Technischer Bericht Herz-Lungen-Maschine Sarns Modular Perfusion Sytem 8000

Dozent: Roman Feld Kardiotechniker Kantonsspital Luzern

verfasst von: Martin Küng Bruno Willimann Luzern, 6. April 2007

Inhalt
Inhalt ................................................................................................................................. 1 Zusammenfassung ............................................................................................................ 2 Einleitung .......................................................................................................................... 3 1. Anwendung ................................................................................................................... 4 1.1 Einsatzbereich ......................................................................................................... 4 1.2 Zweck des Einsatzes ............................................................................................... 5 1.3 Evidenz des Erfolges ............................................................................................... 5 1.4 Fehlerquellen........................................................................................................... 5 1.5 Gefahren für Patienten und Anwender..................................................................... 5 2. Technik.......................................................................................................................... 6 2.1 Die einzelnen Funktionsprinzipien ........................................................................... 6 2.3 Nötige Zusatzeinrichtungen ..................................................................................... 9 2.4 Zubehör und Verbrauchsmaterial............................................................................. 9 3. Betrieb und Unterhalt....................................................................................................10 3.1 Gerätepflege und Reinigungsfreundlichkeit.............................................................10 3.2 Wartung ..................................................................................................................10 3.3 Sicherheitstechnische Überprüfung ........................................................................10 3.4 Elektrische Überprüfung evtl. spezielle Regulative Normen ....................................10 4. Wirtschaftlichkeit...........................................................................................................11 4.1 Häufigkeit des Einsatzes.........................................................................................11 4.2 Anschaffungskosten Leasing oder Kauf..................................................................11 4.3 Betriebskosten........................................................................................................11 4.4 Lebensdauer...........................................................................................................11 5. Die Technologie im Gesamtzusammenhang ................................................................12 5.1 Funktionsprinzipien im Vergleich ............................................................................12 5.2 Link Dialyse Gerät ..................................................................................................12 5.3 Entwicklungstendenz ..............................................................................................12 5.4 Abgrenzung / Persönlicher Eindruck .......................................................................13 6. Verzeichnisse ...............................................................................................................14 6.1 Abbildungsverzeichnisse ........................................................................................14 6.2 Literatur und Internetverzeichnis.............................................................................15 6.3 Glossar ...................................................................................................................16

1

Zusammenfassung
Die Herz-Lungen-Maschine oder auch HLM genannt, bestehend aus einer Pumpe und einer künstlichen Lunge, kommt zum Einsatz bei Operationen am offenen Herzen. Wenn die HLM eingesetzt wird, übernimmt sie die wichtigsten Funktionen des menschlichen Körpers: Das Aufrechterhalten des Kreislauf und die Versorgung der einzelnen Organe mit Sauerstoff. Man kann in diesem Fall wirklich davon sprechen, der Mensch hängt an der Maschine. Der Kardiotechniker muss während des ganzen Einsatzes die technischen Funktionen der Maschine und parallel dazu noch die Werte des Patienten überwachen. Sein Wissen beschränkt sich daher nicht nur auf den rein technischen Bereich. Die HLM wird in die zum Herzen führende Vene und in die vom Herzen wegführende Aorta als Überbrückung des Herzens dazwischen geschaltet. Dank der enormen Zuverlässigkeit der HLM, kann sich der Kardiotechniker grösstenteils darauf konzentrieren den Kreislauf durch das Verabreichen von Medikamenten optimal zu stabilisieren. Die Pumpen der HLM halten den Blutkreislauf aufrecht. Dabei muss das Blut ganz sanft weitertransportiert werden um es nicht zu stark zu traumatisieren. Im Oxigenator findet dann der Gasaustausch statt. Dabei diffundiert das CO2 durch die Fasermembrane aus dem Blut und wird durch O2 ersetzt. Durch das Senken der Körpertemperatur auf 32° kann der Stoffwechsel während der OpeC ration verlangsamt werden. Als Folge davon brauchen die Organe weniger Sauerstoff. Der Bediener, bei uns nur der Kardiotechniker, darf nur Reinigungsarbeiten auf der Oberfläche der HLM ausführen und die Filtermatten bei zu starker Verschmutzung auswechseln. Die jährlichen Wartungsarbeiten werden durch die Herstellerfirma extern ausgeführt. Dabei werden auch die Sicherheitskontrollen durchgeführt. Der Aufbau der HLM und deren Funktionsweise hat sich in den letzten Jahren nicht gross verändert. Darum kann man dieses Gerät auch über mehrere Jahrzehnte bei regelmässiger Wartung ohne Probleme einsetzen. [Martin Küng]

