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Nur das leise plantschen einiger Wasservögel Oder ist das postmodern?

ern? Man fühlt sich ein we- braucherforschung tätig, bevor er ein Sachbuch
hört man; etwas entfernt die Autos auf der nig wie in die surrealistischen Zeichnungen von über das Lachen schrieb und heute Unterneh-
Schnellstraße, welche das ostflämische Städt- Claude-Nicolas Ledoux und Étienne-Louis Boul- mer in der Lebensmittelindustrie ist. Trotz einem
chen Oudenaarde mit Gent verbindet. Auf dem lée hineingeworfen: Streng geometrische For- Markenrelaunch und der Erweiterung des Sorti-
Weg vom Bahnhof zur Senffabrik von Camp’s men, eine karge Fassade und eine ehrwürdige ments behielt er stets die Firmentradition und
läuft man durch den beschaulichen Ort, am Aura, die das Gebäude umgibt. Dass diese Sze­- die alten Rezepte im Hinterkopf. Der Neubau soll-
See Donk entlang, über matschige Fußwege, ne sakral anmutet, ist nicht ganz unbeabsichtigt. te ebendiesen zeitlosen Geist der Firma weiter-
vorbei an Wiesen, wilden Sträuchern und dich­- Die Firma Camp’s wurde bereits 1905 gegrün- tragen. Als die Architekten David Dhooge und Saar
tem Unterholz. Eine kleine Fußgängerunterfüh- det und bis 2010 von der Familie Van Camp geführt. Meganck für den Neubau der Fabrik beauftragt
rung später und es tut sich eine neue Szenerie Auch heute noch herrscht hier mit nur acht Mit- wurden, erhielten sie eine Carte blanche mit nur
auf: Mitten in der Landschaft eine scharfe Zu- arbeitern eine sehr familiäre Atmosphäre. 2011 einer Bitte: Die Fabrik soll einer Abtei gleichen.
fahrt und ein kreisrunder Platz, dahinter ein übergaben die Gründersöhne Albert und Robert Decock wünschte sich einen Ort, der nicht vor
Tempel. Steht man hier inmitten einer antiken Van Camp die Firma an Ben Decock. Er ist studier- wirtschaftlichen Antrieb strotzt, sondern in dem
Arena? Vor einem klassizistischen Monument? ter Psychologe und war fast 20 Jahre in der Ver- seine Mitarbeiter wie Mönche und Nonnen in en-

Text Beatrix Flagner

Mostrich Monument
Die Senfkörner werden an-
geliefert: Unter Luftdruck
werden sie nach oben in die
Die Architekten David Dhooge und
Senfkörnertanks gepustet.
Die Fabrik steht am Rande
eines Industriegebietes,
Saar Meganck realisierten im bel­
welches an ein Naturschutz-
gebiet angrenzt.
Lageplan im Maßstab
gischen Oudenaarde eine Fabrik für
1:15.000, Foto auf dieser Sei-
te: Frederik Vercruysse;
Foto auf der rechten Seite:
Senf und eingelegtes Gemüse –
David Dhooge
als einen kontemplativen Tempel.
38 Thema Bauwelt 7.2018 Bauwelt 7.2018 Thema 39
Architekten
Dhooge & Meganck, Gent

Mitarbeiter
Judith De Pau

Bauherr
Camp’s, Oudenaarde

Tragwerksplanung
Willy Naessens Group,
Wortegem-Petegem

Ausführung
2013–2018

BGF
1200m²

8 Kosten
1.191.000 Euro

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Hell und offen: Von der He-


lix-Treppe kann man in die
Produktionshalle schauen,
ebenso vom Büro auf der
Empore aus (Bild auf der lin-
1 Eingang 5 Produktionshalle
ken Seite).
2 Waschräume 6 Gemüse-Marktplatz Schnitt und Grundrisse im
3 Vorratslager Gläser 7 Büro und Aufenthalt Maßstab 1:100; Infografik:
Camp’s bvba; Foto auf der
4 Lagerbestand 8 Senfkörnersilos
linken Seite: Frederik Ver-
cruysse; Fotos auf dieser
Seite: David Dhooge

