Niklas Luhmann Legitimation durch Verfahren

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Wissenschaft 443

Zum liberalen, das alteuropäische Traditionsgut ablösenden Denken über Recht, Staat und Gesellschaft gehört die Annahme, daß rechtlich geordnete Verfahren zur Legitimation von rechtlich verbindlichen Entscheidungen beitragen, ja sie tragen können. Diese These ist, bewußt oder unbewußt, konzipiert worden, um das alteuropäische Modell ainer hierarchischen Ordnung von Rechtsquellen und Rechtsmaterien zu ersetzen. Sie scheint mehr Offenheit für neuartige Normbildungen, mehr Elastizität und Anpassungsfähigkeit des Rechts und ein höheres Potential für strukturellen Wandel in der Gesellschaft in Aussicht zu stellen. Luhmanns Studie versucht, eine Vorstellung von der Interdependenz zahlreicher Problemkreise zu vermitteln, in die eine Gesellschaft sich verstrickt, die ihr Recht nicht mehr durch invariant vorgefundene Wahrheiten, sondern nur oder doch primär durch Teilnahme an Verfahren legitimiert. Niklas Luhmann, geboren 1927 in Lüneburg, ist nach einem Studium der Rechtswissenschaft und nach längerer Tätigkeit in der öffentlichen Verwaltung gegenwärtig Professor für Soziologie an der Universität Bielefeld.

Niklas Luhmann Legitimation durch Verfahren

Suhrkamp

Bibliografische Information D e r Deutschen Bibliothek D i e D e u t s c h e B i b l i o t h e k v e r z e i c h n e t diese P u b l i k a t i o n i n d e r Deutschen Nationalbibliografie http://dnb.ddb.de

s u h r k a m p t a s c h e n b u c h Wissenschaft 4 4 3
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4. 3. 3. Folgerungen und Erweiterungen 1. Politische W a h l und Gesetzgebung 1. Autonomie Kontaktsysteme 4 . Grundlagen 1. Rollenübernahme 5. 2. 3. 9. Erlaubter Konflikt Grenzen der Lernfähigkeit Programmstruktur und Verantwortlichkeit 8. 4. Ausdifferenzierung 2. Gerichtsverfahren 1. Positivierung des Rechts 2. Demokratisierung der Politik Politische W a h l Gesetzgebung iv. 3. Legitimität Verfahren als soziales System VH 1 9 11 27 38 55 59 69 75 82 91 100 107 121 129 137 141 151 155 174 201 219 223 233 242 249 255 II. 7.Inhalt Vorwort V o r w o r t zur N e u a u f l a g e ( 1 9 7 5 ) I. Darstellungen und Entlastungen 6. Entscheidungsprozesse der V e r w a l t u n g v. Instrumentelle und expressive Variable Strukturen und Enttäuschungen Funktionale Differenzierung Trennung sozialer und personaler Systeme Sachregister . Die klassische Konzeption des Verfahrens 2. Darstellung für Unbeteiligte in.

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D a z u hätte die Durkheimsche F r a g e nach den nichtvertraglichen Grundlagen des V e r t r a g s als V o r b i l d dienen können . also als Sinnverbundenheit faktischen Handelns begriffen. Sie machen sich den Umstand zunutze. konzipiert worden. W i e im Bereich der »Gesellschaft« die Kategorie des Vertrags. das sei eine Ideologie der Revolutionäre und Kapitalisten gewesen.Vorwort Z u m liberalen. daß der Begriff der Legitimation längst schon durch Bezug auf die Faktizität des Meinens empirisch definiert ist. Sie scheint mehr Offenheit für neuartige Normbildungen. die Bedingungen und den G r a d der Realisierbarkeit einer solchen Errungenschaft abzutasten. so scheint im Bereich des »Staates« die Kategorie des Verfahrens jene Zauberformel zu bieten. die täglich konkret praktikabel ist und doch als Institution alle Bestimmung der Z u k u n f t überläßt.und uns in die dornigen Probleme einer allgemeinen Theorie der Gesellschaft geführt. Legitimation als Übernahme bindender Entscheidungen in die eigene VII . daß rechtlich geordnete Verfahren zur Legitimation von rechtlich verbindlichen Entscheidungen beitragen. die ein Höchstmaß an Sicherheit und Freiheit kombiniert. Die hier vorgelegten Untersuchungen nehmen einen anderen W e g . mehr Elastizität und Anpassungsfähigkeit des Rechts und ein höheres Potential für strukturellen W a n d e l in der Gesellschaft in Aussicht zu stellen. das alteuropäische Traditionsgut ablösenden Denken über Recht. ja sie tragen können.das scheinen evolutionär unwahrscheinliche Errungenschaften zu sein. Diese These ist. um das alteuropäische Modell einer hierarchischen Ordnung von Rechtsquellen und Rechtsmaterien zu ersetzen. die es der G e g e n w a r t ermöglichen. bewußt oder unbewußt. Verfahren w i r d hier als ein soziales System besonderer A r t . und sie versuchen. eine zweite G r u n d l a g e für eine Kontrolle der liberalen These in einer soziologischen Theorie des Verfahrens zu gewinnen. V e r trag und Verfahren . S t a a t und Gesellschaft gehört die Annahme. M a n kann auch versuchen. M a n kann sagen. sich selbst aufs Änderbare festzulegen und jede mögliche Zukunft auszuhalten.

Entscheidungsstruktur. D a h e r bleibt das Hauptziel dieses Buches ein vorläufiges. sondern als eine Systemleistung. An diesem. Rüdiger Lautmann erfahren. D r . das Gesamtproblem durch Zuspitzung auf wenige kritische Erfahrungen wissenschaftlich entscheidungsreif zu machen. ob Verfahren legitimieren können oder nicht. mit H i l f e systemtheoretischer und lerntheoretisdier Grundlagen die liberale These einer empirischen Ü b e r p r ü f u n g näher zu bringen. die ein Erstmanuskript kritisch durchgesehen und mir für die Endfassung manche A n regungengegeben haben. Kollegialen R a t und H i l f e habe ich v o r allem von den Herren D r . sondern nur oder doch primär durch Teilnahme an Verfahren legitimiert. D r . Bielefeld. daß Legitimation durch Verfahren nicht als W i r k u n g einer oder einiger feststellbarer Ursachen begriffen werden kann. erzeugt zunächst freilich nur eine Kaskade weiterer Fragen und wenig Aussichten. Eben das ist mit dem Begriff einer evolutionär unwahrscheinlichen Errungenschaft gesagt. die von sehr vpraussetzungsvollen Strukturen abhängt und damit sehr komplex und nicht alternativlos determiniert ist. Die A r b e i t an diesen Untersuchungen ist m i r durch die Sozialforschungsstelle an der Universität Münster in Dortmund ermöglicht worden. in die eine Gesellschaft sich verstrickt. die ihr R e c h t nicht mehr durch invariant vorgefundene Wahrheiten. enttäuschenden Ergebnis läßt sich ablesen. D r . Die begriffliche Artikulation der einen F r a g e . Werner Krawietz und D r . Klaus König. D a r a u s ergeben sich Möglichkeiten. D r . im M a i 1969 N i k l a s Luhmann . wenn man so will. nämlich eine Vorstellung der Interdependenz zahlreicher Problemkreise Zu vermitteln.

tät verliehen werden.Vorwort zur Neuauflage ( 1 9 7 5 ) Dieses Buch versucht. D i e Gegenargumente beschränken sich darauf. w e n n auch nur aus Versehen. daß systemtheoretische Begriffe gegenüber eingelebten Bedeutungsinhalten häufig zugleich spezieller und abstrakter eingesetzt werden müssen. A b e r das ist nicht das Problem. Eine Reihe von E i n w ä n d e n betrifft den Legitimitätsbegriff. Gerechtigkeit) des Inhalts der Entscheidungen abgestellt h a t t e . ohne jedoch den T e x t des Buches selbst in Richtung auf eine nochmals stark abstrahierte BegrifFssprache zu revidieren. I. D a s gilt besonders für diesen F a l l . Natürlich sollte man sich nicht in eine Position begeben. daß die von mir vorgeschlagene Interpretation offenbar nicht alle E r w a r t u n g e n befriedigt. die f ü r moderne politische Systeme zentrale Rechtsidee des Verfahrens mit sozialwissenschaftlichen und speziell mit systemtheoretischen 1 Mitteln nachzukonstruieren. einige der begrifflichen auch Optionen des Buches Ich beziehe dabei neuere Überlegungen ein. Unter diesen Umständen möchte ich die zweite A u f l a g e nicht hinausgehen lassen. ohne gegenüber kritischen Einwänden klarzustellen. der auf die Überzeugung von der Richtigkeit (Wahrheit. Die anschließende Diskussion h a t gezeigt. N u r so können die mit ihnen verbundenen Erfahrungen und interdisziplinären Bezüge eingebracht werden. die solche Einrichtungen. Dies dürfte daran liegen. mitlegitimiert. im Hinblick auf das eine Modifikation des Legitimitätsverständnisses mir notwendig erschien. die sich an altgebrauchte Begriffe w i e Legitimität und Verfahren geheftet hatten. Entscheidungsinhalte haben ihr eigenes Recht und ihre 2 Diesem E i n w a n d kann durch Hinweis auf die Konzentrationslager Nachdrück und Plausibili- 1 . D e r Versuch w u r d e als eine Herausforderung f ü r die Juristen a n g e z e i g t und hat wohl nicht nur auf Juristen so gewirkt. auf den konventionellen Begriff zurückzugreifen.

Durch Arbeiten an einer Theorie symbolisch generalisierter Kommunikationsmedien 2 5 ist mir inzwischen auch bewußt ge- . die in politischen Fragen wieder naiv zu werden und strukturelle Errungenschaften durch gute Absichten zu ersetzen beginnt. aktuell bewußter Konsens über relevante Entscheidungsinhalte empirisch nicht feststellbar. das nie aktualisiert werden kann. W e n n auch andere von den Prinzipien profitieren. daß faktischer. Es k a m mir darauf an. gerechte Entscheidungen seien legitim. nur um dann sagen zu können. bereitzustellen. wegen kollektiver Vorteile im Hinblick auf generell anerkannte Werte eigene Interessen zurückzustecken oder gar 3 faktische Nachteile in K a u f zu nehmen . er läßt sich gerade nicht mit einer Theorie rationaler Argumentation verbinden. Zeitstruktur und institutionellen Komplexität v o r A u g e n zu führen — in einer Zeit. D e r konventionelle Legitimitätsbegriff spekuliert mithin auf ein v o m individuellen Standpunkt aus irrationales Verhalten. Es ist schlicht überflüssig. den Eigennachteil im Einzelfall kompensieren zu lassen und zu opponieren. daß es für einen einzelnen nicht rational sein kann. dann eben mit Hilfe eines anderen. M a n sollte zunächst auch in der rechtswissenschaftlichen Diskussion notieren. bis das geschieht. M a n muß dann schon auf Mystifikationen wie »kollektives Hintergrundbewußtsein« 4 zurück- greifen oder sich ein Konsensbildungspotential vorstellen. ja in hochkomplexen Gesellschaften mit rasch fluktuierenden Reglements völlig undenkbar ist.eigenen Begriffe. H i n z u kommt. F ü r diese Probleme muß man einen A u s w e g finden — wenn nicht im Rahmen des konventionellen Legitimitätsverständnisses. die mit Bezug auf grundlegende Werte und N o r m e n der Rechtsordnung präzisiert werden können. dafür zusätzlich noch einen weiteren Begriff. Genau darin sehe ich die politische Leistung der bürgerlichen Revolution. Mein Vorschlag ist: den Begriff der Legitimität mit H i l f e der Lerntheorie zu temporalisieren und die damit aufgegebene inhaltsabhängige Sicherheit durch Differenzierung und Wiederverknüpfung einer Mehrheit von Ve rfahr e n wiederzugewinnen. ungerechte E n t scheidungen seien nichtlegitim. ist es gerade rational. diese Leistung in ihrer Formalität. den der Legitimität.

der Selektionskriterien die Funktionsweise solcher Medien Kommunikationsmedien. Essers eigene Analysen betonen die Transmission gesellschaftlicher Wertungen und Wertungsänderungen in den richterlichen 3 8 7 . Nur kann Sondersymbolen für diese Funktion nicht die Gesamtfunktion eines Kommunikationsmediums anvertraut w e r d e n / L e t z t l i c h ist es damit nur durch Systembildung möglich.worden. dies Buch als Theorie des im V e r f a h r e n ablaufenden EntScheidungsprozesses zu lesen—und zu v e r w e r f e n . des Gesetzgebers und des politischen Wählers zu skizzieren. derjenigen daß es notwendig ist. wenn nicht aus logischen. Es läßt sich deshalb auch nicht allein im Hinblick auf den Z w e c k . aber keineswegs alle Entscheidungsprämissen fixiert. 6 I h r e Funktions- weise ist nie voll durch Selektionskriterien gedeckt — nicht einmal im F a l l e der W a h r h e i t . Es w a r jedoch nicht die Absicht dieses Buches. darunter Wahrheit u n d Macht. von zu unterscheiden. darüber hinaus aber zum Beispiel auch Prämissen für das weitere Verhalten der Betroffenen. Soziologisch gesehen schließt ein Verfahren nicht nur mit einer einzigen. so jedenfalls aus zeitbezogenen Gründen unerläßlich: M a n kann Kommunikationserfolge u n d Selektionsübertragungen nicht so lange in der Schwebe halten. übertragen kontingente Selektionsleistungen. beides zu integrieren. Vielmehr sollte eine d a z u ergänzende Perspektive eingeführt werden. den Entscheidungsprozeß des Richters. die auch eine Funktion erfüllen. das hätte ganz andere (und: Esser sehr viel näherkommende) Überlegungen erfordert. II. In diesen Interaktionssystemen werden einige. rechtlich bindenden Entscheidung ab. aber nicht identisch sind. die mit Entscheidungsprozessen synchronisiert. tendieren. bis Kriterien entwickelt und zur A n w e n d u n g gebracht w e r d e n . W e r nur auf Selektionskriterien abstellt und Versagen nicht als strukturelles ihr mögliches wird dazu Problem sieht. So namentlich Josef E s s e r . bessere Entscheidungen zu erzielen. rationalisieren . Damit soll natürlich nicht ausgeschlossen werden. daß es Kriterien und kriteriengerechte Entscheidungen gibt. Diese Unterscheidung ist. Verfahren werden als soziale Systeme gesehen.

die analysiert werden. 9 sehr viel drastischere Mittel der Konfliktrepression verzichten . Worin besteht nun eigentlich die Herausforderung für die Juristen und. der Schwächung und Z e r mürbung der Beteiligten. Auch der Rollenkontext und die Interaktionsweise muß auf die gesellschaftliche U m w e l t des Rechtssystems eingestellt sein. Dieser Verzicht auf » G r ü n d e « im theoretischen K o n zept hat nun seinerseits einen G r u n d . daß u n d wie der Richter mit Hilfe begrifflicher Figuren und Argumentationsweisen gesellschaftliche Wertungen resorbiert und stehen insofern einer soziologischen Betrachtungsweise nahe. wie sich gezeigt hat. sie erst ermöglicht auch eine dogmatisch kontrollierte Rezeption gesellschaftlicher Wertungen in ein Rechtssystem. Die Interaktionsform sie des Verfahrens hat deshalb nicht nur die Funktion. Eine Ausdifferenzierung. III. der U m f o r m u n g und Neutralisierung ihrer M o t i v e im Laufe einer Geschichte. Sie ist nicht allein ein hermeneutisches Problem.Entscheidungsprozeß. gesellschaftliche Adäquität Rechts- einer Rechtsordnung. Geltungsgrundlagen entscheidungsabhängigen ordnung. die in EntScheidungsprozessen Berücksichtigung finden. der sich angeben läßt. Die Funktion symbolisch generalisierter Kommunikationsmedien 11 10 läßt sich nicht auf "intrinsic persuaders« r e d u z i e r e n . kann nicht allein auf G r u n d derjenigen Gesichtspunkte beurteilt werden. dient auch ganz unmittelbar der Konfliktdämpfung. für die Vertreter einer moralgeleiteten Praxis? Vermutlich ist einer der Anstoßpunkte. in der Darstellungen und Engagements in Darstellungen sich unter Eliminierung von Alternativen ändern. sich nicht zu »Gründen« für richtiges Entscheiden oder richtiges Verhalten kondensieren l a s s e n . daß die Strukturen. N u r wenn diese Möglichkeit institutionell gesichert ist. sie stellen heraus. in diesen Hinsichten entlastet nicht nur den Entscheidungsprozeß von vielerlei Rücksichten. kann eine Gesellschaft auf andere. und selbst einer vollständig positivierten. das höheren Konsistenzansprüchen zu genügen hat. so wichtig 4 . Sie bleiben als Konzeption des Verhältnisses von Gesellschaftssystem Die und Rechtssystem in den jedoch unvollständig. brauchbare E n t scheidungsgesichtspunkte herauszufiltern.

nicht so sehr die guten Gründe als vielmehr die katastrophalen Informationen den Zusammenhang vermitteln. D a s jeweils in Geltung befindliche R e g e l w e r k des Rechts und die durch Lebenserfahrung bekannte T y p i k der Wahrscheinlichkeiten sichert diese N o r m a l i t ä t in ebenfalls hochgeneralisierter Form. wenn beides sozial notwendig ist. daß die N o r m a l i t ä t kommunikativer Ubertragungsleistungen unabhängig d a v o n gesichert ist. belanglos sind. die in der L a g e sein müssen. Meine V e r m u t u n g ist. gleichsam nur als interaktionelles Zeremoniell um des Dabeiseins willen aufgeführt werden. Auch Rechtskonstruktionen werden wohl eher an unerträglichen Folgen als an guten G r ü n d e n getestet. die Überzeugungsdefizite überbrücken. U n d diese Kommunikationsstruktur läßt sich in Verfahrenssysteme integrieren. In ihrer gesamtgesellschaftlichen Funktion und Effektivität müssen Kommunikationsmedien fluß«) jedoch davon abstrahieren. also w i e Macht und institutionelle W a h r h e i t (Parsons entwickelt den Gedanken am Fall von »Einüber Stützen verfügen. Nur im Hinblick auf Situationen. wenn man ein Anliegen situativ voranbringen und Widerspruch momentan ausschalten will. Entscheidungshinnahme auch unabhängig von der sachlichen Richtigkeit von Argumenten zu garantieren. denn Negationen haben stärker generalisierte Effekte.solche überzeugungskräftigen Argumente sind. Ein Fall von offensichtlicher Schwäche ruiniert die Macht. F ü r den Bereich von Wahrheit hat bekanntlich Popper diesen Gedanken unter der Bezeichnung Falsifikation ausgearbeitet. in denen es an selbstverständlichem Konsens fehlt und Einigungsmängel wahrscheinlich sind — nur im Hinblick auf Situationen mit gesteigerter Kontingenz werden überhaupt Kommunikationsmedien ausdifferenziert. D a s Zusammenspiel generalisierter Symbolstrukturen und interaktiver Argumentation bedürfte eingehender Erforschung. D a s aber setzt voraus. daß A r g u m e n t e faktisch folgenlos sind. ein Treubruch die Liebe. daß. 5 . Natürlich bedeutet dies nicht. Sie haben Folgen im Einzelfall und zuweilen auch mittels einer A g g r e g a t i o n von Einzelfällen.

die in der gesellschaftlichen Wirklichkeit schon keine mehr sind. Ich kann nur betonen: das ist nicht gemeint. die in der methodologischen Diskussion viel erörtert worden sind. und setzt deshalb den Rechtsstaat als W e r t . Situationsfolgen. die mit dieser Diskussion nicht vertraut sind. hilft nur eine 6 . soll ihn allzu suggestiven Formulierungen zuschreiben und diskontieren. führt man dann verkürzt als Wertungen ein: man nimmt zum Beispiel a n . So wird es möglich. eine K r y p t o . IV. D a s w i r d v o n Kritikern. Offenbar w i r k t die Darstellung einer Funktion auf ihn und a u f andere wie eine versteckte Empfehlung. daß ein hohes M a ß an Verrechtlichung von Konflikten f ü r die Industrialisierung der Wirtschaft. es befasse sich eben deshalb mit einem Nebenaspekt. Vorhandenes als Problemlösung zu begreifen und entweder die Strukturbedingungen der Problematik oder die Problemlösungen zu variieren — zunächst der Leichtigkeit halber gedanklich. W i r d das in Zweifel gezogen. Gründen u n d Rechtfertigungen liegen. die man situativ nicht hinreichend analysieren kann — und z w a r weder in der Situation des F o r schers. eine Relationierung der im täglichen Leben kompakt erfahrenen Qualitäten. Diese Kontexte. Entscheidungsprozeß mit seinen meint. A u s G r ü n d e n . und w e r diesen Eindruck bekommt. die das Mögliche mitbedingen. erforderlich bleiben w i r d . werden erst beim Durchspielen möglicher Problemlösungen liegende weitere. noch in der Situation des Praktikers. zuweilen verkannt. Sie rekonstruiert mit H i l f e systemtheoretischer Annahmen mit Vorliebe solche Probleme. der richtig sieht. für die Demokratisierung des politischen Prozesses. Sie gewinnt damit einen relationalen Bezugsgesichtspunkt. können funktionale Analysen ihren Gegenstand nicht »rechtfertigen«. für den Erziehungsprozeß usw. jenseits der spezifischen Funktion Bedingungskontexte bewußt. der das Gerichtsverfahren nicht rechtfertigen könne.. Funktionale A n a l y s e ist eine Technik der Entdeckung schon gelöster Probleme. die also gleichsam hinter den Zwecken. E r s t in diesem Schritt. dann vielleicht auch in der T a t . Eindrücke. obwohl man das nicht weiß.N o r m i e r u n g . Jürgen R ö d i g den 1 2 zum Beispiel. daß dieses Buch Inhalten ausklammert.

Legitimität als analytische Kategorie. die möglicherweise. politischem System. M a n hat dann eine ausreichende Sicherheit in der Kontrolle derjenigen Problemperspektiven. Ähnlich. S. einstweilen Niklas Luhmann. Rechtssoziologie: Eine systematische Orientierung. Macht. 2 9 3 — 3 0 4 .Erweiterung der funktionalen A n a l y s e . B. S. 5 Vgl. 4 Kielmansegg. das sie löst. weil es nicht identisch ist mit denjenigen Problemen. Begriffe. und das allzuleicht übersehen w i r d . ferner ders. der in der Identifikation 7 . Erziehungssystem u s w . Einführende Bemerkungen zu einer Theorie symbolisch generalisierter Kommunikationsmedien. man m u ß dann auch hier die Probleme entdecken und spezifizieren. Oxford 1 9 7 2 . die man durch die Entscheidungen in den Verfahren zu lösen versucht. S. Cambridge Mass. Anmerkungen 1 Von Wolf Lepenies in der Franpfurter Allgemeinen Zeitung v o m 5. 3 6 7 — 4 0 1 . Reinhold Zippelius. Zeitschrift für Soziologie 3 ( 1 9 7 4 ) . Legitimation durch Verfahren? Festschrift Karl Larenz. Hans Ryffel. a. Wirtschafts- system. an denen sich die F r a g e des Ubergangs zu anderen Formen entscheiden w i r d . 3 1 7 f. J r . Popper. ja wahrscheinlich ganz andersartige G e g e n w a r t e n erzeugen w i r d . Juni 1 9 7 0 . 6 Dazu Karl R. S.. 2 8 9 . S. es ging um ein Aufdecken des Problems.. The Logic of Collective Action: Public Goods and the Theory of Groups. Es ging diesem Buch also nicht darum. 13 N u r so ist Universalismus des Anspruchs mit Aussagefähigkeit in der Situation zu kombinieren. 1 9 6 $ . Stuttgart (im Druck). . aber mit einem formaleren Legitimitätsbegriff. Peter Graf Kielmansegg. stecken. 1 1 2 f. Neuwied—Berlin 1 9 7 4 . Mancur Olson. S. N u r so kann in die aktuelle G e g e n w a r t eine Z u k u n f t einbezogen werden. die Institution des Verfahrens durch Nachweis einer Funktion zu »rechtfertigen«. a. 3 2 1 . O. die in den Kompatibilitätsbedingungen von Rechtssystem.. 3 9 7 . 2 3 6 — 2 5 5 . Objective Knowledge: An Evolutionary Approach. 3 Vgl.. Theorien und Wertungen werden bei einem solchen Vorgehen ohne Einschränkungen unter Vorbehalt benutzt . Politische Vierteljahresschrift 1 2 ( 1 9 7 1 ) . 2 So z. München 1 9 7 3 .

Juristische Schulung 1 1 ( 1 9 7 1 ) . vorwirft. er verkenne. daß dies von Richtern im Verfahren gar nicht geleistet werde.). Materielles Recht und Prozeßrecht. Aufl. Le matérialisme rationnel. Frankfurt 1 9 7 0 .und verwaltungsgerichtlichen Prozesses. vorwirft. S. Das ist Frankfurter Stil: eine Mixtur aus politischer Fehleinschätzung und moralischem Illusionismus. für die begrifflichen Optionen einer wohl anerkannten Wissenschaft: der Chemie. ob die effektive Institutionalisierung rechtlich geregelter Verfahren ein notwendiges Korrelat industrieller Entwicklung ist. Andres Ollero. der auf vernünftig-kornmunikabler Einsicht besteht. S. Rottleuthner. S. S. S. Paris 1 9 5 3 . ich übergehe das Problem inhaltlicher Legitimität und ihrer kommunikativen Vermittlung. S. Rechtswissenschaft als Sozialwissenschaft. 1 9 7 1 .von Wahrheit und Selektionskriterium den Kerngedanken des Positivismus sieht. a. 1 4 1 — 1 6 7 . Frankfurt 1 9 7 3 . worin denn eigentlich die Gründe für die Hinnahme der Entscheidung bestehen. formuliert Gaston Bachelard.. straf. die beharrliche Frage von Zippelius a. mir dagegen. der Esser. S. 37—62 (48). 1 9 7 2 . C*. 8 . 1 4 7 — 1 7 7 . Kritische Justiz 1 9 7 0 . 329—334. ders. 7 In: Vor Verständnis und Methoden wähl in der Rechtsfindung: Rationalitätsgarantien der richterlichen Entscheidungspraxis. 9 Gutes Vergleichsmaterial bietet jetzt Volkmar Gessner. 1 2 6 . S. 12 Theorie des gerichtlichen Erkenntnisverfahrens: Grundlinien des zivil-. 297. On the Concept of Influence. Berlin — Heidelberg — New York 1 9 7 3 . Zur Soziologie richterlichen Handelns. der genau dies behauptet. Nahestehend in der Akzentuierung kommunikativer Verständigung und inhaltlicher Legitimität Hubert R. 13 »avec des reserves«. 282—306. 10 Vgl. 11 Dazu Talcott Parsons.. 8 Vgl. Public Opinion Quarterly 27 ( 1 9 6 3 ) . 41 ff. Diese und ähnliche (vor allem japanische) Untersuchungen rechtlich gestützter Konfliktbereitschaft lassen zugleich Zweifel aufkommen. Unhaltbar ist vor allem die Argumentation von Rottleuthner. 3. Recht und Konflikte: Eine soziologische Untersuchung privatrechtlicher Konflikte in Mexico. die selbst ohne jeden Anschluß an relevante Theorieentwicklungen bleibt. »Systemtheorie: Filosofia del derecho o sociologia juridica? Anales de la Catedra Francisco Suarez 1 3 ( 1 9 7 3 ) . S. 60—88. dazu Othmar Jauernig. Habilitationsschrift Bielefeld 1 9 7 4 (Ms.

I. Grundlagen .

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Zeitschrift für öffentliches Recht 1 ( 1 9 1 9 . S. der das Entstehen einer einheitlichen Theorie aller rechtlich geregelten Verfahren verhindert hat. Geschäftsordnungen für Parlamente. eine letzte Einheitlichkeit der Betrachtungsweise. bei Wahlen. F ü r liberale Staatsdenker konnten Verfahrensregelungen nahezu das Wesen v o n Staat und Recht ausmachen . »reine Rechtslehre«. Insofern ist es eine Übertreibung. ist die sog. Ausschüsse oder über Verfahrensgesetze für Gerichte oder V e r waltungen liest. Eine angemessene Theorie des Verfahrens schlechthin hat weder die liberale noch eine andere Richtung des Rechts. in bezug auf Verfahren der Gesetzgebung.und Staatsdenkens hervorgebracht . 468-S07. praktiziert werden. selbst wenn er von Sachkriterien bestimmt sein soll. eine schwer abzuschätzende. Rechtsanwendungen. Kabinette. 2 Am weitesteh und konsequentesten vorgedrungen in dem Bestreben. Vielleicht ist die Ungelöstheit dieses Problems der innere G r u n d . in merkwürdigem Zwielicht stehende Bedeutung. Die klassische Konzeption des Verfahrens Rechtlich geordnete Verfahren der Entscheidungsfindung gehören zu den auffälligsten Merkmalen des politischen Systems moderner Gesellschaften. Als einen Versuch transzendentaler Begründung des Rechts in verfahrensmäßig geordneten Erkenntnisprozessen siehe Fritz Sander: Die transzendentale Methode der Redusphilosophie und der Begriff des Rechtsverfahrens. Parlamente. wenn man Ausführungen über Wahlrecht. Ministerien. S. U n d doch drängt sich. Planungen./. Gerichte. wenngleich sie sich zu einem konsequenten Verzicht auf sachliche Kriterien der Richtigkeit des Entscheidens nicht entschließen konnten und so das relative G e w i c h t verfahrensmäßiger und sachlicher Verhaltensprämissen ein Problem blieb. Sie zieren zumindest die Fassade solcher Systeme. sie gewinnen aber auch für den Inhalt der Entscheidungen. 2 1 11 . eine gewisse Homogenität der Vorurteile auf. alles Recht auf Verfahrensrecht zurückzuführen. Zuteilungsentscheidungen usw. 206 ff. Sie fehlt auch im engeren juristischen Schrifttum. London 1 9 4 2 . v o n der »klassischen Konzeption des Verfahrens« zu sprechen.2 0 ) . etwa Ernest Barker: Reflections on Government. die in so vielgestaltiger F o r m durch Behörden. M a n w i r d zum 1 Vgl.

Berlin 1 9 6 6 . kritikfähigen Theorie. vorstrukturierten Systemen der Gesellschaft bleiben im dunkeln. daß es das Zustandekommen von Entscheidungen garantiert. in die ein sich selbst begründender Rechtspositivismus als Theorie gerät. das faktische Verhalten der V e r fahrensbeteiligten empirisch zu erfassen und gegen die N o r m in Kontrast zu setzen. sondern nur von Verfahrensrecht handeln. daß es der Ausmerzung voraussehbarer Störungen der Wahrheitsfindung dient. w i e 3 3 Die Frage. Zum Verhältnis von Recht und Wirklichkeit in der juristischen Hermeneutik. empirisch ungeprüften Vermutungen über die Eignung von M i t teln (wenn z u m Beispiel angenommen w i r d . ebenso wie die weitere Frage. aber sie steckt mehr in unformulierten Prämissen und wertgebundenen Zweckumschreibungen als in einer ausgearbeiteten. Sie begnügt sich mit sehr vagen. und z w a r unabhängig davon. entwickelt an Fragen der Verfassungsinterpretation. daß das Verfahren selbst kein Wahrheitskriterium ist. Sie konnten methodenstreng überhaupt nicht von V e r fahren. D i e Schwierigkeiten. Soziologische Untersuchungen darüber. daß Öffentlichkeit des Verfahrens die Wahrheitsfindung fördere). Dabei kann es nicht lediglich darum gehen. aber die Richtigkeit des E n t scheidens fördert.Beispiel typisch die Erwartungen finden. den umgekehrten W e g zu gehen und sich an die Soziologie zu wenden und nach einer soziologischen Theorie des V e r fahrens (nicht: des Verfahrensrechts!) zu f r a g e n . Die sozialen V e r haltensbedingungen und die Verankerung des Verfahrens in umfassenderen. 12 . sind inzwischen jedoch offensichtlich. ob die Rechtswissenschaft soziale Strukturen in ihre eigene Begriffsstruktur übernehmen und dort wiedergeben kann. A u f G r u n d solcher Erwartungen kann man so etwas w i e eine klassische Konzeption des Verfahrens v e r muten. daß es Kommunikation ermöglicht und kanalisiert. ob die Logik funktioniert und das Ausrechnen einzig richtiger Lösungen ermöglicht oder nicht. ob eine solche Verfahrenstheorie rechtspolitische Anregungen für eine Ausgestaltung des Verfahrensrechts zu geben vermag. Zum letzteren siehe neuestens Friedrich Müller: Normstruktur und Normativität. Das legt es nahe. Die bisherigen Bemühungen um eine allgemeine Verfahrenslehre haben sich unter dem Einfluß v o n Kelsen bewußt von der Rechtssoziologie abgesetzt und sich betont rechtsimmanent v e r standen. lassen wir offen.

hier über den Sinn rechtlich geregelter V e r fahren. W i r wählen dafür Verfahren. Richtigkeit der E n t scheidung) ins Zentrum der Theorie des Verfahrens zu rücken und die weiteren Überlegungen daran auszurichten. K o n t a k t zu dieser E n t w i c k l u n g zu gewinnen. das Problem der Legitimation (und nicht das Problem der W a h r h e i t b z w . Immerhin hat die soziologische Theorie in engem Zusammenhang mit empirischen Forschungen in den letzten Jahrzehnten kräftige Schritte voran getan. mit H i l f e einer inkongruenten soziologischen Perspektive beleuchten. müssen w i r bei bestimmten V e r f a h rensarten ansetzen. welche Faktoren in der politischen W a h l eine Rolle spielen. W e der reine Rechtslehren noch reine Wirklichkeitslehren können einem Thema gerecht werden. das heißt nach M a ß g a b e des Volkswillens. Diese K r i t i k w i r d dann der A n l a ß sein. welche Einflüsse sichtbarer oder unsichtbarer A r t den G a n g parlamentarischer Verhandlungen lenken. die richtig. Die Rechtssoziologie muß versuchen. haben aber bisher ebenfalls keine Ansatzpunkte zu einer allgemeinen Theorie des rechtlich geregelten Verfahrens hervorgebracht. entscheiden werden. Da es keine einheitliche Verfahrenslehre als V o r l a g e für eine solche Untersuchung gibt. darüber. Angegebenes Ziel der politischen W a h l ist die Besetzung der politisch entscheidenden Instanzen mit besonders befähigten Personen. strukturtragende Bedeutung gewonnen haben: das V e r f a h r e n der politischen W a h l . das in vorgegebenen Sinnstrukturen und im wirklichen Verhalten zwei Pole hat.der Richter -wirklich entscheidet. Ein solcher Versuch soll in den ersten beiden Kapiteln dieser Studie unternommen werden. mit soziologischen Denkmitteln zu überprüfen. oder darüber. D a s würde ihr die Möglichkeit eröffnen. die im heutigen politischen System besondere. die in bezug aufeinander als variabel gedacht werden müssen. Er w i r d die Denkvoraussetzungen dessen. bewußt machen und zugleich der Kritik aussetzen. sind v o n großem W e r t . w a s w i r dann klassische Theorie des Verfahrens nennen können. E r w a r t u n g e n über den Sinn rechtlicher Regelungen. welche Gefühle ihn bewegen und welche Interessen ihn bestimmen. die in diesem Sinne also w a h r repräsentieren Gesetzgebungsverfahren und den gerichtlichen 13 . das parr lamentarische Prozeß.

können. 1 es sei clearly wrong to suppose that political compétition is either virtually universal or universally virtuous . bleibt zunächst unklar. im Falle des rationalen Einzelwählers durch Nichtzulassung all derjenigen Wähler. die Freiheit. Die soziologische A n a l y s e hat dagegen die Möglichkeit.etwa die über eine latent vorhandene und nur auszudrückende volonté generale oder die über den vollständig informierten. die genannten Prinzipien der politischen W a h l mitsamt ihrer Widersprüchlichkeit auf ihre latenten Funktionen hin zu untersuchen und ihren Sinn und die Bedingungen ihrer Stabilität gegebenenfalls in diesen Funktionen zu erkennen. können als durch Erfahrung widerlegt gelten . 14 . Barber: The Lawmakers. ohne daß es zerstört w ü r d e — im ersten Falle der volonté générale durch U m w a n d l u n g in rein expressive A k k l a m a t i o n . daß Konkurrenz um das A m t die am besten Befähigten ins A m t bringe. Manche Annahmen wie etwa die. sie lassen sich auch nicht in das Verfahren einbauen. Eine solche A n a l y s e werden w i r im Kapitel m 3 versuchen . mit weiteren Literaturhinweisen zu diesem Problem. und sie w i r d zu dem Ergebnis führen. New Häven-London 1 9 6 5 . 1 ff. die Geheimhaltung der Stimmenabgabe sowie.so James D. Z u r Nachkonstruktion des Kausal Verhältnisses scheinen ideologische Zusatzannahmen unentbehrlich zu sein . W i e jenes Ziel auf diesem W e g e erreicht w e r den kann. Allgemeinheit und Gleichheit der W a h l . A u f G r u n d jener klassischen Annahmen w a r keine Theorie des Verfahrens zu entwickeln. die Spezifikation und Vorstrukturierung der Abstimmungskommunikation: Der W ä h l e r kann nichts weiter tun als seinen Stimmzettel ankreuzen. weniger oft genannt* aber ebenso wichtig. (4). Bei solchen Selbstwidersprüchen in den Leitgedanken der Institution muß allzu scharfe Bewußtheit korrumpierend wirken. Aber diese Zusatzannahmen sind nicht nur empirisch unhaltbar. rein rational entscheidenden Einzelwähler. v o r allem die Konkurrenz um das A m t . welche die Voraussetzung voller Information füllen. S. Recruitment and Adaptation to Legislative Life. daß die Prinzipien des Verfahrens und rationaler Entscheidungsfähigkeit nicht er4 4 Selbst in den Vereinigten Staaten ist man inzwischen zu der Erkenntnis gelangt. Diesem Ziel dienen nach dem Leitgedanken der Institution die Prinzipien* nach denen die W a h l organisiert w i r d .

U n d deshalb ist auch die parlamentarische Prozedur auf wiederholte. rechtfertigende Sinn des parlamentarischen Verfahrens ist am Z w e c k der Wahrheit der Entscheidungsgrundlagen und der Richtigkeit des EntScheidens in offenen. unvorbereitete Entschlüsse aus. Deshalb steht die öffentliche Diskussion unter dafür ausgewählten. Liebe. w ä r e jedoch ebenso wie beim Verfahren der politischen Wahl ein bedenkliches Fehlurteil. das durch Rollentrennung gesellschaftlich relativ autonom gesetzt ist und in dieser Eigenschaft zur Erzeugung legitimer politischer Entscheidungsmacht beitragen kann. Rollenverflechtungen suspekt.. unprogrammierten Situation der Gesetzgebung so sein. abwägende Diskussion aller Gesichtspunkte ausgerichtet und sperrt impulsive A u f w a l l u n g e n und plötzliche. Deshalb soll der Abgeordnete nur seinem Gewissen verantwortlich sein. Aufl. . seiner juristischen Konstruktion nach. Deshalb sind Weisungsgebundenheit. A l l diese Vorkehrungen scheinen auf Wahrheit hin konzipiert zu sein . Berlin 1 9 6 1 . Indes: Auch hier muß die F r a g e kommen.und nicht etwa auf Macht. ja des gesamten Verhaltens über das allgemein übliche M a ß hinaus durch Immunitäten besonders geschützt. sondern eine bei Bedarf abgehaltene Tagungsreihe. Nicht weniger f r a g w ü r d i g ist der deklarierte Zweck des parlamentarischen Gesetzgebungsverfahrens und seiner Hilfsinstitutionen. daß alle Beteiligten zwanglos reden.politischer W a h l ein Kommunikationssystem errichten. Deshalb wird Freiheit der Rede. In ihm allein den »Geist« des Parlamentarismus zu vermuten und mit dem »Geist« die »Substanz« schwinden zu sehen . was ihr Gewissen ihnen eingibt? U n d v o r allem: kann dies in der hochkomplexen. K a n n denn Wahrheit dadurch erreicht werden. wenn nicht verboten. D e r offizielle. Tausch konkreter Vorteile. in der alles geändert werden könnte? M a n findet auch hier gedankliche 5 5 So bekanntlich Carl Schmitt: Die geistesgeschichtliche Lage des heutigen Parlamentarismus. 3. keine bürokratische Behörde. noch nicht programmierten Situationen orientiert. Geld. Deshalb ist das Parlament. wie dieses Ziel und jene Mittel harmonieren. Ehre oder Glauben. Fraktionszwang. gleichberechtigten Bürgern im Mittelpunkt der Institution.

oder der Gedanke. ist doch kaum anzunehmen. daß K o n k u r r e n z der Meinungen genüge. institutioneller Ausrüstung und latenten Funktionen weniger offen zutage. da nach ihnen letztlich Beliebiges w a h r werden kann. »selbst wenn Gott. l6 . S. D i e Selbstdarstellung der Justiz ist in der rechts. nach der Ausgabe Amsterdam 1 7 2 0 . die jetzt als Zurückweisung der Determination des Gesetzesinhalts durch spezifische gesellschaftliche Interessen verstanden wird und so keinen Bezug zur Wahrheit mehr aufweist. xj). Davon blieb nach dem Zusammenbruch des Naturrechts im Sinne eines wahr vorgegebenen Rechts nur der formale Kern des Naturgedankens (vgl. U n d doch liegt auch hier der Sachverhalt nicht wesentlich anders. Prolegomena Ii [zit. 1 Anm. Ernst-Wolfgang Böckenförde: Gesetz und gesetzgebende Gewalt. Von den Anfängen der deutschen Staatsrechtslehre bis zur Höhe des staatsrechtlichen Positivismus. nicht wäre oder sich nicht um die menschlichen Angelegenheiten kümmerte« (Hugo Grotius: De iure belli ac pacis libri tres. als Beliebiges aber die Anstrengungen eines Verfahrens nicht mehr lohnt.und staatstheoretischen Diskussion eher akzeptiert und jedenfalls nicht mit gleicher Schärfe und Überzeugungskraft entlarvt worden wie die der demokratischen W a h l und die der parlamentarischen Gesetzgebung . der mit der Allgemeinheit der F o r m die Allgemeingültigkeit im Sinne v o n Wahrheit sichern zu können glaubte .so besonders den alten Gesetzesbegriff.Hilfskonstruktionen. den offiziell angegebenen Sinn des Verfahrens. Teil. daß eine so verbreitete und lebenskräftige Institution lediglich aus musealen Gründen aufbewahrt wird. das keiner spezifischen Kausalität zu seiner Begründung bedürfe und gelte. 6 6 Zu diesem Gesetzesbegriff gehörte wesentlich der Rekurs auf Natur im Sinne eines immanent wahren Seins. auch unten I i i . konsequent durchdacht. Bei den gerichtlichen Verfahren der Rechtsanwendung tritt eine solche Diskrepanz v o n offiziellem Z w e c k . daß eine soziologische A n a l y s e auch dem parlamentarischen Verfahren der Gesetzgebung latente Funktionen nachweisen kann. 1 1 ) : die Zurückweisung externer Verursachung. welche die Spannung zwischen Zweck und institutioneller Ausrüstung mildern und diese glaubwürdiger machen . wenn es die F o r m eines allgemeinen Gesetzes annimmt oder aus Konkurrenz hervorgeht. um W a h r h e i t zu sichern. Kap.vermutlich weil die Entscheidungssituationen der Justiz besser strukturiert sind und ihr Z w e c k daher besser operationalisiert werden kann. N a c h alldem ist zu vermuten. A u c h diese Zusatzannahmen unterminieren jedoch. Zur staatsrechtlichen Diskussion im einzelnen vgl. Berlin 1 9 5 8 .

München-Berlin 1 9 6 1 . S. daß das Richtige durch Entscheidung verwirklicht w i r d . Friedrich Stein/Martin Jonas/Adolf Schönke/Rudolf Pohle: Kommentar zur Zivilprozeßordnung. Aufl. Ähnlich Leo Rosenberg: Lehrbuch des deutschen Zivilprozeßrechts. wenn der Prozeß dafür eingerichtet wird. B . S.Der Sinn des rechtlich geregelten Gerichtsverfahrens wird von den herrschenden Prozeßlehren ebenfalls auf einen Wahrheitsw e r t bezogen. 8 Vgl. sowenig kann aus einem wünschenswerten Ziel dieser A r t ein Schluß auf das 9 8 7 Siehe z. w a s als Recht gilt und im Einzelfall Rechtens ist. Köln-Berlin-Bonn-München 1 9 6 7 . München-Berlin 1 9 6 6 . Sie muß. 3 4 9 . Sowenig bestritten werden kann. oder sie muß auf widersprüchliche Doppelformeln. 1 ff. Mailand 1 9 S 1 . die Rechtsschutz und Rechtsfrieden nebeneinander nennen. Couture: EI proceso como institución. e t w a Rechtsschutz und Rechtsfrieden. die Zielstrebigkeit des Prozesses. 4. S. auf ein richtiges Erkennen dessen. zurückgreifen. das w i r schon bei den Prinzipien der parlamentarischen Gesetzgebung beobachtet hatten und das den Sinn des Verfahrens aufhebt: Es ergibt keine zureichende Instruktion für den Entscheidenden. daß es sinnvoll und wertvoll ist. Berlin 1 9 2 t . Demgemäß w i r d der Hauptzweck des Gerichtsverfahrens 7 gemeinhin als Rechtsschutz angegeben und in dieser Fassung als Rechtfertigung der einzelnen Institute des Prozeßrechts benutzt . w i e auch im Falle der politischen W a h l und der Gesetzgebung. Vgl.. I Einl. In: Studien über Recht und Verwaltung. 2 f. Stuttgart-Brüssel i960. Klaus König: Der Begriff des Rechtsschutzes und die öffentliche Verwaltung. auch die eindringliche Kritik bei James Goldschmidt: Der Prozeß als Rechtslage. vorgesehen.. ähnlich wie die teleologische Handlungslehre der Scholastik. 17 . B. Tübingen 1 9 5 3 . C. Bd. 1 8 . Aufl. Diese Auffassung hat jedoch ihre Schwierigkeiten mit dem Problem der unrichtigen. Eine Kritik des prozessualen Denkens. aber rechtskräftig werdenden Entscheidung. Eduardo J. S 9 . Aufl. Damit aber kommt jenes Moment der Beliebigkeit in die Institution. das »Wesen« des Prozesses durch ein Merkmal definieren. ohne sich durch die Mehrheit (und Widersprüchlichkeit) der angegebenen Ziele beirren zu lassen.. Eine rechtsvergleichende Untersuchung. In: Studi in onore di Enrico Redenti. I .. das keineswegs notwendig mit ihm verbunden ist . Dabei ist. um der Wahrheit oder des Friedens willen richtige oder unrichtige Entscheidungen zu erzeugen. 9 In der allgemeinen Prozeßtheorie unterstreicht z . 1 8 .3 7 3 . sich im gerichtlichen Verfahren um die Feststellung der Wahrheit zu bemühen. Carl Hermann Ule: Verwaltungsprozeßrecht. Bd. 9. ferner Franz Becker: Das allgemeine Verwaltungsverfahren in Theorie und Gesetzgebung.8 0 . die richtige und unrichtige Entscheidungen decken . S. S.

