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#26

DIGITAL REVOLUTION

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M u t zu eidunge
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WORKSPACE - OPEN SPACE
ODER LOST IN SPACE?
Der erste Eindruck zählt. Ob online oder direkt vor Ort. B2B-Kunden lassen sich bei der Auswahl
eines Unternehmens von der ersten Gesamterscheinung leiten. Diese ist somit ein wichtiges
Entscheidungskriterium, bevor es zu einem persönlichen Kontakt kommt. Ein überzeugendes
Corporate Design, eine selbstbewusste Außendarstellung sowie beeindruckende Aufnahmen
der Inneneinrichtung kreieren ein Image, das man so schnell nicht wieder vergisst.

Für die Akquise zukünftiger Kunden, den Gewinn von Mitarbeitern im »War of Talents« und die
Motivation von Kollegen ist ein überzeugendes Gesamtkonzept die Grundlage für Erfolg und
Weiterentwicklung.

Lindemann Projekt 2017: Covus, Berlin | Planung | Foto: Seel Bobsin Partner

Lindemann baut auf 100 Jahren Erfahrung in der Produktion und dem Handel von Büromöbeln
auf. Tradition, Verlässlichkeit und Innovation sind die Grundpfeiler des in Berlin ansässigen
Familienunternehmens. Das Kompetenz-Team Lindemann ist darauf spezialisiert, innovative
Bürolösungen zu gestalten, welche den ersten Eindruck in einen geschäftlichen Erfolg um-
wandeln. Das qualifizierte Team aus Architekten, Designern, Produktberatern, Projektmana-
gern, Tischlern und Monteuren plant und realisiert mit interdisziplinärem Wissen individuelle
Erfolgsumgebungen für moderne Nutzer.
INHALT

70–77 42–62
Christian Drone INHALT
Vollmann Insights Editorial 7
Contributors 12
Moments 14
Auf der Suche nach der Disruption Die Gewinner des EyeEm Fotografiewettbewerbs 2017
Delle im Universum von oben Gadgets 16–21
Warum er nicht Kinderarzt, Willkommen in der faszinie-
Eine Frage der Technik: „Go go Gadgets“
sondern erfolgreicher Serien- renden Welt der Drohnen.
Early Stage 22–26
gründer geworden ist, und wie Längst der größte Wachs-
Wie erfolgreiche Pressearbeit für Startups funktioniert
er Stadtmenschen einander tumstreiber der Unterhal-
Venture Daily 64–66
näher bringen möchte, verrät tungsindustrie sind sie drauf
News zum Mitfiebern: So entsteht der beliebte
der sympathische Christian und dran, zahlreiche Märkte
Startup-Newsletter
Vollmann im Interview. nachhaltig zu verändern.
Startup-Newsletter 68
Must-reads – Newsletter-Empfehlungen der Redaktion
Interview 78
Nextdoor Country Manager Deutschland Marcus Riecke
Gegenüberstellung 79
Nebenan.de vs. Nextdoor
Branchen Close-up 80
The Winner takes it all
Success Story 82
Endlich geschafft! Die Achterbahn von
Movinga-CEO Finn Hänsel

Foto: Johannes F. Räbel (Coverstory) | David Lemanski (BVDS) | Frank Luca, Unsplash (Craft Beer) | Pixabay (Drohnen) | Alexander Freundorfer
NKF Summit 120–125
NKF Summit Volume 2 – Rückblick auf den
„Crashkurs für Corporates“
NKF Summit 126–129
Interview: Maximilian Viessmann
NKF Summit 130–132
Interview DB Digital Ventures/Redstone
The Hundert 134–137
Das beliebte Startup-Magazin The Hundert
präsentiert die Top-100-Startups aus Berlin
Lesson learned 141
Contorion: Schneller Exit mit vielen Learnings
Coworking International 142–145
Andere Länder, andere Sitten? Worldwide work Antwerpen
Fitness/Food 148–149
Fit, fitter, Büro-Hengst? Tipps und Food fürs Healthy Office
Tools 152–154
Am digitalen schwarzen Brett: Pinterest
Startup Media 155–157
Aus der Kultur: Gründer-Lektüre
Impressum 162

30–39 84–101 104–117


Factory Craft Beer BVDS
Work hard, play hard in der neuen Factory Die Renaissance des guten Geschmacks Fünf Jahre Bundesverband
Über 14.000 Quadratmeter für Startups. Mit Bällebad Craft Beer haucht der stagnierenden Bierbranche Deutsche Startups
und Playstation. Ein wahrgewordener Gründertraum? neues Leben ein. Und nicht nur das: Es bringt auch Richtfest zwischen Fakten, Forderungen und Feh-
Mit Factory-Gründer zum exklusiven Rundgang durch verloren geglaubte Vielfalt und guten Geschmack. lern. Was hat der BVDS erreicht? Wo will er hin? Wir
die neuen Räume. haben mit den Verbandslenkern gesprochen.

4 berlinvalley.com berlinvalley.com 5
EDITORIAL

RESET 2.0
Liebe Leserin, lieber Leser,
Willkommen zur neuen Ausgabe von Berlin Valley. Neu tollen Mitarbeitern. Heute wird Berlin Valley flankiert
im maximalen Sinne, denn bei dieser Ausgabe haben wir von vielen spannenden Medienprojekten wie The Hun-
zum zweiten Mal den Reset-Knopf durchgedrückt: neues dert, Venture Daily, Heet.io und dem NKF Summit.
Format, neue Themen, neues Team … doch alles der Rei-
he nach. Berlin Valley wurde im Lauf der Zeit immer professionel-
ler. Mit Corinna Visser hat vor zwei Jahren eine hervor-
Getrieben von Neugierde hatte ich Berlin Valley vor fünf ragende Journalistin die Rolle der Chefredakteurin über-
Jahren als Blog über die Berliner Startup-Szene gegrün- nommen. Unter ihrer Führung erfolgte vor zwei Jahren
det. Ich wollte verstehen, wie erfolgreiche Startups funk- der erste Relaunch. Die Marke Berlin Valley hat deutsch-
tionieren. Wollte Geschäftsmodelle analysieren und landweite Bekanntheit erlangt und steht als Wirtschafts-
Weltveränderer interviewen. Wollte Fragen stellen und magazin der Zukunft konkurrenzlos auf weiter Flur.
Wissen weitertragen. Zwei Jahre später erschien die erste
gedruckte Ausgabe von Berlin Valley – auch das ein ech- Nun folgt der zweite Relaunch und mit ihm das nächs-
ter Meilenstein. Seither hat sich unglaublich viel verän- te Level. Ab sofort erscheint Berlin Valley in einem neu-
dert: Aus dem Initialprojekt Berlin Valley ist mit NKF Me- en kompakteren Format und auf doppelt so vielen Seiten
dia ein echter Verlag entstanden, mit inzwischen zwanzig wie bisher. Dadurch gibt es mehr Platz für ausführliche

Vielen Dank!
OHNE DIE UNTERSTÜTZUNG UNSERER SPONSOREN WÄRE DIESES MAGAZIN
NICHT REALISIERBAR. DAFÜR GANZ HERZLICHEN DANK AN:

berlinvalley.com 7
EDITORIAL

Wir suchen keine Follower.


Sondern Menschen, die uns digital vorantreiben.
www.porsche.de/karriere
Folgen Sie nicht, gehen Sie voraus. Wir bieten Ihnen Einstiegsmöglichkeiten rund um die
Themen Connected Car, Smart Mobility und Digitale Geschäftsmodelle. Mit anderen Worten:
spannende Chancen für Ihre Zukunft.

Doppelte Staffelübergabe mit Corinna Visser Das aktuelle Team von NKF Media

Themenschwerpunkte. Und auch die regelmäßigen Rub- liebgewonnene Redakteurin Anna-Lena Kümpel hat das
riken haben wir thematisch erweitert. Ab sofort gibt es Team und Berlin aus persönlichen Gründen verlassen.
Rubriken für junge Gründer, spannende Gadgets, interna- Beiden sei an dieser Stelle nochmal herzlichst für die tol-
tionale Coworking Spaces und ausgewählte Tools. le Zusammenarbeit gedankt. Es war eine gute Zeit! Viel
Glück für eure nächsten Schritte.
Aufgrund der hohen Nachfrage haben wir die Druckaufla-
ge von Berlin Valley auf 30.000 Exemplare erhöht und die Für mich persönlich bedeutet das, wieder näher an den
Distribution optimiert. Inzwischen erhält man Berlin Val- inhaltlichen Themen zu agieren. Berlin Valley hatte ich
ley gratis an über 300 festen Locations in ganz Deutsch- vor drei Jahren aus Neugierde über die Startup-Szene
land. Und auch wenn die Verteilung auf Events, in Cowor- gegründet. Diese Neugierde ist geblieben. Sie gehört zur
king-Spaces und Cafés weiterhin kostenlos bleibt, so hat DNA von Berlin Valley.
Berlin Valley ab sofort einen offiziellen Preis. Wir wurden
oft gefragt, ob wir Einzelhefte versenden oder ein Abo an- Von daher freuen wir uns gemeinsam auf die Zukunft. Sie
bieten. In beiden Fällen lautet die Antwort ab sofort „Ja!“. verspricht viel Gutes! Viel Spaß mit der neuen Ausgabe
und willkommen im nächsten Level,
Der Relaunch von Berlin Valley geht auch mit personel-
len Änderungen einher. Die aktuelle Ausgabe wurde mit Ihr/euer
einem komplett neuen Team erstellt. Corinna Visser hat
die Redaktionsleitung an mich übergeben. Auch unsere Jan Thomas

DAS STARTUP-MAGAZIN
MÄRZ 2016 – KOSTENLOS

Foto: Max Threlfall | Jan Zappner (Teamfoto)

MEHR WUMMS
Mit Media for Equity groß rauskommen Relaunch #2 Aktuelle Ausgabe
WACHSEN ARBEITEN SURFEN
CEO Sascha van Holt über Mindspace will überall in Deutschland Senatorin Cornelia Yzer fordert
ZKZ 89109

die Strategie von Sevenventures neue Coworking Spaces eröffnen freies WLAN in der Berliner Innenstadt

BERLINVALLEY.COM

Relaunch #1 März 2016

Die erste Ausgabe Oktober 2014

8 berlinvalley.com berlinvalley.com 9
DANKE
an unsere Anzeigenkunden für
drei großartige Jahre

Berlin Valley erscheint seit November 2014 im Verlag NKF Media.

WWW.NKF.MEDIA

... und allen anderen Kunden, Wegbegleitern, Partnern und Unterstützern.


10 berlinvalley.com berlinvalley.com 11
CONTRIBUTORS

Contributors WALDEMAR JANTZ


MARC-OLIVER HUHNHOLZ
Wir bedanken uns bei den folgenden Gastau- Mit über 30 Jahren Erfahrung
toren, die uns tatkräftig bei der Erstellung von Mittlerweile mehr als zehn im Venture-Capital-Geschäft
Jahre Pressesprecher des in Deutschland und den USA
Berlin Valley 26 unterstützt haben Deutschen Brauer-Bunds macht dem Partner von Target
BRIGITTE ZYPRIES kennt Marc-Oliver Huhn- Partners keiner etwas vor, wenn
holz das Geschäft mit dem es darum geht, Startups zu be-
Die Bundesministerin für Wirt- kühlen Blonden genau. Was urteilen. So auch beim Segment
schaft und Energie gratuliert der Craft-Beer-Trend für den der Drohnen-Startups. Seite 62
dem Bundesverband Deutsche Markt bedeutet, erklärt er in
Startups und freut sich über fünf einem Statement. Seite 95
erfolgreiche Jahre. Seite 114

KAY WACKWITZ

Drohnen in Europa oder


gar „Drones gone wild“? CHRISTIAN ZIACH

Foto: Drone Industry Insights | Stefan Kny | Julia Schwendner | High Tech Gründer Fonds | Susie Knoll | BRAUEREI LEMKE BERLIN GMBH | Serena Carloni
Wohin die Entwicklungen FINN HÄNSEL
der – wie er sie nennt – Investments sind sein Geschäft.
fliegenden Datensamm- Als Branchenexperte und Men- DANIEL HÖPFNER Wenn jemand weiß, was Durch-
ler streben, erläutert der tor für einen Business Inkuba- haltevermögen bedeutet, dann
Gründer und CEO von Dro- tor der Europäischen Raum- Wo wir im Geschäftsfeld der der CEO von Movinga. Er blieb

Foto: Christian Thiel/Marc-Oliver Huhnholz | b10 | Venture Capital | Adela Dupetit | Target Partners | Max Threlfall | Saskia Uppenkamp
ne Industry Insights in sei- fahrtorganisation nimmt der Drohnen „hinschwirren“, ahnt am Ball, als viele das Umzugs-
nem Kommentar. Seite 50 Investment Manager des High- der Co-Founder und Partner startup bereits abgeschrieben
Tech Gründerfonds aufstreben- von b10 | Venture Capital be- hatten. Die Learnings, die er mit-
de Drohnen-Startups unter die reits. Seine Einschätzungen genommen hat, gibt's auf
Lupe. Seite 61 auf den Seiten 54 und 60 Seite 82

MASOUD KAMALI

Der Managing Director


und Founder von West-
Tech Ventures ist ein Visio- OLIVER LEMKE
när der Startup-Szene und CORINNA VISSER
Unternehmer der ersten Sein Bier finden Bierliebhaber ANNA-LENA KÜMPEL
Stunde. In seinem Kom- bereits seit 1999 am Hackeschen Zweieinhalb Jahre lang war Co-
mentar resümiert Masoud Markt in Berlin. Als Craft-Bier-Pi- Als rechte Hand von Corinna rinna als Chefredakteurin Kopf
Kamali, was fünf Jahre onier hat der Gründer, Inhaber Visser hat die Nachwuchsre- und Aushängeschild der Ber-
Bundesverband Deutsche und Geschäftsführer der Brau- dakteurin für konstanten Qua- lin-Valley-Redaktion. Als letzte
Startups gebracht haben. erei Lemke nur ein Ziel: Richtig litätsjournalismus und span- Amtshandlung hat sie mehrere
Seite 114 gutes Bier. Seine Gedanken zum nende Nachrichten aus der Interviews geführt, unter ande-
Markt auf Seite 94 Startup-Welt gestanden. Ihr In- ren mit Max Viessmann und
terview mit Kristin Moellering Sabine Petzsch. Diese findet ihr
findet ihr auf Seite 64 auf Seite 126 und Seite 134
OLIVER WESSELOH

2013 gewann er die Welt-


meisterschaft der Biersom-
meliers. Zeitgleich kennt
er sich als Kreativbrau- BALÁZS TARSOLY
er bestens mit der Craft-
Beer-Szene aus. In einem Als Experte für Food-Service-
Statement verrät der Ge- Branding und Restaurant-Mar- UND SONST NOCH?
schäftsführer der Kehrwie- keting verrät er, warum die Unser weiterer Dank für ihre Mitarbeit und Unterstützung im Rahmen dieser Ausgabe gilt:
der Kreativbrauerei Oliver Systemgastronomie Craft Beer Hanna Bachmann (hepster), Stephan Noller (ubirch), Nikolai Roth (Maklaro), Frieder Damm
Wesseloh, warum sich das braucht und was der Trend mit (sleep.ink/Daizu), Peer Schulz (helpcheck), Hannes Mehring (CrowdTV), Oliver Dietrich (FreshDe-
Craft-Beer-Geschäft lohnt. Individualismus zu tun hat. tect), Anna Kaiser und Jana Tepe (Tandemploy), Dirk Graber (Mister Spex), Daniel Krauss (Flix­
Seite 95 Seite 87 Bus) sowie den Unternehmen Runtastic, HelloFresh und Blinkist

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MOMENTS

Zum vierten Mal fand im September in Berlin das EyeEm


Photography Festival & Awards statt. Die Community
reiste aus der ganzen Welt an, um sich auszutauschen
und voneinander zu lernen. Teil des Festivals waren die
Awards, zu denen es im Vorfeld über 590.000 Einsendun-
gen von 88.000 Fotografinnen und Fotografen in sechs
Award-Kategorien gab: Porträt, Landschaft, Fotojourna-
list, Architektur, Street-Fotografie und Community Vote.
Entlang einer Fotowand wurden aus allen Einsendungen
die 100 Finalisten präsentiert. „EyeEm sieht das Festival
und die Awards als Wertschätzung für die Community“,
sagt Gen Sadakane (CCO und Mitgründer von EyeEm).
Ein Schwerpunkt des Festivals in diesem Jahr war das
Thema AI, künstliche Intelligenz, das immer größeren
Einzug in die Fotografie hält. Neben vielen anderen Pro-
grammpunkten gab es auch ein Portfolio-Review, bei
dem Fotografinnen und Fotografen professionelles Feed-
back zu ihren Bildern einholen konnten. „Die Leute kom-
men, weil sie sich verbessern wollen, um Input zu ihren
Bildern zu bekommen und zu interagieren. Dafür ist das
Festival der richtige Ort“, meint Gen. eyeem.com/festival 2

3 4

1 | The Community Vote

EyeEm Photography
Robert Torrontegui (27) aus Manila, Philippinen
(aufgenommen in Manila, Philippinen)
2 | The Portraitist
Adeolu Osibodu (20) aus Ogun State, Nigeria (aufgenom-

Festival & Awards 2017


men im Redemption Camp, Ogun State, Nigeria)
3 | The Photojournalist
Ramin Mazur (30) aus Chișinău, Moldawien
(aufgenommen in Modawien)

Eine begeisterte Community feiert 4 | The Great Outdoors


Guiga Pira (30) aus Rio de Janeiro, Brasilien

sich und die Fotografie (aufgenommen im Golf von Kalifornien, Mexiko)


5 | The Architect
Denise Kwong (37) aus Sydney, Australien
Von Christian Fuchs 1 5 (aufgenommen in Hongkong)

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GADGETS GADGETS

Alles
eine Frage
der Technik
Ein Leben ohne Gadgets –
kaum vorstellbar. Wir Assistent
zeigen die begehrtesten im Ohr Klipp und klar
Fundstücke der Redaktion Passend zum Pixel-2-Smartphone hat Google
auch neue Kopfhörer vorgestellt. Bei den Pi- Nicht größer als eine Kreditkarte ist der Handyhalter des
Zusammengestellt von xel Buds handelt es sich um Bluetooth-Kopf- Wiener Startups Hold Innovation. Aus diesem Grund eig-

Hart im Justus Zenker und Felix Rolser hörer, die auf Fingerdruck den Kanal zum
Google Assistant auf dem Smartphone öff-
nen. Per Sprachbefehl lassen sich dann ver-
net sich der Hold besonders gut als Visitenkarte für Unter-
nehmen, die die Karte mit eigenem Design oder einer Bot-
schaft bedrucken können. Die Mindestbestellmenge liegt

Mitnehmen schiedene Dienste, etwa der Google Überset-


zer, aktivieren. Wisch- und Tippbewegungen
am rechten Ohrhörer steuern die Lautstärke
bei 250 Exemplaren ab 1,50 Euro netto pro Stück. Einzelne
Holds gibt’s bei Amazon. Preis: 6,29 Euro. your-hold.com

Mit der Unterstützung von Investoren und oder Titelwahl. Das mitgelieferte Etui erfüllt
Designern entwickelte sich Horizn Studios zudem die Funktion einer mobilen Ladestati-
zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz on. Preis: 179 Euro. store.google.com
im Segment der Reisegepäck- und Taschen-
hersteller. Nun haben die Berliner ihr neues
Hartschalenkoffer-Modell in den Farben Oliv,
Dunkelblau und Schwarz vorgestellt. Typisch
für den Smart-Traveller-Vorreiter: In jedem
Koffer ist ein Ladegerät für alle Smartphones
und Mobilgeräte integriert. Preis: 249 Euro.
horizn-studios.com
Dosenkino
Wer sich bei der Präsentation nicht auf fremde Anzeige-
geräte und Kalibrierungen verlassen möchte, bringt ein-

Künstliche fach seinen eigenen Projektor mit. Der Capsule der An-
ker-Marke Nebula hat das Format einer Getränkedose
und verfügt über eine Auflösung von 854 x 480 Pixeln

Freundschaft sowie einen 360-Grad-Lautsprecher. Video- und Musik-


inhalte lassen sich mit Airplay, Chromecast, Bluetooth,
WLAN und HDMI übertragen. Unterstützer der Indiego-
Comeback des Jahres: Nach mehr als einem Jahrzehnt go-Kamapgne erhalten aktuell noch einen Rabatt auf den
hat Sony eine Neuauflage seines Roboterhundes Aibo Verkaufspreis von rund 350 Dollar. anker.com
vorgestellt. Im Vergleich zu seinen Vorgängern soll der
neue Begleiter auf die Stimmung seines Besitzers reagie-
ren können und dank künstlicher Intelligenz im kosten-
pflichtigen Abo-Modell sein Verhalten nach und nach an
die Reaktionen des Menschen anpassen. Ab Januar 2018
wird Aibo zunächst in Japan verfügbar sein. Preis: ab um-
gerechnet 1500 Euro. aibo.sony.jp/en

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GADGETS GADGETS

Freiheit für Spieler


Viele Virtual-Reality-Headsets haben aktuell den Nachteil, dass Kabel
für die Übertragung von Video, Sprache und Strom die Bewegungs-
freiheit und somit das immersive Erlebnis einschränken. Deshalb hat
TPCast ein Funkmodul entwickelt, das eine Latenz von unter zwei
Millisekunden bei voller Auflösung ohne Kompression verspricht.
Die Energie kommt über eine Powerbank, die Akkulaufzeit wird mit
rund fünf Stunden angegeben. Nach HTC Vive soll auch die Oculus
Rift noch im vierten Quartal 2017 den Drahtlos-Adapter erhalten, teil-
te der chinesische Hersteller im Rahmen von Facebooks OC4-Konfe-

Dufte Sache renz mit. Preis: 349 Euro. tpcastvr.com

Mitfahrer Chris Das ist sie also. Mit Unterstützung der Crowd und durch
Business-Angel-Investments hat das Berliner Startup Bo-
Künstliche Intelligenz hilft dabei, sich auf die Dinge zu naverde die Vision einer Kaffeemaschine verwirklicht,
konzentrieren, die wichtig sind. Mit diesem Antrieb hat die Kaffee nicht nur brüht, sondern vorher auch röstet.
German Autolabs den digitalen Beifahrer Chris entwi- Nachteil: Spontan Kaffee kochen ist nicht drin. Je nach
ckelt. An der Frontscheibe positioniert verbindet er sich Sorte dauert allein der Röstvorgang bis zu 20 Minuten.
mit dem Smartphone und optimiert die relevanten Funk- Vorteil: Die Kaffeebauern sollen durch den Direktvertrieb
tionen wie Navigation, Messaging, Musik und Anrufe für über die Bonaverde-Plattform deutlich besser verdienen,
die Umgebung im Auto, etwa durch einfache Gestensteu- weil Zwischenhändler wegfallen. Preis: ab circa 800 Dol-
erungen. Auslieferung ist für Sommer 2018 angekündigt. lar. bonaverde.com
Preis: 199 Euro. Vorbestellungen unter hellochris.ai

Entspannte IBB HILFT UNTERNEHMEN BEI


ANZEIGE

Beinarbeit FORSCHUNG UND ENTWICKLUNG


Mit einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu
25 Kilometern pro Stunde und einer elekt- Stark, zuverlässig und modern –­seit Jahren ist die Investitionsbank Berlin
rischen Reichweite bis zu 35 Kilometern ist (IBB) Partner für innovative Existenzgründer und bestehende Unternehmen KONTAKT UND BERATUNG
der X2City von BMW Motorrad und ZEG (un- in Berlin. Durch monetäre Angebote für Start-ups sowie kleine und mittlere Investitionsbank Berlin
ter anderem Kettler) die passende Alternati- Unternehmen (KMU) legt sie die optimale monetäre Basis zur Umsetzung in- Kundenberatung Wirtschaftsförderung
ve zum Fahrrad, Auto oder dem Angebot des novativer Ideen. Bundesallee 210
öffentlichen Nahverkehrs. Die Einstufung als 10719 Berlin
sogenanntes Pedelec erlaubt eine Nutzung Gerade für technologieorientierte KMU, die sehr intensiv in Forschung und Telefon: 030 2125-4747
ohne Helmpflicht und Motorradführerschein. Entwicklung tätig sind, ist das Kredit-Programm „Berlin Innovativ“ interessant. E-Mail: wirtschaft@ibb.de
Der Ladevorgang des Rollers über die Steck- „Es ist zinsgünstig und zielt auf die Finanzierung von Investitionen und Be- IBB: ibb.de/gruenden

Gesunder dose dauert etwa zweieinhalb Stunden bei


leerem Akku. Preis: circa 2.500 Euro. Vertrieb
unter anderem über kettler-alu-rad.de
triebsmitteln von innovativen KMU sowie mittelgroßen Unternehmen zur Stei-
gerung ihrer Wettbewerbsfähigkeit und Schaffung neuer Arbeitsplätze ab“,
sagt Dessislawa Thordsen, Kundenberaterin in der IBB. „Die maximale Darle-
Transfer BONUS: transferbonus.de

Widerstand henssumme liegt bei zwei Millionen Euro, wobei der Kreditbetrag zu mindes-
tens 80 Prozent für die Finanzierung von Forschungs-, Entwicklungs- und In-
novationsaktivitäten eingesetzt werden muss.“
Mangelnde Bewegung ist das große Manko eines Büro- Obwohl KMU in vielen Bereichen zu den Vorreitern des technischen Fortschritts
jobs. Zum Ausgleich verspricht der Sywos One ein gleich- gehören, ist nicht jedes Unternehmen in der Lage, eine eigene Forschung- und
mäßiges Training von Muskelgruppen des Oberkörpers Entwicklungsabteilung aufzubauen beziehungsweise zu finanzieren. Und auch
ohne Gewichte. Der Widerstand des Geräts ist stufenlos die Investition in ein Forschungsvorhaben wird oft aus monetären Gründen Die IBB ist glei-
chermaßen Part-
verstellbar. Die Griffe lassen sich leicht entfernen und mit überdacht. Hier setzt das Förderprogramm „Transfer BONUS“ an: Auch dieses
ner für Startups
einem Gewicht von 590 Gramm passt der Sywos One in Angebot richtet sich speziell an innovative Unternehmen. Es bezuschusst KMU, und innovative
jedes Handgepäck. Preis: 139 Euro. sywos.com die technologieorientiert sind oder ein Projekt mit Technologiebezug umset- Bestandsunter-
zen möchten und dafür externes wissenschaftliches Know-how benötigen. nehmen.

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GADGETS GADGETS

Einheizer
Nach erfolgreicher Kickstarter-Kampagne kann der Win-
ter kommen. Die Shirts von Polar Seal sind nicht nur mit
flachen und flexiblen Heizelementen ausgestattet, son-
dern verfügen auch über ein robustes Kontrollsystem.
Die Knöpfe am Arm sind stoß- und wasserfest und lassen
sich auch mit Handschuhen bedienen. Aktiviert wärmt
die Kleidung in drei Stufen (40, 45 und 50 Grad Celsius)
bis zu acht Stunden. Preis: ab 179 Dollar. polarseal.me

Verständnisvoll
Aus seiner Vorliebe für Amazons Echo-Produkte hat So-
nos-Gründer John MacFarlane keinen Hehl gemacht.
Nun folgt den Ankündigungen das erste Produkt mit In-
tegration der Amazon-Spracherkennung Alexa. Für eine
reibungslose Kommunikation hat der Hersteller drahtlo-
ser Lautsprechersysteme den Sonos One unter anderem
mit sechs Fernfeld-Mikrofonen erweitert. Zwei One-Laut-
sprecher lassen sich wie gewohnt zu einem Stereo-Sys-
tem koppeln. Preis: 229 Euro. sonos.com

Schweizer bauen
Smartwatch ohne Akku
Auch wenn Smartwatches mittlerweile ckelt, der die Uhr allein durch die Bewe-
technische Wunderwerke sind, können
sie in Sachen Energieautarkie mit me-
chanischen Automatik-Uhren nicht mit-
gungen des Trägers ständig mit Ener-
gie versorgt. Der gespeicherte Strom soll
ausreichen, um sämtliche Funktionen
Klappt
halten. Die Kombination aus kinetischer
Energie und Federspeichern verschafft
diesen batterielosen Werken teilweise
der Sequent Watch, darunter Pulsmes-
ser, GPS-Tracker und Benachrichtigungs-
system, zu gewährleisten. Voll aufgela-
einfach
eine Gangreserve von bis zu einem Mo- den verharrt die Uhr bis zu 300 Tage im Brompton ist seit den 1980er-Jahren bekannt
nat. Der Akku einer Apple Watch 2 hält Stand-by-Modus einsatzbereit. Mehr als für seine kompakten und robusten Falträ-
dagegen mit Mühe nur einen Tag durch. eine Million Schweizer Franken hat das der. Nun hat die britische Marke das erste E-­
In diese technische Lücke drängt das Startup auf Indiegogo gesammelt, um Bike in traditioneller Bauweise angekündigt.
schweizerische Startup Sequent. Zu- die Uhr nun in verschiedenen Design-Va- Der Frontmotor des Electric unterstützt in
sammen mit Kinetron hat das Team eine rianten auf den Markt zu bringen. Preis: drei Stufen die Muskelkraft bis zu einer Ge-
Smartwatch mit Mikrogenerater entwi- ab circa 450 Dollar. sequentwatch.com schwindigkeit von 25 Kilometern pro Stunde.
Preis: ab circa 2.900 Euro. brompton.com

20 berlinvalley.com berlinvalley.com 21
STARTUP-BASICS STARTUP-BASICS

Marketing wirbt ein Unternehmen selbst für ein Produkt, Ohne Budget zum Er-
bei PR berichtet die Presse als neutraler Beobachter über folg: Die Mymuesli-Grün-
der Philipp Kraiss, Max
das Unternehmen und seine Produkte. Im Wesentlichen
Wittrock und Hubertus
geht es bei beiden darum, die Akzeptanz und die öffent- Bessau (v. l.) haben vor
liche Wahrnehmung zu der Firma positiv zu gestalten. dem Launch ihrer Web­
Doch mit Werbung geht man den direkten Weg zum Ver- site einfach ein paar
Blogger angesprochen.
braucher, während Pressearbeit eher die – noch dazu au-
genscheinlich neutrale – Empfehlung eines Dritten dar-
stellt. Und Letztem schenken Menschen immer noch
mehr Zuwendung und Vertrauen.
„Die Frage ist: Was möchte man mit seinem Unter-
nehmen erreichen?“, sagt Sachar Klein, Agentur-Chef von
Hypr, zu Berlin Valley. „Geht es um einen kurzfristigen
Abverkauf, ist Performance Marketing sicher der effizi-
entere und bessere Weg. Wenn es aber darum geht, eine
Marke, ein Unternehmen mit einer Vision aufzubauen,
kommt man nicht an PR vorbei.“ Viele denken, dass es bei
der PR darum geht, Menschen von der eigenen Unterneh-
mung erfahren zu lassen. „Aber das ist nur die eine Seite
der Medaille, das kann Werbung auch. Bei der PR geht es
vor allem darum, was Menschen über dein Unternehmen
und dich als Person denken sollen.“ von Online Marketing Rockstars. Wichtige Fragen, die es zu klären gilt, wären
Doch eines vorweg: PR ist weder Ersatz für ein groß- also: Wie kam es zur Idee und Gründung des Startups? Wer steckt hinter dem
artiges Produkt noch eine Garantie für Verkäufe. „Was PR Team? Was kann das Produkt und welches gesellschaftliche Problem löst es? Ei-
aber gut kann, ist, deinen Namen da draußen bekannt nige Anekdoten, die diese Fragen kreativ beantworten, können die perfekte Un-
zu machen und zu zeigen, was dein Produkt gut macht“, terhaltung für die Leserschaft des Journalisten liefern. Gute Startup-PR ist wie
sagt die US-amerikanische Kommunikationsberaterin ein erfolgreicher Pitch. „Entscheidend sind im ersten Schritt oft die Vision und
Lindsey Green. die Story der Macher. Gleichzeitig muss auch um das Produkt eine Erzählung ge-

Glückwunsch, ihr
schaffen werden, die neugierig macht“, sagt Gardt zusammenfassend.
Sympathien gewinnen
Aller Anfang ist Networking
habt ein Unterneh-
Jedes Unternehmen steckt sich Ziele. Diese gelten auch
als Orientierung für die Kommunikation. Zahlen und Fak- Am Anfang steht der Aufbau persönlicher Kontakte zu Journalisten, die für den
ten parat zu haben, ist essenziell. Und: Zahlen und Fak- jeweiligen Bereich bedeutend sind. Eine Handvoll heraussuchen, Nummern aus-
men gegründet – ten werden von der Presse gerne wiedergegeben. Noch
wichtiger ist es für Gründer aber, die Kernbotschaft des
tauschen, regelmäßig zum lockeren persönlichen Gespräch treffen. So wissen die
Journalisten, wer hinter dem Unternehmen steckt, und können sich bei Bedarf
aber keiner redet Unternehmens in einer spannenden Geschichte zu erzäh- direkt melden. „Pressefrühstücke sind gern gesehene Abwechslungen im Alltag“,

Vom Startup
len und damit Emotionen zu wecken. Das Stichwort ist weiß Charlotte Erdmann, Geschäftsführerin der Kommunikationsagentur Solo-
über euch. Mit der Storytelling. Das wusste auch schon Apple Gründer Steve
Jobs: „Wer wird am Ende gewinnen? Es ist derjenige, der
karpfen. „Aber die wenigsten Journalisten haben dafür noch Zeit. Deshalb lieber
die Journalisten dort ansprechen, wo sie sich sowieso aufhalten, und sie auf Kon-

richtigen Presse- die beste Geschichte erzählt.“ ferenzen, Tagungen oder Messen zum persönlichen Gespräch einladen.“

zum Stadt-
„Was immer hilft, sind die sympathischen Gesich- „Ein Netzwerk basiert in erster Linie auf Vertrauen“, sagt Sachar Klein. „Ver-

arbeit könnt ihr ter hinter dem Startup. Geschichten lassen sich nur über
Menschen erzählen und viele Startups machen den Feh-
trauen entsteht nicht über Nacht. Das bedeutet, dass man viel Zeit investieren
muss, um das Vertrauen von relevanten Personen zu gewinnen. Stichwort Ver-

Bekanntheit und ler, mit technischen Details überzeugen zu wollen. Das trauen: Das entsteht am ehesten dann, wenn man Menschen etwas gibt, ohne et-

gespräch
klappt im ersten Schritt nur selten“, erklärt Martin Gardt was als direkte Reaktion zurückzufordern.“

Vertrauen für eure Spamming vermeiden

Produkte gewinnen Fotos: microgen/iStock, mymuesli/Viktor Strasse, ubermetrics


Die Pressemitteilung kann ein wichtiges Tool
Von Lena Kappei für das Startup sein. Doch wer Hunderte von
PR-Rundmails wahllos verschickt, verliert
schnell den Überblick und sammelt selten
Sympathiepunkte. „Blind herausgeschickte
Alles begann mit einer simplen Idee auf dem Weg zum Badesee: die Zugegeben, das ist ein Glücksfall. Auch schafft es nicht jeder Pressemitteilungen an E-Mail-Listen bleiben
Revolution der Haferflocke. Körnerfreunde sollten sich ihr liebstes Gründer mit seinem Unternehmen in eine viel gesehene TV-Grün- in der Regel völlig ohne Reaktion. Es bleibt
Biomüsli individuell online zusammenstellen können. Geld für PR dershow, deren Twitter-Hashtag regelmäßig toptrendig ist und PR Fleißarbeit ohne Erfolgsaussichten“, sagt
und Marketing hatten die Gründer von Mymuesli Hubertus Bessau, zum Selbstläufer macht. Deshalb ist es für Gründer wichtig, mithilfe auch Thomas Koch, Chairman der Media­
Philipp Kraiss und Max Wittrock nicht. Doch sie trotzten den anfängli- richtiger Pressearbeit auf ihr Unternehmen aufmerksam zu machen. agentur TKD. Kein Redakteur hat heute die
chen Skeptikern und erzählten einigen Bloggern vom geplanten Start­ Die Kommunikation mit Journalisten und Bloggern kann entschei- Zeit, um jede E-Mail zu lesen, die gar nicht
up. Das Ergebnis: Nach dem Start der Website im April 2007 schrie- dend für den Erfolg des Produkts sein.  seinem Interessengebiet oder dem seiner Le-
ben einige über Mymuesli und das Studenten-Startup landete in zehn ser entspricht. Im schlimmsten Fall landen
Tagen auf Platz eins der Google-Suche für „Müsli“. Immer mehr Maga- Was kann gute Pressearbeit? die folgenden E-Mails dann im Spam-Ordner.
zine, Zeitungen, Radio- und TV-Sender wollten über das Startup aus Obwohl die Begriffe häufig in einem Atemzug genannt werden, gibt Entscheidungshelfer: Ubermetrics misst den Erfolg von PR- und „Erfolg versprechender ist, man konzentriert
Passau berichten. Der Rest ist eine wahre Erfolgsgeschichte. es einen Unterschied zwischen PR und Marketing. Kurz gesagt: Mit Marketing-Aktivitäten und ihren Einfluss auf das Geschäft. sich auf die wichtigen Presse-Ansprechpart-

22 berlinvalley.com berlinvalley.com 23
STARTUP-BASICS

Wenn Pressemitteilung, dann so!


Eins vorab: Die Pressemitteilung ist nur ein PR-Tool von vielen. Fragt euch vorher, ob eure Pressemel-
dung notwendig ist und nicht vielleicht nur Zeit – eure und die der Journalisten – kostet. Wenn ihr
den Weg gehen wollt, dann achtet auf die folgenden Punkte.*

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Beleuchtung: kabellos, dimmbar, energieeffizient.
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* Das Timing ist entscheidend. Der Mehrwert für die Adressaten muss klar sein und die PR auf Tagesaktualität setzen. Werden die
Journalisten persönlich mit Namen und individuell angesprochen, umso besser. Kennt man sich bereits persönlich, wird ein „du“
statt „Sie“ gern gesehen. Und Geduld: Nach zwei Tagen schon telefonisch nachzuhaken ist äußerst unprofessionell. Lieber nach ei-
ner Woche mit einem weiteren Thema mal anklopfen.
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24 berlinvalley.com
STARTUP-BASICS

ment dafür. Mit Tools wie Google Analytics


kann ein Start­up gleich an mehreren Punk-
ten seinen PR-Erfolg messen und sich in In-
fografiken anzeigen lassen. Ob es der Traffic
auf der Website, im Blog oder in der App ist,
die Auswirkungen sozialer Netzwerke auf
das Startup (Social Shares) oder die aktuelle
Kampagnenentwicklung in Realtime: Regel-
mäßiges Monitoring der Nutzungsergebnis-
se ist für ein Startup unverzichtbar.
When is my
Wird die Zahl der Kunden stetig größer, hilft es, die Kundenzu-
friedenheit mit Tools wie dem Net Promoter Score (NPS) zu ermitteln. coffee ready?
Mit nur wenigen Fragen an den Kunden, den sich daraus ergebenen
Punkten und einer Formel wird der relative Anteil von Fürsprechern
und Kritikern des Produkts ermittelt. Die in der Marktforschung ge-
Messbarer Erfolg: Das PR- und Marketing-Tool Echobot beobach-
tet Online-Medien, kümmert sich um den Pressespiegel, analysiert
stellte Frage, „Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie dieses Unterneh-
men einem Freund oder Kollegen weiterempfehlen werden?“, kann
Your coffee will be
Influencer und erstellt E-Mail-Alerts sowie Presseberichte. auf die Medienberichterstattung des Startups adaptiert werden: „Wie
sehr empfiehlt der Artikel mein Produkt?“ So lässt sich nach Empfeh- ready in 3 minutes.
lungen und Kaufabsichten suchen.
Ein weiteres Monitoring-Tool ist Echobot, das sowohl soziale als Enjoy!
ner und bemüht sich selbst um mehr Individualität“, sagt auch klassische Medien angeht. Es kann zudem die PR-Arbeit verein-
Koch. Es ist Gründern also anzuraten, ganz gezielt auf für fachen, da die PR-Abteilung hier Adressen verwalten und Pressemit-
das Startup relevante Magazine, Zeitungen, Journalisten teilungen an einen Verteiler schicken kann. Ubermetrics filtert das
und Blogger zuzugehen. Wer schreibt für wen die Artikel mediale Rauschen und liefert dem Kunden Informationen darüber,
mit großer Reichweite? Hier lässt sich schon im engeren welche Nachrichten wirklich relevant sind. Das hilft, um Trends früh-
Branchenumfeld erfragen, welche Namen für welche Me- zeitig zu erkennen und die eigene Message über die richtigen Kanäle
dien von Bedeutung sind. Ansonsten sind die wichtigs- zu publizieren. Weitere Tools sind Radarly und Brandwatch.
ten Multiplikatoren auf Twitter und Co. zu finden und an-
zuschreiben. Sind PR-Roboter die Zukunft?
Schon heute können Algorithmen den perfekten Zeitpunkt ermit-
Ständig weiterentwickeln teln, zu dem die Pressemitteilung versendet werden soll. Automati-
Zu guter PR gehört auch das Pflegen der eigenen Social-­ sierungstechnologien können den PR-Redakteur beim Monitoring,
Media-Kanäle. Je nach Zielpublikum sind aktuell gehal- bei der Recherche und beim Faktencheck unterstützen und erstel-
tene Facebook-, Instagram- oder Twitter-Accounts (Air­
bnb oder auch die Deutsche Bahn machen es vor) für das
Schneeballprinzip der Neuigkeiten absolut obligatorisch.
Dazu gehören Fotos, Videos und die richtig gesetzten
Hashtags mit weiterführenden Links. „Ganz wichtig in
„Wer wird am
der PR ist auch: Nicht stehen bleiben, sondern sich stän-
dig weiterentwickeln – besonders in puncto Online-Mar-
Ende gewinnen?
keting und neue Medien“, weiß Jörg Röthlingshöfer, Chef Es ist derjenige,
Berlin
der PR-Agentur Factum.

Das Worst-Case-Szenario
der die beste
Tritt der Worst Case ein, muss die Krisen-PR ansetzen. Geschichte erzählt“
Die Kaffeemaschine, die nicht nur
Die sollte immer schon zu Beginn der PR-Arbeit in der Steve Jobs
Schublade liegen. Ihre möglichen Inhalte: eine Liste mög-
licher kritischer Fragen und des passenden Wordings der
Antwort. Ansprechpartner zu den einzelnen Bereichen
des Produkts, die auch wirklich gegenüber der Presse
len schon Textentwürfe mit Daten, die der
Redakteur nur noch rund schreiben muss. mahlt und brüht, sondern
sprechen dürfen. Verhaltensanweisungen gegenüber der Auch automatisierte Pressemitteilungen auf
Presse, wenn es zum Shitstorm kommt. Verhaltensanwei-
sungen an die Mitarbeiter gegenüber Nicht-Mitarbeitern.
Grundlage von Produktdatenblättern und
Quartalsberichten sind inzwischen mach-
auch röstet - wenn Du Ihr
eine Nachricht schreibst.
Spätestens hier empfiehlt es sich, eine erfahrene Kommu- bar.  Für eine gewisse Zeit- und Kostener-
nikationsagentur einzuschalten. Gut vorbereitet tritt ein sparnis ist das keine schlechte Entwicklung.
Unternehmen derartigen Krisen gelassener entgegen. Doch für die Glaubwürdigkeit eines jungen
Unternehmens ist der echte Dialog zwischen
Erfolg ist messbar Gründern und Kunden immer noch unersetz-
Foto: Echobot

Der Wert und die Reichweite der Pressearbeit kann heu- lich. Auch im kreativen und originellen Sto-
te mit weit mehr als nur dem klassischen Pressespiegel rytelling mit emotionalen Aspekten ist der
ausgewertet werden. Die Medienbeobachtung und de-
ren anschließende Evaluation sind ein wichtiges Instru-
Redakteur der künstlichen Intelligenz (noch)
überlegen.
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5 | Patrick Lindstädt,
Paul Echt und
Falko Meißner vom
Tech Team der
HypoVereinsbank
mit den Panelisten
6 | Treffpunkt der Tech-­
Szene: Duncan McIntyre
(Delivery Hero), Oliver
Hüfner (Smunch),
Georg Lindner (GLNS)
7 | Die Fabrik23 gibt den
perfekten Rahmen.
8 | Stärkung für das
Networking bis weit in 1 2
die Nacht

DIE EXIT-SPIELE SIND ERÖFFNET


Bei der vierten #TechNight Berlin 2016 standen die Aufnahme eines mehr als 30 Millionen Euro teu-
ren Kredits und kleinere Kapitalerhöhungen an. Das Unternehmen
der HypoVereinsbank ging es um brauchte eine Übergangsstrategie: So wurden beispielsweise die
Mitarbeiter angehalten, sparsam zu sein, und Tochtergesellschaf­
Erfahrungen in verschiedenen ten sollten liquide Mittel an die Holding abgeben. Thomassins 3 4

Exit-Strategien. Strategie in der schwierigen Zeit der roten Zahlen war vor allem:
Reden. Sein Rat an Gründer: „Kümmere dich um deine Leute. Ohne
1 | Olivier Khayat,
diese Menschen würde das ganze Business nicht funktionieren.
Co-Head Corporate &
An einem Thema kam die Diskussionsrunde an diesem Abend Bleibe menschlich und halte das Team zusammen.“
Investment Banking
nicht vorbei: Airberlin. „Ich habe Airberlin geliebt. Sie war immer-
UniCredit
hin schneller als Flixbus“, erinnerte Dr. Dominik Matyka, Gründer RICHTIGE ENTSCHEIDUNGEN, RICHTIGER ZEITPUNKT 2 | Podium (v. l.):
von Cavalry Ventures und Moderator der #TechNight Berlin, an Flixbus habe bisher keine Pläne für ein IPO, betonte Schwierholz. Dr. Dominik Matyka
die vor dem Aus stehende Fluggesellschaft. Die rund 200 ge- „Ich denke, dass wir vor allem mit Geld aus dem privaten Kapi- (Cavalry Ventures),
ladenen Gäste reagierten amüsiert, schließlich gehörte neben talmarkt Fahrt aufnehmen können.“ Die Zauberformel beim Bus­ Emmanuel Thomassin
Emmanuel Thomassin, CFO von Delivery Hero, und Remco unternehmen ist: Triff die richtigen Entscheidungen zum richti- (CFO Delivery Hero),
Westermann, CEO der Gamigo Group, auch Arnd Schwierholz gen Zeitpunkt, und zwar schnell. Flixbus ist seit seiner Gründung Remco Westermann
zu den Experten in der Podiumsrunde. Schwierholz, heute CFO 2011 (damals noch GoBus) zu einem großen Startup geworden, (CEO Gamigo Group)

Fotos: Michael Fahrig


von Flixbus, zeichnete bis September 2016 für Airberlin als CFO das kleine Startups kauft. Leidet darunter die Unternehmenskul- 3 | Arnd Schwierholz,
verantwortlich. „Airberlin war ein tolles Unternehmen, wie eine tur? „Auch wir müssen mit jeder gekauften Firma dazulernen“, CFO Flixbus
kleine Lufthansa. Aber sie hat ihre Identität verloren“, sagte so Schwierholz. Seine Botschaft ans Publikum: „Die Rolle des Ma- 4 | „The EXIT-Games“,
Schwierholz und baute damit die Brücke zum Thema der vierten nagements bei einem Exit ist, Optionalität zu kreieren. Ich muss Panel der vierten 5 6
#TechNight Berlin: „The Exit Games“. als CFO wissen, welche Appetizer den Investoren gefallen.“ #TechNight Berlin

Die Panelteilnehmer waren aufgerufen, auf die Notwendigkeit KENNE DEINE SHAREHOLDER!
von Exit-Strategien hinzuweisen, aber auch Szenarien und Ereig- Auch die Gamigo Group kann erfolgreiche Exits für sich ver- 7
nisse zu kommentieren, wenn sich die Dinge wie im Fall von Air- buchen. Seit 2013 hat sie mehr als 20 Firmen als Käufer akqui-
berlin nicht positiv entwickeln. Das sieht bei vielen Startups in riert. „Es gibt nicht den einen richtigen Weg der Finanzierung, es
Berlin anders aus. „Nicht nur Europa, allein Berlin ist ein superin­ kommt immer sehr auf das Unternehmen an“, sagt Vorstandsvor-
teressanter Hub. Sowohl für Startups als auch für Investoren. Hier sitzender Remco Westermann, und rät zu Mut. „Gehe als Gründer
werden qualitativ hochwertige Deals gemacht“, sagte Matyka. deine eigene Richtung. Kenne deine Shareholder und nimm das
„Der aktuelle Markt zeigt: Es sind gute Zeiten für Business Angels.“ Risiko an. Bleibe bei deiner Vision.“ Deutschland könne wirklich
Zu weiterem Wachstum kann die passende Exit-Strategie ver- Innovationen bieten, resümieren die Experten. „Hier gibt es ein-
helfen, wie etwa der Börsengang. fach gute Konditionen, dein Business zu starten“, so der gebürtige
Franzose Thomassin, „besonders in Berlin“. Die Nähe zu allen wich-
STRATEGIE IN SCHWIERIGEN ZEITEN: REDEN tigen VCs und die guten Networking-Möglichkeiten sprächen da-
Für Delivery Hero, die mittlerweile weltweit agierende Online-Be- für. Schwierholz fügt schmunzelnd hinzu: „Sobald es läuft, kannst
stellplattform für Essen, wurde der Weg zum IPO in diesem Jahr je- du von überall arbeiten. Ich würde Mallorca empfehlen.“ 8
doch schwerer als geplant. Es fehlte im Jahr zuvor frisches Kapital. Weitere Infos zur #TechNight Berlin: hvb.de/tech
FACTORY

„Die Factory
ist eine echte
Plattform
geworden“
Das Gespräch führte Jan Thomas.