ger Gemeinschaft nach dem Grundsatz Ora et verdichtetes Raumkonzept vor allem auch ein
labora handeln – bete und arbeite: Das Leben Ergebnis des kleinen Budgets sind. So erklärt
steht nicht im Dienste der Arbeit, sondern anders- sich, dass der runde Vorplatz das Mindestmaß
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herum. Die realisierte Senf-Abtei hat diese spi­ des Wendekreises von LKWs hat und die fehlen-
rituelle Strahlkraft, die in den Bann zieht. Der halb- den Öffnungen auf der Vorderseite damit zu tun
runde Ausschnitt auf der Vorderseite löst eine haben, dass dahinter die Stauräume sind.
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Sogwirkung aus und man möchte sofort eintre- Dass hier Senf produziert wird, merkt man di-
2 4 ten und Zeuge des Senf-Produktions-Zaubers rekt in den ersten zehn Sekunden nach Betre­-
werden. Es ist die einzige Öffnung auf der Vor- ten des Gebäudes. Der Essig in der Luft reizt die
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derseite und der einzige Eingang, damit also Augen und kitzelt in der Nase. „Wir haben noch
gleichzeitig Lieferzone. Die Architektin Saar Me- ein wenig Probleme mit der Lüftungsanlage“, er-
ganck betont, dass der schlichte Bau und sein klärt Saar Meganck. Im Inneren verschwindet

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Der Raum mit den roten
Tanks ist ein Ruheraum.
Hier kommen die Mitarbei-
ter hin, um der essighal­
tigen Luft zu entkommen
und durchzuatmen.
Foto: David Dhooge, Axono-
metrien ohne Maßstab

der erste Eindruck eines verschlossenen Tem-


pels. Das Gebäude ist offen und hell. Vom Ein-
Wie die Götterstatue in der
gang aus kann man durch den gläsernen Trep- Cella eines römischen
penschacht bis in die zweigeschosshohe Pro- Tempels sind die tiefroten
duktionshalle schauen. Betreten wird sie über
eine Schleuse aus Waschräumen. Dank der
Senfkörnersilos das Herz­
zahlreichen Öffnungen auf der Rückseite des stück des Gebäudes.
Gebäudes ist die Halle lichtdurchflutet und
man blickt ins Grüne. Im ersten Obergeschoss Fabrik erledigt diese Arbeit nun die Schwerkraft:
befindet sich der Seminar- und Aufenthalts- Die Senfkörner werden dafür im zweiten Ober-
Der runde Vorplatz soll noch raum, von dem man in die Produktionshalle her- geschoss im Senfturm gelagert. Von hier aus rie-
mit einem zwei Meter ho-
unter und auf den gegenüberliegenden „Ge­ seln sie in die Mühlen und werden weiter mit
hen Zaun umfasst werden.
Das verstärkt nicht nur die müse-Marktplatz“ schauen kann. Dort werden Wasser, Essig, Honig und Gewürzen verfeinert.
Sogwirkung des Eingangs. Gurken, Rüben und Kohl auf die weitere Verar- Die Silos sind das Herz des Gebäudes und im
Dahinter kann man auch beitung vorbereitet. Gegensatz zur restlichen Fabrik in einem isolier-
Produktionsutensilien wie
Tonnen und Behälter ver- In der Vertikalen wird die Fabrik über die glä- ten, stillen Raum untergebracht. Wie die Götter-
stecken. sern eingefasste Helix-Treppe erschlossen: So statue in der Cella eines römischen Tempels ste-
Fotos: Frederik Vercruysse wird auch hier die Lebensmittelsicherheit einge- hen hier die zwei tiefroten Tanks. Das runde Fens-
halten und jeder Berührungspunkt zwischen hy­ ter hinter ihnen, mit Blick in die Landschaft, ver-
gienischen und nicht hygienischen Bereichen ver- stärkt die kontemplative Wirkung. Tatsächlich zie-
mieden. Die Vertikale hat eine besondere Be- hen sich hier hin und wieder die Mitarbeiter zu-
deutung in der Senf-Abtei, denn hieran orientiert rück – zur Zeit vor allem, um dem Essig in der Luft
sich der gesamte Produktionsprozess. Dhooge zu entfliehen, der auch mir inzwischen die Trä-
und Meganck besuchten im Vorfeld häufig den nen über die Wangen laufen lässt. Es wird Zeit für
früheren Camp’s-Standort in Ronse, dem Nach- frische Luft. Hinter dem Gebäude soll, wenn
barort von Oudenaarde. Sie setzten sich intensiv wieder etwas Budget vorhanden ist, ein offener
mit der Produktion und den Mitarbeitern aus­ Gemeinschaftsgarten für Gemüse angelegt wer-
einander und bemerkten, dass die bisherige Pro- den. In Workshops und Seminaren kann dann je-
duktion horizontal angelegt war und viel geho- der Besucher etwas über den Zauber von Senf
ben und gepumpt werden musste. In der neuen und Eingelegtem lernen.

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