1.

Einführung
Zehn Monate ist es her, dass SUSE mit openSuse 10.2 eine neue Version der Distribution herausbrachte. Nun liefert der Distributor eine aktualisierte Version seines Produktes aus. Nach Aussagen des Herstellers bietet die neue openSuse 10.3 alles, was zeitgemäße LinuxBenutzer benötigen. Das System beinhaltet demnach »alles für den effektiven Einsatz des Rechners zu Hause und unterwegs«. Pro-Linux schaute sich die Boxversion der Distribution eine Zeit lang an und testete sie in einer produktiven Umgebung.

2. Lieferung
Novell liefert openSuse 10.3 mit dem gewohnten Maximalumfang. Das Paket kommt in der openSuse 10.3 Verkaufsversion mit insgesamt zwei Dual-Layer-DVDs. Seit der 9er-Reihe unterstützt Suse/openSuse neben der x86- auch die x86_64-Architektur. Die gedruckte Dokumentation des Produktes schrumpfte allerdings auf ein knapp 270-seitiges Installationshandbuch. Vorbei scheinen die Zeiten zu sein, als die Distribution mit einer tausend Seiten starken Dokumentation den Käufer verwöhnte. Neu bei openSuse 10.3 sind die neuesten Versionen der Desktop-Umgebungen Gnome (2.20) und KDE (3.5.7), inklusive einer Vorschau auf KDE 4. Die Basis der Distribution bilden der Kernel 2.6.22.5, GCC 4.2.1, Glibc 2.6.1 und RPM 4.4.2. Darüber hinaus liefert Novell das aktuelle Produkt mit Libzypp 3.24.2 aus. Ein Schmankerl für alle Suse-Nutzer dürfte die Beigabe weiterer kommerzieller Software sein. Exklusiv in openSuse 10.3 lizenzierte der Distributor auch diesmal das einfach zu bedienende Homebanking-Programm Moneyplex von Matrica. Ferner enthält openSuse eine kostenlose Version der Textverarbeitung Textmaker sowie eine Version von Planmaker, einer Tabellenkalkulation aus dem Hause Softmaker. Zu den weiteren Beigaben der Distribution zählen die BackupGanz in grün - Der neue Lösung SEP sesam, Opera sowie die AntivirusStartbildschirm Lösung »antivir«. Die Käufer der Box erhalten zudem einen 90tägigen Support bei der Installation des Systems. Neben Anwendungen, die eher Testcharakter haben, hat Novell auch dieses Mal an die Heimbenutzer gedacht und fügte der Distribution auch MultimediaAnwendungen hinzu. Neben RealPlayer findet sich im Lieferumfang des Produktes auch der Flashplayer sowie Adobe Reader. Darüber hinaus kommt openSuse 10.3 mit einer Reihe von Firmware-Images für einige gängige WLANChips. Die fglx- sowie nvidia-Treiber fehlen dagegen sowohl in der kostenlosen als auch in der kostenpflichtigen Box-Version. Dafür ist im Lieferumfang der neue Nouveau-Treiber für Nvidia-Karten enthalten. Zum weiteren Lieferumfang des Produktes gehören ebenfalls zahlreiche ServerAnwendungen. So enthält openSuse 10.3 auch dieses Mal aktuelle Versionen von Apache, Samba und MySQL. Auch die gängigen Tools zur Erstellung und Entwicklung von Applikationen sind in der neuen Distribution enthalten. Neben

GCC 4.2 liefert Novell auch Sun Java 5 samt geeigneter Plugins für den Browser, Python 2.5.1, PHP 5.2.4 und Mono 1.2.5 mit.

3. Installation
3.1. Allgemein
War die Installation einer Linux-Distribution noch vor ein paar Jahren etwas für Spezialisten, so hat Linux diesbezüglich in den letzten Jahren neue Standards gesetzt. Alle großen LinuxDistributionen haben viel Entwicklungszeit in die Verbesserung des Installationsprozesses gesteckt, so dass eine Linux-Installation mittlerweile weniger Probleme bereiten sollte als die der Konkurrenz aus Redmond oder Cupertino. Fast alle Anbieter konzentrieren sich mittlerweile auf die Pflege der Tools.

