Marbach, Friedrich Die Psychologie des Firmianus Lactantius

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'

Die

Psychologie des Fipinianus Laetantius
Ein Beitrag zur Geschichte der Psychologie.

Inaus'ural -Diss( Ttation
behufs

Erlangung der Philophischen Doctorwiirde
verfasst

und

der hohen Philosophischen Facultät

der Universität Jena
vorgelegt

Friedricli

Marbach

aus Eisenach

Halle

a. S.,
(F. Beyei)

Heynemann'sche Buchdruckerei
1889.

Animus,

ia

quo solo
est,

est

homo. quoDiam

subiectus oculis non

nee bona eius adspici

possunt, quae in sola virtute sunt posita, et
ideo tarn stabiUs et constans et perpetuus sit

necesse

est, sicut ipsa virtus, in

qua

est animi

bonum.

(Lact. Inst. div. V, 21,11.)

Meinen Eltern
in Liebe

und Dankbarkeit

gewidmet.

Einleitimi»".

Es
der

gibt

in

der Weltgeschichte

kaum

eine

Epoche,

die

Wissenschaft

noch

so

viel

ungelöste Rätsel darbietet,

als die ersten

Jahrhunderte unserer christlichen Zeitrechnung.
möglich,
dass
die

Wie war
und an

es

ganze so hoch entwickelte

Cultur in einigen Jahrhunderten überwunden werden konnte,
ihre Stelle das Christentum mit

seinen allen antiken
trat

Anschauungen

widersprechenden

Gedanken

und

die

Menschheit für sich gewann.

Die Menschheit, die über die
spottete, ver-

Mythen und Mysterien der heidnischen Religion
einigte sich,

um

einen bei

dem

verachtesten Volke als Hoch-

verräter Gekreuzigten
liebe

anzubeten.

Das Gebot der Nächsten-

ward zu

allererst in

seinem ganzen Umfange anerkannt,
ja

auf die
brecher

Armen und
Herren

Verlassenen,

auf Feinde

und Ver-

ausgedehnt, zu einer Zeit, in der der Unterschied

zwischen

und Sklaven, unermesslich

Reichen

und

elendem Proletariat

am

stärksten

hervortrat.

Das Streben
in

nach einer höhern, bessern Welt und damit

ZusammenHerzen der

hang

die

Verachtung

alles Irdischen

ergriff die

Menschen, obwohl dieselben in jener Zeit ganz besonders im
Stande waren, sich
alles,

was

die

Erde

bietet,

zu verschaffen
des

und zu gemessen, und

in der

That

allein

dem Genüsse

irdischen Dasein's zugewandt waren.

Es

ist

die

schwierige

Aufgabe

der wissenschaftlichen
voll-

Forschung nachzuweisen, wie jene Umwandlung sich M arbacli, rai'chologie, 1


zogen
suchen
konnten,
hat,

2

wo

in der antiken

Welt

die

Berührungspunkte zu

sind,

an

die

die

neuen Ueberzeugungen anknüpfen

um

in alhnählich fortschreitendem Prozess die alten

Anschauungen vollkommen umzugestalten.

Gewiss war

es

gerade der Zweifel an jeder religiösen und sittlichen
heit

Wahrverein-

und

die

hierdurch
die

entstandene
die

Sehnsucht

des

samten

Gemüts,

Menschen zur Gemeinschaft im
es vor allem das
sie

Glauben an Christum führte; gewiss war
ungeheure Elend der niederen Massen, das

das hier auf

Erden vermisste Glück

in

einem bessern Jenseits suchen Hess;

gewiss war gerade die Uebersättigung und Erschöpfung durch
alle

Genüsse der Welt ein Hauptgrund dafür, dass Viele dem
der Askese und Weltflucht Reiz

schroffen Gegensatz hierzu,

abgewannen, wie

kam

es aber, dass das

Evangelium,
so vieler

das zunächst nur die

Gemütsbe dürfnisse

befriedigte, auch die Ergebnisse der alten Wissenschaft in seinen Bereich zog und dieselben, ohne
sie

zu zerstören, auf Grund der neuen UeberzeuFreilich ging auch die antike Philosophie einem Selbst-

gung umgestaltete?
zersetzungsprocesse

entgegen und begann im Neupythagosich in

reismus und Neuplatonismus

mystische Schwärmerei
das

zu

verlieren.

Doch

behielten

daneben

den

strengen

Denker befriedigende pantheistische System der Stoiker, und
das
der

Zeitrichtuug

in

vieler

Beziehung

entsprechende

materialistische

System Epicurs

die grösste Verbreitung.

Mit

diesen

Systemen musste

das

Christentum

in

Be-

kommen und sich auseinandersetzen. schah in der W eise, dass man alle den christlichen
rührung

Dies ge-

entgegenstehenden Wissenschaft anerkannte, Resultate der antiken oder wenigstens nicht verwarf, und nur das be-

Grundanschauungen

nicht

kämpfte, was mit den christlichen Ideen nicht zu vereinigen war, so dass später die alte Philosophie in
christlichem

Gewände wieder

auflebte.

Es
Weise

ist in

hohem Grade

interessant zu sehen, in welcher

sich

dieser

Uebergangsprocess vollzog,

wie
die

in

den

Schriften der älteren Kirchenväter

und Apologeten

Ergeb-

nisse der antiken Philosophie teils anerkannt, teils verworfen,
teils

umgestaltet

werden, je
,

nachdem
oder

sie

den christlichen
zuwiderlaufen.

Grundgedanken entsprechen
Diese Umgestaltung
alten
tritt

denselben

deutlich

hervor

an

den von den
beantworteten

Philosophen

in

verschiedener

Weise

Problemen der Psychologie, und
die

zwar deshalb, weil
eine

Einzelseele

durch die christliche Auflassung

neue

Stellung im Weltganzen erhält.

Es
auf

richtet

sich

ja

im Christentum das Hauptinteresse
ihre

das Geschick der menschlichen Seele, auf
als Teil

ErliKSung

und ihr ewiges Heil, so dass dieselbe nicht mehr
der

nur

Welt aufgefasst und demgemäss behandelt
als

wurde,

sondern

selbständiges

ethisches Wesen

den Weltmittelpunkt
Bemerkenswert
ist

bildet; das Geschick aller Einzel-

seelen bildet den vornehmlichsten Inhalt der Weltgeschichte.
hierbei, dass jene
die

Ueberaeugung von

dem hohen Wert
lungsweise
nicht
als

der Seele,

Grundlage für die Behand-

der

überlieferten psychologischen

Bestimmungen,

etwas

durchaus

fremdes

der

griechischen

An-

schammg gegenübertrat, sondern

dass

die

Entwicklung

der griechischen Philosophie zu derselben hingeführt hatte, seitdem sie den Menschen in den Mittelpunkt
ihrer Betrachtung gestellt, die theoretischen Untersuchungen

nur

als Mittel zur practischen

Lebensführung behandelt
seine

hatte.

Nicht nur führte der Neuplatonismus durch
der Gegensätzlichkeit zwischen Leib

Betonung

und Seele und der Er1*

liabenlieit

4


die eingehende

der letzteren

zu jener Auflassung, sondern schon

die

Entwicklung der stoischen Schule, sowohl
solcher

Behandlung

Probleme,
als

wie

Physicotheologie

und

Theodicee durch Chrysipp,

vor allem die ethischen An-

schauungen der späteren Stoiker, eines Seneka und Epiktet;
treten doch bei

dem

ersteren die Lehre von der Gottverwandt-

schaft des menschlichen Geistes, von

dem Gegensatz zwischen
Seele, selbst

Körper und

Seele,

von der ewigen Fortdauer der
in derselben

von ihrer Läutenmg
wie in der Patristik.

Weise

in

den Vordergrund,

Aus dem Gesagten

ergibt

sich,

dass trotz des Gegen-

satzes zwischen der antiken

und christlichen Auffassung vom

Wesen

der Seele sich Berührungspunkte finden.
in der

Es brauchte

nur jene christliche, aber auch

Psychologie der Griechen

sich entwickelnde ethische Auflassung der Seele als wichtigster

um dem Seelenleben neue Gestalt zu geben, ohne dabei eine neue Theorie des Seelenlebens zu gcAvinnen: konnte man
Punkt hervorgehoben zu werden,
eine
doch

ohne

Anstoss

einen

grckssen

Teil

der

rein

psycho-

logischen Bestimmungen aus

der antiken Psychologie über-

nehmen,
hatte.

ob-sAohl

das

Object der Forschung sich

verändert

Hiermit

steht

im Zusammenhang,

dass

das Seelen-

leben
die

mit

seinem

moralisch

-

praktischen Inhalt

grösste Beachtung findet,

während
Einzelseele

alle

rein
sind.
so

theoretisciieu

Bestimmungen nebensächlich
das Geschick der

Da

es

sich
als

um

handelt,

treten

die

wichtigsten Fragen in den Vordergrund, wie

die Seele sich

dem Körper gegenüber

verhalten

soll,

wie

sie

sein muss,
sal sie

um

recht beschaffen zu sein, und welches Schick-

durch ihr Thuu erleiden wird, während die die antike
vor
allem

Psychologie

beschäftigenden

Fragen

nach

der

;

Substanz,

dem

Sitz,

den Teilen und Leistungen der Seele in

zweiter Linie

stehen und stets von der ethischen Grundauf-

fassung der Seele beeinflusst werden.

Diese für die psychologischen Anschauungen der altern
Kirchenväter bis
setzungen,
sind

Augustin
bis jetzt

allgemein gültigen Auseinander-

an einzelnen Kirchenvätern nicht

nachgewiesen, auch Siebeck's Geschichte der Psjchologie behandelt diese interessante

Umformung nur

kurz.

Im

folgen-

den

ist

daher der Versuch gemacht, die

psychologischen
des

Anschauungen
Lactantius,
der

des christlichen Rhetors Firmianus
zur
Zeit

Constantins

Grossen

das

Christentum bereits angesichts seines errungenen Sieges verteidigte, darzustellen,

und ihren Zusammenhang mit den Andie durch das neue

schauungen der alten Philosophie, sowie
christliche

Princip

bedingte

Umwandlung

derselben ausein-

ander zu setzen.

Da
der

alle

psychologischen Anschauungen

des Lactanz auf

ihm eigentümlichen dualistischen Weltanschauberuhen,
ist

ung

es

notwendig zunächst sein

metaphy-

sisches System kurz zu betrachten.

Die Grundlage einer

jeden theologischen oder philosophischen Auseinandersetzung
bildet hier nemlich die der Zend-Avesta-Religion eigene,

dem

Christentum nur teilweise verwandte Anschauung, dass Welt

und Materie das Böse repräsentiereu, Gott und das Licht das
Gute.
ist

Diese dualistische Grundauffassung des Weltproblems
in

von Lactanz sogar
einen

der Weise

ausgeführt, dass

wir

zwischen

kosmischen

und

anthropologisch
(Vgl. List. II

ethischen Dualismus unterscheiden können.
9 und
12.)

Jedoch sind die beiden

entgegengesetzten Bestandteile

der Welt, nicht wie in Parsismus von Anfang an vorhanden

:


eine derartige Ansicht

6


cliristlichen

würde den

Anscbauuno-en
ist

des

Kirchenvaters

widersprechen.

Vielmehr

Gott nicht

nur Gestalter der Welt, sondern auch Schöpfer der Materie,

weshalb Lactanz die Ansicht der Dichter und Philosophen
verwirft,

dass

neben Gott das Chaos bestanden habe, das
sei,

von ihm zur Welt umgeschaffen worden

dass also zwei

von Anfang an entgegengesetzte Principien, Geist und Materie,
beide ungeschaffen und von einander miabhängig, vorhanden

gewesen
gensatz
gründet.

seien.

Nach

der Ansicht des Lactanz liegt der Ge-

zwischen Geist und Materie im Willen Gottes be-

Er

erschafft
,

Erde und Himmel,

dieser der

Wohnsitz
Beide

seines Gründers

jene

zur Behausung der Geschöpfe.

stehen zu einander in ausschliessendem Gegensatz und zwar

gehört alles, was Licht und Leben verbreitet,
alles

zum Himmel,
strahlen
da-

entgegengesetzte zur Erde.

Am
Sitz

Himmel

her Sonne,
Licht und

Mond und
endloses

Sterne,

und beweisen, dass dort ewiges
haben, das Feuer
ist

Leben ihren

das himmlische Element;

zur Erde gehört Finsternis, Kälte
ist

und Tod; das irdische Element

das Wasser.

Alles Leben verdankt die Erde

dem

Einfiuss des

Himmels
^)

aus der Mischung

der zwei Substanzen

der Elemente

ent-

stehen die organischen Wesen.

Jedes Geschöpf besteht aus

Leib und Seele,

d.

i.

aus Feuchtigkeit und

Wärme.
Welt
sie

Am

vollkommensten zeigt sich diese
der in
sich ein Abbild der

Zweiteilung im
darstellt
,

Menschen,
sein

da

die entgegengesetzten

Elemente, aus denen

besteht, auch

Wesen

ausmachen.

Während
ist,

der

Körper

aus

dem

Schlamm

der Erde gebildet
seines

ist

die Seele

von Gott „aus
(H,

der Lebensquelle
12, 3.)

ewigen

Geistes"
in sich

eingehaucht.

So vereinigt der Mensch

gleichsam

Himmel

^)

II, 9,

19. substantia ignis calor est,

aquae humor.

_
und Erde, Licht und

7


Leben und Tod: jedoch sind
einem

Finsternis,

die Gegensätze nicht zur Einheit verbunden, sondern in

fortwährenden

Kampf

begriffen.

Hierdurch wird der Dualis"
nur
sind

mus

ein

ethischer.

Nicht

Körper und Geist
ist ein

ihrem Wesen nach verschieden, auch ihr Wert

anderer.

Der Gegensatz zwischen Körper und Seele

ist

derselbe, wie

zwischen Fleisch und Geist, zwischen Böse und Gut, zwischen
Laster und

Tugend.

Der Kampf zwischen beiden

,

der

im

Innern des Menschen vor sich geht, entscheidet zugleich das
Schicksal
desselben.

Siegt die gottentstammte Seele, so

ist

Unsterblichkeit und
siegt der Körper, so

ewiges Verweilen im Lichte ihr Lohn,

vermag

er die Seele nicht zu vernichten,

sondern
nis

sie

erleidet

ewige Qualen in fortwährender Finster-

und unendlichem Tod.
Hiermit steht übrigens der ebenfalls von Lactanz hervor-

gehobene
in

Gegensatz von Gott und Teufel
Letzterer
ist

nicht recht

Einklang.

])ereits

vor

der

Weltschöpfung

geschaffen,
gilt

dann aber durch eigene Schuld gefallen, und
als

daher

Herr

alles

Widergöttlichen, besonders der
(11,

dem

Tod

verfallenen
tritt

Menschheit.

8,

4

ff)

Ein ähnlicher

Widerspruch

auch hervor, wenn von Lactanz auf der

einen Seite die unbegrenzte Verantwortlichkeit des Menschen

und

die durch sie bedingte

Notwendigkeit des Bösen hervoreiner andern Darstellung

gehoben wird, während nach
Böse
erst

das
des

durch
in die

den

Teufel

und

die

eigene

Schuld

Menschen
Diese

Welt gekommen
das

sein soll.

Uebersicht über

metaphysische System des

Lactanz bestätigt bereits das oben Gesagte: bildet

doch Psychologie verbunden mit der Ethik einen wesentlichen Teil desselben. Die Seele ist ein ethisches Wesen, dessen Schicksal die wichtigste Alle Frage für jeden Menschen sein muss.
die

8

anderen psychologischen Bestimmungen sind im Vergleich mit dieser Frage nebensächlich und unwichtig.
Hieraus
ergibt
sich

die Einteilung

der ganzen

Abhandlung, und
retischen

zwar werden

die nebensächlichen theo-

Probleme im ersten Teile derselben behandelt, dem
die durch die

im zweiten
gerufenen

Wertbestimmung der

Seele hervor-

practischen

Fragen

nach ihrem Verhältnis zum

Körper, nach der Willensfreiheit,

dem

W^ert der Affecte und

der Unsterblichkeit angeschlossen sind.

Für den

ersten

Teil

bietet

die Schrift

des Lactanz

de

opificio dei reiches Material, für den zweiten das sechste und

siebente

Buch

der Institutiones divinae, sowie für die Atfectenira dei.

lehre

im besondern das Buch de

Erster Teil.
Die Seele in ihrem
§
1-

Sein.

Die Realität der Seele.
Die

Frage,

ob

überhaupt im Menschen eine Seele
existiere,
ist

als

selbständiges
tiberflüssig

Wesen

für

Lactanz

vollkommen
ist

und keines Beweises

bedürftig.

Die Seele

Wesen, das in Verbindung mit dem Körper, zugleich aber in Gegensatz zu ihm, den irdischen Menschen ausmacht, ein Wesen, dessen
ein

reales

Existenz ebenso feststeht, wie die Gottes.

Von den Philosophen wird

bei Lactanz

als

Leugner der

Seele nur der Peripatetiker Aristoxenus hervorgehoben, wäh-

rend dessen Gesinnungsgenosse Dikäarch in eine Linie mit


zu den Philosophen, die nach
vaters das

Derselbe gehört daher
der Ansicht unsres Kirchen-

Epicur und Deinocrit gestellt wird.

Vergehen der Seele zugleich mit dem Körper be-

haupten, nicht aber die Existenz der Seele leugnen.
scheinen

Dagegen

ihm

die psychologischen
aller

Anschauungen des Aristosein
;

xenus der Inbegriff
einen treffenden

Thorheit zu

er

Aveiss

auch

Einwand gegen dessen Theorie vorzubringen.
des Lactanz ungefähr

Diese

ist

aber nach der Darstellung
der Seele

folgende: Das Verhältnis

zum Körper
durch
die

ist

analog

dem

des Tones
ein

zu den Saiten.

Wie

Anspannung

der Saiten

wohlklingender und übereinstimmender Ton

hervorgerufen wird, so ent.steht aus

dem Bau

des Körpers

und der Verbindung der Eingeweide
Die Seele
bildet also
die

die Kraft des Denkens.

durch die

übereinstimmende Be-

wegung

der einzelnen Glieder bewirkte

Harmonie des Leibes

Wie

aber bei einem Musikinstrument, wenn eine Saite zerder Einklang gestört wird,

rissen oder verzogen ist,

ebenso

wird durch eine Verletzung des Körpers der Einklang desselben
in

Verwirrung gebracht und der Tod herbeigeführt.
der Seele,
als

Diese

Auffassung
einen

die

Gesammtwirkung des

Leibes,

unter

pythagoreischem Einfluss entstandenen
mit

feineren Materialismus, Aviderlegt Lactanz

dem Hinweis
jedes

anf den

Fehler

des

Vergleichs.

Während nemlich
hervorzurufen,

Musikinstrument,

um

einen

Wohllaut

der

Hände

bedarf, die dasselbe schlagen oder spielen, ohne Betot daliegt,

rührung des Künstlers aber stumm und
menschliche Seele aus

denkt die
sich,

eigenem Antrieb,

und bewegt

ohne eine äussere Veranlassung; nötig zu haben.

»)
•-)

Tgl. Inst. VII,
Vgl. Inst.
I,

7,

12.

8, 8.

13,

7.

Vn,

13.

9—11. de o\nt

IG,

13—18.

Siebeck, Gesch.

d.

Psych.

2.

S.

163/104.

10

§2.

Die Substanz der Seele.
Ist

zunächst die Existenz der Seele festgestellt, so liegt

die

Frage nach dem
Hierbei
des

Stoff, aus

dem

sie besteht,

am

nächsten.
trotz

ist es

interessant zu sehen, wie Lactanz

immer wieder betonten Gegensatzes zwischen Leib
ihres Wesens, „den

und Seele und des ethischen Dualismus zwischen beiden, bei

Bestimmung

im Princip

bestrittenen
S. 367.)
ti*otz

NaZwei
des

turalismus nicht von sich abthun kann" (Sieb.

Anschauungen stehen
Bestrebens,
sie

sich

unvereint

gegenüber,

zu verschmelzen,

auf der einen der stoische
Körperlichkeit
der

Materialismus
Seele
die

mit

der

Lehre

von der
als

und ihrer Bestimmung

Pneuma^), auf der andern

auf christlicher

und neuplatonischer Grundlage ruhende

Ansicht von der Unvergleichbarkeit und Unkörperlichkeit des

menschlichen

Geistes.

Während

bei

Tertullian die

erstere

Ansicht consequent durchgeführt wird, die Seele demnach bei

ihm

als materielle

Substanz erscheint, während dem entgegen
als ovolu «irorfÄ/}^, ist-),
aa(6/.iuTog^

Gregor von Nyssa die Seele
die

dynamisch mit dem Körper vereinigt

definiert, ist

bei Lactanz eine klare Entscheidung nicht zu finden.

Fassen wir zunächst die verschiedenen von Lactanz der

Seele beigelegten Attribute
sie

ins

Auge.

Wie

Gott

ist

ohne Körper, daher kann

sie

mit den Augen nicht wahr-

genommen werden, ebenso
fühlt werden.

Avenig

kann
sie

sie

berührt oder be-

Daraus folgt, dass

von allem Festen und

^) Ueber den in einem System von so ausgesprochen ethischer Richtung befremdenden „Materialismus der Stoiker'-, vgl. u. a. Lange,

Gesch.
')

d.

Materialismus

I,

pag. 72.
d.

ff.

Vgl.

Yolkmann, Lehrb.

Psych. 110

u.

UO.

Siebeck

I,

2.

S.

371 u. 375.

Hauschild, Tert. Psych. S. 25.


Körperliclieii keine

11

Gewalt erdulden kann, unteilbar und unüberhaupt nichts Testes oder Auf-

zerbrechlich ist,
lösbares enthält
beipflichtet,
^),

endlich

weshalb Lactanz auch der Ansicht Cicero's
Seele
„nichts Gemischtes

der

an der

oder Zu-

sammengewachsenes, nichts aus der

Erde Geborenes oder

Geschaffenes, nicht einmal etwas Feuchtes, Luftförmiges oder

Feuriges" wahrnimmt,

(de ira 10, 45.)

Hierzu

kommen
sie

eine Keihe positiver

Bestimmungen. Vor
die die

allem betont Lactanz ihre Feinheit und Dünnheit ^),

Unmöglichkeit
dass
in

zu seilen oder zu berühren bedingen,

so
sie

nur ihre Kraft und ihre Wirkungen beweisen, dass
festen

den

Eingeweiden
bei
:

enthalten

ist;

er

stimmt

den

Worten Vergils

(Aen.

6,

702) „Wie

leiclit

wehende Wind"

und geflügeltem Schlafe vergleichbar."

Daneben wird

sie

als dauerhaft, unveränderlich, ja als

dicht in directem Widerspruch zu andern Stellen, bezeichnet^),

Attribute, die bereits zeigen, dass Lactanz seiner Lehre von

der Unkörperlichkeit der Seele

nicht treu

bleibt.

