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NR . 2 TIII·.(;t.·~ B.\LI'L\H.

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JOURNALISTEN FÜR
PRESSEKONFERENZEN
UNOEVENTS UNTER
WWW.VIOEOPRESSE.AT

8
OKTO
POLYLOG TV

1I ORANGE 94.0
portation: Die Hi torizität der demo- Neben diesen Schwerpunkten finden Sie weitere

e kratischen Entwic lung ist, wo auch


immer, ein uferIo er Prozess. Die von
den Studenten auf efuhrte Audimax-
besetzung vom 22.10.2009 bi ~ 21.12.2009 wider-
spiegelte nur den Anfang vom Bruch zwischen der
alarmierende Ausführungen zum "Bettelverbot" von
Klaus-Werner Lobo sowie die jüngsten Reflexionen
zum brisanten, weltpolitischen Thema der PGS
(Prompt Global Strike) von Fidel Castro.
RADIO ICAP,
SAMSTAG 16:30
BIS 17 :30 AUF
Zivilgesellschaft und den In titutionen. Ursprüng- RADIO ORANGE
lich ging es um die Fraktur, um für die akademischen
und gesellschaftlichen Fragen Lö ungen zu finden. Pour que le monde avance!
Mit der Zeit ist das Vertrauen in die Institutionen
insgesamt geschwunden. Die jungen Leute suchen
neue Wege die Demokratie und Rechtsstaatlichkeit
zu erleben. Die Deportation der Fußballspieler des
FC Sans Papiers, v.a. aber die Art und \1 eise wie
Cletus U. (der Trainer mit Spitznamen Capo/Pferd
im Stall) und Vincent E., wie Schwerverbrecher, fest-
genommen und abgeführt wurden, entsetzte viele
Menschen. Diese Ausgabe ist von der Schizophrenie
Liebe und Rassismus, den Ambivalenzen im Schat-
ten der Fußball Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika, Di-Tutu
mit dem Spruch Ke Nako - Afrika jetzt! und den De- Chefredakteur
portationen in Österreich geprägt. Die Deportation
dokumentiert eine besondere Form der Ambivalenz
zwischen Demokratie und Polizeistaat...

-L..-----~---------------------:I-=-O~E' 111'1. lOt! ISE


2/ 2010 THEG~BALPIAYER H\IS IS M'I 8Ioct
33
h & En:J/;Sc.h
])etdSc.

8 • LEITARTIKEL
Di-Tutu Bukasa

13 • DER KLANG DER VUVUZELA


Esperance-Fram;ois Bulayumi

16 • UNFAIRES SPIEL MIT IMMIGRANTEN


Vedran Saric

18 • ASYL IM SPANNUNGSFELD
Rainer Klien

22 • VERWAHRLOSTES AUFTRETEN
Klaus Werner-Lobo

24 • WAHNSINN "uNSERER ZEITEPOCHE


REFLEXIONEN
Fidel Castro
INTERNATIONAL FOKUS
38 • FOOTBALL FOR DEVELOPMENT
54 • BUCHTIPPS Ke Nako Interviews
Wege aus der Armut 50 • 350 YEARS VITICULTURE 66 • FOKUS
Kritik des Kapitalismus IN SOUTH AFRICA :\ladge Gill Bukasa
WernerZips
62 • TOTAL REJECTION -
FUSSBALL WM 201 0 KOMPLmE ABWEISUNG
Ruud van Weerdenburg 52 • BEFORE YOU OIVIOE NIGERIA:
CyrilOzoekwe
28 • SANS PAPIERS
SENIOREN-PFLEGERINNEN
Kerstin Kellermann

44 • DESERTEC - ..
30 • AFRIKAS GESCHICHTE BEI DER DER [SONNENjSCHEIN TRUGT! 55 • LICHTER
FUSSBALL WM HubcrtThurnhofcr
Nikolaus Böhmig MadgeGiII Bukasa

34 • OIE HEIM-WM IN SÜDAFRIKA 2010 48 • FREIE SOFTWARE FÖRDERT OIE 60 • ALLES SCHWEIGEN
Nikolaus Böhmig
ZUSAMMENARBEIT Norbert PrettCnthaier
Friedrich Kofler

36 • MEIN AFRIKA GESElLSCHAFT 61 • TODESANZEIGEN


Di-Tutu Bukasa Guru, Lena Horne
42 • LEBENSMINISTERIUM FÖRDERT
INTELLIGENTE MOBILITÄT
mit Niki Berlakovich

4 THE G~BAL PLAYER 2/ 2010


AM 29. APRIL 2010 WURDEN 14 SPIELER UNSERES FUSSBALL-CLUBS, DEM FC SANS PAPIERS - DIE BUNTEN,
WÄHREND DES TRAININGS AUF DER MARSWIESE VON EINEM POLIZEIAUFGEBOT VON 150-300 MANN (UNTER-
SCHIEDLICHE ANGABEN) FESTGENOMMEN. AUF DIE FESTNAHME FOLGTEN TAGELANGE DEMONSTRATIONEN
UND AKTIONEN SEITENS DER SOLIDARISCHEN, LINKEN ZIVILBEVÖLKERUNG. DER VORFALL, DER TAGELANG
IN DEN MEDIEN WAR, ENDETE MIT DER ABSCHIEBUNG DES TEAM-COACHES CLETUS BONIFACE UGONNA.
UND EINES SPIELERS, NAMENS VINCENT EZE. LESEN SIE DAZU EINIGE POSTS VON STANDARD.ONLlNE...

» Ist halt auch die Frage, obs recht gscheit ist,


oder doch eher eine Verhöhnung und Provokation des Rechtsstaates einen Verein "Sans Papiers" zu nennen.

» hast es eh gemuetlich?
Ist halt auch die Frage, ob es recht gescheit ist, gemuetlich zu posten auf Kosten derer, die aus dem Rechts taatssystem raus fallen, wegen
z.B. Flucht ohne Papiere, und sich darauf auszuruhen, dass der Rechtsstaat halt immer Recht hat.

» Lieber 100.000 AsylwerberInnen "versorgen", als nur eine einzige Bank!

» "illegale Einreise" und "illegaler Aufenthalt" sind ...... nur Verwaltungsübertretungen, keine traftaten!!!!!

» "Die Frage ist irrelevant. Egal wie Gesetze zustande kommen, sie sind zu befolgen. "
» wärst ein super Mitläufer gewesen im Dritten Reich. bravo, du Untertan!
» demokratisch

» Die Möglichkeiten der Selbstbestimmung sind aber heute größer, als vor 100 jahren. Das wurde alles erkämpft und wird - so schnell
könnens gar net schaun - wieder abgeschafft, wenn sich niemand wehrt und/oder niemand für noch mehr Selbstbestimmung und
Freiheit einsetzt!