So war es kaum verwunderlich, dass die neue Suse kaum Probleme bei der Installation verursachte. Eine Installation sowohl auf einem Xeon-Server, Dual-Core-System oder aber auch in einer virtuellen Maschine oder auf einem Laptop konnte das neue openSuse-System nicht aus dem Tritt bringen. Die komplette Hardware wurde einwandfrei erkannt und sinnvoll konfiguriert. Es sollte allerdings erwähnt werden, dass unsere Tests keinesfalls eine Referenz darstellen und lediglich einen Ausschnitt wiedergeben - je nach Hardware und Peripherie kann sich die Installation natürlich unterschiedlich verhalten.

Das Verschieben von Partitionen ist für openSuse 10.3 kein Problem

3.2. Beam be up Scotty - Installation
Fast schon obligatorisch änderte der Hersteller auch in der neuen Version des Aussehen des Boot-Screens. Das Blaue musste wieder dem Grünen weichen. Funktionell gesehen unterlag die Auswahl der möglichen Installationsmethoden keinerlei Änderung. So bietet Suse immer noch eine automatische Installation wahlweise mit deaktiviertem ACPI oder in einer sicheren Umgebung, eine manuelle Installation, Rettungssystem oder Speicher- oder Firmwaretest zur Auswahl an. Einzig die Struktur der Boot-Auswahl wurde gegenüber dem Vorgänger ein wenig angepasst. Neu hinzugekommen ist nun auch eine grafische Anzeige des Ladefortschritts, wie sie schon in Suse Linux Enterprise Desktop 10 (SLED) oder Suse Linux Enterprise Server 10 (SLES) eingeführt wurde. Was danach kommt, gehört zum Standard. Nach der Auswahl der Sprache schlägt openSuse alle nötigen Schritte vor und spart vor allem Anfängern lange Handbuchkonsultationen. Neu in openSuse 10.3 ist die Eingabe von zusätzlichen OnlineRepositorien, die bereits bei der Auswahl hinzugefügt werden können. Darüber hinaus lassen sich auch Add-On-Produkte auf separaten Medien bereits beim ersten Start einbinden. Wird ein Online-Medium hinzugefügt, beginnt die Distribution mit der Einrichtung von Netzwerkeinstellungen, so dass

Eingabe von zusätzlichen OnlineRepositorien vor der Installation

noch vor der eigentlichen Installation die Informationen aus dem Internet geladen werden können. Je nach Verbindung kann diese Prozedur allerdings eine Weile dauern. Ein Vorteil dieser Vorgehensweise ist, dass funktionelle Fehler in der Installation vom Distributor noch vor der eigentlichen Installation durch das Hinzufügen eines Patches beseitigt werden können. Die anfängliche Konfiguration des Systems besteht aus der Auswahl des Installationsmodus, der Tastaturbelegung, der Maus und der Festlegung der Partitionierung, der zu installierenden Pakete, der Sprache, der Wahl des Bootloaders und der Zeitzone sowie des Default-Runlevels. Systemprofis und Linux-Kenner dürfen weiterhin ihre Einstellungen manuell tätigen - in dieser Hinsicht bevormundet der Distributor die Anwender nicht. Erfreulich ist ebenfalls die zu jedem Punkt der Installation in deutscher Sprache verfügbare Hilfe, die bequem zu Rate gezogen werden kann. Am Verlauf der Installation hat der Hersteller nur wenige Änderungen durchgeführt. Neu hinzugekommen ist die Möglichkeit, iSCSI-Geräte bereits bei der Partitionierung zu konfigurieren. Wurde die grobe Konfiguration durchgeführt, installiert openSuse 10.3 nach einer Klickorgie, während der diverse Lizenzen akzeptiert werden müssen, das System auf der Festplatte.

3.3. Wie darf es sein - Konfiguration
Direkt nach der Installation startet die eigentliche Konfiguration. Ist das Passwort für »root« eingegeben, kann das System den Wünschen entsprechend eingestellt werden. Ein nützliches Feature bei der Eingabe des Passworts ist ein Fenster, das die Tastaturbelegung anzeigt. Falsche Tastatureinstellungen oder zufällig aktivierte Tasten, die die Eingabe eines falschen Passworts zur Folge hatten, sollten damit auf ein Minimum reduziert werden.

