Hintergrund Erneuerbare Energien

Mit Wind und Sonne das Klima schützen

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Editorial, Inhalt, Impressum | Aufbruch in ein neues Energiezeitalter

Klimawandel – schlimmer als prognostiziert
Laut Bericht 2007 des Klimarats der Vereinten Nationen, IPCC, sind die Prognosen in den letzten Jahren von der Realität übertroffen worden. Ein Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur um zwei Grad Celsius ist schon jetzt kaum noch abzuwenden. Die Folgen der Klimaerwärmung sind gewaltig und betreffen Millionen Menschen weltweit: Wetterextreme häufen sich und bringen Überschwemmungen, Hitze- und Dürreperioden, Stürme und Hurrikane. Während die westlichen Wohlstandsgesellschaften 80 Prozent aller Treibhausgase zu verantworten haben, kämpfen vor allem die Menschen in den armen Ländern mit den Folgen. Klimaschutz ist auch eine Frage der Gerechtigkeit. Das Überleben der Erde hängt davon ab, wie wir in Zukunft Energie klima- und umweltschonend bereitstellen.

Inhalts verzeichnis
03 Aufbruch in ein neues Energiezeitalter 04 Klimakrise weltweit 06 Kohle – Gift fürs Klima 08 Wider die Vernunft : Mit Atomkraft gegen den Klimawandel ? 10 Erneuerbaren Energien gehört die Zukunft 12 Die Natur bietet Energie in Hülle und Fülle 14 Stürmische Zeiten für die Windenergie 16 Auf ins Solarzeitalter 18 Biomasse – Multitalent unter den Erneuerbaren 19 Geothermie – vor dem Durchbruch 20 Klimawandel – das Steuer herumreißen 22 Greenpeace-Aktionen zum Klimaschutz Lesetipps & Infos

Impressum Herausgeber Greenpeace e. V., Große Elbstraße 39, 22767 Hamburg, T 040.3 06 18 - 0, F 040.3 06 18 - 100, mail@greenpeace.de, www.greenpeace.de
Politische Vertretung Berlin Marienstr. 19 – 20, 10117 Berlin, T 030 . 30 88 99 - 0 Autorin Birgit Stratmann Redaktion Anja Oeck Bildredaktion Conny Böttger Produktion Christiane Bluhm , Birgit Matyssek Gestaltung Ligalux GmbH, Hamburg ; Klasse 3b, Hamburg, www.klasse3b.com Titelfoto Hu Wie (Lan Shan Windfarm in China) Fotos S. 3: Paul Hilton, S. 4/5: Steve Morgan, Christian Kaiser, Matthieu Barret, Clive Shirley, John Novis, Jeremy Sutton-Hibbert, S. 6: Paul Langrock, S. 8: Fred Dott, S. 9: Robert Knoth, Andreas Herzau, S. 10: Igor Gavrilov, S. 11: Marcus Franken, S. 12: Paul Langrock, S. 13: Paul Langrock, Hotli Simanjuntak, S. 14: Paul Langrock, S. 15: Paul Langrock (2), S. 16: Markel Redondo, Hotli Simanjuntak, S. 17: Yannick Andrea, S. 18: Paul Langrock, Markus Mauthe, S. 19: Paul Langrock, S. 20: Michael Wuertenberg/express, S. 21: Bente Stachowske, S. 22: M. Weber, Markus Kratz, Fred Dott, Michael Hughes, Paul Langrock, Wally Geier, S. 23: Paul Langrock, Bernd Arnold, Bente Stachowske, Martin Jehnichen, Jens Kuesters, S. 24: Paul Langrock / alle © Greenepeace Druck Druckzentrum Jung, Am Sophienhof 9, 24941 Flensburg Aufl age 10.000 Exemplare V.i.S.d.P. Andree Böhling. Zur Deckung unserer Herstellungskosten bitten wir um eine Spende : Postbank Hamburg, BLZ 200 100 20, KTO 97 338 - 207

Gedruckt auf 100 % Recyclingpapier

Stand 7 / 2008

Greenpeace Hintergrund

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Aufbruch in ein neues Energiezeitalter

Hunderte Menschen protestieren 2007 auf Java gegen den Bau eines geplanten Atomkraftwerks und für Erneuerbare Energien.

Die Welt hat Hunger und braucht ständig Energie. Die westlichen Industriestaaten verbrauchen den größten Teil der Ressourcen. Doch die Aufholjagd in Schwellenländern hat begonnen, denn der Zugang zu den Energieressourcen entscheidet maßgeblich über Entwicklung und Wohlstand. Das Überleben der Erde hängt davon ab, wie wir in Zukunft Energie klima- und umweltschonend bereitstellen.

Der Energieverbrauch der Welt steigt seit dem 19. Jahrhundert ständig an und wird sich Prognosen der Internationalen Energieagentur zufolge bis 2030 um weitere 50 Prozent erhöhen. Die westlichen Industrienationen verbrauchen noch immer den größten Teil, die USA etwa beanspruchen allein ein Viertel aller fossilen Ressourcen. Doch auch in Schwellenländern wie China und Brasilien nimmt der Energiehunger aufgrund des starken Wirtschaftswachstums zu. China hat die USA beim Ausstoß an Treibhausgasen

bereits eingeholt. Während der Bedarf weltweit wächst, wird das Angebot an den endlichen, fossilen Energieträgern knapp : Schon jetzt ist absehbar, dass zuerst die Ölquellen versiegen werden, dann die Gasvorräte und das Uran. Das fossile Zeitalter geht unwiderruflich zu Ende. Aus ökologischer Sicht könnte das fossile Zeitalter sogar ein dramatisches Ende nehmen. Denn die Verbrennung von Öl, Kohle und Gas ist hauptverantwortlich für den vom Menschen gemachten Klimawandel. Fossile Brennstoffe decken zurzeit rund 80 Prozent des weltweiten Energiebedarfs. Wie der Klimarat der Vereinten Nationen ( IPCC ) in seinem Bericht 2007 feststellt, ist die Erde jetzt schon am Limit, was die Aufnahme von Treibhausgasen betrifft. Überschwemmungen, extreme Dürren, Gletscherschmelze und Meeresspiegelanstieg sind Anzeichen der bevorstehenden Klimakatastrophe. Wenn es nicht gelingt, die Emissionen insbesondere des wichtigsten Treibhausgases Kohlendioxid ( CO2 )

zu drosseln, wird die Erde für einen großen Teil der Menschheit unbewohnbar. Die entscheidende Frage dieses Jahrhunderts ist : Mit welcher und mit wie viel Energie kann die Menschheit versorgt werden, damit sich überall Wohlstand ausbreitet und gleichzeitig das Klima geschützt und die Umwelt geschont wird ? Für Greenpeace liegt die Lösung auf der Hand : Wir müssen uns rasch von fossilen Brennstoffen verabschieden und die Erneuerbaren Energien ausbauen. Wind, Sonne, Erdwärme, Wasser und Biomasse können ab Mitte des Jahrhunderts mindestens die Hälfte des Weltenergiebedarfs decken. Gleichzeitig müssen wir den Bedarf an Energie durch intelligente Technologien drastisch verringern. Die Zukunft gehört den regenerativen Energieträgern. Sie sorgen dafür, dass auch nachfolgende Generationen eine Zukunft haben, das Klima intakt und die Erde bewohnbar bleibt.
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Klimakrise weltweit

Eine Rekordschmelze der Arktis

verzeichneten Wissenschaftler im Jahr 2007. Das ewige Eis wird vom Klimawandel doppelt so stark betroffen sein wie andere Regionen. Laut Prognosen wird der Nordpol nicht, wie bisher angenommen, im Jahr 2100 eisfrei sein, sondern schon bereits 70 Jahre früher.

Klimakrise weltweit

Der Klimawandel verschärft Umwelt- und Entwicklungsprobleme in den armen Ländern. Schätzungen zufolge gibt es schon heute 20 Millionen Klimaflüchtlinge. Die Zahl der Menschen, die ihre Heimat im Zuge der Klimakatastrophe verlassen müssen, könnte in den nächsten 30 Jahren auf 200 Millionen Menschen anwachsen.

Die Gletscher schmelzen. Die im Eis gebundenen Wassermengen gehen verloren. Mehr als eine Milliarde Menschen, die in Asien vom Schmelzwasser der großen Gebirgsketten leben, könnten in diesem Jahrhundert von Wassermangel betroffen sein.

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Die extreme Trockenheit in Afrika im Zuge der Erderwärmung trifft die Menschen doppelt hart : Die ohnehin geringen Ernteerträge schrumpfen weiter, die Desertifikation schreitet voran. Die Gefahr von Hungerkatastrophen wächst. Bis zu 250 Millionen Menschen könnten in Afrika bis 2020 im Zuge der Klimaänderung unter akuter Wasserknappheit leiden.