Eben

so

führen
der

zum

Materialismus sein Glaube
bei

an

die

Sichtbarkeit
Seiten

Seelen

Citationen,

an ihre

Fähigkeit von

Gottes erfasst und berührt zu w^erden, sowie nach

dem Tode

Leiden zu erdulden.^)

'')

incorporalis. Inst. Yll, 9, 7.
9, 7.

21, 1. invisibilis
op.
19, 9.,

u. a.

111,

12,

2.

V, 21, 11. ^TI,
gilisYII, 12,

11. 9. 10.,

de

visumque fugiens,
2. 3.

nihil concrcti, nihil
8.,

tactum terreui ponderis habet, non frade ira
10, 43.,

incomprchensibilis
1.
2.,

VU,

20. 11., de

o}).

lü,
3.,

1,

nihil

solidum et contrectabile YII, 21,

iutractabile

de ira 15,

Indivi-

duum

VII,
»)

8,

7.,

non
opif.

solubilis VII, 13, 1.

teuiiis et subtilis:
3.,

HI, 12,

2.

de ira 15,
•')

de

16,

12., Inst.

Vn, 4,12. YH, 13, 8.
11.

8,

6.

12, 2.3.

20, IL,

stabiüs

et

constans

Y, 21,

Ygl.

de ira

15, 3

altenun

(anima) solidum et aeternum est und Inst.

YIL

21, 2.

cum

in sc uilül

habeant solidum et contrectabile.
'^)

Inst,

vn,

13, 7.

20, 11.

ff.

Ygl. § 15.


Als Antwort auf die

12


Stoff,
aus

Frage nach dem

dem

die Seele besteht, finden sich verschiedene
sie

Bestinmiungen.

Da

vom Himmel stammt und von
ist,
ist

Gott den Menschen
sie

eingehaucht

sie

ein Teil des göttlichen Geistes,

besteht aus himmlischem
1. ff.),

Hauch

(ex coelesti spiritu VIII, 12,
Stoff, als der aus

also aus

einem vollkommen andern

der

schweren

und zerstörbaren

Materie

zusammengesetzte
sie

Körper,

sie ist Spiritus

(VII, 20, 11.),

und wird wenn
leben,

den

Körper verlassen
vivere
als
III,

hat, allein

im Geiste

(in solo spiritu

12, 34.)

Aus

dieser

Bestimmung,

die

die Seele

fremdes Element von den übrigen Bestandteilen der Erde
^),

und des Menschen scheidet und dem Himmel zuschreibt
erklärt
sich
die

Polemik

gegen

die

verschiedenen,

land-

läufigen

Ansichten
17,

über die Substanz der Seele, die wir in

de

opif.

dem

frühesten^)

Werke

des Lactanz finden.

Lactanz beginnt mit
die

dem
wir.

Eingeständnis, dass

man über
,

Art und Natur der Seele nichts wissen könne

niu- ihre

Unsterblichkeit erkennen
sichten der Philosophen

Von den
vielleicht

verschiedenen Antrifft

über die Substanz der Seele, wird
keine
es

keine
treffen.
1.

das

Richtige,

und

jemals

Die Ansicht,
dass

dass

die

Seele

darauf,

wenn das Blut durch

eine

Blut sei, Wunde
die

stützt sich

entströmt,

oder durch Fieberhitze aufgezehrt wird,
löschen scheint.
sollte,

Seele

zu

er-

Wenn man
die

aber hierdurch veranlasst werden

die

Seele für Blut zu halten, so

würde

dies dasselbe

sein, als

wenn man auf

Frage, was Licht

sei,

antworten

würde

„Oel", da ja das Licht erlöscht,

wenn das Oel verzehrt

')

Vgl. Inst.

II,

12, 3.

VI,

I,

10;

VII. 4, 12. de ira 15,

3.

^)

Daher

die verschiedenen Unterschiede

zwischen den Ansichten

dieses "Werkes

und der

Inst. div.


ist
;

13


sie ist

vielmehr sind beide verschieden, das eine das Nahrungsdes

mittel

anderen.

Die Seele gleicht dem Lichte,

nicht

selbst

Blut, sondern

wird durch die Feuchtigkeit des

Blutes
12, 23.)

ernährt,

wie

das Licht

durch das Oel.

(Vgl, VII,

Die Ansicht, dass das Blut nicht nur der
sondern
der

Sitz der Seele,

Träger

der

seelischen

Functionen

selbst

sei.

findet sich bei

keinem Philosophen.
„durch
I.

Denn auch

bei Kritias,

der die Empfindung

die Beschaffenheit

des

Blutes

bedingt glaubte

" (Sieb.

1.

94.)

und Empedocles. nach dessen
gemischt sind,
so

Anschauung

die

vier

Elemente im Bhit

dass er aus der Beschaffenheit dieser
heit der Erkenntnistätigkeit erklärt.

Mischung
(Sieb.
I,

die Beschaffen1.

12G)

ist

die

Seele wohl im Blut enthalten, aber nicht selbst Blut.
I,

(Sieb.

1,

140.).
2.

Die Ansicht

.

dass die Seele
ist.

Feuer

sei,

stützt sich

darauf, dass der

Körper warm

so lange die Seele in

ihm

vorhanden, kalt aber, sobald

sie

ihn verlassen.

Aber das
ist,

Feuer hat kein Gefühl, während die Seele damit begabt
es wird gesehen,

während

die Seele unsichtbar ist,

es ver-

brennt bei der Berührung.
Seele etwas Höheres.

Hieraus

ergibt
ist.

sich,

dass
ist

die

Gott ähnlicher
die stoische

Offenbar

diese
als

Ausführung
fearigen
3.

gegen

Bestimmung der

Seele

Hauch oder
Die Ansicht,
sah
,

..trockenes

Pneuma"
Seele
.

gerichtet.^)
sei,

dass

die

Wind

entstand,

weil

man

dass das Leben besteht
einzieht.

indem man aus der

Luft den

Athem

So

ist

nach Varro's Auffassung
in

die Seele, die

durch den

Mund aufgenommene,

den Lungen

erwärmte, im Herzen gemilderte und durch den Körjjer ver-

'•')

Vgl. Zcllcr.
ff.

(1.

Pliilos

der Griocheu

III.

1.

195.

Anm.

2.

Sieb.

I,

2,

IGT


breitete Luft.

14


dem
1,

Gegen

diese mit

stoisclien
S.

Materialismus

verwandte Definition (Zeller

III,

G73) wendet Lactanz

seine Anschauung von der Entstehung der Seele zugleich mit

dem Körper, während wir nach
leib tot
Ist

des Varro Ansicht im Mutter-

gewesen

sein müssten.
richtig, so enthält

auch keine dieser Ansichten

doch

eine jede etwas

Wahres: Denn durch

Blut,

Wärme und Atem
was

leben wir.
die Seele
ist

Es drücken
ist,

also diese Definitionen nicht aus,
sie besteht.

sondern nur, wodurch

Das
Seele.

erstere

ebensowenig möglich, wie das Schauen der

Während
löst,

in

diesem Abschnitt das Problem nicht gefür
Inst.

ja

seine

Beantwortung
sich
in

unmöglich
div.

erklärt

wird,
die

schliesst Lactanz stoische,

den

entschieden
an.

an

hier noch bekämpfte Ansicht

Das himmlische

Element,
der ihr
die

aus

dem

die Seele besteht,
ist

der

Hauch

(spiritus),

Wesen ausmacht,

das Feuer und dessen Substanz
bestellt
in

Wärme.
^^)
;

Auch das Wesen Gottes
das irdische Feuer stammt

Wärme

und Feuer
zeigt

vom Plimmel und
Aufwärtsstreben,

durch seine Beweglichkeit und

sein

sowie dadurch, dass der Mensch es allein gebraucht, dass es
das himmlische Element
ist.

(II,

9, 25.
^^),

VII,
sie
ist

9.

13.)

Daher

nennt er die Seele geradezu Feuer
gabt im Gegensatz zu
Stoß* ist die

mit Licht beihr

dem

finstern
22.)

Körper

(VII, 4, 12),

Wärme.

((11, 9,

Lactanz steht
auf

mit diesen Bestimmungen

vollkommen

dem Boden

des hylozoistischen Materialismus der Stoiker,

für den in der ganzen

Welt Feuer und Luft das herrschende
als

Prinzip sind,

die Einzelseele

„Absenker der
diese.

VN'eltseele"

ebenso

aus Feuer besteht,

wie

In ähnlicher Weise,

'")

11,

9,

10

cum

virtus dei

.sit

in oalore et igni sqii.
est,

") n. 12, 14 quodsi auima ignis

ut osteudimus squ.


rend er
sie

15


wäh-

wie Cicero') schwankt er über das Wesen der Seele;

für immateriell erklären möchte, ihre

Superiorität so oft wie möglich betont, kann er doch die Ansicht von ihrer Körperlichkeit nicht
los werden, ja definiert zuletzt ihr

Wesen analog
oben erwähnte
des Blutes

den Stoikern,
Bestimmung,
bedüi-fe,

zu

deren Ansicht
Seele

ihn

die

dass

die

zu

ihrer

Nahrung

wie das Licht des Oels, bereits hingewiesen hat, da
stoischen Ursprungs
ist.

dieselbe ebenfalls

(Vgl, Zeller 196

und

die in

Anm.

9 erwähnten Stellen.)

§

3.

Die Entstehung der Seele.
Dadurch dass
die

Seele

aus

einem Elemente besteht,
ist,

das auch ausserdem in der

Welt enthalten

wird ihr Ver-

wandtschaftsverhältnis mit Gott, bei Lactanz sowenig, wie bei

den Stoikern und Cicero, beeinträchtigt.
sie

Bei allen diesen

ist

ein Ausfluss

des göttlichen

Wesens,
..aus

nur

dass

Lactanz.

da er sich das

Wesen

Gottes anthropomorphistisch
der Lebenslässt;

vorstellt, die Seele

den Menschen von Gott

quelle seines ewigen Geistes"

eingehaucht sein

..Gott

bekleidete seinen

Hauch mit einem
.vom Himmel,

irdischen Körper".^)

Daher
zu

stammt

die Seele

dort

ist

ihr

Ursprung,

dem

sie

wieder zurückkehren wird, wie schon der aufrechte
der nach oben gerichtete Blick des Menschen be-

Gang und
weisen.

Nicht nur die erste Menschenseele
sprungs,

ist

göttlichen Ur-

sondern

eine

jede

wird von

Gott

neuge-

") Vgl. Zeller
•)

III,

1,

GG7, GGS.

Inst.

II,

12, 3 spiravit ei

qui est perennis.
involvir.

YII,

.ö,

13 spiritum

auimam de vitali foute Spiritus sui. suum terreno corpore induit et
2,

Vergl. ferner: LH, 12, 31. YI,

13.

9,

1 u. a.


schaffen.
Hierdurch
tritt

1(3


Opposition

Lactanz zunächst in

zur

Praeexistenz-

Plato's
nicht

und Seelenw anderungslehre und der Pythagoreer. Er hält diese Ansicht für
erklärt die Er-

im Ernst der Widerlegung wert und
dass
er in

zählung des Pythagoras,

einem früheren Leben

Euphorbos gewesen

,

für

eine tür

leichtgläubige Kinder er(III, 18,

fundene Fabel eines schwachsinnigen Greises

15. IG)

Hauptsächlichen Anstoss nimmt er ofienbar daran,
menschliche Seele auch in Tierleiber übergehen
soll,

dass

die

was ihm
ver-

unmöglich erscheint, da

die Seele so

wenig ihre Natur

ändern kann, wie das Feuer nach unten oder seitwärts zu
fliessen

im Stande

ist,

wie

ein Fluss.-)

Ausserdem

ist

die

Seelen Wanderung unnütz, da Gott, so gut er die alten Seelen
geschaifen hat, auch neue schaffen konnte.
VII, 12, 30. 31).
(Inst. III, 19, 19. 20.

Ebenso wendet

sich Lactanz

gegen die atomistische

Theorie des Epicur,
zufällige

dass die Seele entstanden sei durch
feinsten

Zusammenfügung der

Atome.

,,Aus

was

für

Samen können

Gefühl, Gedächtnis, Erinnerung, Geist und
ira 10, 22.)

Talent zusammengefügt weixlen?" (de
dies möglich
ist,

Und wenn

kann

es

geschehen ohne Vernunft?
fehlt,

Wenn
reo^iert.

die Vorsehunfj

in der

Welt

kein Gott in ihr
so

„woher glaubt man,

sei

der so geschickte,

vernünftige

Menschengeist entstanden".
aus Erde geschaffen
ist.

„Wenn

der Körper des Menschen
ist

konnte der Geist, der weise
die Glieder,

und

Lenker des Körpers, dem
horchen,
in

wie ihrem Herrn ge-

der weder gesehen,

noch

erfasst

werden kann, nur
ira

den Menschen

durch eine weise
diese Art

Natur gelangen." (de
die

10, 42. 43.)

Auf

weist Lactanz

Entstehung

der Seele aus

Atomen mit dem Hinweis auf

ihre Vernünftig-

-)

Nach der Lesaii: üumiuis modo.


keit zurück
,

17


sondern auf eine Vorsehung,

die

unmöglich aus unvernünftig zusammenstossenlässt,

den Körpern sich erklären
die sie geschaffen
,

hinweist.

Wichtiger
Lactanz zu der

als diese

Untersuchungen

ist die

Stellung des

der

Frage nach der Art der Entstehung Einzelseele, mit Bezug auf die Entstehung
Hierbei
tritt

des Körpers.

er in Gegensatz nicht nur

zu

den Stoikern, sondern auch zu einem grossen Teil der Kirchenväter,

da die hohe Stellung, die er der Seele einräumt, ihn

zu einem

Anhänger

des Creati anismus macht. (7ergl.
stoischer Lehre
die Kindes-

Sieb. 1,2, S.368.)

Während nach

seele aus Teilen der elterlichen Seelen

im Mutterleibe

entsteht,

eine Ansicht,
tullian

die in

ähnlicher Weise von Epicur und

Ter-

vertreten wird, ist bei Lactanz zur Entstehung jeder einzelnen Seele ein eigener Schöpfungsakt

notwendig.

Er

verwirft daher

die Frage,

ob die Seele
als

vom Vater

oder der Mutter oder von beiden stamme,
unrichtig gestellt.

von vornherein

Der Körper kann wohl aus andern Körpern
etwas
bei.

entstehen

;

zu ihm tragen Vater und Mutter

Aus

der Seele kann keine neue Seele erwachsen, da von einer un-

körperlichen Sache nichts
tenui et incomprehensibili.)
liches

abgetrennt werden kann,

(ex re

Aus Sterblichem kann nur
der Seele
ist

Sterbeinzig

erzeugt werden,

die Erschaffung

mid
erst

allein

Sache Gottes.
in

Trotzdem wird

die Seele nicht

etwa

nach der Geburt

den Körper eingepflanzt, sondern so-

gleich nach der Empfängnis, sobald sich der Fötus
leibe
bildet.

im Mutter-

Wir würden

ja sonst vor der Gebart tot sein,

was der Erfahrung widerspricht.

Auch würde

der Vater es

empfinden, wenn durch einen Teil seiner Seele die des Kindes
entstünde.

Überhaupt
,

ist

die

ganze Entwicklung des Mendes Körpers
,

schen Sache Gottes die Bildung Marbach, Psychologie.

wie die Ein2

18


und was noch
Sein

haucliung der Seele, die unverletzte Geburt,

hinzukommt, den Menschen zu erhalten.
Avir

Werk

ist,

dass

atmen, leben und wachsen.
er,

Auch

die Weisheit verleiht

nur

woher

es

kommt, dass von Thoren weise Kinder, von
17,7.8. 19,

Weisen thörichte Kinderstammen. (Vgl.deopif.

1—6.)

Der Creatianismus
Seele und Leib und

erklärt sich aus

dem Dualismus zwischen
der ersteren, steht aber

dem hohen Werte

mit der materialistischen Tendenz des Lactanz nicht recht in
Einklang.

§4.

Die Einheit der Seele.

Es giebt nur eine Seele im Menschen.
Satz
steht

Dieser
er

für Lactanz von vornherein so fest,

dass

ihn

zum Beweise
mand
in

der Einheit Gottes benutzt.

Die

Annahme

einer

Mehrheit von Göttern, erscheint ihm ebenso, wie wenn Je-

dem

einen Körper viele Geister

annehmen

wollte,

da ja die Dienstleistungen der einzelnen Glieder
mannigfaltig sind, ebenso wie wenn
für die einzelnen

vielerlei

und-

man glauben

wollte, dass

körperlichen Sinne,

für die ^verschiedenen

Affecte ebensoviel Seelen

wirksam wären,

während doch
und mit

ein

Geist die Leitung über so viele

Dinge
3,

besitzt,

allen

zugleich beschäftigt

ist.

(Inst.

I.

20.)

Mehrere Leiter der
in

Welt kann

es nicht geben, so in

wenig, wie
viele

einem Haus meh-

rere Herren, oder
in

einem Schiff

Steuermänner, oder

einem Körper mehrere Seelen.

Es

giebt nur einen Gott,

wie jeder Körper nur von einem Geist bewohnt und regiert

werden kann, (de

ira

,

14.

15.)

Wie

erklärt sich aber bei der Voraussetzung der Einheit-

lichkeit der Seele

der ebenfalls von Lactanz hervorgehobene
an
i

Dualismus zwischen Seele und Geist,

m a und


mens
?
^)

19


Menschen
,

Offenbar

ist

nicht an eine Trichotomie des

zu denken, wie in der paulinischen Psychologie
Zweiteilung des
einen Seelenwesens,

eher an eine
die

und zwar kommt

Ansicht des Lactanz gerade der Auffassung dessen sehr nahe,

gegen den er dieselbe anwendet, nämlich der des Lucrez.
Derselbe
unterscheidet

-)

den vernünftigen Teil der Seele
,

als

animus oder mens vom unvernünftigen
tero bildet das

der anima.

Der

ers-

Leben der Seele; ihm gehören Vernunft, Geein

müt, Wille an; beide bilden aber zusammen nur

Wesen,

obwohl beide

sich in verschiedenem Zustande befinden können.

An

zwei Stellen spricht sich Lactanz über diese Unter;

scheidung aus

während
liisst,

er in der

früher geschriebenen die

Frage noch

offen

entscheidet er sich in der zweiten im

Sinne des Dualisnms.

Wie

bei der
erst

Frage nach der Seelenin

substanz findet sich auch hier
eine Entscheidung.

dem

späteren

Werke

Li de opif. 18,
lich,

1

?>

erscheint
^)

ihm

die

Frage unauflös-

ob anima und animus

dasselbe seien, oder die erstere,

wodurch wir leben, der andere, wodurch wir denken oder
Verstand haben.

Beweise giebt

es für beides.

Die die Ein-

heit betonen, sagen, dass

man ohne Gefühl
;

nicht leben, noch

ohne Leben fühlen könne
verschieden
sein,

es

kann aber nicht von einander

was nicht von einander getrennt werden
Die

kann.

Also haben beide ihren Grund in einem Wesen.

Gegner argumentieren folgendermassen: Der Geist (mens) kann

')

In.st.

Vir, 12,9. non est idem,
1.

')

Nach ZeUer HI,

419.

mens et anima Anm. 2. Sieb. I. 2,
18,2.)

squ.
176.

Lange

T,

pag. 112.
oline

Dagegen sagt Lactanz von ihm,
o###BOT_TEXT###gt;.

dass er aninuis und anima

Unterschied gebrauche, ide
.'})

und mens wird von Lactanz de opif 10,9: sen.sus ille vivus atque coelestis, qui mens vel animus nuncupatur hervorgehoben. Doch gebraucht er auch beide Ausdrücke neben einander, in de ira 10,-I4 sicut omne corpus mens t^f animus gnbernat.
Die Identität

von

aninius


was bei den Wahnsinnigen

20


Ferner rnht die Seele

vernichtet werden, ohne dass die Seele (anima) verletzt wird,
stattfindet.

im Tod,

der Geist bereits im Schlaf,

nnd zwar
er

so,
ist,

dass er

nicht nm* nicht weiss,

was

er thut

und wo

sondern

auch durch die Betrachtung falscher Dinge getäuscht wird.

Auf den
12, 9. 10.

letzten

Standpunkt

stellt sich

Lactanz

in Inst.

VII,

und wendet denselben gegen einen der Beweise des
Die.ser erschliesst

Lucrez für die Sterblichkeit der Seele an.
dieselbe nämlich aus der

Zunahme

der Einsicht (sensus) bei

Kindern und der Abnahme derselben bei Greisen.

Dagegen

hebt Lactanz den Unterschied zwischen anima, der Lebensfunktion der Seele und mens,
der Denkthätigkeit hervor, be-

weist denselben durch die in obiger Stelle angeführten Gründe

und

erklärt

Wachstum und Abnahme
während
die
sie die

der Geisteskräfte für

Sache der mens,
an, in

anima von dem Augenblicke

dem

Fähigkeit zu leben erhalten, in gleichem

Zustande verharrt.

Der Widerspruch zwischen

diesem

Dualismus und der

Einheit des Seelenwesens löst sich bei einer

durchgängigen

Betrachtung

des Gebrauchs

beider

Worte.

Durch

dieselbe

finden wir nämlich, dass

mit der Bezeichnung anima,

dem Menschen eingehauchteWesen gemeint ist, die Thätigkeit dieses Wesens aber, worunt er alles zu verstehen ist, was
das von Gott geschaffene,

durch dasselbe geschieht, ausser den rein physischen Functionen, mit mens oder animus bezeichnet wird.

Zum Beweis seien im folgenden die einzelnen Arten des Gebrauchs beider Worte bei Lactanz neben einander
gestellt.

Anima

bezeichnet

stets

den Teil des spiritus

dei,

der

dem Menschen

bereits vor seiner

Geburt mit der Bestim-

mung

zur Unsterblichkeit von Gott

gegeben wird, und ihn


erst

21


in

im Tode

verlässt.

Sie

macht

Verbindung mit dem
steht aber in Gegen-

Körper den Menschen
satz zu

aus, II, 12, 3 u.
erfüllt ihn,

a.)

dem

ersteren,

wie der Inhalt ein Gefäss

(VII, 12, 21).

Deshalb findet sich
fast

am

häufigsten der Dualis-

mus anima-corpus ^)
talitas

immer
heisst

redet Lactanz von der

immor1.

animae*)

Gott

parens

animae (VI,

9,

de

ira

23,17.): er hat beschlossen eine
schafi'en (IL
10,
2.),

ungeheure Menge dersel-

ben zu

die später

von Christus gerichtet
äussert
sie

werden sollen
sich

(IV,

12, 21).

Als
die

Lebensprincip
in die

im Atem und wird durch

Limge eintretende

Luft ernährt und im Körper festgehalten (de opif. 11, 3

5).

Mit anima wird daher auch das Leben schlechthin bezeichnet
(V.
17.

19. 22.

18. 12.

19.1.).

Da

sie als ethisches

Wesen im
lei-

Kampfe

liegt mit

dem Körper.

Lst sie

veränderungs- und

densfähig: die bösen Geister haben es darauf abgesehen,

sie

zu richten: durch Leidenschaften, falsche Religion
sie

u.

a.

wird
fort-

dem Körper unterworfen und
Diesem Wesen kommt aber

fäUt
(II,

ewigem Tod und
18, 5. u.
a.).

währender Verdammnis anbeim

16. 21.

seine

einzigartige Stellung
die es fiihig

zu
ist

durch seine geistige Thätigkeit. durch
.

zu denken,

zu erkennen und zugleich bei allem, was geIn

schieht, mitzuwirken.

diesem Sinne

heisst es
et aeterna

mens oder mens
(I,

animus.
4.

So wird Gott genannt divina
3.
4.)

3,

VII.

in seiner

Eigenschaft
seiner

als

vernünftig schaffender

Geist,

während
heisst.
III.
:

er

Substanz

nach

spiritus
ist

sem-

piternus

Alles
6. 3.).

Wissen des Menschen
die

Sache des
durch
Schärfe

Geistes (mens

Weisheit gelangt zu ihm
als die

die Sinnesorgane

er

vermag mehr zu erkennen,

des Körpers

(II,

3,9.

VII. 13,11.); nur durch ihn
12 (Buenemann

wird das
5, 16.

*)

Inst,

n,

12, 3. YII, 4,

liest

animusj VII,

12.19 de opif. 11,3. de ira 15,3.
*)

Inst,

m,

12,25. 34. VI, 3,5. 9,20.

VH,

6,2.

9,1. u. v. a.


wahre Wesen Gottes erkannt
diese Fähigkeit gehindert

22


wenn auch

(VII, 8, 4. III, 27, IG.),

wird durch die Geraehischaft mit

dem Körper
Geistes
Seele.

(IV,23,3)

;

die

Sprache
10.13.),

ist

die Dolmetscherin des

(VI. 18,6. de opif.
(III,

er

selbst

das

Licht

der

27,14.)
ist

Bei aller Thätigkeit des Menschen
sam.

der Geist mitwirk-

Nicht nur bei allen höheren Aufgaben, wie der Gottesdie

verehrung,

ganz

in

mente stattfinden muss, (V,

19,30.)

sondern er lenkt, regiert den Körper, gebraucht dessen Dienstleistungen (VI,
1,7.

de ira 10.43.), selbst alle sinnlichen Funcstatt.

tionen finden unter seiner Unterstützung
opif. 8,

(VIT, 11.7 de

10

ff,)

Auch

die AVünsche, die die Seele hegt,
als Geist

hegt

sie mittels ihrer

Eigenschaft

(VII. 11,7.), die Güter,

die sie zu erlangen sucht, heissen aus

demselben Grunde bona

animi
schen

(111,8, 16. VI, 1, 10. VII, 23)

;

auch das höchste dem MenSache des Geistes (solius
an
der Seele
ihr

allein
III,

zukommende Gut

ist

animi

9, 1).

Da

also

animas gerade das

bezeichnet,

was den wesentlichsten Unterschied zwischen Körper ausmacht,
so
findet

und dem

sich

an

SteUe des

Dualismus anima- corpus auch animus- corpus.^)
Hiermit stimmt
überein
die

Bezeichnung der mens

als

intelligentia (VII. 12,10), als

„Fassungsvermögen, Verstand".
Inhalt nie derselbe, vielmehr
als

Als solcher

ist

natürlich

sein

sowohl

in

den einzelnen Menschen verschieden,
Greis

auch im

Kind und

geringer

als

im

erwachsenen Mann.

Er

wächst mit dem Kindesalter, erreicht

einen gewissen Höheab.

punkt und nimmt mit dem Verfall des Körpers
ist

Ebenso

der Geist bei seiner fortwährenden Thätigkeit auch stets

")

Inst. III,

12,1.

wo

animiis

durchweg im Siuue von

aiiima ge-

braucht

wird.

VI,

1,10

de ira

19.1.


in

Bei
Inst.

dem

in

gleichem Sinne
tritt

gebrauchten Dualismus spiiitus-caro
der gegenübergestellten

IV, 25,6

an Stelle

Wesen

deren Substanz.


in

23

anderem Zustande.

Die Dämonen verwirren und erschüttern

ihn

und suchen ihn von der Gottesverehrung abspenstig zu
(IL
14,14.
16,3.

machen,
zu

V,

21,3.)

um

die

Seele

(anima)

vernichten.

Die Affekte sind nach Ansicht der Stoiker
,

perturbationes animi

Zorn und Leidenschaft sind ebenso wie
(II,

Friede und Geduld Eigenschaften des Geistes,
14,
7.
ff.

17, 4. VI,

de

ira

18,

10.).

Vergnügungen vernichten
alles

seine

Kraft und Stärke, -Mu^ik nimmt ihn gefangen,

sündhafte

Thun

geschieht durcli ihn,

während
ff.)

es die Seele zu

Grunde

richtet. (VI, 20, 9. 21. 4, o.

Er kann auch ganz

fehlen.

Dies geschieht bei den

Wahn-

sinnigen (mentibus capti) ,.denn ohne Geist

vermag man nicht
sondern überhaupt
(I, 4,

nur nicht mehr die Zukunft vorauszusagen
nichts

,

zusammenhängendes mehr zu reden"
denselben
bleibt
,

3.);
:

dass die

Seele aber

beweist
9.).

ihr

Xame

dementes

und nicht exanimes
von demselben,
wie

(VII, 12,

Er ruht im

Schlaf, bedeckt

glimmendes Feuer durch Asche,
(de

und
opif.

wird im Traum durcli falsche Bilder beschäftigt:
18, 3.) er

vermag auch auf kurze
in

Zeit den

Körper zu ver12, 17

lassen,

so

der

Ohnmacht

(oblivio sui VII.

19.).

veranlasst durch Krankheit

und Schwäche des Körpers.
Keineswegs

Hierbei

ist

endlich eins nicht zu übersehen.

wird, wie bei Lucrez die unvernünftige Thätigkeit der Seele
als

anima von der vernünftigen

als

mens geschieden

.

sondern

anima

bleibt

immer der allgemeine, mens der
Daher werden auch
die Verschiedenheit

speff.

zielle Begriff.

in Inst. VII. 12, 11.

nachdem Lactanz soeben
mens anerkannt
hat,

von

anima und
die

von der ersteren Dinge ausgesagt,
,

nur der letzteren
ihrer Göttlichkeit,

zukommen
sie

wie

:

„Sie

hat keine
alles

Kenntnis
erfasst die

hört

und

lernt

und

Weisheit durch Hören

und Lernen.

Nach

der obigen Aus-

,


einandersetzung werden wir

24
iai


Sinne
des

Lactanz ergänzen

müssen:

,,vermittels ihrer Thätigkeit als mens.'''')

§

5.

Der Sitz der Seele.
Die

Frage

nach dem Sitz
,

der Seele

hat

zu

allen

Zeiten nicht nur die Philosophen

sondern die Menschen über-

haupt beschäftigt.
bald die Seele

Dieselbe liegt auch sehr nahe.

Denn

so-

als ein

auch unabhängig

rendes

Wesen

aufgefasst wurde, musste
dies

vom Körper existiman sich nämlich fra-

gen:

Wie kommt

Wesen

in

Zusammenhang mit jenem

ihm ursprünglich durchaus fremden und gegensätzlichen Sein?
Ist

ihm

ein Teil desselben als

Wohnsitz angewiesen oder sind
verteilt

die

einzelnen Funktionen

des Seelenwesens
?

auf ver-

schiedene Organe des Körpers

Es

ist

interessant zu sehen

wie

gerade bei dieser Frage

der Unterschied zwischen

der

stoischen und epikureischen Auffassung der Seele deutlich hervortritt.

Beide bestimmen das
beiden
ist

Wesen

derselben
bei

materialist-

isch

,

bei

sie

ein Körper,

beiden

wird der-

selbe

durch den ganzen

Leib verbreitet gedacht;

während

aber jener feine Körper bei den Stoikern eines körperlichen

Organes im Leben bedarf, in dem derselbe seinen Sitz hat
(das Blut)

und daher im Tode

sich

von diesem Organe

trennt,
,

um
des

selbstständig wenigstens eine Zeit lang fortzudauern

ist

bei Epicur

der Seelenstoff selbst ein Organ, ein Bestandteil der

leiblichen Lebens,

mit der Auflösung im Tode zu
I,

Grunde gehen muss.

(Lange

80, 81.).

Bei Lactanz finden wir in betreff der Frage nach
Sitz

dem

der

Seele mit

Ausnahme

der

die Unsterblichkeit aus-

schliessenden Ansicht Epicurs

Bruchstücke aus fastallen
est.

')

ebenso Inst.

111,

9, 17.

deus anima contempiandus

(Fritzsche

lieBt

auimo.)

damals vertreteneu Auffassungen. Nach den Auseinandersetzungen in § 2 scheint das Blut der Seelensitz zu
sein,

das nicht als Stoff, sondern als

Nahrung

der Seele ange2,

sehen wird, wie das Oel das Licht ernährt. (Vgl. §
Inst.

sowie
die

VII, 12, 23

u.

de opif. 17,

3.)

Es wird demnach

Seele

durch den ganzen Körper verbreitet gedacht

wie das

Blut, so dass,

wenn

bei Krankheiten die Fieberhitze das Blut
die Seele aus

verzehrt, nach

und nach

dem Körper

entweicht,

wobei, da die Arterien der äusseren Gliedmassen zuerst vertrocknen, dieselben auch zuerst erkalten müssen. Hiermit stimmt überein,

wenn das Herz

der Quell des lebenden Blutes
11. 3 die

^)

heisst.

Daund

gegen wird de
die Luft als ihre

opif.

Lunge

als Sitz der Seele

Nahrung

bezeichnet.

Der Dualismus corpus-

aniraa wird in der angeführten Stelle auch auf die Eingeweide,

auf

Magen und Lunge ausgedehnt;

ersterer ist zur

Ernährung

des Körpers bestinnnt. letztere zur

Aufnahme und zum AasSeele.

atmen der Luft, zur Erhaltung der

Dieser Wider:

spruch lässt sich vielleicht auf folgende Art lösen
als einheitliches

Die Seele

Wesen

durchdringt den ganzen menschlichen

Körper und wird in demselben durch die verschiedenen Arten
der Eingeweide festgehalten,
(de opif. 14.
9.).

Damit

sie

in

denselben

bleibt,

bedarf

sie

einmal

des lebendigen
ein

Blutes,

ebenso auch der Luft, die

in die

Lunge

und aus ihr aus-

geatmet wird.

Als Sitz dieser einen physischen Function der

Seele heisst dieselbe sedes animae.

Hierdurch erklärt sich auch, dass den einzelnen Affecten

bestimmte Teile des Körpers zugewiesen werden, sowie die

Frage nach dem

Sitz des Geistes, (mens.)

In welchem Teile

des Körpers hat die intellektuelle Thätigkeit der

Seele ihren Sitz?
')

Lactanz

bespricht die verschiedenen
de
opif.

de

opif. 10, 11. fontes vivi sanguinis,

14, 4. vivus san-

guinis fons.


Ansichten hierüber
fassung nicht
als in

26
opif.

16;

de

doch

will

er

seine Auf-

unbedingt richtig hinstellen,
der

sondern nur

die Schwierigkeit

ganzen Frage

auseinandersetzen,

um

hierdurch die Grösse der Werke Gottes zur Erkenntnis zu bringen.
1.

Gegen

die Ansicht, dass der Sitz des Geistes

in der

Brust

sei, spricht erstens,

dass eine Sache,

die

„im Lichte

der Vernunft und Erkenntnis lebt", einen dunklen und finstern

Wohnsitz haben
(sensus) aus

soll, ferner, dass in

ihm

die

Empfindungen
er in

jedem Körperteil zusammentreffen, so dass
sein scheint.

jedem Glied anwesend zu
2.

Die Ansicht, dass

der Sitz des Geistes
für

im Gehirn
Zunächst

sei,

hat weit

mehr Wahrscheinlichkeit

sich.

spricht dafür, dass der Teil, der die Leitung über den

gesammin

ten

Körper hat, auch im obersten Teil, gleichsam
Gott,

der

Burg desselben wohnen muss, wie auch
Welt, in

der Herr der

dem höchstgelegenen
Sinne,
d.

Teil derselben wohnt.

Ferner

haben

alle

h.

die zum Hören, Sehen und Riechen

dienenden Glieder ihren Sitz
führen

am Kopf, und

von ihnen aus

Wege

nicht nach der Brust, sondern nach

dem

Gehirn.
„bis

Endlich würden die Sinneseindrücke später
die Kraft des

stattfinden,

Empfindens auf dem langen
ist".

Wege
diesen

durch den
er-

Hals zur Brust herabgestiegen
klärt

Aus

Gründen

Lactanz

diese Ansicht

für

die
er

wahrscheinlichste
in

und

fügt hinzu, dass der Geist,
ist,

wenn

Gedanken versunken

sich nach der Brust, wie

nach einem geheimen Heiligtum
gleichsam
aus

zurückziehe,

um

einen Entschluss

einem ver-

borgenen Schatze hervorzulocken, so dass
unsern Gedanken beschäftigt sind,

wir,

wenn wir mit

weder hören noch sehen,
möglich
ist
,

was

um

ims vorgeht.

Wie

dies

bleibt

dabei
ist es

fraglich,

da kein
so,

Weg vom

Gehirn

zur Brust führt;

aber nicht

so bleibt wunderbar, dass es so erscheint.


3.

27


dass der Geist
die

(16,

12.)

Die Ansicht,
zerstreut
sei.

durch den

ganzen Körper
wird,
ist

von Xenocrates vertreten
in

ebenfalls möglich, da
ist.

Empfindung

jedem Teil des

Körpers vorhanden

Wie
(16.
11.)

diese Frage, lässt Lactanz

auch die im selben Kapitel

besprochene nach

der

Art der Verbindung des
Welche Macht
oder
in

Geistes mit seinem Sitz
es bewirkt,

unentschieden.

dass der

Geist

im Mark

des Gehirns

dem

Blut des Herzens haftet, kann

Niemand

begreifen.

Die ganze Art. wie derartige Probleme behandelt werden,

wie sehr dieselben in den Hintergrund treten gegenüber den ethisch-psychologizeigt uns übrigens,

schen Bestimmungen.
oder schlechte Leben
des

Alle

jene

theoretischen
sie

Fragen

haben an sich für Lactanz keinen Wert, da

auf das gute
sind.

Menschen ohne Einfluss

Er

weist dieselben nicht gerade von der Hand, aber erklärt ihre

Beantwortung für unmöglich,
zwar
interessant,

die

Behandlung der Fragen für

doch unwesentlich, er kann daher unbedenkMöglichkeiten
offen
lassen.

lich verschiedene

Vergl. hierzu

§

7

und

8,

Anm.
an denen von einem Sitz des
das Haupt,
teils

An

allen übrigen Stellen,

Geistes die

Rede

ist,

wird

teils

die Brust als

derselbe bezeichnet, mit entschiedener
Ansicht.

Bevorzugung der erstem

Dass der Geist eine bestimmte Gegend des Körpers
fest,

bewohnt, steht

ebenso dass er dieselbe,

wenn

sie

eine

Krankheit heimsucht, verlassen kann,
herstellung zurückzukehren (Vll, 12,
bleibt unentschieden.
2)

um nach der Wieder18.); welche es ist,
der

Häufiger wird
die

Kopf

bezeich-

net als der Teil, in

dem

ganze Leitung des Wesens sich
Geist,
iu

befindet, (de opif 5, 6.)
*)

von dem aus der
niciitcin
ca])ite.

wie von einer
cuustituere

III,

28, 15 uisi

fürte

i]UO(|UC

[icdibus

malebat, <juam in pectoie aut in

:


erhabenen Burg
alles

28


(de opif 8,
3.),

beschaut und erwägt

desgleichen verrichtet das Gehirn das Empfinden^).

Dieselbe

Ansicht liegt auch
der im

dem Gegensatz
werden

zu Aristoteles

zu Grunde,

Embryo

das Herz als Sitz des Lebens und der Weislässt,

heit zuerst gebildet

während nach Lactanz

die

Gestaltung des Menschen

mit der des Kopfes ihren Anfang

nimmt

(de opif. 12, 6.7.).

Doch

heisst

daneben auch das

Herz

„der Wohnsitz der Weisheit" (de op. 10, 11.) und die

Brust „erfüllt mit der
(de op. 10, 26.)

vom Himmel

verliehenen Vernunft",

Was

das Verhältnis
in

des Lactanz zu den verschiedenen
betrifft,

Philosophen

dieser

Frage

so

bemerken wir

eine

LTeb ereins
den

timmung mit der
verbreitet
bedarl",

Stoa, wenn
wird

die Seele durch

ganzen Körper

gedacht

und zu ihrer

Nabriing des Blutes

(vgl. § 2)

einen entschiedenen
Thätigkeit das
r^yfiiniixöt'

Gegensatz zu
Gehirn
als Sitz

ihr,

wenn

der

geistigen

eingeräumt wird, während das

der

Stoiker sich im Herzen befindet.*)
die

Diese Ansicht des Lactanz,

auch den peripatetischen und epicureischen Anschauungen^)
,

widerspricht
die

beruht offenbar auf platonischer Grundlage
ihre

''),

wiederum

Vorgänger

in

den

Pythagoreern

und

Democrit hat und durch die Mediciner (Galen) ihre Fortbildung und Ausdehnung auf die ganze Seele erfuhr.^)

')

de

opif.

10.

10 cerebrum, in quo sentiendi ratio
III,
1.

est.

*)
°)

Vgl. Zeller

197. 198.

Sieb.

I,

2.

144. 181, Anni. 4.

Aristoteles hat
(Sieb.
I,

der Vernunft

kein körperliches

Organ zugevgl.

wiesen.

2.

52.)

Seine Herabsetzung

des

Gehirns

Volk-

mann
Lange

I,

84.

Sieb.

I, 2.

46.

Ueber Epicur

vgl. Zeller 418,419.

Sieb. 176

I,
•^)

80.

Vgl. die Bezeichnung
,

des Kopfes als

airs corporis,
ist

bei Plato

Die Akropolis des Leibes
I,

in

der der vovi lokalisiert

(Volkmann

83—85. Sieb. I, 1. 207). ') Volkmann, ebendaselbst

Sieb.

I,

1.

149;

I,

2.

266.

Lange

1,91.


§

29
6.

Die Thätigkeit der Seele. Alle Thätigkeit der Seele ist Bewegung und
zwar nicht
sondern vor

nur

ihre

den

Körper belebende

Wirksamkeit,

allem ihr geistiges Thun, Denken
in

und Fühlen.
hält

„Die Art und Weise des Geistes besteht

Bewegung",

daher Lactanz der stoischen Affectenlehre entgegen, „ein un-

bewegter Geist

ist

unnütz; er wird weder
weil
er

das

Leben

selbst

bewahren können,

nichts thun wird,
ist als

noch wird er
des Geistes".

denken, da dies nichts anderes

Bewegung

Daher raubt

die

Behauptung der Unbeweglichkeit des Geistes
Ferner

diesem sein wesentlichstes Merkmal (VL 17, 22. 23).
schildert Lactanz die schnelle Beweglichkeit
keit in

der Denkthätig-

de opif. 16,9:

In

einem Augenblick betrachtet der
er durchfliegt
alles,

Geist den ganzen

Himmel,

die Meere,

durches

wandert Länder und Städte,

was

er will,

und wenn

noch so weit entfernt

ist,

stellt er sich

vor Augen.

Ebenso

wird die Schnelligkeit der Seele

als

Beweis ihres göttlichen
12. 2)

Ursprungs gegen Lucrez hervorgehoben (VII,

und

die

Platonische Auffassung von ihrer fortwährenden nicht durch

äusseren Anlass
erkannt. (VII,

hervorgerufenen Bewegung,

als richtig an-

8. 4.)

Dass
sei,

alle Thätigkeit,

besonders die

Em-

pfindung,

Bewegung

wird von Lactanz, ebenso wie von

den Epicureem (Lucrez)

ohne jeden Beweis

als

unbezweifel-

bare Wahrheit hingestellt.
nicht

Die Frage, wie Bewegung eines

empfindenden

Körpers nun zur Empfindung, zum Be-

wusstsein, zur geistigen Thätigkeit überhaupt werde, hat sich

Lactanz ebenso wenig vorgelegt,
inbetrelf

wie irgend einer der alten

der Seele
liegt

materialistisch

denkenden

Philosophen.

Der Fehler
der

bei

Lactanz vor allem darin, dass er aus

Schnelligkeit und Beweglichkeit (mobilitas)

des

Gedankens

schliesst, dass die ganze Thätig-


keit der Seele
auch Lange
I,

30


sein müsse. (Vgl.

Bewegung (motus)

112.)

Aus der fortwährenden Bewegung
sich

des Geistes erklärt

das

Wesen
ist.

des Traumes, dessen Entstehung von
opif.

Lactanz weitläufig in de
17, 3

18,

4

— 11,

kürzer in de ira

dargestellt

Der Schlaf
wirkende

ist

eine

von Aussen auf Körper und Geist

Macht, die aber nur den
dieselbe

Körper vollkommen
nur bedeckt wird.
so

fesselt,

während der Geist durch
das Feuer
flackert''

Wie
und

unter

der Asche weiterglimmt,

„zittert

der
liegt.

Geist

im Menschen,

während der Körper unangewiesen
ist,

bewegt
und

Da

der Geist daher auf sich

sich

mit seinen eigenen Gedanken
ist,

zu beschäftigen geer

zwungen
sehen,

gestaltet

er

diese

zu Bildern;

begiimt zu
tritt

was

er bis jetzt

nur gedacht hat.

Erst dann

für

den Körper vollkommene Ruhe ein, währeiid der Geist neue

Ablenkungsmittel
nicht zu
schäftigt,

(avocamenta)

sich

erfindet,

um

dieselbe

unterbrechen,
bis

und sich

mit

falschen

Bildern

be-

der Körper
bat.

erfrischt

ist,

und

aus der
tritt

Ruhe

neue Kraft geschöpft

Vollkommene Ruhe
„ die

nur im
zu-

Tod

ein

,

im Schlaf übt der Geist

ihm von Natnr

kommende Bewegung durch
Schlaf
erscheint
bei
dieser

mamiigfaltige Gesichte".

Der

Auffassung

am

erquickendsten,

wenn der Mensch träumt, der
sam
verlassen hat.

Geist also den Körper gleich-

In de opif.

1

7 bespricht Lactanz zugleich die

Bedeutimg
allem
des

der Träume:
Schlafes
.sie

Sie

sind

dem Menschen zwar
;

vor

wegen gegeben

zugleich aber hat
,

sich Gott durch die

die Möglichkeit freigelassen

dem Menschen
sich

Zukunft

zu lehren.
alten,

Im allgemeinen

schliesst

Lactanz jener uran,
dass es

für ihn durch Vergil vertretenen Ansicht

falsche und

wahre Träume gäbe.

Die falschen sind nur des


Schlafes
mittlung.

31
die


wahren
als

wegen gegeben

,

Offenbarungsver-

Die Betrachtungen über die prophetische Bedeutung der

Träume fanden
als

in jener Zeit

allgemein weit mehr Interesse,

die

theoretischen

Untersuchungen
es,

über

das

Wesen

des

Traumes.
vaters mit

Daher kommt

dass die Ansicht unseres Kirchen-

keiner der philosophischen Anschauungen in Zusteht,

sammenhang

sondern demselben

selbständig

anzu-

gehören scheint. 1)

Abgesehen

von

der

Sinnesempfindung

ist

der

Traum

der einzige psychische Vorgang, über den Lactanz
seine

Ansicht

äussert.

Was
ist,

die

übrigen

Thätigkeiten der
voll-

Seele (oder des Geistes) betrifft,

von denen der Traum

kommen
sich

verschieden

da er sich
seiner

unabhängig von

dem

Einfluss des

Körpers und

Organe

vollzieht, so findet

über dieselben
der Entstehung

bei Lactanz last nichts,

weder über
noch
lui

die

Art

der psychischen Vorgänge,

über
fole

ihre Zugehörigkeit zu

bestimmten Seelenvermögen,
hied enen

genden sind die

v er sc

Ar

t

e

n der L

e

i

s t

u ng

n

der Seele aus den

zerstreuteu

Bemerkungen
geordnet.
ergiebt

des

Lactanz

unter einheitliche Gesichtspunkte

Eine

gewisse

Einteilung
erstere

das

Verhältnis von
(vgl. § 4),

anima und mens.

Der

Ausdruck bezeichnet

zunächst im allgemeinen Sinn die Seele überhaupt, im speziellen

ihre

Thätigkeit
9).

als

Lebensprincip

des

Körpers

(quo

vivimus Vll, 12.
bewirkt, dass

„Sie verleiht
(12, 25).

dem Körper Gefühl und
diesem Sinne heisst
sie

er lebt

In

*)

Aebnlicli
1,

i«t

die Aiiseliainmg

iu

der Sclnift „über die l)iat"
ge-

(Sieb.

T,

143).

zwungen, seine

Nach derselbeu ist der Geist ebeufalls im Schlaf Aufmerksamkeit auf sich zu richten.


empfindeiKl (sensibilis).^)
die bewusste

32


tritt

Daneben

der Geist (mens) als
ist

Thätigkeit der Seele;

er

daher bei allem

Thun

des

Menschen mitwirksam.
;

Dies

gilt für die leiblichen

Bedürfnisse

Essen und Trinken, Kleidung und Schlaf erreicht
7),

der Körper nur durch Unterstützung des Geistes (VII, 11.

da dieser den Körper regiert (de

opif. 5.

1.).

Ebenso

ist

er

Urheber der Thätigkeit der Sinnesorgane.
des Körpers,
nichts

Diese sind Teile

daher können
(de

sie

auch von demselben gerissen
12, 20);

mehr empfinden
sie

opif.

nur

im beseelten

Körper sind
u.
a.

wirksam, sofern das bewusste Sehen, Hören,
ist.

Sache des Geistes

Dieser bildet
3),

den Mittelpunkt
die Sinne
ist

der Sinnesemptindung (de opif. 16,
die

zu

dem durch
in

Weisheit gelangt

(III, 3. 3).

Die Denkthätigkeit

ferner

ganz und gar Sache des Geistes.

Daher wird mens

gleichem

Sinne wie intellegentia gebraucht (VII, 12. 20 vgl. auch de
op.
16,

3);

das

Denken

heisst die

Bewegung

des

Geistes

(agitatio

mentis VI. 17. 22) und mit ihm sind auch Wissen
(III,

und Weisheit Sache des Geistes

6. 3).

Kein

Werk

des

Menschen

ist

aber möglich ohne den Geist, ohne seine höchste
(ratio),

Thätigkeit, die Vernunft

durch die der Mensch seine
ehe er
sie ausführt,
ist.

Werke

vorher überlegen muss,

ebenso
(Vgl.

wie auch in der Welt nichts ohne
II,

sie geschaffen

8, 33.

.34.

52. 11, 14 u.

a.).

Dies
sie

sind

die einzelnen

Funktionen

der Seele,

soweit

von Lactanz gelegentlich und ohne System berührt werden.
in Inst. VII,
:

Eine Aufzählung derselben findet sich endlich
in

8., 5,

welcher Stelle von der Seele hervorgehoben wird

die
,

Gedie

schicklichkeit

im Erfinden,

die Schnelligkeit

im Denken

Leichtigkeit im Auffassen
-)

und Lernen,

die

Erinnerung des

Vgl.

Iiist.

YU,

4,

12 (ßueueniauu liest übrigens auimus), ferner

n,

2, 10,

wo
5,

der Mensch als
30. 10, 3.

vivum

et sensibüe

simulaorum

dei bezeichnet

wird.

II.


Vergangenen und
die

33

Vorhersehung der Zukunft, endlich die

Kenntnis der Künste und unzähliger Dinge.
§
7.

Sinnesphysiologie und Sprachtheorie.
Wie
Weise,
bereits erwähnt, behandelt Lactanz

von psychischen
die

Vorgängen ausser der Traum theorie nur noch

Art und

wie die Sinne sempfindungen entstehen. Von

diesen beschäftigt ihn vor allem die
lind

Th
9
ff.

eorie des Sehens,
bei Gelegenheit der

zwar

ist

dieselbe in de opif.

8,

Beschreibung
gesetzt.

des

Körpers

und seiner Theile auseinander-

Die Augen

gleichen

den

Edelsteinen

an Gestalt;

sie

sind an der Vorderseite

von einer

durchsichtigen
sich

Haut

be-

deckt,

in

der die Bilder der Aussenwelt

spiegeln und

auf diese Art zu

dem im Innern vorhandenen

Geist gelangen.

Dies will Lactanz jedoch nicht so gefasst wissen, als ob die
Bilder
in

die

Augen eindrängen und

das Sehen

bewirkten

(Democrit, Epicur), sondern der Geist schaut durch die

Mem-

brane die Dinge, so
sehen.

dass es seine

Wirkung

ist,

wenn wir
Aus-

Falsch sind daher auch die übrigen philosophischen

Ansichten.

Denn wir würden, wenn wir durch
oder
die

die

dehnung der Luft zwischen dem Auge and dem Gegenstand
(Aristoteles),

durch

vom Auge ausgehende
erst

Strahlen

(Stoiker) sähen,
die Strahlen

Gegenstände

dann erblicken, wenn

zu

ihnen gelangt wären, also nach und nach,

w^ährend wir doch alles uns sichtbare auf einmal sehen.

Der

gegen eine derartige Auffassung bereits von Lucrez erhobene

Einwand,
niüsste,
,,die

dass

der

Geist

dann

ohne Augen

besser

sehen

ist

eine Thorheit.

die widerlegt wird,

einmal durch

specifische Energie" des

Auges,

denn dieser uns geder

bräuchliche

Ausdnick
Psychologie.

giebt

den Sinn

Darstellung des
3

M arb&ch,

;


Lactanz vollkommen wieder;

34


wir würden dann ebensogut

mit den Ohren oder andern Oeffnungen des Körpers sehen.
Ferner würden wir
Geist,
viel

weniger sehen können,

wenn der
im vor-

wie durch ein Rohr die Welt ansähe, während bei der

kreisförmigen Gestalt der

Augen und

ihrer Stellung

deren Teil des Gesichts der Blick sich weit ausdehnen kann.

Es schaut
einer

also der Geist,

wie durch Fenster, durch die mit
gefüllten Kreise

reinen

Flüssigkeit

und zwar

speciell

durch die in derselben enthaltenen Lichtfunken, die Pupillen
er verbindet

auch

die

beiden Gesichtsbilder in wunderbarer

Weise zu einem.

Im folgenden
(Arcesilaus)

richtet sich Lactanz

gegen
aller

die skeptische

Behauptung der Unwahrheit
greift

Sinnesempfindie

dungen und zwar
lichkeit

er aus den

Beweisen für
dass

Trüg-

des

Sehens jenen

heraus,

Wahnsinnige und
liegt in

Trunkene

alles

doppelt sehen.
dass der

Der Grund hierzu

der Thatsache,

Mensch zwei Augen hat und
stattfindet.

dass

durch die Thätigkeit des Geistes das Sehen

Das

Doppeltsehn geschieht eben

so

leicht

bei

Nüchternen und

Gesunden, sowohl wenn ein Gegenstand zu nahe an die Augen
gebracht wird in den Zwischenraum,
kraft beider
die
ist,

in

welchem

die Seh-

Augen

zusammentrifft, als auch besonders,

wenn

Aufmerksamkeit des Geistes nicht auf das Sehen gerichtet
sondern
er sich mit

sich beschäftigt.

In

diesem Falle

trennt sich die Schärfe

der Augen,

und wir sehen doppelt,
richtet.

bis der Geist sich wieder auf das

Sehen

Beim Wahn-

sinnigen und Trunkenen trügen also nicht die Sinne, sondern

der verwirrte Geist vermag seine Thätigkeit nicht das Sehen zu richten.

mehr auf

Daher kommt

es,

dass der Einäugige
sieht.

auch im Wahnsinn oder der Trunkenheit nichts doppelt

Obwohl Lactanz

die verschiedenen philosophischen

An-

schauungen zurückweist, bietet er unskeine selbständige


Ansicht, da
das Problem
,

35


stattfindet,

wie das Sehen

un-

berücksichtigt bleibt.

Es

zeigt sich auch hier, wie bei jener
alle

oben erwähnten Bestimmung, dass

Thätigkeit der Seele

Bewegung
wenn

sei,

jene oberflächliche Denkweise, die das Problem

gelöst glaubt,
hat,

wenn

sie

irgend eine Erklärung gefunden
anstatt die
stellt.

diese

auch,

eigentliche Frage

zu be-

antworten, dieselbe nur anders
der mittels der

An

Stelle des

Menschen,

Augen

sieht,
in

tritt

der Geist,
sich

der durch die
die

Augen,

wie durch Penster,

denen

Aussen weit

spiegelt, hindurchschaut.

Bei der

Behandlung der übrigen Sinne
dem
Lactanz,

tritt

recht deutlich die
liche

wie den Stoikern gebräuch-

teleologische

Betrachtungsweise

zu

Tage.

Alle Sinnesorgane, wie überhaupt alle Glieder sind für einen

von vornherein feststehenden Zweck geschaffen.

Aus diesem

muss

sich

nun

die Beschaffenheit

und Gestalt des betreffenden
besitzt der

Organs erklären.^)
die

Zwei Ohren

Mensch,
die

damit

Worte von beiden
Ueberhaupt

Seiten eindringen

können,

Ohr-

^)

ist

Lactanz ein eifriger

Vertreter der stoibemüht,
ein
die ZweckHaus gebaut wird

schen Physic otheologie, und

daher

stets

mässigkeit alles geschaffenen nachzuweisen.

Wie

um

ein Gefäss gearbeitet wird, um etwas hinemdenn auch die Welt nicht um ihrer selbst willen da, sie bedarf weder Sonne noch Kegen, weder Wind noch Nahrung, auch nicht um Gottes willen, denn er war fiuher ohne Welt; sondern sie

darin

zu wohnen,
ist

zulegen, so

ist

wegen der lebenden Wesen geschaffen und Menschen zu liebe, dem sie dienen. Inwieweit
wirklich vorhanden
ist,

diese

wiederum dem

diese Zweckmässigkeit

zeigt Lactanz in derselben übertriebenen

Weise

wie

sie

auch bei den Stoikern beliebt war.

(Vgl. Inst. VII, 4 de ira 13
in

Zeller 172,

Anm.

3.).

Auch

das hiermit
die

Zusammenhang stehende
desselben nach

Problem der Theodicee und

drei Hauptfragen

dem physischen Uebel, nach dem moralischen Bösen und nach dem
Verhältnis der äusseren Lebenszustände zur inneren Würdigkeit, werden

von Lactanz
satz

teils

übereinstimmend mit der Stoa,
behandelt.
(Vgl.
Inst.

teils

auch
21.

in\

GegenVII,
5.

zu

derselben

IL

17.

V,

22.

Epit. 29 de ira 20.

Zeller 174. 175.)

3*


mascheln fangen
die

36


sie

gesprochenen Worte auf;

sind vor-

handen, damit die Rede nicht vorbeifliegt und sich zerstreut.

Lactanz vergleicht

sie

mit einem Trichter, durch den Gefässe
opif.
8,
6.
7).

mit engem Hals gefüllt werden (de

Den Ge-

ruch- und Geschmacksinn betreffend, sind nur die Functionen
der Nase und Zunge angegeben,
die

v^^ährend sich Lactanz über

Entstehung

der

Hautempfindimgen
:

nicht

äussert.

Die

Dienstleistungen der Nase sind dreifach
holen,

sie dient
sie

zum Atempurgamenta

zum Riechen und damit durch
können (de
opif.

die

cerebri abfliesseu

10, 7).

Die Geschmacks-

empfindung hat nicht am Gaumen, sondern nur an der Zunge
ihren Sitz,

und zwar

die feinste
ist

an beiden Seiten derselben.

Bei Geruch und Geschmack
das Essen, das

es

wunderbar, dass sich weder

man

schmeckt, noch der Gegenstand, an

dem

man

riecht,

vermindern (de op. 10, 20).

Da

die

Zunge ausser der Geschmacksthätigkeit auch
sei

die Function des Sprechens erfüllt,

an dieser Stelle die

Sprachtheorie des Lactanz
physiologische Entstehung
die

angeschlossen.
betrifft,

Was
so

die

der Sprache
die

scheidet

Zunge durch
sie

ihre

Bewegungen

Stimme

in einzelne

Worte;

wird hierbei unterstützt

durch die Lippen,

den

Gaumen und
die Greise

besonders die Zähne, woher es kommt, dass die
sie

Kinder nicht eher sprechen lernen, bis

Zähne haben, und
10, 13.
l-l).

nach Verlust derselben stammeln (de op.

Die Stimme entsteht durch die aus der Lunge ausströmende
Luft,

da die Luftröhre hauptsächlich zu diesem Zwecke neben
in der

ihrem Ausgang
hat,
11,

Nase, auch eine Oeffnung in den
so
tritt

Mund

Ist diese verschlossen,

Stummheit

ein

(de op.

10

— 13).-)

Der zusammengedrängte Atem bringt den

)

Vgl. Inst. IV, 8, C

seraio

est

spiritus

cum

voce

ali(|uid .sigui-

ficaute prolatus.


Ton hervor, wenn
er

37


wie
es

an der Kehle anschlägt,
Dies
Luft
ist

auch

bei einer Pfeife geschieht.

richtiger als die Ansicht,

dass der

Atem

die äussere

„geissele",

da die Stimme
entsteht,

nicht ausserhalb des Mundes,

sondern in

ihm

ja
sich

sogar aus
alle

der Brust

zu dringen scheint.

Doch
richtig
ist

lassen

jene Fragen

niemals vollkommen
4).

beantworten

(de opif. 15, 1

Ihre Beantwortung

ja auch bedeu-

tungslos, wie die aller

dem
2.

practischen Leben nicht dienenden

Fragen.

Vgl. §

8,

Anm.

Die psychologische Seite der Sprache
zurück.

tritt

bei Lactanz

Die Sprache
Sie

ist
ist

der Dolmetscher

des Geistes

oder

des Gedankens.^)

ursprünglich

und von Anfang an
es

dem Menschen
Erde,
die
ist

eigen.

„Niemals gab
nicht

Menschen auf der
hatten."

ausser

der Kindheit

gesprochen

Daher

es eine thörichte

Auffassung, dass dieselbe durch

das Bedürfnis der Gemeinschaft

zum Schutze gegen

die wilden

Tiere, zunächst aus einzelnen Zeichen,

dann durch Bezeich(Inst.

nung der einzelnen Dinge entstanden
Diese Ausführung
richtet.
I,

sei

VI, 10, 14. 20.).

ist

offenbar gegen Epicur und Lucrez ge1,

(Vgl. Zeller III,

S.

416, besonders

Anm.

4,

Sieb.

2,

295.)

§

8.

Die Erkenntnisfähigkeit des Menschen.

Am

Schluss des ersten Teils bleibt uns noch die Frage

vermag der Mensch zu erkennen, wie weit reicht sein Wissen? Die Antwort
zu untersuchen:

W ie

viel

hierauf gründet sich

auf den oben besprochenen Dualismus

zwischen Körper und Seele.
Seele stammt,

Während

alles

Wissen von der

stammt

alle

Unwissenheit

der

Mensch weder alles,
')

vom Körper, so dass noch nichts weiss, sondern
Desgl.

Inst. VI, 18,

6 liogua iutei-pres animi.

de

opif.

10,

13,

de ira 14, 2 interpres cogitationis.


gleichsam

38


Auf
diese

beides in sich vereinigt.
eine
alles

Weise

nimmt derselbe

Mittelstellung ein zwischen Gott
zu wissen,

und Tier; denn
zu wissen,
ist

vermag nur Gott,
(III,

nichts

Eigenschaft des Tieres

6, 2. 3).

Zwischen
daher
ein

dem Wissen
grosser

Gottes

und des Menschen
wie
zwischen

ist

ebenso

Unterschied,
ist.

den

Werken
det, die

beider.

Gottes Weisheit

wie sein Leben vollener mit

des Menschen dem Irrtum unterworfen, da
ist.

dem

sterblichen Körper bekleidet

Er kann daher aus eigenen

Kräften

die

Wahrheit nicht erkennen, sondern nur durch

Belehrung von Seiten Gottes, i)

Dadurch dass Lactanz dem Menschen
alles

die Möglichkeit,

zu wissen, abspricht,

tritt

er in

Gegensatz zur dog-

matischen Philosophie.
zeigt,

Schon der
Weisheit
ist,

Name
da

,.Philo8ophie''

dass dieselbe keine

er
die

das Streben

nach derselben bezeichnet

(III, 2,

3

ff.).

Dass

Philosophen

aber bei diesem Suchen auf falschem
hervor,
dass
sie

Wege

sind,

geht daraus

die

Weisheit

noch nicht gefunden haben
wie diejenigen,

Sie stellen daher auf demselben Standpunkt, die sie überhaupt nicht suchen (III, 2,
7. 8).

Dass der Mensch,
er-

aber

die

Weisheit durch eigene Kraft überhaupt nicht
W'
ie

fassen kann, ist klar.
eine Kugel,

gi'oss die

Sonne

ist,

ob der

Mond

ob die Sterne

am Himmel

angeheftet sind, oder

diu*ch die Lüfte sich

bewegen, wissen wir so wenig, wie wir
die wir nie

die Hauptstadt

eines entfernten Volkes,
4, 45.)^).

gesehen

haben, beschreiben können (HI,

Wie

wir aber hierin

dem

Socrates imd den Akademikern Recht geben müssen, so

müssen wir ebenso dem Zeno und den Stoikern beistimmen,
')
-)

Vgl. Inst, n,

8,

68. 69; IV, 24, 3;

Vn,

2,

off.

de ira

1,

4.

wie wenig "Wert Lactanz auf die Erörterung und Begreifung theoretischer Probleme legt, wie überhaupt jede Wissenschaft für ihn bedeutungslos ist, sofern sie nicht von
hier zeigt sich ^viedeTnm, Einfluss auf das sittliche

Auch

Handeln des Menschen

ist.


die die

39


für

Vermutung über
ist

solche Dinge

Thorheit halten.

Damit

aber die

ganze Philosophie aufgehoben.

Hierzu

kommt noch

die grosse Zerissenheit in Schulen,

von denen

jede die Wahrheit zu besitzen glaubt,
keiner vorhanden
ist.

während

sie

doch bei

Doch auch
ihrer Lehre,

die

Skepsis
(III,

„die
4, 11)

Philosophie des
ist

Nichtphilosophierens"
dass der
selbe vielerlei weiss.
Sensualist,

hinfällig mit
da derals

Mensch

nichts wissen könne,

Lactanz zeigt sich in dieser Frage
sagt:
,,üas

wenn

er

Wissen kann nicht durch
erfasst werden.
es

Scharfsinn

(Ingenium)

oder

durch Denken
nur,

Die sterbliche Natur
herantritt.

erlangt es

wenn

von

aussen

Deshalb hat die göttliche Klugheit Augen, Ohren

und

die

übrigen Sinne

am Körper

geöffnet,
3, 2. 3).

damit durch

sie

das Wissen

zum

Geiste gelange"

(III,

Daher

ist das,

was der Mensch
oder gefährlich

weiss, zunächst das,
ist.

was zum Leben nützlich
viel

Ferner

ist

nach und nach

entdeckt

worden, so der Gang der Gestirne, die Natur des menschlichen Körpers,
legt Lactanz
die Kräfte der Pflanzen u.
a.

Auch wider-

den Arcesilaus mit einem bekannten Syllogissagt

mus: Dadurch dass jener behauptet, nichts zu wissen,
er selbst aus,

dass er etwas weiss,

nämlich das Nichtwissen

(lU, 6, 11. 12).

Lactanz steht in dieser ganzen Beweisführung auf

dem

Boden
es

des

gewöhnlichen Menschenverstandes,
3),

wie er

auch selbst ausspricht

der

die

Wahrheit

alles dessen,

was

um

uns vorgeht, und die Untrüglichkeit unsrer Sinnesals

organe

selbstverständlich

ansieht.

Der Mensch

besitzt

die natürliche Weisheit, die hinreicht,

um

sich

Kleidung und

Nahrung zu
')

verschaffen, (vgl.

auch de

opif.

2); das höchste,
sapit,

Inst. III, 5, 4.
est, sapit.

Nam

vulgus interdum plus

quia tantum,

quantum opus


was
(II,

40
zu


erkennen,

er
3,

erreichen kann,
13.).

ist

was

falsch

ist

Da
mus8
sie

er auf diese

Art die Wahrheit nicht finden kann,
sein.

ihm auf überirdischeArt verliehen
sie

Daher

vermag der Mensch,
belehrt wird.*)
allein

nur zu erlangen, wenn er von Gott
ist

Diese Belehrung

ihm von
jeder

allen

Geschöpfen

gegeben,

und zwar soU

sie

in

gleicher

Weise

besitzen; sie ist göttliche Ueberlieferung,

während
10)
,

die Philo-

sophie menschliche Erfindung
lische

ist

(III,

16,

eine

himmdie

Lehre

(III.

26, 1),

die jeder versteht,

nicht wie
ist

Philosophie nur Auserwählten verständlich
Sie besteht

(III, 25, 2).

im allgemeinen
Gottes
;

in

der Erkenntnis und Verehrung

des

einen

im

einzelnen

unterscheidet Lactanz drei
dass es verkehrt
es
ist,

Stufen derselben, die Erkenntnis,
Götter zu verehren,
die

viele

Ueberzeugung, dass

nur einen

Gott giebt, der die Wblt geschaffen hat und regiert, und der

Glaube an

Cliristus, seinen

Boten und Diener

(de ira 2, 2).

