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MONOGRAPHIEN ZUR

PHILOSOPHISCHEN FORSCHUNG
Begründet von Georgi Schischkoff
Band 194

Die Wiederholung
Analysen zur Grundstruktur
menschlicher Existenz
im Verständnis Sören Kierkegaards

Victor Guarda

Forum Academicum
in der Verlagsgruppe
Athenäum • Hain • Scriptor • Hanstein

MONOGRAPHIEN ZUR
PHILOSOPHISCHEN FORSCHUNG
Begründet von Georgi Schischkoff
Band 194

Die Wiederholung
Analysen zur Grundstruktur
menschlicher Existenz
im Verständnis Sören Kierkegaards

Victor Guarda

Forum Academicum
in der Verlagsgruppe
Athenäum • Hain • Scriptor • Hanstein
1980

Ohne ausdrückliche Genehmigung des Verlags ist es auch nicht gestattet. Mikrokopie) zu vervielfältigen.Kurztitelaufnahme der Deutschen Bibliothek Guarda. Existenz im Verständnis Sören Kierkegaards / Victor Guarda. Victor: Die Wiederholung: Analysen zur Grundstruktur menschl. Hanstein.CIP . Regensburg Printed in Germany ISBN 3-445-02088-4 .Königstein/Ts. Forum Academicum Königstein/Ts. (Monographien zur philosophischen Forschung: Bd. Hain. 1980. das Buch oder Teile daraus auf photomechanischem Wege (Photokopie. Gesamtherstellung: Friedrich Pustet. Verlagsgruppe Athenäum. 194) ISBN 3-445-02088-4 © 1980 Verlag Anton Hain Meisenheim GmbH.: Forum Academicum in d. . Alle Rechte vorbehalten. Scriptor.

ohne Salz und Sinn. und laßt mich nun dastehen ? Wer bin ich? Wie bin ich in die Welt hineingekommen. wer ist denn da der verantwortliche Leiter . Wo bin ich? Was heißt denn das. ich stecke den Finger ins Dasein . das man Wirklichkeit nennt? Warum soll ich Teilhaber sein? Ist das nicht Sache freien Entschlusses? Und falls ich genötigt sein sollte es zu sein. um zu riechen. in welch einem Land man ist. warum hat man mich nicht vorher gefragt. Wäre ich gleich hungriger als Pierrot. ich mochte dennoch nicht die Erklärung fressen. die Welt? Was bedeutet dies Wort? Wer hat mich in das Ganze hineinbetrogen. welches unschmackhaft ist.es riecht nach nichts. welche die Men- schen anbieten. warum hat man mich nicht erst bekannt gemacht mit Sitten und Gewohnheiten. es ekelt mich des Daseins. meine Betrachtung mit zur Verhandlung zu stellen? Wenn man das Dasein nehmen soll wie es ist. Man steckt den Finger in die Erde. darf ich bitten.Mein Leben ist bis zum Äußersten gebracht. sondern mich hineingesteckt in Reih und Glied als wäre ich gekauft von einem Menschenhändler? Wie bin ich Teilhaber geworden in dem großen Unternehmen. man erführe wie es ist? Sören Kierkegaard DIE WIEDERHOLUNG .ich habe eine Bemerkung zu machen -? Gibt es keinen verantwortlichen Leiter? An wen soll ich mich wenden mit meiner Klage? Das Dasein ist ja eine Diskus- sion. wäre es dann nicht das Beste.

Vorwort

Mit der Schrift DIE WIEDERHOLUNG lege ich das Ergebnis einer
langjährigen Forschungsarbeit vor, die ihre intensivste Phase in den Jahren
von 1967-1971 an der Universität Hamburg hatte und die ermöglicht wurde
durch ein Stipendium der Fritz Thyssen Stiftung, für das ich mich an dieser
Stelle noch einmal bedanken mochte. Mein Dank gilt auch Herrn Prof. Dr.
Pierre Aubenque (damals noch Universität Hamburg), der meine Arbeit
betreut hat; ebenso Herrn Prof. Dr. Niels Thulstrup, Direktor des Sören-
Kierkegaard-Instituts, der mir stets mit Rat und Tat zur Seite gestanden hat.
Zu danken habe ich schließlich der Tiroler Landesregierung und dem
Sü'dtiroler Kulturinstitut für die Gewährung einer Druckbeihilfe. - Ein Teil
meiner Forschungsarbeit ist unter dem Titel KIERKEGAARD-STUDIEN
(Beiheft zur „Zeitschrift für philosophische Forschung", Heft 34, Meisen-
heim am Glan 1975) bereits erschienen. Auf diese Schrift, die in gewisser
Weise eine Vorarbeit darstellt, wird des öfteren Bezug genommen werden.

Meran, Frühjahr 1980 Victor Guarda

Inhalt

Einleitung

I. Die Frage nach der Wiederholung 13
1. Die Persönlichkeit Kierkegaards 13
2. Das Regine-Erlebnis und die Konzeption der Wiederholung . . 18
3. Ideelle und materielle Wiederholung 25

II. Die Funktion der Wiederholung 30
1. Gentagelse-Wiederholung 30
2. Wiederholung und Erinnerung 31
3. Wiederholung und Vermittlung 35

III. Die Dialektik derWiederholung 40
1. Die Menschwerdung 40
a) Die mythische Stufe: Dasein als Nachahmung 43
b) Die geschichtliche Stufe: Dasein als Wieder-holung 57
c) Die heilsgeschichtliche Stufe: Dasein als Versöhnung . . . . 66
2. Die drei großen Ideen 71
a) Das Ästhetische oder die wiederholte Unmittelbarkeit (der
Verführer) 72
b) Das Ethische oder das verdoppelte Interesse (der Ehemann) . 82
c) Das Religiöse oder die „Doppelbewegung der Unendlich-
keit" (der Glaubensritter) 89
3. Die Selbstwerdung 96

IV. Die Grenzen derWiederholung 147

Quellenverzeichnis 161

Anmerkungen 163

eine ganze Generation dazu ge- bracht wird. was in dialektischer Existenz mühsam gewachsen ist. sind gerechtfertigt auch durch Kierke- gaards eigene Methode. die sich daraus ergeben . allein schon der geistesgeschichtlichen Konstellation wegen. daß Verstehen sich sozusagen im Kurzschluß vollzieht: indem es zum billigen Resultat macht. von dem die philosophische Diskussion beseelt war. Diese Untersuchung sieht es daher auch keineswegs als ihre Aufgabe an. Allerdings ist dieses Ganze derart komplex. Wie man weiß. Es gilt dabei zu unterscheiden zwischen Pseudonymen. sondern dialektisch (dialogisch) über sich hinauszuwachsen. eine Gemeinschaft. wohl aber ein besonders günstiger.wie sehr hat schon Kierkegaard darüber geklagt! -. damit das Ganze fast zwangsläufig mit in die Betrachtung einfließt. der es entstammt. durch das ein Individuum. kaum etwas Wesentliches vermißt werden. ehe sie in einer Art babylonischer Sprachverwirrung zu einem Nebeneinander weltanschaulicher Positionen verweste. daß man es auf verschiedenen Denkebenen wiederholt in Angriff nehmen muß. Darauf. einkreisender statt zupackender Denkvorgang -. Nachteile. wird kein Wert gelegt. jenes kritische Bewußtsein zurückzugewinnen. die im Prinzip des Autors . fruchtbringender Dialog entwickeln kann. Wenn etwas in unserer Zeit zu einer Kunst geworden ist . sondern jenes sokratische Nichtwissen und Zuhörenkönnen. die nicht ohne weiteres die Überzeugung des Autors wiedergeben. daß man es nur an einer zentralen Stelle anzuge- hen braucht. Sie ist viel- mehr gedacht als ein Beitrag zum Versuch. daß alle von Kierkegaard aufgegriffenen Themen und Probleme zur Sprache kommen. und Pseudonymen. Das Werk des Dänen ist für ein solches Vorhaben sicherlich nicht der einzige mögliche Ausgangspunkt. daß sich über die Zeiten und alles Trennende hinweg ein wahrhafter. ist Kierkegaards indirekte Form der Mitteilung vor allem durch den gezielten Gebrauch von Pseudonymen gekennzeichnet. obwohl sie Verkörperungen seiner Lebenserfahrungen sind. nicht immer nur steril sich selbst zu reproduzieren. So wenig ist Kierkegaards Werk aphoristisch oder gar der momenta- nen Eingebung verpflichtet. Kierkegaards Schriften auf „Zeitgemäßes" und „Unzeitgemäßes" abzuklopfen. 11 Einleitung Die hier vorliegende Schrift will eines nicht: Kierkegaard von irgendwelchen ideologischen Voraussetzungen her bestätigen oder widerlegen. Die Wiederholung ist also nicht allein das Thema. die aus gutem Grund zu verhindern trachtet. .Dennoch dürfte. Sie will vielmehr Kierkegaard so zu Wort kommen lassen. sondern in gewisser Weise auch die Methode der vorliegenden Untersuchung.ein etwas umständlicher und langwieriger. wenn die Intention der Untersuchung sich erfüllt. dann bestimmt nicht das Wissen und Reden.

der dieses Phi- losophieren durchwaltet. sondern Denkebenen. Auch und gerade für Kierkegaard gilt Hegels Satz. daß die verschiedenen Pseu- donyme nicht einfach verschiedene Ansichten darstellen. .Hieraus leitet sich dann ganz von selbst die Forderung ab. Denn es hieße einen Alptraum des Dänen wahrmachen. mit denen man alles belegen und die man nötigenfalls gegeneinander ausspielen kann. obwohl sie als Vorbilder für ihn unerreichbar bleiben. wie sie ähnlich jeder einzelnen Interpretation gesetzt sind. Brechungen der Reflexion im Prisma existierender Subjektivität. Das Muß wird diktiert von Grenzen. deren Stimmigkeit herzustellen und deren Unstimmigkeit aufzudecken ist. im Zusammenbang zu interpretieren.12 eigene Überzeugung vertreten. wollte man sein durchleb- tes und nicht selten durchlittenes Denken in einem abgeschlossenen System zum Gerinnen bringen. daß die Wahrheit das Ganze ist! Bei aller aufgebotenen Mühe und Sorgfalt kann diese Schrift aber lediglich die Richtung weisen. und das heißt: im Bewußtsein des Stellenwertes der einzelnen Schriften und Aussagen. daß die „wesentliche Wahrheit" wesentlich der selbsttä- tigen Aneignung durch den persönlichen einzelnen bedarf. Der christlich-humanistische Geist. . Vieles muß. Gleichzeitig muß man aber bedenken. die von der Einsicht geprägt ist. manches soll Andeutung bleiben. das Soll vom Charakter des zu interpretierenden Werkes. erfordert eine Form der Wiedergabe.

Neben den Theologen. Kierkegaards Erlebnis bestand bekanntlich in seiner unglücklichen Liebe . so einzig und allein mit der Absicht. auf die Person dessen. braucht nicht zu überraschen. Unser Autor gehört ganz offensichtlich zu jener Art von Menschen. bedeutet fast mit Notwendigkeit. Die Frage nach der Wiederholung 1.„uno tenore" sind. Die Persönlichkeit Kierkegaards Kierkegaard interessiert nicht nur die Philosophen. den reduktionistischen Grundgedanken der Marxschen Theorie auch und gerade an ihr als universales Interpretationsin- strument zu erproben.Kierkegaards Werk von der Person her (psychologisch. weil bei ihm Leben und Werk eine in existentiellem Denken bewußt angestrebte Einheit bilden . und wurde der offene.durch vorsorgliches sich Verbergen hinter Pseudonymen eher ermutigt als abgehalten . der zur Debatte stellt. einen möglichst natürlichen. um so mehr ging das philosophische Anliegendes Interpretierten verloren. kann einem Denker in Wirklichkeit zum Verhängnis werden. Vor allem der marxistisch orientierte Soziologe mußte sich durch die Ausnahmeerscheinung des Dänen angesprochen und förmlich dazu herausgefordert fühlen. aus der vielfälti- gen und vielschichtigen Abwandlung eines einzigen Grundmotivs zu beste- hen scheint. abgelenkt wird.t chend aus lauter Variationen zu ein und demselben Thema. Und in der Tat: Je konsequen- ter die Interpretation sich bemühte . deren Interesse an einem ebenso prominenten wie zwielichtigen Mitstreiter ohne weiteres einleuchtet. was zur Debatte gestellt wurde. deren geistiges Schaffen durch ein großes Erlebnis bestimmt ist und dementspre. ihre Auseinander- setzung mit der Philosophie Kierkegaards von dessen Person her zu führen. haben sich auch die Psychoanalytiker seiner angenommen. der ursprünglichen Denkbewe- gung gemäßen Zugang zu den Problemen zu gewinnen. soziologisch oder auch theologisch) ein für allemal zu „entschlüsseln". Wenn dennoch an ihrem Anfang der Veranlagung. Ein solcher Einstieg in die Erörterung erscheint bei Kierkegaard deswegen besonders angebracht. die hier anstehen. Die vorliegende Untersuchung wird sich davor hüten. Ein „dankbarer Fall" für Psychologen und Soziologen (welcher Schule auch immer) zu sein. produktive Dialog durch eine monologische Explikation der je eigenen Voraussetzungen verdrängt. der Erziehung und der sozialen Stellung dieses Denkers nachgefragt wird. für die er zweifellos ein ungewöhnlich dankbarer Fall ist. Was auf den ersten Blick wie ein Vorteil aussieht: im Schnittpunkt weitgestreuter Interessen zu stehen. - Daß man ferner von soziologischer Seite auf ihn aufmerksam wurde. Und Kierkegaard erwies sich einmal mehr als dankba- rer Fall. daß die Aufmerksamkeit von dem. 13 I.

doch für ihn typische Weise ist er ihr Zeit seines Lebens treu und innerlich verbunden geblieben.und scharfsinnig noch dazu. mein Leben von der Kindheit an bis zu der Zeit. . Es gelang ihm sogar. zerbrochene Formen aus sich nachzuformen".hatte er sie kennengelernt. h. Obwohl der Däne zu diesem Zeitpunkt erst 28 Jahre alt war und bis zu seinem Tod noch 14 Jahre zu leben hatte. wie ich von meiner frühesten Kindheit an und Schritt für Schritt in meiner ganzen Entwicklung in voraus bereitet worden bin eben die Art Schriftsteller zu werden. und meint. Die autobiographische Schrift „Der Gesichtspunkt für meine Wirksamkeit als Schriftsteller" enthält hierzu folgende Bemerkung: „Über meine vita ante acta (d.auch und gerade sein Profil als Schriftsteller . sagt er mit Bezug auf das Regine-Erlebnis. „Man denke hier . besonders wenn er so direkt und unbekümmert gehand- habt wird wie bei Martin Thust.mit 24 Jahren . da ich Schriftsteller wurde) kann ich hier nicht ausführlich mich ergehen. Nietzsche spricht einmal von der Kraft. blieb Regine die einzige Frau. „und die Liebesgeschichten. zu der er in ein näheres Verhältnis trat. Vergangenes und Fremdes umzubilden und einzuverleiben. 1840 verlobte er sich mit ihr. Verlorenes zu ersetzen. verschiedener Faktoren bestimmten Wesen. Auf sonderbare. die diese Kraft so wenig besäßen. und schon ein Jahr später löste er das Verlöbnis wieder auf. die ich wurde. haben wir zu einem guten Teil Kierkegaard selbst zu verdanken. Kierkegaard mag an seinem Erlebnis tief und nachhaltig gelitten haben: daran zugrunde gegangen ist er jedenfalls nicht. . wie etwa durch das harmlos anmutende Bekenntnis: „Mit einer unzeitigen Ängstlich- keit habe ich die zu nahe Berührung mit den Erscheinungen zu vermeiden gesucht. deren Anziehungskraft vielleicht zu große Gewalt über mich aus- . vom Zusammenwirken vieler. daß seine Persönlichkeit . daß sie an einem einzigen Erlebnis. Erwähnenswert zunächst Kierkegaards Einsicht. 1837 . in denen Kierkegaard mit geradezu selbstquäleri- scher Insistenz den Ursachen seiner Vorzüge und Schwächen nachfragt. an einem einzigen Schmerz wie an einem kleinen blutigen Riß verbluteten1. noch stark den Umwelteinflüssen überantworteten Phasen der Entwicklung ge- prägt wurde. es gebe Menschen. aus dem Scheitern der angestrebten Verbindung reiches geistiges Kapital zu schlagen. Wun- den auszuheilen. wie merkwürdig es für mich auch ist.Ein Vergleich Kierkegaards mit Goethe erscheint mir aber mehr irrefüh- rend als erhellend. "3 Detailliertere Einblicke in die angedeuteten Zusammenhänge gewähren vor allem die Tagebücher. als er sich bewußt ist. . „aus sich heraus eigenartig zu wachsen.14 zu Regine Olsen. der stets sehr nüchtern und freimütig über sich gesprochen hat .schon in den ersten. die er abbrach und gerade so dichterisch nacherlebte und weitergestaltete!"2 Wie sehr Kierkegaards Verhaltensweise an die anderer großer Persönlich- keiten erinnern mag: wirklich zu verstehen ist sie nur aus seinem eigenarti- gen. Natürlich verrät er dabei nicht selten mehr. Daß uns dieses nicht weitgehend verborgen bleiben muß. etwa an Goethe".

. an seiner Hand die Diele auf und nieder zu spazieren."6 Von Anfang an. wo es hingehen sollte. denn der Vater vermochte alles. aber eindringliche Weise. selbst zusammenbrach . autobiographisch zu verstehenden Sätze schil- dern diesen Vorgang auf etwas naive. so . oder umher in den Straßen. . ausgehen zu dürfen. daß Zeiten kamen. wertende Trennung zwischen Geist und Sinnlichkeit. er barg etwas ganz anderes in sich.und das persönliche Erlebnis dieses Nachfahren des Heiligen Antonius .ein Kind. wurde er zumeist abschlägig beschieden. Sie gingen dann aus dem Tore. Die Zusammenhänge sind klar: „Daß der Fremdheit des Sinnlichen vor dem Bewußtsein Angst ent- springt. oder hinaus zum Uferstrand. daß gerade sein Vater derjenige war. auf wahnsinnige Weise dazu verkleidet ein schwermütiger alter Mann zu sein. die Früchte der Straßen- händlerin waren einladender denn je. in den Ereignissen um Regine nur besonders deutlich zutage tretendes Spannungsverhältnis zur Umwelt: die in pietisti- scher Erziehung gründende scharfe. und doch ging es damit ebenso wie mit der Friesjacke. die nicht von ungefähr eines seiner zentralen Themen wurde. wohingegen der Vater gelegentlich zum Entgelt ihm vorschlug. alles gemäß dem wie Johannes es wollte. der sich auf mich gelegt hatte. sie grüßten die Vorübergehenden. unter denen der schwermütige alte Mann. menschlich gesprochen. Er erzählte alles so genau. die Johannes bekannt war. fast systematisch bekam Kierkegaard also den Keim jener Schwermut eingepflanzt. . Dies war beim ersten Augenschein ein dürftiger Ersatz. so gegenwärtig bis zur unbedeutendsten Einzelheit. ." 4 Diese Sätze enthüllen die wohl entscheidenste Ursache für Kierkegaards permanentes.Und natürlich auch den Keim der Angst. Wagen ratterten an ihnen vorüber und übertäubten die Stimme des Vaters. den Vater stets aufs innigste geliebt zu haben. daß er. wenn er eine halbe Stunde mit dem Vater spaziert war. da mir das Christentum vorkam als die unmensch- lichste Grausamkeit. auf wahnsinnige Weise erzo- gen: bereits in der frühesten Kindheit hatte ich mich verhoben an den Eindrücken. Seine Versicherung. "7 Unter der konsequenten Anleitung seines Vaters lernte Kierkegaard auch bald. „Als Kind ward ich streng und mit Ernst im Christentum erzogen. Während sie so die Diele auf und nieder gingen. die ihm dann sein ganzes Leben hindurch zu schaffen machte. was sie sahen. zu einem naheliegen- den Lustschlößchen. 15 üben würde. „Wenn Johannes zuweilen um Erlaubnis bat. Der Vorschlag ward angenommen. klingt dabei wie eine Selbstvergewisserung und dient als Legitimation für das Eingeständnis. so lebendig. war christliche Tradition . welche wie ein Riß den gesamten Kosmos durchzieht5. Kierkegaard hat später genau gesehen. und es wurde Johannes ganz überlassen zu bestimmen. sich als Ersatz für die tabuierte Außenwelt ein „inneres Reich" zu errichten. Die nachfolgenden. wie verhängnisvoll ihm die väterli- che Erziehung geworden ist. erzählte der Vater alles. der ihn unglücklich machte. Fürchterlich! Was Wunder denn.

als wenn er einen ganzen Tag aus gewesen wäre. an Natürlichkeit und Spontaneität mit sich bringt: eine bewußtere. darf nicht vergessen werden.So Adorno10. zu sehen. meine Bestimmung zu verstehen. daß ich tun soll. die Idee zu finden. nicht darüber. aber entsprechend von ihm gezeichnete Rentner und Private. . die Szenerie bürgerlicher Woh- nung in die Hand. das für ihn Wesentliche (die „Idee") und letztlich Entscheidende (die „Bestimmung") ausfindig zu machen und zu realisieren. von „schlechtem Idealismus".es sei denn. Jahrhunderts erscheint ihm der dänische Philosoph als der typische kleinbürgerliche Repräsentant kapitalistischer Gesellschaftsord- nung. wenn er in sein Tagebuch hineinschreibt: „Was mir eigentlich fehlt. Doch abgesehen von der Fragwürdigkeit solcher verallgemeinernden und leicht abqualifizierenden Diagnosen. gegen sie anzukämpfen. deren Chiffre das Interieur angeblich ist. es gilt eine Wahrheit zu finden. die als „Interieur" die Ökonomische Bedingtheit seines philosophischen Standorts symbolhaft sichtbar machen soll.kehrt später in abgewandelter. daß ich mit mir selbst ins Reine darüber komme. die es dem einzelnen erlaubt. dialektische Daseinsweise zu entwickeln. Es kommt darauf an.Kierkegaard spricht rückblickend sehr tref- fend von einem fast vegetativen Hindämmern in der Phantasie . Den Schlüssel zu einer solchen Interpretation gibt ihm das von Kierkegaard gelegentlich gebrauchte Bild. daß Kierke- gaard seine Fehleinstellung nicht nur gesehen. „objektlosen" Innerlichkeit. die der Mangel an Unmittelbarkeit. und man hat darin ein typisches Symptom von Psychasthenie zu erkennen geglaubt. mani- festiert sich laut Adorno der untätige. Nicht umsonst hat man ihn den „Sokrates des Nordens" genannt. was ich tun soll. Kierkegaard hat diese Chance auch tatsächlich zu nützen gewußt und eine Lebenseinstellung gewonnen. Anstrengungen dieser Art läßt bereits der Zweiundzwanzigjährige erken- nen. Wie dieser durch den Reflexionsspiegel am Fenster „nur den Schein . von der Ohnmacht „reiner Innerlichkeit" und führt all das auf die sozio-ökonomischen Verhältnisse und die entsprechende „geschichtliche Konstellation" zurück. Genau hier setzt nun aber die Kritik des marxistisch orientierten Kierke- gaardinterpreten ein. die Wahrheit/«r mich ist. sublimierter Form allenthalben wieder. was die Gottheit eigentlich will. Damit war er in der Lage. die ihn sowohl zur nüchternen Kritik als auch zum leidenschaftli- chen Engagement befähigte. Vor dem Hintergrund der ersten Hälfte des 19.16 überwältigt und müde geworden war. ja sie zum Motiv seiner gesamten Bestrebungen zu machen."8 Dieses abnorme Verhalten . sondern auch in ihrer Her- kunft durchschaut hat."9 Mit den letzten Sätzen ist zugleich die Chance angedeutet. was ich erkennen soll . Er spricht von „Subjektivismus". ist. für die ich leben und sterben will. soweit Erkennen jedem Handeln vorausgehen muß. In der bloßen. vom wirtschaftlichen Produktionspro- zeß ausgeschlossene.

denn für Kierke- gaards Typus läßt der fortschreitende Konkurrenzkampf bald keinen Raum mehr. was ich geworden bin. Die in der ständig zunehmenden Entfremdung verzweifelt beschworene Unmittelbar- keit zeigt sich ihm nur im mythischen Bild. die sie dem Privaten nur widerruflich spendet. entweder wahnsinnig zu werden oder hindurchzudringen. zu verschlun- gen und zu widersprüchlich sind. daß zwischen der sozio-ökonomischen Lage und dem geistigen Schaffen Kierkegaards ein Zusammenhang besteht. die nicht unvermittelt philo- sophische Lehrgehalte aus der ökonomischen Lage der Philosophen her- leitet12. das furchtbare Geheimnis meiner Schwermut zu bewahren. Einen Umstand gilt es hier vor allem festzuhalten: daß Kierkegaard den von Adorno thematisierten Zusammenhang selbst gesehen und in aller Offenheit bedacht hat. sind Leib und leibliche Voraussetzungen. „Hier steckt doch in gewissem Sinne mein ganzes Unglück". in der sich. so verfügt er überhaupt über „bloß reflektierte und reflektierende intersubjektive Wirklichkeit".Z u diesem Bild paßt nach Adorno auch ein weiterer kleinbürgerlicher Zug Kierkegaards: sein „ohnmächtiger Haß gegen die Verdinglichung". Die Aufgabe philosophischer Kritik sieht Adorno darin. mit Karl Marx gesprochen. Überhaupt muß gesagt werden. um sich so einfach auf einen Nenner bringen zu lassen. so sicher ist es auch. Was mir eigentlich fehlt. Aber dann wäre ich auch nicht geworden." . Aber so werde ich denn wieder völlig andersartig als die Menschen im allgemeinen. das im Interieur von historischer Dialektik und ewiger Naturmacht gestellte Rätsel- bild aufzulösen. derart. nur der kapitalistisch Mächtige wohl und bestätigt fühlt. daß sie den „realen Grund" idealistischer Innerlich- keit im Geschichtlichen wie im Vorzeitlichen zu erreichen sucht". daß mit diesem Aufweis noch längst nicht über Wert und Gültigkeit seiner Philosophie entschieden ist. Er ging dabei so weit. Nun glückte es mir. daß die philosophischen Gedankengänge des Dänen viel zu komplex. Das ist es denn auch. „In seiner Philosophie kann das erkennende Subjekt sein objektives Korrelat so wenig mehr erreichen wie in einer von Tauschwerten besetzten Gesellschaft dem Menschen die Dinge in ihrer . Auch reicht die kritische Durchleuchtung des Standortes seiner Kritik nur bis zur Forderung einer „vorsichtigen Interpretation".Ich wäre gezwungen gewesen."" Angesichts . einen Salto mortale zu machen in die reine Geistes-Existenz. . . 17 von Dingen" in seine Wohnung bringt.Adorno macht es sich diesbezüglich zu leicht. Und auch dies nicht mehr lange. was Adorno mit seiner Kierkegaardinterpretation leisten möchte. weil er die Entfremdung als seine eigene Macht versteht und in ihr den Schein einer menschlichen Existenz besitzt. So sicher es ist. schreibt Kierkegaard in seinem Tagebuch und fährt fort: „hätte ich kein Vermögen gehabt. die Natur als Urgeschichte.Unmittelbarkeit' zugänglich sind. seine ökonomische Lage und seine soziale Stellung als die conditio sine qua non für sein geistiges Schaffen hinzustellen. so wäre es mir niemals möglich gewesen.

die nicht so ohne weiteres als falsches Bewußtsein abgetan werden kann . Dieses andere Extrem. ja Krankhafte an seiner Haltung der angstvollen und schwermütigen Abkapse- lung zu Bewußtsein kommen.so etwa das harmlose Bordellerlebnis -. Es war . blieb ihm äußerlich. schlicht als unkorrekt. Was andere Menschen.?" Verzweifelt versuchte Kierkegaard das belastende Erbe ab- zuschütteln. als Kunst der Täuschung. es sei denn . so blieb auch sein Schuldgefühl stets wach.eine Zeitlang hatte er sogar eine eigene Wohnung . konnte ihn nicht befriedigen. den Menschen von der Menge und den materiellen Verhältnissen her zu bestimmen . den Geschlechtstrieb selbst als Sünde auffaßte . das steigerte sich in seiner inquisitorisch geschulten Phantasie geradezu ins Ungeheuerliche. daß er aufgrund seiner religiösen Überzeugung . wurden wach. Wie. Denn das Christentum.18 solcher Analysen erweist sich die Behauptung. daß seines Vaters Schwermut und übertriebene Frömmigkeit zu einem guten Teil von Vergehen herrührten. wenn überhaupt.die gesellschaftliche Frage hintangestellt hat. die „ästhetische" Lebensweise. Kierkegaard habe im Sinne eines „ursächlichen Zusammenhangs" die gesellschaftliche Frage verleugnet und gerade dadurch die gesellschaftliche Bedingtheit seines Denkens aufge- deckt. Bestärkt wurde er in seinem Vorhaben durch die mehr zufällige Entdek- kung. um das er sich im wahrsten Sinne des Wortes betrogen fühlte.Zweifel an der Lauterkeit der Motive. die als Ersatzbefriedigung eine große Faszination auf ihn ausübte15. . konnte es nicht ausbleiben.„gemäß dem Schmerz der Schwermut" . „wo die Sonne niemals am Horizont erscheint" -sehr bald durchschaut hatte. Wie seine Schwermut. Er entfremdete sich dem väterlichen Hause . Aber er fand nicht das. der sehr ausschweifend gewesen wäre. gerade um seinen Sohn von dem gleichen Recht abzuschrecken. was er suchte: jenes normale Leben. verbietet es. so schien es ihm. sich sehen und seines Witzes wegen feiern zu lassen. . daß er auszubrechen versuchte. Und da er den Zusammenhang zwischen dieser seiner Haltung und der Atmosphäre seines Elternhauses -vergleichbar mit der eines Landes. Das Regine-Erlebnis und die Konzeption der Wiederholung Als Kierkegaard bei Aufnahme des Studiums erstmals wirklich mit der Umwelt in Berührung kam. „wenn ein Mann. denn er liebte es.und führte das Leben eines vornehmen Müßiggängers. mußte ihm notgedrungen das Unnatürliche. 2. die bislang so übermächtig sein Leben bestimmt hatten. die er sich vor Jahren hatte zuschulden kommen lassen14.als Maskerade. In Kopenhagens Kaffeehäusern und Gesellschaften war er häufig anzutreffen. als belächelnswerte Schuld empfunden hätten .auch wenn dies faktisch gerechtfertigt erscheinen mag. Die Wahrheit ist. .

gab es für ihn nur ein Entweder- Oder: entweder sich selbst aufgeben oder Regine. aber niemals aufgegeben. änderte sich an Kierkegaards Grundeinstellung kaum etwas. Die Vorstellung." Mehr noch. daß er außerstande sei. ohne auch nur einen Fuß in es hineingesetzt zu haben17. echteren Da- sein aufstoßen. „Da ahnte ich. ohne ihm etwas Wesentliches abzufordern. .nachdem er bereits fünf von insgesamt sechs Geschwistern verloren hatte. Ahnlich verhielt sich Kierkegaard.zumal in seinem Verhältnis zur Sinnlichkeit -. daß über seiner ganzen Familie ein schrecklicher Fluch laste. aufgeben würde. Doch das Sichfinden im anderen will gelernt sein! Wenn Kierkegaard darüber klagt. was er an sich so schmerzlich vermißte: Jugend. der ein großes Landgut übernommen hat und nicht damit fertig wird. daß er sich vorkomme wie jemand. als er mit noch weitaus schwierigeren Problemen konfrontiert wurde. daß die hervorragenden Geistesgaben unserer Familie nur da seien. wann er moralisch zusammenbrechen und diesen gewaltsamen Versuch. sondern eher ein Fluch. Regine verkörperte auch alles. den Mut. da fühlte ich die Stille des Todes um mich wachsen. . Das Sichfinden im anderen verlangt aber nicht zuletzt Selbstpreisgabe. „ausgestrichen werden von Gottes gewaltiger Hand. Kierkegaard scheint gehofft zu haben. es kennenzulernen. Obwohl dieses „unfehlbare Deutungsgesetz" bald darauf ins Wanken geriet . wenn ich in meinem Vater einen Unglücklichen sah. starb überraschenderweise der Vater -. Regine werde „dem so un- glücklich und qualvoll Gefangenen" die Tür zu einem neuen. ein Grabkreuz auf dem Grab all seiner eigenen Hoffnun- gen. Mit der Gewißheit eines Gesetzes und der Vehemenz eines Erdbebens stieg in ihm der Gedanke auf. Um das Jahr 1838 war es dann so weit. das andere ganz und gar nicht kennt. Mit sophistischem Scharfsinn versucht er die Schwierigkeit zu überwinden: Er denkt sich zwei aneinander grenzen- de Reiche. Lebenslust. sich dem anderen zu überant- worten. daß meines Vaters hohes Alter kein göttlicher Segen sei. seinem Schatten zu entfliehen. ausgelöscht wie ein mißglückter Versuch"16. um einander gegenseitig aufzureiben. glaubt er eine Vorstellung desselben gewinnen zu können. sich selbst aufgeben zu müssen . Als er dann merkte. zu einem anderen im tiefsten Sinne du zu sagen. der uns alle überleben sollte. so dokumentiert er damit zugleich und vor allem sein Unvermögen. Der Prädestinationsglaube wurde etwas mo- difiziert und gemildert. die ganze Familie sollte verschwinden. daß davon keine Rede sein konnte. im tiefsten Sinne zu sich selbst du zu sagen -. 19 eigentlich nur eine Frage der Zeit. Sorglosigkeit. von denen er das eine ziemlich genau.In einem seiner Bekanntenkreise lernte er Regine Olsen kennen und verliebte sich sogleich in sie. indem er nun beständig der Grenze des ihm bekannten Reiches entlanggeht und dabei den Umriß des unbekannten Reiches beschreibt.

Der Gott. geht der Gedanke." Regine wird damit folgerichtig zur verkörperten Versu- chung . Kierkegaard sieht sich in die Situation Abrahams gestellt. meinen Leidenschaften usw. Im Sinne dieses Gesetzes verwandelt sich seine menschliche Unzulänglichkeit in eine Auszeichnung: den „Pfahl im Fleisch". Es ist der Gott des Alten Testaments. meine gewiß außerordentliche Kraft behalten habe. daß ich in einem außerordentlichen Maße Christ sei. . den prüft er nämlich besonders hart. daß ich im tieferen Sinne dahin kam. wie ein Vogel.gemäß der christlichen Vorstellung von der besonderen Sündhaftig- keit der Frau. so steht es mit mir. daß man ihm das Liebste aufopfert. dazu gebraucht. Wäre ich mit meiner Phantasie. sei es. vor einen Wagen gespannten Schindmähre. „Gefangen werden sollte ich. weil die Mähre den Futtersack verkehrt umgehängt bekommen hat. ihr zu helfen. sei es aus eigener Ungeschicklichkeit. die den Futtersack vor dem Maul hat und doch nicht fressen kann.20 ängstigte ihn dabei so sehr. so hätte sie gesiegt. Und ich mußte dadurch gefangen werden. Dazu wurde ein Weib gebraucht. bei dem Kierkegaard Zuflucht sucht. Er entzieht sich der Zerreißpro- be."20 Ein anderes Mal vergleicht er sich . „Es blieb nur eines zu tun: mit aller Gewalt abzustoßen."18 Wieder hilft ihm ein göttliches Deutungsgesetz aus dem Konflikt. daß da in jeder Generation zwei oder drei sind. das Schmerzhafte in etwas Tröstendes. Aber gebunden in qualvollem Elend. daß sich seine „Natur" schließlich „gewaltig" dagegen erhob. die für die andern geopfert werden. während mir in einem andern Sinne das Außerordentliche vergönnt ist.mit einer alten. was den andern zugute kommt. so hätte ich das Christentum wohl sogar völlig vergessen. . ich behaupte nicht. und niemand daran denkt. hätte ich nicht geglaubt. ist grausam. in Furcht und Zittern zu ihm aufzusehen. Eifersüchtig verlangt er.vielleicht noch treffender . In einer Tagebuchaufzeichnung mit der vielsagenden Überschrift „Etwas mich selbst Betreffendes. Wer von ihm geliebt wird. in entsetzlichen Leiden zu entdecken." . daß sich sein Akt der Stärke zugleich als ein Akt der Schwäche enthüllte: der heroische Gehorsam als die Unfähigkeit zur Realisierung des Allgemeinen. Doch auch dieses Deutungsgesetz wurde alsbald in Frage gestellt. „Weit zurück. was stets festgehalten werden muß" legt er folgen- des Geständnis ab: „Ich habe niemals behauptet. Aber gerade die einfachsten Bedingungen des Menschseins sind mir versagt. O nein. mit mir selbst zu streiten . in meiner Erinnerung." Diese lapidare Feststellung wird dann noch durch folgende aufschlußreiche Bemerkung ergänzt: „Sie kämpfte wie eine Löwin. einen göttlichen Widerstand zu haben. . im gewöhnlichen menschlichen Sinne: Mensch gewesen. ein Weib. indem er gehorcht und das erwartete Opfer vollbringt. hat allen Grund. welches weiblich streitet durch Schwachheit. dem an Gehorsam mehr gelegen ist als am Fett von Widdern19. Bei Kierkegaards gnadenloser Selbstanalyse konnte es nicht ausbleiben. dem man die Flügel gestutzt hat. während ich doch die ganze Kraft meines Geistes.

. daß seine immer schon rege.und schrieb eine Abhandlung über das Problem der Wiederholung. . Und was willst Du jetzt. Denn eine kritische Stimme sagte ihm: Schwermut ist Sünde. ob es dazu eine Stunde brauchen würde oder lA Jahr .?" Resolute Schlußfol- gerung: „Hätte ich Glauben gehabt. daß sie es besser haben wird. daß der Eindruck der aufgehobenen Verlo- bung nicht zu verwinden wäre."23 Kierkegaards Enthusiasmus gilt dem Umstand. die er später nur noch zu kommentieren und zu ergänzen brauchte. ." Und auf echt protestantische Weise wird das Willensproblem dann in ein Glaubensproblem umgewandelt. ist eigentlich die Mutter aller Sünden. das habe ich jetzt eingesehen. bei Regine zu bleiben . . ob er die Forderung der Gottheit auch richtig verstan- den hat. . schreibt er an seinen Freund Boesen: „Hab ich Dir nicht bereits in meinem ersten Brief gesagt. wovon ich nicht wußte. als wenn sie allein steht. sie ist die Sünde. „daß ich keinen Glauben hatte."22 Die Idee der Wiederholung hat Kierkegaard vom ersten Augenblick an fasziniert. Schmerz wird es allezeit genug geben. daß ich sie ja nicht zurückkehren lasse. 21 Diese Einsicht konnte Kierkegaard aber wiederum nur dazu veranlassen. Mehr verlange ich nicht.? Das will ich nicht. Gott sei Lob und Dank. was ich mir wünschen konnte. sondern ich sage lediglich. dazu kommt. „Meine Sünde ist es". Und daß Kierkegaard tatsächlich an eine Wiederho- lung dachte. soll ich jetzt etwa schwan- ken. sie zu vergessen . Aus Berlin. so folgert er weiter. Ich habe im gewissen Sinne schon gewonnen."" Damit waren alle subjektiven Voraussetzungen geschaffen. ja gerade wegen seiner Schwermut. es wäre unverantwortlich .ein Wink . falls sie zu mir zurückkehrte? Dergleichen fürchte ich nicht. daß noch nicht die Rede davon sein kann. Es erscheint ihm plötzlich zweifelhaft. „Schwermütig wird ein Mensch nur durch eigene Schuld.eine Idee . von da her Kierkegaards Verhalten . .trotz. Man hat geglaubt. aber gewissermaßen gegenstandslose Phantasie mit einem Mal zu einem wahren Springquell geworden war. das Deutungsgesetz zu modifizieren. daß für Gott alles möglich ist. die Verbin- dung zu wiederholen. nicht tief und innig zu wollen. wohlgemerkt: die Idee! Denn statt sich entschlossen um eine Wiedergewinnung Regines zu bemühen. davon legen die Briefe und Tagebuchnotizen aus jener Zeit ein beredtes Zeugnis ab. Innerhalb kurzer Zeit entstanden jetzt die meisten seiner Hauptwerke. Boesen gegenüber jubelt er: „Jetzt bin ich wieder flott. aber wo ist die Grenze dazwischen und zwischen dem Versuchen Gottes .dem Weisen ist es genug. oder ob es nicht vielmehr seine religiöse Pflicht gewesen wäre. den er durch schriftstellerische Produktion gar nicht schnell genug auffangen konnte. jetzt etwa mich fürchten. jetzt klettere ich. Dieser auffallende Umstand hat Anlaß zu einem verbreiteten Mißver- ständnis gegeben. wohin er sich nach Auflösung des Verlöb- nisses in geistiger Not geflüchtet hatte. setzte er sich hin . weil ich ihr goldene Berge verspreche. so wäre ich bei Regine geblieben. nicht es aufzuheben. Glauben daran.

aus dem er seine Dichtungen schaffen konnte: das Verhältnis zwischen Mann und Frau. daß er imstande sei. das heute. Letzteres lag auch gar nicht in Kierkegaards Absicht. „Ich strebte durch mein persönliches Existieren die Pseudonyme. so war das Teil seiner Methode philosophischer Wirksamkeit. sondern umgekehrt: weil seine Liebe unglücklich war. Ähnlich wie Martin Thust. dann ist dem Begriff des Dichterischen durchwegs ein unkonventioneller Sinn unterstellt. die ganze ästhetische Schriftstelle- rei zu unterstützen". sein Leben „dichterisch in der Hand zu halten". . seine ganze dichterische Gabe zum Leben erweckt. Schauspieler zu werden. Die Aufgabe des Dichters ist nicht. bekennt freilich auch. Das Verhältnis zu Regine hatte ihm den Stoff beschert. meint auch Peter Rohde: „Das Verhältnis zum Vater hatte. mit der die ästhetische Lebensweise gerade überwunden. . erklärt er selbst. aus der Distanz zu den literarischen Moden und zum Dandytum jener Epoche. der bereits zitiert wurde. daß die Schwierigkeiten. So erinnert er in einem Brief an Boesen daran. eine gewisse Befriedigung bei diesem Leben der „umgekehrten Täuschung" gefunden zu haben . noch deutlicher wird er mit der folgenden Feststellung: „Was ich oft genug gesagt habe. damit ich durch das Eingehen in die Rolle eines anderen sozusagen einen Ersatz für mein eigenes Leben bekäme und durch die äußere Abwechslung eine gewisse Zerstreuung fände.was darauf hindeutet. das Fehlen von Unmittelbarkeit zu kompensieren."25 In der Tat. aber die Produktion konnte nicht beginnen. Das war es. sondern es zu erinnern. kann ich nicht oft genug wiederholen: ich bin ein Dichter. dialektisch aufgehoben werden soll.'1" Gerade weil sich diese doch reichlich simple Theorie durch Aussagen des Dänen beziehungsweise seiner Pseudonyme belegen läßt. ohne jedoch wirklich ein Dichter zu werden. was mir fehlte: ein vollkommen menschliches Leben zu führen und nicht bloß eines der Erkenntnis .Wenn er dennoch mit der Dichterexistenz kokettierte. ehe sie nicht selber aus dem Bild verschwunden war. „Deshalb konnte ich auch wün- schen. Ausdruck des schon erwähnten Bedürfnisses. Kierkegaards Leben war ein Leben der Erkenntnis. und sein Werk infolgedessen als Dichtung. und seine „Dichtung" wie auch seine „Dichterexistenz" nur ein „nachgemachtes Ding". suchte er Zuflucht in der Dichtung. weil er sehr schnell erkannte. mehr denn je als ein solches durchschaubar ist26. . aber einer ganz eigener Art. Bezeichnet sich Kierkegaard allen Ernstes als Dichter. Daher mußte er zustoßen. vor die Regine ihn gestellt hatte. . daß die Täuschung zugleich „eine notwendige Ergießung" war.22 Regine gegenüber als die notwendige Reaktion eines Dichtergenies interpre- tieren zu müssen. indem es die Phantasie stärkte. Regine hatte ihn zum Dichter gemacht. bedarf es der Richtigstellung! Kierkegaards Liebe ist nicht deswegen gescheitert. denn das Dialektische ist die Naturbestimmung meines Wesens . dichterisch nicht zu bewältigen waren. weil er durch sie seine Dichter-Qualitäten entdeckte."2? Wie aus diesen . . ein Verhältnis zu leben.

„Alle Liebe bezieht sich auf Gegenwart. daß wir alles lieben können. bei Fortsetzung dieses Glücks von einer immer gleichen Anmut begleitet wird. sondern jenen. müsse von Anfang an in unser Inneres eingehen und ewig bildend in uns fortleben. um das Letzte auszusprechen: die Liebe des Göttlichen strebt immer danach. schreibt Kierkegaard und fügt hinzu. gedanklich distanziertes Verhältnis zur Wirklichkeit hat. diesem gegenüber in einem bloßen MöglichkeitsVerhältnis verharrt zu sein. was mir in der Gegenwart angenehm ist. 23 Bemerkungen ohne weiteres hervorgeht. was zu unserer Gegenwart gelangen kann: ja. sich das Höchste zu vergegen- wärtigen. der sein Leben schöpferisch zu gestalten weiß. das eigentlich lieben wir und hieraus folgt. gilt die Bezeichnung „Dichter" hier jenem Menschen. Karl Löwith weist in einem ähnlichen Zusammenhang auf die Fülle von Bemerkungen hin. Wie wenig der Däne in der gängigen Bedeutung des Wortes Dichter ist. den Wunsch des erneuten Gegenwärtigseins immerfort erregt. er statuiere keine Erinnerung."J0 Karl Löwith macht auch deutlich. in deren Entstehen und Vergehen er eine Metamorphose des Gleichen zu erkennen glaubt. bei Erfüllung dieses Wunsches von einem lebhaften Entzücken. ist Ausdruck dafür. . sich abwesend mir immer darstellt. Kierkegaard hat seine Vorstellungen von der Erfüllung menschlichen Daseins in der Liebe vor allem in der Schrift „Die Wiederholung" darzulegen versucht. was in „Dichtung und Wahrheit" über die Liebe gesagt wird. seine Aufgabe sei es gewesen. das Christentum in die Reflexion zu setzen und die ganze Idealität „dichterisch brennend" nach dem idealsten Maßstab darzustellen. In diesem Sinne ist es ja auch gemeint. Goethes Leben und Schaffen ist geprägt vom Versuch. der für gewöhn- lich in genau gegenteiliger Absicht angestellt wird. <<29 Auf eine kurze Formel gebracht. „Als einmal ein Trinkspruch auf die Erinnerung ausgebracht wurde. elementaren Affinität zum Christentum muß er doch eingestehen. das er für schlechthin . aber nicht den gewaltsam entscheidenden . in dem die Ewigkeit von sich aus erscheint. Er geht dabei von einem Faktum aus. Gemeint ist der Vergleich Kierkegaards mit Goethe. . Bezeichnend.wie er es formuliert -. dabei aber ein gebrochenes. erklärte er heftig. Glück im Augen- blick als dem zeitlichen Abbild des Ewigen festzuhalten. aber ich strebe23. daß ich mich selbst nicht mit der Idealität verwechsle". daß Goethe als Original beständiger Gegenwart das Sein der Natur ansieht. daß ich Dichter bin. um dann stets damit zu enden: ich bin es nicht. „. wenn Kierkegaard sich einen „Dichter des Religiösen" nennt: Bei aller ursprünglichen. Denn nichts ist für Goethe vorauszunehmen und zurückzusehnen. läßt sich übrigens sehr gut anhand eines Vergleiches zeigen. in denen Goethe die Gegenwart preist und den Augen- blick. denn was uns Bedeutendes einmal begegnet sei. heißt das: Liebe als höchster Ausdruck des Glücks erfüllt sich allein in der Unmittelbarkeit ungeschichtli- cher Gegenwart.

bedarf der Unmittelbarkeit. Man begibt sich zu diesem Zweck an Ort und Steile des Erlebnisses. dem Liebe und Glück in den Händen zu zerrinnen scheinen. gleich an einem der ersten Tage sich seiner Liebe zu erinnern. Er schreibt: „Um über die Nachricht von Sesenheim meine Gedanken kürzlich auszusprechen. Ein erneutes Gegenwärtigsein der Liebe durch Wiederholung herbeifüh- ren zu wollen wäre einer Dichternatur wie Goethe schlicht als Widersinn erschienen. so scheint auch Kierkegaard sagen zu wollen. ist zerstört. was von Vergangenheit noch herauszuzaubern wäre. in der gewissermaßen verödeten Lokalität. im praktisch verstandenen „vorlings Erinnern"32. „alles. aus Trümmern von Dasein und Überlieferung sich eine zweite Gegenwart zu schaffen und Friederiken von ehemals in ihrer ganzen Liebenswürdigkeit zu lieben.und sein Heil in der Wiederholung suchen. bringt auch hier eine Übertriebenheit hervor. in besonderen aber aus der Entoptik hergenommenen Symbols bedienen. eines „jugendlich seligen Wahnlebens". Indem er anhebt. mit der Unmittelbarkeit nicht auch die Lebenskraft verloren hat. dann nach außen abgespiegelt und gelangt so ins Bewußtsein anderer Menschen. hat er einen so entsetzlichen Schritt getan. der sie eigentlich hebt und trägt. muß ich mich eines allgemein-physischen. die Möglichkeit. „Hier entsteht nun. Der Begriff des Ewigen und Unendlichen. daß er das Leben übersprungen hat.24 entscheidend hält. und das am Beispiel des „jungen Menschen" mit folgen- den Worten vor Augen geführt wird: „Er war tief und innerlich verliebt. Denn nichts führt seiner Ansicht nach so sehr zu einem Über- druß am Leben wie die Wiederholung der Liebe. Wenn diese durch den Einbruch von Reflexion zerstört wird. „Die erste Liebe. die nichts Gutes stiften kann. zu verwirklichen". es wird hier von wiederholten Spiege- lungen die Rede sein. das war klar. ein Wahrhaftes wiederherzustellen. sei die einzige: denn in der zweiten und durch die zweite gehe schon der höchste Sinn der Liebe verloren." . dann wird er aus der Not eine Tugend machen . wo es den Drang erweckt. - Doch der Däne gibt sich mit dieser skeptischen Feststellung nicht zufrieden und behauptet: Wenn der geschichtlich existierende Mensch. ist für die Liebe kein Platz mehr. Vergangenheit zu beschwören. Dieses wird zunächst innerlich verarbeitet.der Versuch unternommen werde."31 Interessant in diesem Zusammenhang auch Goethes Reaktion auf die Nachricht. dennoch war er imstande." Und nun folgt die Beschreibung des möglichen Prozesses der Fortwirkung eines Liebeserlebnisses. dem Schauplatz seiner ersten großen Liebe. die in der verflochtenen kultivierten Welt die liebenden und begehrenden Empfindungen spaltet.erstmals 1822 von August Ferdinand Näke .was ganz wörtlich zu verstehen ist."31 Liebe. daß von Philologen . Die Absonderung des Sinnlichen vom Sittlichen. sagt man mit Recht. in Sesenheim. weil nur so die Sinnlichkeit in Sittlichkeit übergeht . insofern sie dann vom ersten Augenblick an zu etwas Vergangenem wird. sie erscheint vergänglich wie alles Wiederkehrende.

Darüber hinaus fällt der Widerspiegelung aber auch eine gewisse menschheitsgeschichtliche Rolle zu. sich auch in der Seele des alten Liebhabers nochmals abspiegelt". der allem. 3. werte. welche gleichfalls von Spiegel zu Spiegel nicht etwa verbleichen. Es ist bezeichnend für seine Wesensart. hat dagegen alle Emotionen der Herrschaft kühler Rationalität unterworfen. sich dem planenden Wollen des Individuums letztlich entzieht. sondern sogar zu einem höheren Leben emporsteigern. Ideelle und materielle Wiederholung Die beiden Protagonisten der Schrift „Die Wiederholung" (der Untertitel verspricht einen Versuch in experimenteller Psychologie) sind als Verkörpe- rung zweier sich widerstreitender Tendenzen im Wesen Kierkegaards ge- dacht. was in der Geschichte der Künste und Wissenschaften. „daß wiederholte sittliche Spiegelun- gen das Vergangene nicht allein lebendig erhalten. der Kirche. eine wundersame Erscheinung.Wortführer und Herausgeber der Schrift . insbesondere aber den Frauen. daß die ehemalige Geliebte.ist ein kauziger Einzelgänger. die eines der Grundprinzipien bewuß- ten Handelns darstellen soll. der „junge Mensch". belebende Gegenwart lieblich erneuen". die. „Bedenkt man nun". Die Schrift über die Wiederholung zeigt sich denn auch ganz vom ethisch- praktischen Interesse inspiriert: In Anbetracht der Tatsache. Constantin Constantius. Sie wird ihm dann „eine holde. die nur durch Wiederholung überwindbar erscheinen. . der andere. und man wird ein Symbol gewinnen. Die nähere Charakterisierung der beiden entge- gengesetzten Typen im Verlauf des Geschehens ergibt dann folgendes Bild: Constantin Constantius . . auch wohl der politischen Welt sich mehrmals wiederholt hat und noch täglich wieder- holt. von der Goethe spricht. stellt die wiederholte Spiegelung. 25 Dann kann es auch geschehen. ob etwas dadurch. Sie hat damit kaum etwas mit Kierkegaards Wiederholung zu tun. so wird man der entoptischen Erscheinungen gedenken. wenngleich von Sittlichkeit getragen. sondern sich erst recht entzünden."34 Wie unschwer zu erkennen ist. daß es wiederholt wird. gewinnt oder verliert. wie er dem Problem der Wiederholung auf den Leib zu rücken versucht. Der eine. in ironischer Distanz gegenübersteht. ob eine Wiederholung überhaupt möglich ist und welche Bedeutung sie besitzt. daß die ge- schichtliche Verwirklichung von Idealen unter gewissen negativen Voraus- setzungen steht. ein aufgeklärt sich gebärdender Rationalist und gewohnheitsmäßiger Skeptiker. wird von Stimmungen und Leiden- schaften beherrscht und nicht selten hin und her gerissen. soll untersucht werden. einen mehr beiläufigen Vorgang dar. „ungeachtet alles irdischen Dazwischentretens. stellt Goethe abschließend fest.

Dementsprechend dient die Erfahrung des Scheiterns nicht etwa der selbst- kritischen Reflexion.26 Nachdem er sich längere Zeit ziemlich ergebnislos mit diesem herumgeschla- gen hat. denn sie müßte sonst wohl genauso ausfallen wie im Volkslied. daß es bei aller formalen Wiederholung keine Wiederholung gibt. denn man brauche sich keiner solchen Mühe zu unterziehen. daß man seine Beobachtungs- gabe abstumpft. sondern der Bestätigung immer schon gehegter An- sichten darüber.sind sich doch allesamt. das Interessante. Zusammenfassend kann gesagt werden. daß es für Constantin Constantius aus folgenden Gründen keine Wiederholung gibt und geben kann: 1.daher die . ihre Leere. faßt er eines Tages den Entschluß. ihre Kraftlosigkeit zu kaschieren und zu vergessen. „mit abgeschnittenem Haar und bleichen Lippen"15. Helden wie Memmen" darin einig. um zu sehen. welche weit mehr die Macht hat zu betäuben als die launischste Zerstreuung und zugleich im Laufe der Zeit mächtiger und mächtiger wird gleich einer Beschwörungsformel. die Reise habe sich nicht gelohnt. wie schon sein Name sagt. wie einst vor Jahren nach Berlin zu fahren. wo der Liebhaber seine Geliebte zwar wiederbekommt. 2. Weil er die Wiederholung als Geschehen konzipiert. ohne die das Leben in der Tat zum pausenlos sich wandelnden Strom wird. erscheint ihm die Wiederholung nur als Wiederholung des Gleichen sinnvoll. Constantin Constantius zieht daraus den Schluß. das verrat er mit folgendem Rasonnement: „Obwohl ich mich nämlich vergewissert hatte. aber doch sonderbare Entdek- kung. was sich gerade nicht wiederholen läßt: den Reiz des ersten. Schiffer wie Leichenbitter. daß trotz aller nur denkbaren Wiederholung eine Wiederholung gar nicht stattfand. deren ganze Anstrengung darauf gerichtet ist. ob es eine Wiederho- lung gibt und welche Bedeutung ihr gegebenenfalls zukommt. Und weil es diese nicht geben kann ."36 Unerschütterlichkeit. die fast magische Konstellation einer zutiefst lebensunfähigen Exi- stenz. Stand aber das Experiment nicht von Anfang an unter einem falschen Vorzeichen? Da Constantin Constantius. daß man durch Unerschütterlichkeit und dadurch. lehnt er eine Wiederholung überhaupt ab. daß keine Wiederholung vorhanden ist. das sich ohne Zutun der Innerlichkeit ereignet. Abstumpfung und Betäubung bilden das Dreige- stirn. Was Constantin Constantius bei aller Reflektiertheit fehlt. Weil er als Zweifler und Skeptiker an das Problem herangeht . Seine Beständigkeit erschöpft sich denn auch in Äußerlichkeiten und ist dem Leben mühsam abgelistet . ihren Mangel an Innerlichkeit. daß das Leben ein Strom ist -. eine Einförmigkeit erzielen kann. „geistliche wie weltliche Redner. das. 3. bleibt es doch jederzeit gewiß und wahr. ist Innerlich- keit. Dichter wie Prosaiker. aber als Nonne.wie.Das Ergeb- nis des Experiments ist die unwesentliche. um sich mit eigenen Augen zu überzeugen. unfähig zur Entwicklung ist. Weil er in der Wiederholung das Falsche sucht. . was in der Welt möglich ist und was nicht.

denn ich fürchte. genauer gesagt im Symposion der Pseudonyme. Daß dem Verfasser der Schrift dies entgangen ist. sie möchte am Ende die Macht haben. den ich nicht empfunden. Bereits aus diesem Grunde scheue ich mich vor der Liebe. Im krassen Gegensatz zu Constantius muß der junge Mensch als die personifizierte Unbeständigkeit angesehen werden. daß dem einen fehlt.auch dann. daß er die Liebe in seinem Inneren aufbewahrt und damit in der bloßen Möglichkeit beläßt. Er wartet „auf ein Gewitter und auf die Wiederholung".denkbar ungeeignet ist. kann sie nur erfolgen „in Kraft des Absurden".Das nennt man eine Wiederholung. denn sofern die Realisierung seiner Liebe in Wiederholung dennoch erfolgen soll. wenn sie kraft des Absurden erfolgen muß . ja unüberbrückbar erscheint. was der andere hat."37 Der junge Mensch weiß sich in dieser Situation nur dadurch zu helfen. weil ihm die Diskrepanz zwi- schen Idealität und Realität allzu groß. Auf diese Art wird gezeigt. im Überfluß sogar. die ich nicht empfunden. Etwas freilich scheint dem Dänen selbst nicht bewußt geworden zu sein: daß nämlich in der gläubigen Haltung des jungen Menschen eine Passivität steckt. auch mich dahin zu bringen. daß sie diese hat. daß er ohne inneres Engagement eine zweckdienliche äußere Tätigkeit entfaltete."38 Kierkegaards Untersuchung deckt sowohl die Bedingungen für eine Wie- derholung auf als auch und vor allem die Fehleinstellungen. Ehemann zu sein. will er zufrieden sein. daß die beiden Protagonisten sich gegenseitig in ihren Vorzügen und Mängeln beleuchten. Constantius glaubte die Wiederholung dadurch herbeiführen zu können. . die sie verhin- dern." Aber auch wenn nur das Gewitter kommt und die Wiederholung sich als unmög- lich erweist. und umgekehrt. die für die angestrebte Wiederholung . . letzteres auch deshalb nicht.statt mit der Kraft der Hoffnung und des Glaubens. . und einem Schmerz. Was soll das Gewitter bewirken? fragt er sich selbst und antwortet: „Es soll mich dazu tauglich machen. Er hat Innerlichkeit. Das Experiment mißlang. So ist denn seine Liebe von vornherein zum Scheitern verurteilt. gleichwohl merkt man nie etwas davon. Das wird meine ganze Persönlichkeit zerschmettern: ich bin be- reit . . Er ist so „an die Grenze des Wunderbaren" gelangt. Sein Lehrstück ist so gebaut. . ist aber nicht imstande.Der junge Mensch tut genau das Gegenteil: er mobilisiert seine ganze Innerlichkeit und verhält sich nach außen „ganz und gar ruhig". 27 unverbindliche Form des Experiments . Sein Vorbild ist Hiob: „Hiob ist gesegnet und hat alles zweifach wiederbekommen. äußert sich der junge Mensch zum Thema Liebe bezeichnenderweise so: „Kein anderes Verhältnis zwischen Mensch und Mensch erhebt so sehr den An- spruch auf Idealität wie die Liebe. hat seinen guten Grund. daß ich ins Blaue hinein schwatze von einer Seligkeit. In den „Stadien". sie unter Kontrolle zu bringen und zu realisieren.

ihr eine Art Nachricht zu bringen". ob sie gleich in der Zeitlichkeit nie so vollkommen wird wie in der Ewigkeit. . angesichts der Widerwärtigkeiten des Lebens in einen christlich gefärbten Fatalismus aus- zuweichen und sich mit der bloßen Wunschvorstellung freier Selbstverwirk- lichung zu begnügen. wie sie in der Unterscheidung zwischen einer materiellen und einer ideellen Wiederholung . sagt er. Ist das nicht eine Wiederholung? Hab ich mich nicht selbst zurückempfangen. daß ich sie dennoch liebe. daß ich die Bedeutung davon zwiefaltig empfinden mußte? Und was ist die Wiederholung von irdischem Gut. liest man im Tagebuch.weshalb er auch für die Predigten und christlichen Reden keine Pseudonyme verwende- te -. „Ich bin wieder ich selbst. ich demütige mich unter Gottes Hand. „Sie ist verheiratet . hier habe ich die Wiederholung . weil ein Menschenleben sich nicht dergestalt verdoppeln läßt. ja daß er - ähnlich wie der junge Mensch . daß Regine dabei war. mußte er eingestehen. gerade auf die Art.28 Er selbst hat sich ja immer wieder dazu verleiten lassen.zum Ausdruck kommt. Das Verhal- ten des jungen Menschen in der rasch überarbeiteten Schrift gibt ziemlich genau Kierkegaards eigene Reaktion wieder. zu dessen Verwirklichung außerstande gewesen zu sein. als die Nachricht eintraf. . Ich wollte einen Brief nach Hause schreiben. der innerliche nimmt zu an Herrlichkeit" . die die wahre Wiederholung ist.". Sie ereilte ihn noch während der Fertigstellung der Schrift über die Wiederholung und bewirkte jene nur allzu durchsichtige Kehrtwendung. das wäre genug für sie. welche gegen die Bestimmung des Geistes gleichgültig ist. . einen schlauen Rat gefunden zu haben. . Die Überschrift sollte sein: Meine R.Hierbei half ihm seine pseudonyme Schriftstellern: Er schlüpfte in die Rolle des Ästhetikers. Nur das Christsein hat er nie als Rolle gehandhabt . er schlüpfte in die Rolle des Ehemanns. aber gerade was das Christsein anbelangt. Hier ist allein des Geistes Wiederholung möglich. Doch ich muß es sein lassen. „Heute habe ich mich wieder bei einem Versuch ertappt. Trotz seiner Untätigkeit löste diese Nachricht Über- raschung und Enttäuschung bei ihm aus. „sie ahnen zu lassen."39 Endgültig begrub Kierkegaard seine Hoffnung auf eine Wiederholung aber erst.und lebte tatsächlich in mönchischer Abgeschiedenheit. wenn man glaubt. und es hat etwas Befriedigendes an sich.und lebte tatsächlich das unbeschwerte Leben eines Junggesellen. der gedruckt werden sollte.nach dem von Paulus über- nommenen Motto: „Laß nur den äußerlichen Menschen verderben. im Vergleich mit einer solchen Wiederholung? Nur die Kinder empfing Hiob nicht zwiefaltig wieder. Der Brief selbst könnte voll von behutsamen Andeutungen sein. hilflosen „Versuche" bleiben Projekt. pries die Ehe als die schlechthin entscheidende Bewährungspro- be des Ethischen . . Die wenigen."40 .. daß er auch in der Frage der Wieder- holung den Schritt von der Theorie zur Praxis nicht vollzogen hat. So ist es nicht weiter verwunderlich. Mein Kopf ist so erfinderisch. ihn zu vollziehen. des Genußmenschen . sich mit einem anderen zu vermählen.nicht einmal Anstalt traf.

Un|d der Sermon schließt mit der Feststellung: „Eine religiöse Individualität ruht in sich selbst und verschmäht alle Kinderstreiche der Wirklichkeit. sondern um die Möglichkeit einer „redintegratio in statum pristinum". und die Frage wegen der Endlichkeit wäre im gleichen Augenblick in die Indifferenz gesetzt gewesen. VSpäter hat er die Anlage und Problemstellung der Schrift denn auch schlicht als Parodie bezeichnet. wie sich der Mensch aus schuldhafter Verstrickung wieder in die Freiheit der Entscheidung zurückholen kann.dem Skeptiker und Ironiker . Zudem ist sie nicht jedermanns Sache."41 /Dieser Schluß der Erstlingsschrift stellt aber keineswegs den endgültigen und ganzen Ertrag zum Problem der Wiederholung dar. Alles hätte für ihn eine religiöse Bedeutung erhalten. Zwar bietet die ideelle Wiederholung dem Gläubigen die Gewißheit zukünf- tigen Besitzes. als Parodie auf eine grundsätzliche Konfu- sion: als sollte die Wiederholung außerhalb des Individuums gefunden werden. daß es gar nicht primär um die Wiederherstellung einer Beziehung oder um die Wiedergewinnung eines Besitzes geht.die Zufriedenheit ist natürlich nur Fassade. um die Frage nach der Wiederholung einer philosophi- schen Klärung zuführen zu können. so wäre er nicht Dichter geworden. um die Frage also. sonst wäre unsere Untersuchung am Ende angelangt. Die Moral der Abhandlung zu formulieren bleibt Constantin Constantius überlassen. verschwimmenden Sehn- sucht wird. die zu brüchig ist. statt in ihm. um die tiefe Resignation zu verbergen. 29 Auch wenn man Kierkegaard eine gewisse Erleichterung durchaus glauben kann . Die Unterscheidung zwischen materieller und ideeller Wiederholung wird nun als Hinweis interpretiert. Er tröstet sich kärglich mit einer poetischen Sublimierung seiner Liebe. oder noch allgemeiner formuliert: wie er unter den Bedingungen konkreter Existenz theoretisch („erinnernd") und praktisch („verdoppelnd") in die Wahrheit kommt. denn als Ästhetiker ist er zu sehr im Sinnlichen verwurzelt. die Resignation darüber. noch ehe sie richtig begonnen hat. . die in romantischer Manier zur krankhaft ausufernden. aber sie bleibt doch geprägt vom bitter-süßen Geschmack der Vertröstung. Kierkegaard mußte erst einen gewissen Abstand zu den persönlichen Erleb- nissen gewinnen.werden Worte wie die folgenden in den Mund gelegt: Hätte der junge Mensch einen tieferen religiösen Hintergrund besessen. daß Wiederholung anscheinend nur unter Verzicht auf „Besitz im strengen Sinne" möglich ist. Ihm . auch nicht die des jungen Menschen.

In der Vieldeutigkeit von „gentage" und „gentagelse" spiegelt sich die Komplexität des bezeichneten Phänomens wider. Gentagelse . sich einer Sache bemächtigen.wie Kierkegaard einmal bemerkt . Da es sich zeigen wird. sich verschaffen. „Gentage" kann aber auch ein Ereignis ausdrücken. obschon Kierkegaard betont. gilt es zunächst festzustellen. Entsprechend meint das Substantiv „gentagelse" einmal eine bewußte Tätigkeit (Wiederholung = Wieder-holung). Tage bedeutet: nehmen. zurückerobern usw. Das Zeitwort lautet gentage und setzt sich aus dem Grundwort tage und aus der Vorsilbe gen zusammen. . und zwar im Sinne von: wiedererwerben. das Wort hat dann die Bedeutung von: wiederbekom- men. „Gentagelse" ist selbstverständlich ebenso wie das deutsche „Wiederho- lung" ein hauptwörtlich gebrauchtes Zeitwort. zurückempfangen. h. das . d. ergreifen. Dies festzuhalten ist wichtig. zurückerhalten. Die Vorsilbe gen bedeutet wieder (aber auch wider. gegen). „gentagelse" sei ein „gut dänisches Wort". allerdings so gut wie nie in ethisch-prakti- scher Sicht oder als „Existenzkategorie". zu dem er der dänischen Sprache gratuliere. zurückholen. das andere Mal einen Vorgang.Wiederholung Es kann vorweg gesagt werden. erobern usw. ob und inwieweit das deutsche Wort „Wiederholung" dem dänischen Wort „gentagelse" ange- messen ist. wieder an sich neh- men. Wirkli- che. bald „das Unbedeutendste von allem" sein kann. Die Funktion der Wiederholung Die Wiederholung ist in der Geschichte der Philosophie schon mehrfach bedacht und analysiert worden. ein Geschehen (Wiederholung = Wiederkehr). „Gentage" bezeichnet demnach vornehmlich ein aktives Verhalten. daß die deutsche Sprache in „Wiederholung" einen nahezu äquivalenten Ausdruck für „gentagelse" besitzt.„bald alles". Kierkegaard formuliert das Pro- blem der Wiederholung daher in bewußter Abgrenzung von den entspre- chenden Theoremen der Tradition: von der Anamnesislehre der Antike und von der Versöhnungslehre Hegels.30 II. wiederergreifen. daß die sprachliche Ausdrucksweise hierbei von nicht geringer Bedeutung ist. das schlechthin Entscheidende. 1.

war meine These . Daher ermahnt schon Augustinus den nach Erkenntnis Stre- benden: „Noli foras ire. als sie von ihrem Schöpfer her (als Schöpfung) zu verstehen. die Innerlichkeit die Wahrheit sei. 31 2." Und in eben diesem Sinne ist es gemeint. daß alle Erkenntnis. Daß man auch außerhalb des Christentums mit Innerlichkeit existieren kann.gemacht werden kann. hat unter anderem das Griechentum hinreichend bewiesen. 3 Dennoch besteht zwischen der „heidnischen" und der christlichen Posi- tion ein entscheidender Unterschied: Bei Sokrates ist die Fragestellung primär erkenntnistheoretisch."3 Diese Feststellung enthält folgende Überlegung: Sokrates geht offenbar davon aus. das Verbindende und Trennende zwischen Kierkegaard und Sokrates sichtbar werden zu lassen. wenn Kierkegaard vor den Naturwissenschaften warnt: als vor der Gefahr einer Ablenkung vom göttli- chen (absoluten) und damit gleichzeitig vom humanen (ethischen) Maßstab der Wahrheit. . In den „Philosophischen Brocken" steht ein Satz. Selbsterkenntnis voraussetzt. weil für ihn die Pro- . nicht ethisch-praktisch.Ähnlich bedeutet für das Christentum die Welt verstehen letztlich nichts anderes.insofern der Mensch Ebenbild Gottes ist . und die ganze Welt gewinnt allein in der Beziehung auf ihn einen Mittelpunkt."1 In meinen „Kierkegaardstudien" habe ich zu zeigen versucht. eine Erfahrung. Hegel ist aber nicht der einzige Philosoph.auf den ersten Blick . . inteipsumredi: in interiorehominehabitatveritas. sich in einem Prozeß subjektiver Vermittlung konstituiert und daher kritische Reflexion auf das konkrete Selbst. Wiederholung und Erinnerung „Daß die Subjektivität. daß Kierke- gaards Existenzphilosophie aus der ständigen Auseinandersetzung und Kon- frontation mit dem Hegeischen Idealismus hervorgewachsen ist. . weil seine Selbsterkenntnis Gotteserkenntnis ist. der wie kein anderer dazu geeignet ist. Bereits in der Dissertation über den Begriff der Ironie findet man Kierke- gaards christlichen Existentialismus in der Auseinandersetzung mit dem sokratischen („heidnischen") Existentialismus einerseits und dem spekulati- ven Idealismus Hegels andererseits. Er lautet: „Für die sokratische Betrachtung ist ein jeder Mensch sich selber der Mittelpunkt. die nur im Menschen selbst . die wirklich Erkenntnis ist. und diese Denkkonstellation ist für das Werk-^des Dänen bestimmend geblieben. dem Kierkegaard auf diese Weise verpflichtet ist.einen zweiten. fast gleichrangigen Pol fruchtbarer Kon- frontation: Sokrates und die griechische Philosophie ganz allgemein. Die laute Polemik gegen den Deutschen verdeckt .