D
ie Factory gehört zu den Dreh- und Angelpunk-
ten der boomenden Berliner Startup-Szene.
Hier geben sich internationale Szenestars wie
Uber-Gründer Travis Kalanick und Eric Schmidt (Alpha-
bet) die Klinke in die Hand. Genauso die gesamte deut-
sche Politikprominenz. Jetzt eröffnet die Factory ihren
zweiten Standort. Berlin Valley traf Factory-Gründer Udo
Schloemer zum Gespräch.

Ihr eröffnet gerade einen zweiten Standort in


Berlin. Kannst du kurz das Konzept der Factory

LO E MEmRobilienunteürn-der beschreiben und wie es sich verändert hat?

SCH sten Im Der Gr


UDinOer der bekanenrtSetartup-SzeerneFir. ma S+P BReera-l
Die Grundidee der Factory war schon immer, einen
Ort für Startups zu schaffen, an dem sie sich austauschen
n und gemeinsam Ideen und Projekte entwickeln können.
ist e r Berli elt mit sein obilien in
er de k m s Wir wollten auch von Anfang an Corporates einbinden,
nehm ry entwic en Im vestment
F a c to 9 0 e r Jahr E S I n weil wir die Überzeugung haben, dass diese die Heraus-
der 9 M
den 1 r zudem J rtups.
e seit e Sta forderung der Digitalisierung innerhalb ihrer bestehen-
Estat gründete a n
. 2 0 1 0 h s e itdem den Strukturen nicht meistern können. Doch es hat sich
lin t sic
eteilig schnell herauskristallisiert, dass die Factory nicht einfach
und b nur ein Real-Estate-Case sein soll, der Räume vermietet,
Hat schon mal Platz
genommen: Factory- sondern ein echter Businessclub. Wir wollen Leute ak-
Gründer Udo Schloemer tiv vernetzen und ein relevantes soziales Netzwerk auf-
auf dem Ledersofa vor bauen. Je stärker die Digitalisierung voranschreitet, desto
der Bibliothekswand größer ist auch der Bedarf, sich analog auszutauschen –
der neuen Factory
von Mensch zu Mensch. Daher haben wir nach und nach
Foto: Alexander Freundorfer

Görlitzer Park.
die Flächen der Factory in einen Club umgewandelt und
flankierende Eventreihen etabliert. Heute erhält man für
50 Euro einen Flex Desk und auch den Zugang zu Events,
zur Gastronomie sowie zu unserer Software.

30 berlinvalley.com berlinvalley.com 31
FACTORY FACTORY

Wir wollen langfristig


eines der bedeutendsten
Für die geschmackvol- Alumni-Programme der
Welt aufbauen
le Inneneinrichtung des
14.000 Quadratmeter
großen Campus ist das
Startup 99Chairs ver-
antwortlich.

Kannst du diesen Businessclub etwas genauer wo die Programmierer aus mehreren Firmen in einem Tech. Mit der Code-University haben wir noch einen zu- schiedene Kanäle zusammen. Zum einen via Events, wo
beschreiben? Raum sitzen können und ihre Erfahrung untereinander sätzlichen USP: die erste Universität in Europa, bei der wir bewusst die richtigen Zielgruppen mit ähnlichen In-
Klar. Wir fokussieren uns auf zwei Bereiche: Zum ei- austauschen, obwohl sie an verschiedenen Produkten die Programmierer von morgen ausgebildet werden. Das teressen zusammenzubringen. Außerdem haben wir eine
nen auf den Zugang der Corporates zu den Talenten. Bis- arbeiten. So etwas hat bislang eindeutig gefehlt. Es gibt bedeutet Zugang zu den Toptalenten von morgen und eigene Software entwickelt, in der jeder seine Skills ein-
lang müssen Corporates ihre Hubs als Single Brand grün- auch einen eigenen Yoga-Raum, deutlich größere Event­ auch internationale Anziehungskraft. Wir glauben nach tragen kann. Dieser Prozess wird durch unsere Scouts un-
den und relativ viel Geld ins Branding stecken, um die räume, ein riesiges Cinema als Präsentationsraum, ein wie vor, dass Berlin der bedeutendste Hub in Europa terstützt, die unsere Mitglieder kennen und wissen, was
Zielgruppe der Generation Y zu erreichen – ohne Garantie, Restaurant, ein Bistro, Meetingräume, Workshop-Spa- wird, weshalb wir uns darauf konzentrieren, die besten sie suchen. Dieses menschliche Know-how funktioniert
dass die echten Cracks wirklich bei ihnen anfangen wer- ces und vieles mehr. Auf jeder Etage gibt es eine gro- Leute der Welt hier anzusiedeln. Zusätzlich haben wir die zurzeit sogar noch besser als die Software, kann aber per-
den. Bei uns können sie ihren Hub risikolos auf 30 oder 40 ße Community-Kitchen. Eines meiner persönlichen Newschool eingebunden, eine staatlich anerkannte Er- spektivisch natürlich keine 3000 Leute verwalten. Ich
Quadratmetern starten und sind mittendrin. Zum zweiten Highlights ist die Bibliothek, eine Art überdimensiona- satzschule, die das klassische Schulmodell verlässt. Dort denke, wir haben die Möglichkeit, langfristig eines der
wollen wir zwar keine Räume mehr vermieten, aber den- ler Thinktank, wo man sich zurückziehen und ohne Mo- unterrichtet man projektbasiert, nicht nach Lehrplan, bedeutendsten Alumni-Programme der Welt aufzubauen.
noch den Startups vergleichbare Möglichkeiten bieten wie biltelefon wirklich mal abschalten kann. Und wir haben und ersetzt Lehrer durch ein Netzwerk vieler Experten. Mit den stärksten Membern, die untereinander Innovati-
den Corporates. Daher gibt es für Startups kleinere Räume drei Innenhöfe, die wir natürlich wettermäßig entspre- Du siehst, wir setzen voll auf das Thema Education, ma- on betreiben und sich gegenseitig helfen. Unabhängig da-
für bis zu zwölf Personen, die Startups anmieten können. chend nutzen. Nicht zu vergessen den großen Fahrrad- chen das aber nicht selbst, sondern mit starken Partnern. von, wo man auf der Welt lebt.
Sobald sich das Startup etabliert hat und zu groß wird, ver- keller. Darin spiegelt sich auch die Entwicklung der Factory in
lässt es die Factory, bleibt aber Mitglied, um weiterhin Teil den vergangenen anderthalb Jahren wider: Am Anfang Wie ist euer Team strukturiert?
der Community mit seinen Möglichkeiten zu sein. Ihr habt einige spannende Ankermieter und Ko- haben wir noch gedacht, wir bauen ein Ökosystem, in Wir haben im Moment knapp 70 Mitarbeiter und
operationen. dem wir alles selber anbieten. Inzwischen halten wir uns werden mit dem neuen Standort wohl auf circa 80 Mit-
Das IoT-Segment entwickelt sich zu einer Kernkom- aus den Inhalten raus und versuchen, die besten Partner arbeiter wachsen. Schwerpunkte sind natürlich Com-
Foto: Alexander Freundorfer

Jetzt eröffnet ihr einen zweiten Standort. Was


ist der Unterschied zur ursprünglichen Factory? petenz von Deutschland. Das wird die nächste große Wel- zu finden. Wir sind eine echte Plattform geworden. Unser munity-Management und Marketing. Unser Ziel ist es,
Ich würde sagen, wir haben das Thema „work hard, le. Deswegen haben wir auch den Zuschlag für den IoT- USP sind die Partner und das Matchmaking. eine international starke Marke aufzubauen. Für uns ist
play hard“ noch stärker herausgearbeitet. Es gibt jetzt Hub digital der Bundesregierung bekommen. Wir haben es wichtig, die internationalen Talente, die nach Ber-
tatsächlich einen Play-Room mit Bällebad, Tischtennis, jetzt ein eigenes Makers Camp mit echter Werkbank, mit Kannst du erklären, wie das Matchmaking funk- lin kommen, früh einzubinden. Unsere Kooperation mit
Tischkicker und Playstations. Innovation entsteht ja 3D-Drucker und Lötkolben, wo du wirklich deine Ideen tioniert? Techcrunch Disrupt ist hierfür ein gutes Beispiel, denn
auch in den Momenten, wo man sich ausruht oder ab- umsetzen kannst. Und wir konnten Next Big Thing als Unseren Slogan „Community of Innovators“ meinen alle Besucher der Disrupt können sich auch in der Fac-
gelenkt ist. Außerdem haben wir einen Coding-Room, Company Builder für IoT gewinnen. Das ist echter Deep wir sehr ernst. Diese Community bringen wir über ver- tory aufhalten.

32 berlinvalley.com berlinvalley.com 33
FACTORY FACTORY

1 | Die Schließfächer Und das Design? Betrachtest du die Factory auch als Start­up?
werden mit der Wir glauben an Innovation und an unternehmeri- Tatsächlich führen wir unser Unternehmen wie ein
Factory-App gesteuert.
schen Mut. Innovation zu fördern, heißt, dass jeder, der Startup – mit allen Höhen und Tiefen. Und mit vielen He-
2 | Bewegliche Meeting-
Hütten sorgen für den Mut hat, ein Unternehmen zu gründen, auch dafür rausforderungen, auch hinter den Kulissen. Wir sind der-
Flexibilität. belohnt werden muss. Deswegen haben wir beschlossen, zeit in einer Wachstumsphase, wo wir nicht immer nur
3 | Maximaler Raum für dass wir Projekte, wo immer es möglich ist, mit einem kuscheln können. Am Ende des Tages geht es auch ums
Begegnung
Startup realisieren und nicht mit etablierten Unterneh- Business. Wir haben jetzt Investoren in der Factory, die
4 | Überlebensgroße
Tierbilder vor rauer Be-
men. Aus diesem Grund haben wir das Interieur der ge- unseren Netzwerkgedanken mittragen, die bei Corpora-
tonwand setzen künst- samten Factory mit dem Startup 99Chairs umgesetzt. Auf tes vernetzt sind und mit denen wir uns gegenseitig Vor-
lerische Akzente. ihrer Plattform sind Architekten aus der ganzen Welt ver- teile bringen können. Zeitgleich ist es wichtig, dass wir
sammelt. Wir haben sie gefragt, ob sie sich zutrauen, das unseren Businessplan ernst nehmen. Wir wollen ja – zu-
Projekt Factory zu realisieren und sie haben es genial um- mindest wirtschaftlich – der Startup-Welt irgendwann
gesetzt. Ich könnte mir vorstellen, dass sie an dieser Auf- entwachsen.
gabe enorm gewachsen sind. Was mir aber am meisten
1 gefällt: Wir haben eine Ausschreibung unter vier etab- Wie stehst du zu dem Vergleich mit Wework?
lierten Innenarchitekten gemacht. Nicht einer war in der Ich sehe klare Unterschiede. Wework schafft eine
Lage, so schnell eine Planung zu liefern wie 99chairs, die sehr moderne und angenehme Umgebung für innovati-
das alles in sechs Wochen geplant haben. ve Unternehmen. Durch Wework entsteht ein Raum, wo
2 Corporates außerhalb ihres Unternehmens etwas gestal-
ten können. Im Unterschied zu Wework legen wir jedoch
den Schwerpunkt auf die Community und nicht darauf,
Räume oder Schreibtische zu vermieten. Wir sehen We-
work daher eher als nachgelagerte Stufe für Teamgrößen
ab circa 15 Personen, die ihren Proof of Concept bereits
„Unseren Slogan haben und wachsen wollen. Über die Software bleiben

‚Community of Innovators‘
wir mit diesen Teams aber weiterhin verbunden.

meinen wir sehr ernst“

3 4
www.bridgeandtunnel.de

Wie Sensorberg die Interaktion


von Mensch und Raum ermöglicht
In der neuen Factory braucht niemand mehr Sorge zu staltet werden sollte, um ihnen die Interaktion mit dem
haben, Schlüssel oder Zugangskarten zu Räumen oder Raum zu ermöglichen”, erklärt Michael von Roeder.
Schließfächern zu verlieren – es gibt gar keine. Die In-
teraktion mit dem Gebäude findet allein über die Fac- Smart Workspaces
tory-App statt. Mit dieser können Meetingräume nicht Das 27-köpfige Team arbeitet seither an der Digitalisie-
nur gebucht, sondern auch aufgeschlossen und persönli- rung des physischen Raums. Besonderes Augenmerk legt
che Dinge sicher in den Schließfächern im Flur verwahrt Sensorberg dabei auf Smart Workspaces. Für den neuen
werden. Sensorberg-CEO war schnell klar: Coworkings sind noch
Fotos: Alexander Freundorfer

Die Technologie, die dahinter steckt, kommt vom nicht so weit digitalisiert, wie es möglich wäre. Die gera-
Berliner Startup Sensorberg. 2013 als Beacon-Manage- de im Rohbau befindliche Factory war daher ein mehr als
ment-Plattform gestartet, hat sich der Fokus inzwischen passender Kunde.
geändert. Im März 2017 übernahm Michael von Roeder Die größten Herausforderungen bei dem Projekt la-
die Geschäftsführung von Gründer Alexander Oelling. gen ähnlich wie bei 99Chairs in den typischen bauseiti-
Seitdem versteht sich Sensorberg als IoT-Company mit gen Themen – Staubfreiheit in den Räumen. „Aber wir ha-
einem Schwerpunkt auf Responsive Buildings. „Wir glau- ben alles partnerschaftlich hingekriegt“, resümiert von
ben, dass IoT in Gebäuden um die Menschen herum ge- Roeder.

34 berlinvalley.com we design society berlinvalley.com 35


FACTORY

Was denkst du über die astronomischen Finan- Das Berliner Startup 99Chairs
zierungsrunden von Wework? Ist das nachvoll-
schafft mit innovativem Interior
ziehbar?
Die Frage ist ja, was man erreichen will. Wework
Design Raum zum Arbeiten, Ver-
kapten-son.com
will durch das starke Wachstum die Marke etablieren
und seinen Mitgliedern den Vorteil bieten, dass sie in netzen und Kreativsein
unterschiedlichen Städten arbeiten können. Die Finan-
zierungsrunden und die Verpflichtungen, die Wework
eingeht, finde ich sehr mutig. Sie zahlen sehr hohe Miet- Den Eingang bilden fließende Lamellen aus Holz, von rauen Beton-
preise und haben einen harten Businesscase, wodurch wänden im Innenbereich blicken einem überlebensgroße Tierbilder
sie ein klares Income per Square Meter brauchen. Was da von Büffel und Pfau entgegen, wie man sie aus der Berliner Street-Art-
in kurzer Zeit aufgebaut wurde, halte ich für den nack- Szene kennt. Mittendrin flexible Meeting-Boxen, wie kleine Häuser
ten Wahnsinn. Da ziehe ich den Hut. Ob das langfristig aus Sperrholz. Weitere Highlights: ein Bällebad mit Schwarzlichtins-
wirtschaftlich tragfähig ist, ist eine andere Frage. Bei uns tallation, eingerahmt von einer breiten Wand mit pinkfarbenen, he-
spielen solche Überlegungen keine Rolle. Eines unserer xagonförmigen Sitzluken, und ein Auditorium, das in Form und Ein-
wichtigsten Ziele ist, den Membership-Beitrag so gering richtung an eine Mischung aus Flugzeug und Kinosaal erinnert.
wie möglich halten, um Innovation zu fördern. Wir fo- Das ungewöhnliche Interior Design hat die neue Factory Depen-
kussieren uns darauf, den Corporates großen Nutzen dance dem Team von 99Chairs zu verdanken. Für das 2014 gegründe-
durch Zugang zu Talenten bieten, den sie dann auch fi- te Startup, dessen Online-Plattform professionelles, individuelles In-
nanzieren. nendesign vom Online-Konzept bis zum Möbelkauf anbietet, war die
Factory das erste Großprojekt – und zugleich sein Meisterstück.

Innovative Bürokonzepte
Ursprünglich als reines B2C-Konzept gestartet, wurden sie von ihren
Kunden immer öfters gefragt, ob sie nicht auch etwas für deren Bü-
ros entwerfen könnten. Mit den ersten Projekten für Geschäftskun-
den entdeckten sie das Potenzial, das im B2B-Bereich steckt.
Mittlerweile sind die B2C-Projekte ein Selbstläufer und der Fo-
kus liegt auf innovativen Bürokonzepten für Geschäftskunden und

r Park
der Frage: Wie kann man einen Arbeitsplatz gestalten, der produkti-
litze ver, motivierter und kreativer macht? Eine beeindruckende Antwort
r y Gör
Facto
darauf geben die mehr als 10.000 Quadratmeter der Factory. Projekt-
sclub
y , B u sines managerin Damla Kilic erarbeitete mit acht Designern – einer davon
unit bH
omm s Gm Berlin in Portugal, einer in Italien – innerhalb von weniger als sechs Wo-
r a n c he: C o r y Work 65, 12435
B Fac t e
iber: straß chen das komplette Konzept inklusive Kostenkalkulation. Auf diese
Betre o h m ühlen Schnelligkeit ist nicht nur das Team stolz, auch Factory-Betreiber Udo
se: L
Adres .000 qm eder
ß e : 14 2 0 1 7 0 0 0 Mitgli Schloemer war beeindruckt von dem Tempo und der Hands-on-Men-
Grö e 1
: End über talität, dem „Wir machen das jetzt!“. Für das Startup selbst sicherlich
nung z für ncer,
Eröff lätze: Plat tes, Freela auch eine glückliche Paarung: Ein Erstkunde aus dem Corporate-Be-
t s p rpo ra
Arbei ps, Co Uhr reich hätte ihnen bei dieser Budgetgröße nicht die Freiheiten ge-
ü r : S tartu it a g , 8–21
F ure -Fr e k währt, das ist dem Team bewusst.
prene ontag rlitzerpar
Entre zeiten: M /g o e
ng s .com
Öffnu toryberlin Positive Naivität
L : fa c
UR „Ich werde mein ganzes Leben sagen: Ich habe 2017 nur für die Fac-
eet .i o tory gearbeitet“, sagt Kilic und lacht. Warum sie sich ein solches
re d by h Großprojekt mit Millionenbudget überhaupt zugetraut haben? „Unser
powe
Vorteil war die positive Naivität, mit der wir im Januar gestartet sind.
Hätten wir genau gewusst, was auf uns zukommt – ich weiß nicht,
ob wir das Projekt dann angenommen hätten“, gibt die Projektmana-
gerin zu. Eine Menge gelernt habe sie insbesondere, was die speziel-
len bauseitigen Themen angeht. „Beim Bau geht alles Hand in Hand“,
erklärt Kilic. Die Zusammenarbeit mit verschiedensten Gewerken –
Schreiner, Lichtinstallateure, Tape Artists – brachte zudem ganz neue
Einblicke in die Händlerkommunikation. „Wir sind als Unternehmen
einen großen Schritt in Richtung Erwachsenwerden gegangen“, be-
Fotos: Alexander Freundorfer

stätigt Content-Marketing-Managerin Julia Boos.


Mit den Aufgaben ist 2017 auch das Team von 99Chairs rasant
gewachsen: von 21 Mitarbeitern am Jahresanfang auf mittlerweile 55
Mitarbeiter und weitere 40 bis 50 externe Designer in ganz Deutsch-
land. Bisher konzentriert sich der Kundenkreis des Startups auf die
DACH-Region, nächstes Jahr sollen ein bis zwei weitere Länder in
Europa dazu kommen. Außerdem ist eine Virtual-Reality-App in Ent-
wicklung, mit der man Räume auch virtuell betreten kann.

36 berlinvalley.com berlinvalley.com 37
FACTORY FACTORY

1 2

Die beiden ehemaligen


Factory Geschäftsführer
Lukas Kampfmann (l.)
und Niclas Rohrwacher
übergeben das Steuer
an den neuen CEO Ra-
min G. Far (r.).

„Digital ist genauso wichtig,


wenn nicht wichtiger“
3 4
Der neue CEO Ramin G. Far über seine
1 | Großer Empfang mit
Herausforderungen und die Factory als Marke
Logowand
2 | Offenheit trifft Rück-
zugmöglichkeiten
3 | In einigen Räumen Seit November 2017 ist Ramin G. Far neuer CEO der Valley. Meine Aufgabe ist es nun, da weiterzumachen,
der Factory gilt absolu-
Factory. Er folgt auf Niclas Rohrwacher und Lukas wo meine Vorgänger aufgehört haben. Wir wollen in den
tes Handyverbot.
4 + 5 | Zentraler Ge- ­Kampfmann, die das Unternehmen verlassen haben. Far kommenden fünf Jahren mit vergleichbarer Geschwin-
danke der Factory sind war zuvor Gründer und CEO der international ausgerich- digkeit wachsen und weiterhin unser Markenverspre-
Begegnungen. Ent- teten Produktvergleichsseite Versus.com, die vor allem in chen einlösen.“
sprechend haben die
den USA erfolgreich ist (Exit Juli 2016 an Menschdanke). Das Markenversprechen der Factory sieht er viel-
Designer Voraussetzun-
gen für gute Gespräche
Zeitgleich ist Far als Investor aktiv. schichtig: „Eine Marke steht für konstante Qualität. Für
geschaffen. Die Personalie lässt insofern aufhorchen, da es sich Credibility. Dafür steht die Factory. Wir bieten das bes-
bei Far um einen echten Digitalprofi handelt, der vor sei- te Netzwerk für Entrepreneure. Aus diesem Grundgedan-
ner eigenen Gründung bei diversen Konzernen (unter ken entsteht ein ganzes Ökosystem mit Startups, Corpo-
anderem Daimler und MTV) für Branding-Themen ver- rates und VCs und unseren Facilitys.“ Diesen physischen
Fotos: Alexander Freundorfer

antwortlich war. Far sieht sich mit diesem Background Gedanken will die Factory auch digital vorantreiben, will
bestens gewappnet für die Aufgaben der nächsten Jah- sich dabei aber klar von anderen Plattformen wie Linked­
re: „Wir haben in der Factory ein Hammerwachstum. Die in abgrenzen. „Digital ist für uns genauso wichtig, wenn
Factory ist einer der Hidden Champions in der Stadt. Vie- nicht wichtiger. Da liegt sehr viel Potenzial. Hier wollen
len ist nicht bewusst, wie schnell wir wachsen. Meine wir den nächsten Schritt schaffen. Wir haben tolle Leu-
Foto: Factory

Vorgänger haben hier extrem gute Arbeit geleistet, insbe- te in unserem Space, die sich in vielen Bereichen ähneln.
sondere bei der Kundenzufriedenheit und der Markenar- Diese auf einem neuen Level zusammenzubringen, ist
5 beit. Man kennt uns in Berlin, in Europa und im Silicon der Gedanke, der mich antreibt.“

38 berlinvalley.com berlinvalley.com 39
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mit den Fonds Atlantic Labs und Project A Ventures. „Atlantic


Labs verfügt über sehr gute Kontakte an der Ostküste, insbeson-
dere zu Investoren aus New York. Wir haben drei Deals mit Uni-
on Square Ventures (Clue, SoundCloud und The Food Assembly)
und zwei Deals mit Valar (Klara and EyeEm). In gewisser Weise
scheint man hier etwas offener für Geschäfte mit Europa zu sein
als im Valley“, so Jens-Philipp Klein, Partner von Atlantic Labs.

„Der Talentpool in
NYC ist beachtlich,
Auf der Highline, New Yorks neuer Magnet für Touristen und Kreative

besonders für Start-ups“


New York. Auch das Medtech-Start-up Klara hat dort seine Fir-
menzentrale; das Team ist im Verhältnis 50 zu 50 aufgeteilt:

Fotos: pexels.com/Pixabay, Berlin Partner/Gralapp


Wachstum und operatives Geschäft in den USA und Produktent-
wicklung in Berlin. „In New York City befinden sich einige der
weltweit größten medizinischen Einrichtungen und wir konnten
wichtige Beziehungen aufbauen, da man sich hier einfach auf
ZWEITBÜROS IN DER STADT, DIE NIEMALS SCHLÄFT einen Kaffee um die Ecke treffen kann. Der Talentpool in NYC
Wie es bereits Generationen von unternehmerischen Träumern ist beachtlich, besonders für Start-ups. Die Menschen sind mo-
vor ihnen taten, kommen auch Berliner Start-ups nach New tiviert, intelligent und flexibel. Clevere Leute zieht es nach New
Die Freiheitsstatue, das
bekannteste Wahrzeichen York, um hier ihr Glück zu finden. Von der Sprachtraining-App York City”, so der Sprecher von Klara, Alexis Sheehy.
New Yorks Babbel über das Medizintechnik-Unternehmen Klara bis zur Fo-
to-App EyeEm gibt es so viele Verbindungen zwischen Berlin DER SPIRIT VON NEW YORK
und New York wie nie zuvor. New York hat etwa für EyeEm eine Während Berlin und New York niemals die Bedeutung oder die
ganz besondere Bedeutung. Als die Gründer den ersten mobi- Größe des Silicon Valley haben werden, erinnern uns beide
len Fotowettbewerb organisierten, gab es dazu Ausstellungen in Ökosysteme daran, dass es nicht nur einen Ort oder eine Me-

BERLIN – NEW YORK: ZWEI


Berlin und New York. Für ein im Bereich Fotografie tätiges Un- thode gibt, um ein erfolgreiches Start-up aufzubauen. Die kre-
ternehmen waren beide Städte eine logische Wahl. Aber nicht ative internationale Atmosphäre und der kulturelle Wandel hin
nur Künstler gründen Zweitniederlassungen ihrer Start-ups in zu wachsenden Investitionen und besseren Beziehungen sor-
gen dafür, dass sich beide Städte auf einem soliden Expansions-

STÄDTE MIT EINER SEELE


kurs befinden. Die Märkte und Technologien werden sich sicher-
Im Meatpacking District, Hotspot für Lifestyle und Kreativität
lich weiterentwickeln, aber Berlin und New York werden damit
Schritt halten. Denn es ist kein Zufall, dass sich die Bewohner der
beiden Städte in der jeweils anderen Stadt wie zu Hause fühlen.

von Kalie Moore


Obgleich das Valley bis heute unerreicht ist, konnten Los An- der Beteiligung des bestehenden Investors Union Square Ventu- Die Autorin bloggt als „Berlin Startup
geles, New York und andere Städte erstaunliche Zuwächse res erzielen. Die Suchmaschine für Ferienwohnungen HomeToGo Girl“ sowohl in Berlin als auch in New
verzeichnen. Je nach ihrem vertikalen Markt sehen sich viele konnte unter Führung des neuen Investors Insight Venture Part- York und ist Kennerin dieser Szenen.
Berliner Start-ups außerhalb des Valleys nach strategischen In- ners eine Investition der Serie B in Höhe von 20 Millionen Dol-
vestoren und Büros um, um den US-Markt zu erobern. New Yorks lar erreichen, während sich Eniac Ventures an der Video-App für
unternehmerische Tradition von der Finanzwirtschaft bis hin Lippensynchronisation mit einer Runde in Höhe von 9,6 Millionen
zum Modebusiness lockt die Berliner Start-ups. Dollar beteiligte und Greycroft 4,3 Millionen Dollar in eine Serie A
für Blinkist investierte, ein Start-up, das Sachbücher in handli-
VERBINDUNGEN ZWISCHEN NEW YORK chen Überblicken zusammenfasst. New Yorker Startups zu Gast in Berlin
UND BERLIN NACH ZAHLEN Vom 27. November bis zum 8. Dezember lädt die Start Alliance jun-
Laut Pitchbook erreichten die New Yorker Investitionen in Euro- NEW YORKER INVESTITIONEN IN BERLIN ge Unternehmen aus ihren Partner-Städten zum Dezember-Pro-
pa und Berlin 2015 ihren Höhepunkt und gingen im letzten Jahr Im Oktober 2015 schrieb Fred Wilson, der Mitbegründer von Uni- gramm nach Berlin: Pitch Trainings, Coaching und Networking
entsprechend dem internationalen Trend leicht zurück. In Ber- on Square Ventures, dass sich 22 Prozent des Portfolios in Eu- stehen auf der Agenda. Am öffentlichen Demo Day am 7. Dezem-
lin kam es 2015 zu 33 Abschlüssen von Risikokapitalgebern aus ropa befinden (mit einigen Investitionen in Berlin) und dass er ber habt ihr die Möglichkeit, die internationalen Start-ups zu
New York, 2016 waren es nur noch 19 Abschlüsse. Obwohl das einen weiteren Anstieg erwartet. Neben Union Square Ventu- treffen. Mehr Infos unter: startalliance.net/programs
Investi­tionsvolumen der VC-Investoren aus New York abgenom- res, die in Clue, SoundCloud und The Food Assembly investier-
men hat, haben sich deren Interessenfelder erweitert. So reich- ten, tätigten auch andere Fonds beachtliche Investitionen in Die Start Alliance Berlin hat es sich zur Aufgabe gemacht, glo-
ten die größten Investitionen von New Yorker Unternehmen in Berlin: Greycroft Partners (Blinkist, Pepo), Insight Venture Part- bale Aktivitäten für Berliner Startups mit internationalen Ambi-
Berlin vom Reise-Start-up GoEuro, an dem auch Goldman Sachs ners (Hello­Fresh, HomeToGo), Thrive Capital (Raisin – ehemals tionen zu erleichtern, zum Beispiel mit Austausch-Programmen,
aus New York und Investoren aus dem Silicon Valley wie Klei- SavingGlobal, ResearchGate), Lerer Hippeau Ventures (Spectrm, die Berlin Partner jedes Jahr organisiert, um junge Gründer bei
ner Perkins beteiligt waren, bis hin zum Fintech-Start-up N26, Klara), BDMI Fund (Spectrm, Splash, Kitchen Stories) und Valar der Expansion zu unterstützen. Zu den Partnerstädten gehören
das von Valar Ventures des bestehenden Investors Peter Thiel (EyeEm, N26) sind nur einige Beispiele für Investitionen in Berlin. New York, Shanghai, Paris, London – und Tel Aviv.
mit 40 Millionen Dollar der Serie B unterstützt wurde. Die Zyklus-­ Laut Fred Wilson besteht ein Grund für die Attraktivität Berlins Informiert euch über die Programme: startalliance.berlin
Tracking-App Clue konnte in einer Serie B 20 Millionen Dollar mit in den bestehenden Kontakten mit Berliner Investoren, wie etwa
B E N
RUBRIK RUBRIK

VO N O
U P T I O N
D I S R Längst haben Drohnen
das Smartphone als
größten Wachstumstrei-
ber der Unterhaltungs-
industrie abgelöst. Das
eigentliche Potenzial des
Drohnenmarktes wird
aber erst langsam und
Es war Ende 2013, als Jeff Bezos dem US-Sender CBS erklärte, Amazon
arbeite an einem drohnengestützten Lieferkonzept. Unter dem Label
„Prime Air“ sollen künftig gogenannte Octocopter die bestellte Ware
binnen 30 Minuten zum Käufer liefern. Obgleich damals eher eine
PR-Aktion, war Bezos’ Ankündigung doch eine Art Weckruf für un-
terschiedlichste Branchen. Die wenigsten Unternehmenslenker dürf-
ten vorher das Game-Changer-Potenzial der Drohnen gesehen haben.
Heute, vier Jahre später, sind Drohnen dem Nischendasein entwach-
sen. Im Hobbysegment gehörten sie im letzten Jahr zu den belieb-
testen Weihnachtsgeschenken. Doch nicht nur im Privatgebrauch
sind Drohnen en vogue – vor allem der Markt für kommerzielle Droh-
nenanwendungen floriert.

Ein ungeheuer dynamischer Markt


In Deutschland sind laut Deutscher Flugsicherung (DFS) bereits
400.000 Drohnen im Einsatz. Die DFS rechnet damit, dass sich die-
se Zahl bis 2020 auf etwa 1,2 Millionen verdreifachen wird. Auch in

schemenhaft deutlich den USA boomt der Markt: Nach Angaben der Federal Aviation Ad-
ministration bewegen sich rund 770.000 Drohnen im amerikanischen
Von Jan Thomas Luftraum. Perspektivisch dürfte jedoch China der größte Absatz-
markt für private Drohnen werden.
In der Unterhaltungselektronik haben Drohnen die Smartpho-
ne-Branche längst als Wachstumstreiber abgelöst. Allerdings flachen
die Verkäufe der Privatdrohnen bereits ab: 2015 stieg der Drohnen-Ab-
satz noch um fast 150 Prozent, während er 2016 „nur noch“ bei 60
Prozent lag. Beim Absatz rechnet Gartner für das Jahr 2017 mit welt-
weit etwa drei Millionen verkauften Drohnen. Der Umsatz werde da-
bei im Vorjahresvergleich um ein Drittel auf sechs Milliarden US-Dol-
lar steigen, mit einem Umsatzanteil der Profi-Drohnen von fast 3,7
Milliarden US-Dollar. Bis 2020 könne dieser B2B-Umsatz sogar auf
6,6 Milliarden US-Dollar steigen, so Gartner. Im Vergleich zum pri-
vaten Drohnenmarkt ist der Markt der drohnenbasierten Dienstleis-
Drohne im Anflug: tungen somit deutlich größer. Dieser Logik folgt auch das Beratungs-
Heute noch ein Bild mit unternehmen Pricewaterhouse Coopers, das bis 2020 ein weltweites
Seltenheitswert, aber
B2B-Potenzial von 127 Milliarden US-Dollar prognostiziert.
möglicherweise bald
Im kommerziellen Bereich ist auch mit der größten Schlacht
Foto: Pixabay

Teil unseres Alltags.


zu rechnen, denn viele große Techkonzerne wie Microsoft, Face-
book, Intel, Alphabet oder Amazon bringen sich derzeit in Stellung.
Trotz boomenden Marktes herrscht schon jetzt ein Verdrängungs-

42 berlinvalley.com berlinvalley.com 43
DROHNEN DROHNEN

wettbewerb unter den Hardware-Herstellern. Unterneh- Auch beim Vermesser im Hoch- und Tiefbau gibt es dank
men wie der US-Hersteller 3D Robotics oder Parrot aus Einsatz von Drohnen immense Sparpotenziale: „Um eine
Frankreich gerieten in den vergangenen Monaten be- Großbaustelle von 16 Hektar zu vermessen, braucht ein
reits ins Straucheln und bauten im großen Stil Stellen ab.klassischer Vermessungstrupp rund eine Woche, wäh-
Auch der Actionkamera-Hersteller Gopro musste im ver- rend unsere Drohne dies in einem vollautomatischen
gangenen Jahr seine Kamerardrohnen wegen Batterie- Flug innerhalb von acht Minuten erledigt“, so Benjamin
problemen zurückrufen, woraufhin der Aktienkurs des Federmann von Drohnen-Unternehmen Aibotix aus Kas-
Unternehmens einbrach. Und auch einige Startups muss- sel.
ten bereits aufgeben, so unter anderem die viel beachte- Folgt man den Analysten von Gartner, liegen die
ten Lily Robotics aus San Francisco, die bereits mehre- größten Chancen im Drohnenmarkt in der Energiebran-
re zehntausend Vorbestellungen für ihre wasserdichten che und bei Infrastruktureinrichtungen. Drohnen können
Quadrocopter gewinnen konnten. eingesetzt werden, um Öl- und Gasfelder, Windräder, So-
Während sich also der globale Markt für Consu- laranlagen, Stromleitungen, Bahnstrecken oder den Ver-
mer-Drohnen konsolidiert, konnte der globale Marktfüh- kehr auf Autobahnen zu inspizieren beziehungsweise
rer, das chinesische Drohnenunternehmen DJI, seinen zu überwachen. Schon seit Jahren suchen Drohnen mit
Marktanteil auf circa 70 Prozent ausbauen. Das Unter- Wärmebildkameras nach ausgefallenen Panels der Solar-

WAS DROHNENPILOTEN
nehmen aus Shenzen mit einem angeblichen Jahresum- parks. Und auch Wartungszyklen für Ölplattformen kön-
satz von deutlich über einer Milliarde US-Dollar, wurde nen laut Hersteller Intel durch den Einsatz von Drohnen

WISSEN MÜSSEN
in seiner letzten Finanzierungsrunde mit acht Milliarden um bis zu 75 Prozent gesenkt werden. Bislang mussten
US-Dollar bewer- Plattformen tagelang
tet. Ohnehin gilt die
Branche unter Wag- „In den kommenden stillgelegt werden,
damit die Rohre zur
niskapitalgebern als
heiß, besonders in Jahren werden wir in Wartung abkühlen
konnten. Drohnen
Haftpflichtversicherung
Egal ob zu Hobbyzwecken oder aus gewerblichen Ambitionen,
den USA und in Chi-
na. Über eine Milliar- der Logistik geradezu erledigen diese Un-
tersuchung binnen
Drohnen sind versicherungspflichtig.

de US-Dollar wurden
im Jahr 2015 in den revolutionäre Verände- weniger Minuten,
ohne große Abküh-
Kennzeichnungspflicht
Drohnen mit einem Startgewicht über 250 Gramm unterliegen der
Markt investiert.
rungen durch die Digi- lungsprozedur. An-
dere Einsatzgebiete
Kennzeichnungspflicht (Namen und Adresse des Eigentümers),
lesbar und feuerfest
Grenzenlose
Einsatzgebiete
talisierung erleben.“ findet man bei Feu-
erwehr, Rettungs- In der Luft
Das immense Po- Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer Bitkom kräften, Küstenwa- Die maximale Flughöhe für Drohnen ist generell auf 100 Meter
tenzial des Droh- che und Polizei. über Grund begrenzt. Ab einem Gewicht von zwei Kilogramm wird
nenmarktes wird nachvollziehbar, sobald man sich mit Doch Drohnen können nicht nur überwachen, sie ein Flugkundenachweis benötigt. Dieser gilt für fünf Jahre. Die
den Einsatzgebieten kommerzieller Drohnen befasst. könnten sich auch als Lebensretter etablieren: In ers- Prüfung muß durch eine anerkannte Prüfstelle erfolgen.
Diese bieten nämlich längst mehr als nur faszinieren- ten Feldversuchen unterstützen mit Schwimmwesten
de Videoaufnahmen von oben. In der schönen neuen ausgestattete Überwachungsdrohnen die Küstenwache, Verboten ist außerdem:
Drohnenwelt entstehen derzeit Unmengen neuer Wirt- um Ertrinkende zu retten. In den Innenstädten können • Fliegen außerhalb der Sichtweite
schaftszweige. PWC rechnet für das Jahr 2020 mit einem Drohnen mit Defibrillatoren die Opfer mit Herzstillstand • Fliegen über Wohngrundstücken
127-Milliarden-Dollar-Markt, bei dem die Segmente Infra- schneller versorgen als ein Krankenwagen. Auch bei der • Fliegen über Naturschutzgebieten
struktur und Bauindustrie (erwarteter Jahresvolumen 45 koordinierten Rastersuche bei Naturkatastrophen spie- • Fliegen innerhalb eines Radius von 1,5 Kilometern zu Flug-
Milliarden US-Dollar), Landwirtschaft (über 32 Milliarden len Drohnen inzwischen eine wichtige Rolle, indem sie plätzen
US-Dollar), zivile Sicherheit (zehn Milliarden US-Dollar) Opfer lokalisieren oder einen Überblick von Geländesitu- • Fliegen in Kontrollzonen, wenn man eine Höhe von 50 Me-
und Medien und Unterhaltung (knapp neun Milliarden ationen liefern. tern überschreitet
US-Dollar) am umsatzstärksten sein werden. Zahlreiche • Fliegen mit einer Drohne über fünf Kilogramm Startgewicht
der neuen Einsatzgebiete werden dabei maximal dis- Massive Veränderungen in der Logistik ohne Ausnahmegenehmigung
ruptiv für bestehende Branchen sein. Beispiele: Man ahnt es schon: Noch gravierender werden die be-
Unbemannte Flugobjekte übernehmen Überwa- vorstehenden Veränderungen wohl im Logistiksegment. Mindestens 100 Meter Sicherheitsabstand muss eingehalten
chungsaufgaben mit Kameras. Sie erfassen Umgebungen Dank der neuen Drohnenpotenziale scheint völlig offen, werden zu:
mittels Sensoren, sammeln Daten und werten diese aus. ob der Kampf um die letzte Meile tatsächlich auf der Stra- • Menschenansammlungen
Einsatzgebiete sind unter anderem Archäologie oder die ße stattfinden wird. „In den kommenden Jahren wer- • Bundesfernstraßen, Bundeswasserstraßen und Bahnanlagen
Überprüfung von öffentlichen Einrichtungen wie Was- den wir in der Logistik geradezu revolutionäre Verände- • Krankenhäuser
serdämmen und Wegen. Oder in der Landwirtschaft, wo rungen durch die Digitalisierung erleben“, so Bernhard • Unglücksorten, Katastrophengebieten und anderen Einsat-
Landwirte dank Drohnen eine Analyse ihrer Äcker in- ­Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Hightech-Verbandes zorten von Behörden und Organisationen mit Sicherheits-
klusive Düngerplan erhalten können. Genau wie bei der Bitkom, auf dem 34. Deutschen Logistik-Kongress 2017, aufgaben
Schädlingsbekämpfung in Weinbergen, wo Sensoren aus der unter dem Motto „Neues denken – Digitales leben“ Schon bald Realität? • militärischen Anlagen und Organisationen sowie mobilen
der Luft erkennen, wie weit sich Triebe an Reben bereits stattgefunden hat. Allerorts herrscht Goldgräberstim- Volocopter über den Einrichtungen und Truppen der Bundeswehr im Rahmen an-
Dächern der Großstädte
entwickelt haben. Die Drohne spritzt das Pflanzengift nur mung. Sämtliche großen Logistiker, allen voran Ama- gemeldeter Manöver und Übungen
Foto: Volocopter

dort, wo es notwendig. Diese Methode spart Zeit, Geld zon, experimentieren derzeit mit der Zustellung von • Industrieanlagen
und ist gut für die Umwelt. Im Waldland Thüringen wer- oben. Sie treibt der Traum von geringeren Personalkos- • Justizvollzugsanstalten, Einrichtungen des Maßregelvoll-
den derzeit intelligente Landwirtschaftsdrohnen gegen ten, schnelleren Abläufen und vor allem Unabhängigkeit. zugs
fünf Millimeter große Fichtenborkenkäfer eingesetzt. Selbst Deutsche Post-Chef Frank Appel zeigt sich begeis- • Anlagen der Energieerzeugung und -verteilung

44 berlinvalley.com berlinvalley.com 45
DROHNEN DROHNEN
Kameradrohne
im Profi-Einsatz Drohnen und den Herstellern von Drohnenabwehrtech-
niken statt. Spätestens seit Anfang 2015 eine Drohne un-
erkannt im Garten des Weißen Hauses abgestürzt ist, ist
die Welt in Alarmbereitschaft. Was bringen Zugangskon-
trollen und Mauern, wenn die neue Gefahr von oben dro-
hen könnte? Geofencing, also elektromagnetisch erzeug-
te Zäune, die eine Drohne stoppen können, stehen an der
Tagesordnung. Das scheint auch nötig: Nach aktuellem
Kenntnisstand hat der Islamische Staat bereits handels-
übliche Hobbydrohnen zu Granatwerfern umfunktioniert
und diese in Syrien und im Irak eingesetzt.
„Ein ähnliches Szenario kann man sich auf in un-
seren Städten vorstellen“, sagt Jörg Lamprecht, CEO des
tert von den neuen Möglichkeiten: Speziell in dünn be- Klare Regelungen erforderlich Drohnenabwehrsystems Dedrone (siehe Interview auf S.
siedelten oder schwer erreichbaren Gebieten „könnte die Wo viel Licht ist, gibt es auch Schatten. Die Bedenkenträ- 54). „Nimm eine Drohne und hänge eine Flasche Coca-Co-
Drohne eine Packstation ansteuern, einen Carport oder ger werden lauter und sie haben durchaus einen Punkt. la darunter, zeichne noch ein Giftzeichen darauf und flie-
eine Terrasse“. Die Post-Tochter DHL testet seit längerem Alleine im ersten Halbjahr 2017 zählte die Deutsche Flug­ ge damit in ein Stadion. Wenn Du die Cola dann über die
die Lieferungen auf eine Alm in Berchtesgaden und die sicherung über 40 Behinderungen des deutschen Luftver- Menschen sprühst, reicht das, um eine Panik entstehen
entlegene Insel Juist. Branchenvorreiter Amazon hinge- kehrs durch Drohnen – mehr als doppelt so viele wie im zu lassen. Das Szenario ist realistisch.“
gen zündet bereit die nächste Stufe: Auf die Lieferung per Vorjahreshalbjahr. Es mangelt noch an klaren Regeln für Pikante Randnotiz zum Thema Sicherheit: 2016 wur-
Drohne soll möglicherweise die Lieferung per Fallschirm den Luftraum. Zur Zeit existieren weder ein einheitlicher de bekannt, dass der weltgrößte zivile Drohnenhersteller
folgen. Und damit nicht genug: Im April 2016 hat Ama- Luftkorridor für Drohnen, noch sind die Haftungsfragen DJI die weltweiten Nutzerdaten seiner Geräte und Pro-
zon ein Patent angemeldet, demzufolge Drohnen mit gro- geklärt. gramme in China und in Hongkong sammelt und auf An-
ßen Logistik-Zeppelinen interagieren sollen, die in fast 14 Zwar ist für Drohnenpiloten seit April 2017 eine Haft- frage der chinesischen Regierung übergibt.
Kilometern Höhe über den Städten kreisen. Eine Art flie- pflichtversicherung vorgeschrieben und Flüge über 100
gendes Logistikzentrum. Höhenmeter sind grundsätzlich verboten, doch vielen
Auch die Schweiz wird dank innovationsfreudiger Drohnenkritikern geht diese Regelung nicht weit genug.
Rahmenbedingungen immer öfter zum Schauplatz der
Drohnen-Revolution. Im September diesen Jahres gelang
Sowohl die Forderungen nach einer Kennzeichnungs-
pflicht werden lauter, als auch Drohnenführerscheine öf- „Drohnen werden
ein erfolgreicher Test zur autonomen Paket-Belieferung.
Eine Drohne des US-Unternehmen Matternet lieferte ein
fentlich diskutiert. Seit dem 1. Oktober 2017 ist dieser für
den Betrieb von Drohnen und Modellflugzeugen ab zwei sich dort durchsetzen,
Paket auf das Dach eines sieben Kilometer entfernten
Lieferwagens. Die Idee: Drohnen versorgen künftig Lie-
Kilogramm Pflicht. Benötigt werden dann einen Flugkun-
denachweis sowie eine Prüfungsbescheinigung durch wo sie einen hohen
ferwagen, damit diese seltener zur Basis zurückkehren
müssen. Und auch die Schweizer Post testet derzeit im der Personenbeförderung. Auch hier liefern sich zahlrei-
eine vom Luftfahrt-Bundesamt anerkannte Stelle.
Nutzen haben“
Tessin einen drohnenbasierten Transportservice, der La- che Unternehmen, darunter auch einige deutsche, ein Neue Gefahren durch den Terror? Roland Siegwart, Leiter des Departements für autonome
borproben und Medikamente zwischen mehreren Kran- Wettrennen um das autonome Fortbewegungsmittel der Gravierender als die mögliche Unwissenheit der Droh- Systeme ETH Zürich
kenhäusern hin und her fliegt. Zukunft. Zu ihnen zählen unter anderem das Karlsruher nen-Piloten wiegt jedoch die Gefahr der missbräuchli-
Viel Bewegung also im Logistikbereich. Experten Unternehmen E-volo, das ein Helikopter-ähnliches Flug- chen Nutzung unbemannter Fluggeräte. Schon längst fin-
sind sich jedoch einig, dass es in der Paketlogistik noch gerät mit 18 Rotoren ins Rennen schickt. det daher ein Wettrüsten zwischen den Herstellern von
zahlreiche Herausforderungen zu lösen gilt: Die Reich- Oder Lilium, das gerade ein viel beachtetes Inves- Arbeitsvernichter oder
weiten der Drohnen sind noch recht kurz, die automati- tment in Höhe von 90 Millionen US Dollar verkünden Freizeitbeschaffer?

