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Tattva Viveka 44 Tagung | Aufklärung und Erleuchtung 73

Ronald Engert

Aufklärung und Erleuchtung
Bericht von der Integralen Tagung in Berlin

Vom 18.-20.6.2010 fand in Berlin die jährliche Tagung des Integralen Forums statt. In Vorträgen, Workshops und
Gruppengesprächen wurde hier der aktuelle Stand der Integralen Bewegung diskutiert. Es wurde deutlich, dass die
Integralen ihrem Postulat von der evolutionären Spiritualität alle Ehre machen.

D
ie integrale Bewegung ist eine Zu-
sammenkunft von Menschen, die
sich für Spiritualität und Wissen-
schaft interessieren und an einer evolutio-
nären Entwicklung des Bewusstseins
arbeiten. Sie sind stark von der Philosophie
Ken Wilbers beeinflusst, der den Begriff
der integralen Spiritualität prägte bzw. mit-
prägte, stellen jedoch durchaus eine hete-
rogene Gruppe von unterschiedlichen
Perspektiven und Ansätzen dar. Integral
bedeutet nach der selbst gegebenen Defi-
© Dennis Wittrock

nition u.a. den Umgang mit multiplen Per-
spektiven sowie deren Integration und das
Überschreiten der eindimensionalen Per-
spektivität des Dogmas, in dem die eigene
Weltanschauung, Religion oder Kultur als Diane Hamilton auf der Bühne

Ganzes und alle Menschen als Teil einer
Die non-duale Perspektive wurde von zwei Seiten relativiert, großen Familie. Er überschreitet die Gren-
von der Seite des individuellen Selbst und von der Seite eines zen zwischen Nationen, Religionen und
erweiterten Verständnisses von Gott. politischen Bekenntnissen. Der kosmozen-
trische Mensch wäre dann entsprechend
die einzig Wahre verstanden wird. Integra- des Universums. Alles dreht sich nur um einer, der auch den Planet Erde und den
lität integriert in diesem Verständnis die ihn, um seinen Genuss und seine Befriedi- Menschen nur als einen Teil der Schöpfung
horizontale Vielfalt der Kulturen und reli- gung. Andere werden als Feinde oder Kon- erkennt und andere Wesen, auch geistige
giösen bzw. spirituellen Herangehenswei- kurrenz interpretiert. Der ethnozentrische und den Schöpfer selbst integriert.
sen und differenziert zugleich vertikal im Mensch öffnet sich für ein Wir, im Sinne Wichtig ist den Integralen dabei jedoch
Sinne von mehr oder weniger integrierten seiner kulturellen und ethnischen Zugehö- auch die Unterscheidung in mythischen
Stufen des Verständnisses, etwa in der Un- rigkeit, sein Land, seine Religion, seine Gott einerseits und den Gott eines inte-
terscheidung in egozentrisch, ethnozen- Rasse. Nationalismus und das Verständnis gralen Verständnisses andererseits. Wäh-
trisch, weltzentrisch und kosmozentrisch. der eigenen Religion als die einzige und rend der mythische Gott der alther-
Ein egozentrischer Mensch denkt nur an höchste gehören hier dazu. Der weltzentri- gebrachte Gott der alten Religionen ist, der
sich und sieht sich selbst als Mittelpunkt sche Mensch schließlich sieht die Welt als durch das rationalistische Zeitalter der Auf-
Tattva Viveka 44

