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Inhaltsverzeichnis
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Kapitel 31
Kapitel 32
Kapitel 33
Kapitel 34
Kapitel 35
Kapitel 36
Kapitel 37
Kapitel 38
Kapitel 39
Kapitel 40
Kapitel 41

Kapitel 42
Copyright

1
»Bussi, Bussi.« Melina Lloyd gab ihrer Zwillingsschwester in Wangenhöhe zwei Luftküsse. »Ich
habe einen italienischen Weißwein bestellt. Trocken, leicht und überhaupt nicht süß; im
Gegensatz zu dem Kellner, der ihn empfohlen hat. Wenn man vom Teufel spricht – Da kommt er
schon.«
Gillian nahm ihr gegenüber Platz. Als der Kellner ihren Pinot Grigio servierte, schüttete er
sich etwas davon über die Hand, weil sein rasierter Kopf zwischen den beiden nicht mehr zur
Ruhe kam. »Du lieber Himmel!«
»Wir sind eineiig«, sagte Gillian und ersparte ihm damit jede weitere Frage.
»Ich bin sprachlos. Diese Ähnlichkeit macht einen ja völlig perplex.«
Melina lächelte ihn eisig an. »Meine Schwester würde gerne etwas zu trinken bestellen.
Wenn’s beliebt.«
Ihr Unterton, so trocken wie der Wein, ließ ihn aufhorchen. »Gewiss«, sagte er, wobei er fast
die Hacken zusammengeknallt hätte. »Verzeihung, Verzeihung. Madame?«
»Ein Wasser, bitte, mit viel Eis und einer Limettenscheibe.«
»Ich bin prontomente wieder da, mit Ihrem Getränk, und dann erzähle ich Ihnen auch, was es
heute Besonderes gibt.«
»Ich kann’s kaum erwarten«, stieß Melina zwischen den Zähnen hervor, während er
davonschwebte.
Flüsternd beugte sich Gillian vor: »Ist prontomente ein echtes Wort?«
»Ist perplex eins?«
Beide mussten lachen. »Wie schön, dass ich dich lächeln sehe«, meinte Gillian. »Als ich
hereinkam, hast du ein derart mürrisches Gesicht gezogen, als wolltest du gleich losfauchen.«
»Ich bin tatsächlich ein bisschen angesäuert«, gab Melina zu. »Ich musste heute Morgen einen
Autor zum Flughafen fahren, damit er noch rechtzeitig seinen Flug um fünf Uhr achtundfünfzig
erwischt. Fünf Uhr achtundfünfzig! Manche Presseabteilungen buchen solche Flüge zu
nachtschlafender Zeit nur, um uns Medienbegleiter zu provozieren.«
»Und wer war dieser Frühaufsteher? Jemand Interessantes?«
»Hab’ ihren Namen vergessen. Ein Debüt. Kinder sind wie Haustiere. Untertitel: Eine
verblüffende Erziehungsmethode.«
»Zweijährige, die auf Kommando Sitz machen und bellen?«
»Keine Ahnung. Ich hab’s nicht gelesen. Im Gegensatz zu etlichen anderen. Steht zur Zeit auf
Platz drei der New York Times Bestsellerliste.«
»Du machst Witze.«
»Heiliger Eid. Muss nur genug auffallen, dann verkauft es sich schon. Heutzutage könnte
sogar ich ein Buch schreiben. Nur fällt mir kein interessantes Thema ein.« Sie dachte ein, zwei
Sekunden darüber nach. »Vielleicht über die Berühmten und Berüchtigten, die ich getroffen habe
und nur mit Mühe einen einzigen Tag ertragen konnte. Aber dann würde ich vermutlich
verklagt.«
Der Kellner kam mit Gillians Wasser und einem winzigen silbernen Brotkörbchen zurück und
leierte seinen Sermon herunter, in dem es mehr um blumige Worte als ums Essen ging. Als sie

aus der regulären Speisekarte je eine halbe Avocado mit Shrimpssalat bestellten, trat er beleidigt
den Rückzug an.
Melina reichte Gillian das Körbchen, die einen Daumennagel großen Cracker mit
Pekannussstückchen zerbrach. »Wie wär’s denn mit deinem Leben als eineiiger Zwilling?
Darüber könntest du doch schreiben.«
»Dazu gibt’s schon viel zu viel. Man müsste das Thema eingrenzen.«
»Gleiche Kleidung: Ja oder Nein?«
»Vielleicht.«
»Der Kampf um die Elternliebe?«
»Schon besser. Wie wär’s damit: Verständigung durch Telepathie?« Melina musterte Gillian
über den Rand ihres Weinglases, während sie einen Schluck trank. »Was mich zu der
Anmerkung veranlasst, dass meine Zwillingsschwester heute schrecklich nachdenklich wirkt.
Was ist los?«
Vor ihrer Antwort verspeiste Gillian den restlichen Cracker und wischte sich den Mehlstaub
von den Fingerspitzen. »Ich hab’s getan.«
»›Es‹?«
»Du weißt schon.« Gehemmt senkte sie die Stimme. »Das, worüber ich die ganzen letzten
Monate nachgedacht habe.«
Beinahe hätte sich Melina an der ausgezeichneten italienischen Importware verschluckt. Ihre
Augen, rauchfarbene Spiegelbilder von Gillians eigenen, wanderten zu Gillians Schoß hinunter,
der außer Sichtweite unter dem Tisch verschwand.
Gillian lachte. »Du siehst es mir nicht an, jedenfalls noch nicht. Ich komme soeben aus der
Klinik.«
»Willst du damit sagen, heute? Gerade erst? Ich könnte schon während unserer Unterhaltung
eine Tante in spe sein?«
Wieder lachte Gillian. »Vermutlich schon. Falls die kleinen Kerle tun, was sie sollen, und sich
dorthin begeben, wohin sie sollen, nämlich stromaufwärts schwimmen.«
»Meine Güte, Gillian.« Rasch trank sie einen Schluck Wein. »Du hast es tatsächlich getan? Du
hast’s getan. Du benimmst dich so – normal. So entspannt.«
»Dann wäre der Gynäkologe zufrieden. Er hatte die Stirn, mir zu sagen, ich solle mich
entspannen. Als ob ich das könnte. Erstens waren die Beinstützen eiskalt, was schwerlich die
Entspannung fördert, und zweitens ging es um den Schlusspunkt einer Monate langen Debatte.
Diese Entscheidung habe ich nicht leichtfertig getroffen.«
Künstliche Befruchtung mit Hilfe von Spendersamen. Gillian hatte jedes Für und Wider lange
Zeit abgewägt. Obwohl Melina darauf vertraute, dass ihre Zwillingsschwester stundenlang
Gewissenserforschung betrieben hatte, wollten einige Zweifel nicht weichen. »Gillian, hast du
die Sache auch von allen Seiten betrachtet?«
»Ich denke schon. Hoffentlich. Trotzdem gibt es vermutlich Standpunkte, an die ich nicht
gedacht habe.«
Diese nicht angedachten Blickwinkel waren es, die Melina zu schaffen machten. Trotzdem
behielt sie ihre Bedenken für sich.
»Manchmal hatte ich solche Zweifel und wollte den ganzen Plan schon fallen lassen. Am
liebsten hätte ich so getan, als wäre ich nie auf diese Idee gekommen, und hätte jeden Gedanken
daran ausradiert. Aber ich wurde sie einfach nicht mehr los.«
»Das ist ein gutes Zeichen. Wenn uns einmal etwas so packt, geschieht das normalerweise aus
gutem Grund.«

umso zwiespältiger wurde es. dass sie davon begeistert war. »Bitte. Ich hätte es dir gerne gesagt. Ich habe in der Klinik angerufen und den Termin vereinbart. die sich nach Abgabe aller Stimmen künstlich befruchten lassen wollte. Ich habe eine fundierte Entscheidung getroffen. dass du mir nichts gesagt hast.« Und ihre strahlende Miene ließ erkennen. mit denen ich darüber gesprochen habe.« »Ich –« »Bitte. wobei sie zum zweiten Mal auf ihren Bauch schielte. Heute Morgen traf die Probe im Trockeneispack ein. Ich habe wirklich versucht.« »Und?« »Und war nicht im Stande. »Hat es wehgetan?« »Kein bisschen. hätte deine Hand gehalten und dich irgendwie unterstützt. einen Grund zu finden. warum ich’s nicht tun sollte. »Also hab’ ich’s getan. Aber je mehr ich las. lass mich ausreden. Der Arzt war mir sympathisch.« »Melina. Ich bin kerngesund. dass du mich unterstützt. wäre ich mitgekommen. was mir in die Hände fiel.« Melina hörte wie gebannt zu. »Sie hat eine hohe Erfolgsrate und einen soliden Ruf. Anschließend wurde sie aufgetaut und gewaschen –« »Wie bitte?« .« »Wo kam denn das Sperma her?« »Was glaubst denn du?« Melina grinste. dass es innerhalb der nächsten vierundzwanzig bis sechsunddreißig Stunden zu einem Eisprung käme. wollte ich sie nicht mehr –« »Ändern. »Physisch gab es keine Probleme.« »Die Waters Klinik verfügt über eine eigene Samenbank. sagte Melina.« Sie unterstrich diesen Satz. Allerdings verwendet man bei einer ortsansässigen Patientin lieber keine Probe aus der unmittelbaren Umgebung. Ein sehr einfühlsamer Mensch. indem sie Gillians Hand ergriff und kurz drückte. wirklich. Melina. dass ich dir meinen Entschluss nicht mitgeteilt habe. Aber zu guter Letzt war ich diejenige. Ich habe deine und Jems Argumente durch den Filter eurer jeweiligen Abneigungen betrachtet. aber als die Entscheidung gefallen war. Hat mir alles bis ins Kleinste erklärt. Und geduldig.« Sie strahlte glücklich. versteh es. bei dem ein intrauteriner Katheter verwendet wird. Wenn du gewollt hättest. ich weiß doch. während Gillian ihr den Ablauf erläuterte.« »Meine kam aus einer sehr renommierten Samenbank in Kalifornien. werde ich die Schwangerschaft austragen und das Kind bekommen.« »Das respektiere ich. »Ich meine rein geographisch.« »Bist du in die Waters Klinik gegangen?« Gillian nickte. der zeigte den Hormonanstieg an.« »Ich kann’s noch immer nicht glauben«.« »Klug gedacht. aber –« In ihren bittenden Augen schwammen Tränen. Das hieß. Ich habe alles über alternative Empfängnismethoden gelesen. Entschuldige. Du und Jem. »Wie machen die das –? Wie läuft das eigentlich ab –?« »Gestern habe ich einen Urintest zu Hause gemacht. ihr seid die beiden Einzigen gewesen. »War Jem dabei?« »Nein. Also war es auch einzig und allein meine Entscheidung. mir die Sache aus dem Kopf zu schlagen.« »Oder sogar in Frage stellen. »Ich kann’s nicht glauben. Es ist ein ziemlich technischer Vorgang. Wenn es geklappt hat.

»Das ist Fachjargon. Danach bin ich gegangen und sofort hierher gefahren. Ungefähr eine halbe Stunde musste ich noch liegen bleiben. dass du die altmodische Form der Befruchtung vorziehst. »Du kennst mich gut. »Tz. so dass im Katheter schließlich ein –«.« »Hast du denn nicht das schwere Atmen vermisst? Diese wunderbare Steigerung? Dieses Gefühl von ›Ach.« »Kannst mich ruhig als liederlich bezeichnen«. die sich unter der Bettdecke an meinen reiben. Die Samenflüssigkeit wird mit einem Protein gemischt und in einer Zentrifuge ausgeschleudert. Ich habe es nicht wegen des Nervenkitzels getan.« »Melina«.« »Papa meinte immer. Gillian nahm ihre Gabel und spielte mit der zierlichen Purpurblüte auf ihrer Portion Shrimpssalat herum.« »Was ich als Glücksfall betrachte.« »Das erfordert tatsächlich eine gewisse Kunstfertigkeit. »aber ich ziehe Fleisch und Blut jedem Katheter samt Fußstütze vor. Kaltes Metall hat eben nicht dieselbe Anziehungskraft wie eine warme Brust und behaarte Beine.« Trotzdem wusste Gillian längst. Ich bin erst aufgewacht. »Du wolltest sagen. lieber Gott. Ich sollte still sein.« Nachdem beide erneut auf Kosten des Kellners gelacht hatten. als die Schwester wieder ins Untersuchungszimmer kam und ich mich anziehen konnte. Sex und Kinder-Machen. Anschließend bin ich sogar eingenickt. »Jem hat sich schon lange vor unserer Begegnung sterilisieren lassen.« Melina wurde wieder nüchtern. von denen ich hier keinen erzählen werde. wie ist das Leben schön‹? Wenigstens ein kleines bisschen?« »Hier geht es nicht um Sex. »Spermakonzentrat landet. »Er ist ein Stockfisch. .« Der Kellner kam mit ihrer Bestellung. auf diesen kleinen Papierstreifen zu pinkeln. meinte sie: »Scheint so. So könnte man es nennen.« »Fühlst du dich denn anders als vorher?« »Kein bisschen. sondern um ein Kind zu zeugen. wir würden uns ein und dasselbe Gehirn teilen. Der Arzt hat mich begeistert über ihre Erfolgsquote informiert und meinte.« Während sie die Arme auf dem Tisch verschränkte. falls es diesmal nicht klappt.« »Dabei fallen mir tausend Witze ein. was ihre Schwester dachte. wobei sie Gillian liebevoll anlächelte. sie lachte.« Melina feuerte eine imaginäre Pistole auf sie ab. Ganz zu schweigen vom Geschlechtsapparat.« »Schön für dich«. lehnte sich in ihren Stuhl zurück und starrte in das Gesicht. meinte sie: »Was zählt ist. Nach kurzem Nachdenken setzte sie hinzu: »Wirklich schade. Dann hättest du alles auf einmal erledigen können. ganz offen gesagt –« Melina brach ab und wedelte mit den Händen vor sich herum. sagte sie.« »Bitte! Kein Wort über den Geschlechtsapparat. »Vergiss es.« »Richtig. das ist das einzig Wichtige. ich solle mich nicht entmutigen lassen. Allmählich wurde ich darin richtig gut. Der Teller war mit frischen Stiefmütterchen garniert und fast zu hübsch zum Essen. und das ist das Entscheidende. rief Gillian tadelnd. »Wollte dich doch nur necken. das mit ihrem eigenen identisch war.« »Allerdings.« Melina hob ihr Weinglas zu einem stummen Toast. da ist man ja wirklich perplex. dass du ein Kind haben möchtest. als bestünde der schwierigste Teil darin.« »Ich danke dir. als wollte sie den unvollendeten Satz ausradieren.« Melina gab sich mit Gillians Beteuerung zufrieden. tz. sagte Melina unter betontem Schulterzucken. dass Jem nur mit Platzpatronen schießt.

»Tut mir Leid. das zu hören. Sie und Gillian waren immer offen miteinander umgegangen. dass die Entschuldigung nur gespielt war. und es ärgert mich tierisch. Möglicherweise auch leisen Groll. doch dann verschwand Melinas Lächeln allmählich.« Melina war überrascht. Und ich will nicht. Trotzdem konnte . Er hat mich sogar zum Durchhalten ermutigt. Gillian. könnte die Realität bei weitem nicht so rosig ausfallen wie in der Theorie. Seit deinen eigenen Kindertagen hast du dir eines gewünscht.« »Gillian. »Manchmal hat uns Mutter nur nach einem Blick auf unsere Knie unterscheiden können. die Sterilisierung rückgängig zu machen. »Falls die Prozedur Erfolg hat.« »Wie hat er dann auf deine Entscheidung reagiert?« »Überraschend gut.« Sie hielt inne und trank einen Schluck Wein. geraten wir ins Streiten. dass sie auf Inline-Skates umgestiegen sind. dass sich seine Einstellung ändert. er ist eben ein komischer Kauz.« »Ich rechne mit Rückschlägen«.« »Meine hatten immer Blutkrusten. Immer. bis zur Schmerzgrenze. beharrte Gillian. Es wäre zu viel verlangt. ehe Melina sagte: »Nur noch einen einzigen Punkt. Falls daraus ein Baby entsteht. Aber vielleicht ist mir was entgangen.« »Wirklich? Mir kommt es nicht so vor.« »Dieses Thema habe ich ein einziges Mal angeschnitten. denn ich liebe Jem. von einem einzigen Menschen die Erfüllung aller persönlichen Bedürfnisse und Wünsche zu erwarten. dass mir irgendetwas diesen Tag verdirbt. Ist es so?« »Offensichtlich. »und habe sie einkalkuliert. wird das ein Härtetest für Jems Liebe.« »In deinem Fall heißt das: ein Baby.« Doch Gillian wusste. und du tatsächlich schwanger wirst. das letztendlich nicht seins ist? Im besten Fall wird Jem ein paar Bedenken hegen. dann bitte ihn doch. ehe sie sich entschloss. wenn ich mal Zweifel laut werden ließ. »Nun ja. ihre beunruhigenden Gedanken auszusprechen. ein Kind zu akzeptieren.« »Lass uns nicht über Jem reden. »Außerdem.« »Darüber habe ich auch schon nachgedacht. wenn das Baby erst mal da ist. Er macht dich nicht glücklich. »Tue ich«. dass wir über Jem eben unterschiedlicher Meinung sind.« Sie lachten über die gemeinsamen Erinnerungen. Aber ich will fair bleiben: Vermutlich glaubt er ja fest daran. »Aber er ist wirklich ein Blindgänger.« Gillian lachte. ich sag’s ja nicht zum ersten Mal. Möglicherweise verhält sich Jem dann nicht so positiv. als wärst du über alles verliebt. wie er dich glauben lassen will. wenn das Gespräch auf ihn kommt.« Trotz Gillians Stöhnen redete sie weiter. Strahle-Schnappschüsse gibt’s weit weniger als dreckige Windeln. Er wollte kein Wort davon hören. was viel schwerer ist. Okay?« »Mir recht. welche Beziehung ist schon perfekt? Man kann nicht alles in einem einzigen hübsch geschnürten Päckchen bekommen. sagte Gillian. Du hast mit Puppen gespielt.« Einen Moment aßen sie stumm vor sich hin. während ich nur meine Rollschuhe kannte.« »Möchtest du noch immer beim Rollschuh-Derby mitmachen?« »Ja. Stellen wir einfach fest.« Melinas Augenbraue hob sich zu einem skeptischen Bogen.« »Hmm. »Wenn Jems Sterilität eurer perfekten Beziehung im Weg steht. pass mal auf. dass er damit zurechtkommt.« »Das stimmt nicht. »Ich mache mir ein bisschen Sorgen. Wäre es nicht für jeden Mann hart. ich bin glücklich.

Melina? Kannst du das verstehen?« Schon immer hatten sie gegenseitig Zustimmung gesucht. Blinzelnd vertrieb sie ihre ungeweinten Tränen. weil du weißt. Also war deine Entscheidung für dich auch genau richtig. du wirst als Mutter rauschenden Erfolg haben.« Gillians Miene und ihr Tonfall unterstrichen. schien Gillian kurz davor zu stehen. Deshalb schlag dir auch ein mögliches Scheitern aus dem Kopf. nicht? Mein Leben.« Angesichts der unerschütterlichen Bestätigung durch ihre Zwillingsschwester musste Gillian erleichtert lächeln. wie tief ihre Gefühle waren. dann eher früher als später. wie viel dieses Experiment für Gillian bedeutete.« »Erinnere mich nur nicht daran. Und von allen Entscheidungen. »Ich möchte. antwortete Melina langsam.« »Und du wirst es auch nicht«. Ich hatte nie das Bedürfnis.« Sie stießen miteinander an. Ich musste aufhören.« Sie streckte die Hand über den Tisch und umfasste Gillians. und ich keine gute Mutter bin?« »Unmöglich. mich zu fragen. Du wirst eine ideale Mutter.« Gillian legte ihre Gabel weg. Verbann es. »ich verstehe es. behauptete Melina kategorisch. das für mich so wichtig ist. Ich konnte sie nicht länger ignorieren. Wenn ich mir bei allem anderen so sicher sein könnte wie dabei! Gillian. wenn mein mütterlicher Instinkt falsch ist. begrab es. dass es so war. Gillian sagte: »Die Erfolgsrate – auch wenn. wie in meinem Fall.ich meine Entscheidung nicht durch Eventualitäten und Spekulationen beeinträchtigen lassen.« Wieder hob Melina ihr Weinglas. »Vielleicht ist der mütterliche Instinkt der einzige Unterschied zwischen uns beiden.« »Ich wurde ständig daran erinnert. »Ja«. wie sie das umgekehrt auch von ihr wusste. .« »Hast du je erlebt. die ich bisher in meinem Leben getroffen habe. »Wirklich. Melina schätzte Gillians Meinung über alles und vertraute ihr genauso. »Okay. Hoffentlich benehmen sich diese Mini-Kaulquappen angemessen.« Mit reumütigem Lächeln fügte sie hinzu: »Ist doch gut. Wenn ich es aber tun wollte. das hätten wir erledigt.« »Es wird das glücklichste Kind auf Erden werden. Obwohl keine von beiden zu spontanen Tränenausbrüchen neigte. dass mein Baby mit mir genauso glücklich ist.« »Ach Gott. Meiner Ansicht nach hast du beide Teile bekommen. überraschte sie die tiefe Emotion in der Stimme ihres Zwillings. dass ich genau das hören möchte. »Auf dich und die moderne Medizin. Es wird nicht eintreten. Sonst hätte ich’s nie getan. ihn zu ignorieren.« »Das sagst du doch nur.« »Verstehe. ›Was wäre wenn?‹. Sie sagte: »Diese Entscheidung bedeutet für mich mehr als jede andere. Gott sei Dank.« »Na. wie ernst es ihr war. Melina. was man diesem Hormon-Dingsbums zuschreiben oder es als weiteres Indiz dafür werten konnte. hoffentlich. wie ich mit ihm oder ihr.« »Ich wäre es jedenfalls gerne. bedeutet mir diese am meisten. Das geht einfach nicht. Ich will einfach nicht bei etwas scheitern. meine Zweifel sind hiermit offiziell gebannt und begraben. die ich in Zukunft treffen werde. wenn das Kind mich nicht will?« »Entschuldige?« »Was ist. aber was – was ist. meine Zukunft drehen sich einzig und allein um meinen Beruf. weil’s wahr ist. »Ich wünsche mir so sehr ein Kind. dass ich ein Blatt vor den Mund nehme? Ich sage das. dass meine biologische Uhr tickt. Wir werden bald sechsunddreißig. ein Kind zu haben. Wenn er so stark ist.« Obwohl Melina genau wusste. meinen und deinen. Nur teilen kann ich es nicht. wäre es falsch gewesen.

rief Melina. du hast lediglich eine Nummer aus einem Katalog bestellt?«. Während Melina dazu neigte. es seien gute Schwimmer. aus ihrem Herzen keine Mördergrube zu machen. Umfeld und IQ.sämtliche Knöpfe auf Grün stehen – beträgt nur fünfundzwanzig Prozent. ehe sie doch noch den Mut zum Sprung fand. Melina bewunderte die Umsicht ihrer Zwillingsschwester. Das ist starker Tobak. bis der Erfolg der künstlichen Befruchtung feststünde. während Gillian oben verharrte und sich mit den Zehen an der Kante festkrallte. aber nur Melina setzte sie auch um. dazu noch Interessen.« Sie kicherten wie Teenager über einen Schmuddelwitz. Sie sprang im Hechtsprung vom höchsten Sprungbrett. die sie wegen ihrer Hemmungen jedoch nicht äußerte. Vielleicht ist es mit einmal nicht getan.« Auch darin waren sie sich unähnlich. Figur. »Es war eine wissenschaftliche Prozedur. die du wie im Katalog auswählst.« »Da hat uns Mutter vor unserem ersten Rendezvous aber was ganz anderes erzählt. sie sei auf Melinas Mut neidisch.« »Wir werden ja sehen. Wahrscheinlich ist es ein Medizinstudent. obwohl ich’s eigentlich sollte. »Andererseits bin ich ein menschliches Wesen.« »Haarfarbe. Menschliche Fortpflanzung zu ihrer sterilsten Variante kondensiert. Einen Charakter. »Trotzdem. Ein Baby. nicht wahr?« Melina zwinkerte dem Mann am Nachbartisch zu.« »Und der sich gerne einen runterholt. der ein bisschen Taschengeld brauchte. um schwanger zu werden. Gillian behauptete.« Sie starrte in die Luft und meinte leise: »Ich hoffe darauf. Der Arzt hat mir versichert.« »Ganz genau.« »Er hat sie tatsächlich Schwimmer genannt?« »Ich schwör’s. erkundigte sich Melina ironisch. wie lange es dauern würde. wies sie Melina leise flüsternd zurecht.« »Biologie pur. Die beiden konnten keinen Gedanken lange voreinander verbergen. wer er ist und wie er aussieht. verhielt sich Gillian wesentlich diskreter.« »Das heißt also. Hast du denn wirklich keine Ahnung?« »Nein. und mein Körper ist kein Reagenzglas. und bestellte Kaffee. »Und wie steht’s mit dem Spender?« »Der ist nur eine Nummer. über Sex zu sprechen und ihre Töchter vor den potenziellen Gefahren zu warnen. Natürlich grüble ich über den Spender nach. »Erinnerst du dich noch an diesen Vortrag? Ich hatte keine Ahnung. Schließlich winkte Melina dem Kellner. dass es so viele Umschreibungen für Körperteile und Geschlechtsverkehr gibt!«. wie schmerzlich gehemmt ihre Mutter gewesen war. Augenfarbe. Ich kann nicht gänzlich objektiv sein. ihr Flirten schmeichelte ihm. dass sie in der Falle saß. Aber das tun sie doch alle. Von allen Kandidaten hat er meine Vorlieben am besten erfüllt.« »Wieso auch nicht? Natürlich beschäftigt dich das. mit Hilfe einer namenlosen Person ein neues Individuum zu erschaffen.« »Aber –« Gillian lächelte. . was ich gesagt habe. Ihre impulsiven Reaktionen waren gleich. »Benimm dich. Als Gillian den Blickwechsel bemerkte. mussten sie lachen.« »Genau. Melina überließ den Herrn am Nebentisch seinen Träumereien und wollte von Gillian wissen. er solle ihre Teller abräumen. an die Gillian zwar dachte. Er lächelte zurück. Melina sagte und tat Dinge. Sie wusste.« »Er hat doch keine Ahnung. Eine Seele.« Beim Gedanken daran. ihre Botschaft hat sie rübergebracht: Einmal genügt. wenn es darum ging.

Sollten sie am Tage der IUI miteinander schlafen. für die ich sorgen kann. dass –« »Das Sperma des Partners das Ei befruchtet hat.« »Und das wäre?« »Bin schon dabei. und nun nehmen auch diese Fantasien konkrete Formen an.« Melina schniefte. Genauso wenig werde ich jetzt anfangen. Dieses Thema hat unendlich viele Facetten. werde ich es definitiv wieder versuchen. das dich auf andere Gedanken bringt. aber schon folgte der Katzenjammer auf dem Fuß. Endlose Faktoren zu bedenken. ich will ein Baby.« »Ist mir egal. Sekunden später schoss ihr ein brillanter Einfall durch den Kopf. konstatierte sie. dann nur. ich kann leben wie immer. Der Arzt hat sogar gesagt. Jemanden. ist Ablenkung«. Eines steht fest: Sollte ich diesmal nicht schwanger werden. Inzwischen habe ich den nötigen Schritt für eine Schwangerschaft getan. Einen Sohn oder eine Tochter. weil ich beeindruckt bin. dass ich dir dieses Angebot mache.« »Sex?« »Nein. »Verdammt!« rief sie und schlug auf den Tisch. Hat er nicht eben erst eine .« »Genau. »Himmel. »Was du brauchst. Christopher Hart. Jemanden. Damit die Zeit schneller vergeht. was ich bezweifle. ethische und religiöse Fragen müssen gestellt und hoffentlich geklärt werden. mit dreckigen Windeln und allem anderen. Das sei in psychologischer Hinsicht gut für unfruchtbare Paare. so einen Promi zu begleiten.« Sie tippte sich mit der Fingerspitze an die Lippen. zum Kuckuck!« sagte sie. »In einer Woche gehe ich wieder zu einem Bluttest hin. das geht aber –« »Weit. Plötzlich war der Entschluss gefallen. Sie beugte sich über den Tisch und sagte aufgeregt: »Geh heute Abend an meiner Stelle hin.« Melina schluckte heftig. die als letzte Möglichkeit auf Spendersamen zurückgegriffen haben. Melina. würde er uns raten. der mich seinerseits liebt.« »Glaube ich nicht. nachdem ich gehandelt habe. bestünde immer eine geringe Chance. Dann sagte sie: »Die Woche wird lang werden. Ihr eigenes sentimentales Verhalten machte sie ungeduldig. falls ich einen Partner hätte. Bis vor kurzem hatte ich von Mutterschaft völlig vage Vorstellungen.« »Den Astronauten?« »Aha! Schon bei seinem Namen hast du glänzende Augen bekommen. dass meine Schwester den Auftrag bekommen hat.« »Arbeit?« »Ich habe noch heute Nachmittag einen Termin. Ich wünsche es mir so sehr. ohne jede Einschränkung. wen ich heute Abend begleite. die Entscheidung erneut zu hinterfragen.« Melina presste ihre Zeigefinger gegen die Schläfen.« »Was? Wohin?« »Rate mal. Das spielte sich alles in einer weit entfernten Zukunft ab.« »Eine ganze Woche! Musst du dich irgendwie einschränken?« »Nein. »Etwas. Und trotzdem bedaure ich nicht. »Ich kann’s nicht fassen. der meine Liebe braucht. Ich weiß. der das Kind mit mir gemeinsam aufziehen möchte.« »Selbst wenn. sobald wie möglich miteinander zu schlafen. dass ich’s getan habe. »Willst du mich unbedingt zum Heulen bringen?« Gillian unterdrückte ihre eigenen Tränen und streichelte sachte ihren Bauch.« »Was denn?« »Ach.

doch im Grunde war jedes Jammern nur Schau. »Möchtest du ihn kennen lernen?« »Ich habe doch keine Ahnung von deinem Job!« rief Gillian. sagte Gillian.« »Natürlich. die mit eigenem Gefolge anreisten – während ihres Besuchs in Dallas betreuten.« »Du hast einen schwierigen Job. Ich treffe mich mit . durch die ein wichtiger Militärsatellit gerettet wurde. Du sammelst ihn zu Beginn des Abends ein und lieferst ihn am Ende wieder ab. wobei sie jedes einzelne Wort betonte. Trotzdem beunruhigte es sie nicht. Auch in Gegenwart von Colonel Christopher Hart würde sie wohl kaum gehemmt verstummen.« »Colonel Hart kennt mich doch nicht seit Adams Zeiten. »So wenig wie du vom Verkauf gewerblicher Immobilien. ja?« »Melina. hatte sich ihr Geschäft bestens entwickelt. Dort holst du ihn ab und bringst ihn in die Innenstadt –« »Du hörst gar nicht zu. bis diese sich sicher auf dem Weg zu ihrem nächsten Ziel befand. War entscheidend für den Weltfrieden oder so. Was gibt’s da also zu wissen?« »Eine ganze Menge. Sie geben ihm irgendeinen renommierten XYZ-Preis im Adolphus.« Natürlich war das eine grotesk vereinfachte Beschreibung ihres Jobs. je nachdem. in ihrem Leben jede Menge Fremder getroffen. Wem würde es also schaden?« Gillian ging noch immer nicht auf ihre Argumente ein. genau wie sie. Obendrein käme sie damit mal einen Abend von Jem Hennings weg – in Melinas Augen schon an und für sich ein Pluspunkt. warum du nicht gehen solltest. das unter ihrem Management expandiert war. Und weil sie ihren – Job sehr gut machte. ehe sich ihr Brötchengeber in den Ruhestand verabschiedete und ihr sein Geschäft verkaufte. Damit waren sie für diese Person so lange verantwortlich. Solche Spielchen spielen Erwachsene nicht. Manchmal meckerte sie über ihre aberwitzigen Arbeitszeiten. »Er wohnt im Mansion. vergiss es«. Sie hatte an weitaus wichtigere Männer als ihn Immobilien verkauft. eine brandneue Anzeigenfirma zur Unterschrift unter eine neue Adresse zu bringen.Weltraumtour hinter sich?« »Vor drei Monaten. Grundstücke und ähnliches Zeug geht. wozu der Kunde sie brauchte.« »Warum?« »Weil es verrückt ist. Sie war Chauffeur und Beichtvater und erledigte Einkäufe. dass sie oder einer ihrer drei sorgfältig überprüften und ausgebildeten Angestellten eine hochrangige Persönlichkeit – mit Ausnahme derer.« Sie lächelte boshaft. bei der es um schlappe drei Millionen geht. mit Festbankett und so. wo das Adolphus ist. bei dem es um Zinssätze. Zu meinem braucht man keinen Funken Verstand. weil sie ihre Tätigkeit heiß und innig liebte. »Ich muss mich um mein eigenes Geschäft kümmern! Ich bin kurz davor. Jahre lang hatte sie als Lehrling geschuftet.« »Wir kommen immer noch mit einem Rollentausch durch. wenn Gillian eine Nacht lang ihren Platz einnähme.« »Wie wär’s dann damit? Wir sind keine Kinder mehr. trotzdem ist es Quatsch.« »Und was macht er in Dallas?« »Bekommt ’nen Preis der Ehemaligen-Vereinigung an der Southern Methodist University. »Du weißt doch. Im Grunde genommen ging es darum. Du hast mir noch keinen einzigen guten Grund geliefert. Gillian hatte. Er hat eine Shuttle-Mission geleitet.« »Lahme Ausreden überhöre ich grundsätzlich.« »Nicht wirklich.

Ich rufe dich an. ich hab’ dir doch schon tausend Mal gesagt. Einer der jungen Männer starrte die beiden so unverwandt an. Es war einfach unmöglich. Melina. Schwesterlein. dem .« Sie winkte und meinte dann im breitesten Dialekt: »Darauf kannste wetten. während sie einstieg.« »Versprochen. den man aus Schottland importiert hatte.« »Ich weiß es zu schätzen. Gillian. Ein Familienerbstück. das durch die Bäume fiel. wo die Luft dünner und kühler war. Die farbigen Bänder. dessen Gold. danke schön. die so sehr mit der Landschaft verschmolz. Zwei –« »Nein. danke. Der wertvollste Besitz der Schenkenden und damit ein Opfer höchsten Ranges. »Du kannst mir danach alles über ihn erzählen.« Ein kräftiger Wind fegte über den Wüstenboden und rieb dem Berg den aufgewirbelten Sand ins Gesicht.« »Christopher Hart ist heiß. Draußen vor dem Szenelokal stellten Parkwächter ihre Wagen bereit. die sich Kilometer weiter unten durch die Wüste schlängelte.« »Ich will Details«. Sämtliche Gebäude bestanden aus handverlesenem Granit.« Lachend beugte sich Gillian vor und gab ihr einen Kuss auf die Wange. Die beschattete Terrasse im dritten Stock des Hauptgebäudes diente dem momentan dort Betenden als Freilufttempel. Das Kissen war ein Geschenk einer Bewunderin gewesen. um sämtliche strittigen Punkte mit dem Verkäufer festzunageln. Angeblich hatten es russische Emigranten um die Jahrhundertwende mitgebracht. Du schmollst immer noch.und Silberfäden im Sonnenlicht glitzerten. startete Melina einen letzten Versuch. Eins.« Unter Stirnrunzeln murmelte sie. dass sie von der Autobahn aus. ein enormer Tribut an den Einen. zu zahlen. Oben am Gipfel. Während sie sich voneinander verabschiedeten. sobald ich wieder daheim bin. er ist ein Volksheld! Du würdest den Abend mit ihm verbringen. dass er einen randvollen Terminkalender hatte.« »Schmollen?« »Weil ich letzten Monat kein Rendezvous mit dir und Kevin Costner arrangieren konnte. lockte sie mit verführerischer Schmeichelstimme.« »Ich dich auch. fast unsichtbar war. »Du wirst es noch bedauern. was für ein fader Knochen Gillian sei. nach dem Wonder-Bra. ich liebe dich. ehe er ihn unter dem niedrigen Gestrüpp verteilte.« »Gillian. die sich über diesen grauen Untergrund zogen.« »Trotzdem.ihnen heute Nachmittag. Ocker. Das könnte das beste Geschenk sein. Mitten im Espenhain lag eine Siedlung. »Ich schmolle nicht.« »Oh. heiß und nochmal heiß«. dass du daran gedacht hast. rief Gillian ihr zu. »Punktgenau. aber trotzdem: nein. verwandelte derselbe Wind die safranfarbenen Espenblätter in Kastagnetten. Seine Knie ruhten auf einem kastanienbraunen reich verzierten Samtkissen.« »Viel Spaß mit dem Astronauten. dass er beinahe auf ein anderes Auto aufgefahren wäre. ich kapiere. wenn du diese Gelegenheit verpasst.« »Vorbei.und Siena-Tönen der Umgebung. bat um die Rechnung und bestand darauf. korrespondierten perfekt mit den Sand-. Obendrein kommt Jem heute Abend.« »Letzte Chance. Deshalb. das ich dir je gemacht habe.

wie er gekommen war. als ob sie einen unschätzbaren Wert für ihn besäße. Aber es war nicht Gottes Name. Unter der breiten Glastüre. hob den Zettel auf und sah. Er hielt den Kopf gesenkt.« . damit sie der Wind nicht fortwehen konnte. Wie in Ekstase hob er sein Gesicht der Sonne entgegen. Während er die gedruckte Nachricht las. die die Terrasse vom riesigen Innenraum trennte. Nein. Der Betende unterbrach eine Weile sein himmelstürmendes Flehen. breitete sich langsam ein Lächeln über sein hübsches Gesicht. Die Lippen formten sich zu einer stummen demütigen Bitte. Von Gott auserkoren. Seine dichten blonden Haare wirkten fast weiß und seidenweich wie bei einem Engel. Wieder schloss er die Augen. Heute. Er presste die Nachricht mit seinen langen gefalteten Händen gegen die Brust. dass er einen Stempel mit Tag und Uhrzeit trug. Seine Augen waren geschlossen.sie es geschenkt hatte. Von Gott gesegnet. Anschließend zog er sich genauso lautlos zurück. Vor weniger als einer Stunde. tauchte ein Mann in einem streng geschnittenen dunklen Anzug auf. den er anrief. Von Gott berührt. wobei er eine Ecke unter das Samtkissen schob. Er hatte die Hände unter dem Kinn gefaltet – ein wahrer Inbegriff von Frömmigkeit. Geräuschlos näherte er sich dem Betenden und legte ein Blatt Papier neben die kniende Gestalt. Stattdessen flüsterte er ehrfürchtig einen anderen: »Gillian Lloyd.

Vor dem Bankett heute Abend findet eine Pressekonferenz statt. Longtree wirkte bedrohlich. Denn George Abbott. Seit Beginn des Treffens vor fast einer Stunde hatte sich Longtree nur bewegt. Abbott einschmeichelnd. »Ich bin mir nicht einmal sicher. als ob er an akuten Hämorrhoiden litte. »gewissermaßen eine Andeutung Ihrer eventuell endgültigen Entscheidung. »Offiziell werde ich erst in einigen Monaten aus der NASA ausscheiden.« »Das ist unrealistisch.« Abbott räusperte sich nervös. »Noch etwas Kaffee? Oder diesmal vielleicht etwas Stärkeres?« Lächelnd schüttelte Christopher. Er wollte das Treffen unbedingt abschließen. danke. beeilte sich Abbott zu versichern. um ein Tütchen Süßstoff in seinen Kaffee zu schütten und anschließend in regelmäßigen Abständen das zierliche Porzellantässchen zum Mund zu führen. »Sie wollen jetzt eine Antwort?« »Nichts Endgültiges«. ich schätze Ihr Interesse. selbstverständlich würden wir es begrüßen. einer der ihm gegenüber sitzenden Männer. steht selbst für mich noch völlig offen. die sich wie Klammern links und rechts seines Mundes eingegraben hatten. bedauerlicherweise jedoch nicht ganz so heimlich. Er wackelte mit den Knien. Er spielte mit der Streichholzschachtel in dem sauberen leeren Aschenbecher und wechselte ständig seine Position. Wenn er nicht trank.« »Heute?«. 2 Colonel Christopher Hart schaute so unauffällig wie möglich auf seine Armbanduhr. den Kopf. der bei seinen NASA-Truppen besser unter dem Spitznamen Chief – Häuptling – bekannt war. »Colonel.« »Nun. wenn Sie in unseren Heimatstaat New Mexico umzögen«. einem wortkargen Mann. und was ich anschließend tun werde. Sie haben mir eine Menge Stoff zum Nachdenken geliefert. Er hatte den Strohhalm aus seinem Glas Eistee gezogen. ihn über ein dutzend Mal verformt und zu guter Letzt verknotet.« Chief musterte Dexter Longtree. sagte Abbott mit einer Stimme. Nur seine Lippen waren in dieses Lächeln einbezogen. wem von beiden Chief mehr misstraute. wo ich wohnen werde. Sie könnten uns etwas mitgeben. eigentlich hatten wir gehofft. wie er gedacht hatte. deshalb sagte er: »Meine Herren.« Er lachte gezwungen.« »Wir wollen Sie nicht länger aufhalten. beugte sich vor. Sein gezwungenes Lächeln in dem strengen sonnenverbrannten Gesicht wirkte fehl am Platz und stand in völligem Widerspruch zum Faltengespinst um seine tief liegenden Augen und den tiefen Furchen. die für die gedämpfte Cocktailbar viel zu . »Nein. lagen seine Hände unbeweglich auf seinen Oberschenkeln. rief Chief. Dafür muss ich einen klaren Kopf behalten. Seine raue dunkle Hand hätte Tasse und Untertasse ohne große Mühe zerquetschen können. Außerdem grinste er über beide Backen. Longtrees Stimme war kühl und glatt wie ein geschliffener Felsbrocken und schien mit ebensolcher Wucht auf ihnen zu landen.« Dieser Satz kam von Dexter Longtree. der das Gespräch größtenteils seinem Partner überlassen hatte. aber auch sie wirkten unnatürlich gedehnt. der ihn weiterhin unerbittlich anstarrte. Abbott dagegen zappelte ständig herum. ganz im Gegensatz zu Longtree. Es stand fifty-fifty.

NAA bot Chief einen jährlichen Vorschuss an. Er war ein Kriecher. Abgesehen von pekuniären Überlegungen. die sie gründen wollten.« . Er hatte keine allzu glücklichen Erinnerungen an seine Kindheit. die in mir tiefe Verstörung auslösen.« Native American Advocacy – Stimme der Ureinwohner Amerikas – hieß die Interessengruppe.« »Bezüglich der Organisation?« Chief ließ sich mit der Antwort Zeit. wenn sämtliche anderen Hilfeleistungen bereits ausgeschöpft waren. es ist nicht ganz so einfach. meinte Chief kurz angebunden. versteht sich. während die Masse weiterhin unter der nationalen Armutsgrenze lebt.« »Und die wären?« »Zum Beispiel. sollte jeder Stamm bzw. Damit wäre allen gedient. Diese Dienste sollten die ganze Skala abdecken: von Prozesshilfe über Sponsoren bis zur Einflussnahme auf die Abstimmungsergebnisse von Gesetzesentwürfen. die habe ich. dass einige Ureinwohner mit Schürfrechten.« Er klang wie ein routinierter Autohändler. Der Reichtum wird nicht gleichmäßig verteilt – manchmal sogar überhaupt nicht. Ziemlich stark. den man Chief im Vorfeld des Treffens zugeschickt hatte. dass Ihnen dieser Job jede Menge Freiraum für andere Dinge ließe. die Chief an eine Schlange in stillem Gewässer erinnerte.« »Ja. pflichtete Abbott bei. Abbott.ausgelassen klang. »Wir werden unser Hauptquartier in Santa Fe aufschlagen. wenn Sie in der Nähe wären.« Wieder meldete sich Longtree zu Wort. sondern sogar mit einem definitiven »Verdammt noch mal. Anwälte und sonstige Standesvertreter. darauf aus. jedes Reservat die Dienste der NAA in Anspruch nehmen können. waren damit einverstanden gewesen. die sich bereits positiv geäußert hatten. wenn er als ihr Aushängeschild fungierte. »Nein. und sein Zähne fletschendes Grinsen unterstützte diesen Eindruck noch. mit einer Stimme. aber nicht unbedingt notwendig«. hatte er in einer ersten Reaktion nicht nur mit einem schlichten »Nein« ablehnen wollen. Er wollte sie nicht beleidigen. Es wäre praktisch. Bis auf einen gelegentlichen Lidschlag hätte man ihn mit einer Bronzestatue in einem Kunstmuseum verwechseln können. Spielcasinos und anderen profitablen Unternehmen in den Reservaten reich werden. die eine direkte Auswirkung auf die amerikanische Urbevölkerung hätten. ich spüre bei Ihnen noch einige Vorbehalte. die bis zur Taille reichten und wie zwei identische schwarze Seidenstränge auf den Revers seiner Anzugjacke lagen. der sich Longtree in jeder Hinsicht beugte. Sie könnten Ihren eigenen Interessen nachgehen – so lange sie sich nicht mit unseren kreuzen. obwohl Häuptling Dexter Longtree einschüchternd wirkte. damit wollte Dexter nur sagen.« »Danke«. nein«. hob Longtree an.« »Praktisch. bei denen sich wahrscheinlich selbst Longtrees Zöpfe gekräuselt hätten. »Ich befürchte. »Colonel. So aber sagte er möglichst unverbindlich: »Ich habe Dinge gehört und gelesen. Das beunruhigt mich. Als Reaktion auf dessen Frage erwiderte Chief: »Meine Bedenken gelten nicht in erster Linie der von Ihnen vorgeschlagenen NAA. Andererseits hatte Chief unter herrischen Militärbefehlshabern gedient. »Sie sind in New Mexico aufgewachsen und noch immer einer von uns. Laut dem formellen Vorschlag. Mr. als offizielles Sprachrohr gegenüber den Medien und in Washington. So einfach ist das. »Colonel Hart. Der Jicarilla-Apache trug Zöpfe. im Bedarfsfall unentgeltlich zur Verfügung zu stehen. einen Kauf unter Dach und Fach zu bringen. selbstverständlich nicht«.

Genau hier hakte Abbott ein. fügte Abbott mit einem unverschämten Augenzwinkern hinzu.« Nach einem raschen festen Händedruck ließ er Chiefs Hand wieder los.« Daraufhin herrschte lange Schweigen.« Chief wandte sich dem hyperaktiven Mann zu. Er sagte: »George.« Er hatte längst einen Entschluss gefasst. der erste indianisch-stämmige Astronaut. wie klein er war. »Ihr Angebot schmeichelt mir. was ich vor einem bestimmten Forum sagen würde? Spielen meine politischen Neigungen in Ihrem Denken keinerlei Rolle? Sie haben mich ja noch nicht einmal zu meiner persönlichen Philosophie befragt. dass diese Gruppe an mir als Mensch interessiert ist. »Für uns ist es ein unschätzbarer Vorteil. während er Longtree die Hand hinstreckte. Trotzdem bin ich noch zu keiner festen Zusage bereit.« »Der halb Weißer war. »Wären Sie morgen Früh mit einem Treffen einverstanden? Dann . Durch sein Auftreten wirkte er weitaus größer. »Ich schätze das Vertrauen. Die Besten. Sofort verstummte der andere. Sogar mein Spitzname kommt daher. Wenn Sie reden. Nach erneutem angespanntem Schweigen hielt Longtree offenbar einen vorzeitigen Rückzug für angebracht und stand auf. die ähnliche Ziele verfolgen?« »Ja.« »Im Gegenteil. als ob sich das Programm in letzter Minute geändert hätte. selbst wenn ich es wollte. »George. Schließlich schloss auch er sich an und stand auf. besser zu sein.« Auch Chief stand auf. Abbott machte einen verwirrten Eindruck. das Longtree schließlich brach. Zweitens müsste ich sicher sein. noch ehe Sie überhaupt wissen. hören die Leute zu. Was ja auch unser Ziel ist. wir sollten uns Mr.« »Danke.« »Aber –« Longtree stoppte Abbotts Gegenargument durch schlichtes Handheben. müsste ich zuallererst überzeugt sein. »Verleugnen Sie Ihr Erbe?« »Das wäre unmöglich. »Ehe ich mich irgendeiner selbsternannten Gruppe oder Organisation für gemeinnützige Dienste anschließen würde. und sie sind gut. Plötzlich wurde Chief bewusst. Demnach waren weitere Diskussionen sinnlos. dass Sie ein Nachkomme von Quanah Parker sind. mich anzuheuern. Sie würden uns dabei helfen. für alle anderen den Fürsprecher zu mimen. sagte Chief. wir haben Colonel Hart genug Material zum Nachdenken für einen ganzen Nachmittag geliefert.« »Warum gerade ich?« »Weil Sie ein Volksheld sind. Harts Überlegungen anhören. »Sie wären tatsächlich bereit. ohne dass er informiert worden war. sich dessen anzunehmen. Kopfschüttelnd musterte ihn Hart von oben bis unten. »Gibt es nicht längst andere Organisationen. Allerdings habe ich mein indianisches Blut auch nie ausgenützt.« Wieder lachte Abbott nervös auf. Sie so weit zu bringen. das Sie in mich setzen«. Und das konnten sie genauso gut auch schon jetzt wissen. Colonel Hart. bei der meine Abstammung meine einzige Qualifikation darstellt. Er nimmt heute Abend an einem wichtigen Bankett teil. besonders die Damenwelt«. und nicht als Indianer. dass diese nicht ihre ureigensten Interessen verträten. »Umso mehr Grund für Sie. Trotzdem hoffen wir darauf.« »Dann ist es unsere Aufgabe.« Darauf wusste Abbott nichts zu erwidern. Sie könnten einen neuen Aspekt hineinbringen. Ich würde jede Position ablehnen. Sie sind im Weltraum spazieren gegangen!« »Was mich nicht dazu qualifiziert. die Dinge ändern.

was sich dahinter verbarg: eine offene Einladung. Aber verdammt. danke. fragte Chief militärisch knapp. »Nein.« Kaum waren Abbott und Longtree außer Sichtweite. manchmal sogar mit anzüglichen Fotos. Doch sein .« »Wir sind Frühaufsteher. Er machte nicht den Eindruck. Chief hatte seine Antwort lange vor diesem Treffen gekannt.« An Flirts war er gewöhnt. Jedenfalls gab er ihr ein großzügiges Trinkgeld und ging dann ohne weitere Zeitverschwendung auf sein Zimmer. als zöge er für die Zukurzgekommenen in den Kampf und versuchte. Er hatte schamlose Angebote per Post bekommen. Aber er war nicht mehr jung und ganz so ungestüm. Unterdessen schalt er sich innerlich für seinen Komplex.« »Ehrlich? Irre. wie er darauf ansprang. Leider würde ihm dieser zugeknöpfte Mistkerl keinen eleganten Rückzieher aus einem Frühstückstermin gestatten. Das Hotelpersonal hatte sein Versprechen gehalten: Sein Smoking hing frisch gebügelt im Schrank.« »Eigentlich wollte ich zeitig wieder nach Houston zurück. Und einmal hatte ihm eine Dame während eines offiziellen Dinners im Weißen Haus beim Vorstellen sogar ihr Höschen in die Hand gedrückt. wenn ein Indianer mit Feuerwasseratem auf einer Pressekonferenz erschiene. Aber diese junge Frau war ausnehmend attraktiv. Weibliches Interesse nahm er für mehr oder weniger selbstverständlich. direkt unter die Dusche. In seinen jüngeren wilderen Tagen hätte er ihr Lächeln als das genommen. das Unrecht wieder gutzumachen. Im ganzen Land hatte man ihm Zimmernummern auf Servietten aus den Hotelbars gekritzelt. »Kann ich Ihnen sonst noch was Gutes tun. Sie hatte sich das strahlende Lächeln der Mädchen aus Dallas angewöhnt. waren auf Hochglanz poliert. Die schwarzen Cowboystiefel. Anschließend putzte er sich gründlich die Zähne und gurgelte mit Mundwasser. der ist echt. Hart?« »Momentan nicht. Besonders nicht mit dem Perlen bestickten und mit Fransen besetzten Lendenschurz. zu dem er sich aus reiner Höflichkeit bereit erklärt hatte. jene unwiderstehliche Mischung aus scheuer Südstaatenschönheit und schamlosem Cowgirl. erwiderte der Apache.« Eigentlich gab es nichts mehr zu diskutieren. der mit großen Schritten die Bar verließ. »Zum Frühstück hier im Promenade?« »Wir sehen uns dann«. Mr. sie war so jung! Vielleicht wurde er nur langsam alt. das man an den Indianervölkern begangen hatte.« »Dann werden Sie doch hoffentlich vor der Abreise nochmal hereinschauen?« »Vielleicht auf einen Schlummertrunk.« »Ich freue mich schon jetzt darauf. »Ist das ein Schauspieler oder was Ähnliches?« Chief drehte sich zu der Bardame um. oder? Dann streifte er das plissierte Hemd über und steckte die Onyxknöpfe durch die Knopflöcher. Während des Anziehens gönnte er sich einen kleinen Bourbon. Chief spürte.könnten wir dieses Gespräch fortsetzen. Longtree wirkte wohlhabend und nicht wie ein Indianer. den er allerdings meistens unter Kontrolle hatte. Andere Happy-Hour-Gäste hatten sich umgedreht und starrten herüber. den er über seiner Hose trug. die sich an ihn herangepirscht hatte. strahlte sie Chief an. Trotz seiner markanten Erscheinung wollte Dexter Longtree nicht so ganz zur betuchten Klientel im Salon des Mansions passen. Nach kurzem Händeschütteln trottete Abbott hinter Longtree her. Sie bestimmen Zeit und Ort. Es ginge doch wohl nicht an. »Punkt neun Uhr?«. Ihr ganzes Reden hatte an seinem Standpunkt nichts geändert. die er dazu trug. der mit Mühe in einem Reservat über die Runden kam.

schloss die Manschettenknöpfe. Seine Augen waren einer der Gründe gewesen. warf er noch rasch einen Blick auf den Reiseplan. die Ausbildung zum Luftwaffenpiloten. Eigentlich wäre er am liebsten selbst aus dem exklusiven Turtle Creek Viertel gefahren. Wenn es nicht seinen Ur-Urgroßvater gegeben hätte. Drücken wir für den Indianerjungen doch mal ein Auge zu. und dann – war er fertig. geschweige denn gesagt. Kampfflugzeuge. kam eine Frau auf ihn zu. überprüfte den Namen seiner Kontaktperson und prägte ihn sich ein. ein schlaksiger Cowboy in Ur- Urgroßmutter verknallt. Er hatte die Haare und die Wangenknochen eines Komantschen. Sollten gewisse Leute diese Tatsache so auslegen. den ihm sein Houstoner Büro gefaxt hatte. Leider floss auch ein gut Teil vom Blut seines Vaters in seinen Adern. Was musste er denn beweisen? Warum verspürte er immer noch den Zwang. Das alles hätte er auch trotz seiner Abstammung erreicht. Aber die Gruppe. das sehr teuer aussah. elegant geschnittenes schwarzes Cocktailkleid. wo sich das Mansion weitgehend ohne Einblicke in einen für jede Öffentlichkeit gesperrten Park schmiegte.« Als er durch die Hoteltüren trat. dass die NASA keinem Menschen ohne Führungsqualität drei Shuttle-Missionen samt Mannschaft anvertraut hätte. warum sich sein alter Herr verdrückt hatte. und damit basta. würde er einem Indianer vielleicht noch mehr ähneln als jetzt. kurz nachdem aus dem Indianerterritorium ein Staat geworden war. Sie ist medienerfahren und kennt sämtliche Lokalreporter«. welch ein Glücksfall er für die Werbekampagne des Raumfahrtprogramms war. . So etwas macht sich gut in der Werbung. die seine erste Liebe mit »Paul-Newman-Blau« umschrieben hatte. dann war das ihr Problem. So aber hatte sich auf einer Ranch im äußersten westlichen Zipfel Oklahomas. die den Preis verlieh. hatte man ihm erklärt. Na und? Er hatte keine Vorzugsbehandlung genossen. immer fragen. das Weltraumprogramm. damit seine Universität. Deswegen hatte man ihn nicht gehätschelt. Air Force und NASA gut dastanden. Es war. Er klopfte einen Hauch Rasierwasser ins Gesicht und strich sich mit den Fingern durch seine kerzengeraden schwarzen Haare. sich zu beweisen oder zu rechtfertigen? Es gab nichts. »Sie ist mehr als nur ein Chauffeur. weder als Krücke noch als Sprungbrett. Trotzdem war er sich bewusst. Alles. Ohne sie würden Sie von der Menge erdrückt. der Indianer. Rein rational betrachtet. ob man dem Räderwerk des Systems nicht nachgeholfen hatte. wofür er sich entschuldigen müsste. »Colonel Hart?« Sie trug ein schlichtes. Von ihm hatte Christopher Hart die hoch aufgeschossene Figur und Augen geerbt. Seines Wissens hatte das wohl noch niemand je gedacht. Ehe er aus dem Zimmer ging. bei ihm waren die Gene der amerikanischen Ureinwohner voll durchgeschlagen.Gespräch mit Abbott und Longtree hatte ihn wieder aufflammen lassen. den Krieg. worin er sich je versucht hatte. hatte er hervorragend gemeistert: den Sport am College. hatte auf einer Begleitung für ihn bestanden. wie er es eben Longtree und Abbott erklärt hatte: Er hatte seine Abstammung nie benutzt. als verleugnete er damit seine Herkunft. Er war in einem Reservat aufgewachsen. wohin seine Gedanken drifteten. »Sie werden noch froh sein. Unwirsch registrierte er. band seine Armbanduhr um. Eine Adresse in Kombination mit seinem zuverlässigen Orientierungssinn hätten ihn das Hotel Adolphus mühelos finden lassen. wusste er genau. Trotzdem war ihm schon der Gedanke an die Möglichkeit verhasst. Seine Mutter war zu fünfundneunzig Prozent Komantschin gewesen. Und doch würde sich ein anderer Teil von ihm. Kein Zweifel. wenn Melina Lloyd Ihnen jede Störung vom Hals hält.

»Sie müssen Ms. Ein Türsteher hielt ihm bereits die Beifahrertüre auf. Lloyd«. bemerkte Chief. glitt ihre dunkle Haarmähne über die Schultern. Er wünschte.« »Nennen Sie mich Chief. keinen Pony. danke.« »Oh.« »War’s nicht zu kühl?« »Nicht für mich. Sie fragte: »Wie ist Ihr Zimmer? Hoffentlich zufriedenstellend?« »Alles da. sie würde ihre Sonnenbrille ablegen. was ihr übriges Gesicht versprach. damit er erkennen konnte.« »Wann sind Sie in Dallas angekommen?« »Heute Nachmittag. »Pardon?« »Hinter mir auf dem Boden stehen in der Kühlbox Wasser und Softdrinks. Klang hübsch.« Lächelnd schüttelten sie einander die Hand. weil sie’s kapiert hatte.« »Man hat mir erklärt.Das Sonnenlicht zeichnete irisierende Farbstreifen in ihre glatten Haare. besonders ihr Mund. ich solle Sie heute auf einen langen Abend vorbereiten. aber eine Sonnenbrille.« Sie lächelte zurück. »Wenn ich mal richtig Geld ausgeben will. wobei sie ihn verstohlen musterte. gegen zwei. »Ich nicht. der am Ende des überdachten Aufgangs wartete. Das Knie war sogar noch hübscher.« »Dafür ist es ja auch berühmt.« Gemächlich hielt sie vor einer roten Ampel und drehte den Kopf. Sie trug einen Seitenscheitel. wie Sie möchten. ob ihre Augen hielten. die fast so dunkel wie seine eigenen waren. rutschte ihr Kleidersaum ein paar Zentimeter übers Knie. Dann hatten Sie ja ein bisschen Zeit zum Entspannen. nichts.« . aber ein paar meiner Kunden wohnen hier – die wirklich Berühmten«. Ms. »Gute Fahrt. »Melina. Sie lachte. stimmt’s?« Er lachte erfreut. Melina gab dem jungen Mann ein großzügiges Trinkgeld. dass sie um eine Antwort nicht verlegen gewesen war. Aufreizend raschelte der Stoff über ihre hauchdünnen Strümpfe. bei dem er sündige Gedanken bekam. »Danke. Ich habe ein paar Runden gedreht und meine Bräune aufgefrischt. »Ihre Bräune? Das ist ein Insiderwitz für Indianer. Als sie den Fuß von der Bremse nahm und aufs Gaspedal trat.« »Das ist gut. sogar ein Obstkorb und eine Flasche Champagner. Ein Hauch von Parfüm stieg ihm in die Nase.« Sie deutete mit dem Kinn auf einen brandneuen Lexus. Das Personal hat mich fürstlich behandelt. »Stimmt. sagte er und winkte ihnen beim Abfahren nach.« »Stellen Sie sich die Klimaanlage so ein. »Was hätten Sie denn gerne?« Sein Blick schoss von ihrem Oberschenkel zum Gesicht. alles in bester Ordnung. Noch mehr freute es ihn. »Sie müssen regelmäßig hier sein«. fügte sie hinzu. Hier kann man wunderbar Leute beobachten.« »Das werde ich mir für später merken. Sie wissen über die Pressekonferenz davor Bescheid?« »Im Foyer im zweiten Stock. komme ich zum Lunch her.« Als sie vor dem Einbiegen mit einer Kopfdrehung den Gegenverkehr prüfte.« »Ich bin in den Pool gestiegen. äh. und außerdem kochen sie eine köstliche Tortillasuppe. Lloyd sein.« Sie streckte ihre Hand aus.

« »Kurz vor dem Lunch. es ihm liebevoll beizubringen.« »Ich auch. weil ich mich mit meiner Schwester zum Lunch getroffen habe. Ich habe nicht eher angerufen. Du hast es tatsächlich getan.« »Dass ich der Buhmann bin?« »Dass Sie irgendein männliches Wesen sind. Ich hatte zwar ein paar Mal kalte Füße und Schmetterlinge im Bauch. wie sehr es mir auf die Seele geschlagen ist.« . aber so lange muss diese Pressekonferenz ja nicht dauern. Ich habe sie schon eine ganze Weile und wollte nur warten. aber ich wollte das wirklich ganz alleine tun.« »War es auch. sagte er: »Natürlich hast du das getan. ich weiß ja.« »Und?« »In einer Woche bekomme ich das Ergebnis. weil ich begeistert bin. aber würdest du’s auch auf ein ander Mal verschieben?« »Stimmt etwas nicht? Fühlst du dich nicht gut?« »Mir geht’s gut. Wieder warf sie ihm einen Blick über ihre Sonnenbrille zu.« »Warum hast du mich nicht angerufen? Ich wäre doch mitgegangen. dass du meinen Entschluss unterstützt. ich habe gerade meinen Anrufbeantworter abgehört und bin begeistert.« »Hast du’s Melina erzählt?« Noch ehe sie antworten konnte.« »Gillian?« »Hallo. bis du dich entschlossen hast. und sie wusste. dass er lächelte.« Aus seiner Stimme konnte sie heraushören. Das ganze Erlebnis war emotional extrem belastend. Jem. Erst danach habe ich gemerkt.« »Da bin ich aber froh. Ich wäre so gerne dabei gewesen. Es liegt mir viel daran.« »Meiner Meinung nach würde das niemand glauben.« »Du hast mir ausdrücklich versichert. dass er seine Überraschung unbedingt mit ihr teilen wollte. als ich gerechnet hatte. wann jemand mit ihr flirtete. Und das zog sich viel zu lange hin. und meinte: »Jem. dass es sich um eine sterile klinische Prozedur handelt. wenn Sie aufhören möchten.« »Ich habe etwas für dich. Sie dürfen mir ruhig ein Zeichen geben. Was hält sie davon?« »Sie ist begeistert. Sie versuchte.« »Wann hast du dich definitiv dazu entschlossen?« »Gestern. dass wir uns eigentlich heute Abend sehen wollten. Sie nickte. eine Überraschung. Mehr. Denken Sie daran. Beinahe hätte ich meinen Nachmittagstermin verpasst und konnte dir nur noch zu Hause eine Nachricht hinterlassen.« »Liebling. aber ich habe es durchgezogen. Auf diese Weise bin dann ich der Buhmann. egal ob nach der fünften oder der fünfzigsten Frage. Daraufhin werde ich Sie entschuldigen und schnell Richtung Ballsaal zum Bankett bringen.« »In welcher Hinsicht? Hast du dich aufgeregt? Geweint?« »Nicht so direkt. Es ist schwer zu erklären. dass das Dinner offiziell um sieben Uhr dreißig beginnt. »Nur Leute mit Spezialausweis haben Zutritt. Bin nur sehr müde. Trotzdem wollte sie allein sein. Jem.« Sie war nicht töricht und wusste ganz genau.« »Tut mir Leid. »Vielen Dank. Ich würde sie dir gerne vorbeibringen.

ich rufe dich später an«.« Jem neigte dazu. Um darüber nachzudenken. Offensichtlich habe ich mich geirrt. dass er verletzt war. dass sie ihn ausgeschlossen hatte. alles zu sehr zu analysieren. »Gillian. und legte auf. dass du in einer so entscheidenden Nacht eine liebevolle Stütze brauchen könntest.« Sofort bedauerte sie. . Aber noch ehe sie ihn doch noch einladen konnte. wie es dir emotional – Wie hast du gesagt? – so auf die Seele schlagen konnte. »Ich hätte gedacht. sagte er brüsk. Und gerade heute Abend kam ihr seine Analyse nicht gelegen. Warum hatte sie nicht den klügeren Weg eingeschlagen und ihn herüberkommen und sein Geschenk überreichen lassen? Das hätte ihr wesentlich weniger Stress bereitet.« Sein Ton verriet ihr. Können wir’s denn nicht dabei belassen?« »Sicher können wir’s dabei belassen. Sie versuchte. jeden gereizten Ton zu vermeiden. Über alles mögliche. als sie sagte: »Ich brauch nur ein bisschen Zeit für mich alleine. »Dann verstehe ich nicht.

Chief war dankbar.« »Und die wären?« Er knöpfte seine Jacke auf.« »Nun. Lloyd. erstens sollte meiner Ansicht nach jeder Sex haben.« .« »Melina. wie ist’s denn so da draußen im All?« Er fertigte den jungen Mann mit seiner nichts sagenden Standardphrase ab: »Überirdisch. könnten Sie mit Vorträgen und Reden Karriere machen.« »Haben Sie diesbezüglich irgendwelche Pläne?« »Ich bin gerade dabei. einverstanden? Ich bin es leid. streckte Chief die Hand über den Sitz und legte sie auf ihren Arm. »Sie waren exzellent.« Er grinste. Sir. damit Sie sich nicht anstellen müssen. ich wollte nicht neugierig sein. Während er mit Melina zum Auto spazierte.« Während sie sich angurteten. es ist nur –« »Wir müssen auch gar nichts reden. dass Sie inzwischen fix und fertig sind. Eigentlich würde ich mich über ein Gespräch sogar freuen. beglückwünschte ihn Melina zu seiner Rede. »Ich bin nicht fix und fertig. ich habe Ihren Wagen gleich dort drüben geparkt. Bis Chief mit seiner Dankesrede an die Reihe kam. »Möchten Sie dazu meine Meinung hören?« »Bitte. »Besten Dank. die zu den Türen herausströmte. Sie können auch gerne den Kopf zurücklegen. jedem weiteren Kontakt mit der Menschenmenge zu entgehen. 3 »Ms. Offiziell war es schon Herbst. Nun war er froh. dass auch die Klimaanlage bereits lief. über mich zu reden. Wenn’s dabei nur nicht um mich geht. »Könnten wir über etwas anderes reden?« Mit betretener Miene rief sie aus: »Tut mir Leid. Können wir das Thema wechseln?« »Natürlich. »Sie sind schlagfertig. antwortete sie stoisch. Sollten Sie einmal aus dem Raumfahrtprogramm aussteigen.« »Darum geht’s ja gar nicht. Das Bankett hatte sich lange hingezogen. und dankbar. tauchte der Wagenmeister auf und deutete auf den mit laufendem Motor geparkten Lexus. erkundigte sich der Wagenmeister hingerissen: »Colonel Hart.« »Muss ein echtes Erlebnis gewesen sein. Er verging vor Hitze in seiner Smokingjacke. mehrere Möglichkeiten abzuwägen.« »Das tun viele Ex-Astronauten.« Chief verdoppelte den Fünf-Dollar-Schein. weg zu können.« Kaum hatten Chief und Melina unmittelbar nach dem Bankett das Hotel verlassen. Ich hätte merken müssen. die Augen schließen und sich erholen. Jeder Redner hatte seine ihm zugemessene Zeit am Mikrofon weit überzogen. Und was dann?« »Sex?« »In Ordnung«. langweilte er sich restlos. doch sein innerer Thermostat arbeitete nicht parallel dazu. Alles Gute für Sie beide.« »War es. Nach Konversation ist Ihnen vermutlich am wenigsten zu Mute. den ihm Melina gegeben hatte.« Um den Entschuldigungen ein Ende zu bereiten.

»Okay.« »Von beidem wäre mir ein Schuss recht. wobei sie mit dem Kopf zu den Vorräten auf dem Rücksitz deutete. entspannt und in positiver Stimmung zu sämtlichen Verabredungen und Medienterminen erscheint. dann wandte sie sich wieder der Straße zu und legte den Gang ein.« Sein durchtriebenes Grinsen strafte seine Behauptung Lügen. und mir bleibt kaum Fahrzeit. Nähzeug und feuchte Tücher dabei. »Warum?« »Weil ich Sie gerne auf einen Drink einladen möchte. meine Kunden vor jedem möglichen Chaos zu schützen.« »Möchten Sie etwas trinken?« bot sie an. dass der Kunde pünktlich. tat es nicht«. »Außerdem kann man mit feuchten Tüchern gut Bühnenschminke . Ihnen ist der Unterschied zwischen einer Medienbegleitung und der anderen. »Möchten Sie. dass Sie kein Vollprofi sind. Absagen und neue Termine in letzter Minute. Erleichtert sagte er: »Erklären Sie mir Ihren Job.« »Feuchte Tücher?« »Einmal habe ich eine Fernsehdiva begleitet.« »Und wer war das?« Ruckartig hob sie den Kopf und schaute ihn entgeistert an. hätte er fast befürchtet.« Er schob die Smokingjacke herunter und warf sie achtlos auf den Rücksitz. drehte sie den Kopf.« Nach diesem Satz zuckte er zusammen und meinte: »Oh. »Angeblich ja. meinte sie gedehnt. »Einen kräftigen Bourbon?« »Ich hatte mehr an Diet Coke oder Evian gedacht. sagte sie lachend. Manchmal zu meinem Nachteil. Obwohl an ihr fast alles beinahe sensationell wirkte. Sie mussten herzhaft lachen. also. Erst als sie an eine Ampel kam. Krankheit. Deshalb schleppe ich auch all die Sachen mit mir herum«. das irgendwo unterwegs aufkeimen könnte. »Ah! Schon viel besser. stimmt’s?« »Nein. würden Sie dann mit mir einen Drink nehmen?« »Chief. Sie wusch sich nach jedem Körperkontakt. Spricht etwas dagegen?« Sie schüttelte den Kopf. die eine Phobie davor hatte. dann zog er seine Schleife auf und öffnete den Hemdkragen.« »Mit dem Bourbon«. »Die meiste Zeit verbringt man dabei im Auto. »Ich habe sogar einen Erste-Hilfe-Kasten. Als das Lachen verebbte.« »Was zum Beispiel?« »Verkehrsstau. Er legte die Hand aufs Herz. das klang nun auch wieder nicht richtig. dem gemeinen Volk die Hände zu schütteln. warf er ihr einen direkten und ernsthaften Blick zu. Unverwandt schaute er in ein graues Augenpaar. oder?« Wenn ihre Frage nicht von einem neckischen Lächeln begleitet gewesen wäre. »Jaja«. Himmel. sagte sie. Manchmal ist der Zeitplan sehr eng. schon klar. »Wartet zu Hause jemand auf Sie?« Sie reagierte nicht sofort auf diese Frage. sagten beide gleichzeitig. ehe sie dann doch weiter ging. »Damit wollte ich nicht andeuten.« »Stört es Sie.« Zuerst gab sie ihm eine kurze Zusammenfassung. Ich versuche. wenn ich meine Jacke ausziehe?« »Keineswegs. das sich als ihr schönstes Attribut entpuppt hatte. fährt quer durchs Großstadtgewühl und sorgt dafür. dass ich Ihre Geheimnisse unter meinen anderen Kunden verbreite?« »Ich habe keine Geheimnisse. Einfach alles. eher anzüglichen Sorte. was Sie sich denken können. dass er seine Grenzen überschritten und sie beleidigt hatte.

« »Da fallen mir fünfzig ein. dass meine Kundschaft ihrem Status entsprechend behandelt wird. Kino.« Weil er ihr mit Vergnügen zuhörte.« Er musterte ihr Profil. wenn er in der Stadt ist. meine ich. den auf der Rückfahrt ins Hotel ein gewisses Rühren überkam. Wer als Mann. halten Dauerkunden bei der Stange und bringen mir neue. den ganzen Tag neben ihr in einem engen Wagen fahren musste. man lernt wirklich nicht aus. wie attraktiv sie war. dann sorge ich dafür. Ein häufiger Kunde – ein Autor. »Irgendwo müssen Sie aber doch eine Grenze setzen. und man für sie auf Schritt und Tritt den Roten Teppich ausrollt – ob sie’s verdienen oder nicht. Er konnte unmöglich der einzige Mann gewesen sein. Ich bringe sie an jeden gewünschten Platz: Restaurant.« »Das kann ich bezeugen. dafür zu sorgen. »Mal angenommen.« »Ich habe durch Improvisieren gelernt. »Drücken wir’s mal so aus: Ich habe mal einen Schauspieler begleitet. Wir spielen jedes Mal. dem auffiel. Konzert. Sie hatte mich auch gebucht. konnte schon in Versuchung geraten. ein Kunde wünscht Begleitung. fern vom häuslichen Herd.von dunklen Stoffen entfernen. Bühne. fielen ihm immer neue Fragen ein. ist tabu. Wem der Kopf danach steht. »Oberhalb der Taille oder darunter? Verraten Sie mir doch wenigstens noch so viel. Wer nett ist. So etwas spricht sich herum. Bei diesen kleinen Extras.« »Chief!« .« Chief stimmte in ihr Lachen mit ein. weder männlich noch weiblich.« »Im Ernst? Hm. Auch alles. »Geben Sie mir einen Tipp. wie Sie es nennen. wer spinnt und wer nur terrorisiert. wie er allein wieder zurückkam. »Dann bekomme ich für den heutigen Abend ein goldenes Abzeichen. Natürlich tauschen wir Begleitdienste uns auch untereinander über die Promis aus.« »Den Teufel werde ich tun!« Chief lachte.« »Animierlokale und Oben-Ohne-Bars kommen nicht in Frage.« Nach kurzem Zögern sagte sie: »Ein Zuchthengst jenseits seiner besten Jahre. Außerdem hätte es ihm sein monströses Ego nie gestattet. Dabei entspannt er sich und bekommt wieder einen klaren Kopf. »Das wäre zu einfach. Lunapark. Ich bin ein guter Zuhörer geworden. Dabei erfuhr er. Ferner gehört es zu meinem Job.« »In welcher Hinsicht überkam ihn denn ein großes Rühren?« Sie warf ihm einen zurückhaltenden Blick zu. die regelmäßig reisen. muss sich selbst darum kümmern.« »Gab’s ein Nachspiel?« »Bei wem hätte er sich beklagen sollen? Seine Frau managt ihn. mit einer Ausnahme: Ihre Rede. Dann konnte er sehen. Ich habe angehalten und den Kerl hinausbefördert. was mit verschreibungspflichtigem Stoff zu tun hat. »Machen Ihnen diese kleinen Extras denn nichts aus?« »Diese ›kleinen Extras‹. dass ihr Job nicht immer mit Chauffeurdiensten und sorgfältig organisierten Pressekonferenzen erledigt war.« »Jetzt werden es schon weniger. Auch für Prostituierte sorge ich nicht. Film oder Fernsehen?« »Film. Sie sollten sich um nichts kümmern müssen. Und –« Sie warf ihm einen Seitenblick zu. eine Abfuhr einzugestehen.« Sie lächelte ihn an. der jedes Frühjahr auf Lesereise geht – liebt Poolbillard über alles. besonders unter Autoren.« »Und vermutlich lassen Sie ihn immer gewinnen. Wie lauten seine Anfangsbuchstaben?« Sie schüttelte den Kopf.

« Er schob die Hand in die Hosentasche und zog eine samtbezogene Schmuckschachtel heraus. Dieser unangemeldete Besuch ging ihr gegen den Strich. bis wir wissen. als wäre er gerade aus einem Katalog geklettert. ich musste heute Abend einfach kommen. wanderten seine Blicke zu dem Handtuch hinauf. dachte ich an Blumen oder Pralinen.« »Was ist?« »Nun.« Als sie ihn anschaute. nichts für einen tiefen Kuss zu riskieren. Besonders nachdem unser Gespräch so sauer geendet hat. »Gillian. Er sah aus. Selbst in Khakihose und Polohemd war er eine gute Erscheinung.« Sie war über seinen Anblick nicht allzu erfreut. weil ich nicht angerufen habe«. Als er sich wieder löste. ob du diesmal schwanger wirst oder es noch einmal versuchen musst. Bequem. egal.« »Hmmm. ich wollte soeben eine Bitte vorbringen. genau am Tag des Eingriffs.« »Jem!« »Sei nicht böse. Trotzdem war es immer noch ein scherzhaftes Geplänkel. »Gillian. und da die Wohnungstür nicht der ideale Platz für eine Diskussion über Charakterschwächen war.« »Könnte ich dann. Ich wollte nicht warten und dir morgen das Geschenk geben. trug sie bereits einen Schlafanzug: eine kurze Baumwollhose mit passendem Oberteil.« Mit leisem Lachen zog er sie an sich und küsste zart und zurückhaltend ihre Lippen. hereinkommen? Nur ganz kurz. habe ich keinen männlichen Besuch erwartet. »Jem! Als du ›Überraschung‹ gesagt hast.« »Ich schon. Aber er lächelte nett und flehentlich. führte sie ins Wohnzimmer und zog sie neben sich aufs Sofa. »Wie du siehst. Es musste noch heute sein. Könnte keinem Geschlechtsgenossen einen Versuch vorwerfen. dass ich auch wirklich schwanger bin?« »Du sollst wissen. Ich möchte vom ersten Moment an am Leben des Babys teilnehmen. Er nahm sie bei der Hand. ich musste dich einfach sehen. Ich werde nicht lange bleiben. was sie insgeheim als Verletzung ihrer Privatsphäre betrachtete. ohne Vorankündigung hereinzuschneien. Innerhalb gewisser Grenzen.« »Darüber war ich auch nicht glücklich. fügte er hinzu: »Hoffentlich denken Sie innerhalb gewisser Grenzen darüber nach. wie immer. »Na gut. Himmel. Ich habe dich lieber ohne Make-up. Einen Herzschlag lang fürchtete sie. das sie sich um den Kopf gewickelt hatte.« Obwohl es noch nicht einmal neun Uhr war.« »Du siehst hinreißend aus. aber nicht sonderlich aufreizend. trat sie beiseite und bat ihn herein. dass ich jeden deiner Schritte mittrage.« »Dann solltest du mal deine Augen prüfen lassen.« Verstohlen wanderte ihr Blick zur Schachtel. »Sogar dieser Turban gefällt mir. Angesichts ihrer Stimmung war er sensibel genug. »Oberhalb. Er hatte die schlechte Gewohnheit. er wolle um ihre Hand anhalten. Ich würde alles tun. Ich möchte dieses Ereignis mit dir teilen. sagte er rasch. Jems Äußeres versetzte ihrem Ego einen weiteren Schlag.« »Autsch.« Wütend funkelte sie ihn an. dann muss ich eben meiner Fantasie freien Lauf lassen. bitte. Aber das? Solltest du nicht bis nach dem Bluttest warten.« »Ich mache gerade eine Haarkur. Aber es war ein längliches Etui und kein kleiner Kubus wie bei einer . versprochen. um die Bedürfnisse und Wünsche meiner Kunden zu befriedigen.

sagte er barsch. das sich schon seit Jahren vergeblich um eine Schwangerschaft bemüht. Als er auf den Schnappverschluss drückte. wir reden nur um den heißen Brei herum. den er als Freudenschrei interpretierte. Als er versuchte. Offensichtlich hatte er sich eigenständig über das Thema informiert. und jetzt auch nicht.« Überrascht registrierte sie seine Kenntnisse der Expertenempfehlungen. murmelte er: »Gillian.« »Was hat denn Melina damit zu tun?« fauchte sie nun ihrerseits. dass man Paare sogar dazu ermuntert. frag mich nicht.« »Das ist nicht wahr. ob du heute Nacht bleiben kannst. es ist wunderschön. es würde zu deinem Teint passen. stieß sie vor Erleichterung einen leisen Schrei aus. mit Rubinen besetztes Herz. »Das sagst gerade du.« »Was ist dann nicht in Ordnung?« »Ich kann’s nicht ausdrücken. ich möchte dich heute Nacht spüren. lass mich bleiben. Du wirst auch während der Schwangerschaft hinreißend sexy sein. Der Anhänger war wirklich wunderschön und schlug rubinrote Funken aus ihrer Haut. Jem. Schau’s dir mal an.« »Keines. Nach jedem Treffen mit ihr verwandle ich mich wie zufällig in Gift. Ehrlich. »Heute Abend kann ich einfach nicht mit dir zusammen sein. »Selbst dann noch. Schon am Telefon konnte ich’s dir nicht verständlich machen. wenn ich so kurz nach dieser Prozedur mit dir schliefe. »Perfekt. ehe sie sagte: »Ich käme mir komisch vor.« »Was ist los?« »Bitte. aber stabilen Goldkette hing ein kleines. wobei er erneut die Hand nach ihr ausstreckte. »Tut mir leid. Den anderen Arm legte er ihr um die Taille und zog sie an sich.« »Dann tu’s doch nicht«. sie an sich zu ziehen. »Bin ich nicht hinreißend. sagte er.« »Ich habe gelesen. »Gefällt’s dir?« »Jem. nahm aber sein Gesicht zwischen beide Hände.« »Ich habe eine Erklärung«. Das ist schwer zu erklären. Bitte.« Er nahm den Anhänger aus der Schachtel. Ich möchte nicht nein sagen müssen.Ringschachtel. Und sexy.« Während er sie in den Nacken küsste. Dann nahm er sie bei den Schultern und drehte sie mit dem Gesicht zu sich.« »Das heißt. Man empfiehlt Geschlechtsverkehr unmittelbar danach für Paare –« »Wir sind ein Paar.« »Versuch es wenigstens. sogar mit einem Handtuch auf dem Kopf. legte ihn um ihren Hals und schloss den winzigen Verschluss. »Du hast dich heute mit Melina zum Lunch getroffen. Mit der Pose eines Filmstars wandte sie sich wieder zu ihm. Ihr Anblick stimmte ihn hochzufrieden.« Sie ließ sich einen Augenblick Zeit.« »Es ist wunderhübsch.« An einer zierlichen. »Das stimmt.« Er führte sie zum Spiegel über dem Beistelltisch.« Als seine Hand zwischen ihre Schenkel glitt. stoppte sie ihn mit einem entschuldigenden Lächeln. »Ich dachte.« »Auch wenn ich wie ein Fesselballon daherkomme?« Er spreizte die Hand über ihren Unterbauch. blieb sie wie angewurzelt stehen. oder was?« »Du bist hinreißend.« Mit einem Lächeln legte er ihr wieder .

noch würde es uns beiden Spaß machen. Sei nachsichtig.« Sie begleitete ihn zur Türe. Andernfalls wäre ich ein Barbar.« Widerwillig küsste er zuerst ihre Fingerspitzen. Und das wäre weder fair dir gegenüber. dass er erneut Widerspruch einlegen wollte. wo er auf ihrem Ausschnitt lag. »Wir können uns morgen treffen. legte sie ihm die Finger auf die Lippen. Auf alle Fälle morgen. »Du bist wunderschön. Ich werde heimgehen und kalt duschen. »Ich wäre heute Abend nicht mit Herz und Kopf dabei.die Hände um die Taille. erwiderte sie und lächelte zurück. »Bitte! Ich brauche dein Verständnis.« Als sie sah. dann ihre Nasenspitze. Vielleicht sogar zwei Mal. »Jem. sagte sie und entwand sich seiner Umarmung. Ich werde meine Termine für mittags überprüfen. Vermutlich werde ich mich an diese hormonellen Widersprüche gewöhnen müssen. Gönne mir heute Abend einen Migräneanfall.« . »In Ordnung. irgendwann. das wirst du schaffen«.« »Zum Lunch?« »Ruf mich vormittags an. während sie nach der Stelle tastete. Ich liebe dich. »Der Anhänger ist wirklich wunderschön«. oder?« »Ich denke.« »Ich dich auch. das hier ist etwas ganz Persönliches«. wo er sie wieder leicht auf die Lippen küsste. bestätigte sie.

hielt sie ihnen höflich auf und trat zu Seite. Geistesabwesend bedankte er sich bei dem Mann.« »Hat Ihnen denn Ihr Essen nicht geschmeckt?« »Dank all der Leute. kam ich nicht zum Essen. Ihre Erwartungen wurden weit übertroffen. Beide stiegen aus. ein verschmitztes Lächeln zu unterdrücken. Man wird uns sicher anstarren. aber ein bisschen aufgetakelt sind wir schon. Drinnen im Lokal schien es nicht ganz so voll zu sein. die sich nie geziert und bei Männern die scheue Hilflose gemimt hatte. als er durch die Hoteltür trat.« Mit diesen Worten schob er ihr den Arm um die Taille und zog sie an sich. »Jedenfalls nicht um Tacos. zierlich und ausgesprochen weiblich zu sein. ihm so nahe zu sein.« »Sicher?« Zur Bestätigung schaute er auf seine Armbanduhr. Obwohl die übliche Zeit zum Abendessen längst vorbei war. Während sie auf die Türe zugingen.« »Ich bin süchtig nach Fastfood. Als sie schon fast vorbei waren. so dass sie nun Hüfte an Hüfte weitergingen.« »Können Sie denn zu so später Stunde noch ein offenes Lokal auftreiben?« »Es ist noch nicht mal elf. ein verwaschenes T-Shirt und Gummischlappen. und am Schluss musste ich auch noch Autogramme geben. ging es dort hoch her. Er war als erster an der Tür. Im selben Augenblick tauchte von drinnen ein Mann mit einer Tüte in der freien Hand auf. dass er sich redliche Mühe gab. Er war so wunderbar männlich. worum ich Sie bitten würde?« Sie konnte genau erkennen. platzte der Mann plötzlich heraus: »Ms. klein. die auf mich eingeredet haben. bemerkte sie: »Ich habe nichts zu verbergen. fühlte sich das gut an! Sie. Chief schnupperte noch immer in ihren Haaren und stieß dabei im Scherz aggressive Knurrlaute aus. »Ich habe nichts zu verbergen. Außerdem bin ich dem Hungertod nah. meinte er. »Möchten Sie nur durchfahren oder hineingehen?« Rings um das gesamte Gebäude zog sich eine lange Autoschlange und wartete auf einen Platz vor dem Fenster. Seine Brille war heruntergerutscht.« Wenige Minuten später bogen sie auf den Parkplatz einer Fastfood-Kette ein. Er schob sie sich . Mir kam dieses Bankett endlos vor. genoss jetzt das Gefühl. Seine schütteren Haare waren blond und strähnig. Von der ersten Sekunde an. Lloyd? Gillian Lloyd?« Sie blieb stehen und drehte sich zu ihm um. der es wagt. Er trieb den Scherz auf die Spitze und beschnupperte ihre Haare. »Oho. was hatten Sie denn gedacht.« »Zu zweit erträgt man das besser. »Den möchte ich sehen. hatte sie darüber spekuliert. Sie bog in einen freien Parkplatz ein.« Inzwischen hatten sie fast den Eingang erreicht. Müssten wir dafür einen großen Umweg machen?« »Tacos lassen sich leicht finden. Er trug eine schlabberige Khakihose. 4 »Tacos?« Mit Unschuldsmiene fragte Chief: »Melina. Sie etwa?«. Herrgott. wie es sich anfühlen würde. sich mit uns beiden anzulegen.

ich kenne Sie –« Dass sie ihn nicht wiedererkannt hatte.« Chief stupste sie leicht an. einen guten. »Hallo. Er musste heftig schlucken. warum. ich mag alles.« »Na denn. tjaa. Seine Reaktion entsprach typisch männlichem Revierverhalten: Er zog sie noch fester an sich.« Seine Augen ließen sie nicht mehr los. Sie gingen weiter ins Lokal und stellten sich in der Schlange an.« »Ihnen auch. Unter seiner offenen Bewunderung stieg Wärme in ihr hoch. wobei sein großer Adamsapfel noch stärker hervortrat.« »Oh.« »Danke. Als sich ihre Blicke wieder trafen. Er räusperte sich. ja. Leute. machte den Mann plötzlich verlegen. »Dass sie genauso attraktiv ist wie Sie. die er einen Augenblick verwirrt musterte. ehe sie erneut mit einem Ausdruck von Verletztheit und Erstaunen zu ihr wanderten. Im Handumdrehen schien ihr die Situation unangenehm. Dann stotterte er: »Ähem.« Sein Blick wanderte von ihr zu Chief.« »Es fällt mir nur schwer zu glauben. die sich erst lösten. Sekunden lang blieben seine kurzsichtigen Augen auf Chiefs Hand an ihrer Taille liegen. jaja. oh. murmelte er: »Wie ist es möglich. obwohl sie keine Ahnung hatte. Sie wären es.« . Aufgekratzt sagte sie: »Anscheinend hat heute Abend jeder Appetit auf Tacos. Beide versanken in lange tiefe Blicke. als ob ich ihn kenne. Und damit meine Aussage ja nicht falsch verstanden wird. Ich wollte nur eine. Sie deutete auf die Tüte in seiner Hand.« »So ähnlich sehen Sie einander?« »Eineiige Zwillinge.« »Dann egal. »Ein Freund von Ihnen?« fragte er. äh.wieder auf die Nase und meinte: »Ich dachte. natürlich. Kleinigkeit. Unter hilflosem Lächeln stotterte sie: »Ich-ich-tut mir Leid. ich bin ein eineiiger Zwilling. Hallo. dass ich nicht sie bin. »Melina. dass – Gillian?« Sie nickte. »Sie machen Witze. als die Angestellte am Tresen sie begrüßte.« Prüfend tasteten seine Augen ihre Haare und ihr Gesicht ab und blieben einen Moment auf ihrem Mund liegen.« »Häh?« Dale Gordon schien vergessen zu haben. so zu tun. Lloyd. Colonel Hart. Ms. statt zu erklären. was hätten Sie denn gerne?« »Bin ich eingeladen?« »Selbstverständlich. »Dale Gordon. was soll’s denn heute Nacht sein?« Chief schien seine Trance förmlich abzuschütteln.« Chiefs Blicke wanderten von ihr zu dem Fremden. »Wie hat er Sie nochmal genannt?« »Offensichtlich hat er mich mit meiner Schwester Gillian verwechselt. dass es zwei Frauen mit gleich grauen Augen gibt?« Lächelnd sah sie zu ihm auf und fragte: »Ist das auch nur im Entferntesten als Kompliment gemeint?« »Oh. Das passiert ständig.« »Nein. möchte ich eines klarstellen: Sie sind eine überaus attraktive Frau. ich arbeite bei Waters.« Seine Miene versteinerte. In diesem Fall war es einfacher. wo er war.

bekam sie trotz des Bergs Essen. Errötend ließ sie die Hand in den Schoß sinken.« »Schmeckt die Weltraumküche denn nicht?« »Geht so. Er faltete die Hände übers Lenkrad. Salat und scharfes Fleisch mit den Fingern essen mussten.« Herzhaft griffen sie zu. Plaudernd und lachend . wie sie sich eingestehen musste. Bis Gillian Lloyd und der große gut aussehende Mann mit ihrer Bestellung aus dem Lokal kamen.« Sie entschieden sich für ein Picknick auf dem Couchtisch. nicht anders. Trotz der milden Nacht war es für einen derart heftigen Schweißausbruch nicht warm genug. »An der Tüte. war nicht mehr da. wie er ihren Mund beobachtete. den sie verschlungen hatte. »Hmm. muss ich mich umgehend mit richtigem Essen voll stopfen. Schon bald amüsierten sie sich angesichts ihrer Gier auf das Essen. als Chief schließlich seine Suite im Mansion aufschloss und sie vorausgehen ließ. »Es riecht köstlich.« Sie machte es sich bequem und stieg aus ihren hochhackigen Schuhen. »Bin ich über Ihren Vorschlag froh.« Mit einem Glas in jeder Hand kam er auf sie zu. Wahrscheinlich ist – Salz oder sonst was hineingekommen –« Dann brach auch sie ab. Als sie ihm zuschaute. Bei ihr war es. Dann spazierte sie durch den Wohnraum der Suite und schaltete alle Tischlampen ein. bemerkte er. Während sie das Essen auswickelte und verteilte.« Sie stieß mit ihm an und trank einen Schluck. ein schwereloses Gefühl im Bauch. schenkte er zwei Drinks aus der Bar ein. Und auf einen guten Schluck Whiskey. meinte sie kurz. durch die sie hereingekommen waren. Erst als seine Stimme erstarb. Und genau darauf konzentrierte sich nun sein Blick. »Wasser?« »Bitte. Er sah zwar. wie sie die Lippen bewegte. der sich als Dale Gordon vorgestellt hatte. Kaum aus dem Shuttle. dass sie an ihrem Zeigefinger genuckelt und ihn mit der Zunge gründlich abgeleckt hatte. und Eis. aber ohne auf ihre Worte zu achten. bis sie schließlich Käse. Weil er nicht hinhörte. Während er bestellte. »Worüber sprachen wir gerade?« Auf dem Weg zu seinem Auto warf Dale Gordon die Essenstüte ungeöffnet in einen Abfalleimer. war sein T-Shirt klatschnass. Die knusprigen Taco-Schalen zerbröselten. »Man könnte meinen. Schließlich nahmen seine Augen wieder Blickkontakt auf. warf sie einen verstohlenen Blick zur Türe zurück. ich hätte einen Monat lang nichts bekommen«. das die Astronauten im Shuttle verzehrten. lehnte die feuchte Stirn dagegen und atmete hektisch durch den Mund ein. »Auf fette Kalorien und hohen Cholesterinspiegel. Kalter Schweiß brach ihm aus. als ob sie durch ein Spinnennetz gelaufen wäre. nicht auf das Essen. So viel habe ich auch nicht gegessen. wurde ihr bewusst. erst jetzt merke ich meinen eigenen Hunger. als ob ihr jemand mit Drachenatem von hinten ins Genick hauchen würde. Der Mann. Dennoch hatte sie den Vorfall vergessen. »Oder dass ich gerade von einem Raumflug gelandet bin. Trotzdem hatte er in ihr ein ungutes Gefühl hinterlassen. die man bereits vor seinem Besuch mit seiner Bourbonmarke aufgefüllt hatte. Aus seinen Augen tropften Tränen auf die verkrampften Hände. Er hob sein Glas. Zum Essen war er viel zu verstört. kämpfte er mit heftiger Übelkeit. aber – es – Sie wissen schon –« Angespannt hatte sie jedes seiner Worte verfolgt. »Hab’ mich am Papier geschnitten«. reichte ihr eines hinunter und setzte sich dann ihr gegenüber hinter dem niedrigen Tisch auf den Boden. um den Brechreiz zu unterdrücken. Als er sich ins Auto setzte und auf dem Fahrersitz zusammensackte.

Die Baumstämme im Vorhof schmückten Lichterketten.« »Ich habe Sie in keinster Weise besonders angeschaut.« »Nicht. »Sie wissen doch. als sei sie sein Eigentum. Und sie hatte sich diese Behandlung gefallen lassen. »Ich habe ihn mir nicht ausgesucht. um direkt in Ihrem Blickfeld zu sitzen. obwohl noch gar nicht Weihnachten war.« »In einem kurzen schwarzen Rock?« »So kurz ist er nun auch wieder nicht. dass ich mich beim Anblick Ihrer Beine nur noch mit Mühe auf meine Rede konzentrieren konnte. war aber noch nie dort gewesen. würde ich Ihnen fast alles verzeihen. Das zerschmetterte Dale Gordons Welt in tausend Stücke. Tolle Hände. gab sie zurück. um sich seinem intimen Tonfall anzupassen.« »Ich habe aus Höflichkeit aufgepasst. »Was ist wie?« »Wenn man eine identische Zwillingsschwester hat.« Sie sammelte das restliche Einwickelpapier und die Servietten ein und stopfte alles in die leere Tüte. Versunken betrachtete sie seine Hand. um ihnen zu folgen. Funkelnd plätscherte das Wasser über den Kaskadenbrunnen.« »Oh doch. Gillian Lloyd ging mit einem Mann in ein Hotel. Der Lexus glitt in die kreisrunde Auffahrt. »So ähnlich.« »Entschuldigung. wie’s eigentlich im Weltraum ist?« »Dass es keine Antwort gibt. wie sie mit Hilfe eines Parkassistenten aus dem Wagen stiegen und auf den diskreten Eingang unter dem weißen Vordach zusteuerten.« Sie senkte die Stimme. Gehört hatte er schon davon.« »Gut. die Hand mit dem Whiskeyglas ruhte auf seinem Knie. der sie in aller Öffentlichkeit befummelt hatte. Nein. Es war nur ein kurzer Weg bis zu diesem Schickimicki-Hotel. Ein Mann. haben Sie schon. Colonel. wie Sie sich vorkommen.« »Man hat mir nun mal diesen speziellen Platz an diesem speziellen Tisch zugewiesen«. wie Sie haargenau wussten. Hastig fummelte Dale Gordon an seinem Zündschlüssel herum. und man allmählich auch jeden Versuch satt hat?« Sie lächelte. ich hätte Sie angeschaut?« »Genau so. wenn man Sie fragt. deren kräftige Finger lässig den Rand des Glases umfingen. wie Sie mich während meiner Rede angeschaut haben. aber wie kommen Sie überhaupt auf die Idee. anscheinend hatte es ihr auch noch Spaß gemacht. dass ich mich geschlagen geben möchte. Sie riss sich zusammen und reagierte auf seine Frage.« »Und doch haben Sie es absolut ausgenutzt. Er sah noch. Er fuhr bis zum Blockende. denn wenn Sie mich so anschauen. »Wie ist das eigentlich?« Chief hatte zu essen aufgehört und lehnte sich mit dem Rücken gegen das Sofa. »Wie schaue ich Sie denn an?« »So.« . »Ich sitze immer mit gekreuzten Beinen.« »In hochhackigen Schuhen?« »Normalerweise schon.kletterten sie in einen Lexus. wo er in drei Zügen wendete und zurückkam. Ein Bein hatte er aufgestellt. Ich verzeihe Ihnen. den sie steuerte. Dale Gordon rauschte vorbei.« Unverbindlich zuckte sie mit den Schultern.« »Sie haben sich ostentativ viel sagend verhalten.« »Diese Frage ist nichts Neues.

« »Mit jedem Zentimeter. um meine Fantasie an ihren Lieblingsort wandern zu lassen. »Fragen Sie. nun sind also meine Blicke daran schuld. ging um den Tisch herum und blieb direkt vor ihm stehen. »Allerdings handelt es sich bei Ihnen um den eines Herzensbrechers. Mit beinahe verzweifelter Hast bewegte er sich durch den überfüllten Raum und zündete Kerzen an. über Melina Lloyd. die schon allzu oft angezündet worden waren.« »Ich auch. Zu allem Unglück füllte sie das einzige Fenster des Wohnraums zur Gänze.« Dann stand sie langsam auf. Zittrig hielt er Streichhölzer an vom Ruß verklumpte Dochte. Nur seine Augen glitten an ihr hoch und tasteten gemächlich die Landschaft ihres Körpers ab. Seine Brustwarzen.« »Und Sie zeigen uns Männern immer die kalte Schulter.« Er blieb auf dem Boden sitzen. Das einzige Zugeständnis an moderne Verhältnisse stellte eine ins Fenster eingebaute Klimaanlage dar.« »Aha. Ein Jahrzehnt vor Pearl Harbour hatte man die allein stehende Einzelgarage in einen Wohnraum umgewandelt. wen Sie wollen.k. sondern auch ein Frischluftproblem zur Folge hatte. die im Sommer feuchtkühle und winters feucht-warme Luft ausspuckte. Aus reiner Gewohnheit ließ er seine Kerzen bis auf den letzten Wachsrest herunterbrennen.« Sie tat.« Leise lachte sie. Die Hitze und der Rauch der vielen Kerzen machten den Raum noch stickiger.. Dann fragte er mit belegter Stimme: »Und was erscheint Ihnen gerade richtig?« In Dale Gordons Appartement war es kaum wärmer als draußen. »Melina?« »Hmm?« »Werden wir miteinander schlafen?« Ein erregender Pfeil hatte mitten ins Schwarze getroffen. dass sie impulsiv ist. als nähme sie Anstoß. Er schälte sich aus seinem T-Shirt und warf es auf das schmale ungemachte Bett. als er seine Gummischlappen abstreifte und sich aus Hose und .« »Unter Ihren Blicken fühle ich mich aber nicht sehr damenhaft. Seit jenem Umbau war nicht mehr viel verändert worden. um sich die Schweißperlen abzuwischen. waren erregt und hochrot. Sie hielt die Luft an. was nicht nur eine sträfliche Verletzung der feuerpolizeilichen Vorschriften war. um die ein paar einsame lange blonde Haare standen. wie sehe ich Sie denn an? Wie fühlen Sie sich denn unter meinen Blicken?« »Wie eine Eiswaffel an einem heißen Sommerabend. ich bin eine Dame. aber darauf achtete Dale Gordon nicht. Plötzlich fröstelte ihn. »Ich habe einen guten Ruf zu verteidigen. aber als er an jenem Abend aufsperrte. die sich auf seiner blassen Haut über den vorstehenden Rippen gebildet hatten.« »Eine Retourkutsche ist nur fair. Dann strich er mit den Händen über seine knochige. »Colonel Hart. Sie tut immer genau das. was ihr gerade richtig erscheint. dann beugte er sich vor und stellte sein Glas auf den Couchtisch. fast konkave Brust. und man wird Ihnen sagen.« Sekunden voll lastender sexueller Spannung vergingen.« »O. Deshalb pumpte Dale Gordon zur Zeit nur abgestandene dicke sauerstoffarme Luft hastig in seinen dünnen Körper.« Nach nur einem Herzschlag Zögern antwortete sie: »Nein. erschien ihm das einsame Zimmer besonders dumpf und bedrückend. »Kurz genug.

Dale verfügte über keine persönliche sexuelle Erfahrung. weil dies nicht allein Gillians Verfehlung war. Es war ein einziger Schlamassel. Dale Gordon war taub und unempfindlich gegen das Geräusch und den darauf folgenden Schmerz. die er mit dem Handtuch verschmierte. Gillian Lloyd saß allein im Wagen. das nur ein fadenscheiniger Vorhang vom restlichen Zimmer trennte. Und Filme. schüttelte ihn ein neuer unkontrollierbarer Weinkrampf. die Tageszeit spielte keine Rolle. Mit der Rechten umklammerte er den schweißgefleckten Griff. wie sie ihre wohlgeformten Gliedmaßen um den Körper jenes Mannes schlang. Es war unwichtig. Er betete ernsthaft reumütig. an das Blut Jesu. wenn er sich Gillians lustvolles Vorspiel ausmalte und vor seinem inneren Auge sah. Er wurde ohnmächtig. Andererseits erinnerten ihn die roten Streifen. Laut schniefend betete er vor seinem Altar. Tränen strömten aus seinen Augen. Seine Person war Dale Gordon egal. dass er. Es war schon spät. Dale Gordon. Als seine Kniescheiben auf den blanken Zementboden knallten. Vielleicht sollte er bis morgen früh warten. bis der Lexus wieder aus der Einfahrt des Mansion aufgetaucht war. Obwohl er wusste. Kläglich. Mit bleicher Hand umklammerte er den Hörer und dachte mit Schrecken an das. Nein. der sie wie ein Tier bestieg. Trotzdem wusste er. Er hob das Fransentuch. als er sich ans Telefon begab. Drinnen lag eine Lederpeitsche mit mehreren breiten Streifen. wer er war. Aber Beichte und Gebete waren nicht genug. was er nun tun musste. hatte er etwas Tröstliches für ihn. Er musste Bruder Gabriel beichten. sein Vertrauen verraten und mit seiner Mission gescheitert war. als er am Kreuze hing. Er hatte in seinem Auto gewartet. wirklich schlimm. Entscheidend war nur. Trotzdem war die Auspeitschung nur die erste Stufe seiner Strafe. Er . Zur Sühne für sein schändliches Versagen musste er bestraft werden. und sei es auch noch so demütigend. Er hatte versagt. Bruder Gabriels Werk kannte keinen Stundenplan. was Gillian mit ihm getrieben hatte. sondern auch seine. das aus ihm geflossen war. klang es. dass beinahe die Knochen unter der Haut geklappert hätten. nahm ein Handtuch mit zum Altar und versuchte. Er peitschte sich so lange. Ihm erschien es. sprach rasch ein Gebet und ließ die Striemen auf den Rücken klatschen. Er hatte Fotos gesehen. fand er sich mit angezogenen Knien zitternd auf dem blutbespritzten Boden wieder.Unterwäsche schälte. Steif rappelte er sich auf und taumelte ins Bad. die ihm als Altar diente. als würde man Walnüsse knacken. Nackt sank er vor einem primitiven Altar auf die Knie. Sie fuhr nach Hause. dass jeder Vergleich zwischen ihm und diesem allerhöchsten Propheten und Märtyrer dünkelhaft war. Er hatte alles schlimm vermasselt. als wühlten sich in seinem Innersten alle Dämonen der Hölle mit Zähnen und Klauen durch seine Organe nach draußen. Jedes Mal. er musste nicht einmal seinen Namen wissen. bis das Blut über sein scharf gezeichnetes Rückgrat floss und zu Boden tropfte. was Männer und Frauen miteinander trieben. und zog eine der drei Schubladen auf. der bis auf seine strahlend blauen Augen wie ein Indianer aussah. Er musste Bruder Gabriel erklären. das Blut vom Boden aufzuwischen. nachdem sie Stunden lang mit diesem großen dunklen Mann Unzucht getrieben hatte. Als er endlich wieder zu sich kam. das die Truhe bedeckte. Sein ausgemergelter Oberkörper bebte so heftig unter stoßweisem Schluchzen. Nach einer kühlen Dusche ließ er die Haut an der Luft trocknen. wenn sie allein waren.

dass der Anruf durchging. ihm alle guten Nachrichten sofort mitzuteilen. In seinem Anruf hatte er berichtet. Die Telefonleitungen im Tempel waren jeden Tag der Woche vierundzwanzig Stunden lang besetzt.war unermüdlich. dass die Mission. während er dem hohlen Zischlaut im Hörer lauschte. Nach fünfmaligem Läuten hob jemand in der Siedlung oben auf dem Berg ab. abgeschlossen war. Dale Gordon kannte die Telefonnummer auswendig. die man ihm anvertraut hatte. der ihm verriet. Dieser Anruf war ein Grund zu hoher Freude gewesen. wie stolz war er gewesen! Und jetzt – jetzt das. Wie kann ich dir helfen?« . Er hatte sie erst heute Morgen gewählt. Dasselbe galt auch für schlechte. weit weg von Dale Gordons schäbigem Appartement. Außerdem hatte Bruder Gabriel den Auftrag erteilt. »Friede und Liebe. Schmerzhaft klopfte sein Herz gegen den Brustkorb. Ach.

neben der links und rechts Töpfe mit blühenden Chrysanthemen standen. und wie in allen Dingen hatte Bruder Gabriel auch hier Recht gehabt. Die Holzverkleidung war weiß. Obwohl die salzigen Tropfen einen stechenden Schmerz in den Schürfwunden auf seinem Rücken hervorriefen. Er war versperrt. die Eingangstüre dunkel. Der Rest lag im Dunkeln. . durch reine Geisteskraft. Bruder Gabriel hatte ihm versichert. die ihn von der Durchführung abhalten könnten. Nichts erhellte seinen Weg. 5 Der Tag versprach feucht und drückend zu werden. Er legte die Hände um die Augen und spähte durch das fächerförmige Fenster. Zur Sicherheit hätte sie wirklich ein Verandalicht brennen lassen sollen. Ringsumher herrschte frühmorgendliche Stille. musst du bereit sein. Sogar in Abwesenheit konnte er Wunder vollbringen. herrschte hohe Luftfeuchtigkeit. obwohl er noch nie zuvor hier gewesen war. Seine Augen blickten unverwandt geradeaus. Noch ehe Nachbarn oder Polizei eintreffen. Kein einziger hatte warnend gebellt. die der Jahreszeit entsprach. von ihr oder ihren Nachbarn entdeckt zu werden. sondern sie auswendig gelernt. Nach drei Versuchen fand er ein unversperrtes. im traditionellen Stil aus Ziegeln gemauert. und daran glaubte er. bis er auf der Höhe ihres Hauses ankam. Er prüfte den Türriegel. Er kannte den Weg genau. Lediglich aus dem hinteren Teil des Hauses drang ein einzelnes bläulich-weißes Licht zu ihm. Drei breite flache Stufen führten zur Eingangstür hinauf. dachte Dale Gordon. Es war ein einstöckiges Gebäude. der sich ganz auf seine Mission konzentrierte und nicht auf eventuelle Hindernisse. Man hatte ihm Unbesiegbarkeit zugesichert. das ins obere Drittel der Tür eingelassen war. Dann wandte er sich mit soldatischer Geste der Vorderseite zu. Daraufhin stieg er von der Veranda und überprüfte nacheinander sämtliche Vorderfenster. schnell zu handeln. Aber selbst in diesem Dämmerlicht tat Dale Gordon keinen falschen Schritt. Der Vorgarten war sehr gepflegt. Blau. der soeben die Hantel stemmt.« Bruder Gabriel dachte an alles. Dale Gordon hatte sich ihre Adresse nicht aufgeschrieben. möglicherweise auch grün. Noch eine Stunde bis Sonnenaufgang. vielleicht sogar schwarz. Das einzige Geräusch war sein stoßender Atem. waren ihm diese Beschwerden gleichgültig. Er fürchtete nicht. dass sein Pfad gerade und sicher sein würde. Dale Gordon schwitzte schon wieder heftig. während er zum Eingang ging. »Falls du eine Alarmanlage auslöst. Trotz der kühlen Temperatur. In der Dunkelheit ließ sich das schlecht erkennen. Er hatte selbst die Hunde in der Nachbarschaft zum Stillhalten gebracht. Der Mond lag als schmale Silbersichel umgedreht knapp über dem westlichen Horizont. Er hörte ihn nicht. Er schrieb seinen sicheren Tritt göttlicher Führung zu. Dale Gordon wischte seine verschwitzten Hände an der Khakihose ab und holte rasch mehrmals Luft. Denn genau das war er: ein guter und gehorsamer Soldat. wobei er seine Backen wie ein olympischer Gewichtheber aufblies. Unbeirrt wie ein Soldat marschierte er den Gehsteig entlang.

nur das Allernötigste anzufassen. durfte sich von dieser verderbten Hure Gillian Lloyd nicht einwickeln lassen. Aber diese Vorsichtsmaßnahme war überflüssig. wie wenn er Bändern mit Bruder Gabriels Predigten lauschte. Er hatte noch nie mit solchen Ziergegenständen gelebt und wäre gerne länger geblieben. eines als Andenken zu behalten. war berauschend. An der Wand hing eine Korktafel mit handschriftlichen Notizen und Visitenkarten. Die zweite Tür führte in ein kleines ordentlich aufgeräumtes Schlafzimmer. ob sich drinnen im Haus etwas regte. Seine Zunge wanderte um den Glasrand. Aktenschränke und ein Faxgerät. Deshalb richtete er sich auf und schaute sich um. Er spürte. dass seine Lippen und Zunge einen Gegenstand berührten. Er sehnte sich danach. Danach stand er eine halbe Minute reglos da und lauschte. Im ersten Zimmer standen ein Schreibtisch mit Computer. Es roch gut. Das Bewusstsein. dass er nach ihr trank. Dieses Erlebnis hatte fast religiöse Bedeutung. Auf dem Bett lag eine hübsche helle Tagesdecke und am Fußende zusammengefaltet ein altmodischer Quilt. nach Blumen und Gewürzen. entdeckte er auf der Arbeitsplatte ein Trinkglas mit vielleicht zwei Schluck Flüssigkeit darin. entschied sich dann aber doch dagegen. und schlich den Flur entlang. um jeden Zusammenstoß mit Möbelstücken zu vermeiden. Gegenüber von Esszimmer und Küche ging vom Wohnzimmer ein dunkler Gang mit drei Türen ab. aber laut seiner Anweisung musste er seine Mission noch vor Tagesanbruch erfüllen. ob sie brannte. Sein Herz raste genauso. Er wollte sie schon ausschalten. Trotzdem wurde ihm leicht schwindlig davon. Trotz des Parkettbodens trat er so leicht auf. Eines musste das Schlafzimmer sein. Leider war es zu dunkel. Er geriet in Versuchung. bis er buchstäblich keuchte. wo er eine hübsche Kristallschale mit getrockneten Blütenblättern und Zimtstangen fand. Richtung Küche nach. Offensichtlich ein . Mit raschen Schritten eilte er zur Haustür zurück. Bruder Gabriel hatte ihm eingeschärft. ein runder Tisch mit einem zur Bettdecke passenden Tuch darüber. um sich zu beruhigen und neu zu orientieren. Er streckte die Hand aus. als er hastig das Fenster hochschob. Außerdem war es für ihn ein sinnliches Erlebnis. das mit Sex zu tun hatte und deshalb falsch war. wie sich in seiner Unterwäsche etwas regte. das er durch die Eingangstür gesehen hatte. stemmte er es ganz hoch und kletterte hindurch. und damit symbolisch auch der Versuchung. Seine Nase führte ihn zu einem Beistelltisch. in dem sie schlief. Er stand in ihrem Wohnzimmer. um auch die anderen Sachen im Zimmer betrachten zu können. In der Abzugshaube über dem Herd brannte eine Leuchte. Er bewegte sich vorsichtig. Er ging dem einsamen Licht. und ein Dieb war er nicht. Gerade als er die Küche wieder verlassen wollte. Halt! Was tat er da? Er durfte sich nicht ablenken lassen. Kein Alarm schaltete sich ein. um die Personen auf den Fotos erkennen zu können. wieder hinaus. damit etwas aus ihrem Besitz ihm gehörte. Er beugte sich hinunter und atmete den angenehmen Duft tief ein. Andererseits würde Bruder Gabriel es nie erfahren. Seine Augen hatten sich schon an die Dunkelheit gewöhnt. Ihr privates Büro. Am liebsten hätte er ein Licht angeschaltet. Es war egal. Auf verschiedenen Tischchen lagen zwischen Bilderrahmen Bücher und Zeitschriften verstreut. die sich als Leitungswasser entpuppte. Dale Gordon stellte sich vor. dass kein Brett knarzte. den sie erst vor kurzem berührt hatte. wo er inne hielt. hinein. Sein Atem ging immer schneller. Ein Sessel. die sie täglich berührte. dann zögerte er. Als er nichts hörte. Er stellte das Glas hin und drehte ihm den Rücken zu. zwischen all den persönlichen Dingen zu verweilen. Aber er widerstand. oder? Dale Gordon hob das Glas und trank die Flüssigkeit. Das wäre Diebstahl. selbst auch nur ein Schatten zu sein. so dass er seine Umgebung einigermaßen erkennen konnte.

und diese Wahrheit begriff Dale Gordon jetzt wie nie zuvor. Ganz deutlich hätte man ihre Brustwarzen unter dem weichen Stoff sehen können. Warm und feucht von ihrer Weiblichkeit. Neben dem Bett lagen zwei Kleidungsstücke auf dem Boden. als Mutter eines Morgens die schlimme Sache entdeckte. hob sie ans Gesicht und atmete tief ein. Wenn er nicht vorsichtig war. Bei der Vorstellung. wurde ihm schwindelig. ein zierliches Ohr boten sich seinen Blicken dar. Seit jenem Vorfall im Sportunterricht an der Realschule. Sie schlief auf dem Bauch. Vor Begeisterung. Er wendete die Shorts. sogar beim Urinieren. dass es ihn erneut im Schlaf betrogen hatte. Auch damals war es so gewesen. ein Auge. Sein Herz pochte. dass sie in diesem kühlen Zimmer wohl kaum ihre Körperwärme hatten speichern können. überwältigen. sich daran zu reiben. an denen das Baby saugen würde. Er streichelte die weiche Baumwolle. denn für spirituelle Menschen war die fleischliche Natur tabu. und seine Laken fleckig waren. die ihre Brüste bedeckt hatte. Aber jetzt würde es kein Baby mehr geben. Jede Berührung war ihm verhasst. das er gerade empfand. Er konnte ihr Shampoo riechen und schmeckte förmlich den Geruch ihrer schlafwarmen Haut. Wer das Fleisch befriedigt. oder wenn er es hielt und so lange abschrubbte. Eine der Auserkorenen. würde ihm vielleicht wieder übel. wie sich ihre nackte Haut an diesem Stoff rieb und sich ihre Brüste darunter abzeichneten. Das war sie gewesen. Obwohl ihm klar war. sonst würde er wütend. Er ging wieder in den Flur. breitete sie über sein Glied und begann. weil er ihr so nahe war. und wie er mit Zähnen und Klauen über sie herfiel. sagte ihm sein hervorragender Geruchssinn bereits. ist auf dem Irrweg. Entweder dieser Umstand oder die göttliche Erleuchtung. wäre er am liebsten im Boden versunken. Das Zimmer lag im Dunkeln. dass er sie deutlich sehen konnte. den Kopf seitlich aufs Kissen gebettet. die ihn bisher geleitet hatte. Eine Wange. hatte er die Existenz dieses ekelhaften Dings zwischen seinen Beinen geleugnet. müsste er sich wahrscheinlich wirklich übergeben. bis er blutete und von unreinen Gedanken und Taten geläutert war. wie sie sich an ihn klammerte und wollüstig aufstöhnte und sich bereitwillig schänden ließ. dass er sie dort fände. Nur die Shorts behielt er in der Hand und knetete sie sachte. Brustwarzen. Sie hatte ihn sich selbst so lange schlagen lassen. Beim Gedanken. Traurig legte er das Pyjama-Oberteil ans Fußende des Bettes. Durch die Stofflagen hindurch konnte er spüren. Ein Pyjama mit kurzer ärmelloser Jacke. Immer wenn er morgens aufwachte und feststellen musste. als ihm die anderen Jungs die Unterwäsche heruntergezogen und sich über seinen kleinen Penis lustig gemacht hatten. sein Urteilsvermögen trüben und seine . Das hatte ihm Bruder Gabriel erklärt. leisteten ihm nun gute Dienste und schenkten ihm eine differenzierte Nachtsicht. wie er steif wurde – ein für Dale Gordon einzigartiges Erlebnis. Bruder Gabriel hatte Mutter zugestimmt. Er musste rein bleiben. vorne zum Knöpfen. Aber inzwischen hatten sich seine Augen so ans Dunkel gewöhnt. aber nicht aus Angst oder Furcht. die er jede Nacht im Bett trieb. Vor Erregung. konnte er ihren Atem riechen.Gästezimmer. Er bückte sich und hob sie auf. Obwohl sie fast unmerklich atmete. Noch ehe Dale Gordon durch die Tür am Flurende trat. sie schändete und entweihte. der Stoff sei immer noch warm. würde ihn das Vergnügen. Wie ein Fächer breiteten sich ihre dunklen Haare seidenglatt übers Kissen. bildete er sich ein. bis es sauber war. bis – Aber darüber würde er jetzt nicht grübeln. Eine der Auserwählten. Schon beim bloßen Gedanken an den großen Mann.

Als ob man ihr die Kehle zugedrückt hätte. Es war. keuchte sie. Gillian. ohne sich sofort zu regen. dass er einfach nicht damit aufhören konnte. halbherzig. Und daran weidete er sich. Und genau dadurch wurde sie wach. Ja. noch ehe der Schrei ganz heraus konnte. so gut. Dann rollte sie sich hastig auf den Rücken. wo sie sei. wenn er Gillian Lloyds Pyjamahose an sich rieb. eher leise. Er konnte auch nicht verhindern. das sie je sehen würde. Zuerst schlug sie die Augen auf. Sie erkannte ihn wieder! Jetzt kannte sie ihn also. . sich daran zu erinnern. als versuchte sie. dass er in einer Mischung aus animalischer Lust und heiliger Scham dumpf aufstöhnte. kannte sein Gesicht. was sie aufgeweckt hatte. Und eines stand fest: Dies war das letzte Gesicht. Nicht besonders laut. Und doch fühlte es sich so gut an. als hätte sie seine Anwesenheit gespürt. »Hallo. Sie schrie. Als ob der größte Teil noch immer in ihrer Kehle gefangen sei.Mission gefährden.« »Was tun Sie hier?«. und wollte feststellen.

hatte die Bettdecke zurückgeworfen und einen Bademantel gepackt. Diesmal ließ sie sich von ihm stützen. nicht darum. während sie selbst hektisch Anweisungen herumbrüllen würden. Das wissen wir noch nicht sicher. Die beiden folgten ihr nach drinnen. »Was ist passiert?« Sie hielt sich an der Türkante fest. um Karten für den Polizeiball zu verkaufen. ohne Umschweife auf den Punkt zu kommen. »Ms. Während Caltrane die Tür schloss. der Sprecher. was los ist und weshalb Sie hier sind. Entweder gestern spät nachts oder heute in den frühen Morgenstunden. Ich will wissen. Lewis und Caltrane. aber ich – Was wollen Sie denn?« »Ich bin Corporal Lewis. ehe er dann doch so geistesgegenwärtig war. sie waren nicht gekommen. oder ein durchgeknallter Heckenschütze das Viertel belagerte. »Reden Sie. Das Zimmer kippte weg. Lloyd. ihr direkt in die Augen zu sehen. während sie in einen Sessel sank. aber sie winkte ab und wich in die Diele zurück. ehe sie begriff. »Ja.« Wütend musterte sie beide.« »Ich will mich nicht hinsetzen. Schwierigkeiten gegeben. Lloyd?« Sie schob sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht.« Lewis streckte die Hand nach ihr aus. Ma’am. äh. oder irgendein anderer Notfall eingetreten wäre. Tut mir Leid. ihre Ohrläppchen schienen Feuer zu fangen. »Nein. Sie wurde heute Morgen tot aufgefunden. Längst war etwas Entsetzliches geschehen. Wieder streckte Lewis die Hand nach ihr aus. dann liefe das Blaulicht auf ihrem Wagen. war aus dem Schlafzimmer gestolpert und hatte rein mechanisch die Eingangstür angesteuert.« »Stimmt etwas nicht?« »Dürfen wir hereinkommen?« Sie war schlagartig hellwach. als hätte ihr jemand einen Pflock in die Lunge gerammt. Stattdessen sah sie sich tatsächlich. Sie sollten sich besser hinsetzen. Eine Tragödie hatte sie hierher geführt. dass es sich nicht um die Fortsetzung eines Traumes handelte. Lewis.« »Geht’s ihr gut?« Caltrane starrte auf die Spitzen seiner praktischen Schuhe. Nein. Von oben senkte sich schwarze Dunkelheit wie ein Vorhang über sie. näherte sich ihr sein Partner zögernd. Sie wollte nur eines: Öffnen. sonst bäten die beiden Corporals. herein zu dürfen. bedauerlicherweise nein. in wachem Zustand. Lewis räusperte sich hinter vorgehaltener Hand.« Es war. Offensichtlich waren sie klug genug. Wenn das Haus in Flammen stünde. . und das ist Corporal Caltrane. In ihrem benommenen und verwirrten Zustand dauerte es mehrere Sekunden. 6 »Ms. sagte: »Ihre Schwester – Es hat bei ihr zu Hause. »Ms. ihr Magen kam hoch. mit zwei uniformierten Polizisten aus Dallas konfrontiert. Ruckartig stieß sie die Luft aus. Polizisten tauchten nicht am frühen Morgen an der Tür auf. Ihre Knie knickten ein. um sie vor einer drohenden Katastrophe zu warnen. damit dieses Dauerklingeln aufhörte. Melina Lloyd?« Sie war aus tiefstem Schlaf aufgeschreckt. Aus dem Augenwinkel erkannte sie verschwommen ihren Einsatzwagen in der Auffahrt.

« »Das wäre nicht klug«. es hätte Schwierigkeiten gegeben. und dann etwas Albernes tun. nicht ohnmächtig zu werden. bald. Ein Team von der Spurensicherung ist unterwegs. um sich ein wenig Kaffee zu borgen. Zum Trauern war es noch viel zu früh. Sie ist heute Morgen gegen halb acht hinüber. dass ihre Hirngespinste über Alpträume und Verwechslungen nur eines waren: Hirngespinste. Lewis fuhr fort: »Die Nachbarin hat dem Leiter der Ermittlung Ihren Namen genannt. um Sie zu benachrichtigen.« Caltrane kam mit einem Glas Leitungswasser wieder.« »Grausam?«. obwohl sie nur abgehackt atmete. dass Ihre Schwester eine Frühaufsteherin ist. Es sieht nach Mord aus.« Wieder atmete sie so plötzlich aus. Und das. Ma’am. Aber sie stellte es unberührt auf den Beistelltisch neben ihrem Sessel. aber einfühlsamer kann man das nicht ausdrücken. weil man ihr so etwas zugemutet hatte. Ziemlich grausam. ganz anders. falls sie auch nur einen Schluck zu trinken versuchte. Lewis ließ ihr von Caltrane ein Glas Wasser holen. Leider war keiner von beiden für eine Antwort tapfer genug. »Antworten Sie mir –«. Die Polizei hatte sich im Haus und in der Person geirrt.« . dass sie zu Hause sein musste. »Tut mir Leid. Da der Wagen von Ms. Aber als sie mit tränenverschleierten Augen zu dem Polizisten aufsah und fragte.« Sie schoss hoch. Vielleicht würde sie sich im Laufe des Tages noch einmal mit Schaudern daran erinnern. Konnte nicht. das ihr dabei helfen würde. die grausige Reminiszenz abzuschütteln. »Man wird den Leichnam Ihrer Schwester –« »Ich fahre hin. »Wieso?« Beklommen warf Lewis seinem Kollegen einen verstohlenen Blick zu. weil alles nur ein Traum gewesen war. Sie hatte Angst. Falls alles kein Alptraum war. Er hat uns herübergeschickt. Sie empfand lediglich Unglauben. Ihre Schwester wurde ermordet. »Sie sagten – Sie sagten. Sie kannte auch das Versteck für den Ersatzschlüssel und hat aufgesperrt. nein. Lewis nahm es ihm ab und reichte es ihr. dass man sich tatsächlich geirrt hatte. aber nicht solche der Trauer. wusste die Nachbarin. forderte sie. Ms. »Die Ermittler sind bereits am Tatort. Sie würde jeder Abteilung einen Geschenkkorb mit Obst. nein. Nein. Lloyd dastand. weil sie überglücklich war. Lloyd. handelte es sich sicher um eine schreckliche Verwechslung. Sie würde die Polizeibehörde von Dallas verklagen. Und bis morgen wäre dann alles vergessen. meinte Lewis mit beschwichtigender Geste. dass ihre Lungen pfiffen. die eiskalten Finger zitterten. aus dem sie erwachen würde. als handle es sich um ein Missverständnis. bitte. Dann würde sie erleichtert ein Stoßgebet sprechen. der mit offensichtlicher Erleichterung das Wohnzimmer verließ und sich auf die Suche nach der Küche machte. Ihre Handfläche war feucht. sondern vor Schock. Käse und Grillwürstchen schicken. Im Schlafzimmer hat sie sie dann gefunden. »Ich fahre hin. Ihre Stimme brach. ob er sicher sei. sich übergeben zu müssen. Irgendwie gelang es ihr. »Eine Nachbarin weiß. Ein schwerer Irrtum. Das durfte nicht wahr sein. wiederholte sie mit dünner Stimme. etwas. Es musste ein schlechter Traum sein. Welche? Mit dem Ofen? Ist sie erstickt? Hatte sie einen Herzanfall oder einen Allergieschock? Was denn?« Lewis sagte: »Ähem. Ihre Augen füllten sich mit Tränen.« »Sie ist tot?« Sie schüttelte den Kopf. Sie bedeckte den Mund mit der Hand. wurde ihr klar. und hat mehrmals geläutet.