Fotos: Getty Images


sche Navigation in dicht besiedelten Städten mit vielen konnte. Genauso wie Volocopter, dessen Team vom mo- Folgt man den Ankündigungen Jeff Bezos’ aus dem Jahr
Funkmasten schwierig und die sichere Übergabe der La- dernsten Fortbewegungsmittel unserer Zeit spricht und 2013, würde Amazon schon heute, spätestens aber 2018,
dung noch gänzlich unerforscht. das gerade seinen erfolgreichen Jungfernflug in Dubai ab- seinen Kunden die Pakete per Drohne zustellen. Wie so
Vor ähnlichen Herausforderungen stehen auch solviert hat. Ohnehin scheint Dubai ein „heißes Pflaster“ oft entwickelt sich der Fortschritt jedoch etwas langsa-
Drohnenkonzepte, die sich auf Essenslieferungen spezi- für unbemannte Fluggeräte zu sein. Auch die Taxi-Droh- mer als gehofft. Dennoch: Drohnen sind den Kinderschu-
alisieren. Auch hier gibt es derzeit zahlreiche Drohnen- nen vom Typ Ehang 184 aus China befinden sich dort der- hen deutlich entwachsen und werden in Zukunft eine
konzepte im Experimentierstadium: In der isländischen zeit im Testmodus und sollen voraussichtlich ab Sommer selbstverständlichere Rolle in unserem Leben überneh-
Hauptstadt Reykjavík testet das israelische Drohnen-Lo- 2018 Wolkenkratzer vernetzen. Unkenkufe sehen Paralle- men. Dazu Roland Siegwart, Leiter des Departements
gistikunternehmen Flytrex die Lieferung von Essenbe- len zu der Zeit, als Kutschen von Autos abgelöst wurden. für autonome Systeme an der ETH Zürich: „Wir wollen
stellungen und zielt neben Kostenreduktion auch auf In einem anderen nicht minder ambitionierten Feld be- zwar sicher nicht, dass tausende Drohnen über uns flie-
eine geringere Umweltbelastung. Und auch die ameri- wegen sich Facebook, Alphabet und der amerikanische gen, aber sie werden sich dort durchsetzen, wo sie einen
kanische Pizza-Kette Domino’s liefert in Neuseeland seit Telekommunikationskonzern AT&T. Alle drei Unterneh- hohen Nutzen haben und die Gesellschaft nicht zu stark
Ende August erstmalig erfolgreich Pizza per Drohnen aus. men arbeiten an hochfliegenden Dohnen, die als Relais- beeinträchtigen, zum Beispiel in abgelegenen Gebieten“.
Der Service soll in den nächsten Monaten auf mehrere stationen für schnelles Internet in entlegenen Weltgegen- Dennoch haben Drohnen das Potenzial, den Traum
Ländern, unter anderem auch auf Deutschland, ausge- den dienen sollen (siehe auch S. 52). von einer Welt, in der Maschinen dem Menschen Ar-
weitet werden. Und wer hätte gedacht, dass uns mal die Disrupti- beit abnehmen, ein großes Stück wahr werden zu las-
on von Feuerwerken ins Haus steht? Geht es nach Intel, sen. Gartner geht davon aus, dass Drohnen zur Katego-
Die Mär der fliegenden Autos erleben wir künftig ein Silvester mit Drohnen statt mit rie der wichtigsten neuen Technologien gehören, die in
Das Paket-Logistik-Segment ist noch lange nicht das Raketen. Intel präsentierte bereits auf mehreren Events den nächsten zehn Jahren revolutionäre Entwicklungen
Oktocopter im Einsatz
Ende der Drohnen-Innovationen. Noch deutlicher wird eine programmierte Formation aus bis zu 500 Intel Shoo- anstoßen werden, deren Auswirkungen bislang niemand
das Ausmaß der anstehenden Veränderungen im Markt ting-Star-Drohnen. Prädikat: Äußerst beeindruckend. wirklich abschätzen könne. Bleiben wir gespannt.

46 berlinvalley.com berlinvalley.com 47
RUBRIK RUBRIK

DRONE RACING
Drone Champions
League 2017 Finale
2./3.12. | Station Berlin
dcl.aero
Mit 140 Kilometer pro Stunde durch die Stadt
Von Nils Lennard Behrens

Drone-Racing ist pures Adrenalin, denn das hen Geschwindigkeiten auch aus der Fer-
Fliegen einer Renndrohne ist verbunden mit ne erlebbar. Beim Kick-off-Event der Drone
Geschwindigkeiten von bis zu 140 Kilome- Champions League (DCL) – quasi der Formel
tern pro Stunde. Auch wenn die Piloten da- eins des Drone-Racings – im Juni 2017 ha-
bei in stationären Cockpits sitzen, langwei- ben 180.000 Besucher die beeindruckenden
lig wird ihnen nicht: Die Drohnen übertragen Battles der Highspeed-Drohnen in einem
ihr Sichtfeld auf die First-Person-View-Brille 600 Meter langen Tunnel unter dem Arc de
des Piloten, der die Drohne per Funksteue- Triomphe in Paris verfolgt. Aber auch die Fol-
1 2 rung mit zwei Joysticks lenkt. Das lässt wenig geevents der DCL, unter anderem auf dem
Toleranz für zittrige Finger auf dem Parcours Mont des Arts in Brüssel, boten mit epischer

Foto: Drone Champions League


samt Hindernissen. Kulisse visuelle Highlights für die Besucher.
1 Lilium entwickelt
Luft-Taxis für bis zu fünf Drone Racer sind in Teams organisiert. In Der letzte Stopp der DCL-Saison 2017 ist
Personen. diversen Konstellationen treten sie gegen- im Dezember in Berlin, wo das Drohnenren-
2 Beim Drone-Racing einander an und sammeln bei einem Sieg nen als Feature-Event auf dem Conrad Cam-
werden Geschwindig- Punkte für ihr Team. Designierte LED-Far- pus stattfindet. Zuschauer können dort span-
keiten von 140 km/h
erreicht.
ben der Drohnen sorgen für leichte Identifi- nende Rennen beobachten, erste Erfahrungen
3 In der Agrarwirtschaft kation im Flug und machen die Rennen auch am Steuer sammeln und die First-Person-
werden Drohnen bei der für Zuschauer unterhaltsam und bei den ho- View-Brillen ausprobieren.
Überwachung von Fel-
dern eingesetzt.
4 Bei der Überwachung
der Produktivität erzie-
len Drohnen hervorra-
gende Ergebnisse.

CHINA START
5 Bei einem Feuerwerk "Starting up your
in Disney World kamen
im vergangenen Jahr
business in China
hunderte leuchtender has never been so
easy with China
For global start-ups and growth
Drohnen von Intel zum
Einsatz.
Start!”
-- Bo Ji, companies to learn, partner and pitch

Fotos: Lilium, Drone Champions League, Disney Corporation, Multidrones, Pixabay,


Program Director

3
Program Highlights WHAT
1 Week program A 5-day China immersion program for start-ups and growth companies
2 Accelerators visits to learn China-specific knowledge, network with potential local partners
3 Cities: Beijing,Shanghai, Shenzhen and pitch for Chinese investment.
4 Pitch events for investments & partners WHEN
5 Company visits 19-23 March, 2018 4.94/5
After progam support Application will close on 10th March 2018. CHINA START
Program Overall
Contact US WHERE Satisfaction Rate
Ms. Liping Wan
Beijing, Shanghai, Shenzhen
Program Manager
Email: lpwan@ckgsb.edu.cn
WHY CKGSB
Tel: +44 (0)20 7766 8201 A Global Authority on China
- More than 50% of CKGSB’s alumni are at the CEO or Chairman level and,
4 www.china-start.org Knowledge and Network together, their companies accounted for 1/6 of China’s GDP in 2014
- 1,000+ active angels (more than 50% of CKGSB’s 10,000 alumni have
invested as an angel)

48 berlinvalley.com
DROHNEN RUBRIK

ES FEHLEN PIONIERE
Kommentar von Kay Wackwitz,
CEO von Drone Industry Insights s
y In sight
In dustr g.
Drone u n g
sultin
& Con t sich seit
s
sch fas r
rktfor ts be igt fü
Drohnen erarbeiten sich ihren Platz in der trag können bestimmt und sogar Rehkitze
n c h e: Ma stry Insigh arkt , fert d ie n
Br a Indu nenm u
rk tst
Wirtschaft und werden bald nicht mehr vor dem Mähdrescher bewahrt werden. Drone dem Droh unden Ma ftsent-
mit K hä
wegzudenken sein. Das Potenzial, Aufgaben
2014 nalen Gesc
schneller, sicherer und mit gleichbleibender Fast keine Interaktion mehr in t e rnatio stitionen, n .
ihre Inve ratio
Qualität zu erledigen, entfaltet sich beson- Nun macht eine Drohne das alles nicht ganz b e rä t bei ze s s integ e c ker
an, d Pro ik Bö d
ders an Stellen, wo der Einsatz von Personal allein. Da liegt der Hase im Pfeffer. Obwohl n g u n e n d r
H
wicklu ackwitz,
entweder gefährlich oder teuer ist. der Automatisierungsgrad inzwischen ein r : Ka yW
e 14
Aber von vorn: aktuell erobern Drohnen hohes Niveau erreicht hat, scheuen sich vie- Gründ gsjahr: 20
r ü n d un
Bereiche wie Vermessung und Inspektion im le, diese Technologie zu adaptieren. Das liegt G r: 10
beite
Sturm. Sie sammeln in kurzer Zeit hochprä- weniger am Fluggerät selbst, sondern an den Mitar neii.com
dro
zise Daten, eine Baustelle muss dafür nicht starken Einschränkungen seitens des Gesetz- URL :
mehr geschlossen werden. Durch die regel- gebers und daran, was nach dem Flug mit o
y heet .i
red b
mäßige Wiederholung dieser Aufgaben kann den Daten gemacht werden muss. Aus zehn powe
man Baufortschrittskontrollen standardi- Gigabyte Fotos von einer Brücke muss erst
sieren, Verzögerungen verringern, BIM-Da- eine Aussage herausgearbeitet werden. Auch
ten erstellen und abzutragende Volumina da kommt uns die Technologie stark entge-
auf eine Handvoll Kiesel genau bestimmen. gen: Asset-Management-Softwarelösungen
Man kann Zufahrtswege prüfen und mit Vor- gibt es, und die ersten Deep-Learning-Algo- bis hin zum Asset- und Datenmanagement
her-/Nachher-Aufnahmen sogar Schadenser- rithmen, getrimmt darauf, Daten nach Mus- zählt bereits alles zum Portfolio. Die fliegende
satzansprüche klären. Ob in Steinbrüchen, tern wie Rissen oder Korrosion zu durchsu- One-fits-all-Drohne hat sich zu einem indust-
Tagebauten, im Hoch- oder Tiefbau – Droh- chen, sind bereits verfügbar. Kurzum: Durch rie- und anwendungsspezifischem Gerät ent-
nentechnologie ist ein echter Paradigmen- die Automatisierung wird der Weg vom Pro- wickelt und ist in der Lage, präzise Daten zu
wechsel, wenn es um die Erstellung operativ blem zum Report immer besser komplettiert. sammeln oder eben auch Pakete auszuliefern.
wichtiger Daten geht. Die ohnehin immensen Einsparungen der Da- Warum das so schwierig ist, liegt haupt-
Im Bereich der Inspektion und des Mo- tengenerierung werden dadurch noch größer. sächlich an drei Dingen: 1. Die Gesetzgebung
nitorings werden die Möglichkeiten noch Jetzt müssen die Daten automatisiert erlaubt keine Flüge außerhalb der Sichtweite
größer: Bahntrassen und Hochspannungs- von der Drohne in den Rechner kommen. Das und schon gar nicht über besiedeltem Gebiet.
leitungen können auf Schäden untersucht kann auf zwei Wegen passieren: entweder 2. Datenschutz und Akzeptanz der Bevölke-
werden. Brücken, Schornsteine und Wind- durch den Upload in eine Cloud, wobei die rung müssen gesichert sein. Das ist vor al-
kraftanlagen werden in kurzer Zeit inspiziert, Bandbreite einen erheblichen Engpass dar- lem in Mitteleuropa ein Thema. In Afrika, wo
ohne dass sich Industriekletterer in gefährli- stellt, oder über sogenanntes On-board-Pro- Drohnenlieferungen täglich stattfinden und
che Höhen begeben müssen. Waldbestände, cessing. In diesem Fall fliegt der Computer der erste Drohnen-Flughafen in Ruanda ge-
Erntezeitpunkte und Schädlingsbefall, Bo- gleich mit. Da die heutigen Drohnen eher baut wird, stellen Drohnen einen Lebensret-
denzustand und voraussichtlicher Ernteer- klein sind und die Flugzeit von der Men- ter dar. Das lässt Akzeptanzfragen gar nicht
ge der mitgenommenen Batterien bestimmt aufkommen. 3. Die Technik, die zwar schon
wird, bleiben meist keine Nutzlastkapazitä- viel kann, muss bei Lieferungen bis zur Haus-
ten für Computer übrig. tür mit vielen Problemen umgehen – und
das autonom. Neben dem Paket muss erfor-
Aufregende Zeiten derliche Sensorik mitgenommen werden,
Der Drohnenmarkt als Schmelztiegel der um bei der Landung vor Ort Bäumen, Later-
Technologien bringt in unglaublicher Ge- nen, Wind und anderen Fallen ausweichen
schwindigkeit neue Lösungen hervor. Diese zu können. Mikrowellen- und Laser-Sensorik
Entwicklung wird durch strategische Part- werden in naher Zukunft auch diese Lücken
Foto: Drone Industry Insights

nerschaften von Hardware, Software, Service schließen und damit der Branche weiteren
und R&D-Firmen noch weiter beschleunigt. Aufwind geben.
Kunden wollen eine End-to-end-Lösung, die Es sind wirklich aufregende Zeiten und
sich am besten noch mühelos in den Fir- der Einsatz von Drohnen wird sehr viel Gutes
men-Workflow integrieren lässt. Intel hat tun auf der Welt. Was es jetzt noch braucht
das erkannt und baut sich ein eigenes Droh- sind Pioniere, die diese Technologie adaptie-
nen-Ökosystem auf. Von Hardware über ren und das volle Potenzial nutzen, welches
Flugplanung, Datenanalyse, Schnittstellen Drohnen bieten.

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RUBRIK RUBRIK

Siebeneinhalb Milliarden Menschen leben derzeit auf un- grund ihres geringen Gewichts sensibel ist, wurden keine
serem Planeten. Knapp die Hälfte hat Zugang zum In- nennenswerten Schäden an der Drohne verzeichnet. Fa-
ternet. Die größte Hürde für den weiteren Ausbau liegt cebook-Chef Mark Zuckerberg zeigte sich nach dem zwei-
in den Kosten, welche die Erbauung einer globalen Inf- ten Testflug überzeugt: „Niemand hat jemals ein unbe-
rastruktur inklusive Landnutzungsrechten, Funkmas- manntes Flugzeug gebaut, das monatelang in der Luft
ten und Glasfaserkabeln mit sich bringt. Das Facebook bleibt. Wenn Aquila bereit ist, soll daraus eine Flotte so-
Connectivity Lab hat es sich zur Aufgabe gemacht, iso- larbetriebener Flugobjekte entstehen, die Internetverbin-
lierte Gebieten zu vernetzen. Das ambitionierte Ziel: Eine dung auf der ganzen Welt gewährleisten soll. Heute kann
Funk-Drohne, die mithilfe von Solartechnik drei Mo- mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung immer noch
nate am Stück in der Luft bleiben kann. Das Signal der nicht auf das Internet zugreifen. Eines Tages wird Aquila
Drohne wird dabei mittels Türmen empfangen und in helfen, das zu ändern.“
WLAN- oder LTE-Netzwerk umgewandelt. Auf diese Wei- Wann Aquila marktreif sein wird, steht derzeit noch
se können sich Mobiltelefone und Smartphones mit dem in den Sternen. Zahlreiche weitere Tests werden erfor-

AQUILAS TRAUM
Internet verbinden. derlich sein, um Sicherheit und Effizienz des Projekts zu
Im Jahr 2016 hob Aquila zum ersten Testflug ab, um steigern. Die Kluft zwischen Industriestaaten und Ent-
Daten über Leistung, aerodynamische Handhabung, Le- wicklungsländern geht jedoch weit über den Zugang zu
bensdauer und Besatzungstraining zu sammeln. Der Informationstechnologien hinaus. Doch gleichberechtig-
Jungfernflug war zwar objektiv kein Erfolg und ende- ter Zugang zum Internet ist essentiell. Und Aquila könnte
te nach 96 Minuten mit einer unsanften Bruchlandung, dabei ein entscheidende Rolle spielen.
doch die Erkenntnisse bildeten die Grundlage für zahl-
Alle Erdenbewohner mit Internet zu reiche Verbesserungen, wie ein individuelles Brems- und
Höhenkontrollsystem oder den Autopiloten.
versorgen, ist das Ziel der Aquila-Drohne. Doch auch die Konkurrenz hatte Probleme: Im Janu-
„Niemand hat jemals
Dazu muss sie fliegen: drei Monate lang ar 2017 gab die Google-Mutterfirma Alphabet bekannt, ihr
Konkurrenzprojekt Titan Aerospace aufzugeben. Drohnen
seien für die Erschließung des weltweiten Internetraums
ein unbemanntes
Von Lennard Behrens weniger geeignet als das parallel verfolgte Ballon-Pro-
jekt Loon-Ballons. Aquila zeigte sich unbeeindruckt und
Flugzeug gebaut, das
startete im Mai 2017 zum zweiten Testflug. Detailver- monatelang in der
Luft bleibt.“
besserungen in den Solarfeldern sorgten für eine län-
gere Flugzeit von insgesamt 106 Minuten. Um Gewicht
zu sparen, tauschte das Team das Fahrwerk gegen Kev­
lar-Pads an der Unterseite aus. Und obwohl Aquila auf- Mark Zuckerberg

Ready for Take-off:


Das Team des Facebook
Connectivity Labs arbei-
Foto: Facebook

tet an der Vision einer


vernetzten Welt.

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DROHNEN DROHNEN

DROHNEN AN DIE MACHT? SCHUTZENGEL MIT ROTOREN


Kommentar von Daniel Höpfner zur Sie schützen Menschen und retten Leben. Vier Innovationen der vier
Geschäftsfeldentwicklung mit Drohnen Elemente – Willkommen in einer neuen Ära!

Glaubt man all den Zukunftsvisionen zum Drohnen-


markt, wird bald vieles um uns herumschwirren: Droh-
nen mit eiligen Medikamenten, jene zur Inspektion von
S-Bahn-Brücken, Polizei-Drohnen zur Überwachung kri-
mineller Schwerpunkte und natürlich tausende Liefer-
drohnen mit Paketen von Amazon. Wir als B10 schauen
uns seit anderthalb Jahren verschiedene Drohnen-Star- Aerones Zipline
tups an, mit einer Präferenz auf Software-Lösungen. Bis-

NER ture
her konnte uns keines überzeugen, doch wir haben drei Die Brandbekämpfung nachhaltig zu verän- 2016 hat das Drohnenunternehmen Zipline das

HÖPF ei B10 Ven -Seed-


Bereiche identifiziert, in denen Drohnen spannend wer- dern, das hat sich der lettische Drohnenhersteller weltweit erste Drohnenliefersystem für medizi-
den.
DAoN IELer und PartnerrSbeed- und Prseeinem ­Aerones zur Aufgabe gemacht. Im Einsatz gegen
Hochhausbrände hat der Lebensretter erste Tests
nische Produkte aufgebaut. In Ruanda wird ein
Schwarm Drohnen eingesetzt, um Blutkonserven
d e . In
-Foun Berlin rtups ei-
Entertainment: Spielzeug für Große ist C ist ein f B2B-Sta iel die Ber erfolgreich absolviert. Aerones unterstützt Lösch- an Gesundheitseinrichtungen zu liefern. Die Visi-
p it a l. B10 us au Dan
Vergangenes Jahr habe ich mich selbst mit einer DJI Ma- Ca
o r m it Fok antwortet kräfte, die bei Wolkenkratzerbränden oftmals unter on: die zwölf Millionen Bürger von Ruanda schnell
vic Pro beschenkt und erkunde damit meine Umgebung. v e s t t v e r e g al. erstickenden Bedingungen leiden. Dabei erreichen mit medizinischen Produkten zu versorgen. Dabei
In ebie dL
Das Geschäft mit dieser Art von Drohnen ist aber kein Bu- u fg a beng g, Sales an die Drohnen Höhen von bis zu 400 Metern – für ist Zipline witterungsunabhängig. Die Bestellung
A isin
undra
siness, das für Venture Capital interessant ist. Das Dis- che F Feuerwehrleitern undenkbar. Die Drohne fliegt bis der medizinischen Produkte und auch die Bestäti-
ruptionspotenzial ist im Hardware-Markt nicht groß ge- zu 30 Minuten, wiegt 55 Kilogramm und kann das gung erfolgt via Textnachricht. Durchschnittlich 15
nug. Die Entwicklungen in der Drohnen-Hardware sind Dreifache ihres Eigengewichts heben. Derzeit sind Minuten später werden die Bestellungen per Fall-
aber eher Evolution als Revolution. Natürlich geht es im- die Drohnen noch nicht serienreif: Für die Markt- schirm abgeworfen und landen in einem fest defi-
mer noch besser, schneller und sicherer, aber weitere re- Lieferungen einführung sucht das Startup nach einem Investor. nierten Bereich an ihrem Bestimmungsort.
levante Player neben den bereits etablierten Herstellern Kommt in fünf Jahren wirklich die Pizza per autonomer
wird es außerhalb der Nischen nicht geben. Ich glaube an Drohnen-Lieferung? Oder ist das ein Zukunftsszenario, wie Branche: Brandbekämpfung Gründer: Jānis Branche: Liefersystem medizinischer Produk-
Drohnen im B2C-Bereich und als Entertainment. Ich sehe wir sie durch unsere Eltern aus den 50er und 60er Jahren Putrāms, Andris Dambis, Dainis Krūze Gründung:
­ te Gründer: Keenan Wyrobek, Phu Nguyen, Keller
aber kein B2B-Business, das Potenzial zur Skalierung hat. kennen, als von fliegenden Autos gesprochen wurde? Auch 2015 Standort: Riga, Lettland aerones.com ­Rinaudo, William Hetzler, Peter Seid Gründung:
wenn viele gerade diesen Bereich erforschen, ist es wenig 2011 Standort: San Francisco, USA flyzipline.com
Vermessung und Überwachung realistisch, dass schon bald tausende Drohnen die Logis-
Die Vermessung von Gebäuden, das Inspizieren von tik der letzten Meile bewältigen. Andere Technologien wer-
Sturmschäden oder die Überwachung von Plätzen – das den das wohl das effizienter lösen. Sicher wird es Dinge, wie
alles sind spannende Bereiche, die erst in Zukunft er- die oft zitierte Medikamentenlieferung in nur schwer zu-
schlossen werden. Doch stellt sich immer die Frage: gänglichen Bereichen einer Alm oder in wenig zivilisierten
Brauche ich dazu wirklich Drohnen? Was ist mit Satelli- Gebieten Afrikas geben. Hier befinden wir uns in einer Ni-
ten? Schaut euch mal Planet oder ICEYE beziehungswei- sche, die eher keinen Venture-Capital-Business-Case dar- Microdrones Helper
se Axelspace an. Diese werden immer günstiger und im- stellt.
mer besser. Drohnen müssen von Menschen gesteuert Microdrones ist dem weltweiten Hunger auf der Die Helper-Drohne rettet Ertrinkende auf See. Ge-
werden. Es dauert, die Fläche abzufliegen und sie sind Kein B2B-Markt in Sicht Spur. Seine Flotten unterstützen Landwirte auf der steuert von Rettungsschwimmern an der Küste
Bisher sehe ich keinen Bereich, in dem Drohnen einen nen- ganzen Welt aus der Vogelperspektive. Microdro- lässt die Drohne selbstaufblasende Bojen bei ge-
nenswerten Impact liefern und damit ein Game-Changer nes überwacht landwirtschaftliche Nutzflächen fährdeten Opfern fallen. Navigationsinformationen
Das Disruptions­ oder Category-Killer sein könnten. Die durch Drohnen gelös-
ten Probleme sind keine Top-Priority-Probleme potenzieller
und gibt Informationen über potenzielle Bedro-
hungen für Pflanzen. Die Drohnen sammeln Daten
geben Rettungskräften einen Überblick und helfen
dabei, den genauen Ort des Opfers zu bestimmen.
potenzial ist im B2B-Kunden. Startups im Drohnen-Business sollten sich ent- über Nährstoff- und Feuchtigkeitsgehalt sowie die Dank Full-HD- und Ultra-HD-Videos gelingt eine ver-

Hardware-Markt
weder auf Hardware im Infrastrukturbereich oder auf Soft- allgemeine Vitalität von Nutzflächen. Pflanzen- lässliche Einschätzung der Situation. Die Drohnen
ware für das Management von Drohnen beziehungsweise krankheiten oder Schädlingsbefall werden erkannt haben eine Batteriekapazität von 15 bis 25 Minuten

nicht groß genug


Software für das Management des gesamten Prozesses fo- und Landwirte alarmiert, damit Maßnahmen zur bei einem Aktionsradius von bis zu zwei Kilometern.
kussieren. Es muss, wie immer, ein richtiges Problem gelöst Sicherung der Erträge ergriffen werden können. Einsetzbar ist die Drohne bei Windgeschwindigkei-
Foto: b10 | Venture Capital

werden. Multispektral- und Wärmebildaufnahmen erzielen ten von bis zu 50 Kilometern pro Stunde.
Glaube ich an die Technologie: Ja. Glaube ich dass da- massive Ertragsverbesserung.
fehleranfällig. Also auch kein Mega-Markt, der „disrup- mit neue Ideen und Services möglich werden: Ja. Sehe ich Branche: Wasserrettung Gründer: Fabien Farge
Foto: Unsplash

ted“ werden kann. Die Drohnen sollten nicht das Busi- einen B2C-Massenmarkt: Ja, vielleicht ähnlich wie Selfie Branche: Agrarüberwachung Gründer: Udo Jürß, Gründung: 2016 Standort: Pau, Frankreich
ness sein, sondern Mittel zum Zweck, um Business rea- Sticks oder Gopros. Sehe ich einen skalierbaren B2B-Markt? Jan Wendel, Daniel Schübeler Gründung: 2006 helper-drone.com
lisieren zu können. Dann wird das Startup auch für VCs – Nein, bisher nicht. Es kommt was auf uns zu. Ich bin ge- Standort: Siegen, Deutschland microdrones.de
interessant. spannt.

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RUBRIK DROHNEN

„DEDRONE WAR
Während man in Deutschland den Einsatz von Drohnen Rechenzentren haben nicht selten ihre Infrastruktur auf
gesetzlich reguliert, zogen die Gründer des Kasseler Star- dem Dach. Wenn eine Drohne die Lüftung und die Klima-
tups Dedrone ins Silicon Valley und entwickelten dort versorgung lahmlegt, hätte das den Ausfall der gesamten
eine ganzheitliche Lösung zum Schutz vor unbemannten Anlage zur Folge.

ECHT STAR WARS“


Flugobjekten.
Aus welchen Branchen kommen eure Kunden?
Was genau ist Dedrone? Beispielsweise deutsche Autohersteller, die vermei-
Drohnen werden immer leistungsfähiger, tragen den wollen, dass vorzeitige Bild- oder Filmaufnahmen Ih-
mehr Last, erreichen höhere Reichweiten. Kriminel- rer Prototypen gemacht werden. Auch Rechenzentren im
le Handlungen werden da zur Herausforderung. Daher Silicon Valley oder Botschaften in Südamerika. Wir ha-
brauchen wir ein Frühwarnsystem für den Luftraum, ben eine starke Nachfrage bei Fußballstadien oder NFL
ähnlich einer Einbruchmeldeanlage fürs Haus. So ist vor Arenen, wo sich Menschen versammeln und eine Droh-
Jörg Lamprecht, CEO und Co-Founder von Dedrone, drei Jahren die Idee zu Dedrone entstanden.. ne verheerende Auswirkungen haben könnte. Wir ha-
ben über 200 Installationspartner, beispielsweise World
im Gespräch mit Berlin Valley über die Zukunft Welche Gefahren stecken hinter dem Einsatz Wide Technologies, einen Systemintegrator aus den USA.

unbemannter Flugobjekte, Geschäftsmodelle und von Drohnen und wie unterscheidet ihr zwischen
Drohnenerkennung, -identifikation und -ab-
Das Unternehmen ist in Deutschland eher unbekannt, ist
jedoch der zweitgrößte Systemintegrator für Cisco mit
die Gefahren beim Einsatz von Drohnen wehr?
Drohnen heben heute bis zu 100 Kilogramm. Irgend-
über zehn Milliarden US Dollar Umsatz.

Das Gespräch führte Nils Lennard Behrens. wann können wir unsere Kinder damit zum Kindergar- Aus welchen Branchen kommen eure Kunden?
ten fliegen. Aber man kann eben auch Gefangene befrei- Beispielsweise deutsche Autohersteller, die vermei-
en oder illegale Kurierfahrten ermöglichen. Mittlerweile den wollen, dass ihre neuen Modelle bei Testfahrten ge-
gibt es Drohnen, die mit Schusswaffen, Flammenwerfern sehen werden beziehungsweise vorzeitige Bild- oder
oder Kettensägen ausgerüstet sind. Oder sie werden mit Filmaufnahmen davon gemacht werden. Auch Rechen-
Hacking Devices wie Rasperry Pie ausgestattet, die sich zentren im Silicon Valley oder Botschaften in Südame-
in Unternehmensnetzwerke einhacken und Daten steh- rika. Wir haben eine starke Nachfrage im Bereich Ver-
len. Man muss erkennen, dass es sich um eine Drohne anstaltungssicherheit, zum Beispiel Fußballstadien oder
handelt und sie im nächsten Schritt identifizieren. Ist es NFL Arenen, also überall dort, wo sich Menschen versam-
eine Phantom 2 oder eine DGI Inspire 2, und wo sitzt der meln und wo eine Drohne verheerende Auswirkungen
Pilot dazu? Im dritten Schritt werden die entsprechenden haben könnte. Wir haben über 200 Installationspartner,
Gegenmaßnahmen eingeläutet, Signalstörungen oder ki- beispielsweise World Wide Technologies (WWT), einen
netische Möglichkeiten, um die Drohne frühzeitig abzu- Systemintegrator aus den USA. Das Unternehmen ist in
fangen. Deutschland eher unbekannt, ist jedoch der zweitgrößte
Systemintegrator für Cisco mit über zehn Milliarden US
Wie stellt ihr es technisch an, den Luftraum be- Dollar Umsatz.
stimmter Bereiche zu schützen?
Wir nutzen Sensoren wie Frequenzscanner, Kameras Wie ist es Euch als jungem Startup gelungen, so
oder Mikrofone. Zunächst analysieren wir Funkfrequen- einen Big Player am Markt für Euch zu gewinnen
zen, denn jede Drohne korrespondiert mit einer Fern- und mit ihm eine weltweite Distribution aufzu-
steuerung auf dem Boden. Diese erfassen und orten wir. bauen?
Zudem scannen wir den Himmel mit Kameras. Dabei ar- Wir mussten wirklich viele Gespräche führen und
beiten wir mit Mustererkennung, um Drohnen von Vö- viele potenzielle Partner haben uns nicht mal angehört.
geln oder Helikoptern zu unterscheiden. Zusätzlich nut- In den USA ist die Unternehmensstruktur anders als in
zen wir Mikrofone und Radarsysteme. Deutschland: Ein typisches Startup in Deutschland hat

ne GmbH neun Ingenieure und einen Vertriebler. In den USA sind


Dedro
Die Dedrone-Gründer
eine Und wie wehrt man Drohnen ab? es neun Vertriebler und ein Ingenieur. Der Fokus liegt auf
r c ke r unter sich: Dr. Ingo See-
e n -A bweh D r o neTra ndige Das Abwehren ist relativ einfach: Jamming, Fachbe- dem frühen Kundenzugang. Die Unternehmen, die von
rohn ollstä
bach, Jörg Lamprecht
dem
he: D et mit und v tion und griff für eine Signalstörung, gibt es schon seit 50 Jahren. Anfang an ein starkes Sales-Team aufbauen, werden zu-
Branc rone biet tegrierte
und Rene Seeber
ika
Ded , in entif Es wird zumeist verwendet, um Handysignale zu stören,
m a t ische n n u ng, Id
auto e
ur Erk . kann aber auch für Drohnen zuverlässig eingesetzt wer-
orm z en er,
Plattf on Drohn Seeb den. Dadurch wird die Drohne von ihrer Bodenstation
e h r v c h t , Rene
Abw pre entkoppelt und zur Landung oder zum Umkehren ge-
g Lam
n d e r: Jör c h zwungen. Diese Technologie ist nicht neu, aber sehr wir-
Gr ü a
Seeb 15
Ingo r: 20 s,
kungsvoll.
j a h nture
r ü n d ung s
, F e li cis Ve
G r: 8 0 res
beite Ventu Welche Plätze sind aus eurer Sicht besonders
M i ta r n : M enlo ollar schützenswert?
tor e rs US-D
Inves n Chambe illio n e n
Jeder, der einen Zaun hat, hat ihn aus einem be-
Joh : 28 M
i o n s höhe stimmten Grund: Ich möchte nicht, dass Menschen
ti t
Inves rone.com
Foto: Dedrone

über mein Grundstück laufen und irgendetwas tun. Da-


R L : ded
U her brauchen wir ein Äquivalent zum Zaun für die Luft.
o
y heet .i Und natürlich gibt es potenziell kritische Ziele wie Atom-
red b
powe kraftwerke, Wasserdämme oder Wasservorratsspeicher.

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DROHNEN
∆Ich wusste immer, RUBRIK

meist auch erfolgreich. Unternehmen, die sich zu sehr


auf ihr Produkt und ihre Technologie konzentrieren, lau-
verkaufen. Diese Zwischenzeit muss finanziert werden.
Skalieren ist teuer, wenn man es zügig machen will. Die
„Es ist nur eine Frage was ich werden wollte:
fen Gefahr, in Schönheit zu sterben. Es muss ein starker deutschen Unternehmen lassen sich dafür ja gerne mal der Zeit, bis es auch
Hands-on-Vertrieb dabei sein. hundert Jahre Zeit. In den USA muss das schneller gehen.
große Vorfälle gibt“ mein eigener Chef.
Wer sind eure Investoren und wonach selektiert Euer Pricing beginnt bei 7000 Euro. Wie groß
ihr diese?
Unsere erste Seed-Runde war 2015 in Deutschland.
können Projekte werden?
Die großen Projekte liegen im Bereich von 20 bis 30 zu machen und vor allem erwerbbar. Nimm eine Droh-
Mit einer KfW-Förderung
Mit diesem Geld haben wir einen Prototypen gebaut, Millionen, wobei die durchschnittliche Größe ungefähr ne und hänge eine Flasche Coca Cola drunter, zeichne für Gründer.
um damit in die USA zu gehen. Ab Januar 2016 haben 150.000 bis 200.000 US-Dollar beträgt, beispielsweise noch ein Giftzeichen darauf und fliege damit in ein Stadi-
wir dann im großen Stil Investoren im Silicon Valley ab- bei Stadien oder großen Headquarters. Aber es geht auch on. Wenn Du die Cola dann über die Menschen sprühst,
geklopft. Im Mai 2016 haben wir dann eine Series A mit kleiner: Mit einzelnen Sensoren kann man schon viel ma- reicht das, um Panik entstehen zu lassen.
Menlo Ventures über zehn Millionen US-Dollar abge- chen
schlossen. Menlo Ventures ist einer der Top 10 VCs im Wie hat sich die Welt der Drohnen verändert, seit
Silicon Valley mit einem Wahnsinns-Track-Record – un- Was sind aus deiner Sicht eigentlich die größten ihr Dedrone gegründet habt?
ter anderem sind sie Investor von Uber und Siri. Im Fe- Interessenkonflikte in der Drohnenbranche? Du Als wir Dedrone gegründet haben, da war das gan-
bruar 2017 haben wir dann in der B-Runde 15 Millionen kennst ja beide Seiten. ze Thema noch Science Fiction. Dedrone war echt wie
US-Dollar von Felicis Ventures eingesammelt. Auch John Internet und Mobiltelefonie haben neu definiert, wie Star Wars. Doch nun vergeht kaum ein Tag, an dem nicht
­Chambers, der jahrelang CEO von Cisco war und heute wir Produkte wahrnehmen oder generieren. Ich bin über- irgendwo auf der Welt ein Vorfall mit einer Drohne ge-
im Aufsichtsrat sitzt, hat privat bei uns investiert. zeugt, dass Drohnen ähnlich beeinflussen werden, wie schieht. Sei es, dass eine Drohne einen Airliner beim Lan-
wir in Zukunft Logistik betreiben, Stadtentwicklung do- den hindert oder vor dem Weißen Haus abstürzt. Es ist
Somit habt in drei Jahren circa 28 Millionen kumentieren oder Daten aggregieren. Natürlich entsteht nur eine Frage der Zeit, bis es auch große Vorfälle geben
US-Dollar eingesammelt. Wofür investiert ihr ein Sicherheitsproblem, das man technisch lösen muss. wird. Schlaue Terroristen werden sich doch nicht mehr
das? Es gibt kein Gesetz der Welt, das eine Drohne aufhalten selbst in die Luft sprengen. Die nehmen lieber eine Droh-
Wir haben jetzt eine schlagkräftige Vertriebsorgani- würde, das zu tun, was sie tun will. Es gibt ja auch Geset- ne.
sation in den USA aufgebaut. Aber es dauert auch sechs ze gegen Einbruch, Diebstahl oder Mord, aber das Gesetz
bis neun Monate, bevor sie anfangen, das Produkt zu alleine langt nun mal nicht. Vor kurzem ist die neue Drohnenverordnung in
Kraft getreten. Wie stehst du dazu?
Elon Musk hat vor kurzem vor der Entwicklung Diese Gesetze sind in erster Linie ein Akt der Hilflo-
„Es gibt kein Gesetz der autonomer KIs gewarnt, gerade bei Kampfsyste-
men. Wie stehst du zu dem Thema?
sigkeit. Man muss aufpassen, nicht zu viele Gesetze zu er-
schaffen, die den Innovationszyklus beschränken. Wenn
Welt, das eine Drohne Wenn günstige Drohnen zehn Kilogramm tragen, ei-
nen Autopilot haben und autonom über ein paar Kilome-
man den innovativen Unternehmen Stolpersteine vor
die Füße wirft, dann geht an die Wirtschaftsleistung an
aufhalten würde das zu ter hinweg fliegen, dann können sie großen Schaden an-
richten. Terrormilizen werfen Handgranaten in Mossul
Deutschland vorbei.

tun, was sie tun will“ mit Hilfe von Drohnen ab. Ein ähnliches Szenario ist auch
in unseren Städten denkbar, denn das ist einfach, schnell
Also wäre ein Drohnenführerschein aus deiner
Sicht eher kontraproduktiv?
Eine Einweisung ist zielführend. Wir haben zwei Un-
ternehmen in Deutschland, die Lufttaxis herstellen, Lili-
Unliebsame Besucher haben mit Dedrone keine Chance.
um aus München und E-Volo aus Karlsruhe – das ist doch
geil! Da sind wir doch wirklich vorne dabei. Es gibt keine
anderen Unternehmen auf der Welt, die so weit sind wie
wir Deutschen. Aber trampelt jetzt nicht mit den Geset-
zen und Vorgaben darauf rum. Es ist ein schönes, nettes
Pflänzchen: gießen, liebhaben, wachsen lassen. Proak-
tiv begleiten, und wenn ich nur ein Testgelände in einem
dünn besiedelten Bundesland zur Verfügung stelle.

Mit welchen gravierenden Veränderungen rech-


nest du in den kommenden Jahren?
Grundsätzlich wird es von allem mehr geben: Mehr
Drohnen und mehr Applikationen für Drohnen. Zum Bei- Egal ob Sie ein Unternehmen neu gründen, als Nach-
spiel Lieferdrohnen, die autonom von A nach B fliegen.
folger übernehmen oder innerhalb der ersten drei Jahre
Der Luftraum ist ein völlig unbearbeitetes Feld mit un-
endlichem Raum für Innovation. Das stellt jedoch He­ erweitern: Als größte deutsche Förderbank unterstützt
rausforderungen an das Flugplan-Management und die die KfW Ihr Vorhaben mit staatlich geförderten Krediten.
Infrastruktur. Dabei geht es vor allem um das Sicherstel- Lassen auch Sie sich von der KfW fördern!
len der Kollisionsfreiheit. Das geht auch einher mit un- Mehr Informationen bei Ihrem Finanzierungspartner*
serer Wahrnehmung über autonom fahrende Systeme.
oder auf www.kfw.de/gruenden
Foto: Dedrone

Autonome Systeme werden Innovationstreiber für die


nächsten zehn Jahre.

58 berlinvalley.com berlinvalley.com 59
* Finanzierungspartner sind Geschä sbanken, Sparkassen, Genossenscha sbanken und
Direktbanken.
RUBRIK RUBRIK
DROHNEN

DROHNENSTARTUPS IM CHECK
Die Vielfalt auf
dem Drohnen-
markt ist aktuell
unerschöpflich.