Hitzeperioden in Europa bedrohen die Gesundheit. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass allein im Jahr 2003 rund 35.000 Menschen durch die Hitzewellen ums Leben kamen. Diese Entwicklung wird sich weiter verschärfen. Auch Flutkatastrophen fordern zunehmend Menschenleben.

Der Meeresspiegel steigt. Die anschwellenden Fluten könnten Küstenfeuchtgebiete und Mangroven verschlingen. Mehr Schäden infolge von Küstenüberflutungen sind wahrscheinlich. Viele Millionen Menschen an Küsten werden jedes Jahr von Überschwemmungen heimgesucht werden, denn viele arme Länder können sich keinen Küstenschutz leisten.

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Kohle : Gift fürs Klima

Kohle – Gift fürs Klima

Mit einem Clusterballon protestiert Greenpeace über dem Kraftwerk Jänschwalde gegen den Neubau noch größerer Kohlekraftwerke.

Die Energiebilanz der Mammutkraftwerke ist schlecht, ihr Wirkungsgrad niedrig. Der deutsche Kraftwerkspark ist in die Jahre gekommen, große Investitionen stehen in den nächsten zehn Jahren an. Deutschland steht am Scheideweg: Wird in klimafreundliche Energieträger investiert oder arbeiten die Konzerne weiter gegen Mensch und Klima ? Die vier großen Energieversorger, die in Deutschland den Strommarkt fest im Im deutschen Energiemix spielt die kliGriff haben, setzen weiter auf die klimamaschädliche Kohle immer noch eine schädliche Kohle, weil sie mit den begroße Rolle: Im Jahr 2005 lieferten Steinstehenden Infrastrukturen und neuen und Braunkohle 24 Prozent der PrimärGroßkraftwerken die größten Profite einenergie und 49 Prozent des Stroms. Gleich- fahren und ihre Vormachtstellung im zeitig steigt der Ausstoß von TreibhausEnergiemarkt weiter zementieren können. gasen. Allein 37 Prozent der gesamten Bis 2012 planen sie den Bau von 25 neuen deutschen CO2 - Emissionen gehen auf das Kohlekraftwerken mit einer gesamten Konto der Kohle. Kapazität von 24.000 Megawatt. Diese
Kohle ist Gift fürs Klima. Im Vergleich zu anderen fossilen Energieträgern wie Öl und Gas setzen Kohlekraftwerke besonders viel Kohlendioxid ( CO2 ) frei – Hauptverursacher des vom Menschen gemachten Klimawandels. Selbst das modernste BraunkohleKraftwerk stößt mehr als doppelt so viel CO2 aus wie ein vergleichbares Gaskraftwerk.

werden die Atmosphäre jedes Jahr mit rund 140 Millionen Tonnen CO2 zusätzlich belasten. Greenpeace fordert die Bundesregierung auf, angesichts des dramatischen Klimawandels endlich Ernst mit dem Klimaschutz zu machen. Wir brauchen ein Energieversorgungskonzept, das sich zuerst an den Klimaschutzzielen orientiert. In einer modernen Energieversorgung dürfen Klimakiller wie neue Kohlekraftwerke keinen Platz mehr haben. Greenpeace ist gegen den Neubau von Kohlekraftwerken, wie sie RWE in Neurath und Vattenfall in Boxberg, Berlin und Hamburg planen. Mit Aktionen und Einwendungen haben die Umweltschützer immer wieder Druck auf die Verantwortlichen ausgeübt, endlich umzudenken und in eine moderne, klimafreundliche Ener-

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Kraft - Wärme - Kopplung : Energie erzeugen, wo sie gebraucht wird
Heutige Großkraftwerke sind der Inbegriff der Verschwendung und Ineffizienz : Fast 60 Prozent der eingesetzten Energie verpufft in die Atmosphäre. Zudem wird eine gigantische Infrastruktur benötigt – von der Förderung über den Transport mit Überlandleitungen – bis die Energie beim Kunden angekommen ist. Daher fordert Greenpeace den Ausbau der dezentralen Kraft - Wärme - Kopplung ( KWK ). Mit den hocheffizienten KWK - Anlagen lässt sich die Energie des eingesetzten Brennstoffs bis zu 90 Prozent in Strom und Wärme umwandeln. Die Kraft - Wärme - Kopplung funktioniert mit verschiedenen Energieträgern, besonders CO2 - arm ist sie mit Erdgas und CO2 - neutral mit Erneuerbaren. Die Erzeugung erfolgt dort, wo die Energie gebraucht wird, so dass kostbare Energieressourcen effektiv und klimaschonend genutzt werden. Das Potenzial für die klimafreundliche KWK in Deutschland wird bisher aber nur zu etwa einem Fünftel ausgeschöpft. Deswegen muss der KWK bei der Nutzung von Energie ab sofort oberste Priorität eingeräumt werden.

Das Ende des Öls
Erdöl war 100 Jahre lang der Treibstoff für den Wohlstand der Industrienationen. Doch nun steht das Ende des Ölzeitalters bevor. Geologen sehen den „oil peak“, also das Datum der Höchstfördermenge, in naher Zukunft kommen oder sogar schon erreicht. Ab dieser Wendemarke wird die Weltölproduktion sinken. Die Fördermenge wird dann nicht mehr ausreichen, den steigenden Energiebedarf zu decken, der Kampf ums Öl wird härter. Schon heute jagt ein Rekordpreis den nächsten. Greenpeace fordert daher eine Abkehr vom Öl, aus ökonomischen und ökologischen Gründen. Die Erdölproduktion schadet der Umwelt von der Förderung über den Transport bis zum Verbrauch. Unberührte Urwaldregionen in Afrika und Lateinamerika werden von Ölpipelines durchschnitten. Ölleckagen bedrohen artenreiche Naturschutzgebiete, verschmutzen oft große Flächen Wasser, Boden und Lebensräume, wie etwa in Westsibirien.

gelagert. „Saubere Kohle“ heißt das im Sprachgebrauch der Konzerne. Bisher ist dies kaum mehr als ein PR - Gag. Kohlendioxid – ab in den Viele Argumente sprechen dagegen : Vor Untergrund? 2020 wird diese Technologie laut AussaDen großen Energieversorgern bläst der gen der Verantwortlichen nicht ausgereift Wind ins Gesicht angesichts der täglichen sein, sie kommt also zu spät, um das KliSchreckensmeldungen über die zunehmen- ma zu retten. Die Abscheidung und Speide Erderwärmung. Die Verantwortlichen cherung von CO2 verschlingt wiederum Energie. Sehr viel Kohle muss zur Produkhaben nun einen Ausweg gefunden, um tion der benötigten Menge Strom für neue Kohlekraftwerke bauen zu können : dieses Verfahren verbrannt werden, woDas Treibhausgas CO2 soll künftig nicht mehr in die Luft geblasen, sondern im durch die Effizienz des Kraftwerkes sinkt. Kraftwerk aufgefangen, gereinigt und kom- Das CO2 in den geologischen Speichern primiert werden. Über Pipelines wird das muss über Generationen überwacht werden. Auch Leckagen lassen sich nicht vollKlimagift dann zu unterirdischen geoloständig ausschließen. Die Kosten für das gischen Speichern transportiert und dort

gieversorgung zu investieren. Die Proteste zeigen erste Wirkungen : Die Planungen für Steinkohlekraft werke in Bremen, Ensdorf, Kiel, Köln und Bielefeld wurden zurückgezogen.

zweifelhafte Unternehmen sind insgesamt sehr hoch und werden die Verbraucher teuer zu stehen kommen. Statt Klimamüll aufwendig zu produzieren, um ihn dann im Untergrund zu entsorgen, sollten wir besser gleich auf klimafreundliche Alternativen wie die Erneuerbaren Energien umsteigen, denn die sind erprobt und teilweise sogar kostengünstiger zu haben. CO2 - Emissionen vermeiden, statt aufwendig unter der Erde lagern !

Wussten Sie, dass das geplante neue Vattenfall-Kohlekraftwerk in Hamburg Moorburg so viel CO2 pro Jahr ausstoßen wird, wie der gesamte Staat Bolivien?

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Wider die Vernunft: Mit Atomkraft gegen den Klimawandel?

Wider die Vernunft : Mit Atomkraft gegen den Klimawandel?

Seit Jahrzehnten warnt Greenpeace vor den Gefahren der Atomkraftwerke und fordert deren Abschaltung.

Klimakollaps, steigende Ölpreise, Versorgungsengpässe – gute Nachrichten für die Atomkraftwerksbetreiber. Sie preisen die Atomenergie als Königsweg, um das Klima zu schützen – und verschweigen die untragbaren Risiken ihrer Technologie.

Die Atomenergie ist auf der ganzen Linie eine Risikotechnologie: von der Urangewinnung bis zur ungelösten Entsorgung. Schon der Abbau von Uran zerstört die Umwelt massiv. Um die Bergwerke herum entstehen monströse Abraumhalden, und radioaktive Substanzen sickern in Böden und Gewässer.

Der Betrieb der Atommeiler birgt hohe Risiken. Alle derzeit laufenden Reaktoren auf der ganzen Welt haben konstruktionsbedingte Sicherheitsprobleme. Die Kette der Störfälle reißt nicht ab, und je älter die Meiler werden, um so anfälliger sind sie. Allein in Deutschland gibt es jedes Jahr rund 100 meldepflichtige Ereignisse. Wer ein Atomkraftwerk betreibt, gelangt damit in den Besitz von Plutonium. Mit der Technologie zur Urananreicherung lässt sich das Uran zivil, aber auch militärisch nutzen – für den Bau der Atombombe. Schon aus Gründen der Nichtverbreitung von Atomwaffen verbietet sich der Betrieb von Atomkraftwerken.

Dilemma Entsorgung
Ein großes Dilemma ist die ungelöste Entsorgung des Atommülls. Über 400 Atomkraftwerke weltweit produzieren jedes Jahr tausende Tonnen hochradioaktiven Atommüll. Doch auch heute – 60 Jahre nach Inbetriebnahme der ersten Atomanlage – gibt es dafür weltweit noch kein sicheres Endlager. Radioaktive Stoffe sind überaus gefährliche und gesundheitsschädliche Substanzen. Über Luft und Wasser bahnen sie sich den Weg in den menschlichen Körper und verursachen chronische Entzündungen, Krebs und genetische Schäden. Auch die teuersten Werbekampagnen

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Weltweit gibt es kein sicheres Endlager für Atommüll.

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Wenn Ihnen der Klimaschutz am Herzen liegt und Sie die Entscheidung über die Zukunft der Energieversorgung nicht den Konzernen überlassen wollen, wechseln Sie zu einem Ökostromanbieter. In Deutschland gibt es verschiedene Unternehmen, die sauberen Strom ohne Atomkraft und Kohle anbieten. Mehr als 800.000 Haushalte sind bereits umgestiegen, und jeden Tag werden es mehr. Den Stromlieferanten zu wechseln ist kinderleicht, manchmal sogar kostengünstiger und ganz unbürokratisch möglich. Überzeugen Sie auch Freunde, Verwandte und Kollegen von den neuen Möglichkeiten. Je mehr Menschen wechseln, um so größer ist der Druck für konventionelle Energieerzeuger, auf eine umweltschonende Energieversorgung umzusteigen. Greenpeace hat im Jahr 2000 mit Greenpeace energy eine Genossenschaft für sauberen Strom gegründet. Wer bei Greenpeace energy Strom bezieht, unterstützt damit auch den Bau neuer Anlagen zur regenerativen Energieversorgung. Greenpeace energy plant und baut moderne, saubere Kraftwerke. In wenigen Jahren wird daher ein Großteil der Stromversorgung aus eigenen Anlagen stammen.
Folge des Atomunfalls von Tschernobyl: Viele Kinder – hier Zwillingsbrüder – werden mit Behinderungen geboren.

der Atomindustrie nützen nichts: Die Atomenergie ist keine Lösung für das Klimaproblem. Sie stellt heute mit 439 Reaktoren weltweit nur 2,5 Prozent der Endenergie bereit. Die Uranreserven würden für deren Weiterbetrieb noch etwa 65 Jahre ausreichen. Wollte man mit Atomenergie die gesteckten Klimaschutzziele erreichen, würden weltweit rund 6.000 Reaktoren gebraucht.

Das wäre technisch kaum realisierbar und käme außerdem für den Klimaschutz zu spät. Zudem ginge das Uran bei diesem Volumen bereits im Jahr 2026 zur Neige. Ein solches Ausbauprogramm kann sich die Völkergemeinschaft nicht leisten. Greenpeace weist in seiner Studie „Klimaschutz: Plan B“ den Weg, wie die Klimaschutzziele bis 2020 – 40 Prozent weniger CO2 im Vergleich zu 1990 – bei vorzeiti-

gem Ausstieg aus der Atomenergie bis 2015 erreicht werden können: durch effiziente Erzeugung von Strom und Wärme, die Förderung der Erneuerbaren Energien und die Erschließung von Effizienz-Potenzialen beim Heizen von Gebäuden, in der Industrie, in den Haushalten und im Verkehr.
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Energierevolution

Erneuerbaren Energien gehört die Zukunft

Bei Leckagen an Öl-Pipelines werden – wie hier in Sibirien – ganze Landstriche verseucht.

Alle fossilen Energieträger sind endlich und gehen in einigen Jahrzehnten zur Neige. Außerdem sind sie mit verantwortlich für den globalen Temperaturanstieg und den Klimawandel.

Erdöl
Täglich werden weltweit fast 12 Millionen Tonnen Rohöl verbraucht, Tendenz steigend. Das Treibhausgas CO2 in der Atmosphäre nimmt weiter zu. Die Ölreserven werden derzeit auf maximal 50 – 70 Jahre geschätzt. Ressourcenkämpfe werden zunehmen. Und der Ölpreis erlebt eine Rekordmarke nach der anderen.

CO2, Schwefel und Ruß belasten bei der Kohle-Verbrennung die Atmosphäre und Atemwege der Menschen. Kohlekraftwerke sind aufgrund ihrer besonders hohen CO2 -Emissionen die Klimakiller – ein Neubau dieser Kraftwerke muss daher unbedingt verhindert werden.

Uran: Atomkraft
Seit über 30 Jahren produziert die Welt Strom in Reaktoren, die bei einem Störfall Tausende von Menschen verstrahlen und ganze Landstriche unbewohnbar machen. Den entstehenden radioaktiven Abfall will niemand haben. Ein sicheres Endlager gibt es nicht. Die Uranreserven sind nur noch wenige Jahrzehnte verfügbar.

Erneuerbare Energien – wie hier die Solarenergie in Indien

Ölschiefer
Ölschiefer sind wegen schlechter CO2 -Bilanz besonders klimaschädlich. Das im Gestein verteilte organische Material muss unter enormem Energieaufwand zu Öl aufbereitet werden. Mit knapper werdenden Ölreserven wird der Abbau von Ölschiefer zunehmen.

Erdgas
Erdgas ist unter den fossilen Energieträgern der klimafreundlichste und sollte daher als Brückentechnologie ins Zeitalter der Erneuerbaren Energien Anwendung finden. Aber auch Erdgas belastet das Klima, ist nur begrenzt verfügbar und bedeutet eine Abhängigkeit gegenüber wenigen Exportländern. Daher sollte Erdgas möglichst ressourcenschonend in KWKAnlagen eingesetzt werden.

Eine globale Energiewende hin zu einer nachhaltigen Energieversorgung auf Basis Erneuerbarer Energien ist machbar. Schon im Jahr 2050 kann die Hälfte des gesamten weltweiten Energiebedarfes durch Erneuerbare Energien gedeckt werden.

Sonne
Die Sonne ist der Motor unseres Lebens. Seit Millionen von Jahren strahlt sie gewaltige Energiemengen zur Erde. Pro Jahr kommt soviel Sonnenstrahlung auf dem Globus an, dass der Energiebedarf aller Menschen für 10.000 Jahre gedeckt werden könnte. Die Nutzung von Wärme und die

Kohle
Die Gewinnung und Verbrennung von Kohle ist für Mensch und Natur eine extreme Belastung. Ganze Landschaften werden zerstört, Menschen umgesiedelt.

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– sichern langfristig eine saubere, preiswerte und friedliche Energieversorgung.

Produktion von Strom aus Sonnenenergie sichern langfristig eine saubere, preiswerte und friedliche Energieversorgung.

Wind
Windmühlen werden bereits seit über tausend Jahren genutzt. Am Ende des 20. Jahrhunderts produzieren sie Strom. Heute ist eine rasant wachsende Industriebranche entstanden, die einen immer größeren Anteil an der Stromversorgung in Deutschland und weltweit deckt.

nung genutzt werden. Allein in Deutschland bietet die Geothermie ausreichend Potenzial, um langfristig mindestens zehn Prozent des deutschen Strombedarfs zu decken. Wir stehen hier kurz vor einem großen Durchbruch.

der Bioenergien ist aber begrenzt und sollte zum höchst möglichen ökologischen Nutzen verwendet werden: Es darf beispielsweise nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion stehen.

Wasser Biomasse
In Biomasse sind große Energiemengen gespeichert, die wirtschaftlich zunehmend genutzt werden können. Biogene Energieträger sind erneuerbar, meist CO2 -neutral und als chemisch gebundene Energie gut speicherbar. Aus Biomasse lassen sich Strom, Kraftstoffe, Öle, aber auch Dämmoder Klebstoffe gewinnen. Das Potenzial Wasserräder treiben Mühlen an, Mühlen mahlen Getreide. Seit rund 100 Jahren dient die Energie des Wassers vor allem der Stromerzeugung. Die Technologie ist am besten entwickelt und weitgehend ausgereift. Heute wird weltweit fast ein Fünftel des Stroms mit Wasserkraft erzeugt. Große Staudammprojekte sind allerdings abzulehnen.

Geothermie
Die Wärme im Inneren unserer Erde kann zur Wärmeversorgung und Stromgewin-

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Die Natur bietet Energie in Hülle und Fülle

Die Natur bietet Energie in Hülle und Fülle

Deutschland produziert weltweit am meisten Strom aus Windkraft.

Die Natur hält ein reichhaltiges Angebot zur klimafreundlichen und nachhaltigen Energiegewinnung bereit. Sonne, Wind, Wasser, Biomasse und Erdwärme in Deutschland vermeiden jährlich bereits 114 Millionen Tonnen CO 2 , das sind über zehn Prozent der deutschen Gesamt-Emissionen.

Bis zum Jahr 2020 soll der Anteil der Erneuerbaren am gesamten Energieverbrauch der Europäischen Union auf 20 Prozent angehoben werden. Doch das kann nur der Anfang sein. Greenpeace ist der Auffassung, dass die EU durchaus ehrgeizigere Ziele verfolgen könnte, auch angesichts ihrer Vorreiterrolle in der Welt: Etwa 25 Prozent Energie aus Erneuerbaren sind bis 2020 machbar, wenn die Weichen richtig gestellt werden. Das liegt auch im Interesse aller Mitgliedsstaaten, denn mit der Verknappung fossiler Energieträger hat

ein unerbittlicher Verteilungskampf um Das ist mehr als doppelt soviel wie im die letzten Ressourcen der Welt begonnen. Jahr 2000: Auf die Windenergie entfallen Die Europäische Union ist abhängig von 45 Prozent, auf die Biomasse 25 Prozent, Importen und muss jetzt schon die Hälfte gefolgt von Wasserkraft mit 24 Prozent. ihrer Energieressourcen einführen, im Die solare und geothermische StromerJahr 2020 werden es 70 Prozent sein. Rund zeugung stehen noch am Anfang. Ihre zwei Drittel der Öl- und Gasvorräte der Potenziale sind riesig, ihre Marktreife steht Welt liegt in Krisenregionen, der überwie- unmittelbar bevor. gende Teil im Nahen Osten. Eine rasche Sonne, Wind und Co., noch vor einem Entwicklung Erneuerbarer Energien dient Jahrzehnt als Öko-Spinnerei abgetan, sind daher nicht nur dem Klima, sondern auch heute eine der erfolgreichsten Wachstumseiner sicheren Energieversorgung und sta- branchen in Deutschland. Die Perspektibilen Preisen. ven sind bestens angesichts steigender In Deutschland tragen alternative EnerÖlpreise und Versorgungsunsicherheiten. gien im Jahr 2007 bereits 6,7 Prozent zum Der Umsatz mit alternativen EnergieträPrimärenergieverbrauch bei. Der Anteil gern kletterte 2007 in Deutschland auf an der Primärenergie sowie an der Strom- rund 24,6 Milliarden Euro. 249.000 Menund Wärmeversorgung hat sich seit 1990 schen fanden 2007 in dieser boomenden mehr als verdreifacht. Wachstumsbranche Arbeit. Die Erneuerbaren stellen in Deutschland In keinem Land der Welt wird mehr Strom im Jahr 2007 mit 87,5 Terrawattstunden aus Wind produziert als in Deutschland, bereits über 14 Prozent des Stroms bereit. es ist der zweitgrößte Solarmarkt, einer

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Erneuerbare Energien in der Diskussion
Sind Erneuerbare Energien zu teuer? Viele Verbraucher ächzen unter den hohen Strompreisen. Schuld daran sind vor allem der mangelnde Wettbewerb auf dem Energiemarkt und die Monopolstellung der Stromkonzerne. Die Netznutzungsentgelte liegen in Deutschland deutlich höher als in allen anderen Ländern der EU. Die sogenannten Kosten der Erneuerbaren Energien machen nur etwa drei Prozent des Strompreises aus (circa 1,45 € pro Haushalt im Monat). In den nächsten fünf Jahren werden die Kosten der Erneuerbaren Energien ihr Maximum erreichen und danach sinken. Langfristig sind alternative Energieträger die Garanten für stabile Strompreise. Verschandeln Windräder die Landschaft? Atommeiler und Kohlekraftwerke sind auch nicht gerade ein schöner Anblick und vor allem mit vielfältigen Risiken verbunden. Und was ist überhaupt schön? Windenergie rettet das Klima, verringert die Häufigkeit von Dürren und Überschwemmungen und bewahrt einzigartige Ökosysteme wie Gletscher, Urwälder und Korallenriffs. Jede Energieform bringt ihr eigenes Probem mit sich. Entscheidende Kriterien sind Gesundheits- und Umweltschutz.
Solarenergie boomt: Bis 2020 sollen in der Branche rund 200.000 Menschen beschäftigt werden.

In Jühnde (bei Göttingen) wird der gesamte Bedarf an Wärme und Strom durch Biomasse erzeugt.

der wichtigsten Märkte für Bioenergien und Exportweltmeister bei den Erneuerbaren Energien. Damit hat das Land eine hervorragende Wettbewerbsposition und optimale Chancen, von dem erwarteten weltweiten Aufschwung in diesem Bereich in den nächsten Jahrzehnten wirtschaftlich zu profitieren. Der kometenhafte Aufstieg auf dem Strommarkt begann mit der Verabschiedung des Erneuerbare Energien-Gesetzes (EEG) im Jahr 2000. Das Gesetz verpflichtete die Netzbetreiber, Anlagen für Erneuerbare Energien anzuschließen, den Strom abzunehmen und fair zu vergüten. Vor allem die Festvergütung für ökologischen Strom schuf Planungssicherheit, wie für Großinvestitionen unerlässlich. Ein EEG für Wärme gibt es bislang nicht. Im Wärmemarkt spielen die regenerativen Energieträger deshalb bisher kaum eine Rolle, ihr Anteil beträgt 2006 nur 6,6 Prozent. Die Förderung ist schleppend, es fehlt ein Gesetz, das langfristige Investitionssicherheit wie im Stromsektor bietet. Erst wenn ein wirksames regeneratives Wärmegesetz verabschiedet wird, können die gewaltigen Potenziale der Solarthermie, Bioenergien oder Erdwärme tatsächlich ausgeschöpft werden.

Können wir uns Sonnenenergie leisten? Was ist uns der Schutz des Klimas wert? Die Solarenergie ist eine junge Technologie. Je mehr Verbreitung sie findet, desto günstiger wird sie, Photovoltaik wird jedes Jahr um etwa fünf bis sieben Prozent günstiger. Innerhalb der nächsten Dekade wird der Preis für Solarstrom deutlich fallen, während fossile Energieträger sich spürbar verteuern. Der Ausbau der Solarenergie ist somit eine Investition in die Zukunft: Langfristig garantiert die Solarenergie eine preiswerte, umweltfreundliche Energieversorgung. Wenn aber die Sonne nicht scheint und kein Wind weht? Es kommt selten vor, dass in ganz Europa gleichzeitig Windstille herrscht und die Sonne sich nicht blicken lässt. Auch können andere Erneuerbare Energien wie Wasserkraft, Erdwärme oder Biomasse einspringen. Innovation wird in der Erneuerbare Energien-Branche zudem groß geschrieben. Dazu gehört die Entwicklung von Speichertechnologien und Kombinationskraftwerken, die eine Energieversorgung rund um die Uhr sicherstellen. Biomasse: Volle Tanks – leere Mägen? Aus organischem Material Energie zu gewinnen ist klimafreundlich und nachhaltig, insbesondere, wenn Gülle sowie Pflanzenund Holzreste verwertet werden. Begrenzt ist das Potenzial für den Energiepflanzenanbau: Der Anbau z. B. von Raps zum Zwecke der Treibstoffgewinnung ist umweltpolitisch nicht sinnvoll. Energiepflanzen sollten nachhaltig angebaut werden und vor allem dazu dienen, Strom und Wärme zu liefern. Die Verbrennung von kostbarem Getreide und die Umwandlung von Mais und Weizen zu Ethanol verknappt das weltweite Angebot an Nahrungsmitteln.

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Stürmische Zeiten für die Windenergie

Stürmische Zeiten für die Wi

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ndenergie

Heute drehen sich in Deutschland 20.000 Windräder, 1991 waren es nur 1000.

82.000 Menschen arbeiten in der Windenergie-Branche.

Kaum eine Branche in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren so stürmisch entwickelt wie die Windenergie. Sie ist die am schnellsten wachsende Energiequelle der Welt und Deutschland ist auf dem Weltmarkt führend.

Wettbewerbsposition werden die deutschen Anbieter profitieren und weitere Arbeitsplätze schaffen.

Repowering: Noch mehr Megawatt
In einigen Regionen Deutschlands sind die für Windenergie nutzbaren Standorte weitgehend ausgeschöpft. Eine Weiterentwicklung lässt sich durch das sogenannte Repowering bewerkstelligen: Ältere Turbinen werden durch eine geringere Zahl moderner Rotoren ersetzt, die eine viel höhere Leistungskraft haben. Dadurch halbiert sich die Anzahl der Windräder, während sich der Ertrag verdreifacht. In Deutschland stehen mehr als 3.000 Anlagen, die älter als zehn Jahre alt sind. Diese alten Windräder arbeiten mit einer Leistung von eins bis 1,5 Megawatt. Mit modernen Anlagen ließe sich der Stromertrag in Deutschland auf gleicher Fläche mindestens auf das Dreifache erhöhen.

In Europa drehen sich Windräder auf Weiden und Bergrücken, ihre Leistung hat sich in den letzten fünf Jahren auf über 56.000 Megawatt mehr als verdoppelt. Weltweit wandeln Turbinen mit einer Leistung von über 94.000 Megawatt die frische Brise in Strom um. Vorreiter ist Deutschland mit einer Strommenge von über 40 Milliarden Kilowattstunden, einer Leistung von 22.000 Megawatt und etwa 19.500 Anlagen, gefolgt von Spanien und den USA. Deutschland hat sich weltweit zur führenden Windnation entwickelt. Die Windkraft liefert hierzulande 6,4 Prozent des Stroms. Damit leistet sie den größten Beitrag zur Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien und sorgt dafür, dass jedes Jahr über 26 Millionen Tonnen CO2 in Deutschland eingespart werden. Die Branche beschäftigt heute über 82.000 Menschen und die Exportchancen dieser Zukunftstechnologie sind optimal. Die Exportquote lag mit 71 Prozent gleich auf mit dem Maschinen- und Anlagenbau. Die Zukunftsaussichten sind blendend: Bis 2020 kann die Windenergie jede vierte Kilowattstunde Strom in Deutschland bereitstellen. Aufgrund ihrer starken

Offshore: 40 Prozent mehr Energie
Ungeahnte Möglichkeiten bieten OffshoreAnlagen: Windturbinen auf See produzieren aufgrund der starken Brise rund 40 Prozent mehr Energie als Windräder an Land. Diese Art der Energiegewinnung gewinnt international an Bedeutung. In den Meeren Dänemarks, Schwedens, Großbritanniens und Irlands drehten sich im Jahr 2006 schon über 300 Windräder mit einer Leistung von 600 Megawatt.

In Deutschland hat sich die Entwicklung verzögert. Zwar sind schon 21 OffshoreProjekte genehmigt, aber nur zwei Testanlagen bei Rostock und Emden in Betrieb. Bis die Offshore-Technologie Fahrt aufnehmen kann, sind noch einige Hürden zu nehmen, denn die Planung der Anlagen ist komplex. Die Aufstellung in größeren Wassertiefen und die Anbindung an das Stromnetz an Land stellen große Anforderungen an die Technik und sind für die Investoren mit hohen Risiken verbunden. Eine großflächige Windenergienutzung auf See ist mit Eingriffen in die marine Umwelt verbunden, Natur- und Umweltschutzinteressen müssen berücksichtigt werden. Die Bundesregierung ist aufgefordert, die Anschubfinanzierung zu gewährleisten, so dass die Risiken für Investoren gemildert und Investitionen angekurbelt werden. Die Weichen für den Ausbau der Technologie sind gestellt: Erst sollen kleinere Windparks mit einer Leistung von einigen hundert Megawatt errichtet werden, in einigen Jahren dann größere Turbinen mit etwa 1.000 Megawatt. Bis zum Jahr 2025 könnte die Offshore-Windenergie ein Sechstel des deutschen Stroms bereitstellen.

Wussten Sie, was in der
Windenergie steckt: Sie kann bis zum Jahr 2050 jedes Jahr sieben Milliarden Kilowattstunden liefern – das ist drei Mal mehr, als alle Atomkraftwerke zusammen heute bereitstellen.

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Auf ins Solarzeitalter

Auf ins Solarzeitalter

Das erste kommerzielle solarthermische Kraftwerk der Welt bei Sevilla versorgt bis zu 6.000 spanische Haushalte mit Strom.

Nach dem Tsunami spendet Greenpeace eine Solaranlage für Aceh (Indonesien).

Die Sonnenenergie, die jedes Jahr auf die Erde strahlt, würde ausreichen, den gesamten Energiebedarf der Menschheit nicht nur einmal, sondern 10.000 Mal zu decken. Die Schlüsseltechnologie für den Klimaschutz muss endlich zur Marktreife gebracht werden.

Die Sonnenenergie ist der unangefochtene Liebling unter den Erneuerbaren: Solaranlagen können ohne zusätzlichen Flächenverbrauch z.B. auf dem Hausdach gebaut werden, sie erzeugen null Treibhausgase, keinen Lärm und schonen die Umwelt. Die Technik ist weltweit einsetzbar und auch eine Basis für mehr Wohlstand in den armen Ländern. Die Solarindustrie ist in Deutschland in puncto Investitionen zur umsatzstärksten Sparte der Erneuerbaren geworden. Fünf Prozent aller Gesamtinvestitionen entfielen 2007 auf Solaranlagen. Die Branche entwickelte sich zum Jobmotor: Über 5.000 Unternehmen beschäftigten in 2007 rund 50.000 Menschen. Einige Firmen gingen sogar an die Börse, um ihre Expansion zu finanzieren. Bis 2020 sollen rund 200.000 Menschen im Bereich der Solarenergie Beschäftigung finden.

Photovoltaik: von der Uhr Die Nutzung von Sonnenenergie in bis zum Solarkraftwerk Deutschland ist zurzeit noch die teuerste Eine vielversprechende Technologie für Option, die regenerativen Energieträger die Stromerzeugung ist die Photovoltaik, zu nutzen. Langfristig jedoch bieten soalso die direkte Umwandlung von Sonnenlare Technologien große Chancen für die energie in Strom. Ein photovoltaisches Energieversorgung, auch angesichts des System benötigt zum Betrieb keine direkte weltweit wachsenden Bedarfs. Sonneneinstrahlung und kann auch an beEine staatliche Förderung in Forschung und Entwicklung ist dringend notwendig. wölkten Tagen Strom erzeugen. Mit dieser Technik ist alles möglich: von der solaren Die Solarenergie ist eine SchlüsseltechnoUhr bis zum Solarkraftwerk. logie für den Klimaschutz. Ihre Nutzung Die Technologie steckt aber noch in der erspart der Erde allein in Deutschland jedes Jahr über 2,6 Millionen Tonnen CO2, Anfängen. Ihr Anteil an der deutschen dieser Anteil soll nach dem Willen der Stromerzeugung wurde im Jahr 2007 auf Branche bis 2020 auf rund 20 Millionen 3,5 Milliarden Kilowattstunden gesteigert – Tonnen gesteigert werden. dies entspricht 0,6 % der BruttostromDas Ziel ist, die Technologie zur Marktreife erzeugung – und lag damit um rund 60 Prozu führen, damit sie im industriellen Maß- zent höher als im Vorjahr. Bei weiter hohen stab betrieben werden kann. Nur so wird Wachstumsraten wird Solarenergie bediese Energie konkurrenzfähig gegenüber reits in wenigen Jahren einen erheblichen konventionellen Energieträgern werden. Beitrag zur Stromerzeugung in DeutschDie Perspektiven sind gut: Die Preise für land leisten. Sonnenenergie kann nicht Solarenergie werden in den nächsten Jahnur mittels kleiner Anlagen umgewandelt ren fallen, während die fossilen Energiewerden, auch in großen solarthermischen träger aufgrund der Verknappung teurer Kraftwerken lässt sich Solarstrom herstelwerden. Die Solarenergie zu fördern ist len wie in konventionellen Kraftwerken. nicht nur eine Investition in den KlimaSolarthermische Kraftwerke werden seit schutz, sondern auch in die wirtschaftMitte der 80er Jahre in den USA komliche Zukunft. merziell genutzt. In Andalusien wird

Greenpeace Hintergrund

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Photovoltaik – eine moderne Art, Strom zu erzeugen: Das JugendSolarProjekt von Greenpeace investiert in diese Technologie der Zukunft.

zurzeit ein 50 Megawatt-Solarkraftwerk gebaut, mehr als ein Dutzend weitere solarthermische Kraftwerke sind in Spanien in Planung. In Deutschland entsteht im Forschungszentrum Jülich ein solarthermisches Forschungskraftwerk. Solche Anlagen können vor allem in sonnenreichen Regionen – z. B. im Nahen und Mittleren Osten, in Nordafrika – große Strommengen produzieren, die auch nach Europa transportiert werden können.

Sonnenernte mit Solarthermie
Im Wärmebereich ist die Solarthermie der große Hoffnungsträger: Sonnenkollektoren wandeln Sonnenenergie in Wärme um. Moderne Techniken dieser Art sind

effizient, hochzuverlässig und liefern Energie für eine breite Anwendungspalette: von der häuslichen Warmwassererzeugung über Raumheizung in Wohn- und Geschäftsgebäuden, solarunterstützte Kühlung bis zur industriellen Prozesswärme. In Deutschland erlebte die Solarthermie in den letzten Jahren einen Boom: Jährlich werden auf einer neuen Fläche von 9,2 Millionen Quadratmetern Kollektoren zur Warmwasseraufbereitung und zum Heizen installiert. Die gesamte thermische Leistung entspricht 6.500 Megawatt. Deutschland ist der größte Markt für solarthermische Anlagen und weltweit führend. Die thermische Sonnenenergienutzung deckt heute noch weniger als ein Prozent der Endenergie im Wärmebereich – Tendenz steigend. Deutsche

Dächer schmücken mittlerweile rund eine Million Anlagen. Die Entwicklung könnte noch schneller verlaufen, wenn es für den Wärmemarkt vergleichbare Bedingungen gäbe, wie sie mit dem EEG für den Strommarkt geschaffen wurden. Eine feste Vergütung für bereitgestellte Wärmeenergie würde Investitionen in diese klimafreundliche Technik ankurbeln.

Wussten Sie,
dass moderne Passivhäuser sich fast von allein heizen? Bei guter Isolierung und der Ausrichtung großer Fenster nach Süden reichen Sonnenlicht und Körperwärme, um ein angenehmes Raumklima zu schaffen.

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Biomasse – Multitalent unter den Erneuerbaren

Biomasse – Multitalent unter den Erneuerbaren

Für Ölpalmen-Plantagen in Indonesien fällt der Regenwald.

und fördern die Bodenerosion. Ein Abholzen von Wäldern zur Ausdehnung der Agrarflächen ist aus ökologischer Sicht nicht akzeptabel. Greenpeace sieht besonders den Einsatz von Agrotreibstoffen kritisch. Die Europäische Union hat sich zum Ziel gesetzt, bis Regionale Biomasse-Kraftwerke erzeugen Wärme aus Abfällen der Holzindustrie, sogenannten Pellets. 2020 den Anteil an Agrosprit auf 10 Prozent des Treibstoffverbrauchs zu erhöhen. Biomasse ist das Multitalent unter gische und soziale Fragen aufgeworfen. Die deutsche Bundesregierung strebt soden Erneuerbaren. Sie kann Strom, In Deutschland liegt das nachhaltig nutzgar einen noch höheren Anteil an. Wärme und Kraftstoffe aus nachwach- bare Potenzial zur Stromerzeugung durch Angesichts von Hunger und Nahrungsmitsenden Rohstoffen liefern. Viele PoliBiomasse bei zehn Prozent, zur Wärmetelknappheit in vielen Teilen der Welt tiker beschwören die Bioenergie daher bereitstellung bei 16 Prozent und für Kraft- muss verhindert werden, dass Pflanzen, als eine bevorzugte Lösung für die stoffe bei neun Prozent. Klimapolitisch etwa Palmöl, in den Ländern des Südens Energiekrise. Aber Biomasse ist eine ist es sinnvoll, dass die Biomasse dort hergestellt und dann exportiert werden, knappe Ressource, ihre energetische eingesetzt wird, wo sie die höchsten CO2 um die Tanks in den WohlstandsgesellNutzung konkurriert mit dem Anbau Einspareffekte bewirkt: Im Strom- und schaften zu füllen. Zudem führt der indusvon Nahrungsmitteln. Wärmesektor! trielle Anbau von Palmöl zur Vernichtung kostbarer Urwälder und verstärkt somit Moderne Biomasse- oder Biogasanlagen Die Versorgung mit Nahrungs- die Klimaerwärmung. mitteln hat höchste Priorität mit Kraft-Wärme-Kopplung produzieren Die Nahrungsmittelversorgung hat höchste aus Pflanzen, Exkrementen, Holz- und Bio- Der Anbau von Pflanzen als Biomasse Priorität. Biomasse kann dazu dienen, klimuss wohl überlegt sein, gerade unter den maschonend Strom und Wärme bereitzuabfällen Strom und Wärme, die zu nahe Bedingungen der Globalisierung. Denn gelegenen Haushalten oder Betrieben gestellen, besonders wenn organische Ableitet werden. Die Energie kann gut gespei- die landwirtschaftlichen Flächen sind befälle verwertet werden. Vorsicht ist jedoch grenzt. Im Zuge des Klimawandels wird chert werden und ist damit rund um die geboten beim Anbau von Pflanzen zum die Nahrungsmittelherstellung stark erUhr verfügbar. Zwecke der Energieerzeugung. Im VerGünstige Rahmenbedingungen verschaff- schwert, fruchtbare Böden werden extrekehrsbereich gibt es vor allem eine Priorimer Dürre oder einer Versalzung durch ten der Biomassenutzung einen kometentät: Der Treibstoffverbrauch der FahrzeugMeeresspiegelanstieg zum Opfer fallen. haften Aufstieg. Der Anteil der Verstroflotte muss sinken, die Industrie muss mung von Biomasse (inkusive DeponieDie Produktion von Biokraftstoff konkur- endlich klimafreundliche Autos auf den riert mit der Herstellung von Nahrungsund Klärgas) lag in 2007 bereits bei Markt bringen. mitteln. 17,4 Milliarden Kilowattstunden, das entAuch die Umweltfolgen müssen bedacht spricht einem Anteil von 2,8 Prozent an dass werden: Wird nicht nach strengen ökoloder Bruttostromerzeugung. Im Wärmeorganische Abfälle, Holz und Stroh sektor ist diese Energie besonders wichtig. gischen Kriterien angebaut, nimmt die sowie nachhaltig kultivierte EnergieIntensivierung der Landwirtschaft weiter Mit 84 Milliarden Kilowattstunden lieferpflanzen Mitte des Jahrhunderts ein zu, der Flächenverbrauch steigt, kostbare te sie in 2007 mit 93 Prozent den LöwenFünftel des globalen Bedarfs an Strom Biotope verschwinden. Monokulturen anteil an Wärme aus Erneuerbaren Enervon Mais und Raps breiten sich weiter aus und Wärme decken werden? gien. Die rasante Entwicklung hat ökolo-

Wussten Sie,

Greenpeace Hintergrund

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Geothermie – vor dem Durchbruch

Die Geothermie – also die Nutzung von Erdwärme – gehört zusammen mit der Sonne zu den großen Energien der Zukunft. Es ist an der Zeit, diesen Schatz zu heben und der klimaschonenden Technologie zum Durchbruch zu verhelfen.

Täglich steigt aus dem Innern der Erde etwa die 2,5-fache Energiemenge auf, die weltweit benötigt wird. Je tiefer man vordringt, um so heißer wird es. Diese Erdwärme (Geothermie) nutzbar zu machen, bietet enorme Möglichkeiten für eine umweltschonende Energieversorgung. Denn Erdwärme ist Tag und Nacht verfügbar, unabhängig von Jahreszeiten und Witterungseinflüssen. In Deutschland führt die Geothermie zurzeit noch ein Schattendasein und trägt nur ein Promille zur Energieversorgung bei. Aber schon bald könnte die Geothermie aus dem Dornröschenschlaf erwachen, die Zeichen stehen auf Wachstum. Das zeigt ein Blick auf die den Stand der Planungen für geothermische Anlagen: In Deutschland sind gegenwärtig rund 150 Projekte in Bearbeitung. Langfristig kann sich die Geothermie zu einer der wichtigsten Stützen der Energieversorgung entwickeln. Gerade die Tiefengeothermie hat riesige Potenziale, denn 3.000 bis 4.000 Meter tief unter der Erde können die Temperaturen bis zu 180 Grad Celsius erreichen. Diese Energie lässt sich für die Stromerzeugung nutzen. Die oberflächennahe Geothermie bis zu Tiefen von 400 Meter und bis zu 25 Grad Celsius eignet sich mehr für Raumheizung und die Aufbereitung von Warmwasser. Vorreiter der Entwicklung ist Island, das sich zum Ziel gesetzt hat, von fossilen

Riesige Potenziale an Erdwärme schlummern in 3.000 bis 4.000 Metern Tiefe.

Energieträgern unabhängig zu werden und seinen Energiebedarf vollständig aus regenerativen Quellen zu decken. Bei der Strom- und Wärmeversorgung ist dies bereits gelungen: Die Energie stammt zu fast 100 Prozent aus Geothermie und Wasserkraft. Auch der Straßenverkehr soll in Island bald ohne fossile Brennstoffe auskommen. Die größte Hürde für den Ausbau der tiefen Erdwärme ist das sogenannte Fündigkeitsrisiko. Die Firmen müssen mit Hilfe von aufwendigen, teuren Probebohrungen herausfinden, wo die erwarte-

Wussten Sie, dass mit
den heute zur Verfügung stehenden Technologien die Geothermie den aktuellen weltweiten Energiebedarf vollständig decken könnte?

ten Wärme- und Durchflusspotenziale liegen. Eine staatliche Förderung kann das Risiko absichern oder verringern. Greenpeace fordert von der Bundesregierung, ein „Erdwärmeanlagen-AusbauProgramm“ aufzulegen, um dieser viel versprechenden Technologie zum Durchbruch zu verhelfen.

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Klimawandel – das Steuer herumreißen

Klimawandel – das Steuer he

Die Gletscher sind gefährdet: Hunderte nackte Menschen machen in der Schweiz mit einer Aktion des Künstlers Spencer Tunick auf den Klimawandel aufmerksam.

Wie die Menschen weltweit in Zukunft ihre Energie gewinnen, ist eine Überlebensfrage. Wer stur auf fossile Energieträger setzt, bringt das Klima weiter ins Wanken – mit unabsehbaren Folgen für alle Regionen der Erde.

Wissenschaftler geben uns noch etwa zehn Jahre, um das Steuer herumzureißen und den globalen Temperaturanstieg auf rund zwei Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit in diesem Jahrhundert zu begrenzen. Das ist notwendig, um die schlimmsten Folgen der Klimaerwärmung abzuwenden. Für Deutschland bedeutet dies eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen um 40 Prozent bis 2020 und 80 Prozent bis 2050 gegenüber dem Basisjahr 1990. Die vier großen Energiekonzerne in Deutschland, E.ON, RWE, Vattenfall und

EnBW, warten mit den falschen Konzepten auf. Die Ewiggestrigen preisen die Atomenergie als Maßnahme gegen den Klimawandel an. Sie sehen die Chance, ihre Risikotechnologie neu zu legitimieren, die aufgrund fataler Sicherheitsrisiken, Jahrzehnte ungelöster Entsorgungsprobleme und Umweltzerstörung unter Druck steht. Darüber hinaus ist es ihr Plan, den Großteil der anstehenden Investitionen in den Neubau von Kohlekraftwerken zu lenken. Kohle ist das schlimmste Klimagift und die Pläne für ihren Ausbau zeigen nur, dass die Manager nicht das geringste Interesse am Klimaschutz haben. Vielmehr geht es ihnen darum, ihre Monopolstellung mit weiteren Großkraftwerken zu behaupten. Die Idee der „sauberen Kohle“ ist mehr als zweifelhaft und die Technologie könnte nicht vor 2020 zum Einsatz

kommen. Aber die Zeit drängt, und sie verkürzt sich mit jedem Jahr der Untätigkeit.

Erneuerbare Energien schützen das Klima
Nur eine Energiewende hin zu den Erneuerbaren Energien kann das Klima retten. Die alternativen Energiequellen sind aus ökologischer Sicht unschlagbar, denn bei ihrer Erzeugung werden keine Treibhausgase emittiert und die Ressourcen werden schonend genutzt. Die Erneuerbaren Energien haben das Potenzial, bis 2050 mindestens die Hälfte der benötigten Energie für Strom, Treibstoffe und Wärme bereitzustellen. Die andere Hälfte kann durch ein Bündel von Maßnahmen gedeckt werden: Zuallererst muss die Energie dezentral, das heißt nah am Verbraucher, und effi-

Greenpeace Hintergrund

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rumreißen
Greenpeace fordert
Aufnahme des Klimaschutzes in die Verfassung Verbindliche Senkung der CO2 -Emissionen in Deutschland bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 Ein Verbot für den Bau neuer Kohlekraftwerke Eine Verdreifachung des Anteils der Kraft-Wärme-Kopplung Den forcierten Ausbau Erneuerbarer Energien Den schnellstmöglichen Ausstieg aus der Atomenergie Ein sofortiges Moratorium der Umwandlung von Urwäldern in Palmölplantagen Ein Urwaldschutzgesetz zur Verhinderung des Imports illegaler Urwaldhölzer Verbindliche CO2 -Obergrenzen für PKW und ein Tempolimit von 120 km/h auf Autobahnen Obergrenzen für den Energieverbrauch von Elektrogeräten, in Gebäuden und Industrie

Mit einer Projektion auf die Lange Anna fordert Greenpeace, das Klima zu schützen.

zient in Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen erzeugt werden. Die Atomenergie hat in der Vision von einer umwelt- und klimafreundlichen Energieversorgung keinen Platz. Ihr Anteil von circa einem Viertel an der Stromversorgung kann durch Effizienzsteigerung ersetzt werden. In allen wirtschaftlich relevanten Sektoren muss das Potenzial zur Energieeinsparung erschlossen werden: in der Industrie, in den Haushalten, in Verkehr, Handel und Gewerbe. Mindesteffizienzstandards für industrielle Technologien müssen ebenso festgelegt werden wie Verbrauchsgrenzwerte für Haushalts- und Elektrogeräte. Die Politik sollte ein zukunftsweisendes Energiekonzept für Deutschland vorlegen, mit dem die gesteckten Klimaschutzziele tatsächlich erreicht werden können.

Zukunft ohne fossile Brennstoffe
Die alarmierenden Nachrichten zum Klimawandel sind ein Appell zum Handeln. Der Energiesektor hat eine Schlüsselrolle für den Klimaschutz. Die Vision einer Energieversorgung ohne fossile Brennstoffe, in der das Klima geschützt und die Ressourcen schonend genutzt werden, kann heute schon Realität werden. Die alternativen Energiequellen bieten auch wirtschaftliche Chancen für deutsche Unternehmen, denn auf dem Weltmarkt gibt es einen riesigen Bedarf, zum Beispiel in Schwellenländern wie China. Die chinesische Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2020 16 Prozent des Stroms aus Erneuerbaren zu decken. Nicht zuletzt sind die Erneuerbaren Energien das Mittel der Wahl angesichts der

absehbaren Verknappung fossiler Brennstoffe und der drückenden Abhängigkeit von Energieimporten aus Regionen mit instabilen politischen Verhältnissen. Auf ins Solarzeitalter – ist die Devise von Greenpeace. Mit dem Ausbau der Erneuerbaren Energien ist allen am besten gedient: Die alternativen Energien können als Basis dienen, den Lebensstandard der Menschen in den Ländern des Südens anzuheben. Sie sichern die Lebensqualität in den Wohlstandsnationen, schaffen Arbeitsplätze und Exportmöglichkeiten. Sie schützen das Klima und die Umwelt. Damit auch zukünftige Generationen eine lebenswerte Heimat auf der Erde haben.
Ein Kurzvideo zur Entstehung der Spencer Tunick-Aktion finden Sie unter: www . greenpeace . ch/de /fotosvideos/klima

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Greenpeace-Aktionen zum Klimaschutz | Lesetipps

Greenpeace - Aktionen zum Klimaschutz

1991

1995

1998

1992

1997

2000

1991
Greenpeace zeigt die Solar - Ausstellung „Zukunft Sonne“ und wirbt für den Einstieg in saubere Energie sowie den Ausstieg aus der gefährlichen Atomkraft.

Vor Beginn des Klimagipfels Ende März in Berlin besteigen Greenpeace-Kletterer den Schornstein des RWE-Braunkohlekraftwerks in Frimmersdorf und fordern die Gipfel-Teilnehmer zwölf Tage lang auf, wirksame Maßnahmen zum Klimaschutz in die Wege zu leiten.

vor ungeklärt, weltweit große Regionen atomar verseucht und Reaktor - Unfälle jederzeit möglich sind. Greenpeace hält dagegen und gründet 1999 mit Greenpeace energy e.G. eine Genossenschaft für sauberen Strom.

1992
Nach intensiver Kampagnen - Arbeit gegen die klimaschädigende Chemikalie FCKW präsentiert Greenpeace den weltweit ersten FCKW- und FKW- freien Kühlschrank, sein Name: „Greenfreeze“.

1997
Auf dem neuen Gebäude des Bundeswirtschaftsministeriums in Berlin befestigen Aktionisten eine Solaranlage. Greenpeace fordert vom damaligen Wirtschaftsminister Rexrodt eine bessere Förderung der Erneuerbaren Energien und kritisiert die rückschrittliche, klimafeindliche Energiepolitik der Bundesregierung.

2000
Die OECD zeichnet in Wien das GreenpeaceSparauto Twingo SmILE als Beispiel einer funktionierenden und nachhaltigen Pkw Motorentechnik aus. Das SmILE - Konzept halbiert den Spritverbrauch und damit auch den Ausstoß des Klimagases Kohlendioxid – für Greenpeace ein erster Schritt zum Klimaschutz im Bereich Verkehr.

1993
Greenpeace veröffentlicht die Studie „Sonnige Zukunft : Energieversorgung jenseits von Öl und Uran“. Darin wird dargestellt, wie ein schrittweiser Ausstieg aus den fossilen Energieträgern und eine Wende zu den Erneuerbaren Energien bis zum Jahre 2100 vollzogen werden kann.

1998
Greenpeace startet die „Aktion Stromwechsel“ und sucht Stromkunden, die zu einem sauberen Anbieter wechseln, der Energieerzeugung ohne Atomkraft und Kohle garantiert. Die Resonanz ist groß, über 50.000 potenzielle Stromwechsler melden sich, darunter auch Gewerbebetriebe.

2001
Klimaschutz - Demo vor der US - Botschaft in Berlin : Greenpeacer haben einen vier Meter großen George W. Bush mit dabei, verziert mit Logos der vier größten Ölfirmen. Symbolisch zerreißt er das Klimaschutzabkommen von Kyoto. Die US - Regierung weigert sich zum Gefallen der Ölkonzerne, das Abkommen zu ratifizieren. Auf einer Offshore - Wind - Tour informiert Greenpeace Nordseeanrainer über die ökologischen und technischen Details der Energiegewinnung durch Offshore - Windanlagen.

1995

„Lasst die Sonne rein“: Greenpeace präsentiert „Cyrus“, eine günstige Dach-Solaranlage zur Stromerzeugung. Damit soll die Nachfrage nach Photovoltaik-Anlagen gesteigert und der klimaschonenden Energie- Große Energiekonzerne setzen auf Atomtechnik zum Durchbruch verholfen werden. strom, obwohl die Entsorgung nach wie

1999

Greenpeace Hintergrund

23

2001

2005

2008

2002

2007

2002
Greenpeace fordert eine gesetzliche Stromkennzeichnungspflicht für Europa, damit Herkunftsland und Energiequelle erkennbar sind. Eine Kampagne gegen den Ölmulti ExxonMobil ( Esso ) mit Aktionen an allen Esso - Tankstellen in Luxemburg : Greenpeacer aus über 30 Ländern ketten sich an die Zapfsäulen und protestieren gegen die klimaschädliche Politik des weltgrößten Ölkonzerns. Greenpeace Deutschland und Südostasien führen in Thailand eine Kampagne zum Aufbau einer Stromversorgung mit Erneuerbaren Energien durch.

2007
Greenpeace präsentiert sein Energiekonzept „Klimaschutz: Plan B“ und zeigt, wie Deutschland das Ziel erreichen kann, die Klimagase bis 2020 um 40 Prozent zu reduzieren. Im Juni fordern Greenpeacer in Heiligendamm von den G 8-Staaten wirksame Klimaschutzmaßnahmen. Außerdem leisten Greenpeacer Widerstand gegen den geplanten Bau von mehr als 20 neuen Kohlekraftwerken. Sie protestieren beispielsweise am Braunkohlekraftwerk Boxberg gegen den Bau eines neuen Kraftwerksblocks und in Moorburg bei Hamburg gegen den Neubau eines Kraftwerkes.

Lesetipps & Infos
Klimaschutz : Plan B, Energiekonzept für Deutschland, Greenpeace und EUtech, 2007 energy [ r ]evolution, Weltweites Energieszenario, Greenpeace und European Renewable Energy Council, englisch, 2007 Solar Generation, Solarreport von Greenpeace und European Photovoltaic Industry Association, englisch, 2007 Frithjof Staiß : Jahrbuch Erneuerbare Energien, Hrsg. von Stiftung Energieforschung Baden - Württemberg, 2007 Global Wind Energy Outlook, Greenpeace und Global Wind Energy Council, englisch, 2006 Mineralölkonzerne und Klimazerstörung, Greenpeace und Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie, 2002 Genossenschaft Greenpeace energy, Infos unter : www . greenpeace - energy . de oder T 040 . 2 80 57 90

2005
Seit 2005 setzt sich Greenpeace weltweit verstärkt gegen die Braun- und Steinkohle bei der Energieversorgung sowie den Neubau von Kohlekraftwerken ein: unter anderem in Australien, Thailand, Indonesien, den Niederlanden und Deutschland. Kohle ist die Energieerzeugung mit der schlechtesten Klimabilanz. Trotzdem will RWE in den nächsten Jahren zehn neue Kohlekraftwerke bauen, darunter das umstrittene Kraftwerk Neurath II. Deswegen protestieren im Dezember 2005 Greenpeacer auf dem Kühlturm dieses Kraftwerks bei Köln gegen die Klimazerstörung von RWE.

2008
Mit zahlreichen Aktionen und Lobbygesprächen bei Politikern aller Parteien macht sich Greenpeace für ein Tempolimit von 120 Kilometern pro Stunde auf Autobahnen stark. Die Geschwindigkeitsbeschränkung würde den Bau leichterer und damit sparsamerer Autos langfristig attraktiver machen. Im Sommer setzen sich Greenpeacer für Veränderungen in punkto Steuererleichterung für klimaschädliche Dienstwägen der Premiumklasse ein, denn jeder deutsche Steuerzahler subventioniert die schweren Karossen indirekt mit.

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Das können Sie tun, Adressen

Das Klima retten – machen Sie mit!
Da der Mensch sich in den vergangenen Jahrzehnten als Klimamacher betätigt hat, liegt bei ihm auch die Verantwortung, den Klimawandel zu stoppen. Wenn wir bis zum Jahr 2050 die CO 2 -Emissionen halbieren wollen, sind alle gefordert: jeder einzelne Verbraucher.

Adressen
Greenpeace e.V.

Erster Schritt: Ermitteln Sie Ihren persönlichen CO2-Ausstoß: www.greenpeace.de/klimaschutz Zweiter Schritt: Überprüfen Sie Ihren Haushalt und Ihre Gewohnheiten auf Klimatauglichkeit. Legen Sie Stromdieben, etwa Stand-by-Schaltungen, das Handwerk. Sparen Sie Energie beim Waschen und Kochen. Checken Sie Ihre Heizung und möglicherweise Ihr Eigenheim auf Energiefresser. Steigen Sie häufiger auf das Fahrrad und den öffentlichen Verkehr um, Auto- und Flugverkehr setzen dem Klima besonders zu. Wechseln Sie zu einem ökologischen Stromlieferanten. Das ist kinderleicht, manchmal sogar kostengünstiger und ganz unbürokratisch möglich. Überzeugen Sie auch Freunde, Verwandte und Kollegen von den neuen Möglichkeiten. Je mehr Menschen wechseln, um so größer ist der Druck für konventionelle Energieerzeuger, auf eine umweltschonende Energieversorgung umzusteigen. Weitere Tipps und Tricks: www.greenpeace.de/klimaschutz

Große Elbstraße 39 22767 Hamburg T 040 . 3 06 18 - 0 mail @ greenpeace . de
www. greenpeace . de Politische Vertretung Berlin

Marienstr. 19 – 20 10117 Berlin T 030 . 30 88 99 - 0
Greenpeace Österreich / Zentral- und Osteuropa

Siebenbrunnengasse 44 A - 1050 Wien office @ greenpeace . at
Greenpeace Schweiz

Greenpeace ist eine internationale Umweltorganisation, die mit gewaltfreien Aktionen für den Schutz der Lebensgrundlagen kämpft. Unser Ziel ist es, Umweltzerstörung zu verhindern, Verhaltensweisen zu ändern und Lösungen durchzusetzen. Greenpeace ist überparteilich, politisch und finanziell unabhängig und nimmt keine Gelder von Regierungen, Parteien oder der Industrie.

Heinrichstraße 147 CH - 8005 Zürich gp @ greenpeace . ch
Greenpeace Luxemburg

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