ESSAY

Zwischen Deko und Diskurs

17.07.2017. Ein Schisma vollzieht sich in der Kunst: Werke für Kuratoren, die das Distinktionsbedürfnis der
Diskurseliten, und Werke für den Markt, die das der Oligarchen befriedigen, spalten sich soweit ab, dass der
gemeinsame Begriff Kunst nicht mehr zutrifft. Sicher wird das Schisma nicht so ablaufen, dass aus dem
kalten Krieg ein heißer Krieg wird. Im Gegenteil hat man sich, je weiter man auseinanderdriftet, umso
weniger zu sagen. Schließlich nimmt man sich gegenseitig kaum noch wahr.

Das nächste Superkunstjahr soll im Jahr 2027 stattfinden. Auch dann wird es wieder, wie alle zehn Jahre,
gleichzeitig eine Documenta, eine Biennale in Venedig und Skulpturenprojekte in Münster geben, zudem
natürlich eine Art Basel und zahllose weitere Messen, Biennalen und Events. Aber es scheint mir noch nicht
sicher, ob man 2027 wieder von einem Superkunstjahr sprechen wird - so wie man es in diesem Jahr tut und
wie man es vor zehn Jahren, 2007, tat. (1997, vor zwanzig Jahren, war dieser Begriff, wenn ich mich richtig
erinnere, noch nicht gebräuchlich, er ist also ziemlich jung und unverbraucht.) Die Rede vom Superkunstjahr
entstand, als die bildende Kunst es immer häufiger auf Titelseiten und in die Hauptnachrichten geschafft hatte
und nicht länger nur eine Sache von Brancheninsidern war. Vielmehr sorgten der langanhaltende Boom auf
dem Kunstmarkt sowie die immer noch größeren kuratorischen Großereignisse dafür, dass die bildende Kunst
mehr und breitere Aufmerksamkeit als früher erhielt und überhaupt erst mit Attributen wie 'super' assoziiert
werden konnte. Auf der Art Basel wurde in diesem Jahr nach Auskunft der Händler fast eine Milliarde Euro
umgesetzt, und bei der Documenta hofft man, erstmals mehr als eine Million Besucher zählen zu können.
Und ob es um einen Auktionsrekord für ein Gemälde oder um die fotogensten und schrillsten Werke einer
Biennale geht: bildende Kunst ist ein Sujet der Massenmedien geworden; mittlerweile gibt es Starkünstler,
Stargaleristen und Starkuratoren, Großsammler und Großausstellungen. Nur Großkritiker gibt es nicht.

Doch sind es genau diese Veränderungen, die bei mir Zweifel wecken, ob in zehn Jahren nochmals ein
Superkunstjahr ausgerufen wird. Selbst und gerade wenn die Preise auf Großmessen noch höher und die
kuratorischen Botschaften auf Großereignissen noch lauter und politischer als heute sein sollten, könnte es
sein, dass niemand mehr ein Superkunstjahr erkennen kann. Und dies aus dem einfachen Grund, dass eine
Documenta und eine Art Basel - allgemeiner: ein kuratorisches und ein kommerzielles Event - nicht mehr
gleichermaßen als Kunstveranstaltungen wahrgenommen werden. Tatsächlich scheint mir vorstellbar, dass
innerhalb der bildenden Kunst ein Schisma stattfindet, weil sich all das, was bisher noch unter 'Kunst' gefasst
werden konnte, immer weiter auseinanderentwickelt. Ein Schisma - das hieße, dass sich einzelne Teile des
Kunstbetriebs abspalten, sich institutionell verselbständigen, sich nicht mehr miteinander verbinden lassen.

