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Gütersloh, 24.04.2018

Ende Februar brachte Luchterhand in der Verlagsgruppe Random House


den neuen Roman „Achtzehn Hiebe“ von Assaf Gavron heraus. Das
BENET hat sich mit dem israelischen Autor in Gütersloh getroffen und
mit ihm im Rahmen der Reihe „Bücher im Gespräch“ über sein jüngstes
Werk gesprochen. Darüber hinaus stellt sich Assaf Gavron im Video
persönlich vor. Und natürlich verlost das BENET drei handsignierte
Exemplare des Romans.

Von einer verbotenen


Liebe zwischen zwei
britischen Soldaten und
zwei jüdischen
Mädchen während der
britischen Mandatszeit
in Israel bis hin zu
mysteriösen
Todesfällen im heutigen
Tel Aviv: Ende Februar
brachte Luchterhand in
der Verlagsgruppe
Random House den
neuen Roman
„Achtzehn Hiebe“ von

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Assaf Gavron heraus. Assaf Gavron stellt sich in einem kurzen Video vor

Das BENET hat sich


mit dem israelischen
Autor in Gütersloh getroffen und mit ihm im Rahmen der Reihe „Bücher im Gespräch“ über sein jüngstes
Werk gesprochen. Darüber hinaus stellt sich Assaf Gavron im Video persönlich vor. Und natürlich verlost das
BENET drei handsignierte Exemplare des Romans.

BENET:Herr Gavron, Ihr Protagonist Eitan Einoch – auch „Krokodil“ genannt – hat zuletzt in Ihrem vor rund
zehn Jahren erschienenem Buch „Ein schönes Attentat“ eine Rolle gespielt. Wie kam es dazu, dass er nun in
„Achtzehn Hiebe“ wieder auftaucht?

Assaf Gavron: Ich hatte die Idee zu dem Buch, bevor ich wusste, dass Eitan darin eine Rolle spielen würde.
Ich wollte mich mit älteren Menschen beschäftigen, die sich an ihre Jugendzeit erinnern. „Achtzehn Hiebe“
spielt zwar in unserer aktuellen Zeit, aber die Wurzeln der Geschichte liegen 60 Jahre zurück. Außerdem
stand von Beginn an fest, dass es eine Art Krimi werden sollte. Ich lese selber sehr gerne Krimis, und ich
mag die Idee eines Amateurdetektivs. In „Ein schönes Attentat“ dreht sich der Großteil der Geschichte um
eine Ermittlung, die Krokodil als Amateurdetektiv mit einem Freund unternimmt. Und als ich nun bei dem
neuen Buch wusste, dass es auch hier Ermittlungen geben sollte, dachte ich: Warum Eitan nicht wieder
reaktivieren? Gleichzeitig begann ich mich zu fragen, was eigentlich aus ihm geworden sein könnte, elf Jahre
nach seiner ersten Geschichte, in der er mehrere ernsthafte Traumata erlitten hat. Damals war er
dreiundreißigeindrittel Jahre alt, nun ist er vierundvierzigeinviertel. Ich habe mich gefragt: Wo steht Eitan
gerade? Er ist ein Charakter, den ich sehr gerne mag, deshalb wollte ich einmal nachschauen, wie es ihm so
geht.

BENET: Ist es Ihnen schwer gefallen, ihn wieder zu finden?

Assaf Gavron: Was ich ebenfalls von Anfang entschieden hatte,


war, dass der Protagonist in „Achtzehn Hiebe“ auf jeden Fall
Taxifahrer von Beruf sein sollte – und Eitan hatte eigentlich nichts
mit Taxifahren am Hut, er hat in der Hightech-Branche gearbeitet.
Aber als ich dann anfing zu schreiben, habe ich ganz leicht wieder
einen Zugang zu ihm gefunden, alles kam wie von selbst. Eitan ist
nun also Taxifahrer, geschieden, hat eine Tochter, und seine
Vergangenheit aus dem Buch ist weiterhin ein Teil von ihm. Es war,
als würde ich einen alten Freund wiedertreffen, den man zwar viele
Jahre nicht gesehen hat, aber wenn man ihm dann wieder
begegnet, ist es, als wäre es erst gestern gewesen.

