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DAS WERDEN DES WEIHNACHTSFESTES

- Die Geburt Jesu im Spiegel der Testamente

Jesu wahrer Geburtstag ist unbekannt -- das Erscheinen des


"Sol novus", der neuen "Sonne der Gerechtigkeit", in der
Welt umstritten. Von den Evangelisten wird uns die
Weihnacht in wenigen, sparsamen Worten überliefert.
Matthaus erwähnt die Tatsache der Geburt überhaupt nur an
zwei Stellen seines Evangeliums, einmal im 1. Kapitel, Vers
18-25: "Und der (Joseph) erkannte sie nicht, bis sie ihren
Sohn geboren hatte", das andere Mal im 2. Kapitel, Vers 1 -
2: "Als Jesus in Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs
Herodes geboren war .." Allerdings weist Matthäus mit
diesen wenigen Worten auf zwei für eine Biographie Jesu
wesentliche Dinge hin, nämlich daß der Gottessohn zur Zeit
des Königs Herades aus einer Jungfrau geboren worden
war.

Lukas weiß viel einlaßticher zu berichten: Zur Zeit des


Kaisen Augustus, als Quirinus Statthalter von Syrien war,
ging Joseph von Nazareth in Galiläa nach Judäa in die Stadt
Davids, Bethlehem, da er aus dem Hause und Geschlechte
Davids war... Während sie dort waren, kam für sie die Zeit
ihrer Niederkunft, sie gebar ihren erstgeborenen Sohn,
wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in
da Herberge kein Platz für sie war."

Trotz größerer Ausführlichkeit werden auch hier mit keinem


Wert Tag und Monat der Geburt erwähnt, ja nicht einmal die
Jahreszeit, zu der das Ereignis stattfand, wird angedeutet.
Fest steht lediglich, da sich auch die Statthalterschaft des
Quirinus historisch nicht klar nachweisen laßt, daß die
Geburt Christi den Berichten beider Evangelisten zufolge in
die Regierungszeit König Herodes des Großen fiel, der kurz
vor Passah 750 ab urbe condita, also 750 Jahre nach der
Stadtgründung Roms, das heißt, im Jahre 4 v. Chr.
gestorben war. Zwischen der
Geburt Christi und dem Tod des Herodes müssen, folgen wir
weiter dem Bericht des Evangelisten Matthäus, mindestens
zwei bis zweieinhalb Jahre liegen, denn bei Eintreffen der
Könige oder Magier in Bethlehem war Jesus noch nicht zwei
Jahre, sicher aber über das erste hinaus, zumal auch
Herodes "alle Knaben im Alter von zwei Jahren und darunter
töten ließ" (Mt. 2, 16). Joseph war inzwischen längst mit
seiner Frau und dem Kind in das seiner Familie eigene Haus
in Bethlehem gezogen (Mt. 2, 11). Da zur Zeit des Besuches
der Weisen Herodes noch nicht auf den Tod erkrankt
gewesen zu sein scheint und wir auch annehmen müssen,
daß Flucht und Aufenthalt der Heiligen Familie in Ägypten
mehrere Monate in Anspruch genommen haben, dürfte,
rechnet man entsprechend zurück, Jesu Geburt in die Zeit
um 7-6 v. Chr. fallen.

Trotz dieser Einzelheiten bleibt der Bericht der Evangelisten


über die Geburt des Herren karg und bietet nur in höchst
bescheidenem Maße Grundlage für die mannigfaltigen
Bilder, die gewöhnlich mit dem Bericht der "Weihnacht"
verbunden werden. Durch Heranziehung einiger weniger
Stellen aus der Fülle des Alten Testamentes (Is. 1,3; 9, 5-6;
49, 23; 60, 5 f. — Nm. 24, 17 - Mich. 5, 1 — Ez. 43, 2 und
andere mehr) lassen sich die Vorstellungen rund um den
Weihnachtsbegriff schon deutlicher fassen, wenngleich, wie
später noch zu zeigen sein wird, auch aus dieser Quelle
nicht die vollgültige Erklärung, ihrer Vielfalt gewonnen
werden kann.

Das Wissen um die Geburt des Gottessohnes aus einer


Jungfrau war durch lsaias: "Siehe die Jungfrau empfängt
und gebiert einen Sohn und nennt ihn Immanuel" (Is. 7, 4),
ebenso wie Ezechiel gegeben: der Herr sprach zu mir: Dies
Tor soll geschlossen bleiben und nie mehr geöffnet werden.
Niemand soll durch dasselbe hin-durchgehen, weil der Herr,
der Gott Israels durch dasselbe getreten ist" (Ez. 43, 2). Die
Jungfrau aber gebiert das Kind des Lichtes, und das
lichtbringende und lichtverbreitende Kind findet mehrfach
Erwähnung: "Das Volk, das im Finstern wandelt, schaut
große Helle; den Bewohnern des finsteren Landes erglänzet
ein Licht ... Denn ein Kind wird uns geboren, ein Sohn uns
geschenkt, der wird tragen die Herrschaft, ihn wird man
nennen Wunderrat, starker Gott, Ewiger, Friedreich. Sein ist
die Fülle der Herrschaft, seines Friedens kein Ende! Auf
Davids Thron wird er sitzen, sein Reich zu errichten, es zu
stützen auf Recht und Gerechtigkeit immer und ewig" (ls. 9,
5-8).

Noch einmal weist lsaias sehr entscheidend auf das Licht


hin, das kommen wird und dem die Völker der Erde huldigen
werden: "Auf Leuchte! Dein Licht ist gekommen, des Herren
Herrlichkeit strahlt über dir. Denn siehe, bedeckt auch
Dunkel die Erde und hüllet Finsternis ein die Völker, über dir
strahlet doch Gott, Seine Herrlichkeit scheint über dir. Bei
deinem lichte wandeln die Völker, die Könige beim Glanz
den du ausstrahlst" (Is. 60, 1 -4).

Und Malachias 4, 2 (Vulgata) prophezeit: "et orietur sol


justiiiae" — "Und aufgehen wird die Sonne der
Gerechtigkeit."

Die untrennbar mit der Krippe verbundenen Tiere, Ochs und


Esel, sind ausschließlich auf Grund der Erwähnung im Alten
Bund auf uns gekommen: "Es kennt der Stier den Besitzer,
seines Herren Krippe der Esel, nur Israel hat keine Kenntnis,
mein Volk keine Einsicht" (Is. I, 3). Der Prophet Habakuk
weiß, daß der Herr inmitten seiner Tiere sein Werk lebendig
werden läßt (Hab. 3, 2). So sind also ein Stall mit Ochs und
Esel und einer Krippe in Bethlehem zur Zeit des Königs
Herodes, eine jungfräuliche Mutter und ein lichtstrahlendes
Kind, das in Windeln gewickelt und in eine Krippe gelegt
wurde und Herr tiber die Welt werden sollte, die bindenden
Zeugnisse aus den Testamenten, aus denen das heute so
gewohnte und so vielschichtig überlagerte Geburtsbild
entstand.

- Die Jungfrau hat geboren

ÄGYPTISCH-HELLENISTISCHE SONNENMYSTERIEN
UND DAS FEST DER EPIPHANIE

Ehe es aber zur bildlichen Darstellung des neuen, in Stall


und Krippe geborenen christlichen Gottes kommen konnte,
galt es, ihn den vielfältigen hellenistischen
Religionsvorstellungen einzuordnen.

Für diese war seit alters her die Tatsache entscheidend, daß
ein Gott auf Erden erscheint, um der Menschheit Heil zu
bringen. So erschien Apollo, um menschliches Handeln zu
ordnen, und stand Athena den ihr anvertrauten Helden hei.
Daß ein auf Erden erschienener Gott durch seinen Tod
Erlösung bringt, wurde innerhalb des römisch-hellenistischen
Bereiches erstmals im römischen Kaiserkult formuliert. Von
Augustus mit der Divinisierung Caesars eingeführt, wurde
dieser Kult für fast alle römischen Kaiser, aber auch die
Mitglieder der kaiserlichen Familie bis Konstantin in
Anspruch genommen. Kaiserkultaltäre wurden in allen
Geizenden des Römischen Reiches aufgestellt und das
Weihrauchopfer von allen Bewohnern gefordert. Getragen
wurde die Vorstellung dieses Kultes von dem Gedanken,
daß ein Herrsher durch seine Himmelfahrt nach dem Tode
erweist, ein auf Erden erschienener Gott gewesen zu sein,
der nun im Himmel als Soter, als Retter, thront und ihm
daher göttliche Verehrung von den Menschen ziemt. Die
große Bedeutung, die diesem Kult im Römischen Reich
zugekommen war, forderte zweifellos den Festbrauch des
frühen Christentums, welches das Gedächtnis von Tod und
Auferstehung zunächst allein pflegte, Allmählich erst kam es
zur Isolierung des Gedächtnisses des neugeborenen Gottes
in einem eigenen Fest.