Eines der sehr teuren Werke von Damien Hirst in der Fondation Pinault, Palazzo Grassi, Schon jetzt zeugt es eher von
Venedig, fotografiert unter CC BY-NC 2.0-Lizenz von ACME. Gewohnheit und Trägheit als von
Sinnhaftigkeit, dass die in diesem
Superkunstjahr in der Fondation
Pinault in Venedig ausgestellten neuen
Arbeiten von Damien Hirst - künstlich
patinierte Bronzen, die antike Schätze
simulieren und viel eher an Requisiten
aus Fantasy-Filmen denn an etwas

die später vielleicht einmal als Prophezeiungen eines Kunst-Schismas gewürdigt werden. auf der anderen eine Idee von Kunst als Politik und Engagement. die. So sieht Massimiliano Gioni. die es auf eine Biennale oder Documenta schaffen wollen. Es ist dann nur eine Frage der Zeit. weil die einen es als Kunst begreifen. ob ihre Vertreter noch mit 'Kunst' assoziiert werden. sich in Minderheiten oder unterprivilegierte Milieus hineinversetzen und damit eine Kunst machen zu können.. Diese charakterisiert er folgendermaßen: "Auf der einen Seite Celebrity Culture. Wer von außen auf beides blickt und die jeweiligen Entstehungsprozesse und Hintergründe analysiert. Viele Museen und Ausstellungshäuser versuchen ebenfalls. sondern auch still und kaum sichtbar stattfindet.sie fühlen sich für alle zuständig. aus der Kunstgeschichte erinnern - genauso Kunst sein sollen wie Workshops für Flüchtlinge.3 Dass dieser Krieg nicht nur kalt ist. als die Teilnahme an einer Documenta den Weg zu guten Galerien und großen Messen bahnte und fast zwangsläufig in Markterfolg mündete. dürfte vor allem dem konservativen Charakter von Institutionen zuzuschreiben sein. sondern dass das. käme nie auf die Idee.und dann gerade noch Kunst - zuzuordnen. dass etwas allein deshalb. es demselben Genre . denn soweit sie eine marktaffine Siegermentalität besitzen. die den gesellschaftspolitischen Ansprüchen der meisten Kuratorinnen und Kuratoren genügt. millionenschwere Kunstmarktstars genauso wie unkommerzielle Kunstaktivisten im Programm zu haben . was nach einer Auffassung große Kunst ist. Nach Tim Sommer. für die anderen keine Kunst mehr sein kann. Es gibt auch bereits etliche Statements. Der Kunsttheoretiker und Kurator Robert Fleck sprach bereits 2013 ziemlich drastisch von einem "kalten Krieg". dem Chefredakteur des Kunstmagazins Art. die Olafur Eliasson als Biennale-Teilnehmer in derselben Stadt ausrichtet und in denen Lampen gebastelt und zusammen mit NGOs Vorträge und Diskussionen zu aktuellen Themen veranstaltet werden. die mit Performances. Umgekehrt scheinen aber auch die Zeiten vorbei. zeichnet sich eine Konfliktsituation bereits ab. Dann kommt es im nächsten Schritt dazu. der 2013 selbst künstlerischer Leiter der Biennale in Venedig war. was im Kunstbetrieb passiert. dass mittlerweile "kommerzieller Erfolg [. die nicht ganz frei ist von einem Übermaß an Moralismus und Widersprüchen. spricht man ihnen die Fähigkeit ab. visuelle Unterhaltung.2 Sie gelten als korrumpiert. nach einer anderen ausdrücklich keine Kunst ist. als Optionen für Sammler und Anleger also von vornherein ausfallen. partizipativen Projekten oder temporären Installationen arbeiten und gar keine kommodifizierbaren Werke im Angebot haben. wo auch . So widmen sich Magazine wie Art trotz Einsicht in das Auseinanderdriften und die Unvereinbarkeit verschiedener Kunstauffassungen weiterhin allem. Markt. So stellt es für ihn einen "absurden Mechanismus des Kuratorenzeitalters" dar. der zwischen den Vertretern einer Kunstmarktkunst auf der einen Seite und den Repräsentanten der Welt der Biennalen sowie der Kunstvereine auf der anderen Seite herrsche. in der Hirst-Ausstellung sowie in der zeitgleich eröffneten Athener Ausgabe der Documenta "ein Musterbeispiel für das Auseinanderdriften der divergierenden Auffassungen von Kunst". Vielmehr werden bei etlichen kuratierten Events gezielt Künstlerinnen und Künstler bevorzugt.."1 Voraussetzung für ein Schisma ist allerdings. dass jeweils einflussreiche Auffassungen von Kunst sich nicht nur stark voneinander unterscheiden. bis konträre Fraktionen sich entweder gegenseitig aus dem Kunstbetrieb auszuschließen versuchen oder bis eine Fraktion sich unter einem neuen Begriff sammelt oder sich zumindest nicht mehr darum schert.] eher hinderlich" für Künstler sei.

