Beatrice Nunold

www.nunold.net
b.nunold@googlemail.com

Wir leben einmal in Relationen, und bedürfen nichts weiter.
Johann Friedrich Herbart 1829: 415

Seit uns die Namen in die Dinge wiegen,
wir Zeichen geben, uns ein Zeichen kommt,
ist Schnee nicht nur die weiße Fracht von oben,
ist Schnee die Stille, die uns überkommt.
Ingeborg Bachmann

Sinnlich – konkret: Eine kleine Topologie des S(ch)eins*
1. Einführung: Wirklichkeit als Totalimmersion
Die Neurobiologie geht davon aus, dass unser Gehirn ein informationell geschlossenes System ist.
D.h. es hat keinen direkten Kontakt zur so genannten Außenwelt. Der neuronale Code ist neutral. Er
besitzt keine Spezifität in Hinsicht darauf, ob der elektrische oder chemische Reiz eine externe oder
interne Ursache hat. Ich kann hier die Komplexität des Wahrnehmungsprozesses, wie die Hirnfor-
schung sie beschreibt, nicht im Detail darstellen. Danach ist das Bild und damit die Wirklichkeit,
die in unserem Kopf entsteht, das Ergebnis eines komplizierten Verrechnungsprozesses, der sich
nach Kriterien vollzieht, die zum Teil angeboren, zum Teil frühkindlich erworben sind oder auf
späteren Erfahrungen beruhen. Was wir wahrnehmen, alles was wir sinnlich und sehr konkret spü-
ren, hören, sehen, schmecken, tasten, riechen oder auch nur erahnen ist kein einfaches Abbild einer
von uns unabhängigen Realität, sondern wird aktiv vom Gehirn produziert. Wirklichkeit konstituiert
sich als Immersionsraum, als immer schon Im-Bilde-sein, als permanenter, totaler Zeichenprozess-
zusammenhang und virtuelle Realität 1. Ordnung (VR 1). Das ist nicht bloß metaphorisch, also
wiederum bildlich gemeint. Es handelt sich nur insofern um einen Topos, einen Gemeinplatz als es
den allen Menschen gemeinsamen, wenn auch je individuell erschlossenen Da-seinsraum, das phy-
sio-psychisch-mentale Bezugs- und Verweisungsgefüge benennt. Die VR 1 (Wirklichkeit, Welt,
Dinge, Sachverhalte, Tatsachen, Abstraktes wie Konkretes) ist ein relationales Gefüge mit indivi-
duell variierenden Topologien.
Wir sind im doppelten Sinne immer schon im Bilde und in Zeichenprozesse verwickelt, und zwar
in der Weise, in der Merleau-Ponty von unserer „Verwickeltheit ins Sein“ spricht (1986: 117). Die
Wirklichkeit (VR 1) ist für uns unmittelbar, und wir gewinnen in unseren alltäglichen Vollzügen
nur selten eine reflexive Distanz. Die VR 1 wird immer schon geschehen sein. Das sinnlich-konkret
Erlebte besitzt diese Qualität nur in der VR 1. Dies macht Wirklichkeit für uns evident. Es handelt
sich um eine Totalimmersion, dessen Virtualität unbemerkt bleibt. In dem Roman Der Große Wald
streitet sich Prof. Zuckerschale mit seiner Kollegin Sternenhain:
Sie zweifeln doch sicher nicht daran, dass wir beide uns auf dem windigen Campus befinden
und mit einander sprechen?
Und diese antwortet:
Sagen wir, ich glaube ziemlich fest daran, so dass mir kein Zweifel darüber in den Sinn kommt.
Und ich kann einige triftige Gründe, die für diese Annahme sprechen, ins Feld führen. Zum
Beispiel die Dichte meiner Sinneswahrnehmung. Ich spüre den Boden unter meinen Füßen, den
kalten Wind während ich mit ihnen spreche, rieche die See und schmecke das Salz. Ich sehe sie
und höre, was sie zu mir sagen, und ich bin in einer etwas gereizten Stimmung und bin mir
während der ganzen Zeit selbst gegeben. Ich bin mir präsent, wenn mir dies auch nicht zu jedem
Zeitpunkt präsent ist. Das alles kann eine riesige Täuschung sein, Lug und Trug. Vielleicht
träumt es mir nur. Doch wer ist es, und wem gehört das Mir? Vielleicht ist alles nur ein Traum

*
Vortrag auf dem 12. Internationalen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Semiotik, vom 9. – 12.10 2008 an der
Universität Stuttgart.

