PHILOSOPHISCHE BIBLIOTHEK

PLATON

EUTHYPHRON

GRIECHISCH – DEUTSCH

FELIX MEINER VERLAG

PLATON

EUTHYPHRON

Griechisch-deutsch

VERLAG VON FELIX MEINER
HAMBURG

PHILOSOPHISCHE BIBLIOTHEK BAND 269
Übersetzt, mit Einleitung und Anmerkungen
versehen von
KLAUS REICH
Der griechische Text wurde der Burnet’schen Ausgabe
mit freundlicher Genehmigung der
Clarendon Press, Oxford, entnommen

© Felix Meiner, Hamburg 1968
Alle Rechte vorbehalten
Herstellung: C. H. Beck’sche Buchdruckerei, Nördlingen
Schrift: Garamond Griechisch und Borgis Breite Antiqua
Printed in Germany

INHALT

Vorwort. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . VII
Einleitung des Herausgebers. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . IX
ΕΥΘΥΦΡΩΝ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2
Euthyphron . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3
Anmerkungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52

VORWORT

Die vorliegende zweisprachige Ausgabe von Platons
„Euthyphron“ ist als Unterlage für philosophische Übungen gedacht. Sie begnügt sich mit dem einfachen Burnetschen Text der Werke Platons in der Bibliotheca Oxoniensis ohne den kritischen Apparat. (Die neben dem Text gesetzten Ziffern bedeuten die Seitenzahlen der Ausgabe des
Henricus Stephanus, Paris 1578, nach der Platon zitiert
zu werden pflegt, die am äußeren Rand der Übersetzung
stehenden Zahlen die in manchen Ausgaben vorgenommene Einteilung in Kapitel.) Die Übersetzung macht keinerlei stilistische Ansprüche. Sie sucht lediglich einen klaren, lesbaren Text zu geben und bestrebt sich daher auch
nicht, alle Nuancen des Originals möglichst getreu wiederzugeben. Sie ist zuerst (1948 im Scherpe-Verlag Krefeld)
ohne beigefügtes griechisches Original erschienen; benutzt
war damals der Stallbaumsche Text. In der gegenwärtigen
Ausgabe ist sie, wo es nötig schien, dem Burnetschen Text
adaptiert worden. Die Anmerkungen – auf die am Rande
durch × verwiesen wird – beschränken sich auf wenige
Sacherläuterungen und einige Hinweise auf platonische
Parallelstellen, die für die Auseinandersetzungen der Einleitung von Bedeutung sind. Die Einleitung selbst versucht, die Stellung des „Euthyphron“ in der Entwicklung
von Platons Philosophie zur Ideenlehre hin zu bestimmen –
ich verbessere damit meine Darlegungen im Nachwort der
ursprünglichen Ausgabe der Übersetzung – und ein ungefähres Bild vom historischen Anlaß und der literarischen
Absicht des Dialogs zu geben.
Marburg / Lahn, im März 1968

Klaus Reich

EINLEITUNG DES HERAUSGEBERS

Ein antikes Scholion bemerkt zu Platons „Euthyphron“
Seite 6 a, b der Stephanus-Ausgabe: „Bemerke wohl, wie
Platon nicht duldet, daß auf die Gottheit die Göttermythen der Dichter angewendet werden, die von Zwistigkeiten, Kriegen, Geschlechtsverkehr und derartigem reden.
Denn das ganze Absehen des folgenden Gesprächs läuft
darauf hinaus.“ 1) Der spätantike Gelehrte, der hier spricht,
denkt sich also als philosophischen Gehalt des Dialogs die
Durchführung der These der Ungültigkeit der Aussagen,
die etwa Homer und Hesiod über ihre Götter machen, von
„Gott“ (der Gottheit von Denkern nach Homer und Hesiod). Diese These als solche ist aber sehr alt. Schon Xenophanes, der Dichter und Philosoph des 6. Jahrhunderts,
spricht sie aus. Im 4. Jahrhundert wäre es schwerlich aktuell gewesen, wenn Platon sie in Athen hätte durchsetzen
wollen. Kann also das Scholion Recht haben? In jedem
Falle ist es insofern interessant, als es den Schnitt zwischen der Einleitung und dem Hauptteil des Dialogs, der
nicht ganz auf der Hand liegt, zu bestimmen sucht. Es
empfiehlt sich in der Tat, mit der Auseinandersetzung
6 a6–c8 die Einleitung enden zu lassen. Aber daß man im
Hinblick auf dieses Ende der Einleitung das Beweisthema
des ganzen Dialogs nicht richtig angibt, wenn man es
formuliert ,Widerlegung der Behauptung, die dichterischen Göttermythologeme seien Wahrheiten über das
Göttliche‘, zeigen der vorhergehende und nachfolgende
Satz. Euthyphron hat die Göttermythologeme nicht um
ihrer selbst willen als Theologumena ins Gespräch gebracht, sondern als Mittel zur Begründung des Rechtsoder Frommheitscharakters des Vorgehens eines Menschen
1

Platons Werke, ed. K. F. Hermann (Teubner) Bd. VI.

X

Einleitung des Herausgebers

– seiner selbst – gegen einen anderen Menschen – seinen
Vater –, eines Vorgehens, das dem Sokrates ebenso wie der
Menge als höchst anstößig oder jedenfalls problematisch
erscheint; und Sokrates’ Aufforderung an Euthyphron,
sich deutlicher auszusprechen, bezieht sich auf diese Funktion von Euthyphrons Verwendung eines Theologumenon
Hesiods als Indiz der Richtigkeit einer Vorschrift für
menschliches Verhalten.
So sicher es ist, daß Platon diese Verwendung der traditionellen Göttersage nicht billigt, ebenso sicher ist es, daß
man auch Bedenken tragen muß, die Kritik an diesem
Verfahren als das Hauptanliegen des ganzen Dialogs anzusehen. Und zwar aus demselben Grunde, aus dem man
die Richtigkeit der These des Scholions bezweifeln muß:
diese Kritik ist absolut nichts Neues. Speziell der Fall des
Euthyphron, sich für ein von den Mitmenschen als problematisch angesehenes Vorgehen gegen den eigenen Vater
auf das Verhalten des Zeus gegen Kronos zu berufen, ist
schon in den „Wolken“ des Aristophanes als ein rhetorischer Trick dargestellt worden, der am Platze ist, wenn
man eine Rechtswidrigkeit als Recht erscheinen lassen
will („Wolken“, Vers 902–906, verglichen mit Vers 1077 bis
1082). Und Aristophanes bedient sich damit einer Argumentationsweise, die schon Aischylos in den „Eumeniden“
(Vers 640–643) gebraucht hatte. Daß jemand, der gesunden Sinnes ist, dem Sokrates diese Kritik übelnehmen
wird, ist daher kaum zu befürchten.
Was also nimmt der Sokrates des Dialogs bzw. dessen
Verfasser wirklich wichtig? Wenn es nicht die spezielle
Weisheit des Euthyphron ist, so kann es nur das Allgemeine sein, wovon sie ein Spezialfall ist. Dies Allgemeine
ist der Anspruch des Euthyphron, ein besseres Wissen über
die Richtigkeit von Vorschriften für das menschliche Verhalten zu haben als seine Mitmenschen. Versteigt er sich
doch dazu – freilich von Sokrates verführt –, Anspruch auf

Einleitung des Herausgebers

XI

ein „exaktes Wissen“ eines solchen Kriteriums zu erheben,
durch welches „exakte Wissen“ er sich eben von der
Menge der Menschen unterscheide. Womit bescheidet sich
im Unterschied zu ihm die Masse seiner Mitbürger? Man
darf wohl sagen, daß für ihr Urteil darüber, ob eine menschliche Verhaltensweise richtig oder unrichtig sei, die in dem
Gemeinwesen, dem sie angehören, geltenden Sitten und
Gesetze (Nomoi) das Maßgebende sind. Weiter denken sie
nicht. Etwas Weiteres fordern sie nicht. Nicht nur Euthyphron, auch Sokrates denkt weiter. Im Hinblick auf jenes
Allgemeine, das der euthyphronische Anspruch in sich
schließt, spricht Sokrates von dem Frommen selbst oder
der Form des Frommen als Gegenstand exakten Wissens
im Unterschied zur bloßen Bescheidung mit dem, was gilt
(sc. als fromm), und charakterisiert die Kenntnis davon
als den Besitz „eines Maßstabes, auf den man schauen und
mit dem man Handlungen seiner selbst oder irgend eines
anderen nach ihrem Werte einschätzen kann, indem man
sagen kann, daß so und so eine Handlung fromm ist und
eine, die nicht so, nicht“ (6 e).
Vergegenwärtigt man sich nun das Fürwahrhalten über
das Schöne, Gerechte und Fromme menschlichen Handelns, das für die Sokratesfigur von Platons „Apologie“
und „Kriton“ kennzeichnend ist, so kann einem die Abweichung von dem Interesse des Sokrates des platonischen
„Euthyphron“ nicht verborgen bleiben. Was den Inhalt
von allgemeinen Werturteilen, die sich der genannten drei
Schlagworte bedienen, anlangt, wird in „Apologie“ und
„Kriton“ nirgends die Möglichkeit einer Abweichung der
sokratischen Meinung von der der Menge angedeutet.
Theoretisch scheint sich für Sokrates wie für die Menge
„das Moralische“ von selbst zu verstehen. Nur handelt
Sokrates unbedingt diesem Selbstverständlichen gemäß,
die Menge nur, wenn das nicht mit ihrem jeweiligen Sonderinteresse kollidiert. Wo der Sokrates der „Apologie“

XII

Einleitung des Herausgebers

und des „Kriton“ dem Anspruch eines Spezialwissens auf
politischem und moralischem Felde begegnet, demonstriert
er erstens sein eigenes Nichtwissen und zweitens das
Nichtwissen des vorgegebenen Wissens anderer. Das Resultat ist – für ethische Allgemeinheiten – das anspruchslose Verbleiben bei der herrschenden Meinung. Für den
Sokrates des „Euthyphron“ hingegen ist charakteristisch,
daß darüber hinaus die Aufgabe des Erwerbs wirklichen
Wissens im Unterschied zum bloßen Meinen auf dem
Felde moralischer Werturteile von ihm als etwas Reelles
ernsthaft in Rechnung gezogen wird. Die Notwendigkeit
der Suche nach einem solchen Wissen ist von Platon etwa
ein Jahrzehnt nach der Abfassung von „Apologie“ und
,,Kriton“ im „Menon“ programmatisch verkündet worden. Am Schluß dieses Werkes wird der Staatsmann und
Staatsbürger, der über ein – lehrbares – Wissen im Unterschied zum bloßen richtigen Meinen der gewöhnlichen
Staatsmänner und Staatsbürger verfügt, als die wahre
Wirklichkeit im Unterschied zu bloßen Schatten gepriesen.
Ein solches von dem gewöhnlichen Meinen unterschiedenes Wissen behauptet Euthyphron mit seinem Trick, die
traditionelle Göttersage als Kriterium der Richtigkeit von
Vorschriften für menschliches Verhalten zu besitzen. Das
schiebt der neue Sokrates des Dialogs „Euthyphron“ mit
leichter Hand beiseite. Aber wie gesagt, das Problem eines
exakten Wissens überhaupt auf moralischem Gebiet im
Unterschied zur geltenden Meinung und ihrem Niederschlag in geltenden Gesetzen nimmt er ernst.
Beiseitegeschoben wird die archaische Theologie Homers und Hesiods. Mit leichter Hand, denn so weit waren
schon Xenophanes und Aristophanes. An die Spitze der
Erörterung des Hauptteils des Dialogs wird der Absolutheits- und Aprioritätsanspruch eines wahren moralischen
Werturteils gestellt. Von Sokrates absichtlich – im Banne

Einleitung des Herausgebers

XIII

des Programms des „Menon“, von Euthyphron als Zugeständnis unter dem Druck seines in lächerlicher Art geltend gemachten Anspruchs in eigener Sache – als ein Zugeständnis, dessen Konsequenzen ihm verschleiert sind.
Heraus kommt in dem ganzen Dialog, daß der Begriff des
Gottgefälligen und Gottgebilligten nicht den Begriff eines
Grundes zu einem bestimmenden moralischen Werturteil –
eine Handlung ist an sich entweder fromm oder unfromm –
ersetzen kann, sondern, um prägnant zu sein, diesen Grund
voraussetzt. Es folgt daraus der Satz der untergeordneten
Bedeutung oder Zweitrangigkeit des Gottesbegriffs bei der
Erörterung von Grundproblemen der Moralphilosophie.
Dies ist ein Standpunkt, an dem Platon vom „Euthyphron“ ab in seiner ganzen Philosophie festgehalten hat
(von den „Nomoi“ darf man dabei billigerweise absehen). 1)
Beweis: „Politeia“ Buch II und hier speziell Sokrates’ Begeisterung in 367 e6-368 c7 über Glaukon und Adeimantos.
Es kann kein Zweifel sein, daß wir in dem Motiv und
Resultat des „Euthyphron“ eine, wenn nicht die Hauptwurzel der sogenannten Ideenlehre des „Phaidon“ und
der „Politeia“ in Händen haben. 2) 1

2

Innerhalb des Dialogs wird auch Euthyphron in den Sog dieses Aspekts
gezogen. Wenn er in 10 d die Frage, „Wird das Fromme von allen Göttern geliebt, weil es fromm ist?“, mit Ja beantwortet, so hängt das davon ab, daß er in 9 a b die Berechtigung und Beantwortbarkoit der Frage
nach einem ganz deutlichen Kennzeichen, mit dessen Hilfe man einsehen kann, daß alle Götter eine bestimmte Handlung billigen, eingeräumt hat.
In 14 b gibt er die Möglichkeit und Notwendigkeit einer Antwort auf
Sokrates’ Frage nach der Natur jenes allerschönsten Werkes, das die
Götter schaffen, indem sie uns als Diener benutzen, zu: Wenn er dann,
wogen der Schwierigkeit der Antwort, ausweichend einfach die „rechte“
Art des Betens und Opfern« ins Spiel bringt, so ist das wachlich – vom
Logischen und Methodischen einmal abgesehen – deswegen eine Entgleisung, weil darüber, was hier ,,recht“ ist, nur einheimische Sitte und
Brauch etwas bestimmen kön nen. So Platon, Politeia 427 b c.
Eine – oder die – andere Wurzel ist die Auffassung der Mathematik
als einer rein theoretischen Erkenntnis a priori von wirklichen Tatbeständen („Menon“ 82 b–85 b verbunden mit „Euthydemos“ 290 c).

XIV

Einleitung des Herausgebers

Wirft man nun die Frage nach dem Anlaß des „Euthyphron“ und damit das Problem der literarischen Absicht
Platons auf, so scheint es ratsam zu sein, sich dafür nach
Platons Sonderstellung im Kreise der Sokratiker überhaupt umzusehen. Trotz aller Unterschiede zu Sokrates
wird ja Euthyphron in 3 a als Freund des Sokrates dargestellt. Andererseits sahen wir, daß Platon im „Menon“,
der in dieser Frage vom „Euthyphron“ vorausgesetzt
wird, seine Auffassung über die Qualität des Fürwahrhaltens des moralisch Richtigen, das dem moralisch rechten Verhalten zugrunde liegt, gegenüber seiner Ansicht in
„Apologie“ und „Kriton“ geändert hatte. Platons sog.
7. Brief setzt uns in die Lage, für diese Änderung seine
Erfahrungen auf der großen Reise, die ihn um die Zeit seines 40. Lebensjahres nach Unteritalien und Sizilien geführt hat, verantwortlich zu machen. Nimmt man an, daß
Platon mit seiner „Apologie“ und seinem „Kriton“ dem
historischen Sokrates verhältnismäßig nahegestanden hat,
so wird man nicht leicht mit einer gleichen Veränderung
bei anderen Sokratikern, die eine ähnliche Sokratesnähe
besessen haben, rechnen. Als ein solcher Sokratiker ist uns
Aischines von Sphettos (ebenfalls Athener) bekannt.
Auch er hat schon in den 90er Jahren des 4. Jahrhunderts
geschrieben. Reste seiner Dialoge besitzen wir vor allem
aus dem „Alkibiades“. Hier erscheint Sokrates als Vertreter des guten alten Athenertums, der sich vor allem
durch besondere Frömmigkeit auszeichnet, wobei diese
Frömmigkeit ganz schlicht als bedingungslose Hingabe an
den heimischen Götterglauben und Kult verstanden ist.
Es steht fest, daß Platon in dem mit dem „Menon“ etwa
gleichzeitigen Dialog „Menexenos“ (der sich selbst auf
kurz nach 386 datiert) das dort verwendete Motiv der Aspasia als Lehrerin des Sokrates in der Redekunst aus
Aischines’ Dialog „Aspasia“ übernommen hat. Steht dies
aber fest, so liegt es nahe, sachliche Berührungen des

Einleitung des Herausgebers

XV

„Menon“ mit Formulierungen in den Fragmenten von
Aischines’ „Alkibiades“ ebenfalls als gewollte Bezugnahme aufzufassen. Die schriftstellerische Absicht solcher
Bezugnahmen besteht darin, Platons neues Programm der
noch weiter herrschenden alten Sokrates-Auffassung gegenüberzustellen .
Zu Aischines und seinem Sokratesbild haben außer
Platon noch andere Sokratiker literarisch Stellung genommen. Platons Freund, Eukleides von Megara, hat einen
Dialog „Aischines“ geschrieben. Der ist in hellenistischer
und noch späterer Zeit für die Biographie des Sokrates
und der Sokratiker benutzt worden, wovon noch das
zweite Buch von Diogenes Laertius’ „Leben und Meinungen berühmter Philosophen“ Spuren zeigt. Nach diesen
Relikten scheint in diesem Dialog das Problem des historischen Sokrates und des Geistes, in dem man in seinem
Sinne nach seinem Tode unter veränderten Umständen
weiterzuwirken habe, behandelt worden zu sein. Eukleides selbst wirkte in der Weise, daß er sokratisches Denken mit naturphilosophischer Spekulation verband. Er
beschäftigte sich eingehend mit dem alten Naturphilosophen Parmenides; er lehrte, „das Gute sei eine Einheit,
die mit vielen Namen benannt werde, bald Einsicht, bald
Gott, bald Vernunft und so weiter. Das dem Guten Entgegengesetzte hob er auf, indem er sagte, daß es nicht sei“
(Diogenes Laertius II, 106). Platon geht auf diese naturphilosophische Spekulation im „Phaidon“ (S. 96–99) ein,
in der „Politeia“ (6. Buch) und in dem dem Eukleides von
Megara – durch ein Einleitungsgespräch, in dem er auftritt – gewidmeten „Theätet“ (sogenannte „Episode“).
Der Satz der untergeordneten Bedeutung des Gottesbegriffs bei der Erörterung von Grundproblemen der
Moralphilosophie trifft entscheidend auch die Spekulation des Eukleides von Megara. Es läßt sich wohl denken,
daß Platon den genannten Satz unter anderem auch im

XVI

Einleitung des Herausgebers

Hinblick auf Eukleides’ Versuch, Naturphilosophie und
Moralphilosophie zu identifizieren, entwickelt hat.
Aber Eukleides kann nicht ein Objekt der Auseinandersetzung der Einleitung des „Euthyphron“ gewesen sein.
In ihr handelt es sich ja kaum um Philosophie, sondern
eher um Pseudophilosophie: um die vorgebliche Bedeutung traditioneller Göttersage für die ernsthafte Entscheidung moralischer Fragen. Wir befinden uns hier
ganz offensichtlich im Bereich von Parodie und Karikatur.
Es ist nicht das einzige Mal, daß auf solchem Felde bei
Platon der Name Euthyphron erscheint. Das andere Mal
geschieht es im Dialog „Kratylos“. Hier wird zunächst die
These entwickelt, daß es eine gewisse Richtigkeit der Zuweisung von Namen an die Sachen gebe, und daß es eine
schwierige Kunst oder Wissenschaft sei, einer Sache ihren
Namen richtig beizulegen. Danach wird die Frage aufgeworfen, worin diese Richtigkeit bestehen solle. Sich hierüber von den Sophisten, Protagoras und seinen Nachfolgern, belehren zu lassen, wird abgelehnt, und man hält
sich statt dessen im Folgenden an die Dichter, speziell
Homer und Hesiod. Dieser Versuch, sich über die Richtigkeit der Namengebung bei den Dichtern zu belehren,
– 391 d–396 d – geht gegen Ende in die Aufstellung eigentlicher Etymologien über und gibt in diesem Zusammenhang ganz am Schluß – mit deutlicher Orientierung an
Hesiod – Etymologien von Götternamen. Für diese letztere Weisheit nun macht Sokrates den Euthyphron verantwortlich, mit dem er seit dem frühen Morgen bis zum
Beginn des laufenden Gesprächs zusammengewesen sei.
Damit knüpft Platon deutlich an das Ende der Einleitung
des „Euthyphron“ an, wo Sokrates mit Euthyphron ein
weiteres Gespräch über die Göttermythen und ihre
Schrecklichkeiten verabredet. In der skizzierten Partie des
„Kratylos“ haben wir es sichtlich mit der parodischen

