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 Lateinamerika Analysen 19, 1/2008, S. 189-216.

Hamburg: ILAS 

Forum & Debatte

Günther Maihold

Schwerpunktsetzung, Kohärenz und
politische Initiative. Elemente eines neuen
Profils deutscher Lateinamerika-Politik

Zusammenfassung
Die deutsche Lateinamerika-Politik ist immer wieder – meist
durch Anstöße von außen – auf ihre Leistungsfähigkeit und ihren
Fokus überprüft worden. Angesichts des gegenwärtigen Wandels
in dieser Region erscheint eine Neubestimmung von Programmen
und Partnern für die Außen- und Entwicklungspolitik nicht nur
überfällig sondern auch bezogen auf Design und interministerielle
Organisation dringend erfoderlich. Deutschland läuft Gefahr wei-
ter seine Präsenz in Lateinamerika einzubüßen, wenn nicht eine
Neuausrichtung des Engagements in der Region erfolgt. Nach ei-
ner kurzen Einschätzung der Lage in Lateinamerika werden
Schwerpunkte und Felder für politische Initiativen aufgezeigt, die
sich insbesondere auch auf eine gemeinsame Führungsverantwor-
tung bei Fragen globaler Politik beziehen.
Schlagwörter: Lateinamerika, deutsche Außen- und Entwicklungspolitik

Günther Maihold
, geb. 1957, Dr. phil., stv. Direktor der Stiftung Wissenschaft und
Politik (SWP), Berlin sowie Hon.-Prof. an der Freien Universität Berlin 
SWP, Ludwigkirchplatz 3-4, 10719 Berlin
E-Mail: guenther.maihold@swp-berlin.org

 190 Günther Maihold   

Resumen

Günther Maihold
Prioridades, coherencia e iniciativa política. Elementos
de un nuevo perfil de la política alemana en torno a
América Latina

La política alemana en torno a América Latina y el Caribe ha periódicamente
estado sujeta a revisiones de su enfoque y alcance. Sin embargo, la situación
actual de América Latina exige una reorientación no solamente de pro-
gramas y contrapartes para la política exterior y de cooperación, sino tam-
bién una revisión profunda en cuanto a su diseño y organización. Los
esquemas tradicionales del reparto de responsabilidades ministeriales ya no
corresponden a los retos planteados de generar más visibilidad, impacto y
efecto de la presencia alemana en el subcontinente latinoamericano. Por lo
tanto, se recomiendan después de un corto diagnóstico de la situación en la
región áreas prioritarias y tareas inmediatas para potenciar la presencia ale-
mana en América Latina, especialmente con respecto a un co-liderazgo en
materia de políticas globales.

Summary

Günther Maihold
Priorities, Coherence, and Political Iniciative. Elements of
a New Profile for Germany’s Latin America Policy

Germany’s Latin America policy has periodically been subject to revisions of
its focus and impact. This is particulary important given the profound
changes occurring in Latin America. The programs and counterparts of
German foreign and development policy have to be evaluated; in addition,
the policies’ design and internal organization need to be reformed. The old
game of ministerial responsibilities which lack clear coherence limits the
potential of Germany’s Latin America policy. If the policy is to achieve
greater visibility, higher impact, and a stronger presence, it has to define
regional and thematic priorities, especially in the final interest of shaping a
common co-leadership in global affairs.

 Ein neues Profil deutscher Lateinamerika-Politik 191    Nicht erst seit der Wahl der sogenannten „linken Regierungen“ befindet sich Lateinamerika in einem umfassenden Umbruch. Wilhelm Hofmeister. Dies gilt insbesondere angesichts eines spürbaren Präsenz. Außen. die mir in verschiedenen Diskussionsrunden wertvolle Anregungen gegeben haben. Diese Feststellung wird typischerweise von mit diesem Subkontinent befassten Personen hervorgehoben. politische Anstöße zu geben. Bert Hoffmann. die jenseits etablierter Integrationsräume ange- siedelt sind und themenbezogen offene Gruppenkoordination zwischen Staa- ten und nichtstaatlichen Akteuren eröffnen. Anschlussfähigkeit zu den neuen Zielgruppen und Trägern politischer und gesellschaftlicher Verantwortung in Lateinamerika aufzubauen. Mit Lateinamerika als „best performer“ globaler Ordnungspolitik im westlichen Sinne unter den Entwicklungsregionen bietet sich ein Gestal- 1 Für wichtige Hinweise zu einer früheren Fassung dieses Textes danke ich Wolf Grabendorff. ist der vorliegende Beitrag gewidmet.und entwicklungspolitisches Handeln muss sich heute bei der Gestaltung der internationalen Beziehungen Deutschlands mit Knappheitsproblemen (Faust 2006: 97f. so dass es gegenwärtig angezeigt erscheint. Wenn denn aber solche Res- sourcen knapp sind. Obwohl das Bild der Region sicher vielfältiger und die Akteure vielgestaltiger geworden sind und sich damit die vordergründige Homogenität des Subkontinents zu verflüchtigen scheint. Deutsche Außen. Wichtig ist dabei selbstver- ständlich das Interesse deutscher Außenpolitik.und Entwicklungspolitik verlieren in Lateinamerika an Präsenz. so dass ein Rückfall in einen rein bilateralen Ansatz für das Handeln deutscher Außenpolitik nicht das Instrument der Stunde ist.1 Hierzu wird zunächst versucht. so ist Politik gefordert. in einem ersten Abschnitt den Wandel der jüngeren Zeit in Latein- amerika kurz zu charakterisieren. Insofern gilt es jenseits der unterschiedlichen Aufmerksamkeitsschwellen im globalen Maßstab auch jene im Bereich der Politikformulierung liegenden Ursachen bei inneren Koordinationsproblemen in den Blick zu nehmen und das fehlende Interesse anzugehen. eine zentrale Rolle in der multilateralen Ordnung durch die Gestaltung internationaler Ordnungspolitik zu spielen. . sich besonders der Gestaltung von Kohärenz anzunehmen. um anschließend nach den strategischen Interessen Deutschlands in der Region zu fragen. die klare Prioritätensetzungen verlangen.und Profilverlusts Deutschlands in Lateinamerika. der vom Grundverständnis demokratischer Herrschaft bis zur Rolle des Subkontinents in der internatio- nalen Politik reicht. Dieser Notwendigkeit. gemeinsame Initiativen für deutsche und internationale Politik mit den Partnern in Latein- amerika zu erarbeiten. die den außenpolitischen Auftritt Deutschlands in der Region bestimmen sollte. bieten sich für externe Akteure dennoch auch weiterhin gemeinsame Handlungsansätze gegenüber der Region an.) auseinanderset- zen. Manfred Mols und vielen anderen Gesprächspartnern.

die den Kontinent insgesamt treffen. per- spektivisch zu denken und markante Tendenzen in ihrem Zukunftspotenzial zu beurteilen. 3 Stellvertretend für viele vergleichbare Analysen vgl. wenn man den Versuch unternehmen möchte. .3 2 Vgl. fal- sche Konzepte für den Umgang mit den lateinamerikanischen Partnern bedingt ist (Hakim 2006. die Entwicklungen der jüngsten Zeit hätten die ohnedies schon bestehende Heterogenität des Subkontinents noch weiter erhöht. hierzu ausführlich (Husar 2007). Lateinamerika nurmehr als Länderarchipel zu verstehen und den Blick auf Dynamiken umfassenderer Art zu verstellen (Whitehead 2006: 223f. (Zilla 2007). 192 Günther Maihold    tungsraum an. „Jedem sein Lateinamerika“ – Folgen der Beliebigkeit deutscher Lateinamerika-Politik Es gehört gegenwärtig fast schon zum Standardrepertoire. Hierzu gehören vor allem:  Der Auftritt Chinas als neuer Partner der Region mit durchaus unter- schiedlichen Folgen für die rohstoffexportierenden Nationen einerseits und Mexiko/ Zentralamerika andererseits. So zutreffend diese Einschätzung immer war und noch immer ist.B. auch wenn z.2  Der Präsenz. so sehr fördert sie die Tendenz. aber zu durchaus unterschiedlichen Reaktionen und Effekten in den jeweiligen Staaten und Gesellschaften führen. neben welchem – jenseits der transatlantischen Beziehungen – weltweit nichts Vergleichbares für Deutschland existiert (Mols 1994: 6).und Positionsverlust der USA und der Europäischen Union. in Chile und Mexiko sich dies nicht in gleichem Umfang niederschlägt. Solche Hinweise und Einschränkungen sind alle richtig.  Der Verfall und Zusammenbruch etablierter Parteiensysteme und das Vordringen politischer Sammlungsbewegungen. Diedrichs/ Oeter 2006).). die jeweilige Aussage gelte aber nur für diesen oder jenen Fall und es dürfe in keinem Falle verallgemeinert werden. dass es „Latein- amerika“ gar nicht mehr gebe (Muñoz 2006). Der von manchen behauptete „Linksrutsch“ nach dem Superwahljahr 2006 wird mit dem Hinweis auf Kolumbien und Mexiko ge- kontert. Debatten über Entwicklungen auf dem Subkontinent und seiner Rolle in der internationalen Politik sind gar nicht mehr zu führen. nicht-populistische“ Linke relativiert. ohne dass nicht je nach politischem Vorzeichen oder jeweiliger Argumentationslage darauf ver- wiesen wird. der Verweis auf die wachsende Rolle von Hugo Chávez in der Regi- on mit dem Hinweis auf Chile und Uruguay als „andere. der zum einen durch disengagement und/ oder andere Prioritäten bzw. nur führen sie nicht weiter. 1.

