Hans-Ulrich Lessing

Wilhelm Dilthey
Eine Einführung

Böhlau Verlag
Köln Weimar Wien · 2011

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Hans-Ulrich Lessing ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Dilthey-Forschungsstelle und
apl. Professor an der Universität Bochum.

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ISBN 978-3-8252-3486-7 (UTB)

ISBN 978-3-412-20667-3 (Böhlau)

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ISBN 978-3-8252-3486-7

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Für meine Töchter Ann-Kathrin und Kirsten

Inhaltsverzeichnis

Vorwort 7

Einleitung: Warum Dilthey? 9

1 Wilhelm Dilthey: Basisdaten zu Leben und Werk 19

2 Das Projekt einer philosophischen Grundlegung der Geisteswissenschaften: die
Einleitung in die Geisteswissenschaften 33

3 Philosophie des Lebens 61

4 Die Konzeption einer deskriptiven oder Strukturpsychologie 75

5 Hermeneutik 105

6 Die späte Philosophie der Geisteswissenschaften: Der Aufbau der geschichtlichen
Welt in den Geisteswissenschaften 121

7 Die Weltanschauungslehre 153

8 Stichworte zur Rezeptions- und Wirkungsgeschichte 175

Anhang 189

Kurzbiographie 189
Literaturverzeichnis 192
Personenregister 196

keine Entwicklungsgeschichte und keine Systematisierung des diltheyschen Denkens. [7] Seitenzahlen der gedruckten Ausgabe ethischen und pädagogischen Schriften. sondern den möglichst textnah angelegten Versuch einer konzentrierten Darlegung seiner philosophischen Grundgedanken und -motive unter Berücksichtigung der Hauptetappen seiner Theorieentwicklung. die den gewagten Versuch unternimmt. musste auf eine Vorstellung von Diltheys biographisch-geistesgeschichtlichen und philosophie. Die Primärliteratur und wichtige Titel der deutschsprachigen Sekundärliteratur sind im Literaturverzeichnis zusammengestellt. aus dem Jungen Diltheyund aus dem Briefwechsel Dilthey-Yorck unter den Siglen „BW I“. aus der Vorrede zur Einleitung in die Geisteswissenschaften mit kleingestellten römischen Seitenzahlen. Funktion und Methodologie der Geisteswissenschaften. von bleibender Bedeutung sein werden. bei dessen Ausarbeitung auf einige Vorarbeiten zurückgegriffen werden konnte. die als Resultat einer jahrzehntelangen Beschäftigung mit Dilthey und seinem Denken im Jahr seines 100. Aus demselben Grunde unterblieben Hinweise auf die Forschungsliteratur und eine kritische Diskussion abweichender Interpretationsansätze. steht sein Lebensprojekt einer umfassenden (lebens-)philosophischen Grundlegung der Geisteswissenschaften. die Dilthey auch – im Anschluss an Kant – als die Aufgabe einer „Kritik der historischen Vernunft“ bezeichnet hat. Hervorhebungen im Text werden durch Kursivierung wiedergegeben. Im Zentrum der hier vorgelegten Darstellung von Diltheys Philosophie. auf knappem Raum die wesentlichen Inhalte seines aspektreichen philosophischen Denkens zu vergegenwärtigen. aus dem ersten Band von Diltheys Briefwechsel.und der (arabischen) Seitenzahl. von denen man mit guten Gründen annehmen kann.und literargeschichtlichen Arbeiten ebenso verzichtet werden wie auf eine eingehendere Beschäftigung mit seinen poetologischen. insbesondere auch für die zukünftige Auseinandersetzung um Wesen. Todestages erscheint. Zitiert wird aus Diltheys Gesammelten Schriften (GS) unter der bloßen Angabe der (römischen) Band. verbinde ich die Absicht einer ebenso elementaren wie kompakten Präsentation seiner zentralen Theorien. Thesen und Begriffe. dass sie. wobei Vereinfachungen nicht immer zu vermeiden waren. 4 Vorwort Mit der vorliegenden Einführung in das umfangreiche philosophische Werk Wilhelm Diltheys. Das Buch bietet keine systematische Auseinandersetzung mit Diltheys Philosophie. Februar 2011 Hans-Ulrich Lessing . „J“ und „B“. Wegen des beschränkten Umfangs des Buches.

und des beginnenden 20. zur Ethik. deren erster (und einziger) Band 1870 erschien. das in einer umfangreichen Ausgabe vorliegt. Dilthey ist also – obwohl ein Autor.und Kulturgeschichte der zweiten Hälfte des 18. Auseinandersetzung und Fortführung herausfordert. dessen Werk noch lebendig ist. Seine Texte wurden in fast alle Weltsprachen übersetzt.und philosophiegeschichtlichen Forschungen. Sein Name ist eng mit den Geisteswissenschaften. Dilthey vertritt eine historisch-hermeneutische Philosophie des Lebens. die zugleich eine sehr fundierte und fulminante Geistes. nach kirchen. „Zusammenhang“. die ihn über weite Strecken seiner wissenschaftlichen Biographie in Atem gehalten haben. hat mittlerweile eine kaum mehr zu überblickende Anzahl von Forschungsarbeiten veranlasst. die Beschäftigung mit Leben und Werk des protestantischen Theologen Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher. [9] Seitenzahlen der gedruckten Ausgabe ein biographisches. die Dilthey nach dem Tod des Herausgebers allein weiterführte. japanische und portugiesische Ausgaben seiner Werke sowie eine Fülle von Übersetzungen ins Italienische. Psychologie. Diese Lebensgeschichte. Seine entsprechenden Thesen und Theorien werden in den einschlägigen Debatten noch immer diskutiert. die in der großen Schleiermacher-Biographie Leben Schleiermachers kulminiert. ohne dass es ihm gelungen wäre. „Wirkungszusammenhang“ und „objektiver Geist“. Auf zahlreichen Kongressen und Kolloquien hat man sich mit seinen Gedanken auseinandergesetzt. „Erleben“ und „Erlebnis“ vor allem „Verstehen“. so gibt es inzwischen amerikanische. hinzukommen im Spätwerk die Begriffe „Ausdruck“. der Hermeneutik und der Entwicklung einer nicht-naturalistischen. und sein Werk. russische. insbesondere zur Erkenntnistheorie und Logik. ein systematisch-philosophisches und ein geistesgeschichtliches. die ihn – auch nach der Publikation des ersten Bandes – mit Unterbrechungen jahrzehntelang beschäftigte. „Struktur“. Jahrhunderts in Deutschland bietet. Ästhetik. Pädagogik und Poetik sowie darüber hinaus zur Philosophie. Aus der Einleitung zum ersten vom ihm edierten Band der Briefe. französische. Sein reiches Lebenswerk umfasst Bücher und Schriften zu fast allen Disziplinen der Philosophie. war angeregt durch die Beteiligung an der Edition des Schleiermacher-Briefwechsels. und die Grundbegriffe seiner Philosophie sind neben „Leben“. Aus seinem Werk ragen drei Lebensprojekte heraus. der im 19. Jahrhunderts. Jahrhundert verwurzelt ist – ein Philosoph. erwuchs der Plan zu einer umfangreichen Biographie. „verstehenden“ Psychologie verbunden. den immer wieder angekündigten zweiten Band . die Dilthey wegen des Einspruchs der Schleiermacher-Familie nicht publizieren durfte. 5 Einleitung: Warum Dilthey? Wilhelm Dilthey (1833 – 1911) zählt – neben Friedrich Nietzsche und Edmund Husserl – zu den wichtigsten deutschsprachigen Philosophen der zweiten Hälfte des 19. „Lebensbezug“. immer noch zu denken gibt und zu Interpretation.und Geistesgeschichte und zur Literaturgeschichte. Am Beginn von Diltheys Laufbahn steht.

wie z. wie Dilthey in (kritischem) Bezug auf Kant sein Großprojekt einer umfassenden philosophischen Grundlegung der Geisteswissenschaften gelegentlich auch nannte. der Einleitung in die Geisteswissenschaften. die neben der wissenschaftlichen. Doch trotz seiner immensen Produktivität – der entsprechende Nachlassteil umfasst mehrere tausend Manuskriptseiten – gelang es Dilthey auch in diesem Fall nicht. Diese Beschäftigung mit der Geschichte der Berliner Akademie wuchs sich in der Folge zu einem umfangreichen Projekt einer Geschichte des deutschen Geistes aus. Der erste. aus dessen Anlass Dilthey zwei große wissenschafts. Das dritte Großprojekt Diltheys sind seine Studien zur Geschichte des deutschen Geistes. philosophiegeschichtliche Studien.bzw. akademiegeschichtliche Aufsätze publizierte. dem – wie der Untertitel lautet – „Versuch einer Grundlegung für das Studium der Gesellschaft und der Geschichte“. Außerdem sind Diltheys ausgedehnte geistes. seine Abhandlungen zur Poetik und Pädagogik. Diesem Unternehmen. das Werk zum Abschluss zu bringen. das Dilthey fast sein ganzes wissenschaftliches Leben beschäftigen sollte – ebenfalls ohne zum Abschluss zu kommen –. Das nächste große Projekt. der die eigentliche Grundlegung enthalten sollte. vorbereitende Band der Einleitung wurde 1883 veröffentlicht. nicht realisierten Buchplan zurückgeht. . Teile daraus wurden in den Bänden III und XII der GS sowie 1933 in einer Einzelpublikation veröffentlicht. die eine intensivere Beschäftigung lohnen. sowie insbesondere die 1910 veröffentlichte Schrift Der Aufbau der geschichtlichen Welt in den Geisteswissenschaften. wie er seine Weltanschauungslehre auch genannt hat. seine Hegel- Biographie Die Jugendgeschichte Hegel von 1905 und vor allem die Sammlung seiner wichtigsten literargeschichtlichen Aufsätze Das Erlebnis und die Dichtung. konnte der Band von ihm ebenso wenig abgeschlossen werden. Neben diesen Großprojekten finden sich in Diltheys Werk weitere wichtige Veröffentlichungen. seine späten Arbeiten zu einer „Philosophie der Philosophie“. schon größere Partien in Aufsatzform publiziert und umfangreiche Manuskripte verfasst hatte. Obwohl Dilthey in den folgenden Jahren für den geplanten zweiten Band. war eine „Kritik der historischen Vernunft“. die seit Anfang der neunziger Jahre in dichter Folge erscheinen. wie der zweite Band der Schleiermacher-Biographie. B. Auch in diesem Fall wurden [10] erst aus dem Nachlass wichtige systematische Teile der Grundlegung im Rahmen der Gesammelten Schriften (= GS) veröffentlicht. die 1906 erschien. 6 fertigzustellen. Unmittelbarer Auslöser war wohl das zweihundertjährige Jubiläum der Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften. das auf einen frühen.bzw. wandte sich Dilthey nach 1900 zu. zu dem schon ein Verlagsvertrag abgeschlossen war. philosophischen auch die literarische und musikalische Entwicklung in Deutschland umfassen sollte und für die in Diltheys zahlreichen literarhistorischen Abhandlungen schon viele Vorarbeiten bereitlagen. Die umfangreichen Materialien zu diesem Band wurden erst Jahrzehnte nach seinem Tod aus dem Nachlass herausgegeben. Verwirklicht werden sollte dieses Unternehmen mit seinem auf zwei Bände angelegten philosophischen Hauptwerk.

dienen fast immer auch dem Bericht über gerade anstehende Arbeiten oder dem Ausblick auf neue Projekte. naturwissenschaftlich-technischer wie kultureller Hinsicht: die Märzrevolution von 1848. der Wilhelminismus. Urlaube wurden zur Arbeit an begonnenen Forschungsvorhaben genutzt.und Literarhistoriker Herman Grimm gibt und die Herman Nohl in einem Handbuchartikel über Dilthey wiedergegeben . als er geboren wurde. den angekündigten zweiten Teil dieser umfangreichen Abhandlung ab- [11] zuschließen. Jahrhunderts. bevor er diese Absicht konkret in Angriff nehmen konnte. Insofern lässt sich durchaus mit einem gewissen Recht davon sprechen. auf die man sich affirmativ oder kritisch beruft. er starb. die der junge William James in einem Brief vom 17. der eine Fülle von Entdeckungen und technischen Entwicklungen mit sich brachte. die Reichsgründung von 1871. das trotz vieler bedeutender Schriften letztlich ein großes Fragment darstellt. der deutsch-französische Krieg von 1870/71. In seine Lebenszeit fallen viele bedeutende. der inzwischen nur noch eine historische Figur ist: fast sein ganzes Leben war der Forschung und Lehre sowie dem Austausch mit befreundeten Philosophen und Wissenschaftlern gewidmet. der rasante Aufstieg der Naturwissenschaften. 7 die sich an den ersten Band der Einleitung anschloss und Struktur und methodische Grundlagen der Geisteswissenschaften analysierte sowie das Problem der historischen Erkenntnis behandelte. Wie kein zweiter repräsentiert Dilthey in seiner Biographie den Typus des deutschen Professors des 19. die Gründerzeit. von großer. wirtschaftlicher. wenn nicht gar revolutionäre Entwicklungen in politischer. Diltheys Lebensspanne reicht vom Biedermeier bis zum Vorabend des Ersten Weltkriegs. erscheint uns die Person Dilthey doch merkwürdig fremd und als eine Gestalt. eine gewisse Tragik liegt. war Hegel zwei Jahre tot und Goethe gut anderthalb Jahre. Oktober 1867 an seine Schwester von einer Begegnung mit Dilthey anlässlich eines Mittagessens bei dem mit Dilthey eng befreundeten Kunst. was Dilthey wohl auch gesehen und worunter er gelitten hat. dauerhafter Bedeutung. sowie die Stilwechsel in Kunst und Literatur von der Spätromantik des Biedermeier über den Realismus zum Naturalismus und Impressionismus. seine Briefe. selbst an die Familie und die Braut. dass über Diltheys Lebenswerk. wie gelegentliche Hinweise in seinen späten Texten belegen. der preußisch-österreichische Krieg von 1866. die uns heute fern gerückt ist. der preußisch-österreichisch-dänische Krieg von 1864. Aber auch im Fall des Aufbaus war es Dilthey nicht vergönnt. als sie noch immer in den einschlägigen Debatten als Referenztexte dienen. Während wichtige Teile seines Werkes insofern noch lebendig und „aktuell“ sind. Diese fast als eine Bessenheit zu bezeichnende Erfülltheit von seinen Forschungen und seine umfassende geisteswissenschaftliche Bildung werden treffend illustriert durch eine [12] köstliche briefliche Schilderung. Nahezu alles wurde seinem rastlosen Arbeiten untergeordnet.

mit Grimm zu streiten über die Identität von Homer.“ (The Letters of William James. Erich Rothacker. Sein handschriftlicher Nachlass. Boston 1920. zu der so wegweisende Philosophen wie u. und frühen 20. hatte aber an exceedingly grimy shirt and collar and a rusty old rag of a cravat. Gute Gründe für eine intensivere Beschäftigung mit dem philosophischen Werk Diltheys wurden oben schon genannt: er ist eine bedeutende. die in unterschiedlicher Weise durch sein Werk zu Kritik und Auseinandersetzung oder zur (kritischen) Weiterführung seiner Denkmotive angeregt wurden.Martin Heidegger. T.) In stiller Arbeit entstand im Laufe der Jahre nicht nur ein höchst umfangreiches publiziertes Werk. I. 8 hat: „Ein weicher dicker Mann mit schwarzem Haar […] von ungewissem Alter zwischen fünfundzwanzig und vierzig Jahren. Herausgegeben von O. Jahrhunderts und hat eine große Rezeptions. Er erhob sich. Skizzen. Er füllte darüber hinaus in jahrzehntelanger harter. Otto Friedrich Bollnow und Hans-Georg Gadamer gehören. to whom learning has become as natural as breathing. daß die Antworten des Professors ziemlich müde wurden. Grimm rief. und ich weiß nicht. das heute in der Ausgabe seiner Gesammelten Schriften greifbar ist. Er sprach und lachte unaufhörlich bei Tisch. von denen nur ein Teil in den Nachlassbänden der GS veröffentlicht werden konnte. berichtete Frau Grimm die ganze Geschichte des Buddhismus. umfasst mehrere zehntausend Seiten. in: Ders. das er über sein Gesicht warf und augenblicklich einzuschlafen schien. mit sehr kleinen grünen Augen. z. Nach zehn Minuten weckte ihn Grimm mit einer Tasse Kaffee. H. 109 – 111. Diltheys bedeutendste Leistung liegt zweifellos in seiner Philosophie der Geisteswissenschaften: Er hat als einer der ersten versucht. Vol. erfrischt wie ein Riese. was von andren Punkten der Religionsgeschichte. Entwürfen. disziplinierter Arbeit mit seinen Manuskripten.: Die Deutsche Bewegung. Helmuth Plessner. vom Kreis seiner engeren Schüler begonnen wurde und 2006 nach der Edition von sechsundzwanzig. Georg Misch. dessen umfangreichster Teil im Archiv der Berlin-Brandenburgischen [13] Akademie der Wissenschaften (Berlin) aufbewahrt wird – ein kleinerer Nachlassteil befindet sich in der Niedersächsischen Staats.und Universitätsbibliothek Göttingen –. 304. Er stimmte eifrig zu. He is the first man I have ever met of a class of men. philosophiehistorisch wichtige Gestalt der deutschen Philosophie des späten 19. Nach Tisch gerieten Grimm und der Professor in eine heiße Kontroverse über die primitive Form der Naturreligion.und Wirkungsgeschichte. Er trug den obligaten Frack. Bollnow und F. kurz nach seinem Tod. Grimm gab ihm ein reines Taschentuch. Edited by his son H. Plänen und Projektdispositionen seine Manuskriptschränke. F. Göttingen 1970. James. als plötzlich sein dicker Kopf nach vorn fiel. a. Rodi. und fuhr fort. sehr umfangreichen Bänden zum Abschluss kam. Ich bemerkte. Der Professor floß über von Informationen über alles Erkennbare und Unerkennbare. Nohl: Wilhelm Dilthey (1957). die Geisteswissenschaften als eine von den Naturwissenschaften unabhängige Gruppe von Wissenschaften philosophisch . Vorlesungen und Aufsätze 1770 – 1830. er solle lieber einen ordentlichen Schlaf im Sessel nehmen. die 1914.

die – wie die Naturwissenschaften – die allgemein anerkannten Kriterien der Wissenschaftlichkeit erfüllen. Der Grund dafür liegt in der unaufhebbaren (ontologischen) Differenz von Natur und menschlicher Kultur sowie dem je verschiedenen (methodischen) Verhältnis. die Bedingungen der Allgemeingültigkeit des geschichtlichen und kulturellen Verstehens zu erforschen. an der wir partizipieren. wir verstehen sie. was er selbst hervorgebracht hat – verstehen die kulturelle Welt. sie ist für uns bedeutsam und sinnhaft. ist „unsere Welt“. 9 zu begründen und dabei entscheidende Einsichten in das Wesen geisteswissenschaftlicher Erfahrung und die Struktur der Geisteswissenschaften gewonnen. aber von ihm anders gefassten Begriff des „objektiven Geistes“ in die Theorie der Geisteswissenschaften und damit auch in die . Der Natur können wir uns gleichsam nur „von außen“ nähern. die als menschliches Erzeugnis zugleich den Menschen formt – der Philosoph und Kulturanthropologe Michael Landmann wird für dieses Wechselverhältnis die prägnante Formel vom Menschen als „Schöpfer und Geschöpf der Kultur“ finden –. Die Geisteswissenschaften begreift Dilthey daher zunächst als Wissenschaften. Ausdruck und Verstehen herausgearbeitet und den von Hegel übernommenen. Die kulturelle. Wir sind als Elemente dieser kulturellen Welt verwoben in die mannigfaltigen und komplexen Geflechte oder Netzwerke gesellschaftlich-geschichtlicher Wirklichkeiten. Dilthey hat das für die Geisteswissenschaften konstitutive Grundverhältnis von Leben. sondern auch bedeutende Anstöße zur Begründung einer „hermeneutischen Philosophie“ gegeben hat. ist für uns – so Dilthey – eine „fremde Welt“. zu den Klassikern der Hermeneutik zählt und mit seiner Philosophie der Geisteswissenschaften den Versuch einer hermeneutischen Grundlegung der Geisteswissenschaften unternommen hat. wie z. an denen wir mitgestalten und weiterarbeiten und die für uns deshalb verständlich sind. hebt er aber auf der anderen Seite zugleich hervor. Fellmann) paraphrasiert. wie Sprache. Traditionen. die nicht nur einen wesentlicher Beitrag zur Philosophie der Geisteswissenschaften geliefert. Religion etc. Während Dilthey somit einerseits den Wissenschaftscharakter dieser Gruppe der Wissenschaften der gesellschaftlich- geschichtlichen Wirklichkeit betont. die Kultur dagegen. die Forderungen nach Allgemeingültigkeit und Objektivität. Sein Ziel war es. sie spricht uns an. die uns umgeben und prägen. die für uns „stumm“ ist.. die „unsere Welt“ ist. als ein Zusammenhang kausal bestimmter Prozesse. dass Dilthey das so genannte „Vico-Axiom“ (F. 152) zu begründen bzw. Wir – und hier wird deutlich. weil er einer der Hauptbeteiligten der sogenannten „Verstehen-Erklären-Debatte“ ist. wonach der Mensch nur das verstehen kann. vertraut und daher verständlich. dass sie in erkenntnistheoretischer und in der Folge davon auch in methodischer Hinsicht von den Naturwissenschaften unterschieden sind. geistige Welt dagegen. ist uns „von innen“ bekannt. das wir als Forschungssubjekte zu diesen [14] beiden Bereichen der Wirklichkeit einnehmen. ein „allgemeingültiges Wissen der geschichtlichen Welt“ (VII. Die Natur. Außerdem ist Dilthey wichtig. weil wir sie (mit)hervorgebracht haben. B.

Negation der geistig-kulturellen Wirklichkeit und sein Versuch der Begründung der [16] Geisteswissenschaften als eigenständiger. Diltheys Argumente gegen eine solche. Ludwig Büchner etc. der Positivismus und Empirismus von Auguste Comte. h. von den Naturwissenschaften unabhängiger Wissenschaftsgruppe können auch heute noch wichtige Impulse geben in einer Debatte. d. weil er zu einer Zeit. die aktuell wieder viel Resonanz erfährt und in der gegenwärtigen wissenschaftlichen Lage von besonderer Virulenz ist. in der es um nicht mehr und nicht weniger geht. weil er durch seine literarhistorischen Aufsätze schulbildend geworden ist. Hume und Kant) eine auf die Totalität der menschlichen Natur begründete „Philosophie des Lebens“ entwickelt hat und in seinen anthropologischen Überlegungen den Menschen als ein geschichtliches und gesellschaftliches Wesen herausgestellt hat. heute im Trend liegende naturalistische Vereinnahmung bzw. weil er nicht nur die geisteswissenschaftliche oder verstehende Psychologie. John Stuart Mill und Henry Thomas Buckle sowie die exakten Naturwissenschaften mit ihren Methodenkonzeptionen den Eigensinn der geistigen Welt – wie er sagte – „verstümmeln“ wollten. sondern auch die geisteswissenschaftliche Pädagogik inspiriert hat und weil er mit seiner Weltanschauungslehre wichtige Einsichten in den Lebensbezug der Philosophie vermittelt hat. in der der Materialismus von Ernst Haeckel. weil er mit seinen biographischen Werken über Schleiermacher und Hegel glänzende Beispiele geistesgeschichtlicher Forschung geliefert hat. Einige weitere gute Gründe. als um die uns alle betreffende zentrale Frage nach unserem Begriff des Menschen selbst. da er mit dieser eine Konzeption entwickelt hat. die derjenigen Diltheys gegen Ende des 19.. 10 Hermeneutik eingeführt und mit seiner Analyse der geschichtlich-gesellschaftlichen Wirklichkeit außerdem auch einen beachtlichen Beitrag zur Kulturphilosophie geleistet. Weiterhin ist Diltheys Konzeption einer nicht-naturwissenschaftlich ausgerichteten. Jahrhunderts verblüffend ähnlich ist: zahlreiche naturalistische Positionen. Schließlich ist Dilthey gerade in unserer heutigen Situation von unverminderter Aktualität. „verstehenden“ [15] Psychologie von außerordentlicher Bedeutung. lassen sich noch darüber hinaus anführen: weil er als Alternative zur Bewusstseinsphilosophie der Neuzeit (Locke. die Autonomie dieser geistigen Welt und die ihrer Wissenschaften zu retten versuchte. stellen mit großer Resonanz in den Medien die Annahme der menschlichen Willensfreiheit und damit die Souveränität der Person sowie die These einer Unabhängigkeit des Geistigen von Naturprozessen und folglich die der kulturellen Wirklichkeit radikal infrage. angefangen von der Hirnforschung über Repräsentanten der analytischen Philosophie bis zu Anhängern eines Neo-Materialismus. beschreibenden und zergliedernden. [17] . Gegenwärtig befinden wir uns in einer Situation. warum sich eine intensive Beschäftigung (und Auseinandersetzung) mit ihm lohnt.

a. seine Großmutter Pfarrerstochter. kam aus einem künstlerischen Haus und war Tochter des herzoglichen Hofkapellmeisters Johann Peter Heuschkel. ebenfalls den Beruf des Pfarrers zu ergreifen. ebenso autobiographisch wie wissenschaftsgeschichtlich aufschlussreiches Textstück. und Diltheys Vater. dem Bonner klassischen Philologen Hermann Usener (1834 – 1905). [19] Nach drei Semestern in Heidelberg wechselt Dilthey zum Wintersemester 1853/54 an die Berliner Universität. war reformierter Pfarrer. Seine Lebensgeschichte entspricht auf geradezu frappierende Weise der typischen Biographie eines deutschen Professors der Geisteswissenschaften oder der Philosophie in der zweiten Hälfte des 19. Maximilian Dilthey (1804 – 1867). der Aristoteliker und entschiedener Hegel-Gegner war. Jahrhunderts an der Berliner Universität herrschte. Doch schon bald. und seine Schwester Lily (1846 – 1920) war verheiratet mit Diltheys Freund. Dilthey besuchte ein Gymnasium in Wiesbaden und bestand 1852 die Reifeprüfung. 11 1 Wilhelm Dilthey: Basisdaten zu Leben und Werk Diltheys Leben verlief – von außen betrachtet – unspektakulär. geht er auch philosophischen Interessen nach und hört bei dem später sehr bekannt gewordenen hegelianischen Philosophiehistoriker Kuno Fischer (1824 – 1907). und des beginnenden 20. Kirchenrat. die in der zweiten Hälfte der fünfziger und beginnenden sechziger Jahre des 19. sein Bruder Karl (1839 – 1907) war Professor der Archäologie und klassischen Philologie in Zürich und Göttingen. November 1833 in Mosbach-Biebrich am Rhein bei Wiesbaden im damaligen Herzogtum Nassau geboren. Wilhelm (Christian Ludwig) Dilthey wurde am 19. Sein Großvater war Pfarrer. In Berlin erhält Dilthey die entscheidenden Anregungen. wo er neben seinen theologischen Studien bei Karl Immanuel Nitzsch (1787 – 1868) und August Detlev Christian Twesten (1789 – 1876) u. Diltheys Mutter. Wie viele andere bedeutende Gestalten der deutschen Geistesgeschichte entstammt auch Dilthey einem protestantischen Pfarrhaus. in dem Dilthey die geistesgeschichtliche Konstellation anschaulich schildert. Dieser Passus findet sich in dem Nachruf auf seinen Freund Wilhelm . die die Ausrichtung und Entwicklung seines Lebenswerks bestimmen sollten. Im Sommersemester 1852 begann er – dem Wunsch seines Vaters und der Familientradition folgend – ein Studium der Theologie an der Universität Heidelberg in der Absicht.Maria Laura Dilthey (1810 – 1887). Jahrhunderts. auch Lehrveranstaltungen bei dem bekannten Philosophen Friedrich Adolf Trendelenburg (1802 – 1872). dem Philologen August Boeckh (1785 – 1867) und dem Historiker Leopold von Ranke (1795 – 1886) besucht und die schon in Heidelberg vorgezeichnete Wendung zur Philosophie und Geistesgeschichte schon bald endgültig vollzieht. das zeigen seine frühen Briefe. Dekan und nassauischer Oberhofprediger. Es gibt ein sehr schönes. Dilthey hatte drei Geschwister: seine Schwester Marie (1836 – 1891) lebte nach kurzer Ehe wieder im Hause ihrer Eltern.

dem neu aus Frankreich und England kommenden Positivismus und Empirismus sowie den rasch expandierenden Naturwissenschaften charakterisiert war: „An der Berliner Universität überwogen damals noch von ihrer Gründung her die Geisteswissenschaften. Hegel. A. Müllenhoff. Fr. in denen der universale erdumspannde Geist empirisch-historischer Betrachtung. Hier lebte und arbeitete noch Jacob Grimm. der ihn dort über den Bruder sprechen hörte. als es heute in der Reichshauptstadt möglich wäre. und von ihr aus formten sich ihre Überzeugungen. Savigny als ihre nächsten Vorfahren blickten die Gelehrten zurück. denn die Beschäftigung mit der Romantik „regte freiere und der deutschen Wissenschaft gemäßere Betrachtungen über den Zusammenhang der Geschichte an. erschien seine Richtung mit der historischen Schule einstimmig. Sehr lebendig und eindringlich beschreibt Dilthey in diesem Text. Comte und Buckle nahe gebracht. vgl.“ (XI. die sich zu Berlin in den sechziger Jahren zusammenfanden und sich da ganz anders. Eine an Carlyle. wollte man zu festen Ansichten gelangen. zuweilen sah man wohl die schlichte unbeschreiblich imponierende Gestalt durch den Tiergarten schreiten oder vernahm ihn in der Akademie. Berlin war aber auch zweifellos der Mittelpunkt der germanistischen Studien. Berlin war noch der Sitz der historischen Schule. während der er aber seine wissenschaftlichen Projekte weiterbetreibt. denen sich Scherer gewidmet hatte. Wolf. die er schon in der Spätphase seines Theologie- . die Situation. 12 Scherer (1841 – 1886). Ein so spröder und stolzer Zug durch das gelehrte Wirken von Trendelenburg. Die aufstrebenden Naturwissenschaften forderten eine Auseinandersetzung mit denselben. auch V. 242f. Unter diesen herrschte der Geist einer veränderten Zeit. wie sie Engländer und Franzosen ausgebildet haben. als Mill. in der er sich und mit ihm viele andere Vertreter seiner Generation während ihres Studium befanden und die durch das Spannungsverhältnis zwischen der in Berlin traditionsreichen historischen Schule. Die am meisten hinreißenden Vorlesungen waren die von Ritter und Ranke. wie er von den Humboldts zuerst vertreten worden war. wurde ihnen durch Mill. Buckle und Comte gegeben hatten. Emerson. 4) Auf Drängen seines Vaters legt Dilthey im Oktober 1855 sein theologisches Examen in Wiesbaden und im folgenden Jahr in Berlin sein philologisches Examen ab. Ranke erzogene Vertiefung in große Persönlichkeiten lehrte ihre Rolle in der Geschichte anders beurteilen. einen seinerzeit bekannten positivistischen Literaturhistoriker und - wissenschaftler. Es folgt eine mehrjährige Lehrtätigkeit an Berliner Gymnasien. in dem er auch die ihn prägenden Lehrer und Anreger nennt. niemand kann den Eindruck vergessen. […] Aber die Jüngeren. 243.) Doch wurde – wie Dilthey zu verstehen gibt – seine anfängliche Aufgeschlossenheit oder gar Begeisterung für die moderne positivistisch-empiristische Erfahrungsphilosophie wieder relativiert oder zurückgenommen. Indem Trendelenburg durch die Erkenntnis und die Verteidigung des Aristoteles die Kontinuität der [20] philosophischen Entwicklung aufzuzeigen und zu wahren strebte.“ (XI. Schleiermacher. am reinsten sich ausdrückte. als jene englischen und französischen Schriftsteller es getan haben. Droysen hindurchging: sie haben doch ihre Schüler niemals einengen wollen. Auf Wilhelm von Humboldt. aneinanderschlossen. Die Erfahrungsphilosophie. hatten nun auch ihr eigenes Leben.

die er auf Druck der Erben Schleiermachers seinem Band nicht voranstellen kann. Er lebt nun mehrere Jahre als Privatgelehrter und freier Publizist in Berlin und veröffentlicht in dieser Zeit eine Fülle von Aufsätzen und Rezensionen. (Vgl. an einer Preisaufgabe der Schleiermacher-Stiftung und gewinnt im Februar 1860 mit seiner großen Abhandlung Das eigentümliche Verdienst der Schleiermacherschen Hermeneutik ist durch Vergleichung mit älteren Bearbeitungen dieser Wissenschaft. (XIV. 163) Eine schwere Augenerkrankung zwingt Dilthey für mehrere Monate. 13 Studiums mit der Absicht verfolgt hatte. (BW I. 152. 256) Aber auch dieser Plan lässt sich ebenso wenig realisieren wie der frühere. (Vgl. obwohl er dazu gedrängt wird. namentlich von Ernesti und Keil. bei seinem Lehrer Trendelenburg mit einer „sehr oberflächliche[n] . nicht publiziert. Im Jahr 1859 beteiligt sich Dilthey. BW I. auf das Schreiben und Lesen zu verzichten. [21] Dogmengeschichte zum Studium der Geschichte der christlichen Weltanschauung im Abendlande zu verknüpfen“. Zu Beginn des Jahres 1860 wendet sich Dilthey von der Beschäftigung mit den Kirchenvätern und den gnostisch-neuplatonischen Systembildungen ab und der ersten Periode der Scholastik zu. Dilthey beschäftigt sich in diesen Jahren mit dem Plan. Er entscheidet sich daher kurzfristig. „Kirchen. und zwar im Kontext des von Dilthey nicht vollendeten zweiten Bandes seiner monumentalen Schleiermacher-Biographie. (Vgl. sich nun ganz auf seine Arbeiten. 548) Insbesondere widmet er sich den frühchristlichen theologisch-philosophischen Systemen und der Gnosis. 595 – 787). Projekte und Pläne zu konzentrieren. (BW I. 133. Das Preisgeld gibt Dilthey. 549) Dieser bedeutende Beitrag zur Erforschung der Geschichte der Hermeneutik wird von Dilthey. ein Buch über den Ursprung der mittelalterlichen Philosophie zu schreiben. Redeker aus dem Nachlass veröffentlicht. Seit 1857 publiziert Dilthey wissenschaftliche Arbeiten und engagiert sich bei der Edition von Schleiermachers Briefwechsel. In Briefen. erwächst ihm der Plan zu einer umfangreichen Biographie Schleiermachers. und er will aus diesem Forschungsfeld ein Dissertations-Thema wählen. da sich seine wissenschaftlichen Ambitionen mit dem Schuldienst nicht vereinbaren lassen. Nach dem Tode des Herausgebers Ludwig Jonas übernimmt Dilthey die Herausgabe der Bände drei (1861) und vier (1864) der Ausgabe Aus Schleiermacher‘s Leben. der kurz zuvor seine Schultätigkeit aufgegeben hat. die Möglichkeit. BW I. die zumeist anonym oder pseudonym erscheinen. eine Universitätslaufbahn einzuschlagen. 139) Sein Ziel ist es nun. BW I. ins Licht zu setzen „den doppelten Preis“. der sich schon seit einiger Zeit mit Schleiermacher und dessen wissenschaftlichen Nachlass beschäftigt hatte. Aus der Einleitung zum [22] dritten Band der Schleiermacher-Edition.u. sondern erst 1966 von M.

262. die zu den philosophisch fruchtbarsten Abschnitten seines Lebens gehört und für seine philosophische Entwicklung von kaum zu überschätzender Bedeutung ist. 1 – 55) und beginnt zum Wintersemester 1864/65 als Privatdozent für Philosophie an der Berliner Universität mit seinen Vorlesungen. dem Begründer einer Völkerpsychologie. 550) zu promovieren. Auch seine erste Vorlesung im Wintersemester 1864/65 gilt dieser wissenschaftstheoretischen Thematik. das ihn fast lebenslang begleiten sollte. Mit Moritz Lazarus (1824 – 1903). In Basel arbeitet Dilthey vornehmlich an seiner Schleiermacher-Biographie. der seinem Berliner Freundeskreis angehörte. Spätestens ab 1862 befasst er sich auch mit einer „Art Wissenschaftslehre“ (BW I. 1870 veröffentlicht er den ersten Band seiner Schleiermacher-Biographie Leben Schleiermachers (um Partien aus dem Nachlass erweitert in GS XIII). das er schon früh als Belastung empfindet. die u. am 17. Fragment bleibt. 14 Abhandlung über Schleiermachers Ethik“ (BW I. BW I. ohne ihn abschließen zu können. BW I. 823. Immer wieder kündigt Dilthey seinem Verleger den baldigen Druckbeginn an (vgl. Juni 1864. Schon 1867 wird Dilthey als ordentlicher Professor der Philosophie an die Universität Basel berufen und hält dort seine Antrittsvorlesung über Die dichterische und philosophische Bewegung in Deutschland 1770 – 1800 (aus dem Nachlass veröffentlich in: V. die aber. In seiner Breslauer Zeit. 386) zum Thema haben. beginnt sich aber außerdem in die aktuelle physiologische und physikalische Forschung einzuarbeiten und richtet sein Interesse erstmals verstärkt auf Anthropologie und Psychologie. XX. 320f. schon 1869 wird er an die Universität Kiel berufen. 510). den man als Keimzelle seines späteren Unternehmens einer Grundlegung der Geisteswissenschaften ansehen kann. . a. nicht zum Abschluss bringen und bezeichnet schon vor Publikation des ersten Bandes sein Schleiermacher-Projekt. 265). die „sociale und moralische Natur des Menschen“ (BW I. B. Für die Vorlesung lässt Dilthey einen Grundriß der Logik und des Systems der philosophischen Wissenschaften drucken (1865. Januar 1864 promoviert er mit der Schrift De principiis Schleiermacheri (nur teilweise auf Deutsch publiziert in: XIV. mit der Untersuchung Versuch einer Analyse des moralischen Bewußtseins (aus dem Nachlass veröffentlicht in: VI. 350. vgl. an der er bis 1871 lehrt. z. 339 – 357) und habilitierte sich wenige Monate später. 802. 12 – 27). Dilthey bleibt nur für wenige Se- [23] mester in Basel. kann aber sein sehr ehrgeiziges Projekt. an dessen zweitem Band er in den nächsten Jahren mit großer Intensität arbeitet. erarbeitet Dilthey wichtige erkenntnistheoretische und psychologische Konzeptionen und die Grundzüge seiner Philosophie der Geisteswissenschaften. 1871 wechselt Dilthey an die Universität Breslau. wie viele andere frühe (Buch- )Pläne.) und das Studium des Menschen und der Geschichte (vgl. hatte Dilthey schon früh intensive Gespräche über wissenschaftsphilosophische Probleme geführt. 830). als „Lebensplage“ (BW I. Am 16. wo er bis 1882 lehrt. 19 – 32).

885 – 888.) 1882.1882 wird Dilthey (zum 1. Balzac. den Brief an R. a. der mit ihm seine Veröffentlichungs.1882) als Nachfolger Rudolf Hermann Lotzes an die Berliner Universität berufen. Yorck. Außerdem veröffentlicht Dilthey 1875 nach einer Reihe von – nicht publizierten – Vorarbeiten mit der so genannten „Abhandlung von 1875“ Über das Studium der Geschichte der Wissenschaften vom Menschen. a. bewirtschaftet das Familiengut Klein Oels bei Breslau und wird – neben H. zu Voltaire. publiziert er während seiner Breslauer Jahre eine immense Anzahl von Rezensionen. Helene und Clara. mit der er drei Kinder hat (Max. Novalis und Lessing veröffentlicht hatte. zu Schlosser. BW I. dem Enkel des berühmten preußischen Generals Ludwig Yorck von Wartenburg. Dieser Aufsatz ist die erste Fassung von Diltheys berühmtem Goethe-Aufsatz. und Aus Konzepten zum sogenannten „Althoff-Brief“ [Mitte 1882]. der Gesellschaft und dem Staat (V.und Forschungsprojekte entweder bei seinen vielen Besuchen in Klein Oels oder brieflich erörtert. ausgebildeter Jurist und vielseitig interessierter Privatgelehrter. Zur Unterstützung seines Anspruchs auf die Berliner Professur hatte Dilthey Teile des im Druck befindlichen ersten Bandes des Werks an die für Berufungsangelegenheiten zuständigen Beamten im preußischen Kultusministerium. Dickens. (Vgl. Schleiermacher. Juli 1882]. Schoene [vor 6. Wartenburg 1877 – 1897) ist zweifellos eine der wichtigsten philosophischen Korrespondenzen in deutscher Sprache und für das Verständnis der philosophischen Konzeptionen des „mittleren Dilthey“ eine unverzichtbare Quelle. Bei dieser Berufung spielt die noch in Arbeit befindliche Einleitung eine bedeutende Rolle. In Breslau schließt Dilthey vermutlich im Herbst 1873 Freundschaft mit dem Grafen Paul Yorck von Wartenburg (1835 – 1897). 125 – 169). 15 Nachdem Dilthey in den sechziger Jahren zahlreiche Rezensionen sowie populäre literaturgeschichtliche und biographischen Aufsätze. 113 – 172) aufgenommen wird. Der Briefwechsel zwischen Dilthey und dem Grafen (Briefwechsel zwischen Wilhelm Dilthey und dem Grafen Paul Yorck v. 1874 heiratet Dilthey die Berliner Rechtsanwaltstochter Katharina Püttmann (1854 – 1932). 389 – 392) . John Stuart Mill. der später in [24] seinen literargeschichtlichen Sammelband Das Erlebnis und die Dichtung (XXVI. Heinrich Heine. geschickt und Absicht und Anlage seines Buches in Begleitbriefen ausführlich erläutert. in der Publikumszeitschrift Westermann‘s Illustrirte Deutsche Monatshefte erscheinen und in den Bänden XV – XVII der GS dokumentiert sind. Literaturbriefen. Berichten vom Kunsthandel und kleineren populären biographischen Skizzen und Aufsätzen (u. Richard Wagner. u. die später den Philosophen und Dilthey-Schüler Georg Misch heiratet). die v. 31 – 73) die wichtigste Vorstufe seines Hauptwerks Einleitung in die Geisteswissenschaften. Usener – zum wichtigsten Freund und wissenschaftlich- philosophischen Gesprächspartner Diltheys.10. XIX. Am 22. die Übersiedlung nach Berlin erfolgt Michaelis (29. Weiterhin veröffentlicht er 1877 unter dem Titel Über die Einbildungskraft der Dichter eine ausführliche Besprechung von Herman Grimms Goethe-Buch (XXV. Richard Schöne und Friedrich Althoff. Schopenhauer.7. George Sand).9. a.

vorausgegangen. 170). die Antrittsrede. der Akademie-Ausgabe von Kants Gesammelten Schriften. Er entwickelt eine große Produktivität. Aufl. Benno Erdmann und Eduard Zeller das Archiv für Geschichte der Philosophie (ab 1895 umbenannt in Archiv für Philosophie) heraus. Ebenfalls 1887 erscheint in der Festschrift für Diltheys Berliner Kollegen Eduard Zeller mit der Abhandlung Das Schaffen des Dichters (unter dem Titel Die Einbildungskraft des Dichters in: VI. in ihren Prinzipien und einzelnen Ausführungen dargestellt (Nachlassveröffentlichung unter dem Titel System der Ethik in: GS X). die Dilthey bis 1902 leitet und in die er einen nicht unerheblichen Teil seiner Arbeitskraft und -zeit investiert. die er in einem großen Brief an Yorck detailliert vorstellt (B. d. und in schneller Folge treten nun viele wichtige systematische und historische Schriften Diltheys an die Öffentlichkeit. 1887 wird Dilthey als ordentliches Mitglied in die Königlich-Preußische Akademie der Wissenschaften (Berlin) aufgenommen (vgl. 1 – 16) undArchive der Literatur in ihrer Bedeutung für das Studium der Geschichte der Philosophie (IV. Diltheys Brief an G. BW I. 103 – 241). 90 – 92) und als „Abschluß meiner systematischen Gedanken“ (B. Ethik. sofort nach der Publikation. Im . [26] Im Sommersemester 1890 hält Dilthey seine (einzige) Ethik-Vorlesung. E. 90) bezeichnet. (Vgl. 10 – 11) und gibt vom selben Jahr ab in Gemeinschaft mit Hermann Diels. 56 – 82). wonach der eigentlich im Sommer 1882 beginnende Druck des zweiten [25] Bandes vom Leben Schleiermachers. 1888 publiziert Dilthey seinen wichtigsten pädagogischen Text Über die Möglichkeit einer allgemeingültigen pädagogischen Wissenschaft (VI. h.3. Reimer vom 13. 1885 erscheint in erster Auflage als Grundlage für seine philosophiehistorischen Vorlesungen sein Biographisch-literarischer Grundriß der allgemeinen Geschichte der Philosophie (6. 874) Mit Beginn seiner Berliner Lehrtätigkeit stellt Dilthey seine außergewöhnlich umfangreiche Publikationstätigkeit für Westermanns Monatshefte ein und veröffentlicht nun fast nur noch wissenschaftlich-philosophische Schriften. 1905 in: GS XXIII. sein bedeutendster Beitrag zur Poetik. beginnen sollte. 1 – 160). Der Publikation war eine förmliche Zusage gegenüber dem Verleger der Schleiermacher-Biographie. 16 Im Frühjahr 1883 erscheint der erste Band der Einleitung in die Geisteswissenschaften im Leipziger Verlag Duncker & Humblot (GS I). Im Jahr 1889 veröffentlicht er die beiden Aufsätze Archive für Literatur (XV. 555 – 575). Gewissermaßen als Folge seiner Forderung nach Literaturarchiven beschäftigt sich Dilthey mit den Handschriften Kants und konzipiert 1893 den Plan zu einer „monumentalen Kantausgabe“ (B. V. Georg Ernst Reimer. vor der Veröffentlichung des zweiten Bandes der Einleitung.1882. aber nie fertig gestellten zweiten Bandes der Einleitung angehören. die zum erheblichen Teil dem historischen und systematischen Kontext des geplanten. der für die Veröffentlichung des ersten Bandes der Einleitung zurückgestellt worden war.

17 selben Jahr veröffentlicht er die wichtige erkenntnistheoretische Abhandlung Beiträge zur Lösung der Frage vom Ursprung unseres Glaubens an die Realität der Außenwelt und seinem Recht (V. und 16. die für die geplante Ausarbeitung des zweiten Bandes der Einleitung fatale Folgen hat. in: II. wird von Dilthey 1894 veröffentlicht. XXII. 90 – 135). 242 – 287) einen weiteren wichtigen Beitrag zur Ästhetik. 241 – 316). Der entwicklungsgeschichtliche Pantheismus nach seinem geschichtlichen Zusammenhang mit den älteren pantheistischen Systemen (1900. die zum Umkreis des systematischen Teils des zweiten Bandes der Einleitung gehört. Jahrhundert (1891/1892. 312 – 390) und Die Funktion der Anthropologie in der Kultur des 16. 176 – 184. Die berühmte programmatische Akademieabhandlung Ideen über eine beschreibende und zergliedernde Psychologie (V. nachdem er es jahrelang offenbar vernachlässigt hatte. Jahrhundert (1892/1893. ebenfalls als Akademie-Abhandlung. wieder zu schreiben (vgl. Jahrhundert (1893. in: II. und 17. und 1891 beginnt die Reihe großer geistesgeschichtlicher Arbeiten Diltheys zu erscheinen. 1 – 89). B. die aber erst gut ein Jahrzehnt nach seinem Tode zustandekommt. Sie erfährt in einem Ende 1895 erscheinenden Aufsatz des – mit Dilthey befreundeten – Psychologen Hermann Ebbinghaus eine vernichtende Kritik. Jahrhunderts (1904. 1896 (Rekonstruktion der „Abhandlung von 1895“ in: V. in: II.. 239f. in: II. 90 – 245). bricht dann aber enttäuscht seine systematischen Arbeiten an der Einleitung endgültig ab und wendet sich wieder seiner Schleiermacher- Biographie zu. (Vgl. 265 – 266). in: VIII.) und plant im Sommer 1897 eine Neuauflage des ersten Bandes der Schleiermacher-Biographie (vgl. . 416 – 492). Das natürliche System der Geisteswissenschaften im 17. In der achten Auflage von Friedrich Ueberwegs Grundriß der Geschichte der Philosophie veröffentlich Dilthey 1897 eine aufschlussreiche Übersicht meines Systems (mit Zusätzen aus dem Nachlass. 229. 1892 veröffentlicht Dilthey mit dem Aufsatz Die drei Epochen der modernen Ästhetik und ihre heutige Aufgabe (VI. 214) Vom Dezember 1896 widmet er sich diesem Unternehmen intensiver und beginnt. (Vgl. Die unter dem Titel Über vergleichende Psychologie (1895) geplante. 246 – 296). die ebenfalls dem Kontext des zweiten Bandes zuzurechnen sind: Auffassung und Analyse des Menschen im 15. in: II. 242). 337 – 345) Bis etwa Mitte 1896 arbeitet er an seiner psychologischen Konzeption weiter. der konstruktive Rationalismus und der pantheistische Monismus nach ihrem Zusammenhang im 17. die seinen systematisch-philosophischen Anspruch deutlich werden lässt. Die beabsichtigte umfangreiche Antwort auf Ebbinghaus‘ Kritik will Dilthey trotz wiederholter Anläufe [27] nicht gelingen. aber nur verkürzt unter dem Titel Beiträge zum Studium der Individualität publizierte Fortsetzung der Ideen erscheint. 234f. die ihn in eine tiefe persönliche Krise stürzt. Die Autonomie des Denkens. die dem systematischen Zentrum des zweiten Buchs der Einleitung zugehört. B. die er sich schon ab Mai 1896 wieder vorgenommen hatte. B. 139 – 237).

(Vgl. ihre Vergangenheit und ihre gegenwärtigen Aufgaben (1900. Im Sommer 1901 stellt er die Rundschau-Artikel zu dem Buch Drei Epochen deutschen Geisteslebens. von der nach Diltheys Tod aber nur wenige ausgearbeitete Aufsätze in Band XII der GS und dem Buch Von deutscher Dichtung und Musik (Leipzig und Berlin 1933. Konkreter Anlass für das von der Jahrhundertwende ab verfolgte Projekt der Studien ist offenbar das Jubiläum der Berliner Akademie. 12. Der Publikation vorausgegangen waren die Akademie-Vorträge Über Hermeneutik. das Unternehmen breiter anlegen will. umgearbeitet vom Herausgeber in: III) beteiligt und der ihn in weitere wissenschaftsgeschichtliche Forschungen hineinzieht. In den nächsten Jahren häuft Dilthey eine riesige Manuskriptmenge zu dieser Thematik an. Philosophie und Geschichte umfassen sollen. 207 – 268). und beschäftigt sich seit Ende des Jahres in einer Reihe von Vorträgen in der Berliner Akademie wieder intensiv mit seinem Lebensthema. 1. sehr ehrgeizige Projekt geht zurück auf eine konkrete Absprache mit dem Cotta-Verlag über eine Geschichte des geistigen Lebens in Deutschland in der Neuzeit. 317 – 331. die aber nicht realisiert wird. 18 Seit 1900 verfolgt Dilthey sein neues Großprojekt der Studien zur Geschichte des deutschen Geistes. Misch und H. Neben diesen geistesgeschichtlichen Studien verfolgt Dilthey nach der Jahrhundertwende auch wieder intensiver seine Arbeiten zur Grundlegungsproblematik der Geisteswissenschaften. nicht nur in Anbetracht seines fortgerückten Alters. 848 – 850] und den Verlagsvertrag vom 3. wird aber aus unbekannten Gründen nicht weiterfolgt. die im Rahmen einer geplanten Bibliothek deutscher Geschichte erscheinen sollte.1881) Dieses Projekt. in die er auch älteres Material integriert. Jahrhundert und die geschichtliche Welt (mit wenigen Änderungen in: III. das – schon fertig ausgedruckt – von ihm aber vor der Veröffentlichung wieder zurückgezogen wird. Dieses. 332 – 338).1. In diesem Zusammenhang publiziert Dilthey noch zwei Abhandlungen in der Deutschen [28] Rundschau über Die deutsche Aufklärung im Staat und in der Akademie Friedrichs des Großen (1901. dem man auch Diltheys zahlreiche literaturgeschichtliche Arbeiten zurechnen kann. Nohl) veröffentlicht werden können. Leibniz – Friedrich der Große und die Aufklärung – Die Begründer der geschichtlichen Weltansicht zusammen. herausgegeben von G. dem für seine späte Philosophie der Geisteswissenschaften besondere Bedeutung zukommt. In diesen Zusammenhang gehört der im Jahr 1900 in der Festschrift für den Tübinger Philosophen Christoph Sigwart veröffentlichte wichtige Aufsatz Die Entstehung der Hermeneutik (V. Musik. an dem sich Dilthey mit dem Rundschau- Artikel Die Berliner Akademie der Wissenschaften. da er. die in mehreren Bänden eine Darstellung des deutschen Geisteslebens von der germanischen Frühzeit bis zur Gegenwart bieten und Literatur. 410 – 426). Diltheys Brief an Carl von Cotta vom 29. mit dem Inhalt des Werks unzufrieden. umgearbeitet vom Herausgeber in III) und Das 18. den Problemen einer philosophischen Grundlegung der . I. Ab Anfang 1904 unternimmt Dilthey Arbeiten für eine geplante zweite Auflage der Einleitung (vgl. Zusätze aus den Handschriften. Hälfte (Juni 1896) und Über die Hermeneutik von Baumgarten und Semler (Februar 1897).1880 [BW I.

1 – 187. Aufsätzen und Rezensionen hat er noch eine große Zahl von – z. die von Dilthey umgearbeitet bzw. [30] Neben den von Dilthey selbst veröffentlichten Büchern. Zusätze aus dem Nachlass: IV. Novalis und Hölderlin. Abhandlungen. Skizzen. mit der er seine in der Folge vielfach rezipierte Weltanschauungslehre der Öffentlichkeit vorlegt (VIII. 1911. 288 – 305). enthält überwiegend ältere Aufsätze zu Lessing. 3 – 23). 189 – 282. 77 – 188). Von Ende 1909 bis 1911 versucht Dilthey – nun mit Hilfe seines Schülers Eduard Spranger – die Schleiermacher-Biographie wiederaufzunehmen. Goethe. Im selben Jahr. unvollendeten – Manuskripten sowie viele Fragmente. Nohl in den Hegel-Studien 1 [1961]. Aber auch dieser letzte Versuch. die aber nur zum geringen Teil in den Sitzungsberichten der Akademie veröffentlicht werden. T. Eine Sammlung seiner wichtigsten literahistorischen Arbeiten gibt Dilthey 1906 (erschienen kurz vor Weihnachten 1905) unter dem – berühmt gewordenen – Titel Das Erlebnis und die Dichtung heraus. Zusätze aus dem Nachlass: VIII. schließlich publiziert Dilthey in dem von seinem Schüler Max Frischeisen-Köhler herausgegebenen. weitere Fragmente aus Diltheys Hegel wurden später von H. 73 – 118. 119 – 165). Auflage ausgegeben werden. den er nicht mehr abschließen kann. Von Dilthey publiziert wird nur 1905 die Erste Studie zur Grundlegung der Geisteswissenschaften: Der psychische Strukturzusammenhang (VII. repräsentativen Band Weltanschauung. bleibt Fragment: die geplante Fortsetzung des Aufbaus bleibt ungeschrieben. die die Grundlegung zum Thema hat: Der Aufbau der geschichtlichen Welt in den Geisteswissenschaften (VII. schon Ende 1907 kann die 2. im Jahr seines Todes. die Manuskripte der übrigen Vorträge erscheinen – um Nachlassmaterialen ergänzt – in Band VII der GS. [29] Etwa ab Mitte 1902 hatte sich Dilthey auch mit dem frühen Hegel beschäftigt und veröffentlicht 1905 die Ergebnisse dieser Forschungen als Akademie-Abhandlung unter dem Titel Die Jugendgeschichte Hegels (IV. Dispositionen etc. verfasst. 339 – 416). die zu einem großen Teil. 19 Geisteswissenschaften. und 1910 erscheint – wiederum als Akademie-Abhandlung – auf der Basis der seit 1904 vorgetragenen Studien zur Grundlegung der Geisteswissenschaften Diltheys letzte große Schrift. 103 – 134. die intendierte philosophische Grundlegung der Geisteswissenschaften doch noch – in allerdings im Hinblick auf Umfang und Konzeption weniger anspruchsvoller Form als die Einleitung – zu vollenden. Sein letzter Text. Philosophie und Religion die große Abhandlung Die Typen der Weltanschauung und ihre Ausbildung in den metaphysischen Systemen. behandelt Das Problem der Religion (VI. und 1910 die 3. mit dem Ende des Sommersemesters 1905. In dem Band Systematische Philosophie der von Paul Hinneberg herausgegebenen Reihe Die Kultur der Gegenwart veröffentlicht Dilthey 1907 seine große Abhandlung Das Wesen der Philosophie (V. Diltheys erfolgreichstes Buch. aber längst . veröffentlicht). Diese Sammlung. ergänzt werden (jetzt in: GS XXVI). wird Dilthey von seinen Lehrverpflichtungen befreit.

an dem er etwa seit Mitte 1869 gearbeitet hat (vgl. rekonstruiert in GS XXV). BW I. vgl. 647. Nicht realisiert blieben u. ein Buch über Spinozas Theorie der Affekte (1871. 510. Dilthey starb am 1.. 619). . Oktober 1911 während eines Urlaubs im „Haus Salegg“ in Seis am Schlern (Südtirol) an den Folgen einer Ruhr-Erkrankung. ein großes Buch über die philosophisch- wissenschaftliche Entwicklung in Europa. 518. seine Beisetzung auf dem alten Friedhof in Biebrich fand am 7. BW I. ein Buch über Poetik und die Studien zur Geschichte des deutschen Geistes. 598f. 544. Oktober 1911 statt. das von ihm so genannte „zweite Buch“. a. 722). 634. 20 nicht vollständig – zusammen mit ausgewählten Vorlesungsnachschriften – in den Bänden seiner GS veröffentlicht wurden. 608. sodann eine Aufsatzsammlung Dichter als Seher der Menschheit (Frühjahr 1895.