Berlin 1 9 6 4 . Totowa/N. de vérité. ders. 2 6 7 . daß die G r u n d l a g e n der klassischen Konzeption des 11 V e r f a h r e n s formuliert werden können. J. beides neu gedruckt in ders. dazu Erich DÖhring: Die Erforschung des Sachverhalts im Prozeß. K e r n aller klassischen Verfahrenslehren ist der B e z u g auf W a h r h e i t oder w a h r e Gerechtigkeit als Z i e l . Siehe dazu in Form einer Gegenüberstellung wissenschaftlicher und judizieller Beweise Henri Livy-Bruhl: La preuve judiciaire. 4 1 . S. et à faire incessament passer ces progrès de la société dans son gouvernement. Vgl. l8 . In: Legal Essays. Ein anderer Kritiker der vorherrschenden Auffassung war Ludwig Bendix.: The Hidden Society.: The Structure of Legal Thinking. Vgl.6 3 . x o i . Inquiry 1 ( 1 9 5 8 ) . weil den Teilnehmern die Möglichkeit offengehalten werden muß. d'une part. näher unten S. Vgl. 12 Solche Zielsetzungen stützen und verstärken einen ausgesprochen antibürokratischen A f f e k t der Verfahrenslehren und ihrer institutionellen Postulate. de justice. 97 f. Etude de sociologie juridique. Legal Justice and Mental Health. à p r o v o q u e r les progrès de la société dans la raison. mit Würde die Unwahrheit zu sagen. Beweiserhebung und Beweiswürdigung. daß Wahrheit das Ziel des Prozesses sei. Kopenhagen 1963. ders. Mittel der Wahrheitsfindung. sondern darauf. Festskrift til Frede Castberg. 4 f. Im übrigen führt der Schluß von diesem Zweck auf geeignete Mittel nur zu sehr unbestimmten Daumenregeln. Ein Lehrbuch. »Toutes les combinaisons de la machine politique doivent d o n c tendre. la vérité. Psychiatry 21 ( i 9 f S ) . à extraire de la société tout ce qu'elle possède de raison. B. innerhalb begrenzter Zeit relevante Überzeugungen zu bilden.2 6 9 {268). S. Siehe: Der alte Geist in den neuen Regierungsentwürfen zum Gerichtsverfassungsgesetz und zum Rechtsgange in Strafsachen. Die Beweisführung vor Gericht zielt nach Lévy-Bruhl nicht auf Wahrheit. Juristische Wochenschrift 49 ( 1 9 2 0 ) . 7 8 .1 1 3 . mit weiteren Hinweisen. Neuerdings hat Vilhelm Aubert sich mehrfach mit einer Kontrastierung juristischer Mentalität und wissenschaftlicher Wahrheitssuche befaßt. S. Sie sind gegen die V e r w a l t e r 10 Es gibt z. 11 Weitere Bedenken gegen die Auffassung. Messinger: The Criminal and the Sick. 12 M. Diese Vorüberlegungen zu drei sehr verschiedenartigen. Brüssel 1 8 5 1 . Guizot: Histoire des origines du gouvernement représentatif en Europe. pour les appliquer à son gouvernement. die unzulässig sind. S./Sheldon L. 2i ff. rechtlich geregelten Verfahren lassen bereits so viel Gemeinsames erkennen. « . Paris 1 9 6 4 .1 6 0 . auf die Erlaubtheit oder Richtigkeit v o n Mitteln 1 0 oder auch nur auf die faktischen Funktionen des V e r - fahrens gezogen werden: E i n G e b o t an die Beteiligten ist noch keine zureichende Theorie ihres V e r h a l t e n s . Bd. die die Entscheidung im Einzelfall nicht erübrigen. de l'autre. ergeben sich bei einer genaueren Analyse des gerichtlichen Beweisverfahrens. 1 9 6 s .So schließt G u i z o t die sechste Lektion seiner Geschichte des Repräsentativsystems . S. S. 1 3 7 . 1.Wesen der Sache selbst. S.

sondern in allen Staatsorganen wittert und daher nicht an eine externe Kontrolle durch andere. die der Bürokratie wegen ihrer politischen Abhängigkeit Mißtrauen entgegenbringt und deshalb Verfahrensregelungen in eigentümlicher "Weise mit subjektiven Rechten gegen den S t a a t v e r b i n d e t . ferner Rolf Deppeier: »Due Process of Law*. Beitrag zur Erhellung des Problems der Verfassungsinterpretation. ihnen entgegen15 14 13 13 Zu ihrer Frühgeschichte siehe Wolfgang Rüfner: Verwaltungsrechtsschutz in Preußen von 1 7 4 9 . 14 Und zwar zeitweilig selbst auf dem so bürokratiefernen Gebiet des Zivilprozesses. Bern 1 9 5 7 . Ann Arbor 1 9 J 6 . Bonn 1962. werden selbst als unter die Herrschaft des Rechts gebeugte bürokratische Prozeduren begriffen. daß die Unterscheidung von substantiellen und verfahrensmäßigen Garantien sich lediglich auf verschiedene Verfahren bezieht. sondern auch substantielle Rechtsgarantien zu enthalten schien und beide Gesichtspunkte erst spät in der Auslegungsgeschichte getrennt w u r d e n . sondern an eine interne Bindung allen Staatshandelns durch Rechts schranken und Verfahrensregelungen. Diese Ausführungen zeigen zugleich. 1 4 6 ) . Gerichtsverfahren kontrollieren die Entscheidungen der Bürokratie im Einzelfall b z w . wie die Figur des »Rechtsschutzanspruchs« zeigt. The procedural safeguards assume their principal significance historically as restraints on executive and judicial power in insuring personal security when pitted against the administration of criminal justice« (S. nämlich der Trennung von rechtsetzenden und rechtsanwendenden Verfahren entspricht: »The substantive liberties assume their central significance as limitations on the legislative power in molding and reshaping the basic policy of the state. 19 . Diss. daß der Amerikaner die Gefahren der Macht nicht nur in der Exekutive. Zur »due process«-KIausel vgl. Das schließt die parlamentarische Demokratie ebenso aus wie den Justizstaat.der Macht gerichtet. 15 Hierzu findet sich eine gute Darstellung bei Paul G.1 8 4 2 . darunter eine Formulierung. Ein Kapitel amerikanischer Verfassungsgeschichte. die deutlich macht. Kaupers: The Frontiers of Constitutional Liberty. D a s gilt für die »rechtsstaatlichen« Verfahrensvorstellungen der deutschen T r a d i t i o n . Parlamentarische Verfahren programmieren die Bürokratie und bewilligen ihre finanzielle Ausstattung. dem Recht und der Wahrheit näherstehende Organe denkt. daß sie ihren Auslegern zunächst nicht nur verfahrensmäßige. A b e r auch die »due process«-Klausel der amerikanischen Verfassung hat ihr Bezugsproblem in der Macht der Bürokratie und den Gefahren ihres Mißbrauchs. Die W a h l der Volksrepräsentanten unterw i r f t die Bürokratie einer mehr oder weniger weitreichenden Kontrolle v o n oben. und auch sie steht in so engem Zusammenhang mit den materiellen Freiheitsrechten. In all diesen Verfahren verfestigt sich die Idee einer von den Machthabern unabhängigen.

ohne dabei die Positivierung des neuzeitlichen Rechts zureichend zu bedenken (siehe insbes. den Sinn rechtlich geregelter Verfahren in der Legitimierung der Macht zu sehen. zum anderen darin. vielmehr vollends fragwürdig. und wenn. wie anders als durch ein V o r urteil die Auffassung festgehalten werden könnte. Die zentrale Stellung des Wahrheitswertes und daran orientierter Erkenntnisfunktionen in den Verfahrenslehren hat denkgeschichtlich zweifellos alte Wurzeln. zs. N a c h alldem ist schwer zu sehen. Sie liegen einerseits in der transzendenten. daß wahre Erkenntnis und w a h r e Gerechtigkeit das Ziel und damit das Wesen rechtlich geregelter Verfahren seien.gehaltenen Wahrheit und Gerechtigkeit . relativ autonom gesetzte Rollenstruktur. wie ein solches Ziel erreicht werden könnte. 1 9 6 6 . gerechter. Inzwischen hat jedoch das neuzeitliche Denken den Wahrheitsbegriff im Zusammenhang mit der Entwicklung der Wissenschaften präzisiert und an sehr strenge methodische Voraussetzungen gebunden. 2 7 . in der Kommunikation mit dem Ziele richtiger (an Wahrheit orientierter. daß die neuartige Machtautonomie des politischen Systems im neuzeitlichen »Staat« zunächst in der bürokratischen Exekutive als gefährlich sichtbar und kontrollbedürftig wurde. alle überzeugender Lösung der E n t scheidungsprobleme garantiert werden kann. das heißt auf Entscheidungsverfahren umgegründet. Talcott Parsons: Societies. E i n Verfahren wäre nach dieser Auffassung eine von anderen gesellschaftlichen Rollen abgesonderte. J. Englewood Cliffs N. rechtmäßiger) Entscheidung betrieben w i r d . Selbst wenn man diese schon mehr soziologisch gefärbte Formulierung einsetzt. weil sie jener Polemik gegen die B ü r o kratie Deckung und Darstellungsmöglichkeiten bot. über die politische Gesellschaft hinausreichenden Begründung der Rechtsidee im Mittelalter. Evolutionary and Comparative Perspectives. Unter diesen Voraussetzungen und in dieser polemischen Perspektive gegen die Macht w a r es nicht möglich. 88 ff-)- 20 . Nebenbei: Parsons sieht in einer solchen Trennung von Recht und politischem System einen dauerhaften Entwicklungsfortschritt. Die Ausdifferenzierung verfahrensspezifischer Rollen für die 16 16 Die historischen Gründe dafür können hier nicht angemessen aufgedeckt werden. w i r d jedoch nicht recht verständlich. konnte aber so lange wohl n u r deshalb überleben. wie in einem solchen Rollensystem Wahrheit im Sinne von einzig richtiger. hat damit den Naturrechtsgedanken zersetzt und hat das Recht positiviert. S.

. Funktionsangaben zu sein. außerverfahrensmäßige Rollen nicht beständen. a. das die Entscheidbarkeit aller aufgeworfenen Probleme garantieren muß. und nicht zuletzt 17 Überhaupt ist es ein typisches Merkmal funktionaler Spezifikation. E i n System. Diese können daher auch nicht ernsthaft beanspruchen. kritisch auf die Denkvoraussetzungen eingehende Diskussion findet sich bei Robert A. Andere Versuche schwächen das Wahrheitsziel unmittelbar ab — so wenn man Themen. Chicago 1 9 J 6 . Dahl: A Preface to Democratic Theory. daß stets Wahrheit gefunden. aufmerksam. kann nicht zugleich die Richtigkeit der Entscheidung garantieren. ein Verzicht. also die Möglichkeit der Politisierung von Themen begrenzt. Vgl. D e m steht die Notwendigkeit des Entscheidens entgegen. O. stets eine richtige Entscheidung getroffen w i r d . 18 Eine gute. a. die »absolute« Wahrheiten implizieren (etwa solche religiöser A r t ) nach Möglichkeit aus dem Entscheidungsbereich ausklammert. S. der der romantischen Idee des »ewigen Gesprächs« zugrunde l a g . die konkurrierende oder g a r kontradiktorische Ausrichtung der Kommunikation ein drittes. die bei fester Bindung an andere. 41 ff.besondere Funktion der Wahrheitsfindung mag eine notwendige Vorbedingung sein. 19 18 17 21 . D i e schon erwähnten ideologischen Zusatzannahmen bei einzelnen V e r f a h rensarten sind ein Beleg dafür. Verzichte dieser Art sind in den Zweckformeln der klassischen Theorie jedoch nicht enthalten.. also gesellschaftlich ausdifferenziert ist. A l l das vermag jedoch nicht zu gewährleisten. Die Freisetzung von Kommunikation ist ein weiteres Moment. Durch Ausdifferenzierung werden Kommunikationsmöglichkeiten mobilisiert. Dieses Dilemma ist natürlich nicht unbemerkt geblieben und hat zu zahlreichen Ausweichmanövern A n l a ß gegeben. auf Kosten welcher anderer Funktionen sie erreicht werden soll. ferner Elias Berg: Democracy and the Majority Principle. ferner wenn man sich wie mit relativen so mit v o r läufigen Wahrheiten begnügt. Ihnen wären auch die verschiedenartigen Bemühungen um eine Einschränkung und um eine Rechtfertigung des Mehrheitsprinzips hinzuzurechnen . Funktionale Spezifikation in der einen Richtung schließt die in der anderen aus . A Study in Twelve Contemporary Political Theories. Kopenhagen 1 9 6 s 19 Auf ihre Bedeutung für den Parlamentarismus machte Schmitt. wie ja auch die wissenschaftliche Wahrheitssuche in spezifischen Rollen oder zumindest nach M a ß g a b e spezifischer N o r m e n (Methoden) und Werte erfolgt. daß erkennbar wird.

M a n kommt nicht umhin. 20 So z . 21 Ein Beleg dafür ist die Sicherheit und das Pathos. Umgekehrt verstellt das Dominieren des Wahrheitszieles die eigentliche Problematik der sozialen Systeme. sei es durch tautologische Zirkel oder widerspruchsvolle Prämissen. wären durch irrige Prämissen ausgelöst. die aufgewandt wurden. um die Zustimmung auch der Nichtzustimmenden. insbes. mit dem der Spätliberalismus auskommen zu können glaubte: das Verfahren rechtfertige die E n t scheidung z w a r nicht. Wahrheit ist selbstevident. A l l das lenkt jedoch nur v o n dem P r o blem ab. I. dem kann man Sinn und Verstand absprechen. die Beliebiges ermöglichen. so w i e es neben der Gerechtigkeit kein besonderes Problem der Legitimität geben kann. Gießen 1821. radikaler zu fragen. D e r Preis für eine solche Überanstrengung der Wahrheitsmöglichkeiten mußte irgendwie bezahlt werden .sei es durch Zurücknahme des Postulats in eine relativistische oder fiktive F o r m . versteht sich von selbst. Diese F r a g e aber trifft eine der Wurzeln des vorsoziologischen Staatsdenkens. wenn es im Verfahren gar nicht primär um das Erkennen vorgegebener Wahrheiten ginge. B . den Sinn auch der Anstrengung um das Beliebige nachzuweisen. die in Verfahren E n t scheidungen anfertigen. ob der Gewinn v o n Wahrheit überhaupt die tragende Funktion rechtlich geregelter Ver f a hren ist. dem öffentlichen gleichsetzte. Siehe als ein eindrucksvolles Zeugnis Anselm Ritter von Feuerbach: Betrachtungen über die Öffentlichkeit und Mündlichkeit der Gerechtigkeitspflege. mit denen der Aufklärungsliberalismus das Wahre und Rechte mit dem Licht. 21 20 22 . Dietrich Schindler: Über die Bildung des Staatswillens in der Demokratie. ohne es zu lösen (oder auch nur seine Lösungsbedingungen zu präzisieren). 68 ff. D a ß sie sich ausbreitet und anerkannt w i r d . die Richtigkeit auch des gelegentlich unrichtig Endenden.durch den Juristenkunstgriff. A l l e denkerischen Bemühungen sowohl der demokratischen als auch der liberalen Staatslehre. dem Offenen und für alle Zugänglichen. Zürich 1921. D a ß sich mit der Herstellung richtiger Entscheidungen auch die Uberzeugung von der Richtigkeit der Entscheidungen verbreiten w ü r d e . 40 f. S. Bd. begründe aber eine Präsumtion für ihre inhaltliche Richtigkeit . S. N e b e n ihr kann es daher kein besonderes Problem der Anerkennung geben. konnte unter diesen Denkvoraussetzungen nicht bezweifelt w e r d e n . W e r ihr nicht zustimmt.

der Bestimmtes leistet. Peter L. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 19 (1967). S. die in allen einfachen Gesellschaften undifferenziert beieinander liegen. E r s t im L a u f e der zivilisatorischen Entwicklung zu höherer K o m p l e x i t ä t der Gesellschaften und ihrer Weltsicht differenzieren und spezifizieren diese Mechanismen sich. als so und nicht anders behandeln kann.6 4 4 (633 f. ihre Funktion für die Legitimierung des Entscheidens unvoreingenommen in neuartiger. auch Niklas Luhmann: Soziologie als Theorie sozialer Systeme. die das Wahrheitproblem. J e d e r einzelne ist daher für sinnhafte Orientierung und Lebensführung darauf angewiesen. 23 Zum Ausdruck und zur Sache vgl. daß er Selektionsleistungen anderer übernehmen kann. sondern genauer als einen sozialen Mechanismus begreift. W a s Wahrheit im sozialen Verkehr leistet. 6 1 5 . miteinander wirken und so eine »Realitätskonstruktion« 23 22 v o n vergleichsweise nur geringer K o m - plexität tragen. voll unabsehbarer Möglichkeiten. hinterfragen kann und nicht a priori schon annimmt. W a s nottut. Solche Übertragung kann durch verschiedenartige soziale Mechanismen geleistet werden. soziologischer Weise zu untersuchen. der Wahrheitsfrage jede praktische Bedeutung für Rechtsverfahren abzusprechen oder gar der W a h r h e i t ihren W e r t zu bestreiten. 9 *3 . Die Welt ist für alle Menschen übermäßig komplex. indem sie die Wahrheit nicht länger nur als Wert. gewinnt man die Möglichkeit. ist Übertragung reduzierter K o m p l e x i t ä t . Y. der eine angebbare Funktion erfüllt und unter dem Gesichtspunkt dieser Funktion mit anderen Mechanismen verglichen werden kann. das heißt Sinn.L ä ß t man dagegen v o n der Voraussetzung ab. A Treatise in the Sociology of Knowledge. daß Verfahren der Entdeckung v o n Wahrheit dienen. wie es in Verfahren auftritt. Berger/Thomas Luckmann: The Social Construction of Reality. Garden City N. i 66. und erst mit Beginn der N e u z e i t w i r d diese Differenzierung auch Gegenstand geschärfter theoretischer Reflexion. und als solche unfaßbar.). Wahrheit ist jetzt nur 22 Zum Stellenwert dieses Gedankens in einer funktionalen soziologischen Systemtheorie vgl. ist eine Theorie. Allerdings w ä r e es offensichtlich yerfehlt. Eine solche Theorie kann die Soziologie aufbauen. daß V e r fahren der W a h r h e i t dienen. den andere ausgewählt haben.

also Entscheidungsbedürftigkeit. nicht mehr in Betracht k o m m t ) . geringer einzuschätzen. der als T r ä g e r des Sinnes der W e l t mit in Betracht kommt (bzw. Immer gibt es Sinn. Kein Verfahren kann Wahrheiten in dieser spezifischen Funktion missen. und dies zunächst in einem diffusen. Gewisse Wahrnehmungen und gewisse Schlußfolgerungen müssen als zwingend gesichert werden können. und damit verschärft sich zugleich die Problematik anderer Mechanismen. insbesondere Zwecke und Werte. nicht weiter aufgegliederten Sinn. StuttgartBerlin-Köln-Mainz 1 9 6 9 . D e r neuzeitlichen Spezifikation des Wahrheitsmechanismus aber mußte durch eine genauere Spezifikation dieses Engagements entsprochen werden.noch Vorstellungsübertragung auf G r u n d intersubjektiv z w i n gender Gewißheit und w i r d in dieser Form streng geschieden von Vorstellungsübernahmen auf G r u n d persönlicher Sympathie oder Mitgliedschaft oder Machtunterlegenheit. In W a h r heitsfragen ist der Mensch als Subjekt engagiert. Ähnlich jetzt Bernard Wulms: Revolution und Protest oder Glanz und Elend des bürgerlichen Subjekts. und eine wesentliche L e i stung des kommunikativen Verhaltens in vielen Verfahren besteht darin. 24 . Die F r a g e nach der Personalität in Sozialbeziehungen und die F r a g e nach der Legitimität der Macht gewinnen eine vorher ungekannte Radikalität. der Praxis vermittelt. ohne der eigenen Meinung jede soziale Relevanz zu nehmen und jede Mitsprachemöglichkeit einzubüßen. aber sie ist durch die neue Wahrheitsunfähigkeit. Stuttgart i960. es würde sich sonst ins Uferlose immer anderer Möglichkeiten verlieren. wenn er die Radikalitäc des neuzeitlichen Fragens nach der Legitimität der Macht unmittelbar aus der Umpolung der Metaphysik auf die Subjektivität des Selbstbewußtseins ableitet. Es bezieht sich nicht mehr auf die konkrete Individualität des Menschen (wie etwa Liebe) und nicht mehr auf seinen sozialen Status oder seine Rollen (wie etwa M i t gliedschaften) und nicht mehr auf sein Durchsetzungsvermögen (wie etwa Macht). S. das heißt als jemand. daß der Entschei24 24 Die geschilderte Differenzierung der Übertragungsmechanismen scheint Friedrich Jonas: Sozialphilosophie der industriellen Arbeitswelt. sondern auf seine Subjektivität. den niemand leugnen kann. Eine Beziehung besteht. ihre W a h r heitsfähigkeit. wenn er Wahrheiten ableugnet. Dadurch verlieren viele Vorstellungen. 69 ff-. gesicherten Sinn so zu gruppieren. Wahrheit engagiert den Menschen als Menschen..

ersetzt werden.. D a m i t stoßen w i r auf den Mechanismus der Macht und das Problem ihrer Legitimität. die durch Entscheidung erbracht worden sind. B. daß Wahrheiten in diesem spezifischen Sinne nicht und heute weniger denn je ausreichen. D a ß Selektionsleistungen. Übers. aus denen man erkannte Wahrheiten lieber beachtet als nicht beachtet. wächst daher auch der Bedarf für Motive und Rationalisierungen des Verhaltens. und zwar von Selektionsleistungen. kann andere motivieren. 26 25 ¿5 . also eine Selektion aus einem Bereich möglicher Verhaltensalternativen als bindend zu akzeptieren . Der Wahrheit folgt man ohne besondere Motive. z. es ist nicht einmal möglich. Sie ist verlangte Beachtung einer Entscheidung.dungsspielraum gering w i r d . Die intersubjektive Übertragung hat hier jedoch andere Grundlagen als im Falle der Wahrheit. Es liegt nahe. gegen die man nicht sinnvoll rebellieren kann. W e r Macht besitzt. Simon: Das Verwaltungshandeln. muß man dagegen vor sich selbst und vor anderen begründen und dazu Motive mobilisieren. Eine Untersuchung der Entscheidungsvorgänge in Behörden und privaten Unternehmen. aber sich in ihm nicht erschöpft. Daß man fremde Entscheidungen als eigene Verhaltensprämisse übernimmt. Es ist daher anzunehmen. bedarf besonderer G r ü n d e . Sie kann nicht als Konsequenz des Soseins der W e l t dargestellt werden. Die Wahrheit gewisser Entscheidungsprämissen allein reicht dafür nicht aus. In dem Maße. Ebenso steht aber außer Zweifel. Motive anzugeben. dafür auf die Funktion der Wahrheit zurückzugreifen und von ihr aus nach anderen. Stuttgart 1 9 5 5 . die nur auf Entscheidung beruhen. der den Wahrheitsmechanismus einschließt. als wahre Sinnstrukturen. das heißt von konkret ausgeübtem Z w a n g unab25 Nahestehend der Begriff der Weisungsgewalt (authority) bei Herbert A. Naturrecht durch positives Recht. 80 ff. funktional äquivalenten Mechanismen der Übertragung reduzierter Komplexität Ausschau zu halten. übernommen werden. E i n e Theorie des Verfahrens braucht deshalb einen abstrakteren funktionalen Bezugsgesichtspunkt. Auch Macht ist nämlich ein Mechanismus der Übertragung von Selektionsleistungen. S. seine Entscheidungen als Verhaltensprämissen zu übernehmen. daß im Verfahren solche zusätzlichen Gründe für die Anerkennung von Entscheidungen geschaffen werden und in diesem Sinne Macht zur Entscheidung erzeugt und legitimiert. 26 Auch darin unterscheidet der Machtmechanismus sich von dem der Wahrheit. um alle Probleme in intersubjektiv zwingender Gewißheit zu lösen. Dt.

Die Aufdeckung und K r i t i k der Prämissen klassischer V e r fahrenslehren ist ein erster Schritt zur Vorbereitung unserer Untersuchungen. Ihre zentrale Idee w a r es. ja nicht einmal primär durch Wahrheit vermittelt. Er allein reicht jedoch nicht aus. F ü r diese A u f gabe benötigen w i r ein weiteres Kapitel. Statusvorteile oder Rollenzusammenhänge sicherzustellen. Durch Freisetzung v o n Kommunikation läßt sich kein Ziel erreichen. Unbestimmte Vermutungen in dieser Richtung klingen in der klassischen Verfahrenskonzeption bereits an. 26 . nur kommt diese Leistung auf sehr viel kompliziertere Weise zustande. denn auch sie bleiben hinter dem zurück. in der F o r m des rechtlich geregelten Verfahrens einen Bereich unabhängiger. w a s soziologische Theorie heute leisten könnte. Gleichwohl ist. solch eine Heraüslösung als ein Mittel zum Zwecke der W a h r h e i t zu deuten . U n d sie w i r d nicht allein. Das w a r ein richtiger Gedanke von bleibender Bedeutung. sei es durch Bildung legitimer Macht zur Entscheidung.eine für die A u f klärungszeit typische Unterschätzung des Problems der K o m plexität. w i e w i r sehen werden. freier Kommunikation gegen gesellschaftliche Einflüsse. ist es das Ziel rechtlich geregelter Verfahren.hängig gemacht w i r d . Eine Illusion w a r es jedoch. als im Zweck/Mittel-Denken der klassischen Theorie zum Ausdruck gebracht werden konnte. Ausdifferenzierung und relative Autonomie der Rechtsverfahren unabdingbare Vorbedingung ihrer Legitimationsleistung. Reduktion v o n Komplexität intersubjektiv übertragbar zu machen — sei es mit Hilfe von Wahrheit. Auch der Begriff und die Ansätze zu einer Theorie der Legitimität bedürften der Überprüfung. So gesehen.

A b e r damit ist nicht viel mehr gewonnen als eine Frage: W i e ist es möglich. Max Weber: Wirtschaft und Gesellschaft. verliert der Begriff der Legitimität mit der voll sich durchsetzenden Positivierung des Rechts im 1 9 . Eine staatsrechtliche Abhandlung. Guglielmo Ferrero: Macht. 2 3 2 ff. New York-London-Sydney 1 9 6 t . w i r d der Begriff. einen Zeitpunkt zu finden. In dieser Absicht formuliert. um die Problematik eines rein positivistischen Legalitätsprinzips abzufangen. David Easton: A Systems Analysis of Political Life. 2 1 2 7 . M a n versteht heute darunter die rein faktisch verbreitete Uberzeugung von der Gültigkeit des Rechts. daß kein politisches System 1 Angelpunkt der Diskussion war das Problem des gewaltsam depossedierten Herrschers. Es w i r d zunächst mit dem Besitz der faktischen Macht gleichgesetzt. insbes. die faktische Uberzeugung v o n der Richtigkeit oder der verbindlichen K r a f t dieses Entscheidens zu verbreiten? Üblicherweise lautet die Auskunft. An soziologischen und politologischen Äußerungen vgl. 2 Siehe den Überblick über die juristische Diskussion bei Hans Welzel: An den Grenzen des Rechts. Politische Vierteljahresschrift I (i960). Siehe zu dieser Diskussion. ins rein Faktische abgedrängt. 1 1 9 . 70 ff. Köln-Opladen 1 9 6 6 . wenn nur wenige entscheiden. S. S. mir denen dieser Übergang juristisch hätte konstruiert werden können. Seymour Martin Lipset: Soziologie der Demokratie. von der Verbindlichkeit bestimmter N o r m e n oder Entscheidungen oder v o n dem W e r t der Prinzipien. Grundlagen der politischen Wissenschaft. darin aber wieder benutzt. S.1 3 2 . 278 ff. 22 ff. S. S. und dazu Johannes Winckelmann: Legitimität und Legalität in Max Webers Herrschaftssoziologie. Friedrich Brockhaus: Das Legitimitätsprincip.2. etwa Gaetano Mosca: Die herrschende Klasse. die das Schicksal des Legitimitätsbegriffs als eines Rechtsbegriffs beendete.. ders.. wenn man v o n V e r suchen z u r Restauration des Naturrechts absieht. oder rationale Kriterien anzugeben.. es sich als unmöglich. München 1 9 J 0 . Leipzig 1 8 6 8 . an denen sie sich rechtfertigen . Jahrhundert seinen inneren H a l t . 70 ff. Studienausgabe. Friedrich: Die Legitimität in politischer Perspektive. Carl J..: Man and His Government. Tübingen 1 9 5 2 .. Die Frage nach der Rechtsgeltung. von dem ab die Legitimität auf den neuen Herrscher überging. Legitimität Im Mittelalter als Rechtsbegriff zur A b w e h r v o n Usurpation und Tyrannis gebraucht und in dieser Bedeutung v o r allem durch die nachnapoleonische Restauration festgehalten und propagiert. 157 ff. S. Köln-Berlin 1 9 6 4 . Neuwied-Berlin 1 9 6 2 . New York-San Francisco-Toronto-London 1 9 6 3 . Dabei erwies. Neuwied-Berlin 1 9 6 2 .

Revue de l'Institute de Sociologie 36 ( 1 9 6 3 ) .3 6 0 . M a n kann Legitimität auffassen als 3 eine generalisierte Bereitschaft. S. ähnlich wie im Falle von Wahrheiten. der unserer Frage nach der Legitimation durch Verfahren wohl am nächsten kommt. 5 9 4 . welche faktischen P r o zesse das erstaunliche Phänomen eines durchgängigen A k z e p tierens staatlicher Entscheidungen herbeiführen und garantieren.oder ob sie das Ergebnis einer Vielzahl von sozialen Mechanismen ist.fonctionelle du système politique. besagt aber wenig darüber. gibt einen Überblick über zahlreiche Varianten. Ebenso sicher ist. Z w a n g und Konsens.weitgehend offenbleiben. The American Political Science Review j8 (1964). Derjenige Begriff zum Beispiel.etwa eine innere Befriedigung über einen Tausch von Gehorsam gegen »demokratische« Beteiligung . 3 S O . Für ein Aufgreifen und Beantworten dieser Frage fehlen in den Erörterungen des Problems der Legitimität ausreichende Anhaltspunkte. Ihre bloße Addition dürfte nicht ausreichen und vermag auch die Institutionalisierung der Legitimität nicht zu erklären. diese Generalisierung der Legitimität zu einem fast motivlosen Akzeptieren. D a m i t bleibt aber offen. Das ist sicher richtig. ob dieser Bereitschaft ein relativ einfaches psychologisches M o t i v zugrunde liegt . Konsens und Z w a n g sind beides »knappe Ressourcen« des politischen Systems. in denen diese Auffassung vertreten wird. und gerade diese Unbestimmtheit. ist soziologisch das Problem. muß also in irgendeinem Mischungsverhältnis gegeben sein . Als bemerkenswerte Ausarbeitung siehe ferner Stéphane Bernard: Esquisse d'une théorie structurelle . die sehr heterogene Motivkonstellationen egalisieren. auf »zufälliger« Kongruenz der Interessen beruhender Konsens als Stütze der Herrschaft nicht ausreicht.sich allein auf physische Z w a n g s g e w a l t stützen könne. Widerstrebende müssen notfalls gezwungen werden können. daß aktueller. Beim faktischen Akzeptieren der Entscheidungen kann nämlich die wirkliche M o t i v l a g e und das genaue Mischungsverhältnis — ob man aus Furcht eine Entscheidung beachtet oder aus Zustimmung . daß vielmehr Konsens hinzukommen müsse.6 1 4 . S. V. Beides. um dauerhafte Herrschaft zu ermöglichen. 28 . inhaltlich noch unbestimmte Entscheidungen innerhalb gewisser Toleranzgrenzen hinzunehmen. M a x Webers Begriff der rationalen Legitimität auf 3 E. Walter: Power and Violence.

2 6 2 . Z u n ä c h s t muß es so scheinen. and (4) threat to the individual's staying in the system« (S. 3 4 8 ) . Blau: Critical Remarks on Weber's Theory of Authority. die Legitimität schaffen. die erforscht werden müßten . namentlich Talcott Parsons: Introduction. . Ganz allgemein ist anzumerken. daß Weber seinen Begriff der Legitimität im Hinblick auf die sozialen Prozesse.o d e r sehr in komallen komplementäre Institutionen Bereichen der Lebensführung erfordert. läßt nicht ausreichend erkennen.1 0 2 . aber die Ausführung bleibt mangels ausreichender Forschungen dürftig. T r o t z dieser F r a g w ü r d i g k e i t rational-legaler Legitimierung gehört die Fraglosigkeit legitimer Geltung bindender Entscheidungen zu den typischen Kennzeichen des modernen politischen S y s t e m s als eine A r t von Grundkonsens. 5 4 wie solche Legitimität der L e g a l i t ä t soziologisch möglich Auch neuere 6 Forschungen sind an dieser Stelle nicht weitergekommen . a.3 1 6 ( 3 1 1 f. S. 7-Hierzu auch Niklas Luhmann: Gesellschaftliche und politische Bedingungen des Rechtsstaates. 8 1 . ist . Proceedings of the American Philosophical Society 107 (1963). 3 0 5 . Köln-Berlin-Bonn-München 1967. Neudruck New YorkLondon 1 9 6 6 . 2 3 2 . die wohl überhaupt nur durch eine radikale Änderung des Ansatzes der Machttheorie zum Thema gemacht werden können. S. Siehe dazu auch den Versuch bei Talcott Parsons: On the Concept of Poütical Power. Kahn: The Social Psychology of Organizations. S. Siehe auch die Kritik bei Peter M. 301 f. Dazu ferner unten Anm. ist er soziologisch der schwächste und läßt weniger noch als die Begriffe der traditionalen und • der charismatischen Legitimität erkennen. und im Hinblick auf die gesellschaftsstrukturellen Bedingungen. vielmehr sind das zugleich die offenen Probleme der klassischen (Machiavelli/Hobbesschen) Theorie politischer Macht. O.. Sämtliche Bedingungen lassen offen. S.G r u n d des Glaubens an die Legalität gesetzter Ordnungen . die das ermöglichen. Damit ist natürlich nicht einem einzelnen Forscher ein Unterlassen vorgeworfen. O . (2) the clarity of legal norms. S. 68 ff. The American Poütical Science Review $7 (1963). welche sozialen und psychischen Mechanismen in Betracht kommen. Vier Bedingungen der legal compliance werden genannt: » ( 1 ) the use of recognized sources of authority. nicht hinreichend ausgearbeitet hat. 3 3 . der ohne Übereinstimmung über das im Einzelfall sachlich Richtige erreicht wer7 4 Siehe die Darstellung bei Max Weber: Wirtschaft und Gesellschaft a. New York-London-Sydney 1 9 6 6 . als ob eine Sozialordnung. welche die Geltung beliebiger Rechtsinhalte allein auf Verfahren stützt und nur so institutionalisiert. a . 6 Ein neueres sozialpsychologisches Lehrbuch der Organisationswissenschaft: Daniel Katz/Robert L. a .) oder bei Easton. behandelt zwar »legal compliance« als ein sozialpsychologisches Problem. plexe Sicherungen höchst instabil und sein muß . 5 Obwohl dieser Begriff im Zentrum des Weberschen Lebenswerkes steht. In: Max Weber: The Theory of Social and Economic Organization. wie solch ein Glauben zustande kommen kann. In: Studien über Recht und Verwaltung. *9 . 341 ff. S. Vgl. (3) the use of specific sanctions and penalties.

sieht in dieser Weise den Verfahrensgedanken als evolutionäre Errungenschaft: »Only on the basis of procédural primacy can the System cope with a wide variety of changing circumstances and types of cases without prior commitment to specific S o l u t i o n s . 2 7 . durch Arbeit an Begriffen geschehen. Englewood Cliffs N. bleibt solche »Selbstrechtfertigung« suspekt und das Problem des Naturrechts damit aktuell. zi f. befriedigende Entscheidungen zu erhalten. »un p o u v o i r qui accepte ou 9 8 même qui institue son propre procès de légitimation» . Sie werden ersetzt durch generellere. Legitim ist nun. 10 Audi Talcott Parsons: Societies. S. Bei hoher K o m p l e x i t ä t und Variabilität des Sozialsystems der Gesellschaft kann die Legitimation politischer Macht nicht mehr einer naturartig vorgestellten M o r a l überlassen. Paris 1 9 6 1 . wie Bourricaud treffend formuliert. daß verbindliche Entscheidungen als Verhaltensprämisse angenommen werden. müssen deshalb ältere Formen der unmittelbaren Einigung und Feststellung des Richtigen überwunden werden. umweghafte Mechanismen der Sinnbildung und Stabilisierung. Für Juristen und Rechtsphilosophen. 7. die das Problem nicht in Begriffen wie Arbeit und Organisation explizieren. New York-London-Sydney 1 9 6 4 . als im L a u f e der zivilisatorischen Entwicklung die K o m plexität der Gesellschaft wächst und damit auch die entscheidungsbedürftigen Probleme zunehmen. daß verbindlich getroffene Entscheidungen auch abgenommen w e r den. Evolutionary and Comparative Perspectives. welche konkreten Entscheidungen getroffen werden. kategoriale Abstraktion des Normgefüges. da schließlich jede Einzelentscheidung konkret begründet werden muß. Siehe statt anderer Luis Legaz y Lacambra: Legalidad y Legitimidad. tritt dann an die Stelle älterer naturrechtlicher Begründungen oder tauschförmiger Methoden der Konsensbildung . V o n einer gewissen Schwelle der Entwicklung ab müssen daher qualitativ andere Formen der Legitimierung v o n Entscheidungen gesucht werden. könnten rationale Großbürokratien nicht arbeiten. ohne daß im v o r aus spezifiert werden kann. In dem Maße. Ohne die Sicherheit. François Bourricaud: Esquisse d'une théorie de l'autorité. S. Außerdem muß sichergestellt werden.. Studies of our Changing Social Order. 9 Vgl. J. î . 1966. V e r 8 Dazu treffend Reinhard Bendix: Nation-Building and Cîtizenship. S.2 1 . D a s kann zum Teil durch innere.den kann und das System stabilisiert . Die Legitimation durch Ver fah ren und durch Gleichheit der Chance. sondern muß im politischen System selbst erarbeitet werden. S. Revista de Estudios Políticos toi ( 1 9 5 8 ) . aber diese Abhilfe stößt an Grenzen. 1 3 7 f. sondern es als Abhängigkeitsverhältnis von Werten oder Normen zu begreifen suchen. « 10 30 .

und die Entscheidung selbst doch ablehnen. in völliger Indifferenz. Der Pösitivierung des Rechts. S. sofern über sie (zu anderer 11 Siehe Max Weber: Rechtssoziologie. 13 Die herrschende Auffassung tendiert eher gegenteilig dazu.B e d i n g u n g operiert. d. Das ist der weitere Begriff. London 1 9 6 5 . ist sich aber selten des Unterschiedes deutlich bewußt. auf die sie sich berufen. und diese Anerkennung zieht die Hinnahme und Beachtung verbindlicher Entscheidungen nach sich. z i 6 ff. die Beliebigkeit als Positivität stabilisieren können. Er umfaßt auch die Anerkennung der Entscheidungsprämissen. ohne sich um die W e r t e zu kümmern. entspricht es. ob diese Bedingung nur auf die Entscheidungsprämissen oder auch auf die Entscheidungen selbst angewandt w i r d . die unabhängig ist v o m Befriedigungswert der einzelnen Entscheidung. 13 12 3 1 . Das mag mit der weitverbreiteten Überschätzung der Logik des juristischen Entscheidens zusammenhängen.fahren finden eine A r t generelle Anerkennung. der These. A Study of Policy Making. U n d umgekehrt kann m an Entscheidungen akzeptieren. Zu seiner Z e i t boten weder Soziologie noch Sozialpsychologie dafür ausreichende Grundlagen. M a n kann die Prinzipien und N o r m e n bejahen. 12 Vgl. den Legitimitätsbegriff auf die Anerkennung v o n Entscheidungen als verbindlich festzulegen . dazu das Kapitel über »Decision under Protest« bei Geoffrey Vickers: The Art of Judgment. aus denen eine Entscheidung »gefolgert« w i r d . Neuwied i 9 6 0 . ja vielleicht unter Ablehnung ihrer G r ü n d e als allgemeiner Entscheidungsregeln . daß alles Recht durch Entscheidung gesetzt ist. auch in seiner Rechtssoziologie 11 finden sich außer Hinweisen auf die Formalisierung der Rechtsgeltung keine ausgearbeiteten A n a lysen des rechtsetzenden oder rechtanwendenden Verfahrens als eines legitimierenden Mechanismus. weil der legitimierende Entscheidungsprozeß unter J a / N e i n . Diese Unterscheidung ist besonders deshalb wichtig. weil sie logisch falsch oder auf G r u n d falscher Auslegungen oder falscher Tatsachenannahmen zustande gekommen sei. Heute kann diese Lücke geschlossen w e r d e n . die Anerkennung der Prinzipien des Entscheidens für maßgebend zu halten. Am Legitimitätsbegriff muß zunächst deutlich unterschieden werden zwischen Akzeptieren von Entscheidungsprämissere und Akzeptieren v o n Entscheidungen selbst. h. Es macht einen großen Unterschied aus. M a x Weber hatte nicht nur die sozialen Mechanismen offengelassen.

Verwaltungsakte. 1 8 3 . von den Eigenarten individueller Persönlichkeiten (und insofern wahrheitsähnliches!) an. S. das ohne allzuviel konkrete Information typisch voraus- 14 Auch die Soziologie beginnt gerade erst. 15 14 vielmehr auf ein Akzeptieren motivfreies. Rechtfertigungsprinzipien oder Inhalte der Entscheidungen abstellt . Gesetze. Die vorherrschende Auffassung nimmt diesen Begriff zu eng. Jene Auffassung verkennt die hohe Komplexität. Kap. eine psychologische Theorie der legalen Legitimität zu entwickeln. 3* . V a r i a b i l i t ä t und Widersprüchlichkeit der Themen und Entscheidungsprämissen. S. weshalb es nichr gelungen ist. sie unterschiebt ihr statt des absoluten einen relativen. die im politisch-administrativen System moderner Gesellschaften jeweils behandelt werden müssen. und besonders Irving Rosow: Forms and Functions of Adult Socialization'. wenn und soweit anerkannt w i r d . Durch Erreichen faktisch geglaubter Wahrheit und Gerechtigkeit solle die Uberzeugung von der Richtigkeit des Entscheidens sich ausbreiten. Diese enge Auffassung harmoniert mit der klassischen Konzeption des Verfahrens als Wahrheitssuche. Urteile usw. 4. das Ideal voller Sozialisation und Konformität im Erleben und Handeln abzubauen. Social Forces 44 ( 1 9 6 s ) . Dieser K o m p l e x i t ä t moderner Gesellschaften kann nur durch Generalisierung des Anerkennens von Entscheidungen Rechnung getragen werden. Kein politisches System kann jedoch seine Stabilität vom Erreichen so hoch gespannter Ziele abhängig machen. auf Meinungen beruhenden W a h r heitsbegriff. Dazu näher in Teil v. Die Schwierigkeiten verlagern sich mit dieser Definition auf den Begriff des Anerkennens oder Akzeptierens. American Sociological Review 26 ( 1 9 6 1 ) . und kein Mensch ist in der L a g e . 15 Hier liegt wohl auch der Grund. Es kommt daher weniger auf motivierte Überzeugungen als unabhängiges sehbar i s t . sind demnach als E n t scheidungen legitim. für alle aktuellen Entscheidungsthemen Überzeugungen zu bilden.1 8 } .Zeit und durch andere Stellen) ebenfalls entschieden worden ist. Siehe dazu Dennis Wrong: The Oversocialized Conception of Man in Modern Sociology. wenn sie auf die »Überzeugung« von der Richtigkeit der Werte. 35—4 c. daß sie verbindlich gelten und dem eigenen Verhalten zugrunde gelegt werden müssen. Legale Legitimität bleibt in bezug auf psychische Mechanismen unspezifiziert.

S. Chicago 1 9 6 z . B. Anlehnung an neue Umwelten usw. sondern bei seinen alten.'Harold M. New York-London 1 9 6 1 . bleibt der Phantasie und Gestaltungskraft des einzelnen und seinen Chancen für soziale zugrunde. Robert L. sondern erst durch eine Umstellung der Erwartungen. die der centrality-peripherality Dimension besondere Bedeutung beimessen (dazu besonders S. Geändert sei eine Organisation nicht schon durch die formale Entscheidung. Jedenfalls liegt der Anerkennung ein Lernprozeß Prämissen. Eliot . S. 390 ff. Studies in Role Conflict and Ambiguity. nach denen der einzelne weiterhin Erlebnisse verarbeiten. Umdeutung der Vergangenheit. Dazu bedürfe es aber keiner Änderung der beteiligten Persönlichkeiten (wie übereifrige Anhänger der human relations-Bewegung gemeint hatten). Bagatellisierung. wenn der Betroffene im Protest gegen die Entscheidung weiterzuleben sucht. H a n d l u n g e n auswählen. 33 . Siehe z. weltmännische Resignation. Chapple/Leonard R. Isolierung und Abkapselung der problematischen Themen. Sayles: The Measure of Management. daß Betroffene aus welchen Gründen immer die Entscheidung als Prämisse ihres eigenen Verhaltens übernehmen und ihre Erwartungen entsprechend umstrukturier e n . D a r a n fehlt es. sondern nur einer Änderung der in der Gruppe effektiven Rollenerwartungen. enttäuschten E r w a r 17 16 16 Auf ähnliche Vorstellungen läuft übrigens die neuere soziologische Theorie der Organisationsänderühgen hinaus.B. Ein solcher Einbau neuer Erwartungsstrukturen in die alte. Daniel Katz/Robert L. Harvey/David E. Cyril Sofer: The Organization From Within: A Comparative Study of Social Institutions Based on a Sociotherapeutic Approach. Hunt. 3 9 e . Quinh/Diedrick J. Gemeint ist.). 7s f. J.D e r Begriff des Akzeptierens muß entsprechend formalisiert werden. New York 1 9 6 1 . sein gekränktes Recht immer w i e d e r hervorholt. sich selbst darstellen w i r d . 102 ff. Schröder: Conceptual Systems and Personality Organization. New York-LondonSydney 1964. Wolfe/Robert P. O. Snoek: Organizational Stress. Kahn: The Social Psychology of Organizations.. D. 17 Eine Möglichkeit der psychologischen Ausarbeitung dieses Gedankens bieten z. Kahn/Donald M. A b straktion v o n Regeln der Erlebnisverarbeitung. immer wieder den Schorf von seinen Wunden k r a t z t und Hilfe und Zustimmung gegen die Entscheidung zu organisieren sucht. die einen Einbau in die Persönlichkeit unter E r h a l t u n g ihrer Identität ermöglicht. identisch bleibende Persönlichkeit kann a u f sehr verschiedene Weise geschehen und mehr oder weniger zentrale Persönlichkeitsstrukturen betreffen : durch Überzeugungswandel. eine Ä n d e r u n g der Unterstützung überlassen. New York-London-Sydney 1 9 6 6 . Widerstand leistet. k u r z : nicht lernt. S. 191 ff.. S. Die Harmonisierungsformel zu finden.

von innen heraus.betreffen muß. sie ist viel zu problematisch. N u r wenn man die Bindung des Legitimitätsbegriffs an die persönlich geglaubte Richtigkeit der Entscheidungen aufgibt.tungen bleibt. Legitimität beruht somit gerade nicht auf »frei-williger« Anerkennung. nicht ohne soziale Unterstützung geschehen. kann man die sozialen Bedingungen der Institutionalisierung v o n Legitimität und Lernfähigkeit in sozialen Systemen angemessen untersuchen. als extern veranlaßt erscheinen. N u r durch solche Ablösung von persönlicher Motivation und Verantwortung können in sehr komplexen Sozialordnungen. beachtet und w i e eine (willkommene oder unwillkommene) Tatsache behandelt. das notwendige Gleichmaß der N o r m b e f o l g u n g und eine glatt abfließende Entscheidungspraxis sichergestellt werden. auf persönlich zu verantwortender Überzeugung. ist im übrigen Voraussetzung wirksamer Verhaltensänderung. Bei erfolgreichem Lernen werden die durch E n t scheidung geänderten Erwartungen gleichsam automatisch. Sie darf seine Selbstdarstellung nicht diskreditieren. Die Übernahme einer neuen. Solches Lernen kann nicht vom einzelnen allein geleistet w e r den. gefährdet die persönliche Identität des einzelnen. durch die amtliche Entschei- 34 . sondern als Folge der Geltung der amtlichen Entscheidung ansieht. sondern muß den Miterlebenden als Selbstverständlichkeit. als daß sie ohne Rücksicht auf die Meinung anderer vollzogen werden könnte. das die Anerkennung verbindlicher E n t scheidungen als Selbstverständlichkeit institutionalisiert und sie nicht als Folge einer persönlichen Entscheidung. sondern im Gegenteil auf einem sozialen K l i m a . um ein der Entscheidung entsprechendes Verhalten durchzusetzen. D a ß die Umstrukturierung einen sozialen Erwartungskontext — und nicht nur eine individuelle Persönlichkeit . die zugleich Persönlichkeiten stark differenzieren und individualisieren müssen. als Bruch mit seiner Vergangenheit. als Zeichen persönlicher UnZuverlässigkeit oder als Verschulden angekreidet werden. die als Verhaltensprämissen dienen und unter Umständen ganze Rollenbereiche strukturieren. bei gescheitertem Lernen bedarf es von Situation zu Situation neuer spezifischer Anreize von außen. Sie darf dem einzelnen nicht als Widerspruch zu sich selbst. Eine Ä n d e rung v o n E r w a r t u n g e n .

e t w a R ü c k f ä l l e in überholte Verhaltensweisen. 19 Als einen älteren Versuch. Milton Rokeach: Attitüde Change and Behavioral Change. seien es Sozialsysteme . Callahan: Law and Learning Theory. daß sie unterbleiben. Erst recht muß erstaunen. die meinen. ohne dort erhebliche Funktionsstörungen auszulösen. daß aus neuen Einstellungen nicht ohne weiteres entsprechendes Verhalten f o l g t . daß es gelingt. In W a h r h e i t ist das Problem der Handlungswirksamkeit von Einstellungsänderungen in der Psychologie noch völlig offen. nimmt es zunächst wunder.6 7 ) . Über psychische Mechanismen scheidungen nicht zu steuern. nicht. D i e damit erreichbare Konformität w i r d von Soziologen oft überschätzt und erst recht v o n vorsoziologischen Rechtstheorien. vgl. 5 2 9 . durch Verbreitung der richtigen Überzeugungen seien alle Probleme zu lösen. neue Erwartungen in bestehende andere Systeme . daß ein zentral gesteuertes Lernen überhaupt möglich ist. differenzierten Systeme sich unterscheiden. Es handelt sich um einen Ausschnitt des allgemeinen Problems »wie ändern sich E r w a r t u n g e n « . der allerdings auf den schwachen Beinen der klassischen behavioristischen Lerntheorie steht. S.5 5 0 . um die F r a g e . S. wie stark in modernen. The Yale Law Journal 53 (1943). Die W i r k s a m k e i t dieser Tätigkeit eines Teils für d a s G a n z e wird weitgehend davon abhängen. Public Opinion Quarterly 28 ( 1 9 6 6 . obwohl es nur ein Teilsystem ist. Demnach geht es bei der Legitimation von Entscheidungen im G r u n d e um ein effektives.1 3 6 . in wel19 18 allein ist das immer wieder neu erforderliche Annehmen überraschender Ent- 18 Vgl. w i e das politisch-administrative Teilsystem der Gesellschaft durch seine Entscheidungen E r w a r t u n g e n in der Gesellschaft umstrukturieren kann. zum Gewissensproblem w e r d e n . wie stark Persönlichkeiten individualisiert und soziale Systeme funktional spezifiziert worden sind.seien es Persönlichkeiten. 1 .einzubauen. daß Abweichungen.dung nahegelegten Rechtsauffassung 'würde allein noch wenig besagen. Underhill Moore/Charles C. A Study in Legal Control. möglichst störungsfreies Lernen im sozialen S y s t e m . und nur so v i e l ist sicher. 35 . Sozialordnungen Persönlichkeiten und soziale W e n n man sich realistisch vorstellt. Selbst die Internalisierung der neuen Perspektive besagt nur.

sondern in den EntScheidungsprozessen des politischradministrativen Systems z w a r nicht allein bewirkt. andere Formen der Legitimation gibt . Uns interessiert daher primär der Beitrag zur Legitimation der Entscheidungen. und die äußeren Grenzen liegen darin. Eben deshalb ist die Frage sinnvoll. die den Entscheidungspozeß begleitet. und ebenso die juristische Rhetorik und die D a r stellungskunst des rechtsanwendenden Verwaltungsbeamten oder des Richters sind Momente des Legitimierungsprozesses. Ob Wahlen dem Wahlrecht. D a s hat natürlich vielerlei Ursachen — viel mehr. Die innere Konsistenz der durch Entscheidungen hergestellten Rechtsordnung ist dabei ein wichtiger Legitimierungsfaktor aber nur einer unter anderen. Plenarabstimmungen der Geschäftsordnung des P a r - 36 . Begreift man die Legitimation von Entscheidungen als einen institutionalisierten Lernprozeß. überträgt diese symbolisch-zeremonielle Arbeit am Recht Legitimität von einer Entscheidung auf andere und erleichtert so das Lernen. durch einsehbare Wenn/Dann-Zusammenhänge zwischen Entscheidungen. die Sorgfalt bei der Abstimmung einzelner Entscheidungsprogramme aufeinander. D i e inneren Grenzen dieser Kunst sind jedoch in der rechtstheoretischen Selbstkritik der letzten Jahrr zehnte deutlich geworden.chem Ausmaß die Abnahme bindender Entscheidungen faktisch zur Selbstverständlichkeit und zur Sache vorwurfsloser Routine geworden ist. Sicher ist immerhin eines: daß in einer hochkomplexen Sozialordnung diese Leistung nicht dem Zufall überlassen bleiben kann. als laufende Umstrukturierung v o n E r w a r t u n g e n . A l s Prozeß gesehen. als w i r im Zusammenhang dieser Untersuchung erfassen und berücksichtigen können. deren und auf besondere besondere Rollen spezialisiert werden professionelle L o g i k dann als Ganzes ein unformulierbares Mißtrauen erweckt. Die rechtspolitische Arbeit. daß ihre H a n d h a b u n g Spezialausbildung erfordert muß. dann kann mit der F r a g e nach der Legitimation durch Verfahren nicht der juristische Bezug auf das VerfahrensrecÄt und auch nicht dessen rechtspolitische W ü r d i g u n g gemeint sein. ob es neben dieser Legitimation durch symbolische Implikationen. aber doch mitgesteuert werden muß.etwa Legitimation durch Verfahren. den das entscheidende System selbst erbringen kann.

37 . muß ein solcher Begriff daher erst erarbeitet werden.laments. also um wirkliches Geschehen und nicht um eine normative Sinnbeziehung. Legitimation durch Verfahren ist nicht e t w a Rechtfertigung durch Verfahrensrecht. Bevor w i r zu Einzeluntersuchungen übergehen. das sind andere Fragen. der jenen empirischen Sachverhalt zum Ausdruck brächte. obwohl Verfahren eine rechtliche Regelung voraussetzen. steht nicht zur V e r f ü g u n g . Beweisaufnahmen der Prozeßordnung entsprechen. E i n soziologischer Verfahrerisbegriff. der nach M a ß g a b e rechtlicher Regelungen abläuft. vielmehr geht es um die Umstrukturierung des E r w a r t e n s durch den faktischen Kommunikationsprozeß. und ob die vorhandenen Regelungen verfahrensrechtlicher A r t reformbedürftig sind oder nicht.