» erlassene Gesetze gelten für alle und können nicht durch "Straßen-Demos" willkürlich aufgehoben werden. Der Rechtsstaat ist das
Fundament unseres Zusammenlebens.
» erlassene Gesetze unterstehen permanenter demokratischer Kontrolle und können auch wieder geändert werden.
Demonstrationen sind ein demokratisch legitimes Mittel seine Forderungen zu formulieren. Was also ist ihr genaues Problem mit
"Straßen-Demos"?
» Hauptsache Madame Arigona hat sichs längerfristig gerichtet
» Inwiefern hat sie es sich ..längerfristig gerichtet"? Alle Anträge wurden rechtskräftig abgewiesen. Lediglich die Ent-
scheidung des VfGH steht noch aus, auch von dieser würde ich mir an ihrer Stelle aber nicht zu viel erwarten ...
» Es ist sehr tragisch, wenn eine Abschiebung nach 8 Jahren passiert.
Andererseits konnte der Betroffene scheinbar immer noch kein Wort deutsch, zumindest kann man das aufgrund des YouTube-Videm
vermuten ... er wird dort auf Englisch befragt und antwortet auf Englisch.
» Er redet doch nur Englisch, damit ihn die Polizisten nicht verstehen.
» Welche jetzt feixend rumsitzen und meinen: "den Schwarzen und ihren Freunden, denen haben wir es jetzt gege·
ben, gut so, weg mit denen" - denen sei nur gesagt:
"Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist.
Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat.
Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich nicht protestiert; ich war ja kein Gewerkschafter.
Als sie die Juden holten, habe ich nicht protestiert; ich war ja kein Jude.
Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte:'
» Email Gustav Friedrich Martin Niemöller (evang. Theologe und KZ-Überlebender)

IMPRESSUM
MEDIEN INHABER, VERLEGER, HERAUSGEBER: Verein ,Die Bunten' REDAKTION: The Global Player - Medium für Würde, Gerechtigkeit und Demokra-
tie. Offenlegungsgesetz: THE GLOBAL PLAYER steht für Bio- und gesellschaftliche Diversität und sozialen Frieden, und ist materielle Stütze für Menschen,
die prekarisiert leben. ADRESSE: Rotenlöwengasse 12/1, A-1 090 Wien TELEFON: +43/1/961 10 29 EMAIL: office@buntezeitung.at.office@videopresse.at
HOMEPAGE: http://www.videopresse.atl und http://www.globalplayer.co.at GESCHÄFTSFÜHRER ,THE GLOBAL PLAYER' UND OBMANN DES VEREINS ,DIE BUN-
TEN': Dr. Di-Tutu Bukasa STELLVERTRETUNG: Sintayehu Tsehay und Madge Gill Bukasa EXECUTIVE DIRECTOR: Madge Gill Bukasa CHEFREDAKTEUR: Di-Tutu Bu-
kasa AUTOR(lNNEN) DER AUSGABE: Di-Tutu Bukasa, Hubert Thurnhofer, Klaus Werner-Lobo, Ruud van Weerdenburg, Vedran Saric, Madge Gill Bukasa, Friedrich Köfler,
Nikolaus Böhmig, Norberth Prettenthaler, Esperance-Fran~ois Bulayumi, Fidel Castros Reflexionen, Rainer Klien, Kerstin Kellermann, Werner, Zips, Cyril Ozoekwe, ,People
from Traiskirchen' Fotos: GP (Ejele Omomhenle), Simon Inou, Wikimedia, flickr/Martin Juen, Daniel Weber, Alexander ,Squid' Williams Lektorat: Ernst Grabovszki, Nikolaus
Böhmig Grafik/Illustration/Bilder: Ernst Zdrahal, Layout: Embryo. DER GLOBAL PLA YER IST ERHÄLTUCH IN DER REDAKTION, ROTENLÖWENGASSE 10, 1090 WIEN,
UND IM MAX FRISCH FREUNDESKREIS GLACIS 25 - 8010 GRAZ UND BEI ALLEN KOLPORTEUREN IN GANZ ÖSTERREICH. HERSTELLUNG: Druck Styria AUFLA-
GE: 40.000 Stück. Der Verein ist Mitglied der ,Verein igung Alternativer Zeitungen und Zeitschriften' (http://vaz.mediaweb.at) BANKVERBINDUNG: PSK 60000 KontoNr.
00510019512 Namentlich gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder! Titel und Vorspann fallen in die Verantwortung der Redaktion,
L Fotos, Illustrationen, Bilder, Cartoons in die Freiheit der Kunst und alles in die Medien- und Meinungsfreiheit.

6 THE G~BAL PLAYER 2/ 2011


ME TOD! THEGL'''' BALI'[~-\YER LESERliNNENBRIEF



OST RESPECTFUllY WE WOUlD lIKE TO SHARE DUR PROBlE S
WITH YOU PEOPlEI
THIS LEDER WAS WRIDEN BY SEVERAL PERSONS LlVING IN THE CAMP IN TRAISKIRCHEN. IT WAS
GIVEN TO ANTI RACIST RADICALS WHO MEET BIWEEKLY IN VIENNA AND ARE IN REGULAR CONTACT
WITH SOME OF THEM. THE TEXT WAS EXCHANGED AFTER A DISCUSSION ON THE CONDITIONS OUR
FRIENDS FIND THEMSELVES IN . •THE POLICE OFFICERS ARE BETWEEN 20 AND 25 YEARS AND THEY
ARE VERY HOT BLOODED - THEY 00 NOT BEHAVE GOOD TOWARDS US."

And Hungary is a poor country, they cannot even feed themselves,


how can they feed refugees? The camps in Hungary are too dirty; we
had no insUfance papers in Hungary, most of us had different diseases
like the HBS mind problem and others.
There is one family, a husband, his wife and two children. They have
allieft their finger prints in Hungary and have appealed against their
deportation to Afghanistan. Their lifes are in danger in Afghanistan,
but again they are ready to go back to Afghanistan, but they are not
ready to go back to Hungary! The camps in Hungary are too dirty, full
MOST OF THE PEOPLE, WHO ARE ASYLUM SEEKERS of diseases and there are a lot of thieves - my own 1000 Euros were
in Austria and living in the Traiskirchen camp have left their finger robbed in Hungary and I could not do anything.
prints in Greece and Hungary,
So first of all Greece; you all know the situation in Greece - there is a In Greece the police is so much nonsense! They beat the people a lot.
lot of Mafia in Greece and life is not save, Like in oUf own country, in They beat the refugees, they have no sympathy for them, In Greece we
Afghanistan. In Greece we get a paper and are left on oUf ownselves always had demonstrations and in Hungary too. The policemen are
- you can do whatever you want to do. We were sleeping in the parks between 20 and 25 years and they are very hot blooded - they do not
without any shelter and eating the same food that they give to drug behave good towards uso
users, We were in the park when a group of people came and started
attacking us with hockey sticks and knives. They bUfned OUf mosque I have my cousin here in Austria. I do not want to go anywhere; and
in Greece; they hate refugees. There are a lot of refugees without do- my cousin is closer to me than my sister. But again they want to deport
cuments there. me to Greece or Hungary.

