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Widerlegung der These:

Die Behandlung von Flüchtlingen ist menschlich.

Mit Bezug auf Flüchtlinge in Deutschland.

Lisa Lagenstein
Margarethe Krämer
Viktoria Koch
Niemand flieht freiwillig.

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Inhalt

Thema Seite
Grundwissen 4

Wieso, weshalb, warum? 5

Der Weg nach Deutschland, Frontex und die Festung Europa 6

Thesen 7

Flüchtlinge erhalten mehr Sozialleistungen als wir 8, 9

Flüchtlinge haben keine Pflichten und genügend Rechte 10

Flüchtlinge leben in permanenter Sicherheit 11

Flüchtlinge und die Kriminalität – Eine Umfrage 12, 13, 14

Informationsmaterial 15

Anhang
Arbeitsaufteilung
Folie Blankenburg
Folie Proteste in Nostorf/Horst

Vervielfältigung des gesamten Dokuments ist genehmigt.

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Grundwissen

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Wieso, weshalb, warum?

Erstmal muss man sich im Klaren sein, wieso es Flüchtlinge gibt, woher sie kommen und
welchen Weg sie beschreiten, um aus ihrem Heimatland zu flüchten.

„Woher kommt der Großteil?“ – Eine Aufzählung


Türkei (v. a. Kurden), Serbien-Montenegro (v. a. Kosovaren), Russische Föderation (v. a.
Tschetschenen), Vietnam, Iran, Aserbaidschan, Irak, China, Nigeria, Afghanistan , Kolumbien,
Somalia, Sudan, Demokratische Republik Kongo, Rumänien (…)

Gründe für die Flucht


Kriege und Bürgerkriege, Menschenrechtsverletzungen, Repression, frauenspezifische
Verfolgung (bspw. Zwangsheirat), Armut, wirtschaftliche Verfolgung, Perspektivlosigkeit,
Belastung, Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen

Auf welchem Weg flüchten sie?

- Landweg z.B. Schlepperfahrten


- Luftweg: Flugzeug
- Wasserweg („Boat People“)

Anschließend ist die Drittstaatenregelung (Einreise über sichere Drittstaaten wird noch
näher erläutert) zu beachten; doch dazu kommen wir später.

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Der Weg nach Deutschland

Was viele Bürger der BRD nicht wissen:


Im Jahr 1993 wurde eine Änderung des Grundgesetzartikels 16 vorgenommen – dieser
Artikel besagt:
„Politisch Verfolgte genießen Asylrecht.“
In Asylrechtskreisen wird durch die Hinzufügung des Artikels 16a von faktischer Abschaffung
des Asylrechts in der BRD gesprochen. Der Artikel 16a umfasst folgende Regelungen:

1. Konzept der sicheren Herkunftsstaaten


2. Drittstaatenregelung
3. Flughafenverfahren

Wir erläutern grob die Bedeutung der einzelnen Verfahren:


1) Sofern das Auswärtige Amt angibt, dass das Herkunftsland des Flüchtlings als sicher
erkannt ist, erfolgt eine Abschiebung in dieses Land zurück.
2) Wenn der Flüchtling (unabhängig vom genauen Fluchtland) aus einem (bzw. über
einen) Mitgliedsstaat der EU oder aus einem anderen sicheren Drittstaat nach
Deutschland einreist, so kann er sofort dorthin abgeschoben und/oder (unabhängig
von den Asylrechten in diesem Land) in diesem Drittstaat Asyl beantragen.
3) Dieses Verfahren beginnt mit der Ankunft in der BRD über den Luftweg. Der
Flüchtling wird dort vom BGS (Bundesgrenzschutz) „abgefangen“ und ca. 1 – 2 Tage
im Transitbereich des Flughafens festgehalten. Nach dieser Zeit muss sich der
Flüchtling der sog, Erstanhörung unterziehen.
 Bei sofortiger Ablehnung = kein Asyl - Abschiebung, wenn die Identität festgestellt ist.
(Es folgen ca. 19 Tage Aufenthalt im Transitbereich)

Festzuhalten ist, dass für jeden Flüchtling die Grenzen offen stehen, sobald der Staat ein rein
wirtschaftliches Interesse darin sieht. Günstige Arbeitskräfte mag doch jeder. Also
Menschen, die „von Nutzen und verwertbar“ sind.

Frontex und die „Festung Europa“

Der Name Frontex leitet sich vom französischen Ausdruck für Außengrenze „frontières
extérieures“ ab.
Beamtenjargon: „Europäische Agentur für die operative Zusammenarbeit an den
Außengrenzen der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union“
Im Großen und Ganzen ist das Unternehmen dazu da, mögliche Fluchtwege zu ermitteln und
diese endgültig zu versperren.

