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Geoengineering: Neue Studie warnt vor

grossen Gefahren des Einsatzes


4. März 2018 aikos2309

Eine kürzlich veröffentlichte Studie von Forschern der Yale University, Rutgers
University und der University of Maryland warnt vor dem Einsatz und dem plötzlichen Ende
(!) von Geoengineering-Programmen. Insbesondere das Einbringen von Aerosolen in die
Atmosphäre, um den Klimawandel “anzugehen”, sehen die Forscher als gefährlich an. Diese
Programme können laut der Studie mehr Schaden in der Tier- und Pflanzenwelt und beim
Menschen verursachen als Nutzen bringen.

Die Studie Potentially dangerous consequences for biodiversity of solar geoengineering


implementation and termination (Potenziell gefährliche Konsequenzen für die Biodiversität
der Implementierung und Beendigung von Solar Geoengineering) wurde am 22. Januar 2018
im Fachmagazin Nature veröffentlicht. Dort schreiben die Forscher:

Solar Geoengineering erhält als ein potenzielles Instrument zur Kompensation der
Klimaerwärmung erhöhte politische Aufmerksamkeit. Während die Reaktionen des Klimas
auf Geoengineering detailliert untersucht wurden, sind die potenziellen Auswirkungen auf die
biologische Vielfalt weitgehend unbekannt. Um das Aussterben zu vermeiden, müssen sich
die Arten anpassen oder sich bewegen, um wechselnde Klimazonen zu verfolgen. Hier
bewerten wir die Auswirkungen der schnellen Implementierung, Fortsetzung und plötzlichen
Beendigung des Geoengineering auf die Geschwindigkeit des Klimas – die
Geschwindigkeiten und Richtungen, die die Spezies erbringen müssen, um die
Veränderungen des Klimas folgen zu können.

(Solar geoengineering is receiving increased policy attention as a potential tool to offset
climate warming. While climate responses to geoengineering have been studied in detail, the
potential biodiversity consequences are largely unknown. To avoid extinction, species must
either adapt or move to track shifting climates. Here, we assess the effects of the rapid
implementation, continuation and sudden termination of geoengineering on climate
velocities—the speeds and directions that species would need to move to track changes in
climate.)

Die Forschergruppe fand in der Studie heraus, dass die plötzliche Beendigung
von Geoengineering-Programmen “die [Erhöhungs-]Geschwindigkeit der Meeres- und
Landtemperaturen auf beispiellose Geschwindigkeiten erhöht (increases both ocean and land
temperature velocities to unprecedented speeds)”. Was zur Folge hat, dass es zu
einer “schnellen Klimazersplitterung (rapid climate fragmentation)” in gemäßigten Gebieten
mit Grasland und Wäldern kommt. Zudem schließen die Forscher daraus, dass “eine schnelle
Beendigung des Geoengineerings die Bedrohung der biologischen Vielfalt durch den
Klimawandel erheblich erhöhen würde (rapid geoengineering termination would significantly
increase the threats to biodiversity from climate change)”. Auch warnten die Forscher vor
dem Aussterben bestimmter Spezies aufgrund des Wandels in der biologischen Vielfalt.

Mit Geoengineering wird versucht das Wetter (und damit das Klima) zu verändern. Seit
Jahrzehnten wird daran militärisch und wissenschaftlich geforscht. Laut eines US-Kongress-
Berichts von 2013 wären allerdings die Implikationen, wenn es in einem größeren Maßstab
eingesetzt wird, nicht vorhersehbar. Diese offizielle Erklärung und Darstellung dürfte für
Kritiker wie blanker Hohn klingen:

Der Begriff “Geoengineering” beschreibt diese Reihe von Technologien, die durch groß
angelegte und gezielte Veränderungen der Energiebilanz der Erde versuchen, Temperaturen
zu reduzieren und dem anthropogenen Klimawandel entgegenzuwirken. Die meisten dieser
Technologien befinden sich in der Konzeptions- und Forschungsphase, und ihre Wirksamkeit
bei der Reduzierung der globalen Temperaturen muss noch bewiesen werden. Im
Allgemeinen werden Geoengineering-Technologien entweder als Kohlendioxidentfernungs-
(CDR)-Verfahren oder als Solarstrahlungsmanagement- (SRM)-(oder Albedo-Modifikations-
)Verfahren kategorisiert. CDR-Verfahren adressieren die Erwärmungseffekte von
Treibhausgasen, indem sie Kohlendioxid (CO2) aus der Atmosphäre entfernen. CDR-
Methoden umfassen die Ozeandüngung sowie die Kohlenstoffbindung und -
speicherung. SRM-Methoden adressieren den Klimawandel, indem sie das
Reflexionsvermögen der Erdatmosphäre oder -oberfläche erhöhen.

Beispiele für SRM-Methoden sind Aerosol-Injektion und weltraumgestützte


Reflektoren. SRM-Methodenentfernen keine Treibhausgase aus der Atmosphäre, können
jedoch im Vergleich zu CDR-Methoden mit relativ sofortigen globalen
Abkühlungsergebnissen schneller eingesetzt werden.

(The term “geoengineering” describes this array of technologies that aim, through large-scale
and deliberate modifications of the Earth’s energy balance, to reduce temperatures and
counteract anthropogenic climate change. Most of these technologies are at the conceptual
and research stages, and their effectiveness at reducing global temperatures has yet to be
proven.
In general, geoengineering technologies are categorized as either a carbon dioxide removal
(CDR) method or a solar radiation management (SRM) (or albedo-modification)
method. CDR methods address the warming effects of greenhouse gases by removing carbon
dioxide (CO2) from the atmosphere. CDR methods include ocean fertilization, and carbon
capture and sequestration. SRM methods address climate change by increasing the reflectivity
of the Earth’s atmosphere or surface. Aerosol injection and space-based reflectors are
examples of SRM methods. SRM methods do not remove greenhouse gases from the
atmosphere, but can be deployed faster with relatively immediate global cooling results
compared to CDR methods.)

Bei der neuen Studie setzten die Forscher ein fiktives Modell ein, dass
entsprechende Geoengineering-Programme ab dem Jahre 2020 vorsieht. Laut des Modells
würden die Regierungen damit beginnen Aerosole in die Atmosphäre im Bereich des
Äquators einzubringen. Mit dieser als Stratospheric Aerosol Injection
(SAI) bezeichneten “Technik”, soll das Sonnenlicht reflektiert werden, indem Schwefel und
andere Aersole eingebracht werden. Die Forscher fanden dabei heraus, dass bei einer
plötzlichen Beendigung einer solchen SAI nach 50 Jahren (also im Jahr 2070) die Temperatur
an Land innerhalb von 10 Jahren um 1 Grad steigen würde. Laut der Studie bedeutet dies
einen dreifach so schnellen Temperaturanstieg als wenn man das Klima “unberührt” lassen
würde. Die davon am meisten betroffenen Gebiete sind jene mit der größten Artenvielfalt:
Amazonien, Afrika und Eurasien.

Chris Trisos, Forscher an der University of Maryland, sagte gegenüber dem


Magazin Environmental Research, dass ein plötzlicher Ausstieg aus den Geoengineering-
Programmen eintreten könne, wenn die Regierungen die Maßnahmen (Finanzierung,
Infrastruktur, usw.) nicht mehr leisten können. Er sprach zudem eine explizite Warnung vor
dem Aussterben bestimmter Spezies aus:

Die schnellen Temperaturerhöhungen aufgrund eines plötzlichen Endes


des Geoengineerings würden wahrscheinlich die Fähigkeit vieler Arten übersteigen, zu
wandern, um mit der Temperaturänderung fertig zu werden, was das Aussterberisiko erhöht.

(The rapid temperature increases from a sudden termination of geoengineering would likely
outpace the capacity of many species to migrate to cope with the temperature change,
increasing extinction risk.)

Diese neue Studie ist nicht die erste, die auf die Gefahren von Geoengineering-Programmen
bzw. deren Einsatz eingeht. Eine bereits 2013 veröffentlichte Studie im Journal of
Geophysical Research mit dem Titel Atmospheres warnte ebenfalls vor einem plötzlichen
Temperaturanstieg (insbesondere an Land), wenn Geoengineering-Programme begonnen und
plötzlich beendet werden würden. Im Februar 2015 kam eine andere Studie von
internationalen Forschern zu dem Schluss, dass Geoengineering-Technologien ―keine
brauchbaren Alternativen zur Verringerung der Treibhausgasemissionen bei der Bekämpfung
der Auswirkungen des Klimawandels” sind. Die damalige Forschergruppe forderte weitere
Forschungen zu diesem Thema ein, um ein größeres Verständnis der
verschiedenen Geoengineering-Technologien (inklusive Kohlendioxid-Entfernungs-
Schemata und Solar-Strahlungsmanagement) zu bekommen, bevor es zu einer Umsetzung
kommt.

Die Forscher gingen davon aus, dass SRM-Techniken wahrscheinlich “ernsthafte bekannte
und mögliche unbekannte ökologische, soziale und politische Risiken [darstellen],
einschließlich der Möglichkeit, einseitig eingesetzt zu werden ([present] serious known and
possible unknown environmental, social, and political risks, including the possibility of being
deployed unilaterally)”.

Im Oktober 2016 gab die United Nations’ Convention on Biological Diversity einen Bericht
heraus, der das Problem von Geoengineering untersuchte und ob die Menschheit an einem
bestimmten Punkt dazu gezwungen sein wird, diese Techniken einzusetzen. Der
Report Update On Climate Geoengineering In relation to the Convention on Biological
Diversity: Potential Impacts and Regulatory Framework (Update zu Climate Geoengineering
in Bezug auf das Übereinkommen über die biologische Vielfalt: Mögliche Auswirkungen und
regulatorischer Rahmen) besagt, dass Geoengineering

die Auswirkungen des Klimawandels auf die Biodiversität auf globaler Ebene reduzieren
würde,

(would reduce the impacts of climate change on biodiversity at the global level,)

warnte aber gleichzeitig davor, dass es zu unvorhergesehenen Schwankungen und


Veränderungen bei Regenfällen und Temperaturen kommen wird. Der UN-Bericht kam zu
dem Ergebnis, das die Effektivität von Geoengineering “unsicher (uncertain)” ist und dass
die Reduzierung eines Problems, andere neue Probleme schaffen würde. Daher bestünde auch
das Risiko, dass die Geoengineering-Maßnahmen auch zu anderen Faktoren beiträgt, die sich
auf den Verlust der biologischen Vielfalt und die Integrität des Ökosystems auswirken.

(in reducing the scale of one problem, other new problems would be created. Thus, there
would also be risk of the geoengineering action also contributing to other drivers affecting
biodiversity loss and ecosystem integrity.)

Laut des UN-Berichts könne man zwar das Abschmelzen des Arktischen Eises
mit SRM bremsen, aber nicht ohne “untragbaren klimatischen Auswirkungen anderswo
(unacceptable climatic impacts elsewhere)”. Eine Methode des SRM ist das Einbringen von
Aerosolen in die Atmosphäre mittels Flugzeugen.

Die Studie fand hierzu heraus, dass der Einsatz von Schwefelaerosolen beim SRM zu einer
Verringerung der Ozonkonzentration in der Stratosphäre führen würde. Zudem besteht ein
Risiko, dass bei der Stratospheric Aerosol Injection (SAI) es zu negativen Folgen für die
Biodiversität kommen kann (Chemtrails: Verschwörungstheorie nun Fakt – Kongress hält
Anhörung über Wettermanipulation ab (Videos)).

Bei all den hier vorgestellten Fakten stellt sich natürlich dem unbedarften Leser die Frage,
warum sowohl Regierungen als auch Forscher weiterhin daran festhalten, die gefährlichen
Technologien zu fördern und zu fordern, um angeblich die Menschheit zu retten? Aber diese
Frage ist eigentlich die klassische rhetorische Frage…