dass es für den Erfolg in der Welt exklusiv-teuren Lifestyles ganz andere Begabungen braucht als dafür. Teppiche. London. die Studierenden lernen viel über Formen politischer Ästhetik sowie über Stilmittel der Provokation und des Widerstands. 'Temporäre Installation' oder 'Partizipative Strategien'. Schon bald wird es nicht mehr möglich sein. Sie könnten sich dafür mit Prominenz aus anderen Luxusbranchen zusammentun . Berlin und Dubai haben. würden immer häufiger neu definiert. als ein Unternehmer auftreten. man wolle mit der Kunst reich und berühmt werden. bekannte Kuratorinnen und Kuratoren ebenso für Lehraufträge zu gewinnen wie Vertreter von NGOs und Aktivistengruppen. In Veranstaltungen würde man sich mit der Geschichte der Auftragskunst befassen. Eine solche Schule führte nicht nur schlagartig zu einer Verringerung der Bewerberzahlen an staatlichen Kunstakademien. dass Damien Hirst oder Takashi Murakami. wenn man angibt. Denkbar ist etwa. Muss man im einen Fall wie oder. Und es gibt. indem sie eine eigene Ausbildung anbieten.mit dem Unternehmer und Sammler Steven A. man könnte also etwa Mike Meiré. unverwechselbares Profil auszubilden. Und natürlich ist man darum bemüht. Yachten. noch besser. Tokyo. wenn der Wettbewerb unter ihnen infolge der sinkenden Bewerberzahlen noch weiter zunimmt. 'Artivismus'. dass Kunsthochschulen auch weiterhin das gesamte Spektrum an Kunstauffassungen abdecken wollen und können? Tatsächlich werden sie vielleicht sogar die ersten Institutionen sein. theoretische Texte und kuratorische Konzepte zu rezipieren. Skulpturen. stehen sie ohnehin unter dem Druck. den Studierenden beizubringen. Katharina Grosse. in denen sich das Schisma der Kunst manifestiert. Uhren und Events speziell für diese Zielgruppe zu entwickeln. Und Kunsthochschulen sortieren unter den Bewerbungen ebenfalls nicht von vornherein einzelne aus. einem globalisierten Business standzuhalten. die bisher Malerei oder Bildhauerei gewidmet waren. sie bestärkte diese wohl auch darin. welche Interessen und Mentalitäten die Superreichen in den verschiedenen Kulturen besitzen. nur weil sie ein bestimmtes Verständnis von Kunst erkennen lassen. Bilder. Mit einer Reihe namhafter Gastdozenten würde man die Studierenden auf ihre spätere Tätigkeit vorbereiten. Möbel. Grundsätzlich kann man ebenso einen Studienplatz bekommen. Manche werden Künstler und Kuratoren konsequent zusammen . so ist im anderen Fall die Fähigkeit gefragt. Die Schule könnte Filialen in New York. vielleicht wäre sie im Franchise- System organisiert. Zeremonialwissenschaft. um den einzelnen Niederlassungen Spielraum für kulturspezifische Ansprüche zu lassen. Paris. sich ihrerseits möglichst klar voneinander zu unterscheiden . Sie hießen nun vielleicht 'Raum und Körper'. dazu passend. Wohnaccessoires. In jedem Fall gäbe es eine mehrjährige Spezialausbildung. Da sie sich im Wettbewerb untereinander befinden. Doch wie lange werden die Institutionen ihre Allvertretungsansprüche noch wahren können und wahren wollen? Was also sollte dafür sprechen. ferner muss man Spaß daran haben. das den Zweck verfolgt. als sich auf die eine oder andere Art von Kunst zu spezialisieren? Aber