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Strategien | Semantic Web

Wann kommt nun das
Semantic Web?
Gemäß der Vision des Web-Erfinders Eines der vielversprechendsten
Tim Berners Lee soll das „Semantic Projekte des W3C stellt „Linking
Web“ - ein Web der Daten - das Web, Open Data - LOD“ (linkeddata.org)
dar, um einen Weg aus diesem Di-
wie wir es kennen, erweitern: Neben
lemma zu finden. LOD will maschi-
Menschen werden vom Semantic Web
nenverarbeitbare, verlinkte und of-
insbesondere Maschinen profitieren, fene d. h. für jedermann verwendba-
weil sie Inhalte von Webseiten re Datensätze, im Web bereitstellen.
verstehen und verarbeiten können. Populäre Datensätze sind beispielsweise
dbpedia.org (die semantische Wikipedia),
Alexander Stocker geonames.org (ein Set semantischer geogra-
Klaus Tochtermann fischer Daten) oder dbtune.org (ein semanti-
sches Musikarchiv). Unternehmen profitie-
ren von LOD auf vielfältige Weise: So kön-
Seit der Präsentation der „Semantic Web nen sie intelligente auf LOD-Daten aufbau- platt-
Road Map“ im Jahr 1998 arbeiten Forscher ende Anwendungen entwickeln oder gleich formüber-
aus aller Welt fieberhaft daran, diese Vision selber eigene Daten für Anwendungen von greifende Ver-
in die Realität zu überführen. So wurden in Dritten bereitstellen. Natürlich ermöglicht linkung stellt LOD die
den letzten Jahren durch das World Wide LOD auch lediglich einen strukturierten geeigneten Konzepte und Techno-
Web Consortium - W3C (www.w3.org) eine Austausch von Daten zwischen eigenen iso- logien bereit, um dieses angesprochene Po-
Reihe von Standards,Technologien und Pro- lierten Websites. tenzial besser zu aktivieren. So nutzt BBC
jekten verabschiedet. Die britische BBC (www.bbc.co.uk) zählt zu Music (www.bbc.co.uk/music) die Daten von
Damit das Semantic Web zur Realität wird den ersten Unternehmen, die die Möglich- Dbtune und Dbpedia und verlinkt diese in
und den Menschen durch intelligente An- keiten des Semantic Webs nutzen.Als Me- eigene BBC-Webseiten. BBC-Nutzer mer-
wendungen eine Menge an Arbeit abnimmt, dienunternehmen publiziert die BBC gro- ken davon wenig bis gar nichts, da die Ver-
muss zuerst ein „Henne-Ei-Problem“ über- ße Mengen an Daten am Web. Historisch netzung der Daten automatisch im Hinter-
wunden werden: Bevor Unternehmen erste gewachsen entstand so eine Vielzahl isolier- grund passiert. Lediglich urheberrechtliche
richtige Semantic-Web-Anwendungen ent- ter BBC-Micro-Sites. Die Ausschöpfung des Hinweise zeugen von der Nutzung von
wickeln, bedarf es einer hinreichenden Men- gesamten Web-Potenzials gelang der BBC Fremdquellen. Zusätzlich stellt die BBC mit
ge strukturierter und verlinkter Daten. Oh- jedoch bisher nicht, weil die im Web publi- „BBC Playcountdata“ (www.bbc.co.uk/
ne diese fehlt den künftigen Anwendungen zierten Daten bisher nicht miteinander ver- radio/labs/) und „BBC Programmes“
jeglicher Input, und sie funktionieren nicht. linkt werden konnten. So blieb es Nutzern (www.bbc.co.uk/programmes) offene Daten für
An dieser Stelle wären die großen Daten- beispielsweise verborgen, was die BBC alles Drittanbieter im Web zur Verfügung, damit
anbieter gefragt. Jedoch mangelt es diesen zu einer bestimmten Band publiziert hat, diese BBC-Daten einfacher in eigene An-
noch an Motivation, ihren Datenschatz in oder in welchem BBC-Kanal ein bestimm- wendungen integrieren können.
ein kompatibles Format zu bringen und mit ter Song das nächste Mal gespielt wird. Zu- Mit Linked Open Data ist dem W3C ein
anderen zu verlinken. Der Grund besteht dem erhielten Nutzer auf BBC-Websites wichtiger Schritt gelungen, um die Seman-
darin, dass bisher keine nutzenstiftenden bisher nur solche Informationen, die die BBC tic Web-Vision-Realität werden zu lassen.
Anwendungen für Endnutzer vorhanden selbst publiziert hat, obwohl das Web zu die- LOD reiht sich damit in die Palette von Wis-
sind. Ohne Daten keine Anwendungen und sem Thema bestimmt viel mehr „wüsste“. senstechnologien ein, die auf der diesjähri-
ohne Anwendungen keine Daten; Punkt! Durch gemeinsame Datenstandards und gen I-KNOW (www.i-know.at) von 2.-4. Sep-
tember in Graz praxisnah präsentiert wer-
I-KNOW 09 den.
Alexander Stocker forscht am Know-Cen-
9. Internationale Konferenz für Wissensmanagement und Wissenstechnologien ter und am Institut für Vernetzte Medien
Organisiert von Know-Center und Technische Universität Graz von JOANNEUM Research zu Web 2.0 und
2.-4. September 2009, Messe Congress Graz Semantic Web.
Frühbucherbonus bis 31. Juli 2009 Klaus Tochtermann ist Geschäftsführer des
Weitere Informationen und Anmeldung unter www.i-know.at Know-Centers, Leiter des Instituts für Wis-
I-KNOW 09 findet gemeinsam mit I-SEMANTICS - Internationale Konferenz für Semantische sensmanagement der Technischen Univer-
Systeme statt. sität Graz und Leiter des Instituts für Ver-
netzte Medien von JOANNEUM Research.

monitor | Juni 2009 43