www.dieintegraleakademie.org
klärung entthront wurde, ist der Gottesbe-
DIE INTEGRALE AKADEMIE griff des integralen Verständnisses »trans-
rational«, er fußt auf einer bewussten Spi-
ritualität, die nicht auf blindem Folgen be-
Terry Patten ruht, sondern auf einer eigenen Erfahrung.
Es ist kein autoritärer Gott, der mit Be-
(Trainer, Integral Institute & Co-Autor „ILP“)
strafungen die moralischen Sünden der
„Integrale Lebenspraxis“ Workshop Menschen reglementiert, sondern eine spi-
mit Terry Patten vom 08.-10.10. in Berlin rituelle Kraft. Wie diese genau zu verste-
hen ist, war ein Thema auf der Tagung.
„Integrale Lebenspraxis“ Die integrale Bewegung und Ken Wil-
ILP Buch-Tour, Abendworkshops ber als ihre Gallionsfigur kommen aus der
12.10. in Hamburg, 13.10. in Dortmund, 14.10. in Tübingen buddhistischen Tradition und/oder aus
„Integrale Spiritualität“ dem hinduistischen Advaita, in denen ein
personales Gottesbild nicht akzeptiert ist.
Abendworkshop am 11.10. in Berlin Aus der Perspektive dieser non-dualen Tra-
ditionen ist jede Vorstellung von Gott my-
Dr. Susanne Cook-Greuter thischer Natur. Sie ist eher eine subtile
Illusion, da eine solche Gottesvorstellung
„Selbstentwicklung – noch auf Getrenntheit basiert. Und wie die
Leadership Maturity Framework“ non-dualen Tradition proklamiert, ist es
das abgetrennte Selbst, dass das Leiden er-
vom 01.- 02.10 (+ MAP Coachingtag am 03.10.03.10.) schafft. Erst wenn wir alle Formen und
in Berlin – erster Teil einer dreigliedrigen Ausbildung Identifizierungen überwunden haben, in
zur/m zertifizierten LMF-Entwicklungs-BegleiterIn der formlosen Leere der non-dualen Er-
leuchtung angekommen sind, wo »alles
eins« ist, hört das Leiden auf.
Interessanterweise wurde diese non-
Fortbildung duale Perspektive auf der Tagung gleich
„Integral informierte Psychotherapie“ von zwei Seiten relativiert, zum Einen von
der Seite des individuellen Selbst und zum
mit Wulf-MirkoWeinreich
Wulf-Mirko Weinreich Anderen von der Seite eines erweiterten
(4 Wochenenden, 8 Tage) in Frankfurt. Verständnisses von Gott.
Im Sinne der non-dualen Erleuchtung
Erster Teil und Start der Ausbildung existiert keine Ego, und in der klassischen
ist vom 20.-21.11.2010 buddhistischen Tradition wird die Existenz
So wie Ken Wilber versucht, mit seiner Integralen jeder Art von individuellem Selbst demen-
Philosophie die zentralen Erkenntnisse der Menschheit tiert. Es wurde jedoch auf der Tagung die
in einen Gesamtentwurf zusammenzuführen, ist die Integrale Psychotherapie Existenz eines individuellen Selbst wieder
angetreten, sämtliche Erkenntnisse der Psychologie in ein allgemeines und rehabilitiert. Die Integralen nennen dieses
umfassendes Therapiemodell zu integrieren. individuelle Selbst nun – im Unterschied
zum Ego des narzisstischen Selbst – »the
Unique Self«, zu Deutsch also das »einzig-
Weitere DIA Termine 2010: artige Selbst«. Es bedeutet, dass zwar das
04.09. „Ich-Zustände & Big Mind“ narzisstische Ego nach wir vor zu dekon-
mit Andreas Schröder in Bad Homburg struieren ist und sich in der Ungetrennt-
04.-05.09. „ILP – Sein und Werden, Schwerpunkt: Schatten“ heit der Leere auflöst, danach jedoch sehr
mit Michael Habecker & Helmut Dörmann in Minden wohl ein Selbst weiter existiert und dieses
15.-17.10. „5. Spirituelle Herbstakademie“ in Frankfurt Selbst ist dann unsere wahre spirituelle
Natur. Nach Angabe von Dennis Wit-
29.-31.10. „Enneagramm Integral“ mit Veit Lindau in Frankfurt
trock, dem Geschäftsführer der Integralen
06.-07.11. „Integrale Politik und Ökologie“ Akademie (DIA), ist dieses »einzigartige
mit Michael Habecker & Hilde Weckmann, Berlin Selbst« erst seit eins bis zwei Jahren in die
19.-20.11. „Einführung Ken Wilber“ mit Rolf Lutterbeck in Bad Homburg Diskussion gekommen.
Für mich ist das eine sehr erfreuliche und
Ausblick 2011: 11.-12.02. „The Holacracy Experience“ atemberaubende Entwicklung. Es ist durch-
mit Brian Robertson (USA) in Frankfurt
aus ein grundlegender Unterschied, ob ich

Aktuelle Informationen und Anmeldemöglichkeiten unter:
info@dieintegraleakademie.org | Tel. 0421-69 62 05-33
Tattva Viveka 44 Tagung | Aufklärung und Erleuchtung 75

jede Art von Individualität als Illusion be-
trachte, oder ob ich von der nicht-reduzier-
baren Individualität und Einzigartigkeit
meiner Person im spirituellen Sinn ausgehe.
Aus dieser Einzigartigkeit wird in der Folge
auch die Möglichkeit von Beziehung zwi-
schen diesen Selbsten möglich, und dies er-
öffnet auch die Möglichkeit, sich auf Gott
als einen Anderen zu beziehen. Der Gott
der Hingabe, dem wir uns als dem großen
Anderen zuwenden und mit dem wir nicht
eins sind, wird in der integralen Bewegung

Fotos: © Dennis Wittrock
mit dem Terminus »das zweite Gesicht Got-
tes« bezeichnet. Und hier kommen wir zur
Frage nach Gott und seinem nicht non-dua-
len Aspekt. Ken Wilber und die Integralen
unterscheiden mittlerweile zwischen drei
»Gesichtern Gottes«. Bild ganz oben: Alle Referenten zum Abschluss der Tagung auf der Bühne
Bild oben: Blick ins Publikum