Im orientalischen Bereich, und dort zuerst in Ägypten, soll im


2. Jahrhundert das Erst der Epiphanie, das die leibliche
Geburt Christi ebenso umfaßte wie seine geistige in der
Taufe, gefeiert worden sein. Eine alte, geheime Sehnsucht
des Menschen, vor allem der orientalisch-hellenischen Welt,
eine Verbindung zwischen ihm und dein Gott, an den er
glaubte, herzustellen, wurde ins Christliche übertragen. Ein
heidnisches Fest, das in der Nacht vom 5. zum 6. Januar
begangen worden ist, wurde in ein christliches umgeformt.

Der Bericht, den Epiphanius von Salamis (315-403) in


seinem Panarion hinterließ, bietet die Grundlage für die
Erkenntnis der Entstehung der christlichen Epiphanie in
Alexandrien: Zunächst wird der Geburtstag Christi auf den 6.
Januar festgelegt, "am dreizehnten Tage nach der
Wintersonnenwende, wo das Licht und die Tage zu wach,
sen beginnen'... "An diesem Tage nämlich, das ist am achten
Tage vor den Kalenden des Januar, feiern die Hellenen, das
ist die Goetzendiener, ein Fest: bei den Römern wird es
Saturnalia genannt, bei den Ägyptern Krenia, bei den
Alexandrinern aber Kikellia. Denn der achte Tag vor den
Kalenden des Januar bedeutet einen Einschnitt, auf ihn fällt
die Sonnenwende, es beginnt der Tag wieder zu wachsen,
indem das Sonnenlicht länger scheint und voller wird bis
zum achten Tag vor den Iden des Januar, das ist bis zum
Tage der Geburt Christi, indem sich jedem Tag der dreißigste
Teil einer Stunde hinzufügt. So hat auch ein weiser Mann
aus dem Volk der Syrer, namens Ephräm, in einer seiner
Auslegungen gesagt: "Die Parusie unseres Herrn Jesus
Christus, das ist seine Geburt im Fleische und seine
vollkommene Menschwerdung, die man Epiphaneia nennt,
vollzog sich an dem Tage, der dreizehn Tage lang entfernt ist
vom Beginn des wachsenden Sonnenlichtes. Das mußte so
sein als Typus für die Zahl, die sich ergibt aus diesem
unserem Herrn Jesus Christus und seinen zwölf Aposteln:
denn er ist die Erfüllung der Zahl dreizehn, der dreizehn
Tage seit dem Wachsen des Sonnenlichtes."

Wann tatsächlich während der Zeit des alten und neuen


ägyptischen Reiches die Sonntegottfeste gefeiert wurden, ist
ungewiß. Sicher wissen wir von einem großen
Sommersonnenfest und einem kleineren Sonnenfest im
Winter.

Eine Festlegung der Sonnenfeiern erfolgte erst mit der um


30 v. Chr. durchgeführten Angleichung des Ägyptischen
Kalenders an den Julianischen, zu einer Zeit, als
hellenistich-römische Kultvorstellungen bereits in hohem
Maße alte ägyptische Traditionen überlagert hatten. Dem
Julianischen Kalender nach wurde, wiedergegeben bei
Plinius d. A., die Sonnenwende VIII Kalendas Januarii, acht
Tage vor den Kalenden des Januar, also am 25. Dezember
gefeiert. Dreizehn tage später, als das Sonnenlicht deutlich
sichtbar aufstieg, beging man in Alexandrien das Fest des
Gotte, Aion, einer Verkörperung des Zeit-Ewigkeits-Begriffes.
Das Fest fand im Koreion, einem der Kore, der Jungfrau,
geweihten gewaltigen Tempel statt und dauerte die ganze
Nacht über. Im Morgengrauen wurde ein hölzernes
Gotterbild siebenmal um den innersten Tempelbezirk
getragen unter dem Ruf: "Heute, in dieser Stunde, hat Kore,
das rat die Jungfrau, den Aion geboren."

Über all das hinaus weiß Epiphanius zu berichten, daß


dieses Fest nicht nur in Alexandrien, sondern auch in Petra
und Eleusis gefeiert wurde, das heißt, der hellenistische
Osten beging am 6. Januar das Mysterium der Geburt aus
der Jungfrau.

Aber auch der Geburtstag des Dionysos soll in der Nacht


vom 5. zum 6. Januar gefeiert worden sein, wieder im
Zusammenhang mit dem Phänomen des neu wachsen den
Lichtes: Zur Zeit der bruma, der längsten Nacht des Jahres,
vom 24. zum 25. Dezember, wurde ursprünglich in Thrakien
und von dort ausgehend in Kleinauen und Griechenland ein
düsteres Fest der Trauer mit ekstatischen Entartungen betan
gen. Dionysos, der Gott des Lichtes, war tot. Bald darauf
aber, als das Licht wieder zunahm, gedachte man der
tanzenden Mänaden, die auf dem Parnaß das neugekernte
Dionysos-Knäblein in einer Wiege gefunden hatten. An
diesem Januarfest, den Lenäen, feierte man Dionysos als
den Gott der Mänaden, den Erreger der Ekstase; um ihn zu
rufen, bediente man sich der eleusischen Priesterschaft.

Im hellenistischen Ägypten wurde Dionysos an Osiris


angeglichen, beziehungsweise Osiris an Dionysos, und die
Mysterien beider verbreitet. Aufgrund einer durch Epiphanius
bestätigten Nachricht Plutarchs galt der 6. Januar als
Gebunsug des Osiris.

Daneben weiß Epiphanius von einem alexandrinischen


Osirisfest, das am 25. Dezember begangen wurde, das
"Suchen des Osiris", ein Fest mit Sonnensymbolik.

Zu diesem Fest berichtet noch im 8. Jahrhundert unter


Benutzung des Epephaniustextes, wohl aber auch aufgrund
anderer Traditionen Kosmas von Jerusalem: "Die Heiden
feierten von altenher dieses fest jedes Jahr, indem sie den
gleichen Tag, an dem Christus geboren wurde, das
'Wachsen des Lichtes' nannten. Sie begingen in der
Mitternacht eine Einweihung, indem sie in ein Heiligtum
hinunterstiegen, aus dem sie dann heraufkamen mit dem
Ruf 'Die Jungfrau hat geboren, nun wachst das Licht'".

Die Doppelfeste von Osiris und Dionysos am 25. Dezember


und am 6. Januar aber hängen mit dem Nebeneinander der
beiden feste der Geburt des Helios am 25. Dezember und
der Geburt des Aion am 6. Januar zusammen. Wiederum in
Alexandria versammelten sich wahrend der Nacht vom 24.
zum 25. Dezember Gläubige in einem unterirdischen
Gemach, in dem zur Mitternachtsstunde zu Mysterien
Auserwählte Emweihungszeremonien erlebten. Zu
Morgengrauen wurde in einer Prozession die Statuette eines
Knäbleins hinausgetragen, Symbol des eben neu geborenen
Sonnengottes Helios, und die Gemeinde brach in den Ruf
aus: "Die Jungfrau hat geboren, zunimmt das Licht."
Berichte über diese Feier stammen zwar erst aus der
römischen Kaiserzeit, ihr Name aber "Helios Geburtstag und
Aufstieg des Lichtes" läßt sich bis ins 3. vorchristliche
Jahrhundert verfolgen.

Vielschichtig und weit verbreitet waren in der antiken Welt


die Helios-Sonnenkulte
zum 25. Dezember, und stets standen sie in merkwürdiger
Beziehungzu jenen Festen, die das sichtbare Wachsen des
lichtes, dir faßbare Erscheinung des Gottes am 6. Januar
begingen. Das großartigste unter diesen war das Aion-fest,
dessen Anfänge bereits für den Beginn der ptolemäischen
Zeit (323 —330) in Ägypten gesichert sind. Aion-Motive
hatten sich mit solchen des Isis- und Osiris-Kultes
verbunden. Isis galt als die Natur des Aion, sie war die
uranfängliche Erzeugerin der Weltzeiten. Ein Isis-Fest im
Zusammenhang mit dem Sonnenmythos wurde in Ägypten
zur Zeit der Wintersonnenwende gefeiert. Darum erscheint
es unwahrscheinlich und zu einseitig gesehen, wenn man
das Fest des Gottes Aion erst durch die ägyptischen
Gnostiker in Alexandrien zu Bedeutung gebracht wissen will.