The guys in the camp in Traiskirchen are ready to kill themselves, but At last we would like to say: No border, no nation! Stop deportation!
not to go back to Greece or Hungary!
You people must help us - we are waiting for you to do something!
And the Austrian law is too difficult nowadays, you must concentrate You must take oUf voices to the public - the media and newspapers.
on this: they are going against their own law! There is a law that says, We are very thankfuI if you could do this.
if somebody has been living in the camp for six months, they are not
allowed to deport you, they must give you a "white card". But here is YOUfS sincerely
one guy in front of us, who was in the camp for 8 months, then he was All the people of the Traiskirchen camp
transferred to the closed camp, which is a waiting camp, and from the-
re he will be deported to Greece. Most of us have been here now for Since June 2009 after the manifestation in memorial ofthe day ofdeath
4 or 5 months, but at least for 3 months. But again, keeping us waiting ofMarcus Omofoma a group ofpeople are meeting in order to continu-
here, means that they are wasting our time and will finally deport us! ally work on possible ways of resisting racist politics. The meetings are
Why? still going on every second Wednesday in the Amerling Haus, which is
currentlyfacing severefinancial problems, because ofa lack offonds (see:
You people must come to the camp and see the situation. Here, we "Amerling Haus bleibt!" on .. http://www.amerlinghaus.at). Ijyou are in-
are like prisoners, we are not supposed to go out of Baden. It is too terested in joining the meetings contact"mailto:antira@list.goldfisch.at"
difficult, we all will get crazy here! to get infos on the date. •

2/ 2010 THE G~BAL PLAYER 7


Von

Di-Tutu
Bukasa

HEIMAT UND DEPORTATION 7


APOLOGIE
MIT DEM PROJEKT .SANS PAPIERS" HABE ICH IM HERZEN DER AFRIKANISCHEN JUGENDLICHEN UNER-
MÜDLICH DIE HOFFNUNG KULTIVIERT, DASS ES SICH LOHNT, AN DIE WERTE DIESES LANDES ZU GLAUBEN.
PARALLEL DAZU HABE ICH DIE ROMA UND SINTI, DIE LETZTEN NOMADEN EUROPAS, IN DIESES PROJEKT
EINGESCHLOSSEN, DIE VON BETILERGESETZ UND DEPORTATION EBENFALLS STARK BETROFFEN SIND, UND
EINE ART ALLIANZ DER HOFFNUNG GEBILDET. ICH BIN AUF DICH ANGEWIESEN .. .

Was bleibt nach acht Jahren


Österreich - eine Brieftasche
und eine Jeansjacke.

IC
h klage an und schließe mich das Aufgewachsensein, das Land oder ein und angesichts der weltweiten Verdich
nicht aus. Warum musste es so Landesteil können das Heimatverständ- tung von Kommunikation und Verkeh
weit kommen, dass eine solche nis bilden. Heimat kann auch ein gefühls- ist die äußere Souveränität der Staate!
administrative Gewalt gegen betonter Ausdruck einer längeren Ver- wie immer sie begründet werden mal
wehrlose Jugendliche stattfindet, dass jun- bundenheit gegenüber einer bestimmten heute ohnehin zum Anachronismus gt
ge Leute im Glauben an die Werte dieses Gegend sein: Ich kann mich zum Beispiel worden. Es geht um den Rahmen, in deI
Landes während einem Fußballspiel - ein in Wien zuhause fühlen, obwohl ich hier das Verfahrensprinzip der realen Wert
Ausdruck von Frieden, Freiheit und Gesel- nicht geboren bin. Dieser Heimatanspruch gilt. Das muss nicht nur im nationalstaa
ligkeit - aus ihrem Traum herausgerissen kann nur vom Betroffenen selbst kom- lichen, sondern kann auch im universale
werden. Was bleibt nach acht Jahren Ös- men. Zwischen jenen, die (nationalstaat- Kontext sein. Keiner der beiden Fäl.
terreich - eine Brieftasche und eine Jeans- lieh) "im Boot sitzen" und jenen, die dazu entspricht einem "kontextungebundem
jacke. Wo leben wir? kommen, entsteht eine Diskrepanz rund Verfahrensprinzip".
Heimat ist ein komplexer Begriff, der kon- um den Legitimitätskontext, wer, was zu
textgebunden mit vielen Subfaktoren der uf jeden Fall hat die wirtschaftlicl
Identität verbunden ist. Geburtsort und
sagen hat. In Anbetracht der subversiven
Zwänge und Imperative des Weltmarktes A und Finanzkrise Griechenlan(

8 THE G~BAL PLAYER 2/ 2011


ME TOD ! 1111. (,J. ~ I: \1 1'1-\) 1 K MEIIIE UBERZEUIiIiIi

HI HARRIS

HOW ARE U DOING ,


HOPE ALL IS FINE WITH
U, I AM NOW IN NIGERIA
, WHICH I KNOW U AL·
READY HEARD OR KNEW
ALL WHAT HAPPENED, I
AM NOW SOMEWHERE
IN LAGOS, FACING A LOT
OF CHALLENGES, HARD
TIMES AND FACING LlFE
WITHOUT ANYTHING HERE
WITH ME, NOT EVEN A
PAIR OF CLOTH.

I HAVE BEEN WAITING


TO AT LEAST HEAR FROM
U OR BUKASA, BUT NONE
OF U HAVE MADE ANY
EFFORT TO CONTACT ME
IN ANY WAY, I NEVER BE·
LlEVED THAT IT WOULD BE
THIS WAY. HOPEFULLY WE
WILL ALL MEET US ONE
DAY, I GAVE THE TEAM
ALL I COULD, MADE ENE·
MIES, BECAUSE OF SANS
PAPIERS, BUT WHEN I
KIND OF NEEDED U ALL,
, THERE WAS NO ONE TO
TALK TO, ,THANKS A LOT, Demonstrationen
AND WISH U ALL THE BEST gegen die Ab-
schiebung der
CLETUS· zwei Fe Sans
Papiers Spieler
.. Zweite Tag von Cletus in Lagos. Geschrieben an ein in Wien, 1. Mai
Vorstandsmitglied des Fe Sans Papiers. 2010