"5 Kierkegaard versucht also das Voraussetzungsproblem dadurch zu lösen. bei Kierkegaard ist es genau umgekehrt. daß wahre Erkenntnis (im Gegensatz zum bloßen „Differenz- wissen" der Naturwissenschaft) wesentlich Selbsterkenntnis sei. Das ethische Individuum erkennt sich selbst. daß mir von jeher die große und so bedeutend klingende Aufgabe: erkenne dich selbst! immer verdächtig vorkam. . . der den subjektiven Weg wählt. . bedarf mit- hin der Präzisierung. es ist eine Besinnung auf sich selbst. und darum habe ich statt des Ausdrucks . die selbst eine Handlung ist. In jedem Fall aber scheint auf sie ein Bedenken zuzutreffen. er setzt auf ihn den eigentlichen Akzent seiner existentiellen Wahrheitsfrage. Daß dabei der Zirkel grundsätzlich bestehen bleibt. insofern er die Welt kennt. es ist jedoch ebenso gewiß. daß er die Selbsterkenntnis nicht kontemplativ. sondern praktisch interpre- tiert. Die These. die er nur in sich und sich nur in ihr gewahr wird. die Wahrheit gegenüber den Sophisten als etwas objektiv Auffindbares auszu- weisen und in verbindlichen Definitionen festzuhalten. daß dies nicht das Ziel zu sein vermag. aber diese Erkenntnis ist keine bloße Kontemplation. wie seine folgende Bemerkung zeigt: „Der Existie- rende. um so anhand der Sokratischen . wogegen Kierke- gaard seine Aufgabe vor allem darin sieht. um Gott objektiv zu finden.sich selbst wählen' gebraucht. denn damit ist das Individuum bestimmt nach seiner Notwendigkeit. und man habe darin das Ziel für das gesamte menschliche Streben erblickt . wenn es nicht zugleich der Anfang ist. als eine List geheim verbündeter Priester. daß er einige Zeit. denn er interpretiert das In-der-Wahrheit-Sein christlich als eine praktische Aufgabe. Der Mensch kennt nur sich selbst.32 bleme der Praxis Probleme der Einsicht. . die den Menschen durch unerreichbare Forderungen verwirren und von der Tätigkeit gegen die Außenwelt zu einer inneren falschen Beschau- lichkeit verleiten wollen. die darin liegt. so daß sich die Selbsterkenntnis zugleich als Ziel und Voraussetzung präsentiert.Die Wendung „Erkenne dich selbst!" sei oft genug wiederholt worden. er erfaßt diese dialektische Schwierigkeit in ihrem ganzen Schmerz.sich selbst erkenn' .Sodann geht es Sokrates bei aller Betonungen der Subjektivität letztlich darum.stellt er fest und meint: „Das ist auch durchaus richtig. erfaßt in dem gleichen Augenblick die ganze dialektische Schwierigkeit. des Verstehens sind (Wissen ist Tugend). den durch Sokrates und Plato begründeten und durch Hegel vollendeten spekulativen Wahrheitsbegriff aus der Sphäre des reinen Denkens in das Interesse des konkreten Subjekts zurückzuholen. weil er Gott ja in demselben Augenblick gebrauchen soll. daß die in der Selbsterkenntnis sich vermittelnde Subjektivi- tät stets eine faktisch bestimmte ist. vielleicht lange Zeit gebrauchen wird."4 Kierkegaard reflektiert dieses dialektische Verhältnis von Selbst und Welt als das Problem. das Goethe einmal in die Worte kleidete: „Hierbei bekenn' ich."6 Kierkegaard sieht den Zirkel nicht nur. ist dem Dänen keineswegs entgangen.

sonderfi lediglich dadurch. durch den er sich selbst um die Bedingungen für das Erfassen der Wahrheit brachte. Will man nun nicht einfach beim sokratischen Verständnis der Wahrheit und ihrer Voraussetzungen stehenbleiben. Wie noch zu zeigen sein wird. dann wird das Sichhineinerinnern in die Wahrheit zum „Trug der Spekulation". und zwar insofern. im Satz nämlich. . ohne es zu wissen. h. Denn im Zustand der Unwahrheit sein und es sein aus eigener Schuld ist nichts anderes als Sünde. daß die nach Erkenntnis strebende konkrete Individualität nicht je schon in der Wahrheit ist. dann bleibt ihm .Nun hat nach Kierkegaard erst das Christentum den Menschen daran „erinnert". im gleichen Nu ist jener Augenblick im Ewigen verborgen". den sokratischen Wahrheits- begriff paradox zu nennen . Aber Kierkegaard geht es in diesem Zusammenhang gar nicht so sehr um eine historisch stichhaltige Sokrates-Interpretation. doch der zeitliche Ausgangspunkt ist dabei ein Nichts. daß sie sich zu einem Existierenden verhalte. kann dann nämlich nicht mehr als Folge eines bloßen „Verges- sens" verstanden werden. Denn der Zielgedanke bei allen Fragen des griechischen Philosophen ist zwar richtig der. dann muß der Augenblick in der Zejf pntsrh*Mrl"nrlp. 33 Philosophie zur christlichen Glaubenslehre hinzuführen. daß der Lernende nicht nur durch einen zeitlichen Abstand von der Wahrheit getrennt ist. „in diesem Augenblick entstanden ist". daß zwischen den beiden Positionen trotz aller Differen- zen eine grundsätzliche Übereinstimmung besteht.mit der Einschränkung freilich. das zuvor nicht war. d. „denn in dem gleichen Augenblick. Und wenn der Mensch so in der Existenz steckt. "RfH^'itung erhalten. sich dieses Um- standes bewußt zu werden.. da ich entdecke. sokratisch gesehen. Hat durch die Sünde die konkrete Existenz Macht über den Menschen bekommen. - Dies komme in einem anderen sokratischen Satz zum Ausdruck. als. sondern nur „ein Überall und Nirgends" gibt8. Dies wiederum setzt voraus. sondern durch geschichtliche Faktizität. daß der Gefragte die Wahrheit in sich und aus sich bekommen muß. das Ewige. daß ich die Wahrheit von Ewigkeit her gewußt. erweise sich die Wahrheit keineswegs in sich selbst als paradox. d. Ein solcher Brük- kenschlag erscheint ihm deswegen möglich und angebracht. durch Verinnerlichung (Er-innerung) dahin gebracht. weil er der Überzeugung ist. „daß die Hintertür der Wiedererinnerung für ewig geschlossen ist". Die Deutung der Sokratischen Philosophie als Noch-nicht-Christentum mag schlichtweg anachronistisch erscheinen. scheut sich Kierkegaard daher auch nicht. sondern muß seinen Grund in einem vom Men- schen verschuldeten „Abfall" von der Wahrheit haben. der in der Anamnesislehre noch weitgehend mythisch-naiv gedacht wird. er verliert seine Einmaligkeit. daß alles Erkennen ein Erinnern sei7. daß die Pointe des christli- chen'Wahrheitsbegriffs in einem spezifischen Verständnis jenes Problem- komplexes liegt. er will vielmehr zeigen. h. seine entscheidende Bedeutung. weil es dann „kein Hier und Dort".

zurück ist unmöglich. die an dieser Wiedergeburt mitwirken . näht und naht. er muß als Lehrer den Lernenden umgestalten. denn das Zukünftige stellt als das Wahre „das Ganze" dar. von dem das Vergangene „ein Teil" ist. das ist gewesen. h. das nicht nur aus dem Denkprojekt der „Philosophischen Brocken".Zu dieser zukunftsorientierten Denkweise kann es freilich einzig und allein deshalb kommen. kann das Individuum der Wahrheit teilhaft werden. wird rücklings wiederholt. der verhindert. ist sie einerseits das Hindernis. von Gott durch Offenbarung im Sinne von „Erlösung"10. das es zu überwinden gilt. die Lehre von der geschichtlichen Wiedergeburt des Menschen zum „neuen Menschen". d. wohingegen die eigentliche Wiederholung sich der Sache vorlings erinnert. er muß ihm auch die Bedingungen dafür mitgeben. in dem das Zukünftige „in gewisser Weise mehr bedeutet" als das Gegenwärtige und das Vergangene. denn wessen man sich erinnert. . sondern ihm eleichzeitie einen Ausweg aus diesem seinen Zustand anbietet: indem es die Wahrheit von sich aus ins Dasein treten läßt. Um es noch deutlicher zu sagen: Durch das mit dem Sündenbewußtsein gesetzte konkrete Zeitverständnis wird die Zeit erst eigentlich zur Geschichte." " Die Umschreibung der Wiederholung als „Vorlingserinnern" soll keines- . weil das Christentum den Menschen nicht nur daran erinnert. daß der „Faden" endlos durchgezogen wird.34 nur noch eine Möglichkeit: „Vorwärts muß er. nur in entgegengesetzter Richtung. sie zu verstehen.zumal das existentielle Streben nach Wahrheit in seiner Grundstruktur Wiederholung ist. sagt Kierkegaard.Doch nicht genug damit. Nur weil die ewige wesentliche Wahrheit selbst existiert hat. daß er sich durch eigenes Verschulden in der Unfreiheit der Unwahrheit befindet. wird von Kierkegaard näher so bestimmt: „Wiederholung und Erinnerung sind die gleiche Bewegung. so ist sie anderer- seits „der Knoten im Faden der Spekulation". Und weil die Bekehrung zur Wahrheit als ein qualitativer Sprung im Augenblick erfolgt. ohne ein konkretes Ergebnis zu zeitigen. Das Verhältnis. Sie wird zu einem unumkehrbaren Prozeß. Der spekulativen Anamnesislehre wird also von Kierkegaard die christli- che Heilslehre gegenübergestellt. Von den zwei Kom- ponenten. sondern aus jedem möglichen Denkprojekt herausfällt und damit zur uneinholbaren Voraussetzung des Wahrheitsstrebens wird. umschaffen.Streben menschlicherseits und Umschaffung göttlicherseits -. Man kann somit sagen. und das heißt. daß Christus als der Lehrer den Menschen als dem Lernenden die Wahrheit bringen muß. . daß die Wahrheit in doppelter Weise vermittelt ist: vom Menschen durch fortgesetztes existentielles Streben. in dem Wiedererinnerung und Wiederholung zueinander stehen."9 Demnach hat die Sünde neben dem negativen auch einen positiven Aspekt. ist der Augenblick christlich gesehen „Fülle der Zeit". die erste hingegen bildet den eigentlichen Gegenbegriff zur sokratischen Wiedererinnerung . bleibt die zweite ein Mysterium.

welche entdeckt werden muß. bedient sich der Däne einer der vielen Anekdoten. zu der es in der griechischen Philosophie gekommen ist. die Wiederholung hingegen ist und bleibt eine Transzendenz. und soweit sie eine Bewegung macht. . die neuere Philosophie macht gar keine Bewegung. d. die sich um die Person des Diogenes ."13 Nicht von ungefähr beginnt Kierkegaard die Erörterung der Möglichkeit und Bedeutung einer Wiederholung mit dem Hinweis auf jene bekannte Auseinandersetzung um die Wirklichkeit von Bewegung. Sie ist angebracht. Sie ist freilich insofern etwas mißverständlich. liegt sie in der Immanenz. nämlich als das Problem realer Veränderung und Transzendenz bestehender Wirklichkeit. und daß die Wiederholung eigentlich das ist. durch Vertiefung in die Faktizität des Daseins. Daß es ihm dabei nicht einfach um eine Neuauflage der eristisch simplifi- zierten Auseinandersetzung zwischen Heraklitischer und Parmenideischer Schule gehen kann. . h. Wiederholung und Vermittlung „Die Wiederholung ist die neue Kategorie. sondern um eine existentielle Bewegung handelt. versteht sich von selbst. daß sie sich bis herauf in die Neuzeit erhalten und dabei noch weiter profiliert haben. sondern vor\ allem auch gegenüber der neuzeitlichen Spekulation eine deutliche Abgrenzung vollzogen. sie macht im allgemeinen nur viel Aufhebens. die so grundsätzlich sind."12 3. daß eben diese Kategorie das Verhältnis zwischen den Eleaten und Heraklit erklärt. daß die Wiedergewinnung der Wahrheit durch Wiederholung Hieilsgeschehen involviert. Diese Bezugnahme soll von Anfang an deutlich machen. in welchem Sinne er das Problem der Wiederholung verstanden wissen will. 35 wegs nur ein Wortspiel sein. Was Kierkegaard an diesem Kapitel griechischer Geistesgeschichte interessiert. ohne daß sein Gewissen ihn ängstigte. als es sich bei der Wiederholung um keinen bloßen Denk- vo'rgang. so wird man leicht sehen. . „. Wenn man etwas weiß von der neueren Philosophie und der griechischen nicht ganz und gar unkundig ist. Um sie in pointierter Weise sichtbar zu machen. denn die Griechen machten die entgegenge- setzte Bewegung. daß auch die Erschließung zukünftiger Wahrheit erinnernd erfolgt. ist das sich Herauskri- stallisieren zweier philosophischer Positionen. weil es klarzustellen gilt. was man irrtümlich die Vermittlung genannt hat. dann ist nicht nur gegenüber der antiken.Nimmt man noch hinzu. und ein Grieche würde hier die Erinnerung wählen.

d. daß der Existierende existiert und sich nicht allein im Me- dium des Denkens bewegt.Wenn ich handeln soll.wie aber soll Kontinuität als- dann begründet werden? -. Doch die Entscheidung bedarf nach Kierkegaard in dreifacher Hinsicht der exi- stentiellen Vermittlung durch die Wiederholung: „1. setze ich voraus. denn er weiß: Insofern Existenz Bewegung ist. die Vermittlung zuzugestehen.erst eigentlich mit der Existenz zu konfrontieren und gleichzeitig damit auf die heillose Diskrepanz aufmerk- sam zu machen. daß ich in einem ursprünglich unversehrten Zustand bin. aber ebenso wesentlich über das Denken hinausgeht. Etwas ist damit immerhin klargestellt: Die Kontinuität des reinen Denkens ist nicht identisch mit der Kontinuität praktischer Freiheit..Natürlich macht er es sich dabei nicht so leicht wie sein griechisches Vorbild. Es liegt ihm fern.36 ranken. Nun kommt die Frage der Sünde.Setzt man für die ab- strakte Kontinuität die Hegeische Vermittlung ein.denn sofern ich in der Sünde verharre. Denken und Existenz gegenein- ander auszuspielen. das ist die zweite Wiederholung. denn abstrakte Kontinuität ist keine Kontinui- tät für das Existieren. Diogenes als Opponent auf. Auf der anderen Seite ist es ein „bedenklich Ding". wodurch ich der Einzelne werde. trat. Das Dilemma ist folgendes: Auf der einen Seite darf die Kontinuität nicht bloß abstrakt sein. dann gibt es keine unbedingte Wahl. aufgefaßt als das Allgemeine. diese Kontinuität der Bewegung kann aber nur aus dem Denken kommen. so verzichtet man auf die Spekulation . „Als die Eleaten die Bewegung leugneten. dann zeigt sich noch ein weiterer Aspekt des Dilemmas: Verzichtet man auf die Vermittlung. 3. ist nur die . um die mit so viel Aufwand an Gelehrtheit und Spitzfin- digkeit über existentielle Probleme disputierenden Schulen spekulativen Denkens . h. die Bewegung bewußter Existenz resultiere aus dem Zusammenwirken von Entscheidung und Wiederholung. wie jedermann weiß. Kierkegaard möchte die Rolle eines modernen Diogenes übernehmen. . ich handle nicht. kein unbedingtes Entweder - Oder15. das die Bewegung zusammenhält. ist unschwer einzusehen. muß es ein „Kontinuierliches" geben. die zwischen ihren abstrakten Theorien und der konkreten Praxis besteht. . in Vorstellung und Gedanke dage- wesen."14 Es ist klar. sonst handle ich gedankenlos. denn wenn es die Vermittlung gibt. er trat wirklich auf. 2. auf der anderen Seite verhindert doch gerade der Umstand. so ist mein Tun in Bewußtsein. sondern ging lediglich einige Male auf und nieder und meinte damit jene hinreichend widerlegt zu haben. .vor allem die Hegels . denn jetzt muß ich wiederum zu mir selbst zu- rück. Indem ich nun handeln soll. denn er sprach nicht ein Wort. die Kontinuität. die zwar wesentlich auf Denken bezogen ist. Das eigentliche Paradox.Daß die Kontinuität bewußter Exi- stenz Entscheidung voraussetzt. Und Kierkegaard stellt die Behauptung auf.

Denken und Handeln denkimmanent erfolgt: aus einer „erinnernden" Hal- tung heraus." Hegel wendet sich der Vergangen- heit zu. Vollzug des Denkens zu sein und Denken aufzuheben. . Diese Einheit wiederum ist dann gegeben. dann erscheint die Möglichkeit einer Konti- nuität in Freiheit wieder in Frage gestellt. darum hat es keine Antwort. und das heißt hier als praktischer Nachvollzug des Denkens konstituiert. Hier nun tritt die Wiederholung in ihrer zweiten Bedeutung in Funktion: als Nieder-holung. weshalb sich Kierkegaard zur Feststellung veranlaßt sieht. muß sich das Individuum die Freiheit der Entscheidung als seine ureigenste Möglichkeit allererst aus der Vergangenheit zurückholen. Man kann hiermit die aristotelische Kategorie: .Das-was-war-sein' vergleichen. als Willensakt hat die Entscheidung nämlich das Doppelte an sich. denn Gegensätze müssen erst dagewesen sein.i n der Abgeschlossen- heit. wenn die lebende Generation und das lebende Individuum im Ernst nach dem Werden fragen. sondern - aufgrund der „Sinnestäuschung" des Vergangenseins . 2 da. erscheinen die Gegensätze und Widersprüche durch die bloße „Anstrengung des Begriffes" aufhebbar. so ohne weiteres als eeseben vorausgesetzt werden? . Angenommen . um gegen Hegels Identitäts- philosophie zu polemisieren. Denken und Handeln begründet. Besonders deutlich wird das in der Geschichtsphilosophie. Die Vermittlung von Theorie und Praxis in der Immanenz des reinen Denkens beruht demnach auf einem Trugschluß: Weil in der „erinnernden" Betrachtung der Wirklichkeit das zu Entscheidende immer schon entschie- den ist. Insofern Denken und Handeln durch die Faktizität des Daseins bedingt sind. daß es zu keinem echten Verständnis des Problems der Entscheidung kommt. vermittelt und vermittelt. wie die auseinandergehenden Momente sich wieder zur Einheit vereinen. wie sie nicht nur für die antike Philosophie bezeichnend ist. ehe man sie vermitteln kann17. Kierke- gaard benutzt diese Klarstellung vor allem dazu. zeigt."16 Diese Aussage gilt es Punkt für Punkt zu inalysieren. Schon bei der Entscheidung und nicht erst bei ihrer Umsetzung in die Tat erfolgt somit die Wiederholung als praktischer Nachvollzug des Denkens. Kann aber die Freiheit der Entscheidung. in der die Vermittlung von Theorie und Praxis. Als „innwendige Tat".sagt Kierke- gaard -. um nämlich zu handeln. Die Kontinuität bewußter Existenz liegt zunächst einmal in der Einheit von Theorie und Praxis. Hegel hat recht.Wenn man bedenkt. und dies wiederum hat zur Folge. Hegel verstehe die Weltge- schichte trotz allem Gerede vom Prozeß nicht im Werden. der Satz des Widerspruchs ist in der Philosophie außer Kraft gesetzt oder beständig in einer höheren Einheit aufhebbar: so gilt dies doch keinesfalls für das Zukünftige. als Übergang von der Möglichkeit zur Wirklichkeit18. 37 Wiederholung Nr. „Darum fehlt dem System die Ethik. daß alles menschliche Tun durch Schuld determiniert ist. wenn das Handeln sich als Wiederholung.

„das Äußerli- che. „Im Wählen der Wahl ermöglicht sich das Dasein allererst sein eigentliches Seinkönnen. das sich im spekulativen Prozeß des Erkennens vollzieht.Als Aufgabe verstanden. da die Logik „es mit dem Erkennen zu tun hat und es sich auch in diesem Mythus um das Erkennen. das es schon ist. Bei Hegel sind Vermittlung und Versöhnung in der Tat nur zwei verschie- dene Ausdrücke für ein und dasselbe Geschehen. aber dieser Vorgang der Entzweiung „endigt seiner Natur gemäß mit der Versöhnung".38 Dies ist übrigens der Aspekt. um dessen Ursprung und Bedeutung handelt"21. erscheint ihm als der bildliche Ausdruck dafür. wie dies nötig ist. welches die Wunden schlägt und dieselben auch heilt. Dies." Es erscheint Hegel daher durchaus angebracht. ganz im Sinne Kierke- gaards: „Das eigentliche Auf-sich-zukommen der vorlaufenden Entschlos- senheit ist zumal ein Zurückkommen auf das eigenste. Für Heidegger ist die Wiederholung das Sichzurückholen des Selbst aus der Verlorenheit in das Man. Im Vorlaufen holt sich das Dasein wieder in das eigenste Seinkönnen vor. Denn Erkennen heißt ihm. paradiesischen Einheit mit der Welt in der Notwendigkeit der „ewigen Geschichte des Geistes" heraustritt und sich entzweit. das Nachholen versäumter Wahl. . daß Erkennen aus der unmittelbaren. den Sündenfall an der Spitze der Logik darzu- stellen. der in Heideggers Deutung der Wiederho- lung . Hegels rationalistisch-kontemplativer Versöhnungsbegriff fußt auf einem ebensolchen Sündenbegriff. Diese Ekstase ermöglicht es. .Kierkegaard läßt sich bei der Untersuchung dieser Frage wieder von der Kritik an Hegel und seinem Vermittlungsbegnff leiten."19 Ein neuer Zweifel drängt sich nun auf: Setzt das Wählen der Wahl nicht jene Freiheit schon voraus. Fremde des Bewußtseins vernichten" und ist damit Rückkehr der Subjektivität in sich. übernehmen kann. die Vernunft als „die Rose im Kreuz der Gegenwart" zu erkennen und sich dieser zu erfreuen20." Denn. sagt Heidegger. Das eigentliche Gewesensein nennen wir Wiederholung. wäre die Wieder- holung letztlich nichts anderes als eine existenzdialektische Form der Ver- söhnung.als der allein maßgebende hinge- stellt wird. Kierkegaards Antwort auf Hegels Versöhnungsbegriff läßt sich in wenigen Worten wiedergeben: Wenn mit „Versöhnung" nicht mehr gemeint ist als . die durch das Wahlen der Wahl erst gewonnen werden soll? Oder etwas konkreter formuliert: Kann der Mensch sich selbst tatsächlich so völlig aus seiner Verstrickung in Schuld befreien. besteht die Versöhnung darin. .die jene Kierkegaards nachdenkt . daß das Dasein entschlossen das Seiende. „Dieses ist es. das Wählen der Wahl. in seineVereinzelung geworfene Selbst. im realen Selbstbewußtsein der Welt gesetzt. nennt er „die Versöhnung der Welt".Sowohl das Prinzip der Entzweiung als auch das der Versöhnung liegt ganz in der Dialektik des Denkens beschlossen. wenn er sich in die Freiheit zurückholen will? Wenn ja. Was im „mosaischen Mythus" als Sündenfall beschrieben wird.

wenn sie nicht auf entgegengesetzte Weise zur Unwahrheit werden soll -. wenn der Mensch sich selbst begründen will. Schulz). Und diese ist es. daß die Existenz als solche Sünde ist. Zur Sünde kommt es. Die Wiederholung. . denn es schafft Raum für die „Doppelbewegung der Unendlichkeit". Daß dem tatsächlich so ist. daß er sich in seiner subjektiven Existenz mit dem Allgemeinen zu versöhnen trachtet: durch eine dritte Art der Wiederholung.des Individuums wie der Gattung- fiele demnach mit der Realisierung der Wiederholung als eines existenzdia- lektischen Daseinsprinzips zusammen22. dann ist das spekulative System Hegels eo ipso gesprengt. daß die Wiederholung eine dreifa- che Art existentieller Vermittlung beinhaltet: die von Denken und Handeln. Zusammenfassend kann gesagt werden.Wenn aber mit dem Gebrauch des Begriffs „Versöhnung" darauf hingewiesen werden soll. Dieses Schei- tern ist Kierkegaard zufolge aber durchaus positiv zu werten. ist das Interesse der Metaphysik (insofern sie das Anliegen der konkreten Subjektivität in die metaphysische Fragestellung einbringt) und zugleich dasjenige Interesse. hat Kierkegaard in ebenso scharfsinnigen wie gründlichen Analysen zu zeigen versucht. Er gerät dann in einen Zustand selbstverschuldeter Unwahrheit und Isolation hinein. kann Kierkegaard daher sagen. der Verinnerlichung. dann erscheint die Zurücknahme der Sünde unmöglich. 39 das spekulativdialektische Prinzip der Aufhebung von Widersprüchen im "Prozeß des sich entfaltenden Denkens. Er argumentiert dabei sinngemäß wie folgt: Die Sünde ist das Selbstische. die als Grundlage aller Vermittlung den Rahmen der Vermitt- lung sprengt. d.und zusammenfallen muß. weil im Zuge der Verinnerlichung die Wahrheit nun erst recht mit der Subjektivität zusammenfällt . an dem die Metaphysik scheitert. Im krassen Gegensatz zu Hegel interpretiert Kierkegaard die Versöhnung als das absolute Paradox. Dogmatik und Logik. es sei denn auf paradoxe Weise: indem unter Berufung auf die Menschwerdung Gottes die Subjektivität zugleich als die Unwahrheit und die Wahrheit festgehalten wird. daß die Vermittlung von Wahrheit das menschliche Leistungsvermögen letztlich übersteigt. nämlich durch Wiederholung in Form der Aneignung. die unweigerlich ins Paradox führt! Denn wenn das Individuum sich innewird. von subjektivem Interesse und objektiver Wahr- heit. h. von Faktizitat und Freiheit.Hinzu kommt dann eben noch die paradoxdialektische Vermittlung des Glaubens. . Die Menschwerdung des Menschen . aus dem er sich nur dadurch wieder befreien kann. für die Wieder- holung absoluter Wahrheit im paradoxen Glauben. denn man vermengt so grundver- schiedene Bereiche wie Ethik. So setzt die Wiederholung als existentielle Form der Vermittlung Versöh- nung immer schon voraus. dann wird mit dem Gebrauch dieses Begriffs nur unnötig Verwirrung gestiftet. . wenn er die Wahrheit in die Subjektivität setzt und sich damit „von der ewigen Wahrheit abschneidet" (W.

vollen Bedeutung erfaßt wird. Die Menschwerdung Mit Hegel und Marx teilt Kierkegaard die Ansicht. stellt sich ihm die Geschichte als „das Bild und die Tat der Vernunft" dar. als Leib und Seele ein Verhältnis bilden. das von einem Dritten. regelt und kontrolliert". Auf je niederer Stufe das menschliche Leben steht. drückt das Allgemein-Menschliche aus. daß die Geschichte nur dann in ihrer wahren. Nichts anderes ist der profane Sinn der Geschichte.40 III. "2 Aber Kierkegaard meint mit Arbeit immer schon mehr als Marx.ist das Kennzeichen alles Wirklichen. als Grundla- ge der ganzen Geschichte aufzufassen . Weil ihm die menschliche Natur mehr als nur Natur ist. Da er für Marx „von Haus aus Natur ist". dem Geist getragen wird. Die Pflicht. also die bürgerliche Gesellschaft in ihren verschiedenen Stufen. und zwar von der materiellen Produktion des unmittelbaren Lebens ausgehend. und das zeigt sich nur unter anderem in der spezifischen Weise seiner materiellen Produktion4 . auf ganz besondere Weise Inter-esse zu sein.Weil der Mensch keine unmittel- bare Einheit von Leib und Seele darstellt. zu arbeiten um zu leben. eine geistig (im Geist) vermittelte. zu entwickeln und die mit dieser Produktionsweise zusammenhängende und von ihr erzeugte Verkehrsform. wenn der Mensch es nicht nötig hätte zu arbeiten. ist er sich selbst aufgegeben. Die „ganze sogenannte Weltgeschichte" ist demnach nichts anderes als die Erzeugung des Menschen durch die menschliche Arbeit. durch Arbeit wird er Herr über die Natur. und Aufgabe der Geschichtswissenschaft ist es. ist sein Dasein wesentlich Arbeit. Inter-esse zu sein . Die Dialektik der Wiederholung 1. um so weniger zeigt sich die Notwendigkeit zu arbeiten. daß der Mensch . daß er höher ist denn die Natur. „den wirklichen Produktionsprozeß. ist ihm auch die Arbeit mehr als deren materielle Reproduktion: sie ist Vollzug der Existenz als Inter-esse3. . je höher es steht. weil sie Ausdruck der Freiheit ist. Eben durch Arbeit macht der Mensch sich frei.Da nun der Mensch für Hegel letztlich Geist. insofern nämlich.im Gegensatz zum Tier . . durch Arbeit zeigt er. . „daß es als eine Unvollkommenheit des Daseins angesehen werden müßte."' Auch Kierkegaard betont. wenn sich in ihr die dialektische . was er seiner Möglich- keit nach ist. um so mehr tritt sie zutage. sieht er das sinngebende Moment der Geschichte in der Arbeit als einem Prozeß „zwischen Mensch und Natur.„zwischen der Abstraktion hypothetischen Einheit von Denken und Sein" . Der Mensch aber kann für sich in Anspruch nehmen. .sich erst zu dem machen muß. sondern eine bewußte. womit der Mensch seinen Stoffwechsel mit der Natur durch seine eigene Tat vermittelt. der „existierende Begriff" ist. Umgekehrt kann gesagt werden.

sich selbst als Quelle seines Handelns zu verstehen.phyloge- netisch wie ontogenetisch -. Nun ist es nach Kierkegaard aber keineswegs so. als Begriff unter Begriffen auftritt. Kurz. Während nämlich die spekulative Dialektik im Grunde tautologisch ist. trägt den Untertitel „Eine schlicht psy- chologisch-andeutende Überlegung in Richtung auf das dogmatische Pro- blem der Erbsünde". die sich detailliert mit dem Phänomen Sünde auseinandersetzt. die im vorigen Kapitel bereits kurz skizziert wurde: Da die geschichtliche Menschheit je schon in der Konsequenz der Sünde steht. der Geist sei das absolut Erste der Natur. sich in Wahrheit zu verwirklichen. In diesem Sinne ist es gemeint. das Bedingtsein des Individuums durch die Entwicklung der Gattung andererseits. die es dem einzelnen gestatten. Damit soll gesagt sein: 1. wenn erfaßt und festge- halten wird. erscheint es fraglich. „so wird die Stimmung die dialektische Ebenmäßigkeit und Teilnahmslosigkeit. daß er Gelingen und Versagen in die eigene Verantwortung übernimmt und sich frei zum Guten wie zum BÖsen weiß. ob unter materialisti- schen Voraussetzungen überhaupt sinnvoll von Dialektik gesprochen wer- den kann5. Das Phänomen Sünde kann streng genommen überhaupt nicht Gegenstand einer Wissenschaft sein. daß Seele und Leib zwei wechselseitig sich bedingende Momen- te jenes Dritten sind. weil in ihr Natur nur als das Anderssein des Geistes. zur Grundlage positiver Freiheit. Denn Hegels Satz. durchdenkt". IV). was dem Gedanken nicht widerstehen kann. wenn Kierkegaard zwischen einem mythischen und einem geschichtlichen Dasein unterscheidet und das letztere mit dem „Sündenfall" als der ersten geschicht- lichen Tat beginnen läßt6. Welche Wissenschaft ist nun aber für die Erforschung der Sünde zustän- dig? Kierkegaards Schrift „Der Begriff Angst". Damit dies geschieht. läßt sich nicht umkehren. Der Begriff . Eben das ist bei Hegel und Marx aber nicht der Fall. ohne daß die Dialektik zu einem simplen Kausalprozeß sich bedingender und aufhebender Gegensätze verflacht. Der „Sündenfall" soll dabei ein Zweifaches zur Geltung bringen: die Freiheit und Verantwortlichkeit des Individuums im Prozeß der Mensch- werdung einerseits. also geschichtlich existiert. Diese Dialektik des „Sündenfalls" als die Grundla- ge der Dialektik der Geschichte gilt es vor allem aufzuklären . 41 Struktur der menschlichen Existenz widerspiegelt. in deren Verlauf der Geist von einem „spatiie- renden" Moment (er hat die tierische Unmittelbarkeit aufgehoben und sich zwischen Leib und Seele gedrängt) zu einem vermittelnden Moment gewor- den ist. muß er zuerst eine Entwicklung durchgemacht haben . das als Ganzes nur im Verhältnis seiner Momente existiert (Näheres hierzu in Kap. der Mensch muß dahin gelangt sein.was Kierke- gaard zufolge nur aus jener heilsgeschichtlichen Perspektive heraus möglich ist. daß der Mensch je schon seinen Möglichkeiten entsprechend. derart. welche die Sünde als das. Wird es etwa in der Metaphysik behandelt. kann sie nur durch das Eingreifen Gottes in den Besitz der Bedingungen gelangen.

Dies gilt für das Verständnis des Phänomens Sünde. die Sünde zieht sich vielmehr „tiefer und tiefer" zurück. ohne daß es mit ihrer Idealität vorbei ist. sondern mit dieser insofern ins Verhältnis tritt. „Daß die menschliche Natur so beschaffen ist. Doch als eine Idealwissenschaft kann die Ethik die Sünde nicht in sich aufnehmen. nicht aber daß sie entsteht. das nicht nur zufällig einem Individuum angehört.Am ehesten scheint noch die Ethik für die Sünde zuständig zu sein. aber auch seiner Konsequenz. die christlich gesehen weder das Produkt eines sich selbstherrlich entfaltenden „Weltgeistes" ist (dem die Individuen mit ihren persönlichen Zielen und Anliegen nur Mittel zum Zweck sind). „so wird die Stimmung die anhaltende Beobachtung. aber nicht als blutleere Abstraktion. und niemals so unmenschlich wird. . Das Höchste. ist. und das heißt eben. mit der sich jeder konfrontiert sieht. unverfälsch- ter Sinn zum Vorschein kommt. wie. istsie wirklich . denn die Freiheit ist niemals möglich. daß die Sünde von der Wissenschaft vorausgesetzt werden muß: als ein „bewegendes Etwas". . desto höher spannt sie die Schwierigkeit. denn die Sünde wird zu einem Zustand. um sich des Phänomens der Sünde anzunehmen. alles zu verlieren7. . daß sie die Sünde möglich macht. das sie nicht zu fassen bekommt.und die Ethik hat selbst dazu beigetragen. daß ihr ursprünglicher. als sie sich als Aufgabe für einen jeden Menschen hinstellt.So bleibt am Ende nur die Dogmatik übrig. noch eines nach ehernen Gesetzen verlaufenden Evolu- tionsprozesses des Instrumente herstellenden Tieres (und folglich Teil der Naturgeschichte). aber daß man etwa diese Möglichkeit der Sünde ihre Wirklichkeit werden lasse. denn die Sünde muß zwar überwunden werden."8 3. als eine „tiefere und tiefere Voraussetzung". durchaus wahr. zum Menschen schlechthin machen will. Der Begriff wird abermals verfälscht. was eine „schlicht psychologisch-andeutende Überlegung" errei- chen kann. ist Aufschluß darüber. zum ganzen Menschen. der Geschichte. das empört die Ethik und klingt der Dogmatik wie eine Lästerung. . ." Im Lichte dieser Zielsetzung erweist sich die Sünde als etwas. die über das Individuum hinausreicht. „Nun ist alles für die Ethik verloren" . die Wirklichkeit aus dem Gesicht zu verlieren. „Je mehr sie in ihrer Idealität verbleibt. als eine Voraussetzung. sondern die Synthese aus menschlichem Interesse und göttlichem Heilsplan. unter welchen Voraussetzungen die Sünde entsteht.Wird die Sünde in der Psychologie behandelt. nicht des Ernstes sieghafte Flucht aus ihr heraus".42 wird verfälscht. dergestalt. sie will sich vielmehr bewußt im Rahmen der christlichen Glaubenswahrheit halten. daß sie ihn zum wahren. . und zwar so. die spionierende Unerschrok- kenheit. psychologisch gespro- chen. sobald sie ist. Als Überlegung „in Richtung auf das dogmatische Pro- blem der Erbsünde" beansprucht die Untersuchung keineswegs vorausset- zungslos zu sein. 2. was sie keines- falls ist. sondern als eine Realität.

Daher ist die Sünde auch schlechterdings unableitbar. als die Möglichkeit des Verhältnisses von Leib und Seele .Zwischen Adam und dem späteren Indivi- duum besteht also nur ein gradueller Unterschied: Durch die erste Sün- . als das Prinzip ihres Handelns nicht freie Selbstbestimmung. behauptet Kierkegaard. daß ihre Spiele meist Nachbildungen dessen sind. gleichzeitig damit aber in die Qualität hineinverflochten und von ihr vorausgesetzt ist so wie die Qualität vom Sprung. in der es noch keine Sünde gibt. „Die Kinder". denn sonst wäre dieses gar nicht da. weil die Sünde in bei- den Fällen auf die gleiche Weise in die Welt kommt.als jenes Dritte. 43 a) Die mythische Stufe: Dasein als Nachahmung Schon Vico war überzeugt. daß der Geist . so schreibt er. das Zurückgehen in eine Zeit erfordert.Auch diesen Umstand hat bereits Vico aufgedeckt. wenn er fest- stellt. Darum bestand die kindliche Welt aus dichterischen Völkern. . wird der Begriff der ersten Sünde zweideutig: er bezeichnet die erste Sünde im Leben des einzelnen und die erste Sünde des Geschlechts.durch einen Sprung. Jedesmal handelt es sich aber um ein und dasselbe Phänomen. Daß die „Erbsünde" dennoch eine wesentliche Rolle spielt. nämlich mit der Plötzlichkeit des Rätselhaften . sondern Nachahmung ist. kann laut Kierkegaard bereits am Beispiel des Stammvaters der Menschheit deut- lichgemacht werden: Wenn nämlich Adam nicht auf „phantastische Weise" außerhalb der Geschichte der Menschheit zu stehen kommen soll. dann muß man annehmen. was sie fähig sind zu ver- stehen.wie jeder andere Mensch - zugleich er selbst und das Geschlecht ist. er ist nicht einfach mit ihm identisch. vorgeschichtliche Daseinsstufe ge- funden werden. muß eine „paradiesische".in Sünde wirklich geworden ist. denn die Dichtung ist nichts anderes als Nachahmung. denn wir beobachten. wie die Sünde in die Welt kommt. „daß diese historische Welt ganz gewiß von den Menschen gemacht worden ist". daß er . In diesem dialektischen Verhältnis spiegelt sich das Wesen des „Sünden- falls" wider. - Da nun die Beantwortung der Frage. der als Sprung die Qualität setzt. Das Kind und der Primitive leben insofern ungeschichtlich. sie kam und kommt durch eine Sünde in die Welt. Er ist nicht wesentlich ver- schieden vom Geschlecht. wie jede neue Qualität. sonst wäre es gleichfalls nicht da. . Kierkegaard meint im Grunde genau dasselbe. Eine solche läßt sich sogar empirisch nachweisen. und daß daher in den Modifikatio- nen unseres Geistes ihre Prinzipien aufgefunden werden können und müssen9."10 Eben weil das menschliche Dasein sowohl ontogenetisch als auch phy- logenetisch betrachtet werden kann. eine geschichtliche Daseinsgestaltung sei nur unter der Vorausset- zung möglich. „haben eine große Fähigkeit zur Nachahmung.

dem Verstand ein Ärgernis ist. zum Mythos . deren philosophi- scher Wert vor allem darin liegt. denn mit der quantitativ voranschreitenden Sünd- haftigkeit des Menschen geht auch seine Geschichtlichkeit verloren. diese hat bei Adam wie bei jedem späteren Individuum aktuelle Sünden zur Folge. wird die Unschuld allmählich zur Sünde12. so wäre er nicht der zweite Mensch. Je pelagianischer man daher das Individuum auf sich selbst gestellt sein läßt. wird sich im Verlauf der Untersuchung immer deutlicher zeigen. die es weder in der archaischen noch in der modernen Gesellschaft zu spielen vermag? . ihren strikten Sinn zu verlieren droht13."" Weil der „dialektische Schluß". daß die Kontinuität des Geschlechts zur Bedeu- tungslosigkeit herabsinkt. . denn sonst wäre der Sprung der Qualität eo ipso aufgehoben und eine quantitative Entwicklung an seine Stelle gesetzt. psychologischen oder soziologischen Relativierung der Verantwortung des einzelnen erfolg- reich entgegentreten zu können. ein „göttliches Vorspiel". nur dadurch einer logischen (logisch-spekulativen).Daß diese Bedenken angebracht sind. weil ohne erste Sünde die christliche Lehre von einem Heilsplan. doch darf der Pelagianis- mus nicht so weit gehen. um so ethischer wird die Schuld. „Würde der zweite Mensch nicht von Adam abstammen. der sich von Adam über Christus zum neuen Menschen erstreckt. ob er sich nicht selbst der Mythisierung schuldig macht. daß die Sünde durch eine Sünde in die Welt kommt (sich als ein Ausdruck der Freiheit letztlich selbst voraussetzt). wo Sünde nicht erklärt werden darf. Kierkegaard sieht sich infolgedessen genötigt.so kann man auch sagen . Eines ist freilich jetzt schon klar: Der Däne versteift sich deshalb hartnäckig auf eine erste Sünde. wie der Mensch vor dem „Sündenfall" war. . und indem er darüber schwätzt. so daß dem Individuum eine Rolle zufällt.um gerade dadurch dem Mythos zu verfallen. der sich dieses Schlusses bedient. Er wird herkömmlicherweise als Zu- .ist ein Mittelding zwischen Handeln und Leiden.44 de Adams wie jedes späteren Individuums kommt die Sündhaftigkeit in die Welt. Wie immer man glaubt. wo Sünde erklärt werden soll. zumal gegen jene der spekulativen Theologie. Er versucht. Die Frage ist nur. wenn er den „Sünden- fall" als erste Sünde interpretiert. konstruiert einen „phantastischen Anfang". diesen Widerspruch dadurch zu lösen. darum stempelt er den biblischen Bericht. Sünde . Kierkegaard wendet sich mit Vehemenz gegen jede Art von „Verstandes- mythos". daß er den Anspruch begrifflicher Vermittlung auf Approximation einschränkt. daß die Sünde in die Welt kommt: der ihr vorausgehende Zustand kann noch nicht durch Sünde geprägt sein. daß sie so etwas wie ein existenzdialekti- sches Gegenstück zu Hegels Phänomenologie des Geistes liefert. weil er glaubt. Der Verstand „phantasiert" etwas darüber. und auf der christlicher Dogmatik. und nicht zuletzt. gleichzeitig auf zwei Ebe- nen zu operieren: auf der dialektischer Rationalität. sondern eine leere Wiederholung .

indem sie fasziniert. das Medium dieser Verwirklichung. . Dadurch. 45 stand der Unschuld bezeichnet. Kierkegaard verweist hier auf den Sprachgebrauch. und kommt zum Schluß. So gebiert er die Angst. unwissend des Unterschiedes von Gut und Böse. welches nicht Unfriede und Streit ist. zugleich ein Positivum (Un-schuld) und ein Negativum (Unwissenheit) zu sein. in welchen Verhältnissen es auch sei." Oder: „Man läßt das Kind so entartet sein von Grund auf. weder gut noch böse.Der Geist. Aber welche Wirkung hat Nichts? Es gebiert Angst. Angst bedeutet überhaupt eine Auszeichnung."15 Die dialektische Zweideutigkeit der Unschuld. das die Unmittelbar- keit durchbricht und ihre Sicherheit in Frage stellt. er ist nicht da als etwas Bestimmtes. schuldig wie unschuldig14. Sie zeichnet den Menschen vor dem Tier aus. welche die Zweideutigkeit hat. denn in der Unschuld ist der Mensch nicht geistig bestimmt. daß die Unschuld eine abstrakt-negative Bestimmung ist. „wie Kinder eben sind. für den Ausdrücke wie „süße Angst" selbstverständlich sind. „Zwischenbestimmung!" fordert Kierkegaard.Mit dieser Feststellung ist es freilich noch nicht getan. ist da und nicht da: er ist da als etwas. Denn die Angst ist „eine sympathetische Antipathie und eine antipathetische Sympathie". um so mehr Angst und umgekehrt16. weder in phylogenetischer noch in ontogenetischer Hinsicht: „Man läßt das Kind so recht einen kleinen Engel sein. weil er sich in .nicht Schuld und doch (als Möglichkeit) auf Schuld bezogen zu sein . aber dann kam es in gute Gesellschaft und wurde gut oder in schlechte Gesellschaft und wurde schlecht". daß ein Kind. Der Geist ist erst „träumend" im Menschen. wiederholt sich in der Angst. Das ist die tiefe Heimlichkeit der Unschuld: sie ist zugleich Angst. und sie stößt ab. . womit seine Doppeldeutigkeit. aber dieses Nichts sieht die Unschuld fort und fort außerhalb ihrer. denn es ist ja nichts da. aber da ist zu gleicher Zeit noch etwas anderes. Die Unschuld hat das Negative an sich. Der Geist erscheint zunächst als eine „feindliche Macht". aber die verderbte Umgebung hat es ins Verderben gestürzt. und es gilt der Grundsatz: Je mehr Geist. daß die Angst nicht nur keine Schuld. „In diesem Zustand ist Friede und Ruhe. beides werden kann. aber diese Wirklichkeit ist Nichts.treffend zum Ausdruck kommt. Träumend spiegelt der Geist seine Wirklichkeit hin. sondern auch keine Last und kein Leid darstellt und darum mit der Seligkeit der Unschuld durchaus in Einklang zu bringen ist. . Man finde eine Zwischenbestimmung. Diese Zwischenbestimmung gewinnt Kierkegaard durch Analyse der Unschuld. sondern seelisch. indem sie abstößt. unwissend zu sein.Eben diese Doppeldeutigkeit wird zumeist aber nicht beachtet. daß ihm das gute Beispiel schlechterdings nichts nützt. sie fasziniert." In Wirklichkeit war das Kind. weist sie über sich hinaus und treibt zur Verwirklichung der noch unausgeschÖpft im Menschen gelegenen Möglichkeiten. Konkretes. damit zu streiten. Was ist es dann? Nichts.

dafür hat gerade der junge Sören den besten Beleg geliefert: mit der ihm anerzogenen Angst vor der Sinnlich- keit. . Daß es letztlich die Gesellschaft ist. Um die größtmögliche Approxima- tion an den „Sündenfall" zu erreichen. Fol- gende Worte daraus könnten auf den Autor selbst gemünzt sein: „Hin- . hier werde mit einem Deus ex machina operiert. daß Adam mit sich selbst gespro- chen habe . Daraus. „Die Unschuld kann ja gut und gern reden . Darum hat der Mensch den Verlust des „Paradieses" auch stets als Strafe empfunden.Den naheliegenden Ein- wand. Das Verbot kann nämlich unter den Vorausset- zungen der Unschuld gar nicht verstanden werden und bewirkt eben da- mit die entscheidende Potenzierung der Angst.was freilich auf Kosten der Unmittelbarkeit und damit der Unschuld geht. In Wirklich- keit ist er aber eine „freundliche Macht". Denn wenn Sprache Gebote und Verbote beinhaltet. Das Tagebuch des Verführers schildert die experimentie- rende Neugier in all ihren Variationen und mit all ihren Raffinessen. kein Werk der Willkür) dazu benutzt. Denn nur so kann der „Sündenfall" mit Hilfe der Sprache als erste Sünde interpretiert werden. denn er will das Verhältnis ja nicht stören. weist der Däne entschieden zurück. so deshalb."17 Mit diesem Rechtfertigungsversuch stürzt sich Kierkegaard in nur noch größere Schwierigkeiten. sondern im Gegenteil begründen . als Ausdruck ihres geistigen Entwicklungsstandes dem Individuum und der Generation immer schon vorgegeben ist. . In der Angst erfolgt also der Übergang von der Unschuld zur Schuld. daß er das Gesagte habe verstehen können. weil sie als Produkt der Gesellschaft.46 das unmittelbare Verhältnis von Seele und Leib eindrängt. bedarf es seiner Ansicht nach des von Gott kommenden Verbots und der Strafandrohung. muß die Angst aber erst „zum Äußersten gebracht" werden. . In- sofern braucht man nur anzunehmen. die sich dann folgerichtig in experimentierender Neugier nieder- schlug und mit Kurzschlußhandlungen sowie entsprechenden Schuldge- fühlen endete. An dieser Stelle angelangt. Ursprung und Funk- tion der Sprache zu verschleiern. . folgt ja im tiefe- ren Sinne nicht. ohne im Grunde etwas zu erklären. von der mythischen zur geschichtlichen Existenzweise. womit er eine richtige Einsicht (Sprache ist keine bloße Konvention. .Kierkegaard aber legt nur Wert auf die Feststellung. weil sich in ihr die Wirklichkeit des Geistes als „ungeheueres Nichts der Unwissenheit" eindringlich abzuzeichnen beginnt. . rekurriert Kierkegaard erstmals ausdrück- lich auf den biblischen Bericht. daß Adam hat sprechen können. daß der Mensch die Sprache gewiß nicht selbst erfunden habe. Denn um die Angst auf die Spitze zu treiben. die über die Sprache den „Sünden- fall" unausweichlich werden läßt. obwohl er im Grunde nichts weiter als eine notwendige Folge der Selbst- werdung des Menschen ist. die das Fassungsvermögen der Unschuld übersteigen.

sieht er sich noch vor ein weiteres Problem gestellt: Wenn durch den „Sündenfall" ein neues Dasein eröffnet wird. als ein höherer Ausdruck der A n g s t . Was es ist. Umfassend ist die Angst insofern. sondern in sich selbst". und sie ist auf Möglichkeit bezogen. Dies erklärt. Angst ist „Schwindel der Freiheit". ist erst die Möglichkeit der Freiheit gegeben.so formuliert es Heidegger - „erschließt als Modus der Befindlichkeit allererst die Welt als Welt. Angst offenbart das Freisein für die Freiheit des Sich-selbst-wählens und -ergreifens und erschließt dadurch das Dasein als Möglichsein". sein eigentli- ches In-der-Welt-sein-können. In diesem Sinne beschreibt Kierkegaard die Situation Adams unmittelbar vor dem „Sündenfall": Das Verbot ängstigt ihn. noch eine der Frei- heit. Im Stadium der Angst. „gefesselt nicht in Notwendigkeit. weil sie Ausdruck der Freiheit ist. . 47 sichtlich der Ehe hast Du Dich jederzeit lediglich beobachtend verhalten. In einem logischen System sei es sehr bequem zu sagen. denn es weckt in ihm die konkrete Möglichkeit der Freiheit. und es bedarf einer Zwischenbestim- . warum der „Sündenfall" als Akt der Freiheit nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen erfolgt20. bloß Beobachter sein zu wollen. freilich auch keine Unfreiheit. Die Angst wirft das Dasein auf das zurück.Die Angst bezieht sich auf Möglichkeit. . und ist hier wiederum ein Nichts. das ist nun in ihn selbst hineingetreten. als sie den Men- schen mit so etwas wie Welt konfrontiert und gleichzeitig damit die Existenz als solche in Frage stellt. dann kann vorher noch keine Freiheit geherrscht haben. Es hegt etwas Verräterisches darin. daß die in Angst sich zeigende Welt immer schon gesellschaftlich vermittelt ist und durch die Sprache verstärkend auf die Angst zurückwirkt. daß man das Gute oder Böse wählen kann. nämlich das der Freiheit des Selbst zum Selbst. daß die Möglichkeit in Wirklichkeit übergeht. Angst ist demnach weder eine Bestimmung der Notwendigkeit. „Was an der Unschuld vorübergestreift ist als das Nichts der Angst. Um abermals mit Heidegger zu sprechen.die als existenzdialek- tische Übergangsbestimmung nicht mit Furcht verwechselt werden darf - vor allem zwei Wesensmerkmale aufweist: sie ist umfassend. Bloß die Möglichkeit zu können ist vorhanden als eine höhere Form der Unwissenheit. worum es sich ängstet. sagt Kierkegaard. " Weiter. „In der Wirklichkeit ist das nicht so sehr leicht. „Die Angst" . die ängstigende Möglichkeit zu können. vermag das einfüh- lende Verstehen nicht zu kommen." . und diese besteht nicht darin. meint Kierkegaard. wenn der Geist die Synthese setzen will und die Freiheit in ihre eigene Möglichkeit hinabschaut."13 Zusammenfassend kann man sagen. davon hat er keine Vorstellung. -Festzuhalten bleibt auch. daß die Angst . sie ist gefesselte Freiheit. sonst wäre es gar nicht zur Sünde gekommen. Anders formuliert: Angst ist die Wirklichkeit der Freiheit als Möglichkeit für die Möglichkeit.statt als einen Prozeß der Bewußtseinsbildung . Weil Kierkegaard den „Sündenfall" als erste Sünde interpretiert . der entsteht. das er kann. sie besteht im Können.

Hypochondrie. Zur Verzweiflung kommt es. aber auch geistige wie Unglauben.und damit aufhört. Diese wiederum gipfelt im Dämonischen. ein heiles Ganzes zu sein.wird der Mensch. wenn er verzerrt. Er umfaßt physisch-psychische Erscheinungsformen wie etwa harmlos anmutende Grillen. was er seiner Bestimmung nach immer schon ist: ein Geistwesen.dies trifft nur für die faktische Sünde zu. Und in dritter Potenz wird er. als er unmittelbar war. nur psychologisch . Vor beiden Extremen muß der Mensch sich also hüten. Aber- glauben. die eine „Krankheit zum Tode" ist. der „Sündenfall" ist ein Sprung. und dem Selbstbetrug in der Annahme einer uneingeschränkten Ursprünglichkeit. Auch ohne den Charak- ter des Plötzlichen und Rätselhaften an sich zu haben. Der Mensch erfährt sich nun erstmals als ein Subjekt: auf sich selbst gestellt-der Welt gegenübergestellt. als sie ihn ethisch rechtfertigt. insofern er ein anderer geworden ist. Diese Zwischenbestimmung ist die Angst. und das heißt. auch in sich selbst findet er sich entzweit. wenn die Freiheit verleug- net oder absolutgesetzt wird. begreift. wird die auszeichnende Möglichkeit der Ver- zweiflung zur Krankheit der Verzweiflung. sie nicht wahrhaben will. denn sie deutet hin „auf das unendliche Aufgerichtetsein oder die unendliche Erhabenheit". was er handelnd aus sich macht: dieses bestimmte. Und nicht nur das. aber nicht weil er letztlich unableitbar wäre . er muß sich dazwischenhalten: zwischen der Selbstverleugnung von der Art. Der durch die Sünde erreichte neue Status menschlichen Daseins zeigt sich vielleicht am deutlichsten dann. sondern weil durch ihn das Leben in seiner unmittelbaren Einheit zerbricht - einen Sprung bekommt . welche den qualitativen Sprung ebensowenig erklärt.so jedenfalls sieht es Kierkegaard . was er einzig durch das Erlö- sungswerk Christi sein kann: der „neue Mensch". weil in beiden Fällen der in Sünde zu sich selbst gekommene Mensch an seiner Wirklichkeit vorbeigeht. Stolz. daß er sich nur als Rasse. Faßt man sie nur als abstrakte Möglichkeit ins Auge. Dementsprechend kann man das Dä- monische nur geistig (ästhetisch. Wenn dies nicht geschieht. so muß man sagen.48 mung. metaphysisch). pervertiert wird: in der Verzweiflung. Feigheit."21 Dazu noch einmal eine kritische Präzisierung: Der „Sündenfall" stellt in der Tat einen Sprung dar. weil durch ihn eine qualitativ neue Daseinsweise möglich und notwendig geworden ist.— Kurz. Denn in erster Potenz . einmalige Individuum. Hysterie. daß sie „ein ungeheurer Vorzug" ist. die so selbst das Böse ist22. Gesellschaft usw. Sie zeichnet den Menschen gegenüber dem Tier noch weit mehr aus als der aufrechte Gang. daß der Mensch Geist ist23. denn der „Sündenfall" beinhaltet vor allem auch die Absonderung des Menschen von Gott. die Erreichung eines ersten Ziels. die Erkenntnis von Gut und Böse. Für die Verzweiflung gilt etwas Ähnliches wie für die Angst. Das Dämonische ist bei Kierkegaard ein sehr weiter Begriff. In zweiter Potenz wird er. ethisch. Heuchelei. insofern sie ein Akt der Freiheit ist -. bedeutet er eine Zäsur in der menschlichen Entwicklung. Volk.

der sich in Freiheit vor der Freiheit verschließt.Und schließlich zeigt sich die Entsprechung im Verhältnis zur Sprache. noch nicht um das Dämonische. meint Kierkegaard.sie hat nur die Kraft. mimisch. und tritt als das Plötzliche in Erscheinung (denn Mangel an Kommunikation ist Mangel an Kontinuität) oder aber als das Inhaltslose. So ist das Dämonische wesentlich das Stumme . Dieses resultiert aus der Angst des Bösen vor dem Guten. im BÖsen stehend. wenn er. Negation der Kommunikation. die sie zum Ausdruck bringt. Das Dämonische ist nämlich eine Art Organisation der Desorganisa- tion. erklärt Kierkegaard so: Die Sünde ist aufgehobene Möglichkeit. Doch während sie im ersten Fall der Wirklichkeit. . Denn das Unter- . . Gedankengänge Freuds vorwegnehmend. Konsequenzen nach sich zieht. Denn in der Sprache liegt die Kommunikation24. Mit einem Januskopf betritt der Mensch die Geschichte. Die Sprache. Entsprechend verzerrt kehren auch alle Bestimmun- gen der Unschuld wieder: War in der Unschuld die Freiheit noch nicht als Freiheit gesetzt. wenn der Mensch.die synthetische Struktur des Menschen zum Ausdruck bringt.Verbleibt nun das Individuum in der Sünde. das Wort ist eben das Befreiende.Das Dämonische ist ferner wie die Unschuld wesentlich Angst. In jedem der drei Fälle ist das Dämonische im entscheidenden Maße verfehlt. wenngleich sie diese verschweigt. Im Dämonischen ist die Menschwerdung gewissermaßen rückläufig. Deshalb erzeugt sie Angst. da es . inso- fern unmittelbar die Unmittelbarkeit wiederholt werden soll.wenngleich in negativer Form .denn die Angst. Wie es zum Phänomen des Dämonischen kommt. . h. das Langweilige (denn das Plötzliche hat als Kontinuität nur die Aus gestorbenheit. die weitere Möglichkeiten. d. - Knechtschaft der Sünde ist also gegeben. aber immer einen Augenblick zu spät kommt . kann sich genausogut ausdrücken im Verstummen wie im Schrei -. ein unfreies Verhältnis zum Guten hat. verweist sie im zweiten Fall auf eine ganz andere Wirklichkeit. als wären sie eins: indem der eine redet und der andere „ganz und gar zufällig im Verhältnis zur Rede gestikuliert". wie sie bei jenem Spiel auftritt. im Guten stehend. das Dämonische ist gegeben. Es ist daher wesentlich das Verschlossene. das von der „leeren Abstraktion der Verschlossenheit" Befreiende. nur eben die Angst dessen. wenn es zum Sprechen gezwungen wird. etwa dann. die aber nur zur Grimasse gedeiht. das Nichts). zugleich aber eine unberechtigte Wirklichkeit. das sich in der Sprache verrät. so handelt es sich um „Knechtschaft der Sünde". vor der Möglichkeit der Freiheit. weil die Reue zwar vorhanden ist. so ist im Dämonischen umgekehrt die Freiheit nicht mehr als Freiheit gesetzt. sich zu grämen -. meint Kierkegaard. Wie die Sprache der Unschuld so ist auch die des Dämonischen ihrem Wesen nach sinnlich. ein unfreies Verhältnis zum Bösen hat. 49 oder nur medizinisch betrachten. also der Unmittelbarkeit ange- messen ist. die Möglichkeit der Freiheit zeigt sich im Verhältnis zur Unfreiheit. wo zwei sich unter einem Mantel verstecken und so tun.

„Im Augenblick. daß durch die Sünde das Ganze der Schöpfung in Mitleidenschaft gezogen wird.wohl aber das Individuum mit dem Geschlecht -. wird er es auch dadurch. „Erst im Geschlechtlichen ist die Synthesis gesetzt als Wider- spruch. durch das Erschrecken Adams und Evas über ihre Nacktheit zum Ausdruck gebracht wird). aber zugleich wie jeder Widerspruch als Aufgabe. da der Geist sich selbst setzt. Sünde sei zwar keineswegs identisch mit Sinnlichkeit. T. den Geist. als das Prinzip der Sinnlichkeit (was im A. und das Äußerste an Sinnlichkeit ist eben das Geschlechtliche. bekommt der einzelne so etwas wie eine objektive Geschichte.Sexualität. In der Freiheit des Selbst zum Selbst erweist sich das Selbst als ein zwiespältiges.)26 Indem die Sünde den Widerspruch aufhebt." (In den Tagebüchern Kierkegaards findet sich freilich eine wesentlich andere Interpretation des Zusammenhangs Sünde . wird die Vermittlung von Geist und Natur zu einem rein personalen Geschehen. diesen Zwiespalt und Widerspruch in existenzdialektischer Vermittlung aufzuheben. setzt sie einen neuen. Letzteres ist dabei buchstäb- lich zu nehmen. Dabei fehlt dem Dänen keineswegs die Einsicht. so daß Kierkegaard sagen kann. erscheint die Leiblichkeit erstmals als ein selbständiges Prinzip. Dort wird das Sexuelle als der Gipfelpunkt menschlicher Selbstsucht dargestellt .50 scheidenkönnen von Gut und Böse beinhaltet die Fähigkeit. setzt er die Synthesis. aber auch nicht eigentlich Mensch. daß er zugleich Tier wird.und mit dem „Sündenfall" schlicht gleichgesetzt. sich widerspre- chendes. doch ist ihm diese . muß er sie zuerst unterscheidend durchdringen. Dies Äußerste kann der Mensch erst in dem Augenblick erreichen. In der Reflexion durch das Dritte. da der Geist wirklich wird. und zwar nicht nur des Dämonischen wegen. wahrhaft Mensch oder „tierischer als jedes Tier" zu sein."25 Trotzdem oder gerade deswegen spricht Kierkegaard von einer „beata culpa". erst in dem Augenblick. Die „Geschichte der Zeitlichkeit" erscheint so als „die ständige Wiederho- lung der gleichen Schuld". während das Individuum „mit dem Sprung der Qualität" daran teilnimmt.insofern die Fortpflanzung Ersatz für die Unsterblichkeit sei . Diese im Prinzip sicher überzeugende Darlegung ist leider mit einem folgenschweren Mangel behaftet: Indem Kierkegaard die Sinnlichkeit mit dem Geschlechtlichen gleichsetzt. Nur weil das Geschlecht nicht mit jedem Individuum von vorne beginnt . die indes in quantitativen Bestimmungen fortschreitet. das Sexuelle mitgesetzt. deren Geschichte im gleichen Augenblick beginnt. und die Aufgabe besteht darin. in dessen Überwindung Geschich- te bestehen soll: den zwischen Geist und Sinnlichkeit. da er Mensch wird. aber ohne Sünde keine Geschlechtlichkeit und ohne Geschlechtlichkeit keine Ge- schichte. um aber die Synthesis zu setzen. Die objektive Geschichte kann insofern als unwesentlich bezeichnet werden. daß der Mensch ein Selbst und doch kein Selbst ist. Vor dieser Zeit ist er nicht Tier. durch die Sünde sei das Geschlechtliche.Sinnlichkeit .

sind der beredte Ausdruck dieses Geschehens. h. Welt wird zu einem „Gemachte des Menschen". als gäbe es nur die Alternative Mythos . fällt dann dem Zweifel zu. durch sie wird dem Menschen aber auch der Blick auf ihr Wesenhaftes verstellt.erst wirklich zum Bewußtsein seiner selbst gelangt. Kierkegaard ist sich aber sehr wohl im klaren darüber. Sie tragen denn auch den Stempel des Sündenbewußtseins. die zumindest teilweise dem Mythischen ent- wachsen sind. erhält durch ihn aber eine völlig neue Bedeutung: sie wird zur Beherrschung der sinnlichen Natur in kollektiver geistiger Anstrengung. kommt es nicht. sie ist nicht länger „ein alles umfassendes physisches Weltall. d. die Zweideutigkeit der Sünde an sich: Durch sie wird die Natur zu einem Instrument der Emanzipation (vor allem über die Technik). Arbeit als Inbegriff menschlicher Selbstverwirklichung tritt zwar nicht erst durch den „Sündenfall" ins Dasein. die also zwischen einer ungebrochenen Naivität und dem eigentlichen „Sündenfall" angesiedelt sind. Die Wissenschaften . „objekti- ve Angst".Christen- tum. was keineswegs geringschätzig gemeint ist. deren Überwin- dung die entscheidende Voraussetzung der Selbstverwirklichung darstellt. ein „Denkprojekt". 51 Auswirkung nichts weiter als ein belangloser Reflex der Sündentat. das auch den Menschen. in gewisser Weise freilich die Philosophie über- haupt: nämlich als Spekulation. das Verhältnis des Men- schen zur Natur insgesamt und damit auch die gesellschaftliche Praxis determiniert. Tatsache aber ist: Indem der Mensch . daß die neue Beleuchtung. Zur Einsicht. ohne deswegen christlich zu sein. Er zögert daher nicht. welche im christlichen Verständnis der Menschwerdung die Sünde spielt. hervorgebracht hat"27. erfährt er die Natur als ein Anders- sein. In der unvollendet gebliebenen Schrift „Johannes Climacus oder De omnibus dubitandum est" hat Kierkegaard den einzigen zusammenhängen- den Versuch unternommen. der immer schon gesellschaftlich vermittelt ist .Allerdings handelt es sich dabei um . Die Rolle.ein geistiges Experiment. er hat wie vormals Descartes. was christlich-dogmatischen Ursprungs ist . Er nennt sie pauschal die „heidnischen".von der Philosophie bis hin zur Naturwissenschaft . Sehnsucht der Schöpfung nach Erlösung von ihrem Zustand der Unvollkommenheit. den ganzen Themenkomplex der Dogmatik zu überantworten. den Prozeß der Menschwerdung von eben dieser „heidnisch"-spekulativen Bewußtseinsstufe aus zu beschreiben. das sich gerade im Scheitern als lehrhaft erweisen soll.in einem Prozeß. Unter den „heidnischen" Standort fällt vor allem die klassische griechische Philosophie. auf den der Titel der Schrift nicht von ungefähr verweist. das sich in ein Ansich verschließt. . Natur. die infolge des „Sündenfalls" auf die Schöpfung fällt. von allem zu abstrahieren versucht. mithin als Grenze. mitsamt seiner Produktions- kraft. daß es Bewußtseinsformen gibt. und als wäre die mythische Weltbetrachtung die unmittelbare Vorstufe der christlichen. Bislang wurde so getan.

weil sie den Zweifel als existentiellen Akt notwendigerweise aufhebt. Auch geht es ja um eine prinzipielle Antwort auf die Frage. denn unmittelbar ist auch alles unwahr. und erst mit dem Zweifel tritt die Unterscheidung in Kraft. dieser Umstand grenzt das Zerbrechen der Lebenseinheit durch den Zweifel ganz klar vom eigentlichen „Sündenfair ab und erweist eben das „heidnisch"-spekulative Denken als eine Zwischenstufe zwischen dem mythischen und dem christli- chen29. sondern auch gegensätzlich sein kann. - Es zeigt sich hier eine ähnliche Schwierigkeit wie bei der Sünde: Die „paradoxe Dialektik" des Zweifels. denn falls dies möglich wäre. die darin besteht. nicht um eine empirische. Gefragt werden kann daher nur nach den existentiellen Bedingungen der Möglichkeit des Zweifels oder . bezeichnet der Däne als töricht. die empirische Fragestellung wird nicht nur wegen der „verwirrenden Weitläu- figkeit" abgelehnt.52 einen Zweifel ganz besonderer Art. für das der Zweifel noch keine konkrete Möglichkeit darstellt? Es ist . nicht in einem umgekehrten und transzendenten Verhältnis zu einem Drit- ten". Die Unmittelbarkeit liegt vor der Unterscheidung w a h r - unwahr. stets die gleiche bleibt. da sie ja umgekehrt die Wirkung der Erscheinung erklärt. daß die Bedingungen der Möglichkeit des Zweifels sich im Verlauf der menschlichen Entwicklung zwangsläufig ergeben und keineswegs Aus- druck der Freiheit sind wie der faktische Akt des Zweifelns. „die ideelle Möglichkeit des Zweifels im Bewußtsein" zu ermitteln. wie schon die Griechen erkannt hätten. Es geht darum. sondern vor allem deshalb. Und weil der Anlaß für den Zweifel nicht nur sehr unterschiedlich.wie das des Kindes: unbestimmt weil unmittelbar. wie durch ihn die ursprüngliche Lebenseinheit zerbricht und wie daraus eine qualitativ neue Daseinsweise resultiert. dem menschlichen Bewußtsein wesentliche sein28. wie und wodurch die Bedingungen der Möglichkeit . Die Frage. Bleibt also die Frage. daß sie alles Wissen bedingt und gleichzeitig transzendiert. durch welche Erschei- nung der konkrete Zweifel ausgelöst wird. Wie aber sieht das Bewußtsein aus. wie es zum Zweifel kommt.wie die Existenz beschaffen sein muß. Der Umstand. weil die gesuchte Antwort auf empirischer Ebene gar nicht gefunden werden kann.meint Kierkegaard . Unmittel- bar sei nämlich alles wahr. für das es noch keinen Zweifel gibt. Die idealwissenschaftli- che Betrachtung als gegenteiliges Extrem führt freilich ebensowenig zum Ziel. unabhängig davon. damit der Zweifel möglich wird. darum muß die gesuchte Möglichkeit eine totale. ob denn das Bewußtsein nicht in der Unmittelbarkeit verblei- ben könne.so auch die Überschrift zum § 1 des zweiten Teils der Schrift . würde es zur Aufhebung der Unmittelbarkeit überhaupt nicht kommen. „aber die Wahrheit ist im nächsten Augenblick die Unwahrheit". die. findet in keinem Wissenschaftsbe- reich einen adäquaten Platz. „da alles Wissen in einem unmittelbaren und immanenten Verhältnis zu seinem Gegenstande und zum Wissenden steht. Es soll ja gezeigt werden.

die Unmittelbarkeit die Realität und das konkrete Bewußtsein der Widerspruch zwischen beidem. Idealität und Realität . Worin also? Im Bewußtsein. ja die entscheidende Rolle. daß unmittelbar alles wirklich ist. indem es sie ausspricht. insofern das Gesagte ein von mir Erzeugtes ist. in welchem Medium ? In der Zeit? Das ist ja eine Unmöglichkeit.") . da ich sie gar nicht ausdrücke.Wie man^ sieht. (Man denke an die von Hegel in der „Phänomenologie" zitierte Feststellung Schillers: „Spricht die Seele. habe ich diese zur Idealität ins Verhältnis gesetzt. dann ist eine Wiederholung eo ipso ausgeschlossen. daß unmittelbar alles wahr ist. „die Frage nach der Wiederholung" entstehen. Die Antwort fällt zunächst denkbar einfach aus: Durch die Mittelbarkeit. habe ich die Idealität zur Realität ins Verhältnis gesetzt. Was muß nun aber geschehen."31 . spielt erneut die Sprache eine wichtige.das ins Verhältnis Setzen des einen zum anderen . müssen Idealität und Realität in eins gesetzt sein. Trotzdem kann von einem Fortschritt gesprochen werden. meint Kierkegaard. ist der Widerspruch da. . die nichts anderes als Wiederholung im Bewußtsein ist.In der Idealität allein gibt es keine Wiederholung. denn die Idealität „ist und bleibt die gleiche"." Dieses hebt die Unmittelbarkeit auf. Solange jedoch der Austausch von Idealität und Realität .„in aller Treuherzigkeit".und damit die Voraussetzungen für die Möglichkeit des Zweifels.ein Widerspruch. faßt man sie umgekehrt als etwas schlechthin Einförmiges. der das Bewußtsein zur Geltung kommen läßt. Denn was in der Wiederho- lung wiederkehrt. Sie hebt die Unmittelbarkeit auf. Wie man sagen kann. damit das Bewußtsein des Widerspruchs (und mit ihm der Zweifel) Wirklichkeit wird? Es muß. In der Ewigkeit? Das ist ja eine Unmöglich- keit. ohne Berührung oder gar Zusammenstoß vor sich geht. Heterogenes auf. h. Denn faßt man die Realität als etwas schlechthin Ungleichartiges. ach! schon die Seele nicht mehr. „In der Realität allein ist keine Möglichkeit des Zweifels. indem ich sie in der Sprache ausdrücke. 53 des Zweifels entstehen. Und was ist die Mittelbarkeit? „Es ist das Wort. das ist der Widerspruch. Erst die Aufhebung der Unmittelbarkeit durch die Sprache schafft Raum für die Möglichkeit. . d. ist zugleich in sich identisch und unterschieden . so als bestünde sie aus „lauter gleichgroßen einförmigen Feldsteinen". setzt sie aber gleichzeitig voraus. „Die Idealität und die Realität stoßen mithin zusammen. mit der Sprache sei ein Zweifaches gesetzt. denn in der Unmittelbarkeit gibt es noch überhaupt keine Möglichkeit. dann ist gleichfalls eine Wiederholung unmöglich."30 Die Sprache ist demnach die Idealität. sondern etwas anderes erzeuge. bleibt es bei der bloßen Möglichkeit des höheren Bewußtseins und des Widerspruchs. indem er es voraussetzt. so kann man auch sagen. Homogenes auf. so spricht. Insofern das Gesagte ein Ausdruck für die Realität sein soll. und das geschieht in der Erinnerung (Erinne- rung). Damit es zur Wiederholung kommt. so daß gesagt werden kann.Kierkegaard argumentiert wie folgt: In der Realität allein gibt es keine Wiederholung.

wäre das Bewußtsein das Ewige. eine Doppelheit. als Willensakt steht der Zweifel höher als alles objektive Denken. denn die Reflexion stellt erst die Möglichkeit des Verhält- nisses von Idealität und Realität dar. mit einem „soge- nannten objektiven Denken" den Zweifel überwinden zu können. dann gäbe es keine Idealität und folglich keinen Zusammenstoß." Man lasse die Idealität und die Realität in aller Ewigkeit miteinander streiten: solange kein Bewußtsein da ist. Denn . geht nach Kierkegaard bereits aus dem Sprachgebrauch hervor.54 Bewußtsein meint dabei nicht dasselbe wie Reflexion. Wenn daher jemand meint. das Bewußtsein dagegen trichoto- misch ist. kann nämlich auch so ausgedrückt wer- den: Die Reflexion ist uninteressiert. das Interesse an diesem Streit nimmt. befindet er sich im Irrtum.Bewußtsein (Geist) ist für das existentiel- le Denken schlechterdings entscheidend. das den Zweifel lediglich „neutrali- siert". meint Kierkegaard. Die Unterscheidung Reflexion . und das auf sich selbst zurückgeworfene Individuum im Bewußt- sein je eigenen Interesses (Inter-esses) Idealität und Realität zueinander ins Verhältnis setzt. hat der griechische Skeptiker die Gemütsruhe . warum für Kierkegaard der Zweifel seinen Ursprung in der Erinnerung hat: Weil in der Erinnerung (Erinnerung) die Wirklichkeit allererst in Idealität und Realität auseinan- derbricht. dann gäbe es keine zeitliche Realität und daher gleichfalls keinen Zusammenstoß. wogegen das Bewußtsein dieses Ver- hältnis ist.die vor allem Freiheit von Zweifeln ist . Wäre nichts als Dichotomie da. und diese ist es.durch Umwandlung des Interesses in Apathie herbeizuführen versucht. auf welche die Zeit jeden Augenblick eine neue Schrift setzt. das die zwei zueinander und zu sich selbst ins Verhältnis setzt. Nicht umsonst.Praktischer Ausdruck dieses in der Erinnerung gewonne- nen neuen Daseinsverständnisses ist der Übergang von der Nachahmung zur Wiederholung. welche vollständig und mit prägnantem Doppelsinn ausgedrückt ist mit dem Wort Interesse. daß die Reflexion den Zweifel erzeugt. so gäbe es keinen Zweifel. solange gibt es auch keinen Zweifel32. sagt Kierkegaard. aber: Ich bin mir einer Sache bewußt. Geist. denn die Möglichkeit des Zweifels liegt in einem dritten. .Wäre das Bewußtsein nichts als eine Tafel. . Zumindest strukturmäßig ist das. eröffnet es gegenüber der Reflexion eine neue Dimension. identisch mit Selbstbewußtsein. Damit dürfte vollends klargeworden sein. Man würde sich „völlig verkehrt" ausdrücken. die den Zweifel ermöglicht. denn man sagt: Ich denke etwas. Daß die Reflexion in der Tat dichotomisch. Daß die Reflexion nur die Möglich- keit des Verhältnisses bezeichnet. mit dem erst eigentlich der Ernst des Lebens beginnt. „Das Bewußtsein dagegen ist das Verhältnis und damit das Interesse. was hier zumeist nur schlicht Bewußtsein genannt wird („De omnibus dubitandum est" wurde schön 1843 verfaßt). Indem das Bewußtsein beides zugleich und keines von beiden ist. Als Ausdruck des Interesses. würde man sagen.

weil sie hinter der Dynamik gesellschaftlicher Entwicklung zurückgeblieben ist. Mit der Feststellung. die Erinnerung trage bereits den Widerspruch des höheren Bewußtseins in sich.der treuherzige Verkehr zwischen Idealität und Realität. ja schädlich wäre. wenn die Sprache sich als brüchig erweist. den Einzelwissenschaften. Die Antwort kann nur lauten. denn weiter vermag das „heidnische" Denken nicht zu kommen. auf daß man mit dem Anfang beginnen könne. sich fragend. zumal in Epochen. in dem das Bewußtsein sich selbst - und das heißt: als Selbstbewußtsein ~ akzentuiert. in eben diesem Bewußtsein erfolgen läßt und kurzerhand erklärt. und daß es für die geschichtliche Menschheit nur die Flucht nach vorne geben kann. bricht die Schrift über den Zweifel ab: äußer- lich gesehen ziemlich willkürlich. die den Menschen in die konkrete Subjektivität und damit in die faktische Sprachlosigkeit des existentiellen Zweifels zurückwirft. 55 von nun an muß der Mensch sich sein „tägliches Brot" im Schweiße seines Angesichts erwerben. nach denen gehandelt werden soll. wenn er den Zusammenstoß von Idealität und Realität. so wenn er sich kritisch gegen die babylonische Sprachverwirrung seiner Zeit (in der Philosophie.nur so lange Bestand hat. . und die Antwort findet: „Daß die Sprache vermutlich dahin kommt. weshalb die Unmittelbarkeit des Tieres und des Kindes ihn ergreift. daß die Normen und Konventionen. daß die mit der Sprache gegebene Zwischenbestimmung zwischen dem Dasein der Unmittelbarkeit und dem des Zweifels . Das prinzipielle Problem der Praxis be- steht dann darin. Dies wiederum ist der Fall. was wohl die Folge sein werde. Um diesen Zirkelschluß aufzubrechen. bis Praxis prinzipiell zum Problem wird. „als ob er eines verlorenen Paradieses gedächte" . dem Vergangenen nachzutrauern. Kierkegaard scheint diese Zusammenhänge zumindest geahnt zu haben. die stark von weltanschaulichen Dogmen (als Ausdruck künstlicher Naivität) geprägt sind. Er und Kierkegaard sind sich darin einig. sondern die ewige Wiederkehr des Gleichen zum Grundprinzip des Daseins erhebt. braucht man sich nur zu fragen. als er das Vergangene zum Zukünftigen haben will und dementsprechend nicht die Wiederholung. der das Bewußtsein hervorbringt. das Bewußtsein setze sich selbst voraus. Solche Situationen ergeben sich im Verlauf der Geschichte immer wieder. einem Logos entstammen.wie Nietzsche sich einmal ausdrückt. daß Kierkegaard selbst Symbolfigur einer Entwicklung ist. ein großes Sabbatjahr zu halten. in welchem man Reden und Gedanken ruhen läßt. in Wirklichkeit aber mit dem sachlichen Ende oder zumindest mit einer sachbedingten Zäsur."" . der mit seinem eindeutigen Bezug zur Realität seine Verbindlichkeit verloren hat.Allerdings macht es sich Climacus zu leicht. daß es nutzlos. der Politik und nicht zuletzt im offiziellen Christentum) wendet. was denn der Anlaß für den Prozeß der Erinnerung ist. Doch Nietzsche denkt insofern (wieder) „heidnisch". Es wird sich noch zeigen.