Drei Experten
haben neun
Drohnenstart­
ups inspiziert: Spherie
Branchenzweig: 360-Grad-Aufnahmen
Flynex
Branchenzweig: 360° Aufnahmen
Dotscene
Branchenzweig: Erstellung von
Flyability
Branchenzweig: Kollisionssicherung
Skysense
Branchenzweig: autonome
Drone Rescue Systems
Branchenzweig: Absturzsicherung
Gründer: Nicolas Chibac und ohne Retusche 3D-Landschaftsmodellen an schwer zugänglichen Stellen Ladestationen Gründer: Andreas Ploier, CEO und
Jonathan Hesselbarth Gründer: Nicolas Chibac und Gründer: Nicolas Trusch, Maryan Gründer: Patrick Thevoz, Adrien Briod Gründer: Andrea Puiatti Markus Manninger, CTO
Gründungsjahr: 2016 Jonathan Hesselbarth Wieland, Andreas Wachaja, Michael Gründungsjahr: 2013 Gründungsjahr: 2014 Gründungsjahr: 2016
Standort: Hamburg Gründungsjahr: 2016 Juhnke, Wolfram Burgard Standort: Lausanne, Schweiz Standort: Berlin Standort: Graz, Österreich
Mitarbeiter: 12 Standort: Hamburg Gründungsjahr: 2016 Investoren: ETF Partners, Investoren: Qualcomm Ventures, Investoren: Dr. David Kasper
Investoren: IFB Förderung, Mitarbeiter: 12 Standort: Freiburg i. Br. Bettina Buechel, MKS Techstars, Angels Mitarbeiter: 6
eigenfinanziert Investoren: IFB Förderung, Investoren: eigenfinanziert Mitarbeiter: 50 Mitarbeiter: 7 dronerescue.com
spherie.net eigenfinanziert Mitarbeiter: 8 flyability.com skysense.co
flynex.de dotscene.com

Die Gründer von Spherie haben Film- Flynex befähigt Unternehmen mit- Dotscene entwickelt 3D-Lasersenso- Flyability hat die kollisionstoleran- Skysense hat die erste autono- Drone Rescue Systems entwickelt
Know-how mit fortschrittlicher Droh- tels modularer Software, Drohnen ren, die mittels Drohnen präzise und te Drohne Elios entwickelt, die für me Ladestation für Drohnen entwi- autonome Rettungsfallschirme für
nentechnologie zusammengeführt automatisiert und skalierbar für ge- kosteneffizient Immobilienbestän- Inspektion und Erforschung unzu- ckelt. Diese ermöglicht es Unterneh- Drohnen, der Stürze bremst und
und zum internationalen Patent an- werbliche Datenanwendungen ein- de, Infrastruktur und ganze Stadttei- gänglicher Orte entwickelt wurde. men, eine Vielzahl von Drohnen ohne Drohnen bei Systemausfällen sanft
gemeldet. Das innovative Konzept zusetzen. Dabei werden Drohnen in le scannen. Das Startup liefert seinen Elios verfügt über einen Rahmen aus menschliches Eingreifen aufzula- auf dem Boden absetzt. Die Strom-
bietet ein stabiles Flugverhalten mit Wertschöpfungsketten und beste- Kunden aus Immobilienwirtschaft Carbonfaserstruktur, kollisionstole- den. So können kommerzielle Droh- versorgung läuft autonom und funk-
einem 360-Grad-Blickfeld, ohne stö- hende Prozesse integriert. So lie- und Baugewerbe 3D-Modelle vom rant bis zu 15 Kilometer pro Stunde. nen eingesetzt werden, um Prozesse tioniert bei einem Totalausfall zuver-
rende Teile des Trägersystems zu fil- fert das Startup operative Unter- Boden und aus der Luft. Die techni- Die Drohne entfaltet ihr Potenzial in in Logistik, Industrie oder Handwerk lässig. Niedrige Flughöhen unter acht
men. So wird das Erlebnis für den Be- nehmenssoftware für Planung, Flug sche Innovation ist der mobile La- schwer zugänglichen Orten, wo der zu automatisieren. Die Flugzeit von Metern kann der Fallschirm auffan-
trachter maximal immersiv und der sowie Analyse und verknüpft diese serscanner Dotcube 600k sowie eine Einsatz bisher zu gefährlich oder ein- Drohnen wird auf diese Art ohne ma- gen. Eine Blackbox-Funktion bietet
Aufwand in der Postproduktion mi- mit dem Ziel branchenspezifischer cloudbasierte Software zur Daten- fach unmöglich war. Der Einsatz der nuelles Eingreifen maximiert. Sky- in Versicherungs- und Haftungsfra-
nimiert. Bis zum finalen Schnitt er- Datenanalyse. Luftfahrtkenntnisse, prozessierung. Die Ergebnisse wer- Drohne reduziert Risiken, Kosten und sense ist mit der Mehrheit kom- gen Antworten. Das System kann auf
stellen die Mitarbeiter dabei jeden eigene Flotten oder Piloten werden den in dreidimensionale CAD-Model- infrastrukturelle Ausfallzeiten in der merzieller Drohnen auf dem Markt jeder gängigen Drohne angebracht
Daniel Höpfner Arbeitsschritt. Kunden finden sich in nicht benötigt. Die frei zugängliche le übertragen und in den Workflow Industrie. Arbeiter müssen keine ge- kompatibel und einfach zu bedienen. werden, zeichnet sich durch ein ge- Christian Ziach
B10 Venture Capital der Automobilbranche, Städtepla- Luftraumkarte Map2Fly visualisiert des Kunden integriert. So bietet das fährlichen Orte aufsuchen und die Weltraumorganisation NASA und ers- ringes Gewicht (circa 280 Gramm) High-Tech Gründerfonds

Foto: Flyability, Skysense, Drone Rescue Systems, HTGF


Investitionen: Enway, Get it nung, Entertainment und Touristik. die komplexen rechtlichen Rahmen- Startup seinen Kunden das Potenzial Foto: Spherie, Flynex, Dotscene, b10 | Venture Capital Inspektion von Rohrsystemen oder te Kunden zeigen sich überzeugt. In- aus und ist wiederverwendbar. Mit Investitionen: Egym, Next Kraft-
done, Fliit, Carjump Spherie ist eine Innovation, die mit bedingungen zur Luftraumnutzung von Industrie 4.0, BIM (Building Infor- komplexen Gebäudestrukturen ist teresse bekunden außerdem Unter- seiner Lösung richtet sich das Unter- werke, Heliatek, Nfon, Fazua und
heutigem Stand nicht reproduziert und hilft mittlerweile mehr als 60.000 mation Modeling) und Digitalisierung eine Frage von Stunden. Das modula- nehmen aus Industrie und Logistik nehmen an Endnutzer und zum di- mehr.
Daniel Höpfner ist Gründer des werden kann. Piloten. mit intuitiver Bedienung via App. re Design ist individualisierbar. sowie Regierungen. rekten Einbau an Drohnenhersteller.
Berliner Investors b10. Zusam- Christian Ziach ist Invest-
men mit Henri Kühnert inves- ment-Manager beim HTGF und
tiert er in (Pre-)Seed Start-ups Die aufgenommenen Bilder sehen Flynex ist das Google Maps für die Durch die manuelle Steuerung der Schwer zugängliche Infrastruktur Eine einfache, attraktive Lösung zum Eine interessante Technologie, die für bringt Expertise aus seiner Tä-
und unterstützt diese mit ei- beeindruckend aus und die Technik 3D-Navigation von Drohnen. Das ist Drohnen ist das Business schwer kann bei Wartungsarbeiten schnell Aufladen einer Vielzahl von Drohnen. große Drohnen attraktiv ist. Bei klei- tigkeit beim Deutschen Zen­
nem Team aus Experten in HR, scheint gut zu funktionieren. Das Bu- ein großer Markt, da theoretisch je- skalierbar, da jede Drohne mindes- und einfach inspiziert oder schwer Da sich in Zukunft immer mehr Un- neren Drohnen wird sich die Nach- trum für Luft- und Raumfahrt so-
Finance, Design, PR und Legal siness ist projektorientiert, bietet je- der Player in dieser Industrie mit Fly- tens einen Mitarbeiter bindet. Die Li- beschädigte Gebäude im Falle von ternehmen für den Einsatz von Droh- rüstung negativ auf die Nutzlast aus- wie der Bundeswehr im Bereich
beim erfolgreichen Aufbau der doch begrenzte Wachstumsmöglich- nex zusammenarbeiten kann. Des- dar-Sensoren sind Industriestandard. Naturkatastrophen nach Verletzten nen entscheiden werden, liefert Sky- wirken. Da Fallschirmlösungen für Hardware & Automation ein. Au-
Startups. keiten. Für Venture Capital deswegen wegen glaube ich stark daran. Die Die Frage ist, ob künftig Satelliten abgesucht werden. Flyability bietet sense einen elementaren Baustein Drohnen und Fail-Safe Algorithmen ßerdem ist er Startup-Mentor
eher wenig interessant, können die entscheidenden Fragen bleiben diese Aufgaben übernehmen? Ein mit seiner kollisionstoleranten Droh- zur Automatisierung von Drohnenflü- in Autopiloten bereits existieren, ist für einen Inkubator der Europä-
beiden Gründer ohne zusätzliche In- aber: Wer genau ist der Kunde und Fokus auf Software zur Verwertung ne viele neue Anwendungsmöglich- gen. Interessant für zukünftige Flot- insbesondere das USP der Technolo- ischen Raumfahrtorganisation.
vestoren wohl gesund wachsen. warum nutzt er das? der Daten wäre interessant. keiten und hat klar Marktpotential. tenbetreiber von Drohnen. gie wichtig für den Markterfolg.

60 berlinvalley.com berlinvalley.com 61
RUBRIK RUBRIK

DROHNENSTARTUPS IM CHECK

Skynamic Multirotor Volocopter


Branchenzweig: stabile Luftaufnah- Branchenzweig: Ersatzteillieferung Branchenzweig: Personentransport
men für Filmproduktionen Gründer: Oliver Knittel, Volker Ro- Gründer: Stephan Wolf und Alexan-
Gründer: Gabriel Manz, Julian Glöck- senblatt der Zosel
ner, Ferdinand Wolf Gründungsjahr: 2008 Gründungsjahr: 2011
Gründungsjahr: 2013 Standort: Brieselang & Berlin Standort: Bruchsal
Standort: Mainz Investoren: eigenfinanziert Investoren: Daimler, Lukasz Gadowski
Investoren: eigenfinanziert Mitarbeiter: 20 Mitarbeiter: 40
Mitarbeiter: 6 multirotor.net volocopter.com
skynamic.net

Skynamic schließt die Lücke zwi- Logistik ist für Unternehmen ein Die Volocopter-Drohne ist das mo-
schen Hubschrauber und Kame- entscheidender Wettbewerbsfak- dernste Fortbewegungsmittel welt-
ra-Kran bei Filmaufnahmen. Wo tor. Multirotor bietet als Alternative weit. Das Unternehmen ist führend
für gewöhnlich aufwendige Kame- zum Standardtransport von Waren bei der Entwicklung von senkrecht
rafahrten gefragt sind, kommt der die schnelle Lieferung und Abholung startenden, elektrischen Multikop-
Oktokopter des Startups zum Ein- per Drohne aus der Luft. Die Anwen- tern für den Personentransport.
satz. Von großen Höhen bis nah an dungsgebiete sind innerbetrieblicher Die technische Plattform ist flexi-
den Protagonisten oder ein fahren- Transport sowie die Verteilung von bel und unterstützt ferngesteuerten
des Auto. Die Spezialanfertigungen Gütern. Im Ersatzteiltransports füh- und autonomen Flugbetrieb. Bereits
ermöglichen es dem Anwender, be- ren Ausfälle von Maschinen so nicht 2011 schrieb das Unternehmen Luft-
sonders große und schwere Kino-Ka- mehr zu Produktionsausfällen und fahrtgeschichte mit dem bemann-
meras zu fliegen, die auf Kunden- Umsatzeinbußen. Die Drohnen flie- ten Flug des weltweit ersten, rein
wunsch mit einer Vielzahl an Optiken gen autonom auf einer Fläche bis zu elektrischen Multikopter. 2016 er-
Waldemar Jantz bis zu einem Gesamtgewicht von 20 4.000.000 Quadratmetern. Mit einer hielt Volocopter die vorläufige Ver-
Target Partners Kilogramm ausgestattet werden kön- redundanten Auslegung der Ektronik kehrszulassung durch die deutsche
Investitionen: Abusix, Dedrone, nen. Dennoch ist die Drohne auch sowie Motoren und Akkumulatoren Luftfahrtbehörde für einen Zweisit- Foto: Skynamic, Multirotor. Volocopter, Target Partners
Finanzchef24, Gpredictive, Quo- unter hoher Belastung in der Lage, wird den Kunden ein leistungsfähiger, zer-Volocopter. Im Jahr 2018 soll der
byte, Sicoya und mehr. das Geschehen dynamisch und stabil flexibler und vor allem sicherer Droh- erste Volocopter mit Zulassung auf
aufzuzeichnen. nenflug gewährleistet. den Markt gebracht werden.
Waldemar Jantz hat über 30
Jahre Erfahrung im Venture-Ca-
pital-Geschäft in Deutsch- Es existiert ein Markt, auf dem sich Transport-Drohnen für die „letzte Personen-Drohen erfahren großes
land und den USA. Gemein- zahlreiche Unternehmen tummeln, Meile“ werden heiß diskutiert, sind in Interesse. Allerdings ist die Frage
sam mit seinen Partnern von denen sich Skynamic klar un- der Umsetzung aber schwierig. Auf der Luftraumüberwachung noch un-
Berthold von Freyberg, Kurt Mül- terscheiden muss. Eine Differen- öffentlichen Flächen gibt es regula- geklärt. Ich sehe Anwendungen au-
ler und ­Michael Münnix finan- zierung ist das Fliegen von schwe- torische Fragen. Bisher müsste man ßerhalb des dicht besiedelten West-
ziert er junge Tech-Startups mit ren Kino-Kameras; die Frage ist, wie jeden Flug bei der Flugsicherung an- europas. Als Alternative zu Auto und
B2B-Fokus in der Frühphase und nachhaltig dieser Vorteil ist. das melden. Einsätze auf Firmengelän- Kleinflugzeug existiert wahrschein-
unterstützt sie beim Wachstum. Wachstumspotenzial eines solchen den sind möglich, aber kompensiert lich bereits ein Markt in den USA, im
Spezialanbieters ist eher begrenzt. die Schnelligkeit auch die Kosten? Mittleren Osten oder China.

62 berlinvalley.com berlinvalley.com 63
VENTURE DAILY

„Elon Musk
läuft mir ständig
über den Weg“
Kristin Moellering ist verantwortliche Redak-
teurin für den Startup-Newsletter Venture
Daily. Im Interview spricht sie über unkriti-
sche Medien, große Finanzierungssummen
und News zum Mitfiebern
Das Gespräch führte Anna-Lena Kümpel.

Kristin, was ist Venture Daily? blieben. Mitte Juli kam die Meldung, dass knapp 200 Mit-
Venture Daily ist ein Newsletter über das Start­up- arbeiter entlassen werden müssen. Zwei Wochen später
Ökosystem, Innovation und Digitalisierung. Wir kuratie- hieß es dann, dass die gesamte Finanzierung vermut-
ren werktäglich News aus mehr als 100 Quellen und fil- lich nur noch bis zum vierten Quartal reicht. Und so ging
tern alles heraus, was für Startup-Enthusiasten wichtig es weiter, bis die rettende Meldung kam, dass der CEO
ist. Das ist in der Quantität und auch in der Güte der Re- ausgetauscht wird und die Temasek Holding und Raine
cherche einzigartig. Group investieren.

Wie unterscheidet sich Venture Daily von ande- Welche Menschen und Firmen begegnen dir im-
ren Newslettern zum Thema? mer wieder?
In Deutschland gibt es einige Newsletter von den Elon Musk läuft mir ständig über den Weg. Was er
Startup-Medien. Die meisten von ihnen verweisen aber macht, fasziniert mich genauso wie den Rest der Tech-
nur auf den eigenen Content. Venture Daily bietet eine Welt, weil seine Projekte ebenso gigantisch wie wahnsin-

L L E R INGdes umfassendere Perspektive: Wir verlinken den Content von nig sind und gerade deshalb so spannend. SpaceX, Hyper­

MOE Redaktion de-


allen relevanten nationalen und internationalen Quellen. loop, Neurolink, mit dem er das menschliche Gehirn mit

R I S T IN ber 2016 die ist selbst Grürnade einer künstlichen Intelligenz verbinden möchte – das
K eit Novem Daily. Sie Team ge
s
Wie lange machst du das schon? ist wirklich beeindruckend, visionär und bleibt hängen.
leitet ers Ventur
e rem ein- Angefangen habe ich vor ziemlich genau einem Aber auch von den großen VCs, vor allem von Softbank
tt s a m mit ih man gem
s le in e r Jahr. In einer dreimonatigen Anfangsphase haben wir
New geme App, mit d en kann. und Andreessen Horowitz, nehme ich viel wahr. Und na-
d hat e ör
rin un ncht – ein n Musik h Venture Daily im Verlag NKF Media konzipiert. Da ha- türlich ist auch Uber beinahe omnipräsent – sowohl mit
g e la u n c h ro ben wir viele Designs, die Quellen, das Recherchesys- negativen als auch positiven Meldungen: Man denke an
Dō eitsy
xakt z
sam e aily.com tem und verschiedene Rubriken getestet und uns immer den Sexismus-Skandal, an die fast filmreif inszenierte Su-
red
ventu wieder Feedback geholt. che für die Nachfolge von Ex-CEO Travis Kalanick oder an
die gigantischen Finanzierungsrunden.
Du scannst also seit einem Jahr jeden Tag, was in
der Startup-Szene los ist. Welche News bleiben Aus welchen Branchen kommen besonders vie-
Foto: Florian Stein

dir in Erinnerung? le News?


Das sind gar nicht so sehr die Mega-Finanzierungs- Das Thema Mobility ist aktuell ganz groß: autonomes
summen, eher die News, die sich wie Episoden einer Se- Fahren, Sharing, E-Mobility. Das scheint auch mit den
rie lesen. Wo man wirklich mitfiebert, wie das ausgeht. Diesel-Skandalen zusammenzuhängen. Vor Kurzem erst
Soundcloud beispielsweise ist mir gut in Erinnerung ge- hat Lilium 90 Millionen Dollar für seine Passagier-Droh-

64 berlinvalley.com berlinvalley.com 65
VENTURE DAILY

ne bekommen, Daimler hat in Volocopter und in Clever- wie der Mensch mit Tech-Gadgets umgeht, völlig revolu-
shuttle investiert. Auch das Thema Kryptowährungen tionieren. Das Mini-Display der Apple Watch könnte zum
kommt häufig vor. Hier werden etablierte Strukturen in Beispiel dazu führen, dass Menschen zukünftig mehr via
der Finanzwelt gehackt, das ist sehr spannend. Das Phä- Voice-Interfaces kommunizieren. Wir müssen damit kri-
nomen ist sehr jung und wahnsinnig disruptiv. Innerhalb tisch umgehen.
von wenigen Jahren entwickelte sich beispielsweise der
Bitcoin von einem Nischen-Phänomen zu einer ernsthaf- Es gibt in Venture Daily unter anderem die Kate-
ten Investitionsmöglichkeit. Da war und ist immer viel gorie Investments und Exits. Wann ist ein Invest­
Dynamik. Alleine seitdem ich für die Redaktion von Ven- ment relevant?
ture Daily verantwortlich bin, konnten wir beobachten, In Deutschland liegt der magische Wert bei einer
wie der Bitcoin von 600 Euro auf fast 4.000 Euro gestie- Million Euro. Das sind eher die Later-Stage-Investments.
gen ist. Und wie er nach dem Handelsverbot in China ab- Wir berichten aber auch über Newcomer, die einen ho-
stürzte und sich gerade wieder stabilisiert. Das finde ich hen sechsstelligen Betrag eingesammelt haben. Wenn die
sehr spannend. Aber Mobility und Kryptowährung sind Gründungsidee dann noch wirklich innovativ oder sozial
nur zwei von vielen Trends, die momentan diskursrele- relevant ist, bereitet mir das auch persönlich große Freude.
vant sind. Auch Fintech, Insurtech und Proptech tauchen
immer wieder auf. Wir arbeiten gerade daran, diese Bran-
chen mit spezialisierten Newslettern zu bedienen.

Du liest jeden Tag Meldungen von mehr als 100


„Die Good Reads
Medien – welche sind die wichtigsten für dich? sind etwas
grotesk-bizarre
Techcrunch berichtet sicher am breitesten, hier fin-
de ich News aus fast allen Branchen und Regionen, auch

Dinge, die keinen


aus Indien, China oder Südamerika. International sind
auch The Verge, Mashable, Engadget und Wired wichtig.
Ich mag aber auch The Guardian und The Atlantic, weil
man hier auch öfter eine kritische Sicht der Dinge zu le- News-Charakter
sen bekommt. Technologische und wirtschaftliche Ent-
wicklungen werden meist tiefgehend und umfassender haben müssen“
betrachtet, vor allem, was ihre soziokulturellen Folgen
anbelangt.

Hast du das Gefühl, dass in Tech-Medien unkri- Und international?


tisch gehypt wird? Im internationalen Kontext gelten bei Finanzie-
Oft, ja. Gerade bei News zu den großen Playern wie rungssummen etwas andere Maßstäbe, da geht es im
Facebook oder Apple. Was hier teilweise als Innovation Grunde genommen erst bei 50 Millionen Dollar los. Ne-
dargestellt wird, ist eigentlich nichts Bahnbrechendes. ben der Summe spielt auch der Investor eine Rolle. Wenn
Bei dem Release des iPhone X beispielsweise haben Me- jemand wie Andreessen Horowitz investiert, ist das für
ein Startup ein Ritterschlag. Das deutsche Pendant dazu
wäre wahrscheinlich der operative VC Project A.

„Wir berichten auch


Gegen Ende des Newsletters gibt es immer die
Good Reads. Wie wählst du die aus?

über Newcomer in Das ist eigentlich meine Lieblingskategorie. Die


Good Reads sind etwas grotesk-bizarre Dinge, die kei-

Deutschland, die einen nen News-Charakter haben müssen, so etwas wie „Ali-
baba-CEO Jack Ma imitiert Michael Jackson“. Ich stolpere

hohen sechsstelligen bei der Recherche ständig über solche auffälligen News
mit Tendenz zur Satire. In den Good Reads gibt es dann

Betrag eingesammelt auch die Interviews oder Features zu verschiedenen The-


men. Hier kommen vor allem auch Dinge vor, die mir per-

haben“ sönlich wichtig sind. „Diese zehn Gründerinnen sollten


Sie kennen“ zum Beispiel.

Welche Artikel werden am meisten geklickt?


Je verrückter, desto besser. Aber Elon Musk geht
dien fast ausschließlich über die technischen Neuheiten wirklich immer gut. Und die Mega-Investments.
des neuen iPhones berichtet. Überall erschienen Artikel
zum randlosen Display oder zur Facescan-Technologie, Ihr startet immer mit einer Top-Story. Wie ent-
über die das iPhone X verfügt. Die eigentliche Innovati- scheidet ihr, welche News es nach oben schaffen?
on, eine LTE-basierte Apple Watch, die auch ohne iPhone Da geht es um Relevanz. Meistens stehen große Na-
auskommt, trat medial völlig in den Hintergrund. Dabei men oder große Zahlen oben – im Idealfall beides. Etwas
könnte sie das digitale Ökosystem und die Art und Weise, Nischiges kommt da selten vor.

66 berlinvalley.com
STARTUP-NEWSLETTER

INTERNATIONAL
Launch Ticker
Der Newsletter informiert zweimal täglich über das Wichtigste aus
der Tech-Szene. Auf jeweils maximal 300 Zeichen kuratiert das
Launch-Ticker-Team die Top-Storys aus allen relevanten Quellen der
Tech-Welt und schickt sie vormittags und nachmittags an seine Leser.
launchticker.com

Techstars Startup Digest


Der wöchentliche Newsletter von der Community für die Community
ist personalisiert für mehr als 300 Städte. Um relevante Inhalte und
Insider-Wissen zu bieten, arbeitet das Startup-Digest-Team mit Mit-
gliedern des jeweiligen lokalen Startup-Ökosystems zusammen.
startupdigest.com

Quartz Daily Brief, Quartz Obsession & Quartzy


Quartz, die digitale Wirtschafts- und Tech-Publikation von Atlantic
Media, wartet gleich mit mehreren spannenden Newslettern auf:

Der Daily Brief macht den Blick weit für die Weltwirtschaft und lie-
fert jeden Morgen die wichtigsten und interessantesten Nachrichten

Die besten
VentureCapital Magazin direkt ins Postfach.
Das Portal für Investoren und Entrepreneure. Der wöchen­ qz.com/daily-brief
tlich erscheinende Newsletter „Private Equity Flash“
informiert über Neuigkeiten aus der Private-Equity-­ Quartz Obsession ermöglicht werktägliche Gedankensprünge in die

Startup-Newsletter
Branche, aktuelle Marktentwicklungen, wichtige Termine faszinierendsten Ecken von Wirtschaft, Wissenschaft und Techno-
und neue Beiträge des VC Magazins. logie. Jede Ausgabe beschäftigt sich mit einem einzelnen Nachrich-
vc-magazin.de tenthema und erklärt dessen historische, kulturelle und ökonomi-
sche Relevanz – ob Quantenphysik, Polyester oder Bitcoin-Mining.
Internet World Business Das ungewöhnliche Format spielt mit interaktiven und Multimedia-­

Venture Daily präsentiert die wichtigs- Das B2B-Magazin „Internet World Business“ kennt sich
in der digitalen Wirtschaft bestens aus. Zweimal täglich
Elementen.
qz.com/quartz-obsession

ten Startup-Nachrichten des Tages. Wem versorgt der Newsletter seine Abonnenten mit den wich-
tigsten Branchen-News rund um E-Commerce, Mobile- Beim Lifestyle-Ableger Quartzy hingegen dreht sich alles um das

das noch nicht langt, der findet hier weitere und Online-Marketing, Social Media und Mobile-Technik.
internetworld.de/newsletter
gute Leben. Quartzy bietet wöchentlich eine individuelle Auswahl an
Fundstücken aus Kunst, Kultur, Mode und Essen.

Newsletter-Empfehlungen Gründerszene
qz.com/quartzy

Das Online-Magazin der Startup-Szene fasst sechsmal die Anand Sanwal/CB Insights
Von Daniela Rattunde und Michelle Schwarzkopf Woche alle Top-Themen, Jobs und Events der Szene zu- Der Datenexperte unter den Newslettern. Mehr als 300.000 Abonnen-
sammen. ten nutzen bereits die Diagramme und Auswertungen des New Yor-
gruenderszene.de/p/newsletter ker Tech-Unternehmens, um auf dem Laufenden zu bleiben oder tie-
fer in die Tech-Welt einzusteigen. Anand Sanwal kombiniert hartes
NATIONAL D64 – Zentrum für Digitalen Fortschritt Faktenwissen mit einem unnachahmlichen Ton aus Humor und einer
D64 versteht sich als Denkfabrik des digitalen Wandels. Prise Respektlosigkeit.
Der Spiegel: Startmenü Horizont: Tech Leitgedanke ist die Frage, wie das Internet eine gerech- cbinsights.com/newsletter
Im breiten Newsletter-Spektrum des Nachrichtenmaga- Seit Februar 2017 hat auch das Fachmagazin Horizont ei- te Gesellschaft fördern kann. Entsprechend bringt der
zins Der Spiegel ist „Startmenü“ die richtige Wahl für alle nen eigenen Tech-Newsletter im Angebot. Jeden Werktag D64-Ticker von Montag bis Freitag Aktuelles aus der Di- Fortune: Term Sheet
Techies. Immer montags um 16 Uhr informiert Startmenü pünktlich zur Mittagspause hält „Tech“ seine Leser über gitalszene mit News aus dem politischen Umfeld zusam- Im Newsletter-Portfolio von Fortune ist Term Sheet die Adresse für
darüber, was die Tech-Welt bewegt. Experten aus der Re- alle wichtigen Entwicklungen des Vormittags auf dem men. alle wichtigen Deals und Deal-Maker. Redakteurin Polina Marinova
daktion von Der Spiegel und Spiegel Online schreiben im Laufenden. Die Themen reichen von Adtech über Start­ d-64.org berichtet täglich über die wichtigsten VC- und Private-Equity-Deals
Wechsel über aktuelle Events, neue Apps und Gadgets, ups bis Virtual Reality. und bettet sie in den breiteren wirtschaftlichen Kontext ein.
Netz-Hypes und Lesenswertes von anderen News-Seiten. horizont.net/newsletter Finletter fortune.com/tag/term-sheet
spiegel.de/newsletter Bei Finletter dreht sich alles um Fintech. Jeden Freitag
t3n erscheinen die Finletter, in denen die News der Woche Founder Weekly
Wired Germany: Daily Bits Das Magazin für digitales Business und Zukunftstechno- aus der Fintech-Branche zusammengefasst sind. Zu den Wissenswertes vom Entrepreneur für Entrepreneure: Wöchentlich
In den Daily Bits werden jeden Morgen die wichtigsten logien schickt seinen Newsletter-Abonnenten zweimal Abonnenten zählen insbesondere Finanzunternehmen, kuratiert Rahul Chaudhary Must-reads, How-to-Guides, Tipps und
News zu aktuellen Trends und Innovationen aus den Be- wöchentlich die besten t3n-Artikel ins Postfach. Dazu der Newsletter ist aber so geschrieben, dass er auch für Tricks, Buchempfehlungen und mehr für Unternehmer. Founder
reichen Technologie, Wirtschaft, Politik und Kultur auf- gibt’s Hinweise auf besondere Aktionen und Gewinn- Interessierte aus anderen Bereichen wie Kommunikation Weekly erscheint jeden Mittwoch.
gegriffen und vertieft. spiele. oder Beratung relevant ist. founderweekly.com
newsletter.wired.de t3n.de/store/newsletter finletter.de

68 berlinvalley.com berlinvalley.com 69
D
COVER STORY COVER STORY

u stammst eigentlich aus Süddeutschland, am Freitagmorgen angefangen. Quasi mit Betreten des
Christian Vollmann prägt seit Jahren die deutsche lebst aber seit 2001 in Berlin. Was hat dich
hergeführt?
Raums kam Oli zu mir und meinte: „Hier ist dein Tisch.
Hier sind ein paar CDs. Gleich kommt ein Mann durch
Startup-Szene. Der Business Angel of the Year 2017 Aufgewachsen bin ich in einem kleinen
Dorf in der Nähe von Bamberg. Ich habe an
die Tür und wenn der fragt, was du machst, antwortest
du, dass du Content Manager Music bist und für Ange-
über seinen Weg nach Berlin, Entscheidungen der Otto Beisheim School of Management
(WHU) in Vallendar studiert und kam für ein
bot und Nachfrage im Musikbereich sorgst.“ Der Mann,
der durch die Tür kam, war Pierre Omidyar von Ebay und

zum richtigen Zeitpunkt und warum er ohne Praktikum nach Berlin. Beides war eher ein
Zufall. Ich wollte eigentlich Kinderarzt wer-
es war der Tag, an dem Ebay Alando gekauft hat. Das
Team bestand ja nur aus neun Leuten. Und ohne meinen

Oliver Samwer hier nicht stehen würde den und absolvierte 1996 meinen Zivildienst in einer Kinderkli-
nik. Dabei habe ich mir das Handgelenk gebrochen und konnte
Kommilitonen und mich hätte das Büro zu leer ausgese-
hen. Die Phase bei Alando war auf jeden Fall ein echter
drei Monate nicht arbeiten. Aus dieser Langeweile heraus habe Eye-Opener. Unterbewusst hatte ich sofort verstanden:
ich dann beschlossen, zusammen mit einem Freund eine Fir- Internet will change everything. Glück und Intuition sind
ma zu gründen. Wir haben uns HTML beigebracht und Websei- eng verbandelt.
ten verkauft. Dabei habe ich entdeckt, dass mir das Verkaufen
mehr Spaß macht als das Programmieren. Dadurch ist dann die
Erkenntnis gereift, dass ich vielleicht doch besser BWL studieren
sollte. Dazu muss ich allerdings anmerken, dass der Klinikalltag
„Oliver Samwer
auch wirklich grauenvoll war.
war jahrelang ein
Dann also zum Studium an die WHU?
Auch eher ein Zufall. Eigentlich hatte ich mir das ESB-Reutlin-
Mentor für mich“
gen-Programm ausgesucht, wo du irgendwie zwei Jahre im Aus-
land studierst und viele Praktika machst. Die WHU kannte ich gar
nicht. Ein Freund hatte mich auf deren Aufnahmetest hingewiesen Mit Alando hast du also Startup-Blut geleckt.
und meinte, der WHU-Test könnte ein guter Testlauf sein für die Auf- Wie ging es weiter?
nahmeprüfung in Reutlingen. Laut meinem Freund war es sowieso Mein zweites Praktikum war bei Mundwerk, also
unmöglich, den Test zu bestehen, weswegen ich auch ganz tiefenent- Project 49. Das war das Startup von Christian Weiss, Max
spannt hingefahren bin. Und dann habe ich den Test doch bestanden. Moldenhauer und Christian Schwagen. Ein kleiner My-
Also habe ich mich näher mit der Uni beschäftigt und festgestellt, thos, bei dem exzellente Leute als Praktikanten gearbei-
dass sie anscheinend richtig gut ist, aber auch unglaublich teuer. Das tet hatten, unter anderem Lukasz Gadowski. Jeder zweite
Studium an der WHU kostete damals 48.000 DM für acht Semester. Praktikant hat dann selbst gegründet. Es war quasi eine
Meine Eltern – und dafür bin ich ihnen extrem dankbar – sagten ohne Ausbildungsstätte für die Leute, die geschnallt hatten,
zu zögern: „Wenn es das ist, was du machen willst, dann zahlen wir dass das Internet ein Game-Changer ist. Als ich von dort
dir das.“ Dabei ist es wichtig zu erwähnen, dass meine beiden Eltern zurück zur WHU kam, platzte die Tech-Blase. Trotzdem:

H
gegen Kriegsende geboren wurden und auf dem Land groß geworden Ich wollte unbedingt Consumer Internet machen. Ber-

C
sind. Beide kamen aus kinderreichen Familien und Geld fürs Internat lin war dabei definitiv der zweite Eye-Opener. Ich kam

A
gab es nur für den ältesten Sohn, wodurch meine beiden Eltern aus ja wie gesagt aus einem kleinen Dorf mit 1200 Einwoh-

N
finanziellen Gründen weder aufs Gymnasium gehen noch studieren nern und hatte in Vallendar studiert, einer „Weltstadt“

E
konnten. Ihre Lehre daraus war: „Die Bildung unserer Kinder ist das mit 20.000 Einwohnern. Und dann eben Berlin, als Stadt

C H
Wichtigste, daran wird nicht gespart.“ der Freiheit, die kurz nach der Jahrtausendwende gerade

U
erwachte – einfach der perfekte Rahmen. Als dann ­Oliver

S
So entsteht natürlich auch ein gewisser Erfolgsdruck, oder? Samwer auf mich zukam und mich gefragt hat, ob ich

R
Genau. Ich kam aus der WHU raus mit dem ganz klaren Auftrag iLove für ihn aufbauen will, habe ich ja gesagt.

D E E
an mich selbst: „Ich stehe da in der Pflicht.“ Und auch wenn ich das

F L
Geld nicht zurückzahlen musste, wollte ich meinen Eltern beweisen,

L
Du warst also eher Angestellter und kein Gründer.

AU DER DE
dass sich das Investment in mich gelohnt hat. Und deshalb wollte ich War das eine gute Entscheidung?
damals auch wirtschaftlichen Erfolg haben, daraus mache ich über- Oliver Samwer war jahrelang ein Mentor für mich.
haupt keinen Hehl. Eine Art Payback-Mentalität. Ich habe sehr viel von ihm gelernt: Execution, Schnel-

M
ligkeit, Entscheidungsfreude, Risikobereitschaft, Skalie-

U
Noch während deines Studiums hast du Oliver Samwer rung. Ohne ihn würde ich hier nicht sitzen. Irgendwann

R S
kennengelernt, der gerade Alando in Berlin gestartet hatte. realisiert man aber, dass es auch Sachen gibt, die man

E
Das war eine ganz lustige Geschichte. Wir mussten ja alle ein sich besser nicht abschaut. Die Zeit bei iLove war groß-

I V
Pflichtpraktikum machen. Damals gab es eigentlich nur Praktika in artig. Ich hatte nichts zu verlieren und habe in zweiein-

N
der Beratung oder im Investment-Banking. Alle Kommilitonen hat- halb Jahren eine Firma von Null auf 25 Millionen Umsatz

U
ten sich schon längst um ihre Praktikumsplätze gekümmert, nur ein gebracht, die auch noch profitabel war. Ich habe mich ei-

IM
Kommilitone und ich wussten nicht, was wir machen sollten. Und gentlich um alles gekümmert. Also sehr viel Online-Mar-
Fotos: Johannes Räbel

dann erzählte uns jemand von Alando und einem gewissen Oliver keting, aber natürlich auch die Produktentwicklung. Na-
Samwer, den zu diesem Zeitpunkt noch keiner kannte. Und so kam türlich sagt man sich hinterher: Hätte ich mal besser
Das Gespräch führte Jan Thomas. Text: Christian Fuchs eins zum anderen. Fünf Tage vor dem geplanten Beginn – ich war verhandelt und um Anteile gekämpft. Meine Verhand-
noch in Vallendar – rief uns Oli an und meinte, wir sollen unbedingt lungsposition war einfach echt beschissen. Da kommst
morgen schon anfangen. Einen genaueren Grund nannte er nicht. du nicht auf die Idee zu sagen: „Lass doch Jamba 95 Pro-
Also kamen wir ziemlich hektisch nach Berlin und haben tatsächlich zent haben und gib mir fünf.“ Aber ich habe unglaublich

70 berlinvalley.com berlinvalley.com 71
COVER STORY COVER STORY

viel gelernt. Das war eine Gründung ohne Upside, aber auch ohne
Downside.

Mit MyVideo kam deine erste eigene Gründung, mit den


Samwers als Investoren. Wie kam es zu der Idee?
Investment Highlights
Myvideo war sehr spannend. Es gab extrem starkes Wachstum
und das Projekt ging total viral, explodierte förmlich. Ich hatte den Das Videoportal MyVideo ist eine Gründung von Movinga koordiniert Umzüge, vereinfacht den Pro-
Hockeystick von Youtube gesehen und mich gefragt, warum das nie- Christian Vollmann und wurde 2007 für geschätzt zess und senkt die Kosten. Das Berliner Unterneh-
mand in Deutschland macht. Drei Tage später hatte ich ein Team und 27 Millionen Euro an maxdome (ProsiebenSat.1) men hat Investitionen von insg. 58 Millionen Euro
die erste Finanzierung von den Samwers geraised. Sieben Wochen verkauft. Der Service wurde im September 2017 eingesammelt. movinga.de
danach war die Seite live. Dementsprechend sah sie dann auch aus. eingestellt. myvideo.de
Es war sicher kein Highlight, aber den Spruch „If you are not embar-
rassed by the first version of your product, you’ve launched too late“ Das Berliner Handwerker-Startup vereinfacht und Tagmarshal hat ein GPS System entwickelt, mit
(Reid Hoffman, Anm. d. Red.) würde ich absolut unterschreiben. Aber Gute Stimmung beim eDarling-Gründerteam beschleunigt das Sanierungsmanagement. Was dessen Hilfe die Länge der Spielrunden auf Golf-
alle Grundfunktionalitäten waren vorhanden. Drei Tage später gingen früher Wochen gedauert hat, soll mit Doozer in we- plätzen kontrolliert werden kann. Anfang 2017 gab
dann Tom Bachem und Ibrahim Evsan mit Sevenload.de, quasi aus nigen Augenblicken passieren. Doozer sammelte es eine zweite Investitionsrunde, angeführt durch
dem Nichts, online. Später fand ich heraus, dass sie 13 Monate lang an im August 2017 3,5 Mio. Euro ein. doozer.de Christian Vollmann. tagmarshal.com
der Seite programmiert hatten. Sevenload sah viel besser aus als My-
Video. Doch uns ist es schließlich gelungen, das deutlich schlechtere
Produkt in den Markt zu drücken.
„Hier ist dein Betreut.de vermittelt Tagesmütter, Baby- und Tier-
sitter, Haushaltshilfen oder Seniorenbetreuer an
Imedo.de (heute Ärzte.de) ist eine Informations-
plattform zu Symptomen und Therapiemöglichkei-

Also das Glück, der erste im Markt gewesen zu sein?


Tisch. Hier sind Familien. Jobsuchende können sich anmelden und
anderen Menschen im Alltag aushelfen. 2012 Exit
ten und Ärzten. Das Unternehmen wurde 2015 an
Müller Medien verkauft. aerzte.de
Ja. Der frühere Launch war entscheidend. In den Augen der Pres-
se war MyVideo von Anfang an das deutsche Youtube. Und dadurch
ein paar CDs. Du an care.com aus den USA. betreut.de

und aufgrund der selbstverstärkenden Netzwerkeffekte wird es dann bist jetzt Content Skrill, 2001 unter dem Namen moneybookers in Das 2007 gegründete Live-Dating Portal KissNoF-

Manager Music”
für Konkurrenten schwierig, das wieder aufzuholen. Im nächsten London gegründet, ist ein E-Geld-Institut. Skrill er- rog bietet unter anderem Video Chats und On-
Schritt haben wir dann MyVideo Frankreich gelauncht. Hier lief es möglicht es, seine Zahlungen leicht online durch- line-”Speed-Datings” an. Zu den Investoren zählen
sogar noch besser und das Wachstum war noch steiler. Leider war zuführen. 2007 Übernahme durch PE-Investor In- Holtzbrinck Ventures und Global Founders Capital.
Bandbreite im Jahr 2006 noch richtig teuer. Mit unserem explosions- vestcorp für EUR 105 Mio. Euro. skrill.com kissnofrog.com
artigen Erfolg stiegen auch die Kosten und wir mussten konstant Geld
nachschießen. Zeitweise steckten bis zu 80 Prozent meines privaten immens, denn dort lief es richtig gut. Doch aufgrund der
Vermögens in dem Projekt. Speziell in Frankreich waren die Kosten hohen Kosten ging uns das Geld aus. Trotz perfekten
Wachstums standen wir mit dem Rücken zur Wand. Da-
her haben wir irgendwann die Entscheidung getroffen, Wie ging mit MyVideo weiter? Vor Myvideo warst du bereits als Investor aktiv.
Frankreich wieder abzuschalten. Wir haben uns quasi ein Mit dem Abschalten von Frankreich haben wir uns etwas Zeit Du hast dich unter anderem sehr früh an Mo-
Die Idee zu Nebenan.de
eigenes Bein abgeschnitten, um zu überleben. erkauft. Diese Zeit haben wir genutzt, um Prosieben als Investor an neybookers beteiligt. Wie kam es dazu?
hat Christian Vollmann
Bord zu holen. Prosieben hat Geld für Equity investiert und obendrein Moneybookers ist echt eine besondere Geschichte,
lange verfolgt.
Klingt nach einer harten Entscheidung. Wollten haben wir auch noch Media bekommen. Es ging ja auch um gute In- die aus einer Begegnung an der WHU resultierte. Wäh-
die Samwers das Projekt nicht stützen? halte: Outtakes und Serien und solche Sachen. So haben wir den Vor- rend einer Veranstaltung mit Oliver Samwer kamen zwei
Gekonnt hätten sie es. Das nicht zu tun, war viel- sprung gegenüber Sevenload weiter ausgebaut. Parallel hat RTL dann Gründer auf ihn zu und pitchten ihre Idee, weil sie Tipps
leicht im Nachhinein ein Fehler. Wir hätten dort sicher noch Clipfish ins Rennen geschickt. Auf der Zielgeraden lagen wir von ihm wollten. Oli hatte es jedoch eilig und verwies sie
auch Marktführer werden können und es hätte Dailymo- mit einem Marktanteil von 70 Prozent klar vorne, Clipfish kam auf an mich. Die beiden wollten von Antigua aus Sportwet-
tion vielleicht nie gegeben, was damals für 250 Millionen 20 oder 25 Prozent und Sevenload war weit abgeschlagen. Mit Tom
an Yahoo gehen sollte. Aber wer richtige Entscheidungen Bachem bin ich heute immer noch eng befreundet. Er wäre auch um
trifft, trifft auch mal falsche. Aber wenn du Oliver Sam- ein Haar unser CTO geworden. Wenn du ihn heute fragst, was sein „Ich kenne Christian
wer mit so einer Diskussion kommst, winkt er sofort ab Haupt-Learning war, würde er wahrscheinlich sagen, dass er viel zu
und sagt: „Es bringt nichts, jetzt ‚hätte, wäre, wenn‘ zu spät gelauncht hat. Hätte er einfach nur drei Monate programmiert schon seit Mitte 2000, den
spielen.“ Oli will nie über die Vergangenheit sprechen, und nur eine halbfertige Plattform veröffentlicht, dann hätte es Myvi- ­Jamba-Zeiten. Mit Christian
sondern schaut immer nach vorne. Wobei er immerhin deo wahrscheinlich gar nicht gegeben.
mal zugegeben hat, dass es ein großer Fehler war, Alando
habe ich ein paar nette
nach fünf Monaten an Ebay zu verkaufen. Würdest du den Grund dafür eher im Glück sehen oder Investments zusammen. Vie-
Echt?
waren bestimmte Maßnahmen und Entscheidungen
ausschlaggebend?
le kennen ihn als jemanden
Das gibt er öffentlich zu, ja. Dazu muss man verste- Myvideo war die erste Plattform am Markt, auch wenn es nur mit einem guten Näschen
hen, dass Alando zu Ebay Deutschland wurde. Und ganz
ehrlich, wenn du mal in diesen Netzwerkeffekten drin
drei Tage Unterschied waren. Ich bin als Erster proaktiv auf die Pres-
se zugegangen habe gesagt: „Hier ist das deutsche Youtube.“ Da-
für Trends und gute Gründer.
bist, kannst du da eigentlich Affen hinsetzen. Soll heißen, durch war das mediale Interesse schon stark auf uns konzentriert. Operativ ist er meines
Fotos: Johannes Räbel

Alando wäre auch ohne Ebay zur größten Auktionsplatt-


form Deutschlands geworden. Und Ebay Deutschland
Wir hatten die meisten Videos, was nicht nur für die Nutzer, sondern
auch für die Content-Owner entscheidend war. Bei uns bekam jeder
Erachtens genauso stark.
war umsatzmäßig der zweitgrößte Marktplatz für Ebay Upload einfach mehr Views. Und zusätzlich waren die Media-Deals Deswegen finde ich gut,
und prozentual der profitabelste weltweit, profitabler als entscheidend. Unterm Strich kann ich mir den Myvideo-Erfolg schon dass er wieder was Eigenes
die USA. auf die Fahne schreiben. Wir haben viele Sachen richtig gemacht.
macht“ Martin Sinner, Idealo

72 berlinvalley.com berlinvalley.com 73
COVER STORY COVER STORY

„Christian hat ein super Ge- Das Büro von Nebenan.de in


Friedrichshain-Kreuzberg.
zu beantworten. Aber dann, am Ende des Tages, wird es doch eine
spür für tolle Geschäftsideen Bauchentscheidung und du fragst dich eher, ob der Gründer integer
ist. Brennt er wirklich für das Thema? Und reicht diese Leidenschaft
und denkt sehr schnell. Er ist aus, um nicht bei den ersten Schwierigkeiten aufzugeben?
einer der erfolgreichsten Bu-
Was ist die wichtigste Eigenschaft bei Gründern?
siness Angels in Deutschland, Wahrscheinlich Resilienz, also die psychische Widerstandskraft.
hat tollen Gründungen zum Leider kann man diese nicht immer sofort identifizieren. Da liegt man
auch mal daneben und wird menschlich enttäuscht. Aber am Ende
Erfolg verholfen und ­tolle des Tages funktioniert das Early-Stage-Investing ähnlich wie das
Exits begleitet” VC-Investing: Ein Homerun zahlt alles andere x-fach zurück. Aber den
brauchst du natürlich auch.
Robert Maier, Ladenzeile
Du wurdest in diesem Jahr als Business Angel des Jahres
ausgezeichnet. Wie ist das einzuordnen?
ten für den asiatischen Markt anbieten, also vor allem Pferderennen Das ist ein Preis vom Business Angels Netzwerk Deutschland.
in Hongkong und solche Sachen. Ich hatte davon keine Ahnung. Man Ein Startup, in das du in den letzten drei Jahren investiert hast, muss
muss aber wissen, dass Sportwetten in Hongkong größtenteils ein dich nominieren. Und dann gibt es eine Jury, die auswählt. Ich habe
Schwarzmarkt sind, der von den Triaden kontrolliert wird, also von mich sehr über die Auszeichnung gefreut. Wenn du das zwölf Jah-
der Mafia. In diesen Markt zu gehen, war quasi, als würdest du schrei- re lang machst und es dir nicht ums Finanzielle geht, sondern eben
en: „Hier, zerschlagt uns mal die Kniescheibe, weil wir wollen der Ma- auch um Pay-forward, also Junggründern zu helfen, die in einer ähn-
fia jetzt das Geschäft wegnehmen.“ Das war für Investoren einfach zu lichen Situation waren wie ich, dann ist so ein Award eine echte An-
heikel. Ich war aber unwissend und wir kamen ins Gespräch. Irgend- erkennung.
wann fragten sie mich, ob ich nicht mit ihnen gründen möchte. Ich
habe dann auch wirklich sehr viel Arbeit reingesteckt und auch eini- Hast du dich in den letzten Jahren persönlich verändert?
ge Klausuren deswegen total versemmelt. Ich habe sie dann länger Gute Frage. Zum einen habe ich mein Payback in Pay-forward
unterstützt, aber für mich passte das eigentlich nicht richtig. Trotz- gedreht. Das ist es auch, was Berlin im Vergleich zum Silicon Valley
dem waren sie so fair, mir ein paar Prozent zu überlassen. Schließ- noch fehlt. Wir brauchen eine Pay-forward-Mentalität. Ich bin ein
lich gelang es ihnen tatsächlich, einen Investor aus der Schweiz zu großer Verfechter dieser Idee. Meine Eltern haben nie erwartet, dass
gewinnen, der eine Million Deutsche Mark investieren wollte, sofern Inzwischen hast du um die 70 Investments ge- Folgst du bei deinen Investments bestimmten ich zurückzahle. Aber wenn dir etwas Gutes widerfährt, geh’ auch
ein weiterer Investor ebenfalls investieren würde. Also sprachen sie macht. Wie behält man da den Überblick? Bist Mustern? Wie suchst du dir Startups aus, in die deinerseits in Vorleistung. Wenn sich diese Denke etabliert, entsteht
Oliver Samwer erneut an, der mich dann anrief und fragte, was ich du überhaupt nah genug an den Gründern dran? du investierst? ein positives Ökosystem. Die Leute im Silicon Valley haben das ver-
davon halten würde. Auf meinen Rat hin haben sie tatsächlich inves- Das erstreckt sich ja über zwölf Jahre. Als Busi- Es gibt Investoren, die extrem strukturiert, strate- standen. Dort ist es Teil der Stärke.
tiert. 2003 hatten sie eine Krise, weil kein ness Angel, der sehr früh rein- gisch und systematisch vorgehen. Die sind dann Bran-
Payment-Provider mehr mit ihnen zusam- geht und nur im einstelli- chenkenner, die oft eine Investment-Hypothese zugrun- Siehst du denn eine Chance, dass sich das durchsetzt?