deutlich bewiesen, dass die historische Interessen aller Mitgliedsländer betroffen, der die Standarddemokratie des "Volkes"
Gestalt des Nationalstaates zum Unter- denn die politische Grundlage der Euro- bzw. der "Homogenen" prägt und ver-
gang verurteilt ist, aber auch der Ver- päischen Union ist in Gefahr. Heutzutage fassungsmäßig in dem Begriff Staatsvolk
fasstheitskontext des Staatsvolks mit weiß jedes einzelne Land Europas, dass verankert ist, meldet sich nun durch die
seinem "Homogenitätsanspruch". Dass es zu klein ist, um angesichts der welt- Krise und andere Faktoren auf EU-Ebene
eine demokratisch legitimierte Staats- politischen Machtverhältnisse mit neuen ein kosmopolitischer Gesellschaftsver-
gewalt von einem Volk ausgehen muss, Schwellenländern Schritt halten zu kön- trag mit Akzent auf einer Überzeugungs-
das in der politischen Willensbildung nen. Aus dem Gesichtspunkt des Gesell- demokratie. Dies ist die unumgängliche
seine als vorpolitisch und außerrechtlich schaftsvertrags war der Nationalstaat zu Zukunft. Demzufolge ist die demokra-
angesetzte "nationale" Identität hinrei- seiner Zeit eine überzeugende Antwort tische Standardverfasstheit der "Homo-
chend artikuliert, ist heute fraglich. Die auf die historische Herausforderung, ein genen", was Heimat ist, so obsolet wie die
ironische Kehrseite des Siegeszugs des funktionales Äquivalent für die in Auflö- Tragfähigkeit der absoluten Souveränität
Nationalstaates ist mit dem griechischen sung begriffenen frühmodernen Formen der einzelnen EU-Mitgliedsstaaten. Eine
Staatsbankrott evident geworden . Von der sozialen Integration zu finden. Statt amalgame föderative Struktur der Inte-
der Finanzkrise Griechenlands sind die diesem geltenden Gesellschaftsvertrag, gration könnte Europa von Phänomenen

2/ 2010 THE G~BAL PLAYER 9


BiHe lieber Staat, jedes Dritten Reich und dem in unserer Zeit dem Verbot auf Rückkehr zu verhängen.
Kind, nicht nur dein beginnt zunächst mit der Subtilität des Das klingt nach des Kaisers neuem Kleid
eigenes, gehört geschützt. Begriffs: Im deutschen Raum ist Depor- - Pfui!
Gewalt gegen Jugendliche tation mit einer tief sitzenden kollektiven
sollte von dir nicht heim- Erfahrung gekoppelt, die mit Schuldge- ***
tückisch organisiert und fühlen beladen ist und zugleich als poli-
gefeiert werden, wie es die
zurückgebliebene Jacke
und Brieftasche schildern ...
tisch sehr resistenter Virus weitergeführt
wird: Grundsätzlich können nur Staats-
bürger/innen deportiert werden, z.B. wie
G esichter der Deportation (siehe Co-
ver): Das Ganze scheint gewisserma-
ßen ein Stellvertreterkonflikt zwischen
im Nationalsozialismus die Juden, Roma subjektiver und kollektiver Spannung zu
und Sinti, die in Konzentrationslager ge- sein. Im Namen der Republik klingt es
bracht und vergast wurden. Das ist heute logisch, dass Gesetze vollzogen und auch
"kontraproduktiv". Nichtbürger werden durchgesetzt werden müssen. Die Frage
nicht deportiert, sie werden abgeschoben. ist, was die beiden Jungen Cletus und
wie der Barbarei der Deportation ausge- Um ein ruhiges Gewissen zu haben und Vincent verbrochen haben, dass sie wie
hend von nationalstaatlichen Identitäts- in Anspielung auf Heimat werden kri- Schwerverbrecher behandelt werden? Je-
verständnis ala Strache & Co. einigerma- minalisierte und illegalisierte Menschen der, der das weiß, muss auch beantworten
ßen befreien. vom Staat abgeschoben, ohne Rücksicht können, was diese Jeansjacke und Brief-
auf das subjektive Heimatverständnis tasche als Überbleibsel nach acht Jahren
*** des/der Betroffenen und ohne Beachtung Österreich dokumentieren - sonst sollte
des europäischen Wertekanons der Men- man für immer schweigen. Der Staat ist
eportation ist das Relikt und die schenrechte. Konsequenterweise gibt nach F. Nietzsche das kälteste aller kal-
D Gesetzlichkeit einer Tradition des
römischen Rechts, welches als Plagiat im
es seit der Zweiten Republik in den ös-
terreichischen Gesetzbüchern das Wort
ten Ungeheuer. Kalt lügt es auch; und
diese Lüge kriecht aus seinem Munde:
Dritten Reich umgesetzt wurde: Wäh- "Deportation" nicht, stattdessen heißt "Ich, der Staat, bin das Volk". Bitte lieber
rend im römischen Recht die Deporta- das Ding "Abschiebung". Aber faktisch Staat, jedes Kind, nicht nur dein eigenes,
tion mit der Konsequenz des Verlustes werden Menschen nach Kriminalisierung gehört geschützt. Gewalt gegen Jugendli-
der Bürgerschaft verbunden war und und Illegalisierung zwangsweise in eine che sollte von dir nicht heimtückisch or-
der Mensch (Kriminelle) an einen wenig unsichere Umgebung versetzt mit dem ganisiert und gefeiert werden, wie es die
geschützten Ort, zumeist auf eine Insel Verbot auf Rückkehr. Was machen die zurückgebliebene Jacke und Brieftasche
innerhalb des Reichs verbannt wurde, österreichischen Behörden? Sie exeku- schildern ...
war die Deportation im Dritten Reich mit tieren einen Doppelbeschluss im Zusam-
dem Genozid gekoppelt, d.h. Verbannung menhang mit Heimat und Deportation: a) ***
im eigenen Reich plus Endlösung. Der jemanden außerhalb der eigenen Heimat
Unterschied zwischen dem Plagiat im Österreich zu deportieren und b) dies mit

