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Schriften des Historischen Kollegs

Herausgegeben von Lothar Gail

Kolloquien
74

R. O ldenbourg Verlag München 2011

Mastering Russian Spaces
Raum und Raumbewältigung
als Probleme der russischen Geschichte

Herausgegeben von
Karl Schlögel
unter M itarbeit von
Elisabeth M üller-Luckner

R. O ldenbourg Verlag M ünchen 2011

Schriften des H istorischen Kollegs
herausgegeben von
Lothar Gail
in Verbindung mit
Peter Funke, Johannes Fried, H ans-W erner Flahn, K arl-H einz Hoffmann,
M artin Jehne, C laudia M arti, H elm ut Neuhaus, Friedrich W ilhelm Rothcnpieler,
M artin Schulze Wessel und Andreas W irsching

Das H istorische K olleg fördert im Bereich der historisch orientierten W issenschaften G e­
lehrte, die sich durch herausragende Leistungen in Forschung und Lehre ausgew iesen haben.
Es vergibt zu diesem Z w eck jährlich bis zu drei Forschungsstipendien und zw ei F ördersti­
pendien sow ie alle drei Jahre den „Preis des H istorischen K ollegs“.
Die Forschungsstipendien, deren Verleihung zugleich eine A uszeichnung für die bisherigen
Leistungen darstellt, sollen den berufenen W issenschaftlern w ährend eines Kollegjahres die
M öglichkeit bieten, frei von anderen Verpflichtungen eine größere A rbeit abzuschließen.
Professor Dr. Karl Schlögel (Frankfurt/O der) w ar - zusam m en mit PD Dr. C laire G antet
(Berlin/Paris), Prof. Dr. K arl-Joachim Flölkeskam p (Köln) und Prof. Dr. Tilm an N agel
(G öttingen) - Stipendiat des H istorischen Kollegs im K ollegjahr 2005/2006. Den O bliegen­
heiten der Stipendiaten gemäß hat Karl Schlögel aus seinem Arbeitsbereich ein K olloquium
zum Them a „M astering Space. Raum und R aum bew ältigung als Problem e der russischen
G eschichte“ vom 13. bis 15. Ju li 2006 im H istorischen K olleg gehalten. Die Ergebnisse des
K olloquium s w erden in diesem Band veröffentlicht.
Das H istorische K olleg w ird seit dem K ollegjahr 2000/2001 - im Sinne einer „public private
partnership“ - in seiner G rundausstattung vom Freistaat B ayern finanziert, die M ittel für die
Stipendien stellen gegenw ärtig die Fritz Thyssen Stiftung, der Stiftungsfonds Deutsche Bank,
die G erda H enkel Stiftung und der Stifterverband für die Deutsche W issenschaft zu r Verfü­
gung. Träger des H istorischen Kollegs, das vom Stiftungsfonds Deutsche Bank und vom Stif­
terverband errichtet und zunächst allein finanziert w urde, ist die „Stiftung zu r Förderung der
H istorischen Kom m ission bei der Bayerischen A kadem ie der W issenschaften und des H isto ­
rischen K ollegs“.

K aulbachstraßc 15, D -80539 M ünchen
Tel.: + 49(0)89 2 8 6 6 3 8 6 0 Fax: + 49(0)89 2866 3 86 3
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film ungen und die Einspeicherung und Bearbeitung in elektronischen System en.
U m schlagbild: G esandtschaft m it Schlitten auf dem Weg nach M oskau (aus den M em oiren
H erbersteins), in: Hans von Eckhardt: R ussland, L eipzig, B ibliographisches Institut AG,
1930, S. 48.
E inbandgestaltung: hauser lacour
Dieses Papier ist alterungsbeständig nach DIN/ISO 9706
Satz: Schm ucker-digital, Feldkirchen b. M ünchen
D ruck: M em m ingcr M edienC entrum , M em m ingen
Bindung: Buchbinderei Klotz, Jettingen-Scheppach
ISBN 978-3-486-70445-7

Inhalt

Verzeichnis der T agungsteilnehm er........................................................................... VII

K a rl S c h lö g e l
Raum und Raumbewältigung als Probleme der russischen Geschichte.
Zur E in fü h ru n g ................................................................................................................. 1

C arsten G o eh r k e
Raum als Schicksal? Geographische und geopolitische Entwicklungs­
bedingungen in der Geschichte R u ssla n d s............................................................. 27

Mark Bassin
Eurasian Visions of Russian Nationhood in Space ............................................. 47

Susi K. Frank
„Wandern“ als nationale Praxis des „mastering space“. Die Entwicklung
des semantischen Feldes um „^poAH XH uqecTBo“ und „cxpaHHHHecTBo“
zwischen 1836 und 1 9 1 8 ................................................................................................ 73

R o la n d C v etk o v sk i
Russlands Wegelosigkeit. Semiotiken einer A b w esen h eit................................. 91

Frithj o f B en ja m in Schenk
Die Produktion des imperialen Raumes. Konzeptionelle Überlegungen
zu einer Sozial- und Kulturgeschichte der russischen Eisenbahn im
19. Jahrhundert ................................................................................................................. 109

K atharina K u c h e r
Der Fall N orilsk. Stadt, Kultur und Geschichte unter Extrem­
bedingungen ..................................................................................................................... 129

Susan E. R eid
Building Utopia in the Back Yard. Housing Administration, Participatory
Government, and the Cultivation of Socialist Comm unity ............................ 149

Christian Noack
„Andere Räume“ - sowjetische Kurorte als Heterotopien. Das Beispiel
Sotschi ................................................................................................................................. 187

W ladislaw H e d e l e r
Die Präsenz staatlicher Gewalt inmitten einer urbanen Umwelt.
Das Beispiel M o sk au ....................................................................................................... 199

VI Inhalt

O ksana B u lg a k o w a
Symbolische Topographie des neuen Moskau im Film. Wie eine Stadt im
Kopf e n tsteh t..................................................................................................................... 253

K laus G estw a
Zwischen Erschöpfung und Erschließung. Zur Aneignung von Raum und
Macht in der Sowjetunion ........................................................................................... 279

Kurzbiografien der Autoren ....................................................................................... 313

Verzeichnis der Tagungsteilnehmer

Prof. Dr. M ark Bassin, Birmingham, m.bassin@bham.ac.uk
Prof. Dr. Oksana Bulgakowa, Berlin, bulgakowa@uni-mainz.de
Prof. Dr. Susi Frank, Berlin, susanne.frank@staff.hu-berlin.de
Prof. Dr. Klaus Gestwa, Tübingen, klaus.gestwa@uni-tuebingen.de
Prof. em. Dr. Carsten Goehrke, Zürich, goehrke@ggaweb.ch
Prof. Dr. Gassan Gusejnov, Moskau, gusejnow@qmail.com
Dr. W ladislaw Hedeler, Berlin, w.hedeler@gmx.net
Dr. Katharina Kucher, Tübingen, Katharina.Kucher@uni-tuebingen.de
Prof. Dr. Christian Noack, M aynooth, Maynooth Co. Kildare, Irland,
Christian.noack@nuim.ie
Prof. Dr. Susan E. Reid, Sheffield, s.e.reid@sheffield.ac.uk
Prof. Dr. Frithjof Benjamin Schenk, Basel, benjamin.schenk@unibas.ch
Dr. Wolfgang Schivelbusch, Berlin
Prof. Dr. Karl Schlögel, Frankfurt/Oder (Stipendiat des Historischen Kollegs
2005/2006), Karl.Schloegel@web.de

.

Karl Schlögel

Raum und Raum bewältigung als Probleme
der russischen Geschichte
Zur Einführung
„Wo von Russland die Rede ist, rückt unweigerlich der ,russische Raum “ ins
Blickfeld, dessen Einzigartigkeit als größtes Staatsterritorium der Erde oft zur Er­
klärung, auch zur Rechtfertigung des ,russischen Wegs' hervorgehoben wird, ei­
nes historischen und politischen S o n d e r w e g s , der nicht allein die Staatlichkeit und
die Kulturentwicklung Russlands, sondern auch die Mentalität des Russentums
(,russkost‘) zutiefst geprägt habe“, heißt es in einer unlängst erschienenen großan­
gelegten Kulturgeschichte R usslands1. Vom „russischen Raum “ ist es dann meist
nicht weit zur „russischen Seele“. Überhaupt scheint alles philosophische Nach­
denken über Russlands Stellung in der Welt mit dem berühmten kategorischen
Satz Petr Caadaevs anzuheben, mit dem das M anuskript seiner „Apologie eines
Wahnsinnigen“ aus dem Jahre 1837 abbricht: „Es gibt ein Faktum, das unseren
Gang durch Jahrhunderte hindurch beherrscht, unsere ganze Geschichte durch­
zieht, in gewissem Sinne ihre ganze Philosophie in sich enthält, in allen Epochen
unseres sozialen Lebens sich zeigt und ihren Charakter bestimmt; ein Faktum, das
gleichzeitig das Wesenselement unserer politischen Größe und die wahre Ursache
unserer geistigen Ohnmacht ist: das geographische Faktum .“2
In den modernen wissenschaftlichen Diskursen hat es der „russische Raum “
und erst recht „die russische Seele“ nicht leicht. Es ist nicht schwierig, sie als zu
vage, als holistisch und für eine A nalytik kaum brauchbar zurückzuweisen und sie
einer Ideengeschichte zuzurechnen, in der es noch möglich war, mit völkerpsy­
chologisch konzipierten Kollektivmentalitäten oder deterministischen A bleitun­
gen zu operieren - seien sie nun biologischer oder geographischer Provenienz. Sie
sind zudem semantisch vielfach kodiert, besonders in Deutschland, wo das Den­
ken in räumlichen Kategorien durch den Nazigebrauch kontaminiert ist, und
„O straum“ oder „russischer Raum “ immer noch Assoziationen zur nationalso­

1 Felix P h ilip p I n g o l d , Russische Wege. Geschichte, Kultur, W eltbild (M ünchen 2007) 7. Es
handelt sich um die bisher gründlichste und ausführlichste D arstellung des Komplexes „rus­
sischer R aum “ und „russische Seele“.
2 P e t e r T s ch a a d a je w , A pologie eines W ahnsinnigen. G eschichtsphilosophische Schriften
(L eipzig 1992) 174.

2 Karl Schlögel

zialistischen Vision von einem bis an den Ural ausgeweiteten, deutsch-arisch be­
herrschten Großraum auslösen kann3. Den wichtigsten Rückhalt aber schien die
Rede vom russischen Raum seit jeher aus dessen schierer Evidenz zu beziehen -
durch Tausende und Abertausende, immer wieder und aufs Neue gemachte Erfah­
rungen mit dem Raum selbst, auf Reisen durch die Sowjetunion und den postsow­
jetischen Raum, den M ythos der Transsib, die Zeiterfahrung auf der transkonti­
nentalen Route zwischen Atlantik und Pazifik, die „Unberührtheit“ und die
„Weite“ Sibiriens, die Menschenleere der durchquerten Räume. Die Weite der
Landschaften, die schiere Grenzenlosigkeit des Territoriums, die U nzugänglich­
keit von Naturräumen, der Eindruck, dass man mit einer Reise dorthin die zivili­
sierte Welt hinter sich lasse, die Monotonie und Gleichförmigkeit des Raumes und
die allgemeine Verlangsamung des Lebensrhytmus - all dies schienen auf der
Hand liegende, offensichtliche Charaktere Russlands zu sein, die keiner weiteren
Begründung oder argumentativen U nterstützung bedurften. Von der Fixierung
und Vermittlung dieser Eigentümlichkeiten des russischen Raumes lebt ein ganzes
Genre und dieses spielt wiederum eine wesentliche Rolle bei der Erzeugung und
Vermittlung des Russlandbildes4.
Dem ließe sich eine ähnlich eindrucksvolle Sammlung von Zügen zur „russi­
schen Seele“ hinzufügen. Auch sie ist in einer umfangreichen - wissenschaftlichen
wie populären - Literatur aufgearbeitet. Es geht dabei bekanntlich um die menta­
len und psychologischen Entsprechungen zu Weite, Grenzenlosigkeit, Unend­
lichkeit des Horizonts, Monotonie der Landschaft. In dieser „Geographie der
russischen Seele“ (N ikolaj Berdjaev) spielen Grenzenlosigkeit, eine Neigung zu
Ekstase, Exzess eine ebenso große Rolle wie die Aversion gegen den kleinbürger­

3 M e c h t i l d R ö ss le r, „W issenschaft und Lebensraum “. G eographische O stforschung im N a­
tionalsozialism us. Ein B eitrag zu r D isziplingeschichtc der G eographie (Berlin, H am burg
1990) L iteraturverzeichnis 2 3 7 ff.; M e c h t h i l d R össler, S a b i n e S c h l e i e r m a c h e r (H rsg.), Der
„G eneralplan O st“. H aup tlinien der nationalsozialistischen Planungs- und V ernichtungspo­
litik (Berlin 1993); Vejas G a b r i e l L iu leviciu s , K riegsland im O sten. E roberung, K olonisie­
rung und M ilitärherrschaft im Ersten W eltkrieg (H am burg 2002); G r e g o r T h u m (H rsg.),
Traumland O sten. D eutsche B ilder vom östlichen Europa im 20. Jah rh un dert (G öttingen
2006); M i c h e l K o r i n m a n , Q uand l ’A llem agne pensait le monde: grandeur et decadence d ’une
geopolitique (Paris 1990). Z ur Sem antik allgem ein: zu r philosophisch-naturw issenschaft­
lichen Begriffsgeschichte von „R aum “ in: H istorisches W örterbuch der Philosophie (Basel
1992) Vd. 8, Sp. 67-111, eine psychologische Begriffsgeschichtc Sp. 111-121, eine Begriffs­
geschichte des politischen R aum es von W. K ö s t e r , Sp. 122-131. Für die theoretische G rund­
legung nach w ie vor am überzeugendsten: O t t o F r i e d r ic h B o lln o w , M ensch und Raum (Stutt­
gart 1997).
4 G ew ichtige literarische D arstellungen aus neuerer Zeit: R y s z a r d K a p u scin sk i, Imperium.
Sow jetische Streifzüge. Aus dem Polnischen von M artin Pollack (F rankfurt a. M. 2000);
M a riu sz Wilk, Schw arzes Eis. M ein R ussland (W ien 2003); M a riu sz Wilk, Das H aus am O ne­
gasee (W ien 2008). Von großem Einfluss auf die allgem eine R ezeption dürften Bücher und
Fernsehfilm e sein, zum Beispiel: K la u s B e d n a r z , Ballade vom Baikalsee (M ünchen 1999);
ders., Ö stlich der Sonne (R einbek bei H am burg 2002); d ers., Vom B aikal nach A laska (R ein ­
bek bei H am burg 2003); Fritz P l e i t g e n , Väterchen Don. D er Fluss der Kosaken (Köln 2008);
G e r d R ü g e unterw egs in Sibirien (H am burg 2006); Dirk S ä g e r , R usslands hoher N orden.
Eine Reise von St. Petersburg bis zum Polarm eer (Berlin 2005).

Zur Einführung 3

lieh beschränkten Alltag, seine Routinen und seine D isziplin. Die „weite russische
N atur“ sei, so heißt es, zerrissen von extremen Gegensätzen, von Apathie und
Ekstase, von unendlicher Leidensfähigkeit und unbändigem Freiheitsdrang, über­
haupt von einer Freiheitsvorstellung, die sich angeblich erst jenseits institutioneil
verbürgter Freiheitsrechte so recht entfalten kann. Anarchismus und U nterw er­
fung, rauschhafte Exzesse und fatalistische Ergebenheit - all dies soll in der „rus­
sischen Seele“ Zusammenkommen5.
Die Zwangsläufigkeit, mit der alles Reden über Russland irgendwann beim
„russischen Raum “ anlangt - und nur hierum geht es in diesem Zusammenhang -
ist indes nicht allein dem Augenschein und einer selbstverständlichen Evidenz ge­
schuldet, sondern selber das Resultat einer historischen Entwicklung. Man kann
Landeskunde treiben und Ortsbeschreibungen verfassen, Reiseberichte schreiben,
ohne dass dies in einem K ollektivsingular „Russischer Raum “ zusammenläuft.
Der „russische Raum “ gehört zu dem Bild, das Russland von sich selbst entwor­
fen hat, und zu dem Bild, das man sich draußen in der Welt von Russland gemacht
hat. Die Rede vom „russischen Raum “ gab es nicht seit jeher, sondern sie hat einen
historischen Ort, sie hat ihre geschichtlichen Konjunkturen, ihr Auf und Ab, sie
ist das Resultat einer historischen Entwicklung.
Im Falle Petr Caadaevs ist der Hinweis auf das „geographische Faktum “ nicht
nur eine Ortsangabe, nicht eine Lokalisierung Russlands auf dem Globus, son­
dern bringt Caadaevs Ü berzeugung zum Ausdruck, dass Russland ein Land ohne
große Vergangenheit sei und daher eben „nur“ eine geographische Tatsache. Es ist
also weit mehr als die Klage über die ungeheure Erstreckung Russlands „zwischen
Oder und Pazifik“, zwischen Europa und Asien, sondern die Klage über die Ge-
schichtslosigkeit, über Russlands Nichtexistenz in der geschichtlichen Zeit, dass
es in der Geschichte der großen Reiche und Völker noch keine Spur hinterlassen
habe. Was indes zu einem früheren Zeitpunkt als schicksalhafte Benachteiligung
erschien - Russland als historische Leerstelle, als tabula rasa der Weltgeschichte -
w ird sich, so die Überzeugung Caadaevs, unter veränderten Bedingungen als sein
historisches Privileg erweisen: im Unterschied zu den alten, historischen Völkern
frisch und unverbraucht anfangen zu können und die Welt gleichsam neu zu erfin­
den.
Es ist nicht schwer, Caadaevs Meditation auf dem H intergrund seiner Zeit zu
lesen und zu verstehen: einer Zeit der Gärung und des Umsturzes, den die Fran­
zösische Revolution und deren Napoleonisches Ausgreifen in ganz Europa ein­
schließlich Russlands eingeleitet hatte. Russland blickte in den Spiegel Europas
und entdeckte - trotz des Sieges über die Grande Armee - auf eine neue Weise
seine Zurückgebliebenheit, eine wahrhaft traumatische Erfahrung6. Der Einbruch

5 Felix P h ilip p I n g o l d , R ussische Wege (M ünchen 2007) 53 ff.
6 Zur Einordnung C aadaevs vgl. A n d r z e j Walicki, The Slavophile controversy: h isto ry of a
conservative utopia in nineteenth-century R ussian thought (U n iversity of N otre Dame
Press, 1989); ders., A h isto ry of R ussian thought from the E nligtenm ent to M arxism (O xford
1988).

4 Karl Schlögel

einer neuen Zeit, die die eigene Welt auf rücksichtslose Weise mit der Außenwelt
in Beziehung setzte, riss sie heraus aus ihrem stationären Zustand. Die Erfahrung
der Beschleunigung der Zeit, der geschichtlichen Turbulenzen und Verwerfungen
geht einher mit der kränkenden Erfahrung von Rückständigkeit und Bedeutungs­
losigkeit. Eine Zukunft habe Russland nur, so Caadaev, wenn es den Zustand eines
„nur geographischen Faktums“ überwinde und zum Schauplatz einer großen zi­
vilisatorischen Leistung werde: „Zwischen den beiden Hauptteilen der Welt, dem
Osten und Westen stehend, mit dem einen Arm auf China, mit dem ändern auf
Deutschland gestützt, hätten w ir die beiden großen Elemente der geistigen Natur:
die Phantasie und den Verstand, in uns vereinigen und in unserer Zivilisation die
Geschichte des ganzen Erdballs zusammenfassen sollen.“7 W ir haben es hier mit
der Primärformulierung einer Konfiguration zu tun, die später in immer neuen
Varianten wiederkehren wird.
Das 19. Jahrhundert ist auch für Russland das Jahrhundert kolonialer und
imperialer Raumerfahrung8. Das Russische Reich hat als das größte Kontinental­
imperium seine Grenzen gefunden. Mit der Gründung von W ladiwostok ist die
Inbesitznahme des Fernen Ostens abgeschlossen, mit der Errichtung der zari-
schen Herrschaft in Zentralasien ist die Einverleibung des Orients in das Russi­
sche Reich abgeschlossen und mit der Eroberung und Pazifisierung des Kaukasus
wird die Südgrenze zum Osmanischen Reich hin befestigt. Wie auch in den än­
dern Kolonialreichen und Imperien ist das 19. Jahrhundert ein Jahrhundert der
Exploration, der Vermessung, der ethnographischen Erkundung und N euord­
nung, der Kartographie, der Verkehrserschließung, der Städtegründung und der
Integration und Homogenisierung des einverleibten Raumes unter dem Zeichen
der jeweiligen Imperialkultur. Die Größe des Reiches wird infolge neuer Ver­
kehrswege ermessbar, erfahrbar, anschaulich, eine W irklichkeit der Zeitgenossen.
Expeditionen, Entdeckungen, Berichterstattung von militärischen Auseinander­
setzungen, Eisenbahnbau und andere technische Pionierleistungen, die „Ausbrei­
tung der Zivilisation“ eben, konstituieren einen neuen imperialen Raum. Auf den
verschiedensten Ebenen - ethnographisch, geographisch, kulturell, sprachlich, ad­
ministrativ - kommt es zu einer Selbstexploration eines bisher weithin ungekann-
ten oder nur lokal erfassten Territoriums. Ihr auf dem Fuße folgen Öffnung und
technische Erschließung. Eisenbahnbau und andere Jahrhundertprojekte schaffen

7 P e t e r T s cb a a d a jew , A pologie eines W ahnsinnigen. G eschichtsphilosophische Schriften,
Erster Philosophischer B rief (L eipzig 1992) 16/17.
8 C l a u d ia Weiss, W ie Sibirien „unser“ w urde: die Russische G eographische Gesellschaft und
ihr Einfluss auf die B ilder und Vorstellungen von Sibirien im 19. Jahrhundert (G öttingen
2007); D a v i d J . M. H o o s o n , The D evelopm ent of G eography in Pre-Soviet R ussia, in: Annals
of the A ssociation of A m erican G eographers, 1467-8306, Volume 58, Issue 2 (1968) 250-272;
M ark B a ssin , Im perial visions: nationalist im agination and geographical expansion in the
Russian Far East 1840-1865 (C am bridge 1999); paradigm atisch für das Britische Empire:
M a t t h e w H. E d n ey, M apping an Empire: the G eographical C onstruction of British India
1765-1843 (C hicago 1990).

Zur Einführung 5

erst die Infrastruktur, die das Reich trägt und zusammenhält, die aber auch jene
Dynamik erzeugt, die das Reich sprengen w ird9.
In dieser Selbstexploration des größten Kontinentalimperiums der Welt hat
auch die Geschichtsschreibung, die der chronologisch-zeitlichen Dimension sen­
sibel die räumliche zur Seite stellt, ihren historischen Ort. Die Geschichte Russ­
lands eines Sergej Solov’ev (1820-1879), vor allem aber Vasilij Kljucevskijs (1841—
1911) ist in Wahrheit die Bildungsgeschichte des Russländischen Imperiums von
ihrem Ende her: Expansion und Verschiebung der Grenzen als Ergebnis eines
immer neu in Gang kommenden Wanderungs- und Kolonisierungsprozesses, der
Verschiebung der Relation zwischen Zentren und Peripherien, der Behauptung
der Autokratie und der Ausweich- und Fluchtbewegungen der Gesellschaft an die
Ränder10. Zu den eindrucksvollen Dokumenten und Monumenten dieser Selbst­
erkundung und Selbstbeschreibung Russlands gehört auch das von Petr P. Seme-
nov-Tjan-Sanskij (1827-1914) und anderen initiierte und herausgegebene mehr­
bändige Werk „Russland. Vollständige geographische Beschreibung unseres Va­
terlandes“, das von 1899 an erschien11.
Diese Linie einer geographisch-historisch angelegten Darstellung bricht nach
der Revolution nicht ab, aber sie wird doch überrundet und verdrängt von einer
anderen, die ins Zentrum ihrer Studien die Frage des politischen Systems, die ra­
dikale M odernisierung, die Beschleunigung der Entwicklung, die brachiale Been­
digung der Rückständigkeit rückt. Die Gesellschaftsentwicklung, angetrieben
vom Widerspruch zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen und
vom Klassenkampf bildet nun die M atrix für die Darstellung der russischen Ge­
schichte. Das „Geschichte machen“, der politische W ille, die politische und m ili­

9 U ber Erschließungsleistungen des Russischen Im perium s: J a n e B u r b a n k , D a v i d L. R a n s e l
(H rsg.), Im perial Russia. N ew H istories of the Empire (Bloom ington, Indianapolis 1998);
D o m i n i c L ie v e n , Empire. The R ussian Empire and its Rivals (London 2000); F r i t h j o f B e n j a ­
m i n S ch e n k , Im periale R aum erschließung. Die Beherrschung der russischen W eite, in: O st­
europa (55. Jg./H. 3/März 2005) 33-45; J ö r g B a b e r o w s k i, D a v i d F eest, C h r i s t o p h G u m b
(LIrsg.), Im periale H errschaft in der Provinz: R epräsentationen politischer M acht im späten
Zarenreich (Eigene und frem de W elten) (F rankfurt a.M . 2008); J ö r n L eo n h a rd , U lrike v o n
H i r s c h h a u s e n , Empires und N ationalstaaten im 19. Jah rh un dert (G öttingen 2009).
10 „Die Kolonisation des Landes als grundlegende Tatsache der Geschichte R ußlan ds“ vgl.
W. K lj u t s c h e w s k i j , G eschichte R ußlands, hrsg. v. F ried r ic h B ra u n , R e i n h o l d v o n Walter
(Stuttgart, L eipzig, Berlin 1925) E rster Band, 19 ff.; C a r s t e n G o e h r k e , G eographische
G rundlagen der russischen Geschichte. Versuch einer A n alyse des Stellenw erts geographi­
scher G egebenheiten im Spiel der historischen Kräfte. In: JbbG O steur 18 (1970) 161-204;
/. P. L e D o n n e , The R ussian Empire and the W orld (1700-1917), The geopolitics of expansion
ad C o n ta in m e n t (O xford 1997); W illiam S u n d e r la n d , Tam ing the W ild Field. C olonization
and Empire on the R ussian Steppe (Ithaca, London 2004).
11 R ossija, Polnoe geograficeskoe opisanie nasego otecestva, pod. O bscim rukovodstvom
P. P. S e m e n o v a , V. /. L a m a n s k o g o , V. P. S e m e n o v a (Sankt-Peterburg 1904 ff.); P P. S e m e n o v ,
O m oguscestvennom territo ral’nom vladenii prim eniteFno k Rossii. O cerk po politiceskoj
geografii (Petrograd 1915). R atzels W erk w ar in Russland übersetzt und gut bekannt: F. R a t-
cel\ Zemlja. 24 obscedostupnych besedy po obscemu zem levedeniju (M oskva 1882); ders.,
N arodovedenie. Spb 1901-1902; d ers., Z em lja i zizn ’, Sravnitelnoe zem levedenie, t. 1-2
(Sankt-Peterburg 1906).

6 Karl Schlögel

tärische Macht, die visionäre Kraft eines utopischen Programms treten an die
Stelle der „objektiven Gegebenheiten“ oder dominieren sie wenigstens12. Macht,
System, Wille, Organisation, Planbarkeit avancieren nun zu Zentralbegriffen der
neuen bolschewistischen Meistererzählung. Selbst natürliche Gegebenheiten sind
darin nicht einfach hinzunehmen; nicht nur die Geschichte wird verfügbar, son­
dern auch die Natur. Die ganze Rhetorik der revolutionären Umgestaltung ist er­
füllt vom Kampf mit einer Natur, die umgestaltet und notfalls korrigiert werden
muss; die Auseinandersetzung mit der Natur wird zur quasi-militärischen
Schlacht, und Arbeit wird zum Kampf, in dem es Sieger und Besiegte gibt13.
Das neue Imperium, die aus Krieg, Revolution und Bürgerkrieg hervorgegan­
gene UdSSR, definiert sich primär als überlegenes soziales und politisches System,
das seine Legitimation aus der Fähigkeit bezieht, die Gesellschaft der Zukunft
errichten zu können. „Das System “ setzt die Imperative der Entwicklung, wenn
nötig auch über die Eigenbewegung der Gesellschaft hinweg und sogar gegen die
naturräumlichen Gegebenheiten. Die Sowjetunion schuf sich ihre neue Geogra­
phie, ihre neue Räumlichkeit, und sie w ar in vieler Hinsicht nicht durch die N a­
turräum lichkeit definiert, sondern durch die Setzungen der Macht. So wurden alte
Landschafts- und Regionalzusammenhänge aufgelöst oder geschwächt und neue
geschaffen. So verloren traditionelle städtische Zentren, die M ittelpunkte für
Handel und Verkehr gewesen waren, ihre Funktion und sanken ins Abseits. Dafür
entstanden neue Siedlungen, neue Korridore und innere Peripherien, eine neue
Geographie der Macht, deren Zonen eher von Ressortinteressen bestimmt waren
als von eingespielten und intakten Zusammenhängen zwischen den Regionen.
Ganz neue Erscheinungen - geschlossene Städte und Zonen etwa - tauchten auf.
Die Außengrenze war nicht nur eine gewöhnliche Territorialgrenze, sondern eine
Grenze, später sogar ein „Eiserner Vorhang“ zwischen den zwei Welten. Der
Rang einer Stadt, einer Region ergab sich nicht aus der (gewachsenen) Funktion
für die jeweilige Region, sondern aus der (idealtypisch gesprochen) im Plan vor­

12 Zur D isziplingeschichte vgl. C a r s te n G o e h r k e , Die geographischen G egebenheiten R uss­
lands in ihrem historischen Beziehungsgeflecht, in: H andbuch der Geschichte Russlands,
hrsg. v. M a n f r e d H e l l m a n n , G o t t f r i e d S c h r a m m , K la u s Z er n a ck , Bd. 1 ,1 . H albband (Stutt­
gart 1981) 8-72; C a r s t e n G o e h r k e , H istorische G eographie R ußlands: E ntw icklung als Fach,
D efinitionsproblem e und D arstellungen, in: JbbG O steur 23 (1975) 381-418. Ein w ichtiger
m arxistischer H äretik er auf dem Feld der G eohistorie: K a r l- A u g u s t W it t fo g e l , G eopolitik,
geographischer M aterialism us und M arxism us, in: U nter dem Banner des M arxism us (Wien
1929) 3. Jg., 17-51, 485-522, 698-735.
13 Zum Verhältnis zu r N atur im vorrevolutionären R ussland vgl. C h r i s t o p h e r Ely, This
M eager N ature. Landscape and N ational Identity in Im perial R ussia (DeKalb 2002); K la u s
G es tiv a , Der B lick auf Land und Leute. Eine historische Topographie russischer Landschaf­
ten im Z eitalter von A bsolutism us, A ufklärung und R om antik, in: H istorische Zeitschrift,
Bd. 279 (M ünchen 2004) 63—125; zum sowjetischen N aturverhältnis vgl. K la u s G e s t w a , Raum
- M acht - Geschichte. M akin g Sense of Soviet Space, in: O steuropa 55/3 (2005) 46-69; K a r l
S c h l ö g e l , Im Raum e lesen w ir die Zeit. U ber Z ivilisationsgeschichte und G eopolitik (M ün­
chen 2003, Frankfurt a.M . 2006) 393-410.

Zur Einführung 7

gesehenen Funktion innerhalb der Hierarchie der Gesam t-UdSSR14. So entstand
nach und nach ein ubiquitär sowjetischer Raum von - wenigstens äußerlich be­
trachtet - großer Homogenität.
Die Sowjetunion, wie sie in den Jahren der ersten Fünfjahrpläne und der Kol­
lektivierung Gestalt annahm, hatte von sich ein Bild, das Bild von der Union der
Sozialistischen Sowjet-Republiken als eines erneuerten Reiches, und dieses Bild
war, wie Bilder immer, ein räumliches Bild, ein visueller und visualisierter Raum:
eine Sowjetunion der vielen Völker, daher auch der Orangenhaine Abchasiens
und der Rentierschlitten der Nenzen im hohen Norden. Sie reichte von neuen
Traktorenwerken in Stalingrad zu den Bergwerken im Kusbas, von der Eremitage
bis zu den Basaren und Moscheen von Taschkent und Samarkand. In diesem Bild
fanden sich die nagelneuen Waggons der eben eröffneten M oskauer Metro, aber
auch die Kamelkarawanen, die es immer noch im Orenburgischen gab. Das russ-
ländische Reich wurde im Kopf neu zusammengesetzt, es entstand eine neue men­
tale Karte, auf der die Großbaustellen des Kommunismus, die Kanalbauten, Stau­
dämme und Industriereviere verzeichnet waren, zusammengehalten durch neue
Trassen zu Wasser, zu Lande und in der Luft. Mit den Gesichtern der vielen Völ­
ker, die zum „Sowjetvolk“ verschmelzen sollten, waren auch die Landschaften
und Regionen, die kulturellen und ethnischen Räume, die sie repräsentierten, im
öffentlichen Raum präsent. Zeitungen, Bilder, Filme jener Jahre transportieren die
Vision eines neuen Landes15.
Man kann fraglos von einer „Sowjetisierung des Raum es“, also einer U m kodie­
rung des Reliefs und der Landschaften, der öffentlichen und privaten Räume des
untergegangenen Reiches und von der Produktion eines neuen, spezifisch sowje­
tischen, Raumes sprechen16. Jede soziale Ordnung gibt sich ihren eigenen, je spe­
zifischen Raum. Das gilt auch für die Sowjetunion. Im sowjetischen Raumdiskurs
spielte der geographische Raum trotz seiner übergroßen Bedeutung für die Er­
schließung und Durchsetzung der Herrschaft eine eher marginale Rolle. Wenn der
Begriff der „spatialen Atrophie“ (C arl Schmitt) zutrifft, dann am ehesten auf den
sowjetischen Diskurs. Raumbezüge wurden rasch als „objektivistisch“ und „de­
terministisch“ verworfen und kritisiert17.
Wenn ein Neudenken des „russischen Raumes“ - auch in Russland selbst - in
Gang gekommen ist, dann gibt es dafür zwei grundlegende Motive, ein von außen
kommendes und ein aus der Logik der Forschung selbst abgeleitetes. Das Eine hat
zu tun mit den weltgeschichtlichen Vorgängen der Selbstauflösung der Sowjet-

14 V ladim ir K a g a n s k ij, K ul’turnyj landsaft i sovetskoe obitaem oe prostranstvo. Sbornik
statej (M oskva 2001).
15 E m m a W iddis, Visions of a N ew Land: Soviet Film from the R evolution to the Second
W orld W ar (N ew H aven 2003); E v g e n y D o b r e n k o , Eric N a i m a n , The Landscape of Stali­
nism. The Art and Ideology of Soviet Space (W ashington 2003); J a n i n a U r u s s o w a , Das neue
M oskau. Die Stadt der Sow jets im Film 1917-1941 (Köln u .a . 2004). H erausragend in der
V isualisierung der U dSSR die Z eitschrift SSSR Na S tro jk e (1930-1949), R eprint-A usw ahl:
SSR na strojke. Illjustriro van nyj zurnal novogo tipa (M oskva 2006).
16 Vladimir K a g a n s k ij, K ul’turn yj landsaft 135-154.
17 Vgl. K a r l S c h lö g e l , Im R aum e lesen w ir die Zeit 36 ff.

8 Karl Schlögel

union unci des Ostblocks, das Andere mit dem Umstand, dass die in ganz ver­
schiedenen Disziplinen zu beobachtende Verräumlichung der Wahrnehmung und
Forschung eine neue Perspektive auch für die Geschichtswissenschaften, mithin
auch für die Osteuropäische Geschichte, eröffnet. Es ist ganz unbestreitbar, dass
mit dem Ende der Sowjetunion eine Reaktivierung des Raumdiskurses eingesetzt
hat. Davon sprechen nicht nur zahlreiche neue Veröffentlichungen, sondern vor
allem der Umstand, dass die Debatte über den Raum Russlands und der russi­
schen Geschichte aus dem engeren Kreis der bis dahin damit beschäftigten Fach­
disziplinen wie der Geographie hinausgetreten ist in eine größere und allgemeine
Ö ffentlichkeit18. Fragen der Geopolitik werden lebhaft auf öffentlichen Foren,
und sogar im Fernsehen debattiert. Quer durch die Disziplinen - Soziologie, Po­
litologie, Geschichte, K ulturologie-w erden Fragen kultureller Räume und Gren­
zen, politischer Zusammenhänge und Zugehörigkeiten erörtert. Das Spektrum
reicht von innovativen Ansätzen einer neuen „postmodernen Geographie“ bis hin
zu spekulativen, wenn nicht obskuren geopolitischen Konstruktionen19. Mit dem
Zusammenbruch der sowjetischen Zensur sind viele klassische Texte der vorrevo­
lutionären Geschichtsschreibung einem größeren Publikum wieder zugänglich
gemacht worden, zum Teil als Reprint, zum Teil in kritischen Neueditionen. Dazu
gehören die Arbeiten von Vasilij O. Kljucevskij ebenso wie Arbeiten von Gelehr­
ten des russischen Exils, etwa aus der Gruppe der Eurasier, die bis dahin nur im
Ausland erscheinen konnten20. Unübersehbar groß ist die Vielfalt von Veröffent­
lichungen, die zur Geschichte vor Ort erscheinen und die auf eine Renaissance der
Lokal- und Regionalgeschichtsschreibung hindeuten, die sich freilich auf eine
lange Tradition und Vorgeschichte in den marginalen und oft autodidaktischen
Szenen von Lokalhistorikern noch in sowjetischen Zeiten berufen kann. Diese
zentral kaum erfasste Literatur findet sich vor allem in den Flaupt- und Großstäd­
ten, aber auch in den mittleren und kleinen Städten der russländischen Provinz.
Das Überleben und die Vitalität der landeskundlichen und lokalhistorischen H is­
toriographie, seit jeher der Hort einer lokal und räumlich interessierten, Spuren
lesenden Geschichtsarbeit wäre eine gesonderte Studie wert21.

18 A lek sa n d r A ch ie z er , R ossijskoe prostranstvo kak predm et osm yslenija, in: O tecestvennye
zapiski. Zurnal dlja m edlennogo ctenija N o. 6 (2002) 72-86; D. N. Z a m ja tin , G um anitarnaja
geografija: prostranstvo i ja z y k geograficeskich obrazov (Sankt Petersburg 2003); V. L. C y m -
bursk ij. O strov R ossija. G eopoliticeskie i chronologiceskie raboty 1993-2006 (M oskva
2007); A lek sa n d r D u g i n , O snovy geopolitiki (M oskva 1997).
19 Zum geographischen und geopolitischen Boom im postsow jetischen R ussland vgl. Assen
I g n a t o w , G eopolitische Theorien in R ußland heute (Berichte des Bundesinstituts für ostw is­
senschaftliche und internationale Studien, Köln 17/1998); S te fa n W ie d e r k e h r , Die eurasische
Bew egung. W issenschaft und P o litik in der russischen E m igration der Z w ischenkriegszeit
und im postsow jetischen R ussland (K öln, W eimar, W ien 2007) besonders K apitel III.
20 Besonders aktiv in der Ü bersetzung der Schriften von Haushofer, Kjellen, Schm itt ist
A leksandr D ugin; vgl. A lek sa n d r D u g in , Karl Smitt: p jat’ urokov dlja R ossii, in: Nas sovre-
m ennik 8 (1992) 129-135.
21 Zur Tradition der L andeskunde (k r a e v e d e n i e , g r a d o v e d e n i e ) und W iederentdeckung von
Ivan Grevs und N ikolaj A nciferov vgl. K a r l S c h lö g e l, V orw ort zu N ikolaj A n z ife r o w , Die

Zur E rklärung des nicht-katastrophischen Kollapses der U dSSR vgl. durchaus zustimmen konnte23. und Russlands Zugang zur Ostsee ist auf Sankt Petersburg und Kaliningrad beschränkt. stellenweise auf den Umfang des vorpetrinischen Russlands geschrumpft. die „Mutter der russischen Städte“. sind selbständig. traten an die Stelle der alten UdSSR zwar nur die nun souverän gewordenen ehe­ maligen Sowjetrepubliken. in dem mehr als eine Generation von Sowjetbürgern groß geworden war. Kaliningrad liegt exterritorial inmitten von Nato und EU-Territorium. Zur Einführung 9 Der Rahmen für den neuen russischen Raumdiskurs ist das Ende der UdSSR und ihrer territorialen Einheit. Jahrhunderts“. die Auflösung der Sowjetunion im Jahre 1991 sei die „größte geopolitische Katastrophe des 20. Diese Außen­ grenzen sind mitunter auch Grenzen mit ehemals feindlichen Militär. A n d r e i T reivish . Der Kaukasus und Zentralasien. lebenspraktisch ging es jedoch um weit mehr: um eine elementare und existenzielle Selbstvergewisserung und Neuorientierung. Le­ bensweltlich. die Auflösung eines Lebenshorizonts.und W irt­ schaftsbündnissen. W here in the W orld is R ussia? G eopolitical Perceptions and Preferences of O rd in ary Russians. Sankt Petersburg liegt kurz hinter der Grenze der Europäi­ schen Union und der Nato. einer politischen Ordnung. Das Ende der UdSSR w ar eben nicht nur das Ende des „Systems“. einer bestimmten W irtschaftsstruktur und eine über Nacht vollzogene „paper partition“. H ow St. ein Epochenende mit allem. .und es kann nicht anders sein. hier 23. mit dem elementaren Zwang. M i c h a e l B r a d s h a w . Die Selbstauflösung der Sowjetunion hat eine voll­ ständig veränderte Staatenwelt und eine neue Grenzziehung hinterlassen. P a u l F. mehr als ein Jahrhundert unter russischer Herrschaft. Die U kraine ist selbständig. Russ­ land ist 1991. warum ein Großteil der Bevölkerung Russlands dem Diktum des ehemaligen Präsidenten der Russländischen Föderation Vladimir Putin vom Februar 2004. Russland 1989: D er U ntergang des sow jetischen Im perium s (M ünchen 2009). J e s s i c a P r e n d e r g a s t . einschließlich der Russländischen Förderation. 12. Die baltischen Republiken haben ihre Selbständigkeit zurückerobert. lebensgeschichtlich. Formell und institutionell betrachtet. Aus all dem ist leicht nachvollziehbar. 22 Zu den territorialen Verschiebungen vgl. S t e p h e n K o t - kin. Kiew. sich erneut zu ori­ entieren und sein Leben neu einzurichten. J o h n s o n . A N ew Russian H eartland: The D em ographic and Economic D im ension. Damit ist das Puzzle aber noch nicht vollständig22. in: E ura­ sian G eography and Economics 46 (2005) 23-50. The Russian H eartland R evisited: An A s­ sessment of R ussia’s Transform ation. Seele Petersburgs (M ünchen 2003) 7-46. Februar 2004. was dazugehört: einer tiefgreifenden Verstörung und Verunsicherung. 23 V ladim ir Putin. wenn Im­ perien zu Ende gehen . Was einmal sowjetischer Orient war. Talbot. sondern . Nur an einer schmalen Stelle hat Russland noch Zugang zum Schwarzen Meer. E m ily D. 1970-2000 (O xford 2003). ^Helmut A ltrich ­ ter. Die russische Föderation hat die längste Außengrenze der Welt. In diesem Kontext steht die postsowjetische Debatte um den „Russischen Raum “. The Russian Idea of K raevedcnie (U n iversity Park PA 2006). nach J o h n O ’L o u g h lin . A rm ageddon Averted: The Soviet C ollapse. liegt außerhalb. in: Eurasian G eography and Econimcs 46 (2/2005) 123-155.das Ende eines Lebenszusammenhangs. liegt außerhalb ebenso wie Odessa oder die Krim. in: Eurasian G eography and Economics 46 (2/2005) 83-122. Petersburg Learned to Stu dy Itself. im Jahre der Auflösung der UdSSR. zit.

Räum e. Jahrhunderts (Frankfurt a. bis es zu einer „Wieder­ kehr des Raumes“ kommen konnte27. J ö r g D ö r i n g . M aier.). Z um al dlja medlennogo ctenija No.. In vieler Hinsicht ist es auch eine Gegenreak­ tion auf die Verdrängung des Lokalen und Körperlichen.. die sich in verschiedenen Wissensgebieten durchgesetzt hatte. in: A m e­ rican H istorical R eview (June 2000) 807-831.10 Karl Schlögel nur in diesem Rahmen lässt sich ihre Schärfe.M . sondern auch mit dem Raum zu tun habe. in: d e rs . aus der Binnenentwicklung der Wissenschaften selber herkom­ mende Motiv für eine Rekonzeptualisierung des Raumes ist die geschärfte Auf­ merksamkeit für die räumliche Dimension alles geschichtlichen Geschehens. Spatial Turn. S t e p h a n G ü n z e l (H rsg. in der in ganz verschiedenen Wissensgebieten die Wendung ins Räumliche vollzogen wurde . d e rs . Fin­ den spatial t u r n .). Zeitschichten (F rankfurt a. 2006). Das zweite. Die W iederkehr des Raum es: G eopolitilk. O rte der M oderne. mit Zeit-Räumen und Zeit-Schichten26. ihre Fruchtbarkeit.von der Semiotik bis zu den Urban Studies. Jah rh un dert (Bielefeld 2005).). Dramatik. Tristan T h i e l m a n n (H rsg.auch in der O steuro­ pakunde. I u f f a J e n s e n . T h o m a s F la u- s c h i l d . J ö r n W e i n h o ld (H rsg. und anders als in den Vereinigten Staaten. Alexa G e i s t h ö v e l . Erfahrungs­ w elten des 19. A le x a n d e r C. K a r l S c h l ö g e l . Raum und K om m unikation im 19. der radikalen Beschleunigung des Verkehrs und der Verkürzung von Distanzen. G rundlagentexte aus Philosophie und K ul­ turw issenschaften (Frankfurt a. von der Soziologie bis zur Li­ teraturwissenschaft. In Vielem ist es die Reaktion auf die ihrerseits über­ spitzte These vom „Verschwinden des Raums“.verkörpert in der Schule der „Annales“ .und Sozialw issenschaften (Bielefeld 2008). O t e c e s t v e n n y e zapiski. gibt es eine ganze Reihe von Gründen und Herkunftsgebieten25..M . B e t tin a G o ck el. C h a r le s S. G eohistorie und histori­ sche G eographie.. wo es eine unge­ brochene und starke Tradition einer räumlich informierten und reflektierten Ge­ schichtsschreibung gegeben hatte . Die W ieder­ kehr des Raum es. M. G e p - p e r t . in: N eue Politische L iteratur 43 (1998) 374-397. R aum theorie. K a r l S c h lö g e l. N ew York 2005). Das R aum paradigm a in den K ultur. F rankfurt a. Erstaunlich ist die Gleichzeitigkeit. M i c h a e l C. D o r o t h e e K i m m i c h . Für die Soziologie: M a rtin a L ö w . Go East oder Die zw eite E ntdeckung des O stens (Berlin 1995) 17-34. Z eitschrift für K ulturw issen­ schaften (2/2008). 2006).). 6(7) (2002) (Sondernum m er zu Raum in R ussland). T. F la b h o K n o c h (H rsg. 27 J ä rg e n O s t e r h a m m e l . durch die Herstellung des virtuellen Raums im World-Wide-Web gekommen sei. und 20. Obwohl Reinhart Koselleck im deutschen Sprachraum schon sehr früh moniert hatte. Anders als in Frankreich. in: O steuropa 55/3 (2005) 5 -1 7. K i r s te n M a h lk e (H rsg. wo es seit Frederick Jackson Turners „Fron- tier-Buch“ ein eindrucksvolles räumliches Narrativ gab und wo im Zuge der Post­ 24 Die neue postsow jetische R aum debatte.. Im R aum e lesen w ir die Zeit. . 2007). mussten erst verschiedene Momente Zusammenkommen. 2003) 7 9 f.). 26 R e in h a r t K o s e lle c k .M . O rtsgespräche. J ö r g D ü n n e . dass die Geschichtsschreibung es nicht nur mit der Zeit. C on sig­ ning the Twentieth C en tu ry to H isto ry: A lternative N arratives for the M odern Era. aber auch ihre Tendenz zur neuen M ythenbildung und Ideologisierung verstehen24. R aum soziologie (Frankfurt a. wie die neue Aufmerksamkeit für das Räumliche etwas übertrie­ ben und dramatisierend auch genannt wird. Die W iederkehr des Raum s . zu dem es angeblich im Zuge der Kommunikationsrevolution.M . und 20. 25 Zum „spatial tu rn “ vgl. Frank. Ü ber Z ivilisationsgeschichte und G eopolitik (M ünchen 2003.

Topographie und R aum konzepte in den K ulturw issenschaften. wenn man sie auf den Schauplatz. was sich für alle Ewigkeit eingerichtet zu ha­ ben schien. Wenn aus der gesteigerten Aufmerksamkeit für das Räumliche nicht eine neue Mode oder Ideologie wird. Damit ist dann auch die zentrale Schlussfolgerung und Frage.und Analysesituationen. Zur Einführung 11 moderne eine kritische Geographie voll zum Zug kam28. hrsg. Es fällt auseinander. 31 Ein früher Vorstoß zur T hem atik „Russian Space“ war: J e r e m y S m i th (H rsg. was sich daraus für eine Russlandgeschichtsschreibung ergibt. und es tauchen For­ mulierungen auf. N ew Y ork 1989). entwickelt sich eine Sprache. wie ein sei­ nerzeit wegweisender Beitrag zur Aufarbeitung der völkischen Entgleisung des Raumdenkens betitelt w ar29. 2. wenn das Räumliche schlicht als eine Dimension geschichtlicher (und überhaupt sozialer) W irklichkeit aufgefasst und ernst genommen wird.). In solchen Umbruchzeiten werden Sprachregelungen. Soja. die vielleicht tastend. die sich in der Zeit entfaltet. O xford 1994). 29 P e t e r S cb ö lle r. die lange gegolten hatten.2 (2002) 151-165. in: Politische G eographie. G eographical Im aginations (C am bridge. In ihnen gerät in Bewegung. In den Diskursen. Postm odern G eographies. denkt. was ihr und mit ihr geschieht. tentativ sind. und es findet sich. The R eassertion of Space in C ritical Social T heory (London. Beyond the Lim its: The C oncept of Space in Russian LIistory and C ulture (H elsinki 1999) 40-70. was Russland nach der Auf­ lösung der UdSSR. der Versuch einer Selbstverständigung. was unveränderlich erschienen war. J o s e f M a t z n e t t e r (D arm stadt 1977) 249-302. Alle im Gang befindlichen Prozesse lassen sich als eine A rt „Geschichte der Gegenwart“ wie unter einem Vergrößerungsglas beobachten. Zum „topographi­ cal tu rn “. in: K ulturPoetik Bd. epistemologisch und wissenschaftshistorisch privilegierte Beobach- tungs. nach der Entlassung in die nationale Souveränität und nach­ dem die Last des Imperiums abgefallen ist. . v. was vor der Separierung und Spezialisierung in die einzelnen Wissenschaftszweige einmal selbstverständ­ lich war: Raum und Zeit als Einheit zu denken. es wird Geschichte. an dem sie spielt. noch lange bevor sie an die Oberfläche treten und sich hatten zu erkennen geben können. wenn man die Geschichtszeit zusammendenkt mit dem Raum. und was geschieht. was Affinitäten ausgebildet hatte. blieb die Diskussion in Deutschland noch lange im Schatten der „Irrwege der Geographie“. abgeräumt. in dem sie sich ereignet31? Der postsowjetische Raumdiskurs in Russland ist über weite Strecken ein Iden­ titätsdiskurs. an dem sie spielt30. wird sich der Raum gewiss als „Freund der D isziplinen“ bewähren und etwas zu bewirken helfen. 30 Zur transdisziplinären Potenz von R aum konzepten vgl S i g r id W eigel. was schon längst seine Bindekräfte eingebüßt hatte. die dem Neuen und bisher Unerhörten auf der Spur zu bleiben sucht. auch den Ort hinzuzudenken. überhaupt ist. aber auf eine vitale Weise von 28 E d w a r d W. genannt: Was geschieht mit der rus­ sischen Geschichte. Auflösungs. D e r e k G r e g o r y . besonders wenn es sich um Großformationen wie Impe­ rien handelt. zur Geschichte. Wege und Irrw ege der Politischen G eographie und G eopolitik (1957). K artographie. in denen sich die Gesellschaft über das verständigt. w eil sie leer und obsolet geworden sind.und Zer­ fallskonstellationen sind.

die ihre das einstige Gemeinschaftsbewusstsein stif­ tende Kraft einzubüssen beginnen. ihr Bild von der Welt. selbstverständ­ lich und damit nicht der Rede wert war. getreten ist.statt Marxismus nun eben Kulturologie und Geopolitik . ohne die Neues nicht zu haben ist. dem es nun wie Schuppen von den Augen fällt. mit der der Raumdiskurs an die Stelle eines anderen Diskurses. zu ergründen. dass das Heer ehemaliger Dozenten des M arxismus-Leninismus ein neues Tätig- keits. Das Bild des „Vakuums“. auf den ersten Blick in dieser vitalen und existenziellen Anstrengung einer Selbstverständigung das Rationale vom Irratio­ nalen. Die sowjetische Lebensform gewinnt nun. in der über den Platz des postsowjetischen Russland in der Welt gesprochen wird. und das heißt auch immer: Nicht nur welche Er­ eignisse erinnert sie. so lautet die Frage. nun aus der Distanz des Endes. gerät nun ins Zentrum der Erforschung der Lebenswelt. wo sie Geschichte wird und aus der Distanz betrachtet werden kann. wer dazu gehört und wer nicht. um die Schauplätze und Laboratorien des Lebens (des nicht nur gewöhnlichen). dass eine Suchbewegung großen Stils in Gang gekommen ist. des Systemdiskurses. und die Traditionen. das angeblich in den Köpfen nach dem Ende des alten Zustandes herrsche. in dem Augenblick. hat die sowjetische Gesellschaft ihre eigene Welt wahrgenommen und verarbeitet. ihre Dignität als zentrales Forschungsobjekt.und Diskursfeld gefunden hat . die hier reaktiviert werden. Welches Bild hat sie sich von sich selbst gemacht. denn Menschen machen sich jederzeit ein Bild. die zu ihrer Bewältigung zur Verfügung stehen. ja: Sie wird häufig erst jetzt als forschungswürdig erkannt und anerkannt.und Sprachmittel. über die geteilten ge­ schichtlichen Erfahrungen. den Stoff. aus dem die ideellen Bewälti­ gungsstrategien gewebt sind. das pulsierend Neue vom gerade neu Entdeckten und doch ewig Gestrigen zu unterscheiden.. sondern zu analysieren. also ihre Ra­ tionalisierungsversuche zu verstehen. was in eine „Geographie der russischen Seele“ passt. Und es käme gerade darauf an. Was einmal beiläufig. Vor dem Auge des Betrachters. Sie dreht sich um zentrale Lebensörter. Der Diskurs über den „russischen Raum “ ist d l e f a g o n d e p a r le r. Die Geschichte der sowjetischen Lebenswelt hat viel mit dem Alltag zu tun. öffnet den Blick zurück auf die untergegangene sowjetische Welt. In welcher Weise.12 Karl Schlögel den Risiken und der Ungesiehertheit des Lebens sprechen. Die Wucht. . entfaltet sich der ganze Kosmos der sowjetischen Lebenswelt mit all seinen „Gemeinplätzen“. Der Raum wird zum Passepartout. ja fast für alles. ist aber nicht identisch mit Alltagsgeschichte. zur Projektionsfläche für vie­ les. Die Retrospektive macht den Weg frei für eine Vergeschichtlichung der vergangenen eigenen Lebenswelt und für eine kritische Prüfung der Denk. darüber. Es ist nicht immer einfach. über Exklusion und Inklusion. Die kulturologisch-historiosophische Debatte zeugt nicht nur davon. ist irrefüh­ rend. nicht ein angebliches Vakuum zu beschwören. sondern auch davon. ohne dass sie bereits durch eine neue postim­ periale Identität ersetzt oder aufgefangen wären. sondern welche Orte und Räume. auf welche Weise Menschen sich ein Bild von den ihr ganzes Leben tangierenden und umstürzenden Vorgängen zu machen versuchen. an denen diese Ereignisse und ihr ganzes Leben gespielt haben.

and gender from C atherine to Yeltsin (O xford 2001). Bahnhöfen. aber diesseits aller kommerziellen Interessen einer Unterhaltungsindustrie34. das Institut . die für viele Jahrzehnte.und Uberlebensmittelpunkt ge­ wesen sind. . Reisen in der Eisenbahn36. Turizm : the Russian and East E uro­ pean tourist under capitalism and socialism (Ithaca 2006). Hierher gehörte selbstverständlich auch die Warteschlange. Dazu gehörten gewiss die Gemeinschaftswohnungen (k om u n a lk a ). ohne den sich das Funktionieren „des Systems“ gar nicht erklären lässt. der eben nichts mit einem Mangel an Quellen zu tun hat. N a t a l’j a L eb in a . dies. E nciklopedija banal’nostej: sovetskaja povsednevnost’. sondern mit einer spezifischen Blickein­ stellung und einem spezifischen und konstitutionellen Nicht-Erkenntnisinte- resse32. Das sow jetische M assenfest (H am ­ burg 2006). G e r a s i m o v a . ist bezeichnend genug für den Stand der Forschung. die Datscha als Lebensform33. sim voly. S o ro k in. sondern als das eigentliche Zentrum der Lebensverausgabung. 34 K a t h a r i n a K u c h e r . M a lt e R o lf. Refining R ussia: advice literature.. W illiam C r a f t B r u m fie ld . W ien 2004). der Arbeitsplatz . 35 U ber Paraden und D em onstrationen vgl. D i a n e P. E k a terina Uj. hierher gehörten auch Studien zu öffentlichen Räume. Petersburg 2003). Petersburg 2006). Paraden und Massenmeetings. Kontury. 36 Zur W arteschlange ein herausragender literarischer Text: V ladim ir G. znaki (S. zu F reizeit und Tou- rim us vgl. D issertacija na soiskanie uccnoj stepeni kandidata sociologiceskich nauk (Sankt Petersburg 2000). an denen eine systematische Archäologie der sowjetischen Zivilisation sondieren und mit ihren Grabungen beginnen müsste. die Lebenswelten spezifischer Berufe mit ihren rigo­ rosen Trennungen: die Welt der Eisenbahner. C a t r i o n a K elly. B la ir A. G o rs u c h . die Schule als kul­ tureller Kosmos und „Sozialisationsagentur“.die Fabrik.nicht nur als purer A rbeits­ ort. D er G orki-Park: F reizeitk ultur im Stalinism us 1928-1941 (Köln 2007). viele Generatio­ nen und M illionen von Sowjetbürgern Lebens. Sovetskaja kom m unal’naja kvartira kak social’nyj institut: istoriko-sociologiceskij analiz (na m aterialach L eningrada 1971-1991). Von ganz zentraler 32 Zur K om m unalka vgl. das Kinderlager und die langen Sommer auf dem Dorf. der Klub und der Pionierpalast als die Laboratorien des Erwachsenwerdens und der Vermittlung von Haltungen und Manieren. R ussian housing in the modern age: design and social h isto ry (W a­ shington. O cerki kom m unal’nogo b yta (M oskva 2004). Zu dieser Karte des sowjetischen Lebens würden weiter gehören: der Kos­ mos der sowjetischen Kindheit mit Krippe und Kindergarten. privilegiert. polite culture. die ein grundlegender Modus der Bewältigung des Alltags und einer spezifischen Form von negativer und erzwungener Geselligkeit war. psychologischer Mikrokosmos. Sum m erfolk: A H isto ry of the Dacha (Ithaca 2003). D C 1993). jene zentralen Topoi der sowjetischen Lebenswelt zu be­ nennen. R u b l e (H rsg. K o e n k e r (H rsg. W eimar. 33 S t e p h e n L o v e ll. die in ihrem Rhythmus auch eine zeitliche Ordnung schufen35.). die Welt der Rituale. Die Schlange (Zürich 1990). A n n e E. der Kultur- und Erholungspark als einem Raum der Muße und Entspanntheit. kultureller.). Dass w ir bis in die jüngste Zeit von dieser Kernzelle des sowjetischen Lebens nur eine Handvoll Stu­ dien haben. ein sozialer. Zur Einführung 13 Es ist nicht schwierig. O byvatePi i reform y: kartin y povsednevnoj zizni gorozan v gody NEPa i chruscevskogo desjatiletija (S. die Welt der Geologen und ihrer Ex­ peditionen usf. J u li a O b e r t r e i s . Tränen des Sozialism us (K öln. I I ’j a U t e ch in .

Reste von Lagern. ]. L ö v e . A spatial reading of 19th and 20th cen tury narrative literature (A m ster­ dam 1994). Das Lesen oder gar Konservieren der Spuren. Sehnsuchtsorten und „Zonen“ sind erst in Umrissen kartiert. Die m e n t a l m aps der Sowjetgesellschaft mit ihren imaginären Landschaften. überhaupt das Naturerlebnis als das Hinaustreten aus der regulierten. Baracken. N ew York 2000). die N atur und die in ihr mög­ liche Freiheit als Entschädigung für die Enge und die Rücksichtslosigkeit im sow­ jetischen Alltag. M assengrä­ bern . O n space in R ussian Literature. Die Zuwendung zu diesen lange Zeit nur marginal bearbeiteten Feldern ist in Gang gekommen. Septem ber 6-14. Maksim Kantors Bilder. A us A nlaß einer geokulturo- logischen U ntersuchung zu r russischen usad’ba von Vasilij Scukin. A D iachronic Problem . in: D utch C ontributions to the ninth international C ongress of Sla- vists L iterature (Kiev. v. Zäunen. hrsg. M ax im K a n to r. M if dvorjanskogo gnezda. die Einübung in Disziplin und bestimmte Verhaltensformen in den öffentlichen und gesellschaftli­ chen Räumen wie Schulen oder Klubs. wo es keine Autorität mehr geben konnte . K atalog zu r A usstellung in der G alerie Eva Poll (Berlin 1998). 1983). in: Die W elt der Slaven XLV (2000) 103-132. 1994). 39 I ly a K a b a k o v . Dass auch hier andere Disziplinen und Medien . Vasilij S cu k in. Beispiele für eine an Topoi interessierte L iteratur. wenn nicht Zerstörung der Trennlinie zwischen Öffentlich und Privat. Socialist Spaces. M ass. A. Sites of E veryday Life in the Eastern Bloc (O xford. B o ris G roy s. Die Geschichtswissenschaft muss sich der Topographie der sowjetischen Lebens­ 37 Ü ber Topoi der Sow jetzivilisation vgl.etwa auf den mo­ natelangen Expeditionen und in den zivilisationsfernen Räumen. G eokul’turologiceskoe issledovanie po russkoj klassiceskoj literature (K rakow 1997). B ilder und R adierungen 1996-1998. v a n H o ik (A m sterdam 1983) 25-41. So naheliegend es ist. R e id .kommt nur mühsam voran und hängt ganz und gar am Enthusiasmus Ein­ zelner38. G. K a t h a r i n a Fl. reglementierten Welt des erzwungenen Zusammenlebens auf engstem Raum. Susi Frank. N ew York 2002). C om m on Places (C am bridge. die es dort gab.14 Karl Schlögel Bedeutung wäre die weitere Erforschung der Welt der Lager und Gefängnisse und ihrer zerstörerischen Metastasenbildungen in der sowjetischen Gesellschaft. 38 H ier sind vor allem die jahrzehntelangen N achforschungen und D okum entationen der G esellschaft M em orial so w ie die Bem ühungen in zahlreichen Landeskunde-M useen in der russischen P rovinz zu nennen. Ilja Kabakovs Installationen.sie alle haben als erste sensibel und kraftvoll gestaltend auf das auf den ersten Blick Absurd-Groteske des Alltags und die A lltäglichkeit von Gewalt reagiert39. Friedhöfen.eine Initiativrolle gespielt haben. Dazu gehörten auch die Formen von Frei­ heit.Film. die Moskauer Konzeptualisten . Victor B u c h l i . der Zusammenbruch und die Neubildung der Sphäre des Privaten als dem Gehäuse der bürgerlichen Existenz. A n A rcheology of Socialism (O xford. systematische Gesichtspunkte für eine Analyse zu ent­ wickeln37. S v e t l a n a B o y m . Literatur . F. Susan E. ist nicht verwunderlich. .und K ul­ turgeschichte und A rbeiten zu r „G eopoetik“:/. die der Terror überall im weiten Land hinterlassen hat . O rte und Räum e der russischen Kultur. D a v i d C r o w l e y . Die 60er und 70er Jahre: A ufzeichnungen über das inoffizielle Leben in M oskau (W ien 2001). v a n Baak. Dazu gehörten etwa die Erosion. The Evolution of Space in Russian L iterature. bildende Kunst. so naheliegend ist es. eine solche Karte sowjetischer c o m m o n p la ce s zu zeich­ nen.

die vom staatlichen Budget nicht mehr gehalten werden können. wird noch menschenleerer. Menschen und Ideen entstehen. eine Abwanderung aus den Städten des Nordens. . Produktions­ stätten. Der Norden. M oney sings: the changing politics of urban space in post-Soviet Y aroslavl (W ashington. Kapital in der Russischen Föderation. Der städtische Raum zerfällt. 42 L eslie D ie n e s . Längst ist die sowjetische Lebenswelt in Auflösung begriffen und wird „über­ schrieben“ von der Topographie einer Gesellschaft im Übergang zwischen N icht­ mehr und Noch-nicht. aber auch Vermischung40. Auch innerhalb der verbleibenden Russischen Föderation organisieren sich die Räume neu. Die politi­ sche Macht gibt sich ein neues Gesicht. die Reichtümer des Landes. kommunikative Infrastruktur. Man kann die Transformation des sowjetischen Raumes mit bloßem Augen erkennen. in: Eurasian G eography and Econimcs 46 (2/2005) 123-155. die zuvor der Propa­ ganda gehört hatte. Identity. in: Eurasian G eography and Economics (2005) 46. hrsg. Es sind die städtischen Räume.und O steuropa. die häufig zu Grenzstädten geworden sind. M i c h a e l B r a d ­ s h a w . in die Städte des Südens. ist von der Desintegration des Territori­ ums überholt worden. B la ir R u b le . 2. 156-163. D C 1995). Jahrhundert lesen lernen. in: Eurasian G eography and Economics 43. J e s s i c a P r e n d e r g a s t . Die Linien. Fast menschenleeren. Stuttgart 2008). A n d r e i Trei- v i s h . Der öffentliche Raum wird neu kodiert und organisiert. Die leere Fläche. es entstehen Zo­ nen einer neuen sozialen Segregation. konzen­ trieren42. Stadtan- sichten. B la ir R u b l e . was nur ein anderer Name für „Historisie- rung“ ist. sind durch die neuen Grenzziehungen zerschnitten. Städte verbun­ den haben. in denen sich wie auf dem „Planeten“ Moskau die industriellen und humanen Potentiale. aber rohstoffreichen Regionen stehen Zentren und Korridore gegenüber. der wirtschaftlichen Entwicklung folgende M igration eingesetzt. Das urbane Zeichensystem besagt. dann kann man mit einem gewissen 40 Zur Transform ation eines exem plarischen Stadtraum s vgl. bisher schon wenig besiedelt. gehört nun der Selbstdarstellung internationaler Firmen. Neue Knoten­ punkte der Zirkulation von Gütern. die Industriekombinate. Sieht man auf die faktische Verteilung von Bevölkerung. A N ew Russian H eartland: The D em ographic and Eonomic D im ension. der Beschleunigung. I n s titu t f ü r A us­ l a n d s b e z i e h u n g e n . A usstellungskatalog (B erlin. O bservations on the R ussian H eartland. lo­ gistische. Geschichte zu werden. dass sich der ganze soziale Raum verändert hat41. in de­ nen Grundstücke in Wert gesetzt und umverteilt werden. ders. Häfen. die dabei ist. Die postsowjetische Welt produziert ihren eigenen Raum. Es sind Flughäfen als Orte der Öffnung und Globa­ lisierung.. Eine technische. 3 (2002) 450-465. in: Eurasian G eography and Economics 46 (2/2005) 83-122. Reflections on a G eographic D ichotom y: A rch i­ pelago Russia. der M obilität. Zur Einführung 15 räume noch weiter öffnen und die sowjetische Landschaft als Verkörperung russi­ scher Geschichte im 20. Sie hält sich dabei am Besten an die vor Ort in Gang gekommene Selbstentdeckung der sowjetischen W irklichkeit. C om posing urban h isto ry and the constitution of civic identities (W ashington D C 2003). Es hat eine spontane. The R ussian H eartland R evisited: An Assessm ent of R ussia’s Transform ation. Zur U m gestaltung von Städten in M ittel. 41 J o h n C zaplicka. die in Jahrzehnten des sowjetischen A uf­ baus gewachsen ist und oft noch älter ist. N o. v.

I. R azvitie Ilossii glazam i stranoveda (M oskva 2009) 64 ff. von den semantischen Belastungen frei zu sein. nachdem die Träger der alten Macht und die Formen politbürokratischer Vergesellschaftung sich erschöpft haben44. Beherrschung des Raumes. Trejvis. Empires. kultureller Raum nicht nur zusammengehalten. eine Regierung. wie ein Territorium von so großer Ausdehnung als einheitli­ cher politischer. humanen und intellektuellen Ressourcen. 45 Ü ber die Internationale der G eopolitik vgl. In „Mastering Russian Space“ scheint alles enthalten zu sein. um der Bedeutung des zur Diskussion stehenden Vorgangs gerecht zu werden: Wahrnehmung. Fiona Hill. C o h e n . C l i f f o r d G a d d y . 16 Karl Schlögel Recht vom „Archipel Russland“ sprechen. die Enklaven gleich in ei­ nem riesigen Landozean liegen. 44 U ber Russland als Geisel Sibiriens vgl. Russland erscheint als Staat der „fragmentierten Räum e“.g e o g r a p h y m atters. o s v o e n i e p r o stra n stv a oder o s v o e n i e p r o s t o r a (Aneig­ nung des Raumes). mit dem man üblicherweise die Aneignung des Raumes be­ zeichnet: o s v o i t ’ (aneignen). mit einem solchen „Archipel“ umgeht. size m a tter s . Wiederum stellt sich die Frage. Borderlands.wieder zu ihrem Recht43. Strana i mir. H ow C om m unist Planners Left R ussia O ut in the C old (W ashington D C 2003). and D iasporas: E urasia as A nti-P aradigm for the Post-Soviet Era. The Siberian Curse. weil der englische Terminus sogar umfassender schien als der russische Terminus. Exploration. in: Eurasian G eography and Economics 46 (1/2005) 1-27. dass es nicht nur um den einen physisch-geographi- schen Raum geht. über die In­ tegration Russlands in die globalisierte Welt: zu den Folgen der A uflösung der U dSSR für die R eorganisation der klassischen R ussland. sondern um die Mehrdimensionalität von Räumen: geographi- 43 A. Neuvermessung. R ajon. K a r l S c h l ö g e l . seine Kohärenz. „Mastering Russian Space“ wurde nicht nur gewählt. „Mastering Russian Space“ wurde als Ober­ titel genommen. sondern weil es sich um einen ungemein knappen und präzisen Ausdruck handelt. wie ein Volk. in: Am erican H istorical R eview (A pril 2004) 445-468. sondern neu begründet werden kann. Das russische Berlin. Die Frage ist. M ark v o n H a g e n . In der au­ ßerordentlich kritischen Situation des sowjetischen Kollapses kommt die uralte Einsicht . der darüber hinaus den Vorteil hat. wie es seinen Zusammenhalt. O stbahn­ hof Europas (M ünchen 2007) 337-358. Leslie Dienes meinte damit die extrem ungleiche Verteilung der materiellen. wirtschaftlicher. The Eurasian C onver­ gence Zone: G atew ay of Shatterbelt. Das Ende der Sowjetunion und die mit spatial turn umschriebene Aufm erk­ samkeit für die räumliche Seite der Geschichte bildeten den Hintergrund für die Themenformulierung des Colloquium s „Mastering Russian Space“ im Sommer 2006 am Historischen Kolleg in München. Bewältigung. S a u l B. um sich der heutigen lin g u a f r a n c a zu befleißigen. Erfahrung. . seine Integration und Integrität aufreehterhalten oder gar entwickeln kann. Der Titel dieses Sammelbandes „Mastering Russian Spaces“ deutet mit der Plu- ralisierung des Raumes an. mit wenigen städtischen Agglomerationen und schmalen urbanen Korridoren.und Sow ejtunion-Studien vgl. eine Gesellschaft oder Nation mit einem derart fragmentierten Territorium. Imagina­ tion. die dem „Russischen Raum “ und der „Raum bewältigung“ durch den nationalsozialisti­ schen Diskurs zugewachsen sind45. G orod.

dass die sowjetische Geschichtswissenschaft dem Zusammenhang zw i­ schen Raum und Geschichte aufgrund doktrinärer Einschränkungen nicht w irk­ lich nachgegangen sei. erneuert unter den Bedingungen der Auflösung der Sow­ jetunion und angesichts des neu erwachten Bewusstseins für die räumlich-territo- riale Dimension politischer Ordnung seinen schon Vorjahrzehnten formulierten Befund. den „Russischen Raum“ wieder und auf neue Weise ernst zu nehmen. Trubeckoj (1890-1938). seit jeher einer der ganz wenigen. das von seinen Territorialgewinnen letztlich überfordert worden sei.relativ späte Staatlichkeit. die winterkalten Nord. einem herausragenden Vertreter des rus­ . Carsten Goehrke (Zürich). dass es sich lohnt. Endogene und exogene Faktoren . Machträume usf. Marc Bassin (Birmingham) beschäftigt sich mit zwei Versuchen. die isolierende Folgen des Mongolensturms . Von Nachteil für die Zugänglichkeit und Erschließung der nor- deurasisch-sibirischen Landmasse seien nicht nur die breitenparallelle Flächen­ erstreckung. Vielleicht ist diese Entfaltung der Raum­ dimensionen sogar der wichtigste Fortschritt gegenüber der älteren Debatte. zum anderen wird der Reichtum der räumlichen Dimension für die analytische Arbeit ins Spiel gebracht. Zusammengenommen könnten die hier vorgestellten Beiträge zeigen. Zur Einführung 17 sehe. diskursive. und sie könnten plausibel machen. symbolische. auto- kratische Staatsform. während mit der Behandlung der Wechsel­ beziehung von naturräumlichen Bedingungen und geschichtlicher Entwicklung die Entfaltung des Raumproblems doch erst beginnt. sich auf den Naturraum zu beschränken. so dass Russland im „Käfig der eigenen K ontinentalität“ gefangen geblieben sei. Dazu gehörten nicht zuletzt die beschränkten Partizipationsmöglichkeiten der Menschen unter den Bedingungen der russischen Autokratie. mentale. Indes sieht Goehrke in der Heranbildung Russlands zu einem nordeurasischen Kontinentalimperium. keine Ge­ setzmäßigkeit. Um die Sogwirkung der geographischen Gegebenheiten auf die territoriale Expansion zur vollen Geltung zu bringen. in ein deterministisches und anti­ deterministisches Lager aufzuspalten. und die dazu tendierte.und Ostküsten. die quer zur Hauptverkehrsrichtung von Süd nach Nord fließen. ob sich der Verlauf der russi­ schen Geschichte aus den naturräumlichen Gegebenheiten ableite. sondern auch der Verlauf der großen sibirischen Flüsse.hätten die er­ dräumliche und klimatische Benachteiligung noch potenziert. um dann einen knappen Aufriss der Einflüsse von erd­ räumlicher Lage und geographischer Struktur auf den Gang der Geschichte Russ­ lands zu geben. dass eine gesteigerte Aufmerksamkeit für das Räumliche und für den Ort des Geschehens durchaus etwas zur Erhellung der Verläufe russischer Geschichte beizutragen vermag. die russländi- sche Identität nach dem Zusammenbruch des Russischen Reiches und am Vor­ abend des Endes der Sowjetunion zu definieren. die sehr rasch und fast immer in die Frage einmündete. Die eine wurde formuliert von Fürst Nikolaj S. habe es einer ganzen Reihe politisch-staatlicher und kultureller Konstellationen bedurft. die die fundamen­ tale Einheit von Geographie und Geschichte in der Russlandgeschichtsschreibung explizit gemacht haben. sich sogleich in ein Pro und Contra. Die Pluralisierung der Räume spiegelt zweierlei wider: Einmal wird vermieden.

Uber die Generationen hinweg habe beide der Wunsch ge­ eint. Was den Einen als Form der . bei Gumilev einem die Grenzen des sowje­ tischen Systems transzendierenden Raum des Superethnos. als Kosakentum. Die alten Eurasier hät­ ten nach der geopolitischen Katastrophe des Untergangs des Russischen Reiches eine Erneuerung des Reiches als Russland-Eurasien im Sinne gehabt. sich um die Rezeption der Eurasier ver­ dient gemacht und deren Ansichten in einem eigenen ideosynkratischen System weiterentwickelt habe.jeden­ falls in seinen späten Lebensjahren . freie Lebensform steht. Gumilev habe zunächst gegen die Verschmelzung der Völker im Sowjetvolk die Individua­ lität der Ethnose verteidigt. dem Sohn Anna Achmatovas und Nikolaj Gumilevs.der eine im Exil nach der O ktoberrevolution. der aus den stalinschen Lagern zurückgekehrt. der Nichtsesshaftigkeit. als auch er eine Verschmelzung verschiedener Völker zu einem Superethnos. des He- rumwanderns. der einerseits sich gegen die groß­ russische bzw. und 20. nicht biologisch oder ethnisch definiert. In den Augen der Einen erscheine das Nomadentum als Verkörperung des Widerstands. Dauerhaften. sowjetische Prägung des Imperiums wandte. des Freiheitswillens. die vor der Leibeigenschaft in die Steppe ausweicht. Gu­ milev (1912-1992). die sich aus den Völkern und Nationen Eurasiens zu einer symbiotischen und unauflösbaren Gemeinschaft ver­ schmolzen habe.und Flüchtlingsbewegung. als Läuflings. Diese sei als genuin eurasische Erfahrungsgemeinschaft kulturell und mental. Er lasse sich in den verschiedensten Formen beobachten: als religiös motiviertes Pilger. Trubeckoj habe eine spezi­ fische M ehrvölker-Nation im Auge. Frank rekonstruiert an ausge­ wählten Beispielen die Auseinandersetzung um das Nomadentum in den russi­ schen Diskursen des 19. andererseits aber am transnationalen Erbe des Imperiums festzuhalten entschlossen war. die sich der Welt entzieht und somit als eine fortschrittshemmende „Raumpraxis“ verstanden werden kann. der Entwurzelung. eine aus ge­ meinsamer Geschichte hervorgegangene Schicksalsgemeinschaft angenommen habe.18 Karl Schlögel sischen Exils und einem Wortführer des Eurasiertums. eine A rt Elite. Jahrhunderts und arbeitet daran die Ambivalenz des Nomadisierens und seiner Interpretation heraus.Trubeckoj insofern angeschlossen. das sich dem Staat ent­ zieht und für eine andere. So könne Nomadisieren und Herumwandern einerseits als eine zentrale Form der Raumaneignung und Raum­ beherrschung verstanden werden. einen Begriff von Nation zu entwickeln. des Vagabundierens. das jede soziale Diffe­ renzierung und somit jeden Fortschritt unterlaufe. Trubeckojs wie Gumilevs „multinationale Gemeinschaft“ und „ethnonatio- nales Individuum“ seien einem Raum zugeordnet: bei Trubeckoj den Grenzen des untergegangenen Russischen Reiches. andererseits aber auch als eine Raumflucht. nach dem Zusammenbruch der UdSSR sich aber auf Trubeckojs Positionen wiedergefunden und im Sowjetvolk das Superethnos des eurasischen Kontinents anerkannt. die andere von Lev N.und Wanderertum. der andere in der sowjetischen Dissi­ dentenszene . Susi Frank (Berlin) nimmt einen für die russische historische und kulturphilo­ sophische Selbstdeutung zentralen Topos auf: den des Nomadisierens. Gumilev habe sich .täten dies auf je unterschiedliche Weise. Beide . in den Augen der Anderen als permanente Infragestellung alles Festen.

die über die D isziplinierungs­ mittel verfügt. Kommunikations. soll eine exemplarische Studie zur Transformation vormoderner Räume in „kom prim ierter“ und besonders anschaulicher Form unternommen werden. Wegelosigkeit. sei für die Anderen die immer wieder neu einsetzende Bewegung der Kolonisten. mangelnde Raumverwaltung.nach der Bauernbefreiung etwa . inwiefern der russischen Eisenbahndis­ kurs den allgemeinen Diskurs im Eisenbahnzeitalter. sondern als kultureller Raum. sei den Anderen nur eine Kapitulation vor der Bewälti­ gung des Lebens. erscheine aus einer anderen Perspektive als Regression: Straßen stünden nicht nur für M obilität und Freizügigkeit . die sich in die „Geographie der russischen Seele“ (N ikolaj Berdjaev) eingezeichnet habe - sie stehe für geistige Weite ebenso sehr wie für Zügellosigkeit und Fatalismus. Frithjof Benjamin Schenk (Basel) entwickelt in seiner Projektskizze den Eisen­ bahndiskurs als zentrales Element des Modernisierungsdiskures im späten Zaren­ reich. wird zweifach wahrgenommen . die Straße werde gleichsam zum „Gradmesser der Kultur“. feudal strukturierter Gesellschaft und industrieller Moderne reflek­ tiert. den es zu überwinden gilt. Kontrolle. Präsenz der Staatsmacht und des polizei­ lichen Zugriffs.das eine mal als Mangel. Doch was als die Geschichte des Fort­ schritts erscheint. Roland Cvetkovski (Köln) thematisiert das Problem der Wegelosigkeit in der russischen Geschichte entlang einer Phänomenologie der Abwesenheit der Wege. auf ihre Leistung für immense Kolonisations. Dem Nomadismus als Raumpraxis entspreche auch eine geistige und psychische Verfassung. Schaffung von gesellschaftlichem Raum beigetragen haben. der Ausbildung von O rd­ nung und Flierarchie. sie zu bauen und zu pflegen. würden zum Medium der Durchsetzung von Herrschaft. die das Russische Reich hervorgebracht habe. sie besitze darüber hi­ naus eine symbolische Funktion. der Beschleunigung. Zur Einführung 19 Freiheitssuche erscheine. Ob so oder so interpretiert: Wegelosigkeit stehe für eine bis auf den heutigen Tag konstatierbare Schwäche der Beziehung zwischen Zentrum und Peripherie und damit für ein allgemeineres russisches Verständnis vom Raum. Existierende wie nicht vorhandene Wege unterlägen also ebenso einer doppelten Kodierung. ein Urthema russischen Lebens und russischer Geschichte. umgekehrt stehe deren Abwesenheit für Unzugänglichkeit. Der ins Auge gefasste „soziale Raum “ der Eisenbahn wird in seiner ganzen Vielschich­ .und Migrationsbewegungen. in welcher Weise Bau und Betrieb der Eisenbahn in Russland im langen 19. Diese Sicht auf die Straße als einen kulturellen Komplex eröffnet den Blick auf die Wegeproblematik als Integrations-. Wege und Straßen werden in seiner Analyse nicht primär als verkehrstechnische Einrichtung verstanden. als Medium der Raumver­ waltung und Raumbewältigung. der Aufklärung und des Forschritts. Die Straße und die Wege so aufgefasst. Jahrhundert zu einer Veränderung bzw. Er behandelt die Frage. Was für die Einen die Konservierung eines rohen und primitiven Zustandes sei. das Aufeinandertreffen von vormoderner. unvollkommene Durchsetzung der Imperative der Macht. Ausschluss aus dem allgemeinen Verkehr. das andere Mal als Ausdruck der Abwesenheit von Macht und Kontrolle.und Vermittlungs­ raum. auf ihre Bedeutung bei der Herstellung eines funktionsfähigen Wirtschaftsraums. Bezugnehmend auf die neuere Stadt­ soziologie und interessiert an der Frage.sondern für Erfassung.

dass es für die nächste Zukunft keine Alternative gebe. Die Eisenbahn wird hier als Feldstu­ die der Modernisierung. Katharina Kucher (Tübingen) nimmt die Eindrücke einer Jenissei. sei der Einwand gel­ tend zu machen.und N o­ rilsk-Reise zum Ausgangspunkt ihres Beitrags. als Entstehung eines symbolisch-imaginären Raumes. Reid (Sheffield) wendet sich einem für das Verständnis der nachstalini- schen Sowjetgesellschaft zentralen sozialen Raum zu. Der russische Fall wird hier als exemplarischer Fall der Geschichte sozialer Transformation in der Moderne verhandelt. jener für die Organisation und Bewältigung des Alltags so wichtigen Haus.und Wohnungsverwaltung. dass Russland sich aus der Position ei­ nes Anhängsels. wie auf diese Weise die M ikrowelt des Waggons zur Arena politisch­ gesellschaftlicher Auseinandersetzungen wird. ja einer Geisel des nordeurasisch-sibirischen Raumes befreien und den „Fluch Sibiriens“ (Fiona H ill) abschütteln müsse. und dass mit der globalen Erwärmung sogar eine gänzlich neue Perspektive für Städte in einer N orilsk vergleichbaren Lage am Horizont sichtbar werden könnte: Mit der Öffnung der Nordostpassage für den Schiffsverkehr werde auch N orilsk ver­ kehrsmäßig und logistisch erschlossen werden können. die gezielte Schrumpfung von Städten des Typs N o­ rilsk angesichts der hohen Kosten unabweisbar. von Kontrolle und Automisierung verstanden. klim a­ tischen und historischen Extrembedingungen für menschliche Siedlung erörtert und die möglichen Alternativen hierzu diskutiert werden. des Verhältnisses von gesellschaftlicher Integration und dynamischer Erosion. andererseits gehörten sie trotz der Extremverhältnisse aufgrund ihrer einzigartigen Bodenschätze heute wieder zu jenen Städten. Gegen die These.und Lebensort jenseits des Polarkreises. welche Rolle der grassierende Terrorismus und die Gefahr der Lahmlegung durch Streiks für die Eisenbahn und ihre Wahrnehmung spielen. Diese Prozesse werden in all ihrer Komplexität und äußerster Detailliertheit aufgezeigt: Wie sich mit dem Vordringen der niederen Klassen in der Eisenbahn die Klassengrenzen verschieben. N orilsk stehe für all jene „kalten Städte“. als Etablierung eines rechtlichen und ästhetischen Regel­ systems. in dem die geographischen. An N orilsk zeige sich heute das ganze Drama städtischer Sied­ lung in den klimatisch benachteiligten Regionen des postsowjetischen Russland: Einerseits sei der Rückbau. Susan E. die sich nur mit Zuzugssperren gegen den starken Immigrations­ druck wehren könnten. ohne die das Zusammenleben von Hunderttausenden von Menschen in den M ikrorajo- . von Machtzuwachs und Machtverlust. in denen immerhin ein Zehntel der Bevölkerung der Russi­ schen Föderation lebe. Sie sei wie andere auch unter Gesichtspunkten staatlicher Planung und Kommandowirtschaft errichtet worden und werde in ihrer Existenz als „normale“ Großstadt mit mehr als 200000 Einwohnern unter exorbitanten Kosten aufrechterhalten. wie sich die Beziehung der Ge­ schlechter im allgemein zugänglichen Verkehrsmittel entwickelt.20 Karl Schlögel tigkeit entfaltet: als technisch-konstruktive Bewältigung der sich aus dem Bau ergebenden Probleme. Die in dem Beitrag gelieferte Ortsbeschreibung enthält auch eine kurze Geschichte der Gründung und der Transformation aus einem ur­ sprünglichen Komplex des GULag in einen in poststalinistischer Zeit durch spe­ zifische materielle Anreize attraktiv gewordenen Arbeits.

Auch wenn einiges an die Projekte zur Organisierung des kommunistischen Alltags in den 1920er Jahren erinnere. wie sehr die aus der Massenflucht vom Land hervorgegangene sowjetische Stadt auf Insti­ tutionen angewiesen war. vor und sieht in diesem Prestigeprojekt der Stalinzcit an der oft als „Rote Riviera" bezeichneten Küste einen Fall von Heterotopie. Der Beitrag rückt einen lange Zeit ignorierten Raum sowjetischen Lebens ins Zentrum. die dennoch gewahrt werden könne durch das der Küste eigene subtropische Flair. also eines O r­ tes. mit entwickelter Logistik und Infrastruktur. sei somit end­ lich der Raum der Reproduktion. Christian Noack (M aynooth) nimmt sich Sotschi. die ihr nach Jahrzehnten großer sozialer Verwerfungen und politischer Erschütterungen zu Konsolidierung und Stabilisierung verhelfen konnten. funktionsgerecht. Zur Einführung 21 nen der Städte nicht habe bewältigt werden können. Statt der Paläste für Bestar­ beiter und überbelegten Gemeinschaftswohnungen kam nach 1953 der indus­ trielle Massen. insbesondere der Stalinzeit.und Typenwohnungsbau in Schwung. als Ort. an dem sich soziale Beziehungen und Verantwortlichkeiten herausbilden und Konflikte ver­ mittelt und geschlichtet werden. der anders als in Utopien.und Modernisierungstress ausgesetzten Gesellschaft im Detail zeigen lässt. könnten darin liegen. Statt der großen Utopie sei es nun um die kleine Utopie der Bewältigung des Alltags im engsten Lebensum­ kreis gegangen. Die W eiterentwicklung von Kurorten als Heterotope in der Nach-Stalin-Zeit habe sich niedergeschlagen im Einschwenken auf den seit den 1960er Jahren entwickel­ ten internationalen Stil der Hotel. mit einer eigenen Zeit außerhalb der Normalzeit. gegenwartsorientiert. Neben der Fabrik. die Dichotomien zwischen Zentrum und Peripherie. ein subtropisch-exotischer Ort mit Großstadtflair. Implikationen für eine Ge­ schichtsschreibung der Sowjetunion. sondern als Gegenraum und Ge­ genort innerhalb eines gesellschaftlichen Systems fungiere. pragmatisch. der Freizeit. in der der Abschied von der Grossen Utopie vollzogen und der Übergang zum Normalalltag bewerk­ stelligt worden sei. situiert an der Peripherie. an dem sich das Ende der M obilisierungsgesellschaft und der Prozess der Integration einer dem Urbanisierungs. sei es doch gerade die postutopische und postheroische Bewältigung des Alltags. der nicht nur als Illusionsraum jenseits der Realität. den Kurort Nummer Eins in der Sowjetunion. des Privaten in den Blick gekom­ men und mit ihm die eigentümliche Mischung aus Staatlichkeit und Privatheit. Sotschi sei ein solch „anderer O rt“ in einer exemplarischen Weise: als gebaute Utopie. zwischen dem Chaos in den städtischen Zentren und der Ruhe in den Kurorten. Dieser soziale Mikrokosmos widerlege das lange vorherrschende Bild einer nur passiv-apathischen Gesellschaft und zeige.und Sanatorienarchitektur und in der wenigs­ tens äußerlichen Übernahme der Verkehrsformen des internationalen Massentou­ rismus.und Hausverwaltung werden analysiert als Kernzel­ len von Verwaltung und aktiver Partizipation der Bewohner. die extreme Diskre­ panz zwischen der Welt des Dorfes und der Lager einerseits und der paradiesi- . dem zentralen Arbeits. aus politischer Kontrolle von außen und sozialer Selbstdisziplinierung.und Lebensort. ein w irklicher Ort innerhalb einer Kultur ist. auch um den Preis eines gewissen Verlustes an elitärer Exklusivität. Wohnungs.

dann aber auch besonders gefährdeten Gemeinschaft beschrie­ ben werden . sondern die Raum. Reiseerfahrung für n a tio n oder e m p i r e b u ild in g in Anschlag bringen würde. das Exklusive. die Karrie­ ren wie das Verschwinden prominenter Angehöriger der sowjetischen Nom enkla­ tura. Internierung. deren Frauen und Kinder und Freundschaftsnetze transparent gemacht w er­ den. die Kinderheime für die Kinder der Repressierten. folgt die Studie dem Weg der in diesem Haus einquartierten und repressierten Personen . Verhaltensweisen und Umgangsformen in dieser privilegierten und herausgehobenen. welche Folgen es haben könnte. Die Verortung der Repressionen der 30er Jahre bringt es mit sich. Alle aus den Forschungen und Erinnerungen zum „Großen Terror“ der Stalinzeit geläufigen Schritte und Prozeduren lassen sich. Alle Stufen des Ver­ schwinden werden durchlaufen: Verdächtigung. Tötung. Dieser M ikroraum mit seinen Hunderten von Schicksalen lässt sich ziemlich genau rekonstruieren. Das Haus der Regierung. Auf diese Weise wird entlang der über weite Strecken er­ forschten Geschichte der Repression deren noch weithin unbekannte Topogra­ phie sichtbar. Verlust und Gewinn. Uberstellung. Auf der Agenda einer Ge­ schichtsschreibung der sowjetischen 1960er bis 1980er Jahre stünden dann A naly­ sen andrer Fleterotope.Opfer. Angst und Überlebenshoffnung greifen bei einer Darstel- . schließlich auch auf die Hinrichtungsstätten. etwa der großen Projekte der Aneignung des Nordens. W ladislaw Fledeler (Berlin) fügt mit seiner Fallstudie zum „Haus der Regie­ rung“ in Moskau in den 1930er Jahren der Forschung über den Terror der Stalin­ zeit einen weiteren wesentlichen Aspekt hinzu.auf die diversen Schauplätze: in die Appartements. und dass für die Geschichtsschreibung zusam­ mengebracht wird. als M ikrokosmos innerhalb der sowjetischen Hauptstadt. loka­ lisieren. Person für Person. Liier stünde dann aber nicht etwas spezifisch Russisches im Vordergrund. herauszufinden. das zeigt diese Darstellung. die Gefängnisse. Es wäre ein gro­ ßes Thema künftiger Forschung. Vernichtung und Überleben. des Zugs von Jugendlichen und Studenten auf eine der seinerzeit legendären Großbaustellen.und Reiseerfahrung im Zeitalter des aufkommenden Massen­ tourismus auch in anderen Industriegesellschaften. und zuweilen Opfer und Täter in einer Person .22 Karl Schlögel sehen Welt der Sanatorien und Erholungsheime zu thematisieren. Stigmatisierung. Täter. was in der Erfahrung der Zeitgenossen als gleichzeitig und ne­ beneinander erfahren wurde.Wohnung für Wohnung. Touristische Räume würden auch als Räume der Bewegungsfreiheit.das Exotische. wird hier genommen als exemplari­ scher sozialer Raum. eine g a t e d c o m m u n i t y der sowjetischen Elite. wenn man Raumbilder . der Süden . in dessen Innerem nun gleichsam Wohnung für Wohnung die Schicksale. dass eine strenge Isolierung des Terrors aus dem N orm alalltag der sowjetischen Metropole kaum mehr möglich ist. der Freiheit in einem begrenzten und zugleich grenzenlosen Land analysiert werden können. Sturz und Aufstieg. Denunziation. Um die Spur des Verschwindens zu rekonstruieren.und soziale Räume. Verbannung. Verhaftung. litera­ risch gestaltet von Jurij Trifonov in dessen Roman „Das Haus an der M oskwa“. Gestützt auf unterschiedlichste Quellen könnten Interieurs und Mobiliar. Anschuldigung. der Neulandkampagnen. die Verbannungsorte der Frauen der „Volks­ feinde“.

Wie kaum ein anderes Medium scheint der Film geeignet. das Bild vom neuen Moskau nicht mit einem Mal da war. Ort. wie binnen kurzer Zeit eine neue symbolische Topographie Moskaus entsteht und wie im Film gleichsam die erst in Planung befindliche Stadt der Zukunft visuell antizipiert wird. so zeigt der Beitrag an schlagenden Beispielen. umkodiert. Effizienz.für eine Ge­ schichtsschreibung der Sowjetunion heraus. neuen. Die alte Welt habe ihre Bildwelten und Land­ schaftscharaktere. Zeit. subjektive Erfahrung und kollektive Erinne­ rung miteinander verschmelzen zu können. Tempo. das man sich im weiten Land von nun an vom Zentrum.weit über eine Filmgeschichte hinaus . die das räumliche Nebeneinander im Blick hat. Die Entstehung der sym bo­ lischen Topographie des neuen M oskau im Film könne daher als exakter Indikator für die Entstehung und Wancilung des Selbstbildnisses Russlands in den U m brü­ chen des 20. Sie kann zeigen. von der Hauptstadt habe machen können. Es handele sich um den faszinierenden und dramatischen Prozess der Herauslösung Russlands aus den traditionellen nationalen Stereotypen und die Produktion eines neuen ikonischen Raumes. für eine Analyse harter Interes- . Der Film sei damit nicht nur Abbild. die Hauptstadt.und Zeitbrüchen auch radikale Neuanfänge der Imagi­ nation des Räumlichen entsprechen. dass das Bild vom Neuen Moskau erst mit Beginn der 1930er Jahre Gestalt anzunehmen begann. Jahrhunderts gelesen werden. Moskauer Topoi seien in den 1930er Jahren zum Hintergrund von Spielhandlungen geworden. Klaus Gestwa (Tübingen) interessiert sich in seinem Beitrag nicht für die schon oft geschilderte Geschichte der kommunistischen Utopie. dass revolutionären Epochen. sondern schrittweise generiert wurde. dass das Bild des neuen Russland bzw. Zur Einführung 23 lung der Terrors. wie sie im Generalplan von 1935 entworfen wurde. das Russland von sich selber hat und das es auch nach außen vermittelt. sondern werde selber zum aktiven Medium der Transfor­ mation. wird das Bild. sondern für die Raum verändernde und Raum gestaltende sowjetische Praxis.und Wirtschaftsgeschichte. Maschinen. Er plädiert für eine stärkere Zuwendung zu den seiner Meinung nach im Zug der kulturalistischen Wende vernachlässigten Feldern der Politik. Die vorliegende A nalyse zeigt. Im sowjetischen Film. neu entworfen. die zugleich eine Mikrostudie zu Leben und Sterben in den Stalin-Jahren wäre. Oksana Bulgakowa (Berlin/Mainz) wendet sich in ihrem Beitrag dem sym boli­ schen und imaginären Raum zu und arbeitet damit den Stellenwert der Visualisie­ rung des Räumlichen . der der neuen Llauptstadt zu einem neuen Bild und Selbstbild verhelfen sollte. in ihm gewinne das Alte und das Neue ikonische Qualität. gekennzeichnet von Tech­ nik. In dem Beitrag wird he­ rausgearbeitet. In ihm erweise sich die Ablösung des alten durch das neue Russland. die neue bringe ihre eigenen hervor. nicht für die Konstruk­ tion imaginärer Räume und Projekte. geometrischer Klarheit. Exemplarisch hierfür stehe das Neue Moskau. kristallisierten sich zu Standard-Ansichten auf Postkarten und prägten so das Bild. Die in der vorliegenden Studie publizierte Statistik spannt eine einzigartige M atrix auf für eine Geschichte des „Hauses an der M oskwa“. ineinander. bisher nicht gekannten Größenordnungen. Oksana Bulga­ kowa rekonstruiert Eisensteins Entwurf eines M oskau-Filmes.

An ihnen lasse sich die raumerschließende und raumgestaltende Kraft hydroenergeti­ scher Großvorhaben studieren.und w eltweit . dass die Erfahrungen und Praktiken des „hydraulischen Imperiums“ keineswegs auf die UdSSR beschränkt blieben. dem „hydrauli­ schen Imperium“ zu.geplant und in die Tat umgesetzt worden.und Lebensraums.24 Karl Schlögel sen. den Drei-Schluchten-Damms in China . Praktiken. Der Hinweis auf den Export und das Vorbild sowjetischer Großprojekte . that the so-called “spatial turn” in Russian history. Summary This volume contains twelve contributions held on the colloquium at the H isto­ risches Kolleg in Munich in summer 2006 dedicated to the question of the impact of space and mastering space on the historiography of Russia and the Soviet Union. habe die für diesen Zweck notwendigen Institutionen. die Rekrutierung des Personals. sondern in den Kon­ text einer Weltgeschichte der M odernisierungsbewegung gehören. das insbesondere in den 1950er Jahre seinen größten Ein­ fluss entfaltete. U nter der Regie von Gidroproekt und Energoproekt seien in den Nachkriegsjahrzehnten die größten Staudamm-.sei richtig verstanden auch eine Geschichte der Schaffung eines spezifisch sowjeti­ schen Zivilisations.und Allmachtphantasien steht. reconceptualization and rew rit­ ing Russian history. Irrigationsprojekte in der Sowjetunion . einmündend in die Paradoxien und A nta­ gonismen. die in sei­ nen Augen als der Experimentierplatz für eine großmaßstäbliche Umgestaltung der Natur nach Imperativen einer staatlich-politischen Planung schlechthin und damit als Schauplatz für Machbarkeits. die Entwicklung der in ihnen herrschenden co r p o r a t e i d e n t it y .am Ende der Studie zeigt. Verteilung und Verwaltung und nicht zuletzt der praktischen Umsetzung kristallisiert haben. Die Sowjetunion. Mentalitäten hervorgebracht. der Antagonis­ mus von Zentrum und Regionen. die sich in den großen bürokratischen Apparaten der Planung. The question under discussion is which consequences does have the spa- cialization of Russian history for reconsidering. vielleicht dem charakteristischsten Komplex sowjetischer Großplanung.die sowje­ tische Entwicklungshilfe für Assuan. über den organisatorischen Aufbau. von Verschwendung und Knappheit. Personen. Kraftwerks-. The assumption in organizing this colloquium and volume is.von der Kon- zipierung des Projekts. Die Darstellung ihrer Geschichte . Anschließend an die erst in jüngerer Zeit erkannte Bedeutung von komplexen technischen und organisatorischen Infrastrukturen für das Funk­ tionieren von Gesellschaft und Herrschaft wendet sich Gestwa einem. von gigantomanischer Planung und praktischen Beschränkungen in der Ausführung. has been provoked by the col­ lapse and desintegration of the Soviet Union and by the general reconceptual- . die dann auch das Ende des sowjetischen Imperiums herbeigeführt hät­ ten: die Dichotomie von monumentalem und minimalem Raum. Im Zentrum seiner Studie zur „zerstörerischen Kreativität sowjetischer Raum bewäl­ tigung“ stehen die hydrotechnischen Großprojekte.

The general idea is that the turn to space could shed more light on central questions of a history of Russia: centre-periphery relations. Zur Einführung 25 ication of space in the humanities. The spatial discourse of the 1990s and early 21st century is not so much on territoriality but on identity of the post-Soviet space: Where is Russia’s place in the world and what does Russia mean after the collapse of the USSR? The contributions try to explicate the manifold dimensions of space .and the consequences for the understanding of Russian history. the power of common places for understanding Soviet history.the physio-geographical. . the weakness of governance in the vast spaces of the Russian and Soviet empires. for decades focussing on the social and political system has ignored and even neglected the impact of the geographical fact and the spatial dimension of social and historic processes. the mental and symbolic dimension of space . Soviet historiography. The contributors are convinced that the geographical factor is of relevance but they are at the same time in clear opposition to a deterministic understanding of space. the social. The collapse of the Soviet Union initiated and revitalized a discourse on space and the impact of space on Russian history starting from the beginning of the 19th century up to the Russian revolution with Petr Chaadaev’s famous nation on Russia as “a mere geographical fact”.

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in: JG O 18 (1970) 161-204. 381- 384. oder. „mental mapping“. in: JG O 23 (1975) 381-418. ganz banal gesprochen. In meinem Thema soll es um einen ganz konventionellen. D efinitionsproblem e und D arstellungen. in der Historischen Geographie w eltweit der Geodeterminismus (vertreten etwa durch Friedrich Ratzel und Fre­ derick Jackson Turner). welches den Auswirkungen der ökonomischen Ent­ wicklung auf die Gesellschaft die entscheidende Rolle zuschrieb. G eographische G rundlagen der russischen Geschichte. Versuch einer A n alyse des Stellenw ertes geographischer G egebenheiten im Spiel der historischen Kräfte. . ist . 164-166. Karl Schlögel hatte mir ursprünglich die Aufgabe zugedacht. der letztlich die historische Entwicklung bestimmte.den Historischen Wissenschaften in jüngster Zeit wieder verstärkt bewusst geworden. als Friedrich Engels die geschichtstheoreti­ schen Überlegungen von Karl Marx system atisierte und wenig später Lenin dieses Konzept an die russischen Verhältnisse anpasste. Carsten Goehrke Raum als Schicksal? Geographische und geopolitische Entwicklungsbedingungen in der Geschichte Russlands Dass Geschichte sich im Raum vollzieht.wie der vorliegende Sammelband zeigt . was ich vorJahrzehnten bereits ausführlich abgehandelt habe1. 398 f. Das geringe Interesse der sowjetischen Ge­ schichtswissenschaft für die historische Bedeutung von Großräumen hat vor allem zwei Ursachen: Zum einen herrschte zu der Zeit. w ar das krasse Gegenteil des marxistischen Konzeptes. „Imperialer Raum “. „Struk­ turraum “ .. Bis zuletzt galt 1 C a r s te n G o e h r k e .das sind neue Suchscheinwerfer. bes. dass der Raum es sei. Daher kann ich mich zu diesem Nebenthema kurz fassen. bes. „imaginierter Raum “. w a­ rum diese Thematik in der sowjetischen Geschichtswissenschaft so wenig Beach­ tung gefunden hat. H istorische G eographie R usslands: E ntw ick­ lung als Fach. Ich hätte in dieser Hinsicht aber nur wiederholen können. um die räum­ lichen Dimensionen der Osteuropäischen Geschichte aus einer anderen Perspek­ tive auszuleuchten. Dessen Grundüberzeugung. um den Zusammenhang zwischen nackter erdräumlicher Physis und historischem Schicksal. d e rs . aber wissenschaftsgeschichtlich äußerst kontrovers debattierten Zugriff gehen: um die Bedeutung der erdräumlichen Exposition und der geographischen Struktur für die Geschichte Russlands. zu erläutern. derer man sich bedient.

als Teil der Gesellschaftswissenschaften. nur über das Medium der Produktivkräfte historisch wirksam werden könne. dann drängen sich fürs erste zwei Eindrücke auf: zum einen w irkt die Sowjetunion (mehr noch galt dies für das imperiale Russland) mit einer Küstenlänge von 43000 Kilometern gegenüber 17000 Kilometern Festlandgrenzen2 wie ein maritimer Staat.als auch seine Westküste der Schifffahrt ganzjährig offen stehen.nunmehr verengt auf eine Ökonomische Geographie . Anders als international damals noch weit ver­ breitet. Mellor. M ünchen 1972) 47. Doch beide Eindrücke täuschen. Sow jetunion (H arm s Erdkunde 3. Diese Dreiteilung in völlig unabhängig voneinander arbeitende Disziplinen hat die Frage nach den Zusammenhängen von Raum und Geschichte zusätzlich be­ hindert. die das Schürten nach tieferen Zusammen­ hängen zwischen Raum und Geschichte grundsätzlich tabuisierte. historische Aspekte blieben der Geschichtswissenschaft Vorbehalten. Wie ist der Stellenwert dieser Einflüsse gegenüber anderen. als es unter dem Druck des Ersten Weltkrieges den Seehafen Murmansk an der Küste der Halbinsel Kola aus dem Boden stampfte und durch die Murmanbahn mit dem Landesinneren verband. Meine Darlegungen sollen sich im Folgenden auf zwei Fragen beschränken: 1. doch wegen ihrer übergroßen Länge und der zahlreichen in sie einmündenden Ströme von der Dvina über Ob und Jenissei bis zur Lena hätte diese eine viel größere wirtschaftliche Bedeutung. gehört die vom Golfstrom bestrichene Westküste des nordeurasi- schen Subkontinents nicht zu Russland. vor allem kultu­ rellen Faktoren zu gewichten? Wenn man einen Blick auf den Globus wirft.oder H u­ mangeographie . M it Nordamerika teilt der nordeurasische Subkontinent die im W inter vereiste N ordküste. Welche Einflüsse auf den Gang der Geschichte Russlands lassen sich aus sei­ ner erdräumlichen Lage und geographischen Struktur ableiten? 2.28 Carsten Goehrke daher in der sowjetmarxistischen Geographie und Geschichtswissenschaft die De­ vise. sondern reicht auch weiter nach Norden. die Anthropo. Zum anderen scheint sie der erdräumlichen Lage nach mit dem nordamerikanischen Subkonti­ nent vergleichbar zu sein. . dass sowohl seine Ost. hatte sich die sowjetische Geographie strikt auf die Gegenwart zu konzen­ trieren. Dies war eine ideologisch bedingte Einschränkung. so dass selbst Kiev in etwa auf demselben Brei­ tengrad liegt wie das kanadische Winnipeg und Moskau etwas nördlicher als die Südgrenze Alaskas. wenn sie mehr als nur drei Monate im Jahr eisfrei wäre. Russlands Land­ masse ist nicht nur sehr viel großflächiger als die nordamerikanische. Die Physische Geogra­ phie galt fortan als Bestandteil der Naturwissenschaften. dass der Raum. eien man als „geographisches M ilieu“ definierte. H. Einen kleinen eisfreien Zipfel hat es erst seit 1917 zu nutzen gewusst. Während Nordamerika davon profi­ tiert. weil eine aus dem Japanischen Meer nach Norden driftende kalte Strömung (der O ya Shio) die Wassertempera­ 1 N ach Roy E. Die Ostküste Nordeurasiens ist während des Winters vereist. Zum anderen wurde in sowjetischer Zeit aus ideologischen Gründen die Ein­ heitlichkeit der Geographischen Wissenschaft aufgelöst.

um sich innerhalb kurzer Zeiträume von Innerasien bis tief nach Europa hinein zu verschieben. 37-56. in: Voprosy istorii (1992) 4-5. In: Ergebnisse und P ro­ blem e m oderner geographischer Forschung. der nach traditioneller Lehrmeinung Eu­ ropa und Asien voneinander trennt.dies alles hat dem Norden Eurasiens im Unterschied zu Nordamerika einen sehr viel kontinentaleren Stempel aufge­ drückt3. das sich wegen der U nzugänglich­ keit und dünnen Besiedlung Sibiriens nur innerhalb Osteuropas herauskristalli­ sieren konnte. Agrarwirtschaftlich gesehen hat dies zur Folge. Der U ral. G roßraum zw ischen D auer und W andel (D arm stadt 1996). im Osten von den Ausläufern des N ordpazifik und im Süden durch einen Wechsel von Binnenmeeren (Schwarzes Meer und Asowsches Meer sowie Kaspi-See) und Gebirgsketten (von den Karpaten über den Kaukasus bis zu den Hochgebirgen Zentral. Doch von den wirtschaft­ lichen und kulturellen Lebensbedingungen her blieben die von ihnen geschaffe­ nen eurasischen Großreiche labil und an den Steppengürtel als Kernraum gebun­ den. ihr mit Küsten und Gebirgsketten jedoch gewisse natürliche Grenzen setzte. V. M ilo v . bis hin zu den Mongolen im 13. Stärkere Nordexposi­ tion. Auch nach Westen hin findet sich zwischen dem maritimen West. größere Landmasse. Für ein strukturell stabileres Großreich. Von den natürlichen Grenzen und der Oberflächenbeschaffenheit her erscheint Nordeurasien5 wie eine riesige flach-ovale Schüssel. bildet weder in klimatischer noch in land- schaftstypologischer Hinsicht eine scharfe Scheide.und Ostküste . * L. . eine winterkalte Nord. ausgedehntere breitenparallele Flächenerstreckung. welches zu territorialer Expansion verlockte. Die N achfolgestaaten der S ow jet­ union. G eburtstag (Raum forschung und Landesplanung. sondern setzen sich auch östlich des Ural bis zum Jenissei fort. H e r b e r t S c h i e n g e r . 3 Zum geographischen Vergleich: C o lin W h i te . 5 L änderkundliches Standardw erk: J ö r g S t a d e lb a u e r . musste der nordeurasische Subkontinent als gewaltiges Raumge­ fäß erscheinen. Beiträge zu einem länderkundlichen Vergleich. sondern das Russische Tiefland verengt sich trichterförmig zwischen Ost­ see und Karpaten und geht allmählich in die Polnische und Norddeutsche Tief­ ebene über. A bhandlungen 28. Prirodno-klim aticeskij faktor i osobennosti rossijskogo istoriccskogo pro- cessa. H ans M ortensen zu seinem 60. Raum als Schicksal? 29 tur und das Klima des nordpazifischen Raumes bestimmt. Daher nutzten die Reiternomaden Innerasiens von den Hunnen im 4. Jahrhundert den Steppengür­ tel als ihren natürlichen Lebensraum.und Ostasiens) eingefasst wird.und M itteleuropa einerseits und dem konti­ nentalen Osteuropa andererseits keine eindeutige naturgeographische Abgren­ zung. dass die verfügbare Landwirtschaftsperiode selbst in den fruchtbareren Kerngebieten des Europäi­ schen Russland mit 125-130 Arbeitstagen pro Jahr auskommen muss und im Unterschied zu den USA und den dort im Durchschnitt verfügbaren 150-200 Arbeitstagen zu größerer Extensität genötigt ist4. Die breitenparallel gestaffelten Vegetationsgürtel von der Tundra im Norden über die Taiga bis zur Steppe im Süden prägen nicht nur das Land­ schaftsbild des Europäischen Russland. die im Norden vom Eismeer. R ussia and Am erica: The Roots of Economic D ivergence (London 1987). Die Vereinigten Staaten von N ordam erika und die Sow jetunion. Brem en-H orn 1954) 303-332.

Als nach dem Zweiten W eltkrieg sibirisches Erdöl und Erdgas zu den wichtigsten Devisenbringern der Sowjetunion wurden. während die Erschließung der Kohlen-. . Gold und Silber konzentrierte.bis dreivierteljährigen Vereisung der Nord. Bund.und Lastver­ kehr auf Pferdegespanne angewiesen war und seit dem 19. um den süd-nördlichen Verlauf der Hauptstromwege zu kompensieren bzw. Diss. ist sie streckenweise im ­ mer noch Provisorium. Frank J o y e u x . spielte die Verkehrsproblematik eine geringere Rolle.und Ostküste noch einen weiteren Hemmschuh eingebaut. . hat in der UdSSR der Lastkraftwagen seine reine Zu­ bringerfunktion behalten.30 Carsten Goehrke Allerdings hatte die Natur neben der halb.. sie sollte Ostsibirien durch eine nördlich der Transbaikalbahn ver­ laufende Bahnachse mit dem Fernen Osten verbinden und neue Industriezonen erschließen. Dies gilt auch für die Baikal- Amur-M agistrale (BAM). miteinander zu vernetzen. H. w eil der Transport über Pipelines er- folgt: Die sowjetischen Konzepte zur Verkehrserschließung Sibiriens und des Fernen Ostens waren breitenparallel ausgerichtet. in: L eslie S y m o n s . Jahrhundert der Eisen­ bahn als wichtigster Ost-West-Verbindung auch für den Transport von Massen­ gütern eine herausragende Bedeutung zukommt. L a m in et al. W ährend die USA nach dem Zwei­ ten W eltkrieg ihr Verkehrssystem im Binnenland weitgehend von der Bahn auf das Auto umgestellt haben. Allerdings erwies sich dabei der chronische Kapitalmangel von Staat und Wirtschaft als Hemmnis. G lobal’nyj trek: razvitie transportnoj sistem y na vostoke strany (E katerinburg 1999). Die Fernstraßen wurden nur im Europäischen Russ­ land ausgebaut und sollten die Randmeere mit Moskau verbinden7.und Schwermetallvorkommen sowie des Holzreichtums erst in sowjetischer Zeit begann. R o y E. The Soviet concept of a unified transport system and the contem porary role of railw ays. die den Nördlichen Seeweg länger offen 6 R o y E. Eisen-. deren Bau in der Ara Breznev mit Hochdruck vorange­ trieben wurde.und V erkehrsproblem e im 17. H. 7 Dazu grundlegend: V. in: Ö sterreichische O sthefte 26 (1984) 254-272. The soviet transport problem in the setting of physical geography. M ellor. und die geplanten neuen Industriezonen sind wegen feh­ lender staatlicher M ittel Rudimente geblieben. Köln 1981). der die innere Durchgängigkeit und Kohärenz des Nordeurasischen Subkontinents störte: Die großen Ströme als potenzielle Verkehrsadern flössen quer zur ost-westlich gerich­ teten Hauptachse der Landmasse. Jah rh un dert (Phil. C o lin W h ite (H rsg. Obgleich sie 1990 offiziell eröffnet wurde. denn die Eisenbahnen wurden schnell und billig gebaut und blieben daher relativ leistungsschwach und reparaturanfällig. setzte man seit den sechziger Jahren auf den Bau einer Flotte von Atomeisbrechern. Für die Geschichte des russi­ schen Transportwesens heißt dies: Es w ar vergleichsweise zeitraubend und teuer6. die sich bis ins 20. Jahrhundert hinein auf leicht transportable Güter von hohem Wert wie Pelze. Um die Trans­ sibirische Eisenbahn zu entlasten. R ussian Transport: An historical and geographical survey (London 1975) 75-105. A. Dieses Hemmnis behinderte auch die Ausbeutung der Reichtümer Sibiriens.Für die ältere Zeit vgl. M e llo r . so dass der vormoderne Personen. Der Transitw eg von M oskau nach D aurien: Sibirische Transport.).