Dadurch wird die Ironie zur unendlichen. „um abermals praktisch zu sein". Diesen Schritt vom Individuellen zum Allgemeinen hat Sokrates noch nicht vollzogen. Nicht nur dies oder jenes. Als ein Ausdruck des existentiellen Zweifels ist die Ironie keine bloße Denkbestimmung. Dies ist aber natürlich nur ein Durchgangsmoment. Innerem und Äußerem. der Mensch muß (in Sünde) erst einmal ganz er selbst werden. Die Folgen der Sokratischen Ironie decken sich so im Prinzip mit den Folgen des „Sündenfalls". indes eben dies Entschwinden war die Bedingung für ein tieferes Verständnis. Daß die Ironie Zweifel ist. In vieler Beziehung war der Mensch indes auf dem rechten Weg. Der „welthistorische Wendepunkt" zeigt sich zunächst darin. was sich vor allem daran zeigt. daß sie am Gegensatz zwischen Wesen und Erscheinung. absoluten Negativität. als in ihr erstmals die subjektive Freiheit zum Vorschein kommt. „die ganze zu einer gewissen Zeit und unter gewissen Verhältnissen gegebene Wirklichkeit" wird sub specie ironiae betrachtet und negiert. um das konkrete Allgemeine als das wahrhaft Gute verwirklichen zu können.56 Den Modellfall für den dargestellten Übergang bildet nach Kierkegaard der antike griechische Staat.Wie allem Anfang. In einem andern Sinne jedoch hatten umgekehrt die Menschen sich von den Göttern abgekehrt und sich in sich selbst vertieft. was Augustin von der Sünde sagt: O glückbringende Schuld (beata culpa). sondern „ein Fürsichsein der Subjektivität". . „Es war. und man kann hiervon darum das sagen. . Sie ist dies insofern. daß sie nur dadurch ist. einer „wahrhaft welthistorischen Leidenschaft". denn sie ist „die erste und abstrakteste Bestimmung der Subjektivität". als ob die erzürnten Götter sich von den Menschen abgekehrt. die in jedem Augenblick „die Möglichkeit zu neuem Anfang" in der Gewalt hat und nicht „durch vorhergehende Verhältnisse beengt wird"."35 Mit anderen Worten. so wohnt auch der Ironie „etwas Verführerisches" inne. alles mitgenommen hätten und sie nun sich selbst überließen. erkennt man nach Kierkegaard übrigens daran. weil das Subjekt sich ungebunden weiß und diese Ungebundenheit genießen will. daß die Ironie wesentlich praktisch ist und theoretisch nur. Die himmlischen Scharen der Götter hoben sich von der Erde und entschwanden der Sterblichen Blick. daß die vormals als das Prinzip des Bösen geltende „Willkür- lichkeit der endlichen Subjektivität" in der Form ausgelassener Freiheit zum Durchbruch kommt: in dem zum Prinzip erhobenen Zweifel der Sophistik und vor allem in der Sokratischen Ironie. Idealität und Realität festhält34.

die als der wahre Weg zur Verwirklichung des Mensen- seins den „Sündenfall" zur notwendigen Voraussetzung hat.War in der mythi- schen Daseinsweise dem einzelnen alles Wesentliche vorgegeben: als Muster zur Nachahmung.und die Synthese. denn diese stehen sich im Prinzip durchaus gleichberechtigt gegen- über. . die der Mensch darstellt. oder daß jemand mit Bewußtsein das Unrechte tut -. daß jemand das Gute zu tun mit Bewußtsein unterläßt. so wird der einzelne nun selbst zum Maß aller Dinge. das „Heidentum" sei in Sünde gelegen. Es ist nämlich so. .Dieser Umstand bringt den Dänen insofern in eine gewisse Verlegenheit. eine neue Entscheidung: der Augenblick und ein neuer Lehrer: der Gott in der Zeit. zu glücklich. während doch das Bewußtsein der Sünde erst durch das Christen- tum geweckt worden sei. war zu naiv. betont Kierkegaard. Einerseits gibt er zu. Im Griechentum wird das menschliche Dasein eben deshalb noch unge- schichtlich verstanden."36 Die Zweideutigkeit des Christentums als Aufhebung der Unschuld (für so manchen ein Ansatzpunkt zur Polemik) ist für Kierkegaard die Zweideutig- keit der Geschichte. „Ob es deshalb wahrer sei als das Sokrati- sche. ist eine ganz andere Frage. da hier ja aufgestellt worden ist ein neues Organ: der Glaube. muß zuerst ihre äußersten Extreme entwickelt haben. sagt Kierke- gaard. 57 b) Die geschichtliche Stufe: Dasein als Wieder-holung Da dem griechischen Gemeinwesen bei allem Zweifel. indem er das „Heidentum" auch ohne Sündenbewußtsein sündig sein läßt und den Widerspruch durch die Verschiedenheit der beiden Standorte erklärt. weil dem Individuum in der abstrakten Freiheit des Selbstseins der wahre Widerstand fehlt: die Natur als Sinnlichkeit. als er mit der Interpretation des „Sündenfalls" als erste Sünde nur schwer in Einklang zu bringen ist. Demnach koinzidiert der „Sündenfall" in gewisser Weise mit dem Auftreten des Christentums und dessen „Erinnern" an die Sünde. die sich nicht im gleichen Atemzug entscheiden läßt. daß die christliche Orthodoxie beständig lehre. muß das Griechentum wie das „Heiden- tum" insgesamt letztlich noch dem Stadium der Unschuld zugerechnet werden. und eine neue Voraussetzung: das Sündenbewußtsein. bei aller Skepsis und Ironie die tiefere Erfahrung des Widerspruchs zwischen Idealität und Reali- tät: das Sündenbewußtsein abgeht .die griechische Geistigkeit. zum Herrn über Sein und Nichtsein. noch nicht das der Unfreiheit. es sei recht merkwürdig. Hybris. Als Projekt geht das Christentum zwar unbestreitbar weiter als das Sokratische. zu ästhetisch. daß der aus mythischer Unreflektiertheit zu sich selbst kommen- de Mensch zunächst nur das Prinzip der Freiheit in sich entdeckt. dementsprechend ist die Sünde für ihn nichts anderes als der frevelhafte Überschwang des Selbstgefühls. um fassen zu können. ehe eine konkrete Vermittlung stattfinden kann. Denn erst mit diesem ist der Widerspruch zwischen Geist und Sinnlichkeit gesetzt . andererseits verteidigt er wieder die Orthodoxie. .

als Gegenstand der Wieder-holung. er sei glücklich gewesen! Was Wunder. dann gäbe es keine Tragik. der nächste Augenblick ängstigend vorüberstreifte wie des Todes Gestalt! Wie sollte ein Heide es auch vermögen. die wiederum nichts vermochte als bitter eines Menschen zu spotten mit der Vorstellung. meint Kierkegaard. wie er sich ergibt. ehe denn die letzte Stunde gekommen. „Was Wunder. und in diesem Widerspruch breche das Christentum hervor. der zuletzt alles. Herodot und Sophokles deuten das so.hat ein Verhältnis zum Geist. entsteht das Bewußtsein des Tragischen. gegen äußere Verstrickung: ein Kampf. aber vermochte er dies nicht. verjüngte frische Leben hervorgeht". Wie das „Heidentum" daher einerseits zu glücklich ist. ihr vorgegebene Gren- zen. ohne daß der Geist im tieferen Sinne als Geist gesetzt ist: eine Konstellation. umschlossen vom Kreis der Notwendigkeit. Angst vor der unfaßbaren Macht des Schicksals. müßte das „Heidentum" zugrunde gehen. sogar im Augenblick der Freude. an der Vorstellung. daß Trauer sich mischte in alle Freude. . „daß einer schuldig wird durch das Schicksal". die sich mit der des mythischen Phönix vergleichen läßt. die Angst gebiert. die Welt zu überwinden. Das „Heidentum" . Der Grundzug tragischer Existenz ist der heroische Kampf der Freiheit. so wie kein Mensch es war im Heidentum. feiert diesen Gedanken als den höchsten (höchstmöglichen) der . h. verstanden als das Individuell-Innerliche. um das Glück wirklich genießen zu können.Das Chrisentum schafft dann freilich auch die Voraussetzungen für die Auflösung und die praktische Bewältigung des von ihm gesetzten Wider- spruchs. d. an einem tieferen Verständnis von Schuld. die Welt zu gewinnen!'07 Wenn Freiheit und Schicksal zusammenprallen. Diese setzt also einen Widerspruch zwischen Freiheit und Unfreiheit voraus. dann gäbe es erst recht keine Tragik. sondern lediglich das Böse. . daß keine Liebe glücklich war.so kann man auch sagen . daß allzeit. von dem der Vergleich stammt. gründet das Tragische (ebenso wie die Angst) in einem Verhältnis der Freiheit zur Unfreiheit: Wäre das Individuum schlechthin Schöpfer seines Geschicks.Hegel. auch den Heros in sich hineinschlingt. der keine Versöhnung kennt. wie sollte er da imstande sein. um das Wesen der Sünde zu erfassen.58 Die Freiheit stößt aber immer wieder auf äußere. so ist es andererseits zu unfrei. wäre das Individuum nichts weiter als eine Modifikation „von des Daseins ewiger Substanz". Die tragische Schuld stellt die schärfste Zuspitzung und damit die Grenze „heidnischen" Denkens dar. wenn die Freiheit selbst zur Unfreiheit wird: in der tragischen Schuld. darin liege nämlich der höchste Widerspruch. daß der Hybris (als Ate) stets die Nemesis folgt. indem es die Freiheit als geschichtliche Aufgabe interpretiert. so daß aus seiner Asche ewig das neue. welcher „ewig sich selbst seinen Scheiterhaufen bereitet und sich darauf verzehrt. Wie Kierkegaard richtig erkennt. Die Freiheit erscheint dabei als ein Kreis. In weltgeschichtlicher Perspek- tive ergibt dieses Prinzip eine Seinsweise.

Aus dieser etwas simpel anmutenden These kann deshalb ein durchaus differen- zierter Begriff des Historischen und darüber hinaus des Geschichtlichen gewonnen werden. weil Climacus das Werden so eng faßt . als Vergangenheit bestehen kann. In den „Philosophischen Brocken" vertritt Johannes Climacus die These. Die erobernde ist dadurch gekenn- zeichnet. Um dies letztere zu verdeutli- chen."41 Wie bereits gezeigt wurde. eo ipso als historisch zu gelten habe. unterscheidet Kierkegaard zwischen zwei möglichen Existenzweisen: der erobernden und der besitzenden. sondern gehe verklärt. der Geist wandere. nachdem es gegenwärtig gewesen. Der Primitive steht noch in keinem reflektierten Verhältnis zur Wirklichkeit und ist daher auch nicht dialektisch zur Zeit. und zwar mit der Begründung. Doch was Hegel ihm gegenüber als abendländi- schen Gedanken ausgibt. noch stehe er nur verjüngt aus der Asche seiner Gestaltungen auf. „wie der . nicht bloß in eine andere Hülle. und zwar unmittelbar: wie der Baum die Jahresringe.immer neue Dinge unter seine Herrschaft zu bringen trachtet. alles was dialektisch ist in Richtung auf die Zeit. Auch der besitzende Mensch erobert. Genauer gesagt hat die Natur nur insofern Geschichte. was geworden ist. als sie ihre Vergan- genheit an sich trägt.nämlich als Veränderung der Wirklichkeit durch Freiheit -. daß er es der Natur schlech- terdings absprechen muß. Die besitzende Exi- stenzweise besteht dagegen darin. daß es. das „entscheidende Prädikat" des Historischen sei nämlich das Werden. geht stets den kürzesten Weg. die Kierkegaard im Begriff der Wieder- holung zu erfassen und für eine ethische Praxis zu akzentuieren versucht hat39. man könnte sagen. daß er sich zum Vergangenen verhält. daß der Mensch je schon geschichtlich lebt. „Die Natur. als reiner Geist aus dieser hervor18. hat ein Philosoph gesagt. ist es jedoch keineswegs so. Selbst der dem Mythos entwachsene Mensch lebt nicht notwendigerweise im eigentlichen Sinn des Wortes geschichtlich. Der Mensch aber. Der Gedanke vom Kreislauf alles Seienden ist seinem Ursprung nach allerdings morgenländisch. jedoch so. eben deshalb aber bei einem äußerlichen Verhältnis zu ihnen stehenbleibt. 59 orientalischen Metaphysik.einem natürlichen Drang folgend . Juden- tum und Christentum waren es. „Die Natur als die Bestimmung des Raumes ist nur unmittelbar da. daß der Mensch sich sein Eigentum innerlich aneignet. sie geht überhaupt keinen Weg. ist genauer gesagt ein jüdisch-christlicher. daß alles. bei dem das Erworbene nicht so ohne weiteres bewahrt wird. Die Wege der Geschichte hingegen sind langwierig und mühsam40. sie ist mit einem Schlag auf einmal zur Stelle". die der zyklischen Geschichtsbetrachtung jene revolutionäre Wendung gaben. hat eine Doppelheit in sich. . distanziert sich aber zugleich von ihm. daß der Mensch . indem er die Hülle seiner Existenz verzehre. hat vor allem dadurch Geschichte.

Diese fängt dann insofern mit dem „Besitz" an. zugleich auch Weg sein muß . . vergißt man fort und fort sich selbst. ein bedeutungsloses Abstraktum zu sein. was in der Geschichte des Lebensprinzip ist. durch die hindurch der Mensch den Besitz erwirbt. raumhaftes Kontinuum. durch den er es in seinen Besitz bringt. so hat eben damit das Zeitliche und jeder einzelne Augenblick seine große Wirklichkeit. wie das in der Kunst. so hat man das andre im Auge. zum Erobern Heftigkeit. Geht man bergauf. erinnert man sich seiner selbst. auf das richtige Verhältnis zwischen Stützpunkt und Schwerpunkt. zum Erobern Begehrlichkeit. geht man bergab. Die Geschichte ist dann der Kampf. äußere und innere.Die Kunst spielt in diesem Zusammenhang freilich eine durchaus positive Rolle: Indem sie dem Augenblick „zueilt". ringt man aber mit der Zeit. Die erste wiederum weist zwei Seiten auf: der Mensch hat noch nicht. als sie das Ziel ihrer Bestrebungen in Form der Idee bereits in sich trägt.Entschei- dend dabei ist. vollzieht sie nämlich den wichtigen Schritt von der Extensivität zur Intensivitat und schafft so die Voraussetzung für den Übergang von der äußeren zur inneren Geschichte. die dadurch aufhört. was Ziel ist.„Die innere Geschichte ist erst die wahre Geschichte. durch „res gestae" konstituiert. daß alles."42 Dementsprechend gibt es zwei Arten von Geschichte. . zum Besitzen Geduld. der sich nicht an die Spitze seiner Knechte stellt und den Nachbarn vertreibt.60 Bauer es tut. das sich „ohne Schaden" zu Momenten verdichten läßt. die man im weitesten Sinn des Wortes als Arbeit bezeichnet.Die zweite Art der Geschich- te fängt mit dem Besitz an und besteht in der Entwicklung. . . insbesondere in der Poesie praktiziert wird. Mit diesen stark vereinfachenden. daß er feststellt. Kierkegaard bringt dies dadurch zum Ausdruck.nach dem Grundsatz. zum Besitzen Demut."43 Weil es nun bei diesem Ringen darum geht. nicht zum eitlen Zeitvertreib. sich seiner selbst bewußt zu werden und sich zur Zeit dialektisch zu verhalten. wonach er strebt. daß er die Erde pflügt".mit der Zeit. solange ist Geschichte nichts weiter als ein quantitatives. . oder er hat. daß die erste Existenzweise den Menschen davon abhält. statt sich erinnernd zu ihr zu verhalten. teilweise sogar mißverständlichen Dar- legungen soll folgendes gesagt sein: Geschichte im eigentlichen Sinne wird nicht schon durch die tätige Auseinandersetzung mit der Welt. wenn man besitzt. sondern mit allem möglichen Ernst. Im Prinzip deckt sich die besitzende Existenzweise mit jener Art des Tätigseins. Die schrittweise Verwirklichung der Idee . weil etwas Äußeres ihn daran hindert. zum Besitzen Beten und Fasten.erfolgt in der Auseinandersetzung mit der Zeit. denn solange sich der Mensch der Zeit einfach auslie- fert. die Idee nicht nur in ihrer Ursprünglichkeit zu bewahren. aber die wahre Geschichte ringt mit dem. kann es sich aber nicht zu eigen machen. zum Erobern gehöre Stolz. so muß man auf sich selbst achten. in dem er das Hindernis überwindet. und die Geschichte ist der Kampf. „Wenn man erobert. . sondern dadurch erobert. wonach er strebt.

. über das Selbstbewußtsein des Indivi- duums vermittelter Bezug gegeben ist. 61 sondern sie mehr und mehr existenzdialektisch zu erschließen (zu erwerben).Wer nur in der Vergangenheit lebt." Andererseits läßt sich nicht leugnen.geleitet durch konkrete Hoffnung . Es kommt mithin ganz darauf an. statt entleert zu werden. Ein Mensch. wer in der möglichen Möglichkeit lebt. kommt es entscheidend darauf an. der Hoffnung hat und nicht bloß in der Erinnerung lebt. in die Zukunft hineinragende Bedeutung erhält: dieser Augenblick bildet recht eigentlich die Keimzelle geschichtlichen Daseins. um das antike und moderne Tragische miteinander zu verbinden114. denn jede geschichtliche Entwicklung erfolgt stets innerhalb des Begriffs."45 Der Augenblick. Erinnerung und Hoffnung miteinander zu verknüpfen. daß der Inhalt des Begriffs den Begriff nicht entthrone.tragisch' nicht genommen werden müßte als ein nichtsbedeutendes Klammerzeichen. sondern ihn bereichere.und Atom der Ewigkeit. sondern auch das durch die Zeit bedingte Trennende zur Geltung kommt. um so mehr Kreuze. Was unter einem richtigen Verhältnis zur Vergangenheit genau zu verste- hen ist. und erst dadurch empfängt das Leben „wahren inhaltserfüllten Zusammenhang". kurz: „Fülle der Zeit". ist ein Don Quijote. je länger sie zurückgeht. mehr noch: weil in ihrem Verhalten Möglichkeit und Wirklichkeit auseinanderfallen. daß in seinen Worten Sinn sein sollte und das zweimal vorkommende Wort. Er ist nur ein P u n k t - und dennoch erfüllt vom Ganzen. je öfter die Wiederho- lung.und doch von entschei- dender (bleibender) Bedeutung. Scheint Kierkegaard mit seiner Definition der Geschichte als „Idee in . ein Utopist. der aber wieder- um nicht absolutgesetzt werden darf. eine erhöhte. Vergangenheit und Zukunft. vorübergehend . insofern nämlich das Tragische den „unentbehrlichen tragenden Grund" darstellt. erläutert Kierkegaard am Beispiel des Tragischen: Falls jemand behauptete. das ein inhaltslo- ses Nichts umschließt. denn einigen Einfluß muß sie doch wohl haben? Sie setzt ein Kreuz zu der Note des gegenwärtigen Augenblicks. bei dem nicht nur das sich im Wandel der Zeit durchhaltende Identische. so daß er. sondern in den sie . das Tragische bleibe doch stets das Tragische. dürfte seine Meinung wohl dahin gehen. Von einem Verhältnis zur Vergangen- heit kann überhaupt erst dann gesprochen werden. so wäre dagegen nichts einzuwenden.zurückströmt. „Vorausgesetzt nämlich. daß zwischen der antiken und der modernen Tragödie ein wesentlicher Unterschied besteht. Die „wahre Individualität" lebt zu gleicher Zeit sowohl in der Hoffnung wie in der Erinnerung. sondern ein er-innernder. das richtige Verhältnis zur Vergangenheit zu finden. „Was tut dann also die Erinnerung für ihn. Atom der Zeit . den die Erinnerung nicht zum schwermütigen Auszug aus der Gegenwart benutzt. will nicht in der Zeit zurück. Beiden fehlt der wahre Ernst des Daseins. wirken sie komisch. wenn kein bloß gedächt- nismäßiger.

sobald hingegen die Knospe „sozusagen aufspringt". die jeder Handlung zugrunde liegt. so besteht die ge- . um sich von Hegel zu distanzieren.Kierkegaard macht sich diese Argumentationsweise zu eigen. Man kann nämlich entweder davon ausgehen. Hegel bestimmt das Begreifen philosophischer Geschichts- schreibung bezeichnenderweise als „die Tätigkeit des Begriffes selbst" und weist die Forderung herkömmlicher Geschichtsschreibung. sondern vom handelnden Individuum aus. weiß der Handelnde eigentlich nicht.Diese kann nun aber auf zwei verschiedene Weisen gedeutet werden. fangt die innere. den weltge- schichtlichen Prozeß durch die Notwendigkeit bestimmt zu sehen und die Handlungen des Individuums in ihm aufgehen zu lassen. damit sie sich als vernünftig erweise. Diese höhere Ordnung der Dinge aber. indem er gleichzeitig dazu ermutigt.62 Bewegung" an Hegel anzuschließen. inneren Freiheit gegen die äußere Notwendigkeit. d. und der Mensch sich als selbstbewußtes Individuum zur Zeit verhält. . ist die Notwendigkeit. welche die freien Handlungen sozusagen verdaut und sie in ihre ewigen Gesetze verflicht. von der das Dasein getragen wird. das Historische möglichst getreu aufzufassen. gibt es nur äußere Geschichte." Der zweiten Auffassung gegenüber wird betont. h. Bestand die tragische Existenz im unversöhnlichen Kampf der individuel- len.und Zeitbegriffs. . objektiven Vernunft. Die erste Auffassung wird von Kierkegaard als naiv kritisiert: Geschichte sei mehr als das Erzeugnis der freien Handlungen der freien Individuen. und diese Notwendigkeit ist in der Weltgeschichte die Bewegung . daß nur in der Natur und in der Logik Notwendigkeit herrscht. oder aber daß in der Geschichte die gleiche Notwendigkeit herrscht wie in den beiden anderen Bereichen. in der Geschichte hingegen Freiheit. . die „inwendige Tat" aber. derart. zeige sie sich von ihrer ethischen Seite! Sie ethisch zu betrachten aber heißt: nicht vom Standpunkt einer abstrakten. „Das Individuum handelt freilich. Die beiden Grundformen geschichtlicher Existenz spiegeln die Entwick- lung des Menschen wider: Solange das „innere Erblühen der Individualität" noch nicht begonnen hat. die Entscheidung. . gehöre dem Individuum selbst und werde ihm gehören in alle Ewigkeit46. die eigentliche Geschichte an. Was daraus hervorgehen wird. so zeigt sich bei der Analyse des dabei zugrundegelegten Bewegungs. Nur wenn man die Geschichte ethisch betrachte. aber diese Hand- lung geht ein in die Ordnung der Dinge. solange die „Knospe der Individualität" noch geschlossen ist. denn Ge- schichte müsse vernünftig angesehen werden. daß der Augenblick der Entscheidung zum entscheidenden Augenblick wird. es sei zwar richtig. als zweideutig zurück. für die der einzelne nur Mittel zum Zweck und der Augenblick ein bedeutungs- loser Moment ist. daß zwischen den Ge- schichtsauffassungen der beiden Philosophen ein entscheidender Unter- schied besteht. je nachdem wie man das Verhältnis der Geschichte zur Natur und Logik bestimmt. die Vernunft an die Geschichte heranzutragen.

denn wer auf diese Weise das Absolute sein will. Daß die innere Tat. „Darin nämlich Hegt eines jeden Menschen ewige Würde. dieser Geschichte Zusammenhang verleihen kann. Sobald der Spätere wiederholt. ist „schlechterdings nichts. Das heißt freilich nicht. daß der Mensch sich dazu verleiten lassen darf. die Rolle des Individuums hingegen herabzusetzen. daß sogar das mir Widerfahrene durch mich von Notwendigkeit in Freiheit gewandelt und übergeführt worden ist. die Entscheidung ihm selbst gehört. Die Möglichkeit . das Soziale überzubewerten. Diese Vermittlung vollzieht sich auf zwei Ebenen: auf der individualgeschichtlichen und auf der weltgeschichtlichen. daß er als Individuum frei ist. denn diesen gewinnt sie erst. Damit über- haupt von Freiheit gesprochen werden kann. wobei mit der letztgenannten jene Dialektik gemeint ist. d. 63 schichtliche Existenz in der Vermittlung von beidem.Das Individuum stellt für ihn aber nach wie vor den wahren „archimedischen Punkt" der Geschichte dar. bedeutet so keineswegs. aus der das Wirkliche hervorgegangen ist. daß er selbst. und bleibt bei dem Vergangenen und lägen selbst Jahrtausende dazwischen". Daher gibt es auch zwei Ziele: jeder Mensch ist Ziel. daß er sich nach seiner Freiheit wählen kann. so er will. h. weil er sich als Korrektiv zur Zeit versteht. eine Abstraktion". sondern auch der objektiven Dialektik. wenn es in jedem Augenblick es selbst und das Geschlecht ist? Die Antwort lautet: durch Wieder-holung. Dementsprechend wendet der Däne seine ganze Aufmerksamkeit der Individualgeschichte zu .den Climacus der . und die weltgeschichtliche Entwicklung ist Ziel. um gewissermaßen bei Null anzufangen. daß er geworden ist. Ein liberum arbitrium in dem Sinne. ohne ihr deswegen ausgeliefert zu sein. In weltgeschichtlicher Betrachtung ist die Wirklichkeit nämlich „das dialektische Moment einer Trilogie". der sich in diesem Moment befindet.mit der Familie und Sippe in Verbindung bringt. wenn sie nicht bloß der Inbegriff des mir Geschehe- nen oder Widerfahrenen ist. sondern lediglich.sagt Kierkegaard -. die das Individuum . aber . sondern meine eigene Tat. daß die Freiheit einen Augenblick lang zwischen Gut und Böse wählen kann. ist in den Augen Kierkegaards ein purer Nonsens. dergestalt. weil nur in der kritischen Reflexion des einzelnen auf sich selbst der Ausgangspunkt für verantwortungsvolles veränderndes Handeln gewonnen werden kann. ohne sich selbst in einem der beiden Momente zu befinden. muß der Mensch bereits im Banne der Sünde stehen. der er die Tendenz nachsagt. sobald er sich in einem Willensakt . „begleitet fort und fort das Gewordene. Als Synthese von Geist und Sinnlichkeit unterliegt der Mensch ja nicht nur der subjektiven."47 Wie aber sichert sich das Individuum „die Möglichkeit des Werdens innerhalb seines eigenen Werdens". deren Anfang und Ende für den Existierenden. „die Wirklichkeit von sich zu werfen".meint Kierkegaard - „dieses zweite Ziel können wir nicht durchdringen".nicht zuletzt auch deswegen.gemäß der Dialektik des „Sün- denfalls" . . nicht dasein können.

„Revolutionä- rer Radikalismus" als Versuch.Abgesehen davon ist Kierkegaard überzeugt. kann Freiheit letzt- lich nur darin bestehen. „Man meint.auf eine Weise. steht demgegenüber . Die Wieder-holung erweist sich somit als der adäquate Ausdruck da- für.wie gesagt . worauf im Manifest der Kommunistischen Partei in aller Eindringlichkeit hingewiesen wird. dann entzieht sie sich eben dem planenden Zugriff des Menschen. patriarchalischen. daß der Mensch seiner höchsten Möglichkeit nach ein geschichtli- ches Wesen ist. welches umgelebt werden muß"48. denn sie beinhaltet genau jenes Werden innerhalb des Werdens. daß der fortwährende Umgang mit dem Welthistorischen mehr schadet als nutzt.Die Wiederholung ist es denn auch. . die Welt brauche eine Republik" . Staat abgenommen. Er übersieht. ist von vornherein zum Scheitern verurteilt. die den Augenblick zum geschichtlichen Augenblick macht.ruft Kierkegaard aus -. die es als völlig unrealistisch erscheinen läßt. in dem sich nach Kierkegaard das eigentlich Geschichtliche konstituiert. man brau- che eine neue Gesellschaftsordnung und eine neue Religion: aber nie- mand denkt daran.64 „trügerischen Ungewißheit" des Werdens wegen mit Glauben gleichsetzt . dann verliert die Weltgeschichte ihren ethischen und religiösen Sinn.unter dem Vorzeichen ei- ner grundsätzlichen Skepsis: Entweder wird dem einzelnen die Verant- wortung von höheren Instanzen wie Partei. und zwar unabhängig davon. Weil aber die Möglichkeit des Werdens durch die Wirklichkeit des Gewordenen determiniert wird."49 Kierkegaard beschwört Sokrates und übersieht. oder sie wird ihm belassen. Nur durch diese kann der Mensch sich aber dem Zwang objektiver Dialektik entziehen und - wenn auch nur indirekt . „und man meint. wiederholt er dessen Möglichkeit. daß es gerade ein Sokrates ist.weltgeschichtlich wirksam sein. auf weltgeschichtlicher Ebene planend die Zukunft zu gestalten. was diese durch viel Wissen verwirrte Welt braucht. emanzipatorische Praxis allein . genauer gesagt. Der Versuch. daß man durch immer neue Wieder-holung den Spielraum seines Handelns schrittweise zu erweitern trachtet. .zu seinem Werden verhält. denn er macht „ungeeignet zum Handeln". daß die so erbittert bekämpfte Tendenz der Zeit Ausdruck einer veränderten gesellschaftli- chen Wirklichkeit ist. idyllischen" ge- sellschaftlichen Verhältnisse revolutioniert wurden . en masse Weltgeschichte zu machen. ob er sich eine genauere Vorstellung von ihr machen kann oder nicht. indem sie ihm eine immense Bedeutung verleiht: „weil es im nächsten Augenblick nicht mehr ebensosehr in meiner Gewalt steht zu wählen. Kirche. daß nämlich mit der Revolutionierung der Produktionsweisen durch die Bourgeoisie auch sämtliche „feudalen. Das dauernde Schielen nach äußerem Erfolg wirkt lähmend und lenkt von der primä- ren Aufgabe ab: der Arbeit an sich selbst. weil alsdann schon ein Stück gelebt ist.

Geht aber gleichwohl nach wie vor die Geschichte ihren Gang fort. wie der Däne die Feuerbachsche These. daß erst durch die jü- disch-christliche Heilslehre der Übergang von der mythischen zur ge- schichtlichen Daseinsweise möglich wurde. angesichts dessen alle Versuche einer Steuerung und Planung eitel und vorwitzig erscheinen. daß jenes sich diesem unterzuordnen hat? Derlei Schlüssen begegnet Feuerbach mit dem Argument. Es ist interessant zu beobachten. daß niemand die Feuerbachsche Religionskritik so ernst genommen hat wie Kierkegaard: gerade weil er an der Wahrheit der Inkarnation auch auf geschichtlichem Boden festhalten wollte. sondern als „Doppelexistenz": durch die äußere Tat gehört es der Weltgeschichte an. so ist faktisch durch die Geschichte selbst die Inkarnation widerlegt.Folgt aber aus der Zurückführbarkeit des geschichtlichen Den- kens auf das heilsgeschichtliche. bestehen läßt. 65 auf die Auseinandersetzung des Individuums mit Familie und Sippe gründen zu wollen50. daß nur durch die Annähme eines „Sündenfalls". einer Offenbarung und Versöhnung der Augenblick seine entscheidende Bedeutung und die Zeit ihre Unumkehrbarkeit er- halt. durch die Kierkegaard sich von Hegel absetzen will. daß der Mensch entweder eine auf sich selbst gestellte. alle heilsgeschichtlichen Prämissen dem ge- änderten Bewußtsein gemäß umzudeuten und aufzuheben. fensterlose Monade oder das willenlose Instru- ment irgendwelcher Institutionen. welche umgestaltende Kraft von der Solidarität Gleichgesinnter ausgeht. Aber Kierkegaards Geschichtsauffassung steht ja immer schon unter der Prämisse. wo die Gottheit selbst in die Geschichte eintritt. durch die innere Tat genießt es zwar das „wahre Leben der Freiheit". die sich in der vernünftigen Kommunikation selbstbewußter Individuen konstituiert. . übersieht Kierkegaard. Um diese Prämisse zu rechtfertigen. unterliegt dabei aber den Gesetzen einer „höheren Ordnung". „Inkarnation und Historie sind absolut unverträglich miteinander."51 Man kann sagen. Die ethische Betrachtung der Geschichte. Das welthistorische Individuum er- weist sich nicht als die konkrete Einheit von Freiheit und Notwendig- keit. ja in gewisser Weise noch verschärft: um einerseits eine (paradoxe) christliche Wahrheit zu formulieren. daß die menschlichen Geschicke von einem Heilsgesche- hen bestimmt werden. die vom Säkularisierungsprozeß bis hin zu einer möglichen Selbstaufhebung des Christentums gar nicht tan- . ist also letztlich erkauft durch den Verzicht. mit ihr ist welthistorisch jedoch kaum etwas auszurichten. Masse ist. hört die Geschichte auf. der Ge- schichte obliege es vielmehr. beruft man sich meistens darauf. daß Inkarnation und Historie miteinander unverträglich sind. überhaupt Geschichte zu machen. - Von der falschen Alternative ausgehend.

Wie skeptisch Kierkegaard derartigen Zukunftsvisionen gegenübersteht. noch nicht beantwortet. der alles neu gemacht hat. „Der Begriff. aber die Fülle der Zeit ist der Augenblick als das Ewige und doch ist das Ewige zugleich das Zukünftige und das Vergangene. wenn an seiner heils geschichtlichen Bedeutung festgehalten wird. Man setzt das Vergangene nicht aus sich heraus. Wie der Augenblick nur dann geschichtlich verstanden ist. Habermas fragt sich mit Recht. Seine Kritik an den „Bestrebungen der Zeit" . so kann man keinen einzigen Begriff freihalten von ketzerischem und verräterischem Beisatz. Man setzt das Zukünftige nicht aus sich heraus. der den Begriff zunichte macht.und als Naturgeschichte die Geschichte. diese würde aber in dem Maße ihre Kontingenz einbüßen. als die Offenbarung der Heilswahr- heiten zweifellos geschichtlich zu verstehen ist. „in dem sich eine fortschrei- tende Rationalisierung aus dem ziellosen Wachstum der technischen Verfü- gung über verdinglichte Natur und Gesellschaft selbst kritisch einholen ließe durch die vernünftige Kommunikation der Menschen über die praktische Beherrschung ihrer Geschicke"53. und meint. statt sie dem veränderten Selbst. Wenn man hierauf nicht achtet. sondern in einem einfachen gleitenden Zusammenhang (Kontinuität) mit dem Zukünftigen (hierdurch verlieren sich die Begriffe Bekehrung. h. daß sich der Sinn der Geschichte nur in der Transzendenz geschichtli- chen Denkens auf eben diese Wahrheit hin enthüllt. ist die Fülle der Zeit. Entmythologisierung von Glaubenssät- zen nicht gerade das Moment der Wahrheit in ihnen hervorkehrt. zeigt sich für Kierkegaard vor allem am Augen- blick. Versöh- nung.66 giert werden kann. c) Die heilsgeschichtliche Stufe: Dasein als Versöhnung Daß Geschichtsbewußtsein und jüdisch-christliche Heilslehre wechselseitig aufeinander bezogen sind. am ur- sprünglichen Sinn der Heilslehre festzuhalten. wurde bereits angedeutet. sondern in einem einfachen gleitenden Zusammenhang mit dem Gegenwärtigen (dadurch gehen die Begriffe Auferstehung und Gericht zugrunde). wie sie die moderne Religionskritik stellt (Woraus ergibt sich für den Menschen die Notwendigkeit.und Weltverständnis gemäß umzudeuten?). Erlösung in das weltgeschichtliche Bedeutungsvolle und in die indivi- duelle geschichtliche Entwicklung). und diese Frage ist um so berechtigter. um den alles im Christentum sich dreht. ob die Säkularisierung. dem dechiffrierten Schöpfungsmythos zufolge müßte die menschliche Gat- tung als ein Bestandteil der Natur zwar ebenso kontingent gedacht werden wie die Natur selbst . d. so verweist umge- kehrt nur der recht verstandene geschichtliche Augenblick auf die heilsge- schichtliche Wahrheit. und um andererseits dann wieder den „Beweis" anzutre- ten."52 Mit diesem Aufweis ist aber die Frage.

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macht seinen Standpunkt noch deutlicher: Das politische Denken - so wird
gesagt -, das im fortschreitenden Säkularisierungsprozeß das religiöse Den-
ken ablösen möchte, bringt es nur zur Parodie, nicht zum Ersatz des
Religiösen. „Da jede Entwicklung nach meiner Meinung erst fertig ist mit
ihrer Parodie, so wird es sich zeigen, daß das Politische das Parodistische in
der Weltentwicklung ist - zuerst das eigentlich Mythologische (Gottes
Seite), darauf das menschlich Mythologische (des Menschen Seite) und
darauf eine Verwirklichung der Weltziele in der Welt (als das Höchste), eine
Art Chiliasmus, der indessen die einzelnen Politiker, als von abstrakten
Ideen begeistert, in Widerspruch mit sich selbst bringt."54
Was dem Politischen nach Kierkegaard in erster Linie fehlt, ist der
„absolute Respekt vor dem absoluten Telos", der im Christentum als Streben
nach „ewiger Seligkeit" zum Ausdruck kommt. Dieser absolte Respekt
macht geistig gesehen den aufrechten Gang des Menschen aus - meint der
Däne -, „sonst geht er auf allen Vieren". Er ist es nämlich, der das Individu-
um mit dem Absoluten verbindet, während das Politische in einer falsch
verstandenen Form praktischen Denkens und in einer Ungeduld, die nichts
von der Ewigkeit hören will, das Absolute relativiert und eben damit
parodiert. - Alles relative Wollen ist daran erkenntlich, daß man etwas um
eines anderen willen will. Das höchste Telos dagegen muß man um seiner
selbst willen wollen, „da das Endliche ja ein Ende haben muß, und also eine
Zeit kommen muß, wo es nicht mehr gewollt werden kann«. Absolut wollen
heißt daher eine ewige Seligkeit wollen, „denn die muß in jedem Augenblick
gewollt werden können"55.
Richtet sich nun der Mensch mit absolutem Wollen auf das absolute Telos,
dann wird ihm bewußt, daß es ihm unmöglich ist, sein Ziel zu erreichen: in
der Konfrontation der Subjektivität mit dem Absoluten erweist sich Wahr-
heit in wesentlicher Hinsicht als Offenbarung, Versöhnung als Erlösung.
Für das „heidnische" Denken gab es noch keine derartige Konfrontation,
weil das Verhältnis des einzelnen zum Absoluten grundsätzlich problemlos
war, indem es sich theoretisch durch Erinnerung, praktisch durch Nachah-
mung konstituiert. Für das „Heidentum" gilt, daß die Subjektivität die
Unwahrheit ist. (Noch Sokrates gelangt durch die Befolgung des Postulats
der Selbsterkenntnis nur zur Einsicht: Ich weiß, das ich nichts weiß. Das
bedeutet aber immerhin den Übergang zur Gleichsetzung von Subjektivität
und Wahrheit, denn die Subjektivität ist hier zwar leer, ohne ein positives
Wissen, wird aber als das einzig mögliche Prinzip der Erkenntnis trotzig
festgehalten.) - Für die idealistische Spekulation, die „heidnische Reflexion
im Christentum" gibt es die genannte Konfrontation nicht mehr, sie ist
aufgehoben. - Für das Christentum aber gilt: dadurch, daß der Mensch die
Wahrheit in die Subjektivität des konkreten Subjekts setzt - im „Sünden-
fall" -, wendet er sich von der absoluten Wahrheit ab, und von nun an gilt,
daß die Subjektivität die Wahrheit ist. Die Subjektivität ist aber - als Sünde-

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zugleich die Unwahrheit: ein Widerspruch, der nur dadurch aufzuheben ist,
daß sich die Subjektivität durch Wiederholung im Absoluten zu begründen
versucht. Das Problem der Voraussetzung löst das Christentum, indem es ,
sich darauf beruft, das Absolute sei selbst Subjekt geworden, so daß die
versuchte Wiederholung auf das Entgegenkommen des Absoluten, eben auf
Erlösung stößt.
Während also die Sünde des Menschen Tat ist, ist die Versöhnung letztlich
Gottes Tat, die dem Menschen als Heilsgeschehen widerfährt. Daher betont
Kierkegaard: Mit der Lehre, daß Adam und Christus zueinander in Entspre-
chung stehen, sei nichts erklärt und alles verwirrt. „Analogie mag da sein, ja!
Doch die Analogie ist dem Begriff nach unvollkommen. Christus allein ist
ein Individuum, welches mehr als Individuum ist; aber darum kommt er
auch nicht am Anfang, sondern in der Fülle der Zeit."5*
Worin besteht nun aber die Wiederholung des Absoluten, sollte sie
tatsächlich möglich sein? - Für Kierkegaard steht zunächst fest, daß sie sich
zwischen zwei Extremen bewegt: zwischen einer politischen und einer
klösterlichen Daseinsweise.
Was die erste betrifft, so darf der Däne nicht in dem Sinne mißverstanden
werden, als lehnte er Politik und politisches Engagement schlechthin ab. Was
er ablehnt, ist die „reine Politik", die nicht im Religiösen eine tiefere
Begründung und Rechtfertigung findet, die nicht an „ewigen Wahrheiten"
orientiert ist. Eine solche Politik, die keinen festen Bezugspunkt hat und
ganz aus dem jeweils Gegebenen leben möchte, kann gar nicht anders als
ziellos sein. „Und deshalb ist meine Ansicht von der ganzen europäischen
Verwirrung, daß sie nicht aufgehalten werden kann außer durch Religiosität;
und es ist meine Überzeugung: ebenso wie seinerzeit das Wunderliche
geschah, daß die Reformation, die sich wie eine religiöse Bewegung aus-
nahm, als eine politische sich erwies, ebenso wird die Bewegung unserer
Zeit, welche sich wie blanke Politik ausnimmt, plötzlich sich erweisen als
religiös oder Bedürfnis nach Religiosität."57
Der absolute Respekt vor dem absoluten Telos äußert sich aber keineswegs
darin, daß man ins Kloster geht, meint Kierkegaard. Das Klosterleben sei
vielmehr eine „ungeheure Abstraktion", denn man bringt das Dasein damit
zu, daß man betet und Choräle singt - statt im Club Karten zu spielen. -
Indem die absolute Innerlichkeit „recht energisch" beweisen will, daß sie
wirklich vorhanden ist, bekommt sie ihren auffallenden Ausdruck in einer
„distinguierten Äußerlichkeit" und unterscheidet sich damit nurrelativ von
anderen Äußerlichkeiten. Religiös sein besagt aber, die Stätte gefunden zu
haben, wo es heißt: hie Rhodus - hie salta, d. h. die wahre Ergriffenheit
durch die Idee des Religiösen muß darin zum Ausdruck kommen, daß die
Existenz des Individuums nicht nur äußerlich von ihr bestimmt, sondern
radikal umgeschaffen wird. Nun ist es Kierkegaard zufolge freilich so, daß

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die Idee des Religiösen christlich verstanden das absolute Paradox ist,
weshalb die religiöse Innerlichkeit im Äußeren keinen angemessenen Aus-
druck findet. So verwendet sie denn die gesamte Energie des religiösen
Pathos dazu, sich selbst zu potenzieren: zur absoluten Innerlichkeit.
Indem der Augenblick der Entscheidung, in welchem der Bezug zum
Absoluten hergestellt werden soll, vom äußeren Ausdruck entbunden wird,
hört er aber auf, geschichtlicher Augenblick zu sein. Ein Kernsatz der
„Brocken" lautet denn auch: Im Verhältnis zum Absoluten gibt es nur eine
Zeit, nämlich die Gegenwart; wer mit dem Absoluten nicht gleichzeitig ist,
für den ist es gar nicht da. „Hier zeigt sich sogleich, daß das im konkreten
Sinne Geschichtliche gleichgültig ist; wir können in Beziehung darauf die
Unwissenheit eintreten lassen und die Unwissenheit gleichsam ein Stück
nach dem andern zunichte machen lassen; falls nur der Augenblick noch
übrig bleibt, als Ausgangspunkt für das Ewige, ist das Paradox zugegen."58
Die Frage nach dem geschichtlichen Ausgangspunkt für das „ewige Be-
wußtsein" besteht demnach für den Synoptiker in prinzipiell gleicher Weise
wie für den „Jünger aus zweiter Hand". Nur für den Glauben macht sich der
zeitliche Abstand negativ bemerkbar, dafür war aber für die unmittelbar
Gleichzeitigen das Ärgernis größer, weil sie „dem Beben jener Tatsache"
näher standen. Was den Gegenstand des Verhältnisses der Gleichzeitigkeit
betrifft, so gilt, daß wie der Polarstern niemals seinen Standort ändert und
deshalb keine Geschichte hat, auch das christliche Paradox unbewegt und
unverändert ist, und lagen selbst 10000 Jahre dazwischen. Karl Löwith hat
einmal gesagt, Augustinus sähe die Aufgabe der Kirche nicht in der Entwick-
lung der christlichen Wahrheit in aufeinanderfolgenden Epochen der Welt-
geschichte, sondern in der Verkündung und Verbreitung der Wahrheit, die
ein für allemal geoffenbart wurde. Bei Kierkegaard kommt nun noch hinzu,
daß die auf das factum brutum der Fleischwerdung des Logos reduzierte
Offenbarung aufhört, im eigentlichen Sinne Offenbarung zu sein. Eine
Offenbarung sensu strictissimo muß nach Kierkegaard nämlich „ein Ge-
heimnis" sein - insofern sie sich nicht wiedererinnernd bzw. spekulativ in das
Ewige zurücknehmen läßt-, und allein daran erkenntlich, daß sie das
Geheimnis ist. Es kann nur verstanden werden, daß es zum Wesen christli-
cher Offenbarung gehört, nicht verstanden zu werden59.
Kierkegaard hat eine christliche Tradition, die mit Augustinus beginnt und
mit Luther einen Höhepunkt erreicht, buchstäblich und in gewisser Weise
ganz bewußt ad absurdum geführt. Bewußt insofern, als die moderne
Religionskritik in ihm die Befürchtung weckte, die 1800 Jahre könnten nicht
so sehr für als gegen das Christentum ins Feld geführt werden, so daß er sich
genötigt sah, der Geschichte jede diesbezügliche Relevanz zu nehmen. Die
ewige Wahrheit hat es, qualitativ gesehen, nur mit sich selbst zu tun und hat
keinerlei Verhältnis zum Bestehenden als Beweis für ihre Wahrheit. Die 1800

denn Glaube im vollen Wortsinn »entspricht ganz richtig dem Wunderbaren. „zu den jüdischen Hängen an Verheißung für dieses Leben. daß man sich zum Absoluten verhält: daß nicht nur kein Lohn zu erwarten. im scheinbar ziellosen Fort- schreiten der Geschichte für sich wiederholt. natürlichen Geburt ein einzelner Mensch. sondern Leiden zu ertragen ist. aber nicht wahren. und wenn das Individuum nur die Alternative hat. ob sie bewohnt ist. Schon Paulus sagt.70 Jahre sind ebensowenig ein Beweisgrund dafür. . dann gehe es zurück zur weltlichen Weisheit. und zwar dann. und einem wahren. wenn der einzelne das immer schon vollendete Werk der Versöhnung. sie kann überhaupt nicht verstanden werden. wohl aber alles zu verlieren. Mit der Geschichte des Christentums hat der Gläubige in dieser Hinsicht nichts zu tunM. den immanen- ten Zielsetzungen als letztlich nutzlosen Zerstreuungen abzuschwören? Wenn das religiöse Individuum sich fragt. was für den Verstand eine Torheit ist. wenn er um nichts anderes besorgt ist als um Gott und um sich selbst. maximal gewinnt. Jeder Verteidiger des Christentums. wenn Weltgeschichte und Heilsgeschehen so offensichtlich auseinan- derfallen. dann bekommt es von Kierke- gaard zur Antwort: „Im endlichen Sinne ist nichts zu gewinnen. wie die Neuheit im Jahre eins ein Einwand dagegen war. daß man das Gelände aufräumt-wie Kierkegaard sich ausdrückt- und die 1800 Jahre fortschafft. Hier stellt sich erneut die Frage. wie lange es her ist. was er will. ist man ganz wie bei der ersten. zum Chiliasmus und anderem Derartigem"61. der noch nichts von der Welt weiß. oder ob es heute geschieht". dem. ob Kierkegaard durch die bewußte . Wenn das Individuum sich damit nicht begnügen könne. entweder vom profanen Verständnis der Geschichte her den Gedanken von so etwas wie Heilsgeschehen als für die immanenten Zielsetzungen unpraktikabel beisei- tezuschieben oder.Für sich! Denn wenn man zum zweiten Mal auf die Welt kommt. daß es sich zum absoluten Telos verhält. Die ewige Wahrheit ist in ihrer ersten Sekunde genauso wahr wie in ihrer letzten . In der Zeitlichkeit ist die Erwartung einer ewigen Seligkeit der höchste Lohn. dem Absur- den. Das Individuum wird so zum Bürger zweier Reiche: einem geschichtlichen. aber nicht geschichtlich wirklichen. Gottes Tat. nicht einmal. und eben darum ist es völlig gleichgültig.oder aber genauso unwahr. daß nur einer ans Ziel gelangt. gläubig vergegenwärtigt. muß daher „gerade umgekehrt aus äußersten Kräften mit qualitativer Dialektik die Unwahrscheinlichsten des Christentums geltend machen"." Dies sei gerade das Zeichen dafür. d. Wiederholung als Versöhnung kann demnach nicht geschichtlich-prak- tisch verstanden werden. dem Unwahrscheinlichen. Was aber heißt Versöh- nung. so daß das Christentum sich bei uns abspielt. sie ist gewissermaßen das Mysterium der Gleichzeitigkeit. der weiß. Und Heilsgeschehen ereignet sich dann. h. ob es andere Menschen in ihr gibt. was es dadurch. als geschähe es heute. Dazu gehört vor allem. die Absurdität des Gedankens festhaltend.

. Leid. 71 Unterlassung der Entmythologisierung der christlichen Heilslehre deren Sinn nicht gerade verkennt. weil der Verstand keine Letztbe- gründung. Die drei großen Ideen Sobald der Mensch dem Mythos entwachsen ist. noch soll. Der Dane trägt so selbst dazu bei. er bedeutet. Die Wiederholung des Absoluten gerät damit zur verzweifelten Geste blinder Vereinzelung. um ihn daran zu erinnern. Er bedeutet aber zugleich einen Verlust . die im Monolog mit Gott als dem mythischen alter ego von Versöhnung nur zu träumen vermag. . was im Begriff der Unschuld zusammengefaßt ist. )a in seiner Relativität letztlich unfähig ist. durch den Kampf.weil Geschichte sich nicht einfach über- springen läßt . Verzweiflung. daß die Subjektivität zu- gleich die Wahrheit und die Unwahrheit ist. Insofern stellt der Übergang von der mythischen zur ge- schichtlichen Daseinsweise einen Fortschritt dar. Dies um so mehr. und von der absoluten Wahrheit her als deren Verwirk- lichung. als geschichtlich zu existieren. als er den geschichtlichen Widerspruch. und das heißt: in Freiheit und Selbst- verantwortung. als es das Ethische selbst ist. welches die Frage stellen heißt.und daß. der Zwiespalt nicht versöhnen lasse. Weil nun aber Unmittelbarkeit und absolute Wahrheit auch für sich allein zum Ideal menschlicher Daseinsgestaltung erhoben werden können. daß die Politik entweder in kurzsichtiger Pragmatik das im Mythos aufbewahrte Ziel der Geschichte gänzlich aus den Augen verliert oder aber durch die treuher- zige Übernahme mythischer Zielsetzungen zur ungewollten Parodie des Religiösen gedeiht". Sünde entspringt. Überdruß an den Menschen herankommen. stellt sich ihm doch die Frage. ob sich das Verlorene nicht wiederholen. bleibt ihm keine andere Wahl. 2. sondern sie als ein unabän- derliches Faktum auszuweisen. je weiter die verstandesmäßige Beherrschung der Welt fortschreitet. Religion und Politik zu schließen.auf Kosten der Vernunft: der theoretischen wie der prakti- schen. dem nach Geborgenheit vor Angst. existentielle Entscheidungen zu treffen: er dient nicht dazu. nur auf Kosten der Geschichte zu lösen vermag. dieses Bedürfnis nur um so großer wird. eine Vermutung.Wenngleich daher der Mensch zum Mythischen weder zurück kann. daß zwischen Geist und Sinnlichkeit ein Zwiespalt entsteht. keine Geborgenheit geben kann. Denn eine konkrete Definition des Ethischen muß nach Kierkegaard von zwei Seiten her erfolgen: von der Unmittelbarkeit her als deren „Aufhebung". die bestehende Kluft zwischen substantieller Wahrheit und gesellschaftlicher Wirklichkeit.den Verlust dessen. die sich insofern zu bestätigen scheint. daß Religion dem Bedürfnis nach Letztbegründung. was er im Grunde ist: ein nie zu vollendendes Imperfectum'. und das heißt . Kierkegaards durchaus nachvoll- ziehbarer Gedanke.

. wie jene heitere griechische Weltbetrachtung. a) Das Ästhetische oder die wiederholte Unmittelbarkeit (der Verführer) Der Wunsch nach einem unmittelbaren. daß sie „fort und fort wiederholt wird"1. und der Posie. Mit anderen Worten: Die Musik ist ihrem ganzen Wesen nach Ausdruck der Unmittelbarkeit. .wie schon Aristoteles behauptet -. existiert also nur dadurch. die Zeit zu . . geistigere Sprache verfügt. das Ethische. die über eine reichere. die Musik gewinnt nur im Augenblick ihres Vollzugs Wirklichkeit. die Musik stellt gewissermaßen die Sprache der Unmittelbarkeit dar. als eine geschmackvolle durchsichtig klare Zier für den Geist. steht die Musik in der Mitte zwischen den bildenden Künsten. daß er sagt. mit der Sprache verwandt ist4. . ist es mir eine liebe und erquickende Beschäftigung gewesen zu überlegen. Die Poesie ist überhaupt die vollkommenste aller Künste und weiß als solche auch die Bedeutung der Zeit am besten zur Geltung zu bringen. als Ausdruck der Unmittelbarkeit hebt sie diese aber zugleich auf. nicht im Medium der Wirklichkeit.Kierkegaard macht das dadurch deutlich. in der Welt der Ideale . da muß auch Geist sein. Doch auch die Poesie hat ihre Grenzen. harmonischen Dasein. die Kunst sei zwar Nachahmung der N a t u r . welche die Welt deshalb Kosmos nennt. . und sie entschwindet auch nicht wie die Musik „ohne Spur". weil sie sich erweist als wohlgeordnetes Ganzes. Sie braucht sich nicht wie die Malerei auf den Augenblick zu beschränken.Wo aber Sprache ist.wie jene heitere Betrachtung sich wiederholen lasse in einer höheren Ordnung der Dinge. da meine Seele zum ersten Mal sich erstaunte und demütig sich neigte vor Mozarts Musik. für die das Sinnliche alles ist. verklingt aber zugleich und hat keinen Bestand". eine Herausforderung. woran sich der Wunsch nach Wiederho- lung der Unmittelbarkeit entzündet. zumal die Musik mit dem „eigentlichen Medium der Idee". setzt den Verlust dieses Daseins voraus: ein Umstand. das Religiöse. Weil diese aber zum bloßen Werk- zeug herabgesetzt und ständig verneint ist . und insofern wird die Unmittelbarkeit in der Musik zu einer (wenn- gleich negativen) Bestimmung des Geistes: zu dem. leuchtet unschwer ein: Das Element der Musik ist die Zeit „sie erklingt in der Zeit.nur deshalb ist die Musik Sprache -. der wiederholten Unmittelbarkeit anzeigt. aber eben dadurch auf Abstand. die der Dane anhand eines persönlichen Erlebnisses folgendermaßen formuliert: „Seit dem Augenblick. der von Anfang an die Zweideutigkeit des Ästhetischen. Die Kunst stellt insofern eine Art Herausforderung dar."2 Warum es gerade die Musik ist.72 darum ergeben sich für die geschichtliche Existenz drei „große Ideen": das Ästhetische. da sie gezwungen ist. zur sinnlichen Unmittelbarkeit. wie er im künstlerischen Schaffen zum Ausdruck kommt. der sie wirkt und durchwirkt. was der Geist aus- schließt.

Es geht der Ro- mantik ja auch gar nicht darum. den in der Existenz gelegenen Dualismus zu seinem Recht zu verhelfen.kommt es darauf an. Sie bedient sich zu diesem Zweck der Ironie. Tieck. Schelling. sondern als Ausweg. Außerdem . daß man die Idealität der Kunst . das Unendliche konkret werden zu lassen. die ihr gefällige poetische Welt zu erschaffen. daß die Kunst in einem mehr oder weniger ausgeprägten Gegensatz zur Wirklichkeit steht. begeht dabei aber einen doppelten Fehler: erstens verwechselt sie das ewige Ich mit dem empirischen. Das Scheitern romantischer Philosophie zeigt sich nach Kierkegaard be- sonders bei Solger.allmählich in den Hintergrund gedrängt. Geist und Natur. . Solger) richtet. Dieser wollte die absolute Identität von Endlichem und Unendlichem und arbeitete darum spekulativ auf den absoluten. dann aber als deren Sublimierung erschien .Kierkegaards Polemik. der nur dadurch überwunden werden kann. a. sie versöhnt sich vielmehr durch die Einbildungs- kraft mit der phantasiemäßigen Idealität. Es zeigt sich mithin. endlichen. vorgehalten. aber dieser Anfang ist „ganz und gar abstrakt". Endlichkeit und Unendlichkeit usw.dessen Philosophie ihm zunächst als Alternative zur Romantik. die sich ebensosehr gegen die Romantik dichterischer Prägung (Jean Paul. „überspannte" Potenz der Subjektivi- tät. die konkrete Subjektivität zur Geltung kommen zu lassen .Der romantischen Dichtung wird zunächst die Art.nicht angemessen zur Darstellung bringen kann. Kierkegaard hat die Möglichkeiten und Grenzen einer solchen Verwirkli- chung des Ästhetischen vor allem durch seine Kritik an der Romantik (die ja zugleich Kunstrichtung und Lebenshaltung war) dargelegt. . miteinander zu versöhnen. es zeigt sich vielmehr. daß die Subjektivität allbegründende Gültigkeit habe. 73 Momenten zu verdichten und so die Unmittelbarkeit . versöhnt sich nicht wesentlich mit dem Leben. die somit nicht ein Moment der . sondern eine zweite. das eine Allmächtige sei. Idealität und Realität.) wie gegen die Romantik philosophischer Prägung (Fichte. sagt Kierkegaard. Die Kunst. diese Versöhnung bedeutet daher für das wirkliche Individuum einen neuen Zwiespalt. Wohl hat die Romantik versucht. zweitens verwechselt sie ganz generell die metaphy- sische Wirklichkeit mit der geschichtlichen Wirklichkeit.was Kierkegaard als das eigentliche Ziel des Ästheti- schen ansieht-. daß er dem Endlichen keinerlei Gültigkeit beizumessen vermag und darum außerstande ist. vorausset- zungslosen Anfang hin.sprich: die zeitliche Sukzession . Solger ist dann auch am Anfang. die Gebrüder Schlegel u.die in ihren verschiedenen geschichtlichen Ausprägungen die „Entwicklungsstufen im Weltbewußtsein" widerspiegelt . Das tut Solger aber nicht. Sie macht sich Fichtes These zu eigen. findet sich vor allem in seiner Dissertation über den Begriff der Ironie und wird dann durch die Polemik gegen Hegel . die imstande sein soll. wie sie sich des Prinzips der Subjektivität bedient. doch die Phantasie dient ihr dabei nicht als Mittel zum Zweck.meint Kierkegaard.in Wirklichkeit überführt.

des Eigen- tümlichen jedes einzelnen. Das ist der Grund. sucht Wahrheit. es bedeutet keineswegs nur Selbstge- nuß. um so höher steigt der Springquell des Ideals7. muß Achtung haben für „jede vernünftige Konsequenz". mit Hilfe einer zügellosen Ironie Wirklichkeit und Ideal gegeneinander auszu- spielen. ihr Spiel mit ihr treiben kann". Und indem der Mensch sich derart seiner selbst als eines unmittelbar bestimmten Individuums bewußt wird. sich nicht verwirkli- chen zu können.bekommt so eine negative Bedeutung: stets in der Schwebe zu sein. sondern die Wirklichkeit schlechthin. Wenn aber das handelnde Individuum imstande sein soll. . Inhalt. Ist die Ironie wie bei Goethe ein „dienstbarer Geist". daß die romantische Ironie „ihre Freiheit an ihr üben.das nicht von ungefähr eine Lieblingsidee der Romantik darstellt -. seine Aufgabe zu lösen. wenn sie so beschaffen ist."5 Über alles Gegebene hinauszusein . um idealistisch verklärt und verflüchtigt werden zu können (wie griechi- sche Antike und Mittelalter). die weit genug entfernt ist. wo es doch darauf ankäme. ist bloße Möglichkeit. „Die eigentliche Geschichte hingegen. sondern stellt im Gegenteil die Voraussetzung für jede ethische Aufgabe dar. nämlich „die Wirklichkeit zu realisieren". Die Romantik bewegt sich in einer falschen Alternative: „Auf der einen Seite steht die gegebene Wirklichkeit mit all ihrer elenden Spießbürgerei. „weil er sein Dasein als Dichter in Übereinstimmung zu bringen wußte mit der Wirklich- keit seines Lebens". Auch eine Vergangenheit wird nur anerkannt. das entfaltet und zur Herrschaft gebracht werden muß." Je mehr nun die Wirklichkeit verzerrt wird. Das ästhetische Geltendmachen der konkreten Subjektivität erfolgt nach Kierkegaard im Lauschen auf die Stimme des Ursprünglichen.Als Musterbeispiel einer gelungenen Versöhnung nennt Kierkegaard Goethe. Goethes Dichterexistenz sei eben deswegen so groß gewesen. Dazu gehört zwar auch Ironie. wird er sich auch allererst der Grenzen bewußt. auf der anderen Seite die ideale Wirklichkeit mit ihren verschwimmenden Ge- stalten. hauptsächlich die mythische Vorzeit in den Augen der Ironie Gnade findet. „innerhalb deren er dichtet. Ästhetisch leben heißt im Sinne der Romantik. verendlicht. sagt Kierkegaard. in welcher das wahre Individuum seine positive Freiheit hat. dann setzt sie Schranken. wenn das Individuum sich „harmonisch zu einer plastisch in sich abgerundeten Gestalt" entwickeln soll6. Die Wirklichkeit romantischer Ironie. weil es in ihr seine Voraussetzungen besitzt. dann muß es sich in einen größeren Zusammenhang eingeordnet fühlen.der Stolz der Romantik." Eine poetische Lebensweise hat daher nichts mit einem Taugenichtsdasein zu tun . aber „wohlzumerken beherrschte Ironie". Und eben darauf kommt es letztlich an: gebührenden Nachdruck auf die . muß überseit gebracht werden. innerhalb deren er poetisch frei ist. warum neben jener geschichtlichen Vergangenheit.74 gegebenen Wirklichkeit zugunsten eines neuen verneinen und verdrängen soll. Wirklichkeit. sie miteinander zu versöhnen.

über diese Anschauung zu spot- ten. Schlegels „Lucinde" . so hat er sich doch selbst gelegentlich das Recht herausgenommen. . so daß sie sich nunmehr zu ihrem früheren Zustand verhielten wie der Wallach zum Hengst10. darin kein vernünftiger Mensch sich regen kann. die „alles unter die Sünde tut" und keine Ausnahme kennt9. so wohl abgerichtet. „Es gibt eine moralische Sprödigkeit. Das tut die . die Zeiten. ist es vor allem ihre Einstellung zur Sinnlichkeit und Liebe. B. ohne Kummer und Sorgen. Er gibt zu. . die Macht der Geschichte verkennen. So spricht er einmal von der „unmenschlichen Grausamkeit" des Christen- tums und meint. das Griechentum in all seiner Naivität. sogar in der Stunde der Trauung den Fluch zu verkünden. Neben der Art und Weise. Dies um so mehr. bevor sie den Segen spricht". Doch eben das ist nach Kierkegaard nicht der Fall. laßt sie platzen. als er zu erkennen glaubt. ohne daß sie deswegen auf Kosten des Strebens nach Höherem vergöttlicht wird. wenn man glaubt. Das Streben nach Höherem wiederum muß „eine gesunde Liebe" sein. gleichwohl verlangt der Romantik Sehn- sucht nach ihnen zurück und zu ihnen unternimmt sie nicht eben heilige Pilgerfahrten . so daß man Schlegel verbunden sein müßte. eine kranke Sehnsucht. so nützlich und brauchbar wie sonst ein Haustier. um in ihr gegenwärtig zu sein8. " Von beiden Haltungen unterscheidet sich jene christliche Anschauung. daß die Liebe „so zahm. die der Nietzsches an Härte nicht viel nachsteht. „So sind sie denn vorüber. 75 Wirklichkeit zu legen. Er ist sich dabei durchaus im klaren. hätte er eine brauchbare Alternative gefunden. da alles so menschlich gewesen. eine Zwangsjacke. mit denen die Natur zumindest eine Absicht nicht verfolgen kann . Wenngleich nun Kierkegaard den „emsigen Arbeitern des prosaischen Alltagslebens" die Berechtigung abspricht. was Kierkegaards Kritik herausfordert. Jene Zeiten sind vorüber. sie in einer Weise zu kritisieren. es habe. „welche Muts genug gehabt. daß die vielen Verkehrtheiten im Verhältnis zur Sinnlichkeit Anlaß zur Kritik sein können. . wie sich die Romantik des Prinzips der Subjektivität bedient. die das Vollkommene schon vor der Zeit und gleichsam spielerisch erreichen will. Im Gegensatz dazu gibt es in überspannter Romantik mondscheinhafte Theater- Ehen.sei zum Evangelium des jungen Deutschland geworden. Jahrhunderte wie ein Nichts wegwischen zu können. so schleppend. und so z. statt den Heiden Kraft zu schenken. Das Bewußtsein muß sich vielmehr „Stück für Stück" in die Wirklichkeit hineinleben. . sie vielmehr ihrer Mannheit beraubt. In Gottes Namen. es wäre möglich. da die Götter selbst den Ton anga- ben . so müßte man sie doch wiederherstellen in all ihrer Reinheit.eine Art Apotheose der Emanzipa- tion des Fleisches . so unschul- dig. Andererseits heißt es. . da die Menschen so glücklich dahinlebten. kurz gesagt so unerotisch als möglich" geworden ist. nicht ein verzärteltes. weichliches Sich-aus-der- Welt-Davonschleichen. eine entschwundene Zeit wiederherzustellen. . Gesetzt nun.

so gibt es nach Kierkegaard vor allem ein geschichtliches Faktum. . sondern maßgebende Vor- aussetzung ist. Denn erst wenn der Geist die äußerste Spitze der Besonderung erreicht hat. Und wie es nicht der Sinn des Christentums sein kann. Eigentlich stellt sie nicht das Griechentum wieder her. nicht geistig als das vom Geist Ausgeschlossene. daß ihr Trachten unter der Bestimmung des Geistes steht. die Sinnlichkeit zu vernichten. Den Griechen war die Sinnlichkeit noch fremd.76 Romantik jedoch nicht. . Sie war auch nicht als Prinzip gesetzt. und zwar nicht nur (aufgrund eines ethischen Mißverständnisses) als das Sündige. weil es als das Komische empfunden wird. oder anders ausgedrückt: die Rehabili- tation des Fleisches auf Kosten der Sittlichkeit herbeizuführen. Genau das aber scheint die Romantik . .anzustreben: die „nackte Sinnlichkeit". sondern einen von ihr erdachten unbekannten Weltteil. Daß sie verfehlt ist.Was speziell die Liebe betrifft. sondern als das Indifferente.zumindest in Schlegels Roman ."11 Die Verwirklichung der Idealität der Kunst setzt voraus. Genauer gesagt: sie war seelisch bestimmt als Harmonie und Einklang."12 Im Christentum hat dann das Religiöse das Erotische „suspendiert". mithin der Sinnlichkeit zu stehen. das Erotische in die Indifferenz zu setzen. hört er freilich nicht auf. und zwar unabhän- gig davon. greift sie nach einer Erklärung aus des Geistes höchster Sphäre. und zwar deshalb.und schamvoll vom Prinzip des Fleisches abwenden oder aber mit Freude zu ihm bekennen.Bereits bei Sokrates läßt sich die Tendenz erkennen. sich mit der geschlechtlichen Besonderung zu bekleiden. springt die Individualität plötzlich ab. sondern ihr Genuß ist im hohen Maße raffiniert. das es zu berücksichtigen gilt. gibt sie klar zu erkennen. und anstatt jene Besonde- rung ethisch zu durchdringen. Dadurch. die Herrschaft des Geistes über das Fleisch zu brechen. Die erste Einstellung ist die des klösterlichen Daseins. und nun kann sich der Mensch entweder angst. daß der Geist verneint wird. wirksam zu sein. Indem die Romantik die Unmittelbarkeit als Sinnlichkeit wiederholt. daß diese in der Tat Wiederholung der Unmittelbarkeit ist und das heißt daß der geschichtli- che Ausgangspunkt nicht nur zufälliger Anlaß. genausowenig das Erotische. so kann es auch nicht der Sinn der ästhetischen Existenz sein." Das macht die Scham so „ungeheuer zweideutig"13. verdeutlicht Kierkegaard durch die folgende Bemerkung: „Indem in der Scham dem Geist angst wird und er sich scheut. weil ja im Geist zwischen Mann und Frau kein Unterschied ist. kommt die Leiblichkeit recht eigentlich unter die Bestimmung des Geschlechtlichen. will man sich nicht in Illusionen verlieren: das Faktum nämlich. Und nicht allein dies. Damit ist aber auch schon die Grenze der „heidnischen" Anschauung bezeichnet. ob dieses durch das Vorherrschen eines ethischen Rigorismus oder der Kontemplation geprägt wird. „Der Eros war überall als Moment und momentweise gegenwär- tig in der schönen Individualität.Die . daß mit dem Chri- stentum Zwietracht gesetzt wurde zwischen Geist und Fleisch.

das zweite begehrt das Einzelne unter der Bestimmung des Mannigfaltigen. oder es hat die Reflexion sich die Sinnlichkeit „einverleibt". was den Geist ausschließt. und besitzt es somit nicht. Sie hat gegen die Scheidung auch nichts einzuwenden. ohne es begehrt zu haben. jetzt suchend und wird erst im dritten „Stadium" wirklich begehrend. besitzt es jedoch. sondern das Allgemeine in seiner Allgemeinheit aus.rein gedanklich als die Synthese zweier entgegengesetzter Momente darstellen: Der Page im „Figaro" steht für das Erwachen der Sinnlichkeit. weil es von seinem Gegenstand noch nicht abgesondert und folglich auch nicht dazu gelangt ist. daß sie dem Christentum angehört und mit dem Christentum dem Mittelalter. ist aber das sinnliche Begehren. sondern in der Konkretheit der Unmittelbar- keit. Das eine ist der Fall bei Don Juan. das hat das Begehren in Besitz. „Was Gegenstand des Begehrens sein wird. „und ist froh. dabei zersplittert aber der Gegenstand in eine Mannigfaltigkeit. aber nicht in der Abstraktheit der Reflexion. Als Prinzip in einem einzigen Individuum konzentriert. geistig bestimmt als das. Wann immer die Idee des Don Juan entstanden sein mag: festeht für Kierkegaard. ist sie die sinnliche Genialität. Es läßt sich . Diese ist nämlich weit abstrakter als die Sprache und spricht darum nicht das einzelne. daß die Kirche sie beide nicht zum Zusammenbleiben drängt. mit der der Geist „stets im Streit gelegen und der er jetzt den Platz räumt". Erst im Mittelalter hat der Mensch begonnen. zeigt sich die Sinnlichkeit in ihrer ganzen Gewalt. bei dem das Begehren erst „schwermütig geahnt" wird. in der das Begehren sich verliert. das andere bei Faust. dieser Welt Valet zu sagen. das Eine. bei der es zwei extreme Möglichkeiten gibt: Entweder es hat die Sinnlichkeit sich die Reflexion. daß sie weder sein Zuhause. hat sich die Überzeugung eingestellt. Und indem der Geist sich von der Erde löst. etwas zu begehren. einem Geist. das dritte ist die Einheit von beiden. noch sein eigentlicher Schauplatz sei. sondern der Tummelplatz für jene Macht.Das Unmittelbar-Erotische. das aus seinem „substantiellen in sich selber Ruhen" herausgerissen und durch diese Erschütterung von seinem Gegen- stand geschieden wurde. welches im ersten „Stadium" träumend war. der dem anderen feind auf Leben und Tod ist. Demnach ist das Begeh- ren. Don Juan als die Verkörperung unmittelbar-erotischer Existenz findet Kierkegaard am treffendsten in der Mozartschen Oper dargestellt: die „Inkarnation des Fleisches" oder die Begeisterung des Fleisches aus des Fleisches eigenem Geist. „Das erste Stadium begehrt ideal. es begehrt das Einzelne schlechthin."14 Die sinnliche Liebe bringt so buchstäblich alles auf einen Nenner. sondern das Band zerschnei- . Das Begehren hat in dem Einzelnen seinen absoluten Gegenstand.wie der Däne anhand anderer Mözartopern zeigt. die nur durch die Musik ausgedrückt werden kann. da sie ihren eigenen Vorteil sieht. 77 zweite Einstellung ist die der ästhetischen Existenz." Papageno in der „Zauber- flöte" steht für das Begehren. .

„Seine Liebe ist nicht seelisch. Kierkegaard geht so weit. sondern auch in ihrem ganzen Reichtum. auch nicht des Gedankens Besonnenheit. Die Sinnlichkeit erwacht nun nicht nur in ihrer ganzen Macht. ob alt. so hätte er mich nicht verlassen. daß Don Juan überhaupt als Individuum anzusehen ist. sie liebt nicht eine. „In diesem Reich hat die Sprache keine Stätte. In einem von Kierke- gaard fingierten Monolog muß sogar Elvira bekennen: „Er ist kein Betrüger gewesen. befindet sie sich in ästhetischer Indifferenz. Kierkegaard nennt Don Juan daher lieber einen Betrüger. da sie gemacht werden. einen Staat im Staat. in der er sich seiner Handlungsweise bewußt wird. des Rausches wilder Lärm. in der er seinen Plan anlegt.78 det. Er sei vielmehr eine . Erst wenn die Reflexion hinzutritt. Don Juan dagegen ist ein Verführer von Grund auf. weshalb es die Macht der Sinnlichkeit ist. Obwohl daher Don Juans Verhalten den anderen gegenüber eindeutig negativ ist . dort tönt allein der Leidenschaft elementarische Stimme. war sich selbst genug. und sinnliche Liebe ist nach seinen Begriffen nicht treu. Die Sinnlichkeit bildet eine eigene Welt. aber freilich nur im Moment.wie bei Don Juan . ob häßlich) das Weibliche. auch nicht der Refle- xion mühseliges Erringen. Er war ein Mann."15 Aber genaugenommen ist die Bezeichnung „Verführer" für Don Juan nicht ganz zutreffend. dort genießt man allein im ewigen Taumel.die Sinnlichkeit als Prinzip aufgefaßt. welches sie verbunden". darf denn auch nicht als Egoismus verstanden und gewertet werden. der Lüste Saitenspiel. erscheint er als ein unschuldig Verfolgter. dann bekommt das Erotische ein ganz besonderes Prädikat: es wird zur Verfüh- rung. Hätte er sie gehabt. symbolisiert durch den Venusberg. sondern sinnlich."16 Und weil die Unmittelbarkeit gar nicht anders als ehrlich sein kann. was ein Weib leiden kann. Reflexion voraussetzt. zu bestreiten. und der Betrug „eine Art von Nemesis" darstellt. will heißen. welche die Verführten betrügt.nicht umsonst sieht er sich der Rache so vieler Menschen ausgesetzt -. ob schön."14 Für sich genommen ist das Reich der Sinnlichkeit aber keineswegs das Reich der Sünde.Daß er in allem nur sich selbst meint. Mit der Vorstellung der Inkarnation oder Repräsentation fehlt im Griechentum auch die des Verführers. . denn solang die Sinnlichkeit in einer Art zweiten Unschuld unmittelbar gelebt wird. Für einen Verführer fehlt ihm die Zeit vorher. weil Verführung einen (wenn auch negativen) Bezug zum Ethi- schen hat. sondern schlechthin treulos. und dieses Begehren wirkt verführend. erweist sich das Reich der Sinnlichkeit als Reich der Sünde oder besser gesagt: des Dämonischen. sind seine Liebesschwüre durchaus wahr. sie verführt alle. daß er sich selbst genug ist. Wird . Dieses Reiches Erstgeborner ist Don Juan. Don Juan begehrt in jedem Weib (ob jung. Die ganze Welt wird „ein von allen Seiten widerhallendes Gehäuse für der Sinnlichkeit weltlichen Geist". sondern alle. keine Vorstellung gehabt. und die Zeit nachher. er hat von dem.

Der reflektierte Don Juan begehrt bereits „ein wenig mehr" als das Sinnliche. . der die Begehrte eben nicht mehr mit einem Schlag erobert. Im ersten Fall genießt der Mensch das. mit der er seine Beute „zugleich verschönt und besiegt" -. und dieses „ein wenig mehr" genügt. Und so kommt es zur Errichtung jener ätherischen Hinterwelt. womit der Typus des Don Juan seinen Platz in der Oper verloren hat und in die Komödie gehört. kann davon gesprochen werden. . sein Leben sei der Versuch gewesen. Wenn dennoch ein Strafgericht über Don Juan hereinbricht. die schon rein äußerlich in Erscheinung tritt.Oder" . er ist nicht zu schwach. In einer Vorbemerkung heißt es über ihn. Kierkegaard erinnert an den Don Juan Molieres. Aus all dem kann folgendes Resümee gezogen werden: Nur wenn sich die Sinnlichkeit die Reflexion so vollkommen einverleibt hat wie im Falle Don Juans.Der unmittelbare Verführer genießt die Befriedigung als solche. oder es hat „rein ästhetisches Gepräge" (wie in der Mozartschen Oper). Der reflektierte Don Juan verführt nämlich nicht mehr mimisch-unmittelbar.im Tagebuch des Verführers . Die poetische Fähigkeit des Menschen ist natürlich bereits im unmittel- bar-erotischen Dasein am Werk . sie zu tragen. Dabei hat sich der reflektierte Verführer keineswegs an der Wirklichkeit „verhoben". Beim ersten liegt das Hauptgewicht denn auch auf der Zahl der Verführten. beim zweiten auf dem Wie der Verführung. daß die poetische Idealisierung der Wirklichkeit zum Selbstzweck erhoben wird: zum „zweiten Genuß". sondern durch den Redeschwall. „womit teils die Wirklichkeit ihn beschenkt. die List. daß die Sinnlichkeit Daseinsprinzip ist.und Theaterpublikum (wie im Mittelalter).ganz und gar wirkungslos bleiben müßte. Als Ursache für die Wandlung vom unmittelbaren zum reflektierten Verführer nennt Kierkegaard eine „Erhitzung des Gehirns". um eine qualitativ neue Daseinsform zu begründen. das Interessante am Leben ausfindig zu machen und das Erlebte auf dichterische Weise zu reproduzie- ren". derzufolge die Unmittelbarkeit nicht mehr genug Reizmittel besitzt. weil er ein wenig anders als sinnlich begehrt. weil Strafe - ethisch gesehen .selbst dichterisch dargestellt. um ihr zuletzt fast völlig zu entschwinden. um der Überfunktion des Gehirns gerecht zu werden. teils er die Wirklichkeit . durch die der Mensch mehr und mehr für die Wirklichkeit hinschwindet. Eine Forderung nach Strafe wäre demnach völlig fehl am Platz. und sein Dasein ein elementarhaft bewegtes Leben. Den Prototyp des reflektierten Verführers hat Kierkegaard am Ende des ersten Teils von „Entweder . 79 „dämonische Gestalt". der reflektierte den Betrug. somit „eine Reflexion über den Genuß". poetisch zu leben. aber sie wird dort nicht bewußt eingesetzt. und das heißt: „nackte Sinnlichkeit" kann sinnvollerweise nicht Ziel ästhetischer Lebensweise sein. dann zielt dieses entweder auf das reflektierende Leser. sondern zu stark! Aus der „Krankheit der Stärke" entsteht erst dadurch eine „Krankheit der Schwä- che".so verfügt Don Juan über eine „sinnliche idealisierende Gewalt".

sagt er sich - „und nur solange es vorhanden ist. an mein Verhältnis zu ihr erinnert zu werden . so ist Liebe Schwäche und Gewohnheit. . So etwas wie Gewissen tritt höchstens in der Form eines höheren Bewußtseins auf und einer aus diesem sich ergebenden Unruhe. dennoch aber . sondern die Überwindung des Widerstandes zu genießen. „Was er begehrt. ohne sich ihr zu stellen. Auch beim reflektierten Verführer kann noch keine Rede davon sein. ohne aber den Bereich ethi- schen Interesses schon betreten zu haben. einer nicht reflektierten „substantiellen Angst". und dieser Kampf ist nicht minder Ausdruck der Verzweiflung. reine. sondern den Weg. die eine Bedingung außerhalb ihrer selbst hat . Sein Dasein ist Dienst am Interes santen und das bringt ihn schließlich dahin. Es wäre aber verfehlt zu glauben. Gewissen ist für ihn ein „zu ethischer" Ausdruck. deswegen ist auch das Tagebuch des Verführers weder historisch genau noch einfach erzählend: es ist nicht „indikativisch". wenn man bedenkt. daß er sich seiner Verzweiflung bewußt würde. wohl aber wachhält und ihm in seiner „unfruchtbaren Ratlosigkeit" keine Ruhe gönnt. Er begehrt somit in gewissem Sinne durchaus ebenso wie Don Juan."'9 War Don Juans „dämonische Lebenslust" ein Ausdruck der Angst. Beim Verführer Faust hat die Reflexion dagegen so sehr über die sinnliche Unmittelbarkeit triumphiert.und das Interessante hängt sehr wesentlich von den äußeren Umständen ab -. unmittel- bare Freude. sondern sinnlich. daß der reflektierte Verführer den Bereich ästhetischer Indifferenz bereits deutlich überschritten hat. Und genau das charakterisiert den reflektierten Verführer: er möchte die Wirklichkeit genießen. daß im Grunde das ganze Leben auf Gewohnheiten aufgebaut ist20. ungestörte. daß sein Gewissen erwacht. sondern „konjunktivisch"18. Hinzu kommt. dann schüttelt er sie ab wie ein Baum die Blätter: er verjüngt sich. aber er begehrt es nicht geistig. „Nunmehr ist alles Widerstehen unmöglich" . das Laub verwelkt. reiche. Denn jede Lebensanschauung. denn dann wäre der Bereich des Ästheti- schen bereits überschritten. daß der Dienst am Interes- santen zugleich Kampf gegen die Gewohnheit ist. Ich wünsche nicht. dann verfällt der erstrebte Gegenstand sogleich der Langeweile des Gleichgültigen. und wenn er sie nicht mehr braucht. ist es schön zu lieben. Im zweiten Fall dagegen genießt er nur noch die zufällige Situation und sich selbst in der Situation. Die anderen Individuen sind ihm lediglich Reiz- mittel. die ihn zwar nicht eigentlich anklagt. nicht eigentlich das Ziel. so ist die Jagd des reflektierten Verführers nach dem Interessanten ein Ausdruck der Verzweiflung. Ist der Verführer am Ziel seiner Wünsche ange- langt. der reflektierte Verführer sei in einerWeise reflektiert. hat es aufgehört. . nicht so sehr die Erfüllung. daß ihm nach ihrer Wiederholung verlangt. ist eine weibliche Seele. die Wirklichkeit aber ist „poetisch ertrunken".80 geschwängert" und das heißt: die unmittelbare Wirklichkeit ist im Anlaß zur poetischen Daseinsgestaltung. ist nach Kierkegaard Verzweiflung. Es zeigt sich also.

bedeutet Aufhebung des Ästhetischen . der über das Ästhetische hinausweist. weil er unmöglich begehrt. in Wirklichkeit immer schon der „edle Faust" ist. was Gretchen für Faust so anziehend macht.wenngleich im Sinne be- . sondern die Zerstreuung. Demnach wäre es ganz falsch zu meinen. Was Wunder. Die Tragödie. Nur ein „junges unschuldiges Mädchen" wie Gretchen scheint sein Verlangen. Mit anderen Worten: Faust gehört als Verführer zwar noch der Sphäre des Ästhetischen an. die sich daraus entwickelt. Und ohne den Schlußpunkt würde sein ganzes Streben zu einem endlosen negativen Prozeß22. er sucht im Sinnlichen also nicht den Genuß. seinen adäquatesten Ausdruck im Glauben des Mädchens findet. der nach Unmittelbarkeit verlangt. Faust habe es auf „ein sogenanntes gebildetes Mädchen" abgesehen. „die jungen Mädchen tanzen nicht in seine Umarmung hinein. als der er sich im zweiten Teil der Goetheschen Tragödie in der Tat erweist. fallt das Urteil über die verschiedenen Formen ästhetischer Existenz eindeutig negativ aus. denn die Sinnlichkeit gewinnt für ihn erst dadurch Bedeutung. In der Liebesumarmung versucht er unmittelbares Leben in sich zu saugen. „nicht weil er an sie glaubt.21 Faust begehrt nach der Unmittelbar- keit des Geistes. die einen Don Juan auszeichnet. daß er „eine ganze vorausgehende Welt" verloren hat. denn ein solches läge innerhalb der gleichen Relativität wie er selbst. Denn sobald das Leben durch den „Sündenfall" in Geist und Sinnlichkeit auseinan- dergebrochen ist. Zweierlei ist an Kierkegaards Analyse des Ästhetischen besonders bemer- kenswert: 1. die Ablenkung von der Nichtigkeit des Zweifels. wie das. hinter die endlose Reflexion des Zweifels einen Schlußpunkt zu setzen. daß seine Lust nicht jene Heiterkeit hat. daß Faust." Auf der einen Seite bleibt auch hier der Geist auf dämonische Weise ausgeschlossen. der äußerlich betrachtet noch ganz wie Don Juan und der reflektierte Verführer als ein gewissenloser Betrüger erscheint. aber derart. und so greift er zur Frauenliebe. Doch Faust begehrt das Unmögliche. kann seine ursprüngliche Einheit nur durch Vermittlung der beiden Komponenten und nicht durch Ausschluß des Geistes wiederher- gestellt werden. Die ästhetische Daseinsweise als Wie- derholung der Unmittelbarkeit hat sich zu einem unausweichlichen Wider- spruch entwickelt. den er als eine längst überwundene Existenz- form nicht nachvollziehen kann. befriedigen zu können. Obwohl sie sich von der Legitimität des Wunsches nach Wiederholung der Unmittelbarkeit leiten läßt. In einer äußerst scharfsinnigen Untersuchung hat Kierkegaard gezeigt. 81 begehrt er ganz anders. daß die Selbstaufhebung des Ästhetischen als konkrete Möglichkeit und Forderung auftritt. auf der anderen Seite ist es gerade der Geist. sondern weil sie ein Moment des Gegenwärtigen hat. in welchem für einen Augenblick Ruhe ist". ist nun aber ein Hinweis darauf. sondern er ängstigt sie an sich heran". Das Bewußtsein dieses Verlustes läßt ihn nicht zur Ruhe kommen. Eine solche Vermittlung führt aber über das Ästhetische hinaus. um sich wenigstens augenblicksweise zu sättigen.

Die Einheit von Pflicht und Neigung. b) Das Ethische oder das verdoppelte Interesse (der Ehemann) Unmittelbarkeit ist Sein im Augenblick. deutet Kierkegaard in „Entweder . aber im momentanen. wenn es gelebt wird.Worin im Gegensatz dazu das Prinzip des Ethischen besteht. weil der in sich reflektierte Mensch allein durch Vermittlung des Sinnlichen und Geistigen jene Lebenseinheit wiederherstellen kann. Der reflektierte Verführer gar erscheint als Opfer einer Überhitzung des Gehirns. die der Sprecher des Ethischen ausdrücklich als unethisch ablehnt. Objektivität und Subjektivität. Je verfeinerter. die aufbewahrt. 2. was es poetisch zu beherrschen scheint. Gemeint ist vielmehr. Das bedeutet aber nicht. während Faust sich umgekehrt aus der faulen Unendlichkeit der Reflexion in den unmittelbaren Genuß zurückflüchtet. im Gegenteil! Indem das Ästhetische nicht in seiner Unwahrheit durchschaut wird. dabei aber etwas Wesentliches unterschlagen: wie die verschiedenen ästhetischen Lebensformen gesellschaftlich vermittelt sind. reflektierter nun die ästhetische Existenz ist.Oder" durch die Feststellung an. Und auch die ästhetische Existenz- ais Versuch. - Das alles ließe sich gewiß durch die Borniertheit der vorgeschobenen Pseu- donyme rechtfertigen. Allgemeinheit und Besonderheit . daß die Idee des Don Juan als Ausdruck naiver Typisierung ohne die ständische Ordnung des Mittelalters kaum denkbar wäre. daß die wahre Sittlichkeit die Liebe aus dem bloß Sinnlichen herausrettet. . doch es wird sich zeigen. die wahre Ewigkeit der Liebe. daß die Bagatellisierung des Gesellschaftlichen bis ins Ethische und Religiöse durchschlägt: weil ja sonst die Selbstverwirklichung nicht ausschließlich Sache des Individuums wäre. Kierkegaard hat dies in aller Klarheit dargelegt. es wird angedeu- tet. Das Ästhetische ist. was sie negiert23. falsche Unmittelbarkeit: die bewußte Illusion der Kunst als Wirklichkeit gesetzt. den Augenblick des Genusses zu einer „kleinen Ewigkeit" zu machen. Dies darf natürlich nicht als Befürwortung einer klösterlichen Lebenswei- se verstanden werden. Zwar fehlt nicht der Hinweis. daß die ästhetische Exi- stenz sich der realen Wirklichkeit zu entziehen vermag. die Unmittelbarkeit nach Art der Kunst zu wiederholen - vollzieht sich im Augenblick. Das zeigt sich vor allem beim poetischen Verführer. die der Ästhetiker in der Unmittelbarkeit sinnlichen Begehrens vergeblich einzufangen versuchte. welche die wahre Sittlichkeit sei. um so schwieri- ger wird es für sie. rette die Liebe eigentlich aus dem Sinnlichen heraus.82 stimmter Negation. liefert sich das Individuum erst recht der Notwendigkeit dessen aus. das Ideal der Romantik stehe in einem umgekehrten Verhältnis zur geschichtlichen Wirklichkeit. der es entspringt: konkrete Zusammenhänge werden aber nicht aufgezeigt. flüchtigen Augenblick. dabei ist gerade er sinnfälliger Aus- druck für die gesellschaftlich Bedingtheit wiederholter Unmittelbarkeit.

kon- kretes Interesse (Inter-esse) auf eine Weise wahrnimmt. daß sittliches Verhalten seiner Idee nach Vermittlung von Sinnlichkeit und Geist sei. daß man sich in der Möglichkeit zur Möglichkeit verhält. Faust): es ist auch verfehlt.die genannte Vermittlung zu leisten beansprucht. d. Kürzer und einfacher ausgedrückt: Das ästhetische Pathos besteht darin. Er hat dann z. selbst verwandelt in die Wirklichkeit der Vorstellung". Tatsächlich aber muß ethisches Handeln verstanden werden als Wiederholung der Innerlichkeit. daß der einzelne sein jeweiliges. B. Der Däne erweitert und präzisiert daher seine These. Allerdings kommt es entscheidend darauf an. feststeht. in bezug auf die Wirklichkeit jedoch die Tat. eine richtige Vorstellung. Handeln. was dem Individuum in der Reflexion auf sein eigenstes. Handlung in einem ganz bestimmten Sinne zu verstehen. Es geht dabei um die Art. Wie immer daher die Idee des Ethischen bestimmt werden mag. Handlung ist. Sippe. wenn man so will. Schicksal herausreflek- tiert. nämlich als Verdoppelung. mit „Schaffen.wie in „neuerer Zeit" . mit der er sich aber außerhalb seiner selbst in der Idealität der Möglichkeit befindet. das Ethische liege im Tätigsein als solchem. 83 als Wesensmerkmal des Sittlichen hatte übrigens schon der junge Hegel Leben und „als Beziehung Verschiedener" Liebe genannt. Tat. daß er weder verzweifelt er selbst. Der Ausdruck Verdoppelung (dänisch: reduplikation) ist von Kierkegaard mit Bedacht gewählt. in der man sich von der jeweiligen (ästhetischen oder ethischen) Idee bestimmen läßt. reicht für eine Definition des Ethischen freilich nicht aus. Er soll dazu dienen. Die Feststellung. Und weil in bezug auf Möglich- keit das Wort der Ausdruck des höchsten Pathos ist. wenn der Mensch die Reflexion in der Sinnlichkeit aufgehen läßt (Don Juan).derart in sich reflektiert ist. mithin wirklichen Verhältnis zur Wirklichkeit aus. als Nachvoll- zug dessen. nicht „bei sich selbst in Existenz mit der Richtigkeit der Vorstel- lung in der Idealität der Wirklichkeit. kann man nach Kierkegaard sagen: Das Pathos des Ethischen besteht im Handeln". als Pflicht vorge- . noch verzweifelt nicht er selbst zu sein versucht. daß ethisches Verhalten seinem Wesen nach Tat. Das ästhetische Pathos ist nun dadurch gekennzeich- net. bzw. konkretes Interesse als Aufgabe oder. der Sinnlichkeit unterord- net (der Verführer. Sittlichkeit setzt demnach voraus. es sei gleichbedeutend mit dem Geschäftigen. zumal auch die Spekulation . wenn der Mensch . Das Sittliche ist nämlich nicht nur dann verfehlt. sondern ihn sogar herausreflektiert aus seinem früheren Leben"24. indem er zwischen ästhetischem und ethischem Pathos unterscheidet. daß diese Reflexion ihn nicht nur „aus jedem unmittelbaren Verhältnis zu Staat. daß der Mensch sein konkretes Dasein verläßt.die gewiß nicht mit dem Ethischen gleichgesetzt werden kann . um sich vermittels der Phantasie in die Idee zu verlieren. - Das ethische Pathos dagegen drückt sich in einem existentiellen. Wirken". gegen ein zweifaches Mißver- ständnis Front zu machen: zunächst einmal gegen die Meinung. h.

ist die Entscheidung Ausdruck positiver Freiheit. daß etwas sich wiederholen kann."28 Weil nun der ästhetisch Existierende sich außerhalb seiner selbst in der Idealität der Möglichkeit befindet und damit im ungeschichtlichen Augenblick lebt. begreifendes Erkennen und sittliches Verhalten: beides falle letztlich zusammen. „es ist zugleich auch ein Tun. Das läßt sich sehr schön am Beispiel der Liebe zeigen. . als Vermittlung von Geist und Sinnlich- keit . eben weil es seinem Wesen nach Tat. nicht bis zum ethischen Pathos.84 zeichnet ist26. das Beziehung auf ein Wissen hat. Unwiederholbare. erscheint ihm das Erste als das Einmalige. wahrgenommenes Interesse.Das obige Zitat enthält aber auch einen Hinweis darauf. je bedeutungs- voller es sich beim ersten Mal darstellt. daß ethisches Verhalten im gleichen Maße wie es auf Denken bezogen ist. Dement- sprechend wird das ethische Pathos oft auch schlicht existentielles Pathos genannt. sondern ihr tiefsinnigsten Lobpreis als einer ewigen Macht. Im Prinzip beinhaltet das Ethische also etwas sehr Einfaches: den bewuß- ten Vollzug der Existenz als Synthese von Geist und Sinnlichkeit. die als „wahre Liebe" . das Denken transzendiert. das. in reflektierter Innerlichkeit begründete Tat. und zwar ein solches Tun. h. Wahre Liebe ist ihm demgemäß nur die erste.Das zweite Mißverständnis. ist die Ansicht. so als ob sie sich niemals wiederholen lasse. die Verwirklichung des existentiellen Pathos in der Sukzes- sion der konkreten Zeit. ist Wissen der Freiheit. Der Unterschied zwischen dem ästhetischen und dem ethischen Verständ- nis der Liebe läßt sich nach Kierkegaard auf eine grundverschiedene Bewer- tung des Ersten zurückführen. „Wenn man daher von-der ersten Liebe mit einem gewissen wehmütigen Ernst gesprochen hat. daß die Wahrscheinlichkeit einer Wiederholung um so geringer ist. und weil diese im . Wie man sieht. im vernünftigen Denken sei das Ethische gewissermaßen impli- ziert.d. um so geringere Bedeutung hat das Erste und umgekehrt. andererseits gilt auch. Denn als innere. dem er vorhält. er bringe es aufgrund seines spekulativen Verhältnisses zur Wirklichkeit nur bis zum ästhetischen. aber es ist nicht nur ein Wissen. so ist dies keine Verkleinerung der Liebe. seine Realisation mit Notwendigkeit nach sich zieht. Mit dieser Feststellung wendet sich Kierkegaard vor allem gegen Hegel.ja recht eigentlich die Idee des Ethischen darstellt. Handlung ist.Das Ethi- sche. Demgegenüber soll durch den Begriff der Verdoppelung geltend gemacht werden. was die eigentliche Schwierigkeit des Ethischen ausmacht: die Wiederholung der Verdoppelung. weshalb man sich nicht zu wundern brauche. sagt Kierkegaard einmal. Feststeht zunächst folgendes: Je größer die Wahrscheinlichkeit ist. das es auszuräumen gilt. die unmittelbare Liebe. daß sein ganzes System ohne wahres Ethos sei. . wenn nichts Äußeres dazwischen kommt. bezeichnet die Verdoppelung nicht mehr und nicht weni- ger als den Vorgang der Entscheidung im Sinne der „inwendigen Tat". dessen Wiederholung auf mehr als eine Weise schwieriger werden kann als das erste Tun"27. und als innere Tat ist sie schlüssig gewordenes Denken. .

Die romantische Ehe findet der Däne am treffendsten in Goethes „Wahlverwandtschaft" dargestellt. daß er unmittelbar das Ganze darstellt. Sie gründet in einem naturhaft-unmittelbaren Liebesverhältnis. denn die wiederholte Unmittelbarkeit enthält die Zeitlichkeit als negative Bestim- mung. Für die ethische Betrachtung ist im Augenblick gleichfalls „das Ganze schon heimlich zugegen". 85 Augenblick des Genusses auch schon vorüber ist. und darum ist diese Liebe ihrem ganzen Wesen nach Verführung. . als der betreffenden Obrigkeit zu melden. das sie in sich aufgenommen hat. aber auf ganz verschiedene Weise: Für die ästhetische Betrachtung ist der Augenblick dadurch das Ewige."29 Die Vernunftehe ist demgegenüber auf Reflexion und Freiheit gegründet. aber sie möchte sich einen Ausweg offenhalten. Hierin liegt das Unsittliche der romantischen Liebe. aber eben nur heimlich. um in dem Falle. und zwar des Bewußtseins des Ewigen wegen. . d. kann sie nach Kierkegaard edel genannt werden. das sich niemals ändern wird. befindet er sich also bei sich selbst in der Idealität der Wirklichkeit. auch schon vergangen ist. Obwohl ihre Schönheit sinnlich ist oder durch die Sinnlichkeit hervorschimmert. ist das Ewige zeitlich bedingt und hebt sich damit selber auf. daß eine glücklichere Wahl sich zeigt. Die Liebenden sind über- zeugt. Die Ehe ist nämlich die geschichtlich-praktische Einlösung der Ewigkeit der ersten Liebe. als Aufgabe für die Freiheit. als es zu seiner Erfüllung der geschichtlichen Verwirklichung bedarf. dann ist das Erste nicht mehr das Einmalige. und diese „freilich illusorische Ewigkeit" macht die erste Liebe sittlich. dann ist sie ethisch verfehlt. frei wählen zu dürfen. weil sie nach ihrer Realisierung in der Ehe verlangt. wenn man umgezogen ist. eine Zeitlang könne man das Zusammenleben schon aushalten. das man schlicht hinzunehmen und zu genießen hat. daß die Ehe nunmehr vorbei und eine neue eingegangen sei. Beide Male findet im Ersten eine „Synthesis des Zeitlichen und des Ewigen" statt. so daß die Liebe.Ist der Existierende hingegen ethisch bestimmt. ebenso wie man es meldet. die zweite Betrachtungsweise ergibt. Weil aber diese Überzeugung nur in Naturbestimmungen ihre Grundlage findet. Die erste Betrachtungsweise führt unausweichlich zur „unglücklichen Individualität" (Kierkegaard nennt als Beispiel Lord Byron). darum bedarf der ästhe- tisch Existierende immer neuer Liebesbeziehungen. Sie macht die Ehe zu einer bürgerlichen Einrichtung. daß sich die erste Liebe nach rückwärts „in alle Ewigkeit hinein" voraussetzt und nach vorwärts auf eben diese Weise fortsetzt. „denn eben das unterscheidet alle Liebe von Wollust. Kierkegaard sieht zwei grundsätzliche Möglichkeiten einer ethischen Ver- fehlung der Ehe: die romantische Ehe und die Vernunftehe. sondern insofern das Bedeutungsvolle. „Sie meint. daß sie das Gepräge der Ewigkeit an sich hat". man hat nichts nötig. daß ihr Verhältnis ein in sich vollendetes Ganzes ist. also „rein in Naturnotwendigkeit". Ist sie das nicht. h. indem sie ist.

das sie enthält. Der Mensch fühlt sich durch Sinnlichkeit und Schön- heit mit unwiderstehlicher Gewalt zum anderen Menschen hingezogen.w i e Kierkegaard sich ausdrück-die Kinderschuhe schon längst ausgetreten und gelernt zu haben glauben. daß sie keine Lösung der Aufgabe ist. alle Erotik der ersten Liebe in sich zu fassen vermag.86 Man hört es schon am Namen. meint er. Kierkegaard sieht in der ethischen Ehe eine Errungenschaft des Christen- tums. wie die Liebe in die Ehe hineinkommt. Aber diese Einheit ist eben nur unmittelbar. die erste Liebe durch den Zweifel zu vernichten. Sobald die Liebe fehlt. Doch das Substantielle der Ehe ist nun einmal die Liebe. ob man im Ethischen eine ähnliche Kluft ansetzen muß wie die zwischen Glauben und Wissen im intellektuellen Bereich. was im ersten Moment gelegen hat". und man kann sagen. „ob nicht diese Neutraüsierung ebenso unsittlich sei wie sie ganz gewiß unästhetisch ist"30. sondern in der vermittelten Einheit von beidem. oder ob die erste Liebe „mittels der Aufnahme in eine höhere konzentrische Unmittelbarkeit" vor dieser Skepsis gesichert ist. eine Verbindung zum Erreichen des einen oder anderen Zwecks. Und insofern die Verstandesehe das Sinnliche in der Ehe „neutralisiert" ist doch sehr die Frage. wenn diese „eine Rückkehr zum Unmittelbaren ist. Aber. ist sie wenigstens folgerichtig. „Sofern solch eine Verbindung der eigentlichen Liebe das Valet gibt. insofern die höhere Einheit über das Mehr. zeigt aber zugleich damit. ist das Zusammenle- ben entweder eine bloße Befriedigung sinnlicher Lust oder aber eine gesell- schaftliche Vereinigung. Es geht dabei nicht nur um die allgemeine Frage. Von den beiden verfehlten Formen her kann die Ehe erst eigentlich ins rechte Licht gerückt werden. hinaus zugleich das enthält. . Dort freilich als ein dem Individuum äußerliches Moment. daß man in den Bereich der Reflexion eingetreten ist. mein Kierkegaard. doch müßte man eigentlich von Verstandesehe sprechen. sie wird auch meistens von Leuten geschlossen. Die Einheit von Allgemeinem und Besonderem ist damit ebenso gegeben wie die von Notwendigkeit und Freiheit. daß die eigentliche Liebe eine Illusion und ihre Verwirklichung nichts als ein frommer Wunsch ist. um erst durch diese Vernichtung hindurch die eheliche Liebe möglich und wirklich werden zu lassen. wenn die eheliche Liebe nicht alle Unmittelbarkeit. als das Moment der Notwendigkeit31. und so besitzt die erste Liebe das Allgemeine als das Besondere: bis an die Grenze des Zufälligen." Die Verstandesehe ist nämlich als eine Art Kapitu- lation zu betrachen. sondern ob es der Ehe wesentlich zugehört. ist das Christentum nicht die höchste Entfaltung des Menschengeschlechts. da der Liebende in der Notwendigkeit der Liebe seine Freiheit fühlt. die . noch allein in der Reflexion. Daher ist der Idee des Ethischen in der Ehe erst dann Genüge getan. Denn das Ethische liegt eben weder allein in der Unmittelbarkeit. Es geht bei dieser Frage also letztlich darum. ihre Vermittlung sei die in der ersten Liebe gestellte und in der Ehe einzulösende Aufgabe ethischer Existenz.

vielmehr wird sie durch die abstrakte Betrachtung erst recht zum Spiegelbild der sie tragenden Gesellschaft. meint Kierkegaard. ihren Segen in der Zeit. So gesehen ist es kein Zufall. der ist ein Mann. 87 Die eheliche Liebe . Da nun nach Kierkegaard weltgeschichtliche Wirksamkeit nicht Motiv individuellen Handelns sein kann . son- dern als Wiederholung (Wieder-holung). sie sich klar zu machen. „Könnte ein Weib in solch einer Verdoppelung ihr . sondern durch Herrschaft und Knechtschaft geregelt ist. sondern ihn in der Zeit erst wirklich anzueignen. „Wer nichts als hoffen will. des Endlichen und Unendlichen. weil er die Wiederholung als Gewohnheit mißversteht. einer Gesellschaft."32 Die Gewohnheit wird erst dann zu einem Wesensmerk- mal der Ehe. nicht als unmittelbare Lebenseinheit. einen „Besitz" nicht nur vor der Abnutzung und Aushöhlung durch die Zeit zu bewahren. Der Mann ist es. sobald die Ursprünglichkeit in der Wiederholung ausbleibt. bei der Bewertung der Ehe aber gerade umgekehrt. Je schwieriger es nun ist. der die Unmittelbarkeit aufhebt und seine Wahrheit in der Verdop- pelung findet.es sei denn indirekt. ist nichts als das Geschichtliche an ihr. Nicht umsonst. ihren Sieg in der Zeit. stellt das Wesen des Mannes etwas Un- aussprechbares dar. in- dem das Individuum sich in seiner „ewigen Gültigkeit" setzt-.wie man auch sagen kann . weil ihr die Innerlichkeit fehlt." Im Kampf der ersten Liebe mit der Zeit beginnt der Ernst des Lebens. kann die Ehe als der höchste Ausdruck des Ethischen angesehen werden. von dem der ästhetisch Existierende deswegen nichts wissen will. ein um so tieferer Mensch ist er. Dieses Mißverständ- nis wird vom Wortführer des Ethischen durch folgende Feststellung aufgeklärt: „Was Du unter dem Namen Gewohnheit als eine Unver- meidlichkeit der Ehe verabscheust. darum stellt die Ehe und nicht der Staat das oberste Telos ethischer Existenz dar. oder . daß Kierkegaard immer nur den ~Ehe~Mann im Auge hat und die ethische Aufgabe der Ehe vor allem dem Mann überläßt.sobald die Wiederholung ungeschichtlich wird. daß man einem goldenen Zeitalter ein silbernes. wer aber die Wiederholung will. und je gründlicher er es ver- standen hat. Die Idee des Ethischen ist die Einheit des Äußeren und Inneren. h. Und weil bekanntlich nichts so sehr der negativen Wirkung der Zeit ausgesetzt ist wie die Liebe. Die Ehe läßt sich indes aus dem Ganzen des Staates nicht herauslö- sen.hat ihren Kampf in der Zeit. die laut Kierkegaard ihrer ganzen Veranla- gung nach Unmittelbarkeit ist. in der die Selbstverwirklichung nicht durch gegenseitige Anerkennung. d. ist wollüstig. wer nichts als sich erinnern will. um so größer ist im Falle des Gelingens der Sieg des Ethischen. verfährt man bei der Bewertung des natürlichen Zeitab- laufs so. welches in Deinem verkehrten Auge ein so erschreckendes Ausse- hen gewinnt. dann ein bronzenes und eisernes folgen läßt. für die Frau.sagt Kierkegaard . ist feige. vermittelt in geschichtli- cher Praxis.

Kierkegaard behilft sich mit der Unterscheidung zwischen sinnlicher Liebe („elskov") und geistiger Liebe („kazrlighed"). Sie trauerte sich zu Tode. denn wie könnte sich jemand hingeben.88 Wesen haben. fängt auch häufig mit sich selbst zu reden an. Was Kierkegaard einmal an Spinoza kritisiert. so ließe sich keinerlei erotisches Verhältnis zu ihr denken.oder gerade deswegen -. bleibt die Ehe dem Sinnlichen. Doch es erhebt sich die Frage. Wie. die Liebe aus dem Sinnlichen herauszuretten . Trotz aller Anstrengung. „der sich verbirgt. Wer nachts allein durch einen finsteren Wald geht. der Kierkegaard ebenso zum Opfer gefallen zu sein scheint wie einst Narzissus? „Narzissus war so grausam. Sonder- bar ist es doch. In diesem Sinne hat Kierkegaard das Gottesverhältnis als Voraussetzung für jedes zwischenmenschliche Verhältnis. den Dialog zwischen Mensch und Gott als Voraussetzung für den Dialog zwischen Mensch und Mensch verstanden wissen wollen. ja ob ein Dialog mit Gott ohne die Realisierung des Allgemeinen überhaupt gelingen kann? Die vom Dänen immer wieder beschworene absolute Einsamkeit des Menschen vor Gott scheint eher darauf hinzudeuten. welcher sein Wesen fort und fort in der Vernichtung dessen hat. Egoistische bedeutet. wer aus sich herausgeht. könnte so leicht auf ihn selbst bezogen werden. so daß nur ihre . wobei er nur die geistige Liebe wahre Liebe sein läßt und zu verstehen gibt. ebenbürtiger Partner des Mannes zu sein. der Liebe der Nymphe (Echos) nicht zu achten. daß die Frau aufhört. wird das erotische Verhältnis gestört vom Wesen des Mannes. daß diese in der Ehe nicht realisierbar ist. der in sich bleiben will"? . in sich gefangenen Subjekts ist. sondern absolutgesetzt wird. ob der religiöse Dialog bei Kierkegaard wirklich ein Dialog oder nur der sub specie aeterni fortgesetzte Monolog des einsamen. das er in sich zur Aufhebung bringt. daß seine in der konkreten Praxis sich manifestierende Sprachlosigkeit im Religiösen keines- wegs überwunden. Selbstischen verhaftet und weist damit über das Ethische hinaus auf das Religiöse."33 Wiewohl mit dieser Darlegung etwas Richtiges getroffen ist. Denn als die Verkörperung der Unmittelbarkeit bildet sie ja nur ein Moment seines Wesens."M Liebe erfordert Hingabe. wie die höchste Resignation in der geistigen Liebe. die zur Folge hat. und sofern ihr Wesen offenkundig ist. stellt sie doch eine unzulässige Polarisierung des Gegensatzes zwischen Mann und Frau dar. „Ich habe nunmehr Spinozas Ethik durchgelesen. wenn das Religiöse hier Ausdruck der an Spinoza gerügten Resigna- tion wäre.sich in seinem Sein erhalten' (suum esse conservare) und dies in einer solchen Zweideutigkeit festzuhalten. daß es ebenso gut das Leibliche. worin sie ihr Leben hat. eine Ethik aufzubauen auf ein zwar richtiges Prinzip wie: . und diese wiederum nichts anderes als die Konsequenz jener „unglücklichen Liebe". Die an Geschwätzigkeit grenzende Beredsamkeit der religiös-erbaulichen Schriften würde dies eher bestätigen als widerlegen. Hingeben wiederum kann sich nur.

Der Mensch liebt den anderen wie sich selbst . wiewohl die Ethik vom Menschen verlangt. seinem höchsten Interesse folgend. In diesem Fall gilt: Wer sich selbst liebt. ja das schlechthin andere. 3.er lebt ästhetisch. jeder ist es nach dem Maß der Größe. wird groß in sich selbst.meint Kierkegaard ." Dieser Gesichtspunkt ergibt folgende Rangordnung der Existenzformen: 1. „kraft des Absurden". Der paradoxe Glaube ist so wesentlich auf Denken bezogen. daß Narzissus zuletzt in einem Fluß sich selber sah. deren Gestalt der Wahn- witz ist. So wird er „großer als alle"}6. deren Geheim- nis die Torheit ist. das sich aus dem Ethischen heraus stellt: Kann der Mensch das Ziel. bis an die äußerste Grenze vorzudringen. dem er.der Wunsch. er lebt religiös. ferner . daß er sich am Absoluten orientiere.er lebt ethisch. groß vermöge einer Liebe. Die hat vermutlich stets in seinem Ohr widergeklun- gen.und hier liegt die tiefere Berechtigung des Religiösen . der mißt sich am Unmöglichen. jemals erreichen? Kann er die „Konklusion" aller „exzentrischen Prämissen" seines Daseins erleben? Ethisch gesehen. Gott. Es ist also nicht der Glaube schlechthin. Dies ist nämlich das zentrale Problem. die er liebt. wird groß in der Hingabe. das Unbekannte zu entdecken. groß vermöge einer Weisheit. 89 Stimme zurückblieb. Der Mensch liebt das Absolute. das Subjektive und das Objektive. denn wer Gott liebt. Religiös gesehen. deren Stärke die Ohnmacht ist."35 c) Das Religiöse oder die „Doppelbewegung der Unendlichkeit" (der Glau- bensritter) Kierkegaards Lobrede auf Abraham als dem Vater des Glaubens enthält folgende markanten Worte: „Nein! Keiner soll vergessen sein. der groß gewesen in der Welt. Dieser versöhnt in leidenschaftlicher Innerlichkeit. groß vermöge einer Hoffnung. die den Menschen dazu veranlassen. der paradoxe Glaube37. der die Größe und Erhabenheit Abrahams ausmacht. Wie verschiedenartig auch der Mythos von Narzissus erzählt wird. was für den Verstand ein Wider- spruch ist und bleiben muß: das Zeitliche und das Ewige. Der Mensch liebt sich selbst . 2. muß die Frage verneint werden. sich in sich selbst verliebte und derart auf eine furchtbare Weise ein Opfer unglücklicher Liebe wurde. transzendiert es aber zugleich. über das Ethische hinauszugehen: der weiter nicht begründbare Drang. kann sie bejaht werden. zustrebt. denn selbst das dialektische Denken . so stimmt er doch darin überein. Dann ist der Gipfel aller menschli- chen Größe erreicht. die Haß ist gegen sich selbst. sondern seine spezifische Form. das Relative und das Absolute. das Ethische im Absoluten zu verankern. Zwei Motive sind es. aber jeder ist groß auf seine eigene Weise. Nunmehr gilt: Wer andere Menschen liebt. Und Abraham ist in eben diesem Sinne groß: groß vermöge einer Kraft.

er ist nicht Schluß. das Absolute zu denken. den paradoxen Glauben offenbar zu machen. Das Offenbarmachen des Glaubens dient dabei ausschließlich dem Glau- ben selbst. Wenn ich nämlich damit. Sogar die Frage. Vor der Welt dagegen ist der Glaube der Prüfung die Verschlos- senheit schlechthin. oder ob er nicht vielmehr „als Mörder zurückgestoßen und bloßgestellt werden müßte". „Abraham schweigt. und spräche ich gleich ununterbrochen Nacht und Tag. und doch. durch einen Zufall den Widder entdeckt hätte. als er auf dem Berg Morija stand. insofern er nämlich den höchsten Grad an Innerlichkeit darstellt. wenn er. und darum läßt sich der paradoxe Glaube nur dadurch unter Beweis stellen. und dennoch geht er an den drei ethischen Instanzen Sara. wenn Gott ihm zugelassen hätte. daß er im Wissen um das absolute Glück noch auf die edelste irdische Freude verzichtet.soll dazu dienen. sein Lohn Beschämung.durch Abraham in eindringlicher Weise demon- striert . nimmt er sich zugleich die Möglichkeit der Mitteilung. Isaak dadurch vorbei. hätte nicht Gott durch sein Eingreifen Abrahams Glauben bestätigt. sondern ein Willensakt."38 Der Glaube ist Entschluß. und darum ist der Zweifel ausgeschlossen. indem er das Messer zog. „Wenn Abraham. Der Paradoxe Glaube .so Kierkegaard . sie bliebe offen. sondern einer Transzendenz des Allgemeinen in Richtung auf ein absolutes Verhältnis zum Absoluten."39 Demnach versteht es sich von selbst. der sich in der Prüfung erst eigentlich konstituiert und in ihr sich regeneriert. Dies freilich nicht im Sinne eines Rückfalls ins Egoistische. . daß ich spreche. darin liegt die Not und die Angst.verbleibt doch stets innerhalb seiner eigenen Voraussetzungen und gelangt so niemals dazu. das bedeutet auch: im Glauben ist jeder auf sich selbst gestellt. ob Abraham seinen Ruhm als Vater des Glaubens zurecht genießt. Der Glaube ist kein Denk-. Diese „neue Innerlichkeit" kann im Äußeren keinen angemessenen Ausdruck finden.ist Suspension des Ethischen. in Abraham vermag man sich . denn Gott kann nicht das Böse wollen. Die religiöse Prüfung . gezweifelt hätte. ein Umstand. ihn zu opfern an Isaaks Statt. er behielt Isaak. mich nicht verständlich zu machen vermag. Indem er nämlich das Ethische suspendiert. In den Helden denkt man sich hinein.aber er kann nicht sprechen. er hatte Sara. die ihren schärfsten Ausdruck darin findet. alles wäre ebenso gewesen. der sich freilich nur in der religiösen Prüfung negativ auf das Ethische auswirkt. seine Zukunft vielleicht Verlorenheit. so spreche ich nicht.so wäre er heimgekehrt.90 einmal . seine Befreiung Zufall gewesen. . Für Abraham hat das Ethische keinen höheren Ausdruck als das Familienleben. daß die Prüfung nach außen hin nicht von einer Anfechtung zu unterscheiden ist. Eliser. es wäre anders gewesen! Denn seine Heimkehr wäre Flucht. sondern Entschluß. daß er nicht mit ihnen spricht. daß es eine absolute Pflicht gegenüber Gott gibt. daß er sich im Wissen um die absolute Versöhnung noch mit der positivsten Form des Daseins entzweit.

was er hat. der das gleiche mit seiner Tochter tut. als ob zwischen Abraham. B. sobald der einzelne sich dem Allgemeinen gegenüber in seiner Einzelheit geltend machen will. daher ist er offenbar und diese Offenbarkeit ist „der Ethik liebes Kind". denn indem diese Pflicht absolut ist. oder ob das Ethische das Höchste ist und alles. der Pflicht Gott gegenüber. Der einzelne stellt sich damit aber höher als das Allgemeine. so muß das in einem ganz anderen Sinne verstanden werden als die entsprechende ethische Aussage. Aber Kierkegaard zeigt. denn in diesem Pflichtver- hältnis verhält der einzelne als einzelner sich absolut zum Absoluten. zu beugen. daß der Glaube auf etwas zielt. In Agamem- nons Innerem streitet Pflicht gegen Pflicht. daß er dies einsieht. Das Paradox . kein wesentlicher Unter- schied bestünde. seine Tochter dem Wohl der Allgemeinheit zu opfern. Die höhere Pflicht tritt dabei dem persönlichen Streben und Wünschen diametral gegenüber. widervernünftig ist. die Tochter zu lieben und zu beschützen. seine Vaterpflicht. dergestalt. daß gefragt werden muß.kann auch so ausgedrückt werden: es gibt eine absolute Pflicht gegen Gott. das eigene Wünschen und Wollen der höheren Pflicht unterzuordnen. sein Tun gehört der Allgemeinheit. und darin besteht das eigentliche Paradox. Gott zu lieben. was seinem Wesen nach absurd. daß der Glaube ein Verhältnis zu Gott impliziert. denn was er darstellt. sündigt er und kann sich nur dadurch. nämlich über das Abwägen der Pflichten hinauszugehen und sich bedingungslos der absoluten Pflicht. sie kann nur im letzteren Sinne ausfallen. 91 nicht hineinzudenken.sagt Johannes de Silentio . Denn das Ethische ist als das Allgemeine dasjenige. Anders fällt die Antwort auf der Ebene des Paradox-Religiösen aus. Liebe zu Gott den Glaubensritter dahin bringen kann. pure Anfechtung. . Dies paßt aber nicht auf Abraham. und das Heldenhafte liegt darin. Das Paradox des Glaubens hat ja .Doch auf welcher Ebene soll das entschieden werden? Auf der Ebene des Ethischen ist die Antwort klar. Denn die Schwierigkeit. denn er tut nichts für die Allgemeinheit und ist verborgen. ist das Ethische zu etwas Relativem herabgesetzt. aber es erhält einen ganz anderen Ausdruck. . daß es vernich- tet werden soll. daß es Pflicht ist. seiner Liebe zum Nächsten einen Ausdruck zu geben. der im Auftrag Gottes seinen Sohn opfert. daß z. was darüber hinausgeht. mit dem Allgemeinen wieder versöhnen. was für jeden jederzeit Gültigkeit hat. „Daraus folgt indessen nicht. ob das Paradox-Religiöse wirk- lich die Vollendung menschlichen Daseins darstellt. wird noch gesteigert durch den Umstand. Wenn es in diesem Zusammenhang heißt. der dem. Äußerlich mag es zwar so scheinen.Von Abraham ist weit mehr gefordert. daß dem in Wahrheit nicht so ist. ist „ein Paradox". Agamemnons Konflikt spielt sich innerhalb des Ethischen ab. widerspricht. was ethisch gesprochen Pflicht ist. für das Allgemeine. gegen die Pflicht. und Aga- memnon."40 Diese „teleologische Suspension des Ethischen" ist demnach in einem Maße zweideutig. Der tragische Held opfert sich und alles. das in einem Selbstwiderspruch gründet.

sie solle sich zugleich damit beweisen. dazu braucht es den Glauben. isoliert er sich und wird als der einzelne höher denn das Allgemeine. erst nachdem der einzelne im Allgemeinen gewesen ist. weshalb sie objektiv gesehen zwei- deutig bleiben muß."41 Der Glaube ist demnach das Wiederholen der Wirklichkeit in der „Doppelbewegung der Unendlichkeit". was ihm früher lieb gewesen. . in dem ein Individuum die reale Wirklichkeit für sich „zusammengefaßt" hat. Zunächst macht er die Bewegung der unendlichen Resignation und gibt Isaak auf. daß der Wunsch. der ist nicht bloß ein Egoist. Der Glaube ist aber wesentlich mehr als „Versöhnung im Schmerz". das „unmöglich sich verwirklichen läßt. Abraham macht genaugenommen also zwei Bewegungen. Formal lassen sich für den Sprung ins Paradox drei Stufen angeben. unmöglich sich übersetzen läßt aus der Idealität in die Realität". Daraus entwickelt sich dann als zweite Stufe die „unendliche Resignation". was dem Individuum in der realen Wirklichkeit versagt geblieben war . in dem sich der Glaube als wahrer Glaube konstituiert. Ausgangspunkt ist ein Verhält- nis. freilich so. wer die Liebe eines Menschen heischt und dabei meint.in der Konsequenz des Gedankens. daß die Verwirklichung dieses Verhältnisses ein Interesse darstellt.Die Resignation stellt noch eine „rein philosophische Bewegung" dar. nun nach innen umgebogen wird -. um aber das Allermindeste über dieses Bewußtsein hinaus zu erlangen. h. d. Danach aber macht er jeden Augenblick die eigentliche Bewegung des Glaubens. er sagt sich nämlich: „Es wird dennoch nicht geschehen. daß der einzelne im Verhältnis zum Absoluten höher steht als das Allgemeine. Damit ist letztlich nichts anderes gesagt. Anders gesagt: Die Berechtigung der Suspension des Ehtischen ergibt sich aus dem absoluten Verhältnis des einzelnen zu Gott. um ihn mit der Wirklichkeit zu versöhnen. „daß die Bewegung sich wiederholt". an der Unmöglichkeit seiner Verwirk- lichung jedoch gescheitert war. denn hier beginnt das Paradox. sie unterscheidet den paradoxen Glauben von einer Anfechtung und stellt bei aller Zweideu- tigkeit ein subjektives „Kennzeichen" seiner Wahrheit dar. welcher schlechthin Liebe heischt. insofern ich in ihr „mein ewiges Bewußtsein" gewinne. nämlich in kraft des Absurden. derart. als daß sich die Berechtigung der Suspension des Ethischen nur durch den Sprung ins religiöse Paradox einsichtig machen und legitimieren läßt. Zur Resignation bedarf es noch keines Glaubens. wird der Herr mir einen neuen Isaak geben. daß bei Gott kein Ding unmöglich ist. Johannes de Silentio formuliert das so: „Gott ist der.92 gerade zum Inhalt. die den Menschen in die Wirklichkeit zurückführt. und wer solch . oder wenn es ge- schieht. hinzukommen muß. daß er gegen alles. sondern zugleich auch dumm. die höch- ste Form der Reflexion. und darum erfüllt er sich erst eigent- lich auf einer dritten Stufe. lau wird. der in die Wirklichkeit hinausführen wollte. nämlich im wiederholenden Ergreifen dessen. Und eben diese Doppelbewegung.ohne daß dabei etwas verloren oder vergessen wird.

er läßt das Gegebene.und Nahtlinie zurückbleibt. als ob er stünde und ginge. seinen Wunsch aufzugeben. Die größte besteht wohl darin. insoweit er sein Leben in der begehrten Liebe hätte. Gewohnte. aber es ist noch größer. Und genau das tut Abraham: Er verzichtet nicht durch den Glauben auf Isaak. Es ist groß. so daß nur der Zuschauer bangt und zittert. welche zusammen die „Doppelbewegung" des Glaubens ausmachen sollen. sondern bestenfalls „Ritter der unendlichen Resignation". den geopferten ins Leben zurückrufen. kann der „Ritter der unendlichen Resignation" nicht sogleich die Stellung einnehmen. nachdem man es aufgegeben hat. Verzicht ist also nur ein Moment. unterschriebe im gleichen Augenblick sein eigenes Todesurteil. womit er zu erkennen gibt. daß er Isaak haßt. sondern daß er hier in dieser Welt glücklich werden sollte. Vertraute. nur schwer miteinan- der in Einklang zu bringen sind. noch ehe ihm der Engel in den Arm fällt. ihn festzuhalten. ja sogar seinen irdischen Verstand hinter sich und macht sich auf die Suche nach dem Land der Verheißung. nachdem man ihn aufgegeben hat: es ist groß. Er glaubte nicht. daß er in der Welt ein Fremdling ist. das Ewige zu ergreifen. Er muß Isaak von ganzer Seele lieben42. Aber auch wenn Gott das Opfer nicht verhindert hätte: Abrahams Glaube wäre dadurch nicht zu erschüttern gewesen. Er glaubte kraft des Absurden. kann er auch die Bewegung aufwärts und wieder hernieder ausgeführt haben."43 Gewiß. er hat seinen Sohn bereits wieder. „Wir lassen Isaak wirklich geopfert werden. Dennoch zeigen sich bei genauerem Hinsehen verschiedene Schwierigkeiten. Doch während der „Glaubensritter" so herab- gleitet. und dieser Bruch ist die Conditio sine . an der sie orientiert ist. so kann er sicher sein. daß Gott das Opfer nicht Von ihm verlangt. Gott konnte ihm einen neuen Isaak geben. um es kraft des Absurden wieder zu ergreifen. Aber wenn ihm die Rückkehr in all das nicht so vollkommen gelingt. das Zeitliche festzuhalten. heißt das: Im Augenblick.das jedenfalls ist die These von „Furcht und Zittern". daß es in gleicher Sekunde so aussieht. durch bewundernswerte Konsequenz und Geschlossenheit aus. aber es ist noch größer. sondern durch den Glauben bekommt er Isaak zurück. denn Kain und Abel sind nicht dasselbe. Die Aufwärtsbewegung stellt einen radika- len Bruch mit der Wirklichkeit dar. Mit schlaf- wandlerischer Sicherheit wandelt er über den Abgrund. daß sozusagen keine Bruch. daß er einmal im Jenseits selig werden sollte. Haßt er ihn aber wirklich. ist der ethische Ausdruck für sein Tun." Auf Abraham übertragen. 93 eine Liebe heischen würde. da er Isaak opfern will. dann ist er nicht „Glaubensritter". Die von Johannes de Silentio entwickelte Idee des Religiösen zeichnet sich wie die Gestalt Abrahams. der „Glaubensritter" ist zunächst ein Auswanderer. Abraham glaubte. Als solcher kann er auch auf alles verzichtet haben. daß die beiden Akte. keineswegs der Gipfelpunkt des wahren Glaubens . er wankt einen Augenblick.

Nunmehr ist der „Glau- bensritter" nicht mehr der Ausgezeichnete. der alles für eine absurde Idee aufs Spiel setzt. daß er die Bewegung der Unendlichkeit vollzo- gen hat. auf den Weg zu ihm machen.Nun wird in „Furcht und Zittern" ausdrück- lich gesagt. wie ich stehe und gehe. kein „geputzter Bürgersmann" soll fester und sicherer auf dem Erdboden auftreten und daherschreiten können. daß er sich auch positiv nicht hervortut. denn die Liebe ist christliches Liebeswerk. aber Luther würde hingegen wohl mit der Schrift Einspruch erhe- ben. Blässe. soll andererseits wiederum nicht heißen. Den Glauben kann man nicht sehen. darüber kann man Tränen vergießen. mit dem sich Israel dem Berg Sinai näherte. daß man ihn an einer einzelnen Sache teilnehmen sieht.. Diese Schlußfolgerung wird energisch zurückgewiesen." Daß der „Glaubensritter" an keinem negativen Verhältnis zur Welt erkenn- bar ist. die sich dem Begreifen entzieht. und jedesmal. er ist im Gegenteil der gerechte Mann. das nicht ein Gegenwärtiges werden kann.läßt er Johannes de Silentio sagen -. den Gott auserwählte. Kierkegaard selbst deutet dies an. ob ein Mensch gläubig ist oder nicht. keine Trauer. der „Glaubensritter" dagegen. nicht die Spur eines Risses. als er aussieht wie ein „Rottmeister"."44 Der „Glaubensritter" ist in diesem Sinne Zeuge und nicht Lehrer. Nichts in seinem Wesen läßt erahnen. es sei nicht der Mühe wert. Wüßte ich. . sich des Vergangenen zu erinnern. . die den irdischen Menschen kennzeichnet. dessen Seele an solchen Dingen klebt. „denn mit diesem Wunder geb ich mich unbedingt ab . Abraham wird nicht durch die Sünde ein religiös einzelner. kein übertriebener Ausdruck der Hoffnung hebt ihn von anderen Menschen ab. Er macht den „Glaubensritter" zur großen Ausnahmeerscheinung. nimmt Anteil an allem. Man nähert sich ihm mit jenem frommen Erschauern. Doch es ist nicht zu übersehen. wo ein Glaubensritter lebt . so daß niemand entscheiden kann. Zu der eben geschilderten kommt noch eine weitere große Schwierigkeit: Abraham ist der typische Repräsentant des Alten Testaments.94 qua non des wahren Glaubens. ich sähe mich selbst fürs Leben versorgt an. Aber er soll an der Liebe erkannt werden. durch den etwas Fremdartiges schim- mert. kein Spießbürger kann ihr mehr zugehören".Die Abwärtsbewegung hingegen soll im Sinne der Wiederholung die vollkommene Versöhnung mit der Wirklichkeit bringen. und teilte meine Zeit dazwischen damit ein. die große Ausnahme. „Er ist durch und durch gediegen". „Man hat ja nun allerdings die Liebe in etwas Unsichtbares verwandeln wollen. sondern insofern unerkennbar. und so brächte ich . geschieht dies mit der Ausdauer. und nur darin liegt die Verifizierung des Glaubens. „Er freut sich an allem. daß Abraham in unserer Zeit wie ein erratischer Block dasteht und kaum Anhaltspunkte für eine Wiederholung bietet. wird selbst zu einer Absurdität. auf ihn zu blicken und selbst Übungen zu machen. Auch keine Resignation. keine Wehmut. „er gehört ganz der Welt. . dann würde ich mich. . Der tragische Held gibt das Gewisse für das noch Gewissere auf: das kann man verstehen.

."46 Dieser Bruch. hier in dieser Welt glücklich zu werden.einer Schrift. psychologischen oder auch geistigen Gesetzmäßigkeit. . Es wird also vorausgesetzt eine Schwierigkeit. Das gilt es bei den folgen- den Ausführungen stets vor Augen zu halten. auch wenn diese letztlich zum Scheitern verurteilt ist.tritt das immer offener zutage. durch das Bewußtsein der Sünde einmal zur Geltung gekommen. das Christsein in der Wieder- holung der weltgeschichtlichen Entwicklungsstufen der Menschheit bzw. d. oder Christ zu sein in der Nachfolge des Gekreuzigten. Man kann nur wählen. die unendliche Bewegung gemacht hat und mehr nicht tun kann. ob man ihn ernstnimmt oder aber durch falsche. fraglosen „Gesinnung" heraus. kann man lesen: „Ästhetisch wird das Indivi- duum aus der Wirklichkeit fortgeführt und ins Medium der Phantasie versetzt. ist irreparabel."*5 Mit all dem ist nicht mehr und nicht weniger gesagt. als daß die Idee des Religiösen. religiös wird das Individuum fortgeführt und in die Ewigkeit des Religiösen versetzt: in beiden Fällen wird das Individuum der Wirklichkeit fremd. fiele ihm schwer: wiederum Freude zu haben an Isaak! „Denn wer mit der ganzen Unendlichkeit seiner Seele. Die ersten dieser Stufenlehren lassen auch erkennen. weil es in Kierkegaards Konzeption der Selbstwerdung nicht um das Aufzeigen einer physiologischen. niemandem und am wenigsten sich selbst wehtun zu müssen. religiös wird das Individuum ein Fremdling und Gast in der Wirklichkeit. das. Im „Literarischen Anzeiger" etwa. Ästhetisch wird das Individuum der Wirklichkeit dadurch fremd. oder daß des Glückes und der Unmittelbarkeit Zusammenhang in sich selbst gebrochen ist. Und eben dies hat Kierkegaard dann polemisch zur Wahl gestellt: Christ zu sein aus einer überkommenen. Nach „Furcht und Zittern" . 95 meine ganze Zeit damit zu. für den Menschen der Gegenwart ebenso unerreichbar ist wie im ästhetischen Stadium der unmit- telbare Genuß. deutet sich bereits in frühen Aufzeichnungen an. wie Kierkegaard sich immer entschiedener von Hegels Geschichtsphilosophie absetzt*7. Kierkegaards Einsicht in die Notwendigkeit. zu früh angesetzte Erbaulichkeit überspielt. ihrer Ideen zu realisieren. daß er aus ihr fort ist. was Abraham am leichtesten gefallen sei. h. Ethischen und Religiösen. sondern einer ethisch-praktischen Aufgabe geht. die also darauf abzielt. die in einem naiven Optimismus meint. der behält Isaak nur im Schmerz. ihn zu bewundern." Sehr aufschlußreich ist auch die Feststellung. in der existentiellen Anstrengung der Vermittlung des Ästhetischen. wie sie in „Furcht und Zittern" konzipiert wird. die noch deutlich das Ringen um Regine widerspiegelt . aus eigenem Willen und eigener Macht.Von einer simplen Parallelität zwischen der individuellen und der weltgeschichtli- chen Entwicklung kann dabei schon deswegen keine Rede sein.

" Und am Rande dieser Tagebuchnotiz steht noch die Bemerkung: „Daher läßt es sich auch erklären. was ich zu tun habe. Sobald die Frage ethisch wird. kann man Kierkegaards Kritik an Schleiermacher entnehmen. Gegen Ende des zweiten Teils von „Entweder . Diese Bewegung besteht in der exi- stenzdialektischen. was auch ein Werden ist. h. verbaut sie den Weg der Verinnerlichung und der . und sein Leben vollbringt sich dadurch. man dürfe sich einseitig darauf konzentrieren. daß die Religiosität für ihn stets ein Zustand ist.Oder" werden die beiden Thesen als Forderung formuliert.so liest man im Tagebuch . ein einziges dieser Stadien reiche aus. Denn da ist wieder der Zustand. wie er entsteht. „Der Fehler in Schleiermachers Dogmatik" . also für das letzte und höchste Stadium gilt. Wie dieser Zustand wird. Es komme ganz darauf an . Indem nämlich die Spekulation sich dem Existieren gegenüber gleichgültig verhält und dem Individuum endgültige Resultate bereitstellt. Wie sehr diese Klarstellung. während das Christliche. gerade auch für das Religiöse. daß Schleiermacher das Christliche verfehlt habe. Wahres Menschsein ist nur in einer Bewegung der Selbstwerdung des Individuums zu verwirklichen. oder die Religiosi- tät im Sein. welche die Menschheit im Verlauf ihrer Entwicklung hervorgebracht hat. und in der Bedeutung des Bewahrtwerdens. daß Schleiermacher das schlechthinnige Abhängigkeitsgefühl als Prinzip aller Religion bestimmt.96 3. Die Selbstwerdung Aus den bisherigen Darlegungen lassen sich folgende zwei Grundthesen ableiten: 1. samt dem. könne man sagen. wesentlich als Streben aufgefaßt werden will. welcher besteht. d. 2. ethisch. daß er sich fort und fort aus dem einen Stadium in das andere übersetzt". das beschäftigt ihn eigentlich nicht. in der Bedeutung des Entstehens. die religiösen Tugenden entwickeln. daß der Mensch in seinem Leben „jene Stadien durchläuft. das Spinozistische. die bürgerlichen."3 Die gefährlichste Fehldeutung des Christlich-Religiösen und damit des gesamten Prozesses der Selbstwerdung geht nach Kierkegaard aber von der spekulativen Philosophie aus. welche wir vorhin als getrennte Stadien aufgezeigt haben. hat entweder die Bedeutung der Vereinzelung (der Isolation) oder des Zusammenhangs (der Kontinuität) übersehen und vor allem nicht begriffen. daß die Wahrheit in der Einheit von beidem liegt1.wird gesagt -. Dergestalt aber meine ich. denn ästhetisch-metaphysisch faßt er es nur als Zustand auf.„ist eigentlich der. er stellt alles im Sein dar. er wird in seinem Leben die persönli- chen. daß die Bezeichung „Stadium" keineswegs wörtlich zu nehmen ist. wie er bewahrt werde oder ich m ihm. damit er entstehen könne. (wenn) also nach dem Werden dieses Zustandes (gefragt wird). Wer meint. so verändert sich die Zeichnung der Religiosität. wiederholenden Vermittlung der drei „großen Ideen".

und dem Religiösen erneut die Isolation. ja gegensätzlicher Aussagen zu konfrontieren. . so weit wie möglich zurückzugehen. dies mußte also aufgedeckt werden. um ja nicht zu früh mit dem Religiösen oder gar mit dem Christlich-Religiösen zu beginnen. aus der er letztlich selbst die Schlußfolgerungen und praktischen Konsequenzen zu ziehen hatte. auf ihre Realisierung im konkreten. . Man müsse sich nämlich fragen. Als körperlich-geistiges Wesen . und zwar „bis zum letzten Tüpfelchen". das mit der religiösen Besinnung begonnen hat. dann hatte man wohl auch vergessen. nicht dozierend Genüge getan werden kann. sondern mußte stets von der Reflexion über das Wie begleitet sein. Fassen wir noch einmal kurz zusammen: Das ästhetische Stadium beinhaltet den Selbstgenuß des unmittelbaren. in denen der Ethiker sich mit dem Ästhetiker kritisch auseinandersetzt. religiös zu existieren. eine Daseinsweise. die Kierkegaard dazu veranlaßte. . 97 Entscheidung. Die Struktur der Selbstwerdung ist also genauestens vorgezeichnet und ergibt sich aus dem dialektischen Verhältnis der einzelnen Stadien zueinan- der. und den Leser mit einer Vielfalt unterschiedlichster. wieweit es einem Individu- um. egoistischen einzelnen. sich selbst wiederzugewinnen. Eben diese „Doppelreflexion" war es. durfte die Mitteilung nicht unmittelbar erfolgen.Dem Ästhetischen entspricht somit die Isolation. vertieften Innerlichkeit. möglich sei. geschichtlichen Zusammenhang.lag darin. abstrakten Innerlichkeit führt.Oder". sondern nur einen Herausgeber: den Herausgeber der „Papiere A". daß die religiöse Besinnung zu früh zum Stillstand gebracht wurde. sich mit Hilfe der Pseudonyme als Mitteilenden auszuklam- mern." 3 Der methodische Grundgedanke dabei ist.Das religiöse Stadium schließ- lich gelangt angesichts der grundsätzlichen Diskrepanz zwischen Innerem und Äußerem zu einer neuen. und der „Papiere B". die sich nur noch paradoxdialektisch akzentuieren läßt. also nicht die Schwierigkeiten ungelöst hinter sich zu lassen.so stellt Kierkegaard einmal fest . Auf diese Weise soll versucht werden. in denen der Ästhetiker zu Wort kommt. dem Ethischen die Kontinuität. da jedes Stadium nur eine Seite des Menschseins zur Geltung kommen läßt.Das ethische Stadium zielt im Gegensatz dazu auf die Verdoppelung der Innerlichkeit. wie er rückblickend selbst feststellt: „Wenn man verges- sen hatte. die unweigerlich zur schwermütig in sich verschlossenen. Aber die religiöse Isolation stellt noch keineswegs den Endpunkt der Selbstwerdung dar. in der existierenden Individualität ein „Exi- stenz-Verhältnis" zwischen dem Ästhetischen und dem Ethischen entstehen zu lassen. Die Selbstwerdung des Menschen vollzieht sich freilich nicht nur in der Spannung von Isolation und Kontinuität. Und da der Innerlichkeit nicht durch Wissensmittei- lung.Typisches Beispiel für dieses Verfahren ist „Entweder . Der Fehler des Mittelalters . Dieser Gedanke bestimmt Kierkegaards ganzes schriftstelle- risches Programm. was es heißt. . Die Schrift nennt überhaupt keinen Verfasser. was Menschlich-Existieren heißt.

daß die drei Stadien jeweils nur eine Seite der Polarität realisieren. In der symbolträchtigen Kreuzung der beiden Spannun- gen muß sich dieSelbstwerdung des Menschen realisieren (vgl. das ethische führt ihn wieder in die Wirklichkeit zurück. Ausgangspunkt ist dabei die Frage. das nur im Prozeß der Selbstwerdung zur Verwirklichung seiner selbst gelangen kann. das religiöse führt ihn abermals aus der Wirklich- keit fort. Wie für die Gattung. In einer Tagebuchaufzeichnung unternimmt Kierkegaard den Versuch. das Vorwegliegende (in anderem Sinne Zurückliegende) zu schauen. sondern im Reflex der Richtung des Auges auf die Vergangenheit. Abbildung 1). Nun begreift sich der Mensch aber nicht immer schon als ein Wesen. „verendlicht" ihn. Der Mensch steht also gleichzeitig im horizontalen Spannungsfeld von Isolation und Kontinuität und im vertikalen Spannungsfeld von Endlichkeit und Unendlichkeit. die Bewegung der Erinnerung graphisch darzustellen. also der existenzdialektischen Vermittlung bedürfen. so daß sich im Auge durch das Schauen des Zurückliegenden (in anderem Sinne Vorwegliegenden) eine Bereitschaft entwickelt. daß die geschichtliche Selbstverwirklichung des Menschen Erinnerung voraussetzt. woher der Mensch jene planende Voraussicht nimmt. so gilt auch für das Individuum. dem Weg einer Hinleitung des Auges auf das Dasein und dessen Zukunft." Abbildung 2 . Das ästhetische führt dabei den Menschen aus der Wirklichkeit fort. und auch diesbezüglich gilt. Die Antwort fällt dann folgendermaßen aus: „Ahnung liegt nicht in der Rich- tung.98 steht der Mensch zusätzlich im Spannungsfeld von Endlichkeit und Unend- lichkeit. es „verunendlicht" ihn. welche er zur bewußten Gestaltung seines Daseins zweifellos braucht. zum Absoluten hin. das als die konkretgewordene Einheit des Endlichen und Unendlichen zu verstehen ist.

wenn ein Mensch sich selbst zum Narren hält und nur im Gedächtnis hat. obwohl man schon unglaublich viel gewesen ist. wird sich der Mensch der Widersprüchlichkeit bewußt. Wenn die Jugend Brillen braucht. nicht umsonst gilt er in der Volksmeinung als dichterisch."5 Erst in der Erinnerung als Er-innerung stoßen Realität und Idealität zusammen. so werde ich durch Wenden gegen C B schauen . 99 „Ist A dergestalt die gegenwärtige Zeit. die sicherstellt. „ein einziger Atemzug". „Die Brillengläser des Alten sind geschliffen zum Nahesehn. die sein Dasein bestimmt. ohne sich deshalb ihrer zu erinnern.In der Erinne- rung zieht der Mensch einen Wechsel auf das Ewige. gewinnt dafür aber „die Kraft der Erinnerung". Die Erinnerung ist es aber auch."A Diese Darstellung der „Ahnung" ist freilich insofern unvollkommen. daß nur sie dem Dasein jene Kontinuität in Freiheit verleiht."6 Der Erinnerung (Er-innerung) entspricht in der existentiellen Praxis die Wiederholung. Die Kindheit und Jugend bestitzt umgekehrt im hohen Maße Gedächtnis und Aufnahmefähigkeit. die Zeit.meinTKierkegaard . . die darin besteht. so dienen die Gläser zum in die Ferne sehen. prophetisch. denn es fehlt ihr an der Kraft der Erinnerung. so werde ich. „gottesbe- geistert". Zwar ist auch das Werden der Natur wesentlich Wiederho- .das Ewige kann nichts dafür. daß man vom unmittelbaren Hier und Jetzt Abstand gewonnen hat. aus dem heraus die Zukunft geplant und entschieden werden kann. ergibt sich ein Verhältnis zu ihr. und man kann sagen. auf Abstand zu bringen. das Endliche und das Unendliche miteinander verbindet und damit dem Menschen den „ewigen Zusammenhang im Leben" bewahrt. spielt noch immer in der Lebenslotterie und kann noch immer alles Beliebige werden. Grundbedingung jeder erinnern- den Vorwegnahme der Zukunft ist nämlich. . die Realität und Idealität. wenn ich in A stehe. daß sein Leben uno tenore wird. Nur wenn die Rückwendung zur Vergangenheit in der Dimension des Selbstbe- wußtseins und damit aus dem konkreten Inter-esse heraus erfolgt. ist Erinnerung als Er-innerung. denn wenn ich mich dorthin wende. ins Ferne zu rücken. und B ihre Zukunft. aber. sehe ich überhaupt nichts. in der wir leben. Erinnerung darf also keineswegs mit Gedächtnis gleichgesetzt werden. Wenn aber C das Vergangene ist. Kierkegaard versucht das anhand der verschiedenen Lebensalter zu verdeutlichen: Der Greis verliert zwar das Gedächtnis. was zu erinnern wäre. nicht durch Wenden meines Angesichts gegen B B schauen. aber so gut wie überhaupt keine Erin- nerung. als sie eigentlich dreidimensional sein müßte. . Das Gedächtnis macht nämlich das Leben ungeniert. „Ungeniert durchläuft man die lächerlichsten Verwandlungen. sogar in vorgerückten Jahren spielt man noch immer Blindekuh. man kann eine Begebenheit bis in die kleinste Einzelheit hinein im Gedächt- nis haben. die menschliches Werden von naturhaftem Werden unterscheidet.

Die Unmittelbarkeit kennt in diesem Sinne noch keinen Widerspruch. woher sie diese Lebensan- schauung habe. „Würde man sie fragen.h.100 hing. Um beim Beispiel der Liebe zu bleiben: Wenn durch die Sünde die Unschuld verspielt wurde. die Aufgabe kann nur darin bestehen. ist die Sinnlichkeit verklärt und die Angst verjagt8. empfindet der Unmittelbare das Unglück. und die Lebensanschauung der Unmittel- barkeit ist das Glück. sondern die Aufgabe ist. doch sie verliert dabei nicht die Kontinuität.Das Wesentliche der Unmittelbarkeit muß dabei keines- wegs verlorengehen. daß der Wider- spruch da ist. es wiederholend im Geist aufzuheben. die Wiederholung zu bewirken ver- möge. die Liebe der Wiederholung sei die einzig glückliche. aber auch nicht die Wehmut bloßer Erinnerung. das Sexuelle in die Bestimmung des Geistes hineinzubekommen. über die Innerlichkeit vermittelte Wiederholung hebt also das Werden des Menschen allererst aus dem Prozeß naturhafter Entwicklung (Ent-wicklung) heraus und macht es zu einer geschichtlich-praktischen Aufgabe. aber in einem ganz anderen Sinne. sie ist wesentlich gesehen glücklich. . in die eigene Aufgabe der Freiheit. in ihr höchstes Interesse. die Wider- sprüchlichkeit zu überwinden. im Gegenteil! Die Wiederholung ist die einzige Mög- lichkeit. auf die das Individuum im erinnernden Vertiefen seines Daseins stößt. bleibt der Unmittelbare in Unwissenheit darum. Wenn er nicht von außen kommt. um sich die Freiheit der Entscheidung wieder zu holen. d. hilft es gar nichts. sie habe die selige Sicherheit des Augenblicks: des Augenblicks nämlich. ob sie wirklich. der Wiederholung eine Veränderung abzuge- winnen und sich einigermaßen wohl zu befinden unter der Wiederholung. während alles wechselt. der Synthese der Vergangenheit und der Zukunft ist. es wirklich zu bewahren. die Wiederholung in etwas Innerliches zu verwandeln. sie habe nicht die beängstigende Abenteuerlichkeit der Entdeckung. dann müßte sie in jungfräulicher Weise antworten: ich verstehe es selbst nicht. Im Gebiet des Geistes ist die Aufgabe nicht. dann ergibt sich eine spiralenförmige Bewegung. „Im Gebiet der Natur steht die Wiederholung da in ihrer unerschütterlichen Notwendigkeit. die sie sich vielmehr in Freiheit selbst gibt. Wenn er kommt. dieses wesentliche Verhältnis zum Glück. Insofern kann Kierkegaard sagen. und je nach dem Grad der Verinnerlichung rangieren die Existenzstufen. Wird diese Vertiefung existenzdialektisch vorangetrieben. vom Sexuellen zu abstrahieren. Die Wiederholung bricht mit dem faktisch Gegebenen. Der Wider- spruch kommt von außen und ist das Unglück. Die Wiederholung als Grundprinzip der Selbstverwirklichung des Men- schen kann so ganz allgemein als der Versuch definiert werden. Wenn dies geschieht."7 Die eigentliche. als ob der Geist nur in einem äußerlichen Verhältnis zu den Wiederholungen des Geistes stünde (dem zufolge Gut und Böse wechseln wie Sommer und Winter). .

. einmal in jenem Sinne.von der völligen Geistlosigkeit bis hin zur Stufe höchster Geistreichigkeit . denn es lebt im Augenblick und für den Augenblick. ist schon in einem hohen Maße reflektiert. b) außerhalb des Individuums gelegene wie Reichtum. . Diese Feststellung hat eine doppelte Bedeutung. die nicht einfach und bestimmt sind wie die eben genannten. daß sie eine Bedingung setzen. Sie kann besagen. die sie durch ihre Unberechenbarkeit verbreitet. Da greift er zur Lust. sagt Kierkegaard. Alle diese Stufen . sich dem Bewußtsein des Wider- spruchs zu verschließen. verfeinert. . Ansehen usw. gleichwohl bleibt das Individuum unmittelbar bestimmt. c) psychisch-geistige. denn die Reflexion greift nie so hoch. und heischt doch einen Durchbruch. 101 aber er erfaßt das Leiden nicht. raffiniert. Die Voraussetzungen hierfür sind insofern bereits im ästhetischen Stadium gegeben. d) Bedingungen. „Des Geistes Unmittelbarkeit vermag nicht hindurchzubrechen. freilich ohne daß der ästhetisch Existierende sich deshalb vom Genuß des Lebens abbringen lassen muß. da des Thrones Glanz. sie verwandelt ihre Umgebung in ein einziges Objekt der Lust. In gewisser Weise hat sich Nero die Unmittelbarkeit bewahrt. sie kann aber auch besagen." Stets neue und immer bizarrere Lüste denkt sich seine Schwermut aus. und insofern zerfällt das ästhetische Stadium seiner- seits in mehrere Stufen. die aber nicht in der Macht des Individuums stehen. Die Stufe des Ästhetischen.Was aber. und dazu hat er den Mut nicht. da des Kaisers Macht und Ehre verbleicht. sondern aus der grenzenlosen Mannigfaltigkeit der Lüste resul- tieren. man solle seiner Lust leben.die nicht in der Macht des Individuums Hegt. im wesentlichen ist er freilich längst über sie . in deren Entfaltung der Genuß gesucht wird. daß der Mensch sich in Verzweiflung vor der Verzweiflung verschließt und sich damit der Schwermut anheimgibt. denn er wird nicht dialektisch in sich selbst. Kierkegaard zählt in der Reihenfolge der ästhetischen Stufen folgende Bedingungen auf: a) physisch unmittelbare wie Gesundheit und Schönheit.. und genießt insbesondere auch die Angst. um so verzweifelter wird der Versuch. als die unmittelbare Wiederholung der Unmittelbarkeit notwendigerweise über die Unmittelbar- keit hinausgeht."9 Erinnernd die Widersprüchlichkeit des Existierens entdecken bedeutet also soviel wie in sich selbst dialektisch werden. deren Grundsatz lautet. daß der Mensch die Verzweiflung mit allen Konsequenzen auf sich nimmt und alsdann das Ästhetische transzendiert. so wird ein Augenblick kommen. So Nero. . verlangt eine höhere Form des Daseins.haben natürlich auch gemeinsam. Der Unmittelbare kommt niemals ins Einvernehmen mit dem Unglück. einmal in diesem. Talente. wenn es nicht in jedem Augenblick sein Ziel erreicht? Dann verzweifelt es. weil Lust als Lebensprinzip in sich dialektisch ist. die eigentlich nur durch die Intention des unmittel- baren Genießens miteinander verbunden sind. Soll dies aber geschehen.J e reflektierter aber das Individuum ist. daß sie darüber hinausgriffe10.

Das Vergangene „an sich heranzuzaubern" erweist sich dabei als nicht so schwer wie „das Allernächste von sich fortzuzaubern". „Gescheite Verständigkeit" reicht aus. die Bedingungen des Selbstgenusses „beständig fortzuwerfen". Und obwohl nun das Individu- um nicht mehr die seiner unmittelbar egoistischen Persönlichkeit angemesse- ne Wirklichkeit genießt. Hierauf wird noch zurückzukommen sein. um zu sehen. daß eines Menschen Unglück nie daran gelegen ist. daß er den Lebensgenuß im Selbstgenuß sucht. Der unmittelbare Lebensgenuß ist hier buchstäblich nur noch Anlaß für eine phantasiehaft aufbereitete Erinnerung (Er-innerung) der Wirklichkeit. würde er erst recht unglücklich werden. . daß er sich einer gewissen Mäßigung befleißt und daß er von der Lust immerhin so weit Abstand gewinnt. 79). Daher kommt es e) zu einer weiteren ästhetischen Lebensanschauung. Diese von Kierkegaard als Epikureismus bezeichnete Anschauung schließt zwar eine höhere Reflexion in sich. aber er vermag nicht zum Durchbruch zu gelan- gen. ist lediglich gefordert. sie ist daher sicher. auf Distanz zu bringen. denn stünden sie in seiner Macht. o. sondern die im rechten Augenblick abgebrochene Lust erbringt die angestrebte . S. bleibt die Bedingung für diesen „zweiten Genuß" weiterhin eine äußere. um zwischen Lust und Lust unterscheiden zu können. Von dem. daß die äußeren Bedingungen des Glücks nicht in seiner Macht stehen. „Die Erinnerung sättigt reichlicher als alle Wirklichkeit. daß sie mit dem Verlieren anfängt. Hat sich der Ästhetiker dieses Zuschnitts erst einmal seines Lebensverhältnisses erinnert.undurchführbar ist. und Nero will ihm die Sättigung der Lust bieten. . Denn nicht die zu Ende genossene."11 Kierkegaard zieht daraus den Schluß. zu einem verfeinerten Egoismus."12 Von dem. die aber keineswegs der Konkretisierung der Persönlichkeit dient. im Symposion der Pseudonyme dargestellt: einem bezeichnenderweise kränklich-blassen Abbild antiker Lebenskunst. wird weit mehr verlangt. sondern ihrer Verflüchtigung {vgl. denn sie hat nichts mehr zu verlieren. der sich dadurch von äußeren Bedingungen unabhängig zu machen meint. viel öfters aber Greis. „Das ist recht eigentlich der Erinnerung Kunst und die Reflexion in zweiter Potenz." Und sie hat nicht zuletzt den großen Vorteil. insofern das Individuum ja nur in der Reflexion auf den Genuß sich selbst genießt. dann hat das Verhältnis selbst aufgehört. nämlich der momentane Verzicht auf Lust. der unmittelbar genießt. der erinnernd genießen will. sondern nur noch die Situation des Genießens und sich selbst in der Situation. Daran ändert auch die Praxis des Cynikers nichts. „Der Geist will immerfort durchbrechen. . Das konsequent zu Ende gedachte Prinzip des Selbstgenusses wird am Anfang der „Stadien". höhlt er sich selbst aus. und da der Genuß so wenig Gehalt wie nur möglich haben soll. Die Abhängigkeit bleibt bestehen. daß diese letztge- nannte Lebensanschauung prinzipiell . immerfort wird er betrogen.also nicht nur des Aufwands an äußeren Mitteln wegen .102 hinaus: daher ist er gelegentlich Kind.

desillusionierend. 103 Erinnerung. daß man eine entsprechende Gegend'aufsucht. größere Stärke als zum Zerhauen eines Knoten. oder abgebrochen wird mit einer freien Handlung. Widerlich heißt hier so viel wie lähmend. Stille und Einsamkeit. selbst verleihen muß. denn jeder Versuch. die Abfüllung der Erinnerung muß den Duft des Erlebten in sich geborgen haben. der Erinnerung direkt zu Hilfe zu kommen. Man kann sich aber auch eine mächtige Phantasie denken.13 Dieser Einsicht gemäß wird das Symposion mit dem Motto „In vino veritas" just in dem Augenblick aufgehoben. „Die Erinnerung muß nicht bloß genau.aus zwei Momenten zusammen: aus der Distanzierung der Unmit- telbarkeit bis hin zum völligen Vergessen. weil die Schwierigkeit des Knotens Leidenschaft einflößt. wohingegen man sich jene Leidenschaft. die zum Abbrechen gehört. wie die Witterung zur Zeit des Kelterns von großem Einfluß ist auf den Wein. wo sie zerschellen sollen. sie muß auch glücklich sein. ob etwas einfach aufhört." Nichts ist widerlicher als ein teures Andenken. der „nicht phantastisch" ist. und aus ihrer erinnernden Wieder- holung.verwandelt er die lähmende Erfah- rung der Vergänglichkeit in einen Stachel des Ansporns.und zwar unter dem unmittelba- ren Eindruck des höchsten Genusses . Einer der Ästhetiker vergleicht die Kunst der Erinnerung mit der des Weinabfüllens. bevor man sie versiegelt. Wie die Traube nicht zu jeder beliebigen Zeit gekeltert werden darf. für das Eingehen in die Er-innerung. Die Gäste leeren ihre Becher und werfen sie nach altem Brauch hinter sich an die Wand. in eine „wahrhaft kaiserliche Lust". Im Falle des Gastmahls heißt das: Will man dessen laute. besteht Aussicht auf eine Wiederkehr: die Alten meinten dabei eine wirkliche Wiederkehr. Dialektischer Gesetzmäßigkeit entsprechend. und den Schmerz des Abbruchs in eine „Lust des Abbrechens". so will auch die zweite genauestens geplant sein. . Indem der Ästhetiker durch den Abbruch der Zeit zuvorkommt . da es seinen Höhepunkt erreicht.genau besehen . Kier- kegaards Ästhetiker dagegen spekulieren mit einer Wiederkehr in der Erin- nerung. Das Ergebnis ist in einem gewissen äußerlichen Sinne das gleiche. stürmische Lust in der Erinnerung beschwören. wäre verfehlt. es zu tun.ebenso ist auch das Erlebte nicht zu jeder beliebigen Zeit oder in jeder beliebigen Umgebung bereit für die Erinnerung. daß die Zeit ihr Vernichtungswerk vollführt. Er laßt sich dadurch erzeugen. Dieser letzteren muß freilich etwas nachgeholfen werden. ob es ein Widerfahrnis ist oder eine leidenschaftliche Entscheidung. Und wie die erste Phase. in künstlicher Hinsicht jedoch macht es einen himmelweiten Unterschied. „Man bricht ab. Es darf folglich nicht so weit kommen. von dem ausgegangen werden kann. sagt Johannes der Verführer und meint: als die Vergegenwärti- gung der Vergänglichkeit des Glücks. entmutigend. und es gehört Stärke dazu. zu Ende ist."14 Erinnerung als bewußter Prozeß der Verinnerlichung setzt sich . ist ein Gegensatz zu schaffen. so ist der „glücklichste Gegensatz". denn nur wenn das genossene Glück restlos Vergangenheit geworden ist.

" Denn beständig in einer Illusion dahinzuleben oder auch aus aller Illusion sich herauszureflektieren. banales Ereignis gestört wird. . indem man ihn gänzlich in die Innerlichkeit verlegt. Glück zu haben.Je sublimer andererseits die ästhetische Anschauung ist. Mit der bewußten Illusion als Daseinsprinzip erreicht das ästhetische Stadium seinen Gipfelpunkt.104 die einen solchen Schritt überflüssig macht. „er wisse es nun oder wisse es nicht". Bleibt also nur übrig. Auf einfache Weise wird Heimweh dadurch erzeugt. sie zu bekämpfen: „der Rausch ist schöner und die Folgen scheinbar nicht so verderblich". er mache es sich zu leicht. obwohl man daheim ist. ja er wirft seinem Kontrahenten vor. um so schwieriger wird es. die allein substantielles Leben vermitteln kann . die Zerstreuung. eine Forde- rung! Denn Kierkegaard grenzt sich auch hier wieder von Hegel ab. dann ist das Streben nach Glück durch den Verzicht auf Leben erkauft. Die Kunst wäre die. Tatsächlich sind die im Symposion auftretenden Pseudonyme keine wirklichen Menschen. ist nicht so schwer. daß die zur Beschwörung glücklicher Erinnerung nötige Stimmung durch ein unvorhersehbares. ist insofern berechtigt. „Was ist z. Die Annahme. die Negativität des Daseins in Scheinpositivität umzumünzen und damit die Selbstwerdung gerade zu verhindern. und daß jeder. daß jede ästhetische Lebens- anschauung Verzweiflung ist. wie zu einer Illusion sich „hinzureflektieren" und sie mit all ihrer Macht auf sich wirken lassen zu können. In der realen Wirklichkeit besteht nämlich immer die Gefahr. auf den man lieber nicht setzen sollte. dem er vorwirft.wogegen die bloße Veränderung im Äußeren. die über das Ästhetische hinausweisen. den Prozeß der Erinnerung von der realen Situation unabhängig zu machen. So bestätigt sich erneut. der ästhetisch lebt. B. daß man fort ist. ja „leidenschaftliche Entscheidung". dessen man sich erinnert. weshalb man letzlich auf den Glücksfall angewiesen bleibt. Entschlossenheit. Der Abbruch etwa erfordert nicht nur ein gewisses Maß an Selbstbeherrschung. sondern dem illusionären Selbstgenuß dient. Dazu gehört eine geübte Einbildungskraft. Weiß er es aber. die Leben nur vortäuschen. In diesem Verhalten manifestiere sich das Weiterbestehen einer . daß dieser zugleich auch den Wendepunkt für eine höhere Existenzweise darstellen könnte. obwohl man wissend ist15. Freilich nur scheinbar. dann ist eine höhere Daseinsform eine unabweisliche Forderung16. Denn wenn Erinnerung (Er-inne- rung). sondern darüber hinaus auch Ernst. sondern blutleere Schemen. Heimweh? Es ist etwas im Gedächtnis Vorhandenes. Wohlgemerkt. verzweifelt ist. Der Däne vermißt bei Hegel eine Angabe darüber. nicht der Selbstverwirklichung. als die eben geschilderte Stufe des Ästhetischen bereits Momente enthält. wenn er das Wissen der Verzweiflung durch einen Paragraphen seines Systems abtue und im Fortschreiten der Reflexion schließlich aufgehoben sein lasse. Lebensüberdruß und Lebenslee- re zur Folge hat -. Heimweh fühlen zu können. ist nach Victor Eremita aber nur ein frommer Wunsch. Gespenster. wie dieser entscheidende Schritt in concreto zu verwirkli- chen ist.

d. doch ohne bereits einen anderen Standort gefunden zu haben. wie läßt sich dann die Hoffnung auf einen qualitativen Umschlag ästhetischer Existenz in eine höhere Daseins- form begründen? Kierkegaard geht davon aus. Von Ruhe kann nur im Vergleich zu jenem gespro- chen werden. ist also in theoretischer Hinsicht mit der Welt fertig. lehnt er die Dichterexistenz mit der Begründung ab. daß ein Mensch im Wissen der Verzweiflung bis an die äußerste Grenze des Ästhetischen gelangen kann. den ästhetisch Existierenden in ein Existenzverhältnis zum Ethischen brineen soll . Wenn es aber nicht so ist. Damit es zum Umschlag kommen kann.zugleich Botschafter einer neuen. „denn in gewissem Maße hat sie in sich aufgenommen das Bewußtsein von der Nichtigkeit einer solchen Anschauung". Dieses Etwas verleiht ihm eine gewisse Ruhe. er hat durchschaut. nur daß die Widersprüche nicht durch dichterische Phantasie.Oder" scheint diese Bedingungen zu erfüllen. Der Mensch weiß. daß die Verzweiflung sich in der Notwendigkeit immanenter Dialektik selbst aufhebt. der sich vom Leben nichts erhofft17. als auch abschreckende Beispiele versäumter Möglichkeit. anderer- seits. Abgeklärt- heit. „das einer Anschauung ähnlich ist". handelt es sich doch um die Ruhe dessen. die das Symposion „In vino veritas" präsentiert. Der Ästhetiker A in „Entweder . Wie wenig das bloße Wissen der Verzweiflung die Überwindung der Verzweiflung beinhaltet.das Ausweichen vor der Realität in die Idealität der Möglichkeit -. „die jedoch nicht verwechselt werden darf mit einer verläßlichen und erquicken- den Lebenszuversicht". daß man sehr wohl mit ihr leben kann. Der Gedanke ist vorausgeeilt. Diese letzteren sind im Sinne der Methode indirekter Mitteilung . weil sie notwendigerweise . die Fähigkeit. wie eesaet. daß die Welt als Objekt bloßen Genusses eitel ist.die. Er verfügt über echte Innerlichkeit und ungebrochene Lebenskraft wie der Dichter und hat doch zum dichterischen Ideal eine kritische Distanz. sie stelle ein Menschenopfer dar. Das Wissen der Verzweiflung wird dann zur ästhetischen Lebensanschauung . ohne notwendi- gerweise seine existentielle Leidenschaft und seine Lebenskraft einzubüßen wie der Spekulant oder wie jene „gezeichneten und abgestorbenen Indivi- dualitäten". höheren Daseinsform. leidenschaftliche Innerlichkeit einerseits. 105 ästhetischen Lebenshaltung . sondern nur etwas.zur Stufe f) in unserer Aufzählung -. „der noch den Gaukelbildern des Genusses nachjagt". geht nach Kierkegaard schon daraus hervor. Von seiner Le- benshaltung her gesehen ein Dichter. muß der ästhetisch Existierende also zweierlei in sich verei- nen: Ursprünglichkeit. h. zur „feinsten und vornehmsten" aller ästhetischen Lebensanschauuneen. Der Ästhetiker A ist so etwas wie die existenzphilosophische Version des unglücklichen Bewußtseins: eine „unglückliche Existenz". über sein Leben Rechenschaft abzulegen. daß er nichts weiß. sondern spekulativ beseitigt würden. hat aber dennoch keine eigentliche Anschauung.

die das Gegebene also auf recht willkürliche- Weise relativiert . das dichterische Ideal sei zwei- fellos ein falsches Ideal. Auf diese Weise kommt das Leben zwischen zwei „ungeheuren Gegensätzen" zu stehen: zwischen übermäßiger Energie und ebenso großer Indolenz. sondern romantische Ironie. und es fehlt Dir dabei nicht an Kunst. der Ethiker B. hält diese aber durch die „allerfeinste Täuschung". sich in die ewige Geisteswelt emporzu- schwingen. . . . dafür aber auch kürzer andauert. daher paradox und an der Zeit schei- ternd. Verdorbenheit sind für ihn nur Maske .um sich dann ebenso willkürlich in eine unvermittelte Positivität zu flüchten. daß er Existenz-Möglichkeit in Richtung auf Existenz ist. . Auch die Ironie. vermag dieses Verharren in der Möglichkeit nicht zu beenden. welche Du verwendest. bist Du mit Deiner ganzen Leidenschaft in voller Tätigkeit. Stolz wie Adam die Tiere an sich vorüberziehen ließ. Kierkegaards Definition dieser verzweifelten und doch hoffnungsträchtigen Lebensweise lautet: Phantasie- Existenz in ästhetischer Leidenschaft. jeden äußeren Zusammen- hang als etwas Lästiges abzuschütteln: damit das Individuum sich selbst dienen kann. und unter Dir erblickst Du eine Vielfalt von Stimmungen und Zuständen. Gerichtsrat Wilhelm ihn sieht . und weint über die Vergänglichkeit"18. nämlich die Kraft der Verzweiflung. Geschmeidigkeit und allen verführerischen Geistesgaben sonst. A setzt die Idealität ins Verhältnis zur Wirklichkeit. meint allerdings. . Verständigkeit. „so bleibt er unterwegs und ergötzt sich an den Bildern. denn Lust. Sie ist nämlich nicht die wahre Ironie."'9 Von Nero unterscheidet ihn ein gewisser ursprünglicher Ernst. Die lösende Gewalt der Ironie dient solchermaßen nur dazu. Denn wenn es dem Geist nicht gestattet ist. die dichterische Existenz liege in jener Dunkelheit. h.vor allem dadurch. wie Du denn nur allzu gut ausgerüstet bist mit Witz. über die A neben den anderen Geistesgaben verfügt. aber prägnannte Feststellung: „Du bist wie ein Sterbender. so daß von ihm gesagt werden kann. jede von außen auferlegte Kontinuität." Eindrucksvoll auch die folgende kur- ze.106 zur Selbstaufopferung führe. die sich in den Wolken spiegeln. um interessante Be- rührungen mit dem Leben zu finden. d. weist diese Behauptung zurück. so läßt der ästhetische Ironiker die verschiedenen Gesellschaftsformen Revue passieren .so wie der Sprecher des Ethischen. Dich aus Deiner Indolenz herauszureißen. das Denken von sich fern.Kraft ist durchaus vorhanden. verzweifelten Freund folgendes Spiegelbild vor Augen: „Du schwebst über Dir selbst. „welche eine Folge davon ist. die intensiver ist als ge- wöhnliche Kraft. . Sobald dann irgendetwas imstande ist. um dahinter seine Ohnmacht zu verbergen. Du stirbst täglich . er habe alles mögliche gedacht und doch nicht existiert. die „für alles Dispens erteilt". die das jeweils Gegebene in der Konsequenz der in ihm gelegenen Negativität „auflöst und tilgt". Der Ästhetiker A unterscheidet sich also vom Dichter. Der Gerichtsrat hält seinem jungen. Sein Gesprächspartner. daß die Seele immerfort in Verzweiflung bebt und der Geist seine wahre Verklärung nicht zu finden vermag".

daß es für die Selbstwerdung des Menschen offenbar doch von Bedeutung ist. und daß die Welt gerade dann. die jede Ausflucht von vornherein abschneidet. Denn wenn es wahr ist. nein. Das Trügerische der aus dem eigenen Versagen resultierenden Verzweiflung zeigt sich nach Kierkegaard daran. oder aber die Langeweile. ob er über die „äußeren Bedingungen des Glücks" verfügt oder nicht. was dem Ästhetiker A zu tun übrig bleibt. in dem Du verharren sollst. kein höhnender Dämon. melancholisches Selbstmitleid. durch den die Verzweiflung existenzdialektisch vollzogen wird. Kierkegaard weist in diesem Zusam- menhang erneut darauf hin. daß Armut zur falschen Verzweiflung führt. zur Entschlossenheit und geschichtlichen Kontinuität. der Dich hinwirbeln möchte in den Strudel der Leidenschaft. denn als Übergang von der Möglichkeit zur Wirklichkeit ist die Überwindung der Verzweiflung kein Akt des Denkens21. kann also den Übergang bilden von der Verborgen- heit. Daher verunendlicht er sein Ich. die Welt zu hassen. taumelt er zu anderen Zeiten so lose und aufgelöst. „diese ober- flächliche Tiefe. Genauer gesagt: sie kann die notwendigen Voraussetzungen dafür schaffen. mein Zuruf hat nicht einen Trost im Sinn. „und während er sich zuweilen so egoistisch und eng als nur möglich zusammenzieht. aber: „Zweifel ist des Gedankens Verzweiflung. daß die ganze Welt darin Raum findet". so ist es nicht weniger wahr. daß der Verzweifelte dahin gelangt.Hier wird deutlich. so ist sie auch auf das Ganze der Wirklichkeit gerichtet. Schwermut und illusorischen Leidenschaft zum Offenbarwerden des Lebens. 107 und findet keine. diese hungrige Übersättigung"20. Reichtum den Menschen davon abhält. direkt oder indirekt als ein solcher bestimmt bleibt. damit er die seinem Bewußtseinsstand angemessene Daseinsform erreicht. weil das Individuum sich als Opfer der Welt und der Menschen sieht. statt sie zu lieben. wenn sie sich als Gegenstand des Genusses entzieht. verflüchtigt es ästhetisch wie metaphysisch."22 Und wie die Verzweiflung Ausdruck der ganzen Individualität ist. sie ist kein bloßer Kummer über dies und jenes und schon gar nicht der in die Welt projizierte eigene Fehlgriff. daß Verzweiflung und Zweifel streng voneinan- der zu unterscheiden sind. weil er als Wahl der . nicht einen Zustand. zu welcher der Seele ganze Kraft. . die ihm angemessen wäre. so ist es kein exaltierter Jüngling. sondern eine Tat. Dementsprechend ist die vorherrschende Stimmung entweder ein schwer- mütiges. B. Zwar dürfe man sagen. keine Verzweiflung ohne Zweifel. . welcher dem Schiffbrüchigen diesen Trost zuruft. und meint damit einen Willensakt. Verzweiflung ist der Persönlichkeit Zweifel."23 Und zwar beinhaltet der so verstandene Vollzug der Verzweiflung deshalb einen qualitativen Schritt über das Ästhetische hinaus. . ganzer Ernst und ganze Sammlung gehört. Gerichtsrat Wil- helm erklärt das folgendermaßen: „Wenn ich also spreche: »verzweifle'. daß z. dann antwortet er schlicht: verzweifle. Fragt man Kierkegaard. die Verzweiflung zu durchbrechen. Nur die negative Dialektik der wahren Ironie.

die spekulativdialektische. ist nicht da und entsteht durch die Wahl. nicht aber verzweifeln. wenn man es nicht wirklich will. zielt doch Kierkegaards Bemühen darauf ab. Der Übergang von der ästhetischen zur ethischen Existenz kann laut der hier entwickelten Theorie also nur über die Verzweiflung erfolgen. daß jenes in diesem wiederholt wird. Man muß aber sehen. Mit der Wahl der Verzweiflung als Wahl der Wahl ist also inmitten der Zufälligkeit und Relativität. Schulz). So auch das Selbst: Einerseits ist es vor der Wahl noch nicht dagewesen. so ist man eben damit über die Verzweiflung hinaus. Folglich: indem der Mensch verzwei- felt. ohne den Zweifel zu wählen. andernfalls würde es nicht gewählt. sondern erschaffen.Es kommt nun freilich ganz entscheidend darauf an. kommt in der Verzweiflung die Subjektivität in ihrer Unbedingtheit zur Geltung. als habe er bei Hegel Kolleg gehört (W. Und während der Zweifel dem Bereich bloßen „Differenzwissens" angehört. denn wer in Wahrheit die Verzweiflung wählt. In diesem Sinne ist es ja auch zu verstehen. um in die Allgemeinheit der ethischen Maxime auch die empiri- . und nur durch sie wird das Ästhetische zugleich negiert und aufbewahrt. und indem er die Verzweiflung wählt. folglich kann man gar nicht verzweifeln. wählt er die Verzweiflung.Indem der Däne gegen die Reduktion des konkre- ten Individuums auf das Subjekt des bloßen Denkens. andererseits war es schon da. Ausgangspunkt ist die Feststellung. . das vernünftige Ich zu Felde zieht. . d. daß Kierkegaard hier in einer Weise argumentiert. Verzweiflung ist ja ein Ausdruck des Willens. Letzeres zu betonen ist wichtig. er wählt sich selbst in seiner Absolutheit. aber nicht in der denkenden.Mag sein. wählt er absolut. denn es ist durch sie erst gesetzt worden. dieses Entstehen des Selbst in seiner dialekti- schen Doppeldeutigkeit aufzufassen: Was gewählt wird. und gleichzeitig damit der Übergang vom Endlichen zum Unendlichen vollzogen. sonst wäre die Wahl eine Illusion. inmitten der Nichtigkeit und Sinnlosigkeit alles Seienden das Selbst als etwas absolut Gültiges entstanden. der im Augenblick das Endliche mit dem Unendlichen verbindet. ist da. sondern in der wählenden!) . Sehen wir uns diese Schlußfolgerung noch einmal genauer an. will man es aber. der hat in Wahrheit das gewählt. denn nur durch sie wird das Selbst in seiner Absolutheit und Freiheit gesetzt. daß man wohl zweifeln kann. (Man beachte. sonst hätte es sich nicht selbst setzen können. ästhetisch-kontemplative Denkweise zugunsten einer ethisch-praktischen zu überwinden. mithin ein neues Daseinsprinzip zur Geltung bringt: das der Selbstbestimmung. daß es ihm gerade darum geht. ohne die Verzweiflung zu wählen. daß die Welt demnach in der Subjektivität begründet liegt. der Freiheit. was gewählt wird. wenn er das Sokrati- sche „Erkenne dich selbst!" in ein „Wähle dich selbst!" umgewandelt wissen möchte.108 Verzweiflung Wahl der Wahl ist. Kierkegaard meint mit setzen daher stets einen Willensakt: den Entschluß. das Ästhe- tische und das Ethische dadurch miteinander zu vermitteln. h. was von der Verzweiflung gewählt wird: sich selbst in seiner „ewigen Gültigkeit"24.

so wählt er das Rechte. sondern vor allem auch um der Gefahr einer „unethischen Flucht" aus der Kategorie der Individualität in die der Generation hinein entgegen- zuwirken und zu verhindern. Dieser Einsicht folgend. darum kann gesagt werden. das ist für Kierkegaard das absolute Entweder . Was für Kant der kategorische Imperativ ist (der immerhin die Verbindlichkeit zum Kriterium individuellen Han- delns macht). Sollte daher jemand das Unrechte wählen. das Wählen stelle den ei- gentlichen. weshalb die Wahl der Verzweiflung als Wahl der Wahl letztendlich abstrakt bleibt. „Hierum dreht sich alles.Oder der Entscheidung. außer mittels der Wahl. die gegeben sein müssen.Oder" klargemacht werden sollen . sondern daß man das Wollen als solches wählt. damit die Wahl in der alltäglichen Praxis sich durchhält. Und weil die ästhetische Wahl in Wirklichkeit gar keine Wahl beinhaltet. daß man zwischen dem Wollen des Guten und dem Wollen des Bösen zu wählen hat. will Gerichtsrat Wilhelm seinen jungen Freund lediglich an die Stelle bringen. Doch wird die Forderung nach Anerkennung der Sinn- lichkeit nicht bis in den Bereich der materiellen Lebensverhältnisse vor- getrieben. knüpft er an alte hedonistische Tra- ditionen an25. ja in sie umgesetzt werden kann.so erklärt er -. 109 sehe Mannigfaltigkeit der Fähigkeiten und Bedürfnisse des einzelnen. wo die Mißlichkeit liegt. Damit ist dann freilich auch das Gute und das Böse gesetzt." Diese optimistische These wird wie folgt begründet: Wenn man mit Energie. stringenten Ausdruck für das Ethische dar. Dabei geht es in „Entweder . kurz: sein Inter-esse einzubringen. sondern um die existentielle Be- gründung des Ethischen schlechthin. - Die Ethik Kierkegaards will ebensowenig wie die Kants „materiale Wert- ethik" sein. daß der Staat zur letzten Instanz des Ethischen erhoben wird. an der die Wahl für ihn wahrhaft Bedeutung gewinnt. was nur sukzessiv gesagt werden konnte. aber „in ganz und gar abstrakter Form". dann hätte das Buch religiös statt ethisch angelegt und schon auf einmal gesaet werden müssen. und zwar nicht allein der Reinheit der Gesinnung wegen. geschweige denn gesellschaftspolitisch formuliert. dann bekundet sich darin die Persönlichkeit in ihrer inneren Unendlichkeit. ist der Wortführer des Ethischen selbst noch im falschen Bewußtsein befangen. Vermag man einen Men- schen nur erst derart auf die Wegscheide zu stellen. daß es für ihn kei- nen Ausweg gibt. denn sie läßt die Bedingungen außer acht. Dementsprechend ist im ethischen Stadium zunächst noch nicht davon die Rede. Wie schon die Bagatellisierung der „äußeren Bedingungen des Glücks" erkennen ließ und wie noch deutlicher zutage treten wird.Oder" keineswegs nur um die Propa- gierung bestimmter Wertvorstellungen. so . Dies wird von Kierkegaard dann auch zugegeben: indem er das wahre Bewußtsein mit dem religiösen Bewußtsein gleichsetzt! Hätte bereits in „Entweder . mit Ernst und Pathos wählt.

durch den er je schon vermittelt ist. Indem nämlich der Mensch in Verzweiflung sich selbst wählt. der Übergang vom Ästhetischen zum Ethischen stellt eine kreis- förmige Bewegung dar: das Bewußtsein „schließt sich zum Ring". eine Harmonie zustande zu bringen". daß der ethisch Existierende seine Subjektivität als etwas Negatives abstreifen muß. Wie immer man zu dieser These und zu ihrer Begründung stehen mag - Kierkegaard wird sie später selbst im entscheidenden Maße wieder zurück- nehmen-. als würde das Individuum am allermeisten isoliert. deren höchster Ausdruck das Bestreben ist. um wahrhaft das Allgemeine realisieren zu können. . sondern persönliche Tugenden wie Mut. sondern eine neue Daseins-Form. zu ordnen. . Sie besteht zunächst in der vollkommenen Isolation. „kurz.110 wird er dies der Energie wegen. Kierkegaard sieht diese . wobei Innerlichkeit und Äußerlichkeit.Daß durch die Selbstwahl das Selbst weder erschaffen noch schlicht hingenommen wird. „bürgerlichen". daß nur die abstrakte Identität zurückbleibt. und tritt so in ein geschichtliches Verhältnis zur Geschichte ein. „senkt es sich am allertiefsten in die Wurzel. unendliches und endliches Selbst zur konkreten Einheit der Person vermittelt werden. Enthaltsamkeit usw. . gelangt zu einer ethischen Lebensanschauung. sich als Individuum zu einem „Tugendmuster" durchzuformen.wird durch die Wahl seiner selbst nicht ein anderer. durch die es mit dem Ganzen zusammenhängt".das Individu- um sondert sich der Welt gegenüber so ab. Eine mit der ganzen Innerlichkeit vorgenommene Wahl läutert die Persönlichkeit und bringt sie in ein unmittelbares Verhältnis zum Absoluten26. zu mäßigen. vielmehr sieht er sich vor die Aufgabe gestellt. zu bilden. im radikalen Sichfreimachen von allen Bindungen . daß vor der Realität des Gewählten die Realität des Wählens kommt und daß diese ethisch gesehen das Entscheiden- de ist. Das Ethische bezeichnet daher dem Ästhetischen gegenüber keine neuen Inhalte. Das erste und allgemeinste Postulat des Ethischen lautet: Du sollst durch die Verzweiflung am Selbst hindurch zum Selbst. sind natürlich keine sozialen. Es ist also nicht so. ein Ebenmaß in der Seele. zu entflammen. Tapferkeit. Die Tugenden. läßt sich jetzt auch so formulieren: Das Ethi- sche ist die Wiedergewinnung der in ästhetischer Verinnerlichung verlorenen Existenz. sondern er wird er selbst. h. die dabei zur Entfaltung kommen. Der Mensch . feststeht jedenfalls. Wer es dabei bewendet sein läßt.sagt Kierke- gaard . das Selbst muß gebrochen werden. Ja die Selbstwerdung insgesamt beinhaltet nichts anderes als ein immer radika- leres Subjektivwerden. Im gleichen Augenblick also. mit der er wählt. da es scheint. entdecken. um Selbst zu werden. d. um zu einem immer konkreteren Allgemeinen zu gelangen.Letzteres kann auch damit begründet werden. daß erst durch die Brechung aus dem unmittelbaren Selbst ein geschichtliches Selbst wird. wählt er zugleich den konkreten Zusammenhang.Die Selbstwahl umfaßt demnach zwei Schritte. wahrhaft subjektiv zu werden.

Dann aber kehrt die Unterscheidung wieder. Zwar gehört ihm nur das wesentlich zu. daß man dort auch die sozialen Tugenden pflegte -. so ist das im Sinne eines stets neu zu wiederholenden existenzdialektischen Prozesses zu verstehen. daß der Mensch sich beständig von einem Stadium in das andere zu „übersetzen" habe. als gleich wesentlich übernimmt. Wer darum mit der Idee gebrochen hat. vermag nicht.wenn- gleich er zugibt. alles. 111 ethische Lebensanschauung im alten Griechenland verwirklicht . denn er hat sich selbst als seine Aufgabe. welche sich im ästhetischen Stadium als Unglück darstellte. indem er zunächst alles. die ihm wesentlich zugehören. Der zweite Schritt der Selbstwahl führt den Menschen nach seiner völligen Isolation wieder in den konkreten Zusammenhang zurück. diesen Lebensverhältnissen. der in Verzweiflung dies erfahren hat. was die einzige Idealität wäre23. es sei denn dies. Den Unterschied zwischen ästhetischem und ethischem Selbstsein erklärt Kierkegaard näher so: Wenn das ästhetische Indiviuum sich in seinem konkreten Sein betrachtet. Wenn Kierkegaard daher davon spricht. und vor allem im Mittelalter: durch die Mystik. weil dem ästhetisch Existierenden eigentlich alles gleich zufällig zugehört. sich etwas Wesentliches vorzunehmen. die ihm gesetzt ist. Es gilt hier folgendes zu bedenken: Die Negativität des Daseins. „Ziel und Zweck seiner Tätigkeit ist hier er selbst. daß er sie gewählt hat. sich zu etwas Bestimmtem zu machen. hebt die Unterscheidung zwischen Wesentli- chem und Unwesentlichem auf. verweigert er aber die Übernahme. durch das bürgerliche. soziale Leben hindurch zum Selbst zurückführt. jedoch nicht willkürlich bestimmt. „das in lebendiger Wechselwirkung steht mit dieser konkreten Umge- bung. daß die erstrebte Vollkommenheit und Harmonie ebenso abstrakt ist wie die Selbstwahl. als ob es fkm Belieben des einzelnen stünde. die ihm zufällig zugehören. bleibt zufällig. sondern auch „durch das Verhältnis zu dem Betreffenden". wie zufällig es auch scheinen möge. dann unterscheidet es zwischen Momenten. was er als seine ethische Aufgabe über- nimmt. . erweist sich im ethischen Stadium grundsätzlich als Schuld. wie wesentlich es auch scheinen möge. dann gehört es ihm wesentlich zu. sondern ein konkretes Selbst. Ethisch gesehen ist das Wesentliche also nicht nur durch sich selbst bedingt. und anderen. daß er bereut. was ihm zugehört. denn mit der Freiheit kommt auch die . Diese Unterscheidung ist deswegen willkürlich. daß er sie verweigert hat. was vom Individuum in Freiheit gesetzt ist. wiewohl sie die seine dadurch geworden ist." So hat also das Individuum sich selbst und doch etwas ganz anderes zum Ziel. In beiden Fällen gilt. denn dieses Selbst ist kein abstraktes Selbst. und zwar auf folgende Weise: Alles. dieser Ordnung der Dinge"27. Der ethisch Existierende. das überall und nirgends hinpaßt.Das darf freilich nicht so verstanden werden. gehört ihm wesentlich zu. was nicht in Freiheit gesetzt ist. der vom Selbst ausgehend.

wie bei den Juden.Die Reue erfüllt demnach eine doppelte Funktion: Einmal verleiht sie dem Menschen die Durchsichtigkeit. dann hat es nach Kierkegaard „etwas Ästhetisches" an sich. was man unter „Pflicht" verstehe. denn nur wenn man sich selbst „ganz und gar durchdrungen hat. Als das abstrakte. daß der einzelne in ein äußerliches Verhältnis zur Pflicht gesetzt wird. setzt es sich als eine Aufgabe. Wie verträgt sich nun aber eine ethische Betrachtungsweise. reut sich ein wahrhaft ethisches Individuum in ihr fest und nimmt dabei auch scheinbar fremde Schuld auf sich. als er es in der Reue zum Motiv künftigen Handelns macht. zumal die Pflicht das Grundprinzip des Ästhetischen.Kierke- gaard stellt dazu fest. wenn z. den Genuß. tätigen Auseinandersetzung mit der Welt. sei derart unvollkommen.wie der Mystiker das tut -. aber insofern aufheben. Sodann vermittelt die Reue auch den Impuls zur praktischen. der man angehört29. die er braucht. Er kann das Geschehene zwar nicht tilgen. das Thema Pflicht betreffend. es komme ganz darauf an. Anders gefragt: Wird angesichts der Forderung der Pflicht die Aufhebung des Ästhetischen im Ethischen nicht wieder in Frage gestellt. Indem nämlich das Individuum reuend sich selbst wählt: als dieses bestimmte Produkt einer bestimmten Umwelt. um sich konkret wählen zu können. Der grundsätzliche Fehler dabei ist. und geht in die . derzufolge die Persönlichkeit das Absolute ist und darum die Teleologie in sich selbst hat. Das Pflichtleben erscheint dann freilich „gar unschön und langweilig". der Sohn das Vergehen seines Vaters bereut. das Ethische dem Ästhetischen gegenüber zu verfechten. dermaßen. leere Allgemeine ist die Pflicht das Verbietende. und es fällt schwer. daß man fast glauben könnte. Wird das Ethische aber derart „befehlend".112 Verantwortung. das Gesetz. insofern diese aus einer Vielfalt einzelner Sätze besteht. Statt also die Mannigfaltigkeit des konkreten Zusammenhangs zu ver- flüchtigen . der Schuld gegenüber ist die angemessenste Empfindung Schmerz. B. um das Ethische in Verruf zu bringen. Die ganze Ausdrucksweise. ist das einzelne50. sondern weil er nur so sich selbst Übernehmen kann. und daß insofern sich selbst Wahlen und sich selbst Bereuen ein und dasselbe ist. das von mir gefordert wird. . . den es geben kann: der über das Vermeidbare.Zusammenfassend kann man sagen. daß die Reue als der ethische Ausdruck wohlverstandene Erinnerung in die „innigste Verbindung" und den „genauesten Zusammenhang" mit der Umwelt bringt. daß jegliche Bewegung vom Bewußtsein einer Selbstverantwor- tung begleitet ist". Trauer über das Unabwendbare. kategorisch auszuschließen scheint? . was ich tun kann. mit der Forderung der Pflicht? Denn die Pflicht ist das Allgemeine. nur dann steht man bei aller Vereinzelung in unbedingtem Zusammenhang mit der Wirklichkeit. die nur handelnd zu lösen ist. nicht weil es „schön" ist. der „bitterste Schmerz". .Dem Unglück gegenüber ist die angemessenste Empfin- dung Trauer. sie sei erfunden wor- den.

„Sobald nämlich die Persönlichkeit sich selbst gefunden hat.Aber auch vom gegenteiligen Extrem. hat der einzelne Mensch sich selbst als seine Aufgabe unter einer ewigen Verantwor- tung. absolut sich selbst gewählt. sondern vom Pflicht-Verhältnis. daß dieses Verhältnis für jeden jederzeit bestimmend sein muß. .Wenn aber sittliches Handeln vom Inhalt her gesehen Verdoppelung des je eigenen Interesses und von der Form her gesehen unbedingtes Verhalten ist. und gleichzeitig der „allgemeine Mensch". welche das ideale Selbst mit dem faktischen Selbst zusammenfallen läßt. es aber auf die Art zu sein. die das Individuum in seinem Inneren unberührt läßt. nämlich der Originalitätswut. Das ethische Leben hat eben diese „Zwiegestalt". geht schon aus dem Sprachgebrauch hervor. und damit ist die Pflicht gesetzt in ihrer Absolutheit. selbst aufheben32. Wird das ideale Selbst schlicht außerhalb des konkreten Selbstseins gesetzt. Ein wahrhaft ethischer Mensch ist derjenige. muß man sich hüten. daß er eine solche hat. die ewige Gültigkeit des Pficht- Verhältnisses darzulegen. sagt der Gerichtsrat. Nicht von einzelnen Pflichten ist bei Kierkegaard daher die Rede. denn andernfalls würde sich das Ethische. Seine Absicht sei es vielmehr. daß sonst kein Mensch so ist wie er. Der einzige Mensch zu sein. meint Kierkegaard. muß man das Allgemein-Menschliche im Individuum. daß der einzelne Mensch sich selbst außerhalb seiner selbst in sich selbst hat. Über solche allgemeine Feststellungen hinaus kann kein Mensch sagen. ist nach Kierkegaard an und für sich nichts Besonderes. Die inhaltliche Fixierung moralischer Pflichten muß unterbleiben. denn die Einzigkeit hat der Mensch mit allen anderen Hervorbringungen der Natur gemeinsam. sich selbst bereut hat. Um zu einem richtigen Verständnis der Pflicht zu gelangen. wobei unbedingt bedeutet. Es sei nicht seine Absicht. er kann den anderen nur daran erinnern. Es heißt: ich tue meine Pflicht. der dahin gelangt ist. . was des anderen moralische Pflicht ist. so beinhaltet das die Zumutung nachahmender Wiederholung. daß er darin das Allgemeine ist. das ist die wahre Lebenskunst31. wie Kierkegaard feststellt. daß er die Pflicht. in die Mannigfaltigkeit der Pflichten einzuführen. denn wer den normalen Menschen oder überhaupt einen Menschen kopieren will. so wäre es überaus schwierig und weitläufig und von einem bestimmten Punkt an sogar unmöglich. sondern daß er seine Pflicht tut. im konkreten Selbst aufsuchen. der „einzige Mensch" zu sein. 113 Bestimmung von Sitten für eine völkische Individualität über. würde er sie positiv ausdrücken. Daß der Mensch als sittliches Individuum das Allgemeine in sich selbst finden muß. Würde er die Pflicht negativ ausdrücken. Man sagt nämlich von einem Menschen nicht. und zwar in dem Sinne. tu du die deine. die durchge- führt ganz einfach lächerlich wirkt. denn sie bringt es nur bis zur „Grimasse Mensch". wird notwendigerweise affektiert." Mit Pflicht ist bei Kierkegaard also ein unbedingtes Verhältnis des Individuums zu sich selbst und seiner konkreten Aufgabe gemeint. indem es sich ausspricht. kann . wäre es leicht getan.

daß es die Idee des Ästhetischen selbst ist. damit die Ausnahme sich ausnehmen könne33.wird erst durch das Ethische in seiner Wahrheit erfaßt und verwirklicht.steht der einzelne zwar höher als die geltenden Normen und Gesetze. Diese Behauptung wird wie folgt widerlegt: Wenn man das Ästhetische dadurch vom Ethischen abheben will. sobald die Pflicht geltend gemacht werde. Gerichtsrat Wilhelm erzählt in diesem Zusammenhang vom unbedingten Respekt. welche den Übergang von dem einen zum anderen fordert. das Leben verliere seine Schönheit. Was die Ethik mit der Ausnahme ablehnen muß. und von der Verachtung für das „kümmerliche Leben" der Ausnahme und meint. dann würde das Individuum zu einem bloßen Moment innerhalb eines Ganzen gestempelt. Im Gewissen . um die Dialektik von Gesetz und Gewissen zu verdeutlichen und zu zeigen. es hätte also die Teleologie außerhalb seiner und sein Leben wäre somit nicht schön.als der obersten ethischen Instanz . wie sie der Ästhetiker für sich in Anspruch nimmt.so kann man abschließend sagen . ja im Namen des Gewissens . sobald man ihn aber auf diese Weise betrachtet.so sein Argument . betrachtet man ihn ethisch oder nach seiner wahren Freiheit. ist die Freiheit der Willkür. mit dem er die Regel betrachte. . daß die Regel bloß dazu da sei. daß die Ethik keine Ausnahme duldet. erst dann betrachtet man ihn nach seiner Schönheit.114 dann der ganze Bereich der Legalität nicht als etwas Überflüssiges betrachtet. Ausdruck des erreichten „Gleichgewichts zwischen dem . vielmehr wird gezeigt. Das Ästhetische . daß man vor der Forderung des Ethischen (der Pflicht) in das Ästhetische zurückflüchtet.geradezu abgelehnt werden? Dieser Gedanke wird vom Wortführer des Ethischen entschieden zurückgewiesen. Die Sprache als Vermittlung des Allgemeinen und Individuellen eignet sich in der Tat sehr gut. den berechtigten Anspruch des Individuums auf Selbsterfül- lung in Schönheit und Glück dadurch zur Geltung bringen zu wollen. . was seine Teleologie in sich selbst hat. Diesem negati- ven Freiheitsbegriff wird nun der positive nicht einfach entgegengehalten.Dieser Sachver- halt läßt nur eine Schlußfolgerung zu: Erst wenn der einzelne Mensch zugleich Moment und das Ganze ist. wenn man für die Unbedingtheit des Pflichtverhält- nisses die Formulierung gebraucht. was besonders deutlich wird. diese Einstellung sei letztlich auf die strenge Anwendung der Grammatik während seiner Schul- zeit zurückzuführen. weshalb es sich als sinnlos erweist.Ausgangspunkt ist die Behauptung des Ästhetikers. derzufolge in seinem Exerzierheft die Ausnahme stets „verfolgt und gebrandmarkt" worden sei. und das Schöne wiederum als das. doch das Gewissen selbst kann sich nur in der Auseinandersetzung mit eben diesen Normen und Gesetzen überhaupt konstituieren und akzentuieren. dann zeigt sich gerade die Notwendigkeit einer Transzendenz des Ästhetischen und die Berechtigung der Forderung des Ethischen. wie irrig die Ansicht ist. Faßte man nämlich das Schöne im Sinne der Selbstgenügsamkeit und Willkür des einzelnen. daß man es als das Schöne definiert.

so hat er vielleicht gerade so viel erworben. auch die Vollendung. als nötig ist.Der Ethiker distanziert sich auch ganz entschieden von jener herzlosen Lebens- auffassung. dennoch sehe ich jeden Augen- blick. sondern vor allem auch gegen Ungerechtigkeiten der bestehenden sozialen Ordnung anzukämpfen hat." Dabei dient das Geld keineswegs nur dem Lebensunterhalt. und ohne Mut sehe ich überhaupt nichts Schönes. An ihr zeigt sich freilich auch auf besonders eindring- liche Weise die Diskrepanz zwischen Ideal und Wirklichkeit: Man soll arbeiten. „Daß ich nicht die Vollendung sehe. sondern den Kampf.Oder" weiß sehr genau. Daß ihr vergeßt der Erde Leid. Der Ethiker in „Entweder . Sie müssen zusehen. so er will. wie sie aus dem nachstehenden. ist und bleibt ein Plebejer. es bringt auch soziales Prestige mit sich. ist und bleibt aus dem Kreis der Patrizier ausgeschlossen.als nötig ist zum Weiterleben. wenn ich den Mut dazu habe. nicht aber ohne weiteres wiederholen kann. da ich es will. Gram und Graus. in der ein jeder Mensch. sich dareinzufinden. . Wer kein Geld hat." Seiner Überzeugung gemäß. daß er zu gleicher Zeit . ist freilich wahr.Oder" zitierten Trinklied spricht: War' nicht der Saft der roten Reben. Brüder. Wer hielte dann die Welt noch aus? Denn für den Weisen ist das Leben Wohl nichts als Jammer. Auf.aber wie begrenzt bleibt doch trotz aller Anstrengung das erreichte Maß an Selbstver- wirklichung! Besonders schlimm ist es um den Lohnarbeiter bestellt. laßt die Becher klingen. daß zwar jeder verzweifelnd das Ästhetische tanszendieren. . Etwas muß der Ethiker dem Ästhetiker gegenüber allerdings einräumen: daß zwischen der Idee des Ethischen und den realen Möglichkeiten ihrer Verwirklichung nicht selten ein eklatantes Mißverhältnis besteht. weil man nur durch die Arbeit zu sich selbst finden kann ." Zur Veranschaulichung seiner These wählt er folgendes Beispiel: Eine zentrale Pflicht ist sicher die „zu arbeiten um zu leben". seinen Platz ausfüllt-. 115 Ästhetischen und dem Ethischen" ist die Persönlichkeit als die konkrete Einheit der Individualität und der Allgemeinheit34. Sie sind nun einmal so unglücklich. dergestalt. „daß es eine vernünftige Ordnung der Dinge gibt. Er geht auch nicht her und sagt: „Hergott.Für den Wortführer des Ethischen stellt dieser Umstand allerdings keinen prinzipiellen Einwand dar. wie es um ihn bestellt ist: „Der Lohn ist äußerst gering: denn wenn er gefront und geschuftet und sich geschunden hat. der ja nicht nur gegen naturgegebene Grenzen. in „Entweder . . Der Unterdrückten Schreie dringen An alle Ohren weit und breit. um von neuem schuften und sich schinden zu können.

Ethisch betrachtet ist es aber ein Negativum eine Ausnahme zu sein. um die Ehre desto größer werden zu lassen.ihr habt keine Weltkenntnis. Solche Worte müßte man für baren Zynismus halten. Geld zu haben. so liegt das zum Teil daran. nicht immer gleich erkennbar.so läßt er den Vorwitz ausrufen -. wie alles ganz anders aussehen müßte. es ist eine Demütigung. als im Kampf ums tägliche Brot einen „Ehrenstreit" zu sehen: daß der Lohn so gering ist. wenn daran festgehalten werden soll. Betrachtet der Bevorzugte die Sache auf diese Weise. ein vernünftiges Geschöpf hinauszujagen in die Welt und es dann schuften und sich schinden zu lassen. die Begünstigung sei ein Ausdruck dafür. . daß die wirkliche „Ordnung der Dinge" letztlich eine vernünftige Ordnung ist.so wird abschließend gesagt -. „ihr sollt bedankt sein für alles ingesamt. damit der Mensch glücklich werde. ist das eine Art.116 das Allgemein-Menschliche und das Individuelle ausdrückt". daß die. in der jeder Mensch. Und wir anderen . welche arbeiten müssen. daß er geschaffen ist. „und wenn er das getan hat.nämlich Geld. Dabei verspottet er den menschlichen Vorwitz. wären sie nicht Ausfluß der naiven Gewißheit. Auch und gerade unter entwürdigenden Voraussetzungen behält die Arbeit nämlich ihren bildenden Charakter. daß ich freimütig zu euch rede . daß kein Mensch um eines . zu bekennen. sich zu ihrem Los. der genau zu wissen glaubt. einen Menschen zu behandeln?" Der Gerichtsrat sieht in solchen Klagen nichts als Ausflucht und meint. deswegen aber nicht minder wichtig versucht Gerichtsrat Wilhelm sodann die Stellung und den Aufgabenbereich des Lohnarbeiters herauszustellen.verzeiht mir. „Ihr guten Götter" . daß das Geld die Hauptsache ist. sich zu Sinn und Bedeutung der Arbeit zu bekennen. uns jedoch den Sinn für das wahrhaft Große bewahrt haben. und in ihm ein Ehrenmitglied der Gesellschaft ehren35. über die Welt zu herrschen. es wäre zu wünschen. „seinen Platz ausfüllt" und damit sowohl das Allgemeinmenschliche als auch das Individuelle zum Ausdruck bringt. die wir nicht versucht worden sind. zu hören bekommt. wir wollen dem Lohnarbeiter zusehen. der ethischen Uberzeugtheit von der Bedeutung der Arbeit ermangeln". Diese vernünftige Ordnung ist freilich nicht immer schon sichtbar. Was hilft es ihm. ist eine Ausnahme. daß die Menschen mehr Mut hätten. bleibt ihm gar nichts anderes übrig. wird er sich wieder erheben lassen durch den Gedanken. Sofern ein Mensch sich nicht gänzlich fortwerfen will. so wird er sich von keiner Begünsti- gung den Blick verwirren lassen. und darum bedarf es jenes Mutes. er wird sich vielmehr unter sie demütigen. daß an ihn eine größere Forderung gesteil ist".Als entsprechend anders geartet. „und wenn man so oft und so laut jene verächtliche Rede. wenn er nur will. erinnert er zunächst einmal die materiell Bevorzugten an ihre höheren Pflichten und argumentiert dabei wie folgt: Wer es nicht nötig hat zu arbeiten. wenn er dazu vor Nahrungssorgen keine Zeit hat? Wie paßt sich das. fehlt noch ein Ding . falls er es gestattet. Patrizier oder Plebejer zu sein. aber . das absolute Telos in der Zeit vorwegzuneh- men. um zu leben. der ethischen Kraft ermangeln.

Jeder hat ein ihm bestimmtes Werk. daß er das ihm bestimmte Werk tut. ohne daß der Schmerz unumgänglich würde.Oder" durch folgende Übelegungen dargelegt: Der Mensch kann nur dadurch etwas ausrichten. Die Liebe etwa findet im Religiösen die Unendlichkeit wieder. weist mithin das Ethische über sich hinaus auf ein Höheres. der aber doch stets ein tiefer Schmerz ist"37. eine göttliche Vorsehung. . welch ein Glaube. Auch unter diesem Aspekt gesehen. mit der unmittelbaren Liebe doch stets konzentrisch bleibt. Was die Aufhebung des Ethischen im Religiösen für die Praxis bedeutet.läßt Kierkegaard ihn sagen - „gehört nicht dazu. welch eine Demut. 117 anderen Menschen willen da ist. sondern seine Bestimmung in sich selbst hat. dessen Werk einzig darin besteht. um zuweilen beinahe lächeln zu können über alle Mühe und Beschwer. daß „durchaus willkürlich" an dieser oder jener Stelle haltgemacht werden muß. Im Religiösen endet die Reflexion des Verstandes . „ließe die Einheit sich ja zuwegebringen. Mehr noch! Wofern das Religiöse.und mit ihr auch der Widerspruch zwischen Bedingtem und Unbedingtem. das mit Schwierigkeit erworben wird. man solle überhaupt nicht an das denken. daß ein jeder sein Werk tut. daß Hegel die Diskrepanz zwischen postulierter und faktischer Vernünftigkeit des Wirkli- chen in der Vernunft selbst beseitigen zu können meint."36 Auf genau dieselbe Problematik stößt man bei der Betrachtung jener Lebensaufgabe. denn es ist leicht genug gesagt. wenn er meint. wird gegen Ende von „Entweder . um mit dem Wenigen zufrieden zu sein. die Kluft zwischen Idee und Wirklich- keit zu schließen: auf das Religiöse. steht auf weltgeschichtlicher Ebene ohnehin nicht in des Menschen Macht-. während der Ethiker B seiner existentiellen Position gemäß die Aufhebung der Vernunft im Glauben fordert: im kindlichen Vertrauen auf eine lenkende Weisheit. als hätte der Ästhetiker recht. so sehr es auch alles Irdische übersteigt. um auch im Leben solch eines Menschen die lenkende Hand der Vorsehung zu erblicken. das imstande sein soll. Es zeigt sich nämlich.Auf den ersten Blick scheint der Ethiker B ganz ähnlich zu argumentieren wie Hegel. die nach Kierkegaard recht eigentlich das Wesen des Ethi- schen ausmacht: die Realisierung der „ersten Liebe". Ein wesentlicher Unterschied liegt aber darin. „Welche Kindlichkeit" . um ihn darin aber wirklich zu sehen. letztlich gleichviel ausrichtet wie jeder andere . Weil nun derjenige. was man ausrichtet.ethische Praxis der Ehe dem Absolutheits- anspruch der unmittelbaren Liebe in keiner Weise genügetun kann. welche der unsterbliche Geist auf sich nehmen muß. um zu leben. sich selbst zu entwickeln. findet das Ethische seine Erfüllung. sondern lediglich die Befriedigung über die . den das Religiöse zwar zu heilen vermag. dazu gehört der mächtigste Glaube. daß Gott am größten sei im Kleinsten. könnte es scheinen.die einzelnen Werke zueinander ins Verhältnis zu setzen. daß also die geschichtlich . die sie reflektierend vergeblich suchte. und die Menschen insgesamt werden gerade dadurch miteinander versöhnt.

Weisheit und Folgerichtigkeit. statt es als Aufgabe zu betrachten: für die Verwirkli- chung des Allgemeinen. ohne an den Erfolg zu denken. Die Ironie dieser Sätze. verbunden mit der entsprechen- den Anstrengung. wo der Ethiker sich zur Behauptung versteigt. Diese Einstellung. Der Mensch ist einer Buche vergleichbar. die indes dem Problembewußtsein des Christentums in keiner Weise entspricht. daß die nahtlose. der das Denken nicht gänzlich vom Existieren abgetrennt hat. ist zwar eine schöne Vorstellung. Dem ist aber nicht so. auf dem Glauben. Diese optimistische Weltsicht. wie sie auch in der neuzeitlich- idealistischen Philosophie zum Ausdruck kommt. wohlgefügtes Ganzes zu interpretieren. „daß der Kosmos vom Guten vollkommen durchwaltet ist. in der Welt des Geistes herrsche eine so unendliche Harmonie. weil sich die mit der Unmittelbarkeit (Unschuld) verlorengegangene Lebenseinheit nicht so ohne weiteres wiederholen läßt. wohl aber gelegentlich einer subtilen Ironie ausgesetzt. wenn das Übrige damit im Widerspruch zu stehen scheine. auch wenn er sie verletzt und ihr entgegenhandelt" (W. dialektischen Mitteilung zu- nächst bewußt nicht in Frage stellt: jenem tiefen Optimismus.und aus äußerstem Vermögen wollen. es „stets eine Täuschung" seine müsse. Ethischen und Religiösen steht oder fällt mit der Voraussetzung. die keinem verborgen bleiben kann. und wenn man so recht mit Erfolg die Disharmonie aufzuzeigen vermeine. Konkret wird diese Einsicht in folgenden zwei Schritten vermittelt: Aus- .118 Entfaltung seines Talents genießen. Der Ästhetiker macht nämlich den Fehler. daß er bei der selbstischen Bestimmung des Talents stehenbleibt. wird vorerst also nicht in Frage gestellt. die sich nach besten Kräften zum Wohle der Menschheit entfaltet. ist das Entscheidende. Als Beispiel sei auf jene Stelle von „Entweder. Schulz). auf der sie fußt. Ethischen und Religiösen ein Trugbild ist. daß wenn man von einem bestimmten Punkt ausgehe und ihn mit Wahrheit und Energie verfol- ge. folgt dann meinem Werk als mein Glück". den Erfolg ihres Strebens aber der göttlichen Planung und Vorsehung überlassen muß.Oder" verwiesen. „was ich ausrichte. ohne Schmerz zu erreichende Versöh- nung des Ästhetischen. erst nachdem dieser „Wegzoll" bezahlt ist. soll die Einsicht vorbereiten helfen. eine göttliche Lenkung glauben . zeige man in Wirklichkeit die Harmo- nie auf38. Ein Glaube. als vom Logos durchwaltetes. Der Christ erweist sich nach Kierkegaard nicht zuletzt daran. der die Griechen seinerzeit veranlaßte. und die Kierkegaard im Zuge seiner indirekten. daß er die absolute Unversöhnlichkeit des geschichtlichen Seins und Sollens erkannt und absolut resigniert hat. die Welt in ihrem naturhaften und geschicht- lichen Sein als „Kosmos". und daß der Mensch von dieser Ordnung bestimmt bleibt. darf er an eine Vorsehung. Diese etwas hausbackene Theorie der Einheit des Ästhetischen. der im kindlichen Vertrauen auf Gott alle Widersprüche zu versöhnen weiß.

das Allgemeine in seinem indivi- duellen Leben auszudrücken. Das macht ja gerade die Schwierigkeit ethischer Existenz aus: sich beständig auf dem Gipfel der Entscheidung zu halten. was er an Umfang verlor. Ethischen und Religiösen unwiderruflich verloren gibt. Und indem er sich in seinem Sosein akzeptiert und zur Aufgabe macht. daß die Ethik zu einer „bindenden Macht" wird . gleichzeitig aber die harmonische Einheit des Ästhetischen. das nichts anderes ist als das Gesetz der Wiederholung (vgl. Wenn nämlich ein Mensch beim Versuch. Für das Ethische als Ausdruck der Innerlichkeit im Existieren (im Gegensatz zur bloßen Sittlichkeit und zum objektiven Wissen) gilt daher folgendes Gesetz: Dasselbe. sagt sie dem einzelnen eigentlich nicht. den rechten Weg schon finden wird.die ihrem Wesen gemäß stets neu revidiert werden muß. eine Ausnahme zu sein. sich auch selbst verwirklichen kann. daß der durch die Selbstwahl zu sich selbst gelangte Mensch die Normen und Gebote nur vom Äußeren ins Innere zu „übersetzen" braucht. versöhnt er sich wieder mit dem Dasein und erkennt. H/3). um das Allgemeine verwirklichen zu können. außerhalb des Allgemeinen zu stehen. o. indem auf die Möglichkeit einer ethischen Ausnahme hingewiesen wird. an intensiver Innerlichkeit gewinnen kann. Kap. Dieses Gesetz. wonach ein Individuum. in dem er freilich das. die solchermaßen aufgedeckte Verlorenheit des Daseins dient ihrerseits dazu. dann wird er sich eingestehen müssen. obwohl er von Liebe zum Allgemeinen und zum Dasein beseelt ist und nach ernsthafter Selbstprüfung zur Einsicht gelangt. verhindert nun zwar. was er tun soll. sondern sie stellt ihn vor die Entscheidung . der sich selbst gewählt hat. daß in einem gewissen Sinne jeder Mensch eine Ausnah- me darstellt. Innerlichkeit und Äußerlichkeit. stellt das Ausnahmesein ein regel- rechtes Fegefeuer für ihn dar. erweist sich jetzt insofern als . ob die Wiederherstellung der Einheit von Subjektivität und Objektivität. es stellt aber eben damit in Frage. Weil er in seinem Verhalten aber doch immer wieder am Allgemeinen gemessen wird. ohne dabei die Kontinuität zu verlieren. Es ist ja auch keineswegs so. und doch verändert.Oder gelangt ist.Oder" eingeleitet. Mehr noch: Die These des Ethikers B. und doch dasselbe. in die „eigentliche Aufgabe der Freiheit" -. Der erste Schritt wird bereits am Ende von „Entweder .indem es die Aufgabe des Existierens in etwas Innerliches verwandelt. wird das Ethische buch- stäblich ad absurdum geführt. Indem nämlich die Forderung der Pflicht ins Subjektive übertragen wird. daß der Mensch. das bis an die Wegscheicle des absoluten Entweder . auf Schwierigkeiten stößt. daß es also gleich wahr ist zu sagen. 119 gehend von einer Kritik an der Vorstellung. daß er an dieser seiner Unvollkommen- heit nicht schuld ist. jeder Mensch sei das Allgemeine und jeder Mensch sei eine Ausnahme39. einen Begriff des Religiösen zu entwickeln. der dem Dasein neuen Sinn verleiht. Individualität und Allge- meinheit je gelingen kann. und er wird durch seine Trauer Zeugnis davon ablegen.

dann zeigt sich sogleich eine prinzipielle Schwierigkeit. h.. Und so sieht sich das Individuum mit der folgenden Alternative konfrontiert: „Entweder das ganze Dasein ist in der Forderung der Ethik zu Ende. nicht aber durch sich selbst aus der Verzweiflung zurückfinden kann. Verantwortungsethik zu huldigen. in Kraft der Reflexion unendlich entschei- dend zu handeln40. insofern die Wiederholung zu- gleich die Losung des Ethischen und die Lösung von ihm (dänisch: losning) darstellt. und das ganze Leben fängt von vorne an. als man wohl durch sich selbst an allem verzweifeln. Denn verzwei- feln bedeutet zwar. der wesentlich durch Reflexion bestimmt ist. . in der Kierkegaard das sich entfaltende ethische Bewußtsein münden läßt. in seiner Absolutheit zu wählen. worauf ich gestoßen werde? Auf das Absurde. ganz einfach: daß ich. in dem Falle handeln soll. An dieser Stelle muß zunächst noch einmal auf die Zweideutigkeit hinge- wiesen werden. wie ersichtlich. die Unmöglichkeit. in die Lage versetzt wird. . Wie schon die „begehrte Idealität der Ästhetik" so läßt Kierkegaard also auch die „geforderte Idealität der Ethik" an der Wirklichkeit stranden. unendlicher Forderung und endlichen Gegebenheiten aufgerissen. nicht durch eine immanente Kontinuität. meine Reflexion mir sagt: Du kannst ebensogut das eine wie das andere tun. zugleich aber auch darauf. d. im zweiten Fall ist der Mensch auf das Religiöse „aufmerksam" geworden."41 Im ersten Fall bleibt dem Menschen nichts anderes übrig. ob die Aporie. . ein Vernunft-Wesen. sondern vermöge einer Transzendenz . insofern nämlich die Reflexion gerade ebensoviele Möglichkeiten für wie gegen eine bestimmte Entschei- dung aufzeigt. Was ist das Absurde? Das Absurde ist. denn dann bin ich in unendlicher Leidenschaft. sich absolut. nicht in falschen Prämissen begründet liegt. daß sich die Verdoppelung und mit ihr die Wiederholung schon in der Phase der Entscheidung als undurch- führbar erweist.bzw. .Der ganze Gedankengang läßt sich wie folgt zusammen- fassen : Die ethische Existenz als Versuch einer Wiederholung der Lebensein- heit vollzieht sich in der Dialektik von Verinnerlichung und Verdoppelung. welche dem so verstandenen Übergang vom Ethischen zum Religiösen anhaftet.". wo mein Verstand. „ Und was ist es dann. als auf verdoppelndes Handeln zu verzichten und einer Gesinnungs. Denn die Realisierung des Ethischen . oder die Bedingung wird herbeigeschafft. und dann erscheint eben das Mißverhältnis zwischen dem Handeln und der Reflexion.120 unzutreffend. entscheidend zu handeln. Man muß sich nämlich fragen. daß die höhere Daseinsweise nur durch einen Sprung zu erreichen ist. . wo mein Verstand und meine Reflexion mir sagen: Du kannst nicht handeln . doch wie soll das Subjekt in seiner faktischen Relativität und Zufälligkeit imstande sein. diese Wahl zu realisieren? Im Tagebuch stellt Kierkegaard hierzu folgende Überlegung an: Wenn ein Mensch. Nun wird aber durch die Verinnerlichung eine derartige Kluft zwischen Vernunft und Verstand. Leidenschaft und Reflexion. und zwar auf noch viel schmerzlichere Weise.

Der Humor bein- haltet also noch nicht das Religiöse.Kann kein Sprung voll einsichtig gemacht werden. aber er transzendiert einerseits das Ethische und nimmt andererseits wesentliche Bestimmungen des Religiösen vorweg. könnte man sagen. und lächelt wiederum über sich selbst. wenn die Diskrepanz zwischen der Anstrengung und dem Ergebnis ethischen Existierens dem Menschen in aller Schärfe bewußt wird und ihn zu einem Verhalten veranlaßt. als er es in seiner Relativität durchschaut hat: gerade wegen seines Absolutheitsanspruchs43. so versteckt sich der Humorist mit Hilfe der Immanenz in der Ewigkeit der Erinnerung dahinter und lächelt wehmütig über die zeitliche Existenz mit ihrer eine kurze Zeit währenden Geschäftigkeit und illusorischen Entschei- dung.entgegen Kierkegaards eigener Intention . Zum Humor als Lebenshaltung kommt es. Und es braucht auch nicht wunderzuneh- men. daß die Innerlichkeit zur unendlichen Leidenschaft wird. daß es . Etwas überspitzt formuliert. als sie ohne eine angemessene gesellschaftliche Praxis erfolgen soll. denn dieses ist immer ein bestimmtes. nur daß es sich hierbei nicht um einen Sprung der Immanenz. daß dem Religiösen für die Selbstwerdung des Menschen keine Bedeutung zukommt. „rein aus sich. der Humor bildet die Übergangsbestimmung des zweiten. Doch wie ist der Sprung ins Religöse näher zu verstehen? . . radikaleren Sprungs." Der Humorist kann unter Umständen sogar eifriger arbeiten und knauseriger mit der Zeit umgehen als ein „Pflichtarbeiter". die ein approximatives Verstehen ermöglicht. und weil das nicht gelingt.Der Übergang vom Ästhetischen zum Ethischen vollzog sich auch durch einen Sprung der Entscheidung: durch die Wahl der Verzweiflung als Wahl der Wahl. Der Humorist doziert nicht Unsittlichkeit. fordert er den Sprung ins Religiöse. Die Ironie stellte die Übergangsbestimmung des ersten Sprunges dar. dann erst recht nicht dieser. Er ist nur insofern über das Ethische hinaus. so gut er kann. weil sie nicht oder nur scheinbar bis zum konkreten Interesse des einzelnen vorgedrungen ist. weit gefehlt. Kierkegaard definiere das Ethische als Vermögen. es kann höchstens wieder eine Zwischenbestimmung aufgezeigt werden.Wenn dann die Reflexion im Hinblick auf entscheidendes Handeln zu keinem Schluß kommt. Ähnlich vollzieht sich der Übergang vom Ethischen zum Religiösen. die als Leidenschaft für das Unendliche im Äußeren keinen angemessenen Aus- druck findet. zur Freiheit aufzusteigen" (Theodor Litt). 121 erscheint insofern von Anfang an zum Scheitern verurteilt. für das Kierkegaard einen treffenden Vergleich parat hat: „Wie man den Kopf wollüstig unter die Bettdecke stecken und auf die ganze Welt pfeifen kann. .Es soll damit keineswegs gesagt sein.zu früh angesetzt wird und eben damit der Zweideutigkeit verfällt. Mit Worten Hegels ausge- drückt: Kierkegaards Ethik ist so angelegt. sondern der Transzendenz handelt. er ehrt das Sittliche und tut für seinen Teil alles. so deshalb. . . daß sie über „die nur innerliche und deshalb nur äußerliche Beziehung selbständiger Existenzen" nicht hin- auskommt42. ohne äußeren Beistand. wohl aber.

das „in Selbstvernichtung vor Gott" nach innen dialektisch ist. sich selbst zu überwinden und zu behaupten. . der die Existenz als solche betrifft und in Frage stellt: den zwischen der absoluten Forderung und der Relativität des Daseins. dem Leben einen konkreten Zusammenhang zu geben. erfaßt den Widerspruch. das Ja oder Nein der Entscheidung. jedoch nicht bis in den letzten Grund hinein. . Er findet sich ab.zwischen einer Religiosität A und einer Religiosität B -. andererseits aber enthält der Humor auch eine viel tiefere Positivität. bleibt sich gleich. Das Lächeln des Humoristen ist traurig und wehmütig. weil ihm die Alternative fehlt. weil er nicht nur mit der Endlichkeit. ehe es darangehen kann. Das ethische Individuum ist zwar nach innen in sich selbst dialektisch. verhält sich zur Ironie „wie Unwissenheit zu dem alten Satz: credo quia absurdum" -. er ist nicht zerstörerisch. wodurch der . sondern auch mit der Sündhaftigkeit zu tun hat . weil es seine Dialektik außer sich hat.122 Aber ebensowenig wie der Ironiker ist auch der Humorist einer höheren Daseinsweise mächtig. Dieser seiner erinnernden Ausflucht und seiner Versöhnlichkeit wegen gelingt dem Humoristen noch nicht der entscheidende Schritt über das Ethische und seinen Zwiespalt hinaus in das Religiöse. weil ihm die Fähigkeit abgeht. Wie sehr das Religiöse trotz dieses Bruchs in der Konsequenz der Selbst- werdung liegt . er verbleibt in einem stimmungshaften Schweben über den Din- gen. das Theanthropische". Doch eben hierin scheitert er. Denn stets muß das Individuum mit der bestehenden Wirklichkeit gebrochen haben. zwischen dem Ewigen und dem Zeitlichen. in der dieser Widerspruch aufgehoben wäre. Erst das religiöse Individuum. hat man zwischen zwei Formen des Religiösen zu unterschei- den . sondern zielt auf das Gottmenschliche. Und er hat insofern etwas Lyrisches an sich. er sieht nicht so sehr das Negative im Positiven. diesen letztgenannten Widerspruch zu interpretieren. sie auf einer höheren Daseinsstufe zu wiederholen. Der Humor enthält einerseits eine wesentlich tiefere Skepsis als die Ironie.Er hat freilich auch nicht die intellektuelle Kälte und Schonungslosigkeit der Ironie. Der Humor ist damit wesentlich elegisch und kann so nicht mit Fröhlichkeit und Sinn für das Komische verwechselt werden. macht die folgende Skizze deutlich: Das unmit- telbare. den Menschen zum Menschen zu machen. und so ist und bleibt er denn eine alles Menschliche durchwaltende Unruhe. kurz: er billigt dem Bestehenden durchaus eine gewisse Berechti- gung zu. was er auch in seinem Verhalten zum Ausdruck bringt45. ästhetische Individuum findet im Existieren noch keinen Wider- spruch. Halt und Ernst findet er einzig in der Erinnerung einer verschwundenen idealen Welt.Da es nun aber zwei grundsätzlich verschiedene Möglichkeiten gibt.die Skepsis des Humors. als vielmehr das Positive im Negativen. sondern grundsätzlich versöhnlich. Denn ob er dies oder jenes wählt. sagt Kierkegaard. insofern das zugrundeliegende Selbst dazu gebraucht wird.verstanden als dialektische Vertiefung der Bestimmung existierender Innerlichkeit-. denn er begnügt sich nicht damit.

Von der Religiosität A sagt Kierkegaard. 123 Sprung der Transzendenz zwar nicht aufgehoben. . so daß der Mensch sich „ins Äußerste der Existenz" gestellt sieht. kommt es entscheidend darauf an. „und doch ist das Ewige beständig von ihr verborgen und verborgen zur Stelle"46. so ist das ein Ausdruck dafür. daß die Religiosität B als das genuin . abstrakt in der Immanenz zu bleiben. Und vermag schon ein relatives Telos die Existenz eines Menschen partiell umzugestalten.Die Religiosität B oder das Para- dox-Religiöse läßt demgegenüber das Verhältnis zwischen der Existenz und dem Ewigen durch einen absoluten Gegensatz bestimmt sein. daß seine Existenz dieses Verhältnis widerspiegelt. daß in ihr das Dialektische vor dem Pathetischen kommt . und das Ewige. denn wenn das Ewige . Während diese nämlich die Existenz zu einem „verschwindenden und aufgehobenen Moment im reinen Sein des Ewigen" werden läßt. und zwar in einer Weise. Der dialektische Prozeß der Verinnerli- chung ist hier lediglich Vorbedingung für eine eigene Art von Dialektik. dann muß das absolute Telos den Menschen absolut umgestalten47.wie das Christentum lehrt . weil in ihr der Widerspruch zwischen Immananz und Transzendenz in die Existenz hineingezogen werde. die das Verhältnis zu jenem Etwas beinhaltet: nicht spekulativ. so daß dieses Etwas beliebig variiert werden kann). und das nicht aus der dialektischen Vertie- fung der Innerlichkeit resultiert. Gemeinsam ist den beiden Formen des Religiösen. sie sei noch wesentlich spekula- tiv.als Abstoß in Richtung auf ein neues Pathos. daß sie ihren adäquaten Ausdruck einzig und allein im existentieüen Pathos finden. Insofern gilt für die Religiosität A. von dem das Dasein getragen ist. daß es nur noch indirekt sichtbar wird. Denn sobald sich der Existierende zu einer ewigen Seligkeit verhält. akzentuiert jene die Existenz gerade als das Wirkliche. hindert also den Existierenden daran. daß die Existenz sich auf keine Immanenz des Ewigen stützen kann. daß sie von einem bestimmten Etwas abhängt. Für die Religiosität A gibt es nur die Wirklichkeit der Existenz. aber doch wesentlich entschärft wird.nur in einem bestimmten geschichtli- chen Zeitmoment in Erscheinung tritt. Etwas vereinfacht ausge- drückt ist Kierkegaards These die. verschwindet nun umgekehrt in der Existenz. das die ewige Seligkeit näher bestimmt. so daß es zu keiner absoluten Transzen- denz und zu keinem absoluten Widerspruch komme. Dennoch unterschei- det sich die Religiosität A sehr wesentlich von der Spektulation.die Vermittlung der Idee einer ewigen Seligkeit vor dem existentiellen Verhältnis zu ihr. sondern paradox . Für die Religiosi- tät B dagegen gilt. So gesehen ist der entscheidende Unterschied zwischen den beiden Formen des Religiösen im Verhältnis des Pathetischen zum Dialektischen gelegen: Die Religiosität A konstituiert sich in einem dialektischen Prozeß der Verinnerli- chung und weiß sich als Streben nach einer ewigen Seligkeit an kein spezifi- sches Etwas gebunden (oder nur äußerlich. jeder immanen- te Zusammenhang zwischen dem Dasein und dem Ewigen ist abgeschnitten.

. deren Wagnis der einzelne ganz allein zu tragen und zu verantworten hat. aber auch das säkularisierte Christentum. aber auch alles zu verlieren ist . erscheint es angebracht.wenn das Paradox nicht zum Wunderbaren im ästhetischen Sinne werden soll. allerdings mehr lyrisch als dialektisch. bevor es sich das religiöse Ideal überhaupt als . sich zugleich absolut zum absoluten Telos zu verhalten und relativ zu den relativen Zielen. Die Religiosität A hat als Grundlage das „Heidentum". Das Unendliche wollen. weshalb es „vielleicht noch von niemand" erreicht wurde. die für sie terminus a quo ist und sein muß . so besteht die Aufgabe darin. welche Schwierigkeiten der Verwirkli- chung des religiösen Ideals im Wege stehen. Das Individuum befindet sich nämlich religiös gesehen zunächst in der Unmittelbarkeit. verstanden als absolutes Verhältnis zum Absoluten. sich vom Mitteilenden nicht als etwas Gegebenes.124 Christliche sich dadurch von der Religiosität A unterscheidet. die Religiosität A hervorbringt. Es muß daher.Um dem Rechnung zu tragen und um die innere Dialektik des Religiösen besser zur Geltung kommen zu lassen. weil beidemal nur die Menschennatur im allge- meinen vorausgesetzt wird. weil beides in jedem Augenblick gewollt werden muß. eine ewige Seligkeit wollen heißt absolut wollen.die ihm von Gott auferlegte Opferung Isaaks . Und da es ein Widerspruch wäre. Abrahams Prüfung . Der Verfasser der „Philosophischen Brocken" und der „Unwissenschaftli- chen Nachschrift" weiß sehr wohl. sind die Pseudonyme der religiösen Schriften nicht nur ein Kunstgriff indirekter Mitteilung: Kierkegaard zieht sich als Person tatsäch- lich aus den Darlegungen und Projekten religiösen Inhalts zurück und kann daher auch nicht zur Rechenschaft gezogen werden. die ihrerseits die Voraussetzung für die wahre Begründung der Existenz im Paradox-Religiösen bilden soll. und zwar derart.und ihn dort sich selbst überläßt. daß sie den Menschen zu einem absurden Existenzverhältnis veranlaßt. es sei denn dafür. etwas Endliches absolut zu wollen. sich in dialektischer Verinnerlichung zu begründen. die vertretenen Thesen und Meinungen als Thesen und Meinungen des betreffenden Pseudonyms auszuweisen und sie zunächst schlicht als solche gelten zu lassen. sondern lediglich als eine Existenz- Möglichkeit. Sie ist daher jederzeit möglich. Was Johannes de Silentio schuldig bleiben muß. während die Religiosität ß vor ihrem Auftreten gar nicht möglich war. wie die Bestrebung der ethischen Exi- stenz. noch eine kurze methodische Vorbemerkung: Weil das Religiöse. von ihm bereits Realisiertes darstellen läßt. daß er seine Leser auf den schwankenden Boden des Religiösen hinauslockt . es verhält sich absolut zu den relativen Zielen. wird von Johannes Climacus sozusagen nachgeliefert. h. Bevor nun näher dargelegt wird. Die Religiosität B steht insofern höher als die Religiosität A.wo alles zu gewinnen. d.verdeutlicht diese Forderung auf exemplarische Weise. daß sie das Dialektische „an zweiter Stelle" hat.

religiöses Handeln sei am Leiden kenntlich. weil der Glückliche. Eine Vertiefung. denn ästhetisch und ethisch gesehen ist das Leiden das Zufällige. die Entsagung von den relativen Zielen einüben. „daß gerade im Leiden das Leben sei". das Leiden zu reflektieren. Ist die Unmittelbarkeit überwunden. glaubt der Reli- giöse daran.unglücklich. Das Religiöse stellt damit den extremen Gegenpol zur Unmittelbarkeit dar49. das „Absterben von der Unmittelbarkeit"48. sondern dessen indirekter Ausdruck . Und das Religiöse ist im Grunde nichts anderes als Vertiefung in die menschliche Existenz. und wenn es doch die Existenz des Individuums umbildet (wie wenn aus einem Soldaten ein Leutnant wird). daß die Positivität an der Negativität kenntlich wird. dann jedenfalls nicht seine innere Existenz. Während also die Unmittelbarkeit wesentlich Glück ist.das Leiden stellt die Existenzkategorie des Religiösen dar. und es hat den Anschein. ebenso leidet wie der. weil das Individuum nicht in sich selbst dialektisch wird. o. Religiös gesehen kommt es sodann darauf an. weil es dann ja mehr denn je in der Existenz steckt. bei der das Individuum nach und nach alle Illusio- nen durchdringt und immer konkreter wird. kann das Verhältnis direkt überhaupt nicht zum Ausdruck gebracht werden. wie Climacus betont. Kap. das absolute Verhältnis zum Absoluten absolut auszudrücken. wenn er religiös ist. daß infolge der prinzipiellen Un- möglichkeit umgestaltenden Handelns das religiöse Dasein wesentlich durch Leiden bestimmt ist . 11/2. dem ein äußeres Unglück zustößt. um das Leiden als Existenzkategorie des Religiösen näher zu bestimmen.wie im Religiösen überhaupt der Grundsatz gilt. es in seiner „wesent- lichen Fortdauer" zu erfassen. auch die „relative Direktheit" der Reflexion kommt als Ausdrucksmittel nicht in Frage. daß Leiden nicht einfach der Gegensatz zum Handeln ist. Kierkegaard gibt Clima- cus breiten Raum. weshalb Climacus zum Schluß gelangt. 2. Doch dieser scheinbare Rückschritt ist in Wirklichkeit ein Fortschritt. daß kein Mensch sich selbst umschaffen kann (vgl. Das Handeln der Innerlichkeit wiederum ist von der Einsicht be- stimmt. „sofern sich in etwas vertiefen fortschreiten heißt". dann sieht sich das Individuum freilich noch immer nicht in die Lage versetzt. Für die religiöse Existenz ist das Leiden dagegen so entscheidend.3). daß man sagen kann: Je mehr Leiden in bezug auf Innerlich- . aber nicht wesentlich zum Existieren gehört. 125 Aufgabe setzen kann. Climacus erklärt das so: Handeln im Äußeren (wie das Unterwerfen eines Volkes) bildet zwar die Existenz um. als sei die Bewegung der Selbstwerdung im religiösen Stadium rückläufig. Damit ist zweierlei gesagt: 1. das „wesentliche Existieren". Insofern fängt mit dem Religiösen tatsächlich das ganze Dasein von vorne an. Leiden in diesem Sinne steht zunächst einmal über der Distinktion glücklich . aber nicht die eigene Existenz des in diesem Sinne tätigen Individuums. das als solches zwar andauern und als Durchgangsmo- ment auch eine tiefere Bedeutung erlangen kann. Und nicht nur das! Insofern alles Religiöse in der Dialektik der Verinnerlichung liegt.

h. Der Religiöse weiß um die Komik.Durch dieses Verständ- nis des Leidens grenzt sich das Religiöse auch deutlich vom Humor ab. und sein Wissen schlägt nach außen hin als Humor durch. der als Konfinium zum Religiösen mit diesem oft eine täuschende Ähnlichkeit aufweist. weil es „der demütige Ausdruck für das Gottesverhältnis ist. . die Religiosität der verborgenen Innerlichkeit ist.126 keit. Das Leiden gehört mithin der Innerlichkeit an und darf sich nicht im Äußeren ausdrücken. den Religiö- sen unkenntlich zu machen . die der Religiöse beständig unter sich hat. die Maske der wahren Religiosität. Der Humor stellt also nicht nur das Konfinium zwischen dem Ethischen und dem Religiösen dar. Er wählt also entweder den Weg der „demütigen Zerstreuung" oder den der „verzweifelten Anstrengung". die in diesem Widerspruch liegt. mehr sein zu wollen als Mensch. daß beides zusammengehört -.die der Innerlichkeit . widerruft aber die wesentliche Bedeutung des Leidens für das Existieren. sie verzehrt ihn . wie dies beim Klosterleben der Fall ist. Letzterer ist der Weg ins Kloster. . wie Climacus scherzhaft sagt. daß der Religiöse mit der „Schwangerschaft des Leidens" in seinem Inneren ganz wie ein anderer Mensch aussieht. Freilich nur auf den ersten Blick. der Weg in den Tiergarten. Daher die demütige Zerstreuung. sich zu seiner Menschlichkeit zu bekennen".sagt Climacus .Daraus resultiert nun freilich ein neuer Widerspruch. daß es die Zerstreuung braucht wie den Schlaf. Er amüsiert sich sogar. der Humor stellt jedoch so etwas wie ein Kennzei- chen wahrer Religiosität dar. In dieser entschei- denden Situation gibt es laut Climacus zwei Möglichkeiten: Der Mensch ist sich seiner Grenzen bewußt und weiß.erkennt die Vergeblichkeit eines solchen Unterfangens und findet das denkbar tiefste Leid darin. um so mehr religiöse Existenz. sondern die ihn stärkt: falls er sie durchsteht. die „absolute Vorstellung von Gott" hält ihn gefangen.Climacus versucht diese Schwierigkeit da- . ihre Zer- streuung. keine Krankheit also. sich zu amüsieren50. um eine poetische Wendung aus den „Stadien" zu gebrauchen: Das Leiden ist wie siebzigtausend Faden Wasser. denn der Humor ist zwar eine „Totalitäts-Kategorie" .wie der Brand der Sommerson- ne. denn das Inkognito soll ja eigentlich dazu dienen. daß ein zeitliches Wesen nicht ununterbrochen das Leben der Ewigkeit führen kann. Der Religiöse hat die Relativität der Unmittelbarkeit verloren. ist der Versuch.gemäß dem Ideal des Glaubensritters in „Furcht und Zittern" -. er bildet auch das Inkognito. Dadurch ergibt sich der Widerspruch. Oder. . durch übermenschli- che Anstrengung das Gottesverhältnis beständig aufrecht zu erhalten. Die wahre Religiosität . ihren Zeitvertreib. sich absolut zum Absoluten zu verhalten und im Äußeren keinen adäquaten Ausdruck dafür zu haben. Das ist die „Krisis der Krankheit". wenn diese nicht untergehen will. oder aber er wagt den Versuch.d. die den Menschen vernichtet. und es menschlich ist. die indes keine Krankheit zum Tode ist. Gott gleichen zu wollen. er sieht das Leiden im Existieren und begreift.

und solange der Streit und Schmerz in der Innerlichkeit fortdaure.Die Dialektik der Verinnerlichung hat mit dem Leiden am absoluten Widerspruchsverhältnis zwischen Innerem und Äußerem aller- dings noch nicht ihren Endpunkt erreicht. Der Humorist redet denn auch selten von dieser oder jener Schuld. . daß er die Totalität der Schuld nicht im Verhältnis des einzelnen Individuums. die Innerlichkeit zu verbergen. Es geht hier also nicht um Einzelschuld (die das Individuum auf verschiedene Weisen von sich abwälzen könnte). den direkten Ausdruck mit Hilfe des Humors zu verhindern51.so faßt Climacus seine Überlegun- gen zusammen . sagt der Humorist. 127 durch zu überspielen. Religiosität mit Humor als Inkognito . Religiös gesehen ist aber die Art als Kategorie niedriger als das Individuum.ist die Einheit von absoluter. Diese entsteht . denn um so weniger verhält es sich zur ewigen Seligkeit.das sich aus dem Verhältnis des Individuums zu einer ewigen Seligkeit ergibt . meint Climacus. sondern der Mensch- heit zu Gott reflektiert. Was den Humour dennoch sehr wesent- lich vom Religiösen unterscheidet. denn rein nummerisch kommt nie eine Totalbestimmung zustande. in der realen Existenz sehe alles ganz anders aus. da könne von einer Versöhnung im Sinne wiederholter Unmittelbarkeit keine Rede sein. dialektisch verinnerlichter religiöser Leidenschaft und Reife des Geistes. denn es gibt noch einen tieferen Ausdruck für das religiöse Pathos als Leiden. Demgegenüber stellt das „wesentliche Bewußtsein von Schuld" . Schuld wird von Climacus als entscheidender Ausdruck dafür definiert. was freilich nicht empirisch verstanden werden darf. wer sich auf die Art beruft. daß er den Glaubensritter nachträglich als ein Ideal des Phantasiemediums interpretiert und meint. daß der Existierende sich in der Existenz zu einer ewigen Seligkeit verhält und so das Existieren an seinem höchsten Interesse mißt. der Religiöse könne nur versuchen. um so mehr entfernt es sich vom Bewußtsein der Schuld. „der sucht Ausflüchte". daß er die Grenzbestimmung zur Religiosität darstellt. Das wesentli- .wie gesagt - einzig und allein dadurch. nämlich Schuld.die größtmögliche in dialektischer Verinnerlichung erreichbare Vertiefung der Existenz dar und damit die äußerste Grenze der Religiosität A. die das Religiöse von aller Äußerlichkeit zurückruft und sich eben damit als religiöse Leidenschaft bestätigt". Derart ergibt sich dann auch aus der kleinsten Schuld die Totalbestimmung. Erstmals wird die Totalität der Schuld durch den Humor erfaßt . . ist der Umstand. solange könne es nie ganz gelingen. doch diese Einsicht dient nicht als Aufforderung zur religiösen Reue. daß der Mensch sein Dasein mit dem Verhältnis zu einer ewigen Seligkeit in Verbindung bringt.Wir sind alle schuldig. Je abstrakter hingegen das Individuum ist.womit sich wieder zeigt. dann will er durch die Akzentuierung der Einzelschuld indirekt die Totalität der Schuld zum Ausdruck bringen. sondern als Entschuldigung. sondern um die Totalbestimmung der Schuld. und wenn.

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ehe Schuldbewußtsein Hegt also noch innerhalb der Immanenz und unter-
scheidet sich insofern ganz entscheidend vom Sündenbewußtsein. Johannes
Climacus stellt hierzu folgende Überlegung an: Das wesentliche Bewußtsein
der Schuld ist dadurch der Ausdruck für das Verhältnis des Existierenden zu
einer ewigen Seligkeit, daß es das Mißverhältnis ausdrückt. Dabei ist aber
immer das Verhältnis dasjenige, was das Mißverhältnis trägt, denn das
Mißverhältnis wird ja erst durch das Verhältnis als solches konstituiert, „nur
daß der Existierende nicht das Verhältnis ergreifen kann, weil sich das
Mißverhältnis als Ausdruck für das Verhältnis beständig dazwischenstellt".
Der Existierende und die ewige Seligkeit stoßen sich also nicht so voneinan-
der ab, daß es zum Bruch käme; oder anders gesagt: die Identität des Subjekts
ist derart, daß die Schuld es nicht zu einem anderen macht. Der Bruch im
Verhältnis zwischen dem Existierenden und dem Ewigen wird mithin so
lange nicht eintreten, als das Ewige den Existierenden „allseits umschließt",
und das Mißverhältnis innerhalb der Existenz bleibt. Erst wenn das Ewige
sich selbst als ein Zeitliches, Historisches bestimmt, so daß der Existierende
und „das Ewige in der Zeit" die Ewigkeit zwischen sich bekommen, d. h. die
Ewigkeit sich im Verhältnis des Existierenden zum geschichtlich Ewigen
vermittelt: erst dann ist der Bruch gegeben und mit ihm das Paradox".
Der Übergang von der Religiosität A zur Religiosität B - zu jener Religio-
sität also, deren paradoxe Akzentuierung der Existenz zu einer paradoxen
Vertiefung verborgener Innerlichkeit führt - kündigt sich damit als äußerst
schwierig an. Formal läßt er sich folgendermaßen darstellen: Das Christen-
tum fordert, daß der einzelne zunächst existierend alles wage - das Patheti-
sche -, was auch ein Heide tun kann; insofern handelt es sich noch um die
Religiosität A. Dann aber fordert es, daß der einzelne zugleich sein Denken
wage, wider den Verstand zu glauben wage - das Dialektische -, und im
Dialektischen findet das Christentum erst wirklich seine Erfüllung. - Die
Reihenfolge ist hier von Bedeutung: Die Religiosität B hat das Dialektische
an zweiter Stelle, und das besagt, daß sie nicht des Individuums eigene
pathetische Umbildung der Existenz ist, sondern „die paradoxe Umbildung
der Existenz für den Glauben durch das Verhältnis zu einem Historischen".
Aber wohlgemerkt, erst nachdem das Individuum sich im Sinne der Religio-
sität A mit existentiellem Pathos zur ewigen Seligkeit als zu seinem höchsten
Interesse verhalten hat, erst dann kann davon die Rede sein, daß es von der
Religiosität B erfaßt und in das Pathos des Absurden hineingestoßen wird.
Man ersieht hieraus, meint Climacus, wie töricht es ist, wenn ein Mensch
sich ohne Pathos zum Christlichen verhalten will. Genauso töricht ist es
freilich, sich das Paradox als einen „ästhetischen Galimathias" aneignen zu
wollen. Das Christliche als das Paradox-Religiöse kann zwar nicht gedacht
werden, dies heißt aber nicht, daß es „ein gefundenes Fressen für Dummköp-
fe" ist. Es gilt ja, mit dem Christentum zu leben, und die Bestimmung, daß es
nicht gedacht werden kann, existierend festzuhalten: was besonders für gute

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Köpfe sehr schwierig werden kann, zumal im paradoxen Glauben jeder auf
sich allein gestellt ist. Letzteres kommt nirgendwo deutlicher und treffender
zum Ausdruck als an jener Stelle der „Unwissenschaftlichen Nachschrift",
wo Jacobis Gespräch mit dem sterbenden Lessing referiert und interpretiert
wird.
Die geistige Konstellation für dieses Gespräch ist in der Tat von hoher
Spannkraft und eigenartigem Reiz, wie Climacus vorwegnehmend feststellt.
„Der unerschöpfliche Wortführer der Begeisterung als Beobachter und der
verschlagene L. als Katechumene." Jacobi soll erforschen, wie es sich mit
Lessing verhält. „Was geschieht? Zu seinem Entsetzen entdeckt er, daß L.
wohl doch im Grunde genommen Spinozist ist. Der Begeisterte wagt das
Äußerste und schlägt ihm jenen allein rettenden salto mortale vor." Dies ist
nur möglich, weil sich Jacobi - im Gegensatz zu Lessing - nicht über das
Wesen der Sprungs im klaren ist; weder darüber, daß er den Übergang vom
Ewigen zum Historischen darstellt - den Versuch, die ewige Seligkeit auf eine
geschichtliche Nachricht zu gründen -, noch daß der Sprung sich nicht
dozieren, d. h. direkt mitteilen laßt, „eben weil er der Akt der Isolierung ist
und für das, was sich gerade nicht denken läßt, es dem Einzelnen anheim-
stellt, ob er sich kraft des Absurden entschließen will, es gläubig anzuneh-
men". Alles direkte Anspornen zum Sprung mag zwar eine rührende Geste
sein, stellt aber einen Widerspruch in sich selbst dar. „Gesetzt, Jacobi hätte
selbst den Sprung gemacht, gesetzt ferner, er könnte mit Hilfe der Beredsam-
keit einen Lernenden dazu überreden, ihn zu machen: dann bekäme ja der
Lernende ein direktes Verhältnis zu J. und käme also nicht selbst dazu, den
Sprung zu machen."54 Der vermeintliche Lehrer ist zudem selbst nur ein
Lernender, weil jeder Mensch wesentlich nur von Gott unterrichtet wird,
und alles eigene Unterrichten beinhaltet nichts weiter als einen „gottvollen
Spaß".
Es entgeht dem Verfasser der „Nachschrift" auch nicht, daß das Überre-
denwollen - und zwar gerade bei denen, die man schätzt und liebt - eine
„dialektische Mißlichkeit" enthalt: Der Beredte, der sich stark genug fühlt,
andere für seine Überzeugung zu gewinnen, ist in Wirklichkeit so unsicher,
daß er die Zustimmung anderer zu seiner begeisterten Überzeugung braucht.
Und überhaupt: Daß der Begeisterte seine Begeisterung nicht in Form des
Gegensatzes, also dialektisch-indirekt auszudrücken vermag, ist nicht ein
Zeichen der Stärke, sondern der Schwache. Wie seltsam es daher auch
klingen mag: Jacobi will sich vom sterbenden Lessing den Trost holen, daß er
mit ihm einer Meinung ist.
Climacus fährt fort, indem er die Antwort Lessings (seine letzten Worte)
zitiert: „Gut, sehr gut! Ich kann das alles auch gebrauchen; aber ich kann
nicht dasselbe damit machen. Überhaupt gefällt Ihr salto mortale mir nicht
übel, und ich begreife, wie ein Mann von Kopf auf diese Art Kopf-unten
machen kann, um von der Stelle zu kommen; nehmen Sie mich mit, wenn es
angeht." Jacobi merkt Lessings feine Ironie nicht oder läßt sich durch sie

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nicht beirren. „Wenn Sie nur auf die elastische Stelle treten wollen, die mich
fortschwingt, so geht es von selbst." Climacus sieht, wo die Unkorrektheit
dieses Bildes liegt, nämlich darin, daß der Sprung zu etwas Objektivem
gemacht wird. Doch Lessings Antwort läßt nichts an Scharfsinn und Ironie
zu wünschen übrig. „Auch dazu gehört schon ein Sprung, den ich meinen
alten Beinen und meinem schweren Kopfe nicht mehr zutrauen darf."55 Auf
der einen Seite also der „fromme Betrug der Beredsamkeit", auf der anderen
die klare Erkenntnis, daß der Sprung, als das letztlich Entscheidende,
qualitativ dialektisch ist und daher keinen approximierenden Übergang
zuläßt.
Für den Lehrer des Christlich-Religiösen darf die Problemstellung also
nicht lauten: Wie bringe ich diesen oder jenen dazu, ein Christ zu sein?
Sondern: Wie bringe ich diesen oder jenen dazu, auf das Christentum
aufmerksam zu werden? - Für den Schüler gilt es zu bedenken, daß die
christliche Glaubenslehre „Existenz-Mitteilung" ist, so daß die Schwierig-
keit nicht darin Hegt, das Christentum zu verstehen, sondern es zu verwirkli-
chen. Und darum bereitet man sich laut Climacus nicht durch das Lesen von
Büchern und ähnliches auf das Christsein vor, sondern durch Vertiefung in
das Existieren.
Ganz so unwichtig, wie Climacus tut, kann das Lesen von Büchern freilich
nicht sein, sonst wäre Kierkegaards ganze Mühe ja umsonst gewesen56. Man
muß sich als Schriftsteller und als Leser nur dessen bewußt bleiben, daß
Bücher lediglich eine Anregung darstellen - für die je eigene existentielle
Entscheidung. Und auch das nur, wenn der Schreibende über eine dialek-
tisch-kunstvolle Form der Mitteilung verfügt.
Im ersten Teil der „Unwissenschaftlichen Nachschrift", genauer gesagt im
Anhang „Blick auf ein gleichzeitiges Bemühen in der dänischen Literatur",
reflektiert Climacus die Methode der Mitteilung christlicher Wahrheit indem
er in der scheinbar zufällig zustandegekommenen Reihe pseudonymer
Schriften einen sinnvollen, zielführenden Weg „entdeckt". Damit erhält
bereits die Erstlingsschrift „Entweder-Oder" - in der das Religiöse noch gar
nicht zur Diskussion steht - eine für die genannte Mitteilung entscheidende
Bedeutung: Sie dient der ersten, noch etwas grobschlächtigen weil naiv
dozierenden Konfrontation mit dem Ethischen, über das allein das Christ-
lich-Religiöse vermittelt werden kann, und zwar vor allem aus zwei Grün-
den. Der erste Grund ist der, daß der Glaube als Willensakt, als Entschluß
sozusagen des ethischen Trainings bedarf. Kierkegaard spricht das einmal
sehr deutlich aus, wenn er feststellt: „Man will uns einbilden, die Einwen-
dungen gegen das Christentum kämen aus dem Zweifel. Das ist ein völliges
Mißverständnis. Die Einwendungen gegen das Christentum kommen aus
Unbotmaßigkeit, Ungehorsam, Auflehnung wider alle Autorität. Deshalb
hat man bisher vergeblich gegen die Einwendungen gekämpft, weil man
intellektuell mit dem Zweifel gekämpft hat, anstatt daß ethisch mit der

um durch den Rückzug ins Unverbindliche zwischen dem Schreibenden und dem Lesenden die Bewegung „in Innerlichkeit weg voneinander" zu begünstigen -. der Sprung ist gesetzt. Es ist also keineswegs so. um gelingen zu können. und der junge Mensch zur Einsicht gelangt. der indes als Möglichkeit die Existenz eines jeden bedroht. „Entweder-Oder" beinhaltet daher nicht nur die schlichte Konfron- tation mit dem Ethischen: indem die Schrift im Individuum das Existenzver- hältnis zwischen dem Ästhetischen und dem Ethischen entstehen laßt. für den gibt es im Himmel und auf Erden nichts Schlimmeres als eine Kollision der Pflichten. die Immanenz der ethischen Verzweiflung gebrochen. daß sie. Sie veranschaulicht die genannte Kollision und das Nicht-Offenbarwerden des Ethischen als einen Sonderfall. um das Individuum über das Ethische hinauszuführen: „Das Ethische ist die Anfechtung. Sie macht darauf aufmerksam. noch schrecklicheren „Entset- zens" . 131 Auflehnung gekämpft würde. sich zu einem religiösen Paradigma zu verhalten. verstanden als harmonisches Leben in Familie und Gesell- schaft.welche sich im Untertitel als psychologisches Experiment ausweist. daß er die Pflicht.so wie Abraham in „Furcht und Zittern".durch etwas anderes als das Ethische -. die dem Individuum zu einem „höheren Offenbar- werden" verhelfen kann . der die conditio sine qua non für das Christlich-Religiöse bildet. wird die Wieder- holung . daß die ethische Existenz."57 Der zweite. daß die religiöse Innerlichkeit ohne die ethische Innerlichkeit nicht möglich wäre. Die Schrift Johannes de Silentios stellt mithin einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg der indirekten Hinführung zum Christlich-Religiösen dar. Wer nämlich so viel Innerlichkeit gehabt hat. konstituiert sie den Prozeß der Verinnerlichung. einer neuen Unmittelbarkeit bedarf. noch wichtigere Grund ist der."58 Die kleine Schrift zum Problem der Wiederholung . daß der Mensch die durch das Ethische in . das Absurde die Notifikation. läßt sich nach Climacus dadurch jedermann nahebringen. Climacus sieht das so: Der Ethiker hat sich aus dem „Entsetzen" eines ästhetischen Daseins in Schwermut und Verborgenheit in die ehtische Innerlichkeit existierender Individualität her- ausgerettet und damit die Voraussetzung geschaffen für die Vertiefung der Innerlichkeit in der Erfahrung eines neuen. daß man den einzelnen veranlaßt. Denn das Paradigma ist als solches für alle da und beinhaltet doch zugleich das Irreguläre. das Gottesverhältnis zustandegekommen. die ethische Forderung in ihrer ewigen Gültigkeit erkannte.und mit ihr das Ethische .daß Offenbarwerden auch und gerade im Ethischen unmöglich werden kann. bei der das Ethische zur Anfechtung wird. Derart sind mit „Furcht und Zittern" bereits alle Vorkehrun- gen getroffen. Indem nämlich Constantin Constantius an der Möglichkeit der Wieder- holung verzweifelt.zu einer Bewegung „kraft des Absur- den". Eine solche Kollision. geht noch einen entscheidenden Schritt weiter. nicht nur in Ausnahmesituationen wie der Abrahams in Frage gestellt ist. die Ausnahme .

desunge- achtet daß es ganz richtig ist. wurde an gegebener Stelle bereits angedeutet: Das ethische Selbst ist definiert als die Einheit des faktischen und des ewigen Selbstseins. Die erste läßt sich in der Immanenz der Verzweiflung auch durchaus realisieren. der den Ausgangspunkt für das religiöse Existieren bildet. ist die Sünde.Oder" hat sicher recht. und weil der Geprüfte letztlich wieder ins normale Leben ethischer Existenz zurückkehrt . „in Richtung auf das dogma- tische Problem der Erbsünde". „In diesem Augenblick der Entscheidung bedarf das Individuum eines göttlichen Beistandes. und eben diese Voraussetzung sprengt die immanente Dialektik der Selbstwerdung. trägt dem zwar Rechnung.Die teleologische Suspension des Ethischen. fällt er doch wieder in die spekulative Denkweise zurück. das Individuum sie aber nicht zu realisieren vermag. den Anfang der „religiösen Ordnung der Dinge". ein Durchgangsstadium. der ihm die Verwirklichung des Ethischen unmöglich macht. Wo laut Climacus der eigentliche Trug- schluß des Ethikers B zu suchen ist. daß sich die mit der Unmittelbarkeit verlorenge- gangene Lebenseinheit ohne die Hilfe Gottes nicht wieder herstellen und garantieren läßt (wie Walter Schulz interpretiert). daß die absolute Forderung des Ethischen jeden Augenblick zur Stelle ist. darum mußte die Suspension des Ethischen einen noch bestimmteren religiösen Ausdruck finden.Oder" noch behauptet wurde. - Der Ethiker in „Entweder. die über sie hinausweisen. Dieser durch Wiederholung nicht überwindba- re Zustand. sondern durch die Verzweiflung erfolgen läßt. ist andererseits aber nichts weiter als eine Prüfung. als könnte das ethische Selbst immanent in der Verzweiflung gefunden werden. . nämlich den Bruch mit der Welt und die versöhnen- de Rückkehr zu ihr. wenn er den Übergang von der ästhetischen Verborgenheit zum ethischen Offenbarwerden einem existentiellen Wahrheitsverständnis gemäß nicht durch den Zweifel. wenn er dann aber den Eindruck erweckt. sondern prinzipiell: weil der Mensch sich in einem Zustand befindet. die These besagt nicht nur. vielmehr steht die ethische Existenz von Anfang an unter Voraussetzungen. nicht bloß aufgrund der Begrenztheit alles zeitlichen Strebens. von der er sich abgrenzen wollte."" Wohlgemerkt. und darum müßte die Verzweiflung gleichzeitig zwei Bewegungen vollziehen. wie in „Entweder . wie sie in „Furcht und Zittern" dargestellt wird.132 Aussicht gestellte Lebenseinheit aus eigener Kraft erreichen kann. war die Existenzinnerlichkeit dann so weit . nicht aber die zweite. und zwar in dem Sinne. sondern daß die ethische Existenz als das Hereinholen des Unendlichen ins Endliche und das Aufhe- ben des Endlichen im Unendlichen nur unter der Voraussetzung überhaupt in Angriff genommen werden kann.auch wenn der Schrecken der Prüfung seine Spur hinterläßt -. daß man erst das Existenzverhältnis zwischen dem Ästhetischen und dem Ethischen erfaßt haben muß. daß die Einheit des faktischen und des ewigen Selbst immer schon gegeben ist. Mit der Schrift über die Wiederholung und der an sie anschließenden psychologischen Studie über den Begriff Angst.

wo die objektive Ungewissheit zur Wahrheit wird.der Name deutet es schon an . die es für einen Existierenden geben kann. wird zu dem hingeführt. bildet die These. die in diesem Sinne unwesentlich ist. steigert die leidenschaftliche Innerlichkeit bis zu dem Punkt. daher wird zunächst vor allem negativ argumentiert. 133 bestimmt.die Analogie zwischen dem sokratischen und dem christlichen Daseinsverständnis. daß die Wahrheit in der Innerlichkeit der existierenden Subjekti- vität gefunden und dementsprechend auch mitgeteilt werden muß. die Innerlichkeit die Wahrheit ist. die darin liegt. Grundlage des Denkprojekts bildet . die mit ihrer Ob jektrvitätsforderung. Es wird nicht auf das Verhältnis reflektiert. und zwar zur höchsten Wahrheit. ist dann nur noch ein kleiner Schritt. so ist das Subjekt in der Wahrheit.wie gesagt . was „unbestreitbar weiter als das Sokratische" geht und daher nur per Analogie bestimmt werden kann. sondern in Form eines Gedankenexperiments.lautet eine berühmt- gewordene. aber im Medium der Existenz und nicht des reinen Denkens. ist dabei unverkennbar: Climacus . wenngleich sich nur über ihn das Christentum erschließt. aber oft mißverstandene Schlußfolgerung der Nachschrift zu den „Brocken" —. zu dem der Erkennende sich verhalt. durch zerstreuende Vielwisserei und nicht zuletzt wegen der Abstraktion von der konkreten Existenz den Pol des Abstoßes darstellt.sieht seine Aufgabe darin. daß der subjektive Denker lange ringen muß. wenn nur das Wie dieses Verhältnisses in Wahrheit ist. durch die bloße Steigerung und Erweiterung vertrauter Begriffe an das religiöse Paradox heranzuführen. natürlich nicht unmittelbar. . die Wahrheit aber immer schon braucht. zumindest was die Verfahrens- weise betrifft. das Wahre ist. um sie überhaupt suchen zu können. „so wird objektiv auf die Wahrheit als einen Gegenstand reflektiert. um die Wahrheit (Gott) objektiv zu finden . der als solcher selbst noch in der Unwahrheit befangen bleibt."60 Die „dialektische Schwierigkeit". wozu er sich verhält. sondern darauf. Sie ergibt sich in der Konsequenz der Unterscheidung zwischen einer Wahrheit. Die Aufgabenstellung des Denkprojekts in den „Philosophischen Brok- ken" kann kurz so formuliert werden: Ausgehend von der Sokratischen Erkenntnis. das Wahre ist. so ist das Individuum in Wahrheit. daß auf die Darstellung des im engeren Sinne Christlichen überge- gangen werden konnte. die für die Selbstverwirklichung (das Seelenheil) des Indivi- duums wesentlich ist. dozierend. Von hier zur Feststellung. daß es die Wahrheit. und einer Wahrheit. so wird subjektiv auf das Verhältnis des Individuums reflektiert. Eine Anlehnung an die scholastische Lehre von der Analogia entis. „Wenn objektiv nach der Wahrheit gefragt wird" . selbst wenn es sich so zur Unwahrheit verhielte. bloß die Wahrheit.Den Gegenpol.und sei es nur approximativ -. wozu er sich verhält. daß die Subjektivität. Und weil die . Wenn das. die Wahrheit sei objektiv bestimmt das Paradox. nämlich gegen die spekulative Philosophie Hegels. Wenn subjektiv nach der Wahrheit gefragt wird.

daß Plato der Verlockung einer spekulativen Erkenntnis nachgibt. was das Projekt als in Wahrheit über das Sokratische hinausge- hend darstellt: die Wahrheit als Paradox mit dem Paradox sensu eminentiori. II. der qualitative Unterschied herausgearbeitet. wie das Individuum in die Wahrheit kommt. hat so gesehen zwei Gründe: einmal den. Demnach hat Sokrates zwar richtig erkannt.134 Analogie bekanntlich in der Mitte zwischen der Univozität und der Äquivo- zitat steht. doch offenbar ist der Unmittelbare auch.bereits im Ethischen ihren Anfang nimmt. Der spekulative Satz.und dem Glauben sensu eminentiori. ebenso findet sich auch eine Analogie zwischen der sokratischen Innerlich- keit . bedarf eben schon das Ethische eines Inkognitos. welche sich der Ironie als Inkognito bedient. Die ethische Innerlichkeit.Daß die in den „Brocken" aufgezeigte unendliche Differenz dennoch bestehen bleibt.der leidenschaftlichen Innerlichkeit im Existieren . laut Climacus mißglück- ten Versuch Hegels. ist die Bewegung. daß der Betreffende wie die anderen ist und nur im Unterton des Humoristischen seine Innerlichkeit andeutet. Kap. Was den Ethiker ausmacht. mit dem Unterschied aber. tritt nämlich durch „negatives Handeln" in Erscheinung. letztlich aber spekulativ beantwor- tet (vgl. die religiöse .welche das Sprung- brett für das Paradox-Religiöse darstellt . b). daß Sokrates die Ethik „bis an die Grenzen des Religiösen" trieb. Schon zwischen der ethischen und der religiösen Innerlichkeit im allgemei- nen läßt sich ein klarer Trennungsstrich ziehen. Wie daher das Zusammengesetztsein von Existenz und Innerlichkeit eine „gewisse analoge Ähnlichkeit" mit dem bekommt. daß alles Erkennen Erinnern sei. daß der Speku- lierende ein Existierender ist. In den „Brocken" wird vor allem das Trennende. während Sokrates beständig von jenem Satz „Abschied nimmt": indem er die Schwierigkeit festhält. Daß Sokrates sich zur Wirklichkeit des Staates negativ verhielt. . wie die Inkommensurabilität von Innerem und Äußerem . wogegen sich die verborgene Innerlichkeit des Religiösen dadurch der Aufmerksamkeit entzieht. läßt sich das Verhältnis des Sokratischen zum Christlichen von zwei Seiten betrachten. wird zwar weiterhin Sokrates und Plato gleichermaßen zuge- schrieben. durch die er sein nach außen gerichtetes Leben nach innen mit der unendlichen Forderung des Ethischen „zusammensetzt". der andere Grund liegt darin. wird er zwar offenbar. und als solches bietet sich die Ironie an.ganz im Gegensatz zum späteren. die Frage. Indem nämlich der Ethiker in den Aufgaben der faktischen Wirklich- keit aufgeht. daß die Wahrheit in der Innerlichkeit der existierenden Subjektivität gefunden und dementsprechend auch mitgeteilt werden muß. o. den Staat zur obersten Instanz des Ethischen zu machen. daß er durch die Akzentuierung der Innerlichkeit auf das Ethische aufmerksam machen wollte . Darüber hinaus macht Sokrates deutlich. ist Climacus zufolge leicht einzusehen. Damit nun die ethische Leidenschaft in diesem Mißver- hältnis nicht komisch wird. Es gehört daher schon ein guter Beobachter dazu. Die „Unwissenschaftliche Nachschrift" stellt dann mehr das Verbindende heraus.

Auf das Verhältnis des Religiösen zum Ethischen angewandt. Das Denkprojekt besteht nun recht eigentlich in folgender Überlegung: Da es sich gezeigt hat. sondern nur indem sie sich zu einem Existierenden verhält. Für das reine. Denn sokratisch ist die ewige.die Distanz zum spekulativen Denken hergestellt). zum Widervernünftigen zu verhalten. um den Glauben zu begründen. wie man ins Christentum als das Paradox-Religiöse hinein- kommt. stößt es absolut ab: kraft des Absurden. sondern die Subjektivität bleibt die Wahrheit. Entscheidend aber ist. daß es sich gewissermaßen überschlägt und zu denken versucht. Sie wendet sich mit ihrer Arbeit daher „zurück" und verlegt den Anfang noch tiefer in die Subjektivität. Und andernfalls. Die Frage. Verinnerlichung zu fordern und gleich- zeitig die Realisierung des Allgemeinen. könnte man das absolute Paradox aus dem Denken heraus zu entwickeln trachten. daß die Subjektivität die Wahrheit ist: Wenn er nach weiterer Vertiefung in die Existenz bis hin zum Sündenbewußtsein so beginnt: Die Subjektivität ist die Unwahrheit. wird sie zum Paradox. indem man das Denken in der Konsequenz seines Tuns so weit gehen läßt. meint Climacus. ist der christliche Glaube61. nicht innerlich genug aus. zum Absurden. deckt sich also mit der Frage. interessenlose Denken gibt es in diesem Sinne natürlich kein Paradox (daher ist schon im Titel der Schrift . Weil aber das Paradox nicht in sich selbst paradox ist. nur daß sie in dem Augenblick. Und hier liegt die Grenze des Sokratischen. Climacus verdeutlicht dies durch folgende Überlegung: Wenn die absolute Wahrheit sich zu einem Existierenden verhält. Es gibt also noch einen innerlicheren Ausdruck für den Satz. und die Leidenschaft der Innerlich- keit. wesentliche Wahrheit nicht in sich selbst paradox. daß der paradoxe Glaube nicht die Vorstufe. daß sie faktisch die Unwahrheit ist. Das Paradox liegt vielmehr in der „Leidenschaft des . während auf die ironische Zurückhaltung eines Sokrates jeder aufmerksam werden mußte. die diesem Abstoß entspricht. sondern den Gipfelpunkt des Denkens darstellt. wo sie darangeht. was es nicht denken kann. indem sie dieses auf die Spitze treibend festhält: Die Subjektivität ist als die Unwahrheit die Wahrheit. daß die paradoxe Bestimmung der Wahrheit. denn ohne Risiko kein Glaube. bedeutet das: Die christliche Religiosität über- windet das Dilemma des Ethischen. müßte die Ethik verzweifeln. fällt der Abstoß nicht radikal.„Philosophische Brocken" oder genauer: „Philosophische Brosamen" . sich zu realisieren. Erst wenn das Paradox in sich selbst paradox wird. 135 Innerlichkeit aufzuspüren. Anders als in der spekulativen Betrachtungsweise ergibt sich aus christlicher Sicht daraus aber nicht die Forderung nach Überwindung der Subjektivität in Richtung auf Objektivität. wie das Individuum dahin gelangt. sich zum Paradoxen. das Paradox wiederum stößt aufgrund seiner objektiven Ungewißheit den Exi- stierenden in seiner Innerlichkeit ab. wie sie sich aus der oben genannten These ergibt. noch längst nicht an das Christlich-Religiöse heranreicht. mit der Schwierigkeit konfrontiert wird.

136 Gedankens" begründet. Das aber heißt. daß der Gott das Verschiedene ist. Der Liebe liegt die Selbstliebe zugrunde. daß es eben das Unbekannte sei. Jedoch nur . Gott. am schlechthin Unbekannten. was er nicht zu fassen vermag. die der Verstand erreicht. . insofern die schlechthinnige Verschiedenheit in der schlechthinnigen Gleichheit aufgehoben werden soll64. und zwar zusammen mit den Voraussetzungen. wenn er etwas über Gott erfahren will. das Unbekannte ist da. so wie das Paradox es fordert. sich absolut zu negieren. Da die Liebe dies gleichfalls will. muß dabei offen bleiben. daß der Gott schlechthin verschieden ist von ihm. die Feststellung. Und dieses leidenschaftliche Einvernehmen ist die Liebesleidenschaft". Die paradoxe Leidenschaft des Verstandes stößt sich mithin beständig am Unbekannten. Aus dem Gesagten geht hervor. befriedigt die Leidenschaft des Denkens in keiner Weise. Kann ein solches Paradox gedacht werden? fragt sich Climacus. dann wird das Paradox „noch furchtbarer". die Verschiedenheit und die Gleichheit fallen für den Verstand letztlich zusammen. weshalb der Verstand sich selbst betrügt: er hat Gott so nahe wie möglich bekommen. und darum das ganz andere. der zu wissen glaubt. d. Einerseits nein. kann es andererseits aber nicht lassen. und auf diese Weise befinden sich beide doch wieder im Einvernehmen miteinander. den Anstoß zu wollen . also das Bewußtsein der Sünde zu bringen. daß der Mensch. sonst wäre es ja kein Paradox. h. denkt also das Verschiedene in sich selbst und durch sich selbst. Die Verschiedenheit läßt sich demnach nicht festhalten. aber deren paradoxe Leidenschaft will auf dem Höhepunkt ihren eigenen Untergang. befinden sich die beiden Mächte in der Leidenschaft des Augenblicks im Einvernehmen miteinander. An dieser Paradoxie bleibt der Verstand hängen. und das wiederum kann er nur von Gott zu wissen bekommen. So ist es ja auch mit der Liebe. tatsächlich benutzt der Verstand aber auch zum Negieren immer sich selbst. es sei denn „in launenhafter Willkür". um es zu verstehen. daß Gott absolut verschie- den von ihm ist. Damit stellt sich das Paradox jetzt folgendermaßen dar: „Um auch nur zu wissen zu bekommen. sich mit der Paradoxie zu beschäftigen. gleichzeitig aber unbekannt und insofern nicht da. und die höchste Leidenschaft des Verstandes ist eben die. daß er den Gott selbst hervorgebracht hat. andererseits ist es der Verstand selbst. zuerst in Erfahrung bringen muß." Wenn man nun bedenkt. daß Gott. behauptet Climacus. der seinen Untergang will. braucht der Mensch den Gott und bekommt nun zu wissen.Das Unbekannte ist so gesehen die Grenze.selbst wenn das zu seinem Untergang führen sollte. und doch ebenso fern63. sich diesem gleichmach- te. zu dem man gelangte. Dieses zu denken hieße für den Verstand. Ob Gott existiert. um dem Menschen das Bewußtsein dieser selbstverschuldeten absoluten Verschie- denheit. er kommt nicht weiter. entdecken zu wollen. wenn zutiefst in der Gottesfurcht der Wahnwitz lauert.

herauszustellen. es ist gerade wie du sagst. Das Christentum unter- . daß im Ärgernis die Grenze. daß du glaubst. insofern man zu sagen pflegt. . Erfolgt der Zusammenstoß nicht im gemeinsamen Verständnis. und das Paradox ein Produkt des Ärgernisses. in seinem Leiden zu Stein werdend.sonst hätte der Verstand auch das Paradox erfinden müssen -. es sei ein Einwand. wieviel das Ärgernis dem Paradox schuldet. Der Glaube kann demnach definiert werden als jene glückliche Leiden- schaft. was Wunder. das Ärgernis versteht nicht sich selbst. so sagt er. was das Paradox von sich aus sagt. welches dem Verstand den Platz auf dem Verwunderungs- stuhl anwies und ihm erwiderte: nun. in stark verkürzter Form . oder möge es sich wappnen mit Hohn. Paradox und Augenblick sind für Climacus weitgehend synonym. Climacus verdeutlicht diese seine These folgendermaßen: Bereits der Sprachgebrauch läßt erkennen. er spricht nur nach. nicht die Überlegenheit des Denkens zum Ausdruck kommt. wie sehr das Ärgernis leidend ist. - Was untergegangen ist. es ist doch das Paradox. das in ihm widererklingt. Mag das Ärgernis auch von der entgegengesetzten Seite erklingen. und weil das Ärgernis . denn normalerweise sträubt sich das Denken gegen das Paradox. zur „unglücklichen Liebe des Verstandes". Je leidenschaftlicher im übrigen der Ausdruck des Ärgernisses ist.es ist dennoch leidend und hat nicht die Ferne". daß man sich über etwas ärgere. das Ärgernis stelle ein Produkt des Verstandes dar."66 Das Ärgernis ist also keine Erfindung des Verstandes . 137 im Augenblick der leidenschaftlichen Entscheidung. es ist vielmehr genau umgekehrt! Der Glaube käme sonst ja in die Immanenz des Denkens zu liegen. muß freilich nicht vernichtet sein! Das Denken kann sich erneut regen. „Das Ärgernis bleibt außerhalb des Paradoxes. da das Paradox das Wunder ist? Dies hat der Verstand nicht entdeckt. und mit dem Pfeil des Witzes zu zielen wissen sogar wie von ferne . So aber kann das Ärgernis sogar als indirekter Beweis für die Richtigkeit des Paradoxes verstanden werden.Climacus erscheint es nun wichtig. es ist das Paradox.quia absurdum - außerhalb des Paradoxes bleibt. „möge der Ärgernis Nehmende zerknirscht dasitzen und nahezu bettlergleich auf das Paradox starren. das seinen Untergang bedeutet. mag sich gebärden wie es will: es ist allzeit leidend. Wie daher die Wahrheit index sui et falsi ist. und das Wunderliche ist. und das heißt: man würde bei Sokrates stehen bleiben. wohl aber entsteht mit dem Ärgernis das Paradox: im Augenblick. was er selbst erfunden hat.so meint er - kann man das Paradox den Augenblick nennen. wie eine Karrikatur dar. im Gegenteil. so ist dies auch das Paradox. um so mehr zeigt es sich. worüber wunderst du dich. dann kommt es zum Ärgernis am Paradox. stellt es so etwas wie eine Nachäffung. Man darf also nicht meinen. sondern es wird vom Paradox verstanden. Das Ärgernis. und das ist dann die Anfechtung des Glaubens. in der das Paradox und der Verstand im gemeinsamen Verständnis ihrer Verschiedenheit zusammenstoßen. Der Geärgerte spricht nicht aus.

Die „Stadien" widmen sich denn auch wieder dieser zweiten. daß man auf diesem Wege auf das Christentum hinsteuern solle. wobei vor allem die Übergangsbestimmungen Leiden und Humor entwik- kelt werden. Das Dritte. die dem Geschichtlichen zum Trotz. sie zu verstehen. gibt ihm die Wahrheit und die Bedingungen. Wenn nun das Individuum erst abwarten müßte. wird der Lehrer zum Erlöser. die Innerlichkeit die Wahr- heit sei und das Existieren das Entscheidende. Wie schon angedeutet wurde. Philosophieren stellt nicht einmal eine notwendige Voraussetzung des Glaubens dar. daß der Augenblick entscheidende Bedeutung erhält. etwas weniger ambitionierten Form der Hinführung zum Paradox-Religiösen.138 scheidet sich vom Sokratischen und allen spekulativen Systemen ja vor allem dadurch. . bis dieses oder jenes entscheidende Buch (vielleicht das System) erscheint.Wir stoßen hier erneut auf die These. Kurz. die mit ihrer Erzählung der Weltge- schichte niemals fertig wurden. sondern durch Vertiefung in die Existenz dem Christlichen nähert. wenn der Verstand und das Paradox im Augenblick glücklich aufeinan- derstoßen. das Paradox zu verstehen. im Augen- blick erfolgt die Wiedergeburt des Menschen als christliches Gegenstück zur spekulativen Wiedererinnerung: der entscheidende Bruch. der zum Um- bruch führt. der Augenblick ist die Fülle der Zeit. daß es nicht darum geht. das gerade Innerlichkeit ist. daß dies das Paradox ist. wenn der Verstand sich selbst beiseiteschafft und das Paradox sich selbst hingibt. sondern zu verstehen. weil sie stets mit der Erschaffung der Welt anfingen. hat Climacus dieses sich Projizieren des Denkens in Richtung auf ein absolutes Paradox von Anfang an nicht sonderlich ernstgenommen. ja gerade vermöge des Geschichtlichen dem einzelnen Ausgangspunkt sein will für sein ewiges Bewußtsein. Es würde ihm ähnlich ergehen wie den Mönchen. daß man sich nicht durch das Lesen von Büchern. um nicht etwa den Trugschluß aufkommen zu lassen. die seine Seligkeit auf das Verhältnis zu etwas Geschichtlichem gründen will. Als Fazit kann man festhalten."66 Und eben diese Idee wird nun in den „Stadien" weiter konkretisiert. sich zum Christentum zu verhalten. Am Ende der „Philosophischen Brocken" findet sich hierzu folgendes Argument: Das Christentum ist die einzige geschichtliche Erscheinung. Die in „Entweder . in dem dies geschieht. Das Nach- denken. Das stempelt die „Brocken" aber keineswegs zu einem nutzlo- sen Zwischenspiel. wie Climacus unter Hinweis auf den Kerngedanken der Schrift deutlich macht: „Daß die Subjektivität. man könne durch bloßes Nachdenken zum Glauben gelangen. ja er hat es als bloße Spielerei und „metaphysi- sche Grille" abgetan. Im Augen- blick erinnert Gott den Menschen an die Sünde. Und das ist der Fall. dann würde es nie dazu kommen. weshalb die vorangehenden Stadien genau bestimmt festgehalten werden müßten: das war meine Idee. aber wohlge- merkt nicht jede Innerlichkeit. ist die glückliche Leiden- schaft des Glaubens.

oder anders gesagt: weil er die Schuld als Sünde erfährt. Er ist aus dem Ethischen heraus. konkrete Schuld auf sich geladen hätte. Es ist die unglückliche Liebe zu einem Mädchen. falls der Quidam eine tatsächliche. Was es mit dieser Unterscheidung auf sich hat.Nicht schuldig?").Das Sündenbe- wußtsein hindert den Quidam also daran. weil er sein Verhältnis zu ihr nicht „quitt" wird. Das ästhetische ist nun Genuß-Verlorenheit. Die Bedeutung der ersten beiden Stadien für die Entwicklung des Religiö- sen macht besonders die Unterscheidung zwischen dem dämonischen und dem religiösen Paradox deutlich. im ethischen Sinne zur Reue zu kommen. das religiöse Leiden. das religiöse Stadium hin angelegt und erhalten dadurch eine vertiefte Bedeutung. „was doch in ihm mit der ganzen Leidenschaft der Innerlichkeit wohnt". das Allgemeine realisieren zu können. . wie sie dem Humor in seiner totalen Reflexion auf Schuld entspringt. . so daß gesagt werden kann. das ethische Hand- lung-Sieg. Aus dem Ethischen ist er deswegen heraus. Dies um so mehr. ein wenig vom Ethischen und ein wenig vom Religiösen in sich trägt. 139 . weil ihm die Überzeugung fehlt.als ein Gefangener seiner selbst. und steht so außerhalb jeder Möglichkeit einer sinnvollen Daseinsgestaltung . ohne die höhere. was soviel heißt. als eine „Nemesis der Wirklich- keit" . als der Quidam des Experiments selbst das als komisch empfindet.a unvermittelt gegenüber. und es fehlt ihm auch die Resignation. sie wird sogar noch verschärft. Quidams Verhältnis zur Schuld ist zweideutig („Schuldig? . daß in seiner vertieften Innerlichkeit das Komische mit dem Tragischen zu einer übergeordneten Einheit verschmilzt. daß er sich auch nicht reuend zurücknehmen kann und damit „an der äußersten Spitze" in einem dialektischen Verhältnis zur Wirklichkeit stecken bleibt. in seinem Inneren stehen sich jene beiden Faktore. Die qualitative Differenz der Stadien bleibt dabei nicht nur erhalten. wird am Beispiel des Quidams des Experiments im Abschnitt „Schuldig? . die über das Individuum hinausreicht. denn Sünde ist die im Menschen als solchem gelegene Disposition zum schuldhaften Versagen und damit eine Voraussetzung. als dadurch erstmals die Notwendigkeit einer „Doppelbewegung" deutlich wird.Das Problem des Quidams ist.Oder" dargestellten beiden Stadien sind nun ausdrücklich auf ein drittes. daß er ein wenig vom Ästhetischen. . Das Schlimme an der Situation des Quidams ist. die in der Schrift „Die Wiederholung" noch getrennt auftraten: Verständigkeit (Constantin Constantius) und höhe- re Unmittelbarkeit (der junge Mensch). einen bestimmteren existentiellen Ausdruck. stellt laut Climacus für die angestrengte Mitteilung insofern einen Fortschritt dar. die religiöse Existenz erreicht zu haben.Nicht schuldig?" erläutert.Doch er bringt es nicht zum Sieg des Humors über die Welt. das ihn neckt". wäre er . die ihn festhält: als ein „Vielleicht. ohne die verschiedenen Momente miteinander in Einklang bringen zu können. als eine „dämonische Figur in Richtung auf das Religiöse". Daß die Innerlichkeit des Quidams durch „den Gegensatz in sich selbst" bestimmt ist.

konkrete Schuld kann freilich nur als psychologisches Hilfsmittel angesehen werden und nicht als eine notwendige Bedingung religiöser Reue. . „Man hat von Geschlecht zu Geschlecht sich daran erfreut. insofern Abrahams Vereinzelung nicht durch die Sünde bedingt ist. Zwischen den beiden besteht aber ein grundsätzlicher Unterschied. d. Eine tatsächliche. Was hier deutlich gemacht werden soll. daß er als einzelner in ein absolutes Verhältnis zum Absoluten tritt. So aber bleibt er gleichsam unentschlossen darüber. welchem die Voraussetzung mangelt"67.sich nun wiederholt. als ob er alles noch einmal anders machen müßte. und unleugbar hat jeder Mensch eine Nei- gung. so wie eine Stiefmutter die Kinder zu mißratenen macht. Welch eine ungeheuerliche Ungerechtigkeit. was er eigentlich bereuen soll. einem weit verbreiteten Mißverständnis entgegenzutreten. daß er sich aus einem spontanen Bedürfnis heraus am Absoluten mißt. Damit ist auch gesagt. sondern.Bereits durch die Sünde ist das Individuum „in Richtung auf das dämonische Paradox" höher als das Allgemeine. als das Allgemeine . die Bewegung kraft des Absurden. das Allgemeine zu tun. Johannes de Silentio. daß wenn ein Mensch ohne erkennbares eigenes Verschulden (etwa infolge eines körperlichen Gebrechens) außerhalb des Allgemeinen steht und sich deshalb nicht zur Reue durchringen kann. daß er als der gerechte Mann von Gott auserwählt wurde. daß der Mensch „frei liebt und Gott liebt". das Dämonische unausweichlich wird. der dies einmal nüchtern feststellt. und das Paradox . nachdem er die unendliche Bewegung der Reue gemacht hat. und es ist ihm immerzu.140 viel leichter aus der Verstrickung „herauszuklären" gewesen. Ursprünglich von Natur oder durch geschichtliche Lage aus dem . falls dies möglich sein sollte. die Unmittelbarkeit des Religiö- sen. höhere Unmittelbarkeit erschließt. sobald er eine Mißgestalt sieht. Kobolde und Trolle usw. h. muß er noch eine zweite Bewegung machen. weshalb das eine Paradox dem anderen oft täuschend ähnlich sieht. „weil es ein Widerspruch seitens des Allgemeinen ist. weil in beiden Fällen ein absolutes Verhältnis vorliegt. beeilt sich aber. ist folgendes: Wenn der Mensch im Bewußtsein der Sünde erst einmal aus dem Allgemeinen (Ethischen) herausgetreten ist. Letzteres zu betonen ist deswegen wichtig. Von einer Analogie zu Abraham als dem Vater des Glaubens laßt sich mithin erst dann sprechen. zumals das Verhältnis eher umgekehrt werden muß dahin. doch das dämonische Paradox und das religiö- se Paradox sind eben nicht ein und dasselbe. wenn der einzelne in der Lage ist. die Vorstellung einer moralischen Entartung damit zu verbinden. daß das Dasein selbst sie verdorben hat.als einzelner höher zu stehen. Denn dieses erfordert. daß Hexen. So könnte die Verschlossenheit des Meermannes in „Furcht und Zittern" mit der Verschlossenheit Abrahams verwechselt wer- den. dann kann er nur dadurch dahin zurückkehren. h. sich selbst fordern zu wollen von dem. durch die er sich eine neue. d. Mißgestalten seien.

der bringe den Glauben in die simple Gesellschaft mit Gefühl. Stimmung. Die Aufgabe besteht vielmehr darin. daß man sie in eine Idee der Gemeinschaft hineinvermittelt. und zwar sowohl von Natur als auch durch geschichtliche Lage . das in Unkenntnis der möglichen Gefahren dahinlebt und alles Sorgen der Amme überläßt. daß er besser ist. also durch Wiederholung. Was hat denn einen Richard III. die keine Ahnung haben von den Schrecknissen des Daseins oder von ihrer Deutung. die Schuldfrage im ethischen Sinne zu bereinigen. Climacus polemisiert in diesem Zusammenhang aufs schärfste gegen die von philosophischer. muß der Augen- blick kommen. zum Dämonen gemacht? „Offensichtlich dies. Kierkegaard . die über derartige Bedingtheiten großzügig hinwegsehen. Sein Monolog im ersten Akt von Richard III. auf eine ganz bestimmte Art unwissend zu werden: unwissend wie ein Kind. Die Ethik halt sie eigentlich nur zum Nar- ren. 141 Allgemeinen herausgesetzt sein. „daß man es gewesen ist. Die aus dem Dämonischen hervorgegangene Religiosität ist freilich nicht die wahre Religiosität! Da sie nicht über das Ethische vermittelt wurde.kritisiert mit Worten Johannes de Silentios all jene Moralsysteme.bis zu einem gewissen Grad selbst ein Verunstalteter. Was sodann die Sünde als jene überindividuel- le Voraussetzung betrifft.zunächst darauf an." Solche Natu- ren kann man auch nicht dadurch erlösen. woran das Individuum doch keine Schuld hat. . daß er das Mitleid nicht ertragen konnte. nur „dumme Pfarrer" berufen sich ganz direkt auf die . die gleichwohl so viel Menschliches an sich haben. Das Fahrenlassen der Reue darf demnach nicht als Vergessen der Schuld mißverstanden werden. Sie stehen von Grund auf im Paradox. und meint. wer das behaupte. Und er lobt sich Shakespeare und dessen tiefsinnige Zeichnung grauenhafter Dämone wie Gloster. ist mehr wert als ganze Moralsysteme. sondern dadurch unwissend zu sein. es ist der Anfang vom Dämonischen. Frater Taciturnus. dem er von Kindheit auf preisgegeben war. aber auch von kirchlicher Seite vertretene Auffassung. Unwissend zu sein wie ein Kind.wie gesagt . und die Schuld vergessen sei eine neue Sünde. Dies habe täuschende Ähnlichkeit mit Vergessen. Hierin liegt die Schwierigkeit69. dann kommt es ." Und ein dämonischer Mensch muß noch lange nicht verächtlich handeln. so daß sie „entweder verlorenge- hen im dämonischen Paradox oder erlöst werden im göttlichen"68. Befindet sich ein Individuum durch eigene Schuld außerhalb des Allgemei- nen. der Glaube sei das schlechthin Unmittelbare. stellt sie letztlich eine Form der Ausflucht dar. „da man das Werk der Reue fahren läßt". in einer paradox anmutenden Formulierung fest: Weil die Reue der Sünde ohnehin unangemessen ist. als die richtenden Vorurteile es wahrhaben wollen. um ihren rigorosen Maßstab völlig undifferenziert anlegen zu können. seine Stärke ist vielmehr zu wissen.Ein kleines Kind kann also niemals Paradigma des Glaubens sein. so stellt der pseudonyme Verfasser der „Leidens- geschichte". Idiosynkrasie usw. ist das Problem nicht.

teils weil das Kind zum Paradigma für einen Erwachse- nen gemacht wird. wie im Matthäusevangelium. Und obwohl der Humor selbst die Unmittelbarkeit noch nicht besitzt. Das Ausbleiben des Resultats ist laut Climacus eine Bestimmung der Innerlich- keit. Der Frater bringt es nur bis zum Humor. Die von Johannes Climacus anhand der verschiede- nen pseudonymen Schriften reflektierte Methode einer indirekten Hinfüh- rung zum Christlich-Religiösen besteht im wesentlichen darin. Denn wie schon am Beispiel des Dialogs zwischen Jacobi und dem sterbenden Lessing sehr nachdrücklich herausge- stellt wurde. Von einem Paradox kann hier übrigens aus zwei Gründen gesprochen werden: teils weil ein Kind in seiner Unmittelbarkeit gar nicht Paradigma sein kann. durch das sich Christus (als der Lehrer) von der Aufdringlichkeit der Apostel (der Schüler) schützen will.so Climacus - steht im Gleichgewicht zwischen dem Komischen und dem Tragischen. Sich zu einer ewigen Seligkeit verhalten ist Unmittelbarkeit in der Sphäre der Reflexion! Dies kommt Frater Taciturnus im Verlauf seines psychologi- schen Experiments mit dem Quidam immer klarer zu Bewußtsein. dazu fehlt ihm „die leidende Seite des Paradox" und „die ethische Seite des Glaubens". daß man als kleines Kind getauft wird und dann „ je eher je Heber sterben sollte". kann und darf die Entscheidung für den eigentlichen Sprung ins Paradox dem Individuum in keiner Weise abgenommen werden. sowenig paßt es in seiner wahren Gestalt in jedes Lebensalter. Es ist daher nicht von ungefähr. so Hegt nach Climacus darin gerade das Paradox. - Wird. Das Kind hat jedenfalls keinen entscheidenden Gebrauch für das Christentum. dann macht man es in den allermeisten Fällen „höchst unglücklich". jenes Höhere in Richtung auf Innerlichkeit. Mit dem Humor als dem letzten terminus a quo für das Christlich- Religiöse ist auch die Grenze der von Kierkegaard entwickelten Methode indirekter Mitteilung erreicht. und wenn man ihm dieses mit Gewalt einzuflößen ver- sucht. weil die Mitteilung von Resultaten zum äußerlichen Verhältnis zwi- schen einem Wissenden und einem Unwissenden führt. stellt er sie doch negativ heraus: indem er durch das Festhalten am Gegensatz zwischen dem Komischen und dem Tragischen die Richtung nach innen weist. das Kind trotz allem zum Paradigma erhoben. ist selbst aber noch nicht der Glaube. daß die „Stadien" ein Buch ohne Schluß sind. Fassen wir zusammen. „der in der Demut des Schuldbewußtseins der Demut der Unschuld gleichen soll"70. der als Bewegung der Resignation die Vorstufe zur Wiederholung der Unmittelbarkeit bildet. Sowenig wie das Christentum in der Kindheit der Völker in die Welt kam.142 bekannten Worte der Heiligen Schrift daß keiner in das Reich Gottes eingeht.so als wären alle Schwierigkeiten dadurch zu beheben. Der H u m o r . der nicht Kind geworden ist . das Individu- um durch Analyse exemplarischen Menschseins schrittweise mit der Proble- . Er schätzt seine Existenz aber dennoch niedriger ein als die des Quidams: weil ihm jenes Höhere fehlt.

ihm dessen Möglichkeiten und Grenzen in immer schärferen Umrissen vor Augen zu führen. gilt es doch denkend festzuhalten. aber man weiß. daß er gegen den Verstand glaubt"72. die Gleichzeitigkeit der „einzelnen Momente der Subjektivität" . das Ethische mit Ironie als Inkognito. handelt nicht.aber als überwundenes Moment. vielmehr sind das Wahre. was Glaube ist. sondern auch Denken. Humor als letzter terminus a quo für das Christli- che und schließlich dieses selbst als das Paradox-Religiöse (Religiosität B). glaubt nicht. ja unentbehrlich. daß man abstrakt allseitig ist. Wie bereits erwähnt wurde. meint Climacus. Zum paradoxen Glauben braucht es daher nicht nur Leidenschaft. wogegen die Einseitigkeit des Denkens den Anschein erweckt. Climacus faßt diese Überlegung folgendermaßen zusammen: Der glaubende Christ hat Verstand und gebraucht ihn auch. Was nämlich bei der spekulativdialektischen Aufhebung des Niederen im Höheren herauskommt. Denn der Einseitige weist wenigstens deutlich und bestimmt von sich. was er nicht haben will."71 Das Unglück eines Menschen oder auch einer ganzen Generation kann demnach nicht nur darin bestehen. und es handelt sich nur um die Frage nach ihrem Platz im System. Zunächst den. Humor als Konfinium.mithin der Stadien . Und zwar gilt es drei dialektische Widersprüche im leidenschaftlichen Denken festzuhalten. das Wahre steht nicht höher als das Gute und das Schöne. daß es um die existentielle Einheit der drei Momente in der konkreten Subjektivität geht. Die Feststel- lung besagt ferner. und nicht bloß um ihre gedankliche Vermittlung.zu verwirklichen. Ironie als Konfinium. endliche Verständigkeit (Spekulation). wenn dieser tatsächlich den Gipfel der Selbstwerdung darstellen soll.um darauf aufzupassen. das Gute und das Schöne für die Selbstverwirkli- chung des Menschen gleichermaßen wichtig. „aber im Verhältnis zum Christentum glaubt er gegen den Verstand und gebraucht auch hier den Verstand . bis es sich schließlich unentrinnbar vor das absolute Paradox als die entscheidende Herausforderung seines Daseins gestellt sieht. Die Gleichzeitigkeit muß natürlich besonders im Glauben zum Tragen kommen. 143 matik bewußten Existierens zu konfrontieren. was nicht gedacht werden kann. was Liebe. Die projektierte existenzdia- lektische Entwicklung weist dabei folgende Stufen auf: Unmittelbarkeit. er respektiert das Allgemein-Menschliche und erklärt es nicht mit Mangel an Verstand. kommt es jedoch entscheidend darauf an. auch den Glauben . wenn jemand nicht Christ wird. Diese Feststellung besagt. Dieser Widerspruch beinhaltet . So weist der einseitig Glaubende das Denken von sich. denn. eine ewige Seligkeit in der Zeit durch das Verhältnis zu etwas anderem in der Zeit zu erwarten. alles zu haben. während der abstrakt Allseitige alles mit Hilfe der Einseitigkeit des Denkens haben will. ist folgendes: „Man liebt nicht. sondern auch darin. daß man zu einseitig ist. was noch negativer bewertet werden muß. Religiosität mit Humor als Inkognito (Relgiosität A). daß von den drei Stadien keines nur als Mittel zum Zweck betrachtet werden darf.

Der Historiker und der spekulative Philosoph sehen den Widerspruch deswegen nicht.Dieser zweite.144 letztlich nichts anderes als eine paradoxe Akzentuierung der Existenz. das prinzi- piell ungewiß bleiben muß. der absolute Bruch mit der Immanenz ist unausweichlich geworden. und daß der Übergang. zu etwas. . um darauf sein Dasein zu bauen73. „Es gibt keine immanent zugrundeliegende Verwandtschaft zwischen dem Zeitlichen und dem Ewigen. ein Sprung ist75. der Humorist würde sie mit einem wehmüti- gen Lächeln beantworten. wenn die Individuali- tät im Äußersten subjektiver Leidenschaft sich um ihre ewige Seligkeit sorgt und diese dann nicht anders zu begründen vermag als durch historisches Wissen. d. insofern das Individuum sich in der Zeit zum Ewigen in der Zeit verhalten soll. als unsinnig abtun. . als seine ewige Seligkeit durch das Verhältnis zu etwas Historischem zu begründen. weil das Ewige selbst in die Zeit gekommen ist und dort die Verwandtschaft konstituieren will. daß zufällige Geschichtswahrheiten nie der Beweis von ewigen Vernunftwahr- heiten werden können. daß nämlich die ewige Seligkeit als das höchste menschliche Interesse auf etwas gegründet ist. bleibt ihm gar nichts anderes übrig. zu der sich schon die Überlegungen der „Brocken" zuspitzten. Denn wenn das Individuum durch den absoluten Bruch mit der Immanenz keine ewige Bestimmung in sich hat. und bekämpft den direkten Übergang vom geschichtlich Zuverlässigen . Dazu Climacus: Indem die ewige Wahrheit zu einem Zeitmoment geworden ist. in der Religiosität B ist es genau umgekehrt. daß das Historische an zweiter Stelle steht'4." . kommt das Individuum nicht dazu. der dialektische Widerspruch bestehe hier wesentlich darin. h.Kann es denn aber einen historischen Ausgangspunkt für eine ewige Seligkeit geben? Nun. Deshalb kann Climacus sagen. durch den man auf eine geschichtliche Nachricht die ewige Seligkeit gründen will. hat es doch das „Trügerische des Werdens" an sich. Climacus zufolge opponiert Lessing mit diesem Ausspruch gegen den Ver- such. der Christ hingegen hält in der Leidenschaft des Denkens das Unmögliche fest. verschärfte Widerspruch ergibt sich also unmittelbar aus dem ersten. „sich in eine qualitative Entscheidung hineinzuquantitieren". das in seinem Maximum nur Approximation sein kann.In der Religiosität A resultiert aus dem Verhältnis des Individuums zum Ewigen das Wie seiner Existenz.zur Entscheidung hinsichtlich einer ewigen Seligkeit. sich spekulativ zum Ewigen zu verhalten und auch nicht dazu. im Sinne der Religiosität A auf dieses Verhältnis des Existierenden zum Ewigen zu reflektieren. Und genau das hat der zweite dialektische Widerspruch zum Inhalt.Climacus beruft sich in diesem Zusammenhang auf Lessing und dessen Ausspruch. der spekulative Philo- soph würde diese Frage. . . das selbst in seinem Maximum nur Approximation sein kann: auf historisches Wissen. weil er erst eintritt. die paradoxe Akzentuierung der Existenz bestimmt das Verhält- nis des Individuums zum Ewigen.zu dem Lessing auch die Wunder und Weissagungen der Schrift rechnet .

der Ewige. wäre er mit den Wundern und Weissagungen gleichzeitig gewesen. indem es spekulativ in ein „ewig Historisches" umgedeutet wird. daß jede „Kommunikation der Immanenz auf dem Weg der Erinnerung" abgebro- chen wird.Auch die Gegenthese bringt indes eine schwerwie- gende Konsequenz mit sich. keine gewöhnliche historische Tatsache ist. Verhielte es sich anders. daß der konkrete geschichtliche Zusammenhang für den christlichen Glauben gleichgültig ist. daß es dieses Bewußtsein . ist ein Pathos der Absonderung! Nur in der Religiosität A gibt es die Sympathie mit allen Menschen. Climacus stimmt Lessing da nicht zu. zu dem man sich verhält. als Ausgangspunkt für das Ewige. mehr noch: der Gleichzeitige könne ungeachtet seiner Gleichzeitigkeit der Nicht-Gleichzei- tige sein und umgekehrt der Nicht-Gleichzeitige der in Wahrheit Gleichzei- tige. die Augen- zeugen der Offenbarung Gottes hätten in wesentlicher Hinsicht den Späte- ren gegenüber keinen Vorteil. Das darf nun aber nicht so verstanden werden. dann hätte man es mit einer „grenzenlosen Ungerechtigkeit" allen Späteren gegenüber zu tun. Ganz im Gegenteil. denn. verschärfte Pathos vor allem Sündenbewußtsein. . insofern sie einen Selbstwiderspruch beinhaltet und folglich nur kraft des Absurden überhaupt als solche angesehen werden kann.Näher bestimmt ist das neue. um die es hier geht. Daß Gott. zu dem das Paradox-Religiöse führt. In der Religiosität B. Beschnittenen und Unbeschnittenen. meint der Verfasser der „Brocken" und der „Nachschrift". meint Climacus. mit einer Unterscheidung noch viel schlimmer als die zwischen Juden und Griechen. Das Sündenbewußtsein ist nämlich diejenige Existenzbestimmung. „falls nur der Augenblick noch übrig bleibt. es sei denn. wo er sagt. wo die Existenz so um das Individuum „zusammenschlägt". Bei der Abwehr einer solchen Interpretation geht Climacus schließlich so weit zu behaupten. durch welche sich das Individuum seiner Verschiedenheit vom Allgemein-Menschlichen bewußt wird und zudem auch des Umstandes. Man kann in bezug darauf völlige Unwissenheit eintreten lassen und ein Stück nach dem anderen gewissermaßen zum Verschwinden bringen. wesentlich gesehen tatsächlich allen Menschen zu allen Zeiten offensteht. der Unterschied zwischen dem Schüler aus erster und dem Schüler aus zweiter Hand sei aufgehoben. polemisch. vor der Climacus freilich nicht zurückschreckt: die Konsequenz nämlich. daß die historische Tatsache. verschärfte Pathos. als sei das Christentum allen gleichermaßen zugänglich und insofern dasjenige. ist das Pathos absondernd. in einem bestimmten Zeitmoment ein einzelner Menschen geworden ist. was die Menschen miteinander verbindet. ist das Paradox zugegen"76. dies stellt einen Bruch mit allem Denken dar. wäre also die Gleichzeitigkeit mehr als nur Anlaß für den Sprung der Entscheidung. weil das Ewige. . 145 Der dritte dialektische Widerspruch besteht darin. so würde ihm das gehol- fen haben. das neue. das einmalige historische Ereignis wird metaphysisch verflüchtigt. ist unmöglich. mit einem Paradox unmittelbar gleichzeitig zu sein. aussondernd.

zu dem das Paradox-Religiöse führt. verschärfte Pathos. die sich an dieser Stelle vor allem aufdrängen: Wie verträgt sich das neue. Ferner ist das neue. sondern nur von Gott haben kann: durch dessen Auftreten in einem bestimmten geschichtlichen Zeitmoment. mit der postulierten Gleichzeitigkeit der drei Stadien? Und handelt es sich nicht um einen fundamentalen Widerspruch. das menschliche Existieren noch im ethisch-praktischen Sinn als Wiederholung beschrieben werden? .Oder ganz allgemein gefragt: Kann bei der Perspektive. wie sie sich aus der Forderung ergibt. beinhaltet sie doch die Gefahr eines um so tieferen Falls. weil der Glaubende „nicht wie der Religiöse A latent mit jedem Menschen sympathisieren kann. Zwei Fragen sind es. die Erfüllung der Selbstwerdung im Verhältnis zu einer Wahrheit finden soll. gegen den Verstand zu glauben. und damit ein Fortdauern von Furcht und Zittern. der von Kierkegaard ausdrücklich als geschichtliches Wesen definiert und dargestellt wird.146 nicht aus sich selbst. verschärfte Pathos ist dann schließlich noch durch den Schmerz der Sympathie näher bestimmt. Vater und Mutter sind da nicht ausgenommen77. als der paradoxe Glaube höher steht als alle Religiosität der Immanenz. die als paradoxe Wahrheit angeblich dem konkreten geschichtli- chen Zusammenhang enthoben ist? . sondern wesentlich nur mit dem Christen". verschärfte Pathos durch die Möglichkeit des Ärgernisses näher be- stimmt. wenn der Mensch. Das neue. die durch Climacus' Entwurf einer christlich-humanen Selbstverwirklichung eröffnet wird.

Guten (Ethischen) und Wahren (Religiösen). 147 IV. sondern darüber hinaus die Verwirklichung der Idee des Menschseins in der existentiellen Vermittlung. als ob der Weg in das Paradox-Religiöse ein Weg der Preisgabe und des Verzichts wäre."1 Kierkegaards indirekte Hinführung zum Paradox-Religiösen als dem abso- luten Telos der Selbstwerdung ist im ganzen gesehen so konsequent und methodisch durchdacht. lieber Freund. aber dieses Ideal . wenn der Christ seinen Gott einen Gott der Liebe auch in dem Sinne nennen dürfte.zumal auf ihrem Kulminationspunkt . derart.dem eigenen An- spruch gerecht wird oder nicht. ohne Hoffnung von Anbeginn"?.in naiver Treuherzigkeit dem Dänen Glauben schenkt. daß er dabei auch an jenes selige Gefühl dächte. ihr Schauplatz das Dunkel der subjektiven Immanenz. wenn dieser beteuert. Und dieser Anspruch beinhaltet nicht etwa nur die Erschließung einer Wahrheit. Die Grenzen der Wiederholung „Und schön.die irdische Liebe.ist riur ein Phantasiegebilde. Wer . die uneingeschränkte Wiederholung irdischer Existenz. Das in „Furcht und Zittern" am Beispiel Abrahams entwickelte Ideal des Glaubensritters beinhaltet zwar ausdrücklich die Rückkehr aus der Unendlichkeit in die Endlichkeit. kann der hier zur Debatte stehende Entwurf einer Dialektik der Selbstwerdung nur daran gemessen werden. sich ihrer Logik zu entziehen. daß vom Bruch absoluter Transzendenz nicht die geringste Spur zurückbleibt. die von der Thesis des subjektiven Denkers aus mit Kierkegaard um jeden Satz des Werkes und jede Entscheidung des Lebens verzweifelt rechtet. das in der realen Situation geschichtlicher Existenz zur dummdreisten Antizipation .so stellt sich später heraus . ein Kampf mit Geistern. und auch Dein Kopf kennt die Zweifel nur allzu wohl). Aus solchen Erwägungen heraus hat Adorno sich erst gar nicht auf eine immanente Auseinandersetzung mit Kierkegaard eingelassen. der wird sich in seinem Werk wie in einem Spinnennetz verfangen. Weil andererseits das Paradox-Religiöse rationalen Kriterien prinzipiell nicht zugänglich ist. schön wäre es doch. Du wirst es mir nicht abstreiten (denn auch Dein Herz hat doch Empfinden für Liebe. die imstande sein soll. zumal er ein abschreckendes Beispiel solchen Unterfangens vor Augen zu haben meinte: Für ihn ist Christoph Schrempfs „tapfere Biographie. das Sosein der Existenz begreiflich und erträglich zu machen. der Gleichzeitigkeit des Schönen (Ästhetischen). Nun hat es aber den Anschein.wie gar mancher Interpret . so raffiniert und ausgeklügelt. der Vorsehung. sein Werk sei das Produkt spontaner Eingebung bzw. ob die Selbstwerdung . an jene ewige Gewalt in der Welt . daß es einem schwer- fällt.

").vorübergehend suspendiert.so heißt es da -. ich hätte mich mit größter Freude mit meiner Verlobten verheiratet. .an dem Kierkegaard Hegel gegenüber so leidenschaftlich festhält . über das. teils ist das Ethische nichts anderes als die Vorstufe religiöser Innerlichkeit (denn es ist die Absicht. . Besonders deutlich spricht sich Kierkegaard diesbezüglich in den Tagebuchnotizen aus. . elementarsten Bereich gesellschaftlichen Lebens möglich ist. Ärgernis. Verzicht. Wäre nun das Ethische mit dem Religiösen gleichzeitig. dann müßte sich die eheliche Liebe in irgendeiner Form in der religiösen Liebe wiederfinden und umge- kehrt . als die Vermittlung von Geist und Sinnlichkeit in der geschichtlichen Praxis der Ehe. „was das Christentum eigentlich gemeint habe. als selbständige Realitäten zu existieren. was ethisch akzentuiert wird. die zum wahren Interesse des Individuums nur in einem äußerlichen Verhältnis steht (sie bildet den Widerstand für die Gewissensbil- dung und das Zuchtmittel für das Religiöse). hat es doch den Anschein. .eine Vorstellung. sondern ein für allemal ausgeschlossen wird. sei an einem konkreten Beispiel aufgezeigt. mit welchem Recht kann dann überhaupt noch von Gleichzeitigkeit gesprochen werden? . Kierkegaard kann sich dabei auf den Apostel Paulus berufen. sein Verhalten durch Leiden. .wie bei Abraham . Sein Pathos ist bestimmt durch Sünde. Gott weiß. nachzudenken3. ein Christ soll unverheiratet sein! Und weiter: Daß die Ehe als das Gott Wohlgefällige dargestellt wird. als dienten die ersten beiden nur der Vermittlung des dritten und hörten dann auf. Die fast zwangsläufige Konsequenz ist ein äußerst zwiespältiges Verhältnis zu den weltlichen . Was dies für die postulierte Gleichzeitigkeit der Stadien zu bedeuten hat. daß die irdische Liebe durch den Sprung ins Paradox nicht nur . nein. Wenn aber die simultane Verwirklichung des Ästhetischen. des Ethischen und des Christlich-Religiösen nicht einmal im privatesten. Für seine Person beteuert der Däne zwar. wie gern ich wollte . ist „Lügenchristentum".Obgleich nach Climacus keines der drei Stadien nur als Mittel zum Zweck angesehen werden darf. insofern ihm dadurch die Gele- genheit geboten worden sei. ist eine Abscheulichkeit. Schmerz der Sympathie. die schon für Gerichtsrat Wilhelm etwas Utopi- sches an sich hat. Zuletzt wird dann ganz klar. keineswegs aus christlicher Überzeugung nicht geheiratet zu haben („ . Ungewißheit usw. Das Ehtische wurde von seiner Idee her definiert als die Verwirklichung der ersten Liebe. der in seinen Korintherbriefen die Seligkeit am Leid kennt- lich sein läßt: am „Pfahl im Fleisch".Dementsprechend wird der Christ so gut wie ausschließlich durch negative Prädikate charakterisiert. wenn es den ledigen Stand empfiehlt". sich um das Ergebnis als das Äußere der Tat zu kümmern). doch sieht er im Scheitern seines Vorhabens eine glückliche Fügung.buchstäblich aufgerieben: Teils ist das Ethische bloße Legalität. und darum geradezu unsittlich. Nicht nur der Priester .148 verblaßt. Zumal das Ethische wird im Widerspruchsverhältnis zwischen dem Äußeren und dem Inneren .

daß Kierkegaard nie an eine solche Ethik.um jeden Einzelnen mit Gott zu vereinen. wenn man davon ausgeht. Und wenn dann einer derart geworden ist. um hinterher einzugestehen. so ist er dem abgestorben."6 In der Tat kann man von einer methodischen Hinterlist sprechen.erkennt man. die übrigens von Kierkegaard selbst stammt. eine Selbstverwirklichung durch Wieder-holung käme dem Versuch gleich. die Lebensweise eines Räubers." Eine so eindeutige."5 Der Umstand. . daß er Gott zugehören kann. denn die wahre Unmittelbarkeit des Menschen ist die Sünde. sie erweist sich aber als durchaus konsequent. 149 Machthabern. was die Menschen vereint. auszuschließen ist. . denn so tief ist die Welt doch wohl nicht gesunken. so tuend. wie es ähnlich bereits Luther demonstrierte: Gehorsam bis hin zur Unterwürfigkeit. Selbstwahl. es trennt sie. ohne daß in dem Menschen Religiosität da ist. das Inkognito der wahren. verdeutlicht auf drastische Weise die folgende Feststellung Kierkegaards: „Das Christentum vereint die Men- schen nicht. daß offenbare Verletzungen der Gesetzlichkeit als das Allgemein-Menschliche angesehen werden können. kompromißlose Aussage mag auf den ersten Blick überraschen. ganz so auszusehen wie alle anderen. geglaubt hat. Erst allmählich und hinterher - empört sich Anton Hügli . der sein Interesse von allen äußeren Bezügen in die Innerlichkeit zurückholt. Wie wenig das Ethische als das Allgemein-Menschliche im Christlich- Religiösen aufgehoben und aufhebbar ist. erweist sich angesichts des Faktums Sünde als ein Sirenengesang. sich am eigenen Zopf aus dem Sumpf zu ziehen. „Nein.Das Ethische als das Allgemein-Menschliche behält auf der Stufe der Religiosität B letztlich nur noch eine Funktion: die des Inkognitos. dialektisch verinnerlichten Religio- sität bestehe darin. die beiden ersten Stadien würden dazu mißbraucht. Um es noch deutlicher zu sagen: Das dauernde Gerede von Wiederholung. sich selbst zu realisieren. als vermöchte der Mensch. aber diese kann ja auch sehr wohl vorhanden sein. wie er sie anpreist. und selbst wenn er es wüßte.heißt es dazu in einer Anmerkung der „Unwissenschaftlichen Nachschrift" -. das Individuum ins Religiöse „hineinzutäuschen". wenn Kierkegaard im Namen der Ethik gegen das Aufgehen der Individualität in Staat und Gesellschaft polemisiert. Mörders usw. der den . eine Ausdrucksweise. „Der Einzelne weiß im Grunde nicht. nein. Es braucht wohl kaum betont zu werden . daß wenn gesagt wurde. könnte er es nicht tun. muß natürlich den Verdacht erwecken. Freiheit der Entscheidung usw. und in der Sünde hat er sowohl seine Vernunft wie seine Freiheit verloren. daß die paradoxe Religiosität nicht das Produkt eines immanenten Prozesses dar- stellt. daß entgegen allen Beteuerungen das Ästhetische und das Ethische zu guter Letzt eben doch auf der Strecke bleiben. der Aus- druck: ganz wie alle anderen Menschen aussehen sichert sich selbst natürlich die Gesetzlichkeit (Legalität). was das Gute wirklich ist. sondern durch den Bruch der absoluten Transzendenz von den beiden anderen Stadien getrennt ist. Unbeugsamkeit bis hin zur Sturheit4.

150 einzelnen vor die Entscheidung stellen soll. kann ernsthaft der Täu- schung. sie aber aus eigenen Interessen zurückhält oder völlig verschweigt.Die Behauptung. Zur Rechtfertigung dieser Methode läßt sich sagen. ein Christ zu sein. des Betrugs geziehen werden. entweder ganz Christ . entweder in Unwahrheit zu verzweifeln oder in Verzweiflung die Wahrheit zu wählen. insofern er ohne Umschweife zur Sache geht: zur Frage nämlich. Mehr noch! Dieses von der Existenz ausgehende und in sie zurückführende ethische Streben läßt die Glaubenswahrheit erst wirklich zur Wahrheit werden. seine Methode ist die Erbau- ung.Und noch etwas läßt sich zugunsten Kierkegaards geltend machen. einer Schrift. „Die Krankheit zum Tode" ist aber noch in einem anderen Sinne ein schwieriges und unbequemes Werk. sich in der Doppelbewegung der Unendlichkeit aus der Existenz und ihrer Unzulänglichkeit herauszuretten. Es legt für das Christsein einen so strengen Maßstab an. würde letztlich einem Rückfall ins Ästhe- tisch-Spekulative gleichkommen. die allgemein als das scharfsinnigste und reifste Werk des Dänen angesehen wird und doch nicht die gebührende Beachtung findet7. Denn ein Glaube. mit der man bestenfalls sympathisie- ren kann. . Der pseudonyme Verfasser. die den Gegensatz zur gleichgültigen Wissenschaftlichkeit mit ihrer „unmenschlichen Neugier" bilden soll. Wenn auch der Mensch von sich aus der Wahrheit nicht mächtig ist. Sie läßt sich freilich auch nicht so ohne weiteres in das Gesamtwerk einordnen. Auf einer bestimmten Existenzstufe kann daher eine Aussage als wahr gelten. . daß er als der Herausgeber des Werkes aufscheint. Kierkegaard scheint ein solches persönliches Engagement dadurch zum Ausdruck bringen zu wollen. daß einem nur die Wahl bleibt. Es gibt bei ihm kein unverbindliches Experimentieren. erweist sich andererseits als etwas so Anmaßendes. was es denn heißt. der nur darin bestünde. daß Anti-Climacus eben doch noch eine fiktive Gestalt ist. wird von Anti-Climacus gewissermaßen die Probe aufs Exempel gemacht. daß der wahre christliche Glaube sich erst in der Wiederholung des Daseins erfüllt. die sich später im gleichen Sinne nicht mehr als wahr erweist: weil es für die eigentliche Wahrheit keine direkte Mitteilung gibt und geben darf. Anti-Climacus. mit dem Christentum zu leben. Diesen Gedanken hat Kierkegaard vor allem in „Die Krankheit zum Tode" dargestellt. so bleibt das ethische Streben nach Wahrheit doch die entscheidende Voraussetzung für das Offenbarwerden der Wahr- heit im paradoxen Glauben. steht nicht in einer Reihe mit den vorangegangenen Pseudonymen. .Es ist also schon so. daß der Mensch zwar je schon mit der Unwahrheit und Unfreiheit der Sünde behaftet ist. aber wohlgemerkt: des Daseins in seiner ganzen Zwiespältigkeit. er selbst sei kein Christ. Während also Climacus das Christentum denke- risch entwickelt und gleichzeitig versichert. Nur wer die Wahrheit zu sagen vermag. das Bewußtsein davon aber erst in einem mühsamen Prozeß der Existenz Vertie- fung erlangen muß.

was es denn bedeutet. in Sünde zu existieren. Die dort vermittelte Definition des Menschen als Synthese von Physischem und Psychischem. dann wird es zum positiven Dritten. er ist nicht Substanz. 151 oder kein Christ zu sein. sieht Anti-Climacus seine Aufgabe darin. Die Frage. wie der Fall Lazarus sinnbildlich deutlich macht. das sich zu sich selbst verhält.stellt Romano Guardini einmal fest . sich mit diesem Bewußtsein der Wirklichkeit zuzuwenden. Person gleichgesetzt.Geist wird also mit Selbstsein. heißt. da befindet er sich bereits wieder in der Gefahr. es heißt auch sacrificium existentialis. denn sie ist geistiger Natur. . Begrenztes. sich selbst zu verlieren. im wesentlichen Bewußtsein der Sünde ist. Der physische Tod erweist sich im Vergleich dazu als etwas Harmloses. meint Anti-Climacus: Wovor dem Kind graust. eine Krankheit freilich besonderer Art. Grob vereinfacht läßt sich dieser Zusammenhang zwischen Selbstsein und Ver- zweiflung durch folgendes Schema veranschaulichen: . Weil nun das höchste Pathos. und der Tod.Freilich kann nur der Christ diese Krankheit wirklich begreifen. Denn Christ sein heißt jetzt nicht nur sacrificium intellectualis. nie endender Prozeß. Das Verhältnis zwischen dem natürlichen Menschen und dem Christen ist diesbezüglich wie das zwischen einem Kind und einem Mann. mit dem christli- chen Paradox zu leben. Ausgangspunkt für die nähere Bestimmung der Sünde als Krankheit zum Tode bildet die Schrift über die Angst.hat etwas ungeheuer Anstrengendes. die nur über Angst und Sünde wahre Konkretion erlangt. das hält der Mann für gar nichts. Er ist nicht ein Teil des Menschen. und dies ist das Selbst. Es ist ähnlich wie bei Plato. etwas tief Gefährdetes. ist Krankheit zum Tode. Zeitlichkeit und Ewig- keit. Im Verhältnis zwischen zweien ist das Verhältnis das Dritte als negative Einheit. Aber was ist Geist? Geist ist das Selbst. Das Selbst wiederum ist ein Verhältnis. Freiheit und Notwendigkeit. und die zwei verhalten sich zum Verhältnis und im Verhältnis zum Verhältnis. so ist unter der Bestimmung Seele das Verhältnis zwischen Seele und Leib ein Verhältnis. . sondern das Ganze eines dynamischen Gleichgewichts von Endlichkeit und Unendlichkeit. sondern die Aktuali- tät sich vollziehender Freiheit8. zu dem Climacus hinführt. Als Selbst nicht man selbst zu sein ist aber Verzweiflung. ist Sünde par excellence. beantwortet er zunächst mit einem Ver- gleich: Die Sünde ist eine Krankheit. den sie zur Folge hat. Und in der Tat! Der Mensch ist kaum in Angst und Sünde zu sich selbst gekommen. Dieser Begriff des Geistigen und Personalen . wird nun aufgegriffen und in einer bekannten Definition präzisiert: Der Mensch ist Geist. weil er das wahre Entsetzen kennt. ein entsprechend qualvoller. wo der Mensch nach dem mühsamen Aufstieg in das Reich der Ideen den nicht minder beschwerlichen Weg zurück in die Höhle gehen muß. Wenn sich nun das Verhältnis zu sich selbst verhält.

eine Zahl geworden ist. indem man gänzlich in der Endlichkeit aufgeht. die ihre Fähigkeiten dazu gebrauchen.Die andere Möglichkeit ist die Verzweiflung der Endlichkeit durch das Fehlen der Unendlichkeit (B): die Borniertheit. Erkennen oder Wollen unendlich ist oder sein will. in der Dialektik von Möglichkeit und Notwendigkeit sich vollziehenden Akt der Freiheit -. Geld und Gut zu sammeln. „ein Mensch mehr. . erst dann ist das Selbst gesetzt als positives Drittes. und die Synthese konkrete Wirklichkeit geworden. sich selbst zu verlieren. die Möglichkeit des Augenblicks nutzend. das sich selbst Verlieren. denn die Phantasie als die Möglichkeit aller Reflexion führt den Menschen derart zum Unendlichen hin.Die Verzweiflung kann nun ihren Grund entweder in einem Ungleichgewicht des Verhältnisses oder in einem dem Verhältnis unangemessenen Selbstverhältnis haben. wie die Synthese Momente aufweist.durch einen nicht ableitbaren. geht in der Welt zumeist so still vor sich. als Geist.152 In Worten: Die menschliche Existenz gründet in einer Synthese von Endli- chem (Zeitlichem) und Unendlichem (Ewigem). die in ihrem Fühlen. geistige Selbstsein. die sich der Welt verschrieben haben. Als solches beinhaltet die Synthese aber noch nicht das wahre. die durch das Fehlen der Endlich- keit bewirkt wird (A). kann es so zur Verzweiflung der Unendlichkeit kommen. denn die Gefahr. statt ein Selbst zu sein. zu sich selbst zurückzukommen. denn der Alltag zeigt lauter solche Men- schen. Der Mensch kann freilich trotz seiner „phantasti- schen Existenz" in abstrakter Verunendlichung und abstrakter Isolierung recht gut dahinleben. Auf diese Art der Verzweiflung wird man freilich so gut wie überhaupt nicht aufmerksam. Jede menschliche Existenz. Unter der Bestimmung Endlichkeit . ist Verzweiflung. Im ersten Fall gibt es so viele Formen der Verzweiflung. eine Wiederholung mehr dieses ewigen Einerlei".Unendlichkeit gesehen. insofern jenes Dritte bloß als negative Einheit gegeben ist: als Augenblick. als wäre es rein gar nichts. sich als Verhältnis zu sich selbst verhalt . daß sie ihn davon abhält. Geschäfte zu treiben. . sagt Anti-Climacus. indem man. die näher bestimmt ein Verhältnis des skizzierten dialektischen Musters ist. Erst wenn das Individuum. klug zu .

denn ohne Möglichkeit kann ein Mensch gleichsam keine Luft bekommen. weil sich ihm alle Nahrung in Gold verwandelte. Betrachtet man das Verhältnis unter der Bestimmung Möglichkeit . Dem Deterministen und Fatali- sten ergeht es wie jenem König. er lebt wiederum auf. Hoffmannstrop- fen." Zuweilen mag also die Erfin- dungsgabe menschlicher Phantasie ausreichen. Möglichkeit ist das Einzige. In ihrer „Papa- geienweisheit" glaubt die Spießbürgerlichkeit über die Möglichkeit zu verfü- gen. ohne von der Stelle zu kommen. der Hungers starb. Wie weit sie es dabei auch bringen mögen: sie selbst sind sie nicht. Die zwei Hauptformen dieser Verzweiflung sind a) die wünschende. wenn aber einer verzweifeln will. als wäre er ihm ganz nahe. der „wahnsinnig" für die Möglichkeit kämpft. plötzlich aber fliegt er wieder weg und lockt damit den Ritter von den Seinen fort bis es Nacht geworden ist. der hinter einem seltenen Vogel her ist. Wie vielfältig die Gründe für die Verzweiflung auch sein mögen. denn die Alternative ist oft nur der Glaube. so das Fehlen der Möglich- keit mit dem Stummsein. in der das Mögliche „sein bißchen Platz" findet.Das Pendant zur Verzweiflung der Möglichkeit ist die Verzweif- lung der Notwendigkeit (D). dann ergeben sich gleichfalls zwei Formen der Verzweiflung. „daß alles möglich ist bei Gott"10. daß sie in Wirklichkeit sich selbst gefangen hat. wobei es am Anfang so aussieht. bis er schließlich nicht mehr zu sich selbst zurückfindet. daß der Mensch in der Möglich- keit von sich selbst wegläuft. was rettet. ohne auszuatmen. eine Möglichkeit.und merkt nicht. Der Spießbürgerlich- keit fehlt insofern die Bestimmung des Geistes. es ist. Aber auch die Geistlosigkeit des Spießbürgers ist Verzweiflung. er atmet gewissermaßen nur die Notwendig- keit. wird das Selbst aber zu einem Abstraktum. um Möglichkeit zu schaffen. das sich müdestrampelt. für das alles möglich und nichts wirklich wird.wie selbstisch sie im übrigen auch sein mögen9. wie wenn die Sprache aus lauter Konsonan- ten bestünde. daß sie Sklavin ihrer Erbärmlichkeit geworden ist". wenn von einem Ritter erzählt wird. zuletzt aber hilft nur dies. die Folge . „Wenn einer ohnmächtig wird. Es ist wie im Märchen. Ohne die Fähigkeit. Auch diese Art der Verzweiflung tritt in zwei Varianten auf: entweder ist dem Menschen alles notwendig oder alles trivial geworden. . Wenn das in der Möglichkeit Herumirren mit dem Lallen eines Kindes verglichen werden kann. ruft man nach Wasser. so atmet der Verzweifelte wieder. Da ist zunächst einmal die Verzweiflung der Möglichkeit (C). und daran erstickt sein Selbst. Anti-Climacus zufolge bietet sich die Verzweiflung der Not- wendigkeit häufig als der bequemste Weg an. die ihren Grund im Fehlen der Notwendigkeit hat oder darin. meint sie gefangenzuhalten . als sie in der Wahrscheinlich- keit aufgeht. Eau de Cologne. so heißt es: schafft Möglichkeit. b) die schwermütig-phantastische (Furcht oder Angst). sich sehnende (Hoffnung). atmet ein. sich der Notwendigkeit und den eigenen Grenzen zu beugen.Not- wendigkeit. denn sie haben geistig verstanden kein Selbst . 153 rechnen usw.

indem er Freiheit als Vollzug des Selbstverhältnisses der Synthese in der Dialektik von Möglichkeit und Notwendigkeit definiert. es ist schlechterdings das. Tatsächlich aber muß sie als die gefährlichere von beiden angesehen werden. wie gesagt. daß der Mensch sich gänzlich vom Sinnlichen oder Sinnlich-Seelischen beherrschen läßt und keine Neigung zeigt. also weder endlich noch unendlich werden. Um zu einer qualitativen Unterscheidung zwischen Verzweiflung und Verzweiflung zu gelangen. bei der das Individuum sich bewußt ist. daß sie es vorziehen in ihrem eigenen Haus im Keller zu wohnen". deren man sich nicht bewußt ist. Die Wahrheit . Anti-Climacus schließt jetzt gewissermaßen den Gedankenkreis. verzweifelt zu sein. weil das. . was werden soll. Bedingt wird sie laut Anti-Climacus dadurch. konnte man die erste Spielart für harmlos halten. So kann ein Mensch durchaus vermeinen. ein Selbst zu haben. desto intensiver die Verzweiflung. die sich nicht ihrer als Geist bewußt wird. sondern „trübe ruht und aufgeht" in . das heißt aber nicht. .und dies in einem lebenslangen Prozeß. um dann durch Verendlichung des Selbst unendlich zu sich selbst zurückzukehren . was konkret werden soll. Vergleicht man den Menschen mit einem Haus.sagt Anti-Climacus . daß der Verzweifelte seine Verzweiflung notwendigerweise zur Kenntnis nimmt. Die Entwicklung muß mithin darauf abzielen. denn jede menschliche Existenz. die Anstrengung beständiger Selbstbegründung im Vollzug der Freiheit auf sich zu nehmen. ein Selbst zu haben. glücklich zu sein. eine Synthese von beidem darstellt. und einer Verzweiflung. in dem die Einrichtung auf einen Standesunterschied zwischen den Bewohnern der verschiedenen Stockwerke berechnet ist. die Beletage zu beziehen12.ist Kennzeichen ihrer selbst und des Unwahren (veritas est index sui et falsi) und darum stellt die Selbsteinschätzung nicht das entschei- dende Faktum dar. Und sie würden verbittert reagieren. Insofern der Grundsatz gilt: je mehr Bewußtsein. während in Wirklichkeit genau das Gegenteil der Fall ist. „so tritt bei den meisten Menschen leider der traurige und lächerliche Fall ein. bei der sich das Individuum gar nicht bewußt wird. weil es in seiner Verzweiflung unwissend darüber bleibt. wollte jemand sie überreden. jedoch verzweifelt nicht es selbst oder verzweifelt es selbst sein will. Alle bisher genannten Formen der Verzweiflung laufen. kann man auch nicht bekämpfen.Schon Climacus hatte Werden mit Selbstverwirklichung und Selbstverwirklichung mit Freiheit gleichgesetzt. Man selbst werden heißt nämlich konkret werden. denn eine Verzweiflung.154 ist immer die gleiche: das Scheitern wahrer Selbstverwirklichung.Es gilt also zu unterscheiden zwischen einer Verzweiflung. muß man ein neues Kriterium heranziehen: das Bewußtsein. letztlich auf das gleiche hinaus.ist Ausdruck dieser Verzweiflung. durch Verunendli- chung des Selbst unendlich von sich selbst fortzukommen.das alte und das neue Heidentum . Zwar ist jede Verzweiflung begriff- lich gesehen bewußt. weil das Selbst über alles Erreichte hinaus stets aufgegeben bleibt. Die ganze sogenannte Weltlichkeit .

doch statt sich vor Gott unter seine Schwachheit zu demütigen. von der Sache her gesehen. sogar an erster Stelle stehen. Unglück. ist Verzweiflung13. hat dem Ewigen bereits abgeschworen. wie sie in der Unmittelbarkeit auftritt. oder einfacher: verzwei- felt nicht ein Selbst sein wollen. daß er seinetwegen verzweifelt. leiden zu können. während das Heidentum innerhalb der Christenheit die umgekehrte Tendenz zeigt. nichts von sich wissen. Die Verzweiflung am Ewigen oder über sich selbst enthält im Grunde nichts Neues.Die Verzweiflung bleibt dabei freilich wesentlich ein Erleiden. oder in Unklarheit über das eigene Selbst ihre Fähigkeiten als letztlich unerklärliche Wirkkräfte betrachtet: jede solche Existenz. denn wer dem Irdischen so großen Wert beilegt. ohne sich auf diesem Weg selbst überwinden zu können. daß dem Heidentum im engeren Sinne zwar der Geist fehlt. braucht darum nicht je schon im Besitz der wahren Vorstellung ihrer selbst zu sein. und am einfachsten: verzweifelt ein anderer sein wollen. um als Wünschen- der. 155 irgendeiner abstrakten Allgemeinheit wie Staat. Dem Verfasser der „Krankheit zum Tode" erscheint es allerdings wichtig. ein Verzweifeln der Schwachheit und steht damit in einem (wenngleich nur relativen) Gegensatz zur Verzweiflung der Selbstbe- hauptung. vertieft er sich in die Verzweiflung und verzweifelt über seine Schwachheit. daß es aber immerhin in Richtung auf Geist bestimmt ist. Aber durch Vergessen Ist dem Verzweifelten auch nicht . daß der Unmittelbare zumindest so viel Reflexion in sich hat. im Gegenteil. die sich bewußt ist. Schicksal. nachdem es seine Schwache erkannt hat. sie gewinnt nur schrittweise ein klares Bewußtsein davon. Begehrender. denn sein Leben vollzieht sich in der dialektischen Spannung zwischen dem Behaglichen und dem Unbehaglichen. festzuhalten. Genießender usw. Nation und dergleichen. Doch je mehr die Reflexion zur Geltung kommt. - Genauer bestimmt ist die Verzweiflung über das Irdische oder über etwas Irdisches: verzweifelt nicht man selbst sein wollen. d. sich das Irdische so nahegehen zu lassen. zur höchsten Form bewußter Verzweiflung. elementarste und häufigste Form bewußter Verzweiflung ist die Verzweiflung über das Irdische oder über etwas Irdi- sches. daß den eigentlichen Gegensatz zur Verzweiflung der Glaube bildet. was sie ist. das Individuum will gewissermaßen verzweifelt nichts von sich hören. h. seine Begriffe sind Glück. Verzweiflung. daß es Schwachheit ist. um sich verzweifelt davon distanzieren zu können. so kann das Selbst sich nicht mehr anerkennen. .Anti-Climacus zufolge versteht der Verzweifelte selbst. Wie wenn ein Vater seinen Sohn enterbt. um so deutlicher wird das Bewußtsein vom Selbst und mit ihm die Vorstel- lung davon. Die gewöhnlichste. Anti-Climacus jedenfalls ist überzeugt. was Verzweiflung ist. . Verzweiflung zu sein. Es wird also vorausgesetzt. sie müßte. auch wenn sie die erstaunlichsten Leistungen hervorbringt. weil der Unmittelbare auf der untersten Stufe der Unmittelbar- keit noch über kein eigentliches Selbst verfügt.

nun will er lieber gegen alles rasen. nur wird im Gegensatz zu diesem das Bewußtsein eines unendlichen Selbst dazu mißbraucht. Trifft man sie in der Wirklichkeit an. in das Kloster. betont Anti-Climacus. Solche Gestalten findet man selten. denn als die Verschlossenheit steht diese Verzweiflung im direkten Gegen- satz zur Unmittelbarkeit. die es gesetzt hat. jetzt ist es zu spät". dann . Kommt der Verzweifelte zum Bewußtsein. seine Qual loszuwerden . auf den Weg des Glaubens kommt. das Selbst von jedem Verhältnis zu einer Macht. das sie nicht sein will. dazu ist das Selbst zu sehr Selbst14. Wenn ein solcher Verzweifelter nicht auf den richtigen Weg. auf sie wirft er seine ganze Leidenschaft. meint Anti-Clima- cus. das beständig nur Luftschlösser baut und Luftgefechte liefert. . so sind sie an keiner entsprechenden Äußerlichkeit zu . um jeden Unbefugten draußenzuhalten. man kann nicht einfach in die Bestimmung der Geistlosigkeit hineinschlüpfen und dann ein Mann und Christ sein wie andere Männer und Christen. sucht Vergessen in der Sinnlichkeit. mehr aus sich machen kann. „nein. dann will er ihn . die sich nun einmal nicht von seinem konkreten Selbst wegnehmen lassen. das im Selbst ist. Man kann sogar sagen. ins Irrenhaus geflüchtet. Da es sich hierbei um den verzweifelten Mißbrauch des Ewigen handelt.gibt es nur zwei Möglichkeiten: entweder wird die Verzweiflung sich zu einer höheren Form potenzieren.156 geholfen. will verzweifelt zurück zur Unmittelbarkeit.man ließ ihn warten. dem Dasein ins Unrecht Gesetzte15. Sobald die Verzweiflung die Form verzweifelt nicht man selbst sein wollen angenommen hat. Selbst wenn Gott und alle Engel ihm Hilfe anböten. „ein wirklicher Mensch" zu sein. manövriert es sich gerade in das Gegenteil hinein: es macht aus sich ein hypothetisches Selbst. Er will lieber mit allen Qualen der Hölle er selbst sein als nach Hilfe zu suchen oder gar in kraft des Absurden darauf zu bauen. sie sind zumeist nur das Produkt dichterischer Phantasie. jetzt will er nicht. als es ist.meint Anti-Climacus . daß sie den Durchgang zum Glauben bildet. ehedem hätte er alles dafür gegeben. um auf die Dauer davon abstrahieren zu können. dann schlägt die Verzweiflung der Schwachheit dialektisch um in Trotz: in die Verzweiflung. ist eine neue Qualitätsstufe der Verzweiflung erreicht. loszureißen. In ihrer letzten. verzweifelt man selbst sein zu wollen. daß der Pfahl im Fleisch zu tief sitzt. oder sie bricht nach außen durch. Das Selbst ist aus der Wirklichkeit in die Wüste.zum Trotz gegen das Dasein . stürzt sich ins Leben. daß bei Gott alles möglich ist. Hat der Verzweifelte sich davon überzeugt. warum er nicht er selbst sein will. kommt diese Art der Verzweiflung in gewisser Weise dem Wahren sehr nahe. höchsten Potenz wird diese Verzweiflung zur Dämonie: Der Verzweifelte windet sich in Schmerzen und Qualen.Weil aber kein „abgeleitetes Selbst" dadurch.gleichsam ewig übernehmen. aber immer im Bewußtsein des Selbst. daß es auf sich selbst sieht. während es nach außen hin den Anschein erweckt. der von der Welt. die zuletzt zur Raserei wird.

. Den Übergang von der Verzweiflung zum Glauben beschreibt Anti-Climacus wie folgt: Mit Hilfe des Ewigen. Es kommt darauf an. Guten und Wahren Hegt nämlich „in der Gewinnung der Unendlichkeit". die durch die Sünde immer schon gegebene. so daß er schließlich dahin gelangt. in der paradoxdialektischen Ent- scheidung für den Glauben als eine neue. denn Glück ist keine Bestimmung des Geistes. die einzige Chance für die Verwirkli- chung der Gleichzeitigkeit des Schönen. hinter der sich die Verzweiflung verbirgt. sich über das unmittel- bare Dasein zu erheben. um verzweifelt er selbst zu sein. da wohnt auch hier die Angst. geistgemäße Form der Unmit- telbarkeit. um sich selbst zu gewinnen. daß sie letztlich gar nicht zu vereinen sind. verlorene Lebenseinheit in geschichtlicher Praxis wiederherzustellen. die das Wesen des Menschen als ein Inter-esse zwischen dem Tier und der Gottheit. das Menschsein in einer Weise zu realisieren. zwischen Sinnlichkeit und Geist eingeht und erhalten bleibt. zwischen bloßem Gesetztsein und absoluter Selbstsetzung bestimmt. behält die Stadienlehre im Prinzip ihre Gültigkeit. hat das Selbst den Mut.auch und gerade in ihrer schönsten. Verzweiflung . die in ihm gelegen sind. liebenswürdigsten Gestalt. Wie man sieht. welche Verzweiflung ist"16. auch und gerade als Glück. Und darum gilt es. zu allerin- nerst in des Glückes heimlichster Verborgenheit. Derart erfährt dann das Selbst seine höchste qualitative Steige- rung: es wird zum Selbst vor Gott und gewinnt erst dadurch wahren Lebensernst und unendliche Realität. wohl wissend. aber nicht immer schon bewußte Perversion des Humanen bestehe darin. daß der Mensch die Möglichkeiten und Grenzen nicht wahrnimmt. also weder verfälscht noch verdrängt wird. die Spannung auszuhalten. wird die Wiederholung als Versuch. „und tief. tief drinnen. Ein Selbst werden in diesem Sinne heißt: Momente vereinen.Für den. scheitern . Es gilt hier folgendes Gesetz: Je geistiger die Verzweiflung ist. denn ihr Wesen ist die Verschlossenheit. Das wahre Humanum besteht demgegenüber darin. nur daß die Stufen der Selbstwerdung nun zugleich als Stufen der Verzweiflung angesehen werden müssen: Schon die unmittelbare Existenz ist gemessen an dem. daß in das Selbstverhältnis der Synthese der Zwiespalt zwischen Endlichem und Unendlichem. muß sodann am Versuch. gera- dezu zum Inbegriff der Verzweiflung. um so gleichgültiger wird die Äußerlichkeit. sich selbst zu verlieren. der das erkannt hat. nach dem der Verzweifelte auf der obersten Stufe seiner Verzweiflung greift. der Mensch muß'ein Selbst werden-was durch den Übergang von der ästhetischen zur ethischen Lebensweise geschieht -. je mehr sie sich in der Innerlichkeit einschließt und sich dort eine eigene Welt aufbaut. was der Mensch sein kann. d. h. der seine Möglichkeiten voll ausschöpfend bis an die Grenzen seiner selbst gelangt ist. die Freiheit zu leugnen oder absolutzusetzen. 157 erkennen. dann kann man verallgemeinernd sagen. Überblickt man die eben skizzierte Theorie der Verzweiflung. sich in ethischer Praxis selbst zu begründen.

den Christus als Gottmensch der Welt gebracht hat. daß ihre Möglichkeit trotz des Glaubens weiterbe- steht. ja um Verzweiflung genannt zu werden. um im Bewußtsein der Verzweiflung an seine Grenzen stoßen zu können . das sich zu sich selbst verhält. Umgekehrt ist der Umstand. keinesfalls aber verzweifelt man selbst sein wollen. wenn man im Sinne der Selbstwerdung zunächst davon ausgeht. muß entweder sich selbst gesetzt haben oder durch ein anderes gesetzt sein. daß der Mensch immer schon „vor Gott" sein muß. daß die Verzweiflung . dann könnte man zwar verzweifelt nicht man selbst. gründet das Selbst durchsichtig in der Macht. indem das Selbst sich zu sich selbst verhält. Zunächst einmal in Form des Ärgernisses. daß der Mensch nicht durch sich selbst Gleichgewicht und Ruhe finden kann. sei durch sich selbst gesetzt.ein Zirkel. dann arbeitet er sich nur noch tiefer in die Verzweiflung hinein. . durch sich allein die Verzweiflung loszu- werden. daß es nach Christi eigenen Worten dasei und dasein solle. Dabei darf aber nicht übersehen werden. Es zeigt sich also. weil das Mißverhältnis im Verhältnis zu sich selbst sich zugleich unendlich reflektiert im Verhältnis zur Macht. . wenn man sich von ihr nicht heilen lassen will. an seine Grenzen stößt und folgerichtig über sich selbst hinausgeht. daß es fast zu geistlos ist. von der gesagt werden muß: es wäre das größte Unglück. ein Zeichen für die Bedingtheit des Selbstverhältnisses und dafür.s o wie die Sünde. sie nicht gehabt zu haben. Zur näheren Begründung dieser Definition des Glaubens stellt Anti- Climacus folgende Überlegung an: Ein Verhältnis. durch die er gesetzt ist. zeigt sich gerade auch dann. das Selbst als ein Verhältnis. denn ohne . von dem Anti-Climacus sagt. daß die Verzweiflung der Selbstbehauptung existiert.Der dialektische Charakter der Verzweiflung kann aber auch daraus ersehen werden. sie stellt eine Krankheit dar. er ist positiv definierbar als ein Selbstverhältnis. kann er wahrhaft zu sich selbst kommen. das vom Gottesverhältnis getragen wird: indem es sich zu sich selbst verhält und es selbst sein will. das sich zu sich selbst verhält.Daß dem in der Tat so ist.158 und in diesem Scheitern zum Glauben finden. durch das es gesetzt ist. Im letzteren Fall wird das Selbstverhältnis als das Dritte zu einem Moment innerhalb eines höheren Verhältnisses.„ganz und gar dialektisch" ist. wiewohl sie zur allergefährhchsten Krankheit wird. Sollte er im Bewußtsein seiner Verzweiflung dennoch versuchen. um Sünde. ja daß sich alle Verzweiflung auf sie zurückführen läßt. Das Leben der meisten Menschen erweist sich freilich in einer Weise als indifferent. Der Glaube ist negativ definierbar durch seine Abhebung von der Verzweiflung in ihrer vollen Durchsichtigkeit als Sünde: Vor Gott oder mit der Vorstellung von Gott verzweifelt nicht man selbst oder verzweifelt man selbst sein wollen. den Anti- Climacus im Begriff der Durchsichtigkeit festzuhalten und aufzulösen ver- sucht. verhält es sich zugleich zu jenem anderen. sich selbst zu begründen. die es setzte17. träfe dies nämlich zu. Resümee: Nur wenn der Mensch beim verzweifelten Versuch.

Anti-Climacus läßt keine andere Wahl: entweder man bekennt sich zum paradoxen Glauben als zum Maximum christlichen Daseinsver- ständnisses. ein Paradox zu sein. der alles in seinen Kräften Stehende unternommen. nicht selbst ein Ausdruck der Verzweiflung ist. er glaubt.darauf ist wiederholt hingewiesen worden . findet ihre Entsprechung in einer nicht minder falschen Alternative des Religiösen: Entweder sich zu demütigen. zu der Kierkegaards Ethik sich zuspitzte .ohne daß er natürlich gelingen kann. eine neue Sünde ist. sodann aber als die Möglichkeit der Sünde und ihrer Fortsetzung. es habe nur vor 1800 Jahren geschehen können. der in der Sünde zugebracht wird. Das alttestamentarische Glaubensmuster wird so zum Glauben an das „Mirakulöse": denn es stellt „eine absonderliche Zimperlichkeit" dar zu meinen. ob das. daß dem Menschen im Grunde nichts anderes übrig bleibt. Camus und andere moderne Philosophen zur Selbstverwirklichung ausdrücklich die Hölle wäh- . die Anti-Climacus für den Glauben findet: wahnsinnig für die Möglich- keit kämpfen. alle Möglichkeiten ausgeschöpft hat. ein einzelner Mensch. sondern die verzweifelte Flucht aus der Bedrängnis durch rü- de Faktizität in eine abstrakte Möglichkeit. Freiheit.sind so be- grenzt angesetzt. Der Rückgriff in ein mythisches Seinsverständnis wird in diesem Zu- sammenhang ganz ungeniert betrieben . - Damit drängt sich die Frage auf. . oder man gibt sich der Verzweiflung anheim. wie ihm ge- holfen werden soll. daß nur derjenige zum Glauben als der einzigen Alternative zur Verzweiflung finden kann. zumal in der Definition. was Kierkegaard durch seine Pseudonyme als die Überwindung der Verzweiflung anpreisen läßt. ganz man selbst zu sein. Er zementiert damit jenes Mißverständnis. „einsam in dieser ungeheuren Anstrengung und dieser ungeheuren Ver- antwortlichkeit"18. aber diese Möglichkeiten . Und so gipfelt denn die Selbst- werdung des Menschen im christlichen Heroismus. als sich in einem Salto mortale aus dem Zwiespalt der Existenz ins religiöse Paradox hineinzukatapultieren1*. Hilfe unbedingt und auf jede Weise entgegennehmen zu müssen. daß einem Menschen auf wunderbare Weise geholfen wurde20. oder aber diese Art der Hilfe als Zumutung zurückzuweisen und lieber die Höl- lenqualen auf sich zu nehmen. Der Christ überläßt es demnach ganz Gott. das in den religiösen Schriften von Anfang an zutage tritt: Zwar wird kein Zweifel daran gelassen.Wenn Nietzsche. daß bei Gott alles möglich ist. es zu wagen. Glaube ist solchermaßen nicht Steigerung der Existenz durch die Transzendenz auf ihre absolute Idee hin. Wirklichkeit. wie ein Nichts zu werden in der Hand des Helfers. weil jeder Augenblick. die eine Krankheit zum Tode ist. Die falsche Alterna- tive. 159 die „unglückliche Bewunderung" des Ärgernisses würde das Paradox aufhören. allein direkt Gott gegenüber.die zwischen Verinner- lichung und Realisierung des Allgemeinen -.

gehört zur genannten These aber ein zweiter Satz. als er die These der „Unwissenschaftlichen Nachschrift" . denn sein Versuch zu zeigen.als eine Verzweiflung allerdings. daß auch sie . in der praktischen Auseinandersetzung mit den anderen. sondern auf die ge- schichtliche Einlösung der im bewußten Existieren immer schon vorausge- setzten absoluten Idee". eine Frage. um aus ihr heraus auf eine Transzendenz der Subjektivität hinzuarbeiten. so kann und muß das als Hinweis darauf verstanden werden. sondern der Wahrhaftigkeit menschlichen Daseins wil- len. ja allzu Menschliche an seinem Projekt der Selbstwerdung aufmerksam machen wollen.auf den Satz reduziert. so wie Adorno es bereits versucht hat21. die sinnlose Anstrengung. was nicht notwen- dig zu einem Rückfall in den von Kierkegaard entzauberten spekulativen Idealismus Hegels führen muß. Kierkegaards Dämonologie in der Schrift „Die Krankheit zum Tode" auf Kierkegaard selbst anzuwenden. daß die Subjektivität die Wahrheit sei. der den ersten dialektisch ergänzt. die es auszuhaken gilt. sich als konkretes Subjekt auf eine absolute Wahrheit hinzuorien- tieren .Die Wiederholung käme so uneingeschränkt zu ihrem Recht und verlöre gleichzeitig den mythischen Beigeschmack. So jedenfalls läßt sich ein Geständnis interpre- tieren.160 len. Ob Kierkegaard dieses sein Vorhaben auch zu erfüllen vermochte. die wohl schlicht verneint werden muß. Es ist also durchaus legitim. auch mit den anderen vergangener Epochen -. Wie bereits betont wurde. die allererst den Boden für einen wahren Weltbezug schaffen soll. ist eine ganz andere Frage. . Es hat übrigens den Anschein. gerät selbst zum Beispiel dämonischer Existenz. und dies primär nicht einer „ewigen Seligkeit". Adorno verkennt oder unterschlägt mithin.Oder bestimmt sind. Das christliche Paradox wäre demnach zu verstehen als die große Herausforderung an den geschichtlich existierenden Menschen. Dieser argumentiert freilich insofern an Kierkegaard vorbei. das immer wieder im Werk dieses existentiellen Denkers auftaucht: Periisse'm nisi periissem. scheint mir vor allem eines nötig: Die Bestim- mung der Wahrheit gemäß jener These der „Unwissenschaftlichen Nach- schrift" muß geschichtlich-dialektisch aufgelöst werden. denn sie zielte dann nicht mehr über das ethisch-praktisch Erreichbare hinaus. als habe Kierkegaard selbst auf das allzu Persönliche. mit Zauberformeln und Beschwörungsritual22.bewußt oder unbewußt . der Satz nämlich. Um diesen verhängnisvollen Bannkreis zu durchbrechen.von der seine Kritik ausgeht . daß die Subjektivität die Unwahrheit ist.durch jenes verzweifelte Entweder . wie die Immanenz des Selbstverhältnisses auch und gerade von Kierkegaard als Verzweiflung verstanden wird . wie das Dämonische im menschlichen Dasein überwunden werden kann.im Dialog. .

Gerdes. Heiberg og H. IV für Die Wiederholung. P. Dabei steht: W. Zur Selbstprüfung W. XII für Eine literarische Anzeige W. XVI für Kleine Schriften 1848/49 W. Übersetzt von Emanuel Hirsch. H. junghans. .Oder I W. gennemset af Peter.Breve og Aktstykker vedrarende S0ren Kierkegaard. 1-20. 2 W. O. XXIII für Die Schriften über sich selbst W.Danske Tredie Udgave. udg. Bd. XVIII für Einübung im Christentum W. Samlede Vaerker. III für Furcht und Zittern W. X für Abschließende unwissenschaftliche Nachschrift I W. J. B. I für Entweder . II für Entweder . XXV für Briefe W. Düsseldorf/Köln 1950ff. XIV für Der Liebe Tun W. IX für Stadien auf des Lebens Weg W. XI für Abschließende unwissenschaftliche Nachschrift II W. Drei erbauliche Reden 1843 W. XIX für Erbauliche Reden 1850/51. XIII für Erbauliche Reden in verschiedenem Geist 1847 W. udgivne paa Foranledning af Sßren Kierkegaard Selskabet ved Niels Thulstrup. . Rohde. Kobenhavn 1962-64 (abgekürzt: S. .Oder II W. VIII für Erbauliche Reden 1844/45 W. af A. De Omnibus dubitandum est W. Kebenhavn 1953. Drachmann.). V. Lange. 3. 4 W. 1 W. Bd. Udg. Bd. XXI für Über den Begriff der Ironie W. XX für Erstlings Schriften W. H. Bd.Soren Kierkegaards Papirer.). S0ren Kierkegaard. XXVIIIfür Tagebücher. XXVI für Das Buch über Adler W. XXIX für Tagebücher. VII für Der Begriff Angst. XVII für Die Krankheit zum Tode W. VI für Philosophische Brocken. XXII für Kleine Aufsätze 1842/51. XXX für Tagebücher. 3 W. 5 Der Zitatennachweis im Originaltext bezieht sich auf folgende dänische Werkaus- gaben: . Der Corsarenstreit W. Vorworte W. XXXI für Tagebücher. 161 Quellenverzeichnis Kierkegaard wird nach der folgenden deutschen Werkausgabe zitiert: SÖren Kierke- gaard/Gesammelte Werke. L. XXIV für Der Augenblick W. anden for0gede Udgave ved Niels Thulstrup. V für Erbauliche Reden 1843/44 W. XV für Christliche Reden W. M. XXVII für Tagebücher. Bd. Kebenhavn 1968-70 (abgekürzt: Pap.

Leiden 1970). Von McKinnon habe ich auch die Abkürzungen A.162 Der Zitatennachweis wurde mir wesentlich erleichtert durch McKirmons Parallel- reeistcr (Kierkegaard. . compiled by Alastair Mc Kmnon. in translation. n zur Kennzeichnung von Anmerkungen übernommen. bzw.

Gerdes. Kebenhavn 1962-64 (abgekürzt: S. H. . . Lange. XV für Christliche Reden W. X für Abschließende unwissenschaftliche Nachschrift I W. 3 W. udgivne paa Forantedning af Soren Kierkegaard Selskabet ved Niels Thulstrup.Danske Tredie Udgave. 3. Udg. XXVIIIfür Tagebücher. XXXI für Tagebücher. XXVI für Das Buch über Adler W.Oder II W. Dabei steht: W. XI für Abschließende unwissenschaftliche Nachschrift II W. 4 Tagebücher. P. anden foragede Udgave ved Niels Thulstrup. J. Zur Selbstprüfung W. L. XXII für Kleine Aufsätze 1842/51. V. XXI für Über den Begriff der Ironie W. Düsseldorf/Köln I950ff. II für Entweder . Drachmann. Heiberg og H. IV für Die Wiederholung. Drei erbauliche Reden 1843 W. XII für Eine literarische Anzeige W.). XXIII für Die Schriften über sich selbst W. Bd. K0benhavn 1953. Übersetzt von Emanuel Hirsch. XVI für Kleine Schriften 1848/49 W. XX für Erstlings Schriften W. XXV für Briefe W. XVII für Die Krankheit zum Tode W. VIII für Erbauliche Reden 1844/45 W. gennemset af Peter. XXVII für W. VII für Der Begriff Angst. XIX für Erbauliche Reden 1850/51. udg. . af A. Vorworte W.Breve og Aktstykker vedrsrende Seren Kierkegaard. 5 Der Zitatennachweis im Originaltext bezieht sich auf folgende dänische Werkaus- gaben: . De omnibus dubitandum est W. 1-20. Soren Kierkegaard. B. XXIX für Tagebücher. XIV für Der Liebe Tun W. Bd. H. Bd.Soren Kierkegaards Papirer. O. VI für Philosophische Brocken. III für Furcht und Zittern W. Rohde. V für Erbauliche Reden 1843/44 W. I für Entweder . M. Junghans. XIII für Erbauliche Reden in verschiedenem Geist 1847 W. XXX für Tagebücher. Kebenhavn 1968-70 (abgekürzt: Pap. IX für Stadien auf des Lebens Weg W.Oder I W. XXIV für Der Augenblick W. 2 W. 161 Quellenverzeichnis Kierkegaard wird nach der folgenden deutschen Werkausgabe zitiert: Sören Kierke- gaard/Gesammelte Werke. XVIII für Einübung im Christentum W.). 1 W. Bd. Bd. Der Corsarenstreit W. Samlede Vaerker.

bzw. . Leiden 1970). in translation. n zur Kennzeichnung von Anmerkungen übernommen.162 Der Zitatennachweis wurde mir wesentlich erleichtert durch McKinnons Parallel- register (Kierkegaard. compiled by Alastair Mc Kinnon. Von McKinnon habe ich auch die Abkürzungen A.

16. V. 36. 88. V. 146. A75. A73. Ähnliche Einwände hat auch Helmut Fahrenbach erhoben. 5. 171. Intellekt und Gemüt. S. . S. 86.).S. 9 W. S. daß diese Beziehung zum Vater durch ein Spannungsverhältnis zur Mutter erkauft war. Pap. Adorno: Kierkegaard/Konstruktion des Astetischen. dem einzigen Unerschütterlichen im Leben. IV.) Auch dem Dänen selbst ist dieser Zusammenhang nicht verborgen geblieben. 75. Hamburg 1956. 10 Theodor W. 7 Ludwig Marcuse: Sigmund Freud/Sein Bild vom Menschen. S." (W. V. G. 213. I. XVIII. Brandes und andere Autoren das tiefste Trauma Kierkegaards aus und ist der eigentliche Grund für sein gestörtes Verhältnis zur Frau. XXIII. 113. Pap. herausgeg. S. 9. I. le rapport qu'il a avec son pere n'est-il pas ä l'origine de toute sa conception du christianis- me?" (Etudes Kierkegaardiennes. S. 89. 13 W. München 1931. XXIII. S. XXVII. A177. . 21. Jean Wahl fragt mit Recht: „. Pap. XXVII. 2 Martin Thust: Sören Kierkegaard/Der Dichter des Religiösen. Die Frage nach der Wiederholung 1 Friedrich Nietzsche: Werke in 3 Bänden. wenn er feststellt: „Ich lernte von ihm. Pap. XVIII. A75. 8 W. 126. S. was Vaterliebe ist. 81 f. Vgl. 11 Theodor W. macht für L. B. 163 Anmerkungen Motto: W. 89. zur Sinnlichkeit." (Die Angst im menschlichen Dasein. 4 W. beim Pietismus könne von Angstüberwindung keine Rede sein. Bl. Auch Werner Walther meint.) . und dadurch erhielt ich einen Begriff von der göttlichen Vaterliebe. S. S. Auf- lage. Paris 1938. 209. . 58. S. Tübingen 1962. 117. VIII/1.. dem wahren archimedischen Punkt. S. IV. Frankfurt am Main 1966. Denken und Wollen. 70f. S. S. Pap. 6 W. 75.Der Umstand. . C. 53. VI. Fischer: Die Nullpunkt-Existenz. III. S. 89. „denn gerade seine Relgiosität offenbart deutlich die Spaltung und das Zerrissensein von Gott und Welt. S. 59. wenn er z. 246. I. Hamburg 1933. 12 Kierkegaard/Konstruktion des Ästhetischen. Philosophische Rundschau. 106f. XXVII. 34. I. München 1966. Fr. Geist und Natur. von Karl Schlechta. 3. liegt auf der Hand.In späteren Kommentaren hat Adorno sich selbst entscheidend korrigiert. 3 W. Adorno: Kierkegaard/Konstruktion des Ästhetischen. Sonderheft: Kier- kegaard-Literatur. 5 Vgl. Kierkegaards und Marxens Gesellschaftskritik prinzipiell auf die gleiche Stufe stellt. . Richter. 126. München 1967.Daß zwischen Kierkegaards ambivalenter Beziehung zum Vater und seinem paradoxen Gottesverhältnis ein enger Zusam- menhang besteht. zur Körperwelt. XXVIII. 73. V. Ausgabe.

S. Insbes. S.. 37 W. V. S. IV. V. S. 129. S. A107.V. Kap. Bd. V. 77.. A213. daß sein Vater als kleiner Junge. Und diese zwangsläufige psychologische Konfliktbeantwortung kann zu einer unbewußten Reaktionsdeterminante der Person in allen zentralen Lebenskrisen werden. 41 W. S. XXIII. 25. 118. unzulänglich ist. VII. Reinbek bei Hamburg 1959.8lf. 8f.ist die Rede. V. 26 W. Auflage. 40 W. Pap. A805. XXV. 29 Johann Wolfgang Goethes sämtliche Werke. 94. A166. Stuttgart 1950. XXIX. 221. . Bd. 24 Peter P. 81. 15 W. 70f. S. 8. XXIII. III. S. I. IV. V. 36 W. XXVII. XVIII.A b e r auch von sexuellen Vergehen . 46. V.V. 2. XXIX. V. S. 23 W.V. A61. 33 Dichtung und Wahrheit. 13. 89. V. III. 17. S. V.. 163. die später seine Frau und Sörens Mutter wurde . S. V. und zwar selbst im Geistigen. S. 49). V. 51. 113. und zwar in jener typischen Form. II. 112. S. VI. 193. Br. 208. S. 305. als er auf der Heide in Jütland Schafe hüten und dabei viel Bitteres erdulden mußte. Pap. 18 W. Stuttgart und Berlin 1902-1907. wird auf einem Umwe- ge bewältigt. Pap. 180. 34 Dichtung und Wahrheit. S. 155. 221 ff. 30 Karl Löwkh: Von Hegel zu Nietzsche. 158f. 22 W. Bd. 54. Pap. I. S. XXVII. X/2. A105. IX. XXV. V. 20 W. X/5. 35 W. S. in der wir eine solche Wiederholung psychologisch vorfinden: Was in einer Grundsituation des Individuums an- spruchsmäßig über dessen Verarbeitungskraft hinausgeht. 88 ff. V. 25. 304. 10. in einem Augenblick der Verzweiflung Gott verfluchte. S. 201. A174. III.181. S. 31 W. S. S. XXVII. 77f. 110.41f. IV.. IV. 28.64. 96. 17 W. X/2. 177. 19. XXX.. S. Pap. 25 W. 11. S. XXIII. XXIX. 119. Cottasche Jubiläumsausgabe in 40 Bänden. II. XVIII. XVIII. N o . Goethes sämtliche Werke. Pap. V. 57. Anhang II.V. 68. 129. . IV. 19 W. 295. XXVIII. 39 W. 185 f. Pap. S. Pap. 69f. S. S. Br. Pap. 152f. XXIII. wie sie von Friedrich Carl Fischer versucht wurde.164 14 Tagebuchaufzeichnungen Kierkegaards deuten bekanntlich an. X/2. Ro- wohlts Monographien Bd. 27 W. 130. 32 Hier zeigt sich bereits ganz deutlich. IV.. 230. hierzu Theodor W. S. 67. 121. S. IV. 62. XXIII. XXIII. 83. Pap. S. 33." (Die Nullpunkt-Existenz. daß eine rein psychologische Auslegung der Wiederholung bei Kierkegaard. S. 16 W. Fischer meint: „Kierkegaards Leben war eine Wiederho- lung. 24. Rohde: Sören Kierkegaard/In Selbstzeugnissen und Dokumenten. XVIII. A75. 270. 272. XXVII. A149. 32. S. S. 68. 80. IX. Pap. 79. Vgl. Goethes sämtliche Werke.41.V. XVIII. 289f. 48 f.269f. S. 156. A106. 28 W. V. 21 W. N o . A3. Adorno: Kierkegaard/ Konstruktion des Ästhetischen. die mit ähnlichem Anspruch auftreten.einer Hausmagd gegenüber. I. 38 W.

S. Hamburg 1933.) . wenn er feststellt: „Ich lernte von ihm. 213. IV. München 1966.) Auch dem Dänen selbst ist dieser Zusammenhang nicht verborgen geblieben. 5. Denken und Wollen. 209. 8 W.). Pap. 2 Martin Thust: Sören Kierkegaard/Der Dichter des Religiösen. XXVIII. 10 Theodor W. 75. 117." (W. Adorno: Kierkegaard/Konstruktion des Ästhetischen. 106f. 58. Adorno: Kierkegaard/Konstruktion des Ästetischen. XXIII. XXIII. 126. 163 Anmerkungen Motto: W. 70f. Kierkegaards und Marxens Gesellschaftskritik prinzipiell auf die gleiche Stufe stellt. 113.Auf- lage. A177. A73. S. 53. Jean Wahl fragt mit Recht: „. V. Paris 1938. Pap. I. 5 Vgl. 88. Sonderheft: Kier- kegaard-Literatur. Frankfurt am Main 1966. 16. und dadurch erhielt ich einen Begriff von der göttlichen Vaterliebe.. „denn gerade seine Relgiosität offenbart deutlich die Spaltung und das Zerrissensein von Gott und Welt. S. Intellekt und Gemüt. A75. I. 21. 34. 3 W. XXVII. I. Brandes und andere Autoren das tiefste Trauma Kierkegaards aus und ist der eigentliche Grund für sein gestörtes Verhältnis zur Frau. 13 W. Fr. 89. . 146. . S. V. S. Richter." (Die Angst im menschlichen Dasein. 73. 12 Kierkegaard/Konstruktion des Ästhetischen. .Daß zwischen Kierkegaards ambivalenter Beziehung zum Vater und seinem paradoxen Gottesverhältnis ein enger Zusam- menhang besteht. S. dem wahren archimedischen Punkt. VI. was Vaterliebe ist. S. zur Sinnlichkeit. 75. beim Pietismus könne von Angstüberwindung keine Rede sein. 246. Tübingen 1962. S. S.S. Pap. 126. S. 3. München 1967.Fischer: Die Nullpunkt-Existenz.Der Umstand.S. V. dem einzigen Unerschütterlichen im Leben. 9. Vgl. von Karl Schlechta. . A75. liegt auf der Hand. 9 W. Die Frage nach der Wiederholung 1 Friedrich Nietzsche: Werke in 3 Bänden. 89. Pap. Geist und Natur. G. München 1931.B1. XXVII. S. Auch Werner Walther meint. C. IV. . wenn er z. S. 81 f. III. S. Ähnliche Einwände hat auch Helmut Fahrenbach erhoben. Pap. Ausgabe. I. macht für L. XVIII. 7 Ludwig Marcuse: Sigmund Freud/Sein Bild vom Menschen. daß diese Beziehung zum Vater durch ein Spannungsverhältnis zur Mutter erkauft war. herausgeg. S. B. 4 W. le rapport qu'il a avec son pere n'est-il pas ä l'origine de toute sa conception du christianis- me?" (Etudes Kierkegaardiennes. 36. S. Philosophische Rundschau. V. 59.In späteren Kommentaren hat Adorno sich selbst entscheidend korrigiert. 171. zur Körperwelt. Hamburg 1956. XXVII. VIII/1. 86. 6 W. XVIII. 11 Theodor W. 89.

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14 Tagebuchaufzeichnungen Kierkegaards deuten bekanntlich an, daß sein Vater als
kleiner Junge, als er auf der Heide in Jütland Schafe hüten und dabei viel Bitteres
erdulden mußte, in einem Augenblick der Verzweiflung Gott verfluchte. - Aber
auch von sexuellen Vergehen - einer Hausmagd gegenüber, die später seine Frau
und Sörens Mutter wurde - ist die Rede.
15 W. XXVIII, 19; Pap. VI, A105, S.41f. XXIII, 77f.; S. V. XVIII, 129.
16 W. XXVII, 221; Pap. II, A805, S. 269f.
17 W. I, 69f.; S. V. 11,64.
18 W. XXIX, 304; Pap. X/5, A149, 10, S. 163.
19 W. XXIII, 77; S. V. XVIII, 129. XXIX, 289f.; Pap. X/2, A3, S. 8. XXIII, 68; S.
V. XVIII, 121.
20 W. XXIX, 295; Pap. X/2, A61, S. 46.
21 W. II, 201; S. V. III, 177. XXVII, 270, 305; Pap. III, A166, S. 67, Pap. IV, A107,
S.41.
22 W. XXV, 89; Br. N o . 62, S. 94.
23 W. XXV, 113; Br. No. 80, S. 118.
24 Peter P. Rohde: Sören Kierkegaard/In Selbstzeugnissen und Dokumenten. Ro-
wohlts Monographien Bd. 28. Reinbek bei Hamburg 1959. S. 68.
25 W. XXIII, 57; S. V. XVIII, 112. XXVII, 17; Pap. I, A75, S. 54.
26 W. XXIII, 79; S. V. XVIII, 130. Vgl. hierzu Theodor W. Adorno: Kierkegaard/
Konstruktion des Ästhetischen. Insbes. Kap. I.
27 W. XXIII, 156; Pap. IX, A213, S. 110.
28 W. XXX, 13; Pap. X/2, A106, S. 81 f.
29 Johann Wolfgang Goethes sämtliche Werke. Cottasche Jubiläumsausgabe in
40 Bänden. Stuttgart und Berlin 1902-1907. Bd. 25, S. 208.
30 Karl Löwith: Von Hegel zu Nietzsche. 2. Auflage, Stuttgart 1950. S. 230.
31 W. IV, 8f.; S. V. V, 119.
32 Hier zeigt sich bereits ganz deutlich, daß eine rein psychologische Auslegung der
Wiederholung bei Kierkegaard, wie sie von Friedrich Carl Fischer versucht
wurde, unzulänglich ist. Fischer meint: „Kierkegaards Leben war eine Wiederho-
lung, und zwar in jener typischen Form, in der wir eine solche Wiederholung
psychologisch vorfinden: Was in einer Grundsituation des Individuums an-
spruchsmäßig über dessen Verarbeitungskraft hinausgeht, wird auf einem Umwe-
ge bewältigt. Und diese zwangsläufige psychologische Konfliktbeantwortung
kann zu einer unbewußten Reaktionsdeterminante der Person in allen zentralen
Lebenskrisen werden, die mit ähnlichem Anspruch auftreten, und zwar selbst im
Geistigen." (Die Nullpunkt-Existenz. S. 49).
33 Dichtung und Wahrheit. Goethes sämtliche Werke, Bd. 24, S. 158f.
34 Dichtung und Wahrheit, Anhang II. Goethes sämtliche Werke, Bd. 25, S. 221 ff.
35 W. IV, 48 f.; S.V. V, 152 f.
36 W. IV, 51; S. V. V, 155.
37 W. IX, 32; S. V. VII, 33.
38 W. IV, 81, 83; S. V. V, 180, 181.
39 W. XXVII, 272; Pap. III, A174, S. 70f.
40 W. IV, 88ff.; S. V. V, 185f.
41 W. IV, 96; S. V. V, 193.

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II. Die Funktion der Wiederholung

1 W. X, 273; S. V. IX, 233.
2 W. VI, 9; S. V. VI, 16f.
3 Aurelius Augustinus: De vera religione. XXXIX, 72. - W. XII, 129ff.; Pap.
VII/1, A186, S. 122 ff.
4 Schriften zur Naturwissenschaft. Goethes sämtliche Werke, Bd. 39, S. 49.
5 W. II, 275f.; S. V. III, 239 (Hervorhebung von mir).
6 W. X, 190f.; S. V. IX, 166f. Man vergleiche hierzu: Aurelius Augustinus:
Confessiones. I, 1, 2.
7 W. X, 196f.;S. V. IX, 171.
8 W. VI, 11; S. V. VI, 18.
9 W. X, 200; S. V. IX, 174.
10 Vor Kierkegaard hat bereits Schelling darauf aufmerksam gemacht, daß die
Offenbarung nur von der konkreten Existenz aus betrachtet ihren Sinn hat. Auch
für ihn ist die Offenbarung ein Kriterium gegen den spekulativen Bezug zur
Wahrheit. Vgl. Fr. W. J. v. Schellings sämtliche Werke, herausgeg. in zwei
Abteilungen und 14 Banden von K. E. A. ScheUing. Stuttgart und Augsburg 1856
- 1861. 11,4, S.28f.
11 W. IV, 3; S.V. V, 115.
12 W. IV, 58f.; S. V. V, 161.
13 W. IV, 21; S. V. V, 130.
14 W. IV, 3; S.V. V, 115.
15 W. XI, 13; S. V. X, 18f. II, 184; S. V. III, 163.
16 W. XXVII, 317; Pap. IV, A156, S. 58.
17 W. XI, 7f. A; S. V. X, 14n. II, 181; S. V. III, 160f.
18 Zu Kierkegaards Theorie der „inneren Tat" vgl. Victor Guarda: Kierkegaardstu-
dien. Beiheft zur Zeitschrift für philosophische Forschung, Heft 34. Meisenheim
amGlan 1975. S. 18ff.
9 Martin Heidegger: Sein und Zeit. 11. unveränderte Auflage. Tübingen 1967.
S.268, 339.
20 G. W. F. Hegels sämtliche Werke. Jubiläumsausgabe in 20 Bänden, herausgeg.
von Hermann Glockner. 3. Auflage, Stuttgart 1949-1959. XI, 415; VII, 35. Wenn
nicht anders vermerkt, wird Hegel stets nach dieser Ausgabe zitiert.
21 Hegels sämtliche Werke, VIII, 93.
22 Zum Begriff der Existenzdialektik bei Kierkegaard vgl. Victor Guarda: Kierke-
gaardstudien. S. 27ff.

III. Die Dialektik der Wiederholung

1. Die Menschwerdung
1 Hegels sämtliche Werke, III, 37. - K. Marx/Fr. Engels Werke, herausgeg. vom
Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED (künftig zitiert als MEW).
Berlin 1956ff. Bd. 23, S. 192f.
2 W. II, 301; S. V. 111,260.

166

3 Ein weit gefaßter Begriff von Arbeit findet sich bei Marx in den ökonomisch-
philosophischen Manuskripten aus dem Jahr 1844 - im gleichen Jahr erschien
Kierkegaards Schrift über die Angst -, doch reicht auch dieser nicht aus, um das
Spezifische menschlicher Existenz in den Blick zu bringen (vgl. insbes. MEW,
Ergzb. I, 579). Indem Marx sich emphatisch von Hegels Spiritualismus distan-
ziert, verfällt er einer naturalistischen Anthropologie, die alle „Vermögen" des
Menschen schlicht aus seiner „körperlichen Organisation" herleitet.
4 Ernst Cassirer bezeichnet daher die Arbeit als „das System menschlicher Tätigkei-
ten, die die Sphäre des Menschlichen ausmacht. Sprache, Mythos, Religion,
Kunst, Wissenschaft, Geschichte sind die verschiedenen Teilbereiche dieser Sphä-
re." (Was ist der Mensch? Stuttgart 1960. S. 89.)
5 Siehe Wolfgang Röd: Dialektische Philosophie der Neuzeit 2. München 1974.
S. 11 ff.
6 Laut Kierkegaard ist es also nicht so, daß die Arbeit die Geschichte begründet (wie
Marx annimmt), sondern das durch die Sünde entstandene neue Daseinsverständ-
nis führt zur Arbeit als Daseinspraxis. Hierzu Herbert Marcuse: „Die Primitiven
haben nicht jenes Verhältnis zur Zeit, das das Dasein erst zum geschichtlichen
macht und das auch für die Arbeit als Daseinspraxis konstitutiv ist." Ob das
Eintreten des geschichtlichen Verhältnisses zur Zeit und damit der Übergang zur
Arbeit als Daseinspraxis erklärt werden kann durch die wachsende Bedürftigkeit
des Daseins, durch die Zunehmende Verengung der verfügbaren Güterwelt - das
läßt sich nach Marcuse nicht so ohne weiteres sagen. Er weist aber darauf hin, daß
die ökonomische Theorie selbst dies fast durchgängig zu bezweifeln scheint, weil
sie den Fortschritt vom „vorwirtschaftlichen" zum „wirtschaftlichen Zustand"
aus „rein wirtschaftlichen Motiven" nicht erklärbar hält. (Kultur und Gesellschaft
2. Frankfurt am Main 1965. S. 35f.)
7 W. VII, 12; S. V. VI, 114. VII, 15f.; S. V. VI, 117.
8 W. VII, 19; S. V. VI, 120.
9 G. Vico: Die neue Wissenschaft. Nach d. Ausg. v. 1744 übersetzt von E. Auer-
bach. Rowohlts Klassiker 196/197 (Hamburg 1966). S. 59.
10 G. Vico: Die neue Wissenschaft. S. 36. - Ausführlich ist die Bedeutung nachah-
mender Wiederholung in der Welt der Primitiven von Mircea Eliade dargelegt
worden. Er stellt u. a. fest: „In den Einzelheiten seines bewußten Verhaltens
kennt der .Primitive', der archaische Mensch, keine Handlung, die nicht von
einem andern vorgelebt worden wäre . . . Sein Leben besteht in der ununterbro-
chenen Wiederholung von Handlungen, die von anderen eingesetzt worden
sind." Denn: „Ein Gegenstand oder eine Handlung werden wirklich nur in dem
Maße, als sie einen Archetyp nachahmen oder wiederholen." Neuigkeiten sind
dem Primitiven entweder „Bedeutungslose Begegnungen" oder „Unterbrechun-
gen der Normen" also Sünden, Fehler usw. (Kosmos und Geschichte. Der
Mythos von der ewigen Wiederkehr. Hamburg 1966. S. 10, 34, 125.)
11 W. VII, 32; S. V. VI, 129.
12 W. VII,29f.;S. V. VI, 127f.
13 Kierkegaards These von der ersten Sünde ist insofern berechtigt, als sie gegenüber
Hegel das Problem faktischer Versöhnung zur Geltung bringt; sie ist insofern
unberechtigt, als sie auch den „Sündenfall" als faktische Sünde zur Darstellung
bringt. Ringleben, der Hegels Position in dieser Frage richtig erkennt und
interpretiert, irrt daher, wenn er mit Bezug auf Kierkegaard feststellen zu können

158 ff. 27 Karl Löwith im Nachwort zu Ludwig Feuerbach: Kleine Schriften. A154. VII. Aufl. 26 W.S. 142.39f. 254. V. S. 18 W. VI. 135f. der sich an einem Geheimnis „verschluckt" hat. 2. VII. 133ff. VI. Frankfurt am Main 1974. 168f. 23 Näheres zu Kierkegaards Theorie der Verzweiflung in Kapitel IV. . VI. VI. Studien über Angst und Schmerz. 187. So spricht er einmal von einem Menschen. S. sie wird der angstvollen Neugier entsagen. S. 16 Von da her ergibt sich auch der grundsätzliche Einwand gegen eine biologische Angsttheorie. III. VII. VII. . 43. S. II. 19 Martin Heidegger: Sein und Zeit. 336. denn es bestehe die Gefahr. (Vgl. 47f. S. daß hier der gleiche Zusammenhang von Notwendigkeit und Unberechtigtsein der Sünde gedacht ist wie bei Hegel.S. 14. Joachim Ringleben: Hegels Theorie der Sünde. VII. Karen Horney: Neue Wege in der Psychoanalyse. „Sie wird sich vielleicht vornehmen. V. wie sie etwa Rudolf Bilz entwickelt hat (vgl.). dessen Angsttheorie freilich in mancherlei Hinsicht revisionsbedürftig erscheint (vgl. V. Sie läßt freilich offen. indem sie die Ängste. S. 138. Hoimar von Ditfurth.) 14 W. 76. 142f. Verzweiflung ein Ausdruck der Wirklich- keit des Geistes. S. VII. VI. 247. 25 W. VI. V. 76f. 17 W. S. V. Mitunter freilich deckt er die Rolle der Neugier ganz ungewollt auf. derzufolge die Angst „aus der Störung von Gruppenidentitäten" hervorgeht (Aspekte der Angst. 142. das „in Angst und Bangen" sein Geheimnis spürt.). . II. sich frei zu verwirklichen. aber nie wird sie glücklich werden und du auch nicht. daß er sich mit einem Wesen verbinde. V." (W. 206. München 1972.Es ist verwunderlich. kann grundsätzlich bejaht werden. IX.. 54. nie dich auszufragen. S. 21 W. denn Kommunikation ist der erste Schritt zur gesellschaftlichen Selbstverwirklichung. ausspricht. die das Individuum daran hindern. S. S. V. 138f. 165f. 15 W. Sprache tritt bei Kierkegaard also in einer doppelten Funktion auf: sie potenziert die Angst und sie befreit von der Angst. VI. 43f. S. V. Berlin 1977. VII. v. hierzu auch die Ausführungen von H. S. 112. S. VI. Pap. 124. III." (Joachim Ringleben: Hegels Theorie der Sünde.-E. München 1977. die sie versucht.Dies nicht nur erkannt. Frankfurt am Main 1966. 66f. daß Kierkegaard in diesem Zusammenhang nicht auf das Phänomen Neugier stößt. sondern auch therapeutisch ausgewertet zu haben. 8. Zur „erlösenden Macht" wird sie.. S. Vgl.. 47. niemals zu heiraten. Angst und Neugier lassen sich im Grunde gar nicht voneinander trennen. 20 Die von Habermas angedeutete soziologische Angsttheorie. 127. 53 f. 24 W.V. a. VH.). 22 Vgl. S. S. . 154). 47. nie dir zu nahe zu treten. 167 glaubt: „Es ist ohne weiteres deutlich.). ist das Verdienst Siegmund Freuds. 86. woher der „Zwang zum historischen Zerbrechen von Gruppenidentitäten" kommt. und rät ihm. Hrsg. XI/2. Aspekte der Angst. und Kierkegaards Definition der Angst enthält im Moment der Sympathie ja auch die Neugier. V. Richter in Aspekte der Angst.. V.Das Verhält- nis der Angst zur Verzweiflung kann kurz so bestimmt werden: Angst ist ein Ausdruck der Möglichkeit des Geistes. XXXI. VII. W. S.

. V.. 127. S. 178f. hierzu Mircea Eliade: Kosmos und Geschichte. daß die griechische Philosophie „auf lange Zeit hinaus" eine mittlere. VI. Bd. II. S. I. 149. S. auf eine lebendige Beziehung zwischen Erinnerung des Herkommens und Vergegenwärtigung des Ziels. VI. . S. S. S. IV. 130. 261f. 107f. Vgl. bringt die Revolution vor allem drei Gefahren mit sich: daß der Bildungstrieb sich „verirrt". führten dadurch ein ganz neues Element ein. Es braucht wohl kaum gesagt zu werden. S. 111. VI. Pap. III. 204 f. VI.. (Ernst Cassirer: Philosophie der symbolischen Formen. XI. 29 W. 40 W. IV. daß . 99. S. V. 34 W. S. 46 W... V. V. V. . S. und daß es zu einer Verwechslung von Ziel und Zweck kommt. 157f. die die Prozesse der Geschichte den Prozessen der Natur angleicht.Auf ein ähnliches Verhältnis zielt übrigens die Selbstreflexion des Bildungstriebes bei Hölderlin: auf eine Synthese von Konven- tion und Revolution. 142f. aber doch deutlich wird hier die wesentliche Zusammengehörigkeit von Arbeit und Besitz angesprochen. 3) 30 W. 149f. S. Oxfort 1958. 87f. und nach ihnen die Christen.. 41 W. II. als sie eben zum Bewußtsein des Widerspruchs führt. S. Frankfurt am Main 1976. 72. IV. 153. 36 W. XXI. Carr hebt die entscheidende Differenz zwischen griechischem und jüdischem Geschichtsbewußtsein hervor: „Die klassischen Kulturen Griechen- lands und Roms waren wie die alten Kulturen Asiens im Grunde unhistorisch . S. Denn Arbeit ohne Besitz ist fruchtlos. IV. 148f. Eliade ist auch Ernst Cassirer der Meinung. 70. . daß er seine „eigen- tümliche Stellung" im Ganzen verfehlt. S. auf das sich der historische Prozeß zubewegt. Das Resultat ist in beiden Fällen Geschichtslosigkeit. 146f. 45 W.eine zyklische Sicht. 33 W. 146.. S.. V. 35 W. Bl. 141. III. II. In poetischer Vision von einer lichtvolleren Zukunft erträumte man sich eine Rückkehr zum goldenen Zeitalter der Vergangenheit. II. . 112f. daß sie ein Ziel.V. 269. S. 257. „gleichsam unentschiedene Stellung" zwischen mythischem und eigentlich philosophischem Denken bewahrt hat.168 28 W. VI. II. IV. VI. III. . was Hegel „Beisichselbstsein" nennt. I. Besitz ohne Arbeit ist tot. XXI. 272. . IV. V. 75. 151. S. 44f. S. 2. 128. 39 Auch E. 8f. 154. 31 W. VII. V. 38 Hegels sämtliche Werke. 44 W. S. Pap. H. II. Pap. postulierten. I.) Siehe auch Mircea Eliade: Kosmos und Geschichte. 124ff. Pap. 144f. 134. S. III. 107. 58. Vgl. VI. Bl.V. Erst die Juden. V. 164f. 72. Bl. 139f. 43 W. Bl." (Was ist Geschichte? Stuttgart 1963. Wie M. . 129. 99-132. 37 W. 185f. 103. 158. 42 W. IV. 32 W. VI. 155. Pap. Während nämlich die bloße Konvention den Bildungstrieb zu ersticken droht. VI. hierzu Helmut Plessner: Die Frage nach der Conditio humana. V. Sie unterscheidet sich von diesem freilich insofern. VI.Indirekt. VI. III. V. VI.Mit der Erinnerung als Er-innerung ist im Prinzip nichts anderes gemeint als das. S. S. Bl. S.

S. VI. 57 W. 93f. 124f. hierzu Ernst Topitsch: Vom Ursprung und Ende der Metaphysik. XI. . 145. 61 W. S. 205. 28 f. 82. 60 W. sei unmöglich ein Boden für praktisches revolutionäres Handeln. IV). S. 324ff. 50 Vgl. III.Heidegger hat versucht. II.). 89. S. daß er das Ewige als das Zeitliche und das Zeitliche als das Ewige setzt und so weder das eine noch das andere zu seinem Recht kommen läßt. (Schellings sämtliche Werke. V. V. S. in der sich eherne Not- wendigkeit an Notwendigkeit knüpft und daher auslöschend über die Wirksam- keit individueller Entschlüsse und Handlungen hinwegfährt. V. 78. 78. S. VII. V. der seinen Begriff der Versöhnung dadurch gewinnt. 366. XXV. Die drei großen Ideen 1 Friedrich Nietzsche: Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben. S. 51 Ludwig Feuerbach: Zur Kritik der Hegeischen Philosophie.. hierzu Herbert Marcuse: Kultur und Gesellschaft 2. 186f. hierzu Kierkegaards Geist-Begriff. Vergangenheit und Zukunft relativiert und damit letztlich bedeutungslos wird. III. 3. 55. 257. VII.). 74f. 144 f. IX. Br. 92. 207. 95. S. „um es wiederzubringen und das Wiederge- brachte zugleich mit sich Gott zurückzugeben".. 2 W. 60. 56. Pap. VI. V. XI. 56 W. V. X. 3. V.V. das Zeitliche deswegen nicht. daß sie im Augenblick als dem Vollzug geistiger Existenz zueinander ins Verhältnis gesetzt werden (vgl. 48 W.5. 49. Kap. No. 129f. X. Den Einwand. S.212. V. Ernst Topitsch: Vom Ur- sprung und Ende der Metaphysik. Bd. 186. in den Notentexten. 25A. 49. Die hier gemachten Feststellungen richten sich vor allem gegen Hegel. V. so sagt dieser einmal. Wien 1958. 129n. was aber erst am Ende der Weltzeit ganz geschehen kann. S. VI. I. 92. V. . VI. 31A. XXVI. 178. 58 W. Dem Dänen näher steht Schelling. S. 52 W. 55 W. S. 44ff. 53 Jürgen Habermas: Theorie und Praxis. 62 Vgl. llf. VI. 59 W. 124n. A285. S. Pap. S. 178. XVII. 54 W. S. Frankfurt/Main 1975. 47 W. S. 52. er macht Zeit und Ewigkeit zu Gegensätzen. 267. III. I.. 175. 3 W. 56f. II. 49 W. S. VI. S. S. II. VII. X. XV. S.. und insbes. die wie literarische . Neuwied am Rhein 1963. 88. V. 47. 1859 erhebt Ferdinand Lasall gegenüber Marx und Engels ähnliche Einwände: Eine Geschichtsbetrachtung. 106. S. folgt dem von Gott abgewendeten Sein. Christus. S. 99.S. Suhrkamps Theorie Werkausgabe in 6 Bänden. dieser christlichen Einsicht mit „heidnischen" Mitteln gerecht zu werden: durch seine berühmte „Kehre". 155. II. 108f. S. V. B235. (Vgl. weil dessen Differenzierung in Gegenwart. XXVII. - In seinem Brief vom 27. 2. 328. 231. VI. VII/2. II. die sich gleichwohl gegenseitig bestim- men: dadurch und nur dadurch.Demgegenüber reißt Kierke- gaard das Zeitliche und das Ewige als miteinander unverträglich auseinander. 169 Kierkegaards Kritik an der zweiten Auffassung zugleich eine Kritik an Hegel ist. I.

330. 26. I. 17 W.. 69. 11. V. 100.410. 65).Was Elvira betrifft. S. 249ff. 328. was er treffend als „Konstruktion des Ästhetischen" bezeichnet.- 20 Goethe hat das in „Dichtung und Wahrheit" durch folgende Worte eindringlich zum Ausdruck gebracht: „Alles Behagen am Leben ist auf eine regelmäßige Wiederkehr der äußeren Dinge begründet. der Jahreszeiten. V. 282f. XXI. 8 W.S. V. II. II. XXI.. S.) 19 W. S. I. A96.V. I.. wie der Däne unter Berufung auf Schelling betont. 292. 298f. II. 282. Den Griechen war übrigens nicht nur die Entgegensetzung von Geist und Sinnlichkeit fremd. II. 16 W.. V. S. S. 95f. V. was Adorno zur Grundlage seiner Kritik macht. 15 W. der Blüten und Früchte und was sonst von Epoche zu Epoche . Das griechische Bewußtsein hatte nicht die Kraft. W. S. 10 W. II. 187. Ihre Rachsucht ist demnach nichts anderes als der negative Ausdruck einer ethischen Bestimmtheit. das. V. V. 6 W. S. so erinnert Kierkegaard daran. 5 W.E s war ein fundamentales Mißverständnis Adornos zu meinen. S. daß die ersten. (Dies geht besonders deutlich aus der Beilage „Blick auf eine gleichzeitige Bestrebung in der dänischen Literatur" im zweiten Teil der „Unwissenschaftlichen Nachschrift" hervor. S. V. könne als eine vom Dänen nicht durchschaute Verhaltensweise kritisch gegen ihn selbst verwendet werden. S. S. 89. S. I.schreibt er -. VII. S. I. 282ff. XXI. 327. 85f. 66. XXI. S. I. 327. lallenden Sprechversuche des Kindes musikali- scher Natur sind. 159. I. während in der Dichtung die Sprache in Musik übergeht {W. V. (W. XXVII. Mag man auch noch so gut Noten lesen können und eine noch so lebhafte Einbildungskraft haben . XXI. 4 Vico war überzeugt. I. daß die Entwicklung des Ästhetischen von den Bestimmungen des Raumes zu denen der Zeit verläuft. 11. daß die Musik nur im uneigentlichen Sinne vorhanden ist.V. 294 f. XXI.. I. 286. XXI. I.. 218.V. 311. sondern auch die Idee der Inkarnation oder Repräsentation. 1.. Zur Dialektik des Anlasses vgl. 294. 298f. V. S. I. S. S. 12 W. Tatsächlich soll die „halb dichterische" Reproduktion der Wirklichkeit genau das entlarven. hat Kierkegaard schon in voraus zu entkräften versucht.}. I. Der Wechsel von Tag und Nacht. meint Kierke- gaard. 71. pervertierte Treue. V. 61. die Stammväter der heidnischen Völker hätten ihre Sprache singend gebildet. so kann man doch nicht leugnen. II. 483. 72f. II. VI. .312. 18 W. Ganz allgemein kann man nach Kierkegaard feststellen. Pap. 215f. V. VI. 329. V. 71. habe die Musik auch unabhängig von ihrem gegenwärtigen Erklingen Existenz (Adorno). I. das Ganze in einem Individuum zu konzentrieren. 161. daß Don Juan sie aus dem Kloster fortgelockt hat.289.66. Und auch Kierkegaard will etwas Ähnliches sagen. VII. I. . 68f.170 Texte lesbar seien. 1. S. 13 W. 9 W. V. V. Schon der Übergang von der Skulptur zur Malerei mache das deutlich. wenn sie gelesen wird. 14 W. II. wenn er darauf hinweist. I. I. 333f. 11 W. V. 7 W. S.

33 f. 1198. dann tritt das größte Übel. 517. 30 W.). meint er.. desto glücklicher fühlen wir uns. Mark C. III. daß die Gewohnheit sich der Ehe bemächtigt. I. V. V.bis ihm zuletzt nichts mehr zu erjagen übrig bleibt als das absolut Wehetuende der Erkenntnis.Goethe nennt als Hauptgrund dafür. „Ihm fehlt die Liebe zu den Dingen. S. 82. S. denn die ethische Mitteilung ist wesentlich ästhetischer Natur (vgl. 95 ff. . die ihm nie mehr zuteil wird! . 24. 25 W. Ergbd. 4. So gelüstet es ihn am Ende nach der Hölle . 29 W. aber er hat Geist. die ihn verführt. III. 30f. die schwerste Krankheit ein: man betrachtet das Leben als eine ekelhafte Last. der am Ende Absinth und Scheidewasser trinkt. 92f. ohne daß wir daran teilnehmen. Hegel. 29. Es gehört . wälzt sich aber die Verschiedenheit vor uns auf und nieder. 25. sinnlichen Existenz erhält die Ethik ihren konkreten Gegenstand. 111. Victor Guarda: Kierkegaardstudien. 133. Kopenhagen 1977. alsdann aber ist sie unüberwindlich. S. III. V.. II. II. 27f.221 f. sondern werktätig. 190f. wie alles Erkannte! Und dann müßte er in alle Ewigkeit stehen bleiben. 24 W. 151. damit wir es genießen können und sollen. S. V.. II. S. MEW." (Goethes sämtliche Werke. V. S.. S.V. die Bequemlichkeit. S. V. III. In: Kierke- gaardiana. S. 116. S. S. 35f. 95f.154. II. 34.es ist die einzige Erkenntnis.V." Durch die materialistische Deutung des Primats des Praktischen beraubt er die Verdoppelung freilich ihrer ethischen Relevanz. V. II. III. „Es ist einer eigenen Betrachtung wert". S. und nur durch die Wiederholung der Unmittelbarkeit.43.) 27 W. „daß die Gewohnheit sich vollkom- men an die Stelle der Liebesleidenschaft setzen kann. 22 Nietzsches „Don Juan der Erkenntnis" stellt die extreme Konsequenz dieses Prozesses dar.. S. 1. 22. udgivne af S. gleich dem Trinker. Kitzel und Genuß an Jagd und Intrige der Erkenntnis . X. 24. 32. 31. XI. Bd. 133. 31 W. dies sind die eigentlichen Triebfedern des menschlichen Lebens. 1. Vielleicht daß auch sie ihn enttäuscht. Je offener wir für diese Genüsse sind. (Vgl. 149. II. 26 Auch Marx hebt in seiner Darstellung des Wesens der Arbeit das Moment der Verdoppelung hervor: „Der Gegenstand der Arbeit ist daher die Vergegenständli- chung des Gattungslebens des Menschen: indem er sich nicht nur wie im Bewußt- sein intellektuell. II.bis an die höchsten und fernsten Sterne der Erkenntnis hinauf! .denn die ganze Welt der Dinge hat diesem Hungrigen keinen Bissen mehr zu reichen. sind wir gegen so holde Anerbietungen unempfänglich. V. S.). V. sie fordert nicht sowohl eine anmutige als bequeme Gegenwart. wirklich verdoppelt und sich selbst daher in einer von ihm geschaffenen Welt anschaut. III. S. S. IX. IV. mit einem Verlangen nach einer Abendmahlzeit der Erkenntnis. 171 entgegentritt. 27. Taylor: Love and Forms of Spirit: Kierkegaard vs. der individuellen. 32 W. S. 28 W. 23 Formal wie inhaltlich. 1. X. 42 f. Zur Bedeutung der Liebe bei Hegel und Kierkegaard vgl. X. an die Enttäuschungen festgenagelt und selbst zum steinernen Gast geworden. II. 158. II.) 21 W. XI. 59ff." (Friedrich Nietzsche: Morgenröte. III.V. S. welche er erkennt. II. Kierkegaard Selskabet ved Niels Thulstrup. 134. 84f. V. S. V. X. V.

20f. „an dem nichts in der Natur Anteil haben sollte. S. ich kann nicht einmal mich selbst vergessen." Er tat dies. V. um ihm doch die Fähigkeit zu lassen. Widersinnige) auf seinen Inhalt. S. „und gegen das übrige setzte es ihn in Sicherheit". A489. Pap. ist es gerade Abraham. 136} 38 W. Für den jungen Hegel. 256. daß er auch diese Liebe zerstören wollte und nur durch die Gewißheit des Gefühls beruhigt wurde. 22. Pap. VII. 76f. S. V. XXIX. 13l£. VI. der welt- fremde Gott. III. 19. diese schönen Beziehungen seiner Jugend (Jos. III. die einmal so weit ging. Jeremy Walker: The Paradox in Fear and Trembling. V. 18. S.). 65. S. konnte ihn drücken. V. ja es überdauert die Verachtung. Sein Ideal. XIV. sein Sein Auszu- dehnen. V. S. S. die er kannte und hoffte. Zum Doppelsinn des Paradoxen in „Furcht und Zittern" vgl.172 viel dazu. V. 45 W. S. es besteht gegen alles Widerwär- tige. III. ist eine Trennung. VI. der dem Geist des Juden. 37 W. Pap. X/l.. sein von allem sich absonderndes Gemüt stören und es in eine Unruhe versetzen. 129. V. 18. daß diese Liebe nur so stark sei. der diesen Bruch vollzieht. A35.und Christentums nachforscht. Vgl. 68.. insofern dieser Anstoß für die Bewegung des Glaubens ist. 23. S. VII/1. Unwillen. 33 W. XII. III. S. die einzige Art. 34f. 99) 36 W. III. Zorn vermögen nichts gegen dasselbe. V. hierzu Werner Walther: Die Angst im menschlichen Dasein. um „ein ganz selbständiger. S. 34. V. A120. 43 W. 38. V. 141 ff. Mißvergnügen. Walker bemüht sich vor allem um eine klare begriffliche Unterscheidung und kommt dabei zu folgendem Ergebnis: Das Paradoxe (Wunderbare) bezieht sich auf den Akt des Glaubens. 41 W. S. Walther nennt Kierkegaard einen narzißtischen Neuro- tiker und zitiert in diesem Zusammenhang folgenden Ausspruch des Dänen: „Tod und Hölle. 62. III. IX. (S. V. 76.V. III. 18. 25. V. V. wenn ich schlafe. V. Bd. III.S. S. 35 W. und Hoffnung der Nachkommenschaft. 314. 53f. S. 13. als er brauchte. V. V. 44 W. ein gewöhntes Verhältnis aufzuheben.-=67f. sondern von dem alles beherrscht wurde". aber nicht von mir selbst.S. den Haß. ich kann abstrahieren von allem." (S. XXVII.3) stieß er von sich. das Absurde (Unmögliche. das Ganze der Beziehungen. V. 33. selbst die einzige Liebe. 39 W. 37f. 34 W. 40 W. 133f£. 50. (Hervorhebung von mir).. 46 W. 13f. V. den geliebten Sohn mit eigener Hand zu . S. III. S. in denen er mit Menschen und Natur bisher gelebt hatte. V. S. 37. V. die er hatte. V. 103. „Der erste Akt. 208." (Goethes sämtliche Werke. 42 W. welche die Bande des Zusammenlebens und der Liebe zerreißt. III. durch den Abraham zum Stammvater einer Nation wird. V. 24. S. 80f. Mithin: „that an individual should believe something because it is absurd is a paradox". 80. die zu seinem Sohne.. III. unterjochte für ihn die Welt und schenkte ihm gerade so viel von ihr. In: Kierkegaardiana X. 34. V. V. III. III. 254. die einzige Art der Unsterblichkeit. V. 102. 37. Zu diesem Problemkreis siehe auch Jeremy Walker: The Paradox in Fear and Trembling. S. unabhängiger Mann" zu sein. Und nun folgt Hegels geniale psychologische Interpretation der Opferung Isaaks: „Nur lieben konnte er nichts. V. 46. Kierkegaardiana X. 123. XII.

242." (II. V. S. daß die Polizei dem Verbrecher behilflich ist. 10 W. Pap. V. IX. X. 11 W. weil an ihm schon dies ist. 203. Kap. S. IX. 174. weil dieser Widerspruch seines Wesens sich ein Bewußtsein ist. V. 205. 188f.. 8 Zum Problemkomplex Sinnlichkeit . IX. 15. V. S.V. S. S. S. S4f. ergo sum". 1. W. V. S. 208. II. 19. V. glaube ich wirklich. S. II. III. 15f. Ähnlich äußert sich Hegel in der „Phänomenologie des Geistes" über das unglückliche Bewußtsein. Pfullin- gen 1972. Durch das fortwähren- de Aufzeichnen und Wiederholen seines Lebenslaufes gewinnt der Verbrecher eine derartige Gedächtnisfertigkeit im Herleiern seines Lebens. 16 W. 75. IX. V. 217. 180. II. 13. X. V. 223 f. V. II. liefert Kierkegaard mit folgender Bemer- kung: „Die Sache rein psychologisch gesehen. II. 6 W. X. IX. . 9f. 47 Vgl. III. 198. 279. S. 13 W. IX. IX. V. S. 179. S. III. S. 121. wie das Gedächtnis der Erinnerung entgegenwirken kann. 3. Die Selbstwerdung 1 W. Seine wahre Rückkehr aber in sich selbst oder seine Versöhnung mit sich wird den Begriff des lebendig geworde- nen und in die Existenz getretenen Geistes darstellen. V. 206f. Dazu Walter Schulz: Philosophie in der veränderten Welt. 18. Stuttgart 1972. S. 18. nicht zur Reue zu kommen. S. A416. 5 W. 211. daß der Übergang von der Möglichkeit zur Wirklichkeit in der Immanenz des Denkens erfolgt. 14. 215. V.394f. VI. 242. 181.. III. 277.S. daß es als ein ungeteiltes Bewußtsein ein gedoppeltes ist. III. in dem einen Bewußtsein immer auch das andere haben. XI. indem es zum Siege und zur Ruhe der Einheit gekommen zu sein meint. 20 W. S. III. II.V. VII. 295f. 4 W. XXVII. S. V. 14 W. II. 167) 17 W. VII. 206f. Bd. 12 W. 173 schlachten.. 16f. 9. 19 W." (G. daß die Idealität der Erinnerung ausgetrieben wird. V. S. Pap.Angst vgl. VII. XXX. 246f. III. II. und so aus jedem unmittelbar. III..S. F. 13. S. 186. II. hierzu Niels Thulstrup: Kierkegaards Verhältnis zu Hegel und zum spekula- tiven Idealismus. in sich ent- zweite Bewußtsein muß also. V. 15 W. VII. 290f. 9 W. Ein anschauliches Beispiel dafür. Hegel: Werke in 20 Bänden." (W. 195 f. Frankfurt am Main 1971. 183. V. S. 18 W. X/2. 296f. VII. geht nach Kierkegaard bis auf Descartes zurück: auf dessen berühmtes „Cogito.) Diese Interpretation liefert auch einen Schlüssel zum Ver- ständnis des unglücklichen Verhältnisses Kierkegaards zu Regine. 98. 2 W. 80ff. wieder daraus ausgetrieben werden.Scham . 117n. 3 W. IX.V. V. 212. S. 16A. IX.S. 417. S. B. III. VII. VII. S.. II A. I. A558. V. 21 Das „spekulative Mißverständnis". XXI. „Dieses unglückliche. „Der Begriff Angst".. 279.) 7 W. 141. II. VII. 11. 208. S.

Pap. 120. II. 193 f. III. . V. III. Auf diese Weise soll einem ethischen Relativismus von vornherein der Boden entzogen werden. III. S. 281. 31 W. fordere ich Zwang. A187) Dieser Tagebuch- . 242. was das Ethische ist'. 222ff. S. V. 243. V. 27 W. daß man ohne weiteres das Individuum im Staat aufgehen läßt. III. V. 229f. 280. S.. den Zweifel und sagt: . II. XXX. III. daß es mit der Gewissenssache Wahrheit in ihm wurde. 237. S. III. III. 124. die wegen einer Gewissenssache mit einem Bestehenden zusammengestoßen sind. willst du wohl Ausflüchte machen und einen Ausweg suchen!' Wollte einer sagen: . 273f. richtig! Aber nun die Schwenkung. 226. V.281. S. so daß er höchstens daran erinnert zu werden braucht. 276. V. X/4. II. S. B81.V. Pap.Schau. daß gerade die Helden des Menschengeschlechts Individuen sind. 197. 287f. . die in Richtung auf Gewissen zwingen konnten. weshalb wurden jene Männer Helden? Gerade weil es ein Bestehendes gab. läßt sich der folgenden Tagebucheintragung entnehmen: „Man sagt (und zwar christlich richtig). II. wonach das Ethische dem Men- schen bereits innewohnt. III. S. welches mächtig drücken und durch diesen Druck auf einen solchen Einzelnen bewirken konnte. 239. 23 W. 29 W. S. 240f.. II. Dort wird gezeigt. 249. hierzu Herbert Marcuse: Kultur und Gesellschaft. wenn es den Konsens zur Bestimmung des Ethischen gar nicht braucht. 249f. II. 288. III. II. Daß der Sprecher des Ethischen in diesem zentralen Punkt Kierkegaards persönliche Meinung wieder- gibt. II. 159. besonders da wir von Kind auf an das Vernünfteln gewöhnt sind.225. IX. Kierkegaard knüpft dabei an die Sokratisch-Platonische Lehre an. S. 11. ethisch folge- richtig.Es gibt ja vom Ethischen ganz verschiedene Begriffe in verschiedenen Ländern und zu verschiedenen Zeiten'. V. Bd. S. den du vergeudest. S. 180.Ich muß ja erst wissen. III. wie wird dann dieser Zweifel zum Stehen gebracht? Wissenschaftlich wird er ganze Walzer füllen und doch nicht zum Stehen gebracht werden. V. II. wie bestechend. „Falls einer sagen wollte: . . S. VII. 17. Siehe auch Victor Guarda: Kierkegaardstudien. 264. V.. 10) 33 W. II.Du Lümmel. und bist für jeden Augenblick. 1. S. ethisch verantwortlich!"' (W. daß in der ethischen Mitteilung laut Kierkegaard sowohl der Gegenstand der Mitteilung als auch der Mitteilende und der Empfänger der Mitteilung zum Verschwinden gebracht werden müssen. S. V. 255 ff. V. 229. 158. 12.V. müssen alle Gesetze weg. es sei Heidentum und der Untergang aller Wahrheit. denn der mangelnde Konsens in der Bestimmung des Ethischen kann nicht als Einwand geltend gemacht werden.. sagt ihr. 32 W. III.. die ihr machen wollt! Also. 128ff. 28 W. S. 30 W. 11.Richtig. III. Aber das Ethische antwortet folgerichtig: . V. II. 277f. V. aber das Ethische faßt. VIII/2. das Individuum sei im Gewissen höher als der Staat. XV. 59ff. XVII. S.243. 111. gerade um des Gewissens willen. 26 W. 197f. deshalb. III. und verderbliche demagogische Gefallsucht und Sentimentalität! Nein. 24 W. 65. II. so daß er nicht fehlgriff und mit halbem Wind segelte. 304. S. 200f. 178. V. ." (W. III.174 22 W.Nein. 11. S.221. S.Man hebt hervor. III.Was geht dich das an. II. S. XXVIII. V. V. du sollst in jedem Augenblick das Ethische tun. nein! Furchtbare Irrung. nein. 25 Vgl.

Bd.V.Wenn sich aber das Gewissen nur innerhalb der Legalität entfaltet und die Grundlagen der herrschenden Moral. andererseits auf den Staatsbürger.) 35 W. dann wird es richtig zu sagen. S. Kant dagegen gründet Recht und Pflicht auf das „Abstrakt-Kategorische". 51 f. a. von der es selbst geprägt ist. (W.. Pap. X/l. . daß die Objektivität. XXI.263. 45 Niels Thulstrup weist darauf hin.V. 34 Kierkegaard verweist in diesem Zusammenhang auf Aristoteles und Kant: Aristo- teles gründet Recht und Pflicht ganz auf das Soziale. 34. III. 175 aufzeichnung läßt sich auch entnehmen. II. 90). daß der einzelne „bedingungslos tut. S. kann eines Tages aber .S. III. IX. III. V. 39 W. Jukundus ist bestrebt. einerseits auf das Mitglied der bürgerlichen Gesellschaft. auf den Menschen selbst. II. II. V. S. Gattungswesen geworden ist.. A66. erst dann ist die menschliche Emanzipation vollbracht. 37 W. 334 f." (MEW. 38 W. daß Kierkegaard die Legitimität der bestehenden Gesetze grundsätzlich nicht in Frage stellt. Die politische Emanzipation ist die Reduktion des Menschen. II. S. S. 254ff. II. handelt er gut".. so daß eine Kollision zwischen Gesetz und Gewissen auf Ausnahme- situationen beschränkt bleibt. S. so wie in Sokrates den typischen heidni- schen Ironiker (vgl.Als anschauliches Beispiel eines Humoristen kann auch Jukundus in Gottfried Kellers Novelle „Das verlorene Lachen" gelten. auf das egoistische unabhängige Individu- um. X. 295f. 141. . V. 166f. wenn er behauptet.V. erst wenn der Mensch seine „forces propres" als gesellschaftliche Kräfte erkannt und organisiert hat und daher die gesellschaftliche Kraft nicht mehr in der Gestalt der politischen Kraft von sich trennt. in seinen individuellen Verhältnissen. S. III. 305. sich aus allen Wirren der Zeit herauszuhalten. was die beste- hende Moral von ihm verlangt. In seinem Aufsatz „Zur Judenfrage" (1843) heißt es u. 111. wie sehr Hügli irrt. S.331. Zürich 1973. S. 351 ff. 44 W. daß sie allem Materialen gegenüber gleichgültig bleibe. 158. der Verhältnisse. (Anton Hügli: Die Erkenntnis der Subjektivität und die Objektivität des Erkennens bei Sören Kierkegaard. 40 W. 226n.: „Alle Emanzipation ist Zurückführung der menschlichen Welt. 301 ff.) Richtig ist allerdings. XXIX. 1. im Gegensatz zu Kants kategorischem Imperativ fordere Kierkegaards ethisches Wie. die Kierkegaard mit seiner Theorie des Ehtischen draußenhalten will. Kierkegaards Verhältnis zu Hegel und zum spekulativen Idealismus.. in seiner individuellen Arbeit. 265f. 1. auf die moralische Person. 293 f. 32. 343f. denn nur wenn er bedingungslos handelt. 370) 43 W. so daß die Idee des Staates für ihn (so wie später für Hegel) zum höchsten Ausdruck des Ethischen wird. „durch die Hintertür in anderer Gestalt" zurückkehrt. 36 W. III. 174. Kierkegaards Ethik sei in dem Sinne formal. V. daß Kierkegaard in Hamann den typischen christlichen Humoristen gesehen hat. Erst wenn der wirkliche individuelle Mensch den abstrakten Staatsbürger in sich zurücknimmt und als individueller Mensch in seinem empirischen Leben. II. V. 41 In diesem Punkt hätte Kierkegaard vor allem auch von Karl Marx lernen können. S. S. nicht hinterfragt. A.

wie er es mit der Religion und der Kirche halten wolle. inso- fern sich diese . Aber die gewonnene Stille und Ruhe ist nicht der Tod. Guten Gewissens und ungeteilt schreiten wir fort. die kommen oder nicht kommen werden. wenn er ehrlich und wahr sein will. was keiner den andern lehren kann. warum sollen wir uns nicht auch einmal eine Zeit ganz vergnügt und friedlich stillhalten können? Ich bin des aufdringlichen Wesens und der Plattheiten all dieser Unberufenen müde. der Glaube habe nichts mit Jener Innerlichkeit zu tun.. Schicksal usw. seiner Frau. durch die „Bewegung der Unendlichkeit" vermittelte Innerlichkeit dar. XI. der Dinge gewärtig.meint er und fährt fort: „. denn hierin verstehe ich keinen Scherz!". „Immer gleich das Gefährlichste!" . . Unglück. er stelle vielmehr eine neue.) 46 W.durch die Kategorien Glück. wird auch die Sünde als Unmittelbarkeit bezeichnet. und guten Gewissens wandeln wir hindurch.wird ihm u. 1. sondern das Leben. bestimmen läßt. 93. und diese Ämter denen zu übertragen. 82. einem modisch-reformatorischen Pfarrer entgegenzutreten. Die Theorie Hegels und (mehr noch) seiner Anhänger. 1053." (G. weil durch die Sünde der einzelne in Richtung auf das dämonische Paradox höher steht als das Allgemeine. Aus dieser Sicht ist die Unschuld die erste Unmittelbarkeit. relativ zur religiösen aber selbst Unmittelbar- keit. 48 Es gilt hier zu beachten. Sich zu einer ewigen Seligkeit verhalten sei in der Sphäre der Reflexion zwar Unmittelbarkeit. „Ihr Haß gegen uns macht Sie blind und töricht!" . X. Bd. nicht Kopf und Herz oder Wissen und Gemüt lassen wir uns durch den bekannten elenden Gemeinplatz auseinanderreißen. die auch nichts wissen und mich doch immer behirten wollen. das fortblüht und leuchtet. 237f. XI. Lehrämter über das zu errichten. V. . Ich als einzelner halte es vorläufig so und wünsche Euch indessen alles Wohlergehen. so verfallen ihre Tempel und der Rest ist Schweigen. Unmittel- barkeit ist zunächst einmal das Wesensmerkmal der ästhetischen Existenz.mehr oder weniger . das jeden ereilt. wir rennen gegen keine Wand! Auch handelt es sich nicht um Haß und nicht um Zorn! Es handelt sich einfach darum. Wenn die persönlichen Gestalten aus einer Religion hinweggezogen sind. . weist Kierkegaard mit dem Argument zurück. vorgeworfen.Um die Sache noch zu komplizieren. findet er folgende Antwort: „Wenn sich das Ewige und Unendliche immer so stillhält und verbirgt. daß der Glaube das Unmittelbare sei. worauf er von diesem heftik attackiert wird. Salzburg/ Stuttgart 1958. X.176 nicht umhin. welche die Hände danach ausstrecken. denn wir müssen als ganze unteilbare Leute in das Gericht. aber eine höhere. Die ethische Existenz ist relativ zur ästhetischen Aufhebung der Unmittelbarkeit. wir stehen über Ihnen und Ihresgleichen. daß wir nicht immer von neuem anfangen dürfen. insofern sie sich absolut zu den relativen Zielen verhält. in deren Aufhebung das Ethische besteht.Und auf die Frage Justines. S. S. V. von der ästhetischen wohl unterschiedene Unmittelbarkeit. nur bitte ich. und Ihr werdet in Eurem verblendeten Dünkel die Köpfe an unserm festen Bau einrennen!" jukundus bleibt gelassen. Kellers Werke in 2 Bänden. wie dieser Sonntagsmorgen. 47 W. die Sünde die zweite Unmittelbarkeit. S. der paradoxe Glaube eine dritte Unmittelbarkeit. „Aber es ist genug. a. . 282f. daß „ Unmittelbarkeit" bei Kierkegaard ein relativer Begriff ist und folglich in verschiedenen Bedeutungen gebraucht wird. mich vollkommen in Ruhe zu lassen.

X. l l l f . 72 W. 215. V. 177 49 W. 177f.. V. II. 245. V. V. VI. S . 75 Vgl. 295f. XI. XI. S. S. 45. X. V. S. 26f. Kap. V. hat es eo ipso mißverstanden. 64 W. XI. V. S. 78. VI.215f. 46f. X. 219. S.V. 55 W. 47. 46ff. 43f. 3 l f .V. X. 58 W. X/2. X. 296. insofern es ihm nämlich nicht gelang.. V. XI. IX. S. 288.S. S. Mark C. VI. S . S. 196. 51 W. XXVIII. 67 W. III. VIII/1. VIII. IX. Pap. XXIX. 54 W. IV. V. V. 299. 56f. sondern auch der Aufklärungstheologie. V. 303ff. 60 W. XI. V. X. S.V. . 2/3.. 71 W. 286. 17 W. 47. 241ff. 209ff. 89f. X. XI. 53 W. daß es für Kierkegaard (anders als für Hegel) keinen immanenten Übergang von der . VI. 237. IX. 252. V. X. Die Grenzen der Wiederholung 1 W. In diesem Zusammenhang läßt Kierkegaard Johannes de Silentio auch den bekannten Ausspruch Senecas zitieren: „Nullum unquam extitit magnum ingenium sine aliqua dementia. V. 278. XI. 56..S. X. V. 121 ff. XI. X. S. X. X. 57 W. denn wer sich darauf beruft. . S. Pap. 93.. 166.. 171. 255ff.. A61. S.sagt Kierkegaard ausdrücklich: „Also das Buch ist überflüssig." Kierkegaard war aber auch in einem ganz anderen. 73 W.Oder" für seine ethisch-religiösen Schriften nutzbar zu machen. 190. XI. 235.Taylor hebt gleichfalls hervor... V. 257. V. 74 W. VI." 69 W. IX. Hier geht es Kierkegaard nicht nur um die Bekämpfung der spekulativen Philosophie. 51. 56 Im Anhang zur „Unwissenschaftlichen Nachschrift" . S. 87f. 50. IX. 239.. X. V. VI. V. V. 59 W. IX. S. 201 f. S. S.S.251f.er trägt den Titel „Verstän- digung mit dem Leser" . X. VI. V. 3 W. VI. X. 52 W. X.V. V. 66 W. darum mache sich auch niemand die Beschwer. IX. 62 W. 4SI. III. unerwünschten Sinne erfolglos. 279f. 68 W.S. XI. 44f. den Sensationserfolg von „Entweder . V. 48f. VI. S. 204f. 76 W. sich auf es zu berufen. S. 61 W. S. V. 245. VI. X. 182f. 50 W. 47ff. 284. V. X. VI. Adorno: Kierkegaard/Konstruktion des Ästhetischen.. 94f. 280. S. 7.S. 45 f. V. 141ff. 2 Theodor W. 47. III. V.. 95f. 86. V. XI. S. X. 65 W. 248. S. A7. W. S. 241. S. 237. 171. X. 70 W. S. 63 W. S. 33. S. XI. IX. IX.. VI. X. X.V. XI. 120f.

XI/1.. 126. 16 W. daß für Hegel der Gegensatz von Innerlichkeit und Äußerlichkeit. 117t. Kierkegaard consistently differentiates faith and love. S. so ist das nicht ganz korrekt. 99 f. wogegen er aus Kierkegaards existentieller Sicht wesentlich unaufhebbar bieibt und dadurch ein Spannungsverhältnis er- zeugt. Nur der Bruch mit der irdischen Liebe (die für Kierkegaard zutiefst Selbstliebe ist). daß die geltenden Gesetze für Kierkegaard nur dann überhaupt relevant werden. 4 Wenn Anton Hügli behauptet. XVII. 38f. XVII. 92.re sig selv grunder Selvet gjennemsigtigt i den Magt. S. V. Kierkegaards Ethik sei außerstande. die sich nach dem Motto richtet: Gebt dem Kaiser. Freiheit und Notwendigkeit. 6 Anton Hügli: Die Erkenntnis der Subjektivität und die Objektivität des Erken- nens bei S0ren Kierkegaard. Kierkegaard believes. V. In der Praxis führt das zu einer Haltung. 69. 84. som satte det.. S. S. Sören Kierkegaard. Oiesen Larsen: Seren Kierkegaard." (Die Erkenntnis der Subjektivität und die Objektivität des Erkennens bei Seren Kierkegaard. XV. Um genau zu sein. 29.178 Selbstliebe zur wahren Liebe gibt. XVII. XVII. Im Dänischen lautet die entscheidende Textstelle folgendermaßen: „i at forholde sig til sig selv og i at ville va. von H . 7 Als Ausnahmen seien genannt: Romano Guardini (vgl. muß man sagen. V. 177n. Insofern stellt der paradoxe Glaube den Gipfelpunkt geistiger Existenz dar. XV.). 40f. 127. XI. XV. was Gottes ist. 11 W. S. 209A. XV. 12 W. 185.. 5 W. wenn sie das wesentliche. 34. 14 W. 98. 94. 9 W. S. XV. 43f. das religiöse Interesse des Individuums tangieren. Herausgeg.. 10 W. S. 95f. kann zur wahren Liebe führen. die Inhalte der herrschen Moral zu bestimmen und zu verändern. S. sie gehe gleichsam spurlos an ihnen vorbei . XVII. A96. 13 W. XV. vitiates faith and renders impossible genuine love of other selves. Insbes. Der entscheidende Unterschied muß darin gesehen werden. Transcendence of God and independence of seif are inseparable.„Kierkegaards Theorie des Ethischen bietet kein Mittel. ein Gesetz auf seine Legitimität hin zu prüfen. S. 105. V. S.V. XVII. 62." Emanuel . 54) und Kristoffer Olesen Larsen (Seren Kierkegaard. V. V. XVII. V. V. XV. 131. Gütersloh 1973).und Gott. XV. Darmstadt 1971.. V. X. XVII. 90. 224. 168) -. 31f."). S. S. S. XVII. XXXI. Endlichkeit und Unendlichkeit im Geist aufhebbar und in gewis- ser Weise immer schon aufgehoben ist. XV. H . 21. Schrey. Pap. . S. 72." (Kierkegaardinana X. in dem der Geist recht eigentlich seine Wirklichkeit hat. S. mit ihr läßt sich daher die Herrschaft eines jeden politischen Systems verewigen. V. 17 W. 8 Vgl. S. 15 W. The seif is actualized most completely in Isolation from other selves and in relation to a transcedent God. S. was des Kaisers . V.75. XVII. 102. 47. XVII. XVII. XV. V. Taylor zieht daraus den Schluß: „Kierkegaards's vision of authentic selfhood or realized spirit is fundamentally non-social.Auf den ersten Blick stimmt Kierkegaards Begriff des Geistes ziemlich genau mit dem Hegels überein („Der Geist ist seine Tat. This notion of selfhood and of the self's relation to God precludes the possibility of confusing religious devotion with involvement in ongoing social and natural processes. Ulf. 35f. The loss of the distinction between faith and love. S. XV.S. XV.

175. Mit der von Larsen projektierten Preisgabe der Verbindung zwischen dem Evangelium und der übersinnlichen Welt. daß das Ewige geschichtlich geworden sei. XXVII." An das intellektuelle Paradox als das Ewige. daß der Verzauberte das gleiche Stück von rückwärts spielte. 85. 18 W. muß man vorne anfangen. V. auch W. Vgl. Dennoch möchte ich in zwei entscheidenden Punkten Bedenken anmelden: 1. aber überaus schwer zu vollbringen. meint Larsen weiter. durch Aberglaube. Geistlo- sigkeit. lehrt das Märchen. A65. II. S. 36. es ist wirklich so. 20 W. Larsen beansprucht. der weder durch den originalen Wortlaut noch durch den Sinnzusammenhang ge- rechtfertigt erscheint. um aus der Gnade des Schöpfers zu leben". das in einen hineingekommen ist. VIII/1. 81ff. A17. 13. „Meist versteht man Kierkegaard wohl in dem Sinne. war es nötig. XVII. 22 Als besonders aufschlußreich kann die folgende Textstelle gelten: „In Märchen wird von Menschen erzählt. XVII. 23 Oiesen Larsen scheint eine ähnliche Zielrichtung vor Augen zu haben. 3. wenn man fehlgreift. V. S. das Verkehrte. S. Der Glaube wird dann nämlich zum Risiko. mit seinem Projekt eines neuen Humanismus Kierkegaards eigene. Adorno: Kierkegaard/Konstruktion des Ästhetischen. V. 19 Sehr drastisch bringt das Oiesen Larsen zum Ausdruck. gründet sich das Selbst durchsichtig in der Macht. . XVII. sondern schlicht außer Kraft gesetzt. 22. 163) Hier wird das fruchtbare. ganz einfach weil es nichts ist. XVII. 96. XV. XXVIII. S. wenn er feststellt: „Für Kierkegaard gibt es letztlich nur zwei Alternativen: die ästhetische und die religiöse Existenz. daß man anstatt die Gedanken Kierkegaards zu denken. 81. muß man eben auf diese Weise tilgen. dennoch. XV. h. daß Gott Mensch geworden sei. und es ist ein Mißverständnis. ethisch-praktisch aufgelöst. welche von Wasserfrauen oder Wassermännern mit ihrer dämonischen Musik in ihre Gewalt gebracht worden sind. Vgl. (Seren Kierkegaard. V. es sei die Theorie. S. das eigentliche Hu- manum ausmachende Spannungsverhältnis zwischen dem Endlichen und dem Unendlichen nicht existenzdialektisch. denn es gibt der Aussage einen Sinn." (W. S. was der Mensch verstehen soll. sie zu referieren . 145). Dies ist mit tiefem Sinn erdacht. III. wird . 21 Theodor W. S. welche es gesetzt hat.Kierkegaards Verzweiflung nicht überwunden. mit dem Verzicht auf den Appell an das Begehren des Menschen. und jedes Mal. sich selbst ausliefert. S. . „daß der Mensch sich selbst im Gehorsam des Glaubens aufs Spiel setzt. nach einer höheren Welt zu streben. 136ff. 67. unausgesprochene Gedanken wiederzugeben. sein Paradox sei das intellektuelle Paradox. „Das kann er nur durch ein sacrificium intellectus tun. 155f. V. II. das in die Zeit eintritt. ohne ein einziges Mal fehlzugreifen.. . d.25f. kann der Mensch gar nicht glauben.so scheint mir . insbes. Kierkegaard habe eine solche Forderung an den Verstand gestellt. über sein eigenes Dasein hinauszukom- men. in äem er sich selbst verstehen soll. Das hängt damit zusammen. S. Pap. 45). sondern etwas. d. S. Der Verstand kann damit nichts zu tun haben. 122." (Seren Kierkegaard. Spießbürgerlichkeit. XV. 160. sowohl der Erkenntnis als auch den Leistungen entsagend. sich damit begnügt. 179 Hirsch übersetzt: „indem es sich zu sich selbst verhält und indem es es selbst sein will. Um den Zauber zu lösen. Ü. sondern eher noch übertroffen. Pap. XV." Das „gründet sich" wurde mit Recht kritisiert." 2. alles dazwischen ist Dummheit.

als „Existenzkategorie".sehr verwunderlich auch deswegen.Die Wiederholung ist keineswegs nur der Titel und das Thema einer kleinen Schrift Kierkegaards: sie ist das philosophische Leitmotiv seines gesamten schriftstellerischen Schaffens. ISBN 3-445-02088-4 . Der Verfasser: geb. weil die Wiederholung wie kein anderes Problem den für Kierkegaards Philosophie- ren so maß gebenden Bogen von seinem Leben zu seinem Denken spannt. h. 1964. Die Wiederholung zeigt sich dabei in einer doppelten Funktion. an dem die Metaphy- sik scheitert. die abgebrochene Beziehung zu Regine neu zu knüpfen. entwickelt sich fast nahtlos die Wiederholung als Daseinsprinzip schlechthin. 1937 in Mailand. der als die Grundlage aller Vermittlung den Rahmen der Vermittlung sprengt. Sie ist einerseits die existenzdialektische Version dessen. Philosophie und Psychologie in München und Wien. phil. Dieses Entdecken vollzieht sich bei Kierkegaard in der Auseinandersetzune mit drei Hauptströmungen abendländischer Geistesgeschichte: dem griechi- schen Rationalismus. daß bislang noch kein systematischer Versuch unternommen wurde. was bei Hegel „Vermittlung" genannt wird. dem spekulativen Idealismus und der christlichen Heilslehre. sie ist andererseits „Doppelbewegung der Unendlichkeit".Promotion zum Dr. Denn aus dem Bestreben. Kiekegaards komplexes Werk von der Wie- derholung her zu erschließen . d. Studium der Physik. Es ist daher sehr verwunderlich. Neben Aufsätzen in verschiedenen Zeitschriften und Zeitungen intensive Kierke- gaardforschung. die es philosophisch zu entdecken gilt. Mit Kierkegaards eigenen Worten ausgedrückt: Die Wiederholung ist das Inter- esse der Metaphysik und zugleich dasjenige Interesse. paradoxdialektischer Glaubensvollzug.