10 THE G~BAL PLAYER 2/ 2010


ME TOD! TIlE GL'''8.\L I'L\YER MEINE UBERlEU&UI&

rsache und Konsequenzen der De- des Gewaltklimas durch Uniform. Bei In Wirklichkeit ist das
U portation: Der Hang zu einer endo-
genen Säuberung mittels Privatisierung
einem Treffen mit osteuropäischen Kolle-
gen am 13. Mai diesen Jahres in Pressburg
Ganze mehr unter ein
subjektiv-emotionales
der Gewalt mag geil sein. wie es uns die Ta- auf der Suche nach Verbündeten gegen Defizit zu subsumieren.
gesmedien kommunikativ zeigen. Es muss die EU-Versuche. die Asylbestimmungen Es fehlt die Liebe bzw.
überall nach Gewalt riechen. sonst ist es zu lockern. hat Frau Fekter dem Asylrniss- das Mitgefühl für die
langweilig. Von den Entscheidungsträgerl brauch den Kampf angesagt: Hintertüren Kinder von Anderen ...
innen hin zu den Exekutoren soll. um die für einen solchen Asylrnissbrauch müssen
österreichische "Familie" vor kriminellen unbedingt geschlossen werden. damit
Ausländern zu schützen. Gewalt auch in bei der Vordertür jene hereinkommen
Uniform verwendet werden. Das ist eben- können ...• so Frau Fekter in der Kronen-
falls ein politisch fauler Konstruktivismus. zeitung vom 14.Mai 2010. Zunächst ist
Dies kristallisiert eine Klasse .. perverser" dies politisch eine Spätreaktion auf die ge-
Intellektueller und Entscheidungsträgerl samte EU-Integrationspolitik. Sie kommt
innen heraus. die Gewalt als Triumph aber mindestens 15 Jahre zu spät. damals Der Druck. dass die große österreichische
in ihrem politischen Auftrag sehen. Sie als stärkere Länder wie Deutschland und .. Familie" wie die eigene funktioniert. führt
generieren somit einen kollektiven Miss- Frankreich versuchten. ihre Probleme der zu einem institutionalisierten. rassistischen
brauch der Macht. Aber der Schutz von Migration auf noch nicht erfahrene Mit- und heimlichen .. Deportationsdrama".
identitätsbildenden Lebensformen und gliedsstaaten des Ostens inklusive Öster- welches uns alle zu Mittätern und Mittä-
Traditionen. um den es vielen geht. soll ja reich abzuwälzen. Österreich zeigt durch terinnen macht. Die wirkliche Bedrohung
letztlich der Anerkennung aller Mitglieder Frau Fekter wieder einmal die gewohnte geht nicht von dieser Klasse (den Asyl-
(Kinder) dienen. die zu einer bestimmten Position des JEIN. werber/innen) aus. deshalb deklariere ich
Zeit in einem bestimmten Raum leben. Von der Phobie des Innenministeriums hiermit auch die ausführende politische
Dieser Schutz hat keineswegs den Sinn ausgehend herrscht. wie gesagt. die Angst Klasse im Innenministerium als ..politi-
eines administrativen .. Artenschutzes". vor Repressalien ... Die intakte und ho- cal criminals". Was wir in diesem Land
Unreifen. neurotischen Politikern. die kei- mogene große österreich ische Familie in diesem Zusammenhang brauchen. ist
ne Empathie für die Kinder Anderer emp- soll nicht von Ausländern (Asylwerbern) eine gleichberechtigte Koexistenz der Le-
finden können und denen es an Mitgefühl durch "Hintertüren missbraucht werden". bensformen für jeden Menschen. der hier
für die Bedürfnisse Jugendlicher nach nur durch die .. Vordertür" sei es erlaubt lebt. eine gesicherte Chance. ungekränkt
Erfahrung und Erprobung von Chancen (Fekter/Kronen Zeitung, 14. Mai 2010). in dieser Kultur aufzuwachsen und seine
fehlt . um ihre Wege zu gehen. verschafft Alles wird gesperrt sein. In Wirklichkeit Kinder darin aufwachsen zu lassen. D.h .•
die Zwangsdeportation von Jugendlichen ist das Ganze mehr unter ein subjektiv- die Chancen. sich mit dieser Kultur - wie
offensichtlich eine sedativen Befriedigung. emotionales Defizit zu subsumieren. Es mit jeder anderen - auseinanderzusetzen.
die als politischer Erfolg verkauft wird. Das fehlt die Liebe bzw. das Mitgefühl für die sie konventionell fortzusetzen oder sie zu
ist vielleicht eine heimliche Erotisierung Kinder von Anderen ... transformieren. •
2/ 2010 THE G~BAL PLAYER 11
'j I: I I I

MIT IMMIGRANTEN
DER GLOBAL PLAYER INTERN-REDAKTEUR VEDRAN SARIC IST
ALS SPORTLICHER FUNKTIONÄR DES FC SANS PAPIERS FÜR
EDV-ANGELEGENHEITEN ZUSTÄNDIG. ER WAR AUGENZEUGE
I DER GESCHEHNISSE VON DER FESTNAHME BIS ZUR DEMO.
Vedran und Dj Rocky beim Spiel des Fe Sans Papiers

nicht nur Gegner. Gedacht den Spielen Spielerpasskon- schieben, aber es findet sie
VON VEORAN SARIC als soziales Sportprojekt mit trollen- was die Schiedsrichter kein anderer Grund, warUlT
politischer Aussage, das Ös- immer wieder verwundert . dieser Verein anders behandel
terreicher und entrechtete Viel zu oft werden die Spiele werden soll als andere, warUlT
rFe Sans Papiers Migranten durch Fußball zu- durch rassistische Äußerungen man ihn nicht integrieren wil:

Oe hat seit seinem


Bestehen viele
iederlagen ein-
stecken müssen, die meisten
aber außerhalb des Spielfelds,
sammenbringt, wird der Fe
Sans Papiers vom Großteil der
Wiener Fußballgesellschaft,
vom Wirtshauspersonal bis zu
den Vorstehern, nur als Provo-
von den Zuschauern oder
den Gegnern gestört. icht
zu reden von der allgemeinen
Atmosphäre der Respektlo -
sigkeit und Abneigung, die
obwohl er in der offizieller
Liga spielt. Man kann dies al
les auf die Bürokratie schieber
oder auf einzelne Personen
aber die Tatsache, dass in der
denn im Gegensatz zum wah- kation aufgenommen- und mit diesem Fußballclub auch ohne acht Jahren ihres Bestehem
ren Leben gibt es für die Sans allen Mitteln bekämpft. So for- Worte entgegengebracht wird. nur ein einziger Österreicher
Papiers beim Fußballspiel dern fast alle Trainer der geg- Man möchte nicht immer alles bei den Sans Papiers mitge-
neutrale Schiedsrichter und nerischen Mannschaften vor auf den Rassismus im Fußball spielt hat, spricht Bände. Eine
Beamtin vom Innenministeri-
um hat dem Fe Sans Papiers
nach einem Spiel schon einmal
einen heimlichen Besuch abge-
stattet und im Schiedsrichter-
raum herumgeschnüffelt. Der
Schiedrichter weigerte sich ihr
die Spielerausweise zu geben.
Aber das war sicher nicht der
einzige Versuch, sich hier die
Informationen für ihr Ethnic
Profiling zu erschleichen- und
die meisten Mitarbeiter des
WFV sind leider keine gebil-
deten Schiedsrichter sondern
voreingenommene Nationa-
listen, die bei so einer Gele-
genheit gerne kooperieren.
Diese Tatsachen lassen sehr
daran zweifeln, dass der Wie-
ner Fußballverband gar nichts
mit den Vorkommnissen am
29.04.2010 zu tun gehabt hatte.
Irgendwer hat die Informati-
onen weitergeleitet, wann sie
trainieren, wo sie trainieren,
welcher Ethnie sie angehören,
wer von ihnen wichtig ist fürs
Team. Das Innenministerium
bereitete sich lange auf diesen
unfairen Angriff vor und besie-
gelte am Donnerstag den 29.
April die größte Niederlage des

16 THE GL(flBAL PLAYER 2/ 2010


METOO! IIIII,I. " I\\I.I'L\\II{ '.unl:

