You are on page 1of 25

DOKUMENTE ÜBER GESANG IN KZ-LAGERN UND GHETTOS

Einige von den sehr vielen Liedern, die in KZ Lagern und Ghettos gesungen wurden.

Buchenwald-Lied

Bericht von Stefan Heymann, ehemaliger Häftling, geschrieben 1945

„Text und Melodie des Liedes mußten auf den Blocks in der Freizeit eingeübt werden, bis es eines
Tages nach dem Abendappell - es war Ende Dezember 1938, bitterkalt und alles tief verschneit - hieß:
"Das Buchenwald-Lied singen!" Selbstverständlich konnte das beim ersten Mal (11.000 Menschen
standen auf dem Appellplatz) nicht klappen. Wütend ließ der stinkbesoffene Rödel aufhören und gab
den Befehl, daß jeder Block auf dem Appellplatz solange für sich üben müsse, bis das Lied klappe.
Man kann sich denken, welch infernalisches Konzert auf dem Platz losging. Als Rödl merkte, daß es
auf diese Weise nicht ging, ließ er Strophe für Strophe gemeinsam singen und immer aufs neue
wiederholen. Erst nachdem das ganze Lager auf diese Weise etwa vier Stunden in bitterster Kälte
gestanden hatte, gab er den Befehl zum Abmarsch. Aber während sonst jeder Block einfach kehrt
machte und im Lager zurückging, war es diesmal anders. In Zehnerreihen ausgerichtet, mußte jeder
Block am Tor bei Rödl und anderen betrunkenen SS-Führern stramm vorbeimarschieren und dabei das
Buchenwald-Lied singen. Wehe dem Block, der nicht genau ausgerichtet ankam oder bei dem das
Singen noch nicht ganz nach Rödls Wunsch klappte! Er mußte unbarmherzig zurück und nochmals
vorbeimarschieren. Endlich, gegen 10 Uhr abends, kamen wir ausgehungert und steif gefroren auf
unsere Blocks. Diese Szene im tiefsten Winter, als die hungernden und frierenden Menschen im grellen
Licht der Scheinwerfer im tiefen, grellweißen Schnee auf dem Appellplatz singend standen, hat sich
jedem Teilnehmer unauslöslisch ins Gedächtnis gegraben.
Wegen dieser brutalen Lehrart, erregte das Lied zuerst Abscheu bei den Häftlingen, aber dann, wie es
der Komponist Leopoldi selber später erzählte : „ Der Marsch wurde unser Hymne, die wir bei jeder
Gelegenheit sangen, und vor allem der Refrain wurde zum Ausdruck unserer Hoffnung. Auch die
alliierten Sender nahmen es auf, und Radio Straßburg sendete es in seiner Deutschlandsendung.“

Erst mit der Zeit söhnten sich die Häftlinge mit der Melodie aus. Ein Grund war, daß das gemeinsame
Singen gewöhnlich das Zeichen dafür war, in die Blocks abtreten zu dürfen; der wichtigere jedoch war,
daß man in den Worten des Liedes einen versteckten revolutionären Appell zu spüren begann, der in
den von der SS vorgegeben Werken nicht enthalten war. Es gab darin verborgene Anspielungen, aus
denen hervorging, daß dies kein Lied war, das den Faschisten zugedacht war. Es dauerte eine Weile, bis
die Häftlinge selbst dahinterkamen – die Nazis merkten es nie – und allmählich mit voller Stimme
mitzusingen begannen; dann aber wurde aus der Buchernwalder Hymne ein antifaschistischer Appell.
Vor allem die abschließenden Verse machten das deutlich.
Buchenwald-Lied
Fritz Beda-Löhner/Hermann Leopoldi

Dezember 1938

Wenn der Tag erwacht, eh´ die Sonne lacht,


Die Kolonnen ziehn zu des Tages Mühn
Hinein in den grauenden Morgen.
Und der Wald ist schwarz und der Himmel rot,
Und wir tragen im Brotsack ein Stückchen Brot
Und im Herzen, im Herzen die Sorgen.