Vgl. F ü r eine rechtssoziologische Theorie des V e r fahrens w ü r d e keiner dieser Grundbegriffe ausreichen. 6 1 J . Dabei ist ein erster. Verfahren als soziales System D i e juristische Dogmatik bietet für ein theoretisches Verständnis von Verfahren im wesentlichen drei Grundbegriffe an. 2 Hierbei handelt es sich um eine durchaus nicht unbestrittene Entwicklung. dazu Niklas Luhniann: Soziologie als Theorie sozialer Systeme. S. an die auch die Rechtssoziologie anknüpfen sollte. daß die eine ohne Wahlmöglichkeit sich aus der anderen ergibt. 2 1 38 .1 1 5 . D i e entsprechenden Verfahrenslehren liegen jedoch unversöhnbar im Streit und zeigen dadurch ihr Ungenügen a n . die mit einigem Recht den Anspruch erheben kann. Sie legen das Handeln stereotyp fest und schaffen damit Sicherheit. Gleichwohl ist zur Zeit die Systemtheorie die einzige Konzeption. Auch das Verfahren läßt sich als ein soziales H a n d lungssystem besonderer A r t begreifen. Diese drei K o n z e p tionen machen zunächst einen spziologienahen. Ihre Prozeßtheorie konstruiert den Prozeß entweder vom Grundbegriff der H a n d l u n g oder v o m Grundbegriff der Situation (Rechtslage) oder v o m Grundbegriff der Beziehung aus. naheliegender Irrtum abzuwehren: Ein Verfahren kann nicht als eine festgelegte Folge bestimmter Handlungen angesehen werden. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 1 9 ( 1 9 6 7 ) . Rivista di diritto processuale 3 (1948). scheinen Begriffe wie H a n d lung. Ihm gelingt indes nur die Rückführung jener Grundbegriffe auf »Aspekte« einer einheitlichen Realität. nicht aber eine begriffliche Klärung der Einheit dieser Realität selbst. Theorie der Soziologie schlechthin zu sein.6 4 4 . Solche Ritualisierungen haben eine spezifische Funktion. bei dem jeweils nur eine H a n d l u n g richtig ist und solche Handlungen so zu einer Kette zusammengeschlossen sind. fast normfreien. S. Situation oder Beziehung vielmehr in dem Begriff des sozialen Systems aufzugehen und so theoretisch integriert zu w e r d e n .j. hat diese Frage der Vereinheitlichung der juristischen Prozeßtheorien bereits mit aller Schärfe gestellt. 1 1 0 . empiriebezpgenen Eindruck. In der neueren soziologischen Theorieentwicklung. Eine solche Auffassung würde das Verfahren als Ritual begreifen. eine von vielen mit Entschiedenheit abgelehnte Tendenz. unabhängig von den faktischen Konse1 Gaetano Foschini: Natura giuridica del processo.

i z i . v o r allem dort. für den Beruf der Krankenpflege Isabel E. sondern anderen Gewalten zugerechnet werden . 96 f. ferner Peter M. Selbst in Entscheidungsorganisationen. Chicago 1 9 5 5 .: Bureaucracy in Modern Society. daß in Verwaltungen vor allem eine verschärfte Fehlerempfindlichkeit zu Ritualisierungen führt. die allerdings einseitige und dadurch verzerrende Herausarbeitung soldier Verwaltungsriten und -mythen bei Henri Déroche: Les mythes adminisrratifs. Vgl. ferner Everett C . S. Hughes: Men and Their Work. ders. 6 5 4 3 3 Über Außenzurechnung als Entlastungstechnik relativ einfacher Systeme siehe auch Harvey/Hunt/Schroder. 1 9 5 8 . 184 ff. wo ein besonderer Sicherheitsbedarf gegeben ist . Ohne Z w e i f e l nehmen öffentliche Verfahren ritualistische Elemente in sich auf. findet man rituelles Zeremoniell . 86 ff. 6 Darauf stellt ab Yehudi A. bis die Szene sich selbst trägt. z u m Beispiel solcher der Aggressivität oder des Mitleids.so wenn eine konfliktgeladene Atmosphäre im strengen Zeremoniell des Gerichtsverfahrens in Rede und Gegenrede ausgeprägt und alle Aggressivität in die Form von A n t r ä g e n gegossen werden muß. 1 9 6 ff. 1 9 5 .quenzen. A Report on a Study of the Nursing Service of a General Hospital. die im allgemeinen nicht besonders gefährlich leben. siehe für militärische Organisationen Morris Janowitz: The Professional Soldier. O-. Human Relations 1 3 (i960). S. Cohen: Some Aspects of Ritualized Behavior in Interpersonal Relationships. S. A u c h dafür mag in Entscheidungsverfahren hin und wieder P l a t z sein . S. 5 Vgl. i960. Menzies. passim. Die Ritualisierung verhindert hier den Ausdruck und damit die Selbstverstärkung v o n Gefühlen der A n g s t und der Unsicherheit. 38 ff. Sie kann in gleicher Weise auch zur Unterdrückung anderer Gefühle dienen. wo das Ritual das Anfangen. Paris 1 9 6 6 . so zum Beispiel in typischen Verlegenheitssituationen wie bei der E r ö f f n u n g einer mündlichen Verhandlung. Michel Crozier: Le phénomène bureaucratique. 39 . 4 Das ist zum Beispiel der Fall. Glencoe Iii. Diese Literatur hinterläßt den Eindruck. Glencoe III. Human Relations I I ( 1 9 5 8 ) . 9 î .. S. wenn der Erfolg unter hohen Risiken erarbeitet werden muß und nicht allein von den Arbeitenden abhängt. Paris 1 9 6 3 . Vgl. .Z I 5 . Blau: The Dynamics of Bureaucracy. New York 1 9 5 6 . erleichtert. P. S. a. a. A Case Study in the Functioning of Social Systems as a Defense against Anxiety. die dann nicht dem H a n d e l n . S.. Essai de sociologie phénoménologique. F ü r diese F o r m der Reduktion v o n K o m p l e x i t ä t gibt es auch in sehr zivilisierten und differenzierten Gemeinwesen und selbst in relativ rationalen Organisationen berufsmäßiger A r t noch Verwendungsmöglichkeiten.

teilweise durch sich selbst gesteuerten. die im Erlebnishorizont des Verfahrens als negierte Möglichkeit erhalten bleiben. in der jede Teilentscheidung einzelner Beteiligter zum Faktum wird. 2 1 . Louis Gernet: Droit er prédroit en Grèce ancienne. was als nächstes zu geschehen hat. das richtige Wort treiben das Verfahren voran. das heißt: nicht nur auf die gewählten. sondern selektive Entscheidungen der Beteiligten.Im großen und ganzen wäre es aber sicher falsch. So läuft das Verfahren ab als eine Entscheidungsgeschichte. Im Unterschied zum alternativlosen Ablauf des Rituals ist es für Verfahren gerade kennzeichnend. s5rie 3 ( 1 9 4 8 / 4 9 ) . daß die archaischen Schlichtungsverfahren ohne bindende Entscheidung und zwangsläufige Ritualien zur Erreichung einer übernatürlichen Entscheidung kombiniert werden zu Verfahren. Die Selektivität einer Kommunikation wird ihr zugerechnet. Komplexität reduzieren. daß die Ungewißheit des Ausgangs und seiner Folgen und die Offenheit von Verhaltensalternativen in den Handlungszusammenhang und seine Motivationsstruktur hineingenommen und dort abgearbeitet werden. und die Beteiligten reagieren mit eigenen Verhaltenswahlen nicht auf vorfixierte Auslöser. sondern auf Information über Selektionsleistungen anderer. die Geste. 40 . B. die Alternativen eliminieren. Ungewißheit absorbieren oder doch die unbestimmte Komplexität aller Möglichkeiten in eine bestimmbare. 7 So z. aber nicht mechanisch auslöst. die zugleich den Ubergang vom archaischen Recht zum Recht der vorneuzeitlichen Hochkulturen markiert . S. damit den anderen Beteiligten Entscheidungsprämissen setzt und so die gemeinsame Situation strukturiert. Historisch gesehen entstehen Entscheidungsverfahren dadurch.eine evolutionäre Errungenschaft. L'année sociologique. 7 Einen derart offenen. greifbare Problematik verwandeln. die mit offenen Möglichkeiten beginnen und trotzdem zu bindenden Entscheidungen im Verfahren selbst führen . sondern auch auf die damit ausgeschiedenen Möglichkeiten. Sie macht ihren Sinn aus (und nicht etwa das getreue Kopieren eines vorliegenden Musters). Nicht die vorgeprägte konkrete Form. das Verfahren in heutigen Entscheidungsorganisationen als Ritual zu deuten.1 1 9 .

sei es in der Welt (Weltkomplexität). Ihre Umwelt ist stets übermäßig komplex. unüberblickbar und unkontrollierbar.2 j . die aus den Möglichkeiten der Welt nur wenige relevante Fakten. Durch solche Reduktion ermöglichen Systeme eine sinnvolle Orientierung des Handelns . und dadurch von vornherein in ihrer Dauer begrenzt sind. Unter Komplexität ist die Gesamtheit der Möglichkeiten zu verstehen. die eine spezifische Funktion erfüllen. daß die vorherrschenden scharfen Entgegensetzungen von System und Prozeß oder von Struktur und Prozeß aufgegeben öder doch in wesentlichen Hinsichten modifiziert werden. 8 8 Die skizzierte Systemtheorie (vgl. müssen. sondern strukturell-funktional konzipiert.1 2 3 ) setzt also bei einer Funktion an und bezieht Systemstrukturen auf diese Funktion. Demgegenüber ist die in der Soziologie herrschende Systemtheorie nicht funktional-strukturell. Bevor wir mit diesen Gedanken arbeiten können.Komplexität reduzierenden Handlungszusammenhang kann man als soziales System begreifen. Sie analysiert Systeme nur im Hinblick auf Bedingungen der Erhaltung ihrer Struktur. Soziale Welt ij [ 1 9 6 4 ] . eine »subjektive« Weltsicht des Systems. ihre eigene Ordnung dagegen höherwertig insofern. sind jedoch einige Erläuterungen notwendig. i . Für jede Systembildung ist bezeichnend. S. Diese Anwendung der Systemtheorie bedeutet allerdings. Verfahren sind in der Tat soziale Systeme. daß sie nur einen Ausschnitt der Welt erfaßt. Soziale Welt 18 [ 1 9 6 7 ] . 9 7 . Ereignisse. nämlich eine einmalige verbindliche Entscheidung zu erarbeiten. sei es in einem System (Systemkomplexität). als sie Komplexität reduziert und als systemeigenes Handeln nur noch vergleichsweise wenige Möglichkeiten zuläßt. S. Ordnung. und ders. Systeme konstituieren einen Unterschied von Innen und Außen im Sinne einer Differenz an Komplexität bzw. anders könnten sie nicht Prozeß sein. 2 zitierten Aufsatz auch Niklas Luhmann: Funktionale Methode und Systemtheorie. 41 . dazu außer dem in Anm. Erwartungen herausgreift und für bedeutsam hält. nur eine begrenzte Zahl von Möglichkeiten zuläßt und verwirklicht. Prozesse sind Systeme und haben eine Struktur. und anders könnten auch Systeme und Strukturen nicht sein. die sich für das faktische Erleben abzeichnen .: Soziologische Aufklärung. Zur systemeigenen Ordnung gehört auch ein selektiver Umweltentwurf. Wichtigstes Merkmal eines Systems ist ein Verhältnis zur Komplexität der Welt.

namentlich Talcott Parsons: The Social System. J 2 . ermöglicht also doppelte Selektivität und dadurch erhebliche Leistungssteigerungen . und. ihre Thematik und ihre Grenzen zu definieren und den Beteiligten bewußt zu machen. S. Durch Strukturbildung gewinnt das System eine »offene« Identität. oder Harry M. Sie gewinnen dadurch eine für sie spezifische Per9 10 kann also strukturellen Wandel nicht oder nur an Teilsystemen im Hinblick auf umfassendere Systeme erörtern. auch Prozesse als Systeme zu begreifen. Smelser: Theory of Collective Behavior. Glencoe III. Zu dieser Auffassung vgl. S. Siehe immerhin als einen wichtigen Versuch in dieser Richtung Neil J. Aufl. deren Sinn ja nicht in der Erhaltung eines Bestandes. New York i960. selbst schon Selektion im Verhältnis zur Komplexität der Umwelt. ders. daß es möglich wird. aber sie einschränkt. Merton: Social Theory and Social Structure. Diese Normen sind nicht schon die Verfahren selbst. 4* . die im Bestand strukturierter Systeme das letzte funktionale Bezugsproblem sieht.. 1 9 J I . die Variationsmöglichkeiten nicht ausschließt. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 1 6 ( 1 9 6 4 ) . Glencoe III. und eine Rechtfertigung durch sie ist nicht schon Legitimation durch Verfahren. für viele Verfahren geltende Rechtsnormen vorgezeichnet. Die Struktur eines Verfahrenssystems ist zunächst durch allgemeine. mit wachsender Distanz. ohne umständliche Vorverhandlungen über Sinn und Zweck einer Zusammenkunft einzelne Verfahren als Systeme in Gang zu bringen. 10 Eines der bekanntesten Beispiele dafür ist die Sprache mit ihrer grundlegenden Differenz von allgemein feststehenden Symbolen und Verwendungsregeln auf der einen und konkretem Sprechen auf der anderen Seite. New York 1 9 6 3 . die dann zeitlich über längere Zeitstrecken. S. sondern in der Ordnung einer Veränderung liegt. 2. das heißt durch Generalisierung von Verhaltenserwartungen. und besitzt so ein begrenztes Anpassungsvermögen . Die strukturell-funktionale Theorie.: Die jüngsten Entwicklungen in der strukturell-funktionalen. Als konkrete Handlungssysteme nehmen solche Verfahren dann einen einmaligen Platz in Raum und Zeit ein. Theorie. Die Struktur. steuert das selektive Verhalten des Systems. wäre nicht in der Lage.Diese Funktion der Reduktion von Komplexität wird im wesentlichen durch Strukturbildung erfüllt. Johnson: Sociology. 69. 30-49. Sie reduzieren jedoch die unendliche Vielzahl möglicher Verhaltensweisen so weit. 1 9 5 7 . 9 Der Begriff struktureller Variationsbegrenzung hat eine lange Geschichte. Für neuere Formulierungen siehe etwa Robert K. sachlich für verschiedene Situationen und sozial für eine Mehrzahl von Personen »gelten«.

S. Siehe statt anderer David Easton: A Framework for Political Analysis. J . Reinemachefrauen. die statt gedeckter Tische Wahlplakate. der sich in einer besonderen Konstellation von Ereignissen. 61. dem gestörten System die Reverenz zu erweisen. also die Wahl des Systems. da sie im Unterschied zu physischen und zu biologischen Systemen nur durch Sinn (und nicht durch Materie) zusammengehalten und begrenzt werden. Das betonen auch Daniel Katz/ Robert L. In diesem Rahmen besitzen sie aber Autonomie für den Aufbau einer eigenen Geschichte. Nicht selten ist dann systemlose Flucht die einzige Möglichkeit. Philosophische Rundschau Beiheft y. die zu früh in den Gerichtssaal einziehen. sind also nur als Teilsysteme eines größeren. daß sie sich in ein anderes System verirrt haben. 88 f. Systemadäquates Verhalten steht ihnen jedoch nicht zur Verfügung. J I . Vgl. Kabinen. nicht jedoch die Bestimmung der Grenzen dieses Systems. sie überdauernden Systems möglich. 1 9 6 5 . New York-LondonSydney 1 9 6 6 . merken sofort. Kahn: The Social Psychology of Organizations. und es ist diese Verfahrensgeschichte. 37 ff. Strukturvorgabe und Definition konkret erkennbarer Systemgrenzen sind nicht die einzigen und für unser Problem nicht die wichtigsten Reduktionsweisen. Tübingen 1 9 6 7 . freigegeben werden. S. insbes. das sie veranstaltet und ihnen gewisse Verhaltensregeln vorgibt. das sie analysieren will. 43 . Sie stören. während die Mehrzahl der Systemtheoretiker mit einem nur »analytischen« SystembegrirT arbeitet und sich vorbehält.spektive auf ihre Umwelt und einen eigenen Sinn. die im sozialen Leben selbst gezogen werden. Ohne Erkennbarkeit der Grenzen wäre in einer Sozialordnung mit einer Vielzahl von Systemen geordnetes Verhalten nicht möglich. Symbolen und Darstellungen manifestiert und in der Regel rasch erkennbar ist . Listen und offiziöse Mienen vorfinden. Englewood Cliffs N . die Systemgrenze nach Maßgabe ihrer Erkenntnisziele selbst zu definieren. Sie können weder dasein noch nicht dasein.. dazu auch die Bemerkungen von Jürgen Habermas: Zur Logik der Sbzialwissenschaften. das gewisse Verhaltensmöglichkeiten ausschließt und andere eröffnet. durch die sie die ihnen überlassene Komplexität weiter reduzieren. 11 II Erkennbarkeit der Systemgrenzen ist für soziale Systeme ein besonderes Problem. 1 9 3 f. Damit werden jedoch die Freiheiten der Forschung überzogen: Ihr kann die Wahl ihres Objekts. Verfahren setzen stets eine strukturelle Rahmenordnung voraus. Kommunikationsversuche zur Entschuldigung würden die Störung nur verlängern. oder Gasthausbesucher. definieren die Situation als Störung und unterstellen sich damit den Regeln des gestörten Systems. S.

Evanston Ill. verstricken sie sich aber unversehens in das. Im Lichte des schon Feststehenden wird das noch Offene interpretiert und weiter eingeengt. Siehe z. Auf diese Weise wird Schritt für Schritt eine Konstellation von Fakten und Sinnbeziehungen aufgebaut. in dem nicht mehr alles möglich ist. sie sondert nämlich dieses eine Verfahren für eine Weile ab als ein besonderes System. Jede Kommunikation. ders. Die Beteiligten haben dadurch eine Chance und versuchen es nicht selten. Berkeley-Los Angeles 1949. 1937. wählbar und damit auch zurechenbar sein. World Politics 17 (1963). die zum Verfahren beiträgt. selbst eine unbeabsichtigte Darstellung. aber nicht mehr zurückgenommen werden. Wer in der Kunst des Verfahrens Meister werden will. S. Samuel Huntington: Policical Development and Political Decay. die mit den unverrückbaren Siegeln der Vergangenheit belegt ist und mehr und mehr Ungewißheit absorbiert. daß jedes Verfahren seine eigene Geschichte hat. muß das Verhalten der Beteiligten im Verfahren. 12 12 In ähnlichem Sinne berücksichtigt die Organisationssoziölogie zuweilen die Geschichte oder das Alter eines Systems als Faktor der Institutionalisierung. Die Verfahrensgeschichte dient dabei als Strukturäquivalent . Indem sie sich darum bemühen. 386-430. zwei Vergangenheiten gleichzeitig zu kontrollieren. die Möglichkeiten eröffnet. wird als eine Information angenommen. was in der Welt sonst möglich wäre. die die handelnden Personen und ihre relevante Vergangenheit definiert und den Entscheidungsspielraum einengt. es aber in eine bestimmte funktionale Perspektive bringen. A Sociological Interpretation.: Leadership in Administration. Philip Selznick: T V A and the Grass Roots.-White Plains N. sich selbst im Verfahren eine neue Vergangenheit zu geben. 44 . Jeder Beitrag geht in die Geschichte des Verfahrens ein und kann dann in engen Grenzen vielleicht noch umgedeutet. Y. die von der »allgemeinen Geschichte« unterschieden wird.Für den Systemcharakter des Verfahrens und seine relative Autonomie bezeichnend ist. muß daher lernen. verdichtet oder ausscheidet. Um eine eigene Verfahrensgeschichte herstellen zu können. daß sie das Handeln zwar nicht festlegen. was zur Vergangenheit des Verfahrens wird und nun ihre Operationsmöglichkeiten im Verfahren selbst zunehmend einschränkt. B. Verfahren sind strukturell so organisiert.

als das Verfahren sich entwickelt. über »Situationssysteme«. Verpaßte Gelegenheiten kehren nicht wieder. ziehen die Handlungsmöglichkeiten der Beteiligten sich zusammen. Ungeduld. was er schon gesagt oder zu sagen unterlassen hat. die den Sysremcharakter solcher Handlungszusammenhänge betonen. die nur in diesem Verfahren sich mit ihren spezifischen Bedeutungsgehalten ereignen können. daß er nicht ganz verbergen 13 Skizzen zu einer allgemeinen Theorie rhematisch konzentrierter Zusammenkünfte (encounters). Geschehenes wieder ungeschehen gemacht werden..Auf diese Weise wird das individuelle Verfahren zu einer Matrix möglicher Ereignisse. bis die Entscheidung fällt . durch Ubersetzungsregeln und durch Regeln der Definition dessen. 13 In der Herstellung der Verfahrensgeschichte arbeiten die Beteiligten zusammen. was stört oder gar das System zerstört und was zur Vermeidung dessen getan werden kann. wird das Verfahren eingegrenzt und für einige Zeit zu einer gewissen Autonomie erweckt. N u r durch besondere Kunstgriffe kann schon reduzierte Komplexität wieder geöffnet. Dieser Zwang macht sich besonders spürbar bei Interaktionen von Angesicht zu Angesicht. während der Kläger noch die Klage begründet. 45 . durch Regeln der Zulassung von Personen und der Einführung von Themen. finden sich bei Erving GofTman: Encounters. D e r Richter kann nicht schon das Urteil begründen. neue Unsicherheit geschaffen. S. und im allgemeinen weckt ein solches Agieren gegen die Tendenz zur Entscheidung den Unwillen der anderen Beteiligten. Durch Regeln der Irrelevanz. wenn es zu spät versucht wird. in die keine Zeitpuffer (etwa: schriftliche Mitteilungen) eingeschaltet werden können . besonders. 293 ff. Two Studies in the Sociology of Interaction. Berlin 1 9 6 4 . Infolge des Zwanges zur Synchronisation wird die Interaktion für den einen zu langsam.also bei mündlichen Verhandlungen. Indianapolis Ind. forcierte Geduld und Nichtmitkommen werden erkennbar. für den anderen zu schnell ablaufen. 1 9 6 1 . Verspätete Proteste sind unglaubwürdig. Jeder muß auf das Rücksicht nehmen. Während der Anwalt sich so langweilt. In dem Maße. Siehe auch Nikias Luhmann: Funktionen und Folgen formaler Organisation. Sie müssen sich daher auf ein gemeinsames Tempo einigen. Äußerungen binden. Man kann nicht vorauslaufen.

Die Beteiligten müssen ihre Beziehung erst anwärmen. Das. finden und ist so taktisch unterlegen. können sogar die Normen der sozialen Interaktion sich ändern. die Konsequenzen seines Handelns vorauszusehen und sich an mutmaßlichen Wirkungen zu orientieren. In solchen Situationen hat der Schnellere. Das gilt vor allem für Gerichtsverfahren. Er hat die Chance größerer Rationalität und größeren Einflusses auf den Verlauf der Dinge. Der Richter darf nicht am Anfang schon ungeduldig sein. Diese Unterlegenheit bewirkt auch. bevor ein freierer Ton. Er muß handeln — und kann erst nachher definieren. bevor er sich den nächsten Schritt überlegt hat. Er wird durch die Situation regiert oder doch zu ständigen Kompromissen zwischen seinen Endzwecken und dem in der Situation Erforderlichen genötigt. wesentliche Vorteile. ob die Beteiligten unterstützend oder sanktionierend aufeinander reagieren und in welche Richtung die Geschichte des Verfahrens dadurch gelenkt wird. er kann sein Maß nur in den gerade aktuellen Zumutungen öder in seinem eigenen Zustand. Daneben aber gibt es normative soziale Verhaltenserwartungen. muß sein Klient handeln. von deren Beachtung es abhängt. was zuvor sich ereignet hat. Er findet Zeit. Natürlich werden und bleiben die Rechtsnormen als konstant vorausgesetzt. Als Folge der Geschichte des Verfahrens und abhängig von dem. Der Langsamere dagegen findet sich immer wieder unter Zugzwang. daß der Langsamere den die Situation regierenden Erwartungen stärker ausgeliefert ist. sich wechselseitig Vertrauen verdienen durch Entgegenkommen in Ton und Stil oder auch in der Sache. sofern nicht auch dies von seinen schnelleren Partnern für ihn besorgt wird. verschiebt sich laufend. was erforderlich zu sein scheint. und das ist typisch der geschulte und erfahrene Teilnehmer.kann. was er getan hat. etwa in seiner Verstocktheit. aber auch der. wenn der Verlauf des Verfahrens den 46 . sondern erst. ein deutlicher Angriff vorgetragen werden kann. und dadurch Punkte verliert. daß er nicht bei der Sache ist. Spielregeln der Interaktion. Ähnlich wie auf einer Party oder bei einer Liebelei ist nicht gleich anfangs schon alles erlaubt. der relativ wenig eigene Handlungen beisteuern muß. also an der Gegenwart statt an der Zukunft. Er muß sich an den Forderungen des Augenblicks orientieren.

Bricht einer der Beteiligten in Tränen aus. weitere Merkmale und damit auch die Funktionen rechtlidh. Wendet man diese systemtheoretische Konzeption auf das Verfahren an. Gerade diese Absorption von Ungewißheit durch selektive Schritte macht den Sinn des Verfahrens aus. nicht auf den Rechtsnormen beruhende Leistung erkennen. also noch offene Komplexität in sich aufnimmt. Die Beteiligten können Kredit gewinnen oder verspielen and je nachdem eine andere Garnitur von Interaktionsregeln in Geltung setzen. und darüber läßt sich angesichts der Kleinheit und Übersichtlichkeit des Systems relativ rasch Konsens herstellen. geregelter Verfahren zu begreifen. Die Vorstellung eines relativ autonomen Handlungssystems ermöglicht es. K u r z : Wie typisch für alle Systeme elementarer Interaktion. läßt sich dessen Eigenleben in zeitlicher. Dabei ist nicht nur eine ritualistische Fehldeutung zu vermeiden. kann das vorübergehend seine Verfassung zum Thema werden lassen und eine langsamere Gangart oder einen menschlicheren Ton rechtfertigen. Die Ausbildung eigentümlicher Verfahrensrollen. sondern auch eine historische Betrachtungsweise. unterliegen die jeweils konkret fungierenden Normvorstellungen laufender Revision. die dem einzelnen Verfahren seine besondere Note geben. die das Verfahren als eine Kette objektiver. bei der Sache und verhandlungsfähig bleiben. macht eine Abgrenzung gegenüber der Umwelt nicht verfahrenszugehöriger Informationen erforderlich und bedingt eine gewisse Autonomie des Entscheidungsvorgangs. die sich erst 47 . sachlicher und sozialer Beziehung studieren und dessen eigene. daß die meisten und jedenfalls die wesentlichsten Handlungen. N u r weil die Struktur des Verfahrenssystems Verhaltensmöglichkeiten offenläßt. sofern nur die Beteiligten als Partner intakt. die sie noch auszufüllen haben und die daher Persönlichkeiten mit ihren Selbstdarstellungen und ihren anderen Rollenbeziehungen in das Verfahren hineinzieht und bindet.Ubergang zu einer anderen Einstellung trägt. kann das Verhalten der Beteiligten als eine Rolle angelegt sein. gleichsam schon abgelaufener Handlungen sieht und dabei außer acht läßt. in einem Horizont von Ungewißheit und mehr oder weniger scharf konturierten anderen Möglichkeiten gewählt werden.

die je nach den Umständen durch besondere Vorschriften verstärkt oder abgeschwächt werden kann. Die Ehefrau kann von ihrem Mann nicht fordern. daß er den Mietkündigungsprozeß gewinnt. wenn sie im Verfahren nicht unsinnig oder erfolglos handeln wollen. Umgekehrt schirmt das Verfahren sie ab gegen Folgenverantwortung in anderen Rollen . sondern in erster Linie als Kläger. Sie kann ihn zwar vor seinem Auftreten vor Gericht beraten. sondern nur durch Teilnahme an Abstimmungen oder durch Beeinflussung von Stimmabgaben. Er ist jedoch notwendiges Korrelat jeder Spezifikation von Verantwortlichkeit. also nach den dort geltenden Spielregeln. Der Arbeitgeber kann nicht verlangen. die Eigengesetzlichkeit 14 14 Daß Rollen immer auch diesen Entlastungsaspekt haben. Briefmarkensammler oder Methodist — er kann zum Beispiel als seinen Leistungsbeitrag nicht anbieten. den Kandidaten die Haare zu schneiden oder für sie zu beten -. kann dieses Auftreten aber nicht nach den Erfordernissen eines harmonischen Familienlebens steuern. wirkt wie ein Filter. daß seine Arbeiter in der Wahl zum Erfolg einer bestimmten Partei beitragen. 48 . sondern er bleibt an die Rolle des Wählers gebunden. Ein Wähler handelt in der politischen Wahl nicht primär als Friseur. in der er allenfalls einige Motive aus anderen Rollenzusammenhängen »berücksichtigen« kann. Abgeordnete können im Parlament die Interessen der Konservenindustrie nicht durch Verkauf von Konserven oder durch Werbung für Konserven fördern.in systemspezifischen Kommunikationsprozessen konkretisieren. bewirkt eine Rollentrennung zwischen dem Verfahren und seiner Umwelt. und muß sich entsprechend disziplinieren. Solche Rollentrennung. Die Beteiligten können sich nur nach Maßgabe des Verfahrenssystems durch ihre anderen Rollen motivieren lassen und typisch nicht durch alle anderen Rollen oder durch alle Erfordernisse anderer Rollen. das heißt eine Ausdifferenzierung des Verfahrens aus der Gesellschaft auf der Ebene der Rollen. »Hintermänner« aus anderen Rollenbeziehungen sind mithin gehalten. Ehemann. Selbst in Scheidungsprozessen handelt der Kläger nicht primär als Ehemann. wird in der soziologischen Rollentheorie noch relativ selten gesehen. sondern nur nach den Erfordernissen gerichtlicher Verfahren.

Komplexität für das System. und erst das Sicheinlassen auf sie durch andere Teilnehmer reduziert. den sie auswählten) Gegenstand weiterer Kommunikation. wenn nicht öffentlich. akzeptiert werden. daß Rollen im Verfahren konkurrierend. 2 3 3 .2 6 4 . so doch ihren Mittelsmännern gegenüber. Roby: Commitment. Die relative Autonomie des Verfahrens auf Verhaltens. Sie muß durch die Systemstruktur zugelassen werden. aber sie bleiben in ihrer Selektivität (und nicht nur mit dem Sinn. daß dies (und nichts anderes) geschehen w a r oder geschehen soll. diese hätten sich nach den Maßstäben des Verfahrens ungeschickt verhalten. Behavioral Science 5 (i960). welche die Komplexität steigern und damit Entscheidungsschwierigkeiten und Unsicherheit erhöhen . weshalb es schwierig sein dürfte. 16 Das ist einer der Gründe. Verbindliche Entscheidungen müssen auch von indirekt Beteiligten. Autonomie des Verfahrens und sichtbare Selektivität der zur Entscheidung führenden Kommunikationen sind ferner Voraussetzung dafür. da der einzelne nur mit sozialer Unterstützung akzeptieren kann. S. die wir erörtert haben. wenn nicht gar kontradiktorisch gegeneinandergesetzt werden können. sie müssen etwa mitteilen. Siehe in diesem Zusammenhang auch den Versuch einer spieltheoretischen Behandlung bei Thornton B. 49 . so weit es reicht. Dafür ist nämlich jene eigentümliche Orientierung an reduzierter und doch erhaltener Komplexität. in diesem Bereich mit der mathematischen Informationstheorie zu arbeiten. und solche soziale Generalisierung ist. Sie werden als bloße Kommunikation und nicht als Teilentscheidung behandelt. in dem jeder Entscheidungsschritt den von anderen ausgewählten Sinn kritiklos als Prämisse über15 16 15 Vgl.und auf Rollenebene trägt somit zur sozialen Generalisierung des Ergebnisses bei. oben S. ohne ihren am Verfahren beteiligten Partnern Vorwürfe machen zu können.des Verfahrens zu respektieren. In einem solchen System sind also Informationen zugelassen. es sei denn. Die Kommunikationen der Beteiligten müssen zwar Selektionsleistungen erbringen. wesentliche Bedingung für die Legitimation der Entscheidung. 3 4 . Der Gegenfall wäre ein System.und verhaltensbestimmenden Möglichkeiten Vorbedingung. wie wir im Kapitel über Legitimität gesehen haben . und müssen daher auch das Ergebnis akzeptieren. an negierten und doch noch sinn.

oder Optimierungsverfahren geleistet. ihrer Subjektivität. Sie eignet sich zu beidem. Es handelt sich nicht um instrumentale oder funktionale Alternativen im Sinne von anderen geeigneten Mitteln oder äquivalenten Problemlösungen. und so 2u einer Entscheidung zu kommen. Eine Verfahrensstruktur kann dank dieser größeren Komplexität im System selbst Kritik und Alternativen erzeugen und eine Zeitlang offenhalten . Die Reduktion dieser subjektiven Komplexität. das Eliminieren dieser kontradiktorischen Alternativen wird daher weder durch eine rein logische Konsistenzkontrolle noch durch ein wertorieniiertes Auswahl. Hunt und anderen ab. Typisch verschmelzen Verfahren daher beide Funktionen. darauf kann hier nur anmerkungsweise hingewiesen werden. schwache Stellen zu finden und zu generalisieren. also Schritt an Schritt anschließt und die Komplexität der Ausgangssituation dadurch zügig reduziert wird. daß Informationen von entgegengesetzten subjektiven Standpunkten aus und in deren Interpretationshorizonten einen je anderen Sinn erhalten können. Harvey/David E. die Komplexität und die Widersprüchlichkeit der möglichen Kommunikationen großer. Schröder/Michael J. New York-London 1 9 6 1 . Demgegenüber ist das Entscheidungstempo eines Systems. Es braucht deshalb nicht jeweils geklärt zu werden. Hunt Harold M. J. Das macht es möglich. 18 Sehr ähnliche Vorstellungen über den Unterschied von einfacheren und komplexeren Systemen zeichnen sich in der psychologischen Systemtheorie von Schröder. beruhen vielmehr darauf. Siehe neuestens Harold M. Verfahren können daher Funktionen übernehmen. 17 18 17 Die Struktur dieser kontradiktorischen Alternativität verdiente. der sie entstammen. Konflikte unter der Ideologie gemeinsamer Wahrheitssuche auszutragen. Driver/Siegfried Streufert: Human Information Processing. namentlich Funktionen der kooperativen Wahrheitssuche von divergierenden Standpunkten aus und Funktionen des Darstellens und Austragens von Konflikten . besondere Aufmerksamkeit und sorgfältige Erforschung. Diese Technik erlaubt es. welche Funktion in einzelnen Kommunikationen oder einzelnen Verfahrensabschnitten dominiert. 5° .die Umwelt muß ihm also mehr Zeit bewilligen dafür aber ist die Offenheit. Harvey. Schröder: Conceptual Systems and Personality Organization. Dabei wird zwischen Kooperation und Konflikt durch die Struktur des Systems nicht vorentschieden. sondern primär durch Bewußtmachen ihres perspektivischen Zusammenhanges. Individuais and Groups Functioning in Complex Situations. die ein Verfahren eröffnet. Die Alternativen. New York 1 9 6 7 . mit Aufdecken eines Fehlarguments oder einer Lüge ganze Sichtweisen zu diskreditieren oder umgekehrt überzeugende Kommunikationen der Perspektive anzurechnen. geringer . die einfacheren Systemen verschlossen sind. das sich nicht auf jede Kommunikation definitiv verläßt.nimmt. ferner namentlich O.

zum Beispiel durch Bezahlung. Einerseits gibt es typisch hauptberuflich oder ehrenamtlich Beteiligte. daß eine Entscheidung zustande kommen wird. mit eigenen Reduktionsversuchen zum Fortgang des Verfahrens beizutragen. Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften 51 ( 1 8 6 5 ) . die Gewißheit. wie zum Beispiel bei politischen Wahlen mit feststehender Einheitsliste oder bei »Schauprozessen«. Der Komplexität des Systems entsprechend muß die Offenheit der Entscheidung in die Verhaltensmotivation eingehen. und sie wird in der Tat als mitwirkendes Motiv ausgenutzt. auf einzig-richtige Handlungen hin formalisierten Regelung des Prozesses ergaben.1 7 2 . 100 ff. Sie hatten also die Funktion. Für sie wird die Offenheit der Entscheidung zur Aufgabe. das heißt durch gewisse Nebenbedingungen der Darstellung des Verhaltens entschärfen. Auf diese Weise lassen Konflikte sich »regeln« . Sie dienten als institutionalisierte Fallen. Alle anderen Beteiligten müssen durch das einzelne Verfahrenssystem selbst zu sachgerechter Mitwirkung bewegt werden. die Annahme einer Rolle und damit auch des Rollenkontextes. 20 Diese Ungewißheit der Sachentscheidung muß von älteren Formen des Prozeßrisikos unterschieden werden. dann liegt kein eigenständiges Verfahren vor. sondern eine ritualistische 19 20 19 Dazu näher unten S. die durch Arbeit erfüllt werden muß. der die Ungewißheit schrittweise absorbiert . Die Ungewißheit motiviert. S. 1 2 0 . Besonders diese Ungewißheit des Ausgangs ist verfahrenswesentlich. 51 . Sie gibt den Beteiligten den Anreiz. der nach den Regeln des Verfahrens zur Entscheidung führt. mit anderen Worten. Hierfür sind die folgenden Komponenten wesentlich: Ein eigenes Interesse am Thema.im ganzen ein Symptom für geringe Ausdifferenzierung. motiviert werden müssen. die an vielen Verfahren mitwirkend und entsprechend unspezifisch. auf die die klassische Verfahrenskonzeption unkritisch hereingefallen war.eine Vorstellung. Dazu mit viel Material Heinrich Siegel: Die Gefahr vor Gericht und im Rechtsgang. Autonomie und Komplexität des Prozeßsystems. die sich aus der ritualistischen. welche Entscheidung es sein wird. Dieser Struktur und diesen Funktionen rechtlich geregelter Verfahren entspricht die Motivlage. und die Ungewißheit. die den Prozeß ohne sachliche Prüfung zur Entscheidung brachten. hält ihre Hoffnung wach und lotst sie zugleich auf den Weg. Fehlt es an solcher Ungewißheit. angesichts geringer Sachentscheidungskapazität der Richter mehr Risiken auf die Parteien abzuwälzen .

Quickborn 1966). und ausführlicher ausgearbeitet in: James G. in: Ders. Simon: Organization. Entsprechend gibt es Entscheidungssituationen und -verfahren mit bestimmter und mit unbestimmter Komplexität . New York i960. u. ö. 1 7 2 fr. 26 ff. unbestimmte Komplexität dagegen in der politischen Wahl und der Gesetzgebung . Diese wiederum ist davon abhängig. (dt. 1 9 5 7 . In: Research Frontiers in Politics and Government. S. Nicht oder nicht angemessen einbezogen sind dabei zweckprogrammierte Entscheidungen und Rekrutierungsentscheidungen. j ff. New York-London 1 9 5 8 . So hat namentlich das programmierte Entscheiden zumeist auch präjudizierende Wirkungen. Im politischen System finden wir bestimmte Komplexität typisch in den rechtsanwendenden oder zweckausführenden Entscheidungsbereichen. S. als vielzitäerte Beispiele die Entgegensetzung von Routineentscheidungen und kritischen Entscheidungen (Führungsentscheidungen) bei Philip Selznick: Leadership in Administration. Brookings Lecture 1 9 5 5 . 22 Da die Unterscheidung funktional getroffen ist. 1 4 1 ff. Y.-White Plains N.: Perspektiven der Automation für Entscheider. A Sociological Interpretation. erreichen aber zumeist nicht den für unsere Zwecke notwendigen Abstraktionsgrad. die ein Verfahrenssystem benötigt. Letz21 22 21 Einteilungen dieser Art finden sich in der organisationswissenschaftlichen Literatur häufig. Evanston IU. March/Herbert A. Funktionen und Antrieben und für das Begreifen ihres inneren Zusammenhanges dient uns die Vorstellung einer begrenzten. S. Simon: Recent Advances in Organization Theory. Ubers. 52 . die dann auch extern motiviert werden muß. S.. Zugleich gewinnen wir aus diesem Grundgedanken einen Anhaltspunktfür die Gliederung der folgenden Einzeluntersuchungen.: The New Science of Management Decisión. 1-20 (2). Mit ihr können wir die klassische Be^ S t i m m u n g des Verfahrens durch Wahrheit als Zweck ersetzen. Als Angelpunkt für das Verständnis von Struktur. 2 3 . Vgl. wieweit im Entscheidungsprozeß Entscheidungsprämissen vorausgesetzt oder erst geschaffen werden müssen. wie weit Entscheidungsprozesse in der Wirklichkeit entsprechend differenziert sind. ders.siehe namentlich Herbert A. hängt wesentlich von der Komplexität der Entscheidungsaufgabe ab.).4 4 (38 ff.Darstellung der Werte eines anderen Systems. Die Eigenkomplexität. also programmierende SeitenefTekte. hat sie zunächst nur analytischen Wert und läßt offen. Als Parallele aus der allgemeinen Systemtheorie siehe ferner die Unterscheidung von organisierter und niduorganisierter Komplexität von Ludwig von Bertalanffy: General System Theory. oder die von Simon wiederholt formulierte und auf andere organisatorische Variablen bezogene Unterscheidung von programmiertem und nicht programmiertem Entscheiden . A Critical Review.. systemeigenen Komplexität des Verfahrens. Soviel laßt sich für Verfahren schlechthin ausmachen. General Systems 7 (1962). Washington 1 9 5 5 .

zum Beispiel an eine begrenzte Zahl namentlich genannter Kandidaten für die Wahl oder an die Masse vorliegender Rechtsnormen. wer entscheiden und was entschieden werden soll. Im folgenden Teil unserer Untersuchungen wenden wir uns ausführlich dem programmierten Entscheiden zu. und zwar speziell den rechtsanwendenden Verfahren der Gerichte. Auch historisch gesehen bilden diese Verfahren die ältere und elementarere Verhaltensordnung. Hier stellt das Problem der Legitimation durch Verfahren sich relativ konkret und empirisch. die als Prämisse und nicht als Problem behandelt werden . Von ihnen geht daher eine Modellwirkung aus. die mitbedacht werden müssen.eben durch Wahl und Gesetzgebung. ebenfalls an vorgegebene Sinnstrukturen anlehnen. 53 .und Programmierungsentscheidungen . und ihre Institutionalisierung stellt weit geringere Anforderungen an die Gesellschaft und ihr politisches System als die Verfahren der politischen Wahl und der Gesetzgebung. in die ein neues Gesetz eingepaßt werden muß. da bei völlig unbestimmter Komplexität kein Sinn zu finden ist. daß erstere zum Zuge kommen können. die Komplexität politischer Situationen so weit zu reduzieren.tere dienen dazu. und unprogrammiertes Handeln muß sich. Sie gehören zum Grundbestand abendländischer Rechtskultur. die in groben Zügen festlegen. Erst danach können diese sehr viel problematischeren Verfahren der Reduktion unbestimmter Komplexität behandelt werden. Das geschieht durch Rekrutierungs.

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Gerichtsverfahren .Ii.

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Die Notwendigkeit und Nützlichkeit detaillierterer rechtssoziologischer Untersuchungen soll natürlich nicht bestritten werden. riskanten Unternehmens. die Beweislastregeln. und ihre mehr oder weniger apokryphe. deretwegen man »allein auf Grund des Verfahrens« verlieren oder gewinnen kann. Man kann in gewissen Fällen vom eigenen Unrecht überzeugt sein und als geständiger Verbrecher oder als zahlungsunfähiger Schuldner doch vor Gericht gezogen werden. Besonders diejenigen.Dieser Teil behandelt rechtsanwendende Verfahren und orientiert sich dabei an Gerichten. im Verwaltungsgerichtsprozeß gibt es eine solche Konstellation kaum. im Verhältnis von Bürger und Staat prin- 57 . Die Differenz zwischen dem im voraus fixierten eigenen Standpunkt und dem Urteil. Überhaupt differenzieren die Perspektiven von Klägern und Beklagten sich im Zivilprozeß anders als im Strafprozeß und wieder anders im verwaltungsgerichtlichen Verfahren. eine für den Legitimierungseffekt sicher wichtige Variable. Mit Sicherheit hat zum Beispiel das Akzeptieren eines Straf Urteils andere psychische und soziale Voraussetzungen. haben im Zivilprozeß eine andere Bedeutung als im Strafprozeß. Das kann für die Rolle der Beteiligten und ihre Bereitschaft. Von den beträchtlichen Unterschieden der Verfahren in den einzelnen Gerichtssparten sehen w i r dabei im großen und ganzen ab. als sie im Falle der Zivilgerichtsbarkeit oder der Verwaltungsgerichtsbarkeit zu beobachten sind. mag in den einzelnen Verfahrensarten sehr verschieden sein. wo der Delinquent überführt werden muß. von Bedeutung sein. da das in verwirrende Details hineinführen würde und dann auch die Unterschiede der einzelnen Rechtsordnungen mehr als in diesem Rahmen möglich beachtet werden müßten. Gewiß gibt die Parteiherrschaft über den Zivilprozeß dem Verfahren stärker den Charakter eines eigenen. besonders für den Kläger. durch vielfältige Distinktionen zersplitterte Existenz im verwaltungsgerichtlichen Verfahren ist ein Symptom für die Schwierigkeit. Urteile anzunehmen. Auch die typisch entscheidungswichtigen Verfahrensnormen variieren.

All das könnte für das Problem einer Legitimation durch Verfahren auf vielfältig vermittelte Weise relevant sein. die durch Rechtsvorschriften. empirisch faßbare Handlungssysteme zu erkennen.und Sozialgerichtsbarkeit von den klassischen Formen der Z i v i l . das für alle Gerichtsverfahren bezeichnend ist. sondern mit einem Ordnungsinteresse hervortritt.und Straf Justiz trennen: Jene sind mit der aktuellen politischen Entscheidungspraxis des modernen Gesetzgebungsstaates eng verbunden und müssen eine rasch fluktuierende Gesetzgebung gleichsam mitlegitimieren.zipielle Rechtsvermutungen zu begründen. die solche Verfahren erfüllen. die dabei ins Spiel kommen. ein allgemeines Urteil zu gewinnen über die Funktionen. aber auch durch gesellschaftlich institutionalisierte Übung und schließlich durch fallweise sich herausbildende Verhaltenserwartungen gesteuert werden. während in der Zivil. Deuten und Überprüfen dieser Unterschiede. adaptiv darstellt. Zunächst gilt es. die dabei zu lösen sind. und diese Verfahren als geordnete. Eine andere Perspektive könnte die Verwaltungs-. Dafür kann hier nur eine Vororientierung gegeben und eine Fragestellung ausgearbeitet werden. 58 . über die Probleme. das Gemeinsame zu sehen. und über die sozialen Mechanismen. Schon das ermöglicht es. das sich auf relativ konstante Überzeugungen in der Gesellschaft stützen kann. variabel. Unser Ziel ist indes nicht ein Ausgraben. Finanz.und Straf Justiz der Staat sich nicht als Gestalter der gesellschaftlichen Wirklichkeit aggressiv.

In allen Gesellschaften von einiger Komplexität müssen Verfahren daher auf zeitsparende Weise durch Wahl eines vorkonstituierten Typs »eingeleitet« werden. den Zusammenhang mit Strukturen und Ereignissen außerhalb des Verfahrens abzubrechen. und über diesen Zusammenhang müssen wir zunächst Klarheit schaffen. Dabei geht es nicht darum. das nach vererblichen Regeln den Organismus in kürzester Zeit aufbaut. und sie geht so weit. Ausdifferenzierung Wie alle Systeme konstituieren sich Gerichtsverfahren durch Ausdifferenzierung. Auch das wäre nämlich zeitraubendes Warten auf Zufall und würde so viel Zeit kosten. eine Sinnsphäre für sich zu konstruieren. Die in ihm vorgesehene Verselbständigung kann mehr oder weniger weit gehen. durch Festigung von Grenzen gegenüber einer Umwelt. In einigen Hinsichten läßt sich dieser Vorgang dem der Zeugung und Geburt vergleichen. so daß selektive Prozesse der Verarbeitung von Umweltinformationen durch systemeigene Regeln und Entscheidungen gesteuert werden können.das würde viel zuviel Zeit kosten. Das Ausmaß möglicher Ausdifferenzierung hängt mit anderen Strukturen der Gesellschaft zusammen. wie die Entscheidungsmöglichkeiten des Systems reichen. Ausdifferenzierung kann mithin nur durch Autonomsetzung von Verfahren vollzogen werden./. 59 . Organismen entstehen bekanntlich nicht durch Neuentwicklung immer wieder aus reinem Zufall . Dieser Typus ist als Programm für relativ ausdifferenziertes Verhalten kulturell schon vorhanden. Auch Verfahren werden nicht etwa von Fall zu Fall erfunden und vereinbart. daß also Strukturen und Ereignisse der Umwelt nicht automatisch auch im System gelten. Vielmehr kommt es nur darauf an. daß unterdessen die Ordnung der Gesellschaft zerfiele oder doch in äußerst primitive Zustände zurückfiele. so daß ein Erfolg extrem unwahrscheinlich wäre -. sondern erst nach Filterung von Informationen anerkannt werden. sondern sie bilden sich durch Ingangsetzen eines vorkonstituierten Selektionsprogramms. Gerichte sind keine Gefängnisse. Ausdifferenzierung heißt nicht kausale oder kommunikative Isolierung.

und nur. wird das Verfahren irrelevant. 2 Man darf natürlich vermuten. Von deren alternativenloser Glaubenssicherheit ist die Überzeugungskraft und Legitimität der Entscheidung abhängig . 1 2 1 Einen guten Überblick. S. welche die Ungewißheit durch Gottesurteil beseitigt. welche die Zufälligkeit des Ausgangs solcher Gottesurteile reduzierten. so daß nur murmaßlich Schuldige das Gottesurteil zu bestehen hatten. 60 . der rollenabhängige Beweis und der freie Beweis.. daß dieser Prozeß durch verfahrensinterne und nicht durch externe Kriterien gesteuert wird. daß es latente Mechanismen gab. Die Ausdifferenzierung von Verfahren bezieht sich auf den Prozeß der Absorption dieser Ungewißheit und besagt. Etüde de socioiogie juridique. die Entscheidung des Gerichts durch Klärung einer Teilfrage vorzubereiten. Soweit es solche Entscheidungen gibt und man sie finden kann. In ganz grober Schematisierung und ohne Behauptung einer notwendigen historischen Entwicklungsfolge lassen sich drei Formen des Z u sammenhangs der Beweisführung mit außerverfahrensmäßigen Gesellschaftsstrukturen unterscheiden: der Gottesbeweis. 161 ff. ja nicht einmal die Gesellschaft als Ganzes maßt sich an. etwa ein informales. wie man zu ihr gekommen ist. Einen Entfaltungsspielraum als soziales System hat das Verfahren nur deshalb. v. Mehr Einzelheiten bei Richard Thurnwald: Die menschliche Gesellschaft in ihren ethno-soziologischen Grundlagen. so daß die Gottesurteile im großen und ganzen auf die Bestätigung einer schon eingelebten Ordnung hinausliefen. Auf diese Weise konnten dann auch Status. gibt Henry Levy-Bruhl: La preuve judiciaire. wenn auch ohne systemtheoretische Verarbeitung. Die Entscheidungsfindung ist Bestandteil der magisch-religiös fundierten Lebensordnung.Die Einsicht in die Bedeutung dieser Frage wird durch das Ideal einzig richtiger Entscheidungen erschwert. Paris 1964. Berlin-Leipzig 1 9 3 4 . weil in Fragen des Rechts und der Wahrheit Ungewißheit besteht. In der ersten Form dient der Beweis nicht dazu. soweit diese Ungewißheit reidit. sondern er provoziert eine Entscheidung höherer Mächte. entscheiden zu können. Am deutlichsten läßt die institutionelle Entwicklung ausdifferenzierter Verfahren sich im Beweisrecht beobachten . 14s ff. Rollen und soziale Beziehungen des einzelnen Berücksichtigung finden. insbes. Das Verfahren selbst hat keine Autonomie. Die Richtigkeit der Entscheidung hängt nicht davon ab. gerüchtartiges Vorsondieren außerhalb des eigentlichen Verfahrens. Bd.

im Ahnenkult. sich bewährt oder versagt hat. als Krieger. eingelebte Rollendifferenzierung mit entsprechend spezifizierten Relevanzkriterien voraus . Einfachere Gesellschaften sind nicht oder nur sehr unvollkommen in der L a g e .Die rollenabhängige Beweisführung hat demgegenüber eine sehr viel größere Anwendungsbreite. kommen daher zahlreiche Rollen der Beteiligten in den Blick. für Konfliktsfälle dagegen schwer und entwicklungsfähig erst relativ spät zu institutionalisieren ist. aber die Beurteilung. Nadel: Reason and Unreason in African Law.. 6l . Diese Frage hat sozusagen als Gleitbahn der Ausdifferenzierung von Gerichtsverfahren gedient. Rollen zu trennen. und dazu Siegfried F. für einfachere Gesellschaften Max Gluckman: The Judicial Process Among the Barotse of Northern Rhodesia. nicht aber in den Kriterien der Beurteilung des Verhaltens von anderen Rollen trennen. Manchester 1 9 $ $ . Sie reicht von der Institution der Eideshelfer. die sich für das Normalverhalten schon recht früh anbahnr. Die rollenabhängige Verhaltenswürdigung und Beweisführung kann mehr oder weniger ausgeprägt vorliegen und mehr oder weniger nach verfahrensspezifischen Kriterien rationalisiert werden. Auch sie aktivieren natürlich situationsweise verschiedene Rollen — in der Familie tritt man nicht als Krieger auf-. S. Kritik und Kontrolle des Verhaltens in einer Rolle ist konkret an die Person gebunden und nicht unabhängig von dem Verhalten in anderen Rollen möglich. Gerade in Rechtsverfahren. Und ebenso ist für die Würdigung einer Zeugenaussage die Rollengesamtheit einer sozialen Persönlichkeit und ihre Resonanz im Leben einer übersehbaren Gemeinschaft von Bedeutung. jedoch auf Ansätze zur Selektion relevanter Rollenausschnitte auch in den Reditsverfahren einfacherer Gesellschaften hinweist. als Mitglied des Stammesrates usw. 3 Der Unterschied zwischen den Verfahren einfacherer Gesellschaften und den heutigen Gerichtsprozessen darf jedoch nicht überspitzt werden. 18 ff. insbes. Vgl. S. die als Verwandte 3 Die Trennung von Recht und Moral setzt mithin starke. der im wesentlichen zustimmt. ob der Mann als Produzent.1 7 3 ( 1 7 0 f.). Africa 26 ( 1 9 5 6 ) . die aus Anlaß von Konflikten und Enttäuschungen entstehen. und ihr Verhalten wird einer moralischen Gesamtwürdigung unterzogen . 1 6 0 . So lassen sich denn auch die Rollen im Verfahren nur situationsmäßig.eine sozialstrukturelle Errungenschaft. In der Frage des Verstoßes gegen eheliche Pflichten kann nicht ignoriert werden.