Zweiter Teil.
Die Seele in ihrem Handeln.

§9.

Der Wertunterschied zwischen Seele und Körper.
Da
der Gegensatz zwischen Körper und Seele bei Lacist

tanz gleichbedeutend

mit dem
ist die

Gegensatz von BÖse und

Gut, (vgl. die Einleitung)

Seele in seiner Psychologie

nicht nur das belebende Princip

im Menschen,

nicht nur

die

Vollbringerin

aller geistigen

Functionen,

sondern

zugleich

ein ethisches

treibt,
*)

Wesen, das den Menschen zum Guten dessen wesentlichste Eigenschaften die
3,

Vgl. Inst, n,

23.

m,

3,

2.

VI,

6, 28.

VH,

2, 9.

;


Tugenden
ihn
sind,

41


als

während der Körper
Bestrebungen
des

das sinnliche Prinenthält,

cip die schlechten

Menschen

und

zum Bösen

anstachelt.
also nicht

Körper und Seele sind

nur

sondern vor allem ihrem
gesetzt und zwar übeiTagt

Wer te
die

ihrem Wesen, nach entgegenwie Gott die Welt
eigentliche

vom Himmel stammende
Wesen

Seele den irdischen Körper ebenso sehr,

überragt
des

(III,

9,

16),

so dass sie als das

Menschen bezeichnet wird.
Seele
.

Da
.

die ethische Thätigkeit

der

wie

die intellectuelle

Sache des Geistes (mens,

animus)

ist,

so heisst derselbe geradezu der

wahre Mensch^)

da „das

Wesen
13.

des

Menschen
21, 9)

allein in

den Geist zu versetzen

ist" (in, 9,

y,

werden

die heidnischen Götterbilder

als seelenlose

Abbilder menschlicher Gestalten „Körper ohne

Menschen'" genannt.
ist
ist

„Denn was wir mit den Augen
sondern des
die

erblicken,
„es

nicht der Mensch,
nicht wunderbar,
sie nicht

Menschen Wohnsitz";

wenn

Heiden Gott nicht erkennen,
sie

da

einmal den Menschen selbst sehen, den
(11,

doch

zu sehen glauben

3, 8).

Daher wird der Körper nicht
als

nur

als

„finsterer

Wohnsitz des Geistes",

,Gefäss
2),

der

Seele", sondern geradezu

,des Menschen" bezeichnet

und

auch die Eigenschaften der Seele werden auf den Menschen
übertragen.
opif.

Er

ist

das ewige

,

unsterbliche Geschöpf"
erblickt,

(de

2,9), das

„weder berührt, noch
ist in

noch

erfasst

werden kann, sondern verborgen
(de
op.

dem, was man

sieht"

19,

9).

Man

darf

daher
so
in

den Menschen auch
hierdurch
der
de

nur

nach dem Geiste beurteilen,
^)

dass

Unter1,

Inst.

Y, 21, 11

animus,

quo solo est homo.

opif.

11

animus, id est
-)

homo

ipse venis.
2,

Bezeichnungen des Körpers: hospitium hominis U.

24; rc-

ceptaculum hominis U, 3, 8. de op. 19, 9; vas, vasculum animae oder hominis, domicilium temporale. Inst. II, 12, 11; VII, 12, 21. de opif.
4,2-1

tenebrosum domicilium mentis de

ira 1,

4 vas

fictile

de

opif.

1, 11.

_
schied

42


Freier
hin-

zwischen
(V,
15,

Reich
o
If.);

und
aus Leib

Arm, Sklave und
der

wegfällt

Unkenntnis
Seele

des

Wertdie

unterschiedes
falsche

zwischen

und

erklärt

sich

TugendAvie

und

Güterbestimmung
Menschheit

der

Philosodie

phen,
alles

der

vorchristlichen

überhaupt,

auf den Körper
erklärt
sich

und was mit ihm zusammenhängt beihre

zogen,

nichtige

Götterverehrung,

die

im

Opfern irdischer Dinge

statt

im Dienst des Geistes
sie

besteht,

wie ihr sittenloser Lebenswandel, indem

ganz den Vererklärt sich

gnügen und Gütern des Körpers nachgingen,
endlich,

weshalb

gerade die Reichen und Mächtigen nicht
Inst.

Christen sind.
VI,
2,

(Vgl. hierzu

IV,

3, 1 tf.;

V, 21,

8— 11;
die

12

ff.,

6,

Ö

ff.

u.

a.).

Im Gegensatz
denselben
enthält der

zu dieser hohen Stellung des Geistes,
alles

zum Träger
Körper

Guten und Vollkommenen macht,

alles Schlechte

und Unvollkommene

als

seine Eigenschaften.
ist

Er

bildet die
für die

Grenze für unser Wissen,

demnach der Grund
8.).

unvollkommene menschliche
er

Erkenntnis (Vgl. §

Ebenso begrenzt

unser Handeln.

So wenig der Mensch zu thun vermag, was Gott im Stande
ist
d.

(VII, 2, 4),
i.

so

wenig vermag er der Seele entsprechend,

sündlos zu sehi, so lange er mit
5.).

dem

Fleisch

umgeben
erlangen,
in

ist

(VI, 13,

Er kann weder
frei

die höchste
sein,

Tugend

noch überhaupt
Eingeweiden^

von Fehlern
ist

da deren Stoff

den
der

enthalten

(IV, 24,

4.).

Dass er

bei

Trennung von Leib und Seele nicht weiter bestehen kann,
ist natürlich.

Wie
(III,

alles

sichtbare zu Grunde
1,

gehen muss,
Zugleich

vergeht auch er
bildet er,
heiten,

20, 14; VII,

9; 12, 3

u. a.).

wie die Ursache des Todes,

auch die der Krank-

die somit in der Organisation des

Menschen begrün-

det liegen und keinen Anlass zur Klage geben können (de
opif. 4, Iff.).


Wie
stimmt
derselben
iii

43


vom Wesen
der Seele {§ 2)

seiner Aiischauiin«^

Lactanz auch in der starken Betonung des Wertes

üb er ein

mit

den

Ansichten

späterer
die

Stoiker, vor allem Seneka's, der mit Vorliebe

Gottverwandtschaft des menschlichen Geistes und die Gegensätzlichkeit von Leib

und Seele hervorhebt. Wie diese Stoiker

durch ihre Ansicht von der Körperlichkeit der Seele nicht
gehindert werden
,

ihre

göttliche

Stellung

und ihre hohe
seine

Würde anzuerkennen, wird auch

Lactanz durch

Anin

schauung von der feurigen Beschaffenheit der Seele nicht

seinem Urteil über ihren Wert bestimmt; vielmehr wird von

ihm auch
ment'', ein

ihrer Substanz,

dem

Feuer,

dem

himmHschen Ele-

höherer Wert beigelegt.

Mit Seneka stimmt Lac-

tanz sogar bis auf den Wortlaut überein; so bezeichnen beide

den Körper
hältnis

als

breve hospitiuni, beide vergleichen das Ver-

von Seele
1,

und Leib mit dem von Gott und Welt
S.

(Vgl. Zeller IlT,

203,

Anm. 3 und 710

Anra.

4.).

ethischen Anschauungen des Lactanz sind bedingt durch den Dualismus zwischen Körper und Seele, da beide Principien im Menschen in einem fortwährenden Kampf liegen, dessen Ausgang das Schicksal
Alle
des

Menschen

entscheidet.

Zur Seele, dem guten Princip,
das daher als

gehört alles sittlich

Gute,
die

„Gut der

Seele" bezeichnet wird,
fassen dagegen alles

„Güter des Körpers" umBeide sind einander
die

Verwerfliche.
derart,

entgegengesetzt, und zwar

dass

Güter der Seele

Übel für den Körper, und
die

die Güter

des Körpers Übel für

Seele

sind.

Zu den erstem
,

zählen:

Meiden

irdischer

Schätze

und Vergnügen

Verachtung des

Schmerzes

und

Todes, zu den letztern Begierde, Wollust und Vergnügungen
aller

Art

(VII, 5, 23.).

So stehen dem Menschen zwei Lebensder Seele,

wege

offen,

der

Weg

der

steil

und beschwerlich


ist

44


u. s. w.,

und auf dem

sich die

Tugenden: Gerechtigkeit, Enthaltdaneben

samkeit, Geduld, Treue, Wahrheit, Weisheit

Armut, Schmach, Arbeit, Schmerz finden
Körpers,
der eben

,

und der

Weg

des

und angenehm

ist,

auf

dem

sich Reich-

tum, Ehre, Ruhe, Vergnügen, daneben Ungerechtigkeit, Grausamkeit, Stolz,
(VI, 4,
3. 6. 7.).

Treulosigkeit und alle übrigen Laster

finden

Das

Ziel beider

Wege

ist

ebenfalls ein ver-

schiedenes.
zeitliche

Der dem Körper zugeschriebene
der

Güter und ewiges Verderben;

Weg gewährt Weg der Seele
in

zeitliche

Übel und ewige
das

Seligkeit.

Die letztere repräsentiert

zugleich

höchste

Gut der Seele, den Lohn für das
eine

Tugend und Unglück verbrachte Leben,
den wichtigsten Beweis
bildet.

Anschauung,
der

die

für

die

Unsterblichkeit

Seele

(Vgl. §

16.).')

Die
als

Aufgabe des Menschen ist natürlich, stets Führeriu im Leben die Seele zu haben, ihre
wie ethischen Eigenschaften
stets

intellektuellen,

zu den seinigen

zu machen, also den Körper
treten zu lassen.

in

den Dienst der Seele

Der himmlische Teil des Menschen muss
(U,
12.

der herrschende, der irdische der dienende sein VI,
1,

11;
alles

7

de

opif.

1, 10).

Auf der
Wesens

einen

Seite

ist

Wissen, besonders die von Gott verliehene Wahrheit, die in
Erkenntnis
des höchsten
besteht, Sache

der Seele,

so dass die Beschäftigung mit demselben als

pabulum animae
20;
III, 3,

bezeichnet

wird (V,

1, 12.

Vgl.

auch

I,

1,

16),

und das Hören der Lehre Gottes, da
(VI, 21,
8),

es
ist.

die Seele ernährt

für den

Menschen notwendig

Auf

der andern

besteht

der W^andel

nach der Seele in der Tugendübung,

^
vco ein

Vgl. ausser deu bereits angeführten Stellen: IQ. 12, 18; IV, 25,
21,
10.

6-9; V,

11; de

ira

15, 4.

19, 1

ff.

ferner

Inst.

DI,

12, Iff.,

Unterschied gemacht wird zwischen virtus corporis und animi,
sichtbare und unsichtbare Feinde.

Kampf gegen


die
fällt

45


Diese zer-

zusammengefasst wird
in

in der Gerechtigkeit.^)

Gottesverehrung
als „Stoff

und Bruderliebe (humanitas)

und

wird

ebenfalls

und Speise der Seele" bezeichnet

(11,12,14).

Unwissenheit und Lasterhaftigkeit bilden dagegen

das Leben

nach dem Körper,
7),

die

Sünde

ist

das

pabulura

mortis (IV, 25,

die

Vergnügungen

bilden die Stricke

und

Schlingen, die die Seele
(Aa, 22, 3
ff.).

vom

rechten

Wege

abzulenken suchen

§ 10.

Die Willensfreiheit.
Die Frage, ob

der

Mensch

einen freien Willen

besitze, also durch sein eigenes freies Handeln das Ziel der Vollkommenheit erreichen könne, oder ob es nicht ausschliesslich die

im Glauben an das Verdienst
die den Einzelnen

Christi erfasste

Gnade Gottes
ist

sei,

zum ewigen Leben

führe,

den Kirchenvätern bis auf Augustin

gar nicht als eine

schwierige und für die ganze christliche Lehre höchst bedeutungsvolle vor Augen getreten. Die
volle

menschliche Freiheit
verkündet,

wird von
alles

Justinus Martyr

ent-

schieden

auch wenn

Heil von Christo her-

geleitet wurde.
freiheit so stark

Bei Clemens und Origenes wird die Willens-

hervorgehoben,

dass die

Folge der Sünde

•)

"Wie koch dabei das Wisseu der Wahrheit von Lactauz gestellt

welchem das Yeihiiltnis von Ootteserkenntund gerechtem Leben veranschaulicht wird an dem Verhältnis des So wenig die Hauptes zu den Gliedern des menschlichen Körpers. Glieder ohne Haupt etwas vermögen, so wenig gilt Tugendübung bei fehlender Gotteserkenntnis etwas auch Gotteserkenntnis ohne Tugend Wie aber am nützt nichts, so wenig wie das Haupt ohne Körper.
wild, zeigt ein Vergleich, in
nis
;

einzelne Glieder fehlen können, wenn nur das Haupt vorhanden, so dürfen auch einzelne Tugenden mangeln, wenn der Mensch nur Gott wahrhaft erkennt. Unnütz luid verkehrt ist daher .jede Tugendlehre und Tugondübung der heidnischen Philosophen, wie der gesamten vorchristlichen Menschheit, bei dem Mangel der Gottes-

menschlichen Körper

erkenntnis.

Vgl. VI,

9,

9

ff.

Adams
verschwindet.

46


Tertullian
ein

Obwohl
herleitete,

allgemeines
sitt-

Verderben von
liche Freiheit

Adam

dachte er dadurch die
er

keineswegs anzutasten, ja

sah sich sogar

gezwungen, dieselbe im Kampfe mit den Häretikern zu begründen, i)

Die Frage, ob der Mensch dann nicht auch ohne

Christus das Heil erlangen könne
fern

lag der Frömmigkeit so
ein

und abenteuerlich,
ob
es

als

wenn

Kind auf

die

Frage

geriete,

nicht möglicherweise
sein könnte.'*
ist

auch ohne diese seine
I,

Eltern

am Leben

(Hase, Gnosis

316.).

Für Lactanz

die Freiheit des

Willens selbst-

verständliche \ oraussetzung;

sie ist für sein ethisches

System notwendig und ward daher niemals durch psycho-

logische Gründe gerechtfertigt; würde doch
gegengesetzte Ansicht
vaters über
alle

eine ent-

Anschauungen unseres Kirchendes Menschen, wie über die

Zweck und Aufgabe
seines

ihm gemäss

Lebens zufallende Art

der Unsterblich-

keit zerstören, da dieselben die unbegrenzte Verantwortlichkeit

des

Menschen

zur

Voraussetzung haben.
nicht;

Eine

Be-

gründung derselben

findet sich

jedoch erfährt sie

eine Einschränkung, dadurch dass der Mensch, solange
er mit

dem Körper

bekleidet

ist,

die höchste

Tugend

nicht

erlangen kann, wie ja auch Christus zugleich Gott sein rausste,

um

„ein

vollkommener Lehrmeister"

sein zu

können

(IV, 24,4).

Ausserdem wird dem Bereich des menschlichen Willens von
Lactanz eine

besondere Ausdehnung

zugeschrieben.

Die Willensfreiheit wird

ausgesprochen

und

hervor-

gehoben in
Christus
die

Inst.

IV, 24, bei Gelegenheit der Frage, weshalb

Mensch werden musste.
Christi als

Es wird

in

dieser Stelle

Menschwerdung

notwendig

hingestellt,

damit

derselbe durch sein Beispiel beweise, dass die Erfüllung seiner

Lehre möglich
»)

sei;

er

musste die Vorschriften, die er gab.

Vgl. Hauschild, Tertull. Psychol. S. 71—75.


auch durcli
denen er
schneiden.
sie

47


um
für
die

sein

Leben bestätigen,
alle

Menschen,

auferlegte,

Entschul digangsgründe abzu-

Die Menschen erhielten aber durch ihn auf der

einen Seite „die Notwendigkeit des Gehorsams", so dass ihnen

der

Weg, den

sie

wandeln

sollten,

vorgeschrieben war, zu-

gleich auf der andern die Freiheit, auch das entgegengesetzte

thun zu können, „damit ein Lohn
gehorchenden, weil
sie

festgesetzt

sei

für

die

sie

auch nicht gehorchen konnten, wenn

gewollt hätten, und eine Strafe für die nicht gehorchenweil sie gehorchen konnten,
7.).

den,
(24,

wenn

sie

gewollt hätten"

Hiernach erfordert

alles

sittliche

oder unsittein-

liche

Handeln

eine Willensentschliessung des

zelnen Menschen.^)
ist,

Wenn

es

für denselben auch schwierig

den

zum Bösen

antreibenden Körper zu überwinden,
ist,

so

lehrt

doch Christus, dass die Möglichkeit vorhanden

„dass

auch das Fleisch die

Tugend

erfassen könne"

und

„es keine

Notwendigkeit

ist

zu sündigen, sondern Vorsatz

und

freier

WiUe"

(IV, 24, 10. 25, 8).
ist

notwendiges Postulat bei der Frage, weshalb der Mensch nicht von vornherein unsterblich geschaffen worden ist,
Ferner
die Willensfreiheit

wenn
die

die Unsterblichkeit sein Ziel sein soll

;

ergiebt sich doch

Notwendigkeit des

irdischen

Lebens aus

der

Absicht

Gottes ein für sein

Thun

verantwortliches

Wesen

zu schaffen.

Gott wollte, dass der Mensch sich durch eigene Kraft seliges

Leben erwerben, oder durch eigene Schuld ewigem Tod verfallen solle.

Die Unsterblichkeit
des
20,

ist

keine natürliche, sondern

eine

dem Willen
^)

Menschen anheimgegebene Folge.
20 virtus euiin eoleuda est ...
.

Der

Vgl. Inst.

I,

uon sacrisola atque

ficio aliquo,

aut ture aut preeatione soleniui,

sed voluutate

proposito.


Mensch wird daher auch
den Wandel im
lung.

48


sondern

nicht unsterblich geboren,

steht zunächst auf gleicher Stufe,

wie das Tier; erst durch

Dienste Gottes erreicht er eine höhere Stelff.)

(VII, 5, 15

Der Gegensatz von Notwendigkeit und freiem Willen
wird jedoch nicht nur auf die ethische Handlungsweise des

Menschen angewandt, auch

die

Religion

ist

vorzugsDas Bereich

weise Thätigkeit des freien Willens.
ung und den Glauben.
heit ihren Sitz"
als sie.
;

desselben erstreckt sich bei Lactanz auch auf die Überzeug„In der Religion allein hat die Frei-

nichts geschieht derart aus freien Stücken,

Daher kann

dieselbe nicht

erzwungen werden.

Auch

wenn

einige

aus Furcht

vor Martern,
bereit

oder durch dieselben
erklärt

überwunden, sich zum Opfern
dies keine

haben,

so

ist

Rehgionsübung, da

sie es nicl>t

aus freien Stücken
ist,

thun
ist

:

vielmehr wenn der Geist des Opfernden abgewandt

auch keine Religion in ihm vorhanden.

Es kann
aber

ein

Christ

wohl

Götterverehrung
thöricht
sind

erheucheln,
also die

nicht

wollen.
massregeln
zwingen.
,

Wie

heidnischen Gewalt-

um

die Christen

zu

ihrer Götterverehrung
19, 11. 23.).

zu

(Epit. 54,

1—4.3) i^^i y,

Bei dieser Auffassung des menschlichen Wollens hat
die Willensfreiheit

einen andern Sinn angenommen. Dieunbeugsame Kraft des Menschen,
die

selbe erscheint als die
selbst unter

dem

äusseren

Zwang
oder

stets das

Gewollte festhält,
nicht

daher niemals geknechtet,
genötigt werden kann.

zu etwas

gewolltem

^ Der von Lactanz
ist

selbstverfasste Ausziig aus

den Tustitutioneii

nur

citiert,

wo

derselbe

vom Hauptwerke

abweicht, oder dasselbe

erweitert.

-

49
§ 11.

Die Unterschiede zwischen Menschen und Tieren.

Unterschiede zwischen den Menschen und den übrigen leb en den
Die

von

Lactanz

häufig

betonten

Wesen

haben ihren Grund

in

dem Wertunterschied zwischen
zwischen

Seele und Körper.

Der ethische Gegensatz
Wesen
des Menschen ausmacht,
ihr alle

beiden, der eben das

kommt

für das Tier in Wegfall und mit
der Seele, die ihr

Bestimmungen

ethisches Wesen

bedingen.

Zu

diesen gehört

sowohl der göttliche Ursprung der

Menschenseele, wie ihre feurige Beschaffenheit, während die
Tierseelen nicht

von Gott stammen und „aus gewöhnlicher

Luft" bestehen.^)

Doch

ist

der Dualismus

der beiden Ele-

mente, Feuchtigkeit und
(II,

Wärme, auch im
und

Tiere
fällt

enthalten

9,

22).

Mit dem göttlichen Ursprung
in

zugleich die

Vollendung

einem späteren Leben
ist,

die

menschlichen

Thätigkeiten, deren Folge sie
ist

für das Tier fort.

Daher

die

Religion Hauptvorzug des Menschen und
wie von Lactanz häufig

keinem anderen Wesen verliehen,
hervorgehoben wird.
dass es

Von

allem andern, von
sei,

dem man

glaubt,

dem Menschen eigentümlich
unter
sie

finden sich Spuren

beim Tier, sowohl von der Sprache,
durch Laute

da sich manche Tiere wie sogar

einander verständigen,

vom

Lachen,
spielen.
sei es,

wenn

mit

dem Menschen oder
trifft

ihresgleichen

Selbst Zeichen der Vernunft
dass sie für die Zukunft

man

an einzelnen,

Speisen

aufbewahren, oder

dass

sie

mit Klugheit ihren Nutzen suchen und Gefahren
oder
sich selbst

vermeiden,

Wohnsitze erbauen.

Gotteser-

kenntnis und Gottesverehrung fehlen
n,
12, 9

ihnen jedoch gänzlich
sed

*)

Inst,

(pecudum) auimae non ex deo constantes,

ex comrauni aöre, moite solvuutur.

Marb ach,

Psychologie.

4

.


Sie gehören allein

50


an,

dem Menschen
ein

so dass,

wer
(Inst.

sie
III,

ver10,

nachlässigt,
l-5.)2).

geradezu

Tierlehen

führt

Da
beruht,

die Religion auf

einem von Gott verliehenen Wissen
ist

das das Tier nicht fähig

zu erfassen,

so

muss

auch die

Vernunft beider verschieden
10, 6

beschaffen sein.

Nach
sein

Inst. III,

„ist sie

im Tiere nur vorhanden,

um

Leben zu schützen, im Menschen aber,

um

dasselbe zu

verlängern",

womit natürlich

eine

Vergrösserung über das
ist.

irdische Dasein hinaus zur Unsterblichkeit gemeint

„Und

weil

sie

im Menschen vollkommen

ist,

wird

sie

Weisheit

genannt."

Nach andern
Mensch
ist

Stellen fehlt

sie

dem

Tiere vollexpertia,

kommen, jene
denen
der

heissen irrationabilia
als

und

rationis

animal rationale

gegenübersteht.^)
;

Jedenfalls
letztere

beider

Vernunft

grundverschieden

für

das
ist

ist sie

nicht nötig,

da es äusserlich

geschützt

gegen

die

Einflüsse

des

Wetters

und feindliche Angriffe,
ist.

während

sie für

den Menschen ein innerer Schutz

Daher

wird er nackt und unbewaffnet geboren, damit er durch dieselbe sich bedecken

und schützen

lerne,

während

die Tiere

Felle oder Federn erhielten,

um

die Kälte zu ertragen, Hörner,

Zähne oder Klauen,

um

sich feindlicher Angriffe zu erwehren.^)

Mit der Göttlichkeit der Seele und den aus ihr hervor-

gehenden Eigenschaften des Menschen, der Unsterblichkeit,
Religion und Weisheit
fällt für die

Tiere die

Unterschei-

dung von Böse und Gut,
fiir

die Verantwortlichkeit

sein Thun, und die
»)

Tugend
n,
9,

hinweg.

An
9,

Stelle

Vgl. feiner

Inst,

n,

3,

14. 22;

2G;

VIT,

10.

de iia de ira

7,

G— 15;
•')

12, 2; 22, 2.
Inst. II, 1,

Vgl.

14; EI, 8, 8;

V, 17, 31; VII,

9,

12.

7,

2; 12, 3; 13, 8.
*)

Vgl. Inst. VII,

4,

12—15; VI,

10, 3. de opif. 2, 1

ff


der letzteren
die sie den übrigen

51


und Verschlagenheit,
durch

treten Schlauheit

Geschöpfen nachstellen und andern schaden,

um

sich zu nützen,

wovon

die

Tugend den Menschen ab9,

halten muss

(V,

17,

30—34;

VII,
^),

15.).

Als

wichtigste
lehrt,

Tugend
seinen

gilt die

Menschenliebe
dies Gefühl

die
in

den Menschen

Nebenmenschen zu schützen und

Gefahren ihm Hülfe
nicht verliehen,

zu

leisten.

Wäre

dem Menschen

so vermöchte keine Gemeinschaft,

keine Städtegründung

zu

Stande zu

kommen,

die Sicherheit

würde aufhören, da der
aus-

Mensch wilden Tieren und andern Menschen fortwährend
gesetzt
sei.

Das Tier
es

besitzt diesen „Affekt'' nicht, da die

Vorsehung
bekleidete.

mit natürlichen Schutzwaffen

gegen Angriffe

Die übrigen

Affekte

aber

sind

keineswegs nur
sie

dem Menschen
Tiere besitzen

gegeben, obwohl auch

von Lactanz vor
;

allem nach ihrer ethischen Seite behandelt werden
dieselben,

auch die

nur dass für

sie

das Wesentliche

an ihnen, die Verantwortlichkeit beim Gebrauch, wegfällt.

Auch

sind sie ihnen nicht alle,

sondern nur einzelnen
sie

ver-

liehen;

nur
3.).

der
Sie

Mensch

besitzt

in

ihrer

Gesamtheit

(VI, 15,

machen gewissermassen
;

einzeln das

Wesen

mancher Tiere aus

so charakterisiert die Furcht den Hirsch,

der Zorn die wilden Tiere.

Während

aber der Mensch den

Zorn beherrscht, äussert das gereizte Tier sofort seine Wut.
Letzteres handelt aus natürlicher Anlage
seiner Weisheit, wie er soll (VI, 18, 22.).
;

der

Mensch gemäss
der Gebrauch
tritt

Auch

der fünf Sinne hat seine Grenzen für den Menschen; er
ebenfalls unter ethische Voraussetzungen.
die letzteren nicht vorhanden,
es

Für das Tier sind

gebraucht seine Sinne, so-

')

Humauitas, hie
Epit. 38, 8.

pietatis affectus.

Inst.

VI, 10, 3;

in, 23, 9

u.

10.

4*


weit seine Natur es ihm

52


So sieht
nötig
es,
ist;

vorgeschrieben hat.

um

zu erreichen,

was zum Schutz des Lebens
u.
s.

findet seine
ffiebt es

Nahrung durch den Geruch
dasselbe.

w.

Verbotenes

nicht für
für

Während dem Menschen Vergegeben
Tier
sind,

gnügungen
Laster

einen jeden Sinn

die

er als

meiden muss, kennt das
,

nur ein Vergnügen,
(VI, 20,
2.).

nämlich

das

Bezug hat auf

die

Zeugung

Von

diesem letzteren berichtet Lactanz auch, dass es im Menschen
weit stärker

und heftiger vorhanden

sei,

sowohl damit die

Anzahl der Menschen auf der Erde
als

eine zahlreichere werde,

auch

,

um

denselben Gelegenheit zu

geben

,

sich

durch

Enthaltsamkeit und Zügelung der Lüste
(VI, 23,
3.)«).

Ruhm

zu erwerben

die Superiorität der Menschenseele in ihrem göttlichen Ursprung und der durcli denselben hervorgerufenen ErKurz zusammengefasst besteht

kenntnis ihres Schöpfers, sowie in dem Bewusstsein ihres hohen Wertes und der hierdurch be-

dingten Verantwortlichkeit Handelns. Diese hohe Stellung,
seine Seele

des
die

menschlichen
äusser-

dem Menschen durch
Zeichen seiner
verliehen
sind,

zukommt,

veranlasst Lactanz auch die
die

lichen Unterschiede,
die

dem Menschen

als

Sphäre des Tieres überragenden

Würde

hervorzuheben.
der
als

Dieselbe wird gekennzeichnet dadurch,

dass

Mensch

allein

von allen Lebewesen das Feuer, dem ja

der Seeleasubstanz ein höherer

Wert

beigelegt wird, gesie irdisch

braucht,

während aUe übrigen Geschöpfe, da

und

sterblich sind, nur das körperliche

Element des Wassers be-

nutzen

(II,

9,

25

;

VII,

9, 13),

sowie dadurch, dass sein Gang

*')

Vgl. hierzu

im allgemeinen

inst.

VI, 15

— 22,

sowie die

fol-

genden Paragraphen 12

— 11.


aufrecht,
sein Blick

53


gerichtet
ist.

zum Himmel

Ihn erhob

der Schöpfer aus
lung,
eine

dem Staub,

verlieh

ihm

eine gerade Stel-

breite vorwärts gerichtete Brust,

sowie ein nach

oben schauendes Antlitz, geschaffen den Himmel zu bewundern,

und gleichsam

bestrebt, ihn zu erreichen,

während

die

Tiere mit vorwärts geneigtem Körper nach der Erde blicken.

Diese

einzigartige

Bildung

des

menschlichen Körpers
sie

tritt

so sehr in den Vordergrund, dass

in eine Linie gestellt

wird mit

dem Vorzug

der Gottesverehruns;

und der heidnische

Kultus ein Abwenden der Betrachtung des Himmels, ein sich
zur Erde beugen nach Art der Tiere genannt wird.
lich
'')

Enddie

kann man zu diesen Unterscheidungsmerkmalen noch

Sprache zählen, wenn auch nur, insofern der Mensch durch
sie die

Herrlichkeit Gottes und seiner

Werke

zu preisen ver-

mag

;

denn Laute,

um

sich gegenseitig verständlich zu

machen,
III,

besitzt

auch
7,
8.).

das Tier (Vgl.

de ira 14,2 mit Inst.

10,2

de ira

§ 12.

Die Affektenlehre im allgemeinen. Sehr ausführlich und selbständig ist die Affektenlehre von Lactanz behandelt.
Mit derselben
tritt

er

in

Gegensatz zu sämtlichen Philosophen, Wie den sonst so hochangesehenen Stoikern.
auch
seine

besonders zu
bei diesen ist

Auffassung
Nicht was
,

derselben

wesentlich

eine

ethische.
sie

die Affekte an

sich sind, und wie

zu

erklären

ist

für
sie

seine

Untersuchung massgebend,

sondeni

in wie fern

den Menschen durch ihr Vor-

handensein gut oder schlecht machen. Jedoch fehlt es auch nicht an allgemeinen B emerkungen über dieselben;
Vgl. Inst.
11,

')

1,14.15;

9,

26; 17,9; 18,1; VI,
7, 5;

1,

7;

VU,5,6;

9.

11; de

opif. 8, 2. 3; 10,

26; de ira 14, 2;

20, 10. 11.


über ihren Wert.

54

nur treten diese zurück im Vergleich mit den Bestimmungen

Die Affekte

gehören zur Seele,

wie
sie

die

Sinne

zum

Körper

(de ira 18, 10),

und zwar sind

Bewegungen

des Geistes (motus animi)^), da auf ihren Antrieb der Geist
erregt wird
(I,

3,

20

;

VI, 14,

7),

ohne deshalb Verwirrungen

des Geistes (perturbationes animi) zu sein, wie die Stoiker sie

bezeichnen

(II,

17,

4.).

Zu ihnen

rechnet

Lactanz

alle

Arten von Gemütsbewegungen,
ob
sie sich

ohne Unterscheidung,

auf Gefühl oder Begehren beziehen:

Zorn und

Gnade, Begierde nach fremdem Gut (concupiscentia), Wollust
(libido)
,

femer Freude und Trauer, Liebe und Hass, sowie

Furcht, Mitleid, Neid und Bewunderung,

Eine

Einteilung aller dieser Affekte
Erwähnt wird
7,

findet sich

nicht bei Lactanz.

die

Unterscheidung der

Stoiker in VI, 14,

die vier

Hauptklassen der Affekte hervordie

heben: cupiditas,

laetitia,

metus und moestitia, von denen

ersten beiden sich auf künftiges oder gegenwärtiges

Gut be-

ziehen, die beiden letzten

auf künftiges oder gegenwärtiges
fallt.

Übel 2),

eine Einteilung, über die Lactanz kein Urteil
in solche, die

Da-

gegen scheidet er die Affekte
sitzt,

nur der Mensch beDie ersteren haben
:

und

in solche, die zugleich Gott besitzt.

ihren Grund in der menschlichen Schwäche

zu ihnen gehören

Furcht, Wollust, Neid und Begierde,

die in Gott nicht vor-

handen

sein können, da kein

Wesen

existiert,

was ihm Furcht

einjagen könnte, ebenso wenig, wie es Geschlechtsunterschiede
für ihn Mitleid;
(de ira
')

giebt,
ihrer
15, 8

u.

a.

Die letzteren sind
sich

Zorn,

Gnade und
der Dinge

bedient
12).

Gott zur Erhaltung

Im
286
231.

allgemeinen sind von Lactanz

am

Vgl. de opif. 14, 8, ferner ein bei Fiitzsche

(Lact, opera, Lip-

siae

1844)

Band

II.

S.

angeführtes Fragment,

das

die

Ansicht

des Lactanz über die Affekte in kurzer Fassung enthält.
-)

VgL

Sieb.

I,

2,

Zeller IE,

1.

230.

55

häufigsten betrachtet die drei Affekte: Zorn, Begierde und Wollust (ira, cupiditas, libido), da ihre Bedeutung
darin
liegt,

dass

sie

durch

ihren Missbrauch zu

Lastern werden.

Fast alle Fehler entstehen aus ihnen, wäh-

rend

auf

ihrem
die

Gebrauch innerhalb

der

vorgeschriebenen
19,

Grenzen

Tugend beruht

(VI, 5, 13fif.;

4

ff).

Neben

ihnen wird

das Mitleid hervorgehoben,

„jeuer Affekt der

Frömmigkeit", aus dem die wichtigste Tugend, die Nächstenliebe hervorgeht (VI, 10, 3.)
3).

Die Frage nach dem
alle

Sitz der Affekte wird, wie
de opificio dei unentschieden
ist,

ähnlichen, im Buche

ge-

lassen.

Die herrschende Ansicht der Mediziner
in der Milz,

dass die
in

Freude

der Zorn in der Galle,

die

Wollust

der Leber

und

die Furcht

im Herzen ihren
ist es

Sitz haben.

Wenn
die

sich dies so verhält,

so

ein

Beweis

dafür,

dass

Affekte zur natürlichen Anlage des Menschen gehören, also
nicht ausgerottet werden können
(VI, 15, 14, de ira 21, 4.).

Ob

es aber der Fall

ist,

können wir nicht erkennen, ebenso

wenig, wie diese Anschauung widerlegen, da ja die Leistung^i
der Organe,
sind.

die der Sitz der Affekte sein

sollen,

verborgen

Auch

müssten die sanftmütigen Tiere keine Galle, oder
als die wilden,

doch eine weit kleinere haben,
ein grösseres Herz, u.
s.

die feigeren

w.

Endlich müssten wir es fühlen,

dass wir mit der Galle zürnen, mit der Leber begehren, mit

der Milz uns freuen,

wie wir

es

auch empfinden, dass wir

mit den Ohren hören, mit den Augen sehen, mit der Nase
riechen.

Hieraus ergiebt

sich, dass die Affekte

ebensogut in

andern Organen ihren Sitz haben können, so wie, dass jene

^) Mit der BeurteiluDg dieses Affekts tritt Lactanz zu den Stoikern, worüber § 13 pag. 61 zu vergleichen.

in

AViderspruch


wir vermuten
(de opif.
14, 4

56


leisten können, als
8).

Eingeweide uns auch einen andern Dienst

Von

sonstigen

allgemeinen

Bestimmungen

findet

sich

nur das Verhältnis der menschlichen Affekte zu denen der
Tiere berührt, worüber das Einzelne

im vorigen Paragraph

besprochen wurde.
§ 13.

Die ethische Beurteilung der Affekte.
Ungleich wichtiger
ist

die ethische Betrachtungs-

weise der Affekte, ihre Beurteilung nach ihrem
Wert.
Im voraus
sei hier

selben mit der gung des Lactanz

usammenhang derallgemeinen ethischen Üb erzeuauf den Z
hingewiesen.

Aus der Ansicht,

dass

der Mensch in der Mitte zwischen Gott und Welt,

Gut und
sein

Böse steht und durch die ihm

eigene Willensfreiheit

Leben nach

der guten

oder schlechten Seite

hin

gestaltet,

um

nach dem Tode den entsprechenden Lohn für diese

Wahl

zu empfangen, geht hervor, dass eine

Anlage des Men-

schen nicht von vornherein gut oder schlecht
sein

kann, besonders nicht, wenn dieselbe zur Seele gehört.

Erst die

Anwendung bestimmt ihren Wert.
ausschliessende Gegensatz

Hierin

liegt

der

gegen die

stoische Auffassung der Affekte als Krankheiten

der Seele,
die den

ebenso wie gegen die peripatetische,

Wert oder Unwert der Affekte nach dem Grade ihrer Heftigkeit bemessen.
Der Auseinandersetzung mit diesen Philosophen
ist

der

längere Abschnitt von

Inst. VI,

14, 7 bis

17,

29 gewidmet, i)

')

Zur Affektenlehre
Sieb. I, 2,

vgl.

Volkmann
ff

II,

S.'384. Zellev UI,

1.

225 ff.

bes. 232.

94

ff.;

222


I.

57


dass
die

Die Ansicht der Stoiker;
der
eingepflanzt, sondern
seien, deshalb als

vier

von

ihnen

unterschiedenen Hauptklassen

Affekte

nicht von

der Natur

durch falsche Meinung
17, 4)2)

entstanden

Krankheiten des Geistes
von Grund aus ausspricht:

(morbi, perturbationes animi
gerottet vi-erden müssten,
1.

II,

ist falsch.

Dagegen

Die Affekte entstehen nicht durch den freien Willen

des Menschen, sondern sind
ralia,

non voluntaria), da
sind.

sie allen

natürliche Anlagen (natulebenden Wesen gemeindieselben aus-

sam

Wenn

die Stoiker also verlangen,

zurotten, so ist dies nichts anderes, als
die Furcht,

wenn

sie

den Hirschen

den Schlangen das Gift,

den wilden Tieren den

Zorn, oder den Schafen die Sanftmut

nehmen

wollten.

Wenn

man

ferner nach Ansicht

der Ärzte jedem Affekt einen be,,so
ist

sonderen Sitz zuschreibt.
selbst

es

leichter,

das

Geschöpf
herauszu-

zu
:

töten,

als

aus

seinem

Körper

etwas

schneiden

denn darauf läuft es hinaus, wenn man seine Natur

ändern
2.

will.''

Indem

die Stoiker
sie

die

Ausrottung der Affekte verihnen entstehenden Laster,

langen, heben

zwar

die aus

aber auch
vermag auch

die
bei

Tugend
einer

auf.

Wer

keinen Zorn besitzt,
sich

Erregung desselben,
zurückzuhalten;

nicht zu

zügeln und seinen Ausbruch

ebenso fehlt

demjenigen die Tugend der Enthaltsamkeit, der keine körperliche Lust oder

keine Begierde nach

fremdem Gut

besitzt.

Ohne Laster
Sieg.

giebt es keine Tugend, wie ohne Gegner keinen
ein

Wie

fruchtbarer

Acker,

wenn

er

nicht bebaut

wird,

Dornen, bei Bebauung aber reiche Früchte trägt, so
die Affekte

werden

ohne Pflege zu Fehlem,

bei

richtiger

'-)

de h-a

2,

5 omnis affectus imbecillitatis

est.

Pflege zeigen sich sofort die Früchte der Tugend.
also nicht

Sie dürfen

aufgehoben werden, da
hat.

sie

uns Gott zur Erlangung

der

Tugend gegeben
3.

In Wirklichkeit

heben die Stoiker

die

Affekte gar

nicht auf, sondern gebrauchen nur

andere abschwächende

Namen
als

für dieselben: für die Begierde den Willen,

„als

ob es nicht viel vorzüglicher
zu wollen",

wäre,

das Gute zu

begehren,

für die Freude, die Freudigkeit (pro lae-

titia

gaadium), für die Furcht die Vorsicht, während ihnen
die
I,

für
Sieb.

Traurigkeit der entsprechende
2,

Namen
z.

fehlt

(Vgl.
auf,

232.).

Sie

heben deshalb diesen Affekt ganz
B.

was ganz und gar nicht geht, da man

über das Un-

glück des Staates, oder der Freunde stets Schmerz empfinden
niuss.

Offenbar fehlte ihnen nur ein passendes Wort.
die übrigen

Was

aber

Änderungen

betrifft,

so

unterscheiden sie

sich entweder gar nicht oder nicht viel

von den bekämpften
die

Affekten.

Die Begierde beginnt mit

dem Willen,

Vor-

sicht entsteht aus der Furcht,

und

Freude (laetitia) ist nichts

anders als öffentlich bekannte Freudigkeit.

Wenn
die

die Stoiker

aber zugeben, dass die Begierde beharrlicher und dauernder
Wille, die Freude unmässige Freudigkeit,
lose Vorsicht
sei,

Furcht mass-

so verlangen

sie

nicht

eine

Aufhebung,

sondern eine Mässigung der Affekte und gelangen „auf einem

langen und beschwerlichen

Umweg"

zu der von ihnen be-

strittenen Ansicht der Peripatetiker zurück.
II.

Auch die Ansicht der Peripatetiker
nicht.

erreicht

die

Wahrheit

Sie

geben zwar

zu,

dass die

Affekte

naturgemäss, ja notwendig sind; halten sie sie aber für Fehler, oder wenigstens einen übermässigen Gebrauch derselben für fehlerhaft
nichts destoweniger
(Vgl. 15,2; 16,1; 19,
1.).

Hiergegen

ist

einzuwenden:


1.

59


Erst
die

Niemand wird fehlerhaft geboren.
den
schlechten Gebrauch der
Affekte

durch

entstehen

Fehler, wie durch den guten die Tugenden.
2.

Nicht die Stärke bestimmt

den Wert des Affekts,

sondern die
ist es

Ursache, aus der er hervorgeht. Daher
grosse

verkehrt,

Freude

einen Fehler,

massige

eine ver-

Tugend zu nennen.
bieten
halten,
irre

Dies wäre ebenso,

als wollte

man
für
so

zu

laufen,

dagegen

das

langsame

Gehen

gut gut

während doch derjenige, der langsam geht,
lauft,

gehen kann, wie derjenige, der

den rechten

Weg

verfolgen.
z.

So

ist

häufig geringe Freude eine grosse Sünde,
dass einem

ß.

wenn man

sieht,

Feinde

ein

Unglück gesich

schieht,

zügellose Freude aber keineswegs,

wenn man

nach Besiegung der Feinde über die Freiheit
ergehen
der

und das Wohlden Affekten
der

Bürger

freut.

Also sind

nicht

Zügel anzulegen,

sondern nach

den Zeitverhältnissen,
ist ihr

Sachlage und den Gegenständen

Gebrauch zu

richten.

Zorn, Begierde,

Wollust sind nicht Sünden an sich, wohl
der sich gegen Unschuldige richtet,
die

aber der Jähzorn,

Begierde, die Unerlaubtes begehrt und das sinnliche Streben

ausserhalb der Ehe.
3.

Hierzu

kommt
,

noch,

was VI, 16 unerwähnt
Philosophen den
die

bleibt,

dass die Peripatetiker

wie

alle

Gebrauch

der Affekte

nur auf dies Leben und
statt

zu demselben
auf
das jen-

notwendigen Dinge beziehen,
seitige

denselben

Leben und das Streben nach diesem auszudehnen.
letzten

Auf den beiden

Punkten beruhen

die posi-

tiven

Au Seinander setzungen des
Gesichtspunkt
erscheinen

Lactanz über richtigen

und falschen Gebrauch einzelner
erwähnten

Affekte.

Unter dem
die

letzt-

einige,

von

den

Stoikern für Fehler gehalten werden, sogar als die grössten

Tugenden.

So

gilt

die

Furcht

mit Recht für die grösste

;


Schwäche des
Geistes,

60
sie


besteht in Angst vor Schmerz,
dies alles

wenn

Armut, Verbannung,

Gefangenschaft oder Tod;
der Gott fürchtet.

fürchtet aber derjenige nicht,

In diesem

Falle

ist

die Furcht die grösste Tapferkeit, also eine hervor-

ragende Tugend.
irdische

Die Begierde
eine

ist

ein Fehler,
sie

wenn

sie

Dinge

erstrebt,

Tugend, wenn

himmlische

Dinge,

wie Gerechtigkeit, ewiges Licht und fortwährendes

Leben zu erreichen wünscht, wobei Begierde eine noch weit
höhere Tagend
ist,

als

der blosse Wille,
.

da

der

letztere

durch Leiden leicht

gehemmt wird

die

Begierde aber fort-

besteht (VI, 17, 2—14.).

In welcher Weise die Affekte in Hinblick auf das irdische Leben zu gebrauchen sind, wird
ebenfalls an den einzelnen

nachgewiesen.