Zuletzt schob sie die Füße in ein Paar Turnschuhe und packte Brieftasche und Wagenschlüssel. Begriff das denn niemand? Es schien grundfalsch zu sein. In diesem Zustand war sie nur noch zu einem fähig: Sie starrte geistesabwesend durchs Autofenster und versuchte. die Ereignisse in ihren Gedanken zu ordnen.« »Denken Sie daran. bitte.« Die Fahrt von Melinas Haus zu Gillians dauerte genau elf Minuten. an dem ein vermasselter Termin. Rings um das Haus mit den hübschen weißen Fensterläden und der schwarz . Natürlich war gar nichts in Ordnung. ehe sie sich mit einem Kuss verabschiedeten. Nur sie nicht. Von diesem Punkt an würde nichts mehr so sein wie zuvor. Auf der Straße parkten kreuz und quer mehrere Unfallwagen und Polizeifahrzeuge. Außerdem unterschritt der stumme Caltrane deutlich die erlaubte Geschwindigkeit. sie hinüberzufahren. ihres Zwillings. dass es ihr gut ginge. erkundigte sich unterwegs mehrmals: »Ms. Als Lewis die Wagenschlüssel in ihrer Hand sah. Schon wieder flüchtete sie sich in frommes Wunschdenken. um dieses tragische Geschehnis zur Kenntnis zu nehmen. Lloyd. eine Laufmasche oder ein abgebrochener Fingernagel die Katastrophe des Tages gewesen war. sagte er. die sie nicht fassen konnte. »Ms. Der Schock hatte sie so betäubt. der auf dem Beifahrersitz saß. für die dies ein ganz normaler Tag war. Vielleicht könnte eine Freundin vorbeikommen –« »Ach. der versucht. oder noch vor einer Stunde. die beide arbeiteten. oder gestern Abend. wenn es nicht der Fall war? Nur aus einem einzigen Grund trat sie nicht laut schreiend um sich: Für einen hysterischen Anfall fehlte ihr die Energie. als sie um die Ecke in die Häuserzeile einbogen. die Zeit bis zu einem Punkt zurückdrehen zu können. erbot er sich. Sie würden sich und andere gefährden. alles in Ordnung?« Sie gab keine Antwort. Das hatten sie gestoppt. war permanent. zerrte Jeans und Hemd aus dem Schrank und zog sie an. Lloyd. Alles war leider nur allzu real. Sie wünschte sich sehnlichst. Wenn es doch nur wieder gestern wäre. Der Verlust ihrer Schwester. ich werde mit Ihnen fahren. Aber. dass die übrige Welt keinen Moment angehalten hatte. sagte sie und schob ihn zur Seite. Sie hasste diese Leute. so dass die kurze Fahrt drei Mal so lange dauerte wie sonst. In weniger als zwei Minuten war sie wieder bei den Polizisten an der Haustüre. mich aufzuhalten. Mütter verfrachteten ihre Kinder in die Schule. Den Beweis bekam sie. als sie friedlich geschlafen und noch nichts von der Tragödie geahnt hatte.« »Den möchte ich sehen. in der sie nun gefangen war. Und neben der Verachtung für alle. das Haus ist Schauplatz eines Verbrechens«. rasch. stimmten hastig ihre Tagespläne ab. Das konnte nicht sein. Aber derzeit standen überall Schülerlotsen. und das wusste er genau. »Ich werde selbst fahren«. schon gut. war da noch etwas: Sie neidete ihnen ihre Unkenntnis. Für alle Ewigkeit. dass sie nicht einmal weinen konnte. »Möglicherweise lässt man Sie nicht hinein. Unmöglich. in Ihrem momentanen Zustand darf ich Sie nicht ans Steuer lassen. Für alle anderen war es ein ganz normaler Tag. das ein Leben für immer verändert hatte. riss sich Bademantel und Nachthemd vom Leib. Rentner lasen gemeinsam die Zeitung oder schauten im Fernsehen die Frühnachrichten. obwohl sie sie mit eigenen Ohren gehört hatte. Lewis. in der ein Mord stattgefunden hatte. Warum sollte sie ihm versichern. Alle gingen unbeschadet und unbesorgt ihrer gewohnten Wege. Soeben hatte ein unumkehrbares Ereignis ihr Leben in seinen Grundfesten erschüttert. weil sie für ihre persönliche Tragödie weder Augen noch Ohren hatten. Sie stürzte ins Schlafzimmer. Ehepaare.

Einige wurden bereits polizeilich verhört. denn er wies Caltrane an. dass sie die Kontrolle zu verlieren drohte.« Ein Zivilbeamter trat dazu und zückte seine Dienstmarke. Lawsons Augen hielten sie mit der Kraft eines Hypnotiseurs fest. korrigierte sie ihn mit einem Ausruf. Wirklich. Links und rechts auf den Gehwegen hatten sich kleine Gruppen von Nachbarn versammelt. war ihre Geduld zu Ende. »lassen Sie mich hier raus. Offensichtlich hatte er Erfahrung im Umgang mit hysterischen Verwandten von Mordopfern. Sie wehrte sich nicht mehr gegen die Beamten. Jemand sollte wenigstens annähernd wieder Ordnung in ein Leben . wohin sie schaute. Als sie unter dem Absperrband verschwand. die sie zurückhielten. »Das ist die Schwester des Opfers. stürzten mehrere Beamte auf sie zu und forderten sie lautstark zum Stehenbleiben auf. sagte er. Bitte. Es gelang ihr tatsächlich. »Ich will sie sehen. ein wichtiges Gesicht zu machen. Sie möchten sich vergewissern. Lloyd. aber der Schauplatz eines Verbrechens zieht immer eine Menge Leute an. schrie sie. drückte sie sich auch schon an ihm vorbei und legte im Laufschritt die restlichen Meter zum Haus zurück. Sie wollen wissen. Ich muss sie sehen. richtig?« Die Technik des Kommissars stand wortwörtlich in jedem gängigen Psychologiebuch. Schließlich musste Caltrane gänzlich anhalten. so dicht wie möglich an die Parkbucht heranzufahren. Jedenfalls wirkte sein gelassenes Verhalten auf sie beruhigend. Männer und Frauen in Uniform gingen unterschiedlichen Arbeiten nach oder standen herum und versuchten. lassen Sie mich rein. teilte ihr Lewis mit. irgendjemand möge die Kontrolle übernehmen. um Himmels willen«. Damit steigt auch unsere Chance. dass sie tot ist. Je weniger Menschen dort drinnen sind«. ohne auf die neugierigen Blicke der Gaffenden zu achten. nicht wahr? Und Sie wollen den Grund dafür wissen. der sogar in ihren eigenen Ohren wie der Aufschrei einer Irren klang.« Als direkt vor ihnen ein Kind auf einem Fahrrad herausschoss und sich aufs Hinterrad stellte. »Tut mir Leid. Zu keinem anderen Zeitpunkt hätte dieser Mann eine derartige Kontrolle über sie ausüben können.« Lewis musste gespürt haben. wobei er mit einer knappen Kopfbewegung auf das Schlafzimmer unten im Flur wies. dass wir Hinweise finden. »Bisher kein Zeuge darunter«.« »Ehrlich gesagt. Ms.« »Ms.« »Dann lassen Sie mich durch. und doch machte sich in ihren ruhigeren Gehirnregionen durchaus der Wunsch breit. Bitte. als er sah. »umso weniger wird der Schauplatz kontaminiert. wo sie drei Beamte packten und am weiteren Vordringen hinderten. Ms. Lloyd. blieb sein Ton gelassen. Ohne Rücksicht schoss sie über den Rasen.« »Lassen Sie mich durch. Wegen der verstopften Straße kam der Einsatzwagen nur im Kriechtempo voran. Glauben Sie mir. die uns zu einem Verdächtigen führen werden. Das verstehe ich ja. fragte sie ungeduldig.« »Zwillingsschwester!«. Jedenfalls nicht jetzt. durch den Eingang bis zur Diele vorzudringen. Lloyd. Kaum war er draußen und zog die hintere Türe auf.glänzenden Tür war das Gelände mit gelbem Polizeiband abgesperrt.« Obwohl er entschieden den Kopf schüttelte. wer Gillian umgebracht hat. »Können Sie denn nicht Ihre Sirene oder sonst etwas einschalten?«. Mordkommission. »Senior Corporal Lawson. »Ach. das möchten Sie nicht wirklich. »Die Experten sammeln gerade Beweismaterial. »Ich muss sie sehen – Lassen Sie mich los!« Schnaufend kam Lewis hereingerannt.

Doch Fernseh-und Filmszenen hatten sie nicht auf die nackte Wirklichkeit vorbereitet. erkundigte sich Lawson. die sie gefunden hat. Lloyd.« Nach einer brüsken Handbewegung ihres Vorgesetzten ließen die Beamten sie vorsichtig los und traten mehrere Schritte zurück. Außerdem sehen Sie ihr erstaunlich ähnlich. angeklagt und verurteilt wird. Verstehen Sie. egal. sagte sie und räusperte sich.« »Ich möchte auf keinen Fall –« Sie brach ab und schluckte tief bewegt. Ihre Nase begann zu laufen. was ist passiert?« Sie konnte sich nicht mehr an seinen offiziellen Titel erinnern. aber man wird Sie bitten. wenn wir uns vom Schauplatz fern halten. sie sei für den Anblick darin gewappnet. von dem ihr übel wurde. »nur wir beide.« Zum Zeichen des Bedauerns runzelte der Kommissar die Stirn.« Er nickte grimmig. »Wir werden uns gemeinsam Antworten erarbeiten müssen. danke. was passiert ist?« Er deutete Richtung Wohnzimmer. »Ihre Eltern?« »Schon verstorben. In der nächsten quollen die Tränen nur so heraus und über ihre Wangen. Ich will. Vielleicht hatte sie sich etwas vorgemacht mit ihrer Überzeugung. Sie tupfte die Augen ab und schneuzte sich.« »Dann sind wir uns ja einig. Lawson ließ von einer Polizistin Taschentücher bringen. »Die Nachbarin. Deshalb ist es am besten. Sie sollen meine Schwester anrufen. Ms.« Der Kommissar machte es sich auf der Polsterbank vor dem Sofa bequem. »Gerade wollte ich sagen. Sie schüttelte den Kopf. »Wissen Sie. dass er geschnappt und bestraft wird. Sie verschränkte bewusst fest die Hände. »Warum setzen wir uns nicht? Ich hätte ein paar Fragen an Sie. hat sie sofort wiedererkannt. Ich möchte. »Nichts zu trinken?« »Nein. Jede Sinneswahrnehmung war schockierend hautnah.« »Herr Kommissar. nicht wahr?«. war viel schlimmer.« Unter heftigem Schlucken nickte sie zustimmend. Er korrigierte sie nicht. dass er entkommt. Kaum hatte sie auf dem Sofa Platz genommen. »Sollen wir irgendjemanden verständigen?« »Meine –« Plötzlich waren die Tränen da. wir stehen – standen – uns sehr nahe. Zweifel überkamen sie. das urplötzlich und ohne Vorwarnung in ein rabenschwarzes Chaos geschleudert worden war. Sie nickte heftig.« Ein Mitarbeiter der Spurensicherung staubte gerade den Türrahmen zum Abnehmen von Fingerabdrücken ein und versperrte ihr den Blick ins Schlafzimmer. »Gut. als sie es sich je ausmalen oder irgendein Film hätte schildern können. den Leichnam zu identifizieren. fragte er. um sich buchstäblich wieder in den Griff zu bekommen. .« »Weitere Geschwister?« »Nein«. dass es hart ist. In der einen Sekunde hatte sie noch trockene Augen. »Ich möchte auf keinen Fall. In derartige Umstände verstrickt zu sein. ob er ihr etwas holen könne.bringen. Sonst vermasseln wir vielleicht noch etwas. »Ich weiß. dass der Täter gefasst. Sofort war die Schachtel zur Stelle. Zu den befremdlichen Eindrücken für Augen und Ohren gesellte sich ein unbekannter Geruch. wer es ist. und dann entkommt der Mörder Ihrer Schwester.

Rein äußerlich sieht es nicht nach einem Sexualverbrechen aus. Ich möchte helfen. welches Motiv der Mörder hatte?« »Unser erstes Augenmerk gilt dem Alltagsleben Ihrer Schwester.« »Mr. Haben Sie. Bekannten.« Lawson verlagerte sein Gewicht auf der Polsterbank und zog Notizblock und Stift aus der Brusttasche.« Unabsichtlich stöhnte sie leise auf. »Wollen Sie wirklich niemanden bei sich haben?« Mit einem heftigen Kopfschütteln negierte sie seinen Vorschlag. Vermutlich hatte er als junger Mann Sport getrieben. Beim ersten Anblick hatte Lawson einen quadratischen Eindruck auf sie gemacht. murmelte der Kommissar. irgendwelche Feinde?« »Nein.« »So weit Sie wissen.« Sie nickte verständnisvoll. wo wir mit der Suche nach einem Verdächtigen anfangen müssen. Sein untersetzter Körperbau ließ ihn fies wirken. unterbrach sie ihn. Sie kniff die Augen zusammen. Der Bürstenschnitt ließ seinen Kopf wie einen Kubus erscheinen.« »Einen eifersüchtigen Ex-Ehemann?« »Sie war nie verheiratet. weiterzumachen.« . einen rachsüchtigen Kollegen?« »Sie kam mit allen aus. Ihres Wissens nach. »Möchten Sie ein paar Fragen beantworten?« »Selbstverständlich. vielleicht Football oder Ringen. Arbeitsgewohnheiten etc. das mehrere Zentimeter zu kurz und eine Nummer zu klein war. wahrscheinlich ein Messer. ich will nicht herumreden.« »Einen eifersüchtigen Ex-Geliebten oder Freund?« »Nein. »wurde sie vergewaltigt?« »Das kann ich Ihnen ehrlicherweise nicht sagen. hätte ich es gewusst. Lawson. aber muss das unbedingt jetzt sein?« »Je früher wir ein Motiv ermitteln können. trotzdem Verständnis dafür. leicht zynischer Blick. Lloyd.« »Woher sollte ich wissen. Es war ein brutaler Überfall. putzte sich die Nase und bedeutete ihm mit einer kleinen Geste. was einen neuen Tränenschwall auslöste. »Es tut mir Leid«. beugte sich vor und schaukelte ein wenig vor und zurück. Nach dem Transport in die Pathologie wird man eine komplette Autopsie –« »Kommissar«. Er hatte seinen kastenförmigen Oberkörper in ein Sakko gezwängt. In seinen Augen lag ein abgeklärter. »Hatte sie. »Ms. »Wurde sie vergewaltigt?« »Der Gerichtsmediziner untersucht derzeit die Leiche. sie liefen in einer Linie quer über die Stirn.« »Einen ehemaligen Angestellten. Sein Hals war dick und seine Augenbrauen buschig. Trotzdem benahm er sich freundlich und mitfühlend.« »Sie hat Ihnen alles erzählt?« »Ja. um so eher wissen wir.« »Wurde sie erstochen?« »Mehrfach. Sie wurde mit einem scharfen Gegenstand getötet. verschränkte die Arme vor dem Bauch. bitte. Sie wird fotografiert. so gut es geht. Von hier aus werden wir uns weiter vorarbeiten. falls sie einen Feind gehabt hätte. ihren Freunden. dass wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt diesbezüglich noch nichts Sicheres wissen. tupfte die Augen ab.« »Danke für Ihre Offenheit.

was mit Ihrer Schwester passiert ist. »Sogar Einzelheiten aus ihrem persönlichen Leben?« »Ich kann nicht sicher sein. der vielleicht nicht gut auf sie zu sprechen war?« »Niemand. wir glauben nicht an einen zufälligen Überfall. warum ich nicht an einen Einbruch glaube. ist schrecklich grausam. aber ein tiefes dunkles Geheimnis hätte sie vor mir genauso wenig verbergen können wie ich umgekehrt vor ihr.« .« »Ihr Freund?« »Ja. das. Sagen Sie nicht. Ich hatte ihn komplett vergessen. müssen wir hundertprozentig mit ihm reden. »Dumm von mir. Trotzdem könnten Sie uns später helfen. Lloyd. mit dem sie sich traf. gerät er vielleicht in Panik und geht sofort zum Angriff über. Ohne Vorsatz. »Nun.« »Jem?« Der Kommissar richtete fast die Ohren auf und wechselte mit den anderen Beamten. wollte sie wissen. nicht wahr?« »Ms. ob sie mir alles erzählt hat. Das gibt es bei Zwillingen häufig.« »Irgendjemanden. das zu bestätigen. »Jem Hennings. bevor die New Yorker Börse öffnet. Auch wenn nur ein Wort fiel. Hörte er denn nicht zu? »Nein. Er verlagerte sein Gewicht. »Was ist?«. konnten wir daraus gegenseitig unsere Stimmung ablesen. »Ja. der sie verunsicherte? Ihr unaufgefordert den Hof machte?« »Nein. Richtig? Und wenn er gestern Abend hier war. Wenn sie sich über etwas oder jemanden Sorgen gemacht hätte. Das war kein normaler Einbruch oder Raub. Er hat es erst gestern Abend vorbeigebracht.« Er tippte mit dem Stift gegen den Block und kaute innen auf seiner Wange herum. was passiert ist. So etwas würde ein Einbrecher nie übersehen. Bei einer derartigen Kurzschlussreaktion kann schon mal jemand umkommen. Ich konnte buchstäblich ihre Gedanken lesen.« Lawson beauftragte Caltrane mit dem Anruf. Anscheinend ist nichts in Unordnung oder fehlt.« »Trotzdem sollte man ihn verständigen.« Sie gab ihnen den Namen des Börsenmaklers. Dann wandte sie sich erneut Lawson zu und sagte: »Das ist schrecklich grausam. Obendrein haben wir auf dem Nachttisch einen Rubinanhänger gefunden.« »Das war ein Geschenk von Jem. sogar am Telefon. »Er ist immer früh da.« »Dann sollte er inzwischen eingetroffen sein. dass er herkommt. Ich hatte nicht gedacht –« »Wer ist das?« »Der Mann.« Ihre Blicken folgten dem uniformierten Polizisten. »Sehen Sie zu.« »Haben Sie eine Nummer.« »Davon habe ich schon gehört. Wenn ein Einbrecher auf frischer Tat ertappt wird. aber – aber Jem kann unmöglich etwas damit zu tun haben.« »Und Ihnen fällt wirklich niemand ein. Wir hatten diese Art – Telepathie. der sich mit dem Handy in der Hand zurückzog. Hat sie je einen aufdringlichen Verehrer erwähnt?« Sie seufzte. bei dem Jem Hennings angestellt war. unter der man ihn erreichen kann?« Sie warf der Polizistengruppe einen alarmierten Blick zu.« Bestürzt schüttelte sie den Kopf. Ein weiterer Grund. der ganz offen da liegt. indem Sie aufmerksam alle Räume überprüfen. hätte ich das gespürt. die in der Nähe standen und zuhörten. bedeutungsvolle Blicke. dass ich ihn nicht schon früher erwähnt habe.

oder? Offen gestanden kann ich nicht erkennen. ja. die mittlerweile den Flur blockierte. Was für ein Typ ist Hennings?« »Was für ein Typ? Erfolgreich. Lawson?« »Möglicherweise. Auf sein Kopfnicken zog die Ärztin den Sack lediglich so weit auf. wie ihre Knie nachgaben.« Ohne sie auch nur eine Sekunde aus den Augen zu lassen. sie solle die Pathologin die Leiche in die Stadt mitnehmen und für eine offizielle Identifikation vorbereiten lassen. Warum? Detective Lawson –« Sie brach ab. ehe sie an einer Sessellehne Halt suchte.« »Wie lange ging das schon?« »Lassen Sie mich nachdenken –« Sie rechnete im Kopf nach. dass man sich Ihre Schwester bewusst als – Zielscheibe ausgesucht hat. »Wie eng war Ihre Schwester mit Mr. mit dem Ihre Schwester zusammen war?« »Worauf wollen Sie hinaus?« »Halten Sie Hennings für einen eifersüchtigen Typ?« »Weiß ich nicht. »Ich glaube. Hennings befreundet?« »Sie waren ein Paar. dass das Gesicht zu sehen war. Ist das relevant. Später sollte sie sich nicht mehr daran erinnern. Bis auf die braunen Flecken auf der bleichen Haut hätte es auch ihr eigenes sein können. sagte sie. »Mir wird schlecht. Mr. Als sie auf die Bahre zutrat.« »Welche Beweislage?« Caltrane kam herein und machte zum ersten Mal den Mund auf: »Hennings ist unterwegs. Mit einem raschen Blick Richtung Schlafzimmer sagte sie ruhig: »Und hier war es anders? Sie denken an eine vorsätzliche Tat?« Er nickte grimmig. Vielleicht. wiederholte sie.« »Und es handelte sich um eine intime Beziehung?« »Wollen Sie wissen. »Ich will sie sehen«. Und das ist mehr als nur ein Instinkt. Leistungsorientiert.« . Nach langem Überlegen erteilte Lawson widerwillig seine Zustimmung. ob sie miteinander geschlafen haben?«. dass Hennings der einzige Mann war. Auf sein Nicken meinte sie: »Sie hatten eine sexuelle Beziehung. Gut aussehend. »Weiß ich nicht genau. »Fast ein Jahr.« »Rasse?« Verblüfft musterte sie den Kommissar. doch dann begriff sie. bestätigte Lawson mit einem Kopfnicken die Bemerkung des Beamten.« Lawson schlug vor. dass es sich auch um ein Wachsgesicht hätte handeln können. Hennings klingt Irisch oder Englisch. Sie spürte. dass es sich um getrocknetes Blut handelte. Die Realität traf sie mit der Wucht einer Diesellok. Man hatte den Leichnam in einen Sack mit Reißverschluss gelegt und dann auf der Bahre festgebunden. stand er dicht neben ihr. Es war so still und blass. »Und Sie sind sicher. welche Bedeutung das haben soll«. fragte sie gereizt. Einen Moment konnte sie diese Spritzer nicht richtig einordnen. »Ich will sie sehen. dass sie aufstand und zögernd mehrere Schritte machte. eine Spur ungeduldig. als sie die Räder der Bahre quietschend über den Flur rollen hörte. Die Beweislage deutet darauf hin.

Kommissar Lawson.« »Warum so lange warten?« »Ist kein schöner Anblick. Anscheinend hatte er arthritische Knie.« Was mochte er verschwiegen haben? Wieviel schlimmer konnte es noch werden? Sie fixierte ihn und wünschte sich dabei im Stillen. »Eins habe ich eben nicht erwähnt.« »Sie haben Beweismaterial erwähnt.« Die Beamtin begleitete sie ins Wohnzimmer zurück. könnte ich vielleicht etwas Erhellendes beitragen.« »Wir werden Fotos bekommen. rief sie. handelt es sich bei unserem Verdächtigen um einen Mann. Sie badete Gesicht und Nacken in kaltem Wasser. die wir draußen vor dem Fenster fanden. mit Ihnen zu sprechen.« Nach trockenen Würgeanfällen war die Übelkeit inzwischen abgeebbt und hatte einem Gefühl des Ausgehöhltseins Platz gemacht. sie hätte zahlreiche Stichwunden. »Das halte ich nicht für ratsam. Außerdem nehmen wir noch Bodenproben.« »Sicher. Lloyd?« Sachte klopfte eine Polizistin an die Toilettentür. 7 »Ms.« Lawson nickte und stand vorsichtig auf. seelisch wie körperlich. dass es blutig ist. lächelte die Polizistin sie mitfühlend an. man habe draußen Fußspuren gefunden. Ein weiterer Polizist erklärte ihm. bei mir ist gar nichts in Ordnung! Sie sprach ihre sarkastischen Gedanken nicht aus. spülte den Mund aus und wusch sich die Hände. warum das eine Rolle spielen sollte. einige obszöne .« Er senkte einige Sekunden die Augen. »Kann ich Ihnen etwas bringen?« »Ja. Wenn ich mit eigenen Augen sehe. »ich bin gleich wieder da.« Während er hinzutrat. Sie mussten schon genug verarbeiten. »Ich will das Schlafzimmer sehen. Die Frau meinte es ja gut. Lloyd hat darum gebeten.« »Nicht ganz. Als sie die Badezimmertür öffnete. was mich erwartet. ehe er ihr wieder entschuldigend ins Gesicht schaute. Trotzdem fiel ihr kein einziger Grund ein. Abgüsse wurden bereits angefertigt.« »Das Trinkglas in der Küche?« »Schon eingetütet. der garantiert käme. als hätte er einen Waschlappen ins Blut Ihrer Schwester getaucht und einige – nun ja.« Er schüttelte den Kopf. das darauf hindeutet. »An den Schlafzimmerwänden stehen Wörter. »Wir werden sie einstauben. nein.« »Wörter?« »Offensichtlich hat er – Auf Grund der Größe der Fußabdrücke. wovon Sie reden. Es sieht so aus. Außerdem haben Sie gesagt. wo der Kommissar vor einem Fenster kniete. Ich habe Blutspritzer auf ihrem Gesicht gesehen.« »Und ich bin keine Mimose. »Alles in Ordnung?« In Ordnung? Ob bei mir alles in Ordnung ist? Verdammt nochmal. dass er endlich alles offen legte. »Es geht«. Ich weiß. Gillian wäre gezielt ermordet worden. Die Polizistin räusperte sich: »Ms. Ich weiß. Sie sah zum Fürchten aus. wappnete sie sich gegen den Einspruch.

Sie hatte einfach keinen Vergleich. Nun stand es in Lawsons Ermessen. die Ausrüstung in einen Van gepackt und war fort. um ihn zu bewältigen und hoffentlich irgendwann einmal in einem Winkel ihres Herzens und Unterbewusstseins für immer abzulegen. Da war kein Schmerz. »Als man sie fand. Nur die Hose ist nicht aufgetaucht. »Weder Arme noch Hände wiesen Wunden auf. Anscheinend ist es rasch gegangen.« Ihre Bemerkung war kaum hörbar. dass sie nicht den geringsten Bezug dazu fand. blieb aber dann auf der Schlafzimmerschwelle stehen und wartete.« Die Spurensicherung hatte ihre Arbeit abgeschlossen. Fragend schaute sie zu Lawson hinüber. bis sie ihn eingeholt hatte. Es wirkte auf ihren Körper so schockierend wie ein Sprung ins eiskalte Wasser. Das Pulver hatte auf dem Rubinanhänger eine hässliche Schicht hinterlassen. Beim ersten Blick auf das Totenbett ihrer Schwester froren ihre Sinne ein. Nicht immer. War das normal? Schläft sie normalerweise so?« »Ich denke schon.« Ihr Magen hob und senkte sich wie eine Springflut.Wörter an die Wände geschmiert. ich muss sehen. Wenn nicht. Immer wieder würde sie sich den Tatort ausmalen. und kein Fantasiegebilde. sagte er. auch das Schlimmste anzusehen. erläuterte Lawson. der noch nicht ganz getrocknet war. . Falls Sie das irgendwie tröstet. das sich ihr Gehirn ausgemalt hatte. eingepackt und zum Testen ins gerichtsmedizinische Labor geschickt. wo er ohnehin verlieren würde. »Wir glauben. Das Blutbad war ihrer bisherigen Erfahrung so entsetzlich fremd. den er von draußen mitgebracht haben muss. Das Ganze musste real für sie sein. Der erfahrene Ermittler schaute ihr tief in die Augen.« »Hoffentlich. wer dieses Zimmer betrat und verließ. Sie hatte sich auf das Schlimmste gefasst gemacht. Trotzdem war sie fest entschlossen. wie er tatsächlich war.« »Auf dem Bett haben wir ein Pyjama-Oberteil gefunden. Seine betäubende Wirkung bot gleichzeitig auch Schutz. und nicht abstrakt. nur zu«. Sie musste den Schauplatz sehen. weil jedwede Empfindung sofort erstarrte. wo und wie meine Schwester starb.« Rasch wich er ihrem fragenden Blick aus. Sie wollte ihn sehen. Damit überließ man den Schauplatz offiziell dem Mordkommissar. Er seufzte wie jemand. Schreckensstarr schaute sie ihn an. weil es keinerlei Verbindung zu ihrem Leben vor diesem Augenblick gab. »Herr Kommissar.« Ihre Augen wanderten von der Matratze zum Nachttisch. Ihr unverwandter Blick deutete offensichtlich auf Entschlossenheit hin. ginge ihre Fantasie noch nach Jahren mit ihr durch. »Jaja. Nackt. die auf Widerstand hindeuteten. Nur so konnten ihre Emotionen diesem Anblick Stand halten. könnte sie sie nie wegschließen. Trotzdem hatte sich mitten auf der Matratze ein Blutfleck gebildet. dass er ungefähr an der Stelle gestanden ist. den man für Fingerabdrücke eingestaubt hatte. Dann würde das entsetzliche Unbekannte für immer bei ihr bleiben und sie in alle Ewigkeit verfolgen. Wenn sie sich jetzt nicht dieser Sache stellte und sie aufarbeitete. »Auf dem Boden lag ein bisschen Dreck. Aber dann war es eigentlich fast leicht. wo Sie jetzt stehen«. lag sie auf dem Rücken. hatte man es abgezogen. Vermutlich hat sie geschlafen. den Tatort aus einer gewissen Distanz zu betrachten. Er winkte sie den Flur hinunter. ehe sie das Zimmer betrat. der nachgab. Nachdem man das Bettzeug im ursprünglichen Zustand fotografiert hatte.

Was ist passiert? Was geht hier vor?« Jem Hennings versuchte. deutlich geschriebene Druckbuchstaben. wer sind Sie?« Die übrigen Beamten richteten sich nach Lawsons abrupter Handbewegung. dieser Nachricht zu widersprechen. gegen seinen Griff anzukämpfen. wobei sie sich auf die Bedeutung konzentrierte. die noch immer alle in der Nähe der Eingangstüre standen. brüllte sie. Es hieß. »Um Himmels willen. du bist ja blass wie ein Gespenst. »dass Gillian tot ist. Dann las sie ein zweites Mal. die spitzen Schreie zu unterdrücken. der ihm seine Dienstmarke zeigte. dann wandte er sich den anderen Polizisten zu. Sie bedeckte die Augen und wich aufschreiend zurück: »Oh mein Gott. Die Wände schrien förmlich nach Beachtung. oh mein Gott. was hier los ist.« Völlig perplex griff Jem hinter den Kommissar und nahm sie bei der Hand. das so etwas getan haben konnte. »Lassen Sie mich rein. Der Mörder hatte sich so sicher gefühlt. Sie biss sich auf die Unterlippe und versuchte so. die einen Menschen in derart abgrundtiefe Verworfenheit hatten stürzen lassen. Was ist mit diesen Wörtern? Was bedeuten sie?« Gleichzeitig wurde es auch an der Haustüre laut. »Ms. lehnte er sie rücklings an die Wand. traten zurück und ließen Jem Hennings herein. Ihr erster Gedanke galt dem kranken Individuum. Er taumelte ein. Sie starrte die Wörter an. ich sollte kommen. aus dem Zimmer zu flüchten. Sie schloss die Augen. blaffte Kommissar Lawson. »Melina? Was ist los? Ist Gillian etwas zugestoßen?« Keiner sagte etwas. sagte Lawson: »Gillian wurde in einem Krankenwagen abtransportiert. »Sind Sie Hennings?«. bedauerlicherweise muss ich Ihnen mitteilen«. Die Erkenntnis traf sie wie ein gleißendes Licht. Binnen eines zerfetzenden Augenblicks war alles klar. jemand sagen. als wolle er sie zwingen. bitte. »Würde mir. mit Ausnahme derer. RASSENSAU. DRECKSFOTZE.« »In einem Kranken – Warum?« Jems Blicke kamen wieder zu ihr zurück. Jem wandte sich dem Kommissar zu. Sie wurde heute Morgen in ihrem Bett ermordet aufgefunden. versuchte sie.« Sie fuhr herum und versuchte. was ist hier eigentlich los?« Noch ehe sie Gelegenheit zum Antworten hatte. Gillian. Beim nächsten Wort klang seine Stimme schrill. Sie hätte sie unmöglich negieren können. Es handelte sich um große. aber die Tränen versiegten nicht. »Reden Sie. aus denen blutige Rinnsale getropft waren. Hennings.« Er öffnete den Mund. HURE. prallte dabei aber mit voller Wucht gegen Lawson. dass er sich Zeit für eine klare und deutliche Botschaft gelassen hatte. »Damit war ich gemeint! Das hätte ich sein sollen!« Während sie auf den Flur taumelte. Fassungslos stand sie ungezügeltem Hass oder einer hoffnungslosen Psychose gegenüber. verdammt nochmal?« »Mr. Kaum waren sie draußen. sich einen Weg durch eine menschliche Barrikade aus uniformierten Polizisten zu bahnen. Lawson hatte sie an der Schulter gepackt und schüttelte sie leicht. Lloyd? Was ist los? Was haben Sie?« »Oh mein Gott!«. aber kein Laut drang heraus. Sie hob den Anhänger auf und verschloss ihn in der Faust. »Zum Teufel. Ist alles in Ordnung? Zum Teufel. Mit wenigen Schritten war er bei Lawson. Schließlich stieß er keuchend hervor: »Das ist unmöglich!« Ihre bitteren Mienen mussten ihm Bestätigung genug gewesen sein. die aus ihrer Kehle drangen. denn er legte die Hand . zwei Schritte zurück und starrte sie ungläubig an. aber er war stärker und ließ nicht locker. »Polizeibehörde Dallas.

»Es sah wunderschön an ihr aus.« Gerührt sah sie.« »Vielleicht hätten Sie die Güte. Ein Rubinanhänger. hob sie an die Lippen und küsste ihre Fingergelenke.« »Um wieviel Uhr war das?«. schoss er auch schon an ihnen vorbei. drückte sie. ihn umzudrehen.« Widerwillig bedeutete Jem dem Kommissar fortzufahren. Als ich kam. Eng aneinander gelehnt taumelten sie ins Wohnzimmer.« Als Jem andeutungsweise nickte. es tut mir so Leid. trug sie es. während er einen Punkt an seiner Schläfe massierte.« »Den haben wir auf dem Nachttisch gefunden. »Oh nein. Nachdem er sein Gesicht mit einem Taschentuch abgewischt hatte. »Sie behaupten.« »Wer hätte auf Gillian wütend sein sollen?« »Genau das werden wir herausfinden.« Es tat weh. wie Leid mir das tut. wie ihm Tränen in die Augen stiegen. Jem. »Möchten Sie sich setzen. wo sie sich nebeneinander aufs Sofa setzten. »Wie lange waren Sie hier?« »Nicht lange. mir noch einige Fragen zu beantworten. gegen neun. Als ich ging. Das Schmuckstück hatte auf ihrer Handfläche einen herzförmigen Abdruck hinterlassen. fuhr Lawson fort: »Wann haben Sie zuletzt mit ihr gesprochen?« »Gestern Abend. Erst nach einigem Drängen gelang es ihr. Ich kam mit einem Geschenk vorbei. ehe sie langsam Richtung Kinn hinunterglitt. »Sie erlitt zahlreiche Stichwunden. ihn schluchzen zu hören. Aber kaum hatte er die Schlafzimmerschwelle erreicht.« Sie öffnete die Hand. Setz dich zu mir. blieb er wie angewurzelt stehen. »Halt!« »Jem!« Ihre Hände schnappten ins Leere. Alles deutet auf einen Racheakt hin. könnte dabei helfen. man hätte sie – ermordet ?« Seine Blicke wanderten hinter sie. »Melina. Mit seinen hochgezogenen massigen Schultern erinnerte er an einen Frosch. fragte Lawson. um sich gegenseitig zu trösten. antwortete er. der auf einem Seerosenblatt hockt. ehe er sich. Jem hatte sich wieder gefasst. wie zuvor. wollte Gillian gerade zu Bett gehen. Jem. »Was ist passiert?« Er gab Jem eine kurze Zusammenfassung der bisher bekannten Fakten. Dankenswerterweise ließ Lawson sie mehrere Minuten allein. »Äh.« »Sie haben einfach das Geschenk abgeliefert und sind gegangen?« . Mr. Ich brauche dich neben mir. Alles. Hast du sie gefunden?« »Eine Nachbarin kam in aller Frühe herüber und wollte sich Kaffee borgen.mehrere Sekunden auf den Mund. von denen mehrere tödlich gewesen sein können.« »Ich habe ihn. was Sie uns sagen können. »Jem. »Müssen wir das jetzt erledigen? Ich brauche ein bisschen Zeit. Lieber Gott. »Komm hier weg. stöhnte er. Keiner konnte ihn aufhalten. »Oh Gott«. Hennings?« Er schüttelte den Kopf. Er tastete nach ihrer Hand. Ich gab ihr den Anhänger und ging. plump auf die Polsterbank setzte.« Er legte beide Hände auf den Mund. Wir brauchen einander. wandte er sich an Lawson. Noch ehe einer reagieren konnte. es tut mir so Leid. glaube ich«. Zumindest auf einen Wutanfall.« »Melina –? Was –?« Sie trat hinter ihn und legte ihm die Hände auf die Schultern. Mit einem wehmütigen Lächeln nahm Jem es ihr aus der Hand.

« Lawson sagte einen Augenblick gar nichts. drücke ich mich nicht deutlich genug aus? Oder stimmt etwas nicht mit Ihren Ohren?«. dass ihr euch immer alles anvertraut habt. hier handelt es sich um ein wertvolles Schmuckstück.« »Es war hart. dass du es unter solchen Umständen erfahren musst.« »Möchten Sie sich dazu äußern?« »Es war etwas Privates. als würde er über einen Widerspruch nachbrüten.« Er warf ihr einen bedeutsamen Blick zu. der ihr klar machte. Lloyd habe gerade zu Bett gehen wollen. »Sie sind also nur gekommen und wieder gegangen. Aber Gillian und ich hatten uns in einem Liebesbund dazu verpflichtet.« »Richtig.« »Kommissar Lawson. dass er damit auf die künstliche Befruchtung anspielte. wandte sich Jem mit verärgerter Miene an sie: »Eigentlich sollte das eine fröhliche Neuigkeit sein. »Mr. erkundigte sich Jem gereizt.« »Im Pyjama.« »Ja. wiederholte sie. Gegen neun Uhr. als Sie kamen?« »Sie war sehr müde. »Sie waren verlobt?«. »Im Prinzip ja. »Ich weiß. Melina. es geheim zu halten«.« »Wann kam es dazu?« »Vor ein paar Wochen. Keiner konnte seine Überraschung verbergen.« Lawson zupfte an seiner Unterlippe herum. Ohne sich um ihn zu kümmern. »Besonders vor dir. Lloyd Ihnen tatsächlich die Ehe versprochen hatte?« Jem fuhr herum. Offensichtlich wollte er vor Lawson nicht darüber sprechen. »Tun Sie’s denn?« »Warum sollte ich?« »Weil in einem Mordfall ein Ermittler möglicherweise eher einem Verlobten glaubt als einem . »Natürlich bin ich mir sicher.« »Muss wohl so gewesen sein. Es tut mir Leid. »Sind Sie sicher. Ms. Gab es gestern Abend eine besondere Gelegenheit?« »Ja. für kurze Zeit niemandem etwas davon zu erzählen. Sie war schon im Pyjama. »Ich verstehe. Was glauben Sie denn? Dass ich alles nur erfinde?« Lawson zuckte mit der Schulter. um Jem einzuschätzen. Wir wollten alles der Reihe nach erledigen. Sie hatte einen ereignisreichen Tag hinter sich. merkte Lawson an.« »Sie trug keinen Verlobungsring«. dass es sich um eine offizielle Sache handelte. wollte der Kommissar wissen.« »Und Sie sagten.« »Privat.« »Hattet ihr schon einen festen Hochzeitstermin?« »Noch nicht. nützte aber die Zeit. Hennings. und dass Ms. sagte er mit einem traurigen Lächeln. »Warum wiederholen Sie meine Antworten? Heiliger Himmel! Meine Verlobte wurde ermordet aufgefunden –« »Verlobte?« »Verlobte?« Sie und Lawson redeten gleichzeitig.« »Ihr wart verlobt?«.

dass du gestern Abend um neun Uhr hier gewesen bist. hatte sie keines von beiden an. dass ich Ihre Geschichte auch richtig verstanden habe. »Sie sagten. Ms.« Jem riss den Kopf zu ihr herum.« Da er noch immer zu überrascht zum Reden war. Auch die anderen Polizisten im Raum unterbrachen ihre Arbeiten und lauschten aufmerksam. weil Gillian Sie gestern Abend wieder weggeschickt und nicht zum Übernachten eingeladen hat?« Jem sprang auf. »Sie glauben. die sie so freundlich behandelt hatte.« »Schön. Lloyd habe einen Pyjama getragen. sagte sie leise.« »Ja«. Waren Sie sauer. Das können Sie überprüfen.« »Dann muss sie sie wohl vor dem Schlafengehen ausgezogen haben. wandte sie sich an den Kommissar.« Jem versteinerte. was –« Mit einem Kopfschütteln unterbrach sie Jems schockierten Protest. nahm er wieder Platz. Ich spiele nur mehrere Möglichkeiten durch. hat er dich auch so durch die Mangel gedreht?« »Ja. Mein Auto habe ich beim Garagenwart gelassen.Freund.« Mehrere Sekunden starrte er sie verständnislos an. ich hätte das getan?«. ich musste auch Fragen beantworten. habe ich mir die Pflegespülung aus den Haaren gewaschen. »Sie müssen sich nicht die Mühe machen.« »Werde ich.« »Ihre Möglichkeiten stinken. beim Personal in Jems Gebäude nachzuhaken.« »Das ist keine Geschichte. zischte Jem. der sie . ohne die Nacht über zu bleiben.« »Das Oberteil haben wir gefunden.« Lawson fuhr fort. Ich kann seine Aussage bestätigen.« »Als man sie fand. mit der du gestern Abend hier gewesen bist. der zur Schlafenszeit mit einem teuren Geschenk vorbei kommt. »Melina. »Ihre Andeutung ist eine Beleidigung für Gillian und mich. Kommissar Lawson. Das ist die Wahrheit.« »Melina. Lawson nahm sein Verhör wieder auf. was meinst du damit?« Ihr ruhiger Ton und ihre Aussage hatten ihn und Lawson gleichermaßen verblüfft. wobei er aufs Schlafzimmer deutete.« »Das ist unnötig. Ich wohne in einem Hochhaus gleich hinter Oak Lawn.« Lawson hatte sich von Jems Wutausbruch nicht einschüchtern lassen. Dann öffnete er vor Überraschung stumm die Lippen. »Ich war diejenige. »Das warst –« »Ich«.« Obwohl Jem schäumte und offensichtlich am liebsten handgreiflich geworden wäre. Sie wandte sich an den Kommissar.« »Jem. Es blieb in der Garage. Ohne Hose. Nachdem – nachdem du weg warst. »kurze Hose mit passendem Oberteil.« »Ich deute gar nichts an. »Ich habe sie geliebt. »Niemand hat Sie irgendeiner Sache beschuldigt. »Sind Sie von hier aus direkt nach Hause gefahren?« »Ja.« »Beruhigen Sie sich. Sie sollte meine Frau werden. Hennings.« »Kann das jemand bestätigen?« »Der Wachmann in meinem Gebäude.« »Ich möchte nur sicherstellen. Es wäre Zeitverschwendung. dann setzen Sie sich. »Ich weiß. als hätte Jem nie eine Szene gemacht. Warum sind Sie so defensiv?« Jem schwieg weiter aufsässig. »Melina. Gegen neun Uhr fünfzehn bist du gegangen. bis ich heute Morgen zur Arbeit fuhr. musterte sie erwartungsvoll. brüllte er wütend. Die Polizistin.

»Alles war meine Idee. Sie nickte. Deshalb habe ich so aufgewühlt auf die Schmierereien reagiert. Colonel Christopher Hart –« »Den Astronauten?«. »Wir haben Babysitter. »Rasse. Sie meinte. Ich habe ihr gesagt. bevor es zu weit ging.« Allmählich trübten Tränen ihren Blick. die Anspielung auf Hart kapiere ich.« Wieder wandte sie sich an Jem. wir seien keine Kinder mehr. erklärte sie.« »Einen Moment mal. ob wir damit durchkämen. der sie weiterhin völlig ungläubig anschaute. Sie hat meinen Kunden begleitet. Freunde und sogar Verwandte genarrt.« Lawson setzte die Einzelteile zusammen und nickte langsam.« Jem war erregt und wütend. Das liegt auf der Hand. Jems Stimme rutschte eine Oktave höher. ich fühlte mich nicht wohl. Wir wollten sehen.« »Und ich habe aufgehört. Christopher Hart. Jem. Sie erklärte dem Kommissar ihre Tätigkeit. aber der Rest? Diese – diese Schmiererei über Gillian. Er ist ein Halbblut. Was bedeutet das?« Die Frage war verständlich. dass sie mit dem Rollentausch gestern Abend einverstanden war. Lehrer. eine Herausforderung. Was soll das denn bedeuten?« Leicht schnüffelnd vertiefte sich Lawson in seinen Notizblock. »Na schön. warf Jem ein. Wir haben es immer geschafft. Aber genau wie der Kommissar konnte auch sie Jem Hennings nicht ruhig in die Augen sehen. »Ich sollte ihn zu einem Bankett im Adolphus bringen. eine alberne frivole Schnapsidee. dann hätte er eigentlich mir gegolten. Sie lehnte ab. »Als Kinder haben meine Schwester und ich oft die Rollen getauscht«. Ich war hier bei dir.mittlerweile mit einer Mischung aus Erstaunen und Argwohn musterte. Schließlich hatte ich sie so weich geklopft. aus sehr gutem Grund. »Aber warum? Warum gestern Abend?« Sie holte tief Luft.« Endlich fand er seine Stimme wieder und stotterte: »Aber – ich habe dich geküsst. Erinnerst du dich noch?« Für ihn blieb es ein Rätsel. »Melina. wollte Lawson wissen. Gestern beim Mittagessen habe ich Gillian diesen Vorschlag gemacht. Für uns war das ein Kinderspiel. seine Pressekonferenz durchpeitschen usw. »Gestern Abend war ich dafür verantwortlich. ohne entdeckt zu werden. »Gillian ist an meiner Stelle gegangen. . er war dazu nur allzu berechtigt. »Vermutlich ist das immer noch so. was so nicht ganz stimmte. Trotzdem habe ich sie später angerufen und weiter gebohrt. richtig?« »Sollte der Mord an meiner Schwester irgendetwas mit ihm zu tun haben.« »Was meinen Sie mit ›begleitet‹?«.

»und weiß. in der er gezwungenermaßen das eine oder das andere tun musste. Er musste sich konzentrieren. drängte Abbott weiter. seit ich auch nur in der Nähe eines Reservats war. dachte Chief. dass er nur um den heißen Brei herum geredet hatte. sagte Abbott. »Ja. gerade jetzt darüber nachzudenken. Er hatte keine Ahnung. »Das habe ich nicht behauptet. unabhängig zu bleiben. 8 »Ich habe Ihnen wirklich nichts Neues mitzuteilen. egal welchen Kurs ich einschlagen oder zu welchem Schluss ich für mich kommen werde. Longtree begriff.« Chief wandte sich Longtree zu. Warum also nicht gleich Schluss mit politisch korrektem Benehmen machen? Warum nicht den ganzen Mist ad acta legen und die Sache beenden. woran er wirklich denken wollte. Mit vielen Umschreibungen.« Mit einem Kopfnicken bedankte sich Chief bei dem Kellner. Schon beim Aufwachen hatte er sich lausig gefühlt. und noch immer hatte sich seine Stimmung nicht gebessert. Häuptling Longtree. ich bin enttäuscht«. »Nun. Nichts für ungut. genau das habe ich gemeint. Gar nichts. der ihnen Kaffee nachschenkte. und damit allen eine Menge Zeit sparen? Im Grunde genommen schuldete er ihnen nichts. Seit ungefähr einer halben Stunde war dies sein erster Satz.« Jetzt kann ich getrost alle Register ziehen. um unter diesem unversöhnlichen Blick nicht unruhig hin und her zu rutschen.« »Werden Sie im Rahmen Ihrer Zukunftsplanung trotzdem unser Angebot in Erwägung ziehen?«. »Im Gegenteil. wie er seine Ablehnung formulieren sollte. Schließlich hatte er die beiden schon beleidigt. dass ich Ihr Interesse an mir nicht zu schätzen wüsste«.« »Aber genau das haben Sie gemeint. Dieses ungewollte Treffen mit Longtree und Abbott war reine Zeitverschwendung und verschlechterte seine üble Laune nur noch mehr. sagte er. Aber es sind Jahre vergangen. aber ich –« »Sie wollen nicht mit Indianern über einen Kamm geschoren werden. Ihm war lausig zu Mute. Offen gestanden reizt es mich nicht. »Die Zukunft liegt – in der Zukunft. Nicht einmal Taktgefühl. ich ziehe es vor. dass ich damit auch für Häuptling Longtree spreche. Es handelt sich zweifelsohne um wichtige Fälle und Belange. hier und jetzt. Obendrein verspürte er nicht die geringste Lust. Den brauchte er dringend. ging ihm gegen den Strich. Eine noble Aktion und eine großartige Idee. war die letzte Nacht. Punkt. »Einverstanden. Bis zu meinem offiziellen Ausscheiden aus der NASA sehe ich keinen Anlass für weitere Diskussionen. Mr. dann wäre das ehrenwert. dass wir wenigstens noch einmal auf Sie zukommen? Sagen wir in sechzig Tagen?« Wieder war Chief gezwungen auszuweichen. konstatierte er kurz angebunden. Das einzige. Ihrer neuen Hilfsorganisation beizutreten. »Ich denke. Abbott. ohne entweder eine Verpflichtung einzugehen oder die beiden zu beleidigen. Diese Situation. Es ist nur so –« Scheiße. »Es ist ja nicht so. »Ich bin noch zu keiner Entscheidung gekommen«. Ich habe mich davon gelöst und hege nicht den .« Obwohl Longtree kein Wort gesagt hatte. ruhten seine starren Blicke unverwandt auf Chiefs Gesicht. die man zur Sprache bringen und der Öffentlichkeit bekannt machen sollte. Sollten Sie es ehrlich meinen. Außerdem haben Sie sich für die NAA bewundernswerte Ziele gesetzt.

« »Und doch ist dies die Quintessenz Ihrer Worte. seine Dienstmarke.« Longtree lehnte es ab. mit diesen Kerlen intim zu werden. Häuptling Longtree. sie mit einem negativen Eindruck von ihm weggehen zu sehen. Genauso wenig wie die beiden Polizisten in Uniform. Chief verspürte ein irrationales Bedürfnis. meiner Ansicht nach hier der Fall. ich respektiere Ihre Position. als sei er ein Fan. mit Samtpfoten aufzutreten. Wieder nahm er es ihnen übel. Beide Männer standen sich gegenüber. danke« ungnädig aufgenommen hatten. aber er –« »Ist schon gut. Wenn ich Ihr Angebot annähme. »Senior Corporal Lawson. der an einen massigen Baumstumpf erinnerte. die Sache fallen zu lassen. weder von einer Einzelperson noch von irgendeiner Organisation. der ihn beim Frühstück entdeckt und erkannt hatte. Stattdessen schaute er Chief bohrend in die Augen und umklammerte eisern seine Hand. ehrlich gesagt.« Gelassen zog Longtree die Serviette vom Schoß und legte sie gefaltet neben seinen Teller. die ihn flankierten. die ich verträte. Wenige Zentimeter vor seiner Nase zückte ein Mann. diese Bitte zur Kenntnis zu nehmen. Ich werde meinen Namen nicht ausbeuten lassen. noch habe ich es für meine Fehlschläge verantwortlich gemacht. dass sie sein »Nein. Colonel Hart. Ich hatte vorgeschlagen. prophezeie ich –. sich wie ein Arschloch zu benehmen. um die überschwängliche Entschuldigung zu bremsen. wäre dies kein Tausch auf Gegenseitigkeit.« Chief hob die Hand. seine Hand dem Griff des Älteren zu entziehen. er solle mich Sie aus dem Restaurant holen lassen. Der Oberkellner trat neben Chief. der es kaum bemerkte.« Der Alte schien entschlossen. und doch hasste er es. Er lächelte nicht einmal. In einem Anflug von Versöhnlichkeit sagte er: »Häuptling Longtree. Mordkommission. dies rückgängig zu machen. Wenn ich mich zum Fürsprecher der amerikanischen Ureinwohner aufschwänge. »Richtig. dass deren Interesse an mir egoistisch und einseitig ist. drehte sich Chief um. Abbott schien weiter diskutieren zu wollen. fühlte er sich vor Longtree klein. Aber der untersetzte Zivilbeamte machte nicht den Eindruck. in der Sie uns brauchen werden. Wie haben Sie so unverblümt gesagt? Sie brauchen mich mehr als ich Sie. aber ein strenger Blick Longtrees ermahnte ihn. Ich habe meinem Indianerblut weder meine Leistungen zu verdanken. Obwohl er einen Kopf größer als der alte Häuptling war. Er hatte nicht die geringste Lust. dass Sie sich mit uns getroffen haben«. besonders auf diejenigen. »Danke. Beim Umdrehen hatte er einen Autogrammjäger erwartet. Außer einem Teil meiner DNS habe ich mit dem indianischen Volk nichts gemeinsam. Longtree sagte: »Es wird eine Zeit kommen – bald. Hoffentlich können Sie auch meine respektieren. »Ich bedauere zutiefst. Auch Chief erhob sich. Sie hatten ihn gezwungen. das man während seiner Dankesrede aufgenommen hatte.« »Christopher Hart?« Als sein Name fiel. besonders wenn ich das Gefühl habe.« Longtree ließ Chiefs Hand los. jemanden. dazu ein Foto von ihm.geringsten Wunsch. Colonel Hart.« »Mit anderen Worten: Die NAA braucht Sie. sagte Longtree beim Aufstehen. ihn anzupinkeln und wie ein Schwein aussehen zu lassen. aber Sie brauchen sie nicht. Die Morgenausgabe der Dallas Morning News hatte einen Artikel über das Bankett von gestern Abend gebracht. würde ich wie ein Betrüger wirken. Zu dem Kommissar sagte er: »Kann ich Ihnen helfen?« . Kriminalpolizei Dallas.« »So grob würde ich es nicht formulieren. Und genau das ist. Na schön. auch er war nicht in der Stimmung.

Ihre Schmährede dauerte bereits geschlagene zwei Minuten. dass Sie den Richtigen vor sich haben?« »Sind Sie der Astronaut?« »Ja. und zwei üppige Titten. um auf der Stelle eine . sie mit Gewalt genommen und dabei mit einer Geschlechtskrankheit angesteckt. welchen Blödsinn sie redete.« Unfreiwillig entfuhr Chief ein kurzes Lachen. Also das war’s! Ein übler Streich. Na ja. behauptete sie. er hätte diese Frau noch nie in seinem Leben gesehen und keine Ahnung. Christopher Hart habe sie auf einer Party vor acht Monaten vergewaltigt. sie umzubringen. Aber als sie ihn weiter mit üblen Anschuldigungen bombardierte. ehe Chief seine Stimme wiederfand und an das hässliche Monster appellierte. in Begleitung eines Polizisten.« Ich hätte wirklich noch einen Schluck Kaffee trinken sollen. mit dem sie die Schwangere gemimt hatte. Trotzdem würden die Verantwortlichen für diese Charade bald auftauchen. richtig besehen war es nicht zu viel gewesen. der größer und fieser wirkte als alle Angreifer in dem Spiel.« »Sind Sie sicher. Worum geht’s denn?« »Um den Mord an Gillian Lloyd. Kam wahrscheinlich von zu wenig Schlaf und zu viel Sex. Ich brauche Ihre Antwort auf ein paar Fragen. Er habe ihr ein Schlafpulver in den Drink gemischt. Steve Young hatte gerade im dritten Viertel einen fünfzig Yard Touchdown-Pass geworfen. Er behauptete. da klingelte es an Chiefs Tür. Auf seiner Schwelle stand eine hochschwangere Frau. wenn sie ihn als das anzeigte. Obwohl er am Abend vorher nur einen einzigen Bourbon getrunken hatte. fühlte er sich verkatert. »Davon bin ich überzeugt. Eher das Gegenteil. das mit einem noch hässlicheren Schlagstock herumfuchtelte. an seinen eigenen Unschuldsbeteuerungen zu zweifeln. Alle anderen Gäste hatten zu essen aufgehört und starrten sie an. sagten Sie Mordkommission?« »Ganz genau. dachte Chief.« »Sicher. die er noch nie gesehen hatte. Dann winkte sie fröhlich und rief: »Überraschung!« Einige seiner Chaotenfreunde von der NASA stolperten aus ihren Verstecken im Hof und bogen sich vor Lachen. aber keines der Gesichter war ihm bekannt. Anschließend habe er sie schwanger und verstört sitzen lassen und gedroht. Diese Kerle! Seine Blicke schweiften über die besetzten Tische des Restaurants. Die Frau fing zu kreischen an und bezichtigte ihn entsetzlicher Dinge. begann er allmählich. Sie hatten genügend Alkohol und Essen dabei. Er hätte einen weiteren Koffeinstoß dringend gebrauchen können. Heraus fielen das Kissen. das gerade lief. was er war: ein sexueller Wüstling. Wie damals an diesem Sonntagnachmittag vor zwei Jahren: Er war allein zu Hause gewesen und hatte sich in aller Ruhe ein NFC-Meisterschaftsspiel zwischen Dallas und San Francisco angesehen. die Glas zum Platzen gebracht hätte. die mit äußerst intimen Kenntnissen seiner Person und seiner Physis gespickt waren. In seinem Kopf ging es immer noch drunter und drüber. Schließlich riss sie zu seinem Entsetzen ihr Kleid von oben bis unten auf. Mit einer Stimme. Auf der einen war »Alles Gute« eintätowiert und auf der anderen »Zum Geburtstag«. würden hinter Möbeln und Topfpalmen hervorspringen. »Entschuldigung.« »Dann habe ich den Richtigen. sich schief lachen und dabei seinen dummen Gesichtsausdruck nachäffen.

einander auszustechen und sich Scherze auszudenken.« »Meine Herren. bis er den Fehler korrigieren . »Sieht so aus. »Zum Kuckuck. es handle sich um einen ähnlichen Streich. um sich bei Longtree und Abbott zu entschuldigen. als hätte er auch nur einen Schimmer Humor. bereits am Ausgang. Jetzt war sein erster Gedanke. brauchen Sie vielleicht einen Anwalt? Haben Sie etwas zu verbergen?« Chief biss die Zähne zusammen.Party zu feiern. würden Sie mir erklären. das sagten Sie bereits. Das letzte Viertel des Spiels verpasste Chief. sonst hätte er Lawson erklärt. wo die meisten seiner Freunde und Kollegen wohnten. Er geleitete sie zum Ausgang.« »In rechtlicher Hinsicht? Colonel Hart. nicht so aus.« »Sie haben nie von –?« »Habe ich das nicht eben gesagt? Außerdem –« Er brach ab. dessen heftiger Sarkasmus ihm genauso quer lief wie dieser mistige Morgen generell. wünschte ihnen beim Abschied noch viel Spaß und meinte nur. »Ich bin sofort bei Ihnen. denn plötzlich wurde ihm klar. Chief folgte ihm in ein Büro.« Er drehte sich um. wenn mich die Polizei unnötigerweise in aller Öffentlichkeit bloßstellt. Das musste er den Scherzkeksen lassen. »Vielleicht sollte ich mein Büro anrufen. Mit der Haltung eines hohen Militärs sagte er in brüskem Kasernenton: »Was soll das alles? Ich habe keine Ahnung von einem Mord. was das alles soll?« »Es geht um den Mord an Gillian Lloyd. wie sie noch nüchtern genug war. Und außerdem hasse ich es wie die Pest. den sie in den Streich eingeweiht hatten. Dieser Streich hier war verdammt gut. bei denen die Zielscheibe des Spotts mindestens als Volltrottel dastand. dem es in allererster Linie auf Diskretion und den guten Ruf des Hotels ankam. Das Mädchen. Plötzlich hätte er sein spontanes Lachen am liebsten wieder zurückgenommen. Der Polizist.« »Wozu?« »Zur Information. vielleicht möchten Sie sich an einen ungestörteren Ort zurückziehen?« Anstelle des Oberkellners war der Hotelmanager aufgetaucht. wie unklug ein Gespräch mit einem Polizisten über einen Mord ohne Beisein eines Anwalts war. dass es völlig unpassend gewesen war. sie sollten nicht allzu laut werden. Ich habe diesen Namen noch nie gehört. auch das Ergebnis erfuhr er erst am nächsten Tag. Leider war sein Geburtstag erst in sechs Monaten fällig. Damit könnten sie es sogar ins Guinness Buch schaffen. er solle ihn am Arsch lecken. servierte dem Geburtstagskind eine erstklassige. Und drittens sah der Polizist. dieser Lawson. Aber eine derart aggressive Bemerkung war so lange unklug. denn mittlerweile war ihm klar. eine exotische Tänzerin. So etwas ließe sich nur schwer überbieten.« »Jaja. als hätten Ihre Freunde Sie verlassen. wenn bis dorthin noch Wochen vergingen. Er und sein Freundeskreis versuchten ständig. Außerdem würden sie wohl kaum eine Party außerhalb von Houston abhalten. Eine Überraschungsparty zur Pensionierung? Nicht.« Erneut fuhr Chief zu dem Kommissar herum. Wozu standen diese Uniformierten draußen vor der Türe Wache? Falls er türmen wollte? Er ging zum Angriff über. aufreizende Tanzeinlage und unterhielt die restliche Meute so lange. aber sie waren schon weg. blieb. Bevor Longtree durch die Türe trat. um ihre Talente zu schätzen. warf er Chief einen harten Blick zu. wo man ihn mit Lawson allein ließ.

und Longtree und Abbott für immer aus seinem Leben verschwunden. »Sie hat schon mehr Ablenkung. So etwas ist einfach nur sinnvoll. Ihre nackte Leiche wurde heute Morgen in ihrem Bett aufgefunden. als sie momentan verkraften kann. Was nicht auf eine Schuld hindeutet. dass ihr die meisten erst nach dem Tod zugefügt wurden. Sie erlag zahlreichen Stichwunden. Colonel Hart?« Was Chief voll und ganz tat. »Geht es Melina gut?« »Sie lebt. Ich habe nie –« Doch dann stockte ihm das Blut in den Adern. dass man ihre Zwillingsschwester brutal abgeschlachtet hatte. während er versuchte. Im Hinblick auf das öffentliche Image ihrer Astronauten ist die NASA sehr heikel.« Sein letzter Satz kam schneidend. geschweige denn auf Kenntnis von diesem Verbrechen.und Schambereich. und nicht nur einen Anrufbeantworter. beschied ihm Lawson. dass er gereizt war. und hatte so lange anrufen wollen. wenn man mich ohne Beisein eines Anwalts zu einer so ernsten Sache wie Mord befragt. Erst vor wenigen Stunden hatte er mit ihr geschlafen. Er steckte sein Telefon wieder weg und nuschelte: »Vermutlich haben Sie Recht. Er blinzelte. Mit Gewalt zwang er sich zu einer etwas lässigeren Haltung.« Chief überlegte es sich noch einmal. Ich kenne diese Dame nicht. Trotzdem hatte dieses letzte Treffen einen schalen Geschmack hinterlassen. Chief atmete lange aus und massierte sich den Nacken. Hoffentlich würde sie seine Stimme gerne hören. Trotzdem verstehe ich noch immer nicht. »Hören Sie mir jetzt endlich zu. ehrlich. Ganz langsam stellte er die Füße wieder nebeneinander und richtete sich zu voller Größe auf. ohne dass er einen genauen Grund dafür hätte nennen können. Anschließend hatte ihn so ein Polizist mit schlecht sitzendem Sakko überfallen und öffentlich blamiert. »Na denn. »Na schön. »Keine gute Idee«. Nachname: Lloyd.« »Ich würde sie gerne anrufen. warum Sie sich mit mir unterhalten. Einen Augenblick starrte er in die Luft. Gott sei Dank war diese Sache beendet.« Hoffentlich betrachtete Melina einen Anruf von ihm nicht als weitere Ablenkung. flüsterte er. die Nachricht und ihre Konsequenzen zu verdauen. der hier offensichtlich passiert war. Das – das ist ja entsetzlich. leider vergeblich. Kommissar Lawson. »erst jetzt wird mir alles klar. rufen Sie schon an. Aber mit diesem Kommissar würde er weder über Melina diskutieren noch über das. Wir glauben – hoffen –. als er sein Handy aus der Tasche seiner Lederjacke zog. Kein Wunder. Er hatte diesen Tag schmollend begonnen. Er hatte heute Morgen schon zwei Mal angerufen.konnte. »Die NASA würde es nicht billigen. was gestern Nacht zwischen ihnen geschehen war. hauptsächlich im unteren Bauch. Melinas Schwester? Ihre Zwillingsschwester?« Lawson nickte. Und dann noch sein Frühstückstermin mit Longtree. »Himmel«. Lloyd. um Lawson wieder scharf sehen zu können. Mit einem Schlag war er völlig nüchtern und meinte bedrückt: »Es tut mir Leid.« »Davon bin ich überzeugt«. Jetzt war sie irgendwo in dieser Stadt und versuchte damit fertig zu werden. bis er sie selbst erreichte. An einen Beileidsanruf hatte er dabei nicht gedacht.« Ihre Nummer stand auf dem Terminplan.« . lehnte sich mit der Hüfte gegen den Schreibtisch und schlug die Füße übereinander. Ein verdammtes Blutbad. Vielleicht war seine Reaktion übertrieben. meinte Lawson amüsiert. besonders die für Melina. Wer ist Juliet –« »Gillian. die mit ihrem Blut geschrieben wurden. weil er alleine aufgewacht war. Außerdem hinterließ der Mörder an ihrer Schlafzimmerwand obszöne Worte.

»Das verstehe ich nicht. »Vielleicht möchten Sie vor diesem Termin doch noch einen dieser NASA-Anwälte anrufen. Frauen wie Männer. sie muss sich schrecklich fühlen.« Lächelnd musste er an die Pressekonferenz denken und wie sie die Reporter. Kompetent. Wir werden alles erklären. um lange unterzutauchen. Lawson. »Herr Kommissar. Fragen Sie nach mir.« »Das würde ich nicht empfehlen. in meinem Wagen irgendwo auf der I-45 zwischen Dallas und Houston zu sitzen. können Sie Melina fragen.« »Irgendwelche Spuren?« »Ein paar. um welches Bild es ging. Bei einem Termin in der Stadt. Melina. Denn sonst holt man Sie wahrscheinlich mit Gewalt zurück. dritter Stock. sie wäre gleich beim ersten Versuch gegangen und nicht mit ihm zusammen geblieben? Zerfleischte sie sich. »Sie ist sehr fähig. Als er die bittere Nachricht erfuhr.« »Zu mir?« Bis jetzt war Chief kein Grund eingefallen.« Er schüttelte den Kopf. Wie vermutet standen die beiden Uniformierten genau davor.« »Das werden Sie schon noch. »Kommen Sie zum Punkt. da hielt er inne und drehte sich noch einmal um. halb drei. wer der Täter ist?« »Noch nicht.« Chief warf ihm einen langen schneidenden Blick zu.« Er wollte schon hinausgehen. doch wenn ein geliebter Mensch unerwartet starb. warum man ihn in die Suche nach dem Mörder ihrer Schwester verwickelte. Sie war das Verbindungsglied zwischen diesem Verbrechen und Ihnen. sie hat mir ihren Job erklärt. noch zu bleiben. Zum Beispiel die Inschrift an der Wand. »Was wissen Sie von ihr?«. Wollen Sie damit andeuten. Er hatte nicht zwei und zwei zusammengezählt. »Colonel. »Halb drei.« Dann fiel ihm ihr Lächeln ein.« Er öffnete die Tür. Erst bei Lawsons letzter Aussage hatte es klick gemacht. Sollten diesbezüglich irgendwelche Zweifel bestehen.« .« »Wer wir?« »Ich. »Ich habe sie gestern zum ersten Mal getroffen. die ihr zu Füßen lagen. Heute. ich hätte etwas mit dem Tod dieser Frau zu tun?« Lawson drehte ihm einfach den Rücken zu und begab sich zur Bürotür. fragte Lawson. Leider hatte er keine Ahnung. Nur für den Fall. Sie hatte den Auftrag –« »Jaja.« »Eigentlich hat uns ja erst Melina auf Ihre Spur gebracht. neigten Menschen zu irrationalen Reaktionen. Aber Mord? Das musste die Schuldgefühle ins Unermessliche steigern. hatte seine erste Sorge Melina und ihrem derzeitigen Zustand gegolten. mit dem sie seiner Bitte nachgegeben hatte. ich bin Gillian noch nie begegnet. Sie sind zu bekannt. dass Sie gerade daran gedacht haben sollten.« Melina tat ihm Leid. weil sie ihre Schwester nicht beschützt hatte? Natürlich waren das verrückte Gedanken. herumkommandiert hatte.« »Darin ist sie sehr gut. Ob sie sich inzwischen Vorwürfe machte? Wünschte sie sich. Trotzdem hatte er nicht die leiseste Ahnung. »Wissen Sie. warum der Beamte gerade ihn aufgesucht hatte. Polizeipräsidium Stadtmitte. und nun war er im Bilde.« Er hob den Kopf und schaute Lawson wieder an. Wieder lehnte er sich rücklings gegen die Schreibtischkante und sagte fast zu sich selbst: »Lieber Gott. »Heute um halb drei plane ich.

»Ja.« »Du hast gut getan. Sohn war nie darunter gewesen. auch wenn man welche finden sollte. mein Sohn. Bruder Dale.« »Und du bist absolut sicher. »Danke. Gemäß Ihrer Anweisungen hatte ich eine rasche und sichere Hand. dass Gillian Lloyd notwendigerweise ermor. den er sich ganz allein ausgedacht hatte. Bruder Dale. Nur wenige würden begreifen. Videos von ihrem Haus wurden gezeigt.« »Musste sie leiden?« »Nein. Gillian Lloyds Opferung war das Thema sämtlicher lokaler Mittagsnachrichten gewesen. Bruder Gabriel. dass er seiner Fleischeslust in einem sündigen Akt erlegen war.« Dale Gordon lief vor Stolz knallrot an. sie wurde geopfert. Als man sie zur Haustür hinausgerollt hatte. Aber dieser Reporter hatte eben nichts begriffen. genau wie Sie es mir versprochen hatten. mit der er seine Mission durchgeführt hatte. Ich möchte ihn hier im Tempel mit den Jüngern teilen. Der Reporter. mit ihm im Tempel zu leben! Die Worte strömten nur so aus ihm heraus. wenn die Zeit reif sei. wie die Bahre mit ihrem Leichnam über den Gehsteig zu einem Krankenwagen gebracht wurde.« Dass er das Trinkglas in der Küche berührt hatte.« Der Tempel! Bruder Gabriel wollte ihn vor den Jüngern loben.»Du hast dich stark im Glauben und zutiefst loyal erwiesen. hatte seine Mission als brutalen Mord bezeichnet. Seiner Meinung nach verdiente Gillian Lloyd. sein widerliches Ding zu berühren und so lange zu reiben. Wie sie so auf weichen Decken nackt vor ihm lag. dass er ihr nicht mehr widerstehen konnte. bis es steif war. wo Polizisten ein und aus gingen. hatte sich im Gestänge eine leuchtend gelbe Chrysantheme von einer der Pflanzen neben dem Eingang verfangen. entsetzliche Dinge. Noch nie hatte er so eloquent gesprochen. einer. wie intensiv er seinen Auftrag verfolgt hatte. damit sich ein Mensch minderwertig und wertlos fühlte und eine harte Bestrafung als angemessen akzeptierte. Mutter hatte ihm viele Dinge an den Kopf geworfen. und schmückte die entscheidenden Fakten mit kleinen Details aus.geopfert werden musste. Sie waren ein äußerst effektives Mittel. »Erstatte mir Bericht. dass Gillian Lloyd angemessen geopfert wurde?« Bruder Gabriel konnte wirklich mit Worten umgehen. Mutter hatte immer hässliche Wörter benutzt. »Du hast keine Spuren hinterlassen? Nach bestem Wissen und Gewissen?« »Nein. Bruder Gabriel. konnte er sich nicht enthalten. Mit ihm könnte man keine Spuren in Verbindung bringen. Sein Vater hatte sich schon vor seiner Geburt aus dem Staub gemacht. Emotionen schnürten ihm die Kehle zu. Auch die Inschrift an den Wänden erwähnte er nicht. erwähnte er nicht. Da ihm die Polizei noch nie Fingerabdrücke abgenommen hatte.« Dale Gordon bebte vor Entzücken. dass man sie verletzte und ihr hässliche Wörter an den Kopf warf. Weit über meine Erwartungen hinaus. der auf Gillians Straße mit ihrem Haus im Hintergrund stand. Das war ein Einfall in letzter Minute gewesen. Am anderen Ende der Leitung sprach Bruder Gabriel. das Sie mir vorausgesagt haben. Ich empfand die Kraft und das Sendungsbewusstsein. Aber auch das . Die Reporter der Lokalsender von Dallas nannten seine Mission »einen Akt sinnloser Gewalt«. Schließlich hatte sie ihn so in Versuchung geführt. Außerdem Bilder. Es war ihre Schuld. die sich bereits das Recht verdient hatten. Er informierte Bruder Gabriel mit derselben Präzision. Niemand hatte ihn je zuvor Sohn genannt. damit Bruder Gabriel klar wurde. spielte das sowieso keine Rolle.

»Was soll ich für Sie tun? Was ist Ihr Wunsch?« »Nicht für mich«.« Wenn Dale Gordon nicht schon längst mit dem Messer im Arm. sagte Bruder Gabriel mit der für ihn typischen Demut. Ihre Durchführung ist weitaus härter als die Opferung von Gillian Lloyd. wäre er vor ungläubiger Freude vermutlich zusammengebrochen. die seinen Kopf streichelte.« Ein seltenes Gefühl von Macht und Selbstvertrauen durchpulste Dale Gordon und er platzte heraus: »Ich kann es schaffen.« »Gewiss.« »Bruder Dale. Was auch immer es sei. »Und weil du dich so bewährt hast. ehe du einwilligst. Diesmal handelt es sich um eine äußerst schwierige Mission. in seinem Bett gelegen hätte. »Für den Großen Plan. Freudig!« . alle Jünger hätten diesen Enthusiasmus. Geben Sie mir eine Mission. und ich werde sie erfüllen. werde ich dir einen weiteren Auftrag erteilen. denke sorgfältig darüber nach. ich ermahne dich. »Ausgezeichnet.« »Ich wünschte. an dem Gillian Lloyds Blut klebte. ausgezeichnet.« Dale Gordons bleicher Körper lief vor Begeisterung zartrosa an. Bruder Gabriel.erzählte er Bruder Gabriel nicht. für Sie und den Großen Plan tue ich alles.« Bruder Gabriels melodische Stimme glich einer sanften Hand. »Bruder Gabriel.

Sie war ein Teil von mir. dass dich das jeder fragt?« »Ein bisschen«. Trotzdem schätze ich deine Aufmerksamkeit und deine Sorge um mein Wohlbefinden.« »Alle waren am Boden zerstört. wollten aber trotzdem unbedingt helfen. Trotz des unbequemen Mobiliars und der räumlichen Enge bot er wenigstens ein Mindestmaß an Privatsphäre. Mit Rücksicht auf die Situation hatte sein Dünkel eine Auszeit genommen. Bei mir war sie schon seit der ersten Zellteilung.« »Keiner weiß. »Limonade ist kein Heilmittel. das ist bitter. »Du hast kalte Hände. gestand sie mit einem schmalen Lächeln. Sie war wie ein Teil von mir.« »Das verstehe ich doch.« Obwohl er dies in Wahrheit nicht konnte. dass Caltrane nur mit Mühe am . hatte sie unbedingt allein sein wollen und sich deshalb für eine Fahrt im Streifenwagen entschieden. Ich weiß es ja auch nicht. hatte sie keine Lust. stand keinem der Mitarbeiter ein eigenes Büro zu. Denn inzwischen hatten sie die heimlichen Blicke der Leute satt. wie du dich fühlst. der neben dem Dezernat für Verletzung höchstpersönlicher Rechtsgüter – kurz DVPR genannt – lag. Ich bin wie betäubt. »Jem. hatte er Lewis und Caltrane gebeten. Nachbarn und Kollegen zum Kondolieren eingetroffen. Es waren so viele Freunde. Unter keinen Umständen wollte sie sich an einem so bedrückenden Ort gehen lassen. Lawson hatte dafür gesorgt. »Hast du ihr Büro benachrichtigt?«. Er nahm ihre Hand und rieb sie zwischen seinen. »Hast du es satt. fragte er. ich kann mir ein Leben ohne sie nicht vorstellen. Obwohl hier gruppenweise Schreibtische herumstanden. Jem hatte vom Weinen rote Augen und zeigte weitere Anzeichen von Seelenqual.« »Dabei gehörte sie erst seit einem Jahr zu deinem. wessen Kummer tiefer sei.« Jem musterte sie intensiver. Normalerweise konnte nichts und niemand sein Ego und sein Selbstbewusstsein erschüttern. »Leider hatten sie es dort schon aus den Nachrichten erfahren. ganz wettbewerbsmäßig festzustellen.« Da sie kurz vor der vereinbarten Zeit eingetroffen waren. Sein überlegenes Gehabe wirkte auf andere oft abweisend.« »Himmel. 9 »Melina. dass ihnen dieser Raum zur Verfügung stand. das selbst zu tun und bei ihr zu bleiben. Deswegen habe ich sie immer geneckt. die sie wie jemanden musterten. was er sagen oder tun soll. Zu ihrer großen Bestürzung sprach sich der Mord schnell herum. danke. sie heimzufahren. genau wie Gillian. Sie hatte nie warme Hände. sie sollten in einem kleinen überfüllten Raum warten. kann ich dir irgendetwas bringen?« »Nein. hatte man ihnen erklärt.« Sie unterdrückte ein Schluchzen. um Kontakt mit Christopher Hart aufzunehmen. Aber heute Vormittag sah er eingefallen und unsicher aus.« Bevor sich Lawson verabschiedet hatte. Trotz Jems Angebot. Einige waren sogar noch vor mir zu Hause.« »Ich kann mir vorstellen. der jeden Moment zusammenbrechen konnte.« »Ich auch nicht.

auf die sie sich stützen konnte. erklärte sie auf alle Nachfragen. weiß ich nicht. Und ich sollte wohl auch Jem hinzuziehen. nützlich zu sein. hatten sie geunkt. Eine solche Beschäftigung sei makaber. Schon der bloße Gedanke. erwies es sich als Segen. Alles Blödsinn. wenn du mich brauchst. Rein äußerlich mochte sie vielleicht wie ein unerschütterliches Bollwerk . Sie wirkte so glücklich. indem sie ihnen kleine Aufgaben zuwies. Die Beerdigung. Bitte ruf an. wenn du irgendetwas brauchst. Eine der Immobilienmaklerinnen meinte: »Melina. bitte ruf an. Sie hatte Menschen um sich. entschuldigte sie sich. Sie brachten zwar ihr Erstaunen durchaus zum Ausdruck. wenn du jemanden zum Reden brauchst. »Ruf an. wie gut sie alles verarbeitete und wie bewundernswert sie sich hielt. So ein Schicksalsschlag ist ungemein grausam. Melina. letztes Jahr habe ich bei einem Autounfall meine Schwester verloren. wo sie sich im Wohnzimmer versammelte. Es gab ihnen das Gefühl. die entweder vorbeikamen oder am Telefon ihr Beileid aussprachen und sich nach dem Ablauf der Beerdigung erkundigten. Während einer Kaffee kochte und ein anderer den Telefondienst übernahm. jetzt die Beerdigung ihrer Schwester planen zu müssen. Sie hatte ihrerseits dafür gesorgt.« »Melina. Du weißt ja. kann ich keine endgültigen Pläne machen«. dass sie in ihrer Trauer nicht allein sei.Straßenrand einen Parkplatz fand. trotzdem konnte sie sich nicht vorstellen. Jedes Mal hatten die Zwillinge lediglich ein geringes Maß an unumgänglichem Papierkram erledigen müssen. hörte sie ein leises Gespräch darüber. was ihnen von Gillian und Melina eine Rüge eingetragen hatte. um zu duschen und sich umzuziehen. schienen sie genauso überrascht zu sein wie sie selbst. unbesiegbar. weil sie vom Tod wie besessen zu sein schienen.« »Doch. Dieser Satz sollte sich ständig wiederholen. diese Dinge in ihrem Testament zu regeln.« »Ich bin für dich da. vielleicht weißt du ja nicht. obwohl sich ihre Trauer als Gillians Zwillingsschwester sicher mit keiner anderen vergleichen ließe. »Bis die Gerichtsmedizin die – ihren Körper freigibt. sie aufzubauen. haben wir noch mit billigem Champagner darauf angestoßen. Gillian Lloyd war hoch angesehen und sehr beliebt. vermieden aber taktvoll jede weitere Nachfrage. Wie hätte sie ahnen können –« Der Satz blieb unvollendet. dass sie sich um jedes Detail gekümmert hatten. dass Gillian gestern ihren größten Geschäftsabschluss unter Dach und Fach gebracht hat. »Bevor sie gestern Nachmittag das Büro verließ. »Wann es so weit sein wird. Hauptsächlich versuchte man. Ging es dabei nicht um eine Werbefirma?« Die junge Frau nickte.« Als Gillians Freunde und Kollegen von der heimlichen Verlobung hörten. Nach dem Bauchspeicheldrüsenkrebs ihrer Mutter kam der Herzinfarkt ihres Vaters. war entmutigend. Wie sollte sie dafür auch nur einen Gedanken finden? Ihre Eltern waren so vorausschauend gewesen. Als sie Richtung Schlafzimmer ging.« Ihre Freunde meinten es wirklich gut. ihr klarzumachen. Die Trauergemeinde ging hinter ihr ins Haus. obwohl sich im Zusammenhang mit den Vorbereitungen für die Beerdigung natürlich jedes Gerede darüber verbot. Auf dem Gipfel angekommen. wie es irgendjemandem gelingen könnte. ohne während der Trauerzeit kurzfristig unwiderrufliche Entscheidungen treffen zu müssen. Doch als ihre Eltern innerhalb von drei Monaten nacheinander starben. wenigstens so weit man das aus der Anzahl derjenigen schließen konnte. Weinend brach sie zusammen und musste von einem Kollegen beruhigt werden. dass es ihnen besser ging. sie hat mir beim Mittagessen davon erzählt.

und namenlosen Mörder als Erzfeind empfand.« »Aber einen Kunden hat sie noch nie an deiner Stelle übernommen?« »Nein. Es wird schon gehen. den sie vor kurzem ihrem Spiegelbild im Bad laut zugerufen hatte: Der Tod ihrer Schwester würde gerächt werden. »Hattest du heute einen Kunden?« Jems Frage riss sie aus ihren bösen Gedanken. Dass sie in deine Rolle geschlüpft und gestern Abend an deiner Stelle hingegangen ist. dass sie noch nie jemanden gehasst hatte.« »Ist schon gut. Ich mache mir selbst Vorwürfe. solange der Tod ihrer Zwillingsschwester ungerächt war. »Melina. wie sie auch nur die einfachste Entscheidung treffen sollte.« Erregt tippte Jem die Fingerspitzen zusammen. Das ist eher typisch –« »Für mich«. Sie war selbst entsetzt. wie ein anderer Mensch den letzten Atemzug tat. was sie verloren hatte. Das Geschäft wird nicht darunter leiden. Sie war nie ein rachsüchtiger Mensch gewesen und konnte aufrichtig sagen. das war eine Premiere. Noch ihre kleinste Bewegung erinnerte an eine Marionette. den Kopf auf ein Kissen zu legen und einfach einzuschlafen? Oder aus Freude am Genuss etwas zu essen? Oder eine Party zu besuchen. »Das war nicht als Kritik gemeint. dass ich vermutlich mehrere Wochen frei nehmen werde. bis zum letzten Atemzug.« »Und warum gerade gestern Abend?« .« »Hat Gillian so etwas schon mal gemacht?« »Wie schon gesagt. den sie an dieser Tragödie hatte.« »Und hast du Leute. Es war ihr ein Rätsel. aber tief drinnen ging alles in die Brüche. Während der harte Wasserstrahl ihr gequältes Stöhnen übertönte. Sofort spülten die Tränen alles wieder weg. aber auf diese Weise hatte sie noch nie einen anderen Menschen gehasst. Als sie jetzt in diesem vollgestopften Raum im Polizeipräsidium saß. sagte sie und beendete damit den Satz an seiner Stelle. ließ sie sich gehen und schluchzte. Ich habe ihnen erklärt. was ihr der Verstand nahe legte. bis ihre Kehle wund war. Sie schien den Anweisungen eines unsichtbaren Hypnotiseurs zu folgen und ganz automatisch alles zu tun. verließ sie die Dusche und versuchte. um jeden Preis. Sie drehte die Dusche voll auf. Unser Terminkalender wird gerade überprüft und geändert.seelischer Stärke wirken. Wie ein glühendes Kohlenstück schmorte der Hass auf den Mörder in ihrer Brust. Ein derart leichtsinniges und impulsives Verhalten passt nicht zu ihr. wo es keiner hören konnte. früher. Nachdem sie sich vorübergehend ausgeweint hatte. wenn es sein musste. ich kann nicht glauben –« »Was?« »Ich kann nicht glauben. geschweige denn. wie sehr sie diesen gesichts. sogar. dass Gillian eine solche Nummer abgezogen hat. das schon. Wäre sie je wieder im Stande. Mechanisch zog sie sich an. Vergeblich. und um den eigenen Anteil. würde ich diesen Vorschlag nie machen. Sport zu treiben oder zu lachen? Würde das Leben je wieder eine Freude für sie bereithalten? Nicht. manchmal sogar sehr intensiv. wiederholte sie im Stillen den Schwur. »Zum Glück nicht. die für dich einspringen?« »Gott sei Dank. ein Problem vernünftig angehen oder alltägliche Angelegenheiten regeln sollte. Nicht gemocht. In der gefliesten Kabine. mit eigenen Augen zu sehen. weinte sie bitterlich um das. Nie hatte sie den Wunsch gehegt. Wenn ich noch einmal die Chance hätte. sich wenigstens provisorisch zu schminken.

dass er sie umbringen würde?« Sie entriss ihm ihre Hand und stand auf. das sie unten in ihrer Handtasche verstaut hatte. die sie nach dem Weinkrampf unter der Dusche bekommen hatte. sag ihm.« »Ich verlasse das Gebäude nicht.« Ihr riss der Geduldsfaden. diesen Christopher Hart? Wollte Gillian unbedingt einen VIP kennen lernen? Einen Astronauten? Wie?« »Es ging nicht um ihn. die höllischen Kopfschmerzen. unterbrach er. für die ich die volle Verantwortung übernehme. »Wollte sie diesen Typen treffen. Jem. Falls Lawson kommt. In der Toilette beugte sie sich vornüber. Sie zu stören. dass er da ist. Als sie sich umdrehte. wir sollten hier auf Lawson warten. dass du dir selbst Vorwürfe machst. »Du hast ja Recht. »Entschuldige mich. du hast ja Recht. Sie warten.« »Bist du sicher. »ich will gar nicht darüber reden. »Tut mir Leid.« . aber Kommissar Lawson wollte Sie wissen lassen. aber für ihr Handeln war einzig und allein Gillian verantwortlich.« »Geht schon. sah sie sich Christopher Hart gegenüber. Ich gehe nur auf die Toilette. Es tut mir Leid. »Bleib hier. Woher hätte sie wissen sollen. stützte die Ellbogen auf den Waschbeckenrand und versuchte. um zwei Schmerztabletten aus einem Döschen zu holen.« »Alles in Ordnung?« Sie nickte.« Trotzdem wollte er ihre Erklärung nicht für bare Münze nehmen.« »Melina –« »Für mich ist ihr Tod noch zu neu. Lloyd?« Sie richtete sich auf und drehte sich um.« »Nein«.« »Die Idee kam vielleicht von dir. Es war ein Jux.« »Es war eine alberne kindische Idee. Mit einem matten gespielten Lächeln sammelte sie ihre Handtasche ein und ging.« »Bin schon unterwegs. lassen Sie sich noch ein paar Minuten Zeit.« Natürlich war das genaue Gegenteil der Fall.« »Wohin gehst du? Du kannst nicht weg.« »Wenn nötig. dass ich sofort wieder da bin. sondern restlos sauer. sondern um –« »Ist ja egal«. Jem. An diesen wunden Punkt hätte ich nicht rühren sollen. Sie hätte auch nein sagen können. Mehrere Minuten später kam eine Polizistin herein.« »Jetzt habe ich dich verärgert. durch eine Stirnmassage loszuwerden.« Ernüchtert fuhr er sich mit den Fingern durch die Haare.« »Ich bin nicht verärgert. »Ms. »Hi. bis Sie fertig sind. sagte sie und dirigierte ihn mit einer Handbewegung wieder auf seinen Stuhl. »Sei doch nicht böse auf sie! Damals wirkte es wie ein harmloser Streich. ein spontaner Einfall von mir beim Mittagessen. dass dir nichts fehlt?« »Mir fehlt nichts.« »Ich muss hier raus. »Aus keinem besonderen Grund.« Ein paar Minuten mehr oder weniger machten keinen Unterschied. »Danke. Es hieß.« »Ich komme mit. der nur wenige Schritte von ihr entfernt stand. um mir Kritik über sie anzuhören. Ich weiß doch. Am Trinkwasserspender blieb sie stehen. Anschließend beugte sie sich über den Spender und spülte sie hinunter.

Corporal. aber er fuhr mit tiefer erregender Stimme fort: »Hättest du dir nach der letzten Nacht je träumen lassen. den die NASA zu seinem Rechtsbeistand gewählt hatte. dass – Sie wissen schon. »Lieber Gott.« Sie schüttelten sich die Hände. Als er auf sie zutrat. Noch ehe sie begriff. strich er ihr mit dem Daumen übers Kinn. Er hatte die Welt von draußen mitgebracht. »Colonel Hart? Corporal Crow. nicht zu weinen.« Er legte die Arme um sie. »Ich kapiere nicht.« »Wann immer Sie beide so weit sind. was ich mit allem zu tun habe. und noch ein Mann befand. Ich meine damit. aber manchmal suchen sich die Leute den falschen Zeitpunkt aus. Sie würden heute hereinschauen. dass er sich wirklich voll und ganz dafür interessiert. Ich habe keine Ahnung. wie mir das Leid tut. »Hallo. ich –« Mehrere Sekunden schaute er sie nicht an. Entschuldigung. bitte. stiegen ihr Tränen in die Augen und liefen über ihr Gesicht. sagte er. Könnte ich. Mit einem verdrießlichen Schulterzucken wandte sich Chief wieder zu ihr. dass ich gestört habe.« »Ich schaue später bei Ihnen vorbei. ein Autogramm für meinen Junior bekommen? Er ist neun und ganz verrückt auf Raumfahrt. na klar. was er vorhatte. »Melina. dann wanderte sein Blick wieder zu ihr zurück.« Sein halbherziges mitfühlendes Lächeln war nur für sie bestimmt.« »Danke. der ihm als Jem Hennings vorgestellt wurde. dass sie den Geruch nach frischer Herbstluft und Sonnenschein riechen konnte.« »Macht nichts. »Es muss schrecklich für dich sein. bilde ich mir kein Urteil. warum du diesen Kommissar auf meine Spur geschickt hast. quadratisch und zerknittert.« Hilflos hob er die Hände. was mit Gillian passiert ist. »Es tut mir so verdammt Leid. Aber anscheinend merkte er nichts davon. in dem sich bereits Lawson. zog sie fest an sich und drückte seine Lippen in ihre Haare. Alan Birchman. Chief betrat hinter Melina den überfüllten Raum. Choctaw. wobei er ihr den Wassertropfen auf seiner Daumenkuppe zeigte. Wie ich das hasse. was hier abläuft. Da stand Lawson. der von seiner schwarzen Lederjacke aufstieg. Das ist alles. dass unser zweites Rendezvous auf einer Polizeistation stattfinden würde?« Verblüfft schüttelte er den Kopf. Aber trotz allem möchte ich. was ich sagen kann. deinetwegen.« Obwohl sie sich alle Mühe gegeben hatte. denn er küsste sie in einem Anflug von Intimität zärtlich auf die Schläfe. Momentan komme ich schon zu spät zu einem Termin mit Kommissar Lawson. Der Kontakt mit seinem Körper löste in ihr eine unfreiwillige Reaktion aus: Sie hielt fast unhörbar die Luft an und verkrampfte sich gänzlich. Das mit deiner Schwester tut mir Leid. und das so nahe. tut mir so unendlich Leid. Bis es so weit ist.« Mit zwei großen Schritten war er bei ihr. Instinktiv riss sie den Kopf zurück. Nach unserem Termin gebe ich Ihnen gerne ein Autogramm für Ihren Sohn.« »Oh.« Verlegen schlurfte der Mann davon. Es ist entsetzlich.« Sie fuhren auseinander und drehten sich um. hielt ihn mittendrin ein Mann mit einem Klippboard auf. Und neugierig. ich weiß nicht. Bin auch zum Teil Indianer. »Du hast gekleckert«. »Habe gehört. Gillian Lloyds Verlobter. dass du eines weißt: Das. in Ordnung? Bevor ich gehe. . »Tut mir wirklich Leid. »Gott. was ich zu dir sagen soll.« Sie hätte es dabei bewenden lassen.

was ich wissen sollte. ihm nicht in die Augen zu schauen. weshalb man mich hinzugezogen hat. es sei denn. Chief konnte es dem Kommissar nicht verdenken. Wenn er nicht noch über Melinas distanziertes Benehmen nachgedacht hätte. rechtfertigte jedes Verhalten.« »Lawson hätte sich schon bei Ihrem vorherigen Treffen Ihr Alibi von Ihnen bestätigen lassen können. ehe wir uns zu diesem Termin begeben? Ich schätze es schon nicht. sich in jeder Hinsicht so zu benehmen.« Dann war er zur Seite getreten. Kein Bockmist. Trotzdem war sie angesichts der Umstände dazu berechtigt. Birchman kam sofort zum Geschäft.« Chief hatte seinen Ärger gebremst und steif gemeint: »Nach Ihnen. möchte ich als Erstes wissen. wenn die Gegenpartei blinde Kuh mit mir spielt. Der Anwalt. Ein von ihr geliebter Mensch war einem blutigen Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen. würde er ihr keinen Vorwurf machen. wie es ihr passte. . Lawson informierte Birchman im Detail über die bisherigen Ermittlungsergebnisse. was Hennings mit einem kurzen Nicken kühl zur Kenntnis nahm. Sollte seine Aussage zur Aufklärung des Verbrechens beitragen können. Andererseits wollte er sein Mitgefühl zum Ausdruck bringen und sie wissen lassen. »Fest steht. Sie war meine Medienbegleitung für das Bankett im Adolphus. sich in der Halle die Hand zu schütteln und Visitenkarten auszutauschen. Murmelnd sprach Chief sein Beileid aus. wenn sie sich zurückzog und unnahbar blieb. »Bin froh. hätte er sich vielleicht darüber gewundert.« »Und wie steht’s mit dem Mordopfer?« »Habe ich nie getroffen. Das hier waren Lawsons Arena und sein Termin. kein Blabla. Aber bei meinem eigenen Mandanten sehe ich diesbezüglich absolut rot. kein Small Talk. war ein distinguierter Herr mit Silberbrille. dessen Verlauf er nach eigenem Gutdünken zu gestalten plante. den Chief erst vor wenigen Minuten kennen gelernt hatte. »Ich bin Melina Lloyd gestern Abend zum ersten Mal begegnet. Aber sie schien entschlossen zu sein.« »Moment mal«. dass ich frei war«. um Melinas Alibi oder Ähnliches zu bestätigen. Er konnte damit leben. die sie heute Morgen erhalten hatte. ließ er diesen Punkt fallen und passte sich dem scharfen Tempo an. sie hatte es schon seit Betreten des Raumes vermieden. Bevor sie im Erdgeschoss in den Lift gestiegen waren. dass seine Version damit indirekt als Fantasiegespinst abgetan wurde. Selbst wenn sie mit den Fäusten gegen die Wände gedroschen und sich die Haare ausgerissen hätte. dass er Birchman bremste. dass es nichts mehr gibt. sagte Lawson. um Birchman beim Verlassen des Aufzugs im dritten Stock den Vortritt zu lassen. lautete die knappe Antwort. Auch jetzt kam Birchman wieder zielbewusst zur Sache. Wie lautet Ihre Version?« Obwohl es ihm nicht passte. war ihnen kaum Zeit geblieben. das sich bis zum Hals hinunterzog. Die schockierende Nachricht. Sind Sie sicher. einem Dreitausend-Dollar-Anzug und einem dunkelroten Feuermal auf der linken Gesichtshälfte. »Nachdem wir nun alle einander kennen. In dem Moment hatte er Melina am Wasserspender entdeckt. Lawson rollte mit den Schultern und dehnte seine Sakkosäume bis zum Platzen. Ich habe keinen Schimmer. Er würde sich von keinem noch so anmaßenden Rechtsanwalt einschüchtern lassen. Während der Fahrt nach oben hatte sich Chief bei ihm bedankt. das der Anwalt für ihr Gespräch vorgegeben hatte. warum man Colonel Hart hierher gebeten hat. »Die NASA hat mir eine Zusammenfassung geliefert. der vermutlich an einem einzigen Fall mehr verdiente als der Kommissar in einem Jahr. hätte dies auch in meiner Kanzlei genügt. dass er so rasch auf die Vorladung reagiert hatte. dass er den Vorfall ehrlich bedauerte.

Birchman. an jeden Seufzer. ich bin Melina Lloyd.« Einen Augenblick hielt sie seinem unverwandten Blick stand. die ihn jetzt ansah. dass er ihr seinerseits die Hand hinhielt. schaute ihr tief in die Augen und war überzeugt. Die Frau. »Das warst du«. jede Miene und Nuance. Ich wurde gestern Abend aufgehalten und konnte Sie nicht begleiten.« »Wie bitte?« Chief war genauso verwirrt wie sein Anwalt. und passte genau in seine. Sie beide sollten sich bekannt machen. deutete Lawson mit einer Kopfbewegung auf Melina. womit auch seine widerwillige Bewunderung für Lawson schwand. nur dass sie gestern Abend geschminkt gewesen war. Das konnte einfach nicht wahr sein. Dann schaute er wieder den Kommissar an und sagte zunehmend verwirrt: »Melina und ich sind uns gestern Abend begegnet. In einem einzigen Augenblick konnte er sich an jedes Lächeln erinnern. Oder besser gesagt. sind Sie nicht. Da begriff er. Haare. warum ich für die Ermittlung eine wesentliche Rolle spiele?« »Ich denke. war die Frau. Unmöglich. Herr Kommissar. um zu erfahren.« Er starrte ihre Hand an. aber Lawson.« »Es war Gillian«. ihre Figur. Ich war mit Melina zusammen. »mir erklären. sie fühlte sich völlig gleich an: dieselbe Haut. war Gillian.« Sein Blick suchte ihre Bestätigung. Gillian war es gewesen. ohne zu merken. dann schüttelte sie langsam den Kopf. als ob sie nur mit ihm redete. ohne dabei auch nur einen Hauch ihrer Gedanken preiszugeben. die – die – Wie eine Flutwelle brach die Erinnerung über ihn herein. erklärte er mit heiserer Stimme. dass dies die Frau war. und selbst dann konnte er sich noch keinen Reim darauf machen. »Die Frau. Endlich hatte er sich so weit gefasst. »Sag es ihm. gleich groß. kam ihm mit erhobener Hand zuvor. was hinter diesen grauen Augen vorging. »Ich glaub’s nicht«. »Sie belieben in Rätseln zu sprechen. . Lawson. ihren Mund. Diese Frau konnte er mit keiner anderen verwechseln. ihre Haare. »Du warst das. dass noch nicht alle vorgestellt wurden. Gillian. was er damit tun sollte. der das Ganze offensichtlich diebisch genoss. »Gillian? Nein. Chiefs Blicke wanderten vom Kommissar zu ihr. das –« »Auch unsere Stimmen konnte niemand auseinander halten. alles war gleich. »Das sagte man uns seit dem Tag unserer Geburt. Lippen. Und er spürte. sagte er.« Chief öffnete protestierend den Mund. Er glaubte es nicht. die Sie gestern Abend getroffen haben. »Diese Ähnlichkeit ist unheimlich.« Ohne Chief aus den Augen zu lassen. ehe diese Worte eindrangen. »Colonel Hart. Augen. sagte sie leise.« »Aber Ihre Stimme. als wüsste er nicht. an jede Berührung.« Völlig perplex starrte er sie weiter an. Endlich fügten sich sämtliche abfälligen Andeutungen Lawsons und Melinas unerklärlich zurückhaltendes Benehmen ihm gegenüber zu einem logischen Ganzen. fügte er mit einem raschen Blick auf Melina hinzu. Stattdessen ist meine Schwester gekommen. wie ihm der Unterkiefer herunterklappte.Mr.« »Nein. Verdammt. dass er laut gesprochen hatte. Sie stand auf und kam mit ausgestreckter Hand auf ihn zu. was sie mit unnahbarer Miene erwiderte.« Sie lächelte. Er hätte eine Million Kröten gegeben.« Mehrere Momente vergingen. Die man heute Morgen ermordet aufgefunden hatte. Er betrachtete ihr Gesicht. mit der er die Nacht verbracht hatte. nicht wahr? Würden Sie oder irgendjemand«.

Als ihm bewusst wurde. vielleicht sogar der letzte. und sie nahm wieder neben Jem Hennings Platz. der jeden Moment überkocht.« Dann fügte er hinzu: »Ihr Verlust. . dass er noch immer Melinas Hand hielt. Er schnappte schmerzhaft nach Luft. Mit Ausnahme ihres Mörders.« Plötzlich war alles klar. Hatte man ihn als Gillians Verlobten vorgestellt? Ihr Verlobter? Chief betrachtete den Mann mit neuem Interesse. Dann stürzte er sich auf Chief. »Sie ist tot?« Ihre Kopie nickte traurig. auch wenn das nur Chief wusste. Diesem Mann war er eine Entschuldigung schuldig. fauchte Jem. Seine Abneigung waberte wie Hitzewellen herüber. ließ er los. Jetzt begriff er. »Tut mir Leid. der Gillian Lloyd lebend gesehen hatte.« »Sie Drecksack«. Er war einer der letzten Menschen. warum ihn Lawson befragen wollte. Er hatte ein rotes Gesicht und schien irgendwo tief drinnen wie ein Wasserkessel zu vibrieren. »Ich kann’s auch nicht glauben. aber so ist es. der seinerseits Chief wütend anfunkelte.

hier zu sein. »Entschuldigen Sie die Kraftausdrücke. aber vielleicht sollten wir damit warten. wenn es einer darauf anlegte. die auf Streit aus waren. aber der Mann hieb wie wild um sich. was mit mir los ist. schon gar nicht aus . wobei er mit dem Zeigefinger auf Chief wies. Ich war drauf und dran.« »Nein. »wäre Gillian noch am Leben. »Auch ich würde am liebsten das tun. »Schluss damit! Jetzt aber! Zum Teufel. weitaus kräftigere zu benützen. was du da machst? Was ist mit dir los?« »Ich werd’ dir mal sagen. Ich musste Ihre Reaktion sehen und daraus ableiten. ihn zurückzuzerren. was glaubst du eigentlich. so dass er schmählich auf einem Stuhl landete. aber Lawson riss Hennings gerade noch rechtzeitig aus der Bahn.« Diesmal war es Melina. Das genügte. Er revanchierte sich mit einem gezielten Schwinger. der ihn rücklings taumeln und das Gleichgewicht verlieren ließ. Die ersten Haken hatte Chief noch abwehren können. Er vergrub das Gesicht in den Händen und schluchzte hemmungslos. Er hatte nie zu denen gehört. Hennings. aber auch die eiserne Entschlossenheit dahinter. wollte er wissen. Hoffentlich hat’s Spaß gemacht. was für eine tolle Show wir abziehen würden. Dann wäre ich darauf vorbereitet gewesen –« »Und genau deshalb habe ich’s Ihnen nicht gesagt. Melina und Birchman reagierten mit einem erstaunten Aufschrei. wie viel Sie wissen. Seinetwegen wurde sie ermordet. »Alles wird sich klären. schrie er.« Beim letzten Wort brach seine Stimme. während Lawson Hennings an den Schultern packte und versuchte.« Wütend ging sie auf Hennings los und meinte: »Jem. Sie hatte die Hände seitlich zu Fäusten geballt. was soll das?« Der Kommissar bemühte sich mit aller Kraft. »Oder Sie wussten ganz genau. sagte sie. Er versetzte Hennings einen harten Stoß. Chief sah die Tränen in ihren Augen. Wenn der da nicht wäre«.« Lawson ignorierte die Beleidigung. 10 Keiner hatte mit dieser Attacke gerechnet. dass Melina und Gillian die Rollen getauscht haben. die den Vorschlag des Kommissars ablehnte. was Jem tut«. Lawson brüllte ihn an: »Wenn Sie diese Scheißnummer nochmal abziehen. können Sie Ihren Arsch in einer Ausnüchterungszelle abkühlen!« Um sich wieder unter Kontrolle zu bringen. ihn zu bändigen. was ihm schließlich mit roher Gewalt auch gelang. »Zum Kuckuck. obwohl Chief angesichts Hennings unterdrückter Wut eigentlich auf der Hut hätte sein müssen. bis sich die Gemüter beruhigt haben. »Und warum haben Sie mir das alles nicht schon früher erklärt? Sie hätten mir sagen können. wie sehr ihm Lawsons Taktik zuwider war.« Chief machte keinen Hehl daraus. Ich habe nicht die geringste Lust. nestelte er anschließend am Saum seines fürchterlichen Sakkos herum und strich sich mit der Hand über den flachen Schädel. »Am liebsten würde ich mir die Seele aus dem Leib weinen. Nun fiel Chief über Lawson her. dann knallte ihm Hennings Faust schließlich doch noch aufs Jochbein. hatte aber auch nie gekniffen. Melina. was meint er damit?«.« »Ist entschuldigt.

aber inzwischen war der Schock verflogen. Hennings. antwortete der Kommissar. wie seine Stimme brach. nicht einmal eine einzige. Erneut erkundigte sich der Kommissar. sollte es dazu beitragen. aber er schüttelte den Kopf. »Nein! Zum Kuckuck. Sie war tot. bevor er irgendwelche Fragen beantwortet. Eine einzige Nacht. ob er etwas für sein Gesicht wolle. als er es sich selbst eingestehen wollte. man habe Gillian umgebracht?« Er deutete mit dem Kinn zu Hennings hinüber. die Stunden und die Frau.« »Verstanden«. Wie wär’s. Der Rollentausch der Zwillinge. seine Gedanken zu lesen. Im Laufe der letzten Minuten hatte ihn der Schmerz buchstäblich bombardiert. von seinen aufgepeitschten Emotionen und hieb wütend um sich: »Zum Teufel. nein. wobei jede neue Welle noch mehr stach als die letzte und ihm dazwischen keine Atempause gönnte. Doch Tränen um diese Frau. war für immer für ihn verloren. Mit der Wunde auf seiner Wange verhielt es sich genau wie mit der Nachricht. Unter Hennings Hieb war die straffe Haut über Chiefs Jochbein aufgeplatzt.« . und das war viel schmerzhafter als die blutende Wunde in seinem Gesicht. sagte sie barsch. wären fast ein Sakrileg. »Ich werde mich so kurz wie möglich fassen. dass Gillian tot war: Der Schmerz setzte erst mit Verzögerung ein. Zuerst war er nur kurz verstört gewesen. »Klar. den Mörder meiner Schwester zu finden.« »Danken Sie mir dadurch. Die Verblüffung über Hennings Attacke hatte jedes Gefühl betäubt. Aber mittlerweile spürte er den Verlust mit voller Wucht. dann zuckte er mit den Achseln. Darauf bestehe ich. die er kaum kannte. Melina.dem Grund. Vielleicht war er tiefer getroffen. dass sie ihn seinerseits so intensiv musterte. Er hatte sich nicht das Recht verdient. fragte er matt. in den er sich dankbar fallen ließ. was hat er mit seiner Bemerkung gemeint. »Was möchten Sie wissen?«. Diese wunderschöne aufregende Frau war nicht mehr. und sein Gehirn gewann sein Schmerzempfinden zurück. Die Gesichtshälfte pochte.« Zu seiner eigenen Überraschung hörte er. Zum Kopf auslüften. erkundigte sich Lawson aufreizend ruhig. Oder selbst wie Hennings. »Colonel. Wahrscheinlich könnten wir alle eine Pause brauchen. als versuche sie. »Zuvor hätte ich mich noch gerne mit meinem Mandanten besprochen«. Dazu hat keiner von uns Lust. Bei einem verstohlenen Blick auf Melina entdeckte er überrascht. die uns das eingebrockt hat«. Genau wie Melina möchte ich diese Sache auch lieber gestern als heute hinter mich bringen. der ihm blieb. Gillians Ermordung – zu viel Information. weshalb wir hier sind. Ich habe nur einen Wunsch: Weitermachen. »Brauchen Sie was für Ihr Gesicht?«. das ihm Birchman gegeben hatte. Danke für Ihre Nachsicht. um sie auf einmal zu bewältigen. Deshalb befreite er sich auf dem einzigen Weg. dann werde ich mein Weinen auf später verschieben. wie Melina um sie zu trauern. Aber was für unglaubliche Stunden. wenn Sie mir für den Anfang mal erzählen. »Wir hatten noch keine Gelegenheit zu einem Gespräch unter vier Augen. Nur ein paar Stunden. warum dieses Arschloch mir die Verantwortung für Gillians Ermordung unterschiebt. Er wollte sie wiederhaben. Sollte aber dieses Treffen wertvolle Spuren liefern. damit wir gehen können. Anfänglich hatte es nicht wehgetan. dass Sie die Person finden und verhaften. Er hatte die Blutung mit einem Taschentuch gestillt. meinte Birchman. warum setzen Sie sich nicht und erklären uns Ihren Abend mit Gillian?« Lawson dirigierte ihn zu einem Stuhl.« Lawson wägte die Forderung des Anwalts ab.

sehr wohl zu genießen wissen?« Chief nickte knapp. wenn Sie was verbockt hätten. Seine Strategie funktionierte.Er scheuchte sie zur Tür. Ihre Beziehungen zu Frauen – angeblich waren es viele – haben Sie immer als Privatsache betrachtet. dass Sie sämtliche Vergünstigungen. Aber von einem eleganten Rechtsanwalt hätte er so etwas nicht erwartet. Immer wenn Sie mit dem Aussehen eines Hollywoodstars. »Meines Wissens haben Sie einen makellosen Leumund.« Bei Chiefs schnippischer Bemerkung runzelte Birchman zwar die Stirn. »Sozusagen. ich gebe Ihnen den guten Rat. Birchman.« »Alle Achtung. Bei denen sind Sie zur Zeit der Superstar. ich werde rot. seinem Kongressabgeordneten wegen des großen Brockens in den Ohren zu liegen. wenigstens minimale Erkundigungen über Sie einzuziehen«. »Darf ich annehmen.« »Bitte.« »Das Image eines NASA-Astronauten ist blitzblank. . Vermutlich hatte ihn Birchman damit nur aus der Reserve locken wollen.« Damit schnippte er laut mit den Fingern. Kraftausdrücke gehörten bei den meisten Militärs dazu. mit Ihrem angeborenen Charme und Ihrer geschliffenen Sprache im Fernsehen erscheinen.« »Kommen Sie zur Sache. Sie haben Raketen ins All geflogen und waren der Goldschatz der NASA. waren nie verheiratet. steht das nicht zur Debatte. Sie sind zwar ein Hitzkopf. was Sie anstreben –« »Ist noch nicht entschieden. Sie sind bei der Bodenkontrolle und bei Ihrer Mannschaft beliebt. bei Männlein wie Weiblein. Worüber möchten Sie sich unterhalten?« Auf diesen Unterton reagierte der Anwalt sauer. Egal. den das Raumfahrtprogramm – besonders seine kolossalen Fehlschläge – aus dem Haushalt verschlingt. der Ihr Image als Volksheld in Vergessenheit geraten ließe. »Bevor ich hierher kam. hatte ich noch Zeit. »Was macht die Backe?« »Werd’s überleben. obwohl er an derbe Sprache gewöhnt war. aber auf meinem bin ich das.« »Das respektiere ich. Auf Ihrem Gebiet mögen Sie ja ein As sein. Birchman zog sich einen Stuhl dicht an Chief heran. »Ich höre. für den Sie sich in erster Linie interessieren müssten – Ihre Zukunft. Einfach so. fuhr aber ohne Pause fort: »Sie sind heterosexuell. und anschließend entschuldigen Sie sich genauso schnell und übernehmen die Verantwortung für Ihre Fehler.« Die unverblümte Redeweise dieses Mannes überraschte Chief. Klar gab’s im Laufe der Raumfahrtprogramme ein paar Querköpfe. und das soll auch so bleiben. Sonst käme der Steuerzahler womöglich auf die Idee. was offensichtlich auch nicht erwartet wurde. fuhr Birchman fort.« »Damit wären wir bei dem Punkt. aber da ich in Bälde aus der NASA ausscheiden werde.« Chief gab keinen Kommentar ab. was sich aber im Fall des Falles rasch wieder gibt. mit mir keine Spielchen zu spielen. das man auch für die soziale Eingliederung von Obdachlosen und zur Rettung der Wälder ausgeben könnte. geht bei der NASA die Sonne auf. aber deren Faxen blieben schön unter der Decke. Mr. durch die sie hintereinander den Raum verließen. »Colonel Hart. Geld. Ihre längste Liebesbeziehung besteht zu den Medien.« Sein Blick schweifte zu Chiefs rabenschwarzen Haaren. Schon immer.« »Die Sache ist die: Es käme beim Astronautenbüro nicht gut an. deren Lieblingskind Sie seit Urzeiten sind. Respektieren Sie im Gegenzug meinen Rat: Sie sollten jetzt keinen Fehler machen. die mit diesem Unterschied einhergehen. Dank Ihnen stehen die gut da.

welchen Sie einschlagen. Sogar von ihrem Sitzplatz aus konnte sie erkennen. Üben Sie sich verbal in Zurückhaltung. werden Sie Ihr restliches Leben teuer dafür bezahlen. »Colonel. Was mich übrigens auch nicht interessiert. Kapiert?« »Kapiert. hielt er nochmals inne. dass er über Lawsons Bemerkung erbost war. Kein Sterbenswörtchen. jeden Tag. den Köder zu schlucken. Als sich dieser weigerte. »Nur zur Befriedigung meiner eigenen Neugierde: Als Sie hier hereinkamen. Intelligent. »Ms. wie sie sich begegnet waren. Sie sind ein begabter Mann. ehe er fortfuhr: »Also. »ist ein Bericht über die letzten Stunden von Gillian Lloyd. um sich von Lawson provozieren zu lassen. fügte Lawson hinzu: »Ihr Fußabdruck ist viel größer als der. »Colonel. Genau das werden Sie gegen Höchstgebot feilbieten. Eine wertvolle Ware auf dem Freien Markt. und zwar jetzt: Muss ich bei Lawson und seinem Fakten- Such-Kreuzzug nervös werden?« »Nein. Auch den Grund für diesen Rollentausch kenne ich nicht. Chief käme durchaus als Verdächtiger in Frage. aber ehe er die anderen wieder hereinwinkte. ich hätte nie vermutet.« Einen langen Augenblick musterte er Chief intensiv. »Ausgezeichnet. mit der er unterschwellig andeutete. dass Sie Melina Lloyd noch nie getroffen hatten?« Chief schüttelte den Kopf.« Mit einer trägen Handbewegung forderte Chief Lawson zum Weitermachen auf. ich habe keine Ahnung. den wir draußen vor dem Haus des Opfers gefunden haben. Ihr Charme etc. Hier sind die Grundregeln: Geben Sie nichts freiwillig preis. um Chief eine Gelegenheit zur Antwort zu geben. war Ihnen da klar. was für den Mord an dieser Frau nicht relevant ist. egal. was wir gerne von Ihnen hätten«. wenn es diesen Schuhabdruck nicht gäbe. Scheiden Sie mit dem Segen der NASA.« Birchman hielt inne und holte tief Luft. Zuvor hatte sich in seinen beunruhigend blauen Augen jeder Gefühlswechsel abgezeichnet. was für ein Bäumchen-wechsledich-Spiel diese Zwillinge gestern Abend abgezogen haben.« Der Kommissar hielt inne. »Was wollen Sie wissen?« »Wann haben Sie sie zum ersten Mal gesehen?« Er erklärte. »Die Ähnlichkeit zwischen ihnen war so erstaunlich?« »Sie können sich das nicht vorstellen.« »Melina. Trotzdem war er zu schlau. Ich will lediglich eines von Ihnen wissen. Sie sind nicht verdächtig.« Christopher Hart biss die Zähne zusammen. was sie mit einem Kopfnicken dankend annahm. und schilderte anschließend den Verlauf von Pressekonferenz und Bankett. Lloyd. Schmücken Sie nichts aus. fing er mit Christopher Hart an. »Colonel Hart. gefasster. dass Gillian keine . sagte Lawson. dann lehnte er sich offensichtlich erleichtert zurück. Kaum hatten alle ihre Plätze eingenommen. aber kühl. Lassen Sie uns trotzdem offen sprechen: Ihre Karriere als Ex-Astronaut wird einen Großteil Ihrer Anziehungskraft auf dem Stellenmarkt ausmachen. Und da war noch etwas: Er war distanziert. Er wirkte ruhiger als vorher. warum nehmen Sie sich nicht diesen Extrastuhl?« Lawson hielt ihn für sie frei. Jetzt blickten sie undurchdringlich. Mehr als Ihr Talent. genauso intensiv. wird jeder Ihrer Zukunftswege abgesichert sein. Sollten Sie aber mit dem Nimbus des Skandals aussscheiden. Sagen Sie denen nichts.« Birchman begab sich zur Tür. Die aufmunternden Worte seines Anwalts hatten ihn verändert.

Lawson sagte gerade: »Sie haben also gegessen. Sie hatten einen Bourbon. bei einem Tacolokal anzuhalten. »Heiliger Strohsack.« »Geredet.« Zum ersten Mal.« »Und Gillian?« »Auch einen.« Sie sah. Ich habe sie nicht hinausbegleitet.« »Unterwegs keine Zwischenstopps?« »Einen. können wir die Sache mit den Tacos nicht einfach übergehen? Ich möchte zu dem Teil kommen.« »Schmierereien an der Wand?« Fragend wanderte Chiefs Blick zu Lawson. meldete sich Jem Hennings zu Wort.« Er signalisierte Einverständnis. »Sie bestellten etwas zum Mitnehmen?« »Ja. seit alle wieder hereingekommen waren. Einen Bourbon. als sie ging.« »Und wohin haben Sie es mitgenommen?« »In mein Zimmer im Mansion. Anschließend wandte er sich wieder an Chief. hungrig zu sein. Mr. bitte. ehe er weiter über den Abend berichtete. der mit den Schmierereien an der Wand zu tun hat. dass seine Warnung bezüglich einer Gefängniszelle noch immer galt. die Ihnen auf den Nägeln brennt?« »Na schön. Ich weiß nicht mehr. Wir haben am Couchtisch in meiner Suite gegessen. »Wenn Sie nichts dagegen haben. dort am Couchtisch?« »Lawson. als versuche er.« »Wie lange blieb sie in Ihrer Suite?« »Wir haben fertig gegessen. Ich bat sie. dass es den Übrigen wahrscheinlich entgangen war. sich die Szene auszumalen. falls Sie auch das wissen möchten. Haben Sie miteinander geschlafen?« . allerdings so subtil.« Damit erinnerte er Jem daran. Sie gab zu. Vielleicht hätte ich es tun sollen. »Wir hatten genug für zwei gekauft. Ich trank einen.Medienbegleiterin war.« Lawson verzog das Gesicht.« »Im Tacolokal gab’s keine freien Tische?« Sichtlich verärgert meinte Chief: »Ich wollte etwas zu trinken. »Nach Beendigung des Banketts brachte sie mich zu meinem Hotel zurück.« »Sie war sehr kompetent. Stimmt’s. Und nennen Sie mich.« »Gillian hat Sie auf Ihr Zimmer begleitet?« »Ja«. sich um die Bedürfnisse und Wünsche des Kunden zu kümmern. Melina. wieviel Uhr es war. es gehöre zu den Aufgaben einer Begleiterin. Der Kommissar funkelte Jem wütend an. erwiderte er stoisch. wie ihm Birchman einen bedachtsamen Blick zuwarf. Hennings.« »Hat sie irgendjemand weggehen sehen?« »Keine Ahnung. warum rücken Sie nicht gleich mit der Frage heraus. Was haben Sie sonst noch gemacht?« »Geredet. Sie erfüllte meinen Wunsch und erklärte mir. In der Bar gab es Alkoholisches. Melina?« »Richtig.« Mit einem Blick zu ihr meinte er: »Sie hat sich wie ein Vollprofi verhalten. »Geredet.

Er blätterte alle durch. was diese Schmiererei behauptet? Haben Sie meine Verlobte gevögelt?« »Jem!« »Du bist beleidigt.« Lawson nahm den Faden wieder auf und wollte wissen. Chief wischte sie beiseite. »Sie wollen von mir wissen.« »Alles. ehe er sie an seinen Anwalt weiterreichte. schaute er Jem an. warum er das geschrieben hat? Woher soll das irgendjemand wissen? Wer so etwas fertig bringt«. irgendjemand denkt aber doch. bat sie müde. In einer hilflosen Geste hielt er ihr die offenen Hände hin. »Und nicht für Sie. brüllte er. sagte er. »Nun?« Nachdem er ihren unverwandten Blick einen Moment lang erwidert hatte. »Was. Nachdem er einen Augenblick in die Luft gestarrt hatte. und nicht auf mich!« »Vielleicht sollte man Mr.« Wie um Chief am Reden zu hindern. was dieser Raumkadett zu seiner Verteidigung zu sagen hat. ehe er sie apathisch sinken ließ. streckte Birchman die Hand aus. und Sie sind draußen. beruhigen?«. konzentrierte sich sein Blick auf sie. »Oh Himmel. stimmt’s?«. ist allein für Gillians Schwester gedacht. wobei er wieder ruckartig auf die . woher soll ich dann wissen.« Lawson zog aus einem Umschlag mehrere Hochglanzfotos und reichte sie Chief.« Ohne auf Birchmans Vorschlag einzugehen. wandte sich Lawson an Jem: »Hennings. Chief reichte es ihm wortlos. wobei er auf die Fotografien deutete. »Irgendetwas muss daran wahr sein. warum jemand so etwas schreiben sollte. bitte. nun?« »Haben Sie das getan. sagte er.« »Jem. 11 Seine Antwort fiel kurz und bündig aus. würdest du dich. welchen Sinn das macht? Sie erwarten von mir eine Erklärung dafür. Schon ein Blick auf das erste Foto genügte. was ich zu sagen habe. nachdem er sie umgebracht hat?« Er schnaubte verächtlich. der ihm die Frage ins Gesicht geschleudert hatte.« »Oh nein. »Reagier doch auf ihn beleidigt. der auf den Anblick nicht vorbereitet war und ihm die Bilder gereizt aus der Hand riss. »Melina. zum Kuckuck. »Ich werde mich beruhigen. die wieder vor Lawson lagen.« In Chiefs Stimme schwang ein einschüchternder Unterton mit. Doch sein Ärger währte nur kurz. »Ich bin kein Psychiater und auch kein gottverdammter Kommissar. sagte Jem und schüttelte heftig den Kopf. Noch so eine ausfallende Bemerkung.« »Darf ich?« Birchman griff nach dem Foto. »Das ist Blut. und sein Gesicht erstarrte zu einer Grimasse. Melina?«. letzte Verwarnung. was irgend so ein krankes Scheusal an die Wand einer Frau geschrieben hat. Also. Hart. ich bleibe«. denn ich möchte kein Wörtchen verpassen. »Ich möchte hören. Hennings entfernen. Stöhnend hob er die Hand an die Stirn.« »Nun. ließ er seine Miene für sich sprechen. »Nein. ich –« Da ihm die Worte fehlten.« »Das fragen Sie mich –« »Colonel. das unser Herr Astronaut von sich gibt.

was es war: Empörung. glaube ich. im Gegenteil. »Nur noch ein paar Fragen. wann ist sie nach Hause gekommen?« »Spät. Wie Laserstrahlen bohrten sich seine Blicke in ihre. »ist durchgeknallt. »Sie haben sich aber ganz schön lange unterhalten.« Er stand auf. »Ich weiß nicht mehr. die während des Banketts neben ihr saßen. dass ihm und Gillian gestern Abend irgendjemand gefolgt sei. »Nein. meiner Ansicht nach. Als Birchman protestierte. Zum Teufel nochmal. dass ich das erklären kann?« »Ist ja schon gut. Jem warf Chief einen durchbohrenden Blick zu. Ich habe keine Ahnung. Allerdings habe ich auch nicht darauf geachtet. Er hatte die Arme über der Brust verschränkt. Irgendwann nachts zwischen zwei und drei.« »Hatten Sie gestern Abend mit Gillian Lloyd sexuellen Kontakt?« »Was habe ich Ihnen gesagt?« »Sie haben nein gesagt. ich weiß es nicht mehr. der beim Empfang gestern Abend fehl am Platze schien?« »Nein.Fotos zeigte.« Chief zuckte mit der Schulter. wann sie gegangen ist. oder einen Kollegen?« . Verrückt. ehe er sich in eine Zimmerecke verzog und dem Raum den Rücken zukehrte. Parkwächter. Mit den Leuten. Warum hätte ich auch?« »Hat sie irgendjemanden angerufen?« »Nicht. Lawson wandte seine Aufmerksamkeit wieder Chief zu und fragte. Inzwischen ließ Christopher Hart sie nicht eine Sekunde aus den Augen. »Melina. Das ist alles.« »Dann wissen Sie’s doch.« »Hat sie vielleicht jemanden zufällig getroffen? Einen ehemaligen Schulkameraden? Einen alten Freund? Einen Nachbarn. beruhigen Sie sich.« Jem schien kaum noch an sich halten zu können. Verzweiflung. Schuld. Mit jedem Teilnehmer der Pressekonferenz. also hätte sie vermutlich jemanden anrufen können. aber Lawson blaffte ihn an. Mehr habe ich nicht zu sagen.« »Den Teufel werd’ ich tun.« Mit zynischer Miene wandte sich Lawson wieder an Chief. Tiefe Leidenschaft prägte seine Gefühle. Türsteher. Sie hat mein Zimmer verlassen und –« »Um wieviel Uhr?« »Wie gesagt. mit allen.« »Und sie wurde auch nicht angerufen?« »Auch nicht. ob er bemerkt hätte.« »Wirkte einer auffällig? Ungewöhnlich? Einer. kam es zwischen dem Anwalt und dem Kripobeamten zu einer heftigen Auseinandersetzung. dann sind wir. wieso erwarten Sie von mir. egal. Ich habe sie nicht dabei gesehen. »Ein paar Mal waren wir auch getrennt. warum sie ermordet wurde. solange sie bei mir war. Er verhielt sich noch herausfordernder.« »Hat sie mit irgendeinem geredet?« »Klar.« »Was für den Großteil des Abends galt. Aber Chief zuckte nicht mit der Wimper. sagte Lawson gerade zu dem Anwalt.« Lawson schwenkte den Kopf in ihre Richtung. mit Colonel Hart fertig«. er solle sich wieder hinsetzen.