Mit der integralen Bewegung haben wir eine weltzentrische Individuums ausstrahlt, das nun ebenso
und kosmozentrische Perspektive, die die alten Kampflinien sein darf.
im Krieg der Religionen überflüssig macht. Einige Diskussionen betrafen die Un-
terscheidung des getrennten Selbst vom
einzigartigen Selbst. Natürlich würde sich
Das erste Gesicht Gottes ist Gott als Ich. völlig dekonstruiert wird. Wir werden zu das postmoderne narzisstische Ego mit
Zwischen Ich und Gott gibt es keine Tren- Dienern Gottes. Natürlich klingt hier das Vergnügen auf die Idee eines einzigartigen
nung. Ich bin selbst das Göttliche. Gott abendländische Gottesverständnis an, wie spirituellen Selbst stürzen, um es sich ein-
wird in diesem Verständnis als das Göttli- es in der jüdisch-christlichen Tradition zu zuverleiben. Wie können wir sicher gehen,
che, als eine Eigenschaft, verstanden, je- finden ist. Die westlichen, oft akademisch dass hier nicht etwas verwechselt wird?
doch nicht als Person oder Höhere Macht. geschulten Integralen vollziehen nun nach Hierzu gibt es innerhalb des integralen La-
Das zweite Gesicht ist Gott als Du. Die- der Integration der non-dualen Traditio- gers unterschiedliche Positionen und auf
sem Du kann man sich in Demut zuwen- nen des Fernen Ostens eine Reintegration der Tagung konnte man Zeuge werden,
den. Vor ihm gehen wir auf die Knie und des westlichen Gottesverständnisses auf wie hier die Forschenden richtiggehend auf
beten um Führung. Dieser Gott wird als einer fortgeschrittenen Stufe. Integral ist der Suche sind und wie sich die integrale
Subjekt adressiert. dies in dem Sinne, dass nun beide Gottes- eorie und Praxis fortwährend weiterent-
Das dritte Gesicht Gottes ist Gott als Es. verständnisse, bzw. alle drei in einer Meta- wickelt. Es geht nicht um fertige Positio-
Gott als Es ist etwas im objektiven Raum, position integriert werden und alle gültig nen und feststehende Glaubenssysteme.
die ganze Natur, die ganze Schöpfung. sind. Es geht also nicht mehr um den Das wurde deutlich. Die Integralen sind
Die integrale Bewegung war bisher sehr Streit, welches von diesen das Richtige selbst Teil des evolutionären Feldes, von
stark von dem Gott der ersten Person ge- sein, wonach dann die verbliebenen die fal- dem sie im Sinne einer evolutionären Spi-
prägt, der in der non-dualen Tradition als schen zu sein hätten. ritualität sprechen. Das Bewusstsein ent-
das unpersönliche, formlose Unbennbare
erfahren wird, als Urgrund der Bewusstheit
ohne jegliche Individualität, als Raum, in Es ist durchaus ein grundlegender Unterschied, ob ich jede
dem die Phänomene auftauchen und wie- Art von Individualität als Illusion betrachte, oder ob ich von
der verschwinden. der nicht-reduzierbaren Individualität und Einzigartigkeit
Mit der Hinwendung zum Gott der meiner Person im spirituellen Sinn ausgehe.
zweiten Person, dem Gott als Du, kom-
men ganz neue Aspekte in den Blick. Es
gibt wieder eine Verschiedenheit zwischen In diesem Sinne haben wir hier mit der wickelt sich immer weiter und wir
mir und Gott. Gott ist eine höhere Macht, integralen Bewegung wirklich eine welt- Menschen sind die Pfeilspitze, mit der
der Schöpfer, dem ich mich in Demut nä- zentrische und kosmozentrische Perspek- Gott in die Bewusstwerdung vordringt.
here und von dem ich Gnade erfahren tive, die die alten Kampflinien im Krieg Die ca. 200 Teilnehmer der Tagung dis-
kann. Das Ego wird hier im Angesicht der Religionen überflüssig macht. Hier ist kutierten in einer »Integrales Worldcafé« ge-
einer höheren Macht seiner Herrschaft ent- ein starkes emanzipatorisches Potential, das nannten Form in Fünfergruppen mitei-
hoben, ohne dass es auf non-dualen Weise eben gleichzeitig auch auf die Ebene des nander, die in verschiedenen Runden sich je-
76 Tagung | Aufklärung und Erleuchtung Tattva Viveka 44

