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DIE ÖKONOMISCHE UND POLITISCHE BEDEUTUNG VON

BOSPOROS UND HELLESPONT IN DER ANTIKE

Der Bosporos und die Dardanellen waren zu allen Zeiten für Seefahrt und Handel von
herausragender Bedeutung. Um die Vorherrschaft in den Meerengen wurden erbitterte
Kriege geführt, zuletzt etwa die verlustreiche Schlacht um die Dardanellen 1915. Erst
mit den internationalen Abkommen auf den Konferenzen von Lausanne und Montreux
wurde die umstrittene „Meerengenfrage“ endgültig gelöst1. Bis dahin waren Schifffahrt
und Handel durch Dardanellen und Bosporos völlig von den lokalen Machtverhältnissen
abhängig gewesen. Bereits im Altertum war die Kontrolle der Meerengen militärisch
wie auch ökonomisch essentiell und deshalb ständiger Zankapfel zwischen Anrainern,
imperialen Mächten und Händlern2. Vor allem die Athener hatten in der Zeit des Ersten
Attischen Seebundes und besonders während des Peloponnesischen Krieges ein vitales
Interesse an den Meerengen, deren Kontrolle die Getreidezufuhr aus dem nördlichen
Schwarzmeerraum garantierte. Die natürlichen Gegebenheiten und damit die Tatsache,
dass die Passage durch den Sund von keinem Schiff, das vom Mittelmeer ins Schwarze
Meer oder umgekehrt fahren wollte, umgangen werden konnte, ermöglichten prinzipiell
auch die fiskalische Nutzung der strategisch bedeutenden Meerenge3. Über die Erhebung
eines Durchgangszolls informieren uns die Quellen für eine Periode von über 1000
Jahren, von klassischer bis byzantinischer Zeit, immer wieder, wenn auch aufgrund des
Desinteresses antiker Autoren an solchen Details nur sporadisch und meist beiläufig.
Dieser Sachverhalt führt zu der Frage, ob diese seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. belegte
Erhebung von Transitzöllen nicht ein generelles und selbstverständliches Mittel antiker
Fiskalpolitik unter Ausnutzung der natürlichen Gegebenheiten gewesen war. Dazu ist
eine umfassende Sichtung und Neubewertung der verstreuten Bemerkungen bei den
antiken Autoren und der epigraphischen Zeugnisse erforderlich.
Ein differenziertes Zollwesen, ob bei Stadtstaaten, Großreichen oder auch bei vor-
modernen Flächen- und Nationalstaaten, gilt in der Geschichtswissenschaft gemeinhin
als Merkmal eines hohen Organisationsgrades staatlicher Verwaltungen, den man unter
den antiken Staatswesen allenfalls dem Weltreich der Römer zugestehen möchte. Des-
wegen werden in der Literatur die während der gesamten Antike immer wieder beleg-
baren Zollerhebungen in den Meerengen meist als ad-hoc-Maßnahmen in besonderen
Krisensituationen interpretiert.

1 Die Durchfahrtsregeln für den internationalen Schiffsverkehr wurden auf den Konferenzen von
Lausanne (1922) und Montreux (1936) endgültig geregelt. Hierzu ausführlich: N. Ünlü, The Legal
Regime of the Turkish Straits, Den Haag, London, New York 2002. Für wertvolle Hinweise danke
ich Martin Dreher (Magdeburg) und Wolfgang Schuller (Konstanz).
2 F. Miltner, Die Meerengenfrage in der griechischen Geschichte, Klio 28 (1935), 1–15.
3 Zu den natürlichen Gegebenheiten in den Meerengen, die eine effektive Kontrolle des Schiffsverkehrs
ermöglichen, siehe: J. Morton, The Role of the Physical Environment in Ancient Greek Seafaring,
Leiden, Boston, Köln 2001, bes. 42–45; 85–90.

Historia, Band 58/3 (2009)
© Franz Steiner Verlag, Stuttgart

Die ökonomische und politische Bedeutung von Bosporos und Hellespont in der Antike 337

Im Folgenden möchte ich dagegen argumentieren, dass der Transitzoll am Bospo-
ros von der klassischen bis in die byzantinische Zeit im Sinne einer gewöhnlichen und
angesichts der natürlichen Gegebenheiten wohlfeilen fiskalischen Maßnahme von den
Staaten, die die Kontrolle über die Meerengen ausübten, fast durchgehend eingezogen
wurde. Dabei ist auch zu beachten, dass das Zollwesen im Allgemeinen weniger im
Zusammenhang mit im engeren Sinne wirtschaftshistorischen Überlegungen zwischen
„primitivistischen“ und „modernistischen“ Theorien zur antiken Wirtschaftsgeschichte
gesehen werden muss (etwa: Gab es eine den Handel aktiv fördernde oder hemmende
„Wirtschaftspolitik“, wurden Warenströme gezielt gelenkt?), sondern eher mit Hilfe
der Kategorie Herrschaft und des prinzipiell gegebenen herrschaftlichen Interesses an
Einnahmenzuwachs beschrieben werden sollte4. Vor diesem Hintergrund ist unbedingt
Armin Eich zuzustimmen, der in seinem großen Entwurf einer „politischen Ökonomie“
des antiken Griechenlands die Einwände „primitivistischer“ Interpreten zurückweist,
die griechischen Staaten hätten ein nur geringes Interesse an konsequenter Ausbeutung
von ökonomischen und fiskalischen Ressourcen gehabt5. Antike Staaten, so Eich, haben
größte Anstrengungen unternommen und hohe Verluste in Kauf genommen, „um sich
in den Besitz von potenziell marktfähigen Ressourcen zu setzen“, die aber bisweilen
„ungenutzt“ im Boden oder in Tempelbauten ruhten, um als Reserve nach politischen
Entscheidungen für die jeweiligen Ziele (meist Krieg) eingesetzt zu werden6. Genau
in diesem Sinne möchte ich hier eine umfassende Interpretation der Fiskalpolitik am
Bosporos während der gesamten Antike vorschlagen. Die Zollerhebung an der Meerenge
orientierte sich demnach im Sinne einer „politischen Ökonomie“ an herrschaftlichen
Belangen, also der stetigen und systematischen Gewinnung von Einkünften für die
Staatskasse, deren fast ausschließlicher Zweck in der gesamten Antike gewesen war,
die Kosten für Kriegführung und deren Vorbereitung sowie (in geringerem Umfang)
herrschaftliche Repräsentation zu decken7.

4 Vor diesem Hintergrund dürfte klar werden, dass dieser kurze Aufsatz keinen Kommentar zum „Pri-
mitivismusstreit“ bieten kann, in dem derzeit wohl die „Modernisten“ etwas „Oberwasser“ haben.
In diesem Sinne etwa die jüngsten „modernistischen“ Synthesen der Münsteraner bzw. Marburger
Schule: H.-J. Drexhage, H. Konen, K. Ruffing, Die Wirtschaft der römischen Kaiserzeit in der mo-
dernen Deutung: Einige Überlegungen, in: K. Strobel (Hg.), Die Ökonomie des Imperium Romanum.
Strukturen, Modelle und Wertungen im Spannungsfeld von Modernismus und Neoprimitivismus,
St. Katharinen 2002, 1–66; H.-J. Drexhage, H. Konen, K. Ruffing, Die Wirtschaft des Römischen
Reiches (1.–3. Jahrhundert). Eine Einführung, Berlin 2002.
5 A. Eich, Die politische Ökonomie des antiken Griechenland (6.–3. Jahrhundert v. Chr.), Köln, Wei-
mar, Wien 2006, bes. 503–507. Zu diesem umfangreichen und kühnen Versuch, dem wirtschaftlichen
Leben der griechischen Poleis den Charakter eines ökonomischen Systems zuzuordnen, gibt es jetzt
eine erste, knappe Würdigung von G. Audring, Rezension zu: Eich, Armin: Die politische Ökono-
mie des antiken Griechenland. 6.–3. Jahrhundert v. Chr. Köln 2006. In: H-Soz-u-Kult, 26.03.2007,
<http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2007-1-203>.
6 Eich (Anm. 5), 507.
7 Die Tatsache, dass auch antike Verwaltungen und Staatsmänner den Sinn des Satzes, dass man „die
Kuh, die man melken möchte, nicht schlachten soll“, verstanden hatten, bedeutet nicht, dass in der
Folge eine Wirtschaftspolitik im Sinne einer Förderung ökonomischer Betätigung nach heutigem
Verständnis betrieben worden wäre. Wirtschaftspolitik im antiken Sinne wäre demnach mit Hans
Kloft im Bezug auf Herrschaft zu verstehen, denn Steuer- und Zollerhebung wie auch Besoldung