unabhängig davon könnte der erste Schritt in Richtung eines Schismas auch von privater Seite kommen.immer. ja kommt wohl auch niemand mehr auf die Idee. mit den Mitteln der Kunst die Gesellschaft zu verändern. von einem Hochschultyp zum anderen zu wechseln. die Studiengebühren betrügen eine mittlere sechsstellige Summe. wie sich die Distinktionskraft von Statussymbolen steigern lässt. jeweils ein möglichst markantes. Vor allem wird unübersehbar sein. es würden aber auch einige Stipendien ausgelobt. Was läge daher näher. Schanghai. wie wenn man sich mit der Begründung bewirbt. Die staatlichen Kunsthochschulen werden versuchen. im Namen der Kunst halbwegs erfolgreich auftreten. Luxustheorien und Ökonomien der Verschwendung lehren und erforschen. Geschirr.und ein globales Schullabel gründen. vermittelt werden Kenntnisse in Crowdfunding und zum Verfassen von Projektanträgen. smart und polyglott sein und über die Kondition verfügen. Cohen oder dem Modeschöpfer Jean-Paul Gaultier . Schmuck. 'site specific' zu arbeiten und gut kommunizierbare Projekte zu entwickeln. Freiwerdende Professuren. Kleidung. sich ihrerseits zu spezialisieren. ihr Business weiter professionalisieren. man sei gegen den Kapitalismus und strebe an.und dies umso mehr. Marc Jacobs. Wade Guyton und Gigi Hadid verpflichten. vermehrt Seminare über die Geschichte kuratierter Kunst. die beide schon seit längerem jüngere Künstlerinnen und Künstler mit ihren Firmen vertreten. zu einer Biennale oder Documenta eingeladen zu werden und dort mit einer politisch brisanten Arbeit aufzufallen. So wäre es besser als bisher möglich.

innerhalb der Kunst Erfolg zu haben. die von außen an sie herangetragen werden. Zumindest reicht es nicht. um festzustellen. die im Namen der Kunst agierten. die es früher vielleicht schwer gehabt hätten. um die Welt zu verändern. Recherchematerial . Nachhaltigkeit . dass mit ihnen das Ideal einer Autonomie der Kunst preisgegeben wird. Requisiten von Erlebnissen.doppelte . wie es der Kunsttheoretiker Stefan Heidenreich in einem Text formuliert. zu erheben. es sei dort zwar "viel Engagiertes ausgestellt.5 Man kann spekulieren.will und sich dabei darauf beruft.gefunden hat.4 Vielleicht wird in der Tradition von Autonomie stehende Kunst. Ein Blick auf die diesjährige .Documenta genügt. wenn es weder spektakulär teuer noch gesellschaftspolitisch akut ist? Mochten die Avantgarden daran geglaubt haben. wenn externe Kriterien wie ihr Preis oder die politische Aktualität maßgeblich dafür sind. in dem Kunsthochschulen in den nächsten Jahren programmatisch noch weiter auseinanderdriften. dass sie so viel Anschluss an die "reale Welt" . weil sie nicht gut genug zu einem kuratorischen Konzept passt und generell als mangelhaft empfunden wird. wird sich aber auch die Entwicklung noch verstärken.ausbilden. in dem er scharf mit den neuen Machthabern des Kunstbetriebs abrechnet. andere werden die Grenzen zwischen freier und angewandter Kunst durchlässig machen und Klassen für Bildhauerei auch für Designer öffnen (und umgekehrt) oder ihr Lehrprogramm insgesamt einem Begriff wie 'Inszenierung' unterstellen. Archive. ebenfalls vor allem einer