gle«, soll Ken Wilber konstatiert haben. munikation mit ihm, ist immer noch ein
Einzigartigkeit wird also nicht mehr nur als Bereich, über den man schamhaft
getrenntes Ego interpretiert, sondern als schweigt. Ich outete mich dann etwas,
das Eine und Singuläre. Als getrenntes Ego indem ich von meiner Gebetspraxis be-
war es die Ursache für Leid und uner- richtete und prompt kam nach dem Vor-
wünscht. Als das Eine und Singuläre wird trag eine junge Frau auf mich zu und
es der Grundbaustein der Wirklichkeit. sprach mit mir über ihre Beziehung zum
Diane Hamilton sprach vom »Big Heart« persönlichen Gott. Unser beider Augen be-
in Ergänzung zum »Big Mind«. Erst in der gannen zu leuchten, angesichts der Liebe
Einzigartigkeit unseres individuellen Selbst und Freude, die ein solches vertrauensvol-
können wir als Menschen im Herzen be- les gegenseitiges Be- und Erkennen unse-
rührt werden und berühren. rer Beziehung zu Gott bewirkt.
Bewertung und Verurteilung, wie sie im Alles in allem eine schöne Tagung mit
Ego-Zustand der Fall ist, ist im Unique kompetenten Referenten und Teilneh-
Die Tagung fand in der Werkstatt der Kulturen Self nicht gegeben. Das Ego ist der Drang mern. Die erwähnte Scham ließ viele indes
in Berlin-Neukölln statt.
zur Evolution. Im Big Mind ist keine Evo- wohl eher im Reden darüber verweilen, an-
weils wieder neu zusammensetzten. Dabei lution. Aber das Unique Self bringt beides statt es wirklich zu tun. Eine gewisse Kopf-
kamen in den Gruppen, wo ich dabei war, zusammen. Im Unique Self kann man erst lastigkeit kann demzufolge nicht ganz
viele schöne Erkenntnisse zu Tage: den Anderen erkennen. Im Ego und im verhehlt werden. Die Elemente der Medi-
Während wir im Westen mit dem indi- non-dualen Zustand kann man das nicht. tation und der spirituellen Praktiken
viduellen Ego den Bereich der Humanität Wenn das Selbst sein darf, kann ich es in machten das teilweise wett. Meine Emp-
und Menschenwürde entwickelt haben, fo- einem neuen Licht sehen und mich dem fehlung wäre noch, etwas mehr die Emo-
kussierte sich der Osten mit dem Auflösen anderen damit zuwenden. Die Verteidi- tionen ins Boot zu holen, die leider in
des getrennten Selbst auf das Ende des Lei- gung fällt dann weg. Wenn wir einzigartig intellektuell-spirituell ausgerichteten Krei-
dens. Diese Auflösung des Selbst nannte sind, kann man niemanden vergleichen. sen schnell ein Schattendasein führen.
der Osten »Erleuchtung«. Die alte Er- Jeder geht in seiner Einzigartigkeit in die Dann könnte aus der Integralen Bewe-
leuchtung war jedoch hart und schmerz- Betrachtung ein und ich öffne mich dem gung noch mehr Integralität hervor schei-
haft. Wie Chögyam Trungpa gesagt haben spirituellen, leuchtenden Wesen in der kör- nen, als es ohnehin schon der Fall ist, und
soll: »Die Erleuchtung ist die größte Ent- perlichen Form. sie könnte in der kulturellen Landschaft zu
täuschung für das Ego.« Schön war in diesem Sinne auch der einem wirksamen Unterschied mit großem
Mit der Rehabilitation des »einzigarti- Beitrag des spirituellen Lehrers omas Potential werden. tv

gen Selbst« nun wurde die Sache von den Hübl, der sehr radikal und sehr offen die
Teilnehmern als wohltuend empfunden, Beziehung und den Dialog mit Gott the- Homepage des Integralen Forums:
da dieses Selbst auch auf dem spirituellen matisierte. Er fragte am Beginn seines www.integralesforum.org
Weg existieren darf. Es ist entspannend, Workshops die Teilnehmer, warum sie hier Homepage von DIA - Die Integrale Aka-
weil jeder in seiner Einzigartigkeit sein seien. »Das, was Dich hierher kommen demie:
kann und somit einer Intuition folgen lässt, ist der Impuls des Erwachens an sich. www.dieintegraleakademie.org
kann, die schon zuvor bestand (»Ich bin Die Intelligenz des heiligen Raumes ist
einzigartig«). Das Unique Self kann auch größer als die erlernte Perspektive. Erwa-
den Anderen in seiner Einzigartigkeit sein chen führt zu einer Veränderung der In- Artikel zum Thema in früheren
lassen und wertschätzen. Seine Besonder- tentionsquelle. Nicht mehr die Vergan- Ausgaben:
heit und Schönheit kann akzeptiert wer- genheit ist unser Intention, sondern Gott.«
TV 16: Wolfgang Schmidt-Rein-
den und so können wir erst in Verbindung Dann erlangen wir ein »Update der An-
ecke: Die Kulturell Kreativen
treten. Das öffnet das Herz und die Liebe bindung an die innere Wirklichkeit.«
kann fließen. So berichteten auch die aus Das Unique Self ist damit in der Ver- TV 29: Ken Wilber – Das zweite Ge-
den USA angereisten Vortragenden, Zen- bundenheit mit der Höheren Macht Got- sicht Gottes
Lehrerin Diane Hamilton und Rabbi Marc tes die große Verantwortungethik. Das hat TV 29: Ken Wilber – Kommentar zu
Gafni: »Das menschliche Herz wird zu nichts mit den neurotischen Egos zu tun, »What the bleep do we know?«
einem auf natürliche Weise funktionieren- die nur um sich selber kreisen.
den Organ. Anstatt das Herz zuzumachen, Er fragte dann die Teilnehmer, inwiefern TV 29: Ronald Engert – Die drei Ge-
weil ich privilegiert bin, öffne ich das Herz sie Scham empfänden, von ihrem persön- sichter Gottes
und schließe alle mit ein. Ich entwickle den lichen Dialog mit Gott zu sprechen, und TV 37: Tom Amarque – Boomeritis.
Wunsch, dass alle Wesen frei von Leiden berührte damit ein gängiges Tabu in der Ken Wilber über Pluralismus
sein mögen.« Dies, so wiesen sie hin, sei im spirituellen Szene. Man spricht zwar gerne
Grunde nichts anderes als das klassische von Energien und Schwingungen, von spi- TV 42: Steve McIntosh – Integrale Phi-
Boddhisattva-Verständnis. »Everything rituellem Selbst und göttlicher Kraft, aber losophie und die Evolution des Bewusstseins
what looks separate, is actually one and sin- Gott selbst, als Du, und die direkte Kom-
Tattva Viveka 44 Konferenz | Karma-Konsum 77