FC Sans Papiers. Et\\ a 100 Poli- Lände jede Menge Kraft und
zisten stürmten da Fußballfeld Energie, die Gefangenen anzu-
und nahmen die überraschten schreien, zu provozieren und
pieler, die gerade am Trainie- zu beleidigen, vor ihnen zu
ren waren, gewaltsam fest. Ei- prahlen, dass sie sie anzeigen
nige Polizisten lauerten sogar und ihre Zukunft zerstören
im Gebüsch um den Fußball- werden. Nur vor den Medien
platz Marswiese. Es gab kein und dem Gesetz spielen sie die
Fairplay, keine Schiedsrichter- Schwerverletzten.
nur den Gegner in Überzahl. Cletus und Vincent wurden
Schließlich wurden gerade auch in dieses Gefängnis ge-
zwei Spieler mit Schlüsselpo- steckt, ebenfalls völlig unbe-
sitionen, der Trainer Cletus scholten. Doch im Gegensatz
und der Stürmer Vincent, in zu den Demonstranten für viel
Schubhaft behalten. Da sie länger. Und wer schon einmal
wieder einmal schutzlos wa- auch nur eine Nacht darin
ren, entschied sich die Zivil- verbracht hat, weiß was das
gesellschaft, die Schiedsrich- heißt; besonders für jemanden
terrolle zu übernehmen und wie Cletus, der immer sehr viel
zeigte dem Innenministerium Vertrauen gehabt hat in die ös-
in Form einer Blockade des terreichische Demokratie, aber
Polizeitransporters die rote auch für so einen Freigeist wie
Karte. Erst standen nur ein Vincent.
paar Menschen vor dem Poli- Am darauf folgenden Diens-
zeibus, worin Cletus festgehal- tag wurden sie beide schließ-
ten wurde, und hinderten ihn lich abgeschoben- zusammen
am Weiterfahren. Aber man mit 20 weiteren Nigerianern,
ist jetzt vernetzt! Also dauerte heimlich bei Nacht. Am Vor-
es nicht lange bis über 300 mittag desselben Tages trafen Verfügung stellt), er bekämpft
sich zuvor etwa 250 Gegner sogar zivilgesellschaftliche
der Abschiebung zu einem Kla- Projekte für MigrantInnen wie

ffil'
I"'oto l",o"
gemarsch von der Haftanstalt den FC Sans Papiers (oder Ute
~OI~~k'?1I> t Roßauer Lände bis zum Asyl- Bock), bzw. missbraucht sie für

/~~
gerichtshof. "No border no na- ihr Ethnic Profiling. "Wir le-
tion! Stop deportation!' wurde ben in einem demokratischen
gerufen, und auch "Solidarite Polizeistaat, der bei solchen

,((. m; avec les Sans Papiers!" Einer


Delegation der Demonstranten
wurde, zusammen mit dem Ob- tet noch am Flughafen wartete,
Aktionen überhaupt keine
Transparenz zulässt! Die Ge-
sellschaft kann die Methoden
Mittwoch 5. Mai Aktionstag mann des FC Sans Papiers Dr. konnte zum Teil aber trotzdem von "No border! No nation!"
Abschiebung abschaffen!
'.I.rt.'Dl'~ Kund~bu"ii ,ornt PU Rou..aul!r ltm.c Di-Tutu Bukasa, sogar Eintritt auf einen erfolgreichen Tag aber nicht kritisieren und
1600 ur" Kund,tblll'!f Unr-Ram!"f ,U7 SChOltM1C!
in den Asylgerichtshof gewährt, zurückblicken. "Das ist ein gleichzeitig die brutalen, un-
an"cl'lhel-end IIIn I} 00 Uhr DEMO
wo aber dann keine zustän - Sieg für uns! Die ganzen jun- demokratischen und radikalen

liiSiII
NO BORDER, NO NATION!
dige Person mit ihnen reden
wollte. Man forderte sie auf zu
warten. Doch die Zeit drängte,
gen Leute, die sogar bei strö-
mendem Regen hergekommen
sind, um für die Rechte dieser
Methoden der Polizei für gut
heißen!', so Di-Tutu Bukasa,
The Global Player, FC Sans Pa-
STOP DEPORTATION! weil man wusste, dass die Ab-
schiebung noch am selben Tag
Menschen zu kämpfen, haben
aufgezeigt, dass es in diesem
piers. •
stattfinden würde. Deswegen Land doch noch ein Demokra-
nen anwesend waren, um wurde die Demonstration auf tiebewusstsein gibt!" Sintayehu
mit Trommeln und Transpa- den Flughafen Schwechat ver- Tsehay, The Global Player. Und
rent n friedlich auf diese Un- schoben. Aber der Kampf gegen auch am nächsten Tag wurde
ger chtl ·eit aufmerksam zu das Innenministerium ist wie dieses "Demokratiebewusst-
machen. Die Polizei löste die ein Spiel. bei dem der Gegner sein" nochmals, bei weiteren
Blockade ewaltsam auf und gleichzeitig auch der Schieds- Demonstrationen, unter Beweis
teckte 42 ~Demonstranten auf richter ist. Man konnte die Ab- gestellt.
brutale \\ el e In Haft . Dabei schiebung nicht aufhalten. Man Denn wer kann hier Druck aus-
wurde im Unter chied zu den machte zuletzt noch ein wenig üben, wenn nicht die Zivilge-
Demonstranten kei n einziger Lärm am Flughafen, versuchte sellschaft? Der Staat Österreich
taatsbeamter verletzt. Ganz andere Menschen über diese selbst ignoriert hier nicht nur
im Gegenteil , die laut Medien- Ungerechtigkeit aufzuklären. seine soziale Verantwortung ge-
berichten "schwerverletzten" Der harte Kern von etwa 20 genüber Zuwanderern (weil er
Wega -Beamten hatten auf Leuten, der dann um zehn Uhr zum Beispiel kein unabhängiges
de m Revier in der Rossauer nachts von 60 Polizisten beglei- Integrationsministerium zur

2 20 10 THE G~BAL PLAYER 17


• I BAL PlAVER !

SCHEN MENSCHENRECHT, ANGST


UND NÄCHSTENLIEBE
WIE DIE FALSCHE WERTEPOSITION DER EU ZUM ASYLWESEN DIE MENSCHENRECHTE IN GEFAHR BRINGT,
ERÖRTERT RAINER KLiEN VON SOS-MITMENSCH BURGENLAND. KLiEN SPANNT SEINEN ERÖRTERUNGSRA-
DIUS VON ÖSTERREICH/DEBATIE UM DAS ERSTAUFNAHMEZENTRUM EBERAU ANFANG DES JAHRES ÜBER
.DAS MASSENGRAB" MITIELMEER BIS ZUM ROHSTOFFLIEFERANTEN AFRIKA.

welche Reise wir geschickt werden so


len. Daher müssen wir aufwachen: "D
Schlaf der Vernunft gebärt Ungeheuer
(Francisco Goya).
In diesem Klima tut sich die Frau In
nenministerin leicht zu verlangen, da
alle Asylwerber /innen (AW) eingesperr
werden sollen: Österreich wird zu einerr
Gefängnis für AW.