Die Begierde
zu

ist

uns gegeben

,

um

das

zum Leben notwendige

erwerben

ihr Missbrauch besteht

im Ansammeln von Schätzen, woraus

Betrug, Raub und andere Verbrechen entstanden sind.
Geschlechtslust besitzen wir,

Die

um Nachkommenschaft

zu er-

zeugen,

durch ihren IMissbrauch zum Vergnügen entstehen

Unzucht, Ehebruch und andere Laster.
ist

Der Zorn endlich
in

notwendig

,

um
und

die Fehler
sie

derer

,

die

unsrer Gewalt

sind zu zügeln,
keit anzuleiten,

zur Rechtschatfenheit und Gerechtig-

während aus dem Zorn gegen Gleichstehende
hervorgehen
(Inst.

Zwietracht
19, 4

und ungerechte Kriege
10
u. 11.).

VI,

11. de ira 18,

In diesem

durch die gött-

liche Weisheit vorgeschriebenen
die

Gebrauch der Affekte besteht
(VI, 18,
ist

wahre Vollkommenheit des Menschen

23

u. 24, 25.).

Eine hervorragende Tugend endlich

der Affekt
Er
bildet das

des Mitleids

(raisericordia

s.

humanitas)^).

^)

Vgl.

ni, 28, 8 quo

ratio

humanae

vitae

paene

omnis

con-

tinetur.


Band der Menschen unter
scheidungsmerkmal
gegenseitiger

61


ein

einander,

wesentliches Unter-

vom
in

Tier;

ohne

denselben

ist

weder

Schutz

Gefahr

möglich,

noch

überhaupt
ist

menschliche Gemeinschaft, zu

der der

Mensch bestimmt

(animae sociale VI, 10,
bietet

10).

Die Besprechung des Mitleides
die Thorheit

zugleich

eine Gelegenheit,

der Stoiker

(Zeno, ja selbst Seneka,

obwohl bei diesem

bereits eine Milist)

derung jener

schroffen

Behauptung eingetreten

zurück-

zuweisen, die dasselbe zu den Fehlern und Krankheiten der
Seele rechnen (Inst.
III,

23,

8—10;

VI, 10, 4

ff.

;

Epit. 38, 6—8.).

Gewiss

greift hierbei

Lactanz einen der bedenklichen Punkte
er übersieht a])er,
die

der stoischen Ethik an;

dass

wenigstens

von

den

späteren

Stoikern

Menschenliebe

neben

der

Gerechtigkeit als die Hauptpflicht des Menschen gegen seine

Nebenmenschen

hingestellt wird.^).
die Aöektenlehre sei an dieser Stelle

Im Anschluss an

daraufhingewiesen, dass auch der

Gebrauch der Sinnesgestellt

organe unter den ethisch en Gesichtspunkt
vmd den Aflekten analog behandelt wird.
Sinne sind nur in
zu benutzen, jedes
lasterhaft.

Auch

die

fünf

dem ihnen von Gott zugewiesenen Dienst
darüber hinausgehende „Vergnügen"
ist ist

Daher

es

verboten

,

bei

öffentlichen Schau-

spielen zuzusehen,

einschmeichelnde Reden zu hören; überjene Sinneseindrücke vermeiden,

haupt
die

soll

man

alle

durch
(Vgl.

die Seele

gefesselt

und

zum Tode geführt wird

VI, 21—23.).
§ 14.

Der Zorn,
Lactanz
ist

durch die Streitfrage, welche Affekte Gott
veranlasst

zugeschrieben werden dürfen,
"*)

worden, ein Buch

Über den Gegensatz im stoischen System, dass auf der einen
1,

Seite das Fehlen jedes Mitleids, auf der andern Menschenliebe verlangt

wird, vgl. Zeller III,

S. 234,

Anm. 8

u. S.

288/289.


„über den Z o r n

62


dem
er

Go11es"

zu verfassen, in

den

Nachdie

weis liefert, dass dieser Affekt Gott eigen sein

müsse.
in

Er verwirft daher

die Ansicht der Epicureer,

Gott gar keine Affekte annehmen, mit

dem

Hinweis, dass

hierdurch die ganze Thätigkeit Gottes, seine Sorge für die

Welt, überhaupt seine Existenz hinfallig werde (de ira
ebenso

4, 1

ff.),

auch die stoische Ansicht

,

die

Gott

Gnade

^),

aber

keinen Zorn beilegen, mit
Affekte entweder beide

dem

Satze,

dass entgegengesetzte

vorhanden

sein,

oder

beide fehlen
zu

müssen (de
besitzt,

ira 5, 9).

Wenn

also Gott Liebe

den Guten

muss

er

auch die Bösen hassen; wenn er dem Un-

gerechten nicht zürnt, wird er auch
sein.

dem Guten

nicht gnädig

Den weiteren Einwand

Epicur's, dass Gott dann auch

die übrigen Affekte, wie Furcht

und Begierde, besitzen müsse,

widerlegt Lactanz damit, dass die Affekte, die in der menschlichen Gebrechlichkeit ihren

Grund haben, natürlich

bei Gott

fehlen müssen (15, 6

12).

Es

ist natürlich,

dass bei dieser Gelegenheit

das

Wesen

und
Da

die Arten des Zornes eingehender behandelt werden.
nach der Ansicht des Lactanz die jedesmalige Ursache
so

den Wert des Affekts bestimmt,

werden
die

zwei Arten
zwischen
17, 12).

des Zorns

unterschieden, je
ist.

nachdem
ist

Ursache berechtigt

oder nichtberechtigt

Es

ein Unterschied

gerechtem und ungerechtem Zorn

(ira iusta

und iniusta

Der

letztere, der besser als
ist

Wut oder Jähzorn

be-

zeichnet wird, eigen;
er
ist

nur dem Menschen und den wilden Tieren
der

ein Fehler,

vom Menschen überwunden

')

Die Gnade (gratia) wird hier als Affekt bezeichnet, was
Zeller 139,

sie bei

den Stoikern nicht ist. Vgl. Sieb. I, 2, S. 231.232. Seneca die Güte Gottes hervorgehoben wird vgl.

Dass besonders von
Anin.
1

und

703.


werden muss
der, aus der

63


(17, 14. 21).

Schwäche des Menschen entspringt

und daher

in

Gott nicht vorhanden sein kann

Diese Art des
als

Zornes

ist

gemeint,

wenn ihn

die

Stoiker

„foeda mutatio" beschreiben, die wie ein Sturm die Fluten,

so den Geist des
die

Menschen
die
;

erregt, so dass die

Augen

glühen,

Sprache

zittert,

Farbe des Gesichtes zwischen Röte
gilt
,

und Blässe wechselt

von dem ungerechten Zorn

dass

durch ihn veranlasst die Menschen Blut vergiessen, und Städte
vernichten
(5, 3. 4).

Ebenso beziehen

sich die verschiedenen

Definitionen der Philosophen

nur auf den ungerechten Zorn,

wenn ihn Seneka
Posidonius
in
:

-)

nennt „die Begierde Dnrecht zu rächen",

„die Begierde, den zu strafen, von

dem man

sich

unbilliger

Weise

verletzt glaubt"; einige andere: „die

Er-

regung des Geistes,

um dem
13),

zu schaden,

der uns geschadet

hat oder schaden wollte", Aristoteles: „die Begierde Schmerz

wiederzuvergelten" (17,

endlich Cicero: „die Lust sich zu

rächen" (17, 20).

Dem
die,

gegenüber steht der gerechte Zorn, der
ist

die

Begierde nach Rache ausschliesst, da er gerichtet
die wir sündigen sehen,

gegen
die in

and zwar gegen

die,

nnsrer Macht sind, wie Sklaven, Kinder, Frauen und Schüler-

Wie

das Schlechte einem Jeden missfallen muss,

wenn

er es

nicht billigt, so
er es sieht.

muss

er

auch dadurch erregt werden, wenn

Er zürnt

also nicht,

um

sich zu rächen, sondern

zur Aufrechterhaltung
Sitten.

der Ordnung,

zur

Verbesserung der

Diese Art des Zornes muss aber auch Gott besitzen,
aller

da er die Sünden

Menschen

straft.

Definiert wird der

Zorn demnach vonLactanz: eine die entsteht,
')

Erregung des

Geistes,

um

die Fehler zu strafen." (17,15
T,

20).

Vgl. Seneca, de ira

3.

Ähulicli in II, 3 concitatio

aiiinii

ad

lütionem vohmtate et iudicio persequeatis.

Vgl. Sieb.

I,

2,

S. 233, bos.

Anm.

4.


Wie
der Missbraucli
des

64


der
sich
in

Zornes,

Hass gegen

Gleichstehende und in der Absicht, ihnen zu sichaden äussert,

zurückzuhalten

ist,

so

ist

der gerechte Zorn gegen die Sünder
12).

sogar anzuregen (18, 10

Gegen
nahe,
dass

diese Auffassung

des Zornes liegt der

Einwand

man auch ohne Zorn die Fehler anderer verbessern könne. Hiergegen sagt Lactanz: Nur der
Richter darf bei einer Frevelthat ruhig bleiben, weil dieselbe
nicht vor seinen

Augen begangen

ist,

weil kein Verbrechen

so klar liegt, dass es nicht

Raum

für eine Verteidigung böte,

und weil

er

nicht nach

seiner

Meinung, sondern nach den
wir aber nicht durch den
so billigen

Gesetzen zu richten hat.

Wenn
Mühe

Anblick des Bösen
entweder,

erregt werden,

wir dasselbe

oder scheuen die

der Bestrafung.
sie

Also

ist

auch unzeitgemässe Milde ein Fehler, da
zu grösseren Verbrechen anregt
(18, 1
ff.).

die

Kühnheit

Was den Einwand betrifff, dass Gott dem Menschen den Zorn verbiete, so bezieht sich dieser nur auf den ungerechten Zorn. Gott würde sonst sein eigenes Werk
tadeln,

„da

er

von Anfang an
hat. "

den Zorn

in

die

Galle des

Menschen

gelegt

Ausserdem verbietet er das Ver-

harren im Zorn.
nicht

Da
die

der

Mensch sterbHch
auch
der

ist,

darf er auch

andauernd zürnen;

göttliche

Zorn
ff.).

besteht

ewig nur gegen
Endlich

fortwährenden Sünder.

(21, 1

wird

noch

die

Notwendigkeit
s

und

Wichtigkeit des gerechten Zorn
Angelegenheiten hervorgehoben.

für die menschlichen

Kein irdisches Reich ver-

mag

zu bestehen, wenn die Furcht es nicht bewacht.

Niemand

wird einem Könige, der nicht zürnt, gehorchen, sondern

man

wird ihn stürzen.

Ebenso wird man den Niedrigstehenden,
verlachen und berauben

wenn

er diesen Affekt nicht besitzt,

(23,9-11.).

-

65
§ 15.

Die Unsterblichkeit der Seele im allgemeinen. Der letzte Abschnitt, der den Ziel- und Gipfel-

punkt der ganzen Anschauung
enthält, behandelt

unsres Kirchenvaters

dieUn Sterblichkeit der
aus

Seele,

eine

ebenfalls

hauptsächlich ethische Frage.

Denn wenn auch
hervorgeht,

die Unsterblichkeit

dem Wesen

der Seele

so ist sie doch vor allem

der Mittelpunkt der ethischen desganzenLebens, so dass, ohne die feste Auffassung
Überzeugung,
dass
sie

das

Ziel

des

menschlichen Lebens
wird.

bildet,

das ganze System des Lactanz hinfällig
sie

Kein Wunder, wenn
tritt,

daher in seinen Schriften mehr hervoranderer Punkt
der Psychologie

als

irgend
in

ein

oder

Ethik, wenn

den Institutionen die Auseinandersetzungen

der sechs ersten Bücher als das

Fundament betrachtet werden,
Gebäude aufgerichtet
und

auf das im

siebenten (de vita beata) das

werden

soll,

ohne welches das

vorhergehende unnütz

vergeblich sein würde (VII,

1, 2. 4).

Auf
des

die Stellung

der Unsterblichkeitslehre

im System

Lactanz

wurde

bereits

hingewiesen;

auch die beiden

Wege, auf denen die beiden Endziele des menschlichen Lebens
erreicht werden, sind,

ebenso wie die
vornherein

Frage weshalb Gott
schuf,
bei

den Menschen nicht von

unsterblich

anderer Gelegenheit besprochen worden^),

an

dieser

Stelle

*)

Vgl. die
Stellen
:

Einleitung,

so-ftie

§ 9 u. 10.

Hier nur eine ÜberGotteserkenntois
18.

sicht

der

Zum

ewigen Leben
IV,
4, 5.

führen
VI,
9,

und
23

Gottesdienst

UL
2.

19, 10;

28,

1;

24 de

ira 13,

überhaupt
V, 17, 16
opif.

alles,

Mittler IT, 14,
ff.

was von Gott kommt VI, 6, 4, ferner Christus als 19, 11. 25, 5, endlich Tugendübung m, 19, 3. 27, 13;
VI,
4,
ff. 21, 11. 22, 4; VU, 5, 17 ff. 14. 2 de auch Inst. I, 18, 3 zum ewigen Tod die Verehrung vieler Gütter D, 2, 22. 24; die

18, 9;

1

19, 10,

de ira 23, 23
I,

Leidenschaften

11,

3.

n,

17, n u. a.

Marliaoh,

rsyrlinlr.gie.

5


erübrigt uns, die

66


der
dualistischen

Art und Weise der Unsterblichkeit
Aus
Grundeine

eingehender zu
auffassung
des
je

betrachten.

Weltproblems

folgt

zweifache Art
ein-

derselben,
gehalten.

nach dem Lebensweg, den der Einzelne
führt

Der Wandel nach der Seele

zum ewigen
Es

Leben, der
giebt

Wandel nach dem Körper zum ewigen Tod.

demnach zwei Arten des Lebens,

ein diesseitiges,

das wir durch unsere Geburt empfangen und das auf der Erde

und im Körj)er zugebracht
begrenzt und sterblich
halten,
ist,

wird, daher wie der

Körper auch
das wir erdas ganz

und

ein

jenseitiges,

wenn das

erstere tugendhaft vollbracht
ist

ist,

der Seele gehört, daher unbegrenzt und ewig

(VII, 5, 16. 17.).

Es wird

geschildert als
alles

ein

Leben im Geist, dem mit dem

Körper auch
in

Übel, vor allem der
gleich

Tod

fehlt (VII, 5, 19),

dem „wir den Engeln
bilden"

geworden,

dem höchsten
Reich

Vater und Herrn fortwährend
Gottes
(VII, 6,
1).

dienen und das ewige
ist

Zugleich

es das höchste Gut,

das also nicht,

wie die Philosophen glauben, im Diesseits

zu finden
Seligen

ist

(IV, 4, 5;

VI,

3, 5);

der Aufenthaltsort für die

ist

der Äther, aus
erreichen
strebt

dem

die Seele

stammt und den

sie

wieder zu
„in

(VI, 3, 1; VII, 10, 8),
(II, 12,

um

dort

fortwährendem Lichte" zu verweilen

7; VI,

3, 17.).

Den Gegensatz

bilden

die beiden Arten des Todes
,

und zwar steht dem irdischen Leben der einmalige

es be-

endigende Tod. dem himmlischen der ewige Tod gegenüber.
Beide Arten werden als erster und zweiter Tod unterschieden.

Der

erste

bezeichnet

die

Trennung von Seele und Körper,

der zweite die Erduldung ewigen Schmerzes, die Verurteilung
der

Seelen

zu
in

ewigen Strafen
ewiger Finsternis

(11.

12,
1,

9.).

Er besteht im
tritt,

Verweilen

(VI,

10),

wie die

Seligkeit, erst

im Jenseits

ein

und

bildet die Strafe für den

verkehrten

Wandel auf

der Erde.

Während

irdisches

Leben

;


und
irdischer

67


in gleicher

Tod

allen

Menschen

Weise gemein-

sam

sind, verteilen sich himmlisches

Leben und ewiger Tod
11.).

auf die einzelnen nach ihrer Würdigkeit (VII, 10,

Da die menschliche
laufen hat, das
erste in

Seele

demnach zwei Stadien zu durch-

Verbindung mit dem Körper, das
in

zweite ohne denselben,

so fragt sich weiter,

wie weit
ist,

dieselbe,

wenn

sie

vom Körper befreit
die

ihre
wie
sind,

verschiedenen Eigenschaften,
die

ja teilweise,

Sinneswahrnehmung,

durch

den

Körper

bedingt

behält, ebenso in wie weit sich dieselben vervoll-

kommnen,
schwunden

nachdem das hindernde „Gefäss der Seele" geendlich,

ist,

wie

die

Leidensfähigkeit

der

sündigen Seelen bei
zu erklären
ist.

dem Fehlen

jedes körperlichen Elementes
letzte

Besonders der

Punkt wird von Lactanz

eingehender behandelt.

Die vom Körper befreite Seele lebt „allein im Geist"
sie

-)

existiert

sodann ohne Körper

allein als feuriger, göttlicher

Hauch, der ihre Substanz ausmacht.
verlässt,
sich:

Indem

sie

den Körper
mit

nimmt

sie

zugleich die Empfindungsfähigkeit
die

„denn der Körper fühlt ohne

Seele

nichts

mehr"

(VII, 12, 24. 25.).

In derselben Weise wie Gott ohne Körper

lebt

und wirkt, vermag

auch

die Seele

ohne Sinnesorgane
9,
8. 9.).

doch deren Funktionen beizubehalten
die

(VII,

Dass
folgt
sie

Seelen ferner

die

menschliche

Gestalt

behalten,

daraus,

dass sie zitiert werden
in

können
wieder

(VII, 13, 7),

wie

ja auch

derselben

Gestalt

zurückkehren

werden

bei der Auferstehung (VII, 22, 10.).
betrifft,

Was

endlich ihr Wissen

so ist es falsch an ein

,

.Wasser der Vergessenheit"
sie hier

zu glauben,

vielmehr behalten die Seelen alles was
offenbar
V2,
.S4:

erlebt (22, 10);
•-)

erlangen
L'

sie

ferner

durch die Bevivit.

lust.

TU,

VII. 21.

in

solo spiiitu

VTl, VJ,

19

vigebit ipsa per se.

5*


freiung
(II,

68


der
vollen

vom Körper
68; VII,
2, 8.).

die

Kenntnis

Wahrheit

8,

Dassdie

Frage nach

der Leidensfähigkeit der

Seele

von Lactanz ausführlich besprochen wird, erklärt sich

daraus, dass alle

abnormen Seelenzustände im

Diesseits hervor-

gerufen werden durch körperliche Zustände.

Wenn
es

es heisst,

dass die Kraft und Stärke des Geistes durch Vergnügen und

Sünden untergraben wird
des Körpers, die ihre

(VI,

1.

9),

so

sind

Schwächen

Wirkung an
sich
u.
a.

der Seele zeigen; ebenso

wenn

die

Dämonen

im
die

Körper festsetzen
Seelen quälen,
14,
14.).

nnd

mit

Träumen, Wahnsinn
sicht
sie

mit der Abist

ganz zu vernichten

(II,

Wie

es

aber

unter dieser Vorau.ssetzung möglich, dass die Seelen auch im
Jenseits

Schmerzen erdulden, und Strafen für irdische Versie

brechen erleiden müssen, nachdem der Körper
nmschliesst?
straft

nicht

mehr

„Wenn

sie sie

nämlich wegen ihrer Thaten be-

werden, müssen

doch den Schmerz fühlen und daher

auch den Tod.
ist,

Wenn

die Seele nicht

dem Tod unterworfen
;

kann

sie

auch nicht Schmerz empfinden
7.).

sie ist also nicht

leidensföhig" (VII, 20,

Die Antwort auf diese Frage lautet zunächst

gemein-

schaftlich mit den Stoikern:
sind nicht leidensfähig,
Seiten

die Seelen der Gerechten

da

sie

nicht durch

Befleckung von

des Körpers

verunreinigt sind; sie

kehren daher zu

dem himmlischen
gegen nehmen

Sitz,

von dem

sie

stammen, zurück.

Da-

die Seelen der Gottlosen eine gewisse Mittel-

stellung ein; durch ihre Befleckung mit

dem

Fleisch, dessen
sie

Begierden

sie sich

hingegeben haben, haben

einen unaus-

l()schlischen irdischen
haftet, so dass sie

Makel an

sich,

der mit der Zeit fest-

durch denselben fähig werden, Marter und

Schmerz zu ertragen,

während

sie

jedoch,

da

sie

von


Gott
(VII,

69


vernichtet

stammen,

nicht
3).

gänzlich

werden können

20,8— 10.)

Diese Auffassung erklärt Lactanz
fügt aber

für beinahe richtig,

seine eigenen Gründe
Allmacht Gottes, dass er
vermag.

hinzu.

Zunächst schliesst

er aus der

die

sündigen Seelen leiden
sind,

zu lassen
freilich
sie

Für uns,

die
;

wir köi-perlich

sind

die Seelen nicht ergreifbar

von körperlichem können
demselben
erfasst

keine Gewalt

erdulden;

da jedoch Gott aus

StoflFe

besteht, wie sie (spiritus),

können

sie

von ihm
dass

und

gezüchtigt

werden.

Hierzu

kommt,

dieselben

wiederum mit Fleisch umkleidet werden, und zwar mit unvergänglichem
falls

in

Ewigkeit bestehenden, und von einem ebennicht

dem
,

irdischen
die

entsprechenden

Feuer

verzehrt

werden

welches

verzelirten
5.).

Bestandteile

immer wieder

ersetzt (VII, 20,

11—21,

An
keit als
tritt,

dieser Stelle sei

noch erwähnt, dass
sofort nach

die Unsterblich-

Lohn oder
eine

Strafe nicht

dem Tode

ein-

sondern

Zwischenzeit zwischen
in

Tod und Auferin

stehung angenommen wird,

der alle Seelen
(21, 7).

einer all-

gemeinen Haft zurückgehalten werden
die
erst

Auch

erfolgt

Erweckung

der Christen und das Urteil über sie zuerst;
die

beim letzten Gericht werden auch
verdammt.

Heiden von Christo

zu ewiger Strafe

Für

die

Zwischenzeit werden
als

Seelenwanderung oder Wiedergeborenwerden
ausgeschlossen (vgl.

Thorheiten
a.).

VH,

20,

Iff.; 23,

Iff.:

26, 6 u.

§ 16.

Beweise für die Unsterblichkeit der Da die Unsterblichkeit der Seele eine so
Rolle in der Auffassung der
')

Seele.

bedeutende

Welt und
202,

des Lebens bei Lactanz
1.

Vgl.

ZeUer UI,

1,

S.

Anm.

Schluss.

Nach Seneca
Vgl.

sind auch die Srelen der Guten erst einer Reinigung unterworfen.

ebenda.


spielt,
ist

70


Daher

es natürlich,

dass demselben der Nachweis ihi-er

Wahrheit ganz besonders am Herzen liegen muss.
finden sich

an

vielen

Stellen

einzelne Beweisgründe
dem Abschnitt
die Reihen-

aufgeführt; zusammengefasst sind dieselben in
Inst.

VII,

8

12.

Dieselben lassen sich, ohne

folge

zu verändeni,

nach

den zwei Gesichtspunkten unter-

scheiden,

ob sie aus dem

Wesen

der Seele oder des

Menschen hervorgehen, oder ob sie auf der ethischen Grundanschauung des Lactanz beruhen.
I.

1.

Den

ersten

psychologischen Beweis

bildet

der platonische

von

der

Selbstbewegung der
sie

Seele.

Er

ist

keineswegs erschöpfend,

da Plato das wesentlichste

an der Unsterblichkeit, dass

nämlich das höchste Gut des
trägt
er

Menschen
bei.
ist,

ist,

nicht wusste;

jedoch

zur Wahrheit

Lactanz definiert denselben folgendermassen: „unsterblich

was von

selbst

fühlt (sentit)

und

sich

immer bewegt.

Was
kein

nämlich keinen Anfang der Bewegung hat, kann auch

Ende haben, weil
kann''.

es

von

sich

selbst nicht verlassen

werden

Hierbei übersieht Lactanz, dass dieser Beweis

nur für den höchsten Teil der Seele, nur für das loytoTixoy
gilt

und
er

zieht

daher den falschen Schluss aus demselben,

dass

auch

den Tieren Unsterblichkeit verleihen

würde,

wenn

nicht Plato,
hätte,

um

dieser Gemeinschaft zu entgehen, hin-

zugefügt
weil

dass der menschliche

Geist

unsterblich

sei,

seine

wunderbare

Geschicklichkeit
die Leichtigkeit

im Erfinden,

die

Schnelligkeit

im Denken,

im Auffassen und

Lernen, die Erinnerung an früher geschehene Ereignisse, der

Blick in

die

Zukunft,

die

Kenntnis

unzähliger Dinge und
fehlt,

Künste, was alles den übrigen Geschöpfen
dass
er göttlichen

uns zeigten,

Ursprungs

sei

und vom Himmel stamme.
gut die von ihm

Er

übersieht ferner,

dass derselbe ebenso


bekämpfte Präexistenz

71

wie die Fortdauer nach dein
199.).

l)eweist,
I,

Tode (VIL
2.

8; vgl. Sieb.

1,

S.

Weiterhin steht für Lactanz der Satz

fest,

dass alles

Sichtbare und Berührbare

zu Grunde gehen muss, während

alles,

was nicht gesehen oder berührt werden kann, ewig bleibt. Auf den Menschen angewandt, ist
die

der Körper das vergängliche Element,
Bestandteil desselben.

Seele

der ewige
^)

Diese an verschiedenen Stellen

als

Beweis für

die

Unsterblichkeit
VII,
9, 1

der Seele benutzte Behaupt-

ung wird

Inst.

— 9 begründet
seinen

und zwar durch einen nnd ewigen Existenz
nicht
erkannt.

Analogieschluss
Gottes.

aus

der unsichtbaren

Dieser

wird von den
aus

Menschen

mit Augen

gesehen,

sondern

Werken

Hieraus

schliessen zu wollen,

dass er nicht existiere,

wäre thÖricht,

da auch

viele

von ihm

geschaffene Dinge,

wie die Stimme,

der Geruch, der

Wind

nicht gesehen, aber mit andern Teilen

des Körpers empfunden

werden, ihre Existenz also, ebenso
Avird.

wie die Existenz Gottes aus ihren Wirkungen erkannt

Da

also

von Gott

feststeht,

dass er als fühlendes und lebendes
in

Wesen, ohne gesehen zu werden und ohne Körper
keit lebt, so
falls
ist

Ewig-

nicht anzunehmen, dass die Seele, die eben-

ein lebendes

und fühlendes Wesen

ist,

zu Grunde geht,

weil sie nach Verlassen des Körpers nicht gesehen wird.
3.

Hierauf folgen drei

anthropologische Beweise
die Eigenschaften des

und zwar werden von Lactanz
die seine höhere Stellung
(vgl.

Menschen,

gegenüber dem Tiere ausmachen,
für
die

§ 11.)

als

Beweise

Unsterblichkeit

der

Seele

angeführt.

•)

und

in

Vgl. Inst. U, 4, 7; IV, 1, 3; V, 21, 11; VII, I, 9. Verbindung mit dem vorhergehenden de opif. 17, 1.

11,

9.

10


Die

72
kein


anderes

Religion,
,

die

lebendes
,

Wesen

besitzt, zeigt uns

dass wir in ihr das erstreben
ist.

wünschen,

verehren, was uns verwandt

Die Erkenntnis Gottes und
die Unsterblichkeit der Seele,
sie

das Streben nach
weil die

ihm beweisen

menschliche Natur fühlt, woher

stammt, und
zwingt,

wohin

sie

zurückkehren wird, und

uns daher

den

ewigen Gott zu suchen und zu lieben (VII,
Die Gestalt des
sein

9, 10. 12).

Menschen,

sein

aufrechter Gang,

nach dem Himmel gerichteter Blick zeigen seine himm-

lische

und göttliche Bestimmung.
des
irdischen

Sein Geist verachtet

die

Niedrigkeit

Lebens,

und

strebt

nach

der

Höhe, weil er
finden sei (VII,

fühlt,

dass dort

für ihn das höchste

Gut zu

9, ll.).^).

Da die Seele feuriger Hauch ist, so ist Gebrauch des Feuers durch den Menschen
Beweis. Dieses
ist

der
ein

alleinige

weiterer

das leichte,

das Leben bewirkende Ele-

ment des Lichtes, welches vom Himmel stammt und eben
diesen wieder zu erreichen strebt
(9, 13.

14;

II, 9, 25.).

IL
grössere
Seele

Die

ethischen
sie

Beweise haben
nicht

für

Lactanz

Bedeutung, da

nur die Fortexistenz der

)iach

dem Tode, sondern auch die zweifache Art der
wichtigste

Unsterblichkeit beweisen.

Der

derselben

lautet

kurz

gefasst

:

Die
es

Tugend muss belohnt,
Da
dies

die

Sünde bestraft werden.
ein

auf der Erde nicht
in

geschehen kann, muss

Jenseits geben,

dem

jeder

Mensch

das
als

erhält,

was ihm

zukommt.

Die Tugend wird hierbei

etwas WidernatürLeben, das

liches aufgefasst; sie schadet

dem gegenwärtigen

nur nach Vergnügen und angenehmen Genüssen

strebt,

indem

•-')

Vgl.

zu diesen beiden Beweisen

m,

12, 26. 27;

YH,

5,

20

de

opif. 8, 2. 3.


sie verlangt,

73


man von Natur
Also

dass

man

das suchen müsse, was

meidet, wie Armut, Schimpf, Schmerzen und den Tod.
ist sie

ein

Übel, und derjenige, der ihr folgt ein Thor, da
flieht,

er das

vorhandene Gute

das Übel erstrebt ohne Hoffist

nung auf höheren Genuss.
Menschen
,

Nun

aber die
leben.
die

Aufgabe des
sie

der

Tugend gemäss zu
sie

Nur

macht

den Menschen ehrenhaft, indem

schimpflichen Ver-

gnügen verachten

lehrt,

macht ihn

tapfer,

indem
Sie

sie

die

Furcht vor Schmerz und Tod verscheucht.
ihren

muss daher

Lohn

erhalten,

was aber nicht im
sich zu

Diesseits geschehen
oft eine

kann, da auch den
ist

Tod auf

nehmen

Tugend

(VII, 9,

15— 18).3)
auch
folgt

So folgt aus der Notwendigkeit der
die

Tugendübung
dieselbe
,

Notwendigkeit

eines
die

Lohnes

für

es

aus ihr nicht allein

LTnsterblichkeit

der Seele, sondern auch die Art des ewigen Lebens, das für

den Tugendhaften das höchste Gut

ist.

Zwei weitere Beweise für

die Unsterblichkeit als höchstes

Gut des Menschen sind an einer anderen

Stelle hervorgehoben.

Einmal zeigt uns das allgemeine Streben nach diesem, obwohl zeitlich begrenzten und arbeitsvollen

Leben,
eines

das Greise wie Knaben, Könige und Bettler, Weise
die

und Thoren zu besitzen wünschen, wie wahr
bessern Lebens
ist,

Erwartung
sich

ferner

würde

Niemand

freiwillig in den
nung auf

Tod gestürzt

haben, ohne

die Hoff-

ein längeres Leben.

(HI, 12, 18. 19. 22.).

An
Tugend

den

Llnsterblichkeitsbeweis
sich in

aus
eine

dem Wesen
Reihe

der

schliessen

VII, 11,1

Beweise
dauern nur

aus

dem gegenseitigen Verhältnis von Tugend
an.

und Laster

Alle lasterhaften Erregungen

=*)

Vgl.

m,

12, 8. 27, 13;

V, 18, 10; VI,

9,

19

ff.


kurze Zeit:
so
stillt

74

die Sättigung bedie Laster

den Zorn die Rache,
u. s,

endigt die Begierde
erreichen wollen,

w.;

wenn

das, was
sie,

sie

erreicht haben,

verschwinden

um

bei

Gelegenheit wiederzukehren.

Die Tugend aber dauert

fort-

während; denn sobald
an ihre
Stelle.

sie

unterbrochen wird, treten die Laster

So zeigt die fortwährende Dauer der Tugend,

dass die menschliche Seele, die sie einmal

angenommen

hat,

auch selbst fortdauern

muss.

Ebenso
die.

zeigen die

Früchte
kurz

der Laster, die irdischen Vergnügen,

wie

sie selbst,

und irdisch
wie

sind, dass die

Frucht und der Lohn der Tugend,
jenseitig
ist.

sie selbst,

immerwährend und

Wie

ferner
so

bei den Lastern mit ihrem

Ende
dass

sofort ihr
die

Lohn

eintritt,

auch bei der Tugend;

nur

letztere

während des
erst

Lebens immer vorhanden sein muss und daher
ihr

im Tode

Ende

findet,

ihren

Lohn

also

erst

im Jenseits erlangen

kann.

Endlich haben

die, die in

diesem Leben den Lastern

gefolgt sind

und deren Früchte geerntet haben, von jenem
verfallen sie

Leben nichts mehr zu erwarten, vielmehr
Tod,
so

ewigem

dass

ein

glückliches

irdisches

Leben

und ewiger

Tod, ein elendes Leben und fortwährende Seligkeit zusammenfallen.

Die ethischen Beweise bilden den

Mittelpunkt der
g.ar

Beweisführung
die

des Lactanz,
Seele,

obwohl dieselben
die

nicht

Fortdauer

der

sondern

Notwendigkeit
dem
der Gute

eines
seinen

vollkommenen Lebens
Lohn,
der
es

beweisen, in

Böse

die

verdiente Strafe findet.
an.

Aber

darauf
die

kommt

unserem Kirchenvater auch

Dass man

Tugend um

ihrer selbst willen thun könne, in

dem tugenddie

haften Leben selbst das höchste Glück finden könne, erscheint

ihm

unbegreiflich:

nicht nur
ist

die

Tugend, überhaupt

Menschheit, die ganze Welt

überflüssig, nichtig
sein (VII, 6,

und
3.).

eitel,

wenn wir nach dem Tode aufhören zu


All

75


in

die aus

dem

Verhältnis der Tiisceiid zn den Lastern

hervorgehenden Argumente schliessen sich noch zwei, die
ähnlicher

Weise aus dem Verhältnis des
was der Körper durch
gerechnet wird,

Körpers zur

Seele
wozu
macht

die Unsterblichkeit der letzteren erschliessen wollen.

Alles,

seine Thätigkeit bewirkt,

Alles
ist,

was von Menschenhänden gesei

muss zu Grunde gehen,

es

durch unrechte
nach

Thaten anderer Menschen oder
zerstörende
Zeit.

durch

die

und nach

Was aber
Wer
durch

der Geist
oder

geschaffen,
seine

bleibt ewig.

denselben

Tugend
in

Vorzügliches geleistet hat,

dessen

Werke
Seele

bleiben

immer

Erinnerung.
er

Da

also die
ist,

Werke
die

des Körpers vergehen,

da

selbst sterblich

muss

unvergänglich sein;

denn ihre Werke sind unvergänglich.
In derselben

Weise

erklärt sich die Fortdauer der Seele

aus den

Wünschen

des Geistes und Körpers.
wie
dies

Der

Körper wünscht

Zeitliches,

Speise,

Trank,

Kleidung,

Vergnügen und vermag auch
zu erreichen;
der

nur mit Hülfe der Seele

Geist wünscht

dagegen

vieles,

was nicht
ist,

zum

Dienst und Genuss des

Körpers gehört und ewig
das

wie den Ruf der Tugend,

Andenken des Namens;

ja

auch gegen den Körper Avünscht die Seele die Gottesver-

ehrung
tragen
ist es

,

die besteht

in

Enthaltung von Begierden

.

im ErDaher
trennt,

des Schmerzes glaublicher,

und Verachtung des Todes.

dass die Seele sich

vom Körper

als dass sie

zu Grunde geht, da der Körper ohne Geist nichts

vermag, der Geist aber Vieles und Grosses ohne den
per
(7. 8.).

Kör-

Nachdem Lactanz
gesetzt hat,

seine

eigenen

Gründe auseinander-

geht er dazu

über,

die

Unsterblichkeitsglau beiis,
widerlegen.

Hauptgegner des die Epicureer zu
Argumente

Er

bespricht daher

die einzelnen


für
die Sterblichkeit
stellt sind.*)

76

sie

der Seele, wie

von Lucrez aufse-

Da

die

Gegenbeweise des Lactanz wesentliche
desselben

Punkte
bereits

der

Psychologie

ausmachen, und

daher

während der

ganzen Darstellung

Berücksichtigung

gefunden haben, genügt es an dieser Stelle

die

Beweise

des Lucrez und ihre Widerlegung
1.

aufzuzählen.

„Da

die Seele

mit

dem Körper zusammen geboren
sterben."

wird,

müssen beide auch zusammen
erstens

Hiergegen weist
beider

Lactanz
hin.

auf die verschiedene Beschaifenheit

auf die Unsichtbarkeit

und LTnantastbarkeit der Seele
Körijer.

im Gegensatz zum sichtbaren
und Kraft,
zweitens
die ihren

auf ihre Schnelligkeit
u. a.;

himmlischen Ursprung beweisen,
den

bemerkt

er

Widerspruch

mit

einer

andern

Stelle des Lucrez, in der dieser die

Rückkehr der Seele zum

Äther, woher

sie

stammt, selbst anerkennt, drittens weist er

darauf hin. dass wenn Seele und Körper im Tode zu Grunde
gingen, keine Trennung derselben stattfinden würde, sondern
beide in einem Augenblick vergehen müssten (VII, 12, 1
2.

8.).

„Die Seele

ist

sterblich,

da der Verstand

(sensus)

bei Kindern wächst,

sich

verstärkt bei Jünglingen

und bei

Greisen wieder vermindert."

Dagegen weist Lactanz auf den
hin.

Unterschied von anima

und mens
sie in

(Vgl. §

4.).

Ferner
ist,

hat die Seele, so lange

den Körper eingeschlossen
Sie lernt
die

keine Kenntnis ihrer Göttlichkeit.
alles

und hört daher

und erlangt dadurch
ist

Weisheit,

im Greisenalter

grösser
lebt hat.

wenn man das Jünglingsalter tugendhaft durch-

Wenn

aber allzu grosses Greisenalter die Glieder

gebrechlich macht,
ihre Dienste

wenn das
so

Gesicht, die Sprache, das
dies

Gehör

versagen,

ist

kein

Fehler der Seele,

*)

Lucretius,
1.

de

rerum natura
1.

111.

Vgl.
Inst.

Sieb.

I,

2,

S. 176;

ZeUer

m,

420,

Anm.

bei Lact,

auch

DI, 17.


sondern des Körpers.
so wird der Geist

77


das Gedächtnis nachlässt,

Und wenn

(mens) bedrückt dnrch das Verfallen des

Körpers
3.

(12,

9—13.).
ist

„Die Seele

dem Schmerz und
sie

der Trauer imtererduldet auch die

worfen, sie rast in der Trunkenheit,

Krankheiten des Körpers mit, und weiss zuweilen nichts von
sich."

Daher

sind

Tugend und Weisheit notwendig, sowohl
als

um

Trauer tapfer zu überwinden,

auch

nm
zu

enthaltsam

zu sein von Vergnügen, damit die Seele
verfallt,
als

nicht

ewigem Tod
ertragen.

auch

um

körperlichen

Schmerz

Ohnmacht erduldet aber der
(anima) (12,14—19.).
4.

Geist (mens),

nicht die Seele

„So wenig, wie das ausgerissene Auge etwas
sie ein Teil des

sieht,

kann die Seele ohne Kiu-per leben, da
ist."

Körpers
wie

Die Seele
Inhalt
eines
21.).

ist

kein Teil

des Körpers,

so wenig,

der
ist

Gefässes

oder Hauses

ein Teil

desselben

(12,20.
5.

„Die Seele

ist sterblich,

da

sie

allmählich den Körper
auf einmal aus
Seele
ist

verlässt,

wäre

sie

unsterblich,

so müsste sie

ihm herausgehen.^'
Blut
(§ 2.).

Der Nahrungsstoff der
dies

das

Wenn

nach und nach eintrocknet, müssen

auch die Glieder nach und nach erkalten und zwar die äussern
zuerst.

Auch nimmt mehr davon
ist

die Seele

beim Verlassen des Körpers

die

Empfindung mit

sich, so dass der

Körper nach dem Tode
die Seele selbst Gefühl

nichts

besitzt,

während

und Leben
6.

(12,

22—25.).

„Die Klagen der Sterbenden beweisen die Sterblich-

keit der Seele."

Im Augenblick

des Todes

vermag Niemand
er sich auf-

zu denken
löst

oder zu reden

und mitzuteilen, ob
befreit wird.

oder seine Seele
dies

vom Körper
die

So lange

man
ist

noch kann,

ist

Auflösung noch nicht eingetreten,

dies aber der Fall,

so

vermag man nicht mehr darüber


zu klagen.

78

Was

aber die Zeit vor

dem Tod

betrifft, so

be-

weisen grade die Aussagen der meisten Sterbenden, dass eine

Trennung und keine Auflösung

stattfindet (12,

26 —29.).

Zum

Schluss seien noch kurz die

hauptsächlichsten

Resultate,

soweit

sie

für

die

Psychologie der Patristik

überhaupt von Wichtigkeit

sind,

zusammengefasst.

Der

bereits in der Einleitung

hervorgehobene

Gegen-

satz zwischen christlichem und antikem
tritt

bei Lactanz deutlich hervor.

Die neue
die

Denken Überzeugung
Lehre

vom Werte der
Philosophie
vollendet
ist,

Einzelseele,
angebahnt,

von der griechischen
christlichen

bereits
steht

in

der

im Vordergrund und bildet den

Massdiese

stab für die

Behau dlungs weise der über li e ferten
So
lange
nicht widersprechen,
sind sie ohne Be-

psychologischen Bestimmungen.
dem Grundgedanken
wenigstens nicht
zu diesem
,

denken aus der antiken Philosophie herübergenommen oder
grade verworfen: treten
sie

sie

in

Gegensatz
sich

so

werden

bekämpft.

Hieraus

erklärt

Abhängigkeit des Lactanz von den Stoikern, ebenso wie der Gegen satz zu
auf der
einen Seite die grosse

ihnen

in

jeder der Grundauffassung zuwiderlaufenden Ansicht.

Zu
für das
der Seele

denjenigen

Problemen,
gehören

die
die

ohne Bedeutung
nach dem Sitz

Leben

sind,

Fragen

und der Affekte, sowie nach der Entstehung der
überhaupt

Sinnesthätigkeit;

haben
an

alle

erkenntnisBe-

th e ore

ti s

ch

e

n

Pro b

1

e

me

sich

untergeordnete

deutung, ihre Beantwortung
gültier sein.

kann für den Menschen gleich-


Dagegen
tritt

79


Bei

der
in

Wertunterschied zwischen
den Vordergrund.

Seele und Körper
des

dem Fehlen
hervor-

Dogma

von der Erbsünde, wird die Gottebenbildlichkeit
ihr-

der Seele

betont,

Gegensatz zum Körper

stets

gehoben,
werfen,
führen

ohne dabei den stoischen Materialismus zu ver-

was
lässt.

sich

ohne Widerspruch

freilich

nicht

durch-

Auch

der von Lactanz verteidigte

Creatianis-

mus

hat seinen Grund in der Erhabenheit der Seele, die einen

jedesmaligen Schöpferakt von Seiten Gottes verlangt; ebenso
die
stets vorausgesetzte

Willensfreiheit,

deren Bereich auch

über den Glauben und die religiöse Überzeugung ausgedehnt
wird;

vor

allem hat die
der

Affektenlehre,

durch

die

Lactanz

mit

dem Beweis
in in

Berechtigung
zu

und Notwendigkeit der
den
Stoikern
tritt,

Affekte

direkten Gegensatz

ihren

Grund
Seele,

dem

einzigartigen,

Gott

verwandten Wesen
Schlechtes
für

der

welcher nichts

von vornherein
der

anhaften
die

kann.
Einheit

Endlich liegt auch
des

Grund
des

das Streben,

Seelenwesens

trotz

Gegensatzes

zwischen

anima und mens

festzuhalten, ebenfalls in
Seele.

der Betonung der

Verschiedenheit von Leib und

Der

christliche
Schicksal
in

Mythus
der
Seele

über
findet
ül>er

das

vergangene
Platz,

und zukünftige

daneben

wenn auch nur
sterblichkeit.

der Spekulation

die

Art der Un-

Denn da Lactanz
auch
weg.
der

die

Präexistenz der Seele

verwirft,

so fallen

Bestimmungen

über
ist

eine frühere
die

Versündigung

dersell)en

Dagegen
Seele,

zweifache

Art der ewigen Fortdauer

hervorgegangen aus

dem

ethischen Dualismus, wesentlich christlich dogmatischen

Ursprungs,
stimmend.

wenn

auch

mit

stoischen

Ansichten

überein-

-

kurz zusamni en gefasst Es sind demnach, die psychologischen Anschauungen des Lac-


tanz

80

durchweg von

der griechischen, besonders

abhängige Bestimmungen, die aber beeinflusst und umgestaltet sind
der stoischen Philosophie

durch die neue Überzeugung von der Stellung der Einzelseele imWeltganzen und ihremhohen
ethischen Wert, gegenüber der früheren Auf-

fassung derselben

als eines

Produktes der Welt.

Am

Schlüsse bleibt mir noch

die

angenehme
in Jena,

Pflicht

zu erfüllen, Herrn Hofrat Prof. Dr.
bei Abfassuno-

Eucken

der mich

und Druck meiner Arbeit
meinen ergebensten

in lieben.swürdiorster

Weise
densten

unterstützte,

und

tief

erapfun-

Dank

auszusprechen.

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L26M37

Marbach, Friedrich Die Psychologie des Firmianus Lactantius