Ronald Engert

Das Lohas-Biotop
Bericht von der Karma Konsum Konferenz

Bereits zum vierten Mal, vom 25.-26. Juni 2010, fand
diese Konferenz in Frankfurt/M. statt, diesmal in
den Räumen der Frankfurter Börse und der IHK. Hier
trafen sich alternative Unternehmer und Aktivisten
der ökologischen und nachhaltigen Erneuerung
im professionellen Ambiente und verbreiteten hoch
motivierte Aufbruchstimmung.
© Imke Heseding

Blick auf das Podium der Karma Konsum Konferenz

A
ls ich das erste Mal von der Karma Was ich aber vorfand, war doch anders noch die Querverbindungen zum Beste-
Konsum Konferenz hörte, hatte ich als erwartet und überraschend. Zunächst henden, zu der Welt der Banken, Unter-
zugegebenermaßen ein etwas am- ist da die pragmatische Einsicht, dass wir nehmen, dem Geld, der Technologie.
bivalentes Bild von der Sache. Konsum? natürlich alle konsumieren und konsumie- Und so war es einerseits verwunderlich,
Es geht hier um konsumieren? Ich hatte ren müssen, um leben zu können. Alle andererseits entzückend für mich, im Ge-
das Bild von einer konsumorientierten brauchen Strom, Essen, Mobilität usw. bäude der Frankfurter Börse zu tagen, mit-
Veranstaltung. Karma? Aha, ethisch kor- Wie gehen wir also mit diesem unver- ten im Herzen des Kapitals, in wohl
rekt genießen usw., nachhaltiger Lifestyle, meidlichen Konsum um? Wir können ausgestatteten und technisch auf dem bes-
Wellness für das alternative Establish-
ment. Das waren so die Vorurteile mei-
Sind meine asketischen Verzichtsübungen
nerseits. Ich stellte mir eine Veranstaltung
mit viel Blabla vor, Reden von angepass- nichts anderes als Opferspiele? Ist die Welt
ten Menschen, die das schön reden, was gar nicht so hoffnungslos verdorben?
die Ursache von all den Problemen mit
der Umwelt und der Armut ringsum ist: nicht immer nur dagegen sein. Dann gibt ten Stand befindlichen Räumen, die zu-
dem materialistischen Konsum, der Un- es da die vielen, ja unzähligen guten An- gleich von eine Feng Shui Experten in eine
ersättlichkeit der luxurierten Wohlstands- sätze in alle Bereichen des praktischen Le- energetisch angemessene Form gebracht
bürger, die sich nun mit Öko und Un- bens, die oft nicht bekannt werden, aber so wurden, z.B. durch einen gut plazierten
terstützung der heimischen Produzenten viel Hoffnung und Zuversicht für eine bes- Brunnen im Ausstellungsbereich usw. Es
eine ruhiges Gewissen verschaffen wollen. sere Welt vermitteln. Und dann gibt es war erstaunlich, wie gut die Atmosphäre in
78 Konferenz | Karma-Konsum Tattva Viveka 44