in einem Traum ad infinitum. Die VR 1 ist der Ernstfall. die Vorstellungsbilder der konkreten Irrationalität mit der herrschsüchtigsten Wut der Genauigkeit sinnfällig zu machen [. c sind topologisch äquivalent (homöo- kontinuierlichen Transformationen von Zusammenhangsstruktu. Der Exo-Zustand ist der Endo-Zustand der VR 1. versunken in unsere Gedanken oder beim Spiel im Cyberspace. In diesem Sinne ist der Schein objektiv. ge. Ordnung (VR 2). Kettering. Eine Topologie des Seins ist eine Topologie der physio-psychisch-mentalen Bezugs. um nur eini- ge Möglichkeiten zu nennen. unserer Wirklichkeit nur zeitweise in eine VR 2 flüchten.und Verwei- sungsgefüge oder Zusammenhangsstrukturen (vgl. etwa beim Lesen eines Buches.“ (Schmidt 1999: 241) Aus der VR 2 können wir in die VR 1.“ stellte schon Johann Friedrich Herbart 1829 lakonisch fest (Herbart 1829: 76). dass es aus dem Immersionsraum Wirklichkeit (VR 1) kei- nen Notausgang gibt. Je perfekter die Ersatzstimuli der VR 2 für die in unserer Wirklichkeit (VR 1) erlebten sind. ein Dass der Gegebenheit. Mein ganzer Ehrgeiz auf dem Gebiet der Malerei besteht darin. keine Repräsentation. 23). dass ich hier stehe und eine viel zu lange Rede halte. desto mehr ist ein Mensch davon überzeugt. 1 Der Begriff findet sich erstmals in dem so genannten Hüttenbüchlein. „Wie viel Schein. Hören von Musik. von einer nicht hintergehbaren Faktizität. d. aus der VR 1. ist das Spiel wirklich aus. Die Totalimmersion unserer Wirklichkeit ist perfekt und leibhaftig. Was meint Topologie des S(ch)eins Den Begriff Topologie des Seins prägte Heidegger1 für die Kunde von der Ortschaft als dem Bezugs. Heißt es hier „game over“. „Mit der herrschsüch- tigsten Wut der Genauigkeit sinnfällig zu machen. sinnlich-konkret. „Urpräsentation des Nichturpräsentierbaren“.. soviel Hin- deutung auf’s Seyn. Das topologische Geschlecht verän- brochenen Topologien (Antimorphismen). und „desto weniger kann der Mensch unterscheiden.morph). unterscheidet die VR 1 von einer virtuellen Realität 2. in dem wir uns immer schon befinden. e. Das lässt sich nicht beweisen. Brechung der Zusammenhangsstruktur dar. Trotzdem scheint mir meine Wahrnehmung evident und ich glaube ziemlich fest daran.und Verweisungsgefüge.]. Betrach- ten eines Kunstwerks. Aus der Erfahrung des Denkens (1954.. 2 . beim Schauen eines Film oder Theaterstücks. (Dali 1935. Wahnbilder so präzise zu darzustellen. Die Topologie als mathematische Disziplin beschäftigt sich mit a. 1987. e stellt durch die infinitesimale Grenzfläche die 2008a). Salvatore Dali etwa machte es sich zur Aufgabe. dass alles real ist. dass sie ebenso sinnlich-konkret erlebt werden und sich als Wirklichkeitsäquivalent aufdrängen. “originäre Prä- sentation des Nichtrepräsentierbaren“ (1986: 277. ob er sich in einem eingetauchten (endo) oder einem aufgetauchten (exo) Zustand befindet. Die beklagte Virtualisie- rung in unserer medialisierten Welt und das damit einhergehende Disembodiment mit all seinen Konsequenzen hängen damit zusammen.“ ist aber im Grunde das Programm einer Tota- limmersion.morph). Das topologische Geschlecht ändert ren und deren relationalen Ähnlichkeiten (Homömorphismen). 46) Die Seinsgewissheit. in einem Traum. zwar fiktional aber nicht vollständig fiktiv. sondern wie Merleau-Ponty schreibt. Im letzten Fall wird dert sich von 1-fach zu 3-fach zusammenhän- von Nichtstandardtopologie (NsT) gesprochen (vgl. (Nunold 2008. Die VR 1 ist keine gelungene Simulation der Welt an sich. Unsere Realität ist Schein und der Schein unsere Realität. Wirklichkeit ist kein mehr oder weniger punktgenaues Abbild eines Urbildes. wie die Tatsache. 2. Nunold gend. in: Descharnes 1997) Nun sind alles Medien Immersionsmedien und fordern eine anhaltende Fokussierung der Aufmerk- samkeit und ein ganzes oder teilweises Abblenden der Wirklichkeit (VR 1). 223). dass eine Totalimmersion in eine VR 2 mit all seinen Konsequenzen (noch) nicht möglich ist. sich nicht. f sind topologisch nicht äquivalent (anti- aber auch mit Brechungen von Zusammenhangsstrukturen. gerade weil es sich bei den Stimuli nicht um Ersatzstimuli handelt. 261). in unsere Wirklich- keit zurückkehren. b. Das Gegenteil aber auch nicht.

nichtstrukturerhaltende Abbil- dung der Kugel mit emergenten Eigenschaften. Im Übergang von einer Kugel zu einem Torus verändert sich das topologische Geschlecht. 192. Das topologische Geschlecht verändert sich nicht. aber nicht auf diese rückabbildbar. die auf Grund der Durchdringungseigenschaften nichtstandard- topologischer Zusammenhangsstrukturen. Er ist eine homöomorphe Abbil- dung des Bechers. vgl. alle anderen physio-psychisch-mentalen Bezugs.).). 1983). Sie befasst sich mit den Transformationen oder Translationen und Brüchen der physio-psychisch-mentalen Zusammenhangsstrukturen unseres In-der-Welt-seins.Zwei einfache Beispiele: 1. Nunold 2008a). wenn die erste Natur unsere biologische Existenz beschreibt. an dem wir auf Grund unserer Leiblichkeit teilhaben. Im Buddhismus entspricht dem das Konzept der Leere. vgl. Wirklichkeit Während eine Beschreibung der Unterschiede zwischen Kugel und Torus problemlos gelingt. 3. 2004: 44 f. Leere. 24 ff. 42 ff. Wirklichkeit. Der Torus ist aus dem Becher hervorgegangen und auf diesen rückabbildbar. 46. Bild. (vgl. Die Leere.. Die Brechung ist der „Unter-Schied“ (Heidegger) oder die Differenz selbst und das Offene einer universalen physio-psychisch-mentalen Relationalität. Er ist etwas grundsätzlich Neues und nicht rückabbildbar.und Verweisungsgefüge erst emergieren (vgl. ein universale In-differnz. Im Sinne einer NsT kann von einem physio- psychisch-mentalen Vor. unsere zweite und eigentliche Natur. 2004: 42 ff. Zusammenhänge etc.. wie wir aus dem ost- asiatischen Denken wissen und wie Heidegger orakelt. VR 1 und VR 2 sind keine Dingkategorien. wie sie von Gebilden der fraktalen Geometrie bekannt sind (ebd. Eisenhardt/Kurth 1993. b. 315.und Gründungsgeschehen. Heidegger 1994: § 127. ist maß- los im Sinne des griechischen apairon und ist kein Kontinuum. 1984: 33. nicht nichts (vgl. Heidegger 1949. Sie sind relationale Gefüge mit spezifischen Topologien. Heidegger nennt diese universale In- differenz das „Verhältnis aller Verhältnisse“ oder „Ortschaft aller Orte und Zeit-Spiel-Räume“ (1959: 215. Der Übergang von einem Becher zu einem Torus (Doghnut) ist ein Beispiel für eine konti- nuierliche Veränderung. Die Zusammenhangsstruktur bricht. Heidegger 1954: 189. Der Torus ist aus der Kugel her-vor-gegangen. gewissermaßen von einer physio-psychisch-mentalen Prägeometrie gesprochen werden. Die NsT weist Selbstähnlichkeiten auf. Eine Topologie des Seins ist immer auch eine Topologie des Scheins und unserer Semiosen. Prägeometrie Eine Brechung der Zusammenhangsstruktur ist vermutlich der Ur-sprung unserer Wirklichkeit.) oder zerbrochener Zusammenhang und eine anti- morphe. Er ist so etwas wie die Mat- rix jeder VR und aller Zeichenprozesse. sind nichts Substanzielles. Relationalität. 258) und Merleau-Ponty eine „universalen Dimensionalität“ (1986: 333. Der physio-psychisch-mentale Grundzustand ist ur-sprünglich ein unendlicher und zerklüfteter (vgl.). Sie ist eine antimorphe Abbildung eines für uns unerkennbaren Vorzustandes. 279. aus der alle anderen Zusammenhangsstrukturen. nichtstrukturerhaltende Abbildung oder NsT-Translation der Topologie eines an sich Sei- enden und für uns unerkennbaren neuronalen Vorzustandes. sondern eher so etwas wie ein prozesshaft gedachtes Substrat unseres leib-seelisch-geistigen Existierens. Eisenhardt/Kurth/Stiehl 1995. Nunold 2000. Kurth und Eisenhadt führen den Begriff fraktgen für die Zerbrochenheit innerhalb der NsT ein (Eisenhardt/Kurth 1993: 60). Nunold 2004. Zeichen. „unordentlicher“ oder „bizarrer“ sind als die Selbstähn- lichkeiten. Er besitzt keine Metrik. 2. Der Torus ist eine antimorphe. aus der und in- nerhalb derer jede Wirklichkeit für uns erst emergiert. ein physio-psychisch- mentales Grund.oder Grundzustand. das Nichts ist. Eine kleine Topologie des S(ch)eins a. 1959: 13. Kurth 1997. 2000. 156 ff. kön- nen wir im Falle der Wirklichkeit für uns und einer Realität an sich aus prinzipiellen Gründen nur 3 . Nunold 1999. vgl.