: Gesellschaft und Freiheit. namentlich Zeugen. I I .verpflichtet waren. vor Gericht die Unwahrheit zu sagen. Sie kann aber auch durch zunehmend rationalisierte Erwägungen in die verfahrensinterne Kontrolle einbezogen werden ..1 9 6 . si duo sunt pauperes pro una parte et duo divites pro alia. die Wahrheit zu sagen. dem Richter mit anderen Worten als Daumenregel empfiehlt. daß zum Beispiel Angehörige höherer Gesellschaftsschichten vor Gericht größere Glaubwürdigkeit genießen und es auch leichter haben. dt. was je nach den Umständen Steigerung oder Minderung der Ungewißheit bedeuten kann. Die Relevanz anderer Rollen ist eine variierbare (und darum entwicklungsgünstige) Größe. 260-275 (273 ff. S. Stuttgart 1964. In diesen Fällen dient die Orientierung an anderen Rollen der Verfahrensbeteiligten dazu. Dasselbe Lehrbuch mißt dem Bildungsstand für die Glaubwürdigkeit von Zeugen hohe Bedeutung zu und zitiert. Ubers. daß selbst dieses renommierte Lehrbuch der Gerichtspsychologie ziemlich kategorisch behauptet. zusammengetragen. daß Polizeibeamte geneigt sind. 2 3 4 ) .Erwägungen etwa der Art. S. ohne sich deutlich zu distanzieren. Neu gedruckt in: Ders. S. ( 1 9 5 9 ) . 2 J 4 ff. als die 4 5 6 4 Zahlreiche Fälle. andere Beteiligte. praefero divites! 6z . Bd. Ein Beitrag zur Soziologie der deutschen Oberschicht. 2 5 . S.). und deshalb Vertrauen verdienen. Hamburger Jahrbuch für Wirtschafts. GrazWien-Köln o. aus dem Konzept zu bringen . Berlin 1966. 1 7 6 . Geistliche. ohne daß ihre Glaubwürdigkeit zum Problem wurde. ihren Angehörigen vor Gericht beizustehen. eine Formulierung von Butrigarius: Testes in summa paupertate non crederem. 2 3 1 f. insbes. Bemerkenswert ist übrigens. Zur soziologischen Analyse der Gegenwart München 1 9 6 1 .und Gesellschaftspolitik 5 (i960). daß selbst Richter sich von eigentlich nicht relevanten anderen Rollen der Verfahrensbeteiligten beeindrucken lassen. bis hin zu der noch heute zu beobachtenden Tatsache. Sie kann mit hoher Selbstverständlichkeit unterstellt werden und wird dann vom Entscheidungsthema selbst gar nicht oder kaum unterschieden.. daß hochgestellte Politiker. Prostituierte dagegen zu lügen. Lehrer es sich gar nicht leisten können. Auch ist zu vermuten. J . 5 Siehe auch die allerdings nicht näher belegten Spekulationen über ein schichtenabhängiges Gesellschaftsbild des deutschen Richters von Ralf Dahrendorf: Bemerkungen zur sozialen Herkunft und Stellung der Richrer an Oberlandesgerichten. S. daß Zeugen ihre Aussagen mit Rücksicht auf eigene außerprozessuale Rollen färben . die das erkennen lassen. hat Hans von Hentig: Entlastungszeuge und Entlastungstechnik. auch Klaus Zwingmann: Zur Soziologie des Richters in der Bundesrepublik Deutschland. In dem Maße. 6 Hierzu siehe Enrico Altavilla: Forensische Psychologie. Vgl. sich an außerprozessuale Rollen zu halten (vgl. den Entscheidungsgang in eine bestimmte Richtung zu steuern.

prozeßfremde Rollen unberücksichtigt zu lassen. von ihren anderen Rol7 Friedrich Stein: Die Kunst der Rechtsprechung. wie ein bekannter Prozessualist befürchtete . auf die es zwei Antworten geben kann. allein die Aussagenden. so eingerichtet sein. S. J . 8 Zur psychologischen Seite vgl. Beispiele dafür dürften im Wandel der gerichtlichen Würdigung der Zeugenaussage von Polizeibeamten in den letzten hundert Jahren zu finden sein. die Parteien und Zeugen.Abhängigkeit des Verfahrens von anderen Rollen sich lockert. zu treffen oder vorbeizuschießen. muß wohl für alle Gesellschaften angenommen werden.3 9 . Es genügt nicht. o. Der Obergang wird dadurch vollzogen. daß sie zur Diskussion gestellt wird und in den Entscheidungsbegründungen erscheint als eine von mehreren möglichen Deutungen. 9 Daß solche Unempfindlichkeit gegen statusgefährdende Recherchen ihre Grenzen hat. 7 8 9 Distanzierung gegenüber dem gesellschaftlichen Hintergrund von Aussagen dient der Ausdifferenzierung von Verfahren. die im Verfahren selbst erarbeitet worden ist. wenn sie dies tolerieren will. kann rollenspezifisches Vertrauen in rollenspezifische Skepsis umschlagen. (37S f. daß Konfliktslüsungsmechanismen bevorzugt auf Talente zurückgreifen. daß solche gerichtlichen Untersuchungen ihr Rollengefüge im übrigen nicht erschüttern . die in höheren Rängen verbreitet sind. daß nicht doch andere Rollen der Beteiligten auf die Entscheidungsfindung einwirken.). dazu Johan Galtung: Institutionalized Conflict Resolution. nicht ohne weiteres auch entsprechendes Verhalten . 3 4 S . daß die Richtigkeit ihrer Aussagen vor Gericht als eine Frage behandelt wird. S. sondern als Freiheit. kann sie aber allein noch nicht sicherstellen. O. Er ist nicht gedacht als Freiheit. 63 . So gibt es Anzeichen dafür. 13. Erzbischöfe. Gotthold Bohne: Zur Psychologie der richterlichen Überzeugungsbildung. Journal of Peace Research 1965. Die Gesellschaft muß. Der Rechtsgrundsatz der freien Beweiswürdigung (§ 28 t? Z P O ) hat diesen Sinn. Parteisekretäre öder Wirtschaftsmagnaten darauf gefaßt sein. Immerhin müssen im Prinzip selbst Staatspräsidenten. Gewiß sichert der Rechtsgrundsatz nur entsprechende Begründungen. Rationalisierte Rollenberücksichtigung geht bereits in »freie Beweiswürdigung« über. Köln 1 9 4 8 . und daß Darstellungen vor Gericht in nicht allzu krassen Widerspruch mit der Statusordnung geraten. u. (Dresden 190c). Vgl. Er allein kann nicht verhindern. der allerdings die neueren Entwichlungen der Persönlichkeitstheorie unberücksichtigt läßt.

Die Kanalisierung und K o n trolle gesellschaftlicher Einflüsse durch Gesetzgebung. wenn die AusdirTerenzierung des politischen Systems und seiner Verfahren relativ weit 64 . mit anderen Worten. moralische und konsensfähige Urteilsgrundlagen herausfühlen zu können. Der Einfluß wird jetzt über rechtsbildende. sachlichem. welche Tatsachen in welchem Sinne für die Entscheidung relevant sind. Er kann und soll als Fremder entscheiden. denn Ausdifferenzierung kann natürlich nicht Rücksichtslosigkeit oder Unlenkbarkeit der Verfahren bedeuten. 10 10 Korruption in einem vorwerfbaren Sinne kann mithin erst auftreten. die ihn als Angehörigen einer bestimmten Familie oder Gesellschaftsschicht. also Positivität des Rechts. und nicht mehr unmittelbar den Vorstellungen des Wahren und Richtigen. eines Wohnbezirks usw. ist eine wesentlicheVoraussetzung gesellschaftlicher Autonomie des gerichtlichen Entsdieidungsganges. einer Kirche oder Sekte.len außerhalb des Verfahrens zu trennen. Mindestens zwei weitere Institutionen müssen sekundierend hinzutreten. die sich in einer für ihn überschaubaren Ordnung des sozialen Lebens durchgesetzt haben. Er kann so aus größerer Distanz operieren und ist nicht darauf angewiesen. sondern nur noch durch Übernahme einer Rolle im Verfahren selbst. Gleiches gleich behandelndem. in all den vielverzweigten Sachbereichen. Der Richter entnimmt sein Urteil dem geschriebenen Recht. von der Rücksicht auf seine eigenen anderen Rollen entlastet werden. Er muß. über die er entscheidet. unparteiischem Urteil institutionalisiert. Zumindest dienen sie nicht mehr der Formung legitimer Ansprüche und Erwartungen. eines Klubs. zu bestimmten Entscheidungen motivieren könnten. Ist diese Entlastung als Pflicht zu objektivem. Jede andere Einwirkung wird als Korruption diskreditiert . in dem definiert ist. Zum anderen muß die Rolle des Richters selbst mit ausdifferenziert werden. werden die partikularen Beziehungen zur Person des Entscheidenden neutralisiert. der Entscheidende kann nicht mehr als Corpsbruder. schließlich über ausdrücklich gesetzgebende Entscheidungen geleitet und auf diese Weise konzentriert und spezifiziert. Veteran. einer Partei. Nachbar angesprochen oder auf dem Tauschwege beeinflußt werden. Zum einen muß der gesellschaftliche Einfluß auf das Verfahren ein Ventil erhalten.

1 1 1 .Qualitäten. Riggs: The Ecology of Public Administration. S. Public Administration 40 (1962). 1 1 1 .: Thailand. Sie entzieht dem Verfahren zahlreiche Vereinfachungsmöglichkeiten. Auch die K r i t i k am Verfahren und an den Entscheidungen des Richters kann sich nicht an Rollenbindungen außerhalb des Verfahrens stützen.und Wirtschaftsgeschichte 44 ( 1 9 1 7 ) . und ders. London 1 9 6 1 . 2 3 5 ff. Selbst die persönliche Lebenserfahrung und das persönliche Wissen des Richters . W. die in komplexen.3 2 4 . S. i StGB.man soll seinen Nächsten helfen! Das haben namentlich neuere Untersuchungen aus Entwicklungsländern gelehrt. S. u.. Wertheim: Sociological Aspects of Corruption in Southeast Asia. 386-430 treffend mit der Formulierung: ^Political organizations and procedures which lack autonomy are. Chicago 1 9 6 2 . said to be corrupt* (402). Sociologia Neerlandica r ( 1 9 6 3 ) . stark differenzierten Gesellschaften als Korruption im weiteren Sinne angesehen werden.. wie noch gezeigt werden soll . 1 2 9 . Fred W.Sie scheint^ zumindest soweit sie vom Strafrecht erfaßt wird. 4 j 6 berichtet für Deutschland seit 1 9 0 0 keine Verurteilung eines Richters nach § 3 3 4 . <5j .3 7 2 . World Politics 1 7 ( 1 9 6 5 ) . in ihrem Zusammenhang mit der Staatsund Gesellschaftsstruktur betrachtet. Siehe aus der reichhaltigen Literatur etwa Jacob van Kleveren: Die historische Erscheinung der Korruption. A. Bd.zum Beispiel bedroht schon die Zwölftafelgesetzgebung den bestochenen Richter mit Todesstrafe. S. Rollenrequisit des Richters in ausdifferenzierten Verfahren schlechthin. Abgesehen davon entsprechen jedoch Tatbestände. Ralph Braibanti: Reflections on Bureaucratic Corruption. 12 Vgl. 3 5 7 . unten Kap. The Modernization of a Bureaucratic Polity. Public Pressure and Political Response in India. Myron Weiner: The Politics of Scarcity. S. 98 ff. im wesentlichen ausgemerzt zu sein . in einfachen Gesellschaften im Gegenteil der moralischen Erwartung und werden geradezu gefordert . die sich in dieser Frage in einer Ubergangsphase mit institutionellem Konflikt befinden. Honolulu 1966. Den Zusammenhang mit dem Problem der gesellschaftlichen AusdifTerenzierung des politischen Systems und seiner Verfahren erfaßt Samuel P. London 1 9 6 3 . S. 11 StGB. H. 11 9. Ausdifferenzierung erhöht die Entscheidungsschwierigkeiten. Berlin-Göttingen-Heidelberg 1963. Ö. Viertel Jahresschrift für Sozial. Die Poenaiisierung der direkten Bestechung (also eines mit der Gesellschaftsstruktur nicht verknüpften ad hoc Tausches) reicht zwar weit zurück .1 2 8 .1 5 4 . 30 Verurteilungen nach § 3 3 4 . die in nicht ausdifferenzierten Entscheidungprozessen gerade in besonderer Weise zum 11 12 fortgeschritten ist. in common parlance. 11 Hans von Hentig: Das Verbrechen.. Sociologia Neerlandica 1 ( 1 9 6 3 ) . S. S. 2 8 9 . Brasz: Some Notes on ihe Sociology of Corruption. 1 2 0 ff. Eine Immunisierung gegen Kritik gehört in den Sinnzusammenhang einer Vorschrift wie der über freie richterliche Beweiswürdigung und ist überdies. Huntington: Political Development and Political Decay. relativ hohe Freispruchsund Einstellungszahlen und ein vermutlich hohes »Dünkelfeld*. Wraith/Edgar Simpkins: Corruption in Developing Countries. F. Ronald E.

auf Verlangen zum Gegenstand eines Beweises bzw. An die Stelle der Vorurteile müssen Vor-Urteile im Sinne von Präjudizien oder von Gesetzesentscheidungen treten.werden künstlich annulliert . 14 Und selbst bei diesen offenkundigen (allgemeinkundigen oder gerichtskundigen) Tatsachen ist in der Rechtswissenschaft noch umstritten. das durch seine Ausdifferenzierung so weit für Alternativen geöffnet wird. müssen entsprechend wirksame Techniken der Selektion entwickelt werden — oder es kommt zu latent benutzten. Auch für sie wird die 14 15 13 13 Vgl. die den Einzelfall nicht mehr festlegen und vor allem die Frage der Wahrheit von Tatsachenbehauptungen offenlassen. Das Urteil kann nicht mehr so leicht aus Vorurteilen gewonnen werden. wie stark im Gesetzgebungsverfahren. das Verfahren zu einer Entscheidung zu bringen. das außerhalb der eigentlichen Universi- 66 . formal illegalen Vereinfachungen etwa in dem Sinne. Rationalere Arbeitstechniken entwickelt die Praxis vor allem mit Hilfe von schematischen Regeln für die Abfassung von Voten und Entscheidungen . namentlich in Parlamentsausschüssen. solche Urteilsgrundlagen aber nicht zur Diskussion stellt und sie auch in seinen Entscheidungsbegründungen nicht erscheinen läßt. Bejahend Leo Rosenberg: Lehrbuch des deutschen Zivilprozeßrechts.Richteramt befähigt hatten . Untersuchungen zum Beweisrecht beider Prozesse. Aufl. 5 5 3 . ob und wie weit sie. daß alles anders sein könnte im weiten Rahmen der allgemeinkundigen und der gerichtskundigen (das heißt dem Richter aus seiner eigenen amtlichen Tätigkeit bekannten) Tatsachen . soweit sie daran interessiert sind. S. Im Kontrast dazu ist bemerkenswert. halbsuspektes. was zur Herstellung der Darstellung getan werden muß. Solche Regeln legen die Darstellung des Arbeitsergebnisses fest und steuern dadurch gleichsam von hinten das. 9. Leipzig 1 8 9 3 . Die übrigen Beteiligten müssen. Jedes Verfahren muß unter der Voraussetzung begonnen werden. München 1 9 6 1 . In einem System. Gegenbeweises gemacht werden können. daß der Richter sich zwar durch den unterschiedlichen gesellschaftlichen Rang der übrigen Beteiligten beeindrucken läßt oder daß er seine typisiert vorliegenden Erfahrungen verwertet. dazu Friedrich Stein: Das private Wissen des Richters. das gleiche Problem mit anderen Techniken lösen. auf »zufällig« vorhandene individuelle Erfahrungen einzelner Abgeordnerer zurückgegriffen wird.. nicht zitierfähiges Wissen. 15 Bezeichnenderweise handelt es sich bei diesen Regeln um berufsinternes.

. also den Eindruck diskreditieren würde. Gillis Wetter: The Styles of Appellate Judicial Opinions. das Ausbooten anderer Deutungsmöglichkeiten. dem Gericht einen überzeugungskräftigen. weil die Mitdarstellung der Herstellung der Darstellung andere Möglichkeiten des Darstellens sichtbar machen. Weil die Notwendigkeit so offensichtlich ist und das Bewußtsein auf den P l a n ruft. Aufl. Das ist gerade deshalb so schwierig. Sie müssen diesen Eindruck herstellen. zu einem Darstellungsproblem. A Case Study in Comparative Law. Frankfurt 1 9 * 4 . Schon die Auflagenhöhe und der Wechsel der Bearbeiter lassen erkennen. wie sehr der Ausgang des Verfahrens davon abhängt. Epstein: Judicial Techniques and the Judicial Process. wie in einfachen Gesellschaften. Leyden i960. Vgl. Eine Anleitung für den Vorbereitungsdienst der Referendare. vertrauenswürdigen Eindruck machen. Siehe an einschlägiger Literatur etwa: Das amisgerichtliche Dezernat. A Study in African Customary Law. In jedem Falle wachsen mit der Ausdifferenzierung von Verfahren die Anforderungen an das taktische Geschick der Prozeßparteien.. neu herausgegeben von Hans Meiss. wenn sie auf den Gang des EntScheidungsprozesses Einfluß nehmen wollen. um Recht zu erhalten. Paul Sattelmacher: Bericht. 2 4 . Berlin-Frankfurt 1 9 6 3 . Sie müssen glaubwürdig erscheinen. A. Vgl. Gutachten und Urteil. daß es sich hier nicht um Bücher im gewöhnlichen Sinne handelt. sie werden durch das Bekanntsein nicht etwa entbehrlich. 67 . hierzu im übrigen J. als persönlich bekannt auftreten und Vertrauen schon mitbringen . Ihr allgemeiner sozialer Status und ihre sonstigen Rollen bieten ihnen keine feste Grundlage. 16 Auch im Gerichtsgang einfacherer Gesellschaften lassen sich jedoch moralischräsonnierende Selbstdarstellungen beobachten. daß sie einen überzeugenden Eindruck machen. Die Prozeßparteien werden sich bewußt. und das heißt praktisch: sich als glaubwürdig vorführen und aufführen. sondern um Institutionen. So kann es dazu kommen. L. Manchester 1 9 5 4 . Begründet von Eugen Ebert. Bearbeitet von Paul Lüttig und Gerhard Beyer. Sie müssen.Reduktion der Komplexität. Aufl. Sie mögen Sicherheit des Auftretens und gelerntes Verhaltensgeschick als Vorteile mit in das 16 tätsgelehrsamkeit und ohne hohe Ansprüche rein handwerklich gelernt und tradiert wird. daß die Beteiligten sich genötigt fühlen. sie müssen es sich als Unbekannte im Verfahren erst verdienen. und zwar zu einem Problem der Selbstdarstellung. ihre Unschuld zu verlieren. i j . Sie können nicht. müssen aber zugleich die Herstellung ihrer Darstellung verheimlichen.

Verfahren einbringen.sie haben allenfalls bessere Verhaltenschancen. Ihr Status und ihr persönlicher Rollenkontext lassen sich aber nicht unmittelbar in das Verfahren hinein verlängern. 68 . und in diesem indirekten Sinne dürften Angehörige höherer Gesellschäftsschichten weiterhin vor Gericht begünstigt sein. die aber durch Leistungen nach den Regeln des Verfahrens im Verfahren erst noch realisiert werden müssen. die Einladung zum Tee bei der Fürstin X oder die bedeutende Stellung ihres Schwiegersohnes im Büro des Ministers Y beiläufig zu erwähnen . und es nützt ihnen wenig.

Dazu ist es erforderlich. 69 .2. Die Autonomie gerichtlicher Verfahren hat natürlich deutliche Grenzen. ob und wieweit das System eines Gerichtsverfahrens Autonomie gewinnen kann und von welchen besonderen Voraussetzungen dies abhängt. daß ein Gebäude beschafft wird. als man gemeinhin annimmt . Die Frage bleibt daher offen. Gesetze erlassen und bekanntgegeben. als es solche Austauschbeziehungen drosseln. setzt also gerade voraus. Um von Autonomie sprechen zu können. Richter angestellt und besoldet. Sie kann sich darauf erstrecken. Kompetenzen festgelegt und durchgesetzt. daß das System nicht autark ist. müssen wir zunächst diesen oft gebrauchten Begriff präzisieren. schließt nicht aus. begrenzt autonomen Informationsverarbeitung im Verfahren. D e r Begriff der Autarkie bezieht sich unmittelbar auf Austauschprozesse zwischen System und Umwelt. Der Begriff der Autonomie bezieht sich dagegen auf die Steuerung dieser Austauschprozesse durch systemeigene Strukturen und Prozesse. Sie ist gegeben. Tatsachen gewußt und mitgeteilt werden. Auch starke Abhängigkeit eines Systems von Leistungen seiner Umwelt schließt Autonomie nicht aus. welche Umweltinformationen über Nor1 1 Hierzu immer wieder lesenswert Benjamin Cardozo: The Nature of' the Judicial Process. die das weitere Verhalten im Verfahren und vor allem das Ergebnis bestimmen. sie allein stellt aber diese Autonomie noch nicht sicher. Autonomie und Autarkie zu unterscheiden. Ein System ist autark in dem Maße. sie ist aber weit größer. Daß ein Gerichtsverfahren abhängig ist davon. wenn und soweit im Verfahren selbst die Gesichtspunkte erarbeitet werden. Autonomie Ausdifferenzierung ist eine unerläßliche Vorbedingung für das Erreichen einer eigenständigen. New Häven 1 9 Z I . sich also von einer Umwelt unabhängig machen und aus sich selbst heraus existieren kann. daß im System das Verhalten zum Teil an eigenen selektiven Kriterien orientiert wird.

2 In der Dimension sachlicher Sinnunterschiede scheint Autonomie vor allem davon abzuhängen. ist anerkannt. Jr. Und alle Beteiligten können je nach den Chancen./Bernard Buchholz: Delay in Court. die zusammentreffen müssen. Ob und in welchem Umfange Autonomie gewonnen werden kann. 70 . der sich entschließt. weil die Zeitplanungen der Gerichte mit denen ihrer Umwelt nicht koordinierbar sind . eigene Prozesse der Informationsverarbeitung einschalten zu können. Zugleich ist aber auch die »Langsamkeit« der Verfahren ein altes und ewiges Thema der Justizkritik. auch zum Beispiel der Angeklagte. die andere dage2 Als eine empirische Untersuchung dieses Problems vgl. Daß innerhalb mehr oder weniger elastischer Grenzen Richter über Termine verfügen und sich dabei nach den verfahrensimmanenten Notwendigkeiten richten können. an dieser Autonomie partizipieren. Verarbeitungszeit wird dem Gerichtsverfahren von seiner gesellschaftlichen Umwelt in begrenztem Maße konzediert. bestimmte Zeugen nicht zu benennen. sachlicher und sozialer Hinsicht von verschiedenen Umständen ab. die ihnen ihre Rolle gibt. die Autonomie des Verfahrens als eines sozialen Systems mit der (notwendig begrenzteren) Autonomie des Richters in seiner Rolle zu verwechseln. wenn auf jede Umweltursache sogleich eine Wirkung des Systems in der Umwelt folgen müßte. In der Zeitdimension muß dem Verfahren Zeit gelassen werden. Boston-Toronto 1 9 5 9 . Jede Selektion ist Ausübung von Autonomie. hängt für Systeme allgemein und für Verfahren im besonderen in zeitlicher. oder der Kläger. auch die Auswahl des Gesetzes. Hans Zeisel/Harry Kalven. von denen die eine sich auf das System als solches bezieht. welches systemeigene Verhalten diesen Informationen gegenüber gewählt wird. es muß also Input und Output zeitlich trennen können. daß die Sinnbeziehungen zwischen System und Umwelt auf (mindestens) zwei verschiedenen Ebenen der Generalisierung stabilisiert werden. das auf eine im Verfahren selbst erarbeitete Tatsachenkonstellation angewandt werden kann. Man muß sich also hüten. und ebenso darauf. der sich entschließt. Systemautonomie wäre unmöglich. lieber aus dem zugrunde liegenden Schuldverhältnis statt aus dem Wechsel zu klagen.men oder über Tatsachen herangezogen werden.

durch den Betrieb vermittelt wird und kein Markt allein das Betriebsgeschehen bestimmen kann. In diesem Spielraum kann sich relativ eigenständige Informationsverarbeitung entfalten. Siehe z. Verfahrensfehler führen nicht unmittelbar zu einer Änderung der Prozeßordnung oder gar zur Abschaffung von Verfahren schlechthin. Für die Gerichtsverfahren zivilisierter (im Unterschied zu denen archaischer) Gesellschaften ist bezeichnend. Finanzmarkt . Diejenigen Instanzen. Dadurch wird das Verfahren von sozialem Druck entlastet. die ihm zunächst die generellen.gen auf die konkreten Interaktionsprozesse zwischen System und Umwelt. daß sie das konkrete Verhalten nicht determinieren. nimmt sie aber als Eigentümlichkeit der juristischen Methode hin. und es entstehen interne Möglichkeiten eines Wechsels der Orientierungsgrundlagen: Man muß (und kann) die Normen nach Maßgabe der Tatsachen des Falles aussuchen und auslegen und ebenso umgekehrt die Tatsache nach Maßgabe der Normen . die Recht setzen. ohne auf die dahinterstehende soziale Differenzierung zu achten. In der Sozialdimension hängt Autonomie von Umweltdifferenzierung ab. Beide Umwelten sind getrennt und können sich auch nicht wechselseitig beherrschen. Arbeitsmarkt. 7' . sondern einen Entscheidungsspielraum offenlassen.Warenmärkte. Keine 3 4 3 In ähnlichem Sinne hängt auch die Autonomie des Wirtschaftsbetriebes davon ab. daß die Konfrontation der verschiedenen Märkte . B. Verfahren sind einerseits als Institution generell anerkannt und werden in Rechtsform ermöglicht. daß die Einzugsbereiche für rechtliche und für faktische Entscheidungsprämissen sozial auseinandergezogen sind. dann die speziellen Informationen zustellte und ihm schließlich die Leistung abnähme. Sie allein würde allerdings kaum ausreichen. Ihre Existenz ist dadurch gesichert und hängt nicht davon ab. wenn das Verfahrenssystem es mit nur einer Umwelt zu tun hätte. Allgemeine rechtliche Regelung der Verfahren ist mithin eine der Vorbedingungen ihrer Autonomie. Wilhelm A. Ihre Konfrontierung kommt erst im Verfahren und nur durch das Verfahren zustande . welche Tatsachen wahr sind und umgekehrt. 4 Auch in der rechtswissenschaftlichen Methodendiskussion ist man auf diese wechselseitige Steuerung normativer und faktischer Entscheidungsprämissen gestoßen. Andererseits sind diese Vorgaben an Sinn und Sicherheit so generell gehalten. geben nicht zugleich an. w a s das einzelne Verfahrenssystem leistet.

Vgl. Francois Gorphe: Les decisions de justice. Schcuerle: Rechtsanwendung. die erreichbare Autonomie der Gerichtsverfahren stören oder zerstören. daß das Verfahren zum verlängerten Arm eines bestimmten Umweltsektors werden könnte. Archiv des öffentlichen Rechts 82 ( 1 9 5 7 ) . Etüde psycholögique et judiciaire. und selbst sehr komplexe Gesellschaften können. Francis/Robert C. 8 2 . absichtlich oder unabsichtlich. etwa eine politische Zentrale. wodurch sie gefährdet werden können. Detaillierte. 39 fT. und zugleich. 163 bis 249 ( 1 8 S ff. 72 . Die ausführlichsten Regelungen des Verfahrensrechts mit allen reehtsstaatlichen Garantien führen nicht zur Autonomie. Berlin 1964. Karl Engisch: Logische Studien zur Gesetzesanwendung. bis zur Automation gehende sachliche Programmierung des Entscheidens ist eine der Möglichkeiten. Organisationssoziologische und verwaltungsrechtliche Untersuchungen über das Entscheidungshandeln in der Kommunalverwaltung. insbes. S. Damit ist der Gefahr vorgebeugt. wie kompliziert und voraussetzungsvoll Verfahren als Systeme gebildet sind. 5 Da diese Trennung von Rechtsfragen und Tatfragen in den Entscheidungssprachen eine sinnvolle Funktion erfüllt.. In der Entscheidungssprache der Verfahren selbst kommt diese Autonomiebedingung latent zum Ausdruck in der Form einer strengen Trennung von Rechtsfragen und Tatfragen. Sie findet sich dort hinaufgesteigert zu einer radikalen Differenz von Norm und Wirklichkeit. hat sie sich auch der rechtswissenschaftlichen Theorie aufgedrängt. Zeitdruck eine andere. 82 ff.. S. S. Minneapoüs 1 9 5 6 . entwickelt an Fragen der Verfassungsinterpretation. 3. S. Empirische Untersuchungen dieses Problems sind mir nur aus Verwaltungen bekannt. Zum Verhältnis von Recht und "Wirklichkeit in der juristischen Hermeneutik. Berlin 1966.. wenn sie nicht von sozialer Differenzierung der Umwelt sekundiert werden. Nürnberg-Düsseldorf 1 9 5 2 . S. Siehe dazu die Kritik und die Gegenvorschläge von Friedrich Müller: Normstruktur und Normativität. Heidelberg 1 9 6 3 . Die Aufgliederung von Bedingungen relativ autonomer Entscheidungsherstellung in Verfahren läßt erkennen. von Sollen und Sein. Roy G. sondern eine einzige Stelle. deren Korrelierung dem Einzelfall überlassen bleibt .Umwelt hat ein Monopol auf Determination aller Entscheidungsprämissen. Dietrich Jesch: Unbestimmter Rechtsbegriff und Ermessen in rechtstheoretischer und verfassungsrechtlicher Sicht. und Günter Hartnel/ Lutz Sedatis. Stone: Service and Procedure in Bureaücracy. 23 f. 88 ff. S.'Dieter Ciaessens: Beamte und Angestellte in der Verwaltungspyramide. Einfache Gesellschaften können weder Ausdifferenzierung noch Autonomie erzeugen. insbes. sowohl die 5 .).. Ob dies eine notwendige Konsequenz ist. Paris 1 9 5 2 . wird man auch in der Rechtswissenschaft selbst zu prüfen haben. Aufl.

dt. die dem Gericht vorgetragen werden . Dazu mit viel Material Otto Kirchheimer: Politische Justiz. das politisch-administrative System der Gesellschaft wird dann an anderen Stellen entsprechend belastet. der Einfluß anderer sozialer Rollen auf die Beweiswürdigung scheint zurückgegangen zu sein. relative Autonomie der Gerichtsverfahren für einen Wert an sich zu halten. Das gilt vor allem für die legitimierende Funktion des Verfahrens. Zu vermuten ist eine Verschiebung des Autonomiebereiches vom Recht zu den Tatsachen hin. S. 73 .rechtlichen als auch die faktischen Informationen kontrolliert. Das läuft auf eine Einschränkung der Autonomie für das Einzelverfahren hinaus. 6 ff.. Ubersetzung. Zeitschriften und Kommentarliteratur wirkungsvoll ergänzt. Kein System ist unersetzlich. Etüde de sociologie juridique. noff. müssen ihre Funktionen durch andere Institutionen mit erfüllt werden. Paris 1 9 6 4 . Beweiserhebung und Beweiswürdigung. die psychologischen Hintergründe einer Aussage können und müssen weiter ausgeleuchtet werden . Henri LevyBruhl: La preuve judiciaire. zu dem man sich zu bekennen hätte und der nach Möglichkeit zu steigern wäre. Andererseits ist die Tatbestandswürdigung sehr viel komplexer geworden: Der Eid hat als Beweismittel an Bedeutung verloren. Für eine Legitimation durch Verfahren sind nämlich Ausdifferenzierung und Autonomie. Auch die thematische Verteilung von Autonomie und Gebundenheit muß demnach mit bedacht werden. Komplexität reduzierendes Verhalten der Betei6 7 8 6 Falls dies gegen den deklarierten Sinn der Institution in Einzelfällen geschehen soll. Man muß sich natürlich hüten. sind entsprechend komplizierte Schaltungen erforderlich. dazu Erich Döhring: Die Erforschung des Sachverhalts im Prozeß. Wenn sie jedoch nicht gewährleistet wird. Neuwied-Berlin 1965. Einerseits hat die gesetzliche Regelung der Entscheidungsbereiche an Umfang und Präzision beträchtlich zugenommen und wird durch eine ausgefeilte Leitsatztechnik. 7 Vgl. Berlin 1 9 6 4 . läßt sich schwer sagen. daß die Selektivität und damit die Autonomie des Verfahrens gegenüber einer komplexer erfaßten Umwelt größer sein muß . die einen Spielraum für alternativenreiches. Ob die Autonomie der Gerichtsverfahren mit dem Ausbau des modernen Industriestaates gewachsen ist oder nicht. Das aber heißt. kann hier nur angemerkt werden. S. 8 Daß aus einer solchen Verlagerung der Entscheidungsleistung Folgerungen für die Ausbildung des Richters gezogen werden sollten. Ein Lehrbuch.

ligten eröffnen. von grundlegender Bedeutung. der wir mit weiteren Untersuchungen nachgehen müssen. Nur so können die Beteiligten motiviert werden. selbst Risiken in ihr Verhalten zu übernehmen. 74 .das ist die Frage. Wieweit dieser Mechanismus trägt und wieweit er zu einer Umstrukturierung von Erwartungen und damit zur Legitimation der Entscheidung führen kann . an der Absorption der Ungewißheit durch Eliminierung anderer Möglichkeiten unter Aufsicht mitzuarbeiten und sich dadurch Schritt für Schritt selbst zu binden.

die Beteiligten zur Annahme unangenehmer Entscheidungen zu motivieren. namentlich an kleineren Orten. Kontaktsysteme Eine besondere Konstellation soll vorab erörtert werden. wenn er »unfair« behandelt w i r d . zeigt Züge dieser Art. Auch Harold J. er wird sich zumindest fürderhin als steif. weshalb das normale Verfahren und besonders das Gerichtsverfahren sehr viel geringere Chancen hat. Der im Augenblick Schwächere kann nach Möglichkeiten angeln. einmal diese und einmal jene auf Kooperation der jeweils anderen angewiesen ist. die diesem besonderen Fall des Kontaktsystems sein Gepräge geben. Kontaktsysteme entstehen. ihr Verhalten taktisch lediglich im Hinblick auf das einzelne Verfahren zu planen ohne Rücksicht darauf. Schelling: The Strategy of Conflict. aber auch das Verhältnis von Richtern und Anwälten. 75 . können w i r zugleich im Umkehrschluß erkennen. indem einmal die eine und einmal die andere Seite die stärkere ist. S. i960.j. hat dann aber hohe Chancen. hierzu grundsätzlich Thomas C. kann in der Tat nur unter besonderen Voraussetzungen realisiert werden. und das mag ihm 1 1 Vgl. sich in anderen Verfahren zu rächen. die der Verfahrensbeteiligung zugeschriebenen integrativen Funktionen zu erfüllen. Der im Augenblick Überlegene muß diese Möglichkeit der Generalisierung des Konflikts vorbedenken. Am typischsten findet man solche Konstellationen im Verhältnis von Verwaltungen und Interessenverbänden. Wenn wir die sozialen Mechanismen durchschauen. 1 1 3 und 1 3 1 . Sie stehen unter dem Gesetz des Wiedersehens. daß in anderen Verfahren die Macht anders verteilt sein kann . ChicagoLondon 1 9 6 2 . Unter solchen Bedingungen wechselnder Interdependenz wäre es für die Beteiligten wenig rational. Cambridge Mass. rechtsbewußt und unnahbar erweisen. Leavitt: Managerial Psychology. und dieses Gesetz zwingt zur Generalisierung von Perspektiven. unterscheidet in diesem Sinne zwischen der Machtlage bei Einzelbegegnungen und bei Dauerbeziehungen. wenn dieselben Beteiligten häufiger aus verschiedenen Anlässen zusammentreffen und dabei in wechselnde Abhängigkeit voneinander geraten. Sie ist nicht verfahrenstypisch.

das das dazugehörige Verhalten durch eine eigene normative Ordnung steuert. Diese Generalisierung bedeutet. und ermög2 Siehe die auf innerorganisatorisches Zusammenleben bezogenen Feststellungen bei Robert L. Die umfassenden »guten Beziehungen« erscheinen als solche im Blickfeld der Beteiligten und gelten ihnen als nützlich und erhaltenswürdig. 76 . Zeitlich wird der für die Beteiligten beachtliche Ereignishorizont in die Zukunft hinausgeschoben. Studies in Role Conflict and Ambiguity. Wolfe/Robert P. Deshalb empfiehlt sich eine Vereinfachung. 9 1 ff. auf der die Beteiligten einander begegnen. die in solchen Situationen sich aufdrängt. und nicht nur die einzelne Episode. der Dankbarkeit. Die Gesamtheit der Kontakte. Sozial gesehen vereinheitlicht sich der Stil der Begegnungen durch einen typisch erwärtbaren Nenner. ihren Aussichten und ihren Folgen weg auf das soziale System aller Kontakte verlagert. Quinn/Diedricfc Snoek: Organizational Stress. Dadurch werden die Orientierungsmöglichkeiten des einzelnen Beteiligten rasch überfordert. 2 Solche Systemorientierung abstrahiert die Ebene der Verständigung. Handlungsmöglichkeiten. der Rache. die »an sich« gar nicht zusammenhängen. und diese Vereinfachung kann nicht in der Zeitdimension und nicht in der Sachdimension. Kahn/Donald M. zum Beispiel als Kooperation oder als Konflikt. der Zahl möglicher Ereignisse. hat einen zeitlichen. New York-London-Sydney 1 9 6 4 . gewinnt dadurch den Charakter eines sozialen Systems. Rücksichten. die zwischen den Beteiligten herstellbar sind. werden in eine künstliche Beziehung gesetzt durch Motive des Tausches. zeitlich und sachlich gesehen. die für sie relevante Zeitspanne wird größer. Zunahme der Komplexität. das Spiel kann allenfalls noch in den nächsten Schritten. der nicht jeweils neu ermittelt werden muß. sich in der Ausnutzung seiner momentanen Chancen zu mäßigen . einen sachlichen und einen sozialen Aspekt. Sie motivieren Vorstöße zu ihrer Stärkung und Vertiefung. S. Die Generalisierung der Perspektiven. die relevant sind und einkalkuliert werden müssen. sondern nur in der Sozialdimension geleistet werden: Die Orientierung wird von den einzelnen Zügen. Sachlich kommen dadurch mehr Themen in den Blick. ja sogar Opfer und Verzichte.den R a t eingeben. nicht aber mehr im ganzen überblickt werden.

dazu etwa E. S.licht es ihnen. siehe die Experimente von Morton Deutsch: Trust and Suspicion.: The Effect of Motivatibnal Orientation upon Trust and Suspicion. 2 6 J . 5 Vgl. S.1 3 9 . vielleicht sogar der ungünstigen Rechtslage zuzurechnen und nicht etwa dem Entscheidenden persönlich als Böswilligkeit oder Vorurteil anzukreiden. und ders. Dadurch kann ein hohes Maß an Flüssigkeit und Verdichtung des Kontaktes erreicht werden. Sie filtern nach Möglichkeit alles aus. zumindest muß jene Version. Public Administration 9 ( 1 9 3 1 ) . Er wird guttun. wenn er die Beziehung fortsetzen will. Zumindest wird er. Verdacht wecken oder g a r einen Umschlag ins Feindselige herbeiführen könnte . finden sich bei Aaron Wildavsky: The Politics of the Budgetary Process. 1 2 3 . die Entscheidung »den Umständen«. was die Atmosphäre trüben. Social Research 19 ( 1 9 6 2 ) . Wer im Einzelfall den kürzeren zieht. daß Nachgiebigkeit und Kooperationswilligkeit honoriert werden wird. indem sie unbestimmt bleibende Möglichkeiten antizipieren und darauf vertrauen. 4 6 7 .2 2 . t j . Innerhalb bestimmter Belastungsgrenzen motiviert das Kontaktsystem Zurückstellung von Interessen und expressive Kontrolle des Handelns. Im Rahmen eines solchen Kontaktsystems w i r d die Einzelentscheidung zu einem Moment neben anderen. J. Foley: Officials and the Public. 4 Glänzende Analysen eines solchen Kontaktsystems. The Journal of Conflict Resolution 2 ( 1 9 5 8 ) . als deren Folge sehr oft alle Beteiligten ihren Einfluß aufeinander steigern und von dem wechselseitigen Vertrauen profitieren können . kann sich mit der Hoffnung trösten. Diese Belastungsgrenze selbst wird zur Grenze des Kontaktsystems und 3 4 5 3 Als einen Versuch. das sich zwischen den Abgeordneten eines Haushaltsausschusses und hohen Ministerialbeamten aus Anlaß der jährlichen Haushaltsberatungen bildet.2 7 9 . Die Beteiligten behalten bei der Erledigung der laufenden Sachgeschäfte immer auch ihr Vertrauen und ihre Vertrauenswürdigkeit im Auge .4 7 4 . S. oder Joseph Bensman/Arthur Vidich: Power Cliques in Bureaucratic Society. seine offizielle und dargestellte Auffassung sein. mit Rücksicht auf die guten Beziehungen seine Opposition gegen die Entscheidung dämpfen und prinzipiell Verständnis dafür zeigen. S. Boston-Toronto 1 9 6 4 . die hohe Komplexität ihrer Beziehungen laufend wenigstens pauschal zu berücksichtigen. Human Relations 13 ( i 9 6 0 ) . 77 . Vertrauensbeziehungen empirisch zu untersuchen. solange diese Aussicht besteht. daß man die Angelegenheit auch so erledigen konnte. das nächste Mal besser zu fahren.

Gleichwohl hat gerade. Ernst ForsthofT: Lehrbuch des Verwaltungsrechts. was für andere Teilnehmer an Zumutungen noch erträglich ist und wo die Schwelle liegt. 7 Vgl. S. Vgl. S. Natürlich ist diese Außerrechtlichkeit der Kontaktsysteme nicht zwangsläufig als Tendenz zu Rechtsbrüchen zu begreifen. insbes. VeröfTentlichungeri der Vereinigung der Deutschen Staatsrechtslehrer 14 (1956). ob man sich überhaupt auf den Boden des Rechts begibt oder sich außerhalb des Rechts arrangieren soll. 14 Anm. methodisch kontrollierte empirische Untersuchungen zu diesem Thema sind mir nicht bekannt. ja mißtrauische Ablehnung gefunden . und manche Beobachter glauben zu erkennen. M.): Modern Organization Theory. Barnard: The Functions of the Executive. 1 6 . Tübingen 1954. 1 9 3 8 . ja die Frage. leicht vermehrbaren Hinweise. 7 6 . 138 f. Richard. und S. Aufl.zugleich zum Eckstein rationaler Taktik der Beteiligten: Sie müssen erfühlen können.. 1 4 6 ff. die in Kap.. B. S.9 0 . 2 3 . Cyert/James G.. March: A Behavioral Theory of Organizational Objectives. dieser Legitimierungsmechanismus bei Juristen wenig Beifall. In: Mason Haire (Hrsg. Mainz 1 9 6 7 . 83 ff. 71 f.. denn die Rücksicht auf ihr Kontaktsystem kann die Betroffenen bewegen. James G. 1 2 . 11 4 Anm. S. New York-London 1 9 5 9 . Siehe z. 1. A l l dies läßt vermuten. Er scheint ihnen. New Yörk-London 1 9 5 8 . 9. 2. Berlin-Köln 1 9 5 6 .. 8 Aufgefallen sind die Kontaktsysteme den Juristen vor allem im Wirtschaftsverwaltungsrecht. Heidelberg 1 9 5 7 . S. ferner Harald Dombrowski: Mißbrauch der Verwaltungsmacht. S. Bd. daß Kontaktsysteme dieser A r t die Legitimierung der Entscheidungen erleichtern. Claus-Dieter Ehlermann: Wirtschaftslenkung und Entschädigung. 6 7 8 6 Überlegungen ähnlicher Art stehen im Mittelpunkt einer stärker formalisierten Organisationstheorie. 50 f. wird zum Problem. der sog. die Hinweise und Stellungnahmen bei Ernst Rudolf Huber: Wirtschaftsverwaltungsrecht. München-Berlin 1 9 6 6 . wo die privaten Interessen auf nicht einklagbare Wohltaten hoffen und deshalb in anderen Fällen der Verwaltung gegenüber ihre Rechtspositionen nicht auszuschöpfen wagen. 38 f. Zum Problem der Koppelung verschiedener Verwaltungszwecke. Veröffentlichungen der Vereinigung der Deutschen Staatsrechtslehrer 1 1 ( 1 9 5 4 ) . Simon: Organization. Zu den verwandten Problemen einer förmlichen Koppelung verschiedener Verwaltungsgeschäfte vgl. namentlich ehester i. Erich Becker: Verwaltung und Verwaltungsrechtsprechung.. S.. Hans Peter Ipsen: Öffentliche Subventionierung Privater. Cambridge Mass. auf ihr gutes Recht zu verzichten. jenseits derer einzelne Betroffene die Herrschaft über sich selbst und damit ihre Zukunft im System verlieren . 9 6 . Herbert Krüger: Diskussionsbeitrag..1 7 gegebenen. Aufl. die gesamte Rechtsordnung zu unterlaufen und die offiziellen Vorkehrungen für verfahrensmäßigen Rechtsschutz aus den Angeln zu heben. »Koalitionstheorie«. insbes. Bd.. 78 . 1 3 9 ff. 200 f. Gründlich gearbeitete. S. March/Herbert A. S. nicht ohne Grund. n.1 3 $ ( 1 2 9 ) .