»Nein.« »Beschreiben Sie ihn. wurde sie keine Sekunde nervös. Gillian hat er sie genannt.« »Wie hat er sie angesehen?« »Als ob –« Er rang um die richtigen Worte. Chief schüttelte den Kopf. »Melina. »Colonel?« »Ich erinnere mich doch an etwas. Besonders in –« Er zögerte. er habe sie offensichtlich mit ihrer Schwester verwechselt. »Hat er gesagt. der von seinem Platz in der Zimmerecke aus zuhörte. ehe er sich an Lawson wandte. sie hat Ihre Rolle verdammt gut gespielt. aber –« »Wie hieß er?« »Verdammt. So. »Bin mir nicht sicher. Obwohl dieser Kerl ihren richtigen Namen benutzt hat. Aber wenn ich jetzt so daran zurückdenke –« »Was?« »Vielleicht irre ich mich. »Außerdem hat sie ihn nie korrigiert . Es wurden lediglich Höflichkeiten ausgetauscht. Die Gläser waren so dick. »Moment mal. Das hätte sie geschickt abgebogen. hätten Sie vermutlich gar nicht bemerkt. Melina. meinte sie nur.« »Wieso?« Lawson hatte seinen Notizblock gezückt und hielt den Kugelschreiber bereit.« Er schaute zu ihr hinüber. Chief verwarf den ursprünglichen Satz und fuhr fort: »Auch nachdem er seinen Namen genannt hat. dachte er noch ein paar Sekunden darüber nach.« Sie lächelte traurig.« »Groß.« »Wenn es etwas gab. ich weiß es nicht. bin ich mir nicht sicher. »In erster Linie wegen seines Aussehens.« Rasch tastete er ihre Gesichtszüge ab. dass er sie für Gillian gehalten hat?« »So hat er sie jedenfalls angesprochen«. Sie haben fest damit gerechnet.« Nachdenklich meinte Lawson: »Und Sie sind sicher. warum er sie Gillian genannt hat. wie es dazu kommen kann. Ich habe nur das Gefühl. erwiderte Chief. Auf meine Frage. wie er Gillian ansah. Jedenfalls hat sie mir bei dieser Gelegenheit von Ihnen erzählt.« Während ihn alle erwartungsvoll musterten. ihrer eineiigen Zwillingsschwester. sondern sein Verhalten.« »Wie hieß er denn?«. als wir hineingingen. Mir jedenfalls ist es so gegangen. Melina«. Er hat sie angesprochen. Trug eine Brille. »Ich kann verstehen. vielleicht sogar ein wenig enttäuscht. Im Tacos-Lokal. und ich verschwendete keinen Gedanken mehr daran. fragte Lawson. Lawson anspielt.« Sie rutschte an die Stuhlkante. was Ihnen aufgefallen wäre. beendete aber nach einem raschen Blick auf Jem den Satz. wollte Lawson wissen. Er kam gerade heraus.« »Kam es im Verlauf des Abends zu irgendeinem Zeitpunkt zu einem unguten Wortwechsel zwischen Ihnen und jemand anderem? Oder bei ihr?« »Nein. »Als hätte ihn ihr Anblick an diesem Ort schockiert. »ich weiß. dass sie seine Augenform verzerrten. Aber das Seltsame war nicht so sehr sein Äußeres. nein und nochmals nein. Blass. dass er ihr irgendwie unter die Haut gegangen ist. Chief schüttelte den Kopf. dass ich Hinweise geben kann. Außerdem war sie ihm auf die Nase gerutscht.« »In welcher Hinsicht?«. »Meiner Begleitung. aber ich kann es nicht. worauf Mr. würden Sie sich wieder daran erinnern. dass Gillian ihn wiedererkannt hat. Ein seltsamer Typ. Sie tat das Ganze als Verwechslung ab. »Da war so ein Kerl. sogar mit Namen. Tut mir Leid. Ich hatte nur Augen für –« Sein Blick schweifte zu Jem hinüber. Sehr hager. aber meiner Ansicht nach hat er sie beunruhigt. »Aber selbst einen merkwürdigen Zwischenfall. sagte er plötzlich zu ihr gewandt.« »Nichts dergleichen –« Abrupt brach er ab.

nur weil er sie mit mir sah?« Wieder schaute er zu Jem hinüber. Namentlich. »Es sei denn. dass es klüger war. verzerrte seine Gesichtszüge. sagte sie. »Eine Überprüfung wäre nicht falsch.« »Herr Kommissar.« »Fangen Sie nochmal von vorne an. der mehr Informationen enthielt. Es war einer jener merkwürdigen Momente. wie er sich mit eisernem Willen zum Erinnern zwang. Die ganze Begegnung hat vielleicht zwanzig oder dreißig Sekunden gedauert. verstanden?« Sie hätten genauso gut schweigen können. dann schaute sie Lawson an. das ist meine Vernehmung. wie ihn Colonel Hart beschrieben hat. musste er sich lediglich konzentrieren.« »Haben Sie sein Auto gesehen?« »Nein. ich habe den Kerl gesehen. denn Chief schien sich in sich selbst zurückgezogen zu haben. Sein Ärger hatte noch keinen passenden Blitzableiter gefunden. oder? Wenn dieser Mann so seltsam aussah. in denen man von jemandem angesprochen wird. um sich selbst aus der Schusslinie zu bringen.« »Sie sind ein echter Kotzbrocken«. die die Ausführung seines Jobs verlangte. »Sie Mistkerl. den man eigentlich kennen sollte. als sei er aufs Äußerste erregt. sich zu beherrschen und nachzugeben.« »Hart.« »Aber warum sollte er vergrätzt sein. Er hat Gillian angesprochen.« Doch er erkannte. »Er hat uns beim Betreten des Lokals die Tür aufgehalten. Vielleicht fällt Ihnen noch etwas ein.« Er schien die Notwendigkeit dieser Bitte bestreiten zu wollen. antwortete Chief auf Lawsons Drängen. Um diese Informationen im Bedarfsfall aufzurufen. »Auch nachdem er seinen Namen genannt hat. Er lügt!« In Windeseile fuhr Chief von seinem Stuhl hoch. er wäre ein Freund von Ihnen und hätte die falschen Schlüsse gezogen. »Ist denn keinem von euch klar. schaute dann aber doch zu ihr hinüber. was Sie uns über ihn sagen können?« Er raufte sich die Haare. als er sagte –« . hat es bei Gillian meiner Meinung nach erst klick gemacht. ist das alles. »Jaa.« »Jaa«. »dann hätten Sie meiner Meinung nach einen Verdächtigen. als sich ein Durchschnittsmensch ausmalen konnte.« »Versuchen Sie’s. er sagte.« Mehrere Sekunden hielt sie seinen Blicken stand. und sein Ärger verflog ein wenig. sich an vergessene Details zu erinnern.und sich ihm gegenüber als Melina ausgegeben. könnte ich mich nicht daran erinnern. Dort waren komplizierte technische. dass er das alles nur erfindet? Er hat einen Popanz herbeigezaubert. er könne sich nicht daran erinnern«. »Meiner Ansicht nach hat er seinen Namen genannt. erinnert sich vielleicht sonst noch einer an ihn. wissenschaftliche und raumfahrtbezogene Daten gespeichert. »Birchman. »Trotzdem hat er in ihrem Gedächtnis etwas ausgelöst. Die Anstrengung. Sein Gehirn war ein Computer. »Melina. und drehte sich abrupt zu Melina um. Mit ihm gesprochen. sollte dieser Mann den gemeinsamen Anblick von Gillian Lloyd und Colonel Hart aus irgendeinem Grund als Affront empfunden haben«. mutmaßte Birchman. als ob er eine gespeicherte Datei auf einem Computer-Bildschirm aufriefe.« »Das haben wir alle schon erlebt«. Ich glaube nicht. ohne dass man ihn einordnen oder sich an seinen Namen erinnern könnte. höhnte Jem. dass sie ihn erkannt hat. meinte Birchman gereizt. so. Sie beobachtete. aber selbst wenn Sie mir eine Kanone an den Kopf halten. Daten.« »Herr Kommissar.

wandte sich Chief an sie. meiner Ansicht nach ist hier nur relevant. wenn Ihnen dadurch Unannehmlichkeiten entstanden sind.« »Während des Eisprungs«. auf seine Bemerkung zu reagieren.« Er drängte sich von hinten an sie heran. erläuterte sie. »Das Ganze hat schon viel zu lange gedauert. fuhr er fort. rufe ich an. . einen Frauenmörder dingfest zu machen. »Er sagte – von –« Er riss die Augen auf.« »Was ist das?« »Oh Gott«. Gillian war gestern dort. »Ihr Spezialgebiet ist Unfruchtbarkeit. »Ich wusste es. ich bedaure Ihren Verlust unendlich. was hat er nur gesagt?« Er kniff die Augen zusammen und zwickte sich in den Nasenrücken.« Statt ihm zu folgen. Meiner bescheidenen Meinung nach möchten Sie als anständiger Mensch und Held aus Rücksicht auf die andere Ms. Die Diskussion zwischen Lawson und Birchman erstarb. dass Sie es auch möchten. Birchman regte sich als erster. »Verdammt. Beide hielten inne und lauschten Chief.« Stirnrunzelnd signalisierte Lawson seine Zustimmung. Nicht. »Nach Ihnen. protestierte Birchman. »Waters. »Ich werde diese Örtlichkeit überprüfen und sehen. bis alles abgehakt ist. ob dort irgendein komischer Kerl beschäftigt ist. stieß Jem hervor.« »Danke. dass Sie in der Stadt bleiben. diese künstliche Befruchtung war keine gute Idee. »Gillian war eine Patientin?« »Ja.« Sie warf ihm einen zornig-ungläubigen Blick zu. mitzuhelfen. Birchman und Chief bahnten sich im Hauptraum einen Weg durch das Schreibtischlabyrinth Richtung Flur und Aufzug. »Birchman hat Recht.« »Wozu?« »Herr Kommissar.« »Im Vergleich ist das nichts. Sobald ich etwas weiß. Die lebende. nahm seine Aktentasche und gab Chief mit einem Kopfnicken zu verstehen. Melina?« »Die Waters Klinik.« »Und was werden Sie jetzt tun?«. dass er seine gesamten Tätigkeiten unterbricht. und auch nicht. hatte aber keine Gelegenheit mehr.« »Gestatten Sie«. er solle gehen. Ja?« Er walzte hinaus und hinterließ ein Vakuum in dem kleinen Raum. dann stopfte er die hässlichen Fotos wieder in den Briefumschlag. denn Lawson sah ihre Erregung und bohrte nach. »ich hätte gerne. Das hat er gesagt. blieb er stehen und wandte sich an den Astronauten. Tut mir Leid. »Das könnte ja Monate dauern. Lloyd in der Nähe bleiben. Ich war die ganze Zeit dagegen. Sie folgte mit Jem. stöhnte Jem und vergrub die Faust in der flachen Hand. »Die Waters Klinik«. »Melina. »Bedeutet das etwas. bilde mir aber ein. Gerade als Birchman auf den Knopf drückte. Waters. als wolle er alle zusammen zur Tür hinausscheuchen. »Es steht Ihnen allen frei.« »Waters!« Lawson warf ihr einen scharfen Blick zu. dass sie dieser Fremde von dort wiedererkannt hat. weil Sie bisher unsere beste Spur geliefert haben und ich Sie möglicherweise noch zur Identifizierung dieses geheimnisvollen Mannes brauche. Hart«. Ich kann Sie nicht zum Bleiben zwingen. zu gehen.« Während Lawson zur Tür ging. weil es Ihre Bürgerpflicht ist.« »Sie können doch nicht von meinem Mandanten erwarten. meinte Jem rüde. fragte sie. Lawson war verblüfft. während Sie einen Mordfall lösen«.

« »Um Ihnen zu sagen. Jem dirigierte Melina hinterher. Er ließ sie vorangehen und folgte hinterdrein. »Ich komme später vorbei. »Außerdem wollte ich Sie unter vier Augen sprechen.« »Na gut«. obwohl zweifelsohne das Gegenteil der Fall war.« Die Aufzugtüren schlossen sich. »Danke. Sehen Sie.« »Dazu sage ich jetzt besser nichts. Trotzdem hatte er in einem Punkt Recht: Sie sind ein Lügner.« »Ich schäme mich für ihn. »Pardon?« »Colonel Hart. Ich muss noch auf die Toilette. sagte er. Das Schweigen dauerte so lange. die Toilette aufzusuchen. ich weiß.« Obwohl sich die Türen im Erdgeschoss öffneten. »In Ordnung. der schon vorher an Chief herangetreten war. »Es war falsch von Jem.« Noch ehe er widersprechen konnte.« Er schüttelte dem Polizisten die Hand. geh du schon mal voraus.« »Welche Frage?« »Ob Sie mit Gillian geschlafen haben.schlich sich derselbe Zivilbeamte. Chief drückte den Aufzugknopf. Sie sind ein großer Feigling. Chief«. erneut zu ihm. »Gern geschehen. was für ein Feigling Sie sind. dass Sie es getan haben. Der Aufzug kam. setzte sie nach: »Sie waren viel zu feige. »Ich bleibe noch eine Minute da«. wobei er linkisch versuchte. »Hätten Sie die Güte. Während der Fahrt wandte sie sich an ihn: »Ich entschuldige mich für Jem. Der Aufzug war zu ihrer Erleichterung leer. der stolz mit seinem Hauptgewinn davonmarschierte. Trotzdem machte sie keinerlei Anstalten. wo sie war.« Instinktiv riss er den Kopf nach hinten. meinte er barsch. blieb sie. ihn später in der Kanzlei anzurufen.« »Das habe ich schon beim ersten Mal kapiert«.« Er machte eine Vierteldrehung auf sie zu. dass es auffiel und seltsam wirkte. zu verhindern. In einem spontanen Entschluss sagte sie: »Jem. dass sich die automatischen Türen schlossen und ihn einquetschten. hielt ihm eine Schreibunterlage hin und bat nervös um sein Autogramm. Birchman betrat den Lift. sagte er. Alles Gute für Ihren Todd. Dann war er mit dem Autogramm für den Polizistensohn fertig.« »Verstehe«. »Abwärts?« »Bitte. mir den Grund für Ihre Meinung mitzuteilen?« »Ganz und gar nicht.« Er grinste schwach. Verstohlen sah Chief hoch und musterte sie neugierig. aber sie ging nicht darauf ein. Während des Wartens starrte jeder auf den Spalt zwischen den Türen. schüttelte dem Anwalt rasch die Hand und versprach. um Lawsons Frage wahrheitsgemäß zu beantworten. sagte Chief.« . auf Sie loszugehen.« »Ist doch nicht Ihre Schuld. Die Sache mit der Toilette war geschwindelt. sagte der Mann und salutierte. Er hat sich wie ein Esel benommen.

entschied er sich für etwas Nichtalkoholisches. ob diese nagende Verzweiflung dafür gerechtfertigt war. war ihm jemand dazwischen gekommen. wenn er sie nicht einmal identifizieren konnte? Man hatte eine schöne Frau brutal ermordet. Er hatte ein eisernes Verantwortungsgefühl. warf seine Jacke auf einen Sessel und steuerte schnurstracks die Bar an. Sonst hätte er vielleicht Gillians Parfüm auf den Sofakissen gerochen – eine viel zu schmerzliche Erinnerung für ihn. ohne Zweifel eine Tragödie. war sie buchstäblich unter dem Banner rechtschaffener Empörung aus dem Aufzug gerauscht und hatte ihn sozusagen mit seinem Schwanz im Dreck sitzen gelassen. Obwohl es ihn nach einem Bourbon gelüstete. Mit aller Macht hatte er sich bemüht. erstickter Laut. Er wusste. die von ihr angefachte Wut weiter anzuheizen. dass er auf der falschen Seite stand. wo er sich der Länge nach in die Kissen warf und auf einen Zug die halbe Dose leerte. die ihn innerlich zerfetzte. Noch ehe er es verhindern konnte. war Melina verschwunden. war es ihm nicht gelungen. Beim Versuch. den sie nur ein paar Stunden kannten. ihr zu folgen und sie seinerseits herauszufordern. Mit Wutausbrüchen war er vertraut. wütend zu bleiben. Aber nicht zu tief. Ärger war eine sichere Emotion. die wusste er zu nehmen und zu kontrollieren. Wie sollte er eine Emotion. Er griff nach der Dose und trank kleine Schlucke. Bis er dem Mann zum Dank für seine stürmische Begrüßung die Hand geschüttelt hatte. Verzweiflung legte sich wie ein Kettenpanzer um ihn. Trotzdem war sein Verhältnis zu Gillian so flüchtig gewesen. Es war nicht Lawsons Standpauke über Pflicht und anständiges Benehmen. wie hatte ihm das passieren können? Warum? Welchen Gott hatte er erzürnt? Er würde nicht weinen. Die Bemerkung des Kommissars. Aber das hier – was auch immer das hier war – war ihm gänzlich fremd. Menschen weinen nicht. Aber auch ohne Tränen hatte er eine zugeschnürte Kehle. Himmel. den das Polizeipräsidium freundlicherweise zum Begleichen von Bußgeldern zur Verfügung stellte. Er setzte sich auf und stellte das Getränk auf den Couchtisch. der an einem der Kassenschalter Schlange stand. hätte er ihn am liebsten erwürgt. allerdings nicht unbedingt der Polizei von Dallas gegenüber. waren seine Wimpern verdächtig feucht. dass er nicht einmal mit Sicherheit sagen konnte. Er nahm das Getränk zum Sofa hinüber. Er machte die Augen fest zu und atmete langsam aus. dann stützte er die Ellbogen auf die Knie. Sie hatte ihn einen Lügner und Feigling genannt. Als Hennings das Gleiche getan hatte. in den Griff bekommen. entrang sich ihm ein rauer. 12 Chief schlug die Tür zu seiner Suite im Mansion hinter sich zu. wütend zu bleiben. wobei er über Melinas Abschiedsworte nachdachte. hatte . Nachdem sie ihm den Fehdehandschuh hingeworfen hatte. die ihn hier hielt. stocksauer zu sein. Das hatte sein Gewissen nicht zugelassen. Während der Rückfahrt ins Hotel hatte er versucht. Obwohl er jedes Recht hatte. und als er die Augen öffnete. er solle um Melinas willen bleiben. raufte sich mit allen zehn Fingern die Haare und hielt sich den Kopf. Dennoch konnte er nicht einfach den Staub von den Schuhen schütteln und die Sache vergessen. Erst dann holte er Luft. weil jemand stirbt. Astronauten weinen nicht.

Sein ganzes Leben lang hatte er darauf gewartet. genau wie ein Problem im Space Shuttle. Alles hatte in dem Moment angefangen. der nicht auf der Hand lag: Damit hatte sich eine Vorherbestimmung erfüllt. aber nicht einmal sie hätte genügt. Nein. die genau wie manche Männer Sexpunkte einheimsten. Ihm wurde von seinen eigenen Gedanken schlecht. Seit jenem ersten Händeschütteln. Etwas. war der gesamte Abend ein einziges Vorspiel gewesen. Etwas. Diese negative Auslese würde allmählich zur Quelle des Übels führen und damit zur Lösung. eine derartige Verwicklung war an und für sich schon schlechte PR. woraus er noch nicht schlau geworden war. um einen Grund zum Angeben zu haben. Also war er in der ständigen Furcht vor seinem möglichen kolossalen Engelssturz aufgewachsen. wenn die Polizei plötzlich einen ihrer profiliertesten Jungs. ehe er sich wieder auf die Kissen legte. daran würde er nicht denken. Nein. Was hatte er denn getan? Er war doch nicht für die Reaktion irgendeines durchgeknallten Typen verantwortlich. Keinesfalls. um ihn daran zu hindern. das sich nicht benennen ließ. So weit er wusste. Der Sturz war eingetreten. In Wahrheit war das Begehren beidseitig gewesen. Aber es gab noch einen weiteren Grund. schob er sie bewusst weg und beschloss. der bisher einen makellosen Leumund gehabt hatte. Die NASA würde es nicht freundlich aufnehmen. . stets in der Erwartung. seit sie ihre Tacos verspeist hatten und ihnen der Kopf vom Bourbon dröhnte. nachdem der ihn mit Gillian Lloyd zusammen gesehen hatte. Er weigerte sich. Jetzt musste er ihn wenigstens nicht mehr fürchten. wegen der unbarmherzigen Ermordung einer jungen Frau in die Mangel nähme. mit der er die letzten Stunden vor besagtem Mord verbracht hatte. Aber so eine war Gillian nicht. Rein oberflächlich betrachtet. um so etwas auch nur von ihr zu denken. Es gab Frauen. Sie hatten miteinander gevögelt. Dazu kam. seine Habseligkeiten in den Matchsack zu stopfen und nach Houston zurückzufahren. schon von klein auf mehr und intensiver anstrengen und besser sein müssen. die er zu umgehen gehofft hatte. und zwar nicht erst. dass Birchman mit seinen privaten Anmerkungen voll ins Schwarze getroffen hatte. Er wusste es besser. hatte sie Männer gesammelt wie andere Frauen Rabattmarken. war sein Ärger in gewissem Maße gerechtfertigt. dass so etwas Schreckliches passierte. verdammt nochmal. Hatten sie. »Haben Sie miteinander geschlafen?« Ja. Da Emotionen seiner Erfahrung nach jede Situation verwirrten. was ihn zum Bleiben zwang. was bei diesem Polizeiverhör herauskam. Mit jedem Element dieses Rätsels würde er sich separat auseinander setzen.gesessen. Trotzdem war es nicht seine Schuld. dessen Höhepunkt – Verdammt. Er trank aus und stellte die Dose auf den Couchtisch. na und? Woher hatte Melina gewusst. Er musste mehr beweisen. jenem ersten Lächeln. er werde bestimmt an irgendeinem Punkt versagen. Sie hatte unbedingt einen »Astronauten« auf ihrer Liste haben wollen. als er Lawsons unverblümte Frage mit einem ebenso unverblümten Nein beantwortet hatte? Hatte sie seine Lüge mit Hilfe von Zwillingstelepathie erraten? Oder hatte Gillian es ihr erzählt? Oder vielleicht – vielleicht hatte Melina nur geraten und dabei zufällig ins Schwarze getroffen. als sie sich zum ersten Mal gesehen hatten. das Problem pragmatisch anzugehen. wie alle Jugendlichen aus solchen Gruppen. dass er log? Hatte er schuldbewusst ausgesehen. Nein. Er gehörte einer Minorität an und hatte sich. bis zum bitteren Ende. da war noch etwas. Ganz schlechte. Für derartige Frauen wäre er schon eine Trophäe gewesen. Aus ganz offensichtlichen Gründen war er über die Verwicklung in eine Mordsache nicht begeistert. Egal. Vielleicht hatte Gillian nur deshalb mit Melina die Rolle getauscht. Man beobachtete ihn kritischer.

du hättest ganz ehrenwerte Gründe. der an einem Tag einen Universitätspreis erhält und am nächsten von der Polizei wegen eines Mordfalls verhört wird. der gleichzeitig verführerisch und damenhaft wirkte. griff er nach hinten und hakte ihn auf. Und schließlich stieg sie aus dem Stoffring. Und dazwischen – Hölle. Vielleicht würde das sogar noch eine weitere Spur zu Tage fördern. Tod und Teufel. fragte er sich insgeheim zynisch. wie sie von dort aufs Sofa gekommen waren. Er wollte darüber nachdenken. Mit einem unglaublichen Blick. schien es. außer die an die unmittelbare Katastrophe. ein wichtiges Detail. weil er darüber nachdenken wollte. sie würde seine Ansicht über das teilen. seit er beim Aufwachen realisiert hatte. hatte er in der Hoffnung gefragt. wenn alle seine Gedanken schließlich doch nur wieder bei der letzten Nacht landeten. wobei er sachte an ihrer Haut nuckelte. Blödsinn. Zur Ablenkung griff er nach seinem Handy und rief seine Anrufbeantworter im Büro und zu Hause ab. Und dann schloss sich sein Mund schon um ihre Brustwarze. Sie hatten miteinander gelacht und ein bisschen guten Sex gehabt. erfand er eine lahme Entschuldigung. als stünde sie wieder vor ihm und er säße neben dem Couchtisch auf dem Boden. Die kann mich mal. Die nächste Viertelstunde verbrachte er damit. das man vorher außer Acht gelassen hatte und das nun Lawsons Ermittlung beschleunigen würde. Den wahren Grund würde man früh genug erfahren. Als ihn ihr schwarzer halterloser Büstenhalter am weiteren Vordringen hinderte. was momentan für sie beide richtig war. Und doch hatte er sie nach all diesem Macho-Gehabe letztlich noch zweimal vor seinem Frühstückstermin angerufen und sich geärgert. »Was wäre denn richtig?«. ließ es bis zur Taille fallen und anschließend über die Hüften rutschen. weil sie nicht die Nacht über geblieben war. Zuerst schob sie die eine Seite des Kleides über die Schulter. wie sie sich eng umschlungen zwischen den Kissen gewälzt hatten. Als er sich mit geschlossenen Augen in die Kissen zurücklehnte. tastete sich sein Mund ihren Körper hinauf. Doch jetzt hatte er Zeit. Bis jetzt. zog sie an sich und küsste sie knapp oberhalb des Bauchnabels. Und damit verboten sich alle anderen Gedanken. Nur verschwommen erinnerte er sich daran. warum also nicht? Vielleicht könnte er es sich dadurch aus dem Kopf schlagen. hatte sie sich an den Nacken gefasst. Basta. wie seine Hände versucht hatten. Den ganzen Tag hatte er sich darum gedrückt und sich jede Vorstellung von ihrer gemeinsamen Nacht verboten. als er sich übel gelaunt aus dem Bett wälzte. dann die andere. Er hatte auch so genug zu tun. Er wusste noch. als nur der Anrufbeantworter lief. ehe in den Printmedien sein Name im Zusammenhang mit einem Frauenmord in Dallas auftauchte. hatte er gedacht. konnte er genauso gut gezielt daran denken. dass sie weg war. das Häkchen ihres Reißverschlusses gelöst und ihn dann langsam aufgezogen. Heißt das. Er war gekränkt. Es war eine reine Zeitfrage. . wann er zurückkäme.« »Soll ich das als Zustimmung deuten?« Zur Antwort legte er seine Hände um ihre Taille. und ihre Hände wühlten in seinen Haaren. Wäre das nicht ein gefundenes Fressen für die Medien? Einer. Dann war am Ende des Frühstücks auch noch Lawson aufgetaucht. Auf die Frage. Während sie langsam auf die Knie sank. nur die absolut notwendigen Anrufe zu beantworten. konnte überall hin und kannte jede Menge Leute. dich daran zu erinnern?. wie er jedes Mal. aber das würde er überleben. in kürzester Zeit möglichst viel von ihr zu berühren. In seiner Fantasie hörte er sich heiser flüstern: »Verdammt.

verachten Sie Spiritualität so sehr?« »Was ich verachte. »Was ist?« »Colonel Hart?« »Wer ist da?« »Dexter Longtree. habe ich prophezeit.« »Was wollen Sie?« Das war grob.« »Aber Sie sind mein Kram«. sind Leute. als sie murmelte: »Kein Wunder. »Sie und alles. dann nur zu Recht. Gelegentlich spürte er die feuchte Spur ihrer Zunge und das zarte Kratzen ihrer Zähne. genau wie gestern Abend. Longtree.« »Keinen Ärger. Wenn er nun schlechter Laune war. kniete sich am Boden zwischen seine Beine und entfernte sorgfältig alle Knöpfe. ohne dass seine Stimme auch nur zuckte. Aber es klingelte weiter.« Dabei hatten sich ihre Hände an den Steckknöpfen seines Smokinghemds zu schaffen gemacht. dass man dich Chief nennt. Er hatte jede Hoffnung vernichtet. sich klar genug ausgedrückt zu haben. Sie drückte ihn rücklings in die Kissen. In ihrer Stimme hatte ein boshaftes Lächeln mitgeschwungen. was er zu sagen hatte. dass Sie möglicherweise schon bald meiner Hilfe bedürfen. ihr dabei zu helfen.« Dann atmete er mit einem tiefen Stöhnen aus und flocht seine Finger in ihre seidigen Haare. mit den Daumen ihre Brustwarzen zu streicheln. und alles. Auch jetzt hielt er wieder den Atem an. den Reißverschluss seiner Hose aufzog und ihre Hand in seine Shorts schob. Wie ein Hauch strichen ihre Lippen über seine Haut. Aber als seine rastlosen Hände auf ihren Brüsten zur Ruhe kamen und sich damit beschäftigten. hatten Sie gerade Ärger mit der Polizei. Wenn er vor Ungeduld versuchte. Seither war viel passiert. ihn zwischen die Lippen genommen hatte. stellte er fest. Er streckte sich übers Sofa.wenn ihr Busen in die Nähe seines Mundes kam. als sie seinen Kummerbund löste. Er vergrub kurz das Gesicht in den Händen. Erst jetzt begriff er. Schon heute Morgen hatte er dem alten Häuptling alles gesagt. nur –« »Wenn Sie sich erinnern. sind für mich außerordentlich interessant und . Das Telefon schrillte und riss ihn aus seinem erotischen Tagtraum. bekam sie dunkle matte Augen. »Ist alles in Ordnung?« »Warum nicht?« »Als ich Sie das letzte Mal sah. Sie schob sein Hemd auseinander und beugte sich vor. hatten Sie eine Vision oder Ähnliches? Sind Sie ein Medizinmann?« Nach einer winzigen Pause fragte der alte Häuptling: »Colonel Hart. aber das war ihm längst egal. Er hatte sich buchstäblich aufgelöst. dass es zwischen ihnen je eine funktionierende Beziehung geben könnte. dass das Zimmertelefon läutete. »Was. während ihn ihr noch weicherer Mund aufnahm. die kein Nein als Antwort akzeptieren und sich nicht um ihren gottverdammten eigenen Kram kümmern. nichts Gutes und alles nur eine Tragödie. während sie sich zu seinem Nabel hinunter arbeitete. was Sie tun. was Ihnen zustößt. Wenigstens dachte er. um den Apparat auf dem Beistelltisch abzuheben. um seine Brust zu küssen. schalt sie ihn aus und schob lachend seine Hände weg. ehe er fluchend nach seinem Handy griff.« Chief stieß einen verächtlichen Laut aus. Endlich waren alle Knöpfe weg. und wie sie an seiner Kehle geflüstert hatte: »Einer von uns hat zu viel an.

Lawson fuhr fort: »Er heißt Dale Gordon. »Noch mehr Drohungen. was? Chief schnappte sich den Hörer. falls auch nur die geringste Möglichkeit einer Verbindung zwischen Longtree und dem Mord bestand. Chief warf den Hörer auf die Gabel und begann. Was wollen Sie?« »Hart?« Das war nicht Longtree. die nur jahrelanges Training ermöglicht. Und Sie haben sich sehr deutlich ausgedrückt. klingelte das Telefon erneut.« Er schwieg so lange. Hat heute früh auf den Anrufbeantworter im Büro gesprochen und gesagt. Falls es so abgelaufen war. Colonel Hart. »Wer –« »Der Alte. du Mistkerl. Auf Wiederhören.« »Wen?« »Den Irren aus Ihrer Beschreibung. Ich habe dem Personal Ihre Beschreibung gegeben. dass Chief gerade mit einer Entschuldigung auflegen wollte.wichtig. Colonel Hart. Ich habe Ihnen gestern und erneut heute Morgen gesagt. Hat nichts mit dem Rest zu tun. er sei krank und käme nicht zur Arbeit. brüllte Chief in den Hörer. nicht wahr? Er fluchte mit einer Inbrunst. »Nun hör mir mal zu. bis sein Gehirn umgeschaltet hatte. Tun Sie’s sorgfältig. »Ist kompliziert. dass ich mich nicht an Ihrer Gruppierung beteiligen will. Langsam setzte er sich auf die Sofalehne und verdaute die neue Information. als Longtree hinzu fügte: »Ich hatte gehofft. Dass Ihnen unglückliche Umstände das nahe gelegt hätten. Es geht – um Geschäftliches«. Longtree?« »Wer ist Longtree. »Jaa?« »Wir haben ihn gefunden.« »Also haben Sie doch zugehört. Aber was würde er ihm sagen? Er hege den leisen Verdacht.« Chief wurde zunehmend gereizter. Ich bin inzwischen unterwegs zu seiner Wohnung.« »Dass wir Sie mehr brauchen als Sie uns. aus dem sie ihn dann »erretten« würden? Denn damit stünde er todsicher in ihrer Schuld. nuschelte Chief. »Völlig egal«. Sie hätten Ihre Ansicht seit heute Morgen geändert. Er versuchte es mit Logik. was Gillian zugestoßen war? Hatten sie möglicherweise eine unschuldige Frau geopfert.« »Warten Sie«.« »Ich habe zugehört. müsste er Lawson sofort Mitteilung machen. und die haben ihn identifiziert. zwei Sekunden. man habe ihn gelinkt? Noch ehe er seinen nächsten Schritt entschieden hatte. seinem Kumpan Abbott und dem. durchs Zimmer zu tigern. Ich werde Ihnen noch etwas Zeit zum Nachdenken geben. aber Longtree hatte aufgelegt. Er hatte den Eindruck. meinte er ungeduldig. wenn du –« »Offensichtlich vertreten Sie noch immer dieselbe Ansicht. mit dem ich gefrühstückt habe. Gab es vielleicht eine Verbindung zwischen Longtree.« Es dauerte ein. und womit droht er?« Es war Lawson. dass meine Interessen nicht mit denen der NAA kompatibel sind.« Plötzlich lief es Chief kalt über den Rücken. als habe sich sein Leben nach seinem gestrigen Treffen mit Longtree und Abbott spiralförmig in den Orkus hinabbewegt. um einen Skandal vom Zaun zu brechen.« . »Dann ist das Ihr Problem.« »Haben Sie ihn verhört? Was erzählt er?« »Er war nicht da. Arbeitet in der Waters Klinik. Der alte Junge mit den Zöpfen verschwendete aber auch keine Sekunde.

»Hoffentlich klappt’s. Viel Glück.«
»Ich hätte Sie gerne dabei.«
»Mich? Warum?«
»Bevor ich irgendeinen verkorksten Unschuldsengel verhöre, möchte ich sicherstellen, dass es
sich auch um den Typen handelt, der Sie und Gillian angesprochen hat.«
»Gibt es dafür nicht eine Gegenüberstellung?«
»Dazu wäre eine Verhaftung nötig. Der Kerl aus Ihrer Beschreibung wurde nicht beim
Verlassen des Mordschauplatzes gesichtet. Momentan ist er kein Verdächtiger. Offiziell.«
»Mit anderen Worten: Sie wollen mich – offiziell – zu Ihrer eigenen Absicherung dabeihaben,
falls Sie den falschen Typen erwischen.«
»Ich wusste doch, Sie würden verstehen. Wir biegen gerade in die Einfahrt vom Mansion ein.
Sind Sie so weit?«

»Guten Tag, Waters Klinik«, sagte die angenehme Stimme.
»Hallo, mein Name ist Melina Lloyd. Ich muss unbedingt einen Kommissar Lawson vom
Polizeipräsidium Dallas sprechen. Er soll bei Ihnen sein. Könnte ich, bitte, mit ihm sprechen?«
Nach einem bedeutsamen Schweigen fügte sie hinzu: »Ich habe schon versucht, ihn per Handy
zu erreichen, aber er hat es anscheinend ausgeschaltet. Es ist sehr wichtig, dass ich ihn erreiche.«
Nur äußerst widerwillig meinte die Empfangsdame: »Er war mit einem weiteren Polizisten
hier.«
»War?«
»Sie sind vor ungefähr einer Viertelstunde weg.«
»Hat er Mr. Gordon verhaftet?«
»Wie, sagten Sie, war Ihr Name?«
»Melina Lloyd.«
»Ms. Lloyd, ich habe von dem allen nicht die geringste Ahnung.«
»Meine Schwester fiel einem Verbrechen zum Opfer, in dem der Kommissar ermittelt. Hat
man Mr. Gordon verhaftet oder nicht?«
Eines hatte sie heute gelernt: Kummer äußerte sich bei unterschiedlichen Leuten auf
verschiedene Art und Weise. Jem war untröstlich und lief die meiste Zeit wie in einem mentalen
und emotionalen Nebel herum, unterbrochen von labilen Anfällen wie seiner Attacke gegen
Christopher Hart. Anscheinend begrüßte er den Trost durch Freunde, während sie sich regelrecht
eingesperrt gefühlt hatte, als sie dauernd von Leuten umgeben war, die sie unbedingt umsorgen
wollten. Um dem zu entgehen, hatte sie sich erneut mit der Entschuldigung, sie wolle sich
hinlegen, ins Schlafzimmer zurückgezogen.
Sie lag auf dem Bett, aber leider ergebnislos. Ihre Augen schmerzten nach dem vielen Weinen
selbst in geschlossenem Zustand wie Sandpapier. Schlaf stand nicht zur Debatte. Außerdem trieb
sie ihr persönlicher Racheschwur zum Handeln an und nicht zum tatenlosen Herumliegen.
Was aber konnte sie tun? Da sie keine Lust gehabt hatte, sich zu den anderen im Wohnzimmer
und in der Küche zu gesellen, wo sich ständig mehr Eintöpfe und schlaffe Salate türmten, war sie
im Schlafzimmer auf und ab getigert, bis sie es nicht mehr ertragen konnte, dass sie über
Lawsons eventuelle Fortschritte nicht Bescheid wusste. Vermutlich würde der Kommissar ihre
Einmischung nicht begrüßen, das war ihr bewusst, aber mit dem Widerstand einer
Empfangsdame der Waters Klinik hatte sie nicht gerechnet.
»Nun?«
»Man hat Dale – Mr. Gordon – nicht verhaftet. Er war nicht da. Hat sich heute Morgen krank

gemeldet. Ich glaube, dieser Kommissar wollte von hier aus zu ihm nach Hause fahren.« Dann
fragte sie mit gedämpfter Stimme: »Was hat er denn angestellt?«
Ohne darauf einzugehen, erkundigte sie sich nach Dale Gordons Privatadresse. »Sie muss
doch in seiner Personalakte stehen.«
»Tut mir Leid, diese Information kann ich nicht herausgeben.«
»Bitte.« Leider sprach sie bereits mit einer toten Leitung. »Verdammt.«
Sie setzte sich auf die Bettkante und senkte den Kopf so weit, dass ihr Kinn fast die Brust
berührte. Mein Gott, war sie müde. Völlig erschöpft. Die Muskulatur zwischen ihren
Schulterblättern brannte vor Anspannung und Müdigkeit.
Vielleicht sollte sie sich an den Rat ihrer Freunde halten und eine Schlaftablette nehmen.
Zwei. Drei. So viele, wie sie eben brauchte, um in die Knie zu gehen. Völliges Vergessen –
welch ein Segen.
Aber so kniff nur ein Feigling. Wäre wie Lügen, dachte sie sauer. Wenigstens hatte sie
Christopher Harts beschämte Miene ein bisschen getröstet, als er begriff, dass er sich in seinem
eigenen Lügengespinst verfangen hatte.
Trotzdem war das kein Ansatz, den sie jetzt vertiefen wollte. Also wandte sie sich wieder dem
Für und Wider einer Schlaftablette zu. Was würde das Sich-selbst-Betäuben lösen? Nichts. Die
notwendige Auseinandersetzung mit dem Tod ihrer Schwester wäre damit nicht erledigt, sondern
nur aufgeschoben. Außerdem hatte sie sich bislang noch kein Vergessen verdient. Dazu gab es
noch zu viel für sie zu tun. Aber was konnte sie unternehmen?
Dann kam ihr eine Idee. Sie kniete sich vor den Nachttisch, zog die zweite Schublade auf,
fand das Gesuchte und zog das große Buch auf ihren Schoß.

»Gordon?« Wieder klopfte Lawson an die Eingangstür. Als er auch nach der zweiten
Aufforderung keine Antwort bekam, bat er den begleitenden Beamten, Gordons Nummer zu
wählen.
Keating war neu bei der Mordkommission und sehr darauf bedacht, sich zu bewähren,
besonders vor einem altgedienten Hasen wie Lawson. »Habe ich schon. Zwei Mal. Geht keiner
ran.«
»Sein Auto steht hier«, bemerkte Lawson. »Was hat sie denn gesagt?«
Er deutete auf die ältere Frau, die in dem großen Haus wohnte, zu dem die Garagenwohnung
gehörte. Gestützt auf einen Gehstock stand sie auf der rückwärtigen Veranda und beobachtete sie
voll misstrauischer Neugierde, während ihr ein Zwergspitz um die Fersen kläffte.
»Sie ist seine Vermieterin«, berichtete Keating. »Hat ihn heute noch nicht gesehen. Sagt, er
arbeitet normalerweise tagsüber und kommt nicht vor sechs heim. Sei sehr ungewöhnlich, dass er
an einem Werktag zu Hause sei.«
»Lebt er allein?«
»Tja, außerdem keine Freunde. Sie hat ihn noch nie in Begleitung gesehen. Meint, er sei ruhig,
zahle rechtzeitig seine Miete und beklage sich nur, wenn sich der Hund zu nahe bei seiner
Wohnung herumtreibt.«
»An seiner Stelle hätte ich diesen gottverdammten Kläffer schon längst erschossen.«
Chief, der das Gespräch aus wenigen Schritten Entfernung verfolgt hatte, stimmte Lawson zu.
Er liebte Tiere und plädierte wahrlich nicht für deren rücksichtslose Behandlung, aber das
schrille Gekläffe des winzigen Hundes bohrte sich wie Nägel in sein Trommelfell.
Offensichtlich hatte Lawson einen Entschluss gefasst, denn er meinte: »Ich geh’ jetzt rein.
Schaffen Sie sie nach drinnen.« Keating sprintete zu der alten Dame zurück und scheuchte sie,

ohne Rücksicht auf ihre Proteste, zurück ins Haus. Dann packte er den Hund am Kragen und
warf ihn ihr buchstäblich hinterher. »Hart, gehen Sie in Deckung. Vielleicht werden wir schon
erwartet.«
Chief begab sich hinter den Zivilwagen, mit dem sie gekommen waren. Es war wie in einem
Film: Die beiden Kommissare bezogen mit gezückter Waffe links und rechts neben der Tür
Position. Wieder rief Lawson Gordons Namen; als niemand antwortete, versetzte er der dünnen
Tür einen kräftigen Tritt.
Beide Kommissare stürzten hinein. Innerlich hatte sich Chief schon auf einen Kugelhagel
eingestellt, hörte dann aber nur, wie sich die beiden ein »Luft rein« zubrüllten. Anschließend
drang aus der Garagenwohnung mehrere Minuten nur noch Stille. Drinnen im Haupthaus ertönte
gedämpftes Gebell.
Schließlich tauchte Lawson in der offenen Türe auf. »Hart?« Er winkte Chief zu sich. Chief
registrierte, dass Lawsons Neun-Millimeter-Pistole wieder im Halfter steckte.
»Hat sich selbst abserviert«, teilte ihm Lawson mit. »Ist kein hübscher Anblick. Trotzdem
hätte ich gerne, dass Sie zur Identifizierung mal ’nen Blick draufwerfen. So wie’s hier drinnen
aussieht, war der Knabe echt krank.« Er drehte sich wieder ins Hausinnere und sagte über die
Schulter: »Rühren Sie nichts an.« Dann hielt er inne und schaute Chief ins Gesicht. »Sie haben
doch keinen schwachen Magen, oder?«
»Ich habe die Kotzkabine überlebt.«
»Tja, schon, aber im Vergleich hierzu war das wie ein Tag am Strand.« Dann fügte Lawson
noch leise hinzu: »Für heute habe ich mehr als meine tägliche Ration Blut gesehen. Das steht so
fest wie’s Amen in der Kirche.«
Drinnen in der kleinen Ein-Zimmer-Wohnung war es drückend warm und roch wie in einem
Schlachthaus. Der Grund dafür sprang Chief schnell ins Auge. Getreu Lawsons Warnung gab es
jede Menge Blut.
Dale Gordon lag mit dem Gesicht nach oben auf dem Boden vor einem Gebilde, das wie eine
Art Altar wirkte. Sein Körper bildete ein Kreuz. Die Arme standen mit geöffneten Handflächen
kerzengerade von den Schultern ab, die Füße waren überkreuzt. Er hatte sich die Pulsadern
aufgeschnitten. Auf dem Boden neben dem Körper lag ein erkennbar scharfes Messer,
zusammen mit seiner Brille. Es schien, als hätte er sie nachträglich abgelegt und erst dann seine
Jesus-Position eingenommen. Er war nackt.
Lawson schaute zu Chief hinüber. »Ist er’s?«
Chief nickte brüsk. Aus der Ferne hörte er eine Sirene.
»Lawson?« Hinter einer Vorhangabtrennung trat Keating mit Boxershorts in den
behandschuhten Händen hervor. »Passen die zu dem Oberteil, das ihr im Schlafzimmer dieser
Lloyd gefunden habt?«
Lawson seufzte angewidert. »Sein Souvenir.«
Keating hielt sie so, dass Lawson und Chief den eingetrockneten Belag auf dem Stoff sehen
konnten.
Chiefs Magen verkrampfte sich. Fluchend presste er die Fingerspitzen in die Augenhöhlen und
rieb kräftig, wie um dadurch das Bild des besudelten Kleidungsstückes auszulöschen.
Lawson wollte von Keating wissen, ob er sonst noch etwas gefunden habe.
»Bin noch dran.« Nachdem er die Pyjamahose als Beweisstück eingetütet hatte, machte er sich
wieder an die Durchsuchung der restlichen Wohnung.
Zur Ablenkung fragte Chief: »Ist das das Messer, das er bei Gillian benutzt hat?«
»Man wird die Blutflecken darauf mit ihrem vergleichen. Und sobald ich den pathologischen

Befund habe, weiß ich, ob die Wunden zu diesem Klingentyp passen. Ich wette darauf. Er ist
unser Mann.«
Chief schaute ihn an. Er wusste, dass der andere noch mehr in petto hatte.
»Was ist?«
»Der Typ war wirklich gestört«, gestand der Kommissar stirnrunzelnd. »Bevor ich Sie
hereinrief, haben wir einen ganzen Ordner mit Sachen über Gillian Lloyd gefunden,
einschließlich Bildern von ihr. Dort drinnen.« Er deutete auf die Truhe, die Gordon als Altar
gedient hatte.
»Bilder?«
»Aufreizende Schnappschüsse, von deren Existenz sie nichts wusste. Wurden aufgenommen,
während sie im Untersuchungszimmer der Klinik war.«
»Himmel.«
»Tja, das auch noch«, meinte Lawson trocken. »Lebte wohl in ’ner Art Religionswahn.
Schauen Sie sich nur das ganze Zeug hier an. Mehr Kerzen als in einer Kirche. Eine
blutbefleckte Peitsche. Wetten, dass es seines ist? Eine Sammlung apokalyptischer Bücher.
Echter Gruselscheiß. Sieht mir ganz nach einem konfliktgetriebenen Psychopathen aus. Ein
religiöser Fanatiker, der auf Gillian Lloyd stand. Damit wurde er nicht fertig.«
»Besonders, nachdem er sie in meiner Begleitung gesehen hat.«
»Vermutlich«, sinnierte Lawson. »Er hat sie in der Klinik gesehen. Wurde dann wie besessen
von ihr. Hat sie zum Kern seiner sexuellen Fantasien aufgebaut. Dann hat er Sie gestern Abend
mit ihr gesehen. Wurde eifersüchtig und ist ausgerastet. Hat das Problem, dass er sie nicht selbst
haben konnte, gelöst, indem er sie umgebracht hat.«
Ein klagendes Stöhnen ließ beide herumfahren. Hinter ihnen stand Melina Lloyd. Aus ihrer
Miene konnte Chief schließen, dass sie zumindest einen Teil von Lawsons Zusammenfassung
gehört hatte.
Der Kommissar wollte wissen, was sie, zum Teufel, hier mache. Chief nahm sie an der
Schulter und versuchte, sie rücklings zur Tür hinauszuschieben. Sie wehrte sich. »Ist er ihr
Mörder? Warum? Warum?«
»Sie hätten nicht hierher kommen sollen«, sagte Lawson streng.
»Hinaus. Mit mir«, sagte Chief und packte ihren Arm.
»Nein!« Sie trat einen Schritt auf die Leiche zu, aber er stellte sich ihr in den Weg. »Ich will
sein Gesicht sehen!«
»Wie sind Sie hierher gekommen?«, wollte Lawson wissen.
»Oh, das erforderte echte Detektivarbeit. Ich habe im Telefonbuch nachgeschlagen. Gehen Sie
mir aus dem Weg!«, rief sie, als Chief sie erneut am Weitergehen hinderte. Mit aller Macht
stemmte sie sich gegen seine Brust. »Ich will ihn sehen. Ich will ihren Mörder sehen. Ich will
wissen, dass er tot ist.«
»Kommt nicht in Frage.« Chief bedeckte ihre Hände. »Melina, bitte.« Er kämpfte weiter mit
ihr, bis ihr Widerstand brach. Beim ersten Anzeichen ihres Nachgebens beförderte er sie ins
Freie, wo er sie an sich zog. Sie sackte gegen seine Brust. Trockenes Schluchzen schüttelte sie.
Er nahm sie fest in die Arme und schützte sie so vor dem Chaos, das nun ausbrach.
Unter ersterbendem Sirenengeheul bog ein Krankenwagen in die Einfahrt, wo der Zwergspitz
mit Ohren betäubendem Kläffen wie eine lebendig gewordene Puderquaste auf und ab hüpfte.
Mit verschreckten Augen behinderte die verwirrte alte Frau die Sanitäter, als sie eine Bahre an
ihr vorbeischieben wollten. »Ist Mr. Gordon etwas zugestoßen?«, rief sie hinter ihnen her.
Auf dem baumbeschatteten Gehsteig versammelten sich die Nachbarn. Die meisten waren im

Rentenalter. Das echte Drama, das sich gerade abspielte, war weitaus unterhaltsamer als die
nachmittäglichen Talkshows im Fernsehen. Allgemeine Erregung elektrisierte die Atmosphäre.
Chief strich Melina übers Haar. »Das war unnötig. Sie sollten gar nicht hier sein.«
Sie entwand sich ihm. »Und warum nicht? Er hat meine Schwester ermordet.«
»Sieht so aus.«
»Dann gehöre ich hierher.« Zornige Augen blitzten ihn an. »Aber Sie nicht. Mit Ihrer Lüge
bezüglich Ihrer Beziehung zu Gillian haben Sie gezeigt, dass Sie sich distanzieren wollen. Von
ihr und von allem hier. Also, was tun Sie hier noch?«
Er erklärte, er sei auf Lawsons Einladung hier. »Vielmehr bestand er darauf. Er wollte Gordon
verhören und brauchte von mir eine definitive Identifizierung.«
»Und haben Sie es getan?«
»Ja. Irrtum ausgeschlossen. Das ist der Kerl.«
»Dann haben Sie ja Ihren Zweck erfüllt. Warum hängen Sie also immer noch hier herum?«
Ihre Zurückweisung schockierte und ärgerte ihn. Er war da, um zu helfen. Ihm fielen tausend
Varianten ein, wie er einen milden Herbsttag lieber verbringen würde, als sich einen nackten
Toten anzuschauen, der in einer geronnenen Blutlache lag.
Mit Gordons Selbstmord und den gesammelten Beweisstücken würde man den Fall
abschließen. Er hatte sein Möglichstes getan. Lawson brauchte ihn nicht mehr. Wenn er es
richtig betrachtete: Was tat er eigentlich hier?
»Keinen blassen Schimmer, warum ich hier herumhänge«, erwiderte er im selben
vorwurfsvollen Ton wie sie. »Aber bevor ich gehe, möchte ich Ihnen noch eines klarmachen.«
»Und das wäre-?«
»Dass ich hasse, was mit Gillian passiert ist, mehr, als Sie mir glauben wollen. Und außerdem
hasse ich es wie die Pest, dass ich bei dieser Tragödie eine Rolle gespielt habe.« Er neigte sein
Gesicht näher zu ihr hinunter und fügte hinzu: »Trotzdem bin ich froh, dass mich Gillian gestern
Abend begleitet hat und nicht Sie.«

13
Lamesa war der kleinste Bezirk von ganz New Mexico, wirkte aber wegen seiner äußerst
geringen Bevölkerungsdichte riesig.
Sheriff Max Ritchey mochte es so.
Schon möglich, dass die Landschaft hinter seiner Windschutzscheibe auf manche einen
trostlosen Eindruck machte. Aber nicht auf ihn, auf ihn wirkte sie so gemütlich wie ein
Kuschelkissen. Er war in Lamesa geboren und aufgewachsen und hatte mit Ausnahme von zwei
College-Jahren in Las Cruces sein ganzes Leben hier verbracht. An diesen Zeitabschnitt dachte
er nicht gerne zurück. Und dann war da noch seine Zeit bei der Luftwaffe gewesen. Er hatte sich
mit dem frühzeitigen Ruhestand ohne nennenswerten Rang abgefunden, war wieder nach
Lamesa gezogen, hatte ein Mädchen aus der Umgebung geheiratet und inzwischen drei Kinder
mit ihr, einen Jungen und zwei Mädchen. Wahrscheinlich würde er hier sterben und begraben
werden.
Seine berufliche Karriere vor seiner Sheriffzeit war so durchschnittlich gewesen wie seine
Militärlaufbahn. Er hatte als Lagerist und Verkäufer in einem Haushaltswarengeschäft gearbeitet,
aber nachdem man ihn zweimal bei der Besetzung einer kleinen Abteilungsleiterstelle überging,
hatte er gekündigt und sein Glück als Vertreter für Gebrauchtwagen und Pick-ups versucht. Aber
Verkaufsgespräche waren auch nicht seine Stärke. Jenes Jahr hatte seine Familie schwer belastet.
Erst als ihm vor sieben Jahren ein Job als Hilfssheriff zugefallen war, hatten sie sich von diesem
Druck völlig erholt.
Ganze drei Jahre hatte er in dieser Funktion gearbeitet, als man an ihn herantrat und ihn
drängte, sich um das eigentliche Sheriffamt zu bewerben. Sein Opponent war kein ernsthafter
Rivale gewesen; der Sieg war Ritchey praktisch sicher gewesen. In jenem Jahr war die
Wahlbeteiligung auf ein Rekordtief gesunken. Als die Wahl zu seinen Gunsten ausging, war
Ritchey trotzdem genauso überrascht gewesen wie alle anderen. Bei den beiden letzten Wahlen
hatte es keinen Kampf um den Wahlkreis gegeben, was er als Zeichen dafür wertete, dass die
Leutchen mit der Art und Weise, wie er seinen Job erledigte, zufrieden waren.
Er liebte es, Sheriff zu sein, mit allem, was dazugehörte: von der schicken braunen Uniform
bis zu dem engen Büro, das er mit drei unenthusiastischen Hilfssheriffs teilte. Er genoss es, im
Streifenwagen seine Runden zu drehen und sich respektvoll zuwinken zu lassen. Er genoss es,
Waffen tragen zu dürfen. Er hatte schon als Kind den Umgang mit Schusswaffen aller Art
gelernt. Seine Treffsicherheit hegte und pflegte er bestens während häufiger Ausflüge in die
Wüste, wo er auf Büchsen und Flaschen schoss, von denen seine Frau annahm, er sammelte sie
zum Recyclen.
Leider hatte er seine Schießkünste die ganzen sieben Jahre in seinem Job noch nie unter
Beweis stellen können. In Lamesa gab es wenig Kriminalität. Im vorletzten Jahr hatte es eine
Vergewaltigung gegeben. Ein Teenager aus der Gegend hatte auf der Autobahn einen Anhalter
mitgenommen. Bis sie den Vorfall gemeldet hatte, war der Gammler längst über alle Berge. Zu
seiner Identifizierung konnte sie nur wenig beitragen. Er wurde nie gefasst.
Im Reservat war es zu einem Mord gekommen. Ein Mann hatte seine Frau im Bett eines
anderen überrascht und beide umgebracht. Den Hauptteil der Ermittlungsarbeit hatte die

Aber das war dann auch die ganze Kriminalität in seinem Bezirk.« »In welcher Hinsicht?« »Weil er tatsächlich religiös war. keine Kirchenverbände. Das Delikt bestand in der Rasur des Schulmaskottchens. Kein Herumgeschmuse. Sie verstehen. wenngleich es kein Rätsel zu lösen gab.« »Allerdings. Aber bis ich Dale Gordons Leiche gefunden und nach und nach seine Sachen durchsucht habe. und ihre Eltern kauften gezwungenermaßen einen Ersatzkopf. war der klassische Einzelgänger.« Lawson schilderte den bizarren Selbstmord. »Hört sich ganz so an. und sie schätzten seine lockere Politik und wünschten sich. warum Dale Gordon ihn allein in diesem Monat zehn Mal angerufen hatte. Bruder Gabriel bei einem Plauderstündchen zu fragen. War gut in seinem Job. hatte sich der Mann mit der Raspelstimme eines Ex. die zur Gipfelsiedlung führte. Und Letzteres ist das wirklich Merkwürdige daran. Wir haben unseren Täter geschnappt. »Warum rufen Sie ihn denn nicht selbst an?«.« »Müssen nur noch ein paar lose Fäden verknüpfen. »Polizeipräsidium Dallas«. Ich meine. Leider etwas zu spät. Ein klarer Doppelmord. kein Klatsch an der Kaffeemaschine. Gordon hieß er. jeder Regierungsvertreter würde sie sich zu eigen machen. hatte er gefragt. gehört hab ich schon von ihm. keine Computerspiele. Am Telefon werden die Leute meistens eisig und nervös und misstrauisch und wollen einem dann gar nichts erzählen. Kennen Sie einen gewissen Bruder Gabriel?« Sheriff Ritchey lachte. »Könnte ich. Deshalb hatte er auch heute Morgen mit großer Begeisterung den Anruf eines gewissen Senior Corporal Lawson entgegengenommen. Eigentlich hatte der kahl geschorene Büffel ziemlich lustig ausgesehen. Dieser Typ. Hin und wieder musste Ritchey einen Betrunkenen zum Ausnüchtern ins Gefängnis stecken oder einen Ehestreit schlichten.« »Hat sich einigermaßen mit den anderen Mitarbeitern vertragen. »Was kann ich für Sie tun?« »Ich ermittle gerade in einem Mordfall. trank er weiter seinen Becher Kaffee. Sheriff Ritchey. aber vermutlich würde man mich an der Nase herumführen. hatte ich weder eine seiner Fernsehsendungen gesehen noch eine von seinen Predigten gehört. Die Jungs bekamen ein paar Tage Schulverbot. »Unheimlich bis zum Gehtnichtmehr«. »Schmierereien an den Wänden? Widerlich.unabhängige Reservatspolizei durchgeführt. Aus professioneller Höflichkeit hatte er sich auf Lawsons Bitte bereit erklärt. aber überdurchschnittlich intelligent. Er hatte mit ihnen keine Probleme. meinte der Kommissar zum Schluss. was ich meine? Und bis auf seine Obsession mit dem Opfer hatte er offensichtlich keine weiteren Interessen. Im vergangenen Herbst hatte man ein paar Jungs beim Einbruch in eine High School ertappt.oder Noch-Rauchers gemeldet.« Während sich Ritchey die Fakten des Falles anhörte. eines Büffelkopfs. Hat als Laborant in einer Klinik für künstliche Befruchtung gearbeitet. Kein Bowlingclub. Verbrechen aus Leidenschaft. Völlig durchgeknallt. ich nicht. da er den Indianern grundsätzlich ihre eigenen Geschäfte überließ.« Wegen dieses Anrufs schlängelte sich Ritchey nun die schmale Bergstraße hinauf. Außerdem scheint Ihr Fall damit ja gelaufen zu sein. Das Opfer war eine fünfunddreißigjährige Weiße. Ritcheys Beteiligung hatte sich auf reinen Papierkram beschränkt. »Wer nicht?« »Nun. blieb aber meistens für sich.« »Was Sie nicht sagen.« »Was hat ein Mörder mit Bruder Gabriel zu tun?« »Genau hier kommen Sie ins Spiel. .

in der verlorene Seelen zu allem fähig waren. Außerdem war er ganz anders und hatte etwas dagegen. Angeblich hatte er sein Wachpersonal aus Armeen und Geheimdiensten rund um den Globus rekrutiert und höchstpersönlich die Crème de la crème der Soldaten und Söldner ausgewählt. Er wusste.« »Friede und Liebe«. prüfte den Rücksitz. Das Ganze erinnerte ihn an einen armen Sünder. darunter Wohnheime für die Leute. Natürlich schuf sich ein Mann mit so viel Macht und Einfluss auf das spirituelle Leben von Männern und Frauen auch viele Kritiker. sagte der Wachmann. Er war sich ganz und gar nicht sicher. auf dem die ausgedehnte Siedlung lag. »Sheriff Ritchey?« Die Stimme tönte durch einen Lautsprecher direkt über Ritcheys Kopf. Sheriff Ritchey hatte vorab angerufen. Deshalb gab es ein umfassendes erstklassiges Sicherheitssystem. trat die Wache ans Fahrerfenster und sagte: »Friede und Liebe. Drinnen im Marmorfoyer konnte er den Wachmann hinter einem Empfangstisch sitzen sehen. »Ja. Er spürte. »Kommen Sie rein«. als er aus seinem Dienstwagen stieg und die Granittreppe zum imposanten Eingang des Hauptgebäudes hinaufstieg. wie er es nannte. sicher. Andere Fernsehprediger hatten dieser Tätigkeit ein negatives Image verliehen. Ein Haus beherbergte eine ausgezeichnete Schule samt einem gut ausgestatteten Spielplatz. bei der berühmtesten Persönlichkeit des ganzen Bezirks nicht einfach unangemeldet hereinzuplatzen.Sie kennt man. . »fleischlichen« Welt. in Erfüllung dieser Aufgabe zu sterben. Von hier aus waren es noch achthundert Meter (genau gesagt achthundertsechs) bis zum Zentrum der Siedlung. Sir?« »Könnten Sie. Ihren Hut abnehmen?« »Oh. erwiderte er und kam sich dabei etwas töricht vor. Sheriff. Ritchey war heute erst zum zweiten Mal in der Siedlung und ein wenig eingeschüchtert. Der Wächter musterte ihn von oben bis unten. Bruder Gabriel hatte ganze Heerscharen von Jüngern. die hier lebten und arbeiteten. mit dieser Phrase abgestempelt zu werden. Vielleicht bekommen Sie mehr heraus. dass strategisch platzierte Videokameras jede seiner Bewegungen aufzeichneten. Der gesamte Berg. Zusätzlich zum Hauptgebäude gab es mehrere Nebengebäude. Er lebte in einer. Das Gebäude mit der Satellitenschüssel auf dem Dach war natürlich das Fernsehstudio. Er war nicht paranoid. obwohl Bruder Gabriel seinen prominenten Status stets herunterspielte. wie ihn tief im Sicherheitsgebäude Augen beobachteten. als den berühmten Prediger vor den Kopf zu stoßen. hatte er vor Aufregung und Beklommenheit Herzklopfen. Nichts lag Sheriff Ritchey ferner. nur vorsichtig. die man zum Schutz von Staatsoberhäuptern ausgebildet hatte und die notfalls bereit waren. gehörte Bruder Gabriel. der sich dem Himmelstor nähert. von dem Bruder Gabriel seine verschiedenen Sendungen ausstrahlte.« Er zog seinen breitkrempigen Hut und nahm praktisch Hab-Acht-Stellung ein. mit dem sich eine weltbekannte Persönlichkeit wie Bruder Gabriel notwendigerweise schützen musste. manchmal aus schierer Lust. bitte. Man erwartete ihn.« Ritchey war schlau genug. manchmal um Aufmerksamkeit zu erregen und manchmal aus Gründen. Als er an der Einfahrt zum Tempel hielt. Als er auf den Knopf rechts neben der breiten Glastür drückte. ob man ihn einließe. die für immer in ihrer gestörten Psyche verborgen blieben. begab sich dann wieder in seine Kabine und öffnete das elektronische Tor. Außerdem handelt es sich ja nur um Hintergrundinformationen und nachträgliche Ermittlungen. Das fensterlose Haus barg die Kommandozentrale für das ausgefeilte Sicherheitssystem.

Sie wieder zu sehen. Möchten Sie etwas zu trinken?« »Äh. Nehmen Sie den Aufzug in den dritten Stock. Er wollte nicht gaffen. »Nun denn. die man erst nach kilometerlangem Marsch durch das tiefe dunkle Labyrinth erreichte. Lächelnd winkte ihn Bruder Gabriel zu sich. danke«. überlebensgroß. dass nichts dahinter steckt. Vielleicht nicht einmal der. Als sich Sheriff Ritchey dabei ertappte. Sie zu sehen. eine. während er auf dem Sessel Platz nahm. Leise Musik ertönte. »Sheriff Ritchey. Er hörte das metallische Klicken. . So auch hier. von denen er Bilder gesehen hatte. Doch hatte man sie erst erreicht. Nett. Breite Stirn. nein. Nach einer weichen geräuschlosen Fahrt öffneten sich die Türen. voluminös geschnitzten und vergoldeten Lehne erinnerte er ihn an einen Thron. war es jeden Aufwand wert gewesen. Überall Gold: Stuck. »Es ist mir sehr zuwider. und der Mann. hätte man von all dem strahlenden Glanz blind werden können. Wenn das Licht nicht so gedämpft gewesen wäre. riskierte aber dann doch einen raschen Blick. eine bequemere Sitzposition zu finden. bei dem er jede Menge rosa Schäfchenwolken und geflügelte Putten sah. wie die Kirchen in Europa. Ich bin sicher. »Bruder Gabriel erwartet Sie schon. der dahinter saß. der Schreibtisch wuchtiger als ein Eisenbahnwagon. Die Zimmerwände waren mit einem schimmernden königsblauen Stoff bespannt. die dank eines tiefen Kinngrübchens nicht feminin wirkten. Türgriffe. Eigentlich nicht sehr bequem. Draußen erwartete ihn ein Herr. räusperte er sich und versuchte. zog den schweren Türflügel auf und betrat eine Oase aus pastellfarbenem Marmor. und ein markantes Kinn. volle Lippen. So sähe der Engel Gabriel aus. vermutlich Seide. dass Bruder Gabriel ein wirklich schöner Mann war. wie er ihn fasziniert anstarrte. nein.« Ohne weiteres Aufheben wurde Ritchey in einen riesigen Raum geleitet. Mit der hohen. Die Decke war ein einziges Riesengemälde. als der Sperrmechanismus gelöst wurde. Sie damit zu belästigen. »Warum haben Sie um dieses Gespräch gebeten?« Max Ritchey hatte in seinem ganzes Leben noch keine homosexuelle Neigung verspürt und für derartiges auch nicht viel übrig. seine Befangenheit zu vertuschen. in dem er Bruder Gabriels Rechte Hand wiedererkannte. war golden. den ihm Bruder Gabriel anbot. Außerdem wäre er vermutlich auch nicht so fein gekleidet. und er trat hinaus.« »Vielen Dank. Es ist immer ein Vergnügen. Hancock. makellos gepflegter Mann mit aufrechter Haltung und leiser Stimme und einer weißen Nelke im Knopfloch seines dunklen Jacketts.« Ehrerbietig schüttelte er die manikürte Hand. Und das alles von dichten weißblonden Haaren gekrönt. »Hallo. Sheriff Ritchey. und konzentrierte sich darauf.« Bruder Gabriel verschränkte seine langen schlanken Finger und legte die Hände auf den Schreibtisch. Er war überirdisch schön. Der Wachmann trug eine auf Hochglanz polierte Uniform. Alles. wenn ihm nicht aufgefallen wäre.« Auch an der Aufzugdecke waren Kameras. eine schmale gerade Nase. nicht von einem Fuß auf den anderen zu wechseln oder sich zu räuspern. Möbel. wenn er auf die Erde käme. Ein großer. strahlend grüne Augen. lächelte aber freundlich. was möglich war.« Bruder Gabriel schaute ihn weiterhin milde fragend an. »Sie werden oben schon erwartet. der ihn an die große Höhle in den Carlsbad Caverns erinnerte. Der Teppich wirkte größer als ein Basketballfeld. Trotzdem hätte er blind sein müssen. Ist schon eine Weile her. Türangeln. Ritchey versuchte. stotterte er.« »Mr.

um genau zu sein. war ihm etwas Kaltes willkommen. bitte.« . »›denn sie werden Gottes Kinder heißen. »Sie und Ihre Kollegen aus Dallas haben Glück.« »›Selig sind die Friedfertigen‹«. ihn zu erfüllen. und eine weibliche Stimme antwortete. erläuterte Bruder Gabriel. Hancocks Aufzeichnungen warten. auf einer der Tastaturen zu tippen. die sich nicht gerade wie Gottes Kinder benommen haben.« Bruder Gabriel drückte einen Knopf auf der Telefonanlage. »Schick bitte einen Wagen mit kalten Getränken herein. so still hatte er sich verhalten. »Zwischen den Gesetzeshütern gibt es eine Art Band«. Bruder Gabriel.« Max Ritchey entspannte sich. Hancock setzte sich an den eingebauten PC und begann. Von einem Kommissar namens Lawson. »Selbstverständlich. Hancock am entgegengesetzten Zimmerende auf einem Diwan sitzen.‹« Ritchey lächelte. zitierte Bruder Gabriel. ich habe ziemlich viele gesehen. »Ich tappe immer noch im Dunkeln. erklärte Ritchey. »Nun.« Hancock trat an einen Holzschrank. ob Sie das irgendwie erhellen könnten. »wie bei einer Bruderschaft. »Wenn’s keine Umstände macht.« »Nun.« Bruder Gabriel nickte zustimmend. Wenn einer um einen Gefallen bittet. setzen Sie sie auf die heutige Gebetsliste. würden Sie. Zehn Mal. dass er noch immer bei ihnen war.« Er rutschte unruhig herum. Lawson wollte wissen. Mr. so lange wir auf Mr. »Ich bewundere die Ordnungshüter. »Mr. für die des Opfers und die des gestörten Wesens.« Als Ritchey den Kopf drehte. Sie wollten vorher nichts trinken. bitte. »Grässlich. »Ich möchte Ihnen keine Unannehmlichkeiten bereiten. wie sie ihm Lawson erzählt hatte. Ich werde für beider Seelen beten. Erst als er fertig war. Hancock. das sie ermordet hat. versucht man.« »Ich persönlich kann lose Enden nicht ausstehen.« Er wiederholte die Geschichte. Wir notieren alle eingehenden Anrufe«. sah er zu seiner Überraschung Mr. Wie kann ich helfen?« »Ich habe heute Vormittag einen Anruf aus Texas bekommen.« »Lose Enden?« »Das hat er gesagt.« »Sicher handelt es sich um eine reine Formalität.« »Ganz und gar nicht. aus Dallas.« »Aber sein Fall ist doch gelöst.« »Keine Umstände. Da er seine offizielle Mission inzwischen ohne Missstimmigkeiten erledigt hatte. der die Größe eines aufgebockten Wohnwagens hatte. Ritchey hatte nicht bemerkt. zeigte Bruder Gabriel eine Reaktion und erschauerte leicht.« Der Prediger schaute wieder Ritchey an. Vielleicht könnte ich Sie doch noch dazu überreden. unsere Telefonliste überprüfen?« »Gewiss. was zu gleichen Teilen auf den Fauteuil wie auf Bruder Gabriels durchdringenden grünen Blick zurückzuführen war. Hinter der breiten Doppeltüre befanden sich drei Computermonitore und jede Menge technische Geräte. oder?« »Er vefolgt nur noch ein paar lose Enden. Hancock.« Bruder Gabriel erwiderte sein Lächeln und präsentierte dabei zwei Reihen strahlend weißer Zähne. »Laut seiner Telefonrechnung hat dieser Dale Gordon mehrmals im Tempel angerufen. was das mit mir zu tun hat.

bring ihn herüber.« »Hoffentlich kann ich Mary noch lange. legte sie auf seine Brust. Gordon«. Dann reichte sie es Ritchey. Das Mädchen blickte den gesenkten Kopf des Predigers voller Vertrauen und tiefer Hingabe an. oder er stand immer bereit. Eigentlich hat sie in jedem Fach überragende Leistungen geboten. Ist sie nicht wunderschön?« Ritchey nickte stumm. zusammen mit einer kleinen Leinenserviette. »Ach. den rosigen Wangen und dunklen Augen schmeichelte. die auf intime Vertrautheit schließen ließ. Er konnte seinen Blick nicht lösen.« Spielerisch zupfte er an einer ihrer dichten Locken. denn kaum hatte Bruder Gabriel seine Bitte ausgesprochen. Er war entsetzt und kam doch nicht los. »Sie war ein Vorbild für andere Kinder. Mary. Max Ritchey schlug das Herz bis zum Hals. Dann beugte er sich vor und küsste ihren vorstehenden Bauch. Während er es mit einem gemurmelten Dankeschön entgegennahm. wenn Sie Lawson von der Polizei in Dallas die traurige Geschichte von Mr. Sie trug die königsblaue Uniform der Tempelschule. haben wir einander außerordentlich lieb. Für den Sheriff hatte sie nur einen scheuen Seitenblick übrig. »Wie lange bist du schon bei uns. hörte Ritchey. Sie kicherte. konzentrierte sie sich ganz auf Bruder Gabriel. Mary?« »Seit meinem zehnten Lebensjahr«. musste er zwei Mal hinschauen. »Oh ja. Sheriff. fühlte sich abgestoßen und gleichzeitig fasziniert. bemühte er sich redlich. zog sie an sich und ließ seine andere Hand auf ihrem Bauch ruhen.« Er nahm die Hand des Mädchens. das kann ich sehen. prahlte der Prediger. Mary war noch keine zwanzig. weil sie mich an die Madonnengemälde der Renaissance erinnert.« Als Ritchey den Kopf drehte. murmelte Bruder Gabriel nach einiger Zeit. antwortete sie mit einer Piepsstimme. lange Zeit hier bei mir im Tempel behalten. fragte Bruder Gabriel. Gordon .« Zutiefst verlegen erwiderte Sheriff Ritchey barsch: »Ja. »Jetzt erinnere ich mich wieder. Während sie den Wagen zu seinem Schreibtisch hinüberrollte. Sein Getränk in der Hand blieb unangetastet.« Der Assistent legte den Computerausdruck auf den Schreibtisch. eine gute Schülerin und die Freude ihrer Lehrer. sagte Bruder Gabriel. streichelte er weiter Marys geschwollenen Bauch. »Mary ist für uns ein ganz besonderer Schatz. Mit leisem Lachen fügte er hinzu: »Wie Sie sehen können. ging um den Schreibtisch und stellte sich neben seinen massiven Sessel. In jedem. wobei er sie streichelte. Oh. »Äh. Er legte ihr einen Arm um die Taille. wie hinter ihm die Türe aufging. die ihrem hellen Teint. tätschelte sie liebevoll und meinte dann zu seinem benommenen Gast: »Sheriff Ritchey. »Sheriff. dass sich daran Schweißperlen bildeten. mir ist alles recht.« Das Mädchen öffnete eine Dose und goss die sprudelnde Limonade in ein eisgefülltes Glas. Ihr kleines zierliches Gesicht war von einer dunkel glänzenden Lockenmähne umrahmt. Bruder Gabriel klopfte auf den Platz neben sich. Mr. Sheriff Ritchey«. eine Farbe. Während ihn Bruder Gabriel überflog. eine höchst traurige Geschichte. was hätten Sie denn gerne?«. danke schön. Mr. Er hielt das Glas so fest. der sich von einer fortgeschrittenen Schwangerschaft wölbte. Entweder hatte man den Wagen schon vorher hergerichtet. Seine Hand wanderte auf eine Art und Weise zwischen den üppigen Brüsten und ihren Oberschenkeln hin und her. »Ich habe sie Mary getauft. »Sie hat sich außerordentlich bewährt«. sie nicht anzustarren. Hancock. Bereitwillig gehorchte das Mädchen. Wirklich.

zu der Überzeugung gelangen.« .erzählen. dass Dale Gordon ein armer perverser Irrer war. wird er. ebenso wie einst ich.

14 Zwei Tage nach der Ermordung von Gillian Lloyd und dem Selbstmord von Dale Gordon schloss Lawson die Fallakte. Warum hätte er sonst vor dem Sterben die Pose des Gekreuzigten eingenommen? Jedenfalls hat es bei ihm klick gemacht. Ich hege einen begründeten Verdacht. Pepper. Nach Aussagen von Personen. Daraufhin kam es zum Kurzschluss. Die tödliche Wunde war der Stich in die Kehle. die ihn emotional und aller Wahrscheinlichkeit nach auch physisch missbraucht hat. Die einzigen Fingerabdrücke auf dem Griff stammten von ihm. aber die relevanten Informationen sind da. eine dominante religiöse Fanatikerin. Auf Gordons Messer befand sich Blut von Ihrer Schwester. wäre jeder Beweis weggespült worden. Seine letzte offizielle Pflicht bestand darin. die man auf ihrer Haut gefunden hatte. deutete darauf hin. ich stelle die physischen Beweise nicht in Frage. An ihr gab es diesbezüglich keine Spuren. Dabei wurde die . was er als Einladung missverstanden hat. Melina Lloyd über den jüngsten Stand der Ermittlungen zu informieren. Nach einer gedämpften Begrüßung auf beiden Seiten sagte er: »Die Labortests haben unsere Vermutung bestätigt. So oder so hat sie einen sexuell unterdrückten Einzelgänger erzeugt.« Die konzentrierte Menge Badeöl. vermutlich unmittelbar vor dem Zubettgehen. Seit sie vor sieben Jahren starb. Er öffnete eine Dose Dr. dass Dale Gordon der Schuldige war.« »Zweiundzwanzig Mal. Gordon war geistig gestört. die wir bezüglich seiner Herkunft befragt haben – Lehrer und frühere Nachbarn –. Sollte Hart gelogen und die beiden doch sexuellen Kontakt gehabt haben. das durch die Maschen des Systems gerutscht ist. Vielleicht ist sie einmal höflich zu ihm gewesen. Er hatte nie Schwierigkeiten. Er hat an der Technischen Universität Arlington einen Magister in Biologie gemacht. Die Wunden stimmen in Länge und Form mit der Messerklinge überein. Aus irgendeinem Grund war er von Gillian besessen. als er Ihre Schwester an jenem Abend mit Hart sah. Warum hat er sie umgebracht?« »Ich befürchte. Es gab keine Polizeiakte über ihn. Jedenfalls hatte es keine Anzeichen für sexuelle Gewaltanwendung gegeben. die wir vom Fensterbrett und dem Glas in ihrer Küche abgenommen haben. was Lawson bei diesem Widerling wenigstens für ein kleines Glück hielt. Seine Mutter war ein einziges Desaster. Wer weiß? Der Kerl hatte ja in mancher Hinsicht Wahnvorstellungen. Der Samen auf der Pyjamahose war seiner. hatte keine Streitigkeiten mit Nachbarn oder Kollegen. hatte er in seiner Jugend kein männliches Vorbild. Melina sagte: »Kommissar Lawson. die Antwort ist mit ihm gestorben. hat Gordon allein in dieser schäbigen Wohnung gehaust. Meine einzige Frage gilt seinem Motiv. eines jener anormalen Individuen. Sie passten zu denen. dass sie kurz vorher gebadet hatte. Gordon hatte sie nicht vergewaltigt. Diesbezüglich ist der Autopsiebefund mehr oder weniger präzise.« »Und er hat sie erstochen. Er hatte einen guten Job und war in wissenschaftlicher Hinsicht sogar brillant. nahm einen kräftigen Schluck und telefonierte dann von seinem mit Papier übersäten Schreibtisch im Dezernat aus. Trotzdem war er in sozialer Hinsicht ein Außenseiter. Genau wie Sie bin auch ich überzeugt.

« Er wechselte den Telefonhörer ans andere Ohr und nahm rasch einen Schluck Dr. Ein weiterer traf direkt ins Herz. erklärte er ihr. Er machte ihnen keinen Vorwurf. die Rollen zu tauschen. Er räusperte sich leicht. und dann stapelten sich bereits wieder die nächsten drei Fälle auf seinem Schreibtisch und forderten seine Aufmerksamkeit. das er in die Wand zwischen seinem Labor und einem der Untersuchungszimmer in der Klinik gebohrt hat. und so viel Mumm bewunderte er. wenn überhaupt. er hat sich an Dale Gordon erinnert. besonders häufig letzten Monat.Halsschlagader getroffen. Erstens war er todmüde. die er mit einem Fernsehprediger geführt hat. von wem der Sheriff sprach. entschuldigen Sie den Ausdruck. »Durch ein winziges Loch. dass Dale Gordon den Mumm dazu hatte.« »Mit Recht.« »Tja. »Was scheint Ihnen nicht so?« »Mir scheint ein derart tollkühnes Verbrechen für einen sozialen Außenseiter nicht typisch. Bruder Gabriels Hauptquartier liegt in New Mexico und nennt sich ›Der Tempel‹. Seine .« Das Schweigen zwischen ihnen dehnte sich auf die Länge eines Güterzugs. bevor ich den Fall abschließe«. nicht Manns genug. den Fall zu den Akten zu legen. »Mir scheint es aber nicht –« Die Angehörigen des Opfers zögerten immer. Ich habe die Sache durch den örtlichen Sheriff überprüfen lassen. und doch wusste er ganz genau. was zu dem enormen Blutverlust geführt hat. Trotzdem wollte er diese altbekannten Sätze heute nicht mehr hören. das ihnen kostbar gewesen war. Jedenfalls hat Gordon dort unzählige Male angerufen.« »Es hätte mich treffen sollen«. aber ich bin einigen Telefonaten nachgegangen. Sie musste nicht lange leiden. Trotzdem war es verdammt dumm von erwachsenen Frauen. »Ich dachte. Das Leben ihres Verwandten war einem Anfall von Eifersucht oder Habgier oder der Laune eines Irren zum Opfer gefallen. sagte sie leise. ihre Gedanken auszusprechen. Deutet in seiner Vergangenheit irgendetwas auf latente Gewalt hin?« »Nein. »Wie ist er zu den Fotos von ihr gekommen?«. dass sie sich gegen die Herabsetzung eines Lebens wehrten. so dürfen Sie nicht denken. aber davon erzählt. Achtzehn Stiche wurden nach dem Tod zugefügt. viele Zähne?« »Genau der. Deshalb ermunterte er sie wider besseres Wissen. dass ihr geliebter Mensch nur aus einem einzigen Grund gestorben war: Weil ihn jemand hatte umbringen wollen. Gordon war ein Fan von ihm. Andererseits mochte er Melina Lloyd und hatte obendrein Respekt vor ihr. Das war weder richtig noch fair.« »Mit welchem?« »Bruder Gabriel. »Melina.« »Blonde Haare. Anscheinend hat Gordon zu jeder Tages-und Nachtzeit angerufen. Also. Vermutlich würde sie diesen Schuldkomplex ihr ganzes restliches Leben mit sich herumschleppen. Sie wollten das sicher alles wissen. Dazu war er. Nichts deutet darauf hin. Selbst in einem glasklaren Fall wie diesem wollten sie einfach nicht akzeptieren. Pepper. Sie hatte eine Menge Mut bewiesen. Er hatte sie ihr zwar nicht gezeigt. fragte sie.« »Und?« »Der hat mit dem Prediger persönlich gesprochen. Denen war das äußerst peinlich. oder besser gesagt ein Jünger. diesen Mann rufen Tausende von Leuten an.

« Obwohl Lawson es nicht billigte. ist er ausgerastet. Gordon habe behauptet. war sich aber nicht sicher. deshalb habe er einen seiner Telefonseelsorger angewiesen.« »Ich bin froh darüber«.« »Deshalb steigerte er sich vom Masturbieren zum Mord. nie an der Beerdigung eines Mordopfers teilzunehmen. die mir der Sheriff genauso berichtet hat. es sei denn.« Sie legten auf. seine Arbeit war noch nicht abgeschlossen. Trotzdem gab er diese Akte fast bedauernd zu dem Stapel.« »Sexueller Lust?« »Ich erspare Ihnen die Details. der schon auf die Ablage wartete. wir haben alles abgedeckt. Er war gleichzeitig von ihr abgestoßen und besessen.« »Danke. und er suchte unter den Trauernden einen brauchbaren Verdächtigen. auch im Namen des Dezernats. sobald ihn die Gerichtsmedizin freigegeben hat. Er hat Gordon in jener Nacht als Seelsorger betreut. wie er sie von Bruder Gabriel erfahren hat. hätte ich ihn umgebracht. Er legte den Autopsiebericht zur Akte und stempelte in Gedanken ein ›Erledigt‹ darauf. konnte er Melina ihre Reaktion ehrlicherweise nicht vorwerfen.« »Aber kurz danach hat er Selbstmord begangen. dass es ihn nicht überrascht hat. »Ich denke. in diesem Falle Gillian.« »Danke schön.Telefonrechnungen bestätigen das. Er meinte. er fühle sich viel besser als vorher und sein Gespräch mit Bruder Gabriel habe ihm neue Hoffnung gegeben. dass Sie mich informiert haben.« Sie nannte Ort und Zeit.« »Wie gesagt. Ziemlich krankes Zeug.« »Und weshalb hat er angerufen?« »Um zu beichten. Für ihn waren sexuelles Begehren und Fantasien von Frauen. stellte sie kategorisch fest.« »Lieber Himmel.« »Gestern. Bis dahin hat sich diese ›Sünde‹ immer auf Masturbation. gefolgt von Selbstgeißelung. er würde eine Sünde begehen. Er versuchte. mit Melina Lloyd Kontakt aufzunehmen. es ginge ihm gut. »Wenn Dale Gordon nicht Selbstmord begangen hätte. ihn einige Stunden später zurückzurufen. In seinem Kopf war sie sein Untergang. Gordon sei in dieser Nacht noch verrückter gewesen als sonst. Hauptsächlich wegen seiner Lust. Ein Ende dieses Falls bedeutete. Durch sie lebte er ständig in einem unreinen Zustand. Als er sie mit Hart entdeckt hat. gleichbedeutend mit Sünde. die Mutter hat ihn voll zugerichtet. gibt aber zu. »Melina.« »Tja.« »Eine verdrehte Logik. was in direktem Konflikt zu seinem religiösen Eifer stand. dass er in Zukunft keine Veranlassung mehr hatte. Morgen Nachmittag gibt es einen Gedenkgottesdienst. dass irgendjemand das Gesetz in die eigene Hand nahm und seine persönliche Form von Gerechtigkeit walten ließ. bezogen. Ich möchte Ihnen mein persönliches Beileid aussprechen. Bruder Gabriel bedauert die Nachricht über Gordons Selbstmord. ob seine Worte Nachhall gefunden haben. in dessen Fall er ermittelte. das alles tut mir schrecklich Leid. Jedenfalls hat Gordon am Tag von Gillians Ermordung in den frühen Morgenstunden angerufen und dem Prediger erklärt. Wie gerne wäre er ihr unter anderen Umständen . Die notwendigen Papiere habe ich schon vorher erledigt.« »Meines Wissens haben Sie den Leichnam einäschern lassen.

Sein stolzestes Merkmal waren sechs hohe schmale Buntglasfenster. die wie Gillian Lloyd aussah. die weniger vom Glück begünstigt waren als sie. Während seine Schäfchen matt mit den Papierfächern wedelten. ohne vorher sein Bett ausprobiert zu haben. die in körperlicher Hinsicht alle minderwertiger wirkten und mehr Ähnlichkeit mit Eunuchen als mit Gladiatoren hatten. Falls es einen Ochsen in ihrem Städtchen gab. trennte zwölf Reihen harter Holzbänke. wo die Hauptstraße auf die Autobahn traf. Bis auf die Sonnenstrahlen. dass sie den Zehnten von ihrem Lohn abgeben. Der kleine Alvin erhielt nicht viel Aufmerksamkeit und konnte mehr oder weniger nach Belieben durch die Straßen der Kleinstadt streunen und sich die Zeit mit dummen Gedanken vertreiben. kleiden und füttern mussten. Bei einem dieser ziellosen Ausflüge war es passiert: Er hatte die Kirche gefunden. auf der jeden Sonntag der Pastor in seiner Robe über der Gemeinde stand. Im Gegensatz dazu gab es nur wenige Männer. aber Lawson hatte keine Sekunde geglaubt. durchsichtige Gewänder. so wusste der junge Alvin Conway davon . In einem gesellschaftlichen Rahmen. Sie stand mehrere Etagen über ihm. murmelte er: »Glücklicher Mistkerl. die in unverblümt erotischen Posen gemalt waren. Weder fluchen noch trinken und zocken und tanzen sollten sie. untersetzten alten Sack wie ihn keinen zweiten Blick verschwendet. bei der Erziehung ihrer Kinder nicht mit der Rute sparen und mildtätig gegenüber denjenigen sein sollten. von denen je drei zu beiden Seiten des Altarraums lagen. Oder wie Melina. Nicht mit einer. Er war vor sechsundvierzig Jahren in Arkansas als jüngstes Kind eines Schrotthändlers und seiner Frau geboren worden. Ein Mittelgang. das dem im Vorraum ähnelte. Das malerische evangelische Kirchlein lag am Stadtrand. Der Verlobte hatte sich vielleicht übertölpeln lassen. Alle Frauen. Während sich Lawson die nächste offene Fallakte schnappte. Sie führe eher auf einen Typen wie Christopher Hart ab. Hinter dem Kommuniongitter erhob sich die Kanzel. Den schlanken schwarzen Kirchturm krönte ein winziges Kreuz. Sie sollten sich endlich ein Beispiel nehmen und weder ihres Nachbarn Esel noch seines Ochsen oder seines Weibes begehren. hätte das Gemälde über seinem Bett genauso gut eine antike Orgie darstellen können. Wie offensichtlich Gillian. Hart konnte zwar Raketen fliegen. wenn überhaupt. Seine Vorstellung vom Himmel war wesentlich lüsterner als die der konventionellen Religionen. Die Christusgestalt in der Bildmitte ähnelte verblüffend Bruder Gabriel alias Alvin Medford Conway. Natürlich hätte sie an einen kurz gewachsenen. Er sagte ihnen. Ein kleiner Holzzaun trennte die schindelgedeckte Kapelle von dem hübschen Friedhof. gab ihnen der Prediger Anweisungen für das tägliche Leben. Ein Kerl wie Hart »unterhielt« sich nicht bis zwei oder drei Uhr früh mit einer Frau. Beide stellten seine Vision vom Leben nach dem Tode dar.« Bruder Gabriel ruhte auf seinem fürstlichen Bett. Andernfalls hätte er das Deckenfresko über seinem Bett angesehen. Er hatte die Hände über der Brust gefaltet und die Augen geschlossen. aber Lügen war nicht seine Sache.begegnet. die ein Bestattungsunternehmen kostenlos zur Verfügung stellte. dass Gillian die Hotelsuite des Astronauten verlassen hatte. hatten wunderschöne Gesichter und Figuren und trugen. die durch eine Wolkenbank drangen. die bereits sieben weitere Kinder beherbergen. durch den ein verlotterter roter Läufer zum Altar führte.

Er liebte es. Ihre Hände und Füße bewegten sich gleichzeitig. aber nur einen Spalt. Sie sang so laut und hoch. aber wenn sie mit dem Singen aufhörte. dass ihr Doppelkinn zu wackeln begann. schlich die Treppenstufen hinauf und öffnete die Tür. Also hatte er gegenüber der Kirche auf der anderen Straßenseite mit seinen schmutzigen Füßen in einem staubigen Unkrautbüschel gestanden und sich träge an einem Striemen gekratzt. Miss Jones«. der inzwischen über alle Berge war. an jenem Julitag. genau wie sein ältester Bruder. müssten sie zur Abwechslung mal ihn zur Kenntnis nehmen. bewegte die Lippen und tat so. aber dieser Punkt der Frohen Botschaft war auch nicht wichtig. die er schon früher gesehen hatte. die man Chor nannte. »Sie spielen heute Nachmittag aber sehr hübsch. Drinnen saß eine hübsche Dame an der Orgel. bemerkte der Mann. sondern sprach ihn freundlich an. die unter seinen Fußsohlen aufplatzten. der Dame an der Orgel zuzuschauen. nannte ihn »Söhnchen«. die manchmal solo sang. am Sonntag zum Gottesdienst zu kommen. noch vor der Volljährigkeit im Kittchen landen. .« Der Pastor bemerkte. was wohl passieren würde. ohne sich recht der heißen Teerblasen bewusst zu sein. Tapfer überquerte er die Straße. während sie für eine Sängergruppe spielte. hörte er Orgelklänge aus der Kirche dringen. was ein Ochse war. Herr Pastor. wie sie den Überblick behielt. Wenigstens würden seine Leute dadurch von ihrem ständigen Streit um das knappe Geld abgelenkt. eine untersetzte Dame mit Sommersprossen. Da Geld bei Alvin daheim am schwierigsten zu bekommen war. Wenn die Polente Alvin nach Hause schleppte. wenn er einen Stein durch eines dieser hübsch funkelnden Fenster würfe. Kühlere Luft strömte über sein rot erhitztes Gesicht. Er konnte sich nicht vorstellen.« Seit jenem ersten Besuch war Alvin regelmäßig dabei. Sie war von überragender Bedeutung und veränderte den Lebenslauf des jungen Alvin Conway. Später erfuhr Alvin. den er sich tags zuvor an einer Brennnessel geholt hatte. und was sie mit seinem Schwesterherz machen sollten. Er war nicht einmal sicher. und vermutlich bekäme er von seinem alten Herrn den Riemen zu spüren. wie Alvin durch die Tür lugte. stand er wie alle anderen auf. stehen zu bleiben und näher hinzuschauen. als es draußen so heiß war. war das vielleicht die größte Überraschung in der Kirche. dass der Himmel ganz weiß aussah. Die Chorleiterin war die Frau des Pastors. Seine Mutter würde plärren und ein Theater machen und klagen. jagte ihn aber nicht fort. Das gäbe ein Zeter und Mordio! Man würde ihm die Hölle heiß machen. und überlegte. die sich von ihrem Freund. »Danke schön.nichts. winkte ihn herein. ganz im Gegensatz zur restlichen Predigt über das Begehren. Trotzdem wäre die Sache jede Abreibung wert. Obwohl Alvin die Lieder nicht kannte. Wenn der Opferteller herumging. Ganz zufällig war er damals auf diese Kirche gestoßen. Alvin sah. Manche brauchten nicht einmal das Gesangbuch. riefen alle Männer: »Amen!« Doch meistens sang die ganze Gemeinde. Er ging durch den Mittelgang und verteilte Bücher auf den Bänken. ohne ihr je viel Aufmerksamkeit zu schenken. Während er noch immer das Für und Wider dieser mutwilligen Zerstörung abwog. An jenem stickigen Tag trieb ihn die Langeweile dazu. einen Braten in die Röhre hatte schieben lassen. damals. als sänge er mit. Trotzdem hatte den Elfjährigen zuerst das bunte Glasfenster an dieser Kirche fasziniert. sie kannten den ganzen Text auswendig. dass diese Bücher Gesangbücher hießen und darin die Noten und Liedertexte gedruckt waren. er sei ein Tunichtgut und werde. ganz in ihr Spiel versunken. legten sie Geld darauf. gab ihm einen Klaps auf die Schulter und lud ihn ein. »Ich werde dich erwarten. und Alvin die Zeit bis zum Abendessen tot schlug. wie ein Mann durch eine Seitentür den Altarraum betrat.

Einige Dinge konnten seine Brüder viel einfacher ausdrücken als der Prediger. . Irgendeiner wilderte an seinem Lieblingsangelplatz. Bedürftige und Abtrünnige besuchte. Trotzdem versäumte Alvin keinen einzigen Sonntagsgottesdienst. dann noch am ehesten mit dem Pastor. weiß Gott. der mit Gott und dem Heiligen Geist im Himmel lebte – gegen Heizgeräte ausgetauscht wurden. wie hart sie saßen oder wie laut ihnen der Magen knurrte. In der darauf folgenden Woche wurde Alvin Medford Conway am letzten Mai zwölf. wenn die Mittagszeit immer näher rückte. sondern ein anderer. sogar auf Frauen. die dir nicht gehört. auch wenn er sie manchmal wegen ihres sündigen Benehmens und ihrer verderbten Gelüste tadelte. Obwohl Alvin nicht jedes Detail verstand. Sie erwärmten alle Zuhörer. kurz nachdem Alvin durch die Taufe ein Mitglied der Gläubigen geworden war. das vor kurzem mysteriöserweise bei seinem älteren Bruder aufgetaucht war. auf den man fluchte. Aber die wahre Hitzequelle waren die Predigten des Pastors. Aber dann erkannte er in dem Wagen den des Pastors wieder. kapierte er das Wesentliche: Du sollst deinen Pimmel nicht in ’ne Muschi stecken. weder in jenem Sommer noch danach. der er beim Baden zugeschaut hatte. Allein seine Stimme verordnete Aufmerksamkeit. da hörte er Geräusche. um der Kälte im Altarraum Herr zu werden. den er wegen seiner Macht bewunderte. Er dachte dabei eher an einen Boxhandschuh oder an ein Fahrrad oder an das Jagdgewehr. Alvin wollte gerade laut Hallo rufen. Zur Feier des Beginns der Sommerferien ging er fischen. dass mit Begehren der Wunsch nach Dingen gemeint war. Aber noch beim Zuhören begriff er. mit dem er Kranke. dass sich das Begehren auf eine Menge Dinge erstreckte. Als er zu seinem Lieblingsplatz am Bach kam. um noch mehr zu hören. und kamen jeden Sonntag wieder. Alvin erfuhr. die er über Menschen hatte. Eines schönen Sonntags. ob heiß oder kalt. schleuderte ihnen der Prediger jenen donnernden Sermon über das Begehren entgegen. sah er zu seiner Enttäuschung ganz in der Nähe ein Auto im Schatten einer großen Ulme parken. Wenn er schon seinen Angelplatz gezwungenermaßen mit irgendjemandem teilen musste. schienen die Leute in den Bänken nicht zu merken. Der Prediger ereiferte sich mächtig über einen Kerl namens König David und eine Dame. nichts mit Angeln zu tun hatten. egal zu welcher Jahreszeit. Wenn er sprach. die man nicht haben konnte. als die Fächer des Bestattungsunternehmens mit dem Gesicht von Jesus – nicht der. Sie lauschten jedem Wort seiner Predigt und liebten ihn. Am ersten Juni war der letzte Schultag. die. Seine Familie nannte ihn spöttisch ihren kleinen »Bibelfresser«.

Zuflucht fand er in einem Autowrack. er hatte den Schlüssel. dass die Arme. Er hätte nie gedacht. das verlassen und vergessen im hintersten Winkel auf dem Schrottplatz seines alten Herrn stand. dass sie etwas im Schilde führten. Aber der Herr Pastor vögelte fast genauso wie seine Brüder. Zuerst fand es Alvin komisch. Aber allmählich machte sein anfängliches Gefühl des Betrogenseins einer stärkeren Empfindung Platz: der Bewunderung. für ihn sähe das ganz in Ordnung aus. Er machte genau das. Einer seiner Brüder entdeckte den kleinen Voyeur. Seither wusste er übers Vögeln bestens Bescheid. Schließlich bemerkte er. jedenfalls nicht am helllichten Nachmittag in aller Öffentlichkeit. dass er weder an diesem noch am nächsten Tag angeln ging. Der Pastor war um kein Haar besser als Alvins gottverlassene Brüder. wogegen er Gift und Galle gespuckt hatte. Er hatte die Antwort für . bis er das Pärchen sehen konnte. das auf einem Quilt im Gras lag und sich die Seele aus dem Leib vögelte. hatte aber ohne allzu große Höllenangst Miss Jones unten am Bach im hellen Tageslicht gefickt. er hätte einen direkten Draht zum Allmächtigen. Und Alvin hatte grinsend gemeint. dass der Pastor so etwas zum Vergnügen machte. wie die Frau Pastor. der Organistin. Mit sieben hatte er eines Abends bemerkt. Durch die Rostlöcher im Boden wuchs Wilde Mohrenhirse. Der Pastor war ein stinkender Heuchler. die um den Hals des Pastors lagen. Doch dann fielen ihm die wohlgeformten Beine auf. ob sie in die Hölle kamen oder nicht. war er ihnen bis zur Wohnung eines stadtbekannten Mädchens gefolgt. sondern Miss Jones. Das heftige Wippen galt gar nicht der Frau Pastor. die tranken und rauchten und fluchten und zockten und tanzten und herumhurten und sich keinen Deut darum scherten. Er predigte über Feuer und Schwefel für die Verderbten dieser Erde. Er wusste gleich. er würde es mit seiner Frau im Dunkeln unter der Bettdecke treiben. keine Sommersprossen hatten. Er hatte gedacht. die sich um diesen weißen Hintern schlangen. wie seine Brüder miteinander tuschelten. zerrte ihn hinein und gab ihm für sein Spionieren eine schallende Ohrfeige. nachdem sie zuerst gebetet hatten. dass eine so untersetzte Dame. Diese Entdeckung empörte Alvin so sehr. Trotz des kratzigen und heißen. Trotzdem hätte er sich nie träumen lassen. und bei was er die beiden unten am Bach beobachtet hatte. Der Pastor machte alle glauben. Er hatte auf die richtige Karte gesetzt. wobei er sie beobachtet habe. derart hübsche schlanke Beine haben könnte. am nächsten Sonntagmorgen in der Kirche aufzustehen und vor allen Gläubigen die Geschichte vom Herrn Pastor und Miss Jones zu erzählen. Diesbezüglich wusste Alvin bestens Bescheid. wie einer nach dem anderen sie bestieg. ob er denn wisse. Als sie nach dem Abendessen aus dem Haus marschierten. Der Pastor hatte die besten Teile beider Welten. Alvin dachte ernsthaft daran. Da hatten sie noch mehr gelacht und ihm zusammen mit dem Mädchen ein handfestes Beispiel geliefert. 15 Mit leisen Schritten näherte sich Alvin. wo er durchs offene Fenster zugesehen hatte. verschossenen Wollpolsters saß Alvin anderthalb Tage mit einer Stinkwut im Bauch im Inneren des alten Wagens und fühlte sich betrogen. wie sein weißer Hintern auf und ab wippte. Aber die anderen hatten ihn geneckt und lachend gefragt.

Im nächsten August verließ Miss Jones plötzlich die Stadt. Also bog das Mädchen von der Straße in ein Wäldchen ein. der er gewesen war. dass sich das reichliche Essen nicht in Fett verwandelte. Er rief sich all die Menschen ins Gedächtnis. dass er sein Gesicht zwischen ihre Schenkel steckte. Der Pastor ergriff lächelnd ihre Hände und nahm ihre Geschenke und ihr Vertrauen ganz selbstverständlich an. er möge am Altar ihres Körpers Dienst tun. da kam der Geist erneut über Alvin. sie sei »in Schwierigkeiten« und zu Verwandten nach Oklahoma gezogen. Zweiunddreißig Jahre später lag er in einem Bett mit einem goldenen Kopfteil und musste lächelnd an den dürren Jungen denken. Stattdessen übte er sich vor seinem Spiegel und am Angelplatz im Predigen. An seinem letzten Sonntag weinten alle und spendeten ihm ein großzügiges Liebesopfer. Die Gemeinde war untröstlich. die seinen perfekten Körperbau betonte. an eine andere Kirche in einer anderen Stadt versetzt. Zum Zeichen ihrer Wertschätzung brachten sie ihm kleine Gaben und vertrauten ihm ihre Seelen an. Alvin stellte den Kirchgang ein. deren Gesicht an eine Dörrpflaume erinnerte und deren Temperament auf chronische Verstopfung schließen ließ. Jetzt kannte er den Weg dorthin. stand er auf und lieferte eines. während Alvin in dem Bewusstsein nach Hause ging. Hallelujah und Amen. Ganz instinktiv hatte er immer geglaubt. Gott zeigt sich ganz gewiss auf geheimnisvolle Weise. dass er zu Großem bestimmt war. Er übte Handbewegungen. seine neuerworbenen Fertigkeiten öffentlich vorzutragen. Er hatte einen Trainer. Als man die Gemeindemitglieder aufforderte. Bruderherz. wie sie ihn danach auf den Kirchenstufen umarmten und ihm sagten. Als sie an jenem Abend nach Hause fuhren. wie seine Leidenschaft sie in die harten Bänke bannte. Sie hatten noch nicht lange gebetet. ob er irgendeine ins Bett bekäme. dachte sie auf dem Heimweg. Sein Nachfolger war älter und hässlicher und seine Predigten staubtrocken. Der Pastor hatte die richtige Idee. Mit vierzehn bekam er eine Chance. dass er auf dem Weg zu etwas wirklich Großem war. Jetzt bereiteten persönliche Küchenchefs seine Mahlzeiten zu. Sie kletterten auf die Pritsche des Pick-ups. den ihr Vater ihr für diesen Abend geborgt hatte. bis er wie die Männer im Fernsehen klang. der darauf achtete. Ein Mädchen aus der zehnten Klasse lud ihn zu einem Erweckungsgottesdienst in ihre Kirche ein. Der Pastor wurde mit seiner dicken Frau. wie er das erreichen sollte. Man munkelte. gleich hier anzuhalten und zu beten. aus dem Stegreif ein Glaubensbekenntnis abzulegen. und trainierte seine Stimme. seinen Dialekt zu beseitigen. selbst seine klapperdürre Frau.ein glückliches Leben gefunden. der eine Garderobe zauberte. Er liebte seinen Körper. und einen Schneider. liebte die versteckte Kraft unter dieser straffen Haut. Unwissentlich bestimmte dieser gefallene Diener der Kirche den Lebenslauf von Alvin Medford Conway. an dessen schmutzigen Füßen schwarze Teerbrocken klebten und der mit seinen Geschwistern um das letzte Stückchen Brathuhn raufte. Haare mit . und fingen spontan zu beten an. wie wichtig er für ihr Leben sei. die mit ihrem vierten Kind schwanger war. die Sonntag für Sonntag wiederkamen und sich für ihr sündiges Verhalten und ihren mangelnden Glauben tadeln ließen. aber leider bisher keine Ahnung gehabt. komponierte aufwühlende Gebete und lernte wichtige Bibelstellen auswendig. während sie anschließend ihrerseits ähnliche Dienste an seinem Körper verrichtete. Er arbeitete daran. wie sie den Mann auf der Kanzel nicht aus den Augen ließen. Dazu gehörte auch. bei dem kein Auge in der Menge trocken blieb. behauptete Alvin. der Geist sei über ihn gekommen und habe ihnen befohlen. Alvin bezweifelte. Er musste daran denken.

aber schon bald wurde klar. Sie hatte schon ein Kind gehabt. Ein Mund weniger zu stopfen. aber besonders hübsch war wohl die ganze Brut nicht gewesen. da bremste er sie. sich Kümmernisse anzuhören. was seine Leute wohl dachten. Auch das Entjungfern ihrer Töchter bot nur wenig mehr Herausforderung. Welcher Sprung in den Conway’schen Genen hatte ihn zu einem so gut aussehenden Mann gemacht? Er konnte sich zwar kaum mehr an das Aussehen irgendeines Familienmitglieds erinnern. Kinder zu taufen. »Diesmal nur mit dem Mund. aber schließlich musste man ja Opfer bringen. Er wurde es müde. Hatten sie es überhaupt bemerkt? Wahrscheinlich ein. Keinem hatte er ein Wort davon gesagt. denn andernfalls wären sie längst gekommen und hätten ihn angebettelt. Die Frau an seiner Seite regte sich. die zu angenehmen Vergleichen mit dem Erzengel Michael oder dem Verkündigungsengel Gabriel führte. nachdem er sich durch College und Priesterseminar gearbeitet hatte. dass sie mit zunehmenden Jahren nicht nachgedunkelt waren. Doch dann genoss er das Studium mehr. Wie jung und männlich sich das anfühlte. Sie sahen so stark aus. die Menschen so zu manipulieren. als er sich je hätte träumen lassen. Seine Hoden waren so fest wie damals. Damals hatte er seine Haare gehasst. Genüsslich streckte er seine langen muskulösen Glieder. Ganz langsam. Aber dazu war es erst später gekommen. als sie eines Morgens nach dem Aufstehen feststellen mussten. Von dem ganzen Wurf hatte er definitiv am besten ausgesehen. und dann hatten sie sein Verschwinden vermutlich unter Ertrinken oder Ähnlichem abgeschrieben. wobei er sie abwechselnd anspannte und wieder entspannte. wobei seine Hände zu seinem Glied hinunterglitten.« Er schloss die Augen und ließ sich treiben. Wenn er gewinnen wollte. Höchst passend. und doch so zärtlich. dass er seine Talente bei einer langweiligen kleinen Gemeinde verschwendete. Seine Mission würde einer Seite gelten. Es war köstlich einfach. Ihre Brustwarzen waren groß und braun. wie sie ihn ständig wegen seines Blondschopfs geneckt hatten. aber inzwischen war er froh. Die weißgoldene Haarfarbe war sein Markenzeichen geworden. obwohl er sich noch gut daran erinnern konnte. Er mochte lieber kleinere rosige jungfräuliche. Er hob seine Hände zum Himmel und betrachtete sie eingehend. Er streichelte seinen Penis und spürte. als könnten sie Stahl biegen. zwei Tage nicht. dass er weg war. Kranke zu besuchen und die Toten zu begraben. Seine Eltern waren inzwischen vermutlich tot.goldenen Spitzen bedeckten seine breite Brust. Hatte ihn irgendeiner am Bildschirm wiedererkannt? Nein. Er kam ins Grübeln. um sich Grundwissen anzueignen. dass sie ihn sonntags zum Essen einluden und ihm Liebesgaben anboten. seinem Namenspatron. wie er anschwoll und länger und härter wurde. um ein Neugeborenes sanft zu bergen. wurde wach. Er war zu Größerem und Besserem . Träge glitten seine Finger darüber. setzte sich auf und lächelte zu ihm herunter. und wieder brachten ihn die Gedanken zu Alvin zurück. aber von seinen Geschwistern lebten sicher noch welche. Hinreißend. Unmittelbar nach dem Priesterseminar nahm er eine Pastorenstelle in einer Kirche an. musste er die Stärken seiner Gegner kennen. Eine Zeit lang hatte er sich den Kopf zerbrochen. wo er sich ursprünglich nur einschrieb. Sie ging auf die Knie und wollte sich schon auf ihn setzen. Kurz nach dem High-School-Abschluss war er von zu Hause fortgegangen und hatte nie wieder einen Blick zurückgeworfen. Er strengte sich an und verwandte gleich viel Zeit auf die Beschäftigung mit dem Credo der Ungläubigen wie auf die Theologie. als er das vom Geist des Herrn erfüllte Mädchen auf der Pritsche des väterlichen Pick-ups genommen hatte. lange Zeit. dachte er mit einem trägen Lächeln.

Seine Macht schien keine Grenzen zu kennen. Möchten Sie ihn entgegen nehmen?« »Geben Sie mir fünf Minuten. aber nur eins machte sie wirklich an: Sie kannten das Geheimnis des Sündenfalls ihres Pastors. hatte er bei weitem nicht so viel Jubel ausgelöst wie Bruder Gabriel. die ihm willig jeden Wunsch erfüllten. Exakt fünf Minuten nach dem Eingang des Anrufs drückte er den blinkenden Knopf am Telefon. ist Geschichte. wenn man gerade verdammt gut gelutscht wurde. Je verruchter sie sich selbst wähnten. Als man den alten Herrn vorgestellt hatte. dass man den Sonntagsgottesdienst über einen Lokalsender ausstrahlen konnte. Die Töchter waren überall mehr oder weniger gleich. liebe Leute. »Hier ist Bruder Gabriel. Heute war Bruder Gabriels Priestertum ein Multi-Millionen-Dollar-Unternehmen. Er kontrollierte die Gehirne ganzer Heerscharen von Jüngern und übte so viel Einfluss auf das Denken von Menschen aus wie jedes Staatsoberhaupt. umso vergnüglicher war die Sache. schlug er die Augen auf. an eine größere Kirche. Warum sollte er sich auf einen Staat beschränken? Warum nicht gleich landesweit ausstrahlen? Oder gar global? Und der Rest.« »Gewiss. »Gewiss. dass er seine Kanzel aufgab und sich voll und ganz der Verkündigung des Evangeliums im Fernsehen widmete. Nach dem Duschen wickelte er sich in einen dicken weißen Frotteebademantel. Natürlich trieben es alle liebend gerne mit ihm. schickte er sie wieder ins Wohnheim. Seine dritte Pfarrkirche verfügte über einen so großen Geldsäckel. »Bruder Gabriel?« Als Mr. Hancocks Stimme über das unsichtbare Lautsprechersystem ertönte.« »Soll ich weitermachen. Nachdem er die Frau gesegnet und liebevoll auf die Wange geküsst hatte. Im letzten Jahr war er zusammen mit dem Papst bei einer internationalen Religionskonferenz in Belgien aufgetreten. aber auch die Mächtigen können nicht immer Zeit arbeiten. Alvin Medford Conway hatte auf der ganzen Welt Trabanten.« »Werden Sie sammeln?« »Heute Abend nicht.« .« Eine egoistische Verschwendung. aber der einzige Unterschied bestand in der Qualität des Sonntagsessens und großzügigeren Gaben. sie waren die einzige Frau. aber der von Ihnen erwartete Anruf ist soeben eingegangen. Der Papst und alle anderen religiösen Führer repräsentierten die Vergangenheit. Und zwar mit so viel Erfolg. die Hoffnung des neuen Jahrtausends. Am liebsten hätte er laut aufgelacht. Sie spielten ja so gerne Isebel und Delila. So trat er aus seinem Schlafzimmer und begab sich an seinen Schreibtisch. Warum sollte er sich also auf Kleinkram beschränken? Er zog in eine größere Stadt. »Ja?« »Ich entschuldige mich für die Störung. wo sie mit ihrem Kind ein Zimmer teilte. um seine Macht weiter auszubauen. Schon bald hatten sie die höchsten Einschaltquoten und wurden regional übertragen. vielleicht sogar mehr. die ihn zur Buße gezwungen und fast zur Aufgabe seines Priestertums getrieben hatte. Bruder Gabriel war die Zukunft. Bruder Gabriel?« Er grinste die Frau an und dirigierte ihren Kopf wieder nach unten. Aber eines war noch wichtiger: Er hatte einen meisterhaften Plan. was aber schwierig war.bestimmt.

Er war gehorsam bis zum Ende.« »Das bringt mich zu den noch besseren Neuigkeiten.« Mit zornbebender Stimme sagte er: »Dieser Mann hat bereits eine unserer besten Kandidatinnen entweiht. Trotzdem lässt er sich leicht ersetzen. ich habe gute Neuigkeiten und sogar noch bessere. abgehört zu werden. Das hatte er tatsächlich vergessen. »Das sollte man weiter verfolgen. »Eine Tatsache in Gillian Lloyds Dossier scheinen Sie vergessen zu haben.« »Ich werde mich darum kümmern. Allerdings schmerzt mich der unumgängliche Verlust von Gillian Lloyd. Von ihm lasse ich mir nicht noch eine nehmen. Sie sollten wissen. Welchen Hindernissen stehen wir gegenüber?« »Meiner Ansicht nach nur wenigen.« »Vielleicht irre ich mich. »Einen Haken?« »Christopher Hart.« Bruder Gabriel gestattete ihm eine dramatische Pause. Als er damals diese Information gelesen hatte. Nach einem kurzen Austausch von Höflichkeiten sagte der Anrufer: »Bruder Gabriel. wofür er sich mit einem Nicken bedankte. um jeden Verrat innerhalb der Siedlung auszuschließen. deshalb bedrückt sie Gillians Tod. Sie hat eine Zwillingsschwester. die ständig auf den jüngsten Stand der Technik gebracht und ihrerseits ständig überwacht wurden. ehe er einen kleinen Schluck nahm.« Bruder Gabriel lachte in sich hinein. Auch seine Computer-und Telefonsysteme verfügten über Überwachungsprogramme. aber ich habe da so ein paar Untertöne aufgeschnappt.« »Ist sie verheiratet?« »Nein.« In eintausendsechshundert Kilometern Entfernung hob Bruder Gabriel stirnrunzelnd den Schwenker an die Lippen und atmete tief sein Bukett ein. Die Zwillinge standen sich sehr nahe. Ich arbeite bereits daran. Damit ist der Mord an Gillian Lloyd geklärt. Möglicherweise unser einziges.« »Dale Gordon hat seinen Zweck erfüllt.« »Der Fall Dale Gordon wurde offiziell abgeschlossen. Der Raum war schalldicht und wurde drei Mal täglich nach Wanzen durchsucht. »Wie ideal für Sie.« »Das habe ich mir auch schon gedacht. Sie schien eine perfekte Kandidatin zu sein.« . »Was ist mit ihm?« »Sie könnte sich zu ihm hingezogen fühlen. Es gibt nur einen Haken. »Ich höre. schien sie irrelevant zu sein.« Der Klang dieses Namens gefiel ihm. Melina heißt sie.« »Das sind gute Neuigkeiten. Aber nun! »Eine eineiige. der sich zärtlich und liebevoll um sie kümmert. hoffentlich. ehe er schluckte und dann leise sagte: »Dann sollte man etwas dagegen unternehmen. Hancock stellte ihm einen Cognacschwenker hin. so weit er das Polizeipräsidium von Dallas betrifft. er hörte sich fast biblisch an.« Mr. Sie braucht dringend jemanden. und derzeit gibt’s auch sonst keine engere Bindung. dass er zum Hindernis werden könnte.« Wieder trank Bruder Gabriel einen Schluck Cognac und behielt ihn lange im Mund. Sogar an einem Telefon mit Lautsprecher fürchtete er nicht.« »Eine Zwillingsschwester?« Trotz seiner entspannten Haltung bekam Bruder Gabriel Herzklopfen.« »Melina. Ich dachte.« »Und das gut.« Die Falten auf Bruder Gabriels Stirn verstärkten sich.

Hennings. bitte. »Ist alles auf einer Diskette. war ihm richtig warm zu Mute.« »Dann laden Sie sie. »Glauben Sie. »Ausgezeichnet. Nachdem er sein Gedächtnis mit den wichtigsten Fakten über Gillian aufgefrischt hatte. »du wirst mir gut tun. bat er Mr. während Mr. dass sie eine eineiige Zwillingsschwester hatte. winkte er Mr. Mr. Hancock die codierte Datei aufrief.« Nachdem Bruder Gabriel aufgelegt hatte.« Da er mit ihr allein sein wollte. wie ungerecht ihr Verlust sei. und der sollte es eigentlich wissen. die sie den Akten der Waters Klinik entnommen hatten. Hancock darüber. dass ihre Schwester genauso begehrenswert sein wird?« »Sie haben ja Mr.« .« Er begab sich zum Computerschrank und nippte genüsslich seinen Cognac. ihre Wange unter seinen Fingerspitzen zu spüren. Er setzte sich vor den Monitor und las die Daten. Man wird Sie dafür belohnen. Hennings gehört. »Melina«. was erstens dem teuren Cognac und dann der erfreulichen Tatsache zu verdanken war.« »Danke schön. Hancock. Hancock hinaus. für mich. flüsterte er verführerisch. Das haben Sie gut gemacht.« »Friede und Liebe. äußerte sich Mr. Beim Berühren des Monitors bildete er sich ein. Bruder Gabriel. als ob er zu einer Geliebten spräche. Bruder Gabriel. Als auf seinem Monitor ihre Fotografie erschien. ihm die Akte Gillian Lloyd zu bringen.

Eigentlich sollte er mittlerweile wieder in Houston sein. ist der religiöse Charakter dieses Gottesdienstes«. das wüsstest du. »Du warst Gillians Verlobter und weißt nicht. entsetzte sie. warum dich das überrascht.« Ihre Unterhaltung erstarb. sondern ganz allgemein in Dallas. dass sie tiefgläubig war?« »In die Kirche ist sie nicht gegangen. Sie –« Sie brach mitten im Satz ab. Gillian hatte eine Menge Freunde. Trotzdem grübelte sie weiter darüber nach. Melina. dann schaute sie wieder nach vorne in die Kapelle. Flüsternd rief sie: »Wag es ja nicht!« »Ich versuche doch nur. »Wenn dich seine Anwesenheit aufregt. »Danke. »Was tut denn der hier?«. beim Gedenkgottesdienst ihrer Schwester. kann ich ihn ohne weiteres bitten zu gehen.« »Ich habe noch nie so viele Blumen gesehen.« »Ich habe damit doch nur gemeint. ihn nie wieder zu sehen. Zu Hause ist kein Platz mehr dafür.« »Trotzdem war ihr der Glaube wichtig. als du weißt. sagte er mit einem Blick auf das gedruckte Programm. Erstaunt schaute sie ihn an. dann lass es sein. fragte er verächtlich.« Sie hatte ein schlechtes Gewissen. Neugierig folgte Jem ihren Blicken. warum Christopher Hart noch immer hier war.« »Nun. und griff nach seiner Hand. Eigentlich hatte sie erwartet. Lawson hatte ihn doch sicher von jeder weiteren Beteiligung entbunden. »Ich weiß nicht. eine Szene machen. nur weit hinten gab es noch Stehplätze. und zum Wegwerfen sind sie zu schade.« Die Kapelle war bis auf den letzten Platz gefüllt. wo seine berufliche Verantwortung und ein voller privater . »Falls du dir die Sache mit dem Raketenmann doch noch anders überlegen solltest. eskortiere ich ihn nur allzu gerne hinaus. sondern vor seelischer Verletzung. »Vermutlich ihr die letzte Ehre erweisen. Melina. hoch erfreut wäre. Ich brauche keinen Schutz. Sein Anblick schockierte sie. dich zu beschützen. Ich hätte gedacht. Mit deiner sensiblen Art warst du mir eine große Stütze. Sie hatte scharf reagiert. sie sind wunderschön? Ich lasse sie nach dem Gottesdienst in ein Pflegeheim schicken. Das schätze ich mehr. besonders nach ihrem Wortwechsel am Schauplatz von Dale Gordons Selbstmord.« Christopher Hart stand mit den anderen hinten in der Kapelle. Jem könnte hier.« Er legte ihr den Arm um die Schultern und drückte sie kurz. Verstohlen beobachtete Jem Hennings die ständig wachsende Menschenmenge in seinem Rücken. weil sie ihn angeschnauzt hatte. nicht nur beim Gottesdienst. Jem. 16 »Dieser Andrang überrascht mich. was er ihr mit gleicher Münze heimgezahlt hatte.« »Nicht wahr.« »Nicht vor dem Astronauten. die du unmöglich alle kennen konntest. die gekommen sind.« »Was mich überrascht. Es kam zu einem flüchtigen Blickkontakt.« Schon die Vorstellung. wenn ich mich um dich kümmere. dass sie über die Anzahl der Leute. Es wäre ganz im Sinne Gillians.

ihr Vermächtnis. für mich. hoffte sie. Ms. »Es tut mir sehr Leid für Sie. wie wertvoll und wunderbar das Leben ist. war an und für sich schon überraschend. dass Sie gekommen sind. Sie wehrte sich dagegen und meinte: »Nochmals vielen Dank. Da ich ihr nur ein paar Mal begegnet bin.Terminkalender dafür sorgen würden. Croft. Der Pfarrer. Auch wenn es schwierig würde. Ich habe sie noch Anfang dieser Woche gesehen. kam auf sie zu und fragte. Das zu begreifen fällt uns noch immer schwer. in der Hoffnung. wobei er ihre Hand drückte. Das ist. Ihre Schwester war ein reizender Mensch. der ungeduldig auf dem Parkplatz wartete und sie zum Wagen winkte. einer Frau die letzte Ehre zu erweisen.« »Wenn’s nur so wäre. das ist es. den sie um die Messe gebeten hatte. dass sie tot ist. Plötzlich fröstelte sie. Dass er auch nur einen Augenblick länger als nötig in Dallas geblieben war.« »Und ich dachte. »Ms. dass sie unsere Patientin war?« »Ich wusste. wir hätten in der Waters Klinik schon genug Tragödien gehabt. uns täglich in Erinnerung zu rufen. Lloyd?« Zu guter Letzt trat eine Mittfünfzigerin auf sie zu. . Croft. Sie hatte eine untersetzte und doch kompakte Figur und ein freundliches Gesicht. dem Regen zuvorzukommen.« »Die Ähnlichkeit zwischen Ihnen ist verblüffend«. Eines musste man ihm zugute halten: Nach außen wirkte er gebührend ehrerbietig. während der Lesungen und Hymnen die Tränen zurückzuhalten.« »Ganz und gar nicht. Es waren beredte Worte: »Eine quicklebendige junge Frau wurde grausam aus unserer Mitte gerissen. Es hatte zu nieseln begonnen. um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Dann könnte der Gottesdienst beginnen. Und außerdem hat er Recht. als wäre die Nachricht von ihrer Ermordung ein schreckliches Versehen gewesen. bemerkte die Frau. So. die Erinnerung an seinen Abend mit Gillian samt seinem schrecklichen Nachspiel verblassen zu lassen. Eigentlich schien er sich so unsichtbar wie möglich zu machen. bewunderte sie ihn dafür. flüsterte ihr Jem zu. Endlich machten sich auch die Nachzügler auf den Weg zum Parkplatz. Nach dem Segen stand sie draußen unter einem regenschweren Himmel. die ihr die Leute erzählten. mit der er in der Nacht vor ihrer Ermordung geschlafen hatte. Obwohl dieser Versuch auf Grund seiner Popularität vergeblich war. einen knallroten. schüttelte unzählige Hände. Einen von Gillians Arbeitskollegen hatte man um die Trauerrede gebeten. Ich schätze Ihr Kommen sehr. halten Sie es hoffentlich nicht für vermessen. ob sie bereit sei.« Linda Croft streckte die Hand aus und berührte ihren Arm.« »Sie war ja noch am Tag vor ihrer Ermordung in der Klinik. ohne an die mit Blut geschriebenen Worte zu denken. Vermutlich trieben ihn Schuldgefühle dazu. Melina«. wenn wir diese Tragödie dazu nutzen würden. dass ich zu ihrer Messe gekommen bin. das sie uns hinterlässt.« »Ja.« »Ich kann nicht glauben. Zwischen meiner Zwillingsschwester und mir gab es keine Geheimnisse. Nach allem. es wäre Gillians Wunsch.« Aus dem Augenwinkel entdeckte sie Jem. Ein schrecklicher Verlust. Damit geben Sie keine vertraulichen Informationen preis. sie wirkte zupackend. »Bei Ihrem Anblick in der Kapelle stockte mir der Atem. Er tat nichts. Er spannte einen Schirm auf. dass sie sich künstlich hat befruchten lassen. Ms. Nie wieder würde sie diese Farbe sehen. Ich glaube.« »Schön gesprochen. wurde oft umarmt und hörte sich Geschichten über Gillian an. »Ich heiße Linda Croft und arbeite in der Waters Klinik. nicht?« »Dann wussten Sie also. ihre Fassung bewahren zu können.

« Mit bekümmerter Miene sagte Linda Croft: »Das hätte ich nicht zur Sprache bringen sollen.« »Eine Freundin?« »Ich bin ihr noch nie begegnet. während er ihr in seinen Wagen half.« »Er ist hier herumgeschlichen. ist er mittlerweile schon halb in Houston. Sie haben schon genug Kummer in Ihrem Leben. nicht. angefangen vom Rollentausch bis zu ihrem biestigen Benehmen bei ihrer letzten Begegnung. Unsere hervorragenden Ärzte hatten schon beim zweiten Versuch Erfolg. Dröhnend erwachte der Motor zum Leben. ja. Allerdings war eine Entschuldigung nur ein Grund. Das Paar hat Jahre lang versucht. Dann wurde ihr Baby einen Tag nach seiner Geburt entführt. sogar die Medien. Ich hätte nicht einfach so weiterplappern sollen. Gott schütze Sie. »Hast du ihn gesehen?« »Ihn? Meinst du damit Chief?« Er warf ihr einen scharfen Blick zu. als er die Fahrertür eines flotten schnittigen Zweisitzers erreicht hatte. er schien ihn nicht einmal zu bemerken. warum sie gerne noch ein wenig Zeit mit ihm verbracht hätte. Lloyd?« »Pardon?« Ihr Blick konzentrierte sich wieder auf die Frau. dass ich fertig werde. Ach. Wir haben uns nichts mehr zu sagen.« »Wer war das?«. Sie hätte sich gerne entschuldigt.« Leider. Ich habe nicht mit ihm gesprochen. mit ihr zu reden? Was hätte er gesagt? »Das Neugeborene ist aus dem Krankenhaus verschwunden?« Nachdem Linda Croft sie auf Christopher Hart aufmerksam gemacht hatte. ich habe ihn von einem Gespräch mit Ihnen abgehalten.« Zur Erklärung für ihren abrupten Themenwechsel deutete Linda Croft mit dem Kinn auf eine große Gestalt. Christopher Hart hatte darauf gewartet. hoffentlich habe ich Sie jetzt nicht zu sehr mit Beschlag belegt. »Ich dachte schon. Ms. Ms. die lässt dich nie mehr gehen. Nachwuchs zu bekommen. ich fürchte. was vermutlich das Beste war. Denn eigentlich war sie zutiefst enttäuscht gewesen.« »Hat dann aber aufgegeben und ist weggefahren. Nie habe ich zwei glücklichere Menschen gesehen. Offensichtlich wollte er nur weg von hier. »Tut mir Leid. wie er vom Parkplatz gerauscht ist. Deshalb . So.« »Jetzt fällt es mir wieder ein.was mit dem Anderson-Baby passiert ist. die sich allmählich entfernte. für – nun ja. auch wenn sie sich die anderen nie und nimmer eingestehen würde. Lloyd. Damit plaudere ich nichts aus. weil sie vor seiner Abfahrt nicht mehr mit ihm hatte reden können. meine Liebe. wollte Jem wissen. »Also sind wir inzwischen bei ›Chief‹?« Müde rotierte sie den Kopf auf den Schultern und versuchte. Sie arbeitet in der Waters Klinik. ihre verkrampften Muskeln zu entspannen. hielt er erst an. »Jem. Sie meinte. Ohne Jem im Vorübergehen auch nur eines Blickes zu würdigen. » – wurde vor ein paar Monaten entführt. Er fuhr los. Er öffnete ihn mit der Fernbedienung an seinem Schlüsselbund und rutschte geschmeidig in den tief liegenden Sitz. für alles. Sie habe Gillian sehr geschätzt und wollte mir sagen.« Jem nickte geistesabwesend. Hat man das Kind je gefunden?« »So weit ich weiß. Es stand in den Nachrichten. ohne sich um den leichten Regen zu kümmern. nahm sie den Faden wieder auf. alle nennen ihn Chief. »Die Andersons waren auch Patienten. und als letzten Ausweg eine künstliche Befruchtung gewählt.« »Sie heißt Linda Croft.« Auf dem Gehweg lief Christopher Hart. wie sehr sie meinen Verlust bedauert. Er hat die ganze Zeit gezögert und darauf gewartet.

sie hätte Gelegenheit zu einem Gespräch mit Dale Gordon gehabt und ihn nach dem Grund für seine Tat fragen können. dass es tatsächlich genauso abgelaufen ist. du nicht?« Sie hatte keine Lust. dass man nichts Wichtiges übersehen hat. »Wahrscheinlich zu keinem bestimmten. ehe er fortfuhr: »Hat er dir auch erzählt. ich bin froh. die Tat eines zutiefst gestörten Einzelnen? Dale Gordon war tot.« Während der Fahrt unterbrach nur das rhythmische Geräusch der Scheibenwischer ihr Schweigen. der Gillian getötet hat. Um mich damit zufrieden zu geben.« »Ich wüsste da ein Mittel. Gordons Motive blieben reine Spekulation. das Ganze noch einmal durchmachen zu müssen. Dich vermutlich auch. es war definitiv das Beste.« Sie lächelte matt. Jem schien ihre Gedanken lesen zu können: »Melina. Ihr war alles viel zu glatt und schnell gegangen. Deshalb hatte Lawsons Zusammenfassung für sie keinen Schlussstrich gesetzt. Eigentlich war sie zu gar keinem Gespräch aufgelegt. Melina?« Um meine Zweifel zu zerstreuen. dass er ohne ein Wort abgefahren ist. ohne dass man ihn zur Verantwortung hatte ziehen können. dass Dale Gordon kein weiteres Motiv hatte.« »Bin ich. Sie stand für einen Berg Papierkram.« »Ich habe anfangs genauso reagiert. sagte sie mit einem Seufzer: »Schätzungsweise kann ich den Mord an meiner Schwester nicht so objektiv sehen wie ein altgedienter Kommissar. um sich mit seinen Kumpeln auf ein Bier treffen oder ein Fußballspiel anzuschauen oder mit seiner Frau schlafen zu können. dass er sich die Pulsadern aufgeschnitten hat.« Sie hatte gegenüber Lawson gestern etwas Ähnliches konstatiert. »Er wahrt eine berufsbedingte Distanz. sagte sie verdrossen.« »Lawson ist verheiratet? Auf mich wirkt er wie ein Junggeselle. Um überzeugt zu sein. Schließlich sagte er: »Lawson hat mich angerufen. du solltest froh sein. wie Lawson gesagt hat.« »Du weißt doch. Könnte ich doch nur sämtliche Emotionen aus dieser Debatte heraushalten und sie so analysieren. Mir tut nur eines Leid: Dass ich nicht Gordons Nemesis sein konnte.« Er wartete.« »Er. Für ihn war sie bloß ein Aktenzeichen. »Ich bin nur sehr müde. Trotzdem wünschte sie sich jetzt. Der Fall ist abgeschlossen. Es waren noch Fragen unbeantwortet. und sie würde erst Ruhe geben. als warte er auf eine Erklärung. Selbstmord begangen hat. Warum? War es tatsächlich nur eine fehlgeleitete sexuelle Obsession gewesen. bis sie nickte. um die ich ihn fast beneide. Und genau darin lag der Auslöser für ihre Unzufriedenheit.« »Was mich betrifft. dass dieser Kerl.« . dass er den Fall abgeschlossen hat?« »Er scheint zufrieden zu sein. aber da Jem sie ansah. wie es Lawson getan hat.« »Und zu welchem Zweck.« »Und warum das?« »Weil ich diesen Mord gerne genauso rational betrachten würde. hat er dem Steuerzahler die Kosten für Gerichtsverhandlung und Gefängnis erspart und uns den emotionalen Stress.« »Dadurch. den er möglichst rasch hinter sich bringen wollte. Um sicher zu sein. dass alles vorbei ist. Aber diese beunruhigenden Gedanken teilte sie Jem nicht mit.meinte sie zu Jem: »Nein. jetzt darüber zu reden. was ich meine«. wenn alle beantwortet wären.

aber nicht aus den Essensresten.« Der Barkeeper goss seinen Drink ein. in dem es ihm völlig egal war.« Es sollte sich herausstellen. dass Chief doch noch ein Glas trank. Er war bei der Messe gewesen. Er hatte seine moralische und mitmenschliche Pflicht getan. warum er Menschen regelmäßig auf Distanz hielt. Er hatte gelogen und mit Gillian geschlafen. Und zum Schluss die Schlaftablette. pflichtete er bei. Melina hatte den Nagel auf den Kopf getroffen: Er hatte versucht. »aber zuerst ein warmes Essen.« »Danke. was Melina Lloyd von ihm dachte. »Bourbon und Wasser. Damit hätte es nun gut sein müssen. wenn ich auf den ganzen Rest verzichte und direkt zur Schlaftablette greife?« »Ja. an Gillians Gedenkgottesdienst teilzunehmen. Wenn ihn der Alkohol nur mehr betäuben wollte.« Es handelte sich um eine In-Bar in einem In-Viertel. Und nach einem guten Abendessen ein langes heißes Bad. Eigentlich war er sogar gerne mit Menschen zusammen. Wenn er nur ein ganz kleines bisschen betrunken werden und einen so benebelten Zustand erreichen könnte. Der Barkeeper war an VIPs gewöhnt und respektierte ihre Privatsphäre. wo Sportstars. was ihn getrieben hatte. und war darüber ein wenig verstört. Ich koche. Sicher hatte er sich damit anständig verhalten. Neureiche und die Schönen und Erfolgreichen der Stadt ein und aus gingen. Gerne wäre er mit dem Taxi zurück ins Mansion gefahren und hätte seinen Wagen später abgeholt. Vermutlich wäre es ein Fest für Psychologen. ja«. Er hatte zu Lawsons Ermittlungsarbeit beigetragen. Obwohl er nun wirklich kein Einsiedler war. wenn ich mich nicht um dich kümmere. Sicher hat dir Gillian von meiner Spezialität erzählt. Damit sollte es nun auch gut sein. Und nicht nur in diesem Fall. Mit diesem Entschluss betrat er die Bar. auch sonst. »Ich auch – eine Schlaftablette. Und das konnte er nicht begreifen. sich nicht allzu sehr in die Sache hineinziehen zu lassen. Melinas Vorwürfe draußen vor Gordons Wohnung hatten ins Schwarze getroffen. »Der nächste geht aufs Haus. Melina hatte ihn dort gesehen. aber angesichts ihrer letzten Unterhaltung war es vermutlich besser. Verständnisvoll nickte er Chief zu. sind Sie nicht –« »Nein.« »Jem –« »Ein Nein kommt nicht in Frage.« »Wenn gar nichts anderes hilft. Er hatte sich tatsächlich von den Ermittlungen distanzieren wollen.« Chief hatte keine Ahnung. Aber nun war er immer noch hier. dass er es sich anders überlegt hatte und gegangen war.« »Wärest du sehr beleidigt. wenn sie ihn darum baten. wenn . Anschließend gibt’s dann meine berühmte Hals. besonders bei Menschen. Er hatte ja sogar Melina persönlich kondolieren wollen. Aber der Bourbon hatte nur einen Effekt: Er fühlte sich noch mehr wie ein Drecksschwein als davor. war gesellig und fühlte sich in der Menge wohl. ja sogar die Spur geliefert. bin ich nicht.und Rückenmassage. zu analysieren. ehe er eine Gelegenheit zu einem Gespräch mir ihr fand. Aber das bekomme ich oft zu hören. aber mir reicht einer. »Sagen Sie. weil mich Gillians Geist für ewig verfolgen würde. die man in dein Haus geschleppt hat. warum seine Reviergrenze weiter draußen lag als bei den meisten. die Dale Gordon ans Messer geliefert hatte. Er bekam keine weichen Knie.

ja sogar zwischen Leben und Tod entscheiden konnten. Sobald jemand Chief zu nahe kam und an Christophers Oberfläche zu kratzen begann. Sie hatte die letzten Stunden ihres Lebens mit ihm verbracht. wie er aufgewacht war. Außerdem. In seinem Privatleben jedoch hatte diese Neutralität zu Problemen geführt. teilte er die blasierte Haltung des Anwalts nicht. hatte ihm der Anwalt aufgekratzt erzählt. Hart. Als er Longtree und Abbott erklärt hatte. der Privatmensch etwas ganz anderes. also sei mal. aber noch nie hatte er eine Frau. war ein gewisses Maß an Neutralität unerlässlich. »Sie dürfen fröhlich Ihrer Wege gehen. Deshalb hatte es nie eine dauerhafte. ich muss gehen. Sie sind aus dem Schneider«. aber beide tragisch. Sie seufzte seinen Namen.er vor Publikum sprechen musste. Obwohl er froh war. Er akzeptierte diesen Charakterzug. Schließlich drehte sich das Gespräch um zwei Todesfälle. weil man sie mit ihm zusammen gesehen hatte. deshalb hatte er nie geheiratet.« Jetzt war er doch aufgewacht und hatte den Kopf gehoben. spuck’s doch endlich aus. Er hatte mit kühlem klarem Kopf Kampfjets geflogen und sich nie einen Gedanken an die potenzielle Zerstörung gestattet.« Sein Blick wanderte zu ihrem Busen. und das verlieh ihrer gemeinsamen Zeit eine ganz besondere Bedeutung. Ihre Nacht mit Gillian Lloyd hätte Sie richtig was kosten können. einen erbärmlichen. sich seiner Umarmung zu entziehen. was mit dem Schicksal von Gillian zusammenhing. seinen Kopf zu heben. die zwischen Erfolg und Scheitern. Er hatte schon früher herrlichen Sex gehabt. Einer weiteren Aufforderung bedurfte es nicht. Sie hatte leise gelacht. Beruflich brachte ihm sein distanziertes Verhalten Vorteile.« Er war mit dem Kopf unter ihrer Achsel und der Wange an ihrer Brust eingeschlafen. der weich und entspannt auf ihrer Brust ruhte. tiefer gehende Beziehung zu einer Frau gegeben. zu bleiben gebeten. er ziehe auch in Zukunft seine Unabhängigkeit vor. eines wusste weder der Anwalt noch sonst jemand: Für diese Nacht mit Gillian hatte er tatsächlich einen hohen Preis bezahlt.« »Oder früh. Alles andere als diese Unabhängigkeit war zu kostspielig.« Er hatte Birchmans Worte als geschmacklos empfunden. die sofort darauf reagierte. und das nicht nur in körperlicher Hinsicht. Sogar Alan Birchman hatte ihn angewidert. ehe sie versuchte. der auf Lawsons Entwarnung mit Erleichterung reagiert hatte. eine Shuttle-Mannschaft zu führen und harte Maßnahmen zu treffen. »Mr. »Ich störe dich ja nur ungern. den manche als Fehler bezeichnen mochten. Er hatte im Schlaf murmelnd protestiert und seinen Kopf noch tiefer an sie gekuschelt. Was dachte Melina nur? Dass er aus Stein sei? Er empfand tiefes Mitgefühl. Chief. nicht mehr durch polizeiliche Ermittlungen und alles. belastet zu sein. Eine intakte Ehe erforderte eine Bereitschaft für Gefühle. Er würde sie nicht vergessen. Sachte blies er gegen ihre Brustwarze. Wenn es darum ging. als sie versuchte. Trotzdem war er nur bis zu einem gewissen Maße zugänglich. die sie anrichten konnten. um Himmels willen. hatte sie geflüstert und war ihm mit den Fingern noch einmal durch die Haare gefahren. Und trotzdem: Noch mieser als jetzt konnte er sich nicht fühlen. einen unschuldigen. Die öffentliche Person war das eine. »Chief. aber dank Mr. »Ich muss gehen«. dir selbst gegenüber ehrlich – war diese Nacht schon vorher bedeutsam gewesen. trat er auf die Bremse. die gehen wollte. Er . »Wieso?« »Es ist spät. Kommt alles nur auf den Standpunkt an. war das brutal ehrlich gemeint gewesen. und war auch nicht kamerascheu. Gordon können Sie sie als Gratisgeschenk betrachten. Darüber hinaus – na schön. Er hatte noch gut in Erinnerung. noch lange nicht. Denn dazu war es nur gekommen. die er nicht aufbringen wollte. Keiner kann deine Gedanken lesen. was damit zusammenhing.