Problem y razvitija i m odernizacii (A rch an gelsk 2003) bes. M orskoj transport Evropejskogo Severa R ossii (1918-1985). nur auf R ussland bezogen: Erik A m - h a r g e r .). Gerade in den am dichtesten besiedelten Gebieten der südlichen Reichshälfte dünnte die Bevölkerung aus. dass das Reich von Kiev sieh weitab der Küsten im Landesinneren formierte und seine Interessen auf den Randmeeren im Westen und Süden erst wahrzunehmen vermochte. wenngleich vielfach überschätzten Einschnitt in die kontinuierli­ che W eiterentwicklung von Staat. sei­ ner jahreszeitlich stark eingeschränkten Zugänglichkeit von Norden und Osten her sowie wegen der ungünstigen inneren Bedingungen für die verkehrsmäßige Verklammerung seiner europäischen und asiatischen Teile gegenüber der nord­ atlantischen Welt benachteiligt ist. K r a s a v c e v . 10 S. Dass weder Groß-Novgorod noch die Großfürsten von Moskau auf die Idee kamen. H erbert L udat zum 60. The Soviet Arctic (London 1991). das Weiße Meer von der M ündung der Dvina aus für den ei­ genen Außenhandel zu nutzen. A. im Schwarzen Meer der Byzantiner und der italieni­ schen Seestädte). 300-1500 (Bloom ington. 9 H istorischer Ü berblick bei A r c h i b a ld R. R aum als Schicksal? 31 halten können. Zur Entstehung und E ntw icklung russischer Seehäfen. In geoökonomischer Hinsicht lässt sich daher sagen. wurde der all­ gemeine Lebenszuschnitt rustikaler10.und N ordeuropas. Diese Rechnung scheint . European N aval and M aritim e H istory. Ju zn orusskie zemli vo vtoroj polovine X III-X IV v. L ew is. B. als der dortige Seehandel bereits in den Händen fremder Mächte lag (in der Ostsee der Hanse und ihrer Vorläufer.gefördert auch durch die Klimaerwär­ mung .aufzugehen8. IN 1985). Jahrhunderts. Völlig neu richteten sich auch die Handels­ 8 L. Neben diesem Spätstart fiel wirtschaftshistorisch gesehen des weiteren ins Gewicht. B e l j a e v a . dass Nordeurasien allem äußerlichen Anschein zum Trotz wegen seiner klimatischen Kontinentalität. Bevölkerung und vor allem Wirtschaft bedeu­ tete der M ongolensturm von 1236-1240. sondern dass sie auch dort die Initiative und H an­ delskontrolle seit der zweiten Hälfte des 16. 256-264. Einen tiefen. in: K la u s Z er n a ck (H rsg. Da ist zunächst die vergleichsweise späte Formierung eines regionsübergreifen- den Herrschaftssystems bei den Ostslawen zu nennen. (dem „H eiligen“) sprechen. Beiträge zu r Stadt. als in Mitteleuropa das Karolingerreich schon längst Geschichte war und das Reich der Ottonen seinem Höhepunkt zustrebte. G eburtstag (W iesbaden 1971) 173-207. zu einer Zeit also.und R egionalgeschichte O st. brach der W irt­ schaftskreislauf zwischen Stadt und Land weitgehend zusammen. P i e r H o r e n s m a . R u n y a n . muss man wohl den fehlenden eigenen schiffstechnischen und finanziellen M öglichkeiten zuschreiben9. also seit dem Ausgang des 10. Neben dem geographischen fällt jedoch auch der Zeitfaktor für die innere Ent­ w icklung Russlands ins Gewicht. Von rudimentären H err­ schaftsstrukturen staatlichen Charakters kann man eigentlich erst seit Vladimir I. (Po m aterialam archco- logiceskich issledovanij) (Kiev 1982). Jahrhunderts den Engländern und Holländern überließen. . T i m o t h y J.

13 Zusammenfassend G e r a l d A. 14 Zusammenfassend J a n d e Vries. folgte primär den durch die geographische Struktur Nordeurasiens vor­ 11 E. da das lateinische Eu­ ropa den Zenith seines hochmittelalterlichen „Booms“ erreichte13. S. Farm to Factory: A R einterpretation of the Soviet Industrial R evolution (P rince­ ton. detaillierter K urzüberblick: . H o d g e t t . Die über ein Jahrtausend anhaltende Sickerwanderung der Ostslawen. A. R usskaja architektura i m ongolo-tatarskoe igo (1238-1300). N.und geopolitischen Folgen. R y b i n a . A llen. 12 Vgl. O p yt pereosm yslenija (M oskau 1997). 15 D ifferenzierte Bew ertung des sow jetischen W irtschaftsm odells im R ückb lick bei R o b e r t C. erwies sich aber auf Dauer als zu wenig konkurrenzfähig. Istoriceskaja geografija R ossii v svjazi s kolonizaciej (M oskau 1909. Dass Russland vergleichsweise spät zu seiner eigenen Staatlichkeit fand und im Laufe der Geschichte durch endogene und exogene Störfaktoren und Umbrüche auch in seiner wirtschaftlichen Ent­ wicklung immer wieder behindert und zurückgeworfen worden ist.32 Carsten Goehrke beziehungen der R us’ aus* *. L ju b a v sk ij. in: Vcstnik M oskovskogo universiteta. die wesentlich den Folgen des Livländischen Krieges (1558—1583/84). Erst gegen Ende des 13. 1600-1750 (C am bridge 1976) bes. der Hungersnot von 1602/03. N J 2003). Der radikale Umbau seines W irt­ schaftssystems in sowjetischer Zeit hat zwar den sozialökonomischen Abstand zu den führenden Industrieländern massiv zu verringern vermocht. M iller. den inneren Wirren von 1606 bis 1613 (Smuta) und den polnisch-litauischen und schwedi­ schen Interventionskriegen (1611-1618) zuzuschreiben ist. Torgovlja srednevekovogo N ovgoroda. 90-105. D a v i d B. A Social and Economic H isto ry of M edieval Europe (London 1972) bes. Damit sah sich die R us’ in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung gerade zu einem Zeitpunkt zurückgeworfen. V. die aus ihrem begrenzten Ausgangsgebiet in der heutigen U kraine und in Kleinpolen nach und nach das gesamte Europäische Russland und den Norden Asiens er­ fasste16. 16 „K lassische“ G esam tdarstellung: M. serija istorija (1976) 6. so dass er Russland im globalen Kon­ kurrenzkam pf wieder zurückfallen ließ15. J. E conom y of Europe in an Age of C risis. Weitgehend hausgemacht war die Depression von 1560 bis 1620. M. Ich kehre zurück zur Raum struktur Nordeurasiens und ihren territorial. M onum ental B uilding as an Indicator of Economic Trends in N orthern R us’ in the Late Kievan and M ongol Periods. Petersburg 2000). Jahrhunderts und der Bürgerkrieg von 1918 bis 1920 verheerten Russland in besonderem Maße und schädigten seine Infrastruktur nachhaltig. N euausgabe in einer als M anuskript erhaltenen aktualisierten Fassung vom Anfang der 1930er Jahre St. der ein halbes Jahrhundert lang auch im Norden des Landes brach gelegen hatte12. K. Sovetskaja ekonom ika v retrospektive. 113-235. Istoriko-archeologiceskie ocerki (Velikij N ovgorod 2001). Jahrhunderts begann sich die Wirtschaft von der Depression wieder zu erholen . Auch sie traf Russland zu einem Zeitpunkt. hat seine erd­ räumliche und klimatische Benachteiligung also noch potenziert.sichtbar an dem neu einset­ zenden Bau von Steinkirchen. 63-79. K u d r o v . in: A H R 94 (1989) 360- 390. Die beiden Weltkriege des 20. da das lateinische Europa nach der Krise des Spätmittelalters einen neuen „Boom“ erlebte14. B o r iso v . 1138-1462.

Pod obscej red. Das russische P azifik-Im perium . 1-4 (Vancouver 1988— 1992). G overnm ent. 117-160. Bd.ein B rennpunkt der W eltgeschichte. ausführlich: D ers. 19 E k k eh a rd Völkl. 291-322. waren zum Scheitern verurteilt. zum anderen verfügte es weder an seiner Nordküste (jedenfalls bis 1917) noch am Pazifik über ganzjährig eisfreie Häfen. Zum einen waren die Ausgänge der Ostsee und des Schwarzen Meeres von fremden Mächten blockiert. industry and rearm am ent in R ussia. W a lter]. Ign at’ev (M oskau 1999). R ising Tide: The U ntold Sto ry of the Russian Subm arines . A. N . ein schöner Traum. R usskie: ctnoterritorija. Bolchovitinova. R ossija i cernom orskie prolivy (X V III-X X stoletija). L. Außerdem zeigte sich nun der Pferdefuß des überdimensionierten territorialen Wachstums in infra­ strukturell kaum erschlossene Räume. der Kampf um eine Kontrolle über die „türkischen Meerengen“17 und am Ende des 19. B o y n e . Raum als Schicksal? 33 gegebenen Möglichkeiten. cislennost’ i istoriceskie su d ’by (X II-X X w . während die übrigen imperialistischen Weltmächte ihre ökonomischen Möglichkeiten ausschöpfen konnten. den nordpazifischen Raum von Alaska und Kali­ fornien bis nach Hawaii in das eigene Imperium einzubeziehen19.N . Mit den europäischen Kolonialmächten vermochte Russland beim Wett­ lauf um die Aufteilung der Welt nicht mitzuhalten. Bd. Eine riesige Flotte atomgetriebener und mit Interkontinentalraketen bestückter Unterwasserkreuzer erlaubte es der Sowjet­ union und erlaubt es heute der Russländischen Föderation. Zentralasiens und des Amurbeckens seine quasi „natürlichen“ Grenzen erreicht hatte. 18 P e t e r G a trell. Bd. Aus diesem Grunde blieb auch der Versuch. Russland blieb damit zum Status einer k o n tin en ta le n Weltmacht verdammt. aus dem Käfig der eigenen Kontinentalität auszubrechen.. 1 (M oskau 1999) 5-87. red. A ufbauversuche und R ückzu g. 1900-1914 (C am bridge 1994) bes. rasselenie. Doch diese Bemühungen. weil es aus einem riesigen ter­ ritorialen Wasserkopf auf dünnen Beinchen wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit bestand. Russia and the South Pacific. Weir. denn sowohl im Krimkrieg (1853-1856) als auch im Russisch-Japanischen Krieg von 1904/05 erwiesen sich die Nachschub­ probleme für die peripher gelegene Front als kriegsentscheidend. N. weil die wirtschaftliche Basis für eine derart ambitionierte W eltmachtpolitik nicht ausreichte18. Die türkischen M eerengen . 1715-1825: A survey of the O rigins of R ussia’s N aval Presence in the N orth and South Pacific (Vancouver-London 1981). V. in: Sae- culum 16 (1965) 357-388. Jahrhunderts das Russländische Imperium nach der Annexion des Kaukasus. 1696-1840. G ly n n B a rra tt. ohne ihr inneres Gleichgewicht zu gefähr­ den.). stand es vor neuen geopolitischen Problemen.Deutschlands massiven Ausbau der U-Bootwaffe im Zweiten Weltkrieg. von Murmansk aus globale Seemacht zu spielen20. Als in der zweiten Hälfte des 19. Istorija Russkoj A m eriki 1732-1867. Jahrhunderts der Versuch. in: G W U 17 (1966) 1-31. 20 G a r y E. Daraus resultierte für die Außenpolitik seit Katharina II. R ussia in Pacific W aters. 17 E g m o n t Z e c h lin . 1-3 (M oskau 1997-1999). In militärischer Hinsicht vermochte erst die Sowjetunion dem Käfig der eigenen Kontinentalität zu entkommen: Indem sie nach dem Zweiten W eltkrieg den Trick eines anderen Kontinentalstaates kopierte . otv. sich in Port Arthur an der Küste Nordchinas fest­ zusetzen. N ezin skij.

von den Tataren abge­ sehen . 23 D azu im Ü berblick: A n d r e a s K a p p e ler . N ationalism us und N ation alitäten po litik in der S ow jet­ union (Baden-B aden 1986). v. A. serija istorija. M itc h e ll. R ja b i n i n . in: O steuropa zw ischen N ationalstaat und Integration.und Stammesstrukturen kannten und im Lauf der Zeit von den Russen assimiliert oder zumindest akkulturiert w ur­ den21.34 Carsten Goehrke Ostslawische Sickerwanderung und territoriale Expansion nach Nordasien hinein haben auch die nationale und kulturelle Entwicklung geprägt. Petersburg 1999) 25. E le len e C arr'ere d ’E nca u sse. V dovin. N.. die nur Sippen. dass That Fought the C old W ar (N ew York 2003). 1917-1930 (N ew York 1992). A lfr e d J. russische Sickerwanderung. M uslim ischer N ationalism us im Russischen Reich. Zum anderen bot sich dadurch die Chance. - F ür die Sow jetzeit: G e r h a r d S im o n . in: Vest- nik M oskovskogo universiteta.F ür das Z arenreich: D ers. R i e b e r . Jahrhunderts auf eigenem Staatsgebiet in die M inderheit22 . fremden Ethnien ohne Berührungs­ ängste zu begegnen. in wechselsei­ tigem Austausch sich kulturell zu befruchten.machte sich vom Bürgerkrieg über den Zweiten W eltkrieg und die Auflösung der Sowjetunion im Jahre 1991 hinaus immer wieder bemerkbar . . die mit zunehmender Bedeutung des Nationalismus unter den entwickelteren Völ­ kern des Imperiums und unter den Russen selber zu einem Problem wurde. Petersburg 1997). 4. 22 Zeittafel bei B. Soweit ich es beurteilen kann. 1860-1917 (Stuttgart 2000). Dies hatte zwei durchaus positive Folgen. Die Sprengkraft nationalen Unabhängigkeitsstrebens . 17-38. dass im europäischen Osten eine vergleichsweise homogene Gesellschaft und ein zentral ausgerichtetes H err­ schaftssystem entstehen konnten. N ationsbildung und N ation al­ bew egungen im R ussländischen R eich. A H isto ry of R ussian and Soviet Sea Pow er (London 1974). Zum einen waren die Russen wäh­ rend ihrer ganzen Geschichte daran gewöhnt. 492 (Tabelle). C ivil W ars in the Soviet U nion.anfänglich auf Teile der nicht­ russischen Eliten beschränkt . Allerdings ver­ setzte die rasch fortschreitende Expansion die Russen seit dem Ausgang des 18. Anders als im euro­ päischen Westen haben sich im Osten keine konkurrierenden Staaten. M i r o n o v . Je mehr Russland jedoch über seinen europäi­ schen Kern hinausgriff. N acion al’naja politika 30-ch godov (ob istoriceskich kornjach k rizisa m eznacional’nych otnosenij v SSSR).eine Situation. Social’naja istorija R ossii perioda im perii (X V III-nacalo XX v.1 (2003) 129-162 (zu den nationalen Konflikten im H interland . Das zarische und sow jetische Vielvölkerreich: K ontinuität und Brüche.vor allem in Phasen staatlicher Schwäche23. Dass moslemische Kaukasier ausgegrenzt werden. ist eine ganz neue Entwicklung. denn die slawische Sickerwanderung zielte in Gebiete. bes. in: A rchiv für Sozialgeschichte 40 (2000) 67-90. K istorii slavjano-fm - skich etn o kul’turnych svjazej. Ethnien und Konfessionen herausgebildet. Istoriko-aeheologiceskie ocerki (St. F inno-ugorskie plem ena v sostave Drevnej R usi. 1 (St. Ostslawische bzw. in: K ritika 4. The G reat C hallenge: N ationalities and the Bolshevik State. I. D o n a l d \V. A.Fehlen konkurrierender Staaten und Kulturen auf dem Boden Osteuropas und die assimilatorische Kraft der russischen Zuwanderer scheinen mir ein nicht unwesentlicher Erklärungsgrund dafür zu sein. 1992. G e ­ o r g B r u n n e r (Berlin 1995) 29-44. das . Dies heißt aber. N ations- bildung und N ationalbew egung bei Tataren und Baschkiren. 21 E. welche von zahlenmäßig schwachen baltischen und finnougrischen Völ­ kerschaften bewohnt waren. hrsg.) Bd. desto bunter wurde die Palette seiner Ethnien und Kultu­ ren. ist diese Chance jedoch nur ansatzweise wahrgenommen worden. exem plarisch: C h ristia n N o a ck .

wenn die Mehrheit der Bevölkerung sie mit trug. d. mit einem vergleichsweise kleinen Aufwand und mit so geringem Risiko die Vor­ teile des Raumes. V last’ i razvitie etnokonfliktnoj situacii v SSSR. um zu expandieren. Dabei sollen vier Faktorenbündel im Vorder­ grund stehen. um dem durch die Ausnutzung geographischer Gegebenheiten zu Stande gekommenen territo­ rialen Unterbau zu einem vitalen Eigenleben zu verhelfen und destruktive Ent­ wicklungen zu neutralisieren.Zur E ntw icklung seit 1992: L e o k a d ia D r o - b i z h e v a et al.vor allem politische und kulturelle . A uf der Suche nach E indeutigkeit. zwischen einer imperialistischen Politik und der Befriedigung der Bedürfnisse breiter Kreise. Raum als Schicksal? 35 weder die Legitimierung der Expansion in nichtrussische Gebiete als „zivilisatori­ sche M ission“24 noch der imperiale Staatsgedanke . aber auch mit ihrer zunehmenden Fähigkeit. soziale Spannungen des von der deutschen W ehrm acht besetzten Territorium s der U dSSR w ährend des Zweiten W eltkriegs). (Ed. sowohl den Erfordernissen der durch den Raum gebotenen imperialen Politik zu genügen als auch . Z u b k o v a . welches sich an den ihm von den geographischen Gegebenheiten gebotenen Ex­ pansionsmöglichkeiten verschluckt hat? Und w urzelt diese Entwicklung letztlich in den erdräumlichen und geographischen Gegebenheiten? Bei der Suche nach ei­ ner Antwort muss es darum gehen. 3-32. 24 J ö r g B a b e r o w s k i . den historischen Stellenwert der geographi­ schen Grundlagen gegen andere geschichtswirksame . Als erstes möchte ich den Z u s a m m e n h a n g v o n Expansionspolitik u n d sta a tlich er M a ch tstru k tu r behandeln. d. Dies zwang die Staatsführung dazu. die Schwäche der Nachbarstaaten und die Gunst des Zeitfaktors zu nutzen. dass von dem Zeitpunkt an. Wohl kein Staat hätte sich die Chance entgehen lassen. dass Russland zu einem nordeurasischen Kontinentalimperium heranwuchs. exem plarisch: B a r b a r a P i etz o n k a . der Verbesserung des Volkswohls eine gewisse Balance herzu­ stellen.Faktoren abzuwägen.sei er im Zaren verkörpert oder durch die Klammer der KPdSU . J u .beispielsweise durch Demokratisierung und eine echte Föde- ralisierung . Für die meisten imperialen Staaten gilt aber.h. Case Studies and A nalysis (N ew York. Eine politisch-geographische System atisierung (Baden-Baden 1995). London 1996). Damit komme ich zur z w e i t e n K a rd in a lfra g e: War es historisch unausweich­ lich. eine gezielte Expansionspolitik auf Dauer nur Erfolg hatte. E thnisch-territoriale Kon­ flikte in K aukasien. hatte mit ihrem vergleichsweise hohen sozialökonomischen Ausgangs­ niveau zu tun.).auf die Dauer ausreichten. Ethnie C onflict in the Post-Soviet W orld. in: JG O 47 (1999) 482-504. . 1953-1985 gody.h.mit seiner Unfähigkeit. K olonialism us und zivilisatorische M ission im Zarenreich und in der Sow jetunion. . Dass die im­ perialistischen Mächte vor dem Ersten W eltkrieg diesen Spagat im Allgemeinen schafften. wenn diese davon auch selber profitierte. wenn man sich nicht innere Unruhen ins Haus holen wollte. wo die Masse der Bevölkerung das politische Geschehen mitzubestimmen begann . in: O tecestvennaja istorija (2004) 4. E..die Entwicklungsmöglichkeiten der Staatsbürgerinnen und -bürger aller Sprachen und Kulturen hinreichend zu fördern.seit der Umwandlung der Ständestaaten in konstitutio­ nelle Monarchien oder auch in Republiken . Dies hat meiner Ansicht nach wiederum mit dem eigentlichen Konstruktionsfehler des Imperiums zu tun .

vgl.. Allerdings versuchte die sowjetische Führung seit dem Ende der zwanziger Jahre konsequenter als die Reformpolitiker des späten Zarenreiches den Spagat zu wagen zwischen M achtpolitik einerseits und innerer Entwicklung andererseits. um eine wirkliche Balance zw i­ schen beiden Zielen herzustellen. die kom parative Studie von D o m i n i c L ie v e n . dass die konsequente N utzung des Raumfaktors für eine territoriale Expansion noch eine zusätzliche Steigerung er- . A. 5. dann deshalb. N Y 1997) bes. 6 5 f. Doch trotz unbezweifelbarer Erfolge waren die einge­ setzten planwirtschaftlichen Mittel zu ineffizient. Pocemu raspalsja Sovetskij Sojuz?. 27 So verschieden die E rklärungen für den Zusam m enbruch des Sow jetsystem s auch ihre A kzente setzten. Petersburg 2002) bes. D ie t r i c h G e y e r . Das Volk hatte dazu ebenso wenig zu sagen wie unter den Zaren. M e d v e d e v . hier 2 9 0 f. D ie S o w jetu n io n -V ersu ch einer Bilanz. 111. Stolypin: R ussia’s Last Great R efor­ mer (Princeton. in: O steuropa 51 (2001) 761-777. The End of E m pire? The Transform ation of the U SSR in C om parative View (A rm onk. B r u c e P a r r o t t (Ed. K a r e n D a w is h a . An diesem Unvermögen ist die Sowjetunion schließlich zerbrochen27. die dem äußeren Prestige den Vorzug gab und nicht der Förderung des Volkswohls.36 Carsten Goehrke und innere Konflikte durch einen öffentlichen Diskurs und politische Zugeständ­ nisse abzubauen23.. Jahrhunderts weiter treiben konnte. G. Stolypina. Auch die Sowjetunion Stalins setzte ihr Vertrauen eher auf die Ausbreitung ihres Machtbereichs durch Waffengewalt als auf die Propagandakraft der kommunistischen Ideologie. Bd. Dass das politi­ sche System der Autokratie in Russland bis 1905. Wenn es seine Expansionspolitik trotzdem bis zum Anfang des 20. S te fa n P l a g g e n b o r g . F e d o r o v . als er von 1906 an die Politik des Zarenreiches nach der Devise leitete. der Angriff auf Finnland im Winter 1939/40 und die Besetzung der baltischen Republiken sowie Ostpolens im Ge­ folge des Hitler-Stalin-Paktes von 1939 zeigen. weil die Zaren auf das Volk keine Rücksicht nehmen mussten. Russland verfügte über keine vergleichbaren wirtschaftlichen und sozialen Aus­ gangsbedingungen. 258-294. . B iografija P. 569-572. dass der Pri­ mat der M achtpolitik über die innere Entwicklung der Gesellschaft fortzubeste­ hen vermochte. Petr Stolypin: „Ja veruju v R o ssiju“.5 Zu den G esetzm äßigkeiten des A ufstiegs und Falls von Im perien vgl. Genau dieses Dilemmas w ar sich Ministerpräsident Petr Stolypin bewusst. halte ich für die wichtigste Ursache dessen. R. Bd. A. The R ussian Empire and Its R ivals (London 2000). Russland müsse auf Jahrzehnte jedes außenpolitische Risiko meiden. um die in­ nere Entwicklung voranzutreiben und damit einer neuen Revolution im Lande selber den Nährboden zu entziehen26. in: G eschichte und G egenw art 23 (1997) 2.). in: O tecestvennaja istorija 2003. A. 119-129. 1-2 (St. lassen die meisten sich dennoch letztlich auf diesen G rundw iderspruch und die daraus resultierenden Folgen von „U berdehnung“ oder „Ü beranstrengung“ der staatli­ chen Kräfte zurückführen. N J 1986) bes. 26 B. wie ihr Eingreifen in den spanischen Bürgerkrieg. Diese Politik gipfelte in der Niederlage gegen Japan (1904/05) und provozierte die Revolution von 1905. Sein gewaltsamer Tod im Jahre 1911 machte den Weg frei für eine Neuauflage jener Politik. Empire. Eine zeitgeschichtliche Problem skizze. Zusammenfassend lässt sich also sagen. faktisch jedoch bis 1917 unge­ schmälert in Kraft blieb. 1. V. Russland in den Epochen des zw anzigsten Jahrhunderts. Z en k o v sk y .

Festschrift für Peter N it- sche zum 65. W ien 1972). dass die Großfürsten von Vladimir-SuzdaP und in ihrer Nachfolge die Groß­ fürsten von Moskau ihre LIerrschaftsbasis auf „kolonialem Neulandboden“ be­ gründeten. (St. Ekkehard Klug verweist si­ cherlich mit Recht darauf. dass sich in Russland abweichend vom lateinischen Europa ein au tok ratisches M a ch tsy s te m zu e n tw ick e ln vermochte.pervoj treti XIII vv. 9. D om ongol’skaja R u s’. Lediglich bestimmte internationale Machtkonstellationen vermochten dieser Politik vorübergehend Einhalt zu gebieten und Russland sel­ ber zum Opfer fremder Invasoren zu machen. weil es dafür keine innenpolitischen Bremsen gab. Zwischen C hristianisierung und Europäisierung. aber bis zur Allmacht der Autokratie. (der „Schreck­ liche“) bereits in der zweiten Hälfte des 16. der die Rus’ im zweiten Viertel des 15.insbesondere einer bis zum Ende des 14. (H rsg. B. 29 H a r t m u t RUß. war. w ur­ 2S M. Die N achfolgepolitik der M oskauer H errscher bis zum Ende des R jurikidenhauses (K öln. Raum als Schicksal? 37 fuhr. 30 E k k eh a rd K l u g . Petersburg 2003). H erren und Diener. W ie entstand und was w ar die M oskauer A utokratie?. war in dieser extremen Gestalt Russland keineswegs in die Wiege gelegt. Jahrhunderts erschütterte. in: E ck h a r d H ü b ­ n e r et al. dass der ostsla­ wische Adel seine Identität ausschließlich vom Fürstendienst herleitete und sich nie vom Fürsten emanzipiert hat29. 31 P e t e r N itsc h e . Was sie von den zeitgenössischen H err­ schern des lateinischen Europa aber schon damals unterschied. wie sie ein Ivan IV. Jahrhunderts verstand und prakti­ zierte. Der dynastisch bedingte B ür­ gerkrieg. . dass diese Entwicklung wohl dadurch gefördert worden ist. G eburtstag (Stuttgart 1998) 91-113.-17. Weimar. das die vermeintliche Sogw ir­ kung des nordeurasischen Raumes noch potenziert hat. seit dem Ende des 14. Jahrhunderts einer gezielten Erbfolgerege­ lung der Herrscher. K njaz’ i knjazeskaja vlast’ na Rusi VI . W ien 1994). N ur deshalb konnte die herrschende Elite sowohl der Zaren. S v e r d l o v . musste aber die Zersplitterung der R us’ in eine Vielzahl von Teilfürs­ tentümern überwunden und die Macht auf Dauer in Moskau konzentriert w er­ den. wo ältere Herrschaftsstrukturen nicht integriert zu werden brauchten30. dann wegen des Zusammentreffens mehrerer günstiger Umstände . welches eine echte politische M itwirkung des Volkes nicht zuließ? Das autokratische System. Um diese großfürstliche Macht weiter verfestigen und zur Autokratie ausbauen zu können.). Jahrhundert (K öln. Z um Z w e i te n stellt sich damit die Frage: Wie ist es ü b e r h a u p t daz u g e k o m m e n . Jahrhunderts ein­ deutigen Thronfolge (weil im Erbfall jeweils nur ein Sohn als Nachfolger zur Ver­ fügung stand).als auch der Sowjetzeit sämtliche Kräfte der Gesellschaft einseitig in den Dienst einer nach innen wie nach außen gerichteten Prestigepolitik stellen. Die Fürsten und Großfürsten des Kiever Reiches und des späten Mittelalters übten ihre Macht zw ar auch abso­ lut aus28. Die soziale und politische M entalität des russischen Adels. Wenn dies letztendlich gelang. welche die Unwägbarkeiten und Gefahren des bis dahin gel­ tenden Seniorats als Erbfolgeprinzip nach und nach unterlief und damit schließ­ lich der Primogenitur zum Durchbruch verhalP1. Insofern kam es anders als im Westen auch nicht zu einer Mediatisierung der Bevölkerung durch den Adel. w ar es doch noch ein Stück Weges. G roßfürst und Thronfolger.

D er Einfluss der Kirche auf die m oskow itische Staatsidee. . als nach dem Untergang des oströmischen Kaisertums die Kirche damit begann. Tausend Jahre C hristliches Russland 988-1988 (K öln. ja sogar durch Schwertmission unter­ mauerte Politik der römischen Kurie. Jahrhunderts zwischen dem Kiever Reich und dem lateinischen Europa bestanden35.38 Carsten Goehrke zelte im letzten Aufbäumen des Senioratsprinzips. Z im i n . Jahrhunderts die M achtkirchler sieg­ ten und von nun an auf eine enge Allianz mit einem starken Staat setzten34. Jahrhunderts. Ihre institutionelle und ideologische Verfestigung erfuhr diese großfürstliche Herrschaft erst seit der Mitte des 15. in: G e r h a r d B i r k fe lln e r (H rsg./16. M ez R us’ju i Litvoj. The Rise of M o sco w ’s Pow er (Boulder.). welche auf eine Unterwerfung der O stkir­ che abzielte37. W esteuropäische K ontakte der alten R u s’. 38 H o r s t J a b l o n o w s k i . die Großfürsten von Moskau in die Nachfolge der oströmischen Weltkaiser zu stellen. 37 E ric C h ristia n s e n . (M oskau 1991). und 12. M illenium R ussiae C hristianae. Bevor diese Verfestigung des Moskauer Herrschaftssystems einsetzte. es w ar die Einbeziehung der westlich des Dnepr gelegenen Territo­ rien der R us’ in das seit 1386 katholisch beherrschte Großfürstentum Litauen38. auch das by­ zantinische Hofzeremoniell fand nun seinen Weg nach Moskau. (M oskau 1995).pervoj treti XVI v. wirtschaftlichen und kulturellen Kontakte. C O 1983) bes. 35 M a n f r e d H e l l m a n n . H e n r y k P a s z k ie w icz . B yzantine and Russian A utocracy: A C om parison. V itjaz’ na raspu t’e. dass die ziemlich engen dynastischen. welche die Aufmerksamkeit der Ostslawen nach Südosten lenkte36. die weit über Vorbild und Realität der byzantinischen Autokratie hinaus ging33. 33 G u s t a v e A lef. es w ar die offensive. K r o m . hätte durchaus die M öglichkeit bestanden. Zusätzlich ge­ festigt wurde diese Position noch dadurch. Z apadnorusskie zem li v sistem e russko-litovskich otnosenij konca XV . Warum ist es dazu nicht gekommen? Es war die Mongolenherrschaft. 34 H a n s . Diese „Byzanti- nisierung“ der Moskauer Großfürstenherrschaft auf der Basis der zuvor schon starken Stellung des Herrschers schuf eine Machtvollkommenheit.D i e t e r D ö p m a n n . 32 Vgl. A. etw a A. Staats­ und G esellschaftsdenken bei Jo sif Volockij. Feodal’naja vojna v Rossii XV v. Jah rh un d ert (Leiden 1961). The N orthern C rusades: The Baltic and the C atholic Frontier 1100— 1525 (London 1980). ihnen den Autokratorti- tel beizulegen und die byzantinische Weltanschauung vom Kaiser als Träger der Heilsgeschichte und Stellvertreter Gottes auf Erden zu übernehmen. W estrussland zw ischen W ilna und M oskau. M. erst danach w ar der Weg zur Alleinherrschaft der Moskauer Großfürsten frei. M. Daher betonen viele M ediävis­ ten. das politische System und die Gesellschaft der Rus näher an den europäischen Westen hätten heranfuhren kön­ nen. in: Forschungen zur osteuropäischen G eschichte 50 (1995) 9-27. M oskva i O rda (M oskau 2000). G orskij. A. 36 A. Die politische Stellung und die politischen Tendenzen der russischen Bevölkerung des G roßfürstentum s Litauen im 15. W ien 1993) 81-94. N il Sorskij und Vassian Patrikeev (Berlin 1967). 196f. die während des 11. bei einem Weiter­ w irken auch noch in das späte M ittelalter hinein. W eimar. dass bei den innerkirchlichen A usei­ nandersetzungen zwischen den Anhängern einer besitzlosen und denen einer be­ sitzenden Kirche um die Wende des 15. dass diese Entwicklung keineswegs zwangsläufig war und es auch ganz anders hätte kommen können32.

Kleine G eschichte Polens (D arm stadt 1965) 114-245. 467 f.und M itteleuropa (M ittelalter. Stadt und G em em debildung m R uthenien. Tradicii vizantijskoj antilatinskoj polem iki na R usi. 2 (M ünchen. . 40 F r i e d r ic h v o n F la lem . W iesbaden 2006). N e b o r sk ij. Dass selbst auf den Herrschaftsgrundla­ gen des Kiever Reiches eine andere Entwicklung als die zur Autokratie möglich war.und Z eitgeschichte 2..Zur gesellschaftlichen und ständischen Integration der R uthenen insgesam t (der ehemals zum Kiever Reich gehörigen w estlichen O stslaw en) in die polnisch-litauische A delsrepublik bietet im m er noch einen gu ­ ten Ü berblick: G o t t h o l d R h o d e . h.F allbeispiele bei: C h r i s t o p h e v o n W erdt. O kzidentalisierung der U krain e und W eißrusslands im Spätm ittelalter und in der frühen N euzeit (Forschungen zur osteuropäischen Geschichte 66. dass die Moskauer Rus’ sich bis zum Ende des 15. die während des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit im Rahmen des Großfürstentums Litauen durch polnische Einflüsse geprägt wurden und sich sowohl in das Modell der Adelsrepublik inte­ grierten als auch in das der vom Magdeburger Recht beeinflussten „Partikular­ stadt“42. Zürich 1993) 467-551. „Vom Polocker Vene­ d ig “. frühe N euzeit. 483-485. Daraus und aus den autonomen Selbstverwal­ tungstraditionen städtischen Bürgertums hat sich im Laufe der Neuzeit über das Zwischenstadium der absoluten Monarchie die konstitutionelle Monarchie und schließlich die Demokratie entwickelt41. welche die Machtbefugnisse der H err­ scher zunehmend einschränkten40. bes. 67. K ollektives H andeln sozialer G ruppen einer Stadt zw ischen O st. Jh. Damit schottete sie sich gegen das lateinische Europa aber gerade zu einem Zeitpunkt ab. bes. Raum als Schicksal? 39 und es war schließlich die daraus erwachsende massive antilateinische Reaktion der M oskauer Kirche39.M .1 (1998) 29-69. zeigte sich an denjenigen Ostslawen.). R u d o l f M u ­ m e n t h a l e r . H errscher und Stände in: I r i n g F e ts e b e r . Pipers Flandbuch der politischen Ideen. die wesentlich dazu beitrugen. 95-138. Bd. F i e r f r i e d M iin k ler (H rsg. Spätm ittelalterliche Städte West. J u . bis 1914) (Stuttgart 2005). R echtshistorische A spekte des O st-W est-Problem s. . A rm eniern etc. rechtsverbindlicher Vertragsbeziehungen. 1550-1850 (Frankfurt a. . U lrich I m I i o f Das Europa der A ufklärung (M ünchen 1993) bes.zumindest um die Autokratie in ihrer strikten Ausprägung? Ansätze zur politischen M itw irkung des Volkes hat es in der Gestalt der städti­ schen Volksversammlungen (des vece) auch im ostslawischen M ittelalter gege- 39 M. 19. Wenn auch die übrige R us’ . 41 Aus der unübersehbaren L iteratur zu diesem Them a seien nur genannt: 'Winfried E b e r ­ h a r d . V toraja polovina XIII . S ch ra d e r. in: D revnjaja R u s’ . in: JG O 46 (1998) 39-68. Jahrhunderts gegenüber dem Westen in die Selbstisola­ tion zurückzog. 9-16. 1996) bes. als dort nicht zuletzt durch die Rezeption des römischen Rechts die entscheidenden Weichenstellungen erfolgten. S te fa n R o h d e w a l d .so meine Frage . 42 U nter „P artikularstadt“ versteht Rudolf M um enthaler eine n ur partiell vom M agdeburger Recht erfasste Stadt mit einem hohen A nteil von innerstädtischen Im m unitäten des Adels und der Kirche w ie auch von Sondergem einden von Juden .peresecenie tradicij (M oskau 1997) 371-394. F r e d E.und O steuropas im Vergleich: Versuch einer verfassungsgeschichtlichen Typologie. D ie F or­ m ierung der bürgerlichen Gesellschaft.nacala XV veka. welche vom M ittelalter zur Moderne führten.ihre Kontakte zum w est­ lichen Europa nicht abgebrochen hätte: W äre Russland dann möglicherweise um die Ausbildung der Autokratie herumgekommen .. Auf politisch-rechtlichem Gebiet gehörte dazu die Einbin­ dung der Monarchen in den Ständestaat sowie in ein System verrechtlicher. vgl. d. in: Forum für osteuropäische Ideen.

und 15. 45 C a r s t e n G o e h r k e . wenn die Ostslawen nicht von Byzanz. 46 P h ilip L o n g w o r t h . meint.und W estslaven. in: C a r s te n G o e h r k e . Jahrhundert mit dem „Land Vjatka“ ein territoriales Gebilde herauskristallisiert. Entstehung und E ntw icklung eines städtischen H errschaftszentrum s in A ltrussland (F or­ schungen zu r osteuropäischen Geschichte 47. Siedlun gsen tw ick­ lung und Siedlungsform en in den Ländern der russischen K osakenheere (B erliner G eogra­ phische A bhandlungen 6. Meines Erachtens hätten diese genossenschaftlichen Ansätze. Staat und Kirche in der lateinisch geprägten w estkirchlichen Tradi­ tion des C hristentum s. N ovgorod. B ia n k a P i e t r o w . in: F o r­ schungen zur osteuropäischen Geschichte 58 (W iesbaden 2001) 63-78. U ntersuchungen zu einigen Fragen seiner Verfassungs. G e r t r u d P ick h a n . in: Zeitschrift für O stforschung 7 (1958) 321-338. in: JG O 58 (2010) 1-23. 44 J ö r g L eu sc h n er . 47 M a n f r e d H e l l m a n n . N ovgorod . Berlin 1992). The C ossacks (London 1969). D ie „R epublik V jatka“ . sich durchzusetzen. Warum haben all diese Ansätze zu einer politi­ schen Partizipation breiter Kreise der Bevölkerung sich auf gesamtstaatlicher Ebene letztlich nicht durchsetzen können? Sie konnten es deshalb nicht.). P e t e r R o st a n k o w sk i.). W la d im ir E F j o d o r o w (H rsg. welches ohne institutionali­ sierte Fürstenherrschaft auskam und auf gewissen basisdemokratischen Struktur­ elementen aufbaute45. Die burgstädtischgen V olksversam m lungen bei den O st. sondern von Rom her christianisiert worden wären und dadurch an der kulturellen und politi­ schen Entwicklung des lateinischen Europa teilgenommen hätten48. . H errschaftliche und genossenschaftliche Elemente in der m ittelalter­ lichen Verfassungsgeschichte der Slaw en. G ospodin Pskov. 48 Zur unterschiedlichen E ntw icklung des Konzeptes von Staat und Kirche in der O st. 9-17. Jahrhunderts am Südsaum Polen-Litau­ ens und des Moskauer Reiches46. O l ’g a S e v a s t y a n o v a . Jah rh un dert (Zürich 2006) 33-59. am ehesten eine historische Chance gehabt. Studien zur verfassungsgeschichtlichen Bedeutung des Vece (W iesbaden 1967). gegen dessen geballte Macht keine Chance hatten.E n n k e r (H rsg. Zur P roblem atik von M odernisierung und R aum vom Spätm ittelalter bis zum 20. das mit der Volkswahl von Fürsten und Amts­ trägern innerhalb einer Aristokratenoligarchie westlichen Staatsmodellen näher stand als der späteren Autokratie M oskauer Typs44. R o l a n d L effler. In the Q uest for the Key D em o­ cratic Institution of M edieval R ussia: Was the Veche an Institution that Represented N ovgo­ rod as a C ity and a R epublic?. dass die genossenschaftlichen Elemente sich bei den Slaw en auf der Ebene staatlicher H errschaft schw ächer ausgew irkt hätten als bei den germ anischen Völkern.eine europäische K om ­ m une des M ittelalters?.und W estkirche: J o s e p h Listl. die neben den herrschaftlichen in den gesellschaftlichen Werten und Praktiken des Slawentums offensichtlich immer schon angelegt waren47. Wohl nicht zuletzt unter dem Einfluss des hansischen Städtewesens haben sich diese Ansätze in den beiden Stadtstaaten Groß-Novgorod und Pskov zu ei­ nem politischen System verdichtet. Berlin 1969) bes. Städte im öst­ lichen Europa.M ythos oder historische R ealität?.und B evölkerungsstruktur (Berlin 1980). Auch am äußersten Ostsaum der ostslawischen Ökumene hat sich im 14.40 Carsten Goehrke ben43. und 17. R eligio nspo litik zw ischen C äsaropapism us und Atheism us. in: P e t e r K o s lo w s k i . Staat und Kirche in Russland von 1825 bis zum Ende der Sow jetunion (M ünchen 1999) 151-173. Ganz aus der 43 K la u s Z ern a ck . da im Zentrum des Landes das autokratische Herrschaftsmodell sich durchgesetzt hatte. Ähnlich organisiert waren schließlich die ukrainischen und russischen Kosakenheere des 16. w eil sie an der Peripherie der ostslawischen Ökumene entstanden und in dem Augenblick.

M . 1997). Jahrhunderts und die spezifische internationale Machtkonstellation haben dann doch dazu geführt. M änner. La conversation du prince V ladim ir de Kiev (988) et ses con­ sequences (X le-X IIIe siecles) (Paris 1988) bes. Damit hatte das Zarenreich freie Bahn für seinen Zugriff auf das Becken des Amur. in: Forschungen zur osteuropäischen Geschichte 50 (1995) 139— 154. Den weiteren Expansionsversuchen in die Mandschurei. 1251-1259 (Berkeley. Jahrhunderts.). C A 1994) 14-19. M ongol Im perialism : The Policies of the Grand Q an M öngke in C hina. welches in der Mitte des 13. dass die Moskauer Großfürsten diese Chance nutzen und von den drei Nachfolgestaaten der einsti­ gen Goldenen Horde die Tatarenkhanate von Kazan’ und Astrachan’ 1552 und 1556 nacheinander zu eliminieren und am Ende des 16. Studien über . The R ussian Far East: A H isto ry (Stanford. Jahrhunderts auch das nun isolierte westsibirische Khanat zu erobern vermochten. dass ihr Enkel Vladimir I. sich im Amurbecken festzusetzen. S te p h a n . Welches Gewicht in diesem Zusammenhang den territorialen Interessen eines starken Nachbarreiches zukommt. Auch das d r itte K a u s a litä ten b ü n d e l. Jahrhunderts von China bis an die Karpaten reichte51. Dadurch. Russia and the Islam ic Lands. die Existenz einer orthodoxen Gemeinde in Kiev schon in der Mitte des 10. 40-50. In der Mitte des 19. V ladim ir Vodoff. nach China und Korea stellte sich ein halbes Jahrhundert später erfolgreich der Neuaufsteiger Japan entgegen53. weil China unter der vitalen Mandschudynastie noch die dazu nötige Abwehrkraft aufbrachte. Raum als Schicksal? 41 Luft gegriffen ist diese Alternative nicht. Naissance de la chretiente russe. stand ihnen der Weg an die pazifische Küste offen. 95 Zur O stasienpolitik Russlands: D ie t r i c h G e y e r . 52 D azu vergleichend: J o h n /. im Laufe des Spätmit­ telalters in regionale Einzelteile auseinanderbrach. S te p h a n C o n e r m a n n . 55-81. M i c h a e l W eiers (H rsg. Die M ongolen in Asien und Europa (F rankfurt a. Russlands erfolgreiche Ausdehnung nach Nordasien hinein ist durch dessen dünne Vorbesiedlung zwar wesentlich erleichtert worden. 49 C a r s te n G o e h r k e . C A 1987). Die M ongolen und ihr W eltreich (M ainz 1989). zeigte sich am Ende des 17. Doch diese demographisch bedingte Chance hat nur deshalb spielen können. Beiträge zu ihrer Geschichte und K ultur (D arm stadt 1986). als der Versuch fehlschlug. welches die Anziehungskraft des nordeu- rasischen Raumgefäßes auf die Expansionspolitik Russlands verstärkt hat. The political background to the baptism of R u s’: B yzan tin e-R ussian rela­ tions between 986-989. in: D um barton O aks papers 30 (1976) 197-244. J a n K u s h er . A llsen. 51 Zum W eltreich der M ongolen und zu den U rsachen ihrer erstaunlichen Expansionskraft: T h o m a s T. weil das Mongolenreich.und Frauenherrschaft im Kiever Fürstenhaus: O lga von Kiev als Regentin (945-960/61). Jahrhunderts war dies jedoch nicht mehr der Fall52. Der russische Im perialism us.). A rn e E g g e b r e c h t (H rsg. von Kiev 988 die Christianisierung nach orthodoxem Ritus vorzog und mit der Kirche auch deren Staatsauffassung und Herrscherbild der ostslawischen Gesellschaft aufpfropfte50. ist im Bereich des Z eitfak tors und der S ta a ts ges ch ich te zu suchen. Doch die größere Nähe zu Byzanz. 50 A n d r z e j P o p p e . denn Fürstin Olga von Kiev hat während ihrer langjährigen Regentschaft (von 945 bis 960/61) lange vor der offiziellen A n­ nahme des Christentums Missionare aus dem römisch-deutschen Reich erbeten49. Die M ongolen.

2 (N ovosibirsk 2002) 36-49. in: JG O 10 (1962) 337-348. Turner. Pioniercharakter des Existenzkampfes. M ark B a ssin. Während der „Frontier“ und seine Auswirkungen auf die amerikanische Gesellschaft in den USA seit Fre­ derick Jackson Turner54 . in: O steuropa 53 (2003) 1658-1675. 57 A n d r e a s K a p p e ler .the C hanging R elationships.des Frontier.zu einem Gemeingut des öffentlichen Bewusstseins geworden sind. . Susi K. (w ie Anm.. Specifika kolonizacii SSA i Sibiri. 54 F re d er ik J a c k s o n T urner. . Kosakische Vergesellschaftungsformen. Asch et al. „Innere K olonisation“ und/rowtzer-M ythos.55 hat sich die russische Geschichtsschreibung mit dem eigenen „Frontier“ unter diesem Begriff erst nach dem Ende der Sowjetunion zu befassen begonnen. .42 Carsten Goehrkc Mit der v i e r t e n Ü b e r le g u n g kehre ich zum Vergleich zwischen Russland und den Vereinigten Staaten zurück.im Falle der USA sogar noch bis ins späte 19. 55 Trotz aller Vorbehalte. Zentralismus und hierarchischen Herrschaftsverständnis weitgehend aufgesogen worden58. w elche gegen die G eneralisierungen Türners vorgebracht w orden sind. Die „wandernde Grenze“ während Russlands früher Neuzeit betraf die offene Steppenflanke im Süden und Sibirien im Osten . vyp. Jahrhundert hinein . im sibirischen Osten als mobile Trappergesellschaft. in: Ebd. haben den Zusam m enhang zw ischen „innerer K olonisation“ und G esellschaftstyp bereits namhafte H isto riker der späten Z arenzeit diskutiert. R usslands F r o n t i e r in der Frühen N euzeit. V.K urzüberblick über die wechselnden Beziehungen zw ischen Russland und Japan: G e o r g e A l e x a n d e r L e n s e n . In seinem in- den Zusam m enhang von innerer und ausw ärtiger P o litik 1860-1914 (G öttingen 1977) 143— 183. 5S K a p p e ler .ist stark geprägt durch das Phänomen der „Wandernden Grenze“ .stark mythisiert .im Süden ausgeprägt als m ilita­ risierter Frontier.U nabhängig von der am erikanischen D iskussion und ohne den Begriff F r o n t i e r zu benutzen. 56 M.). Gerade diese unterschiedliche W eiterentwicklung zunächst durchaus ähnlicher raumbedingter Gesellschaftstypen offenbart jedoch. (FIrsg. R äum liche D eutungskonzepte in R ussland und in den U SA . S ilovskij. (wie vorhergehende Anm . 1875— 1917. R e z u n . R e z u n . K olonizacija Sibiri i ee specifika. Allerdings hat an­ ders als in den Vereinigten Staaten dieser Gesellschaftstyp nicht auf den gesamten Staat auszustrahlen vermocht und ist im Laufe der Neuzeit vom staatlichen Patri­ archalismus. bei vielen H istorikern lange nachgew irkt. in: Procee­ dings of the 41st A nnual M eeting of the State H istorical Society of W isconsin (M adison. and the „Fron­ tier H yp o th esis“: The N ationalist Signification of O pen Space. w irtschaftli­ che Eigenständigkeit und größere Spielräume für die persönliche Freiheit schufen anfänglich sowohl an der Steppengrenze als auch in Sibirien einen Gesellschafts­ typ. J a . dass ver­ gleichbare Raumkonstellationen nicht notwendigerweise auch ähnliche soziale Phänomene und daraus erwachsene Werte hervorbringen müssen. der dem des amerikanischen Frontier in Vielem ähnelte57. R a y A llen B i llin g t o n . Die europäische Staatenordnung und die außereuropäische Welt (M ünchen 2001) 601-613.: O bscee i osobennoe. vyp. 19. 1894) 79-112. Frank. Solov’ev. The Significance of the Frontier in A m erican H istory. vgl. A m erica’s F ron­ tier H eritage (N ew York 1966). dafür aber umso intensiver56. Die frühe Neuzeit beider Länder . in: R o n a l d G. 56) bes. hat seine G rundthese. Japan and Tsarist R ussia . vgl.). in: JM H 65 (1993) 473—511. Frieden und Krieg in der Frühen N euzeit. 3 (N ovosibirsk 2003) 13-32. W ise. D. in: Frontir v istorii i Rossii Severnoj A m eriki v 17-20 w . dass der Pioniergeist des Frontier die U S-G esellschaft bis heute präge.

Wenn die R u s’ auch nach dem M ittelalter ein in Teilstaaten aufgesplittertes K o n ­ glom erat geblieben wäre.. B d . eine vergleich en de G esch ich tsb etrac h tu n g . in der Bew eisführung der G eistesw issenschaften K ausalitätsketten nie zwingend schließen lassen. dem okratisch ver­ fasste Bundesstaaten. P ersisten t fa cto rs in R u ssian foreig n p o lic y : A n in terpretive essay. autokratisch organi­ siertes Im perium . dass es letztlich die Werte und sozialen Strukturen der G esellschaft sind. Kausalkette. Jahrhundert). dort mit den U S A und Kanada zwei föderale. in: E in L e b e n aus freier M itte.h. - D ie generellen R ah m en b ed in gu n g en ru ssisch e r A u ß en p o litik an aly siert d ifferen ziert: Alfred ].E in F o r sc h u n g sk o n z e p t für eine dich te A n a ly se d es g eo g rap h isc h en F a k to r s en tw ickelt: I. 22). wenn sie das Christentum und dam it auch ihre Staats­ idee nicht von B yzanz. F e stsch rift fü r U lrich N o a c k . 1 (1999) 5 6 -6 5 (w ie A n m . z u m 60. 60 V gl. bedurfte es einer ganzen Reihe zeitlicher. weil wir alle wissen. m ussten die Frontiergesellschaften R usslands sich von der Peripherie her gegen eine bereits etablierte. G e ­ b u rtsta g (G ö ttin g e n 1961) 2 5 5 -2 9 5 . Z u m P ro ­ blem von T u rn ers . anders als in den exakten W issenschaften. die dem Raum aufgeprägt werden und nicht um gekehrt.die besondere R aum struktur N ordeurasien s das historische Schicksal R usslands determ iniert? Eine bündige A ntw ort darauf ist nicht m öglich60. . Im perial R u ssia n fo reig n p o lic y (C a m b rid g e 1993) 3 1 5 -3 5 9 .). N e u sie d lu n g u n d in stitu tion elles E rb e. A n aliticesk ij o b z o r (M o sk au 2000). d. in: C o m p a ra tiv e S tu d ies in S o ciety and H isto r y 1 (1 9 5 8 /5 9 ) 2 0 5 -2 2 9 . 59 Dietrich Gerhard . L. R o l’ g eo g rafices- k o g o fa k to ra v ote cestv en n o m isto ric e sk o m p ro cesse. dann wäre der R aum faktor m öglicherweise weniger stark zum Tragen gekom men. H at also . Belen’kij. R a u m als Sc h icksa l? 43 zwischen schon längst „klassisch“ gewordenen A ufsatz aus den fünfziger Jahren hat Dietrich G erhard darauf aufm erksam gemacht. Was uns im Rückblick als scheinbar zw angsläufige Entw icklung erscheint. dass sich. zeigt der Vergleich zw i­ schen Russland und N ordam erika: H ier ein zentralistisches. d az u au ch Mironov. wenn das Reich der G oldenen Florde über längere Zeit stabil geblieben wäre und das M o s­ kauer Reich von der Expansion nach Sibirien abgehalten hätte. ders.F r o n tie r “. A ber so viel lässt sich doch sa­ gen: U m die Sogw irkung der geographischen Gegebenheiten auf die territoriale Expansion Russlands zur vollen G eltung zu bringen. T h e F ro n tie r in C o m p a ra tiv e V iew. B eiträg e zu r G e sch ich tsfo rsch u n g . politisch-staatlicher und kultureller Konstellationen. Wie unter­ schiedlich die kulturelle Vorkonditionierung von K olonisatoren selbst ähnlich strukturierte G roßräum e politisch zu gestalten verm ag. . Während die nach A m erika strebenden Flüchtlinge aus dem feu­ dalen E uropa gerade dessen verkrustete ständische Strukturen bew usst hinter sich lassen wollten und auf jungfräulichem am erikanischem Boden eine neue G esell­ schaft aufbauen konnten. in: Hugh Rags­ dale (E d . entpuppt sich bei näherem H insehen als eine konstellationsbedingte. „zufällige“ .um zur Schlussfrage zu kom m en . wenn der M ongolensturm und seine Folgen sie nicht vom lateinischen E uropa für mehr als zweihundert Jahre isoliert hätten. Richer. autokratisch geprägte Gesellschaft des allmächtigen staatlichen Zentrum s behaupten und waren dam it zum Scheitern verurteilt59. sondern von R om her em pfangen hätte (A nsätze dazu gab es ja im 10.

die beide in sow jetischen Zeiten tabuisiert gewesen waren.. D ie eu rasisch e B e w e gu n g . eine fast schon naturgesetzlich anm utende Verklam merung von Raum und imperialer Politik zu konstruieren. etw a Paul Claval. 64 Sergei Glebov. 2 2 - 24. D as durch den Verlust der W eltmachtstellung R usslands gedem ütigte politische Selbstbe­ w usstsein fand ihn in der Rückkehr zu einem imperialen N ationalism us. Im G egensatz zu den Anhängern des G eodeterm inism us seinerZ eit. 63 D ie D isk u rsg e sc h ic h te zu d ieser F rag e ste llu n g fasst z u sam m en : Milan Hauner. G e o p o litik a so v rem c n n o sti i g e o strate g ija R o ssii (M o sk a u 1996). G eo p o litic e sk ie k o n tu ry R o ssii (M o sk a u 2002). W hat is A sia to U s ? R u ss ia ’s A sian H eartlan d Y e sterd ay and T o d a y (L o n d o n 1990). D er D isku rs darüber ist nicht neu63. ist bis hin zu den „N eo -E u rasiern “ von heute65 immer wieder versucht w orden. G e o p o litisc h c T h e o rien in R u sslan d heute (B erich te d es B u n d e sin stitu ts fü r o stw issen sch aftlich e und in tern ation ale Stu d ien 199 8 -1 7 . Sorokin. welche von Raum und K lim a unm ittelbar auf die G esellschaft schlossen. D abei konzentrierte sich das Interesse vor allem auf den Versuch.X X vek a (M o sk au 2004). V! Zeleneva. E u rasian ism . 62 E rste r Ü b e rb lic k bei Assen Ignatow. K ö ln 1998). die Zw angsläufigkeit der Verkoppelung O steuropas und N ordasien s zu einer histo­ risch zusam m en gehörigen Raum einheit nachzuweisen. W issen sch aft und P o litik in d er ru ssisch e n E m ig ra tio n d er Z w i- sc h en k rieg sz eit und im p o stso w je tisc h e n R u ssla n d (K ö ln 2007). als ich im ersten Teil meiner A nalyse zu zeigen versucht habe. Baris. V. D iese ideologisch begründeten Bem ühungen erscheinen insofern paradox. H insichtlich Stellenwert und Einschätzung des R aum faktors für die Geschichte R usslands hat in der russischen G eschichtsschreibung seit den neunziger Jahren ein Paradigm enwechsel stattgefunden. In die­ sem Zusam m enhang kam es zu einer regelrechten W iederentdeckung von G e o ­ politik und G eostrategie62. and the In ven tion o f „S tr u c tu r a list“ G e o g rap h y . I. dass die Lebensform en (genres de vie) sich je nach gesellschaftlicher Prägung durchaus un­ terschiedlich an die jeweiligen geographischen Gegebenheiten angepasst haben61. E. in: A b Im p e rio (2005) 3.u n d zu k u n ftso rie n tiert: K. dem französischen G eographen Paul Vidal de la Blache (1845-1918). V! V. Alekseev et al. dass gerade die Ver- 61 Z u m G ru n d sätz lich e n vgl. E tu d e s d ’h istoire d e la g eo g rap h ic (P aris 1968) bes. 99 f. A L ife w ith Im perial D re a m s: Petr N ik o la e v ic h Savitsky . . P o u r le cin quan ten aire de la n io rt de P aul V idal de la B lach e. wendete Vidal den Blick von der Gesellschaft auf den Raum und wies darauf hin. P etersb u rg 2005).44 C a rst e n G o e h r k e In theoretischer H insicht halte ich es daher mit dem Begründer des geographi­ schen Possibilism us.erstm als nach 1917 im exilrussischen Milieu der „E urasier“ . G e o p o litik a i g eo strate g ija R o ssii (X V II I . Seit der exilrussische G eograph Petr N ikolaevic Savickij ausgehend von diesem nordeurasischen Raum gefäß unter dem D eckm antel einer „strukturalistischen G eographie“ das russländische Im perium geopolitisch legitimieren wollte64. . N ach dem Ende des M arxism us-Leninis­ mus als verbindlicher ideologischer Fundierung der sow jetischen W issenschaften ging man auf die Suche nach einem E rsatz für die verlorenen Werte.G e g e n w arts.E u r a sie r n “ bei: Stefan Wiederkehr. V. 29 9 -3 2 9 . er flam m te in Krisenzeiten des Im perium s im m er wieder auf .p ervaja p o - lovin a X I X veka) (St. A z ia tsk a ja R o s sija v g e o p o litic e sk o j i civ iliz ac io n n o j din am ik e X V I . Jean-Pierre Nardy. 65 V ergleich ende A n aly se v o n „ E u r a sie r n “ u n d „ N e o .

Adm ittedly. aber nur als mehr oder m inder einflussreicher U nterbau eines ständig sich verändernden Geflechts zahlreicher sow ohl länger­ fristiger als auch zeitbedingter geschichtsw irksam er Kräfte. D e r so w je tisch e W eg (F ra n k fu rt a. space and geographic structure unquestionably had a more im portant effect on history. far m ore decisive were the acceptance of Christianity from the Byzantine em pire. . vor allem auf zwei U rsa­ chen zurückführen: auf die Ü berforderung seiner W irtschaft und Gesellschaft durch den Raum und auf die m angelnden politischen Partizipationsm öglichkeiten seiner Menschen. Ist Raum historisches Schicksal? In gewisser Weise ja . A s a com parison with geographically sim ilar N orth America may show. so ist meines Wissens territoriale Expansion nie gene­ rell mit den natürlichen geographischen Gegebenheiten gerechtfertigt w orden - vom lokal begrenzten Fall der türkischen M eerengen einmal abgesehen. the different developm ent of the political system . 66 Stefan Plaggenborg. E. R a u m als Schick sal? 45 klam m crung des europäischen Landesteils und N ordasien s die erdräum liche und klimatische Benachteiligung R usslands potenziert hat. this essay comes to the conclusion that space p er se did not and does not determine history. even in com parison with N orth Am erica. of economic efficiency as well as popular living standards stem s prim arily from different cultural conditions. which was form ative for the history of R ussia and Russian society should not be seen as a re­ sult of space itself. Space may prom ote or inhibit a developm ent condi­ tioned by a specific culture. which form ed the image of a sacred em ­ peror.als auf geogra­ phische Begrenzung gerichtet waren66. Nevertheless. die beide eher auf Ent.wie Stefan Plag­ genborg in seinem gerade erschienenen Buch „Experim ent M oderne“ hervorhebt . Summary: In contrast to the opinion of form er historians and geographers. of state organization. Even though the geographic and dem ographic conditions o f Eastern Europe and N orthern A sia did favor the expansion of M uscovy and the building of a Eurasian em pire at trem endous public cost the shaping of the autocracy. R usslands bis heute nach­ wirkenden D efizite in der Verbesserung der territorialen Infrastruktur und des L ebensstandards seiner Bevölkerung lassen sich m. so legitimierte sie sich . Was die sow jetische E xpansionspolitik betrifft.und in R ussland sicher­ lich stärker als in anderen Ländern. M . as well as the segregation of Rus from Latin Europe in the late M iddle Ages. Schaut man die konkrete Politik sow ohl während der Zaren.auf ganz andere Weise: über den Vielvölkercharakter der U nion und über die in­ ternationalistische R evolutionsideologie.als auch während der Sow jetzeit genauer an. E x p erim en t M od ern e. 2006) 2 5 0 -2 5 6 . in the case of R ussia.

.

E in B e itrag zu r ru ssisch e n Id e en g e­ sch ich te d es 20. S tu d iu m Idei (W arsaw 2003). in: C an ad ian -A m e rican Slavic S tu d ies 34. E. N. Otto Böss.). in: S v o b o d n a ia m ysP 7 (1992) 100 -1 1 0 . Ryszard Paradowski. Orchard. Sizemskaia (ed s. Dmitry V. D v e E v raz ii: o m o n im iia k ak kliuch k id eo lo g ii ran n eg o e v raziistv a. 2 (2000) 125-139. Boris Ishboldin. in: R u ss- kaia em ig ratsiia v E v ro p e 2 0 -e--30-e g o d y (M o sc o w 1996) 177 -1 9 8 . R o ssiia m ezh d u E v ro p o i i A ziei: E v raz iisk ii so b laz n . Eurasianism has always attracted attention first and forem ost by virtue of what it says about R u ssia’s place on the map o f w orld civilization1. Ponomareva (ed . in: R u ssia n R eview 5. Leonid Luks. There are good reasons for this. Ja h rh u n d e rts (W iesb aden 1961). the Eurasians insisted that Russia belongs neither to Europe nor to Asia. E u ra z ja ty c k ie Im ­ periu m R o sji. L. E v raz iia. D ie L e h re d er E u rasier. L. T h e E m ergen ce o f E u r ­ asian ism . Novikova and I. insofar as the radical relocation of R ussian culture and civilization between East and West is indeed one o f it m ost im portant projects. in: Ja h rb ü c h e r fü r G esch ich te O ste u r o p a s 34 (1986) 3 7 4 -3 9 5 Ilya Vinkovetsky. I. Riasanovsky. C o m m u n ist and P o st-C o m m u n ist Stu d ies 30. it stands as a w orld unto itself: a third continent with its own unique geographical character. in: R o ssiia m ezh d u z a p a d o m i v o sto k o m (M o sc o w 1993) 7 6 -9 1 . The utter rejection of the West is expressed through the strident 1 O n E u ra sia n ism see M arline Lamelle. 2 (1946) 6 4 -7 3 . E v raz iistv o : id e o lo g iia g o su d a rstv e n n o sti. no. in: V estn ik E v raz ii (A c ta E u rasic a) 1-2 (4 -5 ) (1998) 6 -3 1 . Rather. Tsymburskii. Chiniaeva. I. Leonid Links. V. D ie Id e o lo g ie d er E u r a ­ sier. Nicholas V. Igor’ Isaev. in: Slavic R eview 50:1 (1991) 1- 17. G . in: O b sh c h estv en n y i n au k i i so v re m e n o st’ 5 (1994) 4 2 -5 5 . E u rasian ism . Lidiia Novikova and Irina Sizemskaia. T h e E u ra sia n S c h o o l o f R u ssian H isto rio g ra p h y . G e o p o liti- ch eskie korn i a v to rita rn o g o m y sh len iia (isto rich esk ii o p y t evraz iistv a). in: L au ren tian U n iv e rsity R eview 10 (1977) 9 7 -1 0 6 . V. . C lassical E u ra sia n ism and its L egacy. in: F o rm iro v an ie a d m in istra tiv n o -k o m an d n o i sistem y 2 0 -3 0 -e g o d y (M o sc o w 1992). historical legacy. 2 (1997) 129-151. Shlapentokh. no. A. L. L ’id eo lo g ie eu rasiste ru sse. U nequivocally rejecting not only the so-called “ W esternizing” tendency in R ussian national thought but im ­ portant parts of the Slavophile tradition as well. Mark Bassin Eurasian Visions of Russian N ationhood in Space From its inception in the interwar period dow n to the present day. Isto ric h esk ie v z g liad y r u ssk ik h e m ig ran to v (M o sc o w 1992). A n to lo g iia (M o sc o w 1993). in: A b Im p e rio 2 (2003) 2 5 7 -2 6 7 Mark Bassin. T h e E u ra sia n M o v em en t. R u ssk ie in tellektu aly v P rage: teoriia ev raz u stv a. V. R u ssia betw een E u ro p e and A sia : T h e Id e o lo g ic al C o n str u c tio n o f G e o g rap h ical Sp ac e. E. Mark Bassin.). and cultural ethos. in: C a lifo r n ia Slavic S tu d ies 4 (1967) 3 9 -7 2 . C la ssic a l E u rasian ism an d the G e o p o litic s of R u ssia n Identity. Isaev. D v a lik a ev razu stv a. E v ra z iistv o . no. in: P a st and P resent. ou co m m en t pen ser l’em p ire (P aris 1999).

F o r this reason. fam ously captured in 1918 in Alexander B lo k ’s proto-Eurasian poem “ The Scyth ians” : Y es. The progenitors of Eurasianism proper. K u l’tu ra. in: O R o d in e (M o sc o w 1948 [orig. 5 Stefan Wiederkehr. w e are Sc y th ian s! Y es. M o n g o l’sk o e ig o v ru ssk o i istorii. . Vernadskii. K onstantin L eo n t’ev. in which all of E urasia’s m ulti-faceted territories and peoples cohered in an organic fashion to create a single historical. in: E v raz iisk ii V rem en n ik 5 (1927) 153-164. E u r­ asianism stressed the obshchnost’ or com m onality characteristic o f R ussia-Eur- asia as a whole. the “ Legacy of Genghis K h an ” nonetheless gave birth to R ussia-Eurasia as a political and national entity4. Sk ify.h im self the so n o f tw o g reat p o e ts . but their avowal of a non-European identity was no less em phatic or uncom prom ising3. w e are A siatics! W ith slan tin g and g re ed y e y es2. social. Stik h i (B o u lo g n e 1960). this latter aspect of Eurasianism was arguably the m ore original and revolutionary. Ia z y k (M o sc o w 1995) 2 1 1 -2 6 6 . were not for the m ost part poets. a s V o sto k a [1925]. D a n ile v sk ijs? B e rm erk u n g en zu einem T o p o s d er F o rsc h u n g . Instead. and Lev Gumilev . Eurasianism also undertook a radical re-con­ ceptualization of nationhood and nationality within R ussia-Eurasia. Ja . While their trium phant declarations of civilizational independence from the West built directly upon foundations that had been laid already in the 19th century. O n the one hand. D e r E u ra sim u s als E rb e N . A long with the fundam ental rethinking of R ussia’s identity on a global stage and the nature o f the vectors that connected it externally to O ccident and Orient.48 M a rk Bassin assertion of a quasi-O riental identity for R ussia. But Eurasianism was more than this. by N ikolai Danilevskii. Indeed. who began to craft their ideology som e years later. in: Istoriia. and others (a point the Eurasians them ­ selves freely recognized5). This was a vision of overarching national unity.w rote p o e try th ro u g h o u t his life. In view o f R u ssia’s legacy as a multi-national imperial power. Vostokov. the unity upon which such a perspective was based was necessarily poly-ethnic. The novelty of the perspective lay in the fact that its vision of Russian-Eur- asian nationhood com bined two very different elements. 1918]) 4 1 1 -4 1 3 . the Eurasian vision of nationhood was unprecedented and thus genuinely novel. in: S tu d ies in E a st E u ro p e an T h o u g h t 52 (2000) 119-150. it was awkw ard (although not im possible) to form ulate Eurasian cohesiveness in the ethno-national terms typi­ cal for European nationalism . 3 So m e E u ra sia n s h ow ever had a p o etic bent: Petr Sav itsk ii p u b lish e d a v o lu m e o f p o etry p se u d o n o m o u sly : P. It was so in large measure because it was a response to a post-revolutionary and post-im perial Russian reality that itself was without precedent. and cultural entity. A ls o see G. It was expressed perhaps m ost dram atically in their re-interpretation of R u ssia’s period of M ongol conquest and dom ination as a positive and indeed creative experience. H ow ever painful it may have been. they argued. 4 Nikolai Sergeevich Trubetskoi. N a sle d ie C h in g isk h an a: V z g liad na ru ssk u iu istoriiu ne s Z a p a d a . the Eurasians based their model on Dani- 2 Aleksandr Blok.

O rie n talism : N . In this respect. S. It is these differences that I will focus on. Indeed. there was alw ays a tension of sorts between them. la z y k (M o s- . Riasanovsky. but m oreover actively defended and prom oted. in: Isto riia. M y argum ent will be that they point to the im portance of the immediate political con­ text. in: Slavic an d E a st E u ro p e a n Jo u r n a l 41. T h e L e g a ­ cy o f G en g h is K h a n (A n n A r b o r 1991) 29 5 -3 8 9 . Trubetzkoy [sic].e. upper and low er stories7. and to incorporate them both within a single model of R ussian-Eurasian nationhood6. Anatoly Liberman.m ore im m ediately . In this paper I will examine how two im portant articulations of Eurasianism . and thus were not entirely com patible. he deployed a metaphorical image of R ussia-Eurasian society and culture in toto as a zdan ie. the Eurasians fully accepted and even celebrated R ussia-Eur- asia’s multi-national diversity. In order to accom plish this. i.one from the R ussian em igration between the w ar and the other from the U S S R in the post-Stalin period .wrestled with this tension and sought to resolve it. and this tension served in im portant w ays to give Eurasianism its dynam ism and distinctive character. E u rasian ism . S. there were also significant differences in the w ay these struc­ tures were interpreted and valorized. Prince N . Eurasianism broke with R u ssia’s imperial tradi­ tion altogether. C o lo n ia lism . they insisted that the integrity and individuality of each oi E u rasia’s peoples not only had to be recog­ nized and acknow ledged. D avid Chioni Moore. in: Ja h rb ü c h e r fü r G esch ich te O ste u r o p a s 12 (N e u e F o lg e ) (1964) 2 0 7 -2 2 0 . 2 (1997) 3 2 1 -3 4 0 . N ikolai Trubetskoi: Eurasia as a “ M ulti-National N atio n ” O ne of the m ost influential form ulations of Eurasian doctrine in the inter-war period can be found in the writings of the linguist and ethnographer Prince N ik o ­ lai Sergeevich Trubetskoi (1890-1938). which like all buildings consisted of verkhrtie and nizhnie etazhy. T r u b e tsk o y ’s E u ro p e and M a n ­ kin d . The effect of this im agery was to im bue R ussian-Eur- 6 O n T ru b e tsk o i see Nicholas V. no. In place of the R ussifying chauvinism which viewed the Em pire’s non-Russian nationalities as backward and in need of absorption into the R usso- centric mainstream. 7 Nikolai Sergeevich Trubetskoi. O n the other hand. These two em phases obviously pressed in different directions. P o stsc rip t: N . T rubetskoi’s entire project was driven by the attem pt to reconcile the principles of unity and diversity just de­ scribed.O sw ald Spenglers Weltkultur. E u ra sia n V isio n s o f R u ssia n N a t i o n h o o d in Sp ace 49 levskii’s “ cultural-historical typ e” or . however. In a sense. S. K u k rain sk o i p ro b le m e . that is to say a building or edifice. T r u b e tz k o y ’s R u ssian View. K u l’tura. S. in: N. While there were striking similarities in the basic explanatory structures that were adopted. and to the fact that Eurasianism as an ideology proved to be eminently flex­ ible in the way it could respond to different political challenges. T ru b e tz k o i and H is W ork on H isto r y and P o litics. the em phasis in Eurasianism was not of so much on obshchnost’ and unity but rather on ethno-national differentiation. Rather than Russification.

or cultural subject. 1927]) 3 6 2 -3 8 0 . 1927]) 4 1 7 -4 2 7 . narodnosti. O b sh c h e e v ra z iisk ii n atsio n aliz m 425. K p ro b le m e r u s sk o g o sa m o p o z n a n iia 106. 377. Nikolai Sergeevich Trubetskoi. 9 Ib id . and the form ation instead took on the character of a cultural-historical w orld. Ia z y k (M o sc o w 1995 [orig. K u l’tura. deriving above all from a “ com m onality of historical destin y” and the existential appreciation of the need for a shared set of ideals to facilitate the future construction of social life11. here 425 12 Trubetskoi. 1927]) 105-210. here 126-140. here 371. “ The [national] destinies of the Eurasian peoples have becom e woven to ­ gether and firmly connected into a single gigantic netw ork”. K u k rain sk o i p ro b le m e 377. co w 1995 [orig. K p ro b le m e r u ssk o g o sam o p o z n an iia. . Im po r­ tant am ong these were ties of kinship. Ia z y k (M o sc o w 1995 [orig. The upper level of the Eurasian edifice. Ia z y k (M o s ­ c o w 1995 [orig. Trubetskoi referred to this entity as a kulturosub”ekt. as Trubetskoi put it. U krainians. O b sh c h e e v raz iisk ii n atsio n aliz m . I l l . Tatars. The ties that bound the diverse peoples of the form er R ussian Em pire into this single supra-national (nad- natsion al’nyi) union were predom inantly intellectual and spiritual. Trubetskoi observed. K u l’tu ra. in: Isto riia. and involved the same ethnographic or ethnic factors that united nations everywhere. a phrasing that betrayed the influence of Danilevskii and Spengler in equal m easure10. Nikolai Sergeevich Trubetskoi. M ordvinians. the various dis­ crete national units of the low er level blended together to create a single all-en­ com passing obshchnost’ which was Eurasian civilization. natsii. T rubetskoi’s lower level was made up of the nations -n aro d y . G eorgians. Buriats. K u l’tura. 10 Nikolai Sergeevich Trubetskoi. represented the enti­ rety of R ussia-Eurasia itself. here 399. which made it possible in turn to subsum e m ultiple scales or layers of identification within a single overarching identity structure. Effectively. and m any others. folk custom s. taken as a single integrated totality. or n ation al’nosti . this represented a “ hierarchy” of identification8. identifying only two com ponent levels. these corresponded to the etnos-obshchnost’ dichotom y de­ scribed above. 11 Trubetskoi. K p ro b le m e r u ssk o g o sa m o p o z n a n iia 1 3 9 -1 4 0 . At this level eth­ nographic distinctions lost their significance. Trubetskoi. a shared territorial hom eland and a clear sense o f shared national belonging. 1928]) 3 9 3 -4 0 5 . on the other hand. Trubetskoi kept this hierarchy as sim ple as possible. “ regional and tribal differentiation” are “ strongly developed and clearly expressed”9. and it was a netw ork from which they “ can no longer be untangled” 12. in: Isto riia. A t the lower level.50 M a r k Bassin asian identity with a sort of verticality.I. This included Great R ussians. D o r o sh e n k o . N o t coincidentally. O tv e t D .that historically had been a part of Eurasian com m unity and currently were included within the geopolitical corpus of the U SSR . The bonds which held these individual groupings to ­ gether internally and provided each with a sense of identity distinct from all their other Eurasian neighbors were “ ethnological”. language. K irgiz. Tru­ betskoi observed. in: Istoriia. A t the upper level. Evenks. 8 Trubetskoi.

377. Trubetskoi. the two levels passed “ gradually and im ­ perceptibly” one into the other. this nation” itself is in its turn an individuation of 13 Trubetskoi. in the form of regional sub-groups or linguistic dialects. giving rise to a “ continuous interaction” and an “ organic connection” between them. and the re­ verse was true as well. 402. and “ organic connection” between them. Trubetskoi had in mind a lichnost’ which form ed a constituent part of a larger lichnost’. I. 1935]) 4 3 8 -4 4 3 . understood as a part o f the multi-national w hole” 15. 17 Trubetskoi. the two levels co-existed in a sort of equilibrium (ravnodeistvuiushchaia). K u l’tura. Trubetskoi. D o r o sh e n k o 400. The two m odalities of identification in Eurasia were sim ilar to each other in the sense of m atrioshka dolls or . by which he meant that each entity was self-contained and com plete13. Very much to the contrary. There was nothing in the cultural com ­ m onality of the upper level which in any way necessarily challenged the integrity of the ethnographic foundations of the various groups at the bottom . therefore. K u k ra in sk o i p ro b le m e 371. 16 Trubetskoi. In normal situations. 14 Trubetskoi. ethno-national lichnost’ (low er level). IS Trubetskoi. Trubetskoi was at pains to stress the harmony. here 444. D o r o sh e n k o 399. balance. each natsiia was itself an individuation of the larger m ulti-national cultural w orld of which it form ed a constituent part. K p ro b le m e r u ssk o g o sa m o ­ p o z n a n iia 106. the respective form ations equally represented what Trubetskoi called “ individuals” or “ personalities” (lichnosti). “ this national lichnost’. such that the char­ acteristics of the form er represented certain characteristics of the larger entity18. 15 Nikolai Sergeevich Trubetskoi. . here 441. Ia z y k (M o sc o w 1995 [orig. O tv e t D . At both levels. K p ro b le m e r u ssk o g o sa m o p o z n a n iia 106. E u ra sian V isions o f Ru ss ia n N a t i o n h o o d in Space 51 D espite the obvious differences distinguishing his two levels. for every citizen of E urasia “ a vital sense of m em ­ bership in the m ulti-national (m nogonarodnyi) totality m ust include an awareness of being a m em ber of an individual nation (narod). Nikolai Sergeevich Trubetskoi. K u k ra in sk o i p ro b le m e 371. indeed a creative sym biosis.I.to use Tru­ betskoi’s own image . Every narod or natsiia contained within it num erous individuations. O n the contrary.concentric circles16. such that the “ multi-national k u l’turo-lichnost'” of the upper level did not act to “ efface the cultures of those separate nations” at the lower level which com bined to form it14. U p a d o k tv o rch e stv a. O b id ee-p rav ite l’nitse id e o k ra tic h e sk o g o g o su d arstv a. Ia z y k (M o sc o w 1995 [orig. In the same w ay that an individual person is always an individuation o f a broader. The positive sym biosis between the two levels was signaled above all in the con­ cept of individuatsiia or individuation. which in its turn insured the “ stability and health” of all dim ensions o f the society17. in: Isto riia. the rela­ tionship between upper and low er levels appeared more fundam entally to be one of sym m etry and even a sort o f parallelism. K p ro b le m e ru ssk o g o sam o p o z n a n iia 127. 1937]) 4 4 4 -4 4 8 . M ore importantly. Trubetskoi. O tv e t D . in: Isto riia. Rather than difference and contrast. K u l’tura. B y individuation. Trubetskoi ex­ plained. K p ro b le m e r u ssk o g o sa m o p o z n a n iia 105.

In his view. Trubetskoi pressed the sym m etrical resem blances between the two le­ vels to a degree which began to disrupt the essential differentiation between them that he him self had set out. econom ic an d ethnic unit. 375. K u k ra in sk o i p ro b le m e 379. here 258 (em p h asis ad d ed ). in significant w ays. the relationship of all of the form er em pire’s nationalities to the larger whole should be the same. such that it effectively represented a single hom ogeneous ethno-national unit. N a sle d ie C h in g isk h an a. K p ro b le m e ru ssk o g o sam o p o z n a - niia 106. Thus in their view the “ true essence and task ” of U krainian nationhood was to becom e an “ in­ dividuation of a C om m on-R ussian (obshcherusskoi) culture” . a lso see Trubetskoi. In principle. 20 Trubetskoi. 24 Trubetskoi. Trubetskoi. these n atio n alism s sim i­ larly fit into on e an o th e r like co n cen tric circles20. K p ro b le m e r u ssk o g o sa m o p o z n a n iia 108. however. 423. Trubetskoi. were particularly concerned to explain the relationship of U kraine to R ussia-Eurasia in these terms. n atio n ­ alism s o f v ario u s am p litu d e and bread th can co -exist. and in its turn itself is m ade o f several tribal o r regio n al varian ts).animated by a single nationalist ideology of “ Eurasianism ” (evra- ziistvo) that was shared equally by all23.” 24 In order to bolster these argum ents. O tv e t D . I.more specifically a “ special multi-national nation” (osobaia m nogonarod- naia natsiia) . O b sh c h e e v ra z iisk ii n atsio n alizm 4 2 3 -4 2 4 (em p h asis ad d ed ). O n num erous occasions. Indeed. In this case. B y im plication. D o r o sh e n k o 399. the latter was a single “ nation” (nat- siia) . O b sh c h e e v raz iisk ii n atsio n alizm 424. Repeatedly he indicated that this is precisely how he understood Eurasia as a totality. Trubetskoi underm ined this distinction with the clear im plication that.” he sum m arized at the conclusion of his lengthy essay The Legacy of Genghis Khan. « Ib id . while o f course re­ taining its ethnographic individuality at the same time21. 21 Trubetskoi. “ represents a closed and com plete geographical. a “ group of nations (narody) ” could com bine to form a single ethnic “ unit” (edinitsa) or ethnographic “ totality” (tseloe). This com ­ plex arrangement was m oreover implicitly recognized in terms of affective national consciousness. The sim ilarities which he identified in regard to lan­ 19 Trubetskoi.52 M a r k Bassin a broader and m ore general “ multi-national lichnost’ ” (upper level)19. the lower-level ethnic unit must be seen as an individuation of a “ higher-level ethnic u nit”22. Trubetskoi expended considerable scholarly effort on locating affinities in material culture and folkw ays am ong E u r­ asia’s lower-level groupings. T h a n k s to the fact that on e ethnic unit can fo rm a p art o f an o th e r (a n ation [narod ] is a p art o f a g ro u p o f nation s. When this happens. 427. 22 Trubetskoi. the upper level as well possessed a unified ethnographic char­ acter. This can be seen m ost significantly his ambivalence regarding the characterization of the upper level as a cultural and civilizational entity. . and the classical Eurasians in general. distinct from E u ­ rope and A sia proper. “ The Eurasian w orld . distinct from the ethno-national essences o f the lower level. 426. he explained.

Trubetskoi valorized the various criteria which define affinity at the differ­ ent levels.. national self-awareness and national unity were to be achieved29. racial . “ The ‘upper level’ of a single culture of a large ethnological unit will always be qualitatively m ore com plete and quantitatively richer (bogache) than .” T h e fratern al and m u tu al u n d erstan d in g w hich is so easily estab lish ed betw een o u rselv es and these “ A s ia tic s” is fo u n d e d on these in visib le th reads o f racial sy m p a th y (rasovaia simpa- tiia)2(\ The point was not by any means to deny the enduing ethnic individuality and d is­ tinctiveness of each of these groups. folk literatures. . 26 Ib id . musical system s. K p ro b le m e r u ssk o g o sa m o p o z n a n iia 135-138. 28 Trubetskoi.quality of these affinities. Trubetskoi used the notion of sliianie (fusion or merging) of different groups into a single cohesive entity27. the carefully-maintained principle of sym m etry between the levels was not sustained. together with a shared destiny. and native architectural styles. T h e b o n d co n n ectin g R u ssia n s w ith the “ T u ran ian s” [F in n o -U g ric and V olga-T atar p eo p les] has been stren gth en ed n o t o n ly eth n o grap h ically b u t also an th ro p o lo g ically . E u ra sia n V isions o f R u ss ia n N a t i o n h o o d in Space 53 guages. In the R u ssia n nation al ch aracter there are d efin itely links w ith the “ T u ranian E a s t. E ffec­ tively. K p ro b le m e r u ssk o g o sa m o p o z n a n iia 117-118. Fie explicitly asserted his belief in the superior value (tsenenie) of “ social over biological ties” and the “ prim acy of spiritual and cultural affinities. O b sh c h e e v raz iisk ii n atsio n aliz m 424. however. as we will see. fo r be sid es the Slavic b lo o d th at flo w s in R u ssian veins there is u n d o u b te d ly T u rk ic and F in n o -U g ric b lo o d as w ell. T his term went on to enjoy a special place in the official theory and practice of inter-ethnic relations in the U SSR .. all helped to confirm his basic argum ent for the ethnographic sim ilitude between them23. In one fundam entally im portant respect. for this prioritization of it above the lower level is conditioned precisely upon its cultural and civilizational . over the adhesions of b io lo g y ”28. Trubetskoi was rather concerned to em pha­ size that the larger entity which theses groups com bined to form . 27 Trubetskoi. O b id ee-p rav ite l’ nitse ideokraticheskogo gosudarstva 441. and his insistence that the massive corpus of Eurasia in its entirely represented som ething distinctly more substantial and im portant than the mere sum of its m any parts. Focusing on the G reat Russians and the Tatar-Turkic.i. he even stressed the “ anthropological” . It was only by means of the bonds of cultural affinity.was not only a cultural and civilizational but an ethnic unit as well.qualities. and in this process the value ascribed to criteria of cultural unity and shared historical destiny superseded the more mundane and earthy factors of eth­ nographic affinity. 29 Trubetskoi. 25 Trubetskoi.and non-ethnic . T his involved Tru­ betskoi’s clear prioritization of the upper level. In order to describe this process. that genuine nationhood.E u rasia’s upper level . and not those of sim ple ethnic sim ilitude. 138.e. It is in this regard that the full ambivalence of T ru betskoi’s ascription of an ethnic character to the upper level be­ com es apparent. Finno-U gric and M on go­ lian peoples.

G u m ilev seit d er sp äten S o w je tz e it . B. 31 Ibid. Practically. he was able to establish a scholarly career. 30 Trubetskoi. B rü ck en . The reanim ation of the Eurasian legacy was largely the w ork of a re­ m arkable individual. they d o so p recisely and a b o v e all as a p art o f this frate rn ity w hich o c cu p ies a p articu lar place in it. Lev Gumilev: Eurasia as a ‘M osaic System ic Totality’ The movement of "classical” Eurasianism . It was not until the 1960s and 1970s that these ideas began to be re-examined within R ussia and. 32 Ib id . The son of two of R ussian greatest 20th century poets . “ Each unprejudiced grouping [at the lower level] that is part of the given ethnological whole [upper level] cannot but recognize this. C u ltu re and E th n icity in the F o r m a tio n s o f N a tio n s ( E s ­ sa y s in H o n o r o f A n th o n y Sm ith ). Lavrov.”30 This was a reality. K u k ra in sk o i p ro b le m e 373. 1-2 (2000) 163-189. G um ilev’s research freely crossed the fields of history. D ie R e z e p tio n des W erkes von L .. in which Trubetskoi was a leading p ar­ ticipant. L e v N ik o la e v ic G u m ile v (1 9 1 2 -1 9 9 2 ): b io lo g ism e et eu rasism e d an s la pen see ru sse.. in: N a tio n a l­ ism and E th n o sy m b o lism : H isto ry . L e v G u m ilev : S u d ’ba i idei (M o sc o w 2000). It is n ecessary that as each o f the E u rasian p e o p le s b e co m es aw are o f th em selves. ‘ I am a gen iu s. resurrected. [each of which] operates only for itself. 33 Trubetskoi. to som e degree at least. and not the culture o f one com ponent part of this w hole. B rü ch e. this meant discarding the biolo- gism o f local nationalism in favor o f the “ prim acy (prirnat) o f culture” as the genu­ ine foundation of national self-aw areness31. Lev N ikolaevich Gum ilev (1912-1992)... ‘o p t’ (optirovat’) for the cul­ ture of the ethnological whole . O b sh c h e e v raz iisk ii n atsio n alizm 425 (em p h asis ad ded ). ed. independently from the other p arts. D e b atten .54 M a r k Bassin the separate parts of the sam e ethnological unit. 34 O n G u m ilev see S. but he remained very much a lone figure: outside of the official academic establishment and for the m ost part highly critical o f it34. b u t n o m o re than th at. Mark Bassin. he implied. the R u ssian P ast.R u s s ­ lan d s In telligen cija a u f d er Su ch e nach O rie n tieru n g.N ikolai G um ilev and Anna A khm atova - G um ilev spent m any years in Stalinist prison cam ps. and W orld H isto ry . Stephen Grosby and Athena Leoussi (E d in b u rg h 2007) 1 4 3 -1 6 0 . which the groupings at the lower level have no choice but to recognize and accept. L e v G u m ilev and R u ssia n N a tio n a l Id e n tity d u rin g and after the S o v ie t P erio d .’ L e v G u m ilev (1 9 1 2 -1 9 9 2 ). in: S p rü n g e. in: R ev u e des E tu d e s Slaves N o . Rehabilitated after Stalin’s death. had collapsed by the late 1930s. Marlene Laruelle. E th n o g en e sis. in: Ja h rb ü c h e r fü r G esch ich te O ste u r o p a s 44 (1996) 5 4 -8 2 . N . Stefan Wiederkehr.33.. and for this reason will naturally . .” 32 In specific regard to R ussia-Eurasia he could not have put the point more directly: It is n ecessary that the p e o p le s o f E u rasia beco m e co n scio u s o f th eir fraternity. And it is necessary that the consciousness o f their membership precisely in the Eurasian fraternity becomes for each o f them stronger and clearer than the consciousness o f their membership to any other group. Bruno Naarden. 373. 380.

38 L. Ia z y k (M o sc o w 1995) 3 1 -5 4 . S av ick ij. and ethnography. based on the principle of m acrocosm -m icrocosm . N . A. M uch of his w ork focused on the his­ tory and ethnography of nomadic Inner A sia and what he called the G reat Steppe. G um ilev’s understanding of the structure of Eurasian nationhood was form u­ lated on the basis of the sam e vertical arrangement of different levels that we have seen in Trubetskoi38. G iessen e r A b h a n d lu n g en zu r A grar. Gumilev. G. Sav itsk ii. Gum ilev insisted that his hier­ archy w as strictly sym m etrical. Gumilev. S k a zh u V am p o sek retu . H isto ir e d ’u ne u su rp atio n intellectuelle: L . N . They were on the one hand individual tselostnosti or self-contained. G u m ilev u . N. the hierarchy was m ore com pli­ cated. S. N.u n d W irtsch aftsfo rsch u n g des eu ro p äisch e n O ste n s 223 (B erlin 2 002) 51—66. N . ed. N . Gumilev. in: R ev u e d es E tu d e s Slaves L X X I I I : 2 -3 (2001) 4 4 9 -4 5 9 . L e tte r to P. ’. 36 L. Sbnirel’man and S. Isto r ik o -filo so fsk ie tru d y k n iazia N . N. S. in: M y sl’ 8 (1997). Savitskii. N. Iz p isem P. A t each level. ‘M en ia n az y v aiu t e v raziitsem . but Gum ilev drew direct connections with him as well in the lengthy introduction he wrote to accom pany a m ajor collection of T rubetskoi’s w ritings published after the collapse of the U S S R 36. N. G u m ilev et P. Panarin. In G um ilev’s case. N. N. 39 V. G um ilev always em phasized his own sense of belonging within the classical Eurasian tradition. Sau- dabekova. D ie E th n ien leh re L e v N . ch to esli R o ssiia b u d et sp asen a. ‘ le dern ier d es e u ra siste s’ ? A n aly se des o p p o sitio n s entre L . . Michurin. E u rasian V isions o f R u ss ia n N a t i o n h o o d in Space 55 geography. A. in: L. integral entities with an autonom ous existence (corresponding to T rubetskoi’s licbnosti). O n G u m i­ le v ’s relatio n sh ip to the classical E u rasian s see Marlene Laruelle. to to l’ k o k ak evra- ziisk aia d erz h av a . Martina Ritter and Barbara Wattendorf. in: L. S a v itsk o g o L. in: O ste u r o p a 48. Gumilev. in: R itm y E v raz ii: ep ok h i i tsiv ilizatsii (M o sc o w 1993) 2 5 -3 2 . V. while at the sam e time each fitted as a organic com ponent into the form ation at the next highest level. Gumilev. 11 -1 2 (1998) 1 1 8 4 -1 1 9 7 . for it consisted not of two but rather of four discrete taxonom ical units or levels of ethnic organization39. E tn o g e n e z i b io sfe ra zem li. archaeology. N . E v ra z iistv o G u m ile v a i k lassich csk o e r u ssk o e ev raz iistv o . national association across G um ilev’s entire system was h om ogeneous and unitary while at the same time heterogeneous and plural. P. and in his final years referred to him self proudly as poslednii E vraziits or “ the last E u rasian ”37. C h e rn aia L eg- enda: D r u z ’ia i n ed ru gi V elikoi stepi (M o sc o w 1994) 164-166. Trubetskoi. and established thereby a clear link between his own research and the legacy of the interwar period35. S lo v a r ’ p on iatii i term in o v teorii etn o ge n ez a L . 2 nc* ed. . Trubetskoi him­ self died in 1938. T ru b e tsk o g o (z am etk i p o sle d n e g o ev raziitsa). E tn o sfera . Isto riia liudei i isto riia p riro d y (M o sc o w 2004) 5 1 7 -5 7 2 . G u m ilev. . in: N a sh So v rem e n n ik 1 (1991) 132-141. Hildegard Kochanek. in: N. N. N . G u m ilev s: Z u den A n fän g en n eu -rech ter Id e o lo g ie -E n tw ic k lu n g im sp ätk o m m u n istisc h e n R u ssla n d . In this manner. 565. N . z u r p o litisch en K u ltu r in R u ssla n d au s d er P ersp ek tiv e d er G e sch ich tsw isse n sch aft. A. P erso n al arch ive o f au th or. thereby creating a greater integral whole (Trubetskoi’s “ individ­ u ation s” ). In the 1950s and 1960s G um ilev corresponded with T rubetskoi’s Eurasianist col­ leagues Petr Savitskii and G eorgii Vernadskii. (L e n in g rad 1989) 490. L. no. Isto riia. Gumilev. 37 L. 19 D e ce m b e r 1956. K u l’tura. Like Trubetskoi. in: V estm k E v ra z ii 3 (10) (2000) 5 -3 7 . L e v N ik o la e v ic h G u m ilev : o sn o v a te l’ e tn o lo g ii?. Gumilev. . . G u m ilev a. the respective form ations possessed the sam e dualistic nature. K u ltu r ­ so z io lo g ie u n d P o litik w isse n sch aft. and it was this preoccupation which led him directly to the w ork of the Eurasians. however. 35 L.

42 Gumilev . which corre­ sponded directly to T rubetskoi’s upper and low er levels. n arodnost’. arguing that it represented a natural phenom enon. O ch e rk i teorii etn osa (M o sc o w 1983). Like Trubetskoi. Gumilev. ethnic system s were able to sustain a vital internal diversity . Gumilev and K. here 49. electron. such as shared language. P op u - liarn ye lektsii po n aro d o v ed en iiu (M o sc o w 2000) 37. not just in the S o ­ viet U nion but across the planet and throughout history. (The one exception to this was the factor of com m on attachment to a particular geographical region . E tn o g e n e z i b io sfe ra zem li 20.56 M a r k Bassin Gum ilev termed this pattern ierarcheskaia sopodchinennost’. Etnos was a popular term am ong Soviet ethnographers in the 1960s and 1970s. in: P riro d a 1 (1970a) 4 6 -5 5 . 226. Gumilev. 131.) Rather. Gum ilev did not stress the sam e criteria that his prede­ cessor had identified as the basis o f ethnic affinity. 44 L. w ho hoped that it could re­ place the confusing and am biguous vocabulary of nationality (narod. A n etnos possessed its own special place in the earth’s biosphere. 565 41 Gumilev . 45 Gumilev. To be sure. the form ations at both G um ilev’s and T rubetskoi’s lower levels possess the same group awareness and sense of themselves as cohesive and distinctive 40 Ib id . vsiu z h iz n ’ z ash ch ish ch aiu tatar o t k le v e ty ’. Critically.what G um ilev called a “ m osaic qu ality” (rnozaichnost’) or “ m osaic system ic totality” (m ozaichnaia sist- em naia tselostnost) . A t the core of G um ilev’s ethnic hierarchy were two central levels. proton. folkw ays. V. B y means of it. etnos represented the sam e sort o f ethnic units that Trubetskoi had in mind. ru ssk ii c h e lo v e k ’ 277. N. lu. Lev Nikolaevich Gumilev . N.which did represent a significant factor of ethnic identification. natsional’n ost’. atom. ‘ la. E tn o g e n e z i b io sfe ra zem li 91. Gum ilev stressed the organic qualities of an etnos very strongly. ‘ la. Ivanov. in: C h e rn aia L e gen d a: D r u z ’ia i n ed ru gi V elikoi stepi (M o s ­ co w 1994) 2 4 7 -3 2 3 .the grou p ’s “ ecological niche” (ekologicheskoe nishe). E tn o g e n e z i b io sfe ra zem li 106. or anthropological origins. In G um ilev’s usage. m a­ terial culture. natsiia. he maintained that the members of the etnos were bound together into a single unit solely by virtue of a shared stereotip povedeniia or pattern of behavior44. E tn o s i etn o grafiia (M o sc o w 1973). E tn o g e n e z i b io sfe ra zem li 110. Bromlei. Bromlei. N. H e likened this to the hierarchy in physics of molecule. ru ssk ii chelovek. and so on) inherited from the Stalin period43. G um ilev strongly believed that this hierarchical arrangem ent w as a positive struc­ ture that played a vital role in insuring the health of ethnic life. K o n e ts i v n o v ’ n ach alo. L. Gumilev. here 5 2 -5 3 . Gumilev. plem ia.that acted as a guarantor of their vitality and their ultimate unity42. 43 lu. E tn ich csk ie p ro tse ssv : d v a p o d k h o d a k izu ch en iiu . literally the co-su b­ ordination o f ethnic system s. L. and the process of ethnogenesis (through which an etnos is cre­ ated and lives out its life) unfolded according to im m anent cosm ic rhythm s45. however. h ere 256. and neutron41. G um ilev’s low er level was made up of ethnographic groupings he called etnosy. . in G um ilev’s term inology . V. in which “ each ethnic system of a higher rank is com prised of several ethnic system s of the next lower ran k”40. E t­ n o g en e z i etn o sfera. in: S o tsio lo g ie h e sk ie Issle d o v an iia 1 (1992) 5 0 -5 7 . P.

in: N. the correspon d­ ing ideals “ possess a single uniform significance and sim ilar conceptual d y ­ nam ics” . E tn o s i lan d sh aft. and secured thereby the integral unity o f the superetnos48. E tn o g e n e z i b io sfe ra zem li 142. Istoriia. Gumilev. for exam ple shared econom ic activity. E tn o g e n e z i b io sfe ra zem li 109. however. E tn ic h e sk ie p r o tse s sy 53. While Gum ilev did not go so far as to repeat T rubetskoi’s explicit references to the upper level as an “ ethnic” entity. moreover. G um ilev himself explicitly equated his con­ ception o f superetnos with the m nogonarodnaia lichnost’ of T ru betskoi’s upper level49. It w as this uniform ity o f “ dom inating values” which conditioned “ the transition from the ethno-cultural d iversity” at the lower level to the “ purposeful unanim ity (tseleustremlennoe edinoobrazie)” of the upper. understanding. however. here 5 3 -5 4 . E tn o g e n e z i b io sfe ra zem li 133. Gum ilev drew the same sort of distinction be­ tween upper and lower levels that we have seen with Trubetskoi. he explained. 47 Gumilev and Ivanov.filo so fsk ie tru d y 34. Gumilev. D espite these carefully drawn distinctions. A superetnos is a collection of etnosy which have coalesced into a single entity on the basis of what he called positive “ com plem entarity” (kom plem entarnost’): essentially a sense of m utual sym pathy. in the final analysis G u m i­ lev’s insistence on the m acrocosm ic-m icrocosm ic sym m etry and the structural sim ilarities between etnos and superetnos led to the sam e ambivalence regarding the character of the latter that we have seen at T rubetskoi’s upper level. E u rasian V isions o f R u ss ia n N a t i o n h o o d m Spacc 57 units. an identical parallelism is strongly articulated neverthe­ less. Each superetnos. F o r all of the etnosy in a single superethnic system . E tn ic h e sk ie p ro tsessy . or ideological orientation46. possesses a distinctive behavioral stereotype. The com ple­ mentarity that binds a superetnos together is not based on ethnographic or even cultural criteria. Lev Nikolaevich Gumilev. 48 Gumilev. Gumilev. S. A superetnos further resem bled an etnos by virtue of its organic association with a distinctive 46 Gumilev. 49 L. 51. E tn ich e sk ie p ro tse ssy 53. It com es rather from protracted obshchenie or interaction be­ tween groups. E tn o g e n e z i b io sfe ra zem li 109. a superetnos is form ed through a natural process o f ethno- genesis. here 51. in: Izv e stiia V se so iu z n o g o G e o g r a fic h e sk o g o O b - sh ch estv a 3 (1968) 9 7 -1 0 6 . represented m ost palpably in “ ideals” and “ dom inating values” (idealy i domi- nanty) em braced by all of the etnosy which form ed the superetnos in question47. political organization. G um ilev deployed a new term inology. Trubetskoi. Gumilev. K u l’tura. A t the upper level as well. Ia z y k (M o sc o w 1995) 3 1 -5 4 . A bove all. Isto n k o . with unique identities that serve to set them apart from all surrounding groups. . Isto rik o -filo - so fsk ie tru d y k n iazia N . cited in Gumilev and Ivanov.S . and m oves through the same predeterm ined ethnogenetic lifecycle50. 50 Gumilev and Ivanov. T ru b e tsk o g o (zam etk i p o sle d n e g o ev raziitsa). Ju st like an etnos. G um ilev echoed Trubetskoi in de­ claring that superethnic unity is the product of “ a com m onality of historical fate” . and identified the characteristic form ation as a superetnos. and com monality. N.

demarcated by very clear geographical boundaries and consisting o f a specific and readily-identifiable m ulti-national population. Gumilev. It origins extended much further back in history. and specifically to the boundaries of the U S S R as they were established in the m id-1920s. H e argued that the overall unity of the E u r­ asian w orld. apparently to distinguish it from the “ ecologi­ cal niche” of the etnos. com prised of different levels. In the case of the superetnos. H is attention was directly prim arily to his own lower level. was at once a much larger. and alto­ gether m ore nebulous entity. Thus we can see the essential sim ilarity of these two visions of nationhood in Eurasia. G um ilev so strongly identifies etnos and superetnos that at times he confuses the two in his texts. i. Trubetskoi prioritized the upper level. rather than that o f the superetnos. the category of etnos. im m utable. The levels strongly resem bled each other in their structure. argued precisely the opposite. by contrast. this balance was achieved in the sam e way. both geographical zones filled identical functions for their respect ethnic tenants. E tn ic h e sk ie p ro tse ssy 55. however. and included the settlement regions of the ancient Turks and other such ancient civili­ zations as the Khunnu. but the intended distinction remained obscure51.e. Gumilev. Indeed. his em phasis consist­ ently rested on the first of these qualities. based m ost im portantly on affinities o f culture and historical destiny. namely by articulating the identity structure as a vertical arrangement or hierarchy. Gumilev and Ivanov. A ll of this went well beyond the geographical as well as the historical-cultural contours o f the classical Eurasian 51 E . in the sense that it was at once self-con- tained and closed while at the sam e time able to com bine together with other et­ nosy to form larger entities. each which possessed a essentialized identity that was distinctive. A bove all else. by contrast. he stressed the unique na­ ture of the individual. . H e agreed with Trubetskoi that an etnos possessed a sort of dual character. Eurasia was an eminently distinct. In both cases. E tn o g e n e z i b io sfe ra zem li 302. A long with of all these sim ilarities. E ffec­ tively. Practically all of his w ork was devoted to explaining the nature of these groupings. balanced between the two principles of etnos and obshchnost’ : ethno-national in­ dividuality and m ulti-national com monality. G u m i­ lev’s Eurasia.g. U nlike Trubetskoi. there w as a elemental divergence between T rubetskoi’s and G um ilev’s respective Eurasian visions. and uncom binable.58 M a r k B assin landscape zone. Both Trubetskoi and Gum ilev understand the latter as unity-in-diversity. This realm corresponded in a gen­ eral sense to the traditional spaces of R ussian gosudarstvennost’. even palpable entity. however. m ore inclusive. took precedence over the ethnographic and biological sim ilitude of the national groupings at the low er level. and they were both acknow l­ edged to be essential elements of the system as a whole. F o r Trubetskoi and indeed all the classical Eurasians. This prioritization of the lower level was is clearly apparent in G um ilev’s rather idiosyncratic conceptualization of Eurasia as a whole. in what today is China. moreover. low er level ethnic unit. A s we have seen. Gum ilev generally referred to this zone vaguely as a “ region ” (region).

he explained. by contrast. The unity of the Russian state area.Rossiiskii). Kom i. Tongues. and Russian (. L e v N ik o la e v ic G u m ilev 181. F o r Trubetskoi and all of the classical Eurasians. In this way. Estonia). B eloru s­ sians. Laruelle.precisely like the ethnic cohesion of the lower-level etnosy . in other w ords all o f the collective territories and peoples of the U S S R com bined into single cohesive obshcbnost’. i. Jew ish. Evenks.” 52 M oreover. however.the central feature of classical Eurasianism . A l­ though his w ork was illustrated with num erous m aps. it went without saying that the integral entity at the upper level w as Eurasia itself. Steppe. Chichi. M ordvinians. The assertion of a single “ E u rasian ” superetnos which w ould include all of these . G um ilev maintained that the geopolitical space of the R ussian em pire and its successor the U S S R - Eurasia p er se for the classical Eurasians . 55. C ircum polar (Sam oyed.was nowhere to be found. G um ilev never sought to identify the specific features that characterized Eurasia as a distinct and integrated cul­ tural-historical entity. T he superetnosy of the Soviet U nion included the W est-European (Latvia. A rm enians). 53 Ib id . seven d ifferen t ( razlichnye) superetnosy. C orrespondingly. E tn ic h e sk ie p ro tse ssy 55. Chantey.contained not one but seven distinct superetnosy. it had to be clearly distinguished from the inner cohesion of superetnosy. for Eurasia provided no single superethnic entity which could provide the neces­ sary congruence. The latter group. Chuvash. there were strikingly few which purported sim ply to describe “ E u rasia” in its entirety. such a conflation between the political and the superethnic was im possible in any event. “ A superetnos is not a . there w as no question of mutual assim ilation into a greater entity. and others53. however unpolitical it m ay remain. and while they could have mutual understanding and sym pathy for each other.. L ith ua­ nia. an o rigin al beh av io u ral ste re o ty p e and a p articu lar trad itio n o f in ter­ actio n s w ith its n eig h b o u rin g superetnosy. is not G um ilev’s indefi­ nite sense of the boundaries of Eurasia but his understanding of the place of upper-level superetnosy in it. T he m ost striking contrast with Trubetskoi. 52 Gumilev and Ivanov. T h e state b o u n d arie s o f the U S S R co n tain . Karels. and however im portant this political unity may be. political unity. Islamic. Byzantine (G eorgians. made it eminently clear that this was not the case with his superetnosy. he never felt the need to indicate the boundaries m arking out the geographical region that this entity covered. which .was by its very defi­ nition non-political. These groups were all highly differentiated. the civilizational and cultural-his- torical unity of Eurasia w as tightly congruent with the geopolitical unity of its far- flung spaces.. “ K azan T atars”. Many. Rather than a single cohesive obshcbnost'. political entity. Gumilev. each o f w h ich o c c u ­ p ies fo r the m o st p art its ow n ec o lo g ic al niche o r eth n o -lan d scap e z o n e and has its ow n u n i­ qu e h istorical fate. E u rasian V isions o f Ru ssian N a t i o n h o o d in Space 59 vision. etc). A nd quite unlike the classical Eurasians. is and has always been s. in turn w as com prised of G reat R ussians. T o m ain tain th at a sin gle superetnos (o r even m ore a m eta-etn o s) has already fo rm ed on the territo ry o f o u r co u n try is to co n fu se b o th the scien tific c o m m u n ity and a lso th o se o fficials re sp o n sib le fo r tak in g d ec isio n s reg ard in g n ation alities policy. as a m in im u m .e. . U dm urty.

that produced the nuanced differences in valorisation and em phasis within a com m on structure that we have identified. G eorgia and the trans-C aucasus. accordingly. political context was unquestionably im portant. it had to interpret what we might call the “ deep structure” of Eurasian nationhood . Turkestan. I would suggest. Crim ea. the doctrine alw ays had to deal in som e w ay with the circum stances of its immediate situation. relate directly to differences in their respective political-historical contexts and the corresponding agendas of their respective authors. M ore precisely. The differences be­ tween these two Eurasian visions. and even to som e extent the R ussian Far East. In stark contrast to the political transform ations just noted. Their first prior­ ity. Very much to the contrary. In the final part of this essay. In the im m edi­ ate post-revolutionary period. I w ould suggest. was am ong other things a part of . Their prioritization of the upper level.in a manner that w as meaningful and effective in terms of the contem po­ rary realities that confronted it. Eurasianism was an attem pt to explain a particular post-im perial condition noted at the outset of this essay. A t the same time. and their insistence that Eurasian civilization in toto repre­ sented a single cohesive and indivisible entity. and its enduring and per­ vasive character is clearly dem onstrated in the rem arkable sim ilarities between two very different form ulations that we have already traced. the destruction of the ändert regime was geopolitical. and military apparatus that had developed over the centuries for the purposes of imperial dom ination and rule. who em phatically rejected the R ussocentric chauvinism o f traditional imperial culture and sought to restructure relations am ong the nationalities of the form er empire on a different and more sensitive basis. T his is not to say that the doctrines of Eurasianism were in all cases merely instrumental responses to the external realities of their histori­ cal periods and the particular imperatives perceived by its form ulators. large swathes of the borderlands of the old empire broke away: Ukraine. the Baltic states. A cross all of its various elaborations. we m ight consider why this was the case.the notion of m ulti-layered verti- cality . and took the form of territorial fragm entation of the old imperial state. the Eurasians were horrified by this breakup of R u ssia’s traditional imperial spaces and resolutely opposed it. was to recover R u ssia’s lost territorial unity. A t the same time. It was this latter challenge. Classical Eurasianism took shape as a reaction to the destruction of imperial R ussia through war and the revolution o f 1917. All of these changes were broadly w el­ com ed by the Eurasians. however. responses which m utated capriciously over time as these realities and im peratives changed. however. ad­ ministrative. It is im portant to realize that the “ destruction” in this case was tw o-dim ensional. O n the one hand it involved a political dim ension: the overthrow of the m onarchy and of the bureaucratic.60 M a r k Bassin The Politics of Eurasianism Thus we can appreciate that although Trubetskoi and G um ilev shared an essen­ tially identical perspective on the structure of Eurasian nationhood. they nonethe­ less valorized it in different w ays and prioritized very different aspects.

F ro m T o talitarian D ic ta to rsh ip to P o st-S ta lin ist Society . The challenge to it in the 1960s and 1970s was not geopolitical frag­ m entation and dissolution. “ we m ust acknow ledge the tradi­ tional boundaries” that m ark out each Soviet citizen’s com m onality “ with [their] own respective ethnic com munity. who em braced the spirit of sliianie and used the term itself in a positive sense. Thompson. E u rasian V isions o f R u ss ia n N a t i o n h o o d in Space 61 their argum ent for reassem bling Rossiia . 55 Grey Hodnett. So v etsk ii n arod: n ovaia in te rn atsio n al’naia o b sh c h n o st’ liudei. H is entire theory of etnos was founded on the countervailing assum p­ tion of the absolute distinctiveness and existential non-com binability of these eth­ nic units. Iu. P. Gumilev. 58 Gumilev. 2 -3 . In distinct contrast to Trubetskoi. 56 S. 7 6 -7 7 . E tn ic h e sk ie p r o tse ssy 54. Isto r ik o -filo so fsk ie tru d y 36. but rather som ething very different. Peter Rutland. trans. So v etsk ii N a r o d (1987). Salvation could com e only from respecting and supporting the mozaichyiost’ or diversity that was naturally characteristic for ethnicity everywhere and repre­ sented the “ optim al form for human existence”59. “ M ore than anything else. the Eurasians denied the em pire in order to rescue it. S o v e tsk ii n arod : n o v aia isto rich e sk a ia o b sh c h n o st’ hudei (M o sc o w 1975).edi- naia i nedelim aia back into a single geopolitical entity. Kaltakhchian. Isto r ik o . Cheboksarov. understood this project as a fatal challenge to the indi­ viduality and integrity of the country’s num erous national groups.an all-subsum ing sovetskii narod or Soviet nation that would absorb and replace all constituent peoples56. In the final analysis. and reacted strongly against it. S. Gerhard Simon. and clearly understand the lines that separate” each of these com m unities “ from all oth ers”58. G um ilev’s Soviet U nion. From N ikita K hrushchev’s initial post-Stalinist reform s dow n to perestroika of the 1980s. . 59 Gumilev. Gumilev. N. it was pre­ cisely this diversity which throughout history has provided the “ plasticity en- 54 Riasanovsky. T h e N a tio n a lity P ro b le m and the S o v ie t State. ‘ la. W h at’s in a N a tio n ? in: P ro b lem s o f C o m m u n ism 16:5 (1967) 2 -1 5 . ‘ M en ia n az y v aiu t ev raziitsem . as N icholas R iasanovsky has observed.filo so fsk ie tru d y 4 9 -5 0 . So v etsk ii narod. Gumilev. Kim. 293. in: T h e State In S o c ialist S o ­ ciety. E z h e g o d n ik 6 (1976): 15-41. ’ 141. M e taetn ich esk ie o b sh ch n o sti. T h e P olitical U s e s o f D o c trin e in the So v ie t U n io n (B o u ld e r 1989) 71. . ru ssk ii c h e lo v e k ’ 257. T he goal was the eventual creation of a single national. ed. in: B oP sh aia S o v etsk a ia E n tsik lo p e d iia (M o sc o w 1976) 25. although it m ust be stressed once again that their vision for what the reassem bled entity w ould look like were distinctly post-im perial54. for G um ilev it was an absolute anathema57. N a tio n a lism and P o licy to w ard the N a tio n a litie s in the Sov iet U n io n . T h e E m ergen ce o f E u rasian ism . S o tsio lo g ic h e sk ii o ch erk (F ru n z e 1973). “ m eta-ethnic” entity for the entire country . I. Id e o lo g y an d P olicy . here 158-159. In this sense. Bruk and N. Terry L. along with many others. offi­ cial nationalities policy in the U S S R vocally endorsed the principles o f mutual assim ilation (sblizenie) and even am algam ation or fusion (sliianie) of the various Soviet nationalities55. Iu. . 57 Gumilev and Ivanov. Neil Harding (A lb a n y 1984) 150-178. VeingoTd. 2 5 4 -2 5 5 .” he wrote. M. K aren F o r ste r and O sw a ld F o rste r (B o u ld e r 1991) 225.more accurately R ossiia-E v m ziia . in: R a sy i N a ro d y . T. by contrast. was a pow erfully integrated political-ter- ritorial entity.

and he was explicit in his identification o f it with a single Rossiiskii superetnosh~.” This redesignation of R ussia- Flurasia as a single superethnic entity involved som e adjustm ents o f his scheme: 60 Lev Nikolaevich Gumilev. he was now willing to use and even endorse the concept sovetskii narod. H ere he explicitly equated his superetnos concept with T rubetskoi’s concep­ tion of the upper level of Eurasian civilization in toto as a single m nogonarodnaia lichnost’. it was in his lengthy introduction to the T rubetskoi col­ lection mentioned above that these points are made m ost consistently and force­ fully. W hy should we try to squeeze the behavior of an A bkhazian and a C hukchi. O n this basis. This was m arked by a subtle but funda­ mental shift in his use of the superetnos concept. Tow ards the end of perestroika. A ppropriately enough. and especially for the brief period he lived after the actual collapse of the U S S R in 1991. w hich in ad d itio n to id en tify in g the Sovetskii Narod in to to as a sin gle superetnos also refers to the “ m an y d ifferen t superetnosy ” o f the R u ssian F ar E a st. for offer conclusive evidence of the sensitivity of Eurasianism to the im ­ mediate political context. A s peres­ troika progressed.. G um ilev explained. he now also began to refer to the U S S R in its entirety as a single superetnos. Isto r ik o -filo so fsk ie tru d y 4 9 -5 0 . an Lithuanian and a M oldavian into a single m od el?” W hy indeed seek to create on planet Earth “ a single etnos” and a “ giant com m unal apartm ent” ? G um ilev’s relative em phasis on the lower level of his ethnic hierarchy reflects his overall rejection of the official project of sliianie. These nuanced changes are of great relevance to our topic.. today the U S S R together with M ongolian P eople’s Republic. here 159. th u s b ark en in g b ac k to its earlier m eanin g. “ F o r our cou n try” . “ There are no good reasons for advocating a policy of assim ilation and fu sio n . ru ssk ii c h e lo v e k ’ 256. G um ilev began to change his position on these issues. ru ssk ii c h e lo v e k ’ 297. H is refusal to identify the U S S R in toto with a single superetnos can be understood in term s of his emphatic rejection of the notion of the “ Soviet p eop le” as a meta-etnos. E tn o g en e z : p riro d n y i p ro tse ss. which encom passes the en­ tire physical-geographical region o f the continent. G um ilev directly objected to the prem ises of official nationality policy. the dram atic growth of inter-ethnic hostilities across the Soviet U nion and the ensuing fragm entation of the country along ethno-national lines. Gumilev. however. “ this is R u ssia-Eurasia. P is’m o v rad ak tsiiu ‘ V o p ro so v filo so fii’. in: P rir o d a 2 (1971) 8 0 -8 2 here 82. in: V o p ro sy F ilo so fii 5 (1989) 1 5 7 -1 6 0. While continuing to m aintain the existence of num erous superetnosy in the Soviet U nion. a “ collective superethnic con­ cep t” (sobiratel’noe superetnicbeskoe poniatie)M. These circum stances naturally in­ duced G um ilev to em phasize all the m ore strongly the prim ordial and inviolable unity of the existing state and it peoples. . 61 Gumilev. ‘ la.62 M a r k Bassin abling H om o Sapiens to survive as a species on the planet E arth ”60. Gumilev. Gumilev. which earlier he had shunned. T h e d iscrep an cies b etw een G u m ile v ’s origin al and new u se o f the term superetnos are eviden t in this p assag e. the terrifying prospect of the wholesale geopolitical fragm en­ tation of the country becam e ever-more real. 62 L. In the face of the accelerating influence of the G o rb a­ chev reform s. ‘ la. the political unity of the Soviet state increasingly appeared uncertain. N.. M oreover.

the m ost im portant dynam ic in his system was not multi-national cohesion but rather the articulation and defence of the integrity o f individual ethnic units.had com e to resem ble those of the post-revolutionary period. Gum ilev was so concerned to stress the inviolable unity of this entity as a whole that he even sacrificed the principle of ethnic individuality in favor of sliianie. there was a parity and balance between these two levels.i. Trubetskoi attempted to theorize a basis for the recreation of the geopolitical unity of R u ssia’s political space that had been shattered in the revo- 63 Gumilev. The essay argues that this difference in em ­ phasis was related to the differing political contexts and im peratives in which each theorist worked. any territorial question can be decided only on the basis of Eurasian unity. Sum m ary This essay is a study of the views of etnos and nationality in the writings o f two im portant theoreticians of Eurasianism : N ikolai Trubetskoi and Lev Gumilev. The lower level was the ethnic group proper. The quality of positive com plem entarity. which he now for the first (and only) time used in a positive sense. G um ilev adopted T rubetskoi’s hierarchy. N o w all Soviet qua Eurasian peoples are connected to each other by “ qualities of inner spiritual sim ilarity (rodstvo). Isto r ik o -filo so fsk ie tru d y 34. the geopolitical breakup of the traditional spaces of Russian gosudarstvennost’ . the tw o form ulations of Eurasian doctrine now came into full harmony. and an often-dem onstrated mutual sym pathy or com plem ent­ arity”63.e. while the upper level was a sort o f supra-national agglom eration of ethnic units. as with the classical Eurasians. the Eurasian peoples (narody) long ago merged (slity) into a ‘rainbow ’ [in the form ] of a single superethnic totality. H e com plicated Trubet­ sk o i’s scheme by adding “ sub-etn os” as a lower third level. In principle. Accordingly. a single Eurasian superetnos was the bearer of a unitary political identity. is distributed uni­ versally am ong them. E u ra sia n V isions o f R u ss ia n N a t i o n h o o d m Space 63 the form er constituent superetnosy are dem oted down to the next low er level on his ethnic hierarchy. Consequently. and G um ilev now refers to them as “ p eop les” or “ nation s” (narody).”64 The external political realities of the early 1990s . “ A s a state structure as well as a spiritual cul­ ture. A nd finally. 53. form ally identifying the two levels as “ etn os” and “ super-etnos” . and in this context. moreover. which however in som e w ays was itself a quasi-etnos. 64 Ib id . but in fact Trubetskoi focused prim arily on the upper level and clearly believed that individual ethnic groups had to subordinate themselves within the larger grouping. Indeed. an essential p sych ologi­ cal similarity. . Trubetskoi proposed a hierarchy o f ethno-national identification consisting of two levels. but his m ost im portant m odification was to shift his prim ary em phasis from the upper level onto the level of the ethnic group or nationality.