Was wir Realität nennen und uns so evident erscheint. 224). aber aus pragmatischen Gründen und keine naive. gestückelt oder gequantelt.: 225 u. welches nur für jeden allein zu durchschauen ist. „Ja.“ (Nunold 2008: 47) Zeilinger würde die Philosophin in einem Punkt korrigieren: Dies ist nicht nur ein rein praktischer Standpunkt. Alle Beschreibungen sind Abbildungen innerhalb der VR 1 und des in der VR 1 gegebenen. Die To- pologie der universalen Matrix unseres psychisch-physisch-mentalen Existierens ist diskret nicht nur auf Grund des gebrochenen NsT-Zusammenhangs. dass wir in der Quantenphysik über die Wirklichkeit an sich keine direkten Aussagen machen können.) Ist die kleinste Informationseinheit ein Bit und Information und damit Wirklichkeit nicht ad infini- tum kontinuierlich zerlegbar. Physik innerhalb der VR 1 und vermag nur indirekt auf die vorausgesetzte Realität an sich zu schließen. die so beschaffen ist. Aus diesem gegenseitigen Unterstellen ziehen wir unsere Gewissheit über die Realität. dass die Information. die wir besitzen – und wir besitzen nicht mehr –. wie es ist. mich mit ihnen auf dem windigen Campus zu befinden. und alle anderen nur Vorstellungen in diesem eigenen Bewusstsein sind. dass bei allen fiktiven Anteilen. aus der sich für uns Wirklichkeit konstituiert. stimmen wir ja alle darin überein. folgt daraus. ein Realitätsbeweis ist das nicht. 2005: 229): Letztlich ist es so. (Ebd. Eine Welt. Für den Quantenphysiker Anton Zeilinger sind Wirklichkeit und Information dasselbe (vgl. Ich glaube nicht daran. welche Information. (2005: 227) Er hegt allerdings die begründete Hoffnung. ab-gründig zufällig ist. mehr ist aber nicht erreicht. konstituiert sich für jeden von uns auf Grund unserer immanenten Erkenntnisbedingungen und in Abhängigkeit eines wechselseitigen Unterstellens. 12/13. 6. welches Wissen wir haben. sondern auch weil die Information. wenn mehrere Physiker in der gleichen Situation die gleichen Eindrücke. nämlich das eigene. Wir können uns eine Wirklichkeit dann konstruieren. dass ich mir bewusst bin. dass die Experimente der Quantenphysik ein starkes Indiz dafür liefern. (WZ. dass eine Welt existiert. dass diese Übereinstimmung zwischen verschiedenen Beobachtungen bedeutet. 2002) In dem fiktiven Disput kommt die Sternenhain zu einem ganz ähnlichen Schluss: „Dann sind sie also doch Realistin. Nun sie unterstellen mir. Dann werden wir sagen. nach der Natur der Dinge zu fragen. verschiedene Informationen? Wenn wir an eines unsere Experimente denken. dass dies wahrscheinlich der Wirklichkeit entspricht. Sie ist kein Kontinuum. Ich unterstelle ihnen das Nämliche.indirekt schließen. Auf diese Weise entgehen wir zwar dem Solipsismus. (Ebd. dass unsere Wahrnehmung eine Punkt für Punkt Wiedergabe all dessen ist. Andererseits kann es sein. 4 . „dass es so etwas wie eine gewisse Feinkörnigkeit in unserer Erfahrung der Welt geben muss“ und „dass es keine verborgenen Variablen gibt“ (ebd.“ bemerkte Zuckerschale amüsiert. Wir können nur darüber reden. Er fragt sich: Warum haben nicht verschiedene Beobachter. zu dem unterstellen sie mir wahrscheinlich. ist es auch ein prinzipieller. selbst wenn sie existieren sollte.: 228) Für ihn gibt es darauf zwei mögliche Antworten: Dies könnte einerseits deshalb sein. da eine solche Natur. weil es nur ein Bewusstsein gibt. Unsere Wirklichkeit ist im Ur-sprung zufällig und diskret. Die VR 1 ist unhintergehbar. diese Welt diese Welt und keine bloße Phan- tasmagorie ist. immer jenseits jeder Erfahrung ist. So ist auch Naturwissenschaft stets Endophysik. die gleichen Informationen haben. offenbar in gewisser Weise auch unabhängig vom Beobachter besteht. Es ist ganz offenkundig sinnlos. dass ich ihnen dasselbe unterstelle. Da wir ja nur mit Hilfe der Information etwas über die Welt aussagen können. welcher Detektor „Klick“ macht und welcher nicht.