„Wenn man
menarbeiten wollte. Sportwetten sind kein gen ­ Prozentbereich investiert, de legen. So war ich nie. Ich habe eigentlich immer in die Ich bin hoffnungsvoll, dass es zunehmen wird und es ist noch
einfacher Markt. Das Team hatte sich notge- kannst du nur in Teams inves- Menschen investiert. Und immer, wenn ich diese Leitlinie keine Selbstverständlichkeit. Ich sehe zwar einige, die das machen,
drungen schon auf den europäischen Markt
konzentriert und aus dieser Misslage heraus Erfolg hat, dann tieren, die komplett eigenstän-
dig agieren. Du kannst zwar
verlassen habe, bin ich auf die Schnauze gefallen. Natür-
lich kannst du dir vor einem Investment immer tausend
aber es wird noch nicht oft genug thematisiert. Aber mich treibt das
um. Darum mache ich auch beim Bundesverband Deutsche Startups
Moneybookers gegründet. Das wurde ein
unglaublicher Erfolg. Und aus Moneyboo- investiert man in noch ein paar Tipps geben und
aufpassen, dass bestimmte Feh-
Fragen stellen. Wie groß ist der Markt? Baut das Unter-
nehmen Wettbewerbsvorteile auf ? Hat es einen echten
mit. Ich wünsche mir, dass wir uns in Berlin, und auch in Deutsch-
land und Europa, noch mehr als Ökosystem verstehen. Gemeinsam
kers wurde später Skrill. Heute ist Money-
bookers ein Unicorn. die nächste ler nicht gemacht werden. Aber
wenn ich reingehen und opera-
USP? Dann kannst versuchen, die vielen Fragen rational ist man einfach stärker. Und wenn man Erfolg hat, dann investiert

Auch Hitflip und StudiVZ waren Generation und tiv mithelfen müsste, damit es
was wird, dann darf ich nicht „An Christians Persönlichkeit
hilft ihr. Ohne
Vollmann: „Ich habe
frühe Investments von dir, richtig?
StudiVZ war mein allererstes Inves-
investieren.
sind mehrere Seiten span- mein Payback in

tment. Da habe ich etwa 3000 Euro inves-


immer direkt zu Wobei die Startups dich wahr- nend, die es für mich so Pay-forward gedreht.“

tiert. Im Gegenzug für ein Prozent der Antei- scheinlich auch wegen deiner reizvoll machen, mit ihm zu
le. Damals brauchtest du als Angel nicht so
viel Vermögen, weil die Bewertungen noch
fragen, was man Expertise und deines Netz-
werks ansprechen, oder? arbeiten, von ihm zu lernen
ganz andere waren. Und du musst dir vor-
stellen: Da kam so ein Ehssan Dariani rein,
dafür kriegt” Ja, genau. Und mein Learning
ist, dass ich in dieser Hinsicht
und vor allem, gemeinsam
der weder fertig studiert noch sonst was de facto ein bisschen zu viel ge- etwas zu bewegen.
gemacht hatte. Der hatte nichts. Weder ein macht habe. Ein anderes Thema Christian behält immer einen
Produkt noch ein Team. Nur eine Idee und wollte dafür Geld haben. bei Investoren ist ja immer dieses „Fear of missing out“.
Das war ein reines Investment in einen Typen und seine Idee. Bei Hit- Das ist definitiv die schlechteste Triebfeder für ein Inves- kühlen Kopf. Er hat immer die
nötige Attention to Detail“
Fotos: Johannes Räbel

flip (später Hitmeister) waren es im Jahr 2005 schon 10.000 Euro. Das tment. Das sind typische Learnings, die man als Angel im
war damals für mich eine echt relevante Größenordnung. Die wurden Lauf der Zeit macht, abgesehen davon, dass man auch
Till Behnke, Nebenan.de
unlängst an Real verkauft. viel Geld verliert. Von meinen 70 Investments sind 25
pleite. Neun waren erfolgreiche Exits und der Rest läuft
noch.

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COVER STORY COVER STORY

man in die nächste Generation und hilft ihr – ohne immer direkt zu
Vollmann: „Aus meiner
Sicht ist Reputation

E U N D
I G T
fragen, was man dafür kriegt. Das möchte ich gerne fördern. Irgend-

D F
das wertvollste Gut.“

E N H A
wann kommt ja wieder was zurück, wenn auch später oder indi-
rekt. Diesen Gedanken möchte ich gerne fördern. Und natürlich gibt

L E B R S C
DIE NACHBA
es Schmarotzer und Trittbrettfahrer. Aber das ist eine kurz gedachte
Strategie, denn das spricht sich herum. Aus meiner Sicht ist Reputa-
tion mit das wertvollste Gut. Das heißt, dass du aus falschem Verhal-
ten kurzfristig einen Gewinn ziehen kannst, langfristig aber das Ge-

U N T E VON .DE
B
genteil bewirkst.

Dann noch ein paar Sätze zu Edarling. Dort bist du 2015

E N A N
NEB
ausgestiegen.
Wir hatten bei Edarling unsere Anteile von Eharmony zurück-
gekauft. Dadurch gab es eine Art „Natural Cut“. Mir war klar, dass
ich mich entweder nochmal für drei bis vier Jahre committen oder
aussteigen müsste. Und dann habe ich zu meinen Mitgründern Da-
vid und Lukas, mit denen ich eng befreundet bin, offen gesagt:
„Jungs, sorry, aber mir fällt es schwer, mich jetzt nochmal mehrere
Jahre Volldampf für das Thema zu motivieren.“ Wir haben dann mit
­Michael Schrezenmaier einen weiteren Partner ins Team geholt und
ich bin ausgestiegen.
lege sehr viel Wert darauf, die Burn Rate möglichst lange gering zu
halten, weil das einfach Lebenszeit bedeutet. Deswegen drehen wir
jeden Cent dreimal um. Auch unser Büro haben wir eigenhändig re-

„Eines der ersten Investments


noviert. Alle Mitarbeiter – inklusive uns Gründern – verdienen we-
niger, als sie woanders kriegen würden. Das gelingt, weil wir alle an Nebenan.de macht den Kiez funden“, erzählt Christian begeistert. Auf der
Plattform gibt es über 1000 Themen, die in
von Christian Vollmann war
erlebbar und bringt Nachbarn
den Social Impact glauben. Wir suchen Leute, die intrinsisch sagen: Nachbarschaften diskutiert werden. In der
„Ich finde das geil, was ihr macht.“ Das hat Kraft. Du glaubst nicht, Nutzung gibt es zwischen Stadt und Land Un-
Researchgate. Er hat es da-
zusammen
wie viele Leute auf der Suche sind nach mehr Sinn in ihrer täglichen terschiede. Ein anderer Fokus als Facebook.
mals sehr schnell abgewickelt. Arbeit. Bei uns lernt man extrem viel. Nicht nur, wie man seinen Job Hat das Netzwerk eine Chance neben
macht, sondern auch, wie man ein Unternehmen gründet. Trotzdem Facebook? Ein klares Ja, denn die Menschen,
Was ich faszinierend fand, ist Deutschland der schwerste Markt, um ein Social Network aufzu- Von Christian Fuchs die sich bei Nebenan.de registrieren, schät-
dass er – wie viele US-Investo- bauen. Und hyperlocal war schon immer der heilige Gral, den noch zen den Wert des Netzwerkes und dass es
niemand geknackt hat. Deswegen ist Nebenan.de für mich ein echter sich eben nicht auf das Virtuelle beschränkt,
ren später – überhaupt nicht Rollercoaster. Wir sind ja noch Pre-Revenue und haben noch einen Manchmal gibt es Ideen, die einen gefan- erfolgreich zugeordnet werden konnten. Ne- sagt Christian. Es geht eben doch mehr um
aufs Revenue-Modell geschaut relativ weiten Weg bis zur Monetarisierung – da muss man schon Eier gen nehmen. Manchmal über Jahre hinweg. benan.de hat jedoch weit mehr Nutzer, de- das echte Treffen und die Begegnung mit den

hat, sondern nur aufs Produkt in der Hose haben. So war es auch bei Seriengründer Christian
Vollmann und der Idee zu nebenan.de. Der
ren Adresse noch nicht verifiziert wurde.
Diese Verifizierung ist aufwändig, stellt aber
Menschen im Leben da draußen. Das passt
zum Fokus des Netzwerkes, welches Soci-
und die Person“ aktuelle Fokus liegt auf Wachstum, Reich- sicher, dass nur Anwohner innerhalb fester al-B2B-Sharing, Nachhaltigkeit, teilen, helfen
weite und Engagement der Nutzer auf der Grenzen zur jeweiligen Nachbarschafts-Com- und Themen im Alter sehen.
Ijad Madisch, Researchgate
Plattform. Über 4600 Nachbarschaften fin- munity gehören. Natürlich ist das eine Hür- Im nächsten Schritt wird Nebenan.de
det man dort bereits. Auf diese verteilen de, “baut aber zugleich auch Vertrauen auf, es ermöglichen, dass öffentliche Einrichtun-
sich über eine halbe Million adressverifizier- wenn die Nutzer dann die Namen und Adres- gen, wie Bezirksämter, Stadtverwaltungen,
Und seitdem machst du Nebenan.de. te Nutzer, die ihren Nachbarschaften bereits sen ihrer Nachbarn sehen und die Kommuni- Gemeinden, Kommunen und vielleicht auch
Als ich bei Edarling ausgestiegen bin, war mir klar, dass ich ir- kation mit ihnen führen können”, glaubt Voll- Feuerwehr, THW und andere Profile anlegen
gendetwas brauche, das mich inhaltlich fasziniert. Bei dem ich weiß, mann. Belastbare Zahlen gibt es nicht, “aber können. Danach kommen gemeinnützige Or-
warum ich es tue. Früher war meine Motivation eher der wirtschaftli- „Endlich kann ich ich bin mir 100 Prozent sicher, dass es über ganisation, also Charities, Vereine, Quartiers-
che Erfolg. Heute würde mir das überhaupt nicht mehr reichen. Man sagen: Man ist auch in 90 Prozent der Konversationen und auch der management hinzu. Somit soll das Netzwerk
ist ja viel mehr getrieben vom „Warum“ und fragt sich, welche „Del- Transaktionen im echten Leben sind, die dar- neben den Menschen aus den Nachbarschaf-
le im Universum“, wie Steve Jobs es so schön ausgedrückt hat, man einer Großstadt wie aus entstehen, Leute leihen sich Sachen, tau- ten wachsen. Später werden sicher lokale
selbst machen will. Ich hatte vor ein paar Jahren eine echte Sinnkri-
N N 9 zunächst uonrt-er Hamburg nicht ano- schen Sachen, helfen sich gegenseitig. Über Dienstleister folgen, um auch für die Moneta-
se und habe mich gefragt, was ich mit meiner Erfahrung, dem Netz- M A
LLn der WHU 199chdem das P und 90 Prozent dieser Sachen hätten ohne die risierung einen möglichen Grundstein zu legen.
N VO nym. Viele Nachbarn
werk und meiner Reputation überhaupt machen soll? Man sucht ja
T IA Plattform nicht, einfach gar nicht stattgefun- Seit Juni 2017 gibt es mit Nextdoor einen

CHetRe nIaSch seinelimveSr tSamwerabbesicAhlaiedete scichsht Vrieo f er 200o3indsas


ma do. N
a ann –
zwangsläufig etwas Sinnstiftendes. Und ich hatte keine Lust mehr auf udiu n llm habe ich jetzt ken- den.”, sagt Christian. Wettbewerber auf dem deutschsprachigen
das nächste Rat Race – auf ein Modell, das alle kopieren. Das ist mir Das Nachbarschaftsnetzwerk versteht Markt, der sich in die Nachbarschaften mischt
zu viel Stress. start g von
O er ä
rde, v amen: Zun form Myvid r-
e nengelernt, ins Herz sich als digitaler Helfer, um Menschen einer (siehe Interview mit Nextdoor Country Ma-
F ührun ekauft wu N tt E
d e r
o n E
e n
bay g ründer ein die Video- iness Ang
P la e l in
D eut- geschlossen und mer- Nachbarschaft im echten Leben zusammen- nager Germany „Das ist sportlicher Wettbe-
Nebenan.de läuft also stressfrei? tal v h als G 2 006 a ls Bus b a nds zubringen. Sie sollen die Möglichkeit bekom- werb, der mich eher anspornt“, sagt Christian.
te s ic
mach ortal iLove
, da n n
n vor
alle m
s Bun
desv e r
ke, wie oft sich die
Foto: Nebenan.de

Natürlich ist mit Nebenan.de auch viel Stress verbunden. Wir ha-
g -P o llman itglied de men Feste zu organisieren, Verabredungen zu Das Thema Nachbarschaft bekommt so mehr
ben ein Team von 40 Leuten. Da musst du die Kosten im Griff haben, Da t in
. Heu
V
te tritt rstandsm
o
Wege im Alltag doch treffen oder auch Werkzeuge oder andere Ge- Aufmerksamkeit und das tut uns gut. Davon
Leben g und ist V
also die Gehälter der Leute, Miete und so weiter. Mein Team macht
c h e in un .V. kreuzen.” genstände zu verleihen. „Bei uns haben sich profitiert auch Nebenan.de. „Hier sind wir der
immer Witze über mich, weil ich ein sehr sparsamer Gründer bin. Ich s ps e schon Eltern-Kind-Gruppen, Verabredungen Goliath und Nextdoor der David. In Deutsch-
Startu
sche Karla, Nachbarin in Hamburg zum Hund ausführen und Tennis spielen ge- land werden wir das Ding gewinnen.“

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INTERVIEW INTERVIEW

„Wir haben eine lerweile Millionen von Usern in drei Märkten, die in mehr
als 160.000 Nachbarschaften Nextdoor nutzen. Und es ist
ja nicht so, als ob Nextdoor in Amerika keine Mitbewer-
Was sind aus deiner Sicht kritische Faktoren,
die so ein Rennen dann entscheiden?
Der entscheidende Faktor ist der Netzwerkeffekt. Wie schnell setzt welcher

Datenschutz-Käseglocke, ber gehabt hätte. Oder in England. Die Antwort ist also
eher: Nein, wir gucken uns das nicht so genau an, son-
dern wir sind darauf vollauf konzentriert, Nutzen zu stif-
Netzwerkeffekt ein, und wie schnell kannst du mit welchen monetären Mitteln
das Wachstum befördern? Da kommt dann wahrscheinlich irgendwann auch die
Tiefe der Taschen zum Tragen. Da sind unsere wahrscheinlich ein bisschen tiefer.

in die keiner reingucken kann“ ten bei unseren Nachbarn. In Deutschland läuft es sehr
gut an.
Aber genauso wichtig ist der Fundus an Erfahrung und an den ganzen Executi-
on-Details, die eben dazu gehören.

Sind Nachbarschafts-Social-Networks ein Was sind denn die KPIs, anhand derer sich Erfolg bemisst?

Interview mit Marcus Riecke, dem Country Winner-takes-it-all-Markt? Und ist dadurch
der zeitliche Vorsprung von Nebenan.de
Vor allem die Anzahl der Nachbarschaften und dann die Lebendigkeit in ei-
ner einzelnen Nachbarschaft – also zum einen die Breite, aber auch die nötige Tie-

Manager von Nextdoor, über die ersten drei möglicherweise doch relevant?
Der Markt ist riesig und weder wir noch die ande-
fe an Mitgliedern und eben auch die richtigen Mitglieder, damit Konversationen
entstehen und eben Gemeinschaft baut. Wir haben mittlerweile Millionen von

Monate in Deutschland ren sind jetzt an einem Punkt, wo nicht noch genügend
Platz wäre. Außerdem belebt Wettbewerb das Geschäft
Usern in drei Märkten, die in mehr als 160.000 Nachbarschaften Nextdoor nutzen.
Und es ist ja nicht so, als ob Nextdoor in Amerika keine Mitbewerber gehabt hät-
und macht uns ja auch besser, womit ich aber nicht sa- te. Oder in England. Die Antwort ist also eher nein, wir gucken uns das nicht so
Das Gespräch führte Jan Thomas. gen will, dass uns Deutschland in den Schoß fallen wird. genau an, sondern wir sind darauf vollauf konzentriert, Nutzen zu stiften bei un-
seren Nachbarn. In Deutschland läuft es sehr gut an.

Wie ist die Positionierung von Nextdoor im Vergleich zu anderen Monetarisiert ihr schon?
großen Social Networks? In Deutschland ist das sicherlich für die nächsten
Die Unterschiede überwiegen dramatisch. Nextdoor ist der Erfinder des so- zwei Jahre noch kein Thema. Das Geschäftsmodell wird
zialen Netzwerkes, das sich ausschließlich an Nachbarn richtet. Gegründet vor in Amerika gerade erprobt. Die Monetarisierung hat be-
sechs Jahren in den USA von einem sehr erfahrenen Gründerteam. Anders als an- gonnen und ist natürlich ein werbefinanziertes Modell,

Nebenan vs. Nextdoor


dere soziale Netzwerke nutzt man Nextdoor, um sich mit Leuten zu verbinden, bei dem es darum geht, die Geschäfte und Dienstleistun-
die man eben nicht kennt. Außerdem ist Nextdoor nicht ein einziges, global ska- gen der Nachbarschaft an Laufkundschaft zu kommuni-
lierendes, soziales Netzwerk, sondern hunderttausende, denn jede einzelne Nach- zieren und Leads zu generieren.
barschaft wird als Social Network definiert. Dabei ist der Radius deiner möglichen
Kontakte kartographisch definiert und somit beschränkt. Diese Nachbarschaften Klingt im Vergleich zu Facebook sehr kleinteilig.
Zahlen und Fakten zu Nextdoor und Nebenan.de
sollten in der Regel nicht größer als fünftausend Haushalte sein. In Nordfriesland Das mag so sein. Wahrscheinlich ist es kleinteiliger
könnte es aber sein, dass drei Dörfer nur fünfhundert Haushalte sind. Der dritte als bei Facebook. Aber früher gab es ja auch mal die Gel-
große Unterschied ist, dass wir ein privates soziales Netzwerk sind. Das mutet ben Seiten, wo letztendlich alle lokalen Dienstleister und
zwar oft kontraintuitiv an, aber bei uns sind sämtliche Konversationen und Mit- Anbieter vertreten waren. (US) (D)
gliedschaften nur für bestätigte Mitglieder dieser Nachbarschaft sichtbar. Es ist
quasi eine Datenschutz-Käseglocke über jeder Nachbarschaft, in die keiner rein- In Deutschland habt ihr mit Nebenan.de einen Gründer Nirav Tolia, David Wiesen, Prakash Janakira- Marcus Riecke (Deutschland Chef seit Juni Christian Vollmann, Till Behnke, Ina Brunk,
gucken kann. Wettbewerber, mit dem ihr euch messen lassen man, Madison Bell, Sarah Leary 2017) Sven Tantau, Michael Vollmann, Matthes
müsst. Wie genau guckt ihr da hin? Scheinhardt
Seht ihr schon einen Unterschied in der Akzeptanz zwischen beispiels- Wir kommen mit der Macht der weltweiten Markt- Gründung Oktober 2011 Juni 2017 Juni 2015, Launch Mitte 2016
weise Nordfriesland und den Ballungszentren? führerschaft um die Ecke und haben sechs Jahre Erfah- Sitz San Francisco, Kalifornien Berlin Berlin
Es ist noch sehr früh. Wir sind ja erst am 20. Juni 2017 gelaunched, sind jetzt rung darin, wie man so etwas aufbaut. Wir haben mitt-
Mitarbeiter 200 12 40
gerade dreieinhalb Monate unterwegs. Im Endeffekt hängt es vom Engagement
der Nachbarn ab. Reichweite Über 160.000 Nachbarschaften.Niederlassun- 1.500 Nachbarschaften (Oktober 2017) Über 500.000 aktive Nutzer;
gen in USA, UK, Niederlande, Deutschland 4.600 Nachbarschaften

Adaptiert ihr eure internationalePlatform eins zu eins in die lokalen


Märkte oder habt ihr hier jetzt auch ein Tech-Team sitzen, das gravi- Geschäftsmodell Real Estate Listings (seit Oktober 2017) s. nextdoor USA Die Nutzung ist für Privatpersonen kosten-
erende Anpassungen machen muss? Langfristig: Local Commerce / Lead-Gene- los
Das ist relativ marginal, aber es gibt natürlich ein paar kleine Anpassungen. rierung für Läden oder Unternehmen in der Langfristig: Local Commerce / Lead-Gene-
Aber nichts Grundlegendes, sondern eher Details. unmittelbaren Nachbarschaft. Werbung. Zie- rierung für Läden oder Unternehmen in der
lumsatz: bis 2020 soll ein Umsatz von einer unmittelbaren Nachbarschaft. Werbung.
Und wie sehen bei euch Teamgröße und Struktur aus? halben Milliarde Dollar mit der Plattform re-
Wir sind im Augenblick zwölf Leute auf Deutschland verteilt. Das Hauptteam alisiert werden.
sitzt in Berlin.
Investoren u.a. Redpoint Ventures, Insight Venture Part- s. nextdoor USA Burda Principal Investments, Lakestar sowie

R I ECKaEnager Germdaenry ners Benchmark Capital, Shasta Ventures, zahlreiche Business Angels
Ihr habt beeindruckende Investoren an Bord. Welche Vision habt ihr
U S
MAeitRJaCnuar 201m7 aCnoyu. Zuvor wpaar,ehraet Lycos vmoitn-
da verkauft? yMntr er in Rich Barton Greylock Partners, Kleiner Per-
kins Caufield & Byers, Tiger Global Manage-
Da fehlen mir natürlich die Insights. Fakt ist aber, dass wir ein Netzwerk für
ist s r Ger Euro CEO ment, Allen & Company und Google Ventures
Nachbarschaften aufbauen wollen, Clusters entwickeln, Wachstum zeigen und
n N extdoo er bei AOL i eBay und rope.
vo a r b e it e b e e r Eu
organisches Wachstum ohne Marketing-Ausgaben generieren. Unsere Mitglieder n Mit urop onst
sind so begeistert von der Wertschöpfung, dass sie selber das Einladen von wei- erste t , w a r VP E ent von M Investment 210 Mio. US$ Dollar über 8 Mio. Euro
nde resid
teren Nachbarn übernehmen. Bei uns wird Community wirklich gelebt, und zwar gegrü nd Vice P Iversit
y. ´ Sonstiges Übernahme von Nachbarschaftsnetzwerk Übernahme vom Nachbarschaftsnetz-
iV Z u O von
nicht auf der Plattform, sondern im echten Leben. Daraus resultiert organisches Stud re r C E Streetlife (UK) im Februar 2017 werk WirNachbarn.de im Juni 2017
zt wa
Wachstum und das ist wahrscheinlich das, was Investoren reizt. Zulet

78 berlinvalley.com berlinvalley.com 79
ANALYSE ANALYSE

The winner
takes it all
Plattform bei 71.000 Visits und 21.000 Unique Visitors gänz-
lich unbeobachtet von der Öffentlichkeit. Dazu Branchenex-
perte Sven Schmidt (u.a. Online Marketing Rockstars): „Das
aktuelle Ergebnis ist für ein soziales Netzwerk mit Massen-
Von Jan Thomas markt-Ambitionen ein Satz mit X, nämlich gar nix.“
In den letzten 12 Monaten hat Nebenan.de den deut-
schen Markt bereits ordentlich beackert. Christian Vollmann
kennt den Vorteil des First Movers aus seinen MyVideo-Zei- SeLoger oder Totaljobs. Zeitgleich kennt sich Axel Springer in der Mo-
ten. Wie damals hat er auch dieses Mal die Aufmerksamkeit netarisierung von lokalem Traffic aus. Zwei AS-Beteiligungen verdie-
der Presse auf sich gezogen. Aber ist der Vorsprung dauer- nen hierbei besondere Aufmerksamkeit: MeineStadt.de und die Boni-
haft verteidigbar oder gewinnen am Ende die tiefen Taschen al Group (Kaufda).
der US-Marktführers? Mit Lakestar und Burda hat Vollmann
ebenfalls große Namen an seiner Seite. Und in der Vergan- MEINESTADT.DE UND BONIAL
genheit hat das Unternehmensnetzwerk XING (ebenfalls ein Mitte 2012 hat Axel Springer Das Regionalportal MeineStadt.de über-
Burda-Investment) bewiesen, dass es durchaus möglich ist, nommen. Hier werden auch die Tücken des Local Commerce deut-

Über den „Straßenkampf “ der Nachbar- einem internationalen Tech-Giganten ein deutsches Gegen-
gewicht zu stellen. XING hat gegenwärtig eine Marktkapita-
lich. Ursprünglich als Städteportal gestartet, ist MeineStadt.de heute
als Teil von AS Classifieds zur statischen SEO-Seite verkommen. Man

schaftsportale Nebenan.de und lisierung von rund 1,5 Mrd. Euro. Dazu Sven Schmidt „lang-
fristig – und das hat man bereits bei Facebook vs. StudiVZ
konzentriert sich darauf, lokale Suchbegriffe in Leads für Partnersei-
ten wie Immowelt, Lovescout, Autoscout, Booking.com und Eventim

Nextdoor. Die Analyse eines sich gesehen – macht das bessere Produkt den Ausschlag.“ zu konvertieren. Aktuell verzeichnet MeineStadt über 15 Millionen Vi-
sits von über 9 Mio Unique Visitors und liegt damit weit vor lokalen

anbahnenden Wirtschaftskrimis NEXTDOOR UND AXEL SPRINGER


Nach missglückten Deutschlandstart schaltet Nextdoor nun
Kontrahenten wie Gelbeseiten.de (6,1 Mio Visits), aber auch deutlich
hinter dem Marktführer Ebay Kleinanzeigen (141,2 Mio Visits). Die Ko-
offensichtlich in den Angriffsmodus. Das manager magazin operationspotenziale zwischen MeineStadt.de und Nextdoor dürften
lancierte Ende Oktober 2017 die Gerüchte über einen Ein- sich wohl nur auf den deutschsprachigen Raum beschränken.
stieg Axel Springers bei Nextdoor. Weder Axel Springer noch Anders sähe es bei einer Zusammenarbeit zwischen Next-
Studi VZ vs. Facebook, MyTaxi vs. Uber oder Wimdu vs. AirBnB... Die Nextdoor auf Platz 160 der meistbesuchtesten Websites in Nextdoor wollten sich zu den Gerüchten äußern – für Sven door und der Bonial Group aus, die mit dem erfolgreichen digita-
Liste der „Schlachten“ zwischen deutschen Davids und internationalen den USA und verzeichnete allein im September 2017 über Schmidt ist dies nachvollziehbar: „Ein Startup, in dem unter len Schweinebauch-Konzept 2013 in die USA expandiert ist. Unter-
Goliaths ist lang. Ab sofort ist sie um ein Kapitel reicher: Nextdoor, der 60 Mio Visits* (Sep 2016: 36 Mio Visits) von 9,1 Mio Unique anderem Benchmark investiert ist und das auf dem Papier nehmensangaben zufolge hat Axel Springer bislang 90 Millionen US
internationale Marktführer unter den Nachbarschaftsnetzwerken, hat Visitors. Die US-Nutzerzahlen sind solide, wenn auch kein eine Milliarde wert ist, proklamiert die PR-Hoheit bei diesem Dollar in das Unternehmen investiert. Im November 2016 verkünde-
seine Plattform in Deutschland gelauncht und trifft auf Nebenan.de von echter Hockeystick. Es fehlen die Netzwerkeffekte anderer Deal für sich. Zweitens: Wenn Dein Deutschlandgeschäft ak- te Bonial CEO Christian Gaiser, das Unternehmen wolle seine aktive
Serienunternehmer Christian Vollmann, das in Deutschland ca. ein Jahr Social Networks. Investoren sind bei Moonshots generell ge- tuell nicht abhebt, dann willst Du erst PR machen, wenn die Nutzerbasis in den USA von 3 Millionen auf 10 Millionen steigern. Der
Vorsprung hat. Nachbarschafts-Social Networks könnten sich als dritte duldiger - ohne Beleg für das Geschäftsmodell, und der steht KPIs anziehen.“ Traffic der US-Seite ist jedoch seit März 2017 (16 Mio Visits) stark rück-
Stufe der Social Networks etablieren. Nach Facebook für Freunde und noch aus - dürfte der Erfolgsdruck auf das Gründerteam je- Auf der Suche nach einem Geschäftsmodell experimen- läufig (September 2017: 9,8 Mio Visits). Möglicherweise ist also die Be-
LinkedIn für das berufliche Netzwerk soll so die Kontaktaufnahme zwi- doch zunehmen. tiert Nextdoor USA seit kurzem mit Immobilien-Anzeigen. teiligung Axel Springers an Nextdoor der Vorbote eines internationa-
schen Nachbarn in Großstädten und Dörfern legitimiert werden. Eine weitere Problemzone von Nextdoor findet sich in Neben Groupon-ähnlichen Geschäftsmodellen sind digitale len Joint Ventures.
Alles wird sich in den folgenden Monaten um die Frage drehen, ob der schleppenden Internationalisierung. Nextdoor ist ne- Rubrikenmärkte die wahrscheinlichste Monetarisierungs-
eine Koexistenz zwischen Nebenan und Nextdoor möglich ist. Nahelie- ben den USA auch in Holland (Countryrank 1.234) und den option für Nextdoor. Sie sind unglaublich margenstark und ES BLEIBT SPANNEND
gender wäre ein gnadenloser Verdrängungswettbewerb. Glaubt man der UK (Countryrank 1.619) aktiv. Anfang 2017 hat man in den haben stark lokalen Bezug. Das passt also, denn Axel Sprin- So viel steht fest: Das Thema Nachbarschaftsportale wird uns in den
Gerüchteküche, bringt sich Nextdoor derzeit deutschlandweit in Stel- UK den dortigen Marktführer Streetlife übernommen. De- ger ist nach eigenen Angaben der größte Classified-Anbie- kommenden Monaten beschäftigen. Eine Kooperation zwischen
lung. tails zur Transaktion wurden zwar nicht veröffentlicht, aber ter weltweit. Zur Unternehmenstochter Axel Springer Digi- Nextdoor und Axel Springer könnte ein cleverer Schachzug für bei-
Nextdoor (gegründet 2011, Gesamtinvestment 210 Millionen US TechCrunch vermutete einen Kaufpreis von rund 10 Milli- tal Classifieds gehören u.a. Immonet, Immowelt, Stepstone, de sein. Oder ein Akt der Verzweiflung von Nextdoor, denn bislang
Dollar von zahlreichen Top-VCs sowie einer Bewertung von über einer onen Pfund. Die Übernahme wurde desaströs gemanagt: musste Nextdoor noch nie durch Medienpartner wachsen. Auch
Milliarde US Dollar) hat seine Community-Seite im Juni 2017 offiziell in Noch im Jahr 2016 verzeichnete Streetlife monatlich 4,4 Mil- stellt sich die Frage, ob nicht die Out-of-Home-Anbieter Ströer (nati-
Deutschland gestartet. Deutschland-Chef Markus Riecke ist ein erfah- lionen Visits von 684.000 Unique Visitors. Nach der Über- onal) oder WallDecaux (international) ein sinnvollerer Partner Next-
rener Manager, der Know-How aus Konzernen, der Startup-Landschaft nahme durch Nextdoor sind die Nutzerzahlen eingebro- door wären. Hier läge gegenseitiges Potenzial: Zum einen agieren die
und vor allem zu Classifieds mitbringt. Gerade im Startupumfeld agier- chen und liegen nur noch bei knapp 2 Millionen Visits und Out-of-Home-Anbieter hyperlokal und zum anderen könnten Nach-
te er aber in der Vergangenheit eher glücklos. Bei StudiVZ, wo er als Ge- 445.000 Unique Visitors. In Kürze dürfte die nächste Investi- barschaftsportale eine sinnvolle Verlängerung ins Digitale bedeuten.
schäftsführer aktiv war, „scheiterte Riecke offenbar daran, aus der reich- tionsrunde anstehen. Hier wird sich zeigen, wie viel Geduld, Wir drücken allen Beteiligten die Daumen und freuen uns auf span-
weitenstarken Internetseite eine Geldmaschine zu machen“, urteilte Vertrauen und Phantasie die Investoren dem Nextdoor-Mo- nende und facettenreiche nächste Monate.
damals die Welt. dell entgegenbringen.
Images

*alle Besucherzahlen stammen vom Branchendienst Similar Web


Nebenan

NEXTDOOR UNTER ZUGZWANG HOLPRIGER DEUTSCHLANDSTART


Foto: Getty

Nextdoor ist ein echter Moonshot und hat Potenzial zum lukrativen Der deutsche Markt zählt sicherlich zu den lukrativsten
Game Changer im Social Networking. Im Heimatmarkt ist Nextdoor Märkten weltweit. Die ersten drei Monate liefen für Next-
unangefochtener Marktführer. Laut Branchendienst Similar Web liegt door Deutschland jedoch eher mau. Bislang dümpelt die

80 berlinvalley.com berlinvalley.com 81
SUCCESS STORY SUCCESS STORY

Vom Sanierungsfall
zur erfolgreichen
Neuausrichtung
Finn Hänsel vom Umzugsstartup Movinga
über seine Learnings und die Maßnahmen,
die seinem Team aus der Krise halfen

Durchhaltevermögen … Investoren …
bH
ov i n ga Gm Movinga konnte sich nicht von einem Tag auf den ande- Was für das Team gilt, gilt auch für die Investoren. In vie-
M ik r Kun
den ren ändern. Performance, operative Standards und Kul- len anderen Investoren-Zusammensetzungen würde es
n e - Logist timiert fü e tur. All das sind Themen, für die man zwar früh Weichen Movinga heute nicht mehr geben. Wir sind extrem dank-
he: O
nli op s ein
vinga , indem e t und
Branc bung: Mo c h B ö glich stellen kann, bei denen die wahre Veränderung aber erst bar, Investoren zu haben, die mit uns ans Modell und ans
r e i n a r m
Bes c h n A g e eren
ge vo chun r and deutlich später eintritt. Und wenn diese dann endlich ein- Team geglaubt haben. Earlybird, GFC und Stephan Schu-
Umzü Online-Bu rt. Auf de r
che tie tik ü
f tritt, dauert es noch einmal lange, bis das auch in der ex- bert haben die Neuausrichtung sehr aktiv begleitet und
einfa li t ä t garan a die Logis ternen öffentlichen Wahrnehmung passiert. Das erfordert waren nicht nur Sparringspartner, sondern auch aktive
Qua ving
hohe rt Mo
e o p timie eine Menge Durchhaltevermögen von allen Beteiligten. Unterstützer. Ein solches Szenario ist in der Startup-Sze-
Seit n. ne nicht selbstverständlich.
itione CEO)
Sped e Hänsel ( Transparenz …
A g FO)
: Finn ke (C ) Marke …
Team ian Blasch uillat (COO Genau aus diesem Grund war auch gnadenlose Trans-
Flor d J a cq parenz gegenüber allen Gruppen wichtig, um Vertrauen Um Vertrauen zu schaffen, ist eine starke Marke extrem
erran 15
Engu 20 , wieder herzustellen. Das haben wir jetzt seit dem Som- wichtig. Mit Ralf Möller haben wir unseren perfekten
s jahr: t/GFC
ung
Gründ ter: 160 et I n terne Santo mer 2015 konsequent durchgezogen. Offen ansprechen, Hero gefunden, der für Zuverlässigkeit, Kraft und Ehrlich-
ock ert,
bei ird, R an Schub was die Probleme sind, was man verändert und was die keit steht. Und der auch persönlich in schweren Zeiten
M i ta r n : E arlyb te p h
tor e res, S Erwartungen daran sind. Ohne falsche Scheu. immer zu uns gestanden hat und weiterhin steht.
Inves Ventu
Index Capital n Eur
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e n t u re 8 M il lione Der Glaube … Technologie …
V :5
shöhe
nv e s tition .de Startups scheitern. Das ist ein täglicher und norma- Um ein Geschäftsmodell im Markttest zu belegen, darf
I ga
movin ler Prozess, besonders wenn sich herausstellt, dass die- es auch mal manuell zugehen. Aber um zu skalieren,
URL : se kein valides Business Model haben. Während unserer braucht es Technologie. Anderthalb Jahre Investment in
o
y heet .i Neuausrichtung war es immens wichtig, dass alle Betei- Automatisierung, Technologie und ein schlagkräftiges
red b
powe ligten an das Modell Movinga glauben: Investoren, Ange- Engineering-Team waren einer der größten Erfolgsfakto-
stellte und Management. Alle waren sich einig, dass das ren zur erfolgreichen Neuausrichtung. Um das Geschäfts-
Geschäftsmodell genial ist – nur eben einen sehr schlech- modell zu belegen, musste auch bewiesen werden, dass
ten Start hatte (um das mal vorsichtig zu formulieren). es 95 Prozent automatisierbar ist.
Dieser Glaube hilft, auch gegen alle Widrigkeiten immer
das Ziel im Auge zu behalten. Fokus …
Immer das Ziel vor Augen haben, sich fragen, „Was muss
Team … passieren, damit das Geschäft ein Erfolg wird?“, und sich
Es war sehr wichtig ein Team um einen zu haben, was für genau auf die Antworten fokussieren, ist immens wich-
das Business brennt und auch in harten Zeiten sehr loyal tig. Man darf zwar auch keinen Tunnelblick entwickeln,
ist – und eben Glauben und Durchhaltevermögen mit an aber in einer kritischen Phase muss man auf das setzen
den Tisch bringt. Vor allem muss es ein Team sein, was und investieren, was wirklich die Firma voranbringt.
immer wieder einen Aufbruch plant und nicht in alten Klingt selbstverständlich, ist aber oft in der Tagesroutine
Foto: Movinga

Verhaltensmustern feststeckt – das ist in solchen Situa- nicht ganz einfach.


tionen tödlich. Ich bin extrem stolz auf unser Team und
was hier alle geleistet haben.

82 berlinvalley.com berlinvalley.com 83
E
CRAFT BEER CRAFT BEER

DIE
S A N C
N A I S L T
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R DER V I E L F A
Wer hätte es gedacht?
Die im Sinkflug befindliche
Bierbranche erhält dank
mutiger junger Bier-Startups
neues Leben eingehaucht.
Das Phänomen Craft Beer
ist in Deutschland auf dem
Vormarsch und belegt, dass
es einen Biermarkt jenseits
industriell gefertigter
Massenbiere gibt. Handelt es
sich nur um ein temporäres
Phänomen oder tatsächlich
die Disruption des Biermarktes?
Von Nadine Meya
Fotos: Adam Wilson

84 berlinvalley.com berlinvalley.com 85
CRAFT BEER CRAFT BEER

der USA. Eine Art Urknall der sogenannten Renais­sance

I N K E N T !
DR DIFFER
des amerikanischen Craft Beers. Ungefähr zeitgleich er-
fuhr auch das Homebrewing einen Aufwind. Diese bei-
den Trends mündeten schließlich in einen echten Craft-
Beer-Boom – mit zählbaren Folgen: Gab es 1980 lediglich
acht Brauereien, so waren es 2014 schon 3400. Heute tei-
len sich 4269 US-Kleinbrauereien einen Marktanteil von
zwölf Prozent am Gesamtbierabsatz. Und die Erfolgsge- Ein Kommentar von Balázs Tarsoly
schichte geht weiter: Alleine im Jahr 2015 stieg das ame-
rikanische Craft-Brauerei-Absatzvolumen um 13 Prozent.
Das ist noch kein echter Massenmarkt, aber der Druck
Warum die Gastronomie
auf die Etablierten nimmt zu. So hat Beck's beispielswei-
se reagiert und experimentiert eifrig mit neuen Sorten
Craft Beer braucht – ein
wie „Pale Ale“ und „Amber Lager“.
Auch in Deutschland wächst die Zahl der neuen He- Appell an die systemische
rausforderer. Konträr zum sinkenden Bierkonsum entste-
hen immer neue Brauereien. In der Zeit von 2008 bis 2016 Vielfalt
ist die Gesamtzahl der Braustätten von 1328 auf 1408 ge-
stiegen. Grund genug, sich intensiver mit den neuen He- Wie oft bin ich wie im Schock im Restaurant oder
rausforderern zu beschäftigen und über Chancen und Ri- vor dem Kühlregal erstarrt, als ich erkannte: Die haben
siken zu sprechen. Im Rahmen eines Round Tables trafen ja nur die Standardbiere… Diese Momente sind seltener
wir die jungen Berliner-Brauereien Schoppe Bräu, BRLO, geworden – zum Glück. Geblieben ist der fahle Nachge-
Berliner Berg und Quartiermeister. Wir wollten wis- schmack, nie eine Wahl gehabt zu haben. Dieses Gefühl
sen, wie es ist, eine neue Brauerei zu gründen. Auf der der Machtlosigkeit braucht das Craft Beer in Hinsicht auf
Suche nach dem perfekten Geschmackserlebnis haben die (Un)Erreichbarkeit des Mainstreammarktes nicht zu
wir außerdem Rob McInerney vom englischen Startup haben: Der Weg zum Markt führt über die Systemgast-
IntelligentX befragt. Das junge Unternehmen braut ronomie und durch den Handel in die Herzen der Men-
das weltweit erste Bier mithilfe künstlicher Intelligenz schen. Apple hat gezeigt, dass man die Fans, die einen da-
und orientiert sich somit möglichst nah am Kundenge- für lieben, dass man der ewige Herausforderer ist, nicht
schmack. Völlig ohne technische Hilfsmittel kommt hin- verlieren muss, wenn die Marke den Mainstream erobert.
gegen Craft-Beer-Pionier Garrett Oliver, Brauer der le- Noch nimmt der Gastronom die Biermarke, die ihm die
gendären Brooklyn Brewery, aus. In unserem Interview Sonnenschirme auf der Terrasse zahlt. Zeitgleich erobern
gewährt er Einblicke, wie die Renaissance der Esskultur aber auch neue Trends den gastronomischen Alltag:
und der Craft-Beer-Trend zusammenhängen. Plötzlich gibt es überall coole „Bowls“, wo es vorher Teller
Deutschland, das Land des Reinheitsgebotes und der mit der aufkeimenden Craft-Beer-Szene einen spannen- Der Biermarkt ist ein Spiegelbild unserer Gesell- gab. Und ein Vapiano lässt seine Openings von hübschen

Fotos: Christin Hume


Fernsehbiere. Hier wird Biertradition noch groß geschrie- den Gegenentwurf zum Massengeschmack. Fernab vom schaft. Vieles ist in Bewegung. Der Preisdruck auf aus- Bloggerinnen moderieren und dokumentieren. Dem Gas-
ben. Sei es dank Bier, das aus „Felsquellwasser gebraut“ Schweinebauch-Preiskampf der Etablierten, präsentie- tauschbare Produkte wächst. Zeitgleich entsteht ein völ- tronom ist also alles recht, solange er die Sehnsüchte sei-
wird, um die „Perle der Natur“ oder um die Mittagspau- ren sich die jungen deutschen Craft-Beer-Marken diesbe- lig neues Qualitätsbewusstsein mit ungeahnter Vielfalt. ner Gäste befriedigt.
se im „Paulanergarten“. In Deutschland kommt das Fern- züglich noch recht immun. Die handwerklich hergestell- Wie auch immer das Rennen ausgehen wird – Sieger ist Wir alle wollen doch einfach nur eine gute Zeit mit
sehbier gefühlt kurz nach der Muttermilch. ten Biere öffnen vielmehr den Markt für zahlungskräftige so oder so der Konsument. Prost! Menschen verbringen, die wir mögen, weil sie unse-
Doch die Zeiten ändern sich. Statt Fernsehjingle à la Zielgruppen fernab des Mainstreams. Bier als Ausdruck re Identität bestätigen. Ähnlich verhält es sich mit Craft
„Sail away“ stimmen Deutschlands Brauereien ein in eine der Individualität. Vor Jahren noch undenkbar, sind Bier- Beer. Es ist Ausdruck unserer Individualität, da es eine
Kakophonie des Trübsals und des Jammerns. Der Grund: kenner plötzlich bereit, deutlich mehr für den außerge- Magie besitzt, die sich aus dem Kontrast der Einzigartig-
Der jährliche Pro-Kopf-Bierkonsum in Deutschland ist wöhnlichen Biergenuss zu zahlen. In einer Umfrage be- keit von „Craft“ und der Massentauglichkeit von „Beer“
eingebrochen – von rund 125 Litern in 2000 auf 104 Liter kannten sich immerhin sieben Prozent der deutschen nährt.
in 2016. Alleine in den ersten neun Monaten des laufen- Biertrinker als sehr häufige Craft-Beer-Konsumenten – Restaurants, in denen es Stühle in unterschiedli-
den Jahres ging der Bierabsatz in Deutschland um 3,1 Pro- Tendenz steigend. Und auch der Ernährungsreport 2017 chen Farben gibt, aber auch von allen Farben gleich viel
zent auf rund 72 Millionen Hektoliter zurück. Das Bier, das des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirt- und alle sind gleich neu, will keiner mehr. Das war okay
einst „so 'erlisch geprickelt hat in Haralds Bauchnabel“, schaft bekräftigt die fehlende Preissensitivität im Craft- für eine Zeit des Übergangs. Wir wollen das individuel-
prickelt also immer seltener. Die etablierten Brauereien Beer-Segment: Für Konsumenten ist der Geschmack von le Erlebnis mit Qualitätsgarantie. Das kann das regionale
liefern sich ein Rückzugsgefecht, Ausgang offen. Aktu- Lebensmitteln beim Kauf das entscheidende Kriterium. Craft Beer sein. Wie wäre es, wenn Vapiano Berlin BRLO
ell stehen mit Hasseröder und Diebels angeblich wieder Hinzu kommt, dass 73 Prozent der deutschen Konsumen- und Vapiano Frankfurt NAIV im Programm hätte? Der
zwei bekannte deutsche Biermarken zum Verkauf. Und ten auf Regionalität achten. Der Preis hingegen ist nur für Gast würde es sicherlich zahlend danken.
auch die erfolgsverwöhnte Brauerei Oettinger, immerhin 57 Prozent das ausschlaggebende Kriterium. Gute Voraus- Craft Beer sollte seine Vielfalt zelebrieren, denn ge-
Nummer zwei im deutschen Markt, hat sich unlängst von setzungen für regionale Brauereien, die beim Geschmack nau darauf begründet es sich. Es hat viele Gesichter: re-
ihren Geschäftsführern getrennt. Wobei das größte Sor- punkten, aber deren Craft-Biere zumeist teurer sind als gional, individuell, pragmatisch, urban, natürlich, aber
genkind der Branche weiterhin der ehemalige Marktfüh- die der industriellen Brauereien. auch Handwerk, Design, Luxus oder Kunst – alles ohne
rer Warsteiner ist, dessen Umsätze alleine in den letzten
E E R utes
gebra eich- Widerspruch und alles im eigenen Design. Bräuchte es
FT B handwer men ausz
Foto: Oliver Wendel

k li c h
CRrAaft Beer ist ehinbesondere sAsrotehen Kreatti-en.
zwei Jahren um circa zehn Prozent zurückgingen. Import aus der neuen Welt da nicht einfach nur noch einen Kanal, eine Online-Platt-
Der Craft-Beer-Trend findet seine Ursprünge in den Ver- form, die die Administration und Logistik für alle
Genuss fernab der Preissensitivität einigten Staaten der 70er Jahre, als lediglich sechs Brau- Ein C sich durc rgang r Zuta Craft-Beer-Hersteller übernimmt und für die Gastrono-
ie r, d as e s B rauvo ualität de den oft
Doch es gibt Hoffnung. Denn während sich der Markt der ereien den gesamten Markt dominierten. 1976 eröffnete B us d die Q wer mie bündelt? Sodass Vapiano mit einem Klick einkaufen,
m Fok hkeit und Biere
etablierten Brauereien zunehmend konsolidiert, gibt es The New Albion Brewery, die erste Craft-Beer Brauerei net. I lic d e re n
ut. aber in jeder Stadt individuell anbieten kann? Zumindest
Natür beson rei gebra
vität, hmacklich a u e auf Deutschland beschränkt, wäre das doch denkbar.
esc n Br
Die g ngige
r u n abhä
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86 berlinvalley.com in ein berlinvalley.com 87
CRAFT BEER CRAFT BEER