2

Einleitung
Am Freitag, 23. März 07, wurde uns im Auditorium des Kantonsspital Luzern vom Leiter der Kardiotechnik, Herr Roman Feld, ein kleiner Überblick über die Herz Lungen Maschine (wird im weiteren Verlauf auch HLM genannt) gegeben. Dieser Bericht erklärt die technischen Funktionen der HLM. Um den Bericht trotzdem kurz und übersichtlich zu halten, haben wir darauf verzichtet, die medizinischen Abläufe in den einzelnen Organen zu erklären. Infos darüber können dem Heft „Klinik und Technik“ von Prof. Dr. med. A. Colombi entnommen werden. Auch auf die Medizinprodukteverordnung, MepV, und deren Auswirkungen werden nicht näher angeschnitten. Wenn die HLM zum Einsatz kommt, übernimmt sie die wichtigsten Funktionen des menschlichen Körpers. Durch die Komplexität der HLM und deren zusätzlichen Apparaturen, ist der Kardiotechniker verantwortlich für die Vorbereitung, Bedienung während der Operation und wieder Bereitstellung der Apparatur danach. Als Medizintechniker kommen wir höchstens indirekt durch administrativen Aufwand in Kontakt mit der HLM. Im finanziellen Überblick werden die Anschaffungs-, Unterhalts- und Betriebskosten aufgeführt. Ein kleiner Ausblick in die nahe Zukunft zeigt, dass es trotz neuer Möglichkeiten noch lange nicht ohne HLM gehen wird. [Martin Küng]

Informationen für das Lesen der Arbeit: Die im Text vorhandenen rechteckigen Klammern [ ] beziehen sich auf die Quellenangaben des verfassten Textes und verweisen auf das Literaturverzeichnis am Ende der Arbeit. Dazugehörig ist die Seitenzahl mit Absatz- oder Spaltenangabe vermerkt. Eigenständig verfasste Teste enthalten den Namen des Verfassers. Abbildungen [Abb.] beziehen sich auf das Abbildungsverzeichnis am Ende dieser Arbeit. Erklärungsbedürftige, mit einem Stern [*] versehene Ausdrücke sind im Glossar, ebenfalls am Ende der Arbeit zu finden.

3

1. Anwendung
1.1 Einsatzbereich
Die Herz-Lungen-Maschine ist ein vor allem in der offenen Herzchirurgie gebräuchliches Gerät, das vorübergehend die Herzkreislauf und Lungenfunktion zu übernehmen vermag. Man sagt dem auch die extrakorporale Zirkulation (EKZ). Pumpen sorgen als künstliches Herz für einen konstanten, gleichgerichteten Transport des heparinisierten[*] Blutes im Kreislaufsystem, ein Oxygenator übernimmt als künstliche Lunge die Sauerstoffbeladung des Blutes. Angeschlossen sind eine Blutentschäumungsvorrichtung und ein Wärmeaustauscher. Die Blutkühlung im Wärmeaustauscher wird genutzt um den Stoffwechsel zu senken. Durch eine kontrollierte Hypothermie, Ganzkörperkühlung, kann bis zu 45 Minuten ohne die Funktion der HLM an den Gefässen gearbeitet werden. Danach wird nach dem gleichen Prinzip das Blut wieder erwärmt. Der Kreislaufanschluss des Systems (Abb. 1) erfolgt durch die venöse Kanülierung[*] entweder beider Venae cava oder des rechten Vorhofes, sowie für die Rückleitung des sauerstoffbeladenen Blutes durch Kanülierung in die Arteria femoralis iliaca oder Aorta ascendens. Nach Anlauf der mit Blutersatzmittel gefüllten Maschine erfolgen die Blutumleitungen über die eingelegten Drainage(Bändeschläuche durch den Beginn der Hohlvenendrosselung lung) und das Abklemmen der Aorta. Durch den Einlauf der kardioplegischer Lösung tritt ein Herzstillstand ein. [Roche LexiAbb. 1 Schema der extrakorporalen Zirkulation Blutentschäumungsvorrichtung ist im Oxygenator enthalten kon Medizin 2003, S. 817 Absatz 12]