Zusammenhangsstrukturen. und es gibt für uns nur Zeichen. ein Zeichen sui generis. Wir selbst und die anderen Menschen sind uns nur als Zeichen gegeben. sondern unsere Seinsvergessenheit und Scheinver- 2 In unserem Denken überlagert sich positiv für Sein mit der Bewertung positiv für gut und negativ für Nichts mit der Bewertung negativ für schlecht. Das Subjekt. organisatorische Zentrum und Umfang dieses negativen Seins. auch positiv Bewertetes. 3 An dieser Stelle kann ich nur auf die logischen Arbeiten Gotthard Günthers (1978.und Verweisungszusammenhang. unser Selbst nicht Nichts (~n). 1980) und die semiotischen Vorarbeiten der Autorin verweisen (Nunold 1999. Bild. im Sinne von aus der Not ge- wendet. Als contrafaktisches Produkt eines nur scheinhaft existierenden Gehirns ist das Ich.314. Dieses Zentrum. welches unsere Wirklichkeit ist.3 Das Subjekt ist das negative. das Ich sei nur ein Phantom. Dies besitzt wenigstens ein vorausgesetztes Korrelat in der Realität an sich. Es stellt sich als Grundnegatives. als Bedingung der Möglichkeit unseres Selbstseins.. 1979. ein Supraimago oder Überzeichen und in der Tat deutungslos. das Ich ist gewissermaßen virtueller als das auf es zentrierte Sein. wenigstens nichts Substanzielles. welche die so genannten negativen Kategorien nicht ausschließt und dem bisher ausgeschlossenen Dritten in seiner Vielgestaltigkeit einen topologischen Ort in der Zusammenhangsstruktur unseres Fühlens und Denkens zuerkennt. B. dem tertium non datur und der Notwendigkeit. 2004. siehe auch im Anhang). in den kryptischen Tiefen unseres Denkens und Fühlens. Ein Disembodiment wird sich. Handfestes. Die Erfahrung der Nichtidentität von Leib und Seele. Es ist etwas Neues. in der real vorausgesetzten Welt des An-sich vermutlich kein wie auch immer geartetes Pandon besitzt. Descartes res cogi- tans irrlichtert als Phantom in der Phantasmagorie der Welt. Deutungslos deutet es gleichursprünglich sich selbst in eins mit seiner Welt. und geradezu parmenidisch zu sein scheint. ist unserer internalisierten abendländischen Metaphysik ebenso ge- schuldet wie die Annahme. positive Sein und Ursache. einer mehrwertigen Logik und einer entsprechenden Semiotik. nach ewigen Gesetzen regiert. 5. unseres physio-psychisch-mentalen Bezugs.c. 2003. dass z. Nichtseiendes. Die Bewertung und die ontologische Auszeichnung sind zwei unterschiedliche semantische Ebenen. kausal total zusammenhängend. wie das An-sich der Welt. bloß Virtuelles. 5 . Das Sein. Nunold 2008a). stets schon und ur-sprünglich ereignen. 116 ff. Beharrendes. also Existierenden und Guten. unsere Wirklichkeit sei eine bloße Phantasmagorie. wie einige Theologen. Nichts ist uns so unmittel- bar sinnlich-leibhaftig-konkret und selbstverständlich präsent wie wir selbst und zu gleich so wenig transparent. dass das Sein gar nicht so beharrlich. Das Ich ist in diesem Sinne ein potenziertes Nichts und im doppelten Sinne überseiend. Zudenken geben sollte uns. das Selbst ist etwas Virtuelles und Prozesshaftes. 2003: u. Zeichen sind relationale Gefü- ge.). Es ist sozusagen supravirtuell. Zentrum und Umfang alles Seienden. absolute. widerspruchsfrei Zusammenhän- gendes und absolut Positives. die Substanz (vgl. Heidegger 1954: 136). haben wir ein Problem. wird zu einem contrafaktischen Pro- dukt des Gehirns. Das Sein erwies sich als etwas Negatives. Nunold 1999. Sie sind nichts.a. Subjektives dar. für Heidegger mit Höl- derlin ein deutungsloses Zeichen (vgl. die der Beschreibung und die des Sollens. alles Positiven. von dem wir nicht mal mehr von dem unsrigen reden dürften. kontinuierlich. aus einer Brechung her-vor- gegangen. 1976. 136 ff. Für Peirce. Nachdem wir Gott aus dem vermeintlich kausalgeschlossenen physikalischen Weltzusammenhang herauskatapultiert haben und unsere Wirklichkeit sich als ein Konstrukt unseres Gehirns darstellt. Der Schluss. ein relationales Gefüge oder eine dynamische Zusammenhangsstruktur die. Wir sind stets schon im Bilde. nicht im modalen Sinne. seinem Bezugs. dessen homöomorphe Abbildung es sein könnte. Nicht nur. Die ist etwas Massives.und Verweisungsgefüges. Körper und Geist ist eine Grunderfahrung unseres Menschseins. das Nichts und das Selbst Das abendländische Denken ist radikal zweiwertig und auf das Sein gerichtet. auf der Seite des Nichts verbucht. Unser Selbst aber ist nur ein Zeichen. einen naturalistischen Kurzschluss. Mystiker und Mystikerinnen dies von Gott behaupteten. ein positiver medizinischer Befund meist negativ im Sinne von schlecht ist. Es ist selbst- und fremdbestimmend und -bezeichnend. als eine von einem an sich unerkennbaren Gehirn erzeugte VR 1. Problematisch ist nicht das Disembodiment. Wir begehen gewissermaßen am Grunde.2 Gott ist das oberste. wie übrigens auch für Heidegger ist der Mensch ein Zeichen (Apel I: 223 / CP. Unser An-sich ist für uns ebenso unerkennbar. Aber was ist es dann? Hier nähern wir uns dem essentiellen Problem des zwei- wertigen Denkens. virtuelle.