Die Beteiligten können allein schon im Hinblick auf die Dauer der Gerichtsverfahren einen zeitsparenden Kompromiß vorziehen. die im Rechtsverfahren selbst nicht mehr unter Kontrolle gebracht werden können. oder sie können vereinbaren. Der öffentlichen Verwaltung werden jedoch unlautere Motive und ihren Kontaktsystemen wird ein zu starkes Machtgefälle im Verhältnis zum Bürger unterstellt. Indes bringt diese Diskussion nicht nur dies Vorurteil. komplex und wechselt die Akzente. im Anzapfen neuer Motivquellen für die Stützung bindender Entscheidungen besteht eine wesentliche Funktion auch des Rechtsver79 .Die Beziehung zum offiziellen Rechtsschutz ist vielschichtig. um die Entscheidung zu vertagen und Zeit zu gewinnen. Besonders dann. Im täglichen Leben sind solche Vorerwägungen normal. solange empirische Untersuchungen fehlen. In der Mobilisierung juristisch nicht programmierter Motive. ein mehr oder weniger berechtigtes Vorurteil. Das ist.und Motivstrukturen abhängig. sondern zugleich gewisse Sachprobleme an den T a g : Im Grunde muß jeder Legitimierungsvorgang. stößt das juristische Gewissen sich an ihnen nicht. der sich nicht unmittelbar auf die Uberzeugungskraft und den Motivwert der Rechtsnormen stützt. Wie anders soll etwa der Sprung von der Tatsache des Angehörtwerdens zur Tatsache der Anerkennung einer ungünstigen Entscheidung vollzogen werden? Die Erwartung einer Legitimation durch Verfahren sprengt den juristischen Kosmos im Grunde immer. und wenn sie sich unter Aufsicht und gutem Zureden durch den Richter vollziehen und als Vergleich protokolliert werden. In jedem Falle mediatisieren Kontaktsysteme den offiziellen Rechtsschutz. wird dieser Verdacht als fast schon bewiesen behandelt. indem sie ihm zum Gegenstand einer vorgängigen sozialen Abstimmung machen. sich gerichtlicher Kontrolle zu entziehen. wenn die Behörden hier Möglichkeiten entdecken und nutzen. Das gilt auch für Legitimation durch Verfahren. und damit wird die Durchführung des Rechts von Macht. die Entscheidung dem Spiel des Zufalls in Gestalt eines Musterprozesses mit unvorhersehbarem Ausgang zu überlassen. auf außerrechtlichen Mechanismen beruhen. sie können ebenso umgekehrt diesen Mechanismus benutzen.

drohen diese parasitengleich zu entkräften oder sie doch unlenkbar zu machen . daß sich. »der den Richter gut kennt«. 2 3 7 f.und Abhängigkeitslagen ergeben. selbst wenn man denselben Beamten. S. daß Kontakte zwischen bestimmten Bürgern und bestimmten Beamten nur sporadisch zustande kommen. auch Niklas Luhmann: Funktionen und Folgen formaler Organisation. Kontaktsysteme sind nur eine besonders weitgehende. 80 . etwa den Postbeamten oder den Gewerbeaufsichtsbeamten. Berlin 1 9 6 4 . Die kleinen Systeme. sei es. Kontaktsysteme können den zentralisierten »Willen des Gesetzgebers« zum Entgleisen bringen. daß nur ein sehr kleiner Teil aller laufenden Verfahren durch solche Kontaktsysteme zusammengefaßt und protegiert wird. keine unvorhersehbar wechselnden Macht.. die sich an den Kontaktflächen der großen Organisationen bilden. daß man sich einen Rechtsanwalt sucht. nicht selbst ein Opfer dieser guten Bekannt9 9 Zur Verselbständigung von Untergebenen durch eigene Außenkontakte und zu den Folgeproblemen für eine hierarchische Ordnung vgl. sich in einem absehbaren Zeit.fahrens. regelmäßig wiedersieht. mit weiteren Hinweisen. Vom Kraftfahrzeugzulassungsverfahren läßt sich keine Brücke zum Scheidungsprozeß. noch sozial. das verschiedene Verfahren umfassen kann. Sie verstoßen gegen das Gleichheitsprinzip. Ihr Generalisierungsstil widerspricht dem des Rechts stärker als der einzelner Verfahrenssysteme. besonders effektive und besonders bedenkliche Ausprägung dieses Gedankens.und Interessenhorizont nicht wiederholen und sich daher nicht zu einem System verdichten. noch sachlich. Wie auch immer man hier Nutzen und Nachteil gegeneinander abwägen mag. Gerade für großbürokratische. in der vagen Hoffnung. wäre ernsthafter Prüfung wert. fest steht. weder zeitlich.und Legitimierungseffekt mit solchen Folgen nicht zu teuer bezahlt wird. Herrscht eine solche Kontaktzersplitterung vor. dann entstehen Kontaktsysteme nicht mehr von selbst. zur Postzustellung oder zu den Kontrollgängen des Gewerbeaufsichtsbeamten schlagen. Ob ihr Beschwichtigungs. sie müssen gesucht und durch mehr oder weniger künstliche Personalunion zwischen zahlreichen Verfahren stabilisiert werden. D i e Kontakte sind typisch so spezifiziert. arbeitsteilig stark differenzierte Verwaltungen und für Gerichte ist es typisch.

wenn die Bürokratie an ihren Grenzen v o n einer Verflechtung in bestimmte. mit der das Problem der Legitimität jetzt gestellt wird. Chicago 1 9 6 5 . können dieses Problem nicht mehr lösen. 8l . Damit stellt sich aber die Frage. Kontaktsysteme. 10 10 Vgl. daß es sich um Ausnahmen handelt. Diese Kontaktzersplitterung verhindert eine Bildung von Kontaktsystemen und sichert dadurch die zentrale Programmierbarkeit des Verwaltungshandelns. die nun moralisch suspekt werden und gesellschaftlich nicht mehr institutionalisierbar sind. sei es.. Die Analyse der Kontaktsysteme erhellt zugleich die Funktion der Tatsache. daß Beziehungen zu Behörden und Gerichten normalerweise sporadisch eingegangen werden. Eisenstade: The Political System of. wirtschaftlicher oder religiöser Grundlage frei gehalten w i r d . Die Ausnahme aber beleuchtet die Regel. Fallers: Bantu Bureaucracy. Die gesellschaftliche Ausdifferenzierung eines relativ autonom und selbstprogrammiert handelnden »Staates« im neuzeitlichen Europa bedingt die Schärfe. A Century of Political Evolution among the Basoga of Uganda.schaft zu -werden. daß mehrere Interessenten sich zu Interessenverbänden zusammenschließen und im Regierungsviertel Kontaktbüros einrichten mit dem gleichen Ziel und den gleichen Gefahren guter Beziehungen. Aufl. dazu Shmuel N. Andererseits stellt sich gerade infolge dieser gesellschaftlichen Autonomie und Innensteuerung politischer Großbürokratien das Problem ihrer Legitimität mit besonderer Dringlichkeit. Im übrigen zeigt die Künstlichkeit solcher Gebilde an. Für einen charakteristischen Einzelfall siehe auch Lloyd A. 2. läßt sich eine relativ autonome Selbststeuerung des politischen Systems nur gewährleisten. ob und wieweit Motive und Legitimierungseffekt eines aus Vertretern gebildeten Kontaktsystems auf die Vertretenen übertragen werden können. Denn wie eine lange Geschichte der Refeudalisierung und des Zerfalls bürokratischer Großreiche eindrucksvoll belegt. besonders wenn die Klientenschaft von Verfahren zu Verfahren wechselt. Die Frage bleibt damit offen. New YorkLondon 1 9 6 3 . ob Einzelverfahren es können. partikulare Beziehungsnetze auf verwandtschaftlicher. Empires.

Gerichte eingeschlossen). ist kaum anzunehmen. daß ihr der Schutz des Bürgers selbstverständlich. und das ist bezeichnend: unpolitische Beteiligung.1 6 4 ( 1 2 1 ff.. 9 9 . was »Rolle« eigentlich ist. 82 . Ansichten dieser Art dürften. 1 7 0 . 2 Diese Anwendung des Rollenbegriffs auf bürokratische Organisationen jeder Art bedarf keiner Empfehlung mehr. Beteiligung dagegen unnötig oder gar unerwünscht erschienen sei. eine Standesillusion sein.und Verwaltungslehre. bemerkt zur deutschen Rechtsstaatsüberlieferung kritisch. 1 7 1 ff. D a ß es genüge. verbunden wäre). Studies of the School Superintcndency Role. Current Sociology 7 ( 1 9 5 8 ) . auf den man spekuliert. den sozialen Mechanismus. falls sie überhaupt noch vertreten werden. was durch eine handelnde Verflechtung der Entscheidungsempfänger in die Entscheidungsverfahren erreicht werden kann . S. Levinson: Role. New York 1 9 5 8 : Daniel J. Dann ist es möglich. in welchem Sinne.1 8 0 : Renare Mayntz: Soziologie der Organisation. Neal Gross/Ward S. z. The Journal of Abnormal and Social Psychology j8 ( 1 9 5 9 ) . S. wenn man von Verfahren eine legitimierende Wirkung erwartet. ob. Mason/Alexander W. da sie in der neueren organisationssoziologischen Forschung zur Selbstverständlichkeit geworden ist (ohne daß damit freilich eine volle theoretische Klärung dessen. sich des soziologischen Rollenbegriffs zu bedienen und das bürokratische System der Verwaltung öffentlicher Macht (Parlamente. als ein System des Verhaltens in Rollen zu begreifen . Eisenstadt: Bureaucracy and Bureaucratization. B. Personality and Social Structure in the Organizational Setting. sondern auch Beteiligung gewährleisten freilich. mit Hilfe des Begriffs der 1 2 1 Thomas EUwein: Einführung in die Regierungs. S. StuttgartBerlin-Köln-Mainz 1 9 6 6 . das Volk und die mit Interessen Beteiligten an der aufrichtigen Bemühung der Verwaltungsbeamten und Richter um das Recht als passive Zuschauer teilnehmen zu lassen. New York-London-Sydney 1 9 6 6 .zu akzeptieren. Ernsthafter Prüfung bedarf dagegen die Frage. Shmuel N.). S.4- Rollenübernahme Wir können nunmehr präziser fragen. 1 2 6 . S. Verwaltungsbehörden. Reinbek 1 9 6 3 . Daniel Katz/Robert L. Dafür ist es nützlich. Die starke Betonung des Verfahrensgedankens sollte indes nicht nur Schutz. Entscheidungen unabhängig von Inhalt und Begründung als bindend .nicht notwendig auch als richtig . McEachern: Explorations in Role Analysis. Sl ff. Vgl. Kahn: The Social Psychology of Organizations. durch welche psychischen und sozialen Mechanismen und in welchen Grenzen die Beteiligung an einem als System ablaufenden Verfahren die Bereitschaft des Bürgers stärkt.

aus einem »I« ein »me« werden und dabei zugleich diejenigen Aspekte der Welt herausfinden. 13 ff. Turner: Role-Taking. Er kann sich in die Rolle des anderen einfühlen und in ihr einen Standpunkt finden. 20-40. S. Berlin 1 9 6 5 . Mead: Mind. Chicago III. sei dessen Theorie hier kurz skizziert : Mead spricht von role-takirig. und zur Kritik etwa Alfred Schutz: Das Problem der transzendentalen InterSubjektivität bei Husserl. Husserliana Bd. Der Rollenbegriff findet bei Mead marginale Aufmerksamkeit. Chicago III. New York-London 1966. Rollenübernahme in diesem weiten Sinne ist ein Prozeß der Selbstidentifikation und der Konstitution einer objektiven Welt als einer Synthese subjektiver Perspektiven. S. In: Arnold M.»Übernahme implizierter Rollen« (kurz: Rollenübernahme) zu klären. Philosophische Rundschau j (19S7). Er wird nicht weiter ausgearbeitet. Berger/Thomas Luckmann: The Social Construction of Reality. S. Garden City N. ders. °der Michael Theunissen: Der Andere. 4 Siehe namentlich Edmund Husserl: Cartesianische Meditationen und Pariser Vorträge. »3 . und so hat dieser Begriff des roletaking denn auch in der herrschenden soziologischen Rollentheorie 3 4 3 Vgl. Durch Übernahme einer fremden Rolle kann er sich selbst eine eigene Rolle zuweisen.. Boston 1962. Siehe ferner Ralph H. 6 1 0 f. Den Haag 1 9 5 0 . Er meint damit. 1. insbes. sondern als Träger eigener. ichhafter Perspektiven. Seif and Society From the Standpoint of a Social Behaviorist. Y. Process Versus Conformity. 1 9 3 8 .1 0 7 . 1966. McCall/J.: The Philosophy of the Act. L. namentlich George H. Rose (Hrsg. S.): Human Behavior and Social Processes. Simmons: Identities and Interactions. Im Grunde handelt es sich hierbei um eine Analyse des Prozesses der intersübjektiven Konstitution von Sinn. S. Studien zur Sozialontologie der Gegenwart. daß der Mensch andere Menschen nicht einfach als Dinge erlebt. passim. die für alle Menschen zugänglich ist. die für beide Perspektiven den gleichen Sinn ergeben. kann er sich selbst zum Objekt werden. Da dieser Begriff in seinen Grundzügen dem amerikanischen Sozialpsychologen und Philosophen George Herbert Mead zu danken ist. wie sie tiefer und zugleich fragwürdiger auch in der transzendentalen Phänomenologie Edmund Husserls versucht worden ist . An Interactionist Approach. insbes. passim. 8 1 . in die er sich hineinversetzen kann. und als einen guten Uberblick über alle Themen dieser Schule George J. 254 f. A Treatise in the Sociology of Knowledge. Eine Verbindung von Ausläufern der phänomenologischen Schule und der Meadschen Sozialpsychologie suchen herzustellen Peter L. 544 ff-. 1 9 3 4 . von dem aus er auf sich selbst zurückblicken kann.

sind zwar notwendig. In: Ira Iscoe. 1 2 7 . A b e r für diesen Lernvorgang ist gerade entscheidend. 4 5 1 . wird der Begriff schlaff und für weitere Analysen unbrauchbar. und für unserThema besonders interessant: Eugene A. J r . daß es keine rollenunabhängigen. bevor es zur Konstitution von objektivem Sinn und sozialen Identitäten. Stevenson (Hrsg. Social Forces 42 (1964). Mead überdehnt den Rollenbegriff dadurch. Barney B. keine Rolle. indem man zunächst die Priorität der Begriffe Rolle und Identität umkehrt und die Konstitution der Identität des anderen und des eigenen Ich für fundamentaler ansieht als die Identifikation des Verhaltens anderer unter dem Aspekt bestimmter sozialer Rollen. aber so formulierbar. bekomme ich meine eigene Identität als Person zugewiesen. Soziale Rollen. S. deutlich zutage: Seine führende Stellung diskreditiert den Begriff der Identität. Brim. S. B. 4 5 4 . nämlich in der Chicagoer Schule des »symbolischen Interaktionismus«. daß der Rollencharakter dieser Beziehung abgeblendet wird. sondern als Du und dann als anderes Ich erlebt w i r d . nicht als Rolle. daß die ganze K o m pliziertheit des Themas erhellt.1 5 9 . und durch ihn als Person. 1 .: Tasks. So ausgedehnt. der andere vom Lernenden also nicht als Rolle. die für alle Situationen und für alle Rollen durchgehend bestimmend seien so Orville G. 669-679: Edward Gross/Gregory P. tritt denn auch die innere Problematik der Darstellung Meads. Siehe z.): Personality Development in Children. ( 1 9 6 4 ) . : Personality as Role-Learning.4 5 6 .'Harold W. 1 9 5 9 . Durch diese mehr begriffliche als in der Sache liegende K o r rektur wird der Kern der Meadschen Theorie. The American Journal of Sociology 7 0 . 6 Vgl. nicht entscheidend getroffen. Weinstein/Paul Deutschberger: Some Dimensions of Altercasting. Stone: Embarassment and thc Analysis of Role Requirements.wenig Verwendung gefunden . Anselm Strauss: Mirrors and Masks. Ganz konsequent kommt man auf dieser Grundlage zu der These. Austin 1960. S. Glaser/Anselm L. Berlin 1 9 6 2 .1 5 . die den Rollenbegriff dem Begriff der Identität vorordnet. and Identities. nämlich Mutter/Kind-Beziehungen oder Äquivalente dafür. Dieser Nachteil läßt sich indes leicht korrigieren. Sociometry 26 ( 1 9 6 3 ) . daß er Rollen als etwas.4 6 6 . die Annahme eines Zusammenhangs von Rollenspiel und Selbstwerdung. darunter Persönlichkeiten. S. vorausgesetzt. hierzu Dieter Ciaessens: Familie und Wertsystem. American Sociological Review 29 (1964). 84 . Eine Studie zur -zweiten sozio-kulturellen Geburt« des Menschen. S. Der andere ist eine Person. tiefliegenden Persönlichkeitsmerkmale gebe. Der Mensch lernt seine eigene 6 5 5 Wo dies geschehen ist. Strauss: Awareness Contexts and Social Interaction. kommt. The Search for Identity. das man »nehmen« kann. und dies. um Personsein zu lernen. Bargains. Glencoe III.

die jedoch sekundärer Natur ist und durch die zusätzlichen Begriffe der »offenen« und »latenten« Implikation ausgedrückt werden kann. Ein ähnlicher Begriff der implizit zugewiesenen Rolle taucht in der amerikanischen Literatur gelegentlich auf. a. Spiegel: The Resolution of Role Conflict Within the Family. 85 ff. Evanston Ill. S. Welche Rolle er übernimmt. O. sondern damit lediglich ausdrücken. 1 .so wie die Rolle des Befehlenden die des Gehorchenden voraussetzt und umgekehrt. auch McCall/ Simmons. 2 3 . hat aber einen anderen Sinn. Glencoe III. a. bewähren. Jede Rolle ist auf ein komplementäres Rollenverhalten anderer angewiesen und impliziert daher eine Aufforderung. die des Verbrechers. vom üblichen engeren Begriff der sozialen Rolle ausgehend. eine individuell strukturierte Persönlichkeit zu gewinnen. die Mead durch den Begriff des role-taking abzudecken versuchte. spricht von »imputed other-role«. S. 1 3 0 ff. welche Bedingungen er dabei erfüllen muß. der sich der Strafverfolgung entzieht. unbewußte oder uneingestehbare Zuweisungen.-Elmsford N. daß eine komplementäre eigene Rolle im Rollenverhalten anderer vorausgesetzt ist . Er meint nur latente. Bates: Position. Strodtbeck: Variations in Value Orientations. auch Rollen als solche lernen und schließlich mit Hilfe eines sozial funktionierenden Zusammenspiels von Rollen seine eigene Persönlichkeit »entfalten«. Psychiatry 20 ( 1 9 5 7 ) . kann man. Vgl. S. Social Forces 34 ( 1 9 5 6 ) . 3 1 3 . 8 Vgl. dazu etwa Frederick L.3 2 1 . den engeren Tatbestand der Übernahme implizierter Rollen eingrenzen . 1 9 6 1 . John P. das der Handelnde als »Teil von sich selbst« vertreten muß. kann dann. wenn er dieser eigenen Identität und der Übertragbarkeit von Perspektiven des alter ego sicher ist.. das persönlich bindet.die Rolle des sich verteidigenden Angeklagten wird offen und bewußt impliziert.1 6 . Y. Wir wollen dagegen den Begriff »impliziert« nicht auf diesen engen Sinn festlegen. das strukturiert seine Chancen.. Jedes Sicheinlassen auf Rollen verstrickt daher in ein Handeln. einen bestimmten Charak^ ter. S. ist dagegen nur latent impliziert -. Anlässen oder Umständen zugerechnet werden. den Normen.Identität in und mit Hilfe von gesellschaftlich vorkonstituierten Rollen. O-. B. A Reformulation of Concepts. ist eine für unsere Untersuchung sehr wichtige Unterscheidung. qualifizieren. 1 2 1 ff. oder Siegfried F. variieren. a. . um auf sein Rollenverhalten entsprechende soziale Reaktionen zu erhalten und sein Verhalten faktisch fortsetzen zu können. 40 f. Role and Status. sofern nicht 7 8 7 Turner. Vgl. Im Rahmen dieser Gesamtkonzeption. S. 1 9 5 7 . Ob diese Voraussetzung bewußt und zum Gegenstand sozialer Kommunikation gemacht werden kann oder nicht . Nadel: The Theory of Social Structure. oder Flbrence R. z. Kluckhohn/Fred L . sich korrespondierend zu verhalten . S. und welche Aspekte seines Rollenverhaltens ihm selbst bzw. a.

Explorations in the Psychology of Enduring Social Pressures.2 7 (14 ff. soll doch die Katastrophe nicht schon im Augenblick und nicht für das Verfahren als System eintreten. 44 ff. daß sie nicht abgelenkt und nicht irritiert werden. München-Berlin 1 9 6 5 .) entschiedenen Fall. nicht mehr zu folgen vermochte. 3 . Das Rollenverhalten führt mithin zu einer Einfühlung in die Rolle des anderen. Hier liegen deutlich Grenzen der Juridihzierbarkeit von systemimmanenten Normen des Verfahrens. I 9 J I .): Toward a General Theory of Action. Vgl. 10 In Grenzfällen verletzt ein Gericht. S. die es ermöglichen. dazu auch Hans Dahs: Das rechtliche Gehör im Strafprozeß. Im Verfahren müssen alle Beteiligten einander laufend wechselseitig Rollen zumuten. das dieses Gebot nicht beachtet. wie man handelt. 1 1 . Stets muß ein Teil 9 10 9 Diese Einsichten haben zentrale Bedeutung für die Theorie des Aktionssystems von Talcott Parsons. sich durch den expressiven Stil des Handelns persönlich vom eigenen Verhalten abzulösen. Andererseits wird man kaum annehmen können. riskante. das einführende »General Statement« zu Talcott Parsons/Edward A. sogar den Grundsatz des rechtlichen Gehörs. daß jeder in seine Rolle kommt und auch bei zugemuteten Belastungen in seiner Rolle bleibt. Das vorinstanzliche Urteil wurde aus diesem . sondern in Ruhe eine gute (eine nach den Maßstäben des Verfahrens gute!) Leistung vollbringen . Oslo-Minneapolis • 9 S S . 20 f. Auch wenn ihre Aussage für sie selbst oder für andere zur Katastrophe führt. auszudrücken. zu einem Austausch von Perspektiven. Mass. Shüs (Hrsg. insbes. Grunde aufgehoben. S. Vgl. Besonders dem Richter obliegt es. S. dafür zu sorgen. daß man nicht damit identifiziert werden möchte.oder es muß mangels Verständigungsmöglichkeit abgebrochen werden. 787 f. in dem ein Richter den Kläger durch die Frage. peinliche. daß alle Beteiligten auch für schwierige. also durch die Art. daß das Gericht verpflichtet sei.der Rollenkontext ein »unpersönliches« Handeln vorsieht oder es doch ermöglicht. die Beteiligten in einer optimalen psychischen Verfassung zu erhalten. daß dieser der Verhandlung angeblich .). einander ihre Rollen bestätigen und einander Verhaltensstützen geben. S. Rollenübernahme ist ganz allgemein Voraussetzung kontinuierlicher Interaktion. 86 . Cambridge . zur Stabilisierung komplementärer Verhaltenserwartungen und übergreifender Prämissen sinnhaften Verhaltens . ob er getrunken habe. herzzerreißende Kommunikation einen sicheren Verhaltensrahmen besitzen. 1963 (Neue Juristische Wochenschrift 1 7 [ 1 9 6 4 ] . Ähnlich Ragnar Rommetveit: Social Norms and Roles. Siehe den vom Bundesverwaltungsgericht durch Urteil vom 2 2 . in so große Erregung versetzt hatte.

Oxford 1 8 8 5 . ja Verbundenheit von R a t und Hilfe im mittelalterlichen Denken . xv-xvn 87 . S. daß die Rollensicherheit eines guten Kontaktes auch dazu dienen kann. warnt. zeigt dies sehr schön am Verhältnis von Richter und Beweisperson. die schon den höfischen Ratgeber vor Augen hat. ch. 308 ff. sondern in der Tugend des guten Ratgebers zu liegen. und 1 7 . Grundfragen der territorialen Verfassungsgeschichte Südostdeutschlands im Mittelalter.. In: Tractatus illustrium jürisconsultorum tom xvl fol. Ein Lehrbuch. Beweiserhebung und Beweiswürdigung. Jahrhunderts. Im R a t lag zugleich die Selbstverpflichtung. mit weiteren Hinweisen. dazu Otto Brunner: Land und Herrschaft. was auf diese Weise für das Akzeptieren unwillkommener Entscheidungen getan werden kann. An zentraler Stelle der politischgesellschaftlichen Verfassung eingesetzt. S.eine Konzeption. Berlin 1 9 6 4 . 2 1 2 . die Unwahrheit zu sagen. so daß die Verhaltensprobleme um dieses Problem geordnet wurden. und sie gilt für das Verhältnis aller Beteiligten zueinander . belehrt Herrscher wie Ratgeber vor den Gefahren einer solchen Beziehung. an der Durchführung der angenommenen Vorschläge mitzuwirken .der verfügbaren Kräfte daher auf die Erhaltung des Kontaktes und der Funktionsfähigkeit in Rollen abgezweigt werden. setzte also ein relativ einfaches. 12 Vgl. ohne daran zu denken. 3. Die Ernennung zum Ratgeber konnte so als Instrument politischer Bindung (als Schritt zur Gründung eines »Kontaktsystems«) und das Ratsgremium als Stätte der Verhandlung über die Bedingungen einer besonderen Hilfeleistung dienen. 13 Der zeitgenössischen Literatur schien das Problem natürlich nicht hier. Siehe als Beispiel etwas Martinus Garatus Laudensis: Tractätus de consiliariis principum. mahnt. 28 ff-. überschaubares Gesellschaftssystem voraus . Besonders die Literatur des 1 6 . Bezeichnend dafür ist ein weit zurückliegendes Beispiel: die Nähe. Vermutlich ist dies die heimliche Theorie des Verfahrens: daß man durch Verstrickung in ein Rollenspiel die Persönlichkeit einfangen. Dies ist eine Vorbedingung für den relativ störungsfreien Ablauf des Verfahrens überhaupt. Aufl.. Allerdings sieht Döhring in Übereinstimmung mit der klassischen Verfahrenskonzeption in der Kontaktpflege ein Mittel der Wahrheitsfindung. Plummer. 11 12 13 11 Erich Döhring: Die Erforschung des Sachverhalts im Prozeß. Darüber hinaus ist es jedoch unsere Frage. Venedig 3 y84. Brünn-München-Wien 1 9 4 3 . ed. die praktisch jedenfalls nicht ganz undurchführbar gewesen sein muß. John Fortescue: The Governance of England. erforderte diese Institution des »consilium et auxilium« freilich ein Mindestmaß von Loyalität und hohe Homogenität der Interessen. umbilden und zur Hinnahme von Entscheidungen motivieren könne.

Edgar Tartarin-Tannheyden: Die Berufstände. Venedig 1 5 9 8 . palatinus. Laelius Zechius: PoÜticorum sive de principe et principatum administratione libri très. Vernon/N. Berlin 1 9 2 2 . A Study of Their Uses in Relation to Central Government . Johann-Andreas Ockell: Commentatio de consiliis eorumque iure. avvedimenti civili e concetti politicî. Joannes Mariana: De rege et régis înstîtutioni libri très. Smithburg/Victor A. Sie liegen zahlreichen Versuchen zugrunde. Eduard Naegeli: Die Mitwirkung der Verbände bei der Rechtsetzung unter besonderer Berücksichtigung der qualifizierten Rechtsverordnung. Pendieton Herring: Public Administration and the Public Interest. Simon/Donald W. 88 . In: Staat und Wirtschaft im nationalen und übernationalen Recht. Francesco Guiccardini/Giovanni Francesco Lottini/Francesco Sansovini: Propositioni overo considération! in materia di cose di stato. V. sotto titolo di avvertimenti. 2 5 . S. 2 0 5 . Reinhard Bendix: Higher Civil Servants in American Society. S. 14 Siehe z. Venedig 1 6 2 5 . R.2 2 7 ( 2 1 2 ) . the Careers and the Power-position of Higher Fédéral Administrators. findet sich immer wieder die These. B. Diss. wirtschaftliche Interessen durch vorherige A n hörung und beratende Beteiligung am Entscheidungsprozeß der Staatsorgane »in den Staat zu integrieren« . E. S. Einwendungen absorbieren und dadurch die Annahme. sive auücus et nobilis. nova. Schriftenreihe der Hochschule Speyer. ihre Stellung im Staatsrecht und in der deutschen Wirtschaftsverfassung. Thompson: Public Administration. Gabriele Zinano: II Consigliere. Berlin 1964. und das ist heute allgemeine Meinung. August Kreßbach: Lebendige Demokratie durch Ausschüsse und Beiräte. Zürich-Köln 1950. z.9 1 9 . Tübingen 1 6 5 4 (oft zitiert unter dem Namen des Präses Wolfgang-Amadeus Lauterbach). S. Boulder Col..1 9 3 9 .7 3 3 .. Udo Krauthausen: Tatsachenerhebung und Beratung in der deutschen Öffentlichen Verwaltung. In: Festgabe Hans Nawiasky. Deutsches Verwaltungsblatt 7 3 ( 1 9 ( 8 ) . 1 5 9 . Mainz 1 6 0 $ . Und selbst wo in einen entsprechenden Staatsaufbau keine allzu großen Hoffnungen gesetzt werden. Als Beispiel für eine zurückhaltendere. London 1 9 4 0 . Hippolytus a Collibus: Princeps. consiliarius. S. 464 ff. daß eine beratende Beteiligung von Betroffenen am Entscheidungsgang als Ventil für Ressentiments und Kritik dienen. S.1 8 8 . Helmstedt 1 6 6 7 . 2 1 3 u. 15 Vgl. Mansergh: Advisory Bodies. Verona 162$. A Study of Social Origins. B. 1 2 2 ff. 1 9 4 9 . 3 7 . New York 1 9 5 0 . Heinrich Herrfahrdt: Das Problem der berufständischen Vertretung von der Französischen Revolution bis zur Gegenwart. die zwischenzeitlichen Erfahrungen berücksichtigende neuere Stellungnahme siehe Hans RyflFel: Staat und Wirtschaftsverbände im nationalen und übernationalen Bereich. ö. »Die schon aus rechtsstaatlichen Gründen 14 15 (besonders interessant für die Wendung zum höfischen Ratgeber). New York-London 1 9 3 6 . ed. 22.Wiederaufnahmen dieses Gedankens in der heutigen Zeit wirken demgegenüber wie blasse. unrealistische Spekulationen. zumindest die Durchsetzbarkeit der endgültigen Entscheidung fördere .. 7 2 9 . Uberlegungen dieser Art sind zum Beispiel in der sogenannten Berufsständebewegung angestellt worden. S.und Kommunal Verwaltung 1 9 5 9 . Herbert A. 96. Staats. Bd. Stuttgart 1 9 2 1 .

Anderen Beobachtern fiel jedoch auf. Human Relations i ( 1 9 4 8 ) . so meint Ule. 53-89 ( 5 5 ) . John R. die es nicht unbedingt für demokratisch halten. Englewood Cliffs N . Whyte u. 39 ff. S. French: Overcoming Resistance to Change. wenn sie unter seiner maßgeblichen Mitwirkung zustande gekommen sind . Festschrift hundertfünfzig Jahre Carl Heymanns Verlag K G . Köln-Berlin-Bonn-Mündien 1 9 6 5 . in gemeinsamen Sitzungen »die Zähne zu ziehen* . ein gewisses Maß an Bestätigung gewinnen können .notwendige Mitwirkung der Beteiligten dient daher«. S.. um diesem Bindungseffekt auszuweichen . S.so PEP: Advisory Committees on British Government. An Essay on the British Constitution. J .. i n ) . 1 9 6 3 . Beiträge zu Strömungen und Fragen im heutigen Recht. In: Recht im Wandel. 3 . New York-Toronto-London 1 9 6 1 . den etwaigen Kritikern einer Entscheidung. Rensis Likert: N e w Patterns of Management. Leavitt (Hrsg. Williams: Observations on the Dynamics of a Change to ElectronicData-Processing Equipment. »auch einer engeren Verbindung des einzelnen mit der Verwaltung.) : The Social Science of Organizations. 2 5 5 ff. In: Harold J.. Auf 16 17 S. Es finden sich jedoch auch mindestens in gleicher Zahl kritische Äußerungen. Mann/ Lawrence K. Arensberg u.. S. 269 ff. S. Ule: Verwaltungsreform als Verfassungsvollzug. S. Interessenten oder Experten. New York 1 9 5 7 (z. William F. S. daß durch Beteiligung am Entscheidungsvorgang die Bereitschaft zum Akzeptieren der Entscheidung gesteigert werden könne.. a. Englewood Cliffs N. 5 7 4 .5 3 2 . Wheare: Government by Committee. Four Perspectives. Michel Crozier: Le phénomène bureaucratique. Victor H. i960. J. Bass/Harold J. von diesem eher akzeptiert werden. 39-84 (60 ff.so Kenneth C. 2 1 7 . Vroom: Some Personality Determinants of the Effects of Participation. Kahn: The Social Psychology of Organizations. Chris Argyris: Understanding Organizational Behavior. 16 Carl H.2 5 6 ( 2 2 5 ff. Andererseits gibt es auch Stimmen. S.4 . S. Als neuen Überblick über die gesamte Diskussion und als Ubersetzung in die systemtheoretische Begriffssprache vgl. New York 1 9 5 8 . 1 8 8 ff. London i960. Daniel Katz/Robert L. 1 6 8 ff. daß Interessenverbände in ratgebenden Gremien eine Vorsichtsstrategie des »avoidance of final commitment* betreiben. Administrative Science Quarterly 5 (i960). . George Strauss: Some Notes on Power Equalization.. a. S. die positive Beurteilung bei Lester Coch/John R. insbes. auch wenn sie für den Beteiligten ungünstig ausfallen. S. Human Relations 1 3 (1960). deren Entscheidungen. Köln-Opladen 1 9 5 8 .. Übers.: Research in Industrial Human Relations. wood 111. Oxford 1 9 5 5 . i-14 f. auf die Prämisse einer Interessenharmonie. French/Joachim Israel/Dagfin As: An Experiment on Participation in a Norwegian Factory. New 89 . Bernard M.1 9 . 91 f.. insbes. Leavitt: Some Experiments in Planning and Operating. Siehe einige Beiträge zu dem Sammelband Conrad M.). B. S. .5 8 5 .: Lohn und Leistung. P. dt. die auf die voreilige Verallgemeinerung der Schlußfolgerungen. S. 26 ff. 5 1 2 . P. 33 f. 2 . i 9 6 0 . S. Management Science 9 ( 1 9 6 3 ) . 2 4 7 . Home. Leonard Sayles: Behavior of Industrial Work Groups. 65 ff. die Geringfügigkeit der Differenz im Produktionsergebnis und die hohe Zahl mitwirkender anderer Variablen hinweisen. Paris 1963j S. 17 Vgl.). Floyd C.« In umfangreichen empirischen Untersuchungen hat ferner die betriebssoziologische Forschung für diese Hypothese.

eine einfache Kausalrelation oder auch nur eine bestimmte statistisch verifizierbare Korrelation zwischen Verfahren und Hinnahme des Ergebnisses in dieser Allgemeinheit zu untere stellen. Stuttgart-Berlin-Köln-Mainz: 1 9 6 9 . die der Legitimation durch Verfahren zugrunde liegt. da kaum zu leugnen ist. York-London-Sydney 1 9 6 6 . und Frieder Naschold: Organisation und Demokratie.Anhieb fallen aber auch Gegenbeweise ein. Einer der auffälligsten Mängel dieser ganzen Diskussion ist ihre primitive Psychologie. S. Wir sind der Theorie. Untersuchungen zum Demokratisierungspotential in komplexen Organisationen. fehlt der Kontakt mit den neueren Entwicklungen auf dem Gebiet der Persönlichkeitstheorie. Wie es für die gegenwärtige Organisationsforschung überhaupt bezeichnend ist. Wir müssen diese Theorie der Übernahme implizierter Rollen in die Persönlichkeit erheblich verfeinern. 90 . 390 ff. daß manch einer unzufrieden oder gar empört den Gerichtssaal verläßt. um zu brauchbaren Ergebnissen zu kommen. aber es wäre offensichtlich falsch. auf der Spur.

Behavior in Public Places. Y. Human Relations 10 ( 1 9 J 7 ) . Notes on the Management of Spoiled Identity. Denn anwesende Nichtanwesende sind keineswegs von Darstellungsleistungen befreit. Indianapolis Ind. New York-London 1 9 6 3 . Psychiatry 18 ( 9SS)> S. in. Stigma. ferner etwa: On Face Work.denen Anwesende kraft Konvention oder zur Vermeidung peinlicher Konflikte als nichtanwesend behandelt werden müssen (z. weil beides unnatürlich ist. sie müssen im Gegenteil die Rolle des Nichtanwesenden und sich selbst als entsprechend unbedeutend mit besonderer Sorgfalt darstellen./. die Regel. bestätigt.Das sei angemerkt zugleich als Beispiel dafür. etwas über seine Situationsauffassung Und damit über sich selbst aus . also weiterhin ein Gegenstand zuverlässiger Erwartungsbildung und selbstnegierter Freiheit bleibt. Im großen und ganzen legen also Selbstdarstellungen den Handelnden auf eine bestimmte Persönlichkeit 1 2 1 Daß es Situationen gibt. Eine Kontrolle ist deshalb erforderlich. Englewood Cliffs N. J. Darstellungen und Entlastungen Zu einem wichtigen Schritt weiter verhilft die Einsicht. 5 . Er muß vielmehr sein Verhalten unter Kontrolle halten. . 2 1 3 .. Aufl. 1 9 5 9 . darf nicht ohne weiteres anfangen zu rauchen. Sobald jemand wahrgenommen wird.4 7 . Alienation From Interaction. Encounters. weil ein gewisses Maß an Konsistenz der Darstellung als Orientierungsgrundlage aller Beteiligten erwartet w i r d : Wer sich als Nichtraucher eingeführt hatte. darunter auch mit einer Selbstdarstellung der handelnden Personen. B. daß der Prozeß der Rollenübernahme wie jede soziale Interaktion mit Darstellung von Sinn.J 9 . Notes on the Social Organizarion of Gatherings. ohne Ausnahme zu sein. Diener auf Empfängen). daß er im übrigen derselbe bleiben wird. die Gewißheit darüber verschafft. Garden City N. ob er will oder nicht. ] 91 . Im allgemeinen kann niemand es sich ungestraft leisten. zu ignorieren. weil die Perfektion der Darstellung als nichtanwesend die einzige Möglichkeit ist. und auch. mit wie vielschichtigen und komplizierten Sachverhalten wir es im folgenden zu tun bekommen. Er muß zumindest eine gute Erklärung abgeben. 2. einen erlaubten Hinweis auf ihre Anwesenheit und ihre Bedeutung mitdarzustellen.2 3 1 . 2 Mit Konsistenzproblemen der Darstellung befassen sich zahlreiche Veröffentlichungen von Erving GofTman. ob er wahrgenommen w i r d oder nicht. sagt er mit seinem Verhalten. Two Studies in the Sociology of Interaction. 1 9 6 3 . verbunden ist. sobald es zur Darstellung wird. 1 9 6 1 . Siehe vor allem: The Presentation of Seif in Everyday Life.

4 Das gleiche Phänomen werden wir aus dem gleichen Grunde im Gesetzgebungsverfahren antreffen. Siehe S. zuverlässig anknüpfen können. Es muß schon durch den Beginn der Darstellung des Verfahrens wirksam ausgeschlossen werden. Ferner ist die Besonderheit von Situationen zu bedenken. die man einmal übernommen hat. Eine wechselseitige Enttäuschung ist schon eingetreten und erfordert Bereinigung. die die Beteiligten geben. verbalisiert. Die Beteiligten müssen auf die Grundlagen ihres Verhaltens zurückgreifen. aber einen anregenden Uberblick über Probleme und Strategien bei Marvin B. und sie tun gut. Auch Rollen. 1 8 7 f.fest. in denen die Wengrundlageri des Verhaltens in Frage gestellt werden und Rechenschaft verlangt werden kann. und das heißt: sich selbst moralisieren und Konsistenz auch als moralische Person. ihr Verhalten ernst zu nehmen und als bindend zu betrachten wie eine Kette von Versprechungen. Die Forderung nach Konsistenz wird hin und wieder. S. verpflichten in diesem Sinne zur Kontinuität und beschränken Variationen auf das. Diese Situationen gibt es auch. daß der Richter sich plötzlich als Zahnarzt oder der Beigeladene sich als Losverkäufer verhält. Scott/Stanford M. wäre auch so etwas wie ein »Verfahren« nicht möglich. Ohne solche wechselseitige Festlegung der Darstellungen wäre keine dauerhafte Interaktion. wenngleich nur unter besonderen Voraussetzungen. Alle Beteiligten werden durch den Sinn und das Zeremoniell des Verfahrens angehalten. 46-61. diesen E r wartungen durch Vorprüfung ihres Verhaltens Rechnung zu tragen. als vernünftiger Mensch in Aussicht stellen. Das Verfahren muß zu einer Entscheidung kommen und muß daher an die beabsichtigten und die unbeabsichtigten Informationen. Gegenüber den Normalanforderungen im täglichen Leben wird diese Pflicht zur Konsistenz der Darstellungen im Gerichtsverfahren noch erheblich verschärft . Lyman: Accounts. American Sociological Review 3 3 ( 1 9 6 8 ) . 9* . was man ohne Verlust an Identität plausibel machen kann. um die wechselseitigen Erwartungen als Voraussetzung weiteren Zusammenlebens zu klären. im täglichen Leben . zum Beispiel durch Vorhaltungen aus Anlaß von Verstößen. sie liegt aber darüber hinaus so suggestiv in der 3 4 3 Dazu gibt es noch kaum Forschung.

seine Sinndarstellung und den expressiven Stil seines Verhaltens mit 5 Der Verfasser hat verschiedentlich erlebr. gegen die man sich nur noch mit besonderen Gründen zur Wehr setzen kann etwa dann. daß aber darüber hinaus auch die anderen Beteiligten ungeachtet ihrer jeweiligen Ziele und Interessen sich genörigt fühlen. zunächst die Richter die Strenge des Zeremoniells zu mildern. welche die Verlegenheir von Zeugen oder Parteien ausnutzen oder steigern. 6 Die stabilisierende Wirkung gemachter Aussagen ist ein Gemeinplatz der forensischen Psychologie. 205 ff. menschlich zuzureden oder gar den Überblick über die Konsequenzen des Verhaltens zu erleichrern suchen. 5 6 Solche Bindungen sind nicht mit Außenbindungen des Verfahrens zu verwechseln. wenn man protokollieren läßt. Außerdem wird ihr eigenes Verhalten zur Verfahrensgeschichte und damit zur Fessel. so doch über die Tatsache einer bestimmten Aussage . Anwälte. wenn im Verfahren auch an anderen Stellen Unstimmigkeiten auftreten. statt' anderer Enrico Altavilla: Forensische Psychologie. Jeder kann zwar am Anfang seine Linie. daß das System in Gang bleibt und daß es wenigstens zu einer Darstellung kommt. Graz-Wien-Köln o. daß in solchen Fällen. operieren in ihrem vermeintlichen Interesse gegen das System des Verfahrens. die bereits nicht mehr die des Sprechenden ist. droht (genaugenommen: zur Darstellung einer Nichtdarstellung zu werden droht). trotz physischer Präsenz sich den symbolischen Implikationen der Anwesenheit zu entziehen . S.ein letzter Versuch. 93 . dt. die ihr Verhalten nicht in seinen Konsequenzen kalkulieren können. daß sie einfache Gemüter. des Gerichts. Sie sind das Ergebnis seiner eigenen Systemgeschichte. oder es wird in Erinnerungen festgehalten. mit dem er sich zu identifizieren hat . I I . die nicht die seinen sind. .wenn nicht über den Inhalt. Häufig wird es protokolliert in einer Sprache. J . Protokollierte Aussagen dokumentieren gelungene Verständigungen . die sich gar nicht so weit engagieren wollten. wenn nicht gar zur Falle für Beteiligte. die eine Umnuancierung der Aussage nahelegen. wenn eine Darstellung aus Verlegenheit oder Verwirrung auszufaller. Szene und Zeremoniell des Verfahrens werden so zur Norm. und tritt ihm im weiteren Verlauf des Verfahrens als Objekt gegenüber. zum Verstummen bringen kann .. sondern die der Polizei. und können sich im ganzen dadurch mehr schaden als nützen. Ohne solche Stützen fährt man am besten oder jedenfalls am leichtesten. das ihr Interesse verwirklichen soll. des Gesetzes.Luft. Vgl. daß man auf die schon vorliegenden Protokolle verweist.und werden dadurch zur Norm. Obers. Bd. durch Takt oder sonstige Hilfen etwas dafür zu tun.

beträchtlicher Freiheit wählen: Er kann das Ausmaß seines gezeigten Interesses festlegen, sich als schweigsam oder geschwätzig, hart oder entgegenkommend, kleinlich oder großzügig, rechtsbewußt oder vergleichsbereit, objektiv oder egozentrisch stilisieren. Er hat außerdem gewisse Freiheiten in der Wahl dessen, was er als sein Tatsachenwissen und seine Rechtsansicht vortragen will. Ist er gewitzt, kann er in begrenztem Umfange die Selbstbindung hinausschieben, ja sogar die Zeitfolge der Darstellungen selbst zum Gegenstand taktischer Überlegungen machen - etwa für eindrucksvolle Überraschungen (zu Lasten anderer) sorgen, die Wahrheit erst aufleuchten lassen, nachdem andere die Unwahrheit schon gesagt haben, oder Argumente in Reserve halten, bis der beste Zeitpunkt für sie gekommen ist . Im allgemeinen bietet das Verfahren dafür jedoch wenig Chancen, und diese müssen gleichsam im Spiel gegen die Institution gewonnen werden. Denn in die Rollen ist, als Sinn der Institution, ein Zug zur Entscheidung eingebaut; und eine erkennbar verzögernde Taktik rächt sich leicht an dem Spieler, besonders wenn er nicht nur den Gegner, sondern auch das Gericht auf falscher Fährte laufen ließ . Bindende Entscheidungen über die eigene Darstellung sind für alle Beteiligten also praktisch unvermeidlich. Jeder muß diese Vorentscheidungen treffen, ohne damit auf das Ergebnis des Verfahrens, das ja noch nicht feststeht, reagieren zu können, also im Ungewissen und nur im Hinblick auf das Verfahren selbst als ein System von Darstellungen. Er wird die Linie wählen, die ihm über die Dauer eines kooperativen Handelns hinweg Erfolg zu versprechen scheint. So engagiert, kann er seine Darstellung nicht mehr wechseln, es sei denn, daß das Verfahren selbst ihm einen darstellbaren Grund dafür gibt. Als Zukunftsplan absorbiert das Verfahren Ungewißheit, als Geschichte wird es Bindung. In beiden Aspekten, und durch ihr Zusammenwirken, gewinnt das Verfahren eine beträchtliche Eigengesetzlichkeit, die
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7 Eine der seltenen Untersuchungen zum taktischen Aspekt des Gerichtsverfahrens, Wilhelm A. Scheuerle: Studien zur Prozeßtaktik, Archiv für die civilistische Praxis I J 2 ( I 9 J 2 / J 3 ) , S. 3 P - 3 7 2 , behandelt unter anderem auch Fragen dieser Art. 8 In krassen Fällen finden die Richter dabei sogar die Unterstützung des Gesetzgebers, der z. B. in der Zivilprozeßordnung (§§ 2 7 9 , 529) eine Zurückweisung von Angriffs- und Verteidigungsmitteln gestaltet, wenn die Verspätung auf Verschleppungsabsicht oder grobe Nachlässigkeit zurückzuführen ist.

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das Verhalten zwar nicht determiniert, ihm aber doch erhebliche Schranken zieht. Dieser Bindungseffekt würde auch unabhängig von den Prozeßgesetzen und selbst dann eintreten, wenn alle Beteiligten völlig frei wären, ein Verfahren zu beginnen oder nicht; er kann mithin nicht aus dem Gesetz abgeleitet werden, sondern entsteht erst im Verfahren und durch das Verfahren. Aber natürlich verpflichtet er nicht ohne weiteres zur Anerkennung des Ergebnisses, und außerdem gibt es, wie wir gleich sehen werden, gewisse Möglichkeiten, sich ihm zu entziehen. Denn die Konsistenzpflicht würde zu unerträglichen Darstellungslasten Und Verhaltenskomplikationen anschwellen, würde sie nicht in einigen Hinsichten eingeschränkt, abgemildert oder gar aufgehoben werden. N u r in sehr einfachen Sozialordnungen ist es denkbar, daß Personen in all ihren Lebenssituationen als persönlich bekannt, in ihrer Darstellung konsistent und mit sich selbst durchgehend identisch auftreten und erwartet werden. Unter dieser Voraussetzung kann es nur relativ wenig verschiedene Arten von Handlungen geben. Alle Sozialordnungen mit höherer Komplexität müssen dem einzelnen mehr Handlungen abverlangen, als er auf eine persönliche Lebensformel bringen und als Ausdruck seines Charakters integrieren kann. Komplexere Sozialordnungen zwingen daher einerseits zu einer symbolischen Abstraktion und »Verinnerlichung« der Konsistenzkontrolle , und andererseits benötigen sie zahlreiche entlastende Einrichtungen, die verhindern, daß jede Handlung auf die Persönlichkeit angerechnet wird.
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Zwei Arten von Entlastungen sind besonders verbreitet: die Pflicht oder die Befugnis zu »unpersönlichem« Handeln und eine A r t von expressiver Rollendistanz. Beide Entlastungen bilden Ziele für diejenigen Strategien, mit denen Verfahrensbeteiligte es zur Meisterschaft bringen können, mit denen sie das Zeremoniell intakt, die Situation in störungsfreiem Fluß, den Fluß in der Richtung ihrer eigenen Ziele und zugleich ihr Selbst von verbindlichen Engagements frei halten können.

9 Als eine Interpretation des Gewissens und der Gewissensfreiheit unter diesem Gesichtspunkt vgl. Niklas Luhmann: Die Gewissensfreiheit und das Gewissen, Archiv des öffentlichen Rechts 90 ( 1 9 6 5 ) , S. 2 5 7 - 2 8 6 .

