Beistand- und Beiratschaft

David Vasella, Oktober 2004 – Keine Gewähr

Beistandschaft (ZGB 392-394) Die Beistand hat keinen Einfluss auf die Handlungsfähigkeit, sondern schafft eine doppelte Trägerschaft (beide können ihre Handlungen gegenseitig durchkreuzen), der Beistand kann also ebenso wie der Verbeiständete handeln. Der Betroffene kann immerhin nicht mehr als RA handeln. Zuständig zur Anordnung sind die Vormundschaftsbehörden (EG ZGB 73 f.: Gemeinderat/Kommission) am WS der hilfsbedürftigen Person; im Fall der Verwaltungsbeistand ist eine solche Person i.d.R. gerade nicht vorhanden, weshalb der Ort des Vermögens die Zuständigkeit begründet. Das Verfahren wird auf Antrag eines „Beteiligten“ oder v.A.w. eingeleitet. Behörden haben eine Anzeigepflicht. Der Betroffene und ev. weitere Interessierte werden angehört. Auf ein Gutachten darf verzichtet werden. Gegen die Anordnung einer Beistandschaft kann innert 10 Tagen Beschwerde an den Bezirksrat als 1. Aufsichtsbehörde geführt werden, gegen dessen Anordnungen in 10 Tagen Beschwerde an die Direktion (EG ZGB 75; die Ausnahmen bei familienrechtlichen Sachen gelten hier nicht). Vertretungsbeistandschaft, ZGB 392 Verwaltungsbeistandschaft, ZGB 393 für einzeln bestimmte Fälle anzuordnen, wenn (ZGB 392) − wenn das Gesetz es vorsieht, z.B. ZGB 307 (Kindesschutz), 762 (Nutzniesser, der keine Sicherheit leistet) − mündige Person in dringender Sache durch Krankheit usw. nicht selbst handeln noch einen Vertreter bestellen kann − Interessenkonflikt gesetzlicher Vertreter/Vertretener (abstrakte Gefahr reicht; z.B. bei der Klage des Kindes gegen die Eltern; vgl. ZGB 306 II); bei Erbteilung − Verhinderung des gesetzlichen Vertreters an der Vertretung wenn einem Vermögen die Verwaltung fehlt: − längere Abwesenheit einer Person mit unbekanntem Aufenthalt (wenn die Verwaltungsaufgaben für eine Vertretungsbeistandschaft zu umfassend sind) − bei Unfähigkeit einer Person, ihr Vermögen zu verwalten, wenn keine Vormundschaft nötig ist − Ungewissheit der Erbfolge (bei Verschollenheit eines mutmasslichen Erben mit folglich ungewissem Todeszeitpunkt; ZGB 554 trifft eine Spezialregelung – Erbschaftsverwaltung –, wenn ein Erbe dauernd abwesend ist, das Vorhandensein eines Erben ungewiss ist oder das Gesetz sie besonders vorsieht). − Wahrung der Interessen des nasciturus (subsidiär zu den Eltern) bei juristischen Personen, wenn diese keine Organisation oder keine Organträger haben (z.B. letztwillig errichtete Stiftung mit mangelnder Organisation)

David Vasella, Oktober 2004 – Keine Gewähr

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Beiratschaft (ZGB 395) Die Systematik des ZGB ist hier schlecht; die Marginalie von ZGB 395 macht aber deutlich, worum es hier geht: um die Beschränkung der Handlungsfähigkeit (und also der Prozessfähigkeit: beschränkt prozessfähig). Sie ist anzuordnen, wenn eine Vormundschaft unverhältnismässig, eine Beistandschaft aber nicht ausreichend wäre (ZGB 395 I). Für den gutgläubigen Dritten gilt die Beiratschaft erst ab ihrer Veröffentlichung, die nicht nach dem Gesetz, wohl aber nach der Praxis i.d.R. erfolgt. Zum Verfahren s.o. Mitwirkungsbeiratschaft ZGB 395 I: für folgende Geschäfte ist die Mitwirkung – d.h. die Zustimmung oder die Genehmigung – des Beirates erforderlich: − Prozessführung und Abschluss v. Vergleichen − Grundstückgeschäfte − Wertpapiergeschäfte − Bauten, die über gewöhnliche Verwaltungshandlungen hinausgehen − Gewährung, Aufnahme von Darlehen − Entgegennahme von Kapitalzahlungen (?) − Schenkungen − Eingehen von Bürgschaften

Verwaltungsbeiratschaft ZGB 395 II. Hier ist die Zustimmung des Beirats zu den in Abs. 1 genannten Geschäften nicht erforderlich. Der Verbeiratete kann aber nicht mehr über sein Vermögen verfügen. Dessen Erträgnisse stehen ihm aber zur freien Verfügung.

Kombinierte Beiratschaft Nicht im Gesetz. Hier gilt Abs. 1 und 2 kumulativ.