dass wir hin und her über die Schwelle treten oder auf ihr wandeln. Die unterschiedlichen physio-psychisch- mentalen Zusammenhangsstrukturen. Sie ist nicht nur eine Transformation oder Translation der VR 1. dass ihre Reize intensiver sind. Das wäre zu linear gedacht. Sie wird zum Beharrenden in der Zeit. Realität und leibhaftige Existenz wird z. Dramatik. des Austauschs von Werten. Schwellen Die Grenze zwischen VR 1 und VR 2 erweist sich nicht als starre Barriere. freierer und ein (selbst)ironischer Umgang mit Virtualisierungen aller Art gelingt. Die Brechung der Zusammenhangsstruktur und auch der Sprung in eine andere bleiben meist un- bemerkt. Das Unbehagen. sondern dass dies instantan und oft unbemerkt geschieht. Wirklichkeit (VR 1) wird durch diverse virtuellen Realitäten 2. d. ist zum Teil wenigstens unserer antiquier- ten und zu meist nicht reflektierten metaphysischen Grundeinstellung geschuldet. nicht die gegebene physikali- sche Welt abstrahiert werden. ihre Bilder pointierter. dass auf diese Weise ein distanzierterer. sondern ihn als einen solchen in seiner Unausweichlichkeit zu erkennen. 4. der Sinne und der Gefühle enthalten. prägnanter.lorenheit. mit sich Identischen verlangt. die eine Dissozierung der physio-psychisch-mentalen Zusammengehörigkeit begünstigt. Farbe und Materialität. eher als eine Schwelle. Ein Bildelement hat keine andere Bedeutung als sich selbst. der Beziehungen. In der medialisierten Gesellschaft wird die VR 2 gewis- sermaßen überschwellig. in dem Sinne. zum Bleibenden. Rein Geistiges soll realisiert. Die VR 1 ist aber kein Computerspiel und unser Körper kein Avatar. Die VR 2 ist nicht einfach aus der VR 1 hervorgegangen. Wir sind in die bizarr-fraktgene Topologie des S(ch)eins unauflöslich verwickelt (vgl. oder um mit Dali zu sprechen „mit der herrschsüchtigsten Wut der Genau- igkeit“ sinnfälliger. Symbolik usf. Das Medienereignis wird zum Realitätskriterium. die VR 2 dagegen geradezu ewig. das in unterschiedlichen Zusammenhängen unterschiedliche Rollen. d. ein Übergang. Substanzhaften und Bleibenden. Sie durchdringen einander und sind miteinander gekoppelt. Massenmedien setzen darauf. der.B. Logik und Semiotik sollten dem gerecht werden.und Selbstverletzungen sinnlich-konkret erfahrbar. (Rotzler 1993: 47) 6 . was einzig Substanz zu haben scheint. Ord- nung kolonialisiert. Das Bild muss ausschließlich aus plastischen Elementen konstruiert werden. Statt von Kulturimperialismus könnte von Scheinimperialismus im doppelten Sinne der Bedeutung gesprochen werden. nie in das eine oder andere vollständig übergegangen sein wird. Wir wollen Lyrismus. nur in Grenzsitua- tionen mittels eines besonderen Kicks etwa bei Extremsportarten oder gar durch Fremd. die nach einem Beharrenden. Sinnlich-konkret: Hommage an Max Bense Nichts. solange er währt. gewissermaßen als Antidot gegen die mangelnde Selbsttransparenz in unseren Her-vor-bringungen von Wirklichkeit. ausschalten. den ur-sprünglichen Verblendungszusammenhang zwar nicht total zu durchschauen. variierende physio- psychisch-mentale Zusammenhangsstrukturen realisiert. Mag sein. das uns beschleichen mag. seine Form. sondern teilhat an beiden Realitäten. das gelingt stets nur partiell. Selbsttranspa- renz hieße. Es darf nichts von den formalen Gegebenheiten der Natur. h. VR 2) immer schon herausgebildet haben. Beängstigend ist nicht. angesichts einer diagnostizierten Zunahme der Virtuali- sierung der Kommunikation. Fühllosigkeit ist eine mögliche Folge. Die Wirklichkeit (VR 1) ist flüchtig und irreversible. der VR 1 und VR 2 emergieren aus der universalen In- differenz unseres physio-psychisch-mentalen Grundzustandes. aber auch unseres Selbst. schriller. zu dem. Diese werden sich im Prozess der Her-vor-bringung von Realität (VR 1. so scheint es. Nichts ist so intersubjektiv wie ein Medienereignis und es ist beliebig wiederholbar in immer neuen Zusammenhängen. bunter. wie Theo van Doesburg in seinem Manifest 1930 proklamierte: Das Kunstwerk muss im Geist vollständig konzipiert und gestaltet sein. bevor wir uns ein konkretes Bild von etwa machen konnten. ist so konkret und ohne Transparenz auf eine mögliche Bedeutung und emoti- onale Aufladung wie das Zeichen selbst. bevor es ausgeführt wird. aus Flächen und Farben. Nunold 2008a). Der Konkretismus hat dieses Credo zum Programm erhoben.