Unter der „Festung Europa“ kann man also folgendes verstehen:


Die Migrationspolitik geht einher mit gemeinsamer Abgrenzung einer Festung Europa gegen
unerwünschte Zuwanderung von außen.

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Thesen
„Flüchtlinge erhalten mehr Sozialleistungen als wir.“
„Flüchtlinge haben keine Pflichten und genügend Rechte.“
„Flüchtlinge leben in permanenter Sicherheit.“

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Flüchtlinge erhalten mehr Sozialleistungen als wir

Geldleistungen

Bayern als Beispiel


Von 187,07 € für den Haushaltsvorstand werden in Bayern Essenspakete im Wert von ca.
133 € zusammen gestellt und zweimal die Woche in den Flüchtlingslagern verteilt. Die
Nahrungsmittel sind häufig qualitativ schlecht – und überteuert. Ein Test des Münchner
Flüchtlingsamtes von 1999 erbrachte, dass man für diese Waren bei der
Lebensmittelmarktkette Plus nur 101,49 € hätte bezahlen müssen. Durch die aufwendige
Logistik verteuert sich das Paket, erklärt man. „Der Logistik- und Verwaltungsaufwand der
Lieferfirmen wurde offenbar auf die Flüchtlinge abgewälzt“, so der Bayrische Flüchtlingsrat.
Der Inhalt der Pakete wird nach Religionszugehörigkeit und Herkunftsländern sortiert.
Flüchtlinge aus Regensburg kritisierten aber, dass zu wenig frisches Obst, Gemüse, Milch und
Wasser enthalten seien.

Brandenburg als Beispiel


In einigen Landkreisen erhalten die Flüchtlinge Gutscheine, bzw. eine Chipkarte im Wert von
158,50 €. Sie können damit nur bestimmte Waren in speziellen Läden einkaufen. Flüchtlinge
berichten, dass sie somit häufig lange Schlangen an den Kassen verursachen und die anderen
Kunden dadurch verärgert seien.

Niedersachsen
Nach dem seit 1.11.1993 gültigen Asylbewerberleistungsgesetz bekommen Menschen, die
sich im Asylverfahren befinden und diejenigen, die eine Duldung haben und somit auch nicht
arbeiten dürfe, nur noch eine finanzielle Hilfe von 180 € (für Erwachsene) bzw. 110 – 155 €
(für Kinder), die aber vorrangig in Sachleistungen gewährt wird (Leistungen ausschließlich zur
Bedarfsdeckung in Deutschland). Flüchtlinge in Blankenburg erhalten bspw. 38 € im Monat
und ansonsten Bekleidungsgutscheine, Kantinenessen, Shampoo etc., aber nichts für
Dienstleistungen wie bspw. Anwaltskosten. Das niedersächsische Innenministerium schreibt
den Kommunen vor, Gutscheine anstatt Bargeld auszuzahlen. In einigen Bundesländern oder
Kreisen (z. B. in Rostock, Segeberg, Hamburg, Brandenburg) wurde das Gutscheinsystem
nach vielen Protesten abgeschafft.

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Medizinische Versorgung

Kosten für die medizinische Versorgung übernimmt das Sozialamt. Pro Quartal erhalten
Flüchtlinge einen Krankenschein für eine allgemeinärztliche und eine zahnärztliche
Behandlung. Die Krankenversorgung ist laut Gesetzt auf akute Erkrankungen und
Schmerzzustände beschränkt. Krankengymnastik und Zahnersatz gehören zu
Sonderbehandlungen und werden vom Gesundheitsamt überprüft, wobei Flüchtlinge noch
einmal nachuntersucht werden können. Psychotherapeutische Behandlungen sind nicht
vorgesehen.

Der Arztbesuch – wir beziehen uns hier auf die Berichte von Flüchtlingen:
Zuerst steht man Schlange – dann wirst du aufgerufen und kannst sagen, was für
Beschwerden du hast. Danach darfst du wieder warten bis du an der Reihe bist, gehst zur
Untersuchung und das einzige, was ein Flüchtling bekommen soll ist Paracetamol. Also nicht
für die eigentliche Behandlung gedacht. So wie Antidepressiva statt Traumatherapie. Du
gehst weg, und wenn du an einem anderen Tag wiederkommst, um ihnen zu sagen, dass es
nichts geholfen hat, sagen sie dir, dass du eine Menge Wasser trinken sollst.
Zu einem Spezialisten oder Facharzt zu gehen, steht dem Flüchtling nicht zu, da diese sich
meistens in den Städten befinden und sich der Flüchtling nicht so weit vom Lager entfernen
darf.

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Flüchtlinge haben keine Pflichten und genügend Rechte

Wahrheitspflicht/Mitwirkungspflicht
Vorneweg: Duldung = vorübergehende Aufenthaltserlaubnis (zwischen 3 Tagen und 6
Monaten) – diese Zeit dient zur Identitätsfeststellung, sobald dies erfolgt ist, wird der
Flüchtling abgeschoben.

Sobald ein Flüchtling deutschen Boden betreten hat und sich nun vor dem BGS bei der
Erstanhörung wiederfindet (und niemand ihn darauf hingewiesen hat, dass dies die
wichtigste Anhörung ist), steht er unter Wahrheits- und Mitwirkungspflicht. Sie entscheidet
mithilfe des ersten Eindrucks ob der Asylbewerber geduldet, sofort abgeschoben oder der
Antrag genehmigt wird.
Die erste Anhörung ist ein geschicktes Verfahren, um Gründe für eine Abschiebung zu
finden. Die Pflicht, die Wahrheit zu sagen, fällt den meisten Flüchtlingen (unbeabsichtigt)
nicht leicht. Meist sind sie durch Folter, Angst und Gewalt hochtraumatisiert (mind. 20 – 30
%). Zudem sollen sie bzgl. der Mitwirkungspflicht alles sagen, was sie wissen und Papiere
vorlegen. Trifft dies nicht zu, folgen zukünftige Taschengeldkürzungen bis zu 50 % und mehr.
Bei jeder Abschiebung hat der Flüchtling sämtliche Kosten für Flug, Unterhalt und Personal
zu tragen.
Außerdem: Wenn jedem Mitarbeiter des BGS’ eine Prämie für jede Abschiebung zusteht,
wieso dann auch nicht jeden abschieben, den man abschieben kann?

Residenzpflicht
Die Flüchtlinge dürfen den Landkreis nicht verlassen. Sie können zwar einen Antrag stellen,
sich auch außerhalb zu bewegen, aber dieser wird meistens nicht bewilligt.
Trivia: Die Residenzpflicht ist einzigartig in Europa. Sie ist ein Sondergesetz aus der Nazizeit
und galt für die Sinti und Roma, die einen bestimmten Bereich nicht verlassen durften.
Heute kostet einem Flüchtling die Verletzung dieses Gesetzes bis zu 5 000 € oder 1 Jahr
Gerfängnis.

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Flüchtlinge leben in permanenter Sicherheit

Genehmigung und Ablehnung

Bei Genehmigung des Asylantrags muss der Flüchtling für bis zu ein Jahr in ein
Flüchtlingslager. Frühestens dann erhält dieser eine Arbeitserlaubnis.
Bei Ablehnung bleibt die Flucht in die Illegalität oder ebenfalls der Aufenthalt im Lager für
eine unbestimmte Zeit..
In der Illegalität lebt der Flüchtling in permanenter Angst vor Personenkontrollen und davor,
verraten zu werden. Ein soziales Leben ist kaum möglich. Um Geld zu verdienen, arbeitet er
illegal („Schwarzarbeit“). Somit ist er rechtlos, immer abrufbar und dem Arbeitgeber
ausgeliefert.

Das Lagerumfeld

Das Leben im Flüchtlingslager ist ein Leben zwischen Ungewissheit und Angst vor drohender
Abschiebung. Zwischen (nächtlichen) Razzien der Polizei, nahezu täglichen Kontrollen der
Wachmänner (die sich in häufigen Fällen auch gerne an Flüchtlingen „vergreifen“.)

Flüchtlingslager befinden sich meist kilometerweit entfernt von der nächsten Stadt oder
dem nächsten Dorf. Es ist ein militaristisch wirkendes, mit Stacheldraht umzäuntes Gebiet.
Häufig sind es alte Kasernen, Holzbaracken, Wohncontainer, Bunker, ausgeräumte
Fabrikgallen, Schiffe, Zelte, Turnhallen, usw.
Meist gibt es nur Mehrbettzimmer, Gemeinschaftsraum, -duschen, -toiletten und eine
Mensa.
Die „Mindestanforderungen“ sehen wie folgt aus:
1x Waschstelle für 5 Personen
1x Dusche für 20 Personen
1x WC für 5 Personen
1x Urinal für 10 Männer
1x Küche für 50 Flüchtlinge – man teilt sich zusammen 2 Spülen und zu viert eine Kochstelle.