Aufladung mit Bedeutungen zu verdanken.das alles sind auf einmal Sujets gerade auch der Kunst. auf jeden Fall aber als zu harmlos zu gelten. dass es genügt. ja wie will etwas cool und relevant sein. nicht ausgewählt. davon überzeugt gewesen sein. die es nach wie vor gibt. die bisher als besonders begabt galten. ja weil sie vor allem anderen Macht und Reichtum repräsentiert und die Sieger der Gesellschaft unterstützt . so spielt das alles keine große Rolle mehr. So wirkt sie entweder stark und provokant. die ihre Arbeit weiterhin an kunstspezifischen Kriterien ausrichten und sich um eine möglichst schlüssige Fortsetzung oder Dekonstruktion einer Form. Wer vor allem anderen Kunst machen . so sehr werden andere.aber kaum Kunst im kunsthistorischen Sinn". dass Kunst an ihr eigentlich fremden Kriterien ausgerichtet wird. Ein Skeptiker hingegen könnte die Frage stellen. die den Geist der Autonomie verkörpert und einfach nur Kunst sein will. muss zunehmend damit rechnen. die also eher die Kunstgeschichte als den Markt und die Politik. kaum noch Resonanz bekommen. ob es nicht auch von einem Misstrauen gegenüber der Kunst oder gar von einer Schwäche zeugt. ja verstößt es gegen ihren Stolz und ihre Vorstellung von der Freiheit der Kunst. Nahrungsmittelspekulation. Wo bleibt der Thrill. um Erfolg zu haben. Flüchtlingskrise. Manche. zu verzaubern. aber auch keine Lust. wenn man die Kunst mit anderen Bereichen verbindet und mit deren gesellschaftlichen Funktionen anreichert. dass es vor allem darum geht. Klimawandel.an Geld und Politik . einen neuen Stil zu finden. so etwa die österreichische Kunstkritikerin Sabine B.oder weil sie aktuelle und brisante Themen verhandelt und damit sogar gezielt in politische Diskurse eingreift. zu rühren. weil sie viel mehr kostet als nahezu alles andere. Vielmehr verspricht man sich mehr Relevanz. als etwas langweilig und altmodisch. Für viele markiert es einen Bedeutungszuwachs der Kunst. Tatsächlich hat sie die große und breite Aufmerksamkeit. Und heißt das nicht umgekehrt. autonom zu sein. wie sich die Kunst entwickelt hätte oder welche Künstler bekannt geworden wären. mochten viele andere. ja eher andere Künstler als Oligarchen und Kuratoren im Blick haben.Bilder malen. So sehr dadurch einigen Absolventen große Karrierechancen geboten werden. ob und wie sehr eine künstlerische Arbeit überhaupt Beachtung findet. an Aufmerksamkeit und Wertschätzung verlieren? In dem Maß. Vogel. sagen sogar. Hätten sich ein Max Beckmann oder ein Piet .oder Problemgeschichte bemühen. dass dort kaum noch Kunst zu sehen ist. die sich als unabhängig begreifen. womit alles von Rauminstallation bis Webdesign grundsätzlich gleichberechtigt behandelt wird. dass Künstlerinnen und Künstler. vielleicht haben Künstlerinnen und Künstler. Videos drehen oder fotografieren . die Menschen zu läutern. sich in allem abzustimmen und die eigene Arbeit dem "Regime" von Kuratoren zu unterwerfen. Armut. Die verschiedenen Veränderungen könnte man damit zusammenfassen. hätte es schon vor hundert Jahren starke Kuratoren gegeben. die ihr seit rund zwei Jahrzehnten zukommt und die nicht zuletzt zu Begriffen wie 'Superkunstjahr' geführt hat.