O Buchenwald, ich kann dich nicht vergessen,


Weil du mein Schicksal bist.
Wer dich verließ, der kann es erst ermessen
Wie wundervoll die Freiheit ist!
O Buchenwald, wir jammern nicht und klagen,
Und was auch unsere Zukunft sei -
Wir wollen trotzdem "ja" zum Leben sagen,
Denn einmal kommt der Tag -
Dann sind wir frei!

Unser Blut ist heiß und das Mädel fern,


Und der Wind singt leis, und ich hab sie so gern,
Wenn treu, wenn treu sie mir bliebe!
Die Steine sind hart, aber fest unser Schritt,
Und wir tragen die Picken und Spaten mit
Und im Herzen, im Herzen die Liebe!

O Buchenwald ...

Die Nacht ist so kurz und der Tag so lang,


Doch ein Lied erklingt, das die Heimat sang,
Wir lassen den Mut uns nicht rauben!
Halte Schritt, Kamerad, und verlier nicht den Mut,
Denn wir tragen den Willen zum Leben im Blut
Und im Herzen, im Herzen den Glauben!

O Buchenwald ...

Anders ging es mit diesem Dachau-Lied : dieses war geheim und illegal, und man konnte bestraft sein
wenn man es sang.

Es wurde 1938 von zwei Insassen des Lagers Dachau geschaffen, Jura Soyfer und Herbert Zipper. Das
Zitat der über dem Lagertor angebrachten Losung „Arbeit macht frei“ im Refrain bringt den krassen
Hohn dieser Worte zum Ausdruck. Über die Grenzen Deutschlands hinaus gelangte das Lied nach
England, wo es während des Krieges vom Chor der deutschen politischen Emigranten, als Zeugnis des
antifaschistischen Widerstandskampfes in Deutschland, sehr oft öffentlich aufgeführt wurde.
Soyfer ließ Zipper den Text auswendig lernen, um dem Risiko einer Entdeckung und damit
verbundener Strafmaßnahmen zu entgehen. Zipper komponierte dazu im Kopf eine Melodie, die er
zwei Gitarristen und einem Geiger unter den Mithäftlingen beibrachte.
Das Lied deutet die Folter und Gewalttätigkeiten des KZ-Alltags nur an, traf aber trotzdem die
Gefühlslage der gequälten Zwangsgemeinschaft. Über die Musik schrieb Zipper:
„Es war meine Absicht, sowohl harmonisch wie melodisch Klischees zu vermeiden, unter
Beibehaltung des Charakters eines Marschliedes, das die Härte des geistigen und
physischen Widerstandes ausdrückt.“

Während Zipper nach Verlegung in das KZ Buchenwald im Jahr 1939 freikam, starb Soyfer dort im
selben Jahr an Typhus.
*
Zum Vernichtungslager Mauthausen-Gusen gehörten Steinbrüche, in dene die Häftlinge arbeiten
mußten. Sie waren so verstaubt von der Arbeit in den Steinbüchen, daß man sie von weitem kaum von
Steinen unterscheiden konnte.
Aus diesem Grunde, und weil sie jederzeit vont den Aufsehern in den Steinbruch gestürzt werden
konnten, nannte man sie die „lebenden Steine“.
Ein Häftling erzählte, wie SS- Männer einen Mithäftling in die Steinzerkleinerungsmaschine warfen,
weil er seine Mütze nicht abgenommen hatte, als sie sich näherten.
Wlodzimierz Wnuk war ein katholischer Dichter, dessen Buch „ich war mit euch“ in Polen bekannt ist.
Wnuks Worte existieren in tschchischer, italienischer, serbischer, norwegischer und deutscher
Übersetzung. Von diesem Lied gibt es verschiedene Fassungen.
Alex Kulisiewics komponierte die Melodie.