117. 115. die „Abhandlung von 1875“ und die Versuche ihrer Fortsetzung. 5). also die Wissenschaften des Menschen. der erste Band der Einleitung in die Geisteswissenschaften von 1883 und die Nachlassmanuskripte zum systematischen Teil des zweiten Bandes. allerdings nie zum Abschluss gekommene große Forschungsprojekt. Rechts. 191. die intendierte Philosophie der Geisteswissenschaften auszuarbeiten. h. Wichtige Stationen dieser Beschäftigung sind der „Grundriss von 1865“. IX und V. die Ideen über eine beschreibende und zergliedernde Psychologie von 1894. Mitte der siebziger Jahre bis 1896). es ist die einheitstiftende Mitte seines Werks und seines Denkens. logischen und methodologischen Grundlegung der Geisteswissenschaften. die Vorlesung Einleitung in das Studium der Geisteswissenschaften. als eine – und zwar nicht nur in methodischer Hinsicht – von den Naturwissenschaften unabhängige Wissenschaftsgruppe begründen? Dieses philosophische Projekt kann man ohne Einschränkung als das Lebensprojekt Diltheys bezeichnen. d. die Breslauer erkenntnistheoretischen und psychologischen Forschungsmanuskripte. der sich von seinen frühen Diskussionen mit dem Freund Moritz Lazarus bis zum Aufbau der geschichtlichen Welt in den Geisteswissenschaften von 1910 erstreckt. VIII. 127 – 164). In immer neuen Anläufen hat Dilthey versucht. ohne allerdings sein sehr ambitioniertes. das die Begründung der Autonomie der Geisteswissenschaften zum Ziel hatte. 9. (Vgl. die Studien zur Grundlegung der Geisteswissenschaften von 1905 bis 1910 sowie Der Aufbau der geschichtlichen Welt in den Geisteswissenschaften. der Geschichte und der Gesellschaft (vgl. VII. In Diltheys Theoriebildung lassen sich grob zwei Phasen unterscheiden: Die erste wird durch den Umkreis der Einleitung gebildet (ca.und Staatswissenschaften. I. Theologie und Geschichte vom Sommersemester 1883 (XX. vgl. die „Abhandlung von 1895“ Über vergleichende Psychologie. und wie lassen sich die Geisteswissenschaften. weil wahrscheinlich zu weit gespanntes und zu anspruchsvolles Projekt einer Grundlegung vollenden zu können. 263. 21 2 Das Projekt einer philosophischen Grundlegung der Geisteswissenschaften: die Einleitung in die Geisteswissenschaften Im Zentrum von Diltheys Werk steht das Projekt einer umfassenden philosophischen. Dilthey hat dieses Unternehmen. Dieses Unternehmen hat ihn fast über sein ganzes wissenschaftliches Leben begleitet und nahezu beständig in Atem gehalten. Die . Alle systematischen Arbeiten – aber auch viele seiner historischen Forschungen – beziehen sich direkt oder in einem weiteren Sinne auf dieses umfassende. I. 278. erkenntnistheoretischen. [33] Mit den Problemen einer philosophischen Begründung der Geisteswissenschaften beschäftigt sich Dilthey in dem Zeitraum. 116. gelegentlich auch – in (kritischer) Anspielung auf Kants Transzendentalphilosophie – als eine „Kritik der historischen Vernunft“ bezeichnet. 264) Seine philosophische Grundfrage lautet: Wie lässt sich die Objektivität geisteswissenschaftlicher Erkenntnisse sichern. 290. auch I.

8) Obwohl das Werk also offenbar in relativ kurzer Zeit ausgearbeitet wurde. Im Frühjahr 1883 erscheint der erste Band von Diltheys philosophischem Hauptwerk. Mich verlangte. die bis in Diltheys Studienzeit zurückreicht. entnervt durch einen scharfen Angriff des Psychologen Hermann Ebbinghaus auf seine Konzeption einer deskriptiven Psychologie. die Frage des methodischen Status der Erforschung der geschichtlichen und gesellschaftlichen Wirklichkeit erfasst und seitdem nicht wieder losgelassen. die in Vorbereitung oder in der Absicht der geplanten Fortsetzung dieser – unvollendet gebliebenen – Schrift entstanden sind (1904 – 1911). dass Dilthey während des Drucks an Inhalt und Disposition derEinleitung z. ä. Berichte o. Konkret ausgearbeitet hat Dilthey die Einleitung anscheinend in kurzer Zeit – nicht zuletzt wohl auch im Hinblick auf die in Aussicht stehende Berufung auf den Berliner philosophischen Lehrstuhl.. erste Entwürfe zu einer Theorie der Geisteswissenschaften reichen bis in die Mitte der sechziger Jahre zurück. der Einleitung in die Geisteswissenschaften. um gleichsam ihre Seele zu vernehmen. aufgab. T. bevor er es im Jahr 1896. Offenkundig ist allerdings. die in seiner Grundlegung der Geisteswissenschaften eine fundamentale Rolle spielt.) keine Hinweise auf das in Arbeit befindliche Werk. der Fragment gebliebenen Vorrede zu einer noch von ihm selbst geplanten Sammlung seiner systematischen Aufsätze. die Licht auf ihre Planung und ihren Entstehungsprozess werfen könnten. 867f. T. spricht Dilthey in einer Art autobiographischem Rückblick von dem „herrschende[n] Impuls“ in seinem wissenschaftlichen Werk und formuliert gleichsam sein philosophisches Lebensprogramm. so dass die Genese der Einleitung nicht im Detail nachvollzogen werden kann. Konkret verfolgt hat Dilthey das Buchprojekt der Einleitung vom Beginn der achtziger Jahre bis in die Mitte der neunziger Jahre. noch erheblich gearbeitet hat. ebenso wenig gibt es au- [34] tobiographische oder sonstige einschlägige Notizen. dazu Kap. in die geschichtliche Welt immer tiefer einzudringen. Das Buch trägt den programmatischen Untertitel: Versuch einer Grundlegung für das Studium der Gesellschaft und der Geschichte und ist das Resultat eines fast zwanzigjährigen Arbeitsprozesses. In seinem Briefwechsel finden sich bis zum Sommer 1881 (vgl. (Vgl. BW I. mit der er in der „mittleren Phase“ seiner philosophischen Entwicklung die von ihm angestrebte Philosophie der Geisteswissenschaften realisieren will. 22 zweite durch den Aufbau und die Texte. Schon Mitte der fünfziger Jahre hatte ihn die Thematik einer umfassenden philosophischen Behandlung der Probleme der Geisteswissenschaften und das Thema der methodologischen Selbständigkeit dieser Wissenschaften. sie sind in Band XVIII der GS dokumentiert. geht seiner Publikation eine jahrelange. z. und . In einem seiner letzten Texte aus dem Spätsommer 1911. „das Leben aus ihm selber verstehen zu wollen. sehr intensive Beschäftigung mit dieser Problematik voraus. oder anders gesagt. wie die erhaltenen Druckfahnen belegen.

Diese führen nämlich. I. in die geschichtliche Welt immer tiefer einzudringen. In vielen kleineren Manuskripten. der Diltheys Lehrer Trendelenburg. „den Geist als ein Produkt der Natur zu begreifen“. 23 der philosophische Zug. London 1843. XVII u. da sie. wie der Völkerpsychologie von Lazarus und Steinthal. 4) Die Ausgangslage für Diltheys Projekt einer Philosophie der Geisteswissenschaften war eine „Unsicherheit über die Grundlagen der [35] Geisteswissenschaften“. V. 193) Dieser Empirismus-kritische Impuls. wie z. dieser Drang war für mich nur die andre Seite meines Verlangens. die objektive Erkenntnis derselben zu sichern. wie er wahrzunehmen glaubt. erkennt aber doch schon bald die Mängel und problematischen Konsequenzen der Erfahrungsphilosophie und des Naturalismus. in deutscher Übersetzung von J. 3) bzw. Skizzen und Rezensionen. XVI) Diese Grundlagenkrise wurde ausgelöst durch die schon erwähnte Konfrontation zwischen der an der Berliner Universität fest etablierten historischen Schule. Entwürfen. wie auch die französischen Aufklärungsphilosophen. versuchen. der das Denken des jungen Dilthey in der zweiten Hälfte der sechziger und in den siebziger Jahren bestimmt. bildet sich bei ihm der Plan zu einer allmählich Gestalt gewinnenden Theorie der Geisteswissenschaften. den beiden kritischen Besprechungen von Buckles Hauptwerk History of Civilisation in England (2 Vol. die man auch als eine Gegenkonzeption zum sechsten Buch (On the Moral Sciences) von Mills Hauptwerk A System of Logic. Beeing a Connected View of the Principles of Evidence and the Methods of Scientific Investigation (2 Vol. Rationative and Inductive. (I. der geschichtlichen Wirklichkeit (vgl. 3) Aus der kritischen Beschäftigung mit den positivistisch-empiristischen Ansätzen. denen er sich einerseits in ihrer Gegnerschaft zur spekulativen Philosophie verwandt fühlt. auseinander und stellt dabei seine Kritik dieser Richtungen unter die Formel „Empirie nicht Empirismus“. setzt sich Dilthey mit der positivistischen Wissenschaftsphilosophie und konkurrierenden Unternehmungen.“ (V. zu einer „Verstümmelung des Geistes“ (vgl. aber andererseits auch ihre Grenzen erkennt. also dem Positivismus und dem Empirismus. und der französisch-englischen Erfahrungsphilosophie. (V. B. London 1857 – 1861). Schiel: [36] . ihre Gültigkeit zu begründen. (XVIII. wie er insbesondere durch die Philosophen Auguste Comte und John Stuart Mill sowie den englischen Historiker Henry Thomas Buckle repräsentiert wurde. Der junge Dilthey zeigt anfänglich durchaus eine gewisse Sympathie für diese erfahrungswissenschaftlichen Bestrebungen. a. Ranke und Boeckh angehörten. den Eingang in diese Realität zu finden. bildet ebenfalls das Fundament der Einleitung.).

Diltheys Entwurf ist vornehmlich getragen von der Absicht. (I. XVII) Im Zusammenhang mit diesem Grundproblem stehen aber auch Fragen. B. der Arbeit der historischen Schule eine philosophische Begründung zu liefern und eine Logik und Methodenlehre der Geisteswissenschaften auszuarbeiten. versuchen demgegenüber der Positivismus und der Empirismus von Comte. Jacob Grimm. und suchte deren erkenntnistheoretische Begründung. über die Vertreter der romantischen Schule bis zu Niebuhr. in dem eine Einheitswissenschaft ohne methodologisch-erkenntnistheoretische Trennung von Natur. die „ihre theoretische Ausbildung wie ihren Einfluß auf das Leben hemmen mußten“. die nicht nur den Theoretiker. welcher für das Leben der Gegenwart Erklärung und Regel im Studium der Vergangenheit sucht und dem schließlich geistiges Leben an jedem Punkte geschichtliches ist“. die Mill als „moralisch-politische Wissenschaften“ bezeichnet. sondern auch den geisteswissenschaftlichen Praktiker interessieren. Eine Darlegung der Principien wissenschaftlicher Forschung. postuliert wird. stellte sich die Einleitung „auf die Tatsache der Geisteswissenschaften. XVI) Dilthey bestimmt seine konkrete Aufgabenstellung in seinem Buch durch diesen Konflikt zwischen der historischen Schule und dem Positivismus. sonach Begründung auf das einzige in letzter Instanz sichere Wissen“. Braunschweig 1849) lesen kann. die von Wickelmann und Herder.“ (VII. ein universaler Geist der Geschichtsbetrachtung. 117) Denn diese fehlende erkenntnistheoretische Begründung diagnostiziert Dilthey als die entscheidenden „inneren Schranken“ dieser Forschungsbewegung. (I. „das Rätsel der geschichtlichen Welt [37] durch Übertragung naturwissenschaftlicher Prinzipien und Methoden zu lösen“.und Geisteswissenschaften. Savigny und Boeckh reicht und die klassische Phase der Geisteswissenschaften in Deutschland repräsentiert. XVI) Denn „ihrem Studium und ihrer Verwertung der geschichtlichen Erscheinungen fehlte der Zusammenhang mit der Analysis der Tatsachen des Bewußtseins. ist in Diltheys Augen eine „rein empirische Betrachtungsweise […]. wie z. Mill und Buckle. XVI) Während die historische Schule Wert auf die Betrachtung und Erkenntnis historischer Individualitäten legt und entwicklungsgeschichtlich denkt.) Charakteristisch für die historische Schule. (I. 24 System der deductiven und inductiven Logik. wie sie besonders in dem von der historischen Schule geschaffenen Zusammenhang dieser Wissenschaften vorlag. liebevolle Vertiefung in die Besonderheit des geschichtlichen Vorgangs. welcher den Wert des einzelnen Tatbestandes allein aus dem Zusammenhang der Entwicklung bestimmen will. (I. und ein geschichtlicher Geist der Gesellschaftslehre. Er will „das Prinzip der historischen Schule und die Arbeit der durch sie gegenwärtig durchgehends bestimmten Einzelwissenschaften der Gesellschaft philosophisch […] begründen und so den Streit zwischen dieser historischen Schule und den abstrakten Theorien […] schlichten“. Wie er rückblickend im Aufbau schreibt. . (Ebd.

h. 9).) Die erkenntnisphilosophische Position. die Diltheys Philosophie der Geisteswissenschaften zugrunde liegt. Zahlreiche Dispositionen aus verschiedenen Jahren zeigen. 1 – 120) enthält in nuce eine Theorie der Geisteswissenschaften. hinter diese Bedingung zurückzugehen. in dem erkenntnistheoretischen Standpunkt. Ihre Grundkategorien sind der „ganze Mensch“ und das „Leben“. Hinweisen aus späterer Zeit zufolge sollte das Gesamtwerk sogar aus drei Bänden bestehen. d. auf dem „inneren Erlebnis“ [38] (I. 117) gesetzte „Philosophie des Lebens“. 25 die nach dem Zusammenhang zwischen etwa historischen. um dadurch den Intellektualismus und die Ungeschichtlichkeit der klassischen Erkenntnistheorien (Rationalismus. einleitende Buch („Übersicht über den Zusammenhang der Einzelwissenschaften des Geistes. I. Die Erfahrungswissenschaften der geistigen Wirklichkeit basieren auf der sogenannten „inneren Erfahrung“ bzw. gleichsam ohne Auge zu sehen oder den Blick des Erkennens hinter das Auge selber zu richten“. findet Dilthey den „festen Ankergrund“ für sein Denken „ausschließlich in der inneren Erfahrung. d. der den Einzelwissenschaften Verknüpfung und Gewißheit gibt“? (Ebd. dass Dilthey die Gesamtanlage der Einleitung immer wieder neu durchdacht und geplant hat. XVIII). Transzendentalphilosophie) zu überwinden und so die Grundfragen einer Erkenntnistheorie der gesellschaftlichen und geschichtlichen Wissenschaften. in welcher die Notwendigkeit einer grundlegenden Wissenschaft dargetan wird“. da sie im Mittelpunkt des zweiten Bandes stehen soll. in den Tatsachen des Bewußtseins“. Empirismus. die die historische Schule bedarf. innerhalb dessen sie auftritt“. XVII) Darüber hinaus zeigt sich ihm. die Dilthey im Übrigen in Absetzung von den tradierten erkenntnistheoretischen Ansätzen als „Selbstbesinnung“ bezeichnet. „in dem Ganzen unserer Natur“. aber nicht wirklich ausgearbeitet. der die „Unmöglichkeit einsieht. u. (I. B. wo ist der „feste Rückhalt für einen Zusammenhang der Sätze. besitzt. zu lösen. das „Erleben“ oder das „Erlebnis“. ökonomischen und rechtswissenschaftlichen Aussagen: Wer gibt diesen Sätzen und Begriffen ihre Sicherheit? Reicht der Zusammenhang der geisteswissenschaftlichen Disziplinen in die Metaphysik zurück? Und wenn nicht. wird in der Einleitung nur grob skizziert. Da jede Wissenschaft Dilthey zufolge Erfahrungswissenschaft ist und jede Erfahrung „ihren ursprünglichen Zusammenhang und ihre hierdurch bestimmte Geltung in den Bedingungen unseres Bewußtseins. Grundlage seiner Erkenntnistheorie ist der Rückgang auf den „ganzen Menschen […] in der Mannigfaltigkeit seiner Kräfte“ (I. die die für den zweiten Band . 48) Der veröffentlichte erste Band der Einleitung besteht aus zwei Büchern: Das erste. Die erkenntnistheoretische Basiskonzeption der Einleitung ist eine – wie er rückblickend im Aufbau schreibt – gegen „den Intellektualismus in der damals herrschenden Erkenntnistheorie“ (VII. Diltheys Konzeption zufolge sollte das Gesamtwerk der Einleitung zwei Bände umfassen. a. (Vgl. dass die Selbständigkeit der Geisteswissenschaften von diesem Standpunkt aus die Begründung findet. h.

die Geisteswissenschaften. XIX). von den Naturwissenschaften unabhängiges Ganzes bestimmt. „daß eine allgemein anerkannte Metaphysik durch eine Lage der Wissenschaften bedingt war. die er beide im Zusammenhang seiner bevorstehenden Berufung an die Berliner Universität verfasste. einschließlich der Epoche einer metaphysischen Begründung der Geisteswissenschaften. (I. Schöne und den Konzepten zu einem Schreiben an F. Logik und Methodenlehre der Geisteswissenschaften vorbereiten soll. Sie dient dem Nachweis. und sonach die Zeit der metaphysischen Begründung der Geisteswissenschaften ganz vorüber ist“. h. Demnach sollte der zweite Band. für den Dilthey um 1882/83 vier Bücher geplant hatte. ein Ausblick auf die geplante Methodenlehre. Ihre Herrschaft und ihr Verfall“. d. Dabei werden die Geisteswissenschaften vorläufig und tentativ als ein selbständiges. . h. die sich im Nachlass fanden – vornehmlich aus drei Quellen: seiner Dispositionsskizze in der Vorrede zum ersten Band. 26 vorgesehene umfassende Erkenntnistheorie. d. einen geschichtlichen Teil und die eigene positive systematische Grundlegung der Geisteswissenschaften enthalten: Das dritte Buch sollte die historisch-kritische Darstellung des zweiten Buches fortsetzen und „dem geschichtlichen Verlauf in das Stadium der Einzelwissenschaften und der Erkenntnistheorie nachgehen und die erkenntnistheoretischen Arbeiten bis zur Gegenwart darstellen und beurteilen“ (I. Diesen Teil seiner Konzeption hat Dilthey in großem Umfang durch seine umfangreichen geistesgeschichtlichen Studien der neunziger Jahre realisiert. Abgeschlossen wird das Buch mit einer Kritik der Geschichtsphilosophie und der positivistischen Soziologie sowie einer zusammenfassenden Begründung der Notwendigkeit seines Vorhabens einer erkenntnistheoretischenGrundlegung. 121 – 408) enthält eine weitgehend historisch geführte Metaphysikkritik oder „Phänomenologie der Metaphysik“. d. Es stellt den Gegenstand der Untersuchungen. die im Band II seiner GS zusammengestellt sind.und Naturwissenschaften erörtert sowie das Forschungsmaterial der Geisteswissenschaften und die für sie charakteristischen Klassen von Aussagen vorgestellt. d. eine umfassende Darstellung und Kritik der Metaphysik von den Vorsokratikern bis zur Entstehung der modernen Naturwissenschaften. h. ihres Systems. I. Das zweite Buch („Metaphysik als Grundlage der Geisteswissenschaften. Weiterhin wird das Verhältnis von Geistes. Althoff. h. einem Brief an R. Im Zentrum des Buches steht eine Analyse der verschiedenen Klassen der Geisteswissenschaften und der Versuch einer Bestimmung ihres systematischen Zusammenhangs. XIX) Über Diltheys Planung für den zweiten Band wissen wir – abgesehen von vielen Gliederungsentwürfen. sowie ein [39] Überblick über die methodischen Grundlagen der Geisteswissenschaften. als Wissenschaften der gesellschaftlich-geschichtlichen Wirklichkeit vor. das von der Psychologie als Grundwissenschaft zu den Klassen der systematischen Geisteswissenschaften reicht. die wir hinter uns gelassen haben.

Zum dritten Abschnitt liegen dagegen nur einige Skizzen und Fragmente vor. die in Auswahl ebenfalls im Band XIX publiziert wurden (vgl. Thema des ersten Bandes der Einleitung ist eine fundamentale Analyse der Struktur der geschichtlich-gesellschaftlichen Wirklichkeit sowie der erkenntnistheoretischen und methodischen Struktur und des Zusam- [41] menhangs der Wissenschaften dieser Wirklichkeit sowie der Methoden. VII. die – wenn man brieflichen Äußerungen Diltheys glauben darf – den ältesten Teil der Einleitung darstellt. BW I. XIX. Es handelt sich dabei um die erst aus dem Nachlass in Band XIX der GS publizierte große und mittlerweile in der Dilthey- Forschung als sogenannte „Breslauer Ausarbeitung“ bekannt gewordene erkenntnisanthropologische Untersuchung (XIX. ca. die ebenfalls erst in Band XIX der GSveröffentlicht wurden. sollte in drei Ab- [40] schnitten („Die Tatsachen des Bewußtseins“. 228 – 245) keine Neuentwicklung des Spätwerks darstellen. Ausgearbeitet. sondern auf Konzeptionen der frühen neunziger Jahre zurückgehen. und zwar durch eine Erörterung ihrer Grundlagen . XIX. 1892 /93. XIX. hat Dilthey zum Kontext des fünften Buches – neben einigen kleineren Texten – einen großen. 195 – 227) Das fünfte Buch („Das Denken. (I. dass die in Band VII der GS aus dem Nachlass veröffentlichten späten Entwürfe zu einer lebensphilosophischen Kategorienlehre (Die Kategorien des Lebens. seine Gesetze und seine Formen“) sollte die Logik und das sechste Buch („Die Erkenntnis der geistigen Wirklichkeit und der Zusammenhang der Wissenschaften des Geistes“) die Methodenlehre und das System der Geisteswissenschaften enthalten. Dilthey verfolgt nach eigener Aussage mit der Einleitung die Absicht einer Einführung in das Studium der Geisteswissenschaften. 333 – 388). der Studie Beiträge zur Lösung der Frage vom Ursprung unseres Glaubens an die Realität der Außenwelt und seinem Recht (1890) behandelt. (Vgl. XIX) Das vierte Buch („Grundlegung der Erkenntnis“). 58 – 173). (Vgl. womit sich diese „hermeneutische“ Kategorienlehre – zur Überraschung aller Dilthey-Experten – als ein Projekt des „mittleren Dilthey“ erweist. mit deren Hilfe sie diese Wirklichkeit erforschen. aber nicht publiziert hat Dilthey davon nur den ersten Abschnitt. 27 Die Bücher vier und fünf sollten dann „eine eigene erkenntnistheoretische Grundlegung der Geisteswissenschaften versuchen“. Während vom sechsten Buch nur wenige Fragmente vorliegen. 264 – 295). der deutlich macht. „Die Wahrnehmung der Außenwelt“ und „Die innere Wahrnehmung und die Erfahrung von seelischem Leben“) die Grundlagen einer Erkenntnistheorie der geisteswissenschaftlichen Erfahrung entwickeln. 887) Den Gegenstand des zweiten Abschnitts hat Dilthey in seiner „Realitätsabhandlung“. ebenfalls erstmals in Band XIX der GS veröffentlichten Entwurf einer erkenntnistheoretischen Logik verfasst (Leben und Erkennen.

die Rechts. der Geschichte. Dementsprechend steht die Interpretation von Texten. die man üblicherweise als „Kerngeschäft“ der Geisteswissenschaften be- [42] greift. Sie wird erst im Spätwerk zum Thema seiner Analyse. (I. die in ihr vorhanden sind. Denn sie sind in Diltheys Augen Seismographen gesellschaftlicher Veränderungen und besitzen daher eine eminent praktisch-politische Relevanz. Rechtswissenschaft. etwas Ähnliches leisten. die über bloß wissenschaftsphilosophische hinausgehen. welche ihn leiten. nicht im Mittelpunkt der Einleitung. an welchem er eingreift. 4). Theologie. wie die Philologien. die heute unter den Sammelbezeichnungen „Sozialwissenschaften“ oder „Handlungswissenschaften“ zusammengefasst werden. h. also auch – und sogar vornehmlich – die Soziologie. 28 und Methoden. Und in seiner Analyse dieser Wissenschaften zeigt sich – unerwartet für den „Hermeneutiker“ Dilthey –. sondern vielmehr das ganze Spektrum jener Wissenschaften. die Stellung der Sätze und Regeln. die vorläufig und einführend die Bedeutung des Ausdrucks „Geisteswissenschaften“ und die . der Gesellschaft“. was verschiedene Autoren seit Francis Bacons Novum organum (1620) für das Studium der Naturwissenschaften geleistet haben. (I. Literatur oder Kunst befassen. der Ursachen. welche ihre Erschütterungen hervorgebracht haben.und die Wirtschaftswissenschaften. 4) Den endgültigen Begriff der Geisteswissenschaften. schließlich die Arbeit seines Lebens gewidmet ist“. die Wissenschaften. versteht. an dem Punkte. zu der umfassenden Wirklichkeit der menschlichen Gesellschaft kennen zu lernen. 5) Wichtig zum Verständnis von Diltheys Theorie der Geisteswissenschaften ist somit der Hinweis. dass er unter Geisteswissenschaften nicht – wie heute üblich – primär die interpretierenden Wissenschaften. Mit seiner Einleitung verbindet Dilthey offenbar Erwartungen. ist zu einer Lebensfrage für unsere Zivilisation geworden. 3) Geisteswissenschaften definiert Diltheys als „die Wissenschaften. sie sind – anders gesagt – die „Wissenschaften des Menschen. die Politik-. welche die geschichtlich-gesellschaftliche Wirklichkeit zu ihrem Gegenstand haben“ (I. Das erste Buch versteht Dilthey als eine Art Propädeutik. der sie als ein Ganzes definiert. Den Grund dafür sieht Dilthey in folgendem: „Die Erkenntnis der Kräfte. der Hilfsmittel eines gesunden Fortschritts. die Hermeneutik. die sich mit Geschichte. zeigt er sich doch von der wachsenden Bedeutung der „Wissenschaften der Gesellschaft“ gegenüber den Naturwissenschaften überzeugt.“ (I. dem Theologen und Pädagogen die Aufgabe erleichtern. politischer Ökonomie. welche in der Gesellschaft walten. Politik. die die kulturell-gesellschaftlich-geschichtliche Wirklichkeit untersuchen. dass das Konzept des Textes nicht das Paradigma des geisteswissenschaftlichen Objekts darstellt und die Methode der Textinterpretation nicht das Paradigma der Erkenntnis der geschichtlich- gesellschaftlichen Wirklichkeit ist. die Geschichtswissenschaften oder die Theologie. und er will mit seinem Buch für diejenigen. sowie die definitive Abgrenzung dieses Ganzen von den Naturwissenschaften soll im zweiten Band der Einleitung vorgelegt werden. und deren Methodologie. welcher doch. Sein Buch „möchte dem Politiker und Juristen. d.

der am wenigsten unangemessene ist. schon enthält“. um diesen durch ein gewisses. h. auf die sich eine Abgrenzung dieser Wissenschaftsgruppe von den Naturwissenschaften gründet. der durch ihn und sein Werk Karriere macht. in welchem. durch welche er sich von der ganzen Natur absondert“.. welche primär in der inneren Erfahrung. Freiheit an unzähligen Punkten dieses Ganzen aufblitzt“. welcher Natur ist. gegeben sind“ (I. I.). Erfahrung gegenübersteht. dem Analogieschluß in der Leistung gleichwertiges Verfahren unterlegt zu werden“. (I. eine Verantwortlichkeit der Handlungen. sinnlichen. 8f. (Ebd. als Einheit begreift und von denen der Natur abgrenzt. Für die Verwendung dieses Begriffs spricht in Diltheys Augen aber einmal. dass Dilthey den Begriff „Geisteswissenschaften“. ein Vermögen. welches im inneren Erlebnis seinen selbständigen Ursprung und sein Material . durchaus nicht ohne Vorbehalte verwendet. dass dieser Begriff im Vergleich zu Alternativen wie „Kulturwissenschaften“. in der Person und in der Menschheit“. 9) Dadurch entsteht ein – wie Dilthey schreibt – „eigenes Reich von Erfahrungen.) Mit einem Wort Spinozas bezeichnet Dilthey diese nur durch innere Wahrnehmung gegebene unabhängige geistige Welt innerhalb des Reichs der Natur als „imperium in imperio“. (I.) Grundbedingung einer solchen Unterscheidung von Natur. was in ihm erfolgt. 385 und 388) Von dem Reich der Natur als „Zusammenhang einer objektiven Notwendigkeit“ unterscheidet der Mensch so ein „Reich der Geschichte. alles dem Gedanken zu unterwerfen und [43] allem innerhalb der Burgfreiheit seiner Person zu widerstehen. selbstständig ist und nicht auf diese zurückgeführt werden kann. dass er durch die Schielsche Übersetzung der Millschen Logik weite Verbreitung gefunden hat und dadurch gewohnt und allgemein verständlich geworden ist. (Ebd. (Ebd. erarbeiten Entwicklung. d. Dabei verdient festgehalten zu werden. Durch die Differenzierung zweier Erfahrungsweisen lassen sich zwei Tatsachenkreise voneinander abheben: dem durch die Sinne gegebenen und nur aus diesem durch „denkende Verknüpfung“ entstandenen „Material“ gegenüber steht „ein besonderer Umkreis von Tatsachen […]. warum man üblicherweise diese Wissenschaften der menschlich-gesellschaftlich-geschichtlichen Wirklichkeit. auch I. sonach ohne jede Mitwirkung der Sinne. vgl. mitten in dem Zusammenhang einer objektiven Notwendigkeit. reicht „in die Tiefe und Totalität des menschlichen Selbstbewußtseins“. Dies steht im Gegensatz zu dem „mechanischen Ablauf der Naturveränderungen. „Sozialwissenschaften“ etc. die „alsdann aus dem so primär gegebenen Material innerer Erfahrung auf Anlaß äußerer Naturvorgänge formiert werden. 6) Das entscheidende Motiv. welcher im Ansatz alles. 29 Tatsachen benennt.und Geisteswissenschaften ist die Annahme der Möglichkeit einer so genannten „inneren Erfahrung“. also der Kultur im weitesten Sinne. 6) In diesem Reich der Geschichte bringen die „Taten des Willens […] durch ihren Kraftaufwand und ihre Opfer […] wirklich etwas hervor. (I. die der äußeren. und zum anderen. In der Natur findet sich so nur die „leere und öde Wiederholung“. (Vgl. 6) Denn der Mensch findet in seinem Selbstbewußtsein „eine Souveränität des Willens.

von denen aber im ersten Band der Einleitung bemerkenswerter Weise keine Rede ist. das heißt. „nicht ineinander aufhebbare Standpunkte für die wissenschaftliche Auffassung“: der Standpunkt der Transzendentalphilosophie und der Standpunkt des Naturforschers. und alles. auch die Naturgesetze. umfangreichen Studien . d. der über Jahre [45] mit großer Energie und Beharrlichkeit an seinem Projekt der Einleitung gearbeitet und viele Probleme der „Kritik der historischen Vernunft“ in z. Dies wirft auch ein Licht auf die Funktion der Hermeneutik in Diltheys Konzeption einer Grundlegung der Geisteswissenschaften: Die Hermeneutik als Kunstlehre des Verstehens sollte – an wenig exponierter Stelle – ihren Ort finden im Rahmen des sechsten methodologischen Buches der Einleitung. T. I. erscheint er als ein „Zusammenhang geistiger Tatsachen“. die äußere Erfahrung. (Ebd. der Dilthey. stehen unter den Bedingungen des Bewusstseins und sind von ihnen abhängig. kann man an der Tatsache ablesen. das Dilthey im Rahmen des Projekts der Einleitung strikt nach dem Schema des Analogieschlusses denkt: äußeren Vorgängen oder Objekten wird durch ein dem Analogieschluss gleichwertiges Verfahren das durch die innere Erfahrung zugängliche Material unterlegt. Welch geringe Bedeutung Dilthey allerdings einer solchen Hermeneutik beigemessen hat. d.) Zu den in innerer Erfahrung gegebenen Tatsachen tritt nun das (psychologische) Verstehen. sondern erwirkt eine sozusagen gegenstandskonstitutive Leistung für die Geisteswissenschaften. 15) Dadurch ergeben sich zwei verschiedene. basiert somit auf der cartesianischen Grundannahme. (Vgl. Erlebnis) und Verstehen allererst konstituiert oder „erzeugt“. aber nicht wirklich ausgeführt ist. und das demnach naturgemäß Gegenstand einer besonderen Erfahrungswissenschaft ist“. Durch die sinnliche Anschauung.) Diltheys Theorie der Geisteswissenschaften. [44] nicht aufeinander zurückführbarer Perspektive betrachtet werden kann: durch das „innere Gewahrwerden“. (I. die sich – und das ist wesentlich für Diltheys Ansatz – auf der Grundlage der eingespielten gesellschaftlichen und geschichtlich vermittelten Lebenspraxis vollzieht. etablieren und ausbilden. h. wird der Mensch demgegenüber als ein „körperliches Ganzes“ erfahren. also z. auch das kunstmäßige Verstehen (die Auslegung und Interpretation). können sich dann die spezifischen geisteswissenschaftlichen Methoden. hier erscheint die gesamte Außenwelt im Bewusstsein gegeben. dass der Mensch als Lebenseinheit in doppelter. (Ebd. h. die Gegenstände der Geisteswissenschaften werden im Zusammenspiel von innerer Erfahrung (bzw. Erst auf der Basis der so vollzogenen Konstituierung der Objekte geisteswissenschaftlicher Forschung. die in der Einleitung nur skizziert. die innere Erfahrung. 9) Dieses – man könnte sagen – „lebensweltlich-elementare“ Verstehen erfüllt noch keine im strengen Sinne methodische Funktion. B. dass der „mittlere Dilthey“. 30 ist.

das Forschungsfeld geisteswissenschaftlicher Arbeit allererst aufschließt. Dieses Material ist einerseits unvollkommen. die die eigentliche Begründungslast trägt. 24) Andererseits sind es die Informationen über den gegenwärtigen Zustand der Gesellschaft. ist die „geschichtlich-gesellschaftliche Wirklichkeit“. das durch Erleben (bzw. Dokumente. Daher ist die „kritische Sichtung . Verstehen und Beteiligung an der gesellschaftlichen Praxis vermittelt ist. Verstehen wird damit sozusagen zu einer quasi-transzendentalen Kategorie. 21) Das Material der Geisteswissenschaften. Für ihn hatten eindeutig die Erkenntnisphilosophie und – wenn auch in geringerem Maße – die Logik Priorität. Die Entstehung der Geisteswissenschaften liegt in der „Praxis des Lebens selber“. [46] Diltheys materiale Ausführungen über die Geisteswissenschaften enthalten Hinweise zu ihrer Genese. (I. nur mehr oder weniger große Reste überkommen und damit der Erforschung zugänglich sind. fehlt. diesem Thema kaum Beachtung geschenkt hat. bleibt uns die Natur notwendigerweise „stumm“. wir können sie in uns „auf Grund der Wahrnehmung unserer eigenen Zustände“ nachbilden. 36. 402f. sie ist eine „verstandene Welt“. 228) Während uns so die gesellschaftliche Welt aufgrund von Partizipation durch Verstehen und Nachbildung vertraut und damit verständlich ist. zu ihrer inneren Struktur und zu ihrem systematischen Zusammenhang. dass uns die Tatbestände in der Gesellschaft „von innen verständlich“ sind. Dieses „Darinnen-Sein“ in einer „immer schon“ verstandenen Welt. VIII. der ganz elementar den Objektbereich. (I. 28f. 36. auf das sich ihre Forschungsaktivitäten stützen und beziehen. die der Wissenschaft zugrunde liegen. zu rein methodologischen Fragen im engeren Sinne liegen im Nachlass kaum Manuskripte und nur sehr wenige Fragmente bzw.. wie Dilthey im späten Aufbau sagen wird. als „geschichtliche Kunde im Bewußtsein der Menschheit“ erhalten hat. bewusste Vernichtung etc. Das bedeutet: „Verstehen“ ist in diesem theoretischen Kontext (noch) keine besondere Methode.. h. 109. 265) Die Gesellschaft ist dagegen „unsere Welt“ (ebd. Verluste durch Kriege. in die wir hineingeboren werden und die unsere Verstehensmöglichkeiten präjudiziert. 215. Das heißt. Wenn auch eine ausgearbeitete technische Hermeneutik. Erlebnis). Andererseits aber wiederum ist dieses Material ebenso unermesslich wie unanschaulich. zu ihrem Material. 119f. d.und den Naturwissenschaften besteht nach Dilthey nämlich darin.. Entwürfe zu unausgeführt gebliebenen Abhandlungen vor. des „objektiven Geistes“. Das ist im Übrigen die Sphäre der Gemeinsamkeit. 109. 31 behandelt hat.“ (I. so kann man andererseits aber mit guten Gründen von einer „hermeneutischen“ Basisphilosophie der Einleitung sprechen. vgl. erweist sich damit als Bedingung der Möglichkeit der geisteswissenschaftlichen Objektkonsituierung.). vgl. sie haben sich „durch die Anforderungen der Berufsbildung entwickelt und die Systematik der dieser Berufsbildung dienenden Fakultäten ist daher die naturgewachsene Form des Zusammenhangs derselben. die sich einerseits durch Überlieferung. (I. sondern bezeichnet den besonderen Bezug des Menschen und darüber hinaus des geisteswissenschaftlichen Erkenntnissubjekts zur gesellschaftlich-geschichtlichen Welt. also eine Theorie des geisteswissenschaftlichen Verstehens. Der entscheidende Unterschied zwischen den Geistes. da durch unterschiedliche Überlieferungsinteressen. Monumente etc.

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der Überlieferungen, Feststellung der Tatsachen, Sammlung derselben“ eine „erste
umfassende Arbeit der Geisteswissenschaften“. (I, 25)

In den Geisteswissenschaften sind nach Dilthey „drei unterschiedene Klassen von
Aussagen“ verbunden: „Die einen von ihnen sprechen ein Wirkliches aus, das in der
Wahrnehmung gegeben ist; sie enthalten den historischen Bestandteil der Erkenntnis. Die
anderen entwickeln das gleichförmige Verhalten von Teilinhalten dieser Wirklichkeit,
welche durch Abstraktion ausgesondert sind: sie bilden den theoretischen Bestandteil
derselben. Die letzten drücken Werturteile aus und schreiben Regeln vor: in ihnen ist der
praktische Bestandteil der Geisteswissenschaften befaßt.“ Das heißt, „Tatsachen, Theoreme,
Werturteile und Regeln“ (I, 26) sind die drei Klassen von Sätzen, aus denen die
Geisteswissenschaftenbestehen.

Bedeutsam für die Abgrenzung von Natur- und Geisteswissenschaften ist Diltheys
Analyse der „Stellung des Erkennens“ (I, 35) zur Natur einerseits und zur geschichtlich-
gesellschaftlichen Wirklichkeit anderer-

[47]

seits. Hier findet sich der Kern seiner Theorie der Geisteswissenschaften: die Identität von
Forschungsobjekt und -subjekt auf diesem Gebiet der gesellschaftlich-geschichtlichen
Wirklichkeit verbürgt den Einblick in die Gestaltungskräfte der Gesellschaft, denn diese
werden im eigenen Innern erlebt, durch Mittel der Introspektion nachgebildet undverstanden.

Der wissenschaftlichen Erkenntnis der Gesellschaft stellen sich auf der einen Seite kaum
zu bewältigende Schwierigkeiten in den Weg, die Dilthey mit eindringlichen Worten
beschreibt: „Viel verschlungener noch, rätselhafter als unser eigener Organismus, als seine
am meisten rätselhaften Teile, wie das Gehirn, steht diese Gesellschaft, d. h. die ganze
geschichtlich-gesellschaftliche Wirklichkeit dem Individuum als ein Objekt der Betrachtung
gegenüber. Der Strom des Geschehens in ihr fließt unaufhaltsam voran, während die
einzelnen Individua, aus denen er besteht, auf dem Schauplatz des Lebens erscheinen und
von ihm wieder abtreten. So findet das Individuum sich in ihm vor, als ein Element, mit
anderen Elementen in Wechselwirkung. Es hat dies Ganze nicht gebaut, in das es
hineingeboren ist. Es kennt von den Gesetzen, in denen hier Individuen aufeinander wirken,
nur wenige und unbestimmt gefaßte.“ Zwar sind es „dieselben Vorgänge, die in ihm,
vermöge innerer Wahrnehmung, ihrem ganzen Gehalt nach bewußt sind, und welche außer
ihm dieses Ganze gebaut haben; aber ihre Verwickelung ist so groß, die Bedingungen der
Natur, unter denen sie auftreten, sind so mannigfaltig, die Mittel der Messung und des
Versuchs sind so eng begrenzt, daß die Erkenntnis dieses Baues der Gesellschaft durch kaum
überwindlich erscheinende Schwierigkeiten aufgehalten worden ist.“ (I, 36)

Andererseits aber sind uns „die Tatbestände in der Gesellschaft […] von innen
verständlich“. (I, 36) Da wir ein Teil der gesellschaftlichen Wirklichkeit sind, können wir
uns gesellschaftliche Vorgänge und Verhältnisse – so Dilthey – „,auf Grund der
Wahrnehmung unserer eigenen Zustände, bis auf einen gewissen Punkt nachbilden, und mit
Liebe und Haß, mit leidenschaftlicher Freude, mit dem ganzen Spiel unserer Affekte

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begleiten wir anschauend die Vorstellung der geschichtlichen Welt“. (Ebd.; vgl. 109, 215,
228)

Die Natur ist uns demgegenüber fremd: „Denn sie ist uns nur ein Außen, kein Inneres. Die
Gesellschaft ist unsere Welt. Das Spiel der

[48]

Wechselwirkungen in ihr erleben wir mit, in aller Kraft unseres ganzen Wesens, da wir in
uns selber von innen, in lebendigster Unruhe, die Zustände und Kräfte gewahren, aus denen
ihr System sich aufbaut.“ (I, 36f.)

Jedoch liegen die Nachteile der Geisteswissenschaften gegenüber den
Naturwissenschaften auf der Hand: „Die Gleichförmigkeiten, welche auf dem Gebiet der
Gesellschaft festgestellt werden können, stehen nach Zahl, Bedeutung und Bestimmtheit der
Fassung sehr zurück hinten den Gesetzen, welche auf der sicheren Grundlage der
Beziehungen im Raum und der Eigenschaften der Bewegung über die Natur aufgestellt
werden konnten.“ (I, 37) Auf der anderen Seite werden diese Defizite aber aufgewogen
„durch die Tatsache, daß ich selber, der ich mich von innen erlebe und kenne, ein Bestandteil
dieses gesellschaftlichen Körpers bin, und daß die anderen Bestandteile mir gleichartig und
sonach für mich ebenfalls in ihrem Innern auffaßbar sind. Ich verstehe das Leben der
Gesellschaft.“ Denn „das Individuum ist einerseits ein Element in den Wechselwirkungen
der Gesellschaft, ein Kreuzungspunkt der verschiedenen Systeme dieser Wechselwirkungen,
in bewußter Willensrichtung und Handlung auf die Einwirkungen derselben reagierend, und
es ist zugleich die dieses alles anschauende und erforschende Intelligenz.“ (Ebd.; vgl. 28f.)

Die Entstehung und Ausdifferenzierung der einzelnen Geisteswissenschaften ist nicht
Ergebnis theoretischer Überlegungen, sondern die Leistung des Lebens selber, das Produkt
des – wie Dilthey formuliert – großen Differenzierungsprozesses der Gesellschaft: „So oft
die Ausscheidung eines gesellschaftlichen Wirkungskreises eintrat und dieser eine
Anordnung von Tatsachen hervorbrachte, auf welche die Tätigkeit des Individuums sich
bezog, waren die Bedingungen da, unter denen eine Theorie entstehen konnte.“ (I, 39; vgl.
38)

Die Geisteswissenschaften, die so aus den gesellschaftlichen Evolutionsprozessen und den
Anforderungen theoretischer Erfassung dieser selbst entstehen, weisen, wie Dilthey zu
zeigen versucht, einen inneren Zusammenhang auf, den man auch als System bezeichnen
könnte und dessen Architektur im Mittelpunkt seiner weiteren Analysen steht.

Als Grundelemente von Gesellschaft und Geschichte bestimmt Dilthey die menschlichen
Lebenseinheiten, d. h. die psychophysischen Indivi-

[49]

duen. Daher bildet das Studium dieser Lebenseinheiten die „am meisten fundamentale
Gruppe von Wissenschaften des Geistes“ (I, 28), und die Psychologie – Dilthey verwendet

34

in der Einleitung die Begriffe Psychologie und Anthropologie synonym – ist damit „die erste
und elementarste unter den Einzelwissenschaften des Geistes“. (I, 33) Die psychologische
Erforschung der Lebenseinheiten zeigt nun ein günstigeres Verhältnis zwischen forschendem
Subjekt und dem erforschten Objekt, als dies zwischen Subjekt und Objekt in den
Naturwissenschaften besteht. Denn dem Forscher ist hier in ihm selber „die Einheit
unmittelbar gegeben, welche das Element in dem vielverwickelten Gebilde der Gesellschaft
ist, während dasselbe in den Naturwissenschaften erschlossen werden muß“. (I, 28) Dies
bedingt den entscheidenden Unterschied zwischen Natur- und Geisteswissenschaften: „Die
Subjekte, in welche das Denken die Prädizierungen, durch die alles Erkennen stattfindet,
nach seinem unweigerlichen Gesetz heftet, sind in den Naturwissenschaften Elemente,
welche durch eine Zerteilung der äußeren Wirklichkeit, ein Zerschlagen, Zersplittern der
Dinge nur hypothetisch gewonnen sind; in den Geisteswissenschaften sind es reale, in der
inneren Erfahrung als Tatsachen gegebene Einheiten. Die Naturwissenschaft baut die
Materie aus kleinen, keiner selbständigen Existenz mehr fähigen, nur noch als Bestandteile
der Moleküle denkbaren Elementarteilchen auf; die Einheiten, welche in dem wunderbar
verschlungenen Ganzen der Geschichte und der Gesellschaft aufeinanderwirken, sind
Individua, psycho-physische Ganze, deren jedes von jedem anderen unterschieden, deren
jedes eine Welt ist.“ (I, 28f.)

Die Theorie dieser Lebenseinheiten, die Anthropologie und Psychologie, gewinnt ihr
Material aus der „ganze[n] Geschichte und Lebenserfahrung“. (I, 29) Wichtig ist in diesem
Zusammenhang, dass Dilthey einerseits festhält, dass die Psychologie ihr Forschungsobjekt,
die Lebenseinheit, aus dem „lebendigen Zusammenhang der geschichtlich-gesellschaftlichen
Wirklichkeit“ herauslösen muss und darauf angewiesen ist, „die allgemeinen Eigenschaften,
welche psychische Einzelwesen in diesem Zusammenhang entwickeln, durch einen Vorgang
von Abstraktion festzustellen“. Denn: „Den Menschen, wie er, abgesehen von der
Wechselwirkung in der Gesellschaft, gleichsam vor ihr ist, findet sie weder in der

[50]

Erfahrung, noch vermag sie ihn zu erschließen“. (I, 30) Überlegungen über den Menschen,
wie er „an sich“, d. h. außerhalb von Geschichte und Gesellschaft, ist, weist Dilthey damit
als unwissenschaftlich und haltlos zurück. Die Forschungsergebnisse der Psychologie
präsentieren sonach nur einen aus der Gesamtwirklichkeit herausgelösten „Teilinhalt“ und
haben folglich „die Beziehung auf diese zur Voraussetzung“. (I, 33)

Andererseits postuliert er die Psychologie als eine rein deskriptiv-analytische, nicht-
konstruktive Wissenschaft, die darauf zu verzichten hat, ihre Untersuchungen durch
hypothetische Annahmen oder Voraussetzungen zu belasten (vgl. I, 30ff.) Diese Psychologie,
die die „Grundlage aller Erkenntnis des geschichtlichen Lebens, wie aller Regeln der Leitung
und Fortbildung der Gesellschaft“ darstellt (I, 32), muss, um ihre Aufgabe erfüllen zu
können, hinsichtlich ihres Umfangs erweitert werden: „Über die bisherige Erforschung der
Gleichförmigkeiten des geistigen Lebens hinaus muß sie typische Unterschiede desselben
erkennen, die Einbildungskraft des Künstlers, das Naturell des handelnden Menschen der
Beschreibung und Analysis unterwerfen und das Studium der Formen des geistigen Lebens
durch die Deskription der Realität seines Verlaufs sowie seines Inhaltes ergänzen.“ (Ebd.)

vgl. so Dilthey. (Ebd. der die Funktion einer „grundlegenden Wissenschaft“ (I. (Ebd. 45f. gelegen sein“. (I. Die Kultursysteme. „wenn dauernde Ursachen Willen zu einer Bindung in einem Ganzen vereinen. 35 Gegen die von ihm so genannte „erklärende“ Psychologie. wie etwa Kunst.) Die Darstellung dieser beiden Klassen theoretischer Wissenschaften der Gesellschaft enthält im Kern die Grundzüge einer Theorie der Kultur. Recht. entwirft Dilthey das Programm einer beschreibenden Psychologie. die anthropologisch-psychologisch begründet sind. wenn „ein auf einem Bestandteil der Menschennatur beruhender und darum andauernder Zweck psychische Akte in den einzelnen Individuen in Beziehung setzt und so zu einem Zweckzusammenhang verknüpft“. d. (Vgl. 40) Ihren Forschungsgegenstand bilden „Gleichartigkeiten engeren Umfangs. Wissenschaft.) Im weiteren systematischen Aufbau der Geisteswissenschaften folgen die sogenannten „Theorien zweiter Ordnung“. mögen nun diese Ursachen in der natürlichen Gliederung oder in den Zwecken. 111) An die Anthropologie oder Psychologie des Einzelmenschen schließt sich im System der Geisteswissenschaften zunächst die Ethnologie oder vergleichende Anthropologie bzw. Sprache und Religion. die ebenfalls die Ergebnisse der Anthropologie zur Voraussetzung haben und sie „auf die Wechselwirkung von Individuen unter den Bedingungen des Naturzusammenhangs an[wenden]“. 32) zukommt.. ein Begriff den Dilthey offenbar erstmals in einem Brief an Heinrich von Treitschke aus dem Jahr 1870 benutzt (vgl. I.) Systeme der Kultur sind also über das einzelne Individuum hinausgreifende Zweckzusammenhänge. (I. bilden den Forschungsgegenstand der ersten Klasse dieser Wissenschaften.). (I. Ihre Ergebnisse (ihre „Wahrheiten“) bilden die Grundlage des weiteren Aufbaus der Geisteswissenschaften. h. auf jeweils einem Bestandteil oder einer Eigenschaft der menschlichen Natur beruhen. 43) Entsprechend entwickeln sich die äußere Organisation und ihre Verbände. (Ebd.BW I. 44) Daher . Wirtschaft. welche die Menschennatur bewegen. entstehen. Diese Disziplinen sind zum einen die „Wissenschaften der Systeme der Kultur und ihrer Gestaltungen“ sowie zum anderen die Wissenschaften der „äußeren Organisation der Gesellschaft und der einzelnen Verbände innerhalb derselben“. Völkerkunde als „erste deskriptive Zusammenordnung von Gleichartigem“ an. Systeme der Kultur. 41) Unter diesem Begriff versteht Dilthey die Wissenschaften. die „den ganzen Zusammenhang des geistigen Lebens durch gewisse Annahmen ableitbar machen will“. I. Sittlichkeit (System des praktischen Handelns). durch welche Gruppen innerhalb der Gesamtheit sich abgrenzen und als Einzelglieder der Menschheit sich darstellen: die natürliche Gliederung des Menschengeschlechts und die durch sie unter den Bedingungen des Erdganzen [51] entstehende Verteilung des geistigen Lebens und seiner Unterschiede auf der Oberfläche der Erde“. (Vgl. der aus drei Hauptklassen theoretischer Wissenschaften der Gesellschaft besteht. 560f.

in das auf sie gegründete System ein. die ein System der Kultur bilden. sofern sie. (Ebd. z. 49) Die Tatsache des Lebensreichtums des Individuums. nur mit Hilfe der durch die Psychologie gewonnenen Erkenntnisse erforscht werden. So strömt in jeder Generation neu die Inhaltlichkeit und der Reichtum der Menschennatur. 46) Diese Abhängigkeit von Erkenntnissen der Anthropologie gilt auch für die Wissenschaften der äußeren Organisation der Gesellschaft. I. dass zwischen den Individuen eine „Gemeinsamkeit ihres Lebensinhaltes“ entstehen kann. auf der Grundlage eines denselben gemeinsamen Bestandteils der Menschennatur. in Modifikationen wiederkehrenden Bestandteil der Person gegründet. B. 49. während die einzelnen Individuen selber auf dem Schauplatz des Lebens erscheinen und von demselben wieder abtreten. das Recht sind unvergänglich. die Kunst. während die Individua. V.“ (I. „erzeugt eine von den Individuen selber unabhängige äußere Dauer und den Charakter von massiver Objektivität dieser Systeme“. (I. bei der Errichtung von Bauwerken. 50) Die Verbindung von Elementen der Außenwelt. 48) Voraussetzung für das Verständnis des „Begriffs von Systemen des gesellschaftlichen Lebens“ ist einerseits der „Lebensreichtum des einzelnen Individuums selber“ (I. (I.) Ein solches Grundsystems der Kultur beruht „zunächst auf der Wechselwirkung der Individuen in der Gesellschaft.) und andererseits die „Gleichartigkeit der Individuen“. [53] . vgl. in welchem dieser Bestandteil der Menschennatur zu seiner Befriedigung gelangt“. 375f. wechseln. sie überdauern die Lebenszeit der sie tragenden Individuen: „Diese Systeme beharren. 48) Andererseits sind die beiden Wissenschaftsklassen auf die „beständige [52] […] Relation ihrer Wahrheiten auf die in der anderen Klasse gefundenen“ angewiesen. Denn jedes ist auf einen bestimmten. 51) Hinzukommt in Diltheys Analyse der Kultursysteme ein letzter Gesichtspunkt: Das einzelne Individuum ist „ein Kreuzungspunkt einer Mehrheit von Systemen. (I. (Vgl. 49. ein Ineinandergreifen der Tätigkeiten zur Folge hat. der „natürlichen Gliederung des psychischen Lebens“ (I. Die Religion. in denen sie leben. 50) bedingt die faktische Verschiedenheit der Kultursysteme. Charakteristisch für diese Systeme ist darüber hinaus ihre Konstanz. (Vgl. mit der lebendigen. I. 36 können die Tatsachen. vgl. aber vorübergehenden Tätigkeit der Personen. (I. sofern sie in einem Bestandteil derselben gegenwärtig oder mit ihm in Beziehung sind. die der Zweckmäßigkeit eines Systems entsprechend gestaltet sind. 51) So kann beispielweise jemand. (I. 44) Denn diese ist die Bedingung. welche sich im Verlauf der fortschreitenden Kultur immer feiner spezialisieren“.

