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Karl Richter

1926 - 1981

Zeitdokumente
Band 2
1958-1963

Herausgegeben von Johannes Martin

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Vorwort

In einem Beitrag der Novemberausgabe der Zeitschrift "Digest" schrieb der Münch-
ner Musikkritiker Karl Schumann u.a.:

...Karl Richter, der Münchner Musikmagnet, dessen Konzerte schon ausverkauft


sind, bevor sie plakatiert wurden, empfindet sich selbst als Außenseiter. Ganz
altmodisch setzt er dem musikalischen Spezialistentum und nomadenhaften
Wandertrieb seiner Generation die aus Karl Straubes Vorbild empfangenen
Kantorenideale entgegen: universelle Künstlerschaft und traditionsbildende
Seßhaftigkeit. Vielfältig sind die Disziplinen, die er beherrscht: Orgel, Cemba-
lo, Klavier, Chorleitung, Dirigieren von sakraler und symphonischer Musik und
akademisches Lehramt. Ein Jahrzehnt lang wirkt er bereits in München, seine
Position von Jahr zu Jahr verbreiternd. "Man muß irgendwo sich festsetzen,
eine Schule gründen, eine Tradition schaffen - das hat Wert und Bedeutung für
die Kunst."

In dem vorliegenden Band verfolgen wir Karl Richters künstlerischen Werde-


gang der Jahre 1958 - 1963 wiederum in Zeitdokumenten. Diese Jahre sind ei-
nerseits geprägt von zahlreichen, zum Teil auch noch heute Maßstab setzenden
Schallplatteneinspielungen wie Bachs Matthäus-Passion und Messe h-moll oder
Mozarts Requiem. Sodann erstreckte sich Richters Wirkungsbereich immer
weiter über München hinaus ins europäische Ausland und nach Übersee. Regel-
mäßige Konzertreisen führen nach Luzern, Salzburg, Wien, Buenos Aires, in
die USA, mit Bach-Chor und Bach-Orchester gastiert Richter in Italien und Pa-
ris, die Bachwoche Ansbach ist fester Bestandteil des Jahresprogramms. Und
dennoch bleibt München für Karl Richter der Mittelpunkt seiner Bach-Pflege.

Der Kern seiner Virtuosität, schrieb Karl Schumann zum Ende seines Beitrags,
besteht darin, sich die Materie des Instruments unterwerfen, damit sich der Geist
der Musik schlackenlos aussprechen kann. Ein weniger universeller Kopf als
Karl Richter hätte an den Erfolgen als Virtuose und Chordirigent Genüge ge-
funden. Richter jedoch drängt es, den Radius seiner Interpretationskunst auf
die symphonische Musik auszudehnen. Mozart, Haydn, Beethoven und Brahms
beschäftigen ihn. Wiederholt leitet er Symphoniekonzerte...Die Entwicklung des
vielseitigen Außenseiters geht weiter. Die Entfaltung einer Persönlichkeit mit
Geniezügen tritt in ein neues Stadium.

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Karl Richter in Buch und Film
Veröffentlichungen bei Conventus Musicus

Buchdokumentation

Karl Richter in München - Zeitzeugen erinnern sich


CM 3130 • ISBN 978-3-00-016864-2

Zeitdokumente

Band 1: 1951-1957
CM 3141 • ISBN 978-3-00-032125-2

Band 2: 1958-1963
CM 3142 • ISBN 978-3-00-032826-8

DVD-Film-Trilogie

Teil I Solisten - Konzerte - Tourneen


CM 2130 • ISBN 978-3-00-019277-7

Teil II Bach-Chor und Bach-Orchester


CM 2131 • ISBN 978-3-00-020726-6

Teil III Faszination und Interpretation


CM 2132 • ISBN 978-3-00-022647-2

Informationen hierzu und zu weiteren Karl Richter-Publikationen gibt es im


Internet unter http://karlrichtermunich.blogspot.com/

Gesamtherstellung: Vier-Türme-Verlag, D-97359 Münsterschwarzach


© Conventus Musicus, Postfach 68, D-97335 Dettelbach
www.conventus-musicus.de • cm@conventus-musicus.de
CM 3142 • ISBN 978-3-00-032827-5

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Die zehn Abendmusiken im Jahr 1958 boten neben bekannten und schon häufiger
aufgeführten Motetten einige Überraschnungen. Die beiden ersten Abendmusi-
ken allerdings waren J. S. Bach und den Altmeistern vor Bach vorbehalten. Da-
zwischen lagen der erste von vier Kantatenabenden und ein Orgelkonzert.

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Die Abendmusik im März bot ein


ungewöhnliches Programm: Zunächst
eine Toccata über B-A-C-H von Lud-
wig Kusche, 1901 in Mainz geboren.
Kusche war Solopianist, Kammer-
musiker, Liedbegleiter, Dirigent,
Komponist und Schriftsteller, vor al-
lem aber bekannt als Gestalter von
Sendungen im Radio. Das zweite
Werk, Zoltan Kodalys Motette Jesus
und die Krämer hat Richter auch in
seinem allerletzten Motettenkonzert
1980 in Ottobeuren aufgegriffen. Und
Orgelwerke von Karl Höller, dem da-
maligen Präsidenten der Musikhoch-
schule München, setzte Karl Richter
immer wieder auf das Programm von
Abendmusiken und Orgelkonzerten.

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Der erste Höhepunkt des Jahres war
ohne Zweifel die zweite Italientournee
des Münchener Bach-Chores mit ei-
nem reinen Motetten-Programm. Erst-
mals gibt es auch bewegte Bilder von
Karl Richter und seinem Ensemble,
aufgenommen mit einer Normal-8-
Filmkamera vom damaligen Geschäfts-
führer des Münchener Bach-Chores,
Heinz Geisel, zu sehen auf der DVD
"Zeitdokumente, Teil 3" (CM 2143).

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Irmhild Reges, geb. Rahls, der wir einen großen Teil der Karl Richter-Fotos in
unserem Archiv verdanken, erinnert sich an den Beginn ihrer Bach-Chor-Zeit:

O-Ton: Irmhild Reges

Meine erste Konzertreise führte nach Italien, es durften aber nur 60 Sängerinnen
und Sänger mitfahren. Eine Freundin, die ich im Bach-Chor kennengelernt hatte -
und die zur gleichen Zeit wie ich eingetreten war - und ich hatten uns ausgerech-
net: 58 Chormitglieder, die schon länger
„gedient“ hatten, waren ganz sicher auf
der Reise mit dabei. Zwei Plätze sind
dann noch frei, und wenn wir Glück hat-
ten, sind wir auch dabei. Das hat dann
auch geklappt.

Am Montag, den 17. März 1958, ver-


sammelten sich Karl Richter und sein
Bach-Chor um 22.32 Uhr am Bahnsteig
13 des Münchner Hauptbahnhofs zu
einer zweiwöchigen Konzertreise im
Touropa-Zug nach Italien.

Die erste Etappe führte über Neapel in


mehr als 30 Stunden bis zur Endstation
Villa San Giovanni, hier wurde der Zug
auf die Fähre verladen, die in 20 Minuten
nach Messina übersetzte. Tags darauf, am
Donnerstag, den 20. März, waren noch
einmal etwa 250 km Bahnfahrt entlang der
Nordküste Siziliens zu bewältigen, ehe
Palermo, die erste Station der Konzertrei-
se, erreicht wurde.

Das Konzertplakat war nach einem Entwurf von Henri de Toulouse-Lautrec ge-
staltet worden. Auf dem Programm standen Motetten von J. S. Bach und seinem
Onkel Johann Christoph Bach.

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Die nächste Station der Konzertreise
war Florenz, wo am Samstag, den 22.
März, recht spät um 21.00 Uhr in der
Franziskanerkirche Chiesa Santa
Croce wiederum Bach-Motetten auf
dem Programm standen.

Am Sonntag-Vormittag fuhren Karl


Richter und sein Chor wieder Richtung
Süden nach L’Aquila, inmitten der Ber-
ge der Abruzzen gelegen. Das Motetten-
konzert im Teatro Comunale war für
19.00 Uhr angesetzt.

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Neuschnee im Frühling er-
lebte das Ensemble am dar-
auffolgenden Morgen auf
dem Weg vom Hotel zum
Bahnhof. Ziel war heute das
nur 90 km entfernte Rom,
wo um 17.45 Uhr ein breit
gefächertes Motetten-Pro-
gramm zur Aufführung ge-
langte. Neben zwei Bach-
Werken waren erstmals auf
dieser Tournee Motetten von
Antonio Scarlatti, Heinrich
Schütz, Zoltan Kodaly und
Max Reger zu hören.

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Für die Sehenswürdigkeiten von Rom blieb keine Zeit, denn die Abfahrt über
Livorno und Pisa nach Mailand erfolgte bereits am frühen Vormittag. Das Foto
zeigt Karl Richter bei einem Zwischenaufenthalt
in Carrara. Für deutsche Verhältnisse recht spät
am Abend, nämlich erst um 21.30 Uhr, war
Konzertbeginn in der Sala Cinema Gloria der
veranstaltenden Societa del Quartetto di Mila-
no. Das Programm umfasste die gleichen Wer-
ke wie am Vortag, erweitert durch die schon in
München mehrmals aufgeführte Motette
Misericordias Domini von Francesco Durante.

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Die letzte Station der Konzertreise war Triest, hier gab es am Freitag, den 28.
März, das Abschlusskonzert um 21.00 Uhr im Teatro Comunale Giuseppe Ver-
di, mit dem Motettenprogramm von Rom. Interessant auch die Speisekarte für
den Mittags- und Abendtisch!

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