Die Erkennung der installierten Geräte und Karten beherrscht das Produkt gewohnt souverän. Alle der bei unseren Testsystemen eingesetzten Hardware-Komponenten wurden erkannt und korrekt in das System eingebunden. Ein Novum der aktuellen openSuse stellt der Verzicht auf ZENWorks dar. Anstelle dieses Dienstes, der in den letzten Version für massive Probleme sorgte, setzt Novell bei openSuse 10.3 komplett auf Libzypp. Dementsprechend fällt vor der Konfiguration eine Synchronisierung mit ZENWorks weg, die unter Umständen lange dauern konnte. Aus unserer Sicht eine durchaus vertretbare Entscheidung, spielt ZENWorks seine Stärken wohl eher in einer Unternehmensumgebung aus und weniger auf einem Heim-System. Die Netzwerkeinrichtung wurde gegenüber der letzten Version erheblich aufgeräumt. Der Anwender hat weiterhin die Wahl zwischen einem klassischen Netzwerkaufbau mittels NetControl oder einer Konfiguration des Netzwerks mittels des Network Managers. Die dafür verwendeten Masken wurden aber radikal
openSuse 10.3 bringt eine veränderte Maske für die Netzwerkkonfiguration

Der Login-Bildschirm

umgebaut. Informationen zum Routing oder übergeordneten Servern lassen sich in der neuen openSuse erheblich leichter und logischer eintragen. Die Wahl des zu verwendeten Kernelmoduls wurde jedoch durch einen Wegfall der Liste mit allen unterstützten Adaptern schwerer. Dafür bietet die Konfiguration nun erheblich mehr Einstellmöglichkeiten. So lassen sich bereits bei der Installation die Zugriffsrechte auf die Netzwerkschnittstelle regeln oder erweiterte Netzwerkparameter einstellen. Im Großen und Ganzen eine durchaus gelungene Überarbeitung, die sicherlich die Einrichtung des Netzwerks leichter machen wird. Neben Änderungen an der Netzwerkkonfiguration wurde auch die Verwaltung der Benutzer überarbeitet. Unter anderem erlaubt Yast ab sofort bereits bei der Installation, die Heim-Verzeichnisse der Nutzer zu verschlüsseln und dabei auch die maximale Größe des Verzeichnisses anzugeben. Eine weitere Neuerung der Verwaltung stellt die Möglichkeit dar, dem Nutzer Kontingente zuzuweisen, die allerdings bereits bei der Partitionierung berücksichtigt werden sollten.

4. GNOME und KDE
4.1. GNOME
Der Desktop der GNOME-Umgebung gestaltet sich aufgeräumt und übersichtlich. Ein Klick auf das Startmenü verrät die Änderungen - wer bereits SLED oder SLES einsetzt, wird über das neue Menü kaum verwundert sein. openSuse 10.3 kommt mit demselben Aussehen und derselben Struktur wie das erste Update der Premiumprodukte. Die Struktur des Menüs wurde übernommen und unterscheidet sich kaum von der in SLED oder SLES. Folglich dürften auch jene, die bereits das Menü in GNOME unter openSuse 10.3 mit openSuse 10.2 eingesetzt haben, recht schnell neuem Startmenü auch mit der Neuentwicklung zurecht kommen. Anwender, die das Menü auch in openSuse 10.2 nicht mochten, werden auch mit der Neuentwicklung wenig Freude haben. Die wohl größte Änderung unter GNOME stellt allerdings eine GTK+-Portierung von Yast dar. Das Tool verhält sich unter GNOME wie eine native Applikation und ist von anderen GNOME-typischen Anwendungen nicht zu unterscheiden. Dazu haben die Programmierer Yast nicht nur in zwei separate Frontends zerlegt, sondern dem Konfigurationstool unter GNOME auch gleich zusätzliche Funktionalität spendiert. Die augenscheinlichste Änderung erfuhr dabei das Softwaremanagement-Modul, das komplett überarbeitet wurde und unter GNOME nicht nur ein frischeres Look & Feel mit sich bringt, sondern sich auch intuitiver und leichter bedienen lässt. Ferner sieht Yast unter GNOME wie das typische Konfigurationstool aus, mit dem die Umgebung angepasst werden kann. Die Wiedergabe von MP3-Musikstücken unter GNOME klappt dank RealPlayer und Plugins von Fluendo tadellos. Auch das Abspielen einer Vielzahl von Videos funktioniert ohne Probleme. Wird ein Codec nicht gefunden, bietet der
GTK+- und Qt-Anwendung unter GNOME