(I. etwa als Anwalt. I. (I. Genossenschaften. eines politischen Vereins. vgl. mit dem System des Rechts verbunden ist. Staatsbürger. Leiter einer Unternehmung.) Objektiv betrachtet. dass „den beiden Klassen der theoretischen Wissenschaften der Gesellschaft […] Tatsachen zugrunde [liegen]. während Individuen ein. in welchen die Willen der Individuen eingefügt sind. die „durch Korrespondenz ihrer Tätigkeiten aufeinander bezogen. 68. Staat. 65) Entscheidend ist somit die Feststellung. Dieselbe ungeteilte Person ist zugleich Glied der Familie. vgl. 68). 64f. durch welche eine teilweise Einheit derselben entsteht: dies sind konstante Gebilde von freilich sehr verschiedener Lebensdauer. an Familien. 67) [54] Damit hat Dilthey gezeigt. Vereine. (Ebd.und austreten“. Er kann daraus den Schluss ziehen. „daß dasselbe seinen Willen in einem Zusammenhang äußerer Bindungen. die durch Begriffe wie Gemeinschaft. (I. nicht als nur in sich ruhende oder auch in der freien sittlichen Tiefe ihres Wesens einander hingegebene Einzelwesen [sind]. psychophysische Tatsachen gründet sich die Bildung von äußeren Organisationen.“ (I. Mitglied einer Glaubensgemeinschaft sein und sich in seiner Freizeit künstlerisch betätigen. gleichsam eingebunden“. Kirchen und Körperschaften –.) Bedeutendstes Beispiel dafür ist die katholische Kirche. Gemeinden. arbeitet er die anthropologisch- psychologischen Grundlagen heraus. und die andere psychische Tatsache wird durch „das Verhältnis von Herrschaft und Abhängigkeit zwischen Willen gebildet“. a. dazu etwa Genosse eines Gegenseitigkeitsvereins. die Ausführung der von ihm programmatisch skizzierten deskriptiven Psychologie. Parteien. 37 der beruflich. dass den Wissenschaften der äußeren Organisation der Gesellschaft psychische oder psychophysische Fakten bzw. auf die die Wissenschaften der Systeme der Kultur gegründet sind. in Gemeinschaftsbeziehungen findet. sondern diese Gesellschaft bildet einen Zusammenhang von Verhältnissen der Gemeinschaft und Bindung. Auf zwei fundamentale psychische bzw. Verbände. d. 64. welche beharren. h. Sie ist nach Diltheys Konzeption somit die Basis aller Einzelwissenschaften der geschichtlich-gesellschaftlichen Wirklichkeit und der theoretische Mittelpunkt der intendierten Grundlegung. . Die erste liegt in „jeder Art von Gemeinschaft und Bewußtsein von Gemeinschaft“ vor (I. dass in den vielfältigen Formen äußerer Organisation individuelle „Willen zu Verbänden zusammengefügt [sind]. in Herrschafts. Auch für die äußere Organisation der Gesellschaft – Dilthey denkt hierbei u. in einem kirchlichen Verbande. Erkenntnisse darüber zugrunde liegen. Gemeindeglied. zeigt die Gesellschaft nicht nur die Individuen. 114) Damit steht im Zentrum aller Probleme der von ihm angestrebten Grundlegung der Geisteswissenschaften „die Möglichkeit einer Erkenntnis der psychischen Lebenseinheiten und die Grenzen einer solchen Erkenntnis“ (I. 68). welche nur vermittels der psychologischen Begriffe und Sätze analysiert werden können“. 66). die denjenigen entsprechen.und Abhängigkeitsverhältnissen gegenüber Personen und Sachen. Aus der Blickrichtung des Subjekts wird die äußere Organisation der Gesellschaft dadurch erfahren. Herrschaft oder Unterordnung charakterisiert ist (vgl. Bindung.

denn in den Geisteswissenschaften ist „seine Erfassung […] nicht Mittel. gleichsam ihren „wahren Sinn“ (I. essentielle Bedeutung zukommt als in der Natur. die „diesendreifachen die Einzelwissenschaften überschreitenden Zusammenhang erkennt. 98) Dazu gehen sie auf die Forschungsergebnisse der Geschichtswissenschaft zurück und versuchen. Aus diesem Ergebnis leitet Dilthey ein wichtiges methodologisches Postulat ab: Eine Erforschung der geschichtlich-gesellschaftlichen Gesamtwirklichkeit ist nur möglich durch die Zerlegung dieser komplexen Realität in . in die wir diese Wirklichkeit zerlegen können. um erneut seine methodologische Konzeption zu erläutern. die Beziehungen erfaßt. sie zusammenzufassen. das in dem Verhältnis des Menschen zu dem Zusammenhang seiner Aufgaben angelegt ist“. vermittels der Einzelwissenschaften. vgl. I. welche zwischen der geschichtlichen Tatsache. die in der Darstellung des Singularen einen „bloßen Rohstoff für ihre Abstraktionen erblicken“ (I. Gegen beide Unternehmungen macht Dilthey nun geltend. 91). (I. (I. dass „der Gesamtzusammenhang.“ (I. (Vgl. Gibt es – so fragt Dilthey nun – eine Wissenschaft. mit den allgemeinen Gesetzen. und er nutzt diese Kritik. 113) Ihre Erkenntnis ist nur möglich „durch Zergliederung desselben in Einzelzusammenhänge“. 110) Als Ergebnis kann Dilthey festhalten: Es gibt keine Möglichkeit einer „Erkenntnis des konkreten Totalzusammenhangs der geschichtlich-gesellschaftlichen Wirklichkeit“. eine Zerlegung des Gesamtproblems in Teilprobleme gehen. 87 – 89) beispielhaft deutlich macht. h. den Zusammenhang der Geschichte. 92) in einer Formel zum Ausdruck zu bringen. welche die Gleichförmigkeiten der einfacheren Tatsachen erforschen. welchen die geschichtlich-gesellschaftliche Wirklichkeit ausmacht. d. h. unter denen diese Wirklichkeit steht. […] Gegenstand einer theoretischen Betrachtung werden [muß].) Beide Wissenschaften erheben den Anspruch. dem Gesetz und der das Urteil leitenden Regel bestehen?“ (Ebd. Wie Dilthey am Studium poetischer Werke (vgl. I. und mit dem System der Werte und Imperative. das Ganze der geschichtlich-gesellschaftlichen Welt zu erkennen. 93. (Ebd.. verkennen.“ (I.) [55] Geschichtsphilosophie und Soziologie. 97. 92) Der Weg der Untersuchung kann nur über eine Analyse. 84) auseinander. so lautet Diltheys Kritik. damit den Wert des Einmaligen und Singularen in der geistigen Welt. 86 – 112) setzt sich Dilthey noch mit der Geschichtsphilosophie und der (positivistischen) Soziologie Comtes (vgl. die beide den Anspruch erheben. sondern Selbstzweck“. welche auf das Erklärbare in diesem Zusammenhang gerichtet ist. I. 94f. I. weist eine solche geisteswissenschaftliche Untersuchung einer Erscheinung der geistigen Welt eine „dreifache Verbindung […] mit dem Ganzen der geschichtlich-gesellschaftlichen Wirklichkeit“ auf. d. 89) Diese besteht in der „Verbindung mit dem konkreten Kausalzusammenhange aller Tatsachen und Veränderungen dieser Wirklichkeit. Denn: „Die höchst zusammengesetzte Wirklichkeit der Geschichte kann nur vermittels der Wissenschaften erkannt werden. 38 Im Schlussteil des ersten Buches der Einleitung (in den Kapiteln XIV – XVII. dem eine ganz andere.

h. in welchem deren Erkenntnis stattfindet“. 39 Einzelzusammenhänge. dass eine Erforschung dieser Wirklichkeit nur durch „das Ineinandergreifen der Leistungen der geschichtlich gewordenen. Eine von der einzelwissenschaftlichen Forschung abgetrennte Philosophie der Geschichte ist daher unmöglich. 124) macht Dilthey mit seinem „Standpunkt der Erfahrung“ deutlich. liefern soll. „einer die Geisteswissenschaften begründenden allgemeinen Wissenschaft“ (I. d. 81f. deren Teilinhalte sie sind. der Ethnologie. die gleich ihnen aus dieser Wirklichkeit abstrahiert sind. In diesen Einzelwissenschaften „vollzieht sich der große Prozeß einer zwar relativen.) Im Gegensatz zu den Entwürfen „einer den ganzen Zusammenhang dieser Wirklichkeit umspannenden Wissenschaft“ (I.“ (I. (Ebd. Alle Theorie erfaßt nur Teilinhalte der komplexen Wirklichkeit. (Ebd. und die Analyse dieser Teilbestände muss in beständiger Kooperation betrieben werden. die eine strenge Begründung für die im ersten Buch entwickelte „Anschauung der geschichtlich- gesellschaftlichen Wirklichkeit und des Vorgangs. der Wissenschaften von den Systemen der Kultur sowie derer von der äußeren Organisation der Gesellschaft kann das Problem des Zusammenhangs unter den aufeinanderfolgenden Zuständen der Gesellschaft allmählich einer Lösung nähergeführt werden. 111) Dies impliziert die wichtige methodische Folgerung: „Die Wissenschaften der äußeren Organisation der Gesellschaft haben so wenig als die von den Systemen der Kultur die konkrete Wirklichkeit selber zu ihrem Gegenstande. vermittels der theoretischen Wissenschaften der Gesellschaft in ihren drei Hauptklassen. um in sie einzudringen.) Damit kann Dilthey als Quintessenz seiner Analyse des systematischen Zusammenhangs der Geisteswissenschaften formulieren: „Das Studium [56] des Individuums als der Lebenseinheit in der Zusammensetzung der Gesellschaft ist die Bedingung für die Erforschung der Tatbestände.“ (I.) Diese Notwendigkeit ergibt sich für Dilthey zwangsläufig aus der dargestellten Problemsituation. benötigen sie „ein Bewußtsein über das Verhältnis [57] ihrer Wahrheiten zu der Wirklichkeit. sowie zu den anderen Wahrheiten. Deskription und das Formulieren von Gleichförmigkeiten. Da sich die Erforschung der geschichtlich-gesellschaftlichen Wirklichkeit in den Einzelwissenschaften des Geistes vollzieht.) Das erste Buch endet mit einer Zusammenfassung seiner Argumente für die Notwendigkeit einer erkenntnistheoretischen Grundlegung. und nur ein solches . die Theorien des geschichtlich-gesellschaftlichen Lebens scheiden die unermeßlich verwickelte Tatsächlichkeit. und eine isolierte Philosophie des Geistes ist folglich „ein Gespenst“. die aus der Wechselwirkung dieser Lebenseinheiten in der Gesellschaft durch Abstraktion ausgelöst werden können. fruchtbaren Einzelwissenschaften“ möglich ist. (Ebd. der sie sich nähern. 124). aber fortschreitenden Erkenntnis des gesellschaftlichen Lebens“. nur auf dieser Grundlage der Ergebnisse der Anthropologie. also durch Analyse.

. Das dritte Element dieser Ontologie ist die Natur. a. der die geistige Welt als Anhängsel und Produkt physiologisch-naturhafter Prozesse begreift. und andererseits ihr Problem auf das Gebiet der Geisteswissenschaften einschränken. setzt er eine Philosophie des Lebens. Diese wird zur Grundlage der psychologischen Erforschung des Reichtums der menschlichen Natur und damit zur Basis der theoretischen Einzelwissenschaften von Geschichte und Gesellschaft. h. aufgrund ihrer Teilhabe an den gesellschaftlichen Prozessen. (I. VIII. sowie das Verhältnis ihrer Wahrheiten zueinander bestimmen“. die Möglichkeit einer – etwa von Nietzsche bestrittenen – infalliblen Selbsterfassung der eigenen internen Zuständlichkeiten. 123.) Kennzeichnend für Diltheys Theorie der Geisteswissenschaften ist – zusammenfassend gesagt – einerseits eine Art „Drei-Welten-Ontologie“. 119f. (Ebd. einen exklusiven Erkenntniszugang an ihnen besitzen. die. die die Methoden zur Erforschung der gesellschaftlichen Wirklichkeit den Naturwissenschaften anpassen möchten. 171) Gegen den Naturalismus oder Materialismus. das durch innere Erfahrung bzw. 116 – 119). I. (Vgl. Andererseits ist für Diltheys Theorie charakteristisch der sich von Descartes herleitende Grundgedanke eines privilegierten epistemologischen Zugangs zur eigenen inneren Wirklichkeit. innerhalb deren ein Erkennen in ihnen möglich ist. setzt er seinen Standpunkt einer Autonomie des Kulturell-Geistigen. um dadurch die Enzyklopädie und Methodologie der Geisteswissenschaften vorzubereiten (vgl. 124) Gegen die [58] intellektualistischen Erkenntnistheorien. die auf der „ganze[n]. Das zweite Moment dieser Ontologie ist die gesellschaftlich-geschichtliche Wirklichkeit. Mit seiner Theorie wendet sich Dilthey gegen fünf Hauptgegner: Gegen Metaphysik und Spekulation vertritt Diltheys post-metaphysische Theorie einen strikten „Standpunkt der Erfahrung“. Die Individuen erzeugen durch Interaktion – aufgrund ihres Lebensreichtums – die verschiedenen Formen oder Systeme der Kultur und des Politischen. bloß vorstellendes Bewusstsein reduzieren. 124) Und gegenüber der Geschichtsphilosophie und dem Positivismus. die den menschlichen Geist auf ein ungeschichtliches. (I. I. (Vgl. unverstümmelte[n] Erfahrung“ basiert ist. 40 Bewußtsein kann ihren Begriffen die volle Klarheit. die Grenzen. volle[n]. 116) Daraus resultiert die Aufgabe einer Grundlegung der Geisteswissenschaften. vgl. I. die bloßer Gegenstand der äußeren Erfahrung und ihrer Formierung in naturwissenschaftlichen Theorien ist. Introspektion zugänglich ist. Gegen den Positivismus und Empirismus. d. [57] Sie muss u. stellt er die Autonomie geisteswissenschaftlicher Methoden. (I. die ihre Grundelemente in den psycho-physischen Lebenseinheiten besitzt. Diese besteht erstens aus dem subjektiven Erleben. ihren Sätzen die volle Evidenz gewähren“. „den inneren Zusammenhang der Einzelwissenschaften des Geistes.) Dazu muss sie einerseits Erkenntnistheorie und Logik verknüpfen.

wonach die komplexe gesellschaftlich-geschichtliche Wirklichkeit nicht als Ganze zu erkennen ist. vertritt Dilthey die Position einer bescheidenen empirischen Wissenschaftlichkeit. sondern nur analytisch durch die Zergliederung in forschungszugängliche Teilbereiche. . den Sinn der Geschichte in wenigen Formeln auszusprechen. 41 die den Anspruch erheben.

zu deren Hauptrepräsentanten er Schopenhauer. die es unternehme. Richard Wagner. mit Hilfe einer allgemeingültigen Metaphysik das Rätsel des . V. ja schärfer gesagt – eine Philosophie aus der Fülle des Erlebens des Lebens heraus“. 313) Der Gehalt dieser neuen Philosophie sei damit nicht etwas. und ihre Abkehr von dem Gedanken. um dem Leser Orientierung und Erbauung zu verschaffen oder praktische Ratschläge zu unterbreiten. 370) Zwar gesteht er einigen Vertretern der Lebensphilosophie einen „furchtbaren Ernst“ und eine „große Wahrhaftigkeit“ zu. Denn Dilthey stand. B. Abhandlungen und Aufsätze. hebt der entschiedene Anti-Metaphysiker Dilthey ihren „direkte[n] Bezug auf das Leben in metaphysischer Vorurteilslosigkeit“ hervor. der Lebensphilosophie – und insbesondere Nietzsche (vgl. VII) Als „Stärke“ der Lebensphilosophie. Einleitung in die Philosophie des Lebens. 199 – 201 und 226) – eher distanziert gegenüber und reklamierte für seine eigene philosophische Position mit einigem Nachdruck die Bezeichnung „Philosophie des Lebens“. was irgendwie gegenständlich vorhanden oder vorfindlich sei. Scheler: Gesammelte Werke Band 3: Vom Umsturz der Werte. das aus der Lebenserfahrung eine Deutung des Lebens gewinnt. die postum von Georg Misch herausgegeben wurde (GS V und VI). Demgegenüber sei die Philosophie des Lebens. Ruskin und Maeterlinck zählt. das Verfahren. dass „hier in allmählicher Abstufung die methodischen Forderungen der Allgemeingültigkeit und Begründung nachlassen. (VIII. (Vgl. (M. Nietzsche. um die drei Philosophen gleichsam einer „Schule“ der Lebensphilosophie zuzuordnen. Diese neue philosophische Tendenz sei – so Scheler – nicht zu verwechseln mit der zu allen Zeiten auftretenden Literatur einer Popularphilosophie. nimmt in dieser Abstufung immer freiere Formen an. eine Philosophie „aus der Fülle des Lebens heraus.) Nun kann man zwar mit einigem Recht in Zweifel ziehen. die insbesondere die junge Generation in ihren Bann ziehe. das praktische Leben der Menschen anzuwenden. aber eindrucksvollen Lebensdeutung verbunden“. den von Dilthey selbst bestimmten Titel Die geistige Welt. Bern und München 1972. 42 3 Philosophie des Lebens Zwei Jahre nach Diltheys Tod veröffentlichte Max Scheler im November 1913 in der Zeitschrift Die Weißen Blätter die Abhandlung Versuche einer Philosophie des Lebens. (Ebd. (V. ob Dilthey – wie Scheler dies suggeriert – wirklich in so großer systematischer Nähe zu Nietzsche und Bergson steht. So trägt die repräsentative Sammlung seiner noch [61] von ihm selbst für den Abdruck zusammengestellten systematischen Arbeiten. Aufl. VIII. 197) Das Wesen der modernen Lebensphilosophie sieht Dilthey darin. Philosophie auf das Leben bzw. Tolstoi. z. sondern vielmehr das. was sich „im Erleben selbst“ unmittelbar zeige. 5. wie an einigen Stellen seines Werks deutlich zum Ausdruck kommt. Apercus werden zur unmethodischen. in der er Dilthey neben Nietzsche und Bergson als führenden Vertreter einer seit Beginn des neuen Jahrhunderts stetig an Einfluss gewinnenden neuen philosophischen Bewegung der Lebensphilosophie vorstellt.

Lebensbegriff. da das Leben selber – dies ist ein Grundaxiom von Diltheys Philosophie des Lebens – nicht durch Begriffe zu ergründen ist (vgl. 261). 344. wobei er allerdings darauf verzichtet. Festigkeit der diltheyschen Grundbegriffe. Lebenskategorie. Bestimmungen über Werte. nicht mehr Fluß. h. vieles und eins. Und so können wir das Wesen dieses Lebens selbst nicht erfassen. Erleben.. der erinnerte Moment ist. wie v. Intimste. verbindet ihn mit der Lebensphilosophie. das eigene gelebte Leben. welche von der Struktur des Lebens ausgeht. (Vgl. Zwecke und Regeln des Lebens zu finden. . Der Begriff des Lebens ist in Diltheys Denken daher notwendigerweise vielschichtig und besitzt verschiedene Dimensionen: Er bezeichnet zunächst das allen Menschen Gemeinsame sowie den individuellen Lebensverlauf. Lebensbezug. denn sie will – wie auch Dilthey – das Leben aus ihm selber verstehen. V. a.. muß eine von ihr unabhängige Methode gefunden werden. kritisierten mangelnden Klarheit und terminologischen Bestimmtheit bzw. Das Leben. 228) Er steht darüber hinaus als erkenntnistheoretischer bzw. wie er immer nach Heraklit derselbe scheint und doch nicht ist.“ (VII. die persönliche Lebendigkeit.). VII. XIX. 4 und 370) Aber hinsichtlich des (wissenschaftlichen) Anspruchs und der (methodischen) Forschungshaltung unterscheidet sich seine Philosophie des Lebens doch deutlich von der unmethodisch verfahrenden modernen Lebensphilosophie: „Denn nachdem die allgemeingültige Wissenschaft der Metaphysik für immer zerstört ist. wenn auch bescheidenere und weniger diktatorische Lösung dieser Aufgabe zu suchen sein. Erlebnis. denn er ist fixiert durch die Aufmerksamkeit. Dieses Projekt einer „Kritik der historischen Vernunft“ besitzt im Begriff [62] des Lebens und seinen Derivaten. Nacherleben. Lebendigkeit. 371) Diltheys entscheidender Beitrag zu einer solchen Philosophie des Lebens liegt – und darauf wies schon Scheler hin – in seinem Versuch einer umfassenden philosophischen Grundlegung der Geisteswissenschaften. XIX. 143f. dann verfällt man ja wieder dem Gesetz des Lebens selbst. diesen Begriff eindeutig zu bestimmen. wie das Ufer hineinscheint. jedem Bekannteste ist. der beobachtet wird. wird bei Dilthey zum Ausgangspunkt und zur Basis seines Philosophierens (vgl. den Zusammenhang von individuellem Lebensvollzug und überindividuellen Ereignissen und Prozessen und die Wechselwirkungen zwischen den Lebenseinheiten. durch irgendeine besondere Art von Anstrengung den Fluß des Lebens selbst zu erleben. 256). das einerseits das unmittelbar Vertrauteste. welche die Lebensphilosophen der Gegenwart sich gestellt haben. (Vgl. wie man auch das Bewußtsein des Flusses in sich verstärke. die Fülle des Erlebten (vgl. 80f. 361) und sich einer begrifflichen Fixierung zwangsläufig entzieht: „Und wollte man nun versuchen. auch 346 und VIII. Lebenszusammenhang. zugleich aber andererseits ganz rätselhaft bleibt (vgl. VII. vgl. 140f. wird innerhalb methodischer Wissenschaft eine. sodann den Zusammenhang in Gesellschaft und Geschichte. 194f. Lebenserfahrung. 43 Lebens aufzulösen. seinen Grundbegriff. und auf der Grundlage der beschreibenden und zergliedernden Psychologie. VII.“ (V. die nun das an sich Fließende festhält. nach welchem jeder Moment des Lebens selber.) Und dies ist auch der Grund der oft beklagten bzw. d.

Diltheys Philosophie ist im eminenten Sinne eine Philosophie des Lebens. der Totalität des menschlichen Wesens die „Annahme eines starren . Und nicht zuletzt ist er der Grundbegriff einer Theorie des Geisteswissenschaften. und der Begriff des Lebens ist sein Fundamentalbegriff. Studium der Sprache und der Geschichte sie erweisen“ (I. waren die Ausgangspunkte des 1883 veröffentlichen ersten Bandes seiner Einleitung in die Geisteswissenschaften „das Leben und Verstehen […]. 408) Darüber hinaus überwindet der Ausgang von der ganzen Menschennatur. V. d. vgl. das im Leben enthaltene Verhältnis von Wirklichkeit. der damit zum Grundbegriff der intendierten umfassenden philosophischen Grundlegung der Geisteswissenschaften wird. der die Struktur des Seelenlebens sowie den Zusammenhang der psychischen Tatsachen Vorstellen. Fühlen und Wollen und denjenigen von Reiz und Reaktion in der Wechselwirkung eines Subjekts mit seiner Außenwelt bezeichnet. und er bezeichnet – wie Dilthey in einer berühmt gewordenen Formulierung gegen die Hauptvertreter der neuzeitlichen Erkenntnistheorie festhält – die Totalität des Bewusstseins. in der Mannigfaltigkeit seiner Kräfte. in Opposition zum starren Systemdenken sowie zum Intellektualismus und zur Ungeschichtlichkeit der klassischen neuzeitlichen Erkenntnistheorie. XVIII. der Hermeneutik und der Weltanschauungslehre. sondern der verdünnte Saft von Vernunft als bloßer Denktätigkeit. I. XVIII). der die Totalität und Zeitlichkeit der seelischen Funktionen zum Ausdruck bringt. d. Ursache) zugrunde zu legen“. Substanz. Mich führte aber historische wie psychologische Beschäftigung mit dem ganzen Menschen dahin. also die Totalität der menschlichen Vermögen rückt in Diltheys Erkenntnistheorie an die Stelle eines bloß vorstellenden. (I. diesen. rein intellektuell gedachten Erkenntnissubjekts. 11) [64] Das Leben. und er ist ebenso ein psychologisch-biologischer [63] Fundamentalbegriff. Hume und Kant konstruierten. dem Aufbau der geschichtlichen Welt in den Geisteswissenschaften schreibt. das wollend fühlend vorstellende Wesen: „In den Adern des erkennenden Subjekts. (VII. dies wollend fühlend vorstellende Wesen auch der Erklärung der Erkenntnis und ihrer Begriffe (wie Außenwelt. dient in der Einleitung vor allem als erkenntnistheoretischer Oppositionsbegriff zur klassischen Bewusstseinsphilosophie. h. Zeit. rinnt nicht wirkliches Blut. Wie Dilthey in seinem Spätwerk. wie Erfahrung. 117) Der Begriff des Lebens. h. die Dilthey durch Intellektualismus und bloßes Vorstellen charakterisiert. 44 empirisch-psychologischer Begriff. den ganzen Menschen. Der Begriff des Lebens wird damit für Dilthey der Schlüssel zur Lösung einer Reihe philosophischer Zentralprobleme und zugleich der Schlüssel zum Verständnis seiner eigenen philosophischen Position. (Vgl. „die ganze Menschennatur. Wert und Zweck“. das Locke. Einige zentrale Aspekte von Diltheys Begriff des Lebens und seines lebensphilosophischen Ansatzes sollen im Folgenden etwas näher vorgestellt werden.

dagegen in unserem ganzen wollend fühlend vorstellenden Wesen ist uns mit unserem Selbst zugleich und so sicher als dieses äußere Wirklichkeit (d. erklärt er den Glauben an die Außenwelt „nicht aus einem Denkzusammenhang. sind lebendiger geschichtlicher Prozeß. (I. die vom „Standpunkte des Lebens“ aus konzipiert ist. wie ich sie begreife. (V.“ (Ebd. aber die wirklichen Bedingungen des Bewußtseins. vgl. VIII.“ (I. sind Entwicklung. 359. die den Denkvorgängen äquivalent sind. XIX) Ausgearbeitet hat Dilthey seine Theorie der Außenwelterfahrung in seiner Abhandlung Beiträge zur Lösung der Frage vom Ursprung unseres Glaubens an die Realität der Außenwelt und seinem Recht. 194. 51.“ (XIX. Wille und Gefühl gegebenen Zusammenhang des Lebens. unter denen wir denken. die Dilthey in unterschiedlichen Kontexten immer wieder zum Ausdruck gebracht hat: „Die fundamentalen Voraussetzungen der Erkenntnis sind im Leben gegeben. 44) Die Fruchtbarkeit seines Ausgangs vom Leben kann Dilthey an der „Frage nach Ursprung und Recht unserer Überzeugung von der Realität der Außenwelt“ (I. h. vielmehr sind diese Vorstellungen von Wirkung und Ursache selber nur Abstraktionen aus dem Leben unseres Willens. und das Denken kann nicht hinter sie greifen. (V. Wir wissen von dieser Außenwelt nicht kraft eines Schlusses von Wirkungen auf Ursachen oder eines diesem Schluß entsprechenden Vorganges. 261. wenn er schreibt: „Das a priori Kants ist starr und tot. 95) Wie in der Einleitung postuliert. und der Verlauf dieser Geschichte ist Anpassung an die immer genauer induktiv erkannte Mannigfaltigkeit der Erfahrungen. VII. vgl. nicht Form. legt er hier „den Menschen in seiner empirischen Lebensfülle zugrunde“. die er als das „hartnäckigste aller Rätsel dieser Grundlegung“ bezeichnet.. unternimmt er nicht den Versuch eines Beweises „durch Überschreitung des im Bewußtsein Enthaltenen auf etwas Transzendentes“. XVIII) Diesen Gedanken hat Dilthey in zwei Nachlasstexten etwas weiter ausgeführt. der dann durch Prozesse.) demonstrieren. 83. 187. ganz abgesehen von seinen räumlichen Bestimmungen) gegeben. ein von uns unabhängiges andere. XVIIIf. vermittelt ist“. 22. Das Leben der Geschichte hat auch die scheinbar starren Bedingungen. und an dessen Stelle tritt eine vom Leben ausgehende „Entwicklungsgeschichte“. 5. Leben ist hier. 45 a priori unseres Erkenntnisvermögens“. (Ebd. sie haben ihre Geschichte. Ausgehend von seiner lebensphilosophischen Grundeinsicht in den Primat des Lebens. XVIII): „Dem bloßen Vorstellen bleibt die Außenwelt immer nur Phänomen. in seinem mächtig hervortreibenden und gestaltenden Flusse herausgetrieben. aus dem sich letztlich alle weiteren erkenntnistheoretischen und logischen Aussagen ableiten lassen. (I. sondern aus einem in Trieb. die Abstraktion ist. wie überall. 136) Dieser Ansatz ist fundiert in einer lebensphilosophischen Grundeinsicht. „worauf im Leben selber der Glaube an die Außenwelt beruht“. nicht als bloßes Vorstellen. 189. 264) Diese Grundeinsicht der Unhintergehbarkeit des Lebens durch das Denken ist das zentrale Theorem von Diltheys Lebensphilosophie. sondern er analysiert nur. 224. sonach als Leben. 23. 180. In dieser Abhand- [65] lung.) Der Glaube an .

1892 /93) fest: „Ich war früher bestrebt.“ (XIX. der alles. h. Diese Abkehr vom erkenntnistheoretisch-psychologischen Aspekt des Lebensbegriffs hält Dilthey im Nachlasstext Leben und Erkennen (ca. wie sich insbesondere an seinen Ideen über eine beschreibende und zergliedernde Psychologie (1894) zeigen lässt.) Dabei hält Dilthey einerseits fest. als bloße Bewusstseinstatsachen. dass der „innere psychische Zusammenhang“ bedingt ist „durch die . Vielmehr wird durch die angegebenen Bewußtseinsvorgänge eine Willenserfahrung. also auch die Dinge der Außenwelt. die erkenntnistheoretischen Grundlagen der Geisteswissenschaften zu klären. […] Seitdem ich aber in der Struktur des Lebens die Grundlage der Psychologie erkannte. ins Spiel brachte. durch bloße Denkvorgänge abgeleitet. der uns die Existenz einer Außenwelt vermeldet. 133).“ (Ebd. 142) Der Widerstand. (Vgl. (V. sondern nur durch die „Totalität unserer Seelenkräfte“. V. wird nun für ihn die psychologisch-anthropologische und vor allem auch die biologische Dimension des Lebensbegriffs wichtig. und damit wird der Phänomenalismus aufgehoben (V. ist – so könnte man sagen – eine Lebens-Erfahrung. auch VIII. als Erscheinungen. begreift. Der Grundgedanke dabei ist. Diltheys Lebensbegriff wandelt sich vom Oppositionsbegriff zum erkenntnistheoretischen Vorstellungsbegriff hin zu einer anthropologisch- psychologisch-biologischen Konzeption. die psychologische Grundlegung zur Geltung zu bringen gegenüber dem einseitigen Intellektualismus.. 46 die reale Existenz einer Außenwelt wird vermittelt durch die Erfahrung von Impuls und Widerstand. 104) Andererseits wird aber auch „die Realität der Außenwelt nichtaus den Datis des Bewußtseins erschlossen. V. 101. gegen den Intellektualismus der neuzeitlichen Erkenntnistheorie die „ganze Totalität des Seelenlebens“ (V. die Hemmung der Intention vermittelt. welche das Leben selber ausmachen“. h. geschichtliche Lebenswirklichkeit. mußte ich den psychologischen Standpunkt zu dem biologischen erweitern und vertiefen. führt er nun den Zusammenhang des Seelenlebens zurück auf seine biologischen Bedingungen. welche nun im Widerstandsbewußtsein enthalten ist und die kernhafte lebendige Realität des von uns Unabhängigen erst aufschließt. 102ff. der Triebe und Gefühle eingeordnet […]. d. 345) Während Dilthey in seinem Versuch. Jahrhunderts gibt es in Diltheys Denken hinsichtlich des Begriffs des Lebens eine Umorientierung. dass „in der Widerstandsempfindung […] ein von mir Unabhängiges nicht in einer unmittelbaren Willenserfahrung gegeben [ist]“. Das Bewusstsein einer Außenwelt vermittelt sich uns nicht durch Verstandesschlüsse. (Vgl. Während Dilthey im Kontext der erkenntnistheoretischen Grundlegung mit dem Begriff des Lebens vornehmlich gegen die Reduzierung des Erkenntnissubjekts auf bloße Denktätigkeit und gegen die Ungeschichtlichkeit der Erkenntnisvoraussetzungen die konkrete. vgl. d. 125) Das Bewusstsein von der Realität der Außenwelt wird – lebensphilosophisch – „den Tat- [66] sachen des Willens. 156) stellte. 91) In den neunziger Jahren des 19. 98. (V. die Totalität der seelischen Vermögen.

die er auch als die „Struktur des Seelenlebens“ bezeichnet. und in ihr „vollzieht sich [67] die Verbindung der Reihe sensorischer Vorgänge mit der Reihe der motorischen“. dass „auch das menschliche Leben in seinen höchsten Formen […] unter diesem großen Gesetz der ganzen organischen Natur“ steht: „Von dem uns umgebenden Wirklichen werden Empfindungen hervorgerufen. Diese repräsentieren uns die Beschaffenheit der Mannigfaltigkeit von Ursachen außer uns. auch XIX. welche in der Aufmerksamkeit stattfindet. 100f. den Wert der Wirkungen von außen für unseren Organismus und unser Triebsystem drücken […] die Gefühle aus. Apperzipierens. unter welchen sie lebt“. In diesen Vorgängen entstehen nun Wahrnehmungen. da paßt sie ihr die eignen Lebensprozesse an und beherrscht die unbändigen Leidenschaften und das Spiel der Vorstellungen durch die innere Tätigkeit des Willens. Allmählich bildet sich ein fester Zusammenhang reproduzierbarer Vorstellungen... und I.“ (Ebd.. Trennens. welche es dann doch in seinem Bewußtsein befaßt und von den Akten seiner sinnlichen Wahrnehmung [68] bestimmt weiß. Und was das Höchste ist: wo sie diese Wirklichkeit nicht zu bestimmen vermag. durch welche diese Lebenseinheit eine gewisse Herrschaft über das Wirkliche ermöglicht. Sie hemmt und beherrscht die Reaktionen. 16f. (Ebd. Wertbestimmungen und Willensbewegungen. vollziehen nun Interesse und Aufmerksamkeit eine Selektion der Eindrücke. 212) Dabei steht die Lebenseinheit. […] Dieses Ganze ist das Leben. Sie besteht nur in den Vorgängen des Unterscheidens. (V. Sie wenden sich bestimmten Eindrücken zu. wo sie eine Anpassung der Wirklichkeit an ihr Bedürfnis herbeiführen kann. 200) Diese Struktur ist Resultat der Wirkung des Milieus auf die Lebenseinheit und der Rückwirkung derselben auf das Milieu: „Das Selbst findet sich in einem Wechsel von Zuständen. Und mit einem gewissen Nachdruck macht Dilthey deutlich. Nun ist die Lebenseinheit nicht mehr dem Spiel der Reize preisgegeben. (V. vgl. mit der äußeren Welt in Wechselwirkung. h. sie wählt aus. auch 204) In diesem ausführlich wiedergegebenen Zitat beschreibt Dilthey die Genese der Gliederung der inneren Zustände. Von ihnen bedingt. zugleich findet es sich bedingt von einer Außenwelt und zurückwirkend auf dieselbe. Das ist das Leben. So finden wir uns beständig von äußeren Ursachen körperlich und seelisch bedingt. ist aber an und für sich Prozeß.) . Verbindens. Die verstärkte Bewußtseinserregung. welche durch das Bewußtsein der Selbigkeit der Person als einheitlich erkannt werden. wo Dilthey schon diesen Zusammenhang von Selbst und Milieu beschreibt. Diese Wechselwirkung beschreibt Dilthey als „Anpassung zwischen der psycho-physischen Lebenseinheit und den Umständen. vgl.“ Leben ist somit das „Korrelatverhältnis des Selbst und der gegenständlichen Welt“. Gleichfindens. 47 Lage der Lebenseinheit innerhalb eines Milieus“. Bilder und im weiteren Verlauf der sensorischen Vorgänge die Denkprozesse. d. der individuelle Mensch.

auch VIII. 116f. welche ja selber Zusammenhang ist“. (V. Freiheit. 193). eine Selektion der Eindrücke vorzunehmen. Geschichtlichkeit. der uns lebendig gegeben ist. Der Zusammenhang der psychischen Erscheinungen. vgl. 48 Indem Dilthey das „große Gesetz der ganzen organischen Natur“ auch auf den Menschen bezieht. 164f. Entwicklung“. 22) und die Erfahrung von Zusammenhang. VIII. unser Phantasieren und Handeln ein Setzen von Zusammenhang überhaupt allererst möglich ist“. den wir aber erleben und der in Folge davon von uns in conreto zum Bewußtsein gebracht werden kann: der einzige Zusammenhang einer Realität.“ (V. entspringt „unser Weltbewußtsein so gut wie unser Selbstbewußtsein“. 196) Diese eigene innere Lebendigkeit bildet die Grundlage für Denken und Erkennen (vgl. etwa einer Sinneswahrnehmung.) . historischen Ganzen. um aus diesem das einzelne uns faßbar zu machen. begegnet im Übrigen schon in Diltheys Schriften seit der zweiten Hälfte der siebziger Jahre. unter welcher für unser Wahrnehmen und Denken. einheitlichen Tätigkeit in uns. (V. 196) Dieser Lebendigkeit kommt damit der Primat zu: Der lebendige Zusammenhang der Seele. und der für uns das Schema der Auffassung eines jeden anderen lebendigen und realen Ganzen wird. dass unsere Erfahrung des eigenen psychischen Zusammenhangs das Verstehen des Zusammenhangs in allem Lebendigen möglich macht.“ (XX. (V. aus. Dadurch ist der Mensch – wie er schreibt – nun nicht mehr dem Spiel der Reize preisgeben. eines realen Wesens. 172) Oder wie Dilthey in Zusätzen zum ersten Buch der Einleitung formuliert: „Die Einsicht in den Strukturzusammenhang des Seelenlebens ist [69] der beständige Schlüssel auch für das Verständnis des Zusammenhangs der Funktionen in einem organischen. „das vor allem Erkennen da ist“. 236. vgl. der uns in innerer Erfahrung gegeben ist (vgl.“ (I. die mehr ist als Ratio. V. den wir überhaupt vorstellen können. So schreibt er in der nachgelassenen großen Abhandlung Die Mannigfaltigkeit des psychischen Lebens und ihre Einteilung: Den Mittelpunkt der Psychologie „bildet ein Zusammenhang.“ (XVIII. ist das Leben. „ist nun die allgemeine Voraussetzung. der uns durch die innere Erfahrung gegeben ist. sondern er beherrscht die Reaktion und wählt sie nach seinem Bedürfnis aus. entsteht „erst aus der lebendigen. 194) Damit wird der in der eigenen Lebendigkeit erfahrene Zusammenhang auch zur Grundlage des Verstehens: „wir gehen im Verstehen vom Zusammenhang des Ganzen. Aber anders als das Tier.. 180) Der Zusammenhang. 193) In der Vorlesung System der Philosophie in Grundzügen vom Sommersemester 1899 formuliert Dilthey diesen Grundgedanken mit lapidaren Worten: „Zusammenhang als ein realer ist nur in der Struktur des Lebens gegeben. ist der Mensch in der Lage. Aus dieser „Lebendigkeit unseres Selbst“. bei dem ein Reiz unmittelbar zur Reaktion führt. (V. ordnet er ihn zunächst in die Reihe des Lebendigen ein. 418) Dieser Gedanke. und seine Merkmale sind „Lebendigkeit. welcher nicht in Begriffen ausgedrückt werden kann.

) Und weil das Denken nicht hinter das Leben zurück gehen kann. indem er postuliert. Leben ist überall da. pulsiert gleichsam das Geheimnis des Lebens.“ (V. kann die Wissenschaft von diesem Seelenleben nicht zurückgehen. 343) Denken – so lautet seine Grundthese – „tritt am Lebensvorgang auf“ (XIX. Verbinden. 345) Insofern das Leben das erste ist. den wir in der Wahrnehmung sehen und den unser Denken setzt. HUL]. vgl. (XIX. Eigenschaft und Wirken. 355) Da das Denken als Funktion des Lebens an diesem auftritt.“ (Ebd. ist für uns die unaufhebbare [70] Voraussetzung. 49 Dieselbe Abhängigkeit. ist folglich „der eignen inneren Lebendigkeit entnommen“. (V. in welchem es auftritt und in dessen Zusammenhang es besteht. welche von Reiz zu Bewegung geht. Verschmelzen ist überall von der psychischen Lebendigkeit getragen. Ding. gilt nun auch für die Beziehung der eigenen Lebendigkeit zu den von ihm so genannten elementaren logischen Operationen. In diese elementaren Vorgänge tritt innerhalb des diskursiven Denkens die Beziehung von Subjekt und Prädikat. auch VIII. vgl. Das Denken kann nicht hinter seine eigne Wirklichkeit. die die Grundlage des (diskursiven) Denkens bilden: „Das Vergleichen. Trennen. 346f. Das Bewußtsein kann nicht hinter sich selber kommen. 226) . die Dilthey zwischen der Erfahrung des in der eigenen Lebendigkeit gegebenen Zusammenhangs und dem Verstehen von Zusammenhang außer uns feststellt. und auch sie stammt aus der inneren Erfahrung des Selbst und des Erwirkens. Der Zusammenhang. dass „die Funktion des Denkens […] naturgemäß nur in ihrem Zusammenhang mit dem System oder der Struktur aller Funktionen des Lebens aufgefaßt werden [kann]“. weil es dessen „Ausdruck“ ist. welche vom Reiz zur Bewegung geht. dass wir keinen Zusammenhang machen können „außerhalb dessen.. 353. wie er in der inneren Erfahrung selbst gegeben ist. in welchem das Denken selber wirksam ist und von dem es ausgeht und abhängt. denn das „Leben ist das erste“. in welcher es entsteht. […] In dieser Struktur. (XIX. kann das Denken „nicht hinter das Leben. muss man es deshalb „in diesem Zusammenhang […] auch zu verstehen suchen“. Denken begreift Dilthey daher als eine „Funktion“ des Lebens: „überall ist es eine Erscheinung des Lebens.“ (Ebd. die – wie Dilthey festhält – „noch ausschließlicher als die Erkenntnistheorie […] von den intellektuellen Vorgängen aus konstruiert worden [ist]“. bleibt das Leben somit „für das Denken unergründlich“. hinter die Wirklichkeit. gebunden an das Leben“. der uns gegeben ist“. 344). 194) Jeder Zusammenhang. weshalb bei der philosophischen Grundlegung der Logik auf den Lebensvorgang zurückzugehen ist. 194) Das Denken kann somit nicht hinter seine eigenen Voraussetzungen kommen: „Hinter denselben [Zusammenhang. Die Lebenseinheit ist immer in dem Zusammenhang dieser Struktur. Substanz und Kausalität.) Diese bedeutsame Einsicht besagt im Umkehrschluss. zurückgehen“. (XIX. 351. macht er seine lebensphilosophischen Einsichten geltend. zurückgehen. „wo eine Struktur besteht. (XIX. (Ebd.) Gegen die traditionelle Logik. 347.

192. 362) In Diltheys Spätwerk. vgl. 347. aber die von ihnen bezeichneten Verhältnisse sind keine realen. 192). „durch welche das Denken sich das Wirkliche erleuchtet“. 119) Den Unterschied zwischen Natur. und ihr Merkmal ist die „Unergründlichkeit ihres Gehaltes durch das Denken“. Geisteswissenschaften sind die Wissenschaften. Die Lebenskategorien. 360. a. auf das wir äußere Eindrücke beziehen.und Geisteswissenschaften macht Dilthey daran fest. dass die Geisteswissenschaften ihre Basis in der Er- [72] fahrung der eigenen Lebendigkeit besitzen.“ (XIX. die Begriffe der Identität. (XIX. vgl. 86 und 87). 361) Demgegenüber sind die realen Kategorien nicht in der Vernunft gegründet. 361. die „in der Vernunft als solcher begründet sind“. genau zu fixieren und ihre Anzahl und Ordnung definitiv festzulegen: „Der Lebenszusammenhang und seine Struktur ist einer. (XIX. 228 – 245) Aus diesen Grund-Begriffen sind die fundamentalen Begriffe oder Kategorien wie Substanz und Kausalität abstrahiert. diese Kategorien eindeutig zu bestimmen. sondern Abkömmlinge von Erleben und Verstehen. Er ist nicht durch Begriffe zu ergründen. und ihr Merkmal ist ihre „gänzliche Durchsichtigkeit und Eindeutigkeit“. also Griffe. die in dem „Zusammenhang von Leben und Verstehen“ fundiert sind (VII. „welche die Organe alles Verständnisses von Wirklichem für uns sind“. (XIX. der Gleichheit und des Unterschiedes.) Da das Leben begrifflich nicht zu ergründen ist. Sie gehen „vom Erleben der eigenen Zustände und vom Verstehen des in der Außenwelt objektivierten Geistigen aus“. gibt es keine Möglichkeit. „Lebenskategorien“ sind. Daher ist auch nie ein Versuch gelungen. 196 – 199 und 202 – 204) [71] Von den realen Kategorien unterschieden sind die sogenannten „formalen Kategorien“. 50 Aus diesem Zusammenhang von Leben und Denken folgt nun die weitere Einsicht. indem er nun den Ausgang der Geisteswissenschaften vom Leben und die dauernde Verbundenheit mit ihm thematisiert und für eine Theorie der Wissenschaften der gesellschaftlich-geschichtlichen Wirklichkeit fruchtbar zu machen sucht. (Ebd. 361) Zu ihnen gehören u. er ist lebendig. so klingt die Fülle des Lebens auch in den abstraktesten Sätzen dieser Wissenschaft nach. und die Begriffe. bezeichnet Dilthey auch als „reale Kategorien“. „in denen wir den gegebenen Zusammenhang des Lebens uns zum Bewußtsein bringen“. 361) Sie sind „Aussageformen über alle Wirklichkeit“ (VII. während in der Natur . sondern „in dem Lebenszusammenhang selber“. 360 und VII. allgemeinen Urteile und generellen Theorien in ihnen „sind nicht Hypothesen über etwas. vgl. (XIX. das um den Aufbau zentriert ist. welche durch die ganze Wirklichkeit hindurchgehen“.“ (VII. VII. Zahl und Ordnung dieser Kategorien festzustellen. Und wie in diesem die Totalität unseres Lebens immer gegenwärtig ist. wie im Kapitel 6 noch ausführlicher gezeigt wird. (XIX. die Natur. Sie bezeichnen zwar „Beziehungen. durch die wir die Welt begreifen. sondern nur gleichsam Denkverhältnisse. knüpft er an die Einleitung an. dass die wichtigsten Begriffe. ja das Leben selber. Dies sind Kategorien.

(VII. (VII. VII. 136) Zu dieser spezifischen lebensnahen und lebensfundierten Begrifflichkeit zählen insbesondere Begriffe wie „Lebensbezug“ (vgl. was uns im Erleben und Verstehen aufgeht“. „Lebenserfahrung“ (vgl. Gewohnheiten. religiösen Prozessen. „Wirkungszusammenhang“ (vgl. 131). (VII. welche die Vielfalt der Weltanschauungen. die eine Auflösung des Lebensrätsels zu leisten beanspruchen (vgl. sondern auch der Philosophie“. 136) Leben ist für Dilthey „der Inbegriff dessen. . seiner Strukturpsychologie. 195) Und daher kann Dilthey auch von den Geisteswissenschaften sagen: „Leben erfaßt hier Leben“. nur in der Rückwirkung auf Leben und Gesellschaft erlangen die Geisteswissenschaften ihre höchste Bedeutung“. 132f. 153) und „Objektivation“ bzw. 131) Dieser besondere Zusammenhang von Leben und Geisteswissenschaften. „Objektivierung des Lebens“. VII. es ist ein „das menschliche Geschlecht umfassender Zusammenhang“. und die letzte Voraussetzung der Übertragung bilden immer die Zusammenhänge.“ (VII. als Artikulationen der „Mehrseitigkeit des Lebens“ (VIII. wird uns zum Verständnismittel des Entfernten und Vergangenen. 138) So zeigt sich. ihre Verwurzelung im Leben bedingt. dass auch die Begriffsbildung „in den Geschichts. und diese Tatsache Leben ist für ihn „nicht nur der Ausgangspunkt der Geisteswissenschaften. 82) und die sich Dilthey zufolge auf drei Grundtypen zurückführen lassen. 138.). (VII. vgl. […] So übertragen wir unsere Kenntnis von Sitten. (VII. 69. politischen Zusammenhängen. dass der Begriff des Lebens der Grundbegriff von Diltheys Philosophie ist: Er ist der Ausgangspunkt und die Grundlage seines Philosophierens. das Verständnis dringt vom Leben aus in immer neue Tiefen. (VII. seiner Theorie der Geisteswis- [73] senschaften und nicht zuletzt seiner späten Weltanschauungslehre. VII. 161.und Gesellschaftswissenschaften durch das Leben selber beständig bestimmt [ist]“. die der Historiker in sich selbst erlebt hat. VIII. sondern das Verhältnis entspricht dem Kreislaufmodell. 146) Die von Dilthey konstatierte Beziehung Leben–Geisteswissenschaften ist aber nicht als eine „Einbahnstraße“ zu verstehen. 51 der Zusammenhang der Erscheinungen durch eine Verbindung abstrakter Begriffe hergestellt wird. 119) Anders gesagt: „was uns in der Nähe umgibt. 143) begreift. das das Verhältnis zwischen Selbst und Milieu beschrieb: „Leben und Lebenserfahrung sind die immer frisch fließenden Quellen des Verständnisses der gesellschaftlich-geschichtlichen Welt.

reichen aber drei Jahrzehnte zurück und gehören mit zu seinen ersten theoretischen Plänen. die im Umkreis seiner frühen Reflexionen zum Thema einer philosophischen Grundlegung der Geisteswissenschaften entstehen. d. Lazarus und viele andere Autoren jener Zeit postuliert Dilthey die Notwendigkeit einer „psychologischen Grundlegung der Geisteswissenschaften“. Psychologie ist bei Mill die „Wissenschaft von den Elementargesetzen des Geistes“. der Wissenschaften der gesellschaftlich-geschichtlichen Wirklichkeit. Lazarus und H. Steinthal entwickelt. die er in der kritischen Diskussion mit dem Positivismus (A. die Geisteswissenschaften auf eine zu weitgehend am Methodenideal der Naturwissenschaften orientierte Psychologie zu begründen. erste Überlegungen und Entwürfe dazu. ja in gewissem Sinne die substantielle Mitte seines Philosophierens selbst. Diese Konzeption einer beschreibend-zergliedernden Psychologie ist nicht nur ein Theoriestück. übernimmt die Psychologie die Funktion einer Grundwissenschaft. Wundt). Dabei steht die Auseinandersetzung mit Mill und Lazarus stellvertretend für seine Kritik all derjenigen Versuche. wie von Anstrengungen einer kritischen Absetzung von konkurrierenden Psychologie-Konzepten. Auf diese Elementarwissenschaft der Psychologie ist bei Mill die Ethologie oder die exakte Wissenschaft der menschlichen Natur aufgebaut und auf dieser basieren die verschiedenen Gesellschaftswissenschaften. In Mills System der moralischen Wissenschaften. 52 4 Die Konzeption einer deskriptiven oder Strukturpsychologie Zu den wirkungsgeschichtlich bedeutsamsten. Grundlegend für Mills Konzeption der Gesellschaftswissenschaften als konkret deduktiver . denen zufolge ein Geisteszustand auf einen anderen folgt oder durch einen anderen verursacht wird. In eine abschließende Form gebracht hat Dilthey seine Überlegungen zur deskriptiven Psychologie in seiner großen programmatischen Abhandlung Ideen über eine beschreibende und zergliedernde Psychologie. dem Empirismus (J. und ebenso wie Mill. [75] Die erhaltenen Texte des frühen Dilthey sind durchzogen von seinen Versuchen einer angemessenen Bestimmung des Psychologie-Begriffs. das an eindeutig bestimmter Stelle der Diltheyschen Philosophie der Geisteswissenschaften eine fest umrissene Funktion erfüllt. und ihren Gegenstand bilden die „Gleichförmigkeiten“ oder Gesetze. Comte). aber auch umstrittensten Teilen von Diltheys Œuvre gehört zweifellos sein Entwurf einer deskriptiven Psychologie. das er in seinem System of Logic entwickelt. Mill) und der Völkerpsychologie von M. sondern diese Konzeption ist wesentlicher Bestandteil. Mit diesen von ihm kritisierten Positionen teilt Dilthey zunächst die Ansicht einer „Anlehnung der Geisteswissenschaften an die Psychologie“ (W. St. Die entscheidenden Differenzen betreffen allerdings die konkrete inhaltliche Fassung des jeweils zugrunde gelegten Begriffs von Psychologie (einschließlich ihrer Forschungsmethoden) sowie die konkrete Durchführung der geforderten „psychologischen Grundlegung“. h.

380) In Novalis‘ Überlegungen zur realen Psychologie oder Anthropologie findet Dilthey für seine eigenen Forschungsvorhaben Bedeutsames. 195. vgl. als Grundwissenschaft der Geisteswissenschaften zu fungieren. abzuleiten sind. d. Dilthey verweist dabei auf deutliche Parallelen zwischen der Zeit um 1800 und seiner Gegenwart. Die Bedeutung von Novalis‘ Fragmenten für eine Philosophie der Geisteswissenschaften arbeitet Dilthey in seinem berühmten Aufsatz über Novalis von 1865 heraus. Insbesondere in Novalis‘ Gedanken. die die von ihm an den verschiedenen Versionen von erklärender Psychologie festgestellten und kritisierten Mängel nicht aufweist. (Ebd. HUL]. Gegen diese Konzeptionen naturalistischer. 53 Wissenschaften ist damit die These. (XXVI. in ihrem Ursprung. den geschichtlichen Wissenschaften eine strengere wissenschaftliche Grundlage zu geben“. nicht-erklärende [76] Psychologie bezeichnet Dilthey zunächst als „Realpsychologie“. V. h. der in Zusammenhang mit seinen Schleiermacher-Forschungen entsteht. 250 und 279) gegen Nietzsche zum Ausdruck bringen wird. Diese neue. und für die Gegenwart stellt Dilthey fest: „Das natürliche Problem. wie er schreibt. dass alle Gesetze der Sukzession oder Koexistenz der Erscheinungen aus den elementaren Gesetzen der einzelnen Bestandteile entspringen bzw.“ (XVIII. und 439 sowie XIII/1. Anthropologie und Geschichte formuliert hatte. Er lehnt sich mit diesem Begriff an die Überlegungen des romantischen Dichters Novalis an. „erklärender“ Psychologie wendet Dilthey schon in frühesten Aufzeichnungen zur Logik und Wissenschaftslehre ein: „Psychologie im ganzen als erklärende Wissenschaft ist unmöglich wegen der Kumulation der Hypothesen. die dieser in einigen Fragmenten zur Idee der Psychologie als einer Verbindung von Psychologie bzw. dass der unendliche Gehalt der menschlichen Natur nur in seiner Entwicklung in der Geschichte zu studieren sei. aber gleichwohl in der Lage sein soll. VII. zur Erkenntnis der gesellschaftlich-geschichtlichen Wirklichkeit „das Studium des Menschen mit dem der Geschichte“ zu verknüpfen. den er später mit der berühmten Formel „Was der Mensch sei. [besteht darin]. 423f. IV. 180. XXVI. 3) An Stelle einer solchen „erklärenden Psychologie“ setzt er schon in den Fragmenten der frühen sechziger Jahre das Postulat. mit denen der Gegenwart“: „Wir bedurften lange Zeit die schärfste Empfindung des Gegensatzes dieser seit Fichte hervorgetretenen verschiedenartigen Arbeiten gegenüber . die Antizipation eines ihm naheliegenden Standpunkts (vgl. 197).) In diesem Zusammenhang konzipiert Dilthey auch die Grundzüge einer neuen Psychologie. Gerade in Novalis‘ Ideen zu einer realen Psychologie zeige sich – wie Dilthey betont – „die innere Verwandtschaft der Bestrebungen dieser Epoche [der Romantik. sagt ihm nur seine Geschichte“ (VIII. entdeckt Dilthey. vgl. Ebenso wie heute ging es damals um die philosophische Begründung der Einzelwissenschaften. 529. welches aus der gegenwärtigen Lage unserer Wissenschaften entspringt. 226. welche sie herbeiführen muß.

von Novalis antizipierten Idee einer Realpsychologie: „Was heißt Realpsychologie? Eine Psychologie. So ist es der Fehler der modernen völkerpsychologischen Schule. Wir heute müssen unseren eigenen Weg uns bahnen. innerhalb derer die Seele tätig ist. aber doch mit dem Gefühl. sondern mit seinem formalen Benehmen und Verhalten zu tun. In dieser Richtung weiterschreitend. [78] die Syntax und das Metrum des Gedichtes. welche den Inhalt unserer Seele selber zu ordnen. wenn Kant in dem Sittengesetz eine eigene aus dem Vorstellungsleben nicht erklärbare Wurzel unserer moralisch-religiösen Weltansicht erkennt: so ergibt sich von hier aus eine noch viel weiterreichende Erklärung des Inhaltes unserer Seele. 197f. 198) Die Kritik an einer bloß formalen. daß andere vor uns mit diesen höchsten Problemen rangen. Schopenhauer bewegt wurden. sehr anschaulichen. geniale Naturen wie Schleiermacher. als unzureichend anzuerkennen. von denen ganz gleichmäßig. in das zusammenhängende Ganze menschlicher Weltansicht? Angeborene Ideen. den innersten Gehalt von Bestrebungen gerechter zu würdigen. in welchen unsere Seele auf die Reize antwortet. wie leicht an einigen Beispielen verdeutlicht werden kann. An dem Punkte angelangt. somit die Summe des bisherigen menschlichen Daseins aus der Psychologie. So schreibt Dilthey in seiner Habilitationsschrift von 1864: „Die psychologischen Gesetze sind reine Formgesetze. die Erklärung aller seelischen Phänomene aus den Gesetzen.“ (XXVI. sobald man erkennt. erblicken wir Schleiermacher. Hegel. Kategorien und Grundsätze haben die beiden großen älteren deutschen Philosophen diesen Gesetzen als einen zweiten Faktor gegenübergestellt.) In einer längeren. Indem ich die Gesetze erforsche. [77] bei der größten Verschiedenheit der Ideenkreise. somit aus der Wissenschaft der Formen. Hegel. Die Bedeutung des Problems wird aber erst in seinem ganzen Umfang gesehen. Wenn Spinoza von der Selbsterhaltung ausgeht. u. mit beständigem Rückblick auf ihre Arbeiten. sie haben es nicht mit dem Inhalt des menschlichen Geistes. in welchen unser geistiges Leben verläuft.“ (XXVI. so ganz unvollkommen auch die Methode derselben war. daß sie die Geschichte. nach welchen sich in der Seele Vorstellungen zueinander verhalten. Liegt in diesen Formen der zureichende Erklärungsgrund für die Verwandlung der Empfindungen. die Inhalte des Seelenlebens aussparenden. prägnanten und im Hinblick auf seine spätere Konzeption sehr aufschlussreichen Textpassage skizziert Dilthey die Idee einer solchen. als welches man hier einmal die menschliche Seele ansehen mag. Sie sind gewissermaßen die Sprache. Es sind Anfänge. a. nach welchen Empfindungen sich in Vorstellungen ausbilden und Vorstellungen sich zueinander verhalten: so finde ich nichts als Formen. „erklärenden“ Psychologie zieht sich durch das gesamte Frühwerk Diltheys. 54 einer wahrhaft exakten Psychologie. sind wir in der Lage. Schopenhauer. zu . daß die Phänomene des Willens und der Gefühle auf die Verhältnisse der Vorstellungen nicht zurückführbar sind. in seinen Zusammenhängen aufzufassen. soweit möglich zu erklären unternimmt.

Das kann aber nur heißen. Im Grundriß der Logik und des Systems der philosophischen Wissenschaften. 5). Rechts. h. Konkret weitergeführt werden diese Überlegungen zu einer Realpsychologie als Grundlage der Geisteswissenschaften erst nach dem Abschluss des ersten Bandes seines Leben Schleiermachers. machen wir diese Inhalte zum Gegenstand der Untersuchung. nimmt seit den späten sechziger Jahren konkretere Formen an und gehört seitdem zu den wesentlichen Aufgaben seines Versuchs einer Grundlegung der Geisteswissenschaften. die Inhalte des psychischen Lebens zuverlässig erfassenden Realpsychologie oder Anthropologie. Indem wir nun weder annehmen.“ (VI. die Dilthey seit etwa Mitte der siebziger Jahre auch „deskriptive Psychologie“ nennt. 28). zweitens auf der Überwindung der intellektualistisch restringierten Psychologie („Vorstellungsmechanik“. d. an der Analyse des abstrakten Individuums orientierten.“ (XVIII. 43. daß wir in gewisser Weise die Tendenz der Phänomenologie des Geistes wieder aufnehmen. d. sind von ihr ausgeschlossen. Auf diese Grundwissenschaft folgen dann die sogenannten „realen Wissenschaften des Geistes. mit besonderer Berücksichtigung der Geschichte und Methode der einzelnen Wissenschaften (Wintersemester 1864/65) beginnt. drittens auf der Abkehr von der ahistorischen. welche in erster Linie über die Bedeutung unseres Daseins entscheiden. noch daß sie a priori gegründet seien. 5) Dieses Projekt. „atomistischen“ psychologischen Forschung durch den Zusammenschluss psychologisch-anthropologischer und historischer Untersuchungen. Die Inhalte des psychischen Geschehens. Die von ihm postulierte neue. induktiv vorgehenden. 26). daß dieselben aus der Erfahrung stammen. die Dilthey mit Vorlesungen über Logik. in dem man den Keim der späteren Einleitung in die Geisteswissenschaften sehen muss. vermöge deren nunmehr der Inhalt des Geistes erkannt wird“ (XX. Ethik. basiert das System der „Wissenschaften des Geistes“ auf der „allgemeine[n] grundlegende[n] Wissenschaft des Geistes: Psychologie und Anthropologie“ (XX. mit Beginn seiner Breslauer Zeit (1871 – 1882). die Entwicklung einer nicht-erklärenden. 55 erklären unternimmt. dem kurzen Vorlesungsabriss der Logik- Vorlesung des Wintersemesters 1865/66. da diese Inhalte in geschichtlicher Bewegung durch die Individuen hindurchgehen. wo es heißt: „Die bisherige Psychologie entwickelt Formen und Gesetze des geistigen Geschehens und kann auch Klassifikationen in sich aufnehmen. der Gesellschaft und Geschichte von 1866. nicht-erklärende Psychologie basiert im wesentlichen auf drei Prinzipien: Erstens auf dem Verzicht der Erklärung psychischer Zusammenhänge aufgrund einer Deduktion aus elementaren psychologischen Gesetzen. wörtlich wiederholt in der Ethik-Vorlesung von 1890: X. h.) Eine andere wichtige Stelle findet sich in dem Fragment Einleitung in das wissenschaftliche Studium des Menschen. 111f. Religionsphilosophie und Ästhetik. [79] Eine fest definierte Stelle innerhalb seines Systems der Geisteswissenschaften hat diese neue Psychologie schon zu Beginn seiner Lehrtätigkeit in Berlin. XVIII. . etwa bei Herbart) durch Berücksichtigung der Totalität des Seelenlebens (vgl.und Staatsphilosophie.

