wechselbetreibung (bei materiellem Konkursgrund: Vorladung)

Ort der gelegenen Sache (SchKG 51) Am Ort der gelegenen Sache kann betrieben werden, falls die Forderung durch ein Faustpfand gesichert ist; dann ist dieser Ort alternativ neben den Orten von 46 ff. möglich. Beim Grundpfand steht ausschließlich der Ort der gelegenen Sache offen.

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Zwingend, keine prorogatio fori.

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Gerichtsstände und Sonstiges National2
Schadenersatzklage gegen den Staat oder den Arrestgläubiger Begehren um provisorische Rechtsöffnung Anerkennungsklage Steht nicht im SchKG; nach GestG Betreibungsort, SchKG 84 I

International3
LugÜ, aber nicht LugÜ 16 Nr. 5.

Natur der Klage
materiellrechtlich

Klagefrist und Verfahren
Ordentliches V; je nach Streitwert beim ER oder BezGer (Sondergerichte kommen wegen der Natur der Forderung nicht in Frage)

Nicht LugÜ 16 Nr. 5, da beschränkter Erkenntnischarakter, daher LugÜ 24 LugÜ, aber nicht LugÜ 16 Nr. 5.

Rein betreibungsrechtlich materiellrechtlich

Summarisches Verfahren, ErsV (ZPO 213) Ordentliches V; sachliche Zuständigkeit je nachdem beim ER, BezGer, ArbGer, MietGer, HGer

Aberkennungsklage

Betreibungsort (SchKG 83 II); Prorogation und Einlassung möglich. Auch an den Gerichtsständen von GestG 22 ff. kann geklagt werden (str.). Widerklage möglich. Sachlich: nach GVG.
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BGE 130 III 285: Gerichtsstand der Rechtsöffnung, nach LugÜ 2 (weil Vertauschung der Parteirollen)

materiellrechtlich

Ordentliches V; Klage innert 20 Tagen seit Rechtskraft der provisorischen Rechtsöffnung (SchKG 83 II)6; sachliche Zuständigkeit je nachdem beim ER, BezGer, ArbGer, MietGer, HGer

Aufhebung, SchKG 85

Betreibungsort, SchKG 85

LugÜ 16 Nr. 57

rein betreibungsrechtliche Wirkung

Summarisches Verfahren8 (hier nur Urkundenbeweis); jederzeit (keine Frist, aber nur bis Ende Verteilung bzw. Konkurseröffnung). Beschleunigtes Verfahren9; jederzeit, aber erst ab rechtskräftigem Zahlungsbefehl und solange die Betreibung läuft. Sachliche Zuständigkeit beim ER im beschlV10

Aufhebung, SchKG 85a

Betreibungsort, SchKG 85a Zusätzlich nach GestG 22 ff.

LugÜ, aber nicht LugÜ 16 Nr. 5.

materiellrechtlich

Klage auf Duldung der Rückschaffung der Retentionsgegenstände Rückforderungsklage,

Ort der gelegenen Sache (GestG 23)

LugÜ 16 Nr. 5 (?)

