Freidenker Wallis Postfach 118 3922 Stalden

Friedhofskommision Staldenried z. Hd. Gemeinderat Ivan Zurbriggen Zur Tanne 3933 Staldenried

Staldenried, 17. Juni 2010 Friedhofsreglement der Gemeinde Staldenried

Sehr geehrter Herr Zurbriggen, sehr geehrte Mitglieder der Friedhofskommission, sehr geehrte Herren Gemeinderäte, werter Herr Offor Im Folgenden beziehe ich mich auf das Dokument Friedhofsreglement der Gemeinde Staldenried, welches am 17. April 2002 in Kraft getreten ist. Es ist auch online per http://www.staldenried.ch/home/pdf/friedhof.pdf abrufbar. Ich schreibe diesen Brief erstens als Einwohner von Staldenried und zweitens als Präsident der Sektion Wallis der Freidenker-Vereinigung der Schweiz. Artikel 5: Eine kleine orthographische Korrektur wäre anzubringen, der abschliessende Punkt im letzten Satz des Artikels fehlt. Artikel 7: Ich zitiere: "Um ein einheitliches Bild zu gewährleisten dürfen für die Erwachsenengräber nur Holzkreuze mit einer Abdeckung verwendet werden." Diese Bestimmung ist verfassungswidrig. Ich beziehe mich auf den Artikel 15 der Bunderverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (Glaubens- und Gewissensfreiheit). Hierzu ein paar Ausführungen und Überlegungen. Der Friedhof Staldenried ist Eigentum der Gemeinde Staldenried, er befindet sich nicht im Eigentum einer Pfarrei oder Religionsgemeinschaft. Der Friedhof ist für alle Einwohner der Gemeinde Staldenried (und für weitere, im Artikel 3 erwähnte Fälle) als Ort der Bestattung/Beisetzung vorgesehen. Einwohner der Gemeinde Staldenried, welche keiner Religionsgemeinschaft oder einer nicht-christlichen Religionsgemeinschaft angehören, werden aktuell in ihrem Recht auf Religionsfreiheit beschnitten durch die Bestimmung im Artikel 7. (Bei Konfessionsfreien ist ihr Recht auf Freiheit von Religion beschnitten, bei Menschen nicht-christlicher Religionsgemeinschaften ist ihr Recht auf Freiheit der Religion beschnitten.) Es geht nicht an, dass z.B. ein Mensch wie ich, der sein Leben prononciert gerade NICHT unter dem und im Zeichen des Kreuzes führt, in einem Grab beigesetzt werden sollte, über dem ein Kreuz thront.

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Es ist des Weiteren kein Argument für Konfessionsfreie, Religionslose und Menschen anderer Religion auf die Möglichkeit einer Bestattung auf anderen Friedhöfen zu verweisen. Es ist erwiesen, dass es Friedhöfe mit liberaleren Bestimmungen gibt. Menschen, welche nicht unter dem Kreuz bestattet werden möchten, vom Gemeindefriedhof (durch die jetzt gültigen Bestimmungen) quasi wegzuweisen ist jedoch meines Erachtens keine Lösung und eines säkularen Staates unwürdig. Ich beispielsweise lebe hier in Staldenried, bezahle meine Steuern hier und darf also auch erwarten und fordern, hier in Staldenried bestattet zu werden. Analoges gilt für die Bestimmung "Für die Kindergräber sind Holzkreuze ohne Abdeckung und in weisser Farbe zu verwenden." Die dritte Bestimmung des Artikels 7 lautet: "Das Aufstellen von Grabsteinen ist untersagt." Wahrscheinlich ist diese Bestimmung auch aus dem Grunde "um ein einheitliches Bild zu gewährleisten" ins Reglement aufgenommen worden. Da beim Wegfall der Vorschrift, dass ein Kreuz aufgestellt werden muss diese Einheitlichkeit des Bildes nicht mehr gewährleistet ist, kann auf diese Vorschrift wohl auch verzichtet werden. Derlei ästhetisch-beliebige Kriterien wirken in einem derartigen Reglement etwas deplatziert. (Vgl. auch Artikel 11 "Bei der Wahl der Pflanzen für die Ausschmückung der Gräber ist auf die harmonische Wirkung der einzelnen Gräber und auf die gesamte Friedhofanlage Rücksicht zu nehmen.") Artikel 7 sollte meiner Meinung nach also in toto gestrichen werden. Artikel 10: (Keine Änderung) Gemäss der hier gewählten Formulierung ist es möglich, die Gestaltung der Beschriftung der Urnengräber frei zu gestalten, also auch ohne religiöse Symbole. Bei den Urnengräbern sind die Bestimmungen des Reglements also auch für Religionsfreie und Nicht-Christen schon jetzt angemessen. So lese ich jedenfalls diesen Artikel, es steht hier nichts von einer Vorschrift, ein Kreuz oder Ähnliches in die Beschriftung aufnehmen zu müssen. Artikel 12: "Nach Ablauf der Verweildauer in den Urnenreihen werden die Urnen in einem eigens zu diesem Zweck reservierten Einzelgrab beigesetzt." Gibt es zur Gestaltung dieses Einzelgrabes schon Pläne? Es ist darauf zu achten, dass an diesem Einzelgrab keine konfessionellen oder religiösen Insignien jedweder Art angebracht werden. (Also keinerlei Kreuz, Halbmond, Vishnu, Spaghettimonster oder dergleichen.) In diesem Grab werden nämlich auch Konfessionsfreie beigesetzt, also ist auf eine neutrale Gestaltung Wert zu legen. Wollen Sie mich bitte informieren, was bei deisem Grab geplant ist. Allenfalls kann ich Ihnen auch die Kontaktdaten eines Ritualbegleiters der Freidenker-Vereinigung mitteilen. Die Ritualbegleiter sind spezialisiert auf Feiern ohne religiöse Färbung und sind in diesem Themenbereich sicherlich mit guten Ideen zur Stelle. Artikel 15: In der Friedhofkommission sind vorgesehen: 1 Vertreter des Gemeinderates, 1 Vertreter des Kirchenrates, 1 Vertreter des Pfarreirates. Wenn das Reglement schon abgeändert werden muss, so wäre esππ meines Erachtens möglich, eine zeitgemässere Besetzung der Kommission zu ermöglichen. Ich schlage vor, die Liste zu ergänzen um:
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"1 oder 2 Vertreter der Konfessionsfreien und/oder anderer/weiterer Religionsgemeinschaften". oder: "1 Vertreter aus einer anderen Relgiogionsgemeinschaft" "1 Vertreter der Konfessionsfreien" Wollen Sie mich bitte kontaktieren, wie Sie gedenken, in dieser Angelegenheit zu verfahren. D.h. auf welche Art und mit welchem genauen Wortlaut das Reglement abgeändert werden kann und wie Sie vorsehen, dieses der Bevölkerung zur Abstimmung vorzulegen. Valentin Abgottspon Mirgga 3933 Staldenried Tel. 078 671 08 03 E-Mail: valentin.abgottspon@gmail.com

Mit freundlichen Grüssen,

Valentin Abgottspon Kopie an: - Kommissionsmitglieder Remo Brigger und Xaveria Furrer 51 - Alban Brigger, Gemeindepräsident - Abgottspon Beatrice, Pfarreiratspräsidentin - Abgottspon Marie-Louise, Kirchenratspräsidentin - Titus Offor, Priester

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