] denn nicht-aufgehalten. ohne emotionales Bewerten und ohne Transparenz auf eine mögliche Bedeutung. Dramatik... die Arbeit am Sein ist (und das ist einer der Gründe. Strukturen und Aggregaten“ (AG.). Ästhetik bestimmt er als Zeichentheorie und Ontologie der selbst hervorgebrachten Welt (vgl. zu einer Zeichenwelt. der Sinne und der Gefühle “von „Lyrismus. der Zeichen. dass wir immer schon. Lyrismus und Semiotik geben. die Realität ist. wie wir aus der Neurobiologie wissen und wie es u. 93 x 93. (vgl. so Bense (ebd. 1: 4). Die techni- sche Existenz zeichnet sich. so Max Bill (1949). so Bense.).“ und ein Aufhalten und integrieren des physikalischen Prozesses. eine technische Be- schreibung für physio-psychisch-mentale Zusammenhangstruktur. Mantik und Semantik. Es ist ein Unterschied.: 73.).. aber nur diese Welt ist unseren Erkenntnisformen adäquat. Wenn wir nach Kant nur das Erkennen. Der Schein der VR 2 wird zur Realität und die Realität zur VR 2. (Ebd. Technik ist für ihn ein „Netz von sichtbaren und nicht sichtbaren Funktionen und Relationen. die Coolness kann auch als Abwehrhaltung einer existentiell empfun- denen Not des Ausgesetztseins in der Fremde. sein Prinzip Hoffnung und vielleicht auch das uneingestandene emotionale Movens des Emotionslosigkeit propagierenden Konkretismus ist eine von Menschen selbstgemachte Welt.. Noch die propagierte Emotionslosigkeit ent- spricht eher einer „kühle[n] Lust“.. weshalb moderne Ästhetik wesentlich Ontologie sein muss). die materiell konkret. a. den menschlichen Erkenntnis und Anschauungsbe- dingungen adäquat ist. Unser Schicksal oder Verhängnis besteht zum anderem darin. dann können wir uns unsere Welt auch gleich selbst verfertigen. Ziel ist es eine Welt zu realisieren. Menschliche Existenz bestimmt er konsequenterweise als „technische Existenz“. Es handelt sich dabei um einen Übergang von einer Zeichenwelt. Verena Loewensberg: Bild. Auf Grund unserer physio-psychisch-mentalen Struktur ist Denken und Handeln ohne Fühlen. der Heimatlosigkeit oder der Geworfenheit (Heideg- 7 Abb. Nur in ihr kann es überhaupt Deutung und Bedeutung. Technik sind für ihn Arbeit am „Material des Seins. 64 ff. Tragische Helden scheitern. aber intellektuell äußerst abstrakt ist und die die Natur im eigentlichen Sinne denaturiert und sie [. Für Max Bense ist der „ästhetischen Zeichenprozess“ eine „Existenzmitteilung“. Es handelt sich hierbei um ein geradezu heroisches Projekt. wie Ciompi sie für das wissenschaftliche Denken beschreibt (ebd.: 183. weil sie sich in ihrer Hybris gegen das vorausbestimmte Schicksal auflehnen..). 63). die so konkret ist. wie Bense in seinen ästhetischen. die von Anfang an auf die Hervorbringung einer zweiten bewohnbaren Weltschicht angelegt war (1952: 63 f. wenigstens bei intakten Hirnstrukturen nicht möglich. denn sie ist intellektuell abstrakt. Abstraktion wird unnötig. Kunst. wie es schon van Doesburg in seinem Mani- fest forderte. (1993: 63) Diese Zeichenwelt ist sinnlich konkret. in „einer Zeichenwelt [sind]. durch eine äußerst aktive Intelligenz [aus]. dass wie die heroischen Projekte der tragischen Helden der Antike ab origine zum Scheitern verurteilt ist. deren Ruin oder Perfektion allein unseren Aktionen anvertraut ist. 193). Die technische Bearbeitung der gegebenen Welt selbst führt sofort zu Errichtung einer neuen Realität. in der Bense das technisch-heroische Scheitern beschreibt. 3: 192). Symbolik“. 46). die Realität ist“ (ebd.: 68) Benses Utopie. Dramatik. des Scheins.. Das Projekt ist tra- gisch zum einem in der Weise. nicht-integriert würde er uns nur in der furchtbaren Rolle der Verwesung erscheinen.] gleichsam mit einer neuen bewohnbaren Haut überzieht. ob man in der Kunst Realität als semantische Wirklichkeit hat [. frei von „formalen Gegebenheiten der Natur. 1. einer Realität. Öl auf Leinwand. Nunold 2003. (Bill 1986) .Kunstwerke sollen Gegenstände für den „geistigen Gebrauch“ sein. Die „kühle Lust“. Diese Welt ist zwar nicht „die Welt der Dinge an sich. Nunold 2003: 77 ff. weil man sie selbst unmittelbar aus der Fläche als Flächenverhältnisse produziert – jede moderne Ästhetik fundiert Kunst. die anders als die gegebene physikalische Welt.] oder ob man diese Realität faktisch ontisch besitzt. was wir „gemäß den eigenen Geset- zen hervorbringen können“. dem man ja nie entkommt. die Realität bedeutet. semiotischen und Informationstheoretischen Schriften deutlich macht. Existenz definiert er als „individuierte Realität von Funktionen und Prozessen“ (Bense: AG. „ [. Luc Ciompi (1997) in seiner fraktalen Affektlogik gezeigt hat. sondern der Phänomene“ (Bense 1993.

Ontologie. im Über-Gang zwischen VR 1 und VR 2. Zeichen gibt es nur für einen Interpreten und der ist zwar nicht unumschränkter Alleinherrscher aber virtu- elles Zentrum und Umfang seiner Semiosen. in den Bann schlägt oder abstößt. deren kühle Lust darin besteht. Wäre dem so. Kunst. Abgesehen von der ideologischen Instrumentalisierung und Überladung der Kunst. In diesem Sinne ist der Konkretismus eine Form der Rationalisierung. handelt es sich aus prinzipiellen Gründen. eben ganz konkrete Weise. wie oben dargestellt.und bebaubare Welt zu- schaffen. alle Illusion und semantische Aufladung hinter sich zu lassen und gewissermaßen das reine Gemälde. der eine Topologie des S(ch)eins viel verdankt. Sie spielen mit der Diskrepanz zwischen der materiellen Beschaffenheit des Bildes und seiner 8 . Zugleich ist sie etwas qualitativ anderes und Neues. Erhabenheit. Die monochrome Malerei steht in derselben Tradition. Nunold 2004: 19 f). zerlegen wir ein Kunst- werk in seine materiellen Komponenten (vgl. aber auf unterschiedlichen Reflexionsniveaus. Die Kunstwissenschaftliche Betrachtung wechselt nicht nur ständig zwischen VR 1 und VR 2 hin und her. Nunold 2008a). Farben etc. wie Bense es ausdrückte. Diese ist abhängig von der materiellen Ausführung. 1970). wie sie in Benses Texten spürbar wird. haben wir die VR 2 schon verlas- sen. Josef Albers: Structural Constallati- on N-35. Vinilyte auf Leinwand. von der Konstruktion „aus Flächen und Farben“. interpretiert werden.ger) in den physikalischen Prozess. Der Konkretismus arbeitet auf und mit der Schwelle zwischen VR 1 und VR 2. Im Unterschied zu anderen Immersionsmedien reflektiert sie auf ihre eigene Scheinhaftigkeit und den Prozess ihrer Her-vor-bringung. her-vor-zubringen. 5. wie von Doesburg einst forderte. In tionalgalerie Berlin. Um das festzustellen brauchen wir die VR 1 nicht zu verlas- sen. Schluss: Nur der Schein lügt nicht Die Konkrete Kunst spielt mit dem Übergang zwischen VR 1 und 2 auf bewusste und ironische Weise. nach ästhetischer Vollkommenheit und Reinheit die nötige Leidenschaft.“ Er meint den Schein der Kunst. 2. Josef Albers sagte einmal: „Nur der Schein lügt nicht. berechenbare. mit seinen Formen. Kultur. Sie verleiht dem Streben nach Erkenntnis. Der ästhetische Schein. Na- S(ch)eins. um den Ausdruck Max Benses zu variieren. Informationstheorie und Topologie des S(ch)eins. wären sie keine Zeichen für uns. Urbild aller Bilder. gedacht für den rein geistigen Gebrauch. um eine für Menschen verstehbare. um ein zum tragischen Scheitern verurteiltes Projekt. 1964. Heiterkeit verschwinden ebenso wie der vermaledeite Lyrismus. Auch wenn Max Bense eine andere Begrifflichkeit verwendet. die Drama- tik und Symbolik oder Verlogenheit und Kitsch. bewohn. Zivilisation ist zwar immer Arbeit am Material des Abb. zu erleben wie sich alles fügt und unserem Denken und Handeln verfügbar und für es kalkulierbar wird (Vgl. diesem Sinne ist Ästhetik als Semiotik. ebenso in der monochromen Malerei des britischen Künstlers Jason Martin (geb. In der Konkreten Kunst geschieht dies auf direkte und reduzierte. Auch ein Bild der Konkreten Kunst ist eine virtuelle Realität 2. Er ist auf diese sehr konkrete und bewusste Weise Arbeit am Material des Seins und des Scheins. Martins Bilder aber tragen nicht nur die Spuren sei- nes individuellen Schaffensprozesses. wie etwa bei Josef Albers (1888 – 1976) oder Verena Loewensberg (1912 – 1986). besteht darin doch gerade seine tiefe Einsicht. zwischen zwei Realitäts- ebenen oder Zusammenhangsstrukturen. Ordnung. Innerhalb ihrer To- pologie entfalten sie ihre Logik und öffnet sich ein Spielraum möglicher Deutungen und Bedeutungen. Beschäfti- gen wir uns mit der materiellen Beschaffenheit oder Ausführungen des Bildes. Sie hat ihren Ort auf der Schwel- le. Zeichen bedeuten niemals nur sich selbst. ihre Schönheit. eben alles was uns anzieht.