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Die Hygiene bleibt auf einem niedrigen Niveau (Schimmelbefall, verwanzte Schlafstätten
etc.) und die medizinische Versorgung ungenügend. Für Privatsphäre oder Intimität ist kein
Platz. Es gibt willkürliche nächtliche Kontrollen von Wachleuten oder privaten
Sicherheitsfirmen. Frauen und Kinder sind den sexuellen Übergriffen der Hausmeister
ausgesetzt. Die Bewohner leben in Isolation und ohne Bezug zur Außenwelt – dies führt
häufig zu Selbstmordversuchen bei jungen Menschen, da diese einen Mangel an sozialen
Kontakten erfahren müssen.
Einem Flüchtling stehen 4qm „Wohnraum“ zu. Zum Vergleich: Einem Hund stehen gesetzlich
9 qm zu. Häufig schlafen in einem Zimmer bis zu 8 Leute, die sich völlig fremd sind.

Dies alles lässt sich als Abschiebungspraxis begründen.


Der Staat möchte eine abschreckende Wirkung erzielen: Die Lagerunterbringung ist teurer
als eine Privatwohnung; doch eine Privatwohnung erzielt einen eher einladenden Effekt, was
nicht im Sinne des Staates ist. Diese Verschlechterung der sozialen Situation und der
beschleunigten, an den Nerven der Flüchtlinge fressenden Asylverfahren sehen wir als
staatlichen Rassismus an!

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Flüchtlinge und die Kriminalität –
Eine Umfrage

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Flüchtlinge in Deutschland –
In der Heimat verfolgt: Flucht für ein Leben hinter Stacheldraht

Ein Leben hinter mit Stacheldraht umzäunten (Abschiebe-)lagern, meist kilometerweit entfernt von
der nächsten Stadt oder dem nächsten Dorf – isoliert vom Rest der Bevölkerung.
Eine Arbeitserlaubnis bekommt ein Flüchtling frühestens nach einem Jahr – nachdem er einen
Asylantrag gestellt hat und dieser bewilligt wurde.
Bei Ablehnung bekommt der Flüchtling eine Duldung. Nach Ablauf dieser Duldung (diese kann 3 Tage
bis 6 Monate gültig sein) wird er in sein „Heimatland“ abgeschoben – wo Folter oder auch der Tod
auf ihn warten. Der Flüchtling erhält keine Arbeitserlaubnis und muss mit 40,90 € im Monat leben
können.
Häufig bleibt nur die Flucht in die Illegalität. Ein Leben in ständiger Ungewissheit und Angst vor
Entdeckung und Abschiebung. Dies führt zu enormen psychischen Belastungen für die meist ohnehin
schon traumatisierten Flüchtlinge.

Was würden Sie tun, wenn Sie sich in der Lage eines Flüchtlings befänden?

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Denken Sie, dass Flüchtlinge durch diese Umstände kriminell werden könnten?

Wenn Ja , in welcher Form? _______________________________________________


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Nein
Welchen Weg würden Sie am ehesten einschlagen, um in der Illegalität Geld zu verdienen?

Handel illegaler Drogen „Schwarzarbeit“

Prostitution Hehlerei

Diebstahl (Bspw. Autodiebstahl) Sonstige _______________________________

Was denken Sie: wie viel Prozent der Flüchtlinge sind kriminell?

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Sollten Sie noch etwas „loswerden“ wollen, können Sie gerne die Rückseite nutzen.
Vielen Dank für Ihr Mitwirken.

Lisa Lagenstein
Zur Vervielfältigung genehmigt.

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Informationsbeschaffung
Wir bitten die Unschärfe des Bildmaterials zu entschuldigen.

www.nds-fluerat.org – (inkl. Bildmaterial)


Flüchtlingsrat Niedersachsen

BLANKENBURG révolté –
Broschüre zur europäischen Migrationspolitik, dem deutschen Lagersystem und dem Streik
der Flüchtlinge in Blankenburg und Bramsche

Sie suchten das Leben – Suizide als Folge deutscher Abschiebepolitik –


Heike Herzog, Eva Wälde (rat – reihe antifaschistischer texte)

Die Umfrage stammt aus eigener Hand.


Vervielfältigung des gesamten Dokuments ist genehmigt.

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Arbeitsaufteilung

Informationsbeschaffung: Margharete Krämer, Viktoria Koch, Lisa Lagenstein


Umfragenauswertung: Viktoria Koch, Margharete Krämer
Schriftliche Ausarbeitung: Lisa Lagenstein

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