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PROLOG

BABYLON, 331 V. CHR.

FÜR EINEN MOMENT lang schien die Welt den


Atem anzuhalten. Selbst der Mond, der voll leuchtend
am Firmament stand, schien das Geschehen erwartungs‐
voll zu beobachten und die Sterne um ihn herum
funkelten noch ein wenig heller als sonst. Gespannte
Stille lag über der mächtigsten Stadt auf Erden und die
Augen all ihrer Bewohner lagen auf dem einen Mann,
der gerade alleine die steile Treppe des Etemenanki
emporstieg, des gewaltigen Turms, der bis in den
Himmel aufragte und beispielhaft für die unbeschränkte
Macht Babylons stand.
Aus den Straßen der Metropole unter ihm wehte
der Duft von heiligem Räucherwerk hoch in die Luft.
Als der Eroberer, der sich selbst als Befreier bezeichnete,
die Hälfte der Treppe erklommen hatte, setzten laute
Trommelschläge ein und begleiteten ihn bei seinen
weiteren Schritten empor zur dritten Plattform des
gigantischen Bauwerks, das sich weit über die Stadt

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erhob und auf dessen Spitze ein leuchtend blauer
Tempel thronte, in dem Marduk lebte, der oberste Gott
aller Babylonier.
Zwei Priester standen auf der dritten und breitesten
der insgesamt sieben Terrassen des sich nach oben
verjüngenden Turms, wo sich der Eingang in sein
Innerstes befand, und beobachteten, wie der junge
Fremdling die Stufen zu ihnen hinaufstieg.
»Was werden wir ihm sagen?«, fragte Necho besorgt.
»Wir heißen ihn als neuen Herrn Babylons will‐
kommen und werden ihm unsere treue Gefolgschaft
versichern«, antwortete Mazaeus ungerührt und hielt
seinen Blick dabei auf den siegreichen Heerführer in
seinem weißen Gewand gerichtet. »Aber das Geheimnis
Babylons darf er nicht erfahren!« Nun wandte der
Hohepriester seine dunklen Augen auf seinen Gefolgs‐
mann und starrte ihn so eindringlich an, dass es Necho
den Hals zuschnürte.
»Ich verspreche es«, hauchte dieser nur.
Mazaeus nickte zufrieden und blickte wieder zur
Treppe. Erschrocken wich er einen Schritt zurück, als
der großgewachsene Krieger plötzlich die letzten Stufen
mit wenigen Sätzen emporsprang und vor ihm auf der
Plattform landete. Tosender Jubel brandete in den
Straßen auf und übertönte sogar die Trommelschläge.
Langsam nahm der Mann den Helm ab und langes, fast
goldenes Haar kam zum Vorschein.
»Von diesem Tage an bin ich der König von Asien«,
sagte er mit kraftvoller Stimme zu Mazaeus. »Verkündet
die frohe Nachricht überall! Wir werden ein dreitägiges
Fest feiern, um meine Krönung würdig zu begehen.«

»Aber … Dareios ist der 6König von Asien«, erwiderte


»Aber … Dareios ist der König von Asien«, erwiderte
Necho verwirrt.
Mit versteinerter Miene legte der Eroberer seinen
Helm auf dem Boden ab und schritt auf Necho zu.
»Siehst du ihn hier irgendwo, Priester?«, fragte er
mit schneidender Stimme. »Dareios ist geflohen. Vor
mir geflohen, weil er nicht den Mut hatte, sich mir auf
dem Schlachtfeld zu stellen. Aber keine Sorge, ich
werde ihn finden und wenn ich halb Asien dafür nieder‐
brennen muss!« Sein Blick ruhte noch einen Augenblick
auf Necho, der ihm nicht standhalten konnte und zu
Boden sah, bevor er schließlich auf die Knie sank.
Zufrieden wandte sich der neue König Asiens ab und
ließ seinen Blick über die Stadt schweifen, die nun
tatsächlich zu seinen Füßen lag.
Mazaeus verfolgte gebannt, wie der junge Mann aus
fremden Landen beide Arme hob und das Volk auf den
Straßen Babylons erneut zu jubeln begann. Mit einem
Lächeln auf den Lippen wandte sich der neue König zu
ihm um. Ohne zu zögern, trat Mazaeus neben ihn. Die
Menschenmenge unter ihnen verstummte augenblick‐
lich, als er seine Arme weit ausbreitete.
»Seht, ihr Menschen Babylons! Eine neue Zeit hat
begonnen. Babylon wurde aus dem Joch der Perser
befreit, von diesem Mann an meiner Seite, den Marduk
selbst auserwählt hat, um Großes zu vollbringen.«
Mazaeus holte tief Luft und schrie die folgenden Worte
so laut hinaus, wie er es vermochte: »Er ist der neue
König Babylons und Asiens, der Herrscher der freien
Welt – Alexander!«
Die Lautstärke der Freudenschreie übertraf alles,

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was Mazaeus jemals erlebt hatte. Nicht einmal beim
Neujahrsfest waren die Menschen so außer sich. Immer
wieder skandierten sie den Namen des Makedoniers,
dessen Ruf alleine ausgereicht hatte, um die letzten
persischen Stadtwachen vor seiner Ankunft die Flucht
ergreifen zu lassen. Die Bevölkerung Babylons schien
wie im Rausch zu sein.
Alexander nickte ihm zufrieden zu, nahm seinen
Helm auf und schritt langsam die Stufen des Etemen‐
anki wieder hinab.
Die Feierlichkeiten zur Ausrufung des neuen Königs
zogen sich sogar noch länger als drei Tage hin, was die
Bevölkerung ebenso wie auch die kampfesmüden
Truppen der Makedonier und Griechen erfreute.
Während Alexander im Palast von Babylon ausschwei‐
fende Feste feierte, hielt sich Mazaeus die ganze Zeit im
Esaĝila-Tempel auf, der höchste Tempel der Marduk in
Babylon geweiht war, immer darauf bedacht, dass keiner
der Fremden das Heiligtum betrat.
»Es ist ein Wunder«, sagte Necho, der mit einem
Korb voller Brotlaibe und Weinkrüge in den Tempel
eintrat. »Alexander hat im Palast verlauten lassen, dass
in ganz Babylon nicht ein Haus zerstört oder niederge‐
brannt werden darf. Im Gegenteil, er möchte, dass auch
der Etemenanki wieder vollständig hergerichtet wird,
damit er in seiner alten Pracht erscheinen möge.
Außerdem hat er einen seiner eigenen Männer
hinrichten lassen, nachdem dieser eine Babylonierin
geschändet hatte.«
»Bemerkenswert, in der Tat.« Mazaeus erhob sich
vom Boden, wo er seit Stunden mit übereinander

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gekreuzten Beinen gesessen und auf ein Zeichen
Marduks gewartet hatte. Dieses kam nicht und er rieb
sich seine schmerzenden Gebeine.
»Die Menschen der Stadt dichten schon Lieder über
ihn und rühmen seinen Namen bei jeder Gelegenheit.«
Aus Nechos Kehle entwich ein leiser Gluckser.
»Hast du dem Wein etwas zu sehr zugesprochen,
mein Freund?«, fragte Mazaeus belustigt.
»Nur ein wenig. Ich war im Palast und durfte ganz
nahe bei Alexander sitzen. Wann immer der Inhalt
meines Kelchs zur Neige ging, schenkte man mir nach
und …«
»Du warst im Palast? Wie lange?«, unterbrach
Mazaeus seinen Stellvertreter mit schroffer Stimme.
»Wenige Stunden nur. Mach dir keine Sorgen, sie
ahnen nichts. Sieh, sie haben mir sogar noch einige
Speisen und Wein für dich mitgegeben!« Necho hielt
ihm den Korb hin.
»Ich benötige nichts. Du wirst den Palast nicht mehr
aufsuchen, hörst du? Nicht ohne meine Erlaubnis!« Die
Strenge in seiner Stimme hallte von den Wänden des
Tempels wider. »Lass dich nicht von der Freundlichkeit
Alexanders täuschen! Auch er ist ein Herrscher, der
darauf aus ist, zu erobern und zu unterwerfen. Nur weil
er nicht ganz so barbarisch dabei vorgeht, bedeutet es
nicht, dass er unser Freund ist. Wir haben eine Aufgabe
zu erfüllen und die dürfen wir nicht vergessen.«
»Dann lasst mich Euch von dieser schweren Bürde
befreien, Priester!«
Mazaeus erstarrte, als er einen dunkelhaarigen
Mann sah, der sich aus dem Schatten einer Säule löste

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und nun neben Necho trat und diesem eine Hand auf
die Schulter legte. In dem ungepflegten Bart des
Mannes hingen noch die Reste seines letzten Mahls.
»Wer seid Ihr?«, fragte Mazaeus mit frostiger
Stimme.
»Oh, verzeiht mir meine Unhöflichkeit. Hauptmann
Attaklos, zu Euren Diensten, Priester.« Mit theatrali‐
scher Geste verneigte sich der Grieche.
»Ihr dürft diesen Tempel nicht betreten. Er ist
heilig!«
»Nun, mein neuer Freund Necho hat mich eingela‐
den, mit ihm zu kommen. Es soll hier ein großes
Geheimnis geben.« Die Zähne des Mannes blitzten auf,
einige von ihnen waren schon fast braun. »Nun bin ich
von Geburt an immer schon sehr neugierig gewesen.
Was könntet Ihr also hier versteckt haben? Gold? Oder
gar Edelsteine? Am Ende sogar eine mächtige Waffe?«
Höhnisches Gelächter erklang.
»Necho, was hast du getan?«, fragte Mazaeus trau‐
rig. »Du hast Marduk verraten.«
»Aber nicht doch. Mein Freund hat nur getan, was
ihm am klügsten erschien. Er möchte nämlich neuer
Hohepriester von Babylon werden, ist es nicht so?«
Attaklos klopfte dem schmächtigen Necho kräftig auf den
Rücken, sodass dieser den Korb mit Brot und Wein fallen
ließ. Die Tongefäße zerbrachen und der Wein ergoss sich
über den Boden. »Pass doch auf! Schnell, wisch es auf«,
mahnte Attaklos mit hämischer Stimme, während Necho
auf die Knie ging und mit den weiten Ärmeln seines
Gewandes versuchte, den Wein aufzunehmen.

»So sehr lässt du dich


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»So sehr lässt du dich also erniedrigen«, sagte
Mazaeus mit vor Traurigkeit zitternder Stimme. Necho
reagierte nicht, sondern war immer noch voller Eifer
damit beschäftigt, den Boden mit seiner Robe zu
trocknen.
»Der alte Priester hat recht, du bist eine Schande«,
tadelte Attaklos ihn verächtlich mit kalter Stimme.
Dann zog er unvermittelt seinen Dolch und stieß diesen
in Nechos Nacken. Mit einem Aufkreischen zuckte
dieser zusammen und wand sich wie ein Wurm. Der
Grieche drückte die Klinge erbarmungslos noch tiefer in
den Hals des bedauernswerten Priesters, bis dieser nur
noch gurgelnde Geräusche von sich gab und schließlich
verstummte. Zufrieden zog Attaklos seinen Dolch
wieder heraus und wischte ihn am Gewand des Toten
ab. »Nun zu dir, Priester. Du wirst mir euer Geheimnis
verraten oder ebenfalls sterben!«
»Weiß Euer König, was Ihr hier macht?«
»Nein, er muss es auch nicht wissen. Wenn diese
Waffe, von der dieser tote Narr sprach, nur halb so
mächtig ist, wie er sagte, dann wird Alexander die
längste Zeit mein König gewesen sein!« Ein diabolisches
Lachen folgte.
»Das wollte ich hören!«
Noch ehe Attaklos die Bedeutung seiner Worte
verstand, zog Mazaeus ein Messer aus den Falten seines
Gewandes, nicht größer als eine Pfeilspitze, und warf es
auf den Griechen. Auf die kurze Distanz verfehlte er
sein Ziel nicht. Es blieb seitlich in dessen Hals stecken.
Überrascht zog Attaklos die kleine Wurfwaffe heraus.

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Sie hatte nur eine leichte Wunde verursacht. Ein feiner
Blutfaden lief seinen Hals hinab.
»Dafür werde ich dich leiden lassen!«
»Die Götter werden es nicht zulassen«, erwiderte
Mazaeus ruhig.
Mit einem Schrei stürzte sich Attaklos auf ihn,
wurde jedoch von einem starken Krampf geschüttelt
und brach unmittelbar vor seinen Füßen zusammen.
»Was … habt Ihr …«, der Grieche begann zu würgen,
»mit mir … gemacht?« Ein unmenschlicher Schmerzens‐
schrei folgte und dann ergoss sich ein Schwall tiefroten
Bluts aus dem Mund des Hauptmanns. Ungläubig
blickte dieser auf die riesige Blutlache unter sich.
»Nein … das darf nicht …« Erneut bäumte sich sein
Körper auf, als das Gift seine Wirkung tat.
Mazaeus beachtete den Todeskampf des Mannes
nicht länger. Er wandte sich um und öffnete die
Geheimtür, die sich unterhalb des Schreins befand.
Dann öffnete er den Schrein und entnahm dessen
heiligen Inhalt. Mit einer Fackel in der anderen Hand
stieg er die Stufen in das Innerste des Tempels hinab. Er
wusste, dass es nun an ihm lag, zu verhindern, dass ihr
Geheimnis jemals aufgedeckt werden würde. Es dauerte
Stunden, bis er mit seiner Arbeit fertig war und wieder
in den Gebetssaal zurückkehren konnte.
Die ersten Strahlen der aufgehenden Sonne drangen
durch die Fenster in den Tempelraum hinein und
beleuchteten die toten Leiber von Necho und Attaklos,
die inmitten eines Sees aus leicht geronnenem Blut
lagen. Mazaeus blickte hinaus in den beginnenden Tag
und sah, wie die ersten Sonnenstrahlen den Tempel auf

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der Spitze des Etemenanki erstrahlen ließen, als wäre er
der Himmel selbst. Dann legte er sein Gewand ab und
trat mit nackten Füßen in die riesige Blutlache. Dort
bückte er sich nach dem Dolch des Attaklos.
»Niemand wird jemals dein Geheimnis lüften,
Marduk«, murmelte Mazaeus und betrachtete die
Dolchklinge. »Es wird für alle Zeiten im Verborgenen
bleiben. Bitte erweise mir deine Gnade.« Er hielt einen
Augenblick inne, ehe er sich selbst den Hals mit der
scharfen Klinge öffnete.

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EINS
DER PERFEKTE PLAN
BOSTON, 14. MÄRZ 1960

ZUFRIEDEN RIEB sich Max Falkenburg die Hände,


nachdem er mit seinen Ausführungen geendet hatte. Vor
ihm, auf dem kleinen braunen Sofa in seinem Büro,
saßen zwei Männer und starrten ihn mit großen Augen
an. Ein fast zwei Meter großer Afroamerikaner, dessen
Arme fast so dick wie Baumstämme waren, und ein hell‐
häutiger Rotschopf, der neben seinem Sitznachbarn
ziemlich schmächtig wirkte. Seine beiden besten
Freunde, Joe Carter und Patrick O’Malley.
»Und, was sagt ihr? Ist das nicht der beste Plan, den
ihr je gehört habt?«, fragte Max die beiden, nachdem sie
auch nach seiner auffordernden Geste keine Antwort
gegeben hatten.
Patrick räusperte sich und fuhr sich mit der linken
Hand durch sein rotes Haar, eine Marotte aus Verle‐
genheit.
»Nun, wie soll ich sagen …?« Er stoppte mitten im
Satz und wandte seinen Kopf nach rechts, wo Joe stumm

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neben ihm saß. Der große Schwarze saß weit zurückge‐
lehnt in den Polstern des Sofas und blickte ihn
ungläubig an.
»Sagen wir es einfach ganz direkt: Das ist wohl der
beknackteste Plan, von dem ich je gehört habe, und ich
habe schon eine Menge blöde Ideen von dir gehört! Man
mag es kaum glauben, dass du tatsächlich einen Doktor‐
titel dein Eigen nennst.«
Patrick nickte zustimmend.
»Ja, das trifft es ganz gut.«
»Okay, wahrscheinlich hattet ihr beiden Schwierig‐
keiten, meinen genialen Ausführungen genau zu folgen,
was ich euch angesichts eurer geringen Geisteskraft nicht
einmal vorwerfen kann – wie habt ihr bloß eure Doktor‐
titel erworben?« Max grinste seine Freunde breit an.
»Auf jeden Fall werden wir den Plan genauso umsetzen.«
»Verstehst du den Sinn seiner Worte, Patrick? Du
bist doch auch ein Weißer, vielleicht verstehst du ihn
besser, als ich es kann.« Joe verschränkte die Arme vor
seinem mächtigen Brustkorb.
»Tut mir leid. Mir geht es wie dir, Joe.« Patrick
schüttelte den Kopf und sprach stakkatomäßig weiter:
»Ich nix verstehen von dem, was kluger Mann uns sagen
wollen.«
Max rollte mit den Augen.
»Okay, jetzt mal Spaß beiseite: Werdet ihr mir
helfen, meinen Meisterplan umzusetzen?«
»Überleg es dir doch lieber noch einmal, Max«, sagte
Patrick. »Deine Idee ist … nicht wirklich gut, gelinde
gesagt. Das könnte dir eine Menge Ärger einbringen.«

»Ganz meine Meinung«,


16 fügte Joe hinzu. »Und als
»Ganz meine Meinung«, fügte Joe hinzu. »Und als
deine Freunde ist es doch eigentlich unsere Pflicht, dich
vor falschen Entscheidungen zu bewahren.«
»Ich weiß es wirklich zu schätzen, dass ihr euch
darüber Gedanken macht, wirklich. Aber ich habe lange
darüber nachgedacht, wie ich diesen Tag gestalten
möchte, und glaubt mir, es wird toll werden! Jody wird
außer sich sein vor Freude.«
»Wenn du das durchziehst, wirst du die längste Zeit
eine Freundin gehabt haben!«
»Nein, nein. Ihr schätzt Jody völlig falsch ein. Sie
mag solche Überraschungen.«
»Niemand mag solche Überraschungen«, entgegnete
Joe. »Du täuschst deiner Freundin vor, dass du ihren
Geburtstag vergessen hast, gehst ihr den ganzen Tag aus
dem Weg, nur um sie dann abends mit einer doofen
Party zu überraschen, zu der sie dann sicher gar keine
Lust mehr hat.«
»Sie wird eine Stinkwut auf dich haben und dir den
Kopf abreißen!« Patrick sah Max ernst an.
»Zu Anfang vielleicht, das mag sein«, räumte Max
ein. »Aber dann werde ich ihr das hier geben!« Er zog
eine kleine schwarze Schachtel aus seiner Hosentasche
hervor und klappte den Deckel auf.
Joe und Patrick klappte unisono der Unterkiefer
herunter, als sie den weißgoldenen Ring mit dem hoch‐
aufragenden, funkelnden Edelstein darauf sahen.
»Ist das ein Diamant?«, fragte Patrick staunend.
»Und ob! Brillantschliff in bester Qualität, ein
Karat! Ich habe zwei Jahre auf dieses Baby gespart. Und

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heute Abend werde ich Jody die Frage aller Fragen
stellen.«
»Hoffentlich bekommst du noch die Gelegenheit
dazu, bevor sie dich tötet«, sagte Joe schmunzelnd.
»Aber der Ring ist wirklich beeindruckend. Darf ich den
für Lizzie haben, falls du keine Verwendung mehr für
ihn hast?« Er zwinkerte Max zu.
»Träumen Sie weiter, Dr. Carter«, sagte Max und
klappte die Ringschatulle wieder zu. »Also, kann ich
mich auf euch zwei verlassen?«
Joe sah Patrick an, der nur mit den Schultern zuckte.
Dann nickte Joe Max zu.
»In Ordnung. Wir helfen dir mit deinem schwach‐
sinnigen Plan. Aber nur, um zu sehen, wie du es schaffst,
am Ende doch noch deinen Hals aus der Schlinge zu
ziehen … oder eben nicht.«
»Ich wusste, ich kann mich auf euch verlassen,
Freunde.« Max klatschte zufrieden in die Hände. »Ihr
holt Jody heute Nachmittag zu Hause ab und bringt sie
ins Marliave, dort habe ich einen Raum nur für uns
reservieren lassen. Ihr müsst spätestens um fünf Uhr
dort sein. Das wird der beste aller Abende werden!«

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