Einleitung des Herausgebers

XVII

Vorführung einer sich orthodox gebenden Homer- und
Hesioderklärung zu tun. Homer und Hesiod als Lehrer der
richtigen Namengebung für die Dinge, das ist das Gegenstück zu Homer und Hesiod als Lehrer von angeblich richtigen Vorbildern menschlichen Handelns mittels ihrer
Göttermythologeme. Die Übereinstimmung der angegebenen ,,Kratylos“-Partie 1) und der Einleitung des „Euthyphron“ scheint zu beweisen, daß Platon mit seinem
Euthyphron auf einen literarischen Autor abzielt, der sich
in den Kreisen der Erklärer Homers (und Hesiods) bewegt. Aber Euthyphron schien doch auch ein Freund und
Gefährte des Sokrates zu sein! Gibt es eine solche Kombination? Das scheint fraglich, wenn man bedenkt, daß
schon Aristophanes das im „Euthyphron“ empfohlene
Verfahren im Einzelfall als eristischen Trick gekennzeichnet hat.
Allerdings hat die von Platon so bitter und so oft bekämpfte Verwendung Homers zum Zweck moralischer
Belehrung und Erziehung doch auch in Sokratikerkreisen
Vertreter gehabt. Freilich dienten dazu nicht Homers
Göttermythen, sondern ein Heros: Odysseus. Aristippos
von Kyrene scheint es vor allem gewesen zu sein, der
Odysseus als Vorbild verwendet hat. Dessen Wendigkeit,
sein Zurechtkommen in allen Lebenslagen scheint von ihm
als vorbildlich für die menschliche Lebensführung gebraucht worden zu sein (Fragment 30 Mannebach, zur
Verwendung der Odyssee beachte auch Fragment 23 und
76). Sollte, von diesem Beispiel verführt, ein Sokratiker
1

Übrigens konfrontiert Sokratos im „Kratylos“ 306 e die an den Dichtern
orientierte euthyphronische Lehre von der Natur der Richtigkeit der
Namen nicht nur wie eingangs mit einer solchen der Sophisten wie Protagoras und seiner Anhänger, sondern auch mit der von Priestern.
Euthyphron selbst ist zwar Seher, aber kein Priester. Er hat kein offizielles Kultamt inne – wie er denn auch nach „Euthyphron“ 3 c bei dem
Unternehmen, in der Volksversammlung den Athenern die Zukunft
vorauszusagen, ausgelacht wird.

XVIII

Einleitung des Herausgebers

trotz der von der Komödie im Einzelfall gebrandmarkten
Lächerlichkeit doch irgendwie versucht haben, die homerische und hesiodeische Theologie in ähnlicher Weise zur
Rechtfertigung der Vorschriften für die menschliche Lebensführung zu verwenden, nachdem die Möglichkeit, bei
den einheimischen Gesetzen als der letzten Instanz
stehenzubleiben, wie Aischines es tat, im Kreise der Sokratiker – bei Platon und Eukleides – problematisch geworden war? Und war damit dann in die Schußlinie des
Parodisten geraten? Diogenes Laertius berichtet in seiner
Aischines-Biographie, daß Aischines einen einzigen Anhänger gehabt habe; der hieß Aristoteles und hatte den
Übernamen „Der Mythos“ (Diog. Laert. II 63 und V 35).
Athenaeus erwähnt in seinen „Deipnosophisten“ ebenfalls den einzigen Schüler des Aischines – auf Grund einer
Verwechslung des Namens Aristoteles mit dem des Nebenbuhlers des berühmtesten Trägers dieses Namens nennt er
ihn Xenokrates – und erzählt, daß Platon ihn zu einer
Kehrtwendung bewogen habe (507 c).
Wenn nicht so, dann so ähnlich hätte man sich wohl
den literarischen Anlaß der Einleitung des „Euthyphron“
zu denken. Der von Platon geschickt verhüllte Schnitt
zwischen der halb paradoxen, halb absoleten Thematik der
Einleitung und der von solchen Zügen unabhängigen
These des Hauptteils wäre damit gut verständlich. Dieser
geschickten Verhüllung ist der spätantike Autor des
Scholions, von dem wir ausgegangen sind, zum Opfer gefallen – wie die Geschichte der Interpretation des „Euthyphron“ zeigt, nicht nur er.
Marburg / Lahn

Klaus Reich

ΕΥΘΥΦΡΩΝ
EUTHYPHRON

Ε ΥΘΥΦΡΩ Ν

ΕΥΘ: Τί νεώτερον, ὦ Σώϰρατες, γέγονεν, ὅτι σὺ τὰς ἐν
Λυϰείῳ ϰαταλιπὼν διατριβὰς ἐνϑάδε νῦν διατρίβεις περὶ
τὴν τοῦ βασιλέως στοάν; οὐ γάρ που ϰαὶ σοί γε δίϰη τις
οὖσα τυγχάνει πρὸς τὸν βασιλέα ὥσπερ ἐμοί.

St. I
p. 2
a

ΣΩ : Οὔτοι δὴ Ἀϑηναῖοί γε, ὦ Εὐϑύφρων, δίϰην αὐτὴν
ϰαλοῦσιν ἀλλὰ γραφήν.
ΕΥΘ: Τί φῄς; γραφὴν σέ τις, ὡς ἔοιϰε, γέγραπται: οὐ
γὰρ ἐϰεῖνό γε ϰαταγνώσομαι, ὡς σὺ ἕτερον.

b

ΣΩ : Οὐ γὰρ οὖν.
ΕΥΘ: Ἀλλὰ σὲ ἄλλος;
ΣΩ : Πάνυ γε.
ΕΥΘ: Τ ίς οὗτος;
ΣΩ : Οὐδ’ αὐτὸς πάνυ τι γιγνώσϰω, ὦ Εὐϑύφρων, τὸν
ἄνδρα, νέος γάρ τίς μοι φαίνεται ϰαὶ ἀγνώς: ὀνομάζουσι
μέντοι αὐτόν, ὡς ἐγᾦμαι, Μέλητον. ἔστι δὲ τῶν δήμων
Πιτϑεύς, εἴ τινα νῷ ἔχεις Πιτϑέα Μέλητον οἷον τετανότριχα
ϰαὶ οὐ πάνυ εὐγένειον, ἐπίγρυπον δέ.
ΕΥΘ: Ο ὐϰ ἐννοῶ, ὦ Σώϰρατες: ἀλλὰ δὴ τίνα γραφήν
σε γέγραπται;
ΣΩ : Ἥντινα; οὐϰ ἀγεννῆ, ἔμοιγε δοϰεῖ: τὸ γὰρ νέον
ὄντα τοσοῦτον πρᾶγμα ἐγνωϰέναι οὐ φαῦλόν ἐστιν. ἐϰεῖνος
γάρ, ὥς φησιν, οἶδε τίνα τρόπον οἱ νέοι διαφϑείρονται ϰαὶ
τίνες οἱ διαφϑείροντες αὐτούς. ϰαὶ ϰινδυνεύει σοφός τις

c

EUTHYPHRON
St. I
p. 2
a

b

c

Personen des Gespräches: Euthyphron, Sokrates
EUTHYPHRON: Wie kommt es, Sokrates, daß du deine
Liebhaberei im Lykeion im Stich gelassen hast und nun
hier vor dem Gerichtsgebäude deine Zeit verbringst?
Du hast doch wohl nicht wie ich einen Prozeß beim Gericht?
SOKRATES: Die Athener, Euthyphron, nennen es allerdings nicht Prozeß, sondern Anklage.
EUTHYPHRON: Was sagst du? Es hat dich jemand angeklagt, denn daß du gegen jemand anders klagst, werde ich
wohl nicht erleben.
SOKRATES: Keineswegs.
EUTHYPHRON: Also ein anderer gegen dich?
SOKRATES: Allerdings.
EUTHYPHRON: Wer denn?
SOKRATES: Ich kenne den Mann selber gar nicht, Euthyphron, denn er scheint jung und unbekannt zu sein. Er
heißt, glaube ich, Meletos. Er stammt aus der Gemeinde
Pitthis. Wenn du dich auf einen Pittheer Meletos besinnst: mit strähnigem Haar und dünnem Bart, aber einer
Adlernase.
EUTHYPHRON: Ich wüßte nicht, Sokrates. Doch was für
eine Anklage hat er gegen dich eingereicht?
SOKRATES: Was für eine? Keine unedle, scheint mir.
Denn in der Jugend schon eine solche Angelegenheit zu
durchschauen, das ist keine geringe Sache. Er weiß nämlich, wie er sagt, wodurch die Jugend verdorben wird und
wer sie verdirbt. Und vielleicht ist er ja weise und, da er die

[1]
×
×

×

4

Ε ΥΘΥΦΡΩ Ν

εἶναι, ϰαὶ τὴν ἐμὴν ἀμαϑίαν ϰατιδὼν ὡς διαφϑείροντος τοὺς
ἡλιϰιώτας αὐτοῦ, ἔρχεται ϰατηγορήσων μου ὥσπερ πρὸς
μητέρα πρὸς τὴν πόλιν. ϰαὶ φαίνεταί μοι τῶν πολιτιϰῶν
μόνος ἄρχεσϑαι ὀρϑῶς: ὀρϑῶς γάρ ἐστι τῶν νέων πρῶτον
ἐπιμεληϑῆναι ὅπως ἔσονται ὅτι ἄριστοι, ὥσπερ γεωργὸν d
ἀγαϑὸν τῶν νέων φυτῶν εἰϰὸς πρῶτον ἐπιμεληϑῆναι, μετὰ
δὲ τοῦτο ϰαὶ τῶν ἄλλων. ϰαὶ δὴ ϰαὶ Μέλητος ἴσως πρῶτον
μὲν ἡμᾶς ἐϰϰαϑαίρει τοὺς τῶν νέων τὰς βλάστας διαφϑεί- 3
ροντας, ὥς φησιν: ἔπειτα μετὰ τοῦτο δῆλον ὅτι τῶν πρεσβυτέρων ἐπιμεληϑεὶς πλείστων ϰαὶ μεγίστων ἀγαϑῶν αἴτιος
τῇ πόλει γενήσεται, ὥς γε τὸ εἰϰὸς συμβῆναι ἐϰ τοιαύτης
ἀρχῆς ἀρξαμένῳ.
ΕΥΘ: Β ουλοίμην ἄν, ὦ Σώϰρατες, ἀλλ’ ὀρρωδῶ μὴ τοὐναντίον γένηται: ἀτεχνῶς γάρ μοι δοϰεῖ ἀφ’ ἑστίας ἄρχεσϑαι ϰαϰουργεῖν τὴν πόλιν, ἐπιχειρῶν ἀδιϰεῖν σέ. ϰαί
μοι λέγε, τί ϰαὶ ποιοῦντά σέ φησι διαφϑείρειν τοὺς νέους;
ΣΩ : Ἄτοπα, ὦ ϑαυμάσιε, ὡς οὕτω γ’ ἀϰοῦσαι. φησὶ γάρ b
με ποιητὴν εἶναι ϑεῶν, ϰαὶ ὡς ϰαινοὺς ποιοῦντα ϑεοὺς τοὺς
δ’ ἀρχαίους οὐ νομίζοντα ἐγράψατο τούτων αὐτῶν ἕνεϰα,
ὥς φησιν.
ΕΥΘ: Μανϑάνω, ὦ Σώϰρατες: ὅτι δὴ σὺ τὸ δαιμόνιον
φῂς σαυτῷ ἑϰάστοτε γίγνεσϑαι. ὡς οὖν ϰαινοτομοῦντός
σου περὶ τὰ ϑεῖα γέγραπται ταύτην τὴν γραφήν, ϰαὶ ὡς
διαβαλῶν δὴ ἔρχεται εἰς τὸ διϰαστήριον, εἰδὼς ὅτι εὐδιάβολα τὰ τοιαῦτα πρὸς τοὺς πολλούς. ϰαὶ ἐμοῦ γάρ τοι,
ὅταν τι λέγω ἐν τῇ ἐϰϰλησίᾳ περὶ τῶν ϑείων, προλέγων c
αὐτοῖς τὰ μέλλοντα, ϰαταγελῶσιν ὡς μαινομένου: ϰαίτοι
οὐδὲν ὅτι οὐϰ ἀληϑὲς εἴρηϰα ὧν προεῖπον, ἀλλ’ ὅμως φϑονοῦσιν ἡμῖν πᾶσι τοῖς τοιούτοις. ἀλλ’ οὐδὲν αὐτῶν χρὴ
φροντίζειν, ἀλλ’ ὁμόσε ἰέναι.
ΣΩ : Ὦ φίλε Εὐϑύφρων, ἀλλὰ τὸ μὲν ϰαταγελασϑῆναι

Euthyphron

d

3

b

c

5

Torheit sieht, mit der ich seine Altersgenossen verderbe,
geht er mich beim Staat, wie bei der Mutter, verklagen.
Und ich glaube, er ganz allein beginnt seine politische
Laufbahn richtig; denn es ist der richtige Weg, sich zuerst um die Jugend zu bemühen, daß sie gut gerät, so wie
auch ein guter Landwirt sich zuerst um die jungen Pflanzen bemüht und danach auch um die anderen. Und wahrlich, Meletos jätet wohl zuerst uns aus, die wir den Jungsproß verderben, wie er sagt. Danach aber wird er sich
dann offenbar um die Älteren bemühen und einer der
größten Wohltäter für den Staat werden, wie es ja doch
wohl enden wird bei einem solchen Start.
EUTHYPHRON: Das wäre ja schön, Sokrates. Aber ich [2]
fürchte, das Gegenteil geschieht; denn er scheint mir damit zu beginnen, den Staat gründlich zu schädigen, wenn
er es unternimmt, dir Unrecht zu tun. Aber sage, womit,
behauptet er, verdirbst du die Jugend?
SOKRATES: Es klingt seltsam, mein Lieber; er sagt, daß
ich ein Erfinder von Göttern sei, und als einen, der neue
Götter erfindet und die alten nicht ehrt, hat er mich angeklagt; eben deswegen, wie er sagt.
EUTHYPHRON: Ich verstehe, Sokrates, offenbar weil du
sagst, daß dir bisweilen das Wunderzeichen geschieht. Als
einen Revolutionär in Religionssachen hat er dich verklagt, und um ein falsches Bild von dir zu geben, hat er sich
also ans Gericht gewandt. Denn er weiß eben, daß diese
Dinge bei der Menge leicht in ein falsches Licht gerückt
werden können. Auch mich verlachen sie ja wie einen Irren, sobald ich in der Volksversammlung etwas über das
Göttliche sage, wenn ich ihnen die Zukunft verkündige.
Und doch habe ich mit meinen Voraussagen nur Wahres
gesagt, trotzdem sehen sie scheel auf all’ unseresgleichen;
aber man muß sich nicht um sie kümmern, sondern weitermachen.
SOKRATES: Ach, lieber Euthyphron, das Ausgelacht- [3]

6

Ε ΥΘΥΦΡΩ Ν

ἴσως οὐδὲν πρᾶγμα. Ἀϑηναίοις γάρ τοι, ὡς ἐμοὶ δοϰεῖ,
οὐ σφόδρα μέλει ἄν τινα δεινὸν οἴωνται εἶναι, μὴ μέντοι
διδασϰαλιϰὸν τῆς αὑτοῦ σοφίας: ὃν δ’ ἂν ϰαὶ ἄλλους οἴωνται ποιεῖν τοιούτους, ϑυμοῦνται, εἴτ’ οὖν φϑόνῳ ὡς σὺ λέ- d
γεις, εἴτε δι’ ἄλλο τι.
ΕΥΘ: Τούτου οὖν πέρι ὅπως ποτὲ πρὸς ἐμὲ ἔχουσιν, οὐ
πάνυ ἐπιϑυμῶ πειραϑῆναι.
ΣΩ : Ἴσως γὰρ σὺ μὲν δοϰεῖς σπάνιον σεαυτὸν παρέχειν
ϰαὶ διδάσϰειν οὐϰ ἐϑέλειν τὴν σεαυτοῦ σοφίαν: ἐγὼ δὲ
φοβοῦμαι μὴ ὑπὸ φιλανϑρωπίας δοϰῶ αὐτοῖς ὅτιπερ ἔχω
ἐϰϰεχυμένως παντὶ ἀνδρὶ λέγειν, οὐ μόνον ἄνευ μισϑοῦ, ἀλλὰ ϰαὶ προστιϑεὶς ἂν ἡδέως εἴ τίς μου ἐϑέλει ἀϰούειν. εἰ
μὲν οὖν, ὃ νυνδὴ ἔλεγον, μέλλοιέν μου ϰαταγελᾶν ὥσπερ
σὺ φῂς σαυτοῦ, οὐδὲν ἂν εἴη ἀηδὲς παίζοντας ϰαὶ γελῶντας e
ἐν τῷ διϰαστηρίῳ διαγαγεῖν: εἰ δὲ σπουδάσονται, τοῦτ’
ἤδη ὅπῃ ἀποβήσεται ἄδηλον πλὴν ὑμῖν τοῖς μάντεσιν.
ΕΥΘ : Ἀ λλ’ ἴσως οὐδὲν ἔσται, ὦ Σώϰρατες, πρᾶγμα,
ἀλλὰ σύ τε ϰατὰ νοῦν ἀγωνιῇ τὴν δίϰην, οἶμαι δὲ ϰαὶ ἐμὲ
τὴν ἐμήν.
ΣΩ : Ἔστιν δὲ δὴ σοί, ὦ Εὐϑύφρων, τίς ἡ δίϰη; φεύγεις
αὐτὴν ἢ διώϰεις;
ΕΥΘ: ∆ιώϰω.
ΣΩ : Τίνα;
ΕΥΘ: Ὃ ν διώϰων αὖ δοϰῶ μαίνεσϑαι.
ΣΩ : Τί δέ; πετόμενόν τινα διώϰεις;
ΕΥΘ: Πολλοῦ γε δεῖ πέτεσϑαι, ὅς γε τυγχάνει ὢν εὖ
μάλα πρεσβύτης.
ΣΩ : Τίς οὗτος;

4

Euthyphron

d

e

4

7

werden hat doch wohl keine Bedeutung; es regt eben die
Athener, glaube ich, nicht sehr auf, wenn sie jemanden für
einen großen Mann halten, wofern sie der Ansicht sind,
daß er seine Weisheit nicht lehren könne. Wenn sie aber
glauben, daß einer andere dazu machen kann, dann sind
sie aufgebracht, vielleicht aus Neid, wie du sagst, vielleicht
aus einem anderen Grunde.
EUTHYPHRON: Ich bin nicht besonders neugierig, am
eigenen Leibe zu erfahren, wie sie sich in diesem Punkt
gegen mich verhalten.
SOKRATES: Ohne Zweifel meint man, daß du dich kostbar machst und deine Weisheit nicht lehren willst. Von
mir aber, fürchte ich, denkt man, daß ich aus Menschenliebe, was immer ich habe, verschwenderisch jedermann
mitteile, nicht nur ohne Lohn, sondern sogar noch gegen
ein Draufgeld, wenn einer mich anzuhören begehrt. Wie
gesagt, wenn sie mich auslachen würden, wie sie es, wie du
sagst, mit dir tun, dann wäre es nichts Unangenehmes,
scherzend und lachend vor Gericht zu stehen. Wenn sie
aber mit Ernst dabei sind, dann ist es wohl unklar, was dabei herauskommt – außer für euch Seher.
EUTHYPHRON: Aber das wird gewiß keine große Angelegenheit werden, Sokrates, sondern du wirst deinen Prozeß gut und recht durchfechten und ich, denke ich, den
meinen.
SOKRATES: Was für einen Prozeß hast du denn, Euthy- [4]
phron? Bist du Angeklagter oder Ankläger?
EUTHYPHRON: Ankläger.
SOKRATES: Und wen verfolgst du?
EUTHYPHRON: Jemanden, den zu verfolgen, Wahnsinn
scheint.
SOKRATES: Wieso? Verfolgst du einen, der fliegen kann?
EUTHYPHRON: Alles andere als fliegen, denn es ist ein
sehr alter Mann.
SOKRATES: Wer denn?