gen. Oder Martin Unfried von Ökosex
sang kämpferische Lieder über Ökologie,
Strom und Nachhaltigkeit (nach eigenen
Angaben das erste deutschen Lied über
Nachhaltigkeit, mit schönen Reimen). Es
gab feinstes vegetarisches Essen aus kon-
trolliert biologischem Anbau, freie Bionade
und Rhabarber-Limo von Völkel, sowie
das kostspielige Wasser von St. Leonhard
in unerschöpflicher Menge, sowie Kaffee
und Tee. Alles im Preis inbegriffen.
Der erste Tag war den Profis und erfah-
renen Machern vorbehalten. Die Teilnah-
megebühr betrug analog auch den durch-
Blick ins Publikum aus saftigen Preis von 490 Euro. Nichtsdes-
totrotz war der Saal am ersten Tag mit ca.
300 Teilnehmern gut gefüllt. Dafür war der
den Räumen war. Die Kapitalisten haben Konzentration auf das Positive und Mach- zweite Tag kostenlos und stellte als »Green-
nicht nur Geschmack und Sinn für Quali- bare, eine Präsentation des bereits Gemach- camp« eine Veranstaltung von Teilnehmern
tät, anders als viele der Rebellen der Alter- ten. Echte Macher waren hier zugegen. für Teilnehmer dar. Im Vorfeld der Konfe-
nativszene, sie haben auch etwas Sattvi- Und das Beste fand ich diesen Schulter- renz konnten Workshops vorgeschlagen
sches und Gesundes. Ich erinnerte mich an schluss von wirtschaftlichem und wissen- und abgestimmt werden, von denen dann
das Medizinrad-Teaching der Cherokee, in schaftlichem Establishment mit den Freaks die beliebtesten ausgewählt und im Green-
dem auf dem Platz des Spirits im Osten und Querdenkern bzw. Querlebern. Chris- camp veranstaltet wurden. Am zweiten Tag
waren demzufolge die Leute etwas jünger.
Es ging um Start-Ups und junge Projekte.
Es zeigt sich, dass die neuen Möglichkeiten Auch hier waren geschätzte 400 Teilnehmer
des interaktiven Internets zu ganz neuen basisdemokra- anwesend. Es gab eine Spendenbox nach
tischen Ansätzen führen. dem Motto »Zahl, was du kannst«. Die
Räume, Getränke und das Equipment wur-
den von der Konferenz gestellt.
heute nur die Unternehmer sitzen, anstatt toph Harrach und Noel Klein-Reesink, die Das Durchschnittsalter an beiden Tagen
der spirituellen Lehrer, die da eigentlich hin- Initiatoren und Veranstalter der Konferenz, zusammengenommen lag wohl kaum
gehören. Warum? Weil die Unternehmer wirkten unprätentiös und jugendlich. Läs- höher als 35 Jahre. Und so waren auch die
die einzigen sind, die etwas auf den Boden sig gekleidet und unrasiert standen sie am neuen Medien präsent und selbstverständ-
bringen und erfolgreich wirklich etwas tun. Rednerpult. Zugleich organisierten sie eine
Meine ganzen mentalen und ideologi- Konferenz auf hohem professionellem Ni-
schen Vorbehalten und Negativurteile über veau mit illustren Koryphäen und Größen Artikel zum Thema in früheren
die bösen Kapitalisten – sollten sie vielleicht aus der Finanzwelt, der Wirtschaft und der Ausgaben:
nur Ergebnisse einer Verblendung und Kultur. So war der Chefreporter der taz,
einer emotionalen Weigerung sein, die Ver- Peter Unfried, der Moderator, omas D. TV 04: Symposium – Spirituelle Ökolo-
antwortung für mein Leben zu überneh- von den Fantastischen Vier der Laudator gie mit Vertretern von fünf Weltreligionen
men und mich anzunehmen, als ein für den Gründer-Preis, die IHK Frankfurt TV 07: Andreas Bummel – Der Club of
Mensch, der dazu berechtigt ist, gut zu gehörte zu den Sponsoren, es gab Gruß- Budapest
leben und sich etwas zu verdienen und das worte der Umweltdezernentin und des
dann auch verdient zu haben? Sind meine Wirtschaftsdezernenten der Stadt Frank- TV 18: Gernot Jochum-Müller –
asketischen Verzichtsübungen nichts ande- furt. Mercedes Benz waren mit einem teils Tauschringe, ein Musterbeispiel für Kultu-
res als Opferspiele? Ist die Welt gar nicht so gläsernen Demomodell eines Fahrzeugs rell Kreative
hoffnungslos verdorben? Es ist immer eine mit Brennstoffzelle zugegen (Hightech im TV 24: Marianne von Putten –
Frage der Perspektive, des Durchblicks (lat.: großen Sattelschlepper herbeigekarrt). (Ex-) Regionalwährungen, ein neuer Umgang
perspectare – hindurchschauen). Und so Manager aus großen Firmen und Bank- mit Geld
konnte man auf der Tagung eine sehr posi- fachleute berichteten über nachhaltiges
TV 33: Jörg Chemnitz – Spirituelle Po-
tive und konstruktive Haltung finden. Ein Wirtschaften und ökologische Finanzen.
litik. Die Partei der Violetten
Feuerwerk an kreativen Ideen und Projek- Dann kamen die Leute von der Gue-
ten, vieles bereits Umgesetztes, eine hohe rilla-Meditation auf die Bühne und wir TV 41: Hardy Fürch – Green Yoga. Plä-
Kompetenz bei den Fachleuten in ihren Be- meditierten für zehn Minuten – es war doyer für ein öko-yogisches Bewusstsein
reichen, viel Initiative und Inspiration, eine eine meiner starken Meditiationserfahrun-
Tattva Viveka 44 Computer-Media | twitter 79