.64 M a r k Bassin lution and civil war. while Gum ilev was reacting against the inclination of the post-Stalinist state to trivialize or deny ethnic differences in the attempt to create a new supra-ethnic Sovetskii N aro d or Soviet people.

n ou s av o n s l’air d e n o m ad es. T o u t le m on d e n ’ a-t-il p as un p ied cn P a ir? O n d irait to u t le m on d e en v o y age .. san s p asse et san s avenir. [ . car ils son t p lu s attach es ä leu rs d eserts qu e n ou s a n o u s cites. rien q u i atta­ che. rien q u i reste: to u t s ’en va. sind die A rgum ente. D ieses D iktum gehört sicherlich zu den m eistdiskutierten russischen Selbstcharakterisierungen. P o in t m em e de fo y e r d o m e stiq u e . P oin t de sp h ere d eterm in ec p o u r person n n e. mit denen C aadaev sein Urteil m otiviert. Susi K.. In seinem ersten philosophischen Brief charakteri­ sierte P etr C aa d a ev R ussland als „Leerstelle“ („lacune“ /„p ro b e l“ ) im Kontext der die „W eltgeschichte“ m itbestim m enden anderen N ationen. territorialen Bezuges. p lu s n o m ad es q u e ceux q u i paissen t d an s nos ste p p es. d an s n o s villes. n o u s av o n s l ’air d ’etran g ers. rien qui du re. Frank „Wandern“ als nationale Praxis des „mastering space“ Die Entwicklung des semantischen Feldes um „ 6 p 0 flH 5 K H H H e c T B 0 “ und „ C T p a H H H H e c T B o “ zwischen 1836 und 1918 1. der K onstruktion einer ne­ gativen oder N icht-Identität. Was bisher allerdings weniger beachtet wurde. p o in t d e regle p o u r au cu n e ch ose. D a n s n os m aiso n s. Selbstentfremdung der russischen Kultur mit H ilfe des M otivs des N om adisierens D ie Geschichte der nationalhistorischen Selbstdeutungen beginnt in R ussland be­ kanntlich mit der N egation nationaler Identität bzw. [ . vos affec tio n s. Für die weitere Entw icklung des russischen natio­ nalen D iskurses scheinen gerade sie jedoch ganz zentral.. Caadaev konstruiert den N icht-C harakter der russischen K ultur nämlich mit Plilfe von Attributen der U nbestim m theit und U ngefestigtheit des räumlichen bzw.. die im zeitgenössischen europäischen (inklusive russi­ schen) kulturologischen D iskurs in der D arstellung der nom adischen Kulturen als der europäischen Kultur entgegengesetzte und zivilisatorisch untergeordnete an­ gewendet wurden. „ R e g a r d e z au to u r de v o u s. au m ilieu d ’ un calm e plat.] L e veritab le d ev c lo p p em c n t de l’etre h u m ain dan s la so ciete n ’a p a s co m m en ce p o u r un . p o in t de b o n n es h abitu d es p o u r rien. to u t s ’ecou le san s laisser de trace ni au d eh o rs ni en vo u s. rien qu i reveille v o s sy m p ath ie s.] N o u s ne viv o n s q u e d an s le presen t le p lu s etroit.

w ed er außen noch in euch. w as u n sere Sy m p ath ie [ ..66 Susi K . blieben die nomadischen immer unzuverlässlich („ve- 1 D ie ru ssisch e Ü b e rse tz u n g d es E rste n p h ilo so p h isch e n B riefes v o n C a a d a e v fin d et sich in d erselb en A u sg a b e au f den Seiten 32 0 -3 3 9 .xy>Ke KO'ieBHiiKOß“]. n o u s faiso n s lacune d an s l’or- dre m tellectu el.] C ’est lä en corc la ferm e n ­ tation ch ao tiq u e d es ch o ses du m o n d e m o ral [ . 1 5 0 0 -1 800 (B lo o m in g to n [u ...: .] E in e echte E n tw ick lu n g des so z iale n m enschlich en W esens in d er G e se llsc h aft kann fü r d as V olk nicht begin n en . in m it­ ten einer flachen S tagn atio n [ru ss.: .] erw eck t. p lu s facile [ ..Ö0Jiee npHBHsaubi k cbohm nycTbiHHM1] als w ir an u nsere Städte. der die G egenüberstellung der sess­ haften und der nomadischen Lebensform mit .. nichts D a u e rh afte s..: . 3 V gl.OTOpiiaiiHOCTb‘] u n seres so z ialen D a se in s zu w u n d ern . nichts w as bin d et...] es gibt keine R egeln u n d so g a r keinen h äu slich en H e rd .] q u o i q u e l’on disc. F r an k p eu p le tant qu e la vie n ’est pas d even u e p lu s reglee.. R u ss ia ’s ste p p e frontier.] L c s p eu p lcs so n t to u t au tan t d es etrcs m o- raux qu e le indtvidus...: . D ie E n t­ z a u b e ru n g A sien s.cpefln iwioCKoro 3 acT o a‘] [ . 9.. Jahrhundert genauso zahlreich wie in westlichen C harakterisierungen nom a­ discher Kulturen2..] L e s p eu p lcs de l’E u ro p e on t une p h y sio n o m ic co m m u n e [. den n so g a r die sin d m ehr an ihre W ü sten g eb u n d en [russ. N ie m a n d hat ein b estim m tes B e tätig u n g sfe ld .] V ö lk er sin d m oralisch e W esen genau w ie P ersö n lich k eiten . Michael Khodarkovsky.] 2002) 186. Jürgen Osterhammel . s o ­ lange d as L e b en nicht g e o rd n e te r u n d b e stim m ter w ird [ ... T h e m ak in g o f a co lo n ial em pire. [ . K al­ m yken und Baskiren als „w ilde. alles ist in B ew egu n g. [ . [ . Im 18.. nichts F estes.. ohne S p u ren zu h in terlassen .. Ja h rh u n d e rt (M ü n ch en 1998) in sb eso n d ere K ap . L e ttres. aufrührerische und illoyale V ölker“ bezeichnet und alle nomadischen V ölker als „Steppenw ind“ . E u ro p a u n d die asiatisch en R eich e im 18.. [ .: . L e ttre prem iere 9 0 -9 5 ) „Ste h t etw a irgen d etw as fe st/sta b il [ru ss. In un seren H äu se rn sin d w ir [w ie Sold aten ] ein q u artiert..] B ish e r ist d as alles nur ein c h a o ­ tisch es V agab u n d ieren von G e g e n stän d e n der m oralisch en W elt [ru ss. [ .. diese se ltsam e A b g e tre n n th e it/E n tw u rz e lth e it [ru ss. dem nur durch die „stabile Säule“ des russischen Im perium s Einhalt geboten w er­ den könnte und m üsste3.] W ir leben nur in einer äu ß erst b egren zten G eg en w art ohne V ergan gen heit [G esch ich te] u n d oh n e Z u k u n ft....] N o u s av o n s je ne sais q u o i dan s le sa n g qui rep o u sse to u t v eritab le p ro g re s [ . m ich ü b er d iese L eere.. Jahrhundert wurden die benachbarten nom adisierenden Kazachen..“ (Caadaev.n p o iiHo‘ ]? M an kann sag en .] D ie V ö lk er E u r o p a s haben ein g em ein sam es G esich t [ .a .“ 1 Vergleichbare Charakterisierungen finden sich in russischen D arstellungen der nomadischen Steppenvölker in Randgebieten des R ussischen Reiches aus dem 18.sicheren“ R ückschlüssen auf den Volkscharakter kom biniert: W ährend unter den sesshaften V ölkern Frieden und Ruhe herrsche („tisina“ ).] in den Städten ähneln w ir N o m a d e n . . 2 Z u m eu ro p äisch en N o m a d e n d isk u r s der A u fk lä ru n g vgl. ungezähm te Pferde“ oder „w ilde. Je nc su is p u is m e lasser d ’ad m irc r ce vide ct cette so litu d e eto n n an te de n otre existen ce so c iale . In seinem Buch „Tam ing the Wild Field “ zitiert Willard Sunderland ein D o k u ­ ment des O renburger G ouverneurs von 1763.] U n d w as sehen Sie bei u n s? [ .. Ich h öre nicht au f. die ihre H erd en au f u n seren Step p en w eid en . alles v ersch w in d et. alles fließt. w ir sin d sch lim m e r als N o m a d e n [ru ss.xaoTHHecKoe öpo>KeHne‘] [ .] Q u ’a v e z -v o u s ä m cttre ä la place de cela chez n o u s? [ .] w ir stellen eine L ü c k e in der intellektuellen O rd n u n g dar..... U n te rk a p ite l 7: „ T h e o rie d es N o m a d e n tu m “ 2 6 4 -2 6 7 .: ..

h. die ihren U rsprung aber im Christentum hat und seit dem 15. A uch eine für den Verlauf der Geschichte entscheidende Schwäche w urde den N om aden im 18. 69. Jahrhunderts parallel in zwei Richtungen weiterentwickelt wird: einmal in einer staatshistorischen R ich­ tung. dass dieses A rgum ent im rus­ sischen kulturphilosophischen D iskurs des späteren 19. des „m astering space“ erscheinen und als Kernm om ent der rus­ sischen Geschichte zu einem positiven. nationalen M erkm al der russischen Kultur werden. die an Caadaev anknüpft und die russische K ultur als vom Raum be­ herrschte. ebd. 4 V gl. indem er sie als nom adische beschreibt und so den aus w esteuropäischer Perspektive „anderen“ . von den A u to re n d es E u rasia n ism u s a u f die ru ssisch e K u ltu r u n d P o litik ü b ertrag en u n d d o r t als V or­ z u g au sg eleg t w u rd e. die in der Lage seien. volkshistorisch und staatskritisch orientierten Richtung. Aneignung des Umherziehens als nationale Raum praxis der russischen Kultur Zentral für den weiteren Verlauf der historischen und kulturphilosophischcn Selbstdeutungen der russischen K ultur scheint nun.N om ad isieren s‘ oder H erum w anderns als zentrale nationale Form der Raum aneignung und R au m be­ herrschung bzw. wörtlich „w indig“ ) und unregierbar („zakonam ne podcineny“ . der russi­ schen Gebiete . . Ja h rh u n d e rt. charakterlos und vom Raum bestim m t. Wie diese er­ scheint die russische K ultur als unbestim m t. 5 V gl. Jah rh un­ dert Eingang in die russische K ultur gefunden hatte: das „strannicestvo“ .hätten sich als wenig nachhaltig erwiesen. C aadaev kritisiert die russische Kultur. N e w Y o rk 2004) 62. raum determiniert im G egensatz zu den w esteuropäischen Kulturen. d ie später. E in e Sch w äch e. T am in g the W ild F ield . so dass Form en des . im frü h en 20.„nicht den Gesetzen untergeben“ )4. U nd genau hier wird es radikal gewendet.d. erscheint als V oraussetzung der weiteren Ü bertragung des M otivs des N om adischen auf die russische N ationalgeschichte eine kulturelle R aum praxis entscheidend. 2. C o lo n iz a tio n and E m p ire o n the R u ssian S tep p e (Ith aca. Sunderland. und zum anderen in einer genau ent­ gegengesetzten. die man ebenfalls als Form des N om adisierens betrach­ ten kann. so dass die L eben sfor­ men und die G esetze der R ussen auch unter ihrem „Jo ch “ und danach weitgehend unverändert bleiben konnten5. instabil. zivilisatorisch untergeordneten nom adischen Kulturen gleichsetzt. ihrerseits den R aum nachhaltig zu gestalten und dadurch Geschichte zu machen. Willard Sunderland. den räum lich-territorialen Konditionen unterw orfene den w esteuro­ päischen Kulturen kritisch gegenüberstellt. östlich-orientalischen. W ährend in C aadaevs A rgum entation die Identifikation mit dem kulturell A n ­ deren den A usschlag gibt. „W an d er n “ als nationale Praxis des „m a sterin g s p a c e “ 67 treny“ . Jahrhundert zugeschrieben: ihre Eroberungen .

in: T h e R u ssian R eview 64 (Jan u ar 2005) 47.be­ käm pft8. erscheint „strannicestvo“ ursprünglich weniger als Form der Raum beherrschung. Sie zogen obdachlos umher. auch Roland Cvetkovski. Z u r trad ition ellen W ertsch ätzu n g d es H a u se s g eg en ­ ü b er d em u n g esch ü tzten u n d b e d ro h lich en W eg in d er ru ssisch en K u ltu r. d. V gl. eine allgemein christliche Form asketischen Lebens. so w ie Michel Evdokimov. geschütztes Zuhause. Flüchtlinge) bezeichnet wurden. Jahrhundert begründete der flüchtige altgläubige Bauernsoldat Evfimij (1743—92) eine neue Sektenzelle. „ D ie p ilg ern d e u n d w an d ern d e R u s ’ “ .M .von Peter I. Jahrhunderts auftauchen. von G renzen durchzogenen Räum en der irdischen Welt Entziehen.) C o n ­ testin g the sacred. bis zur Epoche des Stalinism us . A u g u stin u s’ R ed e von d er „w an d ern d en K irc h e “ in sein em B u ch „ D e civitate D e i“ . R au m und M o b ilitä t im Z aren reich (F ra n k fu rt.me so große Verbreitung fand7. d azu Irina Paert. Sym ptom atisch hierfür erscheint zunächst. d az u Igor’ Pavlovic Smirnov. John Ende. M illen arian ism and the W anderers in Soviet R u ssia. 8 V gl. nämlich von A ugustinus in „D e civitate D e i“ 5 und dann von Franz von A ssisi. in: Igor’ Pavlovic Smirnov. die er „stranniki“ nannte. M o d e rn isieru n g d u rch B e sch leu n ig u n g . W ährend dieses W anderertum in der w est­ europäisch lateinischen Tradition aber zum einen schon sehr früh. A ls Raum praxis betrachtet.Raum flucht“. Michael Sallnow (H rsg . Gerade mit H ilfe des „strannicestvo“ wurde die von Caadaev dargestellte nom adische Spezifik des R aum bezugs der 6 V gl. 7 Z u m ch ristlich en W an derertu m allgem ein vgl. abgeleitet von „strannik“ . bei der man auf ein sicheres. . und die in der Folge auch als „begun y“ (Entflohene. als ein sich den geordneten. Die „stranniki“ legten jede institutionalisierte Form irdischer Existenz ab: ihren N a ­ men. 1990) 2 8 3 -2 9 1 . dem Zensus und dem M ilitär und lehnten jede Form von identifizierenden D o k u ­ menten ab9. P rep arin g G o d ’s H arv e st: M ak sim Z ale ssk ii. entzo­ gen sich der Registrierung durch die staatliche A dm inistration und dem Fiskus.h. N e w Y o rk 2006). welche allesamt den E n t­ w urf einer N ationalgeschichte zum Ziel haben. um schon in dieser Welt das jen seits als einziges echtes Zuhause zu erfahren. sondern viel­ mehr als . Jahrhunderts um gedeutet in eine nationale Strategie des R aum bezugs und der Raum bew ältigung. ihr Zuhause. einen festen Platz in dieser Welt verzichtet. ihre Fam ilienzugehörigkeit. w obei die religiöse Bedeutung zu ­ nehmend hinter einer profanen. des „m astering space“ . Frank D abei handelt es sich um ein religiös motiviertes W anderertum („stran ni­ cestvo“ . in: Andrej Sinjavskij.68 Susi K. G an z im G egensatz zu dieser ursprünglichen. Iw an der D u m m e (F ran k fu rt a . w urde das strannicestvo in Russland nie von Seiten der orthodoxen Kirche institutionalisiert und von Seiten des Staates immer wieder . F ilo- so fsk ie o cerk i p o so c io k u l’tu rn o j n acin atel’n o sti (San k t P eterb u rg 2006) 2 3 7 -2 5 0 . Im 18. V aga­ b u n d en und M y stik e r (S a lz b u rg 1990). H o m o in via. R u ssisc h e Pilger. dass die Begriffe „strannik" und „strannicestvo“ signifikant häufig in D arstellungen der russischen Geschichte des späteren 19.im G egensatz zum zielgerich­ teten Pilgertum . propagiert und auch kirchlich anerkannt w urde und zum anderen . T h e a n th ro p o lo g y o f C h ristia n p ilg rim ag e (L o n d o n . N e w Y o rk 1991). auch Andrej Sinjavskij. rein auf den R aum bezug und die R aum praxis be­ zogenen nationalen Bedeutung zurücktritt. der „W anderer“ ). G e n e z is. vgl. 9 V gl. religiösen Bedeutung w urde das „strannicestvo“ jedoch in der russischen G eschichtsschreibung des späteren 19.

d ü nn besied elte L an d du rch d iese P raxis des F o rtge h en s au sg eb e u tet. H a p o f lO H a c e jie m ie B c e 6 o j i e e h ßo.. „ W a n d e r n “ als nationale Praxis des „m asterin g s p a c e “ 69 russischen K ultur als genuin russische R aum praxis nationalisiert. D a s erste M ittel d az u w ar d as „F ortgeh en ' und d as V erstecken. stets alles m it sich fo rt zu nehm en.N achfolger' Caadaevs in H inblick auf die Kritik russischer räum ­ licher Bewegtheit kann der bedeutende Staatshistoriker der zweiten H älfte des 19.stra n n ic e stv o 1). das G efah re n und die U n g e w issh e it d er Z u k u n ft m it sich brachte. A b er tro tz d er Ä rm lich k e it und B esch eid en h eit d er W irtschaft d es alten ru ssisch en M en sch en und der M ö g lic h k eit. dass diese Lebensform die A usbildung einer festen. noKHuyTue p o H H b t x M e e r .nee pacn jibiB a. ü berall w ar P latz. Kritik des „ W anderns“ als fortschrittshem m ende russische R aum praxis A ls wichtiger . der in seiner „G eschichte R usslands von den A nfängen an“ (Istorija R ossii s drevnejsich vremen. D ies lässt sich sow ohl in kritischen Darstellungen beobachten wie auch in solchen. d as V erlassen der heim atlich en O rte . ne hjih Beex B 0 3 M 0 >KH0 . n e c M o x p « na CKyflocxb xo3HHCTBa « p e B n e r o p y ccK oro HejioBCKa. aber arm en und öd en Staat w ird zu einer H a u p tb e sc h ä ftig u n g d er R egieru n g : einer läu ft d avon . 1851-1879) im m er wieder den B egriff des „strannicestvo“ kritisch für die profane Praxis des Ortsw echselns verwendet: „D ie Ja g d nach d em M en schen . rocnoflCTßyiOLUHM >KejiaiiHeM Gbuio o x ö b ix b bo h to 6bi t o hh cxa.O s t . M an w ird leicht verstehen.E u r o p a und dan n nach A sien .1. Jahrhunderts.. n a B 0 3 M 0 >KH 0 C T b j i e r i c o i a ö p a x b B c e c c o ö o to . riepBbiM cpencTBOM 6b u i yxofl.] . d a ss d as F o lg e n h aben m u sste. sie an einen O r t zu bin d en . yftxH ß buio jierKO . Jah rh u n d e rts z u sa m m e n ­ getragen .“ (Solov’ev. W enn die R e g ie ru n g M en sch en nach jagte und b em ü h t war. erpaiiiinw ecK aH >KH3 H b . W ege 169-181.“ „ E c jih npaBHTejibCTBo roHHJiocb 3a n e jio B e K O M h exapa. d as W an­ d erleb en (. w ar d as F o rtg e h en .m an m u ss ihn fangen u nd an einen O r t bin d en . B d. 1) Praktisch mit dem selben Vokabular. t o y H ejioßeKa.noeb n piiK pem rrb e r o k oflHOMy M ecry. n. H o . so w u rd e d as H a u p tb e stre b e n der M enschen [ . p ro d u z ie r t u n d zahlt. A b g ab e n zu leisten und ihr in g ro ß er V erant­ w o rtlich k e it zu dienen. U n d so breitete sich die B e v ö lk e ru n g im m er m ehr au s. gelten. die das wan- dernd-nom adisierende M om ent als positives Kernm om ent russischer N ationalge­ schichte. K ap . coripa>KeHHaH c oiiacnocrsiM H .riaxnxb rioflaxif h cnyacHXb 6e3B03Me3flHbie cjiyacßbi. fü r viele M en sch en ziem lich m ü h sa m . z u n ä ch st ü b er N o r d .neHHaa e x p a n a iiocx oh h h o n c x o m a jia c b o x a x o r o y x o «a . p a3 o p ae M o ro noflaTHMH h cjiyjKßaMH.verhin­ 10 In sein em B u ch „ R u ssisc h e W ege“ (2007) hat Felix P h ilip p In gold eine g an ze M en ge in te­ ressan ter u n d w ich tiger Texte aus der ru ssisch e n L ite ratu r des 19. ho coripfl>KeHHfaie c T H x e jio io oxB ex c x B en n o cx m o . und so w u rd e d as arm e. i i t o 6 3acxaß n xb. stellt Solov’ev die Form en russischen Wanderns dar und kriti­ siert.w orun­ ter er auch soziale D ifferenzierung und einen Eigentum sbegriff versteht . V gl. u m sie zu zw in g en .xocb n o C e B e p o -B o c x o q u o fi E ß p o n e h n o T O M n o C eB ep n o ii A 3h h. d am it er arbeitet. bciomv n p o c x o p . yxofl. Sergej S o lo v ’ev. Ingold. . Isto rija .Bce a r o flJia M H o r u x M orjio 6 b iT b xsoKeno.TO o t noflaxeii h cjryjKÖ. mit dem Caadaev das Wesen der russischen K ultur schilderte. als russische nationale Strategie des „m astering space“ au ffassen10. i i e n 3 B e c x n o c x b ß yflym ero . F o rt zu gehen w ar leicht. den A b g ab e n und D ie n ste n zu en tkom m en . nach A rb e itsk räften im riesigen . 2. yK pbiaxeü bcxB o. m denen eb en falls genau d iese N a tio n a lisie ru n g des „W an d ern s“ und „ U m h e r z ie ­ h e n s“ v o rg e n o m m en w ird.nonace. 13. stabilen K u ltu r . h 6e3 x o r o Ma.

K ap . als o b die G e se llsc h a ft hier n och in einem ab so lu t flü ssigen Z u stan d w äre. W eiterentwicklung wäre nur durch den Ü bertritt in eine wirklich sesshafte K ultur möglich: „U n d so sehen wir. B c e 3/jecb. deren M itglied e r von einem F ü rsten zu m an deren frei w ech seln .Mi.M pa3BHTim. oß m ecT Bo K ax ßyflxo e m e b /KIUIKOM COCTOilimil.70 Susi K. ripoTeK uiiie o t CM epra flp o cjm ß a I. H HejIb3H npeABHAeTb. eine Lebensform . nepexo. n e iiomi. w ann sich alles festse tz en und A b g re n z u n g e n u n d B e stim m u n ge n h ervortreten w erd en . 11. K orna Hacxyrinx BpeMsi n e p e x o fla H3 n o r o >K(iriK o ro .p o sto - ja n n o e “) nach den ken . v ergan gen sin d . d ass in den 100 Ja h re n . parasitäre Lebensform assoziiert: Vom „strannik“ zum „razb o jn ik “ ist es bei S o lo v ’ev. S tab iles (. Korfla Bce y a m e x c a h naMnyxcfl o n p e fle jie m w . K o . an der S p itz e u n erm ü d lich e F ü rsten -R eck e n .p r o c n o e “. a T y r.N om adisieren' meint Solov’ev die U rsache einer zivilisatori­ schen Zurückgebliebenheit der rassischen K ultur gegenüber dem Westen zu er­ kennen. B KaKOM OTHOIIieHHH IiafinyTCH OÖtHeCTBeHHbie 3JieMeHTbi. . HeMHoro flajiee. D a niemand über etwas „F estes“ („p rocn oe“ ). w ann d er Ü b e rg a n g ein setzen w ird von diesem flü ssigen Z u sta n d in einen festen . A lles hier in der östlich en E b en e en tsp rich t arch aisch en L e b e n sfo rm e n . n e hmcsi CBoero. U n d hier an d er G re n z e gehen die N o m a d e n z u r h a lb n o m a ­ d isch en L e b e n sfo rm über. Hii. bc-ic c nepBOHaliaiibHbiMH c])opMaMH napoflH bix co Sp an n ft 0 e 3 o bchkhx onpefleiiem iH . F rank dere.iib ie c|)op. U n d es ist nicht vorh erseh bar.ii. d ie stän d ig ihr R e g e n tsc h aftsg e b ie t w ech seln . 1) U nd wie in den zitierten Charakteristiken der nomadischen V ölker wird auch mit dem russischen N om adisieren eine räuberische. nur ein Schritt. w ann und w ie hier g e ­ sellsch aftlich e E lem en te au ftau ch en . MJieHbi h x . die seit d em T o d Ja r o sla v I. die in Russland insbesondere im Zusam m enhang mit den Insti­ tutionen der Leibeigenschaft und der K olonisation durch Verbannung Verbrei­ . b n eu e apyaciiH neyTOMiiMbie KHHJbH-öoraxbipH. b c re n n . B d . „D auerh aftes“ („postojan - noe“ ) nachdenke. dem C la n g eh ö ren d es E ige n tu m gibt. D a n n w eiter in d er Ste p p e so g a r rein n o m ad isch e. 13. BHflHeioTC« bokm h tHCTbix KOHeBHHKOB. Isto rija. oT3bißaexcH nepBOÖbiTHbiM MiipoM. iio cto sih h o m . Isto rija. na r p a m m e . K ap . E s g ib t n u r einen Ä lteste n rat in sein er p rim itiv sten F o rm oh ne be so n d ere B e stim m u n ge n . kom cbhhkh riepexoflHT k n o jiy o ce fljio cxn .ie p > K a H b i b iip e n M y m e c T B e n H O CBoe.iiiuo B c e iiep iK in a'ia. die ü berall zu E h ren k o m m en w o llen und ü b er nichts D au erh aftes.n o in eio csi cocxoHHHfl b T B ep ao e. bo c t o Jiex .iiu. H m ym iie bo Bcex crp a H a x liecxb cb o io B3.rrb. verharre die G esellschaft in einem gleichsam „flüssigen Z u ­ stan d“ . ho Bce o ß m ee. wie sich mit zahlreichen Zitaten belegen lässt. So z. Mbi bhjjhm. mto BCJieflCTBue r ip 0A 0Ji>KeHHH i t B H x e m « B c e a n e M e n T b i 3a . bei denen es kein p rivates E ige n tu m . B d .: „ U n s e r bek an n ter P ilger Step an R a z in ! W ie v o llz o g sich denn diese w u n d ersam e V erw an d ­ lu n g v om W an d erer-G o tt-S u ch er z u m R ä u b e rh a u p tm a n n ?“ „ H a u i 3HaKOMbifl ruuiOMHHK C x erian P a3nn! K aK >Ke n p o n 3 o m jio 3 x o liy s e c n o e npeß pa- m en iie H3 CTpaHHfiKa b pa36oÄHHHbfl axaM aim ?“ (Solov’ev.“ „TaKHM oß pasoM . 5) Auch setzt Solov’ev „strannicestvo“ und „brodjaznicestvo“ (Landstreichertum ). c b o a o ö h o nepexoflomwe o t oflHoro khh3h k apyroMy.“ (Solov’ev. und alle sozialen Institutionen würden hier nur in ihrer prim itivsten Form konserviert. Ha BocT oquofi paBiiH ne. Gerade im . p o a o B o e .B . so n de rn nur allgem ein es.ieG . d ass v or allem in F o lg e d er F o r tse tz u n g der B e w e g u n g alles in sein er E n tw ick lu n g au fgeh alten w u rd e und w ir n och im m er u rsp rü n g lich e (prim itive) L e b e n sfo rm e n v o r u n s haben: V aga­ b u n d ieren d e T ru p p s.\i npo*m oM .(5unne H3 OflHOti b o jio c th KHflmiTb b n p y ry to.isisi im o <ie.i: ß poflan iie flpy>KHHbi.

ban d den M en schen m eh r an den O rt.. Solov’ev sieht die nom adisierende Lebensform der Russen. K a p . d er K a m p f zw isch en den B e v ö lk eru n g e n d er beiden F lälften R u ssla n d s. . darin ebenfalls der Einschätzung der N om aden im westlichen N om aden diskurs entsprechend11..] ..im G e g e n sa tz d az u . 3 flecb ABe cjjopMbi rocrioflcxB yiox . flepeBHHHOH Ha BejIllKOÜ BOCXOMHOH paBHHHe 33MeliaeM pa3JlHHHe cjiopM. k o 33k h . resu ltiert d er h is­ to risch e G e g e n sa tz . Indem Solov’ev aber zwei R aum form en bzw.] U n d d er M o sk a u e r Staat fü h rt einen p erm an en ten K a m p f g e­ gen d ie Step p en b ev ö lk eru n g . den n in d er S tep p e b ild et sich eine sp e zie lle B e v ö lk eru n g h erau s.].W aldkultur‘ und einer im Primitiven verharren­ den südrussischen Steppenkultur unterscheiden. g efestigtere T ä tig k e it d es n ördlichen ru ssisch e n M en sch en . hjih cxerif.Jiec h r io jie .. hjih exenb. folglich . die er abwechselnd auch als „R äub er“ und „Landstreicher“ bezeichnet. [ . 6o j i e e 11 V gl. als „parasitär“ und dam it als schäd­ lich ein.. gra­ vierenden Straftatbestand darstellte. A ls wichtigste Träger der letzteren sieht Solov’ev die K osaken. B d . und [ . „ A b e r bei all d iese r offen sich tlich en D iffe re n z zw isch en dem steinernen E u r o p a und dem h ölzern en R u ssla n d fällt d o ch eine D iffe re n z ie ru n g in den L e b e n sfo rm e n au f. c o c ji a ö J i e n n e M K o t e B b i x o p f l 6o p b 6a n e n p e K p a m a e 'r c a .]. n ö o b e x e r m o ß p a jy e x c a o c o ö o r o p ofla H a p o f l o n a c e j i e i n i e . „les“ . die Steppe. E s g ib t hier v. die S te p p e .jie c n o H h C T e n n o H . 1) „ H ie r d om in ieren zw ei [L a n d sc h a ftsjfo rm e n . gleich m äß igere u nd. H 3 rip0 XHB0 n0 . sesshafter Raum praxis als innerrussischen G egensatz definieren und dem entsprechend zwischen einer zivilisatorisch zu ­ kunftsträchtigen nordrussischen . und „p o le“ .“ „ r ip n 3TOM oßm eM . als durch die räumlichen Konditionen bedingt an. Landschaften als gleichermaßen typisch russische unterscheidet. die sich beide im K am p f mitei­ nander befänden.der W ald und d as F eld bzw . ß o p b ö a H a p o flo n a c e jie H H H flByx iiojiob h h Poccmh . B o p b 6a 3e. und schätzt sie.Mbi rocnoflCXByiox . der W ald b egren zte m eh r und d ifferen zierte. ] C x e r i b y c jio ß jiH B a jia h ocxosih h o a x y ö p o fls iH y io . 13. d ie K o ­ saken .TO>KH0 CXii 3THX nßyx c|}opM. Jahrhundert bereits einen juristisch genau definierten. wie die der das kul­ turell Andere repräsentierenden N om aden . D ie Step p e b e d in gte b e stän d ig d iese s u m h erzieh en d e K o sak e n le b e n m it sein en prim itiven F o rm en .. d ie von h isto ­ risch er B e d e u tu n g zu sein scheint. j i e c 6o j i e e o r p a u H H H B a ji. D a h e r rüh rt d ie ruh igere. quasi synonym . d ie Step p e. o n p e / t e ji a . . KOTopoe HMeeT HCxopiiHCCKoe 3 n a te n iie . zu einer solch en E in sc h ä tz u n g d er N o m a d e n als P arasiten der S e ssh aften bei F len ry M ay h ew (W andering T rib es in G en eral. c x e r ib K X [ . zw ei L e b e n sfo rm e n : den W ald und das F eld bzw . H a x o flH u tiix c fl flp yr n o f ljie f l p y r a . den Wald. m achte ihn se ssh a ft [. D e r K a m p f d er an sässig en B e v ö lk e ru n g u n d d es Staates gegen d as K o sa k e n tu m en t­ sp rich t d em natü rlich en G e g e n sa tz von W ald und Step p e [.\icK H X jiio / t e f t . a. Isto rija .] das w an k en d e W esen d es sü d lich en [ . d ieser K a m p f geht m it d er Sch w äch u n g d er n o m ad isch en H o r ­ d en nicht zu E n d e.“ „ 3 flecb flB e c[)op. kann er den G egensatz von nom adisierender vs.] M M o c k o b c k o c r o c y f la p c x B O B e n e x n o c x o a n H y i o 6o p i> 6y c n a p o f l o n a - c e J i e n n e M e x e n e i i .n .jie c h n o jie.“ ( Solov’ev. roeyfla- p c x ß a c K 03a l ie c x ß 0M e c x b o x u o c H x e i i b i i o n pu pofliibix c|)o pM 6o p b 6a jie c H o f t c x o p o u b i c n o jie M . . . 1851) Osterhammel. d es W alds u n d d er Step p e.. die neb en ein an der existieren . [ . „W a n d e r n “ als nation ale Praxis des „ m aster in g s p a c e “ 71 tung fand und im 1 9 . B b ix e K a e x n c x o p H M e c K a a n p 0THB 0ri 0J i 0>KH0C Tb. . 6pocaiom eM csi b r jia 'ja pa3JiHWHH 3ariaflHOH KaMenHOH E ß po n bi o r BOCXOMHOH.. A u s d er G e g en sä tz lich k e it d ieser b eid en F o rm e n . E n tz au b e ru n g 269. p a : j r y j i b i m o K 03a - HKyio >KH3Hb c n ep B O Ö b ix H b iM H c|)opM aM H ..

d eren In te­ ressen denen der G e se llsc h a ft e n tg e g e n g e setz t w aren. cjieflOBa'rejibHO. ciie K osaken als Parasiten erscheinen.Position heraus. JIIOflbMH 6e33eMejlbHbIMH. „Ju r’ev den’“ . lan d lo sen M en sch en . der Zeit der Wirren vor dem Beginn der R e­ gentschaft der R om an ovs. FleKO'ropbie n o jia ra io T rip ii'iiin oio C. KOTopbie p a 3p o 3hiijih cb o h HHTepecbi c H irrepecaM ii oöm ecT B a. nenan e r o 36mckhm. 2) Solov’ev sieht allein in der Sesshaftw erdung die Bedingung zivilisatorischen Fortschritts und heißt daher die A bschaffung des sog.MCKHX jn on efi. oxcioxta u iaxocT b io>Kiioro (Solov’ev. n a c lieT oöin ecT B a. die prim är russophil und antiwestle- . K o ro p b ie xo'rejin >khti. von staats- und m achtkritischen A utoren entwickelt. die „auf K osten der G e ­ sellschaft“ und mit H ilfe der „A rbeit der anderen“ leben wollten: „W ir haben d as R ech t.N om adisieren “ und seine Bedeutung für die Geschichte der russischen K ultur bildete sich in der zweiten H älfte des 19. 8.“ ( Solov’ev.. W ir k ön n en uns d ieser M e in u n g nicht an sch ließ en [ . cflen an n o e FonynoebiM . den [G ru n d JE ig e n tü m e rn . Isto rija. 1) Die ganze Epoche der sog. nämlich positiv. „sm u ta“ .] . obw ohl sie „stranni­ cestvo“ und „b rod jazn icestvo“ ebenfalls gleichsetzte und auch oft die K osaken als wichtigsten Träger dieser Lebensform ansah. B d . D iese Position wurde v.72 Susi K. D ie dam it verbundene Festigung des E igen­ tum sbegriffs signalisiert für S o lo v ’ev einen wichtigen zivilisatorischen Schritt nach vorne. w obei die Vertreter der Steppenkultur.. B d . E in ige m einen. interpretiert Solov’ev als Phase des ausgeprägten K am pfs zwischen den beiden vom Raum geprägten Kulturen. ÖpOflHMHMH JIIOflbMH. v ag ab u n d ieren d en M e n sch en .ua ö o jie e cn oK oftn aa. 11 ß o jie e npoH H aa b cb oh x p e 3 y jib x a ra x flearejibHOCTb c e ß e p n o ro p y ccK o ro MejiOBeKa. C TaK Ha3bIBaeMbIMH K03aKaMH. die staatlich e O rd n u n g fü r ihre fried lich en T ätig k e iten zu u n terstü tze n . „ Umherziehen “ als volkstüm liche R aum praxis . KOTopbiM 6 o jio BbiiOflHO noflflepHcaTb cn oK oiicxB iie. 2 . 6 o p b 6 y 3e. Jahrhunderts auch eine zweite - nicht weniger national orientierte . iiapafl rocyflapcxB etiiibiii fljisi cb oh x Miipiibix 3aHHTHH. F rank yca>KiiBaji He/icmeKa. H o Mbi He mo>kcm c o r a a - ciix b ca c 3THM M HeHHCM . >khti> MyacHMH rpy/jaMH. d as von G o d u n o v v erh än gte V erb ot des [alljäh rlichen ] b äu erlich e n A u sz u g s sei d ie U rsac h e d er W irren gew esen . poß na a it. der die Bindung an die Scholle und som it die Leibeigenschaft zum gesetzm äßigen N orm alzustand bäuerlicher Existenz erklärt hatte. die die wandernde L ebens­ form genau entgegengesetzt. und den so genann ten K o s a k e n . als K a m p f zw isch en d er an sässig e n B e v ö lk e ru n g . K ap .“ „C iu y xiioe BpeMfl mm hmccm npaBO p accM aT p m aT b KaK ö o p b ö y MOKfly oßm ecxBeniibiM h npoTHByoöinecTBeHHbiM a iie M e m m i. 13. von der A rb e it der an d eren leben w ollten . c o 6 c tb c h h h k o b . die Z e it der W irren an zu seh en als K a m p f zw isch en einem g e se ll­ sch aftlich en [g e se llsch aftsb ild e n d e n ] und einem an ti-gesellsch aftlich en E lem en t. K ap . Isto rija. fü r die es von V orteil war. die au f K o ste n d er G e se llsc h aft.Kolonisierung als Leistung des russischen Volkes Parallel zu dieser staatshistorisch und westlerisch orientierten Perspektive auf das russische . oce/yibiM O xcio. an dem die Bauern alljährlich frei ihren Flerrn neu wählen und dam it auch zu neuen Lände­ reien ihrer Wahl ziehen konnten. a. durch Boris G odu n ov gut. bewertete.2 .viyTbi 3 a n p e in eiu ie K p e cx b an c K o ro Bbixoaa. R u h e zu halten.

Jahrhunderts anführen: G rigorij D ani- levskij. U nd praktisch alle Kolonisten erweisen sich ohne A u s­ nahme als Flüchtlinge („beglye“ ) ohne endgültig festen W ohnsitz und dam it als eine A rt von russischen N om aden bzw. Je d e r R u sse fühlt sich d ah er in A rch an g elsk w ie in O d e ssa . D iese Konzeptualisierung des Um herwandcrns als Spezifikum der russischen K ultur hat eine wichtige Q uelle im Werk des deutschen Freiherren von H axth au­ sen. d as D u rch ein an d erle b en d er B e w o h n er R u s s ­ lan d s. sic haben stets k o lo n isiert.]. als leichte A c k erb au ern . In p o litisch er B e zie h u n g ist d as U m h e rz ieh en . wie nach ihm die staatskritischen russischen Autoren. als G ärtn er. z u r allseitigen D u r c h d rin g u n g d er V o lk sm asse. 241) . m öchte ich nun anhand von bislang weniger beachteten staatskritischen A utoren aus der russischen G eschichtsschreibung und aus der (sow ohl historischen wie auch lite­ rarischen) Ethnographie des späteren 19. B d . Beam ter des M inisterium s für V olksaufklärung. In intertextuellem R ückbezug auf J. mit dem er erstm als auch Anerkennung als Schriftsteller erwarb. C o o ­ per zeichnet Danilevskij in diesem populär gehaltenen Rom an ein spezifisches Bild des historischen Prozesses der K olonisierung der südlichen Steppenregion durch das russische Volk. G rig o rij P. 13 G leic h w o h l w ird d ie ru ssisch e K u ltu r in G e g e n sa tz zu den n o m ad isch en K u ltu ren g e ­ se tzt: „ D ie R u ssen h aben nie n o m ad isiert. ein m äch tig es B in d em ittel zu r B e fe stig u n g des innern Z u sam m en h an g s. der auch mit seiner idealisierenden D arstellung der russischen D orfgem ein­ schaft („ob scin a“ ) die wichtigste A nregung für die rückw ärtsgew andte russophile U topie der „narodniki“ b o t12. D a s H eru m z ieh en im Innern d es G o u v e rn e m e n ts. den Zusam m enhang zw i­ schen Flucht und K olonisierung an. F. D an ilevskij. als F isc h e r stets längs allen F lü sse n heran und h aben sich an d iesen an g esie d e lt. „W a n d e r n “ als nationale Praxis des „ m aster in g s p a c e “ 73 risch eingestellt waren und der revolutionären Volkstüm lerbew egung („narod- niki“ ) nahe standen.. w elch es d o ch beinah e die G rö ß e des K ö ­ nigreich s H a n n o v e r hat. „stranniki“ : Sei es der H auptm ann Pancu- 12 D ie K e rn m e rk m a le d ieses K o n z e p ts ü b ersch n eid en sich im ü b rigen m it den C h a r a k te ­ ristik a d es N o m a d isc h e n im N o m a d e n d isk u r s: K o lle k tiv ism u s und Feh len des E ig e n tu m b e ­ griffs. H axthausen entdeckte. N ikolaj Jadrincev und Fedor Resetnikov. 1. Sergej Maksimov. 1. es fehlt aber an zu v erlässig en N ach ric h ten ü b er die Z ahl d er W anderer und den U m fa n g d es W anderns [. sondern als K olonisationsm otor versehen w urde. ist sch on von groß er B e d e u tu n g. sie k am en als G e w e rb s- leu te. spricht bereits im Titel seines Rom an „B eglye v N o v o ro ssii“ (1862). in K a z a n w ie in K iew v o llk o m m e n zu H au se und ste ts im V aterlan d e!“ 13 (1973 [1847].. N ikolaj Kostom arov. zu r E rh altu n g und E rw e ck u n g d es N a tio n a lg e fü h ls u n d der V aterlan d slieb e. be­ kannter Ju rist und Vertreter von Reform ideen in seiner H eim atregion Charkov. im Um herw andern des russischen Volkes die wichtigste Instanz der russischen Kolonisation: „E in e h öch st w ich tige Q u elle des R e ich tu m s fü r d ieses G o u v ern em e n t bild et ab e r u n streitig d as H e ru m z ie h e n einer groß en A n z ah l d er E in g esessen e n au f A rb e it und V erdien st in an d e­ ren G o u v ern em e n ts des R eich s.N om adisierens‘ nicht als Zivilisationsbrem se. 203) M it welchen Facetten diese K onzeptualisierung des .“ (B d .

die entweder diesen Raum verlassen oder getötet werden. D anilew skij 1874.. davon. Sym ptom atisch hierfür ist das Ende von D anilevskijs A benteuersujet: K o n se­ quenterweise verschwinden säm tliche Protagonisten.“ (D anilevskij 1983.74 Susi K. liminal bleibt.. Käm e zu dieser D arstellung nicht eine wichtige historische These hinzu. die er für die russische K olonisierung der Steppenregion grundlegend erachtet. F r an k kovskij. „sind eigentlich diese Flüchtigen/Flüchtlinge in N eu ru sslan d ?“ („H to xaKoe. sondern als einer. die jeder Einheim ische („tuzem ec“ ) dort geben würde: „Flüchtlinge sind hier alle! [. zitiert der Erzähler dieses R om ans den N euanköm m ling in dieser G egend. Im G egensatz zu Solov’ev. 53. der die A b- . oder der ehemalige Leibeigene Levencuk. der den beschreibenden Strategien der G attung des ocerk sehr nahe steht.“ („[. die sich dort ansiedeln..flüchtige“ Lebensform bestim m t ist.„D as Land verdankt seine Existenz den Flüchtlingen“ bzw. Reichtum und Glück. D as angeführte Zitat: „strana stala beglym i“ . 3 th ßerjibie b HoßopoccHH?“ ). der durch seine U nüberschaubarkeit und seine G renzenlosigkeit zu Flucht und Verstecken einlädt. „w urde durch Flüchtlinge“ darf nicht als end­ gültige „A neignung“ („osv oen ie“ ) und Besiedlung verstanden werden. sind von A nfang an als illegale Flüchtlinge krim inalisiert und geraten in der Folge entweder von selbst ins Fahrw asser des Verbrechens oder werden zu O pfern verbrecherischer Ü bergriffe. die D anilevskijs Rom an durchzieht.. d. der bestim m te Entw icklungen begünstigt. Danilevskij aber betrachtet diese ihm zeitgenössische Form der Flucht und des Vagabundierens . der form los. von der Präm isse des G eodeterm inism us aus. h. und gibt die A ntw ort.die er im Sujet seines R om ans entfaltet . Weiterhin erweist sich die Steppe als R aum . A us D anilevskijs Perspektive erscheint die Steppe aber nicht so sehr als Raum . 84) Wie Caadaev und S o lo v ’ev geht Danilevskij in diesem ethnographischen Rom an. der nicht endgültig angeeignet w er­ den kann. D iese w er­ den nicht nur positiv gewertet: In D anilevskijs D arstellung prädestiniert die Steppe zu anarchischen. wörtlich. Alle.. dass die (natürlichen) Bedingun­ gen des R aum s die Lebensform prägen. 0flH3K0. sondern verweist auf den C harakter dieses Raum s. anarchisch.N o- m adisierens1 im Steppenraum kaum von S o lo v ’evs K ritik daran unterscheiden. der Stagnation und Verharren im Primitiven bedingt. der durch die .] D as ganze Land hier verdankt seine Existenz den Flüchtlingen.als Verfallsform einer historischen Tradition des Vagabundierens. könnte man D anilevskijs Einschätzung des . In den unendlichen Weiten der Steppe verste­ cken sie sich vor der Fland des G esetzes und suchen Freiheit. „W as“ . Eines natürlichen Todes stirbt nur ein Protagonist: Vater Pavladij. nicht selten verrohenden Verhaltensweisen und ist ein Raum .] Öerjibie fla h Bce Tyr! [. in dem sich der M arkt so frei wie nirgends sonst entwickeln kann.. sondern als Raum . dessen H aus in dieser gefährlichen U m gebung als große Ausnahm e den einzig sicheren und festen O rt darstellt. der mit seinen Reichtüm ern vor seiner Frau davongelaufen ist.] 3flecb ßerjibiMH 3eMJia c'rajia.. Danilevskij zeichnet das Bild der Steppe als eines Raum s.

] O ho th k Bcerfla Tyr 6 b u io !“ ( Danilevskij. z o g ein D o r f au s und ein an ­ d eres kam ihm en tgegen . 2.“ 14 „B Pocchh H3i. die auch ermöglichte..T a g ‘) war.. Bd. w ie die Z ap o - roger.“ ). 157) N o ch expliziter und ausführlicher geht Sergej M aksim ov. in dem jede Sess­ haftigkeit tem porär war und jedes Um herziehen um der Sesshaftigkeit willen ge­ schah („Bejio Hapofl k K aK O M y -T O ocejyioMy Ko^eBbio. die dem „Instinkt“ folge. jiyMUiHX. freiere und ertragreichere O rte aufzusuchen“ („h h cth h k t OTbicKaHHH HOBbix M e c T .. als u n sere Step p en besiedelt w u rd en und d ie M en sch en sich n och frei u n d u n g eb u n d en bew egen kon n ten . . K a p .. in seinen ethnographischen Skizzen im Buch „Sibir’ i katorga“ (1861) auf das Vagantentum als urrussische Tradition ein und definiert es als le­ bendigen U rsp run g des russischen Volkes und als ursprüngliches Elem ent des V olksgeistes. r^e oce/jjiocTb Ka3ajiacb BpeMeHHoft.]. „ein gelobtes Land zu suchen“ („k HCKaHHK) KaKOH-TO oöeTOBaHHOH 3eMJin“ ). „neue.. B d.. „W a n d er n " als nationale P ra xis des „ m aster in g s p a c e “ 75 Schaffung des Ju r’ ev den’ als Voraussetzung des zivilisatorischen Fortschritts in Russland ansah. stam m e n d ie Ü b e rse tzu n g e n von mir. P ion iere. A utodidakt und in der F olge wie Danilevskij M inisterialbeam ter und Beauftragter der G eographischen G esellschaft.. 1874. na3biBaeMbix b naimi BpeMena 6p0M>i>KecTB0M.] b crapHny. Genau wie Danilevskij entdeckt er die Anfänge im M ittelalter und schreibt: „In R u ssla n d d u rc h zo g e n die b ek an n ten F o rm e n d er V o lk sb ew eg u n gen . Kap. w enn es w ied er J u r ’ev d e n ’ (d er J u r ij.. 4. 218) „ [. KSK nauiH crem t cejiiuincb h eine jiioflH TyT xofliuiH ne3aKpenjieHHbie. So hätte sich auf der Basis der „M öglichkeit freier Bew egung“ („B03M0>KH0CTb cßoöoflHoro nepeflBH>KeHHHß“ ). ripHfleT lOpbeB fleiib [.] cxapHKH HOBH'iKaM roBopsrr: [. natürlicher­ weise eine Form von „sesshaftem N o m ad ism u s“ herausgebildet. 4) D as Landstreichertum („6pofla>KHiiliecTBo“ ). iioh SjiaronpHsrrHbiM BJiHHHueM BpeMen y u e jib n o -B eq eB o ro n e p iio a a . in der alten Z eit. d as g esam te h isto risch e L e b en des V olkes. N ach M einung M aksim ovs erweist sich die Geschichte des russischen Vagan- tentum s als Geschichte der vergeblichen Versuche seiner Verdrängung und A u slö ­ schung von Seiten des Staates. npHÖbuibHbix h npuBOJibHbix.] S o w ar es hier früh er im m e r !“ ( Danilewski . sei eine „ursprüngli­ che Praxis des Volkes“ („KopeHHoe napoßnoe cboh ctb o“ ). [.. 1983. [ .. Sibir’ i katorga.“ (Maksimov. 140). bessere. die in u n seren Z e i­ ten L an d stre ich ertu m gen an n t w erd en . Ofliio ceno BbicejiaeTca. missliebigen U m ständen zu entkom m en („cjiy>KHJio Hapofly BbixoflOM Ha HeciiacTHbie cjiynaw“ ). a bchkhh nepexofl coßepmajiCH ocefljioc™ paflii“ ) (M aksim ov. Kaie 3anopo>Kitbi. dem Instinkt. so M aksim ov.. n p o u u m liepe3 bcio HCTopuHecKyro >KH3Hb napo. u n d beid e su ch ten sich einen neuen O rt. u n d zw ar u n ter d em p o sitiv en E in flu ss d er (altru ssisch e n ) V o lk sra tsp e rio d e . B e gly e.ua. a flpyroe h a c t eMV tuiBCTpety u nnoe Mecro.ecTHbie cjjopMbi HapoflHbix nepeflBHxennft. Leibeigenschaft. erkennt Danilevskij in der R aum praxis der Epoche der bäuerli­ chen Freizügigkeit vor der A bschaffung des Ju r ’ev den’ den eigentlichen U r­ sprung und M o tor der russischen Steppenkolonisation: „D ie A lten sagen den N eu lin g en : [ . Einführung des P asssystem s und 14 S o fern keine d eu tsch e A u sg a b e an gegeb en ist.] früher.F. S ib ir ’ i k ato rg a. S. D a m a ls. 2..

In historischer K onsequenz. 2. des Identitätswechsels (der Identitätsverflüssigung).76 Susi K. 4 . 2. ei­ nes eigenen Verhaltenskodex’ usw. na3Banbi öpoflaraM H . die oftm als auch noch wegen Vagantentums zuvor verbannt worden waren. sow ie auch ihre maskierten Sim ulakren wie z. K a p . K o x o p b i e n a3biB ajincb cHawajia B O J ib iib iM ii i i o t o m n o j i y n n j i n iip03B ann e ryjiam n x h. 4. S ib ir’ i k ato rg a. D ie religiösen Form en des „ski- tal’cestvo“ und „strannicestvo“ .“ ( Maksimov . gegen die der Staat als antidynamische und zugleich gegen das Volk gerichtete („antinarodnaja“ ) M acht­ instanz stand.freie“ (BOJibHbie). Aber prinzipiell.. sei die Praxis in ihrem Kern gleichwertig beste­ hen geblieben.. die sich mit der Zeit verzweigte in die verschie­ densten lebensweltlichen und professionellen Form en. so M aksim ov. „p lu ty “ (Schelme) in M önchsverkleidung.r y jw m n e ‘ im M o sk a u er Staat b is P eter I.flü c h tig e1 (ö e rjib ie ) u n ter P eter und V agab u n d en (öpoflHrn) nach ihm und bis heute . dass Vagantentum in den 1860er Jahren als Strafdelikt geahndet und zum eist mit Verbannung und A rbeits­ lager bestraft wurde. ryjiH inne iipn hhx ho Ile T p a .] o>KHBHTb o ö u m p u b ie ripocT pancT isa. die an fan g s F reie hießen b ek am en sp äter den T itel H eru m z ieh en d e und w urden schließlich V agab u n d en gen an n t. Frank „propiska“ (O rtsbindung durch M eldepflicht) werden angeführt als drei Etappen dieser staatlichen Strategie.. „zap roscik i“ (ebf. der Entw icklung eigener Versicherungssystem e.. M aksim ov zeigt eine weit verzw eigte Entw ick­ lung und Vielfalt des „brod jazn icestvo“ auf. CTpeM iiBiiieroca [ . n aK on en . der O rganisation in Genossenschaften („arteli“ ). Konstitutiv für diese Parallelkultur wurden Techniken des Verste- ckens. . ß e n ib ie npti neM h ßpoflHrn riocjie H ero h n o n aim ix flHeit . bewerkstelligten die Besiedlung Sibiriens. Große Teile der K o lo ­ nisierung Sibiriens könnten dergestalt als Flüchtlingsbesiedlung betrachtet wer­ den: Flüchtige aus Russland ebenso wie solche aus der Verbannung.). K ap . „niscie“ (Bettlertum ). könne die Geschichte der Umbenennungen dieser Praxis beschrieben werden als Geschichte der sy m boli­ schen Entwertung und D eform ation dieser urrussischen Siedlungspraxis. „begu n stvo“ (drei fast synonym e Begriffe für besagtes W anderertum).1 4 0 ) Zu dieser Beobachtung passt das historische Faktum .. „U m h erzieh en d e L e u te hießen bis zu den M o sk a u e r Iv an s . die im Zuge der K olonisation in Sibirien errichtet w or­ den waren). so M aksim ov. . S ib ir ’ i k ato rg a.“ (jifOflii). die bis in die Gegenwart (M aksim ovs) reicht: [M ensch en].d abei sin d sie alle d ieselb en V ertreter einer u rsp rü n g lich en P raxis des V olkes.“ ( M a k si­ m ov. B d . ungeachtet aller historischen Veränderungen.Bce ohhh ti Te * e npeflcraBH Tejin K o p en n o ro n ap ofln oro cßoftcTBa. D adurch sei die Geschichte des Vagantentums zu ­ gleich in eine Geschichte der Flucht transform iert w orden. B d .“ „BojibH bie jifOflH «0 H b 3h o b M ockobckm x. . die d anach streb t [ .] die w eiten R äu m e zu b e leb en . M aksim ov betrachtet das Va- gantentum als eine Lebensform . 140) Wie in Sibirien so entwickelte sich nach M aksim ov das „brodjaznicestvo“ in ganz Russland als eine wichtige außerstaatliche Parallelkultur. aber auch degenerierte von einer anfänglich überaus positiven kulturellen Praxis in eine latent/m anifest kri­ minelle. aus den „ostrogi“ (W ehrfestungen.B .

„ W a n d e r n “ als nationale Praxis des „ m aster in g s p a c e “ 77 die sich als Griechen aus Jerusalem ausgeben etc. Zum Zeitpunkt. in der Führer-H elden der Volksgeschichte wie Sten’ka R azin. Ofenbauer. gegen die er ursprünglich angetreten war - der Geschichte der „G roß en“ . In einem seiner letzten Werke. 4. Sie alle ordnet M aksim ov dem „brod jazn icestvo“ unter. 146. Fürsten und Großfürsten behandelt werden. und diese hätte meistenteils gegen staatlichen W iderstand durchgeführt werden m üs­ sen.. 2. den Staat subvertierende Praxis ein.. findet der ukrainophile Begründer der regionalistischen narod- niki-H istoriographie. H ufschm ied. Sämtliche profane Form en des „brodjaznicestvo“ exis­ tieren für M aksim ov in positiver und negativer Variante. 4. als K ostom arov dieses Portrait schrieb. B d . Banden von Falschspielern und verkleideten „p lu ty “ dagegen stellen deform ierte Varianten des „brodjaznicestvo“ dar. N ik o laj K o sto m aro v . . wie Zimmerer. Kürschner.. 21). N o ch expliziter als Danilevskij schätzt M aksim ov das „brodjaznicestvo“ nicht nur als staatsfeindliche. Tücher u. Ivan M azepa oder Erm ak Tim ofeev gleichberechtigt neben Z a­ ren. übernom m en h at15. wenn das Um herw andern nicht zur Ruhe kom m en kann. K o'ropbix BbrrecHHJiit ohh Maksimov.“ ( Maksimov. sondern auch als in hohem Maße staatsdienliche: Denn nur dank der unaufhörlichen V olksbew egun­ gen konnte die kolonisatorische Erw eiterung des russisch besiedelten Territori­ um s vor sich gehen und nicht dank irgendeiner staatlichen Strategie: „ D a s U m h e rz ieh en [der B e v ö lk eru n g ] brach te d em Staat im m en se V orteile u n d w ar eine der rich tigen u n d rech tm äß igen E rsch e in u n g e n .] K o'ieß ajio n o to m v * e e n o eo ö y KaK 11 t c a6opn rem >i CTpaiibi. Schafscherer. den W anderberufen.“ „Bp0Afl>KecTB0 n ec jio rocynapcT By rpoM aflHbie Bbiroflbi h öm jio o/uhim 113 iipaBiuibH bix h 3aKOHHbix HB. Was nur dadurch gelingen konnte. unverzichtbaren M otiv der russischen N ationalgeschichte gew or­ den: seit Karam zin ihn 1825 im 9. die entweder alleine oder in G enossenschaften organisiert um herziehen. S ib ir ’ i k ato rg a. „PyccKaa HCTopua b »ciBHeoruicarorax rua- BHeftuiHX ee flesnrejieii“ (Russische Geschichte in Lebensbeschreibungen ihrer A kteure) (1872). K a p . dass das russische Volk den nom adisieren­ den Lebensstil der indigenen Völker. degeneriere diese L eben s­ form unweigerlich. die verdrängt wurden. A ber auch. Räuberbanden. B d . wenn kein angenehmer neuer Lebensort gefunden werden kann. die M aksim ov als negative A usw üchse von Zw ang und U nterdrückung erachtet. eine professionalisierte Variante des „brod jazn icestvo“ . K ap . 140) D as Volk allein trägt für M aksim ov som it das Verdienst der Kolonisierung. Buch seines historiographischen M onum ental­ w erks „G eschichte des russischen Staates“ zu einem N ationalhelden mit M erkm a­ 15 „ H a c e jie m ie [ . der Staatsführer und M achthaber . gewissermaßen einen K om prom iss zw ischen der Geschichtsschreibung.und der G e ­ schichte des Volkes.neHHH. die er schreiben wollte: D ies ist eine Geschichte in Portraits ihrer A kteure. a. B o g ­ dan C h m el’niekij. war Erm ak bereits zu einem festen. So erkennt er in den s o ­ genannten „otchozie p rom ysli“ . 2. U nd als einen sehr wichtigen unter diesen H elden hebt K ostom arov den Sibirieneroberer Erm ak hervor (Kap.

die in verschiede­ nen Randregionen des Reiches gleichzeitig auftraten und nach und nach eigene Verbände organisierten.78 Susi K . 21. K a p . 225) K ostom arov unterscheidet in der Skizze der weiteren historischen Entw icklung dieser G ru ppe wieder zwischen zwei Richtungen: zum einen jenen K osaken. i n o f l n o r o c e n a b A p y r o e . In einem einleitenden Bild der sozialen Stände des mittelalterlichen Russland charakterisiert K ostom arov die G ruppe der „netjaglye“ . untergeordnete M itglieder der D orfgem einde). Gelegenheitsarbeiter „guljascie“ zu führen.“ „ K a 3 a K a M H » c e H a 3 b iB ajiM C b Jiio flH c o ß e p tu e H H O 6 e 3 flO M H b ie .“ ( Kostomarov . „netjaglye“ (nicht zu A bgaben verpflichtete.. „nesluzilye“ (wörtlich: „N ichtdienende“ ). n e H M e B iim e n o c x o s u i H o r o M e c T a x a r r e jib C T B a h n e p e x o f l f i B i u i i e n o n a f i M y o t o / t n o r o x o 3 H H n a k flp y r o . „sluzilye“ (zum militärischen Staatsdienst Verpflichtete). Jahrhundert die sog. und dies. „tjaglye“ (zu A bgaben verpflich­ tete.als integratives Elem ent einer G esellschaft.nur‘ um die nationale Bedeutung Erm aks: A ls H eld der russischen Volksgeschichte wird Erm ak bei K o stom arov zum H elden der N ationalgeschichte. N ikolaj K ostom arov dagegen ging es . sei.B . Karam zin hatte zwei A spekte hervorgehoben. D am it legitimierte und pries Karam zin Erm aks Eroberung zweifach: als imperialen G ründungsakt und als Leistung im Rahmen einer globa­ len M ission. D urch Erm aks Eroberung des tatari­ schen Khanats Sibir’. für die das M om ent einer sich der staat­ lichen K ontrolle entziehenden. Letztere hätten die M öglichkeit gehabt. 2a. die sich fest in Staatsdienst begaben und dabei eine typisch sesshafte Lebensform an­ . Gerade aus dieser G ru ppe von „freien obdachlosen Landstreichern“ („bezdom nye v o l’nye brod- jag i“ ) hätten sich im 16. 2b. K osaken gebildet. entweder durch Ü bernahm e eines „tjaglo“ (A bgabenver­ pflichtung) innerhalb der D orfgem einde aufzusteigen oder ein Leben als freie Vaganten bzw. K ostom arovs Portrait beginnt mit einer ausführlichen D arstellung der Lebensform der K osaken. und seit mehrere A utoren im U m ­ kreis der Slavophilen ihm Poeme und sogar historische D ram en (z. „ K o sa k e n w u rd en o b d a c h lo se M en sch en gen an n t. F rank len des christlichen M ärtyrers stilisiert hatte.und A bgabenpflicht hierarchisch geordnet waren: 1. 2. einen natio­ nalen und einen gewissermaßen globalen: Erm ak als russischer N ationalheld und Erm ak als A gent einer M ission für Europa. indem er als Vertreter eines für das russische Volk und seine räumliche Lebensform charakteristischen Typus dargestellt wird.keine A b g a­ ben an den Staat/das Fürstentum Verrichtenden . so Karam zin.v iy . C hom ja- kov) gewidm et hatten. leitende M itglieder der D orfgem einde). v o n einem D o r f ins n ächste z u r M iete g in g e n . nur in genau entgegengesetzter politischer Intention .wie den slavophilen Erm ak-Besingern auch. die keinen festen W oh n sitz hatten und von einem zu m näch sten H au sh e rrn . Isto rija. mit dem er die wichtigste V oraussetzung für die russische Inbesitznahm e des gesam ten nordöstlichen Teils des eurasischen Kontinents schuf. deren G ruppen nach Staatsdienst. zum einen der G rundstein für das R ussische Im perium geschaffen und zum zweiten zugleich auch eine „zw eite N eu e Welt“ für E uropa eröffnet worden. wandernden R aum praxis als konstitutiv betrach­ tet wird.

d as sich aus den staatlich en Z w än gen befreite. t o b n ia 3 a x Kapo/ja cjio b o „K a3aK “ flo jiro hmcjxo Qojxee unipoKHH c. nach einer „anderen G esellsch afts­ ordnung“ suchte und eine freie. in den Augen des Volkes im m er die eigentlichen K osaken gewesen - „bchkhh iuaTaBiUHHCH ö e ra e n 6biJi b HapoflHOM CMbicjie KaaaK.“ „ E c jih b r. stellt Erm aks H eldentat aber doch als eine freie. Booöuue ox x o ro cxpoa >KH3HH. die sich nachhaltig dem festen Staatsdienst entzogen. die sich der K ontrolle. HHoro oöm ecxB eH H oro c x p o a .“ (K o sto m aro v . in der er lebte. die d am als d o m in ierte. W ährend Ivan . „ W a n d e r n “ als nationale P ra xis des „ m a ster in g s p a c e “ 79 nahmen und auch abgabenpflichtig wurden. nicht zu fried en war. die bei w eitem nicht alle B e d ü rfn isse . D ie se Q u a litä t.K o s a k “ in den A u g en des V olkes eine viel w eitere B e d e u ­ tu n g. K ostom arov ordnet ihn nicht der G ruppe der „R äu b er“ zu wie den zweiten. 226) N ach diesem ausführlichen .xa3ax npawixejibcxBa Ka3aliecxBO n o jiy n a jio 3 n alien n e Boennoro co cjiob h h . Ivan K o l’co. Isto rija . w enn ein R u sse m it d er U m g e b u n g .a. HCKaji ceöe noßoro oxe^iecxBa. so n d e rn flüch tete u n d su ch te sich eine neue H eim at. sie nämlich seien der G rund und der M otor der „m ächtigen russischen K o lo n isatio n “ gewesen: „W äh ren d in den A u g en d er R e g ieru n g d as K o sa k e n tu m die B e d e u tu n g eines m ilitärisch en Stan d es erhielt. 21. ja sogar gegen seinen expliziten Befehl durchgeführte Tat dar. so hatte d as W o r t . 4 t o ecjiii pyccKHH nejiOBCK 6bui neflOBOJien cpefloro. Ideale u n d G e fü h le des V olkes z u fried en stellte. so K o sto ­ marov. x o ne c o 6 n p a ji cb oh x ch ji n. autonom e G egenkultur ausbildete: „ D a s K o sa k e n tu m w u rd e eine ch arak te ristisch e E rsch ein u n g d es ru ssisch en V o lk sle b en s je ­ ner Z eit. HfleajiaM h noxpeönocxsiM . den Kosaken. E s w a r A u sd ru c k einer v o lk stü m lich en G e g e n k ra ft gegen die staatlich e O r g a n isa ­ tion .n.“ (Jeder herum ­ ziehende Flüchtige war im Volkssinn ein K osake) . a 6e*. 21. ox rocy/japcxBenHoro H oömecxBeHHoro ra e x a.viy rocy«apcxBeHHOM y CTpoio. d ieses V erm ö gen w ar au ch die U rsa c h e d er m ächtigen K o lo n isa tio n des r u s ­ sisch en S ta m m e s.Mbicji. b K oxopott >khji. D a s ru ssisch e V olk. K a p . und zum anderen den K osaken. 3 x o ö b u io n ap o fliio e np0THB0fleÄCTBHe xo. O h o coeflH H ajiocb B o o ö m e co cxpeMJiemieM yfixii ox xn n ia. von d er U n te ro rd n u n g u n ter die M ach t. sich von der A b g ab e n p flich t zu b e­ freien . BbiÖMBaacb H3 rocyflapcxBeH H bix paMOK. 3 t o KaMecTBO h 6 i>uio npHMHHofl rpoMaflHoft k o jio h h 3a nhh p y ccK o ro ruieMenH.no xapaKTepncraM ecKH M aBjieiineM napoflnow pyccKOft xch3hh Toro BpeMenti.“ (K o sto m aro v . eine soziale G ruppe.n b K asan ecT B e hobo i'o. ncKa. Seit langem hatte sich im V er­ stä n d n is d es ru ssisch e n V olkes ein so lc h er B e g r iff d es K o sa k e n tu m s gebild et. mit Erm ak zusam m en an der Eroberung beteiligten Anführer. o t iioam hhchhh b jm c th . H a p o fl pyccKHii. dem „Jo ch “ des Staates entzog. d an n raffte er nicht sein e K rä fte z u ­ sam m en . nicht im A uftrag des Z a­ ren. käme jedoch zugleich ein großes Verdienst gegenüber dem russischen Staat zu.na npoTHBOfleftcTBUH. 227) Genau dieser sozialen G ruppe.“ „K asan ecT B O cTa.Vorspann“ über die K osaken und ihre Bedeutung für die russische Geschichte folgt die Erzählung der Sibirieneroberung des K o sak en ­ atamans Erm ak. v o m staatlich en u n d g esellsch aftlich en Jo c h und ü b erh a u p t von d er L e b e n sfo rm . Ffanaßna b x ap aK T ep e p y ccK o ro n ap o fla o ö p a so ß a jio c b xa x o e KaiiecxB0. KOTopwfl yaoBJiexBopaJT flaiieKO He BceM napoflHbiM nyBCXBaM. D iese letzteren seien. Koxopfoift rocrioflcxBOBaji b TorflauiHeM öbrry. su ch te im K o sa k e n tu m eine n eue. E s w u rd e generell m it dem B e streb e n v erb u n d e n . eine an dere G e se llsc h a ftso rd n u n g . K a p .. u m W id erstan d zu leisten. Isto rija .

80 Susi K. die die wichtigste K raft der rus­ sischen K olonisation gewesen sei. die G eschicke der K osaken eine negative Wende nahmen. bald schon wieder an den islam ischen Khan zurückgeben müssen. . 16 In teressan terw eise n u tz t K o sto m a r o v in sein em E rm a k -P o rtra it nicht d as seit K a ra m z in in d en ru ssisch en E rm ak d arste llu n g e n to p isch e M o tiv des U n te rg a n g s im F lu ss Irty s. die Jadrincev mit dem in den Jahren des „narodnicestvo“ (Volkstüm lertum s) sozial-utopisch konnotierten B egriff „obscina“ beschreibt. A b e r E rm ak hatte sein e T at v o ll­ brach t.. ü o cjieflaM e r o flBMHVJiacb P ycb b neii3M epnM bie c i’paHbi ceß epnoft A 311H. In den sibirischen Festungslagern („o stro g i“ ) stellt die G ruppe der „b ro d jag i“ . A ls Folge davon hält er das „brod- jazn icestvo“ (Landstreichertum ) für die w ichtigste sibirische Lebensform . Isto rija. „R u sskaja obscina v tju r’me i ssylke“ (D ie russische (D orf)G em einschaft im Gefängnis und in der Verbannung. einen L a n d stric h nach d em anderen ero b e rn d .“ (Kostomarov .]. sei Er- m ak bereits zur Eroberung des Khanats aufgebrochen und hätte den Sieg frei und selbstbestim m t errungen. 21. Erm ak hätte zw ar die H auptstadt des Khanats Sib ir’. eine für die Gem einschaft w ich­ tige integrierende Instanz dar.]. als Erm ak den gefangengenom m enen Tatarenfürsten dem ru s­ sischen Zaren übergeben hatte.h. d ie E rm a k v o m Z aren gesch en k t b e k o m m en habe. Publizist und bedeutende Ethnograph. Isker.. der inhaftierten ehemaligen Landstreicher. nach Perm gefordert hätte. N ikolaj Jadrincev.. H o bpmhk cflejiaji C B o e fle. von d em d ie m eisten A u to re n beh au pten .. n ojtliHHHH pyccKHM napHM oflim Ta'rapcKHH n a p o a e n 3a flpyniM . die sibirische G esellschaft insgesam t in ihrem dam aligen Bestand. zur Volkskultur. d em ru ssisch e n Z aren ein tatarisch es V olk nach d em anderen u n terw erfen d u n d ü berall Spu ren sein er A n sied lu n g h in te rlasse n d . die zum eist mehrfach oder regel­ mäßig aus dem „o stro g “ geflohen sind. seine Position. ocraBJisiH noBCKyjy cjieflbi cß o ero nocejieHHH. F r a n k die Rückkehr Erm aks an seine „D ienststelle“ . die letztlich zu Erm aks baldigem U ntergang füh rte16. 230) Etw as anders akzentuiert der sibirische R egionalist.no. K a p . davon ausgehend. er sei d u rch die sch w ere R ü stu n g veru rsach t w o rd en . d. dennoch hätte er in der sukzessiven A bfolge der russischen Eroberungen im N o r ­ den A siens den wichtigen A nfang gemacht: „S ib irien m u sste [k u rzfristig ] au fg eg eb en w erd en [. noK opsw cx p an y 3a cxpanoH . Vor allem auch ihnen sei die Q ualität dieses Sozi- um s zu verdanken. In seinem Buch. Sanktpeterburg 1872) analysiert er das Sozium der sibirischen „ka- torzniki“ und.“ „C fiö n p b 6 b u ia noKHHVTa [. Denn ihm erscheint die G esellschaft Sibiriens insgesam t als Ergebnis der staatlichen Verbannungspolitik. U nd K ostom arov versäumt nicht anzumerken. D er wichtigste Punkt der D arstellung K ostom arovs bleibt die Zuordnung E r­ m aks zur volkstüm lichen russischen G egenkultur mit der für sie konstitutiven um herwandernden Lebensform . Zum einen bilden die „b ro d jag i“ eine bedeutende Teilgruppe der „katorzn iki“ . dass just ab dem Zeitpunkt. die „b ro d jagi“ (Landstreicher) für die letztlich dom inante soziale G ruppe dieser Re- gion. A u f sein en S p u ren bew egte sich die R u s ’ in die u n erm esslich en L än d e reie n N o r d ­ a sien s. fliehen und dann entweder gefangen w er­ den oder im Winter selbst wieder zurückkehren.

das Freiheit („ v o lja “ ) anstrebe.j i n e r o B o e ii o f la . .. G erade im „brodjaznicestvo“ kom m e der fortdauernde A n­ tagonism us zw eier Kräfte („ß op b ß a o flH H X 3JieMeHTOB npoTHB jjp y n ix “ . . d a ss sie so g a r in der ab g esch ied en sten und au sg eg ren zteste n G e fa n g e ­ n en gem ein sch aft nicht v erk o m m en . in sich vollkom m ene Gem einschaft mit eigenen sozialen Traditionen.jiH 0 fl0 . c e M b a . U m gekehrt organisieren sie für Gefangene die Flucht. dass sie in regel­ mäßigen A bständen aus den „o stro g i“ fliehen und (im Winter) wieder in sie zu ­ rückkehren.jiii 6 b u i o p yccK O M V M e jio ise K y o x K p e n o c x u o r o r ip a ß a .] a o ka 3a x e ji bcx bo m t o t o . „W a n d e r n “ als nationale P ra xis des „ m aster in g s p a c e“ 81 D ie Gem einschaft der Lagerhäftlinge. o p a j i n . Verhaltenskodices. [ .ria .j i i i e r o b bohcko. Zum anderen findet die Gem einschaft der „katorzn ik i“ außerhalb des „o stro g “ im „brodjaznicestvo“ ein entsprechendes Pendant. 3 a n p e m a jin . " (Jadrincev. d er gegen seitigen V erpflich tun gen u n d Sy m p ath ien so tief in der N a tu r d es M e n ­ sch en v erw u rz elt sin d . Ja d r in ­ cev. r o j i o f l . O bscina 354) zum A usdruck: des Staates. D adurch w ird gerade durch diese G ruppe die durch die Verbannungspraxis offensichtlich gespaltene und in ihrer Entw icklung behinderte sibirische G esellschaft integrativ zusam m en­ gehalten. Fü r Jadrincev geht es auf die historischen Anfänge der Staatsbildung in der russi­ schen K ultur zurück. h t o p y cc K H H n a p o f l B O c m ix a n c H b ö e r a x ... T n > K e jio . in Jadrincevs Verständnis . .. K a p . O b sc in a .ne>KaT c r o jib rviyöoKO b n pn pofle qeJioB eK a. der zur U nterdrückung tendiere.natürlicher“. lrro HHCXHiiKXbi o6ine>Kirnisi. A uch hier findet Jadrincev eine durch dieselben M erkm ale charakterisierte. „K aK b flp e B H e fi.. aus sich selbst heraus.) kann als B ew eis d afü r d ienen. wie vor ihm M aksim ov und D anilevskij. auf Solidarität basierender Gem einschaft darstellt. h to ne rip o n aflaio x n a * e b caMoft 0TBep>KeiiH0fi xbiopeM Hoft o ö im m e . O b sc in a 351) .jiH x n >K o. erscheint ihm deshalb ideal. H aM H H ajiH -jiH 3 a n n c b iB a x b b n o n a x H o ft n o fly u iH b itt o io ia fl.. B3aHMHbix npiiB5i3aHH0cxeif m cHM nariifi . deren Leben zu studieren Jadrincev in O m sk Gelegenheit gehabt hatte. Signifikant erscheint nun. n a K J ia flb iB a jin . 5) A ls solche hätte sie sich subversiv gegen alle staatlichen Maßnamen ihrer A u slö ­ schung behaupten können.] m o jk c t cjiy>KHTi> [.“ Ja d rm - cev. dass Jadrincev die Bedeutung des „brodjaznicestvo“ nicht auf Sibirien beschränkt. und des Volkes. „ D a s L e b e n der Straftäter [ .jiH jjyuiH Jia. Paradoxerw eise fassen sie den „o stro g “ als eine Art Zufluchtsstätte auf. weil sie sich von selbst.j m n p n x o A iu i.011 f l e ji a j i 0 flH0 . Kulturhelden. x a K 11 b h o b o ü P y c i i 1106e r 11 S p o f l H x e c x B O ö b u in e n iu ic x B e iiH b iM n p o x e c T O M j i h ii h o c t h n p o x iiB c x e c H H B im ix e e b c s i k o i o p o n a o ß c x o H T e jib C T B . ] M o > k h o CKa3axb.6 e x c a n h ß e jK a ji.riy io n o / i a i b . „B ro d jagi“ vermitteln in verschiedener Weise zwischen der Welt der Einge­ schlossenen und der Freiheit („v o lja“ ). a a B i i ji . 6 e f l n o c x b .jn i n c n o B e f lb iB a T b c x a p y i o B e p y . ungeachtet aller Repressionen entwickeln konnte und deshalb eine Variante ursprünglicher. D ichtungen etc. sondern. Ritualen.a e B a . es versteht als spezifisches Phänom en der gesam ten russischen Kulturgeschichte.“ „>KH3Hb ripecTynwiKOB [. d ass die In stin k te d es Z u sa m ­ m en leben s. unter anderem dadurch.

d a ss d as ru ssisch e V olk a u f d er F lu c h t e rz o g e n w u rd e [sich d u rch die F lu ch t k o n stitu ie rte ]. 82 Su si K.] . ne.. denen die „b rod jagi“ prinzipiell entgegenstünden. K ap . R esetnikov zeigt das „brodjaznicestvo“ als Weg der E rk en n tn is und als Weg in eine bessere Zukunft: „N ach M einung der S o l­ daten und K o sa k e n waren die Podlipovcy äußerst dum m und prim itiv“ (IIo MHeHi'ifo cojiflaT h Ka3üKOB. D azu zu lernen b egan n en sie nur durch Inform ationen der H erum reisenden. [ . noflJinnoBijbi 6buiii oneHb rayribi h ahkh [. d a ss m an so ... ..“ (R esetn iko v.].] M an kann sagen. a ny>KHO HflTH b f l p y r o e M ecro [ . Eine w eitere sem antische D im ension erhält die N ationalisierung des „brodjaz- nicestvo“ in F e d o r R esetn ik o v s bedeutender soziographischer Skizze („o cerk “ ) „P od lip o vcy “ (1864 in der Zeitschrift „Sovrem ennik“ ). d ie b e sser o d e r sch lech ter sin d als P o d lip n a [ . D urch ihre R eiseerfah ru n gen lernen sie zu relativieren: „ [ . und erfu h ren auch. W urde dem r u s sisc h e n M en sch en d as L e b en sch w er w egen der L eb en e ige n sch aft.. bed rän g te ihn d er V o je v o d e . ysHajiH xaiö K e.“ „ [ . K ap . w en m an fü rch ten m u ss [. Teil 1..er tat im m er w ieder ein u n d d a sse lb e . eben jener K o sak en . w a s e in R e ise p a ss ist. 13) „Sie erfu h ren ..“ (R esetn ik ov.“ „ O t coJiflaT a o h h ysH ajiH ..h.. (R esetnikov. erlegte m an ihm sc h w e re Ste u e rn au f. auch er w ertet erstere negativ. Teil 1.]). 13) Immer w ieder w ird das U nterw egssein als Erkenntnisprozess dargestellt. hto scuTb xaK ..“ In der sibirischen G egenw art könnten die sibirischen Bauern als Repräsentanten der ersten (staatlichen) Tendenz erkannt werden.] n an p u M e p .basierend auf inten­ siver F eld fo rsch u n g des A utors . Im L a u fe eines M o n a ts [der W an d ersch aft] e r fu h r e n die P o d lip o v c y m eh r als in ih rem g an zen b ish erigen L e b en [ .er flüch tete u n d flüch tete. w ie sie geleb t hatten. P o d lip o v cy . w o llte m an ihm die A u sü b u n g d es alten G la u b e n s verbieten . kam d er H u n g e r o d e r erd rü ck te ihn die A rm u t. s o n d e r n d a ss m an w o an d ers h ingehen m u ss.]. . nicht leben k a n n . letztere positiv. Ähnlich wie Jadrincev stellt Resetnikov die bäuerlich d ö rflich e Lebensform der Lebensform um herziehender M enschen ent­ gegen. die .] . w o llte m an ihn d u rch R e gistrieren zu A b g ab en v e rp flic h te n . K oro naflo ßoHTböi [. .. F r an k „W ie in d er alte n s o au ch in d e r neuen R u s ’ w aren F lu ch t und U m h e rzieh en die ein zigen F o r ­ m en d es W id e r sta n d s d er P ersö n lich k e it gegen alle m öglich en sie b e d rü ck en d en U m stän d e . h to e c x b M ecra jiyMiue h x y * e n o /y im in o ft [ . P o d lip o v cy . allerdings in einem anderen Kontext und au s anderen Gründen.die Geschichte eines D orfes und seiner Bew oh ­ ner in der G e g e n d von Perm erzählt. u n d indem sie sich selbst in Bew egung setzten und andere O rte erkundeten: „V on einem S o ld a t e n erfu h ren sie. dass das fest an ein altes D o r f gebundene Leben schlecht und hinderlich ist: . H ejib3a..] zu m B e is p ie l.. h t o T a K o e n a c n o p x b i.. 13) U m herw andern fü h rt die Podlipovcy speziell auch zu der Einsicht. P o d lip o v cy ... w u rd e er zu m M ilitär ein b erufen . Teil 1. d. K ap ... B npoflOjmeHHHe M ecsu a nofljninoBUbi y3HajiH ö o jib iiie . k b k ohh x h jih .].] .“ „y 3 H ajm . d a s s es O r te gibt.vi jk h b w h « o a x o r o BpeM em i.

A llgem einere Ü berlegungen bezüglich einer nationalen Bedeutung der räum li­ chen Praxis des N om adisierens fehlen bei Resetnikov allerdings im G egen satz zu den anderen genannten Autoren. 10) D er durch um herziehendes Erkunden errungene Fortschritt macht sich auch da­ durch bemerkbar. Ähnlich wie bei Danilevskij erscheint hier das „b rod jazn icestvo“ als M erkm al der Verbreitung kapitalistischer Strukturen. so. frische Flem den anzuziehen.genaueste Erkenntnisse hätten. als die beiden Jünglinge als A r­ beiter auf einem Flussschiff angeheuert haben. KaKHe xoflH'r b ro p o fle [. Zunächst fragen sie sich. dass die heranwachsenden Kinder der zuerst ausgezogenen Podlipovcy nun ihre Eltern als prim itiv und „schw einisch“ empfinden. m to flepeBHH h x flpflHb.] . Schluss In meiner D arstellung der Aneignung des K onzepts des N om adism us durch den russischen nationalhistorischen D iskurs des späteren 19. d ass sie nicht m ehr so w erd en kön n en . a.“ „riofljiiinoB U bi ysH ajin 3necb ß ojibiu e. nutzen sie ihre Freizeit für zweierlei: um le­ sen zu lernen und um sich im Fluss ausgiebig rein zu waschen und danach saubere. national spezifische Strategie des „m astering space“ ging es mir vor allem um zwei Aspekte: Zum einen darum zu zeigen.dieser A spekt kom m t v." (Resetnikov . ob sie selbst auch „Schw eine“ seien. (Bd. degeneriert dargestellten bäuerlichen Leben. die m d er Stad t leb en . >ieM o h h . wie ein K onzept. ihre Relikthaftigkeit in der nach und nach industrialisierten Gegenw art betont . 2. Jitofln coßceM a p y riie .wie wieder betont wird . das zuvor im w esteuropäischen kulturologischen D iskurs als Instrum ent der Beschreibung frem der Kulturen und der K onstruktion ihrer Alterität zur A nw endung kam und das als solches auch . d a ss die W elt G o tte s kein E n d e hat. Teil 2. geht es Resetnikov um die Transform ation der äl­ teren Lebensform in eine neue. die den wirtschaftlichen Bedingungen der G egen­ wart angem essen ist und mit der sozialen M obilität zugleich den zivilisatorischen Fortschritt befördert. m t o h m vace ne ßbixb TaKHMH. P o d lip o v cy . K a p . m to M iipy 6o)KbeMy h c t K onua. auch in einer Skizze von Danilevskij mit dem Titel „C u m ak i“ zum Tragen . die herum wandernd ihre A rbeitskraft anbieten und sich saisonal je nach Bedarf verdingen. Resetnikovs D orfbew ohner befreien sich von einem als zutiefst herunterge­ kom m en. über das sie . indem sie „bu rlak i“ - Lohnarbeiter . A ber während Danilevskij die Verwurzelung dieser Lebensform in der alten russischen Tradition. w ie die. Jahrhunderts und seiner U m deutung in eine zentrale. 3) U nd am Schluss schließlich. d a ss die M en sch en w o an d e rs g an z an d ers sin d . 3. Kap. HOKeim o h h jiia jin b flepeß ue h b H ep/tbinn: oiih y3HaJiH.. wie sie selbst nicht sein wollen.. „W an d er n “ als nationale Praxis des „ m aster in g s p a c e “ 83 „ D ie P o d lip o v c y erfu h ren hier m ehr als sie au f d em D o r f g e w u sst hatten und in C e r d y n ’: Sie erfu h ren . d ass ihre D ö r fe r M ist sin d.werden..

Jahrhundert relevant gew orden ist. dass die D eutung des N om adisieren s als nationale Raum praxis nicht auf die 1860-70cr Jahre beschränkt geblieben. in den Entw ürfen der russi­ schen K ultur im 19. so n ­ dern weit darüber hinaus auch um die Jahrhundertw ende und im 20. in ein Instrum ent der K onstruktion einer genuin russischen kulturellen Identität trans­ form iert wurde. Ausblick Abschließend ist darauf zu verweisen. zur unbegrenzten terri­ torialen Expansion prädestinierte. Die G rundbedingung aller historischen Verände­ rungen.und Transform ations­ schritte ausfindig machen: Erstens eine Ü berw indung der Spaltung zw ischen antietatistischer und etatisti- scher G eschichtsschreibung und D eutung des . Jahrhundert als N ationalkultur zur A nw endung kam. mit der er die geographische Situation als nicht zu vernachlässigende G rundbedingung histori­ scher und kultureller Entw icklung berücksichtigte. Gerade durch die ihm genuin eigene R aum praxis erwies sich in den zitierten Darstellungen das russische Volk. ohne dabei in einen strikten G eodeterm inism us zu verfallen. die russische N ation als imperiale.niedrigeren‘ Stufe der Kultur. sei die „spezifische Beziehung der Bevölkerung zu ihrem L an d “ . so K ljucevskij. Zum zweiten sollte als Ergebnis der obigen A usführungen deutlich geworden sein. w äh­ rend diese Ebene als ganze wenig besiedelt war. das voll und ganz den Strategien der O rientalisierung R usslands von Seiten W esteuropas folgte. und wie es dort von einem Instrum ent der Entfrem dung und H erabsetzung der eige­ nen russischen K ultur gegenüber der w esteuropäischen.bzw. der er insgesam t eine geohistorische A usrichtung gab.N om adisierens' durch den maß­ geblichen H istoriker der Jahrhundertw ende Vasilij K ljucevskij. dass die O stslaven ursprünglich in einer Ecke der „russischen Ebene“ siedelten. erhielt die russische K u ltu r eine . D iese aber ergebe sich aus den ursprünglichen räum lich-geographischen G egebenheiten. D adurch. sondern dass es sich bei dem K onzept des N om adisierens als nationalem M odus des „m as­ tering space“ auch um ein spezifisch im periales K onzept handelte: ein K onzept. um das Volk als eigentliche re­ volutionäre und fortschrittliche K raft der russischen K ultur zu erweisen. Zivilisationsgeschichte diente. als zur Kolonisierung. dass die Darstellungen der zitierten staatskritischen A utoren nicht nur eine G egenüberstellung von Staat und Volk betrieben. nahm das Um herziehen als Kernm om ent in seine D arstellung der russischen G e ­ schichte auf.84 Su si K. A uch hier lassen sich wiederum mehrere Entw icklungs. mit dessen H ilfe der Prozess der russischen K olonisierung des nördlichen E u ra­ sien erklärt und letztlich auch legitimiert wurde. der Sergej S o lo v ’ev auf dem M oskauer Lehrstuhl für russische Geschichte nachfolgte. F r an k der A bw ertung dieser Kulturen mit H ilfe ihrer Einordnung auf einer . in denen eine kulturelle Entw icklung stattfinde. Kljucevskij. 4.

x o p a 3 0 H T o ro . Mxoßbi nepeflBHHyTbCH n a HOBbie.“ „KpecxbHHCKfie rioce. Teil 1. noica eMy cjiy>KHJin: ho Ka>K. d u rch V er­ m eh run g. w eil sie ja a u f ru ssisch e m B o d e n (in R u sslan d ) blieb. n e p e n o c fw o c i. „eine ewige Bew egung.a 'x a B . u n ter den .“ (Kljucevskij.. ne HbiHHe-3aBTpa coönpaioLUHXCH S p o c u x b CBOH eflßa HacH>KeHHbie w ecxa." („HcTopiifl Pocchh ecTb HCTopua cxpaubi.111 ia M K liy X b lM H nO JIH TH H eCKIIM II M lip a M H C y C T O H 'IH B b lM H . sei daher „die Geschichte eines Landes. D ie F ü rsten tü m er w aren nicht in sich g esc h lo ssen e p o litisch e W elten m it festen . K ap . t o noflHHMaact. w ie Z u g v ö g e l breitete sie sich von L a n d ­ strich zu L a n d stric h au s.(o naumx flueft. K a p .“ „Cjiy>kHj i bimh jnoflbMH öbiJiH öoape h cjiyni BOJibHbie.. I b l l i e 0 1. und dass er die russische Besiedlungsw eise in ihrer Vorläufigkeit explizit mit N om adenansiedlungen vergleicht: „ D ie bäu erlich en D ö r fe r an d er V olga u n d an vielen an d eren O rten des eu ro p äisch e n R u s s ­ land ähneln bis h eute f .. d ie bei einem F ü rste n in p ersö n lich em A b ­ k o m m en m it ihm in D ie n st stan den .. p acrip o c x p an fljio cb no paBHitne ne n o c x e n e m io nyxeM Hapo>KfleHH5i. so K ljucevskijs bekannte G rundthese. ab e r je d e r v o n ihnen kon n te jed e rz eit d en F ü rsten verlassen und bei einem anderen in D ie n st treten. u n an fech tb aren G ren z en . i n a > c . cocxOHBiiine na jihhhoh cjiyjKÖe y KH5I3H rio yroßopy c hhm. die je d e r ­ zeit bereit sin d sich au fzu m ach en . a n e p e c e jw a c b . rmtHbiiMH nepejtexaM H H3 Kpasi b K pafl. . . vielm ehr veren gten und erw eiterten sie sich und stellten k on tin g en te T eile irgen d ein es zersch lagen en . 2. Bn enaxjieH n e BpeweHHbix. D a s galt nicht als V errat am F ü rsten .] T o riaflaa. Teil 1. u n ter d er H o h e it ein und d erselb en F ü rste n . h o e in e ne s a d i. Sie erkan n ten sein e M ach t ü b er sich an. i i i c i „ ! i p e . 31). Koxopaa KOJiOHH'iyeTCH. so lan ge sie ihm d ien ten . cjiynaÖHbix cx oh h ok KOHeBHiiKOB.. K u r s. D ie Geschichte R usslands. Teil 1.] np0H3B0flflx. so n d e rn ü b ersie de ln d . welches kolonisiert w ird“ bzw. indem sie die an g estam m ten P lätze verließ und neue b e se tz te .“ ) (Kljucevskij. K u rs. ne p a c c e jia a c b . die er am A nfang seiner zweiten Vorlesung form uliert. dass er sie nämlich als ungerichteten. Y x C .. zu fällig en U n terk ü n ften der N o m a d e n .n o r o u e jio r o : o p o a ii n o iih m . [. rioKiiflaH H aciixe in ib ie M e c x a h caflflcb na H O B b ie.. [ . Ohh npiBiiaiiajin Bjiacxb ero nafl coöoh. 4. 31) . 71) K ljucevskij weist in der D arstellung der altrussischen Verhältnisse auch auf das ty ­ pische Fehlen eines Begriffs von Grundeigentum und territorialer G renzen bzw.IY>KOV K f lp y r O M y . wie genau Kljucevskij diese K o lo ­ nisationsbew egung charakterisiert.nKH no B o /ire n bo m h oh ix Jtp yru x M ecxax EßponeftcKOH P occh h flo cejie [ . K urs. Begrenzungen hin. sch erte sich die B e v ö lk eru n g w enig um ihre G ren z en . c y > K H B a jin c b h p a t i i i n p s i . d iese P lätze zu verlassen u m zu neuen zu z ieh en .eig en e n “. aber n och nicht gan z v erg essen en G a n z e n dar: In ihnen u m h erw an d e rn d .. 3 to BCKOBoe flBn>Kemie npoflOJi>KaeTCH j. Kap. i s ! . 1. „W a n d e r n “ als nationale P ra xis des „ m aster in g s p a c e “ 85 ganz spezifische. 2. Signifi­ kant für den hier betrachteten K ontext ist nun.“ (Kljucevskij. welches dem nom adisierenden D ynam ism us des russischen R aum bezugs eignete: „D ie n stle u te w aren B o jare n und freie D iener. nom adi­ sierenden Prozess beschreibt: „D ie slav isch e B e v ö lk eru n g verbreitete sich in d er E b en e nicht kon tin u ierlich . i y i a - H iib iM ii H a c T flM ii K a K o r o .. .“ „OiaBHHCKoe nacejieiiH e ..] .(hIII 113 HHX M O r IIO KH IIVTb KIIH SH II I ie p e H T H fiel C. nicht zersicd eln d . dynam ische Beziehung zu „ihrem “ Territorium. H e n p u K o c iio B e u H b iM H r p a i iiiu a M H .] den tem p o rären . 3 x 0 H e CMH ra/IO C b H3 M eH 0 fi KHSI3 Ü0 . „sich kolonisiert“ . die sich bis zum heutigen Tag fortsetzt.

K u rs. D arin entwickelte er zunächst keine ganz eindeutige Position. die nach der O ktoberrevolution an alternativen.ioci> HxripeÄejiaiHH. .“ („TaKoft iiombhjkhoctmo h necTpoxoft oömecTBeHHoro cocraß a riojmep>KHBajiacb CBOÖOßa HapoflHoro 'rpy^a h nepe. 37 d er V orlesu n gen v o n K lju c ev sk ij d er V erurteilu n g des G e s e t­ zes d er „B e fe stig u n g der B au ern an d ie S c h o lle “ g ew id m et („M n en ie o prik rep len ii k re st’ja n “ ).. 357) In B ezug auf die bäuerliche Bevölkerung unterscheidet Kljucevskij zwischen zwei als gleichermaßen wichtig eingestuften G ruppen: den sesshaften Bauern oder „sta- rozily“ (Alteingesessenen) und den um herziehenden („brod jacie“ ) oder „pri- chodcy“ (Anköm m lingen). U nd kom mentiert: „D urch die Bew egtheit und Buntheit der sozialen Z u sam ­ m ensetzung wurde die Freiheit der A rbeit des Volkes und seiner K olonisierungs­ bew egung unterstützt. b P vc c k o ii ie v i. antibol’sevistischen M odellen der ru ssi­ schen Kulturgeschichte arbeiteten und deren Schicksal sym ptom atischerw eise vom Exil und der damit verbundenen O rtlosigkeit bzw. iiOTOMy >iro o c n iu u . Teil 2. stellte aber immer wieder die Bew egtheit als solche ins Zentrum . 1946.86 Su si K. c p e flH cb o h x. 1918) die „M acht der Räum e über die russische Seele“ („ O vlasti prostranstv nad russkoj d u so j“ ) beklagte. So bezeichnete N ikolaj Berdjaev die R ussen prinzipiell als „begu n y “ und „stranniki“ (in „D ie russische Idee“ /„R u ssk a ja ideja“ . Kap. sah er in einem anderen gerade in der durch Weite geprägten „G eographie der russischen Seele“ den G rund einer entscheidenden Überlegenheit gegenüber der „E nge des E u ro päers“ . 20.ie . N u r in dem im K ontext des Ersten Weltkriegs entstandenen und ebenfalls im Band „D as Schick­ sal R usslan d s“ („S u d ’ba R o ssii“ ) erschienenen E ssay „Bew egung und U nbew eg­ lichkeit im Leben der V ölker“ („D vizenie i nepodviznost’ v zizni narodov“ . Zweitens erfuhr die D eutung des N om adisierens als nationaler russischer M o ­ dus des „m astering space“ eine weitere Transform ation durch A utoren. U n ­ 17 In sg e sa m t ist d ieses K ap . indem er letztlich die ursprünglich volkstüm lerische Position . gekenn­ zeichnet war. „displacedness“ . W äh­ rend er in einem E ssay der Sam m lung „D as Schicksal R u sslan d s“ („S u d ’ba R os- sii“ . wenn er deren R aum bezug als „extensiv“ dem „intensiven“ der europäischen Kulturen gegenüberstellt. Kap. nofl B Jiacrbio Bce T e x xe p y c c K u x KHH3eft. 1) und widm ete der R aum problem atik bzw. Teil 1.uisi.) (K lju ­ cevskij.salonfähig‘ machte.io c i. K urs.“ ( Kljucevskij. K a p . Im plizit setzt Berdjaev die russische K ultur den zu seinen Lebzeiten bereits intensiver ethnographisch er­ forschten nomadischen Kulturen gleich. io im |>y. 37)17 In seiner D arstellung der russischen Geschichte als K olonisationsgeschichte ü ber­ wand Kljucevskij som it endgültig den gerade auch über den G egenstand der nom adisierenden R aum praxis ausgefochtenen D ispu t zwischen etatistischen und antietatistisch-volkstüm lerisch-revolutionären Positionen. der Problem atik der räumlichen D ynam ik der russi­ schen K ultur einige Essays.HBH>KeHua“ . F r an k n ace jie H n e iu i .

. 443). D ie m ongolische Reichsbildung.qacTb OKpannHO-ripnM opcKoro MHpa [..s „ [ . D ab ei brach te sie ihre m ittlere L a g e in eine vereinende R o lle. f. FTpn 3to m cpeflHHHoe n o jio x e n n e x o jiK ajio e r o k BbinoiineHHfo coeflHHHTejibHoft poJiH.vienHO ncropH qecKaH o c e jy ia a h CTennasi c th x h h [.] in ihrer R o lle als Strafe G o tte s reinigten u n d heiligten d ie T ataren d ie R u s ’. besetzte. Bew egung bedinge „schöpferische Politik“ . „W a n d e r n “ als nationale P ra xis des „m a sterin g s p a c e “ 87 terkapitel im K apitel 4 „P sychologie des Krieges und Sinn des K rieges“ ) löst Berdjaev sich vom G eodeterm inism us und form uliert eine restlos positive Bew er­ tung des russischen . d u rch ihr B e isp iel g ab en sie ihr den H a n g z u r M ach t [ .] P occh h n acjiefln n n a B c jIh k h x XaiiO B [. B MCTopHMecKOM cM bicjie «npaM oyrojibHH K cTerieft» .] [an d ererseits] ist R u sslan d ein Teil d er periph eren M e e r w e lt..s t o KaK 6bi CpeflH3eMHoe Mope KOHTHHeHTajibHbix ripocxpan cT B . .. K o n tin en t (M o sk a u 1997) 335. n p n crio co 6 jien k ripeoflOJienHiO cyxoriyxH bix npocTpancTB... 1997. . indem auf die tradi­ tionellen Techniken der (bislang aus sesshafter Perspektive als N ichtw ertschät­ zung des Bodens diskreditierten) extensiven Bew irtschaftung (einschließlich der Bew ässerung) dieses Raum s zurückgegriffen werden sollte und zum ändern in kultureller H insicht.. Insbesondere die hohe Entw icklung der Kriegskunst (Eisen als Er- .. b caMOM n p iim u in e KOMeBba.“ ) Savickij. 19 „ D ie n o m ad isc h e W elt in ihrem n o m ad isieren de n P rin z ip ist geeignet zu r Ü b e rw in d u n g k on tin en taler R äu m e.. Kontinent. Su d ’ba 1999. K o n tin en t 348.[. nicht-russischen N o m adism u s be­ schäftigte und Russland als kulturellen Erben insbesondere des m ongolischen Steppennom adism us ansah.]) Petr Savickij.und eine „geistige Ü berlegenheit“ („duchovnoe preobladanie“ ) der russischen K ultur (Berdjaev..N om adisierens': Berdjaev treibt hier die K olonisationsthese der „narodniki“ -A utoren weiter und deutet „B ew egung“ als Sym ptom kultureller Kreativität und m ilitärisch-kriegerischer Expansionskraft. cbohm npiiM epoM npHBHJiH eft itaßbiK M orym ec-rea . insofern eine pax rossica das Erbe der auf kultureller und re­ ligiöser Toleranz basierten pax m ongolica antreten sollte18. D en Bogen der Aneignung des N om adisierens als nationale russische R au m ­ praxis schließen jedoch die Vertreter der postim perialen Exilideologie des Eura- sianism us und unter ihnen insbesondere der G eopolitiker und G eohistoriker Petr Savickij. die nun von Russland w eiterge­ tragen werde..nbHHua A 3hh. die die russischen Fürstentüm er im M ittelalter weit zurückdrängte bzw. hätte das Beispiel für die M öglichkeit der Beherrschung des kontinentalen eurasischen Raum s gelie­ fert.] Pocchh .] R u ssla n d ist [einerseits] die E rb in d er groß en K h an e [ ...im G egensatz zu „bew ahrender“ .. 347)19.. Savickij verstand die nom adischen Steppenkulturen als Keim zelle der eurasi­ schen K ultur insgesam t und sprach von der geographischen bzw..] B nefi coHexaroxcH oflHOBpe. ..] ciio e io p o jib io HaKa3aH M B o r n « xaT ap b i o h h c th jih h o c b h th jih Pycb.] die V ereinigerin A sie n s [ . In ihr v erbin den sich g leich zeitig d as se ssh afte u n d d as S te p p e n -E le m e n t“ ([.. der sich intensiv mit dem eurasischen. Savickij..] 06 beflHHHTe.“ („K o n e B o ft Mitp. an der Russland sich später orientieren konnte und sollte: Zum Zeitpunkt der schrecklichen H ungersnöte und M issernten nach dem Bürgerkrieg meint Savickij die Chance R usslands im Antritt des Erbes der halbnom adischen Kulturen der Steppe zu erkennen: zum einen in w irtschaftlicher H insicht. um w elt-beding­ ten kulturellen Einheit der eurasischen Steppenw elt („edinstvo i celostnost’ koce- voj kul’tu ry“ .. Im h is­ torisch en Sin n ist d as R ech teck d er Step p en im G ru n d q u asi d as M ittelm eer d er k o n tin e n ta­ len R ä u m e .

W ährend des in verstärktem Ausm aß durch Exil gekennzeichneten 20. and interpreted it as the prim um m obile of R ussian colonization 20 In der politischen D isk u ssio n des p o stso w je tisc h e n und P u tin -R u sslan d nah m d ag egen der N eo cu rasian ism u s A le k san d r D u g in s eine rad ik ale U m w e rtu n g d es N o m a d isie re n s vor: N o m ad isiere n . the position of quite a num ber of oppositional Russian thinkers of the later 19-th century. on the other hand. H erder. .w esternizing' position. Jahrhundert zu einem stehenden Selbstbeschrei- bungsbegriff der russischen D iasp ora20.h . which identifies R ussian n o­ madism as the ultimate origin o f Russian backw ardness (Chaadaev. die der eurasischen Kultur einen „flüssigen C h arakter“ („necto tekucee“ . ein „fließ en des“ . Jahrhunderts erm öglichten die nationalen D eu ­ tungen räumlicher D ynam ik bzw. Sum m ary The Article deals with the acquisition of European conceptualisations of nom ad­ ism in Russian cultural philosophy and its transform ation into a central m otiv of Russian national selfdescription and cultural identity. dem „atlan tisch en W esten“ diam etral en tgegen stellt .g eh ö ren d en “ L än d ereien . einer Welt. 1997.88 Susi K. who transform ed the wandering way of life into a constitutive m om ent of the cultural identity of the Russian people. two opponent positions can be observed. den M aksim ov einer ganzen Reihe seiner ethnographischen „ocerki“ (Skizzen) gegeben hatte.und Verbindungsrolle zwischen Kulturen (Savickij. Zuletzt erscheint es nur konsequent. bis zu denen die E x p a n sio n reich en so lle . dass als letzte aktualisierende A neignung des Nom adisierens als nationale Form des „m astering space“ die Verbreitung die­ ses Konzepts in den Selbstbeschreibungen der russischen Em igration im 20. für D u g in ru ssisch en K u ltu rra u m . V gl. O sn o v y 190. 1997. in stabiles M o m e n t sch reib t D u g in dem k ap italistisch e n W esten zu. One. die religiöse Toleranz (ein T opos des w est­ lichen Orientalismus und orientalistischen N om aden disku rses!) und die Vermitt­ ler. deren G ren zen . w ohingegen R u sslan d .d u rch eine im periale T e le o lo ­ gie gekennzeichnet sei. d . 348). so called „narodniki“ . . den D u a lism u s des K alten K rieg es reaktu ali- sierend. seien hierfür entscheidend. Solov’ev). N icht von ungefähr wurde der Titel. d u rch ein im periales „S a m m e ln “ und „V erein igen “ der zu m eu ra si­ schen. Dugin. 352) verleihe (die M etapher C aadaevs und S o lo v ’evs!). Within this sem antic transform ation p ro ­ cess two directions. H egel). sie erm öglichten einen sym bolischen Z u ­ sammenhalt und die Bewahrung einer durch räumliche Ab-Trennung gefährdeten Identität. Kontinent. inspired by western cultural ph ilosoph y and western environm entalism or geo-determinism (M ontesquieu. in welchen es um die K onstruktion einer russischen Exilidentiät .ohne festen W ohnsitz“ geht. ieststü n d en . F r a n k rungenschaft der Steppennom aden). Kontinent. This developm ent seems to be enabled by the mediation of a national interpretation of the C hristian tradition of ascetic wandering („strannicestvo“ ). Savickij. „brodjacaja R u s’“ (va­ gabundierendes Russland) im 20. And. des N om adisierens die Ü berw indung der räumlichen Spaltung und Zerstreuung. Jah r­ hundert wieder zu finden ist.w elch es er.

S o cin en ija v 18-i k m gach 17 (M o sk v a 1996). ( h t t p : / / a z . Resetnikov. (M o sk v a 1991) B d. 2 0 1 0 ) Petr Savickij. S u d ’ba R o ssii (M o sk v a 1999). P o v esti. „W a n d e r n “ als nationale Praxis des „ m aster in g s p a c e “ 89 (G . Vladimir Sergeevic Solov’ev. Kostom arov. 2 0 10).. s h t m l . So c in en ija v v o s ’mi tom ach . Alexandr Dugin. Sergej Maksimov. 3 B d e. 12. ra ssk a z y i ocerk i.lib . in: ders. A prospect on the positions of the beginning 20-th century dem onstrates how this opposition has been overcom e. O sn o v y g e o p o litik i (M o sk v a 1999).. Vladimir Sergeevic Solov’ev. S ib ir ’ i k ato rg a (San k t P eterb u rg 1913). K u r s ru ssk o j istorii. R u ssk a ja o b scin a v tju r’m e i ssy lk e (San k t P eterb u rg 1872).n i/s/so lo w x e w _ se rg e j_ m ih a jlo w ic h /te x t_ 1 1 1 0 . but the m otif of R ussian nom adism nevertheless has been carried on in Russian national discourse. (h ttp ://a z . V orlesu n gen ü b er die P h ilo so p h ie der G esch ich te (W erke in z w a n z ig B än d e n . 2010). in: P o ln o e so b ra n ie socin en ij i izb ran n y e p is ’m a. Reshetnikov). 8 (1858). Danilevskij. Fedor M.sh tm l# 5 0 0 . B d .sh tm l# 2 0 0 . 11 (1861). D anilevskij. in: ders. (M o sk v a 1985).rU /s/so lo w x e w _ se rg e j_ m ih a jlo w ic h /te x t_ 1 1 3 0 . 1. 8 6 -106.sh tm l# 1 0 0 . Stran n ik i sk italec v ev ro p e jsk o j i ru ssk o j literatu rach . Teil 1 (M o sk v a 1956). Petr Jakovlevic Gaadaev. E in nation ales C h arak te rb ild (L e ip z ig 1874). Grigorij P. Maksimov. Danilevskij. Kljucevskij. in: W iener Slaw isti- sch es Ja h r b u c h 39 (1993) 17-22.lib . Jadrincev. Nikolaj Kostomarov. August von Haxthausen. 1. D ie P ion iere d es O ste n s. 2 B d e. B d . Literatur Prim är Nikolaj Alexandrovic Berdjaev. 1. Sekundär Zoltan Chajnadi. and an imperial people oriented. Nikolaj Jadrincev. geseh en a m 3. gesehen am 2. gesehen am 2.lib . B d .. F ra n k fu rt am M ain 1970) 105-32. P o ln o e so b ran ie so cin en ij. B d . N a c a la ru ssk o j zem li. B e g ly e v N o v o r o ssii (M o sk v a 1862).1. in: ders. Grigorij P. Vasilij O. Isto rija R o ssii s d revn ejsich vrem en. 1. Fedor M. Isto rija R o ssii s d revn ejsich vrem en. B d . 2010 ). Lettres p h ilo so p h iq u e s ad re ssee s ä une dam e: L e ttre p rem iere. anti-etatistic on the other hand. K o n tin en t E v ra z ija (M o sk v a 1997).. B d . Isto rija R o ssii s d revn ejsich vrem en. (h ttp :// a z . Resetnikov. 13 (M o sk v a 1863). Vladimir Sergeevic Solov’ev. . P o d lip o v cy .ru /s/so lo w x e w _ se rg e j_ m ih a jlo w ic h /te x t_ 1 0 8 0 . gesehen am 2. 2 B d e. d as V olk sleb en u n d in sb eso n d ere d ie län dlichen E in rich tu n g en R u ssla n d s. M e z d u lju d ’m i. 1. l i b . R u ssk a ja isto rija v z iz n e o p isan ijach ee dcjatelej (1872) (M o sk v a 2004). r U / r / r e s h e t n i k o w _ f _ m / t e x t _ 0 0 1 0 . (San k t P eter­ b u rg 1 9 04/09). Vladimir Sergeevic Solov’ev. (h ttp ://a z . P o d lip o v cy . 1 (1847) (H ild e sh eim 1973) Georg Wilhelm Friedrich Hegel. The main hy­ potheses is that these two opposing positions suggest tw o different imperial con­ cepts of m astering space: a national-im perial state oriented on the one hand. Stu d ie ü b er die inneren Z u stän d e .