8

Ε ΥΘΥΦΡΩ Ν
ΕΥΘ: Ὁ ἐμὸς πατήρ.
ΣΩ : Ὁ σός, ὦ βέλτιστε;
ΕΥΘ: Πάνυ μὲν οὖν.
ΣΩ : Ἔστιν δὲ τί τὸ ἔγϰλημα ϰαὶ τίνος ἡ δίϰη;
ΕΥΘ: Φόνου, ὦ Σώϰρατες.

ΣΩ : Ἡράϰλεις. ἦ που, ὦ Εὐϑύφρων, ἀγνοεῖται ὑπὸ τῶν
πολλῶν ὅπῃ ποτὲ ὀρϑῶς ἔχει: οὐ γὰρ οἶμαί γε τοῦ ἐπιτυχόντος [ὀρϑῶς] αὐτὸ πρᾶξαι ἀλλὰ πόρρω που ἤδη σοφίας b
ἐλαύνοντος.
ΕΥΘ: Πόρρω μέντοι νὴ Δία, ὦ Σώϰρατες.
ΣΩ : Ἔστιν δὲ δὴ τῶν οἰϰείων τις ὁ τεϑνεὼς ὑπὸ τοῦ
σοῦ πατρός; ἢ δῆλα δή; οὐ γὰρ ἄν που ὑπέρ γε ἀλλοτρίου ἐπεξῇσϑα φόνου αὐτῷ.
ΕΥΘ: Γελοῖον, ὦ Σώϰρατες, ὅτι οἴει τι διαφέρειν εἴτε
ἀλλότριος εἴτε οἰϰεῖος ὁ τεϑνεώς, ἀλλ’ οὐ τοῦτο μόνον δεῖν
φυλάττειν, εἴτε ἐν δίϰῃ ἔϰτεινεν ὁ ϰτείνας εἴτε μή, ϰαὶ εἰ
μὲν ἐν δίϰῃ, ἐᾶν, εἰ δὲ μή, ἐπεξιέναι, ἐάνπερ ὁ ϰτείνας συνέστιός σοι ϰαὶ ὁμοτράπεζος ᾖ: ἴσον γὰρ τὸ μίασμα γίγνεται c
ἐὰν συνῇς τῷ τοιούτῳ συνειδὼς ϰαὶ μὴ ἀφοσιοῖς σεαυτόν τε
ϰαὶ ἐϰεῖνον τῇ δίϰῃ ἐπεξιών. ἐπεὶ ὅ γε ἀποϑανὼν πελάτης
τις ἦν ἐμός, ϰαὶ ὡς ἐγεωργοῦμεν ἐν τῇ Νάξῳ, ἐϑήτευεν
ἐϰεῖ παρ’ ἡμῖν. παροινήσας οὖν ϰαὶ ὀργισϑεὶς τῶν οἰϰετῶν
τινι τῶν ἡμετέρων ἀποσφάττει αὐτόν. ὁ οὖν πατὴρ συνδήσας τοὺς πόδας ϰαὶ τὰς χεῖρας αὐτοῦ, ϰαταβαλὼν εἰς τάφρον τινά, πέμπει δεῦρο ἄνδρα πευσόμενον τοῦ ἐξηγητοῦ ὅτι
χρείη ποιεῖν. ἐν δὲ τούτῳ τῷ χρόνῳ τοῦ δεδεμένου ὠλιγώ- d
ρει τε ϰαὶ ἠμέλει ὡς ἀνδροφόνου ϰαὶ οὐδὲν ὂν πρᾶγμα εἰ ϰαὶ
ἀποϑάνοι, ὅπερ οὖν ϰαὶ ἔπαϑεν: ὑπὸ γὰρ λιμοῦ ϰαὶ ῥίγους ϰαὶ

Euthyphron

b

c

d

9

EUTHYPHRON: Mein Vater.
SOKRATES: Dein Vater, mein Bester?
EUTHYPHRON: Freilich.
SOKRATES: Was ist denn der Anklagepunkt und worum
dreht sich der Prozeß?
EUTHYPHRON: Mord, Sokrates.
SOKRATES: Großer Gott, Euthyphron, da sind die Leute
doch aber sehr im unklaren, was hier das Rechte ist; ich
wenigstens glaube nicht, daß der erste beste hier richtig
handeln kann, sondern dazu muß man wohl schon weit in
der Weisheit vorangeschritten sein.
EUTHYPHRON: Allerdings weit, Sokrates.
SOKRATES: Der Mann, der durch deinen Vater umgekommen ist, ist wohl ein Verwandter von dir? Aber sicher; denn du hättest deinen Vater wohl nicht eines Fremden wegen auf Mord verklagt.
EUTHYPHRON: Wie lächerlich, Sokrates, daß du glaubst,
daß es etwas ausmacht, ob der Tote ein Fremder oder ein
Verwandter ist, und es nicht vielmehr darauf ankommt, ob
der Tötende mit Recht getötet hat oder nicht; und, wenn
mit Recht, ihn in Frieden zu lassen, wenn aber nicht, gegen ihn vorzugehen, zumal wenn der Tötende ein Herdund Tischgenosse von dir ist! Denn du wirst dir dieselbe
Befleckung zuziehen, wenn du als Mitwisser mit so einem
Umgang pflegst und nicht dich selbst und jenen durch Erhebung der Anklage reinigst. Übrigens war der Tote ein
Tagelöhner von mir. Als wir auf Naxos das Land bewirtschafteten, diente er dort bei uns. Im Rausch also ergrimmt der über einen unserer Diener und schlägt ihn tot.
Mein Vater läßt ihn an Händen und Füßen fesseln und in
eine Grube werfen und schickt dann einen Mann hierher,
der vom Richter in Erfahrung bringen soll, was zu tun sei.
In der Zwischenzeit aber kümmert er sich überhaupt nicht
um den Gefesselten, denn der sei doch ein Mörder, und es
sei doch gleichgültig, wenn er auch stürbe. Und so kam es

10

Ε ΥΘΥΦΡΩ Ν

τῶν δεσμῶν ἀποϑνῄσϰει πρὶν τὸν ἄγγελον παρὰ τοῦ ἐξηγητοῦ ἀφιϰέσϑαι. ταῦτα δὴ οὖν ϰαὶ ἀγαναϰτεῖ ὅ τε πατὴρ ϰαὶ
οἱ ἄλλοι οἰϰεῖοι, ὅτι ἐγὼ ὑπὲρ τοῦ ἀνδροφόνου τῷ πατρὶ
φόνου ἐπεξέρχομαι οὔτε ἀποϰτείναντι, ὥς φασιν ἐϰεῖνοι,
οὔτ’ εἰ ὅτι μάλιστα ἀπέϰτεινεν, ἀνδροφόνου γε ὄντος τοῦ
ἀποϑανόντος, οὐ δεῖν φροντίζειν ὑπὲρ τοῦ τοιούτου – ἀνόσιον γὰρ εἶναι τὸ ὑὸν πατρὶ φόνου ἐπεξιέναι – ϰαϰῶς εἰδό- e
τες, ὦ Σώϰρατες, τὸ ϑεῖον ὡς ἔχει τοῦ ὁσίου τε πέρι ϰαὶ
τοῦ ἀνοσίου.

ΣΩ : Σὺ δὲ δὴ πρὸς Διός, ὦ Εὐϑύφρων, οὑτωσὶ ἀϰριβῶς
οἴει ἐπίστασϑαι περὶ τῶν ϑείων ὅπῃ ἔχει, ϰαὶ τῶν ὁσίων τε
ϰαὶ ἀνοσίων, ὥστε τούτων οὕτω πραχϑέντων ὡς σὺ λέγεις,
οὐ φοβῇ διϰαζόμενος τῷ πατρὶ ὅπως μὴ αὖ σὺ ἀνόσιον
πρᾶγμα τυγχάνῃς πράττων;

ΕΥΘ: Ο ὐδὲν γὰρ ἄν μου ὄφελος εἴη, ὦ Σώϰρατες, οὐδέ
τῳ ἂν διαφέροι Εὐϑύφρων τῶν πολλῶν ἀνϑρώπων, εἰ μὴ τὰ
τοιαῦτα πάντα ἀϰριβῶς εἰδείην.

5

Σ Ω : Ἆρ’ οὖν μοι, ὦ ϑαυμάσιε Εὐϑύφρων, ϰράτιστόν
ἐστι μαϑητῇ σῷ γενέσϑαι, ϰαὶ πρὸ τῆς γραφῆς τῆς πρὸς
Μέλητον αὐτὰ ταῦτα προϰαλεῖσϑαι αὐτόν, λέγοντα ὅτι
ἔγωγε ϰαὶ ἐν τῷ ἔμπροσϑεν χρόνῳ τὰ ϑεῖα περὶ πολλοῦ
ἐποιούμην εἰδέναι, ϰαὶ νῦν ἐπειδή με ἐϰεῖνος αὐτοσχεδιάζοντά φησι ϰαὶ ϰαινοτομοῦντα περὶ τῶν ϑείων ἐξαμαρτάνειν,
μαϑητὴς δὴ γέγονα σός – “ϰαὶ εἰ μέν, ὦ Μέλητε,” φαίην
ἄν, “Εὐϑύφρονα ὁμολογεῖς σοφὸν εἶναι τὰ τοιαῦτα, [ϰαὶ] b
ὀρϑῶς νομίζειν ϰαὶ ἐμὲ ἡγοῦ ϰαὶ μὴ διϰάζου: εἰ δὲ μή,
ἐϰείνῳ τῷ διδασϰάλῳ λάχε δίϰην πρότερον ἢ ἐμοί, ὡς τοὺς
πρεσβυτέρους διαφϑείροντι ἐμέ τε ϰαὶ τὸν αὑτοῦ πατέρα,

Euthyphron

11

denn auch. Vor Hunger und Kälte, gegen die er sich nicht
wehren kann, stirbt er, bevor der Bote von dem Richter
zurückkehrt. Und nun sind mein Vater und meine Verwandten eben darüber empört, daß ich wegen eines Mörders den Vater auf Mord verklage, wo er ihn doch gar nicht
getötet habe, sagen sie, und, selbst wenn er es getan hätte,
gar nicht genötigt gewesen wäre, auf ihn Rücksicht zunehmen, weil der Getötete ein Mörder war. Unfromm sei es,
wenn der Sohn gegen den Vater wegen Mordes vorgehe.
e Aber sie haben keine Ahnung, Sokrates, wie es mit dem
göttlichen Recht hinsichtlich des Frommen und Unfrommen bestellt ist.
SOKRATES: Du aber, bei Gott, Euthyphron, glaubst so
genau über die Natur des göttlichen Rechts und des
Frommen und Unfrommen Bescheid zu wissen, daß du
gar keine Angst hast, bei einer solchen Handlungsweise,
wie du berichtest, dem Prozeß gegen den Vater, deinerseits eine unfromme Tat zu begehen.
EUTHYPHRON: Ja, da wäre ich wohl nicht viel wert, Sokrates, und Euthyphron unterschiede sich ja gar nicht von
5 der Masse der Menschen, wenn ich alles Derartige nicht
genau wüßte.
SOKRATES: Dann ist es ja wohl für mich, großer Euthy- [5]
phron, das beste, dein Schüler zu werden und vor dem
eigentlichen Verfahren Meletos gegenüber eben daran zu
appellieren, daß ich schon in der vergangenen Zeit großen
Wert darauf gelegt hätte, über das Göttliche Bescheid zu
wissen, und jetzt, wo er behauptet, daß ich als Dilettant
und Neuerer in göttlichen Dingen irre, dein Schüler geworden sei; und „wenn du, o Meletos“, würde ich sagen,
b „zugestehst, daß Euthyphron in diesen Dingen weise ist
und sich richtig verhält, dann halte auch mich dafür und
verfolge mich nicht weiter. Wenn aber nicht, dann mache
du ihm, meinem Lehrer, vor mir den Prozeß als einem, der
die Alten verdirbt, mich und seinen Vater, mich durch

12

Ε ΥΘΥΦΡΩ Ν

ἐμὲ μὲν διδάσϰοντι, ἐϰεῖνον δὲ νουϑετοῦντί τε ϰαὶ ϰολάζοντι” – ϰαὶ ἂν μή μοι πείϑηται μηδὲ ἀφίῃ τῆς δίϰης ἢ
ἀντ’ ἐμοῦ γράφηται σέ, αὐτὰ ταῦτα λέγειν ἐν τῷ διϰαστηρίῳ ἃ προυϰαλούμην αὐτόν;
ΕΥΘ: Ναὶ μὰ Δία, ὦ Σώϰρατες, εἰ ἄρα ἐμὲ ἐπιχειρή
σειε γράφεσϑαι, εὕροιμ’ ἄν, ὡς οἶμαι, ὅπῃ σαϑρός ἐστιν, c
ϰαὶ πολὺ ἂν ἡμῖν πρότερον περὶ ἐϰείνου λόγος ἐγένετο ἐν
τῷ διϰαστηρίῳ ἢ περὶ ἐμοῦ.
Σ Ω : Καὶ ἐγώ τοι, ὦ φίλε ἑταῖρε, ταῦτα γιγνώσϰων
μαϑητὴς ἐπιϑυμῶ γενέσϑαι σός, εἰδὼς ὅτι ϰαὶ ἄλλος πού τις
ϰαὶ ὁ Μέλητος οὗτος σὲ μὲν οὐδὲ δοϰεῖ ὁρᾶν, ἐμὲ δὲ οὕτως
ὀξέως [ἀτεχνῶς] ϰαὶ ῥᾳδίως ϰατεῖδεν ὥστε ἀσεβείας ἐγράψατο. νῦν οὖν πρὸς Διὸς λέγε μοι ὃ νυνδὴ σαφῶς εἰδέναι
διισχυρίζου, ποῖόν τι τὸ εὐσεβὲς φῂς εἶναι ϰαὶ τὸ ἀσεβὲς
ϰαὶ περὶ φόνου ϰαὶ περὶ τῶν ἄλλων; ἢ οὐ ταὐτόν ἐστιν ἐν d
πάσῃ πράξει τὸ ὅσιον αὐτὸ αὑτῷ, ϰαὶ τὸ ἀνόσιον αὖ τοῦ μὲν
ὁσίου παντὸς ἐναντίον, αὐτὸ δὲ αὑτῷ ὅμοιον ϰαὶ ἔχον μίαν
τινὰ ἰδέαν ϰατὰ τὴν ἀνοσιότητα πᾶν ὅτιπερ ἂν μέλλῃ
ἀνόσιον εἶναι;
ΕΥΘ: Πάντως δήπου, ὦ Σώϰρατες.
ΣΩ : Λέγε δή, τί φῂς εἶναι τὸ ὅσιον ϰαὶ τί τὸ ἀνόσιον;
ΕΥΘ: Λ έγω τοίνυν ὅτι τὸ μὲν ὅσιόν ἐστιν ὅπερ ἐγὼ νῦν
ποιῶ, τῷ ἀδιϰοῦντι ἢ περὶ φόνους ἢ περὶ ἱερῶν ϰλοπὰς ἤ τι
ἄλλο τῶν τοιούτων ἐξαμαρτάνοντι ἐπεξιέναι, ἐάντε πατὴρ
ὢν τυγχάνῃ ἐάντε μήτηρ ἐάντε ἄλλος ὁστισοῦν, τὸ δὲ μὴ e
ἐπεξιέναι ἀνόσιον: ἐπεί, ὦ Σώϰρατες, ϑέασαι ὡς μέγα σοι
ἐρῶ τεϰμήριον τοῦ νόμου ὅτι οὕτως ἔχει – ὃ ϰαὶ ἄλλοις ἤδη
εἶπον, ὅτι ταῦτα ὀρϑῶς ἂν εἴη οὕτω γιγνόμενα – μὴ ἐπιτρέπειν τῷ ἀσεβοῦντι μηδ’ ἂν ὁστισοῦν τυγχάνῃ ὤν. αὐτοὶ γὰρ
οἱ ἄνϑρωποι τυγχάνουσι νομίζοντες τὸν Δία τῶν ϑεῶν ἄρι-

Euthyphron

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Lehren, ihn durch Schmähung und Strafe“; und wenn er
mir nicht folgt und von dem Prozeß abläßt oder statt meiner dich anklagt, dann werde ich eben dieses vor dem Gericht sagen, womit ich an ihn appelliert hatte.
EUTHYPHRON: Beim Zeus, Sokrates, wenn er versuchen
würde, mich anzuklagen, würde ich, denke ich, seinen
schwachen Punkt schon herausfinden, und es wäre vor Gericht weit mehr über ihn die Rede als über mich.
SOKRATES: Und eben, lieber Freund, weil ich dies weiß,
möchte ich dein Schüler werden, da ich sehe, daß, wie mancher andere, auch jener Meletos dich gar nicht zu sehen
vorgibt, mich aber so wahrhaft scharfsichtig und mühelos
durchschaut, daß er mich der Gottlosigkeit beschuldigen
konnte. Nun aber sage mir, bei Gott, was du so sicher zu
wissen behauptest: Was, meinst du, ist das Fromme und
Unfromme in einer Mordsache und in allen übrigen Fällen? Denn ist nicht bei jeder Handlung das Fromme etwas
mit sich Identisches und das Unfromme etwas allem Frommen Entgegengesetztes, sich selbst aber Gleiches, und hat
nicht alles, was immer unfromm sein mag, eine einheitliche
Form als Unfrommes?
EUTHYPHRON: Allerdings, Sokrates.
SOKRATES: Nun, was, meinst du, ist das Fromme und [6]
was das Unfromme?
EUTHYPHRON: Ich meine also, daß das Fromme das ist,
was ich jetzt mache, gegen den, der durch Mord oder Tempelraub oder etwas Derartiges sich eines Vergehens schuldig gemacht hat, vorzugehen, sei es auch zufällig der eigene
Vater oder die Mutter oder sonstwer; gegen ihn aber nicht
vorzugehen, das ist unfromm. Denn sieh nur, Sokrates, was
für ein gutes Kennzeichen für die Richtigkeit der Vorschrift ich dir sagen werde, daß man dem Unfrommen, wer
immer er auch sei, nichts zugute halten darf – ich habe es
auch schon anderen angegeben, um ihnen zu zeigen, daß
dieses Verhalten richtig ist. Die Menschen halten doch ge-