Player dem Anwender die Möglichkeit an, das entsprechende Zusatzcodec vom Netz zu laden und zu installieren. Darüber hinaus informiert eine Seite von Novell über mögliche lizenztechnische Probleme. Negativ unter GNOME fällt dagegen die Integration von Qt- oder KDEAnwendungen ins Auge. Während Novell in der Vergangenheit versuchte, die beiden Umgebungen durch die Installation von gleichen Farbschemen wenigstens äußerlich zu integrieren, fällt diese Maßnahme in der aktuellen Suse flach. Installiert der Anwender erst ein GNOME-Desktop und dann eine einzelne KDEAnwendung, wirkt sie durch ein komplett anderes Schema sowie andere Schriftgrößen wie ein Fremdkörper. Hier wäre es auf jeden Fall wünschenswert, dass der Distributor zu seinen Wurzeln zurückfindet und die Integration der beiden Umgebungen wieder verbessert, denn es gibt durchaus Gründe, unter GNOME auch KDE-Anwendungen zu nutzen.

4.2. KDE
»KDE ist perfekt«, zu diesem Schluss könnte ein Nutzer von openSuse 10.2 und openSuse 10.3 kommen, denn die Umgebung wirkt in beiden Distributionen fast identisch. Während GNOME in vielen Punkten verbessert wurde und vor allem von der gelungenen Yast-Integration profitiert, müssen KDE-Nutzer unter openSuse 10.3 nach Neuerungen förmlich suchen. Hinzu kommt noch, dass das bereits in der letzten Version teils umständlich zu bedienende Menü nur in der Anordnung der Reiter verändert wurde. In der Struktur des Menüs hat sich dagegen wenig getan.

KDE unter openSuse 10.3

Ganz ohne Änderungen kommt allerdings auch openSuse 10.3 nicht aus. Die Desktop-Umgebung wurde auf die Version 3.5.7 aktualisiert und enthält vereinzelte Anwendungen aus KDE4. Zu den weiteren Neuerungen unter openSuse 10.3 gehört die Möglichkeit, die neuen Oxygen-Icons zu installieren. Im Gegensatz zu GNOME werden unter KDE alle GTK+-Anwendungen korrekt angezeigt und verwenden im Aussehen ein ähnliches Thema. Auch die Änderung der Schriftgrößen überträgt sich auf GTK+-Applikationen. Der Yast-Frontend unter KDE nutzt die alte Qt-Oberfläche mit einem an GNOME angelehnten Icon-Satz. Wer die alten Crystal-Icons unter KDE nutzen möchte, dem bietet der Hersteller diese in einem speziellen Paket zur Installation an. Im direkten Vergleich mit der Vorgängerversion kommt Yast mit weniger Modulen. Unter anderem bietet die Distribution keine separaten Module für Disk- und IDEEinstellungen sowie zur Energieverwaltung mehr an. Neu hinzugekommen ist dagegen ein Modul zur Installation von Fingerabdruck-Lesern. Probleme konnten wir mit der Softwareverwaltung unter KDE beobachten. Aus uns nicht erklärlichen Gründen konnte die Qt-Variante von Yast manche Applikationen nicht finden, während sie unter der GTK+-Oberfläche angezeigt wurden. Auch die teils unübersichtliche Struktur der Qt-Version von Yast verwirrt manchmal. Hier wäre auf jeden Fall eine Aufräumaktion wünschenswert.

5. Die Highlights

5.1. Compiz Fusion
Wurde bei der Installation der Grafikkarte die 3D-Funktionalität eingeschaltet, bietet Novell allen Anwendern alternativ auch Xgl an.Die Erweiterung gehört sicherlich zu den Highlights der Distribution, auch wenn sie für viele Anwender keinen sonderlichen Nutzen bringt. OpenSuse 10.3 kommt mit einer Reihe von Plugins für den Compositing-Manager Compiz. Neben reinen Hinguckern bietet die neue Leichte Einrichtung von weiteren allerdings auch durchaus Installationsquellen unter openSuse Funktionalität sinnvolle Möglichkeiten. Zu den interessanten 10.3 gehören eine Expose-ähnliche Funktionalität, die alle angezeigten Fenster fein säuberlich auf dem Bildschirm darstellt, sowie der Fensterumschalter. Auch die Möglichkeit, einzelnen Fenstern Transparenz zu verleihen, erschließt neue Horizonte. Die Konfiguration von Compiz gestaltet sich mittlerweile recht einfach. Sowohl GNOME als auch KDE bringen separate Konfigurationstools mit sich, die eine Einstellung diverser Funktionen der Erweiterung ermöglichen.