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LeDonne. Iden tität. B.). dass die Kategorie Raum seit den siebziger Jahren des 20.). V. A u fsä tz e z u r T h e o rie der G e o g ra p h ie . 2 B de. Regina Bormann. . unterschiedlichen Interessen geschuldete H inw endung zu diesem Them a feststellen1. T. offenbarte sich w ohl am augenfälligsten im Phänom en der W egelosigkeit (bezdo- 1 N e b e n den K la ssik e rn von S.). S p ace in A m e rica. S o z ia lth e o re ti­ sch e V erortu n gen k u ltu reller P ro z e sse (O p la d e n 2001). K u l’tura dva (M o sk au 1996 ). D ie Rufe nach einem die D isziplin verjüngenden spatial turn wollen nicht ver­ stum men. Benno Werten. Bater. T h eory . etw a Jam es FI. die die vorrevo­ lutionäre russische Geschichte in dieser H insicht konstant durchzogen hatte. Alexander C. B d . T h e C o n c e p t o f Sp ace in R u ssian H isto r y an d C u ltu re (H e lsin k i 1999). Kerstin Schmidt (H rsg . Karl Schmitt (H rsg . O rtsg e sp rä c h e . N e w Y o rk 2005). Kljucevskij u n d d em w ied eren td eck ten M. u n d 20. U nd dies um so mehr. S o z ia lg e o g ra p h ie alltäglich er R e gio n alisieru n gen . K. Jeremy Smith (H rsg . in: O ste u r o p a 55 (2005) H e ft 3. U ff a Jensen. wenn man den Fokus auf Russland richtet. M. Solov’ev. T h e G e o p o litic s o f E x p a n sio n an d C o n ta in m e n t (N e w Y o rk u . 2 N e b e n Michel Foucault.. Denis J. obw ohl es streng genom m en keine Wende im eigentlichen Sinne zu vollziehen gibt. 1: Z u r O n to lo g ie v o n G e se ll­ sc h aft u n d R au m (S tu ttg art 1995). O. P o litik und R a u m (B a d e n . T h e R u ssian E m p ire and the W orld. Klaus Benesch. Geppert. L a p ro d u c tio n de l’esp ace (P aris 1974). R au m . w ie auch d as T h em en h eft: D e r R au m als W ille und V orstellu n g. 2 B d e. Eine der bedeutendsten Problem lagen. Soja. D ies mag mitunter daran gelegen haben.a .). w eiter ex em p larisch Edward W. L a n d sc h a ft u n d R au m . vgl. denn die Selbstverständlichkeit dieses Phänom ens für und in der Geschichte ist nur allzu offensichtlich. Jahrhunderts als historische und analyti­ sche O rdnungsgröße wieder erkennbar Einlass in verschiedene Forsch u n gsdis­ ziplinen gefunden hatte2. E rk u n d u n g e n ü b er den O ste n E u r o ­ p as. N e w Y o rk 1991) 6 5 -7 2 . Dennoch ließ sich auch hier erst in den letzten Jahrzehnten eine verstärkte. H isto ry . Ljubavskij vgl. 1700-1917. Roland Cvetkovski Russlands Wegelosigkeit Semiotiken einer Abwesenheit D er R aum hat in der jüngsten G eschichtsw issenschaft zw eifellos H och k on ju n k­ tur.John P. French (H rsg .B ad e n 2002).a . K u P tu rn y j lan d saft i so v e tsk o e o b itaem o e p r o stra n stv o (M o sk au 2001). M . Shaw. 1989). 1997). A. B e y o n d the L im its. C u l­ ture (A m sterd a m .). Vladimir Kaganskij. Vladimir Papernyj. Jörn Wein­ hold (H rsg .). R. Gerhard H ard. S tad t-R äu m e (F ra n k fu rt a. R au m und K o m m u n ik a tio n im 19. A n d ere R äu m e (V o rtrag am „ C e rc le d ’E tu d e s arch itec tu rale s“ im M ä rz 1967 in P aris). (O sn a b rü c k 2002 f. Ja h rh u n d e rt (B iele­ feld 2005). P o stm o d e rn G e o g ra p h ie s (L o n d o n u .). a b g e d ru ck t in: Martin Wentz (H rsg . u n d Henri Lefebvre . (L o n d o n 1983 )\ Judith Pallot. S tu d ies in R u ssia n H isto rical G e o g ra p h y . Z eit. L an d scap e and Settlem ent in R o m a n o v R u ssia 1613-1917 (O x fo r d 1990).

S tadt-. V.).) B d . dass sich der Zustand der Kom m unikationen im russischen Reich nicht nur unm ittelbar auf den Kom m erz niederschlage. Seine überaus positive Einschätzung der Straßen als geradezu heilsbringendes M edium war ein­ deutig der aufklärerisch-zivilisatorischen M ission geschuldet. für R u sslan d vgl.n acalo X X v. Jahrhundert hinein eine nicht zu überschätzende Rolle für Russland anwiesen und welche die M obilität sich gleichsam zu einer Konstanten der russischen Geschichte verfestigen ließen6. V y so cajse u crez d en n o e O s o b o e So v escan ie o n u zd ach se l’sk o ch o z jajstv e n n o j p ro m y slen n o sti (San k t P e te rsb u rg 1903). T h e T ran s-Siberian R ailro ad an d the C o lo n iz a tio n o f A sian R u ssia. zum D irektor der „K anzlei für den Bau von staatlichen Straßen“ (Kanceljarija stroenija gosudarstvennych dorog) ernannte N ikolaj E. 5 N ich ts kü n d ige „leb h after die C u ltu r eines L a n d e s“ an als „w o h l an gelegte L a n d = S tra ß e n “ . Peter Gatrell. 1. 326. Kozlov. N eben der territorialen und zivilisatorischen Relevanz waren es zusätzlich ökonom ische und vor dem H intergrund über Jahrhunderte kontinu­ ierlicher K olonisations. h rsg.X V I I w. Sb o rn ik statej k 70-letiju p ro fe sso ra L ju b o m ir a G r ig o r ’evica B e sk ro v n o g o (M o sk au 1975) 2 3 4 -4 8 . 4 Z itat nach S.u n d L an d -W irtsc h aft und d er K u n st- G esch ich te. N ich t ohne Grund tauchte der Begriff quellenmäßig fassbar erst in der zweiten H älfte des 1 7 . 108. S. R u ssk ij p u tesestv e n n ik ep och i P ro sv escen ija (San k t P e­ tersb u rg 2003). S o lautete der E in trag unter „S tra ß e“ in: Ö k o n o m isc h -te c h n o lo g isc h e E n c y k lo p ä - die o d er allgem eines Sy ste m der Stats-. sondern dass gute Straßen zudem für den „W ohl­ stand des gesamten menschlichen Geschlechts notw endig“ seien4. 237 f. Jahrhunderts stellte dem russischen Staat die Frage nach herrschaftlicher Raum verw altung in ei­ nem bislang nicht gekannten Ausmaß neu. A. Sachovskoj.und M igrationsström e auch dem ografische G ründe. E in trag „bezdoroziea“ . 62. D ie Straße war bis zur Einführung der Telegrafie und der Eisenbahnen das einzige M edium. H a u s. Johann Georg Krünitz (B erlin 21785 ff. M urav’ev etwa hatte in seiner ein Jah r zuvor erschienenen „Betrachtung über den H andel“ (Razsuzdenie o kommercii) festgestellt. in: Isto ric e sk a ja g e o g ra fija R o ssii X I I .E . in deren Tradition er sich sah5. D e r eigentlich au fklärerisch e Z u sam m en h an g m it der Straß e erfo lgte z w eifello s ü b er die n eu e „ars itinera- ria“ . Marks. als sich in R ussland das Postw esen als staatliche E xpedier­ organisation zu etablieren begann. Troickij. das H errschaft zu tran spor­ tieren vermochte und wurde demnach als eine ihrer C hiffren gelesen. Steven G. M u r a v ’eva o razv itii k o m m ercii i putej so o b sc e n ija v R o ssii (60-e g o d y X V II I v. D och lieferten nicht nur Ideologien A rgum ente zur generellen E in­ fassung der Straße. Z ap isk i Sen atora N . D ie Straße als Kern der 3 V gl. vgl. R efu g ees in R u ssia D u rin g the W orld W ar I (B lo o m in g to n 1999). Jahrhunderts auf3. Die Bedeutsam keit der Straße erschöpfte sich allerdings nicht nur in ihrer den klassischen M achttransport betreffenden Zurich­ tung: D er im Februar 1764 von Katharina II. Z em led elceskij o tc h o d k re st’jan. ex em p larisch N. A W h ole E m ­ pire W alking.sch lech t besch affen e w iederu m seien ein H in w eis au f die „n o ch seh r feh lerhafte L an d e s- P o lice y “ . (M o sk au 1975 ff. von D. Die rasche Expansion des M oskauer Staates insbesondere durch das A u s­ greifen sow ohl in den Süden durch die Einnahm e der Chanate K azan ’ und A stra­ chan’ zu Mitte als auch der Vorstoß nach Sibirien gegen Ende des 16. M.) B d . R o a d to Pow er.92 R o la n d C v e tk o v s k i ro z’e). S lo v a r’ r u ssk o g o ja z v k a X I . . w el­ che der Straße bis weit in das 19. 6 Z u den genann ten untersch iedlich en E in rah m u n g en .

). Hans-Liudger Dienet.). Brian Slack. 2010). wenn auch die intellektuelle M obilität. Klaus Gestwa. für den russischen Staat stets ein hohes Bedrohungs. D ie m od ern e Straß e. denn Kom m unikation.. Städ te im eu ro p äisch e n R au m . 7 D a z u Dirk van Laak. K o m m u n ik a tio n u n d U rb a n itä t im 19. Ja h r ­ h u n d ert (F ra n k fu rt a . In fra-Stru k tu re n . D ie Bedeutung der Straße indes änderte sich aus diesem Blickwinkel nicht: Er war H errschaftsraum . S. I. in: H a n d b u c h d e r G esch ich te R u ssla n d s V /2 (S tu ttgart 2003) 1089—1152. N. generierten dabei unter­ schiedliche Bedeutungen und entsprechend unterschiedliche Sinnsystem e. R u ss la n d s W eg elos igke it 93 imperialen Verkehrsinfrastruktur war das M edium p a r excellence. Wie aber sah es außerhalb des staatlichen G ra­ vitationsfeldes aus? Welche G eltung hatte die Straße für diejenigen Betroffenen. D ie G ru ppe der Betroffenen ist dabei freilich äußerst heterogen.adm inistrative und finanzielle H ürden sow ie dem ografische und harte räumliche Gegebenheiten beließen das russische Straßennetz in seiner W eitmaschigkeit. vgl. W.).M . N ichtvorhandensein von Straßen . Alexander Gail. S. 1 8 5 0 -1 9 1 7 (Ith aca 1991). edited b y Roger Weiss (C h ic a g o 1989) 1-9 1 .bzw.und sogar U m sturzpoten zial barg. der zum indest theoretisch stets im O rbit des Staates angesiedelt war. B. W issenszirkulation. auf ihr in die Ferne zogen und die damit unweigerlich einen Bereich betraten. Claude Comtois. „ G u te Straß en bis ins klein ste D o r f !“ V er­ k eh rsp o litik in B ay ern zw isch en W ied erau fb au u n d Ö lk r ise (F ra n k fu rt a . P lan u n g. die der russische Staat über die Bedeutung der Straßen im Reich vertrat. u n d S. das erschloss.M . 2005). Lians-Ulrich Schiedt (H rsg . V.p erv o j p o lo v m e X I X v. Bürokraten. die sich auf ihr aufmachen m ussten. Jean-Paul Rodrigue. das vor allem mit den Eisenbahnen eine sehr konkrete G estalt annahm. R u ssian E c o n o m ic H isto ry . der klar M obilität und Geschw indigkeit befürw ortete. E u ro p e a n in term o d al T raffic Ju n c tio n s 1 8 0 0 -2 0 0 0 (F ra n k fu rt a. Ralf Roth (H rsg . U n co n n e cte d T ran sp o rt N e tw o r k s.. N ic h t m in d er w ich tig w aren P ilgerfah rten . die mit der A usw eitung des Ver- kehrsinfrastrukturnetzes notwendig mit einherging. B au und V erkehr vom 18. Kornilov. In frastru k tu re n . D ie Wirklichkeit.). Johannes Grützmacber. Künstler oder W issenschaftler größtenteils die M einung teilten. Arcadius Kahan. sah allerdings anders aus . im w eiteren K o n te x t vgl. Ja h rh u n d e rt (S tu ttgart 2009). 2004). in: ders. V nu- trennij ry n o k R o s sii vo v to ro j p o lo v in e X V II I . D er russische Staat setzte voll und ganz auf den A usbau seines Straßennetzes. . M . der vom A nspruch eigentlich in höchstem Maße reguliert war? Beide Seiten bezogen sich auf denselben Tatbestand . 368 ff. und som it m oderner Raum . Moskovich. T h e G e o g r a p h y o f T ran sp o rt S y ste m s (L o n d o n 22009). T h e N in ete en th C en tu ry . u n d 20. in: G esch ich te und G esellsc h aft 27 (2001) 3 6 7 -9 3 . D re v n e ru ssk o e p alo m n icestv o (K a lin in g ra d 1995). 1860-1913. Es liegt auf der H and. Schwarzband (H rsg . T h e R u ssian E co n o m y . V erkehr. die mit dem Begriff des h ezdoroz’e schon früh vielsagend um schrieben war. Mironov. bes. Hans-Liudger Die- nel (H rsg . Se m io tics o f P ilgrim age (Jeru salem 2003). Bruk. Die W egelosigkeit galt es abzuschaffen. das de iure ihm allein aufgegeben war. (L en in g rad 1981). verknüpfte und mithin integrierte7. M ig racio n n y e p r o c e ssy v R o ssii i S S S R (M o sk a u 1991). Inform ationsaustausch und ökonom ische Effektivität waren auch für sie aus unterschiedlichen Gründen zentral.das Vorhanden. bis z u m 20. dass etwa Unternehmer. Selbst im Eisenbahnzeitalter garantierten aus herrschaftlicher Sicht noch gute Straßenverhältnisse eine stabile politische und ökonom ische O rdnung.

1991). das Straßensystem im 18.M .).). vgl. M . (H rsg . allgem ein Bernd Jürgen Warneken (H rsg . in: Walter Sperling (H rsg . Beide Zugänge er­ zeugten unterschiedliche Funktionsweisen der W egelosigkeit im Zarenreich und verwiesen daher auf einen sehr heterogenen B egriff des b ezd o roz’e. bes. 1683 P o ln o e S o b ran ie Z a k o n o v (im . D im en sionen des P olitisch en im R u ssisch en R eich 1800-1917 (F ra n k fu rt a. Je n se its d er Z arenm ach t. mit dem sich von staatlicher Seite ein spürbarer D ruck zur Beschleunigung der Kom m unikationen auf den Straßen fo r­ mulieren ließ. Jahrhundert kontinuierlich auszubauen. Seine Verfes­ tigung zur scheinbar allgemeingültigen kulturellen Selbstbeschreibung R usslands m uss daher unter dieser Perspektive betrachtet werden. Eine erkennbar syste- s Z u den E n tsch eid u n gsop tion en vgl. D er zweite Teil versucht anhand von Sprichw örtern das W issens­ reservoir anzuzapfen.). od er als G ew altrau m . um die unterschiedliche Zeichenhaftigkeit der Straße deutlicher hervortreten lassen zu können. 94 R o la n d C v c tk o v sk i D ieser Beitrag versucht nun die Sem iotik der russischen W egelosigkeit beispiel­ haft von zwei grundsätzlichen Seiten näher ins Blickfeld zu rücken: Zum einen von der herrschaftlich-staatlichen. aber insbesondere in der A usbildung des russischen Postsystem s manifestierte. Zum anderen soll mit den Bauern der Großteil der russischen Bevölkerung gewissermaßen als staatlicher G egenpol zu Wort kom ­ men. D ie Straße als O rt au tom ob iler In k lu sio n . Exem pla­ risch sollen hierbei die beiden Zuschreibungsoptionen M obilität/Im m obilität sow ie Schnelligkeit/Langsam keit erkenntnisleitend sein. an das Straßennetz jedoch immer ange­ bunden gewesen waren. wie sich nun die jeweiligen Straßen ausneh­ men mochten. H ierfür wird im ersten Teil die herrschaftliche Raum . welche die Straße als O rt der form alisierten Kontrolle begriff. ganz gleich. bewilligen oder auch verhindern konnte. Straß e und Straß enkultur. denn in jedes D orf führte notwendig zum indest ein Weg. aus sy stem th eo re tisc h e r Sich t etw a Hans-Jürgen Hohm. 2 3 -4 0 . ohne frei­ lich die Straße allein auf diese beiden Zuschreibungspaare zu reduzieren8. Z u r K u ltu rg e sch ic h te d er D e m o n s­ trationen (F ran k fu rt a. aus dem sich das landläufige. in: ders. M assen m ed iu m Straß e. Z u r Straß e als p o litisch em R au m vgl. Jahrhunderts als nunmehr institutionalisierter herrschaftlicher Inform ations­ träger außer Frage. 9 E tw a die V erordn u n gen zur Straß enbreite vom 20. nicht offizielle Bild der Straße zusam m ensetzte (und was teilweise noch bis heute gültig ist). und 19. 2008) 409-32. Anke Hilbrenner. Wegefürsorge D ie Straße stand spätestens seit der Einrichtung der russischen P ost Mitte des 17. In terd iszip lin äre B eobachtun gen eines öffen tlich en S o z ialrau m e s in d er fo rtg esch ritten en M o d e rn e (K o n sta n z 1997) 23-81. G e w a lt als Sp rach e der Straße. die sich in den Bem ühungen. 5. T errorism u s und seine R äu m e im Z aren reich . und es lassen sich seit dieser Zeit entsprechend die ersten stra­ ßenbaulichen Vorschriften in den G esetzestexten finden9. die späterhin beim Ausbau des Eisenbahnnetzes kom m unikationstechnisch zw ar deutlich ins Hintertreffen gerieten.und Straßenverwaltung in Anschlag gebracht. auf der man Bewegungen ganz allgemein regeln.

und Landwege betraut. Die Straße wurde nun zum Allgemeingut erklärt. Alle bislang unternommenen Versuche. was auch in diesem Fall keine eindeutige Verbesserung brachte. d. März 1786 ins Leben gerufenen Kommission dessen anzunehmen und überdies eine erste Generalkarte Russlands zu erstellen. 1. N e 1. Erst nachdem der Straßenbau am 30. obwohl sein Hauptanliegen eigentlich dem Ausbau der Wasserwege galt. Bd. Russlands Wegelosigkeit 95 matische Sorge um den Zustand der Straßen im Zarenreich setzte aber erst mit Peter I. Occrki istorii doroznogo stroitel’stva v SSSR (dookt- jabrskij period. Jamskaja gon ’ba v M oskovskom gosudarstve do konca XVII veka (Jaros- la\T 1900). war Peters I. ging die Verwaltung der Straßen 1780 an die niederen Landgerichte (niznie zemskie sudy) über. . 1753 PSZ (I). 10 20. Das Problem der U n ­ zulänglichkeit der Landkommunikationen blieb gerade wegen der unklaren und wechselhaften administrativen Organisation daher nach wie vor bestehen. ging man größere bauliche Vorhaben an und Folgenden PSZ) Serie (I). und das Recht auf Benutzung wie die Pflicht zur Instandhaltung ging auf die Gemeinschaft über10. 1764 PSZ (I). versandete erneut ergebnislos und wurde von Paul I. N e 1. Das für den wirtschaftlichen Ausbau des Reiches 1718 eigens eingerichtete Kommerzkollegium wurde mit der Leitung und der Einrichtung der Wasser. blieb sie wegen fehlender finanzieller Mittel sowie mangelnden qua­ lifizierten Fachpersonals jedoch folgenlos. N e 12053. § 34. deren Bau 1722 begonnen wurde und Sankt Petersburg mit der alten H aupt­ stadt Moskau auf einer Strecke von ca. G urljand. am 21. Obwohl die 1764 eingerichtete „Kanzlei für den Bau von staatlichen Straßen“ als zentrale Behörde installiert worden war. Jahrhundert nach wie vor unersetz­ lich I. um alle staatlichen Straßen in den „allerbesten Zustand zu versetzen“ 11. 750 Werst verbinden sollte.013.329. § 10 und 20. Jahrhunderts auf administrativer Ebene anzunehmen. waren fehlgeschlagen. Bd. Nachdem die Aufsicht kurzzeitig in den Zuständigkeitsbereich der Gouvernements gefallen war. 12 Rossijskij Gosudarstvennyj Istoriceskij Archiv (im Folgenden RG IA ) f. sich der Wegelosigkeit im Laufe des 18. größtes Ver­ dienst sicherlich in der Projektierung der so genannten Perspectiv-Straße zu se­ hen. S.Ja. Dezember 1796 mit der Bemerkung aufgelöst. 11 18. Bd. Neben der Ausstattung der russischen Straßen mit neuen Brücken. P. blieb aber nur vorübergehend deren oberste Auf­ sichtsbehörde. XVI. 101. op. dass ein solches Unterfangen ohnehin „unnütz“ sei12. Eroskin. Kudrjavcev. XIII. 1684 PSZ (I). Zakono- datel’nye material)' (Moskau 1960) 301 f. das an die Landeigen­ tümer zu zahlen war. Gosudarstvennye ucrezdenija Rossii v XVIII veke.074. II. zum 15. Moskau 1951) 79-105. (1689-1725) ein. 2. August 1809 der Verwaltung der Wasserstra­ ßen unterstellt worden und dadurch endlich auch einem größeren administrativen Zuständigkeitsbereich angehörte. 2. Bd. Ein er­ neuter Anlauf. Zitat nach N . 4. Die allgemeine rechtliche Lage der Straßen wurde jedoch erst deutlich später geklärt: 1753 schaffte man mit einem Ukaz das allgemeine Wegegeld ab. und 16. Z um Straßennetz A. durch deren Besitzung die Landstraßen verliefen. II. Werstpfählen. die größeren und wichtigeren Straßen mit Holzbohlen auszulegen. am Wege liegenden Gaststätten sowie der Anordnung. N e 10 164. sich mit einer am 14. 12.

wies schon erhebliche Lücken und infrastrukturelle weiße Flecken auf. Bd. predstavlennyj ministrom putej soobscenija general-lejtenantom grafom A. N a 11 759.96 Roland C vetkovski begann 1817 die beide Hauptstädte miteinander verbindende Perspectiv-Straße als erste im russischen Reich mit Steinen zu pflastern. wobei sich fast die Hälfte in den Händen der lokalen Selbstverwaltungen befand. Jahrhun­ dert der einzige blieb. die Straßen ihrer Bedeutung nach in fünf Kategorien zu staffeln. D er Süden der Ukraine sowie der äußerste Süden Russlands konnte mit Ausnahme einiger im Kaukasus angelegter Chausseen jedoch fast keine asphaltierten Trassen vorweisen. dass mit Einrich­ tung der lokalen Selbstverwaltungen (zem stvo) 1864 der Chausseenbau sukzessive diesen überantwortet worden war. O b z o r Rossii v doroznom otnosenii (Moskau 1900) II-V. als es in Russland 7664 Werst Chausseen gab. Jahrhunderts waren zwei große Zentren auszumachen. Die Verteilung und Dichte der Chausseen gestaltete sich ungleichmäßig und war abhängig sowohl von der Besiedlungs­ dichte wie auch von der Anlage bislang errichteter Eisenbahnstrecken. 13 24. der allerdings für das gesamte 19. 1833 PSZ (II). E M ejen. 6. V. VIII. mit Polen sogar 24396 Werst. um in einem erneuten Versuch der schlechten Straßenverhältnisse in Russland Herr zu werden: Per Gesetz befreite man sie von den seit 1889 erhobenen Abgaben zur Unterstützung der lokalen Gerichte und er­ legte ihnen aber im Gegenzug auf. Von der gesetzgeberischen Seite markierte aber erst das Jahr 1833 einen wichtigen Einschnitt. N a 6.076. also in gepflasterte Straßen umgewandelt wer­ den sollten13. wobei die ersten beiden Ka­ tegorien mittelfristig in Chausseen. So zählte man für Russland zu Ende des 19. was neben dem Ent­ scheid. also Weißrussland und Teile der nördlichen Ukraine. Bobrinskim 1-m (Sankt Petersburg 1878) 39f. 1895 nahm der Gesetzgeber die Selbstverwal­ tungen wiederholt in die Pflicht.. unter anderem darauf zurückzuführen war. Das Tempo des weiteren Chausseenausbaus war aber recht gemäch­ lich: 1864. 15 1. Jahrhunderts 15 887 Werst gepflasterter Straßen. Die fakti­ sche Wegelosigkeit Russlands blieb offensichtlich. 3 ff. um die sich ein engmaschigeres N etz an Chausseen legte: Warschau sowie die nicht ganz so dicht vernetzte Region um Moskau. XV. 3. . 14 O tcet Glavnoupravljajuscago Putjami Soobscenija i Publicnymi Zdanijami za 1862 i 1863 gody. P. erlahmte der staatliche Chausseenbau und brach bis einschließlich 1867 völlig ab1"1. 1834 schließlich wurden die Arbeiten daran beendet. D er Gesetzgeber versuchte. zur Verbesserung der Kommunikationen nun gänzlich in den Eisenbahn­ bau zu investieren. Im N orden fehlten sie ganz. Vsepoddannejsij otcet po Ministcrstvu Putej Soobscenija za 1869-1872 goda. 1895 PSZ (III). Bd. den eingesparten Betrag ausschließlich für die Ausbesserung der bereits bestehenden Verkehrskommunikationen wie auch für den Bau und Unterhalt unbefestigter Straßen und Chausseen aufzuwenden15. Zu Eneie des 19. und die Volga stellte im Osten die verkehrstechnische Wasserscheide des Reiches dar. um je nach Wichtigkeit einen bestimmten Qualitätsstandard für die Straßenbeläge zu erreichen. Das Gebiet dazwischen.

schrieb im Sommer und im Winter eine Mindestgeschwindigkeit von sieben. O p y t izsledovanija nekotorvch voprosov iz istoni russkoj kul’tury vo 2-j polovine XVII veka. K ozlovskij. N a 13 435. Pervyja pocty i pervyja poctmejstery v moskovskom gosu- darstve. und in der ersten Hälfte des 18. und 18. blieb der herrschaftliche Wille nach Auswei­ tung und Effektivierung der Mobilität auf der Straße ungebrochen. September 1668 erstmals von Moskau nach Vil’na abgehende Post „auch nicht eine Stunde aufgehalten werde“. Weitaus bezeichnender waren jedoch die rigiden Anweisungen an die Postboten. Dies zeigte sich am deutlichsten in dem vor allem im 17. Damit dieser die Strecke schnellstmöglich zu­ rücklegen konnte. im Frühjahr und im Herbst dagegen nur elf. letzterer. führte sie auf den Strecken von Sankt Petersburg nach M os­ kau sowie nach Mitau ein. Bd. dass Schnelligkeit nicht nur Sache des russischen Staates war. K ozlovski. Entsprechend rigoros nahmen sich die Disziplinierungsmaßnahmen vor allem in der Anfangsphase des russischen Postwesens in der zweiten Hälfte des 17. son­ dern auch ausschließlich seine Angelegenheit zu sein hatte. PSZ (I). P. . Hierzu wurde bereits in Ukazen 1672 und 1673 aufgefordert. 1799 schließlich wurde mit der Extra- Post noch eine zusätzliche postalisch organisierte Geschwindigkeitskategorie von Paul I. und das heißt schnell und effizient. in den Ubergangsjahres- zeiten acht Werst in der Stunde zu fahren18. 3. Paul I. 2 Bde. Jahrhundert immer wieder formulierten Geschwindigkeitsimperativ. 108. 153. In Moskau sollten so an den vorgesehenen Tagen die nach Sankt Peters­ burg adressierten Sendungen gesondert von einem Extra-Postillion direkt nach der Hauptstadt geschickt werden. wurde ihm ein besonderer Kunerpass ausgestellt. vgl. die sich nun per gesetz­ lichem Beschluss an eine verbindliche Mindestgeschwindigkeit zu halten hatten. in seinem Ton deutlich schärfer formuliert. (wie Anm. XIX. die Anordnung. (Warschau 1913) Bd. in den kritischen Jahreszeiten fünf Werst in der Stunde vor17. ins Leben gerufen. um die Kommunikation ordnungsgemäß. I. Russlands W egelosigkeit 97 Disziplinierender Zugriff Obgleich sich die staatliche Wegefürsorge mit erheblichen in erster Linie adminis­ trativen Problemen konfrontiert sah und nur wenig Besserung der infrastruktu­ rellen Zustände in Aussicht stellte. so dass die so genannte Ordinari. Mai 1673. bildete dabei den ersten markanten Auftakt16. ab­ laufen zu lassen. Alle anderen wurden dazu angehalten. dass die am 17. der sich mit der Einrichtung der Posten auf den russischen Straßen manifestierte und der unmissverständlich die Absicht erkennen ließ. damit die so genannte Moskauer wie auch ausländische Post so schnell wie möglich und „ohne jegliche Verzögerung“ die Hauptstadt er­ reichen könne. Knapp ein Jahrhundert später wurden in einem Ukaz von 1770 diese Anforderungen nochmals erhöht. Jahrhunderts aus. I. 16) Bd. 18 22. der die Auf- 16 Zitat aus /. die ausschließlich der Briefbeförderung Vorbehalten waren. September 1672 und 13. 1770. im Sommer und Winter zehn.und die Kurierpost winters wie sommers zwölf Werst in der Stunde zu­ rückzulegen hatten. 17 Ukaze vom 12.

Ibff. II.289. der „diesen Kurieren auch nur zum kür­ zesten Halt Anlass gibt. Die Zusätze. op. 4. 31-35.082. zum anderen begann sich im 19. 1. die diesen Geschwindigkeitsimperativ nun in sich aufnahmen. 19 So in der A nordnung vom 9. dazu auch Ministerstvo Vnutrcnnich Del. 12. Im Ukaz der Zarin Anna an das Jamkontor vom 20. Pocta i tele- graf v X IX stoletii (Sankt Petersburg 1902) 43 ff. die für et­ waige Saumseligkeiten der Postboten verhängt wurden: Nahm sich die vom Leiter des Außenamts Vasilij V. aus Mitau abgeschickt werden“. die an die ausländische Post ge­ stellt wurden. Wie ernst es dem Zaren mit diesen Vorgaben vor allem in der Anfangsphase ge­ wesen war. noch verhältnismäßig milde aus. ließ sich an den teilweise drakonischen Strafen ermessen.. vgl. 46-49«1’. 6. Die hieraus ent­ standenen Verspätungen sollten nun an den Postboten sogar mit der Todesstrafe abgegolten werden. so setzte man später bisweilen ein drastischeres Strafmaß fest20. 1. dass jeder. das aber weiterhin parallel dazu betrieben wurde . Am 16. Dass der Postillion mit äußerster Schnelligkeit nach Sankt Petersburg zu eilen hatte. op. die eine schnelle Kommunikation behinderten. dass der Krieg gegen die Türken eine schnell ablaufende Kommunikation zwischen Sankt Petersburg und dem Kriegsschauplatz im äußersten Süden des Reiches unbedingt erfordere. Aber auch später noch mussten diejenigen. dass die Ordinari-Post für die staatliche Kor­ respondenz aus Sankt Petersburg nicht zu den angezeigten Stunden in Moskau ankomme und der Zar eine höhere Geschwindigkeit einforderte. Istoriceskij ocerk. 1-3. Jahrhunderts langsam aus den Gesetzeserlassen zu verschwinden.289.98 R oland Cvetkovski enthaltszeiten an den Stationen zusätzlich verringern sollte. in der die Posten aus Polangen und Vil’na eintreffen. Ros- topcin an die H auptleitung der Post. sofern sie ihre Arbeit grundlos langsam verrichtet haben sollten. 23. Prilozenie vtoroe. Juni 1684 über die Strecke nach Riga ver­ hängte Bestrafungsmaßnahme. 1. d. 1. 2. Juni wurde klargestellt. U m ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen. 5. 101. August desselben Jahres noch hinzu. 1. 21 R G IA f. op. d. Zum einen schien der Ge­ schwindigkeitsmodus der Straße bereits verinnerlicht. R G IA f. wobei es jedoch auch hier faktisch zumeist bei einer Züchti­ gung durch Stockschläge blieb21. denn die „ausländische Post muss in derselben Minute. Jahrhundert der Fokus langsam auf die Eisenbahnen zu verschieben. dafür ohne Gnade mit dem Tode bestraft w ird“22. fügte sie in einer Ergänzung vom 20. September 1799 des Hauptpostdirektors Graf Fedor V. die Langsamkeit auf der Straße im staatlichen Auftrag nicht dulde­ ten und unter Strafe stellten. 11. 1684 PSZ (I).1. d.die Anordnung. 1737 wurde im Zuge der russisch-türkischen Auseinandersetzungen zwischen Moskau und Kiev eine außergewöhnliche Post eingerichtet. 20 3. Ähnlich hoch waren dabei auch die Geschwindigkeitsanforderungen. 7ob-8»1\ 22 R G IA f. mit dem Äußersten rechnen. Golicyn am 3. die Postboten „schonungslos mit Stockschlägen zu züchtigen“.das Jamwesen ist die Vorgängerorganisation der russischen Post. N a 1.11. Juli 1722 etwa erging an die Jamkanzlei . verstand sich nach wie vor von selbst19.289. 1. Ibff.. begannen in der zweiten Hälfte des 18. . Bd.

bezeichneten aber. hinterlässt einen klar negativen Eindruck zu diesem Thema.C.zuweilen wurde ja für manche die Straße regelrecht zum Haus -. und andererseits aus Verhaltensnormen. Jahrhundert etwa auch im Bahnhofsbau erken­ nen: In der Anordnung zum Umbau des Moskauer Bahnhofs im zentralrussischen 23 Vgl. Demzufolge befanden russische Sprichwörter „häusliche Gedanken“ (domasnjaja duma) auf der Straße für untauglich. die Straße oder den Weg als „leeres Feld“ (cistoe pole). eines existenziellen Bruchs. war im eigentlichen Sinn Ausdruck einer Krisis. I (Moskau 1989) 242 (alle Übersetzungen. Obgleich die traditionelle russische Ethnografie größtenteils von der immobilen Einheit des Hauses ausging. T. als O rt zumindest. gab es ihr die traditionale Kultur doch so vor. was in direktem Zusammenhang damit steht. erlosch deswegen das Interesse an Mobilität und Bewegung kei­ neswegs23. Es verwundert daher nicht. dass der russische Staat die Straße als eine Art Disziplinierungsanstalt ver­ stand. Dvizenie i p u t’ v balkanskoj modeli mira: issledovanie po strukture teksta (Moskau 1999). wie auch die „häus­ liche Wärme“ (izbnoe teplo) auf der Straße rasch erkalten musste25. Russlands Wegelosigkeit 99 Volksmythologische Repräsentationen der Straße Das Volkswissen. K ul’tura dorogi v russkoj miforitual’noj tradicii X IX - XX vv. 24 So neuerdings T. wie es sich in den Sprichwörtern ausdrückt. dass in den Sprüchen und Sprichwörtern die Erfahrung der Sesshaftigkeit einen tieferen Abdruck hinterlassen hatte als es die Mobilität je vermochte. Scepanskaja. A. also nur in der Absetzung vom Haus ihre semantische Kontur verlieh. die sich aus eben diesen Kennzeichen erga­ ben. Bd. wenn nicht anders vermerkt. die sich einerseits aus den spezifischen Kennzeichen. Das Häusliche als das Lebenssymbol schlechthin überdeckte daher die Bedeu­ tung und sogar die Realität der Straße völlig. B. Selbst wenn hier die Absicht deutlich wird. (Moskau 2003) 10.). 25 Sprichwörter aus V. T V. Jahrhunderts aufgezeichnete Beschwörungsformeln beschrieben etwa das Verlassen der Hütte sehr genau. Auf der anderen Seite hatte die Ethnographie nicht ohne Grund ihren Ausgangspunkt im unbeweglichen Haus genommen. Der Weggang vom Haus wurde in der russischen Überlieferung als etwas Ungewöhn­ liches wahrgenommen. so blieb ein spürbares Misstrauen gegenüber der Straße ein durchgängiges Charakteristi­ kum in der russischen Folklore. Eine analoge Invisibili- sierung des Weges ließ sich im 19. so dass diese geradezu zu einem Gegen-Ort geriet. /. die man der Straße zuschrieb. V 2-ch tomach. sobald man sich aus dem sicheren Bereich der Behausung begeben hatte. im Gegenteil: Neuere Forschungen sprechen sogar von einer „Kultur der Straße“ im Sinne einer von der Volkstradition verbürgten Mobilität. D al’. der seine herrschaftliche Präsenz markierte. Koncept dvizenija v jazyke i kul’ture (Moskau 1996). Poslovicy russkogo naroda.). C iv ’jan. verbannten dadurch diese gleichsam ins kollektive Unterbewusstsein und blendeten derart die Mobilität größtenteils aus dem positiven Volkswissen aus. In der zweiten Hälfte des 19. da sie der Straße lediglich ex negativo. zusammensetzte24. A gapkina (Hrsg. Attribute des Häuslichen auf die Straße zu über­ tragen . von R. .

244.100 Roland Cvetkovski Kostroma nahmen die Auftraggeber sich den Moskauer Bahnhof selbst zum Vor­ bild. Zur Beweglichkeit der Seuche in ihrer Ausbreitung D. etwa die Eva­ kuierung Moskaus in einem Augenzeugenbericht: Cholera v Moskve (1830). zur Ausbreitung der Seuche auf der Straße vgl. (wie Anm. Nö 5 (1884) 136-52. dass das Furchterregende dieser Seuche nicht nur von ihrem wahrscheinlichen tödlichen Ausgang kam. 27 D al’. M ajkov. K arl Schlägel. (Sankt Petersburg 1994 [1869]) 142. 25) Bd. der gewissermaßen als Kopie 300 Kilometer nordöstlich Wiedererstehen sollte. Cholera v Malorossii v 1830-1831 gg. nicht zuletzt. M cG rew. Die Straße brachte 26 Vgl. die jeder Bewegung auf der Straße inhärent zu sein schien und klang noch insofern nach. Der Topos der Wegelosigkeit erhielt hier eine völlig andere Bedeutung. teksta A. die Schutz und O rdnung bot. hier 137f. Offensichtlich ließ die Straße sich nur sehr schwer mit dem üblichen an Immobilität ausgerichteten Zeichensys­ tem in Einklang bringen. Inwieweit die Straße das lokale soziale Gefüge destabilisieren konnte. D.-e 2-e. Der dabei zurückgelegte Weg wurde nicht nur marginalisiert. Die Taktik der eigens dafür eingesetzten Zentralen Cholera-Kommission. die von ihr etwa als Trägerin von Krankheiten oder Seuchen ausgehen konnte. Allgemein G. ispr. die cholem-morbus gleichsam wie einen Kriegsgegner zu bekämpfen. die überall die immergleiche architektonische Diktion aufwiesen. Den Reisenden aus der alten Hauptstadt sollte sich bei der Ankunft in der Gouvernementshauptstadt der gleiche oder zumindest ähnliche bauliche Anblick bieten. Velikorusskije zaklinanija. bes. 3. 28 Z ur Kriegsgegnertaktik Roderick E. da die Straße keineswegs als Zeichen für Kultur gewertet wurde. Eine sol­ che in den unterschiedlichsten Regionen vorzufindende auf Entsprechung basie­ rende Topographie fand in der Sowjetunion ihre Verlängerung . zeigte sich an der konkreten Gefahr. er möge als solcher ankommen. takov ipriechal)27. sondern sich geradezu als Drohkulisse gegen den heimischen Herd aufbaute. wodurch die Peripherie dem Zentrum anverwandelt und dadurch symbolisch herangerückt wurde26. wie er losgefahren war (kakov poechal. L. Die Vorkehrungen. kn. 215ff. . A rcbangel’s kij. /. Chaos.die baulichen Maßnahmen. der sich ihnen bereits beim Verlassen Moskaus eingeprägt hatte. die man beispielsweise bei der gro­ ßen Choleraepidemie 1830 bis 1832 traf. ö. O cerk po podlinnym dokum entam . sondern besonders an ihrer Ausbreitungsgeschwindigkeit festge­ macht worden war. Bajburina. Cholernyja epidcmii v Evropejskoj Rossii v 50-ti-letnij period 1823-1872 gg. deuteten auf eine Eliminierung der Zwischenräume. Achsarum ov. ließen deutlich erkennen. schlug fehl. A. Posleslovie. er wurde semiotisch annihi­ liert. prime- canija i podg. I. t. Das Flaus galt als eroberte und gezähmte Natur. 1823-1832 (Ma­ dison. Zur sich wiederholenden räumlichen Konfiguration in der Sowjetunion vgl. die Straße jedoch schien das Gegenteil zu verkörpern: Unordnung. Bobrinskoj. N. Im Raume lesen wir die Zeit (München 2003) 398. N . Scepanskaja (wie Anm. als man dem Fortfahrenden stets mit auf den Weg gab. das für den Großteil die sichere Welt repräsentierte. weil diese sich gleichzeitig in mehrere Richtungen ausbreitete28. der man nahezu nichts entgegensetzen konnte. 47 (1885 avgust) 209-22. (Sankt Petersburg 1874).. i dop. in: Russkij Archiv. Darin drückte sich die Angst vor Veränderung aus. Iz pisem Kris­ tina k grahne S. 24) 33 ff. Majkova. Gefahr. in: Russkaja Starina. Izd. K. Sbornik L. Milwaukee 1965) 62 u. Russia and the Cholera.

Sie verkam zur Negierung des Lebens schlechthin. 2006) 117. Militär.fielen jedoch wie ehedem in den Zuständigkeitsbereich der anliegenden Dorfgemeinden. . weil sie eine semiotische Nullstelle bezeichnete. dass das Hinaustreten auf die Straße keine Wiederkehr kannte . und das Fehlen von Straßen deutete entsprechend auf die Abwesenheit des Staates hin. wie etwa die Läuflingsbewegungen in die Steppe vom 15.a. dass man vor allem auf ihr abhanden kommen konnte. bis zum 17. D a­ bei kennzeichnete diese mehr eine Befreiung im Sinne einer Beseitigung staatlicher Repressalien.galt sie als ein Zeichen. Im Umkehrschluss bedeutete dies nun. das gleichsam außerhalb der Kultur begriffen wurde. das die jungen Männer bei dem Übertritt in eine andere Phase ihres Lebens begleitete. die sich nicht in das übliche Zeichensystem integrieren ließ. Reform und Gesellschaft im Zarenreich. 176-207. 29 Z ur Rekrutenklage Elsa M ahler. so befand sich die Straße notwendig auch außerhalb der kulturellen Regulierbar- keit: Als O rt der Freiheit blieb sie aber auch weiterhin ein O rt der Regellosig­ keit. Die enge Verkopplung der Straße mit dem Tod verwies letztlich darauf. Die Wehrpflicht in Russland 1874-1914 (Paderborn u. da die ihre abziehenden Söhne bewei­ nenden Mütter diesen Weggang als einen endgültigen empfanden und die Choreo­ graphie dieser Rekrutenklage bis auf wenige formale Einzelheiten der altrussi­ schen Totenklage glich29. Die Ne- krosymbolik der Straße war somit eine logische Verlängerung ihres semiotischen Nichtseins. nahmen sich die Abschieds­ szenen in höchstem Maße dramatisch aus. Auch die Aushebung und Verabschiedung der Soldaten aus dem Dorf unterfüttern diese Annahme: Wenn sich die aus dem Dorf abgezogenen Rekruten schließlich auf den Weg machen mussten. Jahrhunderts schätzte man deren Ge­ samtlänge in Russland auf ungefähr eine Million Werst . Somit schloss sich diese „anti-staat­ liche“ Lesart an diejenige von der Straße als chaotischem Gegen-Ort des Hauses an .gegen Ende des 19. Die einfachen. Die russische Totenklage. Galten also die schlechten (und fehlenden) Straßen als Ausdruck einer abeb­ benden oder gar ausgebliebenen staatlichen Kontrolle über den Raum. dass eine geduldete oder nicht geahndete vernachlässigte We- gepflege als untrügliches Zeichen von staatlicher Schwäche erscheinen musste. Russlands Wegelosigkeit 101 buchstäblich den Tod. der seit der administrativen Bündelung 1809 zumindest bei den wichtigen Verbindungen für deren Instandhaltung offiziell durch die „Hauptlei­ tung der Verkehrswege und öffentlichen Gebäude“ (Glavnoe Upravlenie Pute] Soobscenija i Publicnych Zdanij) verantwortlich war. Auf der anderen Seite aber versinnbildlichten die Straßen auch die Präsenz des russischen Staates. Ihre rituelle und dichterische D eutung (mit besonderer Berücksichtigung des großrussischen Nordens) (Leipzig 1935) bes. verband diesen rite de pas­ sage gleichermaßen damit. so verwan­ delten sich diese nun in einen staatsfernen Schutzraum unantastbarer Freiheit. Jahrhundert oder später auch nach Sibirien in erster Linie als Rückzug vor dem herrschaftlichen Zugriff gewesen waren. Werner Beneeke. Dieses Zeremoniell.sie führte unweigerlich ins Reich der Toten. nicht geteer­ ten Landstraßen selbst . wenn nicht gar notwendig abhanden kommen musste.

Aber auch der Geschwindigkeit stand das gemeine Volkswissen ablehnend gegenüber. Für sich allein genommen erschien sie jedoch unheimlich. 244. zumal er in diesen drei Tagen doch „weit gehen“ könne. Prinzipiell schien die Schnelligkeit zwar eher eine untergeordnete Rolle zu spielen und war zumeist negativ konnotiert. so befürwortete man in der gemeinen Vorstellung meis­ tens ein langsames Fortkommen zu Fuß. und auf der Fahrt in der versprochenen Post-Troika ins Heimatdorf „rasten [sie] davon. in: A. 243. Aber auch der Versuch. desto langsamer bist du“. dass die Werstpfähle nur so an ihnen vorübersausten“33. als ein von den Eltern Verfluchter32. und zum anderen als offensichtlich ne­ gativ besetztes. 25) Bd. „Wer geradeaus fährt. (wie Anm. vor allem als unreiner Toter. Zitate 198. N. Russische (Ostslavische) Volkskunde (Berlin. Denn das Gehen zu Fuß ließe bereits von sich aus keine weitere Verlangsamung zu. sind in Wirklichkeit drei Jahre. da ist auch ein Weg. Märchen aus dem alten Russland (Frankfurt a. bei ihm doch drei Tage zu verweilen.M. zuerst noch eine abschlägige Antwort. 243. (wie Anm. 34 D a l’. wurde nicht gutgeheißen. I. 31 D a l’. das Schrittmaß ist unterste und zugleich einzige Schnelligkeitskategorie: „Zu Fuß verspätest du dich nicht.“36 Darüber hinaus verbürgte nur Langsamkeit ein A nkom ­ 30 D al'. In der Ukraine etwa galt der Wind.“35 Wurde jedoch die Bewe­ gung selbst mitgedacht. nicht zuletzt. 25) Bd. 244. 32 D m itrij Zelenin. da hier die Straße zum einen das physische Abhandenkommen und buchstäblich körperliche Verschwinden repräsentierte.“34 Man betrachtete zwar die Straße immerhin als Garanten des Fortkommens: „Wo eine Straße ist. Afanasjew. I. 25) Bd.“31 Die Verknüpfung von Schnelligkeit mit dem Bösen und Dämonischen besaß dabei durchaus eine breitere Gültigkeit. den Weg abzukürzen und durch Zeitersparnis Schnel­ ligkeit zu erzielen. und Schnelligkeit galt gleichsam als schwarze Magie: „Fliegst du über Stock und Stauden. I. I. Schnelligkeit kam den Redlichen nicht zu. fährt der Teufel deinen Schlitten. Leipzig 1927) 390. (wie Anm. 36 D a l’. Wo sie sich windet. würde er einen im besten Fall nur noch mehr Zeit kosten. 25) Bd. Auch im Märchen vom fahnenflüchtigen Soldaten und vom Teufel findet man ein solches Muster vor: Gibt der Soldat auf das Angebot des Beelzebub. deutete dabei die grundlegende Skepsis gegenüber der Geschwindigkeit an30. . freiheitsraubendes Herrschaftssymbol begriffen wurde. Rechtschaffen auf Schusters Rappen. (wie Anm. Symbol von schneller Kraft und Stärke. da gibt es Raum. Das Sprichwort: „Je schneller du fährst. 1966) 197-201. ihn mit seiner „Post-Troika“ sicher und schnell nach Hause zu bringen. selbst wenn der gerade und direkte Weg der kürzere wäre. die christliche Vorstellungswelt befürwortete das Langsame. Die Geschwindigkeit ist das Attribut des Bösen: Die drei Tage. seiner Einladung nachzukommen. 33 „D er fahnenflüchtige Soldat und der Teufel“. die der Soldat beim Teufel verweilt. so lässt er sich schließlich von ihm dennoch überreden. wird nicht zu Hause übernachten. weil der Teufel ihm verspricht. 33 Ebd. 102 Roland Cvetkovski Das Volkswissen optierte also in doppelter Hinsicht gegen eine Mobilität.

(wie Anm.“ Eine andere Variation lautet: „Mit Eile. 25) Bd. ohne aber zugleich Zweifel daran zu lassen. Russlands Wegelosigkeit 103 men. II. ist mit Weile.die Mechanisierung der Bewegung schien nicht nur eine stabilere Mobilität zu garantieren. 40 D a l’. . so danken wir. 39 D a l’. Grundsätzlich aber unterschieden die gemeinen Vorstellungen dabei recht klar zwischen den Kategorien „langsam“ und „schnell“. II. 25) Bd. die allein Leben und Lebens­ erhaltung bedeutete. nur auf den Flüssen war der Verkehr nach wie vor hinreichend organisiert. (wie Anm. die die Industriezentren mit den Hauptlinien oder H ä­ fen verbanden wie auch an Schmalspurbahnen auf Hafengeländen und Fabriken.“38 Die Schwerkraft des Langsamen war unübersehbar. 38 D a l’. der sich beeilt.“37 Und selbst dieses Ge­ hen konnte negativ konnotiert sein: „Eine schlechte Rast ist besser als ein guter Marsch. 25) Bd. 72. die zur Eile drängten. Schnell ist nicht langsam. Diese Wer­ tung musste dabei nicht ausschließlich negativ formuliert werden . doch erst die Weile bringt den Segen. die man offensichtlich nicht umgehen konnte. 67. I. Absenz und Unsichtbarkeit Mit der Einführung der Eisenbahn in Russland bot sich die Möglichkeit. sondern darüber hinaus noch eine Konstanz zu gewährleisten. würde im besten Falle nur Spott und Gelächter ernten40.das Sprich­ wort konnte tatsächlich die Notwendigkeit zu Schnelligkeit eingestehen. 67. die häusliche Wärme. (wie Anm. Aus ökonomischer Perspektive war den in. 41 D a l’. mit Weile sogar zweimal. . sie unterlag zudem einer eindeutigen qualitativen Wertung: „Was gut ist. Was gut ist. 25) Bd. II. das Schienennetz so rasch wie möglich auszu­ bauen. 244.“39 In dieser Tautologie erschöpfte sich jedoch keineswegs die Erkenntnis. zu retten. ist nicht schnell. die Reserviertheit und das Misstrauen gegenüber der Bewegung evident. Die neuen alten Probleme zeigten sich dabei aber recht schnell: Es fehlte besonders an Seitenlinien. 25) Bd. blieben dabei buchstäblich auf der Strecke: „Wer blieb zurück? Die Eile.wie ausländischen Unter­ nehmern daher viel daran gelegen. diejenigen. (wie Anm.“41 Die Option für die Langsamkeit erscheint hier wie eine Art Kompromiss. bewusst überantwortete. (wie Anm. II.Wer kam an? Die Weile. wofür das Volkswissen sich entschied: „Mit Eile meinetwegen. insofern auf die Straße. 68. als man den staatlichen Imperativ der Geschwindigkeit geflissentlich überhörte und sich der Langsamkeit als mög­ lichste Annäherung an die häusliche Immobilität. es wurden zweifellos mehrere Fortbewegungsgeschwindigkeiten wahrgenommen: „Was schnell ist. das Pro­ blem des bezdoroz’e zu beheben . die man nur am heimischen Herd erhalten konnte. Gerade aber die allmähliche Ausweitung des russischen Eisenbahnnetzes verfestigte das 37 D a l’. zu allen Jahreszeiten Verbindungen aufrecht erhalten zu können. ist nicht langsam.“ Derjenige.

Kratkij istoriceskij ocerk razv'“ *® vodjanych i suchoputnvch soobscenij i torgovych portov v Rossn (Sankt Petersburg 1 W ) 44 I. Jahrhunderts auf. A His­ tory of Russian Railways (London 1964) 60.. (pod”ezd n yjp u t’) rein lokalen Charakters hatte die Verantwortlichen irrigerweise dazu verleitet. Rossija v do- roznom otnosenii. Nastojascec polozeme 1 posledova- tel’noe razvitie seti russkich zeleznych dorog. S. das sich über 64350 Werst er­ streckte. c. die jedoch erst 1883 ihre A rbeit aufnehmen konnte42. Das bezdoroz’e war zweifellos nicht nur ein Defizitbegriff. s 1838 po 1869 god. dazu Istoriceskij ocerk razvitija putej soobscenija v Rossii. Ill. anderer­ seits m it staatlicher Präsenz verband. 82 ff ■■John N. Balandin. 100 und 168. A B orzenko. A. P od redakcicj’p. D och in bei- 42 14 . D er in der zweiten H älfte des 19. auch P. litk o v . 1883 PSZ (III). 4 und 5 45 V sepoddannejsij Petersburg 1913) 9. I.. V 3-ch tomach. östlich davon veilie mn die Sibirische Eisenbahn. Bhoch. als die fehlenden oder schlechten Straßen ihre neue Funk­ tion als Zubringer für die Schienentrassen nur sehr bedingt erfüllen konnten. I. vgl. vgl. I. Francii i Rossii üaroslavP 1881) 62 ff. . Torgovoe moreplavanie.4. Z. . u nd V. N ikolaev. Denn die Verschiebung der Punktion dei Straße als einer vormaligen H auptverkehrsader zum bloßen Z ubnn^et we^.350. w ovon m ehr als 42 800 Werst unter staatlicher Regie geführt w urden 5. In diesem Jahr w urden auch die Selbstvei- waltungen explizit dazu angehalten. V nutrenm e vodnye puti. und somit die Wegelosigkeit vor allem als befreienden. S. staatsfernen und herrschaftsfreien Raum akzentuierte. da nur ein sinnvoller Verbund von Schiene und Straße der Wegelosigkeit ein Ende bereiten könne43. so dass sich das Raum . « 5. Die trag e naei den notwendigen Zufahrtsstraßen und Anbindungen kam zwar erstmals m den sechziger Jahren des 19. Vlijanie zeleznych dorog na ekononnceskoe sostojanie Rossn \ 5 ch tomach (Sankt Petersburg 1878) Bd I 62-65. 4. Am Vorabend des ersten Weltkrieges verfugte das Zarenreich schließlich über ein Schienennetz. s prilozeniem 5 kartogram m i kart guberni) (Sankt i etets- burg 1902) Bd. Ch. 4. otcet o dejatel’nosti Ministerstva Putej Soobscenija za 1912 god (SanKt . 18 8 7 P S 2 (III). Matcrialy po zelcznodoroznym voprosam. N e 1. 104 Roland Cvetkovski Phänomen der Wegelosigkeit in Russland. die Karten 3.A. 1914 w urde ersichtlich. gesetzlich fixiert wurde die Bedeutsam­ keit dieser pod"ezdnye puti allerdings erst 1887. Jahrhunderts sträflich vernachlässigte Straßenbau schlug daher in­ sofern doppelt zurück. Zeleznyja dorogi (Sankt Petersburg 1913) 17ff. Bd. h Me. G eorgievskij. dass erneut die Volga eine A rt na- türlicher Grenze auch für die Eisenbahnschienen bildete. wie er insbesondere aus herrschaftlicher und ökonom ischer Perspektive profiheit w eiden wat. Bd. Istoriceskij ocerk raz­ vitija putej soobscenija v X lX v e k e (Sankt Petersburg 1893) 20. m m ythologischen W issensreservoir hatte sich indes ein eigentlich positiver sinn darin ausgebildet. Spasskago. die ohnehin notdürftige Wegepflege nicht weiter zu intensivieren und ausschließlich den Ausbau des Schienennetzes zu fördern. N a 4. I. M.elez- nyja dorogi v Anglii. 30. W estwood. VII. in den N orden gab es ebenfalls nur eine Verbindung von Vologda nach A rchangelsk44.487. nachdem bereits 1873 eine K om ­ mission zur Prüfung dieses Sachverhalts einberufen w orden war.e». da er die Straße einerseits mit dem leiblichen Tod. mehr in die Anlage von neuen Zufahrtswegen zu den Eisenbahntrassen einzubringen.und Infrastrukturproblem nur geringfügig durch die Eisen­ bahnen abm ildern ließ. S. vkljucitel’no (Sankt 1 e- tersburg 1870) Tabelle A.

allerdings nicht dort. die sicherlich nicht zu den Parteigängern des Westens zu zählen waren. A. 95-113. Sbornik statej k 100-le- tiju so dnja rozdenija Nikolaja Michajlovica Druzinina (Moskau 1986) 172-83. Dass sich in der Infrastruktur und ihren semiotischen Verarbeitungen notgedrungen ein zivilisatorisches West-Ost-Gefälle mit ausdrückte48. Marc Auge. 47 So etwa bei K. in: Archiv für Kulturgeschichte 78 (1996) Heft 2. 313 ff. etwa das in Anlehnung an das duale semiotische Modell von Jurij M. Aksakov in der Zeitschrift D en’ vom 27. die Straße im allge­ meinen stünde als Sinnbild für Europa49. Zu den deutschen Postmeistern vgl. Za- metka o razvitii poctovych soobscenij v Rossii s nekotorym i dannymi o zemskoj pocte (Sankt Petersburg 1894). Geschichte der Behördenorganisation Russlands von Peter dem G roßen bis 1917 (Leiden 1966) 272. muss nicht notwendig zu der Schlussfolgerung führen. den . und ganze Monate auf unseren Verkehrswegen [zu] verlieren“50. . Wenn etwa Ivan S. Andreas Renner. Social’noc-ekonomiceskoe razvitie Rossii. kann zumindest bezweifelt werden. bes. Zapiska o neobehodimosti Poctovo-Telegrafnoj reformy v Rossii i Zametki o Poctovo-Telegrafnych nuzdach v provincii. 1994). Vorüberlegungen zu einer Ethnologie der Einsam­ keit (Frankfurt a. Straße und Wald im Zarenreich. Russlands Wegelosigkeit 105 den Fällen geriet die Straße gleichsam zu einem Gegen-Ort oder N icht-O rt46. 50 Zitiert nach. Jahrhunderts einen nahezu essenzialistischen Cha­ rakter anzunehmen. O b es sich bei der Modernisierung des Verkehrswesens jedoch gleich um ein Merkmal der Europäisierung handeln musste. und die Äußerungen. Russischer Nationalismus und Öffentlichkeit im Zarenreich 1855-i875 (Köln u. L. 48 Vgl. dass sich Russland löblicherweise Eisenbahnen zugelegt habe. speziell zur Eisenbahnfrage und Slavophilie E. Die für Russland große Bedeutung eines funktionierenden Wegesystems wurde auch etwa von den Slavophilen herausge­ hoben. der eine Projektionsfläche für Utopien abgab.). O rte und N icht-O rte. zeigt zum einen den übernationalen bzw. allerdings einseitige Urteil von Janina Urussowa. Erik A m hurger. Stroitel’stvo zeleznych dorog v Rossii v ekonomiceskoj programme slavjanofilov. Lisin.a. in: S. D udzins- kaja. die noch zu dieser Zeit mit einer nach wie vor aufklärerischen Nachdrücklichkeit die Dichte von Verbindungen unbe­ dingt in Abhängigkeit vom kulturellen Fortschritt eines Landes und seinem Zivi­ lisationsgrad sahen47. Die Straße zwischen St. 303-23. Lotm an entwi­ ckelte. wo man sie am dringendsten brauchte. Petersburg und Moskau: ein Modell der russischen Kultur 1800-1830. A. in: Zeitschrift für Semiotik 19 (1997) Heft 1-2. scheinen einer solchen Vermutung Recht zu geben. um nicht „ganze Wo­ chen damit [zu] verbringen. in dem dieses Problem verortet worden war. Januar 1862 schrieb. Das klare herrschaftliche Votum für Mobilität und Schnelligkeit musste demnach nicht unbedingt in einer Linie mit 46 Vgl. dass die Ämter der Petersburger und Moskauer Postdirektoren im 18. überimperialen Horizont. (Odessa 1900).M. Denn der Umstand. Dadurch schien die Wegelosigkeit Russlands gegen Ende des 19. ließ er gleichwohl keinen Zweifel an der absoluten Notwendigkeit von intakten Verbindungen. Tichvinskij (Hrsg. 2000) 98. einen Fluss zu überqueren. (894-98 gg. 49 So zumindest gewertet bei Christoph Schm idt. Jahrhundert ausnahmslos von Deutschen bekleidet worden waren oder dass das Verfahren zur Pflasterung der ersten russischen Straße zwi­ schen den beiden Hauptstädten auf den Schotten John Loudon McAdam zurück­ ging.

Making Sense of Soviet Space. in: Christa E bert (FIrsg. überblickshaft Dietrich Beyrau.). ihr Raumverständnis bleibe gleichsam bei der Asthetisierung der Oberfläche stehen. da durch die Ausweitung des Straßennetzes und die Zunahme der Kommunikationen nur noch offenkundi­ ger wurde. vom mythologischen Volkswissen so­ gleich als tödliche Bedrohung aufgefasst und gemieden. verkehrstechnisch motivierte Raumportionie- rung Präsenz und allgegenwärtige Anwesenheit zumindest in Ansätzen zu gene­ rieren. M ichael Slolleis (Hrsg. woraufhin die Straße vor allem als Staats. Kultur und Zivilisation. so sehr wurden genau diese Kommunikationsschneisen. brachte er gerade wegen seiner Bemühungen das bezdoroz’e gleichsam hervor. Dabei ist noch zu unter­ scheiden zwischen materieller und geistiger Kultur. die sich nicht allein etwa auf einer zivilisatorischen Meta-Ebene verwirkli­ chen ließ. in: Dietrich Beyrau. 1) 46-69. Jahrhundert (Berlin 1995) 18-46. die von den Akteuren ent­ 51 Vgl. mit denen vor allem die russischen Eliten seit Peter I. die sich im Gegenzug aufgetan hatten. Rußland und Europa. Kontinuitäten und W and­ lungen im 20. . durch eine rationale. Dabei geht es aber nicht um eine etwaige „Tiefendimension“ des russischen Raumes52. ließen aber zugleich die Wegelosigkeit zum Plort der Freiheit werden. Der schillernde Begriff des bezdoroz’e .M acht .Defizit und Reichtum in einem . so Klaus Gestwa. Russische Wege.Geschichte. zu kämpfen hatten51. lange Zeit fehlende Fachkräfte. was als Ausgangsproblem ohnehin nahezu jedem klar gewesen war. den Russland als riesiges Landimperium weltweit innehatte. Westli­ che Modelle und russische Erfahrungen (Frankfurt a.staatliche Ohnmacht setzte einem auf der Straße die Tarnkappe auf. Geschichte . Die infrastrukturellen Probleme. Raum . Z ur Geschichte des Kulturbegriffs in Rußland. die er versuchs­ weise in das Territorium geschlagen hatte. 46. Die Allochthome betont besonders Felix Phi­ lipp Ingold. eine unzu­ längliche Bürokratie sowie eine inkonsistente Straßenbaupolitik beschränkten oder verhinderten sogar den Ausbau des russischen Verkehrsnetzes. und 20. Die infrastrukturellen Lücken. Zum anderen aber verwies die Verfestigung des bezdoroz’e zu einem Kennzei­ chen der russischen Kultur auch auf den singulären Raumstatus.Weltbild (München 2007).Kultur .und Herrschaftsträger entsprechend aus dem Sichtfeld gerückt und ins Unsichtbare verbannt und umcodiert wurde .). Verkehrsinfrastruktur war vielmehr eine territoriale und für Russland damit auch eine imperiale N otwendig­ keit. 106 Roland Cvetkovski den kulturellen Adaptionsleistungen gesehen werden. Jahrhunderts. in: Der Raum als Wille und Vorstellung (wie Anm. Notorischer Geldmangel. 1996) 1-23. Igor’ Ci- curov. Reformen im Rußland des 19. M. zur Standortbestimmung: Klaus Städtke. waren in der Tat einzigartig und offensichtlich unlösbar. das Wegedefizit abzuschaffen. So sehr sich der russische Staat seit der Einführung des Postsystems da­ rum bemühte. zum staatsfernen O rt autochthoner immobiler (oder zumindest verborgen mobiler) russischer Kultur. Die Situation war paradox: In dem Maße wie der russische Staat seine Bemü­ hungen darauf richtete. Kulturauffassungen in der literarischen Welt Rußlands. 52 Eine solche habe auch später die sowjetische Führung nicht zu implantieren verstanden. die Russland dabei bewältigen musste.förderte dabei exemplarisch zwei Bewegungen zutage: die Straße im Sinne der Sichtbarma­ chung einer „Policey-Ordnung“ durch die Installierung herrschaftlich-staatlicher Präsenz und ihre gleichzeitige Invisibilisierung.

one between mobility and immobility. This essay makes an attempt to trace the cultural meanings of roads in the imagination both of the government and the folks during the 18^ and 19'*’ centuries. but led in two basic conno­ tations of bezdorozh’e . one of the most remarkable fea­ tures of the Tsarist Empire was exactly the lack of communications. indem sie die Unübersetzbarkeit der Wegelosigkeit in ein gemeinsames Symbol für die rus­ sische Kultur bezeugen. The phenomenon bezdorozh’e could be connected with the civilizing gradient sloping down from the west to the east. since it is a symbol for the capability of the administration to cope with the most perilous foe-space. Russlands Wegelosigkeit 107 weder erkannt oder verkannt worden war. Die verschie­ denen Semiotiken des bezdoroz’e bedeuten weniger und zugleich mehr: Sie sind bewusster Ausweis über die amorphe Struktur des russischen Raumes. this deficit poured into the cultural self-description of Russia and petrified in the 17th century in the expression of bezdorozh’e. Generally speaking. but actually. . roads con­ fronted all protagonists with two fundamental options . it rather revealed features of a certain modernity by attesting all the Russian protagonists a keen sense of their contrary space. Both conceptions grasped the infrastructural deficit in very different modes. zumindest aber einen gemeinsamen russischen Raum voraussetzen.on the part of the administration it meant a factual ab­ sence which clearly was connected with a loss of power. Summary Sound infrastructures and communications are crucial for maintaining imperial power. and it only seemingly moulded into one homogeneous cultural notion. What is more. The decisions within the options went different ways out of several reasons. the other between speed and slowness. denn das würde ja einen homogenen. Interestingly enough. whereas the folks per­ ceived the roads as a fatal threat representing either state coercion and strict governmental discipline or the danger of becoming invisible which even could mean personal death.

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sondern zunehmend auch unter militärischen und politischen Gesichtspunkten verhandelt wurde2. Petersburg und Moskau sowie Petersburg und Warschau durch eine Bahnlinie verbinden zu lassen. Sobranie vtoroe. dass die schmerzliche Erfahrung des Krimkrieges im Zarenreich zu einem umfassen­ den Bewusstseinswandel führte und von nun an das Projekt eines landesweiten Eisenbahnnetzes nicht mehr vorrangig unter ökonomischen. der die Gründung der privat finanzierten „Hauptgesellschaft der auslän­ dischen Eisenbahnen“ ermöglichte. . erkennen heute alle Stände als zwingende Notwendigkeit für das Imperium an. spielten strategische Erwägungen bereits eine Rolle. 2 Auch bei der Entscheidung N ikolaus’ I.. Jahrhundert Kurz nach dem Ende des Krimkrieges leitete Zar Alexander II. 72-92. Bd.. und sich dabei auch an die pri­ vate Industrie im In. resümierte der Kaiser: „Die Eisenbahnen. Januar 1857 eine Wende in der russischen Eisenbahnpolitik ein. nach: PSZRI. Mittel zur Finanzie­ rung dieser unaufschiebbaren Aufgabe aufzutun . [Der Bau der Eisenbahn] ist zu einem nationalen Anliegen und zum dringlichen Wunsch der Allgemeinheit geworden. In seinem Erlass.“ 1 In diesem kurzen Quellenzitat finden sich gleich mehrere Aspekte der Ge­ schichte der russischen Eisenbahnen im 19. Geleitet von dieser tiefen Überzeugung haben WIR sofort nach der Beendigung der Kriegshandlungen verfügt. Jahrhundert wie in einem Brennspie­ gel gebündelt wieder.und Kultur­ geschichte der russischen Eisenbahn im 19. Frithjof Benjamin Schenk Die Produktion des imperialen Raumes Konzeptionelle Überlegungen zu einer Sozial..und Ausland zu wenden. XXXII. Dessen ungeachtet war das zentrale Kriterium bei der Begutachtung unterschied­ licher Eisenbahnprojekte zwischen 1837 und 1851 die Frage. 1857 (Sankt Peter­ burg 1858) Nr. zit. Zweitens lässt sich zeigen. Otdelenie pervoe. Die 1 U kaz über den Bau eines Eisenbahnnetzes (O sooruzenii pervoj seti zeleznych dorog v Rossii). de­ ren Nützlichkeit noch vor zehn Jahren von vielen angezweifelt wurde. 31448. mit seinem Ukaz vom 26. hier 73. ob sich die Eisenbahn als Trans­ portmittel von Massengütern ökonom isch gegen den Schiffsverkehr werde behaupten kön ­ nen. dass in großen Teilen der Führungs­ elite des Zarenreiches bis zum Ausbruch des Krimkrieges massive Zweifel an der Notwendigkeit des Baus von Eisenbahnen bestanden und deshalb in Russland im Jahre 1853 neben der Strecke von Petersburg nach Moskau noch keine Schienen­ verbindung von nationaler Bedeutung existierte. Erstens wird deutlich.

Steven G. in: Russian Review' 47 (1988) 25-48. vkljucitel’no. Jahrhundert beima­ ßen. ist es mehr als erstaunlich. 2. 3. Russlands „stählernes Band“: Die Transsibirische Eisenbahn. ders. (Sankt Peterburg 1898). wird schon beim Blick in die literarischen Werke von Tolstoj. Architekturnaja biografija (Sankt Peterburg . Jean-P aul Caracalla. 7 N ina Petuchova. Irina M i- chajlovna Puskareva.). die Zeitgenossen der verkehrstechnischen Erschließung des Russländischen Imperiums durch die Eisenbahn im 19. Russia 1905 (Berkeley 1987). W estwood. K raskovskij (u. gibt es wenige Arbeiten. Bd. To the Great Ocean: Siberia and the Trans-Siberian Railway (Boston 1965).a. 1850-1917 (Ithaca 1991 )\jea n de Cars. Richard M. 1 (1836-1917) (Sankt Peterburg 1994). Borzunov. Zeleznodoroznyj transport Rossii vo vtoroj polovine X IX v. Zeleznodoroznyj transport v chudozestvennom literature (Moskau 1939) und Magistrah Rossn . H ayw ood. 1835-1842 (Durham . A n­ gesichts der Bedeutung. 6 H en ry Reichm an. Transsibirskaja magistral’ v mirovoj politike velikich derzav (Moskva 2001). zahlreichen Einzelstu­ dien zur Geschichte der Eisenbahner und ihrer Beteiligung an den Revolutionen von 1905 und 19176 sowie zur Geschichte der Bahnhöfe in den Großstädten St. die sich der Frage nach den 3 Z um Eisenbahnmotiv in der russischen Literatur vgl. Russia Enters the Railway Age. Abgesehen von einigen Uberblicksdarstellungen zur Entwicklung des Eisenbahn­ wesens im Allgemeinen4. die Anthologien: A. (Moskva 1975). The 1905 Revolution on the Siberian Railroad. The Image of the Railroad in Anna Karenina. Europäische Perspektiven 7 (2006) H. Road to Power.. 1845— 1855 (N ew York 1998). Tolstoj G ary R. Petersburg und Moskau7. Die Transsibirische Bahn. G e­ schichte der längsten Bahn der Welt (Zürich 1987). in: The Slavic and East European Journal 25 (1981) Nr. dass die Regierung nun den Bau eines russischen Schienennetzes als Projekt von zentraler Bedeutung für das gesamte Imperium betrachtete.219-226. die die Welt der Bahnhöfe und Züge immer wieder als Schauplatz ihrer gesellschaftlichen Dramen und als Metapher im Diskurs über die einbrechende Moderne in Russland nutzten3. Wie intensiv die Eisenbahn die russische Ö f­ fentlichkeit in dieser Zeit beschäftigte. 1969).. John M. Lejtes. D anilov. Kratkij istoriceskij ocerk nacala i rasprostranenija zelez- nych dorog v Rossii po 1897 g. 1-10. Dostoevskij oder Cechov deutlich. The Beginnings of Railway Development in Russia in the Reign of Nicholas I. Ploscad’ trech vokzalov. Ivan Tichonovic Belimov. dass die Untersuchung dieses Themas aus kultur- und sozialhistorischer Perspektive noch immer ein Forschungsdesiderat darstellt. Geschichte der russischen Eisenbahnen (Zürich 1966). S olov’eva. Zeleznodorozniki Rossii v burzuazno-demokraticeskich revoljucijach (Moskva 1975). zum Bau ausgewählter Strecken5. M. The Trans-Siberian Railway and the Colonization of Asian Russia. Jahrhunderts. 5 Exemplarisch zur Geschichte der „G roßen Sibirischen Bahn“: Valentin F. M arks. Ja.Dusa Otecestva (Moskau 2003) sowie exemplarisch für L. E. gehört zweifelsohne zu den prägenden Themen der politischen und gesellschaftlichen Debatten im Zarenreich in der zweiten Hälfte des 19. in: Ost-West. Istonja zeleznodoroznogo transports Rossii. (Novosibirsk 1967). wie dieses gewaltige Bauvorhaben und das Eisenbahnwesen in Russ­ land im Allgemeinen zu organisieren sei. P Sdob- nev. Frithjof Benjam in Schenk. Zeleznodoroznyj proletariat Sibiri v revoljucii 1905-1907 gg.. Hrsg. Jahn. A ida M. ders. H arm on Flipper.C . Die Frage. Railwaymen and Revolution.110 Frithjof Benjam in Schenk großen logistischen Probleme der Zarenarmee in dem europäischen Krieg auf ei­ genem Territorium führten drittens dazu. 4 Vladim ir M ichajlovic Verchovskij. N .

der Soziologin Martina Löw und der Planungswissenschaftlerin Ga­ briele Sturm aufgreift10. 2006). Die Untersuchung wendet ein theoretisches Modell des „gesellschaftlichen“ bzw. Bahnhöfe. Gabriele Sturm . Stadt-Räume (Frankfurt 1991) 35-46. Verkehr und die G e­ schichte Europas im 20. das unter anderem Anregungen des Geographen Die­ ter Eäpple. in: H a rtm u t H äußerm ann. 2011). I. in welcher Form der Bau und Betrieb der Eisenbahn in Russland im langen 19. Die im Titel dieses Beitrages angedeutete Thematik der „Produktion des im­ perialen Raumes“ berührt dabei nur eine Dimension des skizzierten Forschungs­ projektes. Architek­ ten. Handlung und Wahrnehmung beschrie­ ben. Anders als in vielen bereits bestehenden Eisenbahngeschichten steht hier nicht die Planung. Die Eisenbahn und die N euordnung der Räume im Zarenreich (Frankfurt a. sozialem Raum beigetragen hat9. Modernisierung durch Beschleunigung. Raum wird nicht als vorhistorische oder „natürlich“ ge­ gebene Größe begriffen. F rithjof Benjam in Schenk und M arkus A ckeret (Frankfurt 2007) 141-157.a.M.M. Essay über den Raum. in dem sich gesellschaftliche Aktivität gleichsam wie in einem Container entfaltet. hrsg. „sozialen Raumes“ an. F rithjof Benjam in Schenk. Zivilisatorische Mission und Chaos auf den Eisenbahnen im Zarenreich. 2001). Wege zum Raum. Ingenieuren. . Neben dem „Passagier“ bzw. Schauplätze einer Stadtge­ schichte. hrsg. Karl Schlägel. A. R oland C vetkovski.M. Raumsoziologie (Frankfurt a. Jahrhundert zu einer Veränderung bzw. Methodologische A nnäherungen an ein Basiskonzept raumbezoge- ner Wissenschaften (Opladen 2000). Im Rahmen dieses Aufsatzes soll ein Forschungsprojekt vorgestellt werden. D etlev Ipsen. Ziel ist nicht nur. ders. Stadt und Raum. v. 8 Vgl. Frithjof Benjam in Schenk. 2009) 197-221. W alter Sperling. Jahrhundert“ gewidmet haben8. R alf R oth und K arl Schlägel (Frankfurt a.. Raum und M obi­ lität im Zarenreich (Frankfurt a. in: N eu e Wege in ein neues Europa.). Thomas K räm er-Badoni (u. Reisender und Betrachter im Sys­ tem der Eisenbahn. insbes. Petersburg. Militärs und Politikern. die sich Gedanken zur Organisation von Bahnhöfen und des Personenverkehrs sowie zur politischen und gesellschaft­ lichen Bedeutung der verkehrstechnischen Erschließung Russlands und der wach­ senden Mobilität innerhalb des Imperiums machten. die Schaffung sozialen Raumes auf der Ebene des 2005). Soziologische Analysen (Pfaffenweiler 1991) 157— 207. Vokzaly Peterburga (Sankt Peterburg 2004). in: St.M. sondern der Mensch als Wartender. in: M artin W entz (Hrsg. das sich der Frage widmet. Schaffung von ge­ sellschaftlichem bzw. D ie P ro d u k tio n des imperialen Raum es gesellschaftlichen Veränderungen durch den Bau und den Betrieb der Eisenbahn in Russland im „langen 19. Stadttore der Moderne. 9 Im August 2010 abgeschlossenes Habilitationsprojekt an der Ludwig-Maximilians-Uni- versität M ünchen: „Russlands Fahrt in die Moderne. Mobilität und sozialer Raum im Eisen­ bahnzeitalter“ .). Jahrhundert. 10 D ieter Läpple. v. Gesellschaftszentriertes Raum konzept. die Technik oder die ökonomische Bedeutung des neuen Verkehrsmittels im Mittelpunkt der U n ­ tersuchung.und Städteplanern. Vielmehr wird Raum als sozialer Raum gedacht und als das Produkt von menschlicher Ordnung. Planung und Praxis des Reisens der verschiedenen Bevölkerungsgruppen richtet sich das Inte­ resse auf den zeitgenössischen Blick von Verkehrs. D er Aufbruch in die Provinz. der Motivation. Bogdanov. M artina Löw. Im Kampf um Recht und O rdnung.

in: H andbuch der Geschichte Rußlands. die es nahe legen. In diesem Zusammenhang sind immer wieder genannte Schlag­ worte der schlechte Zustand der meist unbefestigten Straßen und Wege. Jahrhundert eine ähnlich große Bedeutung wie für das Russländische Imperium. wurde. Jahrhundert von Bedeutung. . Von dieser Warte aus be­ trachtet tritt das spezifisch „Russische“ des Themas in den Hintergrund. sondern auch soziale Räume auf der Mikroebene von Bahnhöfen und Zügen zu analysieren. sondern auch an der legendären „Wegelosigkeit“ des Landes in der Zeit vor dem Bau der Eisenbahnen. hrsg. sondern daneben auch immer wieder bestehende räumliche O rd ­ nungen in Frage gestellt. Dass die Eisenbahn ein modernes System der Fortbewegung war. Blackwell.Ordnungsmuster durch das moderne Verkehrsmittel der Eisenbahn. v. Ungeachtet dieser allgemeinhistorischen Dimension gibt es jedoch auch eine Reihe landesspezifischer Besonderheiten. Die geographischen Gegebenheiten Rußlands in ihrem historischen Be­ ziehungsgeflecht. 1/1. Scmiotiken einer Abwesenheit. feudal strukturierten Gesellschaft mit den Chancen und Herausforderungen der M o­ derne besonders gut eignet. Dies lag nicht nur an der geographischen Weite des größten Kontinentalreiches der Erde. so eine Grundannahme. Vgl. erscheint als ein besonders interessanter und viel versprechender U n ­ tersuchungsgegenstand. auch den Beitrag von Roland Cvetkovski in diesem Band: Russlands Wegelosigkeit. wird deshalb betont. so eine Arbeitshypothese. Gerade diese Ambivalenz von Schaffung und Infragestellung räumlicher . The Beginnings of Russian Industrializa­ tion 1800-1860 (Princeton 1968) 264-270. Jahrhundert zu untersuchen.und gesellschaftshistorische Besonderheiten Russlands im 19. Für keine andere Großmacht hatte der Ausbau der Verkehrswege im 19. M anfred H eit­ m ann (Stuttgart 1981) 8-72. Die traditionelle Organisation sozialer Räume. weil sich. die „ra- sputica“ im Herbst und Frühling sowie die gefrorenen Wasserwege im W inter11. durch das neue Verkehrsmittel in einem ganz neuem Maße herausgefordert und in Frage gestellt. Die gesellschaftliche Ausdifferenzierung war bekanntermaßen in den anderen Imperialstaaten Europas weit stärker fortge­ 11 Carsten G oehrke. und die Untersuchung nimmt den Charakter einer Fallstudie zur allgemeinen Transfor­ mation sozialer Räume im Zeitalter der Eisenbahn an. eine solche Frage am Beispiel der Geschichte Russlands im 19. die in gewisser Flinsicht als Spiegelbild gesellschaftlicher Ordnungsmuster gelesen wer­ den kann.und in übertragener Hinsicht auch gesellschaftlicher . William L. das System der Eisenbahn pars pro toto als Untersuchungsfeld für die Konfrontation einer vormodernen. In kaum einem anderen europäischen Land trafen in der zweiten Hälfte des Säkulums die Gegensätze einer vormodernen. Zudem hat das System der Eisenbahn in Russland nicht nur zur Produktion sozialen Raumes beigetragen hat.112 F n th jo f Benjamin Schenk Territoriums des Russländischen Reiches zu untersuchen. Bd. Neben diesen Spezifika der russländischen Verkehrsgeschichte sind jedoch auch sozial. feudal strukturierten Gesellschaft und die Neuerungen und Herausforderungen der industriellen M o­ derne in dieser Schärfe aufeinander. transformiert oder zerstört. die sich in ähnlicher Form vermutlich auch in anderen Ländern beobachten lässt.

stark abhängig von der gesellschaftlichen Stellung der entsprechenden Gruppen und deren ökonomischen Möglichkeiten. für verschiedene soziale Gruppen unterschiedliche „Spielregeln“.und Kontrollbeziehungen nach außen abgegrenzt sowie im Inneren strukturiert. sozialen Raumes. Das Modell des gesellschaftlichen Raumes Im Modell des gesellschaftlichen bzw. Auch die Wahrnehmung und Imagination von Räumen sowie das Verhalten der Menschen im Raum sind je nach Herkunft und Status der Akteure unterschiedlich und spezifisch. In Russland lässt sich daher . Durch die Einbeziehung des Menschen bzw.B. Hier spielt hinein. die Praxis des Reisens oder die Fortbewegung im Raum. Gerade die Frage nach den Veränderungen der Grenzen zwischen diesen verschie­ denen Teilräumen z. z. Das Raum-konstituierende Handeln der Menschen. ist die vierte Dimension. sondern vom Nebeneinander unter­ schiedlicher sozialer Räume auszugehen. Jahrhunderts besonders anschaulich und gleichsam m „kompri­ mierter“ Form studieren. symbolische Zuschreibungen und normative Aufladungen eine erhebliche Rolle spielen. Gemäß dem skizzierten Konzept ist gesellschaftlicher Raum auf komplizierte Art und Weise in sich strukturiert und untergegliedert. der Gesellschaft in das theoreti­ sche Modell. die sich viel­ leicht am besten als die imaginäre Komponente sozialer Räume beschreiben lässt. Diese von Menschen geschaffenen „Spielregeln“ sozialer Räume beeinflussen in erheblichem Maße die dritte Raum­ konstituierende Dimension. die sich für einzelne Teilgruppen der Ge­ sellschaft in den vier genannten Dimensionen jeweils spezifisch konstituierten. Schwer von dieser gesellschaftlichen Praxis zu trennen.B. Stark verkürzt gesprochen spielen dabei vier.so eine abschließende Vorüberlegung . das für den skizzierten Untersuchungsgegenstand fruchtbar gemacht werden soll. dass sich soziale Räume nicht zuletzt auch in den Köpfen der Menschen konstituieren und dabei Imaginationen. verliert der Raum seinen einstmals imaginierten gleichförmigen und homogenen Charakter. Allein die Fläche oder das Volumen des jeweils zugänglichen und erfahrbaren Raumes wa­ ren stets abhängig vom Platz der jeweiligen Menschen in der sozialen Hierarchie. nicht von der Existenz eines gesellschaftlichen Raumes in Russland. Zweitens die nor­ m ative Dimension: Soziale Räume werden durch bestimmte rechtliche und ästhe­ tische Regulationssysteme sowie Macht. durch die Einführung des neuen Massenverkehrsmittels . wird „Raum“ als das Produkt menschlicher Ordnung. Handlung und Wahrnehmung gedacht. die sich als das Resultat der menschlichen Aneignung der N atur sowie der Anordnung von menschlichen Artefakten sowie der Menschen selbst darstellt. eng miteinander verflochtene Dimen­ sionen sozialer Räume eine Rolle: Erstens die materielle Dimension. So gelten z. Die P ro d u k tio n des imperialen Raumes 113 schritten als im Zarenreich. das H andeln der Menschen im Raum. Aus diesem Grunde ist es auch sinnvoll.die Transformation vormoderner sozialer Räume in der zweiten Hälfte des 19.B.

[Vysocajse ucrezdennoe O soboe Sovescanie o nuzdach sel’skochozjajstvennoj promyslennosti] (Sankt Peterburg 1903) 102.und Archiv­ studien konnte unterschiedliches Material wie Verkehrsstatistiken. In dem skizzierten Projekt wird die Transformation sozialer Räume in Russ­ land im Eisenbahnzeitalter auf drei Ebenen analysiert. Politi­ kern und Militärs als interessante und ergiebige Quellen für das skizzierte Thema identifiziert werden. dem menschlichen Handeln sowie der symbolischen Zuschreibung und Imagination. Daneben bedingten aber auch rechtliche Bestimmungen. dazu ausführlicher: Frithjof Benjam in Schenk. der Waggon und das Zugabteil. Im Zug. Jahrhunderts viele Wanderarbeiter zwangen. alljährlich im Frühjahr und Herbst mehrere hundert Werst vom Wohn. Verkehrsplanern. wie das rigide Passwesen des Zarenreiches. Jahrhundert hilft das vorgestellte Modell. die zum Bei­ spiel noch Anfang des 20. lässt sich an einigen Beispielen aus dem Kontext der Geschichte des neuen Verkehrsmittels verdeutlichen: Trotz der Existenz eines scheinbar „homo­ genen“ und sich verdichtenden Verkehrsraums im Russländischen Reich in der zweiten Hälfte des 19. Gesellschaftlicher Raum im Russland des Eisenbahnzeitalters. lassen sich Entstehung und Veränderung sozialer Räume im Untersuchungszeit­ raum des Projektes analysieren. Im Falle des skizzierten Projektes zur Kultur. Bd.Configurations de l’experience (= Transversale. den rechtlichen und normativen O rd ­ nungen. Beschwerdebriefe. Reisebe­ richte. Bahnhofs. Landkarten und Bauzeichnungen. V.B. auf der „Makro­ ebene“. Reiseführer. Auf allen drei Ebenen konstituierten und verän­ derten sich soziale Räume im Zusammenspiel der oben skizzierten vier Kompo­ nenten: der materiellen Erscheinungsform. auf einer „Meso­ ebene“. Jahrhunderts war das Imperium für einfache Arbeiter oder Bauern nicht in gleichem Maße „erfahrbar“ wie z. zweitens. . das Territorium des Russländischen Reiches.zum vorübergehen­ den Arbeitsort zu Fuß zurückzulegen13. erstens. entspre­ chende Fragen an das Quellenmaterial zu richten bzw. ein Gespür dafür zu entwi­ ckeln. Ein europäisches Jahrbuch. so eine Hypothese. ZemledePceskij otchod krest’jan.und Sozialgeschichte der Eisen­ bahn in Russland im langen 19. Berichte der Eisenbahngendarmerie sowie Dokumente des „Eisenbahndiskurses“ von Ingenieuren.und Verkehrsordnungen. zunächst eine weit 12 Vgl. N. Auf allen drei Ebenen konstituierten sich soziale Räume je nach ge­ sellschaftlicher Gruppe auf ganz unterschiedliche Art und Weise12. der großstädtische Bahnhof und drittens. Wie stark sozialer Raum in Russland im Eisenbahnzeitalter hierarchisch orga­ nisiert war. welche Texte oder welches andere Material als mögliche Quellen überhaupt in Frage kommen könnten.. auf der Mikroebene. der Zug bzw. Auf allen drei Ebenen. Im Rahmen umfangreicher Bibliotheks. Erkundungen in Kunst und Wissenschaft.114 Frithjof Benjam in Schenk der Eisenbahn verspricht spannende Einsichten in den Prozess der Transforma­ tion gesellschaftlicher Räume in der Zeit der anbrechenden Moderne. 2) (München 2006) 258-264. Architekten. für Vertreter des Adels oder der hohen Bürokratie. in: Erfahrungsräume . 13 Sachovskoj. Das hatte zum einen ökonomische Gründe.

sondern wurde. Vielmehr wurden die Formen der räumlichen Organisation und Segregation der Gesellschaft durch das moderne Verkehrsmittel in vielerlei Hinsicht herausgefordert. ist für ein historisches Forschungsprojekt von besonders großem Interesse. welche neuen Modelle gesellschaftlicher Ordnung im Zuge der Verbreitung der Eisen­ 14 Z u den Passgesetzen in Russland z.B. die durch die Einführung und den Betrieb des neuen Massenverkehrsmittels ange­ stoßen wurde. Diese im Verkehrssystem der Eisenbahn gleichsam eingeschriebenen gesell­ schaftlichen und räumlichen Ordnungsmuster waren jedoch weder unantastbar noch unveränderlich. V. Natürlich war die Unterteilung der Warteräume und der Waggons für den Pas­ sagierverkehr in Klassen keine „russische“ Erfindung. Dies lässt sich exemplarisch an drei Themenfeldern verdeutlichen: an der gleichsam „demokratischen Dimension“ der Eisenbahn. citannych v Kremencugskom techniceskom z. war es beispielsweise selbstverständlich. Ständerecht und Standeswech- sel in Rußland i 851-1897 (Wiesbaden 1994) 63 f. 1851. Vagony russkich zeleznych dorog. 16 Severnaja pcela 2. Auch die Praxis des Reisens eines Arbeiters in einem überfüllten Waggon dritter Klasse ohne Heizung und Schlaf­ möglichkeiten hatte kaum etwas mit der Art der Fortbewegung der Mitglieder der gesellschaftlichen Elite in komfortablen Coupes der ersten Klasse gemein. Die P ro d u k tio n des imperialen Raum es 115 geringere horizontale Mobilität der niederen gesellschaftlichen Schichten14.-d. 245. Für den Journalisten der Severnaja Pcela. 977. Karmannyj al’bom podviznago sostava obs- cestva rossijskich z.d. Mitglieder der gesell­ schaftlichen Oberschichten blieben in den Wartesälen und Abteilen der ersten und zweiten Klasse ebenso weitgehend unter sich wie Vertreter des „einfachen Volkes“ in den Räumen und Waggons der dritten Klasse. Gerade die Frage nach der gesellschaftlichen D ynam ik. Ucilisce (Kremencug 1887). November 1851 begeis­ tert von der ersten regulären Fahrt eines Passagierzuges von Sankt Petersburg nach Moskau berichtete. eksponirovan na Vserossiijskoj vys- tavke v N iznom Novgorode v 1896 g. Der Fuhrpark einer russischen Eisenbahngesellschaft mit ihren Luxuskarossen des kaiserlichen Zuges. der Masse rollenden Materials der „Holzklassen“ sowie schließlich den obligatori­ schen Gefängniswaggons erscheint aus heutiger Perspektive gleichsam wie das Abbild einer feudalen Gesellschaft auf Rädern13. B. dass die dritte Klasse für die Beförderung des „einfachen Volkes (prostogo naroda)“ bestimmt w ar16. (Sankt Peterburg 1898) (2 Bände). . Auch auf der Ebene des großstädtischen Bahnhofs oder des Zuges präsentierte sich ge­ sellschaftlicher Raum als klar in einzelne Sphären separiert. R obert von Frank. Christoph Schm idt. z. wie auch die Technik für den Eisenbahnbetrieb. 15 Vgl. A leksandr A leksan­ drov ic Ljubim ov. (Sankt Peterburg 1867). 11. Arcis. aus dem westlichen Ausland übernommen. Zeitgenössische Beobachter nahmen die Stratifikation der Fahrgäste der Eisen­ bahn in „Klassen“ jedoch als ein Äquivalent der russischen sos/cw/e-Gesellschaft wahr.dlja praktiki (Penza 1909). Tepluski dlja perevozki ljudej na russkich zeleznych dorogach. VC Stepan Muro. den bequemen Waggons der ersten und zweiten Klasse. Reihe: Iz praktiki . an der Frage. Lekcija. Nr. A l’bom certezej podviznogo sostava zeleznych dorog. der am 2.

über die Anwesenheit von Passagieren dritter Klasse im Lokal für die erste und zweite Klasse im Bahnhof der Kreisstadt beschwerte19. musste ihn die Eisenbahnverwaltung darauf hinweisen. 265. ed. kostete ihn der Aufenthalt in dem mit Holzbänken ausgestatteten Warteraum.1. jüdische Kaufleute auf Petersburger Beamte. offenbar große Überwindung18. ed. Beschwerden an die einzelnen Eisenbahngesellschaften legen jedoch den Schluss nahe. Die Eisenbahn als „demokratisches“ Verkehrsmittel Die Eisenbahn war . Handwerker. das allen Teilen der Gesellschaft in gleichem Maße zur Verfügung stand. Zwar bewegten sich diese Gruppen meist in den von der Eisenbahnordnung vor­ gesehenen Bahnen einer „Klassen-Gesellschaft“. Arbeiter usw. An die langsame Öffnung des öffentlichen Raums für unterschiedliche so­ 17 Rossijskij Gosudarstvennyj Istoriceskij Archiv (RGIA). Insbesondere an Provinz­ bahnhöfen. Reiseberichte bzw. 265. 18 A leksandr Semenovic Klevanov. Als sich am 28. op. op. 4. und schließlich an der Entstehung neuer Gefahren für die beste­ hende politische Ordnung. Als der Reisende erster Klasse Aleksandr Klevanov im Sommer 1871 auf der Station von Mcensk auf seinen Zug nach Kursk warten musste. Putevyja zametki za graniceju i po Rossii v 1870 godu (Moskva 1871)441. orthodoxe Priester auf muslimi­ sche Pilger. gereist sei17. f. dass gemäß § 7 der staatlichen Be­ nutzungsordnung für Bahnhofsgebäude aus dem Jahre 1891 (O pravilach p o l’zo- vanija pasazirskimi pomescenijami) „anständig gekleidete Passagiere der dritten Klasse“ das Recht hätten. Aber auch in Bahnhöfen mit räumlicher Klassen­ trennung blieb den Vertretern der Oberschichten der Kontakt mit dem einfachen Volk nicht erspart. dazu auch: Rasporjazenie. in dem sich „un­ terschiedslos halbbetrunkene und volltrunkene Männer und Frauen“ aufhielten. 1181. Januar 1891 ein aufgebrachter Fahrgast im Beschwerdebuch des Bahnhofs von Kanaevskaja darüber. Männer auf Frauen. 116 Frithjof Benjam in Schenk bahn entstanden. 1. dass in einem Waggon zweiter Klasse der Syzrano-Vjazemskaja-Bahn „ungehobeltes Volk (neprilicnaja publika) dritter Klasse. die häufig über nur einen Wartesaal für alle Klassen verfügten. war die Begegnung von Menschen unterschiedlicher sozialer Herkunft nahezu unver­ meidlich. 1182. die Speisebüffets der beiden höheren Klassen zu betre­ ten20. Auf dem System der Eisenbahn trafen Adelige auf Bauern. 690f. d. o b ’javlennoe .ehr. Vgl. Ganeckij. 4. 20 O pravilach pol’zovanija pasazirskimi pomescenijami zeleznodoroznych stancij i pravila dlja passazirov v poezdach zeleznych dorog Rasporjazente.h.ungeachtet der U nterteilung der Fahrgäste in den Zügen und den Bahnhöfen in verschiedene Klassen .“. 252ob. So empörte sich zum Bei­ spiel am 29.ein „demokratisches“ Verkehrsmittel. 19 R G IA . ehr. o b ’javlennoe Pravitel stvujuscemu senatu ministrom putej soobscenija (Rzev 1891). f. dass es auf Bahnhöfen und in Zügen häufig zu Begegnungen und zum Teil auch zu Kon­ flikten zwischen den einzelnen Passagiergruppen kam. Februar 1893 der Adelsmarschall des uezd von Kobrin.

5. So beschreibt zum Beispiel der amerikanische Reisende L. Scott. Anlass des Disputes war eine Szene vor dem Fenster des Zuges. 22 L. Zeleznaja doroga v tvorcestvom soznaii L. 145-159. Mit dem Ausbau des Schienennetzes stiegen auch die Fahrgastzahlen der rus­ sischen Eisenbahnen in der zweiten Hälfte ties 19. dessen Bericht über eine Zugfahrt von Moskau nach Samara im Juni 1909 auch in russischer Übersetzung erschien. S tech por kak ja sei v vagon. Hatten die russischen Bahnen 1873 nur 16.sondern zu­ gleich ein Teil sozialer Wirklichkeit war. dass in diesem Zusammenhang auch die Mobilität der einfachen Bevölkerung deutlich zunahm. Em ­ pört äußerte sie sich über die soziale Ungerechtigkeit und die großen U nter­ schiede zwischen den Klassen im Russischen Reich. Porudominskij. in: Zeleznodoroznoe delo (1891) Nr. 1905 reisten Pravitel’stvujuscemu Senatu Ministrom Putej Soobscenija o pravilach pol’zovanija passazirs- kimi pomescenijami zeleznodoroznvch stancij i pravilach.damit. 11. Eine wichtige Mittlerfunktion zwischen den verschiedenen gesellschaftlichen Schichten in Bahnhöfen und Zügen kam den Arbeitern und Angestellten der Ei­ senbahnen zu. 18. J. 2 Mio. 21 Z um Eisenbahnmotiv im Werk Tolstojs: V. so betrug diese Zahl 1886 bereits 30. . dass es die m u ziki nicht besser verdient hätten und dass die Bau­ ern ohne den Adel ohnehin nicht überleben könnten.zum Beispiel in Dostoevskijs Idiot oder Tolstojs Kreutzersonate . denen das Privileg der kostenlosen Beförderung zukam und die die freie Fahrt nicht selten in Waggons der besseren Klassen genossen. in: Zeleznodoroznaja zizn’ na D al’nem Vostoke (1908/09) Nr.übrigens wie in Tolstojs Kreutzersonate . Iz Moskvy v Samara. Dieses Ein­ dringen des „einfachen“. Die P ro d u k tio n des imperialen Raumes 117 ziale Gruppen mussten sich die Vertreter der Oberschichten erst langsam ge­ wöhnen. in: Celovek (1995) Nr. die das soziale Gewissen der Eisenbahnergattin rührte: Neben einer herrlich geschmückten Trojka eines Landadeligen warteten an einem kleinen Bahnhof die ärmlichen Karren der örtlichen Bauernschaft. lässt sich an zahlreichen Berichten über die Reise in russischen Bahnen im 19. 750 ff. 135 f.N. Auf diese Anklage erwiderte die Adelstochter. arbeitenden „Volkes“ in die räumlich abgegrenzten Sphären der oberen gesellschaftlichen Klassen sorgte bei Vertretern der O ber­ schicht wiederholt für Empörung. dass eine der streitenden Parteien che po­ litische Arena des Abteils verließ. Jahrhundert ablesen21. eröffnete aber auch neue Möglichkeiten des Dialoges zwischen den einzelnen sozialen Schichten der russischen Gesellschaft. Jahrhunderts sprunghaft an. ohne dass eine Verständigung zwischen den Opponenten zustande gekommen wäre22. Insbesondere der Anstieg der Passagierzahlen dritter Klasse macht deutlich. Der Streit endete . Dass die Begegnung von Menschen unterschiedlicher sozialer Herkunft in den Zügen des russischen Eisenbahnnetzes nicht nur ein beliebtes literarisches Motiv . Passagiere dritter Klasse befördert. Tolstogo. ein Streitgespräch zwischen der Frau eines Schaffners aus Turkestan und einer Ge­ neralstochter in einem Abteil zweiter Klasse.7 Mio. Allein der Zug hatte sich einmal mehr als O rt des Kontaktes und des Austauschs zwischen Vertreterinnen verschiedener sozialer Gruppen und politischer Überzeugungen erwiesen. Skott.

Jahrhunderts bot. Die Wartesäle bieten einen unansehnlichen und traurigen Anblick.. f. wandte sich der Beobach­ ter angewidert ab: „. Der Rjazaner Bahnhof in Moskau präsentiere sich beispielsweise als dreckiger und überfüllter Ort: „Auf den nackten und dreckigen Böden der Bahnsteige schläft dicht an dicht gedrängt das graue Volk. Hinzu kamen 1905 noch 8. die gläsernen Spiegel seien mittlerweile stumpf. hier stoßen die Passagiere auf schlaftrunkene. 1. Es waren die Bahnhöfe. die sich hier am Bahnhof drängten. die War­ tesäle der dritten Klasse platzten zunehmend aus allen Nähten. 2. Körbe und Gläser mit Eingemachtem mit sich tragen. Die goldenen Zeiten des frühen Eisenbahnbaus seien eindeutig vorbei. Angesichts dieses Ansturms konnten die wohl durchdachten räumlichen Ordnungen auf den großen Stationen nur noch mühsam aufrechterhalten werden. die rote Stiefel tragen und einen Haufen Bündel. ungewa­ schene Gestalten mit zerzaustem Haar und staubigem Gewand.“24 Von den Menschen. ed.5 Mio. 273. Der gewaltige Anstieg der Passagierzahlen in den niederen Klassen korrespondierte zum einen mit dem Wachstum des russischen Schienen­ netzes. die vor allem von Arbeitern und Bauern in Anspruch genommen wurde. Sie sind bar jeder Schönheit und jedes Komforts. Die Veränderungen auf den großstädtischen Bahnhöfen um die Jahrhundert­ wende wurden bereits von Zeitgenossen aufmerksamen registriert. Auf diese Art und Weise fiel. 1 (1877) 15 (1887) 89 (1907) 131 24 Spinoj ot komforta. Petersburg oder Moskau mit dem massenhaften Zustrom bäuerlicher Bevölkerung als erstes konfrontiert wurden. op.118 Frithjof Benjam in Schenk 87. 23 Statisticeskij sbornik Ministerstva putej soobscenija. pointiert gesprochen. 382). 1912 44. unterschied sich kaum von dieser Schilderung. . zum zweiten mit dem Anstieg der allgemeinen Fahrgastzahlen und zum dritten mit dem signifikanten Bevölkerungswachstum in dieser Zeit. das sich dem Reisenden an anderen großstädtischen Bahnhöfen zu Beginn des 20. fortlaufen.ehr.3 Mio.. ohne sich umzusehen. bzw. vyp. Nr. die Bronzeleuchter matt geworden. 10.2 Mio. wo die großen Städte wie St. Stück für Stück habe dann jedoch der Verfall eingesetzt. 1912 schließlich 163. in: N ovoe vremja. konstatierte zum Beispiel im Oktober 1909 ein Autor in der weit verbreiteten Tageszeitung N ovoe vremja. 23 Spinoj ot komforta. Passagiere in der äußerst primitiven vierten Klasse.23. Von hier möchte man nur noch flüchten. 312. ein O rt der Trostlosig­ keit. <c"7S Das Bild. Mit ihrem Schmuck und ihrem Prunk hätten die Wartesäle und Bahnhofsbüffets früher zur Läuterung und Besserung jener Menschen beigetragen. Menschen in Waggons dritter Klasse. die großstädti­ schen Stationen verwandelten sich allmählich in Orte der Sedimentierung der m o­ dernen Migrantengesellschaft.2 Mio. langsam aber sicher die vormoderne räumliche Ordnung der Eisenbahn dem all­ gemeinen Erfolg des Verkehrsmittels zum Opfer. 1909. Sie waren aber auch deutlicher Ausdruck der grassierenden Landflucht und der zunehmen­ den Urbanisierung gegen Ende des 19. (RG IA. die hierher ka­ men. 10. Der Glanz der großen Bahnhofspaläste begann allmählich zu verblassen. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. 12054.

. 220 u. 132. 240). hatte das alltägliche Chaos auf den Bahnhöfen um die Jahrhundertwende nur noch wenig gemein. Die Grenzen der einzelnen sozialen Räume im System der Eisenbahn waren somit um einiges durchlässiger als jene der gesellschaftlichen Ständeordnung. ed.ehr. ed. als Passagier. 10. Tierblut fließt in Bächen über die Fliesen und wird von den Passagieren im ganzen Bahnhofsgebäude verteilt. dass sich ein zu Geld gekommener Land­ wirt den Luxus einer Fahrt erster Klasse erlaubte.auf unbeschreiblich dreckigen Bahn­ steigen das aus der Provinz herbeigeschaffte Schlachtfleisch und Nutzvieh umge­ laden. Züge und Wartesäle der Bahnhöfe waren zwar nach Klassen untergliedert. 1. 273. op. (R G IA f. 27 V dorogu. Dem Zeitgenossen präsentierten sich die Bahnhöfe nur noch als Orte. ein Gleicher unter Gleichen. 10. Petersburg. ehr. Wer bereit und in der Lage war. dem wurde der Zugang zu den entsprechen­ den Bereichen und Orten nicht verwehrt. 121 ). in: Moskovskij listok. 11.und Amtsträgern bevölkert wurde. in Raucher und Nichtraucher sowie männliche und weibliche Passagiere.B. Auch wenn es offensichtlich eine Aus­ nahme blieb. an der die Züge aus Moskau eintrafen. Die P ro d u k tio n des imperialen Raumes 119 Auch die einstige Vorzeigestation der Nikolaj-Bahn in St. angesichts fehlender Gebäude kauert das Publikum mit Kind und Kegel auf seinen Bündeln auf dem ganzen Bahnhofsgelände. 8. die auf den „zu erwartenden Ansturm der Passagiere (naplyvu pasazirov) völlig unvorberei­ tet“ waren27. von Offizieren. z. Gutsbesitzern und staatlichen W ürden. der Zugang zu den einzelnen Bereichen wurde den Fahrgästen jedoch nicht aufgrund ihrer jewei­ ligen Standeszugehörigkeit erteilt oder verwehrt.und Raumordnung durch das neue Verkehrsmittel der Eisenbahn lassen sich auch noch auf einer zweiten Ebene beschreiben: Im modernen Eisenbahndiskurs wurde Gesellschaft nach anderen Kriterien verhandelt als außerhalb des Verkehrssystems. so konnte es Vorkommen. Nr. 6. 1909. 1909. 21. 1.. die ur­ sprünglich fast ausschließlich von Angehörigen der gesellschaftlichen Elite. . (R G IA f. Neue Modelle gesellschaftlicher Ordnung Die Flerausforderungen der vormodernen Gesellschafts. 312.“26 Mit der wohlgeordneten Welt der haupt­ städtischen Terminale. Bei der Lektüre von Beschwerdebriefen aus den Aktenbeständen der russischen Eisenbahnverwaltungen gewinnt man manch­ 26 N ovoe vremja. den Preis für eine Fahr­ karte einer höheren Klasse zu lösen. Neben der Stratifikation der Gesellschaft in Klassen existierten auf der Eisen­ bahn zudem noch andere Formen der Unterteilung der Fahrgäste. Hier war er im Prinzip. Hier betrat er die Welt. 273. sondern erfolgte allein nach den Gesetzen des Marktes. glich um die Jahrhundertwende bereits einem bäuer­ lichen Marktplatz: „. Hier wer­ den . Jahrhun­ derts voller Optimismus imaginiert und realisiert worden war. 12012. die auch in Russland in der zweiten Hälfte des 19. denen je eigene Be­ reiche in Zügen zuerkannt wurden. Nr. 312. op.mit Genehmigung des Ministeriums .

die im September 1874 per Zirkular alle Bahngesellschaften anwies. die sich auf der Rückreise von der Kur in Pjati- gorsk nach Moskau befand.und Intimsphä­ ren sowie von Verhaltensregeln für Männer und Frauen im halböffentlichen / halbprivaten Raum der Eisenbahn nötig. auch in Kutschen reiste man schließlich bis dahin immer wieder sowohl in männlicher als auch in weiblicher Gesellschaft. Der Waggon. „O b ustrojstve. Zur zufälligen Reisegesellschaft des Autors zählte neben ei­ nigen Männern auch eine Frau. 5563 vom 23. Putevyja zametki 532. die sich erdreisteten. Die Grenzen zwischen diesen getrennten Gesellschaftsbereichen der Eisenbahn waren dabei das Ergebnis zum Teil langer Diskussionen und politischer Entscheidungs­ prozesse. 29 Cirkuljar Technicesko-Inspcktorskago Komiteta zeleznych dorog Nr. otdelenij dlja d am “. ungeachtet der Anwesenheit einer Dame ihr H em d auszuziehen und sich auf dem Diwan auszustrecken: „Das ist eine Ungeheuerlichkeit! U nd ich glaube. Dass die neue Form der Reise mit der Eisenbahn bei den Zeitgenossen die Frage nach der Geschlechter­ ordnung öffentlicher Räume aufwarf. die in der zweiten Hälfte des 19. Bd. in: Sbornik. Em pö­ rung weckte bei ihm jedoch das Verhalten seiner männlichen Mitreisenden. selbst wenn sie reisende Damen be­ gleiteten. es wäre in einem solchen Falle angebracht.120 Frithjof Benjam in Schenk mal den Eindruck. entsprechende Damenabteile ein­ zurichten. wo die mit der Bahn zurückzulegenden Distanzen oft lang waren und die Züge langsam fuhren. 9. der im Sommer 1870 in einem Wagen zweiter Klasse von Char’kov nach Moskau reiste. 2 (Sankt Peterburg 1877) 127. weil es überall dasselbe ist: Nein. in dem Klevanov fuhr. dass die Verletzung von Grenzen zwischen den auf diese Art und Weise abgegrenzten Sphären von vielen Fahrgästen als weit skandalöser ange­ sehen wurde. Dies machte die Aushandlung der Grenzen von Privat. Man kann auch nirgendwo anders hingehen. nach dem Vorbild ausländischer und einiger russischer Bahnen in Zügen. Das Recht. Zu diesen Abteilen sollten Männer. dass man dergleichen nur bei uns beobachten kann. ministerskich postanovlenij i obscich praviteTstvennych rasporjazenij Ministerstva Putej Soobscenija po zeleznym dorogam. Aufschlussreich ist in diesem Kontext zum Beispiel die Debatte. die Waggons erster und zweiter Klasse führten. waren Menschen unterschiedlichen Geschlechts häufig genötigt. als die Übertritte von einer Klassen-Sphäre in eine andere. mehrere Tage und Nächte gemeinsam auf engstem Raume zu ver­ bringen. war relativ leer. An der gemischten Besetzung des Großraumabteils nahm Klevanov keinen Anstoß. Jahrhunderts um die Einrichtung von Damenabteilen in den Zügen der russischen Eisenbahnen geführt wurde. keinen Zutritt haben29. auch: Cirkuljar . wenn es se­ parate Abteile für Männer und für Frauen gäbe. wird nirgends geduldet. Sich am helllichten Tage in Anwesenheit einer Dame hinzulegen. Im Übrigen hat sich einer der Männer sogar erdreistet. ungestört von männlicher Gesell­ 28 Klevanov. Vgl.“28 In Russland. sich ganz auszuziehen und nur im Hemd zu bleiben. v vagonach pervych dvueh klassov. die Beine auszustrecken und sich in ganzer Länge in unflätigen Posen zu zeigen. Insbesondere rief es die staatliche Büro­ kratie auf den Plan. lässt sich an dem bereits zitierten Reisebe­ richt von Aleksandr Klevanov illustrieren. In der Eisen­ bahn aber ist das möglich. 1874.