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Ε ΥΘΥΦΡΩ Ν

στον ϰαὶ διϰαιότατον, ϰαὶ τοῦτον ὁμολογοῦσι τὸν αὑτοῦ πα- 6
τέρα δῆσαι ὅτι τοὺς ὑεῖς ϰατέπινεν οὐϰ ἐν δίϰῃ, ϰἀϰεῖνόν γε
αὖ τὸν αὑτοῦ πατέρα ἐϰτεμεῖν δι’ ἕτερα τοιαῦτα: ἐμοὶ δὲ
χαλεπαίνουσιν ὅτι τῷ πατρὶ ἐπεξέρχομαι ἀδιϰοῦντι, ϰαὶ
οὕτως αὐτοὶ αὑτοῖς τὰ ἐναντία λέγουσι περί τε τῶν ϑεῶν
ϰαὶ περὶ ἐμοῦ.
ΣΩ : Ἆρά γε, ὦ Εὐϑύφρων, τοῦτ’ ἔστιν [οὗ] οὕνεϰα τὴν
γραφὴν φεύγω, ὅτι τὰ τοιαῦτα ἐπειδάν τις περὶ τῶν ϑεῶν
λέγῃ, δυσχερῶς πως ἀποδέχομαι; διὸ δή, ὡς ἔοιϰε, φήσει
τίς με ἐξαμαρτάνειν. νῦν οὖν εἰ ϰαὶ σοὶ ταῦτα συνδοϰεῖ τῷ
εὖ εἰδότι περὶ τῶν τοιούτων, ἀνάγϰη δή, ὡς ἔοιϰε, ϰαὶ ἡμῖν b
συγχωρεῖν. τί γὰρ ϰαὶ φήσομεν, οἵ γε ϰαὶ αὐτοὶ ὁμολογοῦμεν περὶ αὐτῶν μηδὲν εἰδέναι; ἀλλά μοι εἰπὲ πρὸς
Φιλίου, σὺ ὡς ἀληϑῶς ἡγῇ ταῦτα οὕτως γεγονέναι;
ΕΥΘ: Κ αὶ ἔτι γε τούτων ϑαυμασιώτερα, ὦ Σώϰρατες,
ἃ οἱ πολλοὶ οὐϰ ἴσασιν.
ΣΩ : Καὶ πόλεμον ἆρα ἡγῇ σὺ εἶναι τῷ ὄντι ἐν τοῖς ϑεοῖς
πρὸς ἀλλήλους, ϰαὶ ἔχϑρας γε δεινὰς ϰαὶ μάχας ϰαὶ ἄλλα
τοιαῦτα πολλά, οἷα λέγεταί τε ὑπὸ τῶν ποιητῶν, ϰαὶ ὑπὸ τῶν
ἀγαϑῶν γραφέων τά τε ἄλλα ἱερὰ ἡμῖν ϰαταπεποίϰιλται, c
ϰαὶ δὴ ϰαὶ τοῖς μεγάλοις Παναϑηναίοις ὁ πέπλος μεστὸς
τῶν τοιούτων ποιϰιλμάτων ἀνάγεται εἰς τὴν ἀϰρόπολιν;
ταῦτα ἀληϑῆ φῶμεν εἶναι, ὦ Εὐϑύφρων;
ΕΥΘ: Μὴ μόνον γε, ὦ Σώϰρατες, ἀλλ’ ὅπερ ἄρτι εἶπον,
ϰαὶ ἄλλα σοι ἐγὼ πολλά, ἐάνπερ βούλῃ, περὶ τῶν ϑείων
διηγήσομαι, ἃ σὺ ἀϰούων εὖ οἶδ’ ὅτι ἐϰπλαγήσῃ.
ΣΩ : Οὐϰ ἂν ϑαυμάζοιμι. ἀλλὰ ταῦτα μέν μοι εἰς αὖϑις
ἐπὶ σχολῆς διηγήσῃ: νυνὶ δὲ ὅπερ ἄρτι σε ἠρόμην πειρῶ

Euthyphron
6

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rade den Zeus für den besten und gerechtesten der Götter
und gestehen doch zu, daß er seinen Vater in Fesseln gelegt habe, weil der seine Söhne gegen alles Recht verschluckt hatte, und daß dieser hinwiederum seinen Vater
kastriert hat wegen anderer solcher Geschichten. Mir aber
nehmen sie es übel, daß ich gegen meinen Vater wegen
eines Unrechts vorgehe, und so sind ihre Urteile über die
Götter und über mich doch in völligem Widerstreit.
SOKRATES: Meinst du nicht, Euthyphron, daß ich gerade deswegen angeklagt bin, weil ich es ganz und gar
nicht gelten lassen mag, wenn jemand derartiges von den
Göttern erzählt, und freilich wird jemand, wie es scheint,
sagen, daß ich hierin fehle. Aber wenn du der gleichen Meinung bist, wo du so gut über derartiges Bescheid weißt,
muß unsereiner das wohl auch einräumen. Was sollen wir
auch sagen, die wir doch selbst eingestehen, daß wir nichts
darüber wissen? Aber sage mir bei aller Liebe, glaubst du
wirklich, daß jene Dinge alle so geschehen sind?
EUTHYPHRON: Und noch viel Erstaunlicheres, Sokrates,
wovon die Leute keine Ahnung haben.
SOKRATES: Und du glaubst also, daß wirklich Krieg unter den Göttern herrscht und fürchterliche Feindschaften
und Kämpfe und tausend Derartiges, was die Dichter erzählen und womit unsere guten Freunde, die Maler, unsere
Tempel uns geschmückt haben; denk nur an das Gewand
der Athene, das an ihrem Fest in der Prozession auf die
Akropolis getragen wird und voll ist von solchen Malereien. Wollen wir sagen, daß dies alles wahr ist, Euthyphron?
EUTHYPHRON: Nicht nur das, Sokrates, sondern wie
schon gesagt, wenn du wünschst, will ich dir noch vieles
andere über das Göttliche erzählen, was du sicher nur mit
dem größten Schrecken hörst.
SOKRATES: Das sollte mich nicht wundern. Doch das [7]
wirst du mir ein andermal in Muße erzählen. Jetzt aber

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Ε ΥΘΥΦΡΩ Ν

σαφέστερον εἰπεῖν. οὐ γάρ με, ὦ ἑταῖρε, τὸ πρότερον d
ἱϰανῶς ἐδίδαξας ἐρωτήσαντα τὸ ὅσιον ὅτι ποτ’ εἴη, ἀλλά
μοι εἶπες ὅτι τοῦτο τυγχάνει ὅσιον ὂν ὃ σὺ νῦν ποιεῖς,
φόνου ἐπεξιὼν τῷ πατρί.
ΕΥΘ: Κ αὶ ἀληϑῆ γε ἔλεγον, ὦ Σώϰρατες.
Σ Ω : Ἴσως. ἀλλὰ γάρ, ὦ Εὐϑύφρων, ϰαὶ ἄλλα πολλὰ
φῂς εἶναι ὅσια.
ΕΥΘ: Κ αὶ γὰρ ἔστιν.
ΣΩ : Μέμνησαι οὖν ὅτι οὐ τοῦτό σοι διεϰελευόμην, ἕν τι
ἢ δύο με διδάξαι τῶν πολλῶν ὁσίων, ἀλλ’ ἐϰεῖνο αὐτὸ τὸ
εἶδος ᾧ πάντα τὰ ὅσια ὅσιά ἐστιν; ἔφησϑα γάρ που μιᾷ ἰδέᾳ
τά τε ἀνόσια ἀνόσια εἶναι ϰαὶ τὰ ὅσια ὅσια: ἢ οὐ μνημονεύ- e
εις;
ΕΥΘ: Ἔγωγε.
ΣΩ : Ταύτην τοίνυν με αὐτὴν δίδαξον τὴν ἰδέαν τίς ποτέ
ἐστιν, ἵνα εἰς ἐϰείνην ἀποβλέπων ϰαὶ χρώμενος αὐτῇ παραδείγματι, ὃ μὲν ἂν τοιοῦτον ᾖ ὧν ἂν ἢ σὺ ἢ ἄλλος τις
πράττῃ φῶ ὅσιον εἶναι, ὃ δ’ ἂν μὴ τοιοῦτον, μὴ φῶ.
ΕΥΘ: Ἀ λλ’ εἰ οὕτω βούλει, ὦ Σώϰρατες, ϰαὶ οὕτω σοι
φράσω.
ΣΩ : Ἀλλὰ μὴν βούλομαί γε.
ΕΥΘ: Ἔ στι τοίνυν τὸ μὲν τοῖς ϑεοῖς προσφιλὲς ὅσιον,
τὸ δὲ μὴ προσφιλὲς ἀνόσιον.
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Σ Ω : Παγϰάλως, ὦ Εὐϑύφρων, ϰαὶ ὡς ἐγὼ ἐζήτουν
ἀποϰρίνασϑαί σε, οὕτω νῦν ἀπεϰρίνω. εἰ μέντοι ἀληϑῶς,
τοῦτο οὔπω οἶδα, ἀλλὰ σὺ δῆλον ὅτι ἐπεϰδιδάξεις ὡς ἔστιν
ἀληϑῆ ἃ λέγεις.
ΕΥΘ: Πάνυ μὲν οὖν.

Euthyphron

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versuche das, was ich dich eben gefragt habe, deutlicher
zu sagen. Denn, mein Lieber, bezüglich meiner vorigen
Frage, was das Fromme sei, hast du mich nicht hinreichend
belehrt, sondern du hast mir gesagt, daß, was du jetzt
tust, gegen den Vater wegen Mordes vorgehen, eine fromme Handlung sei.
EUTHYPHRON: Und mit Recht habe ich das gesagt, Sokrates.
SOKRATES: Möglich. Aber, Euthyphron, du könntest
doch noch von vielem anderen sagen, daß es fromm sei.
EUTHYPHRON: Ja, das gibt es doch auch.
SOKRATES: Erinnere dich doch bitte, daß ich nicht von
dir verlangt habe, mir eine oder zwei von den mannigfachen frommen Handlungen anzugeben, sondern eben
jene Form selber, wodurch alles Fromme fromm ist! Denn
hast du nicht gesagt, daß durch eine einheitliche Form das
Unfromme unfromm und das Fromme fromm ist, oder entsinnst du dich nicht?
EUTHYPHRON: Doch.
SOKRATES: Dann lehre mich doch, worin diese Form besteht; denn dann werde ich einen Maßstab haben, auf den
ich schauen und mit dem ich Handlungen, seien es deine
oder irgend eines anderen, schätzen kann, und werde sagen können, daß so und so eine Handlung fromm ist und
eine, die nicht so ist, nicht.
EUTHYPHRON: Aber wenn du es so willst, Sokrates, will
ich es dir auch so sagen.
SOKRATES: Freilich will ich.
EUTHYPHRON: Es ist also das den Göttern Liebe fromm
und das ihnen nicht Liebe unfromm.
SOKRATES: Sehr schön, Euthyphron, du hast mir ganz
so geantwortet, wie ich es von dir verlangt habe, ob jedoch
richtig, das weiß ich noch nicht. Aber du beweist doch
wohl, daß du mir die richtige Lehre gegeben hast.
EUTHYPHRON: Allerdings.

18

Ε ΥΘΥΦΡΩ Ν

ΣΩ : Φέρε δή, ἐπισϰεψώμεϑα τί λέγομεν. τὸ μὲν ϑεοφιλές τε ϰαὶ ϑεοφιλὴς ἄνϑρωπος ὅσιος, τὸ δὲ ϑεομισὲς ϰαὶ
ὁ ϑεομισὴς ἀνόσιος: οὐ ταὐτὸν δ’ ἐστίν, ἀλλὰ τὸ ἐναντιώτατον, τὸ ὅσιον τῷ ἀνοσίῳ: οὐχ οὕτως;
ΕΥΘ: Ο ὕτω μὲν οὖν.
ΣΩ : Καὶ εὖ γε φαίνεται εἰρῆσϑαι;
ΕΥΘ: ∆οϰῶ, ὦ Σώϰρατες. [εἴρηται γάρ.]

b

ΣΩ : Οὐϰοῦν ϰαὶ ὅτι στασιάζουσιν οἱ ϑεοί, ὦ Εὐϑύφρων,
ϰαὶ διαφέρονται ἀλλήλοις ϰαὶ ἔχϑρα ἐστὶν ἐν αὐτοῖς πρὸς
ἀλλήλους, ϰαὶ τοῦτο εἴρηται;
ΕΥΘ: Ε ἴρηται γάρ.
Σ Ω : Ἔχϑραν δὲ ϰαὶ ὀργάς, ὦ ἄριστε, ἡ περὶ τίνων
διαφορὰ ποιεῖ; ὧδε δὲ σϰοπῶμεν. ἆρ’ ἂν εἰ διαφεροίμεϑα
ἐγώ τε ϰαὶ σὺ περὶ ἀριϑμοῦ ὁπότερα πλείω, ἡ περὶ τούτων
διαφορὰ ἐχϑροὺς ἂν ἡμᾶς ποιοῖ ϰαὶ ὀργίζεσϑαι ἀλλήλοις, ἢ
ἐπὶ λογισμὸν ἐλϑόντες περί γε τῶν τοιούτων ταχὺ ἂν ἀπαλλαγεῖμεν;
ΕΥΘ: Πάνυ γε.
ΣΩ : Οὐϰοῦν ϰαὶ περὶ τοῦ μείζονος ϰαὶ ἐλάττονος εἰ διαφεροίμεϑα, ἐπὶ τὸ μετρεῖν ἐλϑόντες ταχὺ παυσαίμεϑ’ ἂν
τῆς διαφορᾶς;
c
ΕΥΘ: Ἔ στι ταῦτα.
ΣΩ : Καὶ ἐπί γε τὸ ἱστάναι ἐλϑόντες, ὡς ἐγᾦμαι, περὶ
τοῦ βαρυτέρου τε ϰαὶ ϰουφοτέρου διαϰριϑεῖμεν ἄν;
ΕΥΘ: Πῶς γὰρ οὔ;
ΣΩ : Περὶ τίνος δὲ δὴ διενεχϑέντες ϰαὶ ἐπὶ τίνα ϰρίσιν
οὐ δυνάμενοι ἀφιϰέσϑαι ἐχϑροί γε ἂν ἀλλήλοις εἶμεν ϰαὶ
ὀργιζοίμεϑα; ἴσως οὐ πρόχειρόν σοί ἐστιν, ἀλλ’ ἐμοῦ λέγοντος σϰόπει εἰ τάδε ἐστὶ τό τε δίϰαιον ϰαὶ τὸ ἄδιϰον ϰαὶ d
ϰαλὸν ϰαὶ αἰσχρὸν ϰαὶ ἀγαϑὸν ϰαὶ ϰαϰόν. ἆρα οὐ ταῦτά

Euthyphron

b

c

d

19

SOKRATES: Schön, wir wollen betrachten, was wir sagen; [8]
das Gottgeliebte oder der gottgeliebte Mensch ist fromm,
das Gott verhaßte oder der gottverhaßte Mensch unfromm.
Das Fromme ist aber doch nicht dasselbe wie das Unfromme, sondern ihm vollkommen entgegengesetzt?
EUTHYPHRON: So ist es.
SOKRATES: Und so scheint es doch gut gesagt zu sein,
EUTHYPHRON: Mir scheint es, Sokrates.
SOKRATES: Freilich doch auch, daß die Götter im Kampf
miteinander liegen und daß sie Zwistigkeiten und Feindschaften miteinander haben – war das nicht auch gesagt?
EUTHYPHRON: Ja.
SOKRATES: Worüber ist man denn verschiedener Meinung, wenn man in Feindschaft und Unwillen miteinander
lebt? Das wollen wir betrachten. Wenn du und ich über
eine Zahl – welche von zwei Mengen umfassender ist – verschiedener Ansicht sind, würde eine Meinungsverschiedenheit darüber uns zu Feinden machen und in Wut gegeneinander bringen, oder würden wir nicht zur Rechnung
schreiten und schnell aller Sorgen ledig werden?
EUTHYPHRON: Gewiß.
SOKRATES: Und wenn wir über eine Größenfrage verschiedener Meinung wären, würden wir doch wohl ans
Messen gehen und so schnell allen Streit beenden?
EUTHYPHRON: Allerdings.
SOKRATES: Und wenn wir zum Wägen schritten, denke
ich, würden wir eine Streitfrage über Gewichts Verhältnisse
schlichten können?
EUTHYPHRON: Natürlich.
SOKRATES: Worüber müssen wir denn verschiedener
Meinung sein und nicht zu einer Schlichtung kommen können, um feindselig und zornig gegeneinander zu werden?
Vielleicht ist es dir nicht ohne weiteres klar. Aber erwäge
einmal mit mir, ob es nicht das Gerechte und Ungerechte,
das Schöne und Häßliche, das Wohlgetane und Schlechte

20

Ε ΥΘΥΦΡΩ Ν

ἐστιν περὶ ὧν διενεχϑέντες ϰαὶ οὐ δυνάμενοι ἐπὶ ἱϰανὴν
ϰρίσιν αὐτῶν ἐλϑεῖν ἐχϑροὶ ἀλλήλοις γιγνόμεϑα, ὅταν γιγνώμεϑα, ϰαὶ ἐγὼ ϰαὶ σὺ ϰαὶ οἱ ἄλλοι ἄνϑρωποι πάντες;
ΕΥΘ: Ἀ λλ’ ἔστιν αὕτη ἡ διαφορά, ὦ Σώϰρατες, ϰαὶ
περὶ τούτων.
ΣΩ : Τί δὲ οἱ ϑεοί, ὦ Εὐϑύφρων; οὐϰ εἴπερ τι διαφέρονται, δι’ αὐτὰ ταῦτα διαφέροιντ’ ἄν;
ΕΥΘ: Πολλὴ ἀνάγϰη.
ΣΩ : Καὶ τῶν ϑεῶν ἄρα, ὦ γενναῖε Εὐϑύφρων, ἄλλοι
ἄλλα δίϰαια ἡγοῦνται ϰατὰ τὸν σὸν λόγον, ϰαὶ ϰαλὰ ϰαὶ
αἰσχρὰ ϰαὶ ἀγαϑὰ ϰαὶ ϰαϰά: οὐ γὰρ ἄν που ἐστασίαζον
ἀλλήλοις εἰ μὴ περὶ τούτων διεφέροντο: ἦ γάρ;

e

ΕΥΘ: Ὀρϑῶς λέγεις.
ΣΩ: Οὐϰοῦν ἅπερ ϰαλὰ ἡγοῦνται ἕϰαστοι ϰαὶ ἀγαϑὰ ϰαὶ
δίϰαια, ταῦτα ϰαὶ φιλοῦσιν, τὰ δὲ ἐναντία τούτων μισοῦσιν;
ΕΥΘ: Πάνυ γε.
ΣΩ : Ταὐτὰ δέ γε, ὡς σὺ φῄς, οἱ μὲν δίϰαια ἡγοῦνται,
οἱ δὲ ἄδιϰα, περὶ ἃ ϰαὶ ἀμφισβητοῦντες στασιάζουσί τε ϰαὶ 8
πολεμοῦσιν ἀλλήλοις: ἆρα οὐχ οὕτω;
ΕΥΘ: Ο ὕτω.
ΣΩ : Ταὔτ’ ἄρα, ὡς ἔοιϰεν, μισεῖταί τε ὑπὸ τῶν ϑεῶν
ϰαὶ φιλεῖται, ϰαὶ ϑεομισῆ τε ϰαὶ ϑεοφιλῆ ταὔτ’ ἂν εἴη.
ΕΥΘ: Ἔ οιϰεν.
ΣΩ : Καὶ ὅσια ἄρα ϰαὶ ἀνόσια τὰ αὐτὰ ἂν εἴη, ὦ Εὐϑύφρων, τούτῳ τῷ λόγῳ.
ΕΥΘ: Κ ινδυνεύει.
ΣΩ : Οὐϰ ἄρα ὃ ἠρόμην ἀπεϰρίνω, ὦ ϑαυμάσιε. οὐ γὰρ
τοῦτό γε ἠρώτων, ὃ τυγχάνει ταὐτὸν ὂν ὅσιόν τε ϰαὶ ἀνό-

Euthyphron

e

8

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ist. Werden wir deswegen nicht, wenn wir darüber verschiedener Meinung sind und nicht zu einer hinreichenden Entscheidung kommen, im gegebenen Falle Feinde miteinander, du und ich und so alle anderen Menschen?
EUTHYPHRON: Gewiß, Sokrates, das ist der Punkt, um
den es sich dabei dreht.
SOKRATES: Und wie meinst du, Euthyphron: wenn die
Götter Meinungsverschiedenheiten haben, hätten sie sie
nicht eben deswegen?
EUTHYPHRON: Natürlich.
SOKRATES: Und nach deiner Ausführung, würdiger
Mann, halten die Götter, je nach Art, Verschiedenartiges
für gerecht und schön und häßlich und gut und schlecht,
denn sie könnten ja wohl nicht miteinander in Streit geraten, wenn sie nicht hierüber Differenzen hätten, wie?
EUTHYPHRON: Ganz richtig.
SOKRATES: Und was sie jeweils für schön und wohlgetan
und recht halten, das lieben sie auch und das Gegenteil hassen sie, nicht wahr?
EUTHYPHRON: Gewiß.
SOKRATES: Und dasselbe doch, wie du sagst, halten die
einen für gerecht, die anderen für ungerecht, und darüber
streitend haben sie Händel und Kämpfe miteinander, ist
es nicht so?
EUTHYPHRON: Genauso.
SOKRATES: Dasselbe also, wie es scheint, wird von den
Göttern gehaßt und geliebt, und dasselbe wäre zugleich
gottverhaßt und gottgeliebt.
EUTHYPHRON: So scheint es.
SOKRATES: Und dasselbe wäre also sowohl fromm wie
unfromm, Euthyphron, nach deiner Rede.
EUTHYPHRON: Es scheint.
SOKRATES: Also hast du mir, mein Lieber, keine Ant- [9]
wort auf meine Frage gegeben, denn danach habe ich dich
doch nicht gefragt, was, ohne daß es sich dabei ändert, so-

22

Ε ΥΘΥΦΡΩ Ν

σιον: ὃ δ’ ἂν ϑεοφιλὲς ᾖ ϰαὶ ϑεομισές ἐστιν, ὡς ἔοιϰεν.
ὥστε, ὦ Εὐϑύφρων, ὃ σὺ νῦν ποιεῖς τὸν πατέρα ϰολάζων, b
οὐδὲν ϑαυμαστὸν εἰ τοῦτο δρῶν τῷ μὲν Διὶ προσφιλὲς
ποιεῖς, τῷ δὲ Κρόνῳ ϰαὶ τῷ Οὐρανῷ ἐχϑρόν, ϰαὶ τῷ μὲν
Ἡφαίστῳ φίλον, τῇ δὲ Ἥρᾳ ἐχϑρόν, ϰαὶ εἴ τις ἄλλος τῶν
ϑεῶν ἕτερος ἑτέρῳ διαφέρεται περὶ αὐτοῦ, ϰαὶ ἐϰείνοις
ϰατὰ τὰ αὐτά.
ΕΥΘ : Ἀ λλ’ οἶμαι, ὦ Σώϰρατες, περί γε τούτου τῶν
ϑεῶν οὐδένα ἕτερον ἑτέρῳ διαφέρεσϑαι, ὡς οὐ δεῖ δίϰην
διδόναι ἐϰεῖνον ὃς ἂν ἀδίϰως τινὰ ἀποϰτείνῃ.
ΣΩ : Τί δέ; ἀνϑρώπων, ὦ Εὐϑύφρων, ἤδη τινὸς ἤϰουσας
ἀμφισβητοῦντος ὡς τὸν ἀδίϰως ἀποϰτείναντα ἢ ἄλλο ἀδί- c
ϰως ποιοῦντα ὁτιοῦν οὐ δεῖ δίϰην διδόναι;
ΕΥΘ: Ο ὐδὲν μὲν οὖν παύονται ταῦτα ἀμφισβητοῦντες
ϰαὶ ἄλλοϑι ϰαὶ ἐν τοῖς διϰαστηρίοις: ἀδιϰοῦντες γὰρ πάμπολλα, πάντα ποιοῦσι ϰαὶ λέγουσι φεύγοντες τὴν δίϰην.
Σ Ω : Ἦ ϰαὶ ὁμολογοῦσιν, ὦ Εὐϑύφρων, ἀδιϰεῖν, ϰαὶ
ὁμολογοῦντες ὅμως οὐ δεῖν φασὶ σφᾶς διδόναι δίϰην;
ΕΥΘ: Ο ὐδαμῶς τοῦτό γε.
ΣΩ : Οὐϰ ἄρα πᾶν γε ποιοῦσι ϰαὶ λέγουσι: τοῦτο γὰρ
οἶμαι οὐ τολμῶσι λέγειν οὐδ’ ἀμφισβητεῖν, ὡς οὐχὶ εἴπερ
ἀδιϰοῦσί γε δοτέον δίϰην, ἀλλ’ οἶμαι οὔ φασιν ἀδιϰεῖν: ἦ
γάρ;
ΕΥΘ: Ἀ ληϑῆ λέγεις.
ΣΩ : Οὐϰ ἄρα ἐϰεῖνό γε ἀμφισβητοῦσιν, ὡς οὐ τὸν ἀδιϰοῦντα δεῖ διδόναι δίϰην, ἀλλ’ ἐϰεῖνο ἴσως ἀμφισβητοῦσιν,
τὸ τίς ἐστιν ὁ ἀδιϰῶν ϰαὶ τί δρῶν ϰαὶ πότε.
ΕΥΘ: Ἀ ληϑῆ λέγεις.

d

Euthyphron

b

c

d

23

wohl fromm wie unfromm sein kann; allerdings was gottgeliebt ist, ist zugleich auch gottverhaßt, dem Anschein
nach. Da ist es denn, Euthyphron, auch nicht verwunderlich, daß deine jetzige Strafaktion gegen deinen Vater dem
Zeus lieb ist, dem Kronos und dem Uranos aber verhaßt,
und dem Hephaistos lieb, der Hera aber verhaßt, und analog wird es in allen anderen Fällen stehen, wo ein Gott mit
dem anderen eine derartige Differenz hat.
EUTHYPHRON: Aber ich glaube doch, Sokrates, darüber
streitet kein Gott mit einem anderen, daß einer, der rechtswidrig jemanden getötet hat, bestraft werden muß.
SOKRATES: Aber Euthyphron! Ist dir schon ein Mensch
begegnet, der daran zweifelt, daß jemand, der rechtswidrig getötet hat oder sonst etwas Unrechtes getan hat,
bestraft werden muß?
EUTHYPHRON: Aber sie hören doch gar nicht auf, darüber zu streiten, vor allem vor den Gerichtsschranken. Was
stellen sie nicht alles an und sagen sie nicht alles, wenn sie
Unrecht getan haben, um der Strafe zu entgehen!
SOKRATES: Ja, aber geben sie denn zu, Euthyphron, daß
sie im Unrecht sind, und behaupten sie denn, wenn sie das
zugestehen, daß sie gleichwohl nicht bestraft werden müßten?
EUTHYPHRON: Nein, das natürlich nicht.
SOKRATES: Also stellen sie nicht alles mögliche an, denn
das, glaube ich, wagen sie nicht zu sagen und darum zu
streiten, daß sie, wenn sie Unrecht getan haben, nicht
Strafe leiden müßten; sondern ich denke, sie leugnen ihr
Unrecht, wie?
EUTHYPHRON: Das stimmt.
SOKRATES: Also das bestreiten sie gar nicht, daß der
Rechtsbrecher bestraft werden muß, sondern darum streiten sie, wer in irgend einem Falle im Unrecht ist und mit
welcher Tat und unter welchen Umständen.
EUTHYPHRON: Gewiß.

24

Ε ΥΘΥΦΡΩ Ν

Σ Ω : Οὐϰοῦν αὐτά γε ταῦτα ϰαὶ οἱ ϑεοὶ πεπόνϑασιν,
εἴπερ στασιάζουσι περὶ τῶν διϰαίων ϰαὶ ἀδίϰων ὡς ὁ σὸς
λόγος, ϰαὶ οἱ μέν φασιν ἀλλήλους ἀδιϰεῖν, οἱ δὲ οὔ φασιν;
ἐπεὶ ἐϰεῖνό γε δήπου, ὦ ϑαυμάσιε, οὐδεὶς οὔτε ϑεῶν οὔτε
ἀνϑρώπων τολμᾷ λέγειν, ὡς οὐ τῷ γε ἀδιϰοῦντι δοτέον
δίϰην.
e
ΕΥΘ: Ναί, τοῦτο μὲν ἀληϑὲς λέγεις, ὦ Σώϰρατες, τό
γε ϰεφάλαιον.
Σ Ω : Ἀλλ’ ἕϰαστόν γε οἶμαι, ὦ Εὐϑύφρων, τῶν πραχϑέντων ἀμφισβητοῦσιν οἱ ἀμφισβητοῦντες, ϰαὶ ἄνϑρωποι
ϰαὶ ϑεοί, εἴπερ ἀμφισβητοῦσιν ϑεοί: πράξεώς τινος πέρι
διαφερόμενοι οἱ μὲν διϰαίως φασὶν αὐτὴν πεπρᾶχϑαι, οἱ δὲ
ἀδίϰως: ἆρ’ οὐχ οὕτω;
ΕΥΘ: Πάνυ γε.
ΣΩ : Ἴϑι νυν, ὦ φίλε Εὐϑύφρων, δίδαξον ϰαὶ ἐμέ, ἵνα 9
σοφώτερος γένωμαι, τί σοι τεϰμήριόν ἐστιν ὡς πάντες ϑεοὶ
ἡγοῦνται ἐϰεῖνον ἀδίϰως τεϑνάναι, ὃς ἂν ϑητεύων ἀνδροφόνος γενόμενος, συνδεϑεὶς ὑπὸ τοῦ δεσπότου τοῦ ἀποϑανόντος, φϑάσῃ τελευτήσας διὰ τὰ δεσμὰ πρὶν τὸν συνδήσαντα παρὰ τῶν ἐξηγητῶν περὶ αὐτοῦ πυϑέσϑαι τί χρὴ
ποιεῖν, ϰαὶ ὑπὲρ τοῦ τοιούτου δὴ ὀρϑῶς ἔχει ἐπεξιέναι
ϰαὶ ἐπισϰήπτεσϑαι φόνου τὸν ὑὸν τῷ πατρί; ἴϑι, περὶ τούτων πειρῶ τί μοι σαφὲς ἐνδείξασϑαι ὡς παντὸς μᾶλλον b
πάντες ϑεοὶ ἡγοῦνται ὀρϑῶς ἔχειν ταύτην τὴν πρᾶξιν: ϰἄν
μοι ἱϰανῶς ἐνδείξῃ, ἐγϰωμιάζων σε ἐπὶ σοφίᾳ οὐδέποτε
παύσομαι.
ΕΥΘ: Ἀ λλ’ ἴσως οὐϰ ὀλίγον ἔργον ἐστίν, ὦ Σώϰρατες,
ἐπεὶ πάνυ γε σαφῶς ἔχοιμι ἂν ἐπιδεῖξαί σοι.
ΣΩ : Μανϑάνω: ὅτι σοι δοϰῶ τῶν διϰαστῶν δυσμαϑέστερος εἶναι, ἐπεὶ ἐϰείνοις γε ἐνδείξῃ δῆλον ὅτι ὡς ἄδιϰά

Euthyphron

e

9

b

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SOKRATES: Steht es nun nicht ebenso mit den Göttern,
wenn sie über Recht und Unrecht streiten, wie deine Rede
geht; auch sie bezichtigen einander des Unrechts oder bestreiten es? Denn das, mein Bester, wagt doch keiner, weder ein Mensch noch ein Gott, zu vertreten, daß der
Rechtsbrecher nicht bestraft werden müßte.
EUTHYPHRON: Ja, damit hast du allerdings in der
Hauptsache recht.
SOKRATES: Aber jede einzelne Handlung, denke ich,
Euthyphron, machen die Streitenden zum Streitobjekt,
sowohl Menschen wie Götter, wenn die Götter im Streit
liegen; von einer bestimmten Handlung behauptet eine
Partei, daß sie recht, die andere, daß sie unrecht getan sei;
ist es nicht so?
EUTHYPHRON: Ja.
SOKRATES: Nun denn, lieber Euthyphron, dann belehre [10]
mich auch, damit ich weiser werde, was dir das Kennzeichen dafür ist, daß alle Götter glauben, daß ein Mann zu
Unrecht den Tod erleidet, der, als Tagelöhner nach Begehung eines Mordes von dem Herrn des Ermordeten in Fesseln gelegt, schließlich infolge der Fesselung stirbt, bevor
jener, der ihn in Verwahrung genommen hat, vom Gericht
die Auskunft bekommen hat, was mit ihm geschehen soll;
und daß es also recht getan ist, für einen derartigen Menschen als Sohn gegen den Vater vorzugehen und ihn auf
Mord zu verklagen. Das versuche mir doch bitte ganz
deutlich zu zeigen, daß wirklich alle Götter glauben, daß
eben diese besondere Handlung recht sei. Wenn du mir das
bündig beweist, dann will ich niemals aufhören, dich als
weise zu preisen.
EUTHYPHRON: Das führt doch wohl wirklich zu weit,
Sokrates, wenn ich es dir natürlich an sich auch zeigen
könnte.
SOKRATES: Ich verstehe. Du hältst mich für schwieriger
zu belehren als die Richter; denn denen wirst du es natür-

26

Ε ΥΘΥΦΡΩ Ν

τέ ἐστιν ϰαὶ οἱ ϑεοὶ ἅπαντες τὰ τοιαῦτα μισοῦσιν.
ΕΥΘ: Πάνυ γε σαφῶς, ὦ Σώϰρατες, ἐάνπερ ἀϰούωσί
γέ μου λέγοντος.
ΣΩ : Ἀλλ’ ἀϰούσονται. ἐάνπερ εὖ δοϰῇς λέγειν. τόδε δέ c
σου ἐνενόησα ἅμα λέγοντος ϰαὶ πρὸς ἐμαυτὸν σϰοπῶ: “Εἰ
ὅτι μάλιστά με Εὐϑύφρων διδάξειεν ὡς οἱ ϑεοὶ ἅπαντες
τὸν τοιοῦτον ϑάνατον ἡγοῦνται ἄδιϰον εἶναι, τί μᾶλλον
ἐγὼ μεμάϑηϰα παρ’ Εὐϑύφρονος τί ποτ’ ἐστὶν τὸ ὅσιόν τε
ϰαὶ τὸ ἀνόσιον; ϑεομισὲς μὲν γὰρ τοῦτο τὸ ἔργον, ὡς
ἔοιϰεν, εἴη ἄν. ἀλλὰ γὰρ οὐ τούτῳ ἐφάνη ἄρτι ὡρισμένα τὸ
ὅσιον ϰαὶ μή: τὸ γὰρ ϑεομισὲς ὂν ϰαὶ ϑεοφιλὲς ἐφάνη.”
ὥστε τούτου μὲν ἀφίημί σε, ὦ Εὐϑύφρων: εἰ βούλει, πάντες αὐτὸ ἡγείσϑων ϑεοὶ ἄδιϰον ϰαὶ πάντες μισούντων. ἀλλ’ d
ἆρα τοῦτο ὃ νῦν ἐπανορϑούμεϑα ἐν τῷ λόγῳ – ὡς ὃ μὲν ἂν
πάντες οἱ ϑεοὶ μισῶσιν ἀνόσιόν ἐστιν, ὃ δ’ ἂν φιλῶσιν,
ὅσιον: ὃ δ’ ἂν οἱ μὲν φιλῶσιν οἱ δὲ μισῶσιν, οὐδέτερα ἢ
ἀμφότερα – ἆρ’ οὕτω βούλει ἡμῖν ὡρίσϑαι νῦν περὶ τοῦ
ὁσίου ϰαὶ τοῦ ἀνοσίου;
ΕΥΘ: Τ ί γὰρ ϰωλύει, ὦ Σώϰρατες;
ΣΩ : Οὐδὲν ἐμέ γε, ὦ Εὐϑύφρων, ἀλλὰ σὺ δὴ τὸ σὸν
σϰόπει, εἰ τοῦτο ὑποϑέμενος οὕτω ῥᾷστά με διδάξεις ὃ
ὑπέσχου.
ΕΥΘ: Ἀ λλ’ ἔγωγε φαίην ἂν τοῦτο εἶναι τὸ ὅσιον ὃ ἂν
πάντες οἱ ϑεοὶ φιλῶσιν, ϰαὶ τὸ ἐναντίον, ὃ ἂν πάντες ϑεοὶ
μισῶσιν, ἀνόσιον.
ΣΩ : Οὐϰοῦν ἐπισϰοπῶμεν αὖ τοῦτο, ὦ Εὐϑύφρων, εἰ
ϰαλῶς λέγεται, ἢ ἐῶμεν ϰαὶ οὕτω ἡμῶν τε αὐτῶν ἀποδεχώμεϑα ϰαὶ τῶν ἄλλων, ἐὰν μόνον φῇ τίς τι ἔχειν οὕτω

e

Euthyphron

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lich beweisen, daß jener Fall ein Unrecht ist und die Götter
alle ihn hassen.
EUTHYPHRON: Natürlich, Sokrates, wenn sie nur auf
meine Worte hören werden.
SOKRATES: Aber sie werden auf dich hören, wenn du den
Eindruck machst, daß du vernünftig sprichst. Das aber
fiel mir bei deinen Worten auf und erwäge ich bei mir
selbst: Wenn mich Euthyphron noch so sehr belehrt haben
mag, daß alle Götter die besprochene Tötung für Unrecht
halten, was habe ich damit von Euthyphron darüber gelernt, was das Fromme und das Unfromme ist? Gottverhaßt wäre dann dem Anschein nach dieser besondere Einzelfall. Aber es hatte sich uns das Fromme und Unfromme
nicht als hierdurch definiert herausgestellt, hatte sich
doch das Gottverhaßte als zugleich auch gottgeliebt gezeigt. – Deshalb entbinde ich dich davon, o Euthyphron,
und wenn du willst, mögen alle Götter diesen Fall für unrecht halten und alle ihn hassen. Aber diese Verbesserung,
die wir in unserer Rede eben anbringen, daß das, was alle
Götter hassen, unfromm sei und, was sie lieben, fromm,
was aber die einen lieben und die anderen hassen, keines
von beiden oder beides sei – willst du, daß wir jetzt so das
Fromme und das Unfromme definieren?
EUTHYPHRON: Was hindert uns, Sokrates?
SOKRATES: Mich gewiß nichts, Euthyphron, aber du
sieh zu, ob, wenn du dies zur Grundlage nimmst, du mich
am leichtesten das lehren kannst, was du versprochen
hast.
EUTHYPHRON: Ich möchte denn also sagen, daß das
das Fromme sei, was alle Götter lieben, und das Entgegengesetzte, was alle Götter hassen, unfromm.
SOKRATES: Wollen wir uns nicht wieder ansehen, ob dies [11]
richtig gesprochen ist, oder wollen wir es gut sein lassen
und uns selbst und die übrigen so bescheiden, wenn immer
irgend einer etwas behauptet, daß wir es einfach einräu-

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Ε ΥΘΥΦΡΩ Ν

συγχωροῦντες ἔχειν; ἢ σϰεπτέον τί λέγει ὁ λέγων;
ΕΥΘ: Σ ϰεπτέον: οἶμαι μέντοι ἔγωγε τοῦτο νυνὶ ϰαλῶς
λέγεσϑαι.
ΣΩ : Τάχ’, ὠγαϑέ, βέλτιον εἰσόμεϑα. ἐννόησον γὰρ τὸ
τοιόνδε: ἆρα τὸ ὅσιον ὅτι ὅσιόν ἐστιν φιλεῖται ὑπὸ τῶν
ϑεῶν, ἢ ὅτι φιλεῖται ὅσιόν ἐστιν;

10

ΕΥΘ: Ο ὐϰ οἶδ’ ὅτι λέγεις, ὦ Σώϰρατες.
ΣΩ : Ἀλλ’ ἐγὼ πειράσομαι σαφέστερον φράσαι. λέγομέν τι φερόμενον ϰαὶ φέρον ϰαὶ ἀγόμενον ϰαὶ ἄγον ϰαὶ
ὁρώμενον ϰαὶ ὁρῶν ϰαὶ πάντα τὰ τοιαῦτα μανϑάνεις ὅτι
ἕτερα ἀλλήλων ἐστὶ ϰαὶ ᾗ ἕτερα;
ΕΥΘ: Ἔγωγέ μοι δοϰῶ μανϑάνειν.
ΣΩ : Οὐϰοῦν ϰαὶ φιλούμενόν τί ἐστιν ϰαὶ τούτου ἕτερον
τὸ φιλοῦν;
ΕΥΘ: Πῶς γὰρ οὔ;
ΣΩ : Λέγε δή μοι, πότερον τὸ φερόμενον διότι φέρεται
φερόμενόν ἐστιν, ἢ δι’ ἄλλο τι;

b

ΕΥΘ: Ο ὔϰ, ἀλλὰ διὰ τοῦτο.
ΣΩ : Καὶ τὸ ἀγόμενον δὴ διότι ἄγεται, ϰαὶ τὸ ὁρώμενον
διότι ὁρᾶται;
ΕΥΘ: Πάνυ γε.
ΣΩ: Οὐϰ ἄρα διότι ὁρώμενόν γέ ἐστιν, διὰ τοῦτο ὁρᾶται,
ἀλλὰ τὸ ἐναντίον διότι ὁρᾶται, διὰ τοῦτο ὁρώμενον: οὐδὲ
διότι ἀγόμενόν ἐστιν, διὰ τοῦτο ἄγεται, ἀλλὰ διότι ἄγεται,
διὰ τοῦτο ἀγόμενον: οὐδὲ διότι φερόμενον φέρεται, ἀλλὰ
διότι φέρεται φερόμενον. ἆρα ϰατάδηλον, ὦ Εὐϑύφρων, ὃ
βούλομαι λέγειν; βούλομαι δὲ τόδε, ὅτι εἴ τι γίγνεται ἤ τι c