Schutz übersetzte das Schwarz-Weiß-Foto in ihre gestische. weil es noch keine so starken externen Kräfte gab. die nahezu alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen und daher auch die Dynamik entwickeln.6 Heute glaube ich. die zugleich eine selbstbewusste Beschäftigung mit dem Stilrepertoire der Klassischen . Heute jedenfalls wird von Jahr zu Jahr und von Event zu Event deutlicher. das die von Rassenhass getriebene brutale Ermordung eines schwarzen Jugendlichen im Jahr 1955 dokumentiert. teilen sich Theoretiker und Kritiker höchstens im Zuge jenes kalten Kriegs zwischen Marktkunst und Kuratorenkunst in unterschiedliche Lager auf. farbkräftige Malerei. als Künstler autonom zu sein. Öl auf Leinwand. wie es nur mit Mitteln der Kunst möglich ist? Es ist fast egal. 2007. Ich selbst gehörte lange Zeit zu denen. als vielmehr darüber. weil sie teuer oder weil sie Teil eines Großevents sind. Beispielhaft für diese Entwicklung ist ein Streit.im Fall von Leihgaben . gerät erst recht ins Off der Aufmerksamkeit. Dana Schutz. Dass man dabei auf wohlbekannte Unterscheidungen zwischen 'Liberalen' und 'Linken'. wären ihre Werke schon damals zu Millionenpreisen gehandelt worden. welche Zwänge es mit sich bringt. doch alles. manches missbilligte ich als Künstlerselbstherrlichkeit und wünschte der Kunst daher etwas mehr Erdung: Orientierung an anderen Bereichen.Künstler nicht ein Problem gehabt hätten. aber nicht mehr. So werde in einem Kunststudium aus Angst vor Überfrachtung und Instrumentalisierung der Kunst "nichts vermittelt. ihre Werke einem kuratorischen Konzept anzupassen oder gar im Auftrag eines Kurators zu agieren? Genauso kann man fragen.sichtbar sind. wie sehr sich das Ideal der Autonomie erschöpft hat. Sammlung der Künstlerin. schrieb ich darüber. dass das schon damals nicht stimmte und ich meinerseits zu einseitig in meiner Wahrnehmung war. immer selbständiger zu werden und sich zunehmend voneinander zu entfernen. belegt erst recht. weil in ihnen eigenständig ein Weltbild formuliert oder eine Erkenntnis gestiftet wird. als es bei der Whitney Biennale in New York ausgestellt wurde.ein Raum. um den Fetisch 'Kunst' möglichst rein zu produzieren". was auch anderswo helfen könnte. Als Vorbild dient ein berühmtes Foto. Statt eigens über Vorzüge und Nachteile autonomer Kunst zu debattieren.Mondrian darauf eingelassen. was unabhängig von diesen beiden konträren Polen ist. warum autonome Kunst nicht mehr attraktiv ist. Hätten sie nicht zurecht die Sorge gehabt. im letzten Superkunstjahr. ob es damals leichter war. zwischen 'reich' und 'arm'. dass man über ihre Werke nur noch spricht. dass die Ausbildung an Kunsthochschulen aufgrund des Autonomie-Dogmas zu "einseitig" sei. um dann zum größten Teil in Privatsammlungen zu verschwinden. den ein Gemälde der US- amerikanischen Malerin Dana Schutz im Frühjahr 2017 auslöste. wie sehr eine zum Statussymbol avancierte Autonomie der Kunst schadet. dass eine als autonom verstandene Kunst zwischen zwei Polen verloren zu gehen droht. die misstrauisch auf Autonomie-Beschwörungen reagierten und Auswüchse autonomer Bestrebungen gerne kritisierten. die Einfluss auf das Kunstgeschehen nahmen. wenn Autonomie zur Norm wird. ob diese . belebt vertraute klassenkämpferische Rhetoriken neu. und bemängelte. "Open Casket" (2016). Dass die Beurteilung von Kunst gemäß externen Kriterien kaum einmal als Problem angesehen wird. Zu diskutieren ist also weniger darüber. oder ob diese Kräfte sich nicht entwickeln konnten.und viele andere . weil das Künstler-Ethos der Autonomie so unverbrüchlich feststand. in dem die Freiheit lebensbedrohliche Ausmaße angenommen hat und wo Menschen bewusst zu Idiosynkratikern erzogen werden. 'weiß' und 'schwarz' trifft. Eine Akademie ist vielmehr ein Vakuum . in denen sie für eine breitere Öffentlichkeit höchstens gelegentlich . ihre Deautonomisierung also nicht etwa zu Klagen oder gar Protesten führt.

