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Stellungnahme

Mitteilung der Kommission: PCD, Whole of the Union und ODAplus


(14.10.2009)

Anlässlich der Mitteilung der Europäischen Kommission an Rat und Parlament vom
15.09.2009, vorbereitend auf die Schlussfolgerungen des Rats für den GAERC (November
2009) gibt die AG Globale Verantwortung folgende Stellungnahme ab:

Wir beurteilen die Mitteilung der Kommission kritisch, da sie unseres Erachtens einige we-
sentliche problematische Aspekte umfasst und auf eine politische Richtungsänderung hin-
weist:

1. Die Konzepte PCD und ODA werden in der Mitteilung vermischt und gemeinsam de-
battiert. Unseres Erachtens muss die Debatte über die ODA (bzw. über „ODAplus“,
d.h. eine allfällige Neudefinition der ODA-fähigen Mittel) innerhalb des OECD DAC er-
folgen, wo die Europäische Union bzw. die Mitgliedsstaaten ohnehin die Möglichkeit
haben, sich einzubringen.

2. Wir befürchten, dass der sehr fortschrittliche Ansatz der EU zu Policy Coherence for
Development (PCD) durch den vorgeschlagenen “Whole of the Union“ Approach auf-
geweicht und verwässert wird:
a. Reduktion von 12 auf 5 Politikfelder: PCD definiert bisher 12 Politikfelder, in
denen die EU/EK ihre politischen Entscheidungen hinsichtlich Verträglichkeit
(negativer Effekte) auf entwicklungspolitische Zielsetzungen überprüft. Policy
Coherence steht daher bisher im Dienste von entwicklungspolitischen Zielset-
zungen (im weitesten Sinne Armutsbekämpfung), die Unterminierung dieser
Zielsetzungen durch Politiken in anderen Bereichen soll verhindert werden.
Bislang wurden 12 Politikfelder im zweijährlichen Bericht untersucht, nun sol-
len nur mehr 5 Bereiche inkludiert werden. Wesentliche Politikfelder wie die
Regulierung der Finanzmärkte und die Verhinderung von Steuerflucht (Kampf
gegen illegitime Finanzabflüsse) fehlen zur Gänze.

b. Neudefinition von entwicklungspolitischer Kohärenz – von „schädlichen Ne-


beneffekten“ zu „Synergien“: Die aktuelle Mitteilung scheint auch eine Neude-
finition von entwicklungspolitischer Kohärenz einzuführen: es geht darum,
„Synergien“ zwischen nur mehr 5 Politikbereichen und dem Ziel der Armuts-
bekämpfung zu finden bzw. herzustellen
Obgleich wir die Förderung von Synergien im Sinne von entwicklungspoliti-
scher Kohärenz unterstützen, ist eine solche Neudefinition problematisch: ge-
sucht werden Synergien, nicht negative Nebeneffekte von Politiken – und man
kann nur finden, was man sucht. Dies wäre ebenso, als würde auf den Bei-
packzetteln von Medikamenten nichts mehr über unerwünschte Nebenwirkun-
gen stehen, sondern nur mehr die verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten
aufgelistet. Wir befürchten daher eine Aufweichung der Definition von entwick-
lungspolitischer Kohärenz.

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3. „Whole of the Union“ Approach: Dieser Ansatz muss im Kontext gesehen werden.
Während es Sinn machen würden, alle Aktivitäten und Geldflüsse der Mitgliedsstaa-
ten und der EK hinsichtlich ihrer entwicklungspolitischen Auswirkungen zu analysie-
ren/ zu bewerten, steht bei WoU zu befürchten, dass es um eine schlichte Auswei-
tung der Einrechenbarkeit von Leistungen geht, deren entwicklungspolitische Rele-
vanz und deren Beitrag zu den MDGs selbst in vielen Fällen zweifelhaft ist.
Das Konzept wurde ursprünglich in Italien entwickelt (als „whole of country“ Appro-
ach), zeitgleich mit der Kürzung der italienischen ODA auf 0,09%. Unterstützung fin-
det der Ansatz bislang von jenen Mitgliedsstaaten, die gleichfalls in ihren ODA Com-
mitments hinterher hinken oder Kürzungen angekündigt haben.

a. WoU soll auch Geldflüsse wie Remittances, ausländische Direktinvestitionen,


Exportkredite etc. umfassen. Manche dieser Gelder tragen zur Armutsbe-
kämpfung bei, viele aber nicht, bzw. verfolgen sie auch nicht diese Zielset-
zung. Gerade um hier die Spreu vom Weizen zu trennen gibt es die ODA-
Kriterien. Zudem ist fraglich, inwieweit die epol. relevanten Leistungen von
Privatpersonen oder Non State Actors in diese Berechnung der Staaten ein-
bezogen werden dürfen.
b. Zum zweiten handelt es sich bei WoU um einen Buchhaltungs (Accounting)
Approach: wenn aber die gesamten Nord-Süd-Geldflüsse berechnet und als
entwicklungspolitische Leistungen betrachtet werden sollen, dann müssen die
Mitgliedsstaaten auch die Süd-Nord Geldflüsse einrechnen - alles andere wä-
re schlechte Buchhaltung (Schummelbuchhaltung). Unseren Schätzungen zu-
folge ergibt sich aber eine positive Nettobilanz für die reichen Länder: die
Geldflüsse aus den Ländern des Südens (Gewinntransfers von Unternehmen,
Kredittilgungen, Steuerflucht) sind wesentlich höher als die Hilfsgelder.

4. Als positiv beurteilen wir die angestrebte stärkere Einbeziehung der Entwicklungslän-
der in die Diskussion und die Bedeutung einer systematischeren Herangehensweise
an die Thematik, und auch den ehrlichen Verweis darauf, dass der politische Wille
teils nicht ausreicht um die Vereinbarungen umzusetzen.

Mag.a Ruth Picker, E.MA


Geschäftsführerin

Globale Verantwortung - Arbeitsgemeinschaft für Entwicklung und Humanitäre Hilfe


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