31 Ebd. „die studierende Jugend im Allgemeinen vor dem Einfluss jener zufälligen Reise­ bekanntschaften zu bewahren. War die räumliche Trennung von weiblichen und männlichen Reisenden im Zeitalter der Postkutsche offenbar noch kein Thema. auf engstem Raum in fremder männlicher Ge­ sellschaft über längere Distanzen zu reisen. 23- 24. dazu auch: Cirkuljar po eksploatacionnomu otdelu. für weibliche Studenten zu Beginn des Studienjahres spezielle Abteile bzw. in: Sistematiceskij sbor- nik uzakonenij i obscich rasporjazenij. Nr. 10831. die sich beim Verkehrsministe­ rium über Belästigungen durch andere Passagiere dritter Klasse beklagten. po 31 maja 1898 g. Vgl. Dessen ungeachtet lässt sich an diesem Beispiel ablesen. in: ebenda 176ff. 265. Bereits ab dem Februar 1891 war es auch gesetzlich vorgeschrieben. Vgl. 9. blieb zunächst ein Privileg weiblicher Passagiere der beiden hö­ heren Klassen. Nach wiederholten Eingaben ähnlichen Inhalts wurde die Behörde im Juni 1891 aktiv und rief in einem Zirkular die privaten und staatlichen Bahngesellschaften auf. die am Tage verkehrten. 32 Cirkuljar Ministerstva Putej Soobscenija. „O b otvedenii osobych po- meseenij dlja ucascichsja v vagonach III klassa“. sondern auch darum. welche Zumutung es zuweilen für Frauen in der dritten Klasse gewesen sein muss. Nr. otnosjascichsja do postrojki i ekspluatacn zeieznych dorog kaznoju i posledovavsich v period vremeni s nacala 1881 g. auf denen mindestens zw'ei Zugpaare pro Tag verkehrten. 6981. „S pravilami ob otvode v poezdach kazennych zeieznych dorog osobych otdelenij dlja d am “. 30 Cirkuljar Ministerstva Putej Soobscenija. 1891. So genannte Arbeiterzüge. Waggons dritter Klasse bereitzustellen30. 1875: „O rasprede- lenii zeieznych dorog na razrjady v otnosenii ustrojstva v vagonach osobych otdelenij dlja dam i dlja nekurjascich“.gedanklich und räum­ lich in neuer Weise zu ordnen und dabei die Kategorie „Geschlecht“ gegen Ende des Jahrhunderts eine deutliche Aufwertung erfuhr. Zeleznodoroznoe delo (1891). wie im Rahmen des Eisenbahndiskurses versucht wurde. Dabei ging es dem Ministerium nicht nur um den Schutz der Frauen vor Belästigungen männlicher Passagiere. Vgl. 24. 4. 1891. Die P ro d u k tio n des imperialen Raumes 121 schatt zu reisen. Diesen Schluss legen zumindest ent­ sprechende Beschwerden von Studentinnen nahe. Nr. 2. Gesellschaft . 22. in Nachtzügen weiblichen Passagieren aller drei Klassen entsprechende Damenabteile zur Verfügung stehen mussten32. Zeleznodoroznoe delo (1891). 27. 10. 6. trat es mit der (nächtlichen) Eisenbahnreise zunehmend auf den Plan. dass auf Bahnstrecken. . Nr. Die Ver­ ordnung ließ jedoch zahlreiche Ausnahmen zu und galt nicht für Züge. das heißt Züge mit Waggons vierter Klasse. vkljuci- tel’no (Sankt Peterburg 1900) 688. 1891: „Pravila ob otvode v poezdach oso­ bych otdelenij dlja dam “.gedacht als Kollektiv der Passagiere . Die Relativierung der vormodernen Unterteilung der Gesellschaft im moder­ nen Eisenbahndiskurs lässt sich auch noch an einem anderen Beispiel darlegen. 124. Die Aufteilung der Züge in separate Klassen und insbesondere die unterschiedli- Technicesko-Inspektorskago Komiteta zeieznych dorog Nr.4. 5401. Man kann sich leicht ausmalen. die sich negativ auf die moralische Verfassung der jungen Passagiere auswirken kann“31. waren zudem von der Verordnung ausgenommen.

dass die Reisenden auf den russi­ schen Bahnen von Experten des Verkehrswesens nicht nur als Repräsentanten ein­ zelner Klassen wahrgenommen wurden. Was je­ doch die frische Luft zum Atmen anbetrifft. Maßgeblich dafür war unter anderem der Einfluss von Debatten spezifisch moderner wissenschaftlicher Dis­ ziplinen wie z. Ein weiteres Beispiel mag veranschaulichen. Die A uto­ ren des Berichtes gingen in ihrer Argumentation und ihren Forderungen sogar noch weiter. Angesichts dessen. dass einem Fahrgast dritter Klasse in einem gewöhnlichen Waggon viel weniger Luft zum Atmen zur Verfügung stehe als einem Passagier erster Klasse. Es sei zwar durchaus gerechtfertigt.122 Frithjof Benjamin Schenk che Behandlung der verschiedenen Fahrgastgruppen wurde im russischen Eisen­ bahndiskurs immer wieder auf den Prüfstand gestellt. 35 Ebd. die über eine kräftigere Physiognomie und stärker ausgebil­ dete Lungen verfügten. Anspruch auf die gleiche Be­ handlung durch die Betreiber der Bahn hatte. sondern dass daneben langsam die Vor­ stellung vom „homogenen“ bzw. so habe „jeder Passagier. dass die „Holzklasse“ in der Regel höher frequentiert und damit dichter belegt war als die gepolsterten Waggons. 145. in welcher Zugklasse er auch reist die absolut gleichen Rechte und Ansprüche“34. dass ein Fahrgast erster Klasse einen erhöhten Komfort. den entsprechenden Paragraphen der Betriebs­ ordnung der Bahn nicht zu verändern und somit die Übergänge von der einen Klasse in die andere offen zu halten. 12. erwarte. d. wie viel er für seine Fahrkarte bezahlt hatte. der Feuerpolizei oder der „gesellschaftlichen Hygiene“. gleichen „Passagier“ entstand.ehr. müssten sie in ihren Waggons eigentlich besser mit Luft und Sauerstoff versorgt werden als andere Passagiere35. so heißt es in dem D o ­ kument. ob man in so genannten „gemischten Zügen“ die Verbindungstüren zwischen der ersten und zweiten sowie der dritten Klasse verriegeln dürfe. 34 Doklad o passazirskom dvizenii (Sankt Peterburg 1881) (Vysocajse ucrezdennaja Kom- misija dlja issledovanija zelcznodoroznago dela v Rossu) 111. U lf . und zum anderen damit. Aus feuerpolizeilichen Gründen wurde letztendlich jedoch entschieden. 273. op. f. um das Eindringen von Dieben aus der niederen in die Sphäre der höheren Klassen zu verhindern33. Im „Bericht über den Personenver­ kehr“ (D oklad o passazirskom clvizenii) der in den 1870er Jahren eingesetzten staatlichen „Kommission zur umfassenden Untersuchung des russischen Eisen­ bahnwesens“ wird beispielsweise Anstoß daran genommen. .B. Die Verfasser der Studie folgten in diesem Punkt der Argumentation eines Theoretikers auf dem Gebiet der „gesellschaftlichen Hygiene“. ed. der unabhängig davon. dass in den Waggons dritter Klasse doppelt bis drei Mal so viele Plätze unter­ gebracht waren als in jenen der höheren Klassen. dass die Fahrgäste der dritten Klasse in der Mehr­ heit Arbeiter seien. So wurde in der staatlichen Eisenbahnverwaltung (upravlenie zeleznych dorog) 1906-1907 zum Beispiel diskutiert. Dies hatte zum einen damit zu tun. der Anfang der 1870er Jahre einen umfassenden Artikel über die Eisenbahn aus der Perspektive dieser neuen medizinischen Teil­ 33 RGIA. „mit Samt verkleidete Wände oder Teppiche auf den Böden“ der Waggons. h.

die immer noch weite Strecken zu Fuß zurücklegen.ist allgemein bekannt und muss hier nicht weiter betont werden. Diese sollten die Masse der zu transportierenden Arbei­ ter und Bauern als „lebendiges Transportgut“ (zivoj gruz) betrachten und diese Menschen in einfachen Güterwaggons zu ermäßigten Preisen befördern. 2. in der Praxis folgenlos blieben und sich an der unterschiedlichen Behandlung der Fahrgäste erster und dritter Klasse in den folgenden Jahren nichts zum Positiven und vieles zum Negativen veränderte. die man in großer Zahl wie Vieh in primitiven Güterwaggons trans­ portieren kann. Dass diese Form des Transportes von Menschen im 20. 122— 148. 78-99. 48-84. wie sie die Autoren des zitierten Untersuchungsberichtes formulierten.sei es bei der Organisation der bäuerlichen Migration nach Sibirien und Zentralasien. in denen Gesellschaft nach anderen. . dass die Eisenbahn Raum für Diskurse eröffnete. war die Kehrseite des modernen Diskurses über den „homogenen Passagier" im Eisenbahnzeitalter. Jahrhundert auch in Russland weit praktizierte Realität wurde . 7 (1871) Nr.Auch wenn Forderungen. Die P ro d u k tio n des imperialen Raumes 123 disziplin veröffentlicht hatte36. 37 Doklad o peredvizenii rabocich partij po zeleznym dorogam. Sankt Peterburg 1881 (Vy- socajse ucrezdennaja Kominisija dlja issledovanija zeleznodoroznago dela v Rossii) 6. . . modernen Grundsätzen verhandelt wurde. dass es für die Eisenbahnen sogar lohnender sein könne. Ganz ex­ plizit zogen die Verkehrsexperten dabei den Vergleich zwischen Massengütern der Eisenbahn von geringem Wert (wie z. der in den 1870er Jahren ebenfalls im Rahmen der erwähnten Untersuchungskommission des russländischen Eisen­ bahnwesens entstand. 1. denn: Die untätig verbrachte Reisezeit jener Arbeiter und Bau­ ern. in: Archiv sudebnoj mediciny i obscestvennoj gigienv 6 (1870) Nr. Arbeiter in gro­ ßer Zahl zu ermäßigtem Tarif in Güterwaggons vierter Klasse zu transportieren als Massenschüttgut wie Kohle oder Weizen. würden einen erhebli­ chen Verlust für die nationale Ökonomie des Imperiums darstellen. Weizen. 3. 1. Zum anderen appellierten sie an den ökonomischen Sachverstand der Leitungen der privaten Eisenbahngesellschaften. Zeleznyja dorogi v sudebno-medicinskom i gigienices- kom otnosenijach. der helfen sollte.lebendige Transportware' und kann neben dem Getreide als zweitfwich- tigstjes Transportgut angesehen werden. 2. Im „Vortrag über den Verkehr von Arbeitern“ (D oklad o peredviienii rabocich) plädierten die Verkehrsexperten für die landesweite Ein­ führung eines ermäßigten Tarifs für Arbeitsmigranten und Wanderarbeiter. -b Vladimir Ig n a t’evic Poraj-Kosica. Die Autoren begründeten ihre Forderung zum einen mit dem zu erwartenden Nutzen für die gesamte Volkswirtschaft. Nr. die alljährlich wachsenden saisonalen Migrationsströme innerhalb Russlands auf das System der Eisenbahn umzulenken. Salz oder Kohle) und den Mas­ sen des zu transportierenden „einfachen Volkes“: „Die Gruppe der Arbeiter ist eine . 59-81.B. macht das Beispiel dennoch deutlich. sei es bei der gewaltsamen Verschleppung ganzer Ethnien vom einen Teil des Landes in einen anderen . Die Schattenseite dieser „modernen“ Gesellschaftsdiskurse lässt sich anhand eines anderen Quellentextes veranschaulichen. Nr. 62-140.Die Transformation des Fahrgastes in eine Ware. Nr.“37 Ganz nüchtern wird auch durchge­ rechnet.

124 Frithjof Benjamin Schenk

Diese Formen des „modernen“ Menschentransportes wurden bereits im letzten
Drittel des 19. Jahrhunderts von Verkehrsexperten entwickelt.

Neue Gefahren für die politische Ordnung
Die feudale gesellschaftliche Ordnung des Zarenreiches wurde im langen 19. Jahr­
hundert nicht nur auf diskursiver Ebene wiederholt mit alternativen Modellen
sozialer Organisation konfrontiert. Gleichzeitig wuchsen mit der wachsenden
Vernetzung des Landes durch die Schienenstränge der Eisenbahn auch ganz reale
neue Gefahren für die politische Ordnung der Autokratie. Bereits der eingangs
zitierte Ukaz aus dem Jahr 1857 macht deutlich, dass die Reichsregierung in der
zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts den Ausbau der Eisenbahn zunehmend als
Instrument zur Festigung ihrer Herrschaft auf eigenem Territorium verstand. Das
neue Verkehrsmittel ermöglichte insbesondere die beschleunigte Verlegung von
Truppen der Zarenarmee von einem Teil des Landes in einen anderen. Insbeson­
dere in den Randgebieten (okrainy) des Imperiums, wie in Sibirien, Zentralasien
oder dem südlichen Kaukasus sollte der Ausbau der Verkehrswege zur territoria­
len Konsolidierung des Reiches beitragen38.
Die Schaffung eines landesweiten Eisenbahnnetzes machte die Autokratie je­
doch paradoxerweise auch in einer ganz neuen Art und Weise angreifbar und
setzte Kräfte frei, die die bestehende O rdnung aus einer ganz neuen Richtung be­
drohten. Die neue Verletzlichkeit des politischen Systems zeigte sich zum Beispiel
daran, dass die Sicherheitsorgane der Zarenregierung und die entsprechenden Ei­
senbahngesellschaften seit Mitte der 1870er Jahre geradezu von einer panischen
Angst vor terroristischen Anschlägen auf die Züge der kaiserlichen Familie beses­
sen waren und keinerlei Kosten und Mühen scheuten, die Strecken, die der H err­
scher mit seinen Salonwagen befuhr, im Bedarfsfalle umfassend zu kontrollieren
und zu bewachen39. In der Tat hatten verschiedene terroristische Gruppen die
Schienenstränge der Eisenbahn als die moderne Achillesferse des Zarenregimes
entdeckt und wiederholt Attentate auf Gleisanlagen und Bahnhöfe vorbereitet.
Einer dieser Anschläge im November 1879 wäre fast erfolgreich gewesen, traf
jedoch „nur“ den Zug des kaiserlichen Gefolges40. Dass Alexander II. im Jahre

38 Zum Folgenden vgl. ausführlicher: F rithjof Benjam in Schenk, Imperiale Raumerschlie­
ßung. Die Beherrschung der russischen Weite, in: O steuropa 3 (2005) 33-45.
39 Instrukcija po ochrane imperatorskich zeleznodoroznych poezdov pri vysocajsich pute-
sestvijach, Sankt Peterburg 1891 in: Central’nyj Gosudarstvennyj Istoriceskij Archiv Sankt
Peterburga (CG IASPb) f. 1374, op. 1, ed. ehr. 344,1. 17-30.
40 Z um Attentat der narodnaja volja vom 19. 11. 1879 vgl. unter anderem: N ovoe vremja
vom 27. 11. 1879, Nr. 1347; Rasskaz ocevidca o vzryve na Moskovsko-Kurskoj zeleznoj do-
roge, in: Saratovskie Eparchal’nye Vedomosti, 1879, Nr. 44, 376 ff.; Narodnaja volja, 1.1.
1880, god vtoroj, Nr. 3, 7 f. und Gosudarstvennyj Archiv Rossijskoj Federacii (GARF), f.
109, op. la, ed. ehr. 984.

Die P ro d u k tio n des imperialen Raumes 125

1881 schließlich während einer Kutschfahrt in St. Petersburg einem Attentat zum
Opfer hei, und dass das legendäre Zugunglück von Borki im Jahre 1888, das Ale­
xander III. und die kaiserliche Familie auf wundersame Art und Weise überlebten,
nicht die Folge eines Terroraktes, sondern des maroden Zustandes des russischen
Eisenbahnsystems war, muss dabei als besondere Ironie der Geschichte betrachtet
werden41.
Die neuen Formen der Bedrohung des ancien regime, die der Ausbau des Ei­
senbahnwesens in Russland mit sich brachte, zeigten sich auch noch auf einem
anderen Gebiet. Während des Generalstreiks im Herbst 1905 wurde deutlich,
wie stark das Land bereits auf eine funktionierende Infrastruktur insbesondere
in den Bereichen Eisenbahn und Telegrafie angewiesen war. Als sich die zahlen­
mäßig mächtige Gruppe der russischen Eisenbahner der allgemeinen Streikbe­
wegung anschloss und alle Räder auf den Schienen des Landes zum Stillstand
brachte, half sie damit in erheblichem Maße, dem reformunwilligen Selbstherr­
scher Nikolaus die im Oktobermanifest niedergelegten politischen Zugeständ­
nisse abzuringen42.

Die Eisenbahn und die räumlichen Ordnungsmuster
der Moderne
Russland war im 19. Jahrhundert zweifelsohne ein Nachzügler auf dem Gebiet
des Eisenbahnbaus. Dessen ungeachtet wurden insbesondere in den letzten Jahr­
zehnten der Zarenherrschaft gewaltige Anstrengungen unternommen, das Land
mit Hilfe des modernen Verkehrsmittels zu einem Kommunikations- und Ver­
kehrsraum zusammen zu schließen. Dieses Unternehmen trug zur Transforma­
tion bestehender Ordnungsmuster gesellschaftlicher Räume im Zarenreich bei.
Auf der einen Seite unterstützte die zunehmende verkehrstechnische Erschlie­
ßung die Konsolidierung politischer Herrschaft innerhalb des Imperiums und die
Intensivierung der Kommunikation zwischen den einzelnen Bevölkerungsgrup­
pen und Regionen des Landes. Auf der anderen Seite entstand mit dem System der

41 Z um Zugunglück von Borki am 17. 10. 1888 vgl. unter anderem: Krusenie Carskogo po-
ezda, in: Nedelja, Nr. 43, 23. 10. 1888, 1351-1354; Vnutrennyja izvestija, in: Ncdelja, Nr. 44,
30. 10. 1888, 1390f.; Sobytic 17-ogo oktabrja, in: Niva, Nr. 44, 29. 10. 1888, 1104 f.; Podob-
nosti krusenija 17-ogo oktjabrja, in: Niva, Nr. 45, 5. 11. 1888, 1130 f.; A natolij Fedorovic
Koni, Krusenie carskogo poezda v 1888 godu (Borki-Taranovka). [Podgotovki tcksta M. M.
Vydri, komment. M. M. Vydri i V. N. Gineva], in: Sobranie socinenija v 8-mi tomach, Bd. 1
(Moskva 1966) 420-495; Vil’gcTm Fedorovic Grube, Vracebnaja pom osc’ pri krusenii lmpe-
ratorskago poezda 17-go oktjabra 1888 goda bliz stancii Borki Kursko-C har’kovo-Azovskoj
z.d. (C har’kov 1889).
42 Vgl. dazu auch: Frithjof Benjamin Schenk, K om m unikation und Raum im Jahr 1905. Die
Eisenbahn in Krieg und Revolution, in: M artin A ust, L udw ig Steindorff (Hrsg.), Russland
1905 - Perspektiven auf die erste Revolution im Zarenreich (Frankfurt a.M. 2007) (= Kieler
Werkstücke Reihe F: Beiträge zur osteuropäischen Geschichte, Bd. 9) 47-67.

126 Frithjof Benjamin Schenk

Eisenbahn eine gesellschaftliche Arena, in der sich die feudal strukturierte Gesell­
schaft drastisch den Herausforderungen der Moderne zu stellen hatte und in der
che vormodernen politischen und räumlichen Ordnungsmuster mit neuen M us­
tern der sozialen Organisation und mit neuen Formen der Bedrohung konfron­
tiert wurden. Die Eisenbahn als „demokratisches Verkehrsmittel“ schuf einen Mi­
krokosmos, in dem sich die Wege nahezu aller gesellschaftlichen Gruppen, vom
Kaiser bis zum bäuerlichen Kolonisten, kreuzten. Dies schuf nicht nur neue M ög­
lichkeiten des Kontaktes zwischen den verschiedenen Schichten und Ethnien. Der
angestoßene Massenverkehr überrollte auch die überkommenen Ordnungsmuster
sozialer Räume und inspirierte Debatten, in denen Gesellschaft nicht mehr ent­
lang von Ständegrenzen verhandelt wurde. Im Kontext der Überlegungen über
neu zu schaffende Schutzräume für Frauen in Bahnhöfen und Zügen erfuhr z.B.
die Kategorie des Geschlechts eine Aufwertung. In Diskussionen über die physio­
logischen Bedürfnisse des „homogenen Passagiers“ im Verkehrsraum der Eisen­
bahn erscheint dieser gar als utopisch-visionärer O rt einer klassenlosen Gesell­
schaft der Moderne. In der Praxis führten die Debatten über den Fahrgast als
Transportware indes nicht zur Egalisierung sozialer Räume. Neben dem interna­
tionalen Salonwaggon, der zwischen den hauptstädtischen Metropolen regelmä­
ßig verkehrte, wurde der Güterzug für Menschentransporte zum anderen Signum
der klassischen Moderne in Europa. Die Eisenbahn wirkte nicht nur als Mittel zur
Integration sozialer und politischer Räume. Sie bot jenen gesellschaftlichen G rup­
pen, die entsprechende politische Ordnungsmuster in Frage stellten, auch völlig
neue Möglichkeiten, diese zu bekämpfen und unter Druck zu setzen.
Es gilt, diese Ambivalenz, dieses Spannungsverhältnis von Integration und E ro­
sion, von Vergesellschaftung und Entfremdung, von Machtzuwachs und wach­
sender Ohnmacht am Beispiel der Geschichte der Eisenbahn in Russland im lan­
gen 19. Jahrhundert herauszuarbeiten. Mit einem solchen Ansatz wäre nicht nur
ein Schritt zur Integration der meist eher technizistischen Verkehrsgeschichte in
die Debatten der allgemeinen Geschichte getan. Gleichzeitig ergeben sich span­
nende Anknüpfungspunkte zu anderen Untersuchungszusammenhängen, in de­
nen nach den gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Konsequenzen der
Verkehrs- und kommunikationstechnischen Vernetzung von Gesellschaften am
Ende des 19. und am Beginn des 20. Jahrhunderts gefragt wird.

Summary
This article describes the outline of a research project on the transformation of so­
cial space in Tsarist Russia in the railway age. In contrast to traditional narratives
of railway history, the new means of transportation is looked at here not primarily
as a driving force of economic development but as an important factor of cultural
and social change. After a short discussion of the theoretical concept of “social
space” and its applicability to historical research, the article focusses on three

Die P ro d u k tio n des imperialen Raumes 127

major issues. In a first section it is discussed to which extent the railways as a
“democratic” means of communication challenged traditional, hierarchical rules
of social stratification. A second part is devoted to new forms of social organi­
sation and seperation at railway stations and inside railway carriages. In a third
section the question is discussed to which extent the construction and the use of
railroads contributed to the destabilization of imperial rule and challenged law
and order in late Tsarist Russia.

Katharina Kucher
Der Fall N oril’sk
Stadt, Kultur und Geschichte unter Extrembedingungen
Im Sommer 1999 unternahm ich eine Schiffsreise auf dem sibirischen Fluss Jenis-
sej. Diese Reise in den Norden war nicht meine erste m Sibirien, jedoch die ein­
drucksvollste. Nirgendwo sonst hatte ich bis dahin eine so starke Vorstellung der
Bedeutung von Raum sowie dem Zusammenhang von Raum und Geschichte er­
halten*.
Je weiter sich das Schiff, auf dem wir denjenissej von Krasnojarsk bis Dudinka
befuhren, in Richtung Norden bewegte, desto ferner schien die Zivilisation zu rü­
cken. Die Städte und Dörfer entlang des Flusses muteten immer mehr wie isolierte
Inseln an. Aus den Siedlungen führten die Wege hinaus und verloren sich in der
Taiga - eine Anbindung an ein S t r a ß e n n e t z gab und gibt es bis heute nicht. Er­
reichbar sind diese Gebiete lediglich während der schiffbaren Monate über den
Wasserweg, ansonsten ausschließlich mit dem Flugzeug. Die Landschaft und die
durch das Licht erzeugten Stimmungen waren atemberaubend schön, doch bei
aller Schönheit ging von diesem Raum auch eine große Beklemmung aus. Je weiter
wir nach N orden fuhren, desto bedrohlicher wirkte dieser Raum.
Unsere Reise fand im Sommer statt, bei angenehmem Wetter, wenngleich die
Temperaturen eher denen eines zentraleuropäischen Frühjahrs oder Herbstes ent­
sprachen. Man konnte nur ahnen, was es bedeutet, bei winterlichen Extremtempe­
raturen von bis zu mehr als -40 °C dort zu leben und vor allem zu arbeiten. Wol­
ken von Stechmücken und P o la rflie g e n verdeutlichten zudem, dass es abgesehen
von der extremen Kälte noch andere Faktoren gab, die das Leben zur Hölle ma­
chen können. Darüber hinaus spürte man, aufgrund der Tatsache, dass die Sonne
im Juli nicht mehr untergeht, den Eingriff in die eigene innere Uhr, was während
einer Urlaubsreise faszinierend, für einen Arbeitsalltag jedoch beeinträchtigend
ist.
Die Trostlosigkeit der Städte und Siedlungen verstärkte sich, je weiter die Reise
gen N orden ging: Das W a r e n a n g e b o t wurde geringer und teurer, das Straßenbild
eintöniger und die Zahl der h e r u n t e r g e k o m m e n e n und leerstehenden Häuser

1 Vgl. dazu ausführlicher Katharina Kucher, Corinna Kuhr-Korolev, So weit, so wild. Verfall
k om m t nach dem Reichtum - Eine lange Reise auf dem sibirischen Muß Jenissei, in: S üddeut­
sche Zeitung, 10. 10. 2000, V2/3.

Ausgesprochen eindrücklich war dies in Igarka zu sehen. 5 Siehe auch dazu: John M cCannon.. Viele der Steinhäuser. waren in der Mitte einfach auseinandergebrochen. ein Buch darüber zu schreiben. M. 1932-1939 (N ew York 1998) 113f. sind auch in den Dörfern .] Wir wenden uns an Sie mit einer großen Bitte. Igarka ist weit.Igarka ist weit und man lebt dort schlecht“. in: N ada Boskovska. Carsten Goehrke. das Gelände dazwischen sumpfig3. unter Anleitung G o r’kijs entstand 1937 das kollektive Werk „Wir aus Igarka“5. einst ein Hauptumschlagplatz der Holzindustrie.bei- . insbesondere dann. wurde ent­ sprochen. A nna Pia Maissen (Hrsg. Caspar Heer. Die seit 1929 im wesentlichen von Zwangsarbeitern errichtete Stadt hatte 2006 lediglich noch 7700 Bewohner von 18 800 im jahr 19892. Klubs und eine Biblio­ thek.ru/krsnjar__kraj/igarka/index. dass sich hier niemand freiwillig auf lange Zeit einrichtete. Immer offensichtlicher trat der oft hoffnungslose Kampf mit den klima­ tischen Bedingungen zu Tage. Es ist wahr. Polar Exploration and the Myth of the N orth in the Soviet Union.mojgorod. die im Jahr 1999 wahrend verschiedener Landgänge gesammelt wurden. 4 A natolij K lim ov (Hrsg. auf Dauerfrostboden erbaut. Mit dem üblichen verordne- ten Enthusiasmus äußerten sich Kinder und Jugendliche. Jahrhunderts am Jenissei. dass man in unserer Stadt schlecht lebt. Reise in drei Lebens­ welten des 20. um den „Mythos des sowjetischen N ordens“ zu beschwören. Interessanterweise schienen die Dörfer entlang des Flusses.). Sie liegt ca. 3 Carsten G oehrke. Wie Carsten Goehrke in einem Reisebericht 2002 über seine zweite Schiffsreise auf dem Jenisscj berichtet. Leben und Be­ triebsamkeit suchte man fast vergebens.. noch am intaktesten . die die Phase der Modernisierung ausgelassen und offensichtlich weitgehend an ihren Traditionen festgehalten hatten.html. ihre Stadt und ihr Leben vorzustellen. G o r’kogo (Krasnojarsk 1988 [Originalausgabe 1937]) 17f. 2 www. wie wir jenseits des Polarkreises leben und lernen.). Kniga napisana po planu i zmyslu A. Wir alle haben den großen Wunsch. My iz Igarki. Von Moskau nach Igarka sind es sechstausend Kilometer. wenn von traditioneller Bau­ weise auf „moderne“ umgestellt worden war.130 Katharina Kucher nahm zu. Reisen in die Vergangenheit (Zürich 1995) 102-105. Dennoch sind Orte wie Igarka zu sowjetischen Zeiten benutzt worden. Red Arctic. 2000 km nördlich von Krasnojarsk. [.. Die Leitungen waren oberirdisch verlegt und notdürftig mit Dämmmaterial ummantelt. 1935 in einem Brief an Maksim G or’kij folgendermaßen: „Oft sagt man über unsere Stadt:. da sie dem Permafrost nicht standhalten konnten. 6 Diese zunächst positiven Eindrücke basieren auf Eindrücken. von denen die meisten Kinder deportierter Kulaken und anderer „Volksfeinde“ waren..] Wir leben kultiviert und fröhlich! Es gibt ein Tonkino.sie konnten weder vom Klima noch dem wirtschaftlichen Zusammenbruch der Sowjetunion überrascht werden6. Einer Stadt wie Igarka war anzusehen. 100 km nördlich des Polarkreises mit neun Monaten Winter im Jahr und extremen Kältegraden. [. Zwischen Adria und Jenissei. Die Gegenwart in der Vergangenheit in Sibirien.“4 Dem Wunsch der Kinder. Aber es ist nicht wahr.

sondern der visualisierten brachialen.bzw. 49). Siedlungen. deren pompöse Stalin-Architek- tur an Moskauer Prachtstraßen in Kleinformat erinnert. verschlechtert sich die Sicht und an manchen Stellen versinkt die Umgebung vollkommen in übelriechendem Dunst. Das Zentrum verblüfft durch eine Hauptstraße. D er Fachbereich Osteuropa am H isto ­ rischen Seminar der Universität Zürich 1996-2002. Reise in drei Lebenswelten des 20. die einer Mondlandschaft gleicht. in: Carsten G oehrke [Hrsg. D er Fall N o r ils k 131 Der insgesamt trostlose Eindruck. erstreckt7. die trotz ihres heruntergekommenen Zustan­ des erstaunlich lebendig. .in Teilen vergeblichen - Anstrengung. Bis heute steht N oril’sk sy­ nonym für das Kombinat „Norilsk NikeP“. war nicht der weitläufigen und gewaltigen Natur geschuldet. den Dolganen und Nenzen. menschenverachtenden und .abgesehen von den Ureinwohnern.deprimierende Z u ­ stände auszumachen (Carsten G oehrke. den die Siedlungen entlang des Jenissej ver­ mittelten. 80 km von dem Jenissej-Seehafcn Dudinka in westlicher Richtung entfernt liegt. KuPturnyj landsaft i sovetskij obitaemoe prostranstvo (Moskva 2001) 234. dass sich . Eine Leninstatue auf dem zentralen Platz und die typischen Straßennamen wie Oktober-Platz. Lagerzonen (ehemalige und noch existierende). 7 Diese Ausbreitung entspricht einem N euntel bis einem Zehntel der Fläche der Bundes­ republik Deutschland. Die Gebäude sind wie vielerorts jenseits des Polarkreises in Pastellfarben gehalten.]. Müllhalden. Jahrhunderts am Jenissei . das ganz präzise „Noril’sker Indus­ trielle Region“ heißt und sich über eine Fläche von 30000 km2 „vermüllter und verrotteter Tundra“.größere Bevölkerungsteile freiwillig in dieser Region niedergelassen hätten. aus denen meterhohe Fontänen dunkler Flüssigkeit schießen. Es ist eine Agglomeration von Industrieanlagen. Absurd mutet zu- spielsweise im Bereich der medizinischen Versorgung der Bevölkerung . Fabriken. Lager­ ort fast impliziert zu haben. da kaum vorstellbar ist. so Vladimir Kaganskij. Dennoch ist Noril’sk eine Stadt. diesen Raum zu bevölkern und zu beherrschen. In den überall verlegten Versorgungsrohren gibt es unzählige lecke Stellen. 8 V ladim ir K aganskij. Straßen. ja fast „urban“ wirkt und zu funktionieren scheint. . dazwischen Natur. Energiestationen.zum Zweiten. Häfen. Die enormen Rohstoffvorkommen in der Region in Kombination mit der großen Entfernung zur Zivilisation schienen die N utzung als Verbannungs. das ca. Norilsk Nähert man sich der Stadt Norilsk. Bergwerken und Friedhöfen8. Schächten. Noril’sk ist von einem dichten Industriegürtel umgeben beziehungsweise ist eine einzige Industrielandschaft. Noch deutlicher wurde dies während eines Ausflugs nach Norilsk. 27-54. La­ gern. einer Eisenbahnstrecke. Leninprospekt oder Straße der Komsomolzen beziehungsweise der Kosmonauten sorgen für das typisch sowjetische Gepräge. Straße des Ersten Mai.

was einer Fläche entspricht. 130.techni-com. erstreckt sich über 2. Building Norilsk. . Erreichen kann man Noril’sk während der schiffbaren Monate des Jenissej über den Hafen Dudinka. Der seit 1966 operierende Flug­ hafen Alykel’ .php?lang=_D E& A PPEAR=ARTIK EL& id=3014& DET=l&Li=0&PHPSESSID=ed65b5d402fel757df7dcfb446003el2. Dazu kommen Schneestürme mit Geschwindigkeiten von bis zu 150 km/h. Krasnojarsk.1017911542. Ein Fir- menportrait der Buntmetallhütte N oril’sk NikeP.php ?action=show_thread&file=02&thread= 02. hier 32. Stephen Fortescue. hier 404. ansonsten ist man auf das Flugzeug angewiesen. Der Flugverkehr ist rege: 2007 wurden von Januar bis April insgesamt 80528 Passagiere befördert15.com m it-pp. H annelore Oertel. Petersburg. Die Region N oril’sk verfügt über ein Drittel des Weltnickelvorkommens. nicht rostendem Stahl verwen­ det wird. Vesa Rautio. wohingegen es an 67 Tagen überhaupt nicht dunkel w ird13. The Economics of Forced La­ bour: The Soviet Gulag (Stanford 2003) 127-150.ru/free_doc/2006/ b06_l 3/04—14.htm. 15 www. Ekaterinburg oder St. Building Norilsk 127. 13 www. N oril’sk hat eine durchschnittliche Jahrestemperatur von -14 °C mit Tiefstwerten bis zu -43 °C. Novosibirsk. Neun Monate des Jahres liegen die Temperaturen unter 0°C und zwischen sieben und neun M ona­ ten im Jahr liegt Schnee.und Kupfervorräte. kleinere Städte wie Dikson und Chatanga werden ebenfalls regelmäßig angeflogen14. Celjabinsk. Angabe zu Murmansk: G oskom stat Rossijskoj Federacii: www. Aufgrund der nördlichen Lage herrscht an 45 Tagen völlige Dunkelheit.com /content2.Aufschwung oder Niedergang einer iso­ lierten Stadt. 12 www. Vom Arbeitslager zum Weltmarktführer. und dem 2005 administrativ angegliederten Siedlungen um N oril’sk zusam ­ men.de/tacboard/index. die seit den 1990er Jahren aus den musli­ mischen Republiken und Gebieten der ehemaligen Sowjetunion nach N orilsk kamen9.alykel. und 40 Prozent des Platinvorkommens sowie bedeutende Kobalt. die zu den größten der Russischen Föderation zählt. 14 www. Noril’sk liegt im Westen der Halbinsel Tajmyr und gehört zur Re­ gion Krasnojarsk. 213 000 Einwohner und ist nach Murmansk die zweitgrößte russische Stadt jenseits des Polarkreises11.). E rtz.davor bedienten zwei kleinere Flugfelder den Luftverkehr von 9 D etlev Kamviscber. in: Paul G regory (Hrsg. das insbesondere zur Herstellung von hochwertigem.dat. 11 Die Einwohnerzahl für N orilsk setzt sich aus der Stadt N oril’sk.gks. deren gleichnamige Hauptstadt sich über 2000 km südlich be­ findet. 127. die 2005 132000 Ein­ w ohner hatte.132 K atharina K ucher nächst eine grüne Moschee mit goldglänzendem Dach an: Sie ist ein Hinweis auf die große Zahl von Arbeitsmigranten.htm l.farecom pare. Rostov. vgl. Dazu kommen große Lager hochwertiger Steinkohle. Das 1935 gegründete Noril’sk hat nach offiziellen Angaben heute ca. Norilsk . Vom 35 km westlich von N oril’sk gelegenen Flughafen Alykel’ starten Maschinen nach M os­ kau. in: Praxis Geographie 6 (2006) 32-36.3 Mio km2. Samara. die die Energie für die Verarbeitung der Buntmetalle liefern10.htm. Omsk.org/news_lent. Die Region. in: O steuropa 6 (2007) 395-408. 10 Sim on E rtz.com /flights/Norilsk-NSK/city-m oreinfo. wie die der Bundesrepublik Deutschland12. die mehr als sechsmal so groß ist.

die Luft nach Schwefel stinkt und die Lebenserwar­ tung der Fabrikarbeiter zehn Jahre unter dem russischen Durchschnitt liegt“18. weil es ein schier unerschöpfliches Reservoir an Strafgefangenen und somit Zwangsarbeitern gab.geroweb. Das Blacksmith Institute führte N oril’sk in seinem 2006 veröffentlichten Bericht über die am meisten verschmutzten Orte der Welt neben vier weiteren in der ehemaligen Sowjetunion sowie weiteren Industriestätten in China. Laut Blackwell Institute könnten weit über 100000 Menschen in Noril’sk von der Umweltverschmutzung gesundheit­ lich massiv betroffen sein20. Zahlen für Deutschland: www. 17 The W orld’s Worst Polluted Places. Schwermetallen (Nickel.htm. Nachdem seit den 1920er Jahren Expeditionen die bereits in der Zarenzeit be­ kannten reichhaltigen Bodenschätze geortet hatten. Indien. Peru und Sambia unter den „Top Ten“ auf17. dies sind 16.ist sowohl für den Gütertransport der Region als auch militärstrate­ gisch von elementarer Bedeutung16. 8.de/2007/03/09/bedrohlicher- bevoelkerungsrueckgang-in-Rußland/print/. . Das Gesamtausmaß dieser Katastrophe ist aufgrund der nur unregelmäßig erscheinenden Berichte über die ökologische Situation und die Kontaminierung schwer zu bemessen. T he Top Ten. 18 Ebcl. „freien“ und marktwirtschaftlichen Bedingungen kaum zu realisieren gewesen.org/history. Kobalt.137. Stand das Projekt zunächst in der Verantwor­ tung verschiedener Volkskommissariate (Schwerindustrie. Zu Zeiten der Sowjetunion waren Projekte dieser Art dagegen möglich.5 Jahren. Norillae: Der Aufbau von Norilsk Die Erschließung der Region und der Aufbau der Industrieanlagen sowie der Stadt wären unter „normalen“. begannen 1933 ca. Cae­ sium. Schwefeldioxid. Kad­ mium) und vielen weiteren giftigen Substanzen verseucht. Kupfer. Transportwesen). Zur Orientierung: Die durchschnittliche Lebenserwartung russischer Männer lag 2004 bei 58. 500 M en­ schen mit der Arbeit in Noril’sk.de/ lebenserwartung_demografie/lebenser W artung. D e r Fall N o r ils k 133 Noril’sk . Die Luft ist mit Strontium-90. da der Aufwand jeden Rahmen gesprengt hätte. „wo der Schnee schwarz ist.readers-edition. 17. Ökologisch gesehen zählt N orilsk zu den am stärksten belasteten Orten der Welt. Blei. Die Zahl der Atemwegserkrankungen bei Kindern sowie die da­ raus resultierende Sterblichkeit bei Säuglingen sind in N oril’s k deutlich höher als im russischen Durchschnitt. The Blacksmith Institute N ew York Citv September 2006.alykel. Noril’sk ist eine Stadt. html.8 Jahre weniger Lebenserwartung als in Deutschland19. wurde 1935 die Entwicklung von N oril’sk komplett in die Verantwortung des 16 www. 20 The W orld’s Worst Polluted Places 17. 19 Zahlen für Russland: www.

N o ril’skoe metallurgiceskoe cudo. 1939 wurde entschieden.5% starben27. Die Gefangenen forderten eine gerechtere Behandlung durch 21 E rtz. 89-117. 7000 Tage in Sibirien (Wien 1975). Zwangsarbeit im stalinistischcn Lagersystem 78 sowie Tabelle auf 234. Archivquellen belegen. Ab 1936 wurde der Bau einer einspuri­ gen. in NoriPsk nicht nur „halbfertige Produkte“ herzustellen. war eine der größten Einrichtungen des GU- Lags. 26 E rtz. Nach dem Tod Stalins im Jahr 1953 lehnten sich die Häftlinge des Speziallagers Nr. sich über 110 km erstreckenden Eisenbahnstrecke nach Dudinka betrieben und 1938 dem Regelbetrieb übergeben23. zum Begriff der „weißen Sklaven“ : Evgenij Zirnov. mit Arbeitskräften versorgen. Sm irnov (Hrsg. 2. stieg stetig. Die Zahl der Häftlinge in N oril’sk. in: Itogi 26 (2007) 56-62. auch „weiße Sklaven“ ge­ nannt. sondern dort den gesamten Pro­ duktionsprozess zu etablieren. nicht überlebt haben28. 28 Vgl. Einen ausführlichen Überblick über die Norillag beschreibenden Memoiren findet sich bei E rtz. Norillag. 1942/43 beispielsweise lag die Gesamtsterblichkeitsrate aller sowjetischen Lager bei 25%. 23 Ebd. wobei 20000 Gefangene auf das Speziallager Nr. 72. Neben dem Aufbau der Industrieanlagen selbst galt es. Die Förderung von Steinkohle wurde seit dieser Zeit ebenfalls substantiell gesteigert22. da eine Se­ lektion der Häftlinge bereits vor ihrer Deportation nach Noril’sk stattgefunden hatte26. 22 E rtz. Im Januar 1951 erreichte Norillag mit einer A n­ zahl von 90000 Häftlingen insgesamt einen traurigen Höchststand. Zwangsarbeit im stalinistischen Lagersystem 194-211. hier 57. das Speziallager Nr. Spravocnik’. Zwangsarbeit im stalinistischen Lagersystem 84-89. 24 Ebd. der Bajkal-Amur-Magistrale. Zwangsarbeit im stalinistischcn Lagersystem 59. Building Norilsk 133. Diese hatte sich mit der Realisierung komplexer Pro­ jekte unter extrem schwierigen Bedingungen wie dem Bau des Weißmeerkanals oder seit 1932 der BAM. Im Oktober 1935 waren es 1200 Häftlinge und im gleichen M o­ nat des Jahres 1939 bereits 19511. Der NKVD.). beispielsweise Karlo Stajner. 23 M. 2 mittels eines Streikes gegen die Obrigkeit auf. von der man sich in Memoiren ehe­ maliger Häftlinge eine Vorstellung machen kann. Nicht alle Lagerinsassen ergaben sich ihrem Schicksal. wohingegen in Noril’sk im Durchschnitt 5. 2 entfielen25. Neben dem N oril’sker Lager bestand zwischen 1948 und 1954 ein weiterer Lagerkomplex. Sistema ispraviteFno-trudovych lagerej vSSSR 1923- 1960 (Moskva 1998) 33. im allgemeinen Norillag genannt. russisch abgekürzt Noril’sk ITL. richtete zu diesem Zweck das N oril’skcr Arbeitsbesserungslager ein. nun verantwortlich für den gesamten Aufbau des Industriekomplexes N orilsk NikeP. bereits profiliert21. Insge­ samt sollen 17000 Menschen diese Hölle. in dem ausschließlich politische Gefangene inhaftiert waren24. Ertz. die Baustelle Noril’sk. . Transportwege zu schaffen. B.134 Katharina Kucher NKVD. die in Krasnojarsk weiterverarbeitet werden sollten. dass die Sterblichkeit in Noril’sk im Vergleich zu anderen Lagern geringer war. Dieses Lager sollte Nonlstroj. 27 Ausführlich dazu: Ebd. des Volkskommissariats für Innere Angelegenheiten und seiner GULag- Administration übergeben. das bis 1956 existierte.

sie nimmt alles wieder in ihren Besitz. die 1500 km lang von Salechard am östlichen Ufer des O b über Ermakovo und Igarka nach N oril’sk verlaufen sollte31.und Arbeitsbedin­ gungen“ sowie „eine Überprüfung der Strafverfahren und Urteile aller Lagerin­ sassen“.htm. Aufstände m anderen Lagern siehe auch A nne A pplebaum . was geschieht. 31 Ausführlich zu diesem Projekt siehe Florian Mildenberger. D e r Fall N o r ils k 135 das Lagerpersonal. begann man 1949 mit dem Bau einer Eisen­ bahnlinie. ein Ende32.ru/index.halb eingesunken in den Boden . die Telegrafenleitungen (für den Bau der Masten waren die Häftlinge oft tage­ lang unterwegs gewesen) in Betrieb genommen und bereits 700 km Schienen ver­ legt worden.so steht es auf den Internetseiten der Krasnojarsker Memorial-Gruppe . die Stadt zu verlas­ sen. Die Gegenwart der Vergangenheit 109. Die Polarmagistrale. weil sie zunächst nicht das Recht erhielten. Building N orilsk 148. dessen Kosten die Planer nun plötzlich errechneten. . Lokomotiven waren bereits nach Salechard und Jermakovo gebracht worden. „Frei“ kann daher im Zusammenhang mit Orten wie N orilsk nur relativ ge­ 29 Ebd. U m N o ­ ril’sk an das Schienennetz anzubinden. 73 f. Bis auf das Erreichen einiger weniger Zugeständnisse war den Streikenden wenig Erfolg beschieden29. die hoch gesteckten Produk­ tionsziele aber nur mit großer Verzögerung erreicht30. der sogenannten Stalineisenbahn beziehungsweise Polarmagistrale.memorial.als verrostete Zeugen eines rücksichtslosen Vordringens in die Weiten Sibiriens oberhalb der Ufer des Jenis­ sej. die Lokomoti­ ven liegen bis heute . Der Tod Stalins bereitete dem Wahnsinn. eine „substantielle Lockerung der Haft. Z u­ ständig für den Bau der Eisenbahnlinie war die Nordverwaltung der Eisenbahn- bauabteilung des Ministeriums des Inneren. Zu diesem und weiteren Streiks bzw. Die Lageradministration und eine speziell eingesetzte Kommission des Ministeriums des Inneren benötigten mehrere Wochen. und die ihr Hauptquartier zunächst in Igarka und später in Erma­ kovo aufschlug. 32 G oehrke. Viele ehemalige Insassen des GULags mussten auch nach ihrer Freilassung in N oril’sk bleiben.bedienen sich Touristen und Schrottsammler freizügig an den rostigen Lokomotiven und sonstigen ver­ bliebenen Gegenständen33. Z ur G e­ schichte strategischer Eisenbahnprojekte in Rußlands N orden und Sibirien (1943 bis 1954). Und was die Natur nicht schafft. wenn die mit brachialer Gewalt durchgeführte U nter­ werfung der N atur gestoppt wird . D er Gulag (Berlin 2003) 511-53 1. 1953 waren der U nterbau fast auf der ganzen Strecke aufgeschüt­ tet. Die überwucherten Überreste des Lagers und der Bahnanlagen belegen ein­ drücklich. 1938 wurde die Metallproduktion aufgenommen. die unter widrigsten Bedingungen schufteten. 33 www.krsk. in das der NK VD umstrukturiert worden war. das besorgt der Mensch. 30 Ertz. Diese Baustelle war ebenfalls ein großes Lager mit bis zu 70000 Häftlingen. Die gewonnenen Erze und Metalle wurden über den Jenissej und den nördlichen Seeweg verschifft. in: Jahrbücher für Geschichte Osteuropas 48 (2000) 407-419. um den Streik durch Be­ lagerung einzelner Lagerabteilungen und „teilweise unter Anwendung brutaler Gewalt zu beenden“. Die Strecke wurde aufgegeben. Längst .

kulturellen Veranstaltungen. Stadt und Kombinat Besucht man im Internet das „Informationsportal N orilsk“. dem die Ökologie ein zentrales Anliegen ist und der auch die jungen Bewohner der Region nicht außer Acht lässt. Juni 1935 erließ der Rat der Volkskommissare der UdSSR die Anordnung .N oril’skstroj‘ in den Bestand des N K V D der UdSSR. 103 f. bietet umfangreiche Informations. Deutlich wird dies am Beispiel der von Maksim Dunaevskij komponierten H ymne „Die Superfirma“. sie zu erforschen. Der virtuelle Auftritt ist bei genauerem Hinsehen eher oberflächlich.einer Partnervermittlung . die nach Ablauf ihrer Strafzeit an demselben A r­ beitsplatz ihre Tätigkeit als sogenannte „freie Arbeiter“ fortsetzten. aber aktiv wurde erst in den 1920er Jahren begonnen. Die H om e­ page des Kombinats präsentiert einen modernen.und Kommunikati­ onsangebote.net/ru/map/. Restaurants und Nachtklubs.und natürlich zu N o ­ ril’sk NikeP3'\ Die Rubriken. erhielten sel­ ten einen angemessenen Lohn oder die üblichen Vergünstigungen für Arbeit im N orden .Noril’s ker Kombinats“ und über die Übergabe von .Über den Bau des . zu Erholungshei­ men und Bildungsinstitutionen. deren Ziel die Identifikation mit dem Unternehmen ist.nickelca.ru/entertainm ents/m usic/viewtext-l. Maksim Dunaevskij ist der Sohn des Kom ponisten Isaak Dunaevskij. 37 w w w . . Jahrhundert bekannt. Links zur Zeitung „Zapoljarnaja Pravda“.“37 34 B orodkin.und Nikelbodenschätze auf der Halbinsel Tajmyr sind seit dem 17. Die Häftlinge. scheint man es mit einer ganz normalen Stadt zu tun zu haben.norm k. 36 www. was auf der Halbinsel Tajmyr den Grundstein für den Bau des mächtigsten montan-metallurgischen Komplexes des Landes legte.136 Katharina K ucher sehen werden.htm . Unter der Rubrik „Ge­ schichte“ heißt es lediglich lapidar: „Die Kupfer. mächtigen und paternalistisch agierenden Konzern. Am 23.ru/about/history/. sind inaktiv. die N oril’sk Nikel’ als „zweite Familie“ beschwört36. Es finden sich die neuesten Nachrich­ ten aus der Region. Auf der Homepage des Konzerns wird kein Wort darüber verloren. zu „northlove“ . „das Nickelchen“. dessen Massenlieder seit den 1930er Jahren zum kultu­ rellen Vokabular jedes Sowjetbürgers gehörten. Differenzierte Informationen über die Lebensbe­ dingungen in der Stadt erhält man nach mühsamem Suchen in einzelnen Foren.als Verurteilte waren ihnen die Rechte darauf für mindestens fünf Jahre abgesprochen worden34. E rtz. dass das Unternehmen aus einem riesigen Lager hervorging. Die Kinderhomepage Ni- kel’ka. die zunächst weiterführende Informationen zur Geschichte der Stadt versprechen. 35 norilsk.

Vom Arbeits­ lager zum W eltmarktführer 395). 2005. Im offiziellen Kontext scheint die Lagerver­ gangenheit von N oril’sk wenig hinterfragt zu werden.attraktiv werden konnte. Kino. 42 195 5 waren von 70000 Einwohnern 50000 Gefangene (Fortescue. Bibliotheken. 37. Vom Arbeitslager zum Weltmarktführer 4 07f. Für diesen Hinweis danke ich Christian Noack. Mit der Übergabe des Kombinats aus der Zuständigkeit des Ministeriums des Inneren an das Ministerium für Buntme­ tallurgie und der damit einhergehenden Auflösung des Lagers begannen die Schwierigkeiten41. Russische Lehren: ln Norilsk. 38 (www. 41 Die folgenden Ausführungen basieren . .G orod Zapoljar’ja. Polytechnikum. 1971 warb das sowjetische Magazin „Turist“ unter dem Titel „Noril’sk . Vgl. R autio. den man auf der Homepage von N orilsk Nikel’ herunterladen kann. Golgatha des Nordens. in: Frankfurter Allgemeine Zeitung. Die Produktion lag deutlich hinter der Planvorgabe zurück. Theater und Schwimmbad.zumindest temporär . finden sich knappe Ausführungen zu der GULag-Vergangenheit von N orilsk39. dessen Verantwortliche sich offensichtlich 38 Dazu auch Viktor Jerofejew. Vor dem Hintergrund der herrschenden paternalistischen Strukturen scheint dies auch wenig opportun.5-fache höher als in vergleichbaren Betrieben auf dem „Festland“43. übergab das Kombinat beispielsweise alle medizinischen Einrichtungen dem Verwaltungsbezirk Krasnojarsk. und die Ausgaben für die Gehälter der Mitarbeiter waren ausgesprochen hoch. Die Transformation der Lagerstadt N oril’sk in einen urbanen Zusammenhang vollzog sich keinesfalls ohne Hindernisse. In den Jahrzehnten nach der Auflösung des Norillag wurde Noril’sk zu einer Stadt. Für die Industriebetriebe bedeutete dies einen enormen Verlust an Arbeitskräften42. Dies führte zu finanziellen Engpässen. Als Folge etab­ lierte sich im Laufe der Jahre mehr als zweihundert Kilometer nördlich des Po­ larkreises ein städtischer Raum mit Schulen. N o ril’skoe metallurgiceskoe cudo 57-62. 12. Viele der ehemaligen Häftlinge verließen bei der ersten Gele­ genheit die unwirtliche Polarstadt. 43 Als m aterik.Die Polarhauptstadt“ sogar für Urlaub in der Re­ gion40. Tomacev. D e r Fall N o r ils k 137 Informationen über das Heimatmuseum von N oril’sk. Die örtliche Memorialgruppe scheint keinerlei Lobby und. Festland. 6. N oril’sk . zu dieser Problematik auch: Fortescue. Rautio.ru/ about/social_policy/). damit zusammenhängend. Um Arbeitskräfte nach Noril’sk zu locken. Um Kosten zu sparen. in: Turist 12 (1971) 18-19.falls nicht anders gekennzeichnet .auf: Zirnov. 36. die letztendlich auf Kosten der Versorgung der Bevölkerung gingen. kaum finanzielle Mittel zu besitzen. wird auf Russisch das zentrale Russland bezeichnet. das über einen dem Lager gewidmeten Ausstellungsteil verfügt sowie Hinweise aut Denkmäler und Gedenktafeln sucht man sowohl auf der Homepage des Kombinats als auch des „Informationsportals N o rilsk “ nahezu vergeblich38. sie machten 70% der Pro­ duktionskosten des Kombinats aus.nornik. Lediglich im Sozialbericht 2005.bis 2. die aufgrund hoher Löhne und stark subventionierter Lebensbedingungen als Arbeitsort . musste das Unternehmen höhere Löhne zahlen: 1957 waren die Gehälter um das 2. 40 M. 39 Social R eport N oril’sk N ikel’ OJSC M M C Norilsk Nickel 2005.

ca. und 1957 verschaffte sich eine Kommission. während eines Besuchs in N orilsk einen Ein­ blick in die Verhältnisse. die Schächte erhielten bessere Arbeitsgeräte. Das überschüssige Erz wurde auf die Kola- Halbinsel im Gebiet M urm ansk geliefert und in den dortigen Kombinaten. Kritisch war es auch um die Kapazitäten der Kindergärten bezie­ hungsweise -krippen bestellt. Im Laufe der Zeit entwickelte sich N oril’s k zu einer „normalen“ Stadt. Dies führte zu einem Erzüberschuss. Zudem nahm die Stadtverwaltung das Problem des Alkoholismus und Row dytum in Angriff: N oril’s k wurde wieder eine geschlossene Stadt und alle Alkoholiker und sonstigen dort Unerwünschten auf das „Festland“ umgesiedelt. Des Weiteren waren die Arbeiter nur mangelhaft mit Arbeitskleidung und die Bevölkerung unzureichend mit sauberem Trinkwasser versorgt. in denen Tempera­ turen zwischen 8°C und 10°C herrschten. in der gearbeitet und angemessen bezahlt wurde. sondern auch große Pia- . In N oril’sk gab es nur einen Bruchteil der benötig­ ten Betreuungsplätze. Nikolaj Bajbakov. 138 Katharina K ucher wenig um die medizinische Versorgung in N orilsk kümmerten: 1957 waren die Krankenstationen teilweise noch in Baracken untergebracht. Signi­ fikant war zudem. die vom Gosplan-Vorsitzenden der RSFSR. Die bestehenden Schwierigkeiten wurden auch in Moskau wahrgenommen. weiterverarbeitet. einem Liter. eine in vielen Fällen ineffi­ ziente Arbeitsorganisation und die schlechte Versorgung der Bevölkerung. eine steigende Kriminalitätsrate und die massive gesund­ heitliche Beeinträchtigung der Betroffenen. da es an Kapazitäten für die Wei­ terverarbeitung in N o ril’sk mangelte. zu exportieren. geleitet wurde. des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe. Nach dem Besuch der Kommission verbesserte sich die Lage nach und nach: Neue Bergwerke wurden eingerichtet. die unzureichende Administration des Kombinats. Die Fol­ gen waren Rowdytum . Die Sowjetunion produzierte nun wesentlich mehr Nickel als sie benötigte und be­ gann daher ab Mitte der 1970er Jahre den Rohstoff in westliche Länder und die Staaten des RGW. jedoch sehr tief liegenden Nickelvorkommen. Einen ökonomischen Durchbruch bedeuteten die zu Beginn der 1960er Jahre in Talnach. Registriert wurden das fehlende technische Know-How vieler Beschäftigter. Kindergärten und Wohnhäuser w ur­ den gebaut und deren N utzung subventioniert. neu entdeckten.der durchschnittliche Verbrauch auf dem „Festland“ lag bei ca. 20 Kilometer nordwestlich von N oril’sk. Darüber hinaus waren diese Baracken schlecht gesichert: Rowdies warfen die Fenster ein und lieferten sich im Kranken­ haus Raufereien. Für 1956 veranschlagte der Leiter der städtischen Gesundheitsbehörde einen durchschnittlichen pro Kopf-Verbrauch von 39 Litern Wodka jährlich . die seit 1989 auch formal Bestandteil von N oril’s k Nikel’ sind. Die Lagerstätten in Talnach enthalten aber nicht nur Nickel. was bei einer hohen Geburtenrate von 126 Geburten auf 1000 Frauen (im Vergleich zu landesweiten 40 Geburten auf 1000 Frauen) mit ent­ sprechenden Konsequenzen verbunden war. was zur Verbreitung von Infektionskrankheiten führte. Neue Untertagebergwerke wurden errichtet und die Abbaukapazitäten im Laufe der folgenden beiden Jahrzehnte erheblich gesteigert. dass von den 150000 Einwohnern der Stadt rund 10 Prozent keiner geregelten Arbeit nachgingen und der Alkoholismus weit verbreitet war. die unbe­ friedigende Qualitität der Arbeit in den Bergwerken.

London 2006). 8. D e r Fall N o r ils k 139 tin. konnte aber bislang keinen Erfolg verbuchen. 4'> Allgemein zum Privatisierungsprozess in Russland nach dem Zusammenbruch der Sow­ jetunion: A ndrew Barnes. so dass auch diese Metalle auf den Weltmarkt ge­ bracht werden konnten. Ausführlich dazu Fortescue. 398 f. 23. der Gehälter und Steuern nicht mehr zahlen konnte. Investitionen wurden nicht mehr getätigt. Durch Zukäufe stieg der Konzern 2002 zum größten Goldproduzenten Russlands auf. O w ning Russia. . um sich fortan intensiv seinem „Engagement im Energiesektor“ zu wid­ men47. The Struggle over Factories. Vom Arbeitslager zum Weltmarktführer 398. Nach dem Schema „Kredite gegen Aktien“ rissen sich die beiden mit Hilfe ihrer Indus­ trieholding Interross das Kontrollpaket von N oril’sk Nikel’ zum „Spottpreis“ von 170 Millionen Dollar unter den Nagel . 47 Ebd. Rautio. 2004. andererseits verschwanden diese zu gro­ ßen Teilen in den privaten Taschen einzelner Manager. Dollar beziffert46. 5.mit ein­ zelnen Personen verbunden: Vladimir Potanin. ein ehemaliger sowjetischer A u­ ßenhandelsfunktionär und einer der reichsten Männer Russlands mit der notwen­ digen Nähe zum Kreml. sie selbst behielten aber stets ein Aktienpaket von knapp über 50%. 48 Ebd. Vom Arbeitslager zum Weltmarktführer 396-397.und Palladiumpro­ duzent und kontrolliert 18% des Weltmarktes für Nickel und 13% für Palla­ dium48. und die Beleg­ schaft war demoralisiert. D er verschwundene Nickel-König. Der stetig steigende Wert des Unternehmes lässt sich auch an den 44 Fortescue. Mit der Auflösung des sowjetischen Staates und damit einhergehend dem Ende der Planwirtschaft erlangte der Export aufgrund des „Zusammenbruchs der Binnennachfrage“ ent­ scheidende Bedeutung für das Unternehmen. Das Kombinat erwirtschaf­ tete einerseits große Mengen an Devisen. 1996/97 amtierte er als Vizepremierminister. Farms and Power (Ithaca. In der Gorbatschow Ara wurde das Unternehmen N o ­ ril’sk NikeP aus der Zuständigkeit des Ministeriums für Metallurgie herausgelöst und in die betriebswirtschaftliche Unabhängigkeit entlassen. Dies führte zu finanziellen Engpässen im Konzern. Zwar verkauften Potanin und Prochorov im Laufe der Jahre 10% ihrer Aktienanteile an den Konzern.6 Mrd. m: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 1993 wurde im Rahmen des Privatisierungsprogramms der russischen Regierung N orilsk Nikel’ in eine Aktiengesellschaft umgewan­ delt44.und Palladiumvorkommen. Für eine Reverstaatlichung des Industriegiganten sind derzeit keine Anzeichen erkennbar. Die Staatsanwaltschaft ermittelte mehrmals im Zusammenhang mit der Privatisierung des Konzerns. N oril’sk Nikel’ ist mittlerweile der weltgrößte Platin. und Michail Prochorov. Die Produktion ging zurück. Die Privatisierung des Unternehmens ist . Die Köpfe hinter den Kursen. und 2004 wurde der Wert bereits mit 12. R autio. 46 M arkus Wehner.wie so häufig in Russland . ein junger Spezialist für den internationalen Bankenverkehr45.taxiert war der Wert Mitte der 1990er Jahre auf mehr als 2 Milliarden Dollar. Diese Ubergangsphase war mit gro­ ßen Schwierigkeiten für N oril’s k Nikel’ verbunden. Anfang 2007 verkaufte Prochorov seine Anteile an Potanin.

2007). dass das Unter­ 49 akticn. Anteile daran insbesondere in der Region Tajmyr erwarb. und der Konzern begann erneut in Entwicklungs­ strategien zu investieren51. 124. 30. Zuletzt sei noch erwähnt. Vom Arbeitslager zum Weltmarkt­ führer 396. RUB (587.de/empfehlungen.“ (Fortescue. 52 „Nickelmatte. 53 Ebd.onvista. um in der Zukunft die Transportkosten einzusparen. 2006. aus dem Rohnickel gewonnen w ird. 400-402.html?ID_OSI=870690#news (05. auch Feinstein genannt. Das Unternehmen ist für die Region Krasnojarsk von zentraler Bedeutung. Nr. Nach Überwindung der oben beschriebenen Schwierigkeiten und der Finanzkrise 1998. besondere Bedeutung hat. 160 EU R49. und in Murmansk baut sich der Konzern ein eigenes Terminal im Haien. Von zentraler Bedeutung für das Unternehmen ist die Sicherstellung der Infrastruktur in den Bereichen Transport und Energie. das seit 2004 an der russischen Börse gehandelt wird. Zudem engagiert sich der Konzern auch in anderen Sekto­ ren der Metallindustrie wie der Kupfererschließung und Goldgewinnung. 2005 hatte der Konzern mit knapp 20 Mrd. Die Häfen von Dudinka beziehungsweise Archangelsk gehören N oril’sk NikeP zu 100% beziehungsweise 56%.im Jahre 2007 lag der Kurs bei ca. 30 D ow Jones. 06. legte das Unternehmen ein eigenes Schiffbau-Programm auf: bis 2009 sollen einem bereits vom Stapel gelaufenen eis­ brechenden Frachter vier weitere folgen53. ging es seit dem Jahr 2000 für das Unternehmen . Exporte für den Weltmarkt sowie die Mattelieferungen auf die Kola-Halbinsel verschifft der Konzern über den Flusshafen Dudinka und die Nordostpassage im N ordpo­ larmeer Richtung Westen.nicht zuletzt aufgrund der gestiegenen Preise für Buntmetalle . A nm erkung 5). Vom Arbeitslager zum W eltmarktführer 398-399. Rußland Aktuell. EUR) für fast ein Drittel der Einnahmen des Regionshaushaltes gesorgt-'’0. um seine weltweiten Förder. Palladium- sowie Nickelhersteller. der Nickelverhüttung. .und Verarbeitungskapazitä­ ten zu diversifizieren. ist ein Zw ischenprodukt. Rautio. 09. 51 Fortescue. wobei die Goldsparte in dem Unternehmen Poljus zusammengefasst ist. die für die Belieferung des russischen Marktes. R autio. die in den eisfreien Monaten über den Fluss erfolgt. Seit 2002 erwarb N oril’sk NikeP verschiedene ausländische Platin-. die durch den Transfer der Nickelmatte52 aus N orilsk auf die Kola-Halbinsel anfallen.140 Katharina K ucher Empfehlungen von Bankanalysten ablesen. U m sich von der zentralen Ree­ derei des Nordmeeres unabhängig zu halten. Mit Hilfe von Förderallianzen mit führenden internationalen Bergbauunter­ nehmen wie beispielsweise Rio Tinto will der Konzern hochwertige Lagerstätten in Cita und auf der Kola-Halbinsel erschließen und neue Erzvorkommen erkun­ den. so stufte im August 2007 die Credit Swiss die Aktie mit „outperform“ ein und nannte ein Kursziel von 245 EUR . Das U n ­ ternehmen besitzt außerdem 52% der Anteile an der Jenissej-Flussreederei (Eni- sejskoe recnoeparochodstvo). 3.4 Mio.wieder bergauf. weshalb N orilsk NikeP mehrere Energieunter­ nehmen bzw.

59 Ebd. Diese enorme Steigerung verblasst allerdings ange­ sichts der Zahlen kanadischer Bergwerksgesellschaften. davon 48 733 in der Region N oril’sk57. Neben der erwähn­ ten erneuten Schließung der Stadt unterstützt N orilsk Nikel’ Umsiedlungspro­ gramme. Behinderte und solche Menschen. 406. D e r Fall N o r il’sk 141 nehmen auch in die Brennstoffzelltechnik eingestiegen ist. 57 Ebd. deren Fokus sich auf die „. 58 Ebd. Daraus resultierte eine starke Migration nach N o ­ ril’sk. gegen die sich die Stadt aus finanziellen Gründen wehrte. da der Unterhalt von nicht arbeitenden Menschen in N orilsk viermal so viel kostet wie auf dem „Festland“. 403-404. 404-406. Inco und Falconbridge verbuchten für das Jahr 2003 Umsätze von 236000 bzw.im nationalen Ver­ gleich fünffache . diese sind ca. Die Angaben zum durchschnittlichen Monatsverdienst beziehen sich auf das Jahr 2005. Aufgrund der hohen Kosten für die soziale Infrastruktur in N orilsk die weit­ gehend von dem Konzern getragen werden müssen. Problematisch für Noril’sk Nikel’ bleiben die hohen Arbeitskosten. die im staatlichen Dienstleis­ tungssektor keine Arbeit mehr finden“59. fuhr nach Überwindung der Krise in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre fort. wurden seit dem Ende der Sowjetunion kontinuierlich Arbeitsplätze abgebaut. um die Arbeit im hohen Norden für Fachkräfte attraktiv zu halten.unproduktiven“ Teile der Bevölkerung“ rich­ tet: „Rentner. 55 Ebd. Gaddy. NoriFsk Nikel’. . höhere Löhne zu bezahlen. U m die Produktivität von N oril’sk Nikel’ zu steigern. 403. Die Zahl der Beschäftig­ ten des Unternehmens sank seit Anfang der 1990er Jahre von 160000 auf 96000 Menschen im Jahr 2005. ohne Einladung und eine spezielle Erlaubnis kann man die Stadt nicht besuchen56. T he Siberian Curse 148. den der Bürgermeister und der General­ direktor des Kombinats an die Regierung richteten. mit dem Ziel einen A b­ satzm arkt für seine Produkte der Platinmetallgruppe zu fördern34.Löhne zu bezahlen und soziale Ausgaben für Bildung oder Renten zu subventionieren35. es profitiert somit nur bedingt von den im internationalen Vergleich geringeren Arbeitskosten in Russland58. hohe . 325 000 Dollar pro Be­ schäftigtem. Seit November 2001 unterliegt N oril’sk wieder einer Zugangsbeschränkung. fruchtete. Die Weltbank startete 2001 ein zunächst auf vier Jahre angelegtes Pilotprojekt zur wirtschaftlichen „Restrukturierung des 54 Ebd. Das Unternehmen wird auch in Zukunft gezwungen sein. 404. 25% höher als bei einem der erwähnten kanadischen Unternehmen und machen mit 42% den größten Anteil der Gesamtausgaben von N oril’s k Ni- kcl’ aus. besteht von dessen Seite ein starkes Interesse. 36 H ill.und Gassektors ist. Die Produktivität des Unternehmens stieg dadurch von 27000 Dollar pro Beschäftigtem 1999 auf 53 000 Dollar im Jahr 2003. die Einwohnerzahl der Stadt zu reduzieren. Ein entsprechender Appell. das heute das umsatzstärkste Privatunternehmen der Russi­ schen Föderation außerhalb des Ol.

FN 38.die Resonanz auf dieses Programm fiel jedoch bis zum Jahr 2005 ebenfalls zurückhal­ tend aus65. um 160000 bis zum Jahr 2010 zu reduzieren. wenn man die Beschäftigungszahlen des Unternehmes für den Standort N orilsk heranzieht. deren Produkte gefragt sind . Dem Umsiedlungsprogramm war weniger Erfolg beschie- den. Der Fall N o- 60 H ill. westlich des Urals gelegen. dass die Umsiedlungsvorschläge bei dem in Frage kommenden Teil der Bevölkerung in hohem Maße auf Ablehnung stießen.auf­ grund von hohen Subventionen und einer arbeitenden Industrie.noch mehr oder weniger zu funktionieren scheint. The Siberian Curse 148-149. Dollar bereitgestellt und drei Regionen ausgewählt: Susuman im Gebiet von Magadan. Dennoch bleibt die Frage. 60000 (1996) auf ca. weitere Informationen zu diesem Programm: web. die für das Programm in N oril’sk in Frage kamen. der im Dezem­ ber 2005 N oril’sk besuchte. Letzteres Ziel scheint. Für das Jahr 2003 wird berichtet. deren finanzielles Überleben nur durch hohe Subventionen gesichert ist. erreicht. R autio. worldbank. Von 23000 Menschen beispielsweise. Vom Arbeitslager zum W eltmarktführer 404. Dieses Projekt sah die Umsiedlung von sozial bedürftigen Menschen aus dem Norden auf das „Festland“ sowie eine ökonomische Rekonstruktion des Nordens vor61. 65 Fortescue. . 61 H ill.htm. Gaddy. A nm erkung 43).org/stories/russia/russia_vorkuta. vgl. Hauptstadt der Republik Komi.= 40941&menuPK=228424&Projectid=P064238. Damit einhergehend sollte die Zahl der Arbeitskräfte von ca. In dessen Rahmen erhält jeder Umzugswillige nach dem Verlas­ sen der Stadt für fünf Jahre eine Rente auf dem hohen „Noril’s ker Niveau“ . zu denen noch 35000 „inoffi­ zielle“. dass man sie umsiedeln möchte64. in der das Leben . 235000 Menschen (2001). nicht registrierte Bewohner hinzugerechnet wurden. so sind viele Rentner empört. Im Rahmen des Programms sollten diejenigen Unterstützung erhalten. die frei­ willig zur Umsiedlung bereit waren.bei allen Widrigkeiten . Norilsk im Kontext der Entwicklung Sibiriens N orilsk zählt zu den Städten. Gaddy. Das Unternehmen reagierte auf die Zurückhaltung der Menschen mit der Unterstützung eines neuen. in Vorkuta waren es von 8400 immerhin 170 063. Schenkt man Viktor Erofeev Glauben. 50000 heruntergefahren werden62. N orilsk hoffte mit Hilfe des Projektes seine Einwohnerzahl von ca. von der Stadtverwaltung aufgelegten Umsied­ lungsprogramms.org/cxternal/projects/main ?pagePK=l 0423'l&piPK=73230&theSitePK.journalismfellowships. N orilsk und Vorkuta.142 Katharina Kucher Nordens“60. The Siberian Curse 126-127. sondern kann auch süd­ licher gelegene sibirische Städte bedeuten (vgl. 61 Festland muss nicht unbedingt europäisches Russland heißen. entschieden sich bis 2003 lediglich 200 zur Umsiedlung nach Syktyvkar. Für die Initialphase wurden 80 Mio. 63 www. 64 Jerofejew. wie die Zukunft einer Stadt und ihrer Bevölkerung aussehen soll. Golgatha des Nordens.

D e r Fall N o r ilsk 143 ril’sk ist in der Russischen Föderation nur einer von vielen. Doch nicht nur die Distanzen sind schwierig zu bewältigen. Diese sibirischen Städte sind aufgrund ihrer „verstreuten Lage“ und der schlechten bis fehlenden Vernetzung untereinander von nationalen und internationalen Märkten weitgehend abge­ schnitten. Nach dem Zusammenbruch der Planwirtschaft finden sich viele von ihnen ökonomisch iso­ liert. wie bereits am Beispiel N oril’sk ausgeführt. 100. 67 Ebd. ein Produkt der zentral gesteuerten Planwirtschaft. errichteten die sowjetischen Machthaber gigantische Industrie­ komplexe und Städte. Die sibirischen Städte sind demzufolge in weiten Teilen künstliche Gebilde. sondern die Ansiedlung und die Verteilung der Be­ völkerung eine besondere Problematik birgt68. Russlands Größe. wenn es „schrumpft“. Kälte reduziert die Arbeitseffizienz von Mensch und Maschine und strapaziert Gebäude sowie Ausrüstung. damit zusammenhängend. Diese „Missverteilung“ der Städte. ein spezieller66. wobei nicht die physi­ sche Größe des Territoriums. dass Russland nur dann ökonomisch lebensfä­ hig ist. weil Heerscharen von La­ gerinsassen auf den „Großbaustellen des Kommunismus“ (Klaus Gestwa) schuf­ teten67. . Aufgrund ihrer geographischen Lage sind diese Städte abhängig von subventioniertem Benzin. Umso mehr. Vorkuta. 2 f. Wesentlicher Bestandteil dieser Neuorganisation wäre eine große Migration aus den „kalten“ Städten in Richtung Westen und. Lebensmitteln und Transporttarifen. das die Stadt trägt. Flow Communist Planners Left Rus­ sia out in the C old“ nennen. Die Lebens­ haltungskosten sind um ein vielfaches höher als an anderen Orten Russlands und die Kosten für die industrielle Produktion ebenfalls. wegen der hohen Kosten. weshalb die Kosten für die Arbeit im weiteren Sinne unter diesen klimatischen Bedingun­ gen enorm hoch sind. wenn nicht nur industrielle Komplexe. die heute über eine Million Einwohner haben. so die These der Autoren. deren wesentlicher Bestandteil Sibirien ist. jedoch aufgrund des florierenden Unternehmens. ist ein Vermächtnis der Sowjetzeit. Möglich war dies nur. die extremen Tem­ peraturen stellen ein weiteres Problem dar. Gaddy. eine 66 H ill. sondern eine ökonomische Neuorganisation seines Raumes. Krasnojarsk. überbevöl­ kert. oder Magadan. gemeint ist damit nicht ein Schrumpfen im territo­ rialen Sinn. 26-56. wie es Fiona Hill und Clifford Gaddy in ihrer Studie „The Siberian Curse. stellt so gese­ hen keine Stärke dar. Dörfer und kleine Städte gründeten. T he Siberian Curse 176f. Wo die Zaren Festungen. sondern einen gravierenden Nachteil. Sibirien sei. 68 Ebd. 69 Ausführlich dazu: Ebd. Insgesamt lebt und arbeitet ein Zehntel der russischen Bevölkerung in den kal­ ten und großen Städten Sibiriens wie Omsk. Hill und Gaddy argumentieren. weil sie nicht nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten entstanden. Novosibirsk. die sowohl die klimati­ schen Bedingungen als auch die riesigen Entfernungen verursachen. 24 f. son­ dern ganze Städte unterhalten werden müssen69.

weshalb sie sich durch restriktive Z u­ wanderungsbestimmungen davor zu schützen suchen. 75 Ebd. 73 Ebd. 143-146. Zudem ist Sibirien aufgrund seiner enormen Rohstoffvorkommen immer noch Projektionsfläche für Visionen von wirtschaftlicher Entwicklung74. Zunächst muss es einen O rt geben. Nationale Interessen 70 Ausführlich dazu: Ebd. wo sie leben und arbeiten wollen. die Besiedlung von Gebieten fern des Zentrums wird auch von offizieller Seite als Ausdruck staatlicher Stärke verstan­ den. Nach wie vor definiert sich Russland sehr stark über seine Größe. die Bevölkerungsdichte an die ökonomischen Möglichkeiten anzupassen und es eien Menschen zu ermöglichen. 161-168.viele Schwierigkeiten. geht es nicht darum. 72 Ebd. 199 f. . Die „Verkleinerung“ von Städten stellt zudem ein technisches Problem dar. die Energiekosten für die Verbleibenden würden steigen. dass die verbliebenen be­ trieblichen Versorgungsstrukturen in den zu verlassenden Städten und die von vielen genutzte Möglichkeit der Selbstversorgung wenigstens eine kleine Sicher­ heit bieten. Hill und Gaddy sehen darin einen großen Fehler und gehen in ihrer Studie sogar so­ weit zu sagen. Dazu kommt. dass die russische Bevölkerung das Gebiet jenseits des Urals als „russisch“ ansehen. Für die in Frage kommenden Orte stellen die Mi­ granten eine ökonomische Bedrohung dar. Konkret schlagen die Autoren vor. sondern da­ rum. d. Bestes Beispiel dafür ist Moskau mit seinen rigiden Bestimmungen hinsichtlich der Erteilung von Aufent­ haltsgenehmigungen71. 140-161. Wichtig sei vielmehr die Freiheit bei der Entschei­ dung der Menschen. 170-175. um eine Entwicklung nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten zu ermöglichen.wie man auch am Beispiel der oben beschriebenen Resonanz auf die verschiedenen Umsiedlungs­ programme in Noril’sk gesehen hat . Des Weiteren fehlt vielen insbesondere älteren Menschen jede finanzielle Möglichkeit umzuziehen. Vorbehalte in Bezug auf die Umsiedlung existieren jedoch nicht nur in exis­ tentieller Hinsicht. Nach Meinung der Autoren.144 Katharina Kucher Verkleinerung der Städte in den vom Zentrum weit entfernten und kalten Gebie­ ten70. in ökonomisch besser vernetzte und wär­ mere Regionen zu ziehen75.vergleichbar mit Alaska. dass die Regierung aufhört. 151-154. an dem es eine ökonomische Perspektive gibt. Sibirien zu entvölkern. Migration in be­ stimmte Gegenden zu lenken. Das Gebiet sollte als Peripherie wahrgenommen werden . Der von Hill und Gaddy entworfene Lösungsansatz birgt . h. 74 Ebd. An die Modernisierung der Versorgungseinrich­ tungen ist aus Kostengründen nicht zu denken73. sondern auch in ideologischer. an den die Menschen überhaupt ziehen können. ein­ zelne Gebäude von der Versorgung zu nehmen. Aufgrund zentraler Heizungssysteme beispielsweise ist es häufig unmöglich. 71 Ebd. die nicht leichtfertig aufgegeben wird72. aber nicht als „Russland“ betrachten sollte.

. mittlerweile orientieren sich auch andere Industriezweige an diesem Modell. um sich zu Orten mit einem zufrie­ denstellenden Q uantum an Lebensqualität zu entwickeln. in denen die Arbeiter ohne ihre Familien leben77. da nur so langfristig vermieden werden kann. 205 f. die Regierung müsste sich im Zweifelsfall auch ge­ gen die Interessen lokaler Politiker und Oligarchen stellen. Eine Rationalisierung der Arbeitsprozesse in Sibirien sowie die Förderung von mobilen. dass es einen Teil der Bevölkerung in Sibirien gibt. 205. sondern Siedlungen. da sich Menschen nur bedingt wie „vernünftige kleine wirtschaftliche Ein­ heiten“ verhalten. wo es ihnen besser geht. Im Falle von N oril’sk ist die Attraktion des Ortes insbesondere durch ein pro­ duktives Unternehmen gegeben.und Umsiedlungsbewegungen . 209-210.zu akzeptieren. 77 Ebd. nahe an den Märkten und in den wärmsten Regio­ nen des Landes78. Während die Versorgung dieser Menschen unbedingt zu gewährleisten sei. wenn es um den „Faktor Mensch“ geht.seien sie staatlich oder privatwirtschaftlich motiviert . 79 Ebd. teure Städte und Siedlun­ gen unterhalten zu müssen. Als Vorbild für Russland solle in diesem Zusammenhang Kanada fungieren: Der N o r­ den Kanadas ist eine Ressourcenbasis. der für die Umsiedlung zu alt oder unqualifiziert ist. D e r Fall N o r il’sk 145 sollten über regionalen stehen. Wenig praktikabel sind sie aber insbesondere dann. Aufgrund der überall zugänglichen Informationsquellen wie Fernsehen oder In­ ternet werden die Menschen vergleichen. sich vorab über einen O rt detailliert zu informieren. 76 Ebd. das Löhne zahlt und Versorgung sicherstellt. Der psychologische und soziale Faktor sollte hierbei nicht unterschätzt werden.so Flill und Gaddy . Beispiele für eine solche Entwicklung gibt es im 01- und Gassektor bereits seit den 1980er Jahren. Des Weiteren sollte Migration konstruktiv und weniger restriktiv gehandhabt und Immigration. sollte der russische Staat sich auf die Umsiedlung von jungen. In der Theorie scheinen diese Vorschläge weitgehend einleuchtend. temporären und saisonalen Arbeitskräften halten die Autoren für unum ­ gänglich. 204. Darüber hinaus müssten die Städte mehr Anstrengungen unternehmen. in der Republik Sacha (Jakutien) bei­ spielsweise werden im Umfeld der Goldminen keine Kleinstädte mehr unterhal­ ten.eine tragende Rolle. Die im Ver­ gleich zu früheren Zeiten stark erweiterten Informations. Wichtig sei aber auch . aber der Großteil der Bevölkerung lebt ent­ lang der Grenze zu den USA. bei­ spielsweise aus Zentralasien. 7« Ebd. Viele haben allen widrigen Lebensumständen zum Trotz Wurzeln in entlegenen Städten wie N orilsk geschlagen. sinnvoll gelenkt werden. qualifizierten und produktiven Kräften konzentrieren79. da fast jeder in der Lage ist.und Kommunikations­ möglichkeiten spielen für sämtliche An. Zuträglich wäre ein Wettbewerb unter den Städten um die Gunst von potentiellen Zuwanderern aus anderen Teilen Russlands76.

schlafen. dass neue. die tatsächlich dort arbeiten.146 Katharina K ucher Für N orilsk wird die Haltung des alles dominierenden Unternehmens für die Zukunft der Stadt ausschlaggebend sein. 7. dass das Unternehmen 80 A nne A pplebaum . in: Spectator (28. schmilzt das Eis in der Arktis. dort vermutete Erdöl. Die Nordostpassage oder Nordmeerroute. Gaddy. Korea oder Nordchina bedeuten.und zudem als urbaner Raum funktional entwickelt. gestorben sind. 81 Steven Lee Myers. Für Noril’sk wäre diese Entwicklung in doppelter Hinsicht bedeutsam.zurücksinken in die Tundra. 2005. 23. Um zukünfti­ gen Rentnern ein Leben außerhalb von Noril’sk in wärmeren und weniger kost­ spieligen Gegenden zu ermöglichen. Zudem kommt N oril’sk in Zeiten imperialer G roß­ machtsvisionen sowjetischer Prägung auch eine nicht zu unterschätzende ideolo­ gische Bedeutung zu: Ein starker Staat kann und muss es sich leisten. aus der es erst unlängst aufgetaucht war. T he Siberian Curse 129. Zum anderen würde es eine Verkürzung der Schiffspassagen zwischen Nordeuropa und Japan. denn der Seeweg durch den Suezkanal ist um vierzig Prozent länger. Im Zuge der Klimaveränderung. wenn diejenigen. da N orilsk Nikel’ und die Stadt N orilsk von Anfang an eine Einheit bildeten und bis heute bilden. zit. am Leben zu halten. und dann kann Vorkuta auch verschwinden . die heute als Rentner in Noril’sk leben. 10. weshalb die Zukunft von N orilsk nicht in der Auflösung der Stadt liegen muss. Die Stadt könnte schrumpfen. Nickel und weitere Bodenschätze erschlossen werden. die Anne Applebaum in Bezug auf Vorkuta treffend formulierte: „Langsam wird Vorkuta schrumpfen. der exemplarisch für die Überwindung und Niederwerfung der natürlichen Gegebenheiten steht. muss das Unternehmen konsequent mate­ rielle Anreize für eine Umsiedlung nach Beendigung des Arbeitslebens schaffen. 47 (2004) 46. Die Stadt ist wie oben ausgeführt stark be­ völkert . Goldrausch in der Arktis. in: N Z Z am Sonntag. D irk Asendorpf.das Durchschnittsalter lag 2005 bei 31 Jahren . werden einem natürlichen Schrumpfungsprozess anheim fallen. der steigenden Temperaturen. Die bereits erwähnte Tatsache. könnte durch die Klimaerwärmung bis zu 150 Tage jährlich befahren werden und somit wieder zum Leben erweckt werden81. die ihre wirtschaftliche Potenz verlieren. in: Die Zeit. was zum einen zur Folge haben könnte. Viele Städte Sibiriens. die seit dem Zusam­ menbruch der Sowjetunion aufgrund der hohen Kosten für den Betrieb russischer Eisbrecher wenig genutzt wird. nach Hill. 2001) 18-19. wenn das Unternehmen konsequent in arbeitsrationalisierende Technologien investiert und dadurch immer weniger Arbeitskräfte vor O rt benö­ tigt werden. Dazu kommt der natürliche Bevölkerungsrückgang der Städte.“80 N oril’sk dagegen wird in absehbarer Zeit weder in der Tundra versinken noch sich in einen Außenposten verwandeln. einen Orga­ nismus wie N oril’sk. der eine gewisse Brutalität in sich birgt. . Tauwetter am N ordpol. A nd rew C. Eine un­ kompliziertere N utzung der Nordmeerroute würde den Gütertransport von und nach Noril’sk vereinfachen. „The Great Error: O n the Wretched Folk W ho Refuse to Leave the City Built on the Bones of Stalin’s Victims. Vorkuta“. Es gibt aber noch einen weiteren Grund. Simon Rom ero. in dem nur noch diejenigen leben bzw.und Gasvorkommen sowie Kup­ fer. R evkin . 26.

2. which today is considered to be one of the most polluted areas of the 82 Zeit online. Anfang August 2007 brachten zwei russische U-Boote in einer spektakulären und medienwirksamen Tauchaktion eine Landesflagge. Summary Norilsk. das dann als unumstrittene Rohstoff. könnte Noril’sk. 300 km north of the arctic circle. denn auch sie verfolgen ihre Interessen am Nordpol. D e r Fall N o r ilsk 147 Anteile an Häfen und Reedereien besitzt sowie selbst Schiffe fertigen lässt. legions of GULag prisoners practically built the city. Beginning in 1935. dessen Durchschnittstemperatur durch die Klimaveränderung ebenfalls steigen würde. Dennoch. 8. diese spektakuläre Handlung lädt zu einem weiterführenden Gedankenspiel ein: Angenommen. in: Die Zeit. is intimately intermingled with the specific condi­ tions of soviet totalitarian rule. Juristisch hat die G roß­ machtsdemonstration „mit einem Schuß Abenteurertum und etwas Theatralik“ jedoch keine Konsequenzen.und Energiemacht mit einer Stadt wie N oril’sk eine sowjetisch geprägte Erfolgsgcschichte wciterschreiben könnte. gigantic industrial complexes as well as the correspond­ ing infrastructure over night under atrocious conditions.de/online/2007/32/russland-nordpol. especially nickel. The extraction and development of raw materials which were available in large quantities. dass eine regelmäßige N utzung der Nordmeerroute längst zur strategischen Pla­ nung des Konzerns gehört. Die Stadt. die auf den neu eingerichteten Bohrinseln und anderen Förderstätten in der Arktis arbeiten. Die Stadt. USA. die bis dahin auf eine überschaubare Größe zusammengeschrumpft wäre. Russland würde tatsächlich irgendwann den Zuschlag für dieses Gebiet erhalten und beginnen.zeit.Anspruch auf große Teile des rohstoffreichen Ge­ biets zum Ausdruck zu bringen82. zeigt. Auf der Kappe. um Russlands . rief diese Aktion wenig Begeisterung hervor. über 4000 Meter tief auf den Grund der Arktis. zu neuer Bedeutung gelangen. wäre das Prestigeobjekt eines neuen Russland. . is an extraordi­ nary and at the same time exemplary Russian city with regard to its geographic location. könnte zum Außenposten der Zivilisation.inter­ national äußerst umstrittenen . Dänemark und Norwegen. 2007 www. da eine Ausdehnung der Lloheitsgebiete eines Lan­ des nach streng festgelegten internationalen Spielregeln funktioniert83. Johannes Voswinkel. zum kulturellen Bezugspunkt derjenigen werden. eieren teurer Unterhalt durch den Export der neu erschlossenen Rohstoffe in Länder mit hohem Bedarf wie China oder Indien mühelos getragen werden könnte. dort im großen Maße Rohstoffe zu fördern. the extreme climactic conditions and its rich raw material deposits. gefertigt aus unzerstörba­ rem Titan. 34 (2007) 6. 83 Hans Schuh Tschan. After the disintegration of the prison camp in the second half of the 1950s. high salaries and greatly subsi­ dized living conditions were offered in order to entice persons to move into this region. which is located approx. Kanada. Bei den anderen Anrainerstaaten.

libraries. The development of Norilsk anaylsed in this article indicates that the city func­ tions as a focal point where space and history merge. As a result of the high costs for this infrastructure as well as the social protection of its inhabitants. It is remarkable that in the course of decades the city of Norilsk has devel­ oped into an urban space with schools. an undertaking which up to now has been unsuccessful. . theaters and a swimming pool. Norilsk Nickel is the dominating company of the region and supports the majority of the population. it is one of the objectives to relocate parts of the population in order to reduce the number of inhabitants which counted over 200. cinemas.000 persons in 2009.148 Katharina Kucher world. a polytechnic institute.

Washington. My thanks to Melanie Ilic. and to Karl Schlögel and participants in the sym ­ posium. at places of w ork”. Choi Chatterjee and other participants for their comments there. many of you strive for the title of udarnik of communist labour and many have already achieved this honourable title.. D C . Can we be indifferent to the manner in which he conducts his everyday 1 This paper was presented as part of a panel convened under the auspices of CREES (Bir­ mingham) A H R C project. G. in: Zhilishchno-kom m unal’noe khoziaistvo (henceforth ZhKKh). and with home and neighbourhood as the nursery of the new communist society. Reid Building Utopia in the Back Yard Housing Administration. “We conduct political. Munich. most significantly.. 4 (1961) 13. July 2006. I am indebted to the Leverhulme Trust for funding the research project “Everyday Aesthetics in the M odern Soviet Flat” on which this paper draws. (Pis’m o v rcdaktsiiu). one-family apartments in new housing regions that mushroomed on the edges of Soviet cities in the late 1950s. He spends the greater part of his time at home where he rests. no. Participatory Government. ‘Policy and Governance in the Soviet U nion under Nikita K rush­ chev’ at the American Association for the Advancement of Slavic Studies Annual Conven­ tion. N ovem ber 2006. Mastering Space. To a large extent this focused on furnishing people’s material needs: providing them with housing. Ignat’ev et al. and amuses himself. But it also included concern with the quality of life and social relations in these residential spaces. Historisches Kolleg. studies. become pioneers in the competition for the communist way of life?”1 A new front had opened up in the construction of communism: the home front. Susan E. and the Cultivation of Socialist Community “For the Communist Way of Life!” At a meeting of residents of a Moscow housing block in 1961 a pensioner exhorted those present: “At factories and p la n t. declared Pravda in 1961. domestic space and everyday life (byt) became the objects of intensive public attention. . Za kom - munistichcskii byt. Why should we not. In the Khrushchev era... comrades. cultural and educational work primarily . “But man does not work 24 hours a day. through the mass construction of standard blocks of small.

and the Third Party Programme. G. 333-363. 4: The Khrushchev Years 1953-1964 (Toronto 1974) 167— 264. on a small scale. Public and Private Life of the Soviet People: Changing Values in Post-Stalin Russia (Oxford 1989).150 Susan E. in Grey H odnett (ed. a return to Marx’s writings. N. 2 Pravda (6 Sept. For examples of the uto­ pian spirit see S. and a strong resurgence of utopian thinking. and Oleg Kharkhordin. Utopia is a spatial model: it is a fictional island or enclave. The Glorious Future . an enclave within which to practice. Siegelbaum (ed. even in the new one-family flats. in: Problems of C om m unism 9. Residential neighbourhoods were to become enclaves of perfection and joy. Marc Garcelon. where the exemplary social relations of “socialist community” ('obshchezhitie) that would in future characterize communist society as a whole were already practised in microcosm.was a space where becoming a communist person began. Rabochii byt i kom m unizm . 1960). Retd life?”2 N o less than the workplace. Borders of Socialism: Private Spheres of Soviet Russia (Houndmills 2006). Reid (eds. With­ out denying the significance of the tendency to “privatization”. Gilison. enjoying good government and perfectly organised social community3. Weintraub and K. Private Life and Com m unist Morality in Khrushchev’s Russia (N ew York 2007). the place of residence . 6 (Nov. At the same time as the utopian thinking emphasized collectivism. Crowley and S. The final transition to full communism was premised on the formation of individuals who would voluntarily regulate themselves. Oleg Nazarov.). vol. Indeed. The Soviet Image of U topia (Baltimore. contradiction is the sign that hangs over the Khrushchev era. 4 O n the paradoxes of private life in the Soviet Union: Lewis II. housing was a means to mobilize active participation in socialist construction. Kum ar (eds. clvor (com­ munal yard). Field. Public and Private in T hought and Prac­ tice (Chicago 1996) 303-332. Karl Kantor. Public and Private in C om m unist and Post-Com m unist So­ ciety.apartment. Resolutions and Decisions of the C o m m u ­ nist Party of the Soviet Union. Krasota i p ol’za: sotsiologi- cheskic voprosy material’no-khudozhestvennoi kul’tury (Moscow 1967). 5 C om pare Stephen Kotkin. yet hedged off from. Magnetic Mountain: Stalinism as a Civilization (Berkeley 1995). no. Reveal and Dissimulate: A Genealogy of Private Life in Soviet Russia. my focus is on ef­ forts to countervail it: on ways in which. prom ­ ised to be imminent5.). no. Socialist Spaces: Sites of Everyday Life in the Eastern Bloc (Oxford 2002) 207-230.-Dee. Katerina Gerasimova. Strumilin.Realities and Chimeras. Field. and a site for organizing the population for the ultimate transition to full communism. cited by Erich Goldbagen. In many respects the utopian spirit was in contradiction with prac­ tice. Vladimir Shlapentokh. both in: J. The Shadow of the Leviathan. living in the commu­ nist way.). Nash zhiloi dom (Moscow 1962). in: D. Garmonsway with Jacqueline Simpson. the housing program gave many the privacy of their own separate apartments for the first time4. 7 (1960) 203-220. London 1975). accommo­ date their own inclinations to the laws of “socialist community” (obshchezhitie). neighbourhood . Penguin English Dictionary (-1969 )\ Jerome M. The mobilization of ordinary citizens to engage in community activities was a characteristic and vital aspect of the Khrushchev regime’s effort to prepare for communism.). The Khrushchev period is marked by the reinvigoration of ideology. contemporary reality. Public Privacy in the Soviet Com m unal Apartment. Deborah A. 1961. 1960) 17. Private Life. in: N ovyi mir. embedded within. .

to attract all Soviet citizens into participation in and govern­ ment of society’s affairs.municipal housing board (ZhKU). H o w Russia Is Ruled. At the most local level. Second. Theo­ dore Friedgut. two bodies . Private Life.). op. 35. That is.” N. Alexander Rabinowitch. diss. an enhanced role for party guidance. translated in H odnett. First was the housing management office. H ahn. O n participation see also Jeffrey W. H o w the Soviet Union Is Governed (C am ­ bridge. Jerry H ough and Merle Fainsod. The Z hE K is sometimes know n as the zhilishchno-kom m unal’noc upravlenie . Popular Partici­ pation. Marxism in the USSR: A Critical Survey of C urrent Soviet Thought (Ithaca 1985).”7 The organs of state power were to be brought closer to the people. H ough of Merle Fainsod’s. Resolutions and Decisions 131. 1980) (an extensively revised and enlarged edition by Jerry F. no.. Building U topia in the Back Yard 151 and live “in the communist way”. C om m unist Morality and Meanings of Private Life in Post- Stalinist Russia. ZhK K h. The withering of central state administration was also to be accompanied and enabled by the massification of the party. Deborah A. 4. in: Stephen Cohen. Khrushchev. chapter 2. James Scanlan. 7 (1962) 1. chapter 6. and “socialist democracy”. the Zhilishchno-ekspluatatsionnaia kontora or ZhEK. These were supposed to play a central role in moulding the social and political structures of the Soviet community and in socializing citizens into the norms and modes of the Soviet regime8. 5 (1960) 42-51. 139. “D om ovyi kom itet”. Khrushchev assured the XXI Party Congress in 1959: “The passage of certain functions from state organs to social organizations will not weaken the role of the socialist state in building communism but will broaden and strengthen the political foundation of socialist society. <.. 1953-1964 (Ph. Jr. Every apartment building or block of buildings in Soviet cities had a ZhEK. every person would be “friend.1. Private Life. 4 Jan. H oward Swearer. s George Breslauer. otchet soveshchaniia ob opytc agitatsionno-massovoi raboty sredi naseleniia po mestu zhitel’stva. Khrushchev an­ nounced in an international forum in December 1961: “O u r general course is to develop activeness. to participatory government. 1996). Soviet Urban Housing: Problems and Policies (N ew York 1974) esp. 10 The most detailed English language account of housing management is provided by A lfred DiMaio. Resolutions and Decisions 246ff. Mass. supposedly working in 6 For the “Moral C o d e ” see H odnett . Field . the other representing citizens . 7 (Stcnog. ensuring the continued development of socialist democracy. social organizations and participatory bodies. Cited in edi­ torial. S. that of housing management. Khrushchev Reconsidered. Field. Tscntral’nyi Arkhiv Obshchestvenno-Politicheskoi Istorii Moskvv (TsAOPIM) f.were together charged with bringing about the communist way of life in the early 1960s. 7 Khrushchev at the Fifth World Congress of Trade Unions in December 1961. com­ rade and brother” to his/her neighbour6. 155-174. and Robert Sbarlet (eds. and the activation of communist upbringing (vospitanie)9. The Soviet Union Since Stalin (Bloomington 1980) 50-70. first published 1953). d. Political Participation in the USSR (Princeton 1979) 9. and state functions gradually to be transferred to non-state. See also Field. One of the strongest manifestations of Khrushchev-era utopianism was the commitment to the withering away of the state. and to invigorate and broaden the functions of social or­ ganizations.. 1961). O kontrol’nvkh tsifrakh razvitiia narodnogo khoziaistva SSSR na 1959-1965 gody (Moscow 1959). an organization that exists to this day10.one a profes­ sional administration. no. University of Michigan.D. Soviet Grassroots: Citizen Participation in Local Soviet Government (London 1988). or as the . in: Problems of C om m unism 9.

for cultural enlightenment.as a space for sanctioned and unsanctioned leisure. G. Reid Cooperation with the ZhEK. both in: William C. D m itriev . Chistikov. D mitriev (boss of a M oscow regional zhilishchnoe upravlenie). First: fixing people to places: keeping tabs on them or.T. 1 (1959) 109— 115. I will examine five interrelated categories of social activity in which the ZhEK and dom kom were involved. erection. See Irina H. V pom oshch’ dom ovym komitetam (Moscow 1963).5. Andrusz. and Living in Urban H ousing in Soviet Russia. “O razvitii zhilishch- nogo stroitel’stva v SSSR”. no. Gregory D. Lebina and A. Will Domesticity Return?. and the all-round development of the individual promised by communism. we will look at the mobilizational role of the ZhEK and especially the dom kom in co-ordinating and supporting the institutions of self-government. Distributing. 11 O n the domkom see N. Postanovlenie Tsentral’nogo Komiteta KPSS i Soveta Ministrov SSSR. bad neighbours. 2003). the obshchestvennyi dom ovyi kom itet. 31 July 1957 (Moscow 1960). Third. DiMaio. in: Soviet Studies 11. 271-308. Moscow. The Soviet Housing Situation Today. Legal Implications of the 1957 H ousing Decree. Corten. overcoming problems of flux and dislocation. University of C hi­ cago. DiMaio. Nash zhiloi dom (Moscow 1962). diss. Blair Ruble. Soviet Urban Housing. Timothy Sosnovy. Private Life 30. The birth of the ZhEK was associated with the enormous expansion of mass housing construction in the late 1950s. T he H ousing Problem in the Soviet U nion (N ew York 1954). Soviet Urban H ousing 17-19. in: N. the house committee. highlighting some key issues of interpretation of the Khrushchev era which they can help explore. O n the Z hE K see Oleg Nazarov . the related task of fostering an attitude of virtual or subjective ownership and responsibility for the material fabric of housing and its immediate environs.home and neighbourhood . Ruble. Moving to the Separate Apartment: Building. It was zhilishchno-kom m unal’nyi otdel. table 7. which ensued from the 1957 decree “On the Development of Housing Construction in the USSR”. Furnishing. We will then turn to their involvement in delineating and uphold­ ing norms of public and private behaviour: how to deal with antisocial behaviour. Brum ­ field and Blair A. Field. N. was a voluntary. elected “social” organization. In line with the Seven-Year Plan (1959-1965). *. An Archaeology of Socialism (Oxford 1999). N. Victor Buchli.D. 152 Susan E. Sec­ ond. Housing and Urban Development in the USSR (London 1984) 178. R. article 102. 75 million Soviet people. 166-174.. From Khrushcheby to Korobki. or dom kom lor short11. no. put in more positive terms. and ownership12. Vocabulary of Soviet Society and Culture 1953-1991 (London 1992) 161. Lebina. and with those who failed to contribute to the common weal? Finally we will consider the place of residence (mesto zbitel’s tva) . ZhiPe: kom m unizm v otdel’noi kvartire. 332- 348. in: Soviet Studies 11. Steven Harris. Beer- man. 1950s-1960s (Ph. the fostering of aesthetic value. and with the party- state’s increasing involvement in housing design. The Z hE K and domkom were frequent topics of articles in the journal of the RSFSR Ministry of C om m unal Economy: Zhilishchno kom m unal’noe khoziaistvo.bol’shaia sila: opyt raboty dom kom ov Moskovskoi oblasti (Moscow 1960). Sosnovy. Petersburg 2003) 175. But first an introduction to these hous­ ing organizations is required. 1 (July 1959) 9. G. esp. Russian H ousing in the M odern Age: Design and Social History (Cambridge 1993) 232-270. nearly a third of the . and “socialist democratism”. Sobranie postanovlenii Pravitel’s tva Rossiiskoi Sovetskoi Federat- sii Sotsialisticheskikh Respublikov. and Aleksandr Vysokovskii. Dom ovye komitety . O byvatel’ i reformy: kartiny povsednev- noi zhizm gorozhan (St.

The Development of Local G overnm ent Since Stalin’s Death. Lebina gives 1957 as the date for the restructuring of housing management. Soviet Local Politics and Governm ent (London 1983). 15 milhonov kvartir. znaki (St. /. in: Susan E. N. m: Sovetskaia zhenshchina. no. in Brumfield and Ruble. whereby the existing small. no.living space . The formation of the ZhEK thus marks the professionalization. Petersburg 2006) 154. Governing Soviet Cities (N ew York 1973). a road that in Soviet mythology of the late 1950s was the shining path leading out to the radiant future being constructed in Moscow’s South-West region15.as a unit for quan­ tifying per capita space entitlements and administering the population see Vladimir Paperny. made necessary by the growth of the urban population and territorial expansion of cities. and the Living Space. Style and Socialism: Modernity and Material Culture in Post-War Eastern Europe (Oxford 2000) 81—100. and better equipped organ­ izations dealing with bigger units of population and with more substantial total areas of living space (zhilploshchad’) and surrounding territory13. Women. 17 As N azarov explained. 16 T heodore Friedgut notes: “The search for effective political and social control of the urban com m unity has become of growing importance to Soviet authorities. Put another way. simvoly. William Taubrnan. 14 N azarov . 1. The restructuring was also necessitated by the increasing technological complexity of modern housing and its infrastructure. “The Aesthetics of Everyday Life in the Khrushchev T haw in the USSR (1954-64)”. Nazarov. 13 of M oscow’s O ktiabr’skii raion. 248. apartment block no. which required expertise and mechani­ zation17. O n Chere- mushki see Ruble. Nash zhiloi dom. Colton.500 new apartments. for example. more powerful. Moscow: G overning the Socialist Metropolis (Cambridge.600 apartment buildings and responsible for over 21 million square meters. O n local and municipal government see Timothy J. Jacobs (ed. Politi­ cal Participation 42. 82.500 small. MA. was much more “technically saturated” and complex than apartment buildings erected in the 1930s. built in 1959. N ash zhiloi dom 32. Shutov. in: Everett M. the experimental housing development of N ovye Chercmushki. premiered in January 1959. preface. The experimental residential area even had an operetta dedicated to it.” Friedgut. Hahn. 9 (1961) 20-23. weak domoupravlenii were consolidated in late 1960 or 1961 into 270 ZhEK s representing 4. Dmitrii Shostakovich’s Cheremushki. Ronald Hill. Kuleshov.). Leninskii prospekt. Nataliia Lebina.). 10 (1963) 7-8. Russian Housing 149-170. was responsible for 13. N ovosel’e. O n zhilploshchad’ . 15 In particular. Iuri Gerchuk. inconsistent nomenclature in the journal Z hK K h would suggest that the process took place unevenly across the country. Le- ninskii prospekt. “N o w an apartment block is a complex of technical equipment. Zhilishchno-kom m unal’noe kho- ziaistvo. Reid and D avid Crowley (eds. special- population. heat-distribution sys- . Soviet Grassroots. fragmented domoupravleniia (housing adminis­ tration) were consolidated into larger. making it comparable to the local government of a small town or parish14. The consolidation of housing administration into larger units was part of a re­ newed emphasis on local government. Building U topia in the Back Yard 153 the product of a restructuring of housing management and maintenance at that time. 1995). ZhEK No. especially in light of the accelerated pace and modernization of housing construction since the 1957 decree16. 13 Thus in M oscow for example. This ZhEK was located in one of Moscow’s model sites of new urban construction. “From K hrushcheby”. However. Sovetskaia povsednevnost’: kontury. every day people moved into 8.000 residents. were expected to celebrate novosel’e in 6 years. Entsiklopediia banal’nostei. Men.

was reinvigorated around 1960 by means of initiatives such as the one with which we began: rallying residents be­ hind social campaigns for communist byt20.154 Susan E. This corresponds to wider tendencies in the post-war period. to support and complement its work by mobilizing and organizing residents to participate in community life and in the maintenance of the house. to upgrade. see Breslauer. the dom kom .including clectricans. The dom kom was meant to collabor­ ate with the ZhEK to which it was attached. T hus a secretary of the Party bureau of ZhE K no. Lebina.were in fact is. 19 O n the restructuring of relations among groups of officials and between officialdom and the mass of citizenry. “Until recently there was no real [house] committee in the ZhEK. elected. There was .. To manage such a complex requires expert knowledge and technical expertise. originating in the 1920s. plumbers and bookkeepers . D om ovye komitety - bol’shaia sila 3. Vinokurov. Rozantsev. in: ZhK K h. no. radio and TV networks. A range of voluntary.”. Reid ization and mechanization of the work of housing management. yard and immediate neighbourhood21. a phrase widely used in public discourse at the time to refer to a shift in Khrushchevist ideology towards the “state of all the people”. (O b zo r pisem chitatelei). 7 of M oscow ’s Proletarskii raion. and electric. In Moscow Region dom kom y were set up in late 1959 and early 1960. 20 W om en’s committees (zhensovety) and parents’ committees were also set up. no. 1 (1960) 6. E. In addition. along with the profes­ sionalization of the work of the ZhEK ’s paid staff. Dmitriev. noted in 1961 that the creation of the dom kom had made an im portant difference to the w ork of the ZhEK. D mitriev. were accompanied and counterbalanced by the growing importance of activity “na obshchestvennykh na­ ch alakh” (“on a social basis”). H o w well educated or trained the Z h E K ’s staff . 9 (1960) 4-5. characteristic of modern society in general: technological advance accompanied by the growth of bureaucracies and increased authority of specialists18. Friedgut. in: ZhK Kh. plow the Soviet U nion Is Governed. one Gavrilov.” Nazarov. Nash zhiloi dom. housing authorities were under pressure. social organizations was supposed to supplement or eventually even replace the administrative and technical staff of the ZhEK.. S. V odnom iz dom ovykh komitetov. Khrushchev Reconsidered 50-70. however. Politi­ cal Participation. Swearer. It was intended terns. Entsiklopediia banaPnostei 154-155. Popular Participation: Myths and Realities 42-51. 25 March 1959 (Moscow 1959) article 39. O ne such institution of the “all people’s state” at the most local level. questionable. professionalization and ideologization of housing management from the end of the 1950s. machines for cleaning the yard and paths and hire points for vacuum cleaners to mechanise domestic labour. in: ZhK K h. no. “O merakh po uluchsheniiu ekspluatatsii i sokhraneniiu go- sudarstvennogo zhilishchnogo fonda”. as a fundamental of Khrushchev’s social policy. Resolution of USSR Council of Ministers. 2 (1963) 6 f. in com m on with all aspects of Soviet labour and production in the late 1950s. This increased reliance on specialists and technology. Sobranic postanovlenii Pravitel’stva SSSR. no. prefi­ guring the wider withering away of the state and transfer of its functions to social organizations19. 21 iV. and on voluntary activ­ ity and social organizations. H ough and Fainsod. 8 (1960) 21 f. modernize and mechanize housing and its maintenance: to introduce automatic light switches. 18 Lebina also associates the formation of the Z hE K with the demise of the old live-in dvor- nik or janitor and the industrialization. Povysit’ role domovoi obshchestvennosti v ekspluatatsii zhilykh zdanii. lifts. powerful machines. in: ZhK K h. Pervye shagi raboty do- m ovykh komitetov. boiler installations. 112-115. “Razmyshliaia o rabote d om kom ov .

Published sources suggest that they were composed largely of retired people who were still youthful enough to have energy to spare for voluntary community work. thus probably in their sixties. women appear to have been particu­ larly active in them. 12 of M oscow’s Dzerzhinskii region. In one ZhEK. composed of dele­ gates from each entrance of a block of flats (starshie or upolnomochennye p o d ”ezda or otvetstvennye po p o d ”ezdu) of the house or block. . 4 Jan. the dom kom “organised people to perform socialism according to local ambitions and requirements”22. The reinvigoration of an elected body and of constitutional procedures is significant and typical of the time.” T sA O PIM f. generation and other social categories. Articles about domkoms in the journal Zhil- ishchno-kom munal’noe khoziaistvo regularly refer to pensioners and especially women. vet­ erans of labour and local retired intelligentsia: doctors. 34 (Otdel propagandy i agitatsii po RSFSR). A 1961 report to the Central Com m ittee “O n some new forms of organization of educational w ork among workers in their place of residence in M oscow and Leningrad” noted the need to identify among the local population. 37-38 (Ste- nog. the present-day name of regional ZhEKs). w ho worked in the housing system since the early 1970s. Raskin. 95. Efforts were made to draw men in too23. V otstavke li on?. 22 Buchli. 4. under my project “Everyday Aesthetics in the M odern Soviet Flat”. by Alla Bolotova. otchet soveshchaniia ob opyte agitatsionno-massovoi raboty sredi naseleniia po mestu zhitel’stva. no.11. in: ZhK K h. Re­ tired service people were a particular asset. 5 (1963) 12. 24 It appears that once the party organizations in Z hEKs were set up they applied pressure to communists in the neighbourhood to get involved. conducted with support of the the Leverhulme Trust. in terms of gender. a good obshcbestvennik with long experience. where [they set up] a red corner for 50-60 people. N o w a new house committee has been elected of 25 persons. Rossiiskii gos. but she could only organize w ork on the uchastok. arkhiv noveishei istorii (R G A N I) f. No. Anecdotally. although its head was normally a party member and retired party activists were prominent. d. The dom kom included non-party as well as party members. 1961). 35. Inter­ viewed Kaluga. or were ex­ pected to get actively involved in them24. self-regulation and popular mobilization at the level of the p o d ”ezd (entrance to one stairwell of a block of flats) and block. 5 (C C CPSU) op. Building U topia in the Back Yard 155 to be an instrument of participatory government. a large number of army officers on reserve or early retirement was found to live in the neighbourhood. boss of Municipal Management C om pany (upravliaiushchaia kompaniia. lawyers and engineers. op. paralleling Ivanova. although not exclusively. 139. teachers. and to involve in cultural enlightenment work. Archaeology of Socialism 165. d. Their members were socially active residents (obshchestvenniki). and thus reinvigorated local-level party activity. As Victor Buchli very aptly put it.e. whose in­ volvement was actively sought.) “Plousewives” (domokhoziaiki') and younger women who were at home with very young children also sometimes got involved. and O IM (female). the Z h E K ’s] party organization. house committees were elected bodies. to which we have succeeded in attracting communists w ho are not in our [i. 36-54 [here 38-39]. Further research is needed to es­ tablish systematically who was most likely to get involved. O ctober 2006. starshii po domu and chair of domkom. 23 Interview with IMA (male). Unlike the ZhEK.11. A. regarded as “politically m ature”. (This may be partly explained by the demographic predominance of women in the elder generation.

like a cell structure or tesselation in which the shape and pattern of the individual pieces is reproduced on a larger scale by the whole mosaic. via the party organ­ ization within the ZhEK. . Dmitriev. d. 27 For example. 2(> RG A NI f. D om ovy komitet pereizbran. and in cultural-mass w ork among the population. block (stroenie ). 38. professional and amateur. 28 Vinokurov.” N. v kotorom my zhivem. p o d ”ezd. “In recent times. 2 (1962) 10-11. Embezzlement was a topical issue not restricted to the activities of the ZhEK. This was then subordinate to the ucb- astok (district) and further to the raion (although the uchastok level presented a problem: Vedeniaev. Thus the structure of this m icro-community was supposed to be homologous with Soviet society as a whole: the pattern at the local level was reproduced on the large scale. Bakbmach. Thus the domkom could. 12-13). active domkom was supposed to support the work of the ZhEK in maintaining order and rallying the residents. A good. Pora peresm otret’ Polozheme o d om kom akh. Zhensovet deistvuet. op.1.g. Dom. 6 (1960) 20. Just as the Pioneers. “Razmyshliaia o rabote dom kom ov . in: ZhK K h. hierarchical. such as childcare or conditions in shops: Pod kontrol zhenskoi obshchestvennosti. Indeed. The party presence provided for a measure of coordination between the work of the ZhEK and the priorities of the party-state. the zhensovety (w om en’s committees). the militaristic. with the massification of the party. no. in: Krest’ianka. The dom kom ’s structure of representation echoed. act as an arm of 25 By 1962-63 numerous articles appeared in Z hK K h dedicated to the domkom as the time came for their re-election e. at least on occasion. in: ZhK K h. were also to monitor provision in areas considered to be w om en’s remit. It could also exercise “public control” over the ZhEK: checking that it carried out maintenance work properly and that resources were used for their des­ ignated purpose28.156 Susan E. landing. brigades and companies. the role of house committees has grown in control over the financial activity of the domoupravlenii [or ZhEK]. the ZhEK could be used by the party and its raiispolkom (regional executive committee) as their organizational base for bring­ ing political and cultural enlightenment work to places of residence26. 2006. Z. Kaluga. for example. L. 5 (1958) 30. Pradosbchuk (upravliaimhchii do- mami. Sevastopol’). Interview with IMA. 1 (1961) 5. But what was the relation between ZhEK and dom kom. house. Reid other moves to develop the representative side of the state in preparation for its administrative aspects to wither away25. no. in: Ilabotnitsa. no. At the same time it could make representations from the house residents for improvements to be undertaken and. and the group of houses to which it belonged administratively and territorially.sad. According to a 1963 article. V odnom iz dom ovykh komitetov 21. had links. no. The ZhEK had a party organization within it. Following this model. Krokodil fre- . “Pora peresmotret’”. Compare: Nash dvor . 5. ” 6-7. in the organization of children’s leisure. Oct. of administrative and representative bodies? The dom kom mediated between residents and the ZhEK. the dialectics of state and civil initiative. on a territorial principle. a domkom member in Kaluga persuaded the ZhE K to lend a vehicle to move mature shrubs from his former garden to the new housing he had moved to. the organization of residents and their representation could begin with the micro-community of the shared landing. pyramidal structures of all Soviet governance. in: ZhK K h. Thus it provided a foothold and two-way channel of communication for the party at the most local level. 95. P. so too the housing community had a spatial hierarchy of representation: apartment. in: ZhKKh. 7 (1962) 12-13. 34. Similarly. . it could put pressure on the ZhEK to meet residents’ de­ mands27. Vedeniaev. no. no. 5 (1962) 21. one of the other forms of local activism.

C om pare Vedeniaev. 31 The ZhE K sought the support of the regional council ( raisovet) for a proposed am end­ ment to the 1959 statute on house committees. which results in endless meetings to sort out these conflicts. to arguments between the boss of the Z hE K and the chair of the domkom. as a rule. represen­ tative organizations. the directors of the ZhEK. construction materials. and the conflicts of authority that arose therein32. oblige [kontrolirovat’. Oleg Kharkhordin. Khrushchev 57. 309. The proposed amended docum ent omitted such points and instead emphasized the domkom'’s auxiliary relation to the ZhEK. relations between the paid pro­ fessional administration of the ZhEK and the social organization of the dom kom could be fraught30. . such as vigilantes and comrades’ courts. 1. Such a tendency to limitless pow er over the leadership of the Z hE K leads. 30 Dmitriev. d. It was to assist rather than to command.. Pora peres- m otret’ Polozhenie o dom kom akh 12-13. and chief engineers. Tensions over authority are reflected in reports around 1962- 1963 from a Moscow ZhEK complaining that the dom kom had got above itself and tried to command it31. As jerry Hough and Merle Fainsod have proposed. . A detailed case study of their relations would thus pro­ vide insights into the vicissitudes of the policy of withering away of the state. 1.far from being a period of liberalization as implied by the label “the Thaw ’’. According to this argument.” Flie 1959 statutes also stated that.the Khrushchev era saw the Soviet party-state become not less but more intrusive and all-pervasive than under Stalin. to call individual slovenly residents to social and administrative account for damage to housing. Oleg Kharkhordin. 32 O n resistance from Soviet officialdom and attempts to limit and regulate the behaviour of non-official activists see Friedgut. Isentral’nyi Arkhiv G oroda Moskvy (TsAGM) f. to conduct w ork among population to maintain the housing stock. R-490. zaslushivat’. The elected dom kom . a widespread form of political participation whereby Soviet citizens had at least “the potential of influence on some types of decisions”29. etc. These domkom chairpeople see their w ork as having purely a control function. by the 1970s. command. for quently published satirical articles and cartoons m this period about corrupt managers who syphoned off resources. as the representative of the local population. its technical supervisors. H o w the Soviet U nion Is Governed 298-302. to build themselves fine dachas. involvement in domkoms or other local social organizations such as parents’ or women’s com­ mittees constituted. “Razmyshliaia o rabote domkomov . the mechanics of transfer of control from administrative organs to social. extended surveillance and state inter­ vention even into the “private” space of the home33. “All the w ork of the named dom kom boils dow n to com m anding on any pretext. the dom kom and other forms of obshchestvennyi kontrol’. saw itself as having the prerogative to com m and the ZhEK. They are implicated in accu­ sations that . and contrary to its own official rhetoric of “socialist democracy” . The Collective and the . Archaeology of Socialism 146-147. to mobilize the population to landscape yards. Breslauer. citizen self-regulation and mutual polic­ ing. 12 (Spravka o kul’turno-m assovoykh i drugikh meropriiatiiakh dom ovoi obshchestvennosti v zhilishchno-ekspluatatsionnykh kontorakh za 1962 god). Building U to p ia in the Back Yard 157 “people pow er”. The ZhEK and dom kom have had a bad press. ”. Although official accounts emphasized synergy. 29 Hough and Fainsod . Political Participation 276-277. “the appointm ent of house managers and directors of Z h E K /Z h K O is to be conducted taking account of the opinion of the house com m ittee”. obiazyvat’} the directors of the Z h E K ”. because: “many points of this statute give the right to control. op. 33 Bucbli.

technologi­ cally armed. N ot only was it an instrument of micro-manage­ ment of everyday life. Khrushchev. Alexander S. especially those of women35. health issues. Balinky. the front line between ordinary people and state bureaucracy. O n “listening in” see: Sheila Fitzpatrick. It is notorious as an instrument of subjection and intrusion into people’s “private” lives. Friedgut describes such social organizations as house committees. 36 Katherine Verdery. 4 (1961) 17-23. N on -H o usin g O bjec­ tives of Soviet H ousing Policy. Yet even as we must acknowledge the ways in which dom kom and ZhEK. the question remains: to what extent should Individual in Russia (Berkeley 1999) 279-303. or it sought compliance with an aesthetic stan­ dard at least as far as the publicly visible aspects of housing . no. which erased the last spaces of uncompromised human dignity that even the “earlier uneven and frequently chaotic terror” under Stalin had supposedly still left intact. W hat Was Socialism. petty humili­ ation. 37 “ Ever since 1918 the party has relied heavily on housing managers for political surveil­ lance of the population. in: Journal of Design H is­ tory 10. 1996) chapter 2. and the Fight against Petit-bourgeois Consciousness in the Soviet H om e. . balconies and facade . far from withering away. “The disciplinary grid”. It mediated their everyday interactions with the state. 39-57. druzbiny and other voluntary com ­ m unity groups as “the means by which control is extended dow n to the level of every Soviet citizen in his h om e”. literally entered people’s homes and intervened in their house­ keeping and childcare practices. which could convey intel­ ligence on public moods and attitudes upwards.”. in: Verdery. matters which we explore in more detail below38. N on -H o usin g Objectives 22. It was (and is) the institution everybody loves to hate. Everyday Stalinism (N ew York 1999) 168-172.”34 There is no denying that the ZhEK was the state’s most vivid. be­ tween them. 158 Susan E. 33 As in other welfare states. Collective 303. For a nuanced and balanced u nder­ standing of the Khrushchev era interventions in the most intimate affairs of citizens and limits on their penetration see Field. Friedgut. If the ZhEK represented the state in the day-to-day management of everyday life. Private Life. it was often wom en .w ho most regularly encountered the state’s impact in the everyday. D uring Perestroika the dis­ appearance of the babushki w ho used to clear snow from the streets. interview with IMA. Balinky. and empowered. Modernism. red tape. Reid example. it was also an ear to the ground. systematic mutual surveillance was estab­ lished. was reputed anecdotally to result from the K G B ’s withdrawal from “listening in”. N. it was consolidated. Its surveillance and material maintenance functions were inextricably linked in people’s minds37. Kaluga 2006. un­ avoidable and intrusive embodiment in ordinary people’s daily lives. 2 (1997) 161-176. perpetrator of daily low-level bullying. and W hat Com es Next? (Princeton. J.were concerned. and of what Katherine Verdery called the “etatization of time”36. he concludes. then in the early 1960s. The ‘Etatization’ of Time in Ceausescu’s Romania. The dom ­ kom .as those who deal with housing issues along with other everyday matters (children’s welfare. Political Participation.yard. immediate. meanwhile. “became faultless and ubi­ quitous: any degree of freedom in private was to be paid for by an inescapable par­ ticipation in the mutual enforcement of unfreedom and humiliation in public. and matters of consumption) . in: Problems of C om m unism 10. 34 Kharkhordin. schooling. 38 Buchli. here 164. involved ordinary people in mutual regulation and in the mainten­ ance of societal norms and propriety. asserts that under Khrushchev. no. Archaeology of Socialism 165-171 and idem.

a source based needs to be produced by means of oral history. Balinky. 39 T he normative. Pierre Mayol. But we should at least entertain Hough and Fainsod’s plausible suggestion that the voluntary social bodies “seem designed primarily to involve the citizenry in activities that would improve the neighbourhood or place of work. 40 According to H ow ard Swearer. while seeing such social organizations as house committees as an extension of control to the level of . Popular Participation 42. Com pare. or if they did then these were not archived. the ways in which they served to socialize individuals and maintain social norms. regulatory effect of neighbourhood. Tomasik (Minneapolis. which tried to press them back into the box of “totalitarianism”40.” Erving Goffmann. vol. N o r is this the stuff of memoirs. but provincial archives will likely yield useful material. Living and C o o k ­ ing. Flow the Soviet U nion Is Governed 302. while considering. as the “inescapable participation in the mutual enforcement of unfreedom and humiliation in public”. N or should we accept untested that voluntary organizations and participatory govern­ ment were solely or primarily Orwellian instruments that extended state control into people’s homes. Swearer. 2. and ask questions about agency and motivation: why did people became involved in them. 47. rather than viewed as the ordinary mundane regulatory authority of neighbourhood that underpins all community39? To acknowledge the latter possibility does not mean that we need agree unconditionally with Kharkhordin and others that the Khrushchev state was more rather than less repressive than its predecessor. T he Presentation of Self in Everyday Life (London 1990. in practice. or that it succeeded. T heodore Friedgut. We should also examine what these organizations of public administration enabled and pro­ duced. paternalistic rather than totalitarian. Just such a one-dimensional understanding was a stock el­ ement of many western. N on - H ousing Objectives 17-23. e. C om pare also Erving Goffmann: “Propriety is the symbolic management of the public face of each of us as soon as we enter the street.” Michel de Certeau. Goldhagen. For further investigation of practice and what it meant to those w ho were involved. is not exclusive to the Soviet U nion and its social order as instituted under Khrushchev. at the same time.g. T he Glorious Future 10-18. first published 1956) 17. Luce Giard. in establishing a “faultless grid” of surveillance. J. Building U topia in the Back Yard 159 this be demonized. “an increasingly important technique of rule”. It is surely time to re-open the case with new evidence and new thinking. transl. in Kharkhordin’s terms. T. in the Khrushchev era. Bodies like the Z hE K or dom kom did not keep systematic records of day to day affairs. 42 Hough and Fainsod. regarding France: “The neighbourhood has an implicit but important legislative role: it operates like a regulatory authority. Minn. which requires extensive further research both in local and regional archives and through oral history41. and they create the opportunity for some citizen input to local administrators”42. popular participation in the Soviet U nion was “a total inversion” of that in democratic countries and constituted. what did they get out of their involvement. Cold-War readings of Khrushchev era reforms at the time. tempering consumption of wine. High-level records such as those of the Central Com m ittee are of limited use for a project such as this. 41 Archival sources for the present account are primarily from Moscow. The Practice of Everyday Life. 1998) 89. and to what extent could these organizations serve as avenues of political participation and channels for ordinary people to influence decisions at the local level that most directly af­ fected their everyday lives? The present paper is only a small exploratory con­ tribution to such an investigation.

selflessness.J. The point is not simply to invert the “surveillance” model in a reactive way. and con­ cern for the future) were of genuine importance. Surveiller et punir (Paris 1975). immediate presence in people’s lives was a very different matter from the disembodied. but. Moreover. or not simply. etc. urbanization and dislocation in people’s way of life. we need to get beyond this inadequate and blinkering paradigm if we are to under­ stand how neighbourhood functioned and everyday life was lived. despite the fact that many of their everyday practices routinely transgressed. buy them off with a bottle of vodka. its visceral. 45 Alexei Yurchak. 2006) 8. it was notorious for its corruption and inefficiency44. these binary accounts occlude “the crucial and seemingly paradoxical fact that. 43 Michel Foucault. repressive. by somehow redeeming the ZhEK and dom kom as liberal institutions. for great numbers of Soviet citizens. also. and how these historical subjects experienced their situ­ ation. al­ truism. how ordinary people exercised agency. And very far from Kharkhordin’s demonic image of a suprahumanly faultless mechanism. Reid We also need to get things in proportion: a knock on the door from the busy- bodies from the dom kom . Vocabulary of Soviet Society 161. Its per­ sonnel might be unpleasant . and realities of socialist life (such as equality. considers the two-way communication whereby they serve. policing the norms of modern hygienic living in one’s apartment. negotiate. they were also responsive to pressure from below and attended to the mi­ die individual citizen in his home. Corten. at the same time. community. work. Political Participation 7-8. or refused certain norms and rules represented in the official ideology of the socialist state”45. Friedgut. reinterpreted.venal. education. ideals. obstructive. Without denying the normative and intrusive function of the ZhEK and dom kom . oppression and subjection. ethical relations. As Alexei Yurchak has argued.160 Susan E. unseen but all-seeing eye at the centre of the panopticon in Foucault’s paradigm of modern technologies of power43. the intrusive state as represented by the ZhEK and dom kom was all too human. U ntil It Was N o More: The Last Soviet G ener­ ation (Princeton. . ordinary. Rather. friendship. 44 It is a commonplace that “only the worst people w ork for the Z h E K ” . importantly. We must pose the questions differently to avoid the binary oppositions that are the legacy of Cold-War thinking: state versus people. their faces. providing the cement that kept Soviet society to­ gether at a time of rapid modernization. It was embodied in local individuals. They were not only. I want to propose that they also played a vital role in simply making everyday life live­ able and community possible. as “sig­ naling channels” for discontent. flaws and foibles known. creativity. fam­ iliar. You could smell and touch this embodied “state”. many of the fundamental values. was not the same as a visit from the KGB in the middle of the night coming to take one to Siberia. and boorish - but you could do deals with them. safety. that is. repression and resis­ tance. being an ear on the ground. Proximity has a way of de­ mystifying the most demonic power: better the devil you know. petty-bureaucratic. conformity or dissent. Everything Was Forever. N . as opportunities to exercise “citizen competence” and for citizens to make themselves heard in matters that affect them most closely.

H o w the Soviet Union Is Governed 302. We will then try to balance this aspect by turning to what these organizations enabled and produced. If only for a short period around 1959 to 1962 . “the ZhEK has all the details of all the individual tenants .. we can then also ask about how they used these opportunities to take control of their lives and of their social and material environment. comrade courts. Building U topia in the Back Yard 161 nutiae of life neglected by hypercentralized planning46. while the ZhEK embodied the state in ordinary people’s everyday affairs. In the remainder of this paper we will first briefly consider the ZhEK and dom- korn’s notorious role in maintaining order. Gridded Lives: W hy Kazakhstan and M ontana are Nearly the Same Place. Oleg Nazarov proudly claimed. it is vital that we be aware of the real life that words such as ‘centralized’. The Work of the ZhEK and Domkom Keeping tabs The ZhEK was responsible for the orderly fixing of people to places. names on lists with basic data attached such as place of employment48. By looking [in the house books - 46 Similarly. druzhinm ki. was placed at 31 million in 1976. Scott. As head of a regional housing directorate (raizhilupravlenie) for M oscow’s Oktiabr’skii raion. Seeing Like a State: H o w Certain Schemes to Improve the H um an C on d i­ tion Have Failed (N ew Haven 1998). 47 The total membership of local organizations of public self-administration. and how they subjected and kept tabs on people. moral and material: their invasiveness in people’s domestic lives. and ‘rigid’ hide. no. ‘repressive’.but possibly extending into the 1970s47 . including house committees. parents’ committees. Flow the Soviet U nion Is Governed 191. record keeping function in register­ ing residents. H ough and Fainsod argued that. If you needed a passport you had to apply to its pasportnyi stol.there are indications that the people who volunteered and got involved were driven by a commitment to building utopia in the back yard. Rather than simply as­ sume residents to be coerced into “voluntary” activity or controlled by it. The three-dimensional grid of identical apartments expressed in the facade and floor plan corresponded to a chart or list held in the Zht’K mapping the occupants of each apartment. Plough and Fainsod. even in the late Stalin era”. An import­ ant aspect of the ZhEK was its administrative. in: American Historical Review 106. 1 (2001) 17 . it also represented those people to the state in the sense that it made them “visible” (and thereby governable. Kate Brown. . Plough and Fainsod.4 8 . library councils.. whereby the ZhEK exercised control and kept tabs on residents’ movements. if we are to understand the Soviet U nion in comparative terms. “if we are to understand correctly the nature and the degree of the change that occurred in the Soviet Union after 1953. Thus. sani­ tary groups etc. in terms that James Scott calls “Seeing Like a State”) as statistics. without denying the centralized nature of the Soviet political system or the repression and rigidity of the regime. 48 James C.

Corten. Lexicon 31. Sep. 341. C om m on Places: Mythologies of Everyday Life in Russia (Cambridge. lack of a legitimate place of residence placed one outside legitimate society. 1. 51 Tsentral’nyi arkhiv literatury i iskusstva Sankt-Peterburga (TsGALI SPb) f. and Stephen Kotkin. Late Stalinist Russia 233-246 (cited passage 233). Russian H ousing 149-70. defining those who belonged and those who did not. 1994) 93. Thus the spatial organization of the population at the level of planning and of built structures - blocks. Kniga vtoraia (Moscow 1990) 13. For many Soviet citizens. tramp. landings and apartments . both in: Brumfield and Ruble. Administration of housing was also administration of those who lived there. the ranking of claims on housing emerged as a site in which post-war hierarchies and categories of entitlement and exclusion were articulated. 3. cited by Svetlana Boym. arkhitektorov. in: Fürst (ed. “H ousing was not simply a matter of shelter. Reid (domovye knigi)} you find out about each one of 13. it was also a means of mapping and ordering society. made one a marginal. The association between having a fixed address and social respectability will be clearer if we think about the symbolic and emotive significance of its opposite: vagrancy or being a person of no fixed abode (B O M ’Z h ). potentially antisocial element. even if it amounted to no more than hostel bed (koika mesto). op.1953) 1.was reinforced as a social organization. in the post-w ar period. Mass. stroitelei i trudiashchikh o zastroike Kirovskogo raiona. Women and Living Space.). 50 This identification between housing registration or having a fixed address and identity is expressed by N adezhda Mandelshtam: “the ‘I’.162 Susan E. Stenog otchet vstrech. and rendered it most directly an instrument of central gov­ ernment and surveillance.32. shrunk and destroyed. conscious of its worthlessness and lack of a housing perm it”. stairwells. Rebecca M an­ ley discusses how. sought refuge any­ where it could find it. According to C orten the term became colloquial in the late 1970s but Elena Zubkova suggested earlier coining: Zubkova. otdelenie. Moreover. stripping of identity50.”49 This function of registering residents made the Z hEK ’s socializing and admin­ istrative functions something more repressive than the customary normative ef­ fect of neighbourhood. Living space was not only shelter. “W here Should We Resettle the Comrades N ex t?” The Adjudication of Housing Claims and the C onstruction of the Post-War Order. . became hooligans. People who lacked the organizing structure provided by housing were clearly identified as undesirable and disruptive to Soviet society51. Conversely. Men. 171-210. having nowhere to go. 2006. Having a legitimate place to live where one was registered. This spatial 49 Nazarov . N a­ dezhda Mandelsham . it was also the space in which the return to normalcy transpired.12. paper at “The Re-launch of the Soviet Project”. 357 (Soiuz sovetskikh arkhitektorov SSSR. with homeless people and unsupervised children and youth who. so that thep o d ”ezd was not only a way into the building but also an administrative and mobilizational category. d. Shelter and Subjectivity in the Stalin period. It was a form of disenfranchisement.” Rebecca Manley. entrances. effectively a non-person. N ash zhiloi dom 10. gave one social identity.000 persons living in these big blocks. Thus a meeting in Lenin­ grad in December 1953 between architects and workers raised the issue of how to do ideological work with the “unorganized population”: that is. O n the objective and subjective dimensions of “living space” sec also Papernyi. Leningradsk. B O M Z h is the acronym for “bez opredelennogo mesta zhitel’stva” or homeless person. civic personality. subjection and control. SSEES University of London.

no. For those evicted from self-built wooden housing. However. 54 I. “consisting of re­ settlement out of communal apartments to outlying ‘micro-districts’ where people were able to live in separate. characterized by social dis­ location53. albeit state-owned. leaving many 52 Kotkin. Living in the Soviet Countryside. C om pare on the “quicksand society”. Borders of Socialism: Private Spheres of Soviet Russia (N ew York 2006) 191-210. People were on the move because they had been allocated new homes. Semenov . for which the grid which Kharkhordin proposes is an apt spatial metaphor. Russian . 1939-1966. The picture of post-war Soviet society that emerges is of peoples on the move. and of familiar people. August 1964) 8-9.). increasing standardization of housing. A new revolution took place in Soviet daily life in the late 1950s. and hooliganism. The rehousing represented an immeasurable improvement in many people’s liv­ ing conditions. apartments . 57 See Judith Pallot. as Stephen Kotkin’s and other studies of the Stalin era have shown52. Recent research has shown that social disorder associated with „marginals”. but precisely the opposite. in flux. no. However. cartoon published in Krokodil. Thanks to the massive housing drive “some 100 million people . to the importance assigned to provision of sanctioned spaces in overcoming such problems. large-scale developments and professionalization of the ZhEK may indeed have made it a more effective administrative mechanism. Building U topia in the Back Yard 163 organization of the population was not new. it meant the loss of vegetable gardens along with the element of self-reliance these afforded57. as Moshe Lewin called Soviet society of the first Five-Year Plan period: Mosbe Lewin. It was also de-skilling. 22 (10. But moving to the new regions. It entailed loss as well as gain: loss of old certainties and well-trodden paths. C om m o n Places 125. was a matter of much concern in the late Stalin period. and to the dom kom ’s and ZhEK ’s roles in this regard. The M aking of the Soviet System (N ew York 1985). according to one 1964 article55. single-family flats. Tekhnicheskaia estetika i oborudovanie kvartir. in: Lewis Siegelbaum (ed. 55 K. 53 Brian LaPierre . Kro­ kodil compared this mass relocation to the “Great Transmigration of Peoples”54. in: Brumfield and Ruble. Private Matters or Public Crimes: The Emergence of Domestic H ooligan­ ism in the Soviet Union. homelessness.moved to new or renovated homes in the ten years fol­ lowing Stalin’s death. We will return later to the perceived connections between space and antisocial behaviour. Fixing and settling people: coping with flux and dislocation In the late 1950s and early 1960s Soviet society was on the move once again. for all its advantages. Zhukov. 56 Boym.many for the first time in their lives”56. of amenities. “Velikoe pereselenie narodov”. in: Tekhnicheskaia estetika. could also be disorientating and traumatic. as Svetlana Boym notes. 2 (1964) 1. Magnetic Mountain.almost half the popu­ lation of the country” . this new transmigration was distinguished from the earlier waves in that it was caused not by the loss of a home.

Kaluga Oct.). Petersburg. Loss of community was compounded by the principle (if not always the practice) of allocating separ­ ate apartments to single nuclear families. flowed into the general space ot the urban region. For the dire living conditions and very underdeveloped state of amenities and infra­ structure in Soviet towns and cities see D onald Filtzer. These losses were also exacerbated by a combination of planning neglect and of new urban planning principles. Aesthetics of Everyday Life 86-87. in: Siegelbaum (ed. Even the com­ munal apartment or hostel could grow dearer with hindsight58. provid­ ing benches and children’s playgrounds were left to self-help and popular initi­ ative. in: Fürst. its firm inner boundaries and divisions removed.). St. Late Stalinist Russia 81-102. Standard of Living Versus Q uality of Life: struggling with the urban environment in Russia during the early years of post-w ar re­ construction. Socialist Spaces: Sites of Everyday Life in the Eastern Bloc (Oxford 2002) 207-230. Charles Machten. Above all. Reid people helpless m face of the sudden urbanization and modernization of their liv­ ing conditions. Housing was often occupied long before the infra­ structure was complete. female. was opened up into the wider space of the city in the planning of new microregions. the mass re-housing involved breaking up existing communities in older central neighbourhoods of the city. Reid (eds. In the new regions there were few places to meet old friends or make new ones.sad. since it was com m only provided by the workplace via the profsoiuz. O n disenchantment with new housing see Steven Harris.this could also be experienced as loss of community. people relocated from the centre to the edge of city by the in­ tensive housing campaign often found themselves cut off from amenities to which H ousing 211-331. While single-family occupancy was un­ doubtedly one of their enormous advantages . in: D avid Crowley and Susan E. personal communications. as we shall see. Borders of Socialism 171-190. 39 N ash dvor .04. enclosed in a cosv ensemble and providing an arbour for community. ‘I Know all the Secrets of M y N eighbors’: The Q uest for Privacy in the Era of the Separate Apartment.164 Susan E. Public Privacy in the Soviet C om m unal Apartment. Moreover. 6 (1960) 20. many people moved in along with workmates or colleagues from their factory or institute. the old form of the dvor (yard). 2006. Meanwhile. For strategies for isolating oneself see Katerina Gerasimova. and the dispersal of their residents to new regions on the margins. We should also not overstate the anon­ ymity of the new housing however. 60 According to Iurii Gerchuk. They had to learn the norms of urban living and the rules of oper­ ating gas stoves and garbage chutes. The yard dissolved into a residential quarter which. The yard space was unusable because it was still cluttered with the debris left behind by the builders59.and richly compensated for the new apartments’ shortcomings in other regards such as their tiny proportions and low ceilings . “Everyday Aesthetics in the M odern Soviet Flat”: EV. beginning in the late 1950s60. “ the concept of the yard disappeared and the living environ­ ment was united and socialized.” Gerchuk. starshii po domu and chair of domkom. Landscaping and planting it. O K . O cherki kom m unal’nogo byta (Moscow 2001). in: ZhK K h. open on all sides. in­ terviewer Ekaterina Gerasimova: 13. Moscow.11. Borders of Socialism 65-82. Ilia Utek- hin. . 58 Interviews for. Separate Yet Governed: The Representation of Soviet Property Relations in Civil Law and Public Discourse. in: Siegelbaum. interview for “Everyday Aesthetics” with IM A (male). The element of nostalgia in such recollections should not lead us to overstate the communal- ity of the kom m unalka. no.

Dom. ‘“ In my own apartment I can behave as I want to’. beating his chest with his fists. Voskresenskaia. 64 M. Nataliia Vinokurova. even. They were engaged. the telephone61. fragments of community. both to the space and material fabric of housing and to the community of other residents. no. H ow to integrate the disparate individuals and households into a collective? H ow to trans­ form co-existence into neighbourliness. however. the ZhEK and dom kom had a vital role to play. diligent in day-to-day care - combined with a duly grateful attitude toward the party-state that provided their housing. Krokodil (10 O ctober 1960). sharing the same public space around the apartment into “socialist community” (obshchezhitie)? For this it was necessary to lorge and maintain threads connecting individual family life in the separate flats with the social matrix. Elena Mikhailovna Torshilova. responsible attitude of a good housekeeper. Fie doesn’t pick up a hammer to fix a window frame that has come away from the jamb a little. the loss of the city centre with its cultural amenities and historical sites could feel like expulsion beyond the land of Gog and Magog62. 62 Personal communications. in the essential task of making this inchoate society settle and cohere. the resi­ dents might share little apart from spatial proximity and the experience of dislo­ cation. bars. for some. thrifty. Others. This idea of ‘as I choose’ is the sum total of his concept of the role of being khoziain. quartered in separate apartments. v kotorom ty zhiveshi. might see each other at work but this did not necessarily make for neighbourly relations at home63. at­ taching people to places. Giving a stake: fostering a proprietorial attitude (khoziaistvennost’) What talk could there be of “socialist comm unity” in the new housing regions? Where was the new communist society to take root? A chance juxtaposition of households. 6J Interview with IMA. and to inculcate khoziaistvennost’ . giving them an emotional sense of attachment and responsibility not only for then- separate apartment but also for the surrounding common spaces.the watchful. Here. they tried to foster a sense of belonging and subjective ownership. 8 (1962) 25. one type of resident loves to cry.’”64 61 Cartoon by A Bazhenov. For the intel­ ligentsia. lamented the women’s magazine Rabotnitsa. housed by their factory or institute. It was also an affective project. People responded variously to the state’s gift. It entailed bonding people to their new homes. in tandem. Building U topia in the Back Yard 165 they were accustomed: shops. in: Rabotnitsa. This was not only an administrative process: the bureau­ cratic fixing. N ot everyone understood the slogan “Residents are masters of the house [khoziaeva doma] ” correctly. Kaluga 2006. Moscow 2004-05. The ZhEK and domkom were responsible for producing and maintaining correct relations among residents towards their home and neighbourhood: that is. registering and record keeping conducted by the Z hE K ’s passportnyi stol. . ‘There’s a joiner tor that. While avoid­ ing a “my-home-is-my-castle” mentality.

” “You might as well bring a pig in as well!” involuntarily exclaimed one of the dom kom ’s inspection committee. “Its chair is the ‘terror’ of slovens [“groza” neriakh]. or that were detrimental to com m on property. as well as of common spaces. 2006. . Nash zhiloi dom 34. Filipov. breed dirt. P. The press reported examples of how domkoms brought social norms into the home and fostered self-regulation. Thus.. “So what. Buehli. interview with IMA. Kaluga Oct. the former chair of a Kaluga domkom firmly delineated the kind of matters in which the dom kom or the higher level uchastkovyi committee might intervene. as a result of which the residents usually gave their word to remove the shortcomings by a particular deadline: to replace the wallpaper or brush away cobwebs. N o w the occupants themselves invite social activities to come to their apartm ent.. and explicitly denied that it intervened in ‘pri­ vate matters’ (lichnye dela). and implies that such interventions extended to matters of taste. of those indifferent to cleanliness. In such cases conversations were conducted between the guests [i.66 The results reported back to the dom kom after one such “raid” in which scores of activists took part were largely satisfactory. Moreover. Let us be honest: many new occupants still bring to the new apartments not only their old furniture but also their old habits. the domkom representatives] and householders. Modernism 172-173. Nash zhiloi dom 34..” Vinokurov. and bathroom.1 have found no evidence that interventions by the domkom extended to the aesthetics of interior decoration. Interview with IMA. cracks in the ceiling. others considering it un­ necessary to keep their home in order. 66 Nazarov. most people lived tidily and cleanly67.. . be­ cause the son couldn’t find anywhere better to keep them and the dove cage stood on the floor. noise and matters of hygiene. To deal with a particularly stubborn household that systematically refused all requests to clean their apartment. . to replace parquet tiles that had come loose. kitchen. 63 Nazarov. Reid The ZhEK and dom kom had an important role in monitoring and preventing such behaviour and reforming its perpetrators..e. Buchli. although it is presented as a normal part of their role to intervene in issues that af­ fected other neighbours.. a hygiene commission was created within the dom kom. if we need to we will”. They noticed everything: cobwebs in the corners and dirty wallpaper. Archaeology of Socialism 141. one dom kom had resorted to calling in a medical expert from an epidemological centre: “And the people realized that the house committee is a force to be reckoned with.”65 Elere we get a glimpse of just how intrusive the dom kom could be: T he members of the hygiene commission and entrance delegates [upolnomocbennye po pod"ezdam j systematically go round apartments to check up on the state of places of com ­ m on use. 167. In interview. citing A.” Nazarov . Kaluga 2006. such as antisocial behaviour. such as bad smells and cockroaches. looked into each room. V odnom iz do- m ovykh komitetov 21. Healthy byt is the f riend of cleanliness. scratched walls.. One of the most important tasks of the dom kom was to check upkeep of apartments and use of balconies. Khrushchev. Kommunisticheskie nachaly v nash byt (Leningrad 1966) 151-4.166 Susan E. Buehli indicates that the domkom could inspect households at its discretion w ithout hindrance. and the broken rim of a w ashbasin.. Nash zhiloi dom 33. Some through lack of culture. and are not afraid to look into rooms too. 67 “This autum n the dom kom visited every apartment. wallpaper that was peeling off like birch bark . in the exemplary block on Leninskii prospekt. But when members of the dom kom entered the apartment of the Kuznetsov family they were appalled to find: “Dirty. the kitchen was full of pigeons. or to mend a casement hanging on a thread. damage the equipment. Daylight could hardly penetrate through the long- unwashed windows of the kitchen. with those the dom kom has waged a decisive struggle since the very start.

you mend it. . 71 Nazarov. breaking the glass. citizens’ initiatives. “It’s our apartment. But that is the point: that order is kept here strictly by the residents themselves. The exemplary householder (nastoiashchii khoziain/khoziaika) did not draw a line at the thresh­ old between “my hom e” and common space. stumbling over the steps and cursing. Building U topia in the Back Yard 167 insolently declared Kuznetsov junior. 11 Voskresenskaia. Nash zhiloi dom 36. dropping cigarette ends on the floor: you broke it . or shame people into donating their unpaid time. painting balconies. but doesn’t think to check if the electric wires are in order”69. Indeed the dom kom ’s reinvig- oration at this time was directly associated with this agenda70. 70 Ibid. Moscow 25 March 1959. to transform it into a pigsty. Nash zhiloi dom 36. Last year the residents decided: w hy do we only take on keeping order in the p od ”ezd ? C ou ld n ’t we preserve and keep the house as a whole in a proprietorial way [po-khoziaiski ]? They agreed and soon all the residents were undertaking running repairs in their apartments. Two years ago they took the entrance halls under their own protection and this meant that no-one forgave anyone for scratching the walls. No-one allows you to destroy the dwelling. to forge community and to stimulate good neighbourliness. there was exemplary cleanliness in every p o d ”ezd: such as even the best cleaner could not maintain. allegedly on the basis of spontaneous. as if there were all his/her own. It also had the task of making tenants accept responsibility for common spaces. D o m 25.”68 Citizens’ initiatives and socialist competition for exemplary communist byt: common spaces If slovenly tenants asserted the sovereignty of their home while refusing the cus­ todial responsibilities of khoziain even within their own apartment. landing. inspire. “you are wrong there. “competitions for the communist way of life” were launched. such competitions obliged residents to maintain cleanliness and order both in their own rooms and in places of common use. and henceforth they will repair the dwellings carefully and in good time72. A number of decrees promulgated between 1959 and 1962.clear it up. how much worse would they be in regard to common spaces? Such a person could “walk up the stairs in the dark for a week. 25: “O merakh po uluchsheniiu ekspluatatsii i sokhraneniiu gosudarstvennogo zhilishchnogo fonda”. M od­ elled on the competitions for productivity already familiar in the workplace. 68 Nazarov. you made a mess . labour and skills to the upkeep of common space. and yard. social organization of the domkom. 69 Voskresenskaia. but voluntarily looked after the neighbourhood. resolutely declared one of the dom kom . “and not to allow children to damage and mark walls and windows”71. D o m 25. shifted responsibil­ ity for upkeep of the housing stock from the state to residents. including stairwell. In order to mobilize. we’ll do what we want in it. In one model apartment block where competition was launched. and from ZhEK to the voluntary.” “But no!”.

. See also Pradoshcbuk. having ideas about improvements. H o w could they plant greenery in yards. and getting these prioritized and resourced by the ZhEK79. For 73 Voskresemkaia.. 76 Nazarov. in particular. as well as issues of relation between generations. carpenters. . or saplings to plant75. N ash zhiloi dom 26. 77 Friedgut. Rabotnitsa discussed a house committee whose chair was a m other of five: “It is pleasing that in the struggle for maintenance of housing socially active wom en take active part. and providing the necessary material. 79 Interviews IMA. 7S Nazarov. active help . Nash zhiloi dom 32. voluntary “joiners.it would be hard for the housing workers. “The Party had effec­ tively revived an old self-supporting and self-financing institution that could efficiently ser­ vice and maintain the housing stock. They put their whole heart into this big. declare war on slovenliness and carelessness!”73 “Khoziaiki take turns each week to wash the floors in entrances from bottom to top. Buchli finds. D om 25. D om . one has to wonder how these things would ever have got done were it not for social organizations and volunteers (obshchestvennost’). fight together for exemplary order in our houses. . Women were to become house­ wives of the state’s property: “Let us.constant. meanwhile. the ZhEK ’s paid workforce] to mend the fence. and metalworkers mended furniture in the communal Kindergarten. that would make a difference to people’s lives. Reitl Responsibilities were conventionally gendered. 74 Mobilization targeted. This raises a question that lies beyond the scope of this paper concerning the relation between voluntary w ork and the antiparasite law. a matter of providing an unpaid reserve labour force.e. In the domkom. D o m 25. The ZhEK might also provide some basic training by “masters” on its paid staff to the unskilled amateurs76. however small. repaired workshops. in part.” Voskresemkaia. Thus. what state would cultural mass work and work with children be in? A nd how much does the com m unity do to establish truly so­ cialist relations m byt among residents! The leaders of the ZhE K realize just how great is the role of obshchestvennost’ and rely upon it in their initiatives78. Voskrcsenskaia. helped the lads [i. Political Participation 286. were to join voluntary remontnye druzhiny (repair brigades or main­ tenance patrols) to help the Z hEK ’s paid staff of housing maintenance workers. mothers tem ­ porarily at home while looking after young children. Archaeology of Socialism 174. those w ho did not work: “housewives”. Buchli. as Theodore Friedgut observed.77 Nazarov acknowledged the essential con­ tribution made by voluntary labour: without the help of residents . and pensioners. troublesome m atter”. v kotorom my zhivem 5. while simultaneously ensuring the realization of byt reform s”. This was also a matter of identifying needs that might not otherwise receive official attention. women.. D om 25. equip­ ment or spare parts . painted the fence around the green plantings in the yard. Competition for communist byt was clearly a good way of saving money and work for the ZhEK! It was.” The ZhEK was supposed to meet such spontaneous “popular” initiatives by organizing the voluntary labour. and the Z h K O (Zbilishcbno- kom m unal’nyi otdel) only provides the materials.for example house paint and brushes. O IM . Thus it socialized those who might otherwise remain isolated.”74 Men. 75 “ Residents together paint the walls of stairwells themselves. Indeed.168 Susan E.

81 O n utopia and the conventions of the game see Michael Holquist. in: M.). Rose (ed. But where community had to be built from scratch. Science Fic­ tion (Englewood Cliffs. According to a 1959 decree. It was necessary to make much fuller use of prophylaxis and. 2 March 1959. “O dobrovol’nykh narodnykh druzhinakh po okhrane obshchestvennogo poriadka” approved by resolution of C C CPSU and USSR Council of Ministers. which dealt with quarrels among 80 Com pare. residents worried at a meeting to launch competition for the communist way of life. to exploit the huge beneficial power that peer pressure could exert over the behaviour of such individuals by means of druzhiny. Building U topia in the Back Yard 169 example. Separate Yet Governed 65-82. They concluded: “it is necess­ ary to re-educate such people through the collective power of residents . a point to which we will return.. such exchanges of services helped to establish social networks. H o w to Play Utopia: Some Brief N otes on the Distinctiveness of Utopian Fiction. . 82 Ignat’ev. What to do with the spoilsports such as the Kuznetsovs in their pigeon-filled pig­ sty? “Plow to deal with those who break the rules of living together [obshchezhi- tie]7 For they will hinder us in future too”. who appear in an inebriated state in public places. 2 March 1959. or who carry out acts of hooliganism and other crimes”. N. measures to deal with hooliganism. The censure and hostility of people one had to pass every day was usually enough to bring a negligent individual to heel.J. 73-75. “O n the par­ ticipation of workers in keeping social order in the co u ntry ” (“O b uchastii trudiashchikhsia v okhrane obshchestvennogo poriadka v strane”) Sobranic postanovlenii Pravitel’stva SSSR (Moscow 1959) article 25. in particular the failure to provide any clubs or entertainment spaces. of course. while red corners made up for the lack of planning of infrastructure of the new regions. was noted. Competition for the communist way of life also encouraged people to share skills and become good neighbours. community nurseries “na obshchestvennykh nacbalakb” compensated for the state’s failure to make good on its much-vaunted claims to liberate women from domestic duties so that they might fully engage in social and productive work. is that not everyone always wants to play81. 83 Central Com m ittee and USSR Council of Ministers decree. “without active participation of the population and social or­ ganizations”83.. above all. to struggle for the soul of each individual through communist upbringing”82. 1976) 136-138. To some extent this was a matter of putting the party’s imprimatur on established practices of m u­ tual help and community self-reliance80. The continued existence. The yellow card The trouble with utopia. people’s militias. of individuals “who do not observe the norms of social behaviour. drunken­ ness in public and other unworthy behaviour relied too heavily on administrative and juridical organs. more than 40 years after the revolution. 'Za kommunisticheskii byt. Rarely was it necessary to take matters as far as the tovarisbcbeskii sud (the comrades’ court. This was followed by a resolution. on the way Soviet legal discourse on property relations in the 1940s endorsed popular practice: Machten.

43. Leisure was required for the formation of the fully S4 Interview with IMA. tenants in arrears on their rent. Home as a Site of Cultured Leisure and Aesthetic Value: making byt according to the laws of beauty The organization of “cultured leisure” (k u l’turnyi otdykh) was a vital aspect of housing management. Shchel­ chok exposed disorder and pilloried its perpetrators: teenagers drinking vodka in lobbies. In the final section we turn to efforts to build communist cul­ ture in everyday life. 95. cl. Shchelchok 's public pillorying was complemented by another local wall news­ paper.i. The party and Komsomol were directly involved in such measures. thus an ineffectual otvet- stvennyi po p o d ”ezdu might find himself caricatured. a snap of the fingers). the party bureau in the ZhEK on Leninskii prospekt launched a satirical newspaper Shchelchok (The Fil­ lip . with its resonances with the mass cultural mobiliz­ ations of the 1920s. being part of the promise of communism as well as.170 Susan E.e. and disseminated exemplary initiatives and acts of good neighbourliness86. K ul’tura . such as imposing fines or taking offenders to the comrades’ courts. O ther sanctions included public naming and shaming by means of “boards ot dishonour” and wall newspapers (methods also used in workplaces). op. of progress and the pursuit of happiness since the Enlightenment. Reid neighbours. The title Culture into Life is very character­ istic of the ethos of the period. impose sanctions on individuals believed to violate norms of “socialist com m u­ nity”. The dom kom could. ill treatment of children. To conduct a campaign against “everything that prevented people living in peace”. It could also turn on the dom kom itself. Buchli. 34.1. Archaeol­ ogy of Socialism 170. Nash zhiloi dom 36. and to foster all-round individuals and community [ob- shchezhitie] through cultural enlightenment and the organization of “cultured leisure” in the residential neighbourhood. R G A N I f. It also printed venomous caricatures of residents who made various excuses not to do their share85. with a voluntary aktiv of correspondents. for home was a key site of leisure and recreation: a large proportion of time off work was spent there. Edited by an old communist. it became a “reliable helpmate to the party bureau”. published results of competitions for communist byt. more broadly. residents who failed to look after their dogs properly. 85 Nazarov found proof of the wall newspaper’s authority and effectiveness in the fact that one issue was torn dow n just 40 minutes after being pinned up. on behalf of the community.v byt. or who threw their rubbish directly into the stairwell instead of the garbage chute. 5. Increased leisure time was supposed to be a characteristic of advanced socialist society. 86 Nazarov. Nazarov. and anti-social behaviour). domestic abuse. although the mere threat of it was also effective in itself84. Nash zhiloi dom 48 ff. . This celebrated and reinforced good practice. A duplicate was soon put up to replace it.

3 (1960) 140-146. What would people do with their increased leisure? Would they spend it in appro­ priately rational. In accordance with Marx’s vision. Boris Grushin. N u ­ merous sociological and timc-budgct studies were undertaken concerning how people spent their leisure time. Boris Grushin. The Soviet Youth Program (Cambridge. S. otchct soveshchaniia ob opyte agitatsionno- massovoi raboty sredi naseleniia po mestu zhitePstva. The “unorganized”. harmoniously developed in mind and body. Problems of Free Time in the USSR: a Sociological Study (Moscow 1969). at home. 139. or would they squander it? “With the transition to a six or seven-hour working day. However. W.” Cited by Erik Kulavig.). Flow Russia Is Ruled (Cambridge. T he Importance of Being Stylish: Youth. Culture and Identity in Late Stalinism.. Strumilin.. 1945-53. Obshchestvo i reformy (Moscow 1993)..). d. N ew York 2006) 135-153. Mysh o griadushchem. consonant with the communist way of life. 7 (Stenog. unproductive leisure of young people hanging out in the dvor 87 “Program of the C P S U ”. The Soviet Cultural Scene 1956-1957 (London 1958) 202 ft. 89 T sA O P IM f. in: O ktiabr’. 88 In discussion of the draft Party Programme. in: Polly Jones (ed. The Dilemmas of De-Stalinization: Negotiating Cultural and Social Change in the Khrushchev E^ra (London. 1. Strange Young Men m Stalin’s Moscow: The Birth and Life of the Stiliagi. Since the post-war period there had been a moral panic concerning indolent and disaffected youth91. Mass. 1965). Mass. and further reductions were promised in future87. 4.g. e.. 90 VI. M ark Edele. Epokha Khrushcheva (Moscow 2001) 431-508. in: Jahrbücher für Geschichte Osteuropas 50 (2002) 41 \ Juliane Fürst. hooliganism and other manifestations of the antipodes of the socialist way of life.”89 As late as 1982. 1956) 255-261.. religious faith. books or TVs . V zerkale oprosov obshchest- vennogo mneniia. Shortcomings in this matter [the organization of leisure] result in alcoholism. adults have a lot of free time but they don’t always know how to use it”. Dissent in the Years of Khrushchev: Nine Stories about Disobedient Russians (London 2002) 76 and note 5. Building U topia in the Back Yard 171 rounded individual. leisure was also a matter of anxiety and contention in this period88. Kassof. aimless entertain­ ment [razvlecbeniia]. C hetyre zhizni Rossii. Sovetskii obraz zhizni: Problemy issledovaniia (Moscow 1982) 129. Late Stalinist Russia 209-230. Juliane Fürst. 35. no. . cultured ways. worried a delegate to a conference on agitationpo mestu zhitel’s tva (in places of residence) in 1961. who was to be the future citizen of communism. 91 O n the youth problem: Merle Fainsod. op. the end of the division of labour and the growth of leisure time were supposed to enable the working people to realize their full human potential and cultivate their aesthetic sensibilities and creative powers. And housing conditions are not so good that you can invite friends and sit and play chess. Elena Zubkova. an ac­ count of the “Soviet Way of Life” still found that “improvement in the structure of free time is a very important condition for the perfection of the Soviet way of life. discipline and more discipline. A. Kas’ianenko.”90 Anxieties about leisure focused on young people. in: Fürst. Resolutions and Decisions 231.” “Rational use of free time depends on the cultural level of the individual and on political-educational work among the population. 4 Jan. Laqueur and George Lichtheim (eds. “N ot all have . one Central Com m ittee member challenged the emphasis on leisure rather than work: “The building of communism requires w ork and more work. T he Arrival of Spring? Changes and Continuities in Soviet Youth Culture and Policy between Stalin and Khrushchev. 1961). Thus measures were taken under Khrushchev to reduce the working week. H odnett.

Ispoved’ pokoleniia (Moscow 1962) 194-198. to enable the young people to become fully- rounded individuals95. Sufficiently attractive. d. integration with exclusion94. in: K om som ol’skaia pravda (8 Oct. 54 (Sektsiia ideino-politicheskogo vospitaniia molodechi). social parasit­ ism and other un-Soviet behaviour. The M oscow G orky Street in Late Stalinism. it was. Ivanova and N. 93 O. Pustoi dvor. 94 'Zubkova. Changes and Continuities in Soviet Youth Culture and Policy between Stalin and Khrushchev. 1952). and. De-Stalinization and the H ouse of Culture: Declining State C ontrol over Leisure in the USSR. at the same time. unemployed. But in the early 1960s it was emphasized time and again that the best way to deal with undesirable cultural manifestations. such as young people’s attraction to western popular culture. but through integration and competition. O n mass cultural enlightenment work: Anne White. and Juliane Fürst. Reid with nothing to do was associated with delinquency. Dilemmas 209- 230 and respectively 135-153. It was an edgy space where people with no­ thing better to do hung out and where gangs contested their territory93. 4. See also B. Poland and Hungary. Lei­ sure facilities for the young were especially urgent. in: K om som ol’skaia pravda (16 July 1952). and “hooligans”. in: Jones. Sek- retnyi mir detei v prostranstve mira vzroslykh (St. . smoking or vandalism. and abstract art). Obshchestvo i reformy 154-155. alcoholics. see M on­ ica Rüthers. the terrain of just such “unorganized” elements of society that were associated with disorder: unattended children. 1953-89 (London 1990). M uch archival and published material is to be found concern­ ing how to com bat the seduction of western culture (including music. dance and dress. the yard and entrance lobby or stairwell featured prominently92. sanc­ tioned alternatives must be provided for example youth cafes with fashionable “contemporary” interiors and newly invented Soviet dances in order to keep youth leisure within the public eye and (above all) away from the allure of western mass culture. Grushin. The Arrival of Spring.172 Susan E. was not by driving them underground. in: Fürst. in: K om som ol’skaia pravda (19 July 1952). in: K om som ol’skaia pravda (2 Aug. with special attention to youth. 1959). However. the <Ivor could just as easily socialize them into bad company and bad habits: drinking. Vospityvat’ ideinuiu m olodezh’. Mariia Osorina. in: Kom som ol’skaia pravda (16 July 1959). A. The measures the party and Komsomol adopted to tackle the social alienation of the young were typically contradictory. op. 139. O n the dvor as a space of horizontal social control and a space for self-determination or Eigensinn. for example: Zabota o byte i dosuge mo- lodezhi. 92 T he problem of leisure facilities for young people was of concern to the Kom somol and was regularly discussed in K om som ol’skaia pravda. 95 T sA O P IM f. The place of residence played a particularly im­ portant role in keeping young people in line. O n one hand a supposedly sheltered place for children to play and old people to take the air. N a nashei ulitse my khoziaeva!. We have examined ways in which the wider domestic space around the apartment was to serve as a site of communist upbringing. re­ education and punishment. combining nurture with mistrust. Modernizing Socialist Realism in the Khrushchev Thaw. homeless people. hooliganism. P. Susan E. Petersburg 2000) 148-149. Bondarenko. Reid. Late Stalinist Russia 244- 245. at the same time. Trudno o td o k h n u t’ v Ka- menske. Among the sites of such misspent leisure. both prophylactic and reconstruc­ tive. “social parasites”. Sergievich.

R G A N I f. Building U topia in the Back Yard 173 But in the new residential regions on the edges of cities there were few cafes. and thus keeping them off the streets by presenting an at­ tractive alternative. Every evening there is a short talk . .” Meanwhile. but by making it attractive and fun. Since. or other amenities. What to do with young people who found them­ selves “all dressed up and nowhere to go”? As festival designer Mikhail Ladur challenged in 1966 regarding the geography oi leisure in Moscow: “Let’s face it.. F. Kids can come to the school just to relax.”97 In the absence of places for young people to go. . “But where are kids to go. d. Flamm (ed. All around are small half-derelict little houses and kids have nowhere to go apart from the cinema and club. This it did not by thrusting improvement down the young people’s throats. They even have a chance to dance here. and there are always fresh newspapers and journals. 97 T sA O P IM f. dance halls. 139. But such developments lagged far behind the construction of new microregions. 1 May 1966. indo­ lent youth. M. It became known as the Komsomol Youth Club. During the talks the kids may be playing but then they start to listen and some sit and listen open- m o u th e d ". see B. 35. A similar instance is described in a report to the C C CPSU .”96 ZhEK. We d o n ’t say “today you will take in a lecture”. op.. in: Sovets- kaia kul’tura. or chess. 1960-1961. comrades: it is boring in the evenings in our capital. away from hooli­ ganism. 1961). d. draughts. There’s nowhere much to go.. Ladur. otchet soveshchaniia ob opyte agitatsionno-mass- ovoi raboty sredi naseleniia po mestu zhitel’stva. both parents worked.for drawing kids off the street. As new residential quarters m ushroom ed. in most families. Younger children’s leisure was also a matter of great concern. 34. 4. .”98 While providing a place for young people to meet and simply hang out. Ladur. 45. 1. near Metro Sokol’niki.we try to make it interesting. They can simply come and play billiards. L. the geographic and demographic growth of cities and shifting balance between centre and periphery made it necessary to decentralize and expand the provision of culture and entertainment. d. . in: M.. O n the decentralization of Moscow in the new twenty-year city plan.). it is terrible. their role was largely compensatory. 139. domkom. where to dance?” asked one Moscow schoolteacher reporting to a meeting at which ZhEKs exchanged experience in mass agitational work in January 1961. “O u r region.. 35 (Stenog. F. d. 35. M. op. 4. The City in Russian H is­ tory (Lexington 1976) 276-288. op. [although] it is hard to ask anyone to come and speak on Saturday evening unpaid . unless retired grandparents were available to care 96 Leisure and entertainment facilities were also too centralized. op. Iskusstvo radosti. 4. “In the clubs everywhere you have to pay.. the ZhEK at Sokol’niki had found a strategy . This was a problem even in Moscow. Frolic.. 4 Jan.it costs so much energy and enthusiasm. 98 T sA O P IM t. reprinted in M.and a space . The N ew M oscow City Plan. and other local social organizations such as parents’ commit­ tees were closely involved in finding solutions to the problem of disaffected. 5. everything is for money. 139. is far from the centre. 95. “For five years we have used the school building . Iskusstvo dlia millionov (Moscow 1983) 105. 99 T sA O P IM f. the Komsomol Club also pursued a cultural and ideological agenda.. Again.

2 (1963) 6-7. Za kommunisticheskii bvt 13. d. the parents’ committee. 43.174 Susan E. be­ fore the war. In one red corner a parents’ committee run by a mother of three organ­ ized activities for children . A. Parents’ committees served as a liaison between the school. They had to hang around in stairwells. 103 The press reported a similar case: a wom an became concerned at how uninterestingly children spent their leisure time. op. books for the peripatetic library. Vengerov. 35. R G A N I f. Reid for the children they roamed the streets and dvor unattended after school. 95. Similar initiatives are described in the report to the CPSU.”100 Here another neighbourhood social organization established in this period under the auspices of the ZhEK. some could not find work where they wanted. It told of Sergei.and in summer they took children to the countryside. in: Z hK K h. ” Za kommunisticheskii byt. I zakipela zhizn’ vo dvore.whether they wanted it or not. leaving nowhere for children to run about. a string orchestra. op. the object of numerous complaints from resi­ dents to the domoHpravlenie. if. 102 TsA O PIM . “Apart from green plantings we just need spaces for children to play ball.”102 Parents’ committees also organized children’s lei­ sure. In M oscow ’s O ktiabr district thev were first established in 1955 and spread bv 1965. in: ZhKKh. and workplace needed to w ork together was also exemplified in the journal Zhilishchno-komm unal’noe khoziaistvo. Even the militia could do nothing about him. dinners. Help was received from the trade union committee which gave funds for acquiring sports equipment. 101 Parents’ committees would establish close links with the local school. and clothes. . So she organized Tim ur Teams (timurovskie kom andy named after popular children’s author Arkadii G aidar’s boy hero Timur) of 40-50 children each. cl. The way housing. 100 TsGA LI SPb f. undertaking to attract local children off the street by setting up red corners103. school. and the general body of parents and worked in conjunction with the ZhEK s party bureau and dom kom 101.including amateur art clubs. they were now closed off. children’s playgrounds had been laid out. This was an issue both of space and of supervision or “organization”. 13. 34 d. no. 104 Ignat’ev. 139. Consisting of 3 to 5 people they operated under the supervision of the local Soviet. chess. 1. 40-42. . read­ ing groups. chess sets etc. 1. But then the communist activists of the house committee took an interest and succeeded in reforming him. Residents at the 1953 meeting with architects in Leningrad cited above lamented that although. Parents’ commit­ tees also worked together with the dom kom and ZhEK on getting young people into education. handcrafts . They might provide needy children with free breakfasts. f. and some just liked doing nothing (fed by their parents). was particularly active. 341. 5 op. . 357. “When we got to know our young public through red circles we found that nineteen of them neither worked nor studied. The children elected commanders and signed up for clubs and sport sections. and some just earned pocket money. “ O ne loafer less in the mikroraion . no. the housing author­ ities. 4. English language classes. a good-for-nothing hooligan. usually involving the school director. or organize trips to sanatoria. 2 (1962) 8. or might help older ones to find work . They also set up a sport ground where children could play games104.1. or asphalted over.

In the early 1960s. delivering lit­ erature to the homes of the elderly and infirm. 139. otchet sovcshchaniia ob opyte agitatsionno- massovoi raboty sredi nascleniia po mestu zhitel’stva. to have resulted from public initiatives and were staffed by volunteers. as a way to till the “semantic v oid” left by the elimination of the sacred or red corner where the icons traditionally hung. 108 T sA O PIM f. Building U topia in the Back Yard 175 R ed Corners Many red corners appear to have been established in the late 1950s or early 1960s under the auspices of ZhEKs. red corners brought it to them. to at­ tract an audience and bring them back106. 4. Like those offered by the Komsomol Club. d. like many of these phenomena. Buchli describes h ow children’s corners were conceived as exemplary revolutionary spaces. being located directly in the place where people lived. they might also engage in political education and include talks on “the inter­ national situation”. 1. they were “much closer and more accessible to residents“ than theatres. They were part of people’s everyday environment. 106 T sA O P IM f. scientific and other themes. they might include a small library. d. Originally. In the 1920s the creation of childrens corners played a part in rooting out old religious spatial customs. Nash zhiloi dom 16.in which decade. Nazarov. Twice a week a library operated there: seven hundred books were donated by residents. They appear. 139. or palaces of culture. The main thing was to be interesting. 107 N azarov described four red corners in his ZhEK: in one a discussion of the international situation was under way. op. set up in conscious competition with the older order represented by adults: “when parents did not re- . 4 Jan. 3 5 . Rather than expect people to go to special sites of communist education. 7 (Stenog. 1961). 11. a topic that would inevitably include large doses of Cold-War rhetoric107. as well as providing premises lor various clubs. 1. in a third members of D O S O M (voluntary association for supporting the greening of Moscow) was meeting. while at the same time. Their advantage was that. 139. in another there was a club for car lovers. clubs. their roots lay . events and lectures for the general public were held in the evenings in red corners or schools. A Len­ ingrad party secretary and house leader (upravdom ) reported: “The party organ­ ization and house committee of this ZhEK organized the cultural rest of residents in the red corner. For resources and equip­ ment they were dependent on the ZhEK and on residents’ donations10^. 35. d.” The library was run voluntarily by a pensioner who organized groups of young pioneers to act literally as Kulturträger. 46-47. their primary function was to provide a social space where residents might meet and enjoy “cul­ tured leisure”. billiards. 16. op. and television. 4. op. a familiar space where they might drop in at any time10S.red corners had an explicitly agit-prop func­ tion as the locus of anti-religious campaigns etc. in general. This was in line with the reinvig- 105 TsAOPIM f. The potential of red corners to serve as a key site for “communist edu­ cation” or mass agitational work with the population po mestu zhitel’s tva was dis­ cussed at a conference on this topic. on 4 January 1961. The house committee also ran lec­ tures and discussions on international. these events were not free of ideo­ logy.7. in the 1920s . Discussions. ranging from instruction in how to lay a table and cookery competi­ tions to discussions of political issues. 35. 4. in a fourth young people were just having fun.

95. 7. “The drunken­ ness of parents reflects to a large degree on the children. If parents drank this caused problems for society via their children. 5. 36.” T sA O PIM f. Family af­ fairs were particularly a matter of concern when they impacted on the welfare.1. 112 T sA O P IM f. 111 T sA O P IM f.”113 One case concerned a “her­ oine mother” who neglected her eleven children. d. the search for more effective. 4. dornkorn etc).” Buchli . 3. They said move their icons. because the children were “dirty. op. 4. 35. d. 139. TsA O PIM f. barefoot. “O nckotorykh novykh formakh organizatsii vospitatel’noi rabotv sredi trudiashchikhsia po mestu zhitel’stva v Moskve i Leningrade”. The obshchest- vennitsy were interested not only in how the children study. while at home there was “drunkenness. 35. 35. The social organizations ended up looking after the children 111 place of their mother. 139. 13. op. Com pare report to C C . d. d. but also in their family life. and the emphasis on par­ ticipation: “It is necessary to bring mass agitational work to every worker. 5. op. .1.1.” “We also got to know parents through our involvement and help.1. Private Life 83-97. headed by the school. 35. a route into the home and familial affairs (as it does in any welfare state) and drew antisocial parents into society. 36. the massification of the party. d. to bring it to them at home. paternalistic intrusion into affairs that might be considered “private”: “At the beginning of the school year members of the par­ ents’ committees went round all the apartments where there arc children to find out how their studies were going and whether they needed help. 1. and ragged”. I consider these children unfortunate because they do not have normal human conditions of life. be­ haviour and learning of children and spilled out into communal affairs. 3. op. op. 4. 4. Field. 114 In this case it was proposed that house committees and school should have the authority to say w hether a w om an with many children deserved the award of heroine mother. also served to identify “problem families”110. hooligan­ ism. the presence of children m a household allowed the authorities (parents committees. 139.1. 40. d. op. 13. 95. “it is necessary to combine forces of all our cultural institutions for work with children. 'O’ TsAOPIiM f. and with house committees and ZhEK s”112. Conversely. Sometimes it is important to help and advise them. 115 This was also treated as a problem of the family or household: “In families where there is drunkenness they gather on Saturdays in twos and threes and drink spirits. 139. 139. which red corners helped to address. R G A N I f. 35. and debauchery”" 4. d.176 Susan E. 4. 34. accessible and everyday forms of ideological education. 34. d. 35. 139. 110 T sA O PIM f.” 109 All the better. the children responded with ‘let them stay up. our corner will defeat theirs’. 4.1. d. Parents’ committees ran parenting classes in order to inculcate a “conscious” approach to children’s upbringing111. R G A N I f. op. 35. T sA O P IM f. Drunkenness was a frequent theme of neighbourhood disorder narratives115. 4. op. 139. then. O nly if her existing ten children were well brought up should she receive the award for having an eleventh. 1. op. Reid oration of ideology. The presence of unsupervised children in the dvor. it doesn’t matter. Archaeology of Socialism 45-51. This involved usually benign. In such cases. The measure of her maternal heroism should not be her prodigious fertility but the quality of her parenting.

117 “They love our vodka abroad. 119 Susan Costanzo. in particular. Cultural enlightenment: aesthetic education and am ateur creativity To drink away one’s leisure time was. 139. 95. H odnett (ed. 34. d. op.11. . 1962. theatres. 35.). Vysokoe prizvanie litcratury i iskusstva (M os­ cow 1963) 155. in: Canadian Slavonic Papers 36. 5. Sovetskoe iskusstvo obogashchaet dukhovnuiu sokrovishchnitsu vsego chelovechestva. 35. 3-4 (1994) 333-347. provide models of high conduct. nor to good neighbourly relations. S. to discipline parents at party meetings. O n every counter there is above all Stolichnaia. 4. amateur artistic activity blossomed in this period. S. ‘I couldn’t do it’ he replies ‘because dad came home drunk and fought with mum. was supposed to educate the sensibil­ ities. op. But as Khrush­ chev declared. away from the bottle. and aesthetic education was considered no less im­ portant than ethical upbringing. Reviving the spirit of the Prolet- kults (the Proletarian Culture movement) of the 1920s. Amateur orchestras or folk bands. but should become active creators of beauty118. 4. and alongside educational work. They say capitalists buy our vodka and it costs a lot. T he Znanie society for popular enlightenment began courses in aesthetic education around the time of the Party Programme or soon after c. so let’s export it. to call on the government to curb the production and sale of vodka117. This. A Theatre of Their O wn: the Cultural Spaces of Moscow and Leningrad Amateur Studios. 116 T sA O PIM f. Moreover. lls N. involvement in amateur creativity kept people off the streets. and out of trouble. d. 1957-1986. but some social activists felt that it was time to shift to sterner measures: to oblige the party organs. Programme of the CPSU. art appreciation and photography clubs were set up or expanded119. 160-161. But isn’t your father a colonel?’ He answered: ‘it would be better if I didn’t have a father at all!’ And there are so many cases where you ask a pupil why they did not do their homework. art. Cultural enlightenment and moral improvement were not discrete paths toward commu­ nist society. the path to self-destruction and oblivion and not to self-realization and communist consciousness. Hom e and neighbourhood. 139.” T sA O PIM f. op. R G A N I f. Resolutions and Decisions 248 f. In true intelligentsia tradition. 43-4. The residential organizations worked hard to ensure that time off was not squandered but was used for “all-round development”. as the space where most people spend the largest part of their time off work. We w o n ’t talk of removing vodka from sale but it is necessary to reduce it grad­ ually. of course. by means of Central Committee resolutions. alongside other aspects of mass cultural enlightenment. Building U topia in the Back Yard 177 to one Kolia Subbotin ‘look how you behave. Pctrovskaia: they think up different names in order to attract people to this vodka. no. and inculcate moral values. familiarity with the classics of Russian culture. were a key site for such cultural enlightenment work and amateur artistic activity. too.1. in: N. was an im­ portant aspect of the work of the ZhEK and dom kom. Soviet people should not only absorb the aesthetically and morally beautiful through the contemplation of art. Khrushchev.’”116 Lectures were held concerning the harmful effects of alcohol. 34. Khrushhchev . the encounter with great art and literature was sup­ posed to effect moral uplift. O n the contrary. d.

in: ZhK K h. residents contributed to the effort to produce their material environment in accordance with the laws of beauty. 4. but she regretted that it was hard to take them to the Conservatoire or Tret’iakov Gallery. d. supposed to become a site for the production of aesthetic value.”121 In another ZhEK. And great was our joy when we saw boys who had hitherto hung around aimlessly in the dvor sitting properly at the new easels. A representative of a Moscow ZhEK. The 1961 report to the Central Com m ittee cited above notes that the voluntary organization of children’s clubs had had the effect of elimin­ ating instances of children and adolescents being detained by the militia in 1960. O ne hundred and forty people came to the exhibition. 35. 46. The dom kom ’s role in maintaining the aesthetics of the facade by making sure residents did not fill their bal­ conies with junk is discussed in interview. . often in the red corners. Specialists spoke about houseplants’ benefits for health and their aesthetic significance. “Residents want to beautify their everyday surroundings” was the slogan of neighbourhood cam­ paigns120. 34. Such cultural work could even help to re-educate former hooligans.178 Susan E. With a few plants we were able to unite the residents. d. One ZhEK organized an exhibition of houseplants: “Even we didn’t ex­ pect it to play such a big role. 5. Participating in such campaigns.g. was the essence of unalienated. Efforts to surround oneself with beauty included the blagoustroistvo campaigns to landscape and plant the yard. although she was modest: “O ur experience is worth looking at. collect books for the library. 4 (1959) 20-21. 95. reporting to a meeting to exchange best practice. conventional gender roles were among the norms of social behaviour into which amateur cultural production socialized young people. no. 4. 35. op. R G A N I f. and work on ordering the appearance of facades by having balconies cleared of rubbish and planted with flowers. op. In the evening a concert was held. 1. find teachers of English. Z. Cultural enlightenment and amateur creativity were fostered by the ZhEK and domkom. But we did not give up. Kaluga 2006. 121 T sA O P IM f. They enjoyed taking part.1.51. That day the population had an especially festive mood. for Marx. which. 1. It was vital to develop resi­ dents’ desire to read books. Archival reports on the activities of other ZhEKs around 1961 depict similar scenes of a population eagerly involved in self-improvement and in local commu­ nity life.” Such comments as “down with paper flowers!” indicated that viewers had appropriated the prescriptions of good taste widely disseminated 120 There were many articles on blagoustroistvo greening and landscaping campaigns in Z hK K h e.we had to fight for a room. N ot only the domestic interior but also the common space around the apartment was to be the object of aesthetic attention. alongside the workplace. she said. 139.41. Lysov. where needlework. 139. “It was hard . stressed the social-educational importance of cultural enlightenment work po mestu zh itel’stva. 122 T sA O P IM f. Reid The place of residence was. IMA. beg the joiner to make easels for the artists in his free time. d. op. and girls at their embroidery frames!”122 As this indi­ cates. truly human labour. Preobrazhennyi dvor. fine art and English language clubs and a house library were set up. not that we can claim to have transformed anyone from bandit into non-bandit.

139. 139. nor exemplify the centralized state’s micromanagement of localities and everyday life. 35. T sA O P IM f. There. for the red corner. 8-12. a photographic circle led by Komsomol members from Mosfil’m (the Moscow State Film Studio). Space and Resources . O n neighbourhood clubs and universities of cul­ ture. 35. 16. 4. In another ZhEK. and men with w ood and metal. . they also sought to engage them in ac­ tivities associated with the home. ways of mitigating the 123 T sA O P IM f.e. such as the elderly. and single men. especially in the Brezhnev era. mass enlightenment and productive leisure to promote such ventures. 4. 12. they had de­ cided to set up a “house university of culture” (dom ovyi universitet k u l’tury). 124 T sA O P IM f. young mothers. but there were 150-170 at each lesson. See also Kelly on efforts to engage men with domesticity. sideboards. aesthetics. 34 d. 8-12. no doubt. 5 op. 35. i.11. etc. 5 op. The members got so keen that they began to spend all their free time there125. the secretary of its party bureau reported. Follow­ ing this successful event it was planned to hold an exhibition of amateur artists liv­ ing in the territory of the ZhEK and an exhibition of the work of a carpentry club123. op. reiterated in the talks given at the exhibition. 11. Refining Russia: Advice Literature. d. 4. see R G A N I f. a baian ensemble.Human and Material While the activists invoked valorized concepts of socialist community. Rather. In one ZhEK they included a radio club where one could make one’s own receiver.11. Building U topia in the Back Yard 179 in the media and. 95. 34. and a carpentry club for adults. Activities included amateur con­ certs and lectures on themes such as “how we will live in 1965” (that is on comple­ tion of the Seven-Year Plan). each member began with repairing his furniture. N ot only did they keep them away from the bottle. the activities of dom kom and other local voluntary organizations the ZhEK was supposed to coordinate were. “Thus the circle distracted people from useless ways of spending time and they found new interest in working not only for themselves but also for the common good. TV tables. and then moved on to making more complex items such as bookshelves. d.11. seeking to integrate into the microsociety of the neighbour­ hood people who might otherwise be isolated. their activ­ ities do not in any straightforward way constitute the realization of a master plan.”124 Clubs aimed at various groups and constituencies among the residents. literature and art. 4. bedside cabinets. d. 139. Polite Culture. 12. which opened in 1959 with the aim to “raise the cultural level” of the population. 127 W omen mainly worked with fabrics and fibres. to a large extent. to acquaint them with music. op. 36-54.”126 Such clubs particularly aimed to attract men.11. 35. 125 T sA O P IM f. “We were afraid people wouldn’t come. Catriona Kelly. including f. fostering a pride in creating something for their domestic space or for the neighbourhood127. op. 139. making small things such as shelves. and Gender from Catherine to Yeltsin (Oxford 2001). op. d. kitchen tables.

1. and this often entailed a struggle for what they believed must be done. 139.000 rubles. d. the organizers were often overstretched and under-resourced.1.” They had wanted to equip a cinema studio from Mosfil’m but this would cost 10. nor does it fit a model of passive conformity to ex­ ternally prescribed behaviour. central manipulative state.180 Susan E. 35. dedication and commitment to an ideal that was involved in get­ ting neighbourhood initiatives under way and sustaining them. 17. However. and however promising in terms of establishing the communist way of life. d. and of a grass-roots urge to make life better. but he reinscribed it into the model of an all-powerful. for example.000 rubles or 145 human souls? We could have drawn 145 people away from bars and streets. To get space or resources assigned. Reid shortfalls of state provision and compensating for oversights of planning. as above. 35. op. But local projects were not automatically or universally accorded the recognition or priority resources their initiators might think that. This was anything but a path of least resistance. to see the mobi­ lization of citizens’ voluntary activity solely as cynical economies and exploitation is to ignore the utopian impulse of the Khrushchev era. The need for spaces to gather individual residents and construct them into a community was not a new problem. 17. 130 Costanzo. 129 T sA O P IM f. the dom kom and other social organizations had to turn to the ZhEK. this consisted of both the commitment within the leadership to the ideal of the “all people’s state” and a self regulating society. It is all a matter of money. but they were not necessarily coterminous. This element of compensation was noted by Friedgut. However well meaning and high minded the kind of activities we have de­ scribed were. treating it as a cynical ploy to offload financial and labour burdens onto citizens128. they deserved. It had already been raised. A Moscow ZhEK party secretary complained: “But we also have red corners in cellars with no light or furniture. at the 128 Theodore Friedgut. archival sources (as well as some discussions in the press) also contain tales of initiatives frustrated by lack of suitable premises such as the one above131. While the press is full of celebratory narratives of popular initiatives being met and facilitated by the authorities. Political Participation in the USSR. 131 T sA O P IM f. op. 4. the allocation or withholding of physical space was a powerful means of social and cultural control. as Susan Costanzo has discussed in relation to ama­ teur theatres130. local responses to local circumstances and everyday needs.”129 The effort to conduct such work with the local population and to build a sense of comm u­ nity was also a problem of spatial priorities. A Theatre of their O w n 333-347. In conditions where built space was at a premium. “What is more important: 10. It is in regard to the struggles for support and resources that we can best see the level of personal energy. 4. The latter set of ideals may have overlapped and shared terms with the former. as essential building blocks of the larger national project of saving souls and building comm u­ nism. 139. and while inter­ views also indicate that the ZhEK could be supportive. they were ad hoe. .

because they had been overlooked by the archi­ tects and planners. 37-38. As the discussion concerning local leisure facilities above indicated. workers of the district party committee. on one hand. In response to a sociological questionnaire about leisure. Chetyre zhizni 442. in the new apartment houses.hooligans. At the same time. to give lectures at “people’s universities” and red corners in unheated basements in outlying regions of the city. money and equipment.” There were only cellars.”132 The provision of public spaces for sanctioned gatherings had grown worse not better in the new housing regions. noted the Moscow teacher cited above: “But the new housing stock is a disaster. op. and a festival participant to come.obshchestvennost’) it was necessary to find legit­ imate public spaces . even in Moscow. The housing does not have rooms that can be converted into red corners.red corners or meeting rooms . local initiatives also required human resources to carry them through. 135 Filtzer. 357. op. d. make clear the link between the ordering of space and the organization of people. to organize the population. d. In addition to space. in a cold climate.”133 These tales of woe. these problems also exemplify the contradictions.especially those with needed skills . We also try to get mums and dads to offer their >52 TsG A LI SPb f. 32. a cor­ respondent of Komsomol’skaia. vagrants. 32. “It is incomprehensible why.1. It was the local organizations working “po mestu zhitel’s tva ” that had to address this gap. where the need for red corners to conduct work with the population was discussed. II.in addition to the demands of the workplace and the sheer arduousness of everyday existence135. 341. 341. . To organize residents of a block or uchas- tok into a public (community . pravda. however. unpaid. Standard of Living 81-102. d. between central planning and what was needed on the ground to build utopia. This absence was seen to leave elements of the population “unorganized” . but it was impossible to attract people to those. Building U topia in the Back Yard 181 meeting in Leningrad between architects and workers in 1953 cited near the be­ ginning of this paper. 133 T sA O P IM f.in which to gather them to­ gether. In the absence of appropriate. 139. 35. 136 G rushin. op. warm and inviting spaces it was very difficult. they still do not plan for rooms for red corners and such rooms where one can invite people and where it is pleasant to sit. This was not just a matter of individual citi­ zenship and registered zhilploshchad’. 1. adequately large. 4. a village school teacher complained that he was overburdened and pulled in all directions by multiple community obligations at the expense of his private life136. to find people to give up their time. “But where is it to be done with the unorganized popu­ lation? It is necessary to plan for premises where one can undertake this w ork. for there were so many calls on people’s time . in the Khrushchev era. Being reliant on unpaid voluntary work could present problems. it could be hard.1. 357. or homeless children134. 1. “With great effort we got a television presenter. 134 TsG A LI SPb f.

which ceased remunerating its lecturers at this time and went over to a system of voluntary contributions. . or co-opted. the people who run par­ ent and toddler groups or who give up their Saturdays to coach children’s football teams. 40-41. but not necessarily defined by it. 139. One place to start would be a comparative look at voluntary activities that are fundamental to civil society elsewhere. This complex relationship . This problem is also evident in archived discussions of the popular enlightenment society Znanie. But their utopia did not necessary look identical to that envisaged by Khrushchev and his ideologues. It may. in spite of planners’ neglect and lack of resources? Can the dedication and persistence this entailed be explained solely in terms of compulsion or compliance? We do not need to resort to a notion of an exceptional. reworked. 5. Everything Was Forever 32. emphasis added. to make one’s voice heard and one’s will felt. R G A N I t. “totalitarian” Soviet state. d. 95.a rev­ olutionary of 1917. Reid services. 4.”137 What drove those people who initiated and got involved in voluntary schemes. 35. additionally. of course. in contemporary Britain. We found that in one family there was a city-level propagandist . a way to take control over one’s immediate circumstances and make a differ­ ence. and forms of living that were enabled by authoritative discourse. as Hough and Fainsod indi­ cate. and commitment to make life better. And we should not. . 1. op.11. Field. in which people were forced into supposedly voluntary activities through fear and conformism. d. The party’s high flown rhetoric and future-oriented ideals could be appropriated in terms of a personal ideal of good neighbourliness. op. not only for themselves but for those around. Much work remains to be done on popular participation in the Soviet Union from the point of view of agency and motivation. social conscience. Gosudarstrennyi arkhiv Rossiiskoi Federatsii (GARF) f. identities. micro-utopias reproduced. Private Life. 138 Interview with IMA. for example. 139 Yurchak. It was also. on their 137 T sA O P IM f. Kaluga 2006. in order to find ex­ planations. such as. while at the same time interpreting them in new terms that were not necessarily anticipated by the state - thus avoiding many of the system’s limitations and forms of controls. complete with fir tree and Grandfather Frost138. allowed them to maintain an affinity for the many aesthetic possibilities and ethical values of socialism.and to do all this against the odds. 9547. humanity.182 Susan E. discount the sense of duty enthusiasm and commitment to public ideals as articulated by the party. who gave up their time to plant shrubs in the shared yard or to run activities to keep children off the streets. or who provided breakfasts to those whose homes failed them . Alexei Yurchak argues of a later generation (specifically urban intelligentsia) that they “became actively engaged in creating various new pursuits. community. Involvement in the dom kom or other social organizations provided an avenue to a certain status and power within the neighbourhood. and not in the dis­ tant future but now: to organize a N ew Year’s party for the neighbourhood children. 34.” 139 We need to consider how local. op. have given lonely people company and a sense of being needed. . and this may be what ap­ pealed to many and kept them involved. for example.

residents’ discussions. even if other types of sources are required to measure this against practice142. as claims for the restoration of “Leninist principles” indicate. . might represent the micro-functioning of [proto-] democratic decision-making institutions. 14. Nash zhiloi dom. it is hard to see how these institutions could function solely on the basis of coercion or even of moral obligation. whose youth had coincided with the years of revolution and the cultural revolution of the first five year plan. especially the widespread in­ volvement of pensioners. Soviet Grassroots. tells us something about the ideal way in which socialist democracy was supposed to function. 1+1 N o r should we overstate the apathy of the Brezhnev era. to construct the communism they were promised. esp. on their own terms. Hough and Fainsod . The Soviet Union Since Stalin (Bloomington 1986) 179-199. where proposals are put forward. the official utopia of the party-state: how the people who got involved and devoted their time and energy to it did so for their own ends. The “N ew Soviet M an” Turns Pessimist. simply because history proved them wrong. Alexander Rabinowitch and Robert Sharlet (eds. elaborated and voted upon. the utopianism and ideological reinvigoration of the Khrushchev era drew extensively on the campaigns of the 1920s although they did not exactly replicate them. not necessarily coincident with those of the regime. H ough and Fainsod argue. in: Stephen Cohen. Should we reject without further evidence to the contrary (perpetuating assumptions based in Cold-War. the possibility that ordinary people tried to "make fairy tales come true” in their own lives. Looking at reports from ZhEKs and domkoms. 302. was an avenue for citizen participation m decision-making “ much more w ide­ spread than the earlier images of an ‘atomized society’ suggested”. and the constitutional structure and grass roots nature of the elected dom kom . Building U topia in the Back Yard 183 own terms. anti-communist ideology). either among the leadership or at the level of the activists on the ground. nor should the hindsight of the Soviet Union’s ultimate collapse occlude the complexities and possibilities of the late 1950s and early 1960s140. on “citizen com petency”. C an we assume that all the 31 million people involved in local organizations of public self-administration in 1976 were simply going through the motions? Such participation in social organizations. Although published accounts clearly have to be taken with a large pinch of salt. 285. H o w the Soviet Union Is Governed 299. We cannot dismiss a priori the level of conviction and commitment to achieving the speedy transition to commu­ nism. on a small scale.3 p or ordinary people learning the procedures of democracy see H ahn. 14. We should be careful not to read back into this period the jaded attitudes and apathy that are now routinely taken to sum up the later.). in their own immediate lo­ cality and social environment? Should we not entertain the possibility that local initiatives. and Friedgut. The demographics of obshcbestvennost’. may partly account tor this zeal. indeed the incubator of future “socialist democracy”143? 140 John Bushnell.Nazarov. discussed. Political Participation. Brezhnev era. political orthodoxy or passive acquies­ cence141. their emphasis on a kind of elementary democratic process.

Reid The ZhEK and dom kom may well have been intended as an instrument of micromanagement of everyday life. This focused in part on furnishing people’s material needs: providing them with housing through the mass construction of standard blocks of small. one-family apartments in new microregions that mushroomed on the edges of Soviet cities in the late 1950s. that of housing manage­ ment. have turned into perfectly functioning enclaves of the new communist society. or by which it was attempted to introduce normative behaviour and aesthetics into neighbourly re­ lations and everyday material practices. living in the communist way. by attending to what these organizations enabled and produced. the house committee or dom ­ kom. however. however. Residential neighbour­ hoods were to become enclaves of perfection. which would in future character­ ize communist society as a whole. this emerges strongly from oral history inter­ views conducted lor “Everyday Aesthetics in the M odern Soviet Flat”. The chapter argues that they 144 Even allowing for an element of nostalgia. there is same evidence that the ZhEK and dom kom together provided the glue to bind individuals or households together into a community144. It balances this aspect.apartment. . Summary In the Khrushchev-era Soviet Union. the other representing citizens. Neigh­ bourhoods may never. But it also included concern with the quality of life and social relations in these residential spaces. and the role of two linked bodies which were together charged with bring­ ing about the communist way of life in the early 1960s: one a professional admin­ istration. If we focus. and role in sub­ jection and keeping tabs on people. they also represented an element of local initiative. where the exemplary social re­ lations of ‘socialist community’ [obshchezhitie]. were already practiced in microcosm. on what they pro­ duced rather than what they prevented.184 Susan E. But the activities of the individuals and organizations involved in neighbourhood relations in this period were driven by their own commitment to building utopia in the back yard. an enclave within which to practice. A close link was assumed between the ordering of space and the organization of people.was the pri­ mary space where becoming a communist person began. the housing management office or ZhEK. as Friedgut put it. the place of residence . It considers the ZhEK and dom kom ’s notorious role in maintaining order - moral and material . on a small scale. The chapter examines the most local level of government. in the end. and with home and neighbourhood as the nursery of the new communist society. elected ‘social’ organization. “by which control is extended down to the level of every Soviet citizen in his home”. domestic space and home life became a locus of intensive public attention. a voluntary.their invasiveness in people’s domestic lives. “people power”. and “socialist democracy” in practice. neighbourhood . as envisaged by party ideologues. N o less than the workplace. To whatever limited extent. dvor.

if only for a short period ca. Moreover. they were driven by a commitment to building utopia in the back yard and there is some evidence that residents rallied around them and the tasks of building community in the new neighbourhoods. Being an ear on the ground. the dom kom. urbanization and dislocation in people’s way of life. providing the cement that kept Soviet society together at a time of rapid modernization. . in particular. 1959-1962. was not only a means of surveillance but was responsive to pressure from below and attended to the minutiae of life that were neglected by hypercentralized planning. Building U topia in the Back Yard 185 played a vital function in simply making everyday life liveable and community possible.

.

so Dobrenko. sondern sich im Wesentlichen unter sowjeti­ scher Herrschaft vollzog. Und noch weniger bekannt ist. Eines davon waren die Repräsentationen der Regionen und Republiken auf der Allunions-Landwirtschaftsausstellung (mithin also eigentlich wiederum nur ein Teil des Zentrums).“ 1 Angesichts der bekannten Zeitumstände mutet dies zunächst ziemlich merkwür­ dig an. anders kann man die Heilstätten hier gar nicht bezeichnen. die mit Bildquellen arbeitete. das andere die Kur. In kurzer Zeit entstanden herrliche Paläste der Gesundheit. Sochi. Christian Noack „Andere Räume“ . Soviet Health Resorts.eben die „Kavkazkaja riv’era“. Kurorte in der UdSSR (Moskva 1987) 22 . dass Sotschis Aufstieg als Badeort.und eine landschaftlich oder ethnisch markierte Peripherie. Gegen Ende der dreißiger Jahre blie­ ben.Moskau . . Sotschi war wie die Giganten der Schwerindustrie ein Schwerpunktvorhaben. der Inbegriff von Urlaub und südli­ cher Exotik . die nun zur Ukraine zählt. „nur zwei Gesichter des Landes außerhalb von Moskau üb­ rig“. K urorty SSSR. wobei in den dreißiger Jahren vor allem der ethnische Faktor zurücktrat.sowjetische Kurorte als Heterotopien Das Beispiel Sotschi Bekanntlich ist Sotschi heute der größte und bekannteste russische Badeort und neben der Krim. Jahrhunderts begann.und Badeorte des Landes. dass Sotschi in den drei­ ßiger Jahren neben den Industriegiganten zu den Prestigeprojekten Stalins zählte: „Im Jahr 1934 wurde der Generalplan der R ekonstruktion und des Ausbaus der Stadt bestä­ tigt. Vor allem die Briefmarkenserien „Ansichten des Kaukasus und der Krim“ von 1938 und die „Kurorte der UdSSR“ von 1939 „markierten endgültig die sowjetische Sicht auf 1 Soci. auf die spezifische Positio­ nierung der Kurorte in der Konstruktion des sozialen Raumes in der Sowjetunion aufmerksam zu machen. das Badehaus von Mazesta und eine Vielzahl von kommunalen Einrichtungen. So verzeichnete Evgeny Dobrenko in seiner ikonografi- schen Analyse der sowjetischen Briefmarken zunächst eine zunehmende visuelle Reduktion des Raumes auf ein dominierendes Zentrum . etwa im Unterschied zu Jalta. Sotschi. vor allem derjenigen. überlassen. Weniger bekannt ist. In der Tat blieb es der jüngeren kulturgeschichtlichen Forschung. nicht schon in den sechziger Jahren des 19. Die be­ sten Architekten des Landes wurden zum Ausbau der Stadt herangezogen.

it was space for private leisure. die Platzierungen definieren.. The Landscape of Stalinism: the Art and Ideology of Soviet Space (Seattle 2003) 163-200. son­ dern eine „Gemengelage von Beziehungen. in the fantasy world of Soviet advertising. 3 Randi Cox. erst in den dreißiger Jahren zum Prestigeprojekt stalinistischen Aufbaus wurde und seitdem symbolisch wie praktisch der Kur. hier 172-174. . hier 152-154. dass Parks und Kurorte zunehmend visuell zum Ge­ genbild der Städte wurden. not a place to live . All this can be yours! Soviet Commercial Advertising and the Social C o n ­ struction of Space.. Auch Randi Cox.die Hauptstadt und die Pavillons des Landes“2. Nature. die sich mit sowjetischer Werbegraphik der dreißiger Jahre auseinandersetzte. wie gesagt.und Ferienort N um m er eins für die Sowjetunion und ihre Nachfolgestaaten geblieben ist. womit man von 2 Evgeny Dobrenko. während das Dorf diese Rolle einbüßte: „The countryside became a place to go. Foucaults „Heterotopien“ Zunächst eine knappe Zusammenfassung der Überlegungen Foucaults zu „Hete­ rotopien“: In einem 1968 entstanden Radioessay skizziert Foucault seinen Ansatz zur Untersuchung des Wechselverhältnisses von gesellschaftlichen Dispositionen und Raum. was man durchquert. die nicht aufeinander zurückzuführen und miteinander zu vereinen sind“. in: Dobrenko. Naim an.). denn er ist etwas. ur- baner Raum und Freizeitraum repräsentieren. Landscapes of Stalinism 125-162. The Cultural Topography of the Stalin Era. 1928-1956. was not not a place to be conquered in the name of building socialism. The Art of Social Navigation.188 C hristian N o a ck den Raum im Medium der Briefmarke . in: Evgeny Dobrenko. etwas.Kurort bzw. Forschungs­ praktisch ließen sich „Beschreibungen dieser verschiedenen Plazierungen versu­ chen. Foucault selbst führt ein Beispiel aus dem Bereich des Verkehrs an. die die Relation Moskau . etwa den Zug als „Be­ ziehungsbündel. in dem wir leben“ kein leeres Konti­ nuum. fiel auf. Zumal dieser die eher proble­ matische These einer Substitution (des Dorfes) zurücktreten lässt hinter der Frage nach den funktionalen Dimensionen. da es. hier den He- terotopiebegriff Foucaults in Anschlag zu bringen. Dabei möchte ich erstens die Aus­ gangsbedingungen für die Hochzeit des Stalinismus während der dreißiger Jahre in den Blick nehmen und zweitens mögliche Weiterentwicklungen und Verände­ rungen für die poststalinistische späte Sowjetunion verfolgen. Nach Foucault ist der „Raum. Als empirisches Untersuchungsobjekt bietet sich dabei Sotschi besonders an.“3 Ausgehend vom Befund einer spezifischen Positionierung der sowjetischen Kur­ orte im sozialen Raum des Stalinismus erscheint es mir verlockend. innerhalb dessen man Individuen und Dinge „einfach situieren kann“. indem man das sie definierende Relationen-Ensemble aufsucht“. Eric Naim an (Hrsg.

Andere Räume 15. [. 4-15. wirksame Orte. 10. In diesem Modell ver­ weisen das übermächtige Zentrum (Moskau) und die Großbaustellen im Lande 4 Michel Foucault. was selber passiert“. bestritten und gewendet sind“ . tatsächlich realisierte Utopien.a. Diese für alle Gesellschaften angenommenen „anderen O rte“ nennt Foucault Heterotopien und schlägt ihre systematische Beschreibung vor. hier 6. Nehmen wir das Beispiel Sotschi. nämlich Utopien. 5 Ebd.N . Andere Räume. und verweist auf die Möglichkeit die „provisorischen Halteplätze zu definieren“4. 13.) ist. der den gesamten Realraum. in: Zeitmitschrift (ästhetik und politik) Nr. so sorgfältig. einen anderen wirklichen Raum.. 8 Ebd. neu­ tralisieren oder um kehren“5. H ervorhebungen C. „die die sonderbare Eigenschaft haben. in die das menschliche Leben gesperrt ist. H ervorhebungen C. 11.. Im vorliegenden Text erwähnt er jedoch gleichfalls die „Erholungsheime“. u. Bekanntlich sind diese Orte für Foucault vor allem Kliniken und Gefängnisse ge­ wesen. „Feriendörfer“ und bestimmte Reiseformen wie die Hochzeitsreise8. welche sich im Verhältnis zur Gesell­ schaft und inmitten ihrer menschlichen Umwelt in einem Krisenzustand befin­ den“. die in die Einrichtung der Gesellschaft hineingezeichnet sind. „A ndere R ä u m e “ 189 einem Punkt zum anderen gelangen kann. als noch illusorischer denunziert. und jene „wirklichen Orte. in denen die wirklichen Plätze innerhalb der Kultur gleichzeitig repräsentiert. . Metro usw. „Entweder haben sie [die Heterotopien] einen Illusionsraum zu schaffen. oder zumindest deren Verhalten abweichend ist im Verhältnis zur Norm. 9.] O der man schafft einen anderen Raum. sich auf alle anderen Plazierungen zu beziehen. sozusagen als Gegenplatzierungen oder Widerlager. Letztlich galt Foucaults Interesse aber jenen Plazierungen. 1/1990. 11.N . Sotschi als Heterotop In der Tat läßt sich die „Lage“ des sowjetischen Kurorts in der sozialen Geogra­ phie des Stalinismus mit dem Foucaultschen Modell der Heterotopie ausgezeich­ net fassen. alle Plazierungen. so wohlgeordnet ist wie der unsere ungeordnet. der so vollkommen. „also Plazierungen ohne wirklichen O rt“. dass sie die von diesen Bezeichneten oder reflektierten Verhältnisse suspendieren. da sie über ihre Plazierungen und Funktionen bestimmte Rückschlüsse auf die jeweiligen Gesell­ schaften gestatten6. Foucault unterscheidet zwei Typen solcher Plazie­ rungen. 6 Ebd. und etwas. aber so. Brjansk. mißraten und wirr ist. die Individuen Vorbehalten sind. 10. 7 Foucault.) und der Peripherie (Magnitogorsk. welches eben einerseits Teil des Pro­ gramms gebauter Utopien (damit Heterotopien) in Moskau (Generalplan.“7 Dabei handelt es sich für Foucault um „privilegierte oder geheiligte oder verbo­ tene Orte.

Merzanov das Sanatorium des V erteid ig u n g sm in isteriu m s (1931 33 mit Standseilbahn). Kuznecov das Sanatorium „imem Ordzomkidze 1 mit Innendekor der Volkskünstler aus Palech sowie einer untemdischen S an ^ Seilbahn . in: V oprosy kurortologii. Duskin. Für Foucault durchbrechen nämlich die Heterotopien die ’ Ü berblick bei A. In Sotschi wird dies schon in der formalen Gestaltung deut­ lich: Die Großprojekte der dreißiger Jahre werden samt und sondeis von den tu renden Moskauer Architekten gestaltet..N.“ 11 Vermittels einer Überbauung der schluchtartigen Bach. A.Metro! . M. In Sotschi . 5. und die ah. K. 4 / . wobei hier zum Teil auf Parkanlagen zugegriffen werden konnte. Cernopjatov 1939 das Theater (mit S p turen von Vera Muchina)9. die von Privatleuten vor der Revolution angelegt worden waren. P. I.M-Sanatouen u m gebaut. . Andere städtische Landmai- ken wie der Bahnhof (von A. Kastanien und E u k a l y p t .zu Ende der dreißiger Jahre nicht viel mehr als eine sumpfige pen- phere Kleinstadt mit ca. erst kürzlich von der Malaria befreit. Bol soj kamennyj most in Moskau) wurde die D u r c h d r i n g u n g beider Aspekte versinnbildlich Darüber hinaus läßt sich für Sotschi auch ein b e s o n d e r e s Verhältnis im Zeit­ lichkeit konstatieren. A n­ derseits übernahm man die aristokratischen und bürgerlichen ta ltionen in un ausländischer Kurorte und inszenierte Sotschi als subtropische Park. Vesnin das Sanatorium „Gornyj vozduch (1 . wurde einerseits Großstadtflair mi breiten Prospekten und Plätzen heraufbeschworen. A. und L. Bonsov. Ein d«e Stadt erst unter sowjetischer H e rrsc h a ft. »Die Park-Stadt Sotschi ist der größte Kurort unseres Landes. Es’kov die Sanatorien „Zolotoj ko os (1933-35) und „Pravda“ (1936). .. Magnolien. Scusev baut das „Institut kurottologu 1 hzio terapii" (1931). I. wie die Kastanien und a - men der Riviera oder die Eukalyptusbäume Australiens. K urort Soci-M acesta k 40-letiju veHkogo oktjabrja. welche die Neubauten der sowjetischen H auptstadt entworfen hatten: A. Andere Räume 12. Architekt von M o s k a u e r Metrostationen und des Detskij Mir) sowie der Passagierhafen folgten m der Nachkriegszeit. c Das Beispiel Sotschi v erd eu tlich t zu d e m eine w eite re Eigenschaft d ie Poucat t d e n H e te ro to p ie n zu sch reib t: Sie v erm ö g en an einem einzig en rt m e rei Räume. die an sich u n v erein b ar sin . gcograficeskoj hteratury (1959) . dem Sowjetbürger unzugängliche oder höchstens itera- nsch präsente Landschaften gelesen werden können. . 70000 Einwohnern und.und Garten­ stadt.190 C hristian N o a e k direkt aufeinander. „ r oße Platzen und m den G ärten der Stadt finden sieh Palmen.u n d Flusslaufe im Stadt­ gebiet mit großartigen Viadukten (u. wie sowjetische Reiseführer tonen. . I. P.V.a. .V.. . Alle Sanatorien befinden sich in schönen Paiks. den Überfluss exotischer Pflanzen zu feiern die duichaus a Verweise auf konkrete. Sowjetische Reisefuhrei werden nicht müde. Moskva: Gos. vom Architekten d. . Sovetskie subtropiki. D. mehrere Plazierungen z u sam m en zu leg en . te i h Pr!flanzt Auf den gwtralen der Stadt sind mit Platanen. Izd. Foucault. Von 58 Sanatorien des K-a c m den 50 erst in den Jahren der Sowjetherrschaft. S. Oleander und grolSe Blumenbeete mit südlichen Pflanzen... fizioterapii i leeebnoj fiziceskoj kul tury (1 )57) Ni.zum Strand. A.

der Kurort alten Stils als prächtiger Gegenentwurf zur „normalen“ Arbeitswelt 12 Foucault. Kozlov. 6. konservierte das sowjetische Heterotop „Kurort" gleichsam das gesamte aristokratisch-bür­ gerliche Erbe und definierte es geradezu zum Kern des Erholungserlebnisses um. Schon im Dekret über die Kurorte der Krim von Dezember 1920 hatte es gehei­ ßen. D er Delegierte Mogilevic brachte diese Einstellung 1924 auf dem Fünften Gesamt-russischen Kongress der Gesundheitsverwaltung knapp auf den Punkt. . Im Kurort im Allgemeinen und in Sotschi im Besonderen lässt sich dies auf mehreren Ebenen feststellen. rechtzeitige und richtig organisierte Erholung. 14 Dies konnte allerdings auch wieder durch die Vergabe von Berechtigungsscheinen über zentrale Gewerkschaftsorgane aufgebrochen werden. einmal absieht. in dem man unter Stalin ideologisch bewusst mit dem bürgerlichen Erbe zu brechen suchte und einen „proletarischen“ Tourismus als Gegenentwurf kreierte. ansonsten wurde der sowjetische Kurort als Phantasie­ raum und Auszeit entworfen. „A ndere R ä u m e “ 191 lineare Ordnung der Zeit und werden in einer symmetrischen Begriffskonstruk­ tion zu „Heterochronien“. Hier war nicht die Rede davon. t. 16 Abgedruckt in /. 15 Im Sinne der traditionellen Differenzierung von Tourismus als aktive Bewegung oder zu ­ mindest Rundreise im Gegensatz zum stationären „Erholungs“-Urlaub. . 31 (Moskva 1955) 383-384.vermutlich unbewusst . etwa für Teeanbau. hier 554.“ Zitiert nach E. /. dass Heterotopien „ihr volles Funk­ tionieren erst erreichen.und Er­ holungsheime präsent14. die Paläste der ehemaligen Zaren und Großfürsten sollen als Sanatorien und K urorte für Arbeiter und Bauern genutzt w erden“ 16. iskljucitel’no rem ont zdorovja trudjascichsja. als er formulierte: „zadaca kur- ortov .eto ne izvlecenie pribylej.“ 13 In der Tat wies und weist Sotschi kaum produzierendes Gewerbe auf. Vielmehr wurde . 13 Bol’saja Sovetskaja Enciklopedija. die früher von den G roßgrundbesitzern und Kapi­ talisten genutzt w orden waren. Foucault betont. Andere Räume 13. fizioterapii i lecebnoj fiziceskoj kuFtury (1962) Nr. D. wenn die Menschen mit ihrer herkömmlichen Zeit bre­ chen“ 12. dass „die prächtigen Ferienhäuser und Villen. wenn man von der für die Versorgung des Kurorts notwendigen Lebensmittelproduktion und den „Versuchsfarmen“. Letztere wurden übrigens. vtoroe izdanie. Zum einen fallen hier zeitlich gesehen die Sphä­ ren von Arbeit und Erholung auseinander. sind wichtige und unumgängliche Voraussetzung für die Steigerung und Erhaltung der Arbeitsfä­ higkeit des Menschen.. Zitat 383.. in einer gewissen Analogie zur postindustriellen Museifizierung von Arbeit als Sehenswürdigkeiten für die Besucher inszeniert. dass Arbeitern und Bauern eine spezifische. Anders als im Tourismusbereich15. in: Voprosy kurortologii. 553-554. Gribanov . sow­ jetische Variante von Erholung zustand. Lenin i razvitie sanatorno-kurortnogo dela v SSSR (Moskva 1982) 24-25 (Faksimile) und 27-28. die im sowjetischen Gesundheitsdis­ kurs immer als komplementär begriffen werden: „Arbeit lind Erholung sind die beiden Seiten der üblichen Tätigkeit eines hoch organisierten tierischen Organismus. Die Alltagswelt war vielleicht noch in Form der branchenspezifischen Zugehörigkeit der Kur. R ol’ vserussijskich zdravotdelov v stanovlenii i razvitii kurortnogo dela v SSSR (1917-1925). ausreichende. Zitat 27.

In diesem Sinne überschnitten sich in der „Auszeit“ der Kurorte utopi­ sche Zukunftsentwürfe sowjetischer Urbanität mit imperialer Vergangenheit. Nevraev. Cox. O der eben neu inszeniert im Stalin-Barock der Neubauten.genannt w urden17. . aber vor allem der Benennung des 1903 als Hotel mit Badebetrieb gegründeten Sa­ natoriums „Kavkaskaja riv’era“. G. Das Gesamtprogramm der Bildwer­ bung von „Gosstrach“ und „Sberkassa“ spielte dann wohl auch eher die Rolle eines Katalogs von Prämien für politisch angepaßtes Verhalten20. [. das sie gleichzeitig isoliert und durchdringlich macht. wurden einerseits diese wenigen Relikte konserviert und transportiert . De facto ge­ nossen angesichts der bescheidenen Kapazitäten natürlich nur wenige privilegierte Empfänger von putevki einen Kuraufenthalt. Im Allgemeinen ist ein heterotopischer Platz nicht ohne weiteres zugänglich. die Zugänglichkeit der sowjetischen Kurorte auch für die „arbeitenden Schichten“ der Bevölkerung zu betonen19. schreibt Foucault. Am 20-Jahre-Entwicklungsplan Sotschis wurde bis zum Ende der Stalinzeit ge­ baut.plakat. La cote d ’A zur russe (Ri­ viera du Caucase): Voyage en Russie meridionale. Im Unterschied zu anderen Kurorten des Südens hatte die Stadt den Zweiten Weltkrieg als Lazarettort hinter der Front relativ unbeschadet überstanden.„Cöte d ’A zur“ . 1903) (Paris 1908). K urortno-sanatornoe dela v strane sovetov. der eine bedeutende Rolle im stali­ nistischen Belohnungssystem für Anpassung und Aufstieg neuer Eliten spielte. fizioterapii i lecebnoj fiziceskoj kul’tury (1957) Nr. Ein Sparkassen-Plakat von 1949 ist vor diesem Hintergrund schlicht irreführend: Geld spielte bei der Verteilung keine Rolle. 18 Foucault. au Caucase occidental et en Transcaucasie (Mission du gouvernement russe. Vgl. Dort.. Im Übrigen trifft für die sowjetischen Kurorte noch ein weiteres Charakteristi­ kum der Heterotopien Foucaults uneingeschränkt zu. 20 Vgl. 3—13. B S t.. A.ru die diese Plakatserien reproduziert. 5. wo vorrevolutionäre Traditionen nicht oder nur in gerin­ gem Umfang vorhanden waren wie in Sotschi. im U nter­ schied zu kapitalistischen Ländern.besonders augenfällig in der Bausubstanz. Modernisierung und Profanisierung? Sotschi nach Stalin. „setzen immer ein System von Öffnungen und Schließungen voraus. den Verfassungsanspruch der Sowjetbürger auf Erholung und. hier 8.192 C hristian N o a ck festgeschrieben. Andere Räume 14. 19 Vgl. All you can afford! Sowie die Internetseite www. „Die Heterotopien“. die dann gerne auch „Lazurnyj bereg“ . in: Voprosy kur- ortologii. nämlich ihre spezifischen Grenzziehungen gegenüber anderen sozialen Orten. Unter 17 D er Vergleich der Küste u m Sotschi mit der Riviera und der Stadt mit Cannes geht offen­ sichtlich auf den nachmaligen Präsidenten der Französischen Geographischen Gesellschaft und Speläologen Edouard-Alfred Martel (1859-1938) zurück.] Man kann nur mit einer gewissen Erlaubnis und mit der Vollziehung gewisser Gesten eintreten i --! " ls Zeitgenössische und spätere sowjetische Darstellungen werden zwar nicht müde.

vor allem in den sechzi­ ger Jahren.. 3-11. oder man baute. Nevraev. jedenfalls wenn man von der Annexion der bal­ tischen Küsten mit ihrer hoch entwickelten touristischen Infrastruktur einmal absieht. an die chruscevki gemahnende Erholungskomplexe aus vier. fizioterapii i lecebnoj fiziceskoj kul’tury (1960) Nr. nachfolgend. sondern auch zur Ö ffnung einer Schere zwischen der Zahl der Gäste in den Kurorten und den Kapazitäten der K urort-Einrichtungen.bis fünfstöckigen Gebäuden in Fertigbauweise. schließlich veränderten sich in den sechziger Jahre die Entwicklungspla­ nung und. . ver­ gleichbar den Lösungsansätzen für das Wohnungsproblem in den Städten. wie gezeigt. G... 7..und Er­ 21 A.bzw. 97-101... 23 Ebd.. Nevraev. „A ndere R ä u m e “ 193 Chruschtschow begann sich zunächst der Diskurs über Kurorte allmählich zu wandeln. in: Voprosy kurortologii. die Kureinrichtungen den Gesund­ heitsbehörden und Gewerkschaften unterstellt worden. dass jeder Betrieb oder jede Behörde selbst eigene Sanatorien baute . 2. Insgesamt veränderte sich die Geographie des sowjetischen Erho­ lungswesens nur geringfügig. auch in Sotschi. fizioterapii i lecebnoj fiziceskoj kul’tury (1959) Nr. . hier 10-11. Zunächst zum Diskurs. quantitativ aber weniger beeindruckender Ausbau ein. Zudem setzte man auf provisorische Unterbrin­ gung in Zelten und leichten Holzhütten. In der Tat entstanden neue Kurorte abseits der traditionellen Feriengebiete am Schwarzen Meer und der Ostsee. Borisov.. die Tendenz. Ostseeküste) wie auch ihre insgesamt zu geringe Kapazität zunehmend als Problem gesehen und diskutiert: „. nieder.h. zunächst die existie­ renden Kurorte „sowjetisiert“ worden. A..neustannaja zabota kommunisticeskoj partii i sovetskogo pravitel’stva. N ekotorye voprosy razvitija kurortov. Zu Ende der Sowjetepoche verfügte das wichtigste Tourismuszentrum in der UdSSR über mehr als 200 Kur. Unter Stalin waren. Unter Chruschtschow wurden sowohl die räumliche Konzentration der Erholungsstätten (im Kaukasus und an der Schwarzmeer. überwanden die sowjetischen Urlaubs­ und Freizeitplaner schließlich auch den bisherigen naturräumlichen Determinis­ mus: Schließlich hätten „gewaltige Anstrengungen auf dem Gebiet der hydro- geologischen Erforschung des Territoriums der UdSSR ergeben. das Aussehen der Kurorte. N ekotorye voprosy razvitija kurortov v period semiletnogo plana. . 22 Vgl. relativ einfache. führte nicht nur zu gewaltigen Ü bertreibungen (izliscestva) in Architektur und Ausführung. in einer Verbilligung und Industrialisierung beim Bau von Kureinrichtungen gesehen22. dass diese oder jene Mineralwasser an praktisch jedem Punkt unseres Landes“ erbohrt wer­ den könnten23.“21 Eine Lösung wurde in der Schaffung und dem forcierten Ausbau von N aherho­ lungsgebieten in Reichweite der industriellen Ballungsgebiete einerseits. Der Trend zur „Fordisie- rung“ des sowjetischen Sozialtourismus schlug sich in einer erheblichen Auswei­ tung der Kapazitäten. und. wie es etwa in der Neulandkampagne zum Ausdruck kam. Borisov. d. in: Voprosy kurortologii. In Analogie zum neuen utilitaristischen Raumnutzungskonzept. O chrana zd orov’ja naselenija SSSR . D. 1. In den dreißiger Jahren setzte dann ein formal imposanter.

da inzwischen . Für mich vollzieht sich damit zumindest ein partieller Wandel in der Konstruk­ tion des Heterotops „Kurorte“: Hatte der Stalinismus die vorrevolutionären in­ ternationalen Traditionen der Kur. Im Industrie. während etwa in Adler Pensionen und Erholungsheime für Familien und in Da- gomys Hotels und Motels für Autotouristen entstanden. Gesamtstaatliche Bedeu­ tung. das heißt sowjetisiert. Oppengejm. 5. jährlich etwa zwei Mil­ lionen. ohne die Spezifika der letzteren in Betracht zu zie­ hen? .h. in: Zeitschrift für Wirtschaftsgeo­ graphie 30 (1986) Nr. fizioterapii i lecebnoj fiziceskoj kul’tury (1966) Nr. M. 1. A ber die M ethoden in ihrer Gesamtheit auf den Bau von Kurorten zu übertragen. einen deutlich besseren Eindruck hinterlassen als die grauen. Sanatorien und Erholungs­ einrichtungen in der Sowjetunion einander völlig gleichen? . sondern in den 1961 unter dem Namen „Groß-Sotschi“ einge­ meindeten Nachbarorten an der Küste. also vor allem Hochhäuser. Es folgten große Tourismuseinrichtungen wie Hotels und Sanatorien im Stil der urbanen Moderne. D arüber hinaus muss jeder K urort sein individuelles Gesicht aufweisen. die in besonderer Weise internationalen urbanen „Flair“ inszenieren sollten. Diese auf Quantität abzielende Politik fand rasch Kritiker. . 1940 waren es wenig mehr als 100000 gewesen.194 C hristian N o a ck holungseinrichtungen für jährlich mehr als 1 Million organisierte Urlauber. 1-21 hier 10. Cafes und großzügige Geschäfte. G.ein neuer. Scusev. überdimensionierter und vor allem auf Schauwerte abzielender moderner Baustil in den Kurorten. langweili­ gen Gebäude der letzten Z e it. Ein erheblicher Teil der Gästebetten entstand übrigens nicht im historischen Ortsbild selbst.... räumliche Strukturen und Entwicklungsprobleme. Merzanov und anderen gebaut w orden sind. Man kann doch wohl kaum zulassen.“25 Allerdings waren die Klagen zu diesem Zeitpunkt eigentlich bereits ein Anachro­ nismus. Betriebe und Wohnge­ biete wurden an den Oberläufen der Flüsse gebaut bzw.und Badeorte aufgegriffen und in gewissen Grenzen stilistisch „nationalisiert“. Einzug gehal­ ten hatte.. dass alle Kurorte. nach Sotschi. allen voran Sotschi. dass die Sanatorien. und A.einem der ersten außerhalb der Hauptstadt. in: Vo­ prosy kurortologii. 1913 waren es knapp 10000. 25 D. d. D er Fremdenverkehr in Sowjet-Kaukasien. also Bars. In den siebziger Jahren reisten zudem doppelt so viele Urlauber. 452-455. In jeder Hinsicht bezeichnenderweise hatte dieser in Sotschi mit dem Bau des Fernsehzentrums 1959 Einzug gehalten . Sotschi blieb allerdings das Verwaltungs­ und Geschäftszentrum und von Sanatorien und Erholungseinrichtungen geprägt. A. N ekotorye organizacionnye voprosy kurortnogo stroitel’stva.. Zitat 453.und W ohnungsbau haben sich die M usterty­ pen und industriellen Fertigungstechniken bewährt. die während des ersten Fünf­ jahresplanes von solchen Meistern wie V. so bemängelte ein Moskauer Spezialist in der Zeitschrift Voprosy kurortologii 1966: „Mit Bitterkeit muss zugegeben werden. so setzte nun eine 24 Jörg Stadelbauer. ohne Berechtigungsschein. Vergleichbare moderne Stahlbeton-Konstruktionen junger Architekten sind das Kino „Sputnik“ und das zentrale Telegrafenamt Sotschis.. In einem K urort muss alles schön aussehen und das Auge erfreuen.wiederum in Analogie vor allem zur Gestaltung zentraler Straßen in Moskau . „wild“. Städtebaulich wurde dieses Programm abgerundet mit Bauten. dorthin verlegt24. Vesin.

das weiterhin von den exklusiveren Kur.und Erholungseinrichtungen gekennzeichnet blieb. der Gewerkschaftssekretär Saljaev formulierte 1970 „Aber sie verstehen selbst. Nichtsdestoweniger könnte auch für diese Epoche nach deren Funktionalität ge­ 26 Die meisten Flugverbindungen bestanden nach Moskau sowie in die ukrainischen und zentralrussischen Industriestädte. Der Weg verkürzte sich von anderthalb Tagen auf wenige Stunden. 8. Nevraev. R 9493 op.über die zeitlichen Grenzen des Stahnismus hinaus . und das Unterlaufen des Systems der Berechtigungsscheine durch eine wachsende Zahl „wilder“ Urlauber in der Praxis andererseits hin.eine Neubewertung der Diskrepanzen erfolgen. 27 Borisov. z. So blieb die herausragende Stellung Sotschis und seine besondere Anbindung an das Zentrum Moskau erhalten. auch wenn beide sowohl diskursiv als auch praktisch ihre Exklusivität zumindest graduell einbüßten. sind nicht zu übersehen.“. 132-133. Selbstverständlich bildeten Heterotope wie Sotschi vor dem Hintergrund chaotischer Lebensverhältnisse in den Städten. der mit dem Begriff einer „Amerikanisierung“ nur annähernd umschrieben werden kann. Stadelbauer. auf dem Lande oder in den Lagern für die meisten nichts als gebaute Utopien.B. Dies gilt auch noch für die siebzi­ ger Jahre. die in gewisser Weise den Höhepunkt des Tourismus-Booms in der Sowjetunion bildeten27.14. Räumlicher Revisionismus? Was könnten die geschilderten Punkte für eine Revision der Historiographie un­ ter räumlichen Gesichtspunkten bedeuten? Erstens könnte . In abgeschwächter Form spiegelt sich die alte Hierarchie immerhin aber noch im Ortsbild des Zentrums wider. Darauf deutet die utili­ taristische räumliche Ausweitung der Erholungsgebiete im Diskurs einerseits. dass wir nicht das Recht haben. 1980 kamen von den übrigen 38% mit der Eisenbahn und nur 2% mit Kraftfahrzeugen. 1980 waren es bereits 60% 26. Fremdenverkehr 12. Dazu trug nicht zuletzt die stürmische Entwicklung der zivilen Luftfahrt in der Sowjetunion in den sechziger Jahren bei. 11. jetzt in eine eher gegenwartsorientierte oder so­ gar zukunftsgerichtete. war die Inszenierung Sotschis als südländische. G A R F f. N ekotorye voprosy 9. eine solche Anreise zu ver­ bieten. subtropische Extension Moskaus. In gewisser Weise verwandelte sich die retrospektive Utopie. „A ndere R ä u m e “ 195 Überschreibung im ebenfalls internationalen Stil der zweiten urbanen Moderne ein. Bezeichnenderweise lehn­ ten führende Tourismusverantwortliche bereits in der Chruschtschow-Ara eine administrative Begrenzung dieses Zustroms ab. Was sich aber eben nicht änderte. dem Inbegriff sowje­ tischer Urbanität. die die Kurorte früher verkörpert hatten. d. 1352. . die zwischen den virtuellen N euent­ würfen des Imperiums durch Stalin liegen. Bereits um 1970 soll ein gutes Drittel der Erholungssuchenden Sotschi bereits auf dem Luftwege erreicht haben. der touristischen Erschließung der griechischen Inseln und der Balearen. Parallelen zur zeitgleichen westlichen Entwicklung.

War der Caucasian lover das sowjetische Äquivalent zum westlichen latin lover? Diese und weitere Fragen verweisen auf das Problem des sozialen und räumlichen inneren Zusammenhalts des Imperiums. die zwar nur eine verschwindende Minderheit der KdF. Zweitens: Zumindest was die Städter und die Nachkriegsgeneration angeht. Zugleich befürchtete das Regime nicht . Also tatsächlich Freiheits­ erfahrungen in einem begrenzten und zugleich grenzenlosen Land. das heißt der Ver­ einnahmung über kulturelle Grenzen hinweg? Die bisherige Tourismusforschung hat zumindest eher das „nation-building“. Gab es also eine räumlich zu denkende sowjetische Identität? Funktioniert Reise­ erfahrung also auch im Zusammenhang mit „em pire-building‘.Mobilität der Bevölke­ rung. Etwa in Analogie zu den berühmt-berüchtigten KdF. Sieht man vom Baltikum einmal ab.Kreuzfahrt­ schiffen. in den Mittelpunkt gestellt. wenn man nicht nur die relative Abgeschlossenheit des sowjeti­ schen Kommunikationsraumes in Rechnung stellt. deren aufwendige Inszenierung aber immerhin so etwas wie nachwir­ kende touristische Leitbilder schuf. dass die gewachsene Bewegungsfreiheit im Inneren sich irgendwann an den so streng gehüteten Außengrenzen stoßen würde.und dafür gab es offensichtlich gute Gründe -.Urlauber genie­ ßen konnte. Bei aller Begrenztheit der Mittel trug eine flexible Haltung hier wohl weiter. sondern sich vergegenwärtigt. könnte höchst gewinnbringend sein. Interessant in diesem Zusammenhang wären ver­ tiefende Untersuchungen zur Rolle der Vereinnahmung und Reproduktion von „Eigenem“ und „Fremdem“ in sowjetischen Tourismusdiskursen und -praktiken. Einige Aspekte wurden hier angeschnitten. Sie sind möglicherweise durch die Dynamik der Zerfallsprozesse überdeckt w or­ den. der Vermarktung von Pauschalreisen und der . erfahrbar zu werden. sind die zentrifugalen Tendenzen an der Peripherie ja häufiger durch Konflikte innerhalb der Eliten losgetreten worden. Dies auch am Fallbeispiel Krim zu untersuchen. Erst die siebziger Jahre mit der Entstehung großer Reisekonzerne. wie es auch die offizielle Propaganda zu betonen nicht müde wurde? Dies erscheint vielleicht we­ niger erstaunlich. also die affirmative Grenzerfahrung.und freiwillige! . Für den Massentourismus in westlichen Län­ dern hat die soziologische und kulturanthropologische Forschung ja Funktionen wie Authentisierung von gesellschaftlichen Leitbildern und mentalen Landkarten eindrucksvoll nachgewiesen. etwa im Bereich des Kauka­ sus (Küche) und „des Südens“ insgesamt. dass das bundesrepublikanische Beispiel eines frühen massenhaften Italientouris­ mus in Europa lange Zeit die Ausnahme bildete. Das po­ litikgeschichtliche Label des zastoj (Stagnation) verstellt hier den Blick auf die zumindest räumlich erstaunlich hohe . ja Verkitschung des „Exotischen“ in der UdSSR sein. weitere könnten die Vereinnahmung. 196 C hristian N o a ck fragt werden. Zumindest für die Spätphase der Sowjetunion erscheint mir dann die virtuelle Verkürzung von urbanem Raum und subtropischer Illusionskulisse angesichts des Massentourismus und der Reisevorlieben tatsächlich für viele Sowjetbürger nach­ vollziehbar. entwickelt sich Reisen / Tourismus / Bewegungsfreiheit im Poststalinismus zum Erfolgsmodell: Anders als etwa beim Warenkonsum stellten sich bei Angebot und Nachfrage offensichtlich weniger schnell Frustrationen auf beiden Seiten ein.

Im Sinne des Sich-Einrichtens in den Kulissen des Stalinismus scheint mir dann auch nicht das Spezifische. U nd für diese Jahre liegt eine Historiographie im eigentlichen Sinne noch gar nicht vor. der Großbaustellen und Neuland­ kampagnen und eben auch der Vereinnahmung der exotischen Peripherie. Ich denke. Summa summarum betrachte ich das Thema Tourismus als mit vielen der ange­ sprochenen Themenkomplexe eng verbunden. sich bis heute durch eine Dominanz des Inlandstourismus auszeichnen. sondern für andere Imperien. became the preferred object of Stalinist development plans in the 1930s. of little importance before the revolution. geprägt durch einen ebenfalls hochgradig auto­ reflexiven Diskurs. ich sehe hier vielleicht sogar im Be­ sonderen die Möglichkeit. . Diktaturen usw.und Reiseerfahrungen sowie -gestaltungen der anderen Industriegesellschaften das eigentlich Kenn­ zeichnende (und vielleicht auch: Überraschende) zu sein. was eben an meinem eigenen Arbeitsschwerpunkt der sechziger bis achtzi­ ger Jahre liegt. diese forschungspraktisch einlösen zu können. die nicht spe­ zifisch für Russland gedacht sind. Sie könnte also noch geschrieben werden auch im Sinne einer räumlichen Aneignung: des Nordens. in Anschlag gebracht werden können. Schließlich: Viele meiner Überlegungen sind vom Ende der Sowjetunion her ge­ dacht. Industriegesell­ schaften. The study focuses on Sochi: This Black Sea resort. Wobei be­ stimmte Länder wie Frankreich. dass ich eher etwas mit Modellen für räumliche Interpretationen anfangen kann. „A ndere R ä u m e “ 197 Verbilligung von Flugreisen bildeten auch hier eine Epochenschwelle. Architecture and town planning mirrored the 1935 Moscow development plan before a ‘profa­ nation’ set in with the democratisation of tourism and travel under Khrushchev. meine Aufzählung hat gezeigt. In the following two decades Sochi was turned into the showcase spa of the Soviet Union. Ziemlich schwer tue ich mich schließlich mit der eigentlichen Frage: Schauplatz und Gang der russischen Geschichte. Summary Based on Foucault’s ‘O f other places’ the chapter discusses the changing spatial and symbolic relations of Soviet cities and health resorts. sondern eher das Gemeinsame mit den Raum.