4

1.2 Zweck des Einsatzes
Heutzutage werden während des Einsatzes der HLM vor allem Koronaroperationen, Herzklappenfehler, angeborenen Herzfehler und andere herz-, thorax- und gefässchirurgische Eingriffe durchgeführt. Weltweit wurden 1999 ca 1 Million Herzoperationen mit der HLM durchgeführt. Bei stark unterkühlten Patienten kann mit Hilfe der HLM die Körpertemperatur von innen wieder normalisiert werden. [Kramme 2007, S. 465, Kapitel 26.2]

1.3 Evidenz des Erfolges
Durch die zuverlässige Funktion der HLM ist der Ausgang der Operation stark von der körperlichen Verfassung des Patienten abhängig. Wenn Probleme am Herzen in jungen Jahren erkannt werden ist eine Operation Erfolgs versprechend. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, dass der Körper den Strapazen einer solchen Operation nicht mehr gewachsen ist. [Martin Küng]

1.4 Fehlerquellen
Als grösste Fehlerquelle kann das Vertauschen der Schläuche in die Rollenpumpen gesehen werden. Das Blut würde dann in entgegengesetzter Richtung fliessen, nicht mit Sauerstoff angereichert werden wodurch der Patient innert Minuten sterben würde. Zuletzt wurde ein solcher Fall im März 2002 aus dem Inselspital öffentlich kommuniziert. [www.baz.ch/druckversion]

1.5 Gefahren für Patienten und Anwender
Durch den invasiven Einsatz der HLM besteht ein sehr grosses Infektionsrisiko für den Patienten. Die Übertragung von Krankheiten wie HIV und Hepatitis ist durch den einmaligen Gebrauch des Zubehörs sehr unwahrscheinlich. Für den Kardiologen, der das Gerät bedient, ist das Risiko einer Ansteckung durch das Einhalten der Hygienevorschriften und das Tragen von Handschuhen, Mund- und Haarschutz kalkulierbar klein, denn er steht normalerweise nicht in direktem Kontakt mit dem Patienten. [Martin Küng]

5

2. Technik
2.1 Die einzelnen Funktionsprinzipien
Rollenpumpen werden heute vorzugsweise verwendet um die Blutzirkulation aufrecht zu erhalten. Hierbei wird ein in einem halbkreisförmigen Käfig liegender Kunststoffschlauch von zwei gegenüberliegenden Andruckrollen des mittig rotierenden Pumpenkopfes ausgedrückt. Die alternative Verwendung von Zentrifugalpumpen ist technisch schwieriger und aufwändiger. Finger- oder Axialpumpen zeigen eine deutlich höhere Hämolyse [*] als Rollenpumpen. Die technischen Ansprüche ergeben sich aus den oben beschriebenen Regulationsmöglichkeiten und den Sicherheitsanforderungen. Die Pumpen sind sowohl für den kontinuierlichen als auch den pulsatilen Betrieb ausgelegt. Die regelbaren Förderraten liegen zwischen 0,01 l/min bis 10 l/min. (Das Herz eines Erwachsenen kann von ca. 5 l/min in Ruhe bis ca. 25 l/min unter stärkster Belastung fördern.) Eine hohe Präzision des Pumpenkopfes sorgt für möglichst geringe Blutschädigung (bei Rollenpumpen ist die Hämolyserate abhängig vom Anpressdruck der Pumpe). Eine elektronische Steuerung verhindert die unkontrollierte Drehzahländerung des Pumpenkopfes zuverlässig. [www.wikipedia.org]

Abb. 2 Rollenpumpe an der Herz-Lungen-Maschine

Oxygenatoren dienen der Sauerstoffsättigung des Blutes und können in zwei Klassen unterteilt werden.