Allerdings bereitet das aber sichtlich Schwierigkeiten. die wenig mit moderner Demokratie vereinbar sind (Eßer 1998). Diese und weitere Elemente müssten dazu angetan sein. insbe- sondere in den Rohstoffökonomien schlägt sich dies durch Staatsunter- nehmen und die Rückkehr staatlicher Führung von Wirtschaftsunterneh- men nieder (Haldenwang 2006). Strategische Fragen für eine deutsche Lateinamerika-Politik Immer wieder hat sich die deutsche Lateinamerika-Politik um eine Standort- bestimmung bemüht.  Eine erneut wachsende Rolle staatlichen Handelns oder ein dem Staat angetragenen Handlungsauftrag. volksdemokratischer Formen der Verbindung zwischen politischer Klasse und Wahlvolk (Wolff 2004). die überhaupt erstmals oder erstmals in Form politischer Artikulation in den Kampf um Macht eintreten und eingreifen (Ströbele-Gregor 2005).und Steuerungsanforderungen erkennbar wird. das dominante Bild Lateinamerikas bei den politisch handelnden Akteuren zu verändern und bestehende Strategien zu überprüfen.  Formen der extrainstitutionellen Interessenvertretung und des Konflikt- austrags gewinnen an Bedeutung und stellen neue Herausforderungen für Regierbarkeit und bestehende (westliche) governance-Vorstellungen.  Verhinderte Vergangenheitsbewältigung und die schwache Bindung an Institutionen im Gegensatz zu einer starken Zentrierung auf politische Persönlichkeiten ermöglichen in Lateinamerika den Wiederaufstieg schon überwunden geglaubter Kulturmuster und Politiktraditionen. Das Lateinamerika-Konzept der Bundesregie- rung aus dem Jahr 1995 ist in dieser Hinsicht ein zentraler Bezugspunkt. 2.bzw. Ein neues Profil deutscher Lateinamerika-Politik 193     Der Vertrauensverlust der Bevölkerung in die institutionellen Formen parlamentarischer und repräsentativer Demokratie mit der Neigung zur Stärkung personalistischer und direkt. weithin . der in neuen Verantwortlichkeiten für staatliche Leistungs. da es den auch von der deutschen Wirtschaft geforderten neuen Blick auf die Sub- region aus einer ressortübergreifenden Perspektive beschreibt und einen Auf- bruch mit einer neuen Hinwendung zu den Partnern in Lateinamerika bewir- ken sollte. da die Bindung an traditionelle Akteure als Bezugspunkte und europäisch angeleitete Integrationsräume als Handlungsmuster weiterhin im Vordergrund stehen und mit diesen Perzeptionen neue Entwicklungen erst verspätet in den Blick genommen werden. die insbesondere in der Vorlage von Konzeptpapieren zum Ausdruck gekommen ist.  Das Auftreten neuer politischer Kräfte wie indigener Bewegungen. Nachfolgende Versuche zur Beschreibung einer gemeinsamen Position der Bundesregierung sind jedoch nicht vorangekommen.

Gleiches gilt auch für den Deutschen Bundestag. Merkmale dafür sind:  Die Vertiefung der Kluft zwischen Verfassungs-/ Gesetzesnorm und Realität setzt sich fort. die sich in der Region ausbreiten. der Lateinamerika als den geographi- schen Raum mit Vorbildrolle bei der regionalen Integration nach EU-Muster kultivierte (Heine 1999). politische Entscheidungen daraus abzuleiten. insoweit sind die Ansätze zur Reform oder völligen Neuformulierung der Verfassungen ein traditioneller und für die Region und die (neuen) Eliten typischer „Fluchtversuch nach vorne“ angesichts ihrer nur begrenzten Handlungsfähigkeit zur Verbesserung der realen La- ge der Bevölkerung. 194 Günther Maihold    dominierten Versuche zu einer ressortbezogenen Formulierung von Grundsätzen (Auswärtiges Amt 2004. Aber der Ruf nach einer neuen. die geeignet sind. BMZ 2008). Diese als „Verfassungsleidenschaft“ bezeichnete Dis- position (Garzón Valdés 1999: 110) mag zwar auch kurzfristigen macht- politischen Interessen entsprechen. zudem bedarf eine solche Selbstvergewisserung auch der Bereitschaft. die die Länder und Gesellschaften des Subkontinents untereinander aber auch intern auseinander treiben.  Die politische Polarisierung der Gesellschaft „von oben“ erschüttert die Grundlagen des in Lateinamerika ohnehin nur begrenzt belastbaren inter- personellen Vertrauens und vollzieht sich im Kontext populistischer Handlungsmuster und Politikstile (Puhle 2003). Prioritäten mittelfristiger Art zu setzen und damit ein Profil zu entwickeln. mit der Verfassung sei eine reale Regulierung des sozialen Le- bens verbunden. scheinen selbst in den Augen eingefleischter Integra- tionsbefürworter gegenwärtig jene politischen Kräfte an Bedeutung zu gewin- nen. die jedoch nicht als gemeinsame Papiere den Weg in das Kabinett gefunden haben. wie sich der Subkontinent weiter entwickeln wird. dass auch für die Partner erkennbar und nachvollziehbar ist. 2. BMVg 2007. der seine letzte gemeinsame Entschliessung zur Lateinamerika-Politik im Jahre 2004 formulierte. Dabei stellen sich neue Fragen hinsichtlich der in die Zukunftsperspektive reichenden Ü- berlegung. Bodemer 2006. Die Spaltung des Subkontinents in verschie- dene politische Lager hat diese Tendenz befördert und lässt den Nationalis- mus wieder zu einem gestalterischen Instrument nach innen und außen wer- den. ressortübergreifenden Standort- beschreibung allein führt noch nicht zum Ziel. aber bleibt gleichwohl der Illusion verhaftet. was gegenwärtig durchaus der Fall zu sein scheint. . obwohl der eklatante Bruch zwischen Rechtsordnung und sozialer Wirklichkeit mehr als augenfällig ist.1 Lateinamerika driftet im Inneren auseinander Nach einem jahrelang geübten Diskurs. wenn die Einschätzungen zur Lage in Lateinamerika stark auseinander laufen.

. Dies bedeutet. ihre weitere innere Fraktionierung durch die politische Polarisierung lässt sie als Trägerschicht für politischen Wandel in vielen Ländern der Region definitiv ausfallen.und Konfliktaustragungsprozessen. so dass sich diese Prozesse stärker konfliktartig vollziehen. Sie muss davon ausgehen.  Entgegen der Tendenzen der 1980er und 1990er Jahre ist eine wachsende Re- Zentralisierung der Herrschaft in vielen Staaten Lateinamerikas festzustellen. dass Dynamiken eines inkrementellen Elitenwandels angesichts bestehen- der gesellschaftlicher und ethnischer Polarisierung oftmals verstellt sind. die präsidentielle Macht konsolidiert sich weiter auf Kosten parlamentarischer Mitwirkung. kann sich aber unter dem Gesichtspunkt der Wahrung von Bürgerrechten und operativer Performanz als fragwürdiges Unternehmen erweisen.  Die bestehende Elitenstruktur ist in der großen Mehrheit der Länder nicht reformorientiert oder -willig (Waldmann 2007). in der die beteiligten Akteure meinen. Die Ausdünnung der Mittelschicht als Folge der Strukturanpassungspolitik der 1980er und 1990er Jahre (Brieger 2002: 349) kann insoweit als Aderlass für Stabilität und Demokratie angesehen werden. beschädigen deren traditio- nelle Rolle als Träger institutioneller Demokratie. ein Bekenntnis für ihre jeweiligen Positionen einfordern zu sollen. föderaler Strukturen und gesellschaftlicher Teilhabe. Ein neues Profil deutscher Lateinamerika-Politik 195     Wachsende innergesellschaftliche Konflikte.und Entwicklungspolitik vor neue Herausforderungen in Lateinamerika. Das Instrumentarium der Konfliktprävention und -regelung kann dabei sicherlich gute Dienste leisten und vermag bestimmte Formen des Konflikt- austrags vermeiden helfen. Diese Entwicklungen stellen deutsche Außen. ist mit der Stärkung des Präsidentialismus voll kompatibel. das ge- genüber autoritären Versuchungen nicht immun ist. in ei- nem Umfeld politischer Polarisierung unter der Ägide des „neuen Populis- mus“ in Konfliktkonstellationen zu geraten. die sich innerhalb und vor allem auf Kosten der Mittelschicht vollziehen. ent- wicklungspolitische Zielstellungen reduzieren sich oftmals auf die geeignete Gestaltung von Dialog. Die Mitglieder dieser neuen Elite sind angesichts der Abschottung sozialer Gruppen aber gleichzeitig wenig auf ihre neue Verantwortung vorbereitet. Übergreifende Gestaltungsmöglichkeiten werden dadurch untergraben. das sich der partizipativen zu Lasten der repräsentativen Demokratie verschreibt (Rodríguez Garavito/ Barrett 2005: 37). Zudem beschränkt die Festlegung der Ko- operationszusagen auf der Regierungsebene die Einbeziehung zivilgesell- schaftlicher Akteure und schränkt somit die Reichweite der Projektansätze ein. ohne den eigent- lichen Zielen näher zu kommen.  Ein neues Demokratieverständnis. so dass sich statt einer Eli- tenzirkulation ein dramatischer durchgreifender Elitentausch in einigen Ländern wie Bolivien und Venezuela vollzogen hat.