(Abweichungen in der Übersetzung)

*
Der Dichter vom „Im Walde von Sachsenhausen“ ist unbekannt, die Weise vermutlich eine russische
Volksweise.
Das Lied entstand 1936 unter dem Eindruck des verschärften Druckes, der auf das Lager als
Repressalie für die Flucht von sieben Häftlingen ausgeübt wurde. Es fand im Lager wenig Verbreitung,
da die leicht melancholische Stimmung des Liedes der Einstellung der politischen Häftlinge nicht
entsprach. Man bevorzugte optimistische und aufmunternde Lieder.
*

Das Lied der Heuberger oder kurz Heuberg-Lied wurde 1933 von Häftlingen des KZ Heuberg bei
Stetten am kalten Markt auf der Schwäbischen Alb geschaffen, wo vorwiegend politische Gegner des
Nazi-Regimes aus dem südwestdeutschen Raum gefangen gehalten wurden . In den Akten der
politischen Polizei aus dem Jahr 1939 wird Albert Geiger aus Donzdorf beschuldigt, das Lied während
seiner Haft (März bis Juli 1933 ) geschrieben zu haben. Dieser gab lediglich zu , das Lied im Lager
gesungen zu haben. Das Lied wurde auf die Melodie des russischen Volksliedes „Stenka Rasin“
gesungen. Mit der Verlegung der ca. 200 Heuberg-Häftlinge im Dezember 1933 in das KZ Oberer
Kuhberg gelangte das Lied auch dorthin. Es ist daher zu vermuten, dass es auch dort gesungen wurde.
Nach der Befreiung im Jahr 1945 wurden verschiedene mündlich überlieferte Text-Fassungen
ehemaliger Heuberg- und Kuhberg-Häftlinge dokumentiert. Das Heuberglied gilt als „Hymne“ der
württembergischen KZ-Überlebenden. Im Gegensatz zu den meisten anderen der frühen KZ-Lieder
besitzt das Heuberg-Lied einen “revolutionären Charakter” und droht den Nazis offen mit Rache.

Auf des Heubergs rauhen Höhen Aber einmal hat´s ein Ende
eng umspannt mit Stacheldraht, nicht umsonst floss unser Blut
der Prolet reicht sich die Hände
Liegt das Lager der Marxisten und zerschmettert diese Brut
Vom Faschismus hinverbannt.
Und die Freiheit, die kommt wieder –
Hinter Stacheldraht und Riegel Dann SA-Mann gebe acht!
wird erschossen wer sich wehrt Rotgardisten werden siegen,
rufen auf zur letzten Schlacht.
anstatt Brot da gibt´s nur Prügel
nur der Hass, der wird genährt Rote Fahnen werden wehen
über diesem Lager dann!
Menschenrechte sind verloren Nicht SA hat dann die Waffen,
Und Beschwerden gibt es nicht. sondern nur der Arbeitsmann!
anstatt Fleisch gibt es nur Knochen,
Gutes Essen wäre Gift.

Der berühmte französische Dichter und Romanschriftsteller Louis Aragon schrieb dieses Gedicht nach
seinen Gesprächen mit Boris Taslitzky, der in Buchenwald viel gezeichnet hat : das französische
illegale Widerstandskomittee besorgte ihm Papier, um das er mit seiner Zeichnungen später über den
Lager berichten konnte.
chanson pour oublier Dachau
Lied um Dachau zu vergessen
Aragon
Vertonung : Daniel Muringer
Deutsche Übersetzung : Daniel Muringer