Membranoxygenator (Abb. 3) - Gas und Blut getrennt durch Fasermembran Blasenoxygenator - Gas in direktem Kontakt zum Blut

Der Blasenoxygenator kommt heute kaum mehr zur Anwendung, weil das Blut durch das direkte einspritzen des Sauerstoffes stark zu schäumen

Abb. 3: Membranoxygenator 6

beginnt. Unsere HLM verwendet einen Membranoxygenator zur Nachahmung der menschlichen Lunge. Im Gegenstromprinzip (Abb. 4) findet der Gasaustausch durch die Fasermembrane statt. Leider gelingt ihm dies nicht gleich gut, denn die Blutschicht ist erheblich dicker und es stehen eine nur ca. 2 bis 10 m2 große Diffusionsfläche [*] zur Verfügung. (Die menschliche Lunge hat ca. 200m2).) Abb. 4: Gasaustausch an der Oxigenatormembran [www.wikipedia.org]

Das Kardiotomiereservoir dient als Blutvolumendepot und ist oft im Oxygenator integriert. Im einfachsten Fall besteht es aus einem Kunststoffbeutel, oft aber aus einem hartwandigen, geschlossenen Kunststofftopf, mit einem Fassungsvolumen von über zwei Litern. Dadurch ist es möglich, dem Patientenkreislauf nicht benötigtes Volumen zu entziehen und zu einem späteren Zeitpunkt wieder zurückzugeben. Neben dem Sammeln von Blut bestehen die Aufgaben des Kardiotomiereservoirs auch aus dem Filtern und Entschäumen von Blut aus dem OP-Gebiet. Da durch das Absaugen von Blut aus dem OP-Gebiet immer auch ein Blut-LuftGemisch angesaugt werden kann, ist neben einem Filter für Gewebebestandteile immer auch ein Entschäumer nötig. [www.wikipedia.org]

2.2 Technische Komponenten (Abb. 5)
Die vier Rollenpumpen Module sind absolut identisch von der Funktionsweise. Im Falle einer defekten Einheit kann die Pumpe innert kürzester Zeit durch ein anderes Modul ersetzt werden. Der Occluder (Schlauchquetscher) mit Kontrolleinheit reguliert den Blutfluss in der venösen Zuleitung.

7

Diverse Monitoring Instrumente messen das Blutniveau im Oxygenator alarmieren bei Luft im Schlauch der arteriellen Zuleitung messen die Temperatur des zurückfliessenden Blutes messen die Körpertemperatur des Patienten

Der Luftsensor überwacht das zurückfliessende Blut. Das dazugehörige Kontrollmodul schlägt Alarm und stoppt die Pumpen, wenn Luft im Kreislauf festgestellt wird. Mit der USV (Unterbruchsloser Stromversorgung) können die wichtigsten Komponenten während ca. einer Stunde mit Strom der Akkus des Battery Supply Moduls versorgt werden. [Bruno Willimann]

Abb. 5: Systemübersicht

8

2.3 Nötige Zusatzeinrichtungen
Das Hypothermie-Gerät, eine Art Wärmetauscher, regelt die Körpertemperatur des Patienten. Dabei wird das Blut indirekt über Warm- oder Kaltwasser erwärmt oder gekühlt. Um die Effizienz zu erhöhen, fließt das Blut immer in Gegen- oder Querstrom zur Flussrichtung des Wassers. Mit dem Blutgasanalyzer (GEM3000 Point of care Instrument) wird unter anderem der Hematokryt und -pH-Wert sowie die Sauerstoffsättigung bestimmt, im Bedarfsfall NatriumBicarbonat [*] oder Lasix [*] nachgespritzt. Das Gerinnungsmessgerät (Typ: ACT[*]) kommt ca. alle 15 bis 20 min zum Einsatz. Da der Patient das Heparin verbraucht, muss der Kardiotechniker bei abweichenden Werten je nach Bedarf Heparin [*] nachspritzen. [Bruno Willimann]

2.4 Zubehör und Verbrauchsmaterial
je nach Operation ein speziell zusammengestelltes Schlauchset mit Filter Oxygenator für die Sauerstoffanreicherung gekühlte kardioplegische Lösung (enthält in der Regel einen hohen Anteil an Kalium und Magnesium) Die Lösung führt zum Herzstillstand. diverse Medikamente in flüssiger Form, um die Blutwerte zu regulieren [Bruno Willimann]

9

3. Betrieb und Unterhalt
3.1 Gerätepflege und Reinigungsfreundlichkeit
Der Luft- und Niveausensor muss nach jedem Gebrauch gereinigt werden. Die Sensoren kann man nicht sterilisieren. Die Oberfläche soll mit milder Seife oder Wasserlösung gereinigt werden. Die Verwendung von scharfen Putzmitteln, Alkohol, Äther, Aceton etc. sollte wenn möglich vermieden werden. Die Rollenpumpen sollen auf regelmässiges Drehen überprüft werden. [Sarns Operation Manual, S. 8.1]

3.2 Wartung
Monatlich Wartung, welche vom Kardiotechniker ausgeführt werden kann: - Die Pumpen-Module sollen aus der Basis entfernt und der Unterboden gereinigt werden. - Die Luftfilter an den Geräten sollen kontrolliert und bei Schmutz ersetzt werden. - Der Occlusion-Knopf soll etwas gefettet werden Dreimonatliche Wartung, welche ebenfalls vom Kardiotechniker ausgeführt werden kann: - Check der Drucküberwachung und Alarme - Check der Drehgeschwindigkeit und Alarme der Rollenpumpen - Entladetest der USV (Batterien im Unterboden) Halbjährliche Wartung, wird durch die Herstellerfirma im Kantonsspital Luzern durchgeführt: Die Arbeiten werden gemäss Wartungsprotokoll des aus Deutschland kommenden Service-Technikers erledigt. [Sarns Operation Manual, S. 8.1-8.2]

3.3 Sicherheitstechnische Überprüfung
Die Herz-Lungen-Maschinen sind Geräte der Klasse 2b der MepV. Zur Überprüfung der Alarm-/Sicherheitsfunktionen führt das Gerät beim Einschalten eine Selbsttestroutine, den so genannten T1-Test durch. Während des Betriebes werden alle sicherheitsrelevanten Funktionen zyklisch geprüft (T0-Test). Das Gerät darf bei einem Bauteilversagen durch Kurzschluss oder Unterbrechung nicht in einen unkontrollierten Betriebszustand kommen. Das System muss auf jeden Fall den Fehler erkennen, mit der Alarmfunktion melden und das Gerät in einen Stoppzustand versetzen. Der Kardiotechniker entscheidet dann mit welcher Massnahme weitergearbeitet werden kann. [Kramme 2007 S. 479, Kapitel 26.7]

3.4 Elektrische Überprüfung evtl. spezielle Regulative Normen
Das Gerät wird halbjährlich einer sicherheitstechnischen Prüfung mit Protokollierung bei der Wartung unterzogen. [Bruno Willimann]

10

4. Wirtschaftlichkeit
4.1 Häufigkeit des Einsatzes
Der Einsatz der HLM findet im KSL im Schnitt ca. 1 Mal pro Tag statt

4.2 Anschaffungskosten Leasing oder Kauf
Die Anschaffungskosten einer HLM betragen ca. CHF 150'000 je nach Ausführung und Zubehör. [Roman Feld]

4.3 Betriebskosten
Die jährlichen Betriebskosten unserer HLM werden mit einem Vertrag abgedeckt, welcher eine zweimalige Wartung pro Jahr vorsieht. Störungsbehebung nicht inbegriffen. Die Kosten dieses Vertrages belaufen sich auf ca. CHF 5000.-/Jahr [Stand 1997].