Reflexwirkung

Beschleunigtes Verfahren, SchKG 284. Sachlich der ER im beschlV.11

Wahlweise Betreibungsort oder am Wohnsitz

LugÜ

materiellrechtlich

Ordentliches Verfahren; innert 1 Jahr nach

2 Allgemein gilt: Bei materiellrechtlichen Klagen gilt das GestG, sofern das LugÜ nicht ausdrücklich etwas anderes bestimmt. Klagen mit Reflexwirkung gelten nach h.L. als Zivilsachen i.S. des GestG, weshalb dieses zur Anwendung kommt, sofern das SchKG nichts bestimmt. International kann hier LugÜ 16 Nr. 5 zur Anwendung kommen. Bei rein betreibungsrechtlichen Streitigkeiten gilt nur das SchKG, es handelt sich nicht um Zivilsachen i.S. des GestG. 3 Bei materiellrechtlichen Klagen gilt das LugÜ bzw. IPRG. LugÜ 16 Nr. 5 ist allerdings nicht auf materiellrechtliche Streitigkeiten anwendbar, sondern nur auf solche mit Reflexwirkung. 4 So WITSCHI (Grund: LugÜ 16 Nr. 5 ist eng auszulegen, und im provisorischen Rechtsöffnungsverfahren sind immerhin Einwendungen summarisch zu prüfen (SchKG 82 II). Dasselbe würde allerdings auch für die Aufhebungsklage i.S.v. SchKG 85 gelten. 5 Das heißt: Konsumenten-, miet- und arbeitsrechtliche Streitigkeiten. 6 Nach ZPO 271 Ziff. 1 ist bei genügendem Streitwert der Rekurs gegeben, der Suspensivwirkung hat (ZPO 275). 7 LugÜ 16 Nr. 5 betrifft „Verfahren, welche die Zwangsvollstreckung aus Entscheidungen zum Gegenstand haben.“ Das beruht auf der Idee einer Zweiteilung von Erkenntnis- und Vollstreckungsverfahren; LugÜ 16 Nr. 5 bezieht sich auf den zweiten, den Vollstreckungsschritt. Deshalb sind materiellrechtliche Klagen nicht von 16 Nr. 5 erfaßt, dafür Klagen mit Reflexwirkungen. LugÜ 16 Nr. 5 bestimmt die Zuständigkeit nur international; national ist GestG oder SchKG anwendbar (AMONN/WALTHER; nach WALTER, IZPR, das IPRG, subsidiär das GestG [?]). 8 Das heißt: kein Sühnverfahren; mündliches Verfahren (ZPO 119), Kaution ist möglich; erstmalige peremptorische Vorladung; Beweismittel: keine Beweisaussage und Gutachten, außer im Fall von 209 II; keine Beachtung der Gerichtsferien. 9 Das heisst: kein Sühnverfahren; ansonsten gelten die Bestimmungen der ZPO (Kaution ist möglich; peremptorische Vorladung erst nach Säumnis. 10 GVG 22. 11 GVG 22.

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SchKG 86 und 187

des Beklagten (SchKG 86 II; GestG 3)

Zahlung der Forderung, falls nicht durch res iudicata nach Ab-/Anerkennungsklage ausgeschlossen. Sachliche Zuständigkeit je nachdem beim ER, BezGer, ArbGer, MietGer, HGer

Widerspruchsklage

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- Klage des Dritten gegen den Gläubiger

Wie national, also nach SchKG.13 Aber: wenn sich in Prozess Dritter und Schuldner gegenüberstehen, ist es eine materiellrechtliche Streitigkeit, weshalb dann das LugÜ bzw. IPRG anwendbar ist, aber nicht LugÜ 16 Nr. 5.

- Reflexwirkung - Materiellrechtlich, falls sich Schuldner und Dritter gegenüberstehen (str.).

Beschleunigtes Verfahren (SchKG 109 IV); 20 Tage Klagefrist nach Fristansetzung durch das Betreibungsamt. Sachlich der ER im beschlV.14

oder Schuldner: Betreibungsort, SchKG 109 - Klage gegen einen Dritten mit Wohnsitz im Ausland: Betreibungsort, SchKG 109 I Ziff. 2 Gegen einen Dritten mit Wohnsitz in der Schweiz: Wohnsitz des Dritten, SchKG 109 II - Klage betr. Grundstück: immer Ort der gelegenen Sache, SchKG 109 III Lastenbereinigungsklage Klage auf Feststellung des Vorranges, SchKG 142 Anschlussklage
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Verweis auf SchKG 106 ff. in SchKG 140 II Klage des Grundpfandgläubigers am Ort der gelegenen Sache, SchKG 142 II Betreibungsort, SchKG 111 V LugÜ 16 Nr. 5 LugÜ, falls materiellrechtliche Klage (Dritter vs. Schuldner) - Reflexwirkung - Materiellrechtlich, falls sich Schuldner und Dritter gegenüberstehen (str.). Reflexwirkung 10 Tage nach Zustellung des Lastenverzeichnisses (SchKG 142 II) Beschleunigtes Verfahren; 20 Tagen seit Bestreitung (SchKG 111 V) Sachlich der ER im beschlV.16 20 Tage nach Empfang des Auszuges von Kollokationsplan und Verteilungsliste, SchKG 148 I. Sachlich der ER im beschlV.18

Kollokationsklage, SchKG 148

Betreibungsort, SchKG 148

LugÜ 16 Nr. 5 (str.)17

Aussonderungsklage

Klage durch den Dritten am Konkursort

LugÜ 16 Nr. 5

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Reflexwirkung

20 Tage nach Verfügung über Herausgabe (SchKG 242 I) Sachlich der ER im beschlV.

Admassierungsklage

Klage des Konkursamtes gegen den Dritten nach GestG 19 f.

LugÜ 16 Nr. 5

Reflexwirkung

20 Tage nach Verfügung über Herausgabe (SchKG 242 I).

12 Im nationalen Verhältnis sind die Gerichtsstände nicht davon abhängig, ob es sich um Klagen mit Reflexwirkung oder wegen der Parteienkonstellation um materiellrechtliche Klagen handelt, weil das SchKG dem GestG in beiden Fällen vorgeht und selbst keine Unterscheidung tritt; anders im internationalen Verhältnis. 13 So Amonn/Walther, § 24 N 59. SchKG 109 II enthält selbst IZPR-Vorschriften, die insofern LugÜ 16 Nr. 5 vorgehen. 14 GVG 22. 15 Dito. 16 GVG 22. 17 Nach AMONN/WALTHER sollen die Kollokationsklage im Konkurs und die Aussonderungsklage wohl unter LugÜ 16 Nr. 5 fallen; nach WALTER fallen diese Klagen aber unter den Ausschluß von LugÜ 1 Ziff. 2. AMONN/WALTHER gehen aber soweit ersichtlich nicht auf LugÜ 1 Ziff. 2 ein. Nach dem BGer betrifft der Ausschluß von LugÜ 1 Ziff. 2 nur Verfahren, die sich direkt aus dem Konkurs ergeben und sich in ein Verfahren zwangsweiser Liquidation einfügen, nicht aber Verfahren, die aus Anlaß eines Zwangsvollstreckungsverfahrens geführt werden, aber auch ohne ein solches möglich sind. 18 GVG 22. 19 A.M. WALTER.

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Sachlich der ER im beschlV. Kollokationsklage nach SchKG 250 Arrestprosequierungsklage Paulianæ Wohnsitz des Beklagten in der Schweiz; Sonst Pfändungs- oder Konkursort (SchKG 289 I) Anerkennungsklage im ordentlichen Nachlassverfahren Nachlassort (nicht zwingend) Paulianische Klagen im Konkurs fallen unter LugÜ 1 Ziff. 2.21 Umstritten, ob sie unter LugÜ 16 Nr. 5 fallen. materiellrechtlich Reflexwirkung Klage eines Gläubigers gegen die Masse oder einen anderen Gläubiger am Konkursort Arrestort, SchKG 52 LugÜ materiellrechtlich LugÜ 16 Nr. 5 Reflexwirkung 20 Tage nach der öffentlichen Auflage des Kollokationsplans. Sachlich der ER im beschlV.20 Jeweils 10 Tage, SchKG 279. Sachliche Zuständigkeit je nachdem beim ER, BezGer, ArbGer, MietGer, HGer Innert 2 Jahren nach Zustellung des Pfändungsverlustscheines bzw. der Konkurseröffnung (SchKG 292) Sachliche Zuständigkeit je nachdem beim ER, BezGer, ArbGer, MietGer, HGer.

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GVG 22. BGE 129 III 683. Sie wären ohne den Konkurs nicht eingeleitet worden.