Dan (1993): Emergenz und Dynamik. Eisenhardt. Wiesbaden. Klaus Rehkämper. Der Schein der Kunst. Katalog zur Ausstellung. wie Jo- sef Albers schon sagte. Bense. Hamburg. Max (1952): Über die spirituelle Reinheit der Technik. Königsberg: http://books. Jasons Bilder aber zeigen wie die Täuschung Museum Goslar. Frankfurt/M. Maurice (1984): Das Auge und der Geist. In: Saltzer. Das Unglaubliche und Ungewöhnliche. A- ber Vorsicht.gewählte Schriften. Gerade dieses Übergangserlebnis macht Jasons Kunst geeignet etwa für Kir- chenräume. Heidegger. Vortrag. allem voran die Katholische. Martin (1954): Vorträge und Aufsätze. Ihre Gegenstandslosigkeit macht sie nicht nur beliebig einsetzbar für Orte spiritueller Erweckung und Erneue- rung. Luc (1997): Die emotionalen Grundlagen des Denkens. Bill. Bense. Merleau-Ponty. Leipzig. Reinbek bei Hamburg. 9 . Merleau-Ponty.und Aluminiumplatten oder Plexiglasscheiben aufgetragen und durchkämmt mit Spezialpinseln evozieren eine irisierende Immaterialität.nunold. Eisenhardt. 3 Bde. Öl auf setzen dabei auf die Seinsvergessenheit und Scheinverlorenheit Aluminium.gewählte Schriften. Bense. 4 Essays. Köln. Öl oder Acryl auf dicken Stahl. Heidegger. 65). Heidegger. www. Univ. Heidegger. Martin (1994): Beiträge zur Philosophie (GA. Bd. Stuttgart 1954./Peter Eisenhardt (Hg.1. Beatrice (1999): Idee und Grundriss einer sechsrealtionalen Semiotik. Sie täuschen Transzendenzerfahrung vor. Herbart. Bense Max (1993): Aesthetica. 2007.de/books?id=CHYRAAAAYAAJ&printsec=frontco- ver&dq=Herbart+Allgemeine+Metaphysik&ei=tXbbSJr1CqWijgGzlZwq Kurth. dass das konkret Erfahrene immer schon geistig abstrakt und in diesem Sinne höchst spirituell ist. Horst (1995): Wie Neues entsteht– Die Wissenschaft des Komplexen und Frakta- len. Hg. Max (1949): Zürcher konkrete Kunst. Frankfurt/M. . So eröffnen Jasons Bil- der die Möglichkeit leibhaftig zu erfahren.net Nunold.google. Peter/Kurth. Johann Friedrich (1829): Allgemeine Metaphysik. Günther.. Oldenburg: www. Vortrag an d. Wer mag kann dies mit Walter Benjamin als „profane Erleuchtung“ bezeichnen. Stuttgart 1997. Feb. 1967.): Die Erfindung des Universums – Neue Überlegungen zur philosophischen Kosmologie. Gotthard (1978): Idee und Grundriß einer nicht-aristotelischen Logik. Kardinal Meissners Ausfälle gegen Gerhard Rich- ters Fenster des Kölner Doms. das unterscheidet ihn vom Budenzauber. Meister im wir- kungsvollen Budenzauber und gelungenen Inszenierungen und Abb. in denen seine Werke gern präsentiert werden. Göttingen. lügt nicht. Gotthard (1976/79/80): Beiträge zur Grundlegung einer operationsfähigen Dialektik. Bre- men. Nunold. Cuxhaven Descharnes.net Nunold. in: Aus. Robert (1997): „Die Eroberung des Irrationalen“: Dali. Heidegger.Wirkung in unserer Sinneswahrnehmung. 247–293. sein Werk — sein Leben. Max (AG. GA 13. Literatur: Apel. in: Aus. Dan/Stiehl. sogar Unheimliche ist Ur-sprung unseres ganz gewöhnlichen und alltäglichen In-der-Welt-seins.. Ciompi. Frankfurt/M.nunold. 1): Manifest des existentiellen Rationalismus. Hannover u. Beatrice (2000): Heideggers Chaos. Martin (1949): Was ist Metaphysik. Stuttgart 1998. Bd. 3): Technische Existenz. Dan (1997): Von der Prägeometrie zur Topologischen Komplexität. Günther. G.3. beruhen auf einer richtigen Intuition. Beatrice (2003): Her-vor-bringungen. Hamburg . einem Fluss und den Seen. Univ. München. sondern unsere Seins. Stuttgart. Bachmann. 200 x 270 cm (Mönchehaus ihrer Schäfchen. in: Anrufung des großen Bären. Peter/Kurth. Max (AG.April 2008) funktioniert. 3: Jason Martin: Islam. Martin (1983): Die Kunst und der Raum. Pfullingen 1959. den materiellen Komponenten des Bildes zur VR 2 und die damit zusammenhängende zunehmende Virtualisie- rung sinnlich-konkret erfahrbar werden lässt. 203–220.und Scheinverlorenheit in unseren alltäglichen und nicht alltäg- lichen Vollzügen. Ingeborg (1959): Von einem Land. Karl-Otto (I): Charles Sanders Peirce: Schriften I. Hamburg. in: Plakatwelt.: Klaus Sachs-Hombach. Maurice (1986): Das Sichtbare und das Unsichtbare. Stuttgart. München. Walter. Martin (1959): Unterwegs zur Sprache. Reihe: Bild- wissenschaft. Nun sind christ- liche Kirchen. die zur semantischen und spirituellen Aufladung einlädt und zugleich den Übergang von der VR 1. Ästhetische Erfahrungen zwischen Bense und Heidegger. Letztlich ist nicht die Virtualisierung das Problem.