4.4 Lebensdauer
Die Lebensdauer einer HLM beträgt ca. 12–15 Jahre, je nach Häufigkeit der Einsätze pro Tag. Die gute Qualität der Sarns 8000 würde auch einen Betrieb über 15 Jahre ohne Probleme zulassen. Es besteht auch kein Grund, die Maschine vorzeitig zu ersetzen, da der Stand der Technik in dieser Sparte nicht gross geändert hat oder andere Bedürfnisse entstanden wären. [Bruno Willimann]

11

5. Die Technologie im Gesamtzusammenhang
5.1 Funktionsprinzipien im Vergleich
• Die Rollenpumpen arbeiten nach dem Verdrängungsprinzip. Im Vergleich dazu wird beim Melken einer Kuh dasselbe Prinzip angewandt. Rollenpumpen haben den Nachteil, dass sie das Blut etwas traumatisieren. Dabei können die Blutzellen gequetscht werden. => Alternative: Zentrifugalpumpe (mit Flügelrad), wie wir sie als „normale“ Pumpe kennen z.B. Wasserpumpen. Nachteil: das System ist nicht mehr geschlossen, es gibt eine Verbindung zwischen dem drehenden und festen Teil, welche gedichtet werden muss, dort kann Schmutz eindringen oder das System kann undicht werden. [Bruno Willimann] • Der Membranoxygenerator nutzt eine semipermeable Membrane für den Gasaustausch. Bei der Bauchfelldialyse wird derselbe Effekt genutzt um das Blut von nicht benötigten Substanzen zu reinigen. [Martin Küng]

5.2 Link Dialyse Gerät
Ein Dialyse Gerät ist vom Aufbau her mit Rollenpumpen, Wärmetauschern und Filtern sehr ähnlich der HLM. Das Ziel ist aber das Blut zu reinigen und dadurch die Niere zu unterstützen oder zu ersetzen. Der Eingriff am Patienten ist um ein vielfaches kleiner als bei der HLM. Dadurch sinkt das Risiko beim Einsatz. [Martin Küng]

5.3 Entwicklungstendenz
Die Herzchirurgie hat sich in den letzten Jahren durch die zunehmende Anwendung minimalinvasiver[*] und videoasistierter endoskopischer und neuerdings roboterasssistierten Technik weiterentwickelt. Diese Entwicklung hat das Ziel, einerseits das chirurgische Trauma durch Verkleinerung des operativen Zugangs zu reduzieren und andererseits auf den Einsatz der HLM zu verzichten. Der Einsatz der HLM in der jetzigen Form wird in den nächsten 10 Jahren zurückgehen während gleichzeitig neue HLM Typen auf den Markt kommen, die die Bedürfnisse der minimalinvasiven Eingriffe besser unterstützen. Parallel zur Gerätetechnik gehen die Entwicklungen in Richtung biokompatibler Oberflächen. Bei den verwendeten Einmalartikeln wie Oxygenator, Schläuchen, Blutfilter und Kardiotomiereservoire versucht man Heparin oder Phospholipid[*] direkt auf der Oberfläche anzubringen um dadurch die Gerinnung des Blutes verhindern zu können. [Kramme 2007, S. 481, Kapitel 26.8]

12

5.4 Abgrenzung / Persönlicher Eindruck
Weltweit haben vier Firmen die Zulassung zum Bau von Herz-Lungen-Maschinen. Hersteller Maquet Sorin Group Name der Herz-Lungen-Maschine HL 20 HL 30 Stöckert S5 Stöckert S3 Stöckert SC Terumo Terumo Advanced Perfusion System 1 Sarns Modular Perfusion System 8000 Sarns Modular Perfusion System 9000 Medtronic Medtronic Performer

Die Kardiologie ist zwar ein sehr wichtiger medizinischer Bereich, aber durch das beschränkte Marktwachstum werden sich nicht mehr Firmen auf diesem Gebiet etablieren können. [www.herz-lungen-maschine.de] Wir haben uns auf die Funktionen[*] der HLM beschränkt um den Rahmen dieses technischen Berichtes nicht zu sprengen. Während einer Operation überwacht der Kardiologe zum einen die Funktionen der HLM aber auch den Zustand des Patienten. Er überprüft laufend den Sauerstoffgehalt im Blut, die ACT [*] Werte, Blutdruck, Durchflussmenge etc. Die dafür notwendigen zusätzlichen Instrumente konnten wir aus oben erwähnten Gründen nicht oder nur am Rande in diesem Bericht erwähnen. [Martin Küng]