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Unpersönlich ist ein Verhalten, das die eigene Person als unmaßgeblich darstellt und damit zugleich Rückschlüsse vom Verhalten auf die Person und auf ihre anderen Rollen zu verhindern sucht. Eine solche Distanznahme steht nicht ohne weiteres frei; sie bedarf einer institutionellen Rückendeckung, denn normalerweise dominiert in »natürlichen« Situationen das Interesse an der Person als Garant für Verhaltenserwartungen. In komplexen Sozialordnungen ist jedoch ein unpersönlicher Verhaltensstil als ein Mechanismus der Isolierung von funktionalspezifischem Teilsystem weit verbreitet und wird in manchen Bereichen sogar zur Pflicht. Vor allem Beruf und Familie, Geschäft und Kultur, Religion und Politik werden derart voneinander getrennt, daß Rollenerwartungen nicht ohne weiteres aus einem Bereich in den anderen übertragen werden können und die Identität der Person, die an allen Bereichen beteiligt ist, keine sicheren Rückschlüsse auf ihr Verhalten gestattet; dieses wird systemspezifisch reguliert. Im Interesse der Erhaltung einer komplexen Sozialordnung und eines relativ autonomen Verfahrenssystems in ihr sind daher alle diejenigen, die hauptberuflich als Vorsitzender oder Beisitzer, Anwälte oder Interessenvertreter, Sekretäre oder Boten an Verfahren beteiligt sind, zur Darstellung von unpersönlichem Verhalten verpflichtet. Das erlaubt ihnen freilich nicht, sich in ihrem sonstigen Leben von ihrem Verhalten im Verfahren völlig freizuzeichnen. Die Unpersönlichkeit ist institutionell als einseitig wirkender Filter angelegt, nicht als vollständige Trennung. Ein Richter soll keine persönlichen Gefühle und Beziehungen, Einstellungen oder Informationen in das Verfahren hineinziehen; er soll dem Verfahren seinen Charakter als nur durch das Gesetz regiertes Sozialsystem belassen. Andererseits würde es befremden, ja zu Sanktionen führen, wollte er sich in seinem Privatleben über seine amtliche Rolle lustig machen, das Todesurteil als einen Scherz bezeichnen, seine eigentliche, aber überstimmte Meinung bekanntgeben oder behaupten, daß er alles begründen könne, was er wolle. In dieser Richtung bleibt er zur Darstellung von Konsistenz und zu durchgehender Identifikation mit seinem Handeln und dessen Prämissen verpflichtet. Für unser Problem der Legitimation sind indes die nicht haupt96

beruflich beteiligten Verfahrensteilnehmer, die Antragsteller, Beschwerdeführer, Angeklagten usw., wichtiger, die durch die Entscheidung betroffen werden. Sie genießen nicht den Schutz legitimer Unpersönlichkeit. Im Gegenteil: das Verfahren ist darauf angelegt, ihre Persönlichkeit einzufangen und zu binden . Damit ist nicht nur gemeint, daß je nach der Konstellation von Rechtsfragen Informationen über persönliche Verhältnisse bis in die Intimsphäre hinein beschafft und mit den Betroffenen erörtert werden. Mindestens ebenso wichtig wie die Thematik sind Form und Stil der Darstellung, vor allem, daß die Beteiligten die Stellungnahmen, mit denen sie sich selbst belasten könnten, frei und ohne jeden Zwang abgeben . Selbst die rein wissenschaftliche Wahrheitssuche findet an dem Prinzip freier Darstellung ihre Schranke . Diese Freiheit ist nur denkbar vor dem Hintergrund der Möglichkeit, die Unwahrheit zu sagen. Sie wird dem Betroffenen insofern als Privileg suggeriert. Den Richtern scheint die Freiheit der Aussage als Bedingung der Glaubwürdigkeit, also der Wahrheitsfindung, unerläßlich zu sein, was sie indes nicht hindert, auch die Aussageverweigerung als Selbstdarstellung zu werten . Darüber hinaus ist aber zu beachten, daß die Freiheit der Aussage von äußerem Zwang die latente Funktion hat, die
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10 Demgegenüber betont Vilhelm Aubert: The Hidden Society, Totowa N. J. 1965, S. 67 ff., die Tendenz moderner Gerichtsverfahren, Persönlichkeiten nur noch marginal zu erfassen. Eine solche Tendenz ist mit der Abstraktion, Spezifikation und Variabilität des Rechts und mit der Massen betrieblichkeit der Verfahren gegeben. Dem wird jedoch gerade im Verfahren mit Erfolg entgegengearbeitet. 11 Das alte »nemo tenetur edere contra se« ist im Zivilprozeß zwar weitgehend abgebaut worden, gilt im Strafprozeß jedoch uneingeschränkt fort. So gehört zum Beispiel nach angelsächsischer Auffassung das privilege against self-incrimination zu den grundlegenden Erfordernissen eines due process. In der deutschen Strafprozeßordnung ist die Aussagefreiheit gesetzlich garantiert ( § § 1 3 6 , 136 a, 243 in StPO). Darüber hinaus sind ganz allgemein Prozeßhandlungen juristisch als freie Willensakte konstruiert, die bei Willensmängeln wie Zwang und Täuschung widerrufen werden können. Dazu in monographischer Breite Karl Siegert: Die Prozeßhandlungen, ihr Widerruf und ihre Nachholung, Berlin 1 9 2 9 . 12 Vgl. dazu aus einer rasch anschwellenden Literatur etwa Jean Graven: Les procedes nouveaux d'investigation scientifique et la protection des droits de la defense, Schweizerische Beiträge, v. Internationaler Kongreß für Rechtsvergleichung, Zürich 1 9 5 8 , S. 2 0 3 - 2 3 1 ; Altavilla, a. a. O., S. 3 4 2 fr., mit weiteren Literaturhinweisen; Jeröme S. Skolnick: Scientific Theory and Scientific Evidence. An Analysis of Lie Detection, Yale Law Journal 70 ( 1 9 6 1 } , S. 6 9 4 - 7 2 8 . 13 Einen Oberblick über unterschiedliche Einstellungen zum Schweigen der Beschuldigten in verschiedenen Rechtsordnungen und Verfahrensarten vermittelt Erich

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Persönlichkeit zu engagieren. Wer in Ketten erscheint und unter Peitschen aussagt, macht zugleich deutlich, daß die Ursache seiner Aussage nicht in ihm selbst liegt. Er kann sein Selbst von seiner Aussage trennen und entlasten . Anders steht derjenige da, den man dazu bringen kann, frei auszusagen. Ihm wird sein Verhalten als Selbstdarstellung zugerechnet. Das Recht der Aussagefreiheit gewährt zugleich das Privileg, ein Verbrechen an sich selbst im Gerichtssaal zu begehen. Ein solcher Z w a n g zur Freiheit und zu persönlicher Darstellung macht das Verhalten der Beteiligten schwierig, ja notwendig ambivalent. Denn das Verfahren ist ein System von so eigener Art, daß der Teilnehmer gar nicht so auftreten kann, wie er sich fühlt oder sonst ist. Eine eigentümliche Beklemmung und Unsicherheit derjenigen, für die das Verfahren keine Routinesache ist, läßt sich daher typisch beobachten. Dazu kommt, daß ihnen auch der andere Ausweg einer expressiven Rollendistanz verlegt wird. Sie haben nicht die Möglichkeit, durch die Art, wie sie ihr Rollen verhalten stilisieren, auszudrücken, daß es im Verfahren gar nicht um sie selbst geht . Obgleich man Ansätze zur und
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Döhring: Die Erforschung des Sachverhalts im Prozeß. Beweiserhebung und Beweiswürdigung. Ein Lehrbuch, Berlin 1 9 6 4 , S. 1 7 8 ff. 14 Es gibt natürlich zahlreiche Möglichkeiten, Zwang auszuüben, aber die Mitdarstellung des Gezwungenseins zu verhindern, zum Beispiel durch zeitliche und räumliche Trennung der Zwangssituation und der Aussagesituation oder durch Drogen, biophysische Aussagekontrollen usw. Davon wird man Methoden unterscheiden müssen, die den Betroffenen vor seinem Auftreten dazu bringen, eine andere Persönlichkeit zu werden. Das bedeutet, daß die Umstrukturierung der Erwartungen, also das Lernen, im Verfahren durch ein Lernen vor dem Verfahren ersetzt wird. 15 Vgl. zu diesem Thema den Essay Role Distance. In: Erving Goffman: Encounters, a. a. O., S. 83 ff., und außerdem Rose Laub Coser: Role Distance. Sociological Ambivalence, and Transitional Status Systems, The American Journal of Sociology 7* (1966), S. 1 7 3 - 1 8 7 . Goffman veranschaulicht die Notwendigkeit, sich vom vollen Gewicht seiner Rolle zu entlasten, am Beispiel des karussellfahrenden Jungen, der über das Alter des Karussellfahrens eigentlich hinaus ist; ferner am Verhalten und Jargon von Ärzten und Krankenschwestern in höchst verantwortungsvollen Situationen. Man muß im übrigen jedoch eine Distanz, die während der Rollendurchführung selbst expressiv durch inkongruentes Verhalten zum Ausdruck gebracht wird, unterscheiden von einer Entlastung, die nachher in ande. ren Situationen gesucht wird, in denen man sich scherzhaft oder sarkastisch, kollegial oder fachlich über seine Rolle äußern kann, ohne der Rollendisziplin zu unterstehen. J-Iierzu vgl. Peter M. Blau: The Dynamics of Bureaucracy, Chicago 1 9 5 $ , S. 88 ff., und ders.: Orientation Toward Clients in a Public Weifare Agency, Administrative Science Quarterly 5 (i960), S. 3 4 1 - 5 6 1 .

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genommen . Typisch reagieren die Veranstalter des Verfahrens sogar scharf auf jeden Versuch zur expressiven Rollendistanz. Dieses problematische Verhältnis von Darstellungen und Entlastungen im Verfahren deutet auf einen immanenten Widerspruch hin. Lässigkeit usw. Wir hatten bisher die Problematik von Darstellungen und Darstellungsentlastungen nur ganz allgemein behandelt und am Beispiel des Verfahrens zu veranschaulichen versucht. weil das dem expressiven Stil der Situation und ihrer eigenen Rolle darin widerspricht und ihnen daher als »Ungehörigkeit« erscheint. Prozeßparteien und vor allem natürlich bei Angeklagten im Strafprozeß immer wieder beobachten kann. die eindrucksvolle Strenge der Szene und die offizielle Ernsthaftigkeit des Geschehens die wichtigsten Ausdrucksmittel wie Scherz. im Austausch von Bonmots mit dem Angeklagten aus der Rolle gefallen zu sein und dabei eine »Lehre fürs Leben« erhalten zu haben. Nicht einmal ihre eigenen Angelegenheiten dürfen sie bagatellisieren.das Bekenntnis eines Richters. S. Wir müssen nun das Verfahren selbst als Anlaß für Darstellungen etwas genauer betrachten. 403 . 16 16 Vgl.Bemühungen um Distanzierung von der eigenen Rolle bei Behördenbesuchern. 99 . dessen Sinn zu klären bleibt. dazu Deutsche Richterzeitung 44 (injs). werden ihnen durch das Zeremoniell. Übertreibung.

also gegeneinander gerichtetes Handeln erlaubt ist. S. S. The Collected Papers of Mary Parker Follett. S.Metcalf/Lyndall Urwick (Hrsg. 1 2 t ff. 100 . Weniger durchsichtig ist. The Journal of Conflict Resolution j ( 1 9 6 1 ) . North/Howard E. 100 ff. M. der eine »Instituttonalisierung des Klassengegensatzes« zu beobachten meinte). Erlaubter Konflikt Einer der auffälligsten Züge gerichtlicher Verfahren ist. Robert C. The Journal of Social Psychology 56 (1962).Betriebssoziologie. daß Konflikte »an sich nichts Schlechtes seien«. Vgl. S. S.): The Anthropology of Conflict. i j i ff. Journal of Peace Research 1 9 6 5 . S. 2. Daneben gibt es besonders im angelsächsischen Schrifttum engagierte Verfechter der Ansicht. München 1 9 6 1 . S. ferner (im Anschluß an Simmel) Lewis A. Köln-Hagen 1 9 4 9 . 57-66. insbes. Rubenstein/Chadwick J.. ja in gewissen Grenzen sogar etwas Konstruktives und Gutes. 30 ff. Social Forces 35 ( 1 9 5 7 ) . worauf dieser Erfolg im einzelnen beruht . A Theoretical Paradigm. Daß eine »Institutionalisierung von Konflikten« möglich ist und Vorteile hat. 64 ff. S. i960. Glencoe III. The Journal of Conflict Resolution 4 (i960). Carl J. 1 8 2 ff. Theodorson: The Function of Hostility in Small Groups. siehe etwa: Soziale Klassen und Klassenkonflikt in der Industriegesellschaft.3 7 4 . und Bernhard Külp: Theorie der Drohung. Paul Torrance: Function of Expressed Disagreement in Small Group Processes. Zur soziologischen Analyse der Gegenwart. (im Anschluß an Theodor Geiger: Klassengesellschaft im Schmelztiegel.1 6 0 . S. Wiesbaden 1 9 5 9 . G.. Jr. 1 9 5 6 . Ralf Dahrendorf: Gesellschaft und Freiheit. Coser: The Functions of Social Conflict. 3 4 S . Köln 1 9 6 5 .): Some Theories of Organization. Zinnes: The Integrative Functions of Conflict. und für ethnologisches Material den Überblick bei Robert LeVine (Hrsg. oder: Sozialstruktur des Betriebs . S. und George A. 1 4 2 . 1 9 5 1 . Koch.1 0 8 . Aufl. Schon die historische Entwicklung von der unmittelbar motivierten Selbsthilfe zur gerichtlich vermittelten Rechtsdurchset1 2 1 Von »Instirutionalisierung von Konflikten* spricht zum Beispiel Ralf Dahrendorf verschiedentlich.. Neu gedruckt in: Albert H. 2 5 0 . Der gleiche Gedanke bei Talcott Parsons: The Social System. Am Beispiel des Gerichtsverfahrens läßt diese Frage sich besonders einleuchtend erörtern. London-Southampton 1 9 4 1 . Thurlings: The Dynamic Function of Conflict. S. Stuttgart I9S7. Friedrich: The New Image of the Common Man..3 9 7 ./Dina A. 1 9 7 ff. S. 3 5 5 . Sociologia Neerlandica 2 (1965). daß in ihnen kontradiktorisch verhandelt wird... Siehe statt anderer Henry C.2 5 8 . Haberstroh (Hrsg. ist wohl bekannt . J. insbes. Homewood III. Glencoe III. Boston 1 9 5 c . 2 8 2 . weil hier die Konflikte im elementaren Verhalten von Angesicht zu Angesicht dargestellt werden müssen. 2 Interessante Beiträge hierzu sind E. 3 .): Dynamic Administration. S.6. Johan Galtung: Institutionalized Conflict Resolution. S. S. 7 0 ff.

Oxford 1 9 6 5 . 1 3 . Was der Gegner ist. Gesellschaften. Beziehungen und Mittel der Gegner . die als Mittel der Rechtsdurchsetzung nur Selbsthilfe kennen. hierzu Theodore M. stehen zugleich vor der Notwendigkeit. 4 Zu den Mechanismen der Konfliktsteuerung in diesen Gesellschaften vgl. a. Law. a.zung zeigt. S. ergreifen sie mehr und mehr Themen. Newcomb: An Approach to the Study of Communicative Acts. sondern schon vorher. a.. daß auch Sozialordnungen ohne zentralisierte Entscheidungsrollen. weil Konflikte an sich zur Generalisierung tendieren. S. und zugleich ziehen die Gegner mehr und mehr soziale Beziehungen mit in den Konflikt. Höhere Stufen der Entwicklung lassen sich nur durch zunehmende Zentralisierung der Entscheidungen über die Anwendung physischen Zwanges erreichen.. die an sich miteinander verträglich wären. Lagen. worum es geht. Dies ist vor allem deshalb erforderlich. als Dissens und wechselseitige Behinderung bewußt werden. nach der Ausgabe der Everyman's Library. oder ders. Diese Tendenz zur Generalisierung schafft unnötige Konflikte. durchaus stabil sein können. den Hobbes als Naturzustand unterstellte . In dem Maße. Für unentscheidbare müssen entscheidbare Konflikte substituiert werden. ihre Konflikte umzustrukturieren und in Konflikte über zu treffende Entscheidungen zu verwandeln. S. ferner auch Thurlings. Gesellschaften mit Selbsthilferecht können eine Schwelle sehr geringer Komplexität nicht überschreiten . hat und macht. die dies versuchen. N i e arten sie in einem Krieg aller gegen alle aus. Galtung. S. 1 5 4 f.: Politics. Kap. 5 Vgl. Sie wird mit 3 4 5 3 Siehe Thomas Hobbes: Leviathan. and Ritual in Tribal Society. die Frage ist nur: auf welchem Niveau der Komplexität. Diese Korrelation von Gesellschaftsstruktur und Konfliktsform setzt sich zwingend und von selbst durch. müssen also soziale Ordnungsleistungen erbracht werden. Wir wissen heute. zur Ausdehnung auf alle Eigenschaften. O. kann nicht mein Freund sein. 63 ff. zit.. 101 .. London-New York 1 9 5 3 . Fronten bilden. Jeder Konflikt setzt eine strukturierte Gesellschaft voraus. Oxford 1 9 S S . 3 9 3 . namentlich Max Gluckman: Custom and Conflict in Africa. 81 ff. denn ein Kampf aller gegen alle ist viel zu schwierig zu kämpfen. und sei es nur des Überblicks halber.4 0 4 . O. In allen Kämpfen müssen sich. a. und z w a r nicht erst im Getümmel. erscheint dann als in jedem Falle verwerflich. wer sein Freund ist. Psychological Review 60 ( 1 9 3 3 ) . 349. S.

Mehr und mehr sind zur Koordination des Verhaltens nicht nur komplementär gebildete Verhaltenserwartungen (von der A r t : wenn du dein Schwert ziehst. Dabei müssen zugleich die Regeln abstrahiert werden. Eben das geschieht. Die Macht muß mit einer gewissen Verzögerung zum Zuge kommen (was voraussetzt. Zum anderen muß gleichwohl die Ernsthaftigkeit des Konfliktes erhalten bleiben. Dieses Doppelerfordernis des Erfassens und Begrenzens der Konflikte wird durch die Form des durch Rollen geordneten Konfliktes erfüllt. Das 6 Vgl. das wie ein Turnier aufgeführt wird. welche eine allzu direkte Konfrontation der Gegner in ihrer Rolle als Gegner unterbinden und insbesondere verhindern. durch entgegenwirkende Institutionen in einen entgegengesetzten Prozeß der Spezifizierung der Konflikte umgeleitet werden. über Isomorphie und Relevanz im Verhältnis von institutionalisiertem Konflikt und zugrunde liegendem realen Konflikt. O. wenn Konflikte auf Entscheidung hin kanalisiert werden. während die wirklichen Konflikte auf andere Weise entschieden oder nicht entschieden werden . 6 Eine Institutionalisierung von Konflikten ist nur erreichbar. wenn es gelingt... Macht vorläufig zu suspendieren und doch zu erhalten. an denen die Parteien sich gemeinsam orientieren. sondern gemeinsam anerkannte Regeln erforderlich. soweit möglich. 102 . Sie muß daher gestoppt und. Einerseits müssen den streitenden Parteien gewisse Waffen entwunden und ihr Streit muß weitgehend auf eine verbale Ebene verlegt werden. zieh' ich meines). S. 356. Die Form darf nicht zu einem Zeremoniell erstarren. Galtung. daß das System Zeit hat). a. daß die einzelnen Akte der Beteiligten die Komplexität für einander so drastisch reduzieren. Es müssen nämlich inkompatible Mechanismen verbunden werden. Z u nächst müssen hinreichend ambivalente Situationen geschaffen und bis zur Entscheidung offengehalten werden. Wie jedes Brechen natürlicher Tendenzen ist das ein schwieriges Unterfangen und kann nur einigermaßen komplexen Sozialsystemen gelingen. 363 ff.zunehmender funktionaler Differenzierung der Gesellschaft zunehmend unerträglich. daß nur noch Verzweiflungssdhritte Sinn haben. weil in einer solchen Gesellschaft K ö n fliktsträditigkeit und Störempfindlichkeit zugleich wachsen. Das allein genügt aber nicht. a.

für alle gleiche Thematik und funktionale Differenzierung der Stellung der Beteiligten zu dieser Thematik . kommen für Verfahren die Strategien 2 bis 4. wenn man darauf achtet. die zum Beispiel bestimmte Mittel ausschließen oder vorschreiben. ist praktisch nur durch Beteiligung von Anwälten erreichbar. für Gerichtsverfahren 2 und 4 in Betracht. erkennen sie sich wechselseitig in ihren Rollen als Parteien an. Alle Gerichtsverfahren bauen somit auf einer Rollendifferenzierung auf. daß die Betroffenen nicht selbst entscheiden. Auf Einzelheiten dieser Rollendifferenzierung kommen wir im nächsten Kapitel zurück. ( 3 ) durch Institutionalisierung einer Entscheidungsregel. die damit ermöglicht werden. ohne daß dadurch der Ausgang des Konflikts beeinflußt würde. daß dadurch zugleich das Zustandekommen einer Entscheidung garantiert werden kann. Während einfache Gesellschaften sich vor allem auf das unter 1 genannte Prinzip stützen. übersichtliches System. (2) durch Spielregeln im Sinne von Verhaltensbedingungen. um einen Erfolg zu erreichen. die einen Teil der Aktivität vom Gegner weg auf andere Personen hinlenkt und so Rollenrücksichten vielfältiger A r t ins Spiel bringt. IO3 . oder (4) einer Entscheidungsinstanz. Die Kompetenzverteilung allein sagt noch sehr wenig darüber aus. mit dem wesentlichen Vorteil. eine begrenzte. etwas genauer betrachten. Das ist möglich. Insofern ist das Prin- 7 Eine weitere Voraussetzung. Jede Partei gibt der anderen gleichsam einen Freibrief für Gegnerschaft. nämlich: ein kleines. weil damit über die Entscheidung selbst noch nicht vorentschieden wird. Zunächst müssen wir die Verhaltensweisen. Das erhellt erst. annähernd gleiche Qualifikation. Dadurch finden sich selten günstige Bedingungen für wechselseitige Disziplinierung und Kontrolle zusammen. die unklar werden lassen. die sicherstellt. wie die Regelung des Konflikts funktioniert. 7 Indem die streitenden Beteiligten. wer als Gegner und wer als Verbündeter in Betracht kommt. welches Verhalten sie den Parteien nahelegt. e t w a des Mehrheitsprinzips. zum Beispiel ( i ) durch sich überschneidende Loyalitäten.kann auf verschiedene Weise geschehen. sich bestimmten Verhaltensregeln unterwerfen und ihr Verhalten dem sich entwickelnden Verfahrenssystem einfügen.

die öffentliche Meinung und das rechtlich geregelte Verfahren. sich in bestimmten gesellschaftlichen Kreisen auf Takt verlassen zu können. In solch einer Atmosphäre praktischer Enthaltsamkeit. Auch er ermöglicht kontroverse Konversation dadurch. und zwar unter Abhebung dieser Kooperation von den jeweiligen Themen des sozialen Verkehrs. Der klassisch-liberale Begriff der »öffentlichen Meinung« setzt Institutionalisierung von Takt in diesem Sinne voraus und wurde sicherlich nicht zufällig in einer Zeit geprägt. Alles Streithandeln wird in eine Form gegossen. ijfij. Die beiden Säulen. Die Theorie der »Öffentlichen Meinung« hatte aus diesem Grunde immer ein problematisches (nicht zuletzt ideologisches) Verhältnis zur Wahrheit. daß die Beteiligten bei der Darstellung ihrer Meinungen zugleich ihren Respekt vor anderen Meinungen mitdarstellen. die dessen eigener Selbstauffassung entspricht und von ihm in seinem eigenen Handeln bestätigt wird . sondern auch die des Gegners zu wahren sei. Jedes Verhalten impliziert so einen Gegner. Berlin 1 9 1 3 . Dadurch wird das Verfahren als System integriert und in Betrieb gehalten . Schmähungen. in der eine Äußerung die Sache selbst nicht verrücken. Totowa N. Injurien und dergleichen zu unterbleiben hätte und »niemands weder mündlich noch schriftlich zu stumpfieren« sei (Reichskammergerichtsordnung von I ' J J J 1 23 § 2 . die Wahrheit selbst nicht verändern. welche eine Vorstellung des Gegners vermittelt. was Angelsachsen fair trial nennen und wir aus dem Grundrecht der Menschenwürde herleiten. ruhten auf parallel gebildeten Prämissen über Institutionalisierung von Konflikten und zugleich auf einem gebrochenen Verhältnis zur Wahrheit. daß die Annahme anderer Meinungen den anderen Menschen nicht diskreditiert. Gegner zu sein. Takt ist die Bereitschaft zu Kooperation an Selbstdarstellungen. 86 ff. IO4 .zip der Gleichheit der Parteien ein wesentliches Verfahrensprinzip.in dem. daß nicht nur die Würde des Gerichtes.. die glaubte. Das kommt auch in der Übertragung des Takt-Postulats auf Rechtsverfahren zum Ausdruck . J. insbes. 98 f. Diese Überlegungen beleuchten zugleich die innere Konsequenz und die Grenzen des altlibcralen Staatsdenkens.'S. daß der Interessenkpnflikt gleichsam sistiert und nur noch als Dissens über Tatsachen oder Rechtsfragen weiterbehandelt w i r d . Levin: Richterliche Prozeßleitung und Sitzungspolizei in Theorie und Praxis. 9 Ältere Prozeßordnungen enthielten vielfach ausdrückliche Vorschriften darüber. S. also ein Recht darauf hat. aber natürlich die Chance des Gewinnens beeinflussen kann. können die Parteien sich wechselseitig chancenneutrale Rollen konzedieren. der als solcher anerkannt ist. 8 9 10 8 Vgl. zitiert nach L . S. 2 4 7 ) . 10 Ganz Ähnliches leistet übrigens gesellschaftlicher Takt. in denen sie sich als Gegner darstellen und verhalten können. hierzu Vilhelm Aubert: The Hidden Society. also zum Ausdruck bringen. Denn vor der Wahrheit sind alle gleich. Vor Gericht geschieht diese Umstrukturierung in der Form.

daß die soziale Situation unter Kontrolle gehalten werden kann. hat jenen bedenklichen Generälisierungseffekt und erzielt im Grenzfalle nicht nur die physische. Man kann etwas Bestimmtes behaupten und aussagen.Natürlicherweise ist ja ein Streit um Recht ebenso wie ein Streit um Wahrheit immer zugleich Streit über den Streit. es wird verhindert. sondern auch die moralische Tötung. Jedenfalls wird ein existentielles Engagement nach Möglichkeit verhindert. sie müssen es moralisieren. greift an diesem Problem vorbei. Die Gefährdung der physischen und sozialen Identität radikalisiert den Streit und entbindet letztlich von der Beachtung der Regeln. Der Preis für diesen Erfolg ist ein gebrochenes Verhältnis zur Wahrheit und zum Recht. das heißt: es mit einer Projektion der Möglichkeiten weiteren gesellschaftlichen Zusammenlebens verbinden. Das mag manch einer als unbefriedi11 11 Diese Vermittlung als »Mittel« zum Zweck zu denken. daß aus bedrohten oder zerstörten Masken immer neuer. immer stärker gefühlsbedingter Streit aufflammt. daß die Darstellung anderer Meinungen nichts Ehrenrühriges an sich hat. in der Intensität des Durchhaltens ihrer Erwartungen darstellen. wie es die klassische Verfahrenstheorie tut. Unter solchen Bedingungen diskreditiert das streitende Verhalten zugleich die Selbstdarstellungen. kann im Verfahren nicht angemessen zur Sprache gebracht werden. Auf diese Weise werden die ärgsten Konsequenzen des Streitens für die Selbstdarstellung abgefangen. Daß ein Mensch sich selbst unbedingt aus der Wahrheit und dem Im-Recht-Sein versteht. weil solch eine Selbstdarstellung nicht in erlaubte Konflikte paßt. IOJ . Im institutionalisierten Konflikt besteht dagegen über das Recht zum Streiten kein Streit und daher auch kein Streit über die Vertretbarkeit kontroverser Selbstdarstellungen. Die Selbstdarstellung ist nur in Rollen zulässig. und es wird erreicht. Das heißt: Dem Gegner wird das Recht zum Streiten bestritten. »Andere Möglichkeiten« müssen im Blick behalten und mit dargestellt werden. Die Beteiligten können ihr Recht nicht mehr in der reinen Behauptung. weil über sie nicht verhandelt werden kann. Gerade auf diese »Vermittlung« von Wahrheit und Recht kommt es im Verfahren a n . muß aber zugleich im expressiven Stil des Verhaltens zum Ausdruck bringen.

I06 . daß dieses Akzeptieren durch Zulassung von Ausdruckschancen für Dissens bewirkt werden könnte. Das heißt natürlich nicht. ohne die Legitimität des Entscheidens zu gefährden . die lediglich einen Aspekt des Problems. Myth and Reality in American Justice. oder im deutschen Recht die Erwägungen. Sein Selbst wird im Verfahren also schonend behandelt und schonend auf das noch ungewisse Ergebnis vorbereitet. Aber damit ist nicht gesagt. 80 ff. daß auf diese Weise die Zustimmung auch zu nachteiligen Entscheidungen gewonnen werden kann. Torrance. die zur Einfügung des § 1 3 8 Abs. 1 9 4 9 . Jerome Frank: Courts on Trial. Andererseits schützt das Verfahren durch solche Rollenbindung und durch sie symbolisierendes Zeremoniell den Menschen vor dem Unheil einer allzu engen persönlichen Identifikation mit Wahrheit und Recht. Es wird ihm die Möglichkeit offengehalten. S. Diese Chiffre für offensichtlich sehr komplexe Zusammenhänge aufzulösen. sich von Wahrheit und Recht zu distanzieren und zu überleben. daß kontradiktorisches Verhandeln immer noch das beste Mittel sei. also mehr Konflikt b e r handeln können. Princeton N. a. J. liegt nicht in der Absicht dieser Studie. Die juristische Version dieser sozialwissenschaftlichen Hypothese ' findet man in der Behauptung. daß effektive Gruppen größere Diskrepanzen am Anfang des EntScheidungsprozesses mit größerer Bereitschaft zur Annahme des Ergebnisses kombinieren. auf die sich selbst ordnende Zeitfolge der Darstellungen achten. Zur Kritik vgl. die Wahrheit an den Tag zu fördern. B. 12 12 So z. I (Wahrheitspflicht) in die Z P O Anlaß gaben. Die tragende Ursache verbirgt sich rätselvoll hinter dem Begriff der effektiven Gruppe. a. O-.gend empfinden. die Einrichtung geordneter Verfahren. In der Literatur wird gelegentlich postuliert. herausgreift. Wir müssen daher den Blick zurückwenden auf das Funktionieren des Verfährens selbst und dabei mehr als bisher auf die Dynamik des Systems.

Beide Hauptrollen.in Frage gestellt werden kann . gemeinsame Hintergründe. Beider Leistungen müssen sich. Social Problems ir (1964). 2 2 5 . dem sich Inszenierung und Verhalten der Beteiligten unterordnen müssen.2 5 0 . soll das Verfahren gelingen. . komplementär ergänzen. weil sie nicht mit dargestellt werden können.über die Harold Garfinkel: Studies of the Routine Grounds of Everyday Activities. Das setzt voraus und führt dazu.und daher Risiken für die Beteiligten . unverwechselbare Trennung von Entscheidenden und Entscheidungsempfänger wesentlich: Die einen treffen die Entscheidung. welche Voraussetzungen erst geschaffen werden müssen. haben entsprechend ihrer unterschiedlichen Stellung im Verfahren unterschiedliche Darstellungsleistungen zu erbringen und daher eine unterschiedliche Verantwortung für den störungsfreien Verlauf. denen Nebenrollen wie Protokollführer. sich also gegenseitig die »implizierten Rollen« abnehmen. daß sich gemeinsame Sinnperspektiven. 1 Die Darstellung und Durchführung eines solchen Verfahrens muß nämlich mit erheblichen Belastungen erkauft werden. Polizisten. berichtet. Anwälte und Berater zugeordnet sein können. sondern eher größer sind. Dabei ist für alle zur Anwendung staatlicher Entscheidungsgewalt bestimmten Verfahren eine klare. Daß deswegen sie auch jedes Ergebnis zu überzeugen vermöchte. besteht in der Darstellung eines Vorgangs der Entscheidungsfindung auf Grund von Normen. ihn beeinflussen zu können.j. wird man nicht unterstellen dürfen. die darum nicht geringer. das nicht ohne schwerwiegende Störungen des Verfahrens . Sekretäre. Grenzen der Lernfähigkeit Der Sinn der offiziellen Gerichtsverfahren. Diese Verhaltenslasten liegen I Hierzu instruktiv die Experimente. wenn Unbekannte sich zu einem Verfahren zusammenfinden. 107 . Sie dienen der Aufhellung solcher Konsensprämissen im täglichen Verhalten und klären damit auch. S. Doch engagieren sich die Entscheidungsempfänger so nur im Hinblick auf einen ungewissen Entscheidungsausgang und in der Hoffnung. Boten bzw. die anderen müssen sie als Prämissen ihres Verhaltensbeachten. unstreitig bleibende Informationen zu einem System von Annahmen und Symbolen verfestigen.

2 Damit hängt zusammen. S.Vgl. Thibaut: Interaction Goals as Bases of Infcrence in Interpersonal Pereeption. Barnard: Functions and Pathology of Status Systems in Formal Organizations. ferner Niklas Luhmann: Lob der Routine. ehester I. Eine Quelle der Spannung liegt in dem unterschiedlichen Grad an Personalisierung der Darstellung auf beiden Seiten. einmal ein Wort von Mensch zu Mensch zu sprechen. New York 1966. für die andere dagegen außergewöhnliches Erleben bedeuten. 151-178 (tS7). 3 So z. Diese Fragestellung hat den Vorteil. In: Renato Tagiuri/Luigi Petrullo (Hrsg. die sich dieser Belastung entziehen. daß Situationen. sondern eher darin. indem sie einen Vertreter schicken. Gerhard E. die von einer Seite routinemäßig behandelt werden.nicht allein in der ungleichen Verteilung des Einflusses. Peter M. das Gefühl. indem sie also die Rolle des engagierten Anwesenden spalten in die Doppelrolle des nichtengagierten Anwesenden und. 46-83. aber stabilisierungsfähige Sozialscrukturen.): Person Pereeption and Interpersonal Behavior. 1958. S. Stanford Cal. Verwaltungsarchiv JJ (1964).): Industry and Society. Jones/John W. Lenski: Power and Privilege. gar nicht gesehen oder gehört und dann doch wieder unerwartet festgenagelt zu werden. Whyte (Hrsg. des engagierten Abwesenden. Diese Diskrepanz macht die Kommunikation schwierig und wird nicht selten als Problem erlebt: Man findet Richter und Verwaltungsbeamte. wenn nötig. Blau: Exchange and Power in Social Life. daß diese Asymmetrie im Falle des Verfahrens psychologisch nicht ausreichend kompensiert werden kann . S. die sich dadurch gedrängt fühlen. Als besonders bemerkenswerte Auseinandersetzungen mit diesem Problem vgl. ebenfalls unstabil sind . weil die Entscheidung für ihn eine Verhaltensprämisse bilden und durch Übernahme als Entscheidungsprämisse ihr Ziel erreichen soll. B. New York-London 1046. ihre Rolle zeitweise zu verlassen und. Die routinemäßig unpersön3 2 Hierarchisch-ungleiche Einflußverteilungen gelten in der heutigen Soziologie als prinzipiell unstabile. weil die Entscheidung als eine Folgerung aus Normen und Fakten erscheinen soll. Die Person des Entscheidenden muß aus der Darstellung ausgeschaltet werden. 1-33 (3°)- I08 . In: William F. A Theory of Social Sträti6cation. Sie vermitteln dem. Edward E. Andererseits muß die Person des Entscheidungsempfängers in die Darstellung des Verfahrens einbezogen werden. der ein wichtiges Anliegen vortragen will. New York-London-Sydney 1964. und man findet Entscheidungsempfänger. das Problem der Kompensation bewußt zu machen und einen Vergleich verschiedenartiger Institutionen unter diesem Gesichtspunkt zu ermöglichen.

denn die Entscheidung soll ja als eine Folgerung aus Fakten und Normen dargestellt werden. 4 Unter solchen Umständen dürfte die Erwartung. die die Entscheidung zu legitimieren haben. nicht aber als Person. 1 9 6 4 . als anderes Ich. 5 Ein anderer Begründungsversuch: den Beteiligten müsse eine gute Chance gegeben werden. durch Verfahrensbeteiligung in erheblichem Umfange die Zustimmung der Entscheidungsempfänger oder jedenfalls ein einsichtiges Sichabfinden mit der Entscheidung erreichen zu können. die Rolle derjenigen zugewiesen werden. Urbana III. S. um sie zur Anerkennung der Spielregeln und ihrer Ergebnisse zu veranlassen (so Murray Edelman: The Symbolic Uses of Politics. Selbst im Steuerrecht oder im Straßenverkehrsrecht dürften dieser Konzeption die vorausgesetzten Einstellungen weitgehend fehlen. und dabei die gegebenen Informationen in einem emotional ganz anders gefärbten Zusammenhang verwendet. als originäre Quelle von Sinn und Recht. in der Institution keinen ausreichenden Grund haben . spekuliert zu sehr auf angelsächsischen Sinn für Sport. versteht sich von selbst.). als daß er sich verallgemeinern ließe. das im Situationsstil vorgesehen ist und so fein und so tief trifft. Dementsprechend muß sie vorbereitet und müssen auch die Beteiligten auf sie vorbereitet werden . 1 1 7 . die im Entscheidungsprogramm vorgesehen sind. hart und unnahbar das Urteil verkünder und begründet. daß es sich der Entgegnung und oft sogar dem Bewußtsein entzieht. zu vertrauensvoller Kommunikation anregender Stil der Verhandlungsführung zu bitterer Enttäuschung führen. freundlicher. weder offen noch latent. Konkurrenz und Tauschgeschäft. nicht feinere Formen der Marterung und schon gar nicht jenes rein sachliche Vorbeigreifen an der Personalität. Aber damit sind nur die gröbsten Kränkungen ausgeschlossen. Es kann 5 6 4 Besonders in Strafverfahren kann ein »menschlicher«. wenn derselbe Richter dann nachher steif.1 3 2 . S. dämpft die in Amerika zuweilen anzutreffende Uberschätzung sozialer Aktivität durch die Unterscheidung von activity und ego-involved partici- 109 . 44 ff.liehe Handhabung des »Falles« ist wesentlicher Bestandteil des Verfahrens und seiner Darstellung. The Psydiological Review $3 ( 1 9 4 J ) . Daher können nur Informationen relevant werden. Auch die psychologische Forschung vermag solche Hoffnungen nicht zu stützen . mit Rechtsbrüchen davonzukommen. aber noch nicht Bekanntes behandelt werden. Anwesenden Entscheidungsempfängern kann dann. Allport: The Psychology of Participation. D a ß dies mit Respekt vor der Menschenwürde geschehen kann und durchweg auch geschieht. Die Entscheidung muß wie etwas schon Feststehendes. 6 Gordon W. Sie werden lediglich als Informationsträger behandelt oder auch als Fehlerquellen.

Theodore R.4 0 2 . dies. Sarbin/Vernon L . stärker zur Meinungsänderung in Richtung auf ihre Rolle verleitet werden als solche. Secord/Carl W. Frances M.2 1 8 . Damit ist indes nicht viel mehr gewonnen als eine skeptische Formulierung unseres Problems. S . New York-San Franc isco-Toronto-London 1964. Psychological Review 68 ( 1 9 6 1 ) . Diese Untersuchungen machen die Voraussetzung. King: The Influence of Role Playing on Opinion Change. wenn eine dazu passende Geschichtsdarstellung gefunden werden kann und wenn seine anderen sozialen Rollen seiner Frau. Secord/Jerry R. The Journal of Abnormal and Social Psychology 49 ( 1 9 5 4 ) . daß der Betroffene in einer so verfahrenen Lage den psychisch möglichen Ausweg wählt.: Social Psychology. Seymour Lieberman: The Effects of Changes in Roles on the Attitudes of Role Occupants. HO . Human Relations 9 (19*6). seinen Arbeitskollegen. da sie eine andere Situation im Auge haben. Allen: Role Enactment. er würde sonst fürchten müssen. S. Sociometry 27 (1964). An Interpersonal Approach. S.zwar sein. The Journal of Abnormal and Social Psychology 54 ( 1 9 5 7 ) . so daß dieser nicht plötzlich mit neuen Auffassungen über Recht und Unrecht auftreten kann. daß Rollenträger. 7 Zur Bedeutung des zwischenmenschlichen Kontakts und relevanter anderer für die Lern. wären also etwa für die Frage interessant. 4 1 1 . die für die eigene Meinung Ausdrucksmöglichkeiten bereitsteilen sollen. sondern auch seine Freunde zu verlieren. S. Public Opinion Quarterly 27 ( 1 9 6 3 ) . Doch zumeist hängen die Nächsten zu sehr an dem alten Selbst des Verlierers. die Widerspruch finden.1 8 6 . 2 3 0 . ihn in einer solchen Haltung bestärken und das Anerkennen ihm nicht als unbegreifliche Kehrtwendung angekreidet w i r d . King/ Irving L. 3 8 5 . nicht nur den Prozeß.B. S. In den hier interessierenden Fällen geht es dagegen um Rollen. wenn sie an ihr teilnehmen. 1 0 2 . Jene Lösung des psychischen Problems durch Annahme ist 7 pation. 1 8 3 . S. 2 1 1 .1 9 3 (letztere Studie mit dem sehr interessanten Ergebnis. Backmah: Personality Theory and the Problem of Stabiüty and Change in Individual Behavior. daß die Rolle im Widerspruch zur vorherigen eigenen Meinung steht und ihr keine Ausdrucksmöglichkeiten gibt. ob Schöffen eine bessere Meinung über die Justiz gewinnen. Unergiebig für unsere Zwecke sind indes eine Reihe von empirischen Untersuchungen über Meinungsänderung als Folge von Rollenverhalten.4 2 6 . die Zustimmung finden). Culbertson: Modifikation of an Emptionally Held Attitüde Through Role Playing. Irving L. $83 ff. S. Backman/Paul F. Chadwick F. seinen Freunden. S. S. 1 7 7 .2 3 3 . Bert T.3 2 . sich mit dem Ergebnis zu identifizieren und in der amtlichen Entscheidung gleichsam sein Alibi zu finden. Sociometry 16 { 1 9 6 3 ) . Human Relations 9 ( 1 9 5 6 ) . Siehe z. und Carl W. Janis/Bert T.1 1 1 . Janis: Comparison of the Effectiveness of Improvised Versus Nonimprovised Role-Playing in Producing Opinion Change. seinen Nachbarn gegenüber.und Änderungsfähigkeit einer Persönlichkeit siehe auch Paul F. and Attitüde Change. Das geht besonders dann. Audience Feedback.. Alger: United Nations Participation as a Learning Experience. Peirce: Resistance to Change in the Self-concept as a Function of Consensus Among Significant Others. 2 1 .

Dazu kritisch A. Fearn/Sheldon Stryker: A Note on Seif Conception and the Emotionally Disturbed Role. L. durch die Entscheidung so oder so zustande. Paul Bohannan: Justice and Judgment Among the Tiv. Law and Ritual in Tribal Societies. ob dieser Lerneffekt im Verfahren gesteuert und. ein Lerneffekt. soll demnach nicht bestritten werden.. Geknechteter. Aber weder Nachgeben noch Einsicht in Irrtümer ist die eigentliche Leitidee oder auch nur die latente Funktion des Verfahrenssystems .. S. Seine früheren Erwartungen 8 9 10 8 Das Vorherrschen des Schlichtungsgedankens wird zuweilen für Rechtsverfahren einfacherer Stammesgesellschaften behauptet. Die Alternative der inneren Verhärtung und einer Generalisierung des Konflikts auf alle Beteiligten und alle ähnlichen Sachlagen mag ein funktionales Äquivalent sein. Oxford 1 9 6 5 . Bd. Der Enttäuschte wird seine Erfahrungen. seinen Anwalt. Verhaltensweisen und Ziele in einer »abweichenden« Rolle neu organisieren und versteifen . Die Durchsetzung des Rechts scheint ihnen nicht Selbstzweck zu sein. 300-305. Daß ein Verfahren Irrende zur Einsicht bringen oder Rechtsbewußte vergleichsbereit machen kann. usw. dem Recht entsprechend. A Study in African Customary Law. einen Zeugen. S. Vergewaltigter. v. etwa Richard Thurnwald: Die menschliche Gesellschaft in ihren ethno-soziologischen Grundlagen. . T. vom Recht nicht bestätigten Erwartungen konsistent bleiben. wenn nicht gar als Kranker aufzutreten suchen. In diesem Fall wird der Lernvorgang unberechenbar. Sociometry 29 ( 1 9 6 6 ) . Verkannter. London 1 9 5 7 . Olawale Elias: The Nature of African Customary Law. Er wird künftig konsistent als Gekränkter. N. S. 1 4 s ff. der falsch aussagte. Betrogener. Berlin-Leipzig 1934. Man kann nach dem Verfahren nicht mehr dieselben Erwartungen hegen wie vor dem Verfahren.indes keineswegs die einzig mögliche. Er wird zum Beispiel einen Schuldigen suchen und finden: den Richter. Die Frage ist aber. Vgl. MaxGluckman: Politics. Manchester 1 9 5 6 . sondern eher die Form. Er w i r d seine Erwartungen so umstrukturieren. in die Selbstauffassung der Beteiligten aufgenommen wird oder ob er erst nach der Entscheidung durch ein Enttäuschungserlebnis zustande kommt. Michael Schwarrz/Gordon F. 1 8 3 ff. Epstein: Judicial Techniques and the Judicial Process. !0 Wie man aus vielerlei Quellen. Natürlich kommt eine Umstrukturierung v o n Erwartungen. Manchester 1 9 S 4 . etwa aus der ethnologischen Forschung über Hexenglauben oder aus sozialpsychologischen Forschungen über Sündenbock-Stereotypen III . S. in der Störungen und Streitigkeiten ausgeräumt werden. 9 Zu solcher Selbstfestlegung auf abweichendes Verhalten als konsistente Rolle vgl. daß sie seine Enttäuschung »erklären« und zugleich mit den enttäuschten. 1 1 2 ff.

die Hand in Hand gehen mit seiner G esch i chts fremd he it. kontert ein Richter (nämlich Hermann Weinkauff anläßlich seiner Abschiedsrede als Präsident des Bundesgerichtshofs: vgl. müßte ein soziales System. S. privaten Ressentiments zu bringen. S. daß sie ihren Insassen bei der moralischen Karriere ihres Selbst behilflich sind. Glencoe III.. Statuserhöhung des Richters. 2 2 2 ff. mit weiteren Hinweisen. ganz anders strukturiert sein .scheinen ihm dann nach wie v o r als richtig. 11 «Das zutiefst Unbefriedigende. mit seinem Mangel an einem schlichtsicheren und darum nicht angreiferischen Staats. Cressey (Hrsg. Seitdem wächst die Literatur über »therapeutische« Gemeinschaften ins Unübersehbare. 12 Hierzu grundlegend Talcott Parsons: The Social System. erwartet wird.: Prison I 12 . 1 9 5 1 . Krankenanstalten. bieten personale Enttäuschungserklärungen dieser Art erhebliche Vorteile. ja Gefährliche an unserem Rechtsbetrieb ist die elementare Rechtsferne und Rechtsfremdheit in unserem Volke. unvermeidbare Enttäuschungen in die Endform eines diffus verbreiteten. ist im Normalfäll nicht zu erwarten. 1 3 s ) . New York 1 9 5 3 : Robert N. Entwöhnüngsheime usw. und ders. Verfahren erzeugen nicht nur bleibende Einsichten.): The Prison. Es dürfte nicht durch invariante Vor12 weiß. statt anderer Neil J. S. Smelser: Theory of Collective Behavior. New York 1 9 6 3 . von denen. i c j ff. Rosow: Community as Doctor.. Studies in Institutional Organization and Change. S. das nicht Institution werden kann. Oscar Grusky: Role Conflict in Organization. Nach allem. Donald R. weil Personen ein sehr plausibler Zurechnungspunkt für Handlungen sind. die nur langsam abgetragen werden kann. Sie dient als ein noch relativ unschädliches Ventil. London i 9 6 0 . insbes. 249 ff. 4 5 2 . sondern darin. was wir heute über den Lernvorgang und namentlich über das Umlernen von Meinungen und Einstellungen wissen. Siehe als typische Beispiele für diese Konzeption Maxwell Jones: The Therapeutic Community. sondern auch bleibende Enttäuschungen. Entsprechend konservativ fallen seine Empfehlungen aus: Abbau der Gesetzesflut. 11 Daß in Rechtsverfahren ein zielgerichtetes.und Nationalgefühl und mit seinem erschreckenden Mangel an gemeinsamen Grundüberzeugungen und Wertvorstellungen«. Administrative Science Quarterly 3 ( 1 9 5 9 ) . Rapoport/Rhona Rapoportl. New York 1 9 6 1 . Die Verbreitung eines negativ stereotypisierten Bildes des Juristen und des Richters in der Öffentlichkeit braucht daher nicht zu erstaunen . erlauben sie ein hohes Maß von Konsistenz alter mit neuen Erwartungen.. "Wie gerade das hier behandelte Beispiel des Rechtsverfahrens zeigt. Vgl.4 7 2 . und seine Zukunft wird belastet mit der Hypothek permanenter Frustration. empirisch bezogen vor allem auf Gefängnisse. das dies leisten sollte. aber als nicht mehr durchsetzbar. Rückkehr zum Naturrecht. A Study of Prison Camp Officials. zumindest in der soziologischen Analyse. enttäuschüngsloses Lernen erreicht werden könnte. Ihre Funktion liegt nicht in der Verhinderung von Enttäuschungen. Deutsche Richterzeitung 38 [ i 9 6 0 ] .

1 6 1 .1 7 7 . 18 Anm. in: Ernst E . Earl Rubington: Organizational Strains and Key Roles. Membership. A Cbmparative Study. Administrative Science Quarterly 9 ( 1 9 6 5 ) . Evan (Hrsg.7 2 .3 6 7 . müßte zunächst Ersatzpositionen mit neuen Erwartungen aufbauen. it. Die gegenteilige Auffassung von Talcott Parsons: The Law and Social Control. S. Journal of Personality and Social Psychology 5 (i967)» S. S.. 3 5 3 .9 0 (8$ ff. S. 7 6 . auf die individuellen Bedürfnisse und Lernschwierigkeiten einzugehen und sich nach ihnen zu richten. O. nicht erwartet werden . Administrative Science Quarterly 9 {1964). Schon diese Vor13 14 Organizations. die sich insbes.vor allem wenn es den Beteiligten nicht völlig unverständlich und zufallskontrolliert abzulaufen scheint. S. Exploratory Essays. Es müßte Lernerfolge belohnen können und auf ein Fortschreiten Schritt für Sehritt eingerichtet sein. Auch ein solches System eröffnet zwar gewisse Lernmöglichkeiten . soziokulturellen Geburt* des Menschen. Köln-Opladen 1967. auch Melvin Seeman: Alienation. Es dürfte vorgefaßte Meinungen nicht frontal attackieren. auch Aubert. a. 13 Diese Beurteilung auch bei Harry C. : Berlin 1 9 6 2 . March (Hrsg. In: James G. zit.. die Kausalität des eigenen Handelns.). dt. Vgl. sondern müßte indirektes Vorgehen erlauben. Chicago 1 9 6 5 .1 0 7 0 . and Political Knowledge. a.): Handbook of Organ. In: Evan. 14 Diese Variable prüfen Julian B. 1 4 1 ff. auf die Rolle des Anwalts stützt. von denen aus dann die alten nach und nach abgestoßen werden könnten. Rotter/Shepard Liverant/Douglas P. William A . S. Rosengren: Communication. S. Vgl. den Lernvorgang im Rechtsverfahren und damit dessen Legitimierungseffekt empirisch zu überprüfen. bes. Crowne: The Growth and Extinction of Expectancies in Chance Controlled and Skilied Tasks. Vermutlich lägen auch hier Möglichkeiten. 1 0 2 3 .zations.Schriften programmiert sein. Obers. 7 0 . 350-369. Organization. 1 2 1 . Es müßte schließlich die Möglichkeit haben. Eine Studie zur »zweiten. Das alles kann von einem System. elastische Transmission von Werten in den Nachwuchs und die besondere Eignung der Familie für diese Aufgabe. S. etwa die Überzeugungskraft der eigenen Argumentation. The Public Opinion Quarterly 30 (1966). In: William M. sondern ihnen eine Gelegenheit gibt. New York 1 9 6 2 . Vgl. ist ziemlich unrealistisch. miterlebend zu verfolgen . müßte innerhalb gewisser Grenzen über die Möglichkeiten verfügen können. das prirnär auf Rechtsanwendung im Sinne von Programmausführung spezialisiert ist. S. Hirsch/Manfred Rehbinder (Hrsg.): Law and Sociology. Verstöße zu tolerieren oder doch von Sanktionen abzusehen. S. J 6 . William R. and Conduct in the »Therapeutic Milieu«. The Journal of Psychology 52 ( 1 9 6 1 ) .9 0 . Bredemeier: Law as an Integrative Medianism.1 3 4 . ferner Dieter Ciaessens: Familie und Wertsystem. von anerkannten Werten abzuweichen.): Studien und Materialien zur Rechtssoziologie. S. "3 . 4 . Watts: Relative Persistance of Opinion Change Induced by Active Compared to Passive Participation. über »paradoxe«.1 j.

