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Gegenständlichkeit

Methode
siehe

auch Logik, Theorie, Erkenntnis, Kausalität, Denken, Allgemeinheit, Analogie,Identität, Abstraktion, Di


fferenz

001 Methode: modus logicus

002 Erkenntnistheorie ist Methodenlehre.

003 "Sage mir 'wie' du suchst, und ich werde dir sagen, 'was' du
suchst."- Ludwig Wittgenstein, Tractatus logico-philosophicus, Ffm 1980, Seite 67

004 Es gilt zwei Arten des Methodendenkens zu


unterscheiden:Problemdenken und Systemdenken.

005 Der Bereich der Tatsachen ist so vielgestaltig, daß wir eine Auswahl,
unseren Interessen entsprechend, treffen müssen.

006 "Alles Logische ist kategorial, alle Probleme des Logischen sind auch
Kategorienprobleme." - Paul Natorp in Flach / Holzhey (Hrsg), Erkenntnistheorie und
Logik im Neukantianismus, Hildesheim 1980, Seite 230

007 "Das Bekannte ist überhaupt darum, weil es 'bekannt' ist, nichterkannt." -
G. W. F. Hegel in Schmidt, Burghart (Hrsg), Materialien zu Ernst Blochs 'Prinzip Hoffnung',
Ffm 1978, Seite 446

008 Eine vollständige, lückenlose Beschreibung eines physikalischenObjekts


ist niemals möglich. Keine Theorie 'erklärt' eine sinnliche Qualität.

009 "Weber und Rickert verstanden beide unter Methodologie die


Beschäftigung mit der Logik wissenschaftlicher Begriffsbildung." - Vgl. Guy
Oakes, Die Grenzen kulturwissenschaftlicher Begriffsbildung, Ffm 1990, Seite 152

010 "Denn den bloßen Begriff der 'Tatsache' setzen, heißt bereits das
gesamte Gewebe und das
vollständige System der logischen Kategorienimplizite anerkennen." - Ernst
Cassirer in Flach / Holzhey (Hrsg), Erkenntnistheorie und Logik im Neukantianismus,
Hildesheim 1980, Seite 306

011 Jede Schlußfolgerung gilt immer nur bedingt, nur unter


Voraussetzungen. Logische Beziehungen sagen nur etwas über
einenDenkzusammenhang, aber nichts über die Wirklichkeit.

012 "Unter den Mechanismen der Konformität wissenschaftlichenDenkens


dürfte der Zwang der Methode auf Kosten des Inhalts an erster Stelle
rangieren." - Emile Durkheim, Soziologie und Philosophie, Ffm 1976, Seite 27

013 Harmlose Gemüter durchschauen den Definitionscharakter


vielerwissenschaftlicher Theoreme nicht.

014 Organisation des Denkens bedeutet Einheit und Ordnung in unsere


Gedankenwelt zu bringen.

015 Der Hauptfehler das gewöhnliche Denkens besteht in


derGleichsetzung des Ungleichen.

016 "Auf der Einsicht in die Methode beruht der wissenschaftliche Geist, und
alle Resultate der Wissenschaft könnten, wenn jene Methoden
verlorengingen, ein erneutes Überhandnehmen des Aberglaubens und
das Unsinns nicht verhindern." - Friedrich Nietzsche, Menschliches Allzumenschliches
- Ein Buch für freie Geister, Frankfurt 1982, Seite 304

017 Es ist absurd zu glauben, daß wir etwas wahrnehmen können, wie
eswirklich ist.

018 "Insofern ist auch der Ordner ein Schaffender, als er nicht katalogisiert,
sondern die Zusammenhänge der geschauten Einsichten herstellt." - Karl
Jaspers, Psychologie der Weltanschauungen, Berlin/Heidelberg/New York 1971, Seite
214

019 Erst die Theorie bestimmt, was beobachtet werden kann.

020 Die meisten geistigen Probleme sind letzten Endes Probleme


derKlassifikation.

021 Es ist unmöglich alles zu beweisen, denn das würde zu einenunendlichen


Regress führen.

022 Die Wissenschaft besteht aus Gesetzen, nicht aus Tatsachen.

023 "Ich habe mein Ergebnis gefunden, aber ich weiß noch nicht, wie ich es
finden soll." - Carl Friedrich Gauß, ohne weitere Quelle

024 "Ich habe den Gedanken einer naturwissenschaftlichen


Universalmethode bekämpft und zu zeigen versucht, wie nichtssagend die
Lehre ist, nach welcher die gemeinsamen Elemente der Dinge mit den
wesentlichen Merkmalen der Begriffe identisch sind. Es war mir klar
geworden, daß es stets eines bestimmten Z w e c k e s bedarf, mit
Rücksicht auf den die wesentlichen von den unwesentlichen Merkmalen
geschieden werden und daß es in der Methodenlehre darauf ankommt, die
Verschiedenartigkeit dieser Zwecke kennenzulernen, um
dieMannigfaltigkeit der wissenschaftlichen Methoden zu verstehen und ihr
gerecht zu werden." - Heinrich Rickert, Die Grenzen der naturwissenschaftlichen
Begriffsbildung, Freiburg/Br. 1902, Vorwort Seite III

025 Was untersucht werden kann ist immer eine Beziehung oder ein
unendlicher Regress von Beziehungen, niemals ein Ding.

026 Ein Unterschied ist etwas abstraktes.

027 Die Methode darf nicht über die Sache triumphieren.

028 Der Naturfaktor entzieht sich prinzipiell jeder Meßbarkeit.

029 Die Natur ist kein Faktor der menschlichen Methode.

030 Der Mißbrauch der Sprache hat lange für ein Geheimnis
derWissenschaft gegolten.

031 Wahrheit muß eine Übereinstimmung des Denkens mit den Dingensein.

032 Eine theoretische Vereinheitlichung ist nur über die Abstraktion zu


gewinnen. Jede formulierte Problemstellung enthält bereits die Hälfte ihrer
Lösung.

033 Das einfachste Denken ist denkstilbedingt.

034 Mit einer Methode stellen wir Fragen systematisch.

035 "Aus den das Begriffswort D e d u k t i o n klarstellenden


Eingangsüberlegungen des Ersten Abschnittes des Zweiten Hauptstückes
der Analytik der Begriffe, bzw. des § 13 in der Ausgabe B geht klar hervor,
daß die transzendentale Deduktion der reine Verstandesbegriffe mit dem
Aufweis, bzw. dem Nachweis des R e c h t s g r u n d e s befaßt ist "damit
durch die Befugnis" des "Gebrauchs" der reinen Verstandesbegriffe bei der
Erkenntnis eines bestimmten Gegenstandes "deutlich" wird (A85; B117).
Ebenso klar ist das Problem, das sich hiermit stellt. Es kommt darauf an, in
zureichender Weise zu erklären, mit welchem Recht, d. h. aus welcher
bestimmungslogischen Notwendigkeit heraus, die reinen Verstandesbegriffe
zur Bestimmung des Gegenstandes der Erkenntnis unerläßlich sind, d. h. in
jeder gegenständlichen Bestimmung als konstitutive Momente, als die
Konstituentien der objektiven Gültigkeit dieser Bestimmung enthalten sind.
Kant spricht dies in der Weise aus, daß er sagt: es steht die "objektive
Realität" (A84; B117) der reinen Verstandesbegriffe in Frage. - Diese
transzendentallogische Legitimationsfrage, die Frage quid juris, ist damit
die Geltungsfrage. Sie zielt auf die geltungsbegründende Funktion der reinen
Verstandesbegriffe. Sie unterstellt deren geltungsbegründende Funktion bei
der Bestimmung eines Gegenstandes, dieses oder jenen Gegenstandes,
eines welchen auch immer, und sie erfragt, woraus diese
geltungsbegründende, diese den Begriff a priori auf einen Gegenstand
beziehende Funktion erwächst." - Werner Flach, Das Problem der transzendentalen
Deduktion in Hans-Ludwig Ollig, Materialien zur Neukantianismus-Diskussion, Darmstadt
1987, Seite 152

036 Methode heißt nichts anderes, als Problemlösungen in objektiver Form


zu geben.

037 Wahrheit muß widerspruchslose Erkenntnis sein.

038 Alles Denken ist eine Funktion des Ich.

039 Jede Fragestellung ist von ihren sprachlichen Bedingungen abhängig.

040 Die Methode wird als von der jeweiligen Anwendungssituation und
agierenden Subjekt als losgelöst betrachtet.

041 "Man hat es zu einem Problem erklärt, bzw. die weitgehendsten


Folgerungen daraus gezogen, daß unser seelischer Prozeß, der reinnaturhaft
verläuft, doch in seinem Inhalt so gut wie immer zugleich
denlogischen Normen gemäß wäre; es ist in der Tat höchst merkwürdig, daß
ein bloß von Naturursachen hervorgebrachtes Geschehen so vor sich geht,
als ob es von den idealen Gesetzen der Logik regiert würde; denn es ist nicht
anders, als ob ein Baumzweig, mit einem Telegraphenapparat so verbunden,
daß seine Bewegungen im Wind diesen in Tätigkeit setzen, ihn damit zu
Zeichen veranlaßte, die für uns einen vernünftigenSinn ergeben." - Georg
Simmel, Soziologie, Leipzig 1908, Seite 340

042 Weil wir eine Methode haben, müssen die einzelnen Situationen nicht
jedesmal aufs Neue bewältigt werden.

043 "Gegenständlich sein heißt unabhängig vom Subjekt sein. Die Erklärung
solcher Unabhängigkeit ist nur möglich in einer A b s t r a k t i o n von der
Relation auf das Bewußtsein. Die Abstraktion ist faktisch immer möglich und
vollzogen, aber dadurch noch nicht als z u R e c h t bestehende
ausgewiesen. Die Abstraktion selber muß gültig sein. Abstraktion heißt
negative A b s e h e n v o n . AberAbstraktion wir erst begriffen aus dem
Positiven, um dessentwillen abgesehen wird. Da aber der Gegenstand nun
positiv das Gesetz meint, ist in Ansehung dieser seiner Bedeutung die
Subjektivität überwunden. Nur w e i l der Gegenstand
das Gesetz i s t , kann er gedacht werden als der Relation auf das Subjekt
transzendent. An diese (falsche!) Argumentation schließt sich ein
für NATORP entscheidender Gedanke an: Der Gegenstand hat seinen
Geltungswert durch die objektivierende Arbeit des Subjekts in den
Wissenschaften." - Wolfgang Marx, Die philosophische Entwicklung Paul Natorps in
Hans-Ludwig Ollig, Materialien zur Neukantianismus-Diskussion, Darmstadt 1987, Seite 71

044 Das Ganze selber bleibt ideell.

045 Unser Erkennen kann nur in der Unterscheidung klar werden.


046 Im Verstehen wird Freiheit anerkannt.

047 Das Chaos der Einzelheiten oder der Teufel steckt im Detail.

048 Unbezüglichkeiten sind Absolutheiten.

049 Es gibt keinen größeren Irrtum, als den Glauben Ziele und Zweckeseien
eine Sache, Methoden und Taktiken eine andere.

050 Objektivität ist eine Sache der wissenschaftlichen Methode.

051 Sprachliche Argumente begründen nur sprachliche Feststellungen.

052 Ideologisches Denken ist Rechtfertigungsdenken.

053 Die ständige Verwechslung von Abstraktionen mit der Wirklichkeit ist
einer der offenkundigsten Fehler des menschlichen Denkens.

054 Die Wissenschaft behauptet den Vorrang der Methode vor derSache.

055 In der singulären Empfindung zeigt sich


die sprachlogischeUngreifbarkeit des Unmittelbaren.

056 "Es ist also einerseits wieder das Erbe des Rationalismus, das uns hier
begegnet, sofern die Apriorität des Kausalprinzips als eine allgemein
notwendige und für Gegenstände jeder möglichen Erfahrungunerläßliche
betrachtet wird; und andererseits formuliert Cassirer dieses Prinzip doch
wieder so, daß es einfach die M e t h o d i k definiert, nach welcher hier die
Welt unter dem Gesichtspunkt allgemeiner und exakter Regeln, unter dem
Gesichtspunkt h ö c h s t m ö g l i c h e r Präzision erfaßt werden soll. Eine
solche Methodik ist aber nicht allgemein verbindlich; die leitet sich - als
Methodik - ausschließlich vom Zweck her, der hier verfolgt werden soll. - Man
wird Cassirer übrigens nicht beipflichten können, wenn er behauptet, daß der
Kausalsatz nicht sowohl eine Voraussage künftiger Ereignisse, als vielmehr
ein Versprechen künftiger Erkenntnisse enthalte. Er stützt diese Behauptung
durch den Hinweis, daß i n S t r e n g e wirklich genaue Voraussagen
unmöglich sind; aber i n S t r e n g e sind auch keine Erkenntnisse im
Rahmen der Physik möglich. Im Gegenteil: Es ist sogar höchst
problematisch, in diesem Zusammenhang überhaupt von Erkenntnis zu
reden. Je größer die Exaktheit und Präzision, mit welcher sich die Physik des
Gegenstandes bemächtigt, desto mehr verliert sie sich in symbolischen
Konstruktionen und idealen Festsetzungen. Nicht immer größere
Erkenntnisse gewinnt sie, sondern ein immer größeres Instrument, die Natur
zu beherrschen. Und dies, indem sie immer genauer und immer extensiver zu
Prognosen befähigt." - Kurt Hübner, Cassirers Beitrag zur Philosophie der Physik in
Hans-Ludwig Ollig, Materialien zur Neukantianismus-Diskussion, Darmstadt 1987, Seite
288f

057 In den fundamentalen Strukturen des Atoms hat es keinen Sinn


mehrVorstellung und Ding zu trennen.
058 Die Struktur des Denkens muß sich ändern wenn man das
Neueverstehen will.

059 "Auch wenn alle Wissenschaften naturgemäß die Tendenz haben,


deduktiv zu werden, so streben sie doch keineswegs nach einer gänzlichen
Beseitigung der Induktionen; sie suchen dieselben nur auf eine möglichst
kleine Anzahl zu reduzieren, indem sie die empirisch
aufgefundenen Gesetze in einfachere, umfassendere aufzulösen suchen. Ihr
eigentliches Endziel ist daher, kurz gesagt: aus der Kombination möglichst
weniger und einfacher Induktionen das ganze Gewebe der auf ihr
besonderes Forschungsgebiet bezüglichen Gesetze herauszuspinnen. Auch
die Mathematik verfährt nach diesem Prinzip, und es gelingt ihr die sichere
und konsequente Durchführung desselben nur aus dem Grund, weil durch
die einfache Natur ihres Gegenstandes die nötigen Induktionen so nahe
gelegt und zu einer so klaren Evidenzerhoben werden, daß die eigentliche
Schwierigkeit nur allein in der richtigen Verknüpfung derselben liegt, während
die der stofflichen Seite der Natur zugewandten Wissenschaft die ihrigen erst
mit großer Mühe und vielem Zeitaufwand aus der unerschöpflichen Fülle der
Erscheinungen herauszuarbeiten haben und daher dem Ziel ihrer
systematischen Verknüpfung zum Teil noch sehr fern stehen." - Paul
Kannengiesser, Dogmatismus und Skeptizismus, Elberfeld 1877, Seite 12

060 Es gibt keine für alle Wissenschaften anwendbareUniversalmethode.

061 "In aller Wahrnehmung nimmst du lediglich deinen eigenen Zustand


wahr." - Johann Gottlieb Fichte, ohne weitere Quelle

062 "Die Anlehnung mancher heutiger wissenschaftlichen Richtungen an


moderne Sprachlogik mathematisierender und formalisierender Art läßt sie
das Heil erblicken in Modelltheorien, in der Abbildung von Begriffssystemen
der einen Wissenschaft mit denen einer anderen, so daß am Ende vor lauter
Signifikationen, Relationen, Funktionen, Abbildungen und Modellen nichts
mehr übrig bleibt, w a s abgebildet werden soll, w a s in einer Beziehung
steht, w a s in einem Modell dargestellt werden soll. Der echte
Rationalismus löst sich nicht in einen leeren Funktionalismus,
Relationalismus oder Modellgötzendienst auf." - Simon Moser, Gesetz und
Wirklichkeit, Innsbruck/Wien 1949, Seite 294

063 "Argumentation ist nichts anderes, als eine subtile und höchst wirksame
Methode, einen vertrauensseligen Gegner zu lähmen." - Paul K. Feyerabend,
Wider den Methodenzwang, Ffm 1979, Seite 278

064 "Make up the facts as we go along." - Paul K. Feyerabend, ohne weitere Quelle

065 Abbrechen der Problemkonsequenz zugunsten derSystemkonsequenz.

066 Ein Verfahren, das nicht den Widerspruchsprinzip gehorcht, ist


nichtWissenschaft, sondern Chaos.
067 Es scheint, als wäre das Ideal der exakten Naturwissenschaften
inQuantifizieren alle Qualitativen zu suchen.

068 Wir können Gefühle nicht durch Analyse kennen lernen, sondern nur
wieder durch Gefühle.

069 Der Akt der Beobachtung beeinflußt die Erscheinung.

070 Alle Beobachtungen sind theoriegeprägt.

071 Die Probleme eine Auswahl treffen zu müssen sind unausweichlich.

072 In der endlichen Welt steht alles in Gegensatz zueinander. Für


dieUnendlichkeit kann es nichts Gegensätzliches geben.

073 In der Quantentheorie kann man ein mögliches Ereignis nur in Bezug auf
einen möglichen Beobachter hin definieren. Zum erstenmal wird hier
die Subjekt-Objekt-Spaltung von naturwissenschaftlichen Standpunkt aus
thematisiert.

074 Pluralität metholologischer Standorte.

075 Es ist die verkehrte Methode von Wörtern auszugehen, um Sachen


zu definieren.

076 "Ein Naturforscher, der selbst ein wirkliches und lebendes Wesen ist,
seziert beispielsweise ein Kaninchen; dieses Kaninchen ist gleichfalls ein
wirkliches Wesen und war, wenigstens vor kaum einigen Stunden, eine
lebende Individualität. Nachdem der Naturforscher es seziert hat, beschreibt
er es: Nun, das Kaninchen, das aus der Beschreibung hervorgeht, ist ein
Kaninchen in allgemeinen, das, jeder Individualität beraubt, allen Kaninchen
gleicht und deshalb nie die Kraft zu existieren haben wird und ewig ein
unbewegliches und nichtseiendes Wesen bleiben wird, nicht einmal
körperlich, sondern eine Abstraktion, der festgehaltene Schatten eines
lebendigen Wesens. Die Wissenschaft hat nur mit solchen Schatten zu
tun." - Michail Bakunin in Wolfgang Dreßen, Antiautoritäres Lager und Anarchismus, Berlin
1971, Seite 124

077 Liebe ist an sich die beste Methode.

078 Das Denken in Bezügen und das Denken in Ursachen sind Gegensätze.

079 Das allgemeingültige Wissen hat den Menschen die Herrschaft über die
Welt verschafft.

080 Die Wissenschaft arbeitet mit einer Vorstellung von Empfindungen, als
wären es Dinge.

081 Überall, wo nicht empfunden wird, wird geurteilt.


082 Denken ist urteilen.

083 Alles Denken strebt nach Einheit und will aus der Mannigfaltigkeit ein
Prinzip ableiten.

084 Die Natur ist ein kompliziertes Gewebe von Zusammenhängen, die
den Beobachter immer mit einschließen.

085 Die Wissenschaft baut sich ganz und gar auf


der Unterscheidungzwischen Zufälligen und Notwendigem auf, die
gleichzeitig die ist zwischen Ereignis und Struktur.

086 Außerhalb der reinen Logik und der Mathematik läßt sich nichts
beweisen.

087 Jeder Name ist Fessel und Grenze.

088 Um sich nicht in einer unendlichen Menge von einzelnen Urteilen zu


verlieren, bedient sich der Denker der Abstraktion und denkt
allesEinzelne ins Allgemeine um.

089 Das Gesetz der Kausalität hat nur in Bezug auf Zeit und
RaumBedeutung.

090 Raum, Zeit und Kausalität kommen nur den Erscheinungen zu.

091 Schein ist das Wesen der Zeit.

092 Der Unterschied ist das wesentliche Denkprinzip.

093 Die phänomenologische Erklärung schaltet alle Empirie aus.

094 Der Unendlichkeitshorizont von Raum, Zeit und Kausalität.

095 "Die kritische Auseinandersetzung namentlich mit der kantischen


Erkenntnistheorie und die daran anknüpfende Erforschung der Grundlagen
der exakten Wissenschaften hat erkennen lassen, daß die formalen
Disziplinen Logik und Mathematik ihre Formensysteme nicht nur unabhängig
von der E r f a h r u n g , d. i. von allen empirischen Datenzusammenhängen,
konstituieren, sondern daß es auch nicht die geringsten Anhaltspunkte dafür
gibt, irgendwelche formallogischen Sätze als Aussagen über die reale Welt,
die von den empirischenWissenschaften erforscht wird, zu verstehen. Aus
der denknotwendigen Geltung formal-logischer, insbesondere auch logisch-
mathematischer Sätze auf ihre a p r i o r i s c h e Geltung in der empirisch-
realen Welt, (wobei eine mehr oder weniger versteckte
inhaltliche Deutung der formalen Ausdrücke gegeben werden muß) schließen
zu wollen, ist wegen des Nichtvorhandenseins
irgendwelcher Relationen zwischen den formallogischen und den inhaltlich
gedeuteten Aussagesystemen, die einen solchen Schluß rechtfertigen
würden, gänzlich unmöglich. Jeder Versuch, welchen formallogischen Satz
auch immer als apriorisch gültige Aussage über die Wirklichkeit verstehen zu
wollen, muß als unhaltbare Spekulation zurückgewiesen werden." - Bèla Juhos,
Welche begriffliche Formen stehen der empirischen Beschreibung zur Verfügung, in Ernst
Topitsch (Hg), Probleme der Wissenschaftstheorie, Festschrift für Viktor Kraft, Wien 1960,
Seite 103

096 Wir vermögen die Dinge wie sie an sich selbst sind, unabhängig davon
wie sie der menschlichen Auffassung erscheinen, nicht zuerkennen.

097 Alles erkennen ist gleichsetzen.

098 Die Tätigkeit des Scheidens ist Arbeit, Kraft und Macht desVerstandes.

099 Vielheit widerspricht der Einfachheit als Prinzip des Verstandes.

100 Unterschiede werden oft nur dadurch aufgehoben, indem man neue
Unterschiede schafft.

101 Das Gedankending ist das rein Formelle ohne Realität.

102 Einheit, Unterschied und Beziehung sind Kategorien, die nur in Bezug auf
ihr Gegenteil Bedeutung haben und daher nicht ohne ihr Gegenteil
auskommen können.

103 Das Herausgreifen einer singulären Beziehung und die Fernhaltung aller
übrigen, in denen der Gegenstand faktisch steht, ist eben dieAbstraktion. Von
da ab liegt die Verwirrung nicht mehr weit.