13

6. Verzeichnisse
6.1 Abbildungsverzeichnisse
Abb. 1: Schema der extrakorporalen Zirkulation Roche: Roche Lexikon Medizin (Hrsg): Hoffmann-La Roche AG und Urban & Fischer September 2003 Fünfte, neu bearbeitete und erweiterte Auflage, Abb. 2: Rollenpumpe an der Herz-Lungen-Maschine http://www.herz-lungen-maschine.de/hlm.php Abb 3: Oxygenator http://www.diginfo.tv/archives/terumo_1.JPG Abb. 4: Gasaustausch an der Oxigenatormembran http://www.herz-lungen-maschine.de/oxigenator.php Abb. 5: Systemübersicht 3M Sarns Modular Perfusion System 8000, Operators Manual, Recorder No. 78-8067-8522-2 Abb. 6: Durchblutungs-Schema http://www.cardion.cz/Data/img/firmy/Terumo.b.jpg

14

6.2 Literatur und Internetverzeichnis
Rüdiger Kramme: Medizintechnik, Heidelberg: Springer Medizin Verlag, 2007, 3., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage Roche Lexikon: Medizin, München: Hoffman-La Roche AG und Urban Fischer, 2003, fünfte, neu bearbeitete und erweiterte Auflage 3M Sarns Modular Perfusion System 8000, Operators Manual, Recorder No. 78-8067-8522-2 http://www.herz-lungen-maschine.de/hlm.php http://de.wikipedia.org/wiki/Phospholipide http://de.wikipedia.org/wiki/Herz-Lungen-Maschine http://www.baz.ch/druckversion.cfm?objectID=49B3AEEA-4666-4CE4-B21EF71EB2B0E5AF http://www.diginfo.tv/archives/terumo_1.JPG http://www.cardion.cz/article.asp?nArticleID=375&nDepartmentID=254&nLanguageID=1

15

6.3 Glossar
Heparinisierung S. 4 Heparin wird dem Blut beigemischt mit dem Ziel der Antikoagulation Kanülierung S. 4 Hämolyse S. 6 Gerinnungshemmung

Einführen einer Hohlnadel, Rohr oder Kanüle in ein Gefäss Als Hämolyse bezeichnet man das Freiwerden von Hämoglobin, welches fast immer die Zerstörung der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) beinhaltet.

Diffusionsfläche S. 7

Diffusion bezeichnet den Nettostofftransport von Teilchen durch den Übergang von einer Nichtgleichgewichtsverteilung zu einer Gleichgewichtsverteilung.

NatriumBicarbonat S. 9

Wird als Infusion zur Behandlung der metabolischen Azidose verwendet.

Lasix S. 9

Wird für die Nierentätigkeit eingesetzt (Urinauscheidung: Regel während der Operation 1ml/kg-Körpergewicht/h).

Heparin S. 9

Heparin wird als Substanz gegen die Blutverdickung eingesetzt.

ACT S. 9, 13

Activated clotting time, eine Meßgröße zur Bestimmung der Blutgerinnung in der Medizin

Minimalinvasiv S. 12

Minimalinvasiv bedeutet bei einer Operation möglichst kleine Verletzungen von Haut und Weichteilen rurgie Schlüsselloch Chi-

Phospholipid S. 12

Phospholipid sind phosphorhaltige Lipide, die sowohl in polaren als auch unpolaren Lösungsmittel gut löslich sind.

16

Funktionsschema-Schema S. 13

Buchrain,Durchblutungs-Schema Abb. 6: 06.04.2007

Buchrain, 03. Mai 2007 Küng Martin Libellenstr. 12 6004 Luzern Willimann Bruno Fluhmattstr. 2 6033 Buchrain

17