. Mead: The Psychology of Punitive Justice. daß im Verfahren selbst und ohne den Umweg über das Enttäuschungserlebnis ein wesentlicher Lerneffekt erzielt werden kann. den dekorativen Rahmen und die Ernsthaftigkeit des Geschehens. hat für eine Bestätigung der 15 15 Daß Rechtsbrüche Anlaß bieten zu einer zeremoniellen Wiederherstellung des Rechts.: Les règles de la méthode sociologique. Siehe dazu auch George H. 7. Im übrigen spricht die notwendige Intoleranz des Rechts gegen Verstöße und die Entweder/Oder-Struktur des Entscheidensj die eine Enttäuschungsquote von jo % bedingt. und sah darin eine wichtige positive Funktion von Abweichungen. lind. 80 ff. S. Aufl. 357—602. dagegen. in der eine Antwort gesucht werden muß. Die Anwendung von Recht und das Lernen von Recht sind verschiedenartige. Durch ihre Teilnahme am Verfahren werden alle Beteiligten veranlaßt. ja das ganze Recht. 3î ff. die Prämissen der gesuchten Entscheidung. Allport: Institutional Behavior.aussetzung ist aber bei komplizierten Rechtsproblemen schwer erfüllbar. mit darzustellen und so zu bestätigen . Ein Verfahren ist z w a r im allgemeinen nicht motivkräftig genug. mit entgegengesetzter Bewertung.. (vgl. The American Journal of Sociology 23 ( 1 9 1 8 ) . daß die Vertreter der Macht ihre Entscheidungsgrundsätze und Entscheidungen in einseitiger Feierlichkeit verkünden. Paris i960. Floyd H. 8. Es genügt nicht. Chapel Hill 1 9 3 3 . diskrepante Funktionen. vielmehr nur eine übertriebene. aber es bringt sie jedenfalls zu einem: zu unbezahlter zeremonieller Arbeit. S. soweit es nicht im Streit ist. ohne daß beide darunter litten. betonte bereits Emile Dürkheim: Dé la divion du travail social.). Essays Toward a Re-interpreting of Contemporary Social Organization. die Verteilung der Rollen und Entscheidungskompetenzen. Aufl. IM . Paris 1 9 2 7 . die möglicherweise den kürzeren ziehen. S. um den unterliegenden Entscheidüngsempfängern eine Anerkennung oder gar eine Selbständerung abzugewinnen. S. Die laufende Sanktifizierung des Rechts kann auch in Verfahren erfolgen. Gerade die Mitwirkung derer. 106 ff. unrealistische Erwartung zurückgewiesen und im übrigen die Richtung angezeigt. Dieser Gedanke läßt sich auf Verfahren im allgemeinen übertragen. Mit diesen Überlegungen ist indes die legitimierende Funktion von Verfahren nicht schon negiert. auch ders. die nur der Beseitigung von Ungewißheit dienen und keine zuvor erfolgten Rechtsbrüche voraussetzen. auf die ein S y stem nicht zugleich spezialisiert werden kann.

das den Beteiligten nur einige noch fehlende Informationen abverlangt und dann nach eigener Einsicht überraschend entscheidet. dazu Jürgen Habermas: Strukturwandel der Öffentlichkeit. N u r durch Beachtung der Grenzen des Möglichen. aus dem Mittelalter stammende Gedanke der Repräsentation als einer festlichen Darstellung der sozialen Ordnung »in corpore et membris«. muß das Gericht gerade umgekehrt die seine im dunkeln lassen und nur potentiell relevante Meinungen zur Diskussion stellen. sondern auch Rechtsprobleme Gegenstand der Verhandlung werden. Ein Gericht. für ihre Fixierung als verbindliche. Neue Juristische Wochenschrift 1 2 (1959). 24 ff. bestimmte Zweifel auswählen. 1 2 9 7 . Zum Stand der Diskussion vgl. 17 Die heutige deutsche Gerichtspraxis sieht aus verständlichen praktischen Gründen von der eingehenden Erörterung von Rechtsfragen in der Regel ab. auch Hans Dahs: Das rechtliche Gehör im Strafprozeß. München-Berlin 1965. S.8 . nicht aber im Hinblick auf die Fragestellungen des Gerichts präzisieren. Je mehr nicht nur offene Tatfragen. die sich zunehmend verengen. Neue Juristische Wochenschrift 1 2 (19S9). den Streitstoff thematisch zu begrenzen oder doch in schwierige Einzelfragen aufzulösen und die Endentscheidung dadurch zu entlasten . 17 ff. Kommt es auf bestätigende Mitwirkung des Betroffenen an. persönlich-engagierende Verhaltensprämisse besonderen Wert . Die Kritik dieser Praxis durch Adolf Arndt: Das Rechtsgehör. 6 . Einmal in den Trichter des Verfahrens geraten. eine günstige Entscheidung zu erhalten. gewinnt die Frage des Gesprächsumfangs im Verfahren große Bedeutung. S. müssen sie ihre Freiheit einschränken. Während die Parteien ihre Position festlegen müssen. nutzt die Chancen der Legitimation nicht. und zwar mit Hilfe der Rechtsordnung und deren Rhetorik. 115 . um so größer ist die Aussicht. Argumente zuspitzen . ihre Unzufriedenheit zu spezifizieren und die wenigen offenen Streitpunkte herauszuarbeiten. Im Verlaufe einer solchen Verhandlung werden die Parteien dazu gebracht. Neuwied 1 9 6 2 . Die Betroffenen können dann ihre eigenen Rechtsansichten nur aufs Geratewohl. und ders. daß die bei einem Gespräch vorauszuserzende Gleichheit fehlt. Um konsensfähige Punkte zu gewinnen. können sie hoffen. die als solche in die Darstellung eingeht. Gewisse Schwierigkeiten eines solchen »Rechtsgesprächs« vor Gericht dürften auch darin begründet sein.Normen. müssen die Parteien sich auf eine Entscheidung hin bewegen. Vgl. S. hat ein skeptisches Echo gefunden.und sie bringen sich selbst damit 16 17 16 Darauf beruhte wohl auch der ältere. die ein Verfahren bietet. S.1 3 0 1 .: Die Verfassungsbeschwerde wegen Verletzung des rechtlichen Gehörs. Untersuchungen zu einer Kategorie der bürgerlichen Gesellschaft.

insbes. New York-London-Sydney 1964. gegen den die Gemeinschaft sich zur Wehr setzen müßte. On Power. A Working Paper. 19 Jerome Frank: Courts on Trial. wie es dem Kläger und seinen Freunden und vielleicht auch der Presse zunächst schien. Shelly 11 (Hrsg. Ein Richter. New York 1 9 6 3 . 4 ff. der sich an diesem Gebot vergeht. and Their Correlates.. Leavitt/ Maynard W. aber noch keine höchstrichterlichen Entscheidungen vorliegen. Myth and Reality in American Justice. Funktion des Verfahrens ist mithin die Spezifizierung der Unzufriedenheit und die Zersplitterung und Absorption von Protesten . u s . die beruflich damit befaßt sind und darüber entscheiden müssen. S. New York 1 0 6 1 . einen Gewaltakt der Bürokratie. dabei jedoch die positive Funk- Il6 . Sie muß daher während des Verfahrens mit aller Sorgfalt und mit Mitteln des Zeremoniells gepflegt und erhalten werden — zum Beispiel durch betonte Darstellung der richterlichen Unabhängigkeit und Unparteilichkeit. Princeton N. Cooper/Harold J.Weiner: The Politics of Scarcity. In: William W. der eigentlich legitimierende F a k t o r . 246 ff. 2 3 1 ff. zu der entgegengesetzte Gerichtsurteile. Neil J. S. z. bat dies. kann wegen 18 19 18 In einem allgemeineren Sinne findet das Thema der »Absorption von Protesten« in der Sozialordnung heute zunehmendes Interesse. Diese Ungewißheit ist die treibende Kraft des Verfahrens.. B. Chicago 1 9 6 2 .): New Perspectives in Organization Research. Clark Kerr/John T. an dem niemand mehr rechtes Interesse für ihr besonderes Anliegen aufbringen kann außer denen. durch Vermeidung bestimmter Entscheidungsversprechen und durch Verheimlichung schon gefaßter Entscheidungen. Public Pressure and Poiitical Response in India. i960. Ruth Leeds: The Absorption of Protest.. im englischen Prozeß sogar durch die Regel. Involvement. Harbison/Charles E. J. Cambridge Mass.. Smelser: Theory of Collective Behavior.an einen Punkt. Myron . 1 9 4 9 . daß der Richter vollständig unvorbereitet zur Verhandlung erscheint und ihm alle Einzelheiten mündlich vorgetragen werden müssen. um einen empörenden Übergriff in Rechte und Freiheiten des Bürgers. S. sondern nur noch um eine schwierige Zweifelsfrage aus dem Enteignungsgesetz. Dunlop/Frederick K. Die Spannung muß bis zur Urteilsverkündung wachgehalten werden. Amitai Etzioni: A Comparative Analysis of Complex Organizations. The Problem of Labor and Management in Economic Growth. Es handelt sich dann nicht mehr. S. Myers: Industrialism and Industrial Man. Motor des Verfahrens aber ist die Ungewißheit über den Ausgang. 194 ff.1 3 5 . insbes. S. Vgl. Moment der »chanciness« der Gerichtsverfahren besonders betont und ins geradezu Abenteuerliche karikiert.

S. O. von der er sich selbst distanzieren kann. 80 ff. Nach deren Ableistung findet er sich wieder als jemand. S. S. Wer infolgedessen seine Erwartungen und seine Verhaltensweisen ändern muß.). daß er neue Wertorientierungen übernimmt oder tief20 21 22 tion nicht ausreichend in den Blick bekommen. Denn hohe kognitive Dissonanz kann durchaus auf andere Weise als durch Internalisierung der erzwun- II/ .White Plains N. daß in solchen Situationen typisch geringe kognitive Dissonanz entsteht. Nicht zu folgen vermag ich Festinger in der Hypothese.6 3 (43 ff. um den Entscheidungsempfänger zu unbezahlter zeremonieller Arbeit zu veranlassen. umstehende Zuschauer für den eigenen Rechtsstandpunkt zu gewinnen und dadurch die Richter oder auch die Gegner zu beeindrucken. seine Interessen als konsensfähig zu generalisieren und größere soziale oder politische Allianzen für seine Ziele zu "bilden . Die Entscheidung wird. ist dagegen ein wesentlicher Aspekt der öffentlichen Rcchtsfindungsverfahren einfacherer Gesellschaften. 4 1 . der die Normen in ihrer Geltung und die Entscheidenden in ihrem Amte bestätigt und sich selbst die Möglichkeiten genommen hat. wegen eines moralischen Unrechts öffentlich zu leiden. 21 Isolierung durch Zeremoniell kann also nicht nur der »Berührungsangst« von Richtern zugerechnet werden . die dem einzelnen keine Chancen mehr läßt. 20 Gerade diese Möglichkeit. ist verbaut. a. 22 Insofern kann man im Anschluß an Leon Festinger: A Theory of Cognitive Dissonance. Die Ungewißheit wird nämlich als Motiv in Anspruch genommen. In: Legal Essays. sagen. Festskrift til Frede Castberg. Zürich 1948. es ist weder nötig noch wird erwartet. Die positive Funktion der Unvorhersehbarkeit für die Konfliktslösung betont Galtung. 84 ff.so Paul Reiwald: Die Gesellschaft und ihre Verbrecher.. insbes. Sie ist gemeinsames Werk alier Verfahrensbeteiligten. Evanston III. 1 9 3 7 . Kopenhagen 1 9 6 3 . Eine Rebellion gegen die Entscheidung hat dann kaum noch Sinn und jedenfalls keine Chancen mehr. Das Ausmaß an institutioneller Anerkennung der Gerichtsbarkeit schlechthin . gerade die Wehrlosigkeit des einzelnen Verlierers ermöglicht es ihm eher. Y. paßt sie einer Situation an. Er hat sich selbst isoliert . 3 7 0 .»Befangenheit« abgelehnt werden. aber auch die im Verfahren erst erbrachten Leistungen schaffen eine eindeutig strukturierte Situation. Selbst die Möglichkeit. daß eben deshalb auch die Chancen der Internalisierurig geringer seien als bei hoher kognitiver Dissonanz mit stärkeren Pressionen auf inneren Spannungsausgieich.. a. ferner Vilhelm Aubert: The Structure of Legal Thinking. Und gerade diese Eindeutigkeit erleichtert das Akzeptieren. die Entscheidung als eigene Verhaltensprämisse zu übernehmen . als verbindlich akzeptiert. ohne daß es auf innere Bereitschaft noch ankäme.das hatte man immer schon gesehen —. S. Vgl. .

ohne Persönlichkeiten tiefgreifend umzustrukturieren. Edwin M. Der Verlierer wird zum Sonderling. um Politik als autonomes S y stem der EntscheidungsVorbereitung dagegen absetzen zu können. 2 4 7 . S. Thomas J. Kitsuse: Societal Reaction to Deviant Behavior. Uber Techniken der Bewältigung beschädigter Identität. Becker: Personal Change in Adult Life. Lemert: Human Deviance. kann nicht zu jedermann über seinen Prozeß sprechen. S. zu einem. 23 24 25 genen Zumutung entspannt werden. 3. Die dieser Ordnung der Rechtsanwendung entsprechende Form der Politik muß. S. Chicago 1 9 6 6 . wie andere sich selbst zu begreifen haben.2 3 6 . die ihn nicht mehr zu belehren und zu verändern trachten. Er muß sein Publikum sehr vorsichtig und sehr eng wählen. Man hat es beobachtet zum Beispiel bei Prostituierten. Y. daß auch Prozeß V e r l i e r e r . Er w i r d so charakterisiert. Scheff: Being Mentally III. zum Querulanten. Kap. dessen Lieblingsthema man kennt und nach Möglichkeit vermeidet. man: Stigma. als Alternative zur Sanktion. wie w i r noch sehen werden . 40 ff. Stotterern. Il8 . 24 Vgl. Es ist zu vermuten. bevor sie Anwendung physischen Zwanges auslösen. insbesondere dafür nicht mehr zählt. daß Konfliktsthemen. unten Teil m. In dieser isolierten Position kann der Verlierer seine Erwartungen z w a r festhalten. eine Aufsplitterung der Konflikte voraussetzen. politischen Extremisten. zum Beispiel auch durch Annahme einer frustrierten Weltsicht. Strafgefangenen . S. Social Problems 9 ( 1 9 6 2 ) . 23 Entsprechend unterscheidet Howard S. Sociometry 2 7 (1964). harrt aber noch empirischer Untersuchung. Frankfurt 1 9 6 7 . aber um einen hohen Preis. Solches Fixieren in der Abweichung hat. Homosexuellen. insbes. and Social Control. eine F o r m erhalten. situational adjustment und commitment und betont. Ähnlich Irving Rosow: Forms and Functions of Adult Socialization. Erving Goff. Problems of Theory and Method. in der neueren Forschung einige Aufmerksamkeit gefunden. daß sein Erwarten nicht mehr zählt. Social Forces 44 ( 1 9 6 5 ) . daß die Sozialordnung im allgemeinen Situationsanpassung erreichen könne.liegende Interessen oder Formen der Erlebnis V e r a r b e i t u n g umlernt . Englewood Cliffs N. 3J-4J. sondern ihn in der R o l l e des Abweichenden stabilisieren. Abweichungsstabilisierungen sind fast unvermeidlich mit Statusverlust verbunden. 25 Einige Literaturhinweise: John I. Rauschgiftsüchtigen. A Sociological Theory. 1 9 6 7 . in der sie nicht mehr generalisierbar und daher auch nicht mehr politisierbar sind. Entscheidend ist. Social Problems. Dann treten soziale Prozesse in Aktion. 40^33. Geisteskranken.

als persönliche Einverseelung sozial gebildeter Uberzeugungen nicht vollständig begriffen werden . 82 f. Für ältere. S. Cambridge Mass. 7 1 . S. In: Carl J. In: David Easton (Hrsg. 39 ff. insbes.2 2 1 .die das gebotene Lernen verweigern. Problems and Approaches. der seine Erwartungen ändern muß. 28 In anderer Weise lassen sich ähnliche Indifferenzen durch Mitgliedschafr in Organisationen erreichen. 1 9 5 8 .: The Political Aspect of Social Structure and Process. 1 9 7 . 111-13S (122 f. 3 3 . Dazu näher Niklas Luhmann: Funktionen und Folgen formaler Organisation. hierzu auch die kritischen Bemerkungen von Einhard Schräder: Handlung und Wertsystem. Überhaupt kann Legitimität als »Internalisierung« einer Institution. Legitimation. 26 27 28 Ganz allgemein wird man die soziale Funktion eines Konfliktslösungsmechanismus nicht als Auslösung bestimmter psychischer Prozesse des Akzeptierens zu begreifen haben. S. S. teilweise überholte Formulierungen zum Parsonsschen Legitimitätsbegriff siehe Talcott Parsons: Authority. 1966. Vgl. zu gemeinschaftlicher Harmonie der Ansichten über Recht und Unrecht und auch nicht zu dem. J .): Varieties of Political Theory. New York 1964. 119 . also des Lernens im sozialen System. Legitimation durch Verfahren führt demnach nicht unbedingt zu realem Konsens. das auf stärkerer Systemtrennung beruht und dadurch ein höheres Potential für Komplexität aufweist: Die Sozialordnung kann auf diese Weise von der Eigenart individueller Persönlichkeiten als Motivierungssystemen weitgehend unabhängig gestellt werden und eben deshalb eine ausgeprägte Individualisierung der Persönlichkeiten erlauben.7 0 (37). Englewood Cliffs N. auf eine solche negative Identität festgelegt und damit symbolisch entschärft werden.1 1 2 . Authority (Nomos ]). was Parsons rätselvoll »articulation of power with real commitments« nennt . und zuletzt ders. S. In: Harry Eckstein (Hrsg. Friedrich (Hrsg). 27 Parsons mißt dagegen im Anschluß an Dürkheim psychischen Prozessen dieser Art tragende Bedeutung für die Stabilität sozialer Institutionen bei und fragt nicht nach funktionalen Äquivalenten. zustimmt oder nicht. insbes. Berlin 1 9 6 4 . and Political Action. der weitgehend dagegen indifferent gemacht werden kann. S. Es scheint. Vielmehr geht es im Kern um einen Vorgang der Umstrukturierung von Rechtserwartungen.). Soziale Welt 1 7 (1966). sondern 26 Siehe Talcott Parsons: Some Reflections on the Place of Force in Social Process. ob derjenige.): Internal War. daß damit ein Verhältnis von Individuum und Sozialordnung angebahnt wird. Zum Begriff der Institutionalisierung in Talcott Parsons' soziologischem System.

Journal of Peace Research 1 9 6 5 . das Sozialsystem gegen die Folgen der Wahl einer psychischen Lösung für die Verarbeitung dieses Faktums zu schützen. 29 Alle Systemmerkmale eines Verfahrens. verdeckt dieses Problem . Und dies ist der Grund. das. 3 4 8 .und den Begriff des Akzeptierens unerläutert läßt.eher als Immunisierung des sozialen Systems gegen diese Prozesse. die w i r im Vorigen theoretisch vorgeführt haben. Diese Wahl darf keine soziale Resonanz mehr finden. 29 Sehr kennzeichnend dafür sind die Ausführungen von Johan Galtung: Insiitutionalized Conflict Resolution. dies zu bewirken. bewußt oder unbewußt Verhaltensalternativen aufzugeben. müssen zusammenwirken. 3 3 4 . um sich durch eine eigene Geschichte individualisieren zu können. denen der Zug zur Festlegung und Verengung eigen ist. insbes. Das Problem liegt nicht darin. an Rollen mitzuwirken. es muß zureichend komplex sein. als Reduktion der Komplexität mit zu vollziehen und schließlich die Entscheidung in neue Situationen weiteren Lebens zu übernehmen unter Aktivierung psychischer Anpassungsmechanismen. So werden die Betroffenen veranlaßt. daß durch Institutionalisierung des Mechanismus die Bereitschaft zu akzeptieren gesteigert werden könne . N u r so kann es bei den Betroffenen Motive mobilisieren. bei dem die meisten wohl an eine erfreuliche Art innerer Befriedigung denken. um Konflikte zur Sprache bringen und ihren Ausgang eine Zeitlang im Ungewissen lassen zu können. Dazu braucht man kein Verfahren. was geschieht. die dafür aufgebotenen Ressentiments dürfen. nicht Institution werden. daß volles Akzeptieren als Effekt eines Konfliktlösungsmechanismus nicht zu erwarten sei. S.3 9 7 . die er weder ändern noch ignorieren kann. sondern darin. der betont. um dieses Egebnis zu erreichen: Das Verfahren muß durch spezifisch organisations. wie gesagt. es muß bei aller Bindung an Rechtsnormen eine gewisse Autonomie gewinnen. Die Unklarheit des Begriffs des »Akzeptierens«. gegen deren Auswahl die Gesellschaft weitgehend indifferent sein kann. seine Position freiwillig zu individualisieren und zu isolieren. Natürlich »akzeptiert« der Betroffene. S. wenn ihm eine Entscheidung zugestellt wird. 120 .und verfahrensrechtliche Normen und durch eine gesellschaftlich institutionalisierte Rollentrennung als ein besonderes Handlungssystem ausdifferenziert werden. aus dem der einzelne durch ein Verfahren dazu gebracht werden muß.

nämlich die. den einzelnen. bedienen können. gesellschaftlichen Z w a n g durch inneren Zwang ersetzend. daß sein Protest folgenlos bleibt. thematisch und sozial so zu isolieren. daß eine Legitimation durch Verfahren nicht darin besteht. Es scheint mithin. diesen Geltungsanspruch im sozialen Leben gefahrlos zu verwirklichen. 1 Das kann indes nicht allein durch Separatbehandlung ein- 1 Im Anschluß an Dürkheim und Freud greift vor allem Parsons in seiner Theorie der Institutionalisierung sozialer Werte und Normen auf diesen Gedanken psychischer Internalisierung zurück. Daß damit eine bedeutsame Möglichkeit sozialer Integration entdeckt wurde. Bürokratie und Publikum liegen dafür zu weit auseinander. ist sicher . Andererseits bestehen doch Zweifel daran. sondern darin. O. den Betroffenen innerlich zu binden. daß an der Grenze zwischen Entscheidungsbürokratie und Publikum solche ein verseelenden Mechanismen kaum erfolgreich wirken können. Darstellung für Unbeteiligte Zu den Prämissen der von Dürkheim und Mead und in ähnlichem Sinne auch von Freud geförderten Symboltheorie gehören gewisse psychologische Grundannahmen.8. Eben diese Indifferenz gegen individuelle Motivationsstrukturen und Zustimmung oder Ablehnung durch einzelne wird mit dem Begriff der »Geltung« von Werten und Normen ausgedrückt. a. durch spezifizierte und wechselbare Rollen geordnete Gesellschaften sich solcher Mechanismen. in welchem Umfange sehr stark differenzierte. darunter vor allem die. D a s heißt nicht. die konkrete Persönlichkeiten gefühlsmäßig binden. a. 121 . Zumindest hat unsere Analyse den Verdacht geweckt. wenn er nicht zustimmt. daß die symbolbildenden und darstellenden Prozesse hier fehl am Platze wären und aufgegeben werden könnten. ihn als Problemquelle zu isolieren und die Sozialordnung von seiner Zustimmung oder Ablehnung unabhängig zu stellen. aber sie erfüllen eine andere Funktion. daß Symbole Gefühle binden und daß mit ihrer Hilfe soziale Normen einverseelt und zum Gesetz des eigenen Selbst gemacht würden — äußeren. Eine gute Einführung vermittelt Schräder. Verfahren dienen dazu.

Nicht jeder. rechtlich fixierte Interessen nachweisen können. wenn Konsens in großem Umfange tatsächlich besteht oder doch durch Nicht2 3 2 Auf diese Funktion der begrenzten Parteifähigkeit im Gerichtsverfahren geht auch David Easton ein . der sich für die behandelten Probleme interessiert oder sich durch die möglichen Entscheidungen berührt fühlen mag. 122 . die Gerichtsentscheidung zu akzeptieren und auf politische Aktion zu verzichten. 1 0 . New York-LondonSydney 1 9 6 s . S. Legitimierung ist Institutionalisierung des Anerkennens von Entscheidungen als verbindlich. Als Beispiel siehe das Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 3 1 . und es wird verhindert. Außerdem hat das Prinzip der begrenzten Zulassung die latente Funktion eines Mechanismus zur Isolierung einzelner Interessenten. man muß vielmehr sehr spezielle. S. ist zuzugeben. Arbeit und Recht 7 ( 1 9 3 9 ) . etwa die Kritik als »politische Option« bei Wolfgang Abendroth: Innergewerkschaftliche Willensbildung. Deren Auswahl durch Beschränkung der Parteifähigkeit wird mit den Grenzen des berechtigten Interesses am Verfahren begründet. 264 ff. 1 9 5 8 (SAE 1 9 3 9 . Rachegefühle und dergleichen zum Kristallisationspunkt allgemeiner Konfliktsfronten werden. 3 Daß dies nicht immer gelingt. Tausch wechselseitiger Unterstützung. daß Konsens über bestimmte Verhaltenserwartungen vermutet und als Handlungsgrundlage benutzt werden darf. Auf diese Weise wird der Konflikt politisch neutralisiert . daß spezielle Probleme durch generalisierende Mechanismen wie Parteinahme. A Systems Analysis of Political Life. 41 ff.zclner Verfahrensbeteiligter erreicht werden. Das ist nur möglich. um eine aktive. in denen die Justiz ihre latente Funktion der politischen Neutralisierung nicht erfüllen kann. die größeren Gruppen der Bevölkerung trennen . in denen die Legitimität der Justiz problematisiert wird. sprechende Rolle im Verfahren zu erhalten. Bezeichnenderweise sind diese Fälle. Das Gegenteil trifft zu. Urabstimmung und »Kampfmaßnahme«. Das bedeutet jedoch nicht. Identifikation. zugleich jene. zum Beispiel dann nicht. 2 6 1 .) im schleswig-holsteinischen Metallarbeiterstreik und die anschließende Diskussion. durch Rollen geordneter Interaktion: Es kann nicht jedermann hinzutreten und mitreden. hat Zugang zum Verfahren. Sie ist überdies ein Erfordernis wirksamer. daß die Einstellung der Nichtbeteiligten für die Legitimation durch Verfahren schlechthin irrelevant wäre.vgl. Institutionalisierung heißt aber. S. wenn große Verbände politisch wichtige Musterprozesse führen und es ihnen dann schwerfällt.2 6 8 (263).

Ist diese Einstellung faktisch verbreitet oder wird sie doch auf Grund der Kommunikationslage als verbreitet vermutet. daß alles mit rechten Dingen zugeht. 51 ff. Uneinsichtigkeit oder zumindest als absonderliche. 1 9 3 2 . 2. J. Sie werden zwar nicht als Sprecher in Rollen zugelassen. Es erscheint als Hartnäckigkeit. Bd. sondern bleibt am einzelnen Betroffenen hängen . auf wirkliches Hingehen und Zuschauen. Diese Möglichkeit 5 4 4 Als eine Untersuchung. S. Nörgelei. 106 ff. Entscheidend ist. No. siehe Richard L. die Verbindlichkeit des amtlichen Entscheidens betreffend. in seiner Analyse der sozialen Bedeutung der Kinsey.-Albany N. nicht auf die Unterstützung anderer rechnen. Die gleiche Problematik erwischt Helmut Schelsky: Soziologie der Sexualität. nicht so sehr auf aktuelle Präsenz. aber das Verfahren ist als Drama auch für sie bestimmt. daß in ernsthafter. Sie sollen mit zu der Uberzeugung gelangen. ( 1 2 9 ) . i*3 . Um solche Konsensvermutungen. praktisch unvernünftige Lebenseinstellung. daß die Möglichkeit dazu offensteht. Bei dieser Interpretation kann der Problemfall sich nicht ausbreiten. das Aufbegehren. Allport: Institutional Behavior. Um eine solche unbeteiligte Teilnahme des Publikums am Verfahren zu eröffnen. 5 Wer den Standpunkt des einzelnen einnimmt. stabilisieren zu können. muß man auch die Nichtbeteiligten am Verfahren beteiligen.. gegen »that universal institution-worship through which Sacco and Vanzetti were put to death« von Floyd H. S. Hamburg 1 9 3 3 . B. Princeton N. Dabei kommt es auf Zugänglichkeit an. Siehe z. Schanck: A Study of a Community and Its Groups and Institutions Conceived of as Behavior bf Individuais. Sein Aufbegehren wird ihm selbst zugeredinet und nicht auf ein Versagen der Institution zurückgeführt. Reporte. kann derjenige. wird deshalb geneigt sein. allein in dieser Verteilung der Chancen schon ein Unrecht zu sehen. die ein hohes Maß von Scheinkonsens in moralisch institutionalisierten Verhaltenserwartungen aufdeckte. ist dessen Öffentlichkeit wesentlich. 43. der gegen eine bindende Entscheidung rebellieren will. Essays Toward a Re-interpretating of Conremporary Social Organization. Der Ablauf des Verfahrens muß für Unbeteiligte miterlebbar sein. Y. Moral und Gesellschaft.äußerung von Dissens fingiert wird . aufrichtiger und angestrengter Bemühung Wahrheit und Recht ermittelt werden und daß auch sie gegebenenfalls mit Hilfe dieser Institution zu ihrem Recht kommen werden. Psychological Monographs. Über die Beziehungen zwischen Geschlecht. Chapel Hill 1 9 3 3 .

Die Öffentlichkeit des Verfahrens führt vielmehr dazu. daß in bestimmten Formen und unabhängig von den persönlichen Interessen und Stimmungen der Beteiligten Recht geschieht. daß die nicht darstellbaren K o m ponenten des Entscheidungsvorganges aus dem einsehbaren HandlungSraum herausgezogen und vorab oder zwischendurch entschieden werden. und auf diese Funktion kommt es bei der Legitimierung des Entscheidens an. wenn die Möglichkeit der Anwesenheit besteht. Das öffentliche Verfahren enthält dann bestenfalls Bruchstücke des Prozesses der Herstellung von Entscheidungen. Eine effektive Kontrolle und eine Steigerung der Rationalität des Entscheidungsvorgangs läßt sich von einem anwesenden Publikum ohnehin nicht erwarten. Film und Fernsehen können den Eindruck vermitteln. Damit steht man vor der Frage. ob die Vorstellung des Gerichtsverfahrens als eines primär auf Rollenebene integrierten Interaktionssystems ausreicht. in der Ausgestaltung des Verfahrens als eines Dramas. und dazu ist die ständige Gegenwart eines mehr oder weniger großen Teiles der Bevölkerung nicht erforderlich. Auch Pressereportagen. um diese symbolisch-expressive Funktion zu erfassen. Auch Abwesenheit ist ein sinnvolles Verhältnis zur Öffentlichkeit des Gerichtsverfahrens. Aber das genügt für seine symbolisch-expressive Funktion. Zu diesem unsichtbaren Teil des öffentlichen Verfahrens gehören vor allem auch die Entscheidungen über die Darstellung des Entscheidens. im übrigen dient es einer ausgewählten und vorbereiteten Darstellung der Herstellung des Entscheidens.stärkt das Vertrauen oder verhindert zumindest das Entstehen jenes Mißtrauens. Die Funktion des Verfahrensprinzips der Öffentlichkeit liegt in der Symbolbildung. das an allen Versuchen der Geheimhaltung sich ansetzt. Rundfunk. das richtige und gerechte Entscheidung symbolisiert. Durch die Vermittlüngsleistung der Massenmedien wird die Funktion des Zuschauens von der Notwendigkeit physischer A n 124 . Es genügt ein allgemeines und unbestimmtes Wissen^ daß solche Verfahren laufend stattfinden und daß sich jedermann bei Bedarf darüber genauer unterrichten kann. Demgemäß sind die leeren oder nur durch Sensationslust gefüllten Gerichtssäle kein Argument gegen das Prinzip der Öffentlichkeit.

Tübingen 1 9 6 8 . Eine Einführung. Kiel 1 9 6 8 . daß in differenzierten Sozialordnungen stärker generalisierte Formen der Abstimmung von Situationen. Neue Juristische Wochenschrift 1 3 (i960). abwesende Zuschauer einschließt. 2 2 7 ff. Berlin 1959. 3 3 8 .8 3 . Wegmarken des Rechtsstaates in Deutschland. Brüssel i 8 t i . Gütersloh 1969. Erst durch die Presse werde »la publicité facile sans réunions tumultueuses« und damit permanente Staatseinrichtung. Berlin 1 9 6 2 . So kann es nicht wundernehmen. kann nicht mehr durch Rollenzusammenspiel erfolgen. beim Fernsehen vor dem eigentlich interessanten Programm oder durch murmelnde Mitteilung des zeitunglesenden Ehegatten. I. ob jemand. Sie wird indifferent dagegen. in der Tagungspause.: Justiz und Publizistik.Wesenheit befreit und damit auch von der individuellen Motivlage und anderweitigen Rollenverpflichtungen des einzelnen unabhängig stabilisiert. In: Festschrift für Walter Schmidt. Zeitplänen. Vgl. sondern auch von Soziologen . 125 . Sie stellen überdies die notwendige Passivität des Zuschauens technisch. das an seiner Peripherie anonyme. 8 Siehe Jürgen Habermas: Strukturwandel der Öffentlichkeit. die wenig Sicherheit über die konkreten Einstellungen und Aktionsbereitschaften des anderen Menschen vermitteln. Vorteile dieser Art müssen natürlich durch Verzichte erkauft werden. Dieter Brüggemann: Die rechtsprechende Gewalt. mit der Absicht. Ausführlicher ders.3 3 3 (338). rühmte schon Guizot . 1 8 $ ff. 80. wann jemand und wer Zeit und Lust hat. auch Paul Bockelmann: Öffentlichkeit und Strafrechtspflege. daß diesem »üblen Trend zur Publicity« Widerstand entgegengesetzt wird . Neuwied 1 9 6 2 . S. Information aufzunehmen und zu verarbeiten . S. Untersuchungen zu einer Kategorie der bürgerlichen Gesellschaft.2 2 1 .nicht nur von Juristen. S. sicher.im Vorortszug oder beim Frühstück. Bd. und dadurch überzeugend. 8 1 . S. S. sondern nur noch durch gemeinsame Identifikation mit einigen abstrakten Symbolen.ein Beispiel dafür. Die Massenmedien ersparen eine konkrete Synchronisation der Verfahrensrollen mit dem Zuschauen . Rollenpflichten und Interessen gefunden werden müssen. S. 7 So Eberhard Schmidt: Öffentlichkeit oder Publicity. 9 Siehe Wolfram Zitscher: Die Beziehungen zwischen der Presse und dem deutschen Strafrichter. Gerichtsöffentlichkeit von der politischen Öffentlichkeit zu distanzieren. Die Integration eines Systems. 2 1 7 . Manfred Rühl: Die Zeitungsredaktion als organisiertes soziales System. Im ganzen scheint jedoch nach neueren empirischen Erhebungen die literarische Diskussion 6 7 8 9 6 Histoire des origines du gouvernement représentatif en Europe.

294-298. Die Gerichte werden bereits gemahnt. S. ein selektives. die nicht in Rollen gebracht. In keiner seiner Rollen und Funktionen kann der Staatsbürger als rational und richtig urteilend vorausgesetzt werden. ein. daß Recht geschieht . Deutsche Richterzeitung 44 (1966). Nicht darauf kommt es an. 11 So von Horst Bührke: Plädoyer für die Öffentlichkeitsarbeit der Justiz.ein Konflikt. wie oft eingewandt wird. nicht verkennen. wenn die am Verfahren unmittelbar Beteiligten selbst sich durch die Möglichkeit einer ausschnitthaften und dadurch entstellenden Wiedergabe ihrer Darstellung . Die Abneigung dürfte sich vor allem gegen die unsichtbare Präsenz einer Masse richten. unvermeidliches Schicksal allen Miterlebens in hochdifferenzierten Zivilisationen. 126 . daß diese Motive nicht nur ihren eigenen Zwecken dienen. Darauf geht Werner Sarstedt: Rundfunkaufnahmen im Gerichtssaal. B. sondern zugleich eine symbolischidentifizierende Teilnahme am Hoheitshandeln tragen und damit eingespannt werden in den Prozeß der Legitimierung staatlichen Entscheidens. 1 2 1 . sondern auf die symbolisch vermittelte Überzeugung. Deutsche Richterzeitung 4 1 ( 1 9 6 3 ) . daß diese Wirkungsübermittlung zu bestimmten institutionellen Anforderungen des Gerichtsverfahrens in Widerspruch gerät . j . der Zugleich eine immanente Widersprüchlichkeit der Funktionen des Gerichtsverfahrens verrät und der entweder zugunsten der Gerichte oder zugunsten der Massenmedien entschieden werden 10 11 10 Anders wird man urteilen müssen.ein übertriebenes Bild der realen Gegensätze zu vermitteln. Man sollte jedoch vor Entrüstung über billige Antriebe der Schaulust und der Unterhaltung. auch Rudolf Wassermann: Justiz und Public Relations. diese Wirkungsmöglichkeiten ernst zu nehmen und mit systematischer »Öffentlichkeitsarbeit« zu beginnen . Vgl. die fremdes Schicksal zum Gegenstand eigenen Vergnügens machen. den Gerichtsverfahren öffentliche Resonanz zu geben. Juristische Rundschau 1956. Selbst ein geschickter Pressereferent des Gerichts könnte jedoch kaum ausschließen.irritiert fühlen. nur des Höhepunktes mit den Tränen . daher auch nicht in ihren Motiven durchschaut und kontrolliert und nicht an Ort und Stelle zur Ruhe angehalten werden kann.9 .z. Aber das ist ein durchgehendes. Gewiß geben die Massenmedien. Im ganzen kann mithin das Wirken der Massenmedien dazu dienen.1 2 7 . S. S. ausschnitthaftes Bild des G e schehens vor Gericht und ermöglichen dem durch sie Erlebenden kein objektives Urteil über den Einzelfall.

um den richtigen Winkel für einen Schnappschuß zu erwischen. S. sondern die Teilfunktionen präzise herauszuarbeiten. die auseinandergehalten werden müssen: Die Massenmedien können die Gerichtsszene selbst durch ihre physische Präsenz beeinträchtigen .und Filmaufnahmen für Zwecke der Veröffentlichung während der Verhandlung ausschließt. wo die Schwurgerichte große Bedeutung besitzen. Aufnahmeinstruktionen geflüstert werden müssen. obwohl man von contempt of court spricht. Hier werden Gefahren für die Unabhängigkeit des E. sondern Angeklagte und Parteien schützen will. Gegen diese Gefahr vor allem richtet sich der neue § 169 S. im übrigen i*7 . Angesichts des institutionellen Schutzes dieser Unabhängigkeit muß man jedoch zweifeln. der Ton. Apparate zu surren und zu klicken beginnen. dazu von richterlicher Seite Heinrich Jagusch: Rundfunk. 83. Deutsche Richterzeitung 38 ( i 9 6 0 ) . S. daß sie als ein besonderes Drama das Verfahren physisch oder durch diskrepante Stilmomente symbolisch zu stören beginnen/Wenn Photographen herumlaufen oder in die Knie gehen. Wird die Gerichtsszene so traditional gespielt wie in England.und Fernsehübertragungen von Gerichtsverhandlungen. mit der einsichtigen Bemerkung. Blitzlicher oder Scheinwerfer die agierenden Personen beleuchten. 2 G V G . 12 Ein anderes Problem ist die aktuelle. auf das Ergebnis vorgreifende Berichterstattung während laufender Verfahren. Porträt der englischen Justiz. nicht das Gericht. wo auch der Richter unvorbereitet zur Verhandlung kommen soll und jede Vorbereitung als Quelle von Befangenheit beargwöhnt w i r d .ichters gesehen. in denen wechselseitige Interferenz zu erwarten ist.. Romberg: Die Richter Ihrer Majestät. Vgl. 13 Vgl. Das Ausmaß an Störung hängt natürlich von den szenischen Erwartungen ab. 2 2 6 f. wenn der Aufbau und die Betätigung ihrer technischen Apparaturen so umfangreich werden. daß man in diesen Fällen. Dabei kommt es darauf an. den Konflikt nicht ins Ideologische zu verbreitern. Das ist der Fall. kann das die Aufmerksamkeit vom Hauptgeschehen ablenken oder gar den Primat des Hauptgeschehens in Frage stellen.muß. wird schon das Photographieren als solches zum Sakrileg und deshalb verboten. Vor allem haben drei Funktionsüberschneidungen zu Schwierigkeiten geführt.und Fernseh-Rundfunkaufnahmen sowie Ton. vor allem in Großbritannien. Fehler gemacht und korrigiert werden. dazu Harold P. Stuttgart-Berlin-Köln-Mainz 1 9 6 5 . ob dies das einzige Problem ist (oder nicht vielleicht nur der Ansatz13 12 Vgl.

128 . das sie in ihren anderen Rollen diskreditieren oder ihr Auftreten vor Gericht als unfrei und festgelegt erscheinen lassen könnte. wie oben eingehend erörtert . Eine Überspitzung der Darstellung gehört zu den Erfordernissen einer Presse. 3 0 1 . hinaus. die. Deutsche Richterzeitung 44 (1966). Ulrich Fitzner: Unzulässige Presseberichte von der Hauptverhandlung. Nur so kommt der Effekt einer Selbstdarstellung. daß sachliche Kritik erlaubt. 48. a. 15 Darauf laufen die Ausführungen von Brüggemann. E. denn es ist gerade die Frage. Paris 1 8 2 8 . Teil 1 1 . auf dem die legitimierende Funktion des Verfahrens beruht. Freiburg 1 9 6 3 .. persönlich treffende Kritik auszuschließen . Es dürfte auch kaum genügen. einer Übernahme implizierter Rollen. 194. B. S. S. würde das Verfahren zu einem nur um der Form willen veranstalteten Zeremoniell erstarren. a. sondern von einer Ausdifferenzierung aller Verfahrensrollen ab. das Probleme zerlegen. 1. Sinn und Funktion des Verfahrens hängen nicht nur von einer Ausdifferenzierung der Richterrolle. um Aufmerksamkeit kämpfen muß. Extraits de divers ouvragcs de Jeremie Bentham. einer selbstgewollten Themenspezifikation zustande. O. Kap. Um hier klarer zu sehen. An neueren Stellungnahmen siehe z. Davon zu unterscheiden ist drittens das Problem der Kritik der Gerichtsverfahren und der Gerichtsentscheidungen durch die Presse. welche Art von Kritik persönlich trifft. kleinarbeiten und isolieren soll. N u r steht mit dieser Feststellung die Grenze noch nicht fest. Dumont: De l'organisation judiciaire et de la codihcation. ( 1 9 6 8 ) . S. 14 15 bereits Et. 14 Vgl.3 0 2 . 34 ff. Wäre der Ausgang schon ersichtlich vorher klargestellt.. a. a. Eine Zügelung von Kritik gehört zu den Erfordernissen eines Gerichtsverfahrens. Der Schluß liegt nahe. S. unsachliche dagegen unterbunden werden sollte. Schmidt. Wolf Middendorff: Der Strafrichter. Die Ungewißheit des Verfahrensausgangs muß erhalten bleiben und muß im Verfahren das Rollenhandeln sichtbar motivieren. Auch gegen andere Verfahrensbeteiligte darf daher während des Verfahrens kein gesellschaftliches Vorurteil aufgebaut werden.ff.punkt für die juristische Konstruktion seiner Lösung). Auch ein Beitrag zur Strafrechtsreform. mit anderen Informationsquellen konkurrierend. müssen wir in einem weiteren Kapitel Sinn und Grenzen einer Immunisierung des Richters gegen Kritik erörtern. O.

nach und nach immer mehr Möglichkeiten der Kritik abgeschnitten und andere in bestimmte Bahnen gelenkt. B . zu schüren und in den weiteren Entscheidungsgang hineinzublasen. I29 . 2 3 8 . March/Herbert A. hierarchischer und öffentlicher Kritik zugleich. fänden die Betroffenen immer neuen Anlaß. New York-London 1 9 5 8 . vor allem also mit den Formen der Verantwortlichkeit im hierarchischen Aufbau der Entscheidungsorganisation und in der Öffentlichkeit. Spezifizierung und Ausschaltung von Kritik . wenn sie in Einklang gebracht wird mit den Formen. S. Eine solche Zügelung der Kritik durch Betroffene ist indes nur erreichbar. so haben wir gesehen. Die Institution der Rechtskraft stellt diese Möglichkeit definitiv ab.und Entscheidungstheorie. Horst Albach: Zur Theorie der Unternehmensorganisation. Siehe z .von privater. ihre Unzufriedenheit in allen Hinsichten wachzuhalten. Mit dieser Auskunft können sich Soziologen jedoch nicht begnügen. Berlin 1 9 6 3 . Zeitschrift für handelswissenschaftliche Forschung I i (1939). Die Zuspitzung und Koordinierung der verschiedenen Verantwortlichkeiten kann nicht isoliert und ohne Rücksicht auf den strukturellen und programmatischen Kontext des Entscheidens erfolgen . Formale Kunstgriffe solcher A r t haben ihre soziale Belastungsgrenze. Sie würde versagen. wenn sich allzuviel sozialer Druck hinter ihnen anstaute. James G. V o r allem müssen die Grenzen der Kritikfähig1 1 Ganz allgemein zählt die Einsieht in die Interdependenz von organisatorischer und programmatischer Struktur auf der einen und Rationalität des E n t S c h e i d e n s auf der anderen Seite zu den grundlegenden Errungenschaften der neueren Organisations. Wäre nämlich die hierarchische oder die öffentliche Kritik schrankenlos freigegeben. Die Rechtskraft verbindlicher Entscheidungen kann nicht allein alle Unzufriedenheit absorbieren. in denen die Entscheidung sonst kritisiert werden kann. sie muß vorbereitet werden durch Prozesse der Vorwegnahme. Simon: Organizations.2 3 9 . Rolf Kramer: Information und Kommunikation. Betriebswirtschaftliche Bedeutung und Einordnung in die Organisation der Unternehmung.9- Programmstruktur und Verantwortlichkeit Durch Beteiligung am Zeremoniell des Verfahrens und an der laufenden Bestätigung der Entscheidungsprämissen und -kompetenzen werden den Betroffenen.

bestimmte Entscheidungen auszulösen.und Sozialphilosophie 33 ( 1 9 6 7 ) . 4 Das kann im Rahmen dieser Studie nicht angemessen erörtert werden.keit und die Programmstruktur. großbürokratische Staatsorganisation von grundlegender Bedeutung . Die Entscheidungen.. also Kontrqllbedingungen und Entscheidungsbedingungen harmonieren. ders. haben es Konditionalprogramme mit vergangenen Tatbeständen zu tun. die in einem Verfahren erarbeitet werden sollen.. Zweckprogramme knüpfen an erstrebte Wirkungen an und suchen von da her unter Berücksichtigung von Nebenbedingungen günstige Mittel zu finden. ders. S.3 7 1 ( 3 3 7 f r .: Positives Recht und Idéologie. Als Versuch einer systemtheoreiischen Begründung dieser beiden Programmtypen siehe auch Niklas Luhmann: Lob der Routine. ) . Berlin 1 9 6 3 . . S. jedesmal wenn sie vorliegen. Archiv für Rechts. und solche Programme werden vor allem durch juristische Begriffsarbeit rationalisiert. Während Zweckprogramme auf die Zukunft gerichtet sind. Kopenhagen i960. Verwaltungsarchiv 33 ( 1 9 6 4 ) . daß Kritik und Verantwortlichkeit sich spezifizieren lassen.3 3 . zeitliche und soziale Isolierung von Problemen durch Verfahren nicht erreichen. Uber die Funktion von Zwecken in sozialen Systemen. Eine vefwaltungswissenschaftliche Untersuchung. 29 ff. von Informationen. Es handelt sich also um »WennDann«-Programme. Unter anderem hängen die Ansatzpunkte und 4 2. 130 . 3 Hierzu ausführlich Niklas Luhmann: Zweckbegriff und Systemrationalität. die in der Lage sind. S. 3 3 1 . Zu dieser Unterscheidung und ihrem Zusammenhang mit dem Problem der Verantwortlichkeit finden sich vortreffliche Ausführungen bei Torstein Eckhoff/Knut Dahl Jacobsen: Rationality and Responsibility in Administrative und Judicial Decisionmaking. S. 2 3 Die Unterscheidung dieser zwei Programmtypen ist für die moderne. Berlin 1 9 6 6 . Im allgemeinen stehen für die Programmierung von Entscheidungen zwei Grundtypen zur Verfügung: Zweckprogrammierung und konditionelle Programmierung . 33 ff. sie werden durch Wirtschaftlichkeitsrechnung rationalisiert . müssen so programmiert werden. Bei Konditionalprogrammen haben die Entscheidungsprämissen dagegen die Form von Ursachen. 1 . Tübingen 1 9 6 8 . anders läßt sich die sachliche. Für andere Anwendungen dieser Typenunterscheidung siehe Niklas Luhmann: öffentlich-rechtliche Entschädigung rechtspolitisch betrachtet.: Recht und Automation in der öffentlichen Verwaltung. Das Verknüpfen und Ineinanderschachteln oder auch das Nebeneinanderbrauchen beider Programmtypen erlaubt daher eine Koordination von Zukunft und Vergangenheit.

sondern dem angelastet. Zweckprogramme können immer angegriffen werden. das ihn zu einer bestimmten Entscheidung hinführt. Das ist aber zumindest in der wertkomplex handelnden öffentlichen Verwaltung praktisch ausgeschlossen. 5 131 . wenn es Möglichkeiten gäbe. Bestimmtheit sie erleichtert. daß Unbestimmtheit der Prämissen die Kritik erschwert. Die Verantwortlichkeit kann hier in weitem Umfange nach oben abgeschoben werden. der das Programm erließ (und damit vielleicht seinerseits bestimmte Zwecke erreichen wollte). Daher bleibt er selbst und auch sein Verfahren. Hier wird nach Maßgabe eines »Wenn« das programmierte »Dann« gewählt. Beim konditional programmierten Entscheiden geht es nur noch um den Nachweis. S. müssen daher von oben bis unten intensiv und im Detail politisch kontrolliert werden. O. als sie detailliert und operational ausgearbeitet sind.die Tragweite möglicher Entscheidungskriterien von ihr ab . insbesondere wirtschaftlichere Mittel. zum Beispiel solche planwirtschaftlichen Stils. entdeckt werden. a. suspekt. A l l dies ist bei Konditionalprogrammen im Prinzip und weitgehend auch in der Praxis anders. Zweckprogrammiert handelnde Verwaltungen. Die Folgen werden von dem Entscheidenden nicht mit verantwortet. 32 f. die kein einzelner mehr koordinieren kann. Abgesehen davon lenkt die konditionale Programmierung die Entscheidungskritik auf sehr viel engere Bahnen. Anderes würde gelten. schlechthin optimale Entscheidungen zu kalkulieren. Beide Programmtypen eröffnen natürlich Möglichkeiten der Kritik und der logischen und empirischen Kontrolle in dem Maße. Besonders in unserer fachwissenschaftlich differenzierten Wissenskultur ist die jeweils gewählte Folgenkombination typisch vielfältigem Tadel unter den verschiedensten fachlichen Gesichtspunkten ausgesetzt. Angelpunkt der Kritik sind hier die Folgen. daß ein bestimmter Tat5 So auch EckhoftVJäcobsen. Der Entscheidende kann sich hier praktisch nicht von eigenem Werturteil freizeichnen. wenn die bezweckten Folgen später nicht eintreffen (also ungeeignete Mittel gewählt werden) oder andere Wege mit einer andersartigen Verteilung von Folgelasten. a.. In beiden Fällen gilt.

