Brave Kinder

Es war Donnerstag – der einzige Tag in der Woche, an dem Annica und Tom ihrer Mutter im Haushalt helfen müssten. Ihre Aufgabe war die frisch gewaschene Wäsche zu bügeln und zusammenzufalten. Natürlich waren die beiden Kinder nicht gerade davon begeistert den schönen, warmen Nachmittag zu Hause zu verbringen und Wäsche zu falten, anstatt draußen zu spielen, aber sie wollten ihre liebe Mutter, die im Moment noch bei der Arbeit war, nicht enttäuschen. Annica übernahm das Bügeln und Tom sollte die glatt gebügelten Kleiderstücke zusammenfalten und ordentlich in die Schränke legen. Am Anfang an lief alles gut, doch bald wurde es Tom langweilig und er fing an rumzukaspern. Er ging in die Küche, schnitt sich ein großes Stück von Mamas Bananentorte ab und ging damit wieder ins Wohnzimmer. Annica schaute ihn mit dem Bügeleisen in der Hand böse an und sagte dann: „Sag mal, was denkst du wird das? Mach dein Teil der Arbeit Freundchen! Je schneller wir hier fertig sind, desto früher können wir auch raus zum Spielen.“ „Du hast mir nichts zu sagen dumme Ziege!“ erwiderte Tom schlagfertig und klatschte sogleich seiner Schwester den Rest von der Bananentorte ins Gesicht. „Du kleine Ratte, na warte nur!“ schrie Annica wütend. Die leckeren Stückchen waren nicht nur auf die saubere Wäsche verteilt, sondern lagen zerstreut auf dem ganzen Boden. Während Annica ihr Gesicht mit warmem Wasser abwusch und dabei laut schimpfte, amüsierte sich Tom königlich über den Wutausbruch seiner Schwester. „Oh nein! Schau dir das an. Die neue Bettwäsche, die Mama erst gerade gekauft hat, hat am meisten abbekommen. Guck dir die Flecken an Tom. Wie kriegen wir das bloß so schnell wieder sauber, ohne dass Mama was davon erfährt? Oh man, du immer mit deinem Blödsinn, jetzt müssen wir auch noch den Boden wischen.“ Das Wasser verdampfte in dem Bügeleisen, während sie sich weiter stritten. Die beiden fingen dann an gründlich die ganze Wäsche zu untersuchen und analysierten die Flecken. „Das ist eine Katastrophe.“ schrie Annica verzweifelt. „Mama kommt in einer Stunde nach Hause, was tun wir nun?“ Tom beobachtete sie mit großen Augen und schwieg schuldig. „Ich ruf Oma an, vielleicht kann sie uns sagen, wie wir schnell diese Riesenflecken rausbekommen.“ sagte Annica und wählte schnell die Nummer. „Dieser Service ist zurzeit leider nicht verfügbar.“ lautete die automatische Telefonansage. „Ich hab eine Idee.“ sagte Tom. „Wie wäre es mit dem Wasch- und Reinigungssalon um die Ecke?“ Annica nickte, sammelte schnell die beschmutzte Wäsche zusammen, nahm ihr Sparschwein und bevor sie aus der Tür raus ging, rief sie: „Und du putzt währenddessen hier und bringst alles wieder in Ordnung!“ Die fettleibige Dame in dem Reinigungssalon hatte Mitleid mit den Kindern, nachdem sie Annicas Geschichte gehört hat und die Wäsche wurde nicht nur umsonst gewaschen, sondern auch fein gebügelt. „Jetzt bloß vor Mama nach Hause kommen.“ murmelte das Mädchen und stieg hastig die Treppe zu der Wohnung hoch. Tom saß etwas verängstigt im Wohnzimmer. „Alles ist hier soweit sauer.“ sagte er. Annica legte die erneut gewaschene und fein zusammengefaltete Wäsche in den Korb zu den restlichen, von ihr selbst gebügelten Kleiderstücken. „Anni, es tut mir leid!“ entschuldigte sich Tom und in diesem Moment kam die Mutter rein. „Hallo Kinder. Ich bin wieder zu Hause. Wow, ihr habt eure Aufgabe schon erledigt.“ „ Ah das? Wir waren schon vor zwei Stunden damit fertig Mama.“ zwinkerte Tom schnell Annica zu. „Weil ihr so brav seid und mir in dem Haushalt immer gerne helft, lade ich euch sofort zu einem Eis ein.“ lächelte die Mutter und die Kinder schrien vor Freude. Nur eine halbe Stunde später saßen die am Strand mit einer Eistüte in der Hand. Sie kuschelten mit ihrer Mutter und beobachteten den wunderschönen Sonnenuntergang.

„Ah Kinder, ihr seid die liebsten und die bravsten auf der ganzen Welt!“ sagte die Mutter leise und küsste die beiden sanft auf die Wange. Wenn sie nur wüsste ….

von: vikibul