»Pardon?« »Noch einen?« »Haben Sie Kaffee?« »Ist schon drei Stunden alt. Er ergriff ihre Hände und drang in sie ein. die innerhalb von Stunden seine Lieblingsfarbe geworden war. »Wirst du denn dann wenigstens irgendwohin kommen?« Ihre Hüften hoben sich seinen langsamen Stößen entgegen. »Zweifelsohne. der sich beinahe auf der Stelle wieder verflüchtigte. konnte sie spüren und fühlen. so dass sie einander vom Schlüsselbein bis zu den Zehen berührten. »Ich will nicht. Dank . Bleib da. jedenfalls konnte er deshalb Dallas nicht verlassen. den er immer noch spürte.« Mit einem breiten Grinsen strich er mit den flachen Händen an der Innenseite ihrer Arme entlang. warum er dieser Episode seines Lebens nicht den Rücken zukehren konnte. was ihm immer wieder entfiel. verdammt und zugenäht! Inzwischen füllte sich die Bar zusehends. ohne vorher noch einen Schatten in seinem Gehirn zu hinterlassen. dass sich ein schlichter Unglücksfall zu einer Episode ausgeweitet hatte. Nein. »Bleib da. dass du gehst. eben nicht alles.« »Perfekt. bis sie gestreckt über ihrem Kopf lagen.« »Weil ich dich gewinnen lassen möchte. Es hatte ihn dazu gebracht. dass es nicht loslassen wollte? Zum ersten Mal war es während Lawsons Termin mit den anderen aufgetreten. wie er zwischen ihren Körpern hart wurde. Jede Kleinigkeit.« »Sir?« Chief rappelte sich auf. Irgendeine Bemerkung von jemandem hatte einen lästigen Gedanken ausgelöst. um den Druck auf seine Erektion noch zu verstärken. Während er in die ölige Brühe starrte. allerdings nicht. selbst nach dem Trauergottesdienst noch zu bleiben. Da gab es etwas. was es war. Chief nahm von all dem nichts wahr. und das allein war schon verdammt bedeutsam. Er wusste alles noch ganz genau. Leise knurrte er: »Du aber auch. »Chief. damit sie spürte. Trotzdem hatte er schon schlimmeren getrunken. Der Lärmpegel stieg. was es war.legte sich der Länge nach auf ihren unglaublich schönen Körper. Flüsternd beugte er den Kopf. Wie ein Theaterbesucher verfolgte er jede Bewegung und achtete genau auf den Dialog.« »Ich betrüge wie verrückt.« Er drang noch tiefer ein. konnte er Gillians Lächeln sehen und ihre Stimme hören. obwohl es ständig an ihm nagte und bohrte. was war es nur? Woran klammerte sich sein Unterbewusstsein so sehr.« Der Kaffee kam und schmeckte entsetzlich. Zum Kuckuck. Wieder nahmen ihre Augen jene rauchgraue Farbe an. Und obendrein kam er einfach nicht darauf. Aus ihrer Kehle stieg ein tiefes erregendes Stöhnen. wie oft ihn der Barkeeper schon angesprochen hatte. »Hmmm. wenn ich weg bin?« Er schaukelte sich leicht nach vorne.« Dann senkten sich seine Lippen um ihre erigierte Brustwarze. Er wusste nicht. Seine Zunge liebkoste sie.« »Wär’s dir in ein paar Stunden nicht lieber. Ich werde ganz bestimmt kommen. Er konzentrierte sich auf die Szene in dem vollgestopften Zimmer des Polizeipräsidiums. Es war der Grund. du spielst nicht fair. das sich nicht zeigte. Es war die Ursache dafür. Es war eine Bedrohung für sein Prinzip des Nicht-Einlassens. etwas Wichtiges.« Instinktiv wölbte sich ihr Körper nach oben. Aber was war das gewesen? Und wer hatte es gesagt? Lawson? Hennings? Melina? Egal. vermutlich werde ich so schnell nirgendwohin gehen. Unter ihm entspannten sich ihre Schenkel und öffneten sich. rief er sich selbst wütend zur Ordnung.

seines fast perfekten Erinnerungsvermögens ließ er alles noch einmal ablaufen. Verdammt nochmal! . Die Wucht des Gedankens. alles in Ordnung?« Langsam hob Chief den Kopf und starrte den jungen Mann verständnislos an. Kumpel. tut mir Leid. Bei der dritten Vorstellung hatte er ihn: jenen Satz mit seiner ungeheuren Auswirkung. dann lächelte er ihn reumütig und selbstironisch an. Ziellos starrte er hinter der Bar die vielen Reihen mit den Getränkeflaschen in unzähligen Formen. Das Gedränge und die Witze ringsherum ließen ihn kalt. Größen und Farben an. Mensch. hatte ihn betäubt. Wenn er nur wüsste. warum er sich an diese Tragödie gefesselt fühlte. Welche Erleichterung. »Ich war heute auf einer Beerdigung.« Chief bedankte sich mit einem Nicken.« »He. Und dann noch einmal. Er schlug wie eine Bombe ein und hätte ihn fast vom Barhocker geworfen. den sein Gedächtnis bis jetzt als Geheimnis bewahrt hatte.« Endlich hatte er herausgefunden. »Bezahlen. Er hörte nicht die Frau auf dem Hocker neben ihm lachen. Bei einer Frau. Er vergrub den Kopf in den Händen und stieß erbittert ein »Dreckskerl« hervor. »Chief? He. was er damit anfangen könnte.

Lucy Myrick hatte sich geweigert. denn eher würde sie ihre Zahnbürste verleihen als jemanden an ihren Rechner lassen. Von den schalldämmenden verfleckten Deckenplatten hingen einige durch. Kalorien schienen für Lucy nicht das Geringste übrig zu haben. So oder so wäre sie ungefähr zur selben Zeit zu Hause. verglich Verbrechen miteinander. Lucy bevorzugte dafür den Begriff »Schiffe versenken«. sich davon zu trennen. Aber beides hätte sie ohnehin nicht interessiert. als man die veralteten Geräte gegen eine neuere Generation austauschte. Lucy Myrick entsprach nicht dem typischen Bild einer FBI-Agentin. die keine waren. Mit einer Kombination aus Computerwissen und Kriminologie hatte sie eine Position als Geheimdienstanalytikerin erworben. die sonst nie der Gerechtigkeit anheim gefallen wären. Gähnend streckte sie sich und warf einen Blick auf die Wanduhr. Heute Abend – Plötzlich beugte sie sich vor und konzentrierte sich ganz auf die Information. aber das stand sowieso nicht zur Debatte. suchte nach Parallelen und ähnlichen Tathergängen und hielt Ausschau nach Zufällen. und nach verbindenden Elementen. doch ihre Lieblingswaffe war der Computer. Sie unterzog Polizeiberichte aus allen Regionen einer erneuten Prüfung. die äußerlich nicht zusammen zu passen schienen. wie ihre Großmutter immer gesagt hatte. Wegen ihres Äußeren hätten sie weder Kollegen noch Ganoven je ernst genommen. die soeben auf ihrem Bildschirm erschien. Ihre karottenroten Haare standen exponentiell zur Luftfeuchtigkeit vom Kopf ab und stellten seit jeher den Fluch ihres Lebens dar. oder sie überzog ihre Arbeitszeit und ließ den Verkehr ausdünnen. Sie hatte die Polizeiakademie absolviert und besaß eine Waffenlizenz. Auch verdeckte Ermittlung stand nicht zur Debatte. Ihr Job bestand darin. Trotzdem hatte sich Lucy durch ihr ungewöhnliches Aussehen nicht daran hindern lassen. Ihr Interesse galt der Geheimdienstarbeit. die um acht begann. Diese spezielle Tastatur hatte sie schon so lange benutzt. Im Grunde genommen betrieb sie Forschungsarbeit. denn nicht eine wollte sich an ihr festsetzen. Sie las sie drei Mal und ihr Herz klopfte dabei jedes Mal ein wenig . Sie hatte zwei Möglichkeiten: Entweder ging sie rechtzeitig und plagte sich mit dem Washingtoner Stoßverkehr herum. Auf Witze reagierte sie gutmütig. Außendienst war für sie nie in Frage gekommen. das schon ein paar Tage im Kühlschrank stand. Ihre entschlossene Art. Heute Abend stand ihre Lieblingssendung auf dem Programm. ihren Traum zu verfolgen. Zusammen mit ihrer überdurchschnittlichen Körpergröße von einem Meter achtzig und ihrem feuerroten Schopf lag der grausame Vergleich mit einem brennenden Streichholz einfach zu nah. Aber der Computer war neu. Trotzdem wollte sie nicht zu spät heimkommen und ihre Fernsehsendung versäumen. Ihr Arbeitstag war schon fast zu Ende. wäre verloren. Niederlagen steckte sie robust weg. Sie fiele in jeder Umgebung unweigerlich auf. Sie war »dürr wie eine Bohnenstange«. hatten ihr beim FBI Anerkennung verschafft. Die PVC-Fliesen auf dem Boden lösten sich ab. dass die Buchstaben und Symbole abgewetzt waren. Wer die Tasten nicht kannte. Serienverbrecher oder kriminelle Gruppen aufzuspüren. 17 Die Wände des fensterlosen Raumes hatten die grünlich-weiße Farbe von Kartoffelpüree. Nur die Tastatur wies intensive Gebrauchsspuren auf. auch wenn sie täglich zigtausende in sich hineinschlang. gepaart mit einem scharfen Verstand.

»Patientin weshalb?« »Diesbezüglich keine Information. Und für Tobias tat sie alles. weil er – nun ja. sondern der bestaussehende Mann überhaupt. Stattdessen hatte er sich für eine Karriere im Polizeidienst entschieden. »Was ist denn los. Wurde vor drei Tagen erstochen in ihrem Bett aufgefunden. Eine Weiße. und nicht nur Myrick. Punktum.« »Bingo. Myrick. ehe sie bei ihm gewesen sei.« Tobias schaute von seiner Lektüre auf. Sein Liebesleben gab zu ständigen Spekulationen Anlass. Ms. kleidete sich traumhaft und war überdies noch Single. den sie je gesehen hatte.mehr. ob es irgendwelche Bezüge zwischen den Inseminationen und Entführungen gibt. fünfunddreißig Jahre. Genau auf so etwas sollte sie im Auftrag von Tobias unbedingt achten. aber irgendwie gefiel ihr die Vorstellung besser. Sie hatte keine Ahnung. wie wichtig sie seien und wie viel länger er ungefähr noch bleiben müsste. weil er eben Tobias war und sie sich heftig in ihn verguckt hatte. dass ich Sie noch erwischt habe«. wo Gillian Lloyd Patientin war. Und genau das tat sie jetzt. »Gillian Lloyd. bei deren Anblick er sofort wissen wollte. Zehn Minuten später sprintete Lucy Myrick die Treppe hinauf. als er gerade seinen Regenmantel vom Kleiderständer zog. »Dallas«.« »Haben Sie etwas gefunden?« »Nur bei Entführungen? Was ist mit anderen Schwerverbrechen?« »Zum Beispiel?« »Mord. Am College hatte er Football gespielt.« Sie trat einen Schritt weiter in sein Büro. Bei der Waters Klinik. ich solle darauf achten. »Was haben Sie denn da?« »Kliniken für Künstliche Befruchtung. Vielleicht kannte er ihren Vornamen gar nicht. Laut den Stammtisch-Quarterbacks im Büro in Profiqualität. dass Hank Tobias keine Zeit für eine tiefer gehende Beziehung hatte.« Er griff nach dem Ausdruck. die Blätter zu überfliegen. Auch wenn es da nicht allzu viel zu beben gab.« Er hängte den Regenmantel wieder auf und nahm hinter seinem Schreibtisch Platz. Angestellter einer –« »Lassen Sie mich raten. ein wenig atemlos mit vor Aufregung geröteten Wangen und bebender Brust hereinzuplatzen. und sie spürte Schmetterlinge im Bauch. Laut der Polizei in Dallas handelt es sich bei dem Mörder um einen gewissen Dale Gordon. Mit dieser Erklärung konnte Lucy leben. Er war klug. aber man darf mit Sicherheit vermuten –« »Vermutungen gibt es nicht. während er sich daran machte. er solle nicht Schluss machen. Dieser Gedanke gefiel ihr am besten. bei dem Körperbau. erklärte sie ihm. Und nie Lucy. da er sich voll und ganz seiner Arbeit widmete. obwohl man sich allgemein einig war. Das mochte sie glauben. Er drehte sich zu ihr um. »Soll ich meinen Regenmantel anziehen oder nicht?« Sie hatte Ausdrucke mitgebracht. »Bin ich froh. »Sie haben mir doch gesagt. Sie hätte auch bei Tobias im Büro anrufen und ihm sagen können. als Verteidiger. um genau zu sein. Myrick?« Ms. anstatt auf den Aufzug zu warten. keuchte sie. ob diese Formalität ein gutes oder ein schlechtes Zeichen war. Hank Tobias war nicht nur der bestaussehende Schwarze.« .« »Genau das habe ich befürchtet. wie die übrigen Kollegen sie nannten. »Lassen Sie ihn aus.

Sir.« »Lawson. der im Mordfall Lloyd ermittelt hat.« »Sehr gut. Tobias klappte den Ordner mit einer entschiedenen Geste zu. läge das auch ohne Partner durchaus im Bereich des Möglichen. was auch nur den leisesten Bezug zu diesen Fällen haben könnte. Dale Gordon in enger Zusammenarbeit mit ihm zu verhören. um seine vor Konzentration gerunzelte Stirn zu bewundern.« »Lawson heißt er. Sollte sie unbedingt ein Kind haben wollen. »Der Fall in Oakland. Halten Sie mich auf dem Laufenden. hören zu müssen.« »Nein. sein Samen auf ihrer Pyjamahose. Kathleen Asher. Man bot unfruchtbaren Paaren die ganze Bandbreite der Möglichkeiten. Lassen Sie alles andere liegen und konzentrieren Sie sich darauf.« Daran hatte sie selbst schon gedacht. seine Fingerabdrücke am Schauplatz. Ihrer Meinung nach.« Rasch blätterte er das Material durch.« »Aber meines Wissens«. Lucy genoss diesen Moment. Als er den gesuchten Ordner gefunden hatte. informieren Sie mich. Vielleicht habe ich ähnliche Fälle übersehen. um ein größeres Netz auszulegen. Tobias.« Er war nicht erfreut. Der Fall in Dallas ist jüngeren Datums. Da wir jetzt das gesuchte Bindeglied kennen. Ich möchte den Kommissar sprechen.« Er stand auf und ging zu einem Aktenschrank. Kalifornien. Ende 1998. hier allmählich ein Muster ab?« »Ich würde gerne noch mehr recherchieren. »Was sagt man dazu? Wieder die Waters Klinik. meinte Lucy.« »Wie praktisch«. Single. »Die Entführung des Anderson- Babys. nicht wahr? Erinnert Sie das an irgendetwas.« »Verheiratet?« »Single. Geburt eines normalen Jungen. und wenn es noch so weit hergeholt zu . Ich wünsche. Anfang Dreißig. aber so weit war ich noch nicht. »Ich werde mich nach dem Anlass für Gillian Lloyds Besuche in der Klinik erkundigen. werden Sie’s sofort erfahren.« »Beziehungsweise Singles. »Ja. das als Mordwaffe identifiziert wurde. glaube ich. hielt er ihn hoch. eigentlich noch nicht einmal ein annähernd Richtiger. Ein Paar. ginge ich gerne weiter zurück. tut mir Leid. noch weiter bohren. In seiner Wohnung wurden reale Beweise gefunden: Blutspuren des Opfers auf dem Messer.« »Wie letztes Jahr bei dem Paar in Kansas City. wurde innerhalb weniger Tage nach einer künstlichen Befruchtung ermordet. stimmt’s?« »Dieser Februar.« »Gut. dass ihre Sommersprossen darunter verschwanden. sie ist nach künstlicher Befruchtung schwanger geworden. »gehörte die Klinik in Kansas City nicht zur Waters Kette. Ms. »Ist schon fast zu glatt. »Benachrichtigen Sie die Dienststelle in Dallas. dass ich noch heute Abend runterfliege. aber das Vorgehen dort war ähnlich. dass Gordon Selbstmord begangen hatte. Sollten Sie irgendetwas entdecken. fasste Lucy mit einem sehnsüchtigen Blick auf seine Kehrseite die restlichen Informationen zusammen. Zeichnet sich. Bisher war der Richtige noch nicht aufgetaucht. sagte er leise. Myrick?« Gott sei Dank tat es das. ehe er in tiefes Nachdenken versank. die ein Kind wollten.« Sie lief so rot an. Während er nach einer anderen Fallakte suchte. Nur wenige Stunden später fand man ihren Mörder.« »Oh. Ebenfalls in Dallas. der zwei Tage später aus dem Krankenhaus entführt wird. der sich mit einem Gewehr erschossen hatte. »Verdammt. Mr.« »Er hat sich nur wenige Stunden nach dem Mord umgebracht.« »Falls ich was entdecke.

ihre Schwester.« Wenn er merkte. wenn sie erfährt. Aber es war Wirklichkeit. wenn du mich brauchst«. wie Gillian Lloyd war. »Ruf mich. sie zu trösten. als später jemanden zurückrufen zu müssen. Sie griff nach dem schnurlosen Hörer. bis sie davon ausgehen konnte. »Heute war der Trauergottesdienst. Sie spürte es wie ein Messer in jeder Faser ihres Seins. dass ich eine Telefonverbindung mit ihr herstelle?« »Ja. Zuerst wollte sie es klingeln lassen. dass die Ermordung ihrer Schwester vielleicht Teil einer Verschwörung ist?« Er hatte schon zum Telefon gegriffen und arrangierte seine Dallasreise. »Welche Verschwörung?«. dass sich an der Wasseroberfläche heftige Wellen bildeten. wie etwas. nichts.« »Kann ich dir irgendetwas bringen? Noch ein Glas Wein?« »Danke.« Ohne sich Lucys bewundernder Blicke bewusst zu sein. den Anruf jetzt entgegenzunehmen. was sie in der letzten Viertelstunde gemacht hatte: Sie weinte sich die Seele aus dem Leib. Sie hatte den Leichnam gesehen. Körper. ohne sich konkret zu den Gründen zu äußern. das sich trotz des Gottesdienstes an diesem Nachmittag unmöglich akzeptieren ließ. Außerdem möchte ich gerne persönlich mit ihr sprechen und ein Gefühl dafür bekommen. den sie mit ins Bad genommen hatte. aber da ich vorher noch die dortigen Agenten instruieren müsste.« »Gewiss. Das Telefon weckte sie aus einem leichten Schlummer.« »Arme Frau«. »Hoffentlich ist sie dazu in der Lage. Ihr ganzer Körper bebte so vor Schluchzen.sein scheint. würde er vielleicht darauf bestehen. liefen ihr in schmalen Rinnsalen über die Wangen und tropften in das brusthohe Badewasser. Der Verlust war Wirklichkeit. Dann tat sie wieder das. Das Verlustgefühl hatte alles gepackt: Verstand. und deshalb hatte sie nur noch einen Wunsch: Ein bis zwei Jahre lang nur schlafen zu können und erst aufzuwachen.« Sie versuchte. deren Durchleben-Müssen sie zutiefst scheute. Und doch kam ihr manchmal der Tod ihrer Schwester unwirklich vor. meinte Lucy kopfschüttelnd. dass sie weinte. Betonen Sie. aber jetzt kann ich nicht mir ihr sprechen.« »Melina?« Jem klopfte an die Badezimmertür und wiederholte ihren Namen. ist unsere Aufgabe. Während er in der Warteschleife hing. Sie musste in dieser Woche schon einen Schock verarbeiten. sich ihre Enttäuschung nicht anhören zu lassen. fragte Lucy. Erschöpft legte sie den Kopf auf den Badewannenrand und schloss die Augen. wenn ich’s gleich selbst erledige. Bei einem Blick in die Zukunft sah sie nur Wochen und Monate der Trauer vor sich. spart es mir Zeit. erwiderte er grimmig: »Das herauszufinden. Nächste Anverwandte: Melina Lloyd. dass er fort war. Schon der bloße Gedanke daran war entmutigend und niederschmetternd. und meinte: »Also fahren Sie hin? Könnte denn nicht das Büro in Dallas dieses Gespräch übernehmen?« »Könnten sie sicher.« »Wie mag sie wohl reagieren. dass es dringend ist. Tränen strömten aus ihren Augen. Sie hielt weiter krampfhaft an sich. wenn die schlimmste Qual hinter ihr lag. obwohl sie eigentlich nur einen Wunsch hatte: allein gelassen zu werden. überflog er erneut ihre Daten über den Mord in Dallas. sagte er durch die Tür. »Hallo?« . Bitten Sie sie morgen Früh um einen Termin. Seele. »Mir geht’s gut. Ein Gespräch mit ihr könnte nützlich sein. »Alles in Ordnung?« Sie schluckte ein Schluchzen und zwang sich zu einer normalen unbeschwerten Stimme. Allmählich versiegten ihre Tränen. und die Wellen im Badewasser wurden kleiner. doch letztlich war es besser.« »Möchten Sie.

mit dem ich in dieser Woche in Berührung gekommen bin.« »Gibt es etwas Persönlicheres. »spielen Sie mit mir. Ms. dass ich Sie verärgert habe. Gleichzeitig antwortete Jem am anderen Anschluss. »Er wird da sein. – Entschuldigen Sie. dass es hier um mehr ging. »Was kann ich für Sie tun. Er sollte mehr Informationen haben als ich. Ist das richtig?« »Damit beschäftigt sich das FBI? Seit wann denn das?« »Welche Uhrzeit würde Ihnen morgen passen. nicht Versteck. Also«. um das Tobias gebeten hatte. Am liebsten hätte sie den Schaumberg wie einen Umhang dichter herangezogen. Auch wenn sie über die Einzelheiten des Gesprächs. dass die Ermittlungen des Kommissars nicht vollständig waren. Plötzlich fühlte sich das Wasser kalt an. Aber nicht der Schock ließ sie erstarren.« »Am Apparat. Die Ermordung meiner Schwester ist das einzige Verbrechen. Tobias möchte Sie wegen der Ermordung Ihrer Schwester sehen. Soweit ich weiß. Warum sollte mich das FBI denn sonst anrufen?« »Verzeihen Sie. fuhr Myrick ruhig fort: »Ihre Schwester war Patientin der Waters Klinik. bremste sich dann aber doch.« »Woher kommt Mr. würde sie sie nicht verraten. besonders bezüglich der technischen Aspekte. Lucy Myrick war nur ein Sprachrohr. obwohl sie nur Augenblicke vorher noch in seiner entspannenden Hitze versunken war. Jem. Ms. Bescheid wüsste.« »Detective Lawson von der Polizei in Dallas wurde diesem Fall als Ermittler zugeteilt. ich hab’s schon. Er würde Sie gerne morgen sprechen. hat heute der Trauergottesdienst für Ihre Schwester Gillian stattgefunden. Die letzten Tränen trockneten sofort. fauchte sie.« Sie wartete. Sie schluckte trocken. Melina Lloyd sprechen. Ms. so still. Ehrlich. »Um neun Uhr? Hier bei mir zu Hause?« Sie nannte ihre Adresse. und antwortete dann: »Ich bin Melina Lloyd. dass er nur das Augenscheinliche entdeckt hatte. als mit einem Küchenmesser erstochen zu werden?« Ohne auf ihren Sarkasmus weiter einzugehen. dass die Ermordung ihrer Schwester noch immer ein Geheimnis barg. Sie konnte hören.« »Ms. Ich rufe im Auftrag von Sonderagent Hank Tobias an.« »Eigentlich möchte sich Mr. bis er aufgelegt hatte. Sie hielt ganz still. dass das Badewasser keinerlei Wellen mehr warf. Myrick. nicht wahr?« »Wer sind Sie?« »Mein Name ist Lucy Myrick. entschuldigen Sie bitte die Störung. dass sich dieser Mord nicht so einfach erklären ließ. Lloyd?« Sie wollte erneut losfauchen. Seltsamerweise hatte sie diesen Anruf oder etwas Ähnliches erwartet. Tobias mehr über persönliche Dinge mit Ihnen unterhalten. ich arbeite für das FBI. wie ringsherum im duftenden Schaum winzige Luftbläschen platzten. Mr. Auch als Lawson die Fallakte schloss.« »Weshalb?« »Um wieviel Uhr wäre Ihnen denn recht?« »Das muss mit der Ermordung meiner Schwester zusammenhängen. »Hallo?« »Ich würde gerne Ms. Ja. Lloyd.« »Myrick. ahnte sie im Innersten.« »Warum sagen Sie das?« »Weil meine Steuern bezahlt sind und ich keine Krawalle angestiftet habe.« Alles in ihr erstarrte. Tobias denn?« . Irgendwie hatte sie gewusst. in Begleitung von Agent Patterson vom Büro in Dallas. bitte. so früh wie möglich.

« »Ach.« »D. aber er hatte es sich nun mal in den Kopf gesetzt. hungrig zu sein. Nach dem Essen hatte sie sich zum Abwasch bereit erklärt. Sie zögerte. Er setzte sich auf die Bettkante und klopfte auf den Platz neben sich. »Manche Sträuße fingen schon zu riechen an. wenn es nicht geregnet hätte. da gab es nichts zu entscheiden.« Nach dem Besuch von Spezialagent Tobias. fragte sie mit gespielter Unschuld. Warum brannten die Lampen nicht? Er hatte sie ausgemacht und im ganzen Zimmer Kerzen angezündet. Ich werde sie morgen in die Biotonne stecken. dann tippte sie sich mit dem Telefon gegen die Stirn. »Ich hätte schneller abheben sollen. zum Teufel –« »Melina?« Jem klopfte an die Badezimmertür. Eigentlich hatte sie nicht geglaubt.« »So spät auch nicht.C.« »Du warst aber fleißig«. das war genau das. »Aus Washington. Ich habe sie alle in die Küche getragen und hätte sie auch hinausgebracht. was ich brauchte. Tobias wird morgen um neun Uhr bei Ihnen sein. meinte sie mit einem Blick auf die Kerzen und das aufgedeckte Bett. Sie schaltete die Nachttischlampe ein.« »Jetzt kommt das große Finale.« »Danke.« So viel zum Entspannungsbad.« Nachdenklich schaltete sie den Akku aus. der sie am meisten entspannen sollte. war ihr nur das Bad verlockend erschienen. War höchste Zeit. doch er wollte nichts davon hören und bestand darauf. Lloyd.« Sie hatte sich bewusst zum Lügen entschlossen. die Jem gemacht hatte. »Bin in einer Sekunde draußen. würde sie keiner Menschenseele davon erzählen. »Du hattest Recht. erwartete sie Jem im angrenzenden Schlafzimmer.« . hatten sie eingelullt.« »Wer war das?« »Wer?«. Es ist schon spät. aber die Spagettini. Eine Kundin von Gillian. Leider hatte sich der Teil des Abends. »Jem. du musst dich nicht unbedingt haarklein an dein Versprechen halten. Mr. Gute Nacht. Ihre innere Unruhe wegen des Anrufes verbarg sie hinter einem Lächeln. dass sie ein Schaumbad nahm. Heute Abend wäre sie viel lieber allein gewesen. dass ich herausgekommen bin. Das FBI? Den ganzen weiten Weg von Washington? Neugierig auf die Waters Klinik? »Was. Wie versprochen hatte er sie bei einem Glas Wein und leiser Musik sitzen lassen. Bis sie nicht selbst den wahren Grund für das Interesse des FBI an Gillians Ermordung wüsste. der draußen fiel.« »Aber du musst doch genauso fertig sein wie ich. dachte sie beim Abduschen und stieg aus der Wanne.?« »Richtig. schmeckten köstlich. Der Wein und die Musik und dazu das hypnotisierende Geräusch des Regens. »Wenn ich schon mal da bin«. »Am Telefon. dank Lucy Myricks Anruf als reiner Stress erwiesen. Als sie in einem bequemen Bademantel das Bad verließ. Ms.« »Ich wäre sowieso bald verschrumpelt. die Jem auftrug. während er das Abendessen kochte. sie zu verwöhnen. Sie war nicht in der Stadt und hat die Geschichte erst heute Nachmittag nach ihrer Rückkehr erfahren. kannte ich nicht. FBI. dann wärst du nicht gestört worden. meinte er beiläufig. Von allen Vorschlägen. nicht einmal Jem.

und genau das werde ich jetzt tun. »Melina.« Er lachte mit. das ist wirklich komisch. den ihr beide abgezogen habt. dass es mich erregt hat.« So recht wohl fühlte sie sich in dieser Situation nicht. und sofort würde sie sich wieder an die Unflätigkeiten erinnern. Das tat gut. »Aha. Als er ihr die Hände auf die Haut legte.« »Als du mich ernsthaft küssen wolltest. Die kreisenden Bewegungen wanderten weiter über ihre Schultern hinunter. Dieses Schmuckstück würde sie immer an ihren Racheschwur erinnern. ich würde dir Nacken und Rücken massieren. witzelte sie nur darüber. Jem spürte es. »Eigentlich ja kein Wunder. und sie sagte es ihm auch. dass sie ihn annahm.« »Was?« »Dass sogar ich auf diesen Rollentausch hereingefallen bin. hatte er gesagt.« Nach einer winzigen Pause fügte er hinzu: »Aber Gillian ist tot. die nur Unfrieden gestiftet und ihr die letzten Energiereserven geraubt hätte. »Weißt du. habe ich dich daran gehindert. »Das ist eine widerwärtige Bemerkung. wenn man’s richtig bedenkt.« Er hatte darauf bestanden.« Sie beugte den Kopf von seinen Lippen weg. Schon beim Gedanken daran verkrampften sich jetzt ihre Muskeln.« »Das war oft der Auftakt. die mit dem Handtuch um den Kopf an die Tür gekommen ist?« »Keine Sekunde.« . damit fertig zu werden.« Seine Daumen vergruben sich tief in ihren Nackenansatz.« »Gillian hat meine Nackenmassagen geliebt.« »In fünf Minuten möchtest du unbedingt mehr. Ich habe gesagt. dass ich.« »Es hat trotzdem genügt. »Du brauchst das. Er lachte in sich hinein.« Seine Hände hörten zu massieren auf und legten sich auf ihre Schultern. »Fünf Minuten. Das wollte ich dann doch nicht. um besser an ihren Nacken heranzukommen.« »Stimmt. Irgendetwas stimmte nicht. und ich marschiere ab ins Bettchen. dass ich gut bin. du trägst ja noch immer den Anhänger. ihr Verlobter. Melina. wirbelte zu ihm herum und hielt sich dabei den Bademantel bis zum Hals zu. »So sehr. die ungemütlich nahe an ihrem Ohr lagen. »Hab dir doch gesagt.« »Stimmt auch. Eigentlich war ihr dabei ganz und gar nicht wohl zu Mute. Jem.« Statt sich auf eine Diskussion einzulassen. Entspann dich.« »Kann ich verstehen. »Gillian hätte es so gewollt«. Wir müssen lernen. »So genau wollte ich’s gar nicht wissen. als ich dich geküsst habe. Trotz seiner lockeren Plauderei schob er den Mantelkragen über ihre Schulter. setzte sie sich neben ihn auf die Bettkante und drehte ihm den Rücken zu. dass ich es war. Man sollte meinen. aber anstatt davon viel Aufhebens zu machen. spürte sie das Öl darauf. Melina. die Gordon mit Blut auf die Schlafzimmerwände geschmiert hatte.« Sie schoss vom Bett hoch. Nach anfänglichem Ablehnen hatte sie dann doch nachgegeben und war inzwischen froh darüber. dann heißt es für dich Tschüss. Deine Muskeln sind förmlich verknotet.« »Du hast also nie vermutet. ich werde jetzt nicht mit dir diskutieren. euch unterscheiden können müsste. Nicht einmal. müsste sie nur über die roten Steine fahren. Sollte ihr Entschluss je ins Wanken geraten. du hast höllisch viel durchgemacht.« Ihrer Ansicht nach eine völlig unpassende Bemerkung.

stieß sie hervor.« Sie hatte immer mehr Mühe. Dank des FBI hatte sie einen Riesenbammel. Sie ging durchs Schlafzimmer und blies die Kerzen aus. Er beugte sich vor und küsste sie auf die Wange. Seit diese Polizisten auf meiner Türschwelle erschienen sind. »Warum werde ich das Gefühl nicht los.« »Bist du sicher. Auf der Stelle. Ich möchte den Rest davon allein verbringen und mich in meiner Traurigkeit baden. »Einige Dinge sind zu persönlich. dass es sich bei dem seltsamen Laut lediglich um einen Ast handelte. Hastig ging sie wieder ins Badezimmer und wusch sich unter einem heftigen Duschstrahl mit dem Öl auch seine Fingerabdrücke ab. Jetzt sag.« Er trat in den Regen hinaus und trabte zu seinem Auto. dass wir diesen traurigen Tag mit einem sauren Unterton beenden?« »Das ist ein trauriger Tag. »Gute Nacht. versuchte er. damit ich ins Bett kann.« »Dann erreiche ich dich eben später. na.« Sie drehte sich um und ging aus dem Schlafzimmer. die Jem angezündet hatte.« »Ich gehe morgen Früh ins Fitness-Studio. lehnte sich dann dagegen und holte mehrmals tief Luft.« »Ruf vorher an. mein lieber Schwan«. hielt er inne.« Er nickte. Jem. »Nochmals danke für dein Essen«. Sie hatte in den letzten Tagen mehr Blut gesehen als in ihrem ganzen vorherigen Leben zusammen. Angestrengt lauschte sie. das aus dem entgegengesetzten Teil des Hauses kam. Plötzlich erstarrte sie reglos. den reumütigen kleinen Jungen zu mimen. Zuerst das Blut ihrer Schwester am Mordschauplatz und dann in Dale Gordons gespenstisch verwahrloster Wohnung. wo sie feststellte. hatte ich keinen Augenblick mehr für mich allein. Er blieb nur noch stehen. »Melina. Ich muss einfach trauern. dass ich das ernst gemeint habe. »Nein. verriegelte sie. Entweder spielten ihr ihre Ohren einen Streich.« Als er zu ihr aufsah. Er lachte. Sie schloss die Tür. Und das mit Recht.« Als er neben ihr in der Tür stand. ihn zu ertragen. bis auf ihrer Haut keine Spuren mehr zu finden waren. »Tut mir Leid.« »Entschuldigung angenommen. bitte. und wollte ihn eigentlich nur noch los sein. Höchste Zeit. während sie sich Körperpuder auf die Schulter stäubte.« Beschwichtigend streckte er die Hand nach ihr aus. Sie . »Ich komme morgen vorbei. als sich anzuschließen. Als das kratzende Geräusch sich wiederholte. dass dir schon der Sinn nach Training steht?« »Die Bewegung wird mir gut tun. um nach dir zu sehen. sogar ein ganz trauriger. oder sie hatte ein Geräusch gehört. »War doch nur Spaß. folgte sie ihm ins Schlafzimmer. Es fiel ihr sehr schwer. der im regenschweren Wind an der Fensterscheibe scharrte. war’s wohl nicht. »Die berühmte Nackenmassage. sagte sie steif. doch auf sie wirkte das nur gekünstelt und abstoßend.« »Danke für dein Verständnis. Sie hielt ihm die Wohnungstür auf.« Er ließ den Kopf hängen. komm schon. Sie schrubbte so lange. nicht zurückzuzucken. bitte. um sie zu teilen. Ihre entschlossenen Schritte und ihre Haltung ließen ihm keine andere Wahl.« »Melina. oder?« »Ich glaube nur eines: Dass es für dich Zeit zum Gehen ist. Gute Nacht. Es genügte noch nicht. es war nur ein Witz. du glaubst doch nicht.« »Das war nicht komisch. um seine Jackett von der Sofalehne zu holen.

erinnerten sie an jenen schauderhaften Ort mit seinem schrecklichen Altar. . auch heute Nacht nicht. ging sie in die Küche und holte die Weinflasche aus dem Kühlschrank. dass sie einschlief. eine Schlaftablette zu nehmen. Als sie die Tür mit der Hüfte zudrückte und dabei mit der freien Hand nach einem Weinglas griff. Sie hatten die Flasche. Und bei diesem Treffen wollte sie unbedingt hellwach sein. käme der lang ersehnte Schlaf. hatte sie nicht die Absicht. was sie Jem erzählt hatte. die Jem zum Abendessen serviert hatte. Er kam. brach ihre Hintertür mit einem Knall auf. Das Einzige. Nur durch eine mentale Blockade könnte sie endlich schlafen. Im Gegensatz zu dem. Gordon hatte Gillian in einem zutiefst verletzbaren Zustand in der Waters Klinik fotografiert. Wenn sie sich nicht beruhigte. nicht ausgetrunken. dachte sie. Vielleicht wäre sie danach so entspannt. weil morgen Früh um neun Tobias vor der Türe stünde. Noch mehr Blut. besonders nicht. Dass sie ihre eigenen Fragen hatte. war Blut. Ohne das Licht einzuschalten. Sie bekam eine Gänsehaut und rieb sich durch den Bademantel die Arme. Schon beim Gedanken daran wurde ihr speiübel. was sie zuerst sah. Er hatte Fotos besessen. Sie wollte sich nicht zudröhnen. um Antworten auf Fragen zu bekommen. wusste er noch nicht. dem zerschlissenen Vorhang vor dem Bad und dem kranken Menschen. der sich hartnäckig verweigerte. Wein. ohne am Morgen benommen aufzuwachen. der dort gehaust hatte. hatte Lawson gesagt.

als sie die Hand nach dem Lichtschalter ausstreckte. dann brachte sie ihn zu einem Stuhl am Küchentisch. »Nein. um das Licht zu löschen. Obwohl sich ein Glassplitter in ihre nackte Ferse gebohrt hatte. Und bei eingeschaltetem Licht geben wir eine prima Zielscheibe ab. sagte er. Augenzeugen haben mich in ein Taxi verfrachtet. Unter dem Druck zuckte er zusammen. Aus einem hässlichen Schnitt auf der Wange und einem anderen über dem Auge tropfte Blut. so dass sie und der Boden mit kalifornischem Chardonnay und Glassplittern übersät waren.« »Warum nicht?« »Haben Sie eine Schmerztablette?« »Äh –« »Irgendetwas?« »Warten Sie hier. Wenn sie hinter mir her sind. wovon reden Sie?« Während dieses wirren Wortwechsels hatte sie nach einem Geschirrtuch gesucht.« »Chief!« Sie ließ die zerbrochene Flasche fallen und stürzte ohne Rücksicht auf die Glasscherben am Boden zu ihm hinüber. Ich hol die Polizei.« »Zielscheibe? Für wen? Wer sind ›sie‹? Um Himmels willen. Sie schloss die Tür gegen den Regen. wobei sie die Ferse mit dem Glassplitter schonte. Ich habe mich vom Fahrer gleich um die Ecke absetzen lassen und bin den restlichen Weg zu Fuß gegangen. kümmerte sie sich nicht weiter darum. »Das Polizistenwunder Lawson würde ich nicht empfehlen. 18 Sie schloss den Kühlschrank. Schließlich erwischte sie doch die richtige Schublade und nahm welche heraus. den schartigen Flaschenhals unter die Nase. »Warum?« »Weil ich nicht mit Sicherheit sagen kann. und –« »Sie sind gefahren?« Er konnte sich kaum aufrecht halten.« Er taumelte herein.« »Überfallen? Wie bei einem Straßenraub? Haben Sie’s der Polizei gemeldet?« »Nein. ob man mir nicht hierher gefolgt ist.« Sie eilte aus der Küche. Kein Licht. »Was ist mit Ihnen passiert? Hatten Sie einen Unfall?« »Lassen Sie es aus«. denn vor Aufregung konnte sie sie nicht mehr finden. Dann hielt sie der blutbedeckten Gestalt. . »Durch diesen Scheißkerl ist die Wunde wieder aufgeplatzt. Wer hat Ihnen das angetan?« »Man hat mich vor einem Club in der Greenville Avenue überfallen. die ich Hennings zu verdanken habe. Das Auge war verschwollen und schillerte in allen Farben. und zerschlug gleichzeitig die Weinflasche auf der Arbeitsplatte. »Hau ab. sondern presste das Geschirrtuch gegen Christopher Harts blutendes Jochbein.« »Wieso Augenzeugen? Wovon?« »Später. die im Türrahmen zusammengesackt war.« »Welcher Scheißkerl? Fangen Sie von vorne an und klären Sie mich auf. oder ich richte dich übel zu. dann höchstwahrscheinlich auch hinter Ihnen.

Sieht zwar nicht so schlimm aus. »Habe ich auch schon mal genommen. »Wird schon werden. Er fluchte fürchterlich. »Wurzelbehandlung. und machte sich deshalb daran.« . »Gehört zu den Pflichtfächern. haben Sie eine Schusswaffe?« Diese erstaunliche Frage fiel. ob dieses Mittel nicht mit der Zeit seine Wirkung verliert.« »Beeilen Sie sich. »Lernt man diese Ausdrücke in der Astronautenschule?«.« »Was ist es?« Als sie es ihm sagte.« »Sind Sie sicher? Es könnte eine Narbe geben. dass ein normaler Pflasterverband für die Wange nicht ausreichen würde. Endlich fand sie das Gesuchte.« Sie füllte das Zahnputzglas mit Wasser und reichte es ihm.« Im Schränkchen stand eine Flasche Desinfektionsmittel.« »Haben Sie ein Pflaster?« »Ich denke schon. dafür aber tief. von dem sie etwas in die offene Wunde goss. stand Chief in der offenen Badezimmertür. Auch bei Zahnschmerzen. »Niemand kann das Licht sehen. auf der Frisierkommode einen speziellen Verband zu basteln. nickte er und hob die Pille mit zwei Fingern auf. Aber ich muss Ihr Gesicht sehen können. »Eine Schusswaffe? Etwa eine Pistole?« »Haben Sie eine?« »Warum?« »Haben Sie eine?« »Nein. Die Metallspule fiel ihr aus der Hand. »Melina. Als sie sich mit dem Fläschchen in der Hand umdrehte. Wir müssen reden. Er schüttelte seine Lederjacke ab und deutete auf das grelle Deckenlicht.« »Es ist nicht besonders stark.« Nach dem Reinigen der Wunde gab sie ihm ein mit Desinfektionsmittel getränktes Gazestück. Meiner Ansicht nach müsste man es wirklich –« »Nur –« Er deutete auf den offenen Medizinschrank. »Das muss genäht werden. als sie gerade einen Leukoplast-Streifen von der Rolle schnitt. wobei sie mehrere rezeptfreie Medikamente und abgelaufene Arzneimittel ins Waschbecken stieß. »Für den Schnitt über dem Auge. muss aber trotzdem gereinigt werden. Gießen Sie zuerst noch etwas Desinfizierendes drauf. Im Bad durchsuchte sie fieberhaft das kleine Arzneischränkchen. Allerdings weiß ich nicht. »Dieser Raum hat keine Fenster«. Die klaffende Wunde war nicht lang. stützte sich mit der einen blutigen Hand am Türrahmen ab und hielt mit der anderen das Geschirrtuch an sein Jochbein. wollte sie wissen. Er schluckte die Tablette und gab ihr das Glas zurück. erklärte sie. »Danke.« Er setzte sich und lehnte den Kopf zurück.« »Das genügt auch. wobei ein weißes Pflasterstück auf ihrer Fingerkuppe kleben blieb. Letztes Jahr.« Sie klappte den Toilettendeckel zu.« »Darin müssen Sie eine Eins gehabt haben. Sie schüttelte eine Tablette in die Hand.« »Jeden Test siegreich bestanden.« Sie hatte entschieden.« »Ziehen Sie Ihre Jacke aus und setzen Sie sich hier hin. Die Spule schwang wie ein Pendel hin und her.

Dann werde ich es wieder wechseln. »Sie fühlen sich beschissen. die sie im Dunkeln nicht sehen konnte. So hautnah war sie ihm noch nie gewesen. Nur mit Mühe konnte sie den Impuls unterdrücken. Anschließend wandte sie sich wieder ihm zu und fragte: »Möchten Sie ein Handtuch für Ihre Haare?« »Die trocknen schon wieder. Ihr wurde nur allzu sehr bewusst. Ein Bein hatte er auf den passenden Schemel gelegt.« Sie kam gar nicht auf die Idee. Dann legte sie ein Gazekissen auf seine Wange und befestigte die eine Seite mit Leukoplast. Verwirrt. muss es mir erst mal besser gehen. »Versuchen Sie. andererseits war sie ziemlich verwirrt. Er sah völlig erschöpft aus.« Sie hob die Jacke von seinem Knie. sondern einen kühlen Kopf behielt. Von vorneherein schien festzustehen. »Danke. so nah zu seinem Gesicht gebeugt.« Er lag in einem Sessel in einer dunklen Zimmerecke. Auch nicht. oder sich an den Hals zu fassen. Wenn er. »Vermutlich wird es schnell durchbluten. wie momentan.« . Rasch betupfte sie beide Wunden mit einer antibiotischen Salbe. füllte aus dem Spender am Kühlschrank Eisstückchen in einen verschließbaren Plastikbeutel und wickelte ihn in eines der wenigen Geschirrtücher. das andere stand noch auf dem Boden. das noch keine Blutflecken hatte. in ihrer Nähe war. weil es sich dabei um Chief Hart handelte. dass sie und Chief in diese Sache gemeinsam verwickelt waren – egal. ihre feuchten Hände am Bademantel abzuwischen. zog sie hastig ihre Hand weg und trat einen Schritt zurück.« »Was machen wir mit Ihrem Auge?« »Vielleicht ein bisschen Eis darauf. der sich unter Kontrolle hatte. noch ein wenig dagegenzudrücken«. was dahinter stecken mochte –. und dass er eine Weile bleiben würde. nicht auf die kleineren zu treten. rief er: »Hier. der nicht einmal im verletzten Zustand in Panik geriet. dass sie zwischen seinen Schenkeln stand. ihn zu fragen. Einen. Zum Beispiel bekam sie zittrige Finger und konnte erst nach zwei gescheiterten Versuchen einen weiteren Leukoplast- Streifen über den Verband kleben. schüttelte die Regentropfen ab und hängte sie an den Türgriff. wobei er vorsichtig den Verband berührte.« Wieder humpelte sie in die Küche. Kaum kam sie wieder ins Schlafzimmer. Beides löste in ihr widersprüchliche Empfindungen aus: einerseits tröstliche. Seit seiner Bemerkung über sie beide als Zielscheibe hatte sie Wahnvorstellungen. weil sie nur allzu gerne einen Bundesgenossen hatte. die ihm möglicherweise signalisiert hätte. stimmt’s?« Mit einem ironischen Grinsen griff er nach dem behelfsmäßigen Eisbeutel und legte ihn sich aufs Auge.« »Bin gleich wieder da. ob er dann noch da wäre. warum er nach einem Überfall ausgerechnet zu ihr kam. sagte sie. Er stand auf und musterte das Ergebnis ihrer Bemühung im Spiegel. Deshalb ließ sie die Deckenleuchte aus. Einen. Vorsichtig lief sie auf Zehenspitzen um die größeren Glasscherben herum und hoffte. Als das Pflaster klebte. um in ihr ein prickelndes Gefühl auszulösen. dessen bloße Anwesenheit bereits genügte. Seine Jacke hing über seinem Knie. Tröstliche. reagierte ihr Körper auf eine Art und Weise. der wie sie über diesen Mord empört war und vielleicht sogar ihre Schuldgefühle teilte. einen intelligenten Menschen. dass sie wie ein alberner Teenager auf ihn reagierte. dass sie ihn fast berührte und sich sogar danach sehnte. oder sonst eine nervöse Bewegung zu machen. die sie verlegen machte. »Um mich beschissen zu fühlen.

Vielleicht wirkte die Schmerztablette doch stärker. Im Badezimmer setzte sie sich auf den Toilettendeckel und legte das Bein übers Knie.« »Entschuldigung.« »Die Strafe dafür. war so viel Überraschendes über sie hereingebrochen: Christopher Harts plötzliches Auftauchen.« »Okay.« »Sie sollten versuchen. Es brannte wie verrückt. Der Glassplitter war so groß. seine Frage. Mit einem entschuldigenden Lächeln erinnerte sie ihn daran: »Ich bin Melina. »Nur das. dass Sie mich mit dieser zerbrochenen Flasche bedroht haben. dass Sie es waren.« Statt einer direkten Antwort fragte er: »Bin ich eingenickt?« »Nein. Sie humpelte wieder ins Schlafzimmer.« »Kam mir aber eine Sekunde nicht so vor. wo sie vor weniger als einer Stunde mit Jem Hennings gesessen hatte. dass er sie verwechselt hatte. dass sie ihn sehen und mit einer Pinzette herausziehen konnte. Sie klebte ein Heftpflaster darüber. Dann sollten Sie wach bleiben. Sie sind einfach umgekippt. die sie im Schlafzimmer gemacht hatte. Der Fairness halber wusch sie die blutende Wunde mit demselben Desinfektionsmittel aus. um die Ferse zu untersuchen.« »Was ist mit Ihrem Fuß?« »Das Glas steckt noch in der Ferse. Aber am unglaublichsten war die Tatsache. Seit sie Jem Gute Nacht gesagt hatte.« »Aber ich will hören –« Er hörte gar nicht zu. Bei ihrem Anblick flüsterte er lächelnd: »Hey. was man sieht. als sie gedacht hatten. Seitdem war viel passiert. der Überfall auf ihn. Ihm waren die Augen zugefallen. »Noch mehr Verletzungen. die man nicht sieht? Geprellte oder gebrochene Rippen? Eine Beule am Kopf? Gehirnerschütterung? Innere Blutungen?« Er schüttelte den Kopf. Er setzte sich aufrechter hin. Sie hätten doch eine Gehirnerschütterung. noch ungefähr acht Stunden in diesem Zustand zu verbringen.« Verdrossen ließ er die Hand sinken und änderte seine Sitzposition.« »Sollten Sie zur Sicherheit nicht in die Notaufnahme?« »Sie machen Blutspuren auf Ihrem Teppich. Ruhig setzte sie sich auf die Bettkante. Dann schlug er die Augen auf. Normalerweise läuten meine Besucher an der Haustür und brechen nicht durch die Hintertür ein. sondern saß nur stumm da und schaute ihm beim Schlafen zu. Vielleicht war er aber auch einfach nur erschöpft. dass er mitten in dieser Krise einschlafen und friedlich vor sich hinschnarchen konnte. als hätte man ihn exakt auf einen Sechshundert- Sekunden-Schlaf programmiert. seine Verletzungen.« Er streckte die Hand nach ihr aus und meinte schleppend: »Was machst du denn so weit weg?« »Ich –« In dem Moment begriff sie. Er schnarchte leise.« »Sie sollten sich mal darum kümmern. ganz nahe bei der Stelle.« Jetzt sah sie die Flecken. das sie auch bei Chief benutzt hatte. »Ich bin in eine Scherbe getreten. dass ich keine habe. Zehn Minuten lang regte sie sich nicht. ob sie eine Schusswaffe habe.« »Hey.« »Ich hatte doch keine Ahnung. Es sei denn.« »Ich habe Ihnen doch schon gesagt.« Nach kurzem Schweigen fragte sie: »Woher wussten Sie meine Adresse?« . fuhr sich mit den Fingern durch die Haare und meinte gereizt: »War mir schon klar.

fragte er. ich wüsste nicht. »Als ich zu Lawson sagte. sie sei zwischen zwei und drei hier gewesen?« »Sie hat sich entschuldigt. Na ja. wie der Abend verlaufen war?« »Ja.« »Sie hielt einen klaren Schnitt für besser. fiel ihr auf. »Woher wissen Sie das?« »Was?« »Das von mir und Gillian?« »Dass Sie miteinander geschlafen haben?« Er nickte kurz. aber nicht auf Gillian. Gillian dachte.« »Tatsächlich?« »Während sie Ihre Rolle spielte.« Er schaute sie an. Schließlich schaute er zu ihr hinüber.« »Und?«. »Hat mir Lawson gegeben. es würde vielleicht peinlich.« »Gern geschehen. »Tut Ihr Fuß weh?« . »Was wollen Sie? Eine Note? Zwischen Eins und Sechs? Oder auf einer Skala von Eins bis Zehn? Oder genügt auch ein schlichtes Bestanden oder Nicht- Bestanden? Ist das nicht ein bisschen kindisch?« »Und der Rollentausch von Zwillingen ist das nicht?«. So vertraut war sie mit dem Protokoll für Eine-Nacht-Affären nicht. »Sie hat sich davongestohlen. fragte er nachdrücklich. Sie meinte. »Das trifft zwar auf mich ziemlich genau zu. dass das Leder Blutflecken abbekommen hatte. Sie fuchtelte mit den Händen vor ihrem Gesicht herum und stand auf. Um mit Ihnen zu schlafen. was ihr momentan richtig erscheine. »Das hat sie nicht wissen können.« Hart setzte sie die Ferse auf und verzog sofort schmerzhaft das Gesicht. Melina Lloyd täte immer das. ist sie von ihrem üblichen Standard Meilen weit abgewichen. Als sie nach Hause kam. stieß er hervor. beharrte sie. »Sie hat’s mir erzählt.« Wieder konzentrierte er sich voll und ganz auf seine Stiefelspitze. war das keine Lüge.« »Hat sie auch gesagt. Die Säume seiner Jeans waren nass. Sie müssen für sie etwas ganz Besonderes gewesen sein. Offensichtlich machte es ihm nichts aus.« »Warum hat sie dann –« Zornig ließ er die Frage in der Luft hängen. weil es schon so spät war. »Sie sagen. Sie hat sich nicht verabschiedet. als erwarte er eine vollständigere Erklärung. »Ich habe Ihnen doch schon erklärt. aber dank der Stiefel waren Beine und Füße trocken geblieben.« »Tjaja«.« »Um zu hören.« »Da hat sie falsch gedacht. während ich schlief. Sie zuckte mit den Schultern. Sie war viel umsichtiger.« Mehrere Herzschläge lang herrschte Pause. beschrieb sie sich als impulsiv.« Nach einem kurzen Seitenblick auf sie vertiefte er sich wieder in seinen Stiefel. ich habe noch nicht alle Karten gelesen. »diesbezüglich waren wir verschieden. warum sie ohne Abschied gegangen ist.« »Oh. »Das ist wahr«. Dachte. wann sie gegangen sei. aber ich hab sowieso auf sie gewartet. Sie wachen vielleicht lieber allein auf. »Manche Männer gehen ›dem Morgen danach‹ lieber aus dem Weg. wenn sie bis morgens blieb.« Er starrte auf seine Stiefelspitze.« »Oh.« Sie lächelte traurig. Sie sollten sich geschmeichelt fühlen. Danke schön.« Blaue Augen bohrten sich in ihre. Ich habe Blumen geschickt. »Wir sind vom Thema abgekommen. Chief.

wollten sie mir helfen und die Polizei rufen. Na. schon gut. Ich habe ihnen erklärt. Vielleicht glauben Sie ja an Zufälle. dass sie ihn genau das genannt hatte. Und das habe ich ihnen geglaubt. ich nicht.« »Sie haben’s versucht. egal. die man am besten privat regelt. dass wir miteinander geschlafen hatten. fragte sie mit einem Blick auf seine Fliegeruhr. um wie ein Märchenprinz zu wirken. »Die haben mir aufgelauert. So weit waren wir schon. ich müsse Warnsignale beachten und sofort darauf reagieren. und er fügte trocken hinzu: »Ganz im Gegensatz zu Ihrer Ansicht. »Mich hat heute Abend kein doofer Geist angefallen. Er musste keine Geschichten von Feuer speienden Drachen erfinden. Meiner Ansicht nach hätten sie ihr Versprechen gehalten. wenn er nur reglos dastand und gar nichts tat. und nicht irgendeinem.« Chief gehörte nicht zu den Männern. Konnten Sie das Kennzeichen sehen?« Er schüttelte den Kopf. Darauf verschwanden sie in ihrem Lieferwagen und sind abgehauen. Habe nicht mal den Bundesstaat erkannt. da haben mich zwei Kerle angefallen. Sie wollten mich in einen Lieferwagen zerren und versprachen. sucht man nach dem Grund. Wenn sie mich. »Chief. es handle sich um eine familiäre Auseinandersetzung. dann fuhr er mit leisem Nachdruck fort: »Denken Sie mal nach. Der Lieferwagen hatte irgendeine dunkle Farbe. sie würden mich töten. Vor drei Tagen wurde Gillian in ihrem Bett ermordet. Die sagten rundheraus.« »Masken? Lieber Gott. warum sie läutet. Die machten keine Mätzchen. Mir. die aus einer Rauferei einen Kampf auf Leben und Tod machten.« »Als die Leute in dem anderen Wagen gemerkt haben. warum sind Sie hergekommen? Was ist heute Abend passiert? Warum haben Sie anschließend meine Tür gestürmt?« »Ich bin in diesem Club in der –« »Greenville. Wenn eine Glocke läutet. um Aufmerksamkeit zu erzielen. dass ich verletzt war. das waren keine Diebe. Ich bin kein Feigling –« Dabei fiel ihm ein.« . jedenfalls haben mich diese Kerle überzeugt.« Er schnaubte verächtlich.« »Haben Sie Ihren Namen genannt?« »Hören Sie eigentlich zu?« »Schon gut. Während meiner Ausbildung hat man mir eingebläut. man hat mich nicht unter vielen ausgesucht«. Er wurde schon beachtet. »Melina. Die Worte an ihren Wänden waren eine drastische Anspielung auf mich und auf die Tatsache. Er brauchte keine dramatischen Effekte. Ganz gezielt.« »Und Sie windelweich geschlagen. Die haben Sie gekannt. Ich glaube an Ursache und Wirkung.« »Dale Gordon. Mehr weiß ich nicht. »Warum haben die ausgerechnet Sie ausgesucht?« »Melina. zusehends ungeduldiger. Zumindest bin ich skeptisch. mich umzubringen. sagte er.« »Wollten sie etwas stehlen?«. Die hätten sich an ihre Worte gehalten.« »Können Sie die Männer beschreiben?« »Sie trugen Skimasken. Warum haben Sie nicht auf der Stelle die Polizei verständigt?« Einen Augenblick kaute er auf seinem Mundwinkel herum. »War zu dunkel. wenn nicht ein Wagen in den Parkplatz eingebogen wäre. Da war jemand ganz schön sauer. nur in ein Taxi setzen könnten – Und den Rest kennen Sie ja. Das macht die Sache sehr ernst. bitte.« »Ich war auf dem Weg zu meinem Wagen.

einen Selbstmord und einen Mordversuch werte ich als Zeichen dafür. wie er sagt.« »Sie meinen. dass sie nur mühsam atmen konnte. dass Dale Gordon auf eigene Faust gehandelt hat. Einen Mord. und zwar den. dass in dieser Chose etwas völlig daneben ist. Manchmal ist es nur falscher Alarm.« Er musterte sie unverwandt. »Wenn mich nicht alles täuscht. Aber das muss man erst überprüfen. ging Ihnen Lawsons Zusammenfassung der Dinge einen Hauch zu glatt. Sie sind nicht ganz damit einverstanden. »Zugegeben. dich vor Gefahr zu warnen. manchmal kann man die Zeichen auch falsch deuten. dass alles so abgelaufen ist. Oder?« Sie starrten einander durch das stille Halbdunkel an. Schließlich sagte sie: »Möchten Sie einen Tee?« . Seine Augen reflektierten das Licht aus dem offenen Badezimmer wie zwei blau getönte Spiegel. Ihr war so beklommen zu Mute. es gibt einen Zusammenhang zwischen Gillians Ermordung und diesem Überfall auf Sie heute Abend?« »Ja. Und Sie doch auch. Sie sind nicht überzeugt. Warnsignale haben einen bestimmten Zweck.

erklärte Melina.« Sie nickte zu dem Bild hinunter.« Das war alles. Und jetzt nur noch mich.« Wieder betrachtete er kopfschüttelnd den Schnappschuss und stieß dann ein »Verdammt« hervor. »Schon mal Bourbon probiert?« »Zusammen mit einer Schmerztablette?« »Noch besser.« »Das wird ganz plötzlich über Sie kommen.« Nachdenklich strich sie mit dem Finger über den Glasrand. Während sie draußen war. Nach längerem Schweigen wechselte er das Thema und meinte: »Was für eine merkwürdige Situation. War hart.« »Das ging schneller als Teekochen. aber nicht verspielt. fragte sie: »Und was ist mit Ihrem Vater?« »Lebt noch. was er zu diesem Thema zu sagen hatte. Auf dem Nachttisch stand ein gerahmter Schnappschuss der Zwillinge. aber nicht übertrieben.« Zögernd reichte sie ihm einen der Drinks. Ordentlich. weiblich. Dann werden Sie begreifen. völlig unerwartet. »Nein. dass sie tatsächlich von Ihnen gegangen ist.« Sie ging aus dem Zimmer. aber was finden Sie daran so merkwürdig?« »Wenn ich das Glück habe. nahm er wieder im Sessel Platz. Und danke für den Drink.« »Vermutlich. danke?« Er griff danach.« »Als unsere Eltern kurz nacheinander starben.« »Dann gab es also nur Sie beide? Keine anderen Schwestern oder Brüder?« »Nur uns beide. Als sie zu ihm aufblickte. wer wer ist?« Melina hatte zwei Whiskygläser mitgebracht. »Ich habe noch nicht um sie getrauert. Sie musste es intuitiv erfasst haben.« »Werd mal sehen. ohne die Fotografie aus den Augen zu lassen. »Ich bin die auf der rechten Seite. Melina setzte sich aufs Bett und lehnte sich rücklings gegen das Kopfteil. Und dann werden Sie auch trauern. musterte Chief seine Umgebung. denn sie hakte nicht weiter nach. Melina. was ich habe. Vor sieben Jahren. »Nein. 19 »Tee?« »Trinke ich manchmal zur Entspannung«.« »Offensichtlich haben Sie meinen Vorschlag aufgegriffen. Danke. »Können Sie sagen. damit fertig zu werden. haben Gillian und ich uns gegenseitig geholfen. Der Raum war gemütlich eingerichtet.« »Sprechen Sie aus Erfahrung.« »Dazu hatten Sie noch keine Zeit. Wie wenn einem eine Ladung Ziegelsteine auf den Kopf fällt. ich kann Sie beide nicht auseinander halten.« »Bitte. mich mit einem Drink und einer schönen Frau in einem .« »Wieso? Ich stimme Ihnen zu. Chief? Haben Sie einen nahe stehenden Menschen verloren?« »Meine Mutter. Er drückte sich aus dem Sessel und nahm das Foto. »Nein. Dann wanderte sein Blick zwischen den beiden lachenden Gesichtern hin und her. Nachdem er den Rahmen auf den Nachttisch gestellt hatte.

aber Gott sei Dank akzeptierte sie seine Kurzversion.« »Hat es etwas mit Gillian zu tun?« »Teilweise. mich zu entführen. wer es war. ob sich daraus ein Sinn ergibt. dass mein Leben seit meiner Begegnung mit Gillian. waren deutlich schwächer geworden. Mittlerweile denke ich anders darüber. »Wissen Sie. »Na schön«. restlos in die Brüche gegangen ist. »Damals im Polizeipräsidium haben Sie doch klar zum Ausdruck gebracht. aber wer mich im Dunkeln überfällt und versucht. Einverstanden?« »Warum tun Sie das?«. schüttelte sie den Kopf.« Seine ruhige Feststellung traf sie völlig überraschend.« Sie lächelte ohne einen Funken Humor. hob er an.« »Also geben Sie zu. »Für mich ist auch nichts normal. »Zumindest hat man mich so weit gebracht. ich müsse sterben.Schlafzimmer zu befinden.« Weiter erklärte er nichts. dass ich mit einem neuen Mordversuch rechne.« Nach kurzem Nachdenken hob sie hilflos die Hände. wollte sie wissen. ehe er leise sagte: »Über den Grund für mein Hiersein möchte ich nicht reden. Vielleicht geht da nur mein Injun-Blut mit mir durch. Sie hörte zu. Größtenteils. ob sie unter ihrem Bademantel etwas trug. seit Ihrem Rollentausch.« »Und warum waren Sie dann gestern Abend bei seiner Wohnung?« . Angst zu haben.« Jetzt hatte er ihre Aufmerksamkeit. »Was sonst noch?« »Meiner Ansicht nach hat Gillians Mörder heute Abend auch mich umzubringen versucht. Sie stellte ihr Getränk nicht gerade sachte auf dem Nachttisch ab und fuhr ihn wütend an. und mir sagt. Egal. dass Sie ein unbeteiligter Zuschauer sind und sich lieber gestern als heute zurückziehen möchten.« »Anfänglich habe ich so gedacht. reden wir normalerweise nicht über Tod und Sterben und ungelöste Rätsel. wusste sie nichts mehr zu sagen.« Wie der Blitz schoss sie aus dem Bett. Ich habe mich wie ein Arschloch benommen. ob er ihr noch etwas zu trinken einschenken könne. Sie hatte Widerspruch erwartet. geben Sie’s mir ruhig ordentlich. ich hab’s verdient.« »Geben Sie sich damit zufrieden. was mir soeben eingefallen ist? Ohne Sie wäre das alles nicht passiert. Vielleicht ist das aber auch nur eine Einschüchterungstaktik. die sie aussandte. Chief. »Aber Gillians Mörder ist tot. Auf seine höfliche Frage.« »Sie haben Recht.« »In erster Linie bin ich stinksauer. Sie haben voll und ganz Recht: Das war egoistisch von mir. Melina. Die feindseligen Schwingungen. Ich wollte mich nicht in ein Schlamassel hineinzerren lassen. dass Ihnen jede Verwicklung in diese Sache gegen den Strich geht. Gillians Ermordung hat alles verändert. Dabei blitzte ein nacktes Bein auf und enthob ihn weiterer Spekulationen darüber. der muss mit einer ordentlichen Abreibung rechnen.« Er zögerte.« »Sie weichen aus. wenn ich sage. »Ist der Wutanfall vorbei? Können Sie wieder zuhören?« Beleidigt nahm sie wieder auf dem Bett Platz und verschränkte die Arme vor der Brust.« »Warum dieser plötzliche Sinneswandel? Weil Ihr eigenes Leben in Gefahr ist? Gewissensbisse?« »Na schön. an dem ich nicht schuld war. »dann wollen wir mal alle Karten auf den Tisch legen und schauen. dass Dale Gordon auf eigene Faust gehandelt hat?« »Es klingt vernünftig.« »Dann werden Sie ja nachfühlen können. Als nichts dergleichen kam.

»Auf einen Geistesblitz.« »Sie glauben also. wie sein Auge trotz des Eisbeutels anschwoll. »Abbott ist ein Ja-Sager.« Er trank den letzten Schluck. Ich habe ihnen gesagt. sie sollen sich verpissen. Weder der Alkohol noch die Schmerztablette hatten das dumpfe Pochen in seiner Gesichtshälfte auch nur einen Deut verringert.« »Waren es denn Indianer?« »Konnte ich nicht erkennen.« »Etwa nicht?« »Ich habe mich nie um Indianerangelegenheiten gekümmert. und hat dieses Wissen benutzt.« »Wollten die das denn?« Ihr Zweifel ärgerte ihn. Chief. dass Sie mich im Vorüberfahren nicht einmal bemerkt haben. dann hat man ihn dahingehend manipuliert. nachdem mich Lawson verhört hatte. aber Longtree ist ein Häuptling und sieht auch so aus. gestand er. Sie wissen doch: Masken. Sie waren so in den Anblick dieses gespenstischen Ortes versunken. Sie wollten mich zum Beitritt zu einer Interessengruppe überreden. an und schwafelt etwas Obskures von ›unglücklichen Umständen‹ und ›Problemen mit der Polizei‹.« Frustriert drosch sie mit den Fäusten auf die Matratze. allein dieser kranke Wichser sei für Gillians Ermordung verantwortlich. Ihr war klar. Mit gerunzelten Augenbrauen und leicht geschürzten Lippen war sie ganz Aug und Ohr. Dahinter steckt mehr als nur dieser einzelne klägliche Irre. Sie da zu sehen gab meinem Gefühl Auftrieb. die sich mit mir getroffen haben – Indianer. Jedenfalls so was Ähnliches.« Mehr musste er ihr nicht erzählen. »Sie wollen mich als ihren offiziellen Sprecher. gestand sie. die Sie angegriffen haben. Er hat einen Sitz in einem landesweiten Stammesrat und verfügt offensichtlich über jede Menge Einfluss und Geld. Ich sollte mich auf der Stelle zum Mitmachen bereit erklären. auf Grund derer ich seiner Ansicht nach vielleicht meine Meinung geändert hätte. »Sie meinen. Er konnte spüren. »Ich bin selbst dort vorbeigefahren«. um ihn zum Mord anzustiften?« »So etwas Ähnliches.« »In derselben Hoffnung bin ich auch hingefahren«. mich unter Druck zu setzen. dass er von Gillian besessen war. Wenn ja. anschließend wäre ich überzeugt. »Aber wer? Warum? Gillian hatte keine Feinde. ein Gefühl. Da er nichts half.« »Der Gedanke ist mir gekommen. dass jetzt endgültig Schluss ist.« »Wie der Teufel. Kommentarlos hörte Melina zu.« . worauf er hinauswollte. Meiner Meinung nach hat dieses armselige Wesen nicht aus freien Stücken gehandelt. »Ich … Ja! Sie haben versucht. die gerade gegründet wird.« Er beschrieb die Native American Advocacy und ihre Ziele. legte er ihn beiseite. Irgend so etwas. Vor Erstaunen öffnete sie stumm die Lippen.« »Das klingt großartig. dass Lawson irgendetwas übersehen hat. »Da wären diese Männer. Dann ruft mich Longtree ganz kurz. Trotzdem bin ich in der Hoffnung dort gewesen.« »Und wie ist es ausgegangen?« »Wie bei Ihnen. irgendjemand wusste.« Er erzählte ihr von den beiden Treffen mit Dexter Longtree und George Abbott. »Es war noch immer alles abgesperrt. Longtree könnte die Männer geschickt haben. Da muss mehr dahinter stecken. Ich habe Sie in Ihrem Auto sitzen sehen. Außerdem habe ich noch nie für irgendjemand den Lautsprecher oder die Marionette gespielt.

Sie hat diese Idee abgelehnt. vielleicht haben sie mir eine nachdrückliche Mahnung geschickt.« »Das hätte sie mir erzählt.« »Blödsinn«. »Daran müssen gerade Sie mich nicht erinnern.« Es schmerzte ihn. aber damals haben Sie sich ja nicht am Gespräch beteiligt. möchte ich. »Wäre es möglich. geändert hat?« »Kontakt aufgenommen?« »Vielleicht hat man sie bedroht. dass man an ihr soziales Gewissen appelliert und ihr eingeredet hat.« Chief blieb hart. selbst wenn er dazu vorübergehend diese Frau verletzen musste. und zu seinem. stammte von mir. als sie ihren Entschluss. bis sie mit mir ins Bett gegangen ist.« Sie wandte den Blick ab. Ohne eigenes Verschulden waren sie in etwas Rätselhaftes und höchst Gefährliches verwickelt worden. die der Tod ihrer Schwester schon so tief getroffen hatte. ohne eine Vorliebe für die amerikanischen Ureinwohner zu zeigen. aber er ließ nicht locker.« »Sie Drecksschwein. Gillian hatte ihre karitativen Lieblingsprojekte. warum sie ihre Meinung geändert hat. was dahinter steckte. für irgendjemand die Hure zu spielen. ohne sie aus den Augen zu lassen: »Weil ich die erste nicht beachtet habe. Die wollen Sie doch nicht tot. Offen gestanden.« Wut stieg in ihr auf. Sie hätte die Polizei gerufen.« »Wie gesagt. Und er musste unbedingt ergründen.« »Warum hat sie letztlich nachgegeben?« »Vermutlich wollte sie Sie kennen lernen. »Haben Sie den Verstand verloren? Erstens wäre sie nie und nimmer einverstanden gewesen. »Wäre es möglich. sie würde einer Minorität einen Dienst erweisen?« »Nein. Auf der Stelle.« Dann fügte er hinzu. »Keine Ahnung. Er packte sie bei den Schultern. Sie ist tot.« »Dass man sie mit Geld gelockt hat?« »Sie werden immer beleidigender. sich loszureißen. mich zu begleiten.« »Das ist doch jetzt egal. Der Vorschlag. Das haben Sie schon mehrmals gesagt. die Tränen in ihren Augen zu sehen. Oder –« »Was?« »Nichts.« »Die erste?« Sie suchte seine Augen und rief dann leise: »Gillians Ermordung?« Er ging zum Bett und setzte sich vor sie. »Melina. Gillian solle sich mit Ihnen treffen. wäre es möglich. »Sie beide hatten keine Geheimnisse voreinander. dass Sie gehen. dass sie mit Ihnen geschlafen hat?« »So was Ähnliches. Er musste dafür sorgen. dass man sie als Werkzeug benutzt hat?« »Meinen Sie damit.« Sie lachte kurz.« »Jedenfalls nicht. sondern als ihren Fürsprecher haben. dass Longtree oder sonst jemand mit Gillian zwischen dem Mittagessen und dem Zeitpunkt Kontakt aufgenommen hat. Sie hat zahllose Fälle unterstützt. sondern meine. ob es ein abgekartetes Spiel war.« Sie versuchte. Chief.« »Wir haben aber auch unser gegenseitiges Vertrauen nicht missbraucht. vielen herzlichen Dank. sagte er wütend. anfänglich. Das habe ich Lawson schon erklärt. dass diese Gefahr verschwand. Er hatte sie unter Druck gesetzt. . aber nur zu ihrem eigenen Schutz.« »Damit wollte ich nicht unterstellen –« »Und zweitens war der Rollentausch an diesem Abend nicht ihre Idee. »Trotzdem würde das keinen Sinn machen. Aber ich habe sie dann später angerufen und unter Druck gesetzt.

davon habe ich schon gehört.« Sie holte tief Luft. was das mit mir zu tun hat. für beide Partner. » – sollen auf Expertenempfehlung noch am selben Tag miteinander Geschlechtsverkehr haben. »Verstanden?« »Verstanden. aber nicht unbedingt von Hennings?« »Genau das hat sie mir an jenem Tag beim Mittagessen erzählt. Als wir auf der Polizeiwache waren.« Sie zog die Unterlippe durch die Zähne. als wolle sie abwägen. durch die Bewegung besser Ordnung in seine Gedanken bringen zu können. Sie wurde mit einem Spendersamen befruchtet. Aber vielleicht hat Gillian Sie im tiefsten Unterbewusstsein für einen attraktiven Samenspender gehalten. »Melina. Aber als sie nach Hause kam. es sei so gewesen. »Paare.« Er nickte. So hätte sie nie jemanden benutzt. Wenigstens hatte sie den Eindruck.« »Sie wollte ein Kind.« »Das ist ein ganz schöner Unterschied zu Ihrer Häuptling-Longtree-Verschwörung. »Zum Teufel. »Warum ist sie an diesem Abend mit mir ausgegangen?« »Ich habe es Ihnen schon gesagt. dass ich lediglich Vermutungen anstelle und mich vollkommen irren kann. besonders aber für den Mann. Ein Kind zu bekommen. in dem nur sein heftiges Atmen zu hören war. beharrte er. war einzig und allein Gillians Entscheidung. meine Schultern loslassen?« Das tat er auf der Stelle und fuhr sich mit der Hand über den Mund bis zum Kinn hinunter. Etwas sanfter sagte sie: »Gillian hat Sie gewiss nicht in der Absicht begleitet. Gillian war am selben Tag künstlich befruchtet worden. »Tja. das kann ich verstehen. dieses Thema weiter zu verfolgen. Vorsichtig setzte er sich auf den Schemel. betonte sie. »Gut. Vasektomie. Würden Sie.« Die Bedeutung ihrer Worte machte ihm weiche Knie. Als sie abbrach. hin und her zu laufen. bitte. »Vielleicht hatte sie im Hinterkopf – und dabei erinnere ich Sie nochmals daran. was ist das?« »Künstliche Fertilisation.« Er stand auf und begann. Und mehr ist das auch nicht«.« Erst nach ein oder . wie sehr Sie beide sich zueinander hingezogen gefühlt haben. »Ich begreife immer noch nicht. ob es ratsam sei.« »Aber Sie lügen. die Zuflucht zu alternativen Empfängnismethoden nehmen –« Mit einem Nicken beschwor er sie. Melina?« »Ich kann nur raten. füllte er selbst die Lücke. Das wäre vom Psychologischen her gesund. Warum hat sie ihre Ansicht geändert?« »Wegen der KF!« Nach ihrem Ausbruch entstand ein Vakuum. warum hat Gillian ihre Ansicht geändert?« »Ich weiß es nicht!« »Doch«. nicht wahr?« »Warum hat sie mit Hennings eine Klinik für künstliche Befruchtung aufgesucht?« »Nicht mit Jem. fortzufahren.« »Richtig. Er hoffte.« »Warum blieb Gillian dann nicht zu Hause und hat mit Hennings geschlafen?« »Er ist steril.« Er schaute sie aufmerksam an und wartete. hat sie mir erzählt. mit Ihnen zu schlafen. besonders nicht ohne dessen Wissen und Billigung. »Was.

Hunger habe ich keinen. deshalb habe ich sie dazu gedrängt.« »Ich verstehe. wie er bei Gillian bestanden hatte. was ihr Gillian erzählt hatte. Sie ging. Genau diesen Ausdruck hat sie verwendet. Melina hatte ihn wegen seiner Neugierde als kindisch bezeichnet. Gillian ist nicht mit Hintergedanken mit Ihnen ausgegangen«. fragte sie.« Er schluckte heftig.« Seufzend erhob er sich und ließ sich schwerfällig wieder in den Sessel fallen. Sie handelte weder auf Anweisung von Longtree noch von sonst jemand.« »Gillian hat mir erzählt. nur blaue Flecken. ist sie aus reinem Spaß mit Ihnen ausgegangen. Damit sie die Befruchtung und den ganzen mühsamen Entscheidungsprozess aus dem Sinn bekam. ihrem Blick Stand zu halten. Sie fühlten sich beide körperlich zueinander hingezogen.zwei Sekunden meinte sie: »Wenn Sie allerdings etwas verwendet hätten –« Er schaute zu ihr auf. Nichts. »Haben Sie denn?«. sie versuche. Als er den Kopf hob.« Darauf wusste er nun wirklich nichts mehr zu sagen.« »Oh. sich den Bauch zu reiben. hatte aber Mühe. Ich habe nur im blinden Nebel herumgestochert. und wie detailliert ihr Gespräch gewesen war.« »Hat sie Ihnen das nicht gesagt?« »Nein. sie hat Sie getroffen. gab es doch sicher auch zwischen Schwestern Grenzen. Eine Zeit lang sagte keiner ein Wort. »Der Eingriff war für sie eine hochemotionale Erfahrung. dass Sie Recht haben. dass sie seine unbewusste Geste wahrgenommen hatte. verursachte ihm Unbehagen.« »Sie haben Recht.« Geistesabwesend zog er sein Hemd aus dem Hosenbund und begann. Bei genauerem Hinsehen zeigten sich auf seinem Oberkörper über den Rippen und darunter einige dunkle Stellen.« Er wandte den Blick ab. Sie seien schön. »Sie haben Prellungen. und meinte: »Nein. Ich hatte nie den Eindruck. »Natürlich. »Chief. wie sie ihn aufmerksam musterte. Er hatte zwar seit der Schulzeit mit Jungs über die Gummis geredet. aber nie mit einer Frau. Zu seiner großen Erleichterung drängte Melina weiter. was ihn ungewöhnlich verlegen machte.« »Ist nicht so schlimm. mich hereinzulegen. Trotzdem hätte er viel für das Wissen gegeben.« »Eine ziemlich gute Zusammenfassung. »Und was machen wir jetzt?« »Haben Sie Hunger?« »Was?« Erst jetzt merkte er. jedenfalls nicht außerhalb des Bettes.« »Ich habe ein Kondom benutzt.« »Sie war kein Teil einer großen Verschwörung. Das Bewusstsein. »Was?« »›Schön‹ hat sie gesagt. Ihr verlegenes Schweigen wirkte betäubend. Das war auch mein Beweggrund gewesen. Wenn er doch nur wüsste.« Er knöpfte sein Hemd auf. . Und haben sich so verhalten. dass sich Gillian mit ihr über die Begegnung mit ihm unterhalten hatte. Toll? Schlecht? Oder – das Todesurteil. Um den Druck dieses Tages abzubauen. versicherte sie ihm leise. sogar bei identischen Zwillingen. ertappte er sie dabei. »Ich weiß. Kein einziges Wort. Wenn es um Vertraulichkeiten aus dem eigenen Liebesleben ging. Ihre Augen blieben ungefähr auf der Höhe seiner Gürtelschnalle hängen.

Für einen.« »Genau das denke ich auch. Meiner Meinung nach ist er an diesen Fall mit guter Absicht herangegangen. sagte er. ist überlastet und unterbezahlt. wie sein Gesicht warm wurde. »Lawson?« Was hatte sie über den Kommissar gesagt? »Sie haben sich vorher ironisch über seine Begriffsstutzigkeit geäußert. quälte ihn und erregte ihn gegen seinen Willen. Da war sie wieder an den Rändern seines Bewusstseins. bot aber bei erneutem Auflegen noch immer ein gewisses Maß an Kühlung. die bei mir. flirtete mit ihm. Das hatte ihr Gillian doch sicher nicht erzählt? Er konnte sich einfach nicht vorstellen. Doch dann versetzte ihm Melina einen verbalen Aufwärtshaken.« .« Sein Gehirn fühlte sich von dieser erotischen Erinnerung magisch angezogen.« Das Eis im Beutel hatte sich in einen Brei verwandelt. »Na ja. umso besser.« Rasch warf sie einen Blick auf die Nachttischuhr. wie sie sagte: »Ich habe ihm einen geblasen. Aber er hat viel um die Ohren. Je schneller er einen Fall abschließen kann. der ersten von vielen. »Sie haben beim FBI angerufen?« »Nein.« »Beweise.« Er ließ den Eisbeutel fallen. »Vermutlich ist er ganz in Ordnung und ein einigermaßen guter Ermittler. vielleicht wird ja das FBI ein wenig Licht in dieses Rätsel bringen. zu denen es in jener Nacht gekommen war. und er wusste. als hätte er sämtliches Beweismaterial so arrangiert. war Dale Gordon auffallend gut organisiert. der eben erst seine totale psychische Kernschmelze erlebt und eiskalt einen Mord begangen hat. »Sie können gerne bleiben. Sie werden um neun Uhr hier sein. Er spürte.wenn es um Noten im Bett ging – ganz nett? Nach einer halben Ewigkeit hob sie den Blick von seiner Taille und schaute ihm direkt in die Augen. die ein bisschen zu sehr passten. dass selbst ein Volltrottel ihn für den Mörder halten musste. Es sieht so aus. Er hat den Nominalwert des Beweismaterials akzeptiert.« »War auch so gemeint«. Aber Melina hatte ihn etwas gefragt. dass er antworten musste. dankbar für die Ablenkung.

Sind auch nicht so schlau. Prinzipiell konnte er Anrufe zu nachtschlafender Zeit nicht ausstehen. Zu guter Letzt hatte sich alles eingerenkt. antwortete Jem Hennings. Sein leiser Verdruss schlug in Alarm um. von den Regierungen Schmähreden und vom Mann auf der Straße Vorwürfe. Dafür war erst jüngst Dale Gordons Anruf ein perfektes Beispiel gewesen. die sich so weit verirrt hatten. weiter nichts. »Wohl wahr. Die Geschichte hatte ihn fasziniert. hatte der Massenselbstmord von Jonestown stattgefunden. Eine Frau rief an.« Eine lästige Brut war das. Gerade als er Pastor in seiner ersten Kirche gewesen war. Hancock hatte versucht. zischte Bruder Gabriel.« Als Bruder Gabriel diesen aufgeregten Satz über den Lautsprecher hörte. ich hätte aufgelegt. Sie dachte. fauchte Bruder Gabriel. runzelte er die Stirn. mit dem sie nach Belieben das gut geölte Räderwerk seiner Mission stören konnten. Er trank einen Schluck. »so viel Macht haben die nicht. im Auftrag von Spezialagent Hank Tobias. Seit Jonestown beobachteten die obersten Polizeibehörden sämtliche religiösen Führer und . »Sie hat mich belogen. und Telefonate zu später Stunde störten diesen friedlichen Schlummer. er glaubte an seine eigenen Fähigkeiten und daran. »Woher weißt du das?« »Ich war dort und habe den zweiten Telefonhörer abgenommen. Gordon war beinahe hysterisch gewesen und hatte von Gillians Rendezvous mit dem Astronauten berichtet. »Diese Teufel«.« »Aus dem Büro in Dallas?« »Washington.« »Ja«. Genauso mochte er sie: Knallheiß und mit einem Schuss Pfefferminzschnaps. Furcht hatte er keine vor dieser Regierungsbehörde. Trotzdem hatte er einen gesunden Respekt vor dem Knüppel. Sie sind sicher die Brutstätte des künftigen Antichristen.« »Unsinn«. Und doch hatte er den Sektenführer insgeheim zutiefst bewundert. damit ist Melina Lloyd gemeint. indem er ihm eine Tasse heiße Schokolade servierte. dass seine eigene manipulative Kraft größer war als ihre. Und doch konnten die Lügen dieser Brut den Gläubigen ins Wanken bringen. 20 »Sie hat mich angelogen. sagte er: »Ich nehme an. Was war also nun wieder los? Mr. es sei denn angekündigte. Sogar Pastor Alvin Conway hatte am Sonntagmorgen seine Schäfchen zum Gebet für jene Seelen aufgerufen. die bevorstehende schlechte Nachricht abzumildern. Normalerweise schlief er wie ein Baby.« »Und welcher Art war ihre Lüge?« »Das FBI hat sich mit ihr in Verbindung gesetzt. das Undenkbare zu tun. Außerdem kündigten sie schlechte Nachrichten an. Während ihm warm um den Bauch wurde. weil er solchen Einfluss ausgeübt und so viele Menschen dazu hatte bringen können.« Die Nachrichten wurde immer schlechter. In den Medien hatte Jim Jones Verleumdungen geerntet. Was für eine lange schlaflose Nacht war das gewesen. aber ich habe gelauscht. dass es klirrte. und auch die daraus resultierende polizeiliche Ermittlung war zufrieden stellend abgelaufen.« Bruder Gabriel stellte die Tasse so ab.

Natürlich stand von Anfang an außer Frage. Zwangssterilisierung war eine der Grundvoraussetzungen für Hennings Stellung innerhalb der Gemeinschaft.« . Die beiden anderen hatten Kinder geboren. Kaum hatte Dale Gordon sie erblickt. »Tobias will Melina Fragen zur Waters Klinik stellen. dass ich von ihrem Treffen mit Agent Tobias weiß.ihre zahlreichen Jünger schärfstens. der direkten Zugang zu den Gedanken und Herzen der Menschen hatte. indem sie sich diesem Astronauten hingab. dass sie gelogen hat? Ich weiß es nicht. »Tobias hat morgen Früh um neun eine Verabredung mit Melina«.« »Hast du ihr irgendeinen Grund zum Misstrauen geliefert?« »Seit Gillians Verrat habe ich sie nur liebevoll und freundlich behandelt. hatte sie noch mehr erbost. aber als sie dies tat und ihn fragte. hatte er dem Tempel begeistert berichtet. was er davon halte. Hennings redete noch immer. hat sie mir einen Bären aufgebunden. Man hatte auf Gillian große Hoffnungen gesetzt. dass er der Vater ihres Kindes sein könnte. Sie wollte nicht. Sie hatte sich lediglich über das Vorgehen bei einer künstlichen Befruchtung mit Hilfe von Spendersamen beraten lassen. würde er auch diese Regel einführen. Doch dann hatte sie den Großen Plan verraten. von vorneherein jede Neugierde und jedes besondere Interesse zu vermeiden.« Am Tag nach Gillians erstem Besuch in der Waters Klinik hatte man Jem Hennings nach Dallas versetzt. (Bisher hatte Bruder Gabriel noch keine Möglichkeit gefunden. Weder FBI noch ATF wollten einen zweiten David Koresh. jeden sexuellen Kontakt zwischen Soldaten wie Hennings und den handverlesenen Kandidatinnen für den Großen Plan auszuschalten. Ihr Verlust war eine enorme Enttäuschung gewesen. er hätte eine neue ideale Kandidatin für den Großen Plan gefunden. »Und diesbezüglich hat sie gelogen?« »Auf meine Frage. Wenigstens musste man das vermuten. Trotzdem war es am besten. aber wenn es erst einmal so weit wäre. Darüber bist du dir doch selbstverständlich im Klaren. Man hatte Hennings unverzüglich auf seine neue Mission in Dallas vorbereitet. wenn Single-Frauen durch künstliche Befruchtung schwanger werden. Durch geschicktes Taktieren war es ihm schließlich gelungen. Er selbst brachte das Thema gemeinsamer Kinder nie zur Sprache. wer angerufen habe.« »Selbstverständlich. Binnen kurzem baute er eine enge Beziehung zu Gillian auf. Diese Regierungsbehörden schienen einen Groll gegen jeden spirituellen Führer zu hegen. ermutigte er sie dazu ohne allzu großen Überschwang. »Warum vermutest du das?« »Sie meinen. der ihre Jungs auf CNN vor der ganzen Welt zu Idioten abstempelte. darin hatte er bereits Erfahrungen gesammelt.« Bruder Gabriels Augen verengten sich ein wenig.) Gillian Lloyd war Hennings dritte Kandidatin bei dieser Prozedur gewesen. sagte Bruder Gabriel mit eiserner Entschlossenheit: »Zu diesem Treffen darf es unter keinen Umständen kommen. ihr vorgestellt zu werden. Texas. Das Desaster der Davidianer in Waco. Eine ausgezeichnete Erfolgsrate. erklärte ihm Hennings. Und im Großen Plan war nicht einmal für eine derartige Vermutung Platz. Sie würden ihn vor jeder verdeckten Ermittlung gegen seine Kirche warnen. indem er sich mit einer ihrer Kolleginnen anfreundete. aber dann stand die Hoffnung in ihrer Zwillingsschwester Melina wieder auf.« Ohne seine Stimme zu heben. Für diese Aufgabe war Hennings bestens geeignet. Er hatte ergebene Jünger in diese verschiedenen Behörden eingeschleust. wo er sich in ihr Leben schlich.

Hancock. fuhr er fort.« »Vermutlich ja.« »Sorgen Sie dafür.« »Dann stell meinen Glauben an dich wieder her. Zwei davon sind unsere Leute.« Bruder Gabriel lächelte insgeheim über seine brillante Begabung. »Schon der Gedanke. jemanden vor Ort zu haben. Noch beim Auflegen wandte er sich an Mr. Ich habe Fotografien von ihr gesehen. seiner Strafe entgangen ist. Sir«. Es war fast zu einfach. den Bruder Gabriel gewährte.« »Nicht mehr lange. »Ein Junggeselle mit dem Ruf eines Colonel Hart muss mit vielen Frauen zusammen gewesen sein.« Grinsend trank Bruder Gabriel genüsslich noch einen Schluck Schokolade. Nichts motivierte so nachdrücklich wie ein bisschen Konkurrenz. höchst unangenehm.« . Hancock hinüber.« »Darauf vertraue ich. Ein sehr sinnliches Gesicht. wiederholte Hennings hartnäckig und fügte dann in geschmeidigerem Ton hinzu: »Bei allem Respekt. dass der Mann. die Gillian mit dem berühmten Astronauten verbracht hatte. Hennings würde sich nun doppelt anstrengen. »Jedenfalls«. dass diese beiden zusammen waren. Menschen zu manipulieren. den ich zu diesem ganz besonderen Vergnügen berechtigt hatte. wenn es darum ging. »Unangenehme Dinge. wie man Vergnügen bereitet.« »Wie steht’s mit Gordons Ersatz?« »Die Klinik hatte fünf Bewerber für diesen Job. der beredt die Augenbrauen hob. dass man diese Situation in Dallas unter Kontrolle bringt. Ich teile Ihren Wunsch nach Eliminierung.« »An Verletzungen hatte ich eigentlich nicht gedacht.« Jem Hennings bat um einen Segen. und das war seine Antriebsfeder. Ich wünsche. Er beschloss. Er wird also wissen. Er war wegen der Nacht eifersüchtig.« Entdeckte er da einen Hauch von Eifersucht in Jem Hennings Stimme? Offensichtlich hielt sich Hennings nicht strikt an seine Befehle. dies auszunützen. dass du das erledigst?« »Das kann ich erledigen. Ich hasse die Vorstellung. der die schlechte Laune seines Herrn und Meisters mühelos erkannte. »Soweit ich informiert bin. sagte Hennings mit verkrampfter Stimme. Ich könnte jemanden schicken –« »Ich kann das erledigen«.« »Selbstverständlich.« »Das hatte ich auch gedacht. »Kann ich mich darauf verlassen. dass er es gestreichelt hat. »Einen Versuch gab es.« Bruder Gabriel trank seine Tasse aus und schob sie dann wütend weg. sich in ihr bewegt hat. »Ich wünsche. sollte das heute Nacht erledigt werden. dass einer die Stelle bekommt. »Und wie steht’s mit unserem anderen Problem in Dallas?« Nach kurzem Zögern erwiderte Hennings: »Bedauerlicherweise bleibt es ein Problem.« »Ja.« »Das ist nicht deine Spezialität.« »Ich auch nicht. macht mich krank.« »Er war ein Werkzeug Satans. Was für eine Haut. Sir«. Bruder Gabriel. der unsere Gillian entweiht hat. oder?« »Ja. damit man garantiert keinen weiteren Soldaten zur Beseitigung seines Scherbenhaufens ins Feld schicken musste. sagte Hennings. Es handelt sich um eine viel versprechende Klinik.« Bruder Gabriel warf einen Blick zu Mr. mit Christopher Hart fertig zu werden. Es kam zu Verletzungen. Du warst der Einzige. Das ist dir doch klar. Jem. »betrübt es mich.

In der Parkbucht stand eine marineblaue Limousine. dass er in ihrem Schrank wühlte und sie herumkommandierte. Hancock. und in der Mitte des Verbands. aber weder Socken noch Hemd. »Hübsches Mädchen. Hancock wusste immer ganz genau. »Laut ihrem Brief fühlt sie sich einsam. »Kann ich Ihnen noch etwas bringen. dass ich hier bin. wobei seine Gedanken zu Melina Lloyd zurückkehrten. »Sie lebt wie eine Prinzessin in einem Palast. unbeachtet und ungeliebt.« Er warf ihr eine Hose und ein T-Shirt zu. Offensichtlich funktionierte auch Chief noch nicht mit klarem Kopf. Melina einzuwickeln.« Mit einem Ruck warf sie die Decke zurück. aber offensichtlich keine ruhige Nacht verbracht. »Was? Wer?« »Die Kerle vom FBI. Christopher Hart hatte ihn einen wertvollen Aktivposten gekostet. ob Hennings der Aufgabe gewachsen sei. Offensichtlich hatte er bereits darüber nachgedacht. einen weiteren zu verlieren. aus der gerade zwei Männer in Anzügen stiegen. »Meiner Ansicht nach sollten die nicht wissen. Blond. Sein verletztes Auge war fast zugeschwollen. wo sie eine Lamelle hob und durch die Jalousie lugte. hatte er Recht. »Chief?« Verdutzt hob er den Kopf. Sie drehte sich wieder ins Zimmer und schaute auf die Nachttischuhr. Sie konnte das FBI wohl kaum im Nachthemd begrüßen. bis sie ihn klar erkennen konnte. Hancock?« »Leslie«. hoch mit dem Po. Und doch hatte Hennings gesagt. zeichnete sich ein dunkler Blutfleck ab. die er blindlings aus dem Schrank gezogen hatte.« Sie wälzte sich herum und blinzelte. ein Schwarzer und ein Weißer. »Wir haben kürzlich einen Brief abgefangen. kletterte aus dem Bett und stürzte ans Fenster. den sie an ihre Eltern geschrieben hat«. Vielleicht war sie scharfsinniger als ihre ehemalige Zwillingsschwester. den sie auf seinem Jochbein angebracht hatte. Wie kann sie da Heimweh nach Iowa haben?« Nichts hasste er mehr als Undankbarkeit. »Ich muss mich anziehen«. Bevor sie zum Eingang gingen. blieben sie stehen und schauten den Häuserblock hinauf und hinunter. Mr. »Unglücklicherweise hat Leslie Heimweh. wann er die enorme Last seiner Verantwortung spürte. Chief rüttelte sie an der Schulter. In diesem Fall durfte sich Hennings keinen einzigen Fehltritt leisten. . er habe schon einen gewissen »Draht« zwischen den beiden bemerkt. konstatierte Hancock rundheraus.« »Melina?« Sie murmelte etwas Unverständliches in ihr Kopfkissen. Er war nicht gewillt. »Was würden Sie denn empfehlen. Kam letztes Jahr aus Iowa zu uns. war schon schlimm genug. Es war acht Uhr fünfundzwanzig.« Bruder Gabriel verließ den Schreibtisch und stürmte Richtung Schlafzimmer.« Chief hatte ihr Angebot zum Übernachten angenommen und im Gästezimmer geschlafen. »Sie sind früh dran. unbeachtet und ungeliebt.« Obwohl es ihr nicht passte. Sie sind da. Dass man sie ungeschminkt und vor der ersten Koffeindosis erwischte. Allmählich machte sich Bruder Gabriel darüber Gedanken. denn er starrte wie benebelt auf ihre Kniekehlen. Heute Nacht fühle ich mich selbst ein wenig einsam. Bruder Gabriel?« Mr. berichtete ihm Mr. Mr. »Ziehen Sie sich rasch an. ja. »Rufen Sie Leslie. Er trug zwar seine Jeans. Geistesabwesend spielte er mit einem gläsernen Briefbeschwerer auf seinem Schreibtisch. Hancock. »Na los. Der Wecker war auf acht Uhr dreißig eingestellt.« Vor seinem geistigen Auge entstand das Bild eines großen kräftigen Bauernmädchens mit Sommersprossen auf der Nase. als wollten sie sich einen Eindruck von der Gegend verschaffen.« »Ah.« Er explodierte.

Sie holte Besen und Schaufel aus dem Schrank und wollte sich .« »Geht uns auch so«. Sie ließ sie im Wohnzimmer sitzen und ging in die Küche. »Äh. und das ist Agent Patterson. Lloyd?« Der Blick des Regierungsbeamten fiel auf die Tweety-Figur auf ihrem T-Shirt. »Das würde förmlich nach einer Erklärung schreien. zog sich in Rekordzeit an und wollte gerade die Füße in ein Paar Turnschuhe stecken. Ich bin Spezialagent Hank Tobias. ich bin dann mal im Gästezimmer. Sie ließ ihr kurzes Nachthemd fallen. Noch immer war der Fußboden mit Glassplittern. Patterson?« »Mit Vergnügen.« »Möchten Sie einen Kaffee? Ich für meine Person könnte einen gebrauchen. dass die Tür zum Gästezimmer einen Spalt offen stand. Auf dem Esstisch lagen blutgetränkte Geschirrtücher. meinte Patterson mitfühlend. sagte sie außer Atem. Jeder Schritt war ein Sicherheitsrisiko. Mr. Bis jetzt hatte sie das Durcheinander völlig vergessen. aber mir geht meine Privatsphäre über alles. bei mir zu übernachten. Ich bin erst nach drei eingeschlafen. als sie sagte: »Meine Freunde haben sich angeboten. klingelte es zum zweiten Mal. Sie trat zur Seite und bat sie herein. Gerade als sie die Hand an den Riegel legte.« Tobias setzte sich auf den zugewiesenen Platz. Glas knirschte unter den Gummisohlen ihrer Turnschuhe. dass Sie hier sind?« Er deutete auf sein Gesicht. Und bisher haben wir noch keine. Dann kommen wir gleich zur Sache. aber der Verkehr war weniger dicht. tja. »Sie sind eine halbe Stunde zu früh dran. »Mein Beileid. während sie die Tür öffnete. log sie nicht direkt. sagte Tobias. der sich im Gästezimmer versteckte.« Trotz seines Lächelns machte Tobias auf sie nicht den Eindruck.« »Kann ich verstehen«. Ich möchte unbedingt hören. Im Vorübergehen fiel ihr auf.sagte sie mit einem Wink auf die Kleidungsstücke.« »Es dauert keine Minute. Seit der Ermordung meiner Schwester sind meine Nächte nicht sonderlich erholsam gewesen. »Chief?« Er steckte den Kopf wieder herein. ja. »Ms. fuhr sie sich mit den Fingern durch die Haare. als lächelte er öfter. Während sie durchs Wohnzimmer lief. als wir dachten.« »Klingt gut. Weinpfützen und Blutflecken übersät. »Entschuldigung«. Beeilen Sie sich.« In Windeseile war er wieder draußen. was Sie mir zu berichten haben. sogar mit Schuhen.« »Danke schön. »Nehmen Sie Platz.« »Übernachten denn keine Freunde oder Angehörigen bei Ihnen?« Sie dachte an Chief. die er ihr rüde zugeworfen hatte. Ihre spärliche Bekleidung war ihm nicht entgangen. als es klingelte. »Trauer ist etwas ganz Privates. Das ganze Zimmer hätte gut und gerne als Katastrophengebiet durchgehen können. letztere von ihr und von Chief. Danke für Ihr Angebot.« Gleichzeitig zückten sie ihre Dienstausweise.« »Vermutlich eine weise Entscheidung. »Was ist?« »Warum möchten Sie sie nicht wissen lassen. Da es sich bei ihm weder um einen Freund noch um einen Angehörigen handelte. »Haben wir Sie geweckt?« »Ich muss gestehen. Verlegen strich sie mit der Hand darüber.« Damit drehte er sich rasch um und verschwand auf dem Flur.« »Wir bitten um Verzeihung.

»Ich. so schlimm war es nicht.gerade einen Weg frei räumen.« Sie warf ihnen ein entwaffnendes Lächeln über die Schulter zu. Noch einmal schlug Chief zu. hatte gestern Abend einen kleinen Unfall. an den Kopf. Danach griff sie jetzt. da spazierten Tobias und Patterson herein. Leider diente sein eigener Rücken Tobias als Trampolin.« Tobias starrte die Blutflecken am Boden und die besudelten Küchentücher an. mit einem Sprung über Tobias zur Tür hinauszufliehen. Plötzlich tauchte Chief mit einem Golf-Putter in der Hand auf und schob sie beiseite. »Haben Sie heute auf Ihrem Flug von D. da schoss dessen Hand hervor und erwischte sie am Knöchel. was er zu seinem Vorteil ausnutzte. was kam. »Sie haben sich am Fuß geschnitten?« »Bin mit der Ferse in einen Glassplitter getreten. fragte Tobias.« Tobias schaute sie weiter unverwandt an. Die Blüten waren verwelkt. Sie schrie auf. meinte sie aufs Geratewohl. hatte seine beste Zeit hinter sich. ein Frühstück bekommen. Ich habe mich erschreckt. äh.C. »Verdammte Scheiße!« Brüllend vor Schmerz taumelte er nach hinten gegen den Küchentisch. wirklich. Nur ein Splitter. ohne sie auf Chief aufmerksam zu machen. unter die sich nun auch noch faulige Blumen und abgestandenes Wasser mischten.« »Sie sollten besser aufpassen. Orangen und Äpfel hüpften zwischen den Scherben herum. eine Weinflasche fallen lassen und bin in die Glasscherben getreten. falls Sie so etwas als Frühstück bezeichnen möchten. Er sackte zusammen. Das Wasser in der Vase war giftgrün und roch ziemlich unangenehm.« »Und der hat so stark geblutet?« Ihre Blicke wanderten von ihm zu Patterson und wieder zu Tobias zurück. Mit einem nervösen Lachen antwortete sie: »Sie wissen doch. »Während des Gewitters ist der Strom ausgefallen«. sein Gleichgewicht wieder zu finden. wie das manchmal mit kleinen Schnitten ist. diesmal traf er den Hinterkopf. Ich sollte definitiv besser aufpassen. »Was ist denn hier passiert?«. Beide reagierten völlig verblüfft auf seinen Anblick. Grunzend fiel Patterson in Ohnmacht. Sie duckte sich und versuchte. Im Fallen knallte sie mit dem Schlüsselbein gegen den Türpfosten. Offensichtlich war er daran gewöhnt. Beim Aufprall platzte die Haut. dunkel und trocken. Kaffee und einen Muffin. »Plötzlich war es dunkel. das würde nie mehr aufhören zu bluten. Während Tobias mühsam versuchte. Sie konnte nicht die Wahrheit sagen. Agent Patterson?« »Saft. Ich dachte schon. ging Patterson auf sie los. Gezielt holte er zu einem klassischen Golfschwung aus und drosch Patterson den Schläger mit voller Wucht in die Rippen. drehte sich um und warf Tobias die schwere Glasvase mit den Blumen. Deshalb war auch keiner auf das vorbereitet. nein. einverstanden. der sich nun seinerseits auf Chief . während er die Küche stürmte. »Gestern Abend war ich zu müde zum Aufräumen.« »Waren Sie im Krankenhaus?« »Im Krankenhaus? Nein.« »Richtig. an denen noch immer die Beileidskarte an einem dünnen rosa Band hing. den Jem am Abend zum Wegwerfen in die Küche gebracht hatte.« Damit drehte sie sich rasch zur Arbeitsplatte um und holte die Kaffeemaschine aus dem Schrankfach. Melina. Er wurde an der Schläfe getroffen. ungefragt sämtliche Fakten geliefert zu bekommen. wobei er eine hölzerne Obstschale zu Boden stieß. Der Blumenstrauß auf der Platte.« Abschließend zuckte sie geringschätzig mit der Schulter.

besonders zu seiner Nase. Hustend wischte er sich seine blutige Nase mit dem Handrücken ab. Warum?« »Keine Ahnung. machte sich wieder gesunder Menschenverstand breit. sie hatte auch noch Chief mit hineingezerrt. dann senkte er den Kopf und rammte Chief mit voller Wucht. Man hat mir gestern Abend gesagt.o. Chief stützte die Hände auf die Knie und ließ den Kopf zwischen die Schultern fallen. »Hoffentlich hatten Sie dazu wirklich Grund. zugeknöpften FBI-Agenten?« »Vielleicht. Patterson käme vom Büro in Dallas.C. Trotzdem würde ich das nicht als wirklich guten Grund für einen tätlichen Angriff auf einen Regierungsbeamten bezeichnen.« »Das ist nicht alles. Er war schnell gewesen. und er ging wie ein nasser Zementsack zu Boden. Schließlich sagte er: »Ich glaub’s trotzdem nicht.« »Die waren nicht vom FBI.« »Warum sollte ein FBI-Agent lügen?« »Kacke«. Melina hatte reagieren können und sich den Putter geschnappt.« »Ist das nicht etwas untypisch für einen hart gesottenen.« Der Dienstausweis mit dem Foto schien echt zu sein. aber doch nicht schnell genug. raus!« Kaum war diese Warnung über seine Lippen. die Knie knickten ein. musterte sie und warf sie Melina zu. Melina.« »Er hat Sie Melina genannt. was seine gesamte Meinung zu dieser Situation wiederzugeben schien.« .« Kaum war der Kampf vorbei und ihr Überlebensinstinkt verebbt. dass sie die Guten nicht erkannt hatte. Tobias warf die Tür zu. »Ich geb’s auf. packte ihn Tobias und schleuderte ihn buchstäblich mit dem Gesicht voraus gegen die Wand. in Stößen. –« »Hab’s gehört. versetzte sie ihm einen knochenbrecherischen Hieb aufs Handgelenk. während er mit der anderen eine Pistole aus einem versteckten Halfter riss.« »Wissen Sie das mit einiger Sicherheit?« »Er hat mich Melina genannt.« Chief kam wieder hoch. sodass er durch die Tür in den Flur hinaustorkelte und sich überschlug. Scheiße. »Melina. Chief ließ den Golfschläger fallen. Eigentlich hätte er k. gehen müssen. er verdrehte die Augen. Dann kniete er sich neben Tobias. um Tobias seinen Ellbogen in den Adamsapfel zu stoßen. fischte die kleine schwarze Hülle aus seiner Tasche. Noch ehe er seine Hand wieder aus der Jacke gezogen hatte. Er atmete mühsam. sagte er. Auf meine Frage nach seinem Flug heute Morgen von D. aber wie durch ein Wunder besaß er immer noch genug Kampfgeist. dann wirbelte er herum und packte sie mit der einen Hand. Sie legte die Hand über den Mund und flüsterte: »Oh. In diesem Moment donnerte Chief wieder zur Tür herein und verpasste Tobias einen Karateschlag ins Genick. Angesichts der Ereignisse in dieser Woche hatte sie vielleicht überreagiert und so intensiv nach Buhmännern gesucht. Seine gelähmte Hand ließ die Pistole fallen. Er hielt das nicht für ausgeschlossen. »Möglicherweise irre ich mich«. »Wirkt echt.stürzte. aus der ständig Blut tropfte. Einen langen Augenblick starrten sie einander unverwandt an. sagte sie ängstlich. Jetzt bekäme nicht nur sie Probleme. Vielleicht lief ihre Fantasie auf Hochtouren. Patterson war noch immer bewusstlos. Der andere taumelte zurück.

»Holen Sie Ihre Schlüssel. wobei sie leise ausatmete. Er deutete mit dem Kopf Richtung Schlafräume. schloss sie sich ihm an.« .»Ich auch nicht«.

Er fuhr einen Dienstwagen.« Patterson nickte. Verbandszeug. »Das wär’s dann auch. Bis auf tägliche Besuche im Fitness-Studio hatte er kein Hobby. Wer sich nur ungern befragen ließ. Tobias hatte seine Pistole wieder in das Schulterhalfter gesteckt und stand direkt vor der Küchentür. konnte das alle möglichen Gründe haben. ehe sich Patterson dann doch an den Agenten vom Washingtoner Büro wandte und den erfahreneren Kollegen nach seiner Meinung fragte. Oder – und diese Möglichkeit erfüllte ihn mit Schrecken – ein ähnliches Schicksal wie das ihrer Schwester hatte sie ereilt. Sollte sie aber andererseits ihr Haus notgedrungen unbewacht und unversperrt verlassen haben. war erfahrungsgemäß bis zu einem gewissen Grad in das Verbrechen verstrickt. Seine Urlaube verbrachte er nicht an aufregenden Plätzen. Die hohle Stille eines leeren Hauses schluckte seine Stimme. und das war auch sein einziges Fahrzeug. kein einziger guter. Getrocknete Blutflecken auf dem Teppichboden und auf dem Kopfkissenüberzug im mutmaßlichen Gästezimmer. Beide benutzt. Mit Ausnahme von hier drinnen. deutete er mit dem Kinn auf die andere Haushälfte. Eine Zeit lang musterten beide Männer stumm die Verwüstung.« Während Tobias in Gedanken die Fakten von Pattersons mündlichem Bericht durchging. Er lebte allein in einer kleinen . Er hatte geöffnet und laut ihren Namen gerufen. Wenn jemand mit dieser Vase einen Hieb auf den Schädel bekommt. die ihm einfielen. Schon bald riefen sie einander zu. dass das Haus leer sei. auch nicht in der Kommode. er besaß weder ein Boot noch Ski. Stumm trat er mit Patterson ein. Ein Bad mit einem blutigen Küchentuch. Während Tobias jenen Hausteil übernahm. Esszimmer und Küche gehörten. und sie war nicht mehr in der Lage zu antworten. noch Golfschläger. außer dass es hier ganz offensichtlich eine Auseinandersetzung gegeben hat. aber drinnen war nichts durcheinander. 21 »Heiliger…!« Der unvollendete Ausruf entfuhr FBI-Agent Patterson. Ein Plastikbeutel mit Wasser. »Wie sieht’s da hinten aus?« »Zwei Schlafzimmer. Die Schranktür stand offen. das wiederum genau den hellgrauen Streifen in seinem dunkelblauen Anzug entsprach.« »Wasser?« »Könnte ein provisorischer Eisbeutel sein. Die Schmuckschatulle ist voll. Hatte sie ihn absichtlich versetzt? Womöglich hatte sie etwas zu verbergen. hatte es Tobias an der Hintertür versucht und diese unversperrt vorgefunden. »Schon eine Idee?« Tobias stupste mit seiner Schuhspitze gegen ein abgestorbenes Blumenblatt. Weder Anzeichen für einen Diebstahl noch für einen Kampf. deren Silberton perfekt zu seinem Hemd passte.« Als Melina Lloyd nicht auf ihre Klingel reagiert hatte. »Nicht den leisesten Schimmer. Als Patterson zu ihm stieß. schlich Patterson den Flur hinunter. zu dem Wohnzimmer. Allerdings war unter denen.« »Macht Sinn. strich er mit der Hand unbewusst über seine teure Krawatte. Sie verständigten sich nur über Handzeichen und teilten sich auf. als er in Melina Lloyds Küche zu Spezialagent Hank Tobias stieß.

nicht?« Tobias wusste bereits. Dann entdeckte er den gerahmten Schnappschuss auf dem Nachttisch. sinnierte er laut vor sich hin. war auf dem Kopfkissenbezug ein verschmierter Blutfleck. Nur ein Kopfkissen im Bett hatte eine Delle. »Es sei denn. Von dort aus ging er ins eigentliche Schlafzimmer. Als er ihn näher betrachtete. passte diese Beschreibung. Irgendjemand hatte es gedankenlos ausgezogen.« »Und wie steht’s mit diesem Herrn?« »Ein Arschloch«.« »Er war unschuldig. wusste er noch nicht. »Ich hätte sie nicht unterscheiden können. Patterson rief an. »Nach allem. »Die Garage ist leer. als wäre es bei einem heftigen Kampf heruntergerissen worden. und die trug er wie ein Model. Und da war noch etwas. wo er neben dem Bett der Frau stehen blieb. Nachdem er das Objekt identifiziert hatte. »Soll ich im Präsidium anrufen?« »Würde ich mal sagen. dass die Geschwister Lloyd Zwillinge waren.« »Ich werde mich mal umschauen«. meinte Lawson lakonisch. fragte er rein rhetorisch. Erstaunlich. kein Motiv. immer am Rand entlang. Das hatte ihm Lawson bei ihrem Treffen am frühen Morgen erzählt. was ihnen Lawson anschließend über Jem Hennings berichtet hatte. pflichtete Tobias geistesabwesend bei. »Nur zu. Wo ist ihr Wagen?«. Das Nachthemd erweckte nicht den Eindruck. »Also ist es nur hier richtig zur Sache gegangen«. so weit wir erkennen konnten. Nur Gillian war verlobt.« »Entführung?« »Möglich«.Wohnung. stieß Patterson zu ihm. hatte der Kommissar gesagt.« . ging Tobias vorsichtig auf die andere Seite der Küche. »Sind schon unterwegs. Zuerst kam er zum Gästezimmer. ließ es aber unberührt liegen. Keine je verheiratet. Wie Patterson bemerkt hatte.« Wenn alles.« »Und was soll ich berichten?« »Wenn ich das nur wüsste. wo er eingehend das Bett musterte.« Als er merkte. um genauer hinzusehen.« Auf Tobias’ Bitte hatte ihnen Lawson auch einige Hintergrundinformationen geliefert: »Beide hatten erfolgreiche Karrieren. »Ganz unter uns gesagt. um nichts zu verändern. Beide waren Single.« »Könnten Sie sich etwas deutlicher ausdrücken?« »Ein Ober-Arschloch. sagte er noch: »Habe ich auch gesehen. Seine einzige Schwäche war Kleidung. Er legte ein Taschentuch auf den Griff der Hintertüre und öffnete. Sie hatte allein geschlafen. in der er das zweite Schlafzimmer als begehbaren Schrank nutzte. Tobias hatte gesagt: »Gewiss haben Sie sein Alibi überprüft. Keinerlei Anzeichen für Diebstahl und Einbruch. was man hört. Der ranghöhere Agent verließ die Küche. Mit einer Ausnahme: Gillian war tot. meinte Tobias. in dem erst vor kurzem jemand geschlafen hatte. Für welches Verbrechen. ging durch das wohl geordnete Wohnzimmer und anschließend den Flur hinunter. Außerdem hatte er. wofür sich Tobias interessierte. was möglicherweise später als Beweisstück dienen könnte. Wirkte ehrlich erschüttert. Tobias beugte sich vor. waren die beiden wirklich austauschbar«. ich hätte etwas übersehen.« Aber statt sich Richtung Schlafzimmer zu bewegen. Das sollte später die Polizei von Dallas einsammeln und katalogisieren. Keine Leiche. wahr war. vermerkte er es bei seinen anderen Befunden.

in denen rein routinemäßig alternative Empfängnismethoden praktiziert wurden. es sei nötig. während er in der Jackentasche nach seinem Handy griff.« »Meinen Sie wirklich?«. »Und Melina?«. »Rufen Sie ihn an?« »Sein Fall ist zwar abgeschlossen.« »War sie nicht die Letzte. Der Markt war eröffnet. Mit ernster Miene beantwortete Tobias Pattersons Frage. der Handel lief flott. Allmählich wurde es immer mühsamer. sagte der Kommissar. sollten Sie bei der Zulassungsstelle anrufen und sich ihr Autokennzeichen geben lassen. Und das war nicht sie. ob wir’s irgendwo finden können. Sollten Sie nach einer Verschwörung suchen. Seit dem Auffinden von Gillians Leiche fühlte er sich. Offensichtlich waren beiden dieselben Werte wichtig gewesen. und die Mörder hatten ihrerseits noch vor jedem Verhör Selbstmord begangen.« Nach diesem Termin hatte Tobias einen klaren Eindruck von Melina Lloyd und ihrer verstorbenen Schwester. »In welcher Hinsicht?« »Hatte sie ein Motiv?« Der Kommissar schüttelte entschieden den Kopf.« Zutiefst irritiert klopfte Jem Hennings mit seinem Stift fortgesetzt auf seine Schreibtischunterlage. bemerkte er. »Lawson hat nicht übertrieben«. als hielte er ständig die Luft an.« »Und dagegen schien Melina nichts zu haben?« »Ich habe nie danach gefragt. was ist schief gelaufen?«. aber doch ein nettes Taschengeld. wollte Patterson wissen. »Außer dem Mörder. Babys waren spurlos verschwunden. Die beiden haben vor ein paar Jahren das Erbe ihrer Eltern gespendet. fragte er in sein Handy. hatte aber auch nicht den Eindruck. würde ich mein linkes Ei verwetten. . daran glaube ich nicht wirklich. »Nein. Vielleicht steht es ja hier vor einem Supermarkt. wie diese Fotografie bestätigte. Die Zwillinge hatten übereinstimmend ihre karitative Lieblingsorganisation zum jeweiligen Nutznießer eingesetzt. Keine hat auch nur einen Cent davon angerührt. zum Atmen aufzutauchen. Frauen waren ohne eindeutiges Motiv von Fremden brutal abgeschlachtet worden. »Nicht einmal eine Lebensversicherung. bohrte Tobias weiter. War zwar kein großer Betrag. Nach Abzug der Beerdigungskosten und noch offener Rechnungen geht Gillians gesamtes Vermögen dorthin. Der gemeinsame Nenner: Kliniken für künstliche Befruchtung. Mal sehen. Erschreckende Vernetzungen. »Während ich mit ihm rede. aber aus Höflichkeit –« Er wählte. Inzwischen drohten seine Lungen jeden Moment zu platzen. fragte Patterson. ihre physische Ähnlichkeit hatte beinahe etwas Gespenstisches. dass sie nichts damit zu tun hat. wo sie gerade Teppichreiniger kauft. »Na schön. die ihn zur Suche nach einem Grundmuster veranlasst hatten. »Dass sie über ihre Unordnung ihren Termin mit uns vergessen hat?« Tobias dachte an die Fälle von Mord und Kindesentführung. »Richtig«. die Gillian lebend gesehen hat?«. Während der letzten Tage waren schlechte Nachrichten wie haushohe Ozeanwellen über ihn hereingebrochen.« Am Ende des Gesprächs hatte Lawson gesagt: »Falls Ihnen meine Meinung irgendwie wichtig sein sollte: Melina ist astrein. und was tat er? Verschwendete seine kostbare einkommensrelevante Zeit für Schadensbegrenzung.

dachte Jem bitter. indem sie die Erschöpfte spielte und den Wunsch äußerte. Und das allein genügte. »Christopher Hart war bei Melina? In ihrem Haus?« Gestern Nacht war Hart diesen primitiven Affen entwischt. Als zufällig Passanten Augenzeugen des Geschehens wurden. getauft. Seine zweite Vorliebe galt Bruder Gabriel. Als Beweis für Melinas Abneigung gegenüber dem FBI habe er eine Beule an der Schläfe. Als sie später in einem anderen Fahrzeug und ohne ihre Masken wiederkamen. »Er war dort. Blutvergießen scheute er nicht. was passiert ist. Wegen Hart lief er Gefahr. Statt dessen knurrte er in den Telefonhörer: »Dann fang mal ganz von vorne an und erzähl mir. Hart ließ ihn in Bruder Gabriels Augen schlecht aussehen. Für Bruder Gabriel ginge Joshua durchs Feuer. wenn er mit einer Kugel im Schädel im Trinity trieb. er hatte sogar eine gewisse Vorliebe dafür. ignorierte die Telefonnotizen. das Vertrauen und den Respekt Bruder Gabriels zu verlieren. Er ließ den Aktienmarkt samt einem möglichen Gewinn für seine Kunden und sich selbst links liegen. nachdem sie es vermasselt hatten. Aber Hart hatte Glück gehabt. Bruder Gabriel hatte sich Joshuas unverbrüchliche Liebe und Treue erworben. bis zum Mansion und an sämtlichen Stellen dazwischen. als er befürchtet hatte. Offensichtlich hat sich ihre Abneigung gegen Gesellschaft nicht auf Christopher Hart erstreckt. die ihm eine hartnäckige Sekretärin immer wieder unter die Nase hielt und tat so. Den wusste niemand. Schon das allein war Grund genug. oder sie interessiert sich nicht fürs FBI. vom Parkplatz der Bar. wo er seinen Wagen über Nacht hatte stehen lassen.« »Wer?« »Der Astronaut. die man besser für die Erhaltung des Planeten Erde verwenden sollte. Trotzdem hätte er ihn jetzt erwürgen können. allein zu sein. den er anbetete. Der Mann hatte schon unter so vielen Pseudonymen agiert. aus einem malayischen Gefängnis befreite. Aber Jems Hass ging über Eifersucht hinaus. ihn kalt zu stellen. Ihn hatte Melina gestern Abend aus dem Haus gescheucht. Eigentlich hätte alles wie ein Anschlag grüner Spontis aussehen sollen. »Melina hat euch durchschaut?« »Entweder das. Jem hatte ihn in ganz Dallas suchen lassen.« Jems Stift hielt in seinem rasenden Tanz inne. dass das Raumfahrtprogramm Gelder bekam. waren die »grünen Spontis« in Skimasken getürmt. den man bei Hart hätte finden sollen. Nachdem er Bruder Gabriel all diese schlechten Neuigkeiten berichtet hatte. Jem hatte Verständnis für seine Loyalität. bewunderte die tödliche Meisterschaft dieses Mannes und war froh. wo er für Duvalier die Drecksarbeit erledigte. in seine Elitearmee aufgenommen und nach dem alttestamentarischen Krieger Joshua benannt. In der Zwischenzeit hatte es sich Hart bei Melina gemütlich gemacht. ja. Joshua hatte sich in Haiti ausgezeichnet. dass er in ihrem Team mitmachte. Jem hatte den Brief entworfen. war Hart nirgendwo zu finden. der ihn an seine E-Mails erinnerte. die etwas dagegen hatten. als er seinen Bruder. einen weiteren Söldner.« Es war schlimmer. dass er vermutlich selbst seinen echten Namen vergessen hatte.« Bruder Gabriel höchstpersönlich hatte diesen Schlägertypen für seine Dienste angeworben. ihn zu hassen. Seinen wahren Namen kannte Jem nicht. ihn umzubringen. als sähe er den blinkenden Ikon auf seinem Monitor nicht. hatte er eine schlaflose Nacht verbracht. . Tief in ihm brannte eine lodernde Wut auf Hart.

dem Gott die Zukunft der Welt anvertraut hatte.« »Dann muss es eine Bemerkung von euch gewesen sein. dass ihre Eignung für den Großen Plan fraglich geworden war. fauchte er. In wissenschaftlichen Dingen war er genial und dem Großen Plan unerschütterlich ergeben.« Joshua hatte versagt und Hart nicht neutralisiert.« »Ihr musstet ja auch die Dienstausweise über Nacht besorgen. der seinen Auftrag nicht ausreichend durchdacht hatte und sorgfältiger hätte vorgehen müssen. Ihr Auto war weg. Bruder Gabriel traf kein Vorwurf. kam.« »Und von Melina oder Hart war nichts zu sehen?« »Die sind abgehauen. Wenn ihm dieses Versehen nicht unterlaufen wäre. du verdammter Idiot. sind wir verduftet. wurde er überflüssig. genügte schon die Androhung seiner Missbilligung. Der Anblick ihrer Leiche in ihrem Haus hatte ihn ehrlich schockiert. und selbst die stärksten Männer kamen sich . Aber erst.« »Natürlich habe ich das. »Joshua. sagte Jem im Tonfall eines Richters kurz vor dem Todesurteil. »Er sollte doch aus dem Büro in Dallas kommen.B. Welche Erklärung gäbe es sonst. »Warum konnten wir den Kerl nicht einfach erschießen? Warum das Mädchen nicht einfach an der offenen Haustür packen? Das wäre einfacher gewesen. zischte er. Die Schrift an der Wand hatte ihm den ersten Hinweis geliefert. »Das ist es. Keine Ahnung. dass mein Handgelenk gebrochen ist. dass er seine beiden letzten Missionen verpfuscht hatte. Unglücklicherweise hatte der Dummkopf in seiner Wohnung nicht sämtliche Fotos und Daten über Gillian vernichtet. ist meistens kein Geistesriese. den es noch immer wurmte.« »Aber es sind die besten. beharrte Joshua kühl. als Joshua zu der Stelle mit Pattersons Flug von D.« »Hast du nicht«. die man für Geld bekommt«.« »Das hast du mir nicht gesagt. widersprach Joshua. Wer sich leicht manipulieren lässt. »Ich muss Bruder Gabriel euer Versagen melden. Diese ganze Schauspielerei ist doch Bockmist«. »Außerdem glaube ich fast. wie Christopher Hart Dale Gordon beschrieb. als er während des Termins mit Lawson hörte. der einzige Mensch auf Erden. war ihm klar geworden. Jem ignorierte die Kritik an seiner Strategie. du hast mich enttäuscht«. Er hatte Melina verschwinden lassen. Einen solchen Fehler hätte Jem Hennings nicht gemacht.« Allein der Name rief Furcht und Respekt hervor. »Der echte Tobias hätte sie nur mit Mühe als Fälschung identifizieren können. Da Bruder Gabriel das erwählte Sprachrohr Gottes war.« Jem hatte sich von Joshua den Ablauf Schritt für Schritt und Wort für Wort berichten lassen. Die Schuld lag allein bei Gordon. was passiert war und warum. Vielleicht hatte ein Übermaß an spiritueller Indoktrination bei ihm zu Gehirnerweichung geführt. dachte er nun. mir bleibt keine andere Wahl. wie z. »Damit habt ihr ihr jedenfalls den Tipp gegeben.« Joshua beschrieb den Kampf. du Knallkopf«. müsste sich Jem nun nicht mit einem zweiten Unfähigen herumschlagen. »Kaum waren wir wieder bei Besinnung. Dale Gordon.klagte Joshua. Damit war die Klinik in die Ermittlungen geraten.C. Gordon. Aber nachdem er seinen Zweck erfüllt hatte. er war perfekt. und das ordentlich? Genau dieses Risiko geht man ein. dass Bruder Gabriel ohne Rücksprache mit ihm Gillians Ermordung und Gordons Selbstmord befohlen hatte. wenn man formbare Leute verwendet. was sie auf unsere Spur gebracht hat.