Euthyphron

10

b

c

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men? oder müssen wir betrachten, was mit einer Behauptung gesagt ist?
EUTHYPHRON: Das müssen wir. Ich glaube allerdings,
daß dies hier jetzt richtig gesagt ist.
SOKRATES: Das, mein Lieber, werden wir gleich besser [12]
wissen. Erwäge indessen folgendes: Wird das Fromme,
weil es fromm ist, von den Göttern geliebt, oder ist es
fromm, weil es von ihnen geliebt wird?
EUTHYPHRON: Ich verstehe nicht, was du sagst, Sokrates.
SOKTRATES: Ich will versuchen, es deutlicher zu sagen.
Wir sagen doch, daß es etwas Getragenes gibt und etwas
Tragendes und etwas Geführtes und etwas Führendes und
etwas Gesehenes und etwas Sehendes; und von allem diesen verstehst du, daß es verschieden von einander ist und
inwiefern verschieden.
EUTHYPHRON: Ich denke, ich verstehe.
SOKRATES: Und gibt es nicht auch etwas Geliebtes und,
von diesem verschieden, das es Liebende?
EUTHYPHRON: Natürlich.
SOKRATES: Dann sage mir doch, ob das Getragene, weil
es getragen wird, etwas Getragenes ist, oder aus einem anderen Grunde.
EUTHYPHRON: Nein, eben deswegen.
SOKRATES: Und entsprechend das Geführte, weil es geführt wird, und das Gesehene, weil es gesehen wird?
EUTHYPHRON: Allerdings.
SOKRATES: Nicht also, weil es etwas Gesehenes ist, wird
es deswegen gesehen, sondern im Gegenteil, weil es gesehen wird, deswegen ist es etwas Gesehenes; und nicht
weil es etwas Geführtes ist, wird es deswegen geführt, sondern weil es geführt wird, deswegen ist es etwas Geführtes;
und nicht weil es etwas Getragenes ist, wird es getragen,
sondern weil es getragen wird, ist es etwas Getragenes. Ist
es nun klar, Euthyphron, was ich sagen will? Nämlich daß,

30

Ε ΥΘΥΦΡΩ Ν

πάσχει, οὐχ ὅτι γιγνόμενόν ἐστι γίγνεται, ἀλλ’ ὅτι γίγνεται
γιγνόμενόν ἐστιν: οὐδ’ ὅτι πάσχον ἐστὶ πάσχει, ἀλλ’ ὅτι
πάσχει πάσχον ἐστίν: ἢ οὐ συγχωρεῖς οὕτω;
ΕΥΘ: Ἔγωγε.
ΣΩ : Οὐϰοῦν ϰαὶ τὸ φιλούμενον ἢ γιγνόμενόν τί ἐστιν
ἢ πάσχον τι ὑπό του;
ΕΥΘ: Πάνυ γε.
ΣΩ : Καὶ τοῦτο ἄρα οὕτως ἔχει ὥσπερ τὰ πρότερα: οὐχ
ὅτι φιλούμενόν ἐστιν φιλεῖται ὑπὸ ὧν φιλεῖται, ἀλλ’ ὅτι
φιλεῖται φιλούμενον;
ΕΥΘ: Ἀνάγϰη.
ΣΩ: Τί δὴ οὖν λέγομεν περὶ τοῦ ὁσίου, ὦ Εὐϑύφρων; ἄλλο
τι φιλεῖται ὑπὸ ϑεῶν πάντων, ὡς ὁ σὸς λόγος;

d

ΕΥΘ: Ναί.
ΣΩ : Ἆρα διὰ τοῦτο, ὅτι ὅσιόν ἐστιν, ἢ δι’ ἄλλο τι;
ΕΥΘ: Ο ὔϰ, ἀλλὰ διὰ τοῦτο.
Σ Ω : ∆ιότι ἄρα ὅσιόν ἐστιν φιλεῖται, ἀλλ’ οὐχ ὅτι
φιλεῖται, διὰ τοῦτο ὅσιόν ἐστιν;
ΕΥΘ: Ἔ οιϰεν.
ΣΩ : Ἀλλὰ μὲν δὴ διότι γε φιλεῖται ὑπὸ ϑεῶν φιλούμενόν ἐστι ϰαὶ ϑεοφιλές.
ΕΥΘ: Πῶς γὰρ οὔ;
ΣΩ : Οὐϰ ἄρα τὸ ϑεοφιλὲς ὅσιόν ἐστιν, ὦ Εὐϑύφρων,
οὐδὲ τὸ ὅσιον ϑεοφιλές, ὡς σὺ λέγεις, ἀλλ’ ἕτερον τοῦτο
τούτου.
ΕΥΘ: Πῶς δή, ὦ Σώϰρατες;
ΣΩ : Ὅτι ὁμολογοῦμεν τὸ μὲν ὅσιον διὰ τοῦτο φιλεῖσϑαι, ὅτι ὅσιόν ἐστιν, ἀλλ’ οὐ διότι φιλεῖται ὅσιον εἶναι:
ἦ γάρ;
ΣΩ : Ναί.

e

Euthyphron

d

e

31

wenn ein Ding etwas wird oder etwas erleidet, nicht, weil
es ein Werdendes ist, es wird, sondern, weil es wird, ein
Werdendes ist; und nicht, weil es leidend ist, es leidet, sondern, weil es leidet, leidend ist, oder räumst du das nicht
ein?
EUTHYPHRON: Doch.
SOKRATES: Und ist nicht auch das Geliebte etwas, mit
dem etwas wird oder was etwas von etwas leidet?
EUTHYPHRON: Doch, sicherlich.
SOKRATES: Und geht’s mit diesem nicht ebenso wie mit
dem vorigen? Es wird doch nicht etwas, weil es ein Geliebtes ist, von denen geliebt, von denen es geliebt wird, sondern weil es geliebt wird, ist es ein Geliebtes.
EUTHYPHRON: Natürlich.
SOKRATES: Was sagen wir nun über das Fromme, Euthyphron? Wird es nicht von allen Göttern geliebt nach
deiner Erklärung?
EUTHYPHRON: Ja.
SOKRATES: Deswegen, weil es fromm ist, oder aus einem
anderen Grunde?
EUTHYPHRON: Nein, eben deswegen.
SOKRATES: Also weil es fromm ist, wird es geliebt, aber
nicht weil es geliebt wird, ist es deswegen fromm.
EUTHYPHRON: So scheint es.
SOKRATES: Aber deswegen, weil es von den Göttern geliebt wird, ist es etwas Geliebtes und den Göttern Liebes.
EUTHYPHRON: Freilich.
SOKRATES: Nicht also ist das Gottgeliebte das Fromme,
noch das Fromme das Gottgeliebte, wie du sagst, sondern
das eine ist von dem anderen verschieden,
EUTHYPHRON: Wieso, Sokrates?
SOKRATES: Weil wir zugestanden haben, daß einerseits
das Fromme deswegen geliebt wird, weil es fromm ist,
aber nicht, weil es geliebt wird, fromm ist, nicht wahr?
EUTHYPHRON: Ja.

32

Ε ΥΘΥΦΡΩ Ν

ΣΩ : Τὸ δέ γε ϑεοφιλὲς ὅτι φιλεῖται ὑπὸ ϑεῶν, αὐτῷ
τούτῳ τῷ φιλεῖσϑαι ϑεοφιλὲς εἶναι, ἀλλ’ οὐχ ὅτι ϑεοφιλές,
διὰ τοῦτο φιλεῖσϑαι.

ΕΥΘ: Ἀ ληϑῆ λέγεις.

ΣΩ : Ἀλλ’ εἴ γε ταὐτὸν ἦν, ὦ φίλε Εὐϑύφρων, τὸ ϑεοφιλὲς ϰαὶ τὸ ὅσιον, εἰ μὲν διὰ τὸ ὅσιον εἶναι ἐφιλεῖτο τὸ
ὅσιον, ϰαὶ διὰ τὸ ϑεοφιλὲς εἶναι ἐφιλεῖτο ἂν τὸ ϑεοφιλές, εἰ 11
δὲ διὰ τὸ φιλεῖσϑαι ὑπὸ ϑεῶν τὸ ϑεοφιλὲς ϑεοφιλὲς ἦν, ϰαὶ
τὸ ὅσιον ἂν διὰ τὸ φιλεῖσϑαι ὅσιον ἦν: νῦν δὲ ὁρᾷς ὅτι
ἐναντίως ἔχετον, ὡς παντάπασιν ἑτέρω ὄντε ἀλλήλων. τὸ
μὲν γάρ, ὅτι φιλεῖται, ἐστὶν οἷον φιλεῖσϑαι: τὸ δ’ ὅτι ἐστὶν
οἷον φιλεῖσϑαι, διὰ τοῦτο φιλεῖται. ϰαὶ ϰινδυνεύεις, ὦ
Εὐϑύφρων, ἐρωτώμενος τὸ ὅσιον ὅτι ποτ’ ἐστίν, τὴν μὲν
οὐσίαν μοι αὐτοῦ οὐ βούλεσϑαι δηλῶσαι, πάϑος δέ τι περὶ
αὐτοῦ λέγειν, ὅτι πέπονϑε τοῦτο τὸ ὅσιον, φιλεῖσϑαι ὑπὸ
πάντων ϑεῶν: ὅτι δὲ ὄν, οὔπω εἶπες. εἰ οὖν σοι φίλον, μή b
με ἀποϰρύψῃ ἀλλὰ πάλιν εἰπὲ ἐξ ἀρχῆς τί ποτε ὂν τὸ ὅσιον
εἴτε φιλεῖται ὑπὸ ϑεῶν εἴτε ὁτιδὴ πάσχει – οὐ γὰρ περὶ
τούτου διοισόμεϑα – ἀλλ’ εἰπὲ προϑύμως τί ἐστιν τό τε
ὅσιον ϰαὶ τὸ ἀνόσιον;

ΕΥΘ : Ἀ λλ’, ὦ Σώϰρατες, οὐϰ ἔχω ἔγωγε ὅπως σοι
εἴπω ὃ νοῶ: περιέρχεται γάρ πως ἡμῖν ἀεὶ ὃ ἂν προϑώμεϑα ϰαὶ οὐϰ ἐϑέλει μένειν ὅπου ἂν ἱδρυσώμεϑα αὐτό.

Σ Ω : Τοῦ ἡμετέρου προγόνου, ὦ Εὐϑύφρων, ἔοιϰεν
εἶναι Δαιδάλου τὰ ὑπὸ σοῦ λεγόμενα. ϰαὶ εἰ μὲν αὐτὰ ἐγὼ
ἔλεγον ϰαὶ ἐτιϑέμην, ἴσως ἄν με ἐπέσϰωπτες ὡς ἄρα ϰαὶ

c

Euthyphron

11

b

c

33

SOKRATES: Und daß andererseits das Gottgeliebte, weil [13]
es von den Göttern geliebt wird, eben durch dieses sein
Geliebtwerden gottgeliebt ist, und nicht, weil es gottgeliebt ist, deswegen geliebt wird.
EUTHYPHRON: Das stimmt.
SOKRATES: Aber wenn das Gottgeliebte und das Fromme
dasselbe wäre, lieber Euthyphron, dann würde, wenn das
Fromme wegen seines Frommseins geliebt würde, auch das
den Göttern Liebe wegen des den Göttern Liebseins geliebt und dann wäre, wenn das den Göttern Liebe wegen
des von den Göttern Geliebtwerdens den Göttern lieb
wäre, auch das Fromme wegen des Geliebtwerdens fromm.
Nun aber siehst du, daß sie sich entgegengesetzt verhalten,
weil sie durchaus verschieden von einander sind. Denn das
eine ist, weil es geliebt wird, liebenswert, das andere aber
wird, weil es liebenswert ist, geliebt. Und es sieht so aus,
Euthyphron, als ob du auf die Frage, was das Fromme sei,
mir nicht sein Wesen angeben willst, sondern irgend eine
es betreffende Zufälligkeit nennst, die eben diesem Frommen zufällt, nämlich von allen Göttern geliebt zu werden,
Was es aber dabei an sich ist, hast du doch nicht gesagt.
Wenn es dir nun lieb ist, so verheimliche mir das nicht,
sondern sage noch einmal ganz von vorn, was denn nun
das Fromme seinem Wesen nach ist, um dann noch von
den Göttern geliebt zu werden oder was ihm sonst zufallen
mag. Denn darüber werden wir nicht in Streit geraten;
aber sage unverdrossen, was ist das Fromme und das Unfromme?
EUTHYPHRON: Ach, Sokrates, ich kann dir gar nicht
sagen, was ich denke, denn immer läuft uns das davon,
was wir uns vorgestellt, und es will nicht da feststehen, wohin wir es gestellt haben.
SOKRATES: Was du sagst, Euthyphron, erinnert lebhaft
an meinen Ahnherrn Daidalos, und wenn ich jenes gesagt ×
und aufgestellt hätte, dann könntest du mich wohl ver-

34

Ε ΥΘΥΦΡΩ Ν

ἐμοὶ ϰατὰ τὴν ἐϰείνου συγγένειαν τὰ ἐν τοῖς λόγοις ἔργα
ἀποδιδράσϰει ϰαὶ οὐϰ ἐϑέλει μένειν ὅπου ἄν τις αὐτὰ ϑῇ:
νῦν δὲ σαὶ γὰρ αἱ ὑποϑέσεις εἰσίν. ἄλλου δή τινος δεῖ
σϰώμματος: οὐ γὰρ ἐϑέλουσι σοὶ μένειν, ὡς ϰαὶ αὐτῷ σοι
δοϰεῖ.
ΕΥΘ: Ἐ μοὶ δὲ δοϰεῖ σχεδόν τι τοῦ αὐτοῦ σϰώμματος,
ὦ Σώϰρατες, δεῖσϑαι τὰ λεγόμενα: τὸ γὰρ περιιέναι
αὐτοῖς τοῦτο ϰαὶ μὴ μένειν ἐν τῷ αὐτῷ οὐϰ ἐγώ εἰμι ὁ
ἐντιϑείς, ἀλλὰ σύ μοι δοϰεῖς ὁ Δαίδαλος, ἐπεὶ ἐμοῦ γε d
ἕνεϰα ἔμενεν ἂν ταῦτα οὕτως.
ΣΩ: Κινδυνεύω ἄρα, ὦ ἑταῖρε, ἐϰείνου τοῦ ἀνδρὸς δεινότερος γεγονέναι τὴν τέχνην τοσούτῳ, ὅσῳ ὁ μὲν τὰ αὑτοῦ
μόνα ἐποίει οὐ μένοντα, ἐγὼ δὲ πρὸς τοῖς ἐμαυτοῦ, ὡς
ἔοιϰε, ϰαὶ τὰ ἀλλότρια. ϰαὶ δῆτα τοῦτό μοι τῆς τέχνης ἐστὶ
ϰομψότατον, ὅτι ἄϰων εἰμὶ σοφός: ἐβουλόμην γὰρ ἄν μοι
τοὺς λόγους μένειν ϰαὶ ἀϰινήτως ἱδρῦσϑαι μᾶλλον ἢ πρὸς
τῇ Δαιδάλου σοφίᾳ τὰ Ταντάλου χρήματα γενέσϑαι. ϰαὶ e
τούτων μὲν ἅδην: ἐπειδὴ δέ μοι δοϰεῖς σὺ τρυφᾶν, αὐτός
σοι συμπροϑυμήσομαι [δεῖξαι] ὅπως ἄν με διδάξῃς περὶ
τοῦ ὁσίου. ϰαὶ μὴ προαποϰάμῃς: ἰδὲ γὰρ εἰ οὐϰ ἀναγϰαῖόν
σοι δοϰεῖ δίϰαιον εἶναι πᾶν τὸ ὅσιον.
ΕΥΘ: Ἔ μοιγε.
ΣΩ : Ἆρ’ οὖν ϰαὶ πᾶν τὸ δίϰαιον ὅσιον; ἢ τὸ μὲν ὅσιον
πᾶν δίϰαιον, τὸ δὲ δίϰαιον οὐ πᾶν ὅσιον, ἀλλὰ τὸ μὲν αὐτοῦ
ὅσιον, τὸ δέ τι ϰαὶ ἄλλο;
ΕΥΘ: Ο ὐχ ἕπομαι, ὦ Σώϰρατες, τοῖς λεγομένοις.
ΣΩ : Καὶ μὴν νεώτερός γέ μου εἶ οὐϰ ἔλαττον ἢ ὅσῳ
σοφώτερος: ἀλλ’, ὃ λέγω, τρυφᾷς ὑπὸ πλούτου τῆς σοφίας.
ἀλλ’, ὦ μαϰάριε, σύντεινε σαυτόν: ϰαὶ γὰρ οὐδὲ χαλεπὸν
ϰατανοῆσαι ὃ λέγω. λέγω γὰρ δὴ τὸ ἐναντίον ἢ ὁ ποιητὴς

12

Euthyphron

d

e

12

35

spotten, daß auch mir nach seinem illustren Vorbild das
Ersonnene davonliefe und nicht dableiben wolle, wohin
man es setzt. Nun aber, – es sind deine Thesen, und man
müßte den Spott also anders wenden; denn dir wollen sie
nicht festbleiben, wie es dir ja auch selbst vorkommt.
EUTHYPHRON: Mir scheint doch das Gesagte eben diesen
Spott zu fordern. Denn das Davonlaufen und Nicht-verharren-Wollen ist nicht meine Schuld, sondern deine, du
Daidalos, denn von mir aus stände das schon so fest.
SOKRATES: Es sieht also aus, mein Freund, als ob ich ein
noch gewaltigerer Künstler wäre als jener große Mann, insofern als er nur bewirkte, daß seine eigenen Erzeugnisse
nicht stehen blieben, ich aber mache das, abgesehen von
den meinen, wie es scheint auch mit fremden. Und das
endlich ist das Raffinierteste an meiner Kunst, daß ich
ganz gegen meine Absicht so schlau bin, denn ich wollte,
weiß Gott, lieber, daß die Sätze beharrten und unerschütterlich festständen, als zu der Kunst des Daidalos noch alle
Schätze des Tantalos gewinnen. Aber lassen wir das! Da
du mir genug zu haben scheinst, will ich mich bemühen,
dir zu helfen, mich über das Fromme zu belehren. Aber
ermatte nur nicht vorher. Schau, scheint dir nicht notwendig alles Fromme ein Gerechtes zu sein?
EUTHYPHRON: Ja.
SOKRATES: Ist nun auch alles, was gerecht ist, fromm
oder ist zwar alles Fromme gerecht, aber das Gerechte
nicht im ganzen fromm, sondern teils fromm, teils auch
etwas anderes?
EUTHYPHRON: Ich kann deinen Worten nicht folgen,
Sokrates.
SOKRATES: Und doch bist du mir soviel an Jugend voraus wie an Weisheit. Aber was ich eben sagte: Du hast
genug, wegen der Fülle der Weisheit. Jedoch, mein Lieber,
nimm dich einmal zusammen. Es ist doch gar nicht schwer
zu verstehen, was ich meine. Ich meine also das Gegenteil

36

Ε ΥΘΥΦΡΩ Ν

ἐποίησεν ὁ ποιήσας –
Ζῆνα δὲ τὸν [ϑ’] ἔρξαντα ϰαὶ ὃς τάδε πάντ’ ἐφύτευσεν
οὐϰ ἐϑέλει νειϰεῖν: ἵνα γὰρ δέος ἔνϑα ϰαὶ αἰδώς.
ἐγὼ οὖν τούτῳ διαφέρομαι τῷ ποιητῇ. εἴπω σοι ὅπῃ;

b

ΕΥΘ: Πάνυ γε.
Σ Ω : Οὐ δοϰεῖ μοι εἶναι “ἵνα δέος ἔνϑα ϰαὶ αἰδώς”:
πολλοὶ γάρ μοι δοϰοῦσι ϰαὶ νόσους ϰαὶ πενίας ϰαὶ ἄλλα
πολλὰ τοιαῦτα δεδιότες δεδιέναι μέν, αἰδεῖσϑαι δὲ μηδὲν
ταῦτα ἃ δεδίασιν: οὐ ϰαὶ σοὶ δοϰεῖ;

c

ΕΥΘ: Πάνυ γε.
ΣΩ : Ἀλλ’ ἵνα γε αἰδὼς ἔνϑα ϰαὶ δέος εἶναι: ἐπεὶ ἔστιν
ὅστις αἰδούμενός τι πρᾶγμα ϰαὶ αἰσχυνόμενος οὐ πεφόβηταί τε ϰαὶ δέδοιϰεν ἅμα δόξαν πονηρίας;
ΕΥΘ: ∆ έδοιϰε μὲν οὖν.
ΣΩ : Οὐϰ ἄρ’ ὀρϑῶς ἔχει λέγειν: “ἵνα γὰρ δέος ἔνϑα ϰαὶ
αἰδώς,” ἀλλ’ ἵνα μὲν αἰδὼς ἔνϑα ϰαὶ δέος, οὐ μέντοι ἵνα γε
δέος πανταχοῦ αἰδώς: ἐπὶ πλέον γὰρ οἶμαι δέος αἰδοῦς.
μόριον γὰρ αἰδὼς δέους ὥσπερ ἀριϑμοῦ περιττόν, ὥστε
οὐχ ἵναπερ ἀριϑμὸς ἔνϑα ϰαὶ περιττόν, ἵνα δὲ περιττὸν ἔνϑα
ϰαὶ ἀριϑμός. ἕπῃ γάρ που νῦν γε;
ΕΥΘ: Πάνυ γε.
ΣΩ : Τὸ τοιοῦτον τοίνυν ϰαὶ ἐϰεῖ λέγων ἠρώτων: ἆρα
ἵνα δίϰαιον ἔνϑα ϰαὶ ὅσιον; ἢ ἵνα μὲν ὅσιον ἔνϑα ϰαὶ
δίϰαιον, ἵνα δὲ δίϰαιον οὐ πανταχοῦ ὅσιον: μόριον γὰρ τοῦ
διϰαίου τὸ ὅσιον; οὕτω φῶμεν ἢ ἄλλως σοι δοϰεῖ;

d

Euthyphron

37

von dem, was der Dichter gedichtet hat, als er dichtete:

b

c

d

Den Zeus, der dies getan und auch alle diese Dinge
gemacht hat, ×
will er nicht schmähen, denn wo Furcht ist,
da ist auch Scham.
Ich nun bin da anderer Ansicht als der Dichter. Soll ich dir
sagen wieso?
EUTHYPHRON: Bitte.
SOKRATES: Es scheint mir nicht da, „wo Furcht ist,
auch Scham“ zu sein. Denn mir kommt es vor, als ob viele,
die Krankheit und Armut und dergleichen fürchten,
zwar in Furcht schweben, keineswegs aber vor dem Scham
hegen, das sie fürchten. Kommt es dir nicht auch so vor?
EUTHYPHRON: Allerdings.
SOKRATES: Aber allerdings, wo Scham ist, da scheint
auch Furcht zu sein, denn hat nicht, wer immer Scham
und Scheu vor einer Sache hat, auch Furcht und Angst
vor dem Ruf der Schlechtigkeit?
EUTHYPHRON: Gewiß.
SOKRATES: Also kann man nicht sagen, ,,wo Furcht ist,
da ist auch Scham“, sondern wo Scham ist, da ist auch
Furcht, keineswegs aber, wo Furcht ist, überall Scham.
Denn, wie ich meine, Furcht hat einen weiteren Umfang
als Scham, denn Scham ist ein Teil der Furcht, so wie das
Ungerade Teil der Zahl, derart, daß nicht überall, wo Anzahl vorliegt, auch Ungeradheit, wo aber Ungeradheit, da
auch Anzahl. Folgst du nun?
EUTHYPHRON: Allerdings.
SOKRATES: In diesem Sinne nun fragte ich auch vorhin,
ob, wo Gerechtigkeit vorliegt, da auch Frommheit vorliegt oder ob, wo Frommheit, da auch Gerechtigkeit, wo
aber Gerechtigkeit, nicht allemal Frommheit. Weil nämlich Frommheit eine Unterart der Gerechtigkeit ist. Sollen
wir so sagen, oder scheint es dir anders richtig?

38

Ε ΥΘΥΦΡΩ Ν
ΕΥΘ: Ο ὔϰ, ἀλλ’ οὕτω. φαίνῃ γάρ μοι ὀρϑῶς λέγειν.

ΣΩ : Ὅρα δὴ τὸ μετὰ τοῦτο. εἰ γὰρ μέρος τὸ ὅσιον τοῦ
διϰαίου, δεῖ δὴ ἡμᾶς, ὡς ἔοιϰεν, ἐξευρεῖν τὸ ποῖον μέρος ἂν
εἴη τοῦ διϰαίου τὸ ὅσιον. εἰ μὲν οὖν σύ με ἠρώτας τι τῶν
νυνδή, οἷον ποῖον μέρος ἐστὶν ἀριϑμοῦ τὸ ἄρτιον ϰαὶ τίς ὢν
τυγχάνει οὗτος ὁ ἀριϑμός, εἶπον ἂν ὅτι ὃς ἂν μὴ σϰαληνὸς
ᾖ ἀλλ’ ἰσοσϰελής: ἢ οὐ δοϰεῖ σοι;
ΕΥΘ: Ἔ μοιγε.
ΣΩ : Πειρῶ δὴ ϰαὶ σὺ ἐμὲ οὕτω διδάξαι τὸ ποῖον μέρος e
τοῦ διϰαίου ὅσιόν ἐστιν, ἵνα ϰαὶ Μελήτῳ λέγωμεν μηϰέϑ’
ἡμᾶς ἀδιϰεῖν μηδὲ ἀσεβείας γράφεσϑαι, ὡς ἱϰανῶς ἤδη
παρὰ σοῦ μεμαϑηϰότας τά τε εὐσεβῆ ϰαὶ ὅσια ϰαὶ τὰ μή.
Ε ΥΘ : Τοῦτο τοίνυν ἔμοιγε δοϰεῖ, ὦ Σώϰρατες, τὸ
μέρος τοῦ διϰαίου εἶναι εὐσεβές τε ϰαὶ ὅσιον, τὸ περὶ τὴν
τῶν ϑεῶν ϑεραπείαν, τὸ δὲ περὶ τὴν τῶν ἀνϑρώπων τὸ λοιπὸν εἶναι τοῦ διϰαίου μέρος.
ΣΩ : Καὶ ϰαλῶς γέ μοι, ὦ Εὐϑύφρων, φαίνῃ λέγειν, ἀλλὰ
σμιϰροῦ τινος ἔτι ἐνδεής εἰμι: τὴν γὰρ ϑεραπείαν οὔπω 13
συνίημι ἥντινα ὀνομάζεις. οὐ γάρ που λέγεις γε, οἷαίπερ ϰαὶ
αἱ περὶ τὰ ἄλλα ϑεραπεῖαί εἰσιν, τοιαύτην ϰαὶ περὶ ϑεούς –
λέγομεν γάρ που – οἷόν φαμεν ἵππους οὐ πᾶς ἐπίσταται
ϑεραπεύειν ἀλλὰ ὁ ἱππιϰός: ἦ γάρ;
ΕΥΘ: Πάνυ γε.
ΣΩ : Ἡ γάρ που ἱππιϰὴ ἵππων ϑεραπεία.
ΕΥΘ: Ναί.

Euthyphron

e

13

39

EUTHYPHRON: Nein, so. Du scheinst mir ganz richtig zu
sprechen.
SOKRATES: Betrachte nun, was folgt. Wenn doch [14]
Frommheit eine Unterart von Gerechtigkeit ist, müssen
wir doch, wie es scheint, herausfinden, was für eine Unterart von Gerechtigkeit Frommheit ist. Wenn du mich nun
etwa gefragt hättest, welche Art von Zahl die gerade Zahl
ist und wie beschaffen diese Zahl ist, dann würde ich sagen,
daß sie diejenige ist, welche nicht unpaarig, sondern
paarig ist; oder scheint es dir nicht so?
EUTHYPHRON: Doch.
SOKRATES: Versuche nun also, mich so zu belehren,
welche Unterart der Gerechtigkeit Frommheit ist, damit
ich dann auch dem Meletos sagen kann, daß ich nicht mehr
Unrecht tue und der Gottlosigkeit schuldig bin, weil ich
hinreichend von dir über das Gottesfürchtige und Fromme
und ihr Gegenteil belehrt worden bin.
EUTHYPHRON: Folgender Art scheint mir denn also, o
Sokrates, das Gottesfürchtige und Fromme zu sein, diejenige Gerechtigkeit, welche sich auf die Sorge für die
Götter bezieht. Die, die sich auf die Sorge für die Menschen bezieht, wird dagegen die entsprechende andere Art
von Gerechtigkeit sein.
SOKRATES: Ja, Euthyphron, das scheinst du gut gesagt [15]
zu haben; nur eine Kleinigkeit brauche ich noch, denn ich
verstehe noch nicht, welche Sorte von Sorge du meinst;
denn du redest doch nicht in dem Sinne, wie man sonst
wohl von Sorge spricht, von Sorge für die Götter. Denn
wir reden doch – nun, sagen wir einmal: Pferde versteht
doch nicht jeder Beliebige zu besorgen, sondern der
Pferdezüchter, nicht wahr?
EUTHYPHRON: Allerdings.
SOKRATES: Denn die Kunst des Pferdezüchters ist die
rechte Sorge für die Pferde.
EUTHYPHRON: Ja.

40

Ε ΥΘΥΦΡΩ Ν

ΣΩ : Οὐδέ γε ϰύνας πᾶς ἐπίσταται ϑεραπεύειν ἀλλὰ ὁ
ϰυνηγετιϰός.
ΕΥΘ: Ο ὕτω.
ΣΩ : Ἡ γάρ που ϰυνηγετιϰὴ ϰυνῶν ϑεραπεία.
ΕΥΘ: Ναί.

b

ΣΩ : Ἡ δέ γε βοηλατιϰὴ βοῶν.
ΕΥΘ: Πάνυ γε.
ΣΩ : Ἡ δὲ δὴ ὁσιότης τε ϰαὶ εὐσέβεια ϑεῶν, ὦ Εὐϑύφρων; οὕτω λέγεις;
ΕΥΘ: Ἔγωγε.
ΣΩ : Οὐϰοῦν ϑεραπεία γε πᾶσα ταὐτὸν διαπράττεται;
οἷον τοιόνδε: ἐπ’ ἀγαϑῷ τινί ἐστι ϰαὶ ὠφελίᾳ τοῦ ϑεραπευομένου, ὥσπερ ὁρᾷς δὴ ὅτι οἱ ἵπποι ὑπὸ τῆς ἱππιϰῆς ϑεραπευόμενοι ὠφελοῦνται ϰαὶ βελτίους γίγνονται: ἢ οὐ δοϰοῦσί
σοι;
ΕΥΘ: Ἔ μοιγε.
ΣΩ : Καὶ οἱ ϰύνες γέ που ὑπὸ τῆς ϰυνηγετιϰῆς, ϰαὶ οἱ
βόες ὑπὸ τῆς βοηλατιϰῆς, ϰαὶ τἆλλα πάντα ὡσαύτως: ἢ ἐπὶ
βλάβῃ οἴει τοῦ ϑεραπευομένου τὴν ϑεραπείαν εἶναι;
ΕΥΘ: Μὰ Δί’ οὐϰ ἔγωγε.
ΣΩ : Ἀλλ’ ἐπ’ ὠφελίᾳ;
ΕΥΘ: Πῶς δ’ οὔ;
ΣΩ : Ἦ οὖν ϰαὶ ἡ ὁσιότης ϑεραπεία οὖσα ϑεῶν ὠφελία
τέ ἐστι ϑεῶν ϰαὶ βελτίους τοὺς ϑεοὺς ποιεῖ; ϰαὶ σὺ τοῦτο
συγχωρήσαις ἄν, ὡς ἐπειδάν τι ὅσιον ποιῇς, βελτίω τινὰ
τῶν ϑεῶν ἀπεργάζῃ;
ΕΥΘ: Μὰ Δί’ οὐϰ ἔγωγε.
ΣΩ : Οὐδὲ γὰρ ἐγώ, ὦ Εὐϑύφρων, οἶμαί σε τοῦτο λέγειν
– πολλοῦ ϰαὶ δέω – ἀλλὰ τούτου δὴ ἕνεϰα ϰαὶ ἀνηρόμην

c

Euthyphron

b

c

41

SOKRATES: Und Jagdhunde versteht doch nicht jeder
Beliebige zu besorgen, sondern der Jäger.
EUTHYPHRON: Ja.
SOKRATES: Denn die Jagdkunst ist die rechte Sorge für
die Jagdhunde,
EUTHYPHRON: Ja.
SOKRATES: Und die Kunst des Rinderhirten die rechte
Sorge für die Rinder.
EUTHYPHRON: Gewiß.
SOKRATES: Und die Frömmigkeit also die rechte Sorge
für die Götter, Euthyphron, sagst du so?
EUTHYPHRON: Ja.
SOKRATES: Bewirkt nun nicht jede Sorge eben dasselbe, nämlich dies etwa: Zum Guten und zum Vorteil des
Besorgten dient sie, wie du doch siehst, daß die Pferde, die
von der Pferdezüchterei zum Gegenstand der Sorge gemacht werden, Nutzen davon haben und besser werden,
oder scheint es nicht so?
EUTHYPHRON: Doch.
SOKRATES: Und die Jagdhunde von der Jagdkunst und
die Rinder von der Hirtenkunst und alles übrige entsprechend? Oder glaubst du, daß die rechte Sorge dem, dem sie
gilt, zum Schaden ausschlägt?
EUTHYPHRON: Weiß Gott, nein.
SOKRATES: Sondern zum Nutzen.
EUTHYPHRON: Natürlich.
SOKRATES: Ist nun auch die Frömmigkeit, wenn sie
Sorge für die Götter ist, ein Vorteil für die Götter und
macht sie die Götter besser? Und gestehst du das wohl zu,
daß, wenn du etwas Frommes tust, du einen der Götter
besser machst?
EUTHYPHRON: Weiß Gott, nein.
SOKRATES: Ich glaube nämlich auch nicht, Euthyphron,
daß du das sagst, bei weitem nicht, sondern eben deswegen habe ich gerade gefragt, was für eine Sorge du unter

42

Ε ΥΘΥΦΡΩ Ν

τίνα ποτὲ λέγοις τὴν ϑεραπείαν τῶν ϑεῶν, οὐχ ἡγούμενός
σε τοιαύτην λέγειν.

d

ΕΥΘ : Κ αὶ ὀρϑῶς γε, ὦ Σώϰρατες: οὐ γὰρ τοιαύτην
λέγω.
ΣΩ : Εἶεν: ἀλλὰ τίς δὴ ϑεῶν ϑεραπεία εἴη ἂν ἡ ὁσιότης;
ΕΥΘ: Ἥνπερ, ὦ Σώϰρατες, οἱ δοῦλοι τοὺς δεσπότας
ϑεραπεύουσιν.
ΣΩ : Μανϑάνω: ὑπηρετιϰή τις ἄν, ὡς ἔοιϰεν, εἴη ϑεοῖς.
ΕΥΘ: Πάνυ μὲν οὖν.
ΣΩ : Ἔχοις ἂν οὖν εἰπεῖν ἡ ἰατροῖς ὑπηρετιϰὴ εἰς τίνος
ἔργου ἀπεργασίαν τυγχάνει οὖσα ὑπηρετιϰή; οὐϰ εἰς ὑγιείας οἴει;
ΕΥΘ: Ἔγωγε.
Σ Ω : Τί δὲ ἡ ναυπηγοῖς ὑπηρετιϰή; εἰς τίνος ἔργου
ἀπεργασίαν ὑπηρετιϰή ἐστιν;

e

ΕΥΘ: ∆ῆλον ὅτι, ὦ Σώϰρατες, εἰς πλοίου.
ΣΩ : Καὶ ἡ οἰϰοδόμοις γέ που εἰς οἰϰίας;
ΕΥΘ: Ναί.
ΣΩ : Εἰπὲ δή, ὦ ἄριστε: ἡ δὲ ϑεοῖς ὑπηρετιϰὴ εἰς τίνος
ἔργου ἀπεργασίαν ὑπηρετιϰὴ ἂν εἴη; δῆλον γὰρ ὅτι σὺ
οἶσϑα, ἐπειδήπερ τά γε ϑεῖα ϰάλλιστα φῂς εἰδέναι ἀνϑρώπων.
ΕΥΘ: Κ αὶ ἀληϑῆ γε λέγω, ὦ Σώϰρατες.
ΣΩ : Εἰπὲ δὴ πρὸς Διὸς τί ποτέ ἐστιν ἐϰεῖνο τὸ πάγϰαλον ἔργον ὃ οἱ ϑεοὶ ἀπεργάζονται ἡμῖν ὑπηρέταις χρώμενοι;
ΕΥΘ: Πολλὰ ϰαὶ ϰαλά, ὦ Σώϰρατες.
ΣΩ : Καὶ γὰρ οἱ στρατηγοί, ὦ φίλε: ἀλλ’ ὅμως τὸ ϰεφά- 14
λαιον αὐτῶν ῥᾳδίως ἂν εἴποις, ὅτι νίϰην ἐν τῷ πολέμῳ
ἀπεργάζονται: ἢ οὔ;
ΕΥΘ: Πῶς δ’ οὔ;

Euthyphron
d

e

14

43

der Sorge für die Götter verstehst, da ich nicht glaubte,
daß du eine solche meinst.
EUTHYPHRON: Und das mit Recht, Sokrates, denn eine
solche meine ich nicht.
SOKRATES: Schön; aber was für eine Sorge für die Götter
ist denn die Frömmigkeit?
EUTHYPHRON: Diejenige, Sokrates, die die Sklaven den
Herren gegenüber erweisen.
SOKRATES: Ah, ich verstehe, wohl ein Dienst bei den
Göttern?
EUTHYPHRON: Allerdings.
SOKRATES: Du könntest mir nun wohl sagen, welchem
Werk ein Dienst bei Ärzten gilt; doch wohl der Förderung
der Gesundheit?
EUTHYPHRON: Ja.
SOKRATES: Und welchem Werk der Dienst bei Schiffsbaumeistern?
EUTHYPHRON: Natürlich der Herstellung von Schiffen,
Sokrates.
SOKRATES: Und der bei den Baumeistern?
EUTHYPHRON: Der von Häusern.
SOKRATES: Dann sage mir doch, mein Bester, der För- [16]
derung welchen Werkes dient der Dienst bei den Göttern?
Denn ganz offenbar weißt du das, da du ja sagst, daß du
am besten von allen Menschen die göttlichen Dinge kennst.
EUTHYPHRON: Und da sage ich die Wahrheit, Sokrates.
SOKRATES: Dann sage mir doch also bei Gott, was ist
denn jenes allerschönste Werk, das die Götter schaffen,
indem sie uns als Diener benutzen?
EUTHYPHRON: Oh, Vieles und Schönes, Sokrates.
SOKRATES: Das leisten auch die Feldherren, mein Lieber; aber dennoch könntest du mir leicht die Hauptsache
davon angeben, nämlich daß sie den Sieg im Kriege verschaffen, oder nicht?
EUTHYPHRON: Selbstverständlich.