4. 5. Drexage et al. zogen dort einen Durchgangszoll von den vorbeifahrenden Schiffen ein10. 16. in: Princeton/Stanford Working Papers in Classics (2005). sorgt mittels Wettbewerbspolitik für Chancengleichheit. Einflüsse des Zollwesens auf den Warenverkehr im Römischen Reich – handels- hemmend oder handelsfördernd?. 189–190. Kloft. 2 (1994). F. 148 f. 4. Grundlagen der Wirtschaftspolitik. Möller.. auch H.338 ALEXANDER RUBEL Im Mittelpunkt der Betrachtung steht naturgemäß die Stadt Byzanz. G. I. 4. Drexhage. vom Streben nach Prosperität geleitete Wirtschaftspolitik interpretieren. Aber auch das direkt am anderen Ufer des Bosporos gelegene Kalchedon sowie die am Eingang zum etwas breiteren Hellespont gelegene Stadt Abydos spielen beim Transitzoll an der Verbindung zwischen Schwarzem Meer und Mittelmeer eine Rolle. München 2008. Breyer.princeton. Bartling. Siehe auch: U. waren die Hellespontwächter angehalten. Demokratische Wirtschaftspolitik.1 (2001). bleibt davon unberührt. MBAH 13. der antike Wirtschaftspolitik von moderner. Rubel. Hellespontophylakes – Zöllner am Bosporos? Überlegungen zur Fiskalpolitik des attischen Seebundes (IG I³ 61). The Cambridge Economic History of the Greco-Roman World..). 4. allenfalls sporadisch in Märkte eingreift. Entsprechend fördert der moderne Staat aus berechtigtem Eigeninteresse im Gegensatz zum antiken aktiv und systematisch Unternehmertum und freie Märkte.2008) und A. W. Bereits im 5.edu/%7Epswpc/papers/author/krotscheck/ krotscheck. Pol. Cambridge 2007. De aedif. liberal-kapitalistischer Wirtschaftspolitik scheidet. Going with the Grain: Athenian State Formation and the Question of Subsistence in the 5th and 4th Centuries BCE. Dio 74. 4). Aufl. nutzten die Athener die Seebundstadt Byzantion als Zollstation. Aufl. 38–44. Jahrhundert v.-J. 8 Prinzipiell zur günstigen Lage von Byzanz: Hdt. Vittinghoff et al. 38. Kirchgässner. Eine Einführung.und Sozialgeschichte. F. Handbuch der europäischen Wirtschafts. an denen die Existenz der Herrschaft hängt. Der jeweilige Beherrscher der Meerengen konnte den schmalen Sund gut kontrollieren8. (Hg. . aber bestehen.).. 8). usw. datiert auf 426 v. E. Classical Greece: Distribution. M. die Infrastrukturmaßnahmen der römischen Kaiser sowie einzelne Preisedikte und Marktsteuerungsmaßnahmen Roms usw. um Missstände zu beheben. Krotscheck. R. die Schiffe der mit den Athenern verbündeten und von Verwaltung und Heer sind zugleich wirtschaftliche und politische Grundstrukturen. Stuttgart 1990. 3. Ein wichtiger Unterschied. obwohl Drexhage et al. vgl. 2 10 Dazu ausführlich Rubel (Anm. Bd. H. 10. Morris. hier 380–381. Siehe auch A. Darmstadt 1992. Lucius. Cass. <http://www. Aufl. als gezielte. in: F. Pleket.9. Die Wirtschaft der griechisch-römischen Welt. hier 47 f. München 2002. Grundzüge der Volkswirtschaftlehre. bleibt m.) zeigt. P. 1–15. S. in: W. 27–37: Während antike Wirtschaftspolitik lediglich die Versorgung des Staates und seiner Bürger mit Gütern sicherstellen will (ggf. Frey.html> (7. Wirtschaft. die größte und bedeutendste Stadt an den Meerengen.und Zollerhebung trachtet. Kolmar. günstig an der Einfahrt in den schmalen Bosporos gelegen. I. Hierzu etwa: H. Die dort wohl schon seit der Mitte des 5. Polybios bemerkt. Theorie und Anwendung. Dass Zölle möglicherweise Einfluss auf ökonomische Prozesse haben und dass Fiskalpolitik im weitesten Sinne immer auch Wirtschaftspolitik ist. Zu diesem Komplex: H. gewissermaßen sogar als Voraussetzung für das Funktionieren des Staates selbst. 39–51. 9 Pol. Jahrhunderts stationierten Seebundbeamten. Wirtschaft des Römischen Reiches (Anm. Chr. Chr.. Klio 83. dass aufgrund der günstigen Lage der Stadt kein Handelsschiff ohne Erlaubnis der Byzantier die Meerenge passieren könne9. Scheidel. Prok. 362–384. die Hellespontophylakes. die auch hoheitliche Kontrollaufgaben wahrnahmen. auch sozialen Unfrieden vermeiden möchte) sowie nach Staats- einkünften durch Steuer. Seller (Hg. erkennt moderne Wirtschaftspolitik eine funktionierende Warenwirtschaft als Grundlage von Wohlstand und Wachstum überhaupt. 144. Tübingen 2005. Wie das zweite der Methonedekrete (IG I3 61. 2. Einführung in die Wirtschaftstheorie und Wirtschaftspolitik. B.

Die Geschichte der Städte Byzantion und Kal- chedon von ihrer Gründung bis zum Eingreifen der Römer in die Verhältnisse des Ostens. Entsprechend verwunderlich. J. Nachdem die Athener durch den Sieg der Spartaner im Peloponnesischen Krieg die Kontrolle über Byzantion und die Meerengen zunächst verloren hatten. 1. die byzantische Volkspartei habe es gerne gesehen.. auch Diod. Vgl. 47. nachdem er nach Byzantion gekommen war. Er habe dabei den Zoll wieder neu eingeführt. Als „die von Thrasybul wiederhergestellte 10 %ige Abgabe“ bezeichnet W. 1. Newskaja. denn im für Athen doch eher schlechten Jahr 400 v. als Thrasybulos die Verhältnisse im Sinne Athens neu regelte. sollten Zölle in einer doch beträchtlichen Höhe von 10 % des Warenwerts wohl als eine besonderen Umständen zuzuschreibende Ausnahme betrachtet werden15. Er führte die Demokratie als Staatsform ein und verpachtete den Zoll in Höhe von 10 % des Warenwerts12. dass sich zu dieser Zeit viele Athener in der gerade wieder demokratisch gewordenen Polis aufhielten. richtete Alkibiades im gegenüberliegenden Chrysopolis eine Zollstation ein. dass Thrasybulos. Zieht man zum Vergleich die uns bekannten Angaben zu Hafenzöllen in klassischer und hellenistischer Zeit. München 2001. Hell.. Bei Xenophon steht indes lediglich. Ath. Was allgemein die Höhe des Zolls angeht.n dekavthn tw'n ejk tou' Povntou pleovntwn). 13 „He established tolls on the Bosporos“. oder gar das lange Zeit stabile zwei- einhalbprozentige römische portorium heran. 13. 14 And. Pol. sondern an athenische Staatsbürger verpachtet. Chr. 1. Zur staatlichen Verpachtung von Abgaben: Aristot. als Byzantion sich in den Händen der Spartaner befand. Die ökonomische und politische Bedeutung von Bosporos und Hellespont in der Antike 339 durch die Dekrete privilegierten Methonaier unbehelligt und damit ohne Zoll von den Kapitänen zu verlangen durch den Sund fahren zu lassen. den Zoll verpachtete ([Qrasuvboulo~] pleuvsa~ eij~ Buzavntion ajpevdoto th. 91). P. wurden allein mit dem fünfprozentigen Hafenzoll im Piräus an die 36 Talente eingenommen14. 133 f. Kiel 1916. Sicherlich jedoch war der von den Handelsschiffen erhobene Zoll überaus lukrativ. Buck. dass der Durchgangszoll unter der von Lysander eingerichteten Herrschaft in der Zwischenzeit weder von den Spartanern noch von den Byzantiern weiter eingezogen worden war. 12). 8. 15 Rubel (Anm. heißt es in den meisten Arbeiten. 8). Die politischen Zusammenhänge ausführlich bei R. . dauerte es bis 390/389 v. glaubt H. Die Durchfahrtsgebühren wurden möglicherweise nicht an Byzantier. 110 die dekavth. um eine zehnprozentige Transitgebühr für den Staats- schatz einzuziehen11. 12 Xen. 148. 44. 2. Leipzig 1955. da Xenophon direkt im Anschluss an die Nachricht über die Verpachtung der dekavth berichtet. zumindest begründungsbedürftig wäre unter diesen Umständen ein Verzicht der neuen Herren auf eine solche bestens etablierte Einnahmequelle. Nach M. die in einer Höhe von zwischen einem und zweieinhalb Prozent erhoben wurden. Byzanz in der klassischen und hellenistischen Epoche. 2. schreibt etwa Buck (Anm. 64. Stuttgart 1997. führte Thrasybulos „den seit 410 verlangten Bosporus-Zoll von zehn Prozent wieder ein“. 3–4. 27. Der „Sundzoll wurde auch sofort wieder eingerichtet“. Hell. Pol. die sich mit der Xenophonstelle befassen13. Dreher. 4. 4. 49 f. 116. Thrasybulos and the Athenian Democracy. 22. Chr. 410 v. wird man für Friedenszeiten von einem 11 Xen. Athen und Sparta. Merle. gilt ein solcher Zoll in der Forschung doch als Notmaßnahme. 34 (vgl. Chr. Die modernen Kommentatoren scheinen stillschweigend davon auszuge- hen.

79–96. Der Verfasser gibt nicht nur an. Étude sur l’organisation duanière chez les Romains surtout à l’époque du Haut-Empire. The Phanosthenes Decree. Garland.] und IG I3 182. Es handelt sich um ein athenisches Gesetz über Getreidezölle der Inseln Lemnos.340 ALEXANDER RUBEL weit geringeren Zoll ausgehen dürfen16. Rhodes. 21 E. Zum ausdifferenzierten römischen Zollwesen umfassend S. Hell. Jedoch erfahren wir für die Zeit zuvor. Der verbesserte Text jetzt bei P. Das Monumentum Ephesenum und das römische Zollwesen. Dreher. Harris vorgeschlagen hat. Dieser Vorgang ist ein weiteres Beispiel für die strategische und ökonomische Bedeutung der Kontrolle der Meerengen. Zur penthkosthv und zu weiteren Zöllen. Wie lange in der Folge der geschilderten Ereignisse von den Byzantiern der Durch- gangszoll eingezogen wurde. der ihn im Zusammenhang des Krieges zwischen Byzantion und Rhodos (220 v.] 50. so dass zumindest die Athener nicht mehr in den Genuss der Pachtzahlungen gekommen sein werden. 47. nach Gutdünken Handelsschiffe aufzubringen. 26.R. Unsere nächste sichere Nachricht über den Sundzoll stammt von Polybios. Oxford 2003. Imbros und Skyros (374/3 v.C. 20 Editio Princeps: R. Der von Alkibiades 410 v. The Athenian Grain-Tax Law of 374/3 B. 199. Chr. M.] Ath. S. No. Princeton NJ 1998. Leipzig u. im Jahre 362 v. MBAH 16 (1997). Erklärung. Handelsschiffe. 5. dass auch die Spartaner unter diesen Umständen diesen Gebührensatz zur Anwendung brachten. Zu den militärischen Auseinandersetzungen um Dardanellen und Bosporos in der Folgezeit siehe Miltner (Anm. Hesperia Supplement 29. 1. Kalinka. R. möglicherweise auf einen Durchgangszoll bezieht.. und der Auffassung von Harris wurde in der Forschung mehrfach 16 Beim „alten Oligarchen“ erfahren wir. 31. Taxes and Timber in Late Fifth-Century Athens. Brügge 1949 (ND New York 1975) und jetzt bes. unter anderem der eJkatosthv-Abgabe bei [Xen. Notes on the New Grain-Tax Law. Staatsland. Mac- Donald. 17 mit Kalinkas Kommentar ad loc. Der Text gibt leider sehr viele Rätsel auf. die von Händlern kaum umfahren werden konnten. sowie Hafenzölle an Steuerpächter vergaben. das sich. hier 142–144 und R. M. Wenn die Byzantier in der Lage waren. Chr. 5. die die an der wichtigen Handelsroute vom Hellespont in die südliche Ägäis gelegenen Inseln passierten21. Xen. Chr.) erwähnt18. dass die allgemeine Hafengebühr nur 1 % betrug. 2).. Marktrecht. Berlin 1913. entzieht sich unserer Kenntnis17. Vgl. pol.)20. dass die Byzantier. De Laet. dass die Byzantier bei Bedarf fremde Schiffe in ihre Häfen zwangen. das Bündnis mit den Athenern gelöst und eines mit den Thebanern geschlossen hatten. London 1987. E. Chr. nachdem sie bereits 364 v. 96. Greek Historical Inscriptions 404–323 BC. 12–15.. C. 19 [Dem. Die pseudoxenophontische AQHNAIWN POLITEIA. vgl. . The Piraeus from the Fifth to the First Century B. sondern dass sie auch generell. 17 Der Königsfrieden hatte ja das kleinasiatische Ufer wieder unter die Gewalt des Perserreiches ge- bracht und den Städten auf der europäischen Seite die Autonomie garantiert. J. 6.. ZPE 128 (1999). die nach Athen unterwegs waren. 18 Pol. 1346B. Hesperia 50 (1981). Ein weiteres Argument für eine auch schon in klassischer Zeit verbreitete Erhebung von Durchgangszöllen an günstig gelegenen Stellen. Einleitung. Stroud. Osborne. siehe B. liefert eine neue Inschrift. Chr. Übersetzung. 269–272. bei Chrysopolis erhobene Zoll in Höhe von 10 % sowie die entsprechende Maßnahme des Thrasybulos wenige Jahre später lässt vermuten. J. 141–146. auch [Aristot. wie Edward M. 1. Portorium. der von den Schiffen kassiert wurde. SEG XL VIII. [Xen. zum Lö- schen der Ladung in ihrem Hafen zwangen19. werden sie wohl kaum – diese Vermutung liegt zumindest nahe – zu dieser Zeit auf den Einzug des Sundzolls verzichtet haben. 4.] Oec. Harris. um an Geld zu kommen.

ein Sachver- halt. Wien 2007. weit hergeholten jüngsten Vorschläge. 20). was bei den enormen Mengen. 27 E. 123–124. Oxford 2007. 313–317. M. in: L. Eich (Anm. ob es sich bei dem Text überhaupt um ein Steuergesetz handelt. siehe Moreno (Anm. der Lagerung im Winter und des Verkaufs im folgenden Frühjahr. Hansen weitgehend an. 23 Zu den Getreideimporten. 21). 22). Das Athenische Getreidesteuer-Gesetz des Agyrrhios und angebliche ‚sozialstaatliche‘ Ziele in den Maßnahmen zur Getreideversorgung spätklassischer und hellenistischer Poleis. 5). Außerdem verkennt sie die nautischen Verhältnisse. Von allen vorgebrachten Gegenargumenten erscheint mir nur das von Johannes Engels einiger- maßen plausibel. sondern nur den Transport des Steuererlöses.000 Tonnen jährlich. Skyros ermöglichen. 14. So lehnen etwa Rhodes und Osborne die Deutung dieser Steuer als Durch- gangssteuer mit dem Argument ab. 105–121. andere Routen gewählt22. Angesichts der wenig überzeugenden. 25 J. dass der Demos wohl kaum ein solches Gesetz beschlossen hätte. dass der Text bis heute Rätsel aufgibt und viel Raum für Interpretationen lässt. Osborne (Anm. die betroffenen Händler hätten in diesem Fall sicher Märkte in Kleinasien bevorzugt bzw. Dieser Einschätzung schließt sich nun auch Mogens H. Jakab. Zuletzt wurde sogar in Frage gestellt. September 2005). 26 Moreno (Anm. . Eva Jakab kommt zu dem Schluss. A Note on Agyrrhios’ Grain-Tax Law of 374/3 BC. nach Athen im Sinne einer Transportausschreibung für Reeder regeln sollte27. Ablehnend. Denn durch Zölle verursachte Mehrkosten des Transports werden immer auf den Abnehmer der Ware umgelegt und hätten so die dem Zoll unterworfenen Transporteure kaum abgeschreckt. wie man die enigmatische Dodekaté aus der Inschrift interpretieren soll (Moreno plädiert für eine „notionally payable ‚rent‘“. 103. Moreno. zumindest fraglich erscheint23. äußert sich auch A. so gilt das nicht für eine in den gleichen Kontext gehörende Bemerkung Strabons: Die Korinther verdankten 22 Rhodes. Engels. dass andere Absatzmärkte für das Getreide vorhanden waren. Feeding the Democracy. 272 hin. Imbros. immer noch am plausibelsten zu sein. etwa 26. 24 Darauf weist bereits Harris (Anm. das effektiv zu einer Verteuerung des Getreides geführt haben würde25. es handle sich bei der Bestimmung im Gesetz also ge- wissermaßen um eine „Reichensteuer“ für wohlhabende Kleruchen der Inseln)26. 97–124 (hier 114). 105–107. scheint mir die Interpretation von Harris. Eine Umgehung der Küstengewässer dieser Inseln wäre nur durch Inkaufnahme eines extrem langen Umwegs entlang der Nordküste des Mittelmeeres möglich. Vorträge zur griechischen und hellenistischen Rechtsgeschichte (Salerno. mit dem gleichen Argument („Harris’ transit-tax would have shiftet overseas grain away from Athens rather than towards it“). Diese Argumentation setzt jedoch voraus. SEG XLV III 96: Steuergesetz oder Frachtvertrag?. Sicher ist wohl nur. nämlich des Getreides. der eine Zollerhebung bei den Inseln prinzipiell begünstigen würde24. 3–33. Wenn auch hier kein zweifelsfreies Urteil möglich ist. dass der Text die Frage einer wie auch immer gearteten Steuer gar nicht berührt. 22). die in Frage stehende Dodekaté sei immer in natura nach Athen geliefert worden und die Inschrift behandele demnach nur Fragen des Transports. The Athenian Grain Supply in the Fifth and Fourth Centuries BC. die die seefahrerische Bedeutung der Route entlang der Inseln berücksichtigt. in: Symposion 2005. die ein gefahrloses Segeln nach Südgriechenland nur längsseits der Inselkette Lemnos. die jeder Pentakosiomedimnos auf den Inseln mit Landbesitz in Attika hätte bezahlen müssen. Die ökonomische und politische Bedeutung von Bosporos und Hellespont in der Antike 341 widersprochen. ZPE 132 (2000).–18. H. Hansen. indem er behauptet. die in Athen umgesetzt wurden.

Gabrielsen. die man um finanzielle Unterstützung angegangen war. JHS 99 (1979). Der Passagezoll der Byzantier war hundertundzwanzig Jahre nach diesen Ereignissen der Grund für einen Krieg. versetzte er den Athenern durch die Kaperung der athenischen Getrei- deflotte einen empfindlichen Schlag. Berthold. 8. Cook. Chr. München 1938. 29 Dem. Studien zur Erfassung einer historischen Gestalt. die ihre Schiffe auf dem Diolkos über den Isthmus transportieren ließen28. 31). Der Krieg endete. Zum Diolkos siehe R. B. 76. Göt- tingen 1973. Siehe auch die Dar- stellung von F. 20. Rubinstein. Gehrke. Essays in honour of P. Didym.. einen Zoll von den durch den Bosporos fahrenden Handelsschiffen zu erheben. Byzantion zu entset- zen und Philipp. 31 Pol. 152–153. 4. Chr. London 1984. 1. im Recht zu sein (pepeismevnwn divkaia levgein). Der Weg über den Isthmus verkürzte die westliche Schifffahrtsroute von und nach Athen erheblich. R. 6. 10–47. Daraufhin hätten sich die im Pontosgebiet Handel treibenden Städte an die Rhodier als die damals bedeutendste Seemacht gewandt. nicht geholfen hatten. um die Ereignisse Mitchell. JHS 106 (1986). Im Jahr 220 v. 10. 45. Als Fazit des bisher Gesagten können wir festhalten: Wo natürliche Gegebenheiten das Wählen einer anderen Route unmöglich oder aufwändig und gefahrvoll machen würde. Zu Rhodos und seiner Rolle als See. 51–58. The Naval Aristocracy of Hellenistic Rhodes. Zu Rhodos als See- und Handelsmacht V. 1. 191–195. die sie von den Kapitänen erhoben. Thuk. der erkennen ließ. 28 Strab.342 ALEXANDER RUBEL einen guten Teil ihres Reichtums den Einnahmen aus den Gebühren. von Makedonien und Griechenland in den Jahren von 346 bis 338. Chr. Wüst. 14. 2. lässt sich bereits für die klassische Zeit die Tendenz zur fiskalischen Ausbeutung solcher Plätze erkennen. 46–52. Außerdem wurde so die gefährliche Umschiffung der Peloponnes und des berüchtigten Kap Malea vermieden. zum Rückzug zu zwingen30. 47. 5. der so den Kampf um die Meerengen verloren hatte. Dazu H. Phok. 16. The Diolkos. die sie den Galatern als eine Art Schutzgeld entrichten mussten. Greek History and Epigraphy. 139. Philipp II. 32 Zur Bedeutung des Schwarzmeerhandels für Rhodos Berthold (Anm. Zur Belagerung siehe auch Diod. Aarhus 1997. Swansea 2009. vgl. Durch die Entsendung einer Flotte unter Phokion gelang es den Athenern. 13. 30 Plut. so dass die Rhodier den Krieg gegen Byzanz beschlossen33. Rhodes. Phokion. 145–154. was zu erwarten war. Ithaca. 18. R.und Handelsmacht in der Zeit des Helle- nismus R. Chr. bewusst. um gegen Byzantion vorzugehen31. Archaic Greek Trade: Three Conjectures. Bereits während der Belagerung Byzantions im Jahr 340 v. The Diolkos. 33 Pol. . Die außerordentliche Bedeutung der Meerenge bei Byzantion war auch Philipp II. wenn er die wichtigste Stadt am Bosporos unter seine Kontrolle bringen würde 29. waren die Städte in der Propontis und am Bosporos und mit ihnen die Beherrschung der Meerengen für den makedonischen König besonders wichtig geworden. Nach der Eroberung Thrakiens 341 v. nachdem andere Städte. 130–143. Rhodes in the Hellenistic Age. 3–4. M. dass Byzantion den Sundzoll wieder einführte. L. veranlasst gesehen. J. so berichtet Polybios. MacDonald. hätten die Byzantier sich wegen hoher Tributzahlungen. Die Byzantier behaupteten jedoch während der Verhandlungen mit den Gesandten der Rhodier. 45–48. Rhodos selbst war auch von der Maßnahme betroffen32 und forderte zunächst auf diplomatischem Wege die Abschaffung des Zolls. 339 v. 4.-J. M. 87. Das zur Handelsgroßmacht aufgestiegene Rhodos wollte nicht zulassen.