Dazu gleich noch eine Erinnerung: Ar

Me
nschenrecht auf Asyl: Die MR sind das Fundament unserer Zi- tikel 1 der MR "Alle Menschen sind fre
Die aktuelle Diskussion vilisation. Sie legen die Mindestnormen geboren und gleich vor dem Gesetz".
wird von einigen Poli- bzw. Verhaltensregeln fest. Wir sollten Warum also Menschen einsperre n
tikern, von den Medien sie besser schützen. wenn sie nichts verbrochen haben? Wa-
und von großen Teilen der Bevölkerung, rum Familien auseinanderreißen un
sehr hysterisch geführt: Vollbeladen mit Und schon gar nicht darf man sie rela- abschieben, wenn es ein MR auf Familie
Ressentiments und irrationalen Äng - tivieren, wie es im Zuge der Diskussion gibt?
sten, die geschürt werden. um das Erstaufnahmezentrum Eberau
der Landeshauptmann vom Burgenland Eine gewisse Doppelbödigkeit/ Schi -
Deshalb sollte man / frau sich Folgendes macht: "Asyl mit Maß und Ziel" (Zitat: zophrenie bei der Umsetzung von M R
in Erinnerung rufen: Landeshauptmann Hans Niessi) . gibt es auch auf der Ebene der EU. E
Die Menschenrechte (MR) - so auch Demnächst wird dann das MR für Mei- funktioniert immer nach dem gleichem
das Recht auf Asyl - gelten überall (uni- nungs- und Pressefreiheit auf "Maß und Muster:
versell) und sind nicht teilbar. Ziel" reduziert. Dann wissen wir auf Wir (in diesem Fall die EU) sind die Gu-
ten, die anderen (AW, Wirtschafts- und
Hungerflüchtlinge, ... ) sind die Bösen.
Die EU hat sich 2003 zum Ziel gesetzt,
"schrittweise den Aufbau eines Raumes
voranzutreiben, der Freiheit, Sicherheit
und Recht jenen gewährleisten soll, die
wegen besonderer Umstände in der E
rechtmäßig um Schutz ansuchen".

Dazu bedient sich die EU einer eige-


nen Agentur, die FRONTEX heißt und
Flüchtlingen nicht hilft, sondern sie mit
militärischen Mitteln (Kriegsschiffen ,
Helikoptern, etc.) daran hindert, in die
EU einzureisen: Die Festung Europa
(EU) wird dicht gemacht. Zutritt so
gut wie für alle Flüchtlinge verboten .
"Einreise" kann das Leben kosten. Das
Mittelmeer ist zu einem Massengrab
geworden, zwischen Griechenland und

18 THE G~BAL PLAYER 2/ 201 0


IiIE TlO! TIIE (;\ '~ ßAL PUYER PlUIII

Dieser leichtfertige bis widerwaru_


Umgang mit den Mensche nrechten
wirkt sich verheerend auf die Ge ell-
schaft aus : Ressentiments und rassi-
stische Vorurteile breiten sich aus,

Wen wundert es , dass eine ernsthafte


Auseinandersetzung mit dem Men-
schenrecht auf Asyl nicht mehr statt fin-
det. Die Verwahrlosung humanistischer
Grundprinzipien schreitet voran.

Kapital und Waren dürfen herein, wäh-


rend Tausende von Menschen auf der
Flucht davon abgehalten werden in die
EU einzureisen. Andererseits gibt es in
Zeiten des Neoliberalismus keine Gren-
zen für Waren- und Dienstleistungs-
verkehr, keine Beschränkungen für das
Kapital, das täglich x-mal rund um den
Globus geschickt wird.
Öl, Gas und billige Rohstoffe dürfen he-
rein, Menschen nicht. Sie scheitern an
der Türkei werden Menschen von den KONSTRUKTIONSFEHLER: den Mauern der Festung Europas. Sie
Minen der EU zerfetzt ." 1.000 pro Jahr Dem Ganzen liegt ein - wohl beabsich- dürfen nicht dorthin flüchten, wohin
... das ist die EU. tigter - Konstruktionsfehler zugrunde: sich ihre, von den Multis gestohlenen,
Nämlich, dass das Asylwesen grund- Rohstoffe hin "verflüchtigt" haben.
sätzlich (EU und Österreich) paradoxer-
SITUATION AN DER GRENZE: weise nicht als soziale od, humanitäre
Auch in Zukunft werden Krieg, Verfol- Aufgabe gesehen wird , sondern als ARBEITSMIGRANTEN - ASYLWERBER:
gung, Folter, Elend und Hungerkatastro- Sicherheitsproblem. Wenn die Zentren der reichen Indus-
phen Millionen Menschen zur Flucht Daher fällt das Asylwesen in den Kom- triestaaten wieder einmal billige Ar-
zwingen , Kein noch so restriktives petenzbereich der Innen - bzw, Polizei- beitskräfte brauchen, dann werden aus
Gesetz, kein noch so hochgerüsteter minister und nicht zu einem Sozial- od, egoistischen Gründen Anwerbestellen
Grenzschutz wird verhindern können , Integrationsminister. in den Herkunftsländern installiert. Wie
dass sich Flüchtlinge auf den Weg in die in der Vergangenheit in der Türkei und
EU aufmachen. Auch wenn die "Festung Asylwerber werden in der Folge von im ehemaligen Jugoslawien . Wenn die
Europa" ihre Tore dichtmacht. Diese Po- bestimmten Medien und Politikern als "Gastarbeiter" nicht mehr als Konjunk-
litik führt nur dazu, dass die Schlepper "Bedrohung der inneren Sicherheit" und turankurbler gebraucht werden, sollen
ihre Preise erhöhen können. nicht als Menschen, die Schutz und Hil- sie wieder gehen: "Sie haben ihre Schuldig-
Je gefährlicher der Fluchweg, desto hö- fe brauchen, gesehen. keit getan". In der Krise sollen sie wieder
her die Schleppergebühr- ihre Koffer packen und zurückgehen.