Möglicherweise hat er inzwischen auch Melina entweiht. makellos gekleidet und sachlich. flötete sie beinahe. Diese Abneigung konnte Jem noch schüren.« In Jems Stimme schwang die Inbrunst der Gerechten wieder. »Wir haben nicht versagt«. Wer sich gegen Bruder Gabriel stellte. Was sollen wir mit ihr und diesem Kerl machen?« Das war eine ausgezeichnete Frage. Hennings?« Jem wirbelte seinen Stuhl herum. Plötzlich sackte Jem das Herz in die Hose. bevor ihr mich benachrichtigt habt«. gierig schnappte er nach Luft.« »Er muss vernichtet werden. Dann drehte sie sich um und stakste davon. konnte genauso gut die Faust gegen Gott erheben. Was kann ich für Sie tun?« Der Mann klappte eine kleine Lederhülle auf. wie viel ahnte sie? Wer konnte. Er hat Gillian Lloyd entweiht. die Christopher Hart inzwischen doppelt grollten. seid ihr hinüber. dass die Jungs diesen Mistkerl in seine Atome zerlegten und in seinen Cowboy-Stiefeln verbluten ließen. Inzwischen kennen sie eure Gesichter. schwarz. »Bist du sicher. unternehmt nichts. Weißt du noch?« Und plötzlich fiel Jem alles wieder ein. Er hatte sich über ihr Versagen so aufgeregt. konterte Joshua. Die können nicht verschwinden. »Bleibt so dicht wie möglich dran. dass er den anderen nur am Rande wahrnahm. murmelte Jem vor sich hin. stand auch schon die Sekretärin da und wedelte ihm ein weiteres Memo vor die Nase. »Christopher Hart ist ein Feind des Großen Plans. Wenn ihr euch blicken lasst. FBI. wenn sie die Polizei oder das FBI benachrichtigte? Er brauchte Zeit zum Nachdenken. Insgeheim hoffte er jedoch. Er zog Jems Blicke derart herrisch auf sich. musste die Situation klären und Ausweichpläne entwickeln. Hoffentlich konnte er dadurch auch die spirituellen Untertöne vermitteln. wies er Joshua an.« Kaum hatte er aufgelegt. ohne dass sie euch bemerken. Wie viel hatte Melina erraten. »Haltet mich auf dem Laufenden. wie es sich Jem gewünscht hätte. Trotzdem gelang es ihm. aber fragenden Lächeln auf dem Gesicht zu erheben. Dieser Befehl passte dem Söldner und seinem Kumpan nicht in den Kram. »Wir haben uns doch abgesichert. außer ihm.winzig vor. »Mr. »Spezialagent Tobias. Zwei Männer waren an seinem Arbeitsplatz aufgetaucht. Es klang nicht so zerknirscht. Sie waren Männer der Tat. »Wenn ihr sie geortet habt. sich mit einem freundlichen. »Kann das nicht warten?« »Ich glaube nicht«. »Ich bin doch kein Idiot. dass es funktioniert?« »Es funktioniert.« »Dafür hat man uns gerufen. noch wissen. dass er beinahe den doppelten Boden ihres Plans vergessen hätte! Sein Kopf durchbrach die Oberfläche. wenn man ihn damit konfrontierte? Was wäre. Seine Anwesenheit schien bedeutungslos. die den Vergeltungszug gegen Hart verbrämen sollten.« . dass das FBI heute Morgen zu ihr nach Hause kommen sollte? Was würde er erklären. »Ich bin Jem Hennings. Einer war groß.« Joshua reagierte beleidigt.« »Alles deutet aufs Gegenteil hin«.

hören Sie zu. »Heute bin ich froh. der nach uns sucht. während sie ihren Anruf auf dem Handy beendete. »Sie werden mir doch keine Vase an den Kopf werfen. wann ich wieder nach Hause komme. dass sie es massiert hatte. Sie haben gesagt. Sie ließ die Hand sinken. Ich war von . wo sie sich genug Bargeld für mehrere Tage geholt hatten.« »Wäre schlecht fürs Geschäft. Wenn ich Sie nicht als Lügner und Feigling bezeichnet hätte.« »Trotzdem verstehe ich noch immer nicht. Das Schlüsselwort ist: Diskretion.« »Genau wie in Ihrem Beruf. Nach einem Zwischenstopp am Geldautomaten.« »Wie geht’s dem Schlüsselbein?«. wozu Sie unbedingt Haute Couture brauchen. Sie blickte sich in dem schäbigen unpersönlichen Zimmer um. dann reden wir eben darüber. »Sie wollen also unbedingt darüber reden. um sie vorbei zu lassen. stand sie auf. dass er die Knie zur Seite biegen musste. wenn sie neugierig wäre und Geheimnisse ausplauderte. Weiß Gott. Gillian hat mir erklärt. »Was ist daran falsch?« »Nichts.« Händeringend meinte sie: »Ich mache mir solche Vorwürfe. Mir fiel nichts Besseres ein. »In Ordnung. stellte Chief amüsiert fest. 22 »Eine persönliche Modeberaterin?«. Zwischen den beiden Betten war nur so wenig Platz. »Chief.« »Das sind aber nicht Ihre normalen Klamotten. Melina. Die hätte sie nicht lange. dass sie meine Einkäufe erledigt. Zu ihren Kunden gehören die Reichen und Berühmten. Das Zimmer war absoluter Durchschnitt. um an ein paar neue Klamotten zu kommen. worauf er den Ängstlichen mimte. dass ich von Ihrer Nacht mit Gillian weiß. oder?« Ohne auf seine Bemerkung einzugehen. Sie würden keinem Kunden die Geheimnisse eines anderen ausplaudern. Und das hier sieht etwas zu auffallend aus«. Vielleicht wird das hier eine Zeit lang mein Zuhause. was? Na schön. »Wahrscheinlich bekomme ich einen blauen Fleck.« »Könnte es gebrochen sein?« »Mein Schlüsselbein? Nein. Sie wird alles besorgen und mit einem Taxi vorbeischicken. was ich brauche. meinte sie zu ihrem Tweety-Shirt.« Er seufzte resigniert. ich solle mir meine Schlüssel schnappen. aber das ist auch schon alles. Schließlich wanderte ihr deprimierter Blick wieder zu ihm zurück.« »Jeder. sagte sie mit ungeduldigem Kopfschütteln. hatten sie sich in einem Autobahnmotel eingemietet. Ich habe ihr erklärt.« Sie warf ihm einen giftigen Blick zu.« »Angeknackst?« »Nein«. ich hätte eine Affäre. Wollte sie denn keine Erklärung haben?« »Wahrscheinlich denkt sie. Ich bin sogar tief beeindruckt. dass ich Sie in diesen Schlamassel hineingezogen habe. Sie haben mich nicht an den Haaren hineingezerrt. dessen Parkplatz voller Achtzehn-Tonner stand. Melina. Ich hätte Ihnen nicht verraten sollen. fragte er. wodurch ihr erst auffiel. wird auf Einkäufe mit der Kreditkarte achten. aber das muss es nicht auch für Sie sein. hätten Sie sich nach diesem Treffen mit Lawson frei und unbeschwert verabschiedet. aber dabei denken sie vielleicht nicht an Neiman’s.

« Er kramte sein Handy aus der Jackentasche. Ich kann ihn mir nicht holen. Er kühlte das Auge mit einer Plastiktüte voller Eis. Als Sie Ihren Fehler erkannten.« Endlich hatte seine Nase zu bluten aufgehört. aber ich war dabei. Kaum waren sie im Hotel. Jedes Mal. Jetzt sieht es so aus. meinte er. wenn die NASA drohend hinter Ihnen stünde.« Beide hatten gleichzeitig dasselbe gesagt. Ihre unbekannten Angreifer von letzter Nacht wären nicht so tapfer.« Ohne richtig hinzuhören. »Genauso ist es bei Gillian und mir auch immer gewesen«. Ein Anruf beim FBI. wobei er sich an die Schläfe tippte. Was können wir tun?« »Denke gerade darüber nach«. »Ganz sicher nicht. meinte er: »Ich vermisse das Zeug schon jetzt. waren Sie entsetzt. Chief. wie man sich unsichtbar macht.« »Ein Anruf beim FBI. »Wir sind ja ein reizendes Gaunerpärchen. rief im Mansion an und erklärte dem Empfangschef. dass ich mal ein solches Gespräch führen würde. »Ich auch nicht. »Ich glaube es nicht.« »Und Sie denken wirklich. wurde ihr Lächeln deutlich . warum. der eine Runde zu viel absolviert hatte.« »Die NASA würde Sie schützen.« Nachdem er aufgelegt hatte. erklärte sie ihm. Außerdem weigere ich mich.Anfang an dabei. ehe Sie es verhindern konnten. Ich bin geflohen. rief er und lachte kurz auf. als sei ich an der Reihe. dass man seine Sachen packen und sie ihm per Taxi an seinen momentanen Aufenthaltsort schicken sollte.« »Es gibt einen Weg. »Nicht in einer Million Jahre hätte ich mir träumen lassen. ich weiß. Aber Kriminelle wissen. Ihre Blicke trafen sich. er habe unerwartet abreisen müssen und wünsche. In beiden Fällen will ich wissen.« »Einbrecher!«.« Sie beschwor ihn. »Sie wollten mich verteidigen.« »Wie fühlen Sie sich denn?« »Das möchten Sie lieber nicht wissen. Gillian wurde getötet. »Das ist ein persönlicher Kampf. und die Schwellung ging deutlich zurück. »Bitte. wenigstens habe ich diesmal den anderen Knaben auch eine verpasst.« Er lächelte. »Und was soll ich denen erzählen?« »Dass Sie heute Morgen dachten.« »Nach meinem wird man mittlerweile suchen. »Tut mir Leid.« »Was?« »Dass Tobias und Patterson Regierungsagenten waren.« »Nun. während sie die Auskunft wählte.« »Hoffentlich. er sei von Anfang an beteiligt gewesen. so rasch wie möglich. vielleicht unwissentlich. wenn Gillians Name fiel. aber nicht den genauen Namen. Ich weiß. erkundigte er sich spöttisch. fühlte sie sich noch immer verantwortlich.« Mit einem freudlosen Lachen setzte sie sich wieder ihm gegenüber. das FBI anzurufen. mich hinter der NASA zu verstecken. das herauszufinden. weil sie eine gewisse Zeit mit mir verbracht hat. ich würde von Einbrechern überfallen. die Dienstausweise sahen echt aus.« »Ich habe keine Ahnung. wie man sich gute Fälschungen besorgt. Er nannte ihnen die Adresse des Motels.« »Vermutlich lernen wir das unterwegs. damit sie den Verband auf der Wange erneuern konnte.« Trotz seiner Witze und der hartnäckigen Behauptung. klopfte sie sich mit ihrem Handy ans Kinn. das kaufen die uns ab?«.« Dann deutete er auf sein zerschundenes Gesicht. hatte er sich gewaschen. Trotzdem sah er noch immer wie ein abgetakelter Berufsboxer aus. »Und was ist mit Ihrem Wagen?« »Der hockt da wie ein Köder.

dass jetzt ihr etwas passiert ist. »Ich übernehme die volle Verantwortung. erklärte ihm Tobias gelassen. Chief.« Noch ehe er ihr eine nähere Erklärung abringen konnte. Sie tat es und sagte dann still zu Chief: »Gillian hatte eine sehr gute Zeit. bleiben Sie dran. dann wissen Sie ja Bescheid. sagte er leise. »Kann Ihnen sonst jemand helfen?« »Ms –« Krampfhaft bemühte sie ihr Gedächtnis. Sie war fertig. Auf ihre Bitte.« »Wir ziehen keine voreiligen Schlüsse«. Sie wollte sich heute Morgen ausarbeiten.« »Mich auch. Lloyd lediglich ein paar Fragen stellen.« Die automatische Weiterleitung forderte sie zum Eingeben einer Nummer auf. Sie wissen. ich versuche Spezialagent Hank Tobias zu erreichen.« Nachdem Tobias Patterson angewiesen hatte. kam ihr Anruf durch. der leise in sein Handy sprach.« Mit einem Blick zu Chief schüttelte sie reumütig den Kopf. Nach der Woche. erzählen Sie mir nicht. »Oh Gott. mal sehen. Ermitteln Sie denn in Gillians Fall?« »Wir wollten Ms. »Myrick.« Sie legte die Hand übers Mikrofon.« Der Anruf wurde knapp und geschäftsmäßig beantwortet. es gibt ihn wirklich. Ich werde dafür sorgen. beantwortete Jem Hennings Tobias’ Frage. Ich versuche nur. die sie leider nicht eingehalten hat.schmaler. Haben Sie seine Nummer?« »Ich kann Sie direkt mit seinem Büro verbinden. er sei nicht erreichbar. aber ich weiß nicht. »Hier ist Lucy. wandte er sich wieder an Jem Hennings. wohin sie heute Morgen gegangen ist? Wir haben ihr Büro überprüft. halb elf. »Ich hatte heute Morgen eine Verabredung mit ihr. dass sie verstehen –« Eine ihr bekannte Stimme unterbrach sie. Dort hat sie sich nicht gemeldet.« »Worüber?« »Sie haben seit gestern Abend nichts mehr von ihr gehört?« »Nein. »Äh. Wie ein Wunder fiel ihr wieder der Name ein. Ich habe ihr gesagt.« »Ich habe Melina gestern Abend gesehen«. ob sie Tobias sprechen könne. so gegen zehn. ich würde heute irgendwann bei ihr vorbeischauen. »aber dann holt es mich blitzartig wieder ein.« »In welches Studio?« »Tut mir Leid. Wir haben bei ihr daheim gegessen und uns ein bisschen entspannt.« »Sie hatten mit Melina eine Verabredung? Weswegen? Was hat sie gemacht?« Tobias umging diese Frage und stellte seinerseits eine: »Wissen Sie eventuell. was mit meiner Verlobten Gillian passiert ist. oder? Melinas Schwester?« »Wir hatten heute Morgen schon ein längeres Gespräch mit Senior Corporal Lawson.« »War sie allein. »Wann haben Sie sie gestern Abend zum letzten Mal gesehen?« Hennings’ verwirrter Blick wanderte rasch zwischen ihm und Patterson hin und her. Es war mein Fehler.« »Oh. teilte man ihr mit. »Ja. »Warum? Worum geht’s eigentlich? Ist ihr etwas zugestoßen? Oh Himmel.« »Ins Fitness-Studio. als Sie gingen?« . »Vorübergehend kann ich’s vergessen«. jemanden auf diese Spur zu setzen. wo sie Mitglied ist. Das war auch jetzt nicht anders.« »Bitte.« »Also sitzen wir in der Patsche. sie ausfindig zu machen. aber nichts Konkretes vereinbart.

»Normalerweise lässt sie keine Verabredungen platzen«. Myrick?« »Ich habe soeben mit Melina Lloyd gesprochen. was sie durchgemacht hat. wenigstens die nächsten Tage. »Ja?« »Sie werden mich küssen. wird sie in den Boden versinken. ja. nicht ganz auf der Höhe. der unbedingt den Hilfreichen spielen wollte. supertoll gekleidet. »Sie können helfen. um ihre Kunden nicht zu stören. Wenn sie merkt. . dass sie die Verabredung mit Ihnen vergessen hat. »Worauf Sie sich verlassen können. Aber sie ist sehr unabhängig. fragte Hennings besorgt. meinte Hennings.« Tobias verzog keine Miene. kannte fast auch schon die andere. Termine einzuhalten gehört zu ihrem Geschäft. so gut es geht«.« Draußen im Flur meinte Patterson auf dem Weg zum Aufzug: »Lawson hat nicht übertrieben.« »Woher wissen Sie das?« »Er hat blonde wellige Haare.« »Der vor Hilfsbereitschaft über die eigenen Füße stolpert. in das sie häufig ging. in dem Fitness-Studio anzurufen. Ihre Worte. sagte Hennings ernst. »Gillian hat sich schon immer geärgert. Deshalb möchte ich auch helfen. Er ist ein Ober-Arschloch. Zerstreut.« »Wir möchten nur mit ihr sprechen. Wer die eine kannte. war aber immer nur bei ihrer Mailbox gelandet.« »Halten Sie es für eine Lüge. weil Melina nie abgenommen hat. Sie lässt ihr Telefon ausgeschaltet. »Worum geht’s eigentlich? Steckt sie in Schwierigkeiten?« Tobias zog eine Visitenkarte aus seiner Sakkotasche und gab sie dem Börsenmakler. Aber vielleicht ist sie nach allem. Vielleicht versuchen Sie’s mal mit einem Anruf auf ihrem Handy«.« »Die beiden standen einander sehr nah.« »Schwarz. falls Sie von ihr hören.« »Sie bleiben mit mir in Verbindung?«. Ms. Wollte nichts davon wissen.« Tobias hatte schon mehrmals angerufen. Patterson beendete seinen Anruf und berichtete.« »Sie scheinen sie ja fast so gut zu kennen wie Ihre Verlobte. »Sie ist ein echter Profi.« »In welcher Hinsicht?« »Geistesabwesend.« »Ich auch. aber jedenfalls hat er nicht im Gästezimmer geschlafen. einsachtundachtzig groß. Obwohl ich mich in Gillian verliebt habe. indem Sie mich sofort anrufen.« »Das ist alles?« »Zur Zeit. fragte Hennings. »Gegen mein Anraten. Meiner Ansicht nach hätte jemand bei ihr bleiben sollen. ist Melina für mich inzwischen fast wie eine Schwester. fuhr Hennings fort. dass er gestern Abend ihr Haus verlassen hat? War er heute Morgen dort?« »Das weiß ich nicht. »Haben Sie auch nur ihre Mailbox bekommen?«. eine von Melinas Angestellten habe sich erboten. Deshalb hat sie mich auch fast hinauskomplimentiert. Sieht hinreißend aus.« »Ich wüsste gerne. »Ich habe die Nummer.« »Pardon?« Tobias’ Handy klingelte. Sie hat lange gebadet und wollte sofort ins Bett.« »Und warum das. was los ist.

weil er aus dem Büro in Dallas ist. Ein Typ wie Denzel Washington. weil ihr Handy klingelte. Sie überprüfte die Nummer des Anrufs. was sie zu ihm sagen sollte.« Chiefs Blicke sprachen Bände. wer angerufen hat. Ohne auf Chiefs Kompliment einzugehen. »Sie hat mir fest versprochen.Ebenfalls ein Zitat von ihr.« »Geht’s Ihnen gut?« »Es ging mir schon besser. was mir gerade einfällt. bitte.« »Ich bin um neun Uhr da gewesen. also lasse ich mein Handy an. umgehend mit Tobias Kontakt aufzunehmen. Lloyd? Hier ist Spezialagent Tobias.« Vor einer halben Stunde waren die neuen Sachen geliefert worden. Beim vierten Klingeln ging sie ran.« »Lucy Myrick rief gestern Abend an.« »Wer wusste von Ihrer Verabredung mit ihm?« »Keiner. die ihr nicht bekannt vorkam. als Sie sich nach seinem Flug von heute Morgen erkundigt haben. Sie hatte sportliche Kleidung angegeben.« Seine Augen hingen an ihrem Po. das Gespräch fortzusetzen.« »Haben Sie’s ihm gesagt?« »Ich habe etwas erfunden. »Hallo?« »Ms.« »Ein Anzug von der Stange.« »Was jemand mit einer persönlichen Modeberaterin beurteilen kann. was ich als ›supertoll gekleidet‹ bezeichnen würde.« »Einer schon. zwei Paar Schuhe und ein Nachthemd. als ich in der Badewanne lag. als der Anruf kam?« »Später hat er mich gefragt. erzählte sie ihm. bestätigte Chief. dass ich unsere Verabredung versäumt habe. »Hennings war da. damit aufhören?« »Ihre Modeberaterin versteht ihr Geschäft. billige Schuhe.« »Was ist heute Morgen passiert? Ich war in Ihrem Haus und habe das Durcheinander und die . drei Mal Unterwäsche. In einer kleineren Tasche lagen Kosmetika und Toilettenartikel und dazu eine kesse Karte der Modeberaterin. und so hatte die Verkäuferin von Neiman’s zwei Hosen und einen Rock mit den jeweils passenden Pullovern geschickt.« »Also muss ich vielleicht doch nicht ins Zuchthaus.« »Und Ihr Patterson hat gelogen. »Patterson kennt sie nicht. wie sich herausgestellt hat. wie es ihr Lucy Myrick geschildert hatte. »denn unser Tobias war nicht so groß. Jem und ich sind ans Telefon gegangen –« Ihre Blicke klebten wie zwei Magnete aneinander. Nicht gerade das. »Passt perfekt. Myrick habe versprochen. dazu eine leichte Wolljacke. dass er anrufen wird.« »Entschuldigen Sie. Leider hatten sie keine Gelegenheit. eine von den neuen Hosen angezogen und ihr Tweety-Shirt gegen einen Pullover aus Seide und Cashmere vertauscht. Momentan hätte sie wirklich nicht gewusst. Wenigstens war es nicht Jem. auf der stand: »Viel Spaß!« Sie hatte schnell geduscht. Ms.« »Würden Sie.« »Was werden Sie ihm sagen?« »Keine Ahnung.« »Zu spät. und ein Denzel Washington war er garantiert nicht.« »Ich denke nicht«.« Melina beschrieb Chief das Äußere von Hank Tobias. Vermutlich.

« »Wer ist heute Morgen in Ihr Haus gekommen?« »Ich weiß es nicht. Wie kam sie zu dieser Ehre.Blutflecken gesehen. das haben wir überprüft«. Die einzige. Tobias fragte gerade.« Er zögerte. warum Sie sich für den Mord an Gillian interessieren.« »Noch nicht. wobei sie Chief bezüglich Größe und Gewicht .« »Sie müssen doch einen Verdacht haben. als sie das Haus verließ. Lassen Sie uns –« »Das habe ich schon einmal versucht. wo Sie sind. Lloyd. Sind Sie verletzt?« »Nein. der ihren Teil des Gesprächs verfolgte.« »Die Klinik hat viele Patienten. leider ohne Erfolg. Mr. die diese Woche erstochen wurde. Ms.« »Und Colonel Hart? Ist er verwundet?« Ihr Blick schoss zu Chief hinüber. Nachdem er mehrere Sekunden darüber nachgegrübelt hatte. ob die Betrüger noch da gewesen seien. »Bewusstlos.« »Glauben Sie. Sie nannte die wesentlichen Dinge.« »Das Haus war leer. noch ehe sie die Polizei verhören konnte. Sagen Sie mir. Dale Gordon war ein Serienkiller?« »Nein. erklärte sie ihm. Fragend hob er die Augenbrauen. erklärte er.« »Der Fall Ihrer Zwillingsschwester und ein anderer in Oakland ähneln sich verblüffend: Beide Frauen wurden wenige Tage vor ihrer Ermordung künstlich befruchtet. antwortete er ruhig. dass alle Opfer Patientinnen einer Waters Klinik waren? Liegt dort Ihre Antwort. bat er sie um eine Beschreibung der beiden. Chief setzte sich gerader hin.« »Dann ist der rote Faden der.« »Nicht zu diesem Zeitpunkt. Ms. »von wie vielen derartigen Verbrechen reden wir überhaupt?« Er vermied eine Antwort. Treffen Sie sich mit mir und Agent Patterson. Tobias?« »Genau das versuche ich herauszufinden. aber es handelt sich nicht nur um Filialen von Waters«. Als sie eine Antwort auf diese Fangfrage verweigerte. war meine Schwester. Auf dem Küchenboden«.« »Weil sie Patientin in der Waters Klinik war.« »Mein Gott«. meinte Tobias: »Ich würde mich sehr gerne mit Ihnen unterhalten. »Eine war Patientin bei einem Privatarzt. Weg?. Lloyd. Eine ging zu einer anderen Lizenzklinik mit einem ähnlich soliden Ruf wie die Waters-Gruppe. ja?« »Schon möglich. Chiefs laserblaue Augen morsten Fragen. ehe er sagte: »Eine Reihe anderer Verbrechen. Eine Weile sagte keiner ein Wort. Schließlich meinte Tobias: »Das ist alles. was ich Ihnen jetzt sagen kann.« »Irgendetwas hat Sie auf Gillians Ermordung aufmerksam gemacht. Erst wenn Sie mir erzählen. sagte sie mit bebender Stimme. formulierte er stumm.« »Die waren weg?«. Sie schüttelte leicht den Kopf. und die jeweils Verdächtigen nahmen sich das Leben. Sie etwa? Haben Sie die Typen gefragt?« »Sie gefragt?« »Als Sie dort waren. »Er steht nur mit dem Mord an Ihrer Schwester in Verbindung. rief sie.

« Sie erklärte.« »Ich habe ihn offiziell wieder eröffnet. er hätte ihn offiziell geschlossen.« »Verstehe. »Was ist los?« Chief wirkte so angespannt wie eine Sprungfeder. »Gott sei Dank habe ich ihren Körper verbrennen lassen.« »Und dann?« »Und dann nicht mehr. dass ich mich schützen und verschwinden konnte. sonst würden sie sie womöglich exhumieren. Sein Nicken bestätigte ihre Angaben.« »Wir haben in der Küche ein höllisches Chaos und auf dem Schlafzimmerteppich Blutspuren gefunden. Ich weiß.stumm zu Rate zog. Anfänglich. ich habe Lawsons Fallakte gelesen.« Sie legte auf und schleuderte das Handy weg. beides gehört zu Colonel Hart. »Legen Sie zum Schlafen die Füße aufs Kopfkissen statt des Kopfes?«. Sind sich die beiden davor schon mal begegnet?« »Sie haben Lawsons Fallakte? Ich dachte. »Wie bitte?« »Auf dem Kissen im Gästezimmer war Blut.« »AutoScout?« .« Sie äußerte sich nicht zu seiner Vermutung.« »Wen rufen Sie denn jetzt an?« Sie hatte ihr Telefon wieder geholt und wählte rasch eine Nummer. sagte sie erregter. dass Sie bei mir sind. Lloyd. »Sie wollen es nicht dabei bewenden lassen«. weder so noch so. als vielleicht nötig war. dass Hart den Abend vor Gillians Ermordung mit ihr verbracht hat. »Ms. Ich nehme an. als hätte sie sich die Hand verbrannt. wollte er wissen. wie sie sich am Abend vorher in die Ferse geschnitten hatte. »AutoScout. Oh. Und außerdem ein kerzengerades schwarzes Haar. übrigens wissen die.« »Was ist los? Haben Sie damit ein Problem?« »Ich melde mich wieder. »Ich habe mich täuschen lassen. Wenigstens war ich so misstrauisch.

»Sobald Bruder Gabriel eine Entscheidung trifft. Hancock. 23 »Ich habe ihren neuen Aufenthaltsort ermittelt«. »Nicht. Hennings. sie zwar genau im Auge zu behalten. werden Sie benachrichtigt. weil man ihn nicht direkt zu Bruder Gabriel durchgestellt hatte und er mit Hancock als Vermittler vorlieb nehmen musste.« »Ich werde mich bereithalten. wie es sich Jem wünschte. »Noch während unseres Gesprächs spüren meine Männer sie auf. Da sich inzwischen das FBI dafür interessierte. sagen Sie Bruder Gabriel. keinen Verdacht aufkeimen zu lassen. fügte er hinzu: »Sie teilen sich derzeit ein Zimmer in einem billigen Fernfahrer-Motel. Hancock versicherte ihm mit gebührend niedergeschlagener Stimme. wie bei der Lösung dieses Problems am besten vorzugehen ist. Bruder Gabriels Vertrauter würde auf seinen traurigen Ton anspringen. Vielleicht wären damit die Pläne für ihre Teilnahme am Großen Plan durchkreuzt. vertrat Bruder Gabriel die Meinung. Melina die Quittung dafür zu verabreichen. dass sie ihn gestern Abend verschmäht hatte. aber man hatte seine Empfehlung auch nicht völlig verworfen. nur vielleicht nicht so schnell.« Jem hoffte. Hancock reagierte mit einer typisch unverbindlichen Aussage auf seinen Vorschlag. Jem hatte Verständnis für Bruder Gabriels Wunsch. Mittlerweile hatte Joshua die Anweisung. Mr. Hart würde seine Abreibung bekommen. Insgeheim war er allerdings ganz versessen darauf. er werde die Information weiterleiten. weil er mit seiner Verlobten geschlafen hatte. Außerdem wartete er schon ungeduldig darauf. Rein körperlich betrachtet.« »Christopher Hart ist immer noch bei ihr. Mr. »Gibt es denn eine schlechte?« »Meiner Meinung nach handelt es sich dabei um etwas. Sicher wird Bruder Gabriel zur selben Schlussfolgerung kommen wie ich: Dass Melina für den Großen Plan ungeeignet ist. es stünde unentschieden. »Wenn sein Termin beendet ist. das Bruder Gabriel unbedingt wissen und vor dem nächsten Schritt sehr gewissenhaft in seine Überlegungen einbeziehen sollte. Eine ganz andere Frage war ihre moralische Qualität. Ihren Andeutungen zufolge hatte sie viele . Hart bestraft zu sehen. womit er genau dies tat. Es war zwar kein totaler Sieg.« Zuvor hatte er Joshuas zweites Fiasko beichten müssen. dass alles wieder im Lot ist. was er auch tat. Außerdem hatte er Zweifel an Melina gesät. Hennings. aber sonst nur auf Anweisung weitere Schritte zu unternehmen.« »Fahren Sie fort. Bitte. ob dieser konservative Weg der richtige ist. werde ich ihn sofort informieren. »aber ich bin mir nicht sicher. Außerdem musste er die unglückselige Nachricht überbringen. Mr.« »Das ist die gute Nachricht. Sie war sexuell immer aktiver gewesen als Gillian.« Jem war ein wenig sauer.« Mr. war sie ideal. Er hat vollstes Vertrauen in Sie.« Erst nachdem er diesen Satz hatte einsinken lassen. berichtete Jem an Mr. sagte Jem. dass ich alles wieder unter Kontrolle habe. obwohl es ihn kaum überraschen dürfte.« Jem legte in dem Gefühl auf. man sollte auf Nummer Sicher gehen. dass der Astronaut die Nacht in Melinas Haus verbracht und sich als ihr Beschützer mit Joshua geprügelt hatte. dass ich Bruder Gabriels Urteilsvermögen in Frage stellen möchte«.

« »Zweiundzwanzig Mäuse. Schon der Gedanke an Melina und Hart machte Jem rasend. sondern sah so übel aus. ließen sie ihren Wagen einfach dort stehen. im Gegensatz zu Gillian. »Falls Sie mit einer Verfolgungsjagd rechnen. sogar unter ihren VIP-Kunden. Jem Hennings würde sicher auch ohne sie überleben.« »Fünfunddreißig. Sein unbehaglicher Zustand rechtfertigte schlechte Laune. Was aber in Melina gefahren war. Chief kniff hinter seiner Sonnenbrille die Augen zusammen. Schön. Der AutoScout. Das Motelzimmer hatten sie schon beim Einchecken bar bezahlt. hätte er nicht sagen können. he?« Als er dann noch die Schnitte und blauen Flecken in seinem Gesicht bemerkte. obwohl ihn sein pochendes Jochbein hin und wieder eines Besseren belehrte. während er ihre Habseligkeiten auf der Rückbank des neu erworbenen fahrbaren Untersatzes verstaute. Wahrscheinlich hatte sie ihn verscheucht. Trotz Melinas Einwänden hatte sich der Schnitt seiner Meinung nach so weit geschlossen. Eine Garantie. Seit ihrem Gespräch mit Tobias schien sie jeden Moment aus der Haut fahren zu wollen. denn dahinter standen Geist und Arm des Allmächtigen. gab es trotzdem. den sie angerufen hatte. wie sie war. »Biste pleite. Trotzdem war es seine heilige Pflicht. Die Waters Klinik belegte eine zweite Etage davon. und du hast mich nie gesehen. Sie war fest entschlossen. um dich zu bezahlen.« »Vierzig. »Woher wissen Sie. Dennoch bot die klaffende Wunde keinen schönen Anblick. der in den schönsten Herbstfarben prangte. Bruder Gabriels Strafe für moralische Verderbtheit erfolgte rasch und hundertprozentig. dass mechanisch und auch sonst alles in Ordnung war. Bruder Gabriel auf ihren unwürdigen Charakter aufmerksam zu machen. Da sie beim Aufbruch nicht die Absicht hatten zurückzukommen. Ringsherum standen auf allen vier Seiten die gleichen dreistöckigen Gebäude.Liebhaber gehabt. die Angestellten nehmen sich dann zum Mittagessen frei. Ich denke. angesichts der drastischen Verschlechterung seiner Unterkunft. Zu guter Letzt würde auch Hart und Melina ihr gebührendes Schicksal ereilen. Selbstverständlich. dann käme es höchstwahrscheinlich bald dazu. hatte Chief sie gewarnt. war ein preiswerter Autoverleiher. hatte er gefragt: »Oder ham’se dir verdroschen?« »Hab noch genug. Sogar hinter getönten Gläsern reagierte sein geschwollenes Auge empfindlich auf Sonnenlicht. sogar bestens. Seine Blätter waren leuchtend rot. Zwischen grünen Rasenflächen und Chrysanthemen-Rabatten bildeten gepflasterte Wege geometrische Muster innerhalb des absolut quadratischen Parks. »Der Besitzer von . nicht attraktiv fand. Bis dorthin konnten sie nicht entkommen. ihre Spuren zu verwischen. dass sie herauskommen wird?« »Weiß ich nicht. der mitten in einem Gebäudekomplex mit medizinischen Firmen lag. Wenn sie nicht schon mit Hart geschlafen hatte. besonders weil ihn Melina. Ein Taxifahrer hatte sein Gepäck beim Motel abgeliefert und sich dabei eine bissige Bemerkung nicht verkneifen können. dessen Wagen sämtlich vor Beginn der letzten Dekade zusammengeschweißt worden waren. weil sie Hart erwartete. und ich vergess meine eigene Mutter. dass ein neuer Verband unnötig war. werden wir Probleme bekommen«.« Nach einer heißen Dusche und frischer Kleidung fühlte er sich etwas wohler. aber die Klinik schließt täglich zwischen eins und halb drei.« Er saß mit Melina auf einer eisernen Bank unter einem mächtigen Baum.

« Er kletterte hinters Steuer.« »Ich habe sie und ihre Gefolgschaft begleitet.« Das Gespräch erstarb. wenn man dem FBI aus dem Weg geht?« »Wenn man flieht.« »Ich fahre immer und weiß. Obwohl jeder Polizeibeamte. wie sehr er sich gewünscht hatte.« . wenigstens nahm er das an. Gillian würde die Brille ablegen. Er wusste noch.« Als ihr Freund das Auto vorbeibrachte. womit die Debatte ein für alle Mal beendet war. Obwohl er Melinas Augenfarbe kannte. wollte sie es für mehrere Tage im Voraus bezahlen. wo er das Autogramm haben wollte. um eine Aussage zu verweigern?« »Das ist ein Verbrechen?« »Justizbehinderung ist eines. Ihre Nervosität war ansteckend. Beim Verlassen des Motels nahm ihr Chief die Autoschlüssel ab. wo’s lang geht.« »Was haben Sie ihm denn Gutes getan?« »Erinnern Sie sich noch an das Playmate vom letzten Jahr?« »Lebhaft.« »Dachte ich mir schon. doch einen Augenblick später meinte sie: »Um Himmels willen. Schließlich habe ich noch nie Dessous von der Duschstange nehmen müssen. hätte er doch gerne ihren Ausdruck gesehen. Melina.« »Ich fahre besser und schneller. Genau die gleichen hat Gillian auch getragen. wo ich hinmuss. Sie haben Ihre Dessous ausgewaschen und zum Trocknen über die Duschstange gehängt. »Tun wir eigentlich irgendetwas Illegales?«. Dabei habe ich ihm ein Exemplar mit persönlicher Widmung besorgt. Auch jetzt musterte sie argwöhnisch jeden. hielt sie vorsichtig durch das schlierige Heckfenster Ausschau. »Das fiel mir auf. als ich zum Duschen ins Bad ging. den Lexus hinter dem Motel zwischen zwei Wohnwagen fände. »Nur für den Fall. Sie können mir ja sagen. das klären wir später.« »Ich weiß nicht recht.« »Nicht dort. während wir um unser Leben rennen?« »War nur eine Beobachtung. der durch den Park ging. aber er lehnte mit der Bemerkung ab: »Lass gut sein.« »Sie haben sich zum Zeitvertreib mit meiner Unterwäsche beschäftigt?« »Ist mir eben durch den Kopf gegangen.« »Und das machen wir gerade?« »Sie tragen die gleiche Unterwäsche. fragte er. damit er ihre Augenfarbe erkennen konnte. »Wir sind in Verbindung geblieben. Ist es ein Verbrechen. und er schuldet mir einen Gefallen.‹« »Aha.« Niemand erführe. »Diesen Schrotthaufen sollten Sie besser mich fahren lassen. als sie durch Dallas kamen. dass ich in nächster Zeit mal vor Gericht muss.« »Sie hatte dieselbe Modeberaterin. »Was?« Wenn er doch nur ihre Augen hinter der Sonnenbrille lesen könnte. dass sie heute miteinander Geschäfte gemacht hatten.« »Das kann ja nicht schwer zu beschaffen gewesen sein. Sie muss doch tausende signiert haben. versicherte er ihr. warum erwähnen Sie so etwas. der nach ihrem Nummernschild suchte.AutoScout ist mit Gillian und mir auf die High School gegangen«. Reiner Zeitvertreib während des Wartens. Genau wie bei Gillian. erklärte ihm Melina.« Ihr Kopf fuhr herum. zusammen mit dem Satz: ›Du bist hier.

So oft wie möglich. ich bin Melina Lloyd. Erinnern Sie sich noch?« Sie presste eine plumpe Hand an den Busen.« Wie sie lachte und dabei den Kopf neigte. wäre es ihm lieber gewesen. diese Stimme wieder zu hören und dieses Gesicht erneut auf seinem Kopfkissen zu sehen. wie sie sich nach dem Gottesdienst mit Ihnen unterhalten hat.« Er hatte sie noch dichter an sich gezogen und auf die Schulter geküsst. sagte Melina. dass es ein und dieselbe sein könnten. Croft. ihr geschwungener Hals. Noch viele Male. Hautfarbe. als wolle sie ihr klopfendes Herz beruhigen. Wie der Blitz schoss Melina von der Bank hoch. dass Sie’s sind und kein Messerstecher. so lange wir ein Zimmer teilen: Ich versuche. ohne die geringste Ahnung. aber mit dem Entschluss. Figur. Haare. die er je von ihr hören sollte. »Danke. Bis auf Linda Croft war das orangefarbene Stockwerk leer. Allmählich wurde es für ihn immer schwieriger. dann war das. Er musste sich ständig zur Ordnung rufen. die beiden auseinander zu halten. sondern Melinas. denn an Gillian hatte ihm alles gefallen: Gesicht. »Die grauhaarige Dame. »Da ist sie«. »Natürlich.« Unter ihren Blicken entfernte sich Linda Croft aus dem Pulk und ging auf jene Ecke des Quadrats zu. Lächeln – alles hatte ihn berührt. Wie schön.« . indem es sie zum Schauplatz für jedes nur erdenkliche Verbrechen gemacht hatte. das Lächeln.« Sie lachte. »Entschuldigung.« Parkhäuser waren ihr per se unheimlich. dass die Frau zusammenzuckte. Vom ersten Augenblick an hätte er sie am liebsten mit Haut und Haar verschlungen. »Sie haben nie mit einer Frau zusammengelebt?« »Nein. Sie sperrte gerade ihre Wagentür auf. Allerdings mochte er auch Melina. »Haben Sie je mit einem Mann gelebt?« »Nein. Die Frau an seiner Seite war Melina. Anschließend waren sie eingeschlafen.Schon beim Ansehen verkrampfte sich sein Herz. »Colonel Hart. die als mehrstöckiges Parkhaus diente. Jetzt schaute er es wieder an. sie nicht zu berühren. Durch die Drehtür des Gebäudes strömte eine Gruppe Menschen in unterschiedlicher Klinikkleidung. aber dies war nicht Gillians Gesicht.« Er schüttelte den Kopf. weil Melina nicht Gillian war.« Ihre Blicke wanderten zu ihm. Lloyd. Wenn man für zwei Frauen viel empfand.« Melina nahm ihre Sonnenbrille ab. den Toilettendeckel zu schließen. wenn sie Gillian nicht aufs Haar geglichen hätte. als er mit Melina bedrohlich näher kam. »Gehen wir. Jetzt fällt es mir wieder ein. gelinde gesagt.« »Ich bin ja nur froh.« »Dann verspreche ich eines. das werde ich zu schätzen wissen. »Das ist Christopher Hart«. Ms. Am Morgen war er zwar alleine aufgewacht. »Ms. nicht ihre Schwester. oder? Ich habe gesehen. dass wir Sie erschreckt haben. und Hollywood hatte ihren üblen Ruf noch verstärkt. sagte Melina. Linda Croft. die sich im Bett warm und befriedigt an ihn gekuschelt und mit süßer schlaftrunkener Stimme geflüstert hatte: »Chief?« »Hmm?« »Das hätte ich nicht um alles in der Welt versäumen wollen. dass sie Gillian ähnelte. und sie einander derart ähnelten. Chief wunderte es nicht. und gerade weil er sie so sehr mochte. beunruhigend und befremdlich. daran zu denken. und er konnte sich nur mit Mühe beherrschen. dass es die letzten Worte waren.« »Hätte ich nicht gedacht.

« »Nein.« »Wir möchten Sie nicht lange aufhalten«. wie unabdingbar Vertraulichkeit ist. das sie vielleicht bekommen hätte. Jede Verletzung ihrer Privatsphäre wäre ein Verstoß gegen unser Berufsethos. »Sie haben gesagt. Ich möchte Kontakt mit ihnen aufnehmen und ihnen mein Beileid zu dem tragischen Erlebnis aussprechen. kann mich aber an Mr. »Freut mich.« »Was ist denn mit Ihrem Gesicht passiert? Bitte. Ich wünschte. Colonel Hart.« »Ich wurde gestern Abend überfallen. bezüglich einer Bemerkung. Andersons Vornamen nicht mehr erinnern. meiner Ansicht nach haben wir Ms. »Was meinen Sie mit interessant?« Allmählich wurde sie misstrauisch. »Da die Entführung des Anderson-Babys so sehr im Blickpunkt der Medien gestanden hat. versicherte ihr Melina. meinte sie. würden sie schnell in einer Sackgasse landen.« Sie griff sein Stichwort auf und meinte: »Oh. »Ich habe Sie bei der Messe gesehen und aus den Nachrichten wiedererkannt«. Erst jetzt kann ich wirklich nachfühlen. entschuldigen Sie meine Frage. die Sie mir gegenüber gemacht haben. antwortete die Frau sichtlich bekümmert. Gillian wurde ermordet. Ich würde selbst nachschlagen. Ich kann ihren Verlust verstehen. »Die Andersons müssen am Boden zerstört gewesen sein. so hatte ich’s ja gar nicht betrachtet.« »Von den Andersons.« Linda Crofts Blicke wechselten hektisch zwischen ihnen hin und her. Croft unabsichtlich in eine Zwickmühle gebracht.« »Selbstverständlich. na ja –« »Deshalb habe ich mich gefragt.« Chief legte Melina den Arm um die Schulter und zog sie an sich. Mit . ob Sie mir nicht sagen können. können Sie sicher verstehen. »Melina. als hätte sie soeben eine größere Enttäuschung erlebt. man hätte nicht so ausführlich über Gillians Ermordung berichtet. Da unsere Dienste ganz persönlicher Natur sind. wie traurig es sei.« »Oh. »Leider begreifen nur wenige meinen doppelten Verlust: Gillian und das Kind. So kann ich meine Lieblingssendung sehen und auch noch meine Katzen füttern. Melina kam zum Punkt. Sie änderte sofort ihre Taktik.« Sie erwiderte sein Lächeln.« Chief ließ Melinas Körper ein wenig gegen seinen sacken.« »Unter diesen Umständen kann ich das verstehen. wo ich sie erreichen kann. dass zwei Patientinnen der Klinik Opfer eines Verbrechens geworden sind. »Halten wir Sie von etwas ab?« »Ich fahre zum Mittagessen heim. »Ich müsste Sie nur etwas fragen.« »Ganz meinerseits. und das Kind eines Paares gekidnappt. lieber Gott. es handle sich um allgemein bekannte Dinge. Bitten wir Sie da um etwas Unerlaubtes?« »Leider ja«.« »Meinen Sie ihre Adresse?« »Oder die Telefonnummer.« Sie lächelte traurig. habe ich angenommen. Wenn Melina ihren Befürchtungen nicht Rechnung trug.« Fragend neigte Linda Croft den Kopf. Sie kennen zu lernen. weil sie nicht helfen konnte. die Andersons haben sowohl ihre Adresse wie ihre Vornamen strikt aus den Nachrichten herausgehalten.« »Wie schrecklich! Hat man Ihnen etwas gestohlen?« »Einen Teil meines Stolzes. wie untröstlich sie nach der Entführung ihres Babys gewesen sein müssen. »Wir dürfen über unsere Patienten weder sprechen noch irgendwelche Informationen herausgeben.« »Colonel Hart und ich finden diese Übereinstimmung sehr interessant.

Es wäre mir peinlich. erwarben berufstätige Singles und junge Familien die alten Häuser und renovierten sie. Kaum verkauften Pensionäre oder starben weg. ich wollte Sie nicht in eine Zwickmühle bringen. Wir möchten Sie nicht länger aufhalten. »Sie erinnern mich an meinen verstorbenen Mann. Es handelte sich um eine ältere Wohngegend. aber Ms. in dem es nach Katzenkörbchen roch.« »Melina weiß das zu schätzen.« Er stieg aus und trabte den Weg hinauf. Sie steht daheim in meinem Adressbuch. Nur Mut. Colonel Hart.« Langsam wandten sie sich um.« Sie errötete passend. Ms. die ich habe.« »Auf Wiedersehen. »Er sah sehr gut aus. Verzeihen Sie. Linda Croft war bereits drinnen verschwunden. Croft. strich ihm mindestens ein Dutzend Katzen um die Füße und kringelte die Schwänze um seine Beine. das »M-Viertel« genannt wurde. ein. Es war äußerst liebenswürdig von Ihnen. der Gleiches erleiden musste. zu Gillians Gedenkgottesdienst zu kommen. befeuchtete sich Linda Croft nervös die Lippen. als er in der Parkbucht anhielt. weil hier alle Straßennamen mit diesem Buchstaben anfingen. Sie könnten hinter mir herfahren.« »Er war ein Glückspilz. angefüllt mit Familienfotos und Gobelinkissen. einen würdevollen Eindruck zu machen. meinte er. Ms. Sie können mit ihr besser umgehen als ich. die ihre besten Tage längst hinter sich hat und trotzdem versucht. fügte sie lächelnd hinzu. die von zwei Sprossenfenstern gerahmt wurde. als es aus reiner Höflichkeit nötig war. Croft«. Vielleicht hilft ihr ein Gespräch mit Leuten. wenn Sie Ihre Sendung verpassen würden. Vielen Dank. Vielen Dank. »War mir ein Vergnügen.« Er schüttelte ihr die Hand. Sie wissen schon: Ich denke an Sie. Hatte auch etwas Indianerblut. um tief Luft zu holen. Sie hielt seine vielleicht ein. die in den letzten Jahren wieder begehrt geworden war. zwei Sekunden länger fest. wohnen sie immer noch unter der Adresse. ehe sie die Rundbogentür aufsperrte. »Gehen Sie. Sie kennen gelernt zu haben. und hielt inne. Ehe sie fortfuhr. Lloyd bricht der Tod ihrer Schwester das Herz. »Das ist Ihre persönliche Mann-Frau-Kiste. Während er wartete.« Gerade als er Melina herumdrehte. auf dem in purpurner Tinte eine Adresse stand. würde –« Sie tat so. Linda Crofts Häuschen lag zwischen zwei frisch renovierten Gebäuden und erinnerte an eine Witwe.« Er stand direkt im Wohnzimmer. sagte Chief. Da sich die Andersons liebenswürdigerweise dafür bedanken. »Kommen Sie herein. Das Glück wartet um die Ecke.« »Das liegt an dieser Mann-Frau-Kiste«. Diese Chemie funktioniert nicht bei allen so gut. dass Mama wieder daheim sei. Aus den hinteren Räumen tauchte Linda Croft wieder auf und streckte ihm einen linierten Zettel hin. jemand. »Das ist zwar gegen die Regeln. Ich dachte. platzte Linda Croft heraus: »Ich schicke ihnen regelmäßig Karten. »Das Haus von Schneewittchen«. die Ähnliches mitgemacht haben.ihrem Tod starb auch meine Hoffnung auf eine Nichte oder einen Neffen. Solche Sachen. wobei er kurz die Hand der Frau streifte. »Tut mir Leid. »Nie hätte ich mir träumen lassen. Linda Croft winkte ihnen von der kleinen Veranda zu. und ich auch. als wäre sie außer Atem.« Ihr Haus lag in einem Viertel von Dallas. wo sie ihren Katzen zurief. bemerkte Melina zerstreut. dass einmal so eine . zwei Tropfen Irokese«. Meiner Ansicht nach sind Menschen wichtiger als Regeln. »Kleine aufmunternde Karten. dass ich Sie belästigt habe.

Kastrationen. wie er ursprünglich angenommen hatte. Aber nur wenige hatten ihm solche Gänsehaut bereitet. sie fänden inmitten des Schrotts eine Spur für ihre weiteren Ermittlungen. Er hatte schon früher Bruchbuden durchsiebt. »Betrachten Sie’s doch mal so«. als sie sagte: »Auch das.« Er scherte aus der Parkbucht aus. Sein Sportwagen war ein Auto und diese Schrottlaube auch. seufzte sie. Er sehnte sich nach seinem wendigen. dass noch eine Frau getötet oder ein Kind entführt wird.« Er verabschiedete sich endgültig.« »Oh. Und so widerstand er der Versuchung. Obwohl er bezweifelte.« Verstohlen warf er ihr einen Blick zu. rief sie ihm nach: »Passen Sie auf den Schnitt auf. fragte sie.« »Ich weiß. der ihnen auflauerte.« »Was ist das denn für ein Müll?« Angewidert runzelte Tobias die Stirn. konnte er das Risiko nicht eingehen. »Dadurch können wir vielleicht verhindern. »Gordon ist ganz versessen auf die Apokalypse gewesen. lag nur wenige Häuserblocks entfernt. in diesem Wagen erkennen würde. Auf seinen Vorschlag schauten sich die beiden FBI-Agenten Gordons Zimmer an. wohl doch nicht so eindeutig lag. Er hoffte. von denen viele wesentlich verfallener und dreckiger gewesen waren als Dale Gordons Zimmer. während Tobias flüchtig das billige Taschenbüchlein durchblätterte. auf Schwertern gepfählte Babys. umrundete einen Block und steuerte Richtung Stadtautobahn. »Sind Sie trotzdem überzeugt. Während er durch den Vorgarten ging. jetzt fühl’ ich mich deutlich besser. sagte Melina. .« »Ich fühle mich geehrt.« »Deshalb spielen Sie also höchstpersönlich Detektivin? Um ein Verbrechen zu verhindern?« »Ist das nicht Motivation genug?« »Sehr nobel. Zu seinem Leidwesen hatte Lawson eingestanden. ob er noch immer heil dort stand. vor dem er gezwungenermaßen seinen Wagen hatte stehen lassen müssen. »Was ist?«. erklärte Kommissar Lawson. »Apokalyptischer Bockmist«. was Sie meinen«. obwohl Dale Gordon der Mörder von Gillian Lloyd gewesen war. weil wir sie so manipuliert haben. »Ich fühle mich beschissen. dass da nicht irgendwo noch Rache im Spiel ist?« In ihrer rauen Stimme schwang eiserne Entschlossenheit mit. »als ob wir Dornröschens gute Fee aufgemischt hätten. Ich habe Ihnen doch schon von seinen Anrufen bei diesem komischen Bruder Gabriel erzählt. um zu schauen. Der Club. aber damit endeten auch schon die Gemeinsamkeiten. gab Melina den Zettel und saß dann eine Weile nur da und starrte durch die Windschutzscheibe auf die matte eingedellte Motorhaube. Ich komme mir mies vor.Berühmtheit bei mir zu Gast wäre. schnellen Wagen und wäre liebend gerne an dem Parkplatz vorbeigefahren. der offensichtlich noch immer Linda Croft und das Thema Manipulation durch den Kopf ging. damit es keine Narbe gibt. dass der Fall. danke.« »Brauchen Sie wieder ein Aspirin?« »Nicht körperlich. ganz sicher. dessen schlichte Zeichnungen den Schrecken der Letzten Erdentage schilderten: Enthauptungen.« Er stieg ins Auto.« Nach dem Besuch bei Hennings’ Investmentfirma hatten sich Tobias und Patterson mit dem Kommissar in Melina Lloyds Haus getroffen und ihm ihre Geschichte von den zwei Betrügern erzählt. Damit überließen sie anderen Beamten das Sammeln von Beweismaterial und fuhren zu dritt zu Gordons Wohnung. dass sie irgendjemand.

die er bislang vermisst hat. »Telefonseelsorger draußen im Tempel in New Mexico haben mir erzählt. »Vielleicht sind die etablierten Kirchen aber auch nur neidisch auf seine Anhängerschar. besonders über einen toten.« Bei diesem drastischen Kommentar des jüngeren Agenten runzelte Tobias zwar die Stirn. Wir haben ein paar ähnliche Schnappschüsse von Gillian Lloyd gefunden«. »Ist nicht gerade Durchschnittspornographie. Sein Leben war ab diesem Zeitpunkt Bruder Gabriel geweiht. Tobias brachte ein wenig Diplomatie ins Spiel und hoffte. »deren Berichte ich regelmäßig lese. fotografiert worden zu sein.« Tobias war von Lawsons Hintergrundarbeit beeindruckt. wies ihn aber nicht zurecht. neben dem nichts sonst existierte. Lawson räusperte sich. war er offensichtlich wesentlich schlauer.« »Bei seinem Eintritt wurde er mit Haut und Haaren Teil einer großen Familie von Gläubigen. als man auf Grund seines Äußeren vermutet hätte. damit das Ressentiment auf erträglichem Niveau zu halten: »In so einer Müllkippe kann man leicht etwas übersehen. Muss Ihren Jungs wohl entgangen sein«. Gordon habe nur ein Thema gekannt: Armageddon. Bruder Gabriel wäre Vaterfigur und Retter in einem. entsprach fast Pattersons Alter. in Afrika. sagte er zu Lawson. Was haben Sie denn entdeckt?« Er griff nach den Fotos. Auch Patterson ließ klugerweise ein wenig Diplomatie walten und teilte den Bilderstapel zwischen ihm und Lawson auf. »Das müssen andere Patientinnen gewesen sein. In Europa. Nackte Damen. die er mit Ermittlungsarbeit zugebracht hatte. »Das habe ich unter dem Bett unter ein paar losen Brettern gefunden. der ihn mit all seinen Fehlern geliebt und akzeptiert hat. Dale Gordon entspricht einem typischen Sektenmitglied: geringe Selbstachtung. als dieser Wichser starb.« »Ich bin kein Sektenexperte. Die Zahl der Jahre. offensichtlich Schnappschüsse. seine Kirche sei eine Sekte.« Lawson berichtete ihnen von dem Guckloch. Als der Name des Fernsehpredigers fiel. Typisch. wie man sie für medizinische Untersuchungen bekam. Gordon habe so oft angerufen. sondern überall. »Hoffentlich war Gott nicht allzu gnädig aufgelegt. jemand.« »Sie haben diesbezüglich recherchiert. Er ist nicht nur hier. andere waren völlig nackt.« »Schon möglich«. auch wenn das wesentlich taktvoller formuliert wurde. sagte Patterson. Die stecken viel zu tief im Frieden-und-Liebe-Gesäusel. um über einen Jünger Schlechtes zu erzählen. Der jüngere FBI-Agent kam mit einem Stapel Fotos herüber. »Bruder Gabriel macht einige Oberhäupter traditioneller Religionen nervös. »Die hat er in der Klinik aufgenommen.« »Wodurch Gordon auf der Stelle eine Identität erhielt. aber dafür haben wir Spezialisten«. Einige trugen kurze Kittel.« »Nicht ganz«. erklärte er. soziale Randfigur. Sie behaupten. berichtete Tobias. Alle waren jung und offensichtlich gesund. meine Güte«. in Asien. wenn es sich um bereits abgeschlossene handelte. meinte Lawson. evozierte Tobias vor seinem geistigen Auge ein Bild. Jedenfalls hieß es. dass örtliche Kriminalbeamte etwas dagegen hatten. »Heißt das. oder?« Die Frauen hatten eindeutig keine Ahnung. das sie entdeckt hatten. meinte Patterson auf der anderen Seite des dämmrigen Raumes. . »Damen. Obwohl er wie ein abgehalfterter Ganove wirkte. mutmaßte Lawson. »auf dem Altar dort drüben. »Ich bin Gordons Faszination für Bruder Gabriel nachgegangen«.« »Altar. dass er ihnen schon gehörig auf die Nerven ging. wenn das FBI hereinplatzte und ihre Fälle übernahm – besonders. Gordon war nicht nur von Gillian Lloyd besessen?« Lawson zuckte seine massigen Schultern.« Noch beim Durchsehen wuchs Tobias’ Wut auf den Toten.

Alles. ob intrauterin oder in vitro. sich selbst ein Bild davon auszumalen. das ich noch nie gehört hatte. wollte Patterson wissen. womit er ihnen Gelegenheit gab. was ich über ihn weiß. was zur Vorbereitung für jedwede Art künstlicher Insemination nötig ist. »Marsch aufs Streberbänkchen. dass er – damit hantiert hat.« . Musste erst mal nachschlagen. du schönes Abendessen. Verstehen Sie?« »Tja. Waschen. »Welchen Job hatte Gordon in der Klinik?«. denn Gordons Berufsbeschreibung konnte einem durchaus im Magen liegen. ich weiß.« Damit warnte sie Lawson vor.« Er schaute zu Patterson hinüber. »Ade. Einfrieren. »Bei dem. ein Wort. »Gordon war Androloge. die in Samenbanken und Kliniken für künstliche Befruchtung mit Samenproben arbeiten und sämtliche Verfahren durchführen: Lagerung. wird mir schon beim Gedanken daran schlecht.« Nach kurzem Nachdenken meinte Tobias: »Wissen Sie.« Er seufzte. Das sind Laborspezialisten. was ich sonst noch weiß?« »Wir müssen diese Klinik auf den Kopf stellen.

»Ich meine damit doch nur«. In diesem Moment dachte er.« Longtree hob den Kopf und warf Abbott einen scharfen Blick zu. so berechnete er die Meter.« Dexter Longtree vermaß gerade die Breite des leeren Büros. widersprach Abbott. dass die Leute mit . attackierte er brutal einen Fingernagel. Wir müssen jetzt nachhaken und etwas Druck machen. 24 Während George Abbott unruhig auf und ab lief. fuhr Abbott fort. Spitze-Absatz. Dexter«. wobei er seine Stiefel als Maßeinheit benutzte. Schreib ein Buch. »Sollte keine Beleidigung sein«. wird er vergessen. »George. Obwohl es sich nur um einen Näherungswert handelte.« »Er hat uns noch gut in Erinnerung. wollen dies und jenes. ließe sich damit die Einrichtung der ersten NAA-Zentrale planen. Besuch eine Schule. Morgen. Weißwein und allem Brimborium. dass wir keine Wilden sind. »Zu uns kommen? Zu uns kommen? Reden wir über denselben Kerl?« Seine Stimme wurde schrill. »dass wir ihn ein bisschen mehr drängen müssten.« »Das ist nicht nötig.« »An einen Kerl wie Hart machen sich die Leute von links und rechts heran. in ein schönes Lokal mit weißen Tischdecken.« »Zum Kuckuck. Wir werden ihn zum Mittagessen einladen.« Longtree war gerade mit dem Zählen der Steckdosen fertig geworden und schrieb etwas auf seinen Zettel. wobei er sich über einen neuen Fingernagel hermachte. bitten um einen Gefallen. Absatz-Spitze. dass er jemals etwas von der NAA gehört hat. »Hab’ ich auch nicht so aufgefasst. Christopher Hart wird zu uns kommen. Leider müssen wir fahren. Dexter.« Abbott klatschte den Handrücken in die flache Hand. »Hart will nicht umschmeichelt werden. murmelte er. warum.« »Wir haben alles Notwendige gesagt. Ich glaube nicht an Träume und Visionen. bei dem kommen nur die Hartnäckigen ans Ziel. Damit überzeugen wir ihn. »Der konnte uns doch gar nicht schnell genug loswerden. »Eines sage ich dir. wo er aus der Brusttasche seines Hemds Bleistift und Papier holte und die Maße aufschrieb. oder spätestens übermorgen. für Tickets reicht unser Budget nicht. »Wir könnten nach Houston gehen. meinte Abbott mit nervösem Lachen. »Ich verstehe nicht. Vielleicht übernachten wir unterwegs. Halt ’ne Rede. jeder will doch umschmeichelt werden«. diese Fahrt können wir uns sparen.« Longtree nahm weiter schrittweise Maß. »vielleicht komme ich meinem spirituellen Ich nicht so nah wie du. bis er die gegenüberliegende Wand erreicht hatte. das überlasse ich den Stammesältesten.« »Habe ich doch schon erklärt.« Longtree konnte Abbotts Gedanken lesen. nein. »Also verzeih. die Haare zu schneiden?« Longtree hatte Georges Plan sichtlich amüsiert gelauscht. Wenn zu viel Zeit verstreicht.« Abbott fiel die Hand aus dem Mund. Und dann tragen wir unsere Bitte vor.« Dann meinte er mit einem schiefen Blick auf Longtree: »Könntest du dir vorstellen. der längst schon restlos abgekaut war. Gib Autogramme. also lautet seine Standardantwort auf jede Bitte. Alles kann er nicht machen.

den man bestechen musste?« Eines der Themen. »Die macht ihm manchmal immer noch zu schaffen. Das wird aus seinem Innersten kommen. der uns erst später Bares kostet. Müssen sein Gewissen bearbeiten. »Wir könnten den Einsatz erhöhen. Das war schon in Ordnung. Eine Wohnungszulage. was er mochte.« Longtree zeigte einen Hauch Lächeln. woher das Geld kommen soll. dass hinter dem Gerede ein Körnchen Wahrheit steckte.« Frustriert warf Abbott die Hände hoch. dem sich die Sprechergruppe widmen wollte. Das ist es! Ein Auto. Aber gelegentlich wurde er ein bisschen seltsam im Kopf.« »Christopher Hart ist ein gewissenhafter Mensch. Vielleicht sollten wir mit dem Mieten noch abwarten. wenn er so weit ist. ehe sie uns ein anderer wegschnappt.« »Vielleicht sollten wir ihm ein Handgeld geben. »Du hast Recht. wir brauchen diesen Lackaffen. »Was schlägst du dann vor?« »Ich schlage vor. und zwar harten. Stark. »Außerdem könnte man Hart nicht bestechen. »George. George. wie’s nur geht. dass wir von hier aus direkt ins Maklerbüro gehen und die Kaution für diese Räume hinterlegen. »Rein äußerlich sieht er vielleicht wie einer aus. sich uns anzuschließen. Furcht einflößend.« »Möchtest du. Mit der Kaution für diese Räume steht unser Konto fast bei Null. Sollte er denken. sondern verfolgte schon eine neue Idee. In solchen Fällen tippten sie sich an die Schläfe und schüttelten sorgenvoll den Kopf. Und zweifelsohne glaubte Abbott. ohne ihn weiterzumachen?« . keines unserer Argumente wird Christopher Hart dazu bewegen. »Das liegt an dieser Tragödie«.ihrer Ansicht über Dexter Longtree wahrscheinlich Recht hätten.« Wieder beachtete Abbott keines seiner Worte. oder ein Auto. jetzt sei es wieder einmal so weit. dass er kein Indianer sein will. ihm mehr Vorschuss geben. absolut überzeugend. auch wenn ich keine Ahnung habe.« »Bei Hart geht’s nicht um Geld. bei Hart geht’s darum. war die Korruption in den Reservaten. und plötzlich fehlte ein Pfeil im Köcher.« Abbott spuckte ein Stückchen Fingernagel von der Zungenspitze. wie bei einem Profisportler. erklärten die Veteranen. wie Longtree verrückt geworden war.« Obwohl Abbott damals noch die Grundschule besucht hatte. Weißt du. aber drinnen ist er so weiß. Aus freien Stücken. Sie klapperte über den nackten Boden.« Aber Abbott hörte gar nicht zu. Leidenschaftlich.« »Unser Angebot war vernünftig und fair. dass jemand als unser Sprecher arbeitet. wenn es um Lizenzen für Glücksspiel und Bauverträge ging. Diese Entscheidung wird er treffen. »Gute Idee. was ich zu diesem selbstgefälligen Mistkerl am liebsten sagen würde? Er soll mich am Arsch lecken. hatte er die Geschichte gehört.« »Nein. »Wie wär’s damit? Wir werden einen finanziellen Anreiz einbauen. Und damit wäre ich wieder bei meinem Ausgangspunkt: Wir müssen Druck ausüben. Meistens war Häuptling Longtree ein nicht zu unterschätzender Machtfaktor. Entschlossen.« Gereizt trat Abbott gegen eine leere Getränkedose. Dann hatte er eine Feder weniger am Kopfputz. Nur mühsam und schrittweise hatte er sich davon erholt und neigte immer noch zu Rückfällen.« »Ohne Harts Engagement? Du bist bereit. die ein früherer Mieter hinterlassen hatte. Vielleicht können wir Fred Eagle zu einer Neuwagenspende aus seinem Autohaus überreden. Damit würden wir ihn sicher herumkriegen.

sie müssten zu einem Konsens kommen. fragte sie. Der denkt. Sir. Aber das kommt noch. »Wer sind Sie? Sind Sie neu?« »Mein erster Tag. Mr. Sir. oder?«. »Bezüglich der Unterkunft. um ihm den Schlag aufzuhalten. »Ich weiß es. Als sie vorbeikam. Da man aber nie wissen konnte. ist Colonel Hart. dann musste er zwei Mal hinschauen. Ich habe Ihre Verlobte getroffen. »Wie können Sie sie getroffen haben? Wann sind Sie ihr begegnet. dies sei sein erster Arbeitstag? Langsam ging Jem auf demselben Weg wieder durch die Halle. Er hat mir nur augenzwinkernd einen angenehmen Aufenthalt gewünscht.« »Jem Hennings von Siebzehn D. worüber keiner eine Bemerkung fallen ließ. als ihm Harry hinterher rief: »Sie haben ein Mordsglück.« Er buchte ein Apartment-Hotel. »Worüber?«. »Sie haben doch keine Kreditkarte benutzt.« Jem Hennings stieg aus seinem Wagen. Der uniformierte Türsteher trat vor.« »Außerdem war es dort sauber. um auch die Nacht zu verbringen. ich habe eine Nummer erfunden. »Glücklich?« »Ja. Da alles vom Verlauf des Abends abhing. Jem bedankte sich mit einem knappen Kopfnicken. wir seien für ein nachmittägliches Vergnügen hier. dass etwas nicht stimmte. was er aber nicht überprüft hat.« Offensichtlich.« Jem fühlte sich heute nicht besonders glücklich. ohne auf diese höhnische Bemerkung einzugehen. wollte sie wissen. drehte er sich um. Eigentlich war sein Tag alles andere als angenehm gewesen. Harry?« Der neue Türsteher spürte. Der Einzige. um ein paar Sachen für Sie abzuholen. Der Portier hatte ihnen ein Zimmer mit einem großen Doppelbett gegeben. Mr. Von billigen Absteigen habe ich die Nase voll. ’ne schnelle Nummer.« »Sie waren doch nur in einer.« »Das wussten Sie?« »Nein.« »Ja Sir. das mehrere Stufen über dem Autobahn-Motel stand. lassen Sie’s mich bitte wissen.« Hatte ihm nicht dieser Dämlack von Harry gerade erst erklärt. als er aus der Hotelhalle wieder zum Wagen kam. der das noch nicht weiß. dachte Jem. ohne den Parkwächter eines Blickes zu würdigen. obwohl es im Vergleich zu Chiefs Standard immer noch bescheiden anmutete. »George. wann man seinerseits um einen Gefallen bitten musste. während er weiter durchs Foyer ging. Und wenn doch. er ist uns sicher.« »Was ich noch nicht als Komfort betrachte.« »Eine von deinen Visionen?« Longtree begab sich zum Ausgang. Er war schon halb am Aufzug. Bald. »Bargeld. Der Türsteher grinste ihn dämlich an.« »Woher weißt du das?« »Ich weiß es eben. Wenn ich etwas für Sie tun kann. Melina. Harry Clemmet. und stotterte: »H-heute N-Nachmittag. Hennings. Der Portier wollte das Nummernschild vom Auto wissen.« Unmittelbar nach dem Verlassen von Jems Hochhaus verkündete Chief.« Der geht mir schon jetzt für ein ordentliches Weihnachtsgeld um den Bart. waren sie vielleicht gar nicht lange genug hier. Hennings. Er war in Gedanken vertieft und verspürte keine Lust auf einen Plausch mit Bediensteten. gab es .« »Das war schon eine zu viel.

»ich kenne dich. wird er leer bleiben. mein Kind? Wenn dich der Klang meiner Stimme erreicht. die sich Freunde nennen. Jede Frau.« Sie ging ins Bad. wobei er seine weiche Stimme auf einen noch tieferen vertraulicheren Tonfall schraubte. Man präsentierte ihn buchstäblich von seiner Schokoladenseite. Er winkte sie zu sich und stellte lauter. sagte er.« »Hör mir zu«. Seine peridot- farbenen Augen schienen von innen heraus zu strahlen. »Sieht gut aus. In dieser Situation. Und doch habe ich darin einen Platz für dich reserviert. »Das ist er. hörst du die Stimme dessen. Zu diesem Zeitpunkt. Die meisten davon bereiteten ihr schon beim Gedanken daran Unbehagen. deren Liebesbeteuerungen falsch sind. dich zu lieben. wer sie waren. Höre. dem du wirklich wichtig bist. Deine Eltern sind nie mit dir zufrieden.« »Ich weiß. Wenn du diesen ganz besonderen Platz nicht einnimmst. was ich sage. Nähre sie nicht. Ehemänner – alle. Die Zuschauer . Dein Chef stellt unsinnige Forderungen an dich. Sie hat schon Millionen Mitglieder. wenn man auf diesen englisch-blonden Typ steht.« Bruder Gabriels Antlitz füllte den Bildschirm. Falsch«. Vorgesetzte. die behaupten. »Du fühlst dich verloren und einsam. sogar unter Menschen. schmähen und betrügen dich. selbst wenn die Chance auf Realisierung gegen Null tendierte.« Seine Pause hatte einen dramatischen Effekt. würde romantische Gefühle entwickeln. zu dem Bruder Gabriel ein blumiges Segensgebet offerierte. fragte Chief. Deine Kinder erweisen dir keinen Respekt. »Ich werde mich mal frisch machen. Unter den gegebenen Umständen schien ihr auch der leiseste Hauch von Intimität mit ihm unangebracht. die sich über längere Zeit mit ihm in einem Raum – zumal einem kleinen intimen Raum – aufhielt. Sie hörten sich die Sendung bis zum Ende an. Ehefrauen. Ich will dich vor der Missachtung schützen. unwichtig zu sein. »Psst. »Ist das nicht der Kerl?« Sie setzte sich neben ihn. Ironischerweise waren gerade diese Umstände an ihrem Beisammensein schuld. Ich liebe dich. Tochter. Anschließend betonte er mit Nachdruck: »Für mich bist du nicht unwichtig. Leugne sie.« Sie warf ihm einen spöttisch-kritischen Blick zu und konzentrierte sich wieder auf Bruder Gabriels Worte. Über einer Fotografie des Tempels vor einem strahlenden Sonnenuntergang wurden Postanschrift und E-Mail-Adresse eingeblendet. Sohn. betonte er. In seinem cremefarbenen Anzug und dem pastellblauen Hemd mit passender Krawatte wirkte er wie ein Symbol für die Reinheit von Körper und Seele. saß Chief am Fußende des Bettes und sah fern. Woher kann Bruder Gabriel mich kennen? Hör mich an.« Mit einer Handbewegung forderte sie Ruhe. Und angesichts der Tatsache. nicht wahr?« »Vermutlich. Nur für dich. ja. Lehrer. Ich will dich bei mir in der neuen Weltordnung haben. Selbstverständlich stand jede Intimität zwischen ihr und Chief außer Frage. was du denkst. »Hörst du zu. Vielleicht macht dich sogar dein Ehepartner lächerlich und gibt dir das Gefühl. Als sie mehrere Minuten später wieder herauskam. Ich verstehe dieses Gefühl der Entfremdung. Menschen. Eine Nacht mit Chief im selben Zimmer würde sie aus mehreren Gründen irritieren. die groß ist. geliebter Mensch«. »Ich will deine Zuflucht sein und dich in meine Familie aufnehmen. Wer könnte seine Ausstrahlung leugnen? Selbst die matronenhafte Linda Croft hatte auf seinen natürlichen Charme reagiert. Diese Zweifel erweckt der Teufel.immer noch das Klappsofa im Wohnzimmer. die dir andere angedeihen lassen: Eltern.« »Neue Weltordnung? Was soll das heißen?«. Dort würde sie schlafen. sagte er leise. denn davon hängt in alle Ewigkeit deine Zukunft ab. Freunde.

»Der Weltraum hat mich immer fasziniert. Wetterballon oder Satelliten zu entdecken. Die ersten Astronauten waren meine Helden. Als ich alt genug war. »Gott hat er irgendwo auf der Strecke zurückgelassen. »Ja. Er selbst ist die Gottheit seines Dogmas.« Bei diesem Vergleich stieß sie ein verächtliches Lachen aus. demnach könnte man vermutlich sagen. fügte Chief hinzu.« »Unglaublich. die behaupten. während er den Ton abdrehte.« Nach kurzem Nachdenken wollte sie wissen. dass ich im Hinterkopf schon immer einer werden wollte.« Er runzelte die Stirn. sind Sie ein gläubiger Mensch?« Der ruhige Klang seiner Stimme verblüffte sie. Er ist das Musterbeispiel. Entsetzlich. die seither berühmt geworden sind. »In der sicher die Antwort auf alle Lebensprobleme steht.« »Und noch an viele andere. den Mond und die Sternbilder lernen. »Ich glaube an die Wissenschaft. und das nicht. Wer sich ihm anschließt. dass ein Mann alle Antworten kennt?« »Ganz einfach«. ob er schon immer Astronaut habe werden wollen. einen Meteoriten. Sie nicht?«. wird Teil einer Elite. Er spricht ihre schlimmsten Ängste an – Zurückweisung und Nicht-Akzeptiert-Werden. Ich wollte alles über Planeten. Dort habe ich stundenlang in die Sterne geschaut und gehofft. habe ich mich nachts heimlich aus dem Haus geschlichen und bin mit dem Fahrrad an den Stadtrand gefahren. »Was zum Beispiel?« »Schließen Sie sich dieser Interessengruppe an. aber definitiv entsetzlich.« »Tja. auch wenn es sonst niemand tut. Eine Menge Leute dachte.« »Und?« »Und damit sind die Möglichkeiten begrenzt.« »Zweifeln Sie an seiner Integrität?« . welche Macht ein Einzelner über die Gehirne vieler haben kann. Trotzdem erschien mir das Ganze hoffnungslos.« »Warum?« »Bis zum Abschluss der High School habe ich in einem Reservat gelebt. Aber denken Sie doch nur an all die weniger bedeutenden Sektenführer. und wer ihm nachfolgt. wo er die nur alle her hat?«. weil Chief den Thermostat der Klimaanlage so weit wie möglich heruntergedreht hatte. Tja. der läuft auf der Innenbahn. er habe ihr Leben von Grund auf verändert. was hält Sie davon ab? Dieser Longbush?« »Longtree.« »Wie können intelligente Menschen auf die Idee hereinfallen. meinte er achselzuckend. selbst als junger Mann.« »Sie machen Witze!« »Eine meiner Kolleginnen hat ihre Tochter an seiner Schule eingeschrieben. »Er appelliert an alle Dale Gordons dieser Welt.« »Melina. Er kennt das Geheimnis des Lebens.wurden nachdrücklich zum Anfordern von Literatur animiert. »Dieser Kerl betrachtet sich nicht als Prophet oder Priester. Er allein kann ihren Wert erkennen. was sie hören wollen.« »Unglaublich nicht ganz. Sogar im Raumfahrtzentrum gibt es welche. Er schätzt sie. antwortete sie ernst.« Sie rieb sich die Arme. »Nun. Melina. Hitler hätte die richtige Idee gehabt. »Er erzählt ihnen. wo der Himmel dunkel war.« »Und warum unternehmen Sie dann nichts dagegen?« Er musterte sie scharf.

« »Worum dann? Weil nicht genug Geld da ist?« »Nein. Ich habe einfach hinausgeschaut.« Er beugte sich vor.« »In diesem Fall sollten Sie’s vielleicht herausfinden. äh.« »Vielen Dank. Es hieß. enttäuscht zu werden?« Dann setzte sie mit weicherer Stimme hinzu: »Oder befürchten Sie. Und doch auch wieder – zugehörig. »Das ist es. absolut klein und unbedeutend. ein kleines .« »Es geht nicht nur um ihn. Verlegen zuckte er die Schultern. »Weil wir die Rollen getauscht haben?« »Haben Sie?« Nach einer Weile meinte sie: »Daran arbeite ich noch. Sie schießen mit gemeinen Pfeilen. Ein echter Indianerwitz. das größer ist als die Summe des Ganzen.« »Ich bewundere Ihre Ehrlichkeit.« »Trotzdem sind Sie mit Ihrer Entscheidung nicht zufrieden. bis sich ihre Gesichter fast berührten. ich könnte weiter andere Dinge tun. »Aua.« »Warum unterhalten wir uns gerade darüber?«.« Er neigte sich etwas zurück. Chief«.« Er rotierte die Schultern. auch wenn’s schwierig ist. wissen Sie. Diese unendliche Weite. so –« Er brach ab. wissen Sie. »Haben Sie Angst. Im Vergleich dazu kam ich mir überflüssig vor.« Sie verhielt sich ganz still.« »Ha-ha. »Sie müssen sich selbst ein paar kleinere Fehlschläge gestatten und die Fähigkeit entwickeln.« »Die verdient eine Belohnung. »Auf meiner letzten Mission da oben habe ich gebetet. Sie könnten deren Erwartungen in Sie nicht gerecht werden?« Er zog die Augenbrauen hoch und pfiff leise. Vermutlich so etwas wie Gott. »Ich weiß es nicht. Nichts im Vergleich zu ihm«. das mehr Ehrfurcht gebietet als selbst der Weltraum. Warum so gereizt. der Fehlschläge verachtet. hörte zu. Melina. einfach vor mich hin gedacht.« »Wie kommen Sie darauf?« »Weil Sie mir fast den Kopf abbeißen. warum knurren Sie mich dann an. »Teilweise. fragte er missmutig. ein Teil von etwas. »War sicher kein grandioses Gebet.« Lange Zeit musterte sie ihn intensiv. sich einen Fehler zu verzeihen. von dem beide Seiten profitieren. Er schaute als erster weg. »Ich habe mich entschieden und sie abgewiesen. Für einen Augenblick fehlten ihm die Worte. habe mir alles angesehen. Ein Teil von etwas. Bislang siegt das Schuldgefühl. Und da habe ich.« Sie schnappte nach Luft. meinte er und deutete mit dem Kinn zum Fernseher hinüber. nur weil wir darüber reden?« Ihr unverwandter Blick war eine einzige Herausforderung. nicht wahr?« »Was ist was?« »Sie sind ein Erfolgsmensch. Die restliche Mannschaft schlief. als wolle er ihre Frage abschütteln. was man in der Kirche so hört. meinte sie mit leichtem Tadel. so lange meine restlichen Interessen nicht ihren politischen Tendenzen widersprächen. es ist so wunderschön. »Haben Sie das denn?« »Was?« »Sich selbst verziehen. gab ihm Zeit. um das Ausmaß des Universums zu beschreiben.« »Nur zu. »Melina. Chief? Wenn Sie sich entschieden haben und damit im Reinen sind. »Nichts.« »Für mich klingt das wie ein Geschäft.

wie geehrt sie sich fühlte. Dabei fällt mir ein. Gerne hätte sie seine harte Wange berührt und ihm gesagt. stand auf und trat seitlich ans Bett. Sie wollte ihn keinesfalls in Verlegenheit bringen. und dass man mich ausgewählt hatte. weil er ihr einen derart intimen Moment anvertraut hatte. »Dann wäre ich offiziell in eine FBI-Ermittlung verwickelt. dass es da war. die aus ihren Augen zu fließen drohten. er solle sich nicht für diesen Augenblick der Transzendenz schämen.« »Tja. Es muss Jem gewesen sein. nachdem er vor ihr seine Seele entblößt hatte. Ich spüre das. Nur für alle Fälle.« Nach kurzem Nachdenken schüttelte sie störrisch den Kopf. Das schließt sich nicht aus. warum er mir diese Schlägertypen auf den Hals gehetzt hat.« Ein alarmierender Gedanke.« Als er ihr die Nummer wiederholte. ich solle ihn so schnell wie möglich anrufen. aber jedenfalls ist dieses Gefühl sehr stark. Hennings hat Ihr Gespräch belauscht. Er hat mir eine Nachricht hinterlassen. wo er sich aufs Kopfteil fallen ließ und sich in voller Kleidung mit den Stiefeln auf die Bettdecke legte.« »Hat bei Ihnen angerufen?« »Lawson muss ihm meinen Aufenthaltsort genannt haben. vermutlich. »Jem hat damit zu tun.« »Das ist genug. dass es so war. Wir können sie später überprüfen. Wissen Sie noch. der ein paar Möglichkeiten in die Diskussion wirft.« »Werden Sie’s tun?« Er schüttelte verneinend den Kopf. wo er sich erkundigte.« »Weibliche Intuition?« »Vielleicht nur das.« »Sie erinnern sich noch an die Nummer?« »Dafür habe ich ein Talent. einen einzigartigen exklusiven Blick darauf zu werfen. Ich spiele nur den Advocatus diaboli. hat er sich äußerst merkwürdig benommen. Seit dem Morgen. ob dort irgendwelche Nachrichten für ihn eingegangen seien. Sie können an die Wissenschaft und gleichzeitig an mehr glauben. Die habe ich notiert. falls mich mein Gedächtnis doch im Stich lässt. ohne auf eine seiner Nachrichten zu reagieren.Dankgebet. einige mit Vermerk. »Wer? Warum?« »Ich behaupte ja nicht. Dann rief er von seinem Handy aus sein Büro und verschiedene Mailboxen in Houston an. wie er in . Als sie seinen Blick spürte. Ein weiterer Anruf ging ans Mansion. die er hinterlassen hat. Vielleicht liefert eine davon einen Hinweis. Ich ziehe eine inoffizielle Beteiligung vor. es sei dringend. Gerne hätte sie ihm gesagt.« Nach einem Moment schaute er sie direkt an. Und jede Berührung wäre aus mehreren Gründen riskant. »Das ist alles. als Sie sich mit Tobias verabredet haben?« »Sonst kommt niemand dafür in Frage. man hätte Ihr Telefon angezapft. Stattdessen sagte sie leise: »Chief. an dem ihre Leiche entdeckt wurde. und schluckte den Klumpen in der Kehle hinunter.« »Außer. andere ohne. Er hörte sie ab.« Blinzelnd vertrieb sie die Tränen. Aber vielleicht sollten wir uns die Nummer notieren. Davon würden die Medien früher oder später Wind bekommen.« »Also nehmen Sie an. Er schaltete das Telefon aus. warf sie ihm rasch einen Blick über die Schulter zu.« Er räusperte sich. meinte sie: »Das ist sein Handy. dass bei Jem unter der Zielwahl mehrere Nummern einprogrammiert waren. »Tobias. Meinte. Aber auch das sagte sie nicht. tat es aber nicht. Ich weiß es.

oder sie.« In Jems Wohnung war sie nervös wie eine Katze gewesen und hatte jede Sekunde mit seinem Auftauchen oder dem der Polizei gerechnet. aber das war gelogen. was auf eine Verbindung zu Killern hindeutet. Zeitschriften. was Gillian je auch nur im Geringsten an ihm gefunden hat. damit sie alles aussprach.« »Einmal bin ich mit Gillian zum Abendessen dort gewesen. weder Adressverzeichnis noch Telefonbuch. Hoffentlich würde es nie so weit kommen. Ich dachte. Für dieses unerlaubte Eindringen. Keine Belege. »obwohl es mich schon beim bloßen Gedanken daran schüttelt. die heute Morgen bei mir aufgetaucht sind. und sie war froh. Dadurch traten die Verletzungen und blauen Flecken noch deutlicher hervor. »Ich habe ihn immer für einen analfixierten Klemmi gehalten. worüber hat er dann sonst noch gelogen?« »Genau das bereitet mir Kopfzerbrechen. Robb Report. Seine Küche glich einem Labor.« Sie legte sich auf die andere Hälfte des Betts und schob das Kissen unter den Kopf. Jem hat mir zwar ein paar windige Ausreden dafür geliefert. das hinge mit unserem Besuch zusammen. hatte sie eine Verhaftung riskiert.« »Wenn er schon wegen einer Verlobung lügt.« Sie hielt inne und schüttelte reumütig den Kopf. »Wenn ich doch nur mehr Beweismaterial hätte. oder was immer diese Kerle sein mögen. gestand sie. In der ganzen Wohnung kein Fitzelchen Papier. bis Chief nachhakte. Sie sagte. er sei schon immer gegen eine künstliche Befruchtung gewesen? Gillian hat mir genau das Gegenteil erzählt. Gillian hätte es mir erzählt.« »Krankenschwester.« Sie starrte Löcher in die Luft.Lawsons Büro behauptet hat. Alles war pieksauber. nicht sein Feind zu sein. Dessen bin ich mir absolut sicher. Mühe. »Himmel. In seiner Wohnung befindet sich jedenfalls mit Sicherheit nichts. versteckt er sie gut. was die Verlobung betrifft.« »Sind Sie sicher?« »Ja. nicht einmal im Abfalleimer. Ihre Augen bohrten sich in seine. dass die Wohnung makellos war. was ihr durch den Kopf ging.« »Wäre es sogar denkbar.« Plötzlich veränderte sich Chiefs Miene.« »Lesestoff?« »Forbes.« »Passt zu ihm. warum sie sich gegenseitig Stillschweigen geschworen hätten. »Vielleicht haben Sie Ihren Beruf verfehlt. Also hat er entweder uns angelogen. Soll ich Tobias auf Ihre Fähigkeiten hinweisen?« »Mir egal.« »Herumspionieren macht müde. »Meiner Ansicht nach hat sie sich das eingeredet. Schon damals fiel mir auf. dass er in irgendeiner Weise für ihre Ermordung verantwortlich ist?« »Diese Idee ist mir auch schon gekommen«.« Er warf ihr einen bewundernden Blick zu. Nun erfahre ich mehr über ihn und kann mir nicht mehr vorstellen. Jem habe sogar auf ein Kind gedrängt.« »Detektivin. Eine Junggesellenbude sollte auch wie ’ne Junggesellenbude aussehen. das sich hinterher als Zeit-.und Nervenverschwendung entpuppt hatte. Money. Falls Jem Hennings eine dunkle Seite hat. aber offensichtlich lebt er immer so. deren Lektüre man von einem Börsenmakler erwartet. »Tut Ihr Gesicht weh?« »Mir geht’s gut.« »War sie denn in ihn verliebt?« Sie ließ sich die Antwort durch den Kopf gehen und wählte ihre Worte mit Bedacht. keine Notizen. »Er lügt. Ganz straff lag die Haut über seinem Schädel. bin ich müde. Jem hat gekocht. Weder Kalender noch Terminliste.« . wenn sie sich zum Heiraten entschlossen hätten.

ehe er ein raues »Wohl kaum« ausstieß.« »Kein schlechtes Gewissen?« »Wegen Hennings? Nein. Chief. bohrte er weiter. »Sie hat mir erzählt. was eine Frau ziemlich aufrüttelt. wie er den Kopf schüttelte. Offen gestanden wollte sie sofort unter die Dusche. »Chief.« Sie warf ihm einen wütenden. hier auszuharren. »Hat sie sich denn beim Heimkommen irgendwie bedauernd geäußert?« Sie drehte ihm den Kopf zu. sondern habe den ersten Schritt getan. sprechen Sie mit mir. ich verstehe. Meiner Meinung nach hatte Gillian Angst. »Sie hatte Angst. wenn ich Gillians Liebesleben mit Ihnen diskutiere. Aber das war sie meiner Ansicht nach nicht.« »Eigentlich sogar ein ganz schlechter. das war eine Falle.« »Ich entschuldige mich. Melina.« »Haben Sie ihr Ihre Vorbehalte bezüglich Hennings mitgeteilt?« . »Häufig. Hat sie Ihnen erzählt. sagte er entschieden. Vielleicht hatte das etwas mit seinem Entschluss zu tun. »Warum?« »Offen gestanden. Da sie offensichtlich nichts mehr sagen wollte. »Oh.« . Bitte. Schon deshalb hatte er es vermutlich verdient. wollte er wissen. eine anzufangen. wenn Gillian tatsächlich in ihn verliebt gewesen wäre.« »Habe ich denn kein Recht dazu? Sie hat die Nacht mit mir verbracht.« »Ich wüsste zu gerne.« Er wartete auf mehr. was in jener Nacht in ihr vorgegangen ist«.« »Trotzdem kein guter Grund. sie hätte eine tolle Zeit mit mir verbracht.« »Rutschen Sie mir den Buckel runter. Zeit. Vor kurzem haben Sie gesagt.« »Dann –« »Trotzdem möchte ich hören. dadurch hätte sie es sich möglicherweise mit Ihnen verdorben. Nur. wieviel ich tatsächlich weiß. Inventur zu machen. Erzählen Sie mir. Aber eines konnte sie nicht gleichzeitig: mit ihm darüber reden und ihn ansehen.« Sie wollte aufstehen. wie Gillian ihre Nacht empfunden hatte. Deshalb entzog sie ihm ihre Hand. enttäuschten Blick zu. Seine blauen Augen bohrten sich in ihre. dass wir gemeinsam geduscht haben?« »Nein. Um zu sehen. sie sei nicht verführt worden. »Betrachten wir’s mal ehrlich: Die große Vier mit der Null rückte bei ihr immer näher. was sie gedacht hat. obwohl er irgendwann ohne weiteres türmen und ihr die Suche nach den Hintergründen für diesen Mord allein hätte überlassen können. Das zwischen uns war keine schmutzige Affäre.« »Das wären keine Geheimnisse. Jem könnte vielleicht ihre letzte Chance für eine richtige Beziehung sein. also nein«. als sie heimkam. Schließlich war ich dabei. »Was sonst noch.« »Wir haben auch nicht zusammen geduscht. Sie würden sie deshalb vielleicht geringer schätzen. doch dahinter steckte mehr als bloße Neugier. »Dann ist’s ja gut. Ist das auch in Ihrer Erinnerung so?« Sie fühlte.« Sie spürte. wie er nickte.« Er wollte wissen. es war ihm ein tiefes Bedürfnis. »Bitte. Melina?« »Chief. ist mir nicht ganz wohl dabei. auch an jenem besagten Tag beim Mittagessen. einen Teil von Gillians Gedanken zu kennen. legte den Kopf wieder aufs Kissen und schaute unverwandt zur Decke. ich kann Ihnen nicht ihre Geheimnisse verraten. sagte er ruhig. da packte er ihre Hand und hielt sie auf dem Bett fest. was sie erzählt hat. In meinen Augen war das kein Betrug.

stellte die Füße auf den Boden und drehte ihm den Rücken zu. und wegen der vielen Dinge. Dann packte er an ihr vorbei den Türknauf. »Wie oft einer…« »Oh. Möglicherweise kommen wir nicht wieder zurück. »Nein. dass sie mit mir geschlafen hat und gleichzeitig in Hennings verliebt war?« Erst nach langer Zeit fand sie ihre Stimme wieder. je nachdem. »Holen Sie Ihre Sachen. die sie diskutiert hatten. Einzig und allein um Sie. »Ich meine. bis sie mehr als nur seine Körperwärme im Rücken spürte.« Unmerklich lehnte er sich vor. Dann ging sie voll bepackt zur Tür. ehe sie sich wieder auf die Zimmerdecke konzentrierte.« Chief kam näher.« Sie nickte verhalten. sah sie sich rasch um und vergewisserte sich. nach kurzer Pause: »Hat Gillian Ihnen erzählt. flehte sie mit heiserem Flüstern.« Sie stand auf und begann. »Wegen allem.« »Mehrmals.« Während sie Kleidungsstücke und andere Utensilien einsammelten. »Das musste ich von Ihnen hören. Das – war er. »Was?« »Vergessen Sie nicht. was man sofort bedauert. nichts vergessen zu haben. Männer würden vielleicht –« »Angeben.« »Weswegen?« Sie lachte leise. dass ich Melina bin. Nicht Gillian.« »Und konkret?« »Sie wissen schon. Melina. »Männer… würden vielleicht…« »Weiter. was die nächsten Stunden bringen. wie –« »Chief. oder die Befruchtung.« »Nicht. »Vermutlich ist er inzwischen zu Hause. am Rücken spürte sie seine Körperwärme. die unausgesprochen geblieben waren.« Sie holte tief Luft und atmete dann ruckartig aus. und selbst dann klang sie dünn. »Wäre es möglich.« »Wie kann sie da in Hennings verliebt gewesen sein?« Rasch schaute sie zu ihm hinüber. brodelte das Schweigen zwischen ihnen von den heiklen Themen. wie oft?« »Nicht genau. Wir sollten gehen.« Heimlich warf sie ihm einen Blick zu. »Melina?« Sein Atem fuhr durch ihre Haare.« »Hatte ich vermutet.« . einmal kann man sich ja vielleicht vergessen und in der Hitze des Augenblicks etwas tun. Chief«. Nervös setzte sie sich auf. »Ich nehme das. hören Sie damit auf. An diesem Abend ging es nicht um Jem. Prüfend schaute sie auf ihre Armbanduhr.« » – intensiv das war? Wie ich nicht genug von ihr bekommen konnte?« Glühende Augen blickten sie über das extrabreite Doppelbett an. Es ging nur um eines: um Sie. und plötzlich war es ihr nicht mehr breit genug. bitte.« Dann. ihre Sachen zu sammeln. »Bitte. »Sie haben Gillian besser gekannt als alle anderen. Als sie alles beisammen hatte. Dann denkt man: Oh mein Gott. was habe ich getan? Und man verschwindet reumütig. ohne ihn umzudrehen. Aber so war es nicht. Noch näher. Hat Ihnen Gillian erzählt. oder um ein mögliches Kind.

meine verstorbene Schwester war eines. Sie hatten bis zum späten Abend gewartet. dass wir hier aufkreuzen. »Nette Gegend«. darunter ein Minivan oder ein Geländewagen.« Mit einem erfreuten und zugleich verdutzten Gesichtsausdruck schüttelte ihm Tony die Hand.« Melina hatte anscheinend gar nicht darauf geachtet. Sie wurde erst vor wenigen . bevor er die Tür geöffnet hatte. sagte Anderson zu ihm. »Äh. Schützend legte er einen Arm um Candace.« Anderson schaute Chief an. Candace vergrub das Kinn fast in der Brust. aber ich hatte Angst. Sie fragte sich. »Hmm. »Wegen der Entführung Ihres Sohnes«.« »Lloyd. das ist meine Frau Candace. wo der Rasen gut gepflegt war und in jeder Garage mindestens zwei Fahrzeuge standen. Erkennen und Neugier über dessen zerschundenes Gesicht. Das moderne Haus lag am Ende einer kurzen Sackgasse. Sie kennen zu lernen. wie die öffentlichkeitsscheuen Andersons sie wohl empfangen würden. sagte Melina. und in ihren großen Augen lag ein verletzter Ausdruck. Christopher Hart. Miss Lloyd?« »Nein. weswegen sie ihn sprechen wollten. ein Opfer bzw. Skiurlaub in Vail und eine Mitgliedschaft im nahe gelegenen Country Club leisten. »Richtig. »Mr. bemerkte Chief. Anderson?«. Freundlich-zurückhaltend musterte er die beiden fragend. Würden Sie uns ein paar Minuten Zeit schenken? Es ist schrecklich. Ihre Figur und ihr Gesicht mit der blonden sonnengebleichten Mähne und den großen Rehaugen hätten dazu gepasst.« »Sprechen? Weswegen?« In Tony Andersons Stimme schlich sich eine gewisse Schärfe. Er wurde feindselig. Vorsichtig trat sie neben ihren Mann und drängte sich so dicht an ihn. Candace. »Ich bin Melina Lloyd. erkundigte sich Melina. dass er viel Zeit im Freien verbrachte. wobei sein muskulöser Körperbau eher auf Tennis als auf Golf deutete. In seiner Miene spiegelten sich Verblüffung. deshalb sind wir einfach gekommen. »Nett. Deshalb konnten sie Tony Anderson schon näher kommen sehen. Und das ist Christopher Hart. was aber halbherzig und nicht bedrohlich klang. ohne vorher angerufen zu haben. »Der Astronaut?« »Tony?« Candace Anderson hätte gut und gern Cheerleader bei den Dallas Cowboys gewesen sein können. Dann träfen sie beide wahrscheinlich zu Hause an. Sie würden uns vielleicht nicht sprechen wollen. Über den Fußweg erreichten Chief und Melina eine Eingangstür. »Sind Sie Reporterin. Sie trug alte Jeans mit zerschlissenen Knien und ein Stricktop. als ob er längst wüsste. Und Miss … Entschuldigung.« Er war durchschnittlich groß und sah überdurchschnittlich gut aus. als wolle sie Schutz und Hilfe suchen. Melina Lloyd. Seine Bräune ließ darauf schließen. das nur bis zur schmalen Taille reichte. Tonys Verhalten hatte jede Spur von Freundlichkeit verloren. Die Anwohner konnten sich für ihre Kids Privatschulen. Drinnen im Haus bellte ein Mal ein Hund. die hauptsächlich aus facettierten Glasscheiben bestand. »Sie kamen mir gleich bekannt vor«. Trotz ihrer Schönheit war ihr Gesicht von Trauer geprägt. 25 Tony und Candace Anderson lebten in einem vornehmen Viertel im Norden von Dallas.

« »Meine Schwester hatte einen anonymen Spender«. Während sie Platz nahmen.« »Leider hat mein Kommen mehr mit der Suche nach Informationen als mit neuen Hinweisen zu tun«. wenn jemand Informationen besitzt. wo sie offensichtlich eben erst zu Abend gegessen hatten. Vertrauensvoll schob sie ihre Schulter unter seine. die uns möglicherweise helfen. und jede Berührung sprach Bände. die die Andersons offensichtlich zueinander empfanden. Es ist für Melina sehr wichtig.« Candace hob den Kopf und schaute Melina an. randvollen Bücherregalen und einem Golden Retriever. denn auf dem Esstisch standen noch die Teller. Auf jede ihrer Bewegungen reagierte er mit einer harmonischen Gegenbewegung. aber Candace stellte sie doch: »Sind Sie ihr Samenspender gewesen. »Verzeihen Sie meine Direktheit. Ich habe fast die ganze Nacht mit Gillian verbracht.« Da trat Chief vor. erklärte Melina. »Sie war Ihre Zwillingsschwester. bitte. Und außerdem aufwändig. doch diese Situation rechtfertigte es. wie wir Ihnen helfen können.« »Meine Schwester Gillian wurde weniger als vierundzwanzig Stunden vor ihrer Ermordung in der Waters Klinik künstlich befruchtet. Meiner Meinung nach gibt es eine Verbindung zwischen der Entführung Ihres Sohnes und diesem Mord. Sie konnten sich mit einem Blick verständigen. »Auch Gillian war Patientin der Waters Klinik. Außerdem: Nein. Er nutzte seinen Ruhm nur selten aus.« Candace musterte sie fragend. Beide gingen offensichtlich ganz ineinander auf. Es handelte sich um ein kleines Wohnzimmer mit einem Breitwand-Fernseher. meinte Tony barsch und streckte die Hand nach dem Türgriff aus. Sie hat mein Hotelzimmer in den frühen Morgenstunden verlassen und wurde kurz vor Tagesanbruch umgebracht. musste man alle Schutzwälle einreißen. Mit Ausnahme ihres großen Verlusts. Das Ehepaar bat sie in ein Zimmer neben der Küche. Colonel Hart und ich sind der Meinung.« Tony wandte sich an ihn. Der Hund warf Melina und Chief einen trägen Blick zu. Nur.« »Wir bleiben nicht lange«. war ich nicht. Tony sprach als erster: »Wir reden wirklich nur ungern mit Fremden über Anthonys Entführung. Er mochte dieses gemütliche Zimmer. den Hund und die körperliche und emotionale Nähe. gestand Melina. aber ich muss Sie einfach fragen: Hat man Ihr Sperma bei der Empfängnis von Anthony benützt?« . der zusammengerollt vor dem Kamin lag. der deutlich sichtbar war. »Und was haben Sie damit zu tun?« »Berechtigte Frage.« Tony schämte sich seiner Frage. rief sich Chief ins Gedächtnis.Tagen ermordet. »Das glaube ich nicht. Um mit einem anderen Menschen so innig zu verschmelzen. stellte Tony höflich den Fernseher leiser. beneidete Chief sie.« »Ich habe in der Zeitung darüber gelesen. »Ich weiß nicht. ehe er weiterschlief. Und eventuell auch für Sie. Dann setzte er sich neben seine Frau aufs Sofa und nahm ihre Hand. Wirklich eine beneidenswerte Beziehung.« »Ja. ihn wieder zu finden.« »Das ist alles? Das ist die Verbindung?«. Ihre Körper schienen gewohnt zu sein. »Bitte. dass es einen Zusammenhang zwischen ihrer Ermordung und der Klinik gibt. Colonel Hart?« »Sagen Sie Chief zu mir. hereinkommen?« Berühmtheit hatte ihr Gutes. fügte sie hinzu. es sich gegenseitig gemütlich zu machen. »Könnten wir.

als ob sie gewusst hat. Das kerngesunde.« »Ist schon gut«. zur Toilette zu gehen. sollte es noch am Eingang Stolz und Schamgefühl abgeben. Wir wollten nur eines: ein gesundes Baby. Angeblich auf Grund von Medikamenten. ihr Gesicht nicht in die Kameras zu halten. Das liegt an den Techniken. »Wir lagen in einem privaten Entbindungszimmer«. »Laut den Aufzeichnungen der Überwachungskameras war eine Putzfrau ins Zimmer gegangen und mit einem Bündel schmutziger Wäsche wieder herausgekommen. ergab irgendeine Spur. als unsere anderen Möglichkeiten erschöpft waren. als wolle sie verhindern. mein Sohn. »Tony war weggegangen. Das FBI ließ ihre Fotos durch alle Datenbanken laufen und erstellte Computeranalysen zur Bestimmung von Rasse. was sie längst wussten. das an jenem Tag auf den Klinikparkplätzen stand. obwohl das Candace und mir zu diesem Zeitpunkt schon ziemlich egal war. denn auf lange Sicht stumpft man ab. »Nach dem Verschwinden von Anthony haben auch wir Antworten gesucht. Wenn ein Paar diese Art Spezialklinik betritt. dass auch Melina größte Mühe hatte. Daraus schloss man. Ich verstehe. Tony nahm den Faden wieder auf. erwiderte Tony. Gegen Spendersamen hatte ich nichts einzuwenden. dass Sie unbedingt wissen müssen und wollen.« »Außerdem hätte eine derart schlaue und dreiste Person ohne weiteres ihr Aussehen verändern können«. die man auf die intimsten Fragen nach dem persönlichen Geschlechtsleben und privaten Gewohnheiten geben muss. Außerdem hatte sie die Finger gegen die Lippen gepresst. rein biologischen Formsache war Anthony mein Kind. Ich kann höchstens zwei oder drei Minuten drinnen gewesen sein. Die Ermittler von Orts. sagte Melina ernst.« Die letzten vier Worte waren kaum hörbar. »Kein Auto. erklärte sie. Als ich herauskam. Sie glich keiner anderen Verdächtigen in einem Entführungsfall. beschloss ich. Chief bemerkte. bevor er aufwachte. wo sie positioniert waren. »Es tut mir unendlich Leid. Eines konnte man trotzdem noch erkennen: Sie gehörte nicht zum Klinikpersonal. meinte Candace. »Ich habe schon vor langer Zeit jedes Schamgefühl aufgegeben.« »Um Ihre Frage zu beantworten: Nein. Da es fast schon wieder Zeit zum Stillen war. dreieinhalb Kilo schwere Baby war an seinem zweiten Lebenstag aus dem Krankenhaus entführt worden. Innerlich wurde sie von stummen Weinkrämpfen geschüttelt.« Anschließend erzählte sie ihnen all das. irgendjemand habe nur wenige Schritte von der Klinik entfernt auf sie gewartet und sie und .« »Die körperlichen Eigenschaften und geistigen Interessen des Spenders wurden meinen so gut wie möglich angeglichen. die ich als Kind bekommen habe. die zur Befruchtung eingesetzt werden. um eine Kleinigkeit zu Mittag zu essen. Und mit Ausnahme dieser einen. denen man sich unterziehen muss. Sie war so schlau. ihre Emotionen zu unterdrücken. ungefährem Alter usw. Jedenfalls liegt bei mir eine irrelevant geringe Samendichte vor. dass ich Ihnen das zumuten muss«. Anthony schlief neben mir in einem Bettchen. Vermutlich hat sie Anthony in diese Tücher gewickelt. wohl gebaute.und Bundespolizei haben jede einzelne verfolgt. Sie hielt sich nur noch mit letzter Kraft aufrecht. und an den Antworten.« Chief und Melina überhörten geflissentlich die emotionalen Brüche in seiner Stimme. »Ich würde es nie tun. Leider ergebnislos. warf Candace dazwischen. war das Bettchen leer. wenn es nicht so furchtbar wichtig wäre. was genau mit Ihrer Zwillingsschwester passiert ist. Eigentlich war dieser Vorschlag sogar von mir gekommen. ich bin steril. was ihnen angesichts Candaces Tränen schwer fiel. dass sie zitterten. an den Tests. »Ihre Frage stört mich nicht«.

Anthony mitgenommen. Da alles ganz normal gewirkt hätte, hätte auch niemand darauf geachtet.
Jedenfalls gab es keine Augenzeugen, die im Klinikbereich irgendetwas Ungewöhnliches
bemerkt haben.«
»Ist man denn nie mit einer Lösegeldforderung an Sie herangetreten?« , wollte Melina wissen.
»Wer ihn mitgenommen hat, wollte das Baby, kein Geld.«
Chief beugte sich vor und erkundigte sich freundlich: »Wie kommen Sie darauf, Candace?«
»Weil ich weiß, dass er lebt. Ich weiß es.«
»Man hat intensiv nach seiner- seiner Leiche gesucht«, sagte Tony mühsam. »Sie dachten,
vielleicht hätte jemand ein Hühnchen mit mir zu rupfen, oder eine radikale Gruppe, die gegen
Künstliche Befruchtung ist, stünde dahinter. Aber es gab keine Spur, nie. Keine Klinikdecke,
keine Windel, kein Identifikationsbändchen, nichts. Candace und ich werden das Gefühl nicht
los, dass man ihn nur deshalb entführt hat, um ein Baby zu bekommen. Irgendjemand hat unser
Baby.«
Wieder brach seine Stimme, aber diesmal tröstete ihn Candace. Sie löste ihre Hand aus seiner,
legte ihm einen schmalen Arm um die Schulter und drückte ihn an sich, wobei sie ihn zärtlich
beruhigte.
Chief sah, dass Melina ihren Kampf gegen die Tränen aufgegeben hatte, die ihr inzwischen
ungehindert über die Wangen liefen. Gerade jetzt wirkte sie besonders verletzlich, wie sie so
stumm und herzzerreißend vor sich hinweinte, nicht nur wegen der Andersons, sondern vielleicht
auch wegen ihrer selbst.
In der kurzen Zeit, die er sie kannte, hatte sie sich ungewöhnlich tapfer, entschlossen und
selbstbeherrscht gezeigt. Eine Frau mit viel Courage. Eine derart starke Frau zu bewundern, fiel
leicht. Aber noch leichter war die Bewunderung für eine Frau, die aus reinem Mitgefühl weinen
konnte, ohne einen Hauch von Selbstdarstellung.
Eine Weile sagte keiner ein Wort. Der Hund stand auf, wackelte zu dem Ehepaar hinüber und
legte Tony jaulend den großen Schädel auf den Schenkel, als sei er an diese Gefühlsausbrüche
gewöhnt. Ganz automatisch streichelte ihm Tony den Kopf und kraulte ihn hinter den Ohren.
Anschließend begab er sich wieder zum Kamin, legte seinen Kopf auf die Vorderpfoten und
beobachtete trübselig seine Besitzer.
Traurig wanderten Chiefs Blicke von dem loyalen Tier zum flackernden Bildschirm. Ein
Hausbrand mit drei Todesopfern war der Aufmacher der stummen Nachrichtensendung.
Schließlich wischte sich Melina die Tränen ab und brach das betretene Schweigen: »Der
Mann, der meine Schwester getötet hat, hieß Dale Gordon, ein Angestellter der Waters Klinik.«
»Das habe ich gelesen«, sagte Candace, »obwohl ich mich nicht erinnern kann, dass so jemand
dort gearbeitet hat.«
»Ein großer, dürrer Kerl«, warf Chief ein, der noch allzu gut wusste, wie Gordon ausgesehen
hatte, als er mit Gillian das Taco-Lokal betreten hatte. »Schüttere blonde Haare, dicke
Brillengläser. Etwas schlaksig.«
»Oh.«
Mit diesem Ausruf zog Candace alle Blicke auf sich. Zum ersten Mal seit ihrer Ankunft wirkte
ihr Gesicht lebhafter. »Der! An den erinnere ich mich. Bei jedem meiner Kliniktermine hat er
besonderen Wert auf eine Unterhaltung mit mir gelegt.« Dann meinte sie zu ihrem Mann
gewandt: »Weißt du noch, Schatz? Er hat diesen Teddybären in die Klinik gebracht.«
Plötzlich fiel es Tony wieder ein. »Dieser Kerl?«
Rasch wechselte Chief mit Melina einen vielsagenden Blick. »Gordon ist mit einem Geschenk
für das Baby in die Klinik gekommen? Er war bei Ihnen im Zimmer?«

»Ja. Er war ganz reizend, hat mich mit Anthony auf dem Arm fotografiert. Schon vom ersten
Moment an schien er sich ehrlich für mich zu –« Candace Anderson wurde kreidebleich. Nur mit
letzter Kraft beendete sie ihren Satz. »Schien er sich ehrlich für mich zu interessieren.«
»Bei Gillian war es genauso«, sagte Chief, als er merkte, dass Melina zu keiner Äußerung
fähig war. Sie hatte die Arme um sich gelegt, als sei ihr eiskalt. Er erzählte den Andersons, wie
er und Gillian Gordon begegnet waren, und wie seltsam dieser sich verhalten hatte.
»Offensichtlich hat ihn unser gemeinsames Erscheinen aus der Fassung gebracht, was letztlich
dazu führte, dass er sie umbrachte. Er fühlte sich von ihr anscheinend betrogen. Irgendwie hat er
sich einen Anspruch auf sie zurechtgelegt.«
»Denselben Eindruck hatte ich auch«, sagte Candace. »Allerdings schien er hocherfreut zu
sein, als die Künstliche Befruchtung positiv verlief und ich schwanger wurde.«
»Beim ersten Anblick von Anthony reagierte er tief bewegt«, meinte Tony, »als müsste er
jeden Moment weinen. Das war uns sehr peinlich.«
»Mir hat er Leid getan«, fuhr Candace fort. »Ich hielt ihn einfach für einen einsamen Mann,
der aus persönlichen Gründen an den Erfolgen der Klinik Anteil nahm, weil er keine eigene
Familie hatte.«
Tony kam auf den springenden Punkt: »Glauben Sie, dass er irgendetwas mit Anthonys
Entführung zu tun hatte?«
»Schon möglich, oder?«, erwiderte Melina.
»Aber er hat doch Selbstmord begangen, stimmt’s?« In wachsender Verzweiflung ergriff
Candace die Hand ihres Mannes. »Falls er gewusst hat, wo Anthony ist, ist dieses Wissen mit
ihm gestorben.«
»Nicht unbedingt«, meinte Chief finster. »Der Schlüssel zu diesem Rätsel liegt in der Klinik.«
»Was soll das heißen?«
»Woher wissen Sie das?«
Verblüfft schaute Melina ihn an.
»Tony«, sagte Chief, »bitte stellen Sie den Ton am Fernseher wieder an. Das müssen wir
unbedingt hören.«
Anderson griff nach der Fernbedienung. Mitten im Satz ertönte eine Stimme aus dem Off: »…
Leiche wurde heute Abend gefunden, als sie nicht zum wöchentlichen Bridge mit ihren
Freundinnen erschien.« Tränenüberströmt plapperte eine Frau etwas in ein Mikrofon, das man
ihr unter die Nase hielt: »Sie war immer dabei. Als sie heute Abend nicht aufgetaucht ist,
wussten wir, dass etwas nicht stimmt. Wir sind hinüber und haben sie gefunden.«
Die Reporterin wandte sich wieder zur Kamera und berichtete, dass es bisher noch kein
Mordmotiv gäbe. »Die Ermittler der Mordkommission haben gesagt, das Opfer sei erschlagen
worden, vermutlich mit dem ganz normalen Hammer, den man neben ihrer Leiche gefunden
hat.«
Die Kamera blendete die Nahaufnahme vom Gesicht der Reporterin aus und zog stattdessen
auf, so dass man die Vorgänge im Hintergrund erkennen konnte. Gerade wurde eine Bahre, auf
der ein Leichensack lag, zu einem Krankenwagen gerollt. »Die Polizei ermittelt noch und verhört
die Nachbarn. Leider will niemand etwas gesehen haben…«
Plötzlich schnappte Melina nach Luft. Nun sah auch sie, was Chief auf diese Story
aufmerksam gemacht hatte – ein Haus wie bei Schneewittchen. Linda Crofts Häuschen mit den
Sprossenfenstern und der Rundbogentür.
Auf Melinas Gesicht wechselten Entsetzen und Nicht-Glauben-Wollen einander ab, als sie
sich ihm zuwandte. Die Tränen, die in ihren Augen glänzten, waren Tränen der Empörung

gewichen. »Diese Monster!«
Er sprang auf, ergriff ihre Hand, zog sie hoch und sagte zu den Andersons: »Sie kennen uns
nicht. Vielleicht halten Sie uns für zwei Wirrköpfe, aber das sind wir nicht, ich versichere es
Ihnen. Dieses Mordopfer –«, sagte er, wobei er auf den Bildschirm deutete. »Wir haben sie heute
besucht. Sie hat in der Waters Klinik gearbeitet. Sie hat mit ihrem Berufsethos gebrochen und
uns gesagt, wo wir Sie finden. Irgendjemand wollte nicht, dass wir zusammenkommen und unser
Wissen austauschen.«
Candace presste die Finger auf ihre blutleeren Lippen. »Das heißt, Dale Gordon ist erst der
Anfang.«
Chief nickte entschieden. »Der eigentliche Drahtzieher hinter allem ist mächtiger als dieser
jämmerliche Perverse. Ich empfehle Ihnen, noch heute Abend zu verschwinden. Nehmen Sie
Ihren Hund und gehen Sie fort.«
»Und was ist mit der Polizei?«, wollte Candace wissen. »Sollten wir nicht dort anrufen? Und
auch das FBI verständigen?«
»Gute Idee, aber ich würde es von einer anderen Stelle aus tun. Agent Tobias kommt –«
»Der aus Washington? Wir kennen ihn«, meinte Tony. »Er hat uns einmal befragt.«
»Dann würden Sie ihn also wiedererkennen?«
»Sicher. Ein gut aussehender Mann.«
»Gut.« Er lieferte ihnen eine Zusammenfassung dessen, was am Morgen in Melinas Haus
passiert war.
»Tony?« Ängstlich umklammerte Candace den Arm ihres Mannes.
Aber der war längst überzeugt. Er begab sich zu einem Schreibtisch auf der anderen
Zimmerseite, kritzelte etwas auf einen gelben Zettel, riss ihn vom Block und reichte ihn dann
Chief. »Meine Handynummer, die sonst nur noch Candace kennt. Wir werden es überall hin
mitnehmen. Halten Sie uns auf dem Laufenden.«
Er ergriff Chiefs Hand und schüttelte sie, aber seine Augen ruhten auf Melina, als er sagte:
»Sollten Sie irgendetwas über unseren Sohn in Erfahrung bringen, egal was und wie schlimm es
ist, möchten wir es unbedingt wissen.«
»Das verspreche ich Ihnen.«

Kaum waren sie wieder im Auto unterwegs, sagte Chief: »Gott sei Dank haben sie uns so weit
vertraut, dass sie Fersengeld geben. Mir haben die beiden gefallen.«
»Mir auch, sogar sehr. Aber ich habe auch Linda Croft gemocht. Warum haben wir sie nicht
vor einer möglichen Gefahr gewarnt?« Schluchzend legte sie das Gesicht in die Hände. »Oh
Gott, Chief, wir haben sie umgebracht.«
»Das haben wir nicht, Melina, weder ich noch Sie.« Er streckte eine Hand über den Vordersitz
und legte sie auf ihr Knie. »Mir tut das genauso weh wie Ihnen, und trotzdem haben wir sie so
wenig getötet wie Gillian. Irgendjemand ist in ihr Haus eingedrungen und hat sie mit einem
Hammer erschlagen.«
»Unsere falschen FBI-Agenten?«
»Die sind meine erste Wahl.«
Bei dem Gedanken, wie hilflos und verzweifelt sich Linda Croft angesichts dieser beiden
Männer gefühlt haben musste, verlor sie die Fassung und fing zu klagen an: »Sie war so lieb und
ahnungslos. Das macht alles so irrsinnig«, rief sie frustriert. »Unschuldige Frauen und Kinder
fallen diesen Verbrechen zum Opfer. Meine Schwester, im Schlaf abgeschlachtet, als sie sich am
wenigsten wehren konnte. Der kleine Junge der Andersons wurde eingesackt wie ein – ein Apfel

am Wochenmarkt. Wer bringt so etwas fertig? Welches Monster kann absichtlich so viel Leid
auslösen?« Sie ballte die Hände zu Fäusten und drosch auf ihre Oberschenkel ein.
»Melina –«
»Diese armen Leute. Diese armen schönen jungen gesunden Leute müssen so viel erdulden!
Und nicht einmal als Strafe für ein schreckliches Vergehen, nein. Ihre einzige Sünde war der
Wunsch nach einem Kind«, rief sie mit brechender Stimme.
»Melina, Schluss damit!«
»Ich kann nicht, ich kann nicht«, schluchzte sie.
»Doch, können Sie schon. Das können Sie.«
Vielleicht lag es an seinem strengen und doch ruhigen Ton, oder auch an dem fast
schmerzhaften Druck, den er auf ihr Knie ausübte. Jedenfalls kam sie allmählich wieder zur
Besinnung. Hysterie und blinde Wut verebbten, und nachdem sie mehrmals tief Luft geholt hatte,
schaute sie zu ihm hinüber und nickte zum Zeichen, dass sie sich wieder unter Kontrolle hatte.
»Alles in Ordnung jetzt?«, fragte er.
»Entschuldigung.«
»Nicht nötig«, meinte er mit einem schiefen Lächeln. »Ich würde auch am liebsten ausrasten,
falls Sie das irgendwie tröstet.«
Aber im Gegensatz zu ihm hatte sie es auch getan. Und das war vielleicht der Grund, weshalb
er Raketen flog, während sie nicht den geringsten Wunsch nach so viel Verantwortung verspürte.
Candace Andersons Geschichte hatte ihre Emotionen durchbrechen lassen, und die Nachricht
von Linda Crofts Ermordung hatte sie noch weiter angeheizt. Noch nie war sie einer derart
widersprüchlichen Flut aus Wut und Verzweiflung ausgeliefert gewesen, die sich wegen ihrer
eigenen Hilflosigkeit noch verstärkte. Sie hatte nur einen Wunsch: ein Ziel für diesen
ausufernden Zorn, egal, wen oder was.
Sie rieb sich mit den Händen übers Gesicht und versuchte damit, alle Spuren dieses
Gefühlsausbruchs zu tilgen, der so ganz und gar untypisch für sie war. Dann meinte sie völlig
gefasst: »Chief, ich muss den Grund für Gillians Ermordung wissen. Ich muss wissen, warum
das Anderson-Baby entführt wurde. Ich muss wissen, wer dahinter steckt.«
»Die Klinik.«
»Wozu? Sie ist ein Dienstleistungsbetrieb, der Frauen helfen und Babys in die Welt bringen
will. Außerdem hat mir Tobias erklärt, dass nicht alle Kliniken, die mit diesen Verbrechen in
Verbindung stehen, zur Waters-Kette gehören.«
»Das Bindeglied heißt Künstliche Befruchtung.«
»Wie bei Gillian.«
»Wie bei Gillian.«
Wie ein Vorhang fiel der Name zwischen ihnen herunter. Hatte Gillians Name etwas damit zu
tun, dass er plötzlich seine Hand von ihrem Knie nahm? Doch sie konnte darüber nicht
nachdenken, es gab Wichtigeres.
Sie nahm ihr Handy und rief an. Schon beim zweiten Klingelton kam die Antwort: »Tobias?«
»Melina Lloyd.«

26
Kurz vor Dienstschluss hatte man der Waters Klinik den Durchsuchungsbefehl zugestellt und das
Personal zu bleiben gebeten. Jeder wurde einzeln von der Polizei – Tobias und Patterson –
befragt. Es schien sich ausnahmslos um beruflich integere, gesetzestreue Bürger zu handeln,
einschließlich der Dienst habenden vier Ärzte und der Andrologin, die man erst gestern als
Ersatz für Dale Gordon eingestellt hatte.
Der Hauptsitz dieser landesweit operierenden Klinikkette war Atlanta. Das Top-Management
wollte noch am selben Abend in Dallas einfliegen. Eine Durchsuchung der Geschäftsräume
durch die Polizei bedeutete für jede Firma ein PR-Problem. Wenn sich diese Firma aber mit der
Erschaffung menschlichen Lebens beschäftigte, stand dramatisch viel auf dem Spiel.
Tobias beaufsichtigte gerade die Untersuchung, als ihn Melinas Anruf erreichte. Er wollte
unbedingt wissen, wo sie war.
»Ist Kommissar Lawson bei Ihnen?«, fragte sie.
»Warum?«
»Ist er?«
»Ja.«
»Sagen Sie ihm, er soll sich den Mord in der McCommas Straße näher ansehen.«
»Welchen Mord?«
»Er wird’s schon wissen, oder irgendeiner aus seiner Abteilung. Es kam bereits in den
Nachrichten. Der Name des Opfers lautet Linda Croft. Sie war in der Waters Klinik angestellt.
Ich habe heute mit ihr gesprochen.«
»Himmel«, stieß Tobias hervor. »Bleiben Sie dran, legen Sie nicht auf.« Er legte die Hand
übers Mikrofon und rief nach Lawson, der aus einem anderen Klinikzimmer kam. »Wissen Sie
irgendwas über einen Mord in der McCommas Straße?«
»Hab davon gehört.«
»Das Opfer war hier beschäftigt. Melina Lloyd hat heute mit ihr gesprochen.«
Mehr musste er dem Kommissar nicht erzählen. »Ich werde mich darum kümmern«, sagte er,
verzog das Gesicht und ging aus dem Zimmer.
Tobias widmete sich wieder seinem Anruf. »Lawson ist bereits dran. Wo stecken Sie, Ms.
Lloyd? Befindet sich Colonel Hart noch immer bei Ihnen?«
»Notieren Sie sich diese Adresse.« Hastig leierte sie eine Hausnummer herunter.«
»Moment mal, was ist das?«
»Die Privatadresse von Tony und Candace Anderson. Erinnern Sie sich noch an sie? Sie
umgekehrt schon.«
»Das Ehepaar, dessen Baby gekidnappt wurde. Ich habe sie verhört.«
»Leider haben Sie sie nicht gefragt, ob sie im Krankenhaus ungewöhnlichen Besuch hatten.«
»Ungewöhnlich?«
»Außer den üblichen Familienmitgliedern und engen Freunden. Raten Sie mal, wer sie mit
Geschenken im Entbindungszimmer besucht und Fotos von Mutter und Kind gemacht hat? Dale
Gordon.«
Tobias fuhr sich mit der Hand über die kurzen Haare. Er wusste nicht mehr, ob er das

verzweifelte Ehepaar speziell nach seinen Besuchern gefragt hatte. Nach Fremden schon. Haben
Sie gesehen, ob sich jemand auf dem Flur herumgetrieben hat? Oder direkt vor Ihrem Zimmer?
Wurden Sie in jüngster Zeit von jemandem bedroht?
Zum damaligen Zeitpunkt hatte er weder auf Gordon noch auf sonst jemanden geachtet, der
mit der Klinik in Verbindung stand. Er hatte versucht, ein Muster hinter diesem plötzlichen
Aufflammen von Kindesentführungen bei Neugeborenen zu entdecken, und die Schuldigen dabei
einem Ring von Babyhändlern zugeordnet.
»Die Andersons werden nicht zu Hause sein«, teilte ihm Melina Lloyd mit. »Sie tauchen
unter, genau wie ich. Und dasselbe hätte ich auch Linda Croft raten sollen, weil die Behörden
offensichtlich nicht im Stande sind, die Guten vor den Bösen zu schützen.«
Diese Bemerkung ließ er ihr durchgehen.
»Sollten Sie trotzdem«, fuhr sie fort, »jemanden zu den Andersons schicken, könnten Sie
vielleicht die Männer schnappen, die heute Morgen bei mir daheim waren und
höchstwahrscheinlich auch Linda Croft getötet haben. Ist natürlich nur ein Vorschlag. Ich würde
mir ja nie anmaßen, Agent Tobias, Ihnen zu sagen, wie Sie Ihren Job machen sollen. Aber
gestern Abend bekam ich einen Anruf aus Ihrem Büro, und seit heute Morgen renne ich um mein
Leben. Ich habe mit Linda Croft gesprochen, und man hat sie binnen weniger Stunden
erschlagen. Sollte sich diese Reihe fortsetzen, werden Tony und Candace Anderson als nächste
Opfer auf Ihrer Liste stehen.«
Tobias ließ sich nicht von seinem Stolz in die Quere kommen. Hastig notierte er die Adresse,
verglich sie nochmals mit ihr und gab sie dann einem Polizeibeamten mit der Anweisung, eine
Funkstreife hinzuschicken, aber plötzlich.
»Tobias, wo sind Sie?«, wollte Melina Lloyd wissen.
Er sagte es ihr. »Wir durchsuchen alles, bis auf die ärztlichen Befunde. Dafür brauchen wir
eine gerichtliche Verfügung, und das kann eine Weile dauern. Hoffentlich schon morgen.«
»Wonach suchen Sie denn genau?«
»Gerade durchsuchen wir das Labor.«
»Gordons Bereich.«
»Richtig.«
»Was hat er dort eigentlich gemacht? Außer seinen heimlichen Fotografien durch ein Loch in
der Wand.«
Erst nach einigem Zögern gab er ihr widerwillig Antwort: »Er hat die gefrorenen
Samenproben aufbereitet.«
»Für die Befruchtung.«
»Auch für In-Vitro-Behandlungen. Ich habe die Ärzte gebeten, alle Befruchtungen
auszusetzen, bei denen gefrorenes Sperma verwendet wird, bis wir noch gründlicher ermitteln
können.«
»Und wie sieht eine solche gründlichere Ermittlung aus?«
»Diese spezielle Waters-Klinik bietet alle Möglichkeiten. Sie erhält nicht nur Proben von
anderen Samenbanken, sondern verfügt auch über eine eigene. Ich will jeden Spender verhören.«
»Mit anderen Worten: Sie müssen jede Probe testen, um herauszufinden, ob das Sperma mit
der Aufschrift ›Spender XYZ‹ auch tatsächlich vom Spender XYZ stammt, und nicht von
Spender ABC.«
Sie war schlauer, als ihr gut tat. Ganz sicher aber schlauer, als ihm gut tat, denn sie hatte schon
beim ersten Versuch den Nagel auf den Kopf getroffen. Bezüglich Dale Gordon hatte er von
Anfang an ein schlechtes Gefühl gehabt, besonders nach dem Anblick der versteckten Fotos in

« Bei dieser Aussage wurde ihm äußerst mulmig zu Mute. Nach übereinstimmenden Aussagen aller scheint er ein engagierter Wissenschaftler gewesen zu sein. und ich werde den Grund dafür herausfinden. sie habe noch nie ein Labor gesehen. wo sind Sie? Sie sind für mehrere Straftaten eine wichtige Zeugin. Als ob sie seine Gedanken läse. er sei ein exakter Wissenschaftler gewesen. Ms. Lloyd.« »Aber möglich ist es. dann hätte dies unvorstellbar weitreichende Auswirkungen zur Folge. die ihn von seiner Arbeit ablenkte.« »Bitte. betonte Tobias. Ich habe mich auch früher schon mal geirrt. Wir werden es mit den hier gelagerten Proben vergleichen.« »Ja. so lange auf dieser Basis zu operieren.« »Meiner Ansicht nach nicht. Die Möglichkeit.bzw. das so gut in Schuss ist. Spendersamen hat er seinen eigenen eingesetzt. der peinlich genau Protokoll geführt und jede Störung missbilligt hat. stellte sie ruhig fest. »Möglich. Seine Kollegen behaupten. »Himmel. dass eine nichtsahnende Frau oder ein Ehepaar einer derartigen Gräueltat anheim fiel. fluchte er. Sollten Sie uns Informationen verweigern.« »Auf Grund seiner Position hätte er diesen Austausch vornehmen können«. das Sperma wurde vertauscht. ziehen Sie keine voreiligen Schlüsse. Ganz im Gegenteil.« »Dann werden Sie – Scheiße!«. das hat mir schon mal jemand erklärt. Dieser Musterwissenschaftler und Gesellschaftsarchitekt hat meine Schwester umgebracht. Melina wiederholte für Chief die Hälfte des Gesprächs.« »Ja. »Vor einigen Jahren hat ein Gynäkologe –« »Einen ganzen Landstrich mit seinen Nachkommen bevölkert. Jedenfalls beabsichtigte er. Ich erinnere mich noch gut. die er nicht mitgehört hatte. die möglicherweise zur Aufklärung dieser Verbrechen beitragen. könnte man Sie wegen Justizbehinderung belangen. behauptet.« »So etwas kam schon früher vor«. Und Sie fürchten. Sollte tatsächlich Spendersperma zum Zeitpunkt einer künstlichen Befruchtung ausgetauscht oder ersetzt worden sein. Statt Partner. dass Gordon nicht ins Profil eines Egomanen passt. nicht wahr?« Da er keine öffentliche Panik auslösen wollte.« »Es handelt sich ja nur um eine Theorie.« »Aus den Flecken auf dem Pyjama. aber letztlich läuft es wohl darauf hinaus. er hat Sperma vertauscht?« »Tobias vertritt mehrere Hypothesen zu diesem Thema. Die Andrologin. sagte Melina Lloyd: »Sie nehmen an. »Ohne dass es jemand wusste oder ahnen konnte. sagte er: »Ich weiß es nicht. Lloyd. dass ich haushoch danebenliege. mit der ich spiele«. Er sprach in ein totes Telefon. »Ms. die man als Ersatz für ihn eingestellt hat. der stolz auf seine Arbeit war und sich aufgrund seiner Leben spendenden Dienste als Baumeister der Menschheit fühlte. Seit wann interessierte sich ein Labortechniker so persönlich für Patientinnen? Handelte es sich nur um einen Perversen. ließ ihn schaudern.« . und erzählte ihm mit bebender Stimme die Sache mit Gordon. der heimlich Bilder von nackten Frauen schoss? Oder steckte mehr dahinter? Tobias befürchtete letzteres.« »Das tat Dr.der Wohnung dieses Mannes. Frankenstein auch. bis sie sich als falsch herausstellte. der so etwas tun würde. Darf ich Sie darauf hinweisen. gestand er widerwillig. Dale Gordon hätte dasselbe getan?« »Seines werden wir zuerst testen.

sah er Tränen in ihren Augen schimmern. dass Gordon seinen eigenen Samen eingesetzt hat. Noch nie habe ich mich vor einem Mann übergeben. »Genau dahin möchte ich jetzt. da stieß sie schon die Türe auf und taumelte hinaus. wäre ich manövrierunfähig.« Er hielt sie weiter fest und streichelte ihre Haare. »Wenn die mich hinter Schloss und Riegel stecken. Als sie nicht mehr würgen musste. erübrigten sich alle Worte.« »Und doch haben Sie Angst. Sie versuchte. Der Wagen stand kaum. Allein davon wird mir schon übel. Sie lächelte ironisch. In mein Bett. »Sie wissen genau.« »Wie konnte es dann geschehen. »Heißt das. Auf mein Kopfkissen. half er ihr hoch und lehnte sie zusätzlich mit dem Rücken gegen den Kotflügel. wenn es –« Als sie abbrach. »Mir ist das peinlich«. während er sich wieder in den Verkehr einreihte. Gillian könnte… Könnte sie…« Stöhnend vergrub Melina ihre Gesicht in die Hände. ziellos herumzufahren. »Besser?« Sachte strich er ihr eine Haarsträhne von der feuchten Wange. in denen sich die Scheinwerferlichter der entgegenkommenden Autos spiegelten.« Er zog ein Taschentuch aus seiner Gesäßtasche und tupfte ihre Lippen ab. sagte sie leise. Sie würden mir nur das erzählen. erwiderte sie. Es folgten noch mehrere Koliken.« Er umarmte sie und drückte sie an sich. »Ich habe Tobias gegenüber Ihren . die auf der Straße vorbeiflitzten.« »Sie hatten guten Grund dazu.« Sie schüttelte sich.« Er begann.« »Kommt nicht in Frage«. würgte sie bereits heftig. Sie müssen nicht mitmachen«. der den Mord an Gillian befohlen hat?« Als sie ihn direkt ansah. »Ich kann nicht einmal den Gedanken ertragen. dass es so nicht funktioniert. »Danke. »Nach Hause.« »Hätte ich doch nur Linda Croft davor gewarnt. In meine Badewanne.« »Wenn es demjenigen an den Kragen geht.« Verblüfft schaute er sie an. Dann wäre ich machtlos und könnte nicht als Erste zuschlagen.« Als sie zu ihm aufschaute. wie man mich im Simulator angekotzt hat? Seien Sie nicht albern. fragte er. Ich denke. »Gillian war so aufgeregt und hat so sehr auf einen Erfolg gehofft«. »Chief. was ich ihrer Ansicht nach wissen sollte. »Oh Gott!« »Alles in Ordnung?« Sie schüttelte heftig den Kopf und bedeutete ihm anzuhalten. kann ich nicht. »Lawson oder Tobias würden Sie sicher schützen lassen. Sie schaute weg. wie ich im Simulator gekotzt habe? So oft. Er legte ihr eine Hand in den Nacken und stützte mit der anderen ihre Stirn. sagte sie. »Und wohin nun?«. War das denn so falsch? Womit hat sie das bloß verdient?« »Melina. Vielleicht hätte sie dann Vorkehrungen getroffen. sagte sie wie aus der Pistole geschossen. ihn loszuwerden. aber er ließ sich nicht abwimmeln. Er konnte die Antwort in ihren Augen lesen. dass etwas so Wunderbares und Schönes vergiftet wurde und sich in etwas so Widerwärtiges verwandelt hat?« »Sie können doch nicht mit Sicherheit behaupten. »Sie wollte unbedingt ein Baby. das war eine Premiere. Bis er auf der Fahrerseite ausgestiegen und um den Wagen herumgelaufen war. bis er sie schließlich losließ und ihr wieder in den Wagen half. »So oft. dass Gillian –« »Nein. fragte er: »Wenn was?« »Nichts.

sagte sie.« »Daraus könnte sich eine große Story entwickeln.« »Während Sie das erledigen. Es hätte ihn genauso aufgeregt wie sie. Knatternd erwachte der Wagen zum Leben.« »Diese Nummer ist bei Jem unter Zielwahl eingespeichert. dann muss ich damit eben fertig werden. bitte. dass Sie bei mir sind. und das Auto schoss aus der Parkbucht. Melina.« »Sein Verein in New Mexico. noch einmal zu wählen. Quietschend kam er mit qualmenden Reifen vor einem Abfalleimer zum Stehen. »Mal sehen. die andere eine private. oder?« »Fertig werden«. Beide waren Mail-Boxen: eine von Hennings Büro. aber nur lange genug.« »Dafür bedanke ich mich. je mehr ich von diesem Arsch höre. Nachdem sie die dritte Zahlenreihe getippt hatte. unterbrach sie hastig und drückte das Telefon an die Brust.Namen nicht erwähnt. genauso wenig wie Sie. Als der Anruf entgegengenommen wurde. trank sie einen Schluck von ihrer kalten Cola. Während sie auf das Freizeichen wartete.« Er bestellte einen Cheeseburger. Also ruft er häufig dort an. nur eine Cola. wie am anderen Ende der Leitung eine weibliche Stimme wiederholte: »Sie haben den Tempel gewählt. »Für mich. ließ es dann aber doch sein. Bis er das Essen am Fenster abholen konnte. Friede und Liebe. Ich hatte ihren Anrufbeantworter am Apparat.« »Sie sind ein Außenstehender. »Ich stecke bis zu den Augenbrauen in dieser Geschichte drin und hätte nichts dagegen. umso mehr hasse ich ihn. die vielleicht Ihre Zukunft beeinflusst und Ihre gesamte NASA-Karriere auf Null reduziert. »Pardon?«. muss ich etwas zwischen die Zähne bekommen. ehe sie hartnäckig die nächste Nummer auf der Liste eintippte.‹« »Wissen Sie.« »Diese Möglichkeit nehme ich willig in Kauf. wie sie die Cola mit Gewalt hinunterschluckte.« »Die Sache könnte nach hinten losgehen.« »Mit Zucker und Coffein?« »Hundertprozentig. Er biss in seinen Burger. wenn ich als erster den Verantwortlichen aufmischen könnte. Er legte den Rückwärtsgang ein. um seine . Trotzdem konnte er mich nicht davon abhalten. Lange Zeit starrte sie Löcher in die Luft. hatte Melina schon zwei von Hennings Zielwahlnummern angerufen. Und damit müssen wir einfach fertig werden. murmelte sie.« Chief drehte den Zündschlüssel herum.« Er bog in einen Burger King ein und stellte sich in die Autoschlange. aber bestätigt habe ich es nicht. Dann hielt sie das Telefon rasch über den Sitz und drückte es ihm ans Ohr.« Am liebsten hätte er Melina gebeten. Chief sagte: »So heißt doch der Verein dieses Predigers –« »Bruder Gabriel.« Resolut unterbrach Melina das Gespräch. um ihre Stimme hören zu können.« »Genau das hat mir auch dieser Anwalt erzählt.« Sie fischte einen Zettel aus ihrer Handtasche und nahm ihr Handy. »Was ist?« »Gillians Nummer. Er vermutet zwar. Sollte das ein Riesenthema werden. wen Jem regelmäßig anruft. damit er hören konnte. bemerkte Chief. »Genau das hat Jem gestern Abend zu mir gesagt: ›Gillian ist tot.« »Was reden Sie denn da?« Seine Frage klang verärgert. Pommes und zwei große Getränke.

als Beifahrerin sind Sie ein echter Angsthase«. ich solle mich beeilen. Wenigstens eins. Hancock berichten.« Im Grunde war sie froh. der seine Spuren verwischen möchte.« »Das glaube ich nicht.« »Aber worin? Wie passt das alles zusammen?«. während er in die Auffahrt zur Mautstraße einbog. Sie war eine gute Fahrerin. an Linda Croft. »Meiner Meinung nach spielt dieser Mistkerl eine Schlüsselrolle. Wenn er aber mit seinem Fahrstil ein paar Minuten herausschinden konnte. »Jem ist steril. Dann trieb er den Wagen mit Vollgas in den hektischen Verkehr. wollte er wissen. Ich denke ja nur laut. dass ihr schon mehr als einmal das Herz in die Kniekehle gesackt war. waren sie zu dem Schluss gekommen.« »Welcher Mann würde das behaupten. »Inzwischen sind sie auf dem Weg hierher. .« »Was wissen Sie über Hennings?«.« »Nie und nimmer. hätte Jem es erwähnt. Ist doch schrecklich. aus Oregon. »Melina. Er hat sich sogar überrascht über den kirchlichen Anstrich von Gillians Trauergottesdienst geäußert.« Erleichtert konnte Jem dies an Mr. Man kann mit Menschen eng zusammen sein und sie überhaupt nicht kennen.« »Könnten bequeme Lügen für jemanden sein. das für diese Schrottkarre spricht. nur rein zufällig für Bruder Gabriels Kirche. dass Jem bis zu einem gewissen Grad überall beteiligt war: am Mord.Essensreste hineinzubefördern. wenn’s anders wäre? Und wie passt das alles zu Bruder Gabriel?« Sie hatten viel mehr Fragen als Antworten und hofften. Seine vorherigen Meldungen waren nicht so positiv gewesen. aber viel zu schnell und so tollkühn.« »Aber Sie sind nicht überzeugt davon?« »Ich bin von gar nichts überzeugt.« »Hat er wenigstens behauptet. dann umso besser. Woher stammt er denn ursprünglich?« »Er behauptet. fragte Melina konsterniert. »Familie?« »Seine Eltern sind tot. keine Geschwister. Also habe ich mich beeilt. »Er ist mehr als nur eine Randfigur«. oder?« »Er wäre Ihr Schwager geworden. Er fuhr gut. Trotzdem hätte sie nie so viel riskiert wie er.« »Vielleicht interessieren sich beide. an den Männern in Melinas Haus. die mit Schleichern auf der Straße wenig Geduld hatte. »Ganz im Gegenteil. Früher oder später wäre Gillian zur Besinnung gekommen. Wenn ich doch nur mein eigenes Auto hätte. Wenn das reiner Zufall wäre.« »Sie sagten. Das spricht für eine enge Beziehung. fragte er. »Und Sie verhalten sich hinter dem Steuer wie ein Irrer.« »Die Einprogrammierung unter seinen Zielwahlnummern deutet darauf hin. als ihn eine rote Ampel zum Halten zwang.« Bis sie die Ausfahrt erreicht und zum Bezahlen der Maut abgebremst hatten. einige davon aus Jem herausquetschen zu können. stellte Chief fest. dass Chief fuhr. »Zeigt Hennings eine religiöse Ader?«.« »Auch das noch. dass es sich um mehr als nur flüchtiges Interesse handelt. am Überfall auf Chief. Irgendwelche entfernten Cousins leben in London. Sie fieberte der Auseinandersetzung mit Jem förmlich entgegen.« »Ich glaub’s ja auch nicht. meinte Chief. er und Dale Gordon.