Die Kore, das Mädchen, Persephone. die Jungfrau, oder wie


immer man sie nennt, gnostischem Denken zufolge, das
Mädchen Maria sein, Aion ein verlernes Christusbild, also
christliches Gedankengut in heidnisch-ägyptische
Zauberformeln umgewandelt. Viel glaubhafter erscheint
jedoch, daß das Christentum antike Sonnenfrömmigkeit
aufnahm, wandelte und verklarte. Denn das Christentum
hatte die Aufgabe. Stellung zu den Traditionen der Zeit, in
die es hineingestellt worden war, zu nehmen, auch zur
Sonnenfrömmigkeit aller jener Völker, zu denen es sich
gesandt fühlte, im und Osiris, Dionysos und Apollo, die
Eleusinischen Weihen, in denen nachts unter reichem
Lichterglanz der Hierophant ausrief: "Einen heiligen Knaben
har die Hehre geboren, einen starken die Starken, die
Geburt des Helios und des Aion aus Jungfrauen waren die
Gegebenheiten, in die das Christentum seine Wahrheit von
dem aus der Jungfrau Maria geborenen Gottessohn zu
stellen hatte. Von Anfangan war das Christentum in die
hellenistische Welt voll des Glaubens an die Wirksamkeit
des Lichtes eingetreten und haue sein auf der Offenbarung
beruhendes Wissen von dens Schöpfer der Sonne, des
Lichtes und der Gestirne zu bewahren, Christus als die
"Sonne der Gerechtigkeit" (Malachias 4, 2) darzustellen und
zu erweisen. Es ergibt sich daraus geradezu die
Notwendigkeit, Geburt und Erscheinung des Gottessohnes
in den religiösen Zusammenhang der Alten Welt zu stellen.
Zunachst wurde die Tatsache der Geburt des Herren aus
einer Jungfrau und seine F.piphanie auf Erden, dm
Erscheinen des göttlichen Kindes, dem kultischen
Zusammenhang des Aion-Festes verbunden. Epiphanius,
Bischof von Salamis, legte, wie schon erwähnt, Christi
Geburt auf den 6. Januar und unterstreicht seine Darlegung,
daß dies der historische Geburtstag Christi sei, dadurch, daß
er von bösen heidnischen Feiten erzählt, die am selben Tag
nur darum stattfänden, damit die, die ihre Hoffnung auf sie
setzten, die Wahrheit nicht suchten. Epiphanius berichtet
daraufhin von der Geburt des Aion. "Nach dem
morgendlichen Hahnenschrei steigen sie fackelntragend in
eine Art von Kapelle hinab, die unter der Erde liegt, und
tragen von dort ein hölzernes Götterbild, das nackt auf einer
Tragbahre liegt, herauf. Dieses Bild trägt auf der Stirn wie
ein Siegel ein goldenes Kreuz, ebenso auf den beiden
Händen je zwei dieser Kreuzsiegel, zwei weitere endlich auf
den beiden Knien ..."

Wägt man den Bericht des Epiphanius ab und stellt ihn in


Vergleich zu den hellenistischen Kulttraditionen, so dürften
hier zwei miteinander willkürlich verbundene Handlungen
erkennbar werden. Das Fest des Aion aus der jungfräulichen
KoRe ist zweifellos von langer Tradition. fest verankert in
ägyptisch-hellenistischen Gottes-und Heldenvorstellungen.
Der Bericht vom hölzernen Bild aber, das die Kreuzsiegel
nagt, weist auf Feiern der Gottesgeburt durch
ahntandrinhehe Gnostiker hin. Klemens von Alexandrien
bemerkte zu Ausgang des 2. Jahrhunderts, daß zu seiner
Zeit eine Gruppe von Anhängern des Gnostikers Basilides
die Taufe Christi im Jordan am 6. Januar feierten. Der
Tauftag der Gnostiker aber war nichts andern als der
"Geburtstag" Jesu, den die Kirche versucht hatte am
Geburtstag des Aion, der Verkörperung des neuen
Weltzeitalters, einzuführen. Im gnostischen System tritt die
leibliche Geburt Jesu gegenüber seiner geistigen Geburt bei
der Taufe im Jordan, in der das "Pneuma" des Vaters über
den Sohn gekommen war, zurück. Nicht im Sinne der
Gnostiker, wohl aber im Sinne einer Epiphanie, der
Erscheinung Jesu alt eingeborener Sohn Gottes, galt auch
der Kirche des 2. Jahrhunderts die Taufe im Jordan, und sie
feierte "epiphania" in Ägypten mit dem doppelten Textinhalt
von Taufe und Geburt In Zypern wurde, wiederum nach
Epiphanius' Bericht, das Weinwunder der Hochzeit von Kana
hinzugenommen, da in ihm Christus erstmals seine
Wesenswürde offenbarte. Allerdings gedachte man auch
schon bei den Festen des Gottes Dionisos des
Weinwunders. Die Chorlieder der Bakchen des Euripides
sind voller Anspielungen auf das Paradies, in dem Quellen
von Milch, Honig und Wein selbst sprudeln und ein Brunnen
sich durch die Macht des Gottes in einen Weinquell
wandelte.

Die Jordantaufe, der Erweis des göttlichen Sohnes aus dem


Vater, die Magierhuldigung, das Erscheinen des göttlichen
Kindes vor den Menschen, und das Weinwunder waren die
tria miracula, die drei Wunder, die im Epiphaniefest des 6.
Januar - das, aus der orientalischen Kirche des 2.
Jahrhunderts kommend, sich allmählich in Gallien, wo es ab
361 nachgewiesen ist, und Oberitalien durchsetzte -, gefeiert
wurden. Die christliche Kirche versuchte die heidnische zu
durchdringen, alte Begriffe durch neue zu ersetzen. Vielfältig
und vielschichtig sind die Überlagerungen, das WechseIn
von Hineinstellen christlichen Gedankengutes in ägyptisch-
hellenistische Oberlieferungen und des Schöpfens aus
ebendiesen Quellen. Vor allem aber galt es, sich endgültig
mit der ganzen Breite des antiken Sonnenkultes
auseinanderzusetzen, Helios zu "entthronen" und Christus
als das neue Licht zu inthronisieren.

Sol Invictus — Sol novus


DER RÖMISCHE KULT DES UNBESIEGBAREN
SONNENGOTTES
UND CHRISTUS, DIE NEUE SONNE

Während des 3. Jahrhunderts setzten verschiedene auf


jüdisch-christlichen Kalendern aufbauende chronologische
Arbeiten über das Leben Christi ein. Die wohl wichtigste
unter ihnen, die Schrift "de pascha computus",
wahrscheinlich von einem afrikanischen Kleriker verfaßt,
berechnet, daß sich Christi Leben genau zwischen zwei
Paschatagen erstreckte. Christus ist nicht nur an einem
Paschatag gestorben, sondern auch an einem Paschatag
geboren. Dabei aber ist für den Verfasser die Berechnung
des Todestages Christi von primärer Bedeutung.

Als Tag der Geburt errechnet er V Kalendas Aprili, den 28.


März, und stellt dieses Datum in Beziehung zu der Ansicht,
die Welt sei am VIII Kalendas Aprili, am 25. März, erschaffen
worden. Das Frühjahr stelle den Anbruch des neuen Lebens
dar, und von diesem Beginn des Schöpfungstermines
ausgehend kommt der Verfasser dazu, festzustellen, daß
der 28. März der vierte Schöpfungstag sei, also jener Tag, an
dem Gott die Sonne erschuf. "O quam praeclara et divina
Domini providentia, ut in illo die quo factus est sol, in ipso
nasceretur Christus", mit dem Ausruf: "Oh, welche göttliche
Vorsehung des Herren, daß am selben Tag, an dem die
Sonne erschaffen wurde. Christus geboren wird", führt der
Autor seine Berechnung zu einem Höhepunkt, an dem er
vom ersten Schöpfungstag, dem Frühlingsäquinoctium am
25. März ausgehend. Mittwoch den 28. März als Geburtstag
Christi ausgibt. Damit aber wird in "de pascha computus" ein
erster quellenmäßig faßbarer Schritt unternommen, die
Geburt Jesu mit dem Sonnenjahr in Verbindung zu bringen,
da Christus die wahre Sonne der Gerechtigkeit ist (Mal. 4,
2). Eine weitere anonyme Schrift von der auch angenommen
wird, daß sie vor der Einführung der Feier der Geburt Christi
am 25. Dez. entstanden ist, geht in der Berechnung weiter.
Hier wird VIII Kalendas Januarii, also der 25. Dez., für die
Geburt des Herrn in Anspruch genommen, denn dies ist der
Tag des Natalis Invicti, niemand aber ist in solchem Maße
unbesiegbar, wie der Herr, der den Tod überwand, und es ist
der Tag des Natalis Solis, der wahren Sonne der
Gerechtigkeit", die aber, wieder unter Bezugnahme auf
Malachias, niemand anderer als Christus ist. Wichtigstes
Anliegen des Verfassers war es nachzuweisen, daß mit den
vier Hauptpunkten des Sonnenjahres, den beiden Tagen der
Sonnenwende und den beiden Tagen der Tag- und
Nachtgleiche, außerordentliche Tatsachen der
Heilsgeschichte in Verbindung zu setzen sind: Nimmt man
an, daß zur Zeit der Frühlings-Tag- und -Nachtgleiche
Verkündigung und Empfängnis des Heilands stattgefunden
haben, so ergibt sich daraus, daß die Geburt Christi auf den
24./25. Dezember fällt. Entsprechend der Schrift fand die
Geburt Johannes des Täufers sechs Monate davor statt,
also am 24./25. Juni, seine Verkündigung und Empfängnis
am Tag der Herbst-Tag-und-Nachtgleiche.