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Uber die Planung der im Führungszirkel der KPdSU(B) erdachten. Vagan’kovskoe kladbisce. . 3 R asstrel’nye spiski. von der Jakovlev-Stiftung herausgegebene Dokumenteneditionen Auskunft. 1 M artirolog rasstreljanych i zachoronennych na poligone N K V D „ O b ”ekt B utovo“. Die Bände 1 (M oskva 1997). Typisch für die Moskauer Topographie des Terrors sind die am Rande der Stadt gelegenen und jahrzehntelang vor der Öffentlichkeit verborgenen Hinrichtungs. sud ’by (M oskva 2004). 4 R asstrel’nye spiski. R asstrel’nye spiski. M oskva 1935-1953. D onskoe kladbisce. D onskoj krem atorij. 4 (M oskva 2000). Stalin i G UG B NK VD 1937-1938“ (Moskau 2004) und „Reabili- tacija: kak eto bylo“ (Moskau 2000. 5 (M oskva 2001) und 6 (M oskva 2002) enthalten die E rschießungs­ listen. Wladislaw Hedeler Die Präsenz staatlicher Gewalt inmitten einer urbanen Umwelt Das Beispiel Moskau Das Thema meines Vortrages ist die Präsenz staatlicher Gewalt inmitten einer ur­ banen Umwelt.und Beerdigungsorte. 1934-1940 (M oskva 1993). Kniga pam jati zertv politiceskich repressij (M oskva 2005). D okum ent)'. 2 (M oskva 1998). Zu den für den hier zu behandelnden Gegenstand wichtigsten Editionen gehö­ ren: „Lubjanka. 1926-1936 (M oskva 1995). V ypusk 2. svidetel’stva. Kniga Pam jati zertv p oliti­ ceskich repressij“ erschienen. Dimensionen und Topogra­ phie des Terrors spiegeln die für Moskau und das Moskauer Gebiet erarbeiteten und zwischen 1993 und 2005 veröffentlichten Erschießungslisten für die Sonder­ objekte des N K V D Butovo (20761 Einträge)1 und Butovo-„Kommunarka“2 sowie für die Friedhöfe Donskoe (670 Einträge)3 und Vagan’kovskoe (984 Ein­ träge)4 wider. Diese Verschleierungstaktik war integraler Bestandteil der Herrschaftspraxis. „K om m unarka“. Die heute zugänglichen Dokumente gestatten sowohl Rück­ schlüsse auf die Mechanismen als auch auf die Dimension des Terrors. 2 R asstrel’nye spiski. Kmga pam jati zertv politiceskich repressij (M oskva 2000). D onskoe kladbisce. Seit 1997 sind 8 Bände der Reihe „Butovskij poligon. 3 (M oskva 1999). Butovo. Band 8 ist unter folgendem Titel publiziert: Butovskij poligon. V rodnom kraju. Band 7 (M oskva 2003) die Register und Band 8 die überarbeiteten Einleitungen und K om m entare zu den Bänden 1 bis 6. 2003 und 2004). von der Justiz befür­ worteten und vom N K V D durchgeführten Massentötungen in den Jahren 1937 und 1938 auf dem Territorium der russischen Metropole geben mehrere. V ypusk 1. 1937-1938 gg. M oskva 1937-1941.

Ich möchte mich an dieser Stelle nicht der naheliegenden und bereits in mehre­ ren Abhandlungen untersuchten Thematik der von Juli bis September 1937 vom N K V D gegen die Deutschen. den Staatsanwälten und den Sekretären der Parteior­ ganisationen der Unions. November 1938 ging den Leitern des NK VD. O snovnye itogi (M oskva 1992) 31. 7 Ziromskaja. Jede Volksgruppe prägte das Leben in ihrem Viertel. Damit ist der Blick von vornherein auf die Stadt Moskau fixiert. 6 Georgij Andreevskij. Einzelne Facetten wie die Alltäglichkeit des Terrors. „V ernichtung des Frem den“: D er „G roße T error“ in der U dSSR 1937/ 38 (Berlin Jahrbuch für historische K om m unism usforschung 2000/2001. Ein von Vjaceslav Molotov und Iosif Stalin unterschriebener Beschluss des Rates der Volkskommissare und des ZK der KPdSU(B) vom 17. der sowohl den Terror von unten als auch von oben einbezieht11. Spisok zenscin . Sie handelt davon. darunter 1 700000 Russen. weil die Willkür und Dimension der Verhaftungen durch das NK VD eine normale Arbeit der Administration im Zentrum wie in der Provinz unmög­ lich machten. prokurorskom nadzore i vedenii sledstvija. 345 der 806 wurden erschossen. über 8000 D eut­ sche. wie z. 1939 schon 4 1370188. wie z. über 130000 Juden.und autonomen Republiken zu 12. Polveka. der Nemeckaja sloboda. Im folgenden zitiert: Ziromskaja. 6000 Armenier. Die Repräsentanten der Staats. M oskva 20-30-e gody (M oskva 1998). wie die über 2500 Mieter des Hauses der Regierung in der ulica Serafimovica 2 den Terror erlebten und verarbeiteten. wurden die Organe durch die Parteiführung „zur O rdnung“ geru­ fen. 10000 Letten. 5 Valentina Borisovna Ziromskaja Igor’ Nikolaevic Kiselev.B. Berlin 2001) 50-88. 50 der 289 zu Lagerhaft in Alzir10 verurteilt.B. seine Wahrnehmung und die sich wandelnde Reaktion auf diesen durch die Mieter des Hauses der Regierung geraten so in den Blick. Jurij Aleksdandrovic Poljakov. V sesojuznaja perepis’ naselenija 1937 goda (M oskva 1996) 56.200 W ladislaw H edeler 1926 lebten in Moskau 1 995 252 Menschen5. dem von Kitaj-gorod.und Parteielite verkörpern m ihrer Person oft die einen wie die anderen. die armenische Gemeinde. wie z. Als der von der Parteiführung initiierte „Große Terror“ aus dem Ruder zu lau­ fen drohte. Innerhalb kurzer Zeit ver­ doppelte sich die Stadtbevölkerung. Postanovlenie SN K SSSR i C K . über einen eigenen Friedhof6. Polveka pod grifom sekretno. 8 Vsesojuznaja perepis’ naselenija 1939 goda. 12 O b arestach. Hinzu kommt die oft nicht durchzuhaltende Unterschei­ dung zwischen Tätern und Opfern.zakljucennych A km olins- kogo i drugich otdelenij Karlaga (M oskva 2003). 3000 Litauer und 1300 Chinesen. 10 Biographische A ngaben in: U znicy „A lzira“. 11 Siehe Tabelle im Anhang. 9 Barry McLoughlin. Letten und Charbiner geführten nationalen Operationen9 zuwenden oder die daraus für Moskau ableitbaren Statistiken kom­ mentieren. 17000 Tataren und 17000 Polen. handelte auf be­ stimmten Märkten. auf eine repräsentative Bevölkerungsgruppe und auf einen Bereich des gesellschaft­ lichen Lebens. Verhaftungen von . Polen.B. Polveka 34. 1937 waren es bereits 3798078 Einwohner7. Aus unterschiedlichen Quellen konnten bio­ graphische Angaben zu 806 Hauptmietern und 289 Ehepartnern bzw. sondern eine Fallstudie anderer Art vorstellen. und verfügte. Kindern er­ mittelt werden.

C hronik 452 ff. 38. Sistema ispravitel’no-trudovych lagerej v SSSR (M oskva 1998)90-91. Das Schicksal deutscher Fach­ arbeiter im M oskau der 30er Jahre. Strana „D m itlag“. Ich bin mir dessen bewusst. 11. Uber den im Moskauer Umland praktizierten Terror hat . Betriebe und Ministerien während des „Großen Ter­ rors“ am stärksten vertreten und von den Verhaftungen betroffen war. die von Sergej Zuravlev untersuchten Facharbeiter14 . Der Anteil der 30-49jährigen Moskauer. dass die Perspektive auf den Terror gegen die Eliten eine eingeengte ist und bestimmte städtische Opfergruppen . 17. Der Terror gegen die Bevölkerung hörte damit nicht auf. die in der Admi­ nistration der Verwaltungen. Spravocnik. 13 Prikaz Nr. 38. O pfer und T äter des Stalinschen T errors 1937/38. 17 Nikolaj Fedorov. belief sich 1937—39 in der Bevölkerung auf 32%. Aus dem Russischen von O lga K ouvchinnikova und Ingolf H oppm ann (Berlin 2003). Tatort K unzew o. Gegen sie richtete sich der von unterschied­ lichen gerichtlichen und außergerichtlichen (in der Verfassung nicht vorgesehe­ nen) Institutionen ausgeübte Terror.um nur ein Beispiel zu nennen . su d ’by . D okum enty. Im Moskauer Gebiet befand sich außerdem von Sep­ tember 1932 bis Januar 1938 das Besserungsarbeitslager DM ITLag16.vor allem auf die VKP(b).wie z. C hronik. Lav­ renti Berija setzte mit dem Befehl Nr. 15 Alexander Vatlin. Unter Einbeziehung des M os­ kauer Gebietes in die Themenstellung des Vortrages ließe sich dieser von mir ge­ wählte Blickwinkel schon nicht mehr aufrechterhalten. Z ur G eschichte: Hedeler.nur vermittelt und ländliche Opfer­ gruppen so gut wie kaum ins Blickfeld geraten. 1937 und 1938. dem das Prinzip der Sippenhaft zugrunde lag. Dessen Ge­ schichte und insbesondere die von Massenerschießungen der Häftlinge begleitete Auflösung des Lagers ist bislang nur ansatzweise untersucht17. Im folgenden zitiert: Hedeler. D ie Präsenz staatlicher G ew alt inm itten einer urb an en U m w elt 201 hochrangigen Funktionären durften von nun an nicht mehr im Zuge von Massen­ verhaftungen. . Tatort. Ich bitte um A rbeit in der Sow jetunion. „M assovye operacn“ N K V D v K un- cevskom rajone M oskovskoj oblasti 1937-1938 (M oskva 2004).B.. November 1938 sofort 18 ope­ rative Befehle seines inzwischen verhafteten und zum Sündenbock erklärten Vor­ gängers völlig oder teilweise außer Kraft13.. 00762 am 26. sondern nur noch nach Einzelfallprüfung und nach Zustimmung durch die entsprechende Abteilung des ZK und den Staatsanwalt erfolgen. 14 Sergej Shura-wljow .: Wladislaw Hedeler. in: Butovskij poligon. Diesem Raster konnte genauge­ nommen keiner entkommen. V rodnom kraju. 11. C hronik der M oskauer Schau­ prozesse 1936. Planung Inszenierung und W irkung (Berlin 2003) 449ff. 16 D m itrovskij ITL. jener Altersgruppe. 00762 N arodnogo Kom issara V nutrennich Del Sojuza SSR za 1938 g. der im Pass vermerk­ ten Nationalität und der ausgeübten Tätigkeit. 26.Alexander Vatlin ein Buch verfasst15.. M oskvy. Iz istorii stroitel’stva kanala im. Im folgenden zitiert: Vatlin. svidetel’stva. Z ur G eschichte vgl. Verhaftet wurde in Abhängigkeit von sozialer Herkunft. Abschließend möchte ich einige Berührungspunkte zum auf der Konferenz dis­ kutierten Thema „Welt der Lager“ sowie nach wie vor offene . Die Parteiführung erlegte die Verant­ wortung für die „Verstöße gegen die sozialistische Gesetzlichkeit“ ausschließlich dem N K V D auf. Russisch unter dem Titel: T error ra|onnogo masstaba. (M oskva 2004) 219-260. Aus dem Russischen von W ladislaw H edeler (Berlin 2003).

in der Regel die Ehefrauen. in welchem Gefängnis sie sich befanden. der Verhinderung der Herausbildung von Unruheherden und informellen Gruppen. Es gibt keine. Aus der „unheimli­ chen Wohnung“ Nr. Eine „Täterforschung“ im umfassenden Sinne gibt es.a. ist der Blick auf den Terror von unten und von oben auf das engste miteinander verwoben. Für die Nachbarn verschwanden die Menschen gewissermaßen über Nacht. Aus dem R ussischen von T hom as Reschke (Berlin 1979) 90-103. Ein­ gang in Michail Bulgakovs Roman „Meister und Margarita“. Es sind vor allem Tagebuchaufzeichnungen von Familienmitgliedern. die eine weitere Besonder­ heit des Themas ausmacht. Im folgenden zitiert: Bulgakow. was mit den Verhafteten gesche­ hen war. Das auf die Festnahmen folgende Vorgehen gegen die Angehörigen. M eister und M argarita. von der einsetzenden Lähmung vermitteln. wurde im Laufe der Zeit als Regelfall hingenommen. was ihnen zur Last gelegt wurde. Der im Flaus in der Uferstraße aufgewachsene Juri Trifonow hat einen seiner Romane. Aus der Opfer­ perspektive verfasste Tagebuchaufzeichnungen. bezogen auf die sowjetische Geschichte.Fragestellungen benennen. fand u. Das Ver­ schwinden. die anschließende Durchsuchung und Versiegelung der Zimmer. Ihr Ver­ schwinden. Was zunächst als Ausnahme erschien. mit der Dokumentation von Verhaltensweisen und Verhaltensmustern der den Terror überlebenden Opfer auch nur annähernd vergleichbare Literatur. dessen Handlung im Haus der Regierung spielt. Im folgenden zitiert: Trifonow. Diesbezügliche Auskünfte wurden weder vom N K V D noch von der Miliz erteilt. nicht. Sie enthal­ ten. . seltener von Arbeitskollegen zum In­ halt. das in Erinnerungen vielfach variiert wird. vernahmen die Nachbarn seltsame Geräusche und wunderten sich über das Licht. Von dieser ist in der rus­ sischen Fachliteratur nur selten die Rede. 19 Juri Trifonow. 18 Michail Bulgakow . diente an­ fangs der Unterbindung befürchteter Protestkundgebungen. die zunächst vor der Auskunftsstelle des N K V D am Kuzneckij most oder vor den Gefängnissen Lefortovo und Butyrka Schlange standen. Nach dem sie von der Miliz abgeholt worden waren. wenn auch seltener. die die Verhaftung ihrer Angehörigen auslöste. das bis zum Morgen in der Wohnung brannte18. ein Thema. Beschrieben wird die in den Morgenstunden erfolgende Verhaf­ tung. Memoiren und Romane haben oft die Verhaftung von Familienmitgliedern. 50 verschwanden über zwei Jahre lang immer wieder die Mieter. Unter den Vorgesetzten fanden sich nur selten Fürsprecher. M it einer N achbem erkung von Ralf Schröder (Berlin 1989).202 W ladislaw H edeler Täterperspektive bezogene . Meister. auch nur irgend etwas über das Schicksal der Verhafteten zu erfahren. Weder die Angehörigen noch die Arbeitskollegen wussten. Beschreibungen der in der Regel vergeblichen Versuche. Aus dem Russischen von Eckhard Thiele. mit „Das Verschwin­ den“ überschrieben19. Die Personal­ akten enden in der Regel mit dem datierten Eintrag „vom N K V D verhaftet“. später nur noch der Entfernung unliebsamer Augenzeugen. die einen Eindruck vom Schock. In dieser Moskauer Perspektive. Das Verschwinden.

Beide wurden posthum rehabilitiert. Erinnerungen ausgelöscht werden. Onissiomow. Im folgenden zitiert: Roginskij. Stalins auf dem Notizzettel notierte Antwort lautete: . Alexander Bek hat in seinen Roman „Die Ernennung“ eine Episode eingefügt. hofften auf deren baldige Entlassung oder befanden sich selber bereits auf dem Weg in den Gulag oder in die Verban­ nung.Belege und 20 Wladislaw Hedeler . dass keine Spur einer Grabanlage zu erkennen ist22. Bei Gott.oder Militärführung adressierten Eingaben und Gesuche sind nicht in der Untersuchungshaft. sondern ohne Formalitäten und Beerdigungszeremonien am O rt der Exekution zu beerdigen sind. So sollten unmittelbar nach der Tat die Spuren verwischt. Sippenhaft im „G roßen T error“ 1937/38. M oskva 1935-1953. Ich habe Sie von jeher zu meinen Freunden gezählt und zähle Sie noch heute dazu. das heute im ehemaligen Parteiarchiv (RGASPI) aufbewahrt wird. in: R asstrel’nye spiski. Dass diese Planung zunächst auf­ ging. Entweder wähnten die Angehörigen ihre bereits erschossenen Ehepartner in ei­ nem der zahlreichen Besserungsarbeitslager. Das hat so zu erfolgen. wie die Einrichtung von Lagern für Angehörige von Verrätern an der Heimat20. . die im Haus in der Uferstraße wohnten. Alles das war von Anfang an in der Parteiführung geplant und durch Gesetze und entsprechende Folgebefehle des N K V D geregelt21. Ich habe Ihnen immer vertraut und vertraue Ihnen auch heute.“ Iwan ging im Gefängnis zu­ grunde.] Lisa . wußte bis heute niemand. belegt die Inschrift „Grabfeld für nicht abgeholte U rnen“ auf dem Gedenk­ stein für die Opfer politischer Repressalien auf dem Moskauer Friedhof Donskoe. Stalin i G lavnoe upravlem e gosbezopasnosti N K V D . Das „A km olinsker Lager“ für Ehefrauen von Vaterlandsverrätern „A L Z IR “ und seine deutschen H äftlinge (Berlin Jahrbuch für H istorische K om m unism usforschung 2005. Belegt ist. Eine Verfügung des Tribunals des Gesamtrussischen Zentralexekutivkomitees vom 14. O ktober 1922 besagt. J. sondern kurz vor oder nach der Entlassung aus den Besserungsarbeitslagern geschrieben und abgeschickt worden. in der Onissimow Stalin von der Verhaftung seines Halbbruders Nasarow infor­ miert.. M it einem G eleitw ort von G rigori Baklanow.“23 Dokumentarische . Kniga pam jati zertv politiceskich repressij (M oskva 2005) 565. ist noch nicht systematisch untersucht. 23 Alexander Bek. Posleslovie. dass Kin­ der aus 44 Familien. D ie Ernennung. An Nasarow aber erinnern Sie mich besser nicht. Berlin 2005) 81—101. In Moskau befand sich das Kinderheim des N K V D auf dem Gelände des ehemaligen Svjatyj-Danilovskij monastyr’. Das dies­ bezügliche Material aus dem Bestand Kaderakten der Komintern oder dem Stalin­ bestand. D onskoe klad- bisce. dass die Leichen der Erschossenen nicht den Ange­ hörigen zu übergeben. 22 Arsenij Roginskij. D onskoj krem atorij. Posleslovie D onskoe. Staats. D ie Ernennung.siechte im Lager dahin und starb.fast wortwörtliche . Viele der heute veröffentlichten. von den repressierten Angehörigen an Mitglie­ der der Partei-. A rchiv Stahna. Im folgenden zitiert: Bek.. 1937-1938 (M oskva 2004). D ie Präsenz staatlicher G ew alt inm itten einer urbanen U m w elt 2 03 Die Einweisung der Kinder Verhafteter in Kinderheime des N K V D spiegelt die Terrorlogik ebenso wider. Stalin. D o k u ­ m ent)' vyssych organov partijnoj i gosudarstvennoj vlasti. 21 Lubjanka. U nd auch seine Frau -[.„Gen. in Kinderheime ein­ gewiesen worden sind. Aber wo sie ihre letzte Ruhe gefunden hatten. Aus dem Russischen von H elga G utsche (Berlin 1988) 39.

Januar 1929 geschaffenen Moskauer Gebiet gehörten bis zum 1. Sep­ tember 1935 129 Rayons mit 4806 ländlichen Sowjets und 56 Städten27. November 1990 in der Moskauer Abendzeitung „Vecernjaja Moskva“. Todesdatum und Todesort der vorJahrzehnten Verhafteten. Zur Quellenlage Unmittelbar nach dem Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR „Über zusätzliche Maßnahmen zur Wiederherstellung der Gerechtigkeit für die Opfer der Repressalien der 30-40er und Anfang der 50er Jahre“ vom 16. 27 Butovskij poligon. Im folgenden zitiert: Butovskij poligon. . 1937-1938 gg. Nach den vorsätzlich falsifizierten Informationen. dass sich hinter der Angabe einer Straffrist mit dem Zusatz „ohne Recht auf Korrespondenz“ die Todesstrafe verbarg. Zum am 14. G edenkbücher und Erschießungs­ listen verm ittelt die von M em orial herausgegebene C D -R om Edition. die Folterzellen umgebaut. (V ypusk 1) (M oskva 1997) 360. Im folgenden zitiert: Sbornik aktov.wenn überhaupt. Oft ist 24 Sbornik zakonodatel’nych i norm ativnych aktov o repressijach i reabilitacii zertv politi­ ceskich repressij (M oskva 1993) 186-187. In den heute für die Hauptstadt vorliegenden Statistiken und Dokumenten wird nicht immer zwischen Moskau und dem Moskauer Gebiet unterschieden. März 1989 änderte sich die Situation von Grund auf. 2006 wurde z. Nach Stalins Tod 1953 hielt die Vertuschung des Terrors an. O ktober 199125 nahmen Mitarbeiter von Memorial die Arbeit an den Erschießungslisten auf.20 4 W ladislaw H edelcr Kommentare zu dieser Einstellung finden sich sowohl in den Tagebüchern von Dimitroff oder den Erinnerungen von Stalins Tochter Svetlana. Erste kommentierte Listen erschienen nach dem 27. Bis auf den heutigen Tag liegen solche Listen jedoch noch nicht für alle Verwaltungsgebiete der ehemaligen UdSSR vor. 25 Sbornik aktov 204-205. waren die kurz nach der Verhaftung Erschossenen an­ geblich zehn Jahre nach der Verurteilung in irgendeinem der zahlreichen Straf­ lager an Herzschwäche oder einem anderen Leiden verstorben. Kniga pam jati zertv politiceskich repressij. Im N K V D wurden die Folterinstrumente vernichtet. Es sind die im Zuge der Rehabilitierungsverfahren erhaltenen Aussagen der an der Vollstreckung der Urteile beteiligten Täter über die Art und Weise der Exe­ kutionen. die Erschießungs­ keller zugeschüttet und die berüchtigtesten Foltergefängnisse abgerissen.B. Aus ihr ging hervor. (V ypusk 1). 26 Einen Ü berblick über die vorhandenen M artyrologe. Bis 1963 erfuhren die Angehörigen nichts über Todesart. die den Angehörigen . Erst mit der Veröffentlichung der Weisung des Mi­ nisteriums für Justiz am 21. Januar 198924 und dem Gesetz der RSFSR „Uber die Rehabilitierung der Opfer politi­ scher Repressalien“ vom 18.erteilt wurden. Ausschließlich in diesem Kontext taucht in der Literatur die Täterperspektive auf. dann nur mündlich . mit der Arbeit an der Erschießungsliste für das Gebiet Novosibirsk begonnen26.

August 1991 wurde ein Gedenkstein auf dem Donskoe-Friedhof aufge­ stellt. 30 Vladimir Aleksandrovic Krjuckov. . Zum ewigen Gedenken“. dass Terroropfer auf den Moskauer Friedhöfen Vagan’kovskoe31. ob es sich bei den Opfern um Moskauer Bürger. Kniga pam jati zertv politiceskich repressij (M oskva 2000) 485. 1994 wurde am Eingang von Vagan’kovskoe den Opfern politischer Repressalien ein Denkmal errichtet. von 1936 bis 1937 nicht als Bestattungsort für Opfer politischer Repressalien. Die Inschrift auf dem 1991 Stein lautet: „Hier sind die sterblichen Überreste der zu Unrecht zu Tode gequälten und erschossenen Opfer der politischen Re­ pressalien der Jahre 1930 bis 1942 beigesetzt. D onskoe kladbisce. Die Präsenz staatlicher G ew alt inm itten einer urb an en U m w elt 205 nicht klar. 31 R asstrel’nye spiski. Während die Opfergruppen auf Grund der heute veröffentlichten operativen Befehle des N K V D bekannt sind. Heute ist dokumentarisch belegt. wo die Opfer beigesetzt worden sind. in: R asstrel’nye spiski. Donskoe und dem des Krankenhauses an der Jauza beigesetzt sind. 1 (M oskva 1996) 398. 1934-1940 (M oskva 1993) 193. Die überlieferten Akten seien zu­ dem voller Widersprüche. Arseni Roginski und Mitarbeiter der Moskauer Menschenrechtsorganisation Memorial haben in den von ihnen herausgegebenen Erschießungslisten für Mos­ kau und das Moskauer Gebiet sowie in weiterführenden Publikationen über die nationalen Operationen des NKVD den Forschungsstand. V. „K om m u­ narka“. um Zugereiste oder um nach Moskau einbestellte Personen handelt. endgültige Aussagen über die tatsächlichen Dimensionen und die Mechanismen des in Moskau praktizierten Terrors zu treffen28. Vladimir Krjuckov. V ypusk 1. dass viele Dokumente nicht mehr erhalten oder noch nicht zugänglich sind. Vagan’kovskoe kladbisce 1926-1936 (M oskva 1995). V ypusk 2. so dass es unmöglich ist. Licnoe delo. Posleslovie. Butovo. befinden sich die Straf­ akten der in „Kommunarka“ Erschossenen immer noch im Zentralen Archiv des FSB. Posleslovie „K om m unarka“. Erst nach dem Erlass des Kongresses der Volksdeputier­ ten 1988 befahl der Vorsitzende des KGB. T. Am 16. 29 R asstrel’nye spiski. und auf dem Krankenhaushof an der Jauza erinnert seit 1999 2S Arsenij Rogimkij. Dokumentarische Belege hierfür sind bisher noch nicht gefunden worden. N u r zwei Moskauer Friedhöfe . W äh­ rend die Strafakten der in Butovo Erschossenen seit Anfang 1995 aus dem ehema­ ligen Archiv der Moskauer Gebietsverwaltung des N K V D an das Staatsarchiv der Russischen Föderation (GARF) übergeben worden sind. Dabei blieb es bis 1991. M oskva 1937-1941. Sadovskij. Januar 1993 konnte für 885 namentlich bekannte Per­ sonen nichts über die Grabanlage mitgeteilt werden29. A. Im Nachwort zum 2000 veröffentlichten Gedenkbuch für die in Butovo- „Kommunarka“ Erschossenen schrieb Roginski. Zum 1. weiß man sehr wenig darüber. im Zentralen A r­ chiv des FSB nach entsprechenden Hinweisen suchen zu lassen30. die komplizierte Quel­ lenlage und die sich immer wieder ändernde Archivsituation kommentiert.Danilovskoe und Preobrazenskoe kladbisce - dienten nach Aussagen des Kommandanten der Allgemeinen Wirtschaftsverwal­ tung des NK VD . Im folgenden zitiert: Roginskij. In Erinnerungen wird ferner der Friedhof Kalitnikovskoe ge­ nannt.

203-204. 129-130. 33 Bek. 32 Juri Trifonow. Das H aus in der U ferstraße. 119-120. 34 Michail Korsunov. dunkel verputzte. In dem zwischen den Wohntürmen am Moskva-Ufer gelege­ nen Bau war . um gleichzeitig Tennis und Volleyball spielen zu können. Tajna tajn M oskovskich (M oskva 1995). eine Telefonzentrale.) Die im Buch enthaltenen A ngaben w urden m it den Einträgen in neuen Lexika und den M oskauer Erschießungslisten abgeglichen. . 195-202. 1. Sie bot genug Platz.281-282. Im Keller seines Hauses befand sich ein Schießstand. Ausgew ählte W erke. Im folgenden zitiert: Trifonow. Militärs. (S. Im fol­ genden zitiert: Korsunov. 838 Männer. Die Inschrift auf dem am 10. 107-108. einen Kindergarten. in seinem gleichnamigen Roman32 beschrieben. Die A utoren haben unter R ückgriff auf die Sam m lungen des M useum s des H auses in der U ferstraße eine unvollständige M ieterliste veröffentlicht. Gedenktafeln gibt es seit dem 10. 3 5- 36. September 1939 waren es insgesamt 2465 Mieter36. 269-270.und Kunstschaffende mit ihren Fa­ milien in dieses düstere. Die E rnennung 63. das wie eine ganze Stadt oder gar wie ein ganzes Land war“. S.20 6 W ladislaw H edeler ein Gedenkstein an die Opfer politischer Repressalien. Zwischen den Aufgängen 5 und 18 waren eine Postfiliale und ein Warenhaus mit einer großen Lebensmittelabteilung im Erdgeschoss. ein der Kremlverwaltung unter­ stehendes Ambulatorium. 69-70. H e­ rausgegeben von Ralf Schröder.bis das Teatr Estrady einzog . Auf jedem der drei Innenhöfe stand ein im Sommer Kühle spenden­ der Springbrunnen. 49-50. eine Wäsche­ rei und das Kino „Udarnik“ verfügten.ein Kino für Kinder. Nach und nach zogen ab dem Frühjahr 1931 Volkskommissare. N r. Viktorija Terechova. Das Haus in der Uferstraße Jurij Trifonov hat diesen gedrungenen. Das H aus. unförmig langen Gebäudekomplex. Zum ewigen Ge­ denken“. Oktober 1993 errichteten Stein lautet: „In dieser Zone des Schießplatzes Butovo wurden von 1937 bis 1953 viele Tausend Opfer der politischen Repressalien heimlich erschossen und bestattet. 1999 auch am Eingang zu den ehemaligen N KVD Objekten Butovo und „Kommunarka“. das „riesige graue Haus mit tausend Fenstern. Oktober 1993 bzw. November 1932 2745 Mieter. Laut Hausbuch wohnten hier am 1. 1311 Frauen und 596 Kin­ der35. am 14. Tajna. Er wohnte mit seinen Eltern in einem der sieben von Boris Michajlovic Iofan entworfenen Wohnhäuser. die über ein eigenes Heizkraftwerk. 329-330. in: Juri Trifonow. die als Erschießungsorte genutzt wurden. A us dem Russischen von Eckhard Thiele. Darüber befand sich eine Sporthalle. 35 Diese A ngaben sind dem auf der W ebsite des M useum s und in der Zeitschrift Vestnik archivista. Wirt­ schaftsfunktionäre sowie prominente Kultur. 2002. 227-228. Bd 3 (Berlin 1983) 167-314. veröffentlichten A rtikel: S troitel’stvo dom a C IK i SN K („D om a na N abereznoj“) entnom m en. In den H äu­ sern mit den 25 Aufgängen gab es 505 Wohnungen34. Der hochverdichtete Komplex umfasste 500000 Kubikme­ ter umbauten Raum auf einem etwa drei Hektar großen Grundstück. völlig schmucklose Haus mit seinen vielen Fenstern33 ein. 297-298.

In diesem Aufgang befanden sich auf jeder Etage nur zwei Wohnungen. dass die Kinder Fahrrad fahren konnten. das Türschloß zu durchschießen. Zu diesen „Glücklosen“ gehörten von 1937 bis 1938 u. finster und sehr still im Treppenhaus. Silvester. Da die Fahrstühle Krach machten. die Möbel funktional. Die von der fünften Etage an aufwärts gelegenen hatten bis zu drei Balkone.“40 Besucher mussten dem Fahrstuhlführer Namen und W ohnungsnummer der Mieter nennen. um Rubaschow zu verhaften. die nachts oder in den Morgen­ stunden kamen.notierte Trifonov . Die in das Haus entsandten Verhaftungstrupps. schien sich ein völlig an­ deres Leben abzuspielen. in den himmelhoch gelegenen Stockwerken. 38 Vladimir Alliluev. Ein F ührer zu r A rchitektur des 20. manchmal rief er in der Wohnung an und erkundigte sich. Die Präsenz staatlicher G ew alt inm itten einer urbanen U m w elt 20 7 Das düstere Grau der Fassade .. Die rötlichen Wände sahen wie mit Seide verkleidet aus.40 m hoch. Die Räume waren nicht nur groß. 40 Trifonow. Silvester bei Stalin (Berlin 1999) 44. Auf den Fluren war so viel Platz. Unter den ver­ hafteten Mietern waren außerdem 32 ranghohe Militärs und 12 Mitarbeiter des NKVD. in den Zimmern hingen Kronleuchter.. Tajna 320. 39 Boris Scbumatsky. Die Decken waren .] Es war kalt. mussten die NKVD-Mitarbeiter die Treppe benutzen. [. Es gab Müllschlucker und Lastenauf­ züge.. die zum Kino Udar- nik hin gelegenen etwas kleiner38. Die Wohnungen auf der Moskva-Seite waren die größten. 7 Mitarbeiter der Staatsbank. andere waren Säulenhallen nachempfunden. .erinnerte ihn an das Schick­ sal zahlloser Bewohner. sondern auch 3.. leise zu sein. 22 Volkskommissare und 34 ihrer Stellvertreter.a. Aufgang befanden sich neben der Küche Dienstbotenkammern. [. und im Salon fanden bis zu fünfzig Personen Platz. die gekommen waren. in den gemäß hundertjähriger Tradition gelb getünchten engen Häusern. Jede der über den 10. Der Hausmeister Wassili]. 9 Mitarbeiter der Staatlichen Plankommission. in dieser luxuriösen Umgebung zu w oh­ nen. M oskau. 100 m2 groß. 19 Abteilungsleiter aus Volkskommissariaten. In den Wohnungen im 20. die das Privileg. Von der Küche aus hatte man Zugang zu einem Lastenaufzug. Jahrhunderts (K öln 1998) 60. „Dort. C hronika odnoj sem ’i (M oskva 1995) 91-92. nur kurz genießen durften37. die verglasten Bücherregale und der Parkettfußboden zur Standardeinrichtung39.bemalt. Aufgang erreichbaren Wohnungen hatte fünf Zimmer und war ca. stand in der offenen Fahrstuhltür und keuchte vor Angst. als unten. Im folgenden zitiert: Scbumatsky. 37 Maria Kiernan. 15 in Kontrollkom­ missionen der Partei bzw. standen draußen im dunklen Treppenflur und berieten. Der jüngere der beiden Männer vom Innenkom­ missariat schlug vor.] Der ältere der beiden Männer lehnte das Schießen ab. die Verhaftung sollte möglichst unauffällig durch­ 36 Korsunov. des Staates tätige leitende Mitarbeiter. „Die beiden Männer. waren gehalten. 14 hochrangige Wirtschaftsfunktionäre. Die Möbel im Stil des Konstruktivismus waren staatseigen und gehörten wie die Einbauschränke. der sie heraufgefahren hatte.ebenso wie die Küchen . Das H aus 180. ob der Besuch wirklich erwartet wurde.

das aufhörte. die Haft­ strafen lagen zwischen drei und acht Jahren.die Dunkelheit genießend . hinter dem Kiever Bahnhof gelegen. 49 überlebten die Lager. Einige Etagen tiefer begann eine Frau mit schriller Stimme zu schreien. Für weitere 106 Erschossene Hegen keine präziseren Angaben vor. Das ganze Treppenhaus dröhnte. Um in die nach der Wohnungsdurchsuchung ver­ siegelten Zimmer zu gelangen. Auf die Verhaftung folgte die Durchsuchung der Wohnung nach Beweismitteln. Sie bliesen sich in die froststarren Hände und begannen erneut gegen die Tür zu hämmern. Ein Zimmer im Haus Nr. „Wer aus diesem Haus auszog. 44 Trifonow . Tajna 78. 2 Mieter wurden in Butovo und 123 in „Kommunarka“ erschossen und ver­ scharrt. 1999) 14-15. Einige der 50 Frauen mussten. bevor sie verhaftet und verur­ teilt wurden. 36a war für sie die letzte Moskauer Adresse vor dem Abtransport in die bisher ermittelten 7 Besserungs­ arbeitslager oder in die Verbannung (ausgesprochen in 15 Fällen).' Die Frau verstummte sofort.sowohl für die Mieter als auch für das Ge­ bäude. Der Terror bedeutete das Ende .leitet Trifonow seinen Roman „Das Verschwinden“ ein. aus denen sie 41 Arthur Koestler. . Es war. um ein von Trifonov aus Bulgakovs Roman entlehntes Bild aufzu­ greifen. . Ihnen wurde ein Zim­ mer in einer der drei eigens für die Angehörigen der Verhafteten geräumten W oh­ nungen zugewiesen. M it einem N achw ort von H ans-A lbert W alter und mit einem A nhang zeitgenössischer D okum ente (Frankfurt a. Das V erschw inden 77. seilten sich die Kinder von den höhergelegenen Balkons in die darunterliegenden ab. 10 Männer nahmen sich das Leben.hier ist die Be­ hörde.208 W ladislaw H edeler geführt werden. die Asche von 114 auf dem Donskoe Friedhof unweit des Krematoriums verstreut. Tajna 76.irgendwohin in eine noch größere Dunkelheit flögen44. . 45 Trifonow. die Tür mit seinem Stiefel zu bearbeiten. sie soll das Maul halten'. 46 Siehe Tabelle im Anhang. das Haus verlassen und in die 2. Diese mit Menschen vollgestopfte Arche erwies sich letzten Endes als Menschen­ falle. um der Verhaftung zuvorzukommen. Sonnenfinsternis. als gesellschaftliche Erscheinung zu existieren43. um die nötigsten Kleidungsstücke und Sa­ chen herauszuholen. der Jüngere schlug mit dem Revolverknauf. rief Wassilij. 42 Korsunov. Das H aus 264. umziehen. (Im Hotel „Lux“ war es der NOP-Flügel auf dem Hinterhof.“45 Nachweislich verschwanden innerhalb kurzer Zeit Bewohner aus 345 der 505 Wohnungen46. 17 wurden erschossen oder starben an den Entbehrungen der Lagerhaft. Izvoznaja ulica.Sag. als ob die Mieter des Hauses das Licht in ihren Zimmern ausknipsten und . und gelangten über die Küche in die Wohnung. ohne die Siegel aufbrechen zu müssen42. hörte auf zu existieren.M . endlich sprang die Tür auf.Ruhe‘. 43 Korsunov .) Der Leidensweg von 168 im Haus der Regierung lebenden Ehepartnern ist mehr oder weniger recherchierbar. „Das alte Haus war gestorben“ . Der Junge ging dazu über. sagte der Junge zu Wassili). .“41 Manchmal nahmen die NKVD-Leute den Lastenaufzug. Nach den Männern kamen die Ehefrauen an die Reihe.

sechs Verbannung ausge­ setzt. die zu den engeren Angehörigen von Bu­ charin gehörten. sei er auch ein alter Bolschewik. 48 Posetiteli krem levskogo kabineta I. V. „Wir werden jeden dieser Feinde vernichten. In der folgenden Tabelle sind die von Sta­ lin zwischen 1929 und 1941 zur Berichterstattung vorgeladenen Wirtschaftsfunk­ tionäre aus ca. Stalin wusste genau. Eintrag vom 7. auf dessen Initiative das Prinzip der Sippenhaft in der UdSSR durchge­ setzt wurde. Jahres­ tages der Oktoberrevolution hervor47. A lfavitnyj ukazatel’. Entlassung bedeutete jedoch nicht das Ende der Repressa­ lien. die unterschiedlichen Repres­ salien ausgesetzt waren. Damit ist jedoch nur die Spitze des Eisbergs angedeutet. Die Präsenz staatlicher G ew alt inm itten einer urb an en U m w elt 20 9 1946 entlassen wurden. in diesem Fall waren es 22 Personen. D = Chefingenieure. 99 von ihnen hatte Stalin im Kreml zur Berichterstattung empfangen. E = Leiter von Hauptverwaltungen im Wirtschaftsapparat. Das Besucherbuch48 beleuchtet schlaglichtartig mehr als nur Stalins Führungsstil. hob der Generalse­ kretär der KPdSU(B) in einem Toast während der Feier aus Anlass des 20. Jede Verhaftung löste ihrerseits eine Kettenreaktion aus. A B C D E F G H Insgesam t 022 086 059 004 035 026 024 018 bereits vor 1929 im A m t 003 009 009 — 004 — 001 005 die ganze Zeit über im A m t — — — — — — — — fielen dem G roßen Terror zum O pfer 008 041 016 002 006 004 010 012 begannen ihre A m tszeit nach dem G roßen Terror 011 042 033 002 014 010 004 003 47 Georgi D imitroff. B = Stellvertretende Volkskommissare. H = Mitglieder der Staatlichen Plankommission) erfasst. . 1924-1953. C = Volkskommissare. Die Auswahl der Opfer hatte Methode. Z urnaly (tetradi) zapisi hc. Tagebücher 1933-1943 (Berlin 2000) 162. ist kein Einzelfall. sondern die Regel. waren zwischen 1937 und 1949. Fünf Kinder kamen in Kinderheime. seine Familie komplett vernichten“. Stalina. zwei Berufsverbot. pnnjatych pervym gensekom . wir werden seine Sippe. F = Bauleiter. Vier wurden nach der Verhaftung er­ schossen. Stalin. in: Istoriceskij archiv (1998) H eft 4. N ovem ber 1937. Zwei überlebten die Untersuchungshaft oder das Lager nicht. Erneute Verhaftung und Verbannung folgte. 40 Volkskommissariaten (A = Direktoren. Von den zweiundzwanzig Personen. ging von der Kollektivschuld der Verhafteten und ihrer Angehörigen aus. um wen es sich bei den im Haus der Regierung Verhafteten handelte. dem frühesten und spätesten Verhaftungsdatum. Räten. drei wurden als Angehörige von Verrätern der Fleimat zu Zwangsarbeit in Besserungsarbeitslagern zwischen 8 und 25 Jahren verurteilt. drei Verfolgung. Das Beispiel der Verfolgung der Familienmitglieder und Angehörigen von N iko­ laj Bucharin. G = Mitglieder von Kollegien.

Chalatov. C ub ar’ am 16. Unter den Opfern sind die Jahrgänge 1880-1890 stark vertreten. das dem quälenden Warten auf den erlösenden Telefonanruf des Chozjain ein Ende machte. 38. Volkov am 22. 1937 ein Funktionär. danach kaum noch eine Rolle. 10. G riem anov. D em cenko. 21 Funktionäre wurden in den drei Monaten vor ihrer Verhaftung. Ein Blick auf die im Haus der Regierung vorgenommenen Verhaftungen stützt diese allgemeinen Aussagen. Im Mai nur 6. Chodzibaev. Dann folgte erneut ein A n­ stieg: im September 4 Verhaftungen. 07. Trifonov. Kraval’ am 25. M ezlauk. O sinskij. R adcenko. ist in Erinnerungen überliefert. Ejche am 11. 37. 37. Steckij am 03. Tataev.04. Rykov. Vejcer am 07. K am inskij am 14. Tal’. 50 Arosev. G urevic. 38. im März 1. K ubjak. 38. Berzin am 16. Sud’in. Es war das Pochen des Verhaftungskommandos an der Tür. Bron. 37. Kosarev am 23. 37. im Oktober 5. 08. 38. 37. Fom in. . im August weiter auf 9. Troickij. Zubarev. im N o ­ vember auf 22. 39. Anhand des Besucherbuches können die Termine der Vorladungen bestimmt werden. Tairov. Tuchacevskij. Neue Mieter zogen ein. Filatov. 37. 09. die mit dem „Kurzen Lehrgang“ 49 A bolin. Zu 27 Funktionären hielt Stalin auch im Jahr vor ihrer Verhaftung den Kontakt aufrecht50. 37. Rossov. K ol’cov. Zuravlev. Boguckij. Bis April 1939 erfolgten noch 8 Festnahmen. Gercikov. im Juni stieg die Zahl auf 32. Die neuen. im Juli sank sie auf 25. 38. Im April stieg sie erneut auf 14 an. im Oktober auf 16. Bulat. Frid- richson. Cudov. 10. 37. im Juni 7. Kangelari am 14.210 W ladislaw H edeler Die Leitung einiger Volkskommissariate und für Wirtschaftsfragen zuständiger Kommissionen wurde bis 1939 bis zu fünfmal ausgetauscht. Gajster. im Februar 5. 37. 04. 11. Bogaeev am 23. O rlov. Chalepskij. Nach diesem auf und ab der Verhaftungen waren die Aufgänge 10 und 12 fast völlig entvölkert. Im Mai 1937 erfolgten 16 Verhaftungen. Berman. im August nur 2. Pachom ov. 06. 37. Voronskij. M oroz. einige sogar noch am selben Tag von Stalin in seinem Kabinett zur Berichterstattung empfangen51. V iktorov. Tokarev. N urm akov. Izrailovic. N ovikov. C ernov am 10. M aksum . Juli 6. im November 9. Bis Jahresende verschwanden 6 Mieter. M ezlauk am 15. D avydov am 26. C hincuk. 03. um zum Jahresende wieder anzusteigen: im September auf 11. Die erste Verhaftungswelle streifte das Haus in der Uferstraße im Juli 1936. Im Dezem­ ber 4. Im Januar 1938 ging sie weiter zu­ rück auf 7 Festnahmen. seit 1939 eingesetzten Funktionsträger sind zum Großteil zwischen 1902 und 1911 geboren. 32 Funktionsträger waren vor 1935 lediglich zu kurzen Vorstellungsgesprächen im Kreml49. C hodorovskij. Arthur Koestler leitet seinen Roman „Sonnenfinsternis“ mit der Schilderung der von Rubaschow als Erlösung aus Ungewissheit und Qual empfundenen Verhaftung ein. Cvjalev. 10. Zu weiteren 11 brach Stalin nach Ge­ währung regelmäßiger Audienzen bereits 1935 den Kontakt ab. Postysev. D oga- dov. 51 Alksnis am 22. Wie der Abbruch des Kon­ taktes zu Stalin von den sonst regelmäßig zur Berichterstattung vorgeladenen Funktionären empfunden wurde. 03. Fejgin. R ozengol’c. Kollegien und Räte als Gremien der operativen Leitung der Volkswirtschaft spielten nur bis zum G ro­ ßen Terror. Bruskin. Korostelev. 03. 1936 fielen wei­ tere 5 in Ungnade. Zof. 10. Kotov. G orbacev. Tkacev. U rickij. Im Dezember sank sie auf 13. 08. 09. Tjurnikov. Pavlu- novskij. Ugarov. Radek. Klejner am 05. D ybec. Chvesin. Für diese Generation.

Die Präsenz staatlicher G ew alt inm itten einer urbanen U m w elt 211 aufwuchs.. Sie. die in der Vergangenheit als gemaßregelt galten..“53 Diese Schilderung der Atmosphäre ist eine Illustration für das von Trifonow angesprochene „Ende des Hauses als gesellschaftliche Erscheinung“. Die beiden hatten diese Wohnung nicht eingerichtet. A us dem Russischen von H elga G utsehe (Berlin 1988) 15-16. steigt die Zahl auf 45000 in Moskau lebende Familien55.schweren. Mitte der 30er Jahre waren das 4500 Personen. Den langen Eßtisch. „Breite Fenster mit doppelten Vor­ hängen .. [. 55 Osokina. Der Einrichtung des Speise­ zimmers fehlte jede persönliche Note.] N ur ein paar alte Genossen von Onissimow waren in den letzten drei.. hörten von selbst auf zu toben. [. Jeder Wohnkomfort. Elena Osokina untersetzt diese These mit Belegen für das Fehlen bzw. öffentlichen Lebens“ jenseits des A r­ beitsalltags54. zur Seite gezogenen rötlichen Übergardinen und hochgeraff­ ten weißen Seidenstores. Nadja Rosenblum. Za fasadom. Die Beschreibung seiner Woh­ nungseinrichtung passt auf das Haus in der Uferstraße. 52 Wladislaw Hedeler. die hin und wieder zu Onissimows Sohn Andrej ka­ men. zusammen mit dem Wohnraum hatten sie auch die Möbel über­ nommen. um Flaaresbreite vorbeigegangen. 53 Alexander Bek... Ebenso gleichgültig war dies alles Jelena Anto- nowna. die auch ihn bedrohten. M it einem G eleitw ort von G rigori Baklanow. und es ist auch die Rede vom riesigen Gebäude an der Moskva. Im folgenden zitiert: Osokina. wo vornehmlich leitende Angestellte ver­ schiedener zentraler Institutionen wohnten. Hauptgestalt im Roman „Die Ernennung“ von Alexander Bek.Stalins glückliches Jahr (Berlin 2001). 1940 . verließen nun. D ie Ernennung. bedeckte ein schneeweißes Tuch. die ebenfalls in den Genuss dieser privilegierten Versorgung kamen. vier Jahren hier gewesen. . verstummten in dieser Wohnung. ja die ganze Zimmer­ flucht ließen Onissimow kalt. Abster­ ben jedes Privatlebens und des „weltlichen. Za fasadom „Stalinskogo izobilija“. ist ein Vertreter dieser Generation. Ihre Definition der sowjetischen Elite leitet sie aus dem Anspruch auf die Zugehörigkeit zum Versorgungssystem A ab. Unter Berücksichtigung jener Personen. Sie bildeten den engeren Kreis. Ale­ xander Leontjewitsch Onissimow. war der 60jährige Stalin nur mit einem Halbgott vergleichbar52. [. 54 Elena Osokina. Raspredelenie i rynok v snabzenn naselenija v gody industrializacii. nach Stalins Tod. seiner Frau. Das Parkett war spiegelblank. kehrten aus den Gefängnissen und aus der Verbannung zurück. die Glasscheiben und die Politur des Büffets glänzten. an dem zwölf Stühle mit Schonbe­ zügen standen. 1927-1941 (M oskva 1998) 127-137. Za fasadom 134. die in der Verwaltung zur Ausbildung von Arbeitsreserven der UdSSR keinen geringen Posten bekleidete.] Die Kinder. An Onissimow war dieser Kelch der Repressalien.] die Lager hinter Stacheldraht.

Nicht nur der Schriftstellerverband. . Sow jetunion 1934-1945. 57 Ö sterreicher im Exil. Viktor Petrovic Karetnikov. Wohnungs. Deshalb konzentrierten sich die Ver­ haftungen in der Stadt auf bestimmte Wohnviertel und Straßen. Gleich daneben war die Auskunftsstelle des NKVD. So wurden z.B. 59 Vatlin. alle im Haus Nr. In Moskau ansässige Institutionen und Betriebe hatten ein stark ausgeprägtes Interesse daran. Während der nationalen Operationen suchte das N K V D vor allem Häuser. A usw ahl und Bearbeitung Barry M cLoughlin. Wohnheime und Hotels auf. 1936 wurde in der Nähe des Donskoj Friedhofes ein Flaus für Mitglieder des Schriftstellerverbandes fertig. Fleute befindet sich in der zweiten Etage des ehemaligen Wohnheimes ein Lese­ saal des ZA des FSB. 58 A restovany v M oskve. in denen ausländische Facharbeiter. stellvertretender Leiter der Kreisdienststelle Kuncevo des NK VD. 3 in der ulica Obucha wohnhaften Politemigranten verhaftet57 und das Gebäude anschließend dem N K V D zur N utzung übergeben58. in: Butovskij poligon (V ypusk 7) 318-365. Im Lavru- senskij pereulok bezogen ausländische Facharbeiter ein Haus und tauften es „Weltoktober“. auch die Verlagsgenossen­ schaft Ausländischer Arbeiter besaß ein eigenes Wohnhaus. es diente als Wohnheim für deutsche Stu­ denten. M it einem G eleitw ort von H einz Fischer (W ien 1999) 330-333. 60 Galina Iosifovna Serebrjakova. Einleitung.212 W ladislaw H edeler Die Lösung der Wohnungsfrage Der Registerband zur Ausgabe „Butovskij poligon“ schließt ein nach Straßen geordnetes Adressverzeichnis der in Moskau Repressierten ein56. Eine D okum entation.oder Dat­ schenfrage. Politemigranten und in der Kom­ intern beschäftigte Funktionäre wohnten. In die freigewordenen Dienstwohnungen zogen nach kurzer Zeit aus dem Partei- und Komsomolapparat abgestellte Mitarbeiter ein. in: Butovskij poligon (V ypusk 7) 318. Die Versorgung der Bevölkerung mit Wohnungen gehörte in den 30er Jahren zu den Hauptproblemen in der UdSSR. eignete sich die Wohnung des Verhafteten Sergej Muralov59 an. Sowohl der Zentrale Apparat des N K V D als auch einzelne hochrangige Mitar­ beiter nutzten die Jahre des Terrors zur Lösung der Büro-. Nach der deutschen Operation fiel das Gebäude am Kuzneckij most 22. eigene Häuser für die Mitarbeiter bzw. H ans Schafranek. Die neue Verhaftungswelle fegte viele der einstigen Täter hinweg. Das Moskauer Kombinat Elektro- zavod baute in der Matrosskaja tisina. In das nach der lettischen Operation leerstehende Gebäude am Smo- lenskij bul’var zog die Zensurbehörde Glavlit ein. Generalstaatsanwalt Andrej Vysinskij fand an der Datscha des Verurteilten Leonid Serebrjakov60 Gefallen und ließ sie auf Staatskosten für sich umbauen. Im Zuge der von Berija veranlassten Überprüfung des Apparates nach dem Sturz von Ezov kamen eine Reihe derartiger Selbstversorgungsprakti­ ken an den Tag. Smerc (M oskva 2005). T atort 76-79. Der gesetzlich zugesicherte Wohnraum betrug 8 Quadratmeter. Auffällig ist die „Räumung“ von Häusern in den an die Lubjanka grenzenden Straßen. Das Marx-Engels-In- 56 A restovany v M oskve. an das NKVD. Facharbeiter zu erhalten oder bauen zu dürfen.

Sie bezog mit ihrem Mann ein 16 Q ua­ dratmeter großes Zimmer: „Um in unser Zimmer zu kommen. Erinnerungen Georgi Dimitroff. die möglicherweise solche Eintragungen enthielten. 62 Wladislaw Hedeler. die weder an die Kanalisation noch an die Wasser­ versorgung angeschlossen waren. Generalsekretär der Komintern. von der man nachträglich noch eine Ecke als Toilette abgetrennt hatte. [. „Die Komintern- Mitarbeiter sind demoralisiert. Auf dem Bauzaun prangte die Losung: Statt Opium ein Palast für das Volk! Das Verschwinden als Thema von Memoiren.. dass Familien oder mehrere Erwachsene ein Zimmer zur Untermiete oder in den Kommunalkas bewohnten und sich die Küchenbenutzung teilten. Gabriele Bräunig hingegen hatte Glück. Z ur Vorgeschichte einer Fälschung.und Staatsführung begann. Das Exil der G abriele Stam m berger 1932-1954. Oktober 1938 die neue Wohnung im Haus der Regierung bezogen. wohnte ein Milizionär mit Frau und dreijährigem Sohn. Savoj oder M etropol’ unter. Die V eröffentlichung von G eorgi D im itroffs G efängnistagebuch in der „R undschau“ zum 5.“61 Institutionen. Einfache Arbeiter lebten in provisorischen Barackenstädten am Stadtrand. Sie wurde 1931 gesprengt. hatte er vorsorglich herausgerissen und vernichtet62.. in: Problem y m ira i socializm a (M oskva 1989) N r. Nach der Umgestaltung Moskaus zur kommunistischen Musterstadt sollte alles besser werden. E rinnerungen. vor Angst halb verrückt und unfähig. Vor dem Flotel „Lux“ in der Gorkistraße fuhren die 61 G ut angekom m en . notierte Eugen Varga63. Alle Parteien kochten in der winzigen Küche. Ursprünglich lagen die Zimmer nebenei­ nander. Mit einer Bretterwand. D ie Präsenz staatlicher G ew alt inm itten einer urbanen U m w elt 213 stitut musste eine zeitlang Bewerbungen unter Hinweis auf fehlenden Wohn raum ablehnen. A ufgeschrieben von Gabriele Stam m berger und M ichael Peschke (Ber­ lin 1999)43. 7. brachten Mitarbeiter in Hotels wie Balcuk.] Für sämtliche Bewohner gab es einen alten eisernen Ausguß mit Wasserhahn. Tagebüchern. Es war nicht selten. Berlin 2001) 318-337. [. . zu arbeiten“. die aber nicht bis zur Decke reichte. um einem giganti­ schen Sowjetpalast Platz zu machen. in ei­ nem schmalen Zimmer.] Gleich hinter der Küche. Jahrestag des R eichstagsbrand­ prozesses 1938 (Berlin Jahrbuch für historische K om m unism usforschung 2000/2001. 63 Eugen Varga. E rinnerun­ gen und D okum ente. Er kommentierte weder das Schicksal der Vormieter noch die Verhaftungen von führenden Kominternfunk­ tionären. die es sich leisten konnten. Die Seiten aus dem Tagebuch. Hinter der Holzwand wohnte Grischa mit seiner viel älteren Frau.M oskau.. stand die Erlöserkir­ che am anderen Moskva-Ufer noch. hatte man ei­ nen schmalen Korridor zur Tür unseres Zimmers gezogen. hatte am 31. 90.. mußten wir durch das Zimmer unseres Nachbarn gehen. Als der Bau des Wohn­ hauses für Mitglieder der Partei.

Iz licnogo archiva (Berlin. 69 Maria Anisimovna Svanidze. Im Familienkreis wurde die Verhaftung der Angehörigen wie ein Alptraum empfunden. Fußnote. M oskva 1993) 191.Dann ist er schuldig/ In der Schule rief der Sekretär des Komsomol Katja zu sich und forderte eine Erklärung. In der Schule neben dem Haus der Regierung hatte man die Eltern von siebzig Prozent der Schüler festgenommen. wie Pawlik Morosow. . würde sie die Angeklagten für alle ihre Untaten weiter foltern.es Tagebucheintragungen spiegeln die sich ändernde Sicht der Verfasserin auf den Terror wider: Zum Zeitpunkt der Schauprozesse 1936 und 1937 ist sie noch voller Wut und Hass auf die entlarvten Feinde und hält deren Hinrichtung für verfrüht. Die von Stalin und Ezov gegen sie erhobenen Anschuldigungen hielt Dimitroff Wort für Wort in seinem Tagebuch fest. sagte die alte Familienfreundin. die in der Parteihochschule tätig war. sie gingen auf die andere Straßenseite oder legten den Telefonhörer auf. schreibt Boris Schumatzky. Vremja Alekseja Rykova (M oskva 1990) 286.. .. Sie schlief unten in einem winzigen Zim­ mer für Portiers. Maria Svanidz.Wenn dein Vater festgenommen wurde“. stand er unter Hausarrest. 67 Selestov. Dann ging Katja zur Witwe des ersten Vorsitzenden des Obersten Sowjets Swerdlow. Im folgenden zitiert: Svanidze. Ein halbes Jahr später. Tagebucheintrag vom 5. „Ein Alptraum begann. In den Monaten. wies diese Katja die Tür. 65 Schumatsky. Vremja 299. die Frau des Gewerkschaftsvorsitzenden Schwernik. In der versiegel­ ten Wohnung durfte Katja nicht bleiben. Neben dem Eintrag über die Einbestellung von Funktionären zu Ezov findet sich lediglich der Hinweis: „nicht zurückgekommen“. . Tage­ buch. rädern und auf dem Scheiterhaufen verbrennen69. 68 Selestov. Silvester 78. In den Mos­ kauer Erschießungslisten finden sich die Namen von 83 Funktionären. Im folgenden zitiert: Seles­ tov. die der Verhaftung auf dem Februar-März- Plenum des Zentralkomitees 1937 vorhergingen. 1937. von ihren Eltern lossagen werde. die Schulleitung zeigte Verständnis für sie. daß sie sich freiwillig. Als Katja ihre Nachbarin und Mamas gute Freundin. dass die pausen­ 64 Siehe Tabelle im Anhang. um Hilfe bat. Ginge es nach ihr. Der einstige Stellvertreter Lenins und seine Familie wurden von Kollegen und Bekannten ge­ mieden wie Aussätzige. Freunde und Bekannte erkannten sie plötzlich nicht mehr. Täg­ lich brachte ihm ein Bote aus dem Kreml Verhörprotokolle mit belastenden Aus­ sagen der im 1936er Schauprozess Angeklagten in die Wohnung. [. in: Iosif Stalin v o b ”jatijach seni’i.^Vremja.214 W ladislaw H edeler „schwarzen Raben“ ebenso vor. wie vor dem Haus der Regierung. denn ihr Sohn war Untersu­ chungsführer beim NK W D . 3. Auch alle anderen Familienmitglieder waren Verfolgungen ausgesetzt68. Vremja 286f. die eines der 315 Hotelzimmer des „Lux“ bewohnten64.“65 Aleksej Rykov zog im November 1936 mit Familie aus dem Kreml in das Haus der Regierung um66. Rykovs Tochter. weist sie bereits darauf hin.] Der Sekretär erwar­ tete. 66 D m itrij Selestov. verlor ihre Arbeit67. im August 1937.

der als einziger der Moskauer Friedhöfe über ein 1927 eingerichtetes Krematorium verfügte. Die 1993 veröf­ fentlichte Erschießungsliste der Opfer aus den Jahren 1934 bis 1940 enthält 670 Einträge.Volksfeind“. in: R asstrel’nye spiski. D er stalinistische Parteikader. September 1926 zur Beerdigung der zum Tode durch Erschießen Verurteilten genutzt. es unterstand der Verwaltung der O G PU . Bei den auf dem Friedhof Donskoe bestatteten Toten handelt es sich u. Die Präsenz staatlicher G ew alt inm itten einer urb an en U m w elt 215 losen Verhaftungen von prominenten Leuten dazu führen. D onskoe kladbisce. dass Misstrauen und Zweifel gedeihen. Vypusk 1. Im Jahre 1926 wurden vom Kolle­ gium der O G P U 517 Personen zum Tode verurteilt72.schrieben Brigitte Studer und Berthold Unfried an anderer Stelle - ließ keine „sichere Identitätsbestimmung mehr“ zu. Auf dem Friedhof Donskoe. 1934-1940 (M oskva 1993) 193. 115 lebten in Moskau und 23 im Moskauer Gebiet. 1993 stellte das ZA des FSB Memorial 17 Lis­ ten mit 733 Nam en von in Vagan’kovskoe bestatteten Opfern zur Verfügung73. . 1926-1936 (M oskva 1993) 281. 73 O t izdatelej.“71 Etliche ihrer 1945/46 entlassenen Leidensgefährtinnen wurden Ende der 50er Jahre erneut verhaftet. Die Atmosphäre beschreibt sie als bedrückend. Ein La­ gergericht verurteilt sie wenig später zum Tode durch Erschießen. „Die Bezeichnung . Identitätsstiftende Prak­ tiken und D iskurse in der Sow jetunion der dreißiger Jahre (K öln 2001) 23. Von O ktober 1926 bis April 1936 quittierte der Direktor des Friedhofes Vagan’kovskoe die Entgegen­ nahme von Leichen Hingerichteter. Es stellt sich heraus. Die Zuschreibung einer Iden­ tität erfolgte nur noch über das Feindbild. a. 70 Svanidze. Maria Svanidze wird zu 8 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. weil sie die konter­ revolutionäre Tätigkeit des Mannes verschwiegen und damit gedeckt hat. Tagebuch 192-193. vor Gericht gestellt und zu Verbannung verurteilt. März 1935 an beerdigt oder nach der Kremierung beigesetzt. Topographie des Terrors: Hinrichtungs. die 1937/38 in Umlauf kam. wurde von 1921 bis zum 30. V ypusk 2. wurden die Erschossenen vom 15. eine jede meinen. konnte einen jeden. 72 R asstrel’nye spiski.und Beerdigungsorte am Rande der Stadt Der Friedhof des Krankenhauses an der Jauza. Die im 1938er Schauprozess zum Tode verurteilten Ange­ klagten wurden in „Kommunarka“ bestattet. um die vor und während der Moskauer Schauprozesse von August 1936 und Fe­ bruar 1937 verhafteten und zum Tode verurteilten Personen. Die Dynamik des Terrors . Vagan’kovskoe kladbisce. dass die Bekannten von gestern Feinde sind70. 71 Brigitte Studer. Berthold Unfried. 114 von ihnen waren Regierungsmitglieder. Die Publikation aus dem Jahre 1995 enthält 984 Einträge. Darunter sind Namen von 157 in den Jahren 1934 bis 1936 zum Tode verurteilten Personen.

wurden aber nicht mehr benötigt74. N. Außerdem wurde am 1. Parteitag der KPdSU nicht die Rede.21 6 W ladislaw H edeler Die Leichen der 1936 und 1937 von Gerichten oder vom Militärkollegium Ver­ urteilten wurden in Donskoe verbrannt. In den Jahren des Großen Terrors diente der 18 Kilometer vor Moskau gelegene Schießplatz Butovo und das angrenzende Gelände „Kommunarka“. auf dem sich die Datscha des 1938 im Schauprozess gegen den „Block der Rechten und Trotz­ kisten“ zum Tode verurteilten Volkskommissars Genrich Jagoda befand. Januar 1939 in der Nähe von Butovo. Im folgenden zitiert: Golovkova. Ein anderer. Bisher dokumentarisch nicht belegt sind Erschießungen in den Jahren 1937-1938 in Verchnee Otradnoe im G e­ biet Odincovo. Auch vom Terror im Kreismaßstab war in Chruscevs Referat in der geschlossenen Sitzung auf dem 20. (Vypusk 1) 6. außerhalb von Moskau gelegener Hinrichtungs­ ort ist das ehemalige. . 1942 wurde Butovo vom Zentralen Apparat des N K V D übernommen und bis Kriegsende genutzt. Butovo und „Kommunarka“ gehörten dazu. V. Viele Haftbefehle für die hier von 1937 bis 1938 erschossenen 5833 Moskauer tragen die Unterschrift von Nikita Sergeevic Chruscev. 73 O t obscestvennoj gruppy po uvekoveceniju pam jati zertv politiceskich repressij. V rodnom . als Hin- richtungs. auf dem Territorium des Klosters „Svjato-Ekaterinskaja pustyn’“ das Untersuchungsgefängnis Suchanovka eingerichtet. dass die Leichen am selben Tag eingeäschert wurden. Während des Tauwetters drang nichts über die Geschehnisse an die Öffentlich­ keit. Butovo hatte eine Fläche von 8. südwestlich von Moskau. so dass viele der Erschossenen erdbestattet werden mussten.und Beerdigungsort. V rodnom kraju. heute bekannter. svidetel’stva. auf dem sich die Datscha des 1937 erschossenen ehemaligen Sekretärs des Zentralen Exekutivkomitees Avel’ Enukidze befand. Hier befanden sich dem N K V D gehörende Datschen und Erholungsgebiete. Die wenigen überlieferten Beispiele bele­ gen. sud’by (M oskva 2004) 61. In Butovo wurden die von der Sonderberatung des NK VD. D okum enty. Nach dem Februar/ März Plenum des Politbüros 1937 überstieg die Zahl der Hingerichteten die Ka­ pazität des Krematoriums. „Kommunarka“ dem Zentralen Apparat des NKVD. 74 Lidija G olovkova. „Kommunarka“ wurde bis Mitte Oktober 1938 genutzt und im Herbst 1941 auf­ gegeben. die den Freitod wählten. Hier befand sich die Datscha von Artur Artuzov. in „Kommu­ narka“ die vom Militärkollegium des Obersten Gerichts Verurteilten erschossen. gebracht. in: B u­ tovskij poligon. Butovo war bis zur Öffnung am 7. V rodnom kraju.5 Hektar und unterstand der Moskauer Ge­ bietsverwaltung des NKV D. Dafür war der Friedhof jedoch zu klein. Deswegen wich man vom Stadt­ rand in die Moskauer Vororte aus. einem der Mitbegründer der Auslandsaufklärung der O G PU . Die Ackerflächen in der Nähe des ehemaligen Staatsgutes dienten als Reserve. in: Butovskij poligon. Mescerin gehörende Landgut unweit von Gorki Le- ninskie. Juni 1993 Sperrgebiet75. In das Krematorium von Donskoe w ur­ den auch die während der Untersuchungshaft zu Tode gefolterten Häftlinge und jene.

Während des „Roten Terrors“ fanden Erschie­ ßungen im Kreml. In den Dokumenten. März 1930 und dem 10. die Todesurteile aussprechen konnten: das Kollegium der O G P U und die Trojka beim Bevollmächtigten für das Moskauer Gebiet. Kogda rasstrelivali prokurorov. Es liegen Aussagen darüber vor. Im Mai 1946 wurden diese Kellerräume mit einer 2. in den Klöstern Spaso-Andronikovskij monastyr’. Im Moskauer Gebiet agierten zwischen dem 7. In den Jahren 1939 und 1940 wurde auch der auf dem Flof des Lefortovo-Gefängnisses befindliche Erdbunker mit einem extra eingerichteten Raum für Erschießungen genutzt. davon 200 Todesurteile. V rodnom 59f. A fanas’ev. Für diejahre 1922 bis Dezember 1934 gibt es keine Hinweise auf von Gerichten verhängte Todesurteile. Auf dem Gelände des Fuhrparks der CK in der Varsonof’evs- kaja ulica gab es einen für Erschießungen eingerichteten Keller. 1990 wurden bei Erdarbeiten an der moskwaseitigen Klostermauer des Novospasskij monastyr’ Gebeine von Erschossenen gefunden77. führte in Moskau und im Moskauer Gebiet das Kollegium der O G PU . die in der Regel mit der Todesstrafe endeten. In dieser Straße befand sich auch das Leichenschauhaus. . 7S N. Juli 1934 zwei außergerichtliche Organe. Aus dieser Trojka ging nach Bildung des N K V D 1934 die Trojka des U N K V D für das Moskauer Gebiet hervor. dass vom Militärkollegium Verurteilte in der 2. in den Chamovnicesker Kasernen. 77 G olovkova. auf den städtischen Fried­ höfen. V rodnom 60. die das Militärkol­ legium des Obersten Gerichts sowie andere außergerichtliche Organe (Trojki und Dvojki) fällten. Von 1931 bis 1934 fällte die Trojka beim Bevollmächtigten für das Moskauer Gebiet fast 71000 Urteile. Das Haus Nr. O G P U ihren Sitz. P. finden sich keine Angaben über den O rt der Vollstreckung. sondern nur Dokumente über Urteile. 11 in der Bol’saja Lubjanka hieß im Volksmund „Das Totenschiff“. O ktober (Nikol’skaja ulica) erschossen wurden78. Ivanovskij und Novo- spasskij monastyr’ und in den Moskauer Gefängnissen statt76. Dies ist auch 76 G olovkova. Von Herbst 1936 an sind die Urteile des Militärkollegiums des Obersten Gerichts fast lückenlos dokumentiert. die von den an der Vollstreckung der Urteile beteiligten oder diese kontrollierenden drei bis sechs Beamten des N K V D unterschrieben sind. Die Moskauer nannten den Fuhrpark 1918 Erschießungsgarage.5 m dicken Schicht Bauschutt abgedeckt. Verfahren. Hier befand sich das Gefängnis der Mos­ kauer Außerordentlichen Kommission. Hälfte der 30er Jahre unmittelbar im A n­ schluss an die Verhandlung im Keller des Flauses in der Straße des 25. In den an die Lubjanka grenzenden Straßen hatten Einrichtungen der CK bzw. D ie Präsenz staatlicher G ewalt inm itten einer urbanen U m w elt 217 Dokumente über die Mechanismen und die Dimension des Terrors Für die ersten drei Jahre der Existenz der Sowjetmacht 1917-1921 fehlen jegliche Unterlagen über Erschießungen.

D okum enty.218 W ladislaw H edeler dann nicht der Fall. 83 Golovkova. im Moskauer Ge­ biet geborene Bürger. 80 Z ur Biographie siehe: N ikita Vasil’evic Petrov. V ypusk 2. Spra- vocnik. Aus Moskau stamm­ ten 86. In den Jahren 1937 und 1938 wurden in Moskau ca. In den zwei Monaten danach und Anfang 1938 waren es jeweils über 2000. A nm .bis hin zum Kommandanten Matvej Berman80. Zum Zeitpunkt der Übergabe der Totenlisten an M emo­ rial im Jahre 1993 waren 183 Personen rehabilitiert. 37 wurden als Kriminelle verurteilt. Diese Leichen wurden in einer Grube in der Nähe des Krema­ toriums verscharrt. Vagan’kovskoe kladbisce. sud’by (M oskva 2004) 219-260. weil sie als Kriminelle zum Tode verur­ teilt wurden83. Konstantin Vladislavovic Skorkin. 86 Roginskij. Spravocnik. unter den Verurteilten sind viele Bauern und Geistliche. 20761 von ihnen sind in den Butovolisten namentlich erfasst. Strana „D m itlag“. In das Krematorium auf dem Friedhof Donskoe wurden 1937 insgesamt 3344 Leichen von Erschossenen zur Einäscherung verbracht. Unter den Butovo-Opfern sind Angehörige von 60 Nationalitäten. für 24 Erschossene gab es keine Akten. 29200 Menschen vom N K V D erschossen. Die Zahl der 1931 auf den Friedhof Vagan’kovskoe bestatteten Terroropfer betrug 301. V rodnom kraju. Fast 4000 der in Butovo exekutierten und verscharrten Menschen stammten aus anderen Regionen des Landes. Anfang September 1937 verschwindet der Hinweis auf die Kremierung in Donskoe. 1926-1936 (M oskva 1995) 285. so­ wohl Häftlinge als auch Mitglieder der Administration des DMITLag . Die von Ja­ nuar bis August 1937 datierten Dokumente aus dem NKVD-Archiv enthalten Hinweise auf die Kremierung. 82 N. Im September 1937 wurden in Butovo 3165 Menschen erschossen85. Im folgenden zitiert: Petrov. wenn hochrangige Beamte wie der Volkskommissar oder sein Stellvertreter bei der Hinrichtung prominenter Verurteilter zugegen waren. Posleslovie D onskoe 571. die noch nicht rehabilitiert sind. Sie tauchen erst 1939 wieder auf. 1938 finden sich in den Unterlagen nicht einmal mehr die ent­ sprechenden Formulare. V rodnom 96. Fedorov. 80- 85% sind parteilos. svide- tel’stva. aus dem Moskauer Gebiet 121 der hingerichteten Häftlinge. V rodnom 141. Insgesamt erfolgten auf dem Friedhof 4053 Feuer- und 2291 Erdbestattungen86. 85 Golovkova. Die Terrorwelle nahm nach dem Februar-März-Plenum 1937 zu. Außerdem sind die Namen von fast 6000 Personen bekannt. 57 Fälle waren noch nicht über­ prüft84. Zu den Opfern aus dem Moskauer Gebiet gehörten wie bereits erwähnt. Ihren Wohnsitz in Moskau hatten 5833 der Hingerichte­ ten79. der im Haus der Regierung wohnte. in: Butovskij poligon. 79 Butovskij poligon (Vypusk 7) 306. 81 Butovskij poligon (V ypusk 7) 302. . Unter den in Butovo Erschossenen waren 5331 in Moskau bzw. In Butovo sind von 1937-1938 insgesamt 1975 Männer und 21 Frauen81 aus dem von 1932 bis 1938 bestehenden DM ITLag82 erschossen worden. 1. 84 R asstrel’nye spiski. K to rukovil N K V D 1934-1941 (M oskva 1999) 108-109.

c) Von der Trojka der Miliz unter Leitung von Michail Il’ic Semenov94. Die Täter und ihre Methoden Die Opfer von Butovo wurden von drei Trojkas und einer Dvojka. mit Stacheldraht ver­ sehenen Holzzaun umgeben und die Einfahrt sowie die Zufahrtstraße von Posten bewacht. Spravocnik 198-200. Anm . 1. 1993. V rodnom 72-85. 91 Roginskij. dass in „Kommunarka“ zwischen 10000 und 14000 Menschen hingerichtet wurden89. 87 Z ur Biographie siehe: Vatlin. G olovkova. seit 1934 Eigentum des NKVD. Auf sei­ nen Befehl hin sollen Lastwagen so umgebaut worden sein. 88 Golovkova. der bis zu seiner Verhaftung im November 1938 im Haus in der Uferstraße wohnte. dass hier ein Schießplatz entsteht. V rodnom 65. Tatort 276. 93 Z ur Biographie siehe: Petrov. 90 Roginskij. und es waren Schüsse zu hören. Das Gut Butovo. Im Unterschied zu Butovo wurden nicht alle in „Kommunarka“ beigesetzten Opfer auch an O rt und Stelle erschossen. Vatlin. . V rodnom 72. b) Von der Moskauer Trojka unter Leitung von Stanislav F. erwies sich als geeigneter Ort. Den in den angrenzenden Dörfern wohnenden Bauern wurde mitgeteilt. Redens. 94 Z ur Biographie siehe: Golovkova. Golovkova. In den Abendstunden und nachts fuhren Lastwagen auf das Gelände. 89 M em orial-A spekt. verurteilt: a) Von der zentralen Trojka unter der Leitung des stellvertretenden Volkskom­ missars des Inneren Leonid Michajlovic Zakovskij93. 123 von ihnen wohnten zum Zeitpunkt ihrer Verhaftung im Haus der Regierung. Dem für die Häftlingstransporte und den Ausbau von Butovo zur Hinrichtungsstätte zuständigen NKVD-Mitarbciter Isaj Berg87 wurde 1938 die Anwendung von fahrbaren Gaskammern vorgeworfen. V rodnom 72-85. Hier arbeiteten 5 Referenten. 3737 von ihnen standen auf den von Stalin unterschriebenen Erschießungslisten91. 1938 wurden sie für ihre vorbildliche Arbeit mit dem Orden „Roter Stern“ ausgezeichnet95. N r. 1/3. im Jahre 1941 waren es 477 Personen92. 4-5. 146. Das Gelände war von einem hohen. Posleslovie „K om m unarka“ 485. 76. Posleslovie „K om m unarka“ 491. 92 Roginskij. Die Präsenz staatlicher G ew alt inm itten einer urbanen U m w elt 21 9 Als im August 1937 die Repressalien Massencharakter annahmen und das Kre­ matorium überlastet war. In ihren ersten Schätzungen gingen FSB-Mitarbeiter 1993 davon aus. dass die Abgase in den Kastenaufbau geleitet wurden88. die in Moskau agierten. Von 1937 bis 1939 waren es 4050. die 100-120 Fälle auf einmal vortrugen. Vom 2. September 1937 bis 16. 95 G olovkova. Posleslovie „K om m unarka“ 499. Golovkova. Heute sind genaue Zahlen bekannt. V rodnom 72. T atort 276. Juli. wurde nach geeigneten Territorien für Massenexekutio­ nen in Stadtnahe gesucht. Oktober 1941 wurden hier insgesamt 4527 Personen bestattet90. V ro d ­ nom 72-85.

Mac. Außer I. Jakovlev. Vom 20. Fedor Jakovlevic Cesnokov und der Leiter der Operativen Abteilung des Moskauer Militärbezirkes Major der Staatssicherheit Il’ja Ja. In dieser Zeit erreichten die Erschießungen in Butovo ihren Höhepunkt. Einige von ihnen. V rodnom 79. 96 G olovkova. Antonov. ein zusätzliches Limit von 5000 zu erschießenden Bürgern bewilligt. Februar 1938 wurde Mos­ kau z.. Berg und Semenov „arbeiteten“ von August 1937 bis Juli 1938 in Butovo. Golov bzw. Diese Personen waren bis zum 15. E r w ohnte in einem H aus auf dem Friedhofsgelände. 1941 w urde er verhaftet und von der Sonderberatung des N K V D wegen antisow jetischer Tätigkeit zum Tode verurteilt und erschossen. März zu verurteilen und zu erschießen. für Statistik und Registratur zuständigen Abteilung der HV Staatssicherheit des NKVD. A. Semenichin sowie die Brüder Vasilij I. D. Ignat’ev die Anweisung über die Kremierung der vom Militärkollegium Verurteilten. 1926 kehrte er aus der Em igration in die UdSSR zurück und übernahm die Leitung des 1927 eröffneten K rem atorium s auf dem Friedhof D onskoe. M. folgende Mitarbeiter angehörten: I. An einem Abend entschieden Berg und Semenov über das Schicksal von bis zu 500 Menschen96. I. . Blochin an des­ sen Stelle. Von Juni 1937 bis Dezember 1937 war es der Stell­ vertreter des Leiters der 8. Sigalev und Ivan I.1. 98 Z ur Biographie siehe: Golovkova. G. Von Mai 1936 bis Ende August 1937 unterschrieb der Kommandant des Militärkollegiums des Obersten Gerichts I. Il’in beteiligt. P. V rodnom 82. März 1938 hatte der aus Leningrad nach Moskau ver­ setzte Zakovskij die Leitung der Zentralen Trojka inne. A. Januar bis 28. sondern die von Hauptmann (später Major) G. Okunev. Nach der Verhaftung von Golov im Mai 1937 trat der Kommandant des N KV D V. V. Berg waren an den Erschießungen in Butovo Sergej Aleksandrovic Sinin. 97 p etr Ivanovic N esterenko (1885-1942) N .220 W ladislaw H edeler d) Von der Dvojka des NKV D und der Staatsanwaltschaft. der die Anweisung über die Kremierung der von der Sonderberatung des N K V D Verurteilten zeichnete.B. Einige Namen der Vollstrecker der Todesurteile sind heute bekannt. Fel’dman. Die zur Erschießung in Gruppen von 40-50 Personen antransportierten Männer tru­ gen nur Unterwäsche. Blochin war von 1924 an Erschießungen beteiligt und lei­ tete seit 1926 die Kommandantur der Allgemeinen Wirtschafts Verwaltung.a. seinem Stellvertreter Oberleutnant (später Flauptmann) A. Er verfügte über eine 12 Mann starke Sondergruppe. Ja. Dmitriev. Täglich wurden 200-300. A . E. später des Ministeriums für Staatssicherheit. Zubkin. Petr Ivano­ vic Maggo. März 1953 auf den entspre­ chenden Dokumenten. Ernst A. Am 1. 99 Golovkova. Siga- lev9S. Seine Unterschrift findet sich bis zum 2. S. zu­ nächst der O G PU . manchmal aber auch bis zu 400 Personen erschossen99. der u. Die Vollzugsmeldung über die erfolgte Einäscherung trug seit Anfang der 30er Jahre nicht die Unterschrift des Direktors des Krematoriums Petr Ivanovic N es­ terenko97. diente als O berst in der Arm ee von D enikin. die nicht den 1939 einsetzenden Säuberungen zum Opfer fielen. 1. brachen irgendwann unter dem physischen Druck zusammen. V rodnom 85-96. D.

den Verstand. auf die Milizreviere bestellt und im Anschluss an die Überprüfung der Personalien festgenommen wurden. Februar 1937 und dem 29.00 U hr traf der einbestellte Blochin im Gefängnis ein. Die anderen wurden nach Prüfung der Personalien von den H en­ kern übernommen. Da Irrtümer häufig vorkamen. zu Tode.00 bis 01. Die Erschießung 1993 sagte der ehemalige Kommandant der administrativen Wirtschaftsverwal­ tung des N K V D Hauptmann A. Dann übernahm Berg die Gefangenen. Ein Lastwagen fasste bis zu 50 Personen. . 100 G olovkova.30 Uhr. er übte diese Funktion von Januar bis O ktober 1937 aus. Oft waren die Angeklagten gar nicht zugegen. Diese „Verhandlungen“ dauerten zwischen 5 Minuten und einer halben Stunde. Die meisten der in Butovo Erschossenen kamen aus dem Taganka-Gefängnis. Die Erschießungen fanden in den Abendstunden. wie Mac. V. dem Sretenka-Gefängnis (hier saßen die kriminellen Straftäter101) und dem Bu- tyrka-Gefängnis. dass die zu Verhaf­ tenden zum N K V D bzw. In dieser Zeit wurden die Verurteilten auf Lastwagen verladen und nach Butovo bzw. D ort trafen sie zwischen 01. davon 38955 zum Tode. zur Grube geführt und dort durch Genickschuss getötet. wieder in die Gefängnisse zurückgebracht. Gegen 17. 101 Butovskij poligon (Vypusk 7) 319. Während die Opfer zu Be­ ginn des Terrors individuell ausgewählt und potentielle Angeklagte ausgetauscht wurden. In Alben-Ver- fahren (nach insgesamt 383 Listen) wurden zwischen dem 27.00 U hr ein. In der Zeit des Großen Terrors erfolgten die Verhaftungen im Morgengrauen zwischen vier und sechs Uhr. Über 20 mal verurteilte das Militärkollegium mehr als 100 Ange­ klagte an einem Tag. Das Militärkollegium des Obersten Gerichts der UdSSR fällte die Urteile in Eilverfahren. September 1938 insgesamt 44477 Personen verurteilt. deren Angaben nicht mit den auf den Listen eingetragenen übereinstimmten. D ie Präsenz staatlicher G ew alt inm itten einer urb an en U m w elt 221 verloren. wie Maggo. über die Erschießungen in Butovo aus100. V rodnom 160. Am Tag der Hinrichtung wurden die zum Tode verurteilten Häftlinge aus den Arbeitslagern oder den Gefängnissen in das Butyrka-Gefängnis überführt. nach „Kommunarka" gebracht. Während der nationalen Operationen kam es vor. Zunächst wurden die Personalien festge­ stellt. Sadovskij. Sie dauerten gewöhnlich von 21. Es gab Nächte. wurden die Häftlinge. erfolgte die Verhaftung auf dem Höhepunkt der nationalen Operationen nach von den Kaderabteilungen in Abhängigkeit von der sozialen Herkunft oder der Nationalität zusammengestellten Listen. Hier wurden sie fotografiert. ln Butovskij poligon (Vypusk 1) 357-358 w urde der N am e des Zeugen nicht aufgedeckt. Andere legten Hand an sich oder soffen sich. unmittelbar nach der U r­ teilsverkündung statt. in denen zwei bis vier Henker zwischen 300 und 500 Personen er­ schossen.00 und 02.

S. After the men were gone. 104 G olovkova . Se­ menov. Als der Rau­ penschlepper nicht mehr ausreichte.500 residents of the House of the Government experienced and dealt with the terror. Ovcinnikov und I. P. I. 103 G olovkova . I. M. S. Children from 44 families were put in children’s homes. on a representative group of the population. They were subjected to renewed arrest and administrative exile and resettle­ ment which was only lifted in 1956. The question of their disappearance corre­ sponds with the issue of traces of remembrance on the territory of the metropolis. Sigalev. 17 women were shot or died from the deprivations of camp imprisonment. M. D. By reference to the biographies of the residents of the House on the Embankment it becomes possible to investigate not only the history of perception and psycho­ logical repression on the part of the victims. von Dezember 1937 bis Mai 1938 waren es I. Ovcinnikov. im Juli 1938 waren es I. Lozkin. Korjavin. Ja. Ovcinnikov. the prison terms lasted from three to eight years. I.both for its residents and for the House on the Embankment which ceased to exist as a public and social phenomenon. sind bekannt102: Von August bis September 1937 waren es A. Semenov. Il’in. M. I. Se­ menov. und von A u­ gust bis Oktober 1938 P. but also how the world of the camps shaped the behavior of Soviet citizens. Ja. kam ein Schau­ felradbagger zum Einsatz. Ja. V. Bis auf den heutigen Tag sind 12 solcher Massengräber auf dem Gelände ausgemacht. T. I. I. Berg. D. Il’in. um die Gräben auszuheben. Dazu stand ein Raupenschlepper mit einem Schiebeschild zur Verfü­ gung103. Der Fahrer wohnte in einem Häuschen auf dem Gelände. the focus moved to their wives. Today we know of the suffering of 168 spouses who lived in the House of the Government. The terror signified the end . Am nächsten Abend wurden die Leichen im Graben mit einer Erdschicht ab­ gedeckt. Mit diesem Gerät konnten drei bis fünf Meter breite und dreieinhalb Meter tiefe Gräben ausgehoben werden104. P. I. Il’in. I. die die Urteile vollstreckten. the emphasis is fixed on the city of Moscow. 102 Butovskij poligon (Vypusk 1) 347. Their release in 1946 did not however mean the end of the repres­ sions. Summary In 1937 Moscow had a population of nearly 4 million people. . I. Berg. V rodnom 96. I. and on an area of social life which comprised both the terror from below as well as the terror from above. M. Ja. von Oktober bis November 1937 waren es I. Semenov. D. Berg.222 W ladislaw H edeler Die Namen derjenigen. I. From the outset. This chapter out­ lines how the about 2. Within a short period of time residents verifiably disappeared from 345 of the 505 apart­ ments. 62 women served their sentence in 14 different correctional labor camps. im Juni 1938 waren es I. V rodnom 89. Il’in. Lebedev. I.

Die Präsenz staatlicher G ew alt inm itten einer urb an en U m w elt 223 .

E rschoss B ruk. M in ister 231/12 B orzov. 1904 russ G osplan -1985 Die Präsenz staatlicher Gewalt inmitten einer urbanen Umwelt X xx/10 C ch ak aja.I.G .I. O . erschoss C ju ru p a .Ja. D . skaja) O.K. 1882 bulg K o m intern -1 9 4 9 249/13 D im itroff.A V erbannt 096/05 G hackevic. N . m ann tet/V er.S. V orosilov 1943 206/10/07 C hruscev. 1903 russ Stellv. M ilitär 298/15 Bos (K o cju b in . Ja. F rau v A.Ja. 1902 russ M in ister -1980 264/14 B oldyrev.M . B.K . 1902 VK -1973 505/25 D em sova- S cadenko.A. LI.37 erschoss G hackevic. K urier 042/02 C ekm enev. G.V . TASS 333/17 D enisov. fang­ teilt oder 2erschossen Etage T o d es. K.Ja.G .N . 1892-1956 235/12 D im itro ff. 227/12 G u b a r’.S. iS98 A dW -1 9 8 0 347/18 C incevoj.K . 053/03 B elen’kaja. L. A rz t K rem l 1952 B usalova. 354/18 B eloruceva. M . N . 1952 202/10/05 C adaev. 224 W o h n u n g sn r N a m e G eb. 1892 w eißr G IK 16. M . G e. A.VK 450/23 Belov..P. G.Ja 045/03 B ogoljubov. 1922 to ch ter 1992 Wladislaw Hedeler 147/07 B elen’kij. 1915 1989 498/25 B elkin. 189//09 B ruk. R.A .E.O . in A lzir 1entlassen A ufgang h aftet urteilt schossen bzw . N . K ind er V. D . D. L . Ja. 279/14 D im anstejn. V orosiiov 1943 250/13 C hm eT nickij A . 1882 bulg K o m intern -1 9 4 9 D irikov. I. A . M. E.N . 1911 russ M inister 458/23 B akinskij. lette 225 117/06 D olcckij. M ed izin er 176/09 Busalov. M ichajlov 225/12 C ereteli.F.M . Z. 1937 1993 236/13 B ruk . V erur.VK 451/23 B enediktov. I. L.S. A.S. A . 1937 1993 208/10 B ruk . 1892 V C JK repress 295/13 C ju ru p a . Ja. V.N 1903 russ VK -1 9 6 4 K alinins Sohn 041/02 C eb o tarev a. P. V.I. F u h rp a rk 053/03 G hlopkov.G .S.V . Z. T ito s Schw ester 054/03 Bescev.M .VK 155/08 G elm s F rau v.L M ilitär 047/03 B au arb eiter 035/02 B ednyj.S. (M ichajlova).A.T. F u n k tio n Ver­ Ver­ E r­ F ried h E h efrau / V erhaf.V. L G . S. N . E rschoss B ruk. G . A . G. Steliv.D . Jo u rn a list 1937 M useum B alasova. N . 1908 M a r’jasina. 1989 IT L 457/23 B elen’kij. Ja. G.R 1928 Sohn A dj. 1894 russ M K /M G K -1971 178/09 C hvesin Steliv. NKVD 121/06 G h m el’nickij A . Ja. 1912 In g enieur -1984 1941 044/03 B erdin.M .VK 170/03 B erezovskij.VK 061/03 C ekm enev. N . P.V. 1952 267/14 Busalov. V. 1888 TASS 07.1937 F reitod . A Stellv.VK 029/02 C icin.M in -1981 M useum B eser (Sulkov- skaja). 1865 gcorg -1 9 5 0 178/09 C ebotarev.M .S.A. S ohn G edenktafel B urak o v sk ij.VK 238/12 B erkovic. M . E. 1883 Schriftst -1945 053/03 B elen’kaja.S. G.M . V.K . V.S. 1937 1993 209/10/09 B ulganin. 1900 M ilitär -1956 184/09 B oPsakov. NKVD M useum C crneva. Ja.37 F reito d C ervjakova. 1895 C IK 24. N . A .A Steliv.M in 439/22 B aranov. A.Ja Steliv. LA 1902 russ D iplo m at -1983 367/19 Ber. M . 1928 Sohn 194? V erb an ­ V erbar nung 492/25 C uchlancev. V.S. M . A. 1908 M a r’jasina. P.06. K inderheim 106/06 C haustov. N at.P. E.G .C h 1897 M ilitär -1982 2 04/10/06 Bajbakov. 1913 S ohn S.E .N .S.R 1928 Sohn A dj. 1899 F rau Ju. NKVD 127/07 D aieckij. N. G. RV K 012/01 ß elo ru ceva.P. 419/21 Belov.N .A . E rschoss B ru k .P. P. I. Z . Steliv. A . Steliv. 1939 A b d trZ K M . A rz t K rem l 1952 Busalova. N .A .M . S.V.A . 223/12 Balm asov.S.A . 071/04 C ervjakov.S.S T o ch ter 1934 D im anstejn .11. Steliv.V.. S.A ngehörige u rteilt nts IT L 3 v erstorben jah r 4verlegt 031/02 B abuskin. 1893 P ilot -1938 219/12 B agram jan.

G . L. Jo u rn alist -1985 Xxx/01 G ro n sk ij. 005/01 E lek trik er 054/03 262/14 F edo ren k o . m ann tet/V er­ teilt oder 2crschossen Etage T o d es. M useum §L Felicyna.V.D otacov 3 444/22 F eiin zat (Svarc). 1896 IM L -1978 V erbannu T o b o lsk X R. G.A F euerw ehr 392/20 E frem ov.F'. 056/03 F om ina.M. 1881 Lenins Sekr -1975 M useum F rid rich so n .1. L. NKVD 457/23 G vacharija.N.E 1904 M ilitär -1975 006/01 G o lo v k o . S.A W ache 00S/01 E P kina (U g aro . 477/24 G aceciladze.I.T. Jo u rn alist -1985 493/25 G udov. 1900 russ M inister -1960 E frem ov.V.L. 1. L. M . 485/24 G risin a 1916 ITL j) ] 942 018/01 G ro n sk ij. I.N .VK 395 G lu sk o . A . 1903 K o n str 112/06 G o g o b erid ze.l. V eteran 169/08 G usev a-D o ro feev a. T o ch ter 2 1 4//12 G o g o b erid ze. (K in derh ).T .'V S. P. RVK 357/18 G alk in.A . 175/09 G o p n er.L.D 1896 georg W irtsch fk t G o g o b erid ze. D.B.. Fedotov. L.37 erschoss 383/20 IT ausm eister 205/10/07 l l ’in.L. 228/12 G o lo scek in . I.A .A . SL 046/03 Flerovskij. Stellv. V eteran 097/05 Ivanov.F.V. I.G .B. 1876 RV K -1941 231/12 G olovanov. P. 1907 D ich ter 136/07 E glit.B. A. i. Schw iegerm v. V. L . F u n k tio n Ver­ E r­ F riedh E h efrau / V erhaf­ V erur­ in A lzir lentlassen Aufgang haftet schossen bzw .M . 227 107/06 Ivcenko W achc . F. 1897 russ O b. E .P.P. 1891 A rch itek t -1960 083/04 Isakov.05.G 1896 M ilitär 1938 062/03 G o re m y k in . N . 1896 1900 Li k r russ M ilitär NKVD -1 9 4 7 -1963 a. B. 360/18 G re b c l’skij. A . M . W irtschaftsv X xx/O i/x x G avrilov. S. T o ch ter 113/06 G o g o b erid ze. A . LM . G . X V V erbannt K avkazskij. L . L. O . ukr T o ch ter 1938 V erbannt G oloded.D 1896 georg W irtschfkt G o g o b erid ze. 1905 russ VK -1988 372/19 Ivanov. 074/04 Foticva. M inister -1 9 5 7 024/02 Ioannisjan. 1907 russ VK -1978 255/13 G reb el skij.I.A . V. M.G.. Levitan M useum D orofeev.N . 1882 1937 F reitod 371/19 G oljakov.l.G . 1894 M ilitär -1 9 6 7 061/03 Iskov. 1937 K arlag S eko. 1888 russ OG -1961 188/09 G o lo d e d . A . N . A . LA. erschoss Ivanova.G.S ow j “ 1988 M useum G o rk u sa (Sirsova) E.F.37 N . G.S.A ngehörige u rteilt IT L 3 verstorben jahr 4verlegt 353/18 D o rfm an (L evitina) F rau v.M L . 329/17 G o ro d o vik ov . L.A . M . V.P. 1901 A u ß en h 01. B. NKVD -1971 491/25 G ästew o h n u n g Z K 452/23 G atcen k o . N a t. A. P. 1899 russ S taatsbank -1969 479/24 G erasim ov. T o ch ter 418/21 G o l’dic.E Ja .A.G 1896 M ilitär 1938 G o rik . K. S. O .09. EA. Die Präsenz staatlicher Gewalt inmitten einer urbanen Umwelt M ilitär 134/07 G o lu b ev a.N . V. L. 1896 M ilitär 1939 V orkuta 341/17 D zap arid ze.M . A rch itekt 295/15 E gnatasvili.G.E. N eu erer 495/25 G usev. L. 101/05 G u zo v skij.P.L 1879 M ilitär -I9 6 0 398/20 G o rsen in . Ja. 229/12 G o rk in . 1938 Tem lag v a ).M . I.V. Sekretärin E. O . A .A Fam ilie 423/21 Efim ov.A.I 1880 jo u rn a lis t -1966 0 03/0! G o re m y k in . 1887 -1972 G ed en ktafel Iofan. ß. W ohnungsnr Nam e G eb. I. LT. 2) 30.l 1879 M ilitär -1960 432/22 G o ro d o vik ov . L.D 1896 georg W irtsch fk t G o g o b erid ze.

1898 russ M inister -1972 245/13 K abanov. 1880 P u blizist -1965 248/13 K arpov. NKVD 207/10/08 K am anin. 1903 O b . V.A.04.G .P. M inister 059/03 K ozjavin. NKVD 213/12 Jakovleva. S chw ester 042/02 K ulikov.A . VK 153/08 Jus im (L ande).38 Jakovleva-B ulina V erbannung 05 176/09 Jasenskij. 1895 T o ch ter v erschoss A. N . 1905 russ Voüvsbild -1978 207/10/08 K aganovic. K. P.I.I. Z K K P dS U 457/23 K isis.D . A .VK 060/03 K ozjavin. F. ß.E 046/03 K abanov.A . K ind erh eim M . M .A . In to u rist 475/24 K o stin . B.V. VK F reitod -1941 K aganovic. 1902 russ Stellv. 1881 russ D iplo m at -1 9 4 0 085/04 K ilosanidze. 474/24 K alinovskij.G . O.E. A .A. 114/06 K u b a i’skaja. E . 1901 1948 IT L cTnickaja. A. VK 139/07 K olarov. L.N. N . Er. P A .D erschoss K avtaradze. K .A. Stellv VK 445/ K orsunov.F. M .A. Varek'ij 121/06 K u ck ano v a-C hm .M 090/05 K am ero n .1-. F u n k tio n Ver­ Ver. 1888 jude Stellv.M. V. !8 8 i K atanjan. 1904 russ V ors. S.l. 396/ K abanov. 1877 bulg EKKI -1 9 5 0 003/01 K o m m an d an tu r 376/19 K ondachcjan Ju stiz 225/12 Konev. m ann tet/V er­ fäng. V crur. L.D . 1943 049/03 K aftanov.L lette RV K L ctti T o ch ter Kisis.I. M .P.D .V.M .N .E.V. O b . V.E. Stellv. 1916 In g enieur 26. M useum K av tarad ze. A . V. NKVD 052/03 K ruglov.M inrat -1980 200/10/04 K o v rig ina. 1888 Ju stiz -1948 097/05 K am ero n . poln D ich ter 351/18 ju d a e v NKVD 488/25 Jud ako v . P.S.Ju.P. in A lzir lentlasscn A ufgang haftet u rteilt schossen bzw .A.L 1885 D iplo m at “ 1971 K av tarad ze.N . C . V. R. 1901 ukr M in ister -1969 037/02 K o ro b o v.L. V.P. 1893 ju d e S ekr. G erich t -1 9 3 9 372/19 K ra sty n ’.M .A . R. R. NKVD 197/10 K erzencev. 1900 F rau -1 9 6 7 Jusim .03. G . N .R 286/15 K njazeva. K irchen ir -1967 409/21 K arpovskij. ZK 183/09 K odjakov.A . Ja. Stellv. 250/13 K u ck ano v a-C hm .l. LS. P.V. A . Z. G . E.M oroz Sohn 3) 2S. S. G o sp lan 300/15 K atanjan.ZK -1991 233/12 K aganovic.E K om arov 201/10/05 K o rniec.l. 1910 M ilitär G o sp lan N) ho 312/16 K upcov. E. 1926 VK 1949 IT L 10 424/21 K rugljakov. Sohn 494/25 K ujbvseva.V. V. N.l. M useum K agarlickaja (R ossola).39 1 .S. Sohn v.M in -1962 059/19/10 K senofontov. S. N .R.. W äch ter 261/13 Jurevic. F rau Tem lag Selbtsm ord 408/21 K repljak 1902 1937 Siblag 1988 (G orbaceva) R . teilt oder 2erschossen E tage T o d es­ A ngehörige u rteilt nis IT L 3 verstorben jahr 4 ver'egt 496/25 Izvekov.V .N. P.M . F ricd h E h efrau / V erhaf­ G e. 1908 M ilitär K am anina. ^ie Präsenz staatlicher Gewalt inmitten einer urbanen U m w elt (K o m aro v a) A . I. 336/17 K abanov. A . 134/07 K ujbysev. N at. 1888 Ju stiz -1948 172/09 K an tine/L ag er 189/09 K arpinskij. 186/09 K n cm an . P I.V. 1897 jude F rau Sohn V . S. M . EP. V. sD .VK 185/09 K ozlov. 1890 G o sp lan 1937 485/24 K rivosein. 1898 russ M inister -1972 Wladislaw Hedeler 392/20 K abanov. 1907 russ NKVD -1977 268/14 K rutikov. LG . K olym a 409/21 K edrova. A . E G . W irtschaftsv 494/25 K osygin.A. Sow jet -1967 001/01 K raftfah rer 188/09 K rasikov. S. V. 228 W o hn u n g snr N am e G eb. L. E. P. 1897 M ilitär -1973 178/09 K opylova F rau v.L. V. 1901 1948 ITL e rn ick aja. 1890 Jo u rn alist 1939 159/08 K rem ik urier 039/02 K ren d el(M o ro z). O .G . 013/01 K asirina.

1894 G o sb an k 10. 1868 H isto rik e r -1 9 4 4 L epesinskaja. NKVD 004/01 M atju ch in .11.08. 28. P. V.G . Frau va) L.VK 406/21 K utjakov. 1896 CKK S ohn K ind erh eim L jak sutk in a. A. L. 1880 Ütau VC1K -1935 K apsukas.I.38 B u tvrka 11. V.Ju. 1907 kaz Jo u rn alist 1945 415/21 K uznecov.L NKVD 020/01 Lepesinskij. 1891 ukr D ich ter -1 9 5 9 021/01 Legner.37 T.A . LI. 1898 russ P arteif 137/07 L u r’c (T rifonova) 1904 Frau -1975 E. A. 1896 russ VK -1956 287/15 L itu n o vskij. 1901 russ Stellv. Stellv.V 1881 finn -1 9 6 4 K u u zin en .VK 086/04 M an u car’janc. G. E. N.K . A lhlueva 065/03 M otov. G . A .P.D .M .G .39 V orkuta 1)02.E. B. L .38 M a r’jasina.D 1898 A dW -1976 116/06 M al’cev. N at. M . L. N . Er.43 M uralov.37 Sredneaz 08 19. 01. O .V 1899 M ann v. S.S. -1990 180/09 K uznecov. L enins B ib liothekar 012/01 M a r’jasin. V.01. T o ch ter 1937 481/24 L jak sutk in . R.N. m ann tet/V er. 1897 •konom 17. Stellv. IM L . P.I. 1883 lette V eteran -1 9 3 7 123/06 L avrenev. LM . M ilitär 102/05 L evcenko.W o hn u n g snr N am e G eb. 412/21 L judm irskij.L NKVD 345/18 K u rier/F eu erw 006/01 Kurski}. Vogeler H 197/10 M arkevic.I.VK 363/19 M ickjavicus. N .07.M .09. 337/17 L izareva. M ilitär -1941 006/01 K uznecov. 1899 KGB -1967 197/10 L obanov.12. T. Ge~ V erur­ A ufgang h aftet u rte ilt schossen bzw .R.M in -1 9 8 0 199/10 M jagkova (P o lo z).09. A. LA. I. 1907 K om som ol 1938 492/25 L uppov. 1893 jude Stellv V K 05. E. Ju. 480/24 M archlevskaja. Li. 157/08 L urija (G erciko .1933 461/23 K u zdybaev.L 2) 1937 X x x /0 1 / M uravieva 1900 1937 N o ril’ (G avrilova) A .38 A strachlT L ITL 354/18 M a r’jasin.E. N.A . M ilitär 117/06 M otovilov.VK -1981 122/06 Lichacev.V. 1887 tadz D ich ter -1 9 5 7 307/16 Lander. A . N> 461/23 M u rzin . 1898 M ilitär 014/01 Litvinov. A.A .08.1949 05. 1929 K o ly r 3) 1940 .F.G. Stellv. G .A .P.V. 1889 jude M inister -1953 176/09 M echlis.37 22.B 468/24 Lesukov.F. 1900 Stellv VK F reito d -1954 156/08 M atasov. 1885 M ilitär 1937 M useum M ereckov. 1889 jude VK -1953 M useum M cTkum ov. 1901 russ G ew erk s -1990 110/06 L ach u d . S.S. K .L 1895 K o n stru k t -1 9 7 0 B rud er 328/17 M il’cakov.S.37 Sredneaz 19. A. P ilot 128/07 M echlis. 1902 russ Stellv. I. 1885 arm -1 9 3 7 090/05 Lukjanov. A rchivver 347/18 M alinovskij.Ja.P. 1876 1TL 26. O .P.V. 1897 russ M ilitär -1968 142/07 M ichalin. 28. A rch itek t 050/03 M azu ru k .P. 1902 russ M ilitär -1 9 7 4 016/01 K uznecov.l.11.V.A. A . D .M in.12. Ja. I. F o rstv erw 337/17 M u ralova. V. 1902 russ VK -1984 184/09 L ukasin. 1897 Stellv.M. L.11. 391/20 L ysenko.l. F. K.l 1903 K om som ol -1973 498/25 M itricev.38 M a r’jasina.L. Z .M . 1898 M ilitär -1 9 6 7 102/03 M alysev.B. 1897 russ NKVD 08.37 F reito d 365/19 K usarov.03. 1897 M ilitär 1937 1938 019/01/10 K u usinen. S.N. 126/06 M ikojan.S. RVK 053/03 M itro ch in.38 A strachlT L R. L.37 22.A. A.A ngehörige urteilt nis IT L 3 v erstorben jahr 4 v e rU t 351/18 K u p rich in a. B.0138 IT L 196/10 M aslennikov.P.04. V. F u n k tio n Ver­ Vor. F ried h E h efrau / V erhaf. T. fäng teile in A lzir 1entlassen o d er Zerschossen o Etage T o d es. V. T.G .L 248/13 M oiseev S ekretär c M olotovs 208/10 M olocm kov. 1894 G o sb an k 10.Ja ITL 160/08 M archlevskaja.G . 1876 jude VK -1 9 5 ! .l. V. S. A .1949 B u tvrka P o tm a 1)03. A .N .

1904 russ M ilitär -1978 217/12 P ersonal P ervuchin. G e.39 1996 IT L 274/14 P o d g o rn y j.P. D .L 1880 V eteran -1948 230/12 P olujan-Sm ilga. 1917 M ilitär erschoss agova) M aria P. 1886 1937 P o lujan. I. 1883 Stellv.10.F. RVK 243/13 P reo brazen sk aja (S orina). A.M .G . Ja.M . 1905 A dW -1995 319/16 P o p p e (K ovaleva) A rzt Karlag FP 231/12 P oskrebysev. G ..D A btltr. 1876 P u blizist 1973 495/25 P etrovskij.G . P u blizist 144/07 R yckov.l. L.Z. 129/07 R om anov 316/16 R om an o v sk ij. N at. tet/V er. K. V.1. F u n k tio n Ver­ Ver­ E r­ F ried h V erhaf. O. E .10. A . G ew erk. P. 2)'08. 237/12 P rin z v o n Laos P rinzessin 216/12 P ro n in /W ach e X xx/12 P ro sk u rin a. V erur.A. Liv . K. VK 1937 F reitod 179/09 R udakov. LT. 1902 russ Steliv. Jo u rn alist 198/10/03 Saburov. W irtschaftsv 388/20 N anejsvili -1993 (K osareva) M.C h . 1898 Pravda -1 9 7 9 119/06 Pospelov. 1878 ukr V eteran -1958 356/18 P ikina.N .G h.V.04.V. V. K . B . S.N .V. K . G o sstrach 1938 394/20 R akitina (Filatova).38 [) 17. 251/13 N o se n k o . K. V erba 492/25 R jabikov. M .E . erschoss R jutina- V ladim irskaja. B. OS 01. 204/10/06 Petrov.l. K . Wladislaw Hedeler Sverdlov 392/20 N ovoselov. F. Ju.F. P o lujan. A .44 206/10/07 P onom arev. N .I. G ew erk sch aft 060/03 NKVD 058/03 N o g in a.10.V K 440/22 R jutin. LG . 1. N .V 1894 NKVD -i9 6 0 2S9/15 Paleckis.V. G . A .08. A . 1899 lette D ich ter 473/24 P a n k ra t’ev. I. 1906 russ D iplo m at 417/21 Rabicev. D.O . 1898 P ravda -1 9 7 9 498/25 P ostm kov. P.V.02. K . 1891 Stalins S ekretär -1965 Die Präsenz staatlicher Gewalt inmitten einer urbanen Umwelt 100/05 Pospelov.41 16. N . F.O S -1983 M useum P odso tsk ij. 1900 russ G o sp ian -1 9 7 7 S aburova.D . 059/03 N iko laev a.A . 1898 IM E L st. R.M.38 1938 P eters.N . 232 W o hn u n g snr N am e G eb. 1886 lette NKVD 1937 25. A . A.G . 197/10 N e steren k o (R yc. I. A lzir vs.A .N . Ja. 1899 lette P o litb ü ro 013/01 P erepeck o . 1904 russ M inister -1978 181/09 P eters. 346/18 P etro sjan . OG 148/07 P arin.Z. 1908 K om som ol 15. VK . teilt oder 2erschossen E tage T o d es­ u rteilt nis IT L 3verstorben jah r 4verlcst 027/02 M usiev. 201/10/05 P eresy pk in. P eters (D enisov). F rau vo n ja. V. 1882 475/24 N ajdenov.T. RVK 055/03/04 R o p in . D ir F reitod 312/16 R abinovic.S.l.11.tv:.A OG 394/20 P ankratov. I.VK -1956 319/16 N o v g o rod cev a.N .A. O . V. 1907 u kr Staatsam v -1981 081/04 R vbakov. 233 171/08 S aburova. 1897 russ VK -1959 148/07 llykl'm .M. 1905 russ VK -1991 363/19 PePse. 1866 226/12 R evenko. M useum P senicyn. G . N .V 1903 ukr P räs.N .38 D. 1897 russ M ilitär 16. LG .Ja. 1883 Stellv. 1870 A dW -1953 054/03 Pavlov.A . 1903 A dM W -1971 187/09 P ato n . Z K F reitod 498/25 P u sto v ojto v 221/12 Puxanov. fäng.I. S teliv.N .S.A .41 432/22 Pavlov.A . V. T. VK 1937 F reitod 012/01 R u d en k o. M . erschoss 280/14 P odvojskij. M. M . N . 1906 russ M in rat -1 9 9 0 052/03 O so k in . A .Ja. in A lzir 1entlassen A ufgang haftet urteilt schossen bzw. 330/17 R ejnstejn.N . 103/05 R udakov.

.

Die Präsenz staatlicher G ew alt inm itten einer urbanen U m w elt 235 .

P.45 232/12 U ralov. fäng. DV. 1889 IM L -1935 375/19 T ovstucha. erschoss 370/19 S u bb o tin. V. E.N . P K . FS. W . P. 051/03 V odopjanov.V.A ng eh örig e u rte ilt nis IT L 3 verstorben iahr 4verlegt 281/14 S tjazkina.M . M. Z. K. V. G o sb an k 405/21 T ju rn ik o v W ache 225/12 ’I’o lb u chin . erschoss 419/21 V eller-G urevic. Wladislaw Hedeler 057/03 Sverdlov.A.G .P. M.A.A M useum V oznesenskij L . M .V. V erur. N.V.A. D iplo m at -1945 U m anskajaja 3)25. N .P. in A lzir i entlassen A ufgang haftet u rteilt schossen bzw . 1889 IM L -1935 145/07 T u m m erm an L. K.VK M useum V iktorova. Stellv.V. N .A 1898 M useum U ger.A. N . 439/22 U l’janov. 1899 M d itär -1968 287/15 V orosilov. G .M . F riedh E h e fra u / V erhaf. 1924 V erbannt Svarc. E Ja. Er. I. V tlenskaja. N . LF. V erb an n t V ojtik-S ochina.G .A . N at. LP. 1902 arm M in ister -1958 211/12 T ichom irnov.A .. 1902 russ VK -1947 228/12 Vachrusev. M useum V inogradova G o lo scek in a.N .VK -1 9 8 0 430/22 S uchoparov. 213/12 U sp en sk ij.A . M.A . R Ja . RVK 274/14 T ichonov. M . 080/04 V inokurov. A.A . N .P. E. V. T. E lek tro tech n 488/25 Surovcev.A . G e. Uger. K. F. A rz t 224/12 V ladim irskij. F. 1904 russ Stellv. K inderheim 444/22 Svarc. 1902 russ VK. K rem l 382/19 V arganov.V. 1900 M ilitär -1973 357/18 Vetrov. T.A .M .C h NKVD 254/13 V oronov.S.V. V K.A. A .F W irtscbaftsf U m an sk ij.I. RVK 434/22 S yrom olotov. E . G. V.F. iS 9/09 Varganov. R u n d fu n k 499/25 T ju ch in .. 236 W ohnungsnr Nam e G eb. 1905 poln D ich terin -1964 061/03 Vasin. V. Ver.S. W ächter 308/16 Suskov. RVK 030/02 T jukov. VK erschoss Suskova.F.D. 1888 russ G ew erk -1 9 7 0 015/01 Svesnikov.I. S. E. 1894 M ilitär -1 9 4 9 218/12 T om asevskij Ju A 188/09 T ovstucha. K.V.V.M . S. N . V. M V 1899 P ilot -1 9 8 0 M useum V ojtik.G.S.V. 007/01 S topani. K PdSU 420/21 V oroncov M . M ilitär 193/10 Vasilevskaja. B . KSK 489/25 T er-E giazarjan.D.M . K rcm lverw 188/09 Tarie. Suskova.F.A . Flausm useum 199/10/04 T evosjan.M in M useum V lasova. 1888 russ G ew erk -1970 229/12 Svernik. 468/24 V edenjapina. G .E 1881 VK -1969 121/06 V orosilov. Stellv. V. A . m ann tec/V er. 420/21 V eller-G urevic. NKVD 202/10/05 Vachrusev. K .A.N . VK 373/19 Volkov. F u n k tio n Ver.A .01. M . 241/13 S tro d . F listo rik erin 195/10 S treP m kova (K osic). N.S. GRU Kujbysev. 343/17 T elefonzentrale 190/09 Terechov.N .M . Stellv. M useum V agnerm an-K lejner.A 270/14 V oznesenskij N A 1903 A dW -1950 237 M useum V oznesenskij V. l.P. 1896 D ich ter -1979 153/08 T iu no v a. LJa. B rud er 210/12 Svernik. -1947 M useum V acnadze Die Präsenz staatlicher Gewalt inmitten einer urbanen Umwelt (K aftaradze) S. S. K rem l 498/25 Vasil’ev. S. 1875 jude A dW -1955 144/07 Tarnovskaja T o ch ter (Steckaja). L. M useum V denskij-Sibirjakov. 472/24 V ersinin.A. Stellv. 1889 Stellv. teilt o d er Zerschossen Etage T odes.M .P . E. 276/14 Volin. A. Sohn M useum V oznesenskij E . A. V. Z. G .