Es ist die Professionalität von Geschäftsleuten. mich überhaupt noch für etwas zu interessieren. in der es selbstverständlich war. was an Kunsthochschulen passiert.meinen Beamtendienst quittierte. mich nicht in einer grundsätzlichen Differenz dazu zu befinden. . so gab es diesmal aber Protest. Oder. die Teil eines Kunstbetriebs sei. Vielmehr wird rein moralisch-politisch argumentiert. wenn jenes Foto als Rohmaterial ("raw material") für eine Malerei diene. dann aber festgestellt. dass das nicht angemessen zum Ausdruck komme ("this shame is not correctly represented"). keineswegs für besser halte. mich mit dem. um seither lieber freiberuflich zu arbeiten. Bilder realer Ereignisse in eigene Formsprachen zu verwandeln und damit künstlerische Autonomie zu postulieren. aber vielleicht nicht mehr lange unter 'Kunst' läuft. sondern die vielmehr verrät. die wenig mit künstlerischer Könnerschaft zu tun hat. Einer dieser Gründe war ein wachsendes Fremdheitsgefühl. "sondern um ihre Verantwortung". dass die Künstlerin in einer kunsthistorischen Tradition steht.nach 18 Jahren Tätigkeit an mehreren Kunsthochschulen . die Debatte damit aber nicht nur auf das Sujet des Bildes verkürzt. es gehe hier nicht um die "Freiheit" der Kunst. als komme man kaum noch hinterher. im Sinne jenes kalten Kriegs. was dort diskutiert und fabriziert wurde. oder die Professionalität von Leuten. in dem es um "Geld und Spaß" ("profit and fun") gehe. Mir scheint. dominieren bei der Bewertung des Gemäldes jene kunstexternen Kriterien 'Politik' und 'Markt'. wird Schutz zwar zugestanden. die auf dem Markt erfolgreich ist: Ist die Wahl des fotografischen Vorbilds nicht erst recht unsensibel oder gar zynisch. Ich sage das alles ausdrücklich nicht als Kulturpessimist. wie der Kunstkritiker Kolja Reichert bilanziert. gar als Missionare eines Themas verstehen und die daher ihrerseits keine Lücke lassen wollen. sondern im Gegenteil die Gewalt der Weißen gegenüber Schwarzen sich weiter fortsetze. In einem offenen Brief. wie sehr Standards anderer Bereiche in die Kunst eingewandert sind. ganz allgemein. die nichts dem Zufall überlassen wollen. sondern höchstens am Sinn einzelner Praktiken und Werkformen zu zweifeln. als Weiße "Scham" gegenüber dem Geschehenen zu empfinden. sondern zugleich.8 Unterschiedliche Gründe führten dazu. was noch. so sehr hatte ich eine Reihe von Jahren doch das Gefühl. Hatte Schutz damit lange großen Erfolg. aber es gehört wohl auch zu diesen Veränderungen. Zuletzt aber fiel es mir immer schwerer. das alles zu erfassen.darstellt. anderes hingegen empfand ich als hypersensibel und selbstgerecht. Ich beobachte die Entwicklung aber lieber mit etwas mehr Abstand und staune vielleicht auch deshalb. Theorie. zumal ich (wie angedeutet) die Zeit. wenn damit noch Geld verdient wird? Statt also über Malerei zu diskutieren. Diskurs keine nennenswerte Rolle spielen. Tatsächlich erschien mir vieles zu glatt. Kritik und. von der Künstlerin Hannah Black verfasst und von zahlreichen anderen Künstlern mitunterzeichnet. dass ich 2015 . gegen eine Kunst protestiert.7 Hier wird also nicht anerkannt. So oder so aber spürte ich eine Art von Professionalität. So wenig ich jemals die Ambition hatte. welches Tempo die Veränderungen des Kunstbetriebs in den letzten Jahren angenommen haben. identifizieren zu können. Ein Schisma könnte nicht zuletzt deshalb unvermeidlich sein. die sich als Anwälte. zu kommodifiziert. Moderne . zu steril. dass zumindest für einige Bereiche dessen. in der man voll Pathos der Autonomie der Kunst frönte.von Amadeo Modigliani bis Francis Bacon .