Da mit fördert die reiche EU mit ihrer ANGST WIRD PRODUZIERT: Wir kennen das im Rahmen des öster-
res triktiven Asylpolitik die blutigen Es verwundert daher ni cht, dass dann reichischen Ausländerbeschäftigungs-
Pro fit e der Schleußer und Schlepper- vom Herrn Landeshauptmann Niessl gesetzes. Dort ist festgehalten, dass erst
\'>;'er also wissen will, wie ernst es die und anderen Parteichefs Aussagen kom- dann Ausländer eingestellt werden dürfen,
Et.: mit den Menschenrechten nimmt, men, wie "nicht ALLE Asylwerber sind wenn keine arbeitslosen Inländer zur Ver-
m ich an die Außengrenzen der EU kriminell". fügung stehen. Andererseits müssen in ei-
_tben , sei es in Ceuta bei Marokko, Auf österreichisch übersetzt heißt das, ner Firma zuerst die Ausländer gekündigt
La dusa bei Sizilien oder an die Sta- dass der Großteil der Asylwerber jeden- werden und dann erst die österreichischen
ch Idrahtzäune im Osten der EU: Dort falls kriminell ist und Österreich sich vor Arbeitskollegen, Daher ist auch die Ar-
\\ erden 'eme Sonntagsreden mehr ge - ihnen schützen muss - also AW einsper- beitslosenrate bei Ausländern höher als
ch\ un en, do rt werden die Flüchtlinge ren oder gleich abschiebe n, Da unter- bei Inländern,
in den Tod etrieben, Dort zeigt sich das scheiden sich die Vertreter der beiden
wahre '\ 'erte \" tem der EU. Großparteien wenig. Sie haben ja auch Für Flüchtlinge gelten jedoch andere Ge-
in gewohnter Eintracht gemeinsam die setze. Dort ist nicht der österreichische
Es ist noch m Erinnerung: Im Jänner die- menschenverachtenden Fremden- und Bedarf an billigen Arbeitskräften die
se n Jahre (2010 wurden in Süditalien Asylgesetze beschlossen, Entscheidungsgrundlage, sondern die
Migranten aus AfrIka zuerst beschossen gefährliche Situation der Menschen im
und dann vertrieben - ein Großteil an- So wird Angst produziert, wo Nächsten- Herkunftsland: also politische Verfol-
schließend deportiert . Hetzjagden auf hilfe bzw, Solidarität notwendig wäre, Auf gung, religiöse Verfolgung, Folter, Zuge-
Migranten sind auch in anderen Ländern der Strecke bleibt die Humanität und der hörigkeit zu einer ethnischen oder sozi-
der EU keine Ausnahmeerscheinung. Geist der Menschenrechtskonvention, alen Gruppe.

21 20 10 THE G~BAL PLAYER 19


POLITIK TIIE(;I.~B, \l.I'IX{ER I'M A GLOBAL PLAYE

Für diese Menschen müssen wir alles un- während der Deportation sterben. FLÄCHENDECKENDE
ternehmen, damit sie unter menschenwür- Niemand kann heute behaupten, er/sie hätte RECHTBERATUNG:
digen Bedingungen bei uns aufgenommen nichts gewusst. Weder das Massensterben Kostenlos und im Interesse der Asyl
werden können: Unabhängig von der jewei- an der EU-Außengrenze noch die schlim-
ligen Wirtschaftslage bzw, unabhängig von me Situation in den Herkunftsländern der INTEGRATIONSHILFEN:
der Entwicklung des Arbeitsmarktes, Flüchtlinge blieb vor uns verborgen. Auch Deutschkurse
durchschauen wir die widerwärtige Ver- Zugang zum Arbeitsmarkt
drehung der Realität: Nicht die Flüchtlinge Berufliche Qualifizierung
NÄCHSTENLIEBE UND SOLIDARITÄT: sind ein Sicherheitsrisiko, sondern die Si-
Zur Erinnerung an unsere christlichen cherheitspolitik unserer Regierung, die für
Schwestern und Brüder die Botschaft von Menschen auf der Flucht lebensgefährlich BLEIBERECHT FÜR LANGZEIT-
Jesus: "Ich war fremd und obdachlos und ist. INTEGRIERTE ASYLWERBER/INNE
ihr habt mich aufgenommen", ab 5 Jahren automatisches Bleiberech
"Was ihr dem geringsten meiner Brüder und DAHER: ab 3 Jahren Antragsrecht
Schwestern tut, das habt ihr mir getan". • Flucht ist kein Verbrechen
Bereits im Alten Testament war alles in die- • Kein Mensch ist illegal
sem Bereich klar: "Wenn ein Fremdling bei • Die Welt gehört uns allen oder STÄRKUNG DER
euch wohnt in eurem Lande, den sollt ihr niemanden ZIVILGESELLSCHAFT:
Aufstehen statt wegschauen!
nicht bedrücken. Er soll bei euch wohnen
wie ein Einheimischer unter Euch, und du WAS TUN?
sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr Zu tun gibt es daher noch viel. Folgende CHRISTLICHE SOLIDARITÄT UND
seid auch Fremdlinge gewesen im Ägypten- Schritte sollten gesetzt werden: SOZIALISTISCHE NÄCHSTENLIEBE
land" (3. Mose, 19,33-34). Aufbau von Empfangsstrukturen statt Ein- Aufbau von Netzwerken
sperren und Abschieben
Ähnliches gibt es in den Parteistatuten der
Sozialisten/ Sozialdemokraten und den
Gewerkschaften. Dort wird christliche
Nächstenliebe als internationale Solidarität
formuliert.
Der Auftrag ist dort also genauso ein-
fach und kompromisslos: "Helft, unter-
stützt (unter Umständen auch: versteckt)
Flüchtlinge!"

Dieser Auftrag lässt keinen Platz für Heu-


chelei. In der Realität heißt dies Brücken
bauen statt Zäune hochziehen, es bedeutet
Empfangsstrukturen aufbauen statt AW
einzusperren. Sich freikaufen von dieser
Verantwortung geht nicht. Ein paar Euro
für "Licht ins Dunkel" zu spenden ist gut,
aber zu wenig. Es beruhigt höchstens das
eigene Gewissen.

SCHANDE ÖFFENTLICH MACHEN:


Viele von uns sehen zwar die Not der ande-
ren, aber sie berührt sie nicht. Das zerstört
den Zusammenhalt der Gesellschaft. Es Die Familiennamen im
Wiener Telefonbuch
vergiftet das Zusammenleben. In Wirklich-
zeigen es: Die Stadt ist
keit ist die Teilnahmslosigkeit und Selbstge- international- genauso
fälligkeit der Bevölkerung beinahe das grö- wie die Menschen, die
ßere Problem als die menschenverachtende hier leben. So soll es auch
Haltung vieler Politiker. bleiben. Die Würze einer
Es liegt an uns: Aufstehen statt wegschauen lebendigen Stadt ist ihre
ist unser Motto. Wir müssen die Zivilgesell- Vielfalt. Wir sorgen mit
schaft mit viel Zivilcourage stärken und den unserer Politik dafür, dass
Integration funktioniert.
vielerorts bestehenden Zustand der Schan-
Mehr Infos unter:
de öffentlich machen.
Dann kann es nicht mehr passieren, dass www.wien .spoe.at
Asylwerber/ innen wie ein Koffer voller
Dreckwäsche hin- und hergeschoben wer-
den und dass AW unter "nicht geklärten
Umständen" in der Schubhaftzelle oder

20 THE G~BAL PLAYER