37 14.05.T.03.07. M .03.36 19.38 1) 26. B. R . G e.03.02.37 01.01.37 05.41 K 169/08 K o p p .L A dW 351/18 Z danovic.04.11.39 R adek. V.01.07.10.07. N at.10. m A lzir len d assen A ufgang h aftet urteilt schossen bzw .36 26.38 K Z ubareva.L . A.37 26. R.A.38 15.01.02. 1895 A rzt 06. 1900 russ M ilitär 11. G .37 13.04. K.M .37 D 129/07 E gorov.07.37 D E g orova.08.04.K .Ja.08.06.45 020/01 R adek.37 D 357/18 V oronskij.1.L 1883 jude W irtschaftsf 08. R. N .37 21.I. 1899 russ VK -1977 219/12 Z u k o v .38 04. Ja.37 13. 494/25 Z asjad 'k o .A choss V yskovskij. 03.L 1881 russ VK 27.08.T.08. teilt o d er Zerschossen Etage T odes.S.01. V.37 IT L 10 -1942 Ionova.01.05.A ngehörige u rteilt nis IT L 3 verstorben jah r 4veriegc M useum V vedenskij.01.08. C h erschossen V yskovskij.36 11. M in ister M useum Z erb o v sk ij.08.11.08. 27.37 P eterso n .36 erschlag 19.P.36 04. K .07.46 265/14 A kim ov.37 219/12 P eterson.37 SIB L ag xx. I. N .05.37 D 059/03 K senofoncov. fäng.09. V. A.05. 11. R .07. Z . L L .B. P. V.37 D K repljak. 1892 russ M ilitär 04.B.38 K R ykova.37 13.E .I 1889 russ W irtsch 28. S. 183/09 Zubarev.37 26.37 16.G .L 1889 tsch Stellv.S. VK 19.10. 08 B u tvrka 22. M useum Z ilin a (A jtakova).38 1) 09.01. V.34 Solovki 10 230/12 Sm iPga. 1886 russ S tellv. ju .VK -1964 M useum Z ig alo va (K n o rina) N . A .G .P.+Z.07. X I.08. 17.36 26.37 03.F.02.06. Belbaklag 026/02 Izrailovic.38 25. T.10.08.M .50 G orbaceva.43 018/01/10 R ykov.05. 1893 russ M ilitär 03.L D>e Präsenz staatlicher Gewalt inmitten einer urbanen Umwelt M useum Jaroslav.37 03.04.37 01.M.08.V K 15. Ju .12.I 1889 W irtsch 24.04. VK 20.36 D 337/17 G alk in. 438/22 Z K -W o h n u n g 017/01 Z o nov.45 Sohn E .37 25.37 D 393/20 Z of. P.11.38 K K opp.36 04.07. M . P. M.P.09.37 03. P.08.08.37 D 043/02 Burov.07.. VK 019/01 Z o nov.10. K inderh 239 422/21 Sokolov.37 Segrälag 08 20.A .37 08. I.09.S.04.36 10. Ju. Z akurdaev.S. N .37 Sohn 349/18 Ionov. T ö c h te r ja.A .46 china. erschoss Z erbo v sk aja.03. A.B DubravSag R.37 03.08. Ju K inderhein 111/06 Z ernov. 1893 ukr W irtschaftsf 02. L.36 25. Stellv. B. E.L K inderheim 361/18 Zajcev.37 14.38 1)07.37 25.09.01. 1896 russ G o sb an k 10.37 S m il’ga.10. 1885 russ G ew erk sch f 19.36 D 298/15 K o cjubinskij JuM .41 1) 22.45 378/19 D o n e n k o . 28.37 10.V.V.38 15. N . K inderheim .T .37 16. 1893 jude NKVD 17.38 R ykova. Stellv V K 274/14 Z otov. 1892 G o sp lan 01.02. G . VK M useum Z akurdaev.S.36 05.S.37 B u tvrka 08 12.02.V 1877 russ V eteran 16.38 B u tyrka 08 23.S. 1891 ukr D ip lo m at 12. 1. L cio rto v o Tam ara(T ochter) L eforto vo 049/03 K otov.37 26. 1897 M ilitär 27.41 27.11. A.37 04. erschoss 304/16 V ychodcev.37 D . 1896 russ M ilitär -1974 199/10 P o lo z.09. K. Verur.01.37 22.S. 238 W ohnungsnr N am e G eb.37 10.01.08.35 10. A. M.38 B u ty rk a 08 12.F.B.V.K .D 1895 w eiß r A btirr. 408/21 G orbacev.12.36 D G alk ina.36 03.05. m ann tet/V er.03.1936 -1945 H a ftk lin ik 294/15 A rk u s. 1898 russ V eteranin 11. 1899 jude E isenb 11. 1887 G o sizd at 08.07.06. P. erschoss Z ajceva-G lu. N .09. M aja R. V. 1896 u kr D iplo m at 05. V. 1885 poln Jo u rn alist 16. A.A .M .K . M inister 012/01 Z b arsk ij.N K inderh 375/19 P auker.M .V.04. N . F.37 13. M arina K inderheim P eterso n .09. Ja. E^.A. A.T NKVD M useum V yskovskaja. M useum E rm o scen k o .03.G .I Stellv. S.09. V. LM . L.M in 261/13 V ysinskaja.B. F u n k tio n Ver­ Ver­ E r­ F ried h E h efrau / V erhal. M useum Z archi.I.F NKVD 201/10/05 Zem ljacka. Z akurdaeva M useum Z an g v il’.06.E.41 4) 21. 03..03.38 1) 14.07. 1895 russ Präs. V.05.S. 1876 jude KPKZK -1947 495/25 Zem skov.03. 84 07.G .04.05.38 Segezlag 08 20. A. R.A. 1884 russ P u blizist 01.K O lga (F rau ).37 20.S. A.37 D A kim ova.03.37 048/03 M alokovic.07.C h K inderheim 002/01 W ache 150/08 W ache 215/12 W ache 447/23 W ä eh ter/P u tz fr 242/13 xxx Wladislaw Hedeler M useum Zajcev.07.37 21.05.38 2)22.09.05. Stellv.37 13.34 04.M. D .V. Zajcev.G . K inderheim G orbacev. G1K 27.37 D V oronskaja.36 08.Ju. E.

N .N .. K m d erh eu n N .N .05.37 D 195/10 K osic.11.11.P.37 D K ub jak . S Ja.37 26.l. verh erschossen 422/21 D u seck in . 1884 poln KPKZK 16.37 D O z ero v a.05.06.37 27. 1892 russ M ilitär 14. M .11.D .08. L.12.37 12.08.01. 28.A.L 1888 p o ln A btltr.10.37 26.10. 1886 russ M ilitär 31. 1897 V K Law i 15.01.37 26.38 1) 07.N .A .37 D 178/09 K om arov.l.37 16. V.37 21.45 221/12 T uchacevskij.10.37 D Tataeva.02.10.37 D S tru p p e.3S 29. M .43 Wladislaw Hedeler 334/17 M uklevic. V.37 D Tuchacevskaja 00.02. 1886 russ K aderreserve 20.i0 .06.M. Ja.37 27.05. A .08.38 K T rito n o v a.1937 09.37 D 141/07 K angelari.45 185/09 K o rv tn y j. N u rm ak o v a. 1889 arm 27.37 27.09.S. 336/17 G m d in -G in z b u rg .01.07. G h.37 22. P i. K sova N .37 26.06.05. I ’o m sk A .37 D 053/03 K ubjak.06.01.08. G.01.G h.37 30 .A .07.L . G .45 015/01 M anfred.37 Landa.08. 411/21 S tru p p e. 1900 tatar A btltr.06.37 30. 1900 jude M oskau KP 26.09.05.37 29.V.05.11.37 E rschoss M in ’kov. A .12.M .07. L.37 22. 1901 jude K om som ol 26.11. E.05. C.37 28.37 10. 1883 russ Stellv.10. Z K 22.37 03.37 D P olo n skaja.37 M oskau 08 01.37 D K o rk . M .37 26.02.B. 08.12.K .37 ß u dzinskaja.38 i)10. V.37 10.12. 16.38 060/03 O sipjan .G. 1887 este M ilitär 12.09.37 D N azaretjan . I.09.i0.05. N . 063/03 O svm cev. N .37 29. 1900 russ G osplan 26.il.37 29.M .10.37 22. 1896 russ K rem lkom m 21.E 1896 15.11. 1890 georg K P -F u n k t 22.37 30. A .06.l. 1894 P ädagoge 10.38 10.38 307/16 G ru zeP .P .3 7 K om arov.11.N .Z.06.45 319/16 K ovalev.37 D 256/13 K orostelev. AV.37 27.03.08. 189S jude G o sb an k 08.10. N 225/12 K am inskij.37 27.37 D 322/16 K raevskij.il.03. 229/12 C halatov. 1881 russ K om m u n aiw 13.08. m ann tet/V er­ fäng­ teilt o d er 2erschossen Etage T odes. V K 22.11.38 B u tvrka Sverdlovsk 061/03 K n o rin .37 -1996 S ohn L arin. VK 18.03.3 7 26.05.L 1896 V K M itarb 06.G .37 21.06.37 27. E.37 08.M .37 11. 07. D .37 25. N .06. 02. M . V K 17.09.37 21.37 11. M . 1900 russ M ilitär 31.37 26.06.ja.M 1888 arm C IK 06. 03.37 IT L 10 447/23 O zero v .37 D C h alatov a. S.02.06. 029/02 D ogadov.10. S. P. P I.05.09.08.06.N .37 08.P.1 i.37 K L oganovskaja. A.i0. E.A 1S90 p o ln Stellv.10.12.37 B u tvrka 08 12. E . 1894 russ KSK RVK 19.08. M . A. 1886 russ VK 06. E. 1893 russ Stellv.11.06. 03. Z. V.37 15.05.37 D 114/06 Varskij.02.. N at. 271/14 K alm anovic.07. VK 27.10.12. 153/08 L ande.06.37 M oskau 08 01. + O .37 B u tvrka 08 12.I.07.I.10.G .G. 1889 KSK 21.06.1 1. M .37 21.07.37 D Die Präsenz staatlicher Gewalt inmitten einer urbanen U m w elt 288/15 Serdic. N .M .38 1) 20.A 1900 russ RV K 20.06..37 12.06.11.07.37 03.A.06. verh N az a re tjan .A .P.38 K K raevskja. 03.45 N u rm ak o v .10. P.A 017/01 Fejgin.37 27. 1887 russ F u h rp a rk V K 12. 435/22 C ern o sv itov . 1890 lette A btltr. K inderheim Slavinskaja.E.05. A .37 D K angerlari.A .02.A . 320/16 B urnasev.37 03.37 26.37 27.38 K K am inskaja.06. K ind erh eim 299/15 M in ’kov.37 10.07.11.-E .07.37 D 254/13 M el’m canskij.37 Slavinskij. B. V.A .02. G . 1886 russ VK 11.38 22.A.N .41 N E M .N . P.01.M . 1888 S taatsbank 11.37 27.10.06.G .L 1888 russ KSK RVK 21.A .06.37 D K orkm asov.09.03.A.05.37 D N u rm ak o v a. K . V.L.I.37 21.11.06.N .10.37 D G ajster.37 i 1. P.38 30.10.37 B u tvrka 08 i2. R . 233/12 P oio n skij.06.11. B.06.37 27.L 1899 jude Stellv.E.41 1) 20.09.37 03. N . 1878 kum y C IK 22. L.i0.06.09.06.45 472/24 R em ejko.A ngehörige urteilt nis IT L 3 verstorben jahr 4verlegt 389/20 K o rk . ju . 03.37 D Fejgina. erschossen P olonskaja. F u n k tio n Ver­ Ver­ E r­ F ried h E h efrau / V erhaf­ G e­ V erur­ in A lzir 1entlassen A ufgang haftet u rteilt schossen bzw .02.37 01.06.05.38 10.03.06. D . 1889 russ A b tltr.37 28.09.11.06..11.38 243/13 N u rm ak o v .Z. A .37 15. M in ’kova. 19.N .P C h.M .37 28.06. 391/20 L oganovskij M .41 2) 16.09. K om arova L .37 27.37 Scgezlag 08 20. G . K inderheim 178/09 Sobinov. V erbannt O z ero v a.06. N .G .37 26. L. 28.12. K inderheim TN . 1895 jude VK 25.37 2 7 . V. N .38 ß u ty rk a 08 09.38 K 334/17 M uklevic..37 D G ind ina. V erbannt 167/08 G ajster.06. VK 27. 240 W o hn u n g snr N am e G eb.P.07.38 1) 12.01. D .37 30.06.37 K D useckina. V K 25.37 27. 137/07 T rifonov.37 D D o g ad ov a.L M useum B udzinskij.08.A .38 08. S.37 D Belaja-Jakir.38 422/21 M usabekov. 1868 poln V eteran 12. V.08.10.37 08. A.M 1888 arm C IK 06. 146/07 N azaretjan .05.07.37 D M el’nicanskaja. LA.37 2 9.. VK 28. 1890 M ilitär 28.37 30.11.37 D R em ejko.06.3 7 26.38 1) 16.06.08.07.37 29. 22.06.37 08.12. VK 16.37 ß u ty rk a 08 12. N Ja . VK 28. A .38 K B urnaseva.37 30. A. 1888 russ RVK 21.06. 11.L 308/16 Tataev.N .06.37 16. V orkuta 3 132/07 L a v re n t’ev.38 15. 1895 kaza G evverkschf 03.06.11. E.06..43 218712 Slavinskij.08.02.I. 11.I.M. A .10.37 D 088/05 A zark in . A . 1914 11.37 28. N . G .01.37 02.38 M . 19. 1896 arm G o sizd at 27. 334/17 M uklevic.A 1895 poln Stellv.08.I.37 D 190/09 K ravaP.37 B u tvrka 08 12.D .07.11.07. V.37 27.38 L av re n t’eva.37 03.38 1) 29.37 K ovaleva 07.04. 1889 lette A btltr. M . 1893 russ M ilitär 22.E.37 2 9.38 03.37 • 470/24 L arina-B ucharina.N . 1896 jude KSK RVK 15.11.S.38 K 401/20 K orkm asov.45 K artvelisvih L.37 29 .37 21.P.37 29.V.N .09.A.1937 09.09.ja.38 2)08. K.37 03.37 26.1937 27.37 21.09. A.11. 1897 lette G o sp lan 31. 074/04 M usabekov. R .37 2 6 .37 29.37 30. E.37 21. 1891 arm M ilitär 30.37 25.D . 1891 jude KSK RVK 27. D. S. A.37 29.38 08 (B ulat) A .37 08.37 29.37 22. 1890 poln VK 09.

38 K 412/21 Z e b ro v sk ij. S.10.09. 1897 russ C IK 08. A.37 D M o ro z .10.03.S.37 30.A . 1887 ukr W irtschaftsf 09.37 01.11.37 D 209/10/09 M etallikov M .07.G .38 21.39 D erschossen 392/20 Tcrechov. 1889 jude Sparkasse 07.10. 1888 russ A b tltr.37 30.38 29.10. 1902 G o sizd at 14.01.11. 1904 russ K P K ZK 05.12.Ju.02.A . N .E. V.11.D .A .08.07. 1894 russ Z K V K P(b) 20.05.A 185/09 ß e laja-jak ir 1900 Schw ester 16.37 D 295/15 K ocetkov. A.07.M .38 1)30.37 288/15 T ju rm k o v.07.12.37 26.08.08. 1908 ukr Red. LA.B.07. 1884 russ W issensch 26.07.10.04.37 D G urevic.37 30. I.37 D M iljutina.38 1)09.38 B u tyrka 08 09.4 i 1)01.37 02.37 D P avlunovskaja.37 03. 04. 20.39 B u tyrka M agadan (K o rv tnaja).06.37 B u tvrka 08 26.12.37 11. N .A.I.10.37 26. 1897 jude M oskau 05.37 D K arpova.37 30.S. G . 1894 russ A btltr.11.38 1) 23. A .li. 1895 po ln R ed ak teu r 09. S. 1894 jude W irtsch 31. 441/22 M aksim ovskij.38 .11.02.S 1896 russ In sp ek to r 08. K o ry tn y j.D .37 07.11. V.37 31.38 B u tyrka 08 07. 1900 tad z RV K Tadz 08. G .37 26.ja.37 28. 1888 russ A b tltr.38 1)27. K inderheim 459/23 ß lizn icen k o .07. A .37 8 IT L 054/03 Z elenskij. VK 07. 1882 jude A b tltr.37 D Z e b ro v sk aja S. I.07.L 1894 tu rk m C IK T urkm 22. Saitanova.02.11.M .K skaja. V.P.N .G. G . v o n Jakir.12.07.F .10.07.09.M .08. K inderheim 494/25 M usk in .10. LM .10.G .11. 1890 jude G ew erk sch f 07.37 07.12. 1894 russ A rch itekt 11.38 K R ossova. O .11.. M .37 13. E isenb 10.43 251/13 Sem uskin. + N .11. S.37 02.11.37 -1 9 7 9 Vjatlag.07. A . V.10.38 15.03.45 M . 1906 russ RVK 31.07. 27. LL. G .37 29.38 K P jatnickij. 1887 P ädagoge 27.02.37 26.07.12. 1899 russ ZPKK 09.M .37 31.37 27.F.45 124/06 V izner.06. O.11.45 S em uskin. I. 1888 KP MK 07. 084/04 A k u iinuskin.02.37 26.37 25.07.11.37 27.37 D K ocetkova.R . 1898 russ M itarb.37 2) 10.38 28.11.12.01.12.37 08. M .37 T erechova.37 233/12 A lekseeva 1899 russ P u blizistin 2 i.08. 1879 poln M useum sdir 18. 15.38 K ö'•vl o 052/03 M ichajlov.37 10.37 29.06.37 02.38 2) 26.37 2) 02.37 29.37 D M u sk m a.38 K 387/20 M ak su m .03.07.D . Z.07.01.38 K S em uskina.37 -1 9 7 6 C halatov.11. G . 28.37 11.10.07.37 112/06 Tairov (Tcr.07.37 K T ju rn ik o va.06. U s t’lag 485/24 C h arcen k o .37 B u tyrka 08 12. 1895 russ KSK RVK 04. M . V.07.38 K 071/04 O rlov.38 G rig orjan ).37 D ß lizn ice n k o . S. 1894 arm D iplo m at 05.l.P.07.10.04.37 D 402/20 R ad cen ko .37 29.37 D D em cen k o.06. S.03.37 30.11.38 K Z elenskaja.07.G .37 207/10 K rinickij. Izvestija 22. VK 28.37 27. 1890 russ VOKS 08.38 104/05 A rosev. O . IT L 08 2).37 D IT L 10 046/03 K lejner.07.07.37 04. F.A . T.38 25.08. 1894 russ Z K V K P(b) 20.08.12. N . K inderheim 387/20 C h o dzibaev.08.12.08.V.I. A.l. 1.37 D (P olonskaja).38 22.38 04.37 29.37 20.G .37 02. 1896 ukr VK 22. 006/01 Sulkovskij.38 K G u b erm an 090/05 Saltanov.N.10.07.11. A .02. B.38 28.11.37 29.01.3 7 27. VK 28.37 28.11.38 20. 1906 G iavlit 14.37 25. 07. E .37 erschoss -? 222/12 T jurjakulov.37 D Saltanova.12. 28.37 25.37 D 310/16 R aab. A leksandrovskij 1890 M ilitär 07.01.38 1) 22.37 26. A .06.37 B u tyrka 05 12.38 20.08.F. V. 1938 423/21 P tu sk in .07.I. N at.10. 1894 russ RVK 28. A .38 1)07.07.P. 1892 A dW 15. 27.09.I. 26. L. M ..07.05. 410/21 T roickij. N ..P .07. 03.37 D G aneckaja.07.M. A.M. 1896 28.37 ö•'-J o 039/02 M o ro z .37 27. 420/21 G u revic. tallikova). I. V. LE. 1893 russ G enossensch 28.S. K inderheim 229/12 C h alatov a.37 11. 233/12 A lekseeva 1897 russ P u blizistin 05.12.G 029/02 K arpov.1.11. 1895 russ M ilitär 28.45 163/08 M iljutin.07. B.08.37 03. 07.45 095/05 K ostanjan.38 10.11. ll’ina.38 K 032/02 O rlov.07.A.07.01. N .37 26.A.02.37 D (K rim ckaja).P. 04.37 16. 1897 jude NKVD 10. G.V.V.38 10.11. 1898 arm Politv. LA.A . 1893 jude G ew erk sch f 03.T.06. teilt o d er 2erschossen Etage A ngehörige urteilt nis IT L 3 verstorben 4verlegt 138/07 G udov. E.07. A . A .06.07. N . 1883 jude In sp ek t RVK 23.07.V 22.37 26.10.A .37 27.37 26. K inderheim Wladislaw Hedeler V. N .. V.42 T erechova.G . A.07.N . A. 16.11.07.38 K A roseva.39 1947 V erbannt 010/01 G aneckij. O sepjan 410/21 L a z ’jan.38 K 060/03 G ev o rk jan (O sipjan) 1900 F rau v.l.07.37 B u tyrka 08 01. 1898 russ W irtschaftsf 25.A. K inderheim 174/09 K rinickij. 188 S ekretär K P 18.11. V.08.01.F.08.07.M .37 B u tyrka 08 01. 242 W o hn u n g snr N am e G eb. LA.37 21.37 30.37 26.37 26.37 20. B.37 26. LE. V erur­ in A lzar lentlassen A ufgang haftet u rteilt schossen m ann tet/V er­ fäng. V K 07. 07.10.3 7 D -M K A lek san d ro v .B.37 02. Sohn V.07. Z K 27.37 21. M. Ju .37 03.10. 1896 jude G o sp lan 07.F 425/21 A jtakov.39 31.09.V.1937 E. V.Z.12.38 161/08 Rossov..Z.37 1 5 .Ch.N . 356/18 G u b e rm a n .N . 1895 jude A btltr.37 V erbannt -1941 M aksim ovskij N V A lle M aksim ovskaja V erbannt N.37 27. 400/20 Pjatnickij.11.07. A.11.03. 1900 jude K aderleiter 10. 1895 russ M ilitär 10.l. M .38 K Tairova.37 B u tyrka 05 01. F.37 02. 1881 tad z C IK Tadz 08.03.04.08. K inderh 211/12 B ak.S.02.37 15.01.46 M . 1893 jude RVK 07.I. E.12.08.12.37 27.S.38 09.A .06.37 28.37 08.A.07.11. 157/08 G ercikov. VK 28.37 29.12.37 15. M . 349/18 D em cen k o.37 D 235/12 P avlunovskij.37 09.07. VasiPeva. M.37 25. V. A .37 10. A . K inderheim 243 273/14 Rjabov.01.38 15.11.01. N . 07. I.07.G .37 20. F u n k tio n Ver­ Ver­ Er­ F ried h E h efrau / V erhal­ G e.45 209/10 R jabu ch in a (M e.10.S.37 22.37 30.Ju.11.38 1) 22. 1904 lette G osplan 29.02.05. 1898 P arteif 20.37 Die Präsenz staatlicher Gewalt inmitten einer urbanen Umwelt M useum Il’in.38 F rau Z ilina.I.G .09.37 04.S.08.37 M oskau 08 01. A .38 K 366/19 M argulis.06.10.37 26.V.07.I.37 Segezlag 08 20.08.37 29.07. K inderheim Rossov.37 T ju rjak u lo v a.M.37 Il’in. E.11. V.07.11.11.08. Ja.E.N .37 D M ichajlova.38 lvdePiag N .09.07.07.38 1) 11.37 30.09.

37 B u tyrka 08 26.L 1894 jude P a rte ilu n k tio n 2 3 . 1894 russ Stellv.37 26. K ind V. V erbannt K ucm ina. 1893 jude Steliv.37 B u tvrka 08 26.10. R.37 27.37 26. 30. N . 1896 russ M ed izin er 17. VK 21. 403/20 Ik o n .02.45 451/23 Ptljavskij.11. Vadim V 1912 russ Ingenieur 14.37 K -B 403/20 K ure. 1895 jude Stellv.37 19.04.04.11.02..01.11.ja. S.12.37 08.Ja.38 O z erzk aja.N . 1891 russ S tadtverw 02.l 1903 russ G o sp lan 17. N . M /Z .1937 erschoss 098/05 G ajstcr.12.37 29. K inderheim K azan ’ 12.11.07.05. S.08.11.38 K 258/13 K ogan.A .i0 . 1887 jude V crlagsltr 25.38 Serebrovskaja 22.11.11.07. V.11.07.P. 1900 arm NKVD 26. 1894 21. M .37 K E hefrau verh.11.A .37 20.10. V erbannt 021/01 S crebrovskij.04.B.08.38 21.11.46 031/02 Vasit’ev.C h.04.38 K urc-V asii’eva.04. 188 S ekretär KP 18.12.12. 10.10.38 1)29.08.A .10.38 Lager 09.K.11.38 211/12 Levin. 1949 342/17 B oguckij.38 B u tyrka 08 12.S. 1894 russ Eisenbahner 28.38 O N E G L ag U rickaja.37 26.38 05.10. V.37 10.08. V. im russ W irtschaftsf 25.38 20.37 D 270/14 A b o lin.37 10.37 25.11.04.37 19.38 K 178/09 F rid rich so n . 09. V K 21.37 B u tyrka 08 12.38 1) 18.12.04. 1889 jude W irtsch 22.38 K 092/05 M eerzo n.38 K C hvesina. VK 08. M . L.37 09.45 M ezlauk.I.04.1. (1900-) K inder: Z.V. 199/10/03 G en k in .37 27.M . D .11. 1896 jude Ju rist im VK 11. 08 B u tyrka 11. 22. P.12.10. m ann tet/V er­ fän g ­ teilt o d er 2erschossen E tage T o d es­ A ngehörige urteilt nis IT L 3verstorbcn jahr 4verlegt 278/14 R jabov.45 097/05 Iv an ov -K avk az.M .37 09.38 K 485/24 S u d ’bm .37 22.37 30. A.38 <31.29.V.37 26.04.11. 1903 A b tltr.37 19.37 D N o so v a.10.G.37 01.37 07.10.01. A.10.03.10.G.08. 075/04 D y b ec.06.38 425/21 C h io p jan k in .38 K B obrova. V A .37 26.V.01. A .45 263/14 N osov.A. 1889 lette S tellv. L .03.45 E. M .09.11.1 1.+ E . 1888 russ Z K K PdSU 26.38 K S u d ’bin.37 26.03.V 277/14 E rem in . 1892 jude Stellv V K 15.I. 11.37 08.S.38 K N azaro v a.38 +25. P. B.37 I3.A.02. Z .38 10.L 1892 russ S tellv. N . Valerian V 1887 russ W issens 13.37 29.I.B. 226/12 K ucm in.12.38 K G eschieden 390/20 U i'ickij.38 B u tyrka 08 04. K.10. T.37 D 471/24 C e rn y j.04.K.37 21. N at.37 10.11.37 07.37 26.38 26.09. A .38 K 496/25 Bilik.38 15.38 Z oja Al. E’.37 25.37 A. 11.02.38 1)22.37 25.37 27.. S.V 1892 jude Stellv VK 15.12. 1901 jude W irtschaftsf 04.37 D K indeeva.1. 1898 russ M ilitär 02.1 1.A r.08.I. R .12.38 K K ocetova.37 B u tyrka 08 26.10.05.l.37 10. P.09.38 21. 1891 ukr E isen bah n er 23.37 08.01.37 11.T.M . G .38 K R ozengoP c.S.38 10.09. 1897 lette Stellv.37 28.10. l.01.38 2) 25.02. I. K.05.02.38 20. 10.43 063/03 B obrov.A. 1890 deut In to u rist Vors 03. L. 1919 russ Sohn 02. B o brova.N. A . u n d E. 1894 jude G o sp lan 09.V K 13.38 19.03.08.S. S.05. 08 B u tyrka 10.38 07.38 08. 22. N . M .38 K O sin sk a ja-O b o - lenskaja E.37 12. A .A .37 208/10 O z e rz k ij. VK 23.05.38 1) 28.07.11.37 B u tyrka 08 12.10.38 10.38 D 475/24 K lcjm enov.05. 1893 russ W irtschaftsf 08.S.P 1884 FIV G o ld 23. A.38 247/13 N ovikov.37 21.A. K inderheim 440/22 M atusov.03.38 27.09.08.07.39 1)06.N . 1884 poln Ju rist 05.37 K C ern aja.37 28.11. 1894 russ Stellv.03.37 K ran k h aus B ergavm ova.V K U . N .03. S.V K 27.10.04.37 25. VK 11.09.10.37 26.38 K B ron .A . S.02. 1893 russ VK 01.38 343/17 K ocetov. LP. E.06. E.37 08.38 K A bolina..08.A.01. E. I. 244 W o hn u n g sn r N am e G eb.S.10.37 21. F.05.37 D 176/09 C h v esin .11.37 D E rem ina. K inderheim 059/03 Bilik.l. A .K .37 D F rid rich so n A.37 26.V K inderheim 018/01 O sinskij.37 28.38 K M ajorova.09.11.37 D skij. 1898 jude GRU 01. M eerzo n.37 OS.12. P. Ju .07.09. S. LG .01.S.08.l. K inderheim Wladislaw Hedeler 167/08 K aplan (G ajsier).10.37 10. I.12.01.10.[.38 28. 28.3S 15. S.38 V erbannung K azachst an 394/20 F ilatov. 461/23 Lasevic. G ajstcr.38 1) .12. 1890 jude G ew erk sch f 15. V.V N o so v a. 09.. 1901 jude A btltr.37 K V olkova.M K ind er S.38 1) 22.03. 1895 Partei! 09.38 + 13.09.K .05. 11.H .38 10.E 16. K ind er 399/20 Ivanov.V.37 26. 1893 jude Stellv.05.03.38 21. M . A .37 3 0 .38 1)05. .37 25. 051/03 K alasnikov.02.ß.. O . 1888 georg 22. M .11.09.05.38 28.V 005/01 Bergavinov.10.45 351/18 Volkov.38 22.E 1897 ukr Z K K P (B )U 11.10. K inderheim 373/19 Kmcieev. 1899 russ FIV n ördl.03.37 01.38 10.09.37 10.38 M oskau 08 1) 12.02.S.09. 1889 jude VK 07.37 D D y b ec. N . F u n k tio n Ver­ Ver­ E r­ F ried h E h e fra u / V erhaf­ G e­ V erur­ m A lzir 1entlassen A ufgang haftet urteilt schossen bzw.A .05. 22. L und N.Ja. V.45 237/12 R o z e n g o i’c. T.12. P.09. 1887 ukr W irtschaftsf 04.09.03.M . 21.09. 03. VF.37 2 LG 1. K inderh L)te Präsenz staatlicher Gewalt inmitten einer urbanen Umwelt 153/08 Tokarev.08. LF.38 25.01.11.A .01.37 25.45 S öhne A .10.07.38 11.38 K G ajster.10. N .12.02.V.38 12.38 22.38 01.37 13.37 B u tyrka 08 02. K inderheim L*> 1-0 CO o 321/16 S u d ’bin.38 1) 09.38 B u tyrka 08 04. K.02.37 K 421/21 M ajorov.38 K 173/09 G ikalo.38 08.38 01.10.08.08.37 27.37 22.E.A 22.D .1.l 1898 V K M itarb.03.38 K 195/10 K osic. A . A.11.37 10. K inderheim N osov.01.A .38 K K ucm in. 1895 russ VK 24.38 K K alasnikova.12.E 1891 russ G ew erk sch f 22.38 K S u d ’bin. R. Z K 20.01.05.37 21. VK 08.I.37 27.10.01.38 O z erzk aja.12. 1889 russ ZK 17. N .37 10.04.K .03.38 21. K.I. S e e 3 1 . A . S. 1S96 russ S tellv.A.l. R.45 189/09 O z e rz k ij. 1882 poln OG 13.37 371/19 Sm irnov.37 -1968 A lzir 08 480/24 T ichonov.04.P.37 25. 1886 jude M ossovet 0 2 .04.02. M G K.01.S.01.42 M .01.12.38 K C h lop jan k in a 018/01 O sinskij.04.08.38 B u tyrka 08 12.l.E.10.37 25.45 245 T.02.10.S.37 D 173/09 N azarov.04.A.01. 16.09.38 M eerzon.38 10. N .11. 16.37 27.38 K U rickaja.11.09. M .

37 04.38 B u tvrka 08 07.03.04.04. A.37 29. O .09. 1894 russ K o m m u n alw 31.12.S.06.54 439/22 G rin b e rg .38 IT L 08 i: \ .38 M arg o hn a. Sohn LJa.38 19. LA.12.E 1902 10.01.38 < 24.A.09. 048/03 C halep sk ij.37 08 lem lag K .37 21.I.E 1891 russ A b tltr.02.01. l.P.10. 365/19 C h o d o ro v sk ij.37 07. A.03.01. A. E.12. V. V erbannt 155/08 M ichajlov.38 21.M .37 26.07. 1906 21. l.41 S vam dze.M .49 V erbannt xx.39 2) 03.38 K B erzina. 1893 jude NKVD 05.04.M .01. S. VK 10. 02.37 K arlag A.01.04.M . 1892 russ In sp ek to r 25. 29.12.38 D 460/23 S trauch. VK 09.37 08.37 B u tvrka 28.38 K 056/03 F o m m . 1893 jude M ilitär 21.A.38 07.38 07. 1891 lette In stitu tsd irek t 10.0!.38 10.10.38 K A bolina.04.09.11.12.38 435/22 O rlo v a.12.38 M ichajlov.10.12. 1889 ju d e VK 03.38 19.12.07.01.11. Wladislaw Hedeler 296/15 K am enskij.38 Tcm lag 08 N .12.38 K C h o d o ro v sk aja 07.38 14.02. N at. 1885 ju d e P artetf 03.38 <13. Sum jackaja.38 14.08. O .L 368/19 T au tku s (M ickevic).38 25. 1900 russ H au sfrau 09.12.01.A . M . M .N .05.11. V. K inderheim N . F u nk tio n Ver­ Ver­ E r­ F riedh E h efrau / V erhaf­ G e.V. V erur­ in A lzir ientlassen A ufgang haftet u rteilt schossen bzw.38 29.38 15.09.38 i) 16.38 19. VK 30. V. A.38 14.11. IV 064/03 A ro n stam .38 B u tyrka 05 12.03. L evitina.L 1897 lette M ilitär 23.11.01.06.10. 1897 L ehrerin 05.38 25.03. Ja.37 15.02.03.38 1946 312/16 M alachovski).41 28.38 08.38 K K am enskaja.02. V orkuta 338/17 B elen’kaja.01.08. K. CO 321/16 C im ches (S u d ’ina) 1898 jude L ehrer 23.06.41 M ezlauk- B odrova. 05. 10 m enova) M .38 K Jak o vlcva-B u h na.38 B 178/09 K o l’cov. [-1..11. 22.41 2) 16.38 < 08. m ann tet/V er­ fin g . verh.38 ß u ty rk a 08 12.38 K S um jackaja.05.37 22.11.01.08.05.04.11..12.38 K A lksnis-M edis. 1888 12.M a j o r o v a.06. f .38 K 370/19 S ochin. ju .38 K K orostasevskaja.I.11. N .46 100/05 A lksnis. teilt o d er 2erschossen Etage T o d es­ A ngehörige u rteilt ms ITL 3 verstorben jah r 4verlegt 136/07 M argolin.37 29.03.37 10.38 17. E. Ja. C h alepskaja.07.01. T. 050/03 V ejnbaum .38 29.0i.E.01.38 15.K . 16.38 K C haiep sk aja.38 1) 08. 1898 russ M itarb.38 17.37 29. 1893 russ M ilitär 13.02. N.38 ß u ty rk a 08 24.07. 01.38 K 401/20 B rezanovskij JaE 1888 jude K ad erltr VK 22.07.A.38 K 050/03 V ejnbaum .06.38 20.V.A . V K 28.38 29. 10.11.07.02.37 25. M.05.37 14.O l’gaA.38 ß u ty rk a 08 06.37 28.L . 10.37 07.38 29. E.39 22.38 erschoss 431/22 Levickaja (K lej. Z .38 1) 22. 1.05.03.08.04. LI.P.12.12.07.37 Tcm lag svitova). 1893 lette G o sp lan 02.38 10.08.12.38 K 421/21 K e n s k a j a .38 26.37 19.A .11.11.06. 1883 W irtsch 10.39 08. 1891 lette RVK 04.38 K F om m a.38 K M ezlauk. M .03.38 29.12. 246 W o h n u n g sn r N am e G eb.38 25.12.41 290/15 B ulatov. 1892 Stellv VK 16. A.P. O .05. 28.38 22.38 K S trauch.37 15.37 B E.37 22.39 . 304/16 M a r’in.09.38 K 165/08 A b o lin.37 10.38 K 021/01 M itk ev ic.Ja.02. M .03. A.37 17.10.46 203/10/06 B ulat. V orkuta 475/24 Levickaja (K lej.40 F.K . 213/12 Jakovleva (B ulina).06.M .G. N .38 15.03.03.11. 1901 lette 04. N .45 159/08 Vejcer. 1896 finne V erlagsw esen 22.V K 18. Z K 29.38 K C ern o v a.38 K V ozlakova.11.N . VK 06.M .45 415/21 G an eck ij.K .02. 1900 11.46 315/16 L evcenko. ß .l.05. 1889 russ M ilitär 29.10. A . 1898 jude A btltr.45 301/15 Lukasev.Ja.38 ß u ty rk a 08 15. 213/12 B ulin.M . Ja.38 1) 09.A. E.L.41 28.05.40 20.L .11.L K inderheim 146/07 G o rev a (C ern o .L.05.11.38 01.12.38 10.38 K 315/16 R o z e n ta l’. 25. 1906 21. 1889 A b tltr.38 Tem lag.08.07. 10 m enova) M .10.01. K.38 17.08.02. F. S.D . 166/08 K orostosevskij.07.07.06.07.04. 1892 jude K SK RV K 19.02. 1891 russ VK 07.02.38 20.A .38 23.11.12.02. 1890 lette M ilitär 28. D . L.38 1)01. C M .42 1? . 05.A .38 338/17 B elen’kij.04.37 28. 1901 russ KPKZK 09. S. N.V.37 01. 1900 11.A.B. 10.38 [0.37 29.38 08. 1891 jude Stellv.37 28.37 29.04.38 Tcm lag. Ja.06.09. 1893 lette W irtschaftsfk 04.08.1. M .11. G .03.08.02.38 K Sanches.V.38 25.38 ß u ty rk a 08 09.37 09.38 1) 21. B ulin.38 K L ev itin a-R o sai’. 27.38 25. LE. 196/10 C ernov. 1896 uk r Stellv.38 K 156/08 M ezlauk.07. 177/09 B erzin. 03.41 247 191/09 C h a c h a n ’jan G .07.38 28.02.03.07. 1890 12.02.05.K .03.11.Z. 1898 lette K SK RVK 21.38 K S ohn A n atolij M.D .05.L 1897 russ A btltr. A. 09. VI.A .37 15. T1.04.38 22.11.04.37 28. A. V. I.06.L uftfahrt 29.T.38 14.V.41 102/05 Tkacev.38 2 )21.01. M .F.07.ja .12.L Die Präsenz staatlicher Gewalt inmitten einer urbanen Umwelt 060/03 T al’. K. 1894 russ M ilitär 05. 1886 jude FIV Film 18.S.D 1895 georg KSK S N K 01. Z K 02.07.38 29. 1889 A btltr.L . 16. 1895 lette W irtschaftsfk 16.37 08. E. E. Z K 21. A. 1913 poln S tu d ent 14.38 29.37 08. E.38 1)20.12.38 K A no ch in a.38 29. 1885 russ K rem lk hm k 02.05.Z.07.07.07.38 erschoss M alachovskaja.38 K Leusm a.11.38 29.09.07.02.38 29.11.08.37 Tcm lag svitova).38 398/20 S um jackij. I.38 K 153/08 B erzin.37 20. I.11.03.45 266/14 B ulatov.10.38 B u tvrka 08 04.38 ß u ty rk a 03 12.05.39 cU \lp 227/12 M ezlauk.03.02.38 01.L 1894 russ Stellv.M .08.07.11.41 N .07. 22. B. 151/08 L eusin.37 25.11.38 K 214/12 Svam dze.37 02.04.04.38 29.V. 1885 jude A b tltr.V. V. 1899 jude M ilitär 26.37 09.09.04.38 K of~v.01. P o t’ma 497/25 A n ochin.42 Svanidze.08. A .A 353/18 L evitin.A Scgezlag 08 K A R L ag 4 18/2! G ran o v sk ij.37 21. A . 1884 russ VK 05.11.38 K T kaceva. 08. 435/22 G o rev a (C erno .07. 1896 russ Z iv.37 20.37 08.M .N . M.37 B u tvrka 08 01.K .38 0 t. V.04.38 K Sochina. 1890 lette M ilitär 27.Ja.37 13.38 1)06. 1900 russ F rau 04. Z K 29.37 T E M L at.11.

02. 1887 russ P ublizistin 30. 1S93 russ Stellv. 1900 19.I.08.07.39 26. K inderheim 468/24 Zajcev.38 25. I.V K 16.02. VK 15. N .02.04. M .02.3S 25.39 26.38 K 356/18 F o kin .39 K 249 M useum K ornev.05.I.39 D 496/25 B o n d ar’.08.38 29.38 K B azovskaja. 1880 russ A b tk r.M .40 04. A .03.07.38 26.38 25.Ja.38 26.06.06.38 B u tyrka 08 12.38 01.38 26.38 N ovinskaja 03 10. 1899 russ P o larfo rsch er 22.02.El. 464/23 O d incov.11.38 28.03. A .05. G .02. 19.F.07. LP.02.38 14.G .D .09.38 29. A.V.39 D 245/13 K abanov.38 07.L 1893 russ VK 09.05.04. I2.07.I.08.03. 157/08 P opov.38 22.07.38 26.. V N . E.I.38 K G rig o r’eva V.P 411/21 S m itten (Piljavskaja) 1883 16. K .03. LG .08.38 Eingestellt V .38 02.38 28.38 26.07.39 D U garov.38 10.45 047/03 B oguslavskij.38 B u ty rk a 08 08. 118/06 C erljuncakevic.08. V.P.3S 14.38 K 037/02 G ilin sk ij. 11.38 K 064/03 N u c h ra t (A ron stam ).38 K F okina.02.Ivanov 58.38 K Steckaja. E.07.06.08.38 -1951 (B oguckaja). V. 1901 u kr Stellv. 1896 jude NKVD 26.38 K 2 3 4 /i 2 E jchc.M . VK 05.03.R.P.08.38 28.38 i) 15.V. 422/21 Veger (Izrailovic) 1894 31.38 K N .39 07.38 M esan.03.04.38 29. M.38 20.38 26.07.07. P. 1S96 russ G o sb an k 16. 1907 arm NKVD 03.02.07.38 08. A. F.39 26. 1876 u kr OG 17.08.02.38 T ajsetlag 3) 1950 046/03 C igrincev. O .02.38 N o v in sk .04.0S. S. teilt o d er 2erschossen Etage T o d es­ A ngehörige urteilt nis ITL 3verstorben jahr 4verlegi 358/18 Sum ilov.38 25.04.10. VK 04.I.37 B u tvrka 08 26.ja.38 1) i4. 451/23 Sm itcen (Piljavskaja) 1883 16.02.03. I.07.38 28. N . V K 10.38 29.05. 196/10 Balajan.V.04.38 25.38 IT L 08 E .02.38 -1961 V orkuta 08 (Z elenskaja) M. A . V erur. M.06.07.38 01. 27. M.V.08.38 2S. VK 16.04.I. 1900 russ M oskau 25.02.38 26.07.38 28.06.Ja.0S. 1895 russ M ilitär 11.08.06. G . A .M . 1896 uk r RVK 26. 170/08 Zasibaev.03.08..08.07.38 26.I. F G .08.02. 1893 russ Stellv. 1885 ju d e P arteifu n k t.G 1908 russ K om som ol 07.38 02.03.04.S. 15. 1915 russ S tudentin 07.39 26. A .38 01.07.03.38 26.38 B u tyrka A. L eforto vo erschossen 274/14 P ostysev.39 D 049/03 B rusk in.09.38 14.38 K V iktorova.P.02.06.02.39 D 008/01 U garov.07. 07.03.04.08.38 25.38 20.38 K 054/03 K o n d ra t’ev.08.38 26.43 377/19 B azovskij. G . Postyscv. 005/01 B o n d ar’. 1897 jude VK 24.38 03.Ja.V. 1896 russ A b tltr.G .I.3S 26.3S K 342/17 N ovicka)a 1896 17.F. E.M. A. M.04. A.38 26. 1902 ukr K rem lw ache 04.38 B u tyrka 05 07. Z. m ann tet/V er­ fang. R. 1895 russ Stellv.06.38 07. N .38 K 061/03 G rig o r’ev.07. M .01.M .39 D 134/07 Sm irnov.A .09. 08.09.38 1) 09. A . 1898 russ S tu d entin 29. V.02.07.38 28.05.02.38 K 492/25 Zasibaev.04. 1S85 russ A b tk r.03.38 K Die Präsenz staatlicher Gewalt inmitten einer urbanen Umwelt 053/03 B elen’kij. Ja.39 D 458/23 S kljarenko.39 v ersto tb .F.09. 1897 russ VK 16.02.38 K 468/24 V edenjapina V.V 1901 russ OG 12.40 09.38 K K o n d ra t’eva 20.L.07.09. 1905 russ S tellv.K . 1889 russ A b titr. 1894 russ P lankom m 04.I.G .38 08.06.07. 03 18. 1889 russ K rem lk om m 20.38 2S.08. 1897 russ M inister 16.46 V iko torov .N . Val.N . A.06.38 25.04. M .38 K 141/07 B u ten k o .08. 1895 russ Stellv.G . K inderheim 012/01 Leplevskij.04. V.08.08.38 01. M.38 2S.05.03.38 K O d in co v a.39 26.39 IT L N o rilsk 412/21 G ricm anov.39 D 349/18 V olynskij.41 A .07.39 03.02. 1897 jude VK 29.38 IT L 08 E . V.08.38 26. VK 07.38 K 348/18 V o ro b ’ev.38 15.04.10.08.07.38 25.07.S.07.04.02.40 D N .38 28.38 10.S. A.39 15.03.A .38 29. 1895 russ W irtschaftsf 01. V K 23.39 D C u b a r’. A.39 25.39 D 188/09 Sirota.38 19. D .38 1) 27.09.39 25. F u n k tio n Ver­ Ver­ E r­ F riedh E h efrau / V erhaf­ G e.09.M .38 26.38 28.38 K 095/05 K ucerov.07.l. S.S.39 F e d ’ko.04.56 054/03 M u rato v a Jo u rn alist 27.3S 28. 1890 lette KPKZK 15.05. G .02.04.C7.38 26. L .38 02.P.08.07.39 23.I.38 28. V K 25.38 08.06.02. 1889 jude OG 10.06.39 26.38 26.06.05. L.02.I F rau v.39 26.0i. 391/20 V iktorov.38 1) 30.38 29.06.39 D 227/12 C u b a r’.L 461/23 S iro n in .38 19.A.08. VK 11.38 K 204/10/06 Pachom ov. M useum M esan. 1948 K azachstan 386/20 F e d ’ko. 1892 russ M ilitär 22.08.38 22.07. S.P. 406/21 B elob o ro d o v K .0S.B.03.11.12.06.38 2S.02.40 27.02.09.38 19.P.I.38 144/07 Steckij.05.45 R.04.I.03.04.V.04.39 K Sirota.3S 28.L 1892 russ K o m m u n ak v 12.L 1890 lette VK 29.05.09. 1891 ukr RV K 04. F. F A . 1905 russ VK 05.04. M . 1893 un gar M eister 26. 1902 russ A b tltr. V K 07.38 03.M .40 D 217/12 K onovalov.39 D P ostolovskaja K inder: Vl.10.07. in A lzir 1entlassen A ufgang haftet u rteilt schossen bzw.38 14.39 03. 1895 russ Stellv.38 K 369/19 Sojfer. 1S87 russ K and PB Z K 21.02.38 26.L 1903 arm Frau 04.40 D 235/12 E jch e-R u b co v a.03. Z K 26.02.W ohnu ngsnr N am e 24g G eb. 10.04. 1897 uk r Stellv.38 K 470/24 L u k in a-B u ch arina.0S.38 K 274/14 P o stolovskaja 1899 ukr K eine A ngabe 21.39 K 161/08 D rizu i. 416/21 L eplevskij G .46 419/21 C hluser.39 D 169/08 K oroleva C ern o v a.02.04.V.39 10.V.38 28.08.38 10. VK 04.03. V K 07. M . S.38 29.04. P o t’ma Wladislaw Hedeler 399/20 B elaja-lvanova.07. 1894 russ G o sb an k 16.38 21. A .L.02.39 26.38 227/12 C u b a r’. VK 04. N at. N .38 26.41 K 177/09 R o d in .03.38 08.07.38 K Postyscv P ostyseva T.06.38 28. 1897 jude VK 24. 1899 russ Stellv.39 23. 1883 jude NKVD 09.A .04.39 B oguslavskaja.02.04.07. 1893 russ Stellv. I. 1896 russ In stru k teu r 26.38 15.02.38 29.41 16.08.A .3S 26.39 10. 1901 jude RVK 16.38 26.08.S.08.07.38 IT L 08 R.39 077/04 G ilinskij.

09.02.04. A .M . A. 1909 russ K om som ol 27.04.M 1908 K om som ol 11. V.Ja.03.01.40 05.42 13.07.38 13.Ja.S.38 16.01.39 D 333/17 G ej.11.40 D 249/13 Birn.02.05. V. 1907 russ M in isterrat 13. 1900 jude RVK 29.03.11.11.V.02.T.42 23.03.38 02.M .41 Sm uskevic.39 04. V. G.D . A. P. 1902 ukr NKVD 29. M . Z. 1908 russ RVK 30. S. G .41 ” 1942 IT L 10 243/13 S orin.39 ITL 10 315/16 P erevertalejko.38 28.50 D 147/07 B elen’kaja. 1897 russ M ilitär 30.38 25.41 -1956 1955 K P A uss 392/20 B rojd o.i0. S.06.04.L .39 23.38 erschlag -1938 217/12 C h in cu k . M ilitär 08. S. 1895 russ NKVD 10. E .42 P u m p ur.07. 1898 jude NKVD 02.41 13.10.03. 1898 w eißr VK 23.40 17. N at.05.Ja.10.07.D .39 D K osareva.04.39 16.04.10.38 11.41 453/23 S apiro.38 B u tvrka 08 12.02.V.07.50 D 264/14 I’ive ns tej n.40 D 102/05 B ljuchcr.39 04.39 15. B. 388/20 Kosarev.50 28. B.38 04.4 i 30. 1908 15. A .39 ITL 5 436/22 O stro u m o v a .40 09.I.05. V.02. Ju.V.03.S. 1901 russ P artei M K 16.11.41 T o ch ter K anel’.39 01. Ja.12.39 23.07.M .07..I.42 IT L 10 096/05 Sm uskevic. K.A .01. K inder: G . M . E .39 23.39 22.02. 1868 jude SN K 23. 197/10 Rycagov.38 11. 1908 15.V.02.41 27.38 08. 1893 1ML 21.03.04. 1898 jude M ilitär 07. O.G . M .09.39 15.Ja. 1902 Frau 04.12. 1891 russ W irtschaftsf 27.10. i. S.02.39 07.12.40 D 098/05 S m irnov-S vetlovskij.L M ilitär 31.40 D 162/08 R o zin .P. M.39 08.02.10.42 039/02 P um pur. 11. V.12.08.06.11. A.V.41 202/10/05 P ro sk urov .40 D S rnirnova- P.01. 1905 russ G o sb an k 20. m ann tet/V er­ fäng­ teilt o d er 2erschossen Etage T o d es­ A ngehörige u rteilt nis ITL 3 verstorben jahr 4verlegt 220/12 G hrjapenkov. 1908 15.52 12.49 27.39 D 479/24 K ostikov. 1897 NKVD 03.41 ohne 28.10.01.06.02.06.41 ohne 28. D.49 18.40 05.39 23.M .L. M . 1893 russ M ilitär 19.11. P.02. 1890 jude W irtsch 14.11. B. A . 1897 M ilitär 08. 1889 russ M ilitär 23. LI.03.41 O h n e 28. G .41 16. 1891 lette Stellv.10.40 D 015/01 Sokolov.41 K Z u rav lev a.03. 2)1941 Ju.38 04.38 23.12.02.S.45 Klib'ik. A.39 D L eonid Freitod 013/01 K u l’kov.07.09.39 ITL 5 498/25 G ro ssm an .40 D 370/19 Z uravlev.41 30.07. 250 W o h n u n g sn r N am e G eb.E . 1901 russ NKVD 29.V.D .T.39 D 268/14 K ul'kov.02. A .E.10.M .07.39 07. M.03.A. 1903 russ K om som ol 28.02. M.I. E.M in 27.11.39 05. 053/03 S pigel’glaz S.04. 1900 jude RVK 29.41 16. S.02.39 K 143/07 K o l’cov.03.A.09.F.02.02.G .li. VK 29. G ./B .05.09. F u n k tio n Ver­ Ver­ E r­ F ried h E h efrau / V erhaf­ G e­ V erur­ in A lzir 1entlassen A ufgang h aftet urteilt schossen bzw .39 16.L 04. 1892 poln NKVD 21. 1878 russ Stellv.05.M .02.V. D. V.02. N .M . V.39 D K osareva.42 322/16 L.azcbnyj. M useum R odionov.03.04.05.02.K.40 D 457/23 G v ach anja.42 23. 1906 russ NKVD 29.40 D 092/05 Cvjalev.38 22. 1910 russ A b titr im M in 23.04.49 01.11. 1902 jude W irtschaftsf 02.08. LP.38 17.41 183/09 C hodjakov. 1910 ukr M itarb.M . 09.38 1) 22.A .D .M . VK 26. G .1938 2)1941 17 Jahre M .41 -1942 ITL 10 230/12 B clen’kij.38 07.39 25. 1895 jude K O m so m o l 29.02.04.04.07. G .02.52 V erbannt 05 327/17 Pivenstejn.4i -1956 1955 K P A uss 10 016/01 L o zovskij.38 21.39 D Wladislaw Hedeler 309/16 D im cntm an .39 K Bazilevic.N.G.38 06.Ja.10.06.03. E. 1899 russ Stellv. VK 09.03.‘ / ' L .41 K 054/03 S okolinskij D . S.40 04.02.39 23. G.07.03.40 D A llilueva.40 02. 112/06 D argoL c. 1896 russ RVK 1 4 . A.E 1897 russ NKVD 21.07. R.01.07.01.L 217/12 B rojd o.52 V erbannt 05 .10.41 13.41 K D avydova. 1890 jude W irtsch 14. 1891 russ W irtschaftsf 27.04. 100/05 L oktionov.01.50 23. N . I.05.I.12.40 17.L.38 25. A. 1890 russ M ilitär 22.S. ja.39 07.V.04.40 21.G .38 21.. VK 20.41 21. O .40 242/13 Sorin.41 13.38 1941 S ew o stlag 165/08 G inccT .39 IT L 5 366/19 G ro ssm an .10.10. 1902 russ A btitr.03. 1898 jude VK 24.39 3 5 0 /IS G ro ssm an .41 09. 1890 jude W irtsch 14. G .38 1) 21. Sm uskevic.11.07.40 D 231/12 M etallikova.52 D L ozovskaja.40 22. 1896 russ KSK RVK 02.11.40 09.38 08.40 04.03.V.E.40 12. Die Präsenz staatlicher Gewalt inmitten einer urbanen U m w elt 1893 LML 21.M . 1948 10 3) -1964 052/03 Bazilevic.10.N .03.10.52 V erbannt 05 to 354/18 P iv e n s t e j n .10. 1892 jude B etriebsdir 29.I.3 8 14.39 D 183/09 S o ro kin.41 P ro sk urov a.S.39 15.40 12.02.L 1885 G o sizd at 02.41 L o k tio no v a.S. / B. E .10.38 i 1.04.A . VK 09. VK 26.39 D 209/10/09 Kosarcv. 1949 verb ann t 065/03 ßogaccv. 1888 jude KSK 23.V. A.L M useum Isserson.L 034/02 S am ulenko.Ja.38 B u tyrka 05 23. M .38 22. LI. 1903 russ K om som ol 28. V.02.S. L.02.39 D 200/10/04 R edens..12. 1898 w eißr VK 23.10. V. A. 204/10/06 D avydov.L Svctlovskaja. 1895 Stellv.1938 IT L D im cntm an .11.12.39 19.02.G.38 07. P.02.02.39 03.04.02. 3) 1978 Bazilevic.06..41 K 237/12 Ivanov. E.39 14.S.41 13.38 22.\ 1 K inderheim 195/10 V oznesenskij A A 1898 russ M inister 19. E.50 23.D . 1911 M ilitär 24.40 D 051/03 Cvjalev.03. 1907 Stellv.11. S.50 R o d io n o v a.V J — /0 8 /~ Ezov.03. 1885 G o sizd at 02.39 K 124/06 D edikov.02.08.05.M.41 IT L iO 292/15 M ager.39 04. E.40 02. L.10.38 22. L. / B .01.38 15.38 01. 1895 jude R ed ak teu r 13.01.. E .T.38 22.11. 1898 jude Jo u rn a list 14.K.10.39 04.42 076/04 Sergeev.38 1941 446/23 D a rg o l’c.07.02.10.39 K 141/07 B erm an.03. M .41 ohne 13.11.02.04.41 K 270/14 K aiu T (G crcikova) 1904 Frau 23.P 1898 russ RVK 19.41 27.10.I. 1906 u kr S tu d ent 11. Ju.02.39 23. 1897 russ M ilitär 26.39 21. r.39 D 220/12 G u P k o .P.11.02. M .

252 W ladislaw H edeler .

Eine erw eiterte Fassung dieses Aufsatzes ging als Kapitel in mein Buch „Sovetskij sluchog- laz: kino i ego organy cuvst“ (M oskau 2010) ein. Das Bild des dörflichen Russland . weil die Sowjetunion sich als hoch modernisiertes Land neu definiert? Die Vorschläge der Wanderkünstler. und sie machten sich auf die Suche nach Zeichen. O rt und Zeit mussten als Symbole kollektiver Identität dienen. Oksana Bulgakowa Symbolische Topographie des neuen Moskau im Film Wie eine Stadt im Kopf entsteht"' Anfang der 1930er Jahre war der ikonische Code der Moskau-Darstellung im sowjetischen Film noch nicht geschaffen. Kirchen und Feldern oder als eine soziale Konstruktion (ja. Wie wird die Modernisierung verinnerlicht und in das Russlandbild einge­ schrieben? Welche Zeichen bringen die neuen sozialistischen Eigenschaften des Russischen zum Ausdruck . Er wurde bestimmt durch den Zusammenschluss von Raum. Geschichte und dem damit verbundenen Gedächtnis. durften aber gleichzeitig die Eigenschaften subjektiver Erinnerung nicht völlig aufgeben. die deutsche Fassung des Buches erscheint 2011 bei Potem kinPress in Berlin. Die Kombination von visuellen und akustischen Zeichen sollte für möglichst viele eine artifizielle Identifikation anbieten.in Absetzung zu der alten imperialen und nationalen Symbolik? Muss das traditionelle Bild des russischen Dorfes (= der russischen Landschaft) abgelegt werden. Ereignisse und die damit ver­ bundenen Orte wurden neu definiert oder ausradiert). der Heimat.mit Samo­ waren und ethnographischen Typen . ei­ nen sozialen Körper der russischen Bauernschaft) zu visualisieren. durchlief auch das Bild eine stetige Korrektur. Das Land war auf der Suche nach einer eigenen Identität. Auch „Russland“ war kein selbstver­ ständliches Bild. Russland als eine Land­ schaft mit Birken. . wurden in den 1920er Jahren nicht übernommen. wie diese innerhalb eines Jahrzehnts re-konzipiert wurde. und es ist spannend zu verfolgen. sein Repräsentationskanon entwickelte sich langsam. des Russlands. Da das Bild dieses Gedächtnisses sich in einem Prozess der ständigen Korrektur befand (bestimmte Namen. Das Medium Film schien dafür prädestiniert zu sein: Dieses kollektive Produkt objektivierte die subjektive Sinneserfahrung und schuf für alle erkennbare Zei­ chen der Hauptstadt.wurde von avantgardistischen Filmema­ chern für nicht photogen erklärt.

auf diese Weise wurde die Stadt auch in eine konstruktivistische Theaterdekoration verwandelt. Kritika. dann wird in „Drei Lieder über Lenin“ (1934) genau so der Damm aufgenommen. transparent . sollte kein anderer Regisseur als Sergej Eisenstein eine Visualisierung finden. genau. Die Filmregisseure. Nach Esenins Selbstmord im Dezember 1925 entbrannte eine heftige Kampagne gegen die Poetisierung des . Nikolaj Kljuev oder Sergej Esenin. Dieser konstruktivistische Regisseur hatte ein neues Bild des russischen Dorfes im Umbruch (und damit der sozialistischen Hei- 1 Lev Kulesov. die später von Stalin persönlich 1929 in „Das Alte und das N eue“ umbenannt wurde. hahnartig-bunten Rußland“ photogene Motive gewonnen werden konnten: eiserne Konstruktionen und Maschinen. Frankreich. meinte Lev Kulesov1. Für Stalins Formel aus dessen „Vorlesungen über den Leninismus“ von Anfang April 1924. 93. Die Bilder sollten vom „Müll“ unnö­ tiger Gegenstände betreit werden. Teorija. „Man muß lernen. Er tat es 1926 in der „Generallinie“. katastrophaler Undiszipliniertheit der Gefühle. Rußland photographisch akzeptabel zu filmen: klar. Trunksucht und sexuellem Chaos und.lesbar“. N as byt i amerikanizm (1924). . Sobra- nie socinenij v trech tom ach (M oskva 1987) tom 1. Pedagogika. 2 Ebd. Italien oder den USA entstanden3. M ehr noch: In den Bildern des russischen Dorfes. das . wurde eine subversive Gefahr gesehen. auf dem Theater (dem Raum der Illusionen) und in den Architekturprojekten (etwa Tatlins Turm oder Lissitzkys Wolkenbügel). Das ethnographisch etikettierte alte Russland mit Kirchen. Birken. nach der es notwendig sei. sich ideal bewegende Wesen2. mit den von dieser Poesie vereinnahmten Birken und russischen Landschaften der „bäuerlichen Heimat“. idealisiert durch russische Maler und die letzten Dichter des russischen Dorfes. den russischen revolutionären Schwung und die amerikanische Sachlichkeit zu vereinen. die sich beklagten. stürzten sich auf zwei Objekte: den Moskauer Funk­ turm und den Bau des ersten Kraftwerks. damit aus dem „flimmerndem Schlamm des künstlichen.mit Anarchismus. Die Zweckbauten wurden wie kultische Bauten gefilmt und mit der Figur Lenins als ihrem geistigen Schöpfer überblendet. in: ders.wie auch das Wasserkraftwerk am Dnepr .Russian Vogue“ from E urope to H ollyw ood: The T ransform a­ tion of Russian Stereotypes in the 1920’s. Diese Ikonographie hatte Dziga Vertov angeboten: Die Wolken in Zeitraffer ziehen in „Enthusiasmus“ (1930) über die auferstandene.zur neuen Ikone des sozialistischen Russlands wurde. Die von russischen Konstruktivisten gemal­ ten Hintergrundprospekte kaschierten während der Feierlichkeiten der 1920er Jahre die alten imperialen Bauten. in einen Klub umgewandelte Kirche. Das Programm der Industrialisierung fand vorerst in der Kunst statt.254 O ksana B ulgakowa die das Sozialistische“ im Russischen als Einzug der Moderne definieren würden. 3 Oksana Bulgakowa. dass Russland nicht photogen sei.so genannten russischen Nationalcharakters“ . Samowaren (und imperialer Pracht) wurde in die russischen Emigrantenfilme hinübergerettet. Kljuev wurde in den 1920er Jahren verhaftet und deportiert. T he .. da es zu wenig Brücken. in: T he Russian Review 64 (A pril 2005) 211-235. als Folge. Türme und Stahlkonstruktionen gäbe. er starb 1937 im Lager. die in Deutschland.

Das alte Russland wurde in den ersten Einstellungen als kahle Landschaft mit einer kläglichen Bauernhütte gefilmt. 1). und Eisenstein verpflichtete einen kon­ struktivistischen Architekten. Die größte Traktorenfabrik des Landes wurde in ei­ ner Stadt gebaut. Sergei Eisenstein. Konstantinovo bei Rjazan’. In dem neuen Finale fahren Dutzende Traktoren auf einem endlosen Feld im Kreis. mat) als nahe Utopie zu kreieren. Andrej Burov. In diesem Kontext war „Das Alte und das N eue“ nicht nur ein eng gefasster aktueller Tagesauftrag zum Kollektivierungsplan. was wie eine direkte Übersetzung der Synthese von amerikanischer Sachlichkeit (mit Ford-Traktoren) und russischer Natur interpretiert werden kann (Abb. die wie Le Corbusiers Bauten aussah (Abb. die ab 1925 Stalins Namen trug: Stalingrad. Das grandiose Bild war auch ein taktisch geschickter Zug: Traktoren waren die Vorboten von Stalins In­ dustrialisierung schlechthin. So wurde der Traktor zu einer Metonymie des stählernen Mannes. und Vertov übernahm genau dieses . ließ sich Eisen­ stein auf die Herstellung einer neuen Fassung ein. 1926-29 (das „alte“ Russland). Er sollte die Amerikanisierung des Dorfes an einem symbolischen O rt drehen: im Heimatdorf von Esenin. sondern auch zum Ausbrechen Russlands aus den nationalen Stereotypen (Abb. O bwohl bereits einige Kopien gezogen waren. Sym bolische T opographie des neuen M oskau im Film 255 Abb. 2). in Konstantinovo die Dekoration ei­ ner supermodernen Farm zu bauen. sondern auch einen neuen Schluss vor. 3). I „Das Alte und das Neue". Stalin schlug Eisenstein nicht nur einen neuen Titel.

25 6 O ksana B ulgakowa Abb. Abb. 3 „Das Alte und das N eue“. Sergei Eisenstein. 2 „Das Alte und das N eue“. 1926-29 („Stalins Frühling“). 1926-29 (das „neue“ Russland). . Sergei Eisenstein.

wie bei Ei- 4 D ziga Vertov.Stalin-Traktors' macht das anschaulich. kein historisches Gedächtnis ver­ bindet. ist Wasser. ein Zusammen­ schluss des Raums mit der Geschichte und dem Gedächtnis. als die Kombina­ tion dieser heterogenen Zeichen feststeht. sakralen und profanen Zeichen. entsteht eine neue Geschichte und eine neue Heimat.und versucht. hrsg. von Aleksandr Derjabin (M oskva 2004) 170-176. die sich erst mit dem Bild der alten­ neuen Hauptstadt Moskau und des damit korrigierten Gedächtnisses durchsetzt. die über die Errichtung von Städten in bislang völlig unbewohnten Gegenden erzählen. mit dem sich keinerlei Erinnerung. T he A rtists’ Teacher and Friend. die nun für das Bild der sozialistischen Heimat stehen. Diese bebildern nicht nur die reale Tatsache der Entstehung von mehreren neuen Städten während der Industrialisierung. Die Plazierung des . Richard Taylor (L ondon 1988) 383. Finde der 1930er Jahre. In den 1930er Jahren entsteht eine Reihe von Filmen. Sym bolische T opographie des neuen M oskau im Film 257 Bild in „Drei Lieder über Lenin“ (im Drehbuch des Films wurde die Einstellung mit dem Traktor so beschrieben: „Lenin ist Frühling. später Andrej Belyj) zu einem festen Topos. der zum Architekten des gesamten Landes wird. Jahrhunderts (Puskin. . Diese Städte sind allein mit Stalin verbunden. Damit ersetzte Eisenstein unbewusst die alte russische Tradition: die Verbindung von O rt und Gedächtnis. das paradoxerweise die Rückkehr zu national-imperialen russischen Symbolen nach sich zieht. es entsteht eine eigenartige Kombination aus russisch-nationalen. und als Umschlagpunkt kann das Projekt zur Rekonstruktion Moskaus gelten. dort wurde die neue Hauptstadt errichtet. das ist der sozia­ listische Sta/««-Frühling“4) . eine Stadt aus der Luft. als die Errichtung eines neuen symbolischen Gebäudes scheitert. das ab 1937 „Stalin“ hieß. Peter der Große wählte einen imperialen Sitz für das europäisierte Russland in einer Einöde. Gogol’. das negative Gedächtnis auszumerzen und ein neues Bild an dessen Stelle zu installieren. Diese traumatische Beziehung zum Raum machte die Literatur des 19. In Michail Ciaure- lis „Schwur“ (1946) wird der Traktor immer noch symbolisch besetzt . wird sie auch von den ausländischen Filmen adaptiert . von Ian Christie. wo eine solche Stadt real gebaut werden sollte5. „Das Alte und das N eue“ zeugt von der traumatischen Beziehung zum O rt - und der damit verbundenen Geschichte . Iz nasledija. sondern schaffen eine eigentümliche Mythologie: An einem leeren Platz.als fertiger Repräsentationscode. in: The Film Factory: Russian and Soviet C inem a in D ocum ents: 1896-1939. Das ändert sich während der 1930er Jahre. 3 Alexander D ovzhenko. D ram aturgiceskie opyty. Stalin berät Dovzenko bei der Produktion des Films und fragt ihn. Am Ende des Jahrzehnts wird eine neue visuelle Symbolik der „Heimat“ etabliert. um ­ codiert und neu zusammengesetzt.mehr noch. er filmte das Feld am selben Ort: im Sov- chos „Gigant“. Die vorhandenen visuellen Klischees werden auf ihre Wirksamkeit getestet. Dostoevskij. imperialen. mit der kein historisches Gedächtnis verbunden war. Tom 1. ist eine sol­ che Filmstadt. Auch im modernisierten Sowjet-Russland fängt die Geschichte bei Null an. hrsg. „Aerograd“ von Aleksandr Dovzenko (1935).

Bucharin bemerkt. 4 und 5). Die Ver­ bindung von Stalins Traktor mit den zwei wichtigsten Moskauer Kathedralen (in der einen wurden russische Zaren gekrönt und Metropoliten beigesetzt. Da er­ scheint Stalin . die an­ dere wurde nach der ersten kolonialen Eroberung Ivans IV. 1946 (Stalins fraktor vor dem H intergrund der Basi­ lius-Kathedrale )■ senstein und Vertov.vor dem Hintergrund der Uspenskij (Mariä-Entschlafens) Kathe­ drale (!) und stellt auf Anhieb die richtige Diagnose: Es sind die Kerzen (egal .vor dem Hintergrund der Basilius-Kathedrale (!). die ein multinationales sowjeti­ sches Volk darstellen . Die Basilius-Kathedrale dient hier auch als Hintergrund . Aber nicht mehr in der Einöde gefilmt. dass es besser sei. die Traktoren in Amerika zu kaufen.ob ein Traktor solche hat oder nicht).als Zeugen der Geschichte) geben dem Fahrer Ratschläge. Pas­ santen (im Film sind es immer wieder dieselben. Michail Ciaureli. 4: „ Schw ur". Nach der mystischen Krönungsszene Stalins in dem verschneiten Park in Gorki (als der Geist Lenins auf ihn übergeht) folgt eine praktische Prüfung des neuen Führers (wie in Mär­ chen üblich): Auf den leeren Roten Platz fährt ein Traktor und bleibt stehen.der stattgefundenen Veränderung des Repräsentati­ onscodes (Abb. Er setzt sich ans Steuer und dreht eine Runde auf dem Roten Platz .Abb. erbaut und mit der Gründung des Reichs verbunden) zeugt von der Vereinnahmung der russischen imperialen Geschichte und .

sondern auf dem Roten Platz6. Es wurde gleichsam ein Körper (der einbalsamierte Lenin) gefunden. Die Puskin-Feierlichkeiten im Juni 1937 6 D er M aler Fedor R esetnikov übernim m t diese Ikonografie nicht in sein Bild aus dem Jahr 1949 und lässt Stalin seinen Schw ur auf der Tribüne abgeben. das alte Zentrum. Michail Ciaureli. der das symbolische Zentrum dieser Macht bestimmte7. and Charism a: Sym bolic of Power. und wie entwi­ ckelte sich gerade das Bild von Moskau im Film? 1930 wurde das provisorische Mausoleum durch ein Mausoleum aus Granit ersetzt und zur Tribüne gemacht. der im Film nicht auf der Tribüne des II. Das Mausoleum ermöglichte. Abb. von der aus die neue politische Macht Paraden auf dem Roten Platz abnahm. Sowjetkongresses abgegeben wird. in: Ceertz. Mit der Etablierung des Stalinkults (ab 1934) konnte der alte Kreml okkupiert werden. Local K now ledge (N ew York 1983) 121-146. D a­ mit wurde ein neuer. 7 Clifford Geertz. Durch welche Ereignisse wurde diese Veränderung bestimmt. zentraler Sakralbau des neuen Staats und der Stadt geschaf­ fen. für Stalins Schwur. . 5: „Schwur“.ilm 259 4 . 1946 (Stalin und die Uspenskij Kathedrale). Sym bolische T opographie des neuen M oskau im I. C enter. Kings. den Roten Platz. neu zu besetzen und den Raum des Landes als eine symbolische Einheit zu gestalten.

warme. in der die traditio­ nellen russischen Landschaften als Bild der Heimat wieder ins Gedächtnis gerufen werden. V III—X III). Parallel zum Puskin-Ju- biläum arbeitet Mark Donskoj 1936-39 an der Gorkij-Trilogie. der ein Verständnis dafür schaffen sollte. Flüssen. die dann doch stehen bleiben durfte.befassten sich vier Jahre lang zehn Architekturwerkstätten9. kalte. Birken. Band: Sowjetische M oderne und U m bruch (Zürich 2005) 156. Eigentlich erst im Prozess dieser Rekonstruktion entstanden schrittweise die neuen Zeichen. berechnete. männli­ che) -Stränge. . Türmchen. geometrische. . ar­ chaische. die zu einem synthetischen Bild zu­ sammengefügt wurden. Siehe Kudrjav - cev Michail.der Natur. doch parado­ xerweise war deren Rückkehr erst nach der Liquidierung der Bauern im Prozess der Kollektivierung möglich und nicht schon nach der Liquidierung der (kosmo­ politischen) Avantgarde. doch als eine moderne Hauptstadt der Zukunft erscheinen. „asiatische“. Eine G eschichte in neun Zeitbildern vom F rühm it­ telalter bis zur G egenw art. III. organi­ sche. u. deshalb wurde nach einer Architekturentsprechung zu dieser synthetischen Vorstellung gesucht.v. Sidorow reproduziert (S. Vom dritten Rom zum sozialistischen Metropolis Im Bild der Stadt. 10 Carsten Goehrke.a. Zunächst musste Moskau von den alten heiligen Symbolen (Kirchen. Istoriko-gradostroitelnoe issledovanie (M oskva 1994). die ansonsten in der russischen Kultur eine feste Opposition bildeten: das ursprüngliche Russische (= nationale. die die Bolschewiki wieder als die Flauptstadt etablierten. was umco­ diert und was wegradiert würde. die seit dem 18. In den Kolchoskomödien von Ivan Pyrjev (ab 1937) se­ hen wir die russischen Felder. technische. muss­ ten zwei Stränge vereinigt werden. weibliche) und das neuzeitliche Fremde (= europäische. Jahrhundert in der Gegenüberstellung von Moskau und Petersburg Gestalt angenommen hatten8. emotionale. nun mit Traktoren übersät. Ein langer Kampf tobte um die Basilius-Kathedrale auf dem Roten Platz. (Waren in den Spielfil­ 8 In dem Band „M oskau“ aus der Reihe „G esicht der Städte“ (Berlin 1928) w ird diese O p ­ position im G eleitw ort von Alexys A. säku­ larisierte.mit Kirchen. Mit der Erarbeitung des konkreten Plans - nach der Rede Lazar Kaganovics 1931. R ussischer Alltag. und Eisenstein bietet seine Stilisierung dieser Landschaften in „Aleksandr Nevskij“ (1938) an . kugelförmige. N atasha’s Dance: A C ultural H isto ry of Russia (L ondon 2002) 157ff. 381 von den 764 Moskauer Kirchen wurden vernich­ tet und rigoros gesprengt10. Glocken­ geläut) „gereinigt“ werden. chaotische. 9 G eneralnyj plan rekonstrukcii goroda M oskvy (M oskva 1935). Seen . nicht planmäßige. Das sozialistische Moskau sollte alle Merkmale des Russischen beibehalten. Figes Orlando .und A n­ gelpunkte. in denen die Russen Harmonie und die Feinde den Tod finden. Der Generalplan zur Rekonstruktion Moskaus (ab 1931) war einer der wichtigsten Dreh.260 O ksana Bulgakowa halfen bei der Rehabilitierung der russischen nationalen Symbolik.Tretij Rim. M oskva . die 1935 veröffentlicht wurde. heilige. was übernommen. rationale. lineare.

abgetragenen Gebäude entstanden riesige Frei­ flächen. Deshalb mussten alte Fläuser in der Tverskaja um einige Meter versetzt werden. mit den chaotisch dahingewürfelten Flauschen. die das Bild von Petersburg prägte. in denen Ministerien. die den Raum schlossen.entsprach dieser Vision wenig. das Zentrum mehrfach zu betonen (durch zwei Ringe. das den Zukunftstraum von einem einzigartigen Land in der Gegenwart einer Stadt mate­ rialisierte. Hotels oder komfortable Wohnun­ gen untergebracht wurden. eine lineare Geometrisierung. mit den jeden Blick versperrenden Lagerräumen auf den großen Plätzen . die Straßen verbreitert und der hauptstädtischen Pracht ange­ passt. Kirchen stets im Hintergrund präsent. Der Palast sollte zu einem neuen Zeichen Moskaus werden und den Kreml verdrängen. die Proportionen (niedrige Häuser. in der die höchsten Erhebungen Spatzenberge hießen. Der Generalplan stützte sich auf die Ideologie des absoluten Zentrums. sie sollten von Wolkenkrat­ zern markiert werden. Dieses radial-ringartige Schema hatte die Funktion. doch die Schrift er­ schloss sich nicht jedem. breiten. die die Stadt als eine reale Kulisse nutzten. neben dem historischen Zentrum Kreml und dieses historische Zentrum überbietend. besonders jene. die Moskau neu strukturierten. sollte das höchste Bauwerk des Landes er­ richtet werden: der Palast der Sowjets. Gleichzeitig musste die neue Architektur das imperiale und hei­ lige Alte (der Kreml) und das moderne Neue (die bezwungene Natur mit der Aus­ dehnung in die Höhe und Tiefe) beeindruckend in Szene setzen. enge Straßen) wurden jedoch verändert. An Stelle der abgerissenen. auf dem Gartenring alte Bäume abgeholzt werden. mit deren Bau erst nach dem Krieg angefangen wurde). Sie sollte eine erkennbare Struk­ tur bekommen. das gelesen werden musste. In grandiosen Architekturentwürfen zum Bau der Metro. geraden Magistra­ len entlang konstruiert.mit ihren engen. in die Länge und Breite getestet. Die mehrstöckigen Bauten wurden an neuen. nach unten. Die Stadt verwandelte sich allmählich in ein codiertes Buch. jedoch in Formen des alten imperialen Klassizismus mit geraden Straßen und stei­ nernen hohen Palästen. gekrümmten Straßen. Der Plan sollte der Morphologie der Stadt zur Sinnträch­ tigkeit verhelfen. der an der Stelle der gesprengten Erlöserkathedrale gebaut werden sollte.gruppiert. durch viele Gassen und Sackgassen zerschnitten. die Gebäude auf dem Manege-Platz. die Mauer von Kitaj-Gorod. so verschwanden sie in den 30er Jahren aus dem Bild des Film-Moskaus). Die alten Ringe sollten durch das Bewusstsein neu organisiert . Zwei Ringe wurden um das neue Zentrum . die die Sicht verdeckten und die Plätze versperrten: der Sucharevskij-Turm. ohne doch die ringartigen Formen aufzugeben. Der Plan suchte nach der Aufhebung der alten Opposition: Moskau wurde säkularisiert und modernisiert. was einiges über ihre Größe aussagt. Von ihm aus gingen strahlenförmig die Flauptmagistralen der Stadt aus. von Kanälen und Hochhäusern wurden die Grenzen nach oben. deshalb wurden alte Bauten im Zentrum gnadenlos abgerissen. Sym bolische T opographie des neuen M oskau im Film 261 men der 1920er Jahre. In der Stadt.den zukünftigen Palast der Sowjets . Die chaotisch (organisch) gewachsene Stadt . fünf Strahlen als Punkt der zusammenlaufenden Achsen und sieben Wolkenkratzern. das Iverskij und das Voskresenskij Tor am Kreml. Das Skelett der alten Stadtplanung wurde übernommen.

wurden gleichzeitig durchgeführt. Der gigantische Plan zur radikalen Geotrans- formation des Landes sah vor. es wird. Springbrunnen fehlten auf keiner wichtigen Moskau-Repräsentation. wurden versöhnt. und die Kriege Ivans des Schrecklichen und dann der Zarin Ekaterina um die Ostsee und das Schwarze Meer waren späte Kriege. Vladi­ mir Papernyj hat diese südliche Meeresarchitektur als eine kulturologische Er­ scheinung der neuen Mythologie analysiert: Das Wasser verwandelt die Wüste in blühende Gärten. Russland war lange von allen Meeren abgeschnitten. eine nördliche Hauptstadt ohne Meer.262 O ksana B ulgakowa werden. große Häuser und nicht zuletzt einer der wichtigsten Bauten. behielt die Eigenschaften des polymorphen Organi­ schen: das Wasser. Das Kugelförmige und das Lineare. Der Bau des Moskva-Volga-Kanals (1937 eröffnet) führte dazu. A rchitecture in the Age of Stalin. Kanäle. Sie wurden sämtlich mit Stein und gußeisernen Gittern verkleidet. 12 Vladimir Paperny. Diese Träume wurden noch aus früheren Jahrhunderten genährt. wurde zur Hauptstadt von fünf Meeren erklärt und wie eine Stadt im Süden gebaut: Die Häuser bekamen offene Terrassen und breite Balkons. Demonstrationen. die bereits in leicht lesbaren symbolischen Formen gebaut wurden. Das warme LIolz (Moskaus Bausubstanz) wurde durch Marmor und Granit (Petersburger Materialien) ersetzt. kannten diese Brücken zumindest in Europa keine Rivalen.Uferstraßen. dem sym­ bolischsten Gebäude dieser Periode. 1917-1967 (M oskva 1968) 132.mit Straßen-Kor- ridoren und Plätzen für Militär. die neue 487* K Was ihre Breite anging. das Organische und das Geometrische. um H an­ del zu treiben. C ulture Two (C am bridge 2002). Die alte Krim-Brücke war 135 Meter lang. als Grundlage des Le­ bens ausgelegt12. Der Gartenring verkettet eine Reihe symbolischer Gebäude. Das monumentale Art deco der Metro-Sta- tionen (die erste Linie wurde 1935 eröffnet) entsprach der Rhetorik dieser Archi­ tektur. weshalb elf neue große Brücken errichtet werden mussten. Brücken. die Bauten in eine dicke Schicht Stein und Stuck gekleidet. was die Ansicht des Flusses stark veränderte. stufenartigen Turm (geplante Höhe 269 Meter) sollten zwei Säle (für 20000 und für 6000 Menschen) unter­ gebracht werden. dass der Pegel der Moskva anstieg. choreographierten Massenaktionen. Brü­ cken. und der Raum sollte sich für die Inszenierungen der Macht eignen . Die Architektur kehrte zur Repräsentationsfunktion zurück. alle Meere durch Kanäle miteinander zu verbinden. Der Turm sollte sich in den Wolken verlieren und von einer 70 Meter hohen Lenin-Statue gekrönt werden. so dass Moskau sich real an den Wasserverbindungswegen plaziert fände. Eine besonders starke U m ­ gestaltung erfuhren die Uferstraßen der Stadt. die Metro . 138. Moskau. wie das Theater der Sowjet­ armee m Form eines fünfzackigen Sterns. Frank Lloyd Wright nannte den Pa­ 11 M oskva za 50 let Sovetskoi vlasti. Doch war dieser Wasserkult in erster Linie ein alter imperialer Traum: Ein Reich wird zur Weltmacht. Die Uferstraßen. . All diese gigantischen Arbeiten . Ein imperiales Merkmal.und Sportparaden. Die erste Metrolinie erstreckte sich bis zum Palast der Sowjets. In dem runden. Umzügen. wenn es Meeresstraßen erobert. wie in der orientalischen Kultur. das konsequent die Repräsentation des neuen Moskaus bestimmte.

der Sekretär der As­ soziation Internationaler Architekten CIAM. Siegfried Gideon. . Auch der ge­ plante Film von Eisenstein über das neue Moskau blieb auf dem Papier. Visionäre Filme über eine visionäre Stadt Im Juni 1933. denn sein Film sollte das neue histori­ sche Verständnis Moskaus illustrieren. das in den 1960er Jahre in ein Schwimmbad verwandelt wurde (was auch als Sieg des Wassers interpretiert werden kann). an der Stelle des höchsten Gebäude gähnte nun im Stadt­ zentrum ein riesiges Loch.umgebaut wurde. als in Moskau ein Kongress internationaler Architekten über Stadtplanung tagen sollte. Fast alle international bedeutenden Architekten wie Walther Gropius. Vermutlich wusste Eisenstein um die dramatische Geschichte der Vorbereitung des Architekturkongresses. Kein anderer sowjetischer Regisseur vermochte so ein­ drucksvoll die Architekturbauten in einen sinnträchtigen Text zu verwandeln. schrieb in ihrem Namen einen Brief an Stalin.Ausdruck zu verleihen. Le Corbusier oder Hans Poelzig hatten an einem Wettbewerb für den Palast der Sowjets teilgenom­ men. Die Wahl Eisensteins. Das Problem bestand darin. Die symbolische Stadtmorphologie musste allen verständlich werden. als Regisseur des Films über die Generalrekonstruktion der Haupt­ stadt war emblematisch. eines ehemaligen Architektur­ studenten. Dem Kongress war eine dramatische Geschichte vorausgegangen. Sym bolische Topographie des neuen M oskau im Film 263 last die sowjetische Version zum Thema des Heiligen Georgi. doch ihre Projekte wurden abgelehnt. Ganz sicher kannte er die Rekonstruktionsabsichten. denn er hatte an den Diskussionen zum Projekt des Palasts der Sowjets im Frühling 1933 teilgenommen. Die internationale Architektenelite war über den verkün­ deten Rekonstruktionsplan der sowjetischen Hauptstadt entrüstet. Die Erstürmung des Winterpalais’ in „O ktober“ (1927) wurde als Eroberung der sym­ bolischen Formen des imperialen St.den sowjetischen Klassizismus . Petersburg dargestellt. Dieser Schritt hing mit ei­ nem großen Auftrag zusammen: Eisenstein sollte einen Moskau-Film machen. ein Jahr nach seiner Rückkehr aus Ubersee. und der Film konnte dabei eine große Lesehilfe leisten. Das Grundwasser verhinderte die Festi­ gung des Fundaments. was vermutlich zur Absage des Kongresses führte.wie einst das Bauernrussland nach seiner Generallinie . um ihrer Verwunderung über die neue Moskauer Architekturlinie . Die Überschneidung seiner Arbeit am Filmentwurf mit dem Kongresstermin war nicht zufällig. dass ein derartiges Gebäude wie der Palast der Sowjets nur auf dem Papier denkbar war. wurde Eisenstein als Regisseur des Moskauer Studios Sojuzkino bestätigt. das nach Stalins Generalplan . Den Plan zu diesem historischen Film notierte er in den ersten zehn Junitagen. der von sowjetischer Seite überraschend im letzten Augenblick abgesagt wurde. N un sollte er Moskau als die entstehende Stadt Stalins in wirksame filmische Bilder bannen und eine Korrespondenz zwischen dem Film und den utopischen Staatsvisionen kreieren. der den Drachen tötete: Hier sollte die Statue Lenins den kapitalistischen Wolkenkratzer zertrüm­ mern.

doch mit ihrer Gegenwart konnte er nichts anfangen. U b e r mich und meine Filme 215-226. vom Proletarier zum Werkdirektor) verwirklichte17. die Umgestaltung der Natur und die Entstehung der neuen Stadtarchitektur gemäß dem Plan der Generalrekon­ struktion. F il’iny. Sergej Eisenstein 187. und die Geschichte der Klasse spiegelte sich in der Geschichte einer Familie. Das Prin­ zip der metaphorischen Übertragung lag dem Sujet zugrunde: D ie Historie sollte durch die Geschichte der Arbeiterklasse gespiegelt werden. die zwar seine Eindrücke von der Hauptstadt in Ver­ änderung festhielt. O k to b e r 1934 fertig werde. D ie Geschichte dieses „sha- 13 Oksana Bulgakowa. an. die drei R evolutio­ nen. nur die sehr wage Vorstellung einer dynamischen E n t­ wicklung eines Flelden. !7 Das Moskau-Thema taucht bei Eisenstein noch einmal 1934 auf. Eisenstein bot Alexander Fadeev. Eisenstein hatte aller­ dings keinen Fabeleinfall. Die Maßstäbe der zu realisierenden U topie faszinierten ihn. Sergej Eisenstein. E r selbst beendete gerade das Drehbuch zu „ M M M “. Vom April bis Juli arbei­ tet er zusammen mit dem Autor Natan Zarchi an einem Stück für das Theater der Revolu­ tion: „Moskau . Eisenstein strebte große Korrespondenzen an: Ein Ereignis sollte durch ein an­ deres gespiegelt werden. Metod.\Jber mich und meine Filme (Berlin 1975) 146-151. Alles sollte in ihn hineingepresst werden: die I n ­ dustrialisierung (von Peter I. hatte Fadeev das Angebot ausgeschlagen14. 1 9 3 0-1 9 48 (Moskva 1988) 72. Zamysly. 15 Bulgakowa. Sein erster D rehbuchentwurf umfasste drei Stränge: die G e ­ schichte des russischen und sowjetischen Staates. der Befreiungskampf gegen die Tataren und Napoleon. Natur und Kunst. Es ist eines seiner letzten Farbprojekte. am Drehbuch mitzuarbeiten. Eine Biographie (Berlin 1998) 183 f. Jahrhundert bis zu Stalins Fünfjahres­ plan). dass mit Eisenstein und Fadeev ein Vertrag über das Drehbuch zu „Moskau“ geschlossen sei und der Film zum 1. Das Datum war für das Studio irreal: Ein Film von diesem Ausmaß konnte nicht so schnell fertiggestellt werden15. einer gro­ tesken Moskauer Komödie.2 64 O k sa n a B ulgakowa Eisenstein suchte einen Schriftsteller. 14 Fadeevs Brief an Eisenstein und die N o tiz aus „ K in o “ sind veröffentlicht in: Rostislav Jurenev.2“ . und so blieb sein Entw urf sehr abstrakt16. Während die Zeitung „K in o“ vor­ schnell meldete. der letzte Teil erschien 1932. und Meyerhold wollte den Roman in seinem Theater inszenieren. Belyj beendete ge­ rade seinen „Moskau“ -R om an. eine kleine Geschichte über eine andere große. ein Film zum Jubiläum. Sergei Eisenstein. das Hauptprinzip seines mexikanischen Films auf den Moskauer Film zu übertragen und über die Architektur die Geschichte der Stadt zu porträtieren. einem Stalin sehr nahestehenden Schriftsteller. der sein historisches Schicksal (vom Sklaven zum Herren. In dem Stück geht es um die Kon frontatio n eines Aktivisten der Stacha- . der ihm das D rehbuch zu „Moskau“ schreiben würde. So interpretierte sein Projekt „Moskau im Wandel der Z eit“ den staats­ tragenden Gedanken als neue Vision eines Gesamtkunstwerks in der Einheit von Geschichte. über das 19. Eisenstein kehrte zu diesem Projekt noch einmal 1947 zurück unter der Ü berschrift „Moskau 8 0 0 “ . siehe Eisenstein. doch entsprach die Belyj-Vision von einer chaotischen Stadt als Labyrinth und Spinnennetz wenig der aktuellen Staatsräson. Im Januar 1933 lernte er über einen Verlagslektor Andrej Belyj kennen. Eisenstein beabsichtigte. doch kaum für einen Auftragsfilm in Frage kam 13. 16 Sergej Eisenstein.

Sym bolische T opographie des neuen M oskau im Film 2 65 kespearesicrtcn“ Individuums sollte in der Geschichte der Stadt. die im Studio gebaut werden sollten. über die sich die Geschichte manifestieren soll. Zeichen. Popytka teatra. Gold. und die Arb eit am Stück riss ab. Luft. . Das betraf auch die A r ­ chitektur. was die reale Stadt in eine metaphysische Theaterdekoration verwandelte.blieb die Leere. Ü b e r dieses Pro jekt siehe Zabrodin Vladimir. die Ereignisse sind wie Ringe. Das Feuer ist materiell nur zu Zeiten Napoleons. D ie Zeit ist zyklisch. „das Feuer des Schwurs“ (gemeint: Stalins Schwur). Gerade diese D i- nov-Beweg un g mit seinem Den kmal. die neuen waren noch in Bau) und konnte nur mit Modellen aus Pappe arbeiten. sondern stellt Historie als Theater dar. M oore. Alles Dingli­ che und Materielle beabsichtigte Eisenstein ins Immaterielle und Metaphorische zu übertragen. besonders dann. dass das geplante Projekt sich auf die Faszination mit Illusionen. der durch den Vergleich zum D e n k ­ mal (zu seinem U ber-I ch) entsteht. Auf diese Weise wurden die vier Elemente der Materie zu Tropen. ja eliminiert wurde: D ie Geschichte verwandelte sich in ein ewiges Spiel ohne Vor­ wärtsbewegung in der Welt des Filmateliers. nur im Zentrum . Das erste Element Wasser ist zwar materiell (Kanäle. D ie historische Dialektik wurde als Dialektik der N a ­ tur gedeutet. in: Kinovedceskie zapiski 39 (1998) 111-150. Farben und Elemente verwandeln sich auf diese Weise in heraldische Embleme. Feuer und Erde bestimmten die Handlung als eine geometrische Figur. weißsteinige.Alexander Puskin. Filmnotizen Eisensteins verraten. jedoch in die Vorstellungen der Alchimisten übersetzt. Darauf­ hin lebt der Held im ständigen K on flikt mit sich selbst. als attributive Klischees. D ie Bau­ stoffe Moskaus (Stein. Sie dematerialisieren die Architektu r und verwandeln sie in eine Theaterkulisse. weiter gibt es dieses Element nur noch als „Feuer der Revolu­ tion“ (M oskau brannte 1917 nicht). die Geschichte der Stadt in der Geschichte des Staates aulgehen. D ie Methode der Gleichsetzung (die Befreiung von den Tataren ebenso wie von N apoleon) führte bei Eisenstein letztendlich dazu. Vier Elemente und sieben Farben sind in ihrer Materialität trügerisch. D o c h Zarchi kam bei einem Autounfall ums L e­ ben.anstelle des nicht gebauten Palastes der Sowjets . „den feurigen Ring der Intervention“. goldkuppelige. In bestimmter Hinsicht spiegelte sich darin die Kulisse der realen Stadt Moskau: Sie war exakt geplant. Flüsse. D ie Luft wird zur „Luft der Frei­ heit“ . Filmtricks und räumli­ chen Konstruktionen gründete. D e r Film musste ohne reale Bauten auskommen (die alten taugten nicht. doch dient das Wassermotiv in der Drehbuchskizze der aktuellen Staatsideologie: Moskau soll wie eine „Meereshauptstadt“ wirken. Genauso vermittelt die Elisabethanische Kosm ogonie nicht Geschichte. dass die Zeit stehen blieb. D ie Geschichte des Staates würde durch vier Naturelemente dargestellt und glich einem Modell aus dem Eli- sabethanischen Theater: Wasser. Zu den vier Elementen gesellten sich die sieben Spektralfarben. wenn die Handlung in die Nähe zur Gegenwart rückte. als isomorphe Strukturen können sie sich wiederholen. das auf dem Puschkinplatz (!) aufgestellt wird. Die Erinnerungen an D o n Juan und den K om tu r sind nicht zufällig: auf dem ehemaligen Strastnoj-Platz steht das Den kmal für den russischen B e ­ arbeiter dieses Sujets . H olz) werden ausschließlich als stetige Epitheta der Stadt begriffen: hölzerne. Pfützen).

und diese kom mt am Ende des Films vor. wem der Vorrang gehört: dem Künstler oder dem Ingenieur. vom Strastnoj-Klo ster und von der E r ­ löserkathedrale. D er ist nach Moskau ge­ kommen. U m die gewünschte Reaktion zu provozieren (die alten F orm en mussten mit Lachen unterlegt wer­ den). natürlich besser und genauer als die Moskauer selbst.in seiner sibirischen Ferne. die sich in einen sibirischen Konstrukteur verliebt.266 O k sa n a Bulgakowa mension vermittelte der 1938 gedrehte Film „Das neue M oskau“ von Aleksandr Medvedkin. in den metaphysischen Raum der Illusion. D ie Bestrebungen. eine Zeitmaschine. D er Ingenieur ist der Träger jenes imaginativen Sehens. der monumentalen Massivbauten treten auf der Leinwand Zeichnungen oder nied­ liche spielzeugartige Pappmodelle. umgestellt.zur bombastischen Musik. Einem Maler will es nicht gelingen.fliegen. Die neuen Architekturform en lösen die alten sakralen Bauten ab.wie M ücken . Medvedkin materialisierte die Architekturträume und bot ein Simulakrum der realen Stadt. N ach den Regeln könnte hier ein hom e­ risches Lachen durch die Nichtentsprechung der Proportionen und der O be rflä­ chenbeschaffenheit provoziert werden: A n die Stelle der entsorgten Gebäude. Häuschen für Zwerge . um hier sein Modell einer neuen Stadt zu demonstrieren. das Gesamtkunstwerk in den realen Raum zu delegieren. die nur in der Imagination existiert. Das Lachen wird übertragen von einer Aktio n (Trick) auf eine an­ dere (Zerstörung der Kathedrale). was eigentlich als O b je k t der Repräsentation verstanden werden muss: D ie reale Stadt ist durch eine fantas­ tische Stadt ersetzt. jedoch so lange erträumt hat . nutzte Medvekin einen alten Film trick aus dem Slapstick . In den Spielfilm wird ein Kulturfilm eingebaut. Dieser Film stellte die Rekonstruktion der Flauptstadt als romantische K o m ö ­ die dar. scheiterten. der das rekonstruierte Moskau durch die Anim ation von Architekturzeichnungen und Modellen belebt. den einzig realen O r t für den stalinistischen Traum. das die Gesellschaft fordert. wenn über ein Pappmodell vom Palast der Sowjets (mit der Lenin-Statue an der Spitze) die Flugzeugmodelle . einen virtuellen Raum.den Rückw ärts­ lauf des Films. D ie neuen werden dabei wie belebte Modelle gezeigt. wurde dieser Film zum letzten Spielfilm in der Karriere des Regis­ . eine Moskauer Schön­ heit. materialisiert in einem Filmprojektor. sondern auch sein Modell. der zu seinem Sujet den Modus des Sehens machte. Eisensteins Film wurde nicht realisiert und Medvedkins stark kritisiert (abgesetzt gleich nach der Premiere. der an die Imagination appellierte. E r verwan­ delte die ganze Stadt in eine Theaterkulisse. Film ist das Medium dieser Imagination. das er nie gesehen. die alten durch die dokumentarisch gefilmte Sprengung vergegenwärtigt. D ie Frage. das alte Moskau auf seinen Bildern festzuhalten. D er Maler verliert nicht nur seine Stadtansichten. dem Augenzeugen oder dem Träumer (bestätigt durch die Wahl der Schönen) zeigt. die das Lachen unterdrückt. denn seine O b jek te verschwinden buchstäblich über Nacht: Alte Gebäude werden abgerissen. Zunächst sehen die Zuschauer Dokumentaraufnah­ men vom gesprengten Sucharevskij-Turm. jenes neuen Moskaus. D ie Zuschauer können auch an einer anderen Stelle lachen (und das tun sie immer bei den heutigen Vorführungen). dann erstehen diese wieder aus den Ruinen. durch andere ersetzt.

A u f den zentralen Strassen gähnten die ausgehobenen Baugruben. es ist eher ein flüchtiger Blick auf den von alten Gebäuden befreiten M a ­ nege-Platz (von dem nun auch der Blick auf den Kreml möglich wird). das im Prozess der gigantischen Um wandlung sich befand. In dieser Hinsicht kann der einzige große Moskauer R om an der russischen Literatur. in denen ein Hintergrundprospekt aus Leinen den H o r i ­ zont darstellt oder bemalte Pappe einen Stein. dessen erste Fassung 1929 geschrieben und vom Autor verbrannt wurde. G oebrke.) Mitte der 1930er Jahre ist die Metro die einzige. A ber es gab auch andere Wege. D ie alte Stadt verschwand. Sym bolische T opographie des neuen M oskau im Film 267 seurs). schreibt Carsten G oehrk e. 18 Das Haus für Schriftsteller im alten Bezirk Zamoskvorecje war so ein grotesker Bau. sieht man in den Filmen der 1930er Jahre kaum.leere Flächen. Bulgakows „Meister und Margarita“. auf das sich in Bau befindliche Hotel „Moskva“ und die neuen Gebäude in der Gorkij-Strasse. Für diese Bewegung wird oft der Beste be­ stimmt: der erfinderischste Konstrukteur (in Medvedkins „Das neue M o skau“). ja groteskes Bild. endet mit einem großen Feuer. die eine neue Ikonografie der Stadt begründeten. einen Zeitzeugen zitierend. Auch wenn vom realen Moskau im Film wenig zu sehen ist. was unter filmischer Realität zu verstehen ist und was eigentlich die Realität auch jenseits des Filmateliers konstituiert. . D ie sym bolische Topographie: W ie eine Stadt im K o p f entsteht Das reale Moskau. D er reale Raum wird im Film öfter und öfter durch eine utopische Realität ersetzt. und die Stadt im Wandel gab ein seltsames. die D ämonen vervollkomm­ nen die Arbeit der Zerstörung. (Die Verfilmung des Romans 2005 durch Vladimir B o rtk o in Petersburg kann als eine späte. bereits fertige Errungenschaft der sozialistischen Hauptstadt Moskau. zum Zentrum hin. die aber weniger durch den Spielfilm („Das neue M o ska u “ ist eine Ausnahme) als durch die Pressefotos ins Bewusstsein aller Bürger des Landes gebracht wird. wenn auch nicht konzipierte Rache ge­ deutet werden. an den Stellen der alten Stadtzeichen . Russischer Alltag 163. die nur dem Willen und der Fantasie des Regisseurs. Kein Zufall: D ie neuen Gebäude waren noch nicht fertig. eine imaginäre Stadt entstehen zu lassen: eine Montage von wenigen ausgesuchten O rten oder Gebäuden. stets wird seine zen­ trale Rolle durch die Fabel betont: In auffällig vielen Filmen gibt es die Bewegung nach Moskau. als man mit dem Abriss der Moskauer Kirchen und des Iverskij Tors begann. Fahrten durch Moskau sind in den Filmen kurz. also in dem Jahr. D er Raum ist eine Illusion. doch beide zeigen. die Filmemacher verlassen die Straßen und kehren in die Ateliers zurück. als eine unmittelbare Reaktion auf die Vernichtung des „dritten R o m s “ begriffen werden: D e r R om an. Kameramanns und Filmarchitekten folgt. N eben den kleinen Holzhäusern ragten vereinzelt und „fast gespensterhaft“ mehrstöckige steinerne Wohnpaläste18.

in Deutschland lief der Film unter dem Titel „Sie trafen sich in M o sk au“). „Kotelniceskaja und Gon carn aja Uferstraße vor der R e k o n ­ struktion“ (1938). des Staatszorns und der Staats­ trauer. 1941. bestenfalls Hinweise auf die zukünf­ tige Stadt zu sehen. der beste Schüler (in Kulesovs „Die Sibirier“. sondern das neue Hotel „Moskva“ (in Aleksandrovs „Zirkus“. sich der Hauptstadt nähern. Kanäle) steht ganz im Zeichen der neuen Ideologie. „Abriss der Häuser auf dem Manegenplatz“ . Springbrunnen.sie werden zu Zeichen der neuen urbanen Heimat. „Sprengung der Erlöser Kathedrale und der Bau des Palastes der Sow je ts“ (1934). „Maja- kovksij Platz vor der R e ko nstru k tio n“. Mausoleum als neuer sakraler Bau anstelle der Erlöserkathedrale. „Moskau 1938“. D ie Tatsache. D ie Zukunftsvision dieser Stadt ist durch Worte geformt und darf nicht durch profane Bilder zerstört werden. im Säulensaal werden die politischen Prozesse inszeniert und die offenen Särge mit den Körpern von Lenin. „Zubovskij Boulevard vor der R eko nstr uk tio n“ (alle 1937). während und nach der R ekonstr uktio n gefilmt wurden. 20 „National“ und „M etro pol“ . die Helden aus Aleksandrov „Volga- Volga“ (1938). „Moskau in der Vergangenheit und Z u k un ft“ (alle 1938). aus denen ein imaginärer Raum zusammengesetzt werden sollte. dass die neuen.beliebte Motive auf den Ansichtskarten der 1910er Jahre - werden im Film nicht als bevorzugte Restaurants der sowjetischen Künstlerelite dargestellt (was sie im Alltag waren). die Landwirtschaftsausstellung mit den Springbrunnen und der Volga-Moskva Kanal . in denen die Straßen. 1940). sondern als Plätze der neuen Geschichte. . doch die Gebäude werden nicht nur als Sitz eines imperialen Balletts oder einer Adelsversammlung (nun Haus der Gewerkschaften) wahrgenommen. Sie 19 Moskaus R ekonstr uktio n ist in unzähligen Dokum en tarf ilm en dokumentiert. 1939). „Bau der Krymskij B rü ck e“.2 68 O ksana Bulgakow a die schnellste Weberin (in Alexandrovs „Der lichte Weg“. Ab 1931 entstehen jährlich etwa 30 Kurzfilme mit diesen einfachen Sujets. wie „R ekons truktio n des O k h o tn y j rjad“ (1931). 1940). wird nicht als störend empfunden19. diese neue Funktio n wird durch Dokumentarfilm e ge- prägL D ie Häufigkeit der Wassermotive bei der Darstellung Moskaus in eien Filmen (Uferstraßen. oder in Ivan Pyrjev „Die Schweinepfle­ gerin und der H irt“. erscheint sie ihnen wie Venedig. „Die alte Krasnocholms- kij Brück e vor dem Abriss“ . sondern als für Ausländer reservierte („Zirkus“. Deshalb sind im Film nur Zeichen. B rü cken vor. nicht das alte „M etropol“. „Bau des Palastes des So w je ts“. Plätze. Wenn die Laienkünstler. „Der Fehler des Ingenieurs K o c i n “ von Aleksandr Maceret. die besten Tierzüchter (wie in Konstantin J u ­ dins „Ein Mädchen mit C harakter“. und Moskaus Darstellung ist im Film auf wenige emblematische Plätze reduziert: Kremltürme (alt) und rote Sterne (neu). 1936. „R ekonstr uktio n der Dorgom ilo vskaja-Strasse“. Aus den alten Wahrzeichen der Stadt werden das Bolschoi-Theater und der B lick auf den Säulensaal in der Malaja Dim itrovka Straße übernommen. Wenn der reale Stadtraum sich diesem Sinn widersetzt. Dzierzynski ausgestellt. „Lavrusenskij pereulok vor der R eko nstr uk tio n“. „Uferstrassen der M oskva“. Im Bolschoi finden alle wichtigen Staatsakte statt. 1936)20. das Gesicht der Hauptstadt bestimmenden Bauten noch nicht fertig sind. kann er durch M o ­ dell. Flussansichten. als O rte der Staatsfeierlichkeiten. Losung verdeckt werden. 1939. Dekoration. „Abriss des Strastnoj K lo sters“. Zeichnung. „Moskau vor 1938“.

Dneprogess (der Schauplatz der I n ­ dustrialisierung). ein Schü­ ler Eisensteins. und wurde von Lewis Milestone inszeniert. und die Reihe der gewählten visuellen Zeichen ist bemerkenswert: Zunächst besuchen die Jungverliebten den Sitz der al- ten-neuen Macht. auf Dampfern. Die Schauspieler. 1934. dann aber die Basilius-Kathedrale (die in den sow­ jetischen Filmen dieser Zeit fehlt). U n d so erscheint auch Russland in amerikanischen Filmen. „The N o rth Star“ (1943) stützte sich auf ein Drehbuch von Lilian Hellmann. den Kreml. drei Jahre zuvor in antisowjetischen Filmen aufgetreten waren. „Das Mädchen mit Charakter“ spaziert auf der neuen Steinernen Brücke und erholt sich an dem neuen künstlichen See. die die Tradition der Stummfilme von Friedrich Erm ler fortsetz­ ten) ist Leningrad zu sehen . wo ein präch­ tiges Wasserfeuerwerk veranstaltet wird. . die noch zwei. 22 A n ihrer Produktion beteiligen sich russische und deutsche Emigranten. der wie der klassische venezianische Dogenpalast gebaut ist. Diese Szene erscheint im Film wie eine eingeschnittene Sequenz aus einem sowjetischen Film (von Aleksandrov oder Medvedkin). wie auch Medvekins Helden. D er russische Emigrant George R ato ff insze­ nierte 1943 ebenfalls für M G M „Song of Russia“ . Im „Song of Russia“ (1943) reist ein amerikanischer Dirigent (R obert Taylor) nach Moskau und zeigt einem russi­ schen Mädchen aus der Provinz. die Ende der 1930er Jahre in che Sowjetunion gereist war. und sie werden von einem Denkmal für den Demiurgen dieses neuen Raums begrüßt: Stalin. die Hauptstadt. in dem Birken. Petersburg wird in der Serie der Filme zum 20. doch gegen Ende der 1930er Jahre steht das zusammengesetzte Bild fest. Kreml und Traktoren ihren Platz gefunden haben. so der Schau­ spieler Michail Cechov. der bei dessen Dorf film „Die Bezinwiese" assistiert hatte. Jutkevics „Goldene B erg e“. Darauf folgen die obligatorischen Markenzei- 21 N u r in den Filmen der frühen 1930er Jahre (Kozincev und Traubergs „Allein“. Aus diesen Topoi wird die Stadt zusammengesetzt. mit der der Alltag sowjetischer Menschen fest verbunden ist. einige wurden extra von der Propagandaabteilung des State Dep artment in die U S A geholt. Sym bolische Topographie des neuen M oskau Im Film 269 erreichen Moskau über breite Wasserstraßen. Jahrestag der O ktoberrevolution als eine in die Vergangenheit gerichtete Stadt dargestellt21. Ermlers und Jutkevics „Geg enplan“. der hohe N orden und die Kanäle in der Wüste (die O rte der Geotransform ation der Natur). aus dem D o r f Cajkovskoe. Später wird die Stadt mehr und mehr als eine Kulisse für historische Filme benutzt. der Film wurde wieder in dem Sovchos namens Stalin gedreht. Michael Curt iz insze­ nierte 1943 „Mission to M o s c o w “ . M e ­ tro. der in Russland geboren und aufgewachsen war. das Film -M oskau dagegen ist in die Zukunft gerichtet. erschienen nun in prosowjetischen P r o ­ duktionen. Moskau eröffnet sich dem an- kommenden Sibirier in „Parteibuch“ (1936) als eine Stadt am Fluss. D ie visuellen Klischees dieser Filme sind den sowjetischen Filmen entlehnt22. Sie passieren einen Palazzo am Ufer. Evgenij Iogansons „ E r b ­ prinz der Repub lik “. Bei diesem Film war Jay Leyda als Berater tätig. M otorb oo ten oder sogar schwimmend. Ähnlich wird mit der F ilm ­ karte des Landes verfahren. alle 1931.eine moderne Stadt. D ie Filmregisseure haben mit verschiedenen Vorlagen gearbeitet. die 1943 im Auftrag Roosevelts von H o lly ­ wood produziert wurden und das Bild Russlands (so Roosevelts Idee) im B e ­ wusstsein der Amerikaner radikal ändern sollten. sie ist genauso auf wenige prägnante O rte reduziert: Sibirien (die Quelle der Ursprünglichkeit).

1937 (Landschaft mit Bir­ ken und einem Panzer). der Volga-Moskva-Kanal mit Stalins Statue. Zwar sitzt das Mädchen auf dem Traktor und lernt schießen. . chen von Stalins Moskau: Hotel „Moskva“. 6 Ekaterina Sernova. Kolchosbauern grüßen einen Panzer. Zur H ochzeit schenkt das Mädchen dem Amerikaner das Schönste. D och : auf dem Feld steht ein Traktor. und der Kolchosvorsitzende trägt ein großes Kreuz neben dem R oten Stern. 6). was es besitzt: das Erlebnis einer russischen Landschaft (ein Feld mit dem Sonnenaufgang). hängt im Z im mer ein Bild von Cajkovskij. doch die H och zeit wird in der Kirche gefeiert. die M etro.B . die alten visuellen Vorlagen (das bäuerliche Russland) und die archaische Wirkung der sentimentalen Volksmusik mit Zeichen der neuen Macht. D ie konstru­ ierten Bilder des „sozialistischen R aum s“ haben ähnliche Merkmale: Sie versu­ chen. die ihrer­ seits die alten Zeichen besetzt. Es gibt auch kleine Abweichungen: A n ­ stelle von Stalins Porträt z .270 O k sa n a Bulgakowa Abb. all das zu Sostakovics „Marsch der Enthusi­ asten“ (aus einem Leningrader Film!). D er Film wird mit Cajkovskij -M usik. russischen Volksliedern und Tänzen unterlegt. in Verbindung zu bringen (Abb. die Landwirtschaftsausstellung und das Erinnerungsphoto mit dem Springbrunnen im Hintergrund.

1 9 1 7 (Moskau 2004). D ie Sicht auf den Kreml wurde auf den Ansichtskarten entwe­ der von der Erlöserkathedrale angeboten oder von Zamoskvorecje aus. Glas und B eton im Zentrum ver­ drängt: Hotel Rossija. 1940: die Landwirtschaftsausstellung (fig. die neuen prächtigen Hotels wie „M e­ tropol“ und „National“. die neuen Metrostatio nen und die neu gestaltete Straße Prospekt mira erscheinen. die die Ansichtskar­ tenmotive dominieren. Erst in den 1940er Jahren sind die Gebäude. Bahnhöfe. Das beliebteste Motiv war die Erlöserkathedrale. G oehrke. Vgl. 3. 7. 24 Die Serien der Ansichtskarten der 1950er Jahre. der Sucharevskij Wasserturm. Die bunte Reklame und die Firmenschilder verschwanden aus dem Straßenbild.X X vekov. 7. effektvoll durch das dekorative Iverskij Tor eingerahmt. und nun werden sie photogra­ phiert: das Theater der Sowjetarmee.. Poctovaja otrytka iz kollekcii Mu zeja istorii goroda Mosk vy (Moskva 1997).nm. T h e Art of Social Navigation: T he Cultural Topography of the Stalin Era. In den 1920er Jahren haben die Ansichtskarten auch das Moderne im Bild der Stadt festzuhalten: die Legung neuer Tramschienen auf Lubjanka und Arbat. wie auch die Eisenbalkons (da die Metalle eingeschmolzen wurden). D er Triumphbogen kehrt zurück wegen der N achb ar­ schaft zu dem neu erbauten Zoltovskijs Haus. Tatjana Silova. Als D ekora tio nen wurden nur die riesigen Portraits der F ühre r benutzt. in: A no th er Land­ scape: Stalinist cultural space.ru/ 25 Diese Motive wurden kürzlich von Evgenij D o b r e n k o untersucht: Evgenij D obrenko. die schmutzigen gesprungenen Scheiben und den verrotte­ ten Zustand vieler Bauten. Ostan kin o Fernsehturm. fertig. 172). Am Anfang des Jahrhunderts wur­ den diese Motive von den Bauten der Moderne verdrängt: Passagen. Moskva na starinnych otkry tkach (Moskva 1992). In einer Serie aus dem Jah r 1937 wurden die Entwürf e für den Palast der Sowjets vorgestellt (fig. der neue Zirkus und die Schwimmhalle „M o sk au“. In den 1960er Jahren werden diese Motive von Neubauten im Südwesten (Ceremuski) und den Gebäuden aus Stahl. In den 1930er Jahren sind es die Paraden auf dem Roten Platz. 4. Sym bolische T opographie des neuen M oskau im Film 271 Von A nsichtskarten zur Film topographie: K rem l. Geschäftsstraßen im Zentrum. der neue Gartenring und die Hochhäuser24. ihr einziger Konkurrent war die B a ­ silius-Kathedrale.oldmos- cow. den abgesplitterten Putz. die Börse. der neue Arbat. 1 8 9 1 . und das „neue M o sk a u “ erst 1947: mit G orki- . die die Postkarten der 1910er und 1920er Jahre so stolz präsen­ tierten. 23 Die Zeichen der Moderne. die in den 1930er geplant waren. Biograficeskij slovar-spavocnik (Moskva 2006). Diese Ansichten werden auch als Motive auf Briefmarken übernommen25. werden von den ausländischen Besuchern Moskaus Anfang der 1930er J ahre nicht wahrgenommen: Sie bemerken das Fehlen der Plakatsäulen. Russi­ scher Alltag 154. den Stadtverkehr auf den Plätzen und in der Tverskaja23. Im 19. Moskva na rubeze X I X . Fotografy M osk vy 18 39-1930. SEV.. auf denen die Wolkenkratzer. Topoi (Washington 200 3) 16 3-2 0 0 . öffentlich und privat D ie Topographie des neuen Moskau im sowjetischen Film sprengte die übliche emblematische Repräsentation der Stadt auf den Ansichtskarten. Es gibt zahlreiche Publikationen dazu: Mo skva na starych otkrytkach. einzelne neue Häuser in der Gorkistrasse (Tverskaja). Lubjanka und Strastnaj. Ja hrhun­ dert dominierten Kirchen und vor allem der Kreml die Moskauer Ansichten. Siehe viele Moskauansichtskarten auf http://www. der wenigen Autos und wenigen Läden. vollenden das Bild der sozialistischen Hauptstadt. 171). die Boulevards und drei belebte Plätze: Teatralnaja.

272 O ksana Bulgakowa

Jam es-B on d -F ilm e folgen der A nsichtskarten-Logik und situieren die K u lm i­
nationspunkte der Handlung an den allbekannten touristischen Orten: Pyrami­
den, San M arco in Venedig oder Rossi-Straße in Petersburg. D ie sowjetischen R e ­
gisseure der 30er Jahre setzten bei der Schaffung der Moskauer Topographie im
Film auf etwas völlig anderes: Sie waren sich bewusst, dass O rte in ihrer emblema-
tischen Bedeutung durch den Film erst geschaffen wurden, und es war wichtig,
mit welchen Ereignissen die O rte verbunden waren - wo küssten sich die Gelieb­
ten, wo wurden schicksalhafte Entscheidungen getroffen, wo und wie wurde p o ­
litische Macht etabliert. Film wurde als ein Medium zur Schaffung der kollektiven
Erinnerung verstanden; er vermittelte eine sinnträchtige Topographie, welche sich
von den früheren visuellen und literarischen Vorgaben absetzte.
1926 wurden die Zeitungsberichte von Vladimir Giljarovskij in dem Band
„Moskau und die M oskauer“ herausgegeben, 1935 wurde das Buch erneut aufge­
legt26. D e r A u tor schrieb ein neues Vorwort, einen Abgesang auf die Vergangen­
heit, in der Vora