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Fotos: Bulls Press (2), dpa (2), Ulrich Weiner (4)

Fotos: Bulls Press (2), dpa (2), Ulrich Weiner (4) Seit 15 Jahren leidet der 40-Jährige an
Fotos: Bulls Press (2), dpa (2), Ulrich Weiner (4) Seit 15 Jahren leidet der 40-Jährige an

Seit 15 Jahren leidet der 40-Jährige an Elektrosensibilität.

RÜCKZUGSORT Ulrichs Wohnwagen ist mithilfe von Militärtechnik abgeschirmt, die Strahlen werden von außen
RÜCKZUGSORT Ulrichs
Wohnwagen ist mithilfe von
Militärtechnik abgeschirmt,
die Strahlen werden von
außen reflektiert, gelangen
so nicht ins Innere. Mit
einem Gerät misst er die
Werte der
Umgebung

Ulrich ist auf

Gerät misst er die Werte der Umgebung Ulrich ist auf der Flucht vor einer unsichtbaren Gefahr

der Flucht

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die Werte der Umgebung Ulrich ist auf der Flucht vor einer unsichtbaren Gefahr AUF DER HUT

unsichtbaren Gefahr

Ulrich ist auf der Flucht vor einer unsichtbaren Gefahr AUF DER HUT Ohne seinen Schutzanzug mit

AUF DER HUT Ohne seinen Schutzanzug mit Silber- gewebe wagt sich Ulrich nicht aus dem Funkloch heraus, denn die Folgen wären gravierend

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VIEL SPASS

T ief im Schwarzwald in Baden-Württem- berg steht an einem Wegesrand ein un-

scheinbarer Wohnwagen, umgeben von Felsen und Bäumen. Darin wohnt Ul- rich Weiner. Denn ein nor- males Leben in der Stadt macht ihn krank. Davon ist der 40-Jährige fest überzeugt. „Ich bin

elektrohypersensibel. In normaler Strahlung außer- halb dieses Funklochs wür- de ich nur wenige Tage überleben“ erzählt er im Interview mitVIEL SPASS.

„Jeder Körper reagiert darauf“

Ulrich wird beispielswei- se von der elektromagneti- schen Strahlung von

AN EINER QUELLE im Wald holt sich Ulrich regelmäßig frisches Trinkwasser
AN EINER QUELLE
im Wald holt
sich Ulrich
regelmäßig
frisches
Trinkwasser

WLAN oder Handys krank, glaubt er. „Die ganze Funk- technik im Haus ist gefährlich. Jeder re- agiert auf die Strah- lung,die ihn umgibt, aber die Menschen haben unterschied- liche Ausprägun- gen der Elektro- sensibilität. Ich bekomme u.a. Ge- dächtnisausfall und Herz-Rhyth-

mus-Störungen.“ Das war nicht immer so.Als Jugend- licher ist Ulrich begeistert vonTechnik, arbeitet später sogar als Kommunikations- elektroniker.

war in ein mit Impuls: fuhr dem Es Auto Ich und den Wald schlief dort.
war
in ein
mit Impuls:
fuhr
dem
Es Auto Ich und
den
Wald
schlief
dort.
Ulrich Weiner (40)

Dann kommen die ersten Beschwerden. Ulrich leidet immer häufiger an Kopf- schmerzen, hat Schlafstö- rungen, kann sich nicht gut konzentrieren. „Ich habe damals schon auf dem Weg zur Arbeit oft mit dem Handy telefoniert, aber im- mer wenn ich das tat, war ich nachher nicht mehr so leistungsfähig“, erinnert er sich. „Im Jahr 2002 brach mein Nervensystem dann

Nur in einem Funkloch im Wald entkommt er dieser

GEFRAGT In Schulen, bei Unter- nehmen und sogar bei der Polizei hält Ulrich Vorträge und weist darin auf die gesundheitlichen Risiken der Strahlung hin

darin auf die gesundheitlichen Risiken der Strahlung hin zusammen, aber ich habe mich zu Hause nicht

zusammen, aber ich habe mich zu Hause nicht erholt.“ Irgendwann hält Ulrich es nicht mehr aus. Er tritt überstürzt die Flucht an. „Es war ein Impuls:Ich fuhr mit dem Auto in den Wald und schlief dort. Am nächs- ten Tag holte ich meine Messgeräte aus dem Büro und stellte fest, dass es hier keine Strahlung gibt.“ In diesem Funkloch ver- schwinden seine Beschwer- den endlich wieder.

Er will vor der Strahlung warnen

Darum bleibt Ulrich, lebt in der Natur. Förster und Polizei haben das akzep- tiert, auch wenn es eigent- lich nicht erlaubt ist. Der Wohnwagen des 40-Jähri- gen ist strahlengeschützt, der Kühlschrank läuft mit Gas, andere elektrische Ge- räte wie seinen Laptop nutzt er nur stundenweise und bewahrt sie nicht dau- erhaft in der beengten Be- hausung auf. Wenn Ulrich telefonieren muss, macht er das bei Freunden mit einem

telefonieren muss, macht er das bei Freunden mit einem HANDYS sind für Ulrich besonders gefährlich, weil

HANDYS sind für Ulrich besonders gefährlich, weil sie seinen Körper schwächen

Kabeltelefon. Einen eige- nen Festnetzanschluss be- sitzt er nicht und erst recht kein Handy. Ohne Hilfe wäre dieses Dasein jedoch nicht mög- lich. Seit 15 Jahren war Ul- rich nicht mehr einkaufen, das übernehmen andere für ihn. Nur selten verlässt der Elektrosensible das sichere Reservat. Doch manchmal muss Ulrich raus, denn er will andere warnen. In Vor- trägen klärt er voller Hinga- be über die unsichtbare Gefahr auf, die ihm das Le- ben so schwermacht.

INFO

Betrifft zwei Prozent der Deutschen

Als Krankheit nicht anerkannt

„Als elektrosensibel be- zeichnen sich Personen, die sagen, dass sie z. B. Felder des Stromnetzes oder des Mobilfunks wahrnehmen können. Die Betroffenen führen Beschwerden wie Kopf- schmerzen, Müdigkeit, Schlaf- und Konzentrati- onsstörungen auf das Vorhandensein solcher Felder in ihrer Umwelt

zurück“, erklärt Nicole Meßmer vom Bundes- amt für Strahlenschutz und fährt fort: „Etwa zwei Prozent der Deutschen bezeichnen sich als elek- trosensibel. Da es keine objektive Diagnose gibt und es sich um vielfältige Befindlichkeitsstörungen handelt, spricht man von einem ,Symptom‘, nicht von einer Krankheit.“

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