Sir.« »Haben Sie mir doch schon erklärt. was Melina außer dem Einbruch in seine Wohnung noch alles verbrochen hatte. Natürlich könnten sie auch anderswohin fahren. Auch die Sache mit Linda Croft hatte er nicht weitergegeben.« Er ging zur Sprechanlage neben seiner Tür und hob den Hörer ab. jetzt läutet’s bei mir. indem er ihm von Linda Croft und den Andersons erzählte? Er ersparte das Bruder Gabriel und erwies ihm damit einen Gefallen. Dafür brauchen Sie vorher nicht bei mir zu läuten. Joshua wird ihnen dicht auf den Fersen sein. Kaum hatte ihm Joshua berichtet. Mittlerweile bequemte sich dieser Mensch eines gebührend untertänigen Tons. »Ja?« »Mr. Es gab auf der Welt tausende anderer Frauen.« »Bruder Gabriel hat sich diesbezüglich sehr genau geäußert. erklärte er nun Hancock. obwohl seine Verlobte schon seit vier Tagen tot war.« »Nein. »Sie sind da.« Jem wandte sich wieder seinem Telefonat mit Hancock zu. wies er Joshua an. schon auf dem Weg nach oben.« Er hatte dem neuen Wachmann eine kräftige Lektion erteilt. Bitte. die Krankenschwester für immer verstummen zu lassen.« »Außerdem. die ihren Zweck genauso gut erfüllen würden wie sie und dabei weitaus weniger Schwierigkeiten bereiteten. der Frau darf kein Haar gekrümmt werden. Sir. Warum sollte er diese Situation noch verschlimmern. Sie haben Besuch. Diesen Befehl hatte er selbstständig erteilt. weil er seine Verlobte in seine Wohnung gelassen hatte. dass sie nicht verletzt wird.« »Mr. Als Joshua mit seinem Freund endlich in dem Vorort ankamen.« »Jawohl Sir.« »Ich verstehe«. bereits die Möglichkeit dazu ein für allemal auszuschließen. Ein unglücklicher Rückschlag.« »Und kein Wort zu Miss Lloyd über den späteren Besuch. zog er es vor. »Nach dem letzten Bericht waren sie schon an der Straßenkreuzung. wenn man auch noch Bruder Gabriel darauf aufmerksam machen würde? Damit gäbe man ihm nur einen weiteren Grund zur Sorge. sagte er. »Sind Sie sicher?« »Sie haben den direkten Weg aus dem Norden von Dallas genommen. »Sie ist in Begleitung eines Herrn. Was für ein anstrengender und ereignisreicher Tag! Dank Melina und ihrem Indianerfreund musste sich Bruder Gabriel mit allen möglichen unangenehmen Dingen belasten. Irgendwann würde das Ehepaar schon wieder auftauchen. werden in Kürze zwei weitere Herren kommen. Mr. wer denn?« »Die junge Dame. Warum zog Bruder Gabriel nicht einfach einen Schlussstrich? Warum Melina schonen? Der Große Plan war auf sie nicht angewiesen. aber es sieht so aus. jedenfalls nicht ernsthaft. die Schaden anrichten konnten. Außerdem: Wer hätte etwas davon.« Melinas und Chiefs Besuch bei den Andersons erwähnte er bewusst nicht. als seien sie auf dem Weg zu mir. Vermutlich konnte Bruder Gabriel sie nicht einfach wie jeder andere gewöhnliche Mensch als .« »Schicken Sie sie bitte hoch. Obwohl es zweifelhaft war. Sie werden gleich – Ah. Er wünscht. Wenn es so weit ist. die sich heute schon mal als Ihre Verlobte ausgegeben hat. Hennings. Harry.« »Oh. »Es kann sich nur noch um Minuten handeln«. aber keine Katastrophe. Hancock. und vor dem Haus parkte ein Streifenwagen. schicken Sie sie gleichermaßen hoch. bleiben Sie dran. dass sie Dinge wusste. Hennings. Hennings.« »Klare Sache. obwohl das Gegenteil der Fall war. Mr. waren die Andersons längst auf und davon.

»die Frau, die entwischt ist« betrachten. Er war kein gewöhnlicher Mensch. Für Bruder Gabriel
war Melina ein Stolperstein auf dem Weg zu einer von Gott inspirierten Mission. Und als solche
bedurfte sie spiritueller Führung, Unterweisung und Disziplin. Wie bewundernswert, dass er sie
erlösen wollte und ihren Trotz nicht persönlich nahm.
Jem war nicht so hoch gesinnt. Vergeben fiel ihm immer schwerer. Er konnte ihre
wiederholten Beleidigungen nicht als Unzulänglichkeiten betrachten. Diese unverhohlenen
persönlichen Angriffe konnte er unmöglich übergehen und verzeihen.
»Keine Angst, Mr. Hancock«, meinte er aalglatt. »Diese Männer sind Profis. Joshua ist sich
über die delikate Situation im Klaren, er weiß, was er tut.«
»Ja, dessen bin ich mir sicher.«
Hancock legte als erster auf. Daraufhin beschloss Jem, bei seinem nächsten Lagebericht auf
einem direkten Gespräch mit Bruder Gabriel zu bestehen, und nicht nur darum zu bitten. Er
konnte es nicht leiden, dass seine Gespräche von Hancock gefiltert wurden, in seinen Augen
lediglich ein hoch gejubelter Sekretär.
Da aber Melina und Christopher Hart bereits unterwegs waren, machten seine Gedanken an
den arroganten Mr. Hancock wichtigeren Dingen Platz.

27
Bei ihrem Eintritt hatte sie der Wachmann mit sauertöpfischer Miene begrüßt, die sich auch nach
seinem Gespräch mit Jem nicht besserte. »Er meint, Sie können hinauf, Ms. Lloyd.«
»Danke schön.«
»Sie haben mir bei Mr. Hennings ganz schön Schwierigkeiten gemacht. Warum haben Sie
mich angelogen und gesagt, Sie seien seine Verlobte?«
»Also – weiß Mr. Hennings, dass ich vorher in seiner Wohnung gewesen bin?«
»Ja, Ma’am.«
»Toll«, stieß Chief hervor. Auf dem Weg zum Aufzug warf er einen nervösen Blick über die
Schulter, genau wie sie. Da sahen sie, wie der Parkwächter soeben mit dem alten Karren in den
Untiefen der Garage verschwand. Ihr wäre es lieber gewesen, wenn er ihn draußen stehen
gelassen hätte. Hätten sie doch nur rechtzeitig daran gedacht und ihn darum gebeten.
Chiefs Verfolgungswahn stand dem ihren in nichts nach. Beim Betreten des Aufzugs drückte
er auf jedes Stockwerk. Fragend schaute sie ihn an.
»Erzählen Sie mir einen Witz.«
»Glauben Sie, dass wir verfolgt werden?«
»Ich bin mir nicht sicher. Mir ist zwar nichts aufgefallen, aber –« Nach kurzer Pause meinte
er: »Ich kann’s nicht erklären, aber ich werde das Gefühl nicht los, dass wir nie wirklich allein
sind.«
»So geht’s mir auch.«
»Falls uns jemand beschattet, möchte ich es ihm so schwer wie möglich machen«, sagte er,
wobei er auf die beleuchteten Aufzugknöpfe deutete.
»Treffen Sie ruhig alle Vorsichtsmaßnahmen. Eigentlich sollte Jem doch wütend sein, weil ich
seine Wohnung durchschnüffelt habe, aber er hat nicht einmal angerufen und gefragt, wie ich
dazu käme.«
»Nicht gut«, konstatierte Chief, während sich der Aufzug nach oben bewegte.
Bei jedem Halt warteten sie beklommen, denn bei geöffneten Türen fühlten sie sich höchst
gefährdet. Da es noch zwei weitere Aufzüge gab, mussten sie nicht fürchten, den übrigen
Bewohnern des teuren Gebäudes Unannehmlichkeiten zu bereiten. Jedenfalls erwartete sie
niemand, auf keinem Stockwerk.
Als sie im fünfzehnten hielten, stupste Chief sie an.
»Jems Wohnung liegt im siebzehnten.«
»Ich weiß.«
Ohne Widerrede trat sie vor ihm hinaus. Er winkte sie zu dem matt leuchtenden Ausgang-
Zeichen am Gangende. Als sie dort waren, zog Chief die Türe zum Treppenhaus auf. Noch ehe
sie wieder zufiel, warf er rasch noch einen Blick zurück. Der Gang hinter ihnen war leer.
Im Flur herrschte eine raffinierte indirekte Beleuchtung, die nicht nur ihre vordringliche
Funktion erfüllte und ausreichend Licht lieferte, sondern auch als dekoratives Element diente.
Dagegen hatte die Beleuchtung im Treppenhaus rein funktionale Bedeutung. Unter dem bläulich-
weißen Neonlicht kamen sich beide wie angestrahlt vor und hätten gegen ein paar dezente
Schatten nichts einzuwenden gehabt.

Chief bat mit erhobener Hand um Ruhe. Sie konnte lediglich ihren leise keuchenden Atem
hören. Nachdem mindestens sechzig Sekunden verstrichen waren, sah Melina Chief fragend an.
Kopfschüttelnd bedeutete er ihr, noch eine Weile länger still zu sein. Zum Zeitvertreib starrte sie
in seinen offenen Hemdkragen, wo sie in der Halsgrube sein Herz schlagen sah.
Endlich deutete er mit dem Kinn nach oben. Vorsichtig stiegen sie die beiden Treppen in den
siebzehnten Stock hinauf, wo Chief an der Türe anhielt und zu ihr hinunter sah. Alles in
Ordnung? fragte er stumm. Schon wollte sie unentschlossen mit der Schulter zucken, besann
sich dann aber eines anderen und nickte nachdrücklich.
Chief öffnete die Tür. Bis auf gedämpfte Fernsehgeräusche, die aus einer der Wohnungen
drangen, lag der Flur leer da. Während sie noch zögerten, ging am Flurende eine Tür auf. Jem
Hennings trat heraus und musterte irritiert und erwartungsvoll zugleich den Aufzug. Dann
überprüfte er seine Armbanduhr.
Gerade als er wieder in seine Wohnung zurückwollte, fiel sein Blick zufällig den Flur entlang.
Bei ihrem Anblick fuhr er herum. »Was macht ihr denn im Treppenhaus?«
»Sport treiben.«
Vorsichtig gingen sie und Chief nebeneinander durch den Flur auf ihn zu.
»Ich habe mich schon gewundert, wo ihr so lange bleibt. Der Wachmann hat mich schon vor
fünf Minuten angerufen. So lange brauchen die Aufzüge normalerweise nicht.« Sein Blick
wanderte von ihr zu Chief. »Wie das sprichwörtliche Schusterpech.«
»Freut mich, Sie wieder zu sehen, Hennings. Möchten Sie uns hereinbitten, oder sollen wir
uns vor den Ohren Ihrer Nachbarn hier draußen im Flur darüber unterhalten, wie Sie Melina
heute Morgen umbringen lassen wollten?«
»Umbringen?«, wiederholte er auflachend. »Das beweist, wie viel Sie wissen.« Mit
ausladender Geste wies er sie in seine Wohnung. Sie wollte schon vorangehen, da legte ihr Chief
vorsichtig die Hand auf den Arm. »Nach Ihnen, Hennings.«
Wieder lachte Jem, als hätte Chief einen Witz gemacht, ging aber trotzdem vor ihnen hinein.
Ihr fiel auf, dass Chief zwar die Tür zuzog, aber nicht ganz einrasten ließ. Vermutlich wollte er
sich einen Fluchtweg offen halten, obwohl Jem bei einer körperlichen Auseinandersetzung mit
ihm garantiert den Kürzeren gezogen hätte.
»Kann ich euch etwas zu trinken anbieten?«, fragte Jem jovial.
»Das ist kein Freundschaftsbesuch.«
»Nein, Kemo Sabe«, meinte er mit einem amüsierten Grinsen zu Chief, »das habe ich auch
nicht angenommen. Ihr beide habt ja den ganzen Tag heftig herumgeschnüffelt, nicht wahr?« Als
er sich ihr zuwandte, verschwanden Lächeln und falsche Herzlichkeit. »Melina, du hast beim
Einbruch in meine Wohnung deine Spuren nicht gut verwischt.«
»Das war mir auch herzlich egal. Ich habe gefunden, weshalb ich gekommen war.«
»Und das wäre?«
»Eine Spur. Ich weiß nur nicht, wie ich sie interpretieren soll.«
Jem ließ sich in sein Sofa sinken und legte beide Arme hoch, als wolle er sagen, er stünde
ganz zu ihrer Verfügung.
»Dale Gordon, Jem«, sagte sie ohne Umschweife.
»Was ist mit ihm?«
»Du kanntest ihn.«
»Ja.«
Sie spürte, dass Chief von so viel Offenheit genauso überrascht war wie sie. Damit hatten sie
nicht gerechnet. Chief hatte sogar den Wunsch geäußert, Jem Hennings grün und blau zu

schlagen, falls er ihre Fragen ausweichend beantwortete.
Jems unverblümte Art ließ sie zusehends misstrauischer werden. Nur unter einer einzigen
Bedingung würde er zugeben, dass er den Mörder seiner Verlobten kannte: Wenn er sicher
wüsste, dass ihn irgendjemand deckte, und die Polizei nie und nimmer Wind bekäme.
»Jem, in welchem Zusammenhang kanntest du ihn denn? Ich weiß, dass du nicht mit ihm
befreundet gewesen bist.«
»Das hätte gerade noch gefehlt.« Er erschauerte gespielt. »Bei ihm bekam ich, offen
gestanden, eine Gänsehaut. Unsere Beziehung war rein beruflicher Art. Gordon und ich arbeiten
für dieselbe Firma.«
»Für die Waters-Klinik?«, wollte Chief wissen.
»Nein, Chief.« Sie war ihm einen Schritt voraus. »Sie arbeiten für Bruder Gabriel.«
»Weißt du, Melina«, meinte Jem, wobei er gemütlich Arme und Beine verschränkte, »ich habe
dich schon immer für die Gescheitere von euch beiden gehalten. Kratzbürstiger und weniger
formbar und zutraulich. Dafür einen Hauch intelligenter.«
Sie würde sich nicht von seinen Provokationen ablenken lassen. »Was tust du für Bruder
Gabriel?«
»Das hast du noch nicht herausgefunden?« Er schnalzte mit der Zunge. »Ich hätte gedacht, du
hast dieses Rätsel gelöst, nachdem du dich ja mittlerweile als Nancy Drew betätigst.
Insbesondere seit deinem Gespräch mit dieser Croft und den Andersons. Die einzelnen
Puzzleteile hast du ja schon, nun fehlt dir nur noch das große Bild.«
Obwohl sie überzeugt war, dass Chief genauso gern gewusst hätte, woher Jem über ihr Treffen
mit Linda Croft und den Andersons Bescheid wusste, ließ sie sich auch diesmal nicht vom
eigentlichen Thema ablenken. »Hat Gordon sein eigenes Sperma untergeschoben –«
»Sein Sperma? Mein Gott, nein! Was für ein entsetzlicher Gedanke.«
»Deines vielleicht?«
Er lachte. »Ich bin steril. Weißt du das nicht mehr?«
»Also das entspricht der Wahrheit?«
»Ja, Melina, das entspricht der Wahrheit. Ich hatte schon vor Jahren eine Vasektomie. Das ist
obligatorisch«, konstatierte er nüchtern. »Als Voraussetzung für diesen Job wurde ich
sterilisiert.«
Blitzschnell packte Chief Jem am Hemdkragen und schüttelte ihn genauso heftig wie damals
in Lawsons Büro. »Jetzt habe ich aber von diesem Herumeiern genug. Welchen Job haben Sie,
Hennings?«
»Ich bin ein Wächter. Ich halte über die Auserwählten Wache.«
»Die Auserwählten?«
»Zum Beispiel Gillian. Oder wie schon bald Melina.« Er wandte sich um und schenkte ihr ein
Lächeln, bei dem sich die Härchen auf ihren Armen hochstellten. »Ich werde meine Erläuterung
so lange unterbrechen, bis mich dieser Wilde loslässt.«
Sie nickte Chief brüsk zu, der Jem nur unter äußerster Selbstbeherrschung losließ. Jeden
Moment drohte sein Temperament wieder mit ihm durchzugehen.
Jem blieb völlig ungerührt, strich mit entnervender Ruhe sein Hemd glatt, legte den Kragen
wieder um und knöpfte die Ärmel zu. Erst dann fuhr er fort: »Wenn die Frau verheiratet ist bzw.
in einer monogamen Beziehung lebt, dient ein Nachbar oder ein Arbeitskollege als Wächter,
irgendjemand, der sie aus nächster Nähe im Auge behalten kann. So war es bei Candace
Anderson. Ihr Wächter war die Putzfrau, die drei Mal wöchentlich zu ihr nach Hause kam. Aber
bei Singlefrauen wie Gillian werden Männer wie ich als Partner ins Spiel gebracht.«

»Sie wurde dir zugewiesen?«
»Seit ihrem ersten Beratungstermin in der Klinik.«
»Also seid ihr euch gezielt begegnet?«
»Jawohl, Melina«, erwiderte er geduldig und herablassend. »Ich wurde zu ihr gesandt wie ein
Schutzengel. Da sie unschlüssig war, ob sie sich künstlich befruchten lassen sollte oder nicht,
habe ich sie ermutigt und ihr versichert, dies sei ein vernünftiger Entschluss, bei dem ich sie, als
ihr Partner, hundertprozentig unterstützen würde.«
»Vom Tage ihrer Befruchtung an hätte ich sie mit Zuneigung überschüttet. Leider hatte ich
dazu keine Gelegenheit, nicht wahr? Wie sich herausgestellt hat, habe ich stattdessen meine
Zuneigung in jener Nacht, als ich das Ereignis mit ihr feiern wollte, an dich vergeudet.«
»Jem, warum wurde Gillian getötet?«
Statt einer direkten Antwort fuhr er auf seine Weise mit der Erklärung fort: »Wenn Gillian
nicht beim ersten Versuch schwanger geworden wäre, hätte ich sie zu einem erneuten Versuch
gedrängt. Hätte es aber gleich beim ersten Mal geklappt, nun, dann hätte ich sie während der
gesamten Schwangerschaft gehegt und gepflegt und wie eine Prinzessin behandelt. Denn sie war
ja tatsächlich zu Höherem auserwählt.«
»Man hätte Gillian erhöht und verehrt. Ich hätte dafür gesorgt, dass man ihr jeden Wunsch und
jedes Bedürfnis erfüllt hätte. Ich hätte sie überwacht und sichergestellt, dass sie nichts täte, was
dem Kind, das sie unter dem Herzen trug, hätte schaden können, und dass sie nicht vom rechten
Wege abgewichen wäre.« An dieser Stelle funkelte er Chief böse an. »Aber genau das hat sie
natürlich getan. Mit Ihnen. Sie haben sie befleckt. Sie haben sie für den Großen Plan wertlos
gemacht.«
Chief ballte die Fäuste. »Also ist es wahr. Sie haben Gillian töten lassen, weil sie die Nacht
mit mir verbracht hat?«
Drohend machte er einen Schritt auf Jem zu, was sie mit ausgestrecktem Arm verhinderte.
»Nein, Chief, ich will das hören, auch wenn es noch so schwer fällt. Ich will das hören.«
»Danke schön, Melina.« Nach einem verächtlichen Blick auf Chief wandte sich Jem wieder an
sie. »Die Auserwählten dürfen nur mit ihren Partnern oder Wächtern intimen Kontakt haben,
sonst mit niemandem.«
»Weil die steril sind«, sagte sie.
»Aha!«, rief er. »Ich denke, das war soeben dein Durchbruch.«
Langsam nickte sie, während sich in ihrem Kopf allmählich alles zusammenfügte. »Die
Frauen sind die Erwählten. Gillian. Candace Anderson. Gesunde junge Frauen.«
Jem lächelte. »In jeder Hinsicht überlegen.«
In Chiefs Augen glomm ein Licht auf. »Sie erzeugen Retorten-Babys.«
»Nicht wahr, Candace Anderson ist eine wunderschöne Frau?« Jems Frage war rein rhetorisch
gemeint. »In körperlicher Hinsicht ein Musterexemplar. Und außerdem extrem intelligent und
musikalisch begabt. Hoffentlich können wir sie nochmal einsetzen. Genauso wie wir dich
einsetzen werden, Melina. Jetzt, da uns Gillian geraubt wurde. Da sie ein Opfer ihrer eigenen
Lust wurde, hat man dich erwählt, um ihren Platz einzunehmen.«
Seine Stimme bekam einen unheimlichen, hypnotisierenden Klang. »Gillian wäre perfekt
gewesen, was Dale Gordon sofort erkannt hat. Weißt du, das war seine Aufgabe. Er musste
zukünftige Kandidatinnen erkennen und anschließend überprüfen, was für ihn ein Leichtes war,
da er über ihre medizinische Vorgeschichte verfügte. Gillian war in körperlicher Hinsicht ideal
und mental überragend. Außerdem war sie nicht durch eine Beziehung vorbelastet, was mitunter
mühsam sein kann.«

»Kurz und gut, sie war eine Kandidatin für den Großen Plan, wie man sie sich besser nicht
wünschen kann. Der Große Plan brauchte sie. Und jetzt braucht er dich, Melina.« Er ergriff ihre
Hände, hielt sie zwischen seinen heißen feuchten Handflächen fest und sagte dann mit
verzücktem Lächeln: »Ich bin ja so froh für dich.«
In dem Moment explodierte sein Schädel.

oder sie stand unter Schock. Schnell. wo er den Hörer der Sprechanlage herunterriss. Geduckt liefen sie zur Tür. Er spuckte auf ein Papiertuch und wischte die Flecken weg. die Leute würden erst dann ihre gemütlichen Wohnungen verlassen und ihren Feierabend unterbrechen.« Auch das tat sie ohne Widerrede. »Hier oben brennt’s! Harry. Sie werden für den Großen Plan gebraucht«. Noch ehe sie die Fluchttür am Gangende erreicht hatten.« Wieviel Zeit war vergangen? Zwanzig Sekunden? Dreißig? Vierzig? »Wir müssen hier raus.« »Ich ziehe das Leben vor. »Ja. lautete seine Antwort auf Melinas Stottern. »Dann sterbe ich lieber. und fuhr sich hastig übers Gesicht. »Wer… Wo…« »Vermutlich vom Hausdach auf der anderen Straßenseite«. bis er die Frage wiederholte und sie scharf beim Namen rief.« »Sind wir als Nächste dran?« »Sie nicht. können Sie mich hören? Hilfe! Feuer! Feuer!« Dann ließ er den Hörer fallen und gegen die Wand knallen.« Er half ihr hoch. Zum Glück war ihr Pullover darunter sauber. Die Wohnung war dunkel.« Auf allen vieren kroch er in die Küche und kam mit einer Rolle Küchenpapier zurück. Er rollte von Melina herunter. »Ist alles in Ordnung?« Sprachlos starrte sie ihn an. Eines musste er ihr zu Gute halten: Jede andere mit Blut und Hirnfetzen bespritzte Frau wäre vermutlich längst hysterisch über ihn hergefallen. dass sie jeden Moment zusammenbrechen konnte. von dem oberhalb der Schultern nicht mehr viel übrig war. »Habe ich was abbekommen?« Sie musterte ihn näher. »Wie heißt dieser Wachmann?« »Äh.« »Nicht bewegen. »Ich kann nicht… kann nicht… Ich glaube nicht. Hinter ihnen gingen Türen auf. »Hilfe! Die sind durchgeknallt!«. Ja.« »Chief –« »Stillhalten. Das große Fenster mit Blick auf die Skyline von Dallas war zerborsten. schrillte der Feueralarm ohrenbetäubend los. die sie übersehen hatte. und blieb auf ihr liegen. wenn sich der . korrigierte sie sich gerade noch rechtzeitig. Henry. erwiderte er sarkastisch. Mit Melina an der Hand schoss er in den Gang hinaus. brüllte Chief in den Hörer. Dies alles hatte Chief binnen einer Nanosekunde registriert. wie befohlen. Entweder war sie verdammt tapfer. dass ihr die Luft stockte.« Sie tat. packte das Kabel der Tischlampe und riss es aus der Steckdose. Also los. »Putzen Sie Ihr Gesicht ab. 28 Mit einem Hechtsprung schleuderte Chief Melina zu Boden. Angesichts der Bequemlichkeit der menschlichen Natur befürchtete er. »Ziehen Sie Ihre Jacke aus. Harry«. Nur wenige Zentimeter entfernt lag Jem Hennings. als der Mann antwortete. Letzteres würde bedeuten.

« Ängstlich zog sie die Unterlippe zwischen die Zähne. ihn zu bestrafen. der sich ins Treppenhaus ergoss. »Und was machen wir jetzt?« »Nun.« »Und uns gleichzeitig einsperren. .« Ein Bewohner aus einem tieferen Stockwerk hatte sich als Reaktion auf den Alarm ins Treppenhaus gewagt und rief herauf: »Brennt’s denn wirklich?« »In Siebzehn D«. zerrte er sie an den Rand der Menge. die sich geschlossen auf den schmalen Notausgang zuwälzte. Nachdem Hennings erledigt war. Chief wirbelte Melina herum und schlug die entgegengesetzte Richtung ein. während sie das Sicherheitspersonal über die Straße auf den Parkplatz des Hauses winkte. stand vermutlich sein Name auf dem nächsten Dum- Dum-Geschoss. Außerdem gefiel es ihm gar nicht. Hoffentlich herrscht ein solches Durcheinander. dass sie geschossen haben. wo Harry wirres Zeug plapperte. Chief war froh. aus denen Feuerwehrleute in voller Montur sprangen und auf den Eingang zurasten. wenn wir unten sind?«. mit den Kerlen vernünftig zu reden. »Oder wir könnten Tobias anrufen. Vermutlich würde ihn jeder für einen Mitbewohner halten. zwei verschlafene Kinder die Treppe hinunterzuscheuchen. Als sie ins Erdgeschoss kamen und die Eingangshalle betraten. Zwei Einsatzwagen standen schon bereit. »Ziehen Sie den Kopf ein«. wie töricht es war.Alarm bestätigt hatte. sich nicht des Schutzes zu bedienen. Außerdem baute er darauf. das Feuer breitet sich rasch aus. oder Lawson. Schon zwei Mal war ein Versuch gescheitert. während sie sich durch die Tür zwängten. Beim Anblick von zwei bekannten Gesichtern in der Menge hielt er unversehens an.« Als Antwort spürte er einen leichten Händedruck. oder?« »Dachte er wohl. Kaum hatten sie die Türe hinter sich. das das Gebäude verließ. rief Melina zurück. Bei sechzig Grad: Unsere falschen FBI-Beamten. steckten sie bereits in einem Menschenstrom. alles nach unten. hielt sich dabei aber stets im Schatten. aber nicht aus Angst vor dem Feuer. Beide würden uns helfen. dass der Wachmann beschäftigt war und Melina und ihn in der Menge nicht sah. Lassen Sie jedenfalls nicht meine Hand los. egal. obwohl sie gleichzeitig einer Frau im Sari half. weil er Gillian »befleckt« und für den Großen Plan entweiht hatte. Mit gesenkten Augen gingen sie weiter. »Wenn ich das nur wüsste. den ihnen FBI und die Ortspolizei bieten konnten. von dem aus mutmaßlich geschossen worden war. Ihrer beider Leben war in Gefahr – zumindest seines. schoben Sicherheitskräfte vom Gebäudewachdienst die Leute seitlich durch einen Notausgang. Beide Männer suchten wie wild herum. Noch ehe sie die Eingangshalle erreicht hatten.« »Wunderbar«.« »Aber warum sollten sie Jem erschießen? Sie unterstanden ihm doch. meinte sie bissig. dass wir entkommen können. was passiert. konnte Chief Sirenengeheul hören. Deshalb brüllte er unter wildem Gefuchtel: »Schnell.« Insgeheim gestand sich Chief ein. wir könnten versuchen. In Wohnung D brennt’s. Prüfend musterten sie jedes Gesicht. Genau darauf hatte Chief mit dem Auslösen des Alarms gehofft. Ich wette meinen Kopf. »Holen Sie alle aus Ihrem Stockwerk!« Kaum waren sie mehrere Treppen hinuntergehastet. dass die moderne Gesellschaft nur sehr zögerlich näheren Kontakt zu ihrer Nachbarschaft aufnahm. »Was machen wir. dass man Melina bereits als Ersatz bestimmt hatte. erkundigte sich Melina atemlos. »Nicht umsehen. wies er sie an.

das in eine weltweite Katastrophe münden konnte. der Ähnliches durch den Kopf ging. den man auch als glatte Sturheit bezeichnen konnte. Gehen Sie mit langsamen Schritten weg. lediglich Fanatiker gewesen waren. ob ihnen jemand folgte. »Ich bleibe dicht hinter Ihnen. »Lauf!«.« »Dann haben Sie ja Ihre Antwort. die das Hochhaus geräumt hatten. »Ich denke. Frauen und Kinder. So schoben sie sich durch die Menschen. »Gillian war Ihre Schwester. Außerdem würde man in Bälde entdecken. Er stand knapp zwanzig Meter entfernt und musterte mit gerecktem Hals nach allen Seiten die vielen Männer. wir sollten alles riskieren. Vielleicht war dieser unangebrachte Stolz. sagte sie mit einer verstohlenen Kopfbewegung. glichen die Folgen einem Horrorszenario. dass er und sein Busenfreund Gordon. hatte er ein Chaos angestiftet. befahl er Melina und versetzte ihr einen leichten Stoß. das andere für sich kämpfen ließ.« Er legte ihr locker die Hände um die Taille. Somit gab es keine Möglichkeit. um zu sehen. Andererseits hatte er noch nicht alle Fakten beisammen. Diesmal konnte Chief nicht rechtzeitig wegschauen. Plötzlich drehte er sich ohne Vorwarnung um.« »Wo ist die nächste Einkaufszone? Mit viel Verkehr und Leuten.« »Für mich auch. sagte er so leise. denn inzwischen blockierten Rettungsfahrzeuge die Parkgarage. sie ungesehen aus dem Gebäude schaffen zu können. Melina. keine Aufmerksamkeit zu erregen. als sich hinter ihm plötzlich . wenn’s sein muss?« »Kann ich. als er bisher akzeptieren wollte. Das hier ist etwas ganz Persönliches. »Können Sie rennen. dass der Feueralarm nur eine Tarnung für den Mord an Jem Hennings gewesen war. In der Hoffnung. ein Erbe seiner Vorfahren. Vielleicht verhielt es sich aber auch ganz anders.« »Sie war meine Zwillingsschwester. Derzeit handelte es sich noch immer um einen persönlichen Kampf.« Die Entscheidung war gefallen. Natürlich konnte es sich bei Hennings Geschichte nur um das Geschwätz eines Irren handeln. Damit steckten sie mitten in einer äußerst kritischen Situation. besonders Sie nicht. dieser perverse Lustmolch. Harry wird uns sicher nicht vergessen. Falls Bruder Gabriel der Urheber dieses genetischen Retortenplans war.« »Okay. Mittlerweile äußerten sich einige schon skeptisch über das Feuer und schimpften auf die unzuverlässige Technik.« Rasch warf er einen Blick auf ihre flachen Schuhe. Dort drüben«. Schon möglich.« »Ganz schnell. Vielleicht hatte er mehr Indianer in sich. war Wahnsinn. Melina. Sobald sie Hennings Leiche finden. Leider hatte seine Strategie ein paar schwere Haken. Erstens waren sie nun nicht mehr motorisiert. sich auf seinen Instinkt zu verlassen. aber das ist Ihre Entscheidung«. In diesem Fall gab es keinen Zweifel: Keine Verstärkung zu holen. Sein Blick fiel auf den Schwarzen. Mache ich drei Mal pro Woche. als Chief prüfend den Kopf drehte. sagte: »Wir müssen hier raus. die Bruder Gabriels wohlgemeinte Botschaft zur Rechtfertigung ihres eigenen anomalen Programms verdreht hatten. Versuchen Sie.« »Oak Lawn. und diese Aussicht war entsetzlich. dass man es durch den Lärm ringsherum kaum hören konnte. die offenbar häufiger zu Fehlalarm führte. Sei’s drum. er beschloss. Und er war kein Weichei. Ihre Blicke trafen sich. das sich erst jetzt wirklich zeigte. Fast hatten sie den Rand der Menge erreicht. wird jeder Polizist hinter uns her sein und uns verhören wollen. die Schrottkarre herauszuholen. der sich als Tobias ausgegeben hatte.

Es war dunkel. in dessen Mitte ein leeres Gebäude stand. Jetzt waren sie außerhalb der Straßenlampen. »unter dem R in dem Schild. packte er ihre Hand und hielt sie an. »Sind die immer noch hinter uns her?« »Ich möchte nichts riskieren. Leute. Sie fragte nach hinten: »Und wenn wir dort sind…?« »Halten Sie das erstbeste Taxi an. Wie weit ist es noch?« »Zwei. wo die Anzahl der Autos die Einwohnerzahl überstieg. die zu dieser Stunde geschlossen waren: Antiquitätenläden. und führte ihn über den Autoschalter eines Bankgebäudes auf einen weiteren dunklen Parkplatz. oder Fragen zu stellen. statt eine Strafe zu riskieren. Beim Anblick der mit Passanten bevölkerten Gehwege und der verstopften Straßen atmete er auf. drei Blocks. Dieser Beinahe-Unfall lenkte sie gerade so lange ab.« In einer Stadt wie Dallas. Nur ihre schweißüberströmten Gesichter unterschieden sie von allen anderen Pärchen beim Abendbummel.Geschrei erhob. Die Straße war frei. den mehrere Restaurants nutzten. drehte er kurz den Kopf und sah. »Da«. als sie die andere Parkplatzseite erreicht hatten. warfen ihnen neugierige Blicke zu.« Chief zog Melina gegen den Sitz. wo die Leute Alkohol tranken und sich für die Heimfahrt hoffentlich lieber für ein Taxi entschieden. Seiner Vermutung nach fänden sie am ehesten eines in der Nähe von Restaurants und Clubs. die entweder vom Essen kamen oder noch dorthin gingen. setzte sie wie ein olympischer Hürdenläufer ohne Pause darüber und rannte im vollen Tempo weiter.« Im Einkaufsviertel hatte man viele ältere Häuser in Geschäfte umgewandelt. die nach Tierurin stank. Ohne zu zögern. Sehen Sie die Lichter?« Über Dächer und Baumwipfel sah er Neonwerbung aufleuchten. wobei er Melina unterhakte. Sie trabten über die Straße. sich anzupassen«. Sie pressten sich gegen die alte verschimmelte Holzverkleidung. keuchte Melina. Als sie zu einer Reihe Sträucher kamen. rief der Fahrer nach hinten. »Da«.« Mitten unter der Yuppie-Menge wirkten der falsche Tobias und sein Kumpan fehl am Platz. Ich sage Ihnen dann während der Fahrt die Richtung. wogegen Chief nichts einzuwenden hatte. das gerade vor einem Restauranteingang anhielt. dass Melina durch eine hohe dichte Hecke am Rande eines freien Parkplatzes brechen konnte. Kaum waren sie herum. »Alles in Ordnung?«. »Über die Autobahn Nr. spurtete sie los. Als er hinter ihnen Reifen quietschen hörte. sagte er. und kletterten auf die Rückbank. das auf dem Boden stand. »Wohin?« . Dass sie den Kopf unten halten sollte. quer über den Parkplatz. und der Boden uneben. Friseursalons. Frustriert schwitzten sie und rangen nach Luft. »Hier durch«. Sie hielten sich im Schatten und nutzten Bäume. »Versuchen Sie. als das . musste man ihr nicht mehr sagen. waren Taxis eine Rarität. Chief ließ das Duo erst aus den Augen. Sie bahnten sich einen Weg durch einen überfüllten Parkplatz. »Abflug. wobei sie dem kriechenden Verkehr auswichen. sagte er beim Anblick eines Taxis. Im selben Augenblick tauchte ein japanisches Touristentrio auf. dass ihre Verfolger nur knapp einem Minivan ausgewichen waren. schnaufte er und rang nach Luft. flüsterte sie. Sie fegten hinüber. Beinahe wäre Chief gegen ein Metallschild für Immobilien geprallt. 45 südlich zur Stadt hinaus. Kanzleien. Zäune und Büsche zur Deckung. Gott sei Dank streifte er es nur mit der Kniescheibe.

die andere hielt noch immer ihren Hinterkopf.« Als sie den Kopf hob. »Melina…?« . bis keine Träne mehr kam. Wenn jemandem ein Heulkrampf zustand. »Besser?« »Zuerst übergebe ich mich und dann heule ich los. oder beiden. dass sie in einer Krisensituation garantiert nicht in die Knie ging. eine Hand streichelte ihren Rücken. Ich gehe dem FBI aus dem Weg.ja. wollte der Fahrer wissen. nur nicht dort. hatte er nur einen Wunsch: Irgendwo zu sein. rief sie flüsternd. die sich noch vor wenigen Augenblicken in sein Hemd gekrallt hatte. während er erschöpft in den Sitz sackte. Sein Kinn lag auf ihrem Scheitel. besonders wenn man an ihren Tränen schuld war. Wenn eine Frau zu weinen begann. Ein feiner Verbündeter. Frustration. Aber Melinas Weinen machte ihm nichts aus. wie der Kopf eines Menschen in Fetzen davon fliegt. Erst jetzt merkte er. ihr Gesicht war nach hinten geneigt. Kummer. Du bist in Sicherheit. »Erst sehe ich. massierte er weiter ihre Kopfhaut. Er konnte es nicht ausstehen.Taxi ein gutes Stück entfernt war. Wein doch nicht. Nachdem er mit der Daumenkuppe eine Träne weggewischt hatte. seiner Ansicht nach. Wir geben falschen Alarm. »Die haben uns nie gesehen«. sie atmete rasch ein. Tränen standen für Emotionen. Trotz seines engen Halses gelang es ihm. ihr Hals entblößt.« »Habe ich mich auch nur mit einem Wort beklagt?« Er lächelte. und sie lächelte zurück. dass ihre Schultern bebten. Trotzdem hatte sie. Chief umfing ihren Hinterkopf mit seiner Hand und drückten ihn an seine Brust. Bis jetzt hatte sie sich hervorragend gehalten.« »Joi. sah er zu seinem Erstaunen. Er drückte sie an sich. Jetzt lag sie irgendwo unterhalb seiner Gürtelschnalle und verströmte Hitze. das Recht auf einen Nervenzusammenbruch. ließ er eine Hand auf ihrer Wange liegen. Aber jetzt kümmere dich um deinen Mist und fahr zu. dass sie fertig war. auch nur in der Nähe einer weinenden Frau zu sein. Er würde sie jederzeit in seine Mannschaft aufnehmen. Ohne hinzusehen. während die andere zu dem nackten Stück Haut zwischen ihrem hoch geschobenen Oberteil und dem Hosenbund wanderte. die einem von uns an den Kragen wollen. als er sicher sein konnte. »Keine Ahnung. nö wa?« Ohne sich weiter um den neugierigen Fahrer zu kümmern. Während sie heftig in sein Hemd schluchzte. War doch nur allzu menschlich. »Macht ihr bei ’nem Wettlauf mit?«. Er ließ sie weinen. reiß mir doch gleich den Kopf runter. ihren Namen zu flüstern. Und ich lache noch?« Kaum hatte sie das gesagt. strich Chief durch Melinas schweißverklebte Haare. Ihre Lippen teilten sich. »Melina?« Er legte ihr den Arm um die Schultern und zog sie näher an sich. Schließlich fragte er: »Wie geht’s Ihnen denn?« Sie hatte das Gesicht in ihrem hochgezogenen Pulloversaum vergraben und benutzte ihn als Handtuch. Jetzt war diese Krise Vergangenheit. Er hätte seine Augen auch dann nicht von ihr gelassen. »Ist ja schon gut. »Ja. die Sonne sei ausgebrannt. dass sie überhaupt nicht weinte. Sie hatte bewiesen. wenn ihm einer erzählt hätte. so ’n Scheiß-Marathon. berichtete er. Tränen schossen aus ihren Augen. Enttäuschung. Ihr Nacken ruhte in seiner Armbeuge. verzerrten sich ihre Gesichtszüge. dann ihr. sondern lachte. Dann legte er ihr seine Finger unters Kinn und hob ihr Gesicht hoch. Ich werde von zwei bösen Buben gejagt. denen man am besten aus dem Weg ging: Angst. Eine Weile konzentrierte er sich mit geschlossenen Augen aufs Einatmen. spürte er ihre Hand. und bewegte sich erst. was mit mir los ist!«. Wut.

welche Ausfahrt er nehmen solle. oder?« .« Sie regte sich als erste. Chief erklärte dem Fahrer. Offensichtlich wusste sie nicht. Sie setzte sich auf und schaffte etwas Abstand zwischen ihnen. aber reg dich bloß nicht gleich wieder auf«. schaute sie ihn doch an: »Wohin fahren wir?« »Du hast doch keine Angst vorm Fliegen. Nervös rutschte sie hin und her.« Noch immer ließ er Melina nicht aus den Augen. »Aber ich muss wissen. äh. zog ihren Pullover herunter. von dem er nicht recht wusste. Leider. wie er ihn sonst nennen sollte. nicht gegeben. wohin mit ihren Blicken. die vergeblich so tat. bevor ich von der I-45 abfahre. wie weit wir nach Süden sollen. tönte es vom Fahrersitz. Ohne die Störung hätte er wahrscheinlich doch noch seinen Mund auf ihr Halsgrübchen gedrückt. Als schließlich sämtliche Verlegenheitsgesten erschöpft waren. wo ein Rubinanhänger ruhte. »Richtung Osten. »Sag mal. als hätte es diesen Moment. wischte sich mit dem Handrücken über die tränenverschmierten Wangen und schob ihre Haare hinter die Ohren.

die Politik. die sich aber im Streitfall auch diplomatisch verhielt.« Dann fuhr er mit der Erklärung fort. Sein Versprechen einer neuen Weltordnung gab den Hoffnungslosen Hoffnung. Darin hatte er eine Perfektion bewiesen. das es interessierte. dass sich jedes Kind aus freien Stücken für das Spiel entscheiden durfte. nicht das allumfassende Leid. die uns jeden Tag ereilen. die Lebensqualität anderer zu verbessern. Sarah war eine Komikerin. worin die Stärken und Talente jedes einzelnen Kindes lagen? War dieser Junge ein Wissenschaftler? War das Mädchen eine Heilerin? Joel war von Natur aus Sportler. An klaren milden Abenden wie diesem durften die Kinder im Innenhof spielen. mit Ausnahme seiner eigenen Sendungen. Es ging um das Thema Leid. in jedem und jeder den Wunsch zu wecken. die seine Jünger anstreben sollten. 29 Bruder Gabriel war im Gebet. vor dem Abendessen und vor dem Schlafengehen. Üblicherweise betete er drei Mal am Tag: vor dem Frühstück. weil der Tag produktiv gewesen war. Margaret eine Intellektuelle. loyale Freunde anzuziehen. Ebenso gab es nur von ihm persönlich gebilligte Zeitungen. Er hatte seinen Jüngern die Lösung mitgeteilt. In seiner Siedlung war kein Fernsehprogramm erlaubt. bestand er darauf. Wie sonst sollte er herausfinden. Wie ein Magnet Metallspäne anzieht. Nur nicht fernsehen. Entdeckte er in David etwa unternehmerische Fähigkeiten? Besaß Jennifer herausragende Managerqualitäten? Natürlich interessierten ihn die Jungen mehr als die Mädchen. Im Hof unter seinem Balkon spielten die Kinder. ihn beim Gebet zu sehen. Die Güte in Person. »Gebt sie mir«. Den Ungeliebten schenkte er Liebe. Nie durfte in ihren Köpfen auch nur ein Funken Zweifel an seine Hingabe Raum finden. »Legt sie auf meine Schultern. genau wie die Jungen. die er sich merken musste. Er war die Güte in Person. Frauen hatten sich einen Weg in die Industrie. Bis zur Umkehr dieses Trends musste er damit leben. wie es in der Offenbarung des Johannes beschrieben wurde. Radiosendungen und Bücher. Im Grunde genommen gab es sogar Gebiete. Heute Abend betete er überschwänglich. wie mit dieser nagenden Plage umzugehen war. Er war selbst davon überzeugt. Aus den Mädchen würden Frauen. diese Idee zu verkaufen. dass nichts den Sinn derjenigen vergiftete. Die Mädchen mussten auf alle Bereiche der Gesellschaft vorbereitet werden. dass diese Übertragung nur bei jemandem möglich sei. was sie wollten. An diesem Nachmittag hatte er für seine Fernsehsendung eine außergewöhnlich inspirierte Predigt aufgezeichnet. die würdig genug zum Leben im Tempel und zur direkten Mitarbeit an seiner Kirche waren. deren Hauptaufgabe im Vorhinein feststand. Dadurch hoffte er. Er konnte Lebensumstände verbessern. Obwohl die Kinder von ihren Müttern oder Ersatzmüttern beaufsichtigt wurden. die sie vermutlich . sondern die kleineren Kümmernisse. der tief an ihn und seine Fähigkeit glaubte. so hatte William eine Begabung. Er wünschte. besonders in Nordamerika und Westeuropa. Jeden Abend durften sie nach dem Essen eine halbe Stunde lang tun. Hmm. was ihnen eine ideale Gelegenheit bot. Eigentlich fiel es ihm nicht schwer. die Wirtschaft und alle anderen Sparten erschlichen. diesen Zustand selbst zu erreichen. Trotzdem war Bruder Gabriel Realist. Eine einprägsame Phrase. beschwor er sie mit aufrichtigster Stimme.

das Mädchen mit dem wunderschönen dunklen Lockenschopf. einen Trainer zu engagieren. Es hieß. die ihre ländliche Herkunft verriet. sie wirke nun nicht mehr einsam und habe kein Heimweh mehr. worauf Mr. die sie beim Eintritt in die Welt dort draußen vorfinden würden. Sie buhlten um seine Aufmerksamkeit. später nach ihr zu schicken. Seit ihrem Besuch bei ihm hatte sich ihr Verhalten auffallend gebessert.leichter durchdringen konnten als ihre männlichen Antipoden. Er studierte sie alle. Hancock erwartete ihn mit einem Aperitif. Sofort wurde Bruder Gabriel steif vor Begierde. Er winkte. und rief einen Gruß hinauf. Als er ihr zuwinkte.« »Ich höre.« Bruder Gabriel warf seinem Assistenten einen bedeutsamen Blick zu. schau her. Dabei bedachte er sämtliche irrwitzigen Veränderungen. »Amen. umfing mit beiden Händen ihren schwangeren Bauch. Er applaudierte begeistert. Er würde auch keine Fragen stellen. die man später gegen ihn verwenden könnte. was für den von ihm entwickelten Auswahlprozess sprach. Was sie auch sollte. die sie für den Großen Plan ungeeignet machen könnten. Unten merkte jemand. Schon beim Gedanken daran wurde ihm schwindelig. »Ja. Kniend und mit betend gesenktem Haupt nützte er allabendlich seine Zeit. rief er dem Jungen zu. Mr. aber es gab ja noch andere lustvolle Befriedigungen. errötete sie entzückend. Wieder schossen ihm diese Worte durch den Kopf. bereit. Sie erinnerte an eine köstliche überreife Frucht. Obwohl er seinen unterschiedlichen Sicherheitsmaßnahmen und deren Back-ups voll und ganz vertraute. wie viele Leben er beeinflussen und zu Bekehrten machen könnte. Dann würden die anderen eifersüchtig. Für einen Beischlaf war ihre Schwangerschaft schon zu weit fortgeschritten. dass er seine Gebete beendet hatte. dass sie nicht so narrensicher waren. das Kind zu stillen. Mary. die jeden Moment zu platzen drohte. Sie widmete sich mit frischer Energie ihren Studien und Aufgaben. Die Güte in Person. das ihn mit ausgebreiteten Armen in einer Geste allumfassender Liebe darstellte. Dieses Motto nähme sich gut in goldenen Lettern auf einer Inschrift unter einem Bild von ihm aus. Er nahm sich vor. Joshua?« »Ihr Problem wurde beseitigt. sie erneut holen zu lassen. Nachdem Hancock das Gebetskissen gegen den Drink eingetauscht hatte. Er winkte zum letzten Mal und begab sich nach innen.« Er erhob sich und nahm das russische Betkissen. bestand immer eine winzige Chance. Bald waren alle Augen im Hof auf ihn gerichtet. »Bruder Gabriel. die Bauerntochter aus Iowa.« Wegen des heiklen Themas hatte er den Lautsprecher nicht eingeschaltet. Er beschloss. Nur wenige Kinder entsprachen nicht seinem Standard. Sie war unglaublich gut zu vögeln. Ein zukünftiger NBA-Star? Wenn ja. genau wie er ihn mochte. wie sie . sagte er: »Sie haben einen Anruf aus Dallas.« Schwungvoll warf Joel einen Basketball in den Korb. Leslie. um für jedes Kind eine Zukunft zu planen. Unter ihrem Gewand zeichneten sich daumendicke Brustwarzen ab. Im Bett war sie von einer irdischen Sinnlichkeit. oder irgendwelche Aussagen machen. beobachtete ihre Verhaltensmuster und hielt nach Schwächen Ausschau. Trotzdem war es zu früh. Hancock subtil nickte. »Gut gemacht«. wie viele junge Männer würden ihn als ihr Vorbild bewundern? Allein die Vorstellung. strahlte ihn mit offener Hingabe an. um Joels natürliche Begabung zu fördern.

dass du mir morgen Früh bessere Nachrichten bringst. doch den Hinweis auf Jem Hennings verstand er sofort.« Bruder Gabriel wusste aus Erfahrung. was sie möglicherweise vor die Tore des Tempels geführt hätte. unersetzlich war er jedoch nicht. aber Hennings’ Rolle hätte die Polizei gründlicher untersucht. Eitler kleiner Fatzke. wobei er jedes einzelne Wort finster betonte.« Abrupt beendete er den Anruf und kippte den restlichen Drink wütend auf einmal hinunter.es sein sollten. Keine Chance auf Wiederbelebung. »Und warum das?« »Wissen Sie.« »Er hat mich enttäuscht. »Und wie steht es mit dieser anderen Sache?« Joshuas zögernde Antwort sprach Bände. und trank einen Schluck. Obendrein hatte Hennings die Sache mit Linda Croft in die eigenen Hände genommen und Befehle ohne vorherige Abstimmung erteilt. Jeder weitere Gedanke an Jem Hennings wäre Verschwendung. So erfuhr er alles Wissenswerte. um seine Leidenschaft zu entflammen. kann man wohl sagen. dass ihm die Menschen unbedingt gefallen wollten. Die Ermittlungen im Mordfall Gillian Lloyd waren ihm gefährlich nahe gekommen. Und dann wünsche ich. »Der Herr von heute Abend…?« »Ja. »Ja. Bruder Gabriel versuchte. Dale Gordon hatte man leicht als Psychopathen ausgeben können. Auf Technik konnte man sich nicht völlig verlassen. umso mehr versuchten sie. dass es zu zerspringen drohte. ohne ihnen jedes Wort einzeln aus der Nase ziehen zu müssen. Deshalb fuhr auch Joshua nach kurzem Schweigen wie geplant fort: »Das war ein Hammer. »Noch einen?«.« »Das weiß ich«. Sir. seine Gunst zu gewinnen. spielte er den Gelangweilten und Geistesabwesenden. wir erhielten Befehle von ihm. prahlten sie mit ihren Heldentaten. Das möchtest du doch nicht auch. »Du willst mich doch nicht enttäuschen«. Wenn er wollte.« Bruder Gabriel bedauerte den Verlust von Jem Hennings. Joshua sagte: »Er dachte. Schließlich knurrte Joshua: »Es steht unentschieden. derart anmaßend zu agieren und aus freien Stücken eine solch weit reichende Entscheidung zu treffen? Hennings hatte seine Aufgabe gut erfüllt. seinen Zorn zu mäßigen. Sir. Natürlich war er mit Hennings’ Maßnahme einverstanden.« »Dann schlage ich vor. Zeigte er sich unbeeindruckt.« Joshuas Intelligenz hielt sich in Grenzen. Plötzlich hatte er sich jedoch als Belastung entpuppt.« Also war Christopher Hart noch immer am Leben. Dann taten sie alles. der die letzten Jahre ein echter Gewinn gewesen war. Auf Menschen mit Sicherheit noch weniger. dass wir seit jenem Nachmittag unsere Befehle direkt von Ihnen bekommen. Je weniger er sie lobte. Es gab noch andere. »Nein. Bruder Gabriel strich ihn aus seinem Gehirn. Ist ihm nie in den Sinn gekommen. Er hätte genauso gehandelt. sagte er. und Melina Lloyd lief frei herum. wir haben es nicht mit Trotteln zu tun. dass man mir Mary schickt. Bitterer Zorn stieg in ihm auf. die für seine Arbeit ausgebildet waren und gierig einen Auftrag erwarteten.« »Die –« . »Wie schwer kann das denn sein?« Er packte das Longdrink-Glas so fest. dass eine Frau im Bett ihr Bestes gab. herrschte ihn Bruder Gabriel an. Das Gleiche galt auch für Männer. Aber wie konnte ein einfacher Jünger es wagen. fragte Hancock.

womit er Hancock einen beschwichtigenden Knochen zuwarf. dass alles beisammen ist. der Gillian befleckt hatte. Die Sache zwischen ihnen hatte sich zu einem Willenskampf entwickelt. wie weit sie ist!«. dachte er verächtlich. dachte er verbittert. Sir. Sie hatte ihn Jem Hennings gekostet. um nicht die verletzte Miene seines Assistenten sehen zu müssen. ein wertvolles Glied seiner Kirche. brüllte er. verstanden. Melina Lloyd hatte sich geweigert. wenn ich sicher bin. die in der Erfüllung ihrer Mission tagtäglich mit Hindernissen konfrontiert wurden? Wenn sich herumspräche. geschweige denn auch nur verzögern. Ein Mann mit seiner Machtfülle konnte nicht von sich sagen lassen. »Mr. Hancock«.« »Ich schätze Ihre Umsicht«. Nur selten verlor er die Beherrschung. Mittlerweile entpuppte sich ihre Zwillingsschwester als ähnliches Problem. Keine Frau. und sich mit dem FBI verbündet. vom Tag ihrer Geburt an. sie einfach abzuschreiben und zu vergessen. Trotzdem ließ es sein Stolz nicht zu.« »Absolut. Das liegt an dieser Frau. »Mary. wiederholte er ungeduldig. zu einem versteckten Krieg. Ich wollte Ihnen den Bericht erst dann vortragen. die sich in den letzten Tagen ereignet hatten. eine Frau habe ihn matt gesetzt. lief er unruhig auf und ab. Sir. »Warum widerspricht mir heute Abend jeder?« Er spürte. Eine solche Niederlage hätte monströse negative Auswirkungen. Ohne die Teilnahme von Melina Lloyd könnte der Große Plan leiden – welch ein lächerlicher Gedanke. Im grandiosen Lauf der Zeiten war sie nur ein Wimpernschlag. Staatsmänner aus der ganzen Welt wandten sich an ihn um Rat und Unterstützung. noch seltener in Anwesenheit von Mr. Daran war Gillian Lloyd schuld. Hancock.« »Jawohl. Eine einzelne Frau konnte seine Erfüllung nicht verhindern. Er wandte sich ab. dass seine Wut mit ihm durchgegangen war. Über diese Frau möchte ich einfach alles wissen. Dieser Plan war größer als sie. sondern bei Melina. dass er vollständig ist. den sie verursacht hatte. verlören sie jeden Glauben an ihn. werde ich läuten. wie unter seiner Haut die Adern an Kopf und Nacken anschwollen. wen ich meine. Wahrscheinlich war sie genauso durch und durch verhurt wie Gillian. Ich lasse Mary holen und beschäftige mich dann sofort wieder damit. Mary«. »Aber sobald Sie überzeugt sind. war all den Ärger wert. »Ja. sagte er. Bruder Gabriel. Sir. das Schicksal ihrer Schwester so zu akzeptieren.« »Aber. Hancock nicht zu erkennen geben. Für diese Sünden musste man sie vor sein Angesicht bringen. Was bedeutete es. . Und Bruder Gabriel verachtete jede Form von Schwäche. aber seine Gedanken waren nicht bei ihr. so unbedeutend wie eine Mücke an einem Sommerabend. größer als alle Frauen zusammen. sagte er abrupt.« Er ging in sein Schlafzimmer und schloss hinter sich die Tür. Außerdem wollte er Mr. dass ihn ein Weib geschlagen hatte. Während er auf das Mädchen wartete. auch nicht die begehrenswerteste. wie es sich diese selbst zuzuschreiben hatte. möchte ich ihn sofort sehen. wenn er aufgäbe? Welches Beispiel gäbe er damit den einfachen Soldaten auf dem Schlachtfeld. So etwas durfte einfach nicht sein. Sir?« »Haben Sie Ihre Nachforschungen über Melina Lloyd bereits abgeschlossen?« »Ich arbeite immer noch daran. sie ist im neunten Monat. Sie und ihre Nacht mit diesem Astronauten waren der Grund für seinen Wutausbruch und alle Missgeschicke.« »Ich weiß. Sie hatte sich an denselben Mann gehängt. Jeder Verlust der Selbstkontrolle war ein Zeichen menschlicher Schwäche. »Sie wissen schon. Wünschen Sie Ihr Abendessen jetzt oder später?« »Wenn ich Hunger habe.

Das Stoppelkinn sackte herunter. Dann bemerkte sie. das sie hergebracht hatte. Offensichtlich suchte er nach dem Transportmittel. dass der Taxifahrer nervös wurde und möglichst rasch wieder weg wollte. Mir fällt sowieso nichts ein. auf die sie von der Autobahn eingebogen waren. ehe Chief sie vorstellte. Hinter ihnen herrschte völlige Dunkelheit. Erst als demütige und reumütige Sünderin würde er ihr verzeihen. Vom höchsten Punkt beschien ein einsames Flutlicht das mehrere Meter breite Vorfeld vor dem Gebäude. ob ihr noch immer da seid.damit sie die nötige Strafe erfuhr.« Dann: »Kann ich euch helfen. In dem Moment trat ein Mann aus der schmalen Tür.« Angesichts der Umstände klang diese höfliche Phrase lächerlich. du und dein Geschäft. endete die Straße. »Aus Dallas?« »Bist du allein hier?« »Nur ich und Bandit. nicht einmal eine Lüge. »Was ist denn das?« Chief bezahlte den Taxifahrer. »Überlass das Reden mir.« »In Ordnung. »Chief!« Sie riss an seiner Hand. die man mit der Schnittfläche nach unten hingelegt hatte. Das hier war gewiss keine Einladung zum Tee. damit er stehen blieb. »Seid ihr per Fallschirm gekommen?« »Mit dem Taxi. »Ma’am. Melina.« Neugierig wanderte sein Blick zwischen ihnen hin und her. denn er befahl dem Hund: »Platz. Pax. Selbstverständlich würde sie das.« Das Gebäude erinnerte an eine der Länge nach halbierte Blechbüchse. Die beiden Männer starrten einander noch mehrere Sekunden an.« »Mit dem Taxi«. In weiter Ferne zeichnete sich die Skyline von Dallas als mattes Leuchten ab. als er das Lenkrad herum riss. im Nichts. und außerdem herrschte zwischen den beiden Männern aus unerklärlichen Gründen ein gespanntes Verhältnis.« Die fettigen Hände mit dem Lumpen erstarrten. wo sie mit Chief stand. Chief trat in den Lichtkegel. »Na. jetzt bin ich aber platt. An der Stelle. Er brauste mit Vollgas davon und ließ den Kies aufspritzen.« »Ich hatte keine Ahnung. Was ist mit deinem Gesicht passiert?« Chief lieferte keine Erklärung. als stamme schon das Wort von einem anderen Stern. Zu guter Letzt würde sie die Gnade seiner Güte empfangen. Vor ihnen stand ein Zähne fletschender Schäferhund. aber es gibt nicht viel Geschäft. Wer wollte nicht zu seinen Auserwählten zählen? Er würde die Welt regieren. das ist Pax Royston.« Der Mann nickte ihr flüchtig zu. »Wollt ihr reinkommen?« .« »Da ja. »Melina. Sein Blick wanderte hinter sie. wiederholte er. Die Gegend lag so abseits. die in das Blech geschnitten war. Leute?« »Hier ist Christopher Hart. eine Landebahn. sie segnen und umarmen und zu einem Mitglied seiner Familie machen. Offensichtlich wirkten sie nicht sonderlich bedrohlich.« »Sehr angenehm. Er nahm sie bei der Hand und zerrte sie zu einer verrosteten Blechhütte. der sie scheinbar am Ende der Welt abgesetzt hatte. wischte seine Hände an einem ausgeblichenen roten Arbeitshandtuch ab und kniff wegen des grellen Flutlichts über ihm die Augen zusammen. links von ihnen. damit ihn der Mann besser sehen konnte.

Pax stellte den Ton leiser. Pax meinte: »Die Leute haben ’ne Mordsangst vor ihm. aber ob das Zeug da noch frisch ist. dessen Einzelteile auf einem ausgefransten Teppichrest verteilt lagen. Im Gegensatz zum grellen Flutlicht herrschte drinnen Dämmerlicht. Geh kurz vorher noch auf die Toilette. Knabbereien und Getränke. Aber ich könnte ein paar Sachen für den Flug gebrauchen.« Die Flugzeuge im Hangar waren ausnahmslos Maschinen in desolatem Zustand. Chief wollte von Pax die Schlüssel zum Flugzeug haben. Frisch überholt. ließ aber das verschneite Bild weiterlaufen. »Ich brauche ein Flugzeug. aber dazwischen wird’s lang. Jetzt wandte sich Pax an sie: »Wie wär’s denn nun mit ’nem Kaffee?« »Nein. was du vielleicht brauchen kannst. sagte er. Alles. geräuschvoll zu schlabbern.« »Wir fliegen nach New Mexico. Pax zuckte mit den Schultern. »Lassen Sie mal. kann ich nicht garantieren«. »Bedienen Sie sich.« »Glück für uns. »Tja. dabei ist er in Wahrheit ein müder Abklatsch von ’nem Wachhund.« Noch immer fehlte ihr jede Erklärung für die Animosität zwischen den beiden. sagte Chief. und der lächelte zurück. Öllachen und Schmierflecken. Auf einem zweihundert Liter Ölfass stand ein Schwarz-Weiß-Fernseher. denn direkt über einem ausgebauten Motor. »Keinen Schimmer. »Die Getränke sind kalt. Mit einem Knall fiel die Hintertür hinter ihm zu. Auch Getränkedosen. wann der Verkäufer letztes Mal nachgefüllt hat.« »Wohin wollt ihr?« »Hast du eine oder nicht?«. An einem hatte Pax bei ihrer Ankunft offensichtlich gearbeitet. die an Haken im Automaten hingen. Falls Sie so was haben.« Während sie auswählte.« Sie und Pax schauten Chief nach. ohne auf Paxs neugierige Frage einzugehen. »Ich will es checken. Wir werden zwar zum Nachtanken landen müssen. fuhr Chief fort. meinte sie: »Ich bin noch nie mit Chief geflogen. baumelte eine Glühbirne in einem Metallkorb. die sie so deutlich spürte. Neugierig beschnüffelte Bandit ihre Hand. fragte er.« . vorbei an Flugzeugen. »Zur Hintertür raus und dann gleich rechts.« »Flugtauglich?« »Bist du ’n Pilot?« Chief warf ihm einen vernichtenden Blick zu. in dem gerade ein Eishockey-Spiel übertragen wurde.« Sie begann. »nichts Tolles.« »Danke. Offensichtlich war er mit ihr einverstanden. stimmt’s?« Pax kam mit dem Schlüssel und einem Zettel mit der aufgedruckten Flugzeugnummer zurück. womit die freundliche Unterhaltung abrupt beendet war. Ist’n nettes Maschinchen. Es dauerte einen Moment. denn danach trottete er zu einer Wasserschüssel und begann. bis sich ihre Augen darauf eingestellt hatten. was er dir verkauft. wobei er auf die Zellophantüten deutete. Draußen im Hinterhof. vielen Dank. dass man sie greifen konnte.« Mit einem Schlüssel öffnete Pax die beiden Geräte. Chief wandte sich an sie: »Vielleicht hat er was zu knabbern da.« Sie lächelte Pax zu. »Dann ist sie flugtauglich.« Er brachte sie zu zwei uralten Automaten. in ihrer Handtasche nach Münzen zu graben. »Einmotorig«. der sich einen Weg durch den Hangar bahnte. eine hab’ ich. »Wollt ihr ’nen Kaffee?« »’nen Flieger«.« Pax schlenderte zu einem verglasten Büro.

ob sie schon auf der Toilette gewesen sei. ahnte aber vermutlich. Auf dem Poster.« »Hier durch. weil man Chief angenommen hatte.« War’s auch nicht. Blut.« Dann wandte sich Chief an sie und wollte wissen. dann sind wir weg. Ihre Reisetaschen lagen in der Rostlaube unter Jems Hochhaus. Sie ging auf die Toilette und wusch sich anschließend Gesicht und Hände mit dem farblosen Seifestückchen. der den Spender für Papierhandtücher zierte. »Hab’s dir doch gesagt. Was war der Grund gewesen? Eine Frau? Ein Flugzeug? Hatte es zwischen den beiden einen Wettstreit gegeben. »Aber ich muss Sie warnen: Ist nicht gerade ein Luxusklo. mit Reißnägeln an der Wand befestigt.« Er deutete in den Automaten. Dazu müsste sie ganz vorne anfangen. Der verdammte Hund frisst wie’n Gaul.« »Haben Sie auch für die NASA gearbeitet. Bei einem unabsichtlichen Blick in den zerbrochenen Spiegel schnappte sie nach Luft. wäre sinnlos. »War gestern Einkaufen«. »Geh. bis nur noch klares Wasser kam. »Da brauchen Sie garantiert keine Angst zu haben. warum sie sie gewaschen hatte. Ich muss noch ein paar Anrufe tätigen. »Sieht gut aus«. während er die Knabbereien und Getränke in die Plastiktüte verfrachtete. »Hauptsächlich Hundefutter. wie die Hintertür aufging und Chiefs Stiefelabsätze auf den Zementboden knallten. ich doch nicht. sondern eine ganze Truppe. Er bemerkte ihre nassen Haare. erklärte sie ihm.« »Das genügt«. Zum Feinmachen war keine Zeit. Als sie herauskam. eine schmierige Schicht bedeckte den Boden. meinte er zu Pax. Selbst in ihren Haaren entdeckte sie Spuren davon. »Nein. »Diese kleinen Pecankuchen schmecken recht gut. weit gefehlt. als er sich einen Rückweg durch die Hangarhöhle bahnte. um besser sehen zu können. hing Chief noch immer am Handy. Noch rüder war der Spruch auf dem Aufkleber. wo Pax auf einem Schreibtischstuhl mit Rollen saß. Um einen Panikanfall zu unterdrücken. holte sie tief Luft und steckte den Kopf unter den Wasserhahn. präsentierte sich nicht nur eine nackte Frau. Der ist ein ausgezeichneter Pilot.« »Waren Sie zusammen beim Militär?« »Könnte man sagen. Jems Blut. die ich erlebt habe.« Pax deutete auf eine Tür. Zu ihrer Enttäuschung hatte er sich nicht näher zu seinem »Streit« mit Chief geäußert.« Sie hörten. Sie beugte sich näher. Mit Papierhandtüchern drückte sie das Wasser aus den Haaren und kämmte es danach so gut wie möglich mit den Fingern. wer der bessere Pilot war? Vielleicht hatte Pax eine Absage von der NASA bekommen und war eifersüchtig. Trotz des eiskalten Wassers hielt sie den Kopf so lange unter den spritzenden Strahl. Dusche und Haarwäsche im Fernfahrermotel heute Morgen schienen Jahrzehnte her zu sein. ihr Aussehen zu verbessern. alle in derselben rüden Pose. Neben ihm stand Bandit. Hat die beste Nase von allen. Ma’am. Jeder Versuch. ohne einen rosa Schimmer. erklärte er. Sie wagte sich in das überfüllte Büro. Außerdem besaß sie nichts Persönliches mehr. Rücksichtsvoll wühlte Pax nach einer Tüte herum. bevor Sie sich selbstständig gemacht haben?« Diese Bemerkung quittierte er mit einem verächtlichen Schnauben. Waschbecken und Toilettenschüssel hatten Wasserränder. den Kopf auf seinen . bis er endlich eine im Abfalleimer entdeckte.« »Aber Sie beide kennen sich schon lange?« »Bis wir uns zerstritten haben. Gesicht und Hals waren mit dunklen Flecken gesprenkelt. Sie schüttelte den Kopf.

dass ihm Pax auch wirklich aufmerksam zuhörte. so oft’s geht. Irgendetwas war hier nicht im Lot.« Verblüfft schluckte er. Mit diesem unbehaglichen Wortwechsel endete ihre Unterhaltung.« »Ist im Handumdrehen trocken. »Du weißt genau. das verriet. »Willst du mir vielleicht verraten.« »Fahren Sie oft nach Las Vegas?« »Louisiana liegt näher«. nach dem sie sich so sehr gesehnt hatte. deshalb wandte sie sich ab. auch auf die Gefahr hin. meinte er. »Stimmt das?« »Hmm. Geh irgendwohin. Er grub in seiner Jeanstasche. während er weiterhin Bandit kraulte.« Zu ihrer Überraschung hatte Chief während seiner Telefonate ihr Gespräch belauscht. Nach Vegas.« »Ich hätte gedacht –« »Nein. Sie wusste zwar nicht. »Das ist das einzige Bargeld. verschwinde. aber sie verweigerte jede Erklärung. grundfalscher und absolut törichter Beinahe-Kuss. Mehrere Minuten später war Chief mit seinen Telefonaten fertig und kam ins Büro.« »Das Ergebnis ist offensichtlich eine Partnerschaft. ist wichtig. wenn ich das Flugzeug zurückbringe. denn was ich jetzt sage. aber aus Angst. zu dem es beinahe im Taxi gekommen wäre. »Er hatte was mit meiner Schwester. bis sie an einem Foto mit Pax und einer Frau hängen blieben. als studiere sie eine Landkarte von Texas an der Wand. um sicher zu stellen.« Er deutete auf ihre nassen Haare. dass ich für den Rest gerade stehe«. Royston?« »’ne Freundin. Sie tat so. »Nimm deinen Hund und deine Freundin und verlass noch heute Nacht die Stadt. aber nur bis zur Türschwelle.« Pax’ einziger Kommentar bestand in einem Grunzen. Nur.Schenkeln. was. wie sehr er den Schäferhund mochte. Ich möchte diese Ausgaben nicht über eine Kreditkarte laufen lassen. förderte drei Einhundert-Dollar-Noten zu Tage und warf sie auf Pax’ Schreibtisch. erklärte Chief dem Mechaniker. Geh nach Bossier City.« »Hoffentlich. Missmutig runzelte Pax die Stirn. womit die Casinos in Bossier City gemeint waren.« »Ich traue dir. sie mag die Automaten. »Ich habe ihn total verzogen.« Ihre Blicke schweiften durchs Büro. »Wahrscheinlich könnte ich hier irgendwo ein Handtuch auftreiben. Sein skeptischer Blick war schwer zu ertragen. das ich erübrigen kann. Ich würfle. hielt sie es für das Beste zu schweigen. »Ist das Mrs. Hab’ ihn zum Waschlappen gemacht.« Pax wunderte sich darüber und warf ihr verstohlen einen Blick zu. »Seid ihr…?« Sie dachte seinen Gedanken zu Ende und schüttelte den Kopf.« Während der gesamten Unterhaltung beobachtete er Chief durch den trüben Glaskubus um sein Büro. Seine Frage hatte Erinnerungen an den Kuss wachgerufen. das Falsche zu sagen und eine heikle Balance zu stören.« Er hielt inne. bemerkte er mit einem Lächeln. »Wahrscheinlich ist er deshalb nicht mannscharf«. von der beide etwas haben. sich damit zu verraten. »Ich werde dich bezahlen. Pax streichelte ihn. »Wir fahren rüber. Ein hochgefährlicher. was hier abläuft?« . Sie hielt sich an Chiefs Bitte und überließ das Reden ihm. hinter denen sich die Neonreklame des Golden Nugget Casino erhob.

und wenn es so weit ist. dass hier in Kürze zwei Kerle aufkreuzen. solltest du längst über alle Berge sein. »Nein«. Mit einem Gesicht. ich soll meinen Laden stehen und liegen lassen und mich verziehen. Stell keine Fragen.« »Na. Die Chancen stehen gut. dass mir das aufgefallen ist.« Pax musterte ihn einen Augenblick. Zu guter Letzt erklärst du mir. darfst du nicht. Und dann tauchst du mitten in der Nacht aus dem Nichts auf. Schließlich sagte er scharf: »Weil du mein Vater bist und ich nicht schuld sein möchte. das du mir an den Kopf wirfst. warum ich mich auch nur nach einem verdammten Wort richten soll. erwiderte Chief gelassen. Sofort. das nach hochgradiger Körperverletzung aussieht. Hau ab. Und trampelst bei mir herum wie Gott persönlich. dann sagte er: »Jahrelang habe ich dich nicht gesehen und keinen Ton von dir gehört. Melina. Und dann mietest du einen Flieger. Verrat’ mir mal. ist ja ein schöner Bockmist. den du nicht bezahlen kannst.« . du traust mir. tu’s einfach. mit einer schönen Frau im Schlepptau. die ein bisschen mitgenommen aussieht – entschuldige. Und ich darf nicht mal kleinlaut fragen: ›Wieso?‹« »Nein. Hoffentlich tust du’s. wenn dir was Schlimmes zustößt. »Du hast gesagt.« Chief rang um Antwort.

Ich habe Leute hinübergeschickt. den er je erlebt hatte. sonst hätte er Flügel haben müssen. trotz aller Unterschiede. »Das war um acht Minuten nach neun. er habe einen Knall gehört. Wir haben es gefunden. Die seien allerdings so dicht aufeinander gefolgt. Als er heimkam.« Der FBI-Agent lächelte grimmig. widerwillig zu respektieren gelernt. zu wem dessen Beschreibung passt? –. sagte er und bezeichnete damit den Geschosstyp. Ich erzähle Ihnen nur. Tobias verehrte die Schönen Künste und abonnierte in jeder Saison sämtliche Ballett-. So kann nur ein Dum-Dum einen Schädel zerstören«. hatten ihn Sandflöhe von Kopf bis Fuß mit Stichen bedeckt.« »Auf diesem Stockwerk wohnen Leute.« Wenn sie noch mehr Zeit gemeinsam verbringen müssten. würde das vermutlich in einer gehörigen wechselseitigen Antipathie enden. Sie hatten erst einen einzigen Tag gemeinsam verbracht. Lawson war der miesest gekleidete Kerl. ein normales Eifersuchtsdrama war’s jedenfalls nicht. Tobias war ein Gesundheitsfanatiker. »Davon wurden zwei rasch hintereinander abgefeuert. der Zucker und Fett aus seiner Ernährung gestrichen hatte. dass ich Sie unterbrochen habe. Es ist derart verformt.« »Das erste hat das Fenster zerfetzt. das zu ihnen vom Treppenhaus heraufgeschrien hat. dass nichts dabei herauskommt. Lawson hielt Tobias für einen eitlen Pfau. Der Wachmann hat Melina Lloyd und Christopher Hart bis aufs I-Tüpfelchen beschrieben. die das Dach und sämtliche Räume mit Fenstern in diese Richtung nach Beweismaterial durchkämmen. Trotzdem möchte ich wetten. Höchstens eine Viertelstunde vor dem falschen Feueralarm haben sie Hennings einen Besuch abgestattet. wie’s ist. während Lawson von Fastfood lebte.« »Würde ich auch vermuten«.« »Tut mir Leid.« »Damit haben sie für Ablenkung gesorgt. »Geht auf meine Rechnung. dass es wie ein Schuss geklungen habe. Lawson meinte: »Ich brauche einen Drink.« »Damit wollen Sie doch nicht etwa andeuten –« »Alles. dass es sich . je fetter. Sobald wir ein paar Antworten haben. in Wohnung D würde es brennen.und Opernpremieren. »Wir werden einen Experten zur Bestimmung der Flugbahn der Kugeln kommen lassen. als Melina Lloyd einfach aufgelegt hatte. 30 Tobias starrte auf die Leiche von Jem Hennings und gestattete sich an diesem Abend den zweiten Fluch nach seinem Ausbruch. Sie überließen die Leiche den Pathologen und traten aus der Wohnung in den Flur hinaus. Orchester. Fahren Sie fort. Lawson war in seinem ganzen Leben bei einem einzigen Live-Konzert gewesen. Openair. der beim Aufprall explodierte. die sich an ein Pärchen erinnern – raten Sie mal. aber was für einen! Doch während dieser Zeit hatten sie einander. wo Lawson wieder an das Gespräch anknüpfte: »Ein paar Antworten hätte ich für Sie. Die Todeszeit lag vermutlich zwischen neun Uhr und viertel nach neun.« »Professionelle Heckenschützen?« »Nun. Allerdings muss der Schütze vom Gebäude auf der anderen Straßenseite geschossen haben. Vielleicht auch zwei. sagte Lawson. desto besser. Willie Nelson.« Er konsultierte sein Notizbuch. Einer der Nachbarn meinte.

Tollkühn. dass er es tatsächlich getan hatte. Im Kofferraum lagen zwei Reisetaschen. Lediglich. an Spermaproben herumzubasteln. Sie müssen lediglich Kontakt mit den Spendern aufnehmen und sie dorthin bringen. Hart und Hennings – sich im Dunkeln getroffen haben.« »Sie reisen mit leichtem Gepäck. einer von ihnen löscht das Licht.« »Sie haben hier in der Garage ein Auto stehen lassen. Den hat ein Kenner erledigt. »Das Fenster zerbirst. Ihre erste Durchsuchung der Waters-Klinik hatte nichts Wesentliches über Dale Gordon ergeben. Wir sind dem Wagen auf der Spur. Tobias hatte Patterson beauftragt. dann sorgen sie für Ablenkung. die gestand. erwischt zu werden.« Lawson sagte: »Sieht so aus. was er tat. Melina Lloyd diese Kleidungsstücke am frühen Vormittag geliefert zu haben. damit sie heil aus dem Gebäude kommen.« Tobias grübelte einen Moment darüber nach. Die Etiketten hingen noch dran. den er Gillian – alias Melina – in der Nacht vor dem Mord gegeben hat. die andere ihr. Wenn die Wohnung im Dunkeln gelegen hätte. »In der Wohnung gibt es keine Deckenleuchte. die wir neben Hennings Leiche gefunden haben. nicht einmal einen Parkschein. aber keinen Beweis. Den von Hart hat die Stadt vom Parkplatz eines Nachtclubs abschleppen lassen. die gerade in den Aufzug gerollt wurde. ganz zu schweigen von einem zweiten. wenn die sich einen runterholen. Ein paar Leute erinnern sich noch. »Hatte er irgendwas bei sich?«. Allerdings waren sie da. einen derart präzisen Schuss zu setzen. wollte Tobias nun wissen. Lawson. Also hat irgendeiner den Lampenstecker gezogen. Der wusste genau. die Samenspender zusammenzutrommeln. In Ordnung?« »Jawohl.« »Keiner geht an sein Handy. Eine davon gehört offensichtlich Hart. dass sie – Melina. »Nichts. wobei er auf die Bahre mit Hennings Leichnam wies.« »He. nachdem das Glas gesplittert war.höchstwahrscheinlich keiner Waffe zuordnen lässt. dass er das Wissen und die Gelegenheit gehabt hätte. »Ich muss doch nicht auch noch zuschauen.« Tobias fuhr sich mit der Hand übers Gesicht. hatte der junge Agent sichtlich erleichtert gesagt. mit dem sie hier ankamen. Sir«.« »Inzwischen noch leichter als vorher. Bei dieser Aufgabe verzog Patterson das Gesicht. woran ich ernsthaft zweifle. Genau die hatte sie geschickt. »Die Proben werden in der Klinik unter medizinischer Beobachtung gesammelt.« Müde rieb sich Tobias die Augen. Mittlerweile sieht sie nicht mehr so nagelneu aus. und hatte den Mumm dazu.« Einer der übrigen Ermittler steckte den Kopf durch die Tür und winkte ihn in . sie draußen gesehen zu haben.« Er erklärte Tobias. erklärte der Kommissar. Zuletzt hat er mit seiner Kreditkarte den Anhänger gekauft. auch wenn wir sie finden sollten. »Das wird ja immer toller. Außerdem hat der sich auch nicht mit Papiertüchern abgeputzt. Wie vom Erdboden verschluckt. hätte selbst ein erfahrener Schütze mit einem Nachtsichtgerät Mühe gehabt. und keine Angst. als Hennings abgemurkst wurde. egal. »Ich habe ihr die Jacke beschrieben. Er gehört nicht ihr. Die Tischlampe war ausgesteckt«. was? Ob Melina Lloyd und Christopher Hart den Schützen gesehen haben?« »Wieder fraglich. aber danach – Zero. sie hätten bei Neiman’s eine persönliche Modeberaterin ermittelt. oder?« Tobias seufzte. Außerdem ist es unwahrscheinlich. Das andere Projektil steckt noch immer in dem Brei. Mit nagelneuer Kleidung. wer’s war. und das war garantiert nicht Hennings. der mal für Hennings gedacht hat. Hennings wird erschossen.

Dorothy Pugh gibt ihre Stelle auf. aber Janine ist schon zu weit über den Jordan. »Hier ist Lucy. Friede und Liebe. Einen Meter achtzig groß. »Und doch bedaure ich nicht. völlig unversehrt. »Ein Seelenklempner. Das Ganze könnten Sie noch mit ein. zu Hause aufsässig. geboren am 10. Janine ist untröstlich und läuft von zu Hause weg. zu ihr. Ohne ihre gewohnte Tagesdosis Ballaststoffe war sie inzwischen ganz aufgebläht. Von innen kratzte das Koffein an ihrer Haut. um nach New Mexico umzuziehen. Sie vermuten in Dorothy Pugh ein Mitglied einer religiösen Sekte. fünfzehn Jahre. das sie für die Fahrt gemietet haben. Auch auf einer Steuererklärung war diese Versicherungsnummer nie aufgetaucht. Aus Liebe zu ihrer Arbeit und zu Tobias hatte sie zwei Tage lang ohne Pause geschuftet.« . Dale Gordon und den Andersons. männlich. Dreht häufig durch. Sie brauchte dringend eine Dusche. doch sein Handy klingelte. so gut.« »Mr. Wird religiös. der erst vor elf Monaten in Texas ausgestellt worden war. Tobias wäre gefolgt. Wird von einer Schulschwester namens Dorothy Pugh unter die Fittiche genommen. Ihre Tochter ist bis heute für sie verloren. Lucy Myrick kam sich vor. als wäre sie in diesem fensterlosen Raum mit den hässlichen Wänden geboren worden. sagte Lucy stolz. während ihr Kopf sich wegen Schlafmangels beduselt anfühlte. sinnierte Lucy laut. So stand es wenigstens auf seinem Führerschein. Erst vor kurzem hatte Tobias einen weiteren Namen in diese Mixtur geworfen: Jem Hennings. betet die ganze Zeit. was ich aus Liebe tat. Nur die Leute daraus waren verschwunden. So weit. was aber nur an den blutunterlaufenen Augen lag. wurde auf einem Campingplatz in Colorado gefunden. mieser Umgang. Das Wohnmobil. Eine gewisse Janine Hennings. Sie hatte sich nur von Fast Food ernährt.« »Und?« »Sie sind nie dort angekommen. was ich aus Liebe tat«.die Wohnung. mit denen sie sie betrachtete. Februar 1960. »Etwas ist faul im Staate Dänemark«. Mittlerweile hatte die normale Kotzfarbe einen rosa Schimmer. immer auf der Suche nach dem Bindeglied zwischen den Lloyd-Zwillingen. Erst nach dreimaligem Lesen rief sie Tobias an. und Mrs. die ganze Leier. die er der Firma angegeben hatte. 85 Kilo schwer. Schlechte Schulnoten. Hennings verlassen South Dakota zusammen mit dem Sektenjäger. um Janine zu befreien. zwei guten Flaschen Wein abrunden.« »Sie haben etwas gefunden. Sie bitten einen Sektenjäger um Hilfe –« »Einen was?« »Der Ausdruck stammt von mir«. Allerdings war er bei der Sozialversicherung nicht unter der Nummer aufgeführt. Innerhalb weniger Monate schreibt Janine Einser. sondern Dakota. der einen nach der Gehirnwäsche wieder umpolt?« »Kapiert. Die Eltern drehen durch. Weiter. bei der er derzeit – bis heute Abend – beschäftigt war. dann war es aber doch nicht Dänemark.« »South Dakota. weiß. trällerte sie. Vor sieben Jahren.« »Das Ende des Schuljahres naht.« »Sie schulden mir eine Menge Überstunden und ein Wochenende am Chesapeake.« »In Washington ist es ein Uhr nachts.

»Raten Sie mal.« Tobias grinste. hatte er schon aufgelegt. Achtung: Er hat diese religiöse Organisation nie als Sekte bezeichnet. der Sohn und ältere Bruder. zieht um und fängt an. kein Blut. wer auf Hennings Zielwahl steht. Erst nach einer halben Stunde Flugzeit hatten sie die glitzernde Vorortmasse hinter sich gelassen.« »Meine Frage erübrigt sich. Allerdings keine einzige Spur. dass ich noch eine finde. »Alles kalter Kaffee. Die Nacht war sternenklar.« »Wer hat denn Vermisstenanzeige erstattet?« »Dachte schon. Inzwischen bleibt das Verschwinden von Mr. Keine Leichen. in Kalifornien. Damit war jede Chance auf Identifizierung irgendwelcher Reifenspuren zunichte. an denen seine Eltern fort waren. Es war. Als sich seine Leute nicht. wenn Sie hören. Bitte.« »Bisher keinerlei Verbindung. Meine kleine Schwester ist zu einer Religionsgemeinschaft übergelaufen.« »Nur ein einziger Freund hat nach seinem Wegzug von South Dakota noch einmal etwas von ihm gehört«. dass sich in dem anderen Wohnmobil nichts gerührt hat. schmale Mondsichel gab praktisch kein Licht. Daneben hat eine andere Familie gecampt. eine falsche Versicherungsnummer zu benutzen. alias Jem. Eine Rundreise nach Colorado war da nicht drin. Am nächsten Morgen sind sie ganz früh aufgebrochen. als ihn Tobias je erlebt hatte. Rein gar nichts. aber die war zum Abendessen in der Stadt. als hätten Außerirdische die drei Leute hochgebeamt. Jameson. meine Eltern sind verschwunden. Die Ermittler hatten keinerlei Anhaltspunkte. Hennings samt Sektenjäger ein ungeklärter Fall in Colorado. oder?« »Der Tempel von Bruder Gabriel. Aus Oakland.« »Lucy?« »Was?« »Willst du mich heiraten?« Noch ehe sie sich wieder gefasst hatte und sprechen konnte. fuhr Lucy aufgeregt fort. Inzwischen zeichneten sich Kleinstädte als Lichtflecken auf einem schwarzen Tuch ab. Aber nach dieser Tragödie verkauft er sämtlichen Besitz. und Mrs. Hat während beider Tage. wie versprochen.« »Kathleen Asher. gearbeitet und sich abends mit Freunden zum Essen getroffen. »Gewaltsamer Tod?« »Zweifelsohne. aber ich verwette mein Wochenende am Chesapeake. In der Tatnacht hat es geregnet. trauerte Hennings in aller Öffentlichkeit und jammerte den Reportern die Ohren voll: ›Weh mir. Hennings. ohne zu merken. »Lawson!« Der Kommissar kam aufgeregter durch die Wohnungstür gewalzt. Um Love Field und den Flughafen Dallas-Fort Worth hatte er einen weiten Bogen gemacht.« Seit dem Start hatte Chief Melinas anklagende Blicke ertragen müssen. war tief nach Osten geflogen und erst ein ganzes Stück nördlich des großstädtischen Einzugsgebietes nach Westen abgebogen.« »Das riecht nach Verschwörung.‹ Tada. tada. keine Anzeichen für einen Kampf. woher er schrieb.« »Wurde er im Zusammenhang mit dem Verschwinden verdächtigt?« »Todsicheres Alibi. einen Tusch. Die kaum sichtbare. so .« »Das hättest du mir wirklich sagen können. Es wurde nie irgendeine Spur gefunden. Nachdem es passiert war. Sie würden nie danach fragen. allabendlich am Telefon meldeten. »Sie werden Bauklötze staunen. machte er sich Sorgen.

« »Häh?« »Kartoffelchips. Als er sich bedankte. »Ich habe Hunger.« . Selbst Dale Gordon wusste das. derer er sich verwirrend bewusst war.« »Das war unwichtig. »Was hat Pax getan. aber doch interessant. Glaub mir. Während er mit der Navigation beschäftigt gewesen war. eine Geste. Sind schon ein bisschen grau. dass du ihn nicht magst?« »Stimmt nicht. Ich nehme ein paar von deinen Hundekuchen. Auf seinen verblüfften Blick hin lächelte sie matt. weil dein Vater ein Weißer ist. Er deutete auf ihren Mund. »Was hätte ich dir sagen können?« »Chief. als bemerkte er ihren Blick nicht. »Cheetos. »Was hat die Küche denn sonst noch zu bieten?« »Mal sehen. die ungeheuer erotisierend auf ihn wirkte. Ein offener Vorwurf ließ sich nicht so einfach ignorieren.« Sie riss eine Tüte auf und bot sie ihm an. Hast du schon mal einen echten Indianer mit blauen Augen gesehen?« »Warum bist du so verdammt empfindlich?« »Warum bist du so verdammt neugierig?« »Warum magst du ihn nicht?« »Himmel.« »Unwichtig vielleicht. »Du hast da einen Krümel.« »Nimm dir was.« »Du wusstest. Er schaute weg. konnte er leicht so tun. dann habe ich mir eure feindselige Haltung also nur eingebildet.« »Erstens. trafen sich ihre Blick erneut. was ihn von ihrer Gegenwart ablenken könnte. Solltest du allerdings wieder spucken müssen. dass ich ihn nicht mag.dass die Sterne umso heller strahlten.« Sie wühlte weiter in der Plastiktüte.« Ihre Zungenspitze fand den Chipskrümel.« »Schön.« Vorsichtig tupfte sie mit der Zunge in einem Mundwinkel herum.« »Nenn mir einen vernünftigen Grund dafür.« »Die ist gerade ausgegangen.« »Gute Güte. Und Tacos mit Barbecue-Geschmack. das war schon das Beste.« »Aha. Würde ich aber nicht empfehlen. bemerkte er. Melina mampfte abwechselnd Kartoffelchips und eine Schachtel Hundekuchen. überprüfte die Instrumente und musterte den Himmel. spiel nicht den Dummen. Lorna Doones.« »Ich glaube dir. Erdnüsse mit Schokoüberzug. immer auf der Suche nach etwas. Seit seinen paar Bissen Cheeseburger hatte er eine Menge Energie verbraucht. »Ich höre auf. »Andere Seite.« Sie lächelten einander an.« Er steckte die Hand in die Tüte und stopfte sich Chips in den Mund. dass ich ein Halbblut bin.« Sie reichte ihm die Schachtel. dass ich diesmal nicht anhalten kann. »Interessante Kombination«.« »Keine Spucktüten?« »Auf diesem Flug gibt’s keine Kinkerlitzchen.« »Willst du nicht?« »Dann esse ich lieber Raumschiffkost. dann denk daran. Popcorn mit Schnittlauch-Quark-Geschmack. du lässt aber auch nie locker.

wenn das Herz ins Spiel kam. er würde mich nicht fallen lassen. damit ich über die Köpfe der Leute schauen konnte. Kennst du diese mit Zuckerguss überzogenen Kugeln. egal. Ich wusste. Eine Weile waren wir eine glückliche Familie. fragte er verärgert. Vermutlich deshalb.« »Also magst du uns?« »Sogar sehr. was ich dachte: Wenn mein Pa das alles weiß. Ich weiß noch. Sie öffnete eine Dose Quellwasser und reichte sie ihm. war einfach. meinte er im breitesten texanischen Dialekt. Er war ausschließlich von rationalen Impulsen bestimmt. Ausflüge in die Vergangenheit waren ihm unheimlich. aber er hat mir zur Sicherheit die Hände auf die Knie gelegt und gesagt. wie mich mein Vater stolz seinen Freunden präsentiert hat. die man aus Automaten zieht? Ich durfte meine Lieblingsfarbe aussuchen. Frauen lieben Gespräche. die er gezielt weit hinter sich gelassen hatte. Erinnerungen wachzurufen. alles Sentimentale knallhart von sich zu weisen. muss er der klügste Mensch auf der ganzen Welt sein. Unwillkürlich konnte er sich dieser Haltung nicht entziehen. »Wann gehst du am liebsten ins Bett?« »Wenn ich in Stimmung bin. ohne sein Urteil von irgendwelchen emotionalen Störfeldern trüben zu lassen. Vermutlich war sie etwas Neues für ihn. herauszufinden. hinterfragen.« »Weil ihr so faszinierend seid. Dank seines Berufs war es leicht gewesen. und vor ihrem ersten Hochzeitstag kam ich auf die Welt. vielen Dank«. wie fest ich auch zupackte.« »In welcher Beziehung?« »Als andere Frauen. Sich vom Verstand lenken zu lassen. Ihre Lieblingsbeschäftigung ist es. Ma’am. Ich dachte.« »Also wirklich. Cowboy. was in anderen Menschen vorgeht – besonders in Männern.« »Er hat mich auf seinen Schultern reiten lassen. Einer schenkte mir einen Kaugummi. wie ihr auf Dinge reagiert. Schwierig wurde es nur.« Ehe er sich völlig zum Narren machen konnte. Dann brachte mich mein Pa zu allen Flugzeugen und erklärte mir Flughöhe und Reichweite. »Ist da noch was zu trinken drin?«. Zuerst habe ich mich gefürchtet. vermutlich war’s mein erster. analysieren. du wärst anders. weil Frauen normalerweise gänzlich anders reagieren. er würde mich lieben. sondern lauschte aufmerksam. »Immer mit der Ruhe.« »Jaa?« Er drehte sich zu ihr.« »Meine erste Erinnerung ist eine Flugschau auf dem Stützpunkt. »Warum hast du deine Meinung geändert? Was ist passiert?« »Und ich dachte. Jahrelang hatte er eine mechanische Reaktion auf schwierige Situationen trainiert. »Er mochte uns nicht. ein hübsches Indianermädchen. Damit warst nicht nur du allein gemeint. Jedenfalls waren sie schon wenige Monate später verheiratet. Melina zwang ihn. ich solle mich an seinen Haaren festhalten. Und sie auch. Wie ihr Männer denkt. Und er hat sich nicht beklagt.« »Eeehrlich?« .« Melina wartete ab und stellte keine neue Frage. die er offenbar auf sein Privatleben übertragen hatte. Und dieser Unterschied fasziniert mich. Sie überprüfen. Die Bewältigung emotionaler Probleme war nichts für Memmen. Sie war hübsch und zierlich. »Pax war bei der Luftwaffe in Holloman stationiert. besonders in diese Richtung. eine Technik. brach er im letzten Moment ab. das ist interessant. Ich weiß noch genau. Meine Mutter arbeitete als Zivilangestellte auf dem Stützpunkt.

fanden seine Besuche auffallend selten statt. Natürlich hegte ich insgeheim den Traum aller Kinder aus zerbrochenen Ehen und wartete auf ein Wunder. Natürlich fand er immer Zeit. Jedenfalls kam es zur Scheidung. »Ich dachte. Sie würde weder auf Kommando erröten noch sich durch einen Flirt ablenken lassen. arbeitete aber an Bombern. weil ich meine Füße auf den Couchtisch gelegt hatte. dabei bekäme er wunde Ellbogen«. denn er lud mich tatsächlich ein. »Wie war die letzte Frage?« »Weshalb dachtest du. Einmal schlug meine Mutter vor. er könne nur schwer weg. Sicher mit Absicht. Er versuchte. trotzdem hätte sie ihm. ich solle während der Sommerferien nach Dallas fahren und ein paar Wochen bei ihm verbringen. seine Mutter ist Indianerin. Wenigstens war das seine Entschuldigung. ob er damals eine hatte oder nicht. Resigniert seufzte er. Mittlerweile hatte er reihenweise Freundinnen. Vielleicht hast du gemerkt. »Na schön«. zog er wieder nach Texas. Betsy. den Witz kennt man nur beim Militär. Die Neue – wie immer sie hieß. völlig grundlos waren. Aber als ich volljährig wurde. Die Ehe verschlechterte sich immer mehr. Wenn möglich. Statt einer Antwort musterte sie ihn spöttisch. »reden wir über Politik. kam er immer wieder zu mir nach New Mexico auf Besuch.« »Und welche ist dann wirklich deine Lieblingsstellung?« Sie ließ sich nichts anmerken. er habe eine Freundin. sie habe Ehebruch begangen. dich zu lieben?« »Wahrscheinlich war der Reiz des Neuen verflogen. seine private Charterfirma buchstäblich in die Höhe zu bringen. dass ich mich wie ein Scheusal benommen habe. Alles streng geheim und vertraulich. wenn man ihn die meiste Zeit nicht erreichen konnte. haben sie meine Mutter zerstört und völlig demoralisiert. Wie könnten zwei Elternteile mit braunen Augen ein blauäugiges Kind haben. das meine Eltern wieder zusammenbringen würde. sagte sie und zitierte die Pointe. Dann begann er. die draußen in der Wüste getestet wurden. Bei einem seiner flüchtigen Aufenthalte hörte ich eines Abends meine Mutter weinen.« »Den kennst du?« »Ich mag sie. und sei’s auch nur ein paar Tage. Wegen eines Mittelohrproblems konnte er selbst nicht fliegen. Sie warf ihm vor. Chief. schimpfte und meckerte sie und sagte: ›Schön. und sagte. Obwohl er mit den Augenbrauen wackelte und alles tat. Anspielungen auf meine Augen zu machen. vermutlich um sein eigenes Gewissen zu beruhigen. Ich war ungefähr dreizehn und sehr von mir eingenommen. das zu lassen. wenigstens ein . Arrogant. um ihr ein Lächeln zu entlocken. Als Pax heimkam. wo er herstammte. sarkastisch. jedenfalls haben die beiden danach nie mehr im selben Zimmer geschlafen. Pax hätte aufgehört. nach Las Vegas zu fahren. Zu ihrer Verteidigung muss ich sagen. aber mein Partner meint. Also war’s vermutlich doch so. um Himmels willen. und ich fuhr hin. Eines nachmittags wurde sie sauer. meinte er. Was hältst du von der Kuwait-Stellung?« »Der Witz hat ’nen Bart.« »Hat sich herumgesprochen. Als sein Job beendet war. Wahrscheinlich musste sie ihm dafür die Pistole auf die Brust setzen. obwohl sie mich schon mehrmals gebeten hatte. ließ sie sich nicht erweichen. Er war Flugzeugmechaniker. und das trotz des ganzen Indianerbluts? Obwohl diese versteckten Beschuldigungen. Sein Job erforderte lange Abwesenheiten. aber die aktuelle wohnte bei ihm. Becky oder Betty – war mir zutiefst zuwider. dass er braune Augen hat. Keine Ahnung.

‹ Und da begriff ich. schluckte. stand auf der Ehrentafel. dass Schluss war mit dem stolzen Präsentieren vor seinen Freunden. weil ich das Geld fürs College brauchte. Ich wurde nicht mehr vorgeführt wie vor all den Jahren während der Flugschau. liebte sie ihn noch immer. dass er einen Zeitungsartikel ausgeschnitten hat. dass Pax dein Vater ist. »Er hat später noch mehrmals versucht. ›Halt’s Maul!‹. Stunden lang habe ich mich im Busbahnhof herumgetrieben. Sag ihr. was er nur missbilligt hätte. dass ein Ex-Kumpel so stolz auf seinen inzwischen berühmten Freund ist. Zum Abschluss der High School bekam ich hundert Dollar. schaute er zu ihr hinüber. als du sein Haus verlassen hast?« Er nickte.« »Er hat deine Karriere verfolgt. »Als sie starb. atmete aus. weil du ein ausgezeichneter Pilot .« Er warf ihr einen scharfen Blick zu. Jetzt holte sie stockend Luft.« »Er hat dich sofort wieder erkannt. vielleicht. Melina.« »Ich weiß es. Die ganzen elfhundert Kilometer habe ich mir geschworen. Offensichtlich wollte er nicht an die Existenz seiner Frau und seines Sohnes erinnert werden. mich anzurufen. sie soll sich nicht über meine Mutter das Maul zerreißen. Da hab’ ich rot gesehen. »Er versicherte mir. Jetzt gibt das Wissen.paar Manieren beibringen können. war Klassensprecher und Pfadfinder. »Ich fand es rührend. Kannst du dir das vorstellen? Vermutlich hat sie ihm bis zu ihrem Tod heimlich über mich berichtet. aber so. Chris. wie er mich verleugnet hat. ohne Kommentare oder lahme Platitüden. »Mitten auf seinem Schreibtisch lag ein Zeitungsausschnitt über deinen letzten Flug«. ihn genauso zu verleugnen. diesem Andenken noch mehr Sinn. Aber seither gab es keinerlei persönlichen Kontakt zwischen uns. ›Sag du’s ihr. Ein paar Jahre lang hat er Weihnachtsgeschenke geschickt. Trotz dieser Erkenntnis konnte er nicht widerstehen. aber ich wollte nicht mit ihm sprechen. Mit ihm wollte ich nichts zu tun haben. sonst hätte ich ihn nie und nimmer um einen Gefallen gebeten. der nach Westen fuhr. aber als sie ungeöffnet zurückkamen. weil ich ihn nicht verlegen machen wollte. sie ist Indianerin. Um ihre Reaktion auf die Geschichte abzuschätzen. Heute Nacht war ich verzweifelt. wie er über deine Pilotenkünste gesprochen hat …« Ihre Pause war beabsichtigt.« »Er hat einen Fernseher. damit wollte sie ihn ködern. gab er’s auf. In der Schule war ich ein Sportstar. Ich habe dazu nichts gesagt. bis ich einen fand.« »Hmm.« »Werd nicht gefühlsduselig. sie könnten mich mal. aber in seinem Haus gab es kein einziges Foto von mir.‹ Aber er meinte lediglich Schulter zuckend: ›Na ja. Also habe ich ihnen erklärt.« »Vermutlich. fragte sie weich. erzählte sie ihm mit ruhiger Stimme. Schließlich ist es nur ein Zeitungsausschnitt. ich könnte unbesorgt mit dir fliegen. »Damals.« »Deine Mutter hat nie mehr geheiratet?« Er lachte kurz auf. habe meine Sachen gepackt und bin noch am selben Abend abgehauen. Und will’s noch immer nicht. habe ich gebrüllt und Pax dabei Hilfe suchend angeschaut. Die behielt ich. sie anzuschauen und insgeheim zum Weiterreden zu beschwören.« Melina hatte still zugehört. Während seines Monologs hatte sie keine Miene verzogen und sich nicht bewegt. »Und damals hast du ihn das letzte Mal gesehen?«. Sogar meinen Namen ließ ich offiziell in den Mädchennamen meiner Mutter umwandeln.

wie die auf unserer Spur bleiben. »Was ist?«. weil –« Plötzlich brach er ab. beugte sich vor und starrte angestrengt durch die Windschutzscheibe. ist ja auch egal.« »Er hat mich nie fliegen gesehen.« »Na ja. fragte Melina ängstlich. Du hättest die beste Nase von allen.« »Chief. was ist?« »Soeben habe ich herausgefunden.« . »Was siehst du denn?« Erst nach kurzem Nachdenken stieß er hervor: »Dreckskerle.seist. die er je gesehen hat.« »Deinem Wissen nach nicht.

löste eilends die dünne Goldkette und betrachtete das Rubinherz. wollte Melina wissen. Das weißt du. Aber das ist eine andere Geschichte«. Nennt man das nicht PGA oder so ähnlich?« Er lächelte. Inzwischen sind sie viel kleiner. sagte sie abwesend.« Plötzlich schoss ihre Hand an die Kehle. »Der Anhänger. sagte sie verächtlich. Er hat mir zwar zum Trost die Hand gehalten. Es war ein Geschenk zur Erinnerung an die Befruchtung. aber da warst du ja nicht dabei.« »Hennings war Gillians… Welchen Ausdruck hat er verwendet? Wächter?« »Wohl eher ein Spion«. Einer der anderen Makler in ihrer Firma hat so etwas dauernd zum Suchen von Adressen benutzt. Ich habe nur einen Bademantel getragen. Wo der Zeiger auf zehn Uhr steht. und seufzte dann enttäuscht. wobei sie zur Konzentration auf ihrer Unterlippe herumkaute.« . die man am Hand.« »Sind diese Sender denn nicht massive Dinger. Sonst könnte das Licht nicht durch die Steine scheinen. Jem bestand darauf. an jenem Morgen in Lawsons Büro. Sie hatte es schon bei ihrer ersten Begegnung getragen.« Sie betrachtete eingehend die ziselierte Fassung. »Wenn die dir einen versteckten Sender verpasst haben. als ich sagte. Global Positioning Satellite. »Nichts. Die haben uns mit den Methoden des einundzwanzigsten Jahrhunderts verfolgt. oder auf die Schulter geklopft. »Den hat dir Hennings gegeben?« »In der Nacht vor dem Mord.oder Fußgelenk trägt?« »Darüber ist die Technik schon weit hinaus. fragte er. wir seien nie allein? Nun. »Nein. »GPS.« Ohne dieses Schmuckstück hatte er sie nie gesehen. Ich hab schon was im Fernsehen darüber gesehen. Darüber haben wir mit Lawson am Schauplatz gesprochen. bei einer Nackenmassage. Gillian wollte einen.« »Er hat deinen Nacken massiert?« »Kurz bevor du bei mir hereingeplatzt bist.« »Hennings?« Nach kurzem Abwägen schüttelte sie den Kopf.« »Von Edelsteinen habe ich keine Ahnung. Über einen –« »Satellit. können sie dich überall auf der Welt orten. Außerdem habe ich heute Morgen ohne alles das Haus verlassen. waren wir auch nicht. die man ständig überwachen kann. wüsste ich das. Siehst du’s?« Unmittelbar danach entdeckte sie den hellen beweglichen Punkt. Gestern Abend.« »Genau. die die Steine festhielt. diese Jungs haben ihre eigene Verwendung dafür«. »Nein. »Das ist ein Satellit. wo man sich aufhält. stieß er hervor.« »Nun. »Ja. 31 »Unsere zwei falschen FBI-Agenten?«. wenn mir jemand so etwas angehängt hätte. »Lässt es sich öffnen?«.« »Die Polizei verwendet so etwas. Dann griff sie hinter sich. dass ich es behalte. Aber jetzt kann das jeder kaufen. Er dachte. Ein Sender schickt Daten.« »Chief. aber sonst hat er mich nur ein einziges Mal berührt. Weißt du noch. Es hat hinten keinen Deckel. ich sei Gillian. Schau mal da hinauf. Damit weiß man jederzeit. »In meiner Kleidung konnte er es nicht verstecken.

« »Wenn wir landen –« »Werde ich alles wegwerfen. richtig. Haarspange?« »Benutze ich nie.« »Schlüsselbund?« »Steckt in meinem Wagen. Sie öffnete und drückte das runde Schwämmchen.« Sie tat es. »Verdammt. richtig.« Er war mit seinem Latein am Ende. auch das Telefon. alles einzeln durchzugehen: eine Brieftasche mit Kreditkarten. »Du schuldest mir eine neue Puderdose. nur zur Sicherheit.« »Wir werden es wegwerfen.« »Mein Handy. Also kein gutes Versteck. wollte er wissen. Aber das ist massiv und ungefüttert und enthält lediglich zwei Aspirin. ein paar Münzen und die Scheine.« Sie hatte zwei dabei.« »Kugelschreiber?« »Nie. »Nüschte. Sie drehte sie heraus.« . »Hier ist nichts. aber beide waren makellos glatt.« Nach einem bedeutungsvollen Blick von Chief und kurzem Zögern zermalmte sie den Spiegel unter dem Absatz und schüttete die Glassplitter auf den Flugzeugboden.« Sie schüttete den gesamten Inhalt in ihren Schoß und begann. »Es ist da.« »Lippenstifte. Sie prüfte sogar die Scharniere. Bin bekannt dafür. meine Adressen und Telefonnummern lassen sich wieder herstellen. »Zerdrück sie.« Nach weiterem Grübeln meinte er: »Befindet sich in deiner Handtasche irgendetwas Unersetzliches.« »Tampons?« »Zu Hause. In ihrem Brillenetui lag lediglich eine Sonnebrille. mit denen die Bügel am Rahmen befestigt waren. »Jem war zwar raffiniert. Sie überprüfte die leeren Kappen. wenn er eine totale Überwachung im Sinn hatte. das ihrer Mutter gehört hatte. Außerdem hätte ich ja meine Handtaschen wechseln können. »Nichts. dass ich nie welche dabei habe und immer einen borgen muss. Das Collier wäre so passend gewesen. um sich zu überzeugen. was du in jede Handtasche stecken würdest. Was sonst?« Ihr kleines Adressbuch hatte keine Seitenfächer und auch sonst nichts.« Sie hielt ein silbernes Tablettendöschen hoch. Die stehen auch in meinem Computer.« »Kann man sie nachfüllen?« Sie brach den Kompaktpuder heraus. dass zwischen den Lagen nichts Festes eingenäht war. die sie heute Morgen aus dem Geldautomat geholt hatte.« »Die hätte Jem unzählige Male öffnen können. Sie überprüfte jedes Seitenfach und strich mit dem Finger am Rand des Futters entlang. womit zwei einwandfreie Schmerzmittel vergeudet waren. »Prüf mal deine Handtasche. worin man etwas verstecken konnte.« »Was hast du immer bei dir? Etwas. »Hier ist auch nichts. »Davon trenne ich mich nie. außer der Tablettendose?« »Nein.« Zum Beweis schüttelte sie diese heraus. außer es steckt hinter dem Spiegel. »Wie steht’s mit der Puderdose?«. aber ein James Bond war er nicht. Weißt du noch?« »Oh.« Chief blieb hartnäckig.

indem er sagte: »Inzwischen hab’ auch ich nicht mehr viele .« Jedenfalls nicht seit dem Moment. Jem hatte gesagt: »Wir würden sie gerne wieder benutzen. Die Vorstellung. Jetzt gähnte sie hinter vorgehaltener Hand und wollte wissen: »Wie lange habe ich geschlafen?« »Ungefähr eine Stunde. setzte sich gerade hin und blinzelte so lange. Damit aber all dieser Irrsinn einen Sinn ergab. musste sie sich lediglich an eins erinnern: Ihre Zwillingsschwester war ermordet worden. aber im Grunde war alles wohl geordnet gewesen. wie Jem behauptet hatte? Handelte es sich um ein genetisches Retortennetzwerk? Wurden arglose Frauen tatsächlich als Gebärmaschinen und menschliche Brutkästen benutzt? Allein der Gedanke verkörperte das Böse in Person. Obwohl diese noch immer oberste Priorität hatte. »Ich kann mich nicht erinnern. Wach auf. um den Druck zu verstärken. Chief riss sie aus ihren Gedanken.« Damit war Candace Anderson gemeint. kam von Chiefs rechter Hand. Auf wessen Anweisung war Gillian getötet worden? Auf Bruder Gabriels? Stand dieser so genannte Mann Gottes hinter dem Plan. »Ich wage keine Vermutung. zitterte sie. wäre ihr verrückt erschienen. Rasch zog sie ihre zurück. dass sie die Hand ausstreckte. bestand Chief darauf. im Vergleich zu dem Pax’ Hangar wie ein Schloss gewirkt hatte. was sie erwartete. der Große Plan brauche jetzt sie. in einem zweisitzigen Flugzeug. man habe die Leiche ihrer Schwester gefunden. An die Zeit nach dem Start konnte sie sich kaum erinnern. wann ich zuletzt eine ganze Nacht geschlafen habe. deren Rücken sie gerade massierte.« Widerwillig öffnete sie die Augen. hatte nur wenige Unebenheiten gekannt. wissen wir. »Sollten sie uns dann immer noch verfolgen können.« »Und das wäre?« Sein nächster Satz beseitigte ihren Argwohn in keinster Weise.« Sie stöhnte. agierte sie mittlerweile auch zu ihrer eigenen Verteidigung. Durch diesen Satz war aus der Suche nach Antworten mehr geworden als nur Rache für die Ermordung ihrer Schwester. dass wir es mit etwas zu tun haben. da Gillian nicht mehr zur Verfügung stand. das unser beider Fähigkeiten übersteigt. Der Druck. oder? Wie viele Frauen und ihre Babys waren diesem »Plan« geopfert worden? Das Baby der Andersons? Wahrscheinlich. damit er seine entfernen konnte. »Wir sind fast da. als sie die beiden Polizisten aus Dallas mit der Nachricht geweckt hatten. Ein eisiger Wind blies. wenn sie daran dachte. Während sie sich über ein trostloses Rollfeld einem Schuppen näherten.« »Melina?« »Hmm?« Irgendetwas drückte auf ihren Oberschenkel. Ihr Handy blieb mit der vollen Handtasche in einem Abfalleimer zurück. dass sie seine Lederjacke anzog. wie Jem mit einem eiskalten und selbstgefälligen Lächeln zu ihr gesagt hatte. und dieses Etwas fühlte sich so gut und warm an. In irgendeinem Winkel von Texas landeten sie. und doch kannte die Fantasie keine Grenzen. jedoch nur um aufzutanken und die Toilette aufzusuchen. Ihr früheres Leben. das sie bis zu jenem Morgen vor wenigen Tagen geführt hatte. Ein paar Überraschungen hatte es gegeben. den sie gespürt hatte. Bei jedem Sonnenaufgang hatte sie mehr oder weniger gewusst. gute und schlechte. das dringend eine Generalüberholung brauchte. das Leben. bis sie wieder klar sah. Jedes Mal. Er nickte. mitten in der Nacht nach New Mexico zu fliegen.

»Weiß jemand. Ich habe alles übers Handy arrangiert. musste sie doch den Impuls unterdrücken. die Füße zu heben. Unten waren weder Lichter noch Wahrzeichen oder Bezugspunkte zu sehen.« Er grinste sie an. sagte er. denn sie kuschelte sich so gerne hinein. bemerkte Chief. pflichtete sie bei.« Sie rollten zu dem kleinen Hangar. sich einen Raubvogel vorzustellen.« »Hatte ich auch nicht. Sekunden später setzte er die kleine Maschine auf.« »Ist ja nicht gerade ermutigend für einen Passagier kurz vor der Landung. Er schaute zu ihr hinüber und gestand mit gedämpfter Stimme: »War ein bisschen Brusttrommeln dabei. Der Propellerlärm reduzierte sich auf ein leises regelmäßiges Klatschen. ja?« »Welchen Berg? Melina. Als er zum letzten Anflug ansetzte. Kurz danach atmete sie erleichtert aus. schien das Flugzeug die spärliche Vegetation zu streifen.« »Glaub mir.Reserven. egal. wie groß. Wie schön sich das handschuhweiche Leder anfühlte. die Melina je in einem Flugzeug erlebt hatte. »Da sind die Lichter«. Denk an einen Falken. In Ordnung?« »Natürlich tust du das.« »Ich habe nicht… Du siehst den Berg da.« .« Aber als das kleine Flugzeug scheinbar den Berggipfel streifte. meinte sie knapp. »Chief!« »Für einen direkten Anflug ist es zu steil. Wie gut es nach ihm roch. während du mit Pax herumgeschmust hast.« »Ist dir auch gelungen. Entschuldige. aber ihr einziger Gedanke galt der Felswand. du hast gesagt. »Gut gemacht«. wir wären fast da.« Sie war froh. Ruhig und gekonnt drehte Chief zwei gemütliche Runden durch den tiefen Bergkessel. die zum Greifen nahe schien. wobei er allmählich an Höhe verlor.« »Liegt da eine Stadt?« »Eine Landebahn. »Ich sehe den Berg. damit die Maschine besser über den Gipfel käme.« Auch das war nicht sehr ermutigend. an denen sie sich orientieren konnte. Ich weiß. Nicht wirklich. Anschließend kippte das Flugzeug stark nach rechts. war doch nur Spaß«.« »Ich wollte dich beeindrucken. als sie ihn mit blankem Entsetzen anschaute.« »Habe ich gemerkt. dann herrschte Stille. was ich tue. Unter ihnen tauchte die Landebahn auf.« »Willst du deine Jacke wiederhaben?« »Behalt sie.« »Wie bei Pax?« »Nicht so schick. Wo denn?« »Gleich da vorne. Irgendeiner wird uns dort erwarten. »Danke. es gab keinen Grund zur Angst. sie nicht hergeben zu müssen. Beim Überfliegen der Zeitgrenze für die Bergregion hatten sie eine Stunde gewonnen. wo er die Maschine abschaltete.« Sie versuchte. »Kinderspiel. Es war die glatteste Landung. der auf Luftwirbeln dahinglitt. deshalb war es vor den Flugzeugfenstern immer noch dunkel. »Die Lichter sind gut zu sehen«. »Chief. Unten begrenzten zwei Lichtreihen eine schmale Landebahn. Ich muss hinunter kreisen. dass wir kommen?« »Ich habe einen Flugplan eingereicht.

von Bord zu gehen. Nachdem er sich vergewissert hatte. um die Tür auf der Passagierseite zu erreichen. Als der Laster endlich eine Anhöhe erreichte.« Lange Zeit betrachtete sie eingehend sein Gesicht. Die Augen waren zu Schlitzen verengt. auch wenn es nur vierzig Minuten gewesen waren. dass Chief die Schmerzen durchs Rückgrat fuhren. Chief. So saß sie zusammengekauert zwischen ihm und ihrem Fahrer und zitterte in der schneidenden Kälte. biss er die Kieferknochen aufeinander. So unwirklich war er sich während seiner drei Weltraumflüge keine Minute vorgekommen. musste Melina ihre Beine weit zur Seite drücken und fast über Chiefs legen. dass sie das Paar waren. vor allem durch das Loch im Boden. sondern praktisch stumm und stellte sich nicht einmal vor. Beim Anblick des Gesichts. Melina. einsame Gegend. nicht zurückzufahren. Im matten grauen Dämmerlicht entdeckten sie unten am Fuß ein Gebäude. Der Fahrer schien mutwillig jede Furche in der Straße anzusteuern. saß er schon bei laufendem Motor hinter dem Lenkrad eines Pick-ups. Der Laster holperte derart über Steine. Überrascht wandte sie ruckartig den Kopf. Trotzdem trat ihr Fahrer aufs Bremspedal und bog in eine staubige Einfahrt ein. drehte den Kopf und schaute ihrerseits Chief an. noch bot er ihnen seine Taschenlampe an. und der davor geparkte Pick-up viel zu alt. denn er sagte: »Beruhige dich. Stunden seien vergangen. Jemand klopfte energisch ans Fenster. Dafür war dieses Haus viel zu bescheiden.« »Wovor?« »Vor –« Ihre Antwort wurde unterbrochen. hatten sie das Gefühl. bei mir bist du sicher. Jeder Versuch einer Unterhaltung wäre vergebens und ermüdend gewesen. »Melina. Als sie kamen. das im Schein einer Taschenlampe wie eine Schreckensmaske zu ihr hereinschaute. während seine grauen Zöpfe fast bis zur Taille reichten. wies er sie grunzend an. Um nicht durchzufallen. um sich verständlich zu machen. oder dass sich der Gott. gelang es ihr nur mit größter Mühe.« Dann fügte er grimmig hinzu: »Hoffe ich wenigstens. der für die Abteilung Schicksal zuständig war. Um nicht bei jedem Ruck mit den Zähnen zu klappern. gegen die seine Lederjacke keinen Schutz bot. um die Landelichter zu löschen. Am Scheitel hatte der Mann sehr kurz geschorene Haare. Die . und durch die Fahrerkabine jaulten Windböen.« Fünf Minuten später war Chief allerdings sicher. Was für eine zerklüftete. abgelegene. denn der Motor dröhnte wie verrückt. Dann kletterte er rückwärts die in die Tragfläche eingebauten Stufen hinunter und trollte sich in den Schuppen. Chiefs Optimismus stieg in ungeahnte Höhen. um genauso heftig wieder abzustürzen. Ihr Begleiter war nicht nur schweigsam. Das konnte unmöglich ihr Ziel sein. Sie hätten brüllen müssen. Seine Augen wanderten an ihr vorbei zu Chief. ehe sie flüsterte: »Nein. Pockennarbige Haut spannte sich über zwei messerscharfe Backenknochen. Keiner von beiden hatte bemerkt. der Mund ein schmaler Streifen zwischen zwei tiefen Falten neben einer Adlernase. bei dir bin ich in Gefahr. auf seine Kosten höllisch amüsierte. dass irgendwo unterwegs Leitungen verwechselt und Funksignale vertauscht worden waren. Weder half er Melina beim Aussteigen. Und so herrschte während der ganzen Fahrt gequältes Schweigen. »Hart?« Sie folgte dem Blick des Indianers. Durch die verschiedenen Ritzen im Pick-up pfiff der Wind. dass jemand auf die Tragfläche geklettert war. bis es wehtat. zu dem man ihn geschickt hatte. der skalpiert dich nicht. der ihren ungläubigen Gesichtsausdruck bemerkt haben musste.

sagte Melina.Steinmauern links und rechts stellten einen traurigen Versuch dar. während er hinter dem davon tuckernden Laster Diesel. der den Gang einlegte. kam der Laster knirschend und zitternd zum Stehen. Er beugte sich über Melina und schrie dem Fahrer zu: »Sind Sie sicher. . Sie kletterte heraus. »Mr. der nicht viel redet. die Zufahrt zu diesem Ort zu verschönern.« Chief stieg aus der Fahrerkabine und reichte ihr die Hand.und Staubwolken wegwedelte. »Jed ist ein Mensch.« Nur wenige Zentimeter vor den Stufen. Vor ihnen stand im offenen Türrahmen die Silhouette von Dexter Longtree. die Handbremse löste und Gas gab. »Ich schätze mal. sagte er zu dem Fahrer.« Chief warf Melina einen schrägen Blick zu. dass Sie Ihre Anweisungen richtig verstanden haben? Wissen Sie. schimpfte er leise. zuckte mit der Schulter und wiederholte lakonisch: »Hierher. »Danke«. wohin Sie uns bringen sollen?« »Hierher. das tun wir. noch ehe Chief die Tür schließen konnte. Der Fahrer nahm den Gang heraus. Dickschädel«. die zur Haustür hinauf führten.« Bei dieser Stimme fuhren beide gleichzeitig herum. »Ich schätze mal. wir steigen aus«. ließ den Motor aber im Leerlauf. der alles andere als schön war.

»Nun. der ihr Lächeln erwiderte. dass die NASA von der Angelegenheit Wind bekam. ihn um Unterstützung zu bitten. Bei meinem Anruf hätten Sie mich mit Fug und Recht zum Teufel schicken können. der Tag ist noch jung. »Sehr«.« »Willkommen. »Melina Lloyd. ihm zu folgen. So weit Chief erkennen konnte. das tut gut. Trotzdem hatte Chief keine Lust. Wie können Sie es dann gewusst haben?« Longtree warf ihm einen langen rätselhaften Blick zu. wer in dieser Gegend ihnen die Sache erleichtern könnte. um Longtree die Hand zu schütteln.« Ein Lächeln huschte über die strengen Lippen des Älteren. Melina steuerte schnurstracks darauf zu und hielt ihre Hände ins Warme. Diesen Teil seines Lebens hatte er mit dem Abschluss der High School ohne einen Hauch von Wehmut hinter sich gelassen. nennen Sie mich Melina.« »Bitte. in dem ein kleines Feuer glomm. verlebte seinen Ruhestand in Albuquerque. viel benutzte Möbel. handelte es sich um alte.« »Kommt herein. Er wollte mit Longtree noch nicht allzu intim werden. Chief zögerte.« »Mich erwartet? Bis vor wenigen Stunden wusste noch nicht einmal ich. hatte er sich gefragt. »Wir fallen nur ungern zur Last«. »Das ist keine Last. »An einem kühlen Morgen wie heute wache ich immer ganz steif auf«. als nach New Mexico zu fahren. wobei er näher ans Feuer herantrat. ließ Longtree sie nicht aus den Augen. wollte Chief diese Quelle erst . »Dieses Wiedersehen war vom Schicksal vorherbestimmt. genau wie vorher. Die Familie seiner Mutter war schon vor Jahren ausgestorben. »Hmm. 32 Chief schubste Melina vorwärts. Während sie die Stufen hinauf stieg. Obwohl sein Mannschaftskamerad hundertprozentig dichthalten würde. Verwandte hatte er nicht. Als sich herausstellte.« Er winkte Chief hinein.« Melina lächelte Longtree an. Mitten im Raum fiel kreisrundes Licht durch ein Deckenfenster. Lloyd. Er bedeutete ihnen. Ein ehemaliger Astronaut. aber die Ecken blieben dunkel. erklärte ihm Longtree. Ich habe Sie schon erwartet. Und an Melina. sagte Longtree. die beinahe schäbig wirkten. »Vielen Dank für alles. ob sie Hunger hätten. und dass dies möglichst schnell und heimlich geschehen musste. Das Attraktivste im ganzen Raum war ein offener Kamin. dass ihnen keine andere Wahl blieb. Sie ging als erste ins Haus.« »Häuptling Longtree. als sie sich mit Pax angefreundet hatte. Colonel Hart«. Ms. Dann erkundigte er sich. erwiderte Melina ehrlich. was Melina ungeniert tat. sagte er. Er wollte noch immer nicht. mit dem er seine erste Shuttle-Mission geflogen hatte. das ist Häuptling Dexter Longtree. dass ich auch nur in die Nähe von New Mexico käme. »Dagegen hilft ein Feuer. um möglichst viel über Bruder Gabriel und seine Kirche zu erfahren. Chief spürte eine irrationale und kindische Eifersucht in sich aufsteigen. Zu seinen Freunden aus dem Reservat war der Kontakt abgerissen. Chief blieb auf der Schwelle stehen.« Er trat beiseite.« Anschließend stellte sie sich mit dem Rücken zum Feuer und rieb sich die Arme.

Die Geräte waren alt. Seine knappe Zusammenfassung hatte in der Frage gegipfelt: »Können Sie mir helfen?« Longtree hatte die nötigen Vorkehrungen an der Landebahn zugesichert und versprochen. Mit einem dankbaren Lächeln setzte sie sich an den Tisch. langsam zu essen. Er bot ihr etwas zu trinken an. »Colonel Hart?« »Nennen Sie mich Chief.« »Ist das erst vor kurzem passiert?«. Melina wollte wissen. und sie bat um Tee. die verputzten Wände hatten Risse und Schrammen. als die Kochdüfte durch die Küche wehten. wenn es unumgänglich war. »Schon vor langer Zeit.« Er nahm gegenüber von Melina Platz. dass man ihm zu guter Letzt vielleicht eine höhere Rechnung präsentieren würde. wo das nächste Reservat lag. die unverändert einschüchternd und herrisch wirkten. und lobte seinerseits den Koch. bis Longtree doch noch einem pekuniären Ausgleich für seine Zeit und Mühe zugestimmt hatte.« »Kinder?« Zögernd erwiderte er: »Nein.« Schon bald hielt Chief einen dampfenden Becher in der Hand. waren die Scheinwerferlichter der Medien. dass er damit eine Verpflichtung einging. Ich entschuldige mich für meine Unkenntnis. »Ich hatte ja keine Ahnung. Speck und Toast handelte. Er stellte jedem einen vollen Teller hin. den er in der Bar des Mansion getroffen hatte. Seit ihrer Landung befinde sie sich bereits in einem. Er wollte kein Geld für etwas nehmen. wenn er schon fertig ist. teilte ihr Longtree mit. In der Küche war es heller und wärmer als im Wohnzimmer. Mittlerweile stand mehr auf dem Spiel als nur sein guter Ruf. Und so hatte er Longtree angerufen. wo sie helfen könne. Chief hatte nicht eher locker gelassen. war Chief schon das Wasser im Mund zusammengelaufen. aber Longtree zog lediglich einen lupenreinen Chromstuhl aus den Fünfziger Jahren für sie hervor. »Ich würde einen Kaffee nehmen. Das Letzte. Damit das Ganze eine reine Geschäftssache ohne versteckte Haken blieb. obwohl er nur allzu gut wusste. als ihm lieb war. Doch Chief war nicht naiv und wusste ganz genau. füllte dann seinen eigenen und setzte sich zu ihnen an den Tisch. erklärte er ihr mit einem seiner seltenen Lächeln. »Köstlich. sammelte der Häuptling die . sah sich Chief in der Küche um. Longtree trug eine Levi’s und Stiefel. Wahrscheinlich habe ich mir ein Reservat … kleiner vorgestellt. trotz seiner Haltung und seines Auftretens. sie dort abholen zu lassen. Longtree sagte: »Nach dem Tod meiner Frau musste ich mir selbst das Kochen beibringen. Sein Leben und das von Melina waren in Gefahr. ihn für seine Dienste zu bezahlen. aber Longtree hatte abgelehnt. die schon bessere Tage gesehen hatten. das er als Gefälligkeit empfand. Während Longtree etwas zu essen für sie bereitete.« Das restliche Essen verlief schweigend.anzapfen. hatte Chief darauf bestanden. und vom vielen Herumlaufen war das Linoleum an manchen Stellen abgewetzt. Die Brusttasche seines Flanellhemds hatte unten ein ausgefranstes Loch. Als sie fertig waren.« Obwohl es sich nur um Rühreier. erkundigte sie sich. Beim ersten Bissen seufzte Melina. was sie brauchten. Er musste sich zwingen. Das war nicht der reiche Mann. Während Melina ihren Tee ziehen ließ. fragte Melina weich.« »Wenn doch nur alle falschen Vorstellungen über Indianer so harmlos wären«. Leider sah er keine Alternative.

»Er nannte es ›den Großen Plan‹. relativ gesehen. damit sichergestellt ist.« Unterdessen hatte Longtree reglos und stumm wie ein Berg dagesessen. Damit war er über alles. »Aber nachdem ich Zeuge geworden bin. uns mundtot zu machen«.« Longtrees Miene wurde noch grimmiger als üblich.« »Hennings hat uns gestanden. Eine hat mutmaßlich Selbstmord begangen. das Land hinter dem Rücken seiner Leute zu verkaufen. dass sie mit mir schläft«. sagte Chief. fügte Chief verbittert hinzu. Er wollte unbedingt ihren Berg haben. dass er hinter diesem Komplott steckt?« »Wir wissen es nicht«. »Bruder Gabriel predigt die Schaffung einer neuen Weltordnung. schöne. sagte Chief. »Er. fähige junge Frauen. insbesondere wenn man die Reichweite von Bruder Gabriels Kirche berücksichtigt. »Erzählen Sie mir. oder besser gesagt seine Kirche. dass diese Befehle von ganz oben kommen. abgesehen von Gerüchten: Dieser Häuptling hatte zwei Töchter. Nachdem sie ihm gesagt hatte. ziemlich genau im Bilde. hielt sie inne. Jetzt sagte er zum ersten Mal etwas: »Und ihr habt wenig Zweifel. Ich kann nichts Gutes über ihn sagen. dann schenkte er Chiefs Kaffeetasse nach und setzte sich wieder. wird sie von jemandem wie Jem während der gesamten Zeit betreut.« Chief schaute zu Melina hinüber. egal. wohin bringt man sie? Und zu welchem Zweck?« »Deswegen sind wir hergekommen«. das möglicherweise nicht von ihrem Wunschspender stammt. hat einen der Stämme um ein Stück Land betrogen. »Wir wissen. Seine steinernen Züge blieben reglos. Die Auswirkung ist unvorstellbar. was seit ihrem letzten Mittagessen mit Gillian passiert war. Wir haben diese Leute in Aktion gesehen. dass Jem mein Gespräch mit dem FBI verhindern wollte. sagte Chief. werden mit Sperma befruchtet. so wahr ich hier sitze.« »Und wie?« »Eines weiß ich sicher. hätte man das Baby genauso entführt wie bei den Andersons. erklärte Melina Longtree.Teller ein und trug sie zur Anrichte. Sollte die Frau schwanger werden. dass er eine Art genetisches Retortenprogramm unterstützt«. Was wissen Sie darüber?« »Der Tempel liegt ungefähr hundertfünfzig Kilometer Luftlinie entfernt. Sie haben Linda Croft und Jem Hennings ermordet. was mit ihm passiert ist… Meine Militärausbildung legt mir nahe. wie sehr sie den Rollentausch mit ihrer Zwillingsschwester bereue. »Ich möchte nur ungern jemandem etwas so Abscheuliches unterstellen. Sie wollten nicht verkaufen. »Das ist deine Geschichte. dass nichts schief läuft. als erwarte sie von ihm ein Urteil. Das war Gordons Job. Davon bin ich überzeugt«. dass er und Dale Gordon für Bruder Gabriel gearbeitet haben. wer sie sind. kurz bevor der . nicht weit von hier. warum Sie hier sind. Sie schloss mit den Worten: »Vielleicht leiden Chief und ich allmählich ein wenig unter Verfolgungswahn – wegen der Wanzen –.« »Beispielsweise. die gewissen Kriterien entsprechen. wenn es nicht der Wahrheit entspricht. erwiderte Melina ehrlich.« Nach längerem Nachdenken fragte Longtree: »Diese entführten Kinder. und wen sie repräsentieren. »Bruder Gabriels Siedlung liegt. aber eigentlich glauben wir das nicht.« Sie lieferte Longtree eine verkürzte Version mit sämtlichen Fakten.« »Anfänglich dachte ich. Klinikpatientinnen. warum er die Empfängnis dieser Kinder kontrolliert und völlig unbefleckt halten möchte.« »Falls Gillian schwanger geworden und während der Schwangerschaft bei Jem geblieben wäre. Meiner Ansicht nach hat er einen Stammesführer genötigt. Hennings hätte die Befehle erteilt. Meiner Meinung nach passt das zu diesem Baby-Szenario und erklärt. Allerdings hat Jem zugegeben.

mir nicht. sagte Chief. »Bemühen Sie sich nicht.« »Ich verstehe«. Ein derartiger Zufall lässt sich nicht einfach von der Hand weisen. stand er gerade am Spülbecken und ließ heißes Wasser über ihre schmutzigen Teller laufen. Longtree setzte sich ihm gegenüber auf den Stuhl und wartete ab. Beim Blick in die Augen des anderen Mannes war Chief nicht wohl zu Mute. als wir vermutet haben. »Ich hatte erwartet…« Longtrees schmale Lippen hoben sich auf einer Seite zu einem halben Lächeln. Manche haben daran gezweifelt. bezweifle ich. »Meiner Ansicht nach ist dieser Dreckskerl ein weitaus größerer Teufel. Die Polizei lässt ihn in Ruhe. ob er glaube.« Melina hakte ein. dass Menschen gegen ihren Willen in der Siedlung festgehalten werden. warf Melina ein.« »Chief. was ich tun kann. »Mutmaßlich?« Longtrees Schulterzucken sprach Bände. die sie verraten hat. meinte Longtree. dass sie die Augen geschlossen hatte und ihre Stirn massierte.Häuptling nachgegeben und den Besitz verkauft hat.« Chief schaute zu Melina hinüber.« »Obendrein predigt Bruder Gabriel die guten Bürgerpflichten«.« Sie schaute ihn an. brauchen wir ein wenig Ruhe.« »Damit?« Chief sah sich in der Küche um. . »So hieß es offiziell. Es wurde viel spekuliert. danke.« Sie wollte von Longtree wissen. blieb Chief in der Küche. Er ist ein gesetzestreuer Bürger. der seine Steuern zahlt. erkundigte er sich bei Longtree. wenigstens nicht nach außen. auf dem Grund und Boden.« Trotzdem machte er keine Anstalten. zu der Tür zu gehen. »Möchten Sie noch eine Tasse Kaffee?« »Nein. Als der Häuptling zurückkam. fragte Chief. eine Mütze Schlaf zu bekommen. »Damit habe ich nicht gerechnet. welchen Anteil Bruder Gabriel an dieser Doppeltragödie hatte. Colonel Hart. der einst den Menschen gehörte. bis nichts mehr auf dem Tisch stand und das Geschirr im Spülwasser eingeweicht war. die zu den anderen Räumen des Hauses führte. obwohl er’s nicht tat.« Mehrere Minuten arbeiteten sie Hand in Hand.« »War George Abbotts Idee. »Ehe wir den Tempel stürmen. »Mir geht’s gut. Die andere Tochter hat sämtliche Verbindungen zu Familie und Freunden gekappt und ist zu Bruder Gabriels Kirche übergelaufen. Könnten wir irgendwo ein paar Stunden schlafen?«. »Etwas Hübscheres.« »Ich habe Sie für reich gehalten.« Noch während dieser Sätze merkte Chief. »Von Seiten der Behörden meinen Sie?« Der Ältere schüttelte den Kopf. »Er hat nichts gegen die Regierung. aber mentale Kontrolle kann eine weitaus stabilere Fessel sein. Schon das Aufrechtsitzen schien den letzten Rest ihrer Energie zu übersteigen. »Dass man sie in Ketten hält. »Die spüle ich später fertig«. »Meines Wissens nicht.« »Nun. Ich muss auch versuchen. Außerdem ist es das Mindeste. Nach meiner letzten Information lebt sie im Tempel. Die staatlichen Behörden wollen kein zweites Waco inszenieren. Während Longtree Melina einen Platz zum Hinlegen zeigte. Stattdessen setzte er sich wieder an den Tisch.« »Wurde gegen Bruder Gabriel je ermittelt?«.

weil er etwas angesprochen hatte. Seit Jahren hatte der Rat Petitionen um Gelder zur Verbesserung und Modernisierung eingereicht. als Longtree fortfuhr: »Sie war mit unserem ersten Kind schwanger. wir könnten Ersteres nicht ohne den Verlust des Letzteren erreichen. wo sich herausstellte. egal. Mein Sohn wurde mit Kaiserschnitt entbunden. Auch heute noch flammt seither bei jedem Gedanken daran mein Entschluss wieder auf. Er sah einen Mann mit festen Anschauungen. Wir haben unsere Ersparnisse zusammengelegt. Ich bin nun mal überzeugt. Ich brachte sie rechtzeitig in die Reservatklinik. wenn wir nicht so ärmlich daherkämen. Für einen derartigen Notfall war die Klinik schlecht eingerichtet und außerdem unterbesetzt. den ich in Ihnen zu finden gehofft hatte. wie George es geplant hatte. »Vermutlich bei meinem eigenen Begräbnis. um uns in die moderne Welt einzugliedern. Er dachte. unsere Würde und unser Erbe einzubüßen.« Longtree nickte zustimmend. ohne unseren Stolz. Nähere Erläuterungen erwartete er nicht. Irgendwann. ob sie positiv ausfällt oder nicht. dass ich Sie wieder daran erinnert habe. Ich besitze eine kleine Rinderherde. aber unsere Bitte wurde wiederholte Male abschlägig beschieden.« Chief senkte den Blick. wir würden Sie leichter gewinnen. dass wir auf dem Weg in die Zukunft unser Erbe opfern müssen. denn ihre Reaktion enthüllte den Charakter. dass ich diesem kleinen Betrug zugestimmt habe. Zur Unterstützung unserer Interessengruppe. wie sie vor meinen Augen verblutete. Ich glaube nicht daran. dass es eine schwierige Geburt werden würde. Für eine Verlegung in eine andere Klinik war nicht mehr genug Zeit.« »Leben Sie hier allein?« »Meine Frau ist vor sechsundzwanzig Jahren gestorben. »Sie haben einige wunde Stellen berührt und mich zum Nachdenken gebracht. Ich habe beide zusammen begraben. Schließlich regte sich Chief als erster. Offensichtlich waren Sie ein durch und durch integrer Mensch. das Leben in den Reservaten zu verbessern.« Chief lachte leise verächtlich auf.« Chief musterte Longtree intensiv. Einige meinen. Danach war ich froh. um mir den neuen Anzug zu kaufen. Auch ein Gynäkologe ließ sich nicht mehr rechtzeitig herbeischaffen. Er hat nie geatmet. durch ihren Tod halten die Geister meinen Entschluss am Leben. Ich musste hilflos mitansehen. Damit wir mit Ihrer Hilfe die Ureinwohner Amerikas ins einundzwanzigste Jahrhundert bringen. Ich glaube. das Longtree offensichtlich viel Kummer bereitete. dass man Sie uns geschickt hat.« »Muss es nicht. aber meine Mandanten sind arm. Sie haben ihre . Warum war ihm das nicht schon früher aufgefallen? Warum hatte er nicht am teuren Anzug vorbei ins Herz des Trägers geschaut? »Warum haben Sie mich an Ihre Verkleidung glauben lassen?« »Sie diente unserem Zweck. Bedauerlicherweise haben sich viele unserer Leute zu Opfern stempeln lassen. Reine Geldverschwendung.« Nur das ungewöhnlich laute Ticken der Wanduhr unterbrach ihr Schweigen. »George wollte auf Sie einen guten Eindruck machen. »Tut mir Leid. Eine Weile war ich etwas verrückt.« »Wovon leben Sie?« »Ich habe Jura studiert. Bis die Wehen einsetzten war die Schwangerschaft gut und unkompliziert verlaufen. allerdings nicht so.« »Der Zustand meiner Frau verschlechterte sich rapide. aber die Nabelschnur hatte sich um seinen Hals gewickelt. Wo soll ich den tragen?« Wieder lächelte er. Ich nicht. »Ihre Meinung über mich sollte nie und nimmer die Basis Ihrer Entscheidung sein. habe mich aber wieder gefasst. Umso überraschter war er. Er ärgerte sich.

zwei Söhne und eine Tochter. Die Art. deshalb ergab er sich und siedelte mit seinen Leuten nach Fort Hill im heutigen Oklahoma über. wir leiden unter Selbstbetrug. Sie heiratete Häuptling Peta Nacona und gebar ihm drei Kinder. sich der Kultur der Weißen anzupassen. wie die neunjährige Cynthia Ann Parker 1836 von marodierenden Komantschen aus Fort Parker in Texas entführt worden war. Nachdem sie vierundzwanzig Jahre mit den Komantschen gelebt hatte. wenn ein derart kleiner Gefallen eine so wichtige Entscheidung beeinflussen könnte. »Sie nahmen ihm übel. Es war wie mit einer Sprache: Chief konnte sich an keine Zeit erinnern. Der Englisch sprechende Häuptling Quanah Parker gründete Schulen und wurde zum Reservatrichter ernannt. Beim Verschwinden seiner Mutter war Quanah ein Halbwüchsiger gewesen. Genau wie bei Quanah Parker. das belegen die Statistiken.« »Sie wissen doch. »Sie wissen ja. sondern Mitglieder anderer Rassen zufügen. und er musste liebevoll lächeln. zu der er nicht darum wusste. der immer noch für seine Leute in den Krieg zog. »Sie hätten gestern Abend nicht um Hilfe gebeten.Abstammung als Entschuldigung für persönliche Schwächen benutzt: Alkoholabhängigkeit. Wussten Sie. Und das ist nicht meine persönliche Meinung. Präsident Theodore Roosevelt zählte zu seinen Freunden. Noch immer sind wir offenen Vorurteilen und tiefem Rassenhass ausgesetzt. Mangel an Ehrgeiz. hat keine Gegner? Aus meiner ganz persönlichen Sicht ist Ihr Mischlingsblut ein Vorteil.« »Keine Verpflichtungen wegen Ihrer heutigen Gastfreundschaft?« »Ich würde Ihnen misstrauen. dass manche Komantschen Quanah misstrauten. wie seine Mutter das Leben der Komantschen annahm. hatte Quanah tief geprägt. »Gillian. weil sie die Trennung von ihrem Mann und den Söhnen nicht verwinden konnte. Häuptling Longtree«. dass doppelt so viele Indianer Gewaltverbrechen zum Opfer fallen wie andere Amerikaner? Verbrechen.« »Das war Quanah Parker auch. Wir haben Feinde. müssen Sie mit ähnlicher Kritik aus unseren Reihen rechnen. worum ich Sie bitte.« »Das ist das einzige Versprechen. Er folgte seinem Vater als Häuptling nach und wurde ein gefürchteter Krieger. sagte Longtree. Jahrelang kämpfte er erbittert gegen die Armee. Wenn Sie zu uns stoßen. Trotzdem gewöhnte sie sich nie mehr ein und starb kurz nach dem Tod ihrer Tochter. Als Longtree das Gespräch wieder aufnahm. dass er die Lebensart des weißen Mannes angenommen hatte. Gegen beide Aspekte gibt es viel zu tun. die uns keine Indianer. gegen die er keine einzige Schlacht verlor.« Nach kurzer Bedenkzeit meinte Chief: »Ich werde darüber nachdenken. der in der Öffentlichkeit auftritt.« »Dafür bin ich nicht der geeignete Mann. wechselte er das Thema. Allerdings sind die Auslöser dieser Schwächen sehr real. Der ehemals blutrünstige Krieger wandelte sich zu einem Staatsmann. Der Legende nach starb sie an gebrochenem Herzen. Depression.« Chief fielen die Geschichten seiner Mutter über ihren berühmte Ahnen ein. dass ich nur ein Halbblut bin. allerdings lag sein Schlachtfeld zwischen den Bänken des Kongresses. 1875 waren seine Vorräte erschöpft.« So saßen sie eine Weile da. weil er ein halber Weißer war«. Aber welcher Mensch. die . nur das Ticken der Uhr unterbrach die beredte Stille. Sie lernten Ackerbau. Als Teenager hatte sie bereits deren Sprache erlernt und ihre Gewohnheiten angenommen. wenn Sie nicht eine gewisse Beziehung zu uns verspürten. sagte Chief ernst. Nun tat er das Entsprechende: Er nahm ihren Familiennamen an und ermutigte seine Leute. wurde sie von den Texas Rangers aufgespürt und zusammen mit ihrer Tochter wieder zu ihrer Familie gebracht.

von Sicherheitsleuten. ich muss jetzt ein bisschen schlafen. deshalb sagte er nur: »Danke für alles. Er arbeitet mit der Reservatspolizei zusammen. gleichzeitig in zwei Frauen verliebt zu sein. Kameras. Wie wollen Sie da hinein kommen?« »Hätten Sie einen Vorschlag?« »Der zuständige Sheriff heißt Max Ritchey. wenn ich dusche?« »Das müssen Sie Melina fragen. Wenn Sie mich entschuldigen möchten. werden die Eingangstore strengstens bewacht. Sehr zum Leidwesen des Ministeriums für Indianerfragen praktizierte er Polygamie.« Da Chief wusste. dann wechselte er erneut das Thema. Macht’s euch bequem.« »In Ordnung. um ein paar Geschäfte zu erledigen.« Er war schon fast durch die Tür.« Chief stand auf und streckte sich. »Ich bin müde.« . Anscheinend ein vernünftiger Mann. Er drehte sich um. Wie es heißt.Zwillingsschwester.« Longtree nickte weise. wobei er ihn zum ersten Mal Chief und nicht Colonel nannte. dieses Wissen könnte Sie erleichtern. ich habe sie sehr gemocht. hatten Sie sie gern?« Die Augen des Alten schienen ihn förmlich zu durchbohren und forderten ungeschminkte Ehrlichkeit. Hätten Sie was dagegen.« Longtree runzelte die Stirn. Das Bad liegt hinter dem Schlafzimmer. Chief hörte sich selbst sagen: »Ja. dass sich Longtree bei jedweder überschwänglichen Dankbarkeit unwohl fühlen würde. »Meiner Meinung nach wird das nicht so einfach. und erst am späten Nachmittag wieder da sein. dass er nicht verstand. »Mit welcher Strategie wollen Sie jetzt vorgehen?« »Ich will zum Tempel und Bruder Gabriel konfrontieren. Ich dachte.« »Gern geschehen.« »Ich werde bald verschwinden. »Jaa?« Der Ältere sagte: »Quanah Parker hat sich nicht gänzlich von jeder Lebensweise der Komantschen getrennt. Longtree meinte: »Offensichtlich hielt es Ihr Verwandter für möglich.« »Danke für diesen Tipp.« Chief hob eine Schulter zum Zeichen. da rief ihn Longtree zurück. An den könnten Sie sich zuerst wenden.

33 Er klopfte. oder besser einen Déjà- Steifen.« Richtig. der mir zum ersten Mal auffiel. verdammt. »Klar. dass er binnen weniger Sekunden tausend erotische Erinnerungen neu durchlebte. dass er immer noch verkrampft und angespannt wirkte. Beim Anblick von so viel nacktem Fleisch blieb Chief wie angewurzelt stehen. meine Unterwäsche kennst du ja schon. »Chief? Alles in Ordnung?« Nein. »Was gibt es hier Geheimnisvolles? Du hast Gillian gesehen. kannte er. ich dachte. wo sie beim Gerangel mit dem falschen Tobias gegen den Türrahmen geknallt war.« . »Herein.« Wie wahr. So sehr. die Augen zu reiben.« Mit einer einzigen fließenden Bewegung richtete sie sich auf und schleuderte ihre feuchten Haare aus dem Gesicht. du hättest herein gesagt. dass ich es bin?« »An deinem Schritt. glich sie Gillian aufs Haar. ich entschuldige mich. die einem Fantasiegebilde gegenübersteht. Diese Hüfte passte genau in seine Hand. Allerdings wirkte sie angezogen gänzlich anders als an der Duschstange. Chief. Außerdem. an der Stelle knapp unter dem Nabel.« »Weißt du. als du bei Pax durch den Flugzeughangar gelaufen bist. Außer BH und Höschen hatte sie nichts an. Dieses Grübchen reagierte ganz besonders auf Knabberküsse. ich bestehe aus Fleisch und Blut. Trotzdem wandte er den Blick nicht ab. »Verzeihung.« »Trotzdem machst du ein Gesicht. sich wie eine Comicfigur. Gillian.« Melina stand gebückt da.« »Oh.« »Zweifelsohne. Woher wusstest du. sondern sagte ein wenig knurrig: »Es hätte doch auch Longtree klopfen können. hatten seine Lippen sie zum ersten Mal berührt. hielt den Kopf nach unten und frottierte sich die Haare trocken. auch wenn das schlechtes Französisch war. falls ich dich in eine heikle Lage gebracht habe.« Ihr unsicherer Blick sagte ihm. also dachte ich –« »Ich hätte auch dich gesehen. Wie ein Schuljunge starrte er sie mit offenem Mund an. Ein Berühren dieser Stelle entlockte ihr ein erregtes Wimmern. In jeder Hinsicht.« »Mehr oder weniger. nicht sie. Sein Herz klopfte wie verrückt. »Sieh mal. An dieser Stelle lag ein zarter pfirsichfarbener Flaum auf der Haut. Soeben erlebte er einen schlimmen Fall von déjà vu. sein Mund war staubtrocken. Gillian war die Züchtigere von uns beiden. als stünde ein Geist vor dir. »Entschuldigung. nichts war in Ordnung.« Mühsam unterdrückte er den Impuls. Bis auf den blauen Fleck am Schlüsselbein. Nein. Du hast einen sehr markanten Gang. unter der cremefarbenen Spitze zeichneten sich die Brustwarzen als dunkle Schatten ab. Und dort. Über den BH-Körbchen rundeten sich ihre Brüste.

« »Mit dem ortsansässigen Hüter des Gesetzes auf unserer Seite haben wir vielleicht mehr Chancen. in die Siedlung zu kommen. Sie aber schien es für bare Münze zu nehmen und gähnte herzhaft. er ist ein sehr distinguierter Herr?« Ihre bewundernde Ansicht über ihren Gastgeber verdross ihn. aber so hingerissen.« »Ich bin sicher.« »Ich liebe sein Gesicht.« »Du liebst sein Gesicht?« »Seine Erscheinung.« »Heute Morgen konnten wir nur deshalb heimlich landen. Mühsam suchte er nach einer intelligenten Bemerkung.« »Leider bin ich restlos erschöpft.« »Wirklich?« »Hmm. dass ich mich anziehe –« »Natürlich nicht. dass wir nicht zwei Irre sind?« »Vor uns liegt eine hundertfünfzig Kilometer lange Fahrt. Wie er aussieht. Ein Mann hat ja nicht alle Tage das Glück. war aber nicht sicher. damit wir uns noch umsehen können. »Nicht wahr.« Einen Moment wirkte sie nachdenklich.« »Oh. dann sagte sie: »Aber weißt du.« »Das liegt bei dir. »Ich schätze. war er nicht.« »Er sieht wie ein zerknitterter alter Indianer aus. und meinte mit belegter Stimme: »Nicht viel. in dessen Bezirk der Tempel liegt. Ich war doch nur überrascht. »Longtree meint. könnte das Aufmerksamkeit erregen. Eigentlich war er sogar vom Gegenteil überzeugt. wobei sie ihn noch immer verunsichert musterte: »Wenn’s dir lieber ist. aber wenn du meine Meinung hören möchtest…« Als er innehielt. auf eine halb nackte Frau zu treffen. sie sei bewacht. Zugegeben.« »Das bin ich auch.« . die ich seit –« »Du musst nichts erklären. Dann setzte sie sich auf die Bettkante. Melina. wir fliegen.« Dann fuhr sie fort. und der Gedanke. er ist in Ordnung. Er rief sich in Erinnerung. wie sie in jener Nacht aufgestanden und verführerisch aus ihrem Kleid geschlüpft war. wenn du ihn fragst«. dich so zu sehen. sagte er halb zu sich selbst. Er sagt. sie hat ja auch meine Rolle gespielt. auch er hielt Longtree für einen braven Mann. Außerdem möchte ich möglichst vor Einbruch der Dunkelheit dort sein. Häuptling Longtree würde uns ein Fahrzeug besorgen. während der wir uns etwas ausdenken können. Wenn aber zwei Ortsfremde auf einem öffentlichenFlugplatzlanden. in Kleidern zu schlafen.« »Unser Plan hat nur einen einzigen erheblichen Haken: Wir haben kein Auto. »Schieß los. weil Longtree alles vorbereitet hatte und es sich um eine abgelegene Privatpiste handelte. wir sollten uns zuerst an den Sheriff wenden. wenn sich unsere Ankunft nicht herumspräche. ob ihm das überzeugend gelang. wie offenbar Melina.« »Fahrt? Ich dachte. warf sie ihm rasch einen Blick zu. Mir wäre es lieber.« »Du hast Recht.« »Wie wollen wir den Sheriff überzeugen.« »Ist vermutlich eine gute Idee.« »Richtig. legte wieder das Handtuch über die Haare und rieb einzelne Strähnen zwischen dem ausgeblichenen Frottee.« Er versuchte zu grinsen.

dann wanderte ihr Blick zu ihm hinüber. die ihm Melina irrtümlich unterstellt hatte. so…« Auf der Suche nach dem passenden Adjektiv dachte sie nach. was er auch nie geschluckt hatte. Genau wie dieses mystische Zeug über Visionen und ähnlichen Mist. ich kann mich nicht erinnern. sagte sie.« Kaum hatte sie ihren Kopf auf dem Kissen zurechtgerückt. Gillians Haut.« »Gehört vermutlich zum Wesen eines Indianers. »Er erinnert mich an dich. knöpfte er seine Jeans auf. Schließlich fiel ihr eines ein: »Edel. als er fertig war. Aber vielleicht hast du mit Häuptling Longtree sogar noch mehr gemeinsam. »Nicht physisch. Von einem war Chief überzeugt: Dadurch wollte der Alte weiser klingen. er habe direkten Zugang zum Reich des Transzendenten.« Als Antwort lag Chief eine bissige Bemerkung auf der Zunge. vor denen er sich als Kind zu Tode gefürchtet hatte. jene strikte Selbstkontrolle wiederzufinden. Mit geschlossenen Augen presste er Stirn und Hände gegen das Holz und atmete tief ein. Hokuspokus. Nachdem er aus der Wanne gestiegen war. bediente er sich aus der Zahnpastatube und putzte sich mit dem Zeigefinger die Zähne. Dexter Longtree hatte zwar keinen Sprechgesang angestimmt. Chief ging ins Bad. legte sich hin und zog die Bettdecke bis ans Kinn. das ist hart.« Noch ehe er dieses Thema weiter vertiefen konnte. »Aber diese Falten lassen ihn besser aussehen. Nach Frauenhaut. »Vielleicht. Ihr tiefer gutturaler Sprechgesang während Zeremonien jagte ihm Angst ein. aber in der Art. Diese strikte Selbstkontrolle. rief er. ließ sie das feuchte Handtuch zu Boden fallen. nuschelte sie. Im Stamm seiner Mutter hatte es alte Männer mit strähnigen grauen Haaren und vom Wetter gegerbten Gesichtern gegeben. Stattdessen gab er sich mit einem unverbindlichen Räuspern zufrieden und meinte aus reiner Fairness: »Er hat genug Tragödien erlebt.« Eine Weile starrte sie in die Luft. je so müde gewesen zu sein. Heißt ja. und den Eindruck erwecken. »Du hast doch nichts dagegen. Chief drehte die Hähne auf und zog sich mit ruckartigen verärgerten Bewegungen aus. wenn ich mich dusche. So stand er da und versuchte. klar. Gereizt seifte er sich ein und wusch sich die Haare.« Anschließend erzählte er die Geschichte von Longtrees Verlust. fielen ihr die Augen zu. Seine Gesichtszüge sind so stolz. um den Druck auf seine stolze Manneszier zu lindern. Als Heranwachsender machte er sich über diese Narren lustig. Melinas Haut. So musste es Melina auch gemacht haben. Dann rollte sie sich auf die Seite und zog die Knie an. »Wie schrecklich«. da sie Dallas ohne ihre Zahnbürsten verlassen hatten. dass sie die Wanne abgetrocknet und ihr gebrauchtes Handtuch ordentlich auf die Stange gehängt hatte. was hatte Longtree mit diesem Blödsinn über Quanah Parker und dessen Fähigkeit gemeint. Währenddessen ging Chief eine Bemerkung nicht aus dem Kopf: Zum Teufel. nahm sie ernst. der Vorzeichen . gleichzeitig in mehr als eine Frau verliebt zu sein? Alles nur alter Apachen-Humbug.« »Was?«.« »Tja. aber gut die Hälfte seiner Sätze bestand aus versteckten Anspielungen und Rätseln. als er war. Der Raum roch nach Seife und Zahnpasta und feuchter Haut. Stirnrunzelnd musterte sie ihn. »Seine Frau und sein Baby. wir seien ein stoisches Volk. oder?« »Ist nicht meine Dusche«. fiel ihm auf. Als er sich nach mehreren Minuten dem Bad zuwandte. »Himmel. Nach weicher nackter Frauenhaut. Longtree mimte den weisen alten Medizinmann. wie ihr… ungebrochen bleibt.« Was von ihm halb als Witz gemeint war. Sobald die Tür ins Schloss fiel.

»Sicher. Für den Fall. bin ich zum Tempel hinauf und habe Erkundigungen bezüglich Dale Gordon eingeholt. richtig? Als Sie mich anriefen. ob er darüber erleichtert oder verärgert sein sollte. machte es sich der Sheriff in seinem Schreibtischsessel bequem.« »Wie hat’s geschmeckt?« »Köstlich. dass sie gegen die Wand knallte. die von einem alten Mann mit stolzem und edlem Gesicht kam. belegt. Was kann ich für Sie tun?« »Erinnern Sie sich noch an unser Telefongespräch vor einigen Tagen?«. erwiderte Lawson.« »Das stimmt. Offensichtlich handelte es sich um einen Geistesgestörten. das Melina liebte. fragte Lawson. »Wo liegt also das Problem? Es sei denn. Er glaubte an Bewiesenes. Sie haben den Schuldigen bereits identifiziert. Er ließ sogar die Tür so weit aufschwingen. Er wusste nicht. während er widerwillig seine Jeans anzog. obwohl diese Ritchey bestens geläufig waren. um unsere Spezialität zu probieren. Egal.und Ähnliches lesen konnte. wenn er zu ihr ins Bett kletterte. Vielleicht war er aber auch einfach nicht ganz bei Trost. hatte er seine Jeans wieder angezogen. Aber warum sollte er nicht? Er hatte dieses Scheißflugzeug geflogen.« »Gillian Lloyd. an Dinge. »Nehmen Sie Platz. sondern atmete weiter gleichmäßig und tief. »Wir kommen gerade vom Mittagessen. Hatte doch selbst zugegeben. Eintopf mit grünem Chili. Ein Colonel Christopher Hart schenkte keinerlei Offenbarung Glauben. dieser Fall sei gelöst. Spürte sie seine Nähe nicht? Oder war es ihr egal? Kein Mucks. dass er nach dem Tod von Frau und Baby ein bisschen verrückt geworden war. Gut. wie schon berichtet. stieß Chief hervor. Melina regte sich nicht.« Zum Zeichen. Wegen seiner häufigen Anrufe erinnerte man sich an ihn. Warum sollte er sich mit einem durchgesessenen Sofa in dem schäbigen Wohnzimmer zufrieden geben. Der Mordfall. protestierte sie nicht im geringsten. Wahrscheinlich verlieh der Agavenschnaps Longtrees Gefasel Flügel.« Verblüfft hob der Sheriff die Arme. die er mit eigenen Augen gesehen und selbst erlebt hatte.« Der Kommissar rief ihm nochmals alle Fakten ins Gedächtnis. Dann klopfte er mehrmals sein Kissen zurecht.« »Ich hatte den Eindruck. Vielleicht war er das die ganzen Jahre über geblieben. »Detective Lawson. danke«. »Darf ich Ihnen etwas Nicht-Alkoholisches anbieten?« »Nein. Sein Leben war während der letzten Tage genauso gefährdet gewesen wie ihres. meine Herren. Er war Naturwissenschaftler. Ein unrettbarer Fall. war er stocksauer.« Sheriff Ritchey bot den beiden Männern die Stühle vor seinem Schreibtisch an. Als er aus dem Bad trat.« . wenn dieses wunderbar bequeme Bett breit genug für sie beide war? Aber als er sich neben sie legte.« »Gut. »Sie haben doch nicht den weiten Weg aus Dallas gemacht. hinter diesem Mord und dem Selbstmord steckt mehr als ursprünglich angenommen. während sie in ihrem Sitz schlummerte. dass sie Theater machen würde. Sie regte sich nicht. wollten Sie doch nur noch ein paar kleinere Unklarheiten beseitigen. meiner Meinung nach. »Blödsinn«. Was sein Selbstmord. dass sie genug Höflichkeiten gewechselt hatten und er den geschäftlichen Teil angehen wollte.

Hennings wurde von der anderen Straßenseite durchs Fenster erschossen. Aber es wurde mit ziemlicher Sicherheit von einem Profi abgefeuert. »Woran Sie sicher schon gedacht haben. die ihr aufs Haar gleicht. »Und weshalb sind Sie dann hier?« »Weil noch jemand glaubt.« Sein Schulterzucken sprach Bände. Nur wenige Stunden nach einem Gespräch mit Ms. die es gibt: Rache. Es ist ihr gelungen.« Ritchey zuckte erstaunt zusammen und rief: »Sie wollen doch nicht etwa andeuten. Hoffentlich konnte er verhindern. Und obendrein wird sie von der stärksten Motivation angetrieben. mit denen er fertig werden musste. Sein ruhiges. aber nur aus gutem Grund. Sie. das wusste Max Ritchey intuitiv. »Das wäre eine Möglichkeit«. erklärte ihm Lawson.« »Und das wäre?« »Zum Beispiel die Tore von Bruder Gabriels Burg zu stürmen. Sheriff Ritchey. gut organisiertes.« »Zum Beispiel von einem gedungenen Killer?«.« Ritchey glaubte dem FBI-Agenten kein Wort. Sheriff. und ich – sind gezwungen. Jeder Satz war wie ein weiterer Stein auf einem Haufen. dass Dale Gordon regelmäßig in Kontakt mit dem Tempel stand. »Falls dieser Hennings zu irgendeinem illegalen Zweck ein Verhältnis mit ihrer Schwester unterhielt. Sie war bei Hennings. »Und nun addieren Sie mal zwei und zwei. Vielleicht ist sie schon genauso unzurechnungsfähig wie Dale Gordon. Lawson. erklärte ihm Lawson. »Gillian Lloyds Schwester. »Wir – Mr. uns Antworten über reguläre Kanäle zu holen«. Hennings hatte Verbindungen zu Bruder Gabriels Kirche. aber sie ist eine wichtige Augenzeugin. Melina Lloyd heißt sie. fügte er . »aber die Chancen auf eine Spur stehen bei Null. stand drastisch auf der Kippe. Nur in einem Fall von überregionaler Bedeutung kam ein Mordkommissar eines anderen Bundesstaates in Begleitung eines Washingtoner FBI-Agenten zur Ermittlung nach Lamesa.« »Klingt. das Jem Hennings getötet hat«. dass sie ein sehr einfallsreicher Mensch ist. Als diese beiden Männer unangekündigt in seinem Revier erschienen waren. hatte er sie sofort als Unglücksboten ausgemacht. als sei auch sie gaga geworden. der sich zu einem gewaltigen Berg aus Problemen türmte. »Leider verspürt Ms. Gestern Nachmittag wurde eine weitere Angestellte der Waters-Klinik ermordet. Sie will dieselben Antworten wie wir«.« Nüchtern und ohne großes Blabla brachte ihn Sonderagent Tobias auf den letzten Stand der Dinge. wo sie am Tag vor ihrer Ermordung künstlich befruchtet wurde. fragte Ritchey. »Sie neigt zwar zu emotionalen Überreaktionen. erläuterte Tobias. hätte sie ein Motiv«. bevor sie etwas Verrücktes macht. als dieser erschossen wurde. Lloyd«. dass Bruder Gabriel involviert ist«. dass Bruder Gabriel etwas mit diesen drei Todesfällen zu tun hat!« »Ganz und gar nicht. Als Täterin fällt sie aus.« Nachdenklich zupfte Ritchey an seiner Unterlippe. ausgeglichenes Leben. sagte Tobias gerade. »Wesentlich mehr. »Wir überprüfen das Geschoss. sagte er. Wir möchten sie befragen. womit er einen Satz aus seiner Lieblingskrimiserie zitierte. Dale Gordon hat in der Klinik gearbeitet. Jetzt schaltete sich Lawson ein. »Hennings war mit Gillian Lloyd verlobt. uns zu entwischen. denen wir noch weiter nachgehen werden.« »Gedacht schon.« Tobias widersprach mit entschiedenem Kopfschütteln. antwortete Tobias ausweichend. aber es trägt nicht. Bei jedem Wort graute Ritchey mehr. Sie hat bewiesen. Tatsache ist. Lloyd dieses Bedürfnis nicht. Eine Zwillingsschwester. dass es vollständig zu Bruch ging.

wollte Lawson wissen. mit Gewalt in die Siedlung einzudringen. Leute bekehren. die unbedingt ihren Namen in der Zeitung lesen wollen. Und das mit Recht.« »Und woraus besteht diese besondere Leistung?« »Pardon?« »Sie sagten. als wolle er die Information mit seinen vierschrötigen Händen aus ihm herausschütteln. warum man ihre Schwester umgebracht hat. dass das der einzige Grund für die strikte Überwachung des Tempels ist?« »Welcher sonst?« Der FBI-Agent beugte sich auf seinem Stuhl vor. meiner Ansicht nach. wenn sie. verdient sich einen Platz im Tempel. dass sie hier auftauchen wird. als ich Bruder Gabriel über Dale Gordon befragt habe.« Diese Antwort registrierte Tobias mit Ungeduld.« »Eher früher als später«. »Fragen Sie John Lennon oder diesen Designer in Florida. Allerdings wüsste ich längst. Nervös strich er sein Lachen und räusperte sich.« Nachdenklich runzelte Tobias die Stirn. Ritchey atmete tief aus. .« »Und welchen Eindruck hatten Sie?« »Ich bin nicht sicher. Die Leute«. dass man dort Menschen gegen ihren Willen festhält?« Ritchey lachte trocken auf. dass die Manschetten sein Monogramm trugen. wenn sie Antworten bekommt. dass das nicht vorkommt. Die Gebäude –« »Die allgemeine Stimmung. dass sie sich auf der richtigen Spur befindet und wird. ja?« Die beiden Männer starrten ihn mit dem Humor von Scharfrichtern an. fügte der Kommissar hinzu. Die Leute bewerben sich um eine Aufnahme. Nur weiß ich nichts darüber. Detective Lawson und ich sind ziemlich sicher. dort zu leben und zu arbeiten. Spenden sammeln. So ähnlich. versucht hätte.« »Und warum das?«. »was nicht heißen soll. oder sonst jemand. Tobias übernahm das Steuer. Ms Lloyd weiß. sind Sie schockiert. ob ich Ihre Frage richtig verstehe. Dafür gibt es ein Pluspunkte-System: Wer etwas Besonderes für die Kirche leistet. wenn ein Jünger etwas Besonderes für die Kirche leiste…« »Gute Taten. Mein Eindruck von den Örtlichkeiten? Die Böden sind makellos. »Sind Sie sicher. »Meines Wissens ist es für Bruder Gabriels Jünger eine Ehre.nach einer bedeutsamen Pause hinzu. »Wie ich sehe. Dort oben herrschen hohe Sicherheitsstandards. Ritchey bemerkte. ein gutes Zielobjekt. fiel ihm Lawson ins Wort. wird sie aufgeben. »Sie machen Witze. Bruder Gabriel ist eine internationale Berühmtheit. Erst wenn sie mit Sicherheit weiß. meine ich damit. der hart für die Aufnahme gearbeitet hat? Wäre das nicht wie ein Abschied vom Himmel?« Sie verließen Ritcheys Büro und stiegen wieder in den Leihwagen. »Aber warum sollte einer weggehen wollen. Tun das denn nicht alle Kirchen? Pluspunkte vergeben?« Tobias fragte: »Haben Sie jemals eine Person gekannt. während Lawson aussah. die im Tempel gelebt hat und wieder fortgegangen ist?« »Nein«. erst dann aufhören. »Sind Ihnen irgendwelche Hinweise dafür aufgefallen. Sheriff. »In welcher Hinsicht. VIPs bieten unbekannten Spinnern. sind Sie je innerhalb der Siedlung gewesen?« »Erst zwei Mal. erwiderte er ehrlich. »Sheriff Ritchey.« Fragend musterte er sie. Zuletzt vor drei Tagen. »Ich werde den Tempel sofort benachrichtigen.

nur wir werden langsam schizophren. Oder…« »Jaa?« »Vielleicht hat der Mann die ungeschminkte Wahrheit gesagt. dass sie am Flughafen von Albuquerque erwartet wurden. die bereit sind.« Nachdem mehrere Augenblicke verstrichen waren. bedankte sich für die neueste Information. »Was halten Sie von Ritchey?«. nicht wahr?« »Falls er Jünger hat.« »Angenommen.« »Möglich«. wurden sie ausgeschaltet?« »Irgendjemand hat sie verschwinden lassen. er mache seinen Job nicht ordentlich. Vielleicht unterliegt er einer höheren Gerichtsbarkeit als den Gesetzen von Bezirk. Damit wird ihm indirekt unterstellt.« »Verdächtigen Sie Bruder Gabriel?« »Oder einen übereifrigen Jünger. der Mörder von Gillian Lloyd. dass diese Schulschwester Hennings und seine kleine Schwester konvertiert hat? Und als die Eltern Alarm schlugen. während Lawson nicht einmal einen Kugelschreiber ohne schriftlichen Antrag bekam.Lawson war beeindruckt. Er mag es nicht. könnte auf Befehl des Tempels gehandelt haben. Lucy. wo der Wagen für sie bereitstand. fragte Lawson den Agenten beim Losfahren. Ritchey und andere lokale Gesetzeshüter stecken eventuell in Bruder Gabriels Westentasche?« »Wer weiß schon. Von dort aus waren sie zur Bezirkshauptstadt Lamesa gefahren. Er hatte arrangiert. Diese Reaktion brachte Tobias zum Lachen. »Ich will diesem wasserstoffblonden Prediger Aug’ in Aug’ gegenübertreten. was er im Schilde führt. Jedes Wort war gefiltert.« »Mit seiner Billigung?« »Entsetzlicher Gedanke. wo sein Einfluss endet? Dass er bis Big D gereicht hat. meinte er: »Andererseits könnte Ritchey ein ergebener Jünger sein.« Lawson schnaubte verächtlich. dass er bei weitem nicht so heilig ist. wissen wir jedenfalls. »Schwer zu durchschauen.« »War auch mein Eindruck. wie sein hübsches Gesicht und sein nettes Lächeln vermuten lassen. pflichtete Lawson bei.« »Glauben Sie. Allerdings esse ich kein rohes Fleisch.« Lawson zog eine Grimasse. was gibt’s?« Er hörte zu. schaltete aus und wandte sich dann lächelnd an Lawson.« »Sie meinen. Mit einem einzigen Telefonat brachte Tobias die Dinge ins Rollen. Und ich wette mit Ihnen um ein Steakessen gegen eine Flasche Scotch.« »Daran habe ich gedacht. der in seinem Auftrag gehandelt hat. »Ich suche schon hinter jedem Gartenzaun nach verborgenen Motiven.« »Vielleicht aus Stolz. »Jaa. wenn Ortsfremde in seinem Bezirk herumschnüffeln und ein kriminelles Subjekt suchen. wieviel Autorität dieser Mann ausstrahlte. Ich will wissen. er hat ungefähr die halbe Wahrheit gesagt.« »Und bis South Dakota. »Diese Sache mit dem Auge in Auge… Morgen Früh bekommen Sie Ihre Chance. Als sein Handy klingelte. Dort ist Hennings damit in Berührung gekommen. für ihn zu töten…« Er wandte sich zu Tobias und sprach seine Gedanken laut aus. Wir haben eine Audienz beim Boss. Bundesstaat oder Land. aber ich würde mal sagen. lachte er noch immer in sich hinein. »Das hieße: Dale Gordon.« »Warum morgen Früh? Warum fahren wir nicht einfach jetzt hinauf –« .

dass in der Klinik herumgepfuscht wurde. wie Sie schon sagten: Damals wussten Sie noch nicht so viel wie heute. keinen stichhaltigen Grund. werden wir die DNS des Embryos von Kathleen Asher gegen den bekannten Spender testen. weder zu Jem Hennings und Gillian Lloyd noch zu Dale Gordon – mit Ausnahme der Telefonate. die Leiche nicht zur Einäscherung freizugeben.« »’Tschuldigung«. und so müssen wir auch dieses Gespräch führen.« »Wenn ein DNS-Test ergeben hätte. Und trotzdem sagt mir mein Instinkt. »Wir haben keinen stichhaltigen Grund und keine direkte Verbindung.« »Das denke ich auch. Natürlich braucht das alles Zeit. einen bedeutenden Mann Gottes zu verhören. falls Sie irgendetwas nachlesen möchten. stimmt’s?« »Wieso? Könnten Sie das näher erläutern?« »Ich habe nur mal nachgedacht. dass Sperma vertauscht wurde. Immerhin wurde sie weniger als vierundzwanzig Stunden vor ihrem Tod künstlich befruchtet. Momentan wissen wir nicht einmal mit Sicherheit. dass die Proben vertauscht worden sind. Also gibt es. »Ich habe die Fallakte mitgebracht. hätte ich von Gillian Lloyd Abstriche machen lassen. er sei gerade dabei. »Wenn es soweit ist. »Jedenfalls wird’s eine lange Nacht werden. dass es keinen Grund gab.« » – hätten wir den Beweis. Wenn ich diesen Hinweis auf die Waters-Klinik bereits früher gehabt hätte. die er bereits erklärt hat.« »Bis wir die Spermaproben von den Spendern der Waters-Klinik haben und an Hand von DNS-Tests beweisen können. dass dieser Bruder Gabriel die eigentliche Quelle allen Übels ist. dass Gordon sie vertauscht hat. summa summarum. Kalifornien. Dafür revanchierte er sich seinerseits. nichts. haben wir außer einem toten Schüler. was diese Manipulation mit Bruder Gabriel verbindet. Die Stichwunden waren so eindeutig die Todesursache. »Rein äußerlich gab es keine Samenspuren. verfügen wir lediglich über einen Haufen Mutmaßungen. »Ich weiß. Und selbst wenn wir beweisen. sagte Tobias. knurrte Lawson.« Irritiert strich sich Lawson über seinen roten Schopf.« Einen Augenblick später meinte er: »Verdammt! Alles hängt am richtigen Zeitpunkt. »Und wie steht’s mit Melina Lloyd? Was meinen Sie?« »Dass sie herkommen und ihn stellen wird. und außerdem habe ich nichts Besseres zu tun. »Nun. Vom legalen Standpunkt aus halten Sie sich genau an die Spielregeln.« . dass ihm Tobias eine goldene Brücke baute.« »Vielleicht«. der erwiesenermaßen geistesgestört war. Mit einem Abstrich von Gillian Lloyd wäre es viel schneller gegangen.« Nett. dass der Abstrich nicht zu ihrem ursprünglichen Spender passt –« »Oder zu Christopher Hart. eine gerichtliche Verfügung zur Exhumierung der Überreste einer Frau aus Oakland.« Tobias erklärte ihm.« »Aber wir hatten ja unseren Mörder schon«. Sie haben Recht.« »Kacke.« Eine geschlagene Minute kaute Lawson daran herum. sagte Lawson mürrisch. Aus reiner Höflichkeit gewährt er uns eine Audienz. zu besorgen.

Allmählich wurde sie mutiger. Rasch strich ihr Daumen über die Brustwarze. 34 »Melina?« »Hmm?« »Es ist fast drei Uhr. Wie zuvor ihm wurde ihr binnen Sekunden bewusst. Als sie es kaum noch aushielt und ihn schon darum anflehen wollte. Seine Haut verströmte eine Wärme. Sein hörbares Einatmen machte sie kühn. wie sich ihre Hüften unwillkürlich vom Bett hoben und sich sachte gegen seine Jeans schoben. »Sag’s mir nochmal. Impulsiv streckte sie die Hand aus und berührte sein Gesicht. von Violett in Indigo übergeht. bis sie erregt gegen ihr Spitzengefängnis drückten.« Aber er tat es nicht.« »Ich habe gerade geträumt.« »Ich hab nicht zugehört«. Hungrig küsste er die schwellenden Hügel über den BH-Körbchen. sonst hätte sie die nächste Geste nicht gewagt: Sie hob den Kopf gerade so hoch.« Mit einem tiefen Seufzer rollte sie sich auf den Rücken und sah Chief durch halb geschlossene Augen vorwurfsvoll an.« Sie streckte sich genüsslich. Er hatte die Fäuste bis zum zweiten Fingerglied neben ihrem Kopf ins Kissen gestemmt. Zuerst strich sie nacheinander seine Augenbrauen glatt. ja. die sie liebend gern auf ihrer gespürt hätte. als wolle sie sich alles ganz genau einprägen. ließ die Hand sinken und berührte ihn knapp unter der rechten Brust. Ihr Finger glitt über seine schlanke Nase und zeichnete zuletzt die Umrisse seiner Lippen nach. Da seine Arme das Hauptgewicht trugen.« »Wovon?« »Weiß ich nicht mehr. Ihre Fingerspitzen verweilten lange bei jedem einzelnen Gesichtszug. »Warum musst du mich immer aufwecken?« »Weil du immer verschläfst. was sie als ungemein erregend empfand. Jedes sanfte Saugen löste erotische Stürme aus. presste sein Gesicht in ihr Dekolleté und schob ihre Brüste nach oben. schob er die Spitze weg und legte seinen Mund darauf. . Auf seinem Gesicht war keine Spur von Lächeln mehr. Seine Bartstoppeln rieben über ihre Haut. gestand sie mit einem schläfrigen Lächeln. er sagte gar nichts. Mit einem leisen Fluch warf er die Bettdecke zurück. Das Blau seiner Augen schien noch intensiver geworden zu sein. »Wie spät ist es?« »Habe ich dir eben schon gesagt. Er rieb seine Lippen so lange über ihre Brustwarzen. Ihre Augen folgten den Fingerspitzen auf ihrem Weg über mehrere Rippen nach unten und dann wieder hinauf bis zur Unterkante des wohlgeformten Brustmuskels. trat jeder Muskel deutlich hervor. dass ihre Zunge über die erigierte Spitze streichen konnte. Und dann spürte sie.« »Schöner Traum?« »Glaube schon. aber spürbar. so wie sich die Farbe des Himmels kurz nach Sonnenuntergang verstärkt und unmerklich. senkte sich auf sie. dann betastete sie mit einem mitfühlenden Seufzer die Wunde auf seinem Jochbein. wie intim dieser Moment war.

betrachtete sie. Hinter jeder Bewegung spürte sie eine Wildheit. schloss er die Augen. Schließlich schob sie die Jeans über seine Hüften. Ihre Lider flatterten. wobei er ihre Hand wegschob. Lustvoller Funkenregen sprühte in ihr auf. Mit tiefer rauer Stimme beschwor er sie. das ist gut. die er mit kräftigen Fingern massierte. Und noch immer hielt er sie mit seinen Augen fest. zog er ihn herunter. meinte er. »Oh Himmel. nahm sie. Seine Zunge leckte darüber. Seine Hände hoben ihre Hüften so hoch. nicht gedemütigt.« Als sie seiner Bitte nachkam.« »Ich habe nichts dagegen. Seine Erektion darunter gab nicht nach. an der sie besonders kitzlig war. Sie fühlte sich verehrt. kniete sich dazwischen und öffnete langsam ihre Schenkel. Er drückte ihre Hand auf sein Glied und legte ihre Finger darum. »Chief«. dann sag’s besser jetzt. Langsam wanderten seine Augen ihren Körper hoch. oder?« »Aber ich will dich in mir spüren. Anfänglich wollte sie sich dagegen wehren. ließen sie einander nicht aus den Augen. Als er offen war.« »Mach ein Hohlkreuz. du lässt das«. »Wenn du nicht aufhörst. ihn aufzuknöpfen. bis zu der Stelle oberhalb der Knie. fand den Liebespunkt. keuchte sie. liebkoste sie federleicht. drückte er seine Stirn gegen ihre. Der oberste war schon offen. Als er vor sichtlichem Unbehagen knurrte. ihn gezielt zu massieren. stieß sie auf Widerstand. Doch sein unverwandter Blick war weich und zärtlich. sie schrie fast. Wenn du was dagegen hast. seine Lippen zupften daran. Stöhnend vergrub er sein Gesicht an ihrem Hals.« »So soll’s doch sein. Anstatt zurückzuscheuen.Stöhnend vor Lust krallten sich ihre Hände in seine Haare. Ist besser. »Du … fickst … wie…« . bis sie in ihren Blicken versanken. Während seine Hände über ihre Schienbeine glitten. dass er seine Hände darunter schieben und ihren BH aufhaken konnte. komme ich. Blindlings kämpfte sie mit dem Stoff und widerspenstigen Metallknöpfen.« Sie presste die Schultern in die Matratze und hob den restlichen Oberkörper so weit hoch. streichelte sie abwechselnd mit den Daumen. Aber nicht so schnell. Er kreiste über die Rückseite ihrer Unterschenkel und umfing ihre Wadenmuskeln. Dann glitten sie wieder nach oben. Seine Daumen trafen sich in ihrer Körpermitte. »Langsamer. Als sie anfing. weiter hinauf. bis es nicht mehr weiter ging. Merkwürdigerweise hatte sie keine Angst davor. Seine Daumen glitten in den Bund ihres Slips und zogen ihn bis über die Zehenspitzen. Trotzdem schob sie ihre in seine Jeans und zog ihn noch weiter an sich. ich auch. Sein Atem wurde rau. bis sie auf ihrem Bauch liegen blieben. Dann legte er seine Hände um ihre Knöchel. wurde nass. Lust verzerrte sein Gesicht so. presste ihre Brüste zusammen und küsste ihre Brustwarzen.« Er drang in sie ein. »Ich weiß. aber als sie die restlichen öffnen wollte. gab sie sich vorbehaltlos hin und ließ ihrem Ungestüm freien Lauf. eine Hand darüber legen oder verlegen den Kopf wegdrehen. die er kaum im Zaum halten konnte. Jeder Stoß war ein gieriges Nehmen und doch auch ein Geben. Unverwandt tasteten sie sich über ihre Oberschenkel. mussten beide leise lachen. Sein Bild verschwamm allmählich. Sie zog die Unterlippe zwischen die Zähne. dass sie die Zähne sah. atmete immer unregelmäßiger und rascher. hob den Kopf.

entdeckten wir mehrere Fälle. wo ich meinen Goldfisch noch im letzten Moment vor dem Ausbruch einer Kannibalenattacke füttern konnte. Und dann kam er. Trotz seiner Bitte um ein Nichtraucherzimmer lag auf der Garderobe ein Aschenbecher in Form einer angriffslustigen Klapperschlange. »Verbindlichsten Dank«. möchten Sie mal was wirklich Merkwürdiges hören?« »Gehen Sie denn nie heim?« »Ich bin zu Hause«. erwiderte Lucy Myrick aus gut dreitausend Kilometer Entfernung. wer ihm da vor Augen schwebt. »He. Draußen fehlte der vertraute Verkehrslärm. Anschließend hatten sich ihre Wege getrennt. in dreißig und mehr Sprachen. Meine erste Frage an ihn würde lauten: ›Und wer wird diese neue Weltordnung schaffen?‹ Obwohl ich eigentlich einen leisen Verdacht hege. Erst heute kam mir .« »Na ja. also unter allen großen Religionen.« Sie holte tief Luft. Seine so genannte Kirche hat eine verblüffende Reichweite.« Tobias hatte kurz vorher im Café. deren rote Glasaugen im Widerschein des Fernsehers glitzerten. als wir –« »Als Sie«. moslemischen und buddhistischen Ländern. Für meinen Geschmack klingt ›Neue Weltordnung‹ ein bisschen zu sehr nach Hitler.« »Seine Lehre orientiert sich nicht exakt am Christentum. Deren Führer sind angesichts der ständig wachsenden Zahl von Konvertiten alarmiert. Lucys vertraute Stimme mit ihrem knappen Nord-Ost-Akzent zu hören statt eines südwestlichen Näselns. das zum Motel gehörte. Tobias hatte geduscht und lehnte nun. sagte sie kess. am Kopfteil des Motelbetts aus Holzimitat. Aber das Fehlen eines konkreten Dogmas hat seiner offensichtlich universellen Anziehungskraft keinen Abbruch getan. eine Dose Diätnahrung vernichtet und eine Flasche billigen Wein geöffnet. korrigierte Tobias. hatte er heute das Gefühl. Die Stille der Wüste war ohrenbetäubend. die eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem Mord an Gillian Lloyd und der Entführung des Anderson-Babys hatten. als ich gerade das Büro verlassen wollte. er sei sich einen Scotch mit Soda schuldig. »Sicher steckt hinter diesem Entschluss ein logischer Grund.« »Jedenfalls habe ich heute weiter recherchiert.« Tobias hörte konzentriert zu und stellte sein Glas auf den Nachttisch. Es tat gut. Er befand sich auf außerirdischem Territorium. Seine Ansprachen werden simultan übersetzt. eigentlich nicht mal an der Heiligen Schrift. mit einem Kissen unter dem Kopf und einem Drink aus der Minibar in der Hand. Tobias. über die Verbindung zu Jem Hennings sind wir ganz zufällig gestolpert. Also hab ich’s ausgedruckt und mit heimgenommen. katholischen. Anschließend habe ich mir ein langes Schaumbad gegönnt. Und damit ein Name. Obwohl er nicht oft trank. Das ist keiner von unseren normalen TV-Predigern. Weder das nach Zahlen gemalte Kunstwerk an den vertäfelten Zimmerwänden noch das darauf abgebildete Leben der Puebloindianer sagten ihm irgendetwas. Er hat Anhänger in überwiegend jüdischen. Zum Frühstück wollte man sich wieder sehen. Und jetzt gehe ich gerade das Material durch. während Lawson zwei Chili-Cheeseburger mit einer Extraportion Zwiebeln verdrückt hatte. »Als ich auf nationaler Basis nach ähnlichen Verbrechen gesucht habe. »Welches Material?« Lucy holte weit aus: »Dieser Bruder Gabriel ist mir nicht geheuer! Gestern Abend habe ich mir im Büro seine Fernsehsendung angeschaut. »Dieses Info kam. »Was mich auf Interpol gebracht hat. ein gegrilltes Käsesandwich gegessen. Jesus Christus erwähnt er nur selten und dann als Beispiel für Demut.

oder?« »Keine Spur«.« »Wäre ich doch nur bei Ihnen.« »In Windeseile.« »Aber rein statistisch gesehen.« Sein Blick fiel auf den dicken schwarzen Ordner mit der Akte Gillian Lloyd. aber die Kissen hart. »Im Schatten von Bruder Gabriels Tempel. »genau wie beim Baby der Andersons. noch ehe er sein Argument aussprechen konnte. »Ich würde Bruder Gabriel liebend gerne fragen. eines aus dem Krankenhaus.« »Danke. In der Gegend. »Mal sehen.« »Das Übliche. dass Lucy alle Fakten überprüfen würde. Entweder kehrten die Kinder lebend zu ihren Familien zurück. Alle diese Fälle wurden gelöst.« .« »Nein. Tun Sie das etwa heute Abend?« »In gewisser Weise schon. abgesehen von den erwähnten drei. oder man fand ihre Leichen. Die Laken sind sauber.« »Bei allen übrigen Kidnapping-Fällen. Der Täter wurde gefasst und gestand. meines Wissens in Portugal. Diesen Fall kannte er in. sie ihm für diesen Abend zu leihen.« »Lassen Sie mich wissen. überdurchschnittlich intelligent und sahen ungewöhnlich gut aus. Zwei aus ihren häuslichen Bettchen. innerhalb von zwei Tagen nach der Geburt entführt. Wie ist’s denn so?« »Was?« »Ihr Motelzimmer. Halt an.der Gedanke. angenommen. Alle waren Single. Ich kann die Lichter von meinem Motelbett aus sehen. die – mit Hilfe von Spendersamen – entweder In Vitro oder durch Einspritzen von Samenzellen gezeugt wurden.« »Lügner. Lucy –« »Habe ich schon überprüft«. aber bleib nicht zu lang. gesund. was Sie morgen finden. Und nun raten Sie mal!« »Ich bin ganz Ohr. die in Kliniken gezeugt wurden?« »Das muss ich Ihnen doch nicht wirklich erzählen. sprich Mord oder Unfall. »Und was war mit den drei Kindern. erklärte sie ihm. ging es um Lösegeld. wann Gott gestorben ist und ihn zum Nachfolger bestimmt hat. Anscheinend spürte sie. »Ich werde noch tiefer bohren«. Bisher stand sie unberührt auf dem Nachttisch. er habe sie rein zufällig wegen ihres Schmucks ausgesucht. mutmaßte er.« »Ganz genau.« »Im Laufe der letzten zwei Jahre fielen fünf Europäerinnen nach einer erfolgreichen künstlichen Befruchtung einem Gewaltverbrechen zum Opfer. fiel sie ihm ins Wort. ob irgendwelche Bruder-Gabriel-Jünger die Finger im Spiel hatten. wollte Lucy wissen. ehe sie eine Information an ihn weitergab. meine Ermittlungen aufs Ausland auszudehnen.« »Gut. Aber es kommt noch besser: Im selben Zeitraum wurden drei Kinder.« Sie ließ ihm volle dreißig Sekunden Zeit zum Nachdenken. »Im selben Zeitraum wurde lediglich eine einzige andere Schwangere ermordet. wo sind Sie eigentlich?«.« Eigentlich hätte er wissen müssen. korrigierte sie sich hastig. Sie war verheiratet und auf normalem Wege schwanger geworden. Er hatte Lawsons Angebot. Als Motiv wurde ein Raubüberfall ermittelt. dass er seine Gedanken neu ordnen wollte. ich schwör’s.und auswendig und hatte keine Lust. Einmal handelte es sich um Kindesmisshandlung im Wiederholungsfall. längst bekannte Informationen zu lesen. meine ich«. aber zuerst erholen Sie sich ein bisschen. »Übrigens.

eine haargenaue Kopie von ihr.« Dann zog sie sie zu. Der Tank ist voll. Gibt’s denn keinerlei Unterhaltung? Vibrator-Bett mit Münzeinwurf? Kostenpflichtige Sex-Videos?« »Auf dem Fernseher liegt ein Heftchen mit Filmen für Erwachsene«. Mit einem knappen Danke nahm Chief beides entgegen. normalerweise bringe ich eine Frau nicht zum Weinen. Melina verließ als erste das Bett. Und genau deshalb war er ein durch und durch kranker Mensch. Melina trat gänzlich bekleidet heraus und fragte sehr geschäftsmäßig: »Ist Longtree schon zurück?« »Ich bilde mir ein. zischte er. wo sie am Tisch saß. begehrtes Objekt von Autogrammjägern und Held der Schulkinder. die ich vielleicht kenne?« »Auf Wiedersehen. uns seinen Pick-up zu leihen«. gestand er.« Er schob die gefaltete Karte und einen Schlüsselbund über den Tisch. »Wasser genügt.Er beschrieb den giftigen Aschenbecher. »Irgendwelche Titel. »Sie machen Witze. wird Jed mich fahren. wobei er die Bettdecke zurückschleuderte.« . Außerdem habe ich eine Straßenkarte besorgt und den Weg eingezeichnet. Nur Longtree wollte wissen. können wir dann ja –« »Melina. »Scheiße«. sagte Melina. Er. ihn direkt anzusehen. Alles hätte ihm passieren können. hatte Gillians eineiige Zwillingsschwester gevögelt.« Sie ging durchs Zimmer und packte den Türgriff. dass ihr ihn vielleicht braucht. Lucy. »Ich weiß nicht. »Sobald du fertig bist. aber wer hätte je damit gerechnet? Hätte er sich damals. als er beim Verlassen des Mansion zum ersten Mal Gillian Lloyd sah. Davon bekäme ich Alpträume. Colonel Christopher Hart. ohne ihn auch nur eines Blickes zu würdigen. ob er etwas zu trinken wolle. der leider völlig daneben lag. Um ihn kümmerte sie sich nicht. Die Unterhaltung mit ihr hatte seine Laune beträchtlich verbessert. »Sehr großzügig.« Lachend legte er auf. Oder etwa nicht? Die Badezimmertür ging auf. öffnete sie die Tür und sagte: »Ich warte auf dich. Fünf Minuten später war er bei ihr in der Küche. und zog sich ins Bad zurück. Astronaut und VIP. In ihr hatte er sich genauso verloren wie damals in Gillian. hob ihre Unterwäsche auf.« »Wenn’s nötig ist.« »Den habe ich noch nicht gesehen.« Der ältere Mann reichte ihm ein Glas Wasser. dass er binnen weniger Tage in die Ermittlungen ihres Mordfalls verwickelt wäre und mit ihrer Zwillingsschwester schlafen würde? »Mit ihr schlafen«? Ein reizender Euphemismus. zu dem ich euch raten würde. vorstellen können. aus der Küche Geräusche zu hören. Und er hatte jeden gottverdammten Herzschlag dieser Fleischeslust genossen.« »Häuptling Longtree ist so freundlich.« Ohne sich umzudrehen. ein Glas Wasser trank und mit Longtree redete. der es immer noch nicht gelang. Sekunden später hörte er die Dusche rauschen. Chief legte den Unterarm über die Augen und fluchte leise in die Stille hinein. »Ich dachte mir schon. wann wir ihn wieder zurückgeben können.

Wider aller Erwarten sprang binnen kurzem ein kleiner Chip heraus und landete auf der Wachstuchdecke. Hier ist das Licht besser als im Flugzeug. »Wir sind Ihnen sehr dankbar für alles. wie man sie lädt?« Eigentlich wollte Chief die Annahme verweigern. und sind außerdem echte Profis. Es tut mir so Leid. Binnen Sekunden klopfte er mit dem Werkzeug auf dem Fleck herum.« Sie zögerte nur einen winzigen Augenblick. den Revolver für ihn zu laden. konnte man ihn für einen Einschuss in dem kleinen Stein oder eine raue Stelle an der Fassung halten.« »Oh mein Gott«. Longtree und Melina schauten ihm gespannt über die Schulter zu. »das sind üble Typen. dass er tot ist. direkt neben der Goldfassung. wie jetzt. Häuptling Longtree.« »Ich dachte. »Seit dreihundert Jahren werden die Indianer Amerikas von ihrem Land vertrieben. Ich kann für mich selbst sorgen. Selbst bei genauerem Hinsehen. nicht wahr?« Melina war empört. Können Sie sich für ein paar Tage irgendwohin zurückziehen und abwarten?« Ihr Gastgeber lächelte.« Chief erklärte Longtree die Funktion eines GPS-Systems.« Während sie Longtrees Hand schüttelte. Ihnen zu entkommen. »Die Technologie ist sogar schon weiter.« »Euch ist es gelungen. Ich bin überzeugt. Schade. Er ließ den Glücksbringer knapp vor seinem Gesicht baumeln und hielt ihn so. »Haben Sie einen Eispickel?«. Wahrscheinlich ist es das Letzte.« »Ich bestehe darauf. Sie werden versuchen. Chief hämmerte mehrmals mit der scharfen Spitze des Eispickels darauf herum. kaum sichtbaren Punkt oben an der Vertiefung. dass wir Sie in Gefahr bringen. »Wissen Sie. »Zur .« Er übergab Chief die Pistole mit einer Schachtel Munition. und so bat er Longtree. Doch er musste sich lediglich Hennings Schicksal ins Gedächtnis rufen. Er hatte die Farbe einer Bleistiftmine und war kleiner als ein Stecknadelkopf. »Melina. Erst gestern haben sie zwei Menschen umgebracht. unsere Spur hier wieder aufzunehmen. dann streckte er die Hand aus. Zu so etwas können nur Kriminelle Zugang haben. Von hier kam das letzte Signal. Ich könnte mich nicht mehr im Spiegel anschauen.« »Wir haben es doch überprüft«. wurde Chief stutzig. »Außerdem möchte ich mich nicht davon trennen.« Melina streichelte das Rubinherz an ihrem Hals und sagte dabei: »Ich hab’s eben erst wieder angelegt.« Nach diesen Sätzen ging er zu einer Kommode und holte eine Pistole heraus. »Dieser Mistkerl. dass das Licht durch die transparenten Steine scheinen konnte. Nach einem raschen Blick auf die Wanduhr stand Melina auf. was sie in jener Nacht vor dem Schlafengehen berührt hat. was Sie für uns getan haben. erinnerte sie ihn. Sie werden von jemandem bezahlt. »Hennings Liebesgabe ist gar nicht so reizend. rief Melina aus. du hättest es mit deiner Handtasche weggeworfen. auch wenn wir den Sender nun zerstört haben. erklärte ihm Chief ernst.« »Die brauchen Sie vielleicht mehr als wir. Erst jetzt bemerkte er einen dunklen. »Gillians Anhänger.« »Um Haaresbreite.« »Sie hat Recht«. »Nehmt sie mit. fragte er Longtree. »dann haben wir sie also direkt hierher geführt.« Seine Bedenkzeit währte nur einen Sekundenbruchteil. dann entledigte sie sich des Anhängers und gab ihn ihm. wenn ich mich von zwei Schlägertypen von meinem Platz vertreiben ließe.« »Machen Sie sich meinetwegen keine Sorgen. lass es uns näher anschauen. als ich weiß. vermutlich von Bruder Gabriel. Wir haben Ihr Entgegenkommen dadurch belohnt. dass ein derart winziger Sender noch nicht für den allgemeinen Gebrauch zugelassen ist.

« Der letzte Satz schien Longtree sichtlich zu amüsieren. Mein Schicksal liegt nicht in der Hand von Killern.Vorsicht werde ich die erste Kammer leer lassen«. Hinter den Bergen geht die Sonne rasch unter. Tiefes Einvernehmen machte Worte überflüssig. »Zum Schießen müssen Sie dann zwei Mal abdrücken. meinte er. »Ich habe keine Angst. Sie schauten einander unverwandt an. erklärte ihm Melina. .« An der Tür ergriff Chief Longtrees Hand. »Wenn ihr noch vor Einbruch der Dunkelheit nach Lamesa kommen wollt.« »Ich kann nicht einfach weggehen und Sie hier ohne Waffe und Fahrzeug zurücklassen«. Er winkte Richtung Tür. müsst ihr euch jetzt beeilen.

Auffallend ist meiner Ansicht nach nur. fuhr sie fort.« »Also sind wir darin einer Meinung. wenn ich mit einer Frau schlafe. 35 »Melina. das wäre. stieß sie hervor. das hätte nicht passieren dürfen. du hättest sie erst geküsst. Warum hast du geweint?« Minuten vergingen. sie wolle ihn absichtlich ignorieren. Sie hätte alles Mögliche sagen können.« »Darum ging es mir aber nicht.« »Ist es aber. du meintest. so lange ließ sie sich mit ihrer Antwort Zeit. aber dann sagte sie doch etwas. Besonders im Hinblick auf das. »Sie sagte. War das nur so dahergesagt?« Mit einem unbehaglichen Gefühl schaute er wieder auf die Straße.« Sie hatte einen wunden Punkt getroffen. »Ich habe nie behauptet. Schließlich sagte sie: »Chief. Also. »jedenfalls nicht auf die Lippen. meiner Ansicht nach ist es ganz schön krank. außer sie wollte aus der Fahrerkabine des Pick- ups springen.« Er warf ihr einen wütenden Blick zu. Was meine erste Frage nur noch relevanter macht. Eines könnte sie allerdings: ihn einfach ignorieren. »Gillian hat mir erzählt.« »Ist vermutlich genauso bedenklich. »Melina. wie eine Frau als Ersatz für eine andere zu benutzen. muss sie normalerweise nicht weinen. wenn du’s getan hättest. Nicht ein Mal.« Verblüfft wandte er ihr den Kopf zu.« »Und du wirfst uns Frauen vor.« »Für eine schlechte Idee hat sich’s aber schrecklich gut angefühlt.« »Warum vergessen wir’s nicht einfach?« »Weil es wie eine Riesenwarze auf einer Nasenspitze ist.« »Das hat doch nichts zu bedeuten. als sei sie nicht da. du hast geweint. »Was?« Inzwischen schaute sie ihn an. warum.« Nach einem kurzen Blick zu ihm konzentrierte sie sich wieder auf den Horizont. dass du’s nicht getan hast. lass uns darüber reden. Man weiß sogar.« Anders als in Longtrees Haus konnte sie ihm nun nicht einfach den Rücken zudrehen und aus dem Zimmer gehen. Wieder dachte er. »Du hast mich nicht geküsst«. wobei sie den Kopf abwandte und zum Seitenfenster hinaussah. dass wir immer alles ausdiskutieren möchten«. »Weißt du. und man sieht sie. es hätte sich nicht gut angefühlt. Er befürchtete schon. doch den nächsten Satz hätte er nie und nimmer erwartet. Aber das ist unmöglich. nachdem ihr miteinander geschlafen habt.« »Nein?« »Nein. Aus reiner Selbstverteidigung ging er zum Angriff über.« »Nicht. Sie ist da. was du zu Gillian gesagt hast. als ob man sich das Beste bis zum Schluss aufhebt. Am liebsten möchte man sie ignorieren und so tun. wenn wir schon mal das Beste bis zum . dass man genau das tun sollte. Und ich wüsste gerne. dass ich dich danach nicht geküsst habe. Es gab keinen Fluchtweg. der seiner lauter werdenden Stimme entsprach. wie ihr beide bis ins intimste Detail über unser Liebesleben gesprochen habt. »Schon möglich. sie hätte sich dafür entschieden.« »Weil es eine schlechte Idee war.

»das habe ich gesehen. sagte sie mit einem leisen. alles zu vernichten. »Kein Grund zur Entschuldigung. Was hätte er sagen sollen? Hätte er gesagt. sie und Gillian getrennt zu halten? Inzwischen hatte er mit ihr geschlafen. Schließlich hast du ihren Namen gerufen. erspar dir eine Antwort. Dass diese eine romantische Zufallsbegegnung in der Lage war. »Hast du das nicht gemerkt?«. Melina. »Hast du«. Und dann muss ich noch eines offen gestehen: Ich war sauer. wenn ich nicht gewollt hätte. zu der er sich zuerst hingezogen gefühlt und die sich unauslöschlich in seine Erinnerung eingeprägt hatte. fragte sie auf seinen überraschten Blick hin. wenn er ihr erklärte. Alles.« »Ich hätte nicht mit dir geschlafen. dass es ihm bis vor wenigen Stunden gelungen war. sagte sie leise. »Chief. was man … in diesem Moment sagt. Denn danach hast du geweint! Hast du schon mal daran gedacht? Vielleicht habe ich dich aber auch nur deshalb nicht auf den Mund geküsst. Er schaltete den Motor aus und drehte sich zu ihr. Jetzt war es höchste Zeit. hätte er es sich zu einfach gemacht. Hätte sie mehr Verständnis. Und nun kam er sich noch beschissener vor. Er konzentrierte sich auf ihre Augen genauso intensiv. weil ich anderweitig beschäftigt war. Und nun verschwammen diese Unterschiede zusehends.« Sie war ganz Aug und Ohr und schaute ihn mit offenem Mund aus weit aufgerissenen Augen verblüfft an. wie sie stöhnte. Sein Kopf und sein Körper spielten ihnen allen einen verdammt üblen. die er mögen und respektieren gelernt hatte. der er sich so sehr bemühte. gewollt hast du schon«. »Melina. du irrst dich. So wichtig war es für ihn. Und gespürt. dann hätte er die absolute Wahrheit gesagt. sie gespürt und geschmeckt.Schluss aufheben wollen. Trauern wollte ich um Gillian. Noch ehe er zu lange darüber nachdenken und es sich vielleicht wieder aus dem Kopf schlagen konnte. aber mit mir hatte das nichts zu tun. Ich weiß.« Er biss die Zähne zusammen. wie auf die Tower-Signale während einer Shuttle-Landung. Zum Kuckuck. du hast Recht. ist zutiefst ehrlich. wofür ich so verdammt . unfairen Streich. hatte jede ihrer Bewegungen erlebt und gehört. lenkte er den Wagen an den Straßenrand. beiden Frauen gerecht zu werden. Erstens Melina. Ironischerweise würde sie genau diese Wahrheit am wenigsten glauben. Zweitens Gillian.« »Oh Gott. Rein biologisch warst du hundertprozentig dabei. Ich wollte mit diesem ganzen Schlamassel nichts zu tun haben. aber freudlosen Lachen.« Sie hatte ihm einen schrecklichen Fauxpas verziehen. Melina. Aber emotional warst du bei Gillian. wo er über den harten Felsboden holperte und knapp dreißig Meter jenseits der Straße zum Stehen kam. das tut mir so Leid. Hätte er gesagt. Schon bei unserer ersten Begegnung in Lawsons Büro hast du mich restlos entlarvt. hätte das ihren Stolz verletzt.« Sie lächelte matt. zur Beruhigung seines Gewissens völlig reinen Tisch mit ihr zu machen.« »Oh ja.« Wieder musterte er sie scharf. Wegen der Presse. Und zu guter Letzt ihm selbst. dass eine einzige Nacht meines Lebens – so toll sie auch war – das Potenzial hatte. dass du heute Nachmittag in Gedanken nur bei Gillian gewesen bist. »Du hast mich durchschaut. Das wollte ich unbedingt vermeiden. ich habe dich angelogen. Leidenschaftlich.« »Anderweitig ja. aber im Stillen und nicht im Scheinwerferlicht der Kameras. Er schüttelte den Kopf. all meine Aussichten zu ruinieren. »Du hast ihren Namen gerufen. dies alles ganz genau klarzustellen. ich weiß es nicht. Und wenn er gesagt hätte.

nachts. »Schau. Warum ich absichtlich meinen guten Ruf. meine Karriere und letztlich sogar mein Leben aufs Spiel gesetzt habe. um dieser Sache auf den Grund zu gehen. was es war.« Sein Händedruck wurde noch fester. Erst am Abend nach Gillians Messe fand ich heraus. genau wie in der Nacht in der Bar an der Greenville Avenue. will ich unbedingt diesen Dreckskerl finden. ehe sie dazwischengehen konnte. als du mich wegen der Kondome gefragt hast. Für sein Leben würde ich meines geben. Melina.« »Melina.« »Das entsprach der Wahrheit. Damals war ihm plötzlich aufgegangen. Alle seine Schutzwälle fielen.« »Oh.« Seine Pause signalisierte. dass er nun zum Kern der Sache kam. Und trotzdem zerrte weiter etwas an mir. streichelte seinen Kopf und flüsterte ihm Tröstliches zu. und ich könne froh und heiter meiner Wege ziehen. »Als Dale Gordon Gillian getötet hat.« Sie schaute in ihren Schoß.« »Also ist es auch gut möglich. ein Kommandant.« Sie streckte die Arme nach ihm aus. Und dieses namenlose Etwas war der Grund. nicht fallen lassen und vergessen konnte.« »Ja. »Da also die entfernte Chance besteht. Dann erklärte mir Lawson.« »Bei mir musst du dir keine Gedanken machen. »Das war eine Lüge. »Du weißt doch. Deshalb habe ich mir eines geschworen: Sollte ich je ein Kind haben. genau wie ihre beruhigende Stimme. dich umzubringen«. Er hörte auf. du verstehst mich falsch. Ihre Brüste waren wie ein weiches Kissen. Sie umarmte ihn fest. Das waren deine eigenen Worte. antwortete sie mit belegter Stimme. einer nach dem anderen. der Fall sei erledigt. jemand anderem die Kontrolle zu überlassen. kein einziges Mal. Gillian stand damals unmittelbar vor dem Eisprung? Trotz Hennings’ Bemerkung in Lawsons Büro ist mir die wahre Bedeutung erst später klar geworden. Ich wäre aus seinem Leben nicht mehr wegzudenken. Während desselben Gesprächs hast du mich gefragt. Es tat gut. dann würde ich da sein. dass Gillian schwanger wurde und mein Kind mit ihr zusammen starb. »Heute auch nicht. ein hoher Militär zu sein.« Er ergriff ihre Hand und drückte sie. ob ich bei Gillian ein Kondom benutzt hätte. hat er möglicherweise auch mein Kind getötet. aber nur teilweise. und er ließ sich an ihre Brust fallen. mein Vater hat mich buchstäblich fallen lassen. Jedenfalls hast du das gesagt. ein VIP. wo sie die Hände fest verschränkt hielt.« Er sah.« Auf einmal überkamen ihn seine Gefühle. dass sie in jener Nacht von mir schwanger geworden ist. Er war wieder der kleine Christopher. wie sie schluckte. Es würde mich kennen und sich darauf verlassen können.« Sie nickte. der das . Und ich habe Ja gesagt. warum er die Tatsache. Ich habe nichts benutzt. dieser Überfall auf dich hätte mit dem Mord an Gillian zu tun. als ich blutend und lädiert zu dir nach Hause kam? Warum ich meine Meinung geändert hätte? Warum ich mich darauf einließe?« »Weil man versucht hat. Deshalb hat man sie an diesem Tag künstlich befruchtet. warum ich nicht nach Houston zurückgefahren bin. »Du dachtest. Er war nur noch eines: ein Mann. dass ich jeden Tag seines Lebens sein Vater bin. und nicht einmal das.hart geschuftet habe.« »Und das war völlig unverantwortlich von mir. und sprach eilends weiter. der dafür verantwortlich ist. Ich habe das alles nur aus einem einzigen Grund angesprochen: Ich wollte erklären. warum ich blieb. »Erinnerst du dich noch an deine Frage. dass er jemals eine Nacht mit einer Frau namens Gillian Lloyd verbracht hatte.

« Er war barfuß. beim Rasieren seinem Spiegelbild gestellt hatte. nicht einmal in Katalogen. »Chief. dass ihre Liebe vielleicht ein neues Leben gezeugt hatte. Du hättest einfach weggehen können. Hancock hatte seit Ritcheys Ankunft am Computer gearbeitet. danke schön. war unendlich gewesen. »Keine Ahnung. den sich Bruder Gabriel um die schlanke Taille gebunden hatte. konnte man ihre Stimme kaum verstehen: »Nur du hättest das gewusst.« »Natürlich. »Wie lange denn noch? Was meinen Sie?« Mr. und als sie sprach. als er erfuhr. Andauernd. was er sich nie gestattet hatte: Wärme und Trost. Möchten Sie auch einen?« »Ich bin im Dienst. Zum zweiten Mal war diese Frage aufgetaucht. an dem er beim Aufwachen gemerkt hatte. Nun drehte er dem Terminal den Rücken zu. Seit er sie an jenem Morgen. Es dauerte nochmals fünfzehn Minuten. Nach einiger Zeit schob sie ihn sachte zurück. Der Schmerz. Vor dieser Antwort hatte er versucht. ehe sich die schwer vergoldete Doppeltür öffnete und Bruder Gabriel aus seinem Schlafzimmer auftauchte. als er in dieser Bar saß und ihm klar wurde. Doch diese Frage war der Grund. Jetzt war er dieses Rennens müde und gestand barsch: »Ja. Etwas anderes?« »Nein. Ihr Gesicht war von Tränen überströmt. danke. Ritchey schoss hoch und drehte nervös seine Hutkrempe in den Händen. Nur heute nicht. weil sie für ihn für immer verloren war. Und dann kam die Frage wieder. diesem Verlangen nachzugeben. Sheriff Ritchey. zu dem er pünktlich erschienen war. nein. das sagten Sie bereits. »Guten Abend.« Aus ihren Augen quollen noch mehr Tränen und liefen über ihre Wangen. so wahr mir Gott helfe. hatte ihn diese Frage verfolgt und davon abgehalten.« »Nein. danke schön. Kann ich Ihnen etwas anbieten?« »Nein. Man hatte einen Termin vereinbart. So etwas Elegantes hatte Ritchey noch nicht gesehen.suchte. Er trug einen Bademantel. Jedes Mal. hast du dich in Gillian verliebt? Hast du dich im Laufe eurer wenigen gemeinsamen Stunden in sie verliebt?« Dieser Frage war er ausgewichen. Ich genehmige mir jetzt einen Cognac. »Wie geht es Ihnen. besonders weil er unmissverständlich angekündigt hatte. Er hatte sich ans Protokoll gehalten und vorher angerufen. mit langen Fransen an beiden Enden des Gürtels.« Im Nu war sein gekränkter Stolz vergessen. sonst niemand. warum er jetzt Schuldgefühle empfand. Er bestand aus Seide.« »Ja. Seine nackten Beine – wunderschöne Beine für einen Mann – waren gebräunt . hätte ich nicht. dass man sie ermordet hatte.« Sheriff Ritchey verlagerte sein Gewicht in dem unbequemen Sessel.« Dann fügte er mit gewisser Schärfe hinzu: »Es ist äußerst wichtig. Es war unverzeihlich. dass sie fort war. wenn sich in ihm lustvolles Verlangen nach Melina geregt hatte. er müsse Bruder Gabriel noch heute Abend sprechen. Bruder Gabriel?« »Außerordentlich gut. Laut seiner Armbanduhr wartete er nun schon über eine halbe Stunde. davonzulaufen.« Dies war weder eine Entschuldigung für seine Wartezeit noch eine Erklärung. das habe ich. schon lange. Und genau diese Nachricht habe ich auch Bruder Gabriel übermittelt. Obwohl er sie ganz genau kannte. dass man ihn so warten ließ.

als ich wieder in meinem Büro war. Bruder Gabriel nahm den von Hancock längst bereitgestellten Cognac-Schwenker entgegen und trug ihn zu seinem Schreibtisch. Gleich am anderen Tag. und legte ihn aufs Knie.« »Sonderagent Tobias.« Er hörte auf. Sie beziehen sich auf den Mord an dieser jungen Frau in Dallas«. was konnte denn nicht bis morgen warten?« Ritchey war vor Verlegenheit knallrot angelaufen. und der Fall damit abgeschlossen.« Perplex warf Ritchey Hancock einen fragenden Blick zu. Verzeihen Sie. oder die Einbuchtung zwischen den Pobacken. Der Mann hätte genauso gut eine . Hancock machte den Sheriff womöglich noch nervöser als Bruder Gabriel. mit seinem Hut herumzuspielen.« »Also. Offensichtlich maß er Ritcheys Angelegenheit größere Bedeutung zu als seiner bisherigen Tätigkeit. der Kommissar sei mit Ihrer Erklärung zufrieden gewesen. hoffe ich. In Begleitung eines FBI-Agenten. Zum Ausgleich bekomme ich aus erster Hand umgehend jedwede Information. Also.« Bruder Gabriel warf Mr. oder? Sie bleiben so lange Sheriff. wo er Platz nahm und träge ein langes Bein übers andere schlug. Sir. dass die Sache auch wirklich so dringend ist. Ich war im Bett. Hancock mitgeteilt. »Da Sie mich aus meinem Bett gezerrt haben. Wie kann man einem Mann trauen. was liegt denn diesmal an?« »Dasselbe wie beim letzten Mal.« »Ich dachte nicht. Ritchey versuchte geflissentlich. die deutliche Ausbuchtung seines Gliedes zu übersehen. Dennoch war Ritchey über so viel Schamlosigkeit eher erstaunt als verletzt. »Leider.« »Haben Sie nicht.« »Sie haben mit dem Ermittlungsbeamten gesprochen?« »Genau. Ritchey starrte darauf. dass Sie schon so früh im Bett sind. die mich beziehungsweise meine Kirche betrifft. aber geschlafen habe ich nicht. womit er sich wieder dem Anlass des Besuches widmete. Der Seidenmantel verbarg kaum etwas. Dieser Mann war unter seinem Mantel splitterfasernackt.« Bruder Gabriel trank einen Schluck Cognac und ließ ihn mehrere Sekunden genüsslich auf der Zunge wirken. der so etwas tat.« »So hatte man mir gesagt. wie Sie sagten.und muskulös.« »Hinterher haben Sie Mr. »So hatten wir das doch vor sieben Jahren vereinbart. »Dann hat mir heute Nachmittag eben jener Mordkommissar Lawson einen Besuch abgestattet. dass darin ein Mann verwickelt war. wie Sie’s mir aufgetragen hatten. ehe er schluckte. Sheriff Ritchey. »Ich vermute. der sich als einer meiner Jünger ausgegeben hat?« »Ich habe alles wortwörtlich wiederholt. wie sehr ich es bedaure. der eine Blume im Knopfloch trägt? Der einzige andere Mann in ganz Lamesa. »Wenn ich der Meinung wäre. wenn ich Sie geweckt habe. Allein bei diesem Gedanken wurde Ritchey unwohl. wie Sie wollen. als er ihm den Rücken zuwandte. Ich halte mich an meinen Teil.« »Sie haben ihm mitgeteilt. würde ich Sie nie und nimmer belästigen.« »Jawohl. sagte Bruder Gabriel. Hancock rasch einen Blick zu. Daraufhin ließ der Assistent die umfangreiche Computerdatei sein und bezog am Rande von Bruder Gabriels Schreibtisch Stellung. während der Prediger ungeniert durchs Zimmer lief. so hatten wir es vereinbart. das hier hätte bis morgen Zeit. war der Bestattungsunternehmer.

zu der Gordon und Hennings. um nach der Zwillingsschwester des Mordopfers zu suchen.« Wieder herrschte lange Schweigen. Das Einschenken ging so gekonnt vor sich. Ritchey hatte verstanden und wiederholte wortwörtlich sein Gespräch mit Lawson und Tobias. er möge nachschenken. sagte Bruder Gabriel. Wenn es hieß. Dann sah er zu. Trotz seines Räusperns klang seine Stimme dünn. Kontakt hatten. was ist nun mit Ms. bei Ihrer Kirche. Am Schluss benetzte er nervös seine Lippen. dass sich diese Frau aus ihren eigenen unlogischen Gründen an mir rächen will. »Bruder Gabriel. vermutete Ritchey. dass ich ein wenig nervös werde.« Es dauerte mehrere Augenblicke. so lange Mr. fügte der Prediger hinzu: »Sie sind nicht meine einzige Informationsquelle. wie ihm unter den Achseln und im Schritt der Schweiß ausbrach. und nun war es so weit. bei allem Respekt muss ich Ihnen doch mitteilen. die Antwort läge bei Ihnen bzw. Bruder Gabriel rollte den Schwenker zwischen den Händen.Marmorstatue sein können. Offensichtlich nicht. Melina Lloyd hat das alles ziemlich mitgenommen und glaubt. wenn das FBI ins Spiel kommt. sie sei auf dem Weg hierher und würde eventuell etwas Verrücktes tun. Sich rächen oder so. Millionen Jünger betrachteten ihn als Heiligen. Sheriff Ritchey. wo sie künstlich befruchtet wurde. dass es in ihm tobte. »Weil er der Meinung ist. ohne mit der Wimper zu zucken.« Bruder Gabriel lachte in sich hinein. was ein Verrückter ihrer Schwester angetan hat. warum ist er dann mit dieser Warnung nicht direkt zu mir gekommen?« »Weil…« Vor diesem Punkt hatte sich Ritchey gefürchtet. Schließlich sagte er: »Mich macht nur eines neugierig: Warum ist das FBI zuerst zu Ihnen gekommen? Wenn Tobias ernsthaft glaubt. bin ich nicht in Panik. Als läse er seine Gedanken. »Nicht direkt. »Das hat Tobias gesagt?« Ritchey hatte das Gefühl. »Rache? An mir? Weswegen? Sie gibt doch wohl nicht mir die Schuld an dem.« »Sie kamen hierher. und damit haben Sie wegen nichts meinen Abend gestört. dass es nicht einmal plätscherte.« »Melina Lloyd«. Ritchey wartete. dass ihre Schlüsse möglicherweise richtig sind. Nur am kalten Glitzern seiner Augen merkte man. Zu seiner Überraschung musste Ritchey feststellen. Hancock die Karaffe holen ging. Dann wandte sich der Sheriff wieder zu Bruder Gabriel und fragte: »Woher wissen Sie das?« »Weil er mit mir für morgen einen Termin vereinbart hat. nun dürfe er wieder unbesorgt atmen. Daraus konnte man leicht erkennen.« Der Prediger winkte seinem Assistenten. um den Cognac . legte seinen Zeigefinger an die Wange und lauschte erwartungsvoll. schmiegte das Kinn in die Hand. oder? Ihre Eile war unnötig. Wie Sie sehen. als Propheten. Lloyd? Was hat Ihnen Tobias erzählt?« »Er vermutet. Sir. der Verlobte. Bruder Gabriel regte sich nicht und zeigte äußerlich auch keine Anzeichen von Besorgnis. bis Bruder Gabriel das alles verdaut hatte.« »Nein. er sei in mehrere Mordfälle verwickelt.« Bruder Gabriel stützte seinen Ellbogen auf die gepolsterte Sessellehne. Außerdem wurde gestern Abend Gillian Lloyds Verlobter erschossen. aber er hat eine Menge Suggestivfragen gestellt. käme das sicher nicht gut an. Anscheinend hat sich Dale Gordon Gillian Lloyd nicht zufällig ausgesucht. wie die goldene Flüssigkeit tropfenweise aus der Karaffe in den Schwenker glitt. Er spürte. was er im Schilde führt. Er kannte sie über eine gynäkologische Klinik. dass Bruder Gabriel auch über sie Bescheid wusste.« »Also. als Erlöser. Seine langen Finger glitten über das geschliffene Bleikristall. Vor Wut. Tobias vermutet dahinter einen Profikiller.« »Auf der Jagd nach Antworten hat sie in Dallas jede Menge Unruhe gestiftet.

rief Bruder Gabriel. wie schon gesagt. Nein. mein Schatz. wobei sein Blick zu einem Punkt hinter Ritcheys Schulter wanderte.« »Und Lawson?« »Sieht aus und benimmt sich wie ein ehemaliger Boxer. »Mit anderen Worten: Damit wäre Ihre Loyalität zu mir einer Probe unterworfen. durch die das Licht schimmerte. wo Sie’s am wenigsten vermuten.zu erwärmen. Sie wird dort auftauchen. die schon herum geschnüffelt und Fragen über das Leben hier oben auf dem Gelände gestellt haben. ist Folgendes: Wenn es hart auf hart kommen sollte. Bei Regierungsagenten kann ich mich nicht so … so vage ausdrücken wie bei anderen Leuten. Sheriff Ritchey? Weshalb sind Sie nervös. »Ist er ein Schlauberger oder ein Dummkopf?« »Ganz gerissen. Weil auch ich meine Interessen schützen muss. »Schildern Sie mir Tobias«.« Er schaute zu Hancock hinüber. Mary«. Ich habe meine Hilfssheriffs angewiesen. ohne selbst den Kopf zu riskieren. »Natürlich tue ich das. Haben Tobias und Lawson Colonel Hart erwähnt?« Ritchey schüttelte den Kopf. Das verstehe ich nur allzu gut.« Bruder Gabriel hielt den Schwenker gegen die Schreibtischlampe und ergötzte sich an der Cognacfarbe. jedes Motel im Bezirk zu kontrollieren.« Mit einem selbstgefälligen Lächeln strich sich der Prediger übers Kinn. »Komm her. Diese Leute lassen sich nicht an der Nase herumführen. »Was meinen Sie mit dieser Aussage genau. »Wer ist das?« »Ah. ich decke jemanden… Was ich damit sagen will. Wenn die zu der Überzeugung kommen. müsste ich meine eigenen Interessen schützen. Sicher werden Sie das verstehen.« »Nein.« »Anscheinend bereitet sie ihnen große Sorgen. Ist nicht so raffiniert wie Tobias. Sir. wenn das FBI ins Spiel kommt?« »Nun… Ich meine… dass ich mich nicht allzu weit vorwagen kann. der sofort auf einen stummen Befehl reagierte. sagte Bruder Gabriel im Plauderton. das Zimmer durchquerte und durch die goldene Doppeltür Bruder Gabriels Schlafzimmer betrat. dass sie wie Topf und Deckel zusammenpassen und schon sehr gespannt sind.« Bruder Gabriel lächelte. Sie haben meine Loyalität. wo Melina Lloyd auftauchen wird.« . ist wachsam und todschick gekleidet. Aber…« »Was aber?« »Aber hier ist vom Federal Bureau of Investigation die Rede. Das wissen Sie. Spricht leise.« »Sie ist unglaublich klug. »Ich wette. ob sie irgendwo eincheckt.

dass ich ihn gegen einen passenderen eingetauscht habe. Ihr dunkler Lockenschopf war zerzaust. dann wanderten seine Finger streichelnd zu ihrer Brust. »Selbstverständlich war ihr ursprünglicher Name nicht Mary. »Mary ist schon im zarten Alter zu mir gekommen. Am liebsten wäre er davongerannt. dass der Nabel hervortrat und sich unter dem Stoff abzeichnete.« »Offen gestanden. ihr Bauch so überdehnt. So habe ich sie nach ihrem Eintritt in den Tempel getauft. Nicht wahr. Die offenherzige Kleidung des Mädchens und die damit zur Schau gestellten Andeutungen stießen ihn ab. Dasselbe Mädchen hatte er in dieser Woche schon einmal gesehen. »Natürlich hat es auch einen Nachteil. wie reizend es aussehen wird. merkte Bruder . In blindem Gehorsam protestierte sie nicht und zeigte auch keinerlei Schamgefühl. Sheriff. erinnern Sie sich noch?« »Oleta. geschweige denn nicken. statt zu bleiben und deren totale Zerstörung zu erleben. »Ein Hinterwäldlername. Er hatte es nicht einmal bemerkt. war darunter aber genauso nackt wie er. Das hat sich für uns beide ausgezahlt. Bruder Gabriel. sehr vorsichtig und sanft behandeln. wenn das Baby an diesen Brüsten saugt?« Ritchey brachte keinen Ton mehr heraus. warum sich der Prediger schon am frühen Abend zurückgezogen hatte.« Spielerisch tippte er gegen ihren Schmollmund. Auf keinen Fall darf das Kind in Mitleidenschaft gezogen werden. Der Bademantel betonte ihre Schwangerschaft noch mehr als die Schuluniform. Nicht wahr. Sie trug einen weißen und viel schlichteren Bademantel als Bruder Gabriel.« »Oleta?« Bruder Gabriel stieß ein hässliches Lachen aus. die sie bei seinem letzten Besuch hier getragen hatte. »Wegen ihrer fortgeschrittenen Schwangerschaft musste ich sie sehr. dass Mary schon so lange hier ist«. »Können Sie sich vorstellen. genauso offensichtlich war sie der Grund. Mary?« »Ja. Hancock. Wie hast du denn vorher geheißen?« Sie hob die Schultern. Mary?« Er strahlte das Mädchen an. Wie damals zog Bruder Gabriel sie auf seinen Schoß. Sein Hut war zu Boden gefallen. Ihre Brüste waren schwer. Offensichtlich kam sie geradewegs aus Bruder Gabriels Bett. wie Bruder Gabriel das Mädchen tätschelte. weshalb ich heute Abend nur ungern mein Bett verlassen habe. hat sie sich heute Abend ein wenig über mich geärgert.« Ritchey konnte nicht antworten. Er und Mr. daher konnte ich sie angemessen ausbilden. Eine unangenehme Erinnerung an meine Jugend. sondern schnurrte sogar wie ein Kätzchen. Kein Wunder. Ihre Aufmerksamkeit galt einzig Bruder Gabriel. aber er hatte ihn nicht aufgehoben. »Mr. Sie nahm keinen von ihnen zur Kenntnis. Er wollte sich verzweifelt an seine Illusionen über Bruder Gabriel klammern. Mit wachsendem Ekel sah er zu. Bruder Gabriel streichelte die rosigen Mädchenwangen.« Er spielte mit einer dunklen Locke des Mädchens. ihre Wangen gerötet. 36 Noch im Umdrehen erkannte Sheriff Ritchey sie wieder. Hancock hätten ebenso gut abwesend sein können. »Nun sehen Sie.

»Jetzt aber marsch. ehe sie sich umdrehte und wieder ins Schlafzimmer ging. Offensichtlich war es nun so weit. Ich bin gleich bei dir.« Sie rutschte von Bruder Gabriels Schoß. Sheriff: Ich werde die meinen zu schützen wissen.« Am Hügelkamm tauchte ein Auto auf. Und wer rollte schon ohne Licht den Hügel herab? Die Armee hatte Longtree zu einer Zeit nach Vietnam geschickt. das FBI zu unterstützen.« Dann rieb er sich geschäftsmäßig die Hände. dass Sie diesbezüglich nichts befürchten müssen. Nach ihrer langen Zeit hier wäre sie anderswo eine Ausgestoßene. Ihre kleine Hand verschwand zwischen den Falten seines Seidenmantels und begann. Aber wenn er käme. bei dieser Nervensäge Melina Lloyd. Seien Sie versichert. Außerdem. Er war zu alt. »Sie sagten. Die Szene widerte ihn an. wenn Sie Ihr Gewissen wieder plagt oder Sie die Verpflichtung verspüren. Jetzt verspürte er wieder den vertrauten Adrenalinstoß. Nach Einbruch der Dunkelheit befuhr nur gelegentlich ein Fahrzeug diesen einsamen Straßenabschnitt. Sheriff«. »Möchten Sie dieses reizende Mädchen den Wölfen vorwerfen? Darüber sollten Sie das nächste Mal nachdenken. Aber die Feinde unserer Kirche würden sie in einem ganz anderen Licht betrachten. in seinem Kopf dröhnte es laut. Er hatte den Nahkampf erlebt und sich als guter Soldat bewährt. der Sender würde ihre Verfolger hierher bringen. Und doch konnte er seine Abscheu nicht offen zeigen. Mit einem leisen Auflachen schob Bruder Gabriel ihre Hand weg und küsste sie. hatte man ihn verhaftet und vielfach eingesperrt. Aufmerksam hatte Dexter Longtree gewartet. Seufzend sah Bruder Gabriel sie gehen. was aber sowieso egal war. kein Ende. zurück ins Bett. Tief tauchte die Zunge des Mädchens in den Mannesmund und kam wieder hervor. »Was für ein anbetungswürdiges Kind. wie hatte er Melina erklärt? Sein Schicksal lag nicht in den Händen bezahlter Killer. »Ade. Ritchey war speiübel. Der Tod war lediglich ein Durchgangsstadium.« Er unterbrach seine Beschäftigung mit Marys abnormer Brust und schaute über seinen Schreibtisch zu Ritchey hinüber. die nach friedlichen Anfängen in Gewalt mündeten. auch wenn er ihn nicht direkt umarmen wollte. Dieses Problem wird bereits während unserer Unterhaltung gelöst. um sich vor dem Tod zu fürchten. plapperte sie mechanisch. wo waren wir stehen geblieben? Ach ja. Mit Angst hatte das nichts zu tun. breitete er die Hand über den Bauch des Mädchens und streichelte ihn zärtlich. Und so begabt für Fellatio. das man lieben und ehren sollte. Sheriff Ritchey. Eines verspreche ich Ihnen. wurde langsamer und rollte dann nach unten. »Nun. Ein Jahrzehnt später hatte er in den Staaten einen anderen Kampf ausgefochten und sich an den Demonstrationen der amerikanischen Indianerbewegung gegen die Regierung beteiligt. den er in den Dschungeln Südostasiens oder in den Hallen amerikanischer Regierungsgebäude erlebt hatte. ihn heftig zu streicheln. und dann lauf. Für die Teilnahme an Protestmärschen.« Damit hob er Marys Kinn und küsste sie leidenschaftlich. Nasskalter Schweiß brach ihm aus. Sie müssten Ihre Interessen schützen. »Die Uneingeweihten würden ihr Leben im Tempel falsch verstehen und sie verunglimpfen. würde er sich nicht allzu sehr dagegen wehren. Sie gäben ihr hässliche Namen und würden entsetzlich über sie sprechen. Andernfalls hätte er seine sexuelle Beziehung zu diesem Mädchen nicht so schamlos vorgeführt. Melina und Hart hatten befürchtet. Sag dem Sheriff ade. So ein lieber Charakter.« Ohne Ritchey auch nur eine Sekunde aus den Augen zu lassen. denn offensichtlich scherte sich der Prediger keinen Deut um seine Meinung. obwohl er die Grundidee des Krieges verachtete. .Gabriel nebenbei an. Wer könnte ihren Alltag hier begreifen? Bei jedem Hinsehen scheint sie mir wie ein heiliges Gefäß. als man noch von einem Konflikt sprach und Kämpfe als Geplänkel bezeichnet wurden.

Melina Lloyd und Christopher Hart drinnen zu finden – und keine stinkenden Kuhfladen. . Nicht. Obwohl Longtree den Wagen nicht mehr sehen konnte. wenn der Mond. Das waren die Männer. bis sie links und rechts neben der Tür standen. Bei genauerem Hinsehen machte er zwei Männer aus. wie einer zu denken. Nahkämpfe von Mann zu Mann waren den Jüngeren und Stärkeren vorbehalten. Aus den Wohnzimmerfenstern drang kaltes Blaulicht. Aber diese Männer würden nicht ins Haus gehen. damit sie ihn im Dunkeln besser finden konnten. In weiser Voraussicht hatte er drinnen im Schuppen eine Laterne brennen lassen. wo sich Männer auf sie stürzten. die er sich vorher als günstigen Aussichtspunkt gewählt hatte. Sie hatten erwartet. Er kannte die nächtlichen Geräusche und konnte sie unterscheiden. hörte er. Er verfügte über eine ausgezeichnete Nachtsicht. dass der Fernseher lief. wo er den Sender versteckt hatte. war er außer Atem. Sein Herzschlag beschleunigte sich leicht. Gedämpft konnte er den Ton einer Krankenhausserie hören. wie sich die beiden Männer gegen die äußere Schuppenwand pressten und daran entlang schoben. Unter Longtrees wachsamen Augen berieten sie sich leise im Schatten eines Wassertrogs direkt in der Pferdekoppel und entfernten sich dann in Richtung Schuppen. Manchmal zahlte es sich tatsächlich aus. Nur er bekam auf diese Weise einen besseren Eindruck von ihnen. die erst zögerten und sich dann im Schutz der Schatten langsam geduckt ans Haus anschlichen. aber leise. ein Zeichen. Einer ein Schwarzer. Drinnen hatte Longtree jedes Licht brennen lassen. wurde ihm die Rolle des Beraters zugewiesen. murmelte er. Als das Auto sein Einfahrtstor erreichte. So stolperten sie wieder ins Freie. jedenfalls nicht gleich. nur als schmale Sichel zu sehen war. kroch er aus seinem Versteck hinter dem Brennholzstapel und folgte ihnen. Er atmete tief. an diesen Felsbrocken gelehnt. Alte Männer durften sich nur selten an heldenmutigen Kämpfen beteiligen. dass er diesen erregenden Nervenkitzel vermisst hatte. Keine zehn Meter von ihm entfernt gingen sie vorbei. Es tat gut. wie Hart vermutet hatte. Er wartete mit der Geduld eines verwitterten Felsens. Trotzdem hatte er sich nie lebendiger gefühlt als jetzt. Hustend rangen sie nach Luft und versuchten. Heute Abend verschluckte kein Wind das Geräusch. wenn sie tatsächlich über ein so raffiniertes Spurensuchgerät verfügten. Als Longtree zu der Stelle kam. Erst nach ungefähr vierhundert Metern hielt es an. »Gute Taktik«. dann stürmten beide mit gezückten Pistolen hinein. bremste es ab. Aber er war Indianer. der ungefähr zweihundert Meter hinter dem Haus lag. Auch wenn einer als guter Stratege bekannt war. die Longtree dort vor dem Verkauf als Dünger lagerte. Der andere trat die Tür ein. Binnen weniger Minuten registrierte er eine Bewegung in Tornähe. Plötzlich drangen überraschte Rufe und laute Flüche durch die stille Nacht. Erst jetzt erkannte er. Vielleicht verfügten diese Männer über eine High-Tech-Ausrüstung. Er beobachtete. fuhr dann aber vorbei. Als sie ein gutes Stück an ihm vorbei waren. wieder auf dem Schlachtfeld zu stehen. wie der Motor ausging. die Fladen von den Schuhen zu stampfen. der andere weiß. Auf diesem Stück Land hatte er sein ganzes Leben zugebracht. Einer gab ein Zeichen. Sie würden Melina im Schuppen suchen. Wegen ihrer Tarnung benötigten sie fast fünf Minuten für die Strecke zwischen Haus und Schuppen. die flach auf dem Schuppendach gelegen hatten und nur auf die Gelegenheit zum Losschlagen warteten. ohne seine Gegenwart auch nur im Geringsten wahrzunehmen. vielleicht besaßen sie die rasiermesserscharfen Instinkte und Fähigkeiten professioneller Mörder. so wie heute. ein. ein echter Vorteil. Aber auch ein Sturm hätte keinen Unterschied gemacht.

bei dem selbst Longtree zusammenzuckte. Aus versteckten Lautsprechern ertönte klassische Musik. riss man sie in die Höhe. dass die Musik gelegentlich von seiner Stimme unterbrochen wurde. ehe ihn ein junger Mann mit einem markerschütternden Schrei. Er hatte die mentale Entwicklung dieser Kinder Experten anvertraut. Das Beisammensein mit Mary. »Halt’s Maul«. Diesen Satz wiederholte er drei Mal. »Ich sagte: ›Ihr steckt bis zum Hals in der Scheiße. und es entpuppte sich wider alle Hoffnung als nicht so intelligent und körperlich überragend. ihn in einen gemütlichen und bequemen Raum zu verwandeln. an der sie tragischerweise auch starben. Bunte Illustrationen zu Kinderliedern zierten die Wände. »Was sagt er da?« Longtree warf einen Blick auf ihre dreckigen Schuhe. seine Babys aufzusuchen. zu Boden warf. Trotzdem überwachte er persönlich jeden Schritt und stellte erfreut fest. nicht so fest. bis der Schwarze schließlich schallend loslachte. Longtree sagte etwas in seiner Muttersprache zu ihnen. Sogar der Schwarze war etwas kleinlauter geworden. rief der Weiße mit zittriger Stimme. Zufällig neigten all diese Kinder zu Lungenentzündung. die am besten wussten. dass man keinerlei Respektlosigkeit tolerierte. an deren reifem Körper er sich ergötzt hatte. Seines Erachtens ein brillanter Einfall. . Aus der Dunkelheit kam eine Lanze geflogen und bohrte sich nur wenige Zentimeter von ihren Füßen entfernt in die Erde. flüsterte der Weiße seinem Partner mit aufgeregter Kieksstimme zu. aber doch hart genug. Longtree trat hinter seinem Felsblock hervor und näherte sich gravitätisch. auf denen er ein Kinderlied rezitierte oder ein Wiegenlied sang. Leider traten trotz bester Vorsorge seinerseits und trotz sorgfältigster Vorauswahl. wo sie noch eine Weile bedrohlich schwankte. hatte man weder Kosten noch Mühe gescheut. bei einzelnen Kindern gelegentlich genetische Mängel auf. der jede Mutter unterworfen wurde. Obwohl der Säuglingssaal so hygienisch rein wie ein Kliniklabor war. ehe sie still stand. legte ihnen rücklings Handschellen an und schob sie nach vorne. während er unsanft auf dem Weißen zu liegen kam. Longtree baute sich vor dem Duo auf und sagte unerträglich lange keinen Ton. Heute hatte er sich für einen Besuch im Säuglingssaal entschieden. Kaum waren die beiden entwaffnet. nur zur Show. »Zum Teufel. blindlings noch ein paar Salven aus seiner halbautomatischen Pistole abzufeuern. dass seine Stimme für jedes Baby so früh wie möglich zum integralen Bestandteil des Unterbewusstseins wurde. befahl der Schwarze. wenn sie im Bett lagen. Er hatte seinen prächtigsten Kopfputz aufgesetzt. »Was sagt er da?«. Die Jungs hatten ihren Spaß. Ein anderer feuerte sein Gewehr in den Nachthimmel ab. Temperatur und Feuchtigkeit wurden konstant reguliert. wie man ihre jungen Gehirne stimuliert und ihre Lernkapazität steigert. versetzte ihn in die Stimmung. wer bist du denn? Geronimo?« Einer der Jungs rammte ihm seinen Flintenlauf in die Niere. Aber Bruder Gabriel machte gerne einen Rundgang durch die Räume. Man spielte Bänder ab. Beim Näherkommen sah er.‹« Die meisten Kinder im Schlafsaal schliefen schon. An den Bettchen hingen Mobiles und anderes interaktives Spielzeug. Der Schwarze schaffte es. dass die Einschüchterungstaktik wirkte. um ihn zur Räson zu bringen und ihm klarzumachen. »Heiliger Strohsack«. Er wollte. dass er ernsthaft verletzt wurde. aus reinem Spaß.

sobald bei Mary die Wehen einsetzen. wie gerne stellte er sie sich als Jugendliche mit kräftigen Gliedmaßen und hübschen Gesichtern vor. Hancock holen zu lassen. dass Sie es gar nicht schätzen. Im Grunde genommen besichtigte er den Säuglingssaal lieber dann.« »Und falls Sie einmal den Kinderschlafsaal überstürzt räumen müssten –« »Diesen Fall haben wir schon oft geübt. die bereits krabbeln und gehen konnten. Sie würde alles tun. dass er ganz verlegen wurde. Ihr hingebungsvoller Eifer für den Großen Plan stand außer Zweifel. Als sie nach ihrer Ausbildung hörte. könnten die Kinder sofort umgesiedelt werden. wenn er sicher sein konnte. Sie errötete. »Bruder Gabriel. Bruder Gabriel. aber das hier hielt ich doch für wichtig. Der Gedanke.« Als er die Anspannung hinter Mr. Er durfte nicht vergessen. Für den Großen Plan war sie zu alt. Die nackte Anbetung strahlte aus ihren Augen und machte sie hübscher. Sollte je eine Invasion unserer Feinde drohen. Ich weiß. dass sie in Zukunft als leitende Pflegeschwester für die Babys zuständig sein sollte. Wenn ihm ein Wesen nicht mehr nützlich war.« »Sie machen Ihre Arbeit ausgezeichnet. aber vielleicht sollte er ihre Loyalität vergelten und sie dadurch zu noch mehr anspornen. »Ich möchte benachrichtigt werden. Begeistert hatte sie auf die Aussicht reagiert.« Mr. Hancock war auf seine übliche unaufdringliche Art näher getreten. Dann ging er zwischen den Bettchenreihen herum und berührte ein jedes liebevoll.« Er streichelte ihre Wange. »Verzeihung. »Das ist für Marys Baby«. »Sie bekommt ein Mädchen. bis sie die nächste Stufe erreicht hatten und zu denen stießen. um ihn zufrieden zu stellen. Allein beim Gedanken daran musste er lächeln. als Bruder Gabriel ihr Eifer für seine Kirche zu Ohren kam. wenn er keine schmutzigen Windeln oder Erbrochenes oder grundloses Jammern ertragen musste.« »Selbstverständlich. wenn man Ihre kostbare Zeit bei den Kindern stört. Voraussichtlich in zwei Wochen. Aber über diese Unglücksfälle grübelte er nicht mehr nach. Hancocks Stimme bemerkte. als sie tatsächlich war. als er den Tod von Dale Gordon oder Jem Hennings betrauerte. wobei er sich an das Deckenfresko der Sixtinischen Kapelle erinnerte. eine Zusatzausbildung zur Säuglingsschwester zu bezahlen. erklärte Dorothy Pugh ehrerbietig. hatte sie ihn derart mit Dankbarkeit überschüttet. Er mochte sie am liebsten sauber und still.« »Das wurde mir berichtet. dass sie wie Ebenbilder seiner selbst aufwüchsen. sie demnächst durch Mr.« »Dieses Bettchen steht für das Baby bereit. wie gerne verglich er seine große Hand mit ihren Körperchen. im Tempel zu leben und zu arbeiten. Beruhigt überließ er die Kinder so lange ihrer Obhut. Wie gerne spürte er ihre weiche Babyhaut. Er beobachtete sie so gerne im Schlaf. Bruder Gabriel. Er ging von Bettchen zu Bettchen und schenkte jedem Kind seine Liebe und Fürsorge. die im Rahmen des Großen Plans geboren worden waren. Ihre Missionsarbeit war eindrucksvoll. dass die meisten Babys schliefen.« Dorothy Pugh hatte als Schulschwester in einem Schulsprengel von South Dakota gearbeitet. die ihm seit seinem Eintritt nicht von der Seite gewichen war. Als er zu einem leeren Bettchen kam. Er hatte Kontakt mit ihr aufgenommen und sich erboten. wandte er sich an die Dienst habende Kinderschwester. auf dem Gott seinem eindrucksvollsten Geschöpf die Hand entgegenstreckt: Adam. Jedenfalls hatte er im Beisein anderer so getan. gefiel ihm. strich er es radikal aus seinem Gedächtnis. Sie hatte ihm zahllose Konvertiten zugeführt. wann immer sie entbindet. waren alle Gedanken an einen .

was ist mit Ihnen los?« »Ich sage doch lediglich –« »Dass ein bewaffneter Mann vermisst wird.« »Herrentoiletten?«. In Bälde würde er Geschichte schreiben. An der Wache in der Eingangshalle ist er nie vorbeigekommen.« »Natürlich besteht kein Anlass zur Sorge«. Eigentlich sollte sich jemand seines Formats nicht den Kopf über Spinner zerbrechen. Nun wartete er auf die Mitteilung. dass man ihn findet. Er soll nicht nur ein wachsames Auge auf Tobias und Lawson haben. Ich habe ihm seinen Marschbefehl höchstpersönlich erteilt. Hancock runzelte die Stirn. Bruder Gabriels Abend zu verderben. Und doch war es ihm gelungen. und wunderte sich längst. Der wüsste nicht einmal dann.« »Und wo steckt er dann?« »Die Männer vom Wachdienst überprüfen momentan sämtliche Herrentoiletten. »Hancock. rief Bruder Gabriel aufbrausend. die ihm grollten.« »Jawohl. ein Schleimer.« Vor Ritchey hatte er keine Angst. wenn er ihn persönlich am Wickel hätte. wie korrupt er war. ob er auf einer Toilette sitzt.« »Bitte. Bruder Gabriel.« »Aus Ihren Räumen. um ein Leck zu finden. Mr. die sich um Körper und Geist gleichermaßen kümmerten. in Ihrer Nähe zu bleiben und Sie nicht aus den Augen zu lassen. Er besaß keinerlei Rückgrat. Außerdem hatte er bewiesen. die uns auf einen Blick verraten können. sondern auch aufpassen. »Man braucht doch keine Stunde.erotischen Abend mit der Schwester wie weggeblasen. Mr. »Der Streifenwagen des Sheriffs steht noch immer auf dem Parkplatz. Er winkte seinen Assistenten in den Flur hinaus. Trotzdem hatte er sich für sein Verschwinden einen verdammt unpassenden Zeitpunkt ausgesucht. der von Kinderlachen und den Stimmen ihrer Betreuer widerhallte.« »Aber er ist doch schon vor einer halben Stunde weg. FBI-Agenten und Raumfahrer Pissnelken und Fliegendreck. obwohl er wichtige Dinge zu erledigen hätte. Weltbedeutung zu erlangen. Sheriff Ritchey stand in der Nahrungskette so weit unten. mir zuliebe. »Als reine Vorsichtsmaßnahme habe ich diesen beiden Männern Anweisung erteilt.« »Ach.« »Das ist unnötig. Dann wäre sein Name unsterblich. warum Joshua und sein Partner so lange brauchten. Sir. dass man sich ihrer bemächtigt hatte. dass Sheriff Ritchey die Siedlung verlassen soll?« »Selbstverständlich. fauchte er. ohne dass er dafür den Märtyrertod hätte sterben müssen. pflichtete er ungeduldig bei. Tagsüber strömte durch das Deckenfenster heller Sonnenschein in den breiten Zugang zur Halle. Nun lag er verlassen im Dämmerlicht da. dass man ihn getrost vernachlässigen konnte. Im Vergleich zu ihm und seiner Bedeutung für die Zukunft der Menschheit waren sogar Mordkommissare. Er stand weit über den Melina Lloyds dieser Welt. als er Bruder Gabriels Tauschgeschäft akzeptierte. Und das. Hancock hielt ein Walkie-Talkie in der Hand. schon gut«. Außerdem gibt es dort überall Kameras.« Hancock winkte zwei Wächter nach vorne. »Hatten Sie vereinbart. dass sie sich tatsächlich in New Mexico befanden. Alvin Medford Conway stand kurz davor.« »Sicher besteht kein Anlass zur Sorge. was Stolz ist. wo Melina Lloyd und Hart auftauchen. Er war aufs Äußerste geladen. Der Kerl war ein Feigling. Flankiert von zwei bulligen Wächtern machte er sich auf den Rückweg in seine Privaträume.« Längst hatte ihm Joshua mitgeteilt. »Ich will. .