Niemand wird in dieser Nacht die Schlafenden wecken


Man wird nicht gezwungen sein, mit nackten Füssen im Schnee herumzurennen
Es wird nicht befohlen, mit den Fäusten auf den Huften die Nacht durch stehen zu bleiben
Und auch nicht mit gebeugtem Knie vor einem irren Turnlehrer auf der Stelle treten
Die achtundachtzig jährigen Frauen, die Herzkranken
Die, die eben Fieber haben
Oder Gelenkschmerzen
Oder, was weiss ich, die Tuberkulosekranken
Werden die Schritte, die sich im Dunkeln nähern, nicht anhören
Ihre Finger anschauend, die sich schon im Rauch auflösen
Niemand wird in dieser Nacht die Schlafenden wecken
Dein Leib ist nicht mehr der Hund, der umherstreift und im Abfall
Was ihm als Mahlzeit gelten kann aufhebt,
Dein Leib ist nicht mehr der Hund, der unter der Peitsche springt
Dein Leib ist nicht mehr dieses Abdriften in Europa’s Wässern
Dein Leib ist nicht mehr diese Stauung diesen Groll
Dein Leib ist nicht mehr die enge Berührung mit den anderen
Ist nicht mehr sein eigener Gestank

Mann oder Frau Du schläfst in gewaschenen Bettlaken

Wenn Deine Augen geschlossen sind, welche sind die Bilder


Die im Hintergrund ihrer finstern Schatulle wieder vorbeikommen
Welche Jagd ist eröffnet und welches Meerungeheuer
Flüchtet vor den Harpunen einer wilden Erinnerung
Wenn Deine Augen geschlossen sind, siehst Du, sieht man
Das Sterben wäre so schön gewesen am selben Moment

Wo Gleichgewicht List ist


Die Leiche im Schatten des Eisenbahnwagens stehend
Wenn Deine Augen geschlossen sind, welcher Rüsselkäfer nagt an ihnen
Wenn Deine Augen geschlossen sind, machen die Wölfe männchen
Wenn Deine Augen geschlossen sind, so wie Gräber

Über Toten ohne Leichentücher traumlos

Deine Augen

Mann oder Frau aus der Hölle zurück vertraut mit anderen Dämmerungen
Mit Schwefelgeschmack an den Lippen das frische Brot verderbend
Mit übermäßigen Reflexen der ländliche Gemütlichkeit des Lebens unangepasst
Alles unwillkürlich mit der Folter vergleichend
An allem abgewöhnt Männer und Frauen an diesem wiederkommenden Glücksschein ungeschickt
Die schüchternen Hände und Kinderköpfe
Das Herz erstaunt zu schlagen

Ihre Augen

Hinter ihren Augen jedoch diese Geschichte


Dieses Bewusstsein des Abgrundes und der Abgrund in welchem
Es zu viel ist für den Mensch einmal hineingefallen zu sein
Es gibt in dieser neuen Welt so viele Menschen für die die Zärtlichkeit
Nie wieder selbstverständlich sein wird
Es gibt in dieser alten Welt so und so viele Menschen
Für die jede Zärtlichkeit nunmehr seltsam ist
Es gibt in dieser alten und neuen Welt so viele Menschen
Die von ihren eigenen Kinder nich mehr verstanden werden

O Ihr, die vorbeigehen

Weckt in dieser Nacht die Schlafenden nicht.

Originaltext
Nul ne réveillera cette nuit les dormeurs
Il n'y aura pas à courir les pieds nus dans la neige
Il ne faudra pas se tenir les poings sur les hanches jusqu'au matin
Ni marquer le pas le genou plié devant un gymnasiarque dément
Les femmes de quatre-vingt-trois ans, les cardiaques,
Ceux qui justement ont la fièvre
Ou des douleurs articulaires
Ou, je ne sais pas moi, les tuberculeux
N'écouteront pas les pas dans l'ombre qui s'approchent
Regardant leurs doigts déjà qui s'en vont en fumée
Nul ne réveillera cette nuit les dormeurs

Ton corps n'est plus le chien qui rôde et qui ramasse dans l'ordure
Ce qui peut lui faire un repas,
Ton corps n'est plus le chien qui saute sous le fouet
Ton corps n'est plus cette dérive aux eaux d'Europe
Ton corps n'est plus cette stagnation cette rancoeur
Ton corps n'est plus la promiscuité des autres
N'est plus sa propre puanteur
Homme ou femme tu dors dans des linges lavés