BENET: Warum sollte der Protagonist in „Achtzehn Hiebe“


ausgerechnet Taxifahrer sein?
Assaf Gavron © S. Röhl
Assaf Gavron: Ich habe in Tel Aviv viele Taxifahrer getroffen. Unter
ihnen gibt es einige, die Intellektuelle und aus verschiedenen
Gründen in diesem Beruf gelandet sind, obwohl sie für ganz andere Jobs qualifiziert wären – das spielt auch
in diesem Buch eine Rolle. Außerdem empfand ich die Taxifahrten als eine interessante Möglichkeit, sich in

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dem Roman durch Tel Aviv zu bewegen und die Stadt auf diese Weise kennenzulernen – und vor allem als
eine Möglichkeit, um Menschen zu begegnen. Ich finde, Taxifahrer haben einen unglaublich spannenden Job,
weil sie mit vielen verschiedenen Leuten zusammenkommen und jeden Tag bis zu zehn oder zwanzig
Geschichten hören. Natürlich sind nicht alle Taxifahrer gleichermaßen gesprächig, aber gerade in Israel
neigen sie sehr dazu, sich mit den Fahrgästen zu unterhalten. Sie sind auf eine besondere Weise Teil des
Lebens von anderen Personen – das gefällt mir.

BENET: Inwiefern hat sich Tel Aviv in den vergangen zehn Jahren verändert?

Assaf Gavron: Ich bin nicht sicher, ob sich Tel Aviv im Vergleich zu „Ein
schönes Attentat“ in so einem starken Maß verändert hat wie Eitan. Aber
ich denke, durch seine neuen Rollen – als Geschiedener, als Vater, als
Taxifahrer – erlebt Eitan die Stadt aus einer anderen Perspektive. In dem
ersten Buch spielt natürlich die Intifada eine wichtige Rolle, Tel Aviv ist
von Bomben bedroht und es herrscht eine Atmosphäre der Paranoia, das
ist heute anders. Aber in ihrem Wesen hat sich die Stadt nicht verändert.
Tel Aviv bleibt Tel Aviv – eine aufregende, interessante Stadt mit vielen
jungen Leuten, einem modernem Nachtleben, einer großen Hightech-
Branche, aber auch mit ihrem Strand und ihren Touristen.

BENET: Ihr Roman „Achtzehn Hiebe“ blickt immer wieder auf die 1940er-
Jahre zurück – warum interessiert Sie besonders diese Zeitspanne?

Assaf Gavron: Ich finde diese Zeit voller Emotionen, Leidenschaft und
Drama sehr faszinierend. Die Wurzeln der Geschichte in „Achtzehn
Hiebe“ liegen in dem Jahr, in dem der Staat Israel gegründet werden
sollte, in dem sich die Situation während des britischen Mandats immer
mehr aufheizte. Es kam zu sehr viel Gewalt, die Juden lehnten sich gegen
die Briten auf, weil sie sie zunehmend als Besatzer ansahen. Die Araber taten es ihnen gleich, und obwohl
die Juden und die Araber sich gegenseitig anfeindeten, gab es eben die Briten, die zum Ziel ihrer
gemeinsamen Gewalt wurden. Ich finde es sehr interessant, dass die Briten nach dem Zweiten Weltkrieg
eigentlich in der Position der Sieger waren – die Helden, die Europa und die Welt befreit hatten –, dann aber
plötzlich als Feinde wahrgenommen und von den Arabern und Juden angegriffen und gedemütigt wurden. Mir
gefällt diese Dramatik.

Darüber hinaus betrifft mich dieser Konflikt aber auch persönlich. Meine Eltern kommen aus England, viele
Familienmitglieder leben noch dort, und ich habe auch selbst in Großbritannien gelebt. Meine Hauptidentität
ist zwar israelisch, aber ein großer Teil meiner Identität ist eben auch britisch. Ich habe diese zwei Seiten
meiner Identität bislang nicht in meinen Büchern thematisiert und hatte nun das Gefühl, dass es die richtige
Zeit sei. Und die britische Mandatszeit ist die offensichtlichste Periode in der Geschichte, in der diese beiden
Welten kollidieren.

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BENET: Welche Bedeutung haben die „Achtzehn Hiebe“ aus dem Titel Ihres Romans?

Assaf Gavron: Sie beschreiben einen wahren Vorfall während des britischen Mandats. Es ist keine der
berühmten Geschichten – bis ich mit meinen Recherchen für das Buch begonnen hatte, wusste auch ich
nichts davon. Dahinter steckt die Tatsache, dass die Briten damals Kriminelle, die gewalttätig waren – die
Anschläge verübt und Menschen getötet haben –, üblicherweise mit dem Tod durch Erhängen bestraften.
Waren die Straftäter aber minderjährig, wurden sie nicht gehängt, sondern erhielten stattdessen 18
Peitschenhiebe. Menachem Begin, der die Untergrundgruppe Etzel anführte und später Ministerpräsident von
Israel wurde, hasste diese Form der Bestrafung. Den Tod durch Erhängen oder dass Soldaten und Kämpfer
auf ihrer Mission starben, das konnte er akzeptieren, aber über die Auspeitschungen kam er nicht hinweg.
Seine Reaktion auf diese Strafe war, dass er britische Soldaten gefangen nehmen ließ und sie auf dieselbe
Weise bestrafte.