Wo in Deutschland finden wir die Anfänge des zur Auswahl, jedes sieht schöner aus und schmeckt fan-

R
Craft-Beer-Marktes und wie habt ihr eure Lei- tastischer als das andere. Du fühlst dich wie ein Kind im

E
denschaft dafür entdeckt? Schokoladenladen und weißt gar nicht, wo du zugreifen
Thorsten Schoppe: Nachdem ich mich entschlossen sollst. Dann kommst du zurück nach Deutschland und al-

E
hatte, zu brauen und mich hier in Berlin niederzulassen, les, wonach du greifst, schmeckt am Ende gleich. Diese

B
bin ich an die erste Craft-Beer-Brauerei in Deutschland Gleichförmigkeit haben wir getestet. Als wir loslegten,

E
geraten – die Bier Company in Kreuzberg. Die hat mich haben wir uns Menschen von der Straße geschnappt und

T
für die große Industrie versaut. Dort haben wir 150 ver- mit fünf Standardbieren aus dem Supermarkt eine Blind-

F L
schiedene Biersorten in einem winzigen Kessel gebraut. verkostung gemacht. Viele waren davon überzeugt, ihre

A B
Wir haben alles reingeschmissen, was „Kräuter Kühn“ Lieblingsbiere erkennen zu können. Mit dem Ergebnis,

C R N D ETA
im Angebot hatte. 1996 hat die Brauerei bereits Hanfbier dass niemand auch nur ein einziges Bier richtig zuord-
gebraut und damit eine riesige Welle ausgelöst, worauf- nen konnte. Das ist bezeichnend für den deutschen Bier-
hin sie vom Deutschen Brauer-Bund angefeindet wurde. markt. Das zu ändern und die deutsche Biertradition –
Sie waren einfach viel zu früh dran und der Markt war selbst die lokale Berliner Biertradition – wieder aufleben
noch nicht so weit. Sie mussten mangels Nachfrage zur zu lassen, ist eine große Motivation. Hinzu kommt, dass
Jahrtausendwende schließen. Heute sind die Aufmerk- sich bei den Konsumenten ein neues Premiumverständ-

U
samkeit und das Interesse der Öffentlichkeit ganz anders. nis entwickelt hat. Vor zehn oder 15 Jahren war der Be-

O
Damals war es den Menschen schon revolutionär genug, sitz von Statussymbolen noch wichtig. In unserem Kos-

R
wenn das Bier unfiltriert war. Heute ist eine ganz andere mos ist das gar nicht mehr gefragt. Wir definieren uns
Klientel für uns entstanden. über Produkte des täglichen Konsums. Das fing mit Le-

I M M
Katharina Kurz: Die Idee, Craft Beer herzustellen, bensmitteln und dem Bio-Boom vor 30 Jahren an. In den

R I U
hatte ich auf einer Australienreise im Januar 2014. Craft letzten Jahren hat der Trend auch die Getränkeindustrie

P REM
Beer war dort schon längst angekommen. Es gab dann erreicht. Plötzlich sind kleine Manufakturen im Bereich

D ER diesen Moment, als ich in einem Bottleshop stand und Limonade relevant. Dieser Prozess ist jetzt am Biermarkt

VON
P E ERS
ein Sixpack kaufen wollte. Die Sortenvielfalt war so groß, angekommen. Die Menschen fragen nicht mehr so stark

ZUR DES
dass ich mich nicht entscheiden konnte. In Deutsch- die Massenbiere nach, sondern kaufen Bier von kleineren

I
land ist mir das zwar auch schon passiert, nur aus an- Brauereien. Damit grenzen sie sich ab. Sie schauen sehr

T I M B
derem Grund: Hier war es mir immer egal, welches Bier viel genauer hin, wie nachhaltig ein Produkt entwickelt
ich nehme, weil sie einfach austauschbar waren. Und das wird und wie groß der Impact dahinter ist. Ganz nach
ist seltsam, denn jeder machte coole Limos, Wodkas und dem Motto: Man ist, was man isst.
Gins, aber beim Bier passierte in Deutschland nichts. Die
Wahrnehmung hat sich erst in den letzten Jahren geän- Immer mehr Craft-Beer-Anbieter drängen auf
dert. den Markt. Seht ihr euch untereinander eher als
Michele Hengst: Bei mir war es nicht Australien wie Konkurrenten oder als gemeinsame Wegbereiter
bei Katharina, sondern Kanada. Dort habe ich die Bierthe- eines neuen Biertrends?
ken kennen- und lieben gelernt. Man hat hunderte Biere David Griedelbach: Die Industriebiere sind immer

Vier Player, eine Leidenschaft: Im Rahmen CH


ELBA
eines exklusiven Fachgesprächs haben die V I D GRIED NGST
DA E HE
Craft-Beer-Jungunternehmer David Griedelbach M ICHEL

(Quartiermeister), Michele Hengst (Berliner Berg), Unternehmen: Quartiermeister -


korrekter Konsum GmbH
Unternehmen: Berliner Berg GmbH
Person: Michele Hengst, Geschäftsführerin
Katharina Kurz (BRLO) und Thorsten Schoppe Person: David Griedelbach, Geschäftsführer & URL: berlinerberg.de
Fotos: Alexander Freundorfer

Mitgründer Gründung: 2015


(Schoppe Bräu) über Konkurrenz, Markt und den URL: quartiermeister.org
Gründung: 2010
Mitarbeiter: 10
Biere im Sortiment: 6
Trend hin zu einer neuen Biervielfalt diskutiert Mitarbeiter: 7 + 25 Ehrenamtliche im Verein
Biere im Sortiment: 4

88 berlinvalley.com berlinvalley.com 89
CRAFT BEER

SCH OPPE KURZ


A
RSTEN ARIN
THO KATH

Unternehmen: Schoppe Bräu GmbH Unternehmen: BRLO


Person: Thorsten Schoppe Gründer, Braumeister, Person: Katharina Kurz, Co-Founder und
Gesellschafter Geschäftsführerin
URL: schoppebraeu.de URL: brlo.de
Gründung: 2001 Gründung: 2014
Mitarbeiter: 9 Mitarbeiter: 12 Brauerei, 35 Gastronomie
Biere im Sortiment: 14 Biere im Sortiment: 7

noch stark beim Verbraucher verankert. Wenn eines un- auf die Qualität der Produkte geachtet zu haben. Der
serer Biere gekauft wird, ist das schon viel wert. Da ist Preis war entscheidend für den Kauf eines Produktes. So
es fast egal, welche Marke es ist. Hauptsache es ist nicht bestimmt der Verbraucher den Markt und wenn er es bil-
mehr Beck's, Pilsener Urquell oder Radeberger – und das lig will, dann bietet der Markt das enstprechend an – so-
ist der erste Schritt. Der Konsument ist oftmals noch wohl im Supermarkt als auch in der Gastronomie. Das In-
nicht aufgeklärt genug, um die Unterschiede zwischen teresse, wie wir es gerade haben, wird schon schwächer.
unseren Brands zu kennen. Von daher funktionieren wir Für bestimmte Bierstile wird der Craft-Beer-Trend den-
sicher gut zusammen aber in dem Moment, wo sich der noch nachhaltig sein, da sich die Biervielfalt langfristig
Konsument für eine Marke entscheidet, tut es einem von breiter etablieren wird.
uns weh. Katharina Kurz: Wenn du dir den Alkoholmarkt an-
Michele Hengst: Konkurrenz belebt das Geschäft. schaust, ob Spirituosen oder Bier, ist es interessant zu se-
Der Markt wird immer größer und ich freue mich auf die
Herausforderungen, die der Trend mitbringt. Für uns als
Brauerei ist es gut, dass so viele Player auf dem Markt sind
und jeder seine Nische besetzt. Und auch für den Verbrau- „Die Menschen fragen
cher ist es fantastisch, dass es mittlerweile eine solche
Biervielfalt gibt. Außerdem arbeiten wir ja alle auf das glei-
nicht mehr so stark die
che Ziel hin: weg von den standardisierten Industriebieren
und hin zu einer neuen Biervielfalt in Deutschland.
Massenbiere nach, son-
Katharina Kurz: Einen gewissen sportlichen Ehrgeiz
gibt es sicherlich. Aber im Verbund funktioniert die Viel-
dern kaufen Bier von
falt besser. Wenn du als Craft Beer alleine neben Beck's
und Warsteiner im Supermarktregal stehst, hast Du einen
kleineren Brauereien.
schweren Stand. Hast du aber ein gut gepflegtes Craft-
Beer-Regal mit 20 anderen Brauereien und 100 verschie-
Damit grenzen sie sich
denen Sorten, sieht das natürlich anders aus. Daher be-
finden wir uns an einem Punkt, an dem wir tatsächlich
ab“
gemeinsam vorangehen sollten, um den Markt zu entwi-
ckeln. Es gibt ja noch viel Luft nach oben. hen, dass Marken in der Regel über die Gastronomie auf-
gebaut werden. Im Kontext der Gastronomie müssen wir
Was fehlt Euch, um von Gastronomie und Handel Craft-Beer-Brauerein zusammenarbeiten. In Berlin hast

The Digital Me
akzeptiert zu werden? du Glück, wenn der Wirt einen Hahn frei hat. Da kommt
Fotos: Alexander Freundorfer

Thorsten Schoppe: Mir geht die Gastronomie inzwi- dann einer von uns dran – für mehr ist kein Platz. Und
schen auf den Geist. Ich stehe kurz davor, es bleiben zu die vielleicht 15 ernsthaften Craft-Beer-Bars unterstützen
lassen, da es so schwierig ist, überhaupt reinzukommen. nicht nur die Berliner Szene, sondern jagen auch immer
Es gibt ein paar Craft-Bars in der Gegend. Wenn du ein neuen, seltenen, ausländischen Craft-Bieren hinterher.
neues Bier hast, darfst du mal zwei Fässer vorbeibringen. Nur von diesen Bars kann man als Brauer nicht leben.
Wenn die leer sind, war es das dann meistens aber auch.
Michele Hengst: Vor allem die Preissensibilität spielt
Es gibt aber immer mehr wegweisende Gastronomen,
die sich auf die Kombination von Bier und Essen einlas-
Das Ego in Zeiten des Internets
eine Rolle. Deutschland ist dafür bekannt, lange Zeit nicht sen. Sie binden das Bier aktiv in ein Menü ein. So wird
200 Seiten, 20 Euro turi2.de/edition5
90 berlinvalley.com
CRAFT BEER CRAFT BEER

Auf welche Herausforderungen muss sich ein kommst nicht mal einen Ansprechpartner, mit dem du
junger Craft-Beer-Brauer einstellen, womit hat- einen Preis verhandeln kannst, sondern einen Listenpreis
tet ihr zu kämpfen? – friss oder stirb.
Katharina Kurz: Die letzen Jahre waren ein wilder
Ritt und wahnsinnig viel Arbeit. Das Allerschwierigste Wie steht es um euer Wachstumspotenzial? Any
sind Logistik und Effizienzen. Logistik is a Bitch. Bier ist last words?
ein Produkt, das schwer ist, bewegt werden muss und zü- Thorsten Schoppe: Der Verbraucher will, dass wir
gig verbraucht werden muss. Das ist nicht wie bei einem klein bleiben. Sobald du den Prozess digitalisiert hast,
Gin, von dem eine Bar eine kleine Kiste kauft und die ein bist du schon nicht mehr Craft. Um Craft zu sein, musst
paar Monate dasteht. Du brauchst genug Kisten zum Ab- du deinen Kessel mit einem drei Meter langen Holzlöffel
füllen und die verschiedenen Braustätten müssen koordi- umrühren. Vor ein paar Tagen war der Brauer der Brook-
niert werden. Ständig geht irgendetwas schief. Wir haben lyn Brewery, Garrett Oliver, bei mir. Er hat erzählt, dass
jetzt eine Fuck-up-Liste eingeführt, um zu prüfen, was al- es immer interessanter wird, je größer sie werden, da
les schiefgeht. Das gibt uns Aufschluss über die Sparpo- sie mehr experimentieren können. Sie haben das Geld,
tenziale gesetz den Fall, es würde alles reibungslos lau- um sich auszuprobieren. Es muss in den Markt inves-
„Um Craft zu sein, fen.
Michele Hengst: Generell ist es so, dass wir neue
tiert werden. Ich war früher auch kleiner und habe nur
für mich alleine sorgen müssen. Es ist schön zu wachsen.
musst du deinen Kessel Wege gehen und versuchen, smartere Lösungen für Pro-
bleme zu finden. Das ist der Gründer- und Unternehmer-
Das ist nicht nur unternehmerisch gesund, sondern dein
Produkt wird auch immer besser.
mit einem drei Meter geist, der noch in uns steckt und den wir auch brauchen. Katharina Kurz: Wir sind in Deutschland noch ganz

langen Holzlöffel
Wir haben unsere Brauerei in einem denkmalgeschütz- am Anfang. Da ist noch unglaublich viel Luft nach oben
ten Gebäude gebaut. Das war natürlich ein Riesenakt. An- und wir müssen aufpassen, dass wir uns jetzt nicht ka-

umrühren“
sonsten ist die Logistik auch bei uns ein großes Thema. puttreden, bevor es richtig angefangen hat. Brauereien,
Wir stehen in einer Abhängigkeit zu kartellartigen Struk- die jetzt die Botschafter der Szene sind, wird teilweise
turen. Es ist egal, wen du anfragst, du bekommst von je- vorgeworfen, sie seien schon zu groß. Betrachten wir die
dem den gleichen Preis. Nehmen wir beispielsweise den Hektoliter, ist dieser Vorwurf einfach lächerlich. In die-
Bereich Rahmen. Die Lieferanten reden einfach nicht mit sem Kontext müssen wir aber aufpassen und müssen
dir, wenn du nicht eine halbe Million Leerrahmen auf diese deutsche Erwartung, man müsse noch mit einem
einmal bestellst, wie es Beck's und Co. machen. Du be- Löffel dastehen und selbst rühren, überwinden.
das Thema den Konsumenten Stück für Stück näher ge- Wie steht es um die Etablierung eurer Marken?

Fotos: Alexander Freundorfer


bracht. Und dann folgt irgendwann der Einzelhandel. In Kennen Euch die Verbraucher schon und gibt es
Deutschland agiert der Handel teilweise zu schnell. Vie- schon echte Fans?
le Einzelhändler wollen ein Craft-Beer-Regal machen. Ich David Griedelbach: Wahrscheinlich sind es noch
würde lieber noch ein bisschen warten, denn wir wissen viele Impulskäufe von Menschen, die Craft Beer mal im 15./16. NOVEMBER 2017
nicht, ob der Verbraucher schon so weit ist. Das Schöne Fernsehen gesehen oder davon gehört haben. Dann ge-
ist aber, dass Craft Beer mit Bier-Klischees aufräumt und hen sie in den Edeka und sehen ein Craft-Beer-Regal, fin- MARITIM HOTEL BERLIN BILÄUM
wir die Biere genauso spannend präsentieren können wie

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den es zwar teuer, nehmen aber mal eine Flasche mit.

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andere Spirituosen. In Berlin gibt es schon viele Vorrei- Und plötzlich ist das Regal leer. Momentan gibt es großes

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ter. Wir brauchen aber noch mehr und müssen der Ge- Interesse – dank der Presse – aber auch dank einer gewis- www.handelskongress.de
sellschaft erklären, was es mit dem Trend auf sich hat. sen Neugier der Verbraucher.
David Griedelbach: Der Schritt in den Supermarkt Michele Hengst: Der Berliner Craft-Beer-Markt ist

M
JU U
ist gerade für junge Biermarken eine Herausforderung.
Ab einer gewissen Größe des Partners macht man sich
differenziert vom Rest der Republik zu betrachten. In Ber-
lin ist das Thema schon sehr weit. Hier hast du im Super-
BILÄ
unter Umständen abhängig. Man muss vorfinanzieren, markt definitiv Kunden, die ganz explizit nach unseren
die kapazitären Grundlagen schaffen und braucht Kisten
und Flaschen. Zudem muss man wissen, ob es eine Lis-
Marken greifen, also echte Fans. National sieht es ganz
anders aus.
JETZT ANMELDEN!
tungsgebühr gibt. Gibt es offiziell keine, kann es durch- Katharina Kurz: Wir alle haben Fans von unseren
aus sein, dass diese nachträglich erhoben wird. Von die- Marken. Da ist ein wirklicher Markenaufbau erfolgt. Un-
sen Spielchen hört man oft, auch aus anderen Branchen. sere Biere sprechen nicht nur die Nerds an, sondern vie-
Daher muss man abwägen, ob der Weg in den Handel le neue Leute, die an das Thema Craft Beer herangetragen »KUNDeN. VerTraUeN. DaTeN. – THe NeW CUSTOMer eXPerIeNCe« U.a. MIT
wachstumsfördernd ist oder eher ein Risiko darstellt. werden. Die fragen nicht nur nach den ausgefallenen Sor-

© Jennifer Fey
Trotzdem sind wir beispielsweise in der Bio Company, ten, sondern auch nach unseren „normalen” Bieren, die
bei LPG und Alnatura. du im Supermarkt bekommst. Darüber hinaus bieten wir
Thorsten Schoppe: Es ist sinnvoll, sich relativ breit ein echtes Gastronomie-Erlebnis. Wer uns besucht, kann
aufzustellen. Wer weiß, wie lange die Craft-Beer-Wel- BRLO erleben. Unser Brauhaus ist unsere Heimat. Da be-
le noch rollt. Ich war vorher am Markt und würde auch kommst du Tee-Bier oder Berliner Weiße mit Stachelbee-
gerne hinterher noch da sein. Aber wenn wir in den Ein- ren. Und in der Folgewoche haben wir dann irgendetwas
zelhandel gehen, bekommen wir Probleme mit den Fach- anderes Tolles. Es ist diese Mischung, die den Unter-
händlern. Ein Supermarkt kann das Bier günstiger anbie- schied macht und Storytelling ist natürlich auch wichtig.
ten. Die Fachhändler bestellen dann noch die Blaubeer-, Du brauchst Geschichten, die du um deine Marke herum JOSEF SANKTJOHANSER, Präsident, Handelsverband Deutschland (HDE) | CHRISTIAN LINDNER, FDP-Bundesvorsitzender | ALEXANDER BIRKEN, Vorstandsvorsitzender, Otto Group |
Rosmarin-, Chili- und Sauerbier-Sorten. Die Standardbie- erzählen kannst. Aber zuerst muss natürlich die Bierqua- RALF KLEBER, Country Manager Germany, Amazon | JOHN GEROSA, Director Retail Markets, Google Germany GmbH | DUNJA HAYALI, Journalistin & Moderatorin (Moderation
re gibt es dann im Einzelhandel. Die Specials gibt es in lität auch stimmen. Sonst trinkt man es einmal und kauft Deutscher Handelskongress) (v.l.n.r.)
den Craft-Beer-Läden. es nicht wieder.

Eine gemeinsame Veranstaltung von Top-Sponsoren


92 berlinvalley.com berlinvalley.com 93
CRAFT BEER CRAFT BEER

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H A U S T I DMEM O F F
G E N A
B R A U K E *
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LEM Die deutschen Brauer sehen Craft-Biere als Bereiche-
rung. Viele der Mitgliedsbrauereien des Brauer-Bundes –
kleine, mittlere wie große Betriebe – sind erfolgreich im
Craft-Segment unterwegs, zum Teil schon seit vielen Jah-
Was sind die heutigen Herausforderungen für ei- Hat Craft Beer das Potenzial zur Tradition? ren. Wir sehen in Deutschland und Europa eine Entwick-
nen Brauer und wie verändert sich der Markt? Die Brewers Association, die „Erfinder“ des Begriffs lung, von der alle Brauer profitieren: Craft gibt den Brau-
Die mediale Aufmerksamkeit für das Thema „Craft“ „Craft“, definiert diesen eindeutig mit starkem Fokus auf ereien die Chance, Braukunst, Braukultur und Biervielfalt
hat den Markt geöffnet. Dadurch ist es für uns einfacher Handwerk und Regionalität, aber z.B. auch Kreativität. Das wieder stärker in den Mittelpunkt zu rücken, die Wertig-
geworden, die eigenen Produkte im Lebensmitteleinzel- entspricht im Wesentlichen der Art und Weise, wie die keit des Genussmittels Bier zu steigern und neue Konsu-

Fotos: BRAUEREI LEMKE BERLIN GMBH, Julia Schwendner, Christian Thiel/Marc-Oliver Huhnholz
handel oder bei den Zwischenhändlern zu positionieren. meisten kleinen und mittelständischen deutschen Brau- mentenkreise zu erreichen.
Ansonsten sind es vor allem die Regularien, die unsere Ar- er ohnehin arbeiten. Im Grunde handelt es sich somit le- Wir schätzen, dass es allein in Deutschland mittler-
beit erschweren und Gewinne schmelzen lassen. Die Infla- diglich um eine Entwicklung zurück zu den Ursprüngen weile rund 6.000 verschiedene Biermarken gibt, wobei
tion bei den Bau- und Lohnkosten macht es zudem sehr des Bierbrauens, gewürzt mit einer Prise zusätzlicher Kre- das Pils mit über 50 Prozent Marktanteil in der Beliebt-
schwer, noch rentabel zu arbeiten. Beide Faktoren wer- ativität. Neu und sehr erfreulich ist die mediale Aufmerk- heit der Verbraucherinnen und Verbraucher unangefoch- Marc-Oliver Huhnholz, Pressesprecher,
den zukünftig zu erheblichen Preisanstiegen für die Kon- samkeit, die das Thema Bier mit dem Aufkommen des Be- ten auf Platz eins steht, gefolgt von den Sorten Export- und Deutscher Brauer-Bund e. V.
sumenten führen. griffs „Craft“ wieder genießt. Ich gehe davon aus, dass sich Weizenbier. Wenn neuerdings immer mehr hopfen- und
„Craft“ dauerhaft als Marktsegment etablieren wird. malzbetonte, aromaintensive Biere als „Craft-Biere“ die Es gibt tief in Bayern Familienbrauereien, die seit Jahr-
Zur Zeit starten viele neue Brauereien. Rechnest deutsche Biervielfalt bereichern, wird damit der seit jeher hunderten brauen und nun auch erfolgreiche Craft-Biere
du auch mit einem Brauerei-Sterben der etablier- * An dieser Stelle nochmal herzlichen Dank an das Brau- vielfältige Biermarkt noch facettenreicher. Tatsache ist: anbieten. Und es gibt Familienbrauereien, die einmal ganz
ten? haus Lemke für die Beherbergung des „Craft Beer Round Nirgendwo ist der Biermarkt so abwechslungsreich wie in klein angefangen haben und heute ihre nationalen Marken
Das Brauerei-Sterben hat ja schon vor vielen Jahren Tables“. Deutschland, in keinem anderen Land haben die Verbrau- im Fernsehen bewerben. Die deutsche Brauereilandschaft
stattgefunden. Der Ausstoß der neu gegründeten Brauerei- cherinnen und Verbraucher eine größere Auswahl. Deut- und die regionalen Biermärkte sind so bunt wie nie zuvor.

ERLIN
en ist so minimal, dass er den Großen auf absehbare Zeit sche Biertrinker könnten rein rechnerisch mehr als 15 Jah- Wir sollten diese Biervielfalt genießen statt zu versuchen,
nicht schaden dürfte. Im Gegenteil: Eine steigende Wer- KE B re lang jeden Tag ein anderes Bier probieren. sie in Schablonen zu pressen.
tigkeit des Produktes Bier in den Augen des Konsumenten ER EI LEM
sollte dazu führen, dass auch die etablierten Brauer wie- BRAU
der vernünftige Preise für ihre Produkte verlangen können
und somit auch deren Überleben sichern. Person: Oliver Lemke, Gründer, Inhaber und
Geschäftsführer
Beim Oktoberfest steigen die Bierpreise jedes URL: lemke.berlin nur einen verhältnismäßig kleinen Anteil des deutschen
Jahr. Bei den sogenannten Fernsehbieren stag- Gründung: 1999 mit Lemkes Spezialitä- Biermarktes einnehmen – dieser ist dafür aber umso lu-
nieren sie. Wie ist die Situation im Einkauf? ten-Brauerei, Brauhaus am Hackeschen krativer, wie ein Blick in die USA zeigt, die uns in Sachen
Die Bierpreise in Deutschland, gerade im Bereich Fla- Markt Biervielfalt um Jahrzehnte voraus sind. Hier liegt der
schenbier sind ein Skandal. Produktionsaufwand und Ka- Mitarbeiter: 12 Marktanteil der Craft Breweries bei 12,3 Prozent Markt-
pitaleinsatz für die Produktionsmittel stehen im im Ver- Biere im Sortiment: 8 anteil, deren Umsatzanteil bei 21,9 Prozent. Eine Entwick-
gleich zu anderen Getränken in keiner Relation. Eine lung, von der alle Beteiligten profitieren: Die Lieferanten
Preiskorrektur ist dringend erforderlich. Die inflationäre freuen sich, dass ihre Rohstoffe wieder wertgeschätzt
Preisentwicklung im Einkauf zeigt das umso dringlicher. werden und über Aroma und Qualität gesprochen wird,
statt über Menge und Preis; wir Brauer können ohne
Kompromisse handwerklich brauen, was uns gefällt;
die Händler, die am Verkauf einer herkömmlichen Kis-
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BIER
LE) durch TOPF te Bier schon lange nichts mehr verdienen, sie haben an
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Kehrwieder Kreativbrauerei Oliver Wesseloh e. K. lich und vor allem die Konsumenten, die keinen billigen
Einheitsbrei wollen, sie haben eine Auswahl spannender
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e e fe Meng hland h lk Wir leben Bier, beschäftigen uns den ganzen Tag da- Produkte, die sie nach ihren Bedürfnissen und Gelegen-
1. BIE rke n n , H en s ic n A
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uss ke er, H en ut wu n e ss . h bild mit und haben auch schon alle unsere Freunde „versaut“ heiten auswählen können.
Wass cheid gebra s Guin en sic
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c h r- e au res- – ein Fernsehbier rühren die auch nicht mehr an. Die me- Auch wenn die große Masse vermutlich immer über
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b s c o re M OM s diale Aufmerksamkeit ist groß und endlich wird wieder den Preis die Kaufentscheidung trifft, egal ob beim Bier
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. 5. AR pfen sorgen iergeschma p- E I T SGEB und besag ßer positiv über Bier berichtet, Bier ist wieder in aller Munde. oder auch beim Kaffee, bei der Schokolade oder beim
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Malz Aro omple der B Wir kreativen Brauer verzeichnen Wachstumsraten, Fleisch, wächst die Gruppe derjenigen, die finden, dass
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arten IPA . Hopfe sa n t e n m e is e B ie w u r a n d e rg e s
ines d t das d wir
d sisch Es inen ss e r h von denen die großen Brauereien nur träumen können, Geiz nicht geil ist und die sich wieder damit auseinander-
bier. E zene is chlan s klas au s k e d W a
Bock -Bee r - S Deuts er da Bier fe un
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lässt . lz, He denn der Gesamtmarkt schrumpft seit Jahren. Dennoch setzen, was sie zu sich nehmen und wie, womit und unter
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werden wir mit unseren kreativen Bieren auch langfristig welchen Bedingungen die Produkte hergestellt werden.
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94 berlinvalley.com berlinvalley.com 95
CRAFT BEER CRAFT BEER

Es ist das alte Problem: „Wir geben um die 60 Milli- Bier ist nur der Anfang
arden für Marktforschung aus. 75 Prozent der neuen Pro- Das Unternehmen hat Traction und große Plä-
dukte scheitern jedoch noch im ersten Jahr. Dann geben ne: Man möchte internationalisieren. Auch ABI soll in
wir 500 Milliarden für Werbung aus, um zu kompensie- den kommenden Monaten als echte Plattform erreich-
ren, dass die falschen Produkte hergestellt werden und bar werden. Bislang war das AI-Bier in der Brauerei der
die Leute davon zu überzeugen, sie zu kaufen“, erläutert Gründer zu bekommen. Die KI wurde lediglich über die
Rob McInerney vom Londoner Startup Intelligent Layer auf Flaschen abgedruckte URL „gefüttert“. Und natürlich
die Mechanismen des Marktes. Wer McInerney als Visi- möchte man die Produktpalette erweitern.
onär bezeichnet, liegt sicherlich nicht ganz falsch. Der
Jungunternehmer beschäftigt sich seit seinem Studium Die Krux der Technologie oder wohin mit
mit Anwendungsfeldern der künstlichen Intelligenz. Mit der KI – ein neues Marketing
seinem Unternehmen Intelligent Layer ist nun der erste „Wir wollen das kundenzentrierteste Produktunter-
Schritt gemacht, maschinelles Lernen und computerba- nehmen der Welt werden und eine Veränderung der In-
sierte Entscheidungen in die Produktion echter Produkte dustrie bewirken, bei der die Wünsche der Verbraucher
zu implementieren. Das Ziel: Unternehmen dabei zu hel- im Fokus stehen.“ Denn viele Verbraucher sind von der
fen, nur noch Produkte zu entwickeln, die Konsumenten derzeitigen Produktvielfalt schlichtweg überfordert: „Die
wirklich wollen. Verbraucher haben nicht das Gefühl, von der Industrie
gehört zu werden. Sie erhalten nicht die Produkte, die
Intelligent Layer hat zur Erprobung ihrer sie haben wollen. Und auf die Änderung von Geschmack
KI ein spannendes Produkt identifiziert: reagieren Unternehmen oft nur mit der Anpassung von
Bier Werbung und Marketing. Diesen Missstand wollen
Wie in anderen Teilen der Welt boomt die Craft wir beenden.“ Inwieweit dies gelingen wird, hängt für

I ER
Beer Szene auch in London. Diesen Trend machen sich McInerney davon ab, wie sehr diese Unternehmen ihre

B
McInerney und sein Cofounder Hew Leith zu Nutze. Geschäftsmodelle anpassen können.

R T E M TEN „Craft Beer ist ein Produkt, das sich ständig verändert. Die Hersteller sollen dabei natürlich auch von der

IE RTES
Mittlerweile werden Biere angeboten, die wir vor fünf Technologie profitieren. „Betrachten wir einen normalen

I S
oder sechs Jahren sicher nicht gesehen hätten. Der Ge- Brauer. Er experimentiert und bringt dann ein neues Re-

O N L
A TRIE E N
schmack der Menschen hat sich sehr verändert – und er
verändert sich weiter“, erklärt McInerney.
zept auf den Markt. Viele Brauer gehen noch in Kneipen
und hören sich an, was die Verbraucher zu ihrem Produkt

P E R S Z E N E H M Ihr Startup-Projekt IntelligentX versucht mithil- zu sagen haben, sie führen mini Fokusgruppen durch und

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fe von künstlicher Intelligenz (sie nennen es Automati- machen Marktforschung. Mit unserer Technologie kön-

MIT N D E
U K T U E LT N T E R sche-Brau-Intelligenz – ABI), das perfekte Bier zu produ-
zieren. Damit dies gelingt, legt man im wahrsten Sinne
nen Produzenten in viel größerem Umfang mit Fokus-
gruppen arbeiten“, beschreibt McInerney die Vorteile der

ZUM K
des Wortes ein „Intelligentes Layer“ zwischen Verbrau- KI. Sie dient dem Austausch von Wissen und soll den Ver-

O D U DER W
cher und Brauer. Dabei entsteht ein spannender Prozess: brauchern eine Stimme verleihen, die normalerweise un-

PR
Konsumenten, die das AI Bier trinken, geben mittels ABI gehört bleiben.
Feedback und definieren dadurch die Bierrezeptur nach
ihrem Geschmack. Ein Leben mit KI
Ob und inwieweit wir bald nur noch die Produkte
Zwischengelagerte Intelligenz kaufen, die wir tatsächlich wollen, ist nicht vorhersehbar.

Die Einsatzmöglichkeiten künstlicher Intelligenz


„Wir arbeiten mit Algorithmen, die den Verbrau- Die Demokratisierung der Produktionsprozesse ist dank
chern Fragen stellen, Feedback sammeln und dieses in- IntelligentX auf einem vielversprechenden Weg. Es bleibt

scheinen unendlich und schwer zu fassen. Dass


terpretieren. Diese Erkenntnisse fließen in die Verbesse- abzuwarten, in welchen anderen Lebensbereichen „Intel-
rung der Rezeptur des Bieres ein“, so McInerney. „Unsere ligent Layer“ helfen können, Prozesse in Richtung „gutes

wir die Schwelle zum Zeitalter der KI überschritten


Algorithmen sind gut darin, Variablen zu identifizieren, Leben“ zu optimieren.
die sich verändern könnten. Dann sammeln sie zu diesen

haben könnten, wird durch IntelligentX deutlich.


Variablen detailliertere Informationen, um schließlich
das Rezept entsprechend anzupassen.“

Gründer Rob McInerney über sein Unternehmen,


das er zum kundenzentriertesten Unternehmen der
Foto: IntelligentX

Welt bauen möchte.


Von Nadine Meya

96 berlinvalley.com berlinvalley.com 97
CRAFT BEER

N D E N
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VO
Von Nils Lennard Behrens

Über den weltweit ersten Beer-Hackathon


70 Techies, Geeks, Designer und Coder kamen im Partner finden, während die Brauerei ihre Leerlaufzei-
September 2017 zum ersten Craft Beer Hackathon in ten reduzieren kann. Eine Nummer größer war das Kon-
der Brauerei BRLO zusammen.Das gemeinsame Ziel: die zept des Teams Brauerei-Experiment Evaluation Rootkit
Craft-Beer-Szene nachhaltiger zu gestalten. Unterstützt (BEER). Mittels branchenspezifischer Optimierungsalgo-
wurden die 17 Teams von erfahrenen Mentoren der Ber- rithmen soll maschinelles Lernen in den Brauerei-Prozess
liner Brauerei-Szene, unter anderem von Stone Brewing implementiert werden.
Berlin, Schneeeule, The Mash Pit, Bierfabrik und Hopfen-
helden. Den Innovationen der Craft Beer Brauereien schei-
nen im Rahmen der Digitalisierung keine Grenzen ge-
Die teilnehmenden Teams verfolgten unterschied- setzt. Aber sind die erhaltenen Ergebnisse auch zu ver-
lichste Konzepte. Das Coder-Team Crosslend ein Block- wenden? „Der erste Craft Beer Hackathon war für uns ein
chain-basiertes Kollaborations-Tool, das Bierbrauer als voller Erfolg, bei dem alle Teilnehmenden viel Spaß hat-
Genossenschaft vernetzt, um den Einkauf von Rohstoffen ten und über ein ganzes Wochenende großartige Ideen
zu optimieren und transparenter zu gestalten. Das Team entwickelten, wie man Craft Beer nachhaltiger und we-
Brewup zielt auf Gypsy-Brewers, also auf Bierbrauer ohne niger analog gestalten könnte“, resümiert Katharina Kurz,
eigene Brauanlage, und bringt Brauereien und Bierher- Geschäftsführerin von BRLO. Auch unter den teilneh-
steller zusammen. Der Brauer soll so einen verlässlichen menden Teams gab es nur strahlende Gesichter, weil man
24 Stunden mit Forschen, Diskutieren, Coden und natür-
lich Trinken verbringen konnte. Bei der anschließenden
Preisverleihung gab es für die Sieger einen Jahresvorrat
an Craft Beer und eine Party im BRLO Brewhouse.

Die Ergebnisse des Hackathons wurden unter dem


Label Open Source entwickelt und sind allen Interessier-
ten unter gitlab.com/brlo-hack zugänglich.
Fotos: BRLO

98 berlinvalley.com
CRAFT BEER

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Heute ist Craft Beer in aller Munde. Auf der gan-

E R N
zen Welt greifen die Menschen nach IPAs, Stouts und

A
E
Pale Ale. Das Ergebnis eines Lernprozesses: „Wir muss-


B T
ten den Menschen beibringen, was es mit Craft Beer auf
sich hat. Das ist ungefähr so, wie wenn du Menschen

E N
Jazz vermitteln möchtest. Du gibst ihnen das Bier und
erklärst, wie es entstanden ist und warum es besonders

„A M
ist. Dann kombinierst du es mit dem passenden Essen.

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Das machst du immer wieder und wieder.“ Inzwischen

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hat der Craft-Beer-Pionier das „Craft-Erlebnis“ auf über
900 Bier-Tastings, Dinnern und Kochvorführungen in 16
Ländern präsentiert. Doch seine Mission ist damit noch
lange nicht abgeschlossen. Inzwischen hat Oliver auch
mehrere Bücher über Bier in der Kombination mit Es-
sen veröffentlicht. Denn natürlich will er möglichst vie-
le Menschen zum Umdenken bewegen. „Es wird immer
Menschen geben, die nur die ihnen bekannten Biere trin-
ken werden. Viele Verbraucher denken bei Bier weiterhin
an die 90 Prozent der Marken, die schon seit Jahrzehnten
im Supermarkt stehen.“ Oliver überrascht das nicht. Für
Garrett Oliver ist ein Überzeugungstäter. Der Brau- aufgeschlossene Konsumenten sind die neuen Biere eine
er der legendären Brooklyn Brewery in New York hat die Bereicherung. „Der Wandel ist da und die Menschen wol-
Anfänge des Trends Craft Beer in den Staaten miterlebt len die neuen Biere, doch sie müssen erst einmal verste-
und mitgestaltet. Er erinnert sich noch gut an die Zeit, als hen, dass das Neue einen Platz in ihrem Leben einneh-
Craft Beer nicht mehr war als eine Idee. Heute scheint er men kann. Früher haben sie für eine Tasse Kaffee auch
stolz darauf, eine Bewegung mitkreiert zu haben, die für nur 50 Cent bezahlt und heute geben sie ein Vielfaches
ein neues Bewusstsein steht: Der durch herkömmliche aus.“
Biermarken in Vergessenheit geratene, besondere Bierge-
schmack ist zurück.
Von der Wiedergeburt der Aus Wasser wird Bier
„Die Menschen wollen
Esskultur und der Öffnung Es war ein langer Weg, an dessen Anfang nicht mehr
stand als die Idee eines Marktes. Es gab keine Spur der
die neuen Biere, doch
des Craft-Bier-Marktes. Biervielfalt, wie wir sie heute kennen. Im Gegenteil. Oli-
ver erinnert sich an die kulinarische Tristesse, die in den
sie müssen zunächst
Craft-Beer-Pionier Garrett Staaten vorherrschte: „Lange Zeit aßen wir sehr einfache
Lebensmittel. An so etwas wie einen Spezialitätenladen
verstehen, dass das
Oliver ist überzeugt: Der zu denken, wäre absurd gewesen. Amerikanischer Käse Neue einen Platz
in ihrem Leben ein-
war nicht mehr als Plastik. Das Brot glich einem chemi-

Wandel des Biermarktes


schen Schwamm und das Bier schmeckte wie Wasser.“

nehmen kann“
Ein Aufenthalt in Europa öffnete ihm die Augen. Seine

ist Teil eines neuen


Leidenschaft für Bier war geweckt und zeigt sich heute in
einer Symbiose aus alter und neuer Welt. „In Europa ent-
deckte wir die Grundlage, veränderten sie, kombinierten
Qualitätsbewusstseins sie mit anderen Dingen und schickten sie zurück.“
In der 1988 von Steve Hindy und Tom Potter gegrün-
„A Beer and a moment“ vs. deutsches
Reinheitsgebot

Fotos: The Brooklyn Brewery / Carlsberg Deutschland GmbH


Von Nadine Meya dete Brooklyn Brewery fand Oliver den Hort seiner Krea- „An guten Tagen kannst du sehen, wie Menschen die
tionen. Den heutigen Erfolg der Szene sieht er als Ergeb- Erkenntnis ereilt. Auf den ersten Blick nur ein kleiner Mo-
nis harter Arbeit und Durchhaltevermögen. „Ende der ment, aber mit einer Veränderung gleichbedeutend mit
90er Jahre kam langsam ein neues Qualitätsbewusst- einem Plus an Lebensqualität. Wie bei der Entdeckung
sein auf, speziell bei Lebensmitteln. Doch für Bier galt das guter Musik. Die behältst du dein ganzes Leben.“ Ob die-

O L I VEroRoklyn Brewe-ry zunächst nicht.“ Um die neuen Biersorten zu etablieren, se Kreativität auch ein Angriff auf das Reinheitsgebot ist?

ETT der B d Com musste es gelingen, den Konsumenten nicht nur einma- „Ich denke nicht, dass wir das Reinheitsgebot herausfor-
GAettRORliver ist Buratouredr es „The Ortxlifcohr für vielegu- lig, sondern dauerhaft zu erreichen. „Natürlich kannst du
Menschen dazu bringen, etwas zu probieren. Die Kunst
dern. Es hat die Qualität des deutschen Bieres bewahrt,
aber auch die Kreativität unterdrückt. Als wolle man eine
Garr k und
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rantw echter von er
N e w Yor r ”. Er ist ve Verf eich ist aber, sie dazu zu bekommen, von alleine nach dei- Symphonie kreieren, bei der man auf 30 Prozent der Ins-
in
n t o Bee io n e n, ein e b e r zahlr nem Produkt zu fragen.“ Die Etablierung dieser Nachfra- trumente verzichtet. Du bist dann noch in der Lage, eine
panio va t Gast g die
-Inno ssen, cher,
-Beer em E rer Bü . ge war für Oliver eine der größten Herausforderungen: gute Symphonie zu komponieren, aber sie wird niemals
Craft it g u t e h re
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ier m utor m g befass „Es war, als wäre man ein Fisch und hätte keinen Ozean. dieselbe Tiefe besitzen wie mit allen Instrumenten. Wir
tem B ings und A P airin
a s t o o d Wir mussten erst den Ozean erschaffen und ihn befüllen. haben diese Instrumente wiederentdeckt und ich bin
Bier-T Beer and F Dann erst konnten wir darin schwimmen.“ froh, dass sich so viele Brauer dafür interessieren.“
h m it
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100 berlinvalley.com berlinvalley.com 101


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Für Investoren bietet das Vereinigte Königreich außerdem etwa Woran sollten Start-ups im Bereich Steuern denken?
unter bestimmten Voraussetzungen mit dem Entrepreneurs’ Bereits im Stadium der Unternehmensgründung werden die
Relief eine steuerliche Entlastung beim Verkauf von Unterneh- steuerlichen Weichen gestellt: Die Wahl der passenden Rechts-
mensanteilen durch Anwendung eines Steuersatzes von nur form des Unternehmens und die Form der eigenen Beteiligung
10 Prozent auf den Veräußerungsgewinn. Außerdem werden In- der Gründer kann nämlich später, zum Beispiel bei der Aufnah-
vestitionen in junge Unternehmen im Rahmen des Enterprise In- me von Investoren, eine große Rolle spielen.
vestment Scheme beziehungsweise des Seed Enterprise Invest-
ment Scheme steuerlich gefördert, indem Investoren einen Teil Häufig unterbewertet wird von den Start-ups auch der Bereich
ihrer Kosten gegen die persönliche Steuerlast verrechnen kön- Umsatzsteuer. Falsch behandelt kann sie völlig unabhängig von
nen. Entsteht beim Verkauf der Anteile ein Gewinn für den Inves- der tatsächlichen Gewinn- oder Verlustsituation als Kostenfak-
tor, ist er nach einer Haltefrist steuerfrei. Zudem können aus ei- tor das wirtschaftliche Aus für ein Geschäftsmodell bedeuten.
nem Verkauf resultierende Verluste steuerlich geltend gemacht
und gegen andere positive Einkünfte gerechnet werden, sodass Die steuerliche Komplexität steigt zudem überproportional, so-
die Steuerbelastung insgesamt sinkt und die Kosten fehlge- bald ein Start-up grenzüberschreitend tätig wird, um in weiteren
Nicole Kunas ist Partnerin im Bereich Interna-
schlagener Investitionen verringert werden. Ländern gleichzeitig sein Geschäftsmodell auszurollen und da-
tional Tax Services bei EY in Berlin und sieht
beim Thema Steuern für Start-ups beileibe
mit Skalierungseffekte zu nutzen. Werden die steuerlichen Rah-
nicht nur Risiken, sondern Chancen zur vor- menbedingungen dabei nicht berücksichtigt, kommt es häufig

„Bei Start-ups steht am


teilhaften Nutzung und Gestaltung. zu einer Fehleinschätzung des Compliance-Aufwands und sogar
zu nicht einkalkulierten Kosten des Geschäftsmodells in Form

Anfang die Verwirklichung


ausländischer Steuern.

ihrer innovativen Geschäfts-


Große steuerliche Komplexität erleben wir auch und gerade

STEUERN FÜR GRÜNDER


beim Einstieg von internationalen Investoren. Hier geht es regel-

idee im Mittelpunkt der


mäßig darum, die Realisierung von stillen Reserven nur für steu-
erliche Zwecke ohne entsprechenden Cashflow aus der Transak-

Aufmerksamkeit“
tion für das Unternehmen oder die Gründer zu vermeiden.