deren mittelfristige Tragweite sich bei diesem subregionalen Design unterschiedlich ausnimmt: Während PETROCARIBE das am weitesten ent- . eine stärker politisch angelegte Rolle zu übernehmen und im Dialog mit den Eliten der Länder eine deutliche Sprache hinsichtlich der Gestaltung des sozialen Wandels zu sprechen. Hierzu gehört die Gründung einer gemeinsamen Entwicklungsbank Banco del Sur durch Argentinien. Bolivien. Ob- wohl dieses Verständnis von Zusammenarbeit nur schwerlich als „Integrati- on“ zu verstehen ist. Ohne strukturelle Veränderungen dürften diese Gesellschaften in schwierig zu be- herrschende Konfliktszenarien eintreten. der eine Entwicklung von Wettbe- werbsfähigkeit mit dem Ziel der Integration in den Weltmarkt betonte. die als Nachfolgerin der Südamerika- nischen Staatengemeinschaft (CSN) angelegt ist. dass damit eine Konkurrenz zu den subregionalen Verbünden der andinen Staa- tengemeinschaft (CAN) sowie des MERCOSUR begründet wurde. 2. wird diese neue Form der Kooperation in Südamerika mit institutionellen Formaten unterlegt. Erkennbar ist jedoch. Dies gilt gleichermaßen in Ländern wie etwa Guatema- la und Bolivien. 196 Günther Maihold    Indes kommt deutsche Außen. die auch das Ziel verfolgt. da mit ihr keinerlei gemeinsame Regelungen oder gar die Übertragung von Souveränität verbunden sind. Aber auch in Län- dern wie Peru und Ecuador stehen die Fragen der gemeinsamen Entwicklung im nationalen Territorium seit Jahrzehnten auf der Tagesordnung. Mit den vene- zolanischen Initiativen wie PETROSUR und PETROCARIBE wird eine Verbindung der Länder auf der Basis der strategischen Ressource Erdöl ge- stiftet. Brasilien. das aus der Kooperation in Fragen der Energieversorgung und der Entwicklung der zwischenstaatlichen und grenzüberschreitenden Infrastruktur eine stärker „nach innen gewandte“ Sichtweise etabliert auf Kosten des „offenen Regionalismus“.2 Lateinamerika organisiert sich neu Gegenwärtig bildet sich vor allem in Südamerika ein „neues Integrationsver- ständnis“ heraus. Hier sollte gerade mit der Komple- mentarität von politischem Dialog und Maßnahmen der Entwicklungszu- sammenarbeit eine größere Wirkung erreichbar sein.und Entwicklungspolitik nicht umhin. in denen die Frage der Offenheit der Gesellschaft und der Beteiligung aller Bevölkerungsgruppen zur Debatte steht. UNASUR) vollziehen. da das Verhältnis dieser Institutionen zueinander bislang ungeklärt ist. so dass dort der Dialog mit neuen Partnern jenseits der etablierten Kräfte zu aktivieren und in diesem Sinne politisch-präventiv zu agieren sein wird. Ecuador. aber deren politische Reich- weite heute noch nicht abgeschätzt werden kann. All dies soll sich im Rahmen einer südamerikanischen Union (Unión de Nacio- nes Suramericanas. Paraguay und Venezuela. diese Länder unabhängiger von der Politik der interna- tionalen Finanzorganisationen wie Währungsfonds und Weltbank zu machen.

ob die neuen Institutio- nen fähig sein werden. Neue Turbulenzen zwischen den einzelnen Staaten sind nicht auszu- schließen. wer letztlich die Träger der neuen politischen Strömungen in Lateinamerika sind und welche dauerhaften Strukturen zu schaffen sie in der Lage sind. da angesichts der starken Rolle nationalistischer Positionen der Re- kurs auf als „unverletztlich“ angesehene Souveränitätsrechte nahe liegt. ob die bisherige Zusammenarbeit mit etablierten Regionalakteuren (wie etwa der Río-Gruppe) zugunsten anderer Formate (wie etwa UNASUR) aufgegeben werden soll. Wenn man sich auf diese neue Strukturen als Partner einlassen will. Bezogen auf diese neuen Integrationsdynamiken sind deutliche Anzeichen zu erkennen. so dass . ist ein Erfolg der venezolanischen Bemühungen um Fortschritte bei PETROSUR angesichts des hinhaltenden Widerstands Brasiliens nur schwer absehbar. Die umfassende Förderung dieser Integrationsräume durch die EU scheint ver- pufft zu sein. sich zu den neuen Integrationsformen zu verhalten. Wenn heute die „lateinamerikanische Integration nicht mehr überzeugt“ (Mols 2008: 24). stärker binnenzentrierte Orientierungen haben an Boden gewonnen. CAN. sondern auch mit einer insgesamt abnehmenden Kohäsion dieser Integ- rationsräume. Ein neues Profil deutscher Lateinamerika-Politik 197    wickelte Projekt darstellt und mit einer Preisgarantie durch Venezuela gegen- über den Staaten der Karibik und Zentralamerikas ausgestattet ist. Es wurde viel an institutionellen Formen geschaffen. Das ihnen zugrunde liegende Muster einer auf Weltmarktin- tegration abzielenden Politik ist in der Region zunehmend unter Druck gera- ten. dann hat dies nicht nur mit dem gegenwärtig ambivalenten Verhalten Ve- nezuelas mit seinen Mitgliedschaften im Andenraum (CAN) und MERCOSUR zu tun. wäre vorher zu klären. Für externe Akteure wie die EU und ihre Mitgliedstaaten stellen sich inso- weit einige zentrale Fragen: Angesichts der sich nun konstituierenden neuen Institutionalität in Südamerika ist zu prüfen. wie belastbar die Allianzpolitik der neuen Akteure in Lateinamerika ist. nicht verweigern. Sistema de la Integración Centroamericana – SICA) von wichtigen lateinamerikani- schen Staaten selbst in Frage gestellt werden bzw. Angesichts des jüngsten Säbelrasselns zwischen Ecuador und Venezuela auf der einen und Kolumbien auf der anderen Seite ist unklar. dass einige der traditionellen Formate (MERCOSUR. die Identifikation mit ihnen nachgelassen hat. auch wenn diese bislang mehr Projekt als Realität sind. Gegenwärtig sind diese Bestrebungen aber noch sehr stark als Projekte ohne große Bindungswirkung für die beteiligten Staaten zu verstehen (Altmann 2008). dauerhaft politisches Handeln der nationalen Regierun- gen und in Verbindung miteinander zu vereinbaren und aufeinander abzustim- men. Bislang ist allerdings offen. die sich in einem geringen Umfang an Ratifizierungen des jeweili- gen aquis comunautaire ablesen lässt. die sich vielmehr aus „opportunistischen“ Gründen diesen Zusam- menschlüssen anschließen bzw. die jedoch die erwünschte Bindewirkung für das Handeln der Akteure nicht entfalten konnte (Maihold 2006b). Heute gilt es.

setzt insofern einen neuen Be- zugsrahmen für das beiderseitige Verhältnis zwischen Europa und Lateiname- rika. Die lateinamerikanische Selbstperzeption als Globalisierungsverlierer (Graben- dorff 2007: 10). Positive Erfahrungen in diesem Beziehungsmuster konnte die EU bereits beim Sektordialog zu Drogen-Fragen gewinnen. wo die Regierungen der Region ihre Prioritäten setzen werden. ob die „gewachsene Affinität zum Westen … immer noch eine funktionierende Nabelschnur bildet“ (Mols 2008: 24). dass sich die europä- ische Politik auf die etablierten subregionalen Räume bezieht.3 Die USA und EU sind immer weniger in der Lage. auf die Ereignisse auf dem Subkontinent Einfluss zu nehmen Die Partnerschaft mit Europa ist heute für Lateinamerikas Regierungen ange- sichts der Präsenz Chinas immer weniger Notwendigkeit sondern verstärkt nurmehr eine Option. wenn sie tragfähig sein sollen. die den in Lateinamerika vorhandenen Positionen zu einfa- cher Politikkoordination stärker entgegenkommen und möglicherweise besse- re Resultate erbringen. Die starken zentrifugalen Kräfte in den alten Integrationsräumen wie dem MERCOSUR und im andinen Raum werden die Verhandlungen von Assoziierungsverträ- gen mit der EU erschweren. es gilt flexiblere Formate der Zusammenarbeit zu entwickeln. So sind perspektivisch Formen der offenen Gruppenkoordination zu bevorzugen. der EU und seinem Selbstverständnis als Führungsmacht des Südens zu etablieren versucht. Der traditionelle Ansatz eines europäischen (vor allem spanischen) Sen- dungsbewusstseins findet hier seine Grenzen (Maihold 2006a: 8): Der Vor- bildcharakter des alten Kontinents. Zentral ist dabei die Präsenz und Einsatzbereitschaft Brasiliens. muss sich heute angesichts der neuen Präsenz Chinas neu legitimieren. Wenn als Folge der zwischen Europa und Lateinameri- ka sehr unterschiedlichen Anpassung an den Globalisierungsprozess die „ge- meinsame Weltsicht“ weitgehend verloren gegangen ist (Grabendorff 2007: 16). der in Lateinamerika vor allem eine ver- gangene Attraktivität ausstrahlt. gemeinsame Positionen müssen mittelfristig entwickelt werden. wird zunehmend fraglich. Trotz seiner von den lateinamerikanischen Nachbarn kritisch beobachteten Füh- rungsansprüche ist Brasilien entscheidend bei der Konfliktregelung in Süd- . 2. das seine weltpolitische Gestaltungsrolle zwischen den USA. Angesichts der bereits laufenden Assoziierungsverhandlungen zwi- schen der EU und Zentralamerika (SICA) sowie der andinen Staatengemein- schaft (CAN) und des Abschluss eines Partnerschaftsabkommens (EPA) mit 15 karibischen Staaten im Dezember 2007 ist erkennbar. Eine quasi „automatische“ euro-lateinamerikanische Interessengemeinschaft ist damit international nur sehr eingeschränkt gege- ben. 198 Günther Maihold    entscheidend sein wird. die sich für die großen Nationen wie Brasilien und Mexiko oder auch Chile sicherlich anders ausnimmt.