Diese Geschichte zeugt von Rache, von Demütigung. Im Kontext von Krieg und Widerstandskämpfern wirkt
sie sogar irgendwie komisch, man erwartet nicht, dass sie eine solche Wendung nimmt. Und die Tatsache,
dass dieses Gefühl der Demütigung sowohl für die Person, die sie am eigenen Leib erfahren hat, als auch für
eine ganz Nation für viele Jahre oder sogar ein ganzes Leben bestehen bleibt, ähnelt dem Gefühl der Liebe.
Ich wollte diese beiden Gefühle, Liebe und Demütigung, die ein ganzes Leben von der Jugend an bis ins
hohe Alter bestehen können, untersuchen. Beide bleiben tief im Herzen der Menschen, und in dem Roman
sind beide miteinander verwoben.

BENET: Nimmt die Liebe deshalb so eine zentrale Rolle in dem Buch ein?

Assaf Gavron: Die Geschichte erzählt von der verbotenen Liebe zwischen britischen Soldaten und jüdischen
Mädchen – es hat natürlich Beziehungen dieser Art gegeben. Nachdem das Buch erschienen ist, habe ich
viele Nachrichten von Menschen bekommen, die mir erzählt haben, dass ihre Tanten oder andere Verwandte
eine solche Liebesaffäre gehabt hätten. Eine verbotene Liebe scheitert oft aufgrund der Umstände, es ist
schwierig, mit ihr an die Öffentlichkeit zu gehen. Ich wollte herausfinden, was tief im Herzen vor sich geht,
wenn sich jemand in frühem Alter verliebt und sein Herz gebrochen wird. Was passiert dann? Wie lange kann
Liebe andauern? Kann Liebe ein Leben lang andauern? In dem Buch spiele ich mit der Idee, dass sie genau
das kann.

BENET: Wie sieht Ihre Zusammenarbeit mit dem Luchterhand Literaturverlag aus?

Assaf Gavron: Luchterhand und ich, wir sind uns gegenseitig wirklich sehr treu. Der Verlag hat fünf Bücher
von mir in Deutschland herausgebracht. In keinem anderen Land, in dem meine Titel erscheinen, habe ich so
viele Bücher bei demselben Verlag veröffentlicht. Es fühlt sich so an, als hätten meine Bücher hier wirklich ein
Zuhause. Seit genau zehn Jahren arbeite ich jetzt mit Luchterhand zusammen – in dem Team sind übrigens
dieselben Menschen wie damals, das ist auch in keinem anderen meiner Verlage so.

Ich bin im Allgemeinen sehr beeindruckt von dem Verlagswesen und der Lesekultur in Deutschland. Es gibt

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hier ein großes Interesse an Büchern, an Lesungen, Buchhandlungen, an Lesefestivals und Buchmessen. Ich
bin sehr glücklich mit Luchterhand, denn der Verlag vereint für mich das Beste von allem. Es ist ein kleiner
Verlag, der aber Teil einer starken Verlagsfamilie ist. Wir haben ein sehr persönliches Verhältnis entwickelt in
den vergangenen Jahren. Und es fühlt sich irgendwie rund an, jetzt im zehnten Jahr auch Eitan aus dem
ersten Buch wieder auftreten zu lassen.

BENET: Werden wir Eitan denn vielleicht in einem


Ihrer zukünftigen Romane noch einmal wieder
treffen?

Assaf Gavron: Warum nicht? Im ersten Buch war


er, wie gesagt, 33 Jahre alt, nun 44, vielleicht also
wenn er 55 ist. Wer weiß, was ihm bis dahin
passiert. Es ist sicher spannend, das
herauszufinden.

Signiertes Exemplar zu gewinnen

Das BENET verlost drei von Assaf Gavron


Assaf Gavron signiert drei Exemplare seines Romans „Achtzehn Hiebe“
signierte Exemplare des Romans „Achtzehn
Hiebe“. Wenn Sie an dem Gewinnspiel
teilnehmen möchten, senden Sie einfach bis zum
25. April eine E-Mail mit dem Stichwort „Achtzehn Hiebe“ an benet@bertelsmann.de. Geben Sie bitte
auch Ihre vollständige Firmenanschrift an, denn Sie erleichtern uns damit das Verschicken der Preise. Das
BENET und der Luchterhand Literaturverlag wünschen Ihnen viel Glück! (se)

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