Und das konnte man nicht dulden. .

Die Wohnbezirke bestanden aus kleinen Ansammlungen von Häusern.« »Was?« . einen Supermarkt und eine Apotheke. die ringsherum verstreut lagen. und belegte vier Hektar am Stadtrand. wie hungrig ich bin. aber zu sehen gab es dort ohnehin nicht viel. Trotzdem wurden Burger. wollte sie wissen. in der gerade mal ein Ofen Platz hatte. »Mit dir auszugehen. Chief sah die unumgängliche Bank.« Ohne sie zu fragen. »Danke. Auf seinem Gipfel lag ihr Ziel: der Tempel. von der Vorschulstufe bis zur Abschlussklasse. Huhn und Tacos angeboten. hast du schon mal frittiertes Brot gegessen?« »Was ist das?« »Köstlich. würde Spaß machen. Chief versuchte. Bei Marta’s konnten sich die Damen von Lamesa ihre Haare und Nägel richten lassen und gleichzeitig frittiertes Indianerbrot kaufen. dass du nicht so zimperlich bist. Lamesa vor Einbruch der Dunkelheit zu erreichen. die sich wie an einer Wäscheleine links und rechts der Bundesstraße hinzogen. Die öffentliche Schule umfasste alles. von der sie einen freien Blick auf den Berg hatten. Ein Wohnmobil hatte man zur öffentlichen Bücherei umgewandelt. dass ihr nicht der Sinn nach Essen stand. was für ein Ausdruck! Ich bin schockiert. wenn sich ein Mann wie ein Mann benimmt. Dabei fällt mir ein.« »Du? Der ungekrönte NASA-Champion für derbe Sprüche und obszöne Flüche?« Er grinste. hausgemacht. Sie aßen in der Fahrerkabine des Pick-ups.« »Lachst du. Sie hatte nur noch Augen für den Berg. was sie essen wolle. Ein einzelner Mensch war hier für alles zuständig: Der Mann an der Kasse nahm nicht nur seine Bestellung entgegen. meinst du wohl.« Er grinste noch mehr. ein ungutes Gefühl abzuschütteln. die gleichzeitig als Friseursalon diente. der sich am westlichen Stadtrand aus der Wüste erhob. »Was ist?«. und fragte Melina. Außerdem gab es ein einziges Motel. An diesem Abend stand auf dem Parkplatz ein einsames Auto.« Chief zerstieß mit seinem Strohhalm das Eis im Trinkbecher. »Melina. Reiner Männerjux. Das anzügliche Quietschen am Plastikdeckel brachte ihn zum Lachen. »Mir ist alles recht. eine Poststelle. 37 Sie hatten es nicht geschafft.« Er stieg aus und trat ans Fenster. Du weißt es zu schätzen. weil es wie ein Furz klingt?« »Melina. »Wie schön. sondern frittierte auch panierte Hähnchenstücke und Kartoffelscheiben und reichte sie Chief danach durchs Fenster. »Ketchup? Salz?« Er bot Melina je ein Tütchen an.« »Wie ein kleiner Junge. »Nichts. Das Zentrum bestand aus ein paar Geschäftshäusern. blieb er an einer Imbissbude stehen. das Reisenden mit blinkender Neonschrift ›Zimmer frei‹ signalisierte. »Longtrees Frühstück ist aufgebraucht.« Trotz Melinas Nicken wusste er genau.

Man hat ein Problem. ob erfolgreich oder nicht. Longtree hatte diese Haltung verändert und ihm ein Gefühl des Miteinanders vermittelt. waren aber nie zusammen ausgegangen. Du weißt schon. der buchstäblich in einer Festung lebte. »Ausgehen. rasch etwas zu tun. »So strahlt ja nicht mal die NASA ein Shuttle beim Nachtstart an«. »Ich weiß sogar. man geht ihm auf den Grund und löst es. wusste er nur eines ganz genau: Diese Sache hatte er regelrecht versaut. die sich keinen Augenblick ignorieren ließ. um irgendwann doch von ihm akzeptiert zu werden? Und dann war da noch Melina. insgeheim immer da gewesen.und hergerissen. Ganz einfach. Was für ein Durcheinander. hatte seine Lebensumstände gesehen und die schlichten und doch überzeugenden Anschauungen dieses Mannes kennen gelernt. weil sie Gillians Ebenbild war? Eine Weile hatte er es sich eingebildet. er habe sich in Gillian verliebt? Und das hatte er. während er ihre Reste in einen Abfalleimer warf. Wenn ich einen guten Tag habe. Sollten sie . Aber bevor er sich mit seiner Zukunft und seinen Empfindungen für Melina auseinander setzen konnte. weiterhin einen leichten Ton anzuschlagen. was er versäumt hatte. Doch der Berg drohte. denn auch sie versuchte. Ohne Emotionen. Sogar aus mehreren Kilometern Entfernung schien die Siedlung auf dem Gipfel vor Wachlichtern zu strahlen. Anschließend wendete er den Pick-up und fuhr zurück ins Stadtzentrum. Was seine gegenwärtige Gefühlslage betraf.« Schlagartig fiel ihnen das Absurde an ihrer Situation auf. dürften sie sich nicht frei im Tempel bewegen und ihre Nase in alle möglichen Ecken und Winkel stecken. Wie aber konnte er sie begehren und gleichzeitig behaupten. was sie Bruder Gabriel sehen lassen wollte. Mittlerweile war er Longtree begegnet. Trotz ihres Bemühens um eine banale Unterhaltung besaß er eine Ausstrahlung. Probleme pragmatisch anzugehen. wollte herausfinden. wie es zwischen zwei Menschen nur möglich war. Inzwischen war er nicht mehr sicher. zum Essen. Sie hatten zwar so intim miteinander verkehrt. Selbst wenn er und Melina auf regulären Wegen eine Privataudienz bei seiner Heiligkeit bekämen. konstatierte er. Er war gewohnt. ob das schon alles war. Er hatte sich nie leidenschaftlich für sein indianisches Erbe interessiert. war in ihm erwacht. um die Lebensumstände der amerikanischen Ureinwohner zu verbessern.« »Ich auch. Doch dieses Territorium ließ man besser unerforscht. Nur ungern gestand Chief sich ein. daran war nicht zu rütteln. diesen Sicherheitskordon durchbrechen könnten. wie sie. um alles in der Welt. Was war denn mit Melina? Eines ließ sich nicht leugnen: Er war hin. musste er mit Bruder Gabriel fertig werden. Doch nicht so hier. Jedenfalls hätte dieser Versuch ernsthafte Konsequenzen. Seltsamerweise hatte er vor der Fahrt nach Dallas seine Zukunft nach der Pensionierung unbekümmert betrachtet. Oder war das vielleicht. während sie Ketchup von den Fingern schleckte. Er wollte nochmals mit ihr schlafen. um es mal auf den Punkt zu bringen. wie entmutigend dieser Anblick wirkte. weil er sie nicht auf den Mund geküsst hatte.« Sie lächelten einander an.« »Oh. Er und Melina hatten sich unter Bruder Gabriels Tempel ein imposantes Gebäude vorgestellt. Sie musste Ähnliches gedacht haben. Fühlte er sich nur deshalb zu ihr hingezogen. In ein Restaurant. Jetzt standen sie tatsächlich hier in seinem Schatten. trotz seines Leugnens. wie man mit Besteck umgeht. und Chief hatte keine Ahnung. Sie sähen nur das. »Ich erinnere mich noch an Restaurants«. meinte sie. Der Drang.

Er ist schon fast drei Stunden fort. dass er bald wieder zurück sei. standen drei große Aktenschränke herum. Obwohl Ritcheys ungewöhnlich ordentlicher Schreibtisch den Eindruck erweckte. »Was gibt’s denn da hinten?«. wann er gegangen war. um ihr beim Aussteigen zu helfen. SHUTTLE-PILOT GEISTIG VERWIRRT? So würde es heißen. Das steht fest. Damit war diese Idee gestorben. rief er. Chief warf einen Blick auf seine Armbanduhr. »Willst du meine Jacke wieder haben?«. es war viel kälter als auf Longtrees Grundstück. ihm unser Herz ausschütten und sehen. dachte er. und Recht hätten sie ja. stieg aus und ging um den Wagen herum. wenigstens musst du so nicht frieren. NASA BESTREITET DIE TAT IHRES EX- KOMMANDANTEN. »Was nun?« Melina holte tief Luft.« »Das ist dein Plan?« »Hast du einen besseren?« Er drückte die Tür auf. Sie war den Flur hinunterspaziert und erkundete die restlichen Räume. von dessen Rückwand ein Flur abging. zum Teufel.« Dann ein Schrei und: »Oh nein!« . Er hatte eine Verpflichtung. Es lag in einem frei stehenden Adobe-Bau. »Drinnen geht’s dann schon wieder. »Uns bleibt wohl nichts anderes übrig. Zum Aussteigen war es noch nicht zu spät.« »Welcher Sheriff lässt sein Büro unbesetzt?« Durchs Fenster konnten sie sehen. »Nun ja. dass drinnen niemand war. Sie hatten das Büro des Sheriffs schon beim Vorbeifahren an der Hauptstraße entdeckt.« Diese unerwartete Verzögerung verärgerte Melina. Er könnte Tobias anrufen und die Regierungsbehörde übernehmen lassen. »Hier drinnen könnte man Plätzchen backen. in diesem Büro fiele nur wenig Papier an.« Chief streifte seine Jacke ab und hängte sie an einen Haken neben der Tür. Nein. »Keine Ahnung.« Es handelte sich um ein kleines quadratisches Büro. »›Bald‹ ist ein dehnbarer Begriff.« An der Bürotür klebte eine handschriftliche Notiz des Sheriffs. als drinnen zu warten. noch ehe er sie zu Ende gedacht hatte. Chief lenkte den Pick-up auf einen von mehreren Parkplätzen und stellte den Motor ab. Er könnte sich distanzieren. aber sie stand schon neben dem Laster und rieb sich die Arme. bot er an. Vergiss es. war sie nicht da. nein.« Die Tür war unversperrt. Das musste er durchstehen. Toiletten.jedoch ohne Genehmigung des Sheriffs hinauffahren und sich tatsächlich an der Wache vorbeischmuggeln können… Schon jetzt konnte er sich die weltweiten Schlagzeilen ausmalen: ASTRONAUT WEGEN UNBEFUGTEN BETRETENS VERHAFTET. »Hat er denn keine Hilfssheriffs?« »Vielleicht sind die auch auf Streife. Das hier war purer Irrsinn. denn die Zentralheizung lief. wie er darauf reagiert. Wahrscheinlich sollten wir einfach reingehen. An einem Schwarzen Brett hingen die üblichen Fahndungsfotos. Sie gingen hinein. die ein unvorsichtiger Mensch nicht ausgeschaltet hat. Anscheinend rechnete der Sheriff mit einer kühlen Nacht. Eine großformatige Karte des Bezirks bedeckte fast eine ganze Wand. »Ein kleines Zimmer mit einer Kaffeemaschine. In weiser Voraussicht hatte er noch die Uhrzeit notiert. Als Chief zu Melina eine Bemerkung über diese untypische Ordnungsliebe machte und sich umdrehte. Die Gegend hier lag höher.

Melina schoss hoch. Sie war meine Zwillingsschwester. Melina kauerte unter lautem Weinen auf dem Zellenboden und presste etwas an ihre Brust. ließ er sich nicht aufhalten. Als er vor einer Einzelzelle abbremste. wiederholte sie. als er die Gitterstäbe packte und dabei sah.« Sie biss sich auf die Unterlippe. Obwohl ihm Sterne vor den Augen tanzten. »Das muss ich allein tun. dann drehte sie sich um und lief den Flur entlang. »Melina.« Allmählich machte sich der Fall bei Tobias bemerkbar.« Wie der Insasse einer Irrenanstalt rüttelte er an den Gitterstäben. dass er nötigenfalls mit einem Minimum an Schlaf auskam. brüllte er und drückte die flache Hand gegen seine Wange. Mit einem lauten metallischen Klick. Rechnete man dazu . Chief«. »Zusammen wird man uns nie reinlassen. und… und außerdem will ich nicht.« Er krallte sich noch mehr ins Gitter. dass du unter den Folgen leiden musst. Chief. Vergebens. »Melina –« »Nein. wenn du allein –« »Er wird mir nichts tun. die ihn unverwandt anstarrten. Dir schon. sagte er mit seiner schärfsten Kommandantenstimme. aber das merkte er erst. Sie atmete heftig bei geöffnetem Mund. gelang es Chief.« Mit letzter Kraft presste sie die Augen zusammen. schluchzte sie. Sein Gesicht blutete. als wollte sie damit auch ihre Ohren gegen seine Bitten verschließen. dass seine rechte Hand rot war. den sie anscheinend vom Schreibtisch des Sheriffs entwendet hatte. aber die beiden letzten Tage waren ungewöhnlich anstrengend gewesen. Oh Gott. fiel sie ins Schloss. aber nicht mir. »Warum bist du dir da so verdammt sicher?« Sie schluckte heftig. »Zum Teufel nochmal. brüllte er.« Sie schüttelte verneinend den Kopf und schob sich zentimeterweise auf die Ausgangstür zu.« »Hör mir zu«. »Es tut mir Leid. der durch das leere Gebäude hallte. Man konnte es ihren weit aufgerissenen Augen ablesen. »Melina?« »Ach. Mein ist die Rache. traf genau die Stelle an seinem Jochbein. wobei sie über die Schulter rief: »Ich habe eine Geheimwaffe. rutschte er mit den Stiefeln auf dem Fliesenboden aus. sich aufzurappeln.« Mit diesen Worten holte sie kraftvoll aus und versetzte ihm einen Schlag direkt auf den Kopf. »Zum Kuckuck. wo der Schmerz explodierte. Dabei knallte er mit dem Ellbogen gegen den Türpfosten. Obwohl es höllisch wehtat und Unterarm und Hand teilweise taub wurden. dass ich auf dich eingeschlagen habe. Und die werden sicher kommen. Sie presste sich an die gegenüberliegende Wand und ließ ihre Waffe fallen: einen Briefbeschwerer aus Messing in der Form New Mexicos. Binnen Sekunden rannte er mit Riesenschritten durch den Flur. Er fiel nach hinten und landete mit gespreizten Beinen unsanft auf seiner Kehrseite. den sie in der Hand gehalten hatte. Mit einem Satz war Chief im Flur. an der sich die erste dünne Hautschicht über der ursprünglichen Wunde gebildet hatte. lass mich hier raus. »es tut mir ja so Leid. Er hatte seinen Körper so trainiert. was ist denn los?« Er kniete sich daneben und legte den Arm um sie. was machst du da?«. Chief. Schon die Reise hatte ihn erschöpft. »Scheiße!«. Sie war selbst über ihre Tat entsetzt.« »Das weißt du doch nicht. verdammt nochmal. Und jetzt lass mich hier raus!« »Er wird mir nichts tun«. das Schluchzen ließ sich nicht unterdrücken. Der Gegenstand. »Ich gehe dort hinauf. rannte durch die Zellentür und zerrte sie hinter sich zu. tut mir das Leid. »Du wirst dich umbringen. Das hast du nicht verdient. Z- zum Tempel.

dass das Haus an sich mit dieser Sache nichts zu tun hatte. Das Personal war Agent Patterson bei der Suche nach den Samenspendern behilflich und beschwor diese unter Strafandrohung. Doch seine Augen konnten kaum noch fokussieren. Tobias war überzeugt. die er längst kannte. Die nächste Schicht war der Mord an Linda Croft. als sei alles nur eine optische Täuschung und in Wirklichkeit nicht vorhanden gewesen. fände man dort vermutlich Bruder Gabriel. wonach er eigentlich suchte. Diese Geschichte hatte so verdammt viele Ebenen. eine Sekunde war es da. Die äußere Hülle war der Mord an Gillian Lloyd gewesen. Christopher Hart. Dann kam Gordons Selbstmord. Der Autopsiebefund. ob es überhaupt einen Preis gab. Er lehnte sich gegen das Kopfteil und schloss die Augen. Ruckartig kam er hoch. und langsam verlor er das Bewusstsein. Aussagen von Melina. gefolgt von der Entdeckung. dass es wehtat. einen motivierte. die Ermittlungen zu erleichtern. Schon mehrmals hatte er sich beim Einnicken ertappt. Dale Gordons Herkunft und Charakterprofil. schlüge dieser Fall Wellen wie eine Tsunami. Informationen über die Waters Klinik. die die Leiche gefunden hatte. und dann der Überfall auf Melina. vom Vorstandsvorsitzenden bis ganz nach unten. Wie ein Glühwürmchen in stockdunkler Nacht war er aufgeflackert. Sein Kopf sackte zur Seite. sowie seine mutmaßliche Hinrichtung. Lebenswichtig. Aber schon bald konnte ihn nicht einmal der witzige Comedytext wach halten. Denn sonst wäre Lawson. »Denk nach. Sein Gehirn zog einen Stecker nach dem anderen aus der Platine. inzwischen sicher darauf gestoßen. Lustlos blätterte er durchs Register. dass Hennings ein doppeltes Spiel trieb. Was war das noch? Was war das? »Denk nach. Eines musste er der großen Klinikkette lassen: Man hatte sich ungemein kooperativ verhalten. dass es diesen Geistesblitz gegeben hatte. oder er. Er lauschte den Dialogen und lächelte über eine Bemerkung von Sam zu Woody. Im Fernsehen lief gerade eine Wiederholung von Cheers. dann war es kein Wunder.« . den er eben getrunken hatte. wenn er ihn nicht auf der Stelle fixierte. Tobias hegte einen tiefen Verdacht: Wenn man Schicht um Schicht bis auf den Kern abzog. Schauplatz. verdammt noch mal. wenn er nur mit Mühe die Augen offen halten konnte. und studierte zum x- ten Mal Fakten. Und in diesem Zustand des freien geistigen Falls blitzte etwas auf. Wenn er nur wüsste. Stattdessen war er nicht einmal sicher. Die Leute in der Klinik reagierten auf Dale Gordons Verhalten ungläubig und mit offener Empörung. bei der die Chance. etwas. dass sie bislang keine Spur übersehen hatten. weil dieser Gedankenblitz wieder erlöschen würde. alarmiert.« Er presste die Augen zusammen und zwickte sich so fest in den Nasenrücken.noch die komplexen Zusammenhänge und vielleicht sogar den Scotch. den Preis zu erlangen. in der nächsten schon wieder weg. Und selbst wenn nur wenige ihrer bisherigen Vermutungen sich als richtig herausstellten. das die Details des Falles einteilte. Und doch wusste er. Jem Hennings und der Nachbarin. Die Chancen standen ausgezeichnet. Vor einer Stunde hatte er pflichtschuldigst die Akte Gillian Lloyd auf den Schoß gezogen und geöffnet. wie bei einer Schnitzeljagd. Dann könnte er diese Spur verfolgen. das er kürzlich gelesen hatte. ganz real. und dass er wichtig war.

Und dann flackerte es plötzlich wieder auf. ohne dass Tobias sie wahrgenommen hätte. Beim ersten Mal überlas er die Notiz. Rasch überflog er das oberste Blatt. hielt an und las. Er warf sich gegen das Kopfteil und starrte blindlings auf den Bildschirm. . bis er zu dem gesuchten Teil kam. Noch einmal. schoss er aus dem Bett. die bisher durch scheinbar wichtigere Informationen verdeckt worden war. riss die Tür auf und raste zu Lawsons Zimmer. Als sein Gehirn endlich die darin enthaltene Bedeutung geknackt hatte. ging wieder zurück. Beim Umblättern hätte er es beinahe aus dem Metallhefter gerissen. brannte länger. Carla machte gerade eine bissige Bemerkung zu Diane. Systematisch integrierte er diese winzige Tatsache mit ihren dramatischen Auswirkungen. wurde heller. Er setzte sich auf und blätterte hektisch durchs Register.

Er zog sich ins Pförtnerhäuschen zurück. schmalen Wendungen. Sie können eine Botschaft von ihm hören. Schließlich nahm er ruckartig Hab-Acht-Stellung ein. So aber musste sie unmittelbar hinter einer Kurve scharf bremsen. Steif und gebieterisch verkündete er: »Den Pick-up müssen Sie hier stehen lassen. »Bruder Gabriel hat sich schon für die Nacht zurückgezogen. Noch immer spürte sie. Melina Lloyd möchte ihn sprechen. Ma’am. Ma’am?« »Ich würde gerne Bruder Gabriel sprechen. mit welcher Wucht der Briefbeschwerer gegen sein Jochbein geknallt war. schon. insbesondere . Er trat heraus und näherte sich dem Pick-up. spürte. Offensichtlich war es nicht ungewöhnlich. dass sie ihn ausgetrickst hatte. aber auch das hatte vermutlich sein Gutes. ließ er sie nicht aus den Augen. nickte heftig und hängte auf. die Sie Ihre Position in der neuen Weltordnung kosten würde. die ständig vom Lenkrad rutschten. aber –« »Wenn Sie nicht sofort anrufen und ihm mitteilen. sonst wäre sie mitten in das von Flutlichtern angestrahlte Tor geknallt. und das machte die Fahrt noch gefährlicher. Beim Gedanken. wie seine Haut aufplatzte. Sie stieß wider Erwarten früh auf das Eingangstor. dass eine Verehrerin eintraf und unangemeldet um Audienz bei dem Heiligen Mann bat. wurde ihr fast schlecht.« Hatte Bruder Gabriel Angst vor Autobomben? Wenn er schlau wäre. Wenn sie es schon früher gesehen und mehr Zeit zum Nachdenken gehabt hätte. Während er wartete. dass ich hier bin. dass sie sich nur noch in Haarnadelkurven den Berg hinaufschlängelte. Dafür gab es nur eine einzige Rechtfertigung: Es diente seinem Schutz. sagte er. Für noch mehr wollte sie keine Verantwortung übernehmen. Sie hatte keine Ahnung. Sie kurbelte das Fenster herunter. Ich an Ihrer Stelle würde lieber riskieren. Vor Nervosität hatte sie schweißnasse Hände. werden Sie morgen arbeitslos sein. Angesichts seiner Waffe und des Stacheldrahts auf Tor und Zaun klang dieser Gruß idiotisch. 38 Ab einem gewissen Punkt wurde die Straße so steil. und sie sah. wenn Sie 1-800 –« »Sagen Sie ihm.« Sein überhebliches Lächeln schwand ein wenig. sagte noch einmal etwas in den Hörer. »Kann ich Ihnen helfen. Und doch wusste sie eines ganz genau: Dieser Schlag hatte ihn weniger geschmerzt als die Tatsache. »Friede und Liebe«. ihn zu stören. Vorsichtig nahm sie jede der dunklen. Drinnen im Pförtnerhaus sah sie einen Mann in einer dunkelblauen Uniform. wie er einen Telefonhörer nahm und hineinsprach. wie diese Nacht enden würde.« Er lächelte nachsichtig. hätte sie vielleicht trotz ihres Vorsatzes gekniffen. die sie bei ihrem hastigen Abgang vom Haken gerissen hatte. Doch diese Ironie schien ihm zu entgehen. wie sehr sie ihn verletzt haben musste. Gott sei Dank hatte Chief die Wagenschlüssel in seiner Jackentasche gelassen. Die Lloyd-Zwillinge hatten Christopher genug geschädigt. auf dessen Brusttasche das goldene Signet von Bruder Gabriels Kirche prangte.« »Tut mir Leid. denn das wäre eine schreckliche Fehleinschätzung. stellte sich aber auf das Schlimmste ein. als meinen Platz im Leben nach dem Tode aufs Spiel zu setzen.

»Da steht Ihr Wagen. während sie auf ihr Gefährt wartete. emotional instabile Außenseiter wie Dale Gordon zu Vätern ihrer künftigen Bewohner zu machen. Ansonsten fiel kein Wort mehr. Der Egomane war Bruder Gabriel. Eine Angst. so dass man nicht erkennen konnte. wer oder was sich drinnen befand. und dies war die einzig logische Schlussfolgerung. Jem war steril gewesen. ihre zittrige Stimme hätte ihre Angst verraten.« Sein Verhalten war ganz neutral. »Wofür sind diese Busse? Wohin fahren sie?« Ohne eine weitere Antwort winkte sie der Wachmann zum Tor. sich freiwillig in die Höhle des Löwen zu begeben. körperlich unattraktive. »Ms. Ma’am«. Lloyd? Bitte. Kaum war sie außer Reichweite.wenn bekannt wurde. »Die Schlüssel bleiben bei mir. Diese beiden. dass sie zu dieser Nachtzeit die Siedlung verließen. und er dumm dastand.« Vorne saßen zwei Männer vom Sicherheitsdienst. Der Fahrer wendete den Wagen und fuhr die kurvige Straße hinauf. Es kam ihr merkwürdig vor. auch wenn einem dabei übel wurde. ruchlosen Tun. Über hundertfünfzig Kilometer hatte sie Zeit zum Nachdenken gehabt. Mit Hilfe handverlesener Frauen pflanzte er sich fort. was sie nicht überraschte. die mittlerweile auf der anderen Torseite wartete. Die hintere Tür stand offen. misstraute sie ihm instinktiv und hätte ihm nur ungern den Rücken zugedreht. »Bitte. Bruder Gabriels persönlicher Assistent. sondern lediglich Vermittler. Vermutlich war er sauer. Obwohl Mr. Sie hielt sich an den Ellbogen. . Die Fenster waren undurchsichtig. dass er gynäkologische Kliniken sabotierte. sie in der Realität umzusetzen.« Wegen der Busse hatte sie die Limousine nicht näher kommen sehen. wobei sie nicht wusste. noch verstärkte. Aber da kam nicht ihr Fahrzeug für den Weg in die Siedlung. Zu diesem Schluss war sie auf der Fahrt von Longtrees Grundstück nach Lamesa gekommen. Ihre Zähne klapperten. Angenommen. weder freundlich noch feindselig. Der Wachmann bat sie nicht ins Pförtnerhäuschen. die sich beim Anblick von Scheinwerfern. rollten drei Tourneebusse durchs Tor und schlugen den Weg bergab ein. Hier oben auf dem Berg war es sogar noch kälter als in der Stadt. Sie kletterte aus dem Pick-up. Während sie sich innerlich wüst dafür beschimpfte. treten Sie zurück. Hancock. die Espen und Immergrün säumten. Hancock rein äußerlich nicht besonders böse wirkte – die Nelke in seinem Knopfloch war eine kokette Geste –. »Ich bin Mr. Unterdessen beugte sich ein Mann aus der offenen Hecktür. Sie trugen keinerlei Aufschrift. und zweifellos noch andere. Bruder Gabriel wollte eine »neue Weltordnung« erschaffen. weil sie ihn blamiert hatte. indem er sein Sperma an Stelle des geplanten Spendersamens einsetzen ließ. zumindest bis heute. »Muss ich den restlichen Weg zu Fuß gehen?« »Jemand wird Sie abholen. Sie waren nicht die Anstifter. Er hatte diesen Gott-Komplex. rutschte sie neben ihm auf die Rückbank. glaubten nach einer Gehirnwäsche an seine verdrehte Doktrin und waren wild entschlossen. Sie ging durchs Tor und näherte sich dem Wagen. denn sie wusste. steigen Sie ein. was sie ziemlich erleichterte. ob das an der Temperatur lag oder an ihrer Angst. Ab heute Nacht war Schluss mit seinem kranken. Sie schlüpfte in Chiefs Lederjacke.« Sie ließ den Schlüsselbund in die ausgestreckte Hand des Wachmanns fallen. Das elektrische Tor öffnete sich. befahl der Wachmann.« Sie wartete vor dem Tor. Dann hatte er sicher nicht im Sinn. die sich von der anderen Torseite näherten.

Hancock. Falls ich mich bedrängt gefühlt hätte. Mr. doch diese Befriedigung wollte sie ihm nicht geben. Die Zahl der Dienst habenden Wachleute wurde verdoppelt. Die Siedlung war zweifelsohne beeindruckend. man würde sie durch einen Metalldetektor schicken.« »Köstlich. danke. nur wenn wir es für nötig halten. Ich bin nicht zu einem Plauderstündchen hier. lautete die indirekte Antwort. Sattdessen ließ sie sich viel Zeit. der vor ihr saß. heute Nacht sei ein Passwort nötig?« »Wir hatten Anlass. aus. »Ich kann mich nicht mehr erinnern. Im dritten Stock befand sich am Ende des Korridors eine mindestens sechs Meter hohe Doppeltür. Offensichtlich kannte er . insbesondere da die Messiasgestalt im Mittelpunkt verblüffend dem blonden Prediger ähnelte. um Bruder Gabriel. hatte sie auf Bruder Gabriels Privatgemächer vorbereitet. War sie der Grund für diese besondere Vorsicht? Sie grübelte. Hinter einer Wand aus königsblauen Samtvorhängen vermutete sie raumhohe Fenster. einen egomanischen Dreckskerl. das Passwort. »Bitte. »Gabriels Horn«. was oder wer dann? Tobias oder Lawson? Hatte man die Siedlung in Alarmbereitschaft versetzt.« »Hätten Sie gerne etwas zu trinken?« »Lassen Sie diesen Mist. besondere Vorsicht walten zu lassen.« So war es. Hancock bot ihr einen Sessel an. Auf der Fahrt nach oben erkundigte sie sich bei Mr. sagte Hancock. Und wenn nicht sie. Ich bin gekommen. weil das FBI Erkundigungen über die Kirche einzog? Angesichts dieser Sicherheitsmaßnahmen befürchtete sie schon. wie lange er schon bei Bruder Gabriel beschäftigt sei. und der Wachmann hätte uns nicht eingelassen. des Mordes an meiner Schwester anzuklagen. Alles war tadellos gepflegt. Vor dem Hauptgebäude hielten sie an. Bruder Gabriel kam mit der kraftvollen Grazie eines Tigers auf sie zu. die vor einer Glaswand endete.« Sie stieg hinter Hancock eine flache Treppe hinauf. Rasch stieg der Sicherheitsmann. Sie ignorierte seine ausgestreckte Hand. »Melina. »Sie haben ein Passwort?« »Nicht immer. wenn ich Sie Melina nenne?« »Das ist mit scheißegal. An mehreren Punkten innerhalb des riesigen Foyers standen bewaffnete Männer in Uniform. aber zwischen Tür und Aufzug gab es keine Kontrolle mehr. Eine Geisterstimme überfiel sie dröhnend aus verborgenen Lautsprechern. öffnete ihre Tür und wollte beim Aussteigen helfen. Eine davon öffnete Hancock und bat sie herein.« »Haben Sie etwas dagegen.« »Und Sie finden. wann ich nicht in seinen Diensten stand«.« Beim Klang der vertrauten Stimme wollte sie sich am liebsten wegdrehen. Anfänglich war sie von dem vielen Gold wie erschlagen.« Mr. was sie bis dahin gesehen hatte. architektonisch überwältigend und in jeder Hinsicht einmalig. Er drückte sie auf und winkte sie weiter. Sofort wurde die Tür elektronisch entriegelt. Hancock. »Nein.« Sie zuckte zusammen. hätte ich das entsprechende Codewort genannt. durch die sie ein Marmorfoyer sehen konnte. Das Deckenfresko grenzte ans Obszöne. »Hier entlang. Nichts von dem.

erstaunlich goldene Haarfarbe. folglich also weder Schlüssel noch Handy. und brüllte den Flur entlang. Er hatte seine Jacke nicht. Schließlich schickte er sich in das Gefangensein.« Seine Blicke musterten sie mit unverhohlenem sexuellen Wohlgefallen. Den Boden konnte er auch nicht aufgraben. die ihn darin eingesperrt hatte. einen Weg aus einer Gefängniszelle im Niemandsland zu finden. Was denn sonst? Aber dachte sie tatsächlich. wo er am besten wirkte. gottverdammte Leichtgläubigkeit. und damit auch nicht zum Mord an Gillian. Noch dazu gab es keinen konkreten Beweis für eine Verbindung von Dale Gordon zu Bruder Gabriel. aber das wäre reine Energieverschwendung. aber einer. wo . Willkommen. Leider waren seine Möglichkeiten begrenzt. Um Himmels willen. meinte sie die Pistole? Zweifelsohne. Laut schimpfend tigerte er von einer Seite der Zelle auf die andere. Melina hatte die Pistole. »Du hast mich nicht enttäuscht. stampfte ungeduldig mit dem Fuß auf. würde sie sie einsetzen? Würde sie einen Mord begehen? Rache war keine Rechtfertigung für Mord. denn er trat in einen weichen Lichtkegel. Übrigens. ging immer wieder an die Gitterstäbe. Mindestens eine halbe Stunde lang verfluchte Chief alles: die Gefängniszelle. Buttergelbes Licht ergoss sich über ihn und unterstrich seine eigene. der aus einem gut getarnten Spot im Deckenfresko fiel. sie könnte eine Waffe in diese Siedlung schmuggeln? Und wenn ja. Elektrisches Licht? War hinter einem Drahtkorb an der Decke montiert. Der Ventilator der Klimaanlage? Maximal ein zwölf auf sechs Zentimeter großes Rechteck. die Frau. er war im Weltraum spazieren gegangen. Schließlich warf er sich auf die harte unbequeme Pritsche und zwang sich mit Gewalt zur Ruhe. noch die Pistole – Oh Scheiße. Durch die Gitterstäbe konnte er sich nicht quetschen. Aber er ließ sich ablenken. den pochenden Schmerz in seiner Wange und seine eigene dumme. Das Gebäude stand allein und hatte. konnte leicht auf dem elektrischen Stuhl enden – zwar auch ein Fluchtweg. Es gab kein Fenster. Wahrscheinlich hatte er zu viele Filme gesehen. meine liebe Melina. die er je hatte kennen lernen können… oder eine komplette Idiotin. Sie hatte sie mit auf den Tempelberg genommen. die sich unbesiegbar wähnte. so weit er sich noch erinnerte. Wer daran herumbastelte. Allein der Gedanke an sie und an die Gefahr. Eine Frau mit feurigem Geist und enormem Mut. das aber ordentlich heiße Luft in die Zelle pumpte. in deren Tasche der Schlüssel des Pick-ups steckte. wenn der Sheriff zurück kam und ihn herausließ. Nichts rührte sich. in Hörweite keine Nachbarn. Wegen dieser Hitze hatte er ja auch seine Jacke ausgezogen. wie kam er hier heraus? Er könnte schreien und brüllen. Einem wie ihm würde es doch wohl gelingen. der bestand aus Zement. dass du eine aufregende Frau bist. Er schnappte nach Strohhalmen. der sie sich aussetzte. Sie hatte eine Geheimwaffe erwähnt. Zum Teufel.« Sie sah das hinreißendste Individuum. jedenfalls nicht für die meisten Geschworenen. das ihr je unter die Augen gekommen war. Ein Wutausbruch half ihm nicht weiter. Und außerdem kam dieser Punkt sowieso nicht in Frage. packte sie und schüttelte sie wütend.die Stelle im Raum. genügte. in denen Gefängnisausbrüche immer lächerlich einfach wirkten. hatte drei erfolgreiche Shuttle-Flüge mitgemacht und einen davon selbst kommandiert. Entweder war sie die tapferste Frau. »Ich habe schon erwartet. um ihn restlos durchdrehen zu lassen. leider vergeblich. den er definitiv vermeiden wollte. Er vergeudete nur Energie. mit dem er vielleicht das Schloss knacken oder an den Gitterstäben herumsägen könnte. die er sich besser für den Zeitpunkt bewahrte.

Er spielte die Erinnerung wie ein Videoband vor seinem inneren Auge ab. Sein Atmen dröhnte durch das totenstille Gebäude. er wäre nicht zuerst Gillian begegnet. Angesichts ihres Ziels kein sehr tröstlicher Gedanke. dass sie ihn töten wird. ohne dabei ihre Weiblichkeit einzubüßen. ließ die Szene auf seinen Lidern ablaufen. zu welch extremen Maßnahmen sie fähig war. Chief stürzte von der Pritsche und warf sich brüllend gegen die Gitterstäbe. die hemmungslos sein konnte. Es gefiel ihm. Schau’s dir noch einmal an. Start. Selbstverständlich. Scheinbar unwichtig. schrie Chief aus Leibeskräften. Sie hatte nicht die Scheue gemimt. Noch immer konnte er spüren. ihn zuerst zu berühren. wie sehr sie ihn wollte.steckte eigentlich dieser pflichtbewusste Hüter des Gesetzes? Schließlich war er bereits fast vier Stunden verschwunden. wirkten jetzt auch bei Melina.« . Warum musste es so unglücklich enden. Lawson zuerst. als sie seine Brust streichelte. »Verdammt nochmal. T minus zehn Sekunden. »Hier hinten. Chiefs Miene sprach Bände. Aus Rache für Gillian war sie im Stande. Wäre dann alles anders verlaufen? Melina hätte auf dem Weg ins Tacos-Lokal vermutlich zu Dale Gordon gesagt: »Tut mir Leid. Doch es wurde immer noch besser. schloss die Augen. Mal angenommen. mit der sie sich gegen die Wand gepresst und ihn mit offenem Mund durch das Gitter angestarrt hatte.« Und Chief sagte: »Ich weiß. aber Sie verwechseln mich offensichtlich mit meiner Schwester Gillian. »Oh Gott. Noch nicht abheben. So wie heute. musste man einfach bewundern. Melina hätte ihn begleitet. Sie hatte den Kopf gehoben und mit der Zunge… »Verdammt«. Er zwang sich dazu. als sie – Seine Gedanken kamen abrupt zum Stehen. Sachte. die ihn damals zu Gillian hingezogen hatten. Angenommen. Und noch einmal. ruhig und rational. und Gillian immer noch am Leben. was sie getan hat.« Anschließend hätten sie über die Verwechslung gelacht. Als sie seine Lippen berührte. hatte man deutlich an ihrer Miene ablesen können. sondern war so kühn gewesen. Die Raketen feuerten. »Sie wissen. Da! Das! Unabsichtlich. der von seinem Jochbein in alle Schädelregionen ausstrahlte. Dinge zu tun. dachte er in Erinnerung an ihr Liebesspiel.« Sie stürzten in den Flur. Es war fantastisch gewesen. hätte er beinahe die Kontrolle verloren und sich sofort auf sie gestürzt. wer’s ist!«. stöhnte er. Sein Herz raste. Begleitet von einer erneuten Litanei wüster Flüche legte er den Unterarm über die Augen und versuchte. Die gleichen Merkmale. Hätte er auch mit Melina geschlafen? Wer weiß? Vielleicht. Noch immer schürte sie seine lebhafte Erinnerung an Gillian. Sie war selbst überrascht gewesen. sachte. »He da. und doch unglaublich bezeichnend. Eine Frau. Unbewusst. Und Lawson verstand sofort. dass sie kein Geheimnis daraus gemacht hatte. holt mich endlich hier raus!« Genau in diesem Moment flog die Tür zum Büro auf. Vermutlich. die sonst undenkbar wären. Überleg genau. Aber sie konnte auch zärtlich sein. den bohrenden Schmerz zu ignorieren. Melina war über ihr eigenes Handeln entsetzt gewesen. wie ihre Fingerspitzen auf tastender Entdeckungsreise über sein Gesicht glitten. egal. Gordon wäre nicht ausgerastet. Chief schoss in die Höhe. Drückte auf die Wiederholungstaste. Weil sich die beiden so verdammt ähnelten. dicht gefolgt von einem gut aussehenden Schwarzen.« Die Erkenntnis erschlug ihn fast. Wie sehr. mit so viel Spannung zwischen ihnen? Er kam ins Grübeln.

« »Ach. Ich gebe zu. der du wirklich bist. »Hast du wirklich gedacht. nur viel empfindlicher«.« Mit einem leisen Lachen setzte er sich halb auf eine Ecke seines Schreibtischs und pendelte träge mit einem Fuß hin und her. Einer hat mir besonders gefallen. dass du öffentlich als der Teufel entlarvt wirst. warum sich Menschen zu ihm hingezogen fühlten. »Sein Bild erscheint auf Monitoren in meinem Schlafzimmer. wie du wegen deiner Verbrechen verurteilt wirst. Man konnte leicht verstehen. die du verbrochen hast. Wie du siehst. konntest du sie unmöglich hereinschmuggeln. die Jem Hennings von ihr aufgenommen hat. »Ich bin nicht hier. Was habe ich getan. und dann will ich. Hancocks Computerschrank und beim Sicherheitsdienst. Sie trug einen breitkrempigen Strohhut. »Das ist aber ein schrecklich hartes Urteil. der ihr ausgezeichnet stand. Er griff in die Tasche von Chiefs Jacke. 39 »Ich bin ja so froh. »Im Inneren dieses Türrahmens ist ein Röntgenapparat eingebaut. denn er meinte nur lächelnd: »Ts.« »Ich will.« »Gordons abscheuliche Bilder?« »Zusammen mit Schnappschüssen. Melina. nicht ich. wie man ihn auf Flughäfen verwendet. zog die Pistole hervor und warf sie Hancock zu. durch die sie mit Hancock gekommen war. Aber die schönsten Reptilien waren die giftigsten.« Bruder Gabriel war wunderschön. damit du tausende Tage über die Scheußlichkeiten nachdenken kannst. wobei er auf die Doppeltür deutete. sie hat sich aus freien Stücken brutal abstechen lassen?« . Jetzt hast du mich wirklich neugierig gemacht. ihr Tod war eine schreckliche Verschwendung. Melina. Du willst mir tatsächlich mit dieser lächerlichen Sechs-Schuss-Pistole körperlichen Schaden zufügen. dass du lebst. Ich will. Frustriert schrie sie: »Du hast sie getötet!« Mit unverwandtem Blick tadelte er sie leise für diesen Ausbruch. Melina. Ich will zusehen. um es zu verdienen?« »Du hast die Ermordung meiner Schwester befohlen. Er strahlte Vitalität aus und schien von innen heraus zu leuchten. Melina. Darauf alberte sie vor der Kamera herum. fuhr sie zurück. du wolltest mich erledigen. dass du da bist. in Mr. Warum scheust du vor mir zurück?« »Weil ich nicht verseucht werden will. Ihre Reaktion schien ihn zu amüsieren. um dich zu töten. Als er näher herantrat. Ich habe Fotos von ihr gesehen. die liebe Gillian.« »Wirklich? Und ich war überzeugt. erklärte er ihr. fahr fort. mich könnte man so leicht töten?« Sie wischte seine Hand fort. als verströmte er sogar in einem dunklen Raum Licht.« Scheinbar konnte ihn nichts erschüttern.« Die Überraschung war ihm gelungen.« »Soll das heißen. Melina.« »Dann ist es also wahr. dass du den Rest deines Lebens hinter Gittern verbringst. »Daran war sie schuld.ts.« Er berührte ihre Wange. Bitte.

« Obwohl man dasselbe auch von ihm hätte sagen können.« »Du wolltest ja keine Ruhe geben. »Leider entsprach die Moral deiner Schwester nicht ihrer äußeren Schönheit – ihr Pech. Bis jetzt hatte sie sich noch immer an einen Funken Hoffnung geklammert. als scherte er sich um nichts auf der Welt. weil sie jene Nacht größtenteils mit Colonel Hart verbracht hat. um ihn zum Selbstmord zu überreden.« »So gut auch nicht«. die er erniedrigt hatte. und er fügte hinzu: »Gillian hat eine schlechte Wahl getroffen. Denn darum zu wissen. ihm wehtun. Sie wollte ihn schlagen. »Du hast gehofft. sagte er. es sei doch anders gewesen. rügte er sie sachte. Mehr als einmal.« . Besonders Colonel Hart.« »Wahl? Na schön. Du bist auch für seinen Tod verantwortlich. wollte sie ihn nicht mit diesem Hinweis ablenken. als habe das Leben dieses erbärmlichen Menschen. Gute Soldaten. dass er mit Gillian geschlafen hat. Brutal. und deshalb beneidete sie sie fast. seine Augen blickten wesentlich kälter. Ihre Hände ballten sich zu Fäusten.« »Und das hast du ausgenutzt. verschlimmerte alles nur noch. wenig oder gar keine Rolle gespielt. Vielleicht. »Einerseits bewundere ich deine Hartnäckigkeit und deinen Einsatz für Gillian. Sein Lächeln hatte sich ein wenig verkrampft. andererseits hast du dich im Lauf dieser Woche zu einer echten Plage entwickelt. schnaubte sie verächtlich. Beim Gedanken an die Frauen. »Chief und ich sind ihnen entwischt. die du mir ins Haus geschickt hast –« »Joshua und sein Helfer. sein Selbstmord würde die Suche nach Gillians Mörder beenden. dir ein Kind zu gebären?« »Ganz genau«. Wieder klang seine Stimme leicht amüsiert und herablassend. aber seine Gesichtsmuskeln wirkten deutlich starrer als vorher. »Du hast sie umgebracht. als man sie mit deinem Sperma befruchtet hat?« »Machte das denn für sie einen Unterschied? Sie griff doch sowieso auf einen anonymen Spender zurück. Sie wussten nichts davon.« »Wer sind sie?« »Loyale Jünger. »Man hatte sie für große Dinge auserwählt. höhnte sie.« »Diese Schlägertypen. da wir schon mal über Wahlmöglichkeiten reden: Welche Wahl hatte sie denn. als er sagte: »Ihr habt Glück gehabt.« Diese verächtliche Kritik kam nicht gut an. sagte er. wurde ihr übel. »Dale Gordon. Doch dann verschwand auch der letzte Hauch von Lächeln. Sein Bein kreiselte zwar noch immer träge.« »Mit anderen Worten: Man hatte sie ausgewählt.« »Was für eine zarte Umschreibung«.« »Sein Verlust dauert mich.« Er machte eine geringschätzige Handbewegung. Melina?« »Als Strafe dafür.« Also hatte sie mit ihrer Vermutung richtig gelegen.« »Er hat sie entweiht. Er war mir unerschütterlich ergeben. Gillian hatte die Ehre –« »Das würde ich kaum als Ehre bezeichnen«. mit Ausnahme einer gewissen Bedeutung für ihn. »Und dann hat Chief mit ihr geschlafen.« »Eine wohlverdiente Strafe.« »Warum wolltet ihr ihn ermorden?« »Was meinst denn du. Melina«. Nur mit äußerster Anstrengung beherrschte sie ihre Wut.

Natürlich nützt man so etwas schon seit Jahrzehnten zur Erweiterung des Viehbestands.« »Und wie viele Frauen wurden…« Sie konnte diese Frage nicht beenden und schluckt heftig. »Und so hast du diese Technik auf Menschen übertragen. Er war stark. »Von mir besamt? Die genaue Zahl würde dich verblüffen. Sie konnte es gar nicht erwarten. ab jetzt würde sie an sein gigantisches Ego appellieren. dass sie dabei schwanger geworden war. Sie meinte.« »Und die kriminell genug waren.« »Bringst du sie alle nach der Geburt deiner Kinder um?« »Nur diejenigen.« Wer ihn so prahlen hörte.« »Und der Rest?« »Lebt weiter sein Leben und erfährt es nie. »Ihrem Sohn geht es hier prächtig. »Handhabt . fügte er hinzu: »Und obendrein so gerissen.« Sie hatte das Gefühl. Diese wütende Eifersucht konnte sie zu ihrem Vorteil ummünzen. sich jeden Moment auf diesen kostbaren Orientteppich übergeben zu müssen.« »Die Technologie war vorhanden. wie die Andersons um ihren Sohn trauern und beten.« »Ich bin der Vater.« »Egoistisch?«. die genauso verhurt sind wie Gillian. Von seinem Mund.« Das führte zu Nichts. Nicht alle wurden schwanger.« Statt ihr zu widersprechen. wie man einer Frau Vergnügen bereitet.« Wenige Augenblicke vorher hatte sie den ersten Riss in seiner Maske entdeckt.« Wie der Blitz schoss er mit zornrotem Kopf vom Schreibtisch.« »Candace Anderson. hätte nie vermutet. Der Beweis für unseren Erfolg ist ein Schlafsaal voll gesunder Kinder.« »Ohne seine Eltern. Zuerst hatte sie ihm mit Hilfe seiner wütenden Eifersucht Antworten entlockt. rief sie ungläubig. den sie je gehabt hätte. Ich musste lediglich unter meinen Jüngern diejenigen finden. Sie schlug eine andere Taktik ein. seinem Penis. Trotzdem haben wir einen erfreulich niedrigen Prozentsatz von Fehlgeburten. Sie hat’s mir erzählt. dass er heil wiederkommt?« »Wie egoistisch von ihnen. hoffte sie. einer. um im Tempel zu leben und zu arbeiten. Lächelnd beugte sie sich zu ihm und flüsterte: »Und sie hat es genossen. Nun erweiterte er sich. Dann stieß ich zufällig auf einen Artikel über den Einsatz künstlicher Befruchtung zum Erhalt gefährdeter Arten.« Als er seinen Platz auf der Schreibtischecke wieder einnahm. Aber diese Anzahl reichte nicht aus. Aber auch nicht jede Schwangere hielt durch und gebar. sich nicht erwischen zu lassen. »Er mochte sie. dass es um menschliche Wesen ging. »Wie hast du dir einen derart brillanten Plan ausgedacht?« »Eigentlich rein zufällig.« »Und es macht dir nichts aus. hart und männlich. war er ganz der Alte. Sperma zu vertauschen. und nicht dieser Samenspender. der genau wusste.« »Zum Beispiel. »Sie hat den Tod verdient. »Jahrelang war der Große Plan auf Frauen beschränkt.« »Gevögelt hat er sie. sie konnte nicht genug von ihm bekommen. die hierher kamen. Christopher Hart sei der Vater. er sei der beste Liebhaber gewesen. die sich in Andrologie auskannten und dieses Wissen auch anwenden konnten. Darin würde sie herumbohren wie in einem eitrigen Zahn. Und noch eines hat sie gesagt: Für den Fall. wieder mit ihm zu schlafen.

ihre Plätze in der Welt einzunehmen. Die Weltwirtschaft wird ihrer Manipulation unterliegen. der Religion oder der Politik Bahnbrechendes geleistet hat und nicht ausgelacht wurde? Nenn mir ein einziges Genie. die auf dem Gebiet der Wissenschaft.« Seine Miene wurde schwermütig.« »Aus diesem ökumenischen Chaos wird sich eine einzige Weltreligion erheben. Das würde den Großen Plan erheblich rationalisieren. »Allerdings muss ich gestehen. Ich versichere dir. Sie werden Regierungen lenken. wo ich mich aufhalte. Fällt dir eine einzige Gestalt aus der Geschichte ein. »In wenigen Jahren werden meine Kinder bereit sein. werden Mütter obsolet. was die Allgemeinheit liest und sieht und hört und denkt. »Ich werde ihre Familie sein.« »Wenn Gillian die Geburt deines Kindes erlebt hätte. Sie werden über unbegrenzte Macht und Mittel verfügen.« Er zwinkerte ihr zu. die andere in Asien. alles läuft höchst wissenschaftlich ab. Parallel zu dieser Bewegung wird ein spiritueller Umsturz erfolgen. hättest du es dann genauso entführen lassen wie das Anderson-Baby?« »Man hätte es hierher gebracht. Trotzdem war er nicht normal.« Bis auf sein ungewöhnlich gutes Aussehen wirkte er so normal wie jeder andere Mann. wo Krieg herrscht. »Meine Liebe. aber im übrigen durchschnittlich. du hast eine wunderbare Art. er war wahnsinnig. von denen frühere Weltführer nur träumen konnten.« »Und das wäre? Die Welt mit kleinen Ausgaben von Bruder Gabriel zu bevölkern?« Er lachte. du hast meinen Predigten gelauscht«. Sein Auftreten war gewandt.ihr das alles von hier aus?« »Wir haben zwei weitere Siedlungen. Melina. lächelte er nur reumütig. nicht einmal Muttermilch. Melina. sondern mir. »Diese Fehleinschätzung ließ man den meisten großen Männern angedeihen. Seine Stimme klang auffallend voll. und wer untergeht.« »Und wie wird er konserviert? Und verschickt?« »Ganz fachmännisch. »Du bist verrückt.« »Deine neue Weltordnung. »Natürlich wird der Samen überall dort gesammelt. Sie werden bestimmen. ihre wahre Identität und ihre Familie. Die Frauen.« »Deine. das anfänglich nicht missverstanden und als verrückt eingestuft wurde. der Kirche. Sobald meine Wissenschaftler die Gebärmutter ohne Körper erfolgreich nachbilden können. der Medizin. Die Babys müssen nichts entbehren. Und doch war jedes seiner Worte absoluter Irrsinn.« Statt Anstoß zu nehmen. Sie werden diktieren. mehr nicht. die sie gebären. Sie werden den Welthandel steuern und die Kommunikation unter ihrer Kontrolle haben. er brüllte nicht wie ein Fanatiker. Trotzdem gehören die Kinder nicht ihnen. dass ich eine gewisse Schwäche für die Mütter habe. umsorgt und geliebt.« »Ihr stehlt ihnen ihre Mütter. Sie leisten einen essenziellen Dienst.« »Wir haben Ammen. dich auszudrücken.« Er schüttelte den Kopf. Kunst und Kultur werden sich nach ihren Ideen und Werken formen. der Architektur. wer prosperiert. und trotzdem hast du die Quintessenz des Plans wiedergegeben. sagte er wohlgefällig. und ich kann all ihre Bedürfnisse hinreichend befriedigen.« »Ich merke. eine weltweite Revolte gegen die etablierten Religionen. Deine Diktion neigt zu grober Vereinfachung. eine in Europa.« »Das ist die Aufgabe einer Mutter.« . Ich kann mich nicht durch die Skepsis kleiner Geister von meinem Ziel abbringen lassen.« »Aha! Und dann trittst du auf den Plan. aber sonst nicht anders als das jedes anderen. Er tobte nicht mit Schaum vor dem Mund herum. sind biologisch notwendig.

was ich meine. »Menschenmassen gieren danach. Mr. im Hinblick auf den Großen Plan.« »Unter den Frauen.« »Waren wir aber. »Du willst mich doch nicht töten. wenn man die Öffentlichkeit vor dem optimalen Zeitpunkt informiert.« »Du verstehst. für die man sie so sorgfältig kultiviert?« »Paare wie die Andersons würden diesen Ort stürmen. »Wie schon bewiesen. zu meinem großen Bedauern – haben wir entdeckt. Aber noch ist die Zeit dafür nicht gekommen.« Einen kurzen Moment schloss sie die Augen. aber zu meinem großen Bedauern – ehrlich. hattest eine . »Ich dachte. »Kein Problem. Nicht wahr. genau wie Gillian.« »Jedenfalls«. »käme nichts Gutes dabei heraus. um dich zur Rede zu stellen. Und leider handelt es sich dabei. »Mein Gott. Dennoch sind wir darauf vorbereitet. Es existiert bereits ein Überwachungssystem. dass du mit Gillian in Wahrheit doch nicht identisch bist. würde Panik ausbrechen. meine Liebe. »Die erste Kindergeneration ist noch nicht in der Pubertät. »Du.« »Ganz genau. sagte er selbstzufrieden.« Die Absolutheit seines Selbstbewusstseins ließ einem das Blut in den Adern stocken. besitzt für mich nicht den geringsten Wert. das die Kopulation von Brüdern und Schwestern.« »Das war geplant. ja. du hast dich schwer verrechnet. wobei er jedes Wort betonte. Bruder Gabriel.« Verstohlen warf sie Hancock.« »Nein«. Sie warten nur darauf. »Und du glaubst allen Ernstes. bist du nicht dumm«. einen nervösen Blick zu. Kannst du dir vorstellen. wenn meine Pläne zu früh bekannt würden? Noch ehe meine Kinder alt genug sind. mich anzunehmen. was ich mit dir tun soll. Dafür haben wir einen Ausnahmeplan. Es schüttelte sie. Melina.« Sie straffte die Schultern. diese neue Weltordnung herbeizuführen?« »Ich tue das bereits«. »Meine. »Einen Unterschied gab es. Denn du. sagte er. er genoss es sogar noch.« »Diese Möglichkeit besteht noch nicht«. »Siehst du. Und bis die Zeit reif ist. sagte er. sagte sie zu ihm. fuhr er regungslos fort. von Söhnen und Müttern in der Zukunft verhindert.« Er grinste breit. welches Chaos weltweit ausbräche. Seine Mundwinkel wanderten nach unten. »Zu viele Leute wissen.« »Das Risiko eines zufälligen Inzests wäre für sie entsetzlich.« Seufzend faltete er die Hände übers Knie und meinte: »Infolgedessen muss ich mich dem Dilemma stellen.« Ein traurig- mitfühlender Blick trat in seine schönen Augen. Deshalb bist du entbehrlich geworden.« Eine goldene Augenbraue hob sich zu einer stummen Frage. Hancock?« »Das ist korrekt. du hättest mich als Ersatz für Gillian vorgesehen. um die Positionen einzunehmen. die durch künstliche Befruchtung schwanger geworden sind. du bist im Stande. Melina.« »Und was ist mit dem Großen Plan?« »In welcher Hinsicht?« Jetzt spielte er bewusst den Begriffsstutzigen. Eine schlechte Wahl getroffen. sie anzunehmen.« »Und das kann ich nicht zulassen. müssen wir im Verborgenen auf unser Ziel hinarbeiten. Melina. der zwischen ihr und der Tür stand.« »Mit einer Ausnahme: Man würde dir ein Ende machen. dass ich heute hierher gekommen bin. um einen immensen Unterschied.

« .Totaloperation.

vermutlich in Begleitung dieses Mordkommissars aus Dallas und vielleicht sogar von Colonel Hart –. »Du bist in dem Glauben hier hereingeplatzt.« »Trotz ihres verwirrten Geistes und ihrer emotionalen Störung war diese junge Frau sehr einfallsreich und bis in meine Privatgemächer vorgedrungen. »Gillian hat Hennings nichts über diese bösen Eierstockzysten erzählt. dass nur er sie entziffern kann.« »Woher wusstest du … Wie…« »Woher ich das weiß? Hennings war ein guter Mann. 40 »Das hat Jem Hennings nicht gewusst. »Bei einer Überprüfung durch das FBI. den Finger auf die Lippen zu legen und ihr zuzuzwinkern. Wir greifen nicht auf die den Kirchen gewährte Steuerbefreiung zurück. Mit einer Ausnahme: Du hattest keine Fortpflanzungsorgane mehr. die irrtümlich annahm. Mr. stimmt’s?«. Psst.« Sie ließ sich nichts anmerken. »Kinder und ihre Mütter wird man wohl vorfinden. du könntest dein Leben gegen einen Beitrag zum Großen Plan eintauschen. Wir bezahlen unsere Steuern. Melina. Mr. da du an Stelle von Gillian eines meiner Kinder gebären solltest. »Wenn Agent Tobias kommt – was er nach unserer Kenntnis bald tun wird. Weißt du. plädiere ich sogar für Patriotismus. die Pistole auszuhändigen. »Gillian war ganz die brave Schwester und hat nie ein Wort über deine medizinische Vergangenheit verloren. mich mehrere bedrohliche Minuten in Schach zu halten. werde ich dir ein kleines Geheimnis verraten. Gott sei Dank entpuppten sie sich als gutartig.« Er griff nach ihrer Hand und drückte sie. werden sie die Siedlung in Aufruhr vorfinden. Du hast dir überlegt. Wenn du ganz lieb bist. fuhr er fort. wird man den Behörden freien Zugang zum Tempel gewähren. war es gelungen. ich hätte irgendetwas mit dem Mord an ihrer Schwester zu tun.« Erst nach einer bedeutsamen Pause fuhr er fort: »Nachdem alles wieder sauber ist. Hancock hat deinen Lebenslauf etwas gründlicher untersucht. Wie du siehst. Einer Verrückten. oder sonst jemanden«.« Er besaß sogar die Stirn. wo sie mein Leben mit einer Feuerwaffe bedrohte. fuhr Bruder Gabriel im selben höhnischen Tonfall fort. die dich schon im zarten Alter von siebenundzwanzig geplagt haben.« Er deutete auf die amerikanische Flagge in der Zimmerecke.« Jetzt senkte er seine Stimme auf ein vertrauliches Flüstern und sagte: »Über deine Frauenprobleme. ich täte dir nur ungern etwas an. Trotzdem hat man sie schließlich in die Enge getrieben und ihr befohlen. Aber diese leben aus freien Stücken . unseren Sicherheitskordon zu durchbrechen. die für ihre zierliche Hand viel zu groß und sperrig war. und so gelang es ihr. aber an diesem einen Punkt hat er seine Hausaufgaben nicht gemacht. obwohl ihr das sein beleidigender Ton schwer machte. »werden alle Aufzeichnungen wie die eines gesetzestreuen Amerikaners ohne jede kriminelle Veranlagung wirken. nicht weitersagen. Leider…« In gespielter Trauer zuckte er mit den Schultern. Nach der Operation warst du wie neu geboren. Hancock hat alle Dokumente so kodiert. Daraufhin hat sie sich diese an den Kopf gesetzt. Sie war vom blanken Wahnsinn umgeben. er wollte Gillian unbedingt ersetzen. Diese Kirche hat nichts gegen die Regierung. Aber die Entschlossenheit verlieh ihr Kraft.

« Sie zupfte an ihrer Unterlippe herum.« »Nehmen wir mal an.glücklich und zufrieden in einer Gemeinschaft. der sich als Tobias ausgegeben hat.« »Aber bei den anderen wird man DNS-Tests machen und damit beweisen. die man hierher gebracht hat. »Ganz genau.« »Möglicherweise erzählt Joshua eine andere Geschichte. was mit diesen Proben geschehen ist. »Ein bisschen was hast du vergessen. Jem und Dale Gordon hätten diesen Plan ausgebrütet«.« »Tobias und Lawson wissen. sagte sie. Melina. Dazu musstest du ihnen Sperma schicken. sich zu verwandeln und einer Gefangennahme zu entgehen. »Und die Kinder hier?« »Die Mütter werden wahrheitsgemäß bestätigen. vermutlich wegen seiner Bezahlung. Ich hatte davon keine Ahnung. in deinem garstigen Selbstmord gipfelte. Chief hat Jems Geständnis gehört. dass unsere Schule voll und ganz staatlich anerkannt und den meisten öffentlichen Schulen weit überlegen ist. die gegen kein Gesetz verstößt. Hennings und Gordon haben sich diesen Plan allein ausgedacht.« Wieder hätte sie ihm sein selbstgefälliges Lächeln am liebsten aus dem Gesicht geschlagen. und werde aus tiefstem Herzen jene tragische Kette von Ereignissen betrauern. »Ohne deine Mithilfe hätten sie ihn wohl kaum in die Tat umsetzen können. die ich nicht vererben möchte. dass er ihrer Vision einer neuen Weltordnung entsprach.« »Friede und Liebe«. in seiner Freizeit durchgeführt. Hancock einen Blick zu. zu meinem Entsetzen. Daraufhin hat er sich gegen Hennings gewandt und ihn getötet. Plötzlich fiel es ihr wieder ein und sie sagte langsam: »Die in den Bussen. aber trotzdem werde ich gern deinen Erkenntnissen lauschen.« »Joshua besitzt die einzigartige Begabung. Vielleicht sind uneheliche Kinder ja in manchen Augen eine Sünde. Das war schon früher so und wird wieder so sein. Jedenfalls handelt es sich dabei um keine Straftat. dass beide für dich gearbeitet haben. dass sie deine sind. »Das Anderson-Baby. Erst jetzt erfahre ich.« »Ich hatte Gordon Proben zum Analysieren geschickt. »Meint sie etwa unsere Tournee-Busse?« »Scheint so. Sie werden sehen. sagte sie leise. Bruder Gabriel. Joshua und –« »Joshua?« »Der Mann. dass du in engem Kontakt mit Dale Gordon gestanden hast. dass Dale Gordon verrückt geworden ist. Ich bin sprachlos.« Bruder Gabriels Blick wanderte wieder zu ihr zurück.« Rasch warf er Mr.« »Dafür gibt es Erklärungen. Diese Tests hat er. Innerhalb der Siedlung gibt es sogar eine Krankenstation. Offensichtlich ist es zum Streit gekommen. die ein ehemaliger Schüler ausgelöst hat und die. als wollte er sagen: Noch etwas? . Sie haben meine Botschaft verdreht und so verzerrt. fragte er unschuldig.« »Welche anderen?«. auf meine Bitte hin. dass ich viele davon gezeugt habe.« »Um –« »Um sie auf genetische Missbildungen zu untersuchen. Den hat Hennings angeworben. Stattdessen entzog sie ihm ihre Hand und trat einen Schritt zurück. Die anderen entführten Kinder. Die –« Plötzlich hielt sie inne.« »Ich hingegen werde mein Bedauern darüber aussprechen. die ich ihm einmal geschickt habe. ich hingegen betrachte sie als heilige Pflicht. Jedenfalls kenne ich nur diese Busse.« »Das glaube ich zwar nicht.

»Melina?« »Ich mindere ja nur ungern deine Erfolgsliste. das ist etwas ganz anderes. Und er war es auch. Instinktiv riss er die Hand zurück. machte sie ihm nicht die Freude. die Brust. wenn du ihm befiehlst. dass ich von Gordons Spermatausch mit meinem eigenen in irgendeiner Weise Kenntnis hatte. Hancock.« »Du wirst dir schon etwas Besseres einfallen lassen müssen. Prediger. »Es tut mir schrecklich Leid. Wieder war Bruder Gabriel überrascht. Melina. nachdem sie schwanger geworden war. jetzt begehe ich Selbstmord. wenn du mich tötest. »Mr. Andernfalls könnten wir nicht erfolgreich sein. Das war Alvin Medford Conway. wie Leid es dir erst tun wird. Melina?« Nie sollte sie erfahren. Derartige Negativwerbung schätzte das Büro gar nicht. dass ihn der Wahnsinn völlig in den Klauen hatte. Die Fassade bröckelte. Einer Frau in die Augen zu schauen und sie eigenhändig zu töten. Auch als Hancock ihr den Lauf von Longtrees Pistole an die Schläfe drückte. Tobias hatte sich das Eindringen in den Tempel schwerer vorgestellt. dass es so enden muss. zusammenzuzucken. einen Befehl zu erteilen und einen anderen für dich töten zu lassen. Man wird den Fötus testen. der Hancock mit einer wütenden Geste zum Weitermachen aufforderte. »Ganz ehrlich. »Du scheinst an alles gedacht zu haben.« »Na schön. Zum Glück habe ich der Samenbank Sperma gespendet. aber eines hast du tatsächlich übersehen. Das war nicht mehr Bruder Gabriel.« Nur wenige Zentimeter vor ihr blieb Bruder Gabriel stehen. was sie sich ohne Gegenwehr gefallen ließ. verzog sie keine Miene. bei der sie Patientin war. Ich bin erleichtert. Auf diese Weise sind jedwede DNS-Tests von intrauterinem Zellmaterial unmöglich.« Obwohl sie seine Berührung anwiderte.« »Klopf dir nicht zu früh auf die Schulter. ich sehe keinen Grund zur weiteren Verzögerung.« Ihm gefiel weder ihre Wortwahl noch ihr abfälliger Ton. Er hatte eine regelrechte Pattsituation oder eine Schießerei mit Sektenmitgliedern befürchtet. getötet hast? Tobias lässt sie gerade exhumieren.« »Und warum?« »Weil es einfach ist. was ihn mehr verblüffte: ihr leises Lachen oder die leise gesprochene Lösung des Rätsels. Das hätte zwar nicht bewiesen. »Also.« »Und er wird meiner DNS entsprechen. der sie mit bitterem Hass ansah. wirst du dich selbst vernichten. Brüsk deutete er auf sie.« Er lächelte. »Rätsel. Jahrelang…« Zu seinem tiefen Erstaunen begann sie zu lachen.« Sie hielt seinem Blick noch einige Momente länger stand und ihre Gewissheit wuchs. mich bei dir für die Verbrennung von Gillians Leichnam zu bedanken. abzudrücken.« Seine Finger wanderten über ihre Wange. »Du hast ja keine Ahnung. dass die Sache fast beendet ist und ich mich wieder meiner Arbeit widmen kann. Für so etwas hätte ich wirklich keine Zeit. Und wenn es abgelaufen wäre wie in ähnlichen Fällen. bei denen . Es lief zwar nicht ohne Hindernisse ab.»Übrigens habe ich es versäumt.« »Wir bemühen uns um Sorgfalt. Was ist mit der anderen Frau. entwickelte sich aber bei weitem nicht zum Fiasko.« Hancock packte von hinten ihre Arme. Aber möglicherweise hätte sich dadurch die Ermittlung in die Länge gezogen. den Hals. Steht das so im Plan?« »So ist es geplant. die du wenige Tage. jede Maske verschwand. und mein Terminkalender fordert momentan sowieso schon alles von mir. Damit wäre jedwede Verwechslung logisch zu erklären. die die Klinik versorgt.

« Das Tor wurde geöffnet. dass Hart auf seinem Mitkommen bestünde. hätte er ihn in der Gefängniszelle sitzen lassen. Ich versuche nur. Da es zu lange gedauert hätte. hätte seine Karriere die ganzen Jahre auf Eis gelegen. FBI. Hancocks Zustimmung nicht machen. Ich bin kein großer Fan von ihm. »Baker. Mir wär’s nur lieber.« »Kann ich meinen Chef anrufen?« Binnen kurzem donnerte auf der anderen Torseite ein Jeep heran. wenn ich darauf keine Zeit und Mühe verschwenden müsste. Sie ist eine Bedrohung für Bruder Gabriel. Außerdem waren Lawson und Hart bei ihm.« »Schauen Sie«. Ein Mann stieg aus und kam auf sie zu. »Das kann ich ohne Mr. Zur Durchführung dieses Jobs brauche ich Ihre Erlaubnis nicht. Und falls Sie diese Drohung für heiße Luft halten. Aber als er dem Wachmann seine Dienstmarke unter die Nase hielt. Der junge Tempelwächter schluckte beklommen und fragte: »Hat jemand etwas angestellt?« »Haben Sie heute Abend eine Frau in die Siedlung gelassen?« »Jawohl. wie schwer oder leicht Sie’s mir und sich selbst machen. zu verhindern. »es ist mir egal. um dieses Tor in die Luft zu sprengen.« Er deutete mit dem Daumen in Harts Richtung.« »Wer ist Mr. Von hinten strahlten ihn die Scheinwerfer an. die das Leben eines VIP bedroht. Also. dass diese besagte Frau hier ist. Er zog seine Neun-Millimeter-Pistole. Öffnen Sie das Tor. ob ihr da drinnen mit Schlangen tanzt oder lebenden Hühnern die Köpfe abbeißt. Wir werden uns darum kümmern. ist. »Schaltet die Überwachungskameras ab«. Hancock?« . »Ich wiederhole: Wo liegt das Problem?« Als man ihm mitteilte. ich will nur meine Pflicht und meinen Job tun. eine bewaffnete und gefährliche Frau zu ergreifen. Sir. die Sie in dieser Angelegenheit haben.Menschen verwundet oder getötet wurden.« Lawson war weit weniger diplomatisch. »Meine Männer wissen. die er versehentlich nicht ausgeschaltet hatte. aber als Tobias dann verlangte. bockte Barker. die eine gründliche Ermittlung erforderte. Und der besteht heute Nacht nun mal darin. Chef des Wachdienstes«. »Wo liegt das Problem?« »Sonderagent Hank Tobias. fand er nur wenig mehr Gefallen an der Idee. wenn Sie morgen unbedingt im Fernsehen eine Erklärung abgeben möchten. als hätte er an diesem Tag schon einen Kampf überstanden. Er sah aus. packte den jungen Mann die Angst vor Tobias und seiner Begleittruppe. sie in die Siedlung zu lassen. was diese Frau ihm angetan hat. weitere Agenten aus Santa Fe oder Albuquerque selbst per Hubschrauber zu holen und der örtliche Sheriff mit unbekanntem Ziel verschwunden war. »Und der ist angeblich ihr Freund. kurz und gut: Die einzige Wahl.« »Dann sind Sie der Übeltäter.« Seltsamerweise schien Baker Tobias’ Ausweis nicht zu beeindrucken. Sein Verhalten wurde sogar noch ein wenig feindseliger. Seine Haltung wirkte defensiv und misstrauisch. das zu diesem Bezirk gehörte. »Na schön. warum wir aufgehalten wurden und deshalb das Leben Ihres Chefs nicht mehr retten konnten. Aber so war er nun mal dabei. hatte sich Tobias zur Verstärkung Polizisten aus dem Indianerreservat geholt. »Mach dieses Scheißtor auf. Mich persönlich interessiert das alles nicht. vor ungefähr einer Stunde. müssen Sie sich nur mal ansehen.« Baker registrierte den hässlichen ungenähten Schnitt auf dessen Jochbein und das eingetrocknete Blut in seinem Gesicht. meinte Tobias. dass Bruder Gabriel heute Nacht getötet wird. dass Bruder Gabriels Leben in Gefahr sei. auch nicht. Wenn Tobias geahnt hätte. sagte er durch die Eisenstäbe.

und Baker wusste das. Und jetzt verlassen Sie den Aufzug. Er meckerte zwar weiter. Umso mehr hatte es ihn erstaunt. »Das geschieht zu Ihrem eigenen Schutz. »Und Sie bleiben auch«. Tobias wusste. »Aber sie könnten uns sehen?« »Nur wenn sie die Monitore beobachten. dass wir hier sind. »Bist du taub geworden oder was?« »Im dritten. in Begleitung Bakers.« »Nein. die dort patrouillierten. »Helfen Sie. Es handelte sich um einen inhärenten Argwohn. Tobias wies drei Männer an. Ich will nicht. »Das ist das einzige Areal in der ganzen Siedlung. Sie bleiben hier. Indianer hegten generell Misstrauen und Abneigung gegen Regierungsagenten. wo keine Kameras gestattet sind«. als dieser als letzter in den vollen Aufzug drängte. dass der Chef der Reservatspolizei gezögert hatte. ihm Handschellen anlegen zu lassen. der nur allzu begründet war und seit Generationen untermauert wurde.« Auf ein Signal von Tobias nahm einer der Reservatspolizisten Baker rasch seine Waffe und das Walkie-Talkie ab. wie Bruder Gabriel den Tempelgrund erworben hatte. und sie zu einer Kurzschlussreaktion verleiten. erklärte er dem Astronauten. unten zu bleiben und ein Auge auf Baker und seine Leute zu werfen. »Bruder Gabriels persönlicher Assistent. Der Anblick der vielen Bewaffneten. keinen FBI-Agenten in offizieller Mission anzugreifen. dass sich ein Nationalheld während meiner Dienstzeit töten lässt. Der Mann rastete aus. ihm zu folgen. »Dem traue ich nicht von zwölf bis Mittag. Sie möchten Ms.« »Und wo ist Mr. war aber so schlau. ließ in Tobias’ Magen ein flaues Gefühl aufkommen. Alles deutete auf eine Katastrophe.« »Nein. nahm er mit jedem Reservatspolizisten Blickkontakt auf. Mehrere seiner Leute seien anderweitig beschäftigt. wenn er sich nicht beruhige und den Mund halte.« »Dann würde ich die Kameras abschalten. heute Nacht nicht.« Dieser Satz war totaler Blödsinn. Baker im Auge zu behalten. Tobias wusste nicht. Er kannte die Geschichte. Lloyd. und er könne auf keinen verzichten. Ich bringe Sie hin.« »Um keinen Preis. erklärte ihnen der Sicherheitsoffizier. ihm für heute ein paar Leute zu geben.« Drei Minuten später ließ man sie. Anschließend ging er wieder zu seinem Jeep und wies sie an. er sei knapp besetzt. Hancock?« »In Bruder Gabriels Privatgemächern. fragte er.« Während Chief rückwärts aus der Kabine ging. wann er geschlagen war. Als Baker nicht sofort antwortete. Einer nach dem anderen trat aus dem Aufzug und stellte sich neben ihn. stupste ihn Lawson unsanft ins Rückgrat. »Ich fahre mit ihm«. Die Reservatspolizei stellte seine einzige Hilfe dar.« Hart trat vor und fragte: »Gibt es da drin Kameras?« Diese Frage kam Tobias gerade recht. die Kameras vom Netz zu nehmen. Der Mann hatte sich damit entschuldigt. Auf diese Verstärkung war er angewiesen. Allerdings hatte er .« »Wofür ich allein verantwortlich bin. in die Halle des Hauptgebäudes ein. Mit ihm und Ms.« Baker sprach in sein Walkie-Talkie und befahl. Es sei denn. ob er ihm glauben sollte oder nicht. aber Tobias drohte.« »Ich denke dabei an Ihr Leben. »In welchem Stock liegen die Privaträume?«. Lloyd darauf aufmerksam machen. meinte Lawson. er hatte sie schon selbst stellen wollen.

sagte aber alles. Richtig gelesen. »Mr. bring ich dich um.« »Glauben Sie ihnen«. Er dauerte höchstens eine Millisekunde. »Gillian. Bruder Gabriel sprach erneut. stirbt auch dein Baby. bei dem es selbst einem eingefleischten Junggesellen wie Tobias eng ums Herz wurde. Ihre Männer sind gerade noch recht gekommen. »Melina Lloyd hatte eine Totaloperation. Sie wechselten einen Blick. Antworten. »Hart.« Einen Augenblick wirkte Hancock unentschlossen. als Hart den Polizeichef um diesen persönlichen Gefallen bat. und nicht nur überflogen wie bisher. erklärte ihnen Gillian. Angesichts des Schocks. Ein Blick genügte ihm zum Kommando über acht Mann. Vor so vielen Augenzeugen wird sie mich nicht erschießen.« »Du lügst. ob ich schwanger bin oder nicht.« »Er weiß es«.« Christopher Hart hatte genug gehört. wirst du dich selbst vernichten. den Tobias bisher ignoriert hatte. wirkte allein seine Stimme bedrohlich genug. Und damit war Tobias auch ohne Test klar: Im Ernstfall hätte Hart mehr Autorität als er. klang er bemerkenswert gefasst. lassen Sie mich das machen. »Lass sie los!«. um die man ihn bewundern und beneiden musste. Ohne ihn hätte man seine Bitte wohl abgelehnt. »Ich bin Gillian. »sie ist Gillian. »Ich habe heute Abend den Autopsiebefund gelesen. der Gillian Lloyd noch immer eine Pistole an den Kopf hielt. Sie können sie jetzt unbesorgt loslassen. »Wir können auch die Treppe nehmen«. Leider weit weniger als Christopher Hart.« Und dann sagte Bruder Gabriel: »Rätsel. Mit gezückten Waffen stürmten die Männer schussbereit den Raum. befahl er dem Mann. Die Leiche. Hancock. die der Pathologe untersucht hat.« Tobias wusste. »Hancock hat das bei seiner Recherche über sie . sagte Tobias barsch. Christopher Hart trat vor.« »Das habe ich übersehen«. besaß weder Gebärmutter noch Eierstöcke. Melina?« »Nein. Obwohl Chief unbewaffnet war. senkte dann aber auf eine Geste von Bruder Gabriel die Pistole und ließ sie schließlich zu Boden fallen. sagte Hart. Außerdem hatte er bei Christopher Hart Führungsqualitäten kennen gelernt. in dem Tobias Hancock vermutete. Mit gezückten Pistolen rückte die Gruppe schweigend zur Doppeltür vor. So zog er sie in Sicherheit. als Schwarzer ein Plus zu haben. Ein einfacher Bluttest wird beweisen. So aber war sofort ein Team von acht Mann zur Stelle.angenommen. Der nächste von Tobias’ Helfern stieß sie mit dem Fuß außer Reichweite. Er schoss an Tobias vorbei und stieß die Tür auf. »Kommt rein«. dass er es ernst meinte. Während der Fahrt nach oben überprüften sie ihre Waffen. Er und Gillian streckten sich die Hände entgegen. als er mit wenigen Schritten bei Hancock war und ruhig sagte: »Wenn du ihr auch nur ein Haar krümmst.« Hart schien ihn nicht gehört zu haben. meinte Tobias. Wenn du mich tötest. Beim Näherkommen hörten sie: »Wenn du mich tötest. sagte Chief. den er verdauen musste. Einige zielten auf Bruder Gabriel.« »Vor fast einer Woche wurde ich künstlich befruchtet. alles in Ordnung?« »Gillian?« Dieser Ausruf kam von Bruder Gabriel. gestand Lawson. andere auf den bewaffneten Mann.« »Es ist wahr. Im Handumdrehen hatte Tobias die Situation erkannt und schrie: »Waffen weg! Lasst sie los!« Die Reservatspolizisten verteilten sich im Halbkreis an den Wänden. Dann riss sie die Augen von Hart los und wandte sich an den Prediger. du Dreckskerl«.

Zusammen mit unserem Colombo hier hegt sie die wirre Idee. Ihr Leben zu retten.« Mit einem Blick erfasste er Lawsons zusammengewürfelte Garderobe und sein zerknittertes Aussehen. Dann sagte er. warum Sie mich befragen möchten. sagte sie ruhig. wo er stand. sagte sie. Es ist mir schleierhaft. um sie zu bändigen?« »Mr. Bei Ihrem Eindringen hatte Mr. Warum sind Sie schon heute Abend gekommen?« »Unter dem Vorwand. Als Tobias von ihnen zu Bruder Gabriel schaute. »Ich bin überzeugt. Hancock sie gerade entwaffnet. bezüglich der Morde an Melina Lloyd.« »Fahr zur Hölle. Sie hat Wahnvorstellungen.« Und zu Hart gewandt.« »Wir haben doch erst morgen unseren Termin. Sie kennen zu lernen.« Der Prediger drehte sich zu ihm.herausgefunden.« »Das ist richtig. Er hielt einen Dienstrevolver zwischen den Händen. Ich freue mich.« Lawson hätte ihn beinahe angeknurrt. meinte sie: »Wenn Longtree nicht die erste Kammer leer gelassen hätte. »Sie hat eine Pistole auf mich gerichtet. sagte Gillian. was sie über dich wissen müssen. Er hat bereits abgedrückt.« »Außerdem gibt es einen Schlafsaal voll Kinder«. ich sei irgendwie für den Mord an ihrer Zwillingsschwester verantwortlich. dass Sie darunter auch das Anderson-Baby finden werden.« »Er lügt«. Mr. rief Tobias. »Gut. wäre ich schon tot. »Ihr Ruf eilt Ihnen voraus. der auf Bruder Gabriel gerichtet war.« »Vorwand?« Lawson sagte: »Ich würde Ihnen gerne ein paar Fragen stellen. transportieren wir sie in Bussen. Sie sind Agent Tobias. Vielleicht lag das aber auch weniger an seinem Befehl als an Gillians Hand auf Harts Arm. Herr Kommissar.« »Mich muss man nicht mehr holen. »Und Sie müssen Lawson sein. Lloyd – besser gesagt.« Hart machte einen drohenden Schritt auf Hancock zu. »Wenn wir von entlegenen Orten senden.« Bruder Gabriel lächelte erfreut. Als diese Personen ihr Schicksal ereilte. Gillian – hat sich heute Abend mit List hier eingeschlichen und unter heftigen Anschuldigungen mein Leben bedroht. Sie sind Gillian. »Wir wurden einander noch nicht richtig vorgestellt.« . »Ms. Der Tod ihrer Zwillingsschwester hat –« »Halt dein gottverdammtes Maul«. gestand er lachend. was für eine Überraschung. zu Bruder Gabriel gewandt: »Warum haben Sie ihr eine Pistole an den Kopf gehalten? War das nötig. fauchte Lawson. erklärte Bruder Gabriel mit einem hilflosen Schulterzucken. Hancock wollte sie nur so lange in Schach halten.« »Bei meiner Ankunft sind hier drei Busse voller Kinder weggefahren«. war ich weit von Dallas entfernt. und er blieb. »Den gibt es tatsächlich«. »Hier steht nicht die Aussage dieser Dame gegen deine. die hier im Tempel leben.und Übertragungsgeräte«. gut.« Diese neue Stimme ließ alle zu dem uniformierten Mann herumfahren. »Sie gehören Männern und Frauen. Ich kann ihnen alles sagen. Bruder Gabriel ließ ihn links liegen und wandte sich wieder an Tobias. aber Tobias rief ihn scharf an. Linda Croft und Jem Hennings. der hinter den schweren Samtportieren hervortrat.« »Video. bis Sheriff Ritchey eintrifft. »Lawson«. Ich nehme an. Hancock vertrat diese Ansicht. dass dieser lächelte. merkte er erstaunt.

Und dann hast du ihre Unschuld gestohlen und sie in eine Hure verwandelt. Sofort!« »Sheriff. während du mit Hancock weg warst. als ich es mir leisten konnte. was sie jetzt tut. töten werde ich ihn sowieso. »Vorsicht mit der Waffe. Ich habe sie nie zu etwas gezwungen. Du hast mein liebes kleines Mädchen mit dem Lockenschopf zu einer Hure gemacht! Du hast gesagt. »Sie heißt nicht Mary. »einen Stern.« »Wessen Namen?« »Oletas Namen«. Er zog die Nase hoch. Diese sogenannten Leibwächter. es sei für alle das Beste.« Aber Ritchey hatte nur noch Augen für Bruder Gabriel. Tobias wollte unbedingt Blutvergießen verhindern. sie würde wie eine Prinzessin behandelt. Um Himmels willen. wie sehr sie die Liebe mit mir mag. Aber du hast ihr nur eines beigebracht: Wie…« Seine Stimme brach.« Bruder Gabriel warf Tobias einen hektischen Blick zu. Tränen standen darin.« »Wenn er sich zu Recht verantworten muss. Du sagtest. als sie zu dir kam.« Bruder Gabriel schaute zu Hancock hinüber. die ich nicht bedacht habe. Sie hätte ein besseres Leben und bekäme eine bessere Ausbildung. »Ich will hören. wenn ihr wollt. wie du ihn sagst. Sie wird Ihnen sagen. Scheiße. warum Sie sich hinter den Vorhängen herumtreiben?« Ritchey packte die ausgestreckte Pistole fester. »Bleib zurück! Das ist eine Sache zwischen ihm und mir. schluchzte Ritchey. wenn sie hier lebt. schoss es Tobias durch den Kopf. Du hast mir eingeredet. Und sie war keine Hure.« Mit einem heftigen Kopfschütteln wehrte sich Ritchey gegen Tobias’ ruhige Argumente. aber er registrierte die Bewegung und warnte den Mann.« »Wer ist Mary? Wovon redet er?« »Ich habe mein kleines Mädchen gegen einen Stern eingetauscht«. der seinerseits wütend den Sheriff anstarrte. »Schluss mit diesem Unsinn. »Ritchey! Stecken Sie Ihre Waffe weg. »Ich will hören. Er konnte den Satz nicht beenden. wie du ihren Namen sagst. Vorsichtig wollte sich ihm einer der Reservatspolizisten nähern. es sei gut für sie. blinzelte die Tränen weg und sagte mit erstaunlicher Ruhe: »Du wirst sterben. Für ihr Seelenheil. Sie haben Agent Tobias gehört«.« Dieser Mann verfiel zusehends. eine Entwicklung. haben nicht einmal hinter den Vorhängen gesucht. Aus dieser Entfernung kann ich ihn nicht verfehlen.« »Wo du mich am wenigsten vermutet hättest«. Sie wurde zu dem geboren.« Dann wandte er sich wieder an Ritchey und sagte: »Haben Sie eine Erklärung dafür. hast du gesagt. Fragen Sie sie. ich lasse nicht zu. Sheriff Ritchey.« »Wie ist Ihnen das gelungen?« »Ich kam rein. Trotzdem bebten seine Hände genau wie seine Stimme. Mary war nicht von Natur aus unschuldig. »Sheriff Ritchey.« Scheiße. »Sie sind das FBI. dann wird das vor Gericht geschehen. brüllte er aus vollem Halse. dass er sich lächelnd herausredet. »Um ein Zitat von dir zu wiederholen.« Plötzlich klärte sich des Sheriffs verzerrte Miene. ohne dass er es merkte. »Diese Männer sollte man auswechseln. »Sheriff Ritchey! Dort sind Sie also verschwunden.« . stecken Sie Ihre Waffe weg und –« »Nein. tun Sie etwas. Schießt ruhig. die du mitgebracht hast. höhnte der Sheriff. näher zu kommen. sagte Bruder Gabriel aalglatt.

41
»Er wusste genau, was er tat.«
Agent Tobias wandte sich an die Gruppe, die sich im Büro des Sheriffs versammelt hatte.
Sonst gab es keinen geeigneten Platz dafür. Chief hatte den Thermostat auf ein erträgliches Maß
zurück gedreht. Die Hilfssheriffs, die man zurückbeordert hatte, kochten Kaffee. Unter dem
Schock, dass ihr Chef, Sheriff Ritchey, in der Gefängniszelle saß, funktionierten sie wie Roboter.
Wegen Selbstmordgefahr wurde er ständig bewacht. Die Tür zwischen dem vorderen Büro und
dem Flur zur Zelle war geschlossen.
Gillian war froh, dass sie nicht in den Flur hineinschauen musste. Jeder Blick rief böse
Erinnerungen wach. Leider genügte auch ein Blick in Chiefs Gesicht, ihr wieder bewusst zu
machen, was sie ihm angetan hatte. Teilweise. Aber das war bei weitem nicht das Schlimmste.
Tobias fuhr fort: »Er hat Conway – Alvin Medford Conway alias Bruder Gabriel – in den
Bauch geschossen. Erst nach zwei Salven konnten wir ihn stoppen. Er wollte Conway nicht
sofort erledigen, sondern ihn zwingen, über sein Sterben nachzudenken.«
Da die Krankenstation im Tempel auf eine lebensbedrohliche Verletzung, wie sie Bruder
Gabriel davongetragen hatte, nicht eingerichtet war, hatte man 911 angerufen.
»Fünfhundert Meter vor der Nothilfe ist er seinen Verletzungen erlegen«, berichtete ihnen
Tobias. »Er hat noch eine lange halbe Stunde unter qualvollen Schmerzen gelebt und musste mit
ansehen, wie er verblutet ist. Und immer in dem Bewusstsein, dass er es nicht schaffen wird.
Ritchey hat bekommen, was er wollte.«
Lawson schnaubte. Es klang zufrieden. Dann nahm er einen kräftigen Schluck aus seiner Dr.
Pepper-Dose.
»Und was ist mit Ritcheys Tochter?«, wollte einer der Reservatspolizisten wissen.
Tobias teilte mit, was ihm Ritchey erzählt hatte. »Er hatte eine Reihe erfolgloser Jobs hinter
sich. Hatte Schulden. Da kam Conway auf ihn zu, und sie vereinbarten ein Tauschgeschäft. Sie
würden so tun, als hätte man Oleta entführt. Steht übrigens noch immer als ungelöstes
Verbrechen in den Akten. Mrs. Ritchey wird in Bälde wieder ihre Tochter in die Arme schließen,
von der sie geglaubt hat, sie sei als Zehnjährige entführt worden.« Er schaute zwischen seinen
mit Quasten verzierten Bally-Trotteurs zu Boden. »Wenn ich richtig verstanden habe, wird das
Mädchen demnächst Bruder Gabriels Baby entbinden.«
Gillian hörte Chief leise vor sich hinfluchen. »Er hat seine eigene Tochter als Sexsklavin
verkauft?«
»Im Grunde ja«, erwiderte Tobias. »Trotzdem glaube ich ihm. Er hat gedacht, er täte das Beste
für sie. Erst vor kurzem hat er ihre wahre Rolle im Tempel erfahren. Bruder Gabriel hat sich
durch sie Ritcheys Schweigen und fortwährende Kooperation gesichert. Heute Nacht hat ihn sein
eigenes Schuldgefühl ausrasten lassen. Er ist froh, dass Conway tot ist, und wird Ihre Aussage
bezeugen, Ms. Lloyd.«
»Nennen Sie mich Gillian, bitte.«
Er hatte keine Zeit, ihrer Bitte nachzukommen. Draußen kam Lärm auf. Alle Blicke wanderten
zur Tür. Zwei Männer mit Handschellen auf dem Rücken wurden in den Raum geschoben.
Gillian und Chief erkannten sie auf der Stelle wieder.

Sie befanden sich im Gewahrsam mehrerer strammer, bis an die Zähne bewaffneter Indianer,
die fröhlich grinsten. Der eine trug zwei Streifen Kriegsbemalung auf der Wange. Er löste sich
von den übrigen. »Agent Tobias?«
Er stand auf und hob die Hand. »Ich bin Agent Tobias.«
»Wir gehören zur Reservatspolizei, in geheimer Mission. Wir haben diese Männer auf Grund
einer Zivilklage wegen unbefugten Betretens verhaftet. Ihr Wagen hat sich dabei als rollendes
Waffenarsenal entpuppt. Neben illegalen Automatikgewehren fanden wir Spionagegeräte, die
nur auf dem Schwarzmarkt erhältlich sind, sowie einen Karton mit aus Mexiko
eingeschmuggelten verschreibungspflichtigen Medikamenten.« Nach einem raschen Blick auf
Gillian und Hart fuhr er fort: »Wir haben Grund zur Annahme, dass sie etwas mit Ihrem Fall hier
zu tun haben.«
»Er ist derjenige, der sich als Tobias ausgegeben hat«, sagte Gillian, wobei sie auf den
Schwarzen zeigte. »Bruder Gabriel nannte ihn Joshua, aber das ist vermutlich ein Deckname. Sie
haben Chief und mich verfolgt.«
»Damit.«
Sie bemerkte Dexter Longtree erst, als er hinter einem größeren, jüngeren Mann vortrat. In
seiner Hand lagen der Rubinanhänger und der winzige Sender, den sie daraus entfernt hatten.
»Ich danke Ihnen«, sagte Tobias ehrerbietig, den Longtrees königliche Haltung offensichtlich
beeindruckte. Er legte das Beweisstück auf den Schreibtisch und wandte sich den beiden
Gefesselten zu. Mit scheelem Blick musterte er den einen, der es gewagt hatte, seine Identität zu
missbrauchen. »Wie heißen Sie?«
»Leck mich.«
»Zweiter Vorname?«, fragte Lawson.
Alles lachte.
»Später«, sagte Tobias zu Joshua. Es klang wie eine Drohung. Joshua wurde mit seinem
namenlosen Partner einigen FBI-Agenten übergeben, die eben erst aus Santa Fe eingetroffen
waren. Man brachte das Paar ins Freie und verfrachtete sie für die Fahrt in die Stadt in getrennte
Autos.
Chief erhob sich von seinem Sitz und trat zu Longtree. Gillian tat es ihm nach. Die beiden
Männer schüttelten einander die Hand. Chief dankte ihm.
»Ich habe mich gefreut, helfen zu können«, erwiderte Longtree. »Eigentlich hat es sogar Spaß
gemacht.«
Die Runde lachte wissend. Chief wandte sich an Longtree: »Ich erführe gern mehr über die
NAA.«
Der ältere Indianer musterte ihn lange Zeit. »Sie schulden mir nichts.«
»Ihnen vielleicht nicht, aber mir selbst.«
In den Augen des Alten flackerte etwas auf. »Ich würde mit Freude ein Treffen arrangieren,
wann immer es Ihnen passt.«
»Wir bleiben in Kontakt.«
Nach einem erneuten Händedruck ergriff Gillian Longtrees Hand. Rau fühlte sie sich an,
kräftig, warm und Vertrauen erweckend. »Sie waren sehr, sehr freundlich. Darüber hinaus haben
Sie wegen meiner Ihr Leben riskiert. Ich bin Ihnen so dankbar.« Nach kurzem Zögern gab sie
ihrem Impuls nach und umarmte ihn kurz, aber fest. Offensichtlich hatte er nichts dagegen, denn
ehe er sie losließ, tätschelte er ihr noch die Schulter. »Danke schön, Häuptling Longtree.«
»Gern geschehen, Gillian.«
Respektvoll ließen ihn die Reservatspolizisten vorausgehen, ehe sie ihm im Gänsemarsch

folgten. Erst nachdem sie durch die Tür verschwunden waren, dämmerte es Gillian, dass
Longtree sie bei ihrem richtigen Namen genannt hatte. Sie schaute Chief an. Ihre Blicke trafen
sich. »Wann hast du ihm erzählt –«
»Habe ich nicht.«
»Woher weiß er denn –«
»Keine Ahnung. Anscheinend weiß er eine Menge Dinge, im Gegensatz zu uns.«
Lawsons Stimme unterbrach ihren langen Blick und zog sie wieder in die Besprechung. »Und
wie gehen die Ermittlungen jetzt weiter?«
Tobias erläuterte. »Irgendwann wird morgen eine Spezialeinheit eintreffen. Inzwischen sind
Agenten aus Santa Fe und Albuquerque im Tempel und stellen sicher, dass nichts vernichtet oder
verändert wird. Außerdem wurden alle Aktivitäten in den ausländischen Einrichtungen der
Kirche vorübergehend eingestellt. Die Spezialeinheit erwartet maßgeschneiderte Arbeit. Bereits
die Durchsicht sämtlicher Daten auf Hancocks Computersystem wird ein Fest.«
Gillian sagte: »Bruder Gabriel hat damit geprahlt, alle Eintragungen seien kodiert, nur Mr.
Hancock könne sie entziffern.«
»Unsere Experten haben schon vorher Codes geknackt. Vielleicht brauchen sie Monate, aber
knacken werden sie auch den von Hancock, davon bin ich überzeugt.«
»Vielleicht zeigt er sich ja kooperativ«, meinte Chief.
»Zweifelhaft. Dafür hat schon unsere eigene Regierung gesorgt. Hancock war CIA-Agent. Am
Tag seiner Pensionierung hat er sich auf Bruder Gabriels Seite geschlagen.« Als er ihre
schockierte Reaktion sah, fügte er hinzu: »Darüber hat mich Ms. Myrick vor knapp einer halben
Stunde informiert. Sie hat seinen Lebenslauf gründlich abgeklopft.«
»Erschreckend«, sagte Gillian leise, »und bezeichnend. Vielleicht werden wir nie erfahren,
wie weit Bruder Gabriels Einfluss reicht.«
»Hoffen wir, dass dieser Einfluss mit ihm gestorben ist«, sagte Chief.
»Vermutlich werden wir eine Gegenreaktion unverbesserlicher Anhänger erleben«, warnte
Tobias. »Wir müssen uns auf ein unangenehmes Nachspiel gefasst machen. Wie schwerwiegend,
bleibt abzuwarten, aber viele werden die Meinung vertreten, wir hätten einen von Gott höchst
persönlich Berufenen vernichtet.«
»Bruder Gabriel war nicht das Sprachrohr Gottes«, widersprach Gillian heftig.
»Hoffentlich kommen die anderen auch zu diesem Schluss, sobald alle Anklagen gegen ihn
veröffentlicht werden.«
Eine ganze Weile herrschte betroffenes Schweigen. Gillian fiel wieder ein, dass Chiefs
Kollege seine Tochter in die Tempelschule geschickt hatte. Wie würden die Leute reagieren,
wenn sie erführen, dass Bruder Gabriel das personifizierte Böse gewesen war? Legionen von
Jüngern würden sich beraubt fühlen. Andere würden sich weigern, die Wahrheit zu akzeptieren,
und vielleicht mit Gewalt antworten. Nie hätte sie sich damals, als Dale Gordon sie mit Chief
gesehen hatte, träumen lassen, welche weit reichenden Folgen diese Begegnung haben sollte.
Sie fragte: »Hat man die Busse gefunden?«
Tobias nickte. »Direkt auf dem Weg nach Mexiko. Voll gepackt mit Fernsehgeräten. Und mit
siebenundvierzig Kindern.«
Gillian stieß einen langen Seufzer der Erleichterung aus.
»Alle schienen gesund zu sein. Allerdings hatten sie Angst, als sie aus den Bussen geholt
wurden. Die Polizei von New Mexico kümmert sich um sie; sie ist außerordentlich kooperativ,
auf Bitten des Gouverneurs. Eine Anmerkung: Unter dem Pflegepersonal, das die Kinder heute
Abend fortgeschafft hat, befanden sich Dorothy Pugh und Hennings Schwester, der zwei von den

Kindern gehörten.«
»Gezeugt von Bruder Gabriel?«
»Vermutlich. Bei ihrer Verhaftung hat sie den Beamten angespuckt, als er danach gefragt hat.«
»Und das Baby der Andersons?«
»In dieser Altersgruppe gab es mehrere Jungen. Man muss erst feststellen, welcher ihrer ist.«
»Chief und ich haben versprochen, sie anzurufen, wenn wir etwas wissen. Ich habe ihre
private Handynummer.«
Tobias rutschte unbehaglich herum und hüstelte hinter seiner Hand. »Diesbezüglich gibt es
einen hässlichen Gesichtspunkt, den Sie vielleicht noch nicht bedacht haben.« Gillian und die
Übrigen schauten ihn erwartungsvoll an. »Vielleicht wollen die Andersons den Jungen
mittlerweile nicht mehr haben. Offen gestanden vermute ich, dass die meisten Paare, deren
Kinder entführt wurden, sie ablehnen werden, wenn sie erfahren, wer der leibliche Vater ist. Von
einem anonym ausgewählten Spender schwanger zu werden, ist eine Sache. Wenn man aber
weiß, dass das eigene Kind einen Irren zum Vater hat …« Den Rest ließ er unausgesprochen.
»Himmel«, sagte Lawson, »daran hatte ich gar nicht gedacht.«
Gillian schon. Dieser Gedanke nagte an ihr, seit die Vermutung, Dale Gordon habe in seinem
Labor Sperma vertauscht, zum ersten Mal aufgetaucht war. Allein bei dem Gedanken daran hatte
sie sich auf dem Gehsteig übergeben müssen.
Auch jetzt machte diese Vorstellung sie wieder ganz krank. Zitternd hob sie beide Hände an
die Lippen und blies darauf, um ihre kalten Finger zu wärmen. Blicklos starrte sie in die Luft.
Als sie schließlich wieder klar sehen konnte, merkte sie, dass das Gespräch erlahmt war, und
jeder nur sie anstarrte.
Tobias räusperte sich. »Vermutlich spreche ich im Namen aller. Warum haben Sie das getan?
Warum haben Sie sich als Melina ausgegeben?«
Ihre Augen wanderten von ihm zu Lawson, und danach von Lawson zu Chief, ohne dass sie
dessen Blick lange ertragen konnte. Deshalb wandte sie sich an Lawson. »Daran war eine
Bemerkung von Ihnen schuld.«
Beinahe hätte er seine Dr. Pepper-Dose fallen gelassen. »Von mir?«
»Als die beiden Polizisten an jenem Morgen in Melinas Haus kamen, haben sie mich nicht
namentlich angesprochen. Und wenn doch, habe ich’s nicht mitbekommen. Sie haben mich aus
tiefstem Schlaf geweckt. Ich habe nur begriffen, dass meine Zwillingsschwester ermordet
worden war.«
»Warum sind Sie überhaupt in Melinas Haus gewesen?«
»Nachdem ich…« Sie zögerte. Anstatt Chiefs Namen zu nennen, sagte sie: »Nachdem ich das
Mansion verlassen hatte, bin ich nach Hause gefahren. Melina schlief schon. Ich habe sie
geweckt und noch eine Weile mit ihr geredet. Daher wusste ich auch, dass Jem mit dem
Anhänger da gewesen war. Ich habe ihn dort auf dem Nachttisch liegen gelassen. Melina hat mir
Jems Besuch in allen Details erzählt. Deshalb konnte ich Jem auch zu gegebener Zeit davon
überzeugen, ich sei die Frau gewesen, die er am Abend vorher angetroffen hat.«
»Liebe Güte, jetzt wird’s aber verwirrend«, bemerkte Lawson.
»Für mich auch«, erwiderte sie mit einem matten Lächeln. »Melina bat mich, sie die Nacht in
meinem Bett schlafen zu lassen, weil sie sowieso schon dort war. Das klang sinnvoll. Also bin
ich zu ihrem Haus gefahren und habe die Nacht dort verbracht.«
Einen Moment brach die entsetzliche Erinnerung an die erste halbe Stunde wieder auf,
nachdem sie von dem Mord an Melina gehört hatte. »Als ich in mein eigenes Haus gestürzt bin,
haben Sie, Mr. Lawson, mich daran gehindert, das Schlafzimmer zu betreten. Sie haben mich

zurückgehalten, wissen Sie noch? Sie haben mich gewarnt, den Tatort nicht zu kontaminieren,
und sagten: ›Sie wollen doch wissen, wer Gillian getötet hat, oder?‹
Und diese Frage war wie ein Schlag ins Gesicht. Damit kam ich, sozusagen, wieder zur
Besinnung. Erst in diesem Moment habe ich ihren Fehler begriffen. Sie haben mich mit Melina
verwechselt. Offensichtlich hatte der Mörder denselben Fehler gemacht. Als ich die Worte an der
Schlafzimmerwand gesehen habe, wusste ich, dass ich sterben sollte, weil ich mit Chief
zusammen gewesen war. Aber wer konnte das wissen? Und warum sollte ich deshalb sterben?
Ich beschloss, diesen Fehler nicht eher zu korrigieren, bis ich mehr wusste.
Dann kam Jem, und von da an nahm alles eine bizarre Wendung. Anfänglich wusste er nicht,
dass ich – Gillian – die Nacht mit Chief verbracht hatte. Also hatte er auch keine Ahnung, dass
Bruder Gabriel den Mord befohlen hatte. Bis zu diesem Zeitpunkt war er ehrlich schockiert.
Aber als ich verkündete, Gillian sei mit Chief an Melinas Stelle ausgegangen, und nachdem
Jem die Schmierereien gesehen hatte, dämmerte ihm der Grund, weshalb Gillian getötet werden
musste. Wahrscheinlich hat er sogar Dale Gordon als Täter dahinter vermutet. Deshalb ging er
damals in Lawsons Büro dazwischen, als Chief anfing, Gordon zu beschreiben.
Aber schon vorher hatte ich ihn im Verdacht. Warum log er wegen der Verlobung? Warum
behauptete er, gegen künstliche Befruchtung zu sein, während er mich immer dazu ermutigt
hatte, seitdem mir die Idee zum ersten Mal gekommen war? Bis ich die Antworten auf diese
Fragen wusste, musste ich mich schützen. Und dazu musste ›Gillian‹ tot bleiben.
Jem wurde nie argwöhnisch. Das wusste ich. Ich konnte meine Abneigung nicht verhehlen,
aber er und Melina hatten sich sowieso nie vertragen. Es war einfach, ihm einzureden, ich sei sie.
Bei anderen war das nicht so leicht.« Sie konnte sich einen raschen Blick auf Chief nicht
verkneifen. Seine Augen klebten förmlich an ihr.
Rasch fuhr sie fort, wobei sie Lawson ansah: »Ich gestand unseren Rollentausch vom Abend
zuvor und überließ es dann Ihnen, anzunehmen, dass wir uns am Ende wieder in uns selbst
verwandelt hätten. Was wir nicht taten.«
»Ich habe Sie nie gefragt, wann dieser Rollentausch vorbei war?«
Sie schüttelte den Kopf. »Sie wollten nur wissen, wann Gillian vom Mansion heimgekommen
sei. Ich bin gegen halb drei heimgekommen, fuhr aber nach meiner Stippvisite weiter zu Melinas
Haus. Sie schlief in meinem Bett und starb für mich.«
Die Emotion war zu stark. Sie musste sich räuspern, ehe sie weitersprechen konnte. »Ich hatte
schwer daran zu tragen, dass alle um mich trauerten, während sie doch eigentlich um Melina
hätten trauern sollen. Oft wäre ich unter dieser Last beinahe zusammengebrochen. Mich hielt nur
eines aufrecht: Ich war entschlossen, die Person zu finden, die ihren Tod zu verantworten hatte,
koste es, was es wolle.«
»Wie lange hätte denn dieser Rollentausch Ihrer Ansicht nach dauern sollen?«, fragte Lawson.
»Wie lange ich Melina sein wollte? Bis ihr Tod gerächt war. Weiter habe ich nicht gedacht.
Vermutlich habe ich damit ein Verbrechen begangen. Oder? Annahme einer falschen Identität?«
»Ich werde mal nachsehen«, nuschelte Lawson.
Tobias meinte: »Sie haben Bruder Gabriels Verbrechen aufgedeckt. Ich konzentriere mich
darauf.«
Gillian wandte sich an Chief: »Ich hatte solche Angst, du würdest vergessen, dass wir Dale
Gordon gesehen hatten. Als wir uns in Lawsons Büro angeblich zum ersten Mal begegnet sind,
habe ich dir eure Begegnung mit ihm in diesem Tacos-Lokal massiv in Erinnerung gerufen. Ich
musste Lawson wissen lassen, dass Dale Gordon eine Spur war, konnte das aber nicht selbst
enthüllen.«

»Du hast ihn an jenem Abend wiedererkannt?«
»Sofort, nur woher, das konnte ich nicht einordnen. Erst als er sagte, er arbeite in der Waters-
Klinik. In dem Moment fiel mir wieder ein, dass ich ihn dort gesehen habe. Er hat mich ein paar
Mal angesprochen. Und… und offensichtlich nicht nur das.« Beim Gedanken an die Fotos, die er
unwissentlich von ihr gemacht hatte, schüttelte es sie.
»Damals erfuhr ich, dass sie eine Zwillingsschwester hatte«, erklärte Chief den anderen. »Sie
erklärte mir, Gordon müsse sie mit ihrer Schwester Gillian verwechselt haben.«
»Aber Sie waren doch Gillian«, sagte Lawson ziemlich verwirrt.
»Tat aber so, als sei sie Melina«, erinnerte ihn Chief.
Lawson musterte sie finster. »Sind Sie sicher, dass Sie jetzt Gillian sind?«
»Ja«, sagte sie mit einem zaghaften Lächeln, »das bin ich.«
»Sie ist es«, gestand Tobias beschämt. »Der Autopsiebefund bestätigt, dass die Tote Melina
war.«
»Ich hatte schreckliche Angst, Sie würden darauf stoßen«, erklärte sie Lawson. »Warum sollte
sich eine Frau ohne Fortpflanzungsorgane künstlich befruchten lassen?«
»Deshalb wollten Sie die Leiche möglichst schnell verbrennen lassen.«
»Ja. Als dann Sie, Mr. Tobias, mir sagten, Lawson habe Ihnen die Mordakte gegeben,
befürchtete ich, Sie würden es bemerken.«
»Habe ich nicht, erst heute Abend. Daraufhin bin ich zu Lawson gerannt. Dann sind wir
schleunigst hierher, um Sie mit Ritcheys Hilfe ausfindig zu machen. Stattdessen fanden wir
Colonel Hart in der Zelle eingesperrt, stockwütend.«
Sie wandte sich an Chief: »Haben sie’s dir gesagt?«
Gerade als er sprechen wollte, erledigte das Lawson für ihn. »Das war nicht nötig. Er hatte es
bereits selbst herausgefunden.«
»Hattest du?«, fragte sie mit belegter Stimme. »Wann?«
Genau in diesem Augenblick öffnete einer der Hilfssheriffs, die zu Ritcheys Bewachung
abgestellt waren, die Tür und unterbrach. »Agent Tobias, er fragt nach Ihnen. Will wissen, ob er
unbedingt seine Frau sehen muss. Sagt, er könne weder ihr noch seinen anderen Kindern ins
Gesicht schauen.«
»Bin gleich da.« Tobias stand auf. Damit war die Sitzung offiziell beendet. Er erklärte ihr und
Chief, er habe für sie Zimmer im Motel reserviert. »Morgen früh um zehn kommt ein
Hubschrauber, der uns alle nach Albuquerque bringt. Von dort können Sie dann nach Dallas
weiterfliegen.« Verstohlen schaute er Chief an. »Oder wohin Sie wollen. Sorgen Sie nur dafür,
dass Sie mir eine Nummer hinterlassen, unter der man Sie erreichen kann. Es wird noch jede
Menge Details geben. Papierkram.«
Sein Handy klingelte. Er klappte es auf und antwortete: »Tobias. Oh, jaa, Lucy. Danke für
Ihren Rückruf. Nein, heute Abend nichts mehr. Gehen Sie heim. Erholen Sie sich. Sie können
morgen weitermachen. Ich habe nur angerufen, um Ihnen nochmals zu sagen, wie hervorragend
Sie in diesem Fall gearbeitet haben. Wirklich hervorragend.« Er drehte ihnen den Rücken zu.
Trotzdem hörte Gillian, wie er sagte: »Außerdem wollte ich fragen, welche Blumen Sie mögen.
Ganz richtig. Blumen.«

Er hat schon genug Probleme.« »Tust du doch schon.« Eigentlich war das unübersehbar.« »Das wird eine Narbe geben. nahm ich an. Ihre nassen Haare hatte sie gekämmt. Das eine Mal. sagte er ungeduldig. »Hast du dich nach Pax erkundigt?« »Bandit geht’s gut. »Seit drei Tagen hinterlasse ich bei dir im Büro und zu Hause Nachrichten. eine freundliche Leihgabe des Mansion. trotzdem tropfte ihr aus den Spitzen das Wasser in den Nacken. Und Melinas Haus… Es kam mir vor. Warum hast du mich nicht zurückgerufen?« »Wer hat dir gesagt.« »Das werden sie schon richten. Ich will nie wieder einen Fuß hineinsetzen. weil sie sich in einen weißen Frottee-Bademantel gewickelt hatte.« »Er ist ja erst siebeneinhalb Monate alt. Und als ich herauskam und du weg warst. ich konnte unmöglich wieder in mein Haus. »Was war mit dem Rückflug nach Dallas? Ich dachte. ihn abzulehnen. stand sie Chief gegenüber.« »Er hat kapituliert?« »Erst als ich ihm angedroht habe. 42 »Ich hätte dir höchstpersönlich einen von diesen Sendern einpflanzen sollen. Tobias hat’s mir erzählt. wenn ich mich dort aufhielte. Ihm geht’s gut. der die Hände gegen beide Türpfosten stemmte und so eine Barriere bildete. das ich dort gewesen bin.« »Wie geht’s deinem Gesicht?« »Wurde genäht.« Diesbezüglich teilte sie Chiefs Vertrauen.« »Ich weiß. Sie waren ganz aus dem Häuschen. sie haben ihr Kind wieder. Eine mit tiefen Falten auf der Stirn. dass ich hier bin?« »Tobias. Wir treffen uns nächste Woche auf ein Bier. Sollte er irgendwie emotional geschädigt worden sein. Allen geht’s so verdammt gut.« »Chief. Und jetzt –« »Möchtest du etwas trinken?« »Nein!«. wir flögen zusammen. ihm die Presseabteilung der NASA an den Hals zu hetzen. mich hier draußen im Flur stehen zu lassen?« Sie trat beiseite und schloss die Tür hinter ihm. war schlimm genug.« Als Gillian ihre Zimmertür öffnete. Ich bin am Flughafen auf die Toilette gegangen.« . »Ich klopfe jetzt schon volle fünf Minuten an diese Tür. »Heute Nachmittag habe ich mit Candace Anderson gesprochen.« »Hast du vor. es wäre ihnen nie eingefallen. dann hoffentlich nur minimal.« »Damit sehe ich schneidig und gefährlich aus. du seist schon eingestiegen. als würde ich ihr noch einen Schlag versetzen.« »Ich war unter der Dusche.« »Wie viele Stiche?« »Sieben. glaube ich.

als von dir gehalten werden. er ist in dich verknallt. vielleicht aus Bedauern? »Aber es hätte auch seines sein können. und ich musste direkt neben Lawson sitzen. »Weißt du. Auf diesen Gedanken bin ich gar nicht gekommen. was ihre Tränen aber nicht zurückhielt. Ich dachte. Ich brauchte Halt und wollte nichts anderes. als hätte jemand seinen Hinterkopf an einem Seil zurückgerissen. ich müsste sterben. aber kein Unterschied. Sie quollen unter den Lidern hervor und rollten über ihre Wangen.« »Hast du eine Ahnung. wie sehr ich mich zusammennehmen musste. Ich war todtraurig.« »Lawson?« »Kann mich nicht ausstehen. Leise sagte er ihren Namen und umfing ihr Gesicht mit seinen Händen. »Negativ.« Ihm fehlte der Mut zu fragen. Und hatte Angst. »Oh. Nicht einer. wie ich mich nach der ersten Sekunde mit dir fühlen würde.« Er schluckte heftig. »Es tut mir Leid.« »Was?« »Einen Bluttest. als wir anfingen –« »Schscht. um ihm eine dunkle Strähne aus der Stirn zu streichen.« Sie hob die Hand. Übrigens. »Aber du warst nicht im Flugzeug.« »Wann hast du es herausgefunden?« »In der Gefängniszelle. »Ich wusste nicht. Chief.« »Leid?« »So vieles. Und dann musste ich wieder daran denken.« Ihr Blick fiel auf seinen Mundwinkel. Chief. Als ich in dein Zimmer kam.« »Ich glaube dir. wenn er mich sieht. tot.« »Ich habe einen anderen Flug genommen. nachdem Salz in eine kleine Schnittwunde geraten war. so sehr wollte ich dich in die Arme nehmen und von dir festgehalten werden. der leicht zuckte. Schnaubt jedes Mal. So war es. Und als Melina an jenem . und doch musste ich die Fremde spielen. ich schwör’s. dass sie ihn nicht länger im Ungewissen ließ. um nicht bei jedem Anblick von dir weiche Knie zu bekommen? Damals in Lawsons Büro waren erst zwölf Stunden vergangen.« »Wirklich?« Er nickte. wie Gillian Tacos gegessen hat. »Es hätte meines sein können. und das Schlafzimmer voll mit all dem Blut.« »Kein einziges Mal habe ich an die künstliche Befruchtung gedacht.« Sein Kinn fuhr hoch. wie verdorben ich mir vorkam? Ich wollte Melina genauso sehr wie Gillian.« »Ich weiß.« »Um mir aus dem Weg zu gehen?« »Ich hatte etwas Wichtiges zu erledigen.« Sie schlug die Augen auf. Ich hatte Melina da liegen gesehen. dass ich dir an jenem Abend begegnen würde. Das war so höllisch sexy. Und in dem Fall…« Sie schloss die Augen.« »Wie?« »Ständig musste ich Melina mit Gillian vergleichen. seit ich dein Bett verlassen hatte. Ich hatte keine Ahnung. Wie sie ihren Finger abgelutscht hat. »Weil es mir genauso ging. Und jedes Mal fielen mir tausend Ähnlichkeiten auf. aber seine Miene sah so besorgt aus.

nachdem wir miteinander geschlafen haben?« »Weil ich dir unbedingt sagen wollte. setzte sich darauf und winkte sie auf seinen Schoß. Ich habe ihr nicht alles anvertraut. Vorsichtig berührte er den hässlichen blauen Fleck auf ihrem Schlüsselbein. Dieselbe Bewegung. darüber nachzudenken. »Ich wusste es«. »Unglaublich sensibel«. Vor Freude. die ich dir nicht sagen konnte. die du aber unbedingt wissen solltest.« In dieser innigen Umarmung blieben sie lange Zeit sitzen. »Ich habe dir so oft Unrecht getan. wirkte es genauso sexy. sagte er barsch.« Er zwängte seine Hand zwischen beide Körper und berührte sie so. hinunter zum Bauch. Chief.« »Etwa nicht?« »Damals schon«. flüsterte er ihr in den Nacken. Und vor Verzweiflung. Keiner konnte warten. »Warum hast du geweint. Sie schüttelte den Kopf. dir so viel zugemutet. seine Zunge liebkoste ihre Brustwarzen. In meinem Kopf verschmolzen beide Bilder. aber nicht konnte. streichelte ihren Rücken. Er öffnete den Gürtel ihres Bademantels und schob ihn zurück. dass es so etwas nicht doppelt gibt. dann ist das zutiefst ehrlich gemeint. Sie setzte sich auf ihn. »Hast du darüber mit Melina gesprochen?« Momentan brachte sie kein Wort heraus. Dabei ist der Schnitt wieder aufgeplatzt. Etwas ganz Besonderes. murmelte er. Erst als ich anfing.« »Aber ihr habt doch alles geteilt. zersprang mein Herz. Nicht innerhalb weniger Tage. eigentlich –« »Meine eigenen Gefühle. »Genau wie hier. Dann schob er die Hände unter ihren Bademantel. ihre Hüften und blieb schließlich auf ihrer Taille liegen. knöpfte die Ärmel auf und zog sich das Hemd geschlossen über den Kopf.« Ihre Finger tasteten über seine Brust. Sie riss die Augen auf.bewussten Nachmittag dasselbe tat. Meine eigenen Worte. Kannst du mir verzeihen?« Er ging rückwärts zum Bett. Als du meinen Namen – Gillian – gesagt hast. was ich empfinde. die Einzelteile zusammenzusetzen. »Nicht?« »Nein. Sie kuschelte ihr Gesicht in seine Haare und küsste sachte seine bandagierte Wange. Dinge. »Tut’s weh?« »Jetzt nicht mehr. Derselbe Finger.« Er bedeckte ihre Brüste mit den flachen Händen und rieb sachte ihre erigierten Spitzen. Inzwischen hatte sie ihn von seinen Jeans befreit. was mir ›Melina‹ von Gillian erzählt hat.« Wieder kamen ihr die Tränen. und alles passte. Dann schüttelte er seine Jacke herunter. »Als ich in Longtrees Pick-up Pommes frites gegessen habe. Ich habe nicht einmal gemerkt. hob sie zum Mund und küsste sie leicht. So etwas kommt nicht zwei Mal im Leben vor.« »Wie hast du gesagt? Wenn ein Mann in diesem besonderen Augenblick etwas sagt. Das war viel zu persönlich. Ich begann. dass ich das tat. Ihre Antwort war ein leises Wimmern. dass sie die Luft anhielt. während er zärtlich daran saugte.« »Also war alles.« »Ich auch nicht. Sie zog seine Hand hervor. »Dich wollte ich ganz für mich allein behalten. ich konnte mich nicht irren.« »Ich hätte diesen Mistkerl umbringen sollen. . »Ich wusste.« »Dich nicht. wusste.« Plötzlich fiel es ihr wieder ein.« Er senkte seinen Kopf auf ihren Busen. und das Salz brannte.

« . küsste er ihre Stirn. ihre Nase. Mit kleinsten Bewegungen zog er sich ganz aus. ihre Hüften kreisen zu lassen. Sie strich mit der Zunge über die Unterlippe und schmeckte ihren Kuss. öffnete ihren Bademantel und legte sich der Länge nach auf sie.« »Ja«. Er seufzte ihren Namen. Doch dann änderte sich die Berührung. Sie lächelten einander an. das aus tiefstem Herzen kam. und sie auch. »Nein.« Er tat es. lieg still«.« »Ich weiß. zu einem langen tiefen hungrigen Kuss. ihre Wangen und endlich ihre Lippen. aber doch spürbar. Er drehte sie rasch um und drückte sie aufs Bett. ich bin in dich verliebt. flirteten. denen er mit seinen eigenen jedes Wort sachte eindrückte. Du hast es mir schon gesagt. und sie herunterhob. Sie waren nah. schaute in ihr Gesicht hinunter und flüsterte: »Du bist unglaublich schön. Kaum merklich. »Aber –« Sein Mund sank auf ihren. »Und wahnsinnig sexy. Sie konnte das schmeichelnde Fieber darin spüren. Seine Finger hinterließen tiefe Eindrücke in ihrem Fleisch. neckten sich. Als er sich endlich aufstützte.« Da schlang sie ihm die Arme um den Hals und flüsterte: »Halt nichts zurück. Langsam begann sie.« Sie schüttelte den Kopf und flüsterte: »Aber nur ich habe es gehört. Endlich zog er sich zurück. Vor und wieder zurück. Lippen und Zungen berührten sich kaum noch. Er breitete die Hände über ihre Schenkel. stöhnte er. Begehren und Verletzlichkeit. Als er wieder in sie eindrang.« »Das zählt nicht. Er steuerte jede erotische Welle. reizten einander. hob sie ihm ihren Schoß entgegen. ich rede mit Melina. Sie gehörte ihm. ganz nah … Umso erstaunter war sie. lieg still. Ihre Wangen waren gerötet. Ihre Lippen verschmolzen in einem einzigen ehrlichen Bekenntnis voller Lust. »Ich kann dich ganz spüren. Dieser Kuss war Erotik pur. Ich dachte. waren ihre Rollen dabei klar definiert. feucht und himmlisch erschöpft. Sie presste sein Becken zwischen ihre Schenkel. Ihre Lippen fühlten sich voll. »Warte!«. »Gillian. Jede leise Bewegung entlockte ihm ein Stöhnen. üppig und verführerisch nass an. als er unterbrach. sie tat es ihm nach. konnte er gerade noch keuchen.« Auch ohne Schmuck und Make-up fühlte sie sich schön. Dann wurde aus dem Kuss ein unendlich zärtliches Liebesbekenntnis. So wie seine Zunge ihren Mund liebkoste. Doch zum Schluss loderte die Leidenschaft wieder auf. Danach blieben sie lange Zeit liegen.

de www. München in der Verlagsgruppe Random House GmbH Umschlaggestaltung: Design Team München Umschlagfoto: PicturePress/Jose Molina Satz: Uhl+Massopust.Die Originalausgabe erschien 2000 unter dem Titel »The Switch« bei Warner Books. Aalen MD · Herstellung: Heidrun Nawrot eISBN 978-3-641-10329-3 www.. Copyright © der Originalausgabe 2000 by Sandra Brown Management. Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe 2003 by Blanvalet Verlag. Inc.blanvalet. Ltd. München. New York. 6. Auflage Taschenbuchausgabe April 2005 bei Blanvalet.de . einem Unternehmen der Verlagsgruppe Random House GmbH.randomhouse.