104 "Die ideelle Isolierung und Spaltung des Gegebenen, seine logische
Trennung in verschiedene Seiten ist einer der am meisten angewandten
Kunstgriffe des Denkens; ein real untrennbarer Komplex wird in verschiedene
ideelle Elemente und Teile zerlegt und jedes dieser Elemente wird dann in
seiner Isolierung betrachtet." - Hans Vaihinger, Die Philosophie des Als-Ob, Berlin
1919, Seite 372

105 Die Abstrakta sind ein süßes Gift, das Geistesverwirrung nach sich zieht.

106 "Wille", "Verstand", "Phantasie", "Gefühl" usw. sind bloßeSammelnamen.

107 "Die Wirklichkeit ist sicherlich ein Heraklitischer Fluß des Geschehens,
aber unser Denken würde selbst verfließen, wollten wir nicht
durch Fiktion imaginärer Haltepunkte und Grenzlinien uns jenes
Wirklichkeitsflußes, jener fließenden Wirklichkeit bemächtigen." - Hans
Vaihinger, Die Philosophie des Als-Ob, Berlin 1919, Seite 411

108 Unterschiede in der Terminologie sind keine Unterschiede in derSache.

109 Wir operieren mit lauter Dingen, die es nicht gibt: Linien, Flächen,
Körpern, Atomen, teilbaren Zeiten, teilbaren Räumen.
110 Das Logische ist nur möglich infolge des Grundirrtums daß esgleiche
Dinge, gleiche Fälle gibt.

111 Der eigentliche Feind des Denkers ist der Schein.

112 Die Farbe ist ein Produkt des Lichts.

113 Wir pflegen altvertraute Eindrücke auf neue Empfindungen


aufzupfropfen.

114 Menschliches Handeln ist unendlich komplex und aus vielen Quellen
bestimmt. Wer ausschließlich Kausalitätsverhältnisse annimmt, muß sich den
Vorwurf der groben Vereinfachung gefallen lassen.

115 "Zur Markierung und Artikulierung des in beständigen Fluß befindlichen


und in ununterbrochenen raumzeitlichen Konnex stehendenWirklichen, zur
exakten Gliederung des Realen, zur Vermeidung vager Angaben treffen wir
unter den Elementen der Wirklichkeit eine willkürliche Auswahl, und ziehen
Striche und Grenzen, wo keine sind." - Hans Vaihinger, Die Philosophie des Als-Ob,
Berlin 1919, Seite 470

116 Bleibt nicht alles Wesentliche ungesagt, ja ungefragt, wenn wir mit
harmlosen Allgemeinvorstellungen an die Wirklichkeit herangehen.

117 Wir sehen, was wir wollen und sind blind für das, was wir nicht sehen
wollen.

118 Alle wissenschaftlichen Beschreibungen von Tatbeständen sind


hochgradig selektiv.

119 Schicht, Hierarchie, Stufe und Klasse sind Ordnungs- und nicht
Realphänomene.

120 Beschreibung ist immer Verallgemeinerung von Einzelfällen.

121 Das ungeteilte, freie Einzelne ist empirischer Forschung nicht zugänglich
und kann es seinen Begriff nach nicht sein.

122 Logik ist nur pragmatisch nützlich und praktisch. Mit Erkenntnis hat sie
unwesentlich zu tun.

123 "Die Einsicht, daß zwischen dem formal-logischen Formenbereich und


dem Bereich der empirischen Phänomenzusammenhänge keine inhaltlichen
und keine Geltungsrelationen bestehen, steht im Gegensatz zur Auffassung
der Mehrzahl der herkömmlichen erkenntnistheoretischen Systeme. Die
von Aristoteles und im Mittelalter vertretene Auffassung, daß die Formen des
Denkens immer auch die Formen des S e i n s seien, ist ein Glaube, den
man durch metaphysische und theologische T h e o r i e n zu begründen
versuchte. Bemerkenswert an diesen Versuchen ist der Umstand, daß
diese Theorien sich meistens genötigt sahen, in irgendeiner Form
ein a l l g e m e i n e s Bewußtseinanzunehmen, dessen Gedanken und
Denkformen eben die Formen und Gesetze der Wirklichkeit sein sollen,
wobei die menschlich-subjektiven Bewußtseine meist als weniger
vollkommene Individuationen des allgemeinen Bewußtseins angenommen
werden. Man sollte vermuten, daß mit dem Einsetzen der empirisch-exakten
Forschung dieerkenntnistheoretische Voraussetzung der Konformität
von D e n k e n und S e i n einer kritischen Einstellung begegnet. Dies aber
ist im allgemeinen nicht der Fall. Es werden höchstens einzelne bedenkliche
Folgen der erwähnten Voraussetzung der Übereinstimmumg des formalen
Denkbereichs und der Realität einer Kritik unterzogen (so im Humeschen
Skeptizismus), ohne aber die allgemeine Berechtigung dieser Annahme
grundsätzlich in Frage zu stellen." - Bèla Juhos, Welche begriffliche Formen stehen
der empirischen Beschreibung zur Verfügung, in Ernst Topitsch (Hg), Probleme der
Wissenschaftstheorie, Festschrift für Viktor Kraft, Wien 1960, Seite 103f

124 In den empirischen Wissenschaften kann keine Wahrheit, sondern


allenfalls Wahrscheinlichkeit erzielt werden.

125 Eine Theorie, die umfassend genug wäre, um die Tatsache ihrer eigenen
Existenz miteinzubeziehen würde zu einem unendlichen Regress führen.

126 Die Hypothese der Wissenschaft ist eine einseitige Beziehung


zumTatsachenmaterial. Sie wirkt wie ein Angriff auf die Welt.

127 Es ist sinnlos oder "pathologisch" an der schlichten und


unmittelbaren Erfahrung von Sinnesdingen Zweifel anzumelden.

128 Kritik des traditionellen Begriffs vom Gegenstand als Substanz.

129 Die Organisation des Denkens muß die Willkürlichkeit und


dasZwanghafte berücksichtigen, durch die wir der ungeformten Natur die
menschliche Begrifflichkeit überstülpen.

130 Mit den Jonglieren von Abstraktionen wird es nicht gelingen


dieVerwirrung zu überwinden.

131 Es gibt nur ein paar Wege, mit denen wir mit der Außenwelt in
Verbindung stehen, nämlich unsere fünf Sinne.

132 "Der ungeheuere Erfolg der Abstraktionen der Wissenschaft, die auf der
einen Seite die in Raum und Zeit einfach lokalisierbare Materielieferten und
auf der anderen den wahrnehmenden, leidenden unddenkenden, aber
niemals in das Naturgeschehen eingreifenden Geist, hat die Philosophie
unter den Zwang gestellt, diese Abstraktionen irgendwie als die konkreteste
Wiedergabe der Tatsachen zu akzeptieren." - Alfred North Whitehead, Prozess und
Realität, Cambridge 1929, Seite 255

133 Materialismus und Idealismus sind nur jeweilige Interpretationendieser


Welt.
134 Die Logik ist das Geld des Geistes.

135 "Unter Realität und Vollkommenheit verstehe ich dasselbe." - Spinoza, ohne
weitere Quelle

136 Die Entfremdung des Unendlichen und abstrakt-allgemeinen.

137 Übergang aus dem Abstrahieren in die Anschauung,


das mystischeGefühl.

138 "Omnis determinatio est negatio." (Alle Bestimmung ist Verneinung) -


Spinoza, ohne weitere Quelle

139 Wert und Unwert kommt von Menschen und liegt nicht in den Dingen.

140 Wertbetrachtung und Seinsbetrachtung sind die beiden Seiten des


Methodendualismus.

141 Unableitbarkeit des Werts aus der Wirklichkeit.

142 Eigenwelt der Subjektivität - Gemeinwelt der Objektivität.

143 Die Wertbeziehung ist das Kriterium, durch das wir aus der Unmenge
von individuellen Tatsachen wesentliche und unwesentliche
zuunterscheiden vermögen.

144 "Die Wahrscheinlichkeitsbeschreibung im Bereich der Mikrophänomene


bedient sich vornehmlich zweier Beschreibungsformen:
der K o r p u s k u l a r - und der W e l l e n b e s c h r e i b u n g . Trotz der
Benützung dieser zwei Begriffssysteme können wir im Mikrobereich nicht von
der empirischen Existenz (Realität), sei es von Korpuskeln, sei es von
Wellen, sprechen. Denn dazu sind wir erst berechtigt, wenn wir
eine h i n r e i c h e n d e K e n n z e i c h n u n g der Korpuskular- bzw.
Wellenzustände durch Meßwerte geben können. Bei Korpuskeln müssen wir
etwa den Bewegungszustand eines Teilchens an verschiedenen Punkten der
Bewegungsbahn durch gemessene gleichzeitige Orts- und Impulswerte
kennzeichnen können, erst dann sind wir berechtigt, von der empirischen
Realität der Korpuskel zu sprechen. Die Realität von Wellen dürfen wir erst
dann behaupten, wenn wir die Wellenintensität (es kann dies eine Energie-
oder Impulserteilung durch die Welle sein) an verschiedenen Punkten des
Wellenzugs durch Messung bestimmen können. Bekanntlich sind diese
Forderungen an den K o r p u s k e l n und W e l l e n im Mikrobereich nicht
erfüllbar. Wir sprechen also hier im uneigentlichen Sinn
von K o r p u s k e l n und W e l l e n , d. h. es gibt wohl empirische Daten,
die für den korpuskularen und andere Daten, die für den Wellencharakter der
Phänomene sprechen, aber in beiden Fällen genügen diese Daten nur zu
einer partiellen, nicht aber zu einer hinreichenden Kennzeichnung der
Zustände. - Wenn wir nun Korpuskular- und Wellenbegriffe zu den
Beschreibungen benützen, aber stets hinzufügen müssen, die Phänomene,
die wir beschreiben, sind weder Korpuskeln noch Wellen, dann sind die zwei
Begriffssysteme nicht anderes als leere begriffliche Formen, deren Ausdrücke
nicht eindeutig empirisch realen Objekten zugeordnet werden können.
Vielmehr gestatten die Systeme der korpuskularen und Wellenbegriffe
lediglich Strukturen darzustellen, die geeignet sind, eine partielle
Beschreibung der Phänomenzusammenhänge im Mikrobereich zu geben.
Hier erhebt sich nun folgenen Frage: Wenn die Korpuskular- und
Wellenbegriffe nur als Formalismus gelten und die Anwendung dieser
Begriffssysteme nur partielle, keineswegs adäquat hinreichende
Beschreibungen ermöglicht, weswegen wählen wir dann nicht ein anderes,
gegebenenfalls reicheres Begriffssystem, das eine adäquate Beschreibung
erlaubt, d. h. die Phänomene nicht als bloß uneigentliche Korpuskeln und
Wellen kennzeichnet, sondern eine hinreichende eindeutige Kennzeichnung
der Phänomene gestattet? - Auf diese Frage hat die K o p e n h a g e n e r
S c h u l e eine bemerkenswerte Antwort gegeben. Nach dieser Richtung
seien wir genötigt, Korpuskular- und Wellenbegriffe zu benützen, denn diese
zwei Begriffssysteme seien, wenn man so sagen darf,
unsere a p r i o r i s c h e n Denkformen. Wir können nicht anders, als die
Phänomene in der Form von Korpuskeln bzw. Wellen zu d e n k e n . Daraus
aber folge keineswegs, daß die realen Phänomene auch wirklich
korpuskularen oder Wellencharakter haben müssen. Es stehen lediglich
unserem Denken keine anderen Begriffsformen zur Verfügung, für die
Eigenschaften und Gesetzmäßigkeiten der empirischen Phänomene folge
daraus aber gar nichts. Es könnte natürlich sein, daß die empirisch-realen
Phänoeme korpuskularen bzw. Wellencharakter haben, dann würden wir
durch die Anwendung unserer Denkformen zu einer eindeutig adäquaten
Beschreibung der Phänomene kommen. Allein, die empirische Forschung
läßt erkennen, daß wir bei der Anwendung der uns zur Verfügung stehenden
Denkformen, eben der Korpuskular- und Wellenbegriffe, n i c h t zu einer
eindeutig adäquaten Beschreibung gelangen. Daraus sei zu schließen, daß
der Bereich unserer Denkformen nicht adäquat sei dem Bereich der
empirischen Phänomenzusammenhänge. Es wird hier demnach
eine D i s k r e p a n z zwischen den Denkformen und den F o r m e n der
empirischen Wirklichkeit angenommen und damit werden die wichtigsten
Voraussetzungen der herkömmlichen Auffassung bezüglich der Beziehungen
zwischen D e n k e n und (empirischem) S e i n , bzw. der Erkennbarkeit
der empirischen Wirklichkeit, aufgegeben." - Bèla Juhos, Welche begriffliche
Formen stehen der empirischen Beschreibung zur Verfügung, in Ernst Topitsch (Hg),
Probleme der Wissenschaftstheorie, Festschrift für Viktor Kraft, Wien 1960, Seite 116f

145 Was nicht f ü r u n s ist, ist a n s i c h .

146 Das eigentlich logische Feld endet dort, wo die Subjekt-Objekt-Beziehung


aufhört.

147 Wirklichkeit läßt sich nur am Leitfaden der Zeit bestimmen.

148 Die intuitive Erkenntnis faßt stets nur das Einzelne auf.

149 Der Wille übt auf den Verstand einen störenden Einfluß aus.
150 Es gibt zwei von Grund auf verschiedene Verhaltensweisen:
diesubjektive und die objektive. Auf dem rein objektiven Wege gelangen wir
nie ins Innere der Dinge.

151 Das richtige Denken hängt ebenso vom richtigen Wollen ab, wie das
Wollen vom Denken.

152 Man muß die Empfindung von der Wahrnehmung unterscheiden. Die
Wahrnehmung ist Teil des Verstandes.

153 Der gewohnte Gebrauch der Worte und Bezeichnungen stiftet


vielfältige Verwirrung.

154 "Wenn das Erkennen ein Tun ist, so folgt notwendig, daß das
Erkannte leidet." - Platon, Theaitetos

155 Probleme entstehen dadurch, daß verschiedene Dinge irgendwie in einen


Topf geworfen werden.

156 'Wie' man etwas sucht, drückt irgendwie aus, was man erwartet.

157 Die Kausalität beruht auf einer beobachteten Gleichförmigkeit.

158 Die Erwartung lenkt die Aufmerksamkeit.

159 "Die Vereinbarung von Signalen enthält immer eine Allgemeinheit, sonst
ist die Vereinbarung unnötig." - Ludwig Wittgenstein, Tractatus logico-philosophicus,
Ffm 1980, Seite 67

160 "Einer Frage entspricht immer eine Methode." - Ludwig Wittgenstein, Tractatus
logico-philosophicus, Ffm 1980, Seite 14

161 "Suchen kann man nur in einem System: Also gibt es unbedingt etwas,
was man nicht suchen kann." - Ludwig Wittgenstein, Tractatus logico-philosophicus,
Ffm 1980, Seite 175

162 "Ein unendlich kompliziertes Gesetz heißt kein Gesetz. Das Gesetz
würde dann höchstens lauten: Es ist alles, wie es ist." - Ludwig Wittgenstein,
Tractatus logico-philosophicus, Ffm 1980, Seite 148

163 "Der Beweis beweist nur, was er beweist. Aber den Nebel kann er nicht
heben." - Ludwig Wittgenstein, Tractatus logico-philosophicus, Ffm 1980, Seite 320

164 Gegen die Wahrheit gibt es kein Recht der Mehrheit.

165 Logik ist Rechnung.

166 Das Denken wird von der Materie begrenzt.

167 "Wie eine Größe gemessen wird, das ist sie." - Albert Einstein, ohne weitere
Quelle

168 Eine große Anzahl ähnlicher Dinge in die gleiche Form zu fassen,um sie
bequemer greifen zu können.

169 Alles wird mit allem gleichgesetzt. Die Herrschaft der Zahl feiert
Triumphe.

170 Die wirklich wichtigen Dinge des Lebens lassen sich nichtberechnen.

171 Qualität ist weit schwieriger zu handhaben, als Mengen. Das Urteilen
stellt eine höhere Tätigkeit dar als das Zählen und Rechnen.

172 Mengenunterschiede sind leichter zu fassen, alsQualitätsunterschiede.

173 Eine Sprache, die die Welt nicht erkennend spaltete haben wir nicht.

174 Wir fassen die Summe fortschreitender Veränderungen unter


einenZweckbegriff zusammen.

175 Die Rechtsidee ist ein idealer Gedanke, der sich niemals
vollendetverwirklichen läßt.

176 Das Ordnen des Bewußtseins geschieht in der Richtung


desWahrnehmens und Wollens.

177 Mittel und Zweck sind Denkformen zur Ordnung unseresBewußtseins.

178 Der Begriff Ursache wird verwendet, wo nur Mittel und Zweckegemeint
sind.

179 Die vier Grundarten


zur Ordnung unseres Geisteslebens:wahrnehmen, wollen, sollen und werten.

180 Reiner Wissenschaft ist nur die Frage zugänglich, was 'ist', nicht die
Frage was sein 'soll'.

181 Praxis ist die Behandlung von Einzelfällen.

182 Das Höchste, was der Mensch erreichen kann ist


die Objektivierungseiner Gedankenwelt.

183 Die sinnliche Wahrnehmung erschafft keine Erkenntnis einesGesetzes


das tut nur der ordnende Verstand.

184 Den wollenden Interesse entspricht mehr die Unterteilung in Zwecke und
Mittel als die Einordnung in kausale Kategorien.

185 Fragen sind allgemein, Probleme speziell.


186 "Die Institutionen
der Wissenschaft verlangen Zäune undNamensschildchen." - Ralf Dahrendorf,
Pfade aus Utopia, München 1974, Seite 45

187 Der rechtliche Begriff hat es mit dem Ordnen von Willensinhalten und
nicht mit der wissenschaftlichen Erkenntnis der Körperwelt zu tun.

188 Empfindungen sind bloße Maßstäbe, um die Änderungen


derWirklichkeit zu messen.

189 Aus den verfehlten Versuch der Gesellschaftswissenschaften, die


Methoden der Naturwissenschaften zu übernehmen und nachzuahmen, ist
der Menschenwürde großer Schaden entstanden.

190 Wir denken mit Werten und empfinden auch mit ihnen. Sie sind unseren
eigentlichen Werkzeuge, mit denen wir die Welt betrachten, deuten
und erfahren.

191 Der "Erfolg" der Naturwissenschaften beruht auf


einer Reduktion derWirklichkeit, der Reduktion von Qualität auf Quantität.

192 "Aller Schein liegt darin, daß der subjektive Grund des Urteils
fürobjektiv gehalten wird." - Immanuel Kant, ohne weitere Quelle

193 Alle Substantive zeugen nur vom Hang zur Personifikation, nicht
vonWirklichkeit.

194 Alle Erkenntnis kann nur analogisch sein.

195 Das Krumme wird unter das Gerade subsumiert, um besser


damitrechnen zu können.

196 In der Abstraktion werden


faktische Gegensätze in logischeWidersprüche umgedacht.

197 Die Abstraktion ist ein Trick, mit dem


das Denken dieWirklichkeitsschwierigkeiten überlistet.

198 Alles Denken läuft auf Gleichsetzung hinaus.

199 In Beziehung setzen heißt gleichsetzen, womit die Denkrechnung


ermöglicht wird.

200 "Denken ist ein regulierter Irrtum." - Hans Vaihinger, Die Philosophie des Als-Ob,
Berlin 1919, Seite 217

201 Die kategoriale Verarbeitung der Empfindungen aber ist schon


eineVeränderung der Erfahrung, eine Verfälschung der
gegebenenWirklichkeit.
202 Die Kategorien sind nichts, als bequeme Hilfsmittel, um
dieEmpfindungsmassen zu bewältigen.

203 Das Wesen der rationalen Forschungsmethode ist es, in der Einbildung
die Dinge von allen äußeren Einflüssen zu trennen, um sie ganz isoliert mit
Rücksicht auf einen besonderen Zweck zu betrachten.

204 Das Einzelne ist unzählbar.

205 Das Wesen der Dinge jenseits des Willens, steht keinem Forscheroffen.

206 Inkommensurabilität ist Unmeßbarkeit, Unvergleichbarkeit.

207 Begriffe sind nicht-räumliche und nicht-zeitliche Entitäten.

208 Wenn alles absolut ununterscheidbar von allen anderen wäre oder nicht
die geringste Ähnlichkeit mit etwas anderen hätte, gäbe es nichts zu sagen.

210 Immaterielle Güter unterliegen keinem Verbrauch oder keinem


Verschleiß.

211 Sprachkritik oder Denkkritik oder Erkenntniskritik.

212 Dauer ist das Kennzeichen des Ich, Dauer ist das Kennzeichen
derDinge.

213 Raum, Zeit und Kausalität sind nur menschliche, nur sprachliche
Anschauungs- und Denkformen.

214 Gesetzmäßigkeit ist ein Mythos, den der Mensch in die Natur gelegt hat.

215 Aus Bildern und Metaphern lassen sich keine Schlüsse ziehen.

216 Für psychische Erscheinungen gibt es keine Maßeinheiten.


Psychische Qualitäten lassen sich nicht in physische Quantitäten umsetzen.

217 Mathematiker messen immer nur die tote Natur, wenn sie
das Lebenselbst messen, haben sie vorher alles Leben weggedacht.

218 Außerhalb des menschlichen Denkens gibt es weder ein Zählen, noch
ein Messen.

219 Einheitsbegriffe haben nur den Sinn, den sie als Maß für das Zählen
haben.

220 Gesetze sind ökonomische Zusammenfassungen von Erfahrungen.

221 "Die Systemmacherei ist in der substantivischen Welt zu Hause, der Welt
der Mystik." - Fritz Mauthner, Wörterbuch der Philosophie Bd.2, Zürich 1980, Seite 264
222 Raum, Zeit und Kausalität sind die Grundbegriffe des Denkens.

223 "Vollständigkeit ist der Tod der Wissenschaft." - Ulrich von Wilamowitz-
Möllendorf, ohne weitere Quelle

224 Die Idee einer Verknüpfung von Ursache und Wirkung.

225 "Das Transzendente ist das Wissen von dem, wovon wir nichts wissen." -
Fritz Mauthner, Wörterbuch der Philosophie Bd.2, Zürich 1980, Seite 480

226 Die Wahrheit ist ungreifbar, weil wortlos.

227 Wir müssen eine genaue Trennungslinie ziehen zwischen dem


wirklich Empfundenen und dem Wahrgenommenen als dem Gefolgerten.

228 "Wir müssen uns vom Positivismus der Naturwissenschaften lösen, da


alles Beobachtbare und Meßbare nur repräsentativen, nicht elementaren
Bedeutungswert hat. Eine solche Naturwissenschaft ist nicht realistisch, nicht
einmal relativistisch, sondern nur nochsymbolistisch." - Viktor von Weizsäcker,
Natur und Geist, München 1977, Seite 107

229 die Zahlenbarbarei

230 "... denn Tatsachen sind Beobachtungen, von Menschen gemacht, die
der Natur eine bestimmte Frage stellen. Die Form und der Sinn der Frage ist
aber bereits eine Theorie und Tatsachen müssen, da sie an sich dumm und
stumm sind, antworten, ob die Theorie recht hat, oder nicht. Es steht also
schlimm um die Wissenschaft, wenn man sieht, daß Theorien und Tatsachen
ja ihre eigenen Wege gehen. Zwei Gegner, die darum kämpfen, ob eine
Theorie richtig oder falsch ist, stehen noch auf dem selben Boden." - Viktor von
Weizsäcker, Natur und Geist, München 1977, Seite 83

231 Der sogenannt materielle Gegenstand und seine durch


dasBewußtsein vollzogene Aufzeichnung sind rein geistige Konstruktionen.
Die Konformität des Konstruierten mit den materiellen Gegenstand ist
reine Vermutung.

232 Die Gefahr liegt nicht so sehr darin, daß sich Forscher spezialisieren,
sondern daß Spezialisten generalisieren.

233 "Der Geist nämlich wird der Erfahrung bald überdrüssig und sucht seiner
Bequemlichkeit wegen das Gebiet des Generellen." - Francis Bacon, Neues
Organon der Wissenschaften, Darmstadt 1981, Seite 29

234 "Einmal ist keinmal, zweimal ist immer." - Soziologenweisheit

235 Dialektik ist der zur Methode gemachte Irrationalismus.

236 Alles Denken drängt zur Aufhebung der Widersprüche.


237 Das jüdische Prinzip der Entgegensetzung des Gedankens gegen
die Wirklichkeit.

238 Wenn etwas gesetzt wird, wird damit gleichzeitig etwas nicht gesetztund
deshalb ausgeschlossen.

239 "Der menschliche Geist setzt gern eigenthümlich bei den Dingen eine
größere Ordnung und Gleichheit voraus, als darin wirklich zu finden ist; und
obgleich in der Natur manches einzeln dasteht und unter
einander verschieden ist, dichtet er gern Parallelen und correspondierende
Verhältnisse, die nicht vorhanden sind." - Francis Bacon, Neues Organon der
Wissenschaften, Darmstadt 1981, Seite 34

240 "Wer sein Fach nicht als widersprüchlich gelernt hat, beherrscht es
nicht." - Bernard Shaw, Der Sozialismus und die Natur des Menschen, Ffm 1973, Seite
234

241 Nichtlinearität aller lebenden Systeme.

242 'Was' wir sehen hängt davon ab, 'wie' wir sehen.

243 Was nicht gemessen und quantifiziert werden kann ist


nichtwissenschaftlich und auch nicht wirklich.

244 Das Elektron gibt eine Teilchenantwort, wenn wir ihm eine
Teilchenfrage stellen und eine Wellenantwort auf eine Wellenfrage.

245 "Ich mißtraue allen Systematikern und gehe ihnen aus den Weg.
DerWille zum System ist ein Mangel an Rechtschaffenheit." - Friedrich
Nietzsche, Götzendämmerung oder wie man mit dem Hammer philosophiert, Ffm 1985,
Seite 14

246 Eine Amöbe herauspipettiert auf einem Objektträger ist etwas anderes,
als eine Amöbe in ihrem natürlichen Lebensraum.

247 Wie kompliziert ist z.B. der logische Zusammenhang, der durch das
Wörtchen 'obwohl' symbolisiert wird...

248 "Etwas Unbekanntes auf etwas Bekanntes zurückzuführen,erleichtert,


beruhigt, befriedigt, gibt außerdem ein Gefühl von Macht." - Friedrich Nietzsche,
Götzendämmerung oder wie man mit dem Hammer philosophiert, Ffm 1985, Seite 48

249 Alles ist durch Berechnen beherrschbar, es gibt kein Geheimnis.

250 "Wie man es machen will, 'wissenschaftlich' zu entscheiden zwischen


dem Wert der französischen und deutschen Kultur, weiß ich nicht." - Max
Weber, Wissenschaft als Beruf, Berlin 1984, Seite 27

251 Jeden von uns wohnt der Zwang inne, nach wiederholtem Eintreteneines
bestimmten Ereignisses einen irgendwie gearteten, zunächst nicht näher
definierbaren Zusammenhang zwischen den einzelnen Geschehnissen
anzunehmen.

252 Individualität ist Lebendigkeit, die dem toten Begriff nicht gehorcht.

253 Die Form das Begriffs ist die Form des Gesetzes,
der Allgemeinheitund Objektivität.

254 "Das Denken ist Dingheit, oder Dingheit ist Denken." - Georg Lukàcs, Der
junge Hegel Bd.2, Ffm 1973, Seite 769

255 Jede symbolische Sinnwelt ist potentiell problematisch.

256 Der Begriff verleiht Objekten und Vorgängen, die vorher fließend und
undeutlich waren Konturen.

257 methodologischer Relativismus.

258 Eine ethische Argumentation ist keine logische Ableitung.

259 Es widerspricht denkökonomischen Erwägungen für jeden Fall oder für


jede Klasse von Fällen ein eigenes Prinzip zu benötigen.

260 So etwas wie das "Gute" gibt es gar nicht.

261 "Nicht also weil es ein Gesehenes ist, wird es gesehen, sondern im
Gegenteil, weil es gesehen wird, ist es ein Gesehenes; nicht weil es ein
Geführtes ist, wird es geführt, sondern weil es geführt wird, ist es ein
Geführtes; und nicht, weil es ein Getragenes ist wird es getragen, sondern
weil es getragen wird, ist es ein Getragenes." - Sokrates in Birnbacher/Hoerster,
Texte zur Ethik, München 1976, Seite 161

262 die Methode absoluter Isolierung ist nur ein ideales Gespinst.

263 Rechtfertigung gibt es nur, wo jemand bereit ist rational zu sein.

264 Wissen ist nicht statisch, sondern dynamisch.

265 Generell heißt zeit-räumlich unbeschränkt.

266 Entdeckungszusammenhang - Begründungszusammenhang


(Pragmatischer Unterschied von Erklärung und Prognose)

267 Feyerabends methodologischer Dadaismus

268 Explizite Definitionen sind wegen ihrer Vollständigkeit halber abzulehnen,


sie sind zu statisch und können einer möglichen Erweiterung
eines Wissensbereiches nicht gerecht werden.

269 Beobachtungsdaten sind nicht nur theorieimprägniert, sondern ganz und


gar theoretisch.

270 Die Bedeutung des Wortes "Summe" ist für einen einzigen Bereich
eindeutig festgelegt, nämlich für Zahlen. Will man es in anderen Fällen
verwenden, so bedarf es jedesmal einer neuen Definition, und die ist allein
durch praktische Rücksichten bestimmt, die sich nach
vorliegendenBedürfnissen richtet.

271 "Kein Mensch sieht die Welt mit unbefangenen Augen." - Ruth Benedict,
ohne weitere Quelle

272 Begriffe haben einen subtilen Einfluß auf die Denkweise.

273 Wo Verstand ist, da ist Gesetz.

274 Logische Widerspruchslosigkeit eines Satzes ist kein Beweis


fürWirklichkeit.

275 le terrible simplificateur

276 "Kein Denken, auch das reinste nicht, kann anders, als mit Hilfe
derallgemeinen Formen unserer Sinnlichkeit geschehen." - Wilhelm von
Humboldt, Schriften zur Sprache, Stuttgart 1985, Seite 3

277 Unterscheidung von sinnlichen und unsinnigen Gegenständen.

278 "Die Umrisse nebeneinander liegender Dinge vermischen sich leicht vor
der Einbildungskraft, wie vor dem Auge. In der Zeitfolge hingegen schneidet
der gegenwärtige Augenblick eine bestimmte Grenze zwischen den
Vergangenen und Zukünftigen. Zwischen Sein und Nicht-mehr-sein ist keine
Verwechslung möglich." - Wilhelm von Humboldt, Schriften zur Sprache, Stuttgart 1985,
Seite 4

279 Die Idee ist das, was die Gegenstände der fähig macht, zum Stoff
des Denkens und des Wahrnehmens gebraucht zu werden.

280 "Der reale Stoff soll ideal verarbeitet und beherrscht


werden.Subjektivität und Objektivität sind an sich ein und dasselbe und
werden nur dadurch verschieden, weil die Reflexion sie
einanderentgegengestellt." - Wilhelm von Humboldt, Schriften zur Sprache, Stuttgart
1985, Seite 8

281 "Jede Sprache setzt dem Geist gewisse Grenzen, schließt, insofern sie
eine gewisse Richtung gibt, andere aus." - Wilhelm von Humboldt, Schriften zur
Sprache, Stuttgart 1985, Seite 13

282 Die Wörter sind die Zeichen der einzelnen Begriffe.

283 Von ersten Element an ist die Sprache ein synthetisches Verfahren.
284 "Sowohl die Dinge in der äußeren Natur, als die innerlich
angeregteTätigkeit dringen auf den Menschen mit einer Menge von
Merkmalenzugleich ein. Er aber strebt nach Vergleichung, Trennung und
Verbindung und in seinen höheren Zwecken nach Bildung immer mehr
umschließender Einheit." - Wilhelm von Humboldt, Schriften zur Sprache, Stuttgart
1985, Seite 46

285 Jedes Nomen läßt sich zum Verbum stempeln.

286 Das quantitative Denken ist Materialismus profanster Art.

287 Es gibt kein Bewertungskriterium oder Maßsystem, mit den das


Unmeßbare im wirklichen Leben kommensurabel gemacht werden könnte.

288 Auf Zahlen kann man sich am ehesten


einigen. Größen könnenmathematisch und damit "objektiv" ermittelt werden.
Liegen erst einmal die Zahlen auf den Tisch, dann kann nichts mehr
angezweifelt werden.

289 Die Analyse sondert die Tatsachen voneinander und reiht sie geradlinig-
kausal auf.

290 Rationales Denken unterscheidet, mißt, kategorisiert und tendiert zur


Zersplitterung.

291 Hauptziel der Wissenschaft ist nicht Bedeutung und Rolle der Dinge zu
verstehen, sondern sie zu beherrschen und ihre Entwicklung
vorauszusagen.

292 Die Welt geht restlos auf in der Zahl - das war die faszinierende Idee des
letzten Jahrhunderts.

293 Restlose Beweise sollen erbracht und widerspruchsfreie Definitionen


geliefert werden - bei allseitigem Objektivitätsanspruch und Ausschaltung
von Wertaussagen.

294 "Dahin schwinden Sicht, Klang, Geschmack, Berührung und Geruch, und
mit ihnen sind seither dahin Ästhetik und moralische
Empfindsamkeit, Werte, Qualität, Form; dahin sind
auch Gefühle, Motive,Absichten, Seele, Bewußtsein, Geist. Die Erfahrung an
sich ist aus dem Reich wissenschaftlicher Forschung ausgestoßen worden." -
Ronald D. Laing in Fritjof Capra, Wendezeit; München 1988, Seite 53

295 Die kartesianische Methode: die Welt in Teilen zu analysieren und diese
Teile dann nach Kausalgesetzen anzuordnen.

296 Analytiker sind im Grunde unbelehrbare Mechanisten undMaterialisten.

297 Weder das Elektron noch irgendein anderes atomares "Objekt" besitzt
innerliche Eigenschaften, die von seiner Umwelt unabhängig sind. Seine
Eigenschaften - teilchenähnlich oder wellenähnlich - hängen von der
experimentellen Situation ab, d.h. von der Apparatur, zu der es in
Wechselwirkung treten muß.

298 Kräfte werden in meßbaren Quantitäten beschrieben: Masse,


Geschwindigkeiten, Energie.

299 Die Entdeckung, daß die Masse eine Form der Energie ist, hat einen
tiefgreifenden Einfluß auf unser Bild von der Materie gehabt.

300 Auf makroskopischer Ebene ist der Begriff der Substanz eine nützliche
Annäherung an die Wirklichkeit, auf atomarer Ebene jedoch hat er
keinen Sinn mehr.

301 Idealbild des kühlen, unbeteiligten Beobachters.

302 Die Strukturen der Materie sind Spiegelungen der Struktur


desBewußtseins.

303 Die Modifizierung sinnlicher Wahrnehmung durch


vergangeneErfahrungen, Erwartungen und Zielsetzungen erfolgt nicht nur
durch die Interpretation, sondern bereits am Anfangspunkt, an den "Pforten
der Wahrnehmung".

304 Gesundheit ist eine subjektive Erfahrung, deren Qualität man intuitiv
kennen, jedoch niemals erschöpfend beschreiben oder quantifizieren kann.

305 Wissenschaft wird mit Messungen und quantitativen Feststellungen


assoziiert. Letztes Begreifen aber überschreitet Worte und Vorstellungen.

306 Eine Methode gibt uns keine Resultate, sondern Werkzeuge in die Hand.

307 "Rien ne ressemble plus à la premeditation, que la logique des faits."


(Nichts ist der Vorsätzlichkeit so ähnlich, wie die Logik der Tatsachen.) -
Pierre-Joseph Proudhon, ohne weitere Quelle

308 Der Begriff der "Substanz" legt das Denken bereits auf eine gewisse,
unbewußte Bahn fest.

309 Der deutsche Idealismus ist die Freude des Glaubens, daß
dieerfahrbare Welt wirklich sei.

310 Sinnesdaten können nicht getrennt werden vom Prozess


ihrerBeschreibung.

311 Erkenntnistheoretische Probleme werden nicht durch Beweise, sondern


durch Entschlüsse gelöst.

312 Verstehen ist Verdinglichung plus Kausalität.


313 Meßbarkeit heißt Quantifizierung.

314 "Die Einsicht, daß zwischen den formal-logischen Formenbereichen und


dem Bereich der Phänomene der Wirklichkeit kein inhaltlichen und keine
Geltungsrelationen bestehen, steht in Gegensatz zur Mehrzahl der
erkenntnistheoretischen Systeme. Formen des Denkens werden mit
"Formen" des Seins gleichgesetzt. Derartige Theorien sehen sich genötigt in
irgendeiner Form ein "allgemeines" Bewußtsein anzunehmen, dessen
Gedanken und Denkformen eben die Formen und Gesetze der Wirklichkeit
sein sollen, wobei die menschlich-subjektiven Bewußtseine meist als weniger
vollkommene Individuationen des allgemeinen Bewußtseins angenommen
werden." - Vgl. Bela Juhos in Viktor Kraft (Hrsg), Probleme der Wissenschaftstheorie, Wien
1960

315 Der Zweck der wissenschaftlichen Methode ist es, zu Aussagen zu


gelangen, die Gesetzeskraft haben.

316 An einem bestimmten Punkt hört jede Meßbarkeit auf.

317 Mit der angenommenen Diskrepanz zwischen den Denkformen und


den "Formen" der Wirklichkeit wird die wichtigste Voraussetzung der
herkömmlichen Auffassung bezüglich der Beziehungen zwischen Denkenund
Sein, bzw. Erkennbarkeit und Wirklichkeit aufgegeben.

318 Für unsere Sinnesorgane, ebenso wie für jedes Meßgerät, existiert eine
untere Grenze der Ansprechbarkeit unterhalb derer nichts mehr registriert
wird. Was keine Wirkung auf unsere Sinnesorgane ausübt, kann auch nicht
von uns erkannt werden.

319 Die Naturgesetze zeugen von der psychophysischen Beschaffenheit


unseres Erkenntnisapparates.

320 Alle Veränderung ist nur Verbindung und Trennung von Teilen.

321 Jede Definition setzt die


eingebildete Kongruenz von Wort undSache voraus.

322 "Die Abstraktion wurde zur Himmelsleiter, auf welcher der Philosoph
zur Gewißheit emporstieg." - Friedrich Albert Lange, Geschichte des Materialismus
Bd.1, Ffm 1974, Seite 59

323 Die Einzeldinge sind eigentlich gar nicht, sondern werden bloß.
DieErscheinungen fließen wesenlos dahin.

324 Jede Zusammenstellung des Wissens zu einen System hemmt den


ferneren Fortschritt.

325 "Das Allgemeine ist nichts als der Name." - Nominalismus aus dem Mittelalter in
Friedrich Albert Lange, Geschichte des Materialismus Bd.1, Ffm 1974, Seite 68
326 Die Tendenz, das Wesen unmittelbar aus den Wort abzuleiten, ist der
Grundpfeiler der aristotelischen Begriffslehre.

327 Die Täuschung liegt nicht in der Empfindung, sondern in


derWahrnehmung, im Urteil.

328 Einzeldinge sind nichtige Scheinwesen.

329 Schließen ist Rechnen und alles Rechnen läßt sich auf Addition und
Substraktion zurückzuführen. Wo nichts zu addieren oder subtrahieren ist,
hört das Denken auf.

330 Die Sprache drückt einen Wunsch nach Machbarkeit, Planung


undEntmystifizierung aus.

331 Die Einfachheit ist ein Kunstgriff.

332 Wir lösen sprachlich, was sachlich nicht gelöst werden kann und
möglicherweise nicht lösbar ist.

333 Werte sind keine Eigenschaften der Dinge.

334 Der menschliche Geist denkt alles Unbeständige beständig.

335 "Wo es Täuschung und Irrtum gibt, da beruth das


aufNichtübereinstimmung mit der Sache." - Nicolai Hartmann in Albert/Topitsch,
Werturteilsstreit, Darmstadt 1979, Seite 26

336 Das Ideal der Wissenschaftlichkeit

337 Objektive Normen sind mit der menschlichen Freiheit unvereinbar.

338 Systematisierungsfragen sind Zweckmäßigkeitsfragen.

339 Das Interesse des Wissenschaftlers determiniert die Auswahl seiner


Probleme.

340 Tatsachen und Wertungen sind so unentwirrbar miteinander


verschmolzen, daß man sie nicht mehr unterscheiden kann.

341 Werte von Tatsachen abspalten heißt, dem puren Sein


ein abstraktesSollen gegenüberstellen.

342 Jede Theoriebildung ist selektiv, da sie bestimmte Aspekte


derWirklichkeit hervorhebt, andere dagegen im Hintergrund läßt.

343 Das Gegenteil der Objektivität ist Geheimhaltung.

344 Fehlschluss von einer deskriptiven auf eine normative Aussage.


345 Logische Regeln gelten im Nichtnormativen.

346 Alle Erkenntnis durch Sinne und Erfahrung ist nichts als lauterSchein.

347 Axiom von der Begreiflichkeit der Welt.

348 Die Gegenstände der Natur können niemals genau


bestimmtenZahlen untergeordnet werden, da sie inkommensurabel sind.

349 Das transzendentale Problem liegt in


der Einheit von Sinnlichkeit undDenken.

350 Die Erscheinungen sind Produkte unseres Verstandes und


unsererSinnlichkeit.

351 Es gibt kein reines Denken und kein reines Empfinden.

352 Auch die rein formale Mathematik ist durch das Prinzip
derGeneralisation entstanden.

353 Das Denken ist aktiv, die Sinnlichkeit passiv.

354 Kraft und Stoff sind nicht erklärbar.

355 Urteil und Schlußfolgerung führen zuletzt immer ins Unendliche, während
wir ein Bedürfnis des Abschlusses empfinden.

356 "Man mag den Begriff der Materie und ihrer Kraft drehen und wenden wie
man will, immer stößt man auf ein letztes Unbegreifliches, wo nicht gar auf
etwas schlechthin Widersinniges, wie bei der Annahme von Kräften, die
durch den leeren Raum in die Ferne wirken. Es bleibt keine Hoffnung, dies
Problem je aufzulösen, das Hindernis ist eintranszendentes. Es beruth
darauf, daß wir uns schließlich nichts ohne alle Sinnesqualitäten vorstellen
können, während doch unser ganzesErkennen darauf ausgerichtet ist, die
Qualitäten in mathematische Verhältnisse aufzulösen." - Friedrich Albert Lange,
Geschichte des Materialismus, Bd.2, Ffm 1974, Seite 597

357 Unsere Erkenntnis erschließt uns nicht die Dinge an sich, sondern nur
ihr Verhältnis zu unseren Sinnen.

358 Der Widerspruch von Vielheit und Einheit ist dem


menschlichenDenken überhaupt eigen.

359 die "Logik der Tatsachen"

360 "Wer die Anschaulichkeit festhält, gerät auf den Prozess ad infinitum, wer
sie preisgibt, verläßt den sicheren Boden." - Friedrich Albert Lange, Geschichte des
Materialismus, Bd.2, Ffm 1974, Seite 658

361 Das Sehen findet nicht im Auge statt, sondern im Gehirn.


362 allergewöhnlichste Verwechslung von Wort und Begriff.

363 Für jede Vorstellung braucht es ein genügendes Band an Einheit.

364 Das Sehen selbst ist ein Schließen.

365 Es ist der Unterschied, der wahrgenommen wird, der Zuwachs wird
empfunden und an der Masse des bereits Vorhandenen gemessen.

366 Ohne das Idealbild der Welt, das wir in uns tragen, könnte es keinen
Pessimismus geben. Erst das Ideal macht die Welt schlecht.

367 Die Tyrannei des Nennens von Dingen.

368 "Die Methode aber, welche sowohl zur Erkenntnis als auch
zurBeherrschung der Natur leitet, verlangt nichts Geringeres, als eine
beständige Zertrümmerung der synthetischen Formen, unter denen uns
die Welt erscheint, zur Beseitigung alles Subjektiven." - F. A. Lange, Geschichte
des Materialismus, Bd.2, Ffm 1974, Seite 985

369 Alle Kategorisierungsschemata sind beliebig.

370 Tatsachen sind Begründungen oder Begriffe, aber keine Tatsachen.

371 "Der Satz A = A ist zwar die Grundlage allen Erkennens, aber selbst
keine Erkenntnis, sondern eine Tat des Geistes, ein Akt
ursprünglicherSynthesis, durch welchen als notwendiger Anfang
allen Denkens eineGleichheit oder ein Beharren gesetzt werden, die sich in
der Natur nur vergleichsweise und annähernd, niemals aber absolut und
vollkommen vorfinden. Der Satz A = A zeigt also auch gleich auf der
Schwelle der derLogik die Relativität und Idealität alles unseres Erkennens
an." - F. A. Lange, Geschichte des Materialismus, Bd.2, Ffm 1974, Seite 1010

372 Irrtum unangebrachter Gegenständlichkeit

373 In der quantitativen Methode werden sämtliche inkommensurable Größen


und qualitativen Unterschiede außer acht gelassen und auf einen einzigen
Koeffizienten reduziert: den der Zahl.

374 Tyrannei der willkürlichen Symbolsysteme

375 die Arithmomanie der abstrakten Berechnungen

376 Das Problem der Anwendung linearer "Entweder-oder-Logik"


aufnichtlineare Systeme.

377 Ordnung und Chaos sind nur zwei Seiten ein und derselben Medaille.

378 Paradoxa deuten lediglich daraufhin, daß die Grenze eines


bestimmten Symbolsystems erreicht ist.

379 Methodologisches Grundproblem


zwischen Werturteil undWirklichkeitsurteil.

380 Messungsmaßnahmen können miteinander unvereinbar sein.

381 "Tantum cognoscitur, quantum diligitur." (Wir erkennen nur soviel, wie
wir lieben.) - Augustinus

382 Die Zurückführung der Qualität auf Quantitäten ist das Hauptanliegen der
modernen Naturwissenschaft.

383 Die Unschärferelation Heisenbergs gibt die Grenze der Überprüfbarkeit


und der begründeten Anwendung der Kausalität.

384 "Der Begriff der Maschine ist so schwierig zu definieren, wie derjenige
eines lebendigen Organismus." - Marshall McLuhan, Das Ende des Buchzeitalters,
Düsseldorf/Wien 1968, Seite 211

385 "Das Prinzip des Übertragens nicht visueller Erscheinungen wie der
Bewegung und der Energie in visuellen Kategorien ist immer und überall das
eigentliche Prinzip des "angewandten" Wissens." - Marshall McLuhan, Das Ende
des Buchzeitalters, Düsseldorf/Wien 1968, Seite 212

386 Unsere Kenntnis der Mikro- und Makrostruktur des Universums beruth
auf immer feinerer Messung und nicht auf direkter Beobachtung.

387 Die an physikalischen Gegenständen wahrgenommenen Eigenschaften


sind von Zustand des Beobachters abhängig.

388 "Aus der Tatsache, daß die Dinge blau aussehen, wenn ich eine blaue
Brille trage, läßt sich nicht schließen, daß sie nicht blau sind, sondern es muß
gefolgert werden: zur Annahme, sie wären blau, besteht kein
Grund." - Bertrand Russell, Autobiographie Bd.3, Ffm 1977, Seite 190

389 "Savoir pour prevoir." Wissen, um vorherzusehen. Das ist


der Sinnaller Wissenschaft.

390 Der Zweck aller Begriffe ist Denkökonomie, Vorstellungsersparnis


durch Zusammenfassung gleicher Erfahrungen.

391 "Euklid ist ein wirklicher Despot, und die geometrischen Sätze, die er uns
überliefert hat, sind wahrhaft despotische Gesetze. Ihr legaler Despotismus
und der personale Despotismus ihres Gesetzgebers sind ein- und dasselbe,
nämlich die unwiderstehliche Macht der Evidenz." - Le Mercier de la Riviere:
L'Ordre Naturel of Essentiel de Societes Politiques, 1767, Buch I, Kap.24

392 Nur mathematischen Gesetzen muß ein Zwangscharakter zugemutet


werden. Auch für Gott muß ein Dreieck notwendigerweise drei Winkel haben.
393 Mathematische Gesetze können nur vermittels eines Trugschlusses auf
den politischen Bereich angewendet werden, indem man stillschweigend
voraussetzt, daß mathematische "Gesetze" dasselbe sind, wie Gesetze
einer sozialen Gemeinschaft.

394 In der Wissenschaft ist der Inhalt wesentlich an die Form gebunden.

395 Gemessen wird in Zeit und Raum.

396 Die naturwissenschaftliche Medizin erzielte umwälzende Fortschritte,


indem alle lebendigen Vorgänge auf exakte mechanische Erklärungen
zurückgeführt wurden.

397 Es zweierlei Arten von Gesetzen: Gesetze der Natur und Gesetze
des Rechts.

398 Der Wissenschaft ist es unmöglich, den letzten und


tiefsten Grundalles Seienden zu erklären.

399 Ohne Wechselbewegung gibt es keine Zeiten und ohne Form keinen
Wechsel.

400 Zeiten entstehen erst mit den geformten Dingen.

401 Nur was Anfang und Ende hat kann gemessen werden.

402 Der schlüssige Schluß beruth auf der Gewißheit der Prämissen.

403 "Es ist ein Verbrechen am Höchsten, am Heiligsten, wissenschaftlichzu


sein." - Friedrich Nietzsche in Colli / Montinari (Hrsg), KSA Bd6., München 1988, Seite 17

404 Mathematisierbarkeit gilt als Kodex wahrer Wissenschaftlichkeit.

405 Die Rechenhaftigkeit als Norm erfüllt am besten


daswissenschaftliche Ideal der Exaktheit.

406 vom Substanzbegriff zum Funktionsbegriff

407 Dem Logiker kommt es nicht auf das Einzelne an, sondern auf das in
der Abstraktion erfasste Allgemeine.

408 Schon bei Galilei findet sich der Satz, daß das "Buch der Natur"
inmathematischer Sprache verfasst ist und nur in mathematischer
Chiffreschrift zu lesen sei.

409 "Es ist das Ziel der Wissenschaft, Erfahrung so zu objektivieren, daß ihr
keinerlei geschichtliches Moment mehr anhaftet. Das leistet das
naturwissenschaftliche Experiment durch die Weise seiner methodischen
Veranstaltung." - H. G. Gadamer, Der Begriff der Erfahrung in Wiehl, Reiner (Hrsg),
Geschichte der Philosophie Bd.8; Stuttgart 1981, Seite 245

410 Durch die Abstraktion soll Objektivität verbürgt werden.

411 Das große Buch der Natur liegt aufgeschlagen vor uns. Um es lesen zu
können, bedürfen wir der Mathematik, denn es ist in mathematischer Sprache
geschrieben. Die Naturvorgänge sind quantitativ und damitmeßbar, wo das
nicht ohne weiteres der Fall, muß die Wissenschaft die Anordnung des
Experiments so treffen, daß sie meßbar gemacht werden.

412 Die dynamische Methode ist vor allem daran interessiert, was mit den
Dingen 'geschieht' und nicht so sehr, was sie kategorisch 'kennzeichnet'.

413 Die Psychoanalyse ist eine Unterscheidungsmethode, nichts anderes,


ein Stil der Weltbetrachtung und des Ordnens verschiedenenerTatsachen
und Gefühle.

414 Die Methode war Deutung der Bestandteile dieser Welt nach
irgendeiner harmonisierenden Vorstellung.

415 Betrachtung der Natur nach der quantitativen Methode.

416 Die Begriffe der naturgesetzlichen Weltbetrachtung sind allesamt von


der Fragestellung abhängig.

417 Die Wandlung der Denkformen, das "neue" Denken.

418 Im Bereich der Individualität läßt sich nichts durch tote undmechanische
Formeln ausdrücken.

419 Statt des Wortes "Gesetz" kann man auch "Formel" sagen.

420 Alle Dinge haben Realität nur in unserem Geiste.

421 Der Gegenstand der Naturwissenschaft ist allein das Physische.

422 "Wenn wir uns aber in Klaren bleibe, daß solche Formeln ganz einfach
ein praktisches, graphisches Mittel sind, um eine bestimmte Anschauung
auszudrücken, und wenn wir den geheiligten Namen derWissenschaft nicht
dazu mißbrauchen, unseren eigenen Kramanzupreisen, kann durch unser
Vorgehen kein Schaden entstehen." - Lin Yutang, Weisheit des lächelnden Lebens,
Stuttgart 1973, Seite 23

423 Seit Galileo und Newton heißt das Credo der modernen
Naturwissenschaften: beobachten, messen, berechnen.

424 Materie und Masse wurden als im Grunde identisch aufgefasst. In


ähnlicher Weise wurden Zeit und Raum miteinander verschmolzen.

425 Für den Physiker existiert nur das, was gemessen werden kann.
426 Die Belastung mit Qualitäten erschwert die methodische Aufgabe.

427 Es ist das alte Bestreben der Macht, die


bloße Tatsächlichkeit inDenknotwendigkeit zu verwandeln.

428 Bei allen Bemühungen das Psychische nach der Art der physischen
Vorgänge zu erklären, geht der eigentliche Gegenstand verloren.

429 Wir sprechen und denken in Gegenständen.

430 Die scheinbar einfache Unterscheidung von Werturteil


undTatsachenfeststellung zeigt, daß hier ein rational nicht lösbares Problem
vorliegt.

431 Die Denkgebilde der Abstraktion stehen unter den Bedingungen


einer gewollten Wirkung.

432 Mit dem Verstand stehen wir fassbaren Dingen gegenüber.

433 "Was wir als die veränderte Methode der Denkungsart annehmen (ist),
daß wir nämlich von den Dingen nur das a priori erkennen, was wir selbst in
sie legen." - Immanuel Kant, Kritik der reinen Vernunft, Stuttgart 1982, Seite 29

434 Unser Irrtum ist der der logischen Typisierung.

435 Die Abstraktionen der Kategorien sind Bilder. Wie aber sind Bilder
zuprüfen?

436 Die Zahl gehört in die Welt der Gestalt wie die Quantität in die Welt
des analogen Rechnens.

437 Wenn man die Zeit außer acht läßt, entstehen Paradoxien.

438 "Der befremdliche Physikalismus der Metaphern, die wir verwenden,


um geistige Phänomene zu beschreiben." - Gregory Bateson, Geist und Natur, Ffm
1987, Seite 263

439 Der Objektivist glaubt, daß alle Phänomene im Sinne


der Quantitätuntersucht und bewertet werden können und sollen.

440 Kepler und Galilei formulierten das Prinzip, daß die Gesetze
derNatur durch Messung zu entdecken sind.

441 Das zwanghafte Streben nach immer genauerer Quantifizierung der


Dinge.

442 Zu einer Messung braucht man ein Instrument, aber ein Elektron besitzt
so wenig Masse, daß jedes erdenkliche Meßinstrument, und sei es auch so
leicht wie ein Photon (Licht-Quantum), die Position des Elektrons bei jeden
Versuch einer Messung verändern würde.

443 Wir können den Gang der Natur nicht beobachten, ohne ihn zu
verändern. Beobachtung bedeutet einen Eingriff in das Beobachtete.
Beobachtung verändert die Wirklichkeit.

444 Kein Beobachtungssystem kann sich selbst beim Beobachten


beobachten.

445 Subjekt und Objekt, Energie und Materie, sind nur zwei Sichtweisenein-
und derselben Wirklichkeit.

446 Das Denken geht linear vor, die Wirklichkeit nicht.

447 Ein Ding entsteht, indem wir ihn Aufmerksamkeit zuwenden.

448 "Man kann zweierlei Kausalität in Ansehung dessen, was geschieht


denken, entweder nach der 'Natur' oder aus 'Freiheit'." - Immanuel Kant, Kritik der
reinen Vernunft, Stuttgart 1982, Seite 574

449 Die Wissenschaft ist eine Wahrnehmungsweise.

450 "Jedes 'Wie', jeder Weg, wohin sie auch führen mögen, führen vom 'Jetzt'
weg. Wo irgendein Weg dich hinführen kann, da bist du schon. Das Ziel und
der Weg sind eins." - Ken Wilber, Das Spektrum des Bewußtseins, Bern/München/Wien
1987, Seite 309

451 Das symbolische Denken ist unverzichtbar - vorausgesetzt, wir


verwechseln es nicht mit der Wirklichkeit.

452 Der Ichgedanke ist der Ursprung aller anderen Gedanken. Mit dem Ich-
Denken verschwinden auch alle anderen Gedanken.

453 "Verfolgen wir nun die Zusammensetzung der Teile jedesOrganismus, so


weit wir können, und stoßen doch nie auf ein ganz Einfaches und daher
Letztes, geschweige auf ein Unorganisches; verlieren wir uns endlich in die
Berechnung der Zweckmäßigkeit aller jener Teile desselben zum Bestande
des Ganzen." - Arthur Schopenhauer, Auswahl aus seinen Schriften, München 1962,
Seite 60

454 "Es gibt keinen Weg zum Hier und es gibt keinen Weg zum Jetzt." - Ken
Wilber, Das Spektrum des Bewußtseins, Bern/München/Wien 1987, Seite 308

455 Wir unterscheiden das, was Rechtens ist (quid juris) von dem, was
die Tatsachen angeht (quid facti).

456 "Die Einheit des Bewußtseins ist Bedingung aller Erkenntnis, unter der
jede Anschauung steht, um 'für mich' Objekt werden zu können, weil sich
ohne diese Einheit das Mannigfaltige sich nicht in einem Bewußtsein
vereinigen würde." - Vgl. Immanuel Kant, Kritik der reinen Vernunft, Stuttgart 1982, Seite
180

457 Die Kausalität der Erscheinungen beruth auf der Zeitbedingung.

458 "Materielle Dinge sind nichts anderes, als das Produkt unseresDenkens
und Teilens. Da alles Messen aber bloß Abstraktion ist, ist die Welt des
Messens und der Materie eine Welt der Illusion. Alles Maß ist Produkt des
Denkens aus praktischen Gründen." - Vgl. Ken Wilber, Das Spektrum des
Bewußtseins, Bern/München/Wien 1987, Seite 113

459 "Allein, das schlechthin dem reinen Verstande nach, Innerliche


derMaterie ist auch eine bloße Grille; denn diese ist überall
kein Gegenstandfür den reinen Verstand, das transzendentale Objekt aber,
welches der Grund dieser Erscheinung sein mag, die wir Materie nennen, ist
ein bloßes Etwas, wovon wir nicht einmal verstehen würden, was es sei,
wenn es uns auch jemand sagen könnte. Denn wir können nichts verstehen,
als was ein unsern Worten Korrespondierendes in der Anschauung mit sich
führet." - Immanuel Kant, Kritik der reinen Vernunft, Stuttgart 1982, Seite 361

460 "Wo der durchgängige Zusammenhang aller Erscheinungen, in einem


Kontext der Natur, ein unnachläßliches Gesetz ist, dieses Gesetz
alle Freiheit notwendig stürzen muß." - Vgl. Immanuel Kant, Kritik der reinen
Vernunft, Stuttgart 1982, Seite 578

461 "Und hier zeigt die zwar gemeine, aber betrügliche Voraussetzung der
'absoluten Realität' der Erscheinungen, sogleich ihren nachteiligen Einfluß,
die Vernunft zu verwirren. Denn, sind Erscheinungen Dinge an sich selbst, so
ist Freiheit nicht zu retten." - Immanuel Kant, Kritik der reinen Vernunft, Stuttgart 1982,
Seite 577

462 "Kausalität hat gar keine Bedeutung und kein Merkmal seines
Gebrauchs, als nur in der Sinnenwelt." - Immanuel Kant, Kritik der reinen Vernunft,
Stuttgart 1982, Seite 643

463 Der fehlerhafte Zirkel im Beweisen besteht darin, daß vorausgesetzt wird,
was eigentlich erst bewiesen werden soll.

464 Meßkunst und Philosophie sind zwei ganz verschiedene Dinge." -


Immanuel Kant, Kritik der reinen Vernunft, Stuttgart 1982, Seite 744

465 Für das Kausalitätsgesetz gibt es keine zwingende Notwendigkeit,


sondern bloß eine Brauchbarkeit im Laufe der Erfahrungen und entspringt
gewissermaßen der Denkgewohnheit.

466 Die Wissenschaft geht auf das, was 'ist', die Moral auf das, was sein
'soll'.

467 Die dogmatische Methode muß von der skeptischen Methode


unterschieden werden.
468 Basissätze sind willkürliche Festsetzungen durch Beschluß oder
Konvention.

469 die Methode der 'Ideen'.

470 Tatsachenfragen und Geltungsfragen.

471 "Von Induktionsproblem und vom Abgrenzungsproblem lassen sich fast


alle anderen Probleme der Erkenntnistheorie ableiten." - Karl Popper ohne
weitere Quelle

472 Die Wahl des Zweckes ist Sache des Entschlußes.

473 Es gibt keine logische Rechtfertigung für Verallgemeinerungen.

474 Die Wissenschaft lebt von der wiederholten Beobachtung.


Reproduzierbarkeit heißt ihre Zauberformel. Das wissenschaftliche
Experiment ist eine Reproduktionsanordnung.

475 Definitionen sind Dogmen.

476 An der Ableitung besteht ein praktisch-technisches Interesse.

477 Jede Darstellung verwendet allgemeine Zeichen und Universalien, jeder


Satz hat den Charakter einer Theorie, einer Hypothese.

478 Die unmittelbaren Erlebnisse sind nur 'einmal' unmittelbar gegeben. Sie
sind einmalig.

479 Der wichtige Unterschied zwischen einer Begründung und


einerBeschlußfassung.

480 Einer Verallgemeinerung messen wir Wahrscheinlichkeit bei.

481 Einfachheit kann zum Problem werden.

482 "Alle Messung beruth auf der Feststellung von 'Punktkoinzidenzen'.


'Punktkoinizidenzen' im strengen Sinn gibt es aber nicht. Zwei physische
'Punkte' etwa ein Punkt des Meßbandes und ein Punkt des gemessenen
Körpers können einander nur genähert werden, sie können aber
nichtkoinzidieren, d.h. in 'einem' Punkt zusammenfallen." - Karl R. Popper, Logik
der Forschung, Tübingen 1989, Seite 87f

483 Das Fressen kommt vor der Moral.

484 Für Popper steht die Nichtfalsifizierbarkeit von Verallgemeinerungen,


bzw. Wahrscheinlichkeitsaussagen außer Zweifel.

485 Das Kausalitätsprinzip kann mit den Naturgesetzen auf eine Stufe gestellt
werden.
486 Kausalität ist unmöglich, weil wir das beobachtete Objekt stören.

487 Verallgemeinerungen sind hypothetisch.

488 Verallgemeinernde Beweisführung ist unzulässig.

489 Naturgesetze sind aus Beobachtungssätzen nicht logisch ableitbar.


(Induktionsproblen)

490 Die Grundlage aller Induktionstheorien ist die Lehre vom Primat der
Wiederholungen.

491 In der Regel wird der Gedanke der Wiederholung mit dem
derWahrscheinlichkeit verknüpft.

492 Das wiederholte Auftreten einer Erscheinung berechtigt uns nicht zur
Annahme eine allgemeinen Gesetzes.

493 Die Heisenbergsche Unschärferelation besagt, daß die Genauigkeit


unserer Messungen unüberschreitbare Grenzen hat.

494 Wenn die Anfangssätze nicht bewiesen sind, sind es auch die
Schlußsätze nicht.

495 Definition ist Wesensdefinition und dient als solche als Beweisgrundlage,
als das Prinzip (arche) von dem der Beweis seinen Ausgang nimmt. Die
anarchistische Erkenntnistheorie lehnt dieses Prinzip als Wissensbasis ab.
Die Wirklichkeit ist ohne Prinzip, ist An-archie.

496 Die Welt des Bewußtseins besteht


aus Setzung, Entgegensetzungund Zusammenfassung.

497 Jede Wissenschaft bezieht sich auf


eine abgrenzbareGegenständlichkeit.

498 Die Erfahrung des Erlebens beschränkt sich auf das Einmalige.

499 "Das Verstehen hat immer ein Einzelnes zu seinem Gegenstand." -


Wilhelm Dilthey, Der Aufbau der geschichtlichen Welt in den Geisteswissenschaften, Ffm
1981, Seite 261

500 Das Problem einer Theorie des Wissens besteht in


seinerAllgemeingültigkeit.

501 Begriffe sind der Praxis des Lebens erwachsen.

502 Die Begriffe dienen dazu, Geltung und Brauchbarkeit im Denken zu


sichern.
503 Eine 'Beschreibung' wird nur zu gern mit einer 'Erklärung' verwechselt.

504 Das Motiv der Wissenschaft ist der Wunsch der Menschen
nachzuverlässigem Wissen. Die Theorien der Wissenschaft basieren
grundsätzlich auf 'objektiven' Daten. Darunter werden
'jederzeitreproduzierbare Feststellungen' verstanden. Nur objektive Daten
sind für die Wissenschaft von Interesse. Man nennt diese Daten häufig auch
'Tatsachen'.

505 Objektiv bedeutet lediglich, daß die Daten jederzeit reproduzierbar, d.h.
vom jeweiligen Subjekt unabhängig sind.

506 Methode = griech. methodos (nachgehen, verfolgen) der Weg zum Ziel

507 "In allen Sphären des Lebens und des Geistes reichen die ursprünglichen
Gegebenheiten, um durch Konstruktionen ersetzt zu werden. Diese
behaupten, objektive Wirklichkeit zu sein, und wenn sie esnicht sind, so sind
sie wenigstens ein Schritt auf dem Weg zu ihr." - William S. Haas, Westliches und
östliches Denken, Reinbek 1966, Seite 145

508 Nicht Lösungen bieten, sondern Probleme aufzeigen.

509 Die kausale Erklärung einer individuellen Tatsachen ist niemals möglich,
da schon eine Beschreibung selbst des kleinsten Ausschnittes
der Wirklichkeit niemals erschöpfend denkbar ist.

510 "Nur das 'Gesetzmäßige' konnte das wissenschaftlich Wesentliche an


den Erscheinungen sein, 'individuelle' Vorgänge konnten nur als 'Typen' d.h.
hier: als illustrative Repräsentanten der Gesetze, in Betracht kommen; ein
Interesse an ihnen um ihrer selbst willen schien 'kein
wissenschaftliches' Interesse zu sein." - Max Weber, Gesammelte Aufsätze zur
Wissenschaftslehre, Tübingen 1988, Seite 186

511 "Logische Ordnung der Begriffe einerseits und empirische Anordnung


des Begriffenen in Raum, Zeit und ursächlicher Verknüpfung andererseits
erscheinen dann so miteinander verkittet, daß die Versuchung,
der Wirklichkeit Gewalt anzutun, um die reale Konstruktion in der Wirklichkeit
zu erhärten, fast unwiderstehlich wird." - Max Weber, Gesammelte Aufsätze zur
Wissenschaftslehre, Tübingen 1988, Seite 204

512 "Das Licht, welches jene höchsten Wertideen spenden, fällt jeweilig auf
einen stets wechselnden endlichen Teil eines ungeheurenchaotischen
Stromes von Geschehnissen, der sich durch die Zeit dahinwälzt." - Max Weber,
Gesammelte Aufsätze zur Wissenschaftslehre, Tübingen 1988, Seite 213f

513 Die wissenschaftliche Erkenntnis ist mit dem Finden von Gesetzen
identisch.

514 das Problem der Tatsache.


515 Kategorien werden auf denkfremdes Material angewandt.

516 "Die Frage nach dem Gegenstand und dem Sinn von Gegenständlichkeit
kann nur dann sinnvoll gestellt und beantwortet werden, wenn eingesehen
ist, daß eine Theorie, die Gegenständlichkeitunter Absehung von der
Erkenntnisrelation analysieren will, gerade das, was sie thematisiert, aus der
Hand gibt. Gegenstand ist Sinn und nur als solcher theoretisch zu
durchleuchten, genauso wie 'Geltung' ein Sinn ist."- Werner Marx in Hans-Ludwig
Ollig, Materialien zur Neukantianismus-Diskussion, Darmstadt 1987, Seite 69

517 Ein Urteil über Tatsachen läßt sich von dem über Prinzipien nicht
trennen. Denn es gibt keine faktische Feststellung, die nicht bereits eine
prinzipielle Behauptung einschließt. Jedes Urteil über einen Einzelfallschließt
schon ein ganzes System der Physik ein. Es gibt
keineBeobachtung und Messung vor aller Theorie und unabhängig von
ihrenVoraussetzungen.

518 "Physikalische Gegenständlichkeit hat niemals etwas mit dem


naivenDingbegriff der sinnlichen Wahrnehmung zu tun. Masse, Kraft, Äther,
Atome, magnetisches, elektrisches Potential usw. haben keinen
unmittelbaren Zusammenhang zu einzelnen Dingen wie Tisch und Baum; sie
stellen vielmehr theoretische 'Setzungen und Konstruktionen' dar, darauf
gerichtet, das Wahrnehmbare in ein Meßbares und damit in einen
Gegenstand der Physik zu verwandeln; selbst die einfachste Messung stützt
sich auf theoretische Voraussetzungen, Prinzipien, Hypothesen, Axiome, die
wir als 'Postulate des Denkens' an die Welt herantragen." - Vgl. Ernst Cassirer in
Hans-Ludwig Ollig, Materialien zur Neukantianismus-Diskussion, Darmstadt 1987, Seite 268

519 Das erkenntnistheoretische Problem ist überall


dasselbe:Allgemeingültiges Wissen aus Erfahrung.

520 Wahrnehmungen sind synthetische Leistungen.

521 Aus strengen kausalen Aussagen wurden auf einmal


bloßeWahrscheinlichkeitsbehauptungen mit rein statistischer Bedeutung.

522 Die Messungsbedingungen der klassischen Physik setzen voraus,


daß Beobachter und Meßinstrument in die Struktur des Gegenstandes der
Messung nicht eingreifen.

523 "Immer aufs neue erhebt sich so die Aufgabe, in


der Identität einergegenständlichen Beziehung, d.h. in der Funktion das 'ist'
aufzuheben, was noch unvermittelt, gleichsam auf verschiedene Dimension
verteilt, gleichgültig oder in ungelösten Widerspruch, nebeneinander steht." -
Richard Hönigswald, Grundprobleme der Wissenschaftstheorie, Bonn 1965, Seite 72

524 'Anschauung' bedeutet nicht einen starren Bestand.

525 Das Gesetz der Sachlage ist das Prinzip der Gegenständlichkeit.
526 "Wenn die Beobachtung eine 'Störung' der Vorgänge bewirkt, die ihr
unterliegen, so entbehrt die Annahme objektiver, von aller
Beobachtungunabhängiger Vorgänge, jeder Grundlage." - Richard Hönigswald,
Grundprobleme der Wissenschaftstheorie, Bonn 1965, Seite 101

527 Die Annahme, daß Erscheinungen in strenger und exakt


bestimmbarer Gleichförmigkeit verlaufen, ist unbegründet.

528 "Begriffe sind die Elementarfaktoren der Erkenntnis; in ihnen spiegelt sich
eine bestimmte Problemlage; sie repräsentieren in relativ
knappersprachlicher Form ein Theorem." - Vgl. Richard Hönigswald, Grundprobleme
der Wissenschaftstheorie, Bonn 1965, Seite 218

529 "Kaum betont zu werden braucht, daß auch die Probleme der Biologie
und der Geschichte nicht biologische und historische Problemesind. Denn sie
betreffen die Frage des Gedankens derGegenständlichkeit insonderheit die
Grundlagen des Systems derWissenschaften. Daß Biologie und Historiker
selbst allen Anass haben mögen, sich mit ihnen zu beschäftigen, bedarf
kaum der Erwähnung; ebenso, daß sie sich dabei ihrer eigenen Kriterien zu
versichern haben. Unter welcher Flagge sie das tun, ist unerheblich. Der
Sache nach handelt es sich immer nur um eines: um die Gründe und Formen
der Differenzierung des Gegenstandsgedankens in den bezüglichen
Forschungsbereichen." - Richard Hönigswald, Grundprobleme der
Wissenschaftstheorie, Bonn 1965, Seite 253

530 Theorien dienen der Sicherung der Gegenständlichkeit der


gegenständlichen Identität des Wahrnehmungsbestandes.

531 Die bürgerlichen Maße Meter, Kilometer etc.

532 "Was ihr nicht faßt, das fehlt euch ganz und gar,
Was ihr nicht rechnet, glaubt ihr, sei nicht wahr.
Was ihr nicht wägt, hat für euch kein Gewicht;
Was ihr nicht münzt, das glaubt ihr, gelte nicht."
- Johann Wolfgang von Goethe in Konrad Lorenz, Das sogenannte Böse - Zur
Naturgeschichte der Aggression, München 1983, Seite 20

533 "Ist die Natur nur groß, weil sie zu zählen euch gibt?" - Friedrich Schiller in
Konrad Lorenz, Das sogenannte Böse - Zur Naturgeschichte der Aggression, München
1983, Seite 23

534 Der Begriff der Geschichte meint das 'einmalige' Geschehen.

535 "Die Wissenschaft denkt Naturobjekte nicht als Güter, sondern frei von
der Verknüpfung mit Werten." - Heinrich Rickert, Kulturwissenschaft und
Naturwissenschaft; Stuttgart 1986, Seite 36

536 "Man versuche nur einmal, die Wirklichkeit 'genau' zu 'beschreiben', d.h.
sie mit allen ihren Einzelheiten, 'so, wie sie ist', in Begriffeaufzunehmen, um
dadurch ein Abbild von ihr zu bekommen, und man wird wohl bald die
Sinnlosigkeit eines derartigen Unternehmens einsehen. Die empirische
Wirklichkeit nämlich erweist sich als eine für uns
'unübersehbare Mannigfaltigkeit', die immer größer zu werden scheint, je
mehr wir uns in sie vertiefen und sie in ihre Einzelheiten aufzulösen
beginnen, denn auch das 'kleinste' Stück enthält mehr, als irgendein
endlicher Mensch zu beschreiben vermag, ja, was er davon in seine Begriffe
und damit in seine Erkenntnis aufnehmen kann, ist geradezu verschwindend
gering gegen das, was er beiseite lassen muß."- Heinrich Rickert,
Kulturwissenschaft und Naturwissenschaft; Stuttgart 1986, Seite 49

537 "Hätten wir also die Wirklichkeit mit Begriffen 'abzubilden', so ständen wir
als Erkennende vor einer prinzipiell 'unlösbaren' Aufgabe, und so wird es
denn, wenn irgend etwas, das bisher geleistet ist, überhaupt den Anspruch
machen darf, Erkenntnis zu sein, auch für den immanenten Wahrheitsbegriff
wohl dabei bleiben müssen, daß Erkennen nicht Abbilden durch
Beschreibung der 'Phänomene', sondern 'Umbilden', und zwar, wie wir
hinzufügen können, in Vergleich zum Wirklichen selbst, immer 'Vereinfachen'
ist." - Heinrich Rickert, Kulturwissenschaft und Naturwissenschaft; Stuttgart 1986, Seite 50

538 "Denn auch wenn wir die Grenzen noch so nah aneinanderlegen, so
fließt doch immer die Wirklichkeit selbst mit ihrer kontinuierlichen und daher
unerschöpflichen Andersartigkeit zwischen ihnen unbegriffenhindurch. Wir
können also mit den Begriffen nur Brücken über den Strom
der Realität schlagen, mögen die einzelnen Brückenbogen noch so klein
sein. Daran wir 'keine' Wissenschaft vom realen Sein etwas ändern." - Heinrich
Rickert, Kulturwissenschaft und Naturwissenschaft; Stuttgart 1986, Seite 53

539 Die Wirklichkeit in ihrer Besonderheit und Individualität ist die Grenzefür
jede naturwissenschaftliche Begriffsbildung.

540 Das rein Quantitative ist unwirklich.

541 "Es bleibt also dabei: das Qualitative ist von dem Quantitativen durch
eine Kluft getrennt, über die auch die Psychophysik der Zukunft keine Brücke
schlagen wird. Der Rationalismus des siebzehnten Jahrhunderts mochte
glauben, daß jedem 'einfachen' und bloß 'ausgedehnten' Körpereine ebenso
einfache Sinnesempfindung 'parallel' zu setzen sei, und daß man daher
die Wirklichkeit more geometrico behandeln könne. Wir sollten heute endlich
gelernt haben, daß die rationalen 'Welten' erst Produkt
der generalisierenden Abstraktion sind, und daß sie deshalb zwar gewiß nicht
aufhören, theoretisch und praktisch wertvoll zu sein, aber niemals mit
individuellen Wirklichkeiten zusammenfallen. Der Schritt vom Homogenen ins
Heterogene, der uns vor eine prinzipiell
unerschöpfliche Mannigfaltigkeit führt, ist stets der Schritt vom Unwirklichen
zum Wirklichen, der auch mit dem vom Rationalen zumIrrationalen
zusammenfällt. Wir können nur den Schritt von der irrationalen Wirklichkeit zu
den rationalen Begriffen machen, indem wir das nicht Quantifizierbare
'weglassen', die 'Rückkehr' zur qualitativen individuellen Wirklichkeit ist uns
für immer versagt. Denn wir werden aus den Begriffen nie mehr 'herausholen'
als das, was wir in sie 'hineingetan'haben. Der 'Schein', als führe ein Komplex
von Allgemeinheiten zum Individuellen zurück, entsteht dadurch allein, daß
wir uns ein ideales Sein rein quantitativer Art aufbauen, in den jeder beliebige
'Punkt' beherrschbar ist, und daß wir dann diese begriffliche Welt mit der
individuellen Wirklichkeit 'verwechseln', in der es keine Punkte" gibt." - Heinrich
Rickert, Kulturwissenschaft und Naturwissenschaft; Stuttgart 1986, Seite 152f

542 Wir halten für Prinzipien der Dinge, was in Wahrheit


nur Bedingungder Erkenntnis ist.

543 "Das Gegebensein selbst bedeutet nur die vollständige Determination


des Gedachten; diese ist von Denken gefordert und durch Denken allein zu
vollziehen; und zwar gelangt man damit nie zum Abschluß, die Tatsache
bleibt also immer Problem; sie nicht das Gegebene, sondern vielmehr die
ewige Aufgabe der Wissenschaft. Diese Einsicht selbst - das Resultat
der Logik, als der reinen Wissenschaft von den Verfahrungsweisen des
wissenschaftlichen Verstandes - bezeichnet den höchsten Punkt, welchen
der bloße Intellekt erreicht; aber eben damit auch seine Grenze. Sie gibt dem
ganzen Bereiche seiner Erkenntnis die innere methodische Einheit und
ermöglicht seine zentraleOrganisation. Daher muß die Bildung des
Verstandes sich bis zu diesem Punkter erheben; diese Erhebung bedeutet
seine Selbstbefreiung, dasBewußtsein seiner Autonomie, das ihn zum Herrn
macht über sich selbst und die Natur." - Paul Natorp in Hans-Ludwig Ollig,
Materialien zur Neukantianismus-Diskussion, Darmstadt 1987, Seite 110f

544 Die Grundbeziehung alles wissenschaftlichen Denkens ist


dasVerhältnis des Allgemeinen zu Besonderen.

545 die Isolierungstendenzen der typisierenden Methode

546 "Subjektivität bedeutet das Verhältnis des Vorgestellten zum


Vorstellenden." - Paul Natorp in H.L. Ollig, Materialien zur Neukantianismus-Diskussion,
Darmstadt 1987, Seite 294

547 Es gibt für die Wissenschaft keine Anschauung, nur Konstruktion.

548 "Erfüllen sich die Bedingungen der Setzung, so erfüllen sich auch die
der Gegenständlichkeit. Die Art nun, wie Gesetztes jenen Bedingungen
genügt, heißt Begründung. Man könnte mithin an Stelle
derRechtfertigung füglich auch von 'Begründung' oder von
'Gegenständlichkeit' sprechen." - Richard Hönigswald in Hans-Ludwig Ollig,
Materialien zur Neukantianismus-Diskussion, Darmstadt 1987, Seite 356

549 Die Letztbegründung ist das klassische Prinzip des rationalen Denkens.

550 "Die Frage ist nicht von heute. Zu allen Zeiten schon war
dasEinzigartige ein Prüfstein für die Kräfte der Logik." - Richard Hönigswald in
Hans-Ludwig Ollig, Materialien zur Neukantianismus-Diskussion, Darmstadt 1987, Seite 363

551 Ockhams Rasiermesser: Man soll die wesentlichen Dinge nicht


unnötig vervielfachen.
552 Der Streit was Licht sei: Welle oder Korpuskel; Licht ist beides.

553 Die klassische Begründungsidee führt dazu, daß auch die politischen
Probleme 'more geometrico' behandelt werden.

554 "Rationalität ist stets eine Sache der Methode und damit
der Praxis."- Hans Albert, Kritische Vernunft und menschliche Praxis, Stuttgart 1984, Seite
78

555 "Die Schließung von Glaubenssystemen ist also nicht ein Gebot
derLogik oder irgendeiner anderen objektiven Instanz, sondern ein Diktat
des Willens und der Interessen und Bedürfnisse, die hinter ihm stehen; ihre
Offenheit ist eine Frage der Moral." - Hans Albert, Kritische Vernunft und menschliche
Praxis, Stuttgart 1984, Seite 88

556 Die naturwissenschaftliche Methode endet, wo das Gebiet


desindividuellen Lebens, des persönlichen Seins, der Willensfreiheit anfängt;
die ganze moralische Welt ist ihr verschlossen.

557 "Jede Systematik wirkt geradlinig, steht immer als eine einreihige Folge
da, schließt sich vielleicht einlinig zu einen Kreise. Die Sache aber ist fast nie
so. Während die Sache vieldimensional ist, ordnet man in jedem Augenblicke
eindimensional; während sie problematisch viele Zentren hat, ordnet man,
indem man vielleicht viele eindimensionale Reihen aus einem Zentrum
entwickelt; während die Sache konkret und unendlich ist, wird sie in
ordnender Formung abstrakt und endlich. Man hilft sich dadurch, daß man an
die einzelnen Glieder Nebenreihen, also weitere Dimensionen anlegt, daß
man mehrere Zentren zueinander in Beziehung setzt und aus jedem eine
Strahlenkugel von Reihen sich entfalten läßt. Aber man bleibt immer mehr
oder weniger an letzthinräumliche Schemata gebunden, während die Sache
vielleicht jedem noch so verwickelten System von Gliedern, Dimensionen,
Orten inkommensurabel ist. Unsere Ordnung ist eine Gewaltsamkeit und
dann vielleicht wieder ein Einschränken dieser Gewaltsamkeit." - Karl Jaspers,
Psychologie der Weltanschauungen, Berlin/Heidelberg/New York 1971, Seite 17

558 "Der Begriff gleicht einem toten Verhältnis, als welchem man nicht mehr
herausholen kann, als man anfangs hineingelegt hat, die Idee hingegen
entwickelt sich in dem, welcher sie erfaßt hat. "sie gleicht einem lebendigen,
sich entwickelnden, mit Zeugungskraft begabten Optimismus, welcher
hervorbringt, was nicht in ihm eingeschachtelt lag."- G. W. F. Hegel in Karl
Jaspers, Psychologie der Weltanschauungen, Berlin/Heidelberg/New York 1971, Seite 62

559 "Alle Denktechniken, wie sie zu schildern sind, sind nur ein Formales,
das Nachahmbare, Reproduzierbare. Was im einzelnen Fallder Inhalt, der
neue Inhalt wird, was überall das Schöpferische ist, das kommt nie durch die
Technik als solche, sondern in allen Fällen durch Intuition. Die Technik ist das
Medium, die Erfindung hat andere Quellen."- Karl Jaspers, Psychologie der
Weltanschauungen, Berlin/Heidelberg/New York 1971, Seite 81
560 Der Übergang hat im Logischen kein Recht.

561 "Das Vehikel der Forschung ist 'Mathematik'; und bloß soweit Mathematik
anwendbar ist, kann ein mechanisches Weltbild entstehen. Alles Qualitative,
eigentlich Anschauliche, alles, was an sich wesenhaft erscheint, wird aus der
Welt verdrängt. Die Natur wird entqualifiziert und damit entseelt. Sie wird in
'exakte Gesetzesbegriffe' gefaßt, damit 'berechenbar' und dadurch
'beherrschbar'. In diesem Weltbild allein heißt es: Wir erkennen alles nur so
weit, als wir es machen können. Die Natur wird ein Werkzeug des Geistes,
als Mechanismus ein Apparat, sie wird damit inhaltlich ganz abstrakt,
ganz allgemein. In diesem Weltbild sieht man nicht das, was
gewöhnlich Wirklichkeit heißt und Fülle hat, sondern eine
spezifische Unwirklichkeit, mit der, da sie eine Seite alles Wirklichen ist, sich
die allergrößten Wirkungen in dieser erzielen lassen. Dies Weltbild umfaßt
eben das, was an der Natur uns durch Berechnung ganz unterworfen ist, also
vor allem die Welt nach ihrer 'räumlichen' und 'zeitlichen' Seite." - Karl Jaspers,
Psychologie der Weltanschauungen, Berlin/Heidelberg/New York 1971, Seite 158f

562 "Die Frage, was ist Wirklichkeit, scheint so einfach. Wirklichkeit ist im
physikalischen Weltbild, was 'meßbar' ist; d.h. das Wirkliche ist in Raum und
Zeit und hat dadurch jedenfalls immer Seiten, die räumlich und zeitlich, d.i.
meßbar sind." - Karl Jaspers, Psychologie der Weltanschauungen, Berlin/Heidelberg/New
York 1971, Seite 186

563 Das Systematische ist das bloß Errechenbare.

564 Das wissenschaftliche Denken ist das objektive, das Denken, bei dem es
auf das Individuum nicht ankommt.

565 Die Kategorien geben Gegenständlichkeit, die Ideen nicht.

566 Alles in Zeit und Raum unterliegt der Idee des Mechanismus.

567 Jeder Beweis ist hypothetisch. "Theoreme ergeben sich unter


Zugrundelegung bestimmter Ableitungsregeln - immer nur aus bestimmten
Axiomen. Zwar müssen wir die Theoreme anerkennen, wenn wir
die Wahrheit der entsprechenden Axiome (und Ableitungsregeln)
akzeptieren. Aber nichts zwingt uns dazu." - Vittorio Hösle in Forum für Philosophie
Bad Homburg (Hrsg), Philosophie und Begründung, Ffm 1987, Seite 245

568 "Begründungen und Rechtfertigungen werden nicht 'festgestellt', sondern


'hergestellt'." - C. F. Gethmann in Forum für Philosophie Bad Homburg (Hrsg), Philosophie
und Begründung, Ffm 1987, Seite 269

569 Für den Skeptiker gibt es Grenzen des Begründbaren, für den Optimisten
nicht.

570 Der Fortschrittsbegriff ist eine Denkform.

571 Das Berechenbare und Quantitative ist das Hauptkriterium


allesTechnischen.

572 "Wissenschaft hat von Anfang an einen Doppelcharakter: sie ist


zweckmäßig zur Beherrschung der Natur und zur Beherrschung
desMenschen. Bevor die Wissenschaft zur exakten Naturwissenschaft wurde
und ihr Name noch Philosophie und Theologie war, bestand ihre 'Anwendung'
hauptsächlich darin, die Menschen besser zu beherrschen und nicht die
Natur." - Otto Ullrich, Technik und Herrschaft, Ffm 1979, Seite 68

573 Idealistische Prinzipien in der Form mathematischer Prinzipien spielen


eine zentrale Rolle bei der 'Entdeckung' der Naturgesetze.

574 "Alle Wissenschaft wäre überflüssig, wenn die Erscheinungsform und


das Wesen der Dinge unmittelbar zusammenfielen." - Karl Marx in Otto Ullrich,
Technik und Herrschaft, Ffm 1979, Seite 71

575 "Das Herrschaftswissen über die Natur geht aus von 'bereinigten',
isolierten Prozessen. Um einen komplexen Prozess, einen
zusammengesetzten 'Arbeitsprozess', der Natur für den Menschen, in
gleicher Weise zu beherrschen, bedarf es einmal einer großen Zahl
partikularer Gesetze, und zum anderen muß das Naturmaterial auch
genügend 'begradigt' sein, damit der synthetisierte Prozess auch 'wirklich'
berechenbar abläuft." - Otto Ullrich, Technik und Herrschaft, Ffm 1979, Seite 101

576 Typisch für die wissenschaftliche Vorgehensweise ist das Zerlegen


des nicht beherrschbaren Gesamtprozesses in isolierte, partikular
bestimmbare Einzelprozesse.

577 "Die Grundlagen unseres sozialen Systems und weit weniger erforscht
als der Staub des Mondes. Die Exkremente der Rennfahrerwerden genauer
analysiert, als der Angstschweiß kleiner Schulkinder." - H. Kreuch in Otto Ullrich,
Technik und Herrschaft, Ffm 1979, Seite 341

578 Nur bei der praktizierbaren Möglichkeit der Trennung von Sein undSollen,
von Information und Interesse kann Wissenschaft wertfreie Informationen
produzieren.

579 Die menschliche Arbeit wird methodisch nach


reinen Zeitmaßenquantifiziert.

580 Ein wichtiges methodologisches Prinzip ist die


beliebigeWiederholbarkeit eines gesetzeserzeugenden Experiments.

581 "Die grundlegende Geistestätigkeit ist das 'begriffliche Erfassen'." - Alfred


North Whitehead, Prozess und Realität, Cambridge 1929, Seite 82

582 Unsere geordnete Erfahrung ist das


Resultat schematisierterDenkformen wie Kausalität, Substanz, Qualität,
Quantität etc.
583 "Im Grunde beruht doch alle wissenschaftliche Beobachtung immer auf
der Voraussetzung, daß die direkt
beobachtete Unveränderlichkeitirgendeines Instruments für Sekunden,
Stunden, Monate oder Jahre anhält." - Alfred North Whitehead, Prozess und Realität,
Cambridge 1929, Seite 244

584 Nichts Allgemeines ist jemals wahr oder falsch.

585 "Das Maß ist eine Relation." - G. W. F. Hegel, Wissenschaft der Logik Bd.1, Ffm
1986, Seite 8

586 "Die Zahl ist ein unsinnlicher Gegenstand, und die Beschäftigung mit ihr
und ihren Verbindungen ein unsinnliches Geschäft." - G. W. F. Hegel,
Wissenschaft der Logik Bd.1, Ffm 1986, Seite 398

587 "Das Quantum, indem es als eine gleichgültige Grenze genommen wird,
ist die Seite, an der ein Dasein unverdächtig angegriffen und zugrunde
gerichtet wird. Es ist die 'List' des Begriffes, ein Dasein an dieser Seite zu
fassen, von der seine Qualität nicht ins Spiel zu kommen scheint." - G. W. F.
Hegel, Wissenschaft der Logik, Bd.1, Ffm 1986, Seite 398

588 die Grenzen der klassischen Begriffe "Materie", ""Kausalität",


"Substanz", "Zeit", "Raum" etc.

589 "Der experimentelle Dialog mit der Natur, den die


moderneWissenschaft entdeckte, beruht auf weniger
auf passiver Beobachtungals vielmehr auf 'praktischer Tätigkeit'. Es kommt
darauf an, die physikalische Realität zu manipulieren, sie derart zu
'inszenieren', daß sie so eng wie möglich einer theoretischen Beschreibung
entspricht. Das untersuchte Phänomen muß präpariert und isoliert werden,
bis es einer 'idealen Situation' nahekommt, die zwar physikalisch
unerreichbar sein mag, aber dem angenommenen begrifflichen Schema
entspricht." - Prigogine / Stengers, Dialog mit der Natur, München 1990, Seite 47

590 Die Objektivität einer Beschreibung wird gerade dadurch definiert, daß
jeder Bezug auf den Urheber fehlt.

591 Die klassische Idealisierung, die zu unserer isoliert


beschriebenenWelt führte, läßt sich bezüglich der mikroskopischen Welt nicht
mehr durchführen.

592 "Etwas mit Worten beschreiben, und das mit Augen Gesehene
sindirrationale Größen zueinander. Die Wahrnehmung ist nämlich ein
Kontinuum, die Beschreibung kann es nicht sein. Die Aufgabe, durch
Beschreibung den Gegenstand richtig darzustellen, kann nur auf
verschiedene, nie auf dieselbe Weise gelöst werden. Es ist darin immer eine
Verwandlung des Kontinuums, des konkreten Gegenstandes, in den
diskreten, in eine aus einzelnen Sätzen bestehende Beschreibung, worin
immer ein Urteil des Beschreibers mit enthalten ist, und notwendigeiniges
nicht beschrieben, übergangen, anderes zusammengezogen wird, weil sonst
die Beschreibung eine unendliche werden müßte. Es gleicht diese
Verwandlung eines Kontinuums der Verwandlung einer Fläche in einen
einzelnen Punkte." - E. F. D. Schleiermacher, Hermeneutik und Kritik, Ffm 1977, Seite
246

593 "Ordnung ist ganz sicher nicht eine Eigenschaft der Materie und muß ihr
von außen auferzwungen werden." - Paul Feyerabend, ohne weitere Quelle

594 "Begriffsdenken kann zu nichts mehr führen, als zumTotschlagversuch


gegen die lebendige Welt: Bei unseren Versuchen, die Welt zu betasten und
zu begreifen, haben wir sie entleibt und sie in die leeren Appartments unserer
Assoziationen und Allgemeinbegriffe hineinkomplinentiert." - Gustav Landauer,
ohne weitere Quelle

595 die anthropozentrische Verwertungslogik

596 'Daß' ein Stein fällt, ist 'alogisch'; 'wie' ein Stein fällt ist 'logisch'.

597 Aus der logischen Beurteilung nach Begriffen kann niemals eine
unmittelbare Folgerung auf das Gefühl der Lust oder Unlust gezogen
werden.

598 "Ich glaube nicht mehr, daß die Gesetze der Logik Gesetze sind, die 'das
Verhalten der Dinge selber' bestimmen - ich halte sie inzwischen für Gesetze,
die ausschließlich unsere Sprache betreffen." - Bertrand Russell, Eroberung des
Glücks, Ffm 1978, Seite 104

599 Das Wissen von einem Vorgang ist etwas anderes, als der Vorgang
selber.

600 "Die Rechtfertigung für unser Streben nach der


größtmöglichenVerallgemeinerung besteht also darin, die
'Zeitverschwendung' zu vermeiden, für bestimmte Spezialfälle
etwas beweisen zu müssen, was sich möglicherweise mit unbeschränkter
Allgemeinheit beweisen läßt." - Bertrand Russell, Eroberung des Glücks, Ffm 1978,
Seite 278

601 "Ganz allgemein gesagt ist der wissenschaftliche Fortschritt ein Produkt
der Analyse und der artifiziellen Isolierung bestimmter Elementegewesen." -
Bertrand Russell, Die Entwicklung meines Denkens; Ffm 1988, Seite 282

602 Schon der Begriff 'Beobachtung' enthält bei einem lebenden Wesen
Züge, die nicht physikalisch-objektiv definiert werden können.

603 "Denn alles Geistige, sei es in der Sprache, der Wissenschaft oder
der Kunst, beruht auf der Verwendung und auf der Kraft der Symbole." -
Werner Heisenberg, Ordnung der Wirklichkeit, München 1989, Seite 129

604 "Die Frage nach 'richtig' oder 'falsch' kann in aller Strenge zwar innerhalb
einer Idealisierung, aber nicht in der Beziehung zur Wirklichkeitgestellt und
entschieden werden." - Werner Heisenberg, Ordnung der Wirklichkeit, München 1989,
Seite 145

605 Die wichtige Fragestellung ist schon mehr als der halbe Weg zur Lösung
eines Problems.

606 In der klassischen Physik spielen nur beoabachtbare Größen eine Rolle.

607 Abstraktionen sind Formen verfestigter früherer Erfahrungen.

608 Die klassische Physik beruhte auf der Illusion, daß wir
die Weltbeschreiben können, ohne von uns selbst zu sprechen.

609 Was wir beobachten, ist nicht die Natur selbst, sondern die Natur, die
unserer Art der Fragestellung ausgesetzt ist.

610 "Nicht Individuen, sondern mehr oder weniger idealische Masken;


keine Wirklichkeit, sondern eine allegorische Allgemeinheit." - Friedrich
Nietzsche, Menschliches Allzumenschliches - Ein Buch für freie Geister, Frankfurt 1982,
Seite 159

611 Wir können niemals das Ganze wissen, sondern müssen auswählen.

612 "Die Phänomene, die als geschlossene Einheiten erscheinen, müssen in


ihrer Geschlossenheit respektiert werden und können nur um den Preis
der Vernichtung dessen, was untersucht werden sollte, analytisch in Teile
zerbrochen werden." - Perls/Hefferline /Goodmann, Gestalttherapie - Grundlagen,
München 1991, Seite 21

613 "Gefühle sind Mittel des Erkennens. Sie sind nicht etwa
Denkhindernisse." - Perls / Hefferline / Goodmann, Gestalttherapie - Grundlagen,
München 1991, Seite 205

614 Typen sind stets gedankliche Konstruktionen und als solche niemals voll
in der Wirklichkeit vorfindbar. In keinem Lebensbereich gibt es reine Typen.

615 Max Weber begreift das Problem der


sozialwissenschaftlichenObjektivität als Frage nach dem Verhältnis
zwischen Begriffsbildung undErfahrung. Wie können wir von den
Gegenständen unsererWahrnehmung Begriffe bilden und als gültig
ausweisen in Anbetracht der unendlichen Vielfältigkeit des real
Existierenden.

616 Subjektive Wertvorstellungen bilden die Basis für den begrifflichen


Rahmen.

617 Jede begriffliche Beschreibung der Wirklichkeit abstrahiert von


derMannigfaltigkeit der konkreten Eigenheiten.

618 Die Wirklichkeit selbst kann nicht auf


irgendein Begriffssystemzurückgeführt werden.

619 Die generalisierende Methode zielt auf Gesetzesaussagen ab und die


völlige Reduktion des Qualitativen auf das Quantitative. Einer
solchenWissenschaft liegt nichts an den Eigentümlichkeiten des Wirklichen.

620 Die klassischen Naturwissenschaften lösen das Problem des


'hiatusirrationalis' dadurch, daß sie von
der Besonderheit des Wirklichenabstrahieren.

621 Die abstrahierende Vorgehensweise korrespondiert einernomologischen


Auffassung von Natur.

622 "Individuell-historische Ereignisse lassen sich nicht


durch allgemeineGesetze erklären. Es gibt kein System nomologischer
Aussagen, wie präzise und vollständig auch immer, aus dem man irgendeine
Beschreibung eines individuellen Ereignisses ableiten kann. Aus diesen
Grunde kann unser auf individuelle Erscheinungen
gerichtetesErkenntnisinteresse nicht mit den Mitteln der
Naturwissenschaftbefriedigt werden. Nomothetisches und ideographisches
Erkenntnisinteresse sind voneinander unabhängig und stehen unvermittelt
nebeneinander: Das Gesetz und das Ereignis bleiben als letzte,
inkommensurable Größen unserer Weltvorstellung nebeneinander
bestehen." - Wilhelm Windelband in Guy Oakes, Die Grenzen kulturwissenschaftlicher
Begriffsbildung, Ffm 1990, Seite 54

623 Begriffe sind Gebilde zu Zweck der Erkenntnisgewinnung. Sie werden


gebildet, indem man sich auf besondere Eigenschaften in der Welt
physischer und psychischer Tatsachen bezieht.

624 Jede Erkenntnis besteht in Urteilen, jede Aussage, die einen


Erkenntnisanspruch erhebt, ist ein Urteil.

625 Die Naturwissenschaft ist an der 'Gültigkeit' ihrer Begriffe interessiert,


nicht an den individuellen Gestaltungen.

626 Die naturwissenschaftliche Erkenntnis erwächst nicht aus


einemlnteresse an der Wirklichkeit selbst, sondern entspringt unserem
Wunsch, allgemeine Gesetzmäßigkeiten aufzudecken, die für die Wirklichkeit
gültig sein sollen.

627 ".. jenen Sinn für Wahrheit, der im Grunde der Sinn für Sicherheit ist."-
Friedrich Nietzsche, Werke Bd.2, hrg. von Karl Schlechta, Ffm/Berlin/Wien 1984, Seite 31

628 "Der heutige, an der sprachwissenschaftlichen Philosophie geschulte


Leser muß oftmals viel Geduld aufbringen, will er überkommene, der
älteren Bewußtseinsphilosophie verhafteten Texte studieren." - Guy Oakes, Die
Grenzen kulturwissenschaftlicher Begriffsbildung, Ffm 1990, Seite 125

629 "Die Frage nach


der Objektivität der wissenschaftlichenBegriffsbildung hängt ausschließlich
von der 'Geltung der Werte' ab." - Heinrich Rickert in Guy Oakes, Die Grenzen
kulturwissenschaftlicher Begriffsbildung, Ffm 1990, Seite 130

630 "Es ist allererste Erfordernis wissenschaftlicher Denkweise, die Trennung


der Außenwelt von der Ideenwelt anzuerkennen und durchzuführen. Mit der
Annahme der Existenz einer selbständigen Außenwelt verknüpft die
Wissenschaft nun gleich die Frage nach derKausalität, d.h. nach
der Gesetzlichkeit im Weltgeschehen, als einem von
unseren Sinnesempfindungen ganz unabhängigen Begriff." - Vgl. Max Planck,
Vom Wesen der Willensfreiheit, Ffm 1990, Seite 99

631 "Eine Wissenschaft, die sich selber das Prädikat der Objektivitätprinzipiell
aberkennt, spricht damit ihr eigenes Urteil." - Max Planck, Vom Wesen der
Willensfreiheit, Ffm 1990, Seite 125

632 "Wir sind keine denkenden Frösche, keine Objektivier- und


Registrierapparate mit kaltgestellten Eingeweiden..." - Friedrich Nietzsche, Werke
Bd.2, hrg. von Karl Schlechta, Ffm/Berlin/Wien 1984, Seite 286

633 Allein schon der Umstand, daß die Versuchsperson davon Kenntnis hat,
daß sie beobachtet wird, kann zu einer verhängnisvollen Fehlerquelle
werden.

634 "Eine physikalische Messung ist reproduzierbar, wenn ihr Ergebnis nicht
von der Individualität des Menschen abhängt, auch nicht von Ort und der
Zeit der Messung oder sonstigen Begleitumständen. Das besagt aber, daß
das für das Messungsergebnis Entscheidende außerhalb des
Beobachters liegt." - Vgl. Max Planck, Vom Wesen der Willensfreiheit, Ffm 1990, Seite
182

635 "Denn genaugenommen gibt es überhaupt keine einzige physikalische


Frage, welche direkt, ohne Zuhilfenahme einer Theorie, durch Messungen
geprüft und eindeutig beantwortet werden kann. Jedes Messungsergebnis ist
ja zusammengesetzter Art, bei jeder Messung wirken stets mehrere
verschiedene physikalische Vorgänge zusammen, deren Zahl und
Mannigfaltigkeit mit der Feinheit der Messung sich insUnabsehbare steigert,
so daß stets eine Theorie herangezogen werden muß, um das Knäuel zu
entwirren und zu deuten." - Max Planck, Vom Wesen der Willensfreiheit, Ffm 1990,
Seite 201f

636 "Die Hoffnung, durch Messung einen einigermaßen direkten Einblick in


die Art der Gesetzlichkeit atomarer Vorgänge gewinnen zu können, rückt
immer weiter in die Ferne. Das rührt einfach daher, daß die zu
entscheidenden Fragen immer ferner werden und daß unsere
Meßinstrumente, die doch alle aus einer ungeheuren Anzahl von Atomen
bestehen, dieser Feinheit nicht mehr zu folgen vermögen. Es ist unmöglich,
das Innere eines Körpers zu sondieren, wenn die Sonde größer ist, als der
ganze Körper." - Max Planck, Vom Wesen der Willensfreiheit, Ffm 1990, Seite 207
637 "Nachdem es sich einmal herausgestellt hat, daß wir, um
dieMessungsergebnisse verstehen zu können, die anschaulichen
Voraussetzungen der klassischen Physik aufgeben müssen, bleibt für die
theoretische Forschung gar kein anderer Weg, übrig als zu
neuartigenabstrakten Begriffsbildungen zu schreiten. Dieser Zug zur
Entwicklung ist zwangsläufig, an ihm wird keine Macht der Welt etwas
ändern." - Max Planck, Vom Wesen der Willensfreiheit, Ffm 1990, Seite 208

638 "Die Worte liegen uns im Wege! - Überall, wo die Uralten ein Wort
hinstellten, da glaubten sie eine Entdeckung gemacht zu haben. Wie anders
stand es in Wahrheit! - sie hatten an ein Problem gerührt, und indem sie
wähnten, es 'gelöst' zu haben, hatten sie ein Hemmnis der Lösung
geschaffen. - Jetzt muß man bei jeder Erkenntnis über steinharte verewigte
Worte stolpern, und wird dabei eher ein Bein brechen, als ein Wort." - Friedrich
Nietzsche, Werke Bd.2, hrg. von Karl Schlechta, Ffm/Berlin/Wien 1984, Seite 45

639 "'Erkenne dich selbst!' ist die ganze Wissenschaft. Erst an Ende der
Erkenntnis aller Dinge wird der Mensch sich selber erkannt haben. Denn
die Dinge sind nur die Grenzen der Menschen." - Friedrich Nietzsche, Werke Bd.2,
hrg. von Karl Schlechta, Ffm/Berlin/Wien 1984, Seite 45

640 "Nie etwas zurückhalten oder dir verschweigen, was gegen deinen
Gedanken gedacht werden kann! Gelobe es dir! Es gehört zur
erstenRedlichkeit des Denkens. Du mußt jeden Tag auch deinen Feldzug
gegen dich selber führen. Ein Sieg und eine eroberte Schanze sind nicht
mehr deine Angelegenheit, sondern die der Wahrheit, - aber auch deine
Niederlage ist nicht mehr deine Angelegenheit." - Friedrich Nietzsche, Werke Bd.2,
hrg. von Karl Schlechta, Ffm/Berlin/Wien 1984, Seite 208

641 vom Unbestimmten auf zu Berechnendes

642 "Es gibt keine alleinwissendmachende Methode der Wissenschaft! Wir


müssen versuchsweise mit den Dingen verfahren, bald böse, bald gut gegen
sie sein und Gerechtigkeit, Leidenschaft und Kältenacheinander für sie
haben. Dieser redet mit den Dingen als Polizist, jener als Beichtvater, ein
Dritter als Wanderer und Neugieriger. Bald mit Sympathie, bald mit
Vergewaltigung wird man ihnen etwas abringen; einen führt Ehrfurcht vor
ihren Geheimnissen vorwärts und zur Einsicht, einen wiederum Indiskretion
und Schelmerei in der Erklärung von Geheimnissen." - Friedrich Nietzsche, Werke
Bd.2, hrg. von Karl Schlechta, Ffm/Berlin/Wien 1984, Seite 224

643 "... allein Recht haben wollen, wie es alle reine lo will." - Friedrich Nietzsche,
Werke Bd.2, hrg. von Karl Schlechta, Ffm/Berlin/Wien 1984, Seite 365

644 "Logik, d.h. Erzwingung der Zustimmung durch Gründe." - Friedrich


Nietzsche, Werke Bd.2, hrg. von Karl Schlechta, Ffm/Berlin/Wien 1984, Seite 488

645 Jede Wissenschaft führt Vielfalt auf Einheit zurück.

646 "Das Problem der Wissenschaft kann nicht auf dem Boden der
Wissenschaft erkannt werden." - Friedrich Nietzsche, KSA Bd.1, Colli / Montinari
(Hrsg), München 1988, Seite 13

647 "Alle Wissenschaft läßt das Dasein als begreiflich und


damitgerechtfertigt erscheinen." - Vgl. Friedrich Nietzsche, KSA Bd.1, Colli / Montinari
(Hg), München 1988, Seite 99

648 "... diese vermeinte Wirklichkeit ist nichts als ein phantastisch läppisches
Getändel." - Friedrich Nietzsche, KSA Bd.1, Colli / Montinari (Hrsg), München 1988, Seite
125

649 "Wir theilen die Dinge nach Geschlechtern ein, wir bezeichnen den Baum
als männlich, die Pflanze als weiblich: welche willkürlichen Übertragungen!" -
Friedrich Nietzsche, KSA Bd.1, Colli / Montinari (Hrsg), München 1988, Seite 878

650 "Ein Nervenreiz zuerst übertragen in ein Bild! erste Metapher." - Friedrich
Nietzsche, KSA Bd.1, Colli / Montinari (Hrsg), München 1988, Seite 879

651 "Der Bau der Begriffe ist nämlich eine Nachahmung der Zeit- Raumund
Zahlenverhältnisse auf dem Boden der Metaphern." - Friedrich Nietzsche, KSA
Bd.1, Colli / Montinari (Hrsg), München 1988, Seite 886

652 "Ideen sind nicht Erkenntnisbegriffe, sie fallen nicht in das Gebiet
dertheoretischen, sie gehören zum Bereich der praktischen Vernunft." - Alois
Riehl, Einführung in die Philosophie der Gegenwart, Leipzig/Berlin 1919, Seite 168

653 "Ideen sind Willensaufgaben und allein als Ziele des Schaffens
undHandelns müssen sie verstanden werden. Sie gelten, aber sie sind nicht.
Ideen sind Willensbegriffe, nicht Sachbegriffe." - Alois Riehl, Einführung in die
Philosophie der Gegenwart, Leipzig/Berlin 1919, Seite 166

654 "Ideen sind niemals Realitäten, noch können sie durch Realitäten
begründet werden. Ihre Bestimmung ist das Schaffen von Realitäten, die
noch nicht sind." - Alois Riehl, Einführung in die Philosophie der Gegenwart,
Leipzig/Berlin 1919, Seite 168

655 Es gibt kein Wissen von Gott, es gibt keine Möglichkeit, das
prinzipiell Jenseitige in diesseitigen Kategorien zu begreifen.
DieWissenschaft dagegen ist durch den auf das System angelegten Begriff
gekennzeichnet.

656 Der Zusammenhang zwischen Geist und Körper ist unbegreiflich; die
Gründe dieser Unbegreiflichkeit sind unwiderleglich.

657 Dasein ist nach Hume keine Idee. Wäre Dasein eine Idee, so würde
die Grenze aufgehoben sein zwischen Wirklichkeit und Erdichtung.

658 Die kritische Methode besteht in der


prinzipiellen Trennung derideellen Erkenntnisfaktoren von den empirischen.
659 Die Kardinalfrage der Erkenntnistheorie: was heißt objektiveWahrheit;
was ist Objektivität?

660 Begreifen heißt aus Gründen ableiten.

661 "Lambert kannte schon das Prinzip einer ökononischenWissenschaft.


Seine Definition lautete: Die wissenschaftliche Erkenntnisdient
dazu, Erfahrungen überflüssig zu machen, und folglich das, was wir noch erst
erfahren müßten, voraus zu bestimmen." - Vgl. Alois Riehl, Der philosophische
Kritizismus Bd.1, Leipzig 1924, Seite 224

662 Was wir uns in einem Verhältnis von Ursache und Wirkungverbunden
denken, denken wir uns als notwendig, verbunden. Die Wirkung, so glauben
wir, folgt nicht bloß auf die Ursache, sie erfolgt aus ihr, geht aus ihr hervor;
sie ist von der Ursache abhängig, so daß sie ohne eine solche nicht eintreten
konnte. Das Verhältnis der Kausalität ist ein Verhältnis notwendiger
Verknüpfung, und diese Notwendigkeit in der Beziehung von Ursache und
Wirkung ist das eigentliche Problem.

663 Empfindungen lassen sich nicht zu Empfindungen addieren, noch von


Empfindungen abziehen.

664 Die Zahlen sind die einfachsten und allgemeinsten Begriffe, die wir
haben, und der Unterschied der Zahlen, der zahlenmäßige Unterschied, ist
der klarste und bestimmteste, den wir kennen.

665 Jeder Zustand geht durch unwahrnehmbare Grade in den nächsten


über.

666 "Die Kausalität ist das Postulat der Begründung der Veränderung, das
Prinzip dieser Begründung - der Grundsatz der Identität." - Alois Riehl,
Philosophische Studien aus vier Jahrzehnten; Leipzig 1925, Seite 213

667 Um Grenzen zu untersuchen muß man sie überschreiten.

668 Die Forderung der Begreiflichkeit wird erfüllt durch die Identität der
Vorgänge.

669 Identität gibt es nur, wo von den konkreten Unterschieden in der Zeit
abgesehen wird.

670 "'Erklären' heißt, eine Erscheinung durch eine andere in Form einer
'Gleichung' ausdrücken. Die Möglichkeit einer solchen Gleichung
aufzustellen, setzt die 'Vergleichbarkeit' der Erscheinungen voraus. Wo eine
solche nicht stattfindet, kann das Urteil nur ein 'unbegriffenes'
Zusammentreffen der Phänomene aussprechen." - Alois Riehl, Philosophische
Studien aus vier Jahrzehnten; Leipzig 1925, Seite 122f

671 Es sollte nicht heißen: 'etwas' ist rot und blau, sondern 'mir' ist rot und
blau.
672 Jeder Begriff ist ein 'Problem'.

673 "Seit Kant den Dogmatismus zerbrach, ist die Frage nach derRealität der
Außenwelt das wichtigste ja das eigentliche Grundproblem der Philosophie.
Zwar ist der Empirismus mit der Entscheidung dieser Frage schnell zur Hand.
Ohne Untersuchung der Grundbegriffe der Erfahrung, weist er auf Dinge hin,
die gerade so seien, wie sie eben sind." - Alois Riehl, Philosophische Studien aus
vier Jahrzehnten; Leipzig 1925, Seite 6

674 "Denn das Experiment ist eine 'beabsichtigte' Beobachtung. Die Absicht
oder der wissenschaftliche Zweck derselben beruth auf dem Vorausdenken
des Erfolges." - Alois Riehl, Philosophische Studien aus vier Jahrzehnten; Leipzig 1925,
Seite 1f

675 "Stoff', 'Kraft', 'Ursache', 'Veränderung', 'Bewegung'. Wer


dieseBegriffe als selbstverständlich betrachtet, und es unternimmt aus ihnen,
gleich wissenschaftlichen Bausteinen, den Weltbegriff zu konstruieren,
verfährt zum mindesten voreilig, und setzt sich der Gefahr aus, von der 'Kritik
der Begriffe', dieser wissenschaftlichen Baupolizei, gezwungen werden, sein
ganzes Gebäude wieder abzutragen." - Alois Riehl, Philosophische Studien aus vier
Jahrzehnten; Leipzig 1925, Seite 3

676 Es gibt Gesinnungen und Werthaltungen ausstrahlende Gefühle,


denen Beständigkeit und Dauerhaftigkeit nicht abgesprochen werden
können.

677 In Anfang waren Gefühlskomplexe - nicht der Logos; das Angemutetsein,


nicht das Denken; das Diffuse - nicht das Gestalthafte; das zuständliche,
nicht das gegenständliche Erleben; das Erleben, nicht das Ich- und
Gegenstandsbewußtsein.

678 Die 'ideographische' Methode erforscht, in Gegensatz


zurnomothetischen, das Einmalige, Besondere, Unwiederholbare.

679 Abstrakte Begriffe werden unvermerkt zu real-existenten Wesen, wo nicht


scharf zwischen 'realer' und 'mentaler' Existenz unterschieden wird.

680 Wissenschaftlich werden nur solche Gegenstandsbestimmungen


anerkannt, die sich auf beobachtbare, kontrollierbare Tatsachen, auf
'greifbare Dinge' beziehen.

681 Die alten Fabelwesen Seele, Gesellschaft, Wille etc.

682 Das Physische und das Psychische sind zwei Seiten ein und desselben
Vorgangs. (Psychophysik)

683 Die allergewöhnlichste Verwechslung von Wort und Begriff.

684 Unsere Begriffe richten sich nicht nach den Gegenständen, sondern die
Gegenstände nach unseren Begriffen. Wir nehmen die Welt nichtwahr, wie
sie in Wirklichkeit ist, sondern wie sie aufgrund unsererBewußtseinsstruktur
erscheint.

685 Was erschlossen wird ist lediglich eine logische Größe.

686 Wir können Eigenschaften und Tätigkeiten nur schwer als für sich
bestehend denken, darum fassen wir sie auf, als würden sie den Dingen
innewohnen.

687 Eine Psychologie, die den Seelenbegriff vermeidet, führt notgedrungen


dieselbe Sache unter anderen Namen wieder ein.

688 Das seelische Leben ist in ständigem Fluß.

689 "Gegenstand und Denken sind eine unlösliche Relation." - Bruno Bauch in
Flach/Holzhey (Hg), Erkenntnistheorie und Logik im Neukantianismus, Hildesheim 1980,
Seite 558

690 Erkennen ist Bejahen oder Verneinen, d.h. Stellung nehmen.

691 Das Problem des Gegenstandes, bzw. der Gegenständlichkeit wird


gewöhnlich ignoriert.

692 "Unterordnung des Besonderen unter das Allgemeine ist also in allen
Fällen das Wesen des Beweisens." - Wilhelm Windelband in Flach/Holzhey (Hg),
Erkenntnistheorie und Logik im Neukantianismus, Hildesheim 1980, Seite 358

693 Wissenschaft ist nichts anderes, als ein Mittel zur Lösung praktischer
Probleme.

694 Wo Allgemeines als Gleichheit oder Ähnlichkeit vorliegt,


ist Kontrolleund Objektivität möglich, d.h. Unabhängigkeit des Ausgesagten
vom Aussagenden erreichbar.

695 Objektiv heißt eine Aussage, über die ein Konsens unter vielen
oderallen Menschen erreichbar ist.

696 Alle Definitionen haben eine 'Behauptung' wie eine 'Forderung' in sich. In
die 'questio facti' mischt sich die 'questio juris' mit ein. Der
Beschreibungsgedanke wird selbst zur Norm.

697 Das Problem der Setzung ist ein Problem der Rechtfertigung.

698 "So wenig es Größe schlechthin, außer als diese oder jene Größe 'gibt',
so wenig gibt es eine bestimmte Größe außer im Hinblick auf
einumfassendes Größensystem. Und auch das naturwissenschaftliche
Experiment lehrt, indem es überall auf bestimmte Größen und Zahlen
hinführt, nichts anderes, als daß die 'Erfahrung' gerade in ihrer 'Besonderheit'
doch zugleich durch und durch gesetzlich 'geregelt' ist." - Ernst Cassirer in
Flach/Holzhey (Hg), Erkenntnistheorie und Logik im Neukantianismus, Hildesheim 1980,
Seite 296

699 "Denn es gibt keine Beobachtung, ohne daß wir eine bestimmteFrage an
die Natur stellen; und keine solche Frage kann gestellt werden, ohne daß wir
in ihr einen möglichen Zusammenhang von Einzeldatengedanklich
antizipieren. Die 'Idee' ist somit nicht etwas, das nachträglich
zur Tatsache hinzutritt, sondern sie ist bereits in der bloßen Setzung und
Bestimmung des Faktums unverkürzt und in ihrer gesamten Funktion
enthalten." - Ernst Cassirer in Flach/Holzhey (Hg), Erkenntnistheorie und Logik im
Neukantianismus, Hildesheim 1980, Seite 306

700 "Der Objektgedanke selbst, wenn er in seiner Reinheit und universellen


Bedeutung erfaßt wird, gibt zugleich den besonderen Methoden sein
Material. Er konstituiert Kraft seiner logischen Valenz den 'Wert' genau so -
nur im Rahmen eines anderen Bezugssystems - wie er
die Wirklichkeit konstituiert; er beherrscht die Geschichte so gut wie die
Naturforschung und überbrückt auf diese Weise die spezifische Methoden
ohne sie aufzuheben." - Richard Hönigswald in Flach/Holzhey (Hg), Erkenntnistheorie
und Logik im Neukantianismus, Hildesheim 1980, Seite 290

701 Es gibt keine Ordnung in der Natur, Ordnung ist nur im


menschlichenVerstand.

702 "Die absolut denkfremde Materie ist beseitigt, sobald einmal erkannt und
anerkannt wird, daß die bloße Behauptung, daß es eine solche 'Materie gibt',
das Grundmoment des logischen, das Grundmoment desBegriffs und Urteils
in sich einschließt." - Ernst Cassirer in Flach/Holzhey (Hg), Erkenntnistheorie und Logik
im Neukantianismus, Hildesheim 1980, Seite 289

703 "Der Objektgedanke ist nicht der Gedanke von einem Ding, wenngleich
jedes 'Ding' durch ihn konstituiert wird. Er ist der Gedanke von
einer allgemeinsten Beziehung, der jede andere in einem ganz bestimmten
Umfang unterworfen ist. Es ist der Gedanke von einem formalen
Geltungsprinzip, das als höchste Bedingung jene Systeme vonBeziehungen
beherrscht, die man 'Wissenschaft' und 'Wirklichkeit' nennt. Denn beide
wollen objektiv sein und beide sind es nur Kraft jenes
formalen Geltungsprinzips." - Richard Hönigswald in Flach/Holzhey (Hg),
Erkenntnistheorie und Logik im Neukantianismus, Hildesheim 1980, Seite 288

704 "Die Erklärung, daß die Wahrheit einer Erkenntnis die Übereinstimmung
mit dem Gegenstande bedeutet, erweist sich als Zirkel: denn sie 'stellt'
die Frage erst, die sie zu lösen vorgibt. Der Begriff des 'Gegenstandes'
vermag uns keine befriedigende Antwort zu geben, da in ihm die 'Aufgabe'
nur in anderer Wendung, dem eigentlichen Gehalt nach aber völlig identisch,
wiederholt wird." - Ernst Cassirer in Flach/Holzhey (Hg), Erkenntnistheorie und Logik im
Neukantianismus, Hildesheim 1980, Seite 272

705 Die Logik des Gegenstandes


706 "Ich höre den Ton' und 'der Ton ertönt mir', dies sind nicht zwei
Tatsachen, sondern eine." - Paul Natorp in Flach/Holzhey (Hg), Erkenntnistheorie und
Logik im Neukantianismus, Hildesheim 1980, Seite 260

707 Keine Identität ist von vornherein gegeben, sondern muß


ersterzeugt werden.

708 "Die wahren Anfänge und Grundlagen der Erkenntnis sind


überallobjektive Einheiten." - Vgl. Paul Natorp in Flach/Holzhey (Hg), Erkenntnistheorie
und Logik im Neukantianismus, Hildesheim 1980, Seite 166

709 "Die Stufe der 'reinen' Subjektivität wäre identisch mit der Stufe der
absoluten Unbestimmtheit." - Paul Natorp in Flach/Holzhey (Hg), Erkenntnistheorie und
Logik im Neukantianismus, Hildesheim 1980, Seite 165

710 "'Gegebenes' gibt es nur im Sinne einer gestellten Aufgabe, nicht aber als
ein Datum der Erkenntnis. Das vermeintlich Erstgegebene ist eigentlich
vielmehr das Gesuchte." - Vgl. Paul Natorp in Flach/Holzhey (Hg), Erkenntnistheorie
und Logik im Neukantianismus, Hildesheim 1980, Seite 164

711 "Der Gegenstand bedeutet positiv das 'Gesetz'; er bedeutet die


beharrende Einheit, wozu die wechselnde Mannigfaltigkeit der
Erscheinung gedanklich geeint und festgestellt wird." - Paul Natorp in
Flach/Holzhey (Hrsg), Erkenntnistheorie und Logik im Neukantianismus, Hildesheim 1980,
Seite 153

712 Jede Veränderung bezieht sich auf die Einheit des Gegenstandes.

713 Alle Wirklichkeitsprobleme sind Probleme der Konstruktion.

714 "Die Kontinuität ist ein Denkgesetz." - Hermann Cohen in Flach/Holzhey (Hg),
Erkenntnistheorie und Logik im Neukantianismus, Hildesheim 1980, Seite 108

715 "Gegenstand wie Erkenntnis sind und bleiben Probleme der


Verbindung." - Hermann Cohen in Flach/Holzhey (Hg), Erkenntnistheorie und Logik im
Neukantianismus, Hildesheim 1980, Seite 115

716 "Die Gegenstandsform ist das logische Prinzip überhaupt.


DasMaterial als solches ist das Alogische. Die Kategorie ist deshalb das
logische Urphänomen." - Vgl. Werner Flach in Flach/Holzhey (Hg), Erkenntnistheorie
und Logik im Neukantianismus, Hildesheim 1980, Seite 50

717 "Der Konsensus des Kundigen als Kriterium der Wahrheit wird dann im
operationalen Behaviorismus auf den Konsensus a l l e r ausgedehnt. Damit
kommt zum Tierexperiment die Befragungsmethode, zur objektiven die
subjektive Erfahrung von J e d e r m a n n . Man kann ihn über schlechtweg
alles fragen: über Politik und Gesellschaft, Religionund Moral; kann ihn
fragen, was Wissenschaft sei und was man unterAggression verstehe, aus
welchen Gründen man sich scheiden lassen dürfe, ob man nicht schon
Sechzehnjährige zu allen Filmen zulassen solle usw. Herr und Frau
Jedermann wissen alles. Man muß sie nur nach den Spielregeln der Statistik
befragen. Und muß v i e l e von ihnen fragen, mindestens so viele, daß
man Signifikanzen errechnen kann. Da Jedermann seine Meinung nicht
immer in wünschenswerter Klarheit kundtun kann, formuliert man die Fragen
so, daß er nur mit j a oder n e i n oder u n e n t s c h i e d e n zu antworten
braucht. Oder man liegt ihm Sentenzen, deren Behauptung er anerkennen
oder ablehnen kann, oder ein Polaritätsprofil vor auf dem er nur anzugeben
braucht, ob der erfragte Gegenstand mehr den einen oder dem anderen Pol
zuzuordnen sei. - - - Die Befragungsmethode zusammen mit der Statistik hat
heutzutage in der Psychologie ihren festen Platz. Mit ihr setzt sich in der
Wissenschaft das demokratische Prinzip oder das G e s e t z d e r g r o ß e n
Z a h l durch. Die Frage ist, ob man die so ermittelten Ergebnisse als
reine I s t w e r t e über Urteilsverteilungen und Textbestände anzusehen
habe oder ob sie auch S o l l e n s w e r t e sind, das heißt, ob die statistisch
häufigste Meinung auch die gültige sein kann." - Ludwig J. Pongratz,
Problemgeschichte der Psychologie, Bern/München 1984, Seite 320f

718 Hermann Cohen vertrat die prinzipientheoretische These,


daßDenken Sein erzeugt.

719 Das Problem der Objektivität ist das Problem der objektiven,
bzw.allgemeinen 'Gültigkeit' des Wissens.

720 Jede Erkenntnis ist gegenstandslogische Erkenntnis.

721 Der Erkenntnisprozess ist unabschließbar. Zu erkennen ist eine


unendliche Aufgabe.

722 Die Wissenschaft soll nur beobachten, aber nicht Normen setzen.

723 "Die Grundidee des ökonomischen Liberalismus ist es, etwas


'Wirtschaftliches' im politischen Leben zu isolieren und dieses Wirtschaftliche
in einem 'gesellschaftlichen' Wertmesser zu messen." -Gunnar Myrdal, Das
politische Element in der nationalökonomischen Doktrinbildung, Berlin 1932, Seite 212

724 Die Fallkurve eines aus den Fenster geworfenen Blattes ist kaum im
Voraus zu konstruieren.

725 Aus der logischen Maschine bekommt man schwerlich mehr heraus, als
man hineigesteckt hat.

726 "Die Forschung leidet oft unter gar zu viel Originalität


inPrinzipienfragen." - Gunnar Myrdal, Das politische Element in der
nationalökonomischen Doktrinbildung, Berlin 1932, Seite 219

727 Die Methode, Problemlösungen durch Definitionen zu ersetzen, ist kein


besonders fruchtbares Verfahren.

728 Bei Definitionsfragen handelt es sich um Fragen der Zweckmäßigkeitund


nicht der Wahrheit.
729 Der 'ökonomische' Problemkreis fristet ein eigenartiges Zwischendasein
zwischen der 'technischen' und der 'ethischen' Problematik.

730 "Die einheitliche Struktur wissenschaftlicher Erkenntnisse wird gewonnen


und abgesichert durch die Techniken des kontrollierten Experiments,
der Mathematisierung von Erfahrung und der Formulierung
von Gesetzmaßigkeiten". - Vgl. Joseph Needham, Wissenschaftlicher Universalismus,
Ffm 1979, Seite 9

731 "Früher habe ich einmal gesagt, die Wissenschaft sei mit einem scharfen
Messer zu vergleichen. Alle Dinge, die mit ihn in Berührung können, werden
der Klinge entlang aufgeschnitten. Auch diegeheimnisvollsten Dinge
wie Leben, Geist, Gefühl und Wille können sich so der Sektion nicht
entziehen." - Chan Tung-sun in Joseph Needham, Wissenschaftlicher Universalismus, Ffm
1979, Seite 48

732 "Natürlich war Geometrie ein wesentlicher Stützpfeiler der


modernenWissenschaft, doch sie hatte den negativen Effekt, zu schnell
denGlauben an alle möglichen abstrakten, zeitlosen axiomatischen Gesetze
zu stärken, die angeblich selbstevident sein sollten, und sie führte weiter zu
einer großen Bereitschaft, strenge logische und theologische Formulierungen
zu akzeptieren. Als diese mit der Autorität ausgestattet wurden, die der
lateinische Klerus von den römischen Rechtsgelehrten geerbt hatte, war nach
dem Machtanstieg, der Kaufmannsklasse, die Explosion der Reformation
unvermeidlich; der Westen leidet noch immer unter den Schlagwörtern jener
Zeit. China war dagegen algebraisch und 'babylonisch', nicht geometrisch
und 'griechisch'. Gegensätze galten daher eher als praktisch und
approximativ denn als theoretisch und absolut, niemand fühlte sich zur
Formulierung zeitloser axiomatischer Gesetzmäßigkeiten verpflichtet. Hieraus
wohl rührten die ethischen Vorstellungen, die man als empirisch, historisch
und 'statistisch' bezeichnen kann, die wenig ideologische Fanatik kannten
und keinerlei Verfolgung der Religion um ihrer selbst willen." - Joseph Needham,
Wissenschaftlicher Universalismus, Ffm 1979, Seite 248f

733 Alles Wissen beruth auf Beobachtungen, diese setzenGleichförmigkeit


des Wirklichen voraus, da jedes Experiment nur einebegrenzte Zeitspanne
dauert. So beruth alle Erkenntnis vorwiegend auf einen Glauben an die
Wirklichkeit der Zeit.

734 Die wissenschaftliche Kausalität ist ethisch neutral.

735 "Gesetze sind wenn-dann-Beziehungen, keine weil-Beziehungen." - Edgar


Zilsel, Die sozialen Ursprünge der neuzeitlichen Wissenschaft, Ffm 1976, Seite 11

736 "Die modernen Wissenschaftler, die die substantiellen


Formenokkulter Qualitäten fortlassen, haben die Phänomene
der Natur durchmathematische Gesetze zu erklären unternommen." - Isaac
Newton in Edgar Zilsel, Die sozialen Ursprünge der neuzeitlichen Wissenschaft, Ffm 1976,
Seite 92
737 Experiment und >mathematische Analyse als die beiden Stützpfeiler
moderner Wissenschaft.

738 Bloße Beobachtung ist passiv und bedeutet 'warten und sehen'. Das
Experiment dagegen ist eine aktive Forschungsmethode.

739 Die kausale Erklärung wurde zum Hauptziel der


Experimentalwissenschaft.

740 Die Ursache ist der Vorläufer des Gesetzes.

741 Die Gültigkeit von Makrogesetzen wird durch die Quantenmechanik nicht
berührt.

742 das übliche Durcheinander von Logik und Wahrnehmung.

743 Wie Locke war Demokrit davon überzeugt, daß etwa Wärme, Geschmack
und Farbe nicht tatsächliche Eigenschaften eines Objekts sind, sondern daß
unsere Sinnesorgane dafür verantwortlich sind. Eigenschaften wie Gewicht,
Dichte und Härte hingegen sollten immer noch den Objekten selbst
innewohnen.

744 "Die Geometrie beschäftigt sich mit exakten Kreisen; kein


sinnlichwahrnehmbares Objekt ist jedoch vollkommen kreisförmig; auch wenn
wir unseren Zirkel noch so sorgfältig benützen, es werden sich doch stets
einige Unvollkommenheiten und Unregelmäßiakeiten ergeben. Daraus darf
man schließen, daß alles streng logische Denken nur auf idealeObjekte im
Gegensatz zu sinnlich wahrnehmbaren Objekten anwendbar ist." - Bertrand
Russell, Philosophie des Abendlandes, Wien/Zürich 1988, Seite 58

745 "Logische Gegensätze sind zu unserer Bequemlichkeit erfunden


worden." - Bertrand Russell, Philosophie des Abendlandes, Wien/Zürich 1988, Seite 179

746 "Den Wissenschaftler kennzeichnet nicht, 'was' er glaubt, sondern'wie'


und 'warum' er es glaubt." - Bertrand Russell, Philosophie des Abendlandes,
Wien/Zürich 1988, Seite 537

747 Die logische Systematisierung der wissenschaftlichen Arbeitsweise wird


durch Generalisierung bewerkstelligt.

748 Jede Methode ist ein Ordnungsprinzip.

749 Die bloße Anhäufung von Tatsachen ist verwirrend.

750 Es sind im Grunde nur Wörter, die für Erkenntnisse von


der Weltausgegeben werden.

751 "Das Wesen, das wir erkennen können, ist ein Wort und nichts anderes,
als die Definition eines allgemeinen Gattungsbegriffs." - Bertrand Russell,
Philosophie des Abendlandes, Wien/Zürich 1988, Seite 621

752 'Notwendigkeit' ist etwas,das im Geist besteht und nicht in


denGegenständen.

753 "Wir nehmen lediglich das erste und letzte Glied dieses Prozesses,
das Wollen und die Bewegung wahr, und wenn wir meinen, einen
direkten Kausalzusammenhang zwischen ihnen feststellen zu können, dann
irren wir uns." - Bertrand Russell, Philosophie des Abendlandes, Wien/Zürich 1988, Seite
679

754 Ohne Induktion wäre keine Wissenschaft möglich. Die Induktion ist
jedoch unabhängiges logisches Prinzip, das sich weder aus derErfahrung,
noch aus anderen logischen Prinzipien folgern läßt.

755 "Die Abstraktion als ausschließendes Interesse bewirkt eo


ipsoVerallgemeinerung." - Edmund Husserl, Logische Untersuchungen Bd. 2, Teil 1,
Tübingen 1980, Seite 151

756 "Das bloße Dasein eines Inhalts im psychischen Zusammenhang ist


nichts weniger als dessen Gemeintsein." - Edmund Husserl, Logische
Untersuchungen Bd. 2, Teil1, Tübingen 1980, Seite 165

757 "Das bloße Erlebtsein eines Inhalts als dessen Vorgestelltsein zu


definieren, und in Übertragung alle erlebten Inhalte überhaupt Vorstellung zu
nennen, das ist eine der schlauestenBegriffsverfälschungen, welche
die Philosophie kennt." - Edmund Husserl, Logische Untersuchungen Bd. 2, Teil 1,
Tübingen 1980, Seite 165

758 "Was 'Bedeutung' ist, läßt sich nicht weiter definieren, es ist ein
deskriptiv Letztes." - Edmund Husserl, Logische Untersuchungen Bd. 2, Teil 1, Tübingen
1980, Seite 183

759 "Was wir nicht denken können, kann nicht sein, was nicht sein kann,
können wir nicht denken." - Edmund Husserl, Logische Untersuchungen Bd. 2, Teil 1,
Tübingen 1980, Seite 239

760 In der logischen Definition soll dem Schwanken der


Wortbedeutungeine Grenze gesetzt werden.

761 Gerade hinter dem 'Selbstverständlichen' verbergen sich die


schwierigsten Probleme.

762 In der gesamten griechischen Philosophie galt offen bis latent das Axiom:
Die Sprache spiegelt die Welt, die selber logosartig ist.

763 "In der Sprache wird das Reale negiert und das Symbolische gestiftet." -
Vgl. Bernhard Taureck, Psychoanalyse und Philosophie - Lacan in der Diskussion, Ffm 1992,
Seite 41
764 "Lacan verkündet das Ende der Repräsentation:
Die Spracherepräsentiert nicht, sie existiert als Körper, als Geste oder
alsSchweigen." - Vgl. Bernhard Taureck, Psychoanalyse und Philosophie - Lacan in der
Diskussion, Ffm 1992, Seite 63

765 Was wir für Prinzipien der Dinge selbst halten, ist in Wahrheit
nurBedingung der Erkenntnis.

766 Es gibt keine Bedeutung, die nicht notwendig auf eine andere Bedeutung
verweist.

767 Die Erforschung der Wahrheit ist das oberste Erkenntnisziel


allerWissenschaften.