Wie aber wird sich ein solches Schisma vollziehen? Sicher wird niemand offiziell kundtun. 63-65. Künstler. doch statt diese mit externen Bedeutungen aufzuladen.setzt hingegen voraus. Michael Hübl: "Melancholie der Muße und des Mitmachens. Grenzen zu überschreiten und als Künstler auch einmal bei einer Luxusgütermesse vertreten zu sein oder mit einem Uhrenhersteller zu kooperieren - oder aber bei einem Event mitzumachen. Juli 2017 an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg gehalten wurde. 1Zit. 5Stefan Heidenreich: "Schafft die Kuratoren ab!". Mehr zu Wolfgang Ullrich unter ideenfreiheit. Mai 2017. in: db mobil 6/2017. Aber ich bin mir nicht sicher. Nein. auf die man verzichten kann. Krieg . sich weniger oft auf die Kunst berufen und schon gar nicht mehr zu ihr bekennen. ihre Kontakte in die Kunstwelt vernachlässigen. Schließlich nimmt man sich gegenseitig kaum noch wahr.: Gesucht: Kunst! Phantombild eines Jokers.de. egal wohin sie sich dann mit ihrer Arbeit orientieren. der sich von der Kunst aus in Richtung Ökologie oder Migrationspolitik auf den Weg macht. Juli 2017. S. 82. auf: http://www. in: Kunstforum International 247 (2017). 2Tim Sommer: "Ein Leben wie gemalt". auf die vielen kreativen Kräfte jenseits des Kunstbetriebs aufmerksam zu machen. gar so etwas wie Macht.tumblr. umso weniger zu sagen. Für sie ist es viel spannender. Das passierte nur einmal: Joseph Beuys machte es 1985. ohne eigens darüber nachdenken. 6Wolfgang Ullrich: "Wie autonom ist die Autonomie?". 74-85.ob kalt oder heiß . hier S.com/post/158661755087/submission-please-read-share-hannah-blacks. 8Kolja Reichert: "Es lebe die Kunst! Nur welche? Und warum?".zeit. 61. das ihm viel wichtiger schien als eine irgendwie geartete Fortsetzung klassischer Werkgattungen der Kunst. ja es dem anderen streitig machen will. in: Ders. mit dem politische Forderungen durchgesetzt werden sollen oder das von der Polizei geschützt werden muss. Galerien. hier S. Sie zu fördern und den Menschen insgesamt zu mehr Selbstbewusstsein zu verhelfen. Statt der Kunst ausdrücklich den Rücken zuzukehren. eigentlich glaube ich es nicht. in Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 9.com/home/kultur/kunst/5248948/Das-Ende-der-Kunst. Vogel: "Das Ende der Kunst?". 4Sabine B. Wolfgang Ullrich Der Text basiert auf einem Vortrag. Auch bei ihm war das zwar schon die Absage an eine autonome und sich separierende Kunst. die Handtaschen entwerfen oder die Lebensgeschichte eines erfolgreichen Startup-Unternehmers in dessen Villa bildstark in Szene setzen? Noch studieren alle. Kursorische Beobachtungen zum Stand der Kunst zwischen Partizipation und edler Gesinnung". Wien 2013. dass man dasselbe will und darum kämpft. Sammler. dass das 2027 noch genauso sein wird. war sein Ziel. in: Die Zeit 26/2017 vom 22. ehemalige Kommilitonen als Konkurrenz empfinden. ohne sich ausdrücklich dagegen entscheiden zu müssen. auf: http://diepresse.de/2017/26/ausstellungen-kuratoren-kuenstler-macht/komplettansicht. hier S. 65. Museen. Überall außerhalb des tradierten Kunstbetriebs winkt mehr Wirksamkeit. 7http://blackcontemporaryart. auf http://www. n. dass aus dem kalten Krieg ein heißer Krieg wird.net/aktuell/feuilleton/kunst/plaedoyer-fuer-einen-aesthetischen-streit-in-der-kunst- . S. noch eher. Doch was sollte ein für Superreiche arbeitender Künstler einem mit Aktivisten kollaborierenden Ex-Kollegen wegnehmen wollen? Und warum sollte jemand. Jahrhundert. aus der Kunst auszutreten.faz. 21f. 3Robert Fleck: Das Kunstsystem im 21. Berlin 2007. der gegenüber jede Idee von Autonomie nur als schöngeredete Impotenz erscheint. 47-70. S. Sicher wird das Schisma nicht so ablaufen. werden manche sich künftig wohl wegschleichen oder. ging es ihm darum. Im Gegenteil hat man sich. der am 14. an denselben Kunsthochschulen. Juni 2017. in: Die Presse vom 9. je weiter man auseinanderdriftet. ein Jahr vor seinem Tod. S.

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