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02/03

Ausf.cırtiglIJ ng

OBERL;\NOESGERICHT f<ARlSRUHE
1. Strafsenat

1 AK 19/15
3 Aust A 57/15

Auslieferung deş
türxischen Staatsanoeböriçen
Hüseyin C i ın Bl r
aus Deutscnland in die Türket
zur Strafvoııstrecl~uııg

Beschluss "om 9. Marz 2015
--
Der Antrag der Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe auf Ertass eiııes vorlauflqen
Auslieferungshaftbefehls wird abgelehnt.

Die sofortig~ Freilassung des Verfolgten wird anueordnet.

Gründle:
_ tC _

Der von der Generalstaatsanwaltscnaft Karlsruhe bearıtragte Ertass eines
vcrlaufiqen Aus/ieferungsbefehls war abzuıehnen, da etne hohe
Wahrscheinlichkeit besteht, dass die Auslieferung des \lı:ırl;olgten in die Türkal
aufgrund der dortigen INPOL-Fahnduııgsausschreibung vom 04.11.2011 nicht
zutassiq sein wird (§§ 16ı 15 Abs.Z IRG, vgL hierzu Senat StV 200"1, 652).
14:35 0721'3262863 OLG KARLSf~UHE S. 03/B3

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Nacn den dem Senat derzeit vorliegerıden Auelieferungeunterlaqen isi: der
Vertolgte namüch in der Schwelz aufgmrıd eines Bescnelds des Bundesarntes für
Flüchtlinge vom 04.07.2003 als pofltiscöer Flüchtli"ng anerkanrrt und genier.t.t
insoweit schutz var einer Überstellung in die Türkei. Eiıne solche Anerkermung
elnes Venolgten als politischer Ftüchtli;r'lS in ~il"ier\'lwesi:eLlröpai~eh~lı
Laıııd hat im
Auslieferungsverfahren Bedeutung, so dass .der Veıiolgte im Regelfall die
qleiohen Rechte wie bei etner inlandıschen ,t1,$ylaııerkE~nnlJng genie13.t (OL.G
Karlsruhe, Beschluss vom 27.05.2004, 1 AK 40/04 - ın juns), Zwar ware aucn cıie
Entsçheidung einer deutschen Asylbehötde für den Serrat nicnt bindend, vielmehr
wars selbstandig und eigenverantwortlich: zu prüfen, cb elne poiitişçh~ Veıiolgung

LS.d. § 6 Abs. 2 IRG dröht oder SÖl1stige Auslieferungshiııdemisse besıenen,
wcosı aııeraıngs aer Anerxennrmsenrsoneıounq ueı yı:ırvv~m'..mY"l,1t;mul ,"LU IÖ<lIlw

gewichtige indizielle Bedeuiung zukomrnt (Sen at StV 2007, 652). Zwar körınte
einer solchen indiziellen Bewertung vıarliEtgend entqeqenstehen, dass dem
Verfolgten in der Fabndungsaussehrelbunu die Begehııırıg einer terroristıschen
Gewaltstraftat vorgeworten wıro (vgl. hlerzu Senat StV .2004, 442),_aller~lin9$ ıst
hier bei der Gesamtbewertung der voraussiehtlichen Zulas,sigkeit der Auslieterunp
weiterhin entscheidend zu bsdenken, dass der Verfolqte slch bereits in der
Türkei in dieser Saehe über sechs .Jahro in Han befunden hat und aus
gesundheitlichen Grürıden aus dieser ~;:rrıı::u:.sıenwurde, wobei sich aUS den Akten
Hinweise ergeben, dass diese such der dam~lig(w Haftsituatlon gesGhuldet
waren. Bei dieser Sachlage erschelntes dem Serrat nicht 1311$ wahrschelnlich. daes
sich die Auslieferurıs aLs z:ulğssig erw:;ıi~~e!lwird, vi~lmehr ıst bei summarıscner
Bewertung mit inrer Unzuıassigl,\eit 1.:1..\ reelmen.

Die Ablehnunq des Erlasses eines vorlauüqerı Ausliefenmgshaftbefehls führt zur
Anordnung der sofortigen Freilassurıg.

Kareher
Vorsitzender Richter
amObenandesgericht