Quand tes yeux sont fermés quelles sont les images


Qui repassent au fond de leur obscur écrin
Quelle chasse est ouverte et quel monstre marin
Fuit devant les harpons d'un souvenir sauvage
Quand tes yeux sont fermés revois-tu, revoit-on
Mourir aurait été si doux à l'instant même
Où l'équilibre est stratagème
Le cadavre debout dans l'ombre du wagon
Quand tes yeux sont fermés quel charançon les ronge
Quand tes yeux sont fermés les loups font-ils le beau
Quand tes yeux sont fermés ainsi que des tombeaux
Sur des morts sans suaire en l'absence des songes
Tes yeux

Homme ou femme retour d'enfer familier d'autres crépuscules


Le goût de soufre aux lèvres gâtant le pain frais
Les réflexes démesurés à la quiétude villageoise de la vie
Comparant tout sans le vouloir à la torture
Déshabitués de tout hommes et femmes inhabiles à ce semblant de bonheur revenu
Les mains timides aux têtes d'enfant
Le coeur étonné de battre
Leurs yeux

Derrière leurs yeux pourtant cette histoire


Cette conscience de l'abîme et l'abîme où c'est trop
D'une fois pour l'homme être tombé
Il y a dans ce monde nouveau tant de gens pour qui plus jamais ne
sera
Naturelle la douceur
Il y a dans ce monde ancien tant et tant de gens
Pour qui toute douceur est désormais étrange
Il y a dans ce monde ancien et nouveau tant de gens
Que leurs propres enfants ne pourront pas comprendre

O vous qui passez


Ne réveillez pas cette nuit les dormeurs
*
Natzweiler-lid

Ein Lied, das Luxemburgische Häftlinge im Struthof verfasst und gesungen haben, vielleicht sogar
vierstimmig.
Text : Ed. Barbel, Musik : R. Kowalsky
Deutsche Übersetzung: Daniel Muringer

Wo im Elsass die Berge hoch im Himmel stehen,


Wo in den Vogesen es gar keine Dörfer gibt,
Wo keine Vögel singen und keine Blume blüht
Liegt K.L. Natzweiler mit viele gestorben sind.
Luxemburger, die ihre Heimat frei wollten,
Sind schon lang dort unter vielen anderen,
Aus Belgien, Holland, und aus Norwegen,
Und aus Russland, Frankreich, jammern sie alle unterm Joch.

Ref. Wachposten stehen auf der Lauer Tag und Nacht


Mit Maschinengewehren von den Toren sind wir streng bewacht
Und ein Bewacher folgt mir auf Schritt und Tritt
Sogar in meinen schönsten Träumen.

Nur die Träume erlauben es, glücklich zu sein


Nur in Träumen kann man seine Angehörigen sehen :
Die geliebte Mutter, das liebe Mädchen oder die trauen Frauen,
Die sich viel Kummer machen um uns.
Mit Dir zu schwätzen, Heimat, geht nicht für uns hier,
Weil Stacheldroht uns von Freiheit trennt.
Doch unsere tiefsten Gedanken bleiben frei,
Und wir bleiben an der schönen Heimat treu.

Ref.

Wenn an gewissen Tagen das Schmerz der Sehnsucht unerträglich ist


Wenn das Verlangen der Heimat an uns treibt
Stoßen uns Zaunpfähle mit Starkstrom zurück in die Not
Weil Fluchtversuch den sicheren Tod bringt.
Doch will ich wieder eines Tages zurück ins Land
Wieder nach Hause zur Frau un zum kleinen herzlichen Kind.
Wenn das Ideal die letzte Schlacht gewonnen hat
Wird es für uns das Ende der stockdunkle Nacht sein.

Ref.

Dann werden die Friedensglocken froh in der Welt läuten


Niemand wird die Freiheit in Sklaveketten festhalten
Die Freundnationen werden sich fest die Bruderhand reichen
Und unseres kleine Land wird die Auferstehung feiern.