Dies bedeutet vor allem die Notwendigkeit. eine Fülle unterschiedlicher Akteure auf staat- licher und nichtstaatlicher Ebene einzubeziehen. Brasilien. der ihr Handeln in der Region einschränkt (Pérez Llana 2007: 23). Auf diese gestaltende Einflussnahme Brasi- liens setzen auch die USA.h. neue Prioritäten für die Umsetzung deutscher Interessen im europäischen Sinne zu setzen. die sich in vielen anderen Ländern der Region mit der Welle des Populismus einem anti-amerikanischen Diskurs gegenüber sehen. . gilt es. Inhaltlich meint dies vor allem zweierlei: Die Bereitschaft zur Formulierung außenpolitischer Ziele gegenüber Latein- amerika in mittelfristiger Perspektive sowie eine stärkere Politisierung der deutschen Entwicklungszusammenarbeit.und Entwicklungspolitik wie auch abneh- mender Attraktivität des deutschen und europäischen Standortes in Latein- amerika (Werz 2006). -gruppen zusammenführen können.und Entwicklungspolitik besonders profiliert werden. d. ihm kommt auch eine Sprecherfunktion für die Staaten des Südens zu. ohne dass dies auf eine mögliche Konfrontation mit den USA zurückzuführen wäre. Da nicht mit einem unmittelbaren Umschwung in der politischen Agenda zu rechnen ist. Ein neues Profil deutscher Lateinamerika-Politik 199    amerika. als Überblick hierzu vgl. was gleichzeitig einen höheren Wiedererkennungswert sichert. so dass sich auch durch diese Neuorientierung eine größere Distanz zu Südamerika ausgeprägt hat. Gleichzeitig ist Washingtons Interesse an Lateinamerika wegen anderer weltpolitischer Interessen gesunken. die sich im Rahmen der WTO und durch die Einbeziehung in den G8- outreach-Prozess weiter ausgeprägt hat. (Rösler 2006). Dies sollten neben den ohnedies kaum zu bestreitenden außenpolitischen Länderschwerpunkten in Argentinien. Dabei müssen Kompetenzfelder deutscher Außen. Indes bewegen sich die Beziehungen zwischen Lateinamerika und den USA zwischen den Polen ideologischer Dogmatismus und einer pragmatischen Politik auf beiden Seiten (Domínguez 2007). die bestimmte Länder bzw. Umweltpo- litik und -technologie sowie Fragen lokaler und regionaler governance (Dezen- tralisierung etc. Brasilien auf eine tragende Position in der Region (wie etwa bei der Stabilisierungsmission in Haiti) zu verpflichten und die Konfliktprävention zu stärken. so dass sich keine akuten Kon- fliktkonstellationen (selbst in den schwierigen Beziehungen zu Venezuela) ausgebildet haben. die geeignet sind.). ob nicht andere Aufgaben – 4 Dies folgt nicht zuletzt aus der Präsenz der deutschen Wirtschaft in diesen Ländern. Chile und Mexiko4 vor allem regional angelegte Pro- gramme sein. Letztlich sollte überlegt werden. Sicherheitspolitisch muss es daher vor allem darauf ankommen. Themenfelder zu identifizieren. während das Karibische Becken im Rahmen der Drogenpolitik nach wie vor den unmittelbaren nationalen Sicherheitsinteressen der USA zuzuordnen ist. Diese Entwicklung ist gleichermaßen Folge anderer Prioritäten der deutschen Außen. Bezogen auf die Gesamtregion verlieren Deutschland und Europa weiter an Präsenz.

dass man nicht gewillt ist. vielmehr gilt es. sind sie doch bereit. ohne dafür allzu viele Vorleistungen erbringen zu müssen. Dezember 2007 im eigenen Land und der we- nig erfolgreichen Konfrontation mit Kolumbien nach dessen Konflikt mit Ecuador im März 2008 ist zunächst weiter von einer Gefolgsbereitschaft vieler Staaten in der Region gegenüber Hugo Chávez auszugehen.4 Die neue Konkurrenz um die Führungsrolle in Südamerika zwischen Brasilien und Venezuela verschiebt sich zugunsten von Hugo Chávez Mit dem Beitritt Venezuelas zum MERCOSUR und dem Erdölboom haben sich die Gewichte in Südamerika verschoben. dass der Diskurs von Chávez in ihren Gesellschaften an Anhängerschaft gewinnt und ihre eigene politische Basis ins Wanken geraten könnte. Brasilien hat beim lateinamerikanischen Energiegipfel im April 2007 erst- mals und nun bei der Ratifizierung des Beitritts Venezuelas zum MERCO- SUR im brasilianischen Parlament deutlich gemacht. 2. das neue Nuklearprogramm) als „Weltmacht“ wahrgenommen zu werden. Chiles Perus. 200 Günther Maihold    wie etwa der Bereich der Armutsbekämpfung – im Rahmen der Arbeitsteilung multilateral und europäischer Zuständigkeit verankert und weniger dem bila- teralen Bereich zugeordnet werden sollten (Faust/ Messner 2005). um an diesen finanziellen Ressourcen zu partizi- pieren. Gleichwohl steht selbstver- ständlich bei Brasilien als dem Schwergewicht Südamerikas das starke Eigen- interesse im Vordergrund (vgl. internationale Debatten anzustoßen. wohin der südamerikanische Raum steuern wird oder wohin er . sollte durch entsprechende Einbindung in Dialogforen im Rahmen der neuen stra- tegischen Partnerschaft mit der EU vom Juli 2007 aufgefangen und positiv für europäische und deutsche Interessen verändert werden. Brasiliens Führungsrolle in der Region ist wachsender Konkurrenz durch Venezuela ausgesetzt. Die Neigung der brasilianischen Diplomatie. Uruguays und selbstverständlich Kolumbiens im Auge zu behalten. um sie mit großer Flexibilität zugunsten nationaler Positionen – dann unabhängig von internationalen Führungsaufgaben – zu wenden. Chávez weiterhin frei gewähren zu lassen. Trotz der innenpolitischen Niederlage beim Verfassungsreferendum am 2. Koopera- tionen mit ihm einzugehen. Zudem scheinen sie zu fürchten. auch die vorsichtige Distanzierung Mexikos. Indes sollte sich der Blick nicht auf ein beinahe vollständig durch politische Inszenierun- gen von Hugo Chávez geprägtes Bild auf Lateinamerika verengen. Selbst wenn viele Regierungen Lateinamerikas sich nicht mit den Positionen von Chávez identifizieren. die Petrodol- lars haben Hugo Chávez zumindest einen vordergründigen Bedeutungszu- wachs eingebracht. Gerade in diesen Ländern wird die Verengung der Wahrnehmung Lateinamerikas in Europa auf den Protagonismus Venezuelas kritisiert. Die „Region“ steht in Lateinamerika zunehmend zu Debatte: Es gilt aus- zumachen.

Gleiches gilt für Überlegungen aus den USA. vielmehr werden brasilianische Eigeninteressen dominieren. Es muss also darauf ankommen. in Lateinamerika jene Staaten zusammenzuführen. Nordkorea etc. die sich an vordergründigen geopolitischen Maximen orientiert. Sowohl Brasilien wie auch Venezuela versuchen Südamerika immer deutlicher von Mexiko. wenn es international eine als Mitglied der G8-Outreach-Gruppe erst genommen werden will. die dazu aufgeru- fen sind. da sie die internen Spannungen in Lateinamerika erhöhen würden. Lateinamerika läuft Gefahr. ohne sie öffentlich in Positionen zu drängen. Es ist schwerlich zu erwarten. Diese Besorgnis sollte von europäischer und deutscher Seite den Partnern in der Region deutlich vermittelt werden. Den Auswirkungen der Politik von Chávez ist in der Region wie auch in der in- ternationalen Politik zu begegnen: Weder stellt die Allianz mit Iran. . den USA „nachzulaufen“. eine neue Qualität von Süd-Süd-Beziehung dar. dass einzelne lateinamerikanische Staaten offen gegen Chávez Position ergreifen. Insofern ist für die EU eine Strategie des engagement Venezuelas angezeigt unter gleichzeitiger offener Kritik an Einschränkungen der Bürgerrechte und der Gewaltenteilung sowie demokratischer Grundregeln und Rechtsstaatlichkeit. Dies gilt nicht zuletzt für CEPAL und BID.und Verrechnungshandels in Gestalt von Barter-Geschäften Grundlagen für dauerhafte Beziehungen in Südamerika darstellen. Regional wird sich das Land allerdings nicht im Sinne mancher europäischer Hoffnungen als „Bremse“ für die Expansion der Präsenz „chavistisch“ motivierter Bestrebungen einsetzen lassen. wenn die jeweiligen Institutionen ihr nachvollziehbares Interesse in den Vordergrund rücken sollten. nicht zum Schauplatz des Konfliktaustrags zwischen verschiedenen Positio- nen in der Region zu werden. die Debatte zwischen den verschiedenen Wirtschaftspolitikmodellen in Lateinamerika aktiv aufzunehmen und breitere Kreise der wissenschaftlichen und politischen Öffentlichkeit einzubeziehen. noch können Mus- ter des Tausch. Diese müssen aus heutiger Sicht wenig sinnvoll erscheinen. Gleichzeitig sollte der politische Dialog mit den Län- dern Lateinamerikas in dieser Frage verstärkt werden. Organization of American States – OAS. die Attraktivität bestehender Formen der Zusammenarbeit (Banco Interamericano de Desarrollo – BID. wenn es die Globalisierungsherausforderungen nicht aktiv aufnimmt und vor allem die interne Einkommensverteilung durch Investitionen in Erziehung und Bildung korrigiert. Comisi- ón Económica para América Latina y el Caribe – CEPAL) zu stärken und ihre Leistungs- fähigkeit zu erhöhen. Weissrußland. der Karibik und Zentralamerika abzukoppeln. Ein neues Profil deutscher Lateinamerika-Politik 201    gesteuert wird. Auch Brasilien muss hier klare Korrekturen vornehmen. da sie sich damit intern der Kritik aussetzen. die für sie wenig ertragreich sind. eine Strategie. die eine distanzierte Position gegenüber den venezolani- schen Interessen einnehmen. Anstöße hierzu könnten gerade aus Deutschland als extraregionales Mitglied beider Einrichtungen erfolgen. trotz des Ressourcenbooms und der damit verfüg- baren Finanzmittel von der internationalen Entwicklung abgehängt zu werden.

Die Volatilität der politischen Führungen weist die Grenzen zwischenstaatlicher Vereinbarungen schnell auf.und Entwicklungspolitik – Neuausrichtung im Politik- Design Angesichts einer wachsenden Entfremdung zwischen Europa und Lateiname- rika muss es für die deutsche Außen. 3. ein tragendes Profil für die Beziehungen mit den Staaten und Gesellschaften Lateinamerikas zu entwickeln.und Verantwortungsträgern in Lateinamerika herzustellen. Herausforderungen für die deutsche Außen. dass daraus ein neuer Anstoß für die „traditionell guten Beziehungen“ erwachsen würde. Die im Einzelnen sicherlich sinnvollen Initiativen bleiben kurzfristigen Charakters und werden mittelfris- tig nicht so unterfüttert. 202 Günther Maihold    3. wenn man nicht an den konkreten Problemlagen der jeweiligen Länder vorbei die staatliche Entwicklungszusammenarbeit (EZ) organisieren möchte. der wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit und den Mittler. wenn nationale Entwicklungspläne oftmals schneller verändert werden als es – der Logik des Projektzyklus folgend – den Gebern lieb sein kann. Anschlussfähigkeit zu Meinungs. die geeignet wä- .und Entwicklungspolitik darauf an- kommen. die die Minimalvoraussetzungen einer angemessen governance für EZ- Projekte deutlich unterschreiten. Ob nun als Wertelite oder nachwachsende/ neue Führungskräfte verstanden. Die Folgen eines Regierungswechsels für diese Projekte (vor allem wenn sie mit integrierten Experten in der Regie- rungsberatung agieren) sind angesichts des Umschwenkens der jeweiligen neuen Regierungen auf andere gesellschaftspolitische Leitbilder und Ord- nungsideen immer schwieriger zu bewältigen. Durchführungsorganisationen ge- schaffen werden können. die angesichts des Elitentausches sehr viel gerin- ger gesät sind als oftmals vermutet.bzw.1 Außenpolitischer Präsenzverlust – die Kehrseite verwaltender Außenpolitik gegenüber Lateinamerika Trotz angestiegener Reisediplomatie ist es der deutschen Außenpolitik bislang nicht gelungen. Staatliche EZ wird damit leicht zum Spielball der in- nenpolitischen Verwerfungen und muss sich zuweilen in Bedingungen be- währen. Dies gilt vor allem für den Dialog über globale Fragen. sind diese Gruppen unverzichtbar als Partner. Bislang sind nicht die Instrumente verfügbar. bei denen insbesondere Brasilien und Mexiko von Be- deutung sind. Hier liegen wichtige Voraussetzungen. die von der Auswärtigen Kulturpolitik.

hierzu die bislang wenig ermutigenden Resultate des deutsch-brasilianischen Zivilgesellschaftsdi- alogs (vgl.2 Ansteigender Problemhaushalt der Entwicklungspolitik Inbesondere in den mittleren und kleinen Staaten Lateinamerikas stellen die Projekte der EZ neben der auswärtigen Kulturpolitik oftmals die Substanz der Außenbeziehungen dar. zu der aktuellen Debatte um dieses und andere Konzepte zur Beschreibung neuer Füh- rungsmächte als Partner der deutschen Außenpolitik vgl. dass die Bereitschaft zur Definition von Schwerpunkten besteht und die Suche nach Anschluß. die besonderen Partnerqualitäten lateinamerikanischer Staaten im globalen Konzert für deutsche Außenpolitik sichtbar zu machen. Dies würde es auch erlauben. um signifikante Aktivitäten jenseits der Kleinprojekte mit Experten etc. Hier sollte Ausgleich geschaffen werden in Form eines Fonds der „politischen Zusammenarbeit“. entsprechende Kompetenzen dafür vorgehalten werden.5 Eine stärkere politische Profilierung und Prioritätensetzung bleibt also notwendig: Neben der Gewährleistung gewachsener Außenbeziehungen sollte deutsche Außenpolitik in der Lage sein. (Flemes/ Nolte 2008). Durch Ausbau einer solchen Initiativrolle könnte es gelingen. aus dem die Außenver- tretungen entsprechende Mittel beziehen können. mit diesen Ländern auf Regierungsebene und darüber hinaus eine mittel- fristige Strategie zu entwickeln. Zudem stehen den deutschen Außenvertretungen oftmals keine finanziellen Mittel zur Verfügung. April 2007 mit dem Titel „Gemeinsame Perspektiven für eine intensivere Zusammenarbeit“. Insoweit kommt der EZ eine wachsende Bedeu- tung in der Gestaltung deutscher Präsenz in Lateinamerika zu. Ein neues Profil deutscher Lateinamerika-Politik 203    ren. vermehrt durch Einzelmaßnahmen (im Gegensatz zur Programm. Zum mexikanischen Fall vgl. sei es zu Fragen der Nuklearpolitik etc.und Dialogfähigkeit aktiv betrieben wird bzw. Eine solche Positionierung setzte allerdings voraus.und Projekt- arbeit der EZ) politisch signifikante Aktivitäten umzusetzen. . die Analyse von Schwamborn 2005) sowie die bislang ungeklärte Umsetzung der Gemein- samen Erklärung beider Regierungen vom 17. politische Initiativen zusammen mit Partnern in Lateinamerika zu entwickeln. 3. (DusselPeters/Maihold 2007). andererseits sind damit auch ihre Handlungsansätze stärker im Rahmen einer gesamtstaat- lichen Repräsentation zu beurteilen. 6 Vgl. sei es zum Thema Klima. Damit wird die Notwendigkeit der Schaffung vielschichtiger Anschlussfähigkeiten in den Partnerländern an deutsche/ europäische Debatten einer einseitigen Signifikanzerwartung geop- 5 Vgl. unterlegen zu können. Aus dieser Perspektive ergeben sich fol- gende Gesichtspunkte: Die fehlgeleitete Ankerland-Debatte6: Von der richtigen Annahme des Be- darfs höherwertiger EZ im Verhältis zu Führungsmächten in Lateinamerika und darüber hinaus ausgehend ist diese zu einem Plädoyer für eine „Entwick- lungspolitik aus einem Guss“ verengt worden.

das alle Geber und Mittler in ein gemeinsames Korsett zwängt. Die Verselbständigung der Durchführungsorganisationen: Der Steuerungs- verlust. 3. auch wenn sie nicht als dessen Gestalter fungieren können. da mit einer breiten Abdeckung von Ansprechpartnern durch die sechs Stiftungen die Dialogfähigkeit innerhalb . da insbesondere die NGOs oftmals in die bestehenden Mechanis- men von Kooptation und Klientelismus hineingewachsen oder zu dauerhaften „Kostgängern“ der verschiedenen Agenturen internationaler EZ geworden sind. dass sich die politischen Vorgaben als belastbar erweisen und nicht in kurzfristigen Wendebewegungen solche Zusagen untergraben werden. Zwar sind die Abstim- mungsprobleme zwischen europäischer und nationaler EZ unbestritten. hingenommen hat. den Dialog und das ge- meinsame Handeln verschiedener Gruppierungen zu stärken. um eine klare zielgerechte Ausrichtung der EZ-Maßnahmen sicherzustellen. Wirkungsbeobachtungen durchzuführen. Unternehmensverbände und Public-Private Partnerships als Träger aus. die in vielen Ländern Lateinamerikas aus der Tradition eines „defensiven Multilateralismus“ einer überbordenden global governance-Euphorie entgegen gebracht wird. sie sind wichtige Akteure. Die Bedeutung nichtstaatlicher Akteure: Nicht zuletzt aufgrund der Krisen von Staatlichkeit und guter Regierungsführung in Lateinamerika wurden die nicht-staatlichen Akteure zur zentralen Zielgruppe und zu Partnern neben staat- lichen Stellen in der Entwicklungspolitik. erweist sich als zentrales Hindernis für eine Neuausrichtung der EZ. Inzwischen ist diese Euphorie ge- schwunden. um gesellschaftlichen Wandel in den stark vermachteten Gesellschaften Lateinamerikas zu induzieren.3 Parteilichkeit als Vorteil? – Zur Rolle der politischen Stiftungen Das Instrument der politischen Stiftungen erscheint gerade in der gegenwärti- gen Phase des politischen und gesellschaftlichen Umbruchs in Lateinamerika als besonders geeignetes Instrument. den das BMZ gegenüber seiner wichtigsten Durchführungsorganisation erlitten bzw. aller- dings sollte damit nicht das bisherige Qualitätsmerkmal dezentraler Koopera- tion rückgebaut werden zugunsten eines vereinheitlichten Portfolios. Dies setzt allerdings voraus. Vor allem muss es darauf ankommen. Die Eigeninteressen und das Eigengewicht der Durch- führungsorganisationen müssen zurückgeführt werden. um dem BMZ die poli- tische Steuerung der EZ wieder in die Hand zu geben. Dies zumal angesichts der Aversion. Gleichwohl kommt die EZ jenseits der „NGO-Welt“ nicht ohne Stiftun- gen. Hier ist die EZ gefordert. die sich seit der „Paris-Erklärung über die Wirksamkeit der Entwicklungs- zusammenarbeit“ der OECD vom März 2005 (Drescher 2006) als innerstaatli- che und europäische Geberkoordination darstellt. 204 Günther Maihold    fert. um die Tendenz zu Gruppenegoismen und gegenseitiger Blockade zu mindern.

je nach politischer Couleur wird die innere Polarisierung auf externe Akteure übertragen.4 Aufmerksamkeitsschwellen und Partnerqualitäten Jenseits der Definition von Partnern aufgrund geeigneter Partnerstrukturen bewegt sich das deutsche Lateinamerika-Engagement unter dem Eindruck der spezifischen Aufmerksamkeit. wenn das Instrument „politische Stiftung“ in seinem vollen Potenzial genutzt werden soll.  Der Umgang mit populistisch angeleiteten oder agierenden Regimen ist für politische Stiftungen extrem schwierig. politische Mehrheiten zu mo- bilisieren. die die notwendige Offenheit beeinträchtigen kann. Allerdings hat der Leitbildcharakter des deutschen Parteiensystems (Christ. das „politische Unternehmertum“ von Einzelpersonen aus Militär.und Sozialdemokratie) in Lateinamerika erheblich gelitten. neue politi- sche Kräfte wollen daher oftmals nicht mit den Partnern alter Parteien in Ver- bindung gebracht werden. die Gefahr der Vereinnahmung sehr hoch. zu denen staatliche oder parastaatliche Träger nur schwerlich Kontakte aufbauen können. ohne ihre eigenen Arbeitsbedingungen einzu- schränken. die einzelnen Ländern der Region im deut- schen Umfeld zukommt: Hierzu gehört sicherlich Kuba. die sich im Rahmen des Misskredits des etablierten Parteiensystems als neue Träger der Willensbildung etablieren. dass auch hier deutliche Probleme aufgetreten sind:  Lateinamerikanische Regierungen machen sich das Argument nationaler Souveränität zunutze.  Die Konzentration auf die „Struktur ‚Partei’“ beinhaltet die „Blindheit“ ge- genüber neuen „Bewegungsparteien“. d. das aus einer Fülle von Gründen – ohne geeignete Partnerstrukturen zu bieten – durch den . 3. Indes haben die vergangenen Jahre erwiesen.  Durch ihre Bindung an bestehende Eliteformationen ist die Tendenz bei politischen Stiftungen hoch. Hier ist insoweit ein schwieriger Balanceakt zu vollziehen. um die neuen Führungskräfte frühzeitig erschließen zu können. Ein neues Profil deutscher Lateinamerika-Politik 205    der (gespaltenen) Gesellschaften gestärkt wird. Unter funktionalen Gesichtspunkten müssten sie ihre „Netze“ sehr viel breiter anlegen. Die Stiftungen sind in der jetzigen Phase des Um- bruchs in Lateinamerika in besonderem Maße gefordert: Die Elitenrekrutierung vollzieht sich nicht mehr zentral innerhalb der politischen Strukturen (Parteien). Andererseits eröffnet die „Parteilichkeit“ auch Vorteile des Zugangs zu politi- schen Kräften. um die Tätigkeit politischer Stiftung als „Einmi- schung in innere Angelegenheiten“ zu begreifen. Kultur. Damit geraten die Stiftungen an die Grenzen ihres selbst definierten Auftrags.h. dem steht aber die Bindung an bestimmte politische Kräfte entgegen. zu lange an etablierten Gruppen festzuhalten und den „Wandel zu verschlafen“. Wirtschaft und Basisbewegungen ist in der Lage.

Wirkung erreicht werden sollen. steigender Attraktivität für die Partner und nachhaltiger Präsenz bzw. die inhaltliche Schwerpunktsetzung auch mit Präferenzen für bestimmte Partner zu unterlegen. dass sich solche Aufmerksamkeitsschwellen nicht zum entscheidenden Mus- ter des außenpolitischen Verhältnisses zu Lateinamerika entwickeln und mit- telfristige Konzeptionen dadurch ausgesteuert werden.und entwick- lungspolitischer Bezüge steht.und Entwicklungspolitik auf veränderte Handlungsbedingungen einstellen und eigene Handlungskompetenzen schaf- fen. Dazu ist eine Umkehrung bestehender Tendenzen und Routinen notwendig. Brasilien. Indes muss dafür Sorge getragen werden. Insoweit – und dies unterscheidet Lateinamerika nicht von anderen Entwicklungsregionen – sind die außenpolitischen Interessen . In Lateinamerika dürfte in dieser Hinsicht – im Gegensatz zu Afrika – ein deut- lich höheres Qualitätsniveau erwartet werden. 4. Ähnliches gilt für die Drogenproblematik. Letztlich sollte in der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit versucht werden. Eine Klärung von Prioritäten und eine Anpas- sung an die Möglichkeiten sind unverzichtbar. wenn die Zielgrößen besserer Sichtbarkeit. wenn sie die Fallstricke politischer Beliebigkeit und organisatorischer Verzettelung vermeiden will. In beiden Fällen liegen die medialen Aufmerksamkeitsschwellen so hoch. dass eine Vernach- lässigung politische Folgen hätte. zumal wenn Instrumente wie Budgethilfe etc. Weithin wird dies noch immer als Einschränkung au- ßenpolitischen Handelns begriffen denn als Chance zur Gestaltung eines neuen Profils. weil jenseits der etablierten Kooperation mit den Ländern Argentinien. die dazu angetan sind. die eine Hinwendung zu Lateinamerika legitimieren. zum Einsatz gebracht werden. die Anforderungen an die Partnerqualitäten hoch zu halten. die sich aus dem innenpolitischen Konfliktfeld heraus unter den Themen wieder findet. Chile und Mexiko die Interessen Deutschlands in Lateinamerika mit seinem generellen außenpolitischen Profil zusammenfallen (Grabendorff 2007: 8). eigene Leis- tungspotenziale zu verschütten oder ungenutzt zu lassen. Hinzu tritt eine gewisse Abneigung. Perspektiven für ein neues Profil der Beziehungen Deutschlands zu Lateinamerika: Inhaltliche und regionale Schwerpunktsetzungen Angesichts der geschilderten politischen und sozialen Rahmenbedingungen muss sich die deutsche Außen. 206 Günther Maihold    Druck der politischen Öffentlichkeit im Mittelpunkt außen. Die deutsche Au- ßenpolitik kommt daher nicht um die Definition nationaler Interessen in ihrem Beziehungsprofil mit Lateinamerika herum: Dieser Übung hat man sich nicht nur deswegen entzogen.

und au- ßenpolitisch relevante Fragen im Dialog mit den Partnern kaum so intensiviert. dass die global governance-Neigung in Lateinamerika sehr beschränkt ist und die Hauptaufgabe in der Entwicklung von Anschlussfähigkeiten begründet ist. Es muss darauf ankommen. . der notwendige neuer Impuls für die deutsche Lateinamerika-Politik ist damit nicht zu entwickeln. Vielmehr gewinnt man zunehmend den Eindruck. „Politischen Dialog Europas mit Lateinamerika unterstützen. Ein neues Profil deutscher Lateinamerika-Politik 207    Deutschlands jenseits der Unterstützung von investitions. dass Kontroversen und Teilblockaden zwischen den beteilig- ten Ministerien nicht dazu angetan sind. aus dem vielstimmigen deutschen „Heimatchor“ eine angemessene Positionsbeschreibung vermitteln zu können. auf Kohärenz achten“ (BMZ 2008: 26). um als Partner für den Subkontinent wieder größere Bedeutung zu erhalten. Damit ist ein Politikansatz verbun- den. Vor Ort scheint es immer weniger zu gelingen. das große Chancen bei der Gestaltung gemeinsamer weltpolitischer Initiativen bietet. Unter dem Gesichtspunkt der gemeinsamen Gestaltung globaler Struktur- politik und relevanter Beiträge lateinamerikanischer Staaten zur Lösung von Weltproblemen (etwa im Bereich der Klimapolitik) sind sicherheits. der sich jenseits von notwendiger Reisediplomatie bewegt und des nach- haltigen Dialogs bedarf. Indes gilt immer zu berücksichtigen. Dies wurde gerade im Rahmen der deutschen EU- Präsidentschaft erneut deutlich (Husar/ Maihold 2007).1 Gestaltung eines kohärenten Auftritts Deutschlands in Lateinamerika Wenn das BMZ in seinem jüngst vorgelegten Konzept für die entwicklungspo- litische Zusammenarbeit mit Lateinamerika und der Karibik als Schlusspunkt formuliert. dass dadurch Positionsverluste eintreten. Dabei läge gerade hier das eigentliche Potenzial deutscher La- teinamerika-Politik: Es geht um die Vertiefung der Zusammenarbeit auf einem relativ hohen Niveau gegenseitigen Verständnisses. zum anderen fehlen Vorgaben zur Beschreibung einer eigenen Position. die Rolle der Durchführungsorganisationen als „den deut- schen“ Beitrag zu vertreten. Mit bürokratischen Verfahren wie „Federführung“ und „Mitzeichnung“ ist das Alltagsgeschäft zu bestreiten. den Stellenwert Deutschlands in La- teinamerika zu befestigen. wird deutlich. Dies erfordert aber systematische und mittelfristig angelegte Zusammenarbeit mit einer breiten Zahl an politischen Entscheidungsträgern. 4. Zum einen liegt es angesichts der EZ-Präsenz nahe. dass sie über die diplomatische Formel der „traditionell guten Beziehungen“ hinaus reichen.oder handelspoliti- schen Initiativen der deutschen Wirtschaft nur mittelbar zu erkennen. dass das Kohärenzgebot sich zu einem wichtigen Bezugspunkt staatlichen Handelns entwickelt. Es ist unmit- telbar einsichtig. jenseits von Formelkompromissen auf dem kleinsten gemeinsa- men Nenner politisch einen neuen Anstoß für die deutsche Lateinamerika- Politik zu gewinnen.

muss es darum gehen.2 Gestaltung einer Mehrebenenzusammenarbeit mit Lateinamerika und Pfadwechsel in der Entwicklungspolitik Die aus außenpolitischer Sicht strategischen Partner Deutschlands in Latein- amerika sind nicht mit den Schwerpunktländern deutscher EZ identisch. inwieweit der Komplex der Millenniums-Entwicklungsziele (MDGs) angesichts des meist nur als mittelgroß veranschlagten Handlungsbedarfs in Lateinamerika (BMZ 2008: 31f. 208 Günther Maihold    Wenn es zutrifft. dass die deutsche Präsenz in Lateinamerika eine größere Sichtbarkeit und Kohärenz erreichen soll.7 Dort könnten die Aufgaben der Regierungsbera- tung. Gera- de in diesen Bereichen gebricht es sowohl dem Auswärtigen Amt wie dem BMZ oder weiteren Ministerien an den geeigneten Instrumenten und Ansät- zen. Stärker national fokussiert wären dann jene Schwerpunkte zu setzen. der mittelfristigen Charakter besitzt. bei denen Deutschland ein spezifisches Kompetenzprofil besitzt. können aber in Gestalt von „Gemein- samen Kommissionen“ und strukturierten Dialogen im bilateralen Maßstab entwickelt werden. Es gilt aus bilateraler Sicht Schwerpunkte zu setzen und es ist zu bestimmen.) nicht sinnvoller bei multilateralen oder europäischen Ge- bern und den entsprechenden dortigen Verpflichtungen Deutschlands anzu- siedeln wäre. welche Aufgabenprofile europäisiert oder multilateralisiert wer- den sollten: Trotz aller Beschränkungen der europäischen Gemeinsamen Außen. Solche Intentionen sind jenseits der Routi- ne des Verwaltungshandelns angesiedelt. . Da insbesondere das Ziel der Sicherung der ökologischen Nachhaltigkeit als mit hohem Handlungsbedarf versehen eingeordnet wird. Dies muss zunächst kein Schaden sei. Konfliktprävention. So sollte zunehmend neben der Orientierung der EZ an den MDGs auch eine spezielle bilaterale Kooperationslinie mit strategischen Part- 7 Dieser Vorschlag geht auf (Mair 2003: 6) zurück. bestimmte strategische Interessen befördern möchte oder Nachhaltigkeitseffekte poten- zieren möchte.und Sicherheitspolitik (GASP) wäre durchaus zu überlegen. sollte sich angesichts des spezifischen außenpolitischen Profils Deutschland hier eine bilaterale Schwerpunktsetzung ermöglichen lassen. jenseits einer Projektion des Landes über die Deutschland-Zenten in Mexiko-Stadt und Bra- silia einen strategischen Dialog mit Partnern in Lateinamerika zu beschreiben. Die Einrich- tung einer Budgetlinie für „politische Zusammenarbeit“ (PZ) neben der fi- nanziellen (FZ) und technischen Zusammenarbeit (TZ) könnte hier die not- wendige Abhilfe leisten. die auch zivilgesellschaftliche Akteure einbeziehen. wenn hinreichend Mittel zur Sicherung des Bezugs zu strategischen Partnern zur Verfügung stehen würden. Demokratieförderung und mittelfristiger strategi- scher Dialoge mit neuen Führungsmächten zusammengeführt werden. 4.

ist Deutschland auch ein privilegierter Ansprechpartner Lateinameri- kas bzw. ohne dass die deutsche Außenpolitik bislang darauf sinnvoll eingegangen wäre. da einer solchen Entscheidung bestimmte voluntaristische Elemen- te eigen sind. Für Lateinamerika bieten sich unmittelbar Argentinien. die neben der multilateralen Einbindung der EZ an die MDGs den außenpolitischen Prioritäten dienen sollte. die wegen ihres hohen pro-Kopf-Einkommens für die Entwicklungszusammenarbeit in die- sen Ländern bestehen. wenn dazu (dem Transatlantik-Programm des Auswärtigen Amtes vergleichbar) ein ge- meinsamer Fonds geschaffen würde. Obwohl dies mehr Anspruch als Realität darstellt. 4. die die Zusammenführung von „willigen“ und „relevanten“ Akteuren erlauben.3 Stärkere Profilierung nationaler/ deutscher außenpolitischer Positionen Spanien hat mit seiner Lateinamerika-Politik deutlich gemacht. Ein neues Profil deutscher Lateinamerika-Politik 209    nern wachsen. sind die Überlegungen zur Bereitstellung höherwerti- . „Europa habe nur schöne Worte für Lateinamerika übrig“.4 Zusammenarbeit mit Ländern und Regionen Die Bestimmung bilateraler Länderprioritäten hat sich – insbesondere bei den jeweiligen Partner. die aufgrund ihres gesamtpolitischen Gewichts im deutschen gesellschaftlichen und politischen Umfeld sowie ihres Gestaltungscharakters in der regionalen und internationalen Politik von he- rausgehobenem Interesse sind. aus Deutschlands außenpolitischer Sicht strategische Partner in Lateinamerika hilf- reich sein.bzw. sei es zu Fragen der wissenschaftlich-technologischen Entwicklung oder zur Zusammenarbeit bei globalen Fragen. Hier ginge es gerade darum. Chile und Mexiko als Partner an. Hier könnten gerade sektorpolitische Dialogangebote für bestimmte. ohne den Sub- kontinent wirklich ernst zu nehmen (Freres/ Sanahuja 2006: 31). Das durchgängige Muster sollte dabei weniger vom Festhalten an bestehenden regionalen Zuschnitten der Ko- operation als vielmehr von offenen Gruppenbildungsprozessen geprägt sein. Angesichts der Restriktionen. 4. wird dort (noch) als solcher wahrgenommen. der Projekte mit dem Ziel des mittelfris- tigen Dialogs bedienen kann. Schwerpunktländern – als schwieriges Unterfangen erwiesen. dass mit einer profilierten Präsenz in der Region deutliche Standortvorteile zu erlangen sind. Brasi- lien. Dies bezieht sich weniger auf die (durchaus umstrittenen) Investitionen in der Region sondern auf die Projektion der Rolle eines (oftmals selbst ernannten) Sachwalters Lateinamerikas in der EU. Sinnvoll wäre es. Erforderlich wäre es daher. den Dialog zu suchen und etwa – wie in der Vergangenheit von der deutsch-mexikanischen Kommission eingebracht – eine Beschreibung beider- seitiger Erwartungen vorzunehmen und dies in ein Kooperationsprofil zu ver- dichten. dem verbreiteten Urteil entgegen zu tre- ten.

da sie sich nicht mehr einfach aus der Strahlkraft der eigenen Gesell- schafter ergeben. 4. Dabei kann nicht mehr auf die weitere Attraktivität des traditio- nellen Deutschlandbild gesetzt werden: Neue Bezüge müssen gestiftet wer- den. CEPAL und BID kommt eine zentrale Bedeutung für die Modelldebatte auf dem Subkontinent zu. Debatten zur Gegenwartskultur müssen mit großen Anstrengungen gestiftet werden. Es muss insoweit darauf ankommen. in denen akute Konfliktkonstellationen vor- handen sind wie Kolumbien. neue Mei- nungsträger und Führungsschichten. Bolivien und Haiti. solange die regionalen Integ- rationsverbünde mit internen Klärungsprozessen befasst sind. Dies gilt in besonderem Maße für CEPAL und BID. Dies steht zudem im Kontext sich wandelnder Elitenkons- . Dabei geht es um mehr als Rezepti- onslenkung und public diplomacy-Aktivitäten für die kulturelle und gesell- schaftspolitische Dimension wie auch für das entwicklungspolitische Leitbild. die sich um einen unabhängigen Kurs bemüht. Zunehmend verändern sich jedoch die Eli- tenkonstellationen auf dem „jungen“ Subkontinent Lateinamerika. rücken in Positionen politischer und sozialer Verantwortung ein (Werz 2007). 210 Günther Maihold    ger EZ sinnvoll und im Sinne mittelfristiger Kooperationsansätze dringend geboten. Angesichts der geschilderten Unsicherheiten bezüglich der regionalen Entwicklungstendenzen in Lateinamerika kommt übergreifenden regionalen Institutionen eine große Bedeutung zu. Vergleichbare Initiativen wären sinnvoll und Erfolg versprechend. mit denen sich vor allem die älteren Generationen identifizieren und die von diesen getragen werden. Die Definition eines jenseits routinemäßiger Konsultationen liegen- den außenpolitischen Dialogangebots ist bislang nicht zu erkennen. Indes ist dieses Deutschlandbild bestimmt von historischen Bezügen Deutschlands als Kulturnation. um als Foren des Austausches zu fungieren. eben solche Anschlusspunkte zu er- arbeiten.5 Suche nach neuer Anschlussfähigkeit in der Region: Alte und neue Partner Deutschland besitzt als eines der wenigen EU-Mitgliedstaaten neben Spanien und Frankreich ein erkennbares Perzeptionsprofil in Lateinamerika. die gleichzeitig einen sichtbaren Beitrag zu einem relevanten Thema leistete. bei denen Deutschland in Kooperation mit anderen Partnern (aus Europa und den Amerikas) einen Beitrag zur Konfliktbewältigung leisten könnte und sollte. Hinzu kommen jene Länder. So war beispielswei- se das von Kanada finanzierte Programm (Unidad de Promoción de la Democracia) bei der OAS eine sinnvolle Initiative. aber auch für die OAS. die sehr viel stärker an den USA ausge- richtet sind. um Deutschland als Bezugs- punkt sichtbar werden zu lassen. es gilt die Anschlussfähigkeit zu Diskursen in Lateinamerika herzustellen und gemeinsames (Kennen)Lernen zu organisieren. um die Anziehungskraft Deutschlands als Alternative zum angelsächsi- schen Muster sichtbar werden zu lassen.

4. Ein neues Profil deutscher Lateinamerika-Politik 211    tellationen und Elitendynamiken. sich rechtzeitig über Schwerpunkte eigener diplomatischer Repräsentation in der Region und Mechanismen zur Beteiligung relevanter Partner an bilateralen Initiativen nachzudenken (Lieb/ Maurer 2007).und Ressourcenschutz/ Klimapolitik  Konfliktprävention und -bewältigung  Dezentrale Formen von Governance  Drogen. Diese umfassen neben den unmittelbaren Interessen der Präsenz durch Wirtschaft und Kultur.und Geldwäscheproblematik Hinzu treten zwei Schwerpunkte. Die traditionellen Wege der Eliten- rekrutierung in der Region über Parteien und in Staatsämter durch politische Kooptation sind dabei verschüttet worden. kann sicherlich nur im konkreten Fall entschieden werden. die nicht von einer Europäisierung erfasst werden. mit denen sich Deutschland in Lateinamerika in be- sonderem Maße auszeichnen möchte. Maßgeblich sollte aber in jedem Falle das Interesse. was unmittelbar deutlich macht. ob hierzu Strategiepapiere hilfreicher sind als Dialogprogramme. die sich für die spezifische Situation Latein- amerikas in der gegenwärtigen Phase des Umbruchs in der Region anbieten: Aufnahme des Elitenwechsels und Beschleunigung der Lernprozesse Nicht nur die deutsche Außen.und Entwicklungspolitik ist von dem dramati- schen und in einigen Ländern Lateinamerikas sehr tief greifenden Wechsel der politischen Eliten überrascht worden. . Nicht zuletzt die ersten Schritte zur Einrichtung eines Europäischen Diplomatischen Dienstes zeigen die Not- wendigkeit auf. Hierzu gehört neben Festlegung von Länderprioritäten auch die Bestimmung thema- tischer Schwerpunkte. neue Akteure konstituieren sich durch soziale und kulturelle Identitäten. dass eine breite Verankerung dieser Anschlusspunkte in den jeweiligen Gesellschaften gegeben sein sollte. von der Suche nach einem strategischen Dialog geprägt sein. wenn nicht nur kurzfristige Bezüge vorliegen sollen. der sich jenseits klassischer Regierungskonsultationen bewegt. die folgenden thematischen Zugänge:  multilaterale Ordnungsmuster  Umwelt. Die Frage. dieser nicht gelungen ist. zu denen den traditionellen Akteuren der Außenpolitik und der EZ oftmals der Zugang verstellt war bzw.6 Thematische Schwerpunkte Über den Zuschnitt thematischer Zugänge und das Instrument offener Gruppenkoordination lässt sich die Einbeziehung aller und insbesondere kritischer Staaten und Partner gewinnen.

 212 Günther Maihold    Erkennbar geworden ist in den vergangenen Jahrzehnten. modernen Varianten der caudillos im zivilen Gewand anzuhängen (unabhängig von deren politischer Couleur). Letztendlich scheinen sich die Wähler gegenwärtig auf Kos- ten demokratischer Strukturen wieder für die personalistische Tradition zu entscheiden und den klassischen bzw. nicht zuletzt aufgrund der Tatsache. windfall-profits fallen den Regierungen durch die internationale Konjunktur zu. dass gegenwärtig eine Fülle von Regressionen in der demokratischen Qualität der Regierungssysteme Latein- amerikas festzustellen ist (Diamond 2008). Es muss darauf ankommen. aber die grundsätzlichen Rahmenda- ten in der Verteilungs(un)gerechtigkeit haben sich kaum verändert. sie wird . Ressourcenökono- mien sind in den Vordergrund gerückt. dass sich politi- scher und wirtschaftlicher Wandel in Lateinamerika anders vollzieht als in Westeuropa. selbst wenn ihre Hand- lungsgrundlagen als noch sehr prekär einzuschätzen sind. Die langwierigen Lernphasen neuer politischer Akteure und Re- gierungen sind mit der Kurzfristigkeit von governance-Herausforderungen nur sehr schwer zur Deckung zu bringen. Debatte zu den Entwicklungsmodellen Lateinamerikas Obwohl sich die „linken“ Regierungen Lateinamerikas bislang einer Position des verantwortlichen Pragmatismus befleißigt haben. Unbestritten ist sicherlich. um stabile politische Akteure und eine gedeihliche Entwicklung der politischen Kultur zu fördern. Die Politik jenseits des für die Strukturanpassungspolitik der 1980er und 1990er Jahre maßgeblichen „Washington-Konsens“ ist noch nicht klar definiert. Gleichwohl muss Außen. dass eine Fülle von Füh- rungskräften den Charakter von Chamäleons (Santiso 2006: 17) angenommen hat. gleichwohl sollten darauf entsprechende Bemühungen fokussiert werden. dass die Struktu- ren und vor allem die Akteure den Leistungserwartungen der Bürger nicht gewachsen sind. hat sich der Schwer- punkt der Wirtschaftsdynamik in der Region verschoben. der allerdings mehr eine Rolle rückwärts in der Gestaltung der neopopulistischen Tradition in Süd- amerika darstellt. nicht nur bezogen auf ihre Handlungskompetenz sondern auch auf die Belastbarkeit von einge- gangenen Verpflichtungen. zum einen eine bes- sere Kenntnis über die Muster der neuen Elitenrekrutierung zu gewinnen und zum anderen die Lernprozesse der neuen Eliten zu beschleunigen. die zum Ausdruck bringen. der die Stabilität der makroökonomischen Rahmendaten nicht in Frage stellt. sondern um eine Häufung von Mikro-Zusammenbrüchen. Dabei handelt es sich jedoch nicht im klassischen Sinne um den Zusammenbruch des gesamten rechtlichen und politischen Rahmens des öffentlichen Handelns. Die neueste Form der Metamorphose des lateinamerikanischen Füh- rungspersonals verkörpert sicherlich Hugo Chávez.und Entwicklungspolitik mit diesen – teilweise sehr volatilen – neuen Akteuren gestaltet werden.

. Ein neues Profil deutscher Lateinamerika-Politik 213    mehr ertastet als gedacht. Wichtige Länder wie Brasilien und Mexiko. die das bilaterale Interesse mit der multilateralen Verpflichtung verbinden. einen neuen Rahmen für in- ternationales Handeln zu schaffen. An dieser Stelle müssen Außen. wenn die Herausforderungen einer politischen Gestaltung der Globalisierung bewältigt werden sollen. organisiert werden. dann sind die Chancen des Subkontinents in der Konkurrenz zu anderen Weltregionen vertan. Deutsche Lateinamerika-Politik: Dringender Bedarf an politischer Initiative für co-leadership Deutschland als europäische Mittelmacht kann sein Potenzial in der internatio- nalen Politik nur entwickeln.und Entwicklungspolitik gemeinsam ansetzen. Ein Verharren auf dem Niveau der Appells an die historischen Bindungen ist nicht mehr hinreichend. jetzt die Weichen mit zu stellen. Diese Chance wird gegenwärtig nicht genutzt und muss durch politische Initia- tiven. wenn sich Außen. aber auch andere Staaten bezogen auf bestimmte Politikfelder können das Potenzial deutscher Außenpolitik erweitern helfen. dass dies nur auf der Basis einer Außenpolitik von Kon- sensmacht möglich sein wird. wenn es systematisch seine Partnerschaften mit aufstrebenden Führungsmächten verbreitert und politikfeldbezogene Koopera- tionen zur Beförderung seiner Interessen voranbringt. 5. wichtige Chancen deutscher Außenpolitik zu vergeben. dass der Subkontinent sich nicht auf das Abstellgleis manövriert. wenn man neue Forma- te gemeinsamer Führung in der internationalen Politik voranbringt. Ohne einen neuen politischen Impuls kann dies nicht gelingen. die in der Lage ist. Wichtige Voraussetzung dafür ist die Einsicht. sondern seine Chancen nutzt. die sich relevante Partner in der Region sucht. mit dem auf einem höheren Niveau (jenseits der transatlantischen Beziehungen zu den USA) gemeinsames Handeln zur Gestaltung internationaler Strukturpolitik erreicht werden kann. Dieses Po- tenzial gilt es zu entwickeln und mittelfristig in gemeinsame Initiativen zu bin- den. Hier liegen entscheidende Unsicherheiten der Zu- kunft: Wenn die Ressourcenländer Lateinamerikas erneut die Einnahmen- schwemme ohne Verbesserung bei den grundlegenden Versorgungsindikato- ren der Bevölkerung verwenden.und Entwicklungspolitik nicht in Gefahr begeben wollen. Es muss daher darauf an- kommen. Hier bietet sich Lateinamerika trotz aller internen Divergenzen als wichtiger Partner an.

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