licher Bestandteil der Veranstaltung. Eine
Twitterwall wurde im Konferenzsaal auf
einem großen Bildschirm präsentiert. Mit
dem Hash-Tag #kkk10 konnte man Si-
multankommentare zur Konferenz ein-
spielen (das bedeutet, alle Beiträge, Tweets, Ronald Engert
zu dem ema können in einer Liste auf
dem Bildschirm dargestellt werden). Über-
all saßen Leute mit Mac-Books oder iPho-
nes und twitterten oder luden Bilder und
macht die
Filmchen auf Facebook hoch (unter ande-
rem ich). Überhaupt hörte ich viele neue
Worte auf der Konferenz aus dieser jungen,
Klugen klüger und die
dynamischen Web 2.0 Community. Zum
Beispiel lernte ich, was ein »Carrot Mob« Dummen dümmer
ist. Online verabreden sich die Menschen
z.B. dazu, an einem bestimmten Tag alle Zum Phänomen Twitter
zu einem bestimmten Naturkostladen zu
gehen und dort einzukaufen, um diesem
einen guten Umsatz zu bescheren, den die-
ser dann prozentual in energieeffiziente Das Web 2.0 und der Begriff »Social Media« ist in aller Munde.
Umbauten im Laden investiert. Das ist ak- Eine ganze neue Kommunikations- und Gemeinschaftskultur zeichnet sich
tives Verhalten auf der Konsumentenseite,
am Horizont des Internet ab. Was bringen die neuen Medien?
das Bewusstsein für alternative Möglich-
keiten im Lebensalltag schafft und das so- Der Chefredakteur der Tattva Viveka machte sich dazu Gedanken.
gleich auch in Handlung umgesetzt wird.
Es zeigt sich immer mehr, dass die neuen
Möglichkeiten des interaktiven Internets,
wie es sich in den letzten drei bis vier Jah-
ren herausbildet, zu ganz neuen basisde-
mokratischen Ansätzen führen. Dazu gab
es sowohl am ersten wie am zweiten Tag
spannende Beiträge.
Insgesamt war es ein Networking-Eldo-
rado, ein ink-Tank und eine sprudelnde
Inspirationsquelle. Es ermutigte mich sehr,
diese vielen kreativen Leute zu erleben und
mit vielen von ihnen zu sprechen. Das
macht Hoffnung. Die Szene der »Lohas«
(Lifestyle of Health and Sustainabilty), der
Öko- und Nachhaltigkeitspraktiker, ist mir
hier wie ein sehr lebendiges Biotop unter
dem Mikroskop offenbart worden. Gerade
auch der hohe Anteil an jungen und jün-
geren Leuten lässt eine Ahnung von der
Entwicklung der nächsten Jahre bekom- die Tattva Viveka

S
men. Hier formiert sich ein stabiles und page von Twitter eit 22. Oktober 2009 bin ich bei
langfristiges Potential für eine neue Gesell- Twitter.
schaft. Das Einsickern der alternativen und
spirituellen Ansätze in den Mainstream Ich finde dieses Werkzeug im Grunde eine
konnte hier in vielen Facetten beobachtet geniale Sache. Es wird jedoch wie ein Kin-
werden. Mir scheint da ganz vieles nun zu- derspielzeug benutzt, und das meiste, was
sammenzukommen und die alten Grenzen damit gemacht wird, ist in meinen Augen
zwischen den Genres und Lagern zu fallen. Quatsch. Es ist ein geniales Medium, aber
Zen im Management, ökologisches Geld, die Inhalte und der Umgang damit sind oft
meditierende Linke. Davon habe ich bis- nicht gerade sinnvoll.
her nur geträumt. tv Eigentlich sehe ich in Twitter die Mög-
80 Computer-Media | twitter Tattva Viveka 44

lichkeit, auf täglicher Basis ohne großen kann. Als eine der Spielarten in meiner chen hingegen die Leute, die z.B. 5000
Aufwand meine Reise durch das Meer der kompetenten Beziehungspflege einerseits Folger haben und selbst nur 10 oder 50
Information zu dokumentieren. Ich kann und als reiner Informationskanal anderer- Leuten folgen. Das zeigt, dass diese Twee-
Nachrichten tweeten (engl.: zwitschern), seits kann Twitter durchaus ein wunderba- ter was zu bieten haben. Auch ohne dass
interessante Links posten, mitteilen, was res Werkzeug sein. sie ein Gegengeschäft machen, folgen
ich gerade für ein Buch lese, philosophi- Nun gibt es aber Menschen in Twitter, ihnen 5000 Leute. Zum Beispiel hat der
sche Zitate reinstellen, spirituelle Verwirk- die 5500 Leuten folgen (following) und Dalai Lama 100.000 Folger, und folgt
lichungen teilen usw. Es ist eine Mög- 5000 Folger (followers) haben. Wer, bitte selbst nur 3 Leuten. Oder Michael Moore,
lichkeit, meine Entdeckungen zu speichern schön, kann 5500 Leuten folgen, d.h. ihre der us-amerikanische Filmemacher, hat
und gleichzeitig anderen die Möglichkeit Nachrichten lesen? Das ist unmöglich. 500.000 Folger und folgt selbst nur 12
zu geben, daran teilzunehmen. Eine Gepflogenheit scheint es zu sein, nach Leuten. Derartige Beispiele gibt es viele.
Umgekehrt kann ich anderen Menschen dem Motto vorgehen: »Wenn du mir Solche Zahlenverhältnisse sind Qualitäts-
folgen, um an ihren Entdeckungen teilzu- folgst, folge ich dir.« Es geht den Leuten merkmale. Die Zahl der Folger kann un-
haben. So könnte eine schöne, wenn auch nur um Quantität, um die möglichst große begrenzt wachsen. Die Zahl der Gefolgten,
lockere Art der Verbindung mit Menschen Zahl an Folgern. Das scheint mir doch das deren Meldungen ich sinnvoll verfolgen
gepflegt werden. Diese Art der Verbindung zentrale Motiv der Meisten zu sein. Je kann, kann meines Erachtens maximal um
sollte sicher nicht die einzige sein, die ich mehr Folger ich habe, umso ein größerer die 100 sein, wenn jeder von denen alle
praktiziere. Diese sozialen Netzwerke im Fisch bin ich. Dass dies mit dem Mittel der zwei Tage einen Tweet reinstellt.
Internet bergen die Gefahr, dass der Ab- gegenseitigen Hinzufügung zu meiner fol- Davon abgesehen kann Twitter auch für
stand zwischen den Menschen größer wird, lowing-Liste geschieht, ist meines Erach- nicht berühmte Menschen ein schönes
weil man sich von der Begegnung im rea- tens ein Raubbau an dem Werkzeug Werkzeug sein, wenn sich echte Menschen,
len Leben zurückzieht. Aber das wäre nur Twitter und eine Bankrotterklärung des In- die sich kennen und sich etwas zu sagen
eine dysfunktionale Form der Anwendung, halts. Man folgt zwar 5500 Leuten, aber haben, vernetzen und gegenseitig folgen.
die die Sache an sich nicht in Frage stellen man liest ihre Tweets nicht. Dann kann Twitter eine Bereicherung sein.
Es lässt sich nämlich beobachten, dass Leider stelle ich fest, dass die Menschen
die Zahl der Gefolgten (following) immer aus meiner Szene, denen ich gerne folgen
die Zahl der Folger (followers) übersteigt. würde, überhaupt nicht in Twitter sind,
Anzeige Das ist symptomatisch. D.h. sie folgen weil sie sich von dem Quatsch, der dort
mehr Leuten, als ihnen Leute folgen. Bei massenhaft verbreitet wird, nicht angezo-
mir erlebe ich das so: Oft folgen mir gen fühlen.
Leute. Ich gehe dann auf ihre Seite und Ich plädiere deshalb dafür, dass wir uns
schaue, was sie schreiben. Wenn mich das innerhalb von Twitter unsere eigenen,
nicht interessiert, folge ich ihnen auch qualitativen Netzwerke aufbauen. Auch
nicht. Nach ein paar Tagen entfolgen sie wenn viele Twitter nur wie ein Kinder-
mich wieder. Ich deute das so, dass sie spielzeug dafür benutzen, um Masse zu
mich wieder löschen, weil ich ihnen nicht machen und Quatsch zu posten, bedeutet
im Gegenzug auch folge. Auf diese Weise das noch lange nicht, dass das Werkzeug
erreichen diese Leute riesige Zahlen von selbst Quatsch ist. Frei nach einem
Folgern und Gefolgten. Die Zahl der Ge- Spruch von Reich-Ranicki übers Fernse-
folgten ist aber zwangsläufig immer hen könnte man deshalb sagen: »Twitter
höher, weil sie natürlich einigen wichti- macht die Klugen klüger und die Dum-
gen Tweetern folgen, die ihnen nicht im men dümmer.«
Gegenzug auch folgen und die sie aber Für mich ist Twitter ein Übungsfeld, das
trotzdem nicht löschen, und weil sie na- mir hilft, meine Entdeckungen, Erfahrun-
türlich in der Flut der Gefolgten auch gen und Erkenntnisse bewusst wahrzuneh-
immer mal den einen oder anderen, der men und Kompetenz darin zu entwickeln,
sich nicht bei ihnen anschließt oder sei- das Wichtige vom Unwichtigen zu unter-
nerseits nach einiger Zeit wieder entfolgt, scheiden. Indem ich diese Inhalte notiere
beim Entfolgen übersehen. Eine Liste von und ins Netz stelle, muss ich darüber re-
5500 Gefolgten kann man unmöglich flektieren und mir die Dinge bewusst ma-
pflegen. Das ist technisch und vor allem chen. Mir fällt es nicht so schwer, das
zeitlich nur mit sehr hohem Aufwand zu Unwichtige wegzulassen, als vielmehr, das
bewältigen. Man lässt sie deshalb einfach Wichtige und Wesentliche zu erkennen
als Karteileichen liegen. Ich vermute mal, und festzuhalten anstatt es zerrinnen zu
dass diese Leute das auch nicht so genau lassen.
nehmen. Indem ich mich mit meiner Spur (track)
Eine echte und überzeugende Sache ma- zeige, werde ich. tv