Nach Plutarch, einem Autor des 1. nachchristlichen


Jahrhunderts in Griechenland, ist "das Sonnenlicht das
Symbol der Geburt", von Klemens von Alexandrien ins
Christliche übertragen: "Der Sonnenaufgang ist das Bild des
Geburtstages". Es ist, als hätte während des 3. Jahrhunderts
ein Wettkampf der Religionen um die Inanspruchnahme des
Sonnenmythos stattgefunden. Denn je stärker sich die antike
Heliolatrie in der Theosophie des Neuplatonismus und den
solar gewordenen Mysterien der Isis und des Mithras zu
neuer religiöser Anziehungskraft steigerte, umso dringlicher
mußte es der christlichen Kirche scheinen, ihr eigenes
übernatürliches Sonnenmysterium zu betonen und
durchzusetzen.
In Rom hat Kaiser Aurelian (214 —275) nach seinem Sieg
über die Palmyrener den "Sol invictus", den unbesiegbaren
Sonnengott, an die Spitze der Staatsreligion gestellt. Er
gründete dem Gott einen prächtigen Tempel auf dem
Campus Agrippae, schuf ihm ein Priesterkolleg der
Pontifices Solis und erweiterte die zum 25. Dezember
üblichen jährlichen Circusrennen um den großen
pentaeterischen "agon Solis".

Allerdings zog Aurchan nur Konsequenzen aus


Erscheinungen, die sich in Rom seit langem vorbereitet
hatten. Seit dem Ende Jr. 1. Jhs. hatte sich der Geheimkult
des persischen Sonnengotte, Mithras uber Kleinasien nach
dem Westen vordringend im Römischen Reich vor allein
unter den Legionssoldaten verbreitet, die den Kuh
weitergaben. Sein fest wurde ebenso am Tage der
Wintertonnenwende begangen wie das des Osiris, Helios
oder Dionysos oder des orientalischen Himmelsgottes
"baalim". Ihm Theologen Cornelius Labeo wurde die Aufgabe
zuteil, die Sonnenkulte miteinander zu vereinen, so daß eine
Lehre entstand, "die in dem Nichtbaren Quell von Licht und
Wärme die umfassende einheitliche Gottheit erkannte, zu
der die übrigen Gotter sich wie Brechungen und Strahlungen
verhielten". Konnte für Alexandrien eine synkretitische
Haltung in der Übernahme orientalischer
Glaubenvorstellungen in die griechische Religion und die
Relativierung der einzelnen Werte der Religionen durch die
Gnosis bereits gezeigt und auch auf die daraus dem
Christentum erwachsenden Gefahren hingewiesen werden,
so ergibt sich für Rom nun eine ahnliebe Situation, mit der
sich wiederum das Christentum auseinanderzusetzen hatte.
Die Allmacht des neuen Staatsgottes der Römer wird in
seinem Beinamen "invictus" faßbar. Unter Commodus (161-
192) wird invictus Bestandteil der kaiserlichen Titulatur und
erweist den Herrscher alt dem orientalischen Kult zugetan.
Allerdings nahm Conmodus zugleich auch am Geheimkult
des Mithras teil. Elagabal (218-222), ein Großneffe der Julia
Domna, der Frau des Septimius Severus, war Priester da
Sonnengotte, von Emesa gewesen und nahen den Namen
des Gottes Elagabal an. Vom römischen Heer zum Kaiser
ausgerufen, versuchte er seinen Gott Elagabal alt Reichsgott
einzuführen und brachte den schwarzen Stein von Emesa,
das Bild des Gottes nach Rom, um dort einen Tempel des
Sonnengottes zu errichten. Nach Elagabal Ermordung wurde
der Stein zurückgebracht, und erst nachdem Aurelian
Palmyra erobert und den Stein von Einen gesehen hatte,
führte er den Kult des unbesiegbaren Sonnengottes in Rom
als Staatsreligion ein, allerdings in einer Form, die sich als
durchaus römisch erwies. Nur das Diadem, das er mit einem
Stern verziert trug, deutete darauf hin, daß er ähnlich wie
Elagabal fühlte und von der himmlischen Herkunft Leines
Kaiserrums überzeugt war. In Münzbildern wird unter der
Herrschaft von Claudius Gothicus. (268-270) Sol mit Apollo
gleichgesetzt, und Konstantin (306-337) schloß sich
schließlich unter Betonung eines dynastischen Anspruches,
da er seine Herkunft von Claudius Gothicus ableitete, der
Sonnenreligion an. Konstantin zeigte sich zutiefst vom
Sonnenglauben erfüllt und betonte die Sonnensymbolik wie
kleiner seiner Vorgänger. Er war ohne jeden Zweifel Sol
innerlich verbunden, bis er am 28. Oktober 312 an der
Milvischen Brücke Maxentius im Zeichen des Kreuzes
besiegte. Von da an begünstigte er das Christentum mehr
und mehr, während sein Mitregent Licinius die alte Religion
förderte. Nach der Entscheidungsschlacht gegen Licinius
aber im Juli 323, aus der Konstantin als Alleinherrscher
hervorging, schenkte Konstantin endgultig seine Gunst dem
Gott, der nicht nur allein die Sonne war, sondern der die
Sonne geschaffen hatte. Mit den oft zitierten Worten des
Propheten Malachias (4, 2): "Et orietur vobis timentibus
nomen meus Sol iustitiae, et sanitas in pennis meus" — Und
es erscheint euch Zitternden mein Name. Sonne der
Gerechtigkeit, und das Heil in meinen Schwingen —
trachtete man die Anhänger des "Sol invictus" zu bekehren.
Die Kräfte des Sol invicius wurden für den Sol novus, die
neue Sonne, in Anspruch genommen, Sol selbst zu einem
Symbol Christi. Wie weil Konstantin dem Reichsprogramm
zuliebe und wie weit aus innerer Oberzeugung zum Freund
und Förderer der Christen geworden ist, sei dahingestellt.
Sicher aber ist, daß es weder eine panhellenische, noch
eine panägyptische Religion gegeben hat, denn
allumfassende politische und religiöse Programme waren
diesen Reichen nicht gelegen.

Das Römische Reich jedoch verlangte seinem


Machtkomplex gemäß von jeher nach einer alles
vereinigenden Religion. Augustus fand die Lösung einer
panrömischen Religion im Kaiserkult, Aurelian im Kult des
Sol invictus. Konstantin aber in der Einbindung dieser beiden
Kulte in dem neuen, in allen Teilen des Reiches mächtig
werdenden christlichen Glauben. An der Stelle in Bethlehem,
von der die Tradition ging, daß dort Christi Geburt
stattgefunden habe, dort der neue Sonnengott in der Welt
erschienen wäre, ließ er eine Basilika errichten und die
Grotte der Geburt zu einer Memorie ausgestalten. Seit
Kaiser Hadrian war diese Höhle ein Heiligtum des Adonis,
des Geliebten der Venus gewesen, "und in der Höhle, wo
einst Christus als Kindlein wimmerte, ertönten die
Klagelieder auf den Geliebten der Venus".

Noch in der zwischen 346 und 347 verfaßten Schrift des


Maternus Firmicus wird auf die Tatsache der Adonis-Höhle
angespielt, wie auch auf alle heidnischen Mysterien, die von
der Sonne selbst zerschlagen werden sollen: "Wenn die
Sonne das ganze Menschengeschlecht zusammenrufen
könnte ... dann würde sie euch Menschen ... etwa also
erschüttern: 'Wer hat euch, ihr vergänglichen Menschen, zu
dieser ungeheuerlichen Tat getrieben, daß ihr in Frevler
Leidenschaft und ruchlosem Irrwahn sterben und geboren
werden laßt ... ? Betrauert den Dionysos, betrauen die
Proserpina (Persephoneia), betrauen den Adonis, betrauert
den Osiris — aber tut nicht solche Schmach meiner Würde
an. Zu Beginn der Tage bin ich von Gott geschaffen worden,
das ist mir genug'."

Konstantin gab den Christen das Bewußtsein Sieg ihrer


Religion über die Mysterien so ist es naheliegend auf ihn
zurückuführen, daß der Geburt des christilichen Gottes, der
neuen Sonne, am Tag der alten Brumalien, der
Wintersonnenwende, dacht wurde.