5.2. One-Click Installation
Zu den weiteren Neuerungen von openSuse 10.3 gehört eine »1-KlickInstallations-Option«, mit der sich leichter zusätzliche Pakete installieren lassen sollen. Prinzipiell handelt es sich bei der Neuerung um ein Online-Verzeichnis, das eine Fülle an weiteren Paketen bereithält, die allesamt mit einem Klick installiert werden können. Die Suchfunktion des Dienstes stellt sich bei der täglichen Arbeit informativer dar. So findet das Archiv bei der Suche nach GIMP gleich mehrere verschiedene Versionen der Applikation. Will der Anwender eine Testversion der Grafikanwendung installieren, wird er ohne das Wissen, welche im Moment die aktuelle ist, unter Umständen verzweifeln. Das Archiv bietet gleich mehrere Testversionen der Applikation zur Auswahl an, ohne allerdings das Datum anzuzeigen, wann sie abgelegt wurden. Installation von weiteren Darüber hinaus ist der Dienst im Moment nur in Anwendungen mittels 1-Click-Install englischer Sprache verfügbar. Ein weiteres Problem konnten wir unter KDE beobachten. Während unter GNOME es keine Probleme mit der Installation neuer Software gab, weigerte sich Yast unter Qt manchmal, eine neue Applikation zu installieren, mit dem Hinweis, dass eine Instanz der Applikation bereits läuft. Bei der täglichen Arbeit stellt sich der neue Dienst als recht nützlich dar. Neue Applikationen können mühelos auch von ungeübten Anwendern installiert werden. Die »1-Click Installation« konnte alle Abhängigkeiten auflösen und problemlos die gewünschten Applikationen installieren.

5.3. KDE4

Experimentierfreudige Anwender finden in der neuen openSuse neben einer stabilen Version von KDE auch die künftige Generation der Desktop-Umgebung. Wer allerdings eine arbeitsfähige Variante erwartet, dürfte enttäuscht sein. Die Umgebung wirkt nicht nur unfertig, sondern ist es auch. Hinzu kommt noch, dass Novell diverse Pakete von KDE nicht passend eingebunden hat, so dass unter anderem die Icons nicht sichtbar sind. Ein produktives Arbeiten ist mit der mitgelieferten Version nicht wirklich möglich.

5.4. Virtualisierung
Ein weiteres Highlight von openSuse 10.3 stellt die vollwertige Implementierung der Virtualisierungslösung Xen 3.1 dar. Die Distribution kommt gleich mit mehreren YastModulen für Xen und ermöglicht auch ungeübten Nutzern die Installation der Software. Ein eigens von Novell geschriebenes Tool unter dem Namen »Virtual Machine Manager« ermöglicht beim Betrieb, das Verhalten der Maschinen zu überwachen und zu steuern. Das Tool verrichtete seinen Dienst openSuse 10.3-Installation in problemlos, auch wenn es sich manchmal nicht VirtualBox unter openSuse direkt aus dem Yast-Menü starten ließ. Ein weiteres Schmankerl für die Nutzer von virtuellen Maschinen stellt ein eigens für den paravirtualisierten Betrieb vorbereiteter Kernel dar. Neben Xen liefert der Hersteller auch weitere Virtualisierer wie VirtualBox 1.5. Im Gegensatz zu Xen wurde die Einbindung der Lösung allerdings nur halbherzig durchgeführt. Startet der Nutzer VirtualBox direkt nach der Installation, weigert sich die Applikation, ein anderes System zu booten. Der Grund dafür ist, dass Novell das in der Anleitung erwähnte Init-Skript nicht installiert und dem Virtualisierer schlicht ein Kernel-Modul fehlt.

5.5. Geschwindigkeit
Positiv fällt in der neuen openSuse 10.3 die gesteigerte Geschwindigkeit auf. Das System startet in der Standardeinstellung erheblich flotter, als dies noch in der letzten Version der Fall war. Rechnet man noch hinzu, dass durch den Wegfall von ZENWorks auch der Update-Vorgang erheblich beschleunigt wurde, erspart openSuse 10.3 dem Anwender eine Menge Warten.

6. Fazit
Es ist kein Geheimnis, dass openSuse eine einsteigerfreundliche Distribution ist. Diesem Anspruch wird das Produkt auch in der aktuellen Version gerecht. Der Distributor unterzog das Produkt zum wiederholten Male einem Facelifting und verbesserte manch einen Dialog und die Konfiguration des Systems. Vor allem die massive Verbesserung der GNOME-Umgebung wird alle GNOME-Nutzer erfreuen. Die Integration von Yast unter GNOME kann durchaus überzeugen. Das neue YastKontrollzentrum und das GNOMEKontrollzentrum sind einheitlich kreiert, was einen sehr soliden Eindruck vermittelt. Die
Das Konfigurationstool Yast in der GTK+-Variante

Umgebung wirkt rund und Novells Zusatzapplikationen unter GNOME fallen in keiner Weise negativ auf. Das neue Menü mag anfänglich gewöhnungsbedürftig erscheinen, nach einer kurzer Einarbeitungszeit und diversen Einstellungen der Favoriten ist es aber durchaus funktionell und leichter zu handhaben als das Originalmenü. Einzig die schlechte Integration von Qt- und KDE-Applikationen unter GNOME fiel negativ auf. KDE wirkt unter openSuse 10.3 verstaubt und alt. Einerseits liegt das sicherlich an der Tatsache, dass sich das Team von KDE um die kommende Version von KDE 4 kümmert und keine Neuentwicklungen zu vermelden hat, anderseits ist es aber sicher, dass die Entwickler auf eine Vielzahl von GNOME-Verbesserungen von SLED oder SLES zurückgreifen können. Doch auch ohne Zutun von KDE wirkt GNOME in der aktuellen Version runder und polierter. Die Novell-Tools fügen sich nahtlos in die bestehende Umgebung, während sie unter KDE teils wie ein Fremdkörper wirken. Unangenehm fallen auch kleinere Ungereimtheiten auf. Während die Schlüsselfunktionen der Distribution teils bis zur Perfektion eingebunden wurden, sind vor allem Technologien, die nicht in den Lieferumfang von SLED oder SLES fallen, oftmals nur halbherzig implementiert. In unserer täglichen Arbeit konnten wir allerdings keine größeren Probleme in openSuse 10.3 feststellen. Die Verwaltung der Software erfolgte durchgehend flott und der Verzicht auf ZENWorks ist in der neuen openSuse 10.3 begrüßenswert. Das System wirkte sehr solide. Mit einem sehr gut eingebundenen 3D-Desktop und aktuellen aktuellen Anwendungen präsentiert sich das Produkt darüber hinaus auf dem neuesten Stand der Technik. Experimentierfreudige Anwender werden durch die Integration einer Testversion von KDE 4 oder GIMP auf ihre Kosten kommen, auch wenn beim Erstgenannten die Funktionalität noch nicht wirklich sichtbar ist. OpenSuse 10.3 ist durchaus eine sehr gute Distribution nicht nur für Einsteiger. Die freie Verfügbarkeit ermöglicht einen problemlosen Test. Wer auf eine gedruckte Dokumentation Wert legt und kommerzielle Beigaben gleich vom Distributor geliefert haben möchte, kann getrost zur Box greifen.

7. Referenzen
openSuse http://www.opensuse.org/ Homepage: openSuse Download: http://software.opensuse.org/ openSuse http://www.shopnovell.com/ Kaufversion: Offizielle http://de.opensuse.org/Dokum Dokumentation: entation/ Support Datenbank: http://de.opensuse.org/SDB:SD B

8. Fakten
Titel: Hersteller: Preis: 59,95 EUR Copyright (C) openSuse Novell 10.3

Mirko

Lindner

(demon)

Erschienen auf Pro-Linux, letzte Änderung 2007-10-14