768 Die Psychologie betrachtet das Denken wie es ist, die Logik wie es
sein soll.

769 "Keine Wahrheit ist eine Tatsache, d.i. ein zeitlich Bestimmtes." - Edmund
Husserl, Logische Untersuchungen Bd. 2, Teil 1, Tübingen 1980, Seite 76

770 "Jede Tatsache ist individuell, also zeitlich bestimmt." - Edmund Husserl,
Logische Untersuchungen Bd. 2, Teil 1, Tübingen 1980, Seite 119

771 Der fundamentalste Unterschied ist der zwischen 'Realem' und 'Idealem'.

772 "Wissenschaftliche Erkenntnis ist als solche Erkenntnis aus demGrunde,


also Erklärung oder Begründung." - Edmund Husserl, Logische Untersuchungen Bd.
2, Teil 1, Tübingen 1980, Seite 231

773 "Wesentliche Einheit der Wahrheiten einer Wissenschaft ist die Einheit
der Erklärung." - Edmund Husserl, Logische Untersuchungen Bd. 2, Teil 1, Tübingen
1980, Seite 233

774 Nomologische Wissenschaften besitzen im Gesetz das einigende Prinzip


und wesentliche Forschungsziel.

775 Die Verworrenheit der Begriffe war von jeher Hemmnis für
einenErkenntnisfortschritt.

776 "Es ergibt sich aber, daß ein 'isoliertes' Ding genaugenommen nicht
existiert. Nur die vorzugsweise Berücksichtigung, auffallender, stärkerer
Abhängigkeiten und die Nichtbeachtung weniger merklicher, schwächerer
Abhängigkeiten erlaubt uns bei einer ersten vorläufigen Untersuchung
die Fiktion isolierter Dinge. Auf demselben graduellenUnterschiede der
Abhängigkeiten beruth auch der Gegensatz der Weltund des Ich. Ein
'isoliertes' Ich gibt es ebensowenig, als ein isoliertes Ding. 'Ding' und 'Ich' sind
provisorische Fiktionen gleicher Art." - Ernst Mach, Erkenntnis und Irrtum, Darmstadt
1991, Seite 15

777 "Die Naturforschung hat Ähnlichkeit mit der Entwirrung kompliziert


verschlungener Fäden, wobei der glückliche Zufall fast ebenso wichtig ist, als
Geschicklichkeit und scharfe Beobachtung. Die Arbeit des Forschers ist
ebenso aufregend, wie für den Jäger die Verfolgung eines wenig bekannten
Wildes unter störenden Umständen." - Ernst Mach, Erkenntnis und Irrtum, Darmstadt
1991, Seite 17

778 "Das Denken beschäftigt sich nicht mit den Dingen, wie sie an sich sind,
sondern mit unseren Gedankenvorstellungen (Begriffen) von denselben." -
Ernst Mach, Erkenntnis und Irrtum, Darmstadt 1991, Seite 142

779 "Die Anpassung der Gedanken an die Tat bezeichnen wir


alsBeobachtung, die Anpassung der Gedanken aneinander aber
alsTheorie." - Ernst Mach, Erkenntnis und Irrtum, Darmstadt 1991, Seite 164

780 "Jede Zersplitterung der Aufmerksankeit, jede Belastung des durch


zu Vielerlei, wird unangenehm empfunden, auch wenn
keineWidersprüche mehr vorhanden sind. ...
Das Ökonomisieren,Harmonisieren, Organisieren der Gedanken, welches wir
als einbiologisches Bedürfnis fühlen, geht weit über die Forderung
derlogischen Widerspruchslosigkeit hinaus." - Ernst Mach, Erkenntnis und Irrtum,
Darmstadt 1991, Seite 176

781 unvergleichbar wie etwa 'rot' und 'grün'.

782 "Jede physikalische Anwendung der Mathematik beruth auf der


Beachtung der Analogie zwischen Naturtatsachen undRechenoperationen." -
Ernst Mach, Erkenntnis und Irrtum, Darmstadt 1991, Seite 222

783 "Wenn ein Objekt der Betrachtung M die Merkmale a, b, c aufweist und
ein anderes Objekt N mit ersteren in den Merkmalen a, b, cübereinstimmt, so
ist man sehr geneigt, zu erwarten, daß das letztere auch die Merkmale d, e
aufweisen, mit M auch in diesen übereinstimmen werde. Diese Erwartung
ist logisch nicht berechtigt." - Ernst Mach, Erkenntnis und Irrtum, Darmstadt 1991, Seite
225

784 "Schlüsse nach Ähnlichkeit und Analogie sind genau genommen kein
Gegenstand der Logik, wenigstens nicht der formalen Logik, sondern nur
der Psychologie." - Ernst Mach, Erkenntnis und Irrtum, Darmstadt 1991, Seite 225

785 "Außer den Elementen, welche zur Darstellung der Tatsachen, aus der
eine Hypothese geschöpft ist, unerläßlich sind, enthält dieselbe immer, oder
doch gewöhnlich noch andere, die zu dieser Darstellung 'nicht notwendig'
sind. Denn die Hypothese wird nach einer Analogiegebildet,
deren Ähnlichkeits- und Differenzpunkte unvollständig bekannt sind, da ja
sonst nichts mehr daran zu erforschen wäre." - Ernst Mach, Erkenntnis und Irrtum,
Darmstadt 1991, Seite 245

786 "Ursache nennen wir ein Ereignis, an welches ein anderes (die Wirkung)
unabänderlich gebunden ist. Freilich zeigt sich, daß dieses Verhältnis meist
sehr oberflächlich und unvollständig aufgefaßt wird. Gewöhnlich werden nur
zwei besonders auffallende Bestandteile eines Vorganges als Ursache und
Wirkung aufgefaßt. Die genauere Analyse eines solchen Vorganges zeigt
aber dann fast immer, daß die sogenannte Ursache nur ein Komplement
eines ganzen Komplexes vonUmständen ist, welcher die sogenannte
Wirkung bestimmt. Deshalb ist auch, je nachdem man diesen oder jenen
Bestandteil des Komplexes beachtet oder übersehen hat, das fragliche
Konplement sehr verschieden." - Ernst Mach, Erkenntnis und Irrtum, Darmstadt 1991,
Seite 277

787 "Eine vollständige Anpassung an jede individuelle, künftig


auftretende, unberechenbare Tatsache ist natürlich unmöglich. Die vielfache,
möglichst allgemeine Anwendbarkeit der Naturgesetze auf konkrete
tatsächliche Fälle wird nur möglich, durch Abstraktion, durch Vereinfachung,
Schematisierung, Idealisierung der Tatsachen, durchgedankliche Zerlegung
derselben in solche einfache Elemente, daß aus diesen die gegebenen
Tatsachen mit zureichender Genauigkeit sich wieder gedanklich aufbauen
und zusammensetzen lassen. Solche elementare idealisierte
Tatsachenelemente, wie sie in der Wirklichkeit nie in Vollkommenheit
angetroffen werden, sind die gleichförmige und die gleichförmig
beschleunigte Massenbewegung, die stationäre (unveränderliche) thermische
und elektrische Strömung usw." - Ernst Mach, Erkenntnis und Irrtum, Darmstadt 1991,
Seite 455

788 Für Mach ist die Inkommensurabilität von Physischen und


Psychischem ein Vorurteil.

789 "Ohne die periodische Wiederkehr wäre Erkenntnis unmöglich, da wir


nichts auf unsere früheren Erfahrungen beziehen könnten. Auch wäre ohne
eine gewisse Regelmäßigkeit der periodischen Wiederkehr
jeglicheMessung ausgeschlossen." - Alfred North Whitehead, Wissenschaft und
moderne Welt, Ffm 1988, Seite 45

790 "Ein ungelöstes Problem des Denkens: Wie kann man erklären, daß
gegebene Materiekonfigurationen, die sich nach physikalischenGesetzen im
Raum bewegen, lebende Organismen bilden?" - Alfred North Whitehead,
Wissenschaft und moderne Welt, Ffm 1988, Seite 55

791 Die Verwechslung des Abstrakten mit dem Konkreten nennt Whitehead
den "Trugschluß der unzutreffenden Konkretheit". - Alfred North Whitehead,
Wissenschaft und moderne Welt, Ffm 1988, Seite 66

792 Die wichtigste Eigenschaft des mathematischen Geistes ist die Fähigkeit,
mit Abstraktionen zu arbeiten.

793 "Wir können nicht ohne Abstraktionen denken; deshalb ist es von
äußerster Wichtigkeit, unsere Abstraktionsweisen sehr sorgfältig zu
überprüfen." - Alfred North Whitehead, Wissenschaft und moderne Welt, Ffm 1988, Seite
75

794 "Die lebende Zelle ist für die Biologie, was Elektron und Proton für die
Physik sind." - Alfred North Whitehead, Wissenschaft und moderne Welt, Ffm 1988, Seite
121

795 "Die Lehre von der Energie bezieht sich auf die Vorstellung, daß
allerVeränderung eine quantitative Beständigkeit zugrunde liegt." - Alfred North
Whitehead, Wissenschaft und moderne Welt, Ffm 1988, Seite 122

796 Alle Elektronen sind einander sehr ähnlich. Mit


unserenBeobachtungsmöglichkeiten können wir aber
keine Unterschiedefeststellen.

797 Idealtypische Abstraktionen sind utopische Konstruktionen.

798 Tatsachen ohne Herz und Gemüt sind Inbegriff der brutalen
Tatsächlichkeit.

799 "Etwas erkennen heißt stets: etwas als kategorial umkleidetesMaterial vor
sich haben." -- Emil Lask, Gesammelte Schriften Bd. 3, Tübingen 1924, Seite 143

800 "Erkennen ist Erkennen und nicht Erleben." - Emil Lask, Gesammelte Schriften
Bd. 3, Tübingen 1924, Seite 194

801 "Also letztlich ist durch Quantifizierung, die vi nur zurückzudrängen, zu


mildern, aber nie zu beseitigen." - Emil Lask, Gesammelte Schriften Bd. 3, Tübingen
1924, Seite 246

802 Die Generalisation ist Bewältigungsmittel.

803 "Das Unmittelbare ist ein Kontinuierliches und ein Unteilbares." - Emil Lask,
Gesammelte Schriften Bd. 3, Tübingen 1924, Seite 291

804 "Niemand kann - selbst bei bester Gesetzeserkenntnis - den Weg eines
Wassertropfens in den Niagarafällen berechnen/voraussagen, weil die exakte
Kenntnis der Anfangs-, Rand- und Systemdaten fehlt, bzw. utopisch bleibt.
Die Komplexität eines politisch-ökonomisch-sozialenSystems mag
vergleichbar sein." - Hans Lenk, Pragmatische Vernunft, Stuttgart 1979, Seite 128

805 "Die Grammatik ist autonom und keiner Wirklichkeit verantwortlich." -


Friedrich Waismann, Logik, Sprache, Philosophie, Stuttgart 1985, Seite 77

806 "Machen wir uns vor allen Dingen klar, daß das Wort 'gleich' nicht 'eine'
Bedeutung hat, sondern viele! Wenn ich etwa weiß, wann zweiRaumstrecken
gleich sind, so geht daraus noch gar nicht hervor, wann zwei Zeitstrecken
gleich sind. Tatsächlich muß ich für diesen Fall eine neue Bestimmung
treffen; das Wort 'gleich' wird in beiden Fällen nach verschiedenen Regeln
verwendet und hat daher eine verschiedene Bedeutung. Bedenkt man ferner,
wenn man von gleichen Maßen, von gleichen Temperaturen, von gleichen
Temperaturen spricht, so erkennt man, daß der Sinn dieses Wortes, weit
entfernt davon, derselbe zu sein, in jedem dieser Fälle von neuem erklärt
werden muß." - Friedrich Waismann, Logik, Sprache, Philosophie, Stuttgart 1985, Seite
54f

807 Jede Bestimmung ist willkürlich.

808 Gesetze können postuliert werden, aber nicht begründet.

809 "Die Logik ist vor dem 'Wie' , nicht vor dem 'Was' ." - Ludwig Wittgenstein in
Friedrich Waismann, Logik, Sprache, Philosophie, Stuttgart 1985, Seite 111

810 "Omnis negatio est determinatio." - Baruch Spinoza in Friedrich Waismann,


Logik, Sprache, Philosophie, Stuttgart 1985, Seite 131

811 "Was ist also eine Größe? Etwas, das sich messen läßt? Das gäbe
einen Zirkel, weil der Begriff des Messens den der Zahl voraussetzt." -
Friedrich Waismann, Logik, Sprache, Philosophie, Stuttgart 1985, Seite 240

812 Alle Definitionen sind Gebrauchsdefinitionen.

813 "Wir sind nicht mehr in Versuchung, in der Bedeutung eines Wortes
einen Gegenstand zu sehen oder eine Art Atmosphäre, die um das Wort
schwebt, und im Verständnis ein Erfassen dieser Atmosphäre." - Friedrich
Waismann, Logik, Sprache, Philosophie, Stuttgart 1985, Seite 344

814 Irreführend ist oft schon die Form einer Frage.

815 Definitionen können streng genommen nur in einer ganz bestimmten


Situation gebraucht werden.

816 "Der Aufbau der Wirklichkeit aus festen Elementen scheint demnach die
Bedingung für ihre Beschreibbarkeit zu sein. Wäre es anders, würden sich in
den Tatsachen keine konstanten, immer wiederkehrenden Elemente finden
lassen, so würde die Möglichkeit des Ausdrückens und Beschreibens
aufhören." - Friedrich Waismann, Logik, Sprache, Philosophie, Stuttgart 1985, Seite 450

817 Die Relationen in der Wirklichkeit sind zahllos und keine Sprache ist
imstande, allen Schattierungen gerecht zu werden.

818 "Wir müßten ebenso bereitwillig wie von einem Bewußtsein des 'Blauen'
oder des 'Kalten' von einem Bewußtsein des 'Und', des 'Wenn', des 'Aber'
und des 'Durch' sprechen." - Friedrich Waismann, Logik, Sprache, Philosophie,
Stuttgart 1985, Seite 515

819 "Die Frage ist der erste, tastende Schrit des Geistes auf seiner
Wanderung, die zu neuen Horizonten führt. Der große Geist ist der
großeFrager." - Friedrich Waismann, Logik, Sprache, Philosophie, Stuttgart 1985, Seite
595

820 "Eine Frage handelt scheinbar von dem Wesen oder


der Struktur derWirklichkeit; während sie nur durch den Nebel hervorgerufen
wird, der um unsere Begriffe ist." - Friedrich Waismann, Logik, Sprache, Philosophie,
Stuttgart 1985, Seite 611

821 "Das Gesetz geht also über die Beobachtungen hinaus: es behauptet,
daß es auch für die noch nicht wahrgenommenen Fälle besteht." - Friedrich
Waismann, Logik, Sprache, Philosophie, Stuttgart 1985, Seite 613

822 "Da man aus einem Naturgesetz unendlich viele Konsequenzenziehen


kann, so ist das Ideal einer vollständigen Verifikation unerreichbar." - Friedrich
Waismann, Logik, Sprache, Philosophie, Stuttgart 1985, Seite 627

823 "Die vielgerühmte Dialektik bildet ein klassisches Beispiel


jenerLeerformeln, mit deren Hilfe man alles und das Gegenteil von allem
"beweisen" oder "rechtfertigen" kann." - Ernst Topitsch, Erkenntnis und Jllusion,
Hamburg 1979, Seite 34

824 "Alle Zählung, geht letzten Endes auf Zählung einer zeitlichen Reihe
von Erlebnissen zurück." - Rudolf Carnap, Physikalische Begriffsbildung, Darmstadt
1966, Seite 15

825 Die Qualität der Empfindung bleibt immer unerklärt, wie man es auch
anstellen mag.

826 'Erklärt' wird nur in einem Mittel-Zweck-Zusammenhang.


AlleErkenntnis ist bloße Beschreibung.

827 "Ist es auch Wahnsinn, hat es doch Methode." - Johann Wolfgang von Goethe,
Faust

828 Wir wissen allenfalls 'wie' die Dinge sich verändern, aber nichtwarum.
(Warum hat Wasser bei 4 Celsius seine größte Dichte?)

829 Man kann nicht sagen, daß zwei Töne gleich einem dritten sind; sie
lassen sich nicht addieren.

830 "Man nehme von dem Begriff des Körpers die Ausdehnung, die Festigkeit
und die Gestalt weg und es wird nichts übrig bleiben." - George Berkeley, Works,
Ausg. Frazer, London 1871, Bd.III, de motu, §29

831 "Aber gerade weil wir das Gefühl haben, daß da eine Verkettung vorliegt,
in der wir Gefahr laufen, uns zu verlieren, vereinfachen wir.
Wirabstrahieren von allen Bedingungen, so wesentlich sie auch sein mögen,
zugunsten einer einzigen, die wir hervorzuheben die Absicht haben." - Èmile
Meyerson, Identität und Wirklichkeit, Leipzig 1930, Seite 37

832 Bei allen Eigenschaften der Dinge sind immer


bestimmteBedingungen wie Temperatur, Konsistenz etc. mitgedacht.

833 Ein Gegenstand ist nichts anderes, als eine Gruppe von Erscheinungen,
bzw. Eigenschaften.
834 Da wir nur in der Zeit, sukzessive, beobachten können, so läuft
inWirklichkeit das empirische Gesetz auf ein Gesetz der Sukzession von
Erscheinungen hinaus.

835 "Wenn es zuweilen den Anschein hat, als seien die von uns
formulierten Gesetze unmittelbar auf die Wirklichkeit anwendbar, so beruth
das ausschließlich auf der Grobheit unserer Sinne und auf der
Unvollkommenheit unserer Untersuchungsmittel, die uns nicht erlauben, all
die feinen Unterschiede zwischen den einzelnen
Erscheinungenwahrzunehmen." - Èmile Meyerson, Identität und Wirklichkeit, Leipzig
1930, Seite 20

836 "Das Gesetz ist eine ideale Konstruktion, die nicht das ausdrückt,
was wirklich geschieht, sondern das, was geschehen 'würde', wenn
gewisse Bedingungen erfüllt wären." - Èmile Meyerson, Identität und Wirklichkeit,
Leipzig 1930, Seite 21

837 Entgegen der Ansicht, daß die Wissenschaft versuchen sollte, eine
"objektive Realität" hinter den Erscheinungen zu beschreiben,
vertratMach die Auffassung, daß die Wissenschaft nur
eine ökonomischeBeschreibung der Beziehungen zwischen den
Phänomenen zum Ziel habe.

838 Es gibt keine andere Methode, die soziale Wirklichkeit zu studieren, als
vom Standpunkt menschlicher Ideale.

839 Ohne Fragen gibt es keine Antworten, und die Antworten sind beeinflußt
durch die Formulierung unserer Fragen. Die Fragen bringen
unser Interesse am Gegenstand zum Ausdruck. Diese Interessen können
niemals rein wissenschaftlicher Natur sein.

840 "Der naive Empirismus versucht das Unmögliche:


die Wirklichkeit zubeobachten, ohne vorgefaßte Meinungen, bis sich der Stoff
von selbst ordnet und wissenschaftliche Gesetze gebiert. Damit gibt man sich
natürlich einer Illusion hin, der man nur dadurch einen Schein
vonObjektivität gibt, daß man die gleichwohl vorhandenen
aprioristischenIdeen sorgfältig zu verbergen sucht; ohne solche wäre man
selbstverständlich gar nicht zu "Resultaten" gekommen." - Gunnar Myrdal, Das
Wertproblem in der Sozialwissenschaft, Bonn-Bad Godesberg 1975, Seite 232

841 "Tatsachen verwandeln sich nicht unversehens in Begriffe undTheorien;


außerhalb des Systems von Begriffen und Theorien gibt es
keine wissenschaftlichen Tatsachen, nur das Chaos. Ein unabdingbares
apriorisches Element findet sich in aller wissenschaftlichen Arbeit. Man
muß Fragen stellen, bevor man sie beantworten kann. Alle Fragen sind
Ausdruck unseres Interesses an der Welt; sie sind im GrundeWertungen.
Wertungen sind daher notwendig in das Gedankengebäude mit
eingeschlossen, wenn wir die Wirklichkeit beobachten und die theoretische
Analyse vorantreiben; sie bilden mehr als das Gerüst, wenn wir aus
Tatsachen Wertungen und politische Forderungen ableiten." - Gunnar Myrdal,
Objektivität in der Sozialforschung, Ffm 1971, Vorwort zur englischen Ausgabe, Seite IXf

842 "Die geläufige Terminologie ist bereits ideologisch; und solche


terminologischen Mängel weisen auf tiefer liegende methodische Fehler
hin." - Gunnar Myrdal, Objektivität in der Sozialforschung, Ffm 1971, Seite 49

843 Jahrhundertelaag war es Tradition, die den wissenschaftlichen Methoden


zugrunde liegenden Wertungen.

844 "Was nun die Naturwissenschaft anbetrifft, so ist sie heute darauf
ausgerichtet, die Störung zu berechnen, die vom Beobachter ins
Phänomen eingeführt wurde. Die Richtung auf das reine Objekt jedoch bleibt
unerschüttert. Das Subjekt ist, wo immer man auch in der westlichen Welt
blickt, auf dem Rückzug. Dies ist die logische Konsequenz einer Struktur, die
alle Gegebenheiten in ihrem objektivierenden Prozess absorbiert. Die
absorbierende Einheit undMacht ist das begriffliche Denken. Der Drang, die
Gegebenheiten desBewußtseins zu objektivieren bedeutet eine ständig
zunehmende Ausweitung begrifflicher Konstruktionen." - William S. Haas,
Westliches und östliches Denken, Reinbek 1966, Seite 145

845 Naturwissenschaftliche Sätze beziehen sich auf 'feste Körperüberhaupt',


auf die 'Bakterienzelle überhaupt'.

846 Eine Beziehung ist strukturell.

847 Das lebendige Gefühl tritt immer hinter das abstrakte Auffassen zurück.

848 Sicherungstendenzen des Methodendenkers.

849 Was qualitativ ist, muß subjektiv sein.

850 Was die Menschheit dringend nötig hat, ist eine Theorie desWandels.

851 Unsere ganze Erkenntnis ist vergleichende Klassifikation.

852 Denken ist an die Beziehung zwischen Subjekt und Objektgebunden.

853 Wissen ist etwas, das 'gilt', nicht etwas, das 'ist'.

854Wir können nur das denken, was uns die Sprache erlaubt.

855 Erst die gedankliche Isolierung der Vorgehensweise, bei der nur
dasallgemeine Schema des jeweiligen Verfahrens zur Diskussion steht,
ermöglicht es, methodische Prinzipien systematisch zu erfassen.

856 Messung ist immer raumzeitlich.

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