Die Frage der kirchlichen Anordnung nun Geburtsfeier an


diesem Tage aber ist umstritten. Der Gruppe von Theologen,
die hierfür die "Berechnungshypothese" vertreten, sich im
wesentlichen also auf die bereis erwähnten
chronographischen Arbeiten des 3 und 4 Jahrhunderts
berufen, in denen der 25. Dezember als Geburtstag Jesu,
ausgehend von der Annahme der Empfängnis und des
Todes des Heilands am 25 Marz, errechnet wird, stehen jene
gegenüber, die die bewußte Einführung des "Natalis Chisti"
durch die römische Kirche als überwindende Entgegnung
zum römischen Reichsfeiertag des "Natalis Solis invicti"
annehmen.

Die Vorstellung von Christus als der ·Sonne der


Gerechtigkeit" war aber, wie aus den von unbekannten
Schriftstellern verfaßten chronographischen Arbeiten
hervorgeht, schon seit der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts
Gemeingut; seit einer Zeit, da in den religiösen Zentren von
Alexandria und Rom den synkretistischen Sonnenkulten
immer mehr Bedeutung zugekommen war und die Geburt
und das Wachsen des Lichtes in Festen rund um die
Wintersonnenwende gefeiert wurde. Den Alexandrinern, die
selbst zugaben, daß hinter ihrem religiösen Denken die
Vorstellung der eleusinischen Mysterien stand, entsprach
das komplizierte System der Doppelfeste vom 25. Dezember
und 6. Januar, sem Geburt und Erscheinung, Tod und
Wiedergeburt, von Lichtgeburt und der Geburt der Zeit-
Ewigkeit.

Die christliche Kirche ordnete sich ein. Zur Zeit um 200


erwählte die alexandrinische Gemeinde den gebildeten
Athener Klemens zu ihrem geistigen Führer, pflog lebhaften
Verkehr mit den griechischen Gemeinden von Palästina,
Kappadokien und Antiochia und bewies schließlich, daß der
6. Januar nicht der Geburtstag Aions, sondern der Tag der
die Geburt miteinschließenden Epiphanie Christi war. Im
Westen, in Rom, wurde von Aurelian um die Mitte des 3.
Jahrhunderts der unbesiegbare Sonnengott an die Spitze
des Reiches gestellt; zu einer Zeit, da Geburt und Tod
Christi, von dem es hieß, daß er die Sonne der Gerechtigkeit
sei, mit einer Reihe von mathematischen Konstruktionen
dem Sonnenjahr eingegliedert worden war.

Konstantins Reichspolitik drängte zur Vereinigung der


östlichen und westlichen Systeme. "Unser großer Gott, der
Retter aller, hat allen das gemeinsame Licht scheinen
lassen", schrieb der Kaiser im Jahre 324 im Brief an die
Provinzialen. Das "allen gemeinsame Licht" wurde zur Zeit
der Wintersonnenwende, in der Nacht vom 24. zum 25.
Dezember geboren. Dem Quellenmateriale nach bringt in
Rom die "Depositio martyrum" des Chronographen von 354
zum 25. Dezember den Eintrag VIII Kal. ian. n(atalis) lnvicti
VIII Kal. ian. natur Christus in Betleem Judae.

Der Geburtstag des unbesiegbaren Sonnengottes und der


von Christus in Bethlehem werden erstmals zusammen
vermerkt. Die "Depositio episcoporum" desselben
Chronographen setzt das Datum aber schon für das Jahr
336 voraus. In beiden Quellen gilt der 25. Dezember nicht
nur als historische Notiz, sondern als die Eintragung eines
liturgisch begangenen Festtages. War die Einführung des
Weihnachtsfestes das liturgische Dankgebet Konstantins für
seinen Sieg über Licinius? Oder schon früher, das für seinen
Sieg an der Milvbchcn Brücke? Wann tatsächlich der
Geburtstag Jesu am 25. Dezember zum ersten Male
begangen wurde, bleibt unbekannt. Wohl aber ist die
Einführung des Festes innerhalb der Regierungszeit Kaiser
Konstantin anzunehmen. Die in diesem Zusammenhang
immer wieder zitierte erste "Weihnachtspredigt", die Papst
Liberius im Jahre 353 gehalten haben soll, stammt vorn hl.
Ambrosius von Mailand (339-397). In seiner im Jahre 377
verfaßten Schrift "De viriginibus" legte er sie dem Papst in
den Mund und schreibt, daß Liberius sie bei der
Jungfrauenweihe seiner Schwester Marcellina in Rom, am
Geburtstage des Heilandes, natalis salvatoris, im Jahre 353
gehalten habe. Ambrosius erwähnte dabei nicht nur das
Geburtsfest des Herrn, dem sich seine Schwester als Braut
zu verbinden gedachte, sondern auch unter anderem das
Weinwunder auf der Hochzeit von Kana. Darum wurde die
Papst Liberius zugeschriebene Predigt oftmals für das
Epiphaniefest, in welches das Weinwunder von Kana
ursprünglich miteinbezogen war, in Anspruch genommen.
Aus der strittigen Frage, ob nun die Jungfrauenweihe der
Marcellina am Weihnachtsfest oder zu Epiphanie
stattgefunden habe, einstand schließlich die inzwischen als
Irrtum erwiesene, aber immer noch anzutreffende Meinung,
Papst Liberius habe seine Predigt am Epiphaniefest des
Jahres 353 zu St. Peter gehalten und damals das
Geburtsfest des Heilandes zum letzten Mal am 6. Januar
bereits unter Hinweis auf eine Teilung des Festinhaltes
begangen.

Da laut der Notiz des Chronographen von 354 Christi


Geburtsfest für den 25. Dezember vermerkt ist, nahm man
weiter an, Liberius habe gegen Ende des Jahres 353 die
erforderlichen Abänderungen in der Liturgie des
Epiphanietages, die am 6. Januar 354 erstmals in Kraft
treten sollten, getroffen, sowie die Ordnung für das neu
eingeführte Fest der Geburt erlassen. Tatsächlich hat aber
Rom niemals vor der Einführung do Weihnachtstestes die
Epiphanie am 6, Januar gefriert. Nur dem Bischof aus
Mailand aus Oberitalien kommend, wo das orientalische
Epiphaniefest im Westen zuerst aufgenommen worden war,
konnte das Gedankengut der die "tria miracula", die drei
Wunder miteinschließenden Epiphaniefeier ebenso bekannt
sein wie die historische Tatsache der Einführung des
römischen Weihnachtsfestes unter Konstantin. So hatte
Amhrosius schon in Hymnen beide Feste behandelt und
gedachte im Weihnachts-hymnus nur der Geburt Christi,
während der Epiphanichymnus die Taufe Christi. Stern und
Magier und das Weinwunder von Kana besingt'. Wann
tatsächlich auch in Rom das Epiphaniefest eingeführt wurde,
ist unbekannt, wohl aber noch im 4. Jahrhundert. Damit
hatte die christliche Lehre während dieses durch Konstantin
und seine Nachfolger geprägten Jahrhunderts der Geburt
des Aion die Geburt des "Königs der Äonen" ebenso
gegenübergestellt wie dem Geburtsfest des unbesiegbaren
Sonnen. gottes die Geburt Christi als der Sonne der
Gerechtigkeit.

Der christliche Kult und die christliche Lehre hatten sich mit
der antiken Sonnenfrömmigkeit auseinandergesetzt und
siegten in der den Inhalt verändernden Aufnahme der alten
Feste. "Sie nennen (diesen Tag, den 25. Dezember) aber
auch ‚Geburtstag der unbesiegbaren Sonne'. Wahrlich, wer
ist so unbesiegt wie unser Herr, der den Tod niederwarf und
besiegte? Und wenn sie diesen Tag den ‚Geburtstag des
SoP heißten: Er ist die Sonne der Gerechtigkeit, von dem
der Prophet Malachias gesagt hat: Aufgehen wird euch
Gottfürchtigen sein Name als Sonne der Gerechtigkeit, und
Heil ist unter seinen Flügeln", heißt es in einer Schrift aus
den ersten Jahrzehnten des 4. Jahrhunderts".

- Die "römische Idee" im Spiegel des "Geburtsbildes"


von Santa Maria Maggiore in Rom

Ganz anderem Denken verpflichtet als die ersten bildlichen


Darstellungen der Geburt Christi auf Sarkophagen des 4.
Jahrhunderts erweist sich der zur Zeit des Pontifikates von
Papst Sixtus III. (432-440) entstandene Mosaikzyklus am
Triumphbogen der Basilika Liberiana, der römischen Kirche
Santa Maria Maggiore. Die Bilder der Jugendgeschichte
Jesu sind römisch kaiserzeitlichen Kompositionsschemata
unterworfen und stellen Christus als den Herrn der Welt dar.

Papst Liberius, dem aufgrund der in den Schriften des hl.


Ambrosius erhaltenen Rede aus dein Jahre 353 die
Einführung des Weihnachtsfestes in Rom irrtümlicherweise
immer wieder zugeschrieben wurde, hatte nahe den
Markthallen auf dem Esquilin zu Rom zwischen 358 und 366
eine Basilika errichten lassen, mit der er den drei alten
bischöflichen Kirchen aus der Zeit Kaiser Konstantins eine
vierte hinzufügte, die seinen Namen tragen sollte.

Hundert Jahre später, zur Zeit Sixtus' III, wurde die Kirche
erneuert, Mosaikbildern geschmuckt und hieß von da an
Basilika Santa Maria. Im 7. Jahrhundert fügte
man dem Namen der Kirche "ad praesept" — "an der
Krippe" — hinzu, ein volkstümlich gefaßter Ausdruck ihrer
Bedeutung für die Feier der Geburt Christi. Schon am
Vortage des Weihnachtsfestes war es die Obliegenheit der
Päpste gewesen, in der Basilika Liberiana die Messe zu
zelebrieren. Dem Papst und der ganzen Kurie wurde darauf
in den von Sinus III. dafür vorgesehenen Räumen durch den
Bischof von Albano ein wurdiges Mahl gerichtet, bei dem
saftige Schweinsbraten den Juden zum Hohn nicht fehlen
durften. Der Papst war gehalten, bis zum Abend zu bleiben
und die Nachtfeier in derselben Kirche zu leiten, vor allem
mußte er das Hochamt an der Krippe, die sich in einer
Kapelle am rechten Seitenschiff befunden hatte, zelebrieren.
Obwohl die Kirche immer wieder mit Gebun und Weihnacht
in engste Verbindung gebracht wurde, fehlt in den
Bildzyklen, die sie schmücken, das eigentliche Geburtsbild.
Nur die Anbetung der Magier ist dargestellt: überraschend
und einzigartig (Fig. 1). Christus ist nicht das kleine Kind,
das auf dem Schoße der Mutter sitzt, er ist der jugendliche,
auf Erden erschienene Gott auf dem Throne. der die
Weltherrschaft bedeutet. Er trägt ein weißes Gewand mit
den purpurnen Clavi, Herrscherbewußtsein prägt seine
Haltung. vor allem die imperiale Gebärde seiner Rechten.
Der Stern über dem jugendlichen Imperator deutet zwar auf
den Stern von Bethlehem hin, durch seine acht Strahlen
aber ist er römisches Reichssymbol, denn der achtstrahlige
Stern
aber dem Haupt des Thronfolgers kennzeichnet ihn als
künftigen Träger der Heils
macht auf Erden. Im römischen Kaiserkult bekundete der
Stern über dem Haupt des Kaisers dessen Göttlichkeit.

Die göttliche Macht und die Gottheit des Kindes, seine


Sendung als Messias wird mit den Mitteln eines
kaiserzeitlichen, zeremoniellen Repräsentationsbildes zum
Ausdruck gebracht. Die Gesamtkomposition des Knaben auf
dem Prunkthron entspricht repräsentativen Geburtsbildem
der paganen und imperialen Ikonographie und mag das
Fehlen der eigentlichen Geburtsszene Christi im
Jugendzyklus von Santa Maria Maggiore erklären. Im Bilde
faßbar wird hier das Ineinanderverketten römischer
Kaiserkultvorstellungen mit dem neuen christlichen Geist.
Dem entspricht, daß nicht des armen Kindes in einem Stall
oder einer Grotte gedacht wird, sondern daß in dieser
frühesten faßbaren, repräsentativen Darstellung des
Mysteriums der Geburt und Epiphanie der Sohn Gottes als
neuer Weltenherrscher, als Theos epiphanes erscheint.
Christus war an die Stelle des Kaisers getreten, in
kaiserlichen Gewändern und menschlicher Gestalt erscheint
er auf Erden, als Retter der Welt und als Friedensstifter.

In dem synkretistischen Bild von Santa Maria Maggiore ist


das Mysterium der Geburt mit jenem der christlichen
Epiphanie ebenso verschmolzen wie mit den römisch-
hellenistischen Vorstellungen vom thronenden Gottknaben,
dichterisch visionär gefaßt in Vergils vierter Ekloge, einem
Hirtenlied, in dem es heißt, daß Helios am Tage der
Wintersonnenwende die Herrschaft übernommen habe,
während der auf Erden die Geburt eines Knaben und die
eines neuen Zeitalters erfolge.

- Die Verbreitung des Weihnachtsfestes im Osten

Die Einführung des von der Westkirche geschaffenen


Geburtsfestes ging im Osten zögernd vor sieh, und noch
heute lassen sich namhafte Gelehrte der Ostkirche dazu
hinreißen, das Fest als "sehr unbeliebt" zu bezeichnen.
Diese ablehnende Haltung entspricht der auf griechischem
Erbe aufbauenden Einstellung östlicher Theologie, die nicht
wie der Westen im Geburtsfest eines historischen Faktums
gedenken, sondern das Mysterium nachvollziehen möchte.
Das Mysterium aber ist verbunden mit Epiphanic und Taufe.
Nur im Zusammenhang mit dem mariologischen Dogma der
Theotokos, der Gottesmutter, war es dem Orient möglich,
das Weihnachtsfest anzunehmen. Das Mysterium der
Parusic des alten Festes, das in einem reinen "natalis",
einem Gebären und Geborenwerden, unterzugehen drohte,
hat der Osten vielleicht durch das von ihm besonders
betonte Mysterium der Jungfrauengeburt erhalten. Alte
Ansätze wurden hier zu einem theologisch durchdachten
und liturgisch gefestigten System ausgebaut.

In der Zeit zwischen 379 und 381, einer Zeit, die unmittelbar
verbunden war mit dem zweiten ökumenischen Konzil von
Konstantinopel und seiner Vorgeschichte, wurde zuerst in
östlichen Zentren das Weihnachtsfest eingeführt. Grundlage
bot dazu die Überlegung, daß man von der wahren Gottheit
des Gottmenschen. dessen Weserugleichheit mit dem Vater
am Konzil von Nizäa zum Dogma erhoben worden war, nur
dann sprechen könne, wenn in Maria die Gottesgebärerin
anerkannt wird. Gregor von Nazianz führte im Jahre 379 das
Fest zuerst in Konstantinopel ein, Kappadokien und
Antiochien folgten.

In Alexandrien aber, der Stadt der Mysterien, der Kore und


des Aion, konnte das Fest erst nach dem Konzil von
Ephesos, das Maria zur Theotolsos, zur Gottesmutter
erhoben hatte, von den Christen angenommen werden.
Paulus von Emesa hielt 432 die erste Weihnachtspredigt in
der Hauptkirche der Stadt, die er mit dem Ruf beschloß: "¡O
des Wunders! Die Jungfrau hat geboren und bleibt doch
Jungfrau.". Die Verbindung zur Kore, die in einem Mysterium
den Aion geboren hatte, war damit hergestellt. In Palästina
wurde Weihnachten während des 6. Jahrhunderts zögernd
angenommen, Jerusalem beugte sich erst im 7. Jahrhundert
der Begehung des Festes am 25. Dezember.

- Das Fest des 1. Januars

GESCHENKE UND ZWEIGE VOM HEILIGEN BAUM

Mit der Einführung des Julianischen Kalenders wurde der


Beginn des bürgerlichen Jahres auf den 1. Januar gelegt
und die Feier des Neujahres im ganzen Römischen Reich
verbreitet. Dieses Fest berührte alle gesellschaftlichen
Kreise vom Kaiser bis zum Sklaven. Hauptfeierlichkeit war
der Amtsantritt der römischen Konsuln, deren Ehrentag
damit genau in der Mitte der kosmischen Feste des
Geburtstages des Helios am 25. Dezember und des Aion am
6. Januar gelegen war. Der alexandrinische Poet Claudianus
verfaßte im Jahre 400 ein Festgedicht zur Feier des
Konsulatsantrittes seines Gönners Stilicho. In diesem heißt
es. der Sonnengott Helios besuche den Aion, der in einer
Höhle lebt, in der sich unter den Geheimnissen des Aion
auch die nach Metallen gesonderten Zeitalter befinden. Sol
führt das goldene ans Tageslicht und läßt Stilicho das erste
Jahr des saeculum aureum inaugurieren.

Allgemein galt der Neujahrstag im Römischen Reiche als ein


Tag der Freude. Man beglückwünschte sich und sandte
Geschenke an Freunde und Verwandte. Die neugewählten
Konsuln, reiche Leute, ließen Elfenbeintafeln, Diptychen,
schnitzen und verteilten diese. Das übrige Volk überreichte
Geschenke, die sie strenae nannten, im Andenken an
Strenia, die sabinische Göttin der Gesundheit.

Man schenkte einander Bücher, ebenso wie Wildbret,


Meeresfrüchte und Fleisch für die Festtafel, Öllampen und
Dinge, die als Art "Kostproben des Glücks" gedacht waren:
Datteln, Feigen und Honiggebäck, die dem Wunsch
Ausdruck verleihen sollten, daß dem Beschenkten im neuen
Jahre nur Süßes zuteil werde. Dienern und Beamten wurde
Geld geschenkt, um sie einem wohl gewogen zu machen.
Insgesamt herrschte ein großes Treiben, denn die
Geschenke wurden vom Land in die Stadt gebracht und
umgekehrt, und alle Straßen sollen Berichten zufolge voll
gewesen sein von Menschen, die Geschenke beförderten.

Da man des festen Glaubens war, daß in der Weise, wie


man den ersten Tag verlebte das ganze Jahr verlaufen
werde, legte man Wert auf festliche Kleidung und besondere
Tafelfreuden. Die Haustüren wurden mit Girlanden verziert,
vor allem mit solchen aus Lorbeerzweigen, die dann abends
mit Laternen beleuchtet wurden. Straßen und Märkte waren
mit lichtertragenden Kranzen geschmückt. Neben dem
Lorbeer wurden Zweige vom Olbaum, der Eiche und Myrrhe
benutzt, die wegen ihres Zusammenhanges mit religiösen
Handlungen die "felices arbores", die glückbringenden
Bäume hießen. Mit Schaumgold überzogene Zweige und
Früchte verhießen Wohlstand und gute Geschäfte. Dem
Aeneas soll ein Mispelzweig die Pfonen der Unterwelt
erschlossen haben, und er brachte ihn Proserpina als
Symbol des Lebens. Der Zweig aber legte "brumali frigore",
in der Kälte des kürzesten Tages und der längsten Nacht,
sein goldig schimmerndes Gewand an.

Da aber Trunkenheit, Verkleidungen und Laszivitäten auch


zur Neujahrsfeier gehörten, nahmen die Kirchenväter in
entschiedenster Weise gegen das Fest Stellung. Die
abgöttischen Festlichkeiten wie auch die Geschenke wurden
von ihnen und nachfolgend von so manchen Konzilien
wegen ihres Zusammenhanges mit Götterkult und
abergläubischer Deutung verboten. Auch von der im 6.
Jahrhundert erfolgten Einführung des Festes der
Beschneidung erhoffte man Besserung und gab im
Gegensatz zu der lauten und schwelgerischen Neujahrsfeier
dem Fest den Charakter eines Bußtages. Weder
Ermahnungen von seiten der Kirche noch Verbote
vermochten jedoch die weltlichen Freuden des
Neujahrsfestes einzuschränken, bis schließlich im 15.
Jahrhundert von Papst Eugen IV. der Jahresanfang
kirchlicherseits auf den 25. Dezember verlegt wurde, und
damit das Schenken und Beschenkneerden, der Brauch von
Honiggebäck und süßen Früchten von vergoldeten und
lichtenragenden Zweigen des geheiligten Baumes von
Neujahr auf Weihnachten kam.

Die Tradition des "heiligen Baumes" kann in vielfältigen


Parallelerscheinungen bis in vorchristliche Jahrtausende
zurückverfolgt werden. Es gibt den Lebensbaum. den
Weltenbaum, den Ahnen- und Hausbaum, und aus der Fülle
der den Göttern heiligen Bäumen sei auf die Zeus heilige
Eiche, den Ölbaum der Athena und den Lorbeerbaum des
Apollo hingewiesen.

In dem im vierten Buch des Propheten Daniel erzählten


Traum des babylonischen Königs Nebukadnezar wird ein
Baum zum kosmisch ausgestalteten Lebensbaurn.

Der Herrscher schaute einen mächtigen. bis an den Himmel


reichenden, prachtigen Baum. Ein Heiliger des Himmels
gebot, diesen Baum zu fällen, seinen Wurzelstock jedoch in
der Erde zu lassen. Daniel deutete den Traum: Der Baum
war der Konig selbst, dessen Herrschaft die Grenzen der
Erde erreichte und der wegen dieser Anmaßung vom
Allerhöchsten gefällt wird. Weil aber der Wurzelstock stehen
bleiben soll, wird Nebukadnezar das Königtum wieder sicher
sein, sobald er erkennt, daß Gott der Herrscher über das All
ist.

Allen "heiligen" Bäumen ist gemeinsam, daß sich die ihnen


innewohnende Macht und Kraft auf die abgeschnittenen
Teile, Wurzeln, Früchte, Zweige und die aus dem Laub
gewundenen Kränze überträgt. Szepter von Göttern und
Königen gehen auf solche Zweige, die mitunter den
Pinienzapfen daran tragen, zurück, und auch das
Lilienszepter ist ein Zweig vom heiligen Baum mit den
stehengebliebenen Endblättern. Der Apfel vom Baum
bewirkt Liebe und Fruchtbarkeit und verleiht die Macht der
Erkenntnis. Darum liefen zum römischen Neujahr Knaben
auf den Straßen umher und boten gegen einen
entsprechenden Lohn rote Äpfel an.

Der aus dem Laub des geweihten Baumes geflochtene


Kranz ist die Urform der Krone des Herrschers. Die
Herrschaftsinsignien Szepter. Krone und Apfel werden zu
kosmologischen Symbolen, der mit ihnen bekleidete
Sterbliche erhält die unmittelbar von Gott kommende Macht.
Aber auch der geweihte Baum selbst wird durch Schmücken
und damit Bekleidetwerden zum kosmischen Baum erhoben.
Durch das Behängen mit Kugeln, die die Sonne
symbolisieren, mit Bändern und Öllämpchen erhält er das
Himmelskleid. Erde und Himmel sind in ihm verbunden.
Während der Mythos um den umfriedeten und bekleideten
heiligen Baum vor allem in der orientalischen und
griechischen Welt, in dieser im Kult der Athena zurück bis ins
2. Jahrtausend, in zahlreichen Beispielen faßbar wird, gaben
die Römer den Zweigen der heiligen Bäume symbolische
und kosmologische Bedeutung. Der germanische Norden
kannte den Baum. dessen Zweige zur Jahreswende mit
Lichtkerzen besteckt wurden.

Das Bekleiden des Baumes, der Schmuck mit Kugeln und


Äpfeln und schließlich das Bestecken mit Lichtern findet sich
im Weihnachtsbaum wieder, der ab der Zeit um 1600
zunächst im Elsaß nachweisbar ist; ab einer Zeit, da sich die
von Papst Eugen IV. angeordnete Verlegung der römischen
Neujahrsbräuche auf Weihnachten durchgesetzt hatte. Der
Christbaum, Symbol des Paradieses, setzt von da an die
kosmologischen Baumspekulationen der Alten Welt fort.

- Ort und Zeit der Geburt Jesu

Die Frage nach den die wahren zeitlichen und örtlichen


Umstände der Geburt Christi klärenden Quellen stand seit
jeher im Vordergrund von Überlegungen zum
Weihnachtsfest. Läßt doch der knappe Bericht bei Lukas
alles um die Zeit der Geburt offen und bereitet damit breiten
Raum für Spekulationen. Etwas näher präzisiert wird in den
Evangelien nur der Ort: "Auch Joseph reiste von Galiläa aus
der Stadt Nazareth nach Judäa in die Stadt Davids, die
Bethlehem heißt, weil er aus dem Hause und Geschlechte
Davids war" (Luk. 2. 5). Nazareth ist von Bethlehem etwa
148 km entfernt, ein beschwerlicher und zum Teil durchs
Gebirge führender Weg. Daß Maria und Joseph ihn auf sich
genommen haben, erweist die Wichtigkeit ihrer Anwesenheit
in Bethlehem. Bethlehem ist eine kleine Stadt, war damals
ein Dorf, von dem Märtyrer Justin in seinem Dialog mit dem
Juden Tryphons "Koma" benannt, was bedeutet, daß es
nicht einmal ummauert war. Es liegt 8 km südlich von
Jerusalem und 700 Meter über dem Meer im Gebirge. Im
Alten Testament wird Bethlehem mehrmals "Stadt Davids"
genannt. Es war der Begräbnisort Rachels und jener der
Hochzeit von Booz mit der Moabiterin Ruth, den Ahnen
Davids. David war in Bethlehem geboren und von Samuel
gesalbt worden (Sm. 16, 4-13). Ihm war der strategisch
wichtige Ort seiner Geburt Stützpunkt der weiteren
Unternehmungen. Zur eigentlichen Festung erhob Roboam
Bethlehem, das in nachexilischer Zeit fast völlig verfiel und
zu einem Dorf von 123 Männern absank. Daraus wird
verständlich, daß zu einem Zeitpunkt. zu dem alle, deren
Familien von dorther stammten, wegen der Volkszählung
hinmußten, der Ort überfüllt und in der Herberge kein Platz
war.

In einer Prophezeiung des Michäas heißt es von Bethlehem:


"Du Bethlehem, Ephrata, obwohl Du die kleinste unter Judas
Gauen, so wird hervorgehen aus dir ein Kind, das herrschen
soll über Israel, dessen Herkunft schon aus der Vorzeit
stamma aus den Tagen der Ewigkeit" (5, 1).

Die Stelle wird bei Matthäus, 2, 6 zitiert: "Und du, Bethlehem


im Lande (des Stammes) Juda, bist keineswegs die
geringste unter den Fürstenstädten Judas: denn aus dir wird
hervorgehen der Fürst, der mein Volk Israel regieren soll."

Der Name Bethlehem bedeutet übersetzt "Haus des Brotes",


sein alter Name Ephrata, der schon in der Genesis (35, 19
und 48, 7) genannt wird, "die Fruchtbare". Beides mag zwar
auf den ertragreichen Boden der den Ort umgebenden
Landschaft hinweisen, bot sich aber dazu förmlich an, den
Namen des Ortes auf "Brut des Lebens" mit Bezug auf
Christus umzudeuten, wie die Kirchenvater es taten.

Neben dem Wissen um den Geburtsort Christi, Bethlehem,


steht die Frage um die eigentliche Gebursstelle, den Stall
und die Krippe.

Der in Sichern um 100 n. Chr. geborene Philosoph Justin,


der um 165 unter Antoninus Pius den Märtyrertod erlitten
hat, sagt in seinem Dialog mit Tryphon über den Ort der
Geburt Christi, "in einer Höhle (spelaio) ganz nahe dem
Dorr" habe das Geschehen stattgefunden.
Justin war ein Ortskundiger, seiner Beschreibung muß
größte Wahrscheinlichkeit zukommen. Tatsächlich benutzt
man auch heute noch in dieser Gegend Höhlen als Stall und
Unterstellplatz für das Vieh.

Wenn Maria und Joseph in einer solchen Höhle Schutz


gesucht haben, so war es sicher nur für kurze Zeit, denn
dem Matthäus-Bericht von der Anbetung der Weisen nach
fanden die Magier das Kind mit seiner Mutter in einem Haus
(2, 11). Dennoch, Ort der Geburt war die Höhle gewesen,
und dies blieb trotz der Überbauung durch Kaiser Hadrian im
Gedächtnis. Hadrian veränderte planmäßig verehrte Stätten
in Palästina in römisch-hellenistische Heiligtümer. So
errichtete er anstelle des herodianischen Tempels in
Jerusalem einen Jupiter-Tempel, auf Golgotha einen Venus-
Tempel und ließ um die Geburtsgrotte von Bethlehem ein
Adonis-Heiligtum anlegen, von dem Hieronymus berichtet.
Trotzdem wußte "jeder in Bethlehem, sogar der Heide die
Höhle, worin Christus geboren war und konnte sie zeigen".
Kaiser Konstantin und seine Mutter Helena erbauten
zwischen 330 und 337 über der Höhle eine Basilika und
schmückten die Grotte als Krypta aus. Nach Eusebius(os)
von Caesarea, dem Biographen Konstantins, ließ der Kaiser
die Krippe, eine aus Lehm geformte Bank, ein "Iuteum", mit
Silber verkleiden.

Der Stall von Bethlehem war eine Höhle oder Grotte, die
Krippe eine Lehmbank, auf die das Futter gestreut wurde, so
wie es in dieser Gegend üblich war. Viel schwieriger als der
Ort ist die Zeit der Geburt Christi zu bestimmen. Der Bericht
der Evangelisten gibt drei Anhaltspunkte: die von Kaiser
Augustus angeordnete Volkszählung, die Nennung des
Statthalters Quirinus von Syrien, die allerdings textlich und
historisch Schwierigkeiten ergibt, da Quirinus erst 6 n. Chr.
Statthalter von Syrien war, die Stelle bei Lukas sich aber
sowohl "diese Aufnahme war die erste, die zur Zeit stattfand,
als Quirinus Statthalter von Syrien war", als auch "diese
Aufzeichnung fand früher Mit als diejenige unter Quirinus"
übersetzen läßt. Schließlich sagt der Evangelist, daß Jesus
zur Zeit des Königs Herodes geboren worden ist. Die
Erwihnung des Sternes bei Matthäus (2, 2) führte vielfach
zur Anregung astronomischer Berechnungen.

Bei genauer Prüfung ergibt sich aber, daß alle diese


Zeitangaben höchst ungenau sind. Man weiß zwar von
Volkszählungen unter Augustus, die hier genannte ist aber
nicht fixierbar. Im Jahre 28 v. Chr. gab es eine Volkszählung,
die aber nur römische Burger betraf. Für die Provinz Syrien
ist eine Zählung unter Publius Sulpicius Quirinus
nachgewiesen, allerdings erst im Jahre 6 n.

Volkszählung und Quirinus ergeben somit kein konkretes


Resultat. Diedritte Angabe "zur Zeit des Königs Herodes"
ergibt zumindest einen Terminus ante durch das bekannte
Todesjahr des Königs, 750 ab urbe condita, das ist 4 v. Chr.
Durch die von da ausgehenden Berechnungen aufgrund des
Matthäus-Evangeliums kann Christi Geburt nicht vor dem
Jahre 6 v. Chr., eher 7 v. Chr. stattgefunden haben.

Klemens von Alexandrien kommt in den Stromata aufgrund


etwas verwirrender Berechnungen mit Hilfeder
Regierungszeit des Kaiser Commodus auf das Jahr I v. Chr.
und berechnet den Geburtstag Jesu auf den 6. Januar.
Wahrscheinlich baute er, vor allem bei der Tages- und
Monatsangabe, auf einer alten Oberlieferung auf, die es in
Ägypten gab und derzufolge Jesus gerade an diesem Tage
geboren worden war. Das von Klemens angegebene Jahr
kann unter keinen Umständen richtig sein, das Datum des 6.
Januar aber, der 11. Tybi alexandrinischer Zeitrechnung.
wird von neuerer Forschung aufgegriffen und weitergeführt.
Der Umstand, daß im Winter 747/748 ab urbe condita, kurz
nachdem die 1-11. Familie auf ihrer Flucht nach Ägypten
gelangt sein kann, der Tebetu des jüdischen Kalenders sich
auf den Tag genau mit dem ähnlich lautenden ägyptischen
Tybi deckte, würde den 6. Januar als historischen
Geburtstag Jesu bestätigen. Dennoch neigt man neuerdings
darüber hinausgehend dazu, den wirklichen Geburtstag Jesu
ein Mondjahr vor dem 6. Januar 748, das heißt, am 17.
Januar 747 ab urbe condita, anzunehmen.

Trotz dieser von der Zeit um 200 bis heute reichenden


Berechnungsversuche bleibt der wahre Geburtstag Jesu im
Dunkel. Auch über das Phänomen des Sternes ist keine
Datumsfestlegung möglich. Johannes Kepler hat gemeint in
dem Stern eine auf das Jahr 7 v. Chr. nachweisbare
Konjunktion von Jupiter und Saturn berechnen zu können,
was ihm aber nur Schwierigkeiten mit der Kirche brachte.
Diese Konjunktion im Raume von Palästina hätte niemals
Weise aus Mesopotamien zur Reise an das Mittelmeer
veranlassen können.

Eine naturwissenschaftliche Erklärung für den Wunderstern


des Matthäus ist also auszuschließen. Dagegen kann nun,
um das Erscheinen Gottes auf Erden entsprechend zu
betonen, an die Einbeziehung einer aus dem Kaiserkult
üblichen Vorstellung in den Evangelistenbericht denken.

All den hier angestellten Überlegungen, die keine


Datumsfixierung der Geburt des Gottessohnes erlauben,
wäre nur noch hinzuzufügen, daß am 4. Juli 13 v. Chr. der
Senat von Rom beschloß, dem aus Spanien und Gallien
siegreich heimkehrenden Augustus einen Altar des Friedens
zu errichten. Vier Jahre zuvor schrieb Horaz das "Carmen
saeculare" als Hymnus auf eine neue Ordnung, ihnlich
Vergil, der in seiner vierten Ekloge das Warten auf einen den
Frieden bringenden Herrscher, der ein neues Zeitalter
heraufführt, besingt.

Durch die Vollendung und Aufstellung dieses Friedensalt ires


im Jahre 9 v. Chr. wurde der von Augustus verkündete
Reichsfriede gefeiert. In die ersten Jahre dieses Friedens
und der Erwartung eines neuen Weltzeitalters fiel die Geburt
Christi.