Und wieso sollte sich ein Unternehmensgründer mit diesen Fra-


gen an EY wenden?

Oft außerhalb des Fokus und möchte ich hier den Erhalt der Steuerfreistellung von Gewin-
nen aus dem Verkauf von Streubesitzanteilen wie auch die an- Wieso ist das Thema Steuern und steuerliche Compliance für
Der Einsatz von Erfahrung und Spezialkenntnissen, über die EY
als weltweit beratendes Unternehmen verfügt, ist in jedem Fall
doch existenziell: EY-Partnerin teilige Freistellung des Carried Interest von vermögensverwal- Unternehmensgründer aus deiner Sicht so wichtig? dann ein Vorteil, wenn es um Aufgaben geht, bei denen Start-
tenden Fonds. Aus meiner Sicht muss die neue Bundesregierung Bei Start-ups steht am Anfang der Unternehmensentwicklung ups kostspielige Fehlentscheidungen treffen können. EY wendet
Nicole Kunas spricht über steuer- den eingeschlagenen Weg weiter verfolgen und die Attraktivität häufig und zu Recht die Verwirklichung ihrer innovativen Ge- hier einen integrierten Ansatz an. Im Rahmen der EY Start-up-
liche Themen in Start-up-Un­ter­­ Deutschlands als Standort für Unternehmensgründer und ihre
Investoren weiter steigern.
schäftsidee im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Wir beobach-
ten daher oft, dass der von Beginn an erforderliche und konse-
Ini­tiative bieten wir abgestimmte Dienstleistungen und Bera-
tung aus verschiedenen Bereichen wie Finance & Accounting,
nehmen und den Steuerstandort quent zu betreibende Aufbau von Unternehmensprozessen und Steuern, Recht und Transaktionen an. Das ermöglicht uns in
darunter auch die richtige Abwicklung steuerlicher Verpflich- Teams, die mit der Kultur und den Geschäftsmodellen von Start-
Deutschland aus Sicht von tungen nicht immer früh genug und mit ausreichender professi- ups vertraut sind, sinnvolle Lösungen auch und besonders für die
Investoren und Start-ups „Deutschland könnte
oneller Unterstützung erfolgt. steuerlichen Themen bei Start-ups zu erarbeiten.

gerade im Vergleich mit


Gleichzeitig wachsen erfolgreiche Start-ups besonders schnell. Um welche steuerlichen Fragestellungen kann es sich dabei
Dadurch werden Prozessschwächen schnell zu Hindernissen bei konkret handeln?

anderen Ländern noch


Nicole, wie siehst du den Start-up-Standort Deutschland aus der weiteren Entwicklung und auch bei der Suche nach Inves- Abhängig vom jeweiligen Entwicklungsstand des Start-ups be-
steuerlicher Sicht? toren, wenn etwa notwendige Informationen nicht oder nicht in ginnt das Spektrum bei der steuerlichen Beratung und Unter-

deutlich mehr steuerliche


In den letzten Jahren gab es mehrere Initiativen, um Start-ups ausreichender Qualität beschafft werden können oder steuerli- stützung in Investitionsrunden und dabei insbesondere bei Fra-
auch steuerlich zu fördern. Das Förderprogramm INVEST etwa che Compliance-Defizite im In- und Ausland aufgearbeitet wer- gen betreffend die Strukturierung von Beteiligungen durch

Anreize bieten“
begünstigt private Investitionen durch Business Angels in junge, den müssen. Der dann beginnende nachträgliche Aufbau der Investoren. Häufig gibt es auch Beratungsbedarf zu Mitarbeiter-­
innovative Start-ups mit einem steuerfreien Erwerbszuschuss Prozesse und die Vergangenheitsbewältigung sind sehr zeitauf- Beteiligungsprogrammen und, wie bereits angesprochen, im Be-
und einem Exitzuschuss, das heißt einer pauschalen Erstattung wendig, häufig teuer und verzögern den weiteren Expansionskurs. reich der Umsatzsteuer.
von Steuern auf Gewinne aus der Veräußerung von Anteilen.
Auch mit der jüngsten Einführung eines fortführungsgebunde- Sobald Start-ups sich mit ihrer Geschäftstätigkeit internationa-
nen Verlustvortrags zur Verrechnung mit zukünftigen Gewin- Wie siehst Du das deutsche Steuerrecht bei der Förderung von lisieren ist eine Steuerberatung durch Experten im Bereich des
nen nach einem Anteilseignerwechsel will der Gesetzgeber aus- Start-ups im internationalen Vergleich? internationalen Steuerrechts und mit Verständnis der Besonder-
drücklich insbesondere Start-ups vor nachteiligen Steuerfolgen Deutschland könnte gerade im Vergleich mit anderen Län- heiten von digitalen Geschäftsmodellen essentiell. Hier geht es
schützen. Da Investoren sich häufig nur gegen Übernahme von dern, in denen eine ausgeprägte Start-up-Kultur herrscht, noch Eine Liste der Leistungen, die EY für jede Phase der Ent- darum, steuerliche Risiken einzuschätzen und die tatsächlichen
Anteilen bei Start-ups engagieren, verbessert gerade diese Neu- deutlich mehr steuerliche Anreize bieten. Blickt man auf das wicklung eines Start-ups anbietet, ist auf unserer Website Kosten der Internationalisierung im Steuerbereich zu verstehen
regelung die Situation der jungen Unternehmen. Vereinigte Königreich oder Israel, sieht man Verbesserungs- start-up-initiative.ey.com dargestellt. Wenn ihr Interesse da- und soweit möglich gering zu halten. Denn gerade bei digitalen
potenzial beispielsweise bei der Besteuerung von Mitarbei- ran habt oder in Zukunft Neuigkeiten von der EY Start-up-Ini- Geschäftsmodellen stellen sich regelmäßig sehr komplexe und
Deutschland hat in den vergangenen Jahren durch eine Reihe ter-Beteiligungsprogrammen und bei der Innovationsförderung tiative erhalten möchtet, schreibt einfach eine E-Mail an schwierigen Problemen, die zu lösen sind, damit Steuern nicht
von Maßnahmen Fortschritte dabei gemacht, ein Start-up-för- mittels steuerlicher Sonderregelungen, die einen Steuerabzug nicole.kunas@de.ey.com. zum Hindernis für den Geschäftserfolg werden. Hier sind wir auf-
derliches Steuerrecht zu schaffen. Diese Rahmenbedingungen von Forschungs- und Entwicklungskosten und eine Steuerent- grund der langjährigen Erfahrung unserer Teams und unseres
müssen unbedingt bewahrt und ausgebaut werden. Nennen lastung bei den Investoren und Gründern ermöglicht. globalen, integrierten Expertennetzwerks sehr gut aufgestellt.
5 JAHRE BVDS 5 JAHRE BVDS

5
JAHRE
BVDS
IM RENNEN UM DIE RICHTIGE POLITIK
Der Bundesverband Deutsche Start-
ups feiert sein fünfjähriges Die Gründung eines Verbands ist
ein großer Schritt. Was waren eure
Stellen noch Überzeugungsarbeit zu leisten.
Nicht selten müssen Strömungen innerhalb
FDP, die quasi ihr gesamtes Wahlprogramm
auf Digitalisierung aufgebaut hat. Jetzt sind

Bestehen. Höchste Zeit für ein Motive?


Florian Nöll: Der Verband ist Mittel
der Parteien, die Startups positiv gegenüber
stehen, gegen jene unterstützt werden, die
sie in der Pflicht, das auch umzusetzen. Und
die Grünen dürften mit Tatendrang in eine

Zwischenfazit. Florian Nöll und zum Zweck. Ausschlaggebend für die Grün-
dung war die Erkenntnis, dass das deutsche
andere Dinge auf der Agenda haben. Das sind
teilweise dicke Bretter, die es zu bohren gilt.
neue Regierung eintreten. Wir haben bei vie-
len Themen Gemeinsamkeiten. Viele Gründer

Sascha Schubert, die Vorsitzenden Startup-Ökosystem nicht weit genug war,


um international mithalten zu können. Wir Wie bewertet ihr die Bundestags-
wählen die Grünen aus persönlicher Über-
zeugung oder im Kontext von Themen wie

des BVDS, im Interview


stellten uns die Frage, woran das lag. Die- wahl? Wo seht ihr Chancen und Nachhaltigkeit, Energie oder Mobilität. Wich-
se Frage treibt uns heute noch an und mün- Risiken? tige Themen, bei denen wir ein guter An-
det in weitere, beispielsweise wie wir unser Sascha Schubert: Wenn Jamaika kommt, sprechpartner sind.
Foto: David Lemanski

Ökosystem grundsätzlich weiterentwickeln sehe ich das als Chance. Wir haben eine Uni- Florian Nöll: Ich denke nicht, dass es un-
Das Gespräch führte Jan Thomas. können. Deutschland liegt beim Funding-Vo- on, die sich in den letzten Jahren klar zur sere Aufgabe ist, Parteien zu bedauern. Wenn
lumen und bei der Anzahl der Börsengänge Startup-Industrie bekannt hat. Hier sind An- überhaupt, bedauern wir das Ausscheiden
noch weit hinter den USA zurück. Leider tref- sprechpartner, die eingearbeitet sind und vo- einzelner Personen. Wir hätten sicherlich ger-
fen wir noch immer auf ein politisches Un- raussichtlich auch in der nächsten Legisla- ne weiter mit Brigitte Zypries zusammenge-
verständnis. Deshalb haben wir an diversen tur eine Rolle spielen werden. Wir haben eine arbeitet.

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55JAHRE
JAHREBVDS
BVDS
Projektmanagement
und Collaboration Software
Zalando aus Deutschland kommt. Das ist ein ner mehr. Das führt zu konkretem Handeln
Problem und ein gutes Beispiel für unser Ta- an allen Stellen. In den Berliner Universitäten
gesgeschäft, die Wahrnehmung für die Star- werden eigene Mittel zur Verfügung gestellt.
Get things done! Anstatt deine Zeit
tups zu schärfen. Die Hochschulen, die ehemaligen Fachhoch-
schulen erhalten ein Gründungszentrum, in mit E-Mails und in Meetings zu
Wenn man in diesem Kontext jetzt dem sie alle zusammen arbeiten. Die Politik verschwenden ...
mal ketzerisch sagen würde: Rösler, muss hier nicht nur einmal angestoßen wer-
Gabriel und Zypries haben eigent- den. Das ist dann die Aufgabe einer Interes-
lich als Wirtschaftsminister aus senvertretung, wie wir es sind.
Sicht der Startups überhaupt

Besser
nichts erreicht? Was muss jetzt von der neuen
Florian Nöll: Das würde ich nicht un- Regierung gefordert werden,
terschreiben. Rösler hat 2012 ein Maßnah-
men-Papier zur digitalen Wirtschaft vorge-
gibt es Handlungsempfehlungen,
Stichwort Startup Agenda?
zusammenarbeiten
stellt, das in der Legislatur der rote Faden
war. Es wurden Themen wie das Börsen-
Florian Nöll: Wir brauchen mehr Grün- geht ganz einfach.
der. Das ist eine Frage der Bildung – aber auch
segment abgehandelt oder der Wagniskapi- das Thema einer Kultur der zweiten Chan-
tal-Zuschuss. Es waren wichtige Themen zur ce. Jeder zweite Deutsche sagt, er würde
KfW enthalten – dass sie wieder als Anker­ nicht gründen, weil er Angst vorm Scheitern
investor in Venture-Capital-Fonds fungiert. habe. Das ist eine immense Bremse. Ein wei-
Irgendwie – auch wegen unserer Arbeit – ha- terer Punkt ist das Thema Finanzierung. Wie
ben wir es geschafft, dass die Bundesregie- schaffen wir es, aus den Kapitalsammelstel-
rung auch 2013, obwohl die FDP nicht mehr len – Versicherungsfonds und Pensionskas-
dabei war, diesen roten Faden weitergespon- sen – Eigenkapital zu mobilisieren. Wir ha-
nen hat.

Das heißt, der Geist


der FDP war nach
„Wir brauchen ein
wie vor präsent?
Sascha Schubert: Man
Zuwanderungsge-
hat zumindest gute Kon-
zepte nicht verworfen. Ein
setz, denn Vielfalt
Interview im Wework Potsdamer Platz: Für Florian Nöll und Sascha Schubert
steht fest, es gibt noch viel zu tun.
Sigmar Gabriel war nicht ist für uns erfolgs-
entscheidend“
immer sehr präsent, womit
wir nicht immer glücklich
waren. Aber das neue Bör-
Wie ist euer Gefühl gegen- wurde, angekommen – auch bei den Grünen. Florian Nöll: Wir brauchen ein eigen- sensegment hat er von An-
über den Politikern, mit Ich denke, dass die Grünen am ehesten in der ständiges Digitalministerium. Da wir in erster fang bis Ende durchgedrückt und seinen Teil ben Vorschläge gemacht, wie eine Umsetzung
denen ihr künftig arbeiten Lage sind, destruktiv zu denken und Themen Linie ein Wirtschaftsverband sind, der Star- zur Umsetzung beigetragen. In der gleichen aus dem deutschen Mittelstand heraus bezie-
müsstet? radikal zu hinterfragen. In diesem Punkt äh- tup-Interessen vertritt, nimmt dieser Punkt Zeit war Brigitte Zypries diejenige, die quasi hungsweise den vererbten Eigenkapitalmas-
Sascha Schubert: Bei denen, die auf po- neln sie einem Startup. natürlich einen großen Stellenwert ein. die Fahnen hochgehalten hat und sich trotz sen, die auf Tagesgeldkonten von Familien-
litischer Ebene Verantwortung bekommen, Sascha Schubert: Bei der Berliner Wahl anfänglicher Skepsis den Respekt der Szene unternehmen rumliegen, funktionieren kann.
sind wir optimistisch, dass wir entweder Habt Ihr einen Wunschkandidaten für haben wir zuletzt, relativ laut einen Digital- erarbeitet hat. Bei ihr hatte man keinen Zwei- Hier geht es um steuerliche Anreize. Mit-
das Amt des Wirtschafts- oder Internetsenator gefordert. Der wurde fel daran, dass sie Lust hat und nicht bloß ir- arbeiterbeteiligungsprogramme müssen in

„Startups bilden ministers?


Florian Nöll: Nee, wir
nicht geschaffen. Es gibt in jeder Partei einen
Mittelstandsbeauftragten, einen für Groß-
gendwie musste. Deutschland richtig geregelt werden. Als drit-
te Säule ist ein Zuwanderungsgesetz nötig,

den Mittelstand von haben mit dem liberalen


Wirtschaftsminister Rös-
oder Familienunternehmen. Unser Ziel ist
es, dass in jeder Partei bei der Frage danach,
Was ist daraus entstanden? Welche
Maßnahmen oder Instrumente
weil Vielfalt für uns erfolgsentscheidend ist.
Kostenlos ausprobieren unter
morgen, oder sogar ler gut zusammengearbei-
tet, genauso wie mit zwei
wer für Startups zuständig ist, drei oder vier
die Hand heben. Dazu muss klar kommuni-
hat Brigitte Zypries tatsächlich
umgesetzt?
Apropos International - ihr seid auch
außerhalb von Deutschland aktiv.
www.wrike.com/de
die Basis für die sozialdemokratischen Wirt-
schaftsministern. Wir kom-
ziert werden: Startups bilden den Mittelstand
von morgen, oder sogar die Basis für die Welt-
Sascha Schubert: Ein wirtschaftspoliti-
sches Instrument ist die KfW. Da sind die Mit-
Florian Nöll: Wir wollen Gründungs-
standorte verbinden. Dazu haben wir ein Is-
Weltmarktführer men mit einer Ramona Pop
gut klar, haben gute Bezie-
marktführer von morgen. Zalando ist ein sehr
junges Unternehmen, das an der Börse glaube
tel erhöht wurden und mit Coparion wurde
ein Fonds geschaffen, in dem 225 Millionen
rael-Programm initiiert, das israelischen
Startups hilft, den Weg nach Deutschland
von morgen“ hungen zu den Ministern in
Baden-Württemberg oder zu
ich fast so viel wert ist wie Lufthansa. Davon
gibt es immer mehr – relativ jung und rela-
liegen. Auch ein High-Tech Gründerfonds
hat mehr Mittel bekommen. Das geht nur
zu finden – entweder im Rahmen der Suche
nach Mitgründern aus Deutschland oder bei Keine unnötigen E-Mails, weniger
einer CDU-Wirtschaftsminis- tiv groß. Diese Unternehmen stehen am An- mit Unterstützung des Wirtschaftsministeri- der Suche nach Industriepartnern. In Indien
Statusmeetings und schnellere
Fotos: David Lemanski

gute Beziehungen haben, auf die wir aufbau- terin in Hessen. fang ihrer Geschichte, nach zehn Jahren ist ums. Jedes Landwirtschaftsministerium und machen wir etwas ähnliches. Indien ist ein
en oder neue Beziehungen etablieren können. ja nicht Schluss. Bei SAP ging es nach dem jede Landesbank hat ihre Fonds erhöht. Die riesiger Markt. Mit Blick auf die Entwicklung Entscheidungswege – die
Wir hatten ein sehr effizientes Wirtschafts- Und wie sieht es beim Thema Digital­ Börsengang erst richtig los. Das Unterneh- grundsätzliche Richtungsänderung pro Start­ von China, wo inzwischen viele deutsche Zusammenarbeit in Wrike macht
ministerium, das offen für Startups war und ministerium aus? Was muss eurer Mei- men ist von 1000 auf rund 80.000 Mitarbei- ups hat dazu geführt, dass die Länder viel Startups unterwegs sind und wesentliche
Teams effizienter. Auch agile
viel getan hat. Das Thema ist aber auch in den nung nach passieren, um den nächsten ter gewachsen. Ich habe letztens mit einem mehr gemacht haben. Früher hieß es Startups Umsatzanteile machen, sehen wir in Indien
Parteien, in denen es früher nicht verstanden Schritt zu gehen? Politiker gesprochen, der wusste nicht, dass sind nicht relevant. Inzwischen sagt das kei- große Potenziale. Wir wollen den Markt be- Arbeitsweisen lassen sich darüber
abbilden. Bestens geeignet für
Startups, die etwas erreichen wollen.
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5 JAHRE BVDS 5 JAHRE BVDS

treten, um den Weg für Startups zu ebnen


und den Wissensaustausch zu organisieren.
steht dann, dass 75 Prozent es machen und
gleichzeitig 95 Prozent denken, dass es nicht
gut funktioniert.
ler gesagt hat, wir brauchen ein Börsenseg-
ment, danach Gabriel damit konform ging,
da hatten wir die Themen plötzlich im Koali-
DIE ERSTEN SCHRITTE
Eine weitere Eurer Aktivitäten ist tionsvertrag. Bis dahin mussten wir Grundla-
der Startup-Monitor, der gerade zum Gibt es Meilensteine und Ziele für gen klären: Was ist ein Startup? Wie finanziert
fünften Mal erschienen ist. Was ist die kommenden fünf Jahre? Wann es sich? Welche Rolle spielt da die Börse? Wa- Als Internet-Unter-
Eure Motivation dabei? sagt ihr „Mission accomplished“? rum haben wir nicht die Zeit, zu besprechen,
Florian Nöll: Wir wollen erklären, wie die Sascha Schubert: Ein Unternehmen, das was alles schiefgelaufen ist, sondern müssen nehmer und stellver-
Startup-Welt funktioniert. Aus Beobachtun-
gen lässt sich nicht ermitteln, wie sich zum
in den letzten zehn Jahren gegründet wur-
de und bei dem die Gründer noch operativ
nach vorne blicken und zur Kenntnis neh-
men, dass die Staaten in der gleichen Zeit aus
tretender Vorstands- Trotz seiner gerade

Beispiel die Startup-Szene in Leipzig oder in an Bord sind – soll in den DAX. Dazu gehört ihrer New Economy „The Economy“ gemacht vorsitzender des BVDS einmal 31 Jahre gehört
Thomas Bachem zu
Kaiserslautern entwickelt. Wir brauchen ei- ein geschlossener Finanzierungskreislauf, haben und wir nicht – zumindest nicht in der
nen Beleg, die empirische Unterfütterung für das heißt auch ein funktionierender Börsen- Digitalwirtschaft auf Weltniveau. Deshalb ist kennt sich Thomas den wichtigsten Akteu-
ren der Startup-Szene.
unsere politische Agenda. markt. Zudem müssen wir einen kulturellen
Wandel schaffen. Jeder
meine Herangehensweise: Was machen wir
in den nächsten drei bis fünf Monaten? Da
Bachem mit den Hür-
den des Geschäfts aus.
„Mit Visionen muss Student muss die eigene
Gründung als Berufsziel in
wird ein Koalitionsvertrag geschrieben. Was
dann im Vertrag steht, wird vielleicht um-
Diese finden nicht
man nicht zum Arzt Erwägung ziehen.
Florian Nöll: Ein re-
gesetzt. Was nicht drinnen steht, wird auf
keinen Fall umgesetzt. Es muss für uns das selten ihren Ursprung
gehen, sondern an gelmäßiger Austausch
mit der Politik ist wich-
oberste Ziel sein, zu klären, wie viele Gesprä-
che und mit wem wir diese führen müssen, in der Politik und
die Börse!“ tig. Nicht nur Studen-
ten sollen an Startups
damit die wichtigsten Punkte unserer Agenda
aufgenommen werden.
markierten den Start-
Sascha Schubert: Es müssen Fakten ge-
denken, auch die Politik schuss des BVDS. Ein
– mehr als jetzt. Wir wollen daran arbeiten, Noch eine letzte Frage. Glaubt ihr,
schaffen werden. Wir wollen herausfin- dass die Finanzierungslücke zu anderen Län- dass ihr manchmal zu nah an der Rückblick auf die An-
den, ob ein Programm beim Gründer ange-
kommen ist und welchen Einfluss es auf die
dern weiter geschlossen wird. Künftig kön-
nen Forderungen, wie ein Prozent des Versi-
Politik dran seid und deshalb keinen
ausreichend kritischen Dialog führt?
fangstage des BVDS
Strukturen hatte. Nehmen wir das Thema cherungsgeldes aus bestimmten Bereichen Florian Nöll: Mein Eindruck ist, dass uns
Frauen: Der Anteil von Frauen in Startups, soll in Wachstumskapital investiert werden, viele andere Verbände dafür beneiden, dass
die Startups gründen, steigt – langsam, aber das Ökosystem antreiben, sodass unser Fi- wir es geschafft haben, viele persönliche Be-
stetig. Auch Entwicklungen bei den Schwer- nanzierungsrückstand im Vergleich zur Größe ziehungen zu etablieren. Und meine feste
punkten der Szene interessieren uns. Früher der USA nicht einen Faktor sieben oder acht Überzeugung ist, dass es uns in den letzten Von Nadine Meya
stand Fundraising thematisch auf Platz eins. zeigt, sondern vielleicht noch zwei oder drei. fünf Jahren nicht davon abgehalten hat, im
Inzwischen ist das Thema Vertrieb wichtiger Wir können kein Google, kein Facebook bau- entscheidenden Moment auch Zähne zu zei- Wir schreiben das Jahr 2010. Immer wie-
geworden. Es ist wichtig, Bescheid zu wissen, en, wenn wir es uns leisten, nur zwei Milliar- gen und auf politische Freundschaft keine der waren „Startup-feindliche“ Gesetzgebun-
um zu entscheiden, ob man mit der Politik den in Startups zu investieren. Rücksicht zu nehmen, wenn es für die Star- gen im Gespräch. Der Aufschrei innerhalb der
spricht. Betrachten wir die Zusammenarbeit Sascha Schubert: Es hat mich viele Ge- tups wichtig war. Gründerszene war zwar groß, außerhalb der
zwischen Startups und etablierter Wirtschaft. spräche gekostet, der Politik zu erklären, Szene jedoch nicht zu hören. Zeit also, sich
Jeder beschäftigt sich damit, aber keiner dass man mit Visionen nicht zum Arzt gehen Gehör zu verschaffen. Motiviert von der Idee
weiß, wie der Status ist. Im Startup-Monitor muss, sondern an die Börse. Damals, als Rös- einer unabhängigen Stimme war schnell klar,
dass dieses Ziel nicht erreicht werden könn-
te, würde man sich einfach nur in einen exis-

Fotos: Bundesverband Deutsche Startups, Max Threlfall, Manuel Dolderer


tierenden Verband eingliedern. „Ich wollte
verhindern, dass wir den bestehenden Ver-
bänden zu ähnlich werden, denn die waren,
zumindest in der Außenwahrnehmung, sehr
angestaubt und bürokratisch. Eine Neugrün-
dung speziell für Gründer machte viel mehr
Sinn“, erinnert sich der damals 24-jährige Ba-
chem zurück.
damit aktiv beschäftigen wollten“. Und doch Der Schlüsselmoment war, als Florian
VOM MECKERN ZUM MACHEN gab es einen engen Zirkel mit Personen wie Nöll, heute Vorsitzender des BVDS, parallel

ÖLanLds des BundUenstveerr-


-
C H U BErsRitzTender des A CHdEsvoMrsitzenderfr odlges-
„Mein unternehmerisches Selbstbild Verena Delius, Constanze Buchheim, Alexan- einen Verein für Gründungspolitik aufbau-

IA N N HA S tandsvo ls Un- A S B ist von der Überzeugung geprägt, dass Un- der Koelpin oder Tilo Bonow, die erste Ideen en wollte und per E-Mail zu einem Treffen

FLoOrsitRzender detsaVrtoups, überzesuugntd digitalerün-


rst er
SAteSllvCertretendDeer uVtosrcshe Starteunpgsa.gAierter THteOllvM rstan
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Startu viele Unt
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zu-
ternehmer Macher sind und keine Mecke-
rer. Umso erstaunlicher war es, dass man in
austauschten. „Wir hatten sehr verschiedene
Auffassungen darüber, was in der Umsetzung
einlud. Plötzlich wurde das Vorhaben kon-
kret: „Florian ist ein sehr guter Politikkenner
ist V che S tartup nge G ist s s
band ründer un hr aus dem
d ist s ds ur h
erban ntreprene en gerufe
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s Deuts erte für S ntor für ju esver e s v den Reihen der Startups immer wieder eine realistisch ist. Unklar war beispielsweise, ob und hat den Verband zu dem gemacht, was
ba n d E x p M e Bund er, Serieng e nicht me udenken. Bun d n et - E s Le b
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er Int nitiativen
in Art ‚deutsches Meckern‘ vernehmen konn- wir bundesweit auftreten könnten oder nur er ist. Ich hatte in diesem Bereich gar keine
nehm ft. Er fung r die Po hm
terne er ist er h ystem reich
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e r k Ö ko s e n und I ät CODE . te. Das musste man irgendwie anpacken und in Berlin? Mir war jedoch von Anfang an klar, Kenntnisse. Andererseits hatte ich ein star-
Wirts chpa Netzw n Startup
-
nehm Universit
d A nspre g che rg die g verändern“, erklärt Bachem. Der Zuspruch dass wir eine bundesweite Bewegung sein kes Netzwerk und hatte mir aufgrund der
der u
n ps.o r e u t s p s .o letzt ps.or
s c h estartu d
s c h e start u
s c h e startu innerhalb der Szene war groß: „Es gab vie- mussten“, so der Internet-Unternehmer wei- vielen Gespräche im Vorfeld zugetraut, inner-
deut deut deut le Unterstützer, aber leider wenige, die sich ter. halb von einem Monat 100 Mitglieder für so

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5 JAHRE BVDS

einen Verband zu gewinnen.“ Es herrsch- „Ich bin überzeugt, noch zwei Jahre vergehen, in denen die
te Einvernehmen und so konnte die Ba-
sis für den Bundesverband nach nur zwei
Unternehmer sind Ma- Initiatoren „jede freie Sekunde“ damit
verbrachten, ihre Verbandsgründung vor-
Wochen gelegt werden. Eine legendäre cher und keine Mecke- anzutreiben. „In dem Verband steckt be-
Gründungsversammlung im Gaffel Haus rer. Umso erstaunlicher stimmt ein Jahr unbezahlte Arbeit von
in Berlin kam zusammen. Rund 20 Per- mir.“ Was ihn dazu motiviert hat, dieses
sonen unterschiedlichster unternehmeri- war es, dass man in den Investment zu bringen? Einerseits die Lei-
scher Herkunft, folgten dem Aufruf – von Reihen der Startups denschaft dafür, „die Szene zusammenzu-
Jens Best, Tobias Kollmann, Erik Heinelt bringen, zu netzwerken, Leute kennenzu-
und David Hanf bis hin zu Mitarbeitern immer wieder eine Art lernen“. Außerdem braucht es natürlich
von KPMG, Google und auch einigen Pri- ‚deutsches Meckern‘ viel Leidenschaft. Denn nur so konnte aus
vatpersonen. „Eine ganz skurrile Runde“, dem anfänglichen „Hobby“ des Unter-
erinnert sich Bachem an diesen Moment. vernehmen konnte“ nehmers die bundesweit einflussreichste
Bis zur eigentlichen Gründung sollten Startup-Organisationen entstehen.

STARTUP AGENDA AUF EINEN BLICK –


„MEHR GRÜNDER, MEHR VIELFALT,
MEHR EUROPA“
Das sind die wichtigsten Forderungen der Startup Agenda 2017
des Bundesverbands Deutsche Startups:

1 5
Über Steuern Investitionen in Startups steuern Mehr Gründerinnen für mehr Ideen
Deutschland muss an seinen rechtlichen sowie steuerlichen Wir brauchen mehr Frauen als Gründer und auf Investoren-
Rahmenbedingen für VC arbeiten, um international mithalten seite. Dafür müssen wir mehr Mädchen für MINT-Fächer und
zu können. Ein Regelwerk für den gesamten Bereich des privaten Be- Frauen für MINT-Studiengänge begeistern. Rahmenbedingungen zur
teiligungskapitals muss her. Vereinbarkeit von Familie und Beruf gehören überarbeitet.

2 6
Mehr Business Angels gewinnen für mehr erfolgreiche Ausländische Fachkräfte und Gründer
Gründungen willkommen heißen
Deutschland braucht mehr Business Angels, um den Unter- Deutschland muss Fachkräfte aus dem Ausland willkommen
nehmenserfolg von Gründern zu steigern. Risiken müssen minimiert, heißen. Um Einwanderungsprozesse zu vereinfachen, brauchen wir
potenzielle Angel stärker geworben sowie ausgebildet und Investitio- ein Zuwanderungsgesetz. Darüber hinaus brauchen wir ein Start­up-
nen attraktiver gestaltet werden. Visum, um es Menschen aus Drittstaaten zu ermöglichen, zu grün-
den. Nicht zuletzt müssen Welcome Center aufgebaut werden.

3
Zukunftskapital für das Wachstum deutscher

7
Erfolgsgeschichten Harmonisierung des Startup-Ökosystems in Europa
Deutschland braucht mehr Wachstumskapital für Startups, Nationale Hürden müssen überwunden werden, um es Start­
die international oder in anderen Bereichen durchstarten wollen! ups in Europa zu ermöglichen, auf den Markt zuzugreifen und
Dafür müssen Kapitalanlagerestriktionen angepasst und steuerliche ein gemeinsames Ökosystem aufzubauen. Dazu sollten wir Marktein-
Anreize für VC geschaffen werden. Zudem müssen gesetzliche Rest- trittsbarrieren zwischen den Mitgliedstaaten senken und nationale
riktionen liberalisiert werden, um Institutionelle Anleger für Investi- Rechtsordnungen sowie steuerliche Rahmenbedingungen aneinan-
tionen zu öffnen. der anpassen.

4 8
Für unternehmerische Initiative werben – mehr Gründer- Eine neue Deutschland AG
innen und Gründer von Anfang an Unternehmen und Startups müssen zur Digitalisierung der
Deutschland muss lernen, wieder ein Gründerland zu sein. Das Wirtschaft stärker zusammenarbeiten. Um Synergien zu schaf-
Bild des Unternehmers muss wieder positiv besetzt werden. In Schu- fen und Innovationen im Land zu halten sollten sich Unternehmertum
le, Hochschule und der beruflichen Bildung müssen Entrepreneur­ und Startups mit Kapitalbeteiligungen und gegenseitigen Aufsichts-
ship Education und technologieoffene Infrastrukturen etabliert wer- ratsmandaten verflechten. Gesetzliche Anreize und attraktive Investi-
den. Gründungsvorhaben während der Ausbildung und Begegnungen tionsbedingungen für Kapitalgesellschaften müssen geschaffen wer-
zwischen Gründern und jungen Menschen müssen gefördert werden. den. Die Wirtschaft braucht zur Stärkung eine Deutschland AG.

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5 JAHRE BVDS 5 JAHRE BVDS

1 4 5 8

2 6 9
Fotos: BVDS, Door2Door GmbH

1 | Gerade erst wurde der 5. Startup Monitor – eine BVDS-Studie zur 3 | Mit Günther Oettinger auf der CEBIT 2016 im Gespräch zum Di- 6 | Die German Valley Week mit der Delegation von 2014
Szene – veröffentlicht. (v.l.n.r.oben: Sabiha Dalis, Lukas Wiese, Christoph gital Single Market. (v.l.n.r.: Florian Nöll, Günther Oettinger) 7 | BVDS der ersten Stunde: Die Geburt des Verbands war ein langer
Stöckmann, Toni Schneider, Florian Nöll; v.l.n.r.unten: Malte Fritsche, Julia 4 | Die German Valley Week (hier die Delegation von 2014) des BVDS Prozess und einte bundesweite Stimmen der Szene an einem Tisch. (v.l.n.r.:
Kensbock, Prof. Dr. Tobias Kollmann, Jeanine Hurte) fand in diesem Jahr bereits zum fünfte Mal statt. Wie in jedem Jahr knüpfen Florian Nöll, Erik Heinelt, Thomas Bachem, David Hanf, Prof. Dr. Tobias Koll-
2 | BVDS Vorstand sowie Gründer und Geschäftsführer (COO) der deutsche Gründer im berühmten Silicon Valley Kontakte fürs Leben. mann, Sascha Schubert)
Fotos: BVDS

Door2Door GmbH Tom Kirschbaum gemeinsam mit Angela Merkel 5 | Beim IT-Gipfel 2012 hat der BVDS gemeinsam die erste Startup 8| Die German Valley Week mit der Delegation von 2015
auf dem Weg zu einer besseren Organisation von Mobilität in Deutschland. Agenda auf den Weg gebracht und Philipp Rösler überreicht. (v.l.n.r.: 9| Die German Valley Week mit der Delegation von 2013 gemeinsam
(ganz links: Peter Tauber, l. vorne: Tom Kirschbaum, r. hinten: Maxim Nohroudi) Thomas Bachem, Florian Nöll, Philipp Rösler, Jimmy Schulz) mit Philipp Rösler

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5 JAHRE BVDS

„DER BVDS WAR DAMALS EIN ANFÄNGER BRIGITTE ZYPRIES


Bundesministerin für
- IM BESTEN SINNE: EIN STARTUP“ Wirtschaft und Energie

2012 gründete Florian Nöll gemeinsam mit 17 mit auch für die Finanzierung von Startups arbeitet, viele seiner Anliegen unterstützen
weiteren Startup-Unternehmern den BVDS. keine zusätzlichen Belastungen entstanden wir. Wir sind beim German Israeli Startup

Mein
„Lobbyismus für Anfänger“ titelte damals sind. Eine weitere zentrale Forderung des Exchange Program (GISEP) und dem German
das Wall Street Journal. Der BVDS war da- BVDS aus der Anfangszeit war die Einrich- Indian Startup Exchange Program (GINSEP)
mals ein Anfänger im besten Sinne: ein Star- tung eines neuen Börsensegments für Start­ dabei und fördern so beide die internationa-
tup. Der gerade veröffentlichte fünfte „Deut- ups. Dies haben wir im Bundeswirtschafts- le Vernetzung. Das signifikante Mitglieder-
sche Startup Monitor“ beschreibt ein Startup ministerium aufgenommen und den Round wachstum bescheinigt dem Startup-Verband
als Unternehmen, das mit seiner Technologie Table „Mehr Börsengänge junger Wachstum- eindrucksvoll, dass er die Positionen seiner
oder seinem Geschäftsmodell innovativ ist. sunternehmen in Deutschland“ etabliert. Im Mitglieder auf der politischen Bühne erfolg-

Private Banking
Das trifft auch auf den BVDS zu: Die Gründer März 2017 hat die Deutsche Börse schließlich reich vertritt.
haben vor fünf Jahren eine Lücke entdeckt mit „Scale“ genau ein solches Börsensegment Kurzum: Der Startup-Verband ist selbst
und gefüllt. Sie haben ein politisches Sprach- eingeführt. Ein wichtiger Schritt nach vorne! ein sehr erfolgreiches Startup. Deutschland
rohr für eine wachsende, aber noch wenig Die Bilanz für einen so jungen Verband braucht innovatives Unternehmertum und
organisierte Gründerszene in Deutschland ist beeindruckend: Der BVDS ist ein wichti- mehr Startup-Mentalität in Wirtschaft, Ge-
etabliert. Die Durchschlagskraft des Verban- ger und handlungsfähiger Ansprechpartner sellschaft und auch Politik. Der Startup-Ver-
des zeigte sich gleich bei der Bundesratsini- für Politik und Wirtschaft. Die Zahlen des be- band trägt mit seinen Initiativen maßgeblich

ist PUNK*
tiative zur Besteuerung von Veräußerungen reits im fünften Jahr veröffentlichten „Deut- dazu bei, dass wir ein funktionierendes Eco-
aus Streubesitz oder, wie die Startup-Szene schen Startup Monitor“ werden von allen system für Startups schaffen. Ich wünsche
es nannte, dem „Anti-Angel-Gesetz“. Nicht gerne genutzt. Auch das Bundeswirtschafts- alles Gute zum fünften Geburtstag und eine
zuletzt der Hartnäckigkeit des BVDS ist es zu ministerium hat in den letzten Jahren eng erfolgreiche Zukunft!
verdanken, dass für Business Angel und da- und erfolgreich mit dem BVDS zusammenge-

AM ANFANG Kapitalbranche und die deutschen Fonds


sammeln unglaubliche Summen ein, die bald
München, Stuttgart, Frankfurt, Köln und
Düsseldorf – und last but not least – Sachsen.

DIE SKEPSIS in unzählige Startups in verschiedenen Stadi-


en der Entwicklung investiert werden. Jede
Mehr Dialog zwischen Politikern und
Firmengründern muss her. Die Politik sollten
Menge Acceleratoren, Inkubatoren und Cor- wir dahin bringen, dass die Rahmenbedin-
porate-Acceleratoren sind in verschiedenen gungen im Interesse der Gesamtbevölkerung
MASOUD KAMALI deutschen Städten entstanden (sogar in mei- definiert und den Startups auch mehr Mög-
Managing Director und Founder ner alten Heimat Frankfurt am Main!). lichkeiten zur Verfügung gestellt werden,
von WestTech Ventures Wäre dies alles ohne den Startup-Ver- zum Beispiel an Daten zum Testen der me- * Persönlich.
band möglich? Schwer zu beantworten, aber dizinischen Systeme (MedTech) zu gelangen
die hohe Zahl an Aktivitäten des Verbands und diese auch zu validieren. Natürlich müs- * Unkonventionell.
zeigt, dass er einen guten Job macht. Früher sen wir den Politikern auch die Angst neh-
Als ich im Winter 2012 von der Gründung des haben nicht nur Politiker die Startups nicht men, dass wir allein an personenbezogenen * Natürlich.
* Kosmopolitisch.
BVDS hörte und einen Artikel darüber auf verstanden, sondern auch die deutschen Daten interessiert sind und zeigen, was zum
Gründerszene las, habe ich einen Kommen- Corporates. Beide Gruppen, Politik und Cor- Wohle aller geschaffen werden kann.
tar geschrieben (anonym, da ich den einen porates, tun dies jetzt, unter anderem dank
oder anderen Initiator der Gründung persön- des guten Drahts des Verbands zu den Start­ DIALOG MIT DER
BEVÖLKERUNG
Das Private Banking
lich kannte): „Die Startups sollten große Fir- ups. Fachgruppen im Verband vereinfachen
men bauen und sich um die Arbeit der Grün- dies. Auf diversen Events wird „genetwor- Startups sind Teil und Beschleuniger der

der Berliner Sparkasse.


dung kümmern – und nicht Verbände, um nur ked“, Firmen werden gekauft, zusammenge- Globalisierung. In Deutschland leben mehr
Blabla zu ernten.“ Ich hatte Sorge, dass wir führt und weiterhin gegründet. Also, die Rah- als 18 Millionen Menschen mit Migrations-
nur „Talk the Talk“ und nicht „Walk the Walk!” menbedingungen stimmen! Es geht uns gut! hintergrund. Die meisten stammen aus den
machen. Also, nur reden und nichts tun! europäischen Ländern. Mehr als ein Drittel
WÜNSCHE AN DAS
Es sind jetzt fünf Jahre vergangen und der Gründer haben einen Migrationshinter-
Mehr in Berlin.
Fotos: Stefan Kny, Susie Knoll

ich wurde eines Besseren belehrt! Der Start­ GEBURTSTAGSKIND grund. Wir sollten den Beitrag, den solche
up-Verband ist heute stärker als in der An- Ich verstehe, dass der BVDS wie ein Lob- Gründer leisten, aufzeigen und mit der Be-
fangsphase: Zalando, Delivery Hero und byist funktioniert und Berlin die besten Vor- völkerung über die gemeinsame Zukunft de-
andere sind „Unicorns“ und an der Börse, aussetzungen dafür bietet. In nationalen An- battieren. Wir sind nicht Jobkiller, sondern
Parteien geben sich digital, es werden immer gelegenheiten kommen wir an Berlin nicht Zukunftsgestalter! Wer kann dies besser ver-
mehr Gelder in verschiedene Phasen der Un- vorbei, aber es läuft auch viel mehr in der mitteln als der Startup-Verband? In diesem
ternehmen investiert. Internationale Inves- „Provinz“ – dank unseres föderalen Systems. Sinne: Herzliche Glückwünsche!
toren sind fester Bestandteil der deutschen Werdet föderaler und schaut mehr nach

berliner-sparkasse.de/privatebanking
114 berlinvalley.com berlinvalley.com 115
5 JAHRE BVDS 5 JAHRE BVDS

DESWEGEN SIND WIR „Der Austausch mit


anderen Startups
DAS WÜNSCHEN WIR 10 Mitglieder
vom Bundes-
MITGLIED BEIM BVDS ist uns sehr wich- UNS VOM BVDS verband
tig. Zudem sind die
„Weil wir die Arbeit des Verbands „Weiterhin so gute „Wir wünschen uns, den Fokus beziehen
guten Kontakte zu
Position!
und seine Rolle als nationale Stim-
„In MV ist es schwerer me für Jungunternehmer überaus Arbeit, Veranstaltungen ein Stück weit von Berlin auch
wichtig finden und schätzen. Als anderen Verbänden und ein Brückenschla- auf andere Bundesländer zu ver-
als in Hubs wie Ber- führende Interessenvertretung ist er
unerlässlich, da er sich für eine stär- und zur Politik sehr gen zwischen New and legen und auch ggf. in NRW mal
lin sich mit der Start­ kere politische Wahrnehmung der
Old Economy – denn wir ein Event zu organisieren.”
Bedürfnisse von Gründern einsetzt. wertvoll.“
up-Welt zu vernetzen. Darüber hinaus befürworten wir die sind eine Wirtschaft!“ - Peer Schulz
Vernetzung und den Austausch der
Der BVDS hat uns ver- Startup-Szene.“ „Startups in D zu einem rele-
- Daniel Krauss
- Anna Kaiser & Jana Tepe „Lobbyarbeit
netzt und in viele The- - Nikolai Roth vanten Wirtschaftssegment
„Weil wir den „Weiterhin eine gute Repräsentanz machen, Connect zur „alten“ für Startups,
mengebiete einge- „Als Mister Spex vor knapp zehn Jahren der deutschen Startups gegenüber
gegründet wurde, war Deutschland – vor Austausch mit der Politik, Unterstützung bei wich- Industrie herstellen, Rahmen- Netzwerke mit
bracht. Wir freuen uns allem im internationalen Vergleich – al- tigen Themen wie der Lockerung von
bedingungen verbessern.”
les andere als gründerfreundlich. Seitdem anderen Start­ Regulierung, der Unterstützung bei Konzernen,
sehr auf die German hat sich einiges getan, aber wir sind noch den Themen der Digitalisierung und - Stephan Noller
lange nicht an dem Punkt, an dem inno- ups sowie Ak- der dazugehörigen Infrastruktur in Aufbau von Ac-
New York Week!“ vatives Unternehmertum fest in der (po- Deutschland.“
litischen) Gesellschaft verankert ist. Der teuren im Digi- „Eine persönlichere Vernet- celeratoren
- Hanna Bachmann Verband ist für uns ein Partner, um unse- - Daniel Krauss
ren Interessen eine Stimme zu geben.“ talumfeld und zung der Gründer.“ und Inkubato-
„Wegen der Menschen, wegen „Digitalisierung und Gründertum dürfen
der Kontakte, weil ein Verband - Dirk Graber die Nähe zur Po- nicht länger nur Buzzwords im Wahlkampf - Hanna Bachmann ren“
in puncto Interessenvertretung sein, sondern müssen fest auf der Agen-
für Startups ganz andere Mög- litik sehr schät- da der Bundesregierung verankert werden. „Wir wünschen uns, dass - Hannes Mehring
lichkeiten bietet, weil wir extrem „Der Zugang zu tollen Events, Dazu gehören Themen wie, internationa-
viel von guter Vernetzung halten, zen.“ len Fachkräften den Zugang zum Arbeits- der Verband seine Positi-
weil der Verband Zugang zu span- Netzwerken und Menschen. Geleb- markt zu erleichtern, Regulierung und bü- on weiter fundieren kann
nender Infrastruktur und einigen
- Peer Schulz
rokratische Hürden abbauen. Hier erwarte „Eine Fortsetzung
Chancen eröffnet, …“ te Kooperation im besten Sinne!“ „Bündelung der Startup-Interes- ich eine klare Positionierung.“ für eine stärkere, politi-
- Frieder Damm sen, Netzwerk, Informationen“
sche Durchsetzungskraft.“ der guten Arbeit :)“
- Anna Kaiser & Jana Tepe - Oliver Dietrich - Dirk Graber
- Nikolai Roth - Frieder Damm

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116 berlinvalley.com berlinvalley.com 117


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hinaus auszeichnet, ist der enorme Marktüberblick des Unter-


nehmens. Wenn es darum geht, in einem kaum überschaubaren
Markt geeignete Produkte zu finden, beraten die Experten von
designfunktion ganz unabhängig und schlagen Hersteller vor,
die zu den Anforderungen am besten passen. Ein ausgesprochen
durchdachtes und empfehlenswertes Produkt sollten Sie auf je-
den Fall kennenlernen: USM Haller E. Die elektrifizierte Variante Unser Schauraum in Kreuzberg
des modernen Regalklassikers. Wir geben Ihnen Beispiele dafür, wie die Gestaltung mit Licht
zum Ziel führt. Natürlich können Sie sich auch Haller E von
USM HALLER E: DESIGN-STAURAUM JETZT MIT LICHT USM aus der Nähe ansehen.
USM Haller ist seit vielen Jahrzehnten ein Klassiker im Markt der
intelligenten System-Einrichtung. Jetzt hat ihm USM nach meh- the classic in a new light –
reren Jahren intensiver Forschung und Entwicklung eine Haller E Vorweihnachtlicher Lichterabend bei designfunktion
genannte Reihe zur Seite gestellt, die das Regalsystem mit den 29. November 2017
metallenen Streben elektrifiziert. Haller E integriert Leuchten und
USB Charger, ohne die klassische Eleganz zu stören. Der Trick be- Dr. Dienes, USM Group Product Development Director, hält
steht darin, die bekannten Verbindungsrohre für die Stromlei- um 18.00 Uhr einen Vortrag zur intensiven Entwicklungszeit

ÄSTHETIK DES LICHTS IN


tung zu benutzen und so die reduzierte Ästhetik des Systems zu und zu den schier unerschöpflichen Möglichkeiten von Hal-
erhalten. Leuchten und andere elektrische Komponenten wer- ler E. Gemeinsam mit Ihnen wollen wir die Lichterwochen bei
den einfach am Rohr eingeklinkt. designfunktion ausklingen lassen und die Vorweihnachtszeit
einläuten.