44

Ε ΥΘΥΦΡΩ Ν

ΣΩ : Πολλὰ δέ γ’, οἶμαι, ϰαὶ ϰαλὰ ϰαὶ οἱ γεωργοί: ἀλλ’
ὅμως τὸ ϰεφάλαιον αὐτῶν ἐστιν τῆς ἀπεργασίας ἡ ἐϰ τῆς
γῆς τροφή.
ΕΥΘ: Πάνυ γε.
ΣΩ : Τί δὲ δὴ τῶν πολλῶν ϰαὶ ϰαλῶν ἃ οἱ ϑεοὶ ἀπεργάζονται; τί τὸ ϰεφάλαιόν ἐστι τῆς ἐργασίας;
ΕΥΘ: Κ αὶ ὀλίγον σοι πρότερον εἶπον, ὦ Σώϰρατες, ὅτι
πλείονος ἔργου ἐστὶν ἀϰριβῶς πάντα ταῦτα ὡς ἔχει μαϑεῖν:
τόδε μέντοι σοι ἁπλῶς λέγω, ὅτι ἐὰν μὲν ϰεχαρισμένα τις
ἐπίστηται τοῖς ϑεοῖς λέγειν τε ϰαὶ πράττειν εὐχόμενός τε
ϰαὶ ϑύων, ταῦτ’ ἔστι τὰ ὅσια, ϰαὶ σῴζει τὰ τοιαῦτα τούς τε
ἰδίους οἴϰους ϰαὶ τὰ ϰοινὰ τῶν πόλεων: τὰ δ’ ἐναντία τῶν
ϰεχαρισμένων ἀσεβῆ, ἃ δὴ ϰαὶ ἀνατρέπει ἅπαντα ϰαὶ
ἀπόλλυσιν.

b

Σ Ω : Ἦ πολύ μοι διὰ βραχυτέρων, ὦ Εὐϑύφρων, εἰ
ἐβούλου, εἶπες ἂν τὸ ϰεφάλαιον ὧν ἠρώτων: ἀλλὰ γὰρ οὐ
πρόϑυμός με εἶ διδάξαι – δῆλος εἶ. ϰαὶ γὰρ νῦν ἐπειδὴ ἐπ’ c
αὐτῷ ἦσϑα ἀπετράπου, ὃ εἰ ἀπεϰρίνω, ἱϰανῶς ἂν ἤδη παρὰ
σοῦ τὴν ὁσιότητα ἐμεμαϑήϰη. νῦν δὲ ἀνάγϰη γὰρ τὸν ἐρῶντα τῷ ἐρωμένῳ ἀϰολουϑεῖν ὅπῃ ἂν ἐϰεῖνος ὑπάγῃ, τί δὴ αὖ
λέγεις τὸ ὅσιον εἶναι ϰαὶ τὴν ὁσιότητα; οὐχὶ ἐπιστήμην τινὰ
τοῦ ϑύειν τε ϰαὶ εὔχεσϑαι;
ΕΥΘ: Ἔγωγε.
ΣΩ : Οὐϰοῦν τὸ ϑύειν δωρεῖσϑαί ἐστι τοῖς ϑεοῖς, τὸ δ’
εὔχεσϑαι αἰτεῖν τοὺς ϑεούς;
ΕΥΘ: Κ αὶ μάλα, ὦ Σώϰρατες.
ΣΩ : Ἐπιστήμη ἄρα αἰτήσεως ϰαὶ δόσεως ϑεοῖς ὁσιότης
ἂν εἴη ἐϰ τούτου τοῦ λόγου.

d

Euthyphron

b

c

d

45

SOKRATES: Und Vieles und Schönes, denke ich, bringen
auch die Landleute hervor; aber dennoch ist die Hauptsache davon die Nahrung, die aus dem Boden gezogen
wird.
EUTHYPHRON: Ja.
SOKRATES: Und also von dem Vielen und Schönen, das
die Götter schaffen? Was ist die Hauptsache des Schaffens?
EUTHYPHRON: Ich habe dir doch vorhin schon gesagt,
Sokrates, daß es eine schwierige Aufgabe ist, genau zu erfassen, wie sich das alles verhält. Dies aber sage ich
schlankweg: wenn einer den Göttern in Gebeten und Opfern Wohlgefälliges sagen und tun kann, das ist das
Fromme und das bringt den Familien und den Staaten
Heil; das Gegenteil aber des den Göttern Wohlgefälligen
ist das Verfluchte, was alles umwirft und zerstört.
SOKRATES: Wahrhaftig, viel kürzer, Euthyphron, hät- [17]
test du, wenn du gewollt hättest, die Hauptsache, nach
der ich gefragt habe, sagen können. Aber freilich, du
willst mich nicht belehren, das ist klar. Denn auch eben,
als du ganz dicht an dem Wesen der Sache selber warst,
bist du wieder abgebogen. Wenn du das beantwortet hättest, dann wäre ich allerdings von dir hinreichend über die
Frommheit belehrt worden. Nun aber – es muß ja doch
der Fragende dem Befragten folgen, wohin der ihn führt –
was sagst du also wieder, was das Fromme und Unfromme
sei? War es nicht ein Sichverstehen auf Opfern und
Beten?
EUTHYPHRON: Ja.
SOKRATES: Opfern heißt doch, den Göttern etwas geben. Beten aber, von den Göttern etwas heischen.
EUTHYPHRON: Allerdings, Sokrates.
SOKRATES: Ein Sichverstehen also auf Angebot und
Nachfrage im Verkehr mit den Göttern wäre die Frömmigkeit nach deiner Erklärung.

46

Ε ΥΘΥΦΡΩ Ν
ΕΥΘ: Πάνυ ϰαλῶς, ὦ Σώϰρατες, συνῆϰας ὃ εἶπον.

ΣΩ : Ἐπιϑυμητὴς γάρ εἰμι, ὦ φίλε, τῆς σῆς σοφίας ϰαὶ
προσέχω τὸν νοῦν αὐτῇ, ὥστε οὐ χαμαὶ πεσεῖται ὅτι ἂν
εἴπῃς. ἀλλά μοι λέξον τίς αὕτη ἡ ὑπηρεσία ἐστὶ τοῖς ϑεοῖς;
αἰτεῖν τε φῂς αὐτοὺς ϰαὶ διδόναι ἐϰείνοις;
ΕΥΘ: Ἔγωγε.
ΣΩ : Ἆρ’ οὖν οὐ τό γε ὀρϑῶς αἰτεῖν ἂν εἴη ὧν δεόμεϑα
παρ’ ἐϰείνων, ταῦτα αὐτοὺς αἰτεῖν;
ΕΥΘ: Ἀ λλὰ τί;
ΣΩ : Καὶ αὖ τὸ διδόναι ὀρϑῶς, ὧν ἐϰεῖνοι τυγχάνουσιν
δεόμενοι παρ’ ἡμῶν, ταῦτα ἐϰείνοις αὖ ἀντιδωρεῖσϑαι; οὐ
γάρ που τεχνιϰόν γ’ ἂν εἴη δωροφορεῖν διδόντα τῳ ταῦτα
ὧν οὐδὲν δεῖται.

e

ΕΥΘ: Ἀ ληϑῆ λέγεις, ὦ Σώϰρατες.
ΣΩ : Ἐμποριϰὴ ἄρα τις ἂν εἴη, ὦ Εὐϑύφρων, τέχνη ἡ
ὁσιότης ϑεοῖς ϰαὶ ἀνϑρώποις παρ’ ἀλλήλων.
ΕΥΘ: Ἐ μποριϰή, εἰ οὕτως ἥδιόν σοι ὀνομάζειν.
ΣΩ : Ἀλλ’ οὐδὲν ἥδιον ἔμοιγε, εἰ μὴ τυγχάνει ἀληϑὲς ὄν.
φράσον δέ μοι, τίς ἡ ὠφελία τοῖς ϑεοῖς τυγχάνει οὖσα ἀπὸ
τῶν δώρων ὧν παρ’ ἡμῶν λαμβάνουσιν; ἃ μὲν γὰρ διδόασι
παντὶ δῆλον: οὐδὲν γὰρ ἡμῖν ἐστιν ἀγαϑὸν ὅτι ἂν μὴ ἐϰεῖ- 15
νοι δῶσιν. ἃ δὲ παρ’ ἡμῶν λαμβάνουσιν, τί ὠφελοῦνται; ἢ
τοσοῦτον αὐτῶν πλεονεϰτοῦμεν ϰατὰ τὴν ἐμπορίαν, ὥστε
πάντα τὰ ἀγαϑὰ παρ’ αὐτῶν λαμβάνομεν, ἐϰεῖνοι δὲ παρ’
ἡμῶν οὐδέν;
ΕΥΘ: Ἀ λλ’ οἴει, ὦ Σώϰρατες, τοὺς ϑεοὺς ὠφελεῖσϑαι
ἀπὸ τούτων ἃ παρ’ ἡμῶν λαμβάνουσιν;
ΣΩ : Ἀλλὰ τί δήποτ’ ἂν εἴη ταῦτα, ὦ Εὐϑύφρων, τὰ παρ’
ἡμῶν δῶρα τοῖς ϑεοῖς;
ΣΩ : Τί δ’ οἴει ἄλλο ἢ τιμή τε ϰαὶ γέρα ϰαί, ὅπερ ἐγὼ

Euthyphron

e

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EUTHYPHRON: Ganz vorzüglich, Sokrates, hast du verstanden, was ich sagte.
SOKRATES: Ich bin ja auch sehr neugierig auf deine
Weisheit und sehr aufmerksam auf sie, so daß deine Worte
ihr Ziel nicht verfehlen. Aber sage mir, inwiefern ist das
ein Dienst bei den Göttern? Du sagst, wir bitten sie und
geben ihnen?
EUTHYPHRON: Ja.
SOKRATES: Das richtige Bitten bestände doch wohl dar- [18]
in, sie um das zu bitten, was wir von ihnen brauchen.
EUTHYPHRON: Warum? Was weiter?
SOKRATES: Und das richtige Geben doch wohl darin,
ihnen das zum Entgelt zu geben, was sie von uns brauchen. Denn das wäre ja sonst eine schöne Kunst, Geschenke
zu machen, wenn man jemandem etwas gibt, was er nicht
braucht.
EUTHYPHRON: Da hast du recht, Sokrates.
SOKRATES: Es wäre also die Frömmigkeit, Euthyphron,
eine Kunst des Handelsverkehrs zwischen Göttern und
Menschen.
EUTHYPHRON: Schön, eine Kunst des Handelsverkehrs,
wenn eine solche Bezeichnung dir lieber ist.
SOKRATES: Wenn sie verkehrt ist, wäre sie mir keineswegs lieber. Aber sage mir, welchen Nutzen haben die
Götter von den Gaben, welche sie von uns empfangen?
Denn was sie geben, das ist offenbar. Wir haben ja nichts
Gutes, was sie nicht gäben. Aber was sie von uns empfangen, was nützt es ihnen? Oder sind wir bei dem Handel
so im Vorteil, daß wir von ihnen alle Güter empfangen, sie
von uns aber nichts?
EUTHYPHRON: Aber glaubst du denn, Sokrates, daß die
Götter Nutzen haben von dem, was sie von uns empfangen?
SOKRATES: Was wäre denn das, Euthyphron, was die
Götter von uns als Gabe empfangen?
EUTHYPHRON: Nun, was anderes denn als Ehrenbezeu-

48

Ε ΥΘΥΦΡΩ Ν

ἄρτι ἔλεγον, χάρις;

b

ΣΩ : Κεχαρισμένον ἄρα ἐστίν, ὦ Εὐϑύφρων, τὸ ὅσιον,
ἀλλ’ οὐχὶ ὠφέλιμον οὐδὲ φίλον τοῖς ϑεοῖς;
ΕΥΘ: Οἶμαι ἔγωγε πάντων γε μάλιστα φίλον.
ΣΩ : Τοῦτο ἄρ’ ἐστὶν αὖ, ὡς ἔοιϰε, τὸ ὅσιον, τὸ τοῖς
ϑεοῖς φίλον.
ΕΥΘ: μάλιστά γε.
ΣΩ: Θαυμάσῃ οὖν ταῦτα λέγων ἐάν σοι οἱ λόγοι φαίνωνται μὴ μένοντες ἀλλὰ βαδίζοντες, ϰαὶ ἐμὲ αἰτιάσῃ τὸν
Δαίδαλον βαδίζοντας αὐτοὺς ποιεῖν, αὐτὸς ὢν πολύ γε
τεχνιϰώτερος τοῦ Δαιδάλου ϰαὶ ϰύϰλῳ περιιόντα ποιῶν; ἢ
οὐϰ αἰσϑάνῃ ὅτι ὁ λόγος ἡμῖν περιελϑὼν πάλιν εἰς ταὐτὸν
ἥϰει; μέμνησαι γάρ που ὅτι ἐν τῷ πρόσϑεν τό τε ὅσιον ϰαὶ c
τὸ ϑεοφιλὲς οὐ ταὐτὸν ἡμῖν ἐφάνη ἀλλ’ ἕτερα ἀλλήλων: ἢ
οὐ μέμνησαι;
ΕΥΘ: Ἔγωγε.
ΣΩ : Νῦν οὖν οὐϰ ἐννοεῖς ὅτι τὸ τοῖς ϑεοῖς φίλον φῂς
ὅσιον εἶναι; τοῦτο δ’ ἄλλο τι ἢ ϑεοφιλὲς γίγνεται; ἢ οὔ;
ΕΥΘ: Πάνυ γε.
ΣΩ : Οὐϰοῦν ἢ ἄρτι οὐ ϰαλῶς ὡμολογοῦμεν, ἢ εἰ τότε
ϰαλῶς, νῦν οὐϰ ὀρϑῶς τιϑέμεϑα.
ΕΥΘ: Ἔ οιϰεν.
Σ Ω : Ἐξ ἀρχῆς ἄρα ἡμῖν πάλιν σϰεπτέον τί ἐστι τὸ
ὅσιον, ὡς ἐγὼ πρὶν ἂν μάϑω ἑϰὼν εἶναι οὐϰ ἀποδειλιάσω.
ἀλλὰ μή με ἀτιμάσῃς ἀλλὰ παντὶ τρόπῳ προσσχὼν τὸν d
νοῦν ὅτι μάλιστα νῦν εἰπὲ τὴν ἀλήϑειαν: οἶσϑα γὰρ εἴπερ

Euthyphron

b

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49

gungen und Ehrengaben und, wie ich vorhin sagte, Wohlgefälliges?
SOKRATES: Etwas Wohlgefälliges also ist, Euthyphron,
das Fromme, aber nicht etwas Nützliches und den Göttern Liebes?
EUTHYPHRON: Ich glaube allerdings, vor allem etwas
Liebes.
SOKRATES: Da läuft also, wie es scheint, das Fromme
wieder hinaus auf das den Göttern Liebe.
EUTHYPHRON: Gewiß doch.
SOKRATES: Und da wunderst du dich bei solchen Wor- [19]
ten, wenn deine Sätze nicht stand zu halten scheinen, sondern ins Laufen geraten, und beschuldigst mich, daß ich
sie als der Daidalos ins Laufen brächte, während du doch
viel kunstvoller als Daidalos bist und Dinge, die sich im
Kreise drehen, machst. Denn merkst du nicht, daß die
Rede uns im Kreisgang wieder an denselben Punkt gelangt
ist? Denn du erinnerst dich doch wohl, daß vorhin uns
das Fromme und das Gottgeliebte nicht als dasselbe erschien, sondern als verschieden von einander, oder erinnerst du dich nicht?
EUTHYPHRON: Doch.
SOKRATES: Bemerkst du nun nicht, daß du das den Göttern Liebe für fromm erklärst? Das ist doch aber wohl das
Gottgeliebte?
EUTHYPHRON: Ja.
SOKRATES: Also haben wir entweder vorhin nicht richtig geurteilt, oder, wenn damals richtig, so denken wir jetzt
falsch.
EUTHYPHRON: Es scheint so.
SOKRATES: Wir müssen also wieder von Anfang an be- [20]
trachten: was ist das Fromme? Denn ich werde, bevor ich
das gelernt habe, soweit es von meinem Willen abhängt,
nicht locker lassen. Du aber mißachte mich nicht, sondern
sammle dich möglichst und sage jetzt die Wahrheit. Du

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Ε ΥΘΥΦΡΩ Ν

τις ἄλλος ἀνϑρώπων, ϰαὶ οὐϰ ἀφετέος εἶ ὥσπερ ὁ Πρωτεὺς
πρὶν ἂν εἴπῃς. εἰ γὰρ μὴ ᾔδησϑα σαφῶς τό τε ὅσιον ϰαὶ τὸ
ἀνόσιον, οὐϰ ἔστιν ὅπως ἄν ποτε ἐπεχείρησας ὑπὲρ ἀνδρὸς
ϑητὸς ἄνδρα πρεσβύτην πατέρα διωϰάϑειν φόνου, ἀλλὰ ϰαὶ
τοὺς ϑεοὺς ἂν ἔδεισας παραϰινδυνεύειν μὴ οὐϰ ὀρϑῶς αὐτὸ
ποιήσοις, ϰαὶ τοὺς ἀνϑρώπους ᾐσχύνϑης: νῦν δὲ εὖ οἶδα
ὅτι σαφῶς οἴει εἰδέναι τό τε ὅσιον ϰαὶ μή. εἰπὲ οὖν, ὦ βέλ- e
τιστε Εὐϑύφρων, ϰαὶ μὴ ἀποϰρύψῃ ὅτι αὐτὸ ἡγῇ.
ΕΥΘ: Ε ἰς αὖϑις τοίνυν, ὦ Σώϰρατες: νῦν γὰρ σπεύδω
ποι, ϰαί μοι ὥρα ἀπιέναι.
ΣΩ : Οἷα ποιεῖς, ὦ ἑταῖρε. ἀπ’ ἐλπίδος με ϰαταβαλὼν
μεγάλης ἀπέρχῃ ἣν εἶχον, ὡς παρὰ σοῦ μαϑὼν τά τε ὅσια
ϰαὶ μὴ ϰαὶ τῆς πρὸς Μέλητον γραφῆς ἀπαλλάξομαι, ἐνδειξάμενος ἐϰείνῳ ὅτι σοφὸς ἤδη παρ’ Εὐϑύφρονος τὰ ϑεῖα 16
γέγονα ϰαὶ ὅτι οὐϰέτι ὑπ’ ἀγνοίας αὐτοσχεδιάζω οὐδὲ ϰαινοτομῶ περὶ αὐτά, ϰαὶ δὴ ϰαὶ τὸν ἄλλον βίον ὅτι ἄμεινον
βιωσοίμην.

Euthyphron

e

16

51

weißt sie doch, wenn irgend einer von den Menschen, und
darfst mir nicht entwischen wie Proteus, bevor du sie ge- ×
sagt hast. Denn wenn du nicht ganz genau das Fromme
und Nichtfromme kenntest, könntest du dich ja nicht
unterfangen, um eines Tagelöhners willen deinen greisen
Vater wegen Mordes zu verfolgen, sondern hättest sowohl
Furcht vor den Göttern, daß du Gefahr liefest, damit nicht
richtig zu handeln, wie Scheu vor den Menschen. Nun aber
weiß ich wohl, daß du deutlich das Fromme und Nichtfromme zu kennen glaubst. Also sprich, bester Euthyphron,
und verbirg mir nicht, wofür du es hältst.
EUTHYPHRON: Später, Sokrates, denn jetzt hab’ ich es
eilig und es ist höchste Zeit für mich zu gehen.
SOKRATES: Was tust du, mein Freund! Du vernichtest
mit deinem Weggang doch meine große Hoffnung, daß ich
von dir, was fromm und unfromm ist, erführe und dadurch den Klagehandel mit Meletos los würde, indem ich
ihm melden könnte, daß ich durch Euthyphron weise in
den göttlichen Dingen geworden bin und nicht mehr aus
Unwissenheit dilettiere und auf Neuerungen sinne, und
vor allem, daß ich mein weiteres Leben besser führen
könnte.

ANMERKUNGEN

2 a:

Lykeion: Heiliger Hain außerhalb von Athen, Gespräche
des Sokrates an diesem Ort werden von Platon im „Euthydemos“, „Symposion“ und „Lysis“ erwähnt, ebenso von
dem Sokratiker Aischines von Sphettos in mindestens
einem Dialog.
2 a:
„Gerichtsgebäude“ steht für das griechische „Halle des
Königs“. König hieß in Athen der zweite Archon. Er war
für alle kultischen Angelegenheiten der Stadt verantwortlich, speziell für alle dazu gerechneten Anklagen auf Mord
sowie auf Religionsfrevel.
2 b:
Meletos: der Hauptankläger des Sokrates. Er wird von
Platon als solcher außer im „Euthyphron“ nicht nur in der
Apologie, sondern, was wichtiger ist, auch am Schluß des
„Theätet“ erwähnt. Sein Geburtsort Pitthis ist ein Demos
in der Phyle Kekropis in Athen.
11 c:
Ahnherr Daidalos: Sokrates war wie sein Vater Bildhauer.
Daidalos galt als der Verfertiger der ältesten Statuen.
Diese kamen der archaischen Zeit so lebendig vor, daß man
sagte, sie hätten festgebunden werden müssen, damit sie
nicht wegliefen. Diese Vorstellung spielt in der Schlußerörterung des „Menon“ eine wichtige Rolle (97 d).
12 a–b: Zitat aus dem verlorenen Epos „Die Kyprien“, fr. 20
Kinkel.
15 d:
Der Meergreis Proteus suchte sich dem Zugriff des Menelaos dadurch zu entziehen, daß er immer wieder seine Gestalt änderte (Odyssee 4, 450–58). Im „Euthydomos“ vergleicht Platon mit ihm die sophistischen Eristiker Euthydemos und Dionysodoros (288 b).

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