Originaltext in Luxemburgischer Mundart :

1. Wo am Elsass d'Bierger hèch ge'nt Himmel gin,


Wo' an de Vogesen guer Keng Dierfer stin,
Wo' Keng Vulle sangen a a Keng Blimche ble't,
Leit K. L. Natzweiler, dat der vill gede't.
Letzeburger, de' hir Hémecht woll-te frei,
Si scho lang och önner villen anren hei.
Aus der Belsch, aus Holland, aus Norwegen Nor-we-gen och
An aus Russland, Frankreich Kloen s'all ön-rem Joch.
Ref.
Poste stin hei op der Lauer Dag an Nuecht,
Mat M-P gi vun den Tir mir streng bewuecht
An e Poste follegt mir op Schratt an Tratt,
An dem sche'nsten Dré-men gét hien iw-rall mat.

2. An am Drémen nömme kann é glecklech sin,


An am Drémen nömmen seng le’f Leit gesin :
De’ gutt Mamm, d’lef Freiesch oder de’ trei Fra’n,
De esovill Gedanken sech we’nt onser man.
Mat dir schwätzen, Hémecht, ass ons hei versot,
Well vun allem Freien trennt ons Stacheldrôt.
Mä ons de’wst Gedanken, de’ sin dach nach frei,
An der sche’ner Hémecht bleiwe mir all trei.
Ref.
Poste usw.

3. Wa mat Dég d’Verlangeren hölt bal Iwerhand,


Wan an ons et dreiwt mat Kraft zum Hémechtsland,
Pickgen Drât mat Starkstro’m ste’sst zereck an d’No’t,
Well e Fluchtversuch de brengt de sechren Do’d.
An ech wöll dach nach émol zereck an d’Land,
Hém bei d’Fra an hém bei mei klengt hierzecht Kand.
Wann d’Idéal gewonnen de’ lescht Schluecht
Ass erlanscht fir ons och de’ stachdeischter Nuecht.
Ref.
Wann dann Friddensklakke lauden fro’ an d’Welt,
Ke’ me’ d’Freihét an de Sklaveketten hält,
Réchen d’Fröndnatio’nen fest sech d’Brudderhand,
An eröm Operste’ong feiert onst klengt Land !

(Partitur im Struthofes “Kartoffelkeller”, Foto : Hans-Peter Goergens)

*
Wiegenlied für meinen kleinen Sohn im Krematorium

Treblinka 1942 (Weise : ukrainisches Beerdigungslied)


Dieses erschütternde “Wiegenlied” entstand im Vernichtungslager Treblinka. Der Schöpfer dieses Lied
war der 24 jährige Aron Liebeskind, ein Uhrmacher aus der Umgebung von Lublin. Der Leichenträger
Liebeskind war gezwungen worden, den Tod seiner Frau Edith und seines dreijährigen Söhnchens
mitanzusehen. Über Nacht versteckte er sein totes Kind unter einem Leichenhaufen, obwohl der genau
wußte, daß er es am nächsten Tag in das Feuer werfen mußte. In derselben Nacht schrieb er das
„Wiegenlied für meinen kleinen Sohn im Krematorium“ - am folgenden Morgen wer er ergraut. Kurze
Zeit später gelang es ihm, aus Treblinka zu flüchten, und er lebte in Deutschland unter dem Namen
Goldfisch. Später wurde er verhaftet und in den KZ Oranienburg-Sachsenjhausen eingeliefert. Dort
arbeitete er zusammen mit Alex Kulisiewicz im Lagerkommando für Straßenkehrer. Liebeskind, von
hünenhafter Gestalt, war nun innerlich gebrochen und halb verrückt. Er suchte ständig wimmernd im
Staub nach seinem Sohn. Er wurde 1943 in Auschwitz-Birkenau vergast.

Krematorium czarne, głuche


Bramy piekieł, trupów stos
Śliskie, sztywne ciała wloke
Osiwiałem w jedną noc
Oto synek leży, synek mój,
Małe piąstki w usta wgryzł,
Jakżeż ciebie w ogień wrzucę tu!
Złote włoski śliczne twe

Lulaj, lulaj – synku mój


Lulaj, lulaj – synku mój
Lulaj, lulaj – synku mój
Synku mój

Podłe słońce, czemu milczysz?