Abbildungen: 1. Nationalgalerie Berlin. Öl auf Aluminium. München. Redigiert von Eugen-Maria Schulak. Objekt (O) Objekt/Konkretisierend Ding Wirklichkeit Positive (virtuelle) 2.de/kuenstl/martin/J_Martin. Feb. vom 30. Emil (1987): Nähe. Schmidt. Interpretant (I) Interpretant/Differenzierend Unter-Schied Notwendigkeit Kategorien 3. Anton (2005):Einsteins Schleier. Letzte Interpretationsge. http://www.nunold./13. 1964. Stuttgart: Cantz 1987: 17. Max Bill: Skulpturen. – 5. . Grafik. 200 x 270 cm (Mönchehaus Museum Goslar.org/VIB/journal/ Nunold. die ohne Grund geschehen. Vollversion des Vortrags für den XXII World Congress of Philosophy (WCP) in Seoul. Beatrice (2008a): Landschaft als Topologie des S(ch)eins (Landscape as a Topologie of Being and Appearen- ce). http://www. Josef Albers: Structural Constallation N-35. in: IMAGE 4.) Museum für Konkrete Kunst Ingol- stadt. In: Wiener Zeitung. Willy (1993): Annäherung an das Konkrete. Oldenburg. Pfullingen.8. Nunold. Gemälde. www. In: Peter Volkwein (Hrsg.moenchehaus.philosophische-praxis. Interpret (In) Interpretant/Individuierend Sterbliche Unmöglichkeit 4. 3. Arthur P.Nunold.bildwissenschaft. 93 x 93. Dalis paranoisch-kritische Methode. Verena Loewensberg: Bild. Auszug aus dem offiziellen Protokoll der Academy of Life. 2008. Vinilyte auf Leinwand. Dimensionen Modalitäten Kategorien (Heidegger) Mittel (M) Mittel/Substrat Erde Möglichkeit 1. Stuttgart.): Dinge. Nunold Beatrice (2007): Die Welt im Kopf ist die einzige.html Zeilinger. Ein Gespräch mit dem Physiker Anton Zeilinger. die wir kennen. 2. Öl auf Leinwand. Rotzler.net Kettering. Das Lexikon der Zukunft.April 2008). 12. Anton (WZ. Jason Martin: Islam. Beatrice (2008): Der Große Wald. 2007. http://www.7. Phantastischer Roman. Juli 2002.at/zeilinger.html Anhang: Zeichenrelata (Peirce) Zeichenrelata (Nunold) Seinstop. meinschaft (LIg) Modalitäten Möglichkeit (Mö) So sein können = Nicht anders sein müssen Wirklichkeit (W) So sein = Nicht anders sein Notwendigkeit (N) So sein müssen = Nicht anders sein können Unmöglichkeit ('Mö) Anders sein müssen – Nicht so sein können Unwirklichkeit ('W) Anders sein = Nicht so sein Unnotwendigkeit ('N) Anders sein können = Nicht so sein müssen 10 . (1999): Der Wissensnavigator. Maßgebend Göttliche/Zukünftige Unnotwendigkeit Kategorien 6. Beatrice (2004): Freiheit und Verhängnis. Zeilinger. Letzter Interpretant (LI) Strukturierend Himmel Unwirklichkeit Negative (virtuelle) 5. Imma- nuel Kant und die Ergebnisse der neueren Neurowissenschaft.

3 4.5 6.2 4.1.4.1 5.2 1.3. / 'Mö / .6 LI LI/M LI/O LI/I LI/In LI/LI LI/LIg 'N 'N/Mö 'N/W 'N/N 'N/'Mö 'N/'W 'N/'N .4 5.3 1.6 LIg LIg/M LIg/O LIg/I LIg/In LIg/LI LIg/LIg ND.2 3.2 5. 11 .6.5 3.1 3.3.2 2.5 2.4 4. 5. 3.4 1.3 2.6 O O/M O/O O/I O/In O/LI O/LIg N N/Mö N/W N/N N/'Mö N/'W N/'N .4.2 6. 4. 2.3 5. / /M O I In LIg Mö Mö/Mö Mö/W Mö/N Mö/'Mö Mö/'W Mö/'N . HD.4 3.3 6.Kleine semiotische Matrix Mö / .5. / N / .4 6.6 I I/M I/O I/I I/In I/LI I/LIg 'Mö 'Mö/Mö 'Mö/W 'Mö/N 'Mö/'Mö 'Mö/'W Mö/'N .1.6 In In/M In/O In/I In/In In/LI In/LIg 'W 'W/Mö 'W/W 'W/N 'W/'Mö 'W/'W 'W/'N 5. Es gibt keine rein positiven und rein negativen Zeichenklassen.1 6.5 4.3 3.4 2. 1. / 'W / . 6.1 2./ LI 'N / .1 4. W / .2.6 M M/M M/O M/I M/In M/LI M/LIg W W/Mö W/W W/N W/'M W/'W W/'N .5 1.5 5.6.1 1.2.