Jahrhundert v. 37 M. kann nur spekuliert werden.. sich nun als Schutzmacht der hellenischen Handelstädte zu gerieren. Rhodische Traditionen in der hellenistischen Historiographie. . Da uns weitere Angaben fehlen. weil handfeste Interessen Athens betroffen waren (Getreideversorgung aus dem Schwarzmeergebiet). Der rhodisch-byzantinische Krieg von 220 v. 39–45. dass ihnen der Bosporoszoll rechtmäßig zustehe. Wer über die Machtmittel verfügt. N. Erstens: Offen- bar wurde er vor 220 v. Pol. 7. 7–52.-U. für den Verzicht auf die Zolleinnahmen verantwortlich. MBAH 24. der vorsah. der aufgrund der Beto- nung des Kampfes der Rhodier für die Freiheit der Griechen im Bericht des Polybios eine Rhodische Quelle des Historikers vermutet. Abwegig ist sicherlich die Vorstellung. Jahrhunderts v. sowie das gute Einvernehmen mit den ebenfalls vom Fernhandel lebenden Nachbarn. Die hohen Tributzahlungen an die umliegenden Barbarenfürsten beeinträchtigten den wachsenden Wohlstand der Stadt nicht wesentlich. entstandenen Machtvakuums als Nachfolger der Athener und der hellenistischen Könige als Vorkämpfer der griechischen Freiheit zu präsentieren. mit denen man wegen der Bedrohung durch die Diadochen Allianzen (etwa mit Kalchedon und Herakleia) geschmiedet hatte. 13). auf den Zoll zu verzichten34. Wiemer. 27. 47. dass die beteiligten Parteien (jedoch nicht alle Griechen) ungehindert das Meer befahren sollten und keine Schiffe der Unterzeichnerstaaten zum Anlanden gezwungen werden durften. Ein Handelskrieg im Hellenismus?. Chr. Dass der Redner die Verletzung des Vertrags durch die Makedonen beklagt. Zuletzt hat Nikolai Jefremov den Vorschlag gemacht. Frankfurt 2001. Chr. den Sund zu kontrollieren. Der Vertrag zwischen den Stadtstaaten und Makedonien. 75 spricht in Bezug auf die Auseinandersetzungen von 220 v. weshalb offenbar über eine länge- re Periode (denn anders ließe sich der Widerstand von Rhodos und seinen Nachbarn gegen die Wiedereinführung schlecht erklären) von Byzanz kein Meerengenzoll mehr erhoben wurde. 5. mit der Niederlage der Byzantier. 132–144. es habe bereits zu dieser Zeit eine völkerrechtliche Vorstellung von der „Freiheit der Meere“ gegeben. er tut das aber nicht um der Freiheit der Meere willen. Vielleicht waren die wirtschaftliche Prosperität. die die Rhodier erneut zum Eingreifen nötigte. 213. 19–21. lässt sich nur spekulieren. ist sicherlich nicht im Sinne einer allgemeinen völkerrechtlichen Regelung über die Freiheit der Meere zu verstehen38. 4. Möglicherweise verhinderten jedoch die wechselnden Machtverhältnisse in der Diadochenzeit einen geregelten Einzug der Durchfahrtsgebühr36. wie Aus- tin sie annimmt37. bedeutet nicht. 36 180 v. Austin. Jefremow.] 17. Chr. in geradezu anachronistischer Weise und ohne Belege von einer angeblich „seit langem bestehende[n] Idee der Freiheit der Seefahrt“. Chr. 38 [Dem. Aufl. ist selbstverständlich. die sich in dem vom Galaterkönig Kauaros vermittelten Frieden verpflichten mussten. 2. Siehe auch die Darstellung der Ereignisse bei H. Cambridge 2006. 10. hinter der Rhodischen Initiative verberge sich das politische Programm. für längere Zeit nicht erhoben. Chr. erfahren wir von einer Seeblockade der Meerengen durch die Flotte Eumenes’ II. Zweitens: Die Byzantier vertraten die Auffassung. 35 Zur bedeutenden Rolle Byzantions als Handelsmacht siehe Newskaja (Anm. dass sie auf diese Weise ein von anderen 34 Die ganze Darstellung bei Pol. Auch Jefremow (Anm. entscheidet souverän auch über dessen fiskalische Nutzung. sondern. 1 (2005). Über die Motive der zuvor strikt neutralen Rhodier. Chr. Zweierlei erfahren wir aus dieser Episode über den Meerengenzoll. 34). Die ökonomische und politische Bedeutung von Bosporos und Hellespont in der Antike 343 zusammenzufassen. Die Tatsache. 51–98. dass die Athener und später die Römer das Meer beherrschten (und sogar zeitweise der Piraterie Herr wurden). sich vor dem Hintergrund des durch die Schwäche der Diadochenstaaten in der zweiten Hälfte des 3. derer sich Byzantion im 3. The Hellenistic World from Alexander to the Roman Conquest. erfreute35.

in „ihrer“ Meerenge (Byzantion hatte auch Besitzungen am kleinasiatischen Ufer. Solche völkerrechtlichen Überlegungen hinsichtlich einer Art internationalen Seerechts waren der Antike völlig fremd (wie übrigens auch später noch den Venezianern und Genuesen. 41 Das sog. wie Jefremow annimmt43. 34). Law and Politics. B. eine fiskalische Tradition wieder aufzunehmen. Jefremow betont damit auch. 39 P. vakant gebliebene Rolle einer Ordnungsmacht im östlichen Mittelmeer übernehmen. Wenngleich Polybios nichts davon berichtet. dass dem Streit in erster Linie politische Motive zugrunde gelegen haben. Außerdem wollten die Rhodier möglicherweise – zum Nachteil der Byzantier – just in diesem Moment die Ende des dritten Jahrhunderts v. Chr. Potter. sondern das durch Macht und Herrschaft begründete Recht des Stärkeren sorgte für die freie Fahrt durch die Meerengen44. Brüssel 1965. können wir doch vermuten. Erst mit Hugo Grotius und seinem Traktat „Mare Liberum“ (1609) begann die Grundlegung eines internationalen Seerechts auf Basis der Vorstellung. Vor diesem Hintergrund ist es verständlich. Wie dem auch sei: Nicht juristische Argumente über die Freiheit des Schiffsverkehrs. Hieron. Angesichts der Vorgeschichte des Meerengenzolls ist dessen Wiedereinführung im Jahr 220 v. R. hätten die Byzantier wohl gewusst. New York 1924. dass die Byzantier in der Auseinan- dersetzung mit Rhodos und seinen Bundesgenossen den Standpunkt vertraten. Der Sundzoll. auch nicht den bedeutendsten Seemächten40. dass nunmehr mit den Rhodiern eine bedeutende Seemacht ins Spiel gekommen war. 53–54. 43 Jefremow (Anm. außerdem war es zeitweise sympolitisch mit Kalchedon verbun- den41) einen Durchgangszoll zu erheben. die sich durch Verträge Exklusivrechte für Seefahrt und Handel sicherten). a. 91–99. 44 Ähnliches gilt auch für den Krieg. Zu Kalche- don siehe neben Merle (Anm. 31). der lediglich daran scheiterte. 34 f. Dass von dieser Seite nichts zu erwarten war. dass in der Diskussion mit den rhodischen Gesandten von den Byzantiern auch auf ihr früheres Zollregime im Bosporos verwiesen wurde. Jefremow (Anm. 4. in byzantinischer Zeit als Zollstation verwendete Landmarke am kleinasiatischen Bosporosufer. Die Inschriften von Kalchedon. entsprechend sei die Einführung einer Mautgebühr bereits eine beschlossene Sache gewesen.344 ALEXANDER RUBEL unabhängigen Staaten anerkanntes Recht ausgeübt hätten39. unterstand zu dieser Zeit bereits Byzantion: Pol. die auch an der Blockade Dänemarks teilge- nommen hatten). – wiewohl durch akuten Geldmangel motiviert – kaum mit Berthold als „desperate measure“ einzustufen42. Bonn 1980. Chr. 94. dass die Meere niemandem gehören können. De Pauw. die die gegen ihre Interessen gerichtete Maßnahme verhindern konnte. Scherer. Grotius and the Law of the Sea. Merkelbach. eine wichtige. Der Öresundzoll hatte bis 1847 Bestand und war über die 400 Jahre seiner Existenz bei den Anrainern heftig umstritten. Es handelte sich um den Versuch. The Freedom of the Seas in History. dass nur diejenigen Hansestädte nach dem Friedensschluss 1435 vom Zoll ausgenommen wurden. ihre Präsentation als letzter Ausweg ein Akt der Rechtfertigung vor den wenig hilfsbereiten Griechenstädten. 34). Der Konflikt gehöre somit nicht in die Kategorie der „Handelskriege“. 42 Berthold (Anm. 13) v. 2. wie Polybios behauptet. den die Hanse 1426 gegen Dänemark wegen des im Öresund erhobenen Durchgangszolls begann (mit dem Ergebnis. 62–63 vertritt die Auffassung. . 50. 40 F. dass die Einführung des Sundzolls keinesfalls erst als letzter Ausweg nach Ausbleiben finanzieller Unterstützung durch die um Hilfe ersuchten Staaten erfolgte. Berlin 1845. 75–76. Dazu ausführlich H. dass sie sehr wohl das Recht hätten.

Er referiert ausführlich die Forschungsdiskussion zum Thema 111–117. Chr. Wörrle (Hg. Dreher geht es in seinem Artikel aber besonders um die Behandlung der freien Städte und der vor- gelagerten Inseln durch das Zollgesetz. sowie G. spätes- tens aber 75 v. V. O. O. Paris 2000. M. datieren. Cottier. 111–128 (vgl. Merola. die als Zollstationen vorgesehen und daher in den Zollbezirk eingeschlossen waren. Je- doch bestimmt das Zollgesetz einige Orte auf bithynischem und pamphylischem Gebiet. Économie et fiscalité dans la Rome antique. Knibbe. erwähnt wieder den bekannten Sundzoll. mit Kommentar Engelmann/Knibbe (Anm. Chr. M. Il valore dei termini dhmosiwvne~ e telwvne~ nel Monumentum Ephesenum. Besonders die Paragraphen 2 und 4 sind hier erwähnenswert. die diese Inschrift für die Forschung aufgeworfen hat. die Meerenge? Engelmann und Knibbe zeigen sich in ihrem Kommentar zur Inschrift überrascht. Weitere Literaturangaben bei G. M. sind in unserem Zusammenhang zwei von größerem Interesse: Weshalb ist in einem Zollgesetz für die Provinz Asia an erster Stelle und prominent von Städten die Rede. 42 f.und ausfahrenden Schiffen durch die Publicani eingezogen wurde45. Dreher. die aus dem Jahre 75 v. Engelmann/D. Il Monumentum Ephesenum e l’organizzazione territoriale delle regioni asiane. Salomies. 46–48 47 Engelmann/Knibbe (Anm. Chr. Diese Frage konnte Martin Dreher überzeugend beantworten48. 48 Dreher (1996 Anm. Das Monumentum Ephesenum von 62 n. Die gesamte Diskussion um des Gesetzes wird auf neuestem Stand von einem Oxforder Tagungsband präsentiert. 4. H. 45). 263–297. Oxford 2008. Economia. Von den vielen komplexen Fragen. 16). D. da in dem Dokument auch Orte genannt werden. die gar nicht zur Provinz gehören (Byzantion und Kalchedon)? Und: Kontrollierten die Publicani bereits vor 75 v. der neben thematischen Beiträgen auch den Text mit ausführlichem Kommentar bietet: M. auch Anm. dass die Publicani berechtigt waren. dessen grundle- gende Arbeiten aus den 90er Jahren zum Zollgesetz in einem Band gesammelter Schriften wieder publiziert worden sind: Censeurs et publicains. die nicht Teil der Provinz Asia waren. Bonn 1989 (= EA 14. Chr. 45 Der Text des Monumentum Ephesenum (hier ME) bei H. Chr. C. weil dort sowohl die cw'rai Kalcadonivwn Buzantivwn an beiden Ufern des Bosporos genannt werden (§ 2) als auch Kalchedon als wichtigste Zollstation bestimmt wird (§ 4): Alle Waren mussten deklariert werden. deren Kommentar immer noch grundlegend ist.). Merola. Crawford. Demnach ist der Zollbezirk Asia „im wesentlichen“ identisch mit der Provinz Asia. 45).. 45). war es allerdings mit der zollfreien Durchfahrt durch die Meerengen vorbei. amministrazione e fiscalità nel mondo romano. Bari 2004. Das Zollgesetz der Provinz Asia. Die ökonomische und politische Bedeutung von Bosporos und Hellespont in der Antike 345 Mit der Übernahme des Attalidenreiches durch die Römer nach 133 v. Levick. B. der von allen ein. 173–189. dass das Zollgesetz für Asia ausgerechnet mit einer Bemerkung über die Präsenz der publicani portori Asiae am Bosporos beginnt47. Siehe weiter besonders C. MEFRA 108 (1996). bevor die Han- delsschiffe die Stadt Kalchedon passierten (pro. Nicolet. In der Folge entspann sich in der For- schung eine Diskussion darüber. in: Alfredina Storchi Marino (Hg. J. EA 26 (1996). ob der römische Zollbezirk Asia mit der gleichnamigen Provinz identisch gewesen ist oder ob von verschiedenen Verwaltungseinheiten ausge- gangen werden muss. 1989). Ferrary.. The Custom Law of Asia.-L. tou' povlin Kalcavdona paraplei'n). den Bosporos zu kontrollieren und Maut in Höhe von 2 ½ % des Warenwertes von den die Wasserstraße durchfahrenden Schiffen zu erheben46. Die lex portorii Asiae und der Zollbezirk Asia. . u. Crowther. 42. das das Zollgesetz der Provinz Asia mit Bestimmungen wiedergibt.). Das Gesetz bezeugt. 46 ME § 2 u.

2: ou{tw~ ejpivkeintai tw'/ stovmati tou' Povntou kurivw~ w{ste mhvt∆ eijspleu''sai mhvt∆ ejkpleu'sai dunato. halte ich für überdenkenswert.~ th'~ ejkeivnwn boulhvsew~. 45). könnte durchaus mit den Auseinandersetzungen der Römer mit Mithridates in Verbindung stehen: Die „Wacht am Bosporos“. Auch in diesem Zusammenhang zeigt sich. 161. Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln etc. Der Begriff scheint mir doch zu sehr an ganz moderne Vorstellungen einer einsichtigen Förderung von „Handel und Wandel“ im Eigeninteresse des modernen liberalistischen Staates gebunden zu sein. nämlich die Schlagfertigkeit seiner Flotte. Mit einer beeindruckenden Vielzahl von Beispielen belegt er die Bemühungen des Kaisers und seiner Verwaltung. Der für die Herausgeber überraschende Beginn mit den Regelungen für Byzantion und Kalchedon findet vielleicht eine Erklärung in der strategischen und steuerlichen Bedeutung der Meerengen für das römische Reich. die fast ausnahmslos situationsgebunden erfolgten und eben vornehmlich solche Prozesse „steuern“.-W. dass gerade für Baupolitik und Güterverteilung nicht ökonomische Erwägungen. Dennoch erscheinen diese Ausnahmen in unserem Zusammenhang recht bedeutsam. direkt oder indirekt durch Zollpächter fiskalisch zunutze53. denen er trotzdem einen hohen Stellenwert einräumt. zu denen auch Bauprojekte. 51 Engelmann/Knibbe (Anm. dass die fiskalische Ausbeutung der Meerengen eine logische Folge machtpolitischer Rahmenbedingungen gewesen ist und den Erfordernissen von Herrschaft entspricht. Dem mit Byzantion eng verbundenen Kalchedon kommt im römischen Zollbezirk Asia eine Schlüsselrolle zu. die am Bosporos und in der Propontis lagen (siehe § 3). 46. Diese Exempel dienen ihm als Nachweise sowohl allgemeiner als auch spezieller explizit wirtschaftspo- litischer Maßnahmen. passim. 36–39. Dass der Kaiser eine eigenständige von der Idee der liberalitas losgelöste. so Engelmann und Knibbe. Zuletzt hat Heinrich-Wilhelm Drexhage dieses Thema ausführlich und auch anhand des Zollgesetzes in einer detailreichen Mono- graphie behandelt. 52). Die „entscheidende strategische Überlegenheit des Mithridates. „So füllten sich in Kalchedon die Kassen der publicani Asiae. 117. noch einmal auf die bereits in Anm.n ei\nai mhdevna tw'n ejmpovrwn cwri. Chr. macht sich den engen Sund. die „aus dem Ruder gelaufen“ sind. der von den Händlern nicht umgangen werden kann. Wer über die nötigen hoheitlichen Kontrollmöglichkeiten verfügt. Drexhage muss auch immer wieder konzedieren. sondern Fragen von Herrschaftsrepräsentation durch Prunk und Freigiebigkeit entscheidend für den princeps waren (43. 52 Pol. Ob diese dirigistischen Maßnahmen. 45). Hilfen nach Naturkatastrophen. 38. rationale „Arbeitsmarktpolitik“ (Bauprojekte dienten nach . Anm. 53 Die Diskussion um das Zollgesetz und seine Regelungen veranlassen mich. H. handelt es sich doch zu einem nicht unerheblichen Teil um Städte. von ihnen galt jetzt. war durch die Präsenz Roms am Bosporos bedroht“50. gezählt werden. 7 angesprochene Problematik der Verwendung des Begriffs „Wirtschaftspolitik“ für Sachverhalte der antiken Wirtschaftsgeschichte zurückzukommen. was [Polybios] einst von Byzanz gesagt hatte“51: Wegen ihrer Herr- schaft über die Meerenge. Bonn 2007 (Asia Minor Studien 59). den Meerengen und ihrer Kontrolle eine Schlüsselstellung zukam. Drexhage. 49 Dreher (1996. Dass gerade um 75 v. Wirtschaftspolitik und Wirtschaft in der römischen Provinz Asia in der Zeit von Augustus bis zum Regierungsantritt Diokletians. konnte alle Bewegungen der Flotte des Mithridates kontrollieren. 45).346 ALEXANDER RUBEL Diese wenigen explizit im Gesetz spezifizierten Ausnahmen belegen eine nur geringe Ausdehnung des Zollbezirks über die Provinz Asia hinaus49. steuernd in das Marktgeschehen einzugreifen. 50 Engelmann/Knibbe (Anm. mit dem doch modern konnotierten Terminus „Wirtschaftspolitik“ bezeichnet werden sollten. zum Zollgesetz bes. Es wurde zum Hauptzollamt für den Handel mit dem Pontos. 4. kann kein Handelsschiff ohne ihre Erlaubnis durch den Sund fahren52.

Ein wichtiger Unterschied zwischen moderner Wirtschaftspolitik und den staatlichen Eingriffen der Antike scheint mir auch darin zu liegen. 54 Tac. nie auf das Wohlergehen und den Wohlstand bestimmter Akteure.. Kolmar (Anm. Nottingham 1983. Ann. 336–167 B. etwa der Unternehmer und Handeltreibenden (als mögliche Garanten allgemeinen Wohlstandes) abzielten. Breyer.. I. Aktive und systematische Förderung ökonomischer Betätigung ist qualitativ doch noch etwas anderes als eine „maßvolle Abgabenpolitik“ (38). Der moderne. Byzantion hatte deshalb nicht zu leiden: Es genoss die Privilegien einer freien Stadt und musste keine Zollstation der Publicani auf seinem Territorium dulden. ebenso die Förderung der Ausfuhr und Erschwernis der Einfuhr von Sklaven – ME § 41 – in die offenbar an Sklaven reiche Provinz Asia durch unterschiedliche Ein. Wahrscheinlich wurde Byzantion schon zu Zeiten des 2. 7). der auch Aspekte der Baupolitik und Gewährleistung der Nahrungsmittelversorgung einbezieht. W. Ihm folgen Hammond und Walbank (N. 62.) 1971. allgemeine Gerechtigkeit und Chancengleichheit oder reagieren auf konjunkturelle Gegebenheiten. konnte also weiter als wichtiger Umschlagplatz seinen eigenen Hafenzoll erheben. MH 37 (1980). Die ökonomische und politische Bedeutung von Bosporos und Hellespont in der Antike 347 In der Tat waren nun die Römer die Herren der Meerengen geworden und zogen jetzt anstelle der Byzantier mit Hilfe ihrer Pachtgesellschaften den Nutzen daraus. Rome’s Earliest Relations with Byzantium. 11. B. . auch das Schwarzmeergebiet einbeziehenden Feldzug gegen die Piraten gewesen. siehe auch R.).C. Bd. 62). 239–252. 62–70. dass die Maßnahmen der römischen Verwaltung. 12. Walbank.und Ausfuhrzölle. G. Der Vertrag zwischen Rom und Kallatis. G. Ancient Bulgaria. E. sondern immer haushaltspolitische Interessen verfolgten oder Städte und Gemeinden als politische Einheiten nach Bedarf (oder nach politischer Maßgabe!) förderten und privilegierten. 50–59 hat sehr überzeugend für einen solch frühen Bündnisvertrag argumentiert. Amsterdam 1999. Ein Beitrag zum römischen Völkerrecht. den der „Staatshaushaltung“. A. Ann. Ox- ford 1988. Heraclea Pontica and Callatis. Chr. 12. Imperium und Eleutheria. Avram. Hamburg (Diss. dagegen H. Diese meist punktuellen Maßnahmen (auch die Gewährung von Marktrechten nur bei gleichzeitigem Schutz bestehender Märkte der Region vor ruinöser Konkurrenz. intentionale Begriff von Wirtschaftspolitik unterscheidet sich eben gerade grundlegend von dem von Drexhage verwendeten. argumentiert für einen Bündnisvertrag zwischen Rom und Byzantion am Vorabend der gegen das Piratenunwesen gerichteten Kampagne des M. ist eine Überinterpretation. in: A. A History of Macedonia. Die römische Politik gegenüber den freien Städten des griechischen Ostens. die ein wichtiges Argument Drexhages bildet. wenn sie sich auch auf den öko- nomischen Bereich auswirkt. Antonius (102 v. Byzantion hatte frühzeitig auf die römische Karte gesetzt und sich der neuen Macht angenähert54. Byzantion sei aus römischer Sicht unentbehrlich für einen erfolgreichen. Bereits gegen Philipp V. ist umstritten. L. Vol. auf steigende Staatseinkünfte abzielenden „politischen Ökonomie“ wäre in diesem Zusammenhang möglicherweise vorzuziehen. dass Byzantion bereits zu Beginn der römischen Expansion im griechischen Osten wegen seiner Lage unentbehrlich für die römische Strategie gewesen sein muss. 63.. 114 f. Mattingly.) durch ein foedus Bundesge- nosse der Römer55. 72 f. Poulter (Hg. Makedonischen Krieges (200–196 v. III. und nicht.). Eine gesetzliche Maßnahme gehört nach moderner Ökonomik aber nur dann zum Bereich der Wirtschaftspolitik. Ich würde hinzufügen. „wenn sie mit der Intention der Steuerung wirtschaftlicher Prozesse gewählt wird“. Grzybek. Zum Reichtum der Stadt 12. 50) betrieben habe. die den Handel nicht erdrückt. stand die Stadt auf Seiten der Römer. soweit ich sehe. Der von Eich (Anm. Roms Bündnis mit Byzanz (Tac. Hammond/F.. 603). Eich knüpft damit inhaltlich an einen in diesem Kontext ebenso treffenden zweihundert Jahre alten Begriff August Boeckhs an. Chr. erfolgen also eher nach den Prinzipien von „Recht und Billigkeit“ und sind somit Ausdruck von Herrschaftslegitimation. 38) zielten aber eher auf sozialen Frieden. Ein solches Bündnis muss auch gerade wegen der Meerengenfrage Drexhage auch der Beschäftigung von Arbeitskräften. 55 Ob wirklich bereits zu einem so frühen Zeitpunkt ein Bündnisvertrag mit Rom bestanden hat. Bernhardt. 5) für Griechenland vorgeschlagene Begriff einer von militärischen Zwängen geprägten.

Geben und Nehmen. 1–13. Syr. München 2005. 42. Kleinasien in der Antike. 42. 125. ob nicht bereits vor diesem Zeitpunkt Steuerpächter der Römer sich die vorteilhaften Bedingungen der Meerengenkontrolle zunutze gemacht haben könnten. 42. im Zollgesetz fest- gelegte Zuständigkeit der Publicani für den Passagenzoll im Bosporos lassen die mit dem Text der Inschrift leider nicht zu beantwortende Frage aufkommen. App. Lysimachos. tou' stovmato~ povlin e[cosin. die er auf seine Seite bringen wollte. Buzantivoi~ ejcarivzeto polla. Nur selten gelang es einem. Chr. Chr. Geschichte des Hellenismus. buhlten daher alle Seiten um die Gunst Byzantions. Chr. 42. das offenbar auf einen älteren 56 Liv. bot An- tiochos außer Byzantion auch Rhodos und Kyzikos an. hjleuqevrou. Philadelphos die Byzantier. Aurelius Cotta kodifizierten Zollgesetz hervor. Kalchedon und Herakleia am Pontos ein Bündnis. Waffen und Landschenkungen. Syr. Monarchische Wohltätigkeit und Selbstdarstellung im Zeitalter des Hellenismus. Chr. The Hellenistic World and the Coming of Rome. 60 Hierzu die Darstellungen von H. ”Ellhna~ d∆. Die frühe Verbindung von Byzanz und Rom sowie die 75 v. Schwertheim. das pergamenische Reich unter Beibehaltung der überkommenen Regelungen in ihr Steuersystem integrierten. wenn er im Gegenzug Bundesgenosse der Römer werde56. Gehrke. wie etwa 301–281 v. 60–65. so dass es meist darum ging. 59 K. 4. 40. 624. 6. 58 Liv. München 2008. Die Niederlage des Antigonos und des Demetrios bei Ipsos gegen die vereinigten Heere des Seleukos und des Lysimachos brachte sowohl das europäische wie auch das asiatische Ufer der Meerengen unter die Herrschaft des letzteren. S. das mit dem Bosporos den Schlüssel zum Schwarzen Meer besaß59. Dass die Römer gleich nach 133 v. 57 App. kai. 101. wJ~ ejpivkairon ejpi.n uJphvkouon. 144. das in erster Linie gegen Seleukos und seinen Nachfolger Antiochos gerichtet war und sich in der Folge bis zur Allianz mit den Römern um 200 v. Gruen. ihre Freiheit und Autonomie zu respektieren. Aufl. So unterstütze etwa im zweiten Viertel des 3. Von den Hethitern bis Konstantin. grün- deten Byzantion. 35. unter den Konsuln Lucius Octavius und C.-J. Berlin 2000. 30–45 und E. Ptole- maios II. Los Angeles 1984. 121. Chr. geht aus dem 75 v. o{soi toi'~ Qra/xi. Überhaupt lässt sich über die gesamte Epoche des Hellenismus ein großes Interesse der Herrscher an den Meerengen beobachten. Bereits während der Auseinandersetzungen der Römer mit Philipp V. um die Unabhängigkeit der Stadt und damit den Zugang Ägyptens zum Schwarzen Meer zu sichern (Noeske bei Bringmann. 23. den Byzantiern sandte er (adversus foedus) gar militärische Unterstützung58. 232–235). und Antiochos III. 172. Berkeley. Bringmann. Dazu E. Mak. 16. App. Mit einem numismatischen Beitrag von Hans-Christoph Noeske. 4. die Meerengen zu beherrschen. Im Mittelpunkt der diplomatischen Be- mühungen der hellenistischen Reiche stand erwartungsgemäß Byzantion. 8. 17. 13. Lysimachos hatte seinerzeit von einer Ausnahmesituation profitiert. 12. Um sich dem Druck der Diadochenkämpfe zu entziehen. Während die Römer ein (wie auch immer geartetes) Bündnis mit der Stadt am Bosporos schlossen. bewährte60. Jahrhunderts v. . Auch Perseus war um gute Beziehungen zu den griechischen und kleinasia- tischen Städten bemüht. Chr. zuvor hatte er sich wegen des Zugangs zum Schwarzen Meer besonders um die Gunst der Byzantier bemüht57. 629 f. sich mit den Byzantiern ins Einvernehmen zu setzen. mit erheblichen Summen. die hohe Tributzahlungen an die Galater leisten mussten.348 ALEXANDER RUBEL im Interesse des Senats und besonders ihrer im Gebiet operierenden Feldherren gele- gen haben. 114. 6.

43. C. 1. 62 Engelmann/Knibbe (Anm. Bereits 104 v. wenigstens zeitweise eingezogen wurde. die die Verpachtung der Steuern aus dem ehemaligen Attalidenreich an die Publicani regelte. Ob der Transitzoll zwischen 220 und 129/123 v. 76. Darmstadt 1997. Mithr. 165–201. Chr. Politics. Chr. 141. im Bosporosgebiet und in Bythinien aktiv waren. the most lucrative source of tolls. Die Nähe zu Rom und die bereits seit dem 2. als Tacitus von der Gesandtschaft der Byzan- tier in Rom berichtet. Chr. dass Steuerpächter bereits vor 75 v. 283–288 64 Diod. 168 B. 36. waren die Publicani in Bithynien aktiv. Roman Foreign Policy in the East. 3. zeitweise in die Provinz Macedonia eingeliedert worden. 66 Cic. 45). dazu Bernhardt (Anm. auch in spätrepublikanischer Zeit noch civitas libera zu bleiben66. 55). sich von den ihn bei seiner Rückkehr auf den Thron begleitenden Römern enorme Summen Geldes geborgt. siehe D. twn eJpwmevnwn ÔRwmaivwn). 45). 109 (1995).D. was allerdings seinerzeit das Missfallen von Nikomedes III. 86. Chr. Sie denken dabei an einen Vertrag der Publicani mit dem König Nikomedes IV. Unternehmer im Dienst der römischen Republik. which were exacted more strenuously there than in any other part of the province“65. der ein Interesse an den finanziellen Vorleistungen der Pachtgesellschaften gehabt haben dürfte und den Römern auch Dank für seine Wiedereinsetzung als Herrscher in Bithynien schuldete62. wo Cicero dem Senat die urbs Byzantiorum als vobis atque huic imperio fide- lissimam anpreist. Mög- licherweise waren diese „Begleiter“. Prov. Chr. Zu den politischen Hintergründe der Epoche A. to A. 2. Zur lex Sempronia de provincia Asia von 129 v. 91. hier 201. denn erst nachdem sie sich 61 Engelmann/Knibbe (Anm. 89. dass sie weiterhin einen hohen Grad an Unabhängigkeit genossen. 229 f. Mitchell. 11. Badian. Zöllner und Sünder.C. 63 App. The Bosporos. Sherwin- White. von denen er geliehen hatte (para. 31. somit der Sundzoll auf dieses Jahr zu datieren sei. in: Cottier et al. N. and Imperialsm in the Asian Customs Law. deren Bestimmungen er mit der Übernahme des Attalidenreiches und der lex Sempronia über die Verpachtung der Steuern und Zölle von 123 v. McGing. . 90. Siehe B. Zuletzt argumentierte Mitchell überzeugend für eine Frühdatierung der §§ 1–30 des Zollgesetzes. Außerdem hatte Nikomedes IV. hervorgerufen hatte64. in Verbindung bringt. Chr. Oxford 1979. The Gracchi. The Ephesian Customs Law and the Third Mithridatic War. ja Publicani63. weil es zwischenzeitlich mit Andriskos sympathisiert hatte. In Verr.. Der Bosporos und seine fiskalische Ausbeutung habe gleich nach der Einrichtung der Provinz Asia im Zentrum des römischen Interesses gelegen: „The Romans embraced the legacy of the Attalids in the widest sense. was identified as the most important area for the collection of custom dues. Chr. Pis. von Bithynien. Makedonischen Krieg gewährte mili- tärische Unterstützung der neuen Macht im Osten brachte für Byzantion auf jeden Fall den Vorteil. Stockton. 37. 3–7. Offenbar war Byzantion. Dennoch scheint es.. 161. (Anm. bes. muss – wiewohl einiges dafür spricht – wegen fehlender Belege offen bleiben. Geography. 36. 45). siehe auch: Cic. 5. E. 153–156. extending from the Bosporos to Pamphylia […]. hatte später aber wieder die Freiheit erlangt. London 1984. 1 65 S. schließt aus den Hellespont und Bosporos betreffenden Regelungen des Zollgesetzes der Provinz Asia. Auch Engelmann und Knibbe sprechen die Möglichkeit an. Jedoch waren die Byzantier im Jahr 53 n. bereits tributpflichtig geworden. 162. 1. Die ökonomische und politische Bedeutung von Bosporos und Hellespont in der Antike 349 Text zurückgriff61. ZPE. zurückgehen müssten. dass diese auf Sullas Neuordnung im Jahr 81 v.

354. Ann. 3. sondern auch ihre Rolle als regionale Seemacht zu dieser Zeit unterstreicht. später auch aus dem Zollpacht- geschäft gedrängt worden. gestellt hatten. 16). 383. Die großen Gesellschaften der Publicani waren ja in der Kaiserzeit nach und nach zunächst aus dem Steuerpachtgeschäft. Köln.und Zolleinkünften generierten und dass das Bild der städtischen Wirtschaft der Kaiserzeit davon geprägt war. 216 f. Während der Kaiserzeit scheint die Lage an Hellespont und Bosporos sehr stabil gewesen zu sein. 1. die conductores. nämlich die im Byzantion benachbarten Perinth stationierte 67 Cass. timh'~ ajfaireqe. Kleinasien und der Ostbalkan in der wirtschaftlichen Entwicklung der römischen Kaiserzeit. Leipzig 1941. 9. ob wir nicht zwei unterschiedliche Zölle für diese späte Phase annehmen müssen. 12. da sie zumindest zeitweise eine besondere Meeren- genflotte aufgestellt hatten. Man sollte bei der Stelle pavnto~ te kovsmou kai. die Lokaladministrationen zum Regelfall wurden69. Or. 31. Hertha Schwarz konnte an kleinasiatischen Beispielen zeigen. Herodian. Uppsala. Berlin 2002 (Forschungen zum Römischen Recht 49). Schwarz. dass mit Reichsinstanzen und Lokalbehörden zwei Steuerherren nebeneinander existierten70. 70 H. 5. Geschichte der Staatspacht in der römischen Kaiserzeit bis Diokletian. Bonn 2001. Rostovtzeff. Chr. so dass ein Reichszoll neben einer von der Stadt erhobenen Gebühr eingezogen worden ist. Gren. Societas publicanorum. Cass. dass die Herodi- anstelle auf einen solchen von der Stadt eingezogenen Durchgangszoll anspielt. so dass der Einzug des Passagenzolls problemlos möglich war. 16). qalavssh~ telw'n)68. Fischfang und die Einkünfte aus dem „Meereszoll“ zurückführt (ajpo. Dass zu diesen Privilegien zu der Zeit offenbar auch der Passagenzoll gehörte. 4). Badian (Anm. wurde die Stadt bald darauf wieder rehabilitiert (Hesychios von Milet. 3. Malmendier. 68 Herodian. Hierbei lässt sich aufgrund der Quellenlage freilich nicht mehr unterscheiden. Dazu De Laet (Anm. 6. was nicht nur ihren Wohlstand. Zuletzt U. Die Römer waren sich der strategischen Bedeutung der Meerengen offenbar auch während der Kaiserzeit durchaus bewusst. verloren sie 195/196 n. 338–406. oder ob gar ein gesonderter Reichsdurchgangszoll erhoben wurde. De Laet (Anm. Dio 74. 62 f. so dass die direkte Nutzung der Steuern und Zölle durch die kaiserliche Verwaltung bzw. Weimar. Zum Wohlstand Byzantions zur Zeit des Prinzipats siehe auch Tac. Vespasian hatte Byzantion kurzzeitig die Freiheitsprivilegien entzogen (Suet. Nachdem sich der Zorn des Kaisers gelegt hatte. muss im Ungewissen bleiben. Lykien und Ephesos. 55). 105–106). jedoch erhielt die Stadt diese bereits unter Titus oder Domitian zurück (Dio Chrys. bekundet Herodian. Staatliche Wirtschaftsaktivitäten in den Händen privater Unternehmer. eine Flotte von über 500 Schiffen zu unterhalten. Die Byzantier waren in der Lage. des Gegners des Septimius Severus. Ob die Einnahmen teilweise oder ganz als Reichssteuer weitergeleitet wurden. 3. 11. Vgl. Vor diesem Hintergrund ist es nicht unwahrscheinlich.n unter timhv wohl „Privilegien“ verstehen. FGrHist 390). Zur wirtschaftlichen Entwicklung von Byzantion und den übrigen Anrainern der Meerengen siehe E. Das portorium wurde dabei lokal jeweils an einzelne Kleinpächter vergeben. dazu Bernhardt (Anm. der den Reichtum der Stadt auf Landbesitz. dort zum Niedergang der Steuerpächtergesellschaften während der Kaiserzeit und zur Annäherung an ein System der direkten Finanzverwaltung 61–64. . Leipzig 1902. 69 Zu den Pachtgesellschaften: M. Soll oder Haben? Die Finanzwirtschaft kleinasiatischer Städte in der Römischen Kai- serzeit am Beispiel von Bithynien. Jacoby. Sie wurden sogar dem kleineren Nachbarort Perinth untergeordnet67. ihre Freiheit und ihre Privilegien. 3. 14. 8. dass die östlichen Städte in der Kaiserzeit eine erstaunliche Vielzahl von unterschiedlichsten Steuer.350 ALEXANDER RUBEL auf die Seite Pescennius Nigers. Dio 74. Vesp. 62).

Chr. passim. Le tarif d’Abydos (vers 492). Guill- ou. 75 Durilat und Guillou (Anm. Antoniadis-Bibicou. die auf behördliche Anweisung in mehrfacher Ausfertigung (darauf verweist der Plural sthvlai~ liqivnai~) am Ufer gut sichtbar aufgestellt werden sollte (Z. Vgl. Zu den Beamten. 72 Dazu F. am kleinasiatischen Ufer des Hellespont gelegen. zeigt jedoch. K. Zu dieser Zeit galten also unabhängig von Warenwert und -menge feste Gebühren75. 80–88 vorgeschlagen hat. Haarer. vor). 74). The Roman Imperial Navy 31 BC – AD 324. le ‚kommerkion‘ et les commerciaires. Dieser Hinweis und die strenge Anweisung an den komes. Rom 1986. abgesehen von einer in Heraclea Pontica gefundenen Inschrift aus der Zeit Domitians (datiert 88–90 n. L’‚octava‘. REB 19 (1961). Sydney 1986. dass sich das Edikt wegen der Beschränkung der Bestimmungen auf wenige „Grundnahrungsmittel“ und der niedrigen Zollgebühren (die sie als eine Art Kontrollgebühr betrachten) nur auf die mit der annona. Paris 1963 (Cahiers des Annales 20) einschlägig. deren Aufgaben mit Seefahrt und Häfen in Verbin- dung standen. war aber wohl in erster Linie zum Schutz der Zollpflichtigen gedacht. Dazu C. 239–252. 581–598. Mare Nostrum. da sie klarstellt. dass die Römer ein Flottenkontingent in den Meerengen unterhielten. 217–220. dort auch Datierungsfragen (die Autoren schlagen 492 n. Eine Inschrift aus Abydos. le dispositif et l’histoire de la marine militaire sous l’empire romain. Getreide und Pökelfleisch). . Chr. Die ökonomische und politische Bedeutung von Bosporos und Hellespont in der Antike 351 classis Perinthia. 521. 125–128. Politics and Empire in the Late Roman World. Anastasius I. Reddé. Hülsenfrüchte. 232. Durliat. 9–11). London. Ahrweiler. wie der Zusatz movna~ deutlich macht. seine Pflichten nicht zu vernachlässigen (Z. Der Sachverhalt. Umfas- send M. wären für „normale“ Handelsschiffe höhere Tarife (wahrscheinlich ad valorem) anzunehmen. 74 Dittenberger (OGIS). Chr. 71). siehe H. Öl.). Les infrastructures. die aus der Zeit Anastasios’ I stammt (datiert um 500 n. der für den Einzug des Sundzolls zuständig war. keine genauere Kenntnis über diesen Flottenverband71. nr. Leider haben wir. Cambridge 2006 (ARCA 46). befassten Seefahrer bezieht. 16) und auch keine überhöhten 71 IGR I 781. 14). Die nächsten Nachrichten vom Transitzoll am Bosporos stammen deshalb erst wie- der aus frühbyzantinischer Zeit. Für das dritte Jahrhundert sind unsere Informationen über die Herrschaftsverhältnisse in den Meerengen sehr spärlich. A History of Seafaring in the Classical World. Recherches sur les douanes à Byzance.). auch Starr (Anm. der wichtigen Lebensmittelversorgung. Z. Meijer. 605–623. Wenn das zutrifft. Fonctionnaires et bureaux maritimes à Byzance. Die neuere Literatur zum Edikt von Abydos findet sich bei F. dass lediglich die bereits seit zwanzig Jah- ren festgesetzten Zölle (und nur diese. offenbar die wichtigsten Waren. 21) von den Beamten eingezogen werden dürfen. wie Antoniadis-Bibicou (Anm. 73). Außerdem enthält die Inschrift auch genaue Angaben über die Höhe des Zolls auf unterschiedliche Produkte. Starr. Jedoch war zur Zeit der Goteneinfälle Mitte des Jahrhunderts die Kontrolle über die Meerengen wohl zusammengebrochen72. Paris. G. und eine Stelle bei Prokop berichten uns von den Zollbestimmungen an Hellespont und Bosporos73. 73 Zum byzantinischen Steuerwesen insgesamt ist die Arbeit von H. Die ausführlichste Behandlung der Inschrift bei J. BCH 108 (1984). Ithaca 1941. Die Publikation der Inschrift. A. glauben. die am häufigsten durch die Meerengen transportiert wurden (etwa Wein. den kovmh~ tw'n stenw'n (Z. 193–198. wie wichtig die Sicherung und Überwachung dieses Sunds im weit entfernten Rom eingeschätzt wurden. Aus der Inschrift erfahren wir einige sehr interessante Details74: So gab es zu jener Zeit einen speziellen Beamten für die Meerengen.

5–6). die er gemäß des Programms seiner Schmähschrift in Bausch und Bogen und nicht ohne zu übertreiben verdammt. berichtet Prokop in den Anekdota76. 1–6). als den Zoll zu bezahlen (25. was diese auch gleich mit liebedienerischem Eifer taten (25. So erfahren wir. den Bosporos beim Hieron und den Hellespont bei Abydos. eine Art „Bearbeitungsgebühr“.n ejf∆ ÔEllhspovntou ajmfi. Dort widmet sich der Autor ausführlich den – seiner Ansicht nach – tyrannischen und falschen Steuermaßnahmen Justinians. 2–3: porqmw. tou' stovmato~ tou' Eujxeivnou kaloumevnou Povntou. dh. Prokop betont nach einem geographischen Exkurs. ou| to. Der am Hieron stationierte Beamte musste die in den Pontos ausfahren- den Schiffe auch noch darauf kontrollieren. 9–10). Die Ausdrucksweise legt nahe. sondern von den Sporteln leben musste. Justinians ungerechtes Verhalten gegenüber den Kaufleuten an den Pranger zu stellen (nur dieser Intention des Autors haben wir es zu danken. Dass der kovmh~ tw'n stenw'n neben dem Zolleinzug auch noch andere hoheitliche Aufgaben wahrnahm. dass im Bosporus ein solches Zollamt 76 Prok. nicht vom Staat bezahlt wurde. bei Abydos passierende Schiffe auf unerlaubtes Transportgut. ob nicht verbotene Waren zu den Barbaren ins Pontosgebiet transportiert werden sollten. die er bei den Schiffsführern erhob (25. da dieser Beamte im Gegensatz zu seinem Kollegen. 25. erhebt aber moderate Gebühren. in dem er beide Meerengen. Der eine in Abydos bekommt kein Gehalt. dass solche Fälle von Beamtenwillkür zuvor vorgekommen waren. Darüber hinaus habe Justinian auch einen Vertrauten als Hafenzöllner eingesetzt. duvo eJkatevrwqen Buzantivou ejstovn. zeigt. 3). Er durfte aber keinerlei Gebühren von den Durchfahrenden erheben (25. Fassen wir Prokops etwas unklare Angaben zusammen: Demnach gibt es vor Amts- antritt Justinians zwei Beamte. Gänzlich verwirrend ist Prokops direkt nach der Beschreibung von Hellespont und Bosporos gemachte Aussage. enthält einige für unseren Zusammenhang wichtige Detailin- formationen. beschreibt. “Abudon. ihre Schiffe samt Ware zu verbrennen. der im Bosporos am Hieron stationiert war. und zwei dauerhaft besoldete Beamte wurden eingesetzt. dass – wie Prokop wenig glaubhaft angibt – einige Kaufleute es vorgezogen hätten.n ou\n tw'/ ÔEllhspovntou porqmw'/ telwnei'on me. oJ de. Anekd. 4). die dazu dient. ÔIero. Die Passage. e{tero~ ejpi. 77 Prok. die mit der Kontrolle der Meerengen betraut sind. dass in Abydos bis zum Regierungsantritt Justinians noch keine Zollstation bestanden habe. vor allem auf Waffen zu untersuchen und die Reisedokumente der Pas- sagiere zu überprüfen (25. ejn me. die jetzt an den Meerengen möglichst viel Profit für den Kaiser erwirtschaf- ten sollten.352 ALEXANDER RUBEL Gebühren zu verlangen (von der Gier – ajplhvstia – der Beamten ist die Rede. 3). Lediglich besagter Archon habe dort seinen Dienst verrichtet und nur geringe Gebühren von den durchfahrenden Schiffen erhoben. dass wir von ihm etwas über die Zollregelungen zur Zeit Justinians erfahren).). Z. 13 f. Shstovn te kai. Mit Justinians Machtübernahme wurde nun an beiden Plätzen ein Zollamt eingerichtet. . der andere beim Hieron hat die gleiche Funktion. 25 (bes.n ejn dhmosivw/ wJ~ h{kista h\n […]. a{tero~ me. dass es im Hellespont bisher keine Zollstation gab77.n ojnomavzetai. der so hohe Gebühren im Namen seines Herren eintrieb. bekommt aber Gehalt vom Kaiser und darf keinerlei Gebühren einziehen. dass der bei Prokop einfach nur als Archon bezeichnete Beamte vor allem die Aufgabe hatte.

83 Hält man die Angaben für glaubwürdig.n mevntoi ejxh'n tw'/ ajndri. 25. Sechs folles waren etwa für Weinhändler bei der Durchfahrt fällig. Die Abgaben müssen nämlich an die klassikoi. dass die Kontrolle der Meerengen den Kaiser teuer zu stehen kam. Mit Ahrweiler können wir anhand der Quelle Folgendes konstatieren82: Es gab bereits zu Beginn des fünften Jahrhunderts. 73). Die ökonomische und politische Bedeutung von Bosporos und Hellespont in der Antike 353 durchaus existierte. Ships and Seamanship in the Ancient World. 23. Weitere Belegstellen zur Textüberlieferung in der von F. etwa Z. Prokop teilt uns eigentlich nur – wenn auch etwas missverständlich – die Tatsache mit. verfügte er über mindestens fünf schnelle Schiffe zur effektiven Überwachung der Meerenge83. 148–154. Eine lateinische Übersetzung der Geschichte. Sicherlich standen 78 Prok. in der der Archon als princeps Augusti tituliert wird. 240 zitieren muss. Anlässlich der Einfahrt in den Hellespont wird ein a[rcwn tw'n stenw'n erwähnt. 81). 28–53. 73). am Kontrollpunkt zunächst unbehelligt vorbeizukommen. bedeutet das. 3. dass Justinian den Durchgangszoll erhöht hat. Halkin herausgegebenen Bibliotheca Hagiographica Graeca. Siehe Casson (Anm. Um das wirksam tun zu können. 82 Ahrweiler (Anm. Selbst die kleinste Variante eines Schiffs der Dromos-Klasse (ousiakos) hatte eine Besatzung von 100 Mann an Bord. Chr. 240. nr. weiter unten in seinem Bericht betont er aber. Leider war mir diese Ausgabe nicht zugänglich. Aufl. 81 Zu diesem Schiffstyp L. so heißt es weiter. dass der Beamte beim Hieron keine Abgaben entgegen nehmen dürfe. sollten sie gegen Antoniadis-Bibicou (Anm. so dass ich nach den Exzerpten von Ahrweiler (Anm. findet sich leichter zugänglich bei Migne (PL) 41. Weitere Informationen zu diesen Amtsträgern im Hellespont. 1649 (248). ∆Anavlekta ÔIerosulumikh'~ staculogivia~. touvtw/ pro. Prokop möchte die Maßnahme Justinians als weit überzogene staatliche „Wegelagerei“ brandmarken und marginalisiert so die bereits bestehenden Transitgebühren. tome II. jedenfalls nicht für sich persönlich78. die noch vor die Zeit Prokops datieren. nicht sehr hoch. Bei Abydos.und Translationsbericht der Reli- quien des heiligen Stephanus. Ein von Gott gesandtes Erdbeben half ihnen dabei. die von dem Presbyter Lukianos im Jahre 415 n. Casson. 79 Die in der Inschrift genannten Gebühren sind.~ tw'n th/'de nautillomevnwn prosivesqai. nr. tom. Petersburg 1898. dessen Kontrolle man vermeiden wollte. auch wenn die zu entrichtende Summe moderat ist79. 521. 149. einen Kontrolleur bei Abydos. Die Amtsbezeichnung lautete a[rcwn tw'n stenw'n und verweist auf seinen Zuständigkeitsbereich. 85–87 wirklich unabhängig vom Warenwert gezahlt worden sein. Auflage Brüssel 1957. stammen aus dem Auffindungs. Auch die Inschrift Dittenberger OGIS. die der Archon in Abydos eintrieb. 4: ojude. die Schiffe und Passagiere bei der Durch- fahrt zu kontrollieren. vielleicht schon früher. die jedoch – das zeigte ja bereits die Inschrift – seit geraumer Zeit (mindestens seit 20 Jahren vor Erlass des Edikts des Anastasios) bei Abydos eingezogen wurden. verweist auf das Vorhandensein von Schiffen. Princeton 1986. e. 2. 73). Papado- poulos Kerameos. 817–822. Dass die Beamtenstelle auch . Die Ungereimtheiten in Prokops Bericht betreffen auch die Gebühr. 80 Der Text der „Inventio“ und des Translationsberichts findet sich in folgender Ausgabe: A. wollten die frommen Christen die Gebeine unbemerkt am Kontrolleur der Meerenge vorbeischmuggeln. Seine Aufgabe war es. Sp. tw'n stenw'n bezahlt werden. nahe Jerusalem gefunden und dann unter abenteuerlichen Umständen nach Konstan- tinopel verbracht wurden80. Natürlich ist eine von allen Schiffen erhobene Gebühr als Zoll an- zusprechen. Jedoch sandte der Archon den Flüchtigen – wegen der Intervention eines Engels allerdings vergeblich – fünf schnelle Schiffe der drovmwn-Klasse nach81.

und Waffenkontrolle zuständig gewesen ist. vgl. Seit der Seeherrschaft der Athener. Betrachtet man nun diesen Befund im Zusammenhang mit den bereits aus der In- schrift und dem Bericht Prokops über die Zollerhöhung durch Justinian gewonnenen Erkenntnissen. 6302 (De Boor. erfahren wir aus den späteren Quellen hin und wieder Details86. die er. siehe Antoniadis-Bibicou (Anm. . bei dem der Beamte wiederum die Bezeichnung kovmh~ tw'n stenw'n trägt. geht aus einer Stelle bei Johannes Malalas hervor (432. 86 Unter der Kaiserin Irene wurde der Meerengenzoll im Jahre 800 reduziert oder ganz abgeschafft (ejkouvfisen ist hier zweideutig. Venezianer. um die reibungslose Abfertigung des Schiffsverkehrs durch die Meerenge gewährleisten zu können84. A. 70–73 Thurn). Liddell/Scott s. 157. jedoch machte ihr Nachfolger Nikephoros I. *** 1453.).v. M. 97–155 u. Bosporos. Hellespont. Sp. 14–17 Dindorf = 361. der Archon indes als Oberaufseher für die Personen. Sinope oder gar um türkische Kapitäne. neue Begrifflichkeiten etc. 85 Eine Überlegung lässt sich hier noch anstellen. 475. Historia byzantina. noch vor der endgültigen Einnahme Konstantinopels. sandte Mehmet II. Über die weitere Nutzung des Transitzolls an den Meerengen in byzantinischer Zeit sowie über Erleichterungen und Modifikationen. der zwar kontextabhängig betrachtet werden muss. Zur weiteren Geschichte des byzantinischen Zollwesens siehe ausführlich Antoniadis-Bibicou (Anm. 87 Michael Dukas. M. die mit der systematischen Zolleintreibung ein militärisches Profil hatte. Zum Meerengenzoll siehe im Register unter den Lemmata Abydos.354 ALEXANDER RUBEL ihm neben den Schiffsmannschaften auch weitere Untergebene zur Disposition. Migne (PG) 116. handele es sich nun um Genuesen. ohne sie anzuhalten und von ihnen den Durchgangszoll zu erheben87. das Hieron. Es wäre so denkbar. Migne (PG). die wahrscheinlich unter Justinian er- höht worden war und als Durchgangszoll zu betrachten ist85. Amissos. um die Byzantiner vom Nachschub aus dem Norden abzuschneiden. kein Schiff durch die Meerengen fahren zu lassen. 73). Trepezunt. Wie Mehmet der Eroberer handelten alle Beherrscher von Bosporos und Helle- spont. wo ebenfalls spätestens seit Justinian eine Zollstelle eingerichtet war. Theophanes. 84 Der Bericht über die Wundertaten des heiligen Demetrios erzählt von einem Untergebenen des „erhabenen Komes von Abydos“: ∆Anh. A. Darauf näher einzugehen würde den Rahmen dieser Untersuchung sprengen. seinen Getreuen Ferouz Agha zur Rumeli-Festung (Rumeli Hisarı). Es besteht die Möglichkeit. wofür ihr großes Lob zuteil wurde. th. Seine Operationsbasis war Abydos am Hellespont. Sp. Hieron. allerdings meist „Zoll“ bedeutet. Mehmet wies Ferouz Agha an. ergibt sich.n “Abudon megaloprepei' ejxuphre- touvmeno~ kovmhti. 6293 (De Boor. Händler aus Konstantinopel. 197 f. 28). S. 1257b. 15–18). lag am Bosporos.r ga. diese Maßnahme neun Jahre später wieder rückgängig.. dass der kovmh~ oder a[rcwn tw'n stenw'n in erster Linie für die Sicherheit von Hellespont und Bosporos zuständig war und darüber hinaus eine Gebühr bei den durchfahrenden Handelsschiffen einzog. dass die Benennungen Komes (Inschrift) und Archon (Prokop und Inventio reliquorum) unterschiedliche Ämter bezeichnen. Theopha- nes. erst 1452 an der schmalsten Stelle des Bosporos auf dessen europäischer Seite hatte erbauen lassen. 73). 486. Zum in der Quelle verwendeten Begriff kommerkion. dass der Komes für den Gebühreneinzug. ein weiterer Kontrollpunkt.r pisto. 1049.~ tw'/ kata.

Byzantion-Konstantinopel. Die Quellen berichten von dieser üblichen staatlichen Maßnahme nur zufällig oder wenn ein besonderer. ereignisgeschichtlicher Zusammenhang erkennbar wird (etwa der Krieg zwischen Byzantion und Rhodos). Die ökonomische und politische Bedeutung von Bosporos und Hellespont in der Antike 355 im Bosporos begonnen hatten. Waren die wichtigste Stadt an den Meerengen. dass die strategisch so bedeutenden Meerengen von ihren Beherrschern nach Gutdünken und wenn immer möglich auch fiskalisch ausgebeutet wurden. das attische Seereich oder die Römer politisch und militä- risch in der Lage. den Sund zu kontrollieren und diesen Zoll zu erheben. war die Erhebung eines Transitzolls in den Meerengen die Regel und nicht die Ausnahme gewesen. ihn als eine immer bestimmten Umständen geschuldete Sondermaßnahme anzusehen. Die nur sporadisch aus der Antike überlieferten Informationen über den Meerengenzoll und seine Unbeliebtheit bei den Zollpflichtigen und den Handelsmächten der Region sollten nicht dazu verleiten. Im Gegenteil: Der hier vorgestellte Befund lässt den Schluss zu. Die Eintreibung solcher Gebühren erfolgte nur nach machtpolitischen Kriterien. geschah dies auch. Institutul de Arheologie Iaşi Alexander Rubel .

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