1 9 6 3 . Berlin 1 9 6 4 . 7 Siehe auch einige Bemerkungen über Standardisierung als Verteidigung gegen Fehler bei Richard M. und Fehler sind schlimm . Zum Entscheiden genügt juristischer Sachverstand. entspricht genau dieser Funktion. (2) gegen eine Kritik des Verfahrens . P. 9 5 .1 2 1 .: Recht und Automation in der Öffentlichen Verwaltung. renskritik eigener Art als Kritik des Verstoßes gegen besondere Verfahrensworme«.Social Systems as a Defense against Anxiety. die Kritikfähigkeit einer Entscheidung zu reduzieren und auf wenige kontrollierbare Fehlerquellen zu beschränken . näher Nikias Luhmann: Funktionen und Folgen formaler Organisation. Es gibt natürlich auch hier eine Verfah.bestand faktisch vorliegt und daß es sich dabei um jenes Signal handelt. und umgekehrt sind die personalpolitischen Forderungen nach verstärkter Rekrutierung fachwissenschaftlicher Intelligenz ein Symptom für das Vordringen von Zweckprogrammen. das nach dem Programm die Entscheidung auslösen sollte. und ders. nicht aber auch eine andere Entscheidung in der Sache. 9 Hierzu und zu den gleichwohl möglichen Schutzvorkehrungen vgl. feststellen können. Mit ihr kann man unter Umständen eine Wiederholung des Verfahrens erzwingen. J. loj. A Report on a Study of the Nursing Service of a General Hospital.. S. 132 . das Feststellen von Begriffen und Fakten als so und nicht anders. Auf diese Weise kann die Entscheidung gegen zahlreiche Möglichkeiten der Kritik praktisch immunisiert werden . Aber diese Kritik hat als solche keine Relevanz für die Entscheidung. wo Optimierungskalküle anwendbar sind und die absolute Richtigkeit der Entscheidung unabhängig von dem Verfahren. Ferner für dieses Problem sehr interessant: Isabel E. Cyert/James G. 8 Hierzu ist eine Erläuterung notwendig. O. Menzies: A Case-Study in the Functioning of. 75 ff. March: A Behavioral Theory of the Firm. der sich nach Bedarf durch Zeugen und Sachverständige informieren läßt.. a. S. Bezahlt wird diese Beschränkung der Kritik mit einer Zuspitzung des Fehlerbewußtseins und der Fehlerempfindlichkeit in dem noch kritisierbaren Bereich: Jede Abweichung vom feststellbar Richtigen ist ein Fehler. daß von diesen Verwaltungen konditional programmiertes Entscheiden erwartet wurde. (3) gegen eine Kritik des fachlichen (nichtjuristischen) Sachverstandes und vor allem (4) gegen eine Kritik der Auswirkungen (im Unterschied zu den rein juristischen Konsequenzen). die Entscheidung aber allein verantwortet . S. S. Englewood Cliffs N. in dem sie erreicht wurde. z$6 ff. Eine solche Trennung von Sachfragen und Verfahrensfragen gibt es im Bereich der Zweckprogrammierung kennzeichnenderweise nur. vor allem (i) gegen eine Kritik der Person. Human Relations 13 (i960).im Unterschied zum Denken in Wahr6 7 8 9 6 Die traditionell zentrale Stellung des Juristen in kontinental-europäischen öffentlichen Verwaltungen ist demnach ein Symptom dafür. a. Der dichotomisch zugeschlirTene Darstellungsstil juristischer Begründungen.

10 In anderer Weise kann man dieses Ergebnis auch durch eine Analyse des Prinzips der richterlichen Unparteilichkeit gewinnen. Diese Überlegungen zeigen.scheinlichkeiten und Chancen. der Reduktion von Komplexität. Jahrhundert. gleitenden Skalen. die bewirken. Beide Aspekte des EntScheidungsprozesses dienen in komplementärer Weise dem Zurückschneiden von Wahlmöglichkeiten. Wertverhältnissen und zeitbedingten Opportunitäten. Hinter der Ideologie der richterlichen Unparteilichkeit sind latente soziale Mechanismen zu vermuten. die auf sehen des Betroffenen zur Legitimation von Entscheidungen führt. 1 1 ) zitierten Bemühungen um einen Vergleich juristischer und wissenschaftlicher Denkweise. Kap. Das Prinzip besagt jedoch nichts weiter als negative Gleichheit aller spezifischen Interessen in der Chance. daß die Absorption von Kritik. und kann so niemals einen Spruch begründen. daß die verfahrensmäßige Legitimation des Rechts im gleichen geschichtlichen Augenblick. daß das Prinzip trotzdem Glauben findet. die latent bleiben 10 Zum gleichen Ergebnis kommt Vilhelm Aubert in seinen oben (Teil I. i. daß eine Legitimation durch Verfahren nur in Verbindung mit konditionaler Programmierung des Entscheidens institutionalisiert werden kann. Einmal dient es natürlich der Erhaltung echter Ungewißheit über den Verfahrensausgang . das bei Zweckprogrammen angebracht ist . den Richter innerhalb seines Programmes zu beeinflussen. dient der Auslegung fremder Entscheidungen (namentlich von Gesetzen). der letztlich doch immer zugunsten bestimmter Interessen ausfallen muß. Weithin wird dieser Grundsatz angeführt. Man wird daher vermuten dürfen. auf Seiten des Entscheidenden durch konditionale Programmierung seines Handelns und entsprechende Argumentation erreicht wird. nicht der unmittelbaren Rechtfertigung eigener. an der Wende zum 1 9 .eine Funktion. so als ob in der Unparteilichkeit schon eine Wahrheitsgarantie läge. 133 . die letzte Souveränität des Richterspruchs zu legitimieren. wenn es gilt. Was heute an teleologischer Rechtstheorie fortlebt. als die naturrechtlich-teleologische Begründung des Rechts aufgegeben und das Recht dann nach und nach als System konditionaler Entscheidungsprogramme positiviert wurde. Nutzenschätzungen. So ist es wohl kein Zufall. Anm. akut wurde.

religiösen. politischen. Ihnen allein gehorcht der Richter. interessenmäßigen. Alternativen auszuschalten.34 . daß die Entscheidung in diesen Hinsichten weder verantwortet werden muß noch kritisiert werden kann.dann müssen eben die Gesetze geändert werden. das die Entscheidung legitimiert. und auch sie muß latent bleiben.muß. sie deckt und verbirgt. den Prozeß betreffend. insbes. 1. der Inflation unerwünschten Auftrieb geben. weil der offiziellen Darstellung nach alle Entscheidungen im Recht schon vorentschieden sind. erfüllt das Unparteilichkeitsprinzip die komplementäre Funktion. fachwissenschaftlichen usw. Unter diesem Gesichts11 11 Einsichtsvolle Bemerkungen dazu bei Torstein Eckhoff: Impartiality. wenn der Richter zuviel Aktivität zeigt . den Klassenkampf versteifen. Das ist die eine Funktion. S. die einzig wahre Religion an der Verbreitung hindern oder den neuesten Erkenntnissen über gesunde Lebensführung in industriellen Ballungszentren widersprechen . Separation of Powers. Unparteilichkeit wirkt sich hier als Rollentrennung aus. Die Darstellung richterlicher Unparteilichkeit wird gefährdet. die mit der oben skizzierten Begrenzung von Kritik und Verantwortlichkeit korrespondiert. an der auch die anderen Verfahrensbeteiligten zu ihrem Glück oder ihrem Unglück mitwirken. im Hinblick auf die Programmstruktur und Verantwortlichkeit der richterlichen Entscheidung. 14. Verantwortlichkeit einzugrenzen. sich im Verfahren zu engagieren. Die Freistellung von bestimmten sozialen (verwandtschaftlichen. 40 f. Sie mag politisch inopportun sein. Auf der anderen Seite. De facto verhilft das Prinzip der richterlichen Unparteilichkeit den Parteien aber zu dem Vertrauen. and Judicial Independence. und auf diesem Vertrauen in die Offenheit der Situation beruht — wie oben gezeigt — das Motiv. 1 1 . das der Richter nicht schon vor dem Verfahren spezifische Bindungen eingegangen ist. Scandinavian Studies in Law 9 (1965). Insofern ist das Unparteilichkeitsprinzip Grundbedingung der Selbstverstrickung der Betroffenen in das symbolische Geschehen. 4 t f.) Bindungen heißt nämlich zugleich.4 8 . mithin gar keine Ungewißheit bestehen kann. Kritik zu eliminieren und dadurch jene Reduktion von Komplexität im Entscheidungsgang zu stützen. Hinter dem Prinzip der richterlichen Unparteilichkeit steht somit die Notwendigkeit..

Ein Richter. 135 . dem abverlangt würde.punkt ist die oben (S. dem die volle Verantwortung für die Folgen seiner Entscheidung aufgegeben wäre. Die Freistellung des Richters von Kritik an Hand der Folgen ist daher auch unter diesem Blickwinkel wesentliches Moment des gerichtlichen Verfahrens. könnte kein unparteilicher Richter sein. in der sozialen Wirklichkeit bestimmte Zwecke zu erreichen. könnte kaum unparteilich handeln und jedenfalls nicht unparteilich erscheinen. ja letztlich jede richterliche Ermittlungstätigkeit ein Problem. 1 1 5 ) behandelte Forderung Arndts nach einem echten Rechtsgespräch im Verfahren nicht unbedenklich. Vor allem zeigt sich hieran nochmals die Weisheit der Beschränkung des Rechts auf konditionale Programme. da die Parteien im Instrumentarium seiner Zweckverwirklichung fast unvermeidlich einen unterschiedlichen Stellenwert hätten. Ein Richter.

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Politische Wahl und Gesetzgebung .III.

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daß eine logische Ordnung auch zeitlich eingehalten werden müßte. Verwaltungsakt. auch wenn es gar keine Gesetzgebung gibt. was als Recht gilt. Sie sind der ursprüngliche Tatbestand. sowohl historisch als auch soziologisch. Dadurch entlastet sich der richterliche Entscheidungsprozeß von einer Komplexität. 1 Es ist also keineswegs so. weil sie elementares Handeln von Angesicht zu Angesicht regeln. Bei all dem verdeckt der richterliche Entscheidungsprozeß sich seine eigene Kausalität. Stellvertretung oder strafbaren Versuch. sie werden wie Tatsachen behandelt. die bei aller Verallgemeinerung und Elastizität doch genug lebensnahe Assoziationen und Sinnverweisungen bündeln. Verfügbarkeit von Alternativen. die ebenfalls einen Zusammenhang postuliert zwischen Komplexität des Systems und Komplexität seiner Umwelt. Die Begriffe. daß die Entscheidungsprogramme 1 Besonders hier ergeben sich überraschende Parallelen zu der oben (S. Abstraktion der Systemregeln für den Verkehr mit der Umwelt und der Möglichkeit. Konkretheit bzw. und die Regeln. nach denen entschieden wird. ohne daß die Programmierung als Entscheidungsinhalt ausgewiesen oder mit verantwortet würde. Sie können für sich allein existieren. was ihm um so leichter fällt. und programmieren sich dann selbst.Bisher haben wir auf rechtsanwendende Verfahren. nach denen Informationen kategorisiert werden. die er selbst nicht bewältigen könnte. auf gut konturierte. bei der Begründung der Entscheidungen werden die Gründe mit erzeugt und tradierbar formuliert. so als ob sie nicht gemacht. um rasch anwendbar zu sein. unverwechselbare Denkfiguren und Rechtsinstitute wie Eigentum oder väterliche Gewalt. kommen gleich ontifiziert auf die Welt. Als System von ziemlich geringer Eigenkomplexität ist das Gerichtsverfahren auf relativ konkrete und invariante Strukturen der Informationsverarbeitung angewiesen. 139 . auf Verfahren für programmiertes Entscheiden geblickt. Im Zuge der Anwendung von Recht wird dann gleich mit entschieden. jo Anm. 1 8 ) zitierten psychologischen Systemtheorie. sondern nur entdeckt und interpretiert worden wären. so daß der Beitrag jedes Einzelverfahrens in der Tat nur minimal ist . als die Masse der Rechtsgedanken in vielen Rech tsverfahren in Form gebracht wird. eigene mitwirkende Kausalität zu erkennen und zu organisieren. Trust oder condictio.

die Funktion solch einer Differenzierung von programmierten und programmierenden Entscheidungen zu erfassen* einige ihrer Bedingungen und Probleme zu beleuchten und vor allem zu erkennen. insbes. müssen w i r die bisherige mikrosoziologische Betrachtungsweise verlassen und außer den Kleinsystemen der Interaktion von Angesicht zu Angesicht auch die umfassenderen Sozialsysteme iri Betracht ziehen. Paris 1 9 4 7 . Dabei behalten wir als theoretischen Bezugsrahmen die soziologische Systemtheorie bei. Einfachere Gesellschaften kennen vielmehr nur eine Entscheidungsebene und haben deshalb ein ontisch fixiertes »Naturrecht«. . Aufgabe der folgenden Kapitel ist es. was als Gesetzgebung aus den Rechtsentscheidungsprozessen herausgezogen und verselbständigt werden kann . immanente Schranken dessen. verschiedene Rollen. Léon Husson: Les transformations de la responsabilité. wie man heute einzusehen beginnt.zunächst gemacht werden müßten und erst danach angewandt werden könnten. U n d selbst dann gibt es. verschiedene Verfahren. .oder Josef Esser: Grundsatz und Norm in der richterlichen Fortbildung des Privatrechts. S. 2 2 Vgl. sondern daneben auch auf das politische System und auf die Gesellschaft im ganzen anwenden. tzff. differenzierte Gesellschaft voraus. Etude sur la pensée juridique. B. Die Trennung von Rechtsetzung und Rechtsanwendung. welche Bedeutung rechtlich geregelte Verfahren für die Institutionalisierung und Legitimierung dieser Differenz besitzen. setzt eine hochentwickelte Rechtskültur und darüber hinaus eine bereits sehr komplexe. Tübingen 1 9 3 6 .. denn nur sie können das Risiko der Rechtsetz»ng oder gar das Risiko der Positivierung des gesamten Rechts tragen. sie also nicht nur auf die einzelnen Verfahrenssysteme. müssen aber verschiedene Systemreferenzen zugleich ins Auge fassen. Wenn wir uns dieser Aufgaben zuwenden. z. ihre Differenzierung durch verschiedene Normen.

zu diesem Abschnitt auch Niklas Luhmann: Gesellschaftliche und politische Bedingungen des Rechtsstaates. Positivierung des Rechts 1 Unter positivem Reeht sind Rechtsnormen zu verstehen. über »judikatorische Option auf die Gewohnheitsregel-). S. 1 3 1 . und ders. Der Abgrund von Beliebigkeit. sofern sie normierende Wirkungen ausüben (so auch Theodor Geiger: Vorstudien zu einer Soziologie des Rechts.5 7 1 . Positivierung des Rechts heißt mithin. daß mindestens seit dem 1 9 . Sie enthält keine Einengung auf bestimmte Arten von Entscheidungen etwa in dem Sinne. KölnBerlin-Bonn-München 1967. wenn alles Recht nur kraft Entscheidung gälte. Es kann keine Rede mehr davon sein. die als gesellschaftlich vorgegeben vorausgesetzt werden. Rechtsetzung ist vielmehr wie alles Entscheiden z .und Sozialphiiosophie $3 (1967). .: Positives Recht und Ideologie. S. Berlin-Neuwied 1 9 6 4 . von wertmäßigen Entscheidungsprämissen abhängig. läßt ihn erschaudern. daß alle gesellschaftlichen Wertungen. daß es sich bei Rechtsänderungen nur um Einzeleingriffe oder um Ausnahmeregelungen kraft eines besonders 2 1 Vgl. Normen und Verhaltenserwartungen durch EntScheidungsprozesse gefiltert werden müssen. Und doch zeigt ein unbefangener Blick auf die faktische Funktionsweise moderner politischer Systeme. die durch Entscheidung in Geltung gesetzt worden sind und demgemäß durch Entscheidung wieder außer Kraft gesetzt werden können . Ob und wieweit das Recht EntScheidungsprozessen überantwortet werden kann. S. Positives Recht darf keineswegs als willkürliche Satzung verstanden werden./. macht ihm der Gedanke. Seit alters gewohnt und darauf eingestellt. Die Besonderheit des positiven Rechts ist nur. Verfassungsrecht eingeschlossen. B . erfaßt hat. wenn über sie entschieden worden ist. daß auch diese Rechtsetzungsprämissen nur dann als geltendes Recht vorausgesetzt werden. auch das Recht selbst durch Entscheidung herzustellen. Auch richterliche Urteile sind zum Beispiel Entscheidungen in diesem Sinne. Streit zu entscheiden und dabei festzustellen. ist für den Juristen ein ungelöstes Problem. der sich äuftun könnte. Jahrhundert Rechtsetzung zum Gegenstand laufender Arbeit in einem organisierten Entscheidungsbetrieb geworden ist und alle Rechtsgebiete. Solche Motive sind aber erforderlich und unterliegen sozialer Kontrolle. daß nur Gesetzgebungsakte positives Recht setzen könnten. In: Studien über Recht und Verwaltung. Ferner ist über die Entscheidungsmor/ve nichts gesagt. was Recht ist. 2 Diese Definition muß zur Vermeidung von Mißverständnissen sorgfältig gelesen werden. 81-1:02. sichtlich zu schaffen. Archiv für Rechts. 182 ff. bevor sie Rechtsgeltung erlangen können.

wie man heute nicht umhin kann. die Wirklichkeit zu sehen.2 4 3 . wie man bis ins 1 8 .eine angemessene Theorie der heutigen Wirklichkeit bieten sie nicht. Series 1 6 ( 1 9 3 4 ) . 3 4 5 3 Vgl. The Modernizatión of a Bureaucratic Society. Bis in die Neuzeit hinein blieb »absolute Macht« beschränkt auf Möglichkeiten des Wegnehmens und Zwingens. Eisenstadt: The Politicai Systems of Empires. 5. mehr oder weniger traditionale Legitimation berufen müssen. Ungebundenheit des absoluten Herrschers heißt daher noch lange nicht. Joseph Schacht: The Origins of Muhammadan Jurisprudence. Oxford 1 9 3 0 . das Kommunikationspotential der Entscheidungsinstanzen nach Input und Output zu gering. Ersetzt man jedoch den Willensbegriff durch den Systembegriff . 2 3 0 . Sosehr diese beiden Denkfiguren die Einführung der Positivierung des Rechts in das abendländische Rechtsdenken erleichtert hatten . 142 . a. und sie war nahezu machtlos. Die Strukturen der Gesellschaft waren zu einfach. J. 1 3 2 ff. grundsätzlich begrenzt. Dadurch waren alle Versuche. eine Autonomie der politischen Herrschaft auch im Bereich des Rechts anzustreben (einen Überblick darüber gibt Shmuel N. der sich dabei an höheres Recht zu halten hätte. Eher hatte schon der juristische Positivismus des späten 1 9 . Das gleiche gilt übrigens von dem Postulat absoluter. Riggs: Thailand. 3 . daß nur die unterste Stufe einer göttlich eingesetzten Hierarchie von Rechtsnormen auf diese Weise als lex positiva der Verfügung des Menschen überlassen wäre.). 1 3 7 ff. S. 85 ff.begründeten Staatshoheitsrechts. blieb naiv wie sein Willensbegriff. Jahrhunderts die Möglichkeit und den Mut. von der Bindung an Gesetze befreiter Macht des Fürsten. H. so. keine Rede auch davon. Fred W. demokratisch zu sein. Jahrhundert hinein meinte. Journal of Comparative Legislation and International Law. das Rechte gelte kraft Willensentscheidung der Staatsorgane. S. etwa des ius eminens. die Verhaltensweisen alternativenlos gebunden. daß er Recht herstellen konnte . S. New YorkLondon 1 9 6 3 . Honolulu 1 9 6 6 . 1 3 4 Anm. wenn es um eine zweckmäßige Veränderung der gesellschaftlichen Wirklichkeit ging. Driberg: The African Conception of Law. insbes. 4 In der Tat haben sich denn auch Träger solcher Macht stets auf religiöse.. des Konfiszierens und Rekrutierens. Aber seine Auskunft. also um untypische Erscheinungen des Staatslebens handele. als daß man positives Recht als variables Instrument gesellschaftlicher Veränderung hätte einsetzen können . dazu u. dazu auch unten S. 5 Vgl.

vor allem das umfassende Sozialsystem der Gesellschaft. 1 8 9 ff. B. daß sie immer schon galten und immer gelten werden. Lingat: Evolution of the Conception of Law in Burma and Siam. der Fälschung oder durch Neuentdeckung des eigentlichen alten Rechts vollzogen werden . die im Wege der Begriffsarbeit. Bd. jede Prämisse umgestoßen werden. Abänderbares Recht zu behaupten. muß zunächst als offensichtlicher Widerspruch erscheinen. S. Diese Unabänderlichkeit und Unverfügbarkeit sind von so zentraler Bedeutung. Für das Mittelalter die bekannte Darstellung bei Fritz Kern: Rechr und Verfassung im Mittelalter. wie mit flüssigen Steinen zu bauen. r. und ist in der Tat so schwierig. daß sie zunächst den Sinn des Rechts ausmachen. psychischer und sozialer Prozesse gibt solchen konkret und starr strukturierten Gesellschaften Überlebenschancen. S. Das gibt es nicht . sondern als invariant vorausgesetzt werden muß. konstituiert Recht dadurch. Steigt im Laufe der zivilisatori6 7 6 Vgl. Neben der unerläßlichen Invarianz des Rechts zugleich dessen Variabilität vorzusehen. mit dessen Hilfe sich das Problem der Positivität des Rechts neu fassen läßt. scheint so unsinnig zu sein. daß es Verhaltenserwartungen verbindlich macht und ihre symbolisch-sinnhafte Interpretation als Struktur des Verhaltens verwendet.3 1 . Diese Funktion erfordert. Eine ziemlich beständige Umwelt natürlicher. nicht geändert werden kann. und dazu Erik Wolf: Griechisches Rechtsdenken. The Journal of the Siam Society 38 ( 1 9 3 0 ) . die es strukturiert. Ein Sozialsystem. 38 ff. Ihnen genügen apokryphe Rechtsänderungen. Neudruck Tübingen 1 9 3 z . z. 7 Vgl. muß es sich doch um Erwartungen handeln. als ein Beispiel das Reformwerk Solons.gewinnt man einen theoretischen Bezugsrähmen. S. Frankfurt 1 9 5 0 . von denen sinnvoll behauptet werden kann. daß das Recht in den Prozessen. In relativ statischen Gesellschaften kommt man damit aus. Solange solche Invarianz als Kriterium des Rechts fungiert. 143 . 9 . lassen sich jedoch nur relativ wenige Verhaltenserwartungen juridifizieren. R. daß der Gedanke daran sich von selbst verbietet. könnte doch sonst jeder Anhaltspunkt aufgelöst. Die Funktion einer solchen Struktur liegt in der Reduktion der Komplexität der an sich möglichen Verhaltensvarianten der Individuen.

144 . S. Evolutionary and Comparative Perspectives.sehen Entwicklung die Komplexität und Variabilität der natürlichen. Damit ändert sich der Sinn von Recht: Er wird gezwungen. die Zahl der juridifizierbaren Erwartungen und die Möglichkeiten und das Tempo ihrer Änderung. 1 1 0 . In zunächst bescheidenem. Variabilität nicht mehr auszuschließen. sondern in sich aufzunehmen. hierzu die Interpretation der gesellschaftlichen Entwicklung als Ausbildung einer »greater generalized adaptive capacity« bei Talcott Parsons: Societjes. alternativenreichere Ebene des Funktioniereiis der Gesellschaft erreicht . Es steigt die sachliche und die zeitliche Komplexität des Rechts. daß die höchsten Werte der Umstrukturierung der Normen und Rollen noch nicht folgen konnten. und das ist kein Zufall. Mit der vollen Positivierung des Rechts wird eine neuartige. psychischen und sozialen Lebensbedingungen . S. auch solchen Erwartungen die technisch so effektive Rechtsqualität zu verleihen. Die neue Lage kann man. Es wächst das Bedürfnis. in dem die zunehmende Komplexität der Gesellschaft selbst und ihres Rechts dominierend mitwirkende Ursache ist -. komplexere. American Sociological Review 29 (1964). die ihren eigenen Stabilitätsbedingungen folgt und dem alten Recht trotz aller Kontinuität von Normen und Denkfiguren im einzelnen unvergleichbar ist. Natürlich gibt es praktische Grenzen dieser Komplexität. Der Naturrechtsgedanke zieht sich aus dem normativen Bereich in die Wertsphäre zurück und wird dort ideologisch festgehalten als Symptom dafür. 1 9 6 6 . wird eine starre Rechtsstruktur zunehmend inadäquat. die davon abhängen. Das Recht soll jeder möglichen Welt 8 8 Vgl. die ersichtlich neu sind und bei Bedarf geändert werden müssen. mit denen sich auch die Positivierung des Rechts deuten ließe. Im Prinzip aber ist jetzt jede beliebige Komplexität und Variabilität des Rechts denkbar. J. dann immer weiterem Ausmaß muß in der Gesellschaft Variabilität von Strukturen ermöglicht und institutionalisiert werden. 3 3 9 . Englewood Cliffs N. und den Begriff der »evolutionary universals« bei Talcott Parsons: Evplutionary Universals in Society. was die Entscheidungsprozesse zu erfassen und zu reduzieren vermögen. Parsons selbst würde freilich die Entwicklungstendenzen des Rechts zum Teil anders beurteilen.ein Prozeß. die uns zur Kennzeichnung des Verfahrens als System dienten.3 3 7 . mit denselben Systemkategprien begreifen.

145 . Recht verliert seine Wabrheitsfähigkeit schon dadurch. daß die Wahrheit selbst im neuzeitlichen Denken spezifiziert wird auf intersubjektiv zwingende Gewißheit. Jahrhundert wird man sich zunehmend auch darüber klar. sich in der Weise der wissenschaftlichen Widerlegung auszusetzen. 9 Grund solcher Ausdifferenzierungen ist das Bedürfnis nach funktionaler Spezifikation und funktionaler Entlastung des Rechts.und wenn. wenn es von zahlreichen Nebenfunktionen. also auf einen bestimmten Modus der Vorstellungsübertragung. Wo immer Probleme neu entstehen. vor allem von denen. ob Fischkonservierungsmittel sich als schädlich oder Konjunkturen sich als stäbilisierungsbedürftig herausstellen. Jene hohe Komplexität kann das Recht nur erreichen. Schärfer als je zuvor wird das Recht von anderen sozialen Mechanismen getrennt. daß zwischen Recht und Moral unterschieden werden muß. etwa denen eines Unterbaus der Religion oder denen individueller Gefühlsregulierung. Das geschieht einmal durch Ausdifferenzierung des Rechts. wie wissenschaftliche Theorien es tun müssen. müssen aufgegeben werden. Kein Recht kann es sich leisten. Die Unterscheidung wurde und wird zwar vorwiegend durch Hinweis auf den besonderen Sanktionsmechanismus des Rechts begründet. muß dafür geeignetes Recht geschaffen werden können. die die Gesellschaft haben kann .gewachsen sein. sondern nur gelten . daß nämlich Erwartungen. die früher mit Recht verbunden waren (und im natürlichen Rechtserleben sicher auf lange Zeit noch mit dem Recht verbünden bleiben). Recht kann jetzt weder wahr noch unwahr sein. welche die Wahrheit von Sinn garantieren. und von der allgemeinen gesellschaftlichen Moral. um ihre Funktion zu erfüllen. Manche Sinnbestandteile. durch einen Entscheidungsvorgang gefiltert und legalisiert werden müssen. sie spiegelt aber zugleich den besonderen Entstehungsmodus des Rechts wider. um Rechtsgeltung zu erlangen. zeigt schon ein Blick auf die hohe Widerlegbarkeit neuzeitlicher Wahrheiten. Seit dem 1 8 . entlastet und auf seine spezifische Funktion der Fest- 9 Wie unerläßlich dieser Trennstrich ist. dann nur kraft revidierbarer Entscheidung. Erreichbar ist so hohe Komplexität nur durch richtig plazierte Verzichte. Es soll nicht als Struktur der Gesellschaf t die Welt limitieren.

Es schadet nichts. anderen Mechanismen. Positives Recht kann nicht mehr als invariant behauptet werden und muß daher jene Sicherheiten ersetzen. als ein Charakter der Welt' . sachlich und sozial generalisierter Erwartungsstrukturen zugeschnitten wird. Beide Begriffe symbolisieren schon reduzierte Komplexität. geändert wird. kraft Weisung der Toten oder kraft unvordenklichen Alters gelten -. Wahrheit spricht anderen Möglichkeiten Seinsqualität ab. Vorstellungen. die Invarianz bedeuten und damit Sicherheit verheißen . wird nämlich ersichtlich. Zur Funktion einer solchen Struktur gehört. daß eine solche zeitbeständige. daß Rechtsnormen etwas Seiendes sind. nicht aber. was hier und jetzt als Prämisse fungiert. Die unheimliche Vielfalt anderer Möglichkeiten ist ohne menschliches Zutun schon eliminiert. die in der Invarianz und der sozialen Einbettung des alten Rechts lagen. situationsunabhängige. anderen Funktionen ermöglichen den entscheidenden weiteren Verzicht: den auf Invarianz. Ähnliches gilt für die spezifisch abendländische Vorstellung der Natur und damit für die Interpretation des Rechts als Natur0 10 Vgl. die sie strukturiert. und Vergangenheit kennt ebenfalls keinen Dispositionsspielraum mehr. daß sie wahr sind.. O. von anderen Stellen in anderen Verfahren gesetzt bzw. Lingat. daß sie absolut konstant und schlechthin sakrosankt ist. daß EntScheidungsprozesse an einer Stelle mit Komplexität überlastet werden. nicht in Frage gestellt oder gar geändert werden kann. und es muß vermieden werden. daß sie kraft Stiftung in der Vergangenheit. denn Sicherheit ist im Grunde Vertrauen in schon reduzierte Komplexität. Ordnung wird dann als immer schon gegeben angenommen. was gilt. Diese Verzichte auf diffuse Verquickung mit anderen N o r men. für die Hindu-Interpretation I46 . Dafür genügen organisatorische Differenzierungen. Es muß nur jeweils feststellbar sein. Dieses Problem hängt mit dem der Komplexität eng zusammen. daß sie in den Prozessen. konsenssichere Verhaltensstruktur auch mit änderbarem Recht gewonnen werden kann. wenn zu anderer Zeit. a. stellen den Menschen einer schon reduzierten Komplexität gegenüber und erfassen sein Verhältnis zur Welt unter diesem Aspekt.legung zeitlich. a.namentlich die. Sobald dies geschieht.

darin. gibt sie in diesem Bereich die Unterstellung reduzierter Komplexität auf und muß die Reduktion der Komplexität durch ihr politisches System nun selbst leisten. so daß er sich schließlich seiner mitwirkenden Kausalität bewußt werden und unter Fortführung des Namens den Begriff der Natur aufgeben kann (vgl. der eine weitreichende Substitution von Ursachen ermöglichte.wenngleich zunächst keineswegs im mechanischen oder gar funktionalistischen Sinne der neuzeitlichen Käusaltheorie (dazu vgl. Auch das Naturrecht hatte aber seine Maßgeblichkeit durch seine ontische. Mailand-Varese i960). Diese Trennung von kosmischer Naturordnung und historischer Gesellschaft. als kausal strukturiert begriffen wird .und Sozialphilosophie 46 [ i 9 6 0 ] . alternativenlose Faktizität. wie jene Sicherheiten kompensiert werden können. Höherwertige (wenn auch nicht absolut unveränderliche) Rechtsnormen lassen sich im positiven Recht ebenfalls installieren. nachdem die neuzeitlichen Naturwissenschaften einen Abstraktionsgrad erreicht hatten. Bedenkt man dies. 11 11 Für den Naturbegriff ist bezeichnend die Leugnung der mitwirkenden Kausalität des Systems. dann erkennt man. Andererseits kennzeichnet den abendländischen Naturbegriff. 147 .5 3 5 [53*])> ermöglichte bereits eine Entgegensetzung von Naturrecht und gesetztem Recht.recht . die einfacheren Gesellschaften fremd ist (siehe statt anderer Francisco Elias de Tejada: Bemerkungen über die Grundlagen des Banturechtes. Vermeintlich externe. analog zur Technik. sie müssen in ihrer Funktion erkannt und ersetzt werden. etwa Werner Heisenberg: Das Naturbild der heutigen Physik. Sie übernimmt die Verantwortung für ihre Struktur selbst. 5 0 3 . immanent Wahre. daß die Ursachen des Rechts in eine Sphäre außerhalb der Gesellschaft projiziert wurden.Damit stellt sich auch das Problem der Ablösung und Kompensation des Naturredits anders. daß der Kern des Näturrechtsgedankens weniger in der hierarchischen Höherwertigkeit des Naturrechts lag als vielmehr . S. die sich ihre Eigenkausalität noch nicht voll bewußt machen und sie daher auch nicht als korrigierendes Prinzip in ihren Umweltbeziehungen verwenden können. Im Vollzug dieser Integration verfestigt sich die Herrschaft des Menschen über die Natur in komplexen Systemen. Sie muß sich dann der Vielzahl menschlicher Verhaltensmöglichkeiten stellen und entscheiden. Solche Vorstellungen können nicht einfach aufgegeben. Archiv für Rechts. was gelten soll. die das Naturrecht durch die Annahme alternativenloser externer Verursachung geboten hatte. systemimmanente Sicherungen ersetzt werden. Hamburg 1 9 5 6 . S. Die Gesellschaft muß mit ihrer Struktur hohe Risiken eingehen. wie sie vollzogen werden konnte. umweltverankerte Sicherheiten müssen durch interne. daß die Natur. Die Frage ist jedoch.Aristoteles Physik B i. 1 2 ) . Natur ist das aus sich heraus Gewachsene. Martin Heidegger: Vom Wesen und Begriff der<l»T2I2. . und erst sekundär wurde diese Differenz dann hierarchisch begriffen. zum Beispiel durch Differenzierung von Verfassungsrecht und einfachem Gesetzesrecht. das sich der Natur gegenübersieht. Positiviert eine Gesellschaft ihr Recht. Damit waren die Grundlagen gelegt für eine Integration von Natur und Technik. Welt unter dem Aspekt von Natur zu begreifen ist mithin symptomatisch für relativ einfach organisierte psychische und soziale Systeme.

muß man eben Wege ersinnen. daß ein neuartiges Vertrauen in rechtlich geregelte Verfahren im gleichen Zeitraum zu erscheinen beginnt. Programmkonflikte oder Rollenkonflikte übernehmen. dann wenigstens auf die Verfahren. Es kann denn auch nicht Sache von 148 . So hohen Erwartungen kann eine einzelne Institution wie das rechtlich geregelte Verfahren kaum genügen.Unsicherheiten tolerieren. Dissens zulassen und all dies selbst abarbeiten können. Sicher ist es denn auch kein Zufall. stark differenzierten Gesellschaft wie der heutigen ältere Institutionen und Mechanismen durch einen einzigen Nachfolger ersetzt werden können. dem Vernunftrecht. wahrheitsorientierte Verfahrenstheorie entsprang denn auch dieser Lage. Wenn man sich nicht vorab auf bestimmte Problemlösungen einigen könne. Wir müssen versuchen. Sie muß Widersprüche und Konflikte. um Alternativen zu mobilisieren und gut integrierbare Lösungen finden zu können. Die klassische. regeln und entscheiden. Dieser Gedanke ist indes viel zu einfach. Probleme also von außen nach innen verlagern. als daß er weiterhin zu überzeugen vermöchte. A l l das legt den Gedanken nahe. ein wirklichkeitsnäheres Bild der Bedeutung von Verfahren für die Positivierung des Rechts zu gewinnen. Zunächst ist kaum anzunehmen. ihnen so nahe wie möglich zu kommen. Sie muß dem alten Nomos der Welt seine Problematik entreißen und sie in entscheidungsbedürftige und entscheidungsfähige Probleme umformulieren. als Wertkonflikte. zusammenbricht. Sie verstand sich sozusagen als zweitbeste Lösung: Wenn Gerechtigkeit und Wahrheit nicht unmittelbar aus der N a t u r der Sache einleuchteten. statt sie kategorisch abzuweisen. Das gesellschaftliche Risiko der Positivierung des Rechts ist viel zu groß. den Verlust des Naturrechts durch Verfahrensrecht auszugleichen. mit denen jeweils auftauchende Probleme zur Entscheidung gebracht werden. daß in einer komplexen. so als sollte dem zerfallenden Vertrauen in das Recht durch Prozeßgarantien ein neues Korsett eingezogen werden. als daß es durch bestimmte Verfahrensweisen oder gar nur durch einzelne gegenwirkende Verfahrensnormen abgesichert werden könnte. in dem das Naturrecht in seiner letzten Erscheinungsform.

Soziale Welt 1 8 ( 1 9 6 7 ) . die Stabilität positivierter. Zum Wandel der Privatrechrsordnung im Nationalsozialismus. Komplexität zu absorbieren. und jede Willkür rächt sich durch ihre Folgen . Sobald größere Rechtsnormenkomplexe geändert werden sollen. daß das gesamte Recht innerhalb kurzer Frist nach Maßgabe einer neuen »Gesinnung« uminterpretiert wurde. Das heißt aber noch lange nicht. 9 7 . 149 . sondern sich drastischer personalpolitischer Mittel bediente. 12 13 12 Damit sind tiefgreifende Umgestaltungen des Rechts etwa als Folge politischer Umwälzungen natürlich nicht ausgeschlossen. Schritte ins Dunkel riskieren muß. systemimmanente Sicherung erweist. daß sie kaum noch zu bewältigen sind und man. durch Aufbau ihrer eigenen Geschichte. hat bei dem gegenwärtigen Stand der Entscheidungstechnik enge Grenzen. Nirgends zeigt sich praktisch eine Möglichkeit zu rationaler Neugestaltung ab ovo.Verfahrensregelungen allein sein. 13 Dazu als einer Grenze soziologisch rationalisierender Aufklärung auch Niklas Luhmann: Soziologische Aufklärung. daß man Geschichte in ihrer Funktion. aber nicht alles auf einmal. missen kann . Nur durch außerrechtliche Beeinflussung der richterlichen Entscheidungspraxis war zu erreichen. daß die nationalsozialistische Umfärbung des deutschen Rechts nicht primär über Gesetze geleitet wurde. N u r wenige Alternativen stehen als sinnvoll offen. Vgl. also die technische Verwendung der Positivität des Rechts zur Erreichung bestimmter Ziele. An die Stelle jener vorrangigen Tradition tritt die Geschichte der im System getroffenen Entscheidungen. Es ist bezeichnend genug. planmäßige und folgensichere Eingriff in das Recht durch Entscheidung. Tübingen 1 9 6 8 .). auf Entscheidung gestellter Rechtsordnungen zu gewährleisten. Das geschieht nämlich weitgehend durch die außerordentlich hohe sachliche Komplexität des Rechts selbst. In einer positivierten Rechtsordnung kann zwar alles Recht durch Entscheidung geändert werden. Angesichts der Masse und Interdependenz funktionierender Rechtsnormen hat jeder Eingriff durch eine Einzelentscheidung enge Grenzen. Komplexe Systeme binden sich. daß es allein kraft Alters neuem Recht gegenüber den Vorzug erhält oder gar Neuerungen ausschließt. hierzu Bernd Rüthers: Die unbegrenzre Auslegung. S. wie wir es schon am Beispiel des Einzelverfahrens gesehen haben. Uberhaupt kann kein Recht der Welt seine Erhaltung selbst garantieren und andere Entwicklungsmöglichkeiten ausschließen. will man doch reformieren. schwellen die Anforderungen an den Entscheidungsprozeß derart an. Aber der rationale. Z w a r gibt es kein Vorrecht des alten Rechts mehr in dem Sinne.1 2 3 ( 1 1 8 ff. die man nicht mit einem Federstrich auslöschen und insgesamt ersetzen kann. die sich als seine wichtigste.

höhere und unbestimmtere Komplexität zu bearbeiten und die Abhängigkeit des Systems von seiner eigenen Entscheidungsgeschichte zu lockern. müssen wir uns ein deutlicheres Bild darüber verschaffen. Durch die Positivierung des Rechts erhalten Entscheidungsverfahren neuartige Chancen. besondere Bedeutung gewinnen. Bevor wir genauer untersuchen können. wenn sie entsprechend strukturiert sind und Entsprechendes leisten. welchen besonderen Problemen und Belastungen ein Handeln durch so hohe. daß in der Kontrastierung von Naturrecht und Verfahren etwas Richtiges gesehen ist und Ver^ fahren im positiven Recht. unprogrammierte Komplexität ausgesetzt ist.Damit ist nicht ausgeschlossen. 150 . welche Anforderungen sich daraus für die dem Rechtsanwendungsprozeß vorgelagerten Verfahren der politischen Wahl und der Gesetzgebung herleiten. das ja ganz und gar auf Entscheidungen beruht. nur profiliert sich die Frage nach ihrer Funktion und den Grenzen ihrer Wirksamkeit schärfer. Sie können diese Chance nur wahrnehmen.

Invariant-legitimierte Institutionen wie Krone und Altar sind in sich selbst nicht komplex und nicht mobil genug. um die Anpassung des Systems an seine ebenfalls hochkomplexe. Riggs: Thailand. daß politische Unterstützung zum permanenten Problem gemacht wird. also die Variierbarkeit aller als Programm dienenden Entscheidungsprämissen. die für Systeme mit hoher Eigenkomplexität typisch und notwendig ist. Sie werden dadurch ersetzt. sind mit den Bedingungen des Fluktuierens politischer Unterstützung nicht invariant und automatisch. sondern erteilt werden muß. Die daraus resultierenden Unsicherheiten sind nicht fatale Begleiterscheinungen politischen Lebens schlechthin. 151 . den die Positivierung des Rechts. beide Bereiche haben ihre Eigendynamik und müssen hinreichend offen und unbestimmt bleiben. Demokratisierung der Politik Der Effekt. In einem Maße. S. um koordinierbar zu sein. Honolulu 1966. werden Alternativen sichtbar und entscheidbar. verknüpft. sie versagen als Garanten legitimer Macht . 1 1 Dazu vortrefflich Fred W. 91 ff. daß politische Unterstützung nicht mehr vorausgesetzt werden kann. The Modernization of a Bureaucratic Polity. die das Recht eröffnet. Die Komplexität nicht nur des Rechts. um die neuen Möglichkeiten überzeugend ergreifen und ordnen zu können. rasch wechselnde Umwelt zu gewährleisten. zum Beispiel durch »Wahrheiten«.2. die neuartige Formen der Stabilisierung erforderlich macht oder sich nicht halten läßt. Die Variationschancen. auf das politische System einer Gesellschaft haben muß. sondern auch des politischen Systems selbst steigt damit in einer Weise. das in älteren Gesellschaften undenkbar und untragbar gewesen wäre. sie sind strukturell erzeugt. das durch Organisation und laufende Arbeit gelöst werden muß. Das bedeutet aber zugleich. Die Mobilisierung der Entscheidungsprämissen und die Mobilisierung der Bedingungen politischer Unterstützung bedingen sich wechselseitig und führen zusammen jene strukturelle Unbestimmtheit des politischen Systems herbei. •wird bei weitem hoch nicht genügend bedacht.

die erfolgreich ein Monopol auf Politik behauptet. Der Gedanke des rechtlich geordneten Verfahrens ersetzt. daß sie in eine Spitze ausmündet und durch sie zusammengehalten wird. Die Identität des Systems wird in N o r men. das in der Form von Verfahren. Steigt jedoch die Komplexität und steigen damit die Variationsmöglichkeiten und die inneren Risiken des politischen Systems in der beschriebenen Weise. Die Oberbrückung dieser Differenz wird zu einem permanenten Problem. sie wird auf eine technisch-organisatorische Funktion in der Verwaltung zurückgeschnitten. wenn nicht gar in Werten oder Ideologien verankert. wird diese Lösung gewählt.und Sozialphilosophie 53 ( 1 9 6 7 ) . S.3 7 1 . Sie ist die Darstellung der Legitimität.Bei so hoher Systemkomplexität muß die alte Vorstellung einer hierarchischen Ausübung hoheitlicher Gewalt. unter der das politische System zunächst aus der Gesellschaft ausdifferenziert und verselbständigt worden war. Diese geschichtlich neue Lage eines politischen Systems von so 2 3 2 Eine andere. Dient das Hierarchiemodell als Systemstruktur. als diese Rolle neu zu besetzen. daß die Spitze das Ganze symbolisiert. Damit wird das Ganze durch eine Rolle. Charakteristisch für eine Hierarchie ist nämlich. funktional • äquivalente Lösung dieses Problems wäre die laufende Koordinierung von Ideologie und Entscheidungspraxis durch eine Partei. New York-London-Sydney 1 9 6 5 . Zum Vergleich beider Lösungen einige weitere Gesichtspunkte bei Niklas Luhmann: Positives Recht und Ideologie. Archiv für Rechts. 5 3 1 . das heißt durch Darstellung des Entscheidungsprozesses als technische Operation und als Symbol des Ganzen. also auf gefährlich konkreter Ebene dargestellt und in dieser Rolle angreifbar. als Systemmodell aufgegeben werden. Solange keine anderen Alternativen vorstellbar sind. Siehe als ausführlichste Darstellung David Easton: A Systems Analysis of Polttical L'fe. so bedeutet dies. nicht nur das Naturrecht. 3 In der neueren Theorie des politischen Systems wird dieser Wandel durch kybernetisch inspirierte Kreislaufmodelle zum Ausdruck gebracht. die operational-entscheidungstechnische und die symbolisch-sinnkonstituierende Ebene werden schärfer getrennt und für sich (wenn auch nicht ohne Bezug aufeinander) stabilisiert. sondern auch die Hierarchie als statische Primärstruktur des politischen Systems . ist das unbedenklich. 15* . gelöst werden kann . müssen abstraktere Formen der Symbolisierung des Systems gesucht und gefunden werden.

1 9 6 $ . eingetretene Neuerung als Änderung der Staatsform. nicht angemessen begreifen. und das erklärt auch. Infolgedessen trat die Frage. ist der Einzelhandlung abgelesen und läßt sich auf Systeme von sehr 4 4 Als eine ausgezeichnete kritische Erörterung einiger Prämissen dieser klassischen Theorien siehe Robert A. ob die Bedingungen oder die Gefahren effektiver Volksherrschaft in dem einen oder dem anderen Sinne als Hauptproblem gesehen wurden. in den Blickpunkt des staatstheoretischen Interesses. Jahrhundert entwickelten Theorien demokratischer Verfassung unzulänglich. Chicago 1 9 5 6 . finden sich mehr demokratische oder mehr liberale Varianten. wenn nicht irreführend interpretiert worden. deren Unterschiede im einzelnen hier nicht erörtert werden können .hoher Komplexität ist durch die im 1 8 . In ihrer Blickbahn läßt sich die politische Wirklichkeit. Gemeinsam verfehlen sie das eigentliche Problem dadurch. A Study in Twelve Contemporary Political Theories. Dahl: A Preface to Democraric Theory. die wegen ihres Umfangs neue Organisationsformen und Verhaltensweisen erfordert. Mit ihrer historischen Mission sind sie jedoch selbst überholt und am Ende. Die Vorstellung eines Willens. Die klassischen Theorien der Demokratie haben eine wichtige Überleitungsfunktion erfüllt. Vgl. Verständlicherweise hielt man sich zunächst an die herkömmliche Staatsformenlehre und begriff die geforderte bzw. und 1 9 . wie das Volk als Mehrheit oder durch Repräsentanten oder durch einen mit ihm identischen Führer die Herrschaft ausüben könne und welche Gefahren damit verbunden seien. dazu ferner Elias Berg: Democracy and the Majority Principle. 153 . die sie herbeizuführen halfen. daß sie Herrschaft oder Macht als eine übertragbare Konstante behandeln. aber damit ist noch keine Erkenntnis gewonnen. während in Wahrheit das Problem in einer beträchtlichen Steigerung der Komplexität der Macht liegt. So lassen sich denn auch die Verfahren der politischen Wahl und der Gesetzgebung zwar als Formen der Bildung und Durchsetzung des »Volkswillens« bezeichnen und politisch legitimieren. weshalb sie sich an der traditionellen Staatsformenlehre orientieren und auf änderbaren »Besitz« der Macht abstellen mußten. Kopenhagen usw. Je nachdem. als Übergang der Herrschaft auf das Volk. der gebildet und durchgesetzt werden müßte.

Ihre Beseitigung würde eine Neustabilisierung des gesamten Systems erfordern. dazu Karl W. was eine Ausdifferenzierung des Systems. Diese Prozesse müssen auf ein relativ abstraktes Bezugsproblem angesetzt werden. Politische Vierteljahresschrift 154 . Vgl. aber sie läßt sich nicht mehr auf »das Volk«. 6 5 5 Versucht man eine solche Umdefinition. sondern nur noch auf das politische System als Träger von Willen beziehen. New York-London 1 9 6 3 . zum Beispiel nicht durch einen anderen Rekrutierungsmodus oder eine andere Verteilung von Kompetenzen ablösen. als ein Bündel verschiedenartiger Leistungen. insbes. In diesem Sinne zählen sie zur Verfassung. erweist sich. müssen bestimmte Vorbedingungen erfüllt sein. das zur Erzeugung von Alternativen anregt. Deutsch: The Nerves of Government. rücken dadurch ins Zentrum eines politischen Systems.hoher Komplexität nicht ohne Umdefinition übertragen . die eine solche multifunktionale Struktur garantieren. die in der Einheit einer Institution wie politische Wahl oder parlamentarische Gesetzgebung zusammengefaßt und integriert werden. mit denen wir im folgenden die politischen Verfahren interpretieren werden. wenn man ihren Systemkontext mit in Betracht zieht. Ihre Funktion. Die Verfahren der Bildung und Durchsetzung des »Volkswillens« müssen als Beitrag zur Lösung dieses Problems analysiert werden. die sich in allgemeinen systemtheoretischen Begriffen beschreiben lassen. Institutionen. und sie müssen in sich selbst funktional differenziert und spezifiziert werden. das hohe Komplexität prästieren muß. Soll politische Komplexität in dem beschriebenen Sinne erhalten und bearbeitet werden. wie so hohe Komplexität politisch behandelt und auf entscheidbaren Sinn gebracht und doch als bleibendes Strukturmoment erhalten werden kann . Zu all diesen Erfordernissen tragen politische Verfahren bei. Das Grundproblem ist. 103 ff. Sie lassen sich unter dem Blickpunkt einer spezifischen Funktion schwerlich ersetzen. unprogrammierte politische Komplexität zu erhalten und zu reduzieren. dann erscheinr als Wesen des WiUens die Bevorzugung interner gegenüber externer Information. Es müssen spezifisch politische Prozesse zu einem Teilsystem eigener Art ausdifferenziert werden. wie wir es etwa in der Form von Parteipolitik kennen. Diese Uminterpretation führt mithin auf Kategorien. Models of Politicai Communication and Control. S. eine Abstraktion seiner Entscheidungsgrundlägen und eine interne Differenzierung seiner Prozesse voraussetzt. 6 Ein entsprechendes Konzept der Demokratie habe ich skizziert in Niklas Luhmann: Komplexität und Demokratie.

Berlin 1 9 6 5 . in ihren Verhaltensmöglichkeiten durch Rechtsvorschriften eingeengt und dann von Fall zu Fall durch Besetzung konkret in Aktion gesetzt. denn dazu ist wesentlich. Offensichtlich handelt es sich um ein rechtlich geregeltes Verfahren im Sinne unserer allgemeinen Überlegungen zur Verfahrenstheorie (Teil i. vor allem um die Besetzung des Parlaments. des Wahlleiters und seiner Hilfskräfte werden allgemein geschaffen. des Kandidaten. Klärung und Bekanntgabe der Kandidaturen. Besondere Rollen wie die des Wählers. Festlegung eines Wahltermins. 2 Wo diese Ungewißheit fehlt. daß die Entscheidungssituation offengehalten wird. wie sehr er sich Mühe gegeben hatte und wie 2 1 Siehe zum gleