Den toten Roten zum Trotze von Oliver Opitz Bilanztod oder der rationale Freitod sind Formen

freien Handelns, die mit der Vernunft nachvollziehbar sind, selbst wenn man sie nicht billigt. Der Suizidversuch der SPD ist da schon viel unerklärlicher, allerdings unschwer zu missbilligen. Das die Sozialdemokraten in Landesteilen auf NPD-Ebene Bingo spielen ist ein alter Hut. Volkspartei ade? Seit 1990 kehrten 40% der Mitglieder der alten Dame der Sozialdemokratie den Rücken, 22.000 allein davon im letzen Jahr. Das sind Größenordnungen die eigentlich auch an der Spitze nicht verborgen bleiben dürften. Warum erzähle ich das eigentlich? Ganz einfach - aufgrund dieser doch kitzligen Lage dürfte man doch annehmen, dass die SPD daran interessiert sein müsste ihre Mitglieder zu halten und den Trend umzukehren, doch genau das Gegenteil passiert. Es ist, wie ich jetzt feststellen musste so, dass die SPD junge Mitglieder aus der Partei hinausekelt und damit neben den strukturellen Bedingungen noch selbst für ihren Tod aktiv verantwortlich ist. Alles entschuldigt die Agenda 2010, Schröder oder Beck eben doch nicht. Schauen wir uns mal die sozialdemokratische Praxis genauer an. Seit dem wir in Duisburg Essen vor einem Jahr den SDS gegründet haben, dass ist der Parteinahe Hochschulverband der LINKEN, sind schon 4 Mitglieder der SPD zu uns gekommen. Letzter Höhepunkt war der Wechsel von Fatma Karacakurtoglu die bei der Juso Hochschulgruppe in Duisburg – Essen stellvertretende Vorsitzende gewesen ist. In einem etwas bäuerlich daherkommenden Pamphlet versucht die Juso HSG der Öffentlichkeit Rechenschaft darüber abzulegen, warum ihnen die Leute weglaufen. Das die Fehler nicht bei sich selbst gesucht werden, sondern auf andere projiziert werden ist ein alter Reflex den wir alle aus den Jahren der Adoleszenz her kennen. Anstatt sich inhaltlich mit Fatma auseinander zu setzen, erhielt Fatma die Drohung von höherer Ebene, entweder wieder zurück zu der Juso HSG zu gehen, oder aus der Partei geschmissen zu werden. Mit solchen Drohbriefen hält man sicher keine Mitglieder. Die Konsequenz ist gewesen, dass Fatma dem Rausschmiss durch einen Austritt zuvorgekommen ist. Dabei wäre von unserer Seite eine Mitgliedschaft bei der SPD und Mitgliedschaft im SDS kein Problem. Sei es wie es ist - trotz des Wahlerfolgs den die Jusos zweifelsohne hatten, laufen ihnen die Leute weg. Schon jetzt hat der SDS Duisburg/Essen mehr passive und aktive Mitglieder und wächst ständig. Und wir sind auch offen für weitere Mitglieder der SPD, die bei uns politisch arbeiten möchten und eine linke Heimat suchen. Dass der Wähler dennoch den RCDS und die Jusos wählt, überrascht, an den politischen Inhalten oder der konkreten Arbeit kann es sicher nicht liegen. Beim RCDS muss man schon die politischen Inhalte mit der Lupe suchen - man hat immer das Gefühl das es sich beim RCDS um Vertreter für Katzenfutter handelt. Und die billige Kopie in Gestalt der Sozialdemokratie, was ist mit der? Die ist mittlerweile soweit in die Mitte gerutscht, dass es zwischen SPD, CDU und NPD mehr Übereinstimmung als Trennendes zu verzeichnen ist, wer kennt ihn nicht den Asylkompromiss, die Rasterfahndung oder Notstandsgesetze? Alles Instrumente deren Handschrift kaum noch einer als Distinktionsgewinne feiern könnte. Wobei der Trend der SPD zurzeit auf das kopflose oszillieren zwischen allen Positionen zusteuert. Aber lassen wir die Polemik auf Bundesebene beiseite und kommen auf die Hochschulpolitik zurück. Das die Jusos in Duisburg Essen konsequent den Vizevorsitzenden stellen, weil sie sich wie ein Schmutzfleck an den Rockzipfel des RCDS hängen der einfach nicht wegzuwischen ist, ist nur ein schwacher Trost. Allein aus ästhetischer Sicht wäre nämlich ein Jan Bauer als AStA-Vorsitzender kaum zu ertragen. Wer nimmt der Juso HSG noch ab, dass sie sich gegen die Studiengebühren einsetzen? Klar, dass in der Wahlwoche sich groß gebrüstet wurde, man sei gegen die Studiengebühren. Die Jusos hätten das dann auch mal in

der Praxis beweisen können, wenn sie nach der Wahlwoche am 17. Juni in Düsseldorf aufgeschlagen wären. Dort fand nämlich eine vom FZS organisierte Großdemonstration gegen Studiengebühren statt. Mobilisiert haben die Jusos aus Duisburg Essen dorthin allerdings nicht. Wieso auch? Wahlprogramm ist Papier und Papier ist nun mal geduldig. Und es ist wie Münte es sagte, dass es ungerecht sei, dass der Wähler nach der Wahl auch noch die Wahlversprechen einfordere. Der Ruf „Wer hat uns verraten? Die Sozialdemokraten.“ scheint von seiner Aktualität nichts eingebüßt zu haben. Dass auf Druck der Linken zum Beispiel in Hessen die Studiengebühren abgeschafft worden sind wird wohl keiner mehr leugnen. Das sich die Jusos das allerdings auf ihre Fahne schreiben ist wohl reiner Zynismus – aber auch damit muss man wohl leben solange die StudentenInnen sich das noch gefallen lassen. Die Zukunft ist jedenfalls offen und wir vom SDS haben Zeit.