Wszak widziałem wszystko tu.
Głowkę jego roztrzaskali
O kamienny, zimny mur
Patrzą w niebo ciche oczka twe
I zastygłe krzyczą łzy
Synku! Wszędzie twoja krew!
A przeżyłeś latka – trzy.

Lulaj, lulaj – synku mój


Lulaj, lulaj – synku mój
Lulaj, lulaj – synku mój
Synku mój.
1. Schwarz und stumm steht das Krematorium
die Pforte der Hölle mit Haufen von Leichen.
Schlüpfrige, steife Leichen schleppe ich -
Ich ergraute über Nacht.
Da liegt mein Söhnchen – mein Söhnchen…
In die Lippen hat es die kleinen Fäustchen eingebissen.
Wi kann ich DICH hier ins Feuer werfen
Mit deinen schönen goldenen Löckchen… ?

Lulle, lulle ein – mein Söhnchen


Mein liebes Söhnchen

2. Niederträchtige Sonne, warum schweigst Du ?


Ich habe doch alles genau gesehen :
Sein Köpfchen zerschmetterten sie
An der steinernen Mauer…
In den Himmel starren deine stillen äuglein
Und noch wieinen deine erkalteten Tränen…
Mein Söhnchen…! Überall sehe ich Blut !
Du lebtest doch nur drei kurze Jahre …

Aus einem japanischen oder chinesischen Buch


Die verbrannte Mutter

Das bin ich, die verbrannte Mutter,


Ich ruf eure sehnsüchtigen Herzen.
Ihr könnt mich nich mehr sehen.
Man kann die Verbrannten nicht
sehen...

*
Tzigaynerlied
Text und Musik : David Beyglman

Es handelt sich in diesem Lied um den Schicksal von den Bewohner im Zigeunerlager bei Lodz
(Polen), die in dem dortigen Ghetto 1941 eingeliefert wurden. Es beschreibt die Versuche der Zigeuner
das Leiden mit Gesang und Tanz zu bekämpfen. Die Tragödie diesen Zigeuner erregte das Mitleid der
jüdischen Gefangenen.
Finster ist die Nacht
Wie kohlenschwarz
Ich denke und denke
Und mein Herz schlägt:
Wir, Zigeuner, leben wie keiner
Wir leiden aus Not
Kaum genug Brot

Ref. Dzum, dzum, dzum…


Wir fliehen herum wie die Möwen
Dzum…
Wir spielen auf die Balalaikas.

Wir haben nirgends zum bleiben


Wir haben nirgends zum sein,
Ein jeder macht sich Sorgen
Aber ich denke nur :
Wir, Zigeuner...

*
Treblinka

Dieses yiddishes Lied wurde im Ghetto von Biala Podlaska gesungen. Verfasser und Komponist sind
unbekannt.

“In einer polnischer Stadt, ganz früh vor Tageslicht,


Hört man ein Geschrei, ein Jammer, eine Klage;
Menschen halb verrückt und nackt,
Plötzlich hört man : Juden, schnell raus !

Schandarmen, Ukrainer, viel Polizei,


Die Juden zu ermorden, das ist ihr Ziel
Sie ermorden, sie schlagen, Angst und Panik herrscht,
Man führt die Juden zur Bahn.

Beschreiben kann das keine Feder


Wie sich die Räder drehen.
Die Wagonen gerammelt voll
Juden weredn zum Tode weggeführt
Auf Treblinka, auf Treblinka.

*
O nie buditsche

Ein Lied der Zigeuner, das im KZ Auschwitz gesungen wurde.


Einige zusätzlische Lieder und Zeichnungen in Zusammenhang mit Lagermusik
Ravensbrück 1942. Tanz im Block der
Tschechinnen.
Zeichnung von nina Jirsikova.