Eindeutig wendet sich Dilthey in diesem Kontext gegen die Versuche der deduktiv-erklärenden Psychologen: „Deduktiver Gebrauch psychologischer Erkenntnisse. erhielt dadurch [80] einen ganz neuen Anstoß. gipfeln. der das noch vorhandene Material seiner verschiedenen. 51) Gegen diese. Joh[annes] Müller u. widmet er sich in Breslau wieder fast ausschließlich seinen Plänen zur philosophischen Begründung der Geisteswissenschaften. welche die Erkenntnis von Gesetzen fordern würden. spielt auch die Auseinandersetzung um eine für die Geisteswissenschaften angemessene Psychologie eine zentrale Rolle. gleich wenigstens in eine rollende Bewegung zu bringen. die deutlich machen.) Während Dilthey in Kiel vornehmlich sein Schleiermacher-Projekt verfolgt. In diesen Versuchen. in Basel vornehmlich durch den Physiologen Wilhelm His. Im Rückblick bemerkt er dazu: „Dort in Basel begann ich mit Anthropol[ogie] u. 386) Und an seinen Freund Scherer schreibt Dilthey in einem Brief vom 10. 399) Unterstützung findet Dilthey bei seinem Versuch. Psychologie zu lesen im Sommer. die bisher nicht festgestellt sind. mag ein helles Licht auf manches interessante Phänomen der Gesellschaft und der Geschichte werfen: geistreiche Erörterungen. über Jahrzehnte gehaltenen Psychologie-Vorlesungen enthält. der Gesellschaft und dem Staat. Helmholtz faßten mich völlig: ich hörte 1 Jahr durch die physiologischen Vorlesungen meines Freundes His und erhielt von ihm Anleitung im Präpariren. auch Band XXI der GS. ist er nicht nur unzureichend. als vielmehr durch die Anregungen auf psychologisch-physiologischem Gebiet. Er bezeichnet die Psychologie – in einem Brief an die Eltern vom 2. In Basel hält Dilthey im Sommersemester 1867 zum ersten Mal eine Psychologie- Vorlesung. denn da in jedem Teil solcher Vorgänge der ganze gesetzliche Zusammenhang unserer Handlungen wirksam ist. welchen intensiven Kontakt Dilthey zur aktuellen – naturwissenschaftlich orientierten – psychologischen Forschung seiner Zeit unterhielt. der ihn mit dem Stand der physiologischen Forschung vertraut macht. 56 Bedeutsam ist zwar für die weitere Entwicklung von Diltheys psychologischer Konzeption auch sein Jahr in Basel. wird er möglich machen. Psychologie u. so verkürzt die Erklärung notwendig den Reichtum des Vorganges eben um diejenigen Bestandteile. von denen die wichtigsten in Band XVIII der GS zusammengestellt sind. welche noch gar nicht das handelnde Leben eines Individuums in seinem ganzen Umfange erklären. welche die Geschichte ausmachen. die in der so genannten „Abhandlung von 1875“ Über das Studium der Geschichte der Wissenschaften vom Menschen. 550. (BW I.“ (BW I. aber als methodisches Mittel zur Erklärung irgendeines Teils der Vorgänge. auch belehrende. die er dort empfängt. sondern geradezu schädlich und verwirrend. Januar 1867 – als „das schwierigste aller philosophischen Collegien“. aber weniger durch die dort gewonnenen und formulierten psychologischen Einsichten. die er in verschiedenen Anläufen auszuarbeiten versucht.“ (XVIII. vgl. um diesen letzten großen Block.“ (BW I. der Vorform der Einleitung. das geschichtliche Leben verkürzende deduktive Psychologie stellt Dilthey sein umfassendes Konzept einer Realpsychologie oder . der mir an vielen Stellen die Aussicht versperrte. März 1867 im Vorblick auf diese Vorlesung: „Ich habe mich entschlossen. den „Block“ Psychologie in Bewegung zu bringen.

lehnt Dilthey kategorisch ab: „Es ist falscher Individualismus. „welche wir für Geschichte und tätiges Leben von der [81] Wissenschaft erwarten“. bestimmt auch – wie schon gezeigt – Diltheys Psychologie-Konzeption der Einleitung. Eine abstrakte Rückführung der gesellschaftlichen Systeme. h. sein will. von . aus denen Gesellschaft und Geschichte aufgebaut sind. welche Menschenkenntnis und ethische Untersuchungen vorbereitet haben. der gesellschaftlich-geschichtlich situierten und vermittelten Individuen. Keine exakte Psychologie vermag mit den gegenwärtigen Mitteln eine so weitgehende Annahme zu begründen. auf angeborene starre psychologische Grundtriebe. Sie muss das Individuum in seiner Wechselwirkung. also der Institutionen. Mill. die auf „viel breitere[r] Basis“ als die gegenwärtig vorherrschende Psychologie die Grundlage bilden könnte.) In diesem Zitat findet sich schon der Kern von Diltheys später differenziert ausformulierter deskriptiver Psychologie. die in den verschiedenen Gesellschaftswissenschaften verwandt werden können. empirisch gestützte Erkenntnisse über psychische Elementarvorgänge zu liefern. Psychologie. (Vgl. die den ganzen weiteren Aufbau gefährden. aus dieser auszulösen und mit angeborenen Trieben auszustatten. 60) Diese Kritik am falschen Individualismus der Smith. in seinem Austausch mit seinem umgebenden natürlichen und gesellschaftlichen Milieu studieren. Durch Analyse und Abstraktion. Knies oder Arnold. welches doch nirgends existiert. zu konstruieren unternimmt. welche über das Feld unserer Erfahrungen hinweg die ursprüngliche Konstitution eines isolierten Individuums. muss „konkrete Psychologie“ sein. etwa von Sitte. sondern ausgehend von dem in Wechselwirkung mit der Außenwelt und der Gesellschaft lebenden Individuum aufsteigen zu denjenigen Wahrheiten vom Menschen. finden die Geisteswissenschaften in den psycho-physischen Lebenseinheiten die letzten Elemente. Interaktionsformen und Prozesse in Gesellschaft und Geschichte. d. die Grundlagen mit (unbeweisbaren) Hypothesen belastet und daher Unsicherheiten in diese hineintragen. I. die. Gegenstand dieser psychologisch-anthropologischen Grundwissenschaft ist das konkrete. ist die Anthropologie und Psychologie. in die gesellschaftlichen Wechselwirkungen verstrickte Individuum und nicht eine abstrakte. 28) Die Theorie dieser Lebenseinheiten. 54) Entscheidendes Merkmal dieser Psychologie ist: „Dieselbe würde gar nicht die Abstraktion des Einzelmenschen vollziehen.“ (Ebd. die ein fruchtbares Instrument zur Erkenntnis der Phänomene der gesellschaftlich-geschichtlichen Wechselwirkung. welche Elemente der gesellschaftlichen Wechselwirkung sind. Recht und Wirtschaft.“ (V. die Individuen. statt sichere. Folglich bildet die [82] Erforschung dieser Einheiten die fundamentalste Klasse der Geisteswissenschaften. mit deren Hilfe die komplexe gesellschaftlich- geschichtliche Realität auf wissenschaftlich zugängliche und bearbeitbare Inhalte reduziert wird. 57 Anthropologie. (XVIII.

welche den ganzen Zusammenhang des geistigen Lebens durch gewisse Annahmen ableitbar machen will. die er seit dem Anfang der siebziger Jahre entwickelt und in seinen poetologischen und pädagogischen Texten der späten achtziger Jahre sowie der „Realitätsabhandlung“ und der Ethik-Vorlesung von 1890 im Ansatz vorgestellt und fruchtbar gemacht hatte. in der er seine Konzeption einer deskriptiven Psychologie. den gesunde analytische Wissenschaft zum Objekt hat. dagegen die erklärende Psychologie. 33) Die genauere Ausarbeitung dieser deskriptiven Psychologie. einfachen Annahmen die Tatsachen des geistigen Lebens zu unterwerfen unternimmt“. 58 dem es umgebenden gesellschaftlichen und geschichtlichen Milieu abgelöste Einheit. die für die auf ihr aufbauenden Geisteswissenschaften Begriffe und Wahrheiten „erster Ordnung“ bereitzustellen hat. „ihrer Natur nach hypothetisch. 32) Die psychologische Grundwissenschaft muss – so Diltheys Plädoyer – daher eine „deskriptive Psychologie“ sein. Die Ideen stehen somit im direkten Zusammenhang mit Diltheys Forschungsprogramm einer erkenntnistheoretischen. (I. h. da diese. die Dilthey unter Rückgriff auf Überlegungen. [83] Im Vorgriff auf den – nie realisierten – Band veröffentlichte Dilthey 1894 in den Sitzungsberichten der Berliner Akademie der Wissenschaften (ausgegeben Januar 1895) seine Programmschrift Ideen über eine beschreibende und zergliedernde Psychologie. indem sie sich in den Grenzen einer deskriptiven Wissenschaft hält.“ (I.“ (I. ausführlich erläutert und begründet. derjenige Mensch. welche Tatsachen und Gleichförmigkeiten an Tatsachen feststellt. logischen und methodologischen Grundlegung der Geisteswissenschaften und sollen – als Vorbereitung der endgültigen Fassung im zweiten Buch der Einleitung – die postulierte beschreibende Psychologie als Grundlage des Systems . von sich reinlich unterscheidet. Eine erklärende Psychologie kann die definierten Aufgaben nicht lösen.) Diese Funktion der Psychologie als Grundwissenschaft innerhalb eines Systems der Geisteswissenschaften legt eine bestimmte Methodik nahe. die Dilthey im Februar und Juni 1894 zum Thema Ideen über eine beschreibende Psychologie und Über das Verhältnis der beschreibenden zu der erklärenden Psychologie vor der Akademie gehalten hatte. sollte Diltheys Konzeption zufolge im systematischen Teil des zweiten Bandes der Einleitung erfolgen. 31f. ebenso wie im Übrigen die genaue erkenntnistheoretische Untersuchung der Beziehung der psychologischen Grundlagenforschung zu den von ihm so genannten Tatsachen und Theorien „zweiter Ordnung“. Mit anderen Worten: „Der Mensch als eine der Geschichte und Gesellschaft vorauf gehende Tatsache ist eine Fiktion der genetischen Erklärung. die er verschiedentlich seit Mitte der sechziger fixiert hatte. der geisteswissenschaftlichen Erforschung der Kultursysteme. ist das Individuum als ein Bestandteil der Gesellschaft. wie folgt formuliert: „Die Aufgaben einer solchen grundlegenden Wissenschaft kann die Psychologie nur lösen. Hervorgegangen sind die Ideen aus zwei Vorträgen. d.

[84] Diese neue Psychologie-Konzeption kann nur – so Diltheys vierte These – eine „deskriptive Psychologie“ sein. Dilthey beginnt die Ideen mit einer Bestimmung der zu seiner Zeit vorherrschenden naturwissenschaftlich orientierten Psychologie. 158). Kräften und Gesetzen genau so erklären. Diese spezifische Aufgabenstellung der Psychologie. Bestandteilen des Zusammenhangs)“ versteht. Charakteristisch für die erklärende Psychologie ist folglich ihr „synthetischer oder konstruktiver Gang“ (V. die fähig ist. Sie will die Konstitution der seelischen Welt nach ihren Bestandteilen. . dass die zeitgenössische. den Geisteswissenschaften zu einer ähnlichen wissenschaftlichen Strenge zu verhelfen. an den Naturwissenschaften orientierte. Die Ideen dienen einerseits dem Beweis dieser These. wie sie die Naturwissenschaften besitzen. (V. 140) bezeichnet wird.“ (Ebd. h.) Wäre sie erfolgreich. andererseits ergibt sich aus dieser These ihre spezifische Problemstellung. „welcher alle Erscheinungen des Seelenlebens begreiflich zu machen beansprucht. von ihm sogenannte „erklärende“ Psychologie grundsätzlich nicht in der Lage ist. 59 der Geisteswissenschaften und darüber hinaus auch der Basis der eigentlichen Erkenntnistheorie entwickeln. unter der Dilthey „jede Unterordnung eines Erscheinungsgebietes unter einen Kausalzusammenhang vermittels einer begrenzten Zahl von eindeutig bestimmten Elementen (d. so könnte sie dazu beitragen. weshalb sie von Dilthey auch als „konstruktive Psychologie“ (V. Entscheidend ist also für eine jegliche Version von erklärender Psychologie die Intention einer Kausalerkenntnis von psychischen Phänomenen oder Prozessen. 139) Demzufolge versucht die erklärende Psychologie einen „Kausalzusammenhang“ aufzustellen. diese Aufgabe einer psychologischen Grundlegung der Geisteswissenschaften zu erfüllen. andererseits als einer Art psychologisch-phänomenologischer Basiswissenschaft der Erkenntnistheorie. Hieraus folgt – Diltheys dritte Hauptthese – die Notwendigkeit einer neuen Psychologie- Konzeption. machen die Schwierigkeiten aus. Diese „erklärende Psychologie“ ist ein Spezialfall der erklärenden Wissenschaft. einerseits als einer empirischen Grundwissenschaft der Geisteswissenschaften. Diltheys zweite Hauptthese ist. wie die Physik und Chemie die der Körperwelt erklärt. Im Mittelpunkt der Abhandlung steht Diltheys Grundthese der „Notwendigkeit einer psychologischen Grundlegung der Geisteswissenschaften“. und zwar auf der Basis von eindeutig bestimmten Elementen. gleichsam Atomen des seelischen Lebens. Die Erläuterung des Begriffs und der Gliederung dieser deskriptiven Psychologie sowie die Vorstellung einiger exemplarischer materialer Analysen bilden den Schwerpunkt der zweiten Hälfte der Abhandlung. die als unvermeidlich nachgewiesene Grundlegungsfunktion zu übernehmen. die das Verständnis dieses Textes erschweren.

(V. Unter Hinweis auf die unterschiedliche Weise. durch welche zu dem Gegebenen ein Kausalzusammenhang ergänzend hinzugefügt wird. der Erfahrungsreihen ergänzt und der „zwar eine Erscheinung oder einen Kreis von solchen in einen für sie ausreichenden Zusammenhang zu bringen vermag. ist: „Hieraus ergibt sich für die Naturwissenschaften. (V. HUL] von innen. die von Dilthey in einer berühmten Formel prägnant zugespitzt wird. 143) Und die folgenreiche methodische Konsequenz dieses Faktums. das Distinguieren der einzelnen Glieder desselben ist das Nachkommende. dass die erklärende Psychologie ihr Ziel nur durch „eine Verbindung von Hypothesen“ (V. (V.) Damit ist postuliert. aber nicht andere Möglichkeiten der Erklärung ausschließen kann“. daß in ihnen nur durch ergänzende Schlüsse.“ (V. in ihr „ist gerade der Zusammenhang ursprünglich und beständig im Erleben gegeben: Leben ist überall nur als Zusammenhang da“. Diese These vom essentiellen Unterschied der Gegebenheitsweise von Objekten in Natur- und Geisteswissenschaften gehört zum Zentrum von Diltheys Philosophie der Geisteswissenschaften – vom „Grundriß von 1865“ bis zum Spätwerk. stellt sich die Frage nach der Legitimität dieser Übertragung. als Phänomene und einzeln auftreten. Durch dieses Vorgehen. 141) Die psychologische Hypothesenbildung geschieht [85] in Analogie zur naturwissenschaftlichen Forschungspraxis. welche im Bewußtsein als von außen. bestreitet Dilthey die Berechtigung und die Notwendigkeit von Hypothesenbildung in der Psychologie. als Realität und als ein lebendiger Zusammenhang originaliter auftreten“. Für die Geisteswissenschaften folgt dagegen. dass die Naturwissenschaften „zu ihrem Gegenstande Tatsachen haben. Die Natur erklären wir. welcher mit allen sonst bekannten Tatsachen und allgemeingültigen Theorien in Übereinstimmung ist. das Seelenleben verstehen wir. dass in der Psychologie die für die naturwissenschaftliche Forschung notwendige Verwendung von Hypothesenbildungen unnötig ist. Diese für sein Denken zentrale These lautet. auf das Seelenleben überträgt“ (V. Der erlebte Zusammenhang ist hier das erste. 144) [86] . wie den Geisteswissenschaften und den Naturwissenschaften ihre Objekte jeweils gegeben sind. 60 Dilthey zeigt nun in einem zweiten Schritt. die Verbindungen der Funktionen als einzelner Glieder des Seelenlebens zu einem Ganzen gegeben. wogegen sie in diesen [den Geisteswissenschaften. 142). vermittels einer Verbindung von Hypothesen. daß in ihnen der Zusammenhang des Seelenlebens als ein ursprünglich gegebener überall zugrunde liegt. dass „die erklärende Psychologie das Verfahren der naturwissenschaftlichen Hypothesenbildung. 143f. Denn in der inneren Erfahrung sind auch die Vorgänge des Erwirkens. ein Zusammenhang der Natur gegeben ist. 140) erreichen kann. wobei er unter einer Hypothese im naturwissenschaftlichen Sinne jeden Schluss versteht.

und Staatswissenschaften sowie der Geschichte und Theorie von Literatur und Kunst plausibel zu machen: „Wie die Systeme der Kultur: Wirtschaft. führt zu der Forderung einer Psychologie. auch – und dieser Aspekt ist für Dilthey besonders wichtig – ihr systematischer Zusammenhang ist ohne Psychologie nicht erreichbar: So „kann […] die Verbindung derselben zu einem Ganzen ohne Verständnis des seelischen Zusammenhangs. Sie enthalten Zusammenhänge in sich. (In: Dilthey-Jahrbuch für Philosophie und Geschichte der Geisteswissenschaften 3 [1985]. weil Seelenleben ein Zusammenhang ist. (V. 146) Einerseits ist zwar evident. so können sie schließlich auch nur aus diesem verstanden werden. der Gemeinden. Die Tatsache. Sie konnten als eine übergreifende Macht über den einzelnen nur entstehen. der Kirche. Kunst und Wissenschaft. 61 Der Einsatz von Hypothesenbildungen in der Psychologie ist nun aber nicht nur unnötig. nicht herbeigeführt werden. „die Geschichtlichkeit der Menschennatur psychologisch abzuleiten und den Eingang in die geschichtlichen Kategorien zu finden“.1895 hat Dilthey die Ideen dementsprechend als den – „auch nach sehr langem Nachdenken noch höchst ergänzungsbedürftig[en]“ – „Versuch“ bezeichnet. weil Gleichförmigkeit und Regelmäßigkeit im Seelenleben besteht und eine gleiche Ordnung für die vielen Lebenseinheiten ermöglicht. den Rechts. eine allgemeingültige Erkenntnis dieses seelischen Zusammenhangs zu erzielen. da sie. aber kein System. sondern darüber hinaus entschieden nachteilig für die Entwicklung der Geisteswissenschaften. in welchem ihre Verhältnisse gegründet sind. versucht Dilthey an Beispielen aus der Theologie. in welchem sie verbunden sind. sondern auch für die Erkenntnistheorie ein „Bedürfnis psychologischer Begründung“ – allerdings mit einem deutlichen Unterschied zwischen beiden „in Rücksicht des Umfangs wie der Tiefe dieser Begründung“. dass die Geisteswissenschaften auf eine psychologische Grundlegung angewiesen sind – Diltheys Leitthese –.) Es muss also das Ziel sein.3. 148) Nun besteht aber nicht nur für die Geisteswissenschaften. Ohne Beziehungen auf den psychischen Zusammenhang.“ (V. Psychische Tatsachen bilden ihren wichtigsten Bestandteil. 147f. Religion. wenn sie sich auf Theorien der erklärenden Psychologie stützen. Recht. des Staates aus dem lebendigen Zusammenhang der Menschenseele hervorgegangen ist. ein Bündel. In einem Brief an den Philosophen Paul Natorp vom 9. 200) [87] Aber nicht nur die Entwicklung der einzelnen Geisteswissenschaften ist an die „Ausbildung der Psychologie gebunden“. wie die äußere Organisation der Gesellschaft in den Verbänden der Familie. Seine These einer psychologischen Fundierung der Geisteswissenschaften. So bedingt das Verständnis dieses inneren Zusammenhangs in uns überall ihre Erkenntnis. sind die Geisteswissenschaften ein Aggregat. die den Geisteswissenschaften eine feste und sichere Basis bieten kann. der die Bedingung der Möglichkeit der Gesellschaftlichkeit und Historizität des Menschen und der Erkenntnis derselben zugleich enthält. notwendig ihr Fundament mit unüberprüfbaren Hypothesen belasten. dass der Erkenntnistheorie keine . ohne psychische Analyse können sie also nicht eingesehen werden.“ (V.

die die vollständige Unabhängigkeit der Erkenntnistheorie von der Psychologie behaupten – die These auf. V. dass Erkenntnistheorie auch nicht unabhängig von psychologischen Voraussetzungen gestaltet werden kann. welche den ganzen unverstümmelten Befund seelischen Lebens umfaßt.“ Was aber nun nicht bedeutet. gehen zwangsläufig. Würde die Erkenntnistheorie allerdings auf Theorien der erklärenden Psychologie zurückgreifen. 150) Das Verhältnis von Erkenntnistheorie und Psychologie erweist sich als komplizierter als das der Erkenntnistheorie zu anderen Wissenschaften. andererseits ist aber die „voraussetzungslose Erkenntnistheorie eine Illusion“. der Erkenntnistheorie eine „durchgeführte beschreibende Psychologie als Grundlage vorauszusenden“.“ (V. 151) Aber gleichwohl gilt: „In der Selbstbesinnung. nicht ohne den Hintergrund irgendeiner Vorstellung des seelischen Zusammenhangs miteinander verbunden werden.“ (V. (V. ihr gültige Sätze über den Zusammenhang des Seelenlebens zur Verfügung zu stellen. so würde sie ebenso wie die Geisteswissenschaften im nämlichen Fall unsicher und hypothetisch. Daher stellt Dilthey – wohl vornehmlich mit Blick auf die verschiedenen Versionen des Neukantianismus. und in aller Regel unreflektiert. in welcher sie allgemeingültige und sichere Sätze auch aus anderen Wissenschaften entnimmt. durchgeführten Psychologie bedarf die Erkenntnistheorie nicht. 150) „Man wird die [88] zufälligen Einflüsse irriger Psychologien in der Erkenntnistheorie nur los werden.“ (Ebd. wie sie ihn bedarf und wie er keinem Zweifel ausgesetzt ist.) . aber alle durchgeführte Psychologie ist doch nur die wissenschaftliche Vollendung dessen. das lebendige Bewusstsein und die allgemeingültige Beschreibung dieses psychischen Zusammenhangs enthält die Grundlage der Erkenntnistheorie. 62 Psychologie vorausgeschickt werden kann. andererseits ist es für Dilthey aber ebenso unbezweifelbar. die der Erkenntnistheoretiker in seinem eigenen lebendigen Bewusstsein besitzt. in seine theoretische Arbeit ein. 148) Bestimmte Vorstellungen vom psychischen Zusammenhang. da der seelische Zusammenhang den „Untergrund“ des Erkenntnisprozesses bildet. dass „die geistigen Tatsachen. hat sie ihre Grundlage. was auch den Untergrund der Erkenntnistheorie bildet. könnte die Erkenntnistheorie aus der beschreibenden und analysierenden Psychologie einen solchen Zusammenhang von Sätzen entnehmen. denn die Sicherheit psychologischer Erkenntnisse müsste zuerst durch die Erkenntnistheorie untersucht werden. Das heißt. wenn er schreibt: „In derselben Weise. (Vgl. Somit kann Dilthey formulieren: „Einer vollendeten. wenn es gelingt. wie Dilthey dies beispielhaft auch an Kant zeigen kann.) Diltheys Ausweg aus diesem Dilemma im Verhältnis von Psychologie und Erkenntnistheorie ist nun nicht ohne Brisanz.“ (V. (Ebd. 149) Zur Vermeidung der „willkürlichen und stückweisen Einführung psychologischer Ansichten“ in die Erkenntnistheorie muss man ihr daher – so Dilthey – „mit wissenschaftlichem Bewußtsein eine klare Auffassung des seelischen Zusammenhangs“ zugrunde legen. welche den Stoff der Erkenntnistheorie bilden. den die Erkenntnistheorie selbst thematisiert.

VIII. Darunter versteht er „die Darstellung der in jedem entwickelten menschlichen Seelenleben gleichförmig auftretenden Bestandteile und Zusammenhänge. den Dilthey in den achtziger Jahren noch cartesianisch unter dem Begriff der „Tatsachen des Bewußtseins“ gefasst hatte. 179. analysiert. 152) bezeichnet. sie stellt diesen „Zusammenhang des inneren Lebens“ in einem „typischen Menschen“ dar. deren Aufgabe in einer elementaren. 89. dass einerseits „jeder von ihr benutzte Zusammenhang“ – und dies macht nach Dilthey ihre besondere Bedeutung aus – „durch innere Wahrnehmung eindeutig verifiziert werden kann“ und dass andererseits jeder solche Zusammenhang „als Glied des umfassenderen aufgezeigt werden kann. Weitere. [89] Die Ergebnisse dieser Selbstbesinnung dienen einerseits der Erkenntnistheorie und andererseits der weiterführenden Psychologie als Grundlage. Dieser Bestand des seelischen Lebens. wird. sondern ist selbst fundiert in einer psychologisch- phänomenologischen Basiswissenschaft.) Thema dieser Psychologie sind die „Regelmäßigkeiten im Zusammenhange des entwickelten Seelenlebens“. (Ebd. 120. als erlebte Realität“ (V. 89. 222). die er als „beschreibende und zergliedernde“ (V. 79. die den in jedem Individuum erfahrbaren lebendigen Zusammenhang des seelischen Lebens untersucht. Diese Psychologie ist also Beschreibung und Analysis eines Zusammenhangs. Selbstbesinnung hat zur Grundlage den vollständigen Bestand der Psyche. 151) gegeben ist. sondern erlebt ist. 95. XIX. lebendig. der jedem „unmittelbar. dann zur empirischen Grundwissenschaft im System der Geisteswissenschaften. vgl. 152) Außerdem ist für diese Psychologie charakteristisch. experimentiert und vergleicht“. von Dilthey „Selbstbesinnung“ genannt (V. auch I. B. (V. „sie betrachtet. 94. die „Wahrheiten erster Ordnung“ ermittelt. sondern ursprünglich gegeben ist“. Die Erkenntnistheorie wird somit depotenziert und ist nicht mehr „erste Philosophie“. 63 Es gibt also eine Basiswissenschaft. wie sie in einem einzigen Zusammenhang verbunden sind. 220. Erkenntnistheorie und Psychologie macht Dilthey nicht. Die Erkenntnistheorie begründet die Geisteswissenschaften philosophisch. vorbereitenden Analyse und Deskription dieser Tatsachenbesteht. ist Objekt der Selbstbesinnung. der nicht erschlossen. 151. 125. auf diesen Ergebnissen aufbauend. ursprünglich und mit unmittelbarer Mächtigkeit gege- [90] . der nicht hinzugedacht oder erschlossen.“ (Ebd. der „Selbstbesinnung“ oder – was dasselbe ist – der „Philosophie des Lebens“. über diese recht grobe Verhältnisbestimmung hinausgehenden Aussagen zum Problem der Beziehung von Selbstbesinnung.) Entscheidend ist also der Ausgang „vom erlebten. welcher ursprünglich und immer als das Leben selbst gegeben ist. Aus diesen Überlegungen zieht Dilthey sein Fazit: Es bedarf einer neuen Psychologie. Die Psychologie. indem sie die ausgezeichnete Stellung des erkennenden Subjekts zu seinem Gegenstand thematisiert und aus dieser Analyse Aussagen über die Gültigkeit geisteswissenschaftlicher und psychologischer Aussagen und Begriffe trifft.

“ (Ebd. sondern gewinnt sie aus dem (eigenen) „Leben selbst“. Die Naturobjekte erkennen wir „von außen“.“ (Ebd. nicht ein konstruktiver sein. 168f. genaue Analysen und ein wichtiges Hilfsmittel der Kontrolle für ihre hypothetischen Erklärungen“ erhielte. Die Möglichkeitsbedingung dafür liegt in der schon angesprochenen spezifischen Weise. nicht aus elementaren Vorgängen dasselbe ableiten.) Diese von Dilthey postulierte deskriptive Psychologie ist also im Kern eine „verstehende“ Psychologie – ein Begriff. Zusammenhang – etwa von Ursache und Wirkung – wird zwischen diesen Objekten nur durch eine im Erkenntnissubjekt stattfindende (hypothetische) Synthesis gestiftet. 153) Ein wichtiger Nebeneffekt einer solchen deskriptiven Psychologie bestünde laut Dilthey im Übrigen noch darin. einem „Erle- [91] ben“. Zusammenhänge in uns.) Dieser „erfahrene Zusammenhang des Seelenlebens“ ist damit die „feste.) Somit steht Auffassung. sie ist unmittelbar gegeben. den Dilthey allerdings nicht verwendet –.“ (V. (V. das heißt. während wir den Sinneserregungen Verbindung und Zusammenhang unterlegen müssen. (V. 172) Der grundlegende psychische Zusammenhang ist „von innen“ gegeben. als den die Vertreter der Konstruktionsmethode gegangen sind. (Ebd. eine bestimmte Terminologie.) Und in methodologischer Hinsicht folgt daraus: „Die Psychologie muß den umgekehrten Weg einschlagen. die vollständig und ohne begrifflich- theoretische Vorannahmen der Analyse zugrunde gelegt werden können. Beschreibung und Analyse der Totalität des vollständigen Seelenlebens des entwickelten Menschen im Zentrum der von Dilthey postulierten deskriptiven Psychologie. und diese Beschreibung und Analysis muß den höchsten erreichbaren Grad von Sicherheit haben. von denen man immer schon weiß. (V. erlebte und unmittelbar sichere Grundlage der Psychologie“. weil man sie er-lebt. 64 benen Zusammenhange“. Sie muß vom entwickelten Seelenleben ausgehen. wie uns das Seelenleben gegeben ist. Das Ziel einer so bestimmten beschreibend-zergliedernden Psychologie liegt in einer „unbefangenen und unverstümmelten Auffassung des Seelenlebens“. dass die erklärende Psychologie in der beschreibenden „ein festes deskriptives Gerüst. Diese Psychologie lässt sich ihre Kategorien nicht vorgeben. 168) Dies bedeutet: „Die volle Wirklichkeit des Seelenlebens muß zur Darstellung und tunlichst zur Analysis gelangen. durch unsere Sinne. Ihr Gang muß ein analytischer. Vorausgesetzt ist also ein privilegierter Zugang zu den eigenen Erlebnissen. sie klärt diejenigen psychischen Zusammenhänge analytisch-begrifflich durch Beschreibung und Zerlegung auf. Die innere Wahrnehmung dagegen beruht auf einem „Innewerden“. (V. 170) Wichtig für die Konstituierung einer solchen Psychologie ist somit die Einsicht in den fundamentalen Unterschied von innerer und äußerer Erfahrung: „So erleben wir beständig Verbindungen. und „alle psychologische Einzelerkenntnis ist nur .

der durch die „menschlichen Willenshandlungen“ (V. daher hat die Beschreibung auf diesem Gebiete eine zweifellose. gleichsam als Abschluss seiner psychologischen Forschungen. die. 188) gebildet wird. 200) Hinzukommt als zweites Kapitel die „Entwicklung des Selenlebens“ (V. ihre Bestandteile und die sie verbindenden Funktionen beschreibt und erforscht. [92] Bei den drei Hauptkapiteln der deskriptiven Psychologie. Der allgemeine Teil dieser Psychologie hat Dilthey zufolge zunächst die Aufgabe. (V. von diesem „allgemeingültig“ erfassten Zusammenhang des Seelenlebens ausgehend. Auf diesen allgemeinen Teil folgen die konkreten Analysen „der drei großen Zusammenhänge. 226 – 237) Diesem Kapitel hat Dilthey eine eigene Abhandlung gewidmet. 181). blieb die großangelegte Abhandlung Über vergleichende Psychologie Fragment. der in einer scharfen Polemik Diltheys Projekt einer deskriptiven Psychologie attackiert hatte (vgl. woraus die Objektivität und Allgemeingültigkeit der psychologischen Deskription folgt: „So ist hier eine feste Struktur unmittelbar und objektiv gegeben. Vorstellungen und Erkenntnisse im entwickelten Seelenleben eines vollkräftigen Menschen“ (V. (V. aber keine Konstruktion des ganzen Kausalzusammenhangs der psychischen Vorgänge unternimmt“. „die einzelnen Glieder dieses Zusammenhangs analysiert. so tief sie kann. 200 – 213) Mit diesem Begriff bezeichnet Dilthey die sich in der Wechselwirkung zwischen der Lebenseinheit und dem sie umgebenden Milieu herausbildende „Gliederung ihrer inneren Zustände“. Dilthey veröffentlichte. der mir unbezweifelbar wahrhaftig gegeben ist. die in direktem Anschluss an die Ideen die Grundzüge der vergleichenden Psychologie entwickeln sollte. 185) und drittens der Zusammenhang. die Dilthey abschließend erörtert. (V. 180) Es sind erstens der „Zusammenhang der Wahrnehmungen. 175) Im Anschluss an diese Begriffsbestimmung seiner psychologischen Konzeption skizziert Dilthey noch die Gliederung der deskriptiven Psychologie und erörtert drei Hauptkapitel derselben. Wegen der Auseinandersetzung mit dem Psychologen Hermann Ebbinghaus. 1896 in den Sitzungsberichten der Berliner Akademie . 173). 65 Zergliederung dieses Zusammenhangs“ (V. (V. dazu das Kapitel 8 der vorliegenden Einführung). 213 – 226) und schließlich das „Studium der Verschiedenheiten des Seelenlebens“. Darüber hinaus wird in diesem Teil der von Dilthey so genannte „Strukturzusammenhang im ausgebildeten Seelenleben“ (V.“ (Ebd. allgemeingültige Grundlage. (V. welche in der Struktur des Seelenlebens verbunden sind“. zweitens der „Zusammenhang unserer Triebe und Gefühle“ (V.) Diltheys starke Grundthese lautet damit: Es ist eine Psychologie möglich. handelt es sich zunächst um das Thema „Struktur des Seelenlebens“. eine verbindliche psychologische Terminologie zu erarbeiten. 176) thematisiert.

(I. 66 nur einen Teil dieses Textes unter dem Titel Beiträge zum Studium der Individualität. permanent Reize. zog Dilthey vor der Publikation zurück. prägnante Skizze enthält den Grundriss von Diltheys philosophischer Anthropologie. dass sich der Mensch und sein geistiges Leben weitgehend auf der Grundlage eines Organismus entwickeln. Wundts Grundzüge der physiologischer Psychologie (Leipzig 1874) angeregt wurde. in dem Dilthey die methodologischen Probleme einer „beschreibenden Psychologie der Individualität“ thematisiert. der spezifische Begriff einer „Struktur des . Bedeutsam an diesem anthropologischen Konzept Diltheys ist der mit Entschiedenheit vorgetragene Gedanke. wird erhalten und entwickelt sich auf Grund der Funktionen des tierischen Organismus und ihrer Beziehungen zu dem umgebenden Naturlauf. Dieser Organismus steht – und dies ist die zweite entscheidende Komponente der Diltheyschen Anthropologie – in ständigem Austausch mit der ihn umgebenden Umwelt: er erfährt aus der Umwelt. die eine Auseinandersetzung mit Wilhelm Windelbands Einteilung der Wissenschaften sowie eine nochmalige Darlegung seines Begriffs der Geisteswissenschaften und des methodischen Unterschieds von Geistes. die in der Substanz schon in der Einleitung skizziert wird. sein Lebensgefühl ist wenigstens teilweise [93] in diesen Funktionen gegründet. 14f. Beim Abdruck in Band V der GS wurde die ganze Abhandlung rekonstruiert. Eindrücke und wirkt durch seine Willenshandlungen – auf der Basis und gesteuert durch bestimmte Prozesse im Nervensystem – auf diese zurück. und das geistige Leben des Menschen ist daher ein – wie Dilthey unterstreicht – „nur durch Abstraktion loslösbarere Teil der psycho-physischen Lebenseinheit“. Sein Willensantrieb bringt Muskelfasern zur Verkürzung.“ (I.und Naturwissenschaften enthielt. Den ersten Abschnitt und einen Teil des zweiten Abschnitts der Abhandlung (V. den er in weiteren Arbeiten der achtziger und frühen neunziger Jahre ausführt und der zum Kern seiner Strukturpsychologie wird. d. Der fruchtbarste Teil der Ideen ist ohne Zweifel Diltheys Konzeption einer Strukturpsychologie. vermittelt durch das System seiner Sinnesorgane. 16). dauernde Erfolge seiner Willenshandlungen existieren nur in der Form von Veränderungen innerhalb der materiellen Welt. was möglicherweise durch die Lektüre von W.) Diese kurze. seine Eindrücke sind von den Sinnesorganen und ihren Affektionen seitens der Außenwelt bedingt. der psycho-physischen Lebenseinheit. h. 242 – 266). und so ist sein Wirken nach außen an Veränderungen in den Lageverhältnissen der Massenteilchen des Organismus gebunden. der dem tierischen analog ist. Der menschliche Organismus konstituiert sich als und durch ein System afferenter und efferenter Prozesse. 15) In diesem Zusammenhang der Erläuterung seiner anthropologischen Grundfigur spricht Dilthey zwar verschiedentlich von der „Struktur des Nervensystems“ (I. wo er die Existenzform des Menschen. den Reichtum und die Beweglichkeit seiner Vorstellungen und die Stärke sowie die Richtung seiner Willensakte finden wir vielfach von Veränderungen in seinem Nervensystem abhängig. – soweit ich sehe – erstmalig an prominenter Stelle durch biologische Kategorien charakterisiert: „In Wirklichkeit entsteht ein Individuum.

95) Diese „beständige Wechselwirkung zwischen unserem Eigenleben und dem Milieu“ bezeichnet Dilthey als „unser Leben“. 273) In seiner Rede vom 2. [95] Diese Gliederung des „so verwickelten Zusammenhang[s]“ des Seelenlebens ist – wie Dilthey in seiner großen Poetik-Abhandlung Die Einbildungskraft des Dichters von 1887 erläutert – in der Struktur des Seelenlebens angelegt: „Aus der Außenwelt stammt das Spiel der Reize. obwohl Dilthey schon an einer Stelle von der „Struktur“ spricht. 90 – 102) entwickelt Dilthey nicht nur den wichtigen Begriff des „erworbenen Zusammenhangs des Seelenlebens“ (vgl. 96). das sich im Seelenleben als Empfindung. (VI. 47) [94] Auf der Grundlage des in der Einleitung skizzierten anthropologischen Grundrisses arbeitet Dilthey – vermutlich erstmals in den Berliner Psychologie. Vorstellung projiziert. die er dann in den ästhetischen und pädagogischen Arbeiten der zweiten Hälfte der achtziger Jahre zu einer differenzierten psychologischen Theorie ausbaut.“ (XXI. Vorstellungen hervor. 274) Diese allen Lebewesen gemeinsame Grundstruktur besteht aus dem schon in der Einleitung geschilderten dreistelligen Reiz-Reaktions-Kreis: „Ein Wahrnehmungszustand bewirkt einen Empfindungszustand und dieser einen Willensakt. 67 Seelenlebens“ findet sich in der Einleitung aber noch nicht. unseres geistigen Seins und zugleich Gliederungsprinzip unseres seelischen Lebens. sondern er macht deutlich. VI.8. der „große Regulierungsapparat“ (VI. Hier erläutert Dilthey die „Grundstruktur aller Lebewesen“. Wahrnehmung. 95) Sie ist die Basis unserer Existenz. mißt diese in Rücksicht auf sein Dasein und reagiert auf die Außenwelt. (VI. (XXI. „welche ein Zusammenhang psychischer Elemente in dem Zweckganzen eines Systems zeigt“.1886 über Dichterische Einbildungskraft und Wahnsinn (VI. aus der eine „Grundstruktur des Seelenlebens und ein dadurch bedingter Typus der menschlichen Struktur“ entsteht. 94 – 96). der unseren Wirklichkeitsbezug repräsentiert und steuert. Ein frühes Dokument dieser Theoriearbeit enthält die Vorlesung Psychologie als Erfahrungswissenschaft aus dem Wintersemester 1885 /86. Wahrnehmung. die im Begriff der psychischen Struktur zentriert ist. um sie seinem Leben anzupassen. (I. nun wird in dem Mannigfachen der Gefühle der Wert dieser Veränderungen für das Eigenleben erfahren. durch eine Struktur gegliedert ist: „von der Außenwelt her ruft das Spiel der Reize Empfindung. dass dieser Zusammenhang. die so entstehenden Veränderungen werden nach ihrem Werte für das Eigenleben im .und Pädagogik- Vorlesungen um 1884 /85 – die Grundbegriffe seiner Strukturpsychologie aus. Der Mensch empfängt Eindrücke. So wirkt durch die Vermittlung des Gefühls das Lebewesen wieder rückwärts auf die Außenwelt. und die von den Gefühlen erregten Antriebe und Willensakte wirken dann wieder nach außen zurück“. Eingebettet ist jedes Lebewesen von den Bedingungen der Außenwelt.

auch 143f. oder das Eigenleben fügt sich der harten und spröden Wirklichkeit. und 168) Diesen Entwicklungsgang vom Tier zum Menschen hat Dilthey auch in seiner Abhandlung Über die Möglichkeit einer allgemeingültigen pädagogischen Wissenschaft von 1888 geschildert: „Man kann […] von einer Struktur oder einem Typus des Seelenlebens reden. von ihnen getrennt. in welchem er lebt. 68 Mannigfachen der Gefühle erlebt und gemessen. durch Gefühle. die das System der Zwecke und Mittel bilden. So entsteht auf dem Gipfel dieser psychischen Entwicklungsreihe der Typus des Menschen. Aber die Empfindungen lassen [96] Spuren zurück. zum erworbenen Zusammenhang vgl. wenn er erläutert. der von den niedersten Stufen des tierischen Daseins aufwärts bis zu dem Menschen reicht. im Gefühl und Begehren bilden sich Gewöhnungen aus: allmählich entsteht in dem sich entfaltenden Seelenleben zwischen der Empfindung und der Bewegung ein erworbener Zusammenhang des Seelenlebens.“ (VI. Begehrungen und Willensvorgänge in Bewegung gesetzt. und in ihr ist unser Leben.“ (VI. So besteht eine beständige Wechselwirkung zwischen dem Selbst und dem Milieu äußerer Wirklichkeit. noch ohne ein Einschalten im Gedächtnis gesammelter Vorstellungen.“ (VI. in dem es sich findet. (VI. sie werden in . inhaltvolle und ihrer bewußte Innerlichkeit“ besteht (VI. der durch den Gefühlsbereich vermittelten Wertabschätzung der Reize – vor allem für die Selbsterhaltung des Organismus – und den willensgeleiteten Reaktionen auf die aus der Außenwelt stammenden Reize macht die „Struktur des Seelenlebens“ aus. welche von den Gefühlen her über die ganze Wirklichkeit ausgebreitet ist. 63) Während beim Tier auf die Reize elementare Reaktionen folgen. dass in dieser von ihm geschilderten Struktur des Seelenlebens „die Steigerung des Lebens in der Tierreihe begründet [ist]“: „Die einfachste. 167. stammen Reize. Im Kinde sehen wir den Übergang von Reizen durch Empfindungen. in der Gefühl und Empfindung ungetrennt sind. dass bei ihm der Übergang vom Reiz zur Reaktion nicht mehr instinktiv erfolgt: „Aus dem Milieu. 143) Diese Beziehung zwischen der durch die Sinnesempfindungen erfolgenden Reizaufnahme. eine Bewegung hervorbringt. und. dann werden von den Gefühlen aus Triebe. Sie ist „so deutlich erkennbar als die des tierischen Körpers“. zu Begehrungen. Dies wird besonders augenfällig. die Wahrheit der Vorstellungen ist in diesem Leben mit der Wertabstufung verwebt. Die Wirklichkeit der Wahrnehmungen. von da zu Bewegungen. und zwar werden innerhalb dieses Typus der Glieder des Zusammenhangs zwischen Reiz und Bewegung immer mehrere und die Verbindungen zwischen ihnen werden immer mannigfaltiger. ohne dass zwischen beiden eine „feste. doch an sie angeschlossen. entweder wird nun die Wirklichkeit dem Eigenleben angepaßt und so rückwärts vom Selbst aus die äußere Wirklichkeit beeinflußt. 70). und von diesen geht dann die Verkettung zu der Energie und Richtigkeit der Willensäußerungen. sondern auch mit evolutionstheoretischen Begriffen und Theoremen. nackte Form des Lebens gewahren wir. ist der Mensch dadurch ausgezeichnet. wo im Tier die Reizung. 167) Dilthey arbeitet im Zusammenhang seiner Struktur-Konzeption nicht nur mit milieutheoretischen.

„nachweisbar zugleich irgendein Vorstellen. auch XXII. die Reize auslösen. eine Struktur des Seelenlebens.). alsdann werden von diesen Gefühlen und Affekten als von Motoren die Willensvorgänge und Bewegungen getrieben. sie hat ihr Zentrum „in dem Bündel von Trieben und Gefühlen.) Die Struktur-Konzeption des Psychischen bzw. 63f. 69 – 117) Der „Kern der Struktur“ liegt Diltheys Lehre zufolge „in der Reaktion auf Eindrücke“ (V. 210). in der Abhandlung Beiträge zur Lösung der Frage vom Ursprung unseres Glaubens an die Realität der Außenwelt und [97] seinem Recht von 1890 (vgl. in seinem Ethik-Kolleg von 1890. z. Dadurch entsteht eine Gliederung der inneren Zustände. 69 Empfindung.] für die Selbsterhaltung aufgefaßt […] und abgemessen [werden]“ (XXI. 201) Ein besonderes Problem bereitet der Struktur-Theorie die beim Menschen zu konstatierende „Innerlichkeit“. im 1889 publizierten Aufsatz Archive der Literatur in ihrer Bedeutung für das Studium der Geschichte der Philosophie (vgl. denselben unsere Zustände akkomodieren [sic]. 299). Entwicklung und Glück des Individuums sowie zur Erhaltung der Art.“ (VI. diese Reize und die in ihnen erscheinenden Objekte haben ein Verhältnis zur Erhaltung. 204) überwunden. 200) Diese kann zeigen. beim normalen Erwachsenen durch eine „fortschreitende Ausbildung der Intelligenz“ (V. B. die von der beschreibenden Psychologie aufgrund innerer Erfahrung hypothesenfrei und damit sicher erfasst wird. welche unser Eigenleben den Lebensbedingungen anpassen oder wo diese Bedingungen unveränderlich sind. (Vgl. XIX. dass in beinahe jedem Bewusstseins(zu)stand (status conscientiae). in jedem „erfüllten Lebensmoment[]“. Während beim einfachen Modell im Gefühl „die Werte der Objekte[. h. (V. 307 – 310. 299). eine „Verbindung der so verschiedenen Vorgänge des Vorstellens. können auf den differenzierteren Stufen dieses . als psychologisch-anthropologische Grundlegung. Empfindung-Gefühl und Gefühl-Willenserregung. 345) bzw. V. Wahrnehmung und Denken aufgefaßt und verarbeitet. IV. V. Wie Dilthey zeigt. ein Gefühl und eine Willenslage“ enthalten ist. und in Lust und Unlust. (Vgl. im Spiel der Gefühle wird der Mensch der so entstehenden Werte der Dinge für sein Eigenleben inne. 95f. 210) Die Lebenseinheit findet sich bedingt durch das sie umgebende Milieu und wirkt auf ihre Außenwelt zurück. 233f. das zugrunde liegende Modell der Struktur des Lebens nutzt Dilthey in den späten achtziger und frühen neunziger Jahren in seinen Psychologie. Fühlens und Wollens“ zu einem Zusammenhang (V.) und den aus den frühen neunziger Jahren stammenden Entwürfen zum systematischen Teil des zweiten Bandes der Einleitung (vgl. XXI. (V. 318 – 323 und 344 – 356) als psychologisch-biologischen Ausgangspunkt (vgl. d. XIX. ist der elementare Kreislauf von Reiz- Empfindung. 559). von welchen aus der Lebenswert der Veränderungen in unserem Milieu abgemessen und die Rückwirkungen auf dasselbe eingeleitet werden“. der noch beim Kind begegnet (vgl.und Pädagogik-Vorlesungen.

167) Oder wie es in der VorlesungAnwendung der Psychologie auf die Pädagogik (ca. (XIX. die für sich allein in der Seele stünde. die jene Steigerung intelligenten (Wahl-)Verhaltens herbeiführe. 204) Wie kommt es aber konkret zur Ausbildung abstrakten Denkens. d. V.und Ähnlichfindens. XXI. 212) Handlungen haben ihren Grund in Wertzumessungen.) In Diltheys Konzeption bleibt es bei einem Primat des Milieus. des Unterscheidens.und Gefühlsleistungen. 351f. h. Wahrnehmungen und Denken.) Und diese Ausbildung nimmt ihren Ausgang von den elementaren Prozessen des „schweigenden Denkens“ (V. um eine Befriedigung eines Denkaktes herbeizuführen. der Verschmelzung. Handlungsentscheidungen werden zunächst und wesentlich nach dem Gesichtspunkt der Förderung [99] oder Steigerung des Daseins. (XXI. (Vgl. es ist eine „Funktion des Lebens“. 352) Das Denken.“ (XXI. nachdem die Sprache zu entstehen begonnen hat“. (V. d. Die Frage nach der konkreten Genese dieser entwickelten Entwicklungsstufe des Psychischen beantwortet Dilthey mit dem schlichten Hinweis auf die „durchgreifende Macht allgemeiner Einsichten“. 204) Den Weg von der quasi-automatischen Reaktion auf Empfindungen zur Möglichkeit der Selektion der Eindrücke wird von Dilthey in seiner Fassung des „großen Gesetz[es] der organischen Natur“ (V. h. die vom Himmel gefallen ist. des Trennens und Verbinden. und Werte entstehen nur im Gefühls. Das menschliche Denken ist nichts anderes als die Ausbildung dieser Zwischenglieder zwischen den Sinneseindrücken und den Willens. zur Fähigkeit der Reflexion. welche die Lebensbedingungen . die beim schweigenden Denken einsetzt. von den vorsprachlichen intellektuellen Lebensäußerungen gänzlich Verschiedenes“ (XXI. wodurch es zur Wahl zwischen widerstreitenden Motiven kommt. 1893 /94) heißt: „Das Erkennen ist nicht eine Funktion.und Gefühlslebens. denkt ursprünglich. zur Besonnenheit oder zur Klugheit? Auf diese Fragen kann Dilthey nur pauschal antworten: „Aus dem Spiel der äußeren Reize entspringen beständig Empfindungen.“ (VI. 353). 352f. „ist also nicht etwas Neues. V. die Eindrücke für die Willenshandlungen tauglich zu machen. 318 – 320 und 344 – 348) Das diskursive Denken ist das Ergebnis einer geradlinigen Entwicklung. vgl. nach dem Kriterium der Selbsterhaltung. des Gleich. getroffen: „Je nach der Reaktion des Trieb. (Vgl. […] Zwischen Wahrnehmung und Reaktion treten Zwischenglieder ein. zur Vernunft. Daher ist „das Eigentümliche des diskursiven Denkens […] nichts als das Spiel derselben elementaren Prozesse.und Triebleben. der Assoziation. deren teleologischer Sinn der ist. Sondern das Denken schiebt sich zwischen Wahrnehmung und Triebleben. dies ist Diltheys Konsequenz. Niemand erkennt ursprünglich. 182). 149. 70 Kreislaufs Motive verglichen und abgewogen werden. (Vgl. als zunehmende Entwicklung und Differenzierung [98] intellektueller Fähigkeiten beschrieben. 212) als natürlicher Prozess.

“ (V. daß die Verbindung Triebbefriedigung und Glück hervorzurufen. sondern aufgrund einer. vgl. Von innen gesehen. 13 – 23) und Der Strukturzusammenhang des Wissens (1905).“ (V. „blind“. so vor allem in den beiden ersten Studien zur Grundlegung der Geisteswissenschaften. was das Spiel unserer Wahrnehmungen und Gedanken mit unseren willkürlichen Handlungen zu einem Strukturzusammenhang verbindet. das ist das Zentrum unserer seelischen Struktur. h. VII..) Der Strukturzusammenhang ist ein teleologischer. ein Zweckzusammenhang. Ein Bündel von Trieben und Gefühlen. bes. Abwehr des Mindernden. da „die Teile in der Struktur so miteinander verbunden sind. Der psychische Strukturzusammenhang (1905. Furcht. 205f. von welchem aus das Spiel der Eindrücke durch den Gefühlsanteil. . 176 und 180 – 182]). Je nachdem die äußeren Bedingungen in der Gefühlssphäre einen Druck oder eine Steigerung hervorrufen.“ (V. Wahrnehmungen und deren Verbindungen mit Erinnerungen. denn „das ganze System der tierischen und menschlichen Welt stellt sich als die Entfaltung dieser einfachen Grundstruktur des Seelenlebens in zunehmender Differenzierung. VIII. Erreichen und Erhalten von Lust. der von diesem Zentrum aus ihnen zuteil wird. Verselbständigung der einzelnen Funktionen und Teile sowie höherer Verbindung derselben untereinander dar“. entsteht aus dieser Gefühlslage erst ein Streben. sondern bezeichnet nur die in Trieb. das tierische Verhalten überwindenden Disposition: „Befriedigung der Triebe. Von außen angesehen […] ist dieselbe mit ihren Trieben und Gefühlen auf die Erhaltung ihrer selbst und ihrer Gattung angelegt. (V. Schmerzen abzuwehren geeignet ist“. Gedankenreihen gebildet werden. 211) Die Strukturlehre wird von Dilthey außerhalb der Psychologie in seinem Spätwerk auf unterschiedlichen Forschungsfeldern fruchtbar gemacht. Lust und Schmerz erfahrene Art des Lebenszusammenhanges in einem tierischen oder menschlichen Wesen. Hemmenden: das ist es. von Lebenserfüllung und Steigerung des Daseins. Drückenden. werden sie erst hemmend oder fördernd. Zorn sich anschließen. den gegebenen Zustand zu erhalten oder abzuändern. 15 – 24. 82f. bes. an welche alsdann Steigerung des Daseins oder Schmerz. 207) Auch bei dieser Charakterisierung des seelischen Strukturzusammenhangs wird ein weiteres Mal Diltheys strikte Orientierung an einer biologischen Perspektive deutlich. allerdings primär biologisch-evolutionstheoretisch definierten. dem Aufsatz Das Wesen der Philosophie (1907. d. wenn er etwa ausführt: „Zweckmäßigkeit ist gar kein objektiver Naturbegriff. 71 hervorrufen. sucht die biologische Lebenseinheit die Bedingungen ihres Milieus zu benutzen. um Lustgefühl und Triebbefriedigung herbeizuführen. V. (V. in die Aufmerksamkeit erhoben. 372 – 375) und in der Weltanschauungslehre (Das geschichtliche Bewußtsein und die Weltanschauungen und Die Typen der Weltanschauung in ihrer Ausbildung in den metaphysischen Systemen [1911. 205) Der Mensch reagiert zwar nicht instinktiv. 210) [100] Die von Dilthey skizzierte elementare Grundstruktur des Seelenlebens wird ihm zum Erklärungsschlüssel der Evolution.

Die Struktur ist nun nicht nur die Bedingung des Erkennens (vgl. Er kann daher nur von einer Psychologie verstanden werden. 38) Da „die Funktionen des Seelenlebens die der Gesellschaft bestimmen“ (IX. welche gerade die Analysis dieser Zusammenhänge in sich faßt […]. Dieser Zusammenhang in einem solchen System ist aber kein anderer als der seelische Zusammenhang in den Menschen. 156f. Weil wir diese . Denn die Analyse der so komplexen gesellschaftlichen und geschichtlichen Wirklichkeit kann nur ausgeführt werden. liefert die psychologische Analyse des Individuums damit die Grundbegriffe einer wissenschaftlichen Erforschung der Kultursysteme und der äußeren Organisation der Gesellschaft. aus denen sie besteht. in dem er die Grundgedanken seiner Ethik-Vorlesung skizziert. 22). (VIII. VIII. das ganz von seiner Struktur-Theorie abhängig ist. und VII. Recht. 72 Die systematische Bedeutung dieser Konzeption für seine Philosophie der Geisteswissenschaften ist vielfältig. X. Zunächst ist die Struktur-Konzeption das geeignete Instrument zur Erforschung der verschiedenen gesellschaftlichen Systeme. Da jedes geschichtlich-gesellschaftliche Ganze aus Individuen besteht. […] als festen Standort“. müssen sich – so Diltheys Überzeugung – die Funktionen. 198). „von der Struktur des Seelenlebens. Sonach ist er schließlich ein psychologischer. das Leben. sondern auch – drittens – die des Verstehens. von dem System der Triebe“ ausgehen und betrachtet diesen „psychischen Zusammenhang. vgl. (Vgl. formuliert Dilthey in einer Schlüsselpassage der Ideen die Leitsätze seiner Theorie der Geisteswissenschaften: Diese „bedürfen einer Psychologie... zur Analysis bringt. den wir in uns finden. 104f. (Vgl. Damit erfüllt die in der Strukturtheorie zentrierte deskriptive Psychologie das von Dilthey erhobene Postulat einer psychologischen Grundwissenschaft der Geisteswissenschaften. auch 251) Die psychische Struktur ist – zweitens – ein sicherer „Ausgangspunkt für die Psychologie“ (V. jedes dieser Zwecksysteme. Die Struktur-Theorie wird damit auch zu einer hermeneutischen Basistheorie: „Der Strukturzusammenhang wird erlebt. welche vor allem fest und sicher ist. 90) Die Struktur des Seelenlebens übernimmt damit geradezu die Funktion eines archimedischen Punktes der Erkenntnis.“ (V. […] welche [101] zugleich aber die ganze mächtige Wirklichkeit des Seelenlebens zur Beschreibung und. 238) und ebenfalls für die Erkenntnistheorie. da sie erlebt wird und für den Intellekt unhintergehbar ist. 375f. welche in demselben zusammenwirken. soweit möglich. 150) In Übereinstimmung mit dem methodologischen Programm der Einleitung. gestattet dann vermöge seiner Homogeneität eine Zergliederung seines Zusammenhanges. (V. wenn diese Wirklichkeit zunächst in die einzelnen Zwecksysteme zerlegt wird. 63. 238) Wie Dilthey in seinem bekannten Brief vom Januar 1890 an den Grafen Yorck schreibt. 237) Dieser Zusammenhang ist die „einheitliche Bedingung für Leben und Erkennen“. (B. will er in diesem Kolleg. V. die in der individuellen Lebenseinheit unterschieden werden können. wie Wirtschaftsleben. Kunst und Religion. können wir – das ist das Grundphilosophem Diltheys – nicht zurückgehen. in diesen überindividuellen Ganzheiten zu „umfassenderen Zweckzusammenhängen ausbilden“. Hinter den seelischen Zusammenhang. VI. V.

95) Mit diesem Erklärungsprinzip unterläuft Dilthey den Solipsismus und den erkenntnistheoretischen Idealismus. 48. 73 Übergänge. „der Wirkungszusammenhang. X. 39) Dieses Prinzip begründet Diltheys basales erkenntnistheoretisches Axiom. V. (VIII. in deren Widerstand es sich findet“. 164. 18) Diltheys erkenntnistheoretische Überlegungen zur Außenweltproblematik stützen sich damit ganz entscheidend auf die Struktur-Konzeption. Diese Vorgänge sind miteinander in einer Struktur des Seelenlebens verbunden. der zwischen dem Selbst und seinem Milieu besteht“. Volitionen. darum verstehen wir Menschenleben. . Historie. 349. Vorstellungen. Triebe. 353. eine reale Außenwelt angenommen werden muss. die Dilthey zu einem entscheidenden Systemelement seiner Theorie der Geisteswissenschaften erklärt. da ihm zufolge gleichursprünglich mit einem Selbst auch ein Milieu des Selbst. XIX. inne werden. Das Leben ist. dies Erwirken erleben. vgl. Die Philosophie des Lebens wird damit auch zu einer Philosophie der lebendigen Struktur. (VIII. [103] VI.) Diese Bedeutung zeigt sich insbesondere in der „Realitätsabhandlung“.“ (V. 344.. alle Tiefen und Abgründe des Menschlichen. Nach der Struktur-Theorie ist „das Selbst […] nie ohne die Gegenständlichkeit. 304) Da „diese beständige Wechselwirkung zwischen unserem Eigenleben und dem Milieu“ (VI. I. a. die uns äußere Wirklichkeit“. „daß auch das Selbst nie ohne dies Andere oder die Welt ist. u. sondern besitzt darüber hinaus – viertens – auch erhebliche Relevanz für die Erkenntnistheorie. wie Dilthey ganz im Sinne dieser ersten. XVIIIf. die ihrerseits wiederum die Struktur des Seelenlebens bedingt. auch 100f. 309. 143. leitenden Bedeutungsrichtung noch in seiner letzten Arbeit über Das Problem der Religion festhält. welche bei allen animalischen Wesen auf unserer Erde dieselbe ist und das psychische Grundgesetz dieser Lebewesen ausmacht. das er meistens als Auseinandersetzung zwischen dem Ich und seiner Umwelt. Gefühle. welche sich im Bewußtsein deutlich voneinander abheben: Empfindungen. weil wir diesen Strukturzusammenhang. (VI. 206) [102] Die Strukturlehre fundiert nicht nur das Verstehen. (Vgl. gelegentlich aber auch als den gegliederten seelischen Zusammenhang selbst fasst. Schmerzen und Schicksale des Menschenlebens in sich faßt. Schließlich – fünftens – steht die Struktur-Theorie in enger Beziehung zu Diltheys Philosophie des Lebens. XVIII. in der Dilthey mit seinem „Prinzip der Erklärung“ des Glaubens an eine reale Außenwelt auf seine Struktur-Theorie zurückgreift und in diesem Zusammenhang auch seinen Begriff einer „Struktur des Seelenlebens“ erläutert: „Wir gewahren in uns eine Mannigfaltigkeit innerer Vorgänge. welcher alle Leidenschaften. 373). 95) – biologisch gesprochen: der Zusammenhang von Reiz und Bewegung – durch eine Struktur gegliedert ist (vgl. schließt sich an Diltheys Begriff des Lebens derjenige der psychischen Struktur unmittelbar an und kann daher auch zum Synonym für diesen werden.“ (V.

Anthropologie und Völkerkunde“ (B. „schlimmen Neigungen für Evolutionslehre. sondern auch als entscheidendes Lehrstück. erweist sich somit als das zentrale Theorem nicht nur von Diltheys Theorie der Geisteswissenschaften. als nervus rerum gleichsam seines gesamten Philosophierens. 74 Die Konzeption der psychischen Struktur. die den Punkt von Diltheys größter Nähe zur Biologie darstellt und seine. wie er an Yorck schreibt. . 90) offenbart.

dass Diltheys Theorie des Verstehens. im Blick auf sein Spätwerk. Die Hermeneutik. Diese beginnen schon damit. a. ist es seit einigen Jahren üblich geworden. Andererseits hat sich Dilthey selbst nie als Hermeneutiker bezeichnet oder seine Grundlegung der Geisteswissenschaften eine „hermeneutische“ genannt. die in erster Linie mit den Namen Martin Heideggers und Hans-Georg Gadamers in Verbindung gebracht wird. logischen und methodologischen Grundlegung der . und der Begriff Hermeneutik findet sich – ganz im Gegensatz zu anderen Zentralbegriffen seines Denkens. Dass aber gleichwohl die Charakterisierung Diltheys als eines Hermeneutikers berechtigt ist. die (Kunst-)Lehre des Verstehens und der Interpretation. eine zentrale Rolle. basieren doch die Geisteswissenschaften. nicht auf eine bloße Methodenlehre geisteswissenschaftlichen Verstehens zu reduzieren ist. Denn man entdeckte. d. so ergeben sich gewisse Schwierigkeiten. auf dem Erlebnis und dem Verstehen. Leben. erhielt wesentliche Anstöße und Anregungen durch Heideggers „Hermeneutik der Faktizität“. der eine zentrale Rolle in seinem Projekt einer Fundamentalontologie zu- [105] kam. Erlebnis – auch nur an einigen wenigen Stellen seines Werks. die Gadamers scharfe Kritik an der sogenannten „traditionellen“ Hermeneutik Schleiermachers und Diltheys nahegelegt hatte. die Gadamers philosophische Hermeneutik erzielte und in deren Folge der Begriff der Hermeneutik eine große Karriere machte. wie Dilthey schon in der Einleitung deutlich gemacht hatte. Die philosophische Hermeneutik Gadamers. sondern die philosophische Frage nach den Bedingungen gelingenden Verstehens von Texten stellt. ohne sich die Verkürzung seines Philosophierens zu eigen zu machen. auch der überwunden geglaubte Vorläufer Dilthey wieder in das Blickfeld eines – nicht nur – historischen Interesses. 1927) verwirklichen wollte. die sich nicht mehr als eine Methodenlehre des Verstehens versteht. ergibt sich v. der in seiner Theorie der Geisteswissenschaften eine entscheidende Funktion zukam. wie v. a. Gadamer entwickelte in seinem großen Werk Wahrheit und Methode (Tübingen 1960) eine „philosophische“ Hermeneutik. dass der Begriff „Hermeneutik“ in Diltheys Projekt einer erkenntnistheoretischen. S. rückte durch die große Wirkung. Struktur. h. insbesondere in seiner (späten) Philosophie der Geisteswissenschaften. 75 5 Hermeneutik Während Dilthey in früheren Jahrzehnten oft als Lebensphilosoph oder Historist bezeichnet wurde. Will man allerdings Diltheys konkreten Beitrag zum hermeneutischen Denken angemessen charakterisieren. d. spielt nun ohne Zweifel in Diltheys Denken. das er mit seinem Hauptwerk Sein und Zeit (Halle a. die sich entschieden von der so genannten traditionellen. Obwohl Gadamer sich in seinem Buch scharf von Dilthey absetzte und seinen „Objektivismus“ kritisierte. ihn als Vertreter eines hermeneutischen Philosophierens oder gar als „Klassiker“ der Hermeneutik zu apostrophieren. methodischen Hermeneutik Schleiermachers und Diltheys distanziert. für die im Übrigen nicht zuletzt die so genannte „hermeneutische Wende“ in der Philosophie verantwortlich ist.

heute üblich gewordenen Sinne. Für ihn besaß der Begriff Hermeneutik keine besondere systematische Attraktivität. als Begründer einer hermeneutischen Philosophie der Geisteswissenschaften und als Theoretiker des (geisteswissenschaftlichen) Verstehens. gelegt werden soll. weil hier das „Leben“ (als Fundament und Erkenntnisobjekt der Geisteswissenschaften) aus sich selbst verstanden werden soll. eher marginal sind. Fragt man nach der Bedeutung Diltheys für die Entwicklung des hermeneutischen Denkens. Gemeint ist damit seine Konzeption einer „hermeneutischen“ Philosophie des Lebens als Grundlage der gesuchten Grundlegung der Geistes- [106] wissenschaften. also Versuche. Diltheys Beitrag zur hermeneutischen Theorie im weiteren Sinne. B. Hermeneutik bezeichnet seinem Verständnis nach die Kunstlehre des Verstehens oder der Auslegung schriftlicher Überlieferungen. auf die philosophische Analyse der Grundstrukturen des Lebens selbst übertragen werden. denn viel entscheidender ist Diltheys Beitrag zur Hermeneutik in einem weiteren. Diese Fruchtbarmachung des „hermeneutischen Motivs“ für die Grundlegungsproblematik der Geisteswissenschaften ist Diltheys eigenster Gedanke und einer seiner wohl bedeutendsten Beiträge zur Philosophie der Geisteswissenschaften und darüber hinaus zur allgemeinen Philosophie. d. also eine Hilfswissenschaft. Diese Philosophie ist deshalb als eine „hermeneutische“ zu charakterisieren. dieses vielschichtige Verhältnis Diltheys zur Hermeneutik etwas genauer zu beleuchten. seine Begründung einer hermeneutischen Philosophie der Geisteswissenschaften. h. so darf aber nicht nur seine Leistung für die Hermeneutik in diesem engeren Sinne einer Theorie der geisteswissenschaftlichen Methode der Auslegung oder Interpretation von Texten Berücksichtigung finden. in der Einleitung gar nicht vorkommt und im engeren Sinne „hermeneutische“ Reflexionen. dass also – mit anderen Worten – die aus der Interpretation von Texten bekannten Prinzipien. 76 Geisteswissenschaften – wie schon erwähnt – keine tragende Rolle spielt. wie er sie im Aufbau der geschichtlichen Welt in den Geisteswissenschaften vorgelegt hat. wobei der Fokus auf seinen Beitrag zur Geschichtsschreibung und zur Theorie der Hermeneutik im engeren Sinne. h. . d. die insbesondere in der Theologie von großer Bedeutung war. Bedeutsam für die Geschichte der Hermeneutik ist Dilthey in mehrfacher Hinsicht: als ihr erster bedeutender Historiker. die sich um eine theoretische Durchdringung des Phänomens des hermeneutischen Sinn-Verstehens bemühen. wie insbesondere der sogenannte „hermeneutische Zirkel“. der Theorie des Verstehens. gemessen am riesigen Umfang seines Werks. als berühmter Praktiker der Interpretation. Im Folgenden soll es darum gehen. z. wird im folgenden Kapitel einer eingehenderen Betrachtung unterzogen werden.

(Vgl. durch das eine geradezu inflationäre Verwendung des Wortes Hermeneutik ausgelöst wurde – durch eine entsprechende Frage seines Vaters veranlasst sieht. ausgeschrieben worden war und deren Thema lautet: „Das eigentümliche Verdienst der Schleiermacherschen Hermeneutik ist durch Vergleichung mit älteren Bearbeitungen dieser Wissenschaft. eingenommen habe und durch Schleiermacher dann als allgemeine philosophische Wissenschaft konstituiert worden sei. aber zu Diltheys Lebzeiten nicht publiziert. 104 und 131) In einem für unseren Zusammenhang aufschlussreichen Brief an seinen Vater erläutert Dilthey die Fragestellung dieser erst Jahrzehnte nach seinem Tod publizierte Arbeit und – was von Interesse ist im Hinblick auf die Begriffs. Insbesondere durch seine Frühschrift über die Hermeneutik Schleiermachers und dessen Vorläufer – der so genannten „Preisschrift von 1859“ – wird Dilthey zu einem Pionier und Klassiker der Hermeneutik-Historiographie. Den ersten Zugang zur Hermeneutik und ihrer Geschichte gewinnt Dilthey durch sein Theologiestudium und die frühe Beschäftigung mit dem Werk des bedeutenden protestantischen Theologen und Philosophen Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher (1768 – 1834). Die beeindruckend gelehrte Studie des jungen Studenten wird von der Schleiermacher- Stiftung preisgekrönt. besonders in Bezug auf die Bibel. Mit dieser. 100. ihm – immerhin einem evangelischen Theologen – den Sinn des Begriffs Hermeneutik und die Bedeutung Schleiermachers für die Geschichte dieser Disziplin zu erklären. (Vgl. BW I. sondern erst 1966 aus dem Nachlass publiziert. Hermeneutik ist – wie Dilthey ausführt – die Theorie des Verstehens von Schriftwerken (nicht bloß der Bibel). dass sich Dilthey – 100 Jahre vor der Publikation von Gadamers Buch Wahrheit und Methode. Sie ist nach seinen Worten eine Wissenschaft. Die Anfangspartien der Preisschrift über die Frühgeschichte der protestantischen Hermeneutik hat Dilthey Jahrzehnte nach ihrer Abfassung in seine große Abhandlung Das natürliche System der Geisteswissenschaf- [108] . 1859 beteiligt [107] sich Dilthey mit einer umfangreichen Arbeit an einer Preisaufgabe. einer nach Schleiermachers Tod zur Erinnerung an ihn gestifteten Gesellschaft. 131) Es ist nicht wenig bemerkenswert und verdient festgehalten zu werden. BW I. 77 Diltheys erster bedeutender Beitrag zur Hermeneutik liegt in seinen Arbeiten zur Geschichtsschreibung der Hermeneutik. die von der Schleiermacher-Stiftung. ins Licht zu setzen“. das bis in die jüngste Gegenwart – trotz einzelner notwendiger Korrekturen – Verbindlichkeit beanspruchen konnte. die früher einen breiten Raum.und Rezeptionsgeschichte von Hermeneutik – die Bedeutung des Begriffs „Hermeneutik“. namentlich von Ernesti und Keil. erst mehr als ein halbes Jahrhundert nach dem Tode ihres Verfassers zu Berühmtheit gelangten Preisschrift hat Dilthey ein Paradigma der Hermeneutik-Geschichtsschreibung etabliert.

BW I. Dieser Text. sein Beitrag zur Sigwart-Festschrift. Hälfte und Über die Hermeneutik von Baumgarten und Semler. im Februar 1897 vor der Berliner Akademie der Wissenschaften gehalten hat. 317 – 331. über die Konstituierung der Hermeneutik im Kontext der biblischen Interpretation. Diltheys Abhandlung kann aber nicht nur darum Beachtung für sich beanspruchen. BW I. Den bekanntesten Beitrag Diltheys zur Hermeneutik-Geschichte stellt seine kleine Studie Die Entstehung der Hermeneutik von 1900 dar (V. und die ersten Versuche zur Etablierung einer allgemeinen Hermeneutik bei Georg Friedrich Meier bis zur reifen Gestalt der hermeneutischen Lehre inSchleiermachers Konzeption. In den Zusammenhang seiner Forschungen zur Geschichte der Hermeneutik gehören schließlich noch die beiden – bislang ungedruckten – Vorträge Über Hermeneutik. Schleiermachers Verhältnis zu Friedrich Schlegel und die Anwendung der hermeneutischen Methode auf die Philologie. Einige kleinere Texte aus dem Umkreis der Preisschrift (Form und Methode von Schleiermachers Hermeneutik und Schleiermachers Hermeneutik). 115 – 136). war über Jahrzehnte die geradezu kanonische Informationsquelle zur Hermeneutik-Geschichte. Jahrhundert (1892/93) übernommen (vgl. Zusätze aus den Handschriften: V. den Einfluss Fichtes auf Schleiermachers frühe hermeneutische Konzeption. finden sich in Der junge Dilthey. Im zweiten Abschnitt („Schleiermachers Hermeneutik nach ihrer Entstehung“) untersucht Dilthey die Genese der Schleiermacherschen Hermeneutik. der sich im übrigen nicht als Schleiermacherianer verstand (vgl. 78 ten im 17. 332 – 338). II. Diltheys Preisschrift ist gegliedert in drei Abschnitte: Im ersten Abschnitt („Die Hermeneutik vor Schleiermacher“) stellt Dilthey die Anfänge der protestantischen Hermeneutik bei Matthias Flacius Illyricus im 16. 87 – 89 und 90 – 95). weil hier die großen Linien der Hermeneutik-Geschichte von einem profunden Kenner der . die Dilthey. insbesondere bei Flacius. die Dilthey im Juni 1896 bzw. In seinem Aufsatz Die Entstehung der Hermeneutik verfolgt Dilthey in einem souveränen Überblick die Entwicklung der Hermeneutik von den [109] ersten Versuchen kunstmäßiger Auslegung der Dichter im klassischen Griechenland. Jahrhundert dar und verfolgt die Entwicklung bis zur hermeneutischen Lehre des Schelling-Schülers Friedrich Ast. Der dritte Abschnitt („Vergleichende Darstellung der Hermeneutik Schleiermachers im Verhältnis zu den älteren Systemen“) schließlich enthält eine eingehende Darlegung des Schleiermacherschen Versuchs einer umfassenden hermeneutischen Theorie unter ständigem Bezug auf die vorhergehenden Entwürfe einer hermeneutischen Lehre. 131). der Sammlung seiner frühen Briefe und Tagebücher (J. 1. 226) und seine Schrift als kritische Auseinandersetzung mit Schleiermacher („Polemik“) bezeichnet hat (vgl.

weil sich Dilthey hier erstmals im Zusammenhang zum Begriff des Verstehens äußert und die wichtige Funktion der Hermeneutik im Kontext seiner Grundlegung der Geisteswissenschaften erläutert. 115) Dilthey begreift in seiner Hermeneutik-Abhandlung das Verstehen des Individuellen nach dem Modell der Nachbildung. sondern sie soll insbesondere. 331) Ihre Aufgabe besteht nicht nur darin. War in dieser Abhandlung die „Darstellung der Individuation in der Menschenwelt“ das Thema. (Ebd. Logik und Methodenlehre der Geisteswissenschaften“ – ein „wichtiges Verbindungsglied zwischen der Philosophie und den geschichtlichen Wissenschaften“. „von außen“. sondern vor allem deshalb. Da uns das fremde Dasein zunächst nur in „Sinnestatsachen“. Lauten und Handlungen. (V. die „Kunstlehre des Verstehens schriftlich fixierter Lebensäußerungen“ (V. 317) Diese Frage besitzt nach Dilthey nicht nur große Bedeutung für das menschliche Alltagshandeln. dass sowohl die historischen wie die systematischen Geisteswissenschaften in der Sicherheit ihrer Forschungsergebnisse davon dependieren. so stellt sich jetzt die „Frage nach der wissenschaftlichen Erkenntnis der Einzelpersonen.“ (II. da auf dieser – wie er hinzufügt – „alle Sicherheit der Geschichte beruht“. also durch die so genannte „äußere . wie Dilthey sagt. Bereitet die Hermeneutik doch mein eignes Unternehmen einer solchen Grundlegung vor. insbesondere die Geschichtswissenschaft und die Philologie. „gegenüber dem beständigen Einbruch romantischer Willkür und skeptischer Subjektivität in das Gebiet der Geschichte die Allgemeingültigkeit der Interpretation theoretisch begründen“.). sind Dilthey zufolge auf die Voraussetzung gegründet.) In der Abhandlung Das natürliche System der Geisteswissenschaften hatte Dilthey im übrigen schon ähnlich argumentiert. daß für die moderne Grundlegung der Geisteswissenschaften gerade in der Hermeneutik ein Ausgangspunkt vom höchsten Werte gegeben ist. Daher kann Dilthey festhalten. „ob das Verständnis des Singulären zur Allgemeingültigkeit erhoben werden kann“. in praktischer Absicht das Verfahren der philologischen Interpretation und die Bedingungen der Interpretation zu klären. bleiben von Prozessen des Verstehens und der Auslegung abhängig. (V. h. (Ebd. den er mit seiner „Individualitätsabhandlung“ (Beiträge zum Studium der Individualität. Denn die Geisteswissenschaften. wie Dilthey mit allem Nachdruck zum Ausdruck bringt.) Auch die systematischen Geisteswissenschaften. 1895/96) eröffnet hatte. dass das „Nachverständnis des Singulären zur Objektivität erhoben werden könne“. ja der großen Formen singulären menschlichen Daseins überhaupt“. ein. „Hauptbestandteil der Grundlegung der Geisteswissenschaften“ und – „aufgenom- [110] men in den Zusammenhang von Erkenntnistheorie. Daher ich ihrer Geschichte eine besondere Aufmerksamkeit widme. die auf der Basis einer objektiven Auffassung des Singulären dazu übergehen. 79 Materie aufgezeigt werden. gesetzliche Verhältnisse abzuleiten. 332f. (V. Gebärden. Dilthey stellt die Hermeneutik-Abhandlung zunächst in den Problemhorizont. 317) Damit wird die Hermeneutik. sondern auch für die Praxis der Geisteswissenschaften. wenn er festhielt: „man kann sagen. d.

(V. bei dem „aus Zeichen. Hinter dieser Konzeption steht somit das. besitze die Kunst des Verstehens ihr Zentrum in der „Auslegung oder Interpretation der in der Schrift enthaltenen Reste menschlichen Daseins“. 318) Dieses Verstehen reicht – wie Dilthey hinzufügt – „von dem Auffassen kindlichen Lallens bis zu dem des Hamlet oder der Vernunftkritik“. (Ebd. Dies zeigt sich auch an seiner Definition des Verstehens. einem Psychologismus zu unterliegen bzw. der die eigenen Erlebnisse zur Basis hat. 319). und die Hermeneutik. Dilthey interpretiert in diesem theoretischen Kontext das Verstehen eines fremdseelischen Zustandes als Vollzug eines Analogieschlusses. ein „Inneres“ erkannt wird bzw. in welchem wir aus sinnlich gegebenen Zeichen ein Psychisches. die er mit bestimmten eigenen. (V. ob in Handlungen. wie Dilthey nicht ohne Emphase festhält. was in der angegebenen Weise in einzelnen Zeichen sinnlich gegeben ist. zur Erklärung des psychologischen Verstehens fremden Seelenlebens verwandt hat. sondern ist das Ergebnis eines Schlusses. bedarf es eines Vorgangs der „Nachbildung“ dessen. doch da nach Dilthey allein in der Sprache. Das Verstehen eines fremden Ich beruht damit auf der Verbindung von inneren und äußeren Wahrnehmungen. dessen Äußerung sie sind. Durch diese Orientierung des Verstehens am – umstrittenen – Modell des Fremdverstehens durch Analogieschluss läuft Dilthey allerdings Gefahr. später vor allem von Max Scheler überzeugend und wirkungsreich kritisierte. 320) Zwar gebe es auch eine Kunst der Interpretation von Objekten der bildenden Kunst. wie insbesondere in seinen großen Abhandlungen zur Begründung einer deskriptiven Psychologie. 80 Wahrnehmung“. wirtschaftlichen Strukturen oder politischen Ordnungen – immer spricht. den Ideen von 1894 und der „Individualitätsabhandlung“.) . gegeben ist. (Ebd. ist die „Kunstlehre der Auslegung von Schriftdenkmalen“. durch Selbstanschauung („innere Wahrnehmung“) bekannten inneren Vorgängen verbunden weiß. Verstehen wird damit nicht durch unmittelbare Anschauung vollzogen. die von außen sinnlich gegeben sind“. ob in musikalischen Werken oder Texten. die „hermeneutische Wissenschaft“. Dabei schließt der Verstehende von einem gegebenen äußeren Vorgang [111] beim fremden Ich aufgrund der Ähnlichkeit mit Vorgängen.) Ob in Dokumenten oder Monumenten. (V. durch den das Innere ergänzt wird. das Verstehen auf das bloß psychologische Verstehen zu begrenzen und um die eigentlich „hermeneutische“ Dimension zu verkürzen. „Analogieschluß-Modell“. das Dilthey auch in anderen Zusammenhängen. in Texten das menschliche Innere seinen – wie er schreibt – „vollständigen. So bestimmt Dilthey das Verstehen in der Hermeneutik-Abhandlung als einen Vorgang. – noch signifikanter – als „Vorgang. 319). „derselbe menschliche Geist“ zu uns und bedarf der Auslegung. erkennen“. erschöpfenden und objektiv verständlichen Ausdruck“ finde (V. (V. 318) Diese Ergänzung vollzieht sich dabei als Übertragung aus der „eigenen Lebendigkeit“ des Verstehenden. 319) Die Auslegung oder Interpretation ist nach Diltheys Definition das „kunstmäßige Verstehen von dauernd fixierten Lebensäußerungen“ (V. auf das Vorliegen eines ähnlichen inneren Zustandes im fremden Seelenleben.

„Lebensäußerungen“ werden von Dilthey definiert als in der Sinnenwelt auftretende. Er begründet diesen Vorrang mit dem doch allzu optimistisch anmutenden Argument. der Urteile und der größeren [113] Denkgebilde. war wohl nach Diltheys ursprünglichem Konzept als Teil des Aufbaus geplant. 81 [112] Dilthey proklamiert damit einen Primat der philologischen Interpretation. Ausdrücke eines Geistigen. (V. wie beispielsweise etwa an physikalischen Theorien verdeutlicht werden kann. den rein . 205 – 220). die einem Vortrag an der Berliner Akademie der Wissenschaften vom Januar 1910 zugrunde lag. und es ist im Unterschied von jeder anderen Äußerung in fixierten Zeichen für sich einer vollständigen und objektiven Interpretation fähig“. über deren Motive die Interpreten sich täuschen können oder über die sie von den Handelnden mit Absicht getäuscht werden – das Werk des großen religiösen Menschen. Dieser Text. manch heutigem Leser obsolet oder gar naiv erscheinende. 320) Diltheys große. auf die sich der verstehende bzw. 205). h. kohärente hermeneutische Theorie. der also keine systematisch ausgearbeitete. die es dem Verstehenden ermöglichen. In diesem kurzen Text. h. unterscheidet Dilthey verschiedene Formen des Verstehens. wobei es im übrigen keine Rolle spielt. hermeneutische Zuversicht sowie sein Optimismus im Hinblick auf die Möglichkeit objektiver Auslegung offenbart sich auch. d. der erst postum veröffentlicht wurde und nicht immer ganz leicht nachzuvollziehen ist. 205). Drei Klassen solcher Lebensäußerungen lassen sich nun unterscheiden: Da ist zunächst die Klasse der Begriffe. Hier denkt Dilthey insbesondere an die vom Erlebnishintergrund ablösbaren „Bestandteile der Wissenschaft“ (VII. Da das Verstehen dieser Äußerungen auf den bloßen Denkinhalt. interpretierende Vorgang jeweils richtet. Entdeckers oder Philosophen immer nur der „wahre Ausdruck seines Seelenlebens“ sein könne. sondern nur Grundzüge einer solchen enthält. (V. die sich differenzieren aufgrund der verschiedenen Klassen sogenannter „Lebensäußerungen“ (VII. d. wenn er nachdrücklich bekennt: „in dieser von Lüge erfüllten menschlichen Gesellschaft ist ein solches Werk immer wahr. ob es Ausdrücke sind. dieses zugrundeliegende Geistige zu erkennen. dass – im Gegensatz zu Handlungen. durch äußere. sinnliche Wahrnehmung auffassbare. deren Grundcharakteristikum in ihrer konstanten Bedeutung liegt. des Dichters. die – bewusst oder unabsichtlich – einen Mitteilungssinn tragen oder nicht. 320) Ansätze zu einer nuancierten Theorie oder vielleicht besser „Phänomenologie“ des Verstehens entwickelt Dilthey in der späten Abhandlung Das Verstehen anderer Personen und ihrer Lebensäußerungen (VII.

sowie den jeweiligen seelischen Hintergrund. 335) Eine besondere Bedeutung für die Geisteswissenschaften gewinnen die Erlebnisausdrücke dadurch. ist in diesem Fall das Verstehen – wie Dilthey schreibt – „vollständiger als in bezug auf jede andere Lebensäußerung“. diskursiven Gehalt gerichtet ist. (Vgl. die besondere Situation. Als zweite Klasse der Lebensäußerungen führt Dilthey die Handlungen an. steht es fixiert. 82 theoretischen. „in dem die Täuschung endigt“. philosophischen oder religiösen Texten. als dieser durch Versenkung in sich selbst zu erfahren in der Lage ist.) Um verkürzende oder einseitige Auslegungen zu vermeiden. der die Handlung motiviert. aber der Handlungszweck ist in ihnen gegeben. das in ihr zum Ausdruck kommt. dauernd da. der in jedem Zusammenhang unabhängig von seinem Auftreten in Raum und Zeit identisch bleibt. Denn: „Kein wahrhaft großes Kunstwerk kann nach den hier waltenden […] Verhältnissen einen seinem Autor fremden geistigen Gehalt vorspiegeln wollen. Das bedeutet. als jede Introspektion. ein Gebiet. Handlungen sind zwar – wie er erläutert – nicht aus einer „Absicht der Mitteilung“ entsprungen. aus denen die jeweilige Äußerung hervorgegangen ist. und dem Verstehen. dass hier ein Bereich des Geistigen sich erschließt. aus dem er hervorgeht. etwa eines Dichters. dass der Erlebnisausdruck vom hervorbringenden seelischen Zusammenhang mehr enthalten kann. dass die Interpretation von Erlebnisausdrücken dem Verstehenden vom seelischen Zusammenhang des Interpretierten. auch V. Wie Dilthey sagt. und damit wird ein kunstmäßiges sicheres Verstehen desselben möglich. 206) Allerdings finden sich hier auch keine Hinweise auf die „Besonderheiten des Lebens“ (ebd. „regelmäßig und gestattet wahrscheinliche Annahmen über dieses“. Hier begegnet [114] im Übrigen in abgewandelter Form die berühmte. einer genauen Untersuchung zu unterziehen.). Wahrhaftig in sich. ja es will vom Autor überhaupt nichts sagen. Beim Erlebnisausdruck besteht – im Gegensatz zu der Klasse der Urteile und der Handlungen – eine besondere Beziehung „zwischen ihm. dem Leben. 206) Insofern ist der Bezug der Handlung zu dem jeweiligen Geistigen (dem Motiv). „einen Autor besser zu verstehen. sichtbar. (VII. ist es allerdings in jedem Fall notwendig. begegnet uns in den großen Werken der Literatur und Philosophie. bedeutenden literarischen. oft Schleiermacher zugeschriebene. als er sich selber verstanden hat“. aber schon bei Kant begegnende Regel. beeinträchtig ist. aus der heraus eine Handlung erfolgt und auf die sie gerichtet ist. (VII. (Ebd. Die dritte Klasse schließlich wird von den sogenannten „Erlebnisausdrücken“ gebildet. 207) . (VII. Wechsel der Gesichtspunkte etc. jede Selbstvergewisserung oder Selbstbeobachtung zu gewahren ermöglicht. also z. bei denen „ein Geistiges sich loslöst von seinem Schöpfer“. wonach die höchste Vollkommenheit der Auslegung darin bestehe. mehr offenbaren kann. B. 206) Diese besondere Beziehung zeigt sich – wie Dilthey betont – nämlich darin. dessen Deutung nicht durch praktische Interessen. das er erwirkt“.“ (VII.

208) Dieser Bereich. was in ihm ausgedrückt wird. den man nicht als einen . liegt somit beim elementaren Verstehen kein „Schluß von einer Wirkung auf die Ursache“ (VII. dass uns in und mit diesen großen literarischen oder philosophischen Werken ein vom Autor ablösbarer. echten „hermeneutischen“ Verstehens. die Psyche des Handelnden zu verstehen. einen einfachen Satz bzw. B. der der Produktion des Werks zugrunde liegt. Als Basis und Voraussetzung die- [115] ser Schlüsse dient die „regelmäßige Beziehung“ zwischen der jeweiligen einzelnen Lebensäußerung und dem in ihr Ausgedrückten. einzelne Mienen. h. Die elementaren Formen des Verstehens erwachsen – wie er ausführt – zunächst „in den Interessen des praktischen Lebens“ (VII. die aber bei Dilthey sozusagen entmetaphysiziert wird und dadurch einen nahezu vollständigen Bedeutungswandel erfährt. Beim Verstehen unterscheidet Dilthey grundsätzlich zwischen den sogenannten „elementaren“ und den „höheren“ Formen. Das heißt. in denen die zwischen den Individuen bestehende Gemeinsamkeit sich in der Sinneswelt objektiviert hat“. einer Prägung Hegels. mimische Ausdrücke und Texte aufgrund eines eingespielten und vielfach bewährten Wissens um deren Bedeutung. Aufgrund der Qualität dieser Lebensäußerungen findet bei den elementaren Formen des Verstehens – wie Dilthey betont – kein „Rückgang auf den ganzen Lebenszusammenhang“ (ebd. sondern es erfasst das Werk als ein geistiges Produkt von autonomer Substanz. das auf Sinn und Bedeutung des geistigen Objekts zielt. Ich bin beim Verstehen einer einfachen Handlung also nicht gezwungen. B. und insofern richtet sich das Verstehen nicht auf den hervorbringenden Erlebniszusammenhang im Autor. sondern – so könnte man sagen – rein als „Träger“ eines „Sinngehalts“ erfasst. Bedeutsam für die Entwicklung der Hermeneutik-Diskussion wird nun Diltheys Einführung des Begriffs des „objektiven Geistes“.) vor.) als beständigem Hintergrund der Lebensäußerungen statt. indem ich z. Gebärden oder Handlungen. um den Handlungssinn zu begreifen. und sind logisch in der Form von Analogieschlüssen darstellbar. seiner Individualität und dem psychischen Zusammenhang. 207). Unter dem objektiven Geist – Nicolai Hartmann wird später mit ähnlicher Intention von dem „objektivierten Geist“ sprechen – versteht Dilthey „die mannigfachen Formen. Hier ist nicht mehr der Ort des „psychologischen“ Verstehens. Diese Werke sagen nichts mehr vom Autor. Indem Dilthey als Grundverhältnis für den Bereich des elementaren Verstehens eine Relation des Ausdrucks zu dem. autonomer geistiger Gehalt entgegentritt. Sie zielen auf die Deutung einer einzelnen Lebensäußerung. auf die ich sinnvoll antworten kann. d. (VII. man versteht in der alltäglichen Lebenspraxis einfache Handlungen. sondern hier eröffnet sich das Gebiet eines authentischen. den Gruß erwidere. 207f. bestimmt. Die konkrete Lebensäußerung wird daher nicht auf etwas Bewirkendes zurückgeführt. das morgendliche Grüßen) als ein ablösbares Moment einer Alltagskommunikation mit identifizierbarem Bedeutungsgehalt. das nach dem Schema des Analogieschlusses das fremde Seelenleben oder dessen Äußerungen aufgrund des Erfahrungsmusters des eigenen erschließt. 83 Entscheidend ist also. sondern ich verstehe die Handlung (z.

dass hier ein z. der Sittlichkeit. Entscheidend ist. ergänzende Lebensäußerungen hinzuzuziehen oder auf den „ganzen Lebenszusammenhang“ (VII. Höhere Verstehensformen entstehen zunächst einerseits gleichsam naturwüchsig im praktischen gesellschaftlichen Verkehr. (VII. sondern vielmehr nun auf die „hermeneutische“ Einsicht in das „immer schon“ Eingebettetsein in die gegliederte Ordnung des ojektiven Geistes rekurriert. d. in irgendeiner Form veräußerlichten. 84 ätherischen oder spiritualistischen missverstehen darf. und zwar immer dann. d. 208f. in das man hineingeboren wird und dem man kaum wirklich entfliehen kann. dass Dilthey jetzt nicht mehr das psychologische Modell des Verstehens mit seinem Schema des Analogieschlusses vom eigenen Erlebnishaushalt auf das „Innere“ des fremden Seelenlebens zur Erklärung des Verstehensvorgangs heranzieht. der Kunst oder der Wissenschaft. Ein Analogieschluss ist hier nicht notwendig. h. umfasst die verschiedenen. Da man in eine bestimmte Kulturumwelt hineingeboren wird und deren Strukturen und Formen allmählich erlernt und verinnerlicht. 210) zurückzugehen. 208) Hier wird deutlich. so dass es nötig wird. sich als die Sphäre erweist. wenn sich der Abstand zwischen einer zu verstehenden Lebensäußerung und dem Verstehenden als zu groß erweist und sich dadurch Unsicherheiten über das Ergebnis des Verstehensvorgangs einstellen. die den Einzelnen als sozusagen „kulturelles Medium oder Milieu“ umgeben. das diesem kulturellen Sinn-Horizont entstammt. Baustile. Esstraditionen. T. dieses unhintergehbare [116] „Medium von Gemeinsamkeiten“ (VII. also ihre Charaktereigenschaf- [117] . sind die höheren Formen des Verstehens dadurch charakterisiert. macht elementares Verstehen einzelner Lebensäußerungen allererst möglich. h.). der Religion. gänzlich anderes Grundverhältnis vorliegt. zu verstehen. dem die Lebensäußerung entstammt. Verbindlichkeit beanspruchenden Sinnstrukturen. ideell oder materiell geronnenen oder verfestigten. und die von den profanen Formen der Begrüßung. Lebensstile oder gesellschaftlichen Verkehrsformen sowie die geschichtlich herausgebildeten Kultursysteme des Rechts. Während bei den elementaren Verstehensformen vom Ausdruck (etwa der konkreten Handlung) auf das Ausgedrückte (den Sinn der Handlung) geschlossen wird. Sinnhaftes. Dieses „weite Feld“ von geltenden. das psychische Innere unserer Mitmenschen. objektivierten. ist man in der Lage. Andererseits kann es aus verschiedenen Gründen erforderlich sein. entweder weitere. über Umgangsformen. Begräbnissitten bis zu religiösen Sinndeutungen reichen. „in welchem sich das Verständnis anderer Personen und ihrer Lebensäußerungen vollzieht“. dass diese Welt des objektiven Geistes. um eine Beseitigung der Unsicherheiten herbeizuführen.

der eine Vielzahl von Lebensäußerungen hervorgebracht hat. 212) Dieser Zusammenhang ist entweder der geistige Gehalt eines komplexen Werkes oder der seelische Zusammenhang. das diesen für das Verstehen konstitutiven „Fortgang vom Äußeren zum Inneren“ bestimmt. (VII. sondern in seinen Ergebnissen immer nur eine gewisse – allerdings steigerungsfähige – Wahrscheinlichkeit für sich beanspruchen.) Ein letztes Moment schließlich vollendet die Bestimmung des Wesens der höheren Formen des Verstehens und hebt diese entscheidend von den elementaren Verstehensformen ab. Dilthey plädiert in diesem Zusammenhang entschieden für die Autonomie dieser Verstehensform.) vor. das zwischen der geistigen Schöpfung und dem Schaffenden besteht. Das Grundverhältnis stellt sich dar als des „Erwirkten zum Wirkenden“ (ebd. auch ein sehr bedeutender Bereich des höheren Verstehens gründet – wie er nachdrücklich feststellt – „im Verhältnis von Ausdruck und Ausgedrücktem“. Dieses Grundverhältnis Erwirktes – Wirkendes bestimmt Dilthey zufolge allerdings nur einen Teil des höheren Verstehens. (VII. das diesen Formen des Verstehens zugrunde liegt. ist hierbei gänzlich irrelevant. wie sie nacheinander zur Auffassung kommen. (Ebd. werde sich erst dann anschließen.. Dementsprechend ist hier das Grundverhältnis. Der Versuch.). (VII. 85 ten und Fähigkeiten. wandelt sich von dem Verhältnis zwischen Ausdruck und Ausgedrücktem zu demjenigen „zwischen der Mannigfaltigkeit der Lebensäußerungen einer andern Person und dem innern Zusammenhang. ein Ganzes bilden“ (ebd. [118] Die bisher unterschiedenen höheren Formen des Verstehens. verstehend zu erfassen. ä. entweder „das von Ausdruck und Ausgedrücktem“ oder – überwiegend – „das vom Erwirkten zu Wirkendem“. Das Grundverhältnis. dass sie – wie Dilthey schreibt – „aus gegebenen Äußerungen in einem Schluß der Induktion den Zusammenhang eines Ganzen zum Verständnis bringen“. die die elementaren Formen zur Grundlage haben. 211) Dies gilt etwa für den weiten Bereich geistiger Schöpfungen. das Verhältnis. denn es sei für unser Wissen von der geistigen Welt von der höchsten Bedeutung. der ihr zugrunde liegt“. Während diese immer eine einzelne Äußerung zu ihrem Objekt hat. besitzen ihren gemeinsamen Charakter darin. also der produktive Lebenszusammenhang des Autors. schließt das Verstehen in seinen höheren Formen „aus dem induktiven Zusammennehmen des in einem . zu erfassen. kann nach Dilthey nicht zu einer abschließenden Sicherheit führen. das auf psychologischer Einsicht in das Verhältnis Psyche – Milieu basiert. wenn zunächst das Kunstwerk in seiner autonomen Struktur als Beziehung von Ausdruck und ausgedrücktem Geistigen zum Verständnis gelangt sei. Das Verstehen ist hier in vielen Fällen – so Dilthey – „nur auf den Zusammenhang gerichtet. 211) Logisch betrachtet liegt hier somit ein „Induktionsschluß von einzelnen Lebensäußerungen auf das Ganze des Lebenszusammenhangs“ (ebd.): Dieses Verstehen. ihre seelische Gestimmtheit o. in dem die einzelnen Teile eines Werkes. Beide Verstehensintention sind – so Dilthey – Leistungen von eigener Dignität und eigenem Recht und dürfen hinsichtlich ihrer unterschiedlichen Intention und logischen Struktur nicht vermengt werden. dass diese („hermeneutische“) Verstehensform in ihrer Selbständigkeit zur Geltung gebracht werde. und – so könnte man hinzufügen – die Erfassung des Wirkenden.

z. . dass jemand. einen „Lebenszusammenhang im Gegebenen“ (VII. dem sich – wie er schreibt – „das Reich der Individuen. was konkret heißt.). also das Verstehen des Geschichtlichen – Dilthey demonstriert dies anschaulich am Nacherleben des religiösen Lebens zur Zeit Luthers – wird der moderne. die aber dem Interpreten in diesem Zusammenhang notwendig entzogen bleibt – objektiviert hat. Die Bedeutung des Nacherlebens für die Aneignung der geistigen Welt liegt auf der Hand. sondern der „ideale“ Erlebnisvorgang. sondern als ein „individuelles Ganzes“. das dem Menschen in der – wie Dilthey formuliert – „Determination seines wirklichen Lebens“ (VII. erblickt Dilthey „die eigenste Leistung des Verstehens für die Geisteswissenschaften“. der alleinige Selbstwert ist. in Leben zurückverwandelt.) charakterisiert. „durch die Realität des Lebens gebundene und bestimmte Mensch“ (VII. 214) Dilthey erläutert dies am Beispiel der Interpretation eines Gedichtes. von dem dieses Gedicht ausgeht. ein (literarisch gestaltetes) Liebeserlebnis. ein Liebesgedicht nicht wirklich verstehen kann. so interessiert der Einzelne nicht nur als ein „Fall des Allgemeinmenschlichen“. dass Dichter und Interpret über einen gemeinsamen Erlebnis. der „Übertragung des eigenen Selbst in einen gegebenen Inbegriff von Lebensäußerungen“. Vorausgesetzt ist dabei allerdings. (VII. also sozusagen ein lyrisch objektivierter Erleb- [119] niszusammenhang.) Entscheidend für die höheren Formen des Verstehens ist also die Intention. 214) bildet die Basis für die nach Dilthey zufolge „höchste Art. das er als ein „Schaffen in der Linie des Geschehens“ (ebd. (VII. Durch das Nacherleben historischer Vorgänge. des Individuellen. neu zum Leben erweckt wird.bzw. öffnet. das Nachbilden oder Nacherleben. Erfahrungshorizont verfügen. Dieses Hineinversetzen oder diese. (VII. sozusagen ein Erlebnisvorgang zweiter Potenz. 212) In diesem Verstehen der Person. Bedingung dafür ist nach Dilthey die Möglichkeit des „Sichhineinversetzens“ bzw. durch den Vorgang der Auslegung im Leser revitalisiert. wie Dilthey auch sagt. „Transposition“ (VII. in welcher die Totalität des Seelenlebens im Verstehen wirksam ist“. 215) verschlossen bliebe. das Menschen und ihre Schöpfungen umfaßt“ (ebd. wobei durch Rückgang auf das eigene Erleben des Interpreten jeder Vers durch den inneren Erlebniszusammenhang. den der Lyriker in seinem Gedicht – durchaus aufgrund eigener Erlebniswirklichkeit. 212f. B. ja. Verlebendigt wird im Akt des Verstehens allerdings nicht der reale Erlebnisvorgang im Dichter. denn das wäre ein Rückfall in einen schlichten Psychologismus. wird doch durch dieses Nacherleben ein „weites Reich von Möglichkeiten“ eröffnet. (VII. der noch niemals verliebt gewesen ist. 213) zu erfassen. einem Lebensverhältnis“. 216) geradezu in Freiheit versetzt. 86 Werk oder Leben zusammen Gegebenen auf den Zusammenhang in einem Werk oder einer Person. 212) Da – wie Dilthey an anderer Stelle zeigen konnte – der Einzelne in der geistigen Welt ein.

d.und thesenreiche Schrift des inzwischen fast Achtzigjährigen schließt thematisch nahezu unmittelbar an das unvollendet gebliebene Projekt einer Einleitung in die Geisteswissenschaften an und nimmt deren Fragestellung wieder auf. Der Aufbau ist mit der Intention verbunden. Die Analyse dieses „Aufbaus“ wird ein „Zusammenwirken von Leistungen“ (ebd. bevor er den angekündigten. die er zwischen Ende 1904 und Anfang 1910 vor der Akademie der Wissenschaften hält. die dann erkenntnistheoretisch näher untersucht werden sollen. in welchem auf der Grundlage des Erlebens und Verstehens in einer Stufenfolge von Leistungen sich ausbreitend das objektive Wissen von der geschichtlichen Welt sein Dasein hat“. Die Akademie-Abhandlung Der Aufbau der geschichtlichen Welt in den Geisteswissenschaften (VII. 77 – 188) wird am 5. so dass man mit Recht von einer „hermeneutischen“ Grundlegung der Geisteswissenschaften sprechen kann. der zum einen die Methodenlehre der Geisteswissenschaften und zum anderen die Frage nach dem Erkenntniswert der Leistungen der Geisteswissenschaften beantworten und außerdem das Problem klären sollte. als nun – im Unterschiede zur Einleitung – explizit die Erkenntnisbedingungen der Geschichtswissenschaft thematisiert werden und außerdem die Hermeneutik ins Zentrum der Grundlegung rückt. 88) Aber Dilthey ist auch die Vollendung seines Spätwerks nicht vergönnt gewesen – er stirbt. indem nun „von dem erkenntnistheoretischen Problem aus“ (VII. 173. geht aber insofern darüber hinaus. (VII. um es so in einer umfangsmäßig reduzier- [121] teren und philosophisch etwas weniger ambitionierten Form zu einem Abschluss zu führen. die Dilthey mit seinem Spätwerk vorlegt. 185 und 188) abschließend in Angriff nehmen kann. 87 6 Die späte Philosophie der Geisteswissenschaften: Der Aufbau der geschichtlichen Welt in den Geisteswissenschaften Nach der Jahrhundertwende beschäftigt sich Dilthey noch einmal sehr nachdrücklich mit Versuchen zu einer Philosophie der Geisteswissenschaften. den Standpunkt dieses umfangreichen Forschungsprojekts der Einleitung dadurch ausführlicher zu begründen. bereitet er seine letzte große Publikation zur Philosophie der Geisteswissenschaften vor. die möglicherweise angestoßen werden durch seine Hermeneutik-Vorträge. aber überwiegend nicht in deren Sitzungsberichten erscheinen lässt. Mit diesem Bild des „Aufbaus“ bezeichnet Dilthey „den ideellen Zusammenhang. 177 Anm.. Diese gedanken. 117) der Aufbau der geschichtlichen Welt in den Geisteswissenschaften untersucht wird. die Hermeneutik-Studie von 1900 sowie eine intensive Lektüre von Edmund Husserls Logischen Untersuchungen (2 Bde.) freilegen. systematisch besonders wichtigen zweiten Teil des Aufbaus (vgl. Saale 1900/1901) Mit einer Reihe von Vorträgen und Studien zur Grundlegung der Geisteswissenschaften. Dezember 1910 veröffentlicht. VII. Halle a. 160. inwieweit durch das Zusammenwirken der geisteswissenschaftlichen .

h.und Staatswissenschaften. nimmt Diltheys bei dem Faktum. auch 309 und 314) Im Mittelpunkt von Diltheys Überlegungen und Analysen steht der Versuch. VII. (VII.). die Philosophiegeschichte und die Psychologie.und Naturwissenschaften gelten. das seine Ausgangspunkte im Leben und Verstehen findet (vgl. 80) Forschungsgegenstand der Geisteswissenschaften ist also kein irgendwie vom Menschen abgelöstes. wie sich aus dem subjektiven Erleben ein theoretisch- begrifflicher Zusammenhang der menschlich-gesellschaftlich-geschichtlichen Welt bildet. vgl. die Kunst. daß sich neben den Naturwissenschaften eine Gruppe von Wissenschaften entwickelt hat. das „Wesen der Geisteswissenschaften“ zu erkennen (VII. h. (VII. d. 88 Methoden „ein objektives geisteswissenschaftliches Wissen möglich wird“. sollen zu logischem Bewußtsein gebracht werden“. 117f. (Ebd. er analysiert den Vorgang. gleichsam spiritualistisch verstandenes Reich des „Geistes“. (VII.und Musikwissenschaft. 120f. 79) Zu dieser Gruppe von Wissenschaften zählt Dilthey die Geschichtswissenschaft. denn „sie enthält den lebendigen Zusammenhang beider“. d. in denen die Gültigkeit der Erkenntnisse begründet ist.. vgl. die Literaturwissenschaft. 118) Den Ausgang seiner Analysen und Erörterungen. in denen das Erkenntnisverfahren sich vollzieht. die „Menschheit oder menschlich-gesellschaftlich-geschichtliche Wirklichkeit“ (VII. sollen festgestellt und die Methoden. VII. die Rechts. die Verhältnisse. Sein Begründungsunternehmen ist ein lebensphilosophisch-hermeneutisches. die Nationalökonomie. Die konkrete Forschungspraxis der Geisteswissenschaften soll also „zur Besinnung über sich erhoben werden“ (VII.) bzw. (Vgl. die zunächst der Entwicklung eines Begriffs der Geisteswissenschaften und der Abgrenzung von Geistes. 81). die durch einen gemeinsamen Gegenstand miteinander verbunden sind. und Dilthey versucht zu zeigen. wobei in dieser „Tatsache Mensch“ (ebd. d. die erkenntnistheoretisch-methodischen Grundverhältnisse der Geisteswissenschaften zu bestimmen. 4) geisteswissenschaftlicher Arbeit. die Verschiedenheit des Aufbaus in den Natur.und den Geisteswissenschaften und die logisch-methodologische [122] Struktur der Geisteswissenschaften herauszuarbeiten sowie die geistige Welt unter der Kategorie des Wirkungszusammenhangs zu begreifen. die Religionswissenschaft. wie sich ihr Aufbau von dieser Grundlage aus vollzieht.) das Psychische und Physische nicht getrennt ist. was mit anderen Worten bedeutet: „Die Formen und Kategorien der geisteswissenschaftlichen Erkenntnis sollen aufgefunden. aus den Aufgaben des Lebens selbst“. und zwar „naturwüchsig. (VII. 118) Dabei wird zum Hauptthema seiner Untersuchung „die selbständige Eigenheit des Aufbaus der Geisteswissenschaften“. einen tragfähigen Begriff der Geisteswissenschaften auszuarbeiten. 188) Dilthey begreift sein Unternehmen einer Grundlegung der Geisteswissenschaften als eine „logisch-erkenntnistheoretische Selbstbesinnung“ (VII. Der gemeinsame Gegenstand dieser verschiedenen Wissenschaften ist „das Menschengeschlecht“ (ebd. dass und wie die Geisteswissenschaften im Erleben und Verstehen begründet sind. 305). h. 79). sondern vielmehr die in Kooperation ..

wie Dilthey sagt. von Verständnismitteln herabgedrückt“ (VII. (Ebd. gesellschaftliche Organisationen. die an solchen äußeren Objekten und Tatbeständen vorgenommen wird. Die Forschungsobjekte der einzelnen Wissenschaften haben einen unterschiedlichen Umfang: es sind – in aufsteigende Linie – „Individuen. da auch einige Naturwissenschaften. 118) bestimmten Gegenständen der äußeren Wirklichkeit unterlegt hat. 89 psychisch-geistiger und physischer Faktoren hervorgebrachte Welt des – im weitesten Sinne verstandenen – Kulturellen. die das „Wirken des Geistes“ (VII. 81). Nationen. die in den Geisteswissenschaften zu diesem „Tatbestand der Menschheit“ (ebd. ist – so hält Dilthey fest – eine verstehende.) Dabei ist nun die „Art der Beziehung“ (VII. (VII. Zeitalter. d. Familien. entscheidend. und jede geisteswissenschaftliche Operation. sondern – und das ist das wesentliche Differenzkriterium – „das Verfahren [124] .) besteht. für den Fortgang der Analyse und den Versuch. aus der sie hervorgeht“.) Damit wird das Verstehen zum methodischen Zentralbegriff der Geisteswissenschaften: ihre Intention zielt auf ein Verstehen von Sinn und Bedeutung. wodurch die Geisteswissenschaften in ihrer Forschungspraxis charakterisiert sind. in zwei große Klassen: „das Studium der Geschichte bis zur Beschreibung des heutigen Gesellschaftszustandes und die systematischen Wissenschaften des Geistes“. (Ebd. einen Begriff von Geisteswissenschaften vorzulegen.) Dabei denkt Dilthey das Verstehen als ein dem Erleben korrespondierendes Verfahren. sie beschreiben oder von ihnen Theorien entwickeln können. es liegt in Geistes. denn es „dringt in die fremden Lebensäußerungen durch eine Transposition aus der Fülle eigener Erlebnisse“. geschichtliche Bewegungen oder Entwicklungsreihen. 81) Nach Dilthey [123] zerfallen die Geisteswissenschaften. Systeme der Kultur und andere Teilausschnitte aus dem Ganzen der Menschheit – und schließlich diese selbst“. Die Beziehung. 82). 118) Dieses Verstehen bezeichnet nach Dilthey nun „nicht nur ein eigentümliches methodisches Verhalten“. „jede Lebensäußerung für die Erfassung des Innern. – mit anderen Worten – „es ist die Richtung auf die Selbstbesinnung. Die physische Seite menschlicher Vorgänge wird von ihnen „in die bloße Rolle von Bedingungen. h. den Menschen zu ihrem Forschungsobjekt haben. wie etwa die Physiologie. Diese in den Geisteswissenschaften wirksame Tendenz „verwertet“.und Naturwissenschaften nicht nur eine unterschiedliche Verhaltensweise oder Methode vor. (VII. die von ihren Objekten erzählen. (Ebd. die die Geisteswissenschaften zu ihrem Gegenstand unterhalten. zusammengesetztere Verbände. „hat es allein mit dem Sinne und der Bedeutung zu tun“ und dient letztlich dem Verstehen. es ist der Gang des Verstehens von außen nach innen“.

Wert und Zweck auftritt“ (ebd. wenn Dilthey schreibt: „Ihre Zweckmäßigkeit [der geisteswissenschaftlichen Gegenstände. denn „der Geist hat sich in ihnen objektiviert. ihre Verstandesmäßigkeit in meinem Intellekt. Zwecke haben sich in ihnen gebildet. 82) wird nicht von außen an das Leben herangetragen – „es gibt da keine hypothetischen Annahmen. daß das Äußere. auf das wir äußere Eindrücke beziehen. dass die geisteswissenschaftlichen Begriffe. das ihren Gegenstand ausmacht. Masse. Zeit. dass die von ihnen erforschten äußeren. seinen Zweck und seine Bedeutung. 118) –. (VII. 82) An dieser Stelle zeigt sich der entscheidende Unterschied zwischen der Natur und der menschlich-geschichtlichen Welt: „Hier treten Zwecke auf. Hier wendet sich der Mensch „zum Leben. sondern sie ist „in ihm selber begründet“. 90 des Verstehens ist sachlich darin begründet. konstruieren den Gegenstand Natur „als eine Ordnung nach Gesetzen“ (VII. etwa historischen. um dieses dreht sich der ganze äußere Lärm der Geschichte“. in dem allein Bedeutung. (Ebd. Das wird deutlich. 118f. sich von dem Gegenstand der Naturwissenschaften durchaus unterscheidet“.“ (VII. welche dem Gegebenen etwas unterlegen“ (VII. souverän in uns sich bewegenden geistigen Welt und nur in ihr hat das Leben seinen Wert. 80) bezeichnet. Und in dieser schaffend. Der Wille erarbeitet Entwicklung. (VII. erfaßt das Verstehen“. zu sich selbst“. denn – so Diltheys These – „in diesem Erlebbaren ist jeder Wert des Lebens enthalten. (VII. Bewegung“. (VII. Und diese Tendenz auf „das den Sinnen Unzugängliche. Der „Erlebnischarakter“ (VII. wobei Dilthey die „Erlebnisse“ als das dem Mensch „Nächstgegebene“ (VII. HUL] ist in meiner Zwecksetzung gegründet. ihre Schönheit und Güte in meiner Wertgebung. und eben dies Geistige.) Vorausgesetzt ist dabei eine Identität des Geistes. nur Erlebbare“ (VII. (VII. sondern Abkömmlinge von Erleben und Verstehen“. das […] in ihrem Wesen fundiert ist“. 82) unserer Erfahrung von Natur wird eliminiert zugunsten eines „abstrakte[n] Auffassen[s] derselben nach den Relationen von Raum.“ (VII. das in sie hineingebildet ist. 119) Für die Geisteswissenschaften ist nun von Bedeutung. […] in das Leben. 83) Geisteswissenschaften sind daher charakterisiert durch diesen „Rückgang des Menschen in das Erlebnis.). Werte sind in ihnen verwirklicht. Vorgänge aus einem Erleben entstanden sind. Urteile und Theorien „nicht Hypothesen [sind] über etwas. Die Geisteswissenschaften „bohren“ sich von zwei Seiten immer tiefer in die Wirklichkeit ein: „vom Erleben der eigenen Zustände und vom . eine Identität des Erlebenshorizonts des Verstehenden und der geistigen Welt der zu verstehenden Objekte. verantwortlich. von denen die Natur nichts weiß. das ihnen immanent ist. 84) [125] Die Naturwissenschaften erforschen die Gesetze der physischen Welt bzw. wobei Dilthey als notwendige Bedingung dieser Erforschung die Selbstausschaltung des forschenden Menschen festhält. die Verknüpfung der äußeren Objekte mit meinem Lebensverlauf in einer „Vorstellungswelt“ ist bedingt. 83) Demgegenüber steht die geisteswissenschaftliche Tendenz. 82) Wie Dilthey an anderer Stelle ergänzend hinzufügt. Gestaltung. 83). entsteht der Gegenstand der Geisteswissenschaften geradezu „erst durch ein besonderes Verhalten zur Menschheit.) Durch diese enge Verbindung von Erleben und Verstehen.

). die äußeren Organisationen der Gesellschaft. sinnhafte Seite besitzen. 119f. ist nicht identisch mit den „Tatbeständen und . 84) Dieses Innere. in der sich etwas ausdrückt. Teile der kulturellen Wirklichkeit – Dilthey zitiert als Beispiel die Elemente der Rechtssphäre (vgl. was nie in die Sinne fällt und doch in diesem Äußeren sich auswirkt und ausdrückt. 84f. ist der „Geist“. Das Verstehen dieses Geistigen darf aber nun nicht – das hält Dilthey nachdrücklich fest – als „psychologische Erkenntnis“ (VII. was in ihr sich äußert“ (ebd. 83). 119) Im Gegensatz zur Natur. Die Geisteswissenschaften ordnen ein. was sie erschafft und was sie handelt. die durch die Naturwissenschaften dem Menschen „zum Zentrum der Wirklichkeit“ wird (VII. sondern es ist vielmehr „der Rückgang auf ein geistiges Gebilde von einer ihm eigenen Struktur und Gesetzmäßigkeit“.) Damit wird schon Diltheys Begriff der Geisteswissenschaften erkennbar: die Geisteswissenschaften beschäftigen sich mit Objekten. lebengesättigt. 84) – die bestimmte Interessen von Gemeinschaften artikulieren. die Zwecksysteme. hier dagegen werden in der Lebendigkeit die Ursachen derselben erfahren. dass sie – wie auch der Mensch selbst – immer „den Bezug einer äußeren sinnlichen Seite auf eine den Sinnen entzogene und darum innere [enthalten]“. Von dem sinnlich in der Menschengeschichte Gegebenen geht hier das Verstehen [126] in das zurück. der in Korrelation zum „Ausdruck“ steht. und das Verstehen wird damit zu ihrem Grundbegriff. 83). die von Dilthey hier beispielhaft für den Komplex der Geisteswissenschaften angeführt wird.) Das heißt: „Der Zusammenhang der Natur ist abstrakt. in der „Zusammenhang in einer Verbindung abstrakter Begriffe den Erscheinungen unterlegt [wird]“. indem sie umgekehrt zu allererst und hauptsächlich die sich unermeßlich ausbreitende menschlich- geschichtlich-gesellschaftliche äußere Wirklichkeit zurückübersetzen in die geistige Lebendigkeit. zu denen die Einzelmenschen in ihr sich zusammenfassen – all das enthält nun hier eine Einheit. entsteht damit ein zweites Zentrum: „Alles. bedeutungshafte. und Objekte geisteswissenschaftlicher Forschung sind dadurch von Naturobjekten unterschieden. VII. die sinnlich gegeben sind und die eine durch die Sinne nicht erschließbare „innere“. also der eigentliche Gegenstand der Geisteswissenschaften. Im Verstehen besteht Dilthey zufolge eine Beziehung „zwischen der äußeren Sinnenerscheinung des Lebens und dem. Mit anderen Worten: der Gegenstand der Rechtswissenschaft. (VII. (Ebd.) Neben der Natur. aus der sie hervorgegangen ist. Dort werden für die Individuation hypothetische Erklärungsgründe aufgesucht. wird „der Zusammenhang in der geistigen Welt […] erlebt und nachverstanden“. Die Naturwissenschaften ergänzen die Phänomene durch Hinzugedachtes […]. 85) missverstanden werden.) – sind „Ausdruck“ je spezifischer „Zweckzusammenhänge“ (VII. Ziel der Geisteswissenschaften ist eine „Besinnung des Menschen über sich selbst“ (VII. das (nur) verstanden werden kann. was der Menschheit begegnet. was sie hervorbrachte. (VII.“ (VII. in denen sie sich auslebt. der seelische und geschichtliche aber ist lebendig.“ (Ebd. 91 Verstehen des in der Außenwelt objektivierten Geistigen aus“.

(Ebd. 86) Würde die Menschheit bloß wahrgenommen und erkannt – so Diltheys Argument –.) Dabei umfasst dieser Zusammenhang [128] von Leben. (Vgl. sofern sie in Lebensäußerungen zum Ausdruck gelangen und sofern diese Ausdrücke verstanden werden“. Hegel vom objektiven Geist oder Ihering vom Geist des römischen Rechts gesprochen hat“. d. der in die Sinnenwelt tritt und den wir durch den Rückgang aus dieser verstehen“. ist folglich „ganz unterschieden von psychischen Vorgängen im Dichter oder seinen Lesern“. liegt somit in dieser Tendenz. als Gegenstand der Geisteswissenschaften entsteht sie nur. h.) Die Geisteswissenschaften haben ihren Grund in dem „Zusammenhang von Leben. sondern ihr Interesse richtet sich auf den „Bezug dieses sinnfälligen Zusammenhanges von Worten auf das.) Der Gegenstand. sondern ein in diesen geschaffener. bliebe sie bloß ein physischer Gegenstand. 86) Daraus ergibt sich für Dilthey die Legitimität des Begriffs „Geisteswissenschaften“. das im Zusammenhang von Leben. Handelnde. und eine Wissenschaft kann folglich nur dann zu den Geisteswissenschaften gerechnet werden. „in welchem Montesquieu vom Geist der Gesetze. Ausdruck und Verstehen „nicht nur die Gebärden. (VII. Ausdruck und Verstehen fundiert ist“. Im zu erforschenden Text ist vielmehr „ein geistiger Zusammenhang realisiert. (Ebd. Sichausdrückende. Sie interessiert sich nicht für die „Außenseite“ der Literatur. VII. „wenn ihr Gegenstand uns durch das Verhalten zugänglich wird. im geisteswissenschaftlichen Verstehen ein geistiges Objekt. (VII. Mienen und Worte. durch die und an denen das Recht sich abspielt“. „von der Menschheit. aber von ihnen ablösbarer Zusammenhang“. Zum Gegenstand dieser Geisteswissenschaft werden sie erst. „sofern menschliche Zustände erlebt werden. (Ebd. Ausdruck und Verstehen“ (VII. 87f. von dem durch sie realisierten objektiven Geiste zurückzugehen in das Schaffende. Wertende.) Gleiches gilt etwa auch für die Literaturwissenschaft. 86). Er benutzt das Wort in demselben Sinne. (VII. mit dem sich Literaturwissenschaft oder Poetik beschäftigen. 85) Ausgedrückt im Text einer Dichtung sind nach Dilthey – und das ist wesentlich für seinen Begriff der Geisteswissenschaften – „nicht die inneren Vorgänge in dem Dichter. sofern sie „das Recht realisieren“. in denen Menschen sich mitteilen. Sichobjektivierende“. in denen die Tiefe des . was durch sie aus- [127] gedrückt ist“. die von Setzern in eine Reihenfolge gebrachten Buchstaben und die von Maschinen gedruckt wurden.) Unterschiedliche Verfahren konstituieren somit die divergenten wissenschaftlichen Tendenzen: Im naturwissenschaftlichen Erkennen „entsteht“ der physische Gegenstand. (Ebd. oder die dauernden Schöpfungen. 92 Begebenheiten. zu einem Gegenstand der Geisteswissenschaften wird sie erst dadurch. warum die Wissenschaften der gesellschaftlich-geschichtlichen Welt nach Dilthey mit Recht als Geisteswissenschaften bezeichnet werden können. 87) Der entscheidende Grund. (VII.

einer schlechthin gültigen Norm. die den Versuch unternahmen. unter Rekurs auf Kant und Fichte oder Hegel die [129] gestellte Aufgabe in Angriff zu nehmen (vgl. die im Zentrum des Aufbaus steht und die er – gleichsam paradigmatisch – am Beispiel der Geschichtswissenschaft entwickelt. „verneint den Wert der transzendentalen und metaphysischen Methode. die von Humboldt. Gervinus. ihr Objektbereich ist die Sphäre des Ausdrucks. Ranke und Droysen in ihren Beiträgen zu einer Theorie der Geschichte nicht gestellt worden war. die anders als jene Richtungen. 115). die geistige Welt. und die Analyse dieser Stufenfolge steht im Mittelpunkt von Diltheys eigentlicher Wissenschaftstheorie der Geisteswissenschaften. dass wir „unser erlebtes Leben hineintragen in jede Art von Ausdruck eigenen und fremden Lebens“. Verstehen. „jedes transzendentale und metaphysische Prinzip für das Verständnis der geistigen Welt verwirft“. innerhalb einer wissenschaftlichen Bewegung.). (VII. oder die beständigen Objektivierungen des Geistes in gesellschaftlichen Gebilden. Mit seinem Versuch einer „Erkenntnis der Möglichkeit des objektiven geisteswissenschaftlichen Wissens“ (VII. VII. 114) richtet Dilthey eine erkenntnistheoretische Fragestellung an die Geschichtswissenschaft. Durch das Verstehen wird einerseits das Leben „über sich selbst in seinen Tiefen aufgeklärt“ (VII. Reziprozität von Erleben und Verstehen. der objektive Geist.) Auf der Grundlage von Erleben und Verstehen bringen die Geisteswissenschaften „in einer Stufenfolge von Leistungen“ das „objektive Wissen von der geschichtlichen Welt“ hervor (VII. 93 Schaffenden sich dem Auffassenden öffnet. aus dem Stoff des Gegebenen ein objektives Wissen über die geistige Wirklichkeit und den Zusammenhang ihrer Teile zu gewinnen. (VII. geschichtlich Gegebenen ohne Einschränkung anerkennt. Ausdruck sind damit die Grundbegriffe von Diltheys Theorie der Geisteswissenschaften. der Dilthey auch den Positivismus von Comte und Mill zurechnet. andererseits setzt das Verstehen anderer und unserer selbst aber voraus. d. VII. (Ebd. Sie leugnet jedes Wissen von einem unbedingten Wert. Erleben und Geist bzw. einem göttlichen Plan oder einem im Absoluten gegründeten Vernunftzusammenhang. hat sie zu ihrer Aufgabe. h. 88).“ Diese radikal empirische Auffassung hat auch methodologische Konsequenzen: „Indem sie so die Relativität jedes menschlich. „der Geschichte gegenüber eine solche rein erkenntnistheoretische und logische Fragestellung geltend zu machen“ (VII. 115f. das ausgedrückte oder objektivierte Geistige. 116) Diese Richtung. durch welche die Gemeinsamkeit menschlichen Wesens hindurchscheint und uns beständig anschaulich und gewiß ist: auch die psychophysische Lebenseinheit ist sich selbst bekannt durch dasselbe Doppelverhältnis von Erleben und Verstehen“. (Vgl. 86) Die Grundlage der Geisteswissenschaften bildet so das „Doppelverhältnis“ oder die Wechselwirkung bzw. Nur die Kombination der verschiedenen Arten des . 112 – 114) Dabei positioniert er seinen eigenen Versuch einer Lösung der Aufgabe. 87).

“ (Ebd. 130) Die besondere Struktur der Geisteswissenschaften. 120). die für die Erkenntnis des Zusammenhangs der Geisteswissenschaften fundamental sind. Sie muss erstens „den allgemeinen Charakter des Zusammenhanges. und in der zweiten entwickelt er seinen wichtigen Begriff des „Wirkungszusammenhangs“ und analysiert die geistige Welt alsWirkungszusammenhang. VII. sprachlichen Denken des Gegebenen reichen. (VII. vgl.) Die von Dilthey intendierte Grundlegung der Geisteswissenschaften muss drei verschiedene Aufgaben lösen. Die im Zentrum des Aufbaus stehende Behandlung der Struktur der Geisteswissenschaften besteht aus zwei Untersuchungsreihen: in der ersten thematisiert Dilthey in drei Schritten die Grundlagen der Geisteswissenschaften selbst. Seine „Strukturlehre des gegenständlichen Auffassens im allgemeinen […] zeigt in allem Auffassen eine fortschreitende Linie vom Gegebenen zu den Grundverhältnissen der Wirklichkeit“. (VII.und Geisteswissenschaften gemeinsamen logischen Grund frei: „Dieselben Denkformen und dieselben ihnen untergeordneten Klassen von Denkleistungen ermöglichen in den Naturwissenschaften und den Geisteswissenschaften den wissenschaftlichen Zusammenhang. betreffen erstens die besondere Beziehung der Geisteswissenschaften zum Leben. Trennen. vorprädikativen Leistungen der Aufklärung (Vergleichen. in Beziehung Setzen) über das Abbilden bis zur Vertretung im diskursiven. 121) Diese Strukturlehre legt damit einen für Natur. 120) Dilthey behandelt diese Thematik im ersten Abschnitt „Das gegenständliche Auffassen“ des Aufbaus (VII. wie er sich in den Geisteswissenschaften durch das Ineinandergreifen ihrer Leistungen vollzieht“ (VII. folgt im umfangreichen zentralen zweiten Abschnitt des Aufbaus „Die Struktur der Geisteswissenschaften“. wo er die verschiedenen Leistungen des so genannten „gegenständlichen Auffassens“ behandelt. Dabei handelt es sich um die „allgemeine logische Struktur der Geisteswissenschaften“. 121) Dies Thema sollte in der nicht realisierten Fortsetzung des Aufbaus behandelt werden. 94 Gegebenen und der verschiedenen Verfahrungsweisen stehen ihr zur Lösung dieser Aufgaben zur Verfügung. bestimmen. Von dieser Grundlage aus entstehen dann in der Anwendung jener Denkformen und Denkleistungen aus [130] den besonderen Aufgaben und unter den besonderen Bedingungen der Geisteswissenschaften deren spezifische Methoden. zweitens das Verstehen als besondere Methode der . die von den primären.“ (Ebd. 121 – 129). also die Untersuchung des konkreten „Aufbau[s] der geistigen Welt durch die einzelnen Gebiete hindurch […]. (VII. 130 – 188) Die dritte Aufgabe gilt der Untersuchung des „Erkenntniswerts“ der Leistungen der Geisteswissenschaften und wie durch ihre Kooperation objektive geisteswissenschaftliche Erkenntnis möglich wird. Die drei allgemeinen Sätze.. in dem auf diesem Gebiet auf Grund des Gegebenen ein allgemeingültiges Wissen entsteht“. (VII.

d. in ihrem Rohzustande aufzufassen. macht diese Menschen und Gegenstände für mich zu Trägern von Glück. Forderung der Rücksichtnahme und innere Nähe oder Widerstand. d. 131f. Erweiterung meines Daseins. sondern vielmehr die Bezugnahme auf den anderen oder die Welt immer schon ein jeweils emotional gestimmter oder gefärbter. hält Dilthey fest. quasi-objektive Bezug zum anderen oder zu den Dingen der Welt primär ist. (VII. diese „große Tatsache“. Die erste dieser Bestimmungen ist der „Lebensbezug“. die dem verstehenden Umgang mit anderen Menschen entstammen. das gegenständliche oder Wirklichkeitsauffassen. Der Lebensbezug. Und Dilthey versucht nun. eigene Bestimmungen des Lebens herauszuarbeiten. Wichtigkeit.“ (VII. (VII. Ziel eines Strebens oder Bindung des Willens. auftreten. Die persönliche Lebenserfahrung eines Individuums entsteht aus der „Verallgemeinerung“ der Erinnerungen an die eigene Biographie und der Erinnerungen. Der Begriff des Lebensbezugs bringt die Tatsache zum Ausdruck. Den ersten „Grundzug in der Struktur der Geisteswissenschaften“ bildet – wie Dilthey zu zeigen sucht – der „Ausgang vom Leben und der dauernde Zusammenhang mit ihm“. bewusst oder offenbar wird. sei er auf einen gegebenen Moment eingeschränkt oder dauernd. Erhöhung meiner Kraft. oder sie schränken in diesem Bezug den Spielraum meines Daseins ein. auf dem dann die verschiedenen Verhaltenstypen. 130) Dieser Ausgangspunkt ist das Leben. sie vermindern meine Kraft. wie dies insbesondere an den vergleichenden und experimentellen Methoden gezeigt werden kann (vgl. dass nicht der reine. an die besonderen Aufgaben der geisteswissenschaftlichen Forschung festzustellen ist.) Dabei gelingt es ihm. 95 Geisteswissenschaften und drittens den „objektiven Geist“ als Objekt der Geisteswissenschaften. sie üben einen Druck auf mich. dass trotz dieser vereinzelten Berührungspunkte „der [131] Zusammenhang der geisteswissenschaftlichen Verfahrungsweisen schon von ihrem Ausgangspunkte ab verschieden [ist] von dem der Naturwissenschaften“. 130). 132) Korrigiert und erweitert wird diese persönliche . wertbesetzt intendierter oder als positiv oder negativ erfahrener ist: „Es gibt gar keinen Menschen und keine Sache. das Werten oder Wertgeben und das Zwecksetzen. 137) Obwohl die Geisteswissenschaften bei der Entwicklung ihrer Methoden durchaus von den Naturwissenschaften beeinflusst waren und eine Adaption von Verfahren. VII. (VII. da sie auf dem Erleben. der uns im Erleben und Verstehen „aufgeht“ (VII. die in den Naturwissenschaften ausgebildet wurden. 131) Ein weiterer wichtiger Begriff ist der der „Lebenserfahrung“. h. Distanz und Fremdheit enthielten. 131). indem er hinter die wissenschaftliche Bearbeitung derselben zurückgeht. es ist „ein das menschliche Geschlecht umfassender Zusammenhang“. theoretische. (Ebd. dem Verstehen und der Lebenserfahrung beruhen. die nur Gegenstand für mich wären und nicht Druck oder Förderung.) bezeichnet. das Leben selbst. den er als „Untergrund des Lebens“ (VII. h.

seinen Ort im Raum. „die in irgendeinem zueinandergehörigen [132] Kreise von Personen sich bilden und ihnen gemeinsam sind“. Lebenserfahrung und die Geisteswissenschaften „in einem beständigen inneren Zusammenhang und . 133]) werden zum Bewusstsein gebracht und in den verschiedenen Weisen der Wirklichkeitsaussage. h. worunter Dilthey die Sätze versteht. die zwischen den Individuen und den Kultursystemen und Gemeinschaften bestehen.). (VII. Furcht oder Hoffnung“ [VII. welche durch die Individuen hindurchgehen. 133) Die in den verschiedenen Lebensbezügen erfahrenen Einzelzustände des Lebens („Gefühle von Druck oder Steigerung des Lebens. Wie Dilthey einsichtig machen kann. Verlangen nach einem Gegenstand. das in den Sprichwörtern. den Reflexionen über Charakter. den Zweck. gegenständlich gemacht und in der Lebenserfahrung zum allgemeinen Wissen erhoben. des Wunsches. 135) Geschichte [133] ist daher auch mehr als ein bloßes Zusammenwirken von Menschen zu gemeinsamen Zwecken. Religion. (Vgl. 132f. verbindliche Aussagen über Verlauf und Führung des Lebens. Der Einzelmensch in seinem individuellen Dasein. Wirtschaft. ist nach Dilthey ein „geschichtliches Wesen“: „Er ist bestimmt durch seine Stelle in der Linie der Zeit. der sich in ihnen realisiert. wie Dilthey formuliert. (VII. „Subjekte ideeller Art“ (ebd. ist eine Schöpfung des „gemeinsamen Lebens“ und übt auf den einzelnen eine gewisse fordernde und leitende Macht aus. Leidenschaften und die Werte des Lebens in Volksweisheit und Literatur begegnet. sondern Geschichte ist der Zusammenhang aller Bezüge. sodann die Familie und schließlich der Staat. Werturteile und Normen enthält. „allgemeinen Lebenserfahrung“. (VII. stehen Leben.) Diese allgemeine Lebenserfahrung. die bestimmte. sind die schon in der Einleitung ausführlich analysierten Systeme der Kultur und die verschiedenen. VII. aber über ihr Leben hinausreichen und die durch den Gehalt. der auf solche Weise mit den verschiedenen ideellen Subjekten verbunden ist. d. ein selbständiges Dasein und eine eigene Entwicklung besitzen“. in denselben bestehen. (VII. 134) Aber jedes Individuum ist andererseits auch „ein Kreuzungspunkt von Zusammenhängen. des Imperativs sprachlich gefasst. den Lebensregeln. 135) Diese Zusammenhänge. die dann eine sprachliche Fixierung erhalten.“ (VII. unterschiedlich dauerhaften und festen Organisationen in Wissenschaft. 136) Bedingt durch die unterschiedlichen Lebensbezüge entfaltet sich im Dasein der einzelnen Personen ein „unendlicher Lebensreichtum“. den Wert. 96 Lebenserfahrung in der kollektiven. 134) Diesen Vorgang. (VII. in dem aus den individuellen erst allgemeine Lebenserfahrungen werden. bezeichnet Dilthey auch in einer geglückten Formulierung als die „gedankenbildendene Arbeit des Lebens“. seine Stellung im Zusammenwirken der Kultursysteme und der Gemeinschaften.

Objektivität und Voraussetzungslosigkeit kollidiert allerdings mit den von ihm aufgewiesenen Grundbestimmungen des Lebens. In ihrer Rückwirkung auf das Leben und die Gesellschaft erzielen die Geisteswissenschaften ihre größte Bedeutung. Es gibt folglich einen „Widerstreit zwischen den Tendenzen des Lebens“ (VII.). dass diese Wirkung nur durch die „Objektivität der wissenschaftlichen Erkenntnis“ erreicht werden kann. die auch in der geisteswissenschaftlichen Begriffsbildung festzustellen ist (vgl. der sie angehören.) Dieses Streben nach Allgemeingültigkeit. die „Quellen“ des Verständnisses der gesellschaftlich-geschichtlichen Welt sind. dass Leben und Lebenserfahrung die Grundbedingungen. Diese enge Verflechtung von Leben und Geisteswissenschaften. dass „große religiöse Naturen wie Augustinus und Pascal die ewigen Muster [sind] für die Erfahrung. die hinter jeden Schein blickt“.und Geisteswissenschaften erneut sichtbar: „Dort entsteht die Sonderung unseres Verkehrs mit der Außenwelt vom naturwissenschaftlichen Denken. (Ebd. in der sie leben. der Zeit. als sie bei anerkannten Historikern zu finden ist. dem oft eine vollkommenere „Vertiefung in sich selbst“ (VII. 136f. Und dies hat – so Dilthey – auch für die Geisteswissenschaften zu gelten: „Soll es .) kann in der Praxis des Lebens zu größerer Virtuosität ausgebildet werden. (Ebd. Gleichzeitig tritt aber jede Wissenschaft mit der Forderung der Allgemeingültigkeit auf. (VII. 136) Vorbedingung geisteswissenschaftlicher Forschung ist das Leben. nach welchem die gedankenbildende Arbeit des Lebens Grundlage für das wissenschaftliche Schaffen bleibt. und auch das „Verstehen anderer“ (ebd. und – so fügt er hinzu – „wir [sind] heute vom Streben erfüllt. strenger herauszuarbeiten“. und hier erhält sich ein Zusammenhang zwischen Leben und Wissenschaft. diese Objektivität der Geisteswissenschaften immer voraussetzungsloser. 138) In diesem Zusammenhang formuliert [134] Dilthey die These. die aus dem eigenen Erlebnis schöpft“. sondern vielmehr ein „Innewerden eines psychischen Zustandes in seiner Ganzheit und Wiederfinden desselben im Nacherleben“.) Damit wird die fundamentale Differenz zwischen Natur. kritischer. (VII.“ (VII. (VII. und dass „im Verstehen anderer Personen“ das politische Leben „zu einer Kunst [erzieht]. dessen produktive Leistungen esoterisch sind. und diese Bedeutung ist – so Diltheys Einschätzung – „in beständiger Zunahme begriffen“. wird auch dadurch augenfällig. 137) und dem wissenschaftlichen Ziel der Geisteswissenschaften. 136) Dilthey hält fest. VII. sind sie von diesem ihrem Gesichtskreis bestimmt“. 136) gelingt als selbst herausragenden Geisteswissenschaftler. Selbst wo sie voraussetzungslos zu verfahren glauben. Die Geisteswissenschaftler stehen selbst im Leben und wollen es von ihrem Standpunkt aus beeinflussen. bedingt. 136) In den Geisteswissenschaften bildet somit kein „begriffliches Verfahren“ die Grundlage. Die von ihnen über geschichtliche Personen oder Entwicklungen getroffenen Urteile sind „von ihrer Individualität. der Nation. 97 Wechselverkehr“.

der in sich selbst zentriert ist. D. in welchem aus der Bedeutsamkeit der einzelnen Teile der Sinn des Zusammenhangs der gesellschaftlich-geschichtlichen Welt entspringt: so daß ausschließlich in diesem strukturellen Zusammenhang jedes Werturteil und jede Zwecksetzung.) Im Erleben ist uns nach Dilthey das Wissen unseres eigenen Lebens gegeben. alle aber strukturell zu einem Ganzen verbunden sind. eine Totalvorstellung eines Gegenstandes ist daher immer nur ein „Hinzuvorgestelltes. (VII. Erst durch das Verstehen wird diese „Beschränkung des Individualerlebnisses“ aufgehoben.) Erlebnisse sind insofern strukturierte. (VII. VII. besitzt das Erlebnis einen anderen Grad von Realität: „Das Bewußtsein von einem Erlebnis und seine Beschaffenheit. Dabei macht er zunächst den Unterschied deutlich. sondern sein Dasein für mich ist ununterschieden von dem. die in der Vielfalt von Bezügen und Zusammenhängen ein Ganzes darstellen (vgl. d. müssen sie immer bewußter und kritischer dies Ziel sich setzen. und andererseits verleiht es den persönlichen Erlebnissen den „Charakter von Lebenserfahrung“. h. 139).) Das Prinzip für eine Auflösung dieses Konflikts von Leben und Wissenschaftlichkeit in den Geisteswissenschaften glaubt Dilthey gefunden zu haben in dem „Verständnis der geschichtlichen Welt als eines Wirkungszusammenhangs. jedes Erlebnis besitzt so „seine Stelle in einem Verlauf. ein aus den einzelnen Perspektiven Zusammengesetzes. wobei der ganze Gegenstand nie durch einen Akt des Sehens erfahren werden kann. Im Unterschied dazu sind die Erlebnisse in der Biographie eines Menschen „im Zeitverlauf aufeinander bezogen“. singuläre Ansicht gegeben. d. Zuvor wendet Dilthey sich den Methoden zu. 98 Geisteswissenschaften in dem strengen Verstande von Wissenschaft geben. von einem Gegenstand ist mir immer nur eine vom jeweiligen Gesichtspunkt abhängige. sind eins: Das Erlebnis steht nicht als ein Objekt dem Auffassenden gegenüber. vgl. vom Einzelnen über das Gemeinsame zum Allgemeinen zu kommen. dessen Glieder in der Erinnerung miteinander verbunden sind“. VII. 139f. das durch keine logische Methode überwunden werden kann. was in ihm für mich da ist. Einmaliges. h. einheitliche. (Vgl. der zwischen der Art und Weise. h. . a. 313 – 317). auch VI. indem jeder einzelne in ihm enthaltene Wirkungszusammenhang durch die Setzung und Realisierung von Werten seinen Mittelpunkt in sich selber hat. d. wie mir ein Erlebnis oder wie mir [135] das Bild eines Gegenstandes gegeben ist. durch die die geistige Welt aufgefasst wird. Während das sinnlich Gegebene relativ ist. sein Fürmichdasein und was in ihm für mich da ist. unmittelbare Erfahrungen von Lebenswirklichkeiten.“ (Ebd. 141) Damit wird das Verstehen. Hinzugedachtes“ (VII. die aber auch – sozusagen auf einer zweiten Ebene – zum Gegenstand von Reflexionen werden können. die in die Zukunft reicht. also nur etwas Singuläres. von der Perspektive des Auffassenden abhängt. 138) Der weiteren Ausführung dieses Konzepts ist der letzte Teil des Aufbaus gewidmet. Die bildhafte Vorstellung eines Gegenstandes ist – mit Husserl zu reden – „abgeschattet“. notwendigerweise jeweils relative.“ (Ebd. gegründet sein muß“. das die Möglichkeit eröffnet. u. h. 14. zur entscheidenden Basis der Geisteswissenschaften.

setzt aber andererseits. Sie ist die Bedingung des Verstehens und Garant seiner Sicherheit: „Die Invididuen sind miteinander durch eine Gemeinsamkeit verbunden. in dem Maß. die etwa psychologische. 141) Das zweite Grundverhältnis in den Geisteswissenschaften. bildet die „Voraussetzung für das Verstehen“.“ (Ebd. gesellschaftliche. das vom elementaren Verstehen einzelner Wortbedeutungen und Sätze bis zu den höheren Formen des Verstehens reicht: „Von der elementaren Interpretation ab. sonach Gemeinsamkeit der Sprache und des Denkens fordert. die „Verwertung geisteswissenschaftlicher Wahrheiten voraus“. und diese „Gemeinsamkeit der Lebenseinheiten“ (VII.) Diese „Grunderfahrung der Gemeinsamkeit“. Aussagen allgemeineren Charakters hinzuzuziehen. (VII. 99 Gegenseitiges Verstehen versichert uns – so Dilthey – „der Gemeinsamkeit. daß das Verstehen aus der Enge und Subjektivität des Erlebens hinausführt in die Region des Ganzen und des Allgemeinen. [137] Im Verstehen ist eine doppelte Reziprozität oder „zweifache Relation“ angelegt: „Das Verstehen setzt ein Erleben voraus. in welcher Zusammengehören oder Zusammenhang. die vom Bewußtsein des Sollens begleitet ist. Und weiter fordert das Verstehen der . religiöse. die für die zu verstehende Person Relevanz besitzen. verfassungsrechtliche etc. Dieselbe Beziehung von Zusammenhang und Gleichartigkeit geht durch alle Kreise der Menschenwelt hindurch. der gegenseitigen Bindung in Pflicht und Recht. dass in ihnen „vom Vorgang des Verstehens ab alles durch das Verhältnis gegenseitiger Abhängigkeit bestimmt“ ist. ist ein wichtigstes Postulat von Diltheys Philosophie der Geisteswissenschaften. 143) Das Verstehen erweitert das individuelle Erleben. mit der sie in Sätzen zu einem Sinn verbunden sind. welcher den Verständnisvorgang möglich macht. Sachverhalte betreffen. erweitert sich beständig der Umkreis des Gemeinsamen. wird durch die Tatsache bezeichnet. Gleichartigkeit der Menschen. in welchem höhere Verbindungen von Lebensäußerungen den Gegenstand dieses Vorganges ausmachen. 141) wird zum Ausgangspunkt geisteswissenschaftlicher Arbeit. Gleichartigkeit oder Verwandtschaft miteinander verknüpft sind. in der das „Bewußtsein des einheitlichen Selbst und das der Gleichartigkeit mit den Anderen. die nicht auf einen Kulturbereich beschränkt ist. und das Erlebnis wird erst zu einer Lebenserfahrung dadurch. Selbigkeit der Menschennatur und Individualität miteinander verbunden sind“.“ (VII. sondern [136] im Prinzip die ganze Menschheit umfasst. der Sympathie im Gefühlsleben. Bismarck zu verstehen. (VII. wie Dilthey beispielhaft an der Aufgabe verdeutlicht. das ihren Aufbau fundamental von dem der Naturwissenschaften unterscheidet. Diese Gemeinsamkeit bzw. historische. 142) Das Verstehen einer historischen Persönlichkeit ist darauf angewiesen. Diese Gemeinsamkeit äußert sich in der Selbigkeit der Vernunft. die nur die Kenntnis von der Bedeutung der Worte und von der Regelhaftigkeit. die zwischen den Individuen besteht“.

100

einzelnen Persönlichkeit zu seiner Vollendung das systematische Wissen, wie andererseits
wieder das systematische Wissen abhängig ist von dem lebendigen Erfassen der einzelnen
Lebenseinheit.“ (VII, 143) Auf der anderen Seite bedeutete das, dass die Sicherheit des
Verstehens abhängig ist von der Validität der verwendeten allgemeinen Sätze: „Die Grade
der methodischen Sicherheit im Verständnis sind von der Entwicklung der allgemeinen
Wahrheiten abhängig, durch welche dies Verhältnis seine Fundierung erhält.“ (VII, 142)

Diese fundamentale Struktur wechselseitiger Abhängigkeit von Einzel- und
Allgemeinaussagen, historisch-individuellen und systematisch-allgemeinen theoretischen
Aussagen kennzeichnet auch die geschichtliche Entwicklung der Geisteswissenschaften, wie
Dilthey an der Geschichte der Geschichtswissenschaften verdeutlichen kann. (Vgl. VII,
143f.) Auf der anderen Seite ist aber, wie ebenfalls an Beispielen aus der Geschichte der
Geisteswissenschaften illustriert werden kann, auch der Fortschritt in den systematischen
Geisteswissenschaften „immer bedingt gewesen durch den Fortgang des Erlebens in neue
Tiefen, die Ausbreitung des Verstehens in einem weiteren Umfang von Äußerungen des
historischen Lebens, die Eröffnung bis dahin unbekannter historischer Quellen oder das
Emporsteigen großer Erfahrungsmassen in neuen geschichtlichen Lagen“. (VII, 144)

Charakteristisch für die geisteswissenschaftliche Arbeit ist nach Dilthey daher eine
„Zirkulation von Erleben, Verstehen und Repräsentation der geistigen Welt in allgemeinen
Begriffen“: „Die Dunkelheit des Erlebnisses wird verdeutlicht, die Fehler, die aus der
engeren Auffassung des Subjektes entspringen, werden verbessert, das Erlebnis selbst
erweitert und vollendet im Verstehen anderer Personen, wie andererseits die andern Personen
verstanden werden vermittels der eigenen Erlebnisse. Das Verstehen erweitert immer mehr
den Umfang des historischen Wissens durch die intensivere Verwertung der Quellen, durch
das Zurückdringen

[138]

in bis dahin unverstandene Vergangenheit, und schließlich durch das Fortrücken der
Geschichte selbst, das immer neue Erlebnisse hervorbringt und so den Gegenstand des
Verstehens selber verbreitert. In diesem Fortgang fordert solche Erweiterung immer neue
allgemeine Wahrheiten zur Durchdringung dieser Welt des Einmaligen. Und die
Ausdehnung des historischen Horizonts ermöglicht zugleich die Ausbildung immer
allgemeinerer und fruchtbarerer Begriffe.“ (VII, 145)

Diese konstitutive Reziprozität von Erleben und Nacherleben, Verstehen und der
Formulierung allgemeiner Aussagen, von historischen und systematischen
Geisteswissenschaften bedingt die „hermeneutisch-zirkuläre“ Struktur des methodischen
Vorgehens innerhalb der beiden Klassen der Geisteswissenschaften: „In der Richtung auf das
Einmalige geht sie [die Methode der historischen Geisteswissenschaften, HUL] vom Teil
zum Ganzen und rückwärts von diesem zum Teil, und in der Richtung auf das Allgemeine
besteht dieselbe Wechselwirkung zwischen diesem und dem Einzelnen.“ (VII, 146)

Durch das Verstehen wird die „Subjektivität des Erlebnisses“ überwunden, und die
„Objektivierung des Lebens“ (VII, 146), die damit gewissermaßen zum Gegenpol des

101

Erlebens wird, eröffnet sich. Die durch das Verstehen gelingende Anschauung der
„Objektivität des Lebens“ bzw. der „Veräußerlichung“ des Lebens „in mannigfachen
strukturellen Zusammenhängen“ wird damit zur weiteren Grundlage der
Geisteswissenschaften. (Ebd.) Die Geisteswissenschaften entfalten sich somit zwischen den
beiden Polen der Subjektivität des Erlebens und dem objektiven Geist.

Diese Objektivation des Lebens, die Dilthey auch als „große äußere Wirklichkeit des
Geistes“ bezeichnet (VII, 146), begreift er als „Realisierung des Geistes in der Sinnenwelt“;
sie reicht „vom flüchtigen Ausdruck bis zur jahrhundertelangen Herrschaft einer Verfassung
oder eines Rechtsbuchs“. Das von ihm sogenannte „äußere Reich des Geistes“ umfasst „das
Individuum, die Gemeinschaften und die Werke, in welche Leben und Geist sich
hineinverlegt haben“. Sie sind „Manifestationen des Lebens“, die sich in der Außenwelt dem
Verständnis darbieten. (Ebd.)

Wichtig wird nun die Einsicht, dass uns diese geistige Wirklichkeit, dieser „objektive
Geist“, den man – was Dilthey nicht tut – mit dem Begriff „Kultur“ gleichsetzen kann,
beständig umgibt (vgl. VII, 146f.);

[139]

sie ist sozusagen unsere „kulturelle Atmosphäre“, in die wir „eingetaucht“ sind. (VII, 147)

Für die Hermeneutik zentral wird nun der folgende Gedanke: „Jede einzelne
Lebensäußerung repräsentiert im Reich dieses objektiven Geistes ein Gemeinsames. Jedes
Wort, jeder Satz, jede Gebärde oder Höflichkeitsformel, jedes Kunstwerk und jede
historische Tat sind nur verständlich, weil eine Gemeinsamkeit den sich in ihnen Äußernden
mit dem Verstehenden verbindet; der einzelne erlebt, denkt und handelt stets in einer Sphäre
von Gemeinsamkeit, und nur in einer solchen versteht er. Alles Verstandene trägt gleichsam
die Marke des Bekanntseins aus solcher Gemeinsamkeit an sich.“ (VII, 146f.) Bedingung der
Möglichkeit des Verstehens (und der Verständigung) ist also die Partizipation an der
Gemeinsamkeit sichernden Sphäre des objektiven Geistes. Da wir teilhaben an dieser
kulturellen Welt, eröffnet sich uns die (uneingeschränkte) Möglichkeit des Verstehens: „Wir
sind in dieser geschichtlichen und verstandenen Welt überall zu Hause, wir verstehen Sinn
und Bedeutung von dem allen, wir selbst sind verwebt in diese Gemeinsamkeiten.“ (VII, 147)

Es fällt auf, dass Dilthey an dieser Stelle keine Reflexion auf faktische Grenzen des
Verstehens anstellt. Denn wenn die gemeinsam geteilte kulturelle Welt Bedingung des
Verstehens ist, so liegt der Gedanke nahe, dass kulturelle Wirklichkeiten, die jenseits meiner
bekannten kulturellen Welt liegen, mir verschlossen bleiben müssen und – wenn überhaupt
– nur allmählich durch aktive Partizipation an der (noch) fremden Welt überwunden werden
können. Dilthey lässt sich an dieser Stelle aber nicht auf die Probleme einer interkulturellen
Hermeneutik ein, sondern ist durchaus von einem hermeneutischen Optimismus getragen:
„Die Objektivation des Lebens enthält in sich eine Mannigfaltigkeit gegliederter Ordnungen.
Von der Unterscheidung der Rassen abwärts bis zur Verschiedenheit der Ausdrucksweisen
und Sitten in einem Volksstamm, ja in einer Landschaft, geht eine naturbedingte Gliederung
geistiger Unterschiede. Differenzierungen anderer Art treten dann in den Kultursystemen

102

hervor, andere sondern die Zeitalter voneinander – kurz: viele Linien, welche Kreise
verwandten Lebens unter irgendeinem Gesichtspunkt abgrenzen, durchziehen die Welt des
objektiven Geistes und kreuzen sich in ihr. In

[140]

unzähligen Nuancen äußert sich die Fülle des Lebens und wird durch die Wiederkehr
dieser Unterschiede verstanden.“ (VII, 147)

Ihr Forschungsfeld finden die Geisteswissenschaften in der Objektivation des Lebens.
Diese „Gegebenheiten“ der Geisteswissenschaften unterscheiden sich fundamental von der
Objektwelt der Naturwissenschaften, d. h. der Natur. Von dem Begriff des Gegebenen im
Bereich der Geisteswissenschaften muss man nämlich – so Dilthey – „alles Feste, alles
Fremde, wie es den Bildern der physischen Welt eigen ist, wegdenken“: „Alles Gegebene ist
hier hervorgebracht, also geschichtlich; es ist verstanden, also enthält es ein Gemeinsames in
sich; es ist bekannt, weil verstanden, und es enthält eine Gruppierung des Mannigfaltigen in
sich“. (VII, 148)

Mit der Einführung des Begriffs des objektiven Geistes ist Diltheys Begriff der
Geisteswissenschaften abgeschlossen und gerechtfertigt: „Ihr Umfang reicht so weit wie das
Verstehen, und das Verstehen hat nun seinen einheitlichen Gegenstand in der Objektivation
des Lebens.“ (VII, 148) Der Begriff der Geisteswissenschaften ist somit bestimmt durch
ihren Gegenstand, d. h. „die Objektivation des Lebens in der äußeren Welt“. Diese Sphäre
der Lebensobjektivation ist die Welt des Geistes und die Gegenstandswelt der
Geisteswissenschaften. Diese Welt ist die vom Geist geschaffene Welt, die er deshalb auch
verstehen kann. Dagegen umfasst der Gegenstand der Naturwissenschaften, die Natur, „die
unabhängig vom Wirken des Geistes hervorgebrachte Wirklichkeit“. Den Gegenstand der
Geisteswissenschaften bildet demgegenüber die Wirklichkeit, der der Mensch „wirkend sein
Gepräge aufgedrückt hat“, oder anders gesagt: „alles, worin der Geist sich objektiviert hat,
[fällt] in den Umkreis der Geisteswissenschaften“. (Ebd.)

Den Begriff des objektiven Geistes, der synonym steht für die Objektivation des Lebens,
übernimmt Dilthey von Hegel, der mit dem Begriff des objektiven Geistes, der eine Stufe in
der Entwicklung des Geistes vom subjektiven zum absoluten Geist bezeichnet, die
Objektivierung des Geistes im Recht, in der Moralität und in der Sittlichkeit gefasst hatte.
Der systematische Gehalt und die systematische Begründung, die Hegel seinem Begriff des
objektiven Geistes gegeben hat, wird von Dilthey aber strikt abgelehnt: „die
Voraussetzungen, auf die Hegel die-

[141]

sen Begriff gestellt hat, können heute nicht mehr festgehalten werden. Er konstruierte die
Gemeinschaften aus dem allgemeinen vernünftigen Willen. Wir müssen heute von der
Realität des Lebens ausgehen […]. Hegel konstruiert metaphysisch; wir analysieren das
Gegebene.“ (VII, 150; vgl. 148ff.) Gegen Hegels Philosophie des Geistes macht Dilthey
geltend, dass die Grundlagen seiner Philosophie nicht mehr überzeugen können: „die heutige

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Analyse der menschlichen Existenz erfüllt uns alle mit dem Gefühl der Gebrechlichkeit, der
Macht des dunklen Triebes, des Leidens an den Dunkelheiten und den Illusionen, der
Endlichkeit in allem, was Leben ist, auch wo die höchsten Gebilde des Gemeinschaftslebens
aus ihm entstehen“. (VII, 150) Daher – so Dilthey – kann man den objektiven Geist nicht
mehr wie Hegel aus der Vernunft verstehen, sondern wir „müssen auf den
Strukturzusammenhang der Lebenseinheiten, der sich in den Gemeinschaften fortsetzt,
zurückgehen. Und wir können den objektiven Geist nicht in eine ideale Konstruktion
einordnen, vielmehr müssen wir seine Wirklichkeit in der Geschichte zugrunde legen. Wir
suchen diese zu verstehen und in adäquaten Begriffen darzustellen.“ (Ebd.)

Dadurch wird ein „neuer Begriff“ des objektiven Geistes möglich, in dem „Sprache, Sitte,
jede Art von Lebensform, von Stil des Lebens ebenso gut umfaßt [sind] wie Familie,
bürgerliche Gesellschaft, Staat und Recht.“ (VII, 151) Hinzu kommen noch die Kunst, die
Religion und die Philosophie, die Hegel unter dem Begriff des absoluten Geistes gefaßt hatte.
Nach Dilthey zeigt sich gerade „das schaffende Individuum zugleich als Repräsentation von
Gemeinsamkeit, und eben in ihren mächtigen Formen objektiviert sich der Geist und wird in
denselben erkannt“. (Ebd.)

Durch diesen Begriff des objektiven Geistes und die durch ihn umfassten
Gemeinsamkeiten sind nach Dilthey die Bedingungen historischen Verständnisses definiert:
„in diesem objektiven Geiste sind nun die Vergangenheiten, in denen sich die großen
Totalkräfte der Geschichte gebildet haben, Gegenwart. Das Individuum genießt und erfaßt
als Träger und Repräsentant der in ihm verwobenen Gemeinsamkeiten die Geschichte, in der
sie entstanden. Er versteht die Geschichte, weil er selbst ein historisches Wesen ist.“ (VII,
151)

Dilthey ersetzt in seinem Begriff des objektiven Geistes Hegels allgemeine Vernunft
durch „das Leben in seiner Totalität […], Erlebnis,

[142]

Verstehen, historischer Lebenszusammenhang, Macht des Irrationalen in ihm“. (VII, 151)
Erst dadurch entsteht das „Problem, wie Geschichtswissenschaft möglich sei“, das für Hegels
Metaphysik des Geistes noch nicht bestand. (Ebd.) Heute – so Dilthey – gelte es, „das
Gegebene der geschichtlichen Lebensäußerungen als die wahre Grundlage des historischen
Wissens anzuerkennen und eine Methode zur Beantwortung der Frage zu finden, wie auf
Grund dieses Gegebenen ein allgemeingültiges Wissen der geschichtlichen Welt möglich
sei“. (VII, 152)

Im letzten Teil des Aufbaus (VII, 152 – 188) untersucht Dilthey das Wesen des
Forschungsobjekts der Geisteswissenschaften, also die geistige Welt, „diese Welt des
Geistes, die historische wie die gesellschaftliche Welt“ (VII, 152), genauer und führt dazu
den Begriff des „Wirkungszusammenhangs“ ein. In diesem Zusammenhang skizziert er auch
die Grundzüge einer Methodologie der Geisteswissenschaften, deren konkretere Ausführung
allerdings der nicht realisierten Fortsetzung des Aufbaus vorbehalten sein sollte.

104

Die Geisteswissenschaften besitzen ihren Forschungsgegenstand an dem
Wirkungszusammenhang der geistigen Welt und dessen „Schöpfungen“. Sie zergliedern ihn
oder den feste Formen annehmenden logischen, ästhetischen oder religiösen Zusammenhang
oder den Zusammenhang, der in einer Verfassung bzw. einem juristischen Codex Gestalt
gewinnt und der auf den Wirkungszusammenhang zurückweist, dem er entstammt. (Vgl. VII,
153)

Der Wirkungszusammenhang, der zu einem der wichtigsten Grundbegriffe seiner Theorie
der Geisteswissenschaften wird, ist nach Diltheys Verständnis der Zusammenschluss einer
Anzahl von Kräften, Motiven, Tendenzen, Energien etc. zu einem einheitlich wirkenden
Zusammenhang. Im Unterschied zum Kausalzusammenhang der Natur erzeugt der
Wirkungszusammenhang der geistigen Welt „nach der Struktur des Seelenlebens“ Werte und
realisiert Zwecke. (VII, 153) Und zwar geschieht dies „nicht gelegentlich, nicht hier und da“,
sondern es ist – wie Dilthey herausstellt – „eben die Struktur des Geistes, in seinem
Wirkungszusammenhang auf der Grundlage des Auffassens Werte zu erzeugen und Zwecke
zu realisieren“. Dies bezeichnet Dilthey als den „immanent-teleologischen Charakter der
geistigen Wirkungszusammenhänge“ und

[143]

versteht darunter „einen Zusammenhang von Leistungen, der in der Struktur eines
Wirkungszusammenhanges gegründet ist“. (Ebd.)

Dilthey denkt das permanent schaffende geschichtliche Leben in Analogie zur psycho-
physischen Lebenseinheit, das, wie seine Strukturpsychologie gezeigt hatte, ebenfalls durch
einen Strukturzusammenhang von Auffassen, Wertsetzen und Zweckrealisieren
charakterisiert ist, der auch den Zusammenhang der gesellschaftlich-geschichtlichen Welt
strukturiert. (Vgl. VII, 154) Die dauerhaften Produkte der geistigen Welt werden erzeugt von
den Individuen, den Gemeinschaften und den Kultursystemen, wie Wirtschaft, Recht,
Religion, Philosophie und Kunst, in denen verschiedene Personen zu einer gemeinsamen
Leistung kooperieren. (Vgl. VII, 153 und 154) Und dieses Schaffen auf unterschiedlichen
Ebenen kommt in den Geisteswissenschaften „zur Besinnung über sich selbst“. (VII, 154)
Entscheidend ist also der Gedanke, dass die Zusammenarbeit der Individuen ein
psychologisch-anthropologisches Fundament besitzt, indem der in den Individuen
verlaufende Wirkungszusammenhang von Auffassen, Wertgebung und Zwecksetzung die
Grundlage bildet für die Systeme der Kultur, die zu ihrer Realisierung auf das
Zusammenwirken verschiedener Individuen angewiesen sind.

Ebenfalls begründet in dem personalen Strukturzusammenhang ist die Tatsache, „daß jede
geistige Einheit in sich selbst zentriert ist“. Das heißt: „Wie das Individuum, so hat auch
jedes Kultursystem, jede Gemeinschaft einen Mittelpunkt in sich selbst. In demselben sind
Wirklichkeitsauffassen, Wertung, Erzeugung von Gütern zu einem Ganzen verbunden.“
(VII, 154)

Neben den Kultursystemen und den Gemeinschaften finden sich mit den Nationen, den
Zeitaltern und den historischen Perioden oder Epochen andere Formen des gesellschaftlich-

(VII. strebt nach verwandten Gütern und findet sich in verwandter Weise gebunden. der vom Individuum ausgeht und zunehmend an Komplexität gewinnt. bevor die Wirkungszusammenhänge thematisiert werden. Epochen. kurz: schaffend. dass wir „in der Struktur des Individuums eine Tendenz oder Triebkraft wirksam [sehen]. Wirken. 156) Grundlage dieser Konzeption ist Diltheys These. die. Und so wählt auch der Wille sich gleichmäßige Zwecke. endlich die Zentrierung der Werte und Zwecke in Zeitaltern. Zeitverlauf.“ (VII. 154) Ebenso wie die Kultursysteme sind auch die Epochen. wie sie sich in dem Zeitverlauf bilden. werden hier sozusagen textimmanente logische oder poetische Zusammenhänge erfasst. Vergangenheit und Möglichkeiten der Zukunft zu einem Lebensverlauf zusammennimmt. wird somit zu einem Grundbegriff der Geisteswissenschaften: „In den Geisteswissenschaften erfassen wir die geistige Welt in der Form von Wirkungszusammenhängen. Die Art zu fühlen. der dann „durch das Verstehen in fremden Individuen wiedergefunden“ wird. 156) Daneben finden sich andere „Arten von Zusammenhang“.) Der Begriff des Wirkungszusammenhangs.“ (VII. das Gemütsleben. dies Ganze als ein Wirkungszusammenhang.“ (VII. in denen diese Texte entstanden sind. die in Werken bestehen. von ihrem Urhebern abgelöst. Sie stehen sozusagen an der Spitze eines vertikal gedachten Aufbaus.): „Die Grundform des Zusammenhangs entsteht […] in dem Individuum.VII. (Vgl. Energie. Die Anordnung der Wirkungszusammenhänge in der Gesellschaft der Epoche hat gleiche [144] Züge. ihr eigenes Leben und Gesetz in sich tragen“. 156) Wie Dilthey an den Beispielen des juristischen Verstehens bzw. 155f. Dilthey zufolge einen abgeschlossenen Horizont besitzen. den Dilthey zurückführt auf den Strukturzusammenhang des Seelenlebens und ihn dadurch anthropologisch-psychologisch begründet. (VII. 155) Die Grundlage für die Erkenntnis der geschichtlichen Welt ist „die Auffassung des Wirkungszusammenhangs im Erlebenden“. wie etwa das Mittelalter. Die Beziehungen im gegenständlichen Auffassen zeigen in ihr eine innere Verwandtschaft. werden von ihm kurz aufgelistet: „Die geschichtliche Welt als ein Ganzes. 105 historischen Zusammenhangs. „die. in der Universalgeschichte“. Dieser Lebensverlauf kehrt dann in dem geschichtlichen Verlauf wieder. der Lektüre von literarischen Texten zeigt. das Gegenwart. (VII. ebd. dann das Verständnis dieses Ganzen aus ihm selbst. dem die Lebenseinheiten eingeordnet sind. die . unter denen nach Dilthey der intendierte Zusammenhang der Geisteswissenschaften gedacht werden muss. die so entstehenden Antriebe sind einander ähnlich. welche die geisteswissenschaftliche Begriffs- [145] bildung charakterisieren. zwecksetzend. 155) Die entscheidenden Gesichtspunkte. (Vgl. Geschehen sind so die Momente. in sich zentriert: „Die einzelnen Personen der Epoche haben einen Maßstab ihres Wirkens in einem Gemeinsamen. dieser Wirkungszusammenhang als wertgebend.

nimmt man als „Angriffspunkt“ für seine Feststellung eine „einzelne Wirkung. philosophische Systeme oder religiöse Texte. (VII. Zwar gelingt es den Naturwissenschaften. Geschehen oder Handeln“. 159) Im Gegensatz dazu sind – dies war Diltheys Grundthese – die „letzen Einheiten“. In der historischen Forschung.und Geisteswissenschaften. und seine letzten Elemente sind „nicht aufzeigbar“. die Bestandteile eines Wirkungszusammenhangs zur Darstellung bringen. Verfestigung dessen in Gedanken. welche die dem Leben einwohnende Tendenz. und die systematischen Geisteswissenschaften enthalten gleichermaßen „die Aufgabe einer Begriffsbildung. wird bei der Interpretation der Reste der Vergangenheit zunächst das Bekannte zum Medium. das Entfernte und Vergangene zu verstehen. diesen „Charakter von Vorgang. die Synthesis.) Diese in der Struktur des Seelenlebens wirksame Tendenz ist allerdings keine transzendentale Energie oder Potenz. was selber Verlauf oder Bewegungsrichtung ist“. sondern die anthropologisch-psychologische Grundstruktur des Menschen. Auch an dieser Stelle zeigt sich wiederum der fundamentale Unterschied von Natur. zu welcher wir – rückwärts schreitend – die wirkenden Momente aufsuchen“. seine Veränderlichkeit und Unruhe. Da – wie Dilthey sagt – der Wirkungszusammenhang an sich immer komplex ist. in welchem gegenständliches Auffassen. wie Bilder. 158) Die wichtigsten Methoden zur Erkenntnis eines Wirkungszusammenhangs und ebenso seiner „dauernden Schöpfungen“ (VII.) Diltheys Grundgedanke ist. Werte und Zwecksetzen aufeinander bezogen sind“. sind vor allem die Induktion. in Kooperation miteinander und jeweils abhängig von ihrem Untersuchungsobjekt in je unterschiedlicher Weise Zusammenhänge innerhalb der geschichtlichen Welt oder der Werke erforschen. Dramen. also der Auffassung des durch die Geschichte gebildeten Wirkungszusammenhangs. als Aufschließung . vor allem aber die in ihm sich vollziehende Zwecksetzung zum Ausdruck bringt“. dass ich mir selbst als Geisteswissenschaftler im Erleben „als Zusammenhang da [bin]“ (VII. (Ebd. die. also die Menschen. wie Dilthey im Fortgang seiner Untersuchung deutlich zu machen sucht. aber der innere Wirkungszusammenhang physischer Prozesse ist „nur hinzugedacht“. und „ihr Einheitscharakter ist fundiert in dem Strukturzusammenhang. Historische Erkenntnis vollzieht sich also als Hineintragen des Eigenen ins Fremde. „im Erleben und Verstehen gegeben“. 157) Dadurch involvieren alle Begriffe der historischen Geisteswissenschaften. Und diese Grundtatsache wird zum entscheidenden Fundament der historischen und systematischen Geisteswissenschaften. 106 sich allen zusammengesetzteren Gebilden der geistigen Welt mitteilt“. (VII. 158). die Dilthey in den Ideen ausführlich entwickelt hatte. (VII. (Ebd. 160). Insoweit sind die geisteswissenschaftlichen Begriffe „fixierte Repräsentationen eines Fortschreitenden. mit Hilfe quantifizierender Verfahren exakte allgemeingültige Gesetze aufzustellen. die Analysis und die Vergleichung. Verlauf. nämlich die [146] psycho-physischen Lebenseinheiten.

[…] In dem Wirkungszusammenhang sind daher das eigentliche Agens die seelischen Zustände. von denen die wichtigsten die Politik. die in seiner Argumentation strukturpsychologischen Überlegungen zukommt.) ineinander. (VII. die Religion. die Erziehung. 166) Die einfachsten solcher homogenen.“ Bei der konkreten Erforschung des historischen Wirkungszusammenhangs greifen wiederum verschiedene Methoden (Kritik. 165f. 161) Charakteristisch für Diltheys Theorie der geistig-geschichtlichen Welt ist – wie auch in diesen Zusammenhängen wieder deutlich wird –. die ebenfalls schon aus der Einleitung Bekanntes wiederholt. „den Charakter der Beständigkeit in der Zeit und der allgemein-menschlichen Geltung“ besitzt. die Wissenschaft. einen einheitlichen und homogenen Wirkungszusammenhang bilden. zu erstrebenden Zielen. Zweckbestimmungen getragen ist. wodurch die Reste der Vergangenheit „zum vollen geschichtlichen Verständnis erhoben [werden]“. Gefühl der Insuffizienz des bestehenden [147] Zustandes – als Gefühle mit negativen Vorzeichen und Abwendungen – die Grundlage bilden für die Aktion. die auf eine gemeinsame Leistung bezogen sind. dass die Geschichte ein „Ordnungssystem“ enthält. Mit Hilfe seiner Strukturpsychologie formuliert Dilthey die entscheidenden Einsichten in Wesen und Eigenschaften solcher Systeme. sondern ebenso der Wille zur Macht. die eine je nach zu realisierender Leistung abweichende Struktur aufweisen. Spannung. wenn er als entscheidende Agentien innerhalb des geschichtlich-politischen Wirkungszusammenhangs psychologisch-anthropologische Qualitäten auszumachen glaubt. (Vgl. in dem das Subjekt im Wirkungszusammenhang des Lebens zu seinem Milieu sich befindet. Auslegung etc. 107 des Fernen durchs Nahe.“ (VII. die der Historiker in sich selbst erlebt hat“: „Die Urzelle der geschichtlichen Welt ist das Erlebnis. dass das.) Ein weiterer Grundgedanke Diltheys ist die Annahme. und die Grundvoraussetzung dieser Übertragung „bilden immer die Zusammenhänge. Dies wird besonders augenfällig. die Philosophie und die Geselligkeit sind. was der Historiker hineinträgt. VII. andere zu unterdrücken. so daß die Vorgänge in den einzelnen Individuen. und in den Zusammenhang von Individuum und Kultursystem. ist Diltheys Stellungnahme zur Möglichkeit universalgeschichtlicher Theorien . der sogenannten „äußeren Organisationen der Gesellschaft“. die von positiven Wertgefühlen. die in Wert. in denen gesonderte Leistungen vollzogen werden.“ (VII. die Wirtschaft. „Kulturleistungen“ realisierenden Wirkungszusammenhänge sind die Kultursysteme. das Recht. 166 – 169) In seiner Analyse einer weiteren Klasse von Wirkungszusammenhängen. „daß in dem Wirkungszusammenhang der großen Weltbegebenheiten die Verhältnisse von Druck. bis zur Neigung. die er auch schon in seiner Einleitung vorgetragen hatte. Gut und Zweck ihre Formel finden. die große Bedeutung. die Kunst. „nach welchem ihr konkreter Wirkungszusammenhang aus einzelnen isolierbaren Gebieten besteht. Grundbedingung dafür ist allerdings. und unter ihnen sind nicht etwa bloß die Richtungen auf Kulturgüter als wirkende Kräfte anzusehen. Als „allgemeinen Satz“ stellt Dilthey auch konsequenter Weise in diesem Zusammenhang die Behauptung auf.

173. vgl. die mit dem Anspruch auftritt. Der offenbare Sinn der Geschichte muß zuerst in dem immer Vorhandenen. gesucht werden – von der Struktur des Einzellebens ab bis zu der letzten allumfassenden Einheit: das ist der Sinn. die Gliederungen und Periodisierungen des zeitlichen Verlaufs. d. Gegen Hegel oder Comte. der auf der Struktur des Einzeldaseins beruht und der in der Struktur der zusammengesetzten Wirkungszusammenhänge an der Objektivation des Lebens sich offenbart. Und weiter zeigte sich. die er durch „herrschende. lässt sich nach demselben Muster verstehen wie die synchrone Dimension [149] der Kultursysteme und der äußeren Organisationen. Demgegenüber votiert Dilthey für die Reduktion der geschichtlichen Komplexität durch Zerlegung in einzelne wirkende Einheiten und fasst seinen erfahrungswissenschaftlichen Standpunkt und seine strukturpsychologisch grundierte Kritik an Spekulation und Geschichtsphilosophie zusammen: „In Wirklichkeit ergab sich uns. h. 172). der Ausbildung von Werten und Zwecken in ihnen. (VII. daß die historische Bewegung in den einzelnen Wirkungszusammenhängen verläuft. VII. macht Dilthey geltend. immer Wiederkehrenden in den Strukturbeziehungen. 177) Am Beispiel der deutschen Aufklärung macht Dilthey das . d. 186 und 187) Abschließende Überlegungen Diltheys gelten der diachronen Gliederung der geschichtlichen Welt in Generationen. (Vgl. in den Wirkungszusammenhängen. den Sinn der Geschichte selbst freizulegen. dass geschichtliche Erkenntnis nur auf der Analyse oder „Zergliederung der geschichtlichen Welt in einzelne Wirkungszusammenhänge“ beruhen [148] kann und rekapituliert damit die ebenfalls schon in der Einleitung vorgetragene Kritik an der Geschichtsphilosophie und der Soziologie.“ (Ebd. 108 von besonderer Bedeutung. Zeitalter und Epochen. daß die ganze Fragestellung. große. h. (VII. „die Linie des Zeitverlaufs“ und die „Veränderungen in ihm“. 177 – 187) Auch diese diachrone Dimension der geschichtlichen Welt. in geschichtsphilosophischer Absicht eine „Erkenntnis der Bedeutung und des Sinnes der geschichtlichen Welt […] aus der Feststellung einer Gesamtrichtung in der universalgeschichtlichen Bewegung“ zu gewinnen (VII. durchaus einseitig ist. Geschichte aus ihr selbst zu verstehen auf Grund der Analyse der verschiedenen Wirkungszusammenhänge“. in der dieselben sich zueinander verhalten. und zwar durch „Rückgang auf die Wirkungszusammenhänge als ein kontinuierliches und doch in Zeitabschnitte trennbares Ganzes“. 177) charakterisiert sieht. die auf ein Ziel der Geschichte gerichtet ist. den sie immer und überall hat. durchgehende Tendenzen“. als durch „die Konzentration der ganzen Kultur eines solchen Zeitraums in sich selbst“ (VII. die den Versuch unternommen hatten. der inneren Ordnung. Die Geschichtsphilosophie. auch 185. ist in der Substanz „eine Operation. da Dilthey hier den Kern seiner Auffassung geschichtlicher Erkenntnis zu erkennen gibt. durch den „Geist einer Zeit“.) Der Historiker ist nach Diltheys Konzeption Erfahrungswissenschaftler ohne spekulative Ambitionen und „kann nicht auf den Versuch verzichten. welche das Zusammenwirken vieler Momente in einer unbestimmten Anschauung ineinandersieht“.

weil es einen Zusammenhang bildet. da vielmehr „neben der auf die Leistungen gerichteten Energie in dem Gebiet stets auch die anderen Seiten der menschlichen Natur mit[wirken]“ und sich damit die „historische Veränderlichkeit“ der menschlichen Natur geltend macht. (VII. Wertmaßstäbe und ästhetische Ideale u. liegt nach Dilthey darin. ä. mit denen sie an der Realisierung der Kulturleistung partizipieren. dass für das wissenschaftliche Verständnis der Geschichte die Anwendung der systematischen Geisteswissenschaften notwendig ist. definierte Einheit abzugrenzen. und daß nach diesem seine Epochen ganz verschieden sind von denen der anderen“. 186) Das bedeutet weiterhin. [150] Zunächst hält er fest. 109 „verwickeltere Problem“ deutlich. Für die systematische Bearbeitung der Wirkungszusammenhänge formuliert Dilthey abschließend „drei Gesichtspunkte“ (VII. des Forschungsgegenstandes der historischen Geisteswissenschaften. 188). ist „ein Zusammenhang der einzelnen Teilzusammenhänge und Bewegungen in dem großen Wirkungskomplex einer Zeit. sie aber in diesen Aktivitäten mit ihrem „ganzen Wesen“ involviert sind. kann allein aus dem Zweck der Kulturleistung niemals ein solches System konstruiert werden. 187) Zweitens besitzt jedes Kultursystem einen „teleologischen Charakter“ (VII. „den Strukturzusammenhang eines Zeitalters oder einer Periode analytisch zu bestimmen“. d. die das Wesen der im geschichtlichen Geschehen heraustretenden Wirkungszusammenhänge erforschen. 178 – 185) Die Möglichkeit. Und dieses bestimmt nun die Bedeutung. Aus höchst mannigfachen und veränderlichen Momenten bildet sich ein kompliziertes Ganzes. (Ebd. welche allem. die ihm die Grundrichtung gibt“. einheitsstiftenden Energie nennt Dilthey die „Zentrierung der Zeitalter und Epochen in sich selbst“. in der sich „das Problem der Bedeutung und des Sinnes in der Geschichte“ löst. im Fluss des historischen Geschehens eine solche. 178. h. Dilthey bezeichnet diese Schwierigkeit. 185) Die Struktur eines bestimmten Zeitalters. kann Dilthey festhalten.“ (VII. dass das Studium der Gesellschaft auf der „Analysis der in der Geschichte enthaltenen Wirkungszusammenhänge“ beruht. 187). dass alles in einem Zeitalter seine Bedeutung bezieht „durch die Beziehung auf die Energie. auf die er in der Einleitung nicht . dass jeder Wirkungszusammenhang „sein Gesetz in sich selbst trägt. was in dem Zeitalter wirkt. vgl. (VII. zukommt. wie am Beispiel der deutschen Aufklärung gezeigt. durch allgemein geteilte politische oder religiöse Überzeugungen. der eine Leistung realisiert. Daraus ergibt sich eine Schwierigkeit geisteswissenschaftlicher Begriffsbildung. deren weitere Ausführung in der Fortsetzung des Aufbaus erfolgen soll. Da die in einem System zusammenwirkenden Menschen dem Zusammenhang nur mit den Aktivitäten angehören. (VII.) Als Ergebnis seiner Untersuchung der geschichtlichen Welt. (VII. 186) Diese Durchdringung der verschiedenen Formen der Lebenswirklichkeit von einer dominierenden. und die sich in verschiedenen Formen und Materialien objektiviert sowie in den unterschiedlichen Lebensäußerungen Gestalt gewinnt.

(VII. Was Dilthey aber mit seiner späten Schrift geleistet hat.“ (VII. da die im engeren Sinn methodologischen Ausführungen fehlen. (Ebd. verstehende Wissenschaften. Diese Aufgabe kann Dilthey aber nur z. T. wie Dilthey am Beispiel des Begriffs der Wissenschaft veranschaulicht und wie er es schon in seiner Abhandlung Das Wesen der Philosophie hervorgehoben hatte. sollte das in der Hermeneutik-Studie [151] skizzierte Programm einlösen. die „das Gemeinsame aus einer Reihe der einzelnen Fälle gewinnt“. die der geisteswissenschaftlichen Begriffsbildung anhaftet. […] Die Mannigfaltigkeit der Erscheinungen in einem solchen Gebiet gruppiert sich um einen Mittelpunkt. den der ideale Fall bildet. unfruchtbar oder irreführend – repräsentativ ist für die in Frage stehende Kulturleistung. V. in welchem die Leistung vollständig verwirklicht ist.) Drittens schließlich weist er auf eine „Grenze“ hin. ist einerseits die Einführung der Hermeneutik in die Grundstruktur der Geisteswissenschaften sowie andererseits die Freilegung der hermeneutisch-zirkulären Struktur der Geisteswissenschaften selbst. kann die Begriffsbildung nicht eine „einfache Generalisation“ sein. 188) Dadurch dass die Kultursysteme einen telelogischen Charakter besitzen. 110 hingewiesen hatte. die aus dem Leben erwachsen sind. erfüllen. wie Dilthey plausibel machen kann. in denen die Leistung eines solchen Zusammenhanges realisiert ist. . in engem Bezug zum Erleben stehen und in den Objektivationen des Lebens den Gegenstandsbereich ihrer Forschungsarbeit besitzen. da nicht jeder Fall – weil möglicherweise verfehlt. der mit dieser knappen Aussicht auf das – ungeschrieben bleibende – Methodenkapitel endet. (Vgl. Die Geisteswissenschaften sind. 188) Der Aufbau. Geisteswissenschaftliche Begriffe entstehen vielmehr im vergleichenden Verfahren. als „das logische Grundproblem der Wissenschaft von den Kultursystemen“. 340 – 345) Diese Begriffe sprechen etwas Typisches aus: „Die Begriffsbildung hebt diejenigen Züge hervor.

die im Aufbau der geschichtlichen Welt in den Geisteswissenschaften kulminieren. (J. der selbst einen Beitrag zur Lehre von den Weltanschauungen veröffentlichte – Überlegungen zum Begriff der Philosophie und zur Abgrenzung von Philosophie und Religion anstellt und eine „neue Kritik der Vernunft“ fordert. 2) Sie muß die Systeme wie Naturprodukte analysieren. welchen Kunst. Schemata. Religion und Wissenschaft gleichmäßig entspringen. w. sondern hat in jenen notwendigen und allgemeinen Wirkungsweisen des menschlichen Geistes die Basis. Diltheys letztes großes philosophisches Unternehmen einer Weltanschauungslehre lässt sich bis auf Reflexionen des frühen Dilthey zurückführen. 120) . die eine „neue Kritik der reinen Vernunft auf Grund unserer historisch-philosophischen Weltanschauung“ werden würde. widmet sich Dilthey in seinen letzten Lebensjahren mit offenbar ebenso großer Intensität einem meta- philosophischen Projekt. 79) Die Kantische Untersuchung der Kategorien würde – so Dilthey – „in demjenigen einen Fortsetzer finden. (Ebd. 80) Dem Philosophieren liegen – wie Dilthey notiert – „tiefste Bedürfnisse der menschlichen Natur zu Grunde. nach Notwendigkeit des inneren und äußeren Geschehens. in welches Gebiet sie fallen“. (J. – lauter Dinge. die Dilthey als Untersuchung der „menschlichen Geistesform“. vorschwebt. sondern aus einem ersten dunklen Trieb der menschlichen Natur stammen – welche eben doch das a priori Mitgebrachte sind. welche aus jenen Grundzügen in 1) folgen. 3) Sie gelangt von da aus nicht zur Skepsis. welcher die Bewegung des Geistes nach Einheit der Welt. wenn man sie nur richtig als innere Bewegung des Geistes. als die Bewegungen desselben. in denen Dilthey neben dem Plan einer „Geschichte der christlichen Weltanschauung des Abendlandes“ als weiteren ihn beschäftigenden Plan. als Kristallisationen. noch aus einer solchen stammen. das er „Philosophie der Philosophie“ nennt und das auf eine Typologie der Weltanschauungen abzielt.) Weitergeführt werden diese Überlegungen in Notizen vom 1. (J. würde „Kants Unternehmen würdig fortsetzen“. April 1860. aus der die Philosophie entspringt. welche gar keine logische Notwendigkeit haben. die „kritische Untersuchung des philosophierenden und religiösen (dichterischen) Geistes aus historischem (psychologischen) Umfassen der Genesis der Systeme und der Systematik“ anführt. s. betrachtet“. nach Gleichartigkeit des ursprünglich gesetzten Zwecks u. 111 7 Die Weltanschauungslehre Neben seinen Studien zur Grundlegung der Geisteswissenschaften.“ (Ebd.) Eine „Philosophie der die Philosophie“. deren Urform Schemata sind. der in Tagebuch-Notizen vom März 1859 – wohl angeregt durch seinen Lehrer Trendelenburg. 80) [153] Diese „neue Kritik der Vernunft“ muss Dilthey zufolge ausgehen: „1) Von den psychologischen Gesetzen und Antrieben. wie alle Sinnenwahrnehmung wissenschaftlich zu behandeln ist. nicht als in demselben vorhandene Gedankenformen. (J. von denen man nicht sagen kann. die eben das Wesen der menschlichen Vernunft ausmachen.

übergeschichtliche. eine zeitenthobene.) Die durch die Geschichtsforschung der historischen Schule gewonnene Einsicht in die Tatsache einer Vielfalt menschlicher Daseinsformen. 6. Ihren Ausgang nimmt Diltheys Weltanschauungslehre. was in der . Die letzte Fassung seiner „Philosophie der Philosophie“. in welcher sie bestanden. 528 – 554). in dem man die erste Fassung seiner Typenlehre der Weltanschauungen zu erblicken hat. (Ebd. eine „objektive Erkenntnis des Zusammenhangs der Wirklichkeit“ (VIII. IV. 339 – 416) vor. Jahrhunderts (1898. also allgemeingültige Wahrheit. der mehrere erst postum publizierte.und Weltansicht auf Allgemeingültigkeit und dem geschichtlichen Bewußtseins“. die Religionen und die Verfassungen. 3) Dieses geschichtliche Bewusstsein kann nämlich zeigen. Was bedingt ist durch geschichtliche Verhältnisse. Wieder aufgenommen wird dieser Forschungsansatz von Dilthey allerdings erst Jahrzehnte später mit dem Aufsatz Die drei Grundformen der Systeme in der ersten Hälfte des 19. die keinen primären Beitrag zur Philosophiegeschichte leisten. von der „Antinomie zwischen dem Anspruch jeder Lebens. Diese Oberpriester irgendeiner Metaphysik verkennen gänzlich den subjektiven. der die Welthistorie überblickt. auch 194) Die Metaphysik. die mit dem Anspruch auftritt. „daß eine grenzenlose Zahl solcher metaphysischen Systeme sich geschichtlich entwickelt hat. veröffentlicht Dilthey 1911 als eine seiner letzten Arbeiten unter dem Titel Die Typen der Weltanschauung und ihre Ausbildung in den metaphysischen Systemen (VIII. sondern auch die Grundzüge seiner Weltanschauungslehre mitteilt (V. Dilthey weist daher mit scharfen Worten diesen absoluten Wahrheitsanspruch der Metaphysik zurück: „Welch ein Dünkel liegt für den. vgl. 73 – 118). daß sie einander zu jeder Zeit. erweist sich als historisch bedingt und somit in ihrem Lehrgehalt als relativ. welche in der genetischen Kraft der Menschennatur angelegt ist“ (VIII. T. Die zweite Fassung der Weltanschauungslehre legt Dilthey mit seiner großen Abhandlung Das Wesen der Philosophie von 1907 (V. größere Texte zugrundeliegen. (VIII. einer „Mannigfaltigkeit menschlicher Lebensformen. So erweisen sie sich als geschichtlich bedingte Erzeugnisse. sittlichen Ideale und metaphysischen Systeme“: „Die philosophischen Systeme wechseln wie die Sitten. und dem unveröffentlicht gebliebenen Akademievortrag Ideen zu einer Bildungslehre und Klassifikation der philosophischen Systeme (1899). 6) zu präsentieren. die Wahrheit gepachtet zu haben. zeitlich und örtlich bedingten Ursprung eines jeden metaphysischen Systems. Religionssysteme. Denn alles. ausgeschlossen und bekämpft haben und bis auf diesen Tag eine Entscheidung nicht herbeigeführt werden konnte“. 112 In diesem frühen Entwurf sind die Grundlinien des später ausgeführten Projekts schon vorgezeichnet. ist auch in seinem Werte relativ. 378 – 406). in diesem Wahn. in der er nicht nur die Funktion der Philosophie bestimmt. 5).“ (VIII. z. sondern der Besin- [154] nung der Philosophie über sich selbst dienen soll. korrespondiert mit der Beobachtung einer ebensolchen „Mannigfaltigkeit der Denkweisen.

Jahrhundert unter dem Titel „induktive Metaphysik“ firmiert und auch als Bezeichnung philosophischer Lehrstühle Verwendung findet). als menschlich-geschichtliche Tatsache. was im späteren 19. deren das Handeln bedarf“. nämlich für diejenigen. 6) Einen Ansatz zur Auflösung dieser Antinomie findet Dilthey vielmehr durch die geschichtliche Selbstbesinnung selbst: „Sie muß diese menschlichen Ideale und Weltanschauungen selber sich zum Objekte machen. Metaphysik als „Zusammenfassung der Erkenntnis eines Zeitalters“ aufzufassen (also als das. an dem sie einen Begriff der Philosophie antrifft. (VIII. vergänglich. 13) Diltheys Weltanschauungslehre analysiert die Philosophie somit als Tatsache der menschlich-geschichtlichen Wirklichkeit und ist damit selber ein Zweig geisteswissenschaftlicher Forschung. da eine solche Zusammenfassung als subjektiver und vorübergehender Ausdruck einer historisch bedingten Bewusstseinslage nur von sehr beschränkter Gültigkeit ist (vgl. selber gegenständlich werden. Keine Lösungsmöglichkeit dieser Problematik stellt es nach Dilthey [155] dar. 7) und daher „nicht die Sicherheit [gewährt]. Zusammenhang. da der Anspruch auf Allgemeingültigkeit unabtrennbar mit dem Begriff von Metaphysik zusammenfällt. vorübergehend.“ (VIII. Die Weltgeschichte als das Weltgericht erweist jedes metaphysische System als relativ. die Antinomie zwischen den bisherigen Ergebnissen der Geschichte der Philosophie und der bisherigen philosophischen Systematik aufzulösen: dann würde die Aufgabe der Philosophie in irgendeinem unserem Bedürfnis genügenden Sinn erfüllt. wie diese unlösbar scheinende Antinomie aufgelöst werden. Sie muß in der bunten Mannigfaltigkeit der Systeme durch analytisches Verfahren Struktur. den Geltungsanspruch der Metaphysik selbst zu beschränken. entsteht die Aussicht. Indem sie so ihren Gang bis zu dem Punkte verfolgt. wird von Dilthey zurückgewiesen. „welche von der Unhaltbarkeit religiöser Dogmen und Lebensideale sich überzeugt haben. 7) Anders gewendet: „Die Philosophie muß sich. und diese Philosophie gelangte zum Einverständnis mit dem geschichtlichen Bewußtsein. womit eine solche Metaphysik zu einen „wesenlosen Schatten“ dessen wird. Gliederung entdecken. spreizt sich vergeblich mit dem Anspruch auf objektive Gültigkeit. eine feste Position für das Lebensgefühl und ein sicheres Ziel des Handelns zu bieten“. sei es Religion oder Kunst oder Metaphysik. 12) Damit stellt sich nun allerdings die Frage. welcher die Geschichte derselben erklärbar macht. „was ehedem Metaphysik war“. Diltheys Weltanschauungslehre erweist sich damit also im Kern als die „Anwendung des geschichtlichen Bewußtseins auf die Philosophie und ihre [156] .“ (VIII. allerdings mit primär philosophischer Intention. VIII.“ (VIII. wie der Relativismus vermieden werden kann. da sie ihre Funktion nicht mehr erfüllen kann. 113 seelischen Verfassung der Person gegründet ist. Auch die Lösung.

gelingt es ihm. sie erforscht die Gesetze. Die Lebens.) Entscheidender Bezugspunkt für Diltheys Analyse der Weltanschauungen ist somit die „Lebendigkeit des Selbst“ und deren „Mehrseitigkeit“. (Vgl. 12) Die historische Selbstbesinnung. 8) Sie erweisen sich damit sozusagen als „die notwendigen Symbole der verschiedenen Seiten der Lebendigkeit in ihrem Bezug“ (ebd. 365. die Struktur. ja jede kann widerlegt werden durch den Nachweis ihrer Insuffizienz gegenüber der Wirklichkeit. und ihre Auflösung besteht darin. (VIII. Daseins. 9) Denn die Weltanschauungslehre beansprucht. „was ein System zur Metaphysik macht“. Es zeigt sich nämlich. das Problem zu vereinfachen. 346. die sich – so seine Grundthese – in den Hauptformen der metaphysischen Systeme ausdrückt. unser Leben zum Bewußtsein zu . verstanden werden.“ (Ebd. 8) Gefordert ist damit folglich eine „psychologische Analysis von Kunst. (VIII. u. uns denkend in der Welt einzurichten. da die Auflösung der diagnostizierten Antinomie nicht auf dem Boden der Metaphysik selbst gefunden werden kann: „Der Widerspruch der Weltansichten untereinander bleibt unauflösbar. (VIII. die ihnen gemeinsam ist.und Weltansichten befinden sich in Widerspruch. 209 und 210) Die Widersprüche zwischen den Weltanschauungen entstehen – wie Dilthey behauptet – „durch die Verselbständigung der objektiven Weltbilder im wissenschaftlichen Bewußtsein. in welcher sie gegründet sind. 8) Und diese Verselbständigung ist es. 208. muss „in der menschlichen Lebendigkeit und ihren Bezügen zu dem ihr Widerstehenden und auf sie Wirkenden den festen Grund aller Geschichtlichkeit. keine kann wirklich bewiesen. Religion und Philosophie als den Trägern von Lebens. In seiner psychologischen Grundlegung der Weltanschauungslehre knüpft Dilthey an die Ergebnisse seiner in den Ideen entwickelten Strukturpsychologie an und leitet aus dem teleologischen Charakter der Struktur des Seelenlebens ein „erstes Gesetz der Entwicklung unseres Streben. dass „die Philosophie sich den Zusammenhang der Mannigfaltigkeit ihrer Systeme mit der Lebendigkeit zum Bewußtsein bringt“. 13) Im systematischen Zentrum der Weltanschauungslehre steht damit die Psychologie.“ (VIII. 8) Den Weg zur Auflösung dieser Antinomie findet Dilthey vielmehr darin.“ (VIII. des Kampfes der Weltansichten aufsuchen“. „welche die philosophische hinter sich hat“. VIII. [157] nach welchen sie sich bilden. der Antinomien. 379. IV. (Ebd.und Weltanschauung“. „daß noch umfassender als bei Kant eine Voraussetzung hinter dem Streit der Weltansichten aufgefunden wird. (VIII. „daß diese Grundformen die Seiten der Lebendigkeit in bezug zu der in ihr gesetzten Welt ausdrücken“. die metaphysischen Systeme „verständlich [zu machen] aus der Natur des Menschen und der Dinge. Diese müssen gegenständlich gemacht und nach ihrem Bezug zu der Lebendigkeit. 114 Geschichte“ (VIII. ihre Hauptgestalten und deren Bildungsgesetz und innere Form“.) auf das von ihm so genannte Welt-. welche in dem verstandesmäßigen Ausdruck derselben gelegen sind. a. 7). (VIII.) Indem Dilthey Hauptformen der Weltanschauung durch ein vergleichendes Verfahren aus der Fülle der unterschiedlichen metaphysischen Konzeptionen herausarbeitet.oder Lebensrätsel.

76) Und die fortschreitende Ausbildung des geschichtlichen Bewusstseins brachte die Erkenntnis der „Relativität jeder geschichtlichen Lebensform“ mit sich. neben der Erkenntnistheorie. die Abhandlung Die Typen der Weltanschauung und ihre Ausbildung in den metaphysischen Systemen. Metaphysik und Kunst „in ihren drei Seiten und nach ihren Grundverhältnissen“ (VIII. welcher so auffaßbar wird. den „Glauben an die Allgemeingültigkeit irgendeiner der Philosophien. dass er durch Rückgang auf das . 115 erheben“.). Durch das unabänderliche Grundgesetz seiner Lage ist er an diese Relationen gebunden. was der Mensch an der Welt zu erblicken vermag. Logik und der Philosophie der Geisteswissenschaften. Was er als diese Welt anschaut. 77) Sie zerstörte den Anspruch auf absolute Gültigkeit und die Überzeugungskraft metaphysischer Konzeptionen. VIII. des schon festgestellten Widerspruchs „zwischen dem geschichtlichen Bewußtsein von der grenzenlosen Mannigfaltigkeit derselben und dem Anspruch eines jeden von ihnen auf Allgemeingültigkeit“. d. 75. 75) Die Philosophie. träumt oder denkt. die sich in den zentralen Kulturgebieten der Sprache. Das eine ist so wenig anzunehmen möglich als das andere. (VIII. 18) Zum Bewusstsein der Zuständlichkeit des Eigenlebens tritt dann dasjenige „vom inneren Zusammenhang seiner Wertbestimmungen und Ziele“. h. die „seelische Totalität“. nichts Anderes. andererseits [158] aber in derem [sic] objektiven Charakter. 27) Seinen abschließenden Beitrag zur Weltanschauungslehre. (VIII. h. 194 und IV. d.und Weltanschauung als „Ausdruck der Lebendigkeit“ (ebd. jede Interpretation der uns umgebenden Erscheinungen <ab>.oder Geistesgeschichte offenbart sich als ein „unermeßliches Trümmerfeld religiöser Traditionen. 78) Diltheys Grundgedanke besteht nun darin. ist immer der Bezug seiner Lebendigkeit zu ihren Eigenschaften. immer in bezug aufeinander. Sonach hängt von der Differenzierung und Verbindung der Funktionen. welche den Weltzusammenhang in zwingender Weise durch einen Zusammenhang von Begriffen auszusprechen unternommen haben“. ist immer diese Relation. 397). als sozusagen „unableitbaren Grundzug in uns“ (VIII. 78. als sie ein objektiver Tatbestand ist. was Dilthey als „Keim jedes Lebensideals“ erkennt. demonstrierter Systeme“: „Eins dieser Systeme schließt das andere aus. das Problem der Anarchie der philosophischen Weltanschauungen dadurch einer Auflösung zuzuführen. (VIII. metaphysischer Behauptungen. (Vgl. welche die Welt auffassen. keines vermag sich zu beweisen“. Im Verlauf des Lebens entwickeln sich allmählich. 17) ab. zu einem weiteren Anwendungsgebiet der Grundprinzipien seiner Philosophie des Lebens wird. Seine Welt ist ebensowenig ein Produkt seiner Lebendigkeit.“ (VIII. eröffnet Dilthey mit der Feststellung einer „Anarchie der philosophischen Systeme“ (VIII. vgl. welche er nicht zu ändern vermag. eins widerlegt das andere. 18) Fester Bezugspunkt der Analyse ist immer die Lebendigkeit. womit die Weltanschauungslehre. Religion. (VIII. das Selbst-Bewusstsein und eine Weltvorstellung. Dilthey begreift damit die Lebens. (VIII. 25) betätigt: „Alles.

81). und zwar in Abhängigkeit von der jeweiligen individuellen geistigen oder personalen Konstitution. immer neue Seiten darbietend. erfährt“. (VIII. was wir besitzen. 81). und 143f. im ganzen vollkommen rätselhaft“. (VIII. was in der Natur waltet. Eine „allgemeine Lebenserfahrung“ (VIII. In solchen Momenten „tritt die Welt in eine neue Beleuchtung“. die „aus der Besinnung über das Leben“ entsteht. Durch Wiederholungen und Verbindung solcher Erfahrungen. die Grausamkeit dessen. Vernunft und Willkür. 80. Im Mittelpunkt der unterschiedlichen Lebenserfahrungen steht das Leben. vgl. 79) Ebenso „wie die menschliche Natur immer dieselbe ist“. entstehen die unterschiedlichen Lebensstimmungen: „Von einem Lebensbezug aus erhält das ganze Leben eine Färbung und Auslegung in den affektiven oder grüblerischen . tradiert und dadurch fixiert werden. in der Aufeinanderfolge der Generationen. das sich einer vereinheitlichenden Sicht entzieht: „Das Antlitz des Lebens“ zeigt sich als „widerspruchsvoll. 140f. die Macht der Natur und die Selbständigkeit unseres Willens. die Begrenztheit jedes Dinges in Zeit und Raum und unser Vermögen. und so im einzelnen vielleicht klar. die zunimmt. 116 Leben zeigt. „indem der Mensch in Gesellschaft und Natur permanenten Kampf. (Ebd.) Dilthey spricht in diesem Zusammenhang von der „Fremdartigkeit des Lebens“. vgl. Lebendigkeit zugleich und Gesetz.) Diese Widersprüche kommen in den Lebensanschauungen zum Bewusstsein. (VIII. lieben oder auch hassen und fürchten. wie „die allgemeine Vergänglichkeit und der Wille in uns zu einem Festen. 140f. Den Untergrund der Lebenserfahrung bilden – so Dilthey – „die Anschauungen von der Macht des Zufalls. 80. 79) entsteht nun im geschichtlichen Ablauf. 81) Und den „Mittelpunkt aller Unverständlichkeiten“ bilden „Zeugung. jede existentielle Erfahrung zeigt. 78) Der erste Schritt hin zu einer geschlossenen Lebensansicht ist die Lebenserfahrung. können aber nicht aufgelöst werden. der allgewaltig für jeden von uns [159] Bedeutung und Sinn des Lebens bestimmt“. sind auch die „Grundzüge der Lebenserfahrung“ allen Menschen gemeinsam. Entwicklung und Tod“. indem Lebenserfahrungen wiederholt. (Ebd. wie Dilthey weiter ausführt. „dem Menschen das Leben von einer eigenen Seite“. (VIII. dass die verschiedenen Weltanschauungen als notwendig einseitige Ausdrücke der menschlichen Lebendigkeit zu verstehen sind. der Korruptibilität von allem. Diese Art von allgemeiner Lebenserfahrung bildet die Grundlage der vielfältigen Sitten und Traditionen. das überall – so seine These – „dieselben gemeinsamen Züge“ zeigt. und von der beständigen Gegenwart des Todes.) Die Verarbeitung dieser existentiellen Grunderfahrungen in den konkreten Lebenserfahrungen der einzelnen aber variiert. Für Dilthey ist damit die „letzte Wurzel“ der Weltanschauung das Leben. beständige Vernichtung des einen Geschöpfes durch das andere. (VIII.) Das Leben zeigt „seltsame Widersprüche“ (VIII. Jeder „große Eindruck“ (VIII. Geburt. jede Grenze zu überschreiten“.

diesen vielen unterschiedlichen „Stellungen zur Welt“. 82) Kennzeichnendes Merkmal der Weltanschauungen ist es. die ihrem Dasein Dauer geben.) Unter den wichtigen Grundstimmungen. es gibt schwere Naturen. sinnlichen Dingen und leben im Genuß des Tages. wie auch „das Leben dem Menschen immer neue Seiten [160] zeigt“. „gewisse Lebensstimmungen“: „Die Einen haften an den handfesten.“ Sie wechseln zwar. die vielfache Nuancen aufweisen. In diesen Lebensstimmungen. welche die Vergänglichkeit dessen. in denen die mannigfachen Lebensbezüge der Individuen zur Welt .“ (Ebd. 117 Seelen – die universalen Stimmungen entstehen. andere verfolgen mitten durch Zufall und Schicksal große Zwecke. dass sich in ihnen „auf Grund der Lebenserfahrungen. bedingt durch ihr „Eigenwesen“. nicht ertragen und denen so das Leben wertlos und wie aus Eitelkeiten und Träumen gewebt erscheinen will. aber in den unterschiedlichen Individuen dominieren. oder die über diese Erde hinaus nach etwas Bleibendem suchen. was sie lieben und besitzen. sind nach Dilthey der Optimismus und der Pessimismus die allgemeinsten. erkennt Dilthey „die untere Schicht für die Ausbildung der Weltanschauungen“. (VIII.

a. 118 8 Stichworte zur Rezeptions. ab. Hölderlin (jetzt in GS XXVI). da sich von den hier versammelten Studien nicht nur der Literaturwissenschaftler. sondern auch in den Geisteswissenschaften. Eduard Spranger. Die anderen Buchpublikationen. der einflussreichsten Figur der preußischen Hochschulpolitik („System Althoff“) – formell seit 1882 Unterrichtsreferent.und philosophiegeschichtlichen Studien gefestigt hatte. denn als „feinsinniger“ Interpret literarischer Texte und bedeutender Geistesgeschichtler. Initiator und Organisator der Kant-Ausgabe der Akademie der Wissenschaften. und hatte großes Gewicht nicht nur in der akademischen Philosophie. der sich diesen Ruf mit seiner Schleiermacher-Biographie erworben und später mit dem zweiten Buch der Einleitung in die Geisteswissenschaften. eine über den Kreis seiner Fachkollegen hinausgehende breitere Bekanntheit im gebildeten Publikum blieb ihm aber versagt. Max Frischeisen-Köhler. Er besaß durch seine engen Kontakte zu Friedrich Althoff (1839 – 1908). seinen zahlreichen literaturgeschichtlichen Aufsätzen sowie insbesondere durch die großen wissenschafts. Dilthey gehörte seit dem Beginn seiner philosophischen Lehrtätigkeit in Berlin zu den führenden Philosophen in Deutschland. ihm aber über diese Fachkreise hinaus keine größere Publizität verschaffen konnten. die mit drei Auflagen sein größter Publikumserfolg wurde. er war erfolgreicher Wissenschaftsmanager und u. der u. Hier wirkte insbesondere seine Aufsatzsammlung Das Erlebnis und die Dichtung. sieht man einmal von seinem Frühwerk. seit 1897 Ministerialdirektor der I.und Hochschulwesens in Preußen – großen Einfluss auf die Universitäts. Bernhard Groethuysen. sondern auch der gebildete Laie angesprochen fühlen konnte. faktisch Leiter des gesamten Unterrichts. Herman Nohl. Studien und Aufsätze – von seinen philosophischen Kollegen und teilweise auch der weiteren geisteswissenschaftlichen Fachwelt intensiv rezipiert wurden. Georg Misch. Er war Begründer einer philosophischen Schule.und Wirkungsgeschichte Als Wilhelm Dilthey überraschend am 1. der Schleiermacher-Biographie Leben Schleiermachers. Goethe. Oktober 1911 während eines Erholungsurlaubs in einem Hotel in Seis am Schlern (Südtirol) an den Folgen einer Ruhrerkrankung starb. waren [175] vorwiegend für ein Fachpublikum geschrieben. vor allem in der Germanistik. die er seit 1891 in rascher Abfolge vor . die – wie auch seine zahlreichen gelehrten Abhandlungen.und Besetzungspolitik des preußischen Kultusministeriums. a. Novalis. Lessing. Vielen seiner Kollegen galt Dilthey in den ersten Jahrzehnten seiner Wirksamkeit und auch noch darüber hinaus vornehmlich weniger als ein systematisch ausgerichteter Philosoph. zählte er unbestritten zu den renommiertesten Philosophen des deutschen Sprachraums: Er war Inhaber des bedeutendsten philosophischen Lehrstuhls in Deutschland und hatte einige Jahrzehnte die philosophische Fakultät der Berliner Universität wie auch die Preußische Akademie der Wissenschaften geprägt. Unterrichtsabteilung im preußischen Kultusministerium. Paul Menzer und Anna Tumarkin angehörten.

119 allem in dem von ihm mit herausgegebenen Archiv für Geschichte der Philosophie erscheinenließ. Jahrhunderts dominierenden naturwissenschaftlich orientierten. trotz einiger Versuche. sieht sich Dilthey nicht mehr in der Lage. Die erste im engeren Sinne philosophische Rezeption von Diltheys Werk schließt sich an die Publikation des ersten Bandes seiner Einleitung. trat demgegenüber anfänglich zurück. findet in der Fachwelt reges Echo – und ebensolchen Widerspruch. als seine philosophische Konzeption in ihren Umrissen auch für die akademische Öffentlichkeit etwas deutlicher hervortrat. Zu diesen gehörten u. aus. die geplante Fortsetzung der Ideen zu vollenden. Eucken. freundschaftlich verbunden war. Seine Bedeutung als ein Philosoph der Geisteswissenschaften. mit denen Dilthey z. Ebbinghaus‘ Streitschrift Über erklärende und beschreibende Psychologie (Wiederabdruck in: Rodi/Lessing 1984) hat für Diltheys Planungen zur Ausarbeitung des zweiten Bandes der Einleitung erhebliche Folgen: durch die Turbulenzen. Auch diese Abhandlung gehörte nach Diltheys Planung zum Bestand des zweiten Bandes der Einleitung. der Aufsatz Beiträge zur Lösung der Frage vom Ursprung unseres Glaubens an die Realität der Außenwelt und seinem Recht von 1890. Natorp. hatte er Sonderdrucke der Abhandlung mit der Bitte um konstruktive Kritik an eine Reihe bedeutender Philosophen und Psychologen. P. umfangreiche Kritik an Diltheys Programschrift. Mit seinen Ideen hatte Dilthey die im ersten Band der Einleitung als Grundwissenschaft der Geisteswissenschaften postulierte deskriptive Psychologie im Grundriss skizziert und einige Hauptarbeitsfelder. Dies änderte sich aber spätestens seit Mitte der neunziger Jahre. Eine Ausnahme bildete der ihm nahestehende Berliner Psychologe Hermann Ebbinghaus. Ch. Windelband und W. a. der den Versuch unternahm. von Dilthey sogenannten. veröffentliche Ebbinghaus 1895 in der von ihm mit herausgegebenen einflussreichen Zeitschrift für Psychologie und Physiologie der Sinnesorgane eine scharf ablehnende. Wegen der besonderen Bedeutung. „erklärenden“ Psychologie konzipiert hatte. . eine ihn befriedigende. G. Auch gelingt es ihm nicht. mit der sich in zum Teil ausführlichen Rezensionen einige bedeutende Philosophen und Sozialwissenschaftler. A. -begriffe und - themenstellungen dieser Psychologie umrissen. Anstatt mit einem Brief auf Diltheys Sendung zu antworten. wie unter anderem R. W. die Wissenschaften der Gesellschaft und der Geschichte umfassend philosophisch zu begründen und sie von den Naturwissenschaften abzugrenzen. R. die Dilthey seinem Entwurf beimaß. die Ebbinghaus‘ Polemik auslöst. T. die er als radikale Alternative zu der gegen Ende des 19. Gierke. [176] Eine besonders intensive Rezeption und Diskussion löst Mitte der neunziger Jahre Diltheys Programmschrift einer deskriptiven Psychologie. was Dilthey in eine schwere seelische Krise stürzte und dramatische Auswirkungen für die Arbeit an seiner Theorie der Geisteswissenschaften hatte. Wundt. die Ideen über eine beschreibende und zergliedernde Psychologie. Sigwart. auseinandersetzen. Auch Diltheys „Realitätsabhandlung“. Schmoller und Th. übersandt. Eucken. Ziegler. Riehl. Die Angesprochenen reagierten mit teilweise ausführlichen brieflichen Stellungnahmen. O.

dass er es „unglücklicherweise“ unter dem Einfluss von Ebbinghaus‘ Kritik nicht für nötig gehalten habe. erschließt er sich um 1900 mit seinen Arbeiten zur Weltanschauungslehre. Wilhelm Windelband macht dies in seiner bekannten Straßburger Rektoratsrede von 1894. da aufgrund von Ebbinghaus‘ Aufsatz Diltheys Projekt einer deskriptiven Psychologie von einigen Kollegen unangemessen verkürzt oder auch gar nicht rezipiert wird. und auch Heinrich Rickert geht – in Fortführung Windelbands – in verschiedenen Publikationen. Aber nicht nur für Dilthey selbst hat die Publikation von Ebbinghaus‘ kritische Abhandlung nachhaltige Folgen. Nachdem Dilthey in den ersten Jahren nach dem Abbruch seiner Arbeit am zweiten Band der Einleitung vor allem seine Schleiermacher-Forschung wiederaufnimmt. (Husserliana Bd. kritisch auf Diltheys Konzeption einer Philosophie der Geisteswissenschaften ein. im Anschluss an eine Fortsetzung der Ideen die Ausarbeitung des zweiten Bandes der Einleitung konkret in Angriff zu nehmen. zieht sich Dilthey für mehrere Jahre von der Grundlegungsproblematik der Geisteswissenschaften zurück und widmet sich stattdessen wieder dem seit Jahren ruhenden zweiten Band der Schleiermacher-Biographie. So nehmen auch die Vertreter des sogenannten südwestdeutschen oder badischen Neukantianismus die Ideen zum Anlass. Schließlich muss er seinen Plan aufgeben. Er publiziert nur eine verkürzte Version seiner geplanten [177] Fortsetzung der Ideen. Den Haag 1962. indem er Diltheys Einteilungsversuch der Wissenschaften kritisiert und ein Gegenmodell entwirft. 120 umfangreiche Antwort auf Ebbinghaus zu verfassen. in seiner Vorlesung Phänomenologische Psychologie. IX: Phänomenologische Psychologie. der Begründer der Phänomenologie. Geschichte und Naturwissenschaft. und dem unvollendet gebliebenen Riesenprojekt der Studien zur Geschichte des deutschen Geistes. die 1911 in der Abhandlung Die Typen [178] der Weltanschauung und ihre Ausbildung in den metaphysischen Systemen ihren Höhepunkt findet. 34) Die Publikation der Ideen und die sich daran anschließende Ebbinghaus-Dilthey- Kontroverse findet in der philosophischen Debatte der zweiten Hälfte der neunziger Jahre vielfältige Resonanz. mit dem Dilthey die Entwicklung des deutschen . Auch die Rezeption seiner philosophischen Konzeptionen wird durch diese Kritik entscheidend beeinflusst. sich intensiver mit Diltheys psychologischer Abhandlung auseinanderzusetzen. seinem Hauptwerk Die Grenzen der naturwissenschaftlichen Begriffsbildung (Tübingen 1896). a. und bricht danach seine psychologischen Arbeiten ab. So bekennt etwa später auch Edmund Husserl. in der er kurz auf Ebbinghaus reagiert. v. Statt weiter an den systematischen Teilen der Einleitung zu arbeiten. sich grundsätzlich mit Diltheys Projekt einer philosophischen Grundlegung der Geisteswissenschaften auseinanderzusetzen.

die Reformation. Goethuysen und Ritter) mit der Planung einer Ausgabe seiner Gesammelten Schriften. Diese fruchtbare Arbeitsphase wird allerdings überschattet durch eine Kritik Husserls. (Rodi/Lessing 1984. publizierten Texte unter Einschluss einiger weniger. dass für den Leser der systematische Zusammenhang seiner weitläufigen. Diese zunächst auf einen Umfang von acht Bänden konzipierte Edition. dass seine kritische Argumentation gegen den Historizismus nicht gegen Dilthey gerichtet sei und kündigt an. Recht und die Organisation des Bildungswesens) von der germanischen Zeit über das Mittelalter. Literatur. „um weiteren Mißdeutungen vorzubeugen“. durch den späten Aufbau der geschichtlichen Welt in den Geisteswissenschaften mit weiteren Schriften aus seinem Umkreis (Band VII) sowie die Weltanschauungslehre (Band VIII). Erweitert wird dieser Versuch einer postumen Rekonstruktion der unvollendet gebliebenen Einleitung (GS Band I bis VI). Nach der Unterbrechung durch den Ersten Weltkrieg kommen . in der sein Aufsatz erschienen war. auch für die Schüler kaum überschaubaren historischen und philosophischen [179] Forschungen des „rätselhaften Alten“ (G.1911 an Husserl auf diese Kritik. Dilthey reagiert mit einem ausführlichen Brief vom 29. seine Ankündigung zu realisieren./6. in der Diltheys bedeutende geistesgeschichtliche Abhandlungen zusammengestellt sind. Nohl herausgegebene Sammlung Weltanschauung und Analyse des Menschen seit Renaissance und Reformation. 121 Geisteslebens (d. Daneben plant Dilthey ab 1904 eine – nicht realisierte – zweite Auflage der Einleitung und wendet sich ab 1905 in einigen Akademie-Vorträgen wieder seinem philosophischen Zentralthema einer Begründung der Geisteswissenschaften zu. da er glaubte. die dieser in seinem programmatischen Aufsatz Philosophie als strenge Wissenschaft (1910/11) an Diltheys Weltanschauungslehre übt. die ihn sehr enttäuschen musste. in der Zeitschrift Logos. wichtiger Arbeiten und Ergänzungen aus dem Nachlass so zusammenstellen. 1911 entgegnet Husserl. Kurz nach Diltheys Tod beginnt sein engerer Schülerkreis (Misch. Philosophie. Orientiert war die Anlage der Ausgabe an der Gesamtkonzeption der Einleitung in die Geisteswissenschaften. da sich Husserl durch Diltheys plötzlichen Tod offenbar von der Verpflichtung enthoben glaubte. in die auch – als Band III – einige Studien zur Geschichte des deutschen Geistes sowie – als Band IV – die Hegel-Monographie von 1905 gleichsam als Fortsetzung der historischen Teile des geplanten zweiten Buchs der Einleitungintegriert werden. das 17. Theologie. 114) Dazu ist es allerdings nicht mehr gekommen. und 18. Als erster Band erscheint 1914 als Band II der Ausgabe die von H. Gründer treffend als „Werkstattausgabe“ bezeichnet hat. an entlegenem Ort. In seinem Antwortbrief vom 5. in Husserl einen philosophischen Verbündeten gefunden zu haben. zwei neue Forschungsfelder. die K. die darin gipfelt. Jahrhundert bis ins 19. die seit 1891 erschienen waren. Jahrhundert darstellen wollte.6. soll die bedeutendsten der von Dilthey. Musik. Dilthey einen „Historizismus“ zu unterstellen. Kunst. Misch) deutlich wird. h. z. eine „Note“ zu veröffentlichen. Nohl. das mit dem Aufbau der geschichtlichen Welt in den Geisteswissenschaften seinen Abschluss findet. T.

in welchem auf der Grundlage eines Weltbildes die Fragen nach Bedeutung und Sinn der Welt entschieden und hieraus Ideal. die Auslegung oder Erklärung des „vielartigen Wesens“ der Welt und des Lebens mit Hilfe einer einfachen. 83). als ein Bündel von Aufgaben . oberste Grundsätze für die Lebensführung abgeleitet werden“. das Welt. die Dilthey als „regelmäßige Gebilde“ bezeichnet. die ihrerseits ihre Grundlage in den Formen des Gefühlsverhaltens besitzen. rätselhaften und unfasslichen Lebens selbst in einer Lehre. gestaltend. Die nächste Stufe bilden die „Lebenswürdigung“ und das „Weltverständnis“ (VIII. Weltanschauung ist m. 82) Und diese Struktur „ist jedesmal ein Zusammenhang.oder Lebensrätsel. Billigung und Mißbilligung ist und [161] diese Lebenswürdigung dann wieder die untere Schicht für die Willensbestimmungen bildet“. „nach welcher die Wirklichkeitsauffassung im Lebensverlauf die Unterlage für die Wertung der Zustände und Gegenstände in Lust und Unlust. gesetzliche Struktur: „Was im Lebensrätsel verworren. Gefallen und Mißfallen. über den „Wirkungswert“. „in welchen diese Struktur des Seelenlebens sich ausdrückt“. (Ebd.) Die Funktion der Weltanschauungen ist es also. (VIII.): „die Ideale. in dem dieselben Verhaltungsweisen strukturell verbunden sind“. enthalten alle Weltanschauungen. a. Wie Dilthey nachzuweisen versucht. Aus dieser Stufe der Lebenswürdigung und des Weltverständnisses entwickelt sich dann eine „oberste Bewußtseinslage“ (ebd. das höchste Gut und die obersten Grundsätze. den wir anderen Personen oder Gegenständen zuschreiben. höchstes Gut. W. die über den Wert. dass „sie eine vollständige Auflösung des Lebensrätsels zu geben unternehmen“. herausgegeben von P. „regelmäßig dieselbe Struktur“. (VIII. in einer Formel auszusprechen. bestimmenden Einfluss auf die menschliche Lebensgestaltung: „Die Weltanschauung wird nun bildend. den wir unserem eigenen Dasein zuerkennen.) Wie Dilthey unter Rückgriff auf seine Strukturpsychologie zeigt. reformierend!“ (VIII. das uns in vielerlei Widersprüchen entgegentritt. Weltanschauungen – so Diltheys Grundthese – sind durch die „psychische Gesetzlichkeit“ bestimmt.) Die Basis einer Weltanschauung bildet ein Weltbild als Resultat unseres auffassenden Verhaltens. (Ebd. (VIII. die Versuche der Auflösung des Lebensrätsels [vollziehen]“. (Ebd. und der von der Bedeutung. die andere Personen. das Geheimnis des unverständlichen. 122 dann ab 1921 die weiteren Bände in schneller Abfolge heraus: 1921 Band III (Studien zur Geschichte des deutschen Geistes. 84) Weltanschauungen verfügen damit – so Diltheys Ergebnis – über eine gemeinsame. unter der Bedingung. in denen die Weltanschauung erst ihre praktische Energie empfängt“. Ritter) und Band IV (Die Jugendgeschichte Hegels und andere Abhandlungen zur wirksam sind. 83) Dies gilt für die Geisteswissenschaften ebenso wie für die Weltanschauungen. 83f. verständlichen Formel.) Die Weltanschauung gewinnt nun einen praktischen. Dinge oder Zustände im Verhältnis zum Ganzen der Wirklichkeit besitzen. entwickelt sich jedes Lebensverhältnis „zu einem Gefüge. bis zum Sinn dieses Ganzen selbst reicht.

Festigkeit und Macht. zu brauchbaren Lebenszielen führenden Weltanschauungen erhalten sich und verdrängen die geringeren. 123 enthalten ist. Und diese Gebilde lassen sich durch ein vergleichendes geschichtliches Verfahren. dieser Fortgang erfolgt in gesetzmäßig von innen bestimmten Stufen: daraus folgt. die durch eine „gewisse Verwandtschaft“ ausgezeichnet sind. (VIII. 85) Zu der aufgezeigten Regelhaftigkeit der Struktur der Weltanschauungen und ihrer Differenzierung in einzelne Formen aufgrund ihrer kontingenten Enstehungsbedingungen kommt noch ein weiteres. wird hier in einen bewußten und notwendigen Zusammenhang von Problemen und Lösungen erhoben. und die Forschung „muß hierbei gegenüber ihren Ergebnissen jede Möglichkeit [163] .“ (VIII. unter denen die Weltanschauungen sich entwickeln – Dilthey denkt hierbei an klimatische. das Genie der Nationen und der einzelnen: unaufhörlich wechselt hierdurch das Interesse an den Problemen. im Verlauf der Zeit: sie ist ein Erzeugnis der Geschichte. Gedanken machen sich in den Weltanschauungsgebilden nach dem geschichtlichen Ort. Mit Begriffen. 84) Mit anderen Worten: „Das tiefste Geheimnis ihrer Spezifikation liegt in der Regelhaftigkeit. geltend“. Aber gleichwohl sind sie „nach der Gesetzmäßigkeit in den Tiefen der Struktur und der logischen Regelhaftigkeit nicht Aggregate. Stimmungen. der Wechsel der Zeitalter. allmählich. beschreibt Dilthey den Entwicklungsprozess der Weltanschauungen: „Die das Lebensverständnis fördernden. 86) Ihre Aufstellung ist aber. sondern Gebilde“. zu bestimmten Gruppen oder Typen ordnen.“ (VIII. politisch-geschichtliche und epochenmäßige –. „durch die historisch bedingte Singularität der einzelnen Gebilde hindurch“. (Ebd. So findet eine Auslese statt zwischen ihnen. wie Dilthey formuliert. (VIII. die aus dem geschichtlichen Leben erwachsen und es beherrschen: immer neue Kombinationen von Lebenserfahrung. daß jede Weltanschauung eine Entwicklung hat und in dieser zur Explikation des in ihr Enthaltenen gelangt: so empfängt sie Dauer. die ihre Herkunft aus der Darwinschen Evolutionstheorie nicht verleugnen. ähnlich wie Sprachen oder Religionen. die Veränderungen in der wissenschaftlichen Lage. 85) [162] Die unterschiedlichen Voraussetzungen. bedingen in ihrer Kombination die besonderen Konditionen. die Macht gewisser Ideen. „nur vorläufig“. „unberechenbares Moment“ hinzu: „die Variation des Lebens. die zur Entstehung der Vielfalt der Weltanschauungen führen. wie er ausdrücklich betont.“ (VIII. welche der teleologische Zusammenhang des Seelenlebens der besonderen Struktur der Weltanschauungsgebilde aufdrückt. Und in der Abfolge der Geschlechter entwickeln sich nun die lebensfähigen unter diesen Weltanschauungen zu immer vollkommenerer Gestalt. 85) Weltanschauungen sind somit „irregulär nach ihren Bestandteilen und deren Stärke und Bedeutung im ganzen“.) Diese Typen gehen. den sie einnehmen.

87) Die metaphysische Weltanschauung unterscheidet sich nun in signifikanter Weise von der religiösen und der künstlerischen. Die Auseinandersetzung zwischen den Weltanschauungen um allgemeine Anerkennung ist – so Diltheys Feststellung – „an keinem Hauptpunkt zu einer Entscheidung gelangt“. (VIII. aber ihre Wurzel im Leben dauert und wirkt fort und bringt immer neue Gebilde hervor. Die Aufstellung solcher Weltanschauungstypen „ist und bleibt nur ein Hilfsmittel. der Struktur unserer psychischen Totalität gehen sie hervor.“ (VIII. Herrschaft. welche die Menschheit in der Entwicklung der Lebensanschauungen geleistet hat. Die einzelnen Stufen und die speziellen Gestaltungen eines Typus werden widerlegt. das in allem Geteilten dessen Zusam- [164] menhang. (Ebd. das geistige All-Eine. Aus dem Lebensverhalten. (Ebd.) Als Haupttypen der religiösen Weltanschauungen listet Dilthey auf: „Die Immanenz der Weltvernunft in den Lebensordnungen und dem Naturlauf. im Gegensatz dazu die naturalistische Lebensstellung und Denkweise sind die Vorstufen und Ansatzpunkte für die weitere Entwicklung der Metaphysik. Sie entstehen nicht aus dem bloßen Willen des Erkennens. der die Welt hervorbringt und den Menschen nach seinem Bilde schafft oder im Gegensatz zu einem Reich des Bösen steht und für diesen Kampf die Frommen in seinen Dienst nimmt“.) Die bisherigen Ergebnisse seiner Überlegungen zur Weltanschauungsproblematik kann Dilthey in einem „Hauptsatz“ zusammenfassen: „Die Weltanschauungen sind nicht Erzeugnisse des Denkens. ob religiöse oder philosophische. ebenso unbeweisbar wie unzerstörbar gegenüber. die chinesische und indische Form des Panentheismus. kann aber „nie in diese aufgehen“. 89) Diese Typen religiöser Weltanschauung weisen eine „entschiedene Verwandtschaft“ zu denen der Metaphysik auf: „Der jüdisch-christliche Monotheismus. (Ebd. Nach Dilthey entspringen die religiösen Weltanschauungen „aus einem eigenen Lebensbezug des Menschen“. 86) Die Weltanschauungen. Lebenswürdigung und Willensleistung ist die langsame und schwere Arbeit. der Lebenserfahrung. (Vgl. Die Auffassung der Wirklichkeit ist ein wichtiges Moment in ihrer Gestaltung. (VIII. 86). Wahrheit und Wert ist. Die Erhebung des Lebens zum Bewußtsein in Wirklichkeitserkenntnis. aber doch nur eines. da sie von keiner Demonstration aufgelöst werden können.“ (VIII. des der physisch-rationalen Kontrolle des Menschen nicht Zugänglichen und durch Erkenntnis nicht Erreichbaren. Allgemeingültigkeit“ (VIII. 124 einer Fortbildung sich fortdauernd offen halten“. aber sie stehen sich mit ihrem jeweils vertreten Anspruch auf Alleingültigkeit unversöhnlich.). der schöpferische Gotteswille.) Aber trotz einer . 88) Grundkategorie des elementaren religiösen Lebens ist „die Wirkungskraft des Unsichtbaren“ (VIII.“ (VIII. 90) Die religiöse Weltanschauung ist zwar Dilthey zufolge die Vorbereitung der metaphysischen. suchen „Festigkeit.) Die Weltanschauungen „können keiner Demonstration ihren Ursprung verdanken. und das daher in das Einzeldasein zurückkehren muß. historisch tiefer zu sehen“. Wirkungskraft. 88f. ebd.

Der Sinn und die Bedeutsamkeit des Kunstwerks liegt Dilthey zufolge darin. besteht nach Dilthey zwischen beiden ein grundsätzlicher Unterschied: „ihr Bildungsgesetz und ihre Struktur trennt sie [die religiöse Weltanschauung. den Stellungen zum Lebensproblem“. (VIII. HUL] vom metaphysischen Denken“. die im Dichter „aus der Natur des Lebens selbst. mit Hilfe eines als allgemeingültig behaupteten Zusammenhangs von Begriffen. (VIII. 91. Metaphysik ist. (VIII. VIII. die sich nicht in einem einheitlichen. die durch die „theologische Begriffsarbeit“ an der religiösen Weltanschauung verstärkt wird. wenn eine Weltanschauung „zu einem begrifflichen Zusammenhang erhoben. wie sie aus Farbe und Gestalt. 96) Dieser Versuch kann verschiedene Formen annehmen und begründet so die unterschiedlichen metaphysischen Systeme. 93) Das dichterische Geschehnis wird dadurch zu einem Symbol. und er so mit dem Anspruch auf Allgemeingültigkeit auftritt“.) verhilft dieser spezifischen Form der Weltanschauung zu einer eigenen Struktur. allenfalls besteht eine „sekundäre Beziehung zwischen Kunstwerk und Weltanschauung“ (VIII. der Lebenserfahrung. 125 gewissen Affinität von religiöser und metaphysischer Weltanschauung. entsteht. 91). alle Widersprüchlichkeiten aufhebenden System zusammenfassen lassen. 98) Der Widerstreit der Systeme. Ihre Schranke liegt in dem „einseitige[n] Gesichtspunkt der religiösen Lebensverfassung“. Symmetrie und Proportion. da sie ihr Ausgang vom Leben „direkt dazu [führt]. (Vgl. anders gesagt. von dem Diltheys Überlegungen ihren Ausgang nahmen. seelischem Vorgang und Geschehnis zu uns sprechen“. der „Fixierung der Seele auf die übersinnliche Welt“.) Eine Metaphysik entsteht nach Dilthey. vgl. 94) Dieser „Wille zu allgemeingültigem Wissen“ (ebd. wenn dieser wissenschaftlich begründet wird. (Ebd. (Ebd. (VIII. VIII. 91. die diese der metaphysischen noch so sehr annähern mag. im Geschehnis eine Lebensanschauung auszusprechen“. ist – das ist seine Grundthese – „gegründet in dem Leben selbst. (VIII. die durch die Lebensverfassung des Künstlers vermittelt ist. „daß ein Singulares. (Vgl. Tonverbindungen und Rhythmus. „aber nicht für einen Gedanken. der die Methoden der Wissenschaften überschreitende Versuch. d. h.) Damit bereiten die Typen dichterischer Weltanschauung ebenfalls die der Metaphysik vor. in den Sinnen Gegebenes aus dem Nexus des Erwirktseins und Wirkens ausgesondert und zum ideellen Ausdruck der Lebensbezüge erhoben wird. sondern für einen im Leben geschauten Zusammenhang – geschaut von der Lebenserfahrung des Poeten aus“. aufgefaßt von seiner eigenen Lebens- [165] verfassung aus“. 98) Und in diesen Stellungen „ist die Mannigfaltigkeit der Systeme und zugleich die Möglichkeit in ihnen gewisse Typen zu . den Zusammenhang des Lebens selbst zu erkennen und das Lebensrätsel methodisch aufzulösen. 94) Das künstlerische Schaffen ist primär nicht auf die Ausbildung einer Weltanschauung gerichtet. oder „sie vermitteln deren Einfluß auf die ganze Gesellschaft“. 92) Ein besonderes Verhältnis zur Weltanschauung unter den Künsten besitzt die Dichtung. vgl.

dieser Punkt ist durch seine Stellung zum Leben bedingt. das Bewußtsein der großen durch die Geschichte hindurchgehenden Zusammenhänge von Systemen. in denen ein typisches Verhalten besteht“. und diese inhaltlich leere Bestimmtheit des Bewußtseins geht aus der physischen Wirklichkeit nach Naturkausalität hervor“. 100) Ihre Parole ist die „Emanzipation des Fleisches“ und die „Bejahung des natürlichen Lebens“. außer ihm besteht nichts. geht auf eine Lebensverfassung zurück. (VIII. nicht bekannt ist. „tiefer in die Geschichte zu sehen. einen genaueren Einblick in die Typen der Weltanschauung zu gewin- [166] nen. Materialismus als Metaphysik und ein zweiseitiges praktisches Verhalten . das Sichhineinversetzen in Leben als Mittelpunkt dieser Systeme. 126 unterscheiden. und jeder dieser Typen umfasst „Wirklichkeitserkenntnis. (VIII. und dieses „Darinnensein im Leben“ realisiert sich in den „Stellungnahmen zu ihm. den Idealismus der Freiheit und den objektiven Idealismus.) und dient dem Ziel. Lebenswürdigung und Zwecksetzung“. und von ihm aus formiert sich die singulare Struktur seines Systems“. 99) Da – wie Dilthey einräumt – das Bildungsgesetz. Der Naturalismus. ein den großen Intentionen der Metaphysik Nachgehen“ (ebd. die aus dem Darinnensein im Leben selbst entsteht“. Sie ist die „Lebensphilosophie des sinnlichen Menschen“. das geistige Leben ist nur formal als Bewußtsein nach den in diesem enthaltenen Eigenschaften von der physischen Natur unterschieden. (VIII. „daß jeder metaphysischer Kopf dem Lebensrätsel gegenüber von einem bestimmten Punkte aus gleichsam dessen Knäuel aufwickelt. (VIII. 99) Und das Wesentliche. 100) Der Ausgangspunkt der Vergleichung ist. nach dem aus dem Leben die „Differenzierung der metaphysischen Systeme“ hervorgeht. (VIII. hilft nur die Geschichte. ist „das Erfassen des Zusammenhangs von Leben und Metaphysik. 99) In seiner Typenlehre unterscheidet Dilthey drei Grundformen metaphysischer Systeme: den Naturalismus. (Ebd. angelegt“.) Die gleichbleibenden konstitutiven Elemente des Naturalismus sind „Sensualismus als Erkenntnistheorie. d‘ Holbach und Feuerbach. was man hier aus der Geschichte lernen kann. in den Lebensbezügen“. Triebhaftigkeit und Animalität begreift. (Ebd. in denen „gewisse Seiten der Welt“ aufgeschlossen werden. (VIII. vertreten wird von Demokrit. und zwar vom Leben aus“. die den Menschen in seiner Natürlichkeit. a. 101) Naturalismus als philosophische Position behauptet: „der Prozeß der Natur ist die einzige und die ganze Wirklichkeit. Hobbes. Diese historisch geleitete Untersuchung der metaphysischen Weltanschauungssysteme ist in ihrem Kern ein „Tiefersehen vom Leben aus.) Jede echte Weltanschauung ist nach Diltheys Verständnis „eine Intuition. der u. die „historische Vergleichung“.

107) und wird u. Er ist die „Schöpfung des athenischen Geistes“ (VIII.) Der Idealismus der Freiheit oder der Persönlichkeit bzw. das auf den beiden Grundeigenschaften der physischen Welt beruht. Schiller. (Ebd. gescheitert sind. „aus der Bewegung. Sein konstitutives Kennzeichen ist die Annahme einer vom Kausalzusammenhang der Natur unabhängigen geistigen Macht. vgl. sondern durch Pflichten und sittliche Normen. die „starken Bedenken unterworfen“ ist. Fichte. Aber ebenso wenig wie der Naturalismus kann der Idealismus der Freiheit. 107. dass die Materie. die über verschiedene Stufen zur „höchsten Läuterung dieses Gottes- [168] bewußtseins“ in der deutschen Transzendentalphilosophie kommt. 127 – der Wille zum Genuß und die Aussöhnung mit dem übermächtigen und fremden Weltlauf durch die Unterwerfung unter denselben in der Betrachtung“. (VIII. „Erscheinung des Bewußtseins“ (ebd. Platon.) Im Zentrum seiner Ethik steht die Autonomie der Person. und die Unvergleichbarkeit der beiden Tatsachenkomplexe führt. Cicero. Jacobi. Aristoteles. dass die Natur der ursprüngliche Ort „aller Erkenntnis von Gleichförmigkeiten“ ist. die zum „Prinzip des Weltverständnisses“ wird. nachdem alle Versuche. so in der griechischen Philosophie die „Konzeption der bildenden Vernunft. Einerseits gesteht er dem Naturalismus ein philosophisches Recht zu. die Empfindung und das Denken abzuleiten“. zu der „positivistischen Korrelativität des Physischen und Geistigen“. Schließlich „erweist sich die Moral des ursprünglichen Naturalismus als unzureichend. 109) Erkenntnistheoretisch gründet sich der Idealismus der Freiheit auf die „Tatsachen des Bewußtseins“. 110) Seine Metaphysik kann verschiedene Formen annehmen.) ist und er dadurch in einen Begründungszirkel gerät: „aus demjenigen. 101) [167] Diltheys Beurteilung des Naturalismus fällt ambivalent aus. 102) Außerdem ist es – so Dilthey – nicht möglich. von der er ausgeht. 108) stellt den großen Gegensatz zum Naturalismus dar. Eine zweite Form begegnet in der Schöpfungslehre des Christentums. (VIII. a. ihre „freie Selbstmacht“ (VIII. 101) Andererseits gerät der Naturalismus durch immanente Schwierigkeiten in eine „ruhelose Dialektik“. (VIII. sein Prinzip wissenschaftlich definieren und begründen. was nur als Phänomen für das Bewußtsein gegeben ist. Personalität (vgl. VIII. (VIII. Maine de Biran und Bergson. welche die Materie zur Welt gestaltet“. 109). Sokrates. Rousseau. die ihn „zu immer neuen Fassungen seiner Stellung zu Welt und Leben“ treibt. (Ebd. welche als Phänomen des Bewußtseins gegeben ist. die Entwicklung der Gesellschaft begreiflich zu machen“. der ungeheuren „Ausdehnung und Kraft der physischen Massen“ im Verhältnis zu den „spärlichen geistigen Erscheinungen“ sowie der Tatsache. die im Verhältnis zu anderen Personen nicht physisch gebunden ist. Auch er gerät in eine „ruhelose Dialektik“. das Problem zu lösen. die . der in den Tatsachen des Bewusstseins eine „allgemeingültige Grundlage“ besitzt. vertreten von Anaxagoras. dieses selber ableiten zu wollen“. (VIII. Sein Grundproblem besteht darin. Kant.

Spinoza. zu einer Art von universeller Sympathie. welcher in dem unseres eigenen Inneren erlebbar wird. gleichsam von innen aufgefaßt. Erkenntnistheoretisch-methodisch vertritt der objektive Idealismus einen kontemplativen. Parmenides. 117) Daher entsteht auch hier eine „neue ruhelose Dialektik. Die metaphysische Erklärung des . die wir fühlen.) Die Form des Auffassens ist bei allen Vertretern des objektiven Idealismus identisch: „Nicht Zusammenordnung der Fälle zu Ähnlichkeit oder Gleichförmigkeit. Xenophanes. einen Lebenszusammenhang in sich. des Guten und des Wahren. sondern Zusammenschauen der Teile in einem Ganzen. das Wirken. 114) In diesem kontemplativen Verhalten erweitert sich – so Dilthey weiter – „unser Gefühlsleben. die Stoiker. 112) Repräsentanten des objektiven Idealismus sind u. aus dem Lebenszusammenhang der Person aus und projiziert sie als Weltzusammenhang in die Unermeßlichkeit. Dichtung und Metaphysik nur symbolisch ausgesprochen. das in der Formel des objektiven Idealismus als Beschaffenheit des Weltzusammenhangs enthalten sein mag. fasst die metaphysischen Systeme zusammen.“ (VIII. (VIII. So kann dieses Prinzip auch als Verwandtschaft aller Teile des Universums mit dem göttlichen Grunde und untereinander ausgedrückt werden. von der einen Seite angesehen. Leibniz. 115) Daraus ergibt sich als „die gemeinsame metaphysische Formel“ [169] der unter dem Typus des objektiven Idealismus zusammengefassten Systeme ein Pantheismus: „Alle Erscheinungen des Universums sind zweiseitig. der objektive Idealismus. Herder. a. die die „eigentliche Hauptmasse aller Metaphysik“ bilden. das im Zusammenhang unserer Bedürfnisse. Schopenhauer und Schleiermacher. Hegel. der so entstehenden Zwecke und deren äußeren Verwirklichung verläuft“. Heraklit. bis nach Erschöpfung aller Möglichkeiten die Unauflösbarkeit des Problems erkannt ist“. ohne dadurch doch zu einer Lösung seines Problems zu kommen. in dem wir uns ausleben. beschaulichen. welche von System zu System vorwärtstreibt. (VIII. Ein solcher Standpunkt liegt nach Dilthey vor. Erhebung von Lebenszusammenhang in Weltzusammenhang. denn es ist „schlechterdings unerkennbar“: „Die Metaphysik sondert nur einzelne Seiten aus der Lebendigkeit des Subjektes. 114f. sind sie als sinnliche Gegenstände gegeben und stehen als solche in einem physischen Konnex. die höchsten Ideen des Schönen. 117) Dasjenige.) Denn der Weltgrund lässt sich mit den Mitteln logischen Denkens nicht fassen.“ (VIII.“ (VIII. Shaftesbury. 111) Der dritte Typus der Weltanschauungen. „wenn das Subjekt in ihm gleichsam ausruht von der Arbeit des naturwissenschaftlichen Erkennens und des Handelns.Schelling. wird Dilthey zufolge von Religion. Kraft solcher Erweiterung unseres Selbst in der universellen Sympathie erfüllen und beleben wir die ganze Wirklichkeit durch die Werte.“ (VIII. (VIII. Giordano Bruno. in der äußeren Wahrnehmung. in welchem Lebensreichtum. (Ebd. Goethe. Wert und Glück des Daseins zunächst persönlich erfahren werden. dagegen tragen sie. ästhetischen oder künstlerischen Standpunkt. 128 ihn „von Möglichkeit zu Möglichkeit vorwärts“ treibt.

118) Hinter Diltheys Weltanschauungslehre steht – wie sich zeigt – die Grundintention. sie haben Eine Seite der Dinge gewählt und die andere eliminiert. (V. 394) und Mehrseitigkeit bzw. und übrig bleibt auch von diesen objektiv-idealistischen Systemen „nur eine Seelenverfassung und eine Weltanschauung“. welche nicht im begrifflichen Denken.). Lebenswürdigung und Prinzipien des Handelns (vgl. Philosophie und Dichtung ist das ewige. durch „historische Induktion“ (V. (V. die jeweils eine Verbindung von Welterkenntnis. in einer dieser Weltanschauungen die Wahrheit selber ergriffen zu haben“. dass „Religion. Kunst und Philosophie […] eine gemeinsame Grundform [170] [haben]. 378) Der gemeinsame Gegenstand von Religion. sondern in der Lebendigkeit der Personen. sie verstümmeln das Lebendige kraft eines starken Willens. (Vgl. unlösbare „Welt. vgl. (VIII. wie sie erscheint. 33) Die Hintergrundphilosophie der Weltanschauungslehre wird gebildet von Diltheys eigener (quasi-)metaphysischer Grundüberzeugung von der Unergründlichkeit (vgl. 380) Denn die Weltanschauungen bringen jeweils nur einen Aspekt. 406) Diltheys Weltanschauungslehre ist fundiert in dem Grundgedanken. 404) darstellen.und Lebensrätsel“ (V. Vieldeutigkeit des Lebens („Leben ist Mehrseitigkeit“ [VIII. sich aufschließt. 69. (V. so wie er vorher nicht gesehen worden war. und Weltanschauungen. 402) ergeben sich Typen der Weltanschauung und die Gesetzmäßigkeit ihrer Bildung.“ (VIII. daß auch die philosophischen Systeme. eine Lebens. 404]). 129 Weltzusammenhangs scheitert. wie wir die Gesamtanschauung des Lebens in keinem Kunstwerk besitzen und doch vermittels ihrer aller uns dieser Gesamtauffassung annähern: so tritt uns in den typischen Weltanschauungen der Philosophie eine Welt entgegen. 30) Und als konkrete Forschungsaufgabe der Weltanschauungslehre bestimmt Dilthey: „methodisch aus der Zergliederung des geschichtlichen Verlaufs von Religiosität.und Weltsicht enthalten. sind in Diltheys Sicht „Interpretationen der Wirklichkeit“. V. die rational und allgemeingültig nicht auszuloten ist. wie Dichtung so die verschiedenen Seiten des Lebens uns in immer neuen Werken offenbart. 8 und V.“ (VIII. Dichtung und Metaphysik im Gegensatz zum Relativismus das Verhältnis des menschlichen Geistes zu dem Rätsel der Welt und des Lebens zur Darstellung zu bringen“. 380) Und zugleich erhebt eine solche vergleichende Betrachtung „den menschlichen Geist über die in seiner Bedingtheit gegründete Zuversicht. eine Perspektive der „Mehrseitigkeit der lebendigen Wirklichkeit“ (VIII. gegründet ist. 34) zum Ausdruck: „die Systeme sind überhaupt ganz von Widersprüchen und falschen Schlüssen zerklüftet. V. aber wie in jeder ernsten Dichtung ein Zug des Lebens. 379) Durch eine vergleichende Betrachtung. 379f. welche sie hervorbrachten. die „Sinn oder Bedeutung der Welt aussprechen“. (V. so gut als die Religionen oder die Kunstwerke. Seine entsprechende Grundthese lautet: „Die Philosophie vermag die Welt nicht in ihrem Wesen durch ein metaphysisches System zu erfassen und allgemeingültig diese Erkenntnis zu erweisen. zu „beweisen. die in die Struktur des Seelenlebens zurückreicht“. wenn eine mächtige philosophische Persönlichkeit einer der Verhaltungsweisen zu ihr die . V.

zur Begründung“ und „dieselbe Richtung des Geistes auf das Ganze der gegebenen Welt“. was der Mensch vorstellend und denkend. die [172] in Logik und Erkenntnistheorie „Form. (V. 376). Regel und Zusammenhang aller Denkprozesse zu ihrem Gegenstand hat. 130 anderen unterwirft und den in dieser enthaltenen Kategorien die anderen Kategorien unterordnet. denn „der Philosoph erhebt das. 415. 219) Ihr Grundproblem.) [171] Das geschichtliche Bewusstsein wiederholt in sich durch ihre Analyse die metaphysische Arbeit und erfährt dadurch „die unergründliche Tiefe der Welt“ (V.“ (Ebd. in denen er für eine funktionale Definition von Philosophie plädiert. „durch allgemeingültige Begriffe sich zu Welt. machen nach Dilthey das Wesen der Philosophie aus und unterscheiden sie in eindeutiger Weise von den verwandten Kulturgebieten: „Im Unterschied von den Einzelwissenschaften sucht sie die Auflösung des Welt. wie Dilthey zeigen kann. (Vgl. gültiges Wissen hervorzubringen“. sondern die Souveränität des Geistes gegenüber einer jeden von ihnen und zugleich das positive Bewußtsein davon. in den Kern dieses Ganzen einzudringen“. die von dem Zweck bestimmt sind. Die Philosophie – so macht Dilthey plausibel – lässt sich nicht mehr durch Gegenstand oder Methode definieren. VIII. bildend . Diese beiden Seiten. woraus Dilthey einen Ansatz gewinnt. Neben diesem Streben der Philosophie nach einer allgemeingültigen Weltanschauung macht Dilthey als ihre andere Seite eine „universale Selbstbesinnung“. eine „Selbstbesinnung des Geistes“ aus.. der ihn vor der Verzweiflung angesichts der Anarchie und Relativität der Weltanschauungen bewahrt: „Nicht die Relativität jeder Weltanschauung ist das letzte Wort des Geistes. (V. 208. der sie alle durchlaufen hat. V. 345. 405f. 211f.und Lebensrätsels selbst. 206 – 219) angestellt hat. „dieselbe Tendenz zur Universalität. 406). wie sie Dilthey vor allem in der Abhandlung Das Wesen der Philosophie und Nachlasstexten wie Was Philosophie sei (VIII. 185 – 189) und Zur Philosophie der Philosophie (VIII. 407) In der Verfolgung dieser Tendenz wird Philosophie zur „Grundwissenschaft“. Und im Unterschied von Kunst und Religion will sie diese Lösung in allgemeingültiger Weise geben. sondern allein durch ihre Funktion. 365) Und immer finden sich in ihr. „der metaphysische Zug. 407. ihr Ausgangspunkt ist das „Rätsel der Welt und des Lebens“ (V.und Lebensrätsel in Verhältnis zu setzen“ (V. 408) Die „Nachdenklichkeit des Epimetheus“ wird damit zum Symbol des philosophischen Geistes. 413. 378. wie in den verschiedenen Verhaltungsweisen des Geistes die eine Realität der Welt für uns da ist.) Ihre Funktion ist also – kurz gesagt –. und die „positivistische[] Forderung der Allgemeingültigkeit ihres Wissens“. 406) Die Weltanschauungslehre steht in enger Beziehung zu den Reflexionen über Begriff und Funktion der Philosophie.“ (V.“ (V.

Durch die in der Ausgabe nach seinem systematischen Konzept zusammengestellten Arbeiten tritt sein Gesamtwerk sichtbar vor das Publikum. 1922 Band I (Einleitung in die Geisteswissenschaften. die den zentralen Bestand von Diltheys publiziertem Werk – allerdings mit Ausnahme der Schleiermacher-Biographie und dem Sammelband Das Erlebnis und die Dichtung – enthalten. . vgl. herausgegeben von E. Weniger. Ein Lebensbild in Briefen und Tagebüchern 1852 bis 1870. d. Die Veröffentlichung der GS gibt der Rezeption von Diltheys Werk einen bedeutenden Schub. herausgegeben von B. zum einhundertsten Geburtstag Diltheys. Ebenfalls 1933 erscheinen. 1924 die von G. Als erster dieser Ergänzungsbände erscheint 1934 der von O. 1927 Band VII (Der Aufbau der geschichtlichen Welt in den Geisteswissenschaften. Einleitung in die Philosophie des Lebens. 131 und handelnd aus ihm eingeborenen naiven Antrieben tut. und die Aufnahme und Diskussion seiner philosophischen Leistung erfährt dadurch einen nicht zu überschätzenden Impuls. Groethuysen). Groethuysen) und 1931 Band VIII (Weltanschauungsanalyse. Bollnow herausgegebene Band IX (Pädagogik. Ethik und Pädagogik). Außerhalb der GS stellen einige Editionen weiteres Material zur Verfügung. 31. 1933. herausgegeben von H. v. Es folgen 1936 die von E. Wartenburg 1877 – 1897 zu. Briefe Wilhelm Diltheys an Bernhard und Luise Scholz 1859 – 1864 und 1936. Der ebenfalls in diese Reihe gehörende Band X (System der Ethik). Schulenburg herausgegebenen Briefwechsel zwischen Wilhelm Dilthey und dem Grafen Paul Yorck v. Erste Hälfte: Abhandlungen zur Grundlegung der Geisteswissenschaften und Zweite Hälfte: Abhandlungen zur Poetik. Nohl). Misch herausgegebenen Bände V und VI (Die geistige Welt. Diltheys Briefe an Rudolf Haym 1861 – 1873. eine Art von gesteigerter Besonnenheit ist ihm eigen. der Diltheys Ethik-Vorlesung von 1890 enthält. Weniger edierten Bände XI (Vom Aufgang des geschichtlichen Bewußtseins. Geschichte und Grundlinien des Systems).“ (VIII. Eine besondere Bedeutung kommt dabei dem 1923 von S. erscheint die von seiner Tochter C. [180] der Diltheys Pädagogik-Vorlesungen dokumentiert. herausgegeben von B. denn Dilthey wird durch diese Edition für weite Kreise der wissenschaftlichen Öffentlichkeit erstmals als ein philosophischer Autor mit entschieden systematischem Anspruch fassbar. seit Mitte der dreißiger Jahre durch vier weitere Bände. ebenfalls herausgegeben von B. Jugendaufsätze und Erinnerungen) und XII (Zur preußischen Geschichte). d. wiederum herausgegeben von S. zum Bewußtsein. Nohl vorgelegt werden. 33) Geschichte des deutschen Geistes.Misch edierte Sammlung Der junge Dilthey. kann erst 1958 von H. Groethuysen). v. Ergänzt werden diese Bände. F. Im selben Jahr publizieren seine Schüler Misch und Nohl das Buch Von deutscher Dichtung und Musik. Abhandlungen zur Philosophie der Philosophie. Aus den Studien zur Geschichte des deutschen Geistes. Schulenburg.

Flitner. Seinen Überlegungen verdankt die „geisteswissenschaftliche“ oder „verstehende Psychologie“ (u. die Diltheys Werk zum Thema haben (H. Freyer. 2004). Jahrhunderts. Stark beeinflusst wurde von ihm die Diskussion um die philosophischen Grundlagen der Geisteswissenschaften (u. M. R. a. a. Neben vielen Beiträgen der späten zehner und zwanziger Jahre des 20. H. Heidegger. macht er sich Yorcks Vorbehalte gegen Diltheys Geschichtsbegriff zu eigen.-G. H. Plessner. E. Nohl. O. In der vor einigen Jahren veröffentlichten Abhandlung Der Begriff der Zeit aus dem Jahre 1924 (Gesamtausgabe Bd. M. Unger. Rodi). Schließlich wurde Dilthey wichtig für Ausbildung der so genannten „hermeneutischen Philosophie“ (u. Kluckhohn und E. und einige prominente Fachkollegen wie M. F. Spranger. Frischeisen-Köhler auch R. E. aber von Heidegger zurückgezogen wurde. und seine Schriften zur Weltanschauungslehre inspirierten viele typologische Versuche auf unterschiedlichen geisteswissenschaftlichen Gebieten (u. Nohl. a. R. K. Frankfurt a. O. M. Rickert setzen sich in Abhandlungen oder Monographien. E. O. O. Jaspers) ebenso wie die „geisteswissenschaftliche Pädagogik“ (u. Walzel. F. Bollnow) wesentliche Anregungen. F. H. Th. mit Diltheys Philosophie auseinander. Mischs und der philosophischen Anthropologie H. Plessners. der „hermeneutischen Logik“ G. Im April 1925 hält Heidegger in Kassel zehn Vorträge über Wilhelm Diltheys Forschungsarbeit [182] . J. auf seinen Forschungswegen weitergehen (außer den engen Schülern Misch. 190ff. von einer Dilthey-Forschung im eigentlichen Sinne kann aber erst seit Beginn der Publikation der Gesammelten Schriften gesprochen werden. Litt. a. sehr kritisch. E. z. a. B. H. König) ist für die Rezeptionsgeschichte vor dem Zweiten Weltkrieg vor allem die Debatte zwischen der Dilthey-Schule und dem Phänomenologenkreis um Husserl besonders wichtig. Rothacker. F. die nicht nur auf den engeren Schüler-Kreis beschränkt waren. 64. E. Rothacker. die sich kritisch von Dilthey absetzen oder sich positiv an Diltheys Denken anschließen und. Gadamer. Scheler und H. Nohl. Bollnow. Pöggeler). W. E. durch seine Ideen inspiriert. die angeregt wurde durch die Veröffentlichung des Dilthey-Yorck- Briefwechsels und für eine Publikation in der von P. J. Wach. O. 132 Von Diltheys Werk gingen vielfältige Wirkungen aus. Krakauer und A. H. Unger).) Wesentliche Teile der Dilthey und Yorck betreffenden Partien der Abhandlung übernimmt Heidegger dann in den § 77 seines 1927 erscheinenden Buches Sein und Zeit.und Literaturgeschichte (u. (Vgl. Nohl. Spranger. Stein). Dessoir. Spranger. Seine literaturgeschichtlichen Abhandlungen gaben zahlreiche Anstöße für die [181] Geistes. Bollnow. a. Zwar werden kurz nach Diltheys Tod die ersten Dissertationen publiziert. Rothacker herausgegebenen Deutschen Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte vorgesehen war. H. Bollnow. Rothacker. F. T. Spranger.Freyer. Am Anfang dieser Auseinandersetzung steht Martin Heidegger. H. O. Unger).

133 und der gegenwärtige Kampf um eine historische Weltanschauung. aber vor allem sein anthropologisches Hauptwerk. Misch seinen wegweisenden Aufsatz Die Idee der Lebensphilosophie in der Theorie der Geisteswissenschaften. Misch muss nach England emigrieren. 1926 veröffentlich G. fortwirkenden Beitrag zur Dilthey-Forschung stellt das Dilthey- Buch des Misch. und Heidegger vollzieht seine „Kehre“. Zwar gibt es bis zum Ende der dreißiger Jahre noch vereinzelte Diskussionen sowie Stellungnahmen zu Dilthey und Auseinandersetzungen mit seiner Philosophie. [183] Einen letzten wichtigen. Plessners erschienenen Aufsatzreihe Mischs unter dem Titel Lebensphilosophie und Phänomenologie. 1930 erscheint die Buchausgabe einer zunächst im Philosophischen Anzeiger H. Durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten wird diese fruchtbare Debatte abgebrochen. Schon dessen Frühwerk. aber der Geist der Zeit verhindert eine freie Erforschung und Erörterung seiner philosophischen Konzeptionen. Analyse ihrer Grundbegriffe wird 1928 publiziert. Neben der Diskussion zwischen der Dilthey-Schule und dem Phänomenologenkreis ist im Zusammenhang einer rezeptionsgeschichtlichen Betrachtung Diltheys die Bedeutung hervorzuheben. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kommt es erst mit Beginn der fünfziger Jahre zu einer. die seine philosophischen Konzeptionen für die Ausarbeitung einer philosophischen Anthropologie bei Helmuth Plessner gewinnt. Die Einheit der Sinne (Bonn 1923). Landgrebe über Diltheys Theorie der Geisteswissenschaften. Eine Auseinandersetzung der Dilthey‘schen Richtung mit Heidegger und Husserl. Mit der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland endet die fruchtbare Debatte der späten zwanziger und frühen dreißiger Jahre um Dilthey und sein Werk. Die Stufen des Organischen und der Mensch (Berlin und Leipzig 1928). der . die der Marxist Georg Lukács in seinem Werk Die Zerstörung der Vernunft (Berlin 1954) an Dilthey übt. In dieser umfangreichen Abhandlung legt Misch die lebensphilosophische Tendenz von Diltheys Spätwerk frei. wobei vor allem Fragen der Hermeneutik und der Lebensphilosophie im Mittelpunkt des Interesses stehen. in denen er sich ausführlich mit Diltheys Philosophie auseinandersetzt und diese mit der Phänomenologie konfrontiert. und seine Schrift Macht und menschliche Natur (Berlin 1931) lassen den starken Einfluss Diltheys und seines Schülers Misch auf Plessner und dessen Konzeption einer Philosophie des Menschen erkennen.und Nohl-Schülers Otto Friedrich Bollnow von 1936 dar. Wiederaufnahme der systematischen Aufarbeitung von Diltheys Philosophie. wodurch andere Themen für ihn wichtiger werden als eine weitere Beschäftigung mit Diltheys historisch-hermeneutischer Lebensphilosophie. verteidigt ihn gegen die Angriffe der Phänomenologen und arbeitet gemeinsame philosophische Intentionen von Lebensphilosophie und Phänomenologie heraus. und die Dissertation des Husserl-Schülers L. inzwischen auch zunehmend international geprägten. In die erste Hälfte der fünfziger Jahre fällt auch die vehemente Kritik.

A. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik zu. Rodi) die wesentlichen Vorarbeiten zur Einleitung in die Geisteswissenschaften (1865 – 1880) dokumentiert. P. Diwald. wodurch nun die Genese von Diltheys Hauptwerk nachvollziehbar wird. In diesem Zusammenhang wird eine Reihe bedeutender und wegweisender Untersuchungen – Monographien sowie größere kritische Abhandlungen – publiziert.) und der Konsolidierung der philosophischen Forschung im deutschsprachigen Raum nimmt auch das allgemeine Interesse an Diltheys Philosophie der Geisteswissenschaften wieder zu. wobei in den Bänden XV bisXVII (1970. a. Herrmann) zunächst die Mehrzahl von Diltheys – zumeist pseudonym erschienenen – Beiträgen in Zeitungen und Publikumszeitschriften vorgelegt werden. 1875 – 1896) geprägt ist. Der folgende. herausgegeben von H. P. 1970 und 1966) – kommt es aufgrund einer Initiative von Karlfried Gründer zur Fortsetzung der Ausgabe. Eine besondere Bedeutung kommt in diesem Zusammenhang Hans-GeorgGadamers Werk Wahrheit und Methode. Gadamers Versuch der Begründung einer dezidiert philosophischen Hermeneutik. wobei sich eine Fokussierung des Forschungsinteresses insbesondere auf den so genannten „mittleren“ Dilthey ergibt. der Geschichtlichkeit des Verstehens gerecht zu werden. Hünermann. Mit dem Beginn der Neuauflage von Diltheys GS gegen Ende der fünfziger Jahre (1957ff. die Arbeiten von H. 134 dabei von Lukács als „Begründer der imperialistischen Lebensphilosophie“ diskreditiert wird. F. die sich – angeregt durch Heideggers Analyse der „Vorstruktur des Verstehens“ – bemüht. R. Im Gefolge der durch Gadamer ausgelösten Diskussion um Dilthey und die von ihm so genannte „traditionelle“ Hermeneutik findet eine neue intensive Aufarbeitung der verschiedenen Aspekte von Diltheys Werk statt. 1972 und 1974. Johach und F. Krausser. von denselben Herausgebern 1982 vorgelegte Band XIX (Grundlegung der . Riedel und H. Ineichen. Nach der Wiederveröffentlichung von Diltheys Schleiermacher-Biographie nebst Fragmenten zum zweiten Band in zwei voluminösen Bänden – als Einzelpublikation und auch im Rahmen der GS (XIII und XIV. Bei der editorischen Erschließung von Diltheys Nachlass steht zunächst die frühe und mittlere Schaffensperiode im Mittelpunkt des Interesses. Habermas. Rickman. Dadurch erhält die kritische Auseinandersetzung mit ihm und die Absetzung von seiner Position in Gadamers Buch einen bedeutenden Stellenwert. U. herausgegeben von U. Herrmann. Rodi. H. die [184] inzwischen zu den Klassikern der Dilthey-Forschung zählen. M. H. P. die durch das Projekt der „Einleitung in die Geisteswissenschaften“ (ca. Als erstes Ergebnis dieser Arbeit werden im 1977 publizierten Band XVIII der GS (Die Wissenschaften vom Menschen. der Gesellschaft und der Geschichte. Makkreel. also die Phase seines Werks. J. begreift sich auch als einen Gegenentwurf zur klassischen (methodischen) Hermeneutik Diltheys und dessen (historistischer) Philosophie der Geisteswissenschaften. Johach. Zu dieser Dilthey-Forschung der sechziger und siebziger Jahre gehören u.

XXIII (Allgemeine Geschichte der Philosophie. Pennsylvania State University. Dieser wichtige und in der Folge viel rezipierte Band stellt den Versuch dar. die für die weitere Dilthey-Rezeption von großem Einfluss waren und z. 135 Wissenschaften vom Menschen.und Forschungsaktivitäten auf den Weg gebracht wurden. Zweiter Teil: Manuskripte zur Genese der deskriptiven Psychologie [ca. Lessing. herausgegeben von G. Rodi). Vorlesungen 1900 – 1905. 1892/93. 1870 – 1895). Nachlasspublikationen und Bibliographien. Das „Dilthey-Jahr“ 1983 stellte für die internationale Dilthey-Rezeption und -Forschung eine gewisse Zäsur dar. Eine besondere Bedeutung kam in diesem Zusammenhang dem von Frithjof Rodi herausgegebenen Dilthey-Jahrbuch für Philosophie und Geschichte der Geisteswissenschaften zu.-U. herausgegeben von G. Geburtstages an verschiedenen Orten (Trier. Im Jahrbuch erschienen nicht nur bedeutende Untersuchungen zu Dilthey. 1893) und Leben und Erkennen. 1860 – 1895]. die seiner Schule nahestanden. was in der Folge zu einer nachhaltigen und verstärkten Erforschung insbesondere seiner mittleren Periode führt. Durch diese Bände. der sogenannte „Berliner Entwurf“ (ca. der bedeutsame Entwurf einer lebensphilosophisch fundierten erkenntnistheoretischen Logik und Kategorienlehre von ca. da im Umfeld des Jubiläumsjahres neue Editions. Entwürfe und Fragmente zur . T. das – als Organ der 1983 ebenfalls von F. unter Zugrundelegung verschiedenen Dispositionen und Gliederungsskizzen den systematischen Teil der Einleitung (Erkenntnistheorie. Gebhardt und H. v. Darunter befinden sich die sogenannte „Breslauer Ausarbeitung“ (ca. Logik und Methodenlehre der Geisteswissenschaften) aufgrund der Nachlassmaterialien zu rekonstruieren. Rom.-U. seiner Schule und zu Philosophen. Die ersten Ergebnisse dieser Forschungsaktivitäten wurden 1983 auf den Tagungen vorgestellt. Rodi begründeten „Dilthey-Forschungsstelle im Institut für Philosophie der Ruhr-Universität Bochum“ und wichtige Plattform der internationalen Dilthey-Forschung – zwischen 1983 und 2000 in 12 Bänden erschienen ist. die aus Anlass seines 150. Erster Teil: Vorlesungen zur Psychologie und Anthropologie [ca. sondern auch viele Dokumentationen. der Gesellschaft und der Geschichte) enthält die Ausarbeitungen und Entwürfe zum systematischen Teil des zweiten Bandes der Einleitung (ca. Die Ausgabe der GS mit inzwischen sechsundzwanzig Bänden konnte im Jahr 2005 abgeschlossen werden. Vorlesungen zur erkenntnistheoretischen Logik und Methodologie [1864 – 1903]. Maratea. 1875 – 1894]) und XXII (Psychologie als Erfahrungswissenschaft. 1880).-U. Lessing). Kerckhoven und H. Bad Homburg) abgehalten werden. werden der [185] internationalen Forschung und Dilthey-Rezeption neue Forschungsfelder eröffnet. herausgegeben von H. XXIV (Logik und Wert. XXI (Psychologie als Erfahrungswissenschaft. die bedeutsames und weitgehend völlig unbekanntes Material aus Diltheys Nachlass ans Licht bringen. Erschienen sind seit 1990 die Bände XX (Logik und System der philosophischen Wissenschaften. Neapel. noch sind. Späte Vorlesungen. Lessing und F.

Plotnikov) und eine von H. Nishimura und E. In Arbeit sind z. a. Eine portugiesische Auswahlausgabe (herausgegeben von M. Mesure u.Zt.und Literarhistoriker. V. Kühne-Bertram und H. Logik und Wertlehre [ca. Michailow und N. eine weit vorangeschrittene ebenfalls sechsbändige russische Ausgabe (herausgegeben von A. zum 20. zuletzt eine italienische Ausgabe des Leben Schleiermachers (übersetzt von F. Makkreel und F. Niederländische und Baskische. welchen Rang Diltheys Werk mittlerweile im Bewusstsein der internationalen wissenschaftlichen Welt einnimmt. so u. D‘Alberto). Rodi).). Er ist nicht nur eine historische Größe. eine französische Ausgabe Œuvres de Dilthey (herausgegeben von S. sondern wirkt mit seiner Philosophie [187] noch unmittelbar in die Gegenwart hinein als ein Autor von Rang. mehrere fremdsprachige Dilthey-Ausgaben: eine sechsbändige amerikanischen Edition der Selected Works (herausgegeben von R. so hat sich dieses Bild seitdem nachhaltig gewandelt. die deutlich machen. von der bislang fünf Bände erschienen sind. Außerdem sind in den letzten Jahren einzelne Bücher und Abhandlungen Diltheys in weitere europäische Sprachen übersetzt worden. Lessing-Goethe-Novalis-Hölderlin). 1904 – 1911]. a. von der ebenfalls schon fünf Bände vorliegen. den USA und Japan herausgebildet. Lessing) besorgt wird und dessen erster Band 2011 erschienen ist. Kühne- Bertram) sowie [186] die von G. Malsch herausgegebenen Bände XXV (Dichter als Seher der Menschheit. herausgegeben von G. die von der „Dilthey- Forschungsstelle“ (G. Galt er seinen Zeitgenossen und in dem Jahrzehnt nach seinem Tod vornehmlich als Geistesgeschichtler. A. In der Forschung wurden seit 1983 zahlreiche wichtige Monographien und Abhandlungen publiziert. Neben Deutschland haben sich Schwerpunkte der Forschung insbesondere in Italien. Amaral) wurde 2010 veröffentlicht. der neben Husserl seinen Platz in der Geschichte der deutschen Philosophie an der Wende vom 19. . Makino herausgegebene zwölfbändige japanische Ausgabe. Als Ergänzung der Ausgabe der Schriften ist eine mehrbändige Sammlung von Diltheys Briefwechsel in Arbeit. 136 Strukturpsychologie. ins Spanische. als Biograph und als Philosophie. Man rezipiert Dilthey als Klassiker der Hermeneutik und Wegbereiter einer hermeneutischen Philosophie sowie als entscheidenden Pionier einer Theorie der Geisteswissenschaften.-U. Darüber hinaus sind in den letzten Jahrzehnten in Italien zahlreiche Schriften Diltheys in einer Reihe von Einzelübersetzungen erschienen. Jahrhundert gefunden hat. Projekt der Sammlung literarhistorischer Aufsätze von 1895) und XXVI (Das Erlebnis und die Dichtung. denn Dilthey ist jetzt auch allgemein anerkannt als bedeutender systematischer Philosoph.

3. In Briefen. 137 Anhang Kurzbiographie 1833 Am 19. 1. In Briefen. ins Licht zu setzen 1861 Aus Schleiermacher‘s Leben. Band 1871 – 1882 Professor an der Universität Breslau [189] . namentlich von Ernesti und Keil. Philosophie. 4. November wird Wilhelm Dilthey in Mosbach-Biebrich am Rhein bei Wiesbaden (Herzogtum Nassau) geboren 1852 Beginn des Studiums der Theologie in Heidelberg 1853 Studium der Theologie. Band 1864 Promotion in Berlin mit De principiis Schleiermacheri 1864 Habilitation in Berlin mit Versuch einer Analyse des moralischen Bewußtseins 1864 – 1867 Privatdozent in Berlin 1867 – 1868 Professor an der Universität Basel 1869 – 1871 Professor an der Universität Kiel 1870 Leben Schleiermachers. Band 1864 Aus Schleiermacher‘s Leben. Philologie und Geschichtswissenschaft in Berlin 1855 Theologisches Examen in Wiesbaden 1856 Philologisches Staatsexamen in Berlin 1856 – 1857 Hilfslehrer am Königlichen Französischen Gymnasium (Berlin) 1857 – 1858 Lehrer und Adjunkt am Joachimsthalschen Gymnasium (Berlin) 1858 – 1866 Privatgelehrter in Berlin 1860 Preis der Schleiermacher-Stiftung (Berlin) für die Abhandlung Das eigentümliche Verdienst der Schleiermacherschen Hermeneutik ist durch Vergleichung mit älteren Bearbeitungen dieser Wissenschaft.

1. Oktober auf dem alten Friedhof in Biebrich am Rhein beigesetzt. [190] . Novalis. der Gesellschaft und dem Staat 1882 Berufung an die Universität Berlin 1883 Einleitung in die Geisteswissenschaften. Kinder: Clara. Versuch einer Grundlegung für das Studium der Gesellschaft und der Geschichte. 138 1873 Freundschaft mit dem Grafen Paul Yorck von Wartenburg 1874 Eheschließung mit Katharina Püttmann (1854 – 1932). Hölderlin 1907 Das Wesen der Philosophie 1910 Der Aufbau der geschichtlichen Welt in den Geisteswissenschaften 1911 Die Typen der Weltanschauung und ihre Ausbildung in den metaphysischen Systemen 1911 Dilthey stirbt am 1. Goethe. Lessing. Band 1887 Das Schaffen des Dichters 1887 Mitglied der Königlich-Preußischen Akademie der Wissenschaften 1890 Beiträge zur Lösung der Frage vom Ursprung unseres Glaubens an die Realität der Außenwelt und seinem Recht 1893 – 1902 Leitung der Akademie-Ausgabe von Kant‘s gesammelten Schriften 1894 Ideen über eine beschreibende und zergliedernde Psychologie 1896 Beiträge zum Studium der Individualität 1900 Die Entstehung der Hermeneutik 1905 Die Jugendgeschichte Hegels 1905 Entbindung von den Lehrverpflichtungen 1906 Das Erlebnis und die Dichtung. Maximilian und Helene 1875 Über das Studium der Geschichte der Wissenschaften vom Menschen. Oktober 1911 im Urlaub im Haus Salegg bei Seis am Schlern (Südtirol) und wird am 7.

Aus den Studien zur Geschichte des deutschen Geistes 1954 Die große Phantasiedichtung und andere Studien zur vergleichenden Literaturgeschichte 1970 Fortsetzung der Gesammelten Schriften auf Initiative Karlfried Gründers 1983 Gründung der „Dilthey-Forschungsstelle“ an der Ruhr-Universität Bochum und des Dilthey-Jahrbuchs für Philosophie und Geschichte der Geisteswissenschaften durch Frithjof Rodi 2006 Abschluss der Gesammelten Schriften (26 Bände) 2011 Der erste Band des Dilthey-Briefwechsels erscheint [191] . Wartenburg 1877 – 1897 1933 Der junge Dilthey. 139 1914 Beginn der Ausgabe der Gesammelten Schriften 1923 Briefwechsel zwischen Wilhelm Dilthey und dem Grafen Paul Yorck v. Ein Lebensbild in Briefen und Tagebüchern 1852 – 1870 1933 Von deutscher Dichtung und Musik.

Herausgegeben von Walter Biemel. 110 – 120. Ulrich Herrmann. Quellen und Literatur. Erich Weniger. Leipzig und Berlin 1914ff. Aus den Studien zur Geschichte des deutschen Geistes. Karlfried Gründer. Von deutscher Dichtung und Musik. Stuttgart und Göttingen 1960 Briefwechsel zwischen Wilhelm Dilthey und dem Grafen Paul Yorck v.. Band VI: Philosophenbriefe. Briefwechsel Briefwechsel. Göttingen 2011 Der junge Dilthey. Schriften Diltheys Gesammelte Schriften. Aufl. 193 – 232 Der Briefwechsel Dilthey-Husserl. Herausgegeben von Herman Nohl und Georg Misch. Paul Ritter. 2. d. Gabriele Gebhardt. Stuttgart und Göttingen 1957 Die große Phantasiedichtung und andere Studien zur vergleichenden Literaturgeschichte. 428 – 446. Stuttgart/Göttingen 1957ff. Band I: 1852 – 1882. in: Man and World 1 (1968). Helmut Johach. Hans-Ulrich Lessing. 2. Göttingen 1954 2. In Verbindung mit Elisabeth Schuhmann herausgegeben von Karl Schuhmann (= Husserliana. Wiederabdruck in: Rodi/Lessing (1984). Martin Redeker. Frithjof Rodi. 140 Literaturverzeichnis 1. Otto Friedrich Bollnow. Ulrich: Bibliographie Wilhelm Dilthey. Weinheim-Berlin- Basel 1969 . 26 Bände. Göttingen 1970ff. Aufl. Herausgegeben von Herman Nohl. Dilthey. Halle (Saale) 1923 Briefe an Dilthey anläßlich der Veröffentlichung seiner „Ideen über eine beschreibende und zergliedernde Psychologie“. Leipzig und Berlin 1933. Herausgegeben von Gudrun Kühne-Bertram und Hans- Ulrich Lessing. Ein Lebensbild in Briefen und Tagebüchern 1852 – 1870. Herman Nohl. Herausgegeben von Sigrid v. Zusammengestellt von Clara Dilthey geb. Schulenburg. Dokumente. Band III: Briefwechsel). in: Dilthey- Jahrbuch für Philosophie und Geschichte der Geisteswissenschaften 3 (1995). Herausgegeben von Bernhard Groethuysen. Georg Misch. Bibliographien Herrmann. Wartenburg 1877 – 1897. 43 – 53 und 486 – 488 3. Dordrecht/Boston/London 1994. Leipzig 1933. Herausgegeben von Hans-Ulrich Lessing. Gudrun Kühne-Bertram und Gabriele Malsch. Guy van Kerckhoven. jetzt in: Edmund Husserl: Briefwechsel.

1925). Leipzig und Berlin 1936. – 21. Schaffhausen 4 1980 Bube. Würzburg 1992 Herrmann. 5 1986 [= Gesammelte Werke 1: Hermeneutik I]. Ulrich: Die Pädagogik Wilhelm Diltheys. Martin: Wilhelm Diltheys Forschungsarbeit und der gegenwärtige Kampf um eine historische Weltanschauung. Diltheys Logik der Geisteswissenschaften.und Sozialphilosophie. Frankfurt a. 1975 . 275 – 284. 351 – 358. München 2005. M. Iris: Diltheys Hermeneutik im Fadenkreuz des Fremden und der Ethnologie. 141 Lessing. Eine Einführung in seine Philosophie. in: Dies. 12 (1999 – 2000). Nachschrift von Walter Bröcker. 45 – 87 Gadamer. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik. in: Dilthey-Jahrbuch für Philosophie und Geschichte der Geisteswissenschaften 1 (1983). Göttingen 1971 Ineichen. Der Aufbau der moralischen Welt als Resultat einer Kritik der introspektiven Vernunft. 285 – 371 Ebbinghaus.IV. 222 – 246 Gander. Freiburg /München 1988 Heidegger.: Fremde Monde der Vernunft. Voraussetzungen und Grundstrukturen von Diltheys Grundlegung der Geisteswissenschaften. in: Zeitschrift für Psychologie und Physiologie der Sinnesorgane 9 (1896). bes. 161 – 205. 143 – 180 Herfurth. Sekundärliteratur (Auswahl) Bollnow. Hermann: Über erklärende und beschreibende Psychologie. Wirkungsgeschichtliche Studien zu Wilhelm Dilthey. Hans-Helmuth: Positivismus als Metaphysik. Hans-Georg: Wahrheit und Methode. 281 – 288. Tübingen 1960. 303 – 329 4. 348 – 359. Hans: Erkenntnistheorie und geschichtlich-gesellschaftliche Welt. 10 Vorträge (Gehalten in Kassel vom 16. Otto Friedrich: Dilthey. Thomas: Diltheys Schriften zur Ethik. Wiederabdruck in: Rodi/Lessing (1984). 2 (1984). Ihr wissenschaftstheoretischer Ansatz in Diltheys Theorie der Geisteswissenschaften. Hans-Ulrich: Bibliographie der Dilthey-Literatur 1969 – 1998. Würzburg 2007 Därmann.IV. in: Dilthey-Jahrbuch für Philosophie und Geschichte der Geisteswissenschaften 8 (1992 – 93). 3 (1985). Die ethnologische Provokation der Philosophie. Herausgegeben von Frithjof Rodi. Tobias: Zwischen Kultur. 9 (1994 – 95).

M. 1947 Orth. Hans-Ulrich: Wilhelm Diltheys >Einleitung in die Geisteswissenschaften<. Matthias: Dilthey zur Einführung. Zur Theorie der Geistes-und Sozialwissenschaften bei Wilhelm Dilthey. Freiburg/München 2008 Knüppel. in: Speck. Philosophie der Neuzeit IV. Frankfurt a. Gudrun/Rodi. Hans-Ulrich: Die Idee einer Kritik der historischen Vernunft. Ernst Wolfgang (Hrsg. Gudrun/Scholtz. Frithjof (Hrsg. Georg: Lebensphilosophie und Phänomenologie. Philosoph der Geisteswissenschaften.: Dilthey. M. Helmut: Handelnder Mensch und objektiver Geist. Frankfurt a. 52 – 90 Jung. Axel: Wilhelm Dilthey. Gunter (Hrsg. Freiburg/München 1985 . Princeton 1975) Matteucci: Giovanni: Dilthey: Das Ästhetische als Relation. Göttingen 2002. Darmstadt 2001 Lessing. München 1991 Kühne-Bertram. Göttingen 2008 Lessing. Freiburg/München 1984 Lessing. Darmstadt 3 1967 Misch. Schr. Hans-Ulrich: Das Verstehen und seine Grenzen in Diltheys Philosophie der Geisteswissenschaften. Renate: Diltheys erkenntnistheoretische Logik. Guy van/Lessing. Meisenheim am Glan 1974 Johach. Philosophische und humanwissenschaftliche Perspektiven. Georg: Vom Lebens. Eine Auseinandersetzung der Diltheyschen Richtung mit Heidegger und Husserl. Göttingen 1986. in: Kühne-Bertram. 1991 (amerikanische Ausgabe: Dilthey – Philosopher of the Human Studies. VII-CXVII Misch. Helmut: Wilhelm Dilthey: Die Struktur der geschichtlichen Erfahrung. Leben und Werk in Bildern.): Grundprobleme der großen Philosophen. Hamburg 1996 Kerckhoven.): Grenzen des Verstehens. Wirkungsgeschichtliche Aspekte seines Werkes. Josef (Hrsg. Würzburg 2004 Misch. Hans-Ulrich/Ossenkop. Bonn 1930. Georg: Vorbericht des Herausgebers zu Band V der Ges.): Dilthey und die Philosophie der Gegenwart.): Dilthey und die hermeneutische Wende in der Philosophie. Wilhelm Diltheys erkenntnistheoretisch-logisch-methodologische Grundlegung der Geisteswissenschaften.und Gedankenkreis Wilhelm Diltheys. Leipzig und Berlin 1924. 49 – 67 Makkreel. Rudolf A. 142 Johach.

Matthias: Die Erfahrung des Anderen. Weilerswist 2003 Rodi. 1984 Schloßberger. Studien zum Werk von Wilhelm Dilthey. Zur Hermeneutik des 19. Joachim: Wilhelm Dilthey und die Entwicklung des geschichtlichen Denkens in Deutschland im ausgehenden 19. Frithjof/Lessing. Berlin 2005. Frankfurt a. 64 – 112 Rodi. in: Ders. überarbeitet). Frithjof (Hrsg. 143 Riedel. Frankfurt a. und 20. Gefühle im menschlichen Miteinander. Frithjof: Erkenntnis des Erkannten. Manfred: Hermeneutik und Erkenntniskritik (1970. Stuttgart-Berlin-Köln-Mainz 1969 Rodi.): Dilthey-Jahrbuch für Philosophie und Geschichte der Geisteswissenschaften 1 – 12 (1983 – 1999/2000) Rodi. Dilthey und Nietzsche.): Materialien zur Philosophie Wilhelm Diltheys. M. Frithjof: Das strukturierte Ganze. Zur Methode von Diltheys Ästhetik. Jahrhundert. Hans-Ulrich (Hrsg. Werner: Philosophie der Fluktuanz. Stuttgart 1978. 1990 Rodi. M. Frithjof: Morphologie und Hermeneutik. Jahrhunderts.: Verstehen oder Erklären? Zur Theorie und Geschichte der hermeneutischen Wissenschaften. Würzburg 1999 . Göttingen 1992 Thielen. zu Dilthey: 77 – 108 Stegmaier.

Paul Thiry 167 Droysen. 180 – 182. Maximilian/Max (Sohn Diltheys) Hobbes. 169 Dilthey. Habermas. 130. 21. Aurelius 134 Frischeisen-Köhler. Martin 14. Wilhelm 21 Carlyle. Thomas 167 25. 116. Helene 25. Wilhelm 181 Ast. Georg Wilhelm Friedrich 11f. 36f. Ferdinand 15 . Francesca 187 Hegel.. 24 Buckle. Kuno 19 Aristoteles 20. Wilhelm 80f. Otto Friedrich 14. Darwin. 40. Grimm. Demokrit 167 169. Friedrich 109 Freyer. Thomas 21 Groethuysen. Giordano 169 Grimm. 187 Fichte. Karl 19 Herder. Hünermann. Maria Nazaré C. 30. Jacob 21. 105f. Matthias 109f. 36f. 35. Arnold. Nicolai 116 D’Alberto. Karlfried 179. Friedrich 25. Carl von 28 Hartmann. 190 Herbart. Hinneberg. P. David 16. 184 169 Bruno. Balzac. 144 Personenregister Althoff. 141 – 143. Hermann von 81 Diels.. Jürgen 185 148 Haeckel. Ludwig 16 Grimm. Henri 61. Rudolf 176f. Johann Peter 19 Dilthey. Marie 19 Heuschkel. 185. Johann Friedrich 79 Dilthey. Hans 181f. 182 Bacon. Hermann 26 Heraklit 63. 129 Homer 13 Ebbinghaus. Max 182 Heine. 30. Goethe. Auguste 16. 191 Comte. Alexander von 20 Erdmann. Max 30. 105. Augustinus. 175 Feuerbach. Francis 42 Gadamer. 129 Eucken. Dilthey. Wilhelm 82 Flitner. 93. Maria Laura 19 Herrmann. 24. 21. 168 Flacius Illyricus. Friedrich 30 Diwald. Maximilian (Vater Diltheys) 19. Johann Wolfgang von 12. Gabriele 186 Bismarck. Cicero.. 55. Peter 185 Emerson. Benno 26 Humboldt. Wilhelm von 20. René 58 Heidegger. Hans-Georg 14. 180 Descartes. Ralph Waldo 21 Humboldt. 109. 148. 182 – 184 Dessoir. 177f. Bernhard 175. 128f. Otto von 176 Bollnow. Otto von 137 Gervinus. Charles 163 20. Honoré de 24 184 Bergson. Ludwig 167 Amaral. Marcus Tullius 168 Gründer. Johann Gottfried 37. 182. 75. 78. Hume. Ernst 16 Cotta. 64 Fellmann. 129. Hermann 27. Charles 24 Helmholtz. 168 Anaxagoras 168 Fischer. Gierke. 179f. Johann Gottlieb 77.. Henry Thomas 16. Georg Gottfried 129 Boeckh. 190 Hölderlin. 36f. Herman 13. 108. 108 His. Paul 30 21. Heinrich 24 Dickens. Ulrich 185 Dilthey. Hellmut 185 d’Holbach. 168 Gebhardt.. 37 Büchner. 169 Dilthey. August 20. 175. Johann Gustav 21. 15f.

169 Nietzsche. 182f. Blaise Johach. 177 Sokrates 168 Niebuhr. 185 Kühne-Bertram. 130 Schöne. 175 Pöggeler. Paul 179f. 181f. Herman 13. Nikolaj 187 88. 25. 80 Makino. 168. 77f. Moritz 23. 191 Lessing. Karl 21 Sigwart.. Charles de Secondat 128 Shaftesbury. Friedrich Wilhelm 109. 37 Lukács.. Frithjof 181. Karl 181 Pascal. 30. 157. Barthold Georg 37 Spinoza. 75f. 153. 169 Misch. 62. Theodor 181 Ruskin. Schmoller. 178f. Christoph 29. 182f. Ritter. James. Karl 82 Redeker.. Georg Ernst 25 Krakauer. Clara geb. 185–187. 190 Schopenhauer. Paul 175 16. 64 Sand. 145 Husserl. 129 Knies. 177 Müller. Helmuth 14. John 62 Locke. 30. John 16. 44. Lessing. Rudolf A. Guy van 186 Püttmann. Hugo 182 Rickert. Manfred 185 Landgrebe. Katharina 25. Georg Friedrich 110 Schleiermacher. Rousseau... 21. Georg 14. Hiroshi 187 188 Nitzsch. 33.. 185. Ludwig 22 Plessner. Josef 182 Reimer. 181. Martin 22 König. Wilhelm 20f. Maurice 62 Schelling. 121. 43. 190 Kluckhohn. 40 Misch. 185 Michailov. Sylvie 187 110. 30 Rothacker. Hans P. 28. 175f. 181 . 24. Johannes 81 Smith. Georg 184 Scheler. Friedrich 9. 180. 22–25. 182 Maeterlinck. Sigrid von der 181 Montesquieu. Friedrich Daniel Ernst 10. 75f. Jean-Jacques 168 Litt. Plotnikov. 29f. Dilthey 25. 81. 187 Schlosser.. Alois 177 Landmann. Paul 182 Ranke. 29. 36. 169. 187 Schiller. Gabriele 187 Schlegel. Leibniz. Gustav von 176 82. Ineichen. Jacob 36 Makkreel. Hans 185 184 Jacobi. 179 – 182.. Peter 185 Rickman. Nishimura. Karl 20 Lazarus. Erich 14. Menzer. 178. 109. Edmund 9. 179–184 Schulenburg... Max 61f. Hans-Ulrich 186f. 78. Friedrich Carl von 20. Otto 182 Kerckhoven. 78. 78. William 13 Parmenides 169 Jaspers. 111. Kant. 136. Immanuel 7. John Stuart 16. 182 Krausser. Gudrun 186f. Ludwig 183 Riehl. 61f. 26. Friedrich 109 Meier. 175. Gotthold Ephraim 24. 16. 34. 175. 58. 36f. Rudolf von 128 Nohl. Antony Ashley Cooper 169 Müllenhoff. 105 – Mesure. Friedrich Christoph 24 Mill. 115. Arthur 24. Riedel. Rudolf Hermann 25 Savigny. Alexander V. Karl Immanuel 20 Ihering. 115. 175. George 24 Lotze. Michael 15 Ritter. 169 Maine de Biran 168 Scherer. 10. 64f. Leopold von 20f. Friedrich von 168 Malsch. Friedrich Heinrich 168 Novalis 24.. 20.. Gottfried Wilhelm 169 Rodi. 77 Spranger. 77f. Baruch de 31. Adam 82 Natorp. 36. Paul 87. Richard 25. 62. Heinrich 178. Eiji 187 Schiel. Helmut 185 Platon 168 Jonas. Eduard 30.

Paul Graf 25. Theobald 176 . François Marie 24 Wach. 25 Usener. 153 Tumarkin. Heymann 36. Johann Joachim 37 Windelband. 102f. Dilthey 19 Voltaire. 177f. Erich 181 Winckelmann. 182.. Hermann 19. 94 Xenophanes 169 Yorck von Wartenburg. Ludwig Graf 25 Yorck von Wartenburg. Friedrich 28 Unger. 27. 190 Zeller. Friedrich August 20 Wundt. 146 Stein. Leo 62 Treitschke. Wilhelm 75. Anna 175 Twesten. 23. August Detlev Christian 20 Ueberweg. Oskar 182 Weniger. 75 Tolstoi. Wilhelm 93. Richard 24. Joachim 182 Wagner. Eduard 26 Ziegler. 36. Friedrich Adolf 20f. Rudolf 182 Usener.. Arthur 182 Steinthal. Wolf. Lily geb. 62 Walzel. Heinrich von 52 Trendelenburg.