WIRKSAMEN RÄUMEN
Praktisch sind die USB Charger für mobile Geräte, die wie die
Leuchten ganz einfach dort angebracht werden können, wo sie Anmeldung und weitere Informationen über
gebraucht werden. Hier kommt zusammen, was zusammenge- teresa.gertke@designfuntkion.de
hört: eine ästhetische, zeitlos schöne Gestaltung mit den ein-
drucksvollen Leuchtkörpern, die jeder USM-Haller-Einrichtung Veranstaltungsort
eine weitere, nützliche Funktion hinzufügen. Die angenehme designfunktion Gesellschaft für
Wirkung der Beleuchtung muss man gesehen haben. Es gibt so moderne Einrichtung Berlin mbH
Licht ist für Menschen eine der wichtigsten Voraussetzungen stätten motivierende und produktive Umwelten formt. Diesen viele Möglichkeiten, Haller E zu verwenden – es ist sicherlich der Lindenstraße 1
guten Lebens: Licht regt den wachen Geist an, bringt das Ge- besonderen Mehrwert in Büros zu erreichen, ist eine Frage der einfachste Weg, sich das System selbst anzusehen, um sich in 10969 Berlin
müt emotional zum Schwingen und hält unseren Stoffwechsel in Kreativität. Ralf Tiedtke, Geschäftsführer von designfunktion Ber- Ruhe inspirieren zu lassen. Genau dazu lädt designfunktion in Ber- Telefon: +49 30 4003376-00
Gang. Der ganze Mensch nimmt die Wirkungen des Umgebungs- lin, fasst diese Aufgabe zielorientiert auf: „Ich frage nicht, was Kre- lin im November zweimal ein. berlin@designfunktion.de
lichtes auf. Entsprechend groß sind die Chancen und Risiken, die ativität ist. Mich interessiert, wo ich im Raum kreativ sein kann.“
in der Lichtgestaltung eines Raumes liegen: Trübes, schwaches,
ungünstiges Licht bedrückt und macht apathisch, eine anre- WAS QUALITATIVE LICHTPLANUNG LEISTET
gende Lichtstimmung dagegen hellt auf und fördert die Leis- Ein nutzerbezogenes, wahrnehmungsorientiertes Lichtkonzept
tungskraft. designfunktion kennt die eminente Bedeutung guter führt zu mehr Lebensqualität und Produktivität in Büros und Ar-
Lichtkonzepte für Büro- und Arbeitswelten und widmet sich da- beitswelten. Die Räume werden als ästhetisch und einladend
her dem Thema in den designfunktion Lichtwochen. Besonders wahrgenommen, die Mitarbeiter fühlen sich wohl und gehen ih-
spannend ist aktuell eine Produktreihe, die Lichtgestaltern neue ren Aufgaben mit mehr Freude und Kreativität nach. Die Exper-
kreative Möglichkeiten eröffnet: designfunktion Berlin stellt in- ten von designfunktion erreichen dieses Licht, indem sie sich
teressierten Architekten und Unternehmen exklusiv Haller E von eng mit den planenden Architekten und Unternehmen abstim-
USM vor. men. Für Arbeitsplätze, Empfangs- und Wartebereiche, Konfe-
renzräume und informell genutzte Räume wie Teeküchen und
WORAUF ES ANKOMMT: Kasinos gelten ganz unterschiedliche Anforderungen an gutes
LICHT ALS PRODUKTIVFAKTOR Licht. Dabei haben sie durchweg auch die technische Seite der
In modernen Bürokonzepten zählt nicht nur die Flächeneffi- Beleuchtung im Blick: Wie energiesparend und nachhaltig ist
zienz und die Wirtschaftlichkeit der Räume. Unternehmen, die das Konzept? Welche Betriebskosten sind zu erwarten? Wie fle-
vielversprechende, aber rare Fachkräfte an sich binden wollen, xibel lässt sich die Lösung später einmal an veränderte Bedürf-
planen auch gleich eine überzeugende Aufenthaltsqualität mit nisse anpassen?
ein. Sie denken an eine Arbeitsumgebung, die die Gesundheit
unterstützt und das Wohlempfinden steigert. Einen entschei- ZUVERLÄSSIGE PARTNER
denden Einfluss auf diese Ziele hat das Beleuchtungskonzept. FÜR EIN SPEZIELLES GEWERK
Fotos: NoelRichter

Es kann gleich mehrere Faktoren positiv beeinflussen: die emo- Dabei können Architekten und Bauherren in allen Projektphasen
tionale Wirkung, die Ergonomie und Funktionalität des Raumes auf die Expertise der Lichtspezialisten zählen: wenn gewünscht,
und nicht zuletzt die architektonische Aussage und Poesie der von der Entwurfs- und Ausführungsplanung über Belieferung und
eingerichteten Arbeitswelt. Sie ist es, die aus einfachen Arbeits- Montage bis hin zur Baubegleitung. Was designfunktion darüber
E H T
„G EIN-
U
A ERF
A N D

Wie können etablierte

U
Unternehmen von Start­

Z
ups profitieren? Diese Frage
stand im Mittelpunkt des
zweiten NKF Summit, der
als prominent besetzter
„Crashkurs für Corporates“
sämtliche Erwartungen
erfüllte

Florian Langenscheidt,
Unternehmer, Investor
und ehemaliger Vor-
stand der Brockhaus AG
auf dem NKF Summit:
„Wir haben die neuen
Player nicht ernst ge-
nommen und den Wan-
del verschlafen.“

120 berlinvalley.com berlinvalley.com 121


Das Radialsystem V, eines der ersten Pumpwerke Berlins und im
zweiten Weltkrieg zu großen Teilen zerstört, verbindet in seiner
Architektur kongenial den restaurierten Altbau mit einem mo-
dernen Überbau aus Stahl, Glas und Beton. Die perfekte Kulis-
se also für den NKF Summit, der sich in der zweiten Ausgabe am
8. September genau diesem Thema widmete – der Verschmel-
zung von alter und neuer Welt. Der Unternehmer und Investor
Florian Langenscheidt eröffnete vor rund 500 Teilnehmern den
„­Crashkurs für Corporates“. Seine Botschaft: „Champions müssen
offen für das Disruptive sein, das alles über den Haufen wirft.“
Es folgte ein Line-up von rund 40 ausgewählten Speakern, die
in Vorträgen und Diskussionsrunden Herausforderungen be-
nannten, Rahmenbedingungen forderten, aber auch konkrete
Handlungsanweisungen gaben: „Lernt euch kennen, lernt die
unterschiedlichen Sprachen kennen und kommt so näher zu-
sammen“, appellierte Stephanie Renda, Vorstandsmitglied beim
NKF
Bundesverband Deutsche Startups. Namhafte Unternehmen
MIT
SUM wie etwa Daimler, Audi, SAP, L’Oréal, Würth, Viessmann und
2017 EY nutzten den NKF Summit, um ihre Erfolgswege, Accelerator
und weitere Möglichkeiten der Zusammenarbeit vorzustellen.
Auf der anderen Seite präsentierten Startups wie Delivery Hero,
Solarisbank, Opinary, Coolar oder Einhorn ihre disruptiven Ge-
schäftsmodelle und Erfahrungen, machten aber auch deutlich,
was etablierte Player ihnen voraus haben: „Für Corporates ist
Wachstum wohl selbstverständlich, als Startup mussten wir das
erst lernen“, erklärte Movinga-Geschäftsführer Finn Hänsel.
Parallel zur großen Bühne bot der Deep Dive Room Workshops,
unter anderem von Xing und I-potentials sowie Startup-Pitches
zum Reinschnuppern. Weiterer Programmpunkt: Ein Speed-Net-
working mit einem Dutzend Investoren, darunter Join Capital,
G+J Digital Ventures, Westtech Ventures, Eventures, Point Nine
Capital, Partech und Cavalry Ventures. Max Viessmann, CDO
der Viessmann Group, fand das passende Resümee für den NKF Marcel „Otto“ Yon,
Leiter des Cyber Inno-

Summit bei Sokrates: „Das Geheimnis der Veränderung ist, dass


vation Hub der Bundes­
wehr: „Wenn wir das
richtige Team zusam-
man sich mit all seiner Energie nicht darauf konzentriert, das menstellen, können wir
in zwei Jahren erreichen,
Alte zu bekämpfen, sondern darauf, das Neue zu erbauen.“ was sonst zehn Jahre
braucht.“

122 berlinvalley.com berlinvalley.com 123


1­ + 5 | Unterstützt wurde der NKF
Summit Vol. 2 unter anderem von Ber-
lin Cuisine und Aqua Monaco. 2 | An-
na-Lena Kümpel (Berlin Valley) disku-
tierte mit Marko Wenthin (Solarisbank)
und Frank Kebsch (Arvato) die Syner-
gieeffekte der Zusammenarbeit von
Startups und Corporates. 3 | Durch das
Programm führte Berlin-Valley-Chef-
redakteurin Corinna Visser. 4 | Im Ra-
dialsystem V war auch körperliche Ak-
tivität möglich. 6 | Andreas Winiarski
(Earlybird) fragte Anton Waitz (Project
A) und Johannes Bruder (Rocket Inter-
net) nach ihren Investment-Kriterien.
7 | Susanne Hahn, Leiterin Lab1886 bei
Daimler 8 | Norbert Muschong (Vor-
werk) und Boris Kühn (Deutsche Bahn)
diskutierten mit Julius Bachmann
(Redstone Digital) unter Leitung von
1 2 3 Stephan Dörner (T3n) Vor- und Nach-
teile eines strategischen Investments.

Wie können Corporates und Startups er-


folgreich zusammenarbeiten? Diese Fra-
ge steht im Mittelpunkt des NKF Sum-
mit. Nach der erfolgreichen Premiere im
Dezember 2016 mit mehr als 200 Teil-
nehmern in der Berliner Location Von
Greifswald zog die Neuauflage des „Start­
up-Crashkurses für Corporates“ im September 2017 rund 500
Teilnehmer ins Berliner Radialsystem V. Hochkarätige Vertreter
aus Old und New Economy prägen die Reden und Panels des
Hauptprogramms. Ergänzt wird die Konferenzreihe von Work-
shops und Startup-Pitches im Deep Dive Room sowie einem
Speed-Networking mit Investoren. Die Redaktion von Berlin
Valley begleitet das Event im Live-Blog und den sozialen Medi-
en. Startups, Corporates und Investoren haben die Möglichkeit,
sich im Rahmen dieser Konferenzreihe aufmerksamkeitsstark
zu präsentieren. Der NKF Summit Vol. 3 wird voraussichtlich
4 4 stattfinden. nkf-summit.com
im April 2018 in Düsseldorf 5

6 7 8

124 berlinvalley.com berlinvalley.com 125


INTERVIEW

M E N Max Viessmann über

N E H G
Wege und Werkzeu-

B E R T U N ge, ein 100-jähriges

I R Ü O R E N “ Traditionsunterneh-

„W N T W N E T men zu digitalisieren,

E R A P L A und darüber, wie


V D E N man die Mitarbei-

F Ü R ter mit auf die Reise


nimmt
Das Gespräch führte Corinna Visser.

Max, wie bringt man ein Unternehmen mit hun-


dertjähriger Tradition ins digitale Zeitalter?
Durch erstaunlich pragmatische Maßnahmen, die
zum Teil digital und zum Teil auch analog sind. Das Wich-
tigste für eine Organisation wie die unsrige mit 12.000 NKF
(Familien-)Mitgliedern ist, dass man eine Plattform
MIT
K FACTS schafft, um sich zu den Themen auszutauschen. Ich habe SUM

QU I C meine ersten zwölf Monate im Unternehmen damit ver-


bracht, Rahmenbedingungen zu schaffen, um die Leu- 2017
roup
s s m ann G te abzuholen. Wir haben jeden Montag eine Q&A-Sessi-
: Vi e
Name g: 1917 mann
on veranstaltet, die wir dann mit einem Augenzwinkern
Grü n d un
a n n Viess TGIM genannt haben: Thank God it’s Monday. Das war ein
h
er: Jo 0 n)
Gründ ter: 12.00 hesse z-, enorm großer Hebel, um sowohl Bedenken und Ängste zu
t a r b e i o rf (Nord r von Hei nehmen, als auch sehr konkret zu zeigen, was es alles zu
Mi l l e n d te l l e n
ort: A s e
r Her hlsystem
Stand Führende d Kü
gewinnen gibt.
c e : - u n
Ser vi Indus
trie
n n .de Was waren die großen Fragen, die da geklärt
: v i e ss m a wurden?
URL
Bis vor zweieinhalb Jahren konnte niemand etwas
mit dem Thema Digitalisierung oder Industrie 4.0 anfan-
gen, es war total abstrakt. Die Leute haben sich schwer
getan zu verstehen, wie weit digitale Elemente schon
heute Teil ihres Alltags sind. Als Konsumenten sind wir
daran gewöhnt, in einem Android- oder Apple-Ökosys-
tem unterwegs zu sein und verschiedene Services zu nut-
zen. Aber weder unsere Lösungen und Produkte noch
wie wir im Unternehmen zusammenarbeiten sind auf
einem ähnlichen Standard. Wir müssen uns damit aus-
einandersetzen, wie wir unsere Lösungen transferieren
beziehungsweise die Zusammenarbeit verändern kön-
nen. Dieser Ansatz hat den Leuten sehr geholfen, weil er
Max Viessmann, CDO
sehr konkret ist. Die Politik und viele Medien sind su-
der Viessmann Group, per da­rin, den Leuten zu erklären, dass sie in Zukunft
auf dem NKF Summit: nicht mehr benötigt werden, weil Roboter und künst-
„Wir wollten nicht ‚just liche Intelligenz den Menschen überflüssig macht. Und
another venture corpo-
das macht ihnen Angst.
rate‘ werden, sondern
wir investieren in The-
men, die unser Risiko di- Diese Angst ist in Deinen Augen unbegründet?
versifizieren.“ Wenn man zurückschaut – egal welche industriel-

126 berlinvalley.com berlinvalley.com 127


INTERVIEW INTERVIEW
Das wollt ihr ändern?
le Revolution man betrachtet – ist es immer so gewesen, ser abgestimmt haben. Jemand hat sich vor 400 Leuten Ja, es gibt noch viele Themen im Deep-Tech-Space,
dass Technologie Teile der Arbeit des Menschen substi- hingestellt und gesagt, wo sein Problem liegt. Und dann die heute nicht adressiert sind, und deswegen haben wir
tuiert hat, aber nicht, um den Menschen zu substituie- wurden ihm dort Lösungen angeboten. Auf diese Weise in Berlin Wattx aufgebaut. Als Company Builder setzt er
ren, sondern um die Arbeit zu erleichtern. Wir als Unter- haben wir uns synchronisiert, das war ein wesentlicher sich damit auseinander, wie man einen Deep-Tech-Nu-
nehmen haben die Verantwortung dafür, Sorge zu tragen, Treiber. kleus aufbauen kann, der so viel Expertise an einem Ort
dass wir die Leute noch besser einsetzen können und versammelt, dass die Gründer nicht immer wieder von
ehrlicherweise auch deren Arbeitserfahrung und Erlebnis Bekommt ihr in Nordhessen und anderswo die null anfangen müssen. Das ist ein wenig wie das anfäng-
noch besser gestalten. Wenn Technologie uns dabei hilft, Talente, die ihr für die Zukunft braucht? liche Konzept von Rocket Internet. Damals war das On-
dann ist das für alle Beteiligten erst mal positiv. Wir haben unseren Mitarbeitern gegenüber eine so- linemarketing eine differenzierende Fähigkeit, die die
ziale Verantwortung. Das heißt, gerade wenn sich so viel Rocket-­Companys nach vorne gebracht hat. Wir versu-
Eure Produkte sind doch schon seit vielen Jah- verändert und die Halbwertszeit von Fähigkeiten sehr chen techlastigen Startups die nötigen Tools – Online-
ren mit Prozessoren ausgestattet. Worin liegt schnell abnimmt, müssen wir den Mitarbeitern die Mög- marketing, User-Experience-Design und Research – be-
der große Unterschied? lichkeit geben, dass sie auf den Zug aufspringen. Wir reitzustellen, damit sie skalieren können. Wir sind jetzt
Unser Ausgangspunkt ist immer die Frage: Welchen müssen sie in die Lage versetzen, dass sie auch in Zu- ungefähr 100 Leute in Berlin und die Wachstumsgrenze
Mehrwert stiften wir für unsere Kunden und unsere Part- kunft ihren Beitrag leisten können. Deswegen war das ist noch nicht in Sicht.
ner. Das ist auch bei digitalen Produkten so. Heute heizen Erwartungsmanagement ganz klar: Ein Jahr lang inves-
die Heizungen in den meisten Kellern dieser Welt fröh- tieren wir in euch, ein Jahr lang fangen wir an, gemein- Wie soll es weitergehen?
SS M ANonNdas 100-njänh. -
E
AX VI r Genera n Viessm d
lich vor sich hin, wie der Heizungsbauer sie irgendwann sam die Sachen umzusetzen, und überall da, wo wir uns Wir haben eine Mission. Wir übernehmen Verant- ti a
einmal eingestellt hat. Das hat weder mit den tatsächli- professionalisieren müssen, weil die Themen komplexer wortung für den Planeten, indem wir nachhaltige und M et in vierte nternehme es KITs un a,
chen Bedürfnissen der Menschen zu tun, noch ist es effi­ werden und wir feststellen, dass wir nicht die richtigen kundenzentrierte Energielösungen anbieten. Wir fokus- leit ilien
u rd in
nieu n Ch
zient. Der erste Schritt ist also, die Heizung zu vernetzen, Kompetenzen haben, dort verstärken wir uns. Das ma- sieren uns auf die Lebensräume der Menschen. Bei der rige
Fam
aft s inge r lange i p rivat
i rtsch w ar e rt a uch
damit sie in der Lage ist festzustellen, ob jemand zu Hau- chen wir sehr dediziert, weil ein nordhessischer Heizsys- Beantwortung der ‚großen‘ Energiefragen von morgen Als W G i e
ei BC r invest
ter b E
se ist oder nicht. Wenn wir diese Daten in der Cloud ha- teme-Hersteller zum Beispiel nicht Experte in User-Expe- werden wir immer digital-/technologiegetrieben sein. Bera d Japan.
un or.
ben, lernen wir über die Zeit die Bedürfnisse der Men- rience-Design ist. Das heißt, wir als Unternehmen werden Wärme und Käl- USA el Invest
schen kennen. So können wir Wärme dann zur Verfügung te, also die richtige Temperatur, immer maximal effizient n g
als A
stellen, wenn sie tatsächlich benötigt wird, und leisten zur Verfügung stellen und auf der anderen Seite werden
damit auch einen wichtigen Mehrwert für unseren Plane-
I E DER wir uns damit auseinandersetzen, wie wir noch zusätz-

, W ER DIE
ten, weil wir Brennstoffe effizienter einsetzen. lich dazu beitragen können, dass unsere Erde auch für zu-
NKF
Z E N
„HEI NGSBAUESTELLT
künftige Generationen lebenswert bleibt.
Was bedeutet das für die Organisation?
MIT
SUM
U G N
HEIZ NG EIN MIT DE
Es geht darum, uns anders zu organisieren: Wie kön-
nen wir digitale Tools nutzen, um die Zusammenarbeit
2017 U T
HEIZ DAS HA ICHEN TS
der Leute zu verbessern? Es geht gar nicht in erster Li-
nie darum, Hierarchien abzubauen, aber indem man al-
len die gleichen Informationen zugänglich macht, än-
HAT, TSÄCHL N NICH
dert sich natürlich vieles. Wenn ich eine Q&A-Session per
TA NISSE
ÜRF U TUN“
Google Hangout streame, erreiche ich eben nicht nur die
800 Leute vor mir im Auditorium, sondern ich erreiche
10.000 und mehr Leute in der Company und kann quasi B E D Z
eine Frage, die 80 Prozent der Leute beschäftigt hat, di-
rekt beantworten.

Das heißt, bei Viessmann in Nordhessen spricht Ihr habt eure Leute aber dazu gemacht?
man jetzt Englisch, um alle Leute auf einmal er- Genau, wir haben einen Teil der Leute dazu befähigt.
reichen zu können?
Die Sprachbarriere hat am Anfang eine große Rolle
Und wo die Veränderung so drastisch war, dass wir uns
verstärken mussten, haben wir an unterschiedlichen Or-
ten Teams aufgebaut, die sich darum gekümmert haben.
Spiel & Schlaf im Büro GO Outdoor, GO Anywhere
gespielt. Wir mussten den Leuten erklären, wie wichtig
es ist, dass wir keinen Kollegen im Ausland diskriminie- Unter anderem auch in Berlin. Gibt es das eine, einzig wahre Nahrungsmittel? Mit allen Nährstoffen, allem Multichannel-Advertising. Digital Signage. Affiliate-Marketing. – Wir lieben
ren. Wir haben sehr aktiv das Verständnis geweckt, dass was du brauchst und welches du ausschließlich und jeden Tag essen solltest? das Online. In der großen Welt der Digitalisierung verliert man jedoch schnell
wir noch enger zusammenwachsen müssen. Und weil Was habt ihr in Berlin für Aktivitäten? Nein, denn der Mensch braucht Vielfalt. Genauso mit dem Arbeitsplatz: Du den Überblick und das reale Markenerlebnis lässt sich nur schwer durch das
wir eine sehr loyale Mannschaft haben, ist es sehr schnell Die Digitalisierung läuft bei uns dreigeteilt. Der erste brauchst Vielfalt, um gesund, kreativ und glücklich zu bleiben. Genau das fin- Smartphone erleben. Pop-up your brand. Wir vernetzen Marken mit Zielgrup-
klar gewesen. Wo es sprachliche Barrieren gibt, versu- Teil ist: Wir transformieren den Kern. Der Zweite ist: Wir dest du bei uns. Für die Arbeit am PC gibt es Sitz-, Steh- und Liegeplätze. Von pen durch mobile Pop-up-Räume. Zu jeder Zeit, an jedem Ort. modulbox mo
chen wir das zu überbrücken. bauen digitale Produkte, die an das Kerngeschäft angren- Wohnraum bis Eventsaal und Pop-up-Space gibt es Räume unterschiedlicher systeme – Hersteller und Entwickler von mobilen Pop-up-Spaces. Wir stehen
zen. Das geht in den Bereich IoT, aber auch in Proptech Größe und Styles, um ein Kollaborieren zu ermöglichen. Darüber hinaus gibt seit 2004 für mobile Outdoor Kommunikation und vernetzen Marken mit Ziel-
Welche Ergebnisse haben die Fragestunden und Constructiontech. Hier sehen wir eine strategische es ein Café für den Energie-Kick, Duschen, Videospiele zur Entspannung und gruppen auf Augenhöhe. Ob 2m² oder 200m², wir bewegen jede Botschaft, je-
noch gebracht? Nähe, darum ist es gut, auch die Plattform entsprechend einen Nap Tank für das Nickerchen. Check den Space bei einem kostenfrei- des Produkt, jedes Event in nachhaltigen mobilen und modularen Markenräu-
Sie haben dazu geführt, dass wir unsere Mitarbeiter zu bauen. Und der dritte Teil ist, dass wir diversifizieren. en Probetag. men durch die Welt. Wir sind - mobile brand archtitecture.
zu ganz bestimmen Themen wie etwa IoT weiterbilden Wir haben in München den Wagniskapitalgeber Vito Ven-
Foto: Dominik Tryba

konnten. Wir haben sehr gezielt E-Learning-Programme tures aufgebaut, der in Deep-Tech-Companys investiert.
aufgesetzt. Im ersten Jahr ging es darum, dass die Mitar- Vorher gab es keinen Fonds, der das gemacht hat. Leider Space Shack modulbox mo systeme GmbH & Co. KG
beiter ihr Wissen und das Verständnis für die Themen er- ist es immer noch so, dass die Gründerteams im Bereich Akazienstraße 3 A Neumagener Str. 42
weitern. Im zweiten Jahr ging es dann an die Umsetzung. Deep Tech in Europa einfach nicht den Support bekom- 10823 Berlin 13088 Berlin
Die Q&A-Sessions haben dazu geführt, dass wir uns bes- men, den sie verdient haben. space-shack.com mo-systeme.com

128 berlinvalley.com ANZEIGE


Boris Kühn von DB Digital Ven-
tures und Julius Bachmann von
Redstone über ihre Zusammen-
arbeit, die Strategie und den Mut
zum Risiko
Das Gespräch führte Corinna Visser.

Julius, was ist das Konzept von Redstone? Boris: Die Ausrichtung ist vorwiegend strategisch,
Julius: Wir sind die Schnittstelle zwischen Corpora- das Ziel, die Innovationskraft der Deutschen Bahn zu stär-
tes und Startups. Redstone wird von Startups als Investor ken und zugleich zu beschleunigen. Vor dem Hintergrund
und von Kunden als Dienstleister, der für Corporate-Ven- liegt unser Fokus zunächst darauf, interessante Startups
tures-Fonds arbeitet und sie mit Startups zusammen- zu finden, die im Mobilitäts-, Logistik- oder Smart-City-Be-
bringt, wahrgenommen. Redstone unterstützt Corpora- reich unterwegs sind. Diese Startups sollten weit genug
tes dabei, ihre Corporate-Venture-Capital-Aktivitäten in vom Kerngeschäft entfernt sein, sie sollten aber durchaus
das richtige Setup zu bringen und übernimmt zum spä- an einer Technologie oder an einem Produkt arbeiten, die
teren Zeitpunkt auch das Fondsmanagement. Deutsche in drei, vier, fünf Jahren sehr wohl für die DB relevant sein
Bahn Digital Ventures ist einer unserer Kunden im Be- können. Wir sind nicht der vorgelagerte M&A-Arm, son-
reich Mobility, Transport und Logistik. dern verfolgen einen klassischen Venture-Capital-Ansatz.
Wir gehen Minderheitsbeteiligungen ein und beteiligen
Redstone hat eine Art Blaupause für verschiede- uns zusammen mit anderen Investoren an den entspre-
NKF

N
ne Unternehmen entwickelt, oder? chenden Unternehmen. Unser Plus dabei ist, dass wir im

E
Julius: Es gibt einen sehr rudimentären Prozess, Austausch zwischen dem Konzern und den Startups die

N
MIT

N
aber eine Blaupause funktioniert da nicht, weil jedes Un- Innovationskraft auf beiden Seiten beflügeln können. Die SUM

Ö E
ternehmen seine eigene Strategie hat. Darauf stellen wir Startups profitieren dabei von unserem internationalen

K L
2017

E
uns ein. Was wir machen ist customized. Netzwerk, bekommen den Zugang zu unseren Fachexper-

I R V I
ten, zu verschiedenen Märkten und ausgewählten Daten.

„W TUPS EN“
Boris, warum seid ihr von Deutsche Bahn Digital Wir können den Start­ups sehr viele Türen öffnen und de-
Ventures zu Redstone gegangen? ren Entwicklung aktiv unterstützen. So entsteht für Kon-
Boris: Deutsche Bahn Digital Ventures gibt es seit zern als auch Startup eine Win-Win-Situation.

A R F N
November 2016. Bevor wir losgelegt haben, haben wir Julius: Das ist genau die Kombination, die wir su-

ST EN ÖF
uns im Markt umgehört, wer uns in der Ramp-up-Pha- chen. Wir arbeiten mit sehr vielen Startups und mit ver-
se unterstützen kann. Da ist uns Redstone von Marktteil- schiedenen Fonds zusammen. Von den Corporates kommt
nehmern wärmsten empfohlen worden. Wir sind zwar das Branchen-Know-how. Die Personen, die in dem Cor-

R
eine eigene Gesellschaft, aber Teil eines großen Konzerns. porate-Venture-Arm sitzen und die den Konzern sehr lan-

T Ü
Um schnell Fahrt aufzunehmen, haben wir Redstone als ge kennen, bringen ihre umfangreiche Erfahrung ein und
Verstärkung an Bord geholt. die Power, zum Beispiel beim Vertrieb und bei der Presse-
arbeit. Das ist wertvoll für die Portfolio-Firmen. Von un-
Von wem ging der Impuls aus, einen Corporate-­ serer Seite kommt das Element Aufbau der Ventures. Die
Venture-Fonds zu gründen? Redstone-Partner sind seit 15, 20 Jahren im Ökosystem.
Boris: Der Impuls kam aus dem Vorstand. Wir haben Sie sind selbst Gründer und Investoren und wissen, wie
das Thema lange diskutiert. Wir haben auch vorher in man Firmen aufbaut. So ergänzen wir uns ausgezeichnet.
Startups investiert – allerdings aus dem M&A-Bereich he-
raus. Aufbauend auf einer detaillierten Marktanalyse ha- Die Deutsche Bahn hat den Accelerator DB Mind-
ben wir letztlich vom Vorstand ein klares Mandat bekom- box, die Plattform Beyond1435 und den VC-
men, diesen Fonds aufzubauen mit einem Commitment Fonds. Gibt es eine übergeordnete Strategie?
von 100 Millionen Euro für Startup-­Investments bis 2019. Boris: Das kann man im Lebenszyklus gut erklären.
Julius: Das ist typischerweise, was in der Industrie Der DB Accelerator in der DB Mindbox spürt Leute mit
Schnittstelle zwischen
passiert: Erst muss der Vorstand verstehen, dass das eine guten Ideen auf. Da reden wir oft noch nicht von einer ei-
Corporates und Start­ weitreichende strategische Entscheidung ist. 100 Millio- genen Firma, sondern über Gründer in einer frühen Pha-
ups: Boris Kühn, Mana- nen Euro ist wirklich ein großes Commitment. Dann arbei- se. Es geht darum, mit neuen Ideen die Produktwelt der
ging Director Deutsche ten wir mit dem strategischen Stab und mit der M&A-Ab- DB weiterzuentwickeln. Beyond1435 ist der Anlaufpunkt
Bahn Digital Ventures,
teilung zusammen, um alles in eine Struktur zu gießen. für innovative, disruptive Tech-Startups abseits des Kern-
und Julius Bachmann
von Redstone Digital geschäfts, die gemeinsam mit der Deutschen Bahn und
leiten die Investments Wie ist der Fonds angelegt, arbeitet er strate- unseren Partnern ihre Projekte im Markt etablieren und
der Deutschen Bahn. gisch oder geht es allein ums Geldverdienen? weiter wachsen wollen. Wir arbeiten sehr eng mit diesen

130 berlinvalley.com berlinvalley.com 131


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Kollegen zusammen. Allerdings kommt der Fonds erst tung autonomes Fahren wird der Kunde der Bahn künf-
dann ins Spiel, wenn es um eine konkrete Beteiligung tig erwarten, dass wir das intelligent vernetzen. Das heißt
geht. Das heißt, im Lebenszyklus setzt der Fonds da an, im Umkehrschluss, wir investieren – teilweise gemeinsam
wo Beyond1435 aufhört. Alles ist Teil eines Ökosystems, mit den Autoherstellern. Da gibt es Überschneidungen.
der den Kern unserer Digitalisierungsstrategie bildet.
Wenn immer mehr Corporates VC-Fonds aufle-
Julius, ist das aus eurer Sicht empfehlenswert? gen, ist dann zu viel Geld am Markt, sodass die
Julius: Solange diese Unternehmen, die aus dem Qualität der finanzierten Startups sinkt?
Acce­lerator kommen, von der Qualität her in den Deal­ Julius: Ich glaube, ein Startup entscheidet sich
flow passen, macht das Sinn. Wenn man aber aus politi- nicht wegen des Geldes dafür, ein Investment von ei-
schen Gründen in ein Startup investiert, weil es aus dem nem Corporate anzunehmen. Es ist so viel Geld im Markt,
eigenen Accelerator kommt, dann ist das schwierig. Aber dass man wählen kann. Die Firmen, in die wir investie-
so lange das ein gutes Unternehmen ist, gibt es keinen ren möchten, sind alle so gut, dass sie von überall Geld
Grund, warum das nicht so sein sollte. bekommen würden. Es geht um mehr als Geld: um das
Boris: Wir machen da keinen Unterschied. Wenn wir Branchenverständnis, Vertriebspower und so weiter.
mit dem DB Accelerator zusammenarbeiten, haben wir
den Vorteil, dass wir sehr frühzeitig mit den Unternehmen Würdest du dir wünschen, dass die Deutsche
in Kontakt sind. Wenn wir uns entscheiden sollten, in das Bahn bei ihren Investments noch mutiger ist?
Unternehmen zu investieren, dann ist unser Qualitätsan- Julius: Wenn man sich das Portfolio der Deutschen
spruch genauso hoch wie bei einem externen Startup. Es Bahn anschaut, dann sind dort Investments dabei, die
muss zu unserer Investment-Policy passen, der Reifegrad vom Risikoprofil durchaus Investments von international
des Produktes oder der Technologie muss stimmen. agierenden VC-Fonds entsprechen. Die Bahn hat ein tie-
fes Verständnis ihrer Industrie. Ich habe überhaupt keine
Wie weit über die Schiene hinaus investiert die Sorgen, dass es der DB an Mut fehlt – ganz im Gegenteil.
Deutsche Bahn?
Boris: Wir begreifen den Mobilitätsmarkt weitrei- Was sind eure Pläne bei DB Digital Ventures?
chend und schauen uns an, was links und rechts vom Boris: Deutschland ist unser Heimatmarkt, aber im
typischen Bahn- und Busverkehr relevant ist. Wir haben Hinblick auf ein ausgewogenes Portfolio wollen wir uns
NKF Ende Oktober Deutschlands ersten autonomen Bus im öf- verstärkt im Ausland umschauen. Unser Investmentfokus
fentlichen Straßenraum gestartet. Wir haben in den USA liegt über Europa hinaus in den USA und Israel. In den USA
MIT
SUM in Connected Signals investiert, ein Startup im Bereich werden wir uns nicht nur im Silicon Valley umschauen. Es

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Smart City, welches mithilfe von künstlicher Intelligenz gibt andere Hotspots wie Chicago oder Austin/Texas, die
2017 die Rot- und Grünphasen von Ampeln zur optimalen Steu- hochinteressant für uns sind. Perspektivisch möchte ich
erung von Verkehren für einzelne Autos, autonom fah- auch Asien nicht ausschließen. Wir werden uns als Fonds
rende Flotten oder ganze Städte entwickelt. Am Ende des breiter aufstellen und uns auch personell verstärken, um

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Tages werden wir über die intelligente Vernetzung von das alles stemmen zu können.
Mobilitätsketten sprechen. Da gehören Schiene und Bus
genauso dazu wie der Individualverkehr. Gerade in Rich-

Wer meint, ein Event zu organisieren, wäre mit ausreichend Erfahrung plötz-
lich einfach, der täuscht sich! Denn die Liste der Risiken und Herausforderun- Ob Aufbauhelfer für Messen, Fotografen für Events oder Models für
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Er ha nt Progr nce von Erfahrungsübersichten runden das Gesamtbild ab und helfen bei der unkom-
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Logi anagem i n . plizierten Auswahl. Durch interne Serviceschulungen und Castings wird die
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Busi d-Un chere Abwicklung und versichert dabei eine transparente und für alle Parteien
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132 berlinvalley.com
Shivram Ayyagari (l.)
THE HUNDERT THE HUNDERT
und Oliver Hüfner, die

Nach einer herausragenden Ausgabe zur Startup-


Gründer von Smunch,
auf den Treppen des
Berliner Konzerthauses.
Szene in New York kehrt das Magazin The Hundert
zu seinen Wurzeln zurück und porträtiert die Jonas Leve (l.) und
Manuel Ronnefeldt

spannendsten jungen Startups Berlins von 7mind meditieren

E
am Potsdamer Platz.

T A K N
T W E T H E „Wir wollten zurück zu

F I R S A N , “
den Anfängen und zei-

„ AT T L I N
gen, wie sich die Szene

H
in Berlin verändert hat“

N E R
MA AKE B
Wieso habt ihr Oliver Samwer für das Vorwort ausgesucht? Wer sitzt in der Jury?
Wir versuchen für jede Ausgabe von The Hundert eine außerge- Zum Beispiel Fränzi Kühne von der Digitalagen-

T
wöhnliche Person für das Vorwort zu gewinnen. Bei der NYC-Ausgabe tur Torben, Lucie und die gelbe Gefahr. Neben ihrem

WE
Das Gespräch führte Corinna Visser. zum Beispiel war es Kevin P. Ryan, Gründer unter anderem von Bu- COO-Posten bei der Agentur ist sie Deutschlands jüngste
siness Insider, Gilt, MongoDB und Zola. Er wird auch Godfather der Aufsichtsrätin in einem börsennotierten Unternehmen,
Startup-Szene von New York genannt. Für unsere Jubiläums-­Ausgabe nämlich bei Freenet. Aber auch Sonali De Rycker von Ac-
haben wir uns Oliver Samwer gewünscht, also den Architekten der cel, Florian Heinemann von Project A sowie Rocket-Vor-
Berliner Startup-Szene. Es freut uns sehr, dass er diese Rolle über- stand Alexander Kudlich sitzen in der Jury.
Sabine, gerade ist die zehnte Ausgabe von nommen hat.
The Hundert erschienen. Du bist Projektleiterin. Gab es für dich Überraschungen bei der Auswahl
Was ist euer Konzept? Wie habt ihr die Startups ausgewählt? der Jury?
Wir präsentieren in jedem Heft 100 Startups. Das ist Wir hatten im März einen Open Call. Jedes Startup konnte sich Einige Startups, die ich persönlich als Favoriten ge-
die Grundidee. Aber kein Magazin ist wie das andere. Wir bewerben. Gleichzeitig haben wir recherchiert, welche neuen Startups sehen habe und deren Projekte ich total spannend fand,
beleuchten jedes Mal entweder einen neuen Aspekt eines man in Berlin kennen sollte. Wir haben auch unser Netzwerk gebeten, haben es leider nicht unter die Top 100 geschafft. Aber na-
Ökosystems oder ein ganz neues Ökosystem mit den 100 Startups vorzuschlagen. Am Ende hatten wir eine Liste mit insgesamt türlich bin ich auch als Redakteurin an die Sache heran­
Top-Startups. 860 Startups, bei denen wir dann geprüft haben, ob sie passen. gegangen, die bestimmte Dinge cool findet und nicht als
Investor, der darauf achtet, wie viel Potenzial die Start­
Wie hat sich das Konzept von The Hundert seit Welche Kriterien habt ihr angelegt? ups haben. Es war gut, dass wir eine sehr gemischte Jury
dem Jahr 2013 gewandelt? Die Startups durften nicht vor 2013 gegründet und nicht schon hatten, die sich die Startups mit unterschiedlichem Fo-
In der ersten Ausgabe hat unser Gründer Jan Thomas einmal in The Hundert vorgestellt worden sein. Sie müssen ihren kus angeschaut haben.
Meinungen von Experten zum Ökosystem in Berlin ge- Hauptsitz in Berlin haben. Das hat die Liste auf 760 Startups redu-
sammelt. Ab der zweiten Ausgabe haben wir dann Start­ ziert. Aus dieser Longlist haben wir als Redaktion 240 spannende Gibt es denn einen Sieger?
ups porträtiert. Anfangs war das Magazin thematisch auf Startups ausgewählt. Dafür haben wir uns zum Beispiel angeschaut, The Hundert ist kein Ranking. Daher gibt es keine
Berlin ausgerichtet. Ab dem achten Heft sind wir über welche Investments sie bekommen haben und von wem, wie ihre Nummer eins. Einige Startups haben mehr Punkte be-
Berlin hinausgegangen und haben 100 Gründerinnen aus mediale Präsenz ist, ob ihr Geschäftsmodell innovativ und skalierbar kommen als andere, aber das veröffentlichen wir nicht.
ganz Europa vorgestellt. Mit dem neunten Magazin ha- ist. Wir haben auch darauf geachtet, dass die Startups aus verschiede-
ben wir auch Europa verlassen und die Top-100-Startups nen Branchen kommen, denn wir wollen nicht nur Fintechs oder Di- Welche Fragen habt ihr gestellt?
aus New York porträtiert. Bis zur neunten Ausgabe ka- gital-Health-Startups zeigen, sondern die ganze Bandbreite des Ber- Wir wollten zum Beispiel wissen, was die Gründer
men die Texte immer von den Startups selbst, die zehnte liner Ökosystems. aus heutiger Sicht gern anders gemacht hätten, welche
Ausgabe wollten wir individueller gestalten. Wir haben Tipps sie für andere Gründer haben oder wie sich die Ber-
mit allen Startups kurze Interviews geführt. Wie ging es dann weiter? liner Startup-Szene verändert hat. Manchmal haben wir
Die letzten 240 Startups haben wir in acht Gruppen zu je 30 sehr persönliche Antworten bekommen.
Warum diesmal wieder Berlin? Start­ups aufgeteilt. Wir hatten 40 Jury-Mitglieder, also haben jeweils
Florian Stein, the Hundert

Weil wir hier angefangen haben. Im ersten Magazin fünf Juroren eine der acht Startup-Gruppen bewertet. Welche Startups findest du besonders spannend?
ging es um Berlin und mit der Jubiläumsausgabe wollten Mein Lieblings-Startup ist Rumicon. Die machen
wir wieder zurück zu den Anfängen. Seit der letzten Ber- Wie habt ihr die Jury ausgewählt? Herden-Management. Das Foto-Shooting war auch sehr
lin-Ausgabe sind auch schon zwei Jahre vergangen und Wir haben Experten für Startups und für das Berliner Ökosystem witzig, weil wir sie mitten in einer Kuh-Herde fotografie-
wir wollen zeigen, wie sich die Szene in der Zeit verän- gesucht. Es ist eine bunte Mischung aus Investoren, Gründern und ren konnten. Dafür sind wir nach Brandenburg rausge-
dert hat. Berlin ist eines der wichtigsten Startup-Ökosys- Kennern der Berliner Szene. Wir haben auch darauf geachtet, die Ba- fahren. Ein Startup, dessen Produkt ich selbst jeden Tag
teme in Europa. lance zwischen Männern und Frauen zu halten. nutze, ist Noisli. Da kann man sich verschiedene Geräu-

134 berlinvalley.com berlinvalley.com 135


TwentyBN entwickelt
künstliche Intelligenz,
THE HUNDERT THE HUNDERT
die die Welt durch Vi-
deo versteht. Ziel ist es,
sche zusammenstellen und damit den Bürolärm ausblenden. Wor-
dass Computer ähnlich
keer gefällt mir sehr gut, weil sie Jobs in Berlin an Flüchtlinge vermit- wie Menschen lernen,
teln. Cellbricks sitzt auf dem gleichen Gelände wie wir mit NKF und unbekannte Informati-
macht 3D-Cellular-Printing. Ihr Ziel ist es, menschliche Organe zu onen zu bewerten und
drucken. Akvola Technologies hat Technologie zur Wasserreinigung richtig einzuschätzen.
entwickelt, das ist auch spannend.

Was war eure Design-Idee für das Magazin?


Wir wollten, dass die Ausgabe auch die Stadt zeigt und nicht
nur die Startups. Die Gründer sollten als Teil der Stadt vorgestellt
werden. Wir wollten in Restaurants sein, in Parks, an Seen, in den
verschiedenen Kiezen. Also haben wir nach tollen Locations ge- Mimi Hearing
sucht. In den fünf Shooting-Wochen hat es sehr viel geregnet, des- Technologies hat
wegen war das nicht ganz so leicht. Wir haben die Fotos gedruckt, eine App entwickelt,
bei der sich die Mu-
an verschiedene Wände plakatiert und noch einmal fotografiert. Heartbeat hat eine sik an das Gehör des
Überall in Berlin gibt es diese abgerissenen Plakate, das wollten wir moderne Patient-Re- Zuhörers anpasst –
aufnehmen. Uns gefiel die Idee, das Heft ein wenig im 80er-Grunge-­ ported-Outcome-Soft- wie eine Brille für die
Style zu gestalten. Damit wollten wir die Seele der Stadt zeigen. ware entwickelt, bei Ohren.
der Ärzte und Thera-
Ihr hattet auch eine besondere Social-Media-­Kampagne. peuten Patienten über
Wir hatten im Mai drei Wochen lang 37 schwedische Fotografie-­ Tablet und E-Mail be-
Studenten in Berlin. Der Kontakt kam über den Kulturspace. Die fragen können.
Coolar hat ein strom- Engigo fördert sozi-
Studenten haben für uns eine Social-Media-Kampagne geplant und
freies Kühlgerät zum ales Engagement und
umgesetzt. Wir haben den Studenten unsere Magazine gegeben und
Transport von Medi- Lebensqualität. Das
verschiedene Elemente wie eine Karte von Berlin, Glitzerstifte, Bal-
kamenten und Impf- Startup bringt Men-
lons. Sie sind dann in Zweiergruppen zwei Wochen durch Berlin ge-
stoffen entwickelt. schen zusammen,
zogen und haben am Schluss ihre Top-fünf-Bilder ausgewählt. Da- Zeitgold ist darauf
Angetrieben von Son- die einander helfen
mit konnten wir unsere Social-Media-Kanäle bespielen und uns als fokussiert, kleinen
nenenergie sorgt ein wollen. Es unterstützt
Teil von Berlin präsentieren. Unternehmen Zeit
Adsorptionskältesys- die Vernetzung von
bei ihrem Finanzma-
tem für die Kühlung. Senioren mit lokalen
Wie sieht das Team von The Hundert aus? nagement zu sparen,
in dem sie das Helfern und Pflege-
Das Team hat eine wechselnde Größe. Während der Shootings
komplette adminis- kräften.
hatten wir drei Fotografen, die gleichzeitig gearbeitet haben und
trative Verfahren
mit jedem Fotografen war ein Praktikant unterwegs. Ich habe alles
übernehmen.
koordiniert. Jetzt sind wir insgesamt drei Leute im Team.

Wie geht es mit The Hundert weiter?


Nach der Berlin-Ausgabe wollen wir wieder international wer-
den. Wir haben unsere Leser gefragt, welche Ökosysteme sie interes­
sieren und die drei häufigsten Antworten waren: Tel Aviv, London
Die Data Artisans,
und Lissabon. Jetzt entscheiden wir, wohin wir fahren.
von den Denkern hinter
Apache Flink gegrün-
det, ermöglichen es

Nils Lucas, Jasper Kettner, Anne Schönharting, Irene Wissel, Florian Stein
Fortune-500-Unterneh-
men, ihre Geschäfte in
Echtzeit zu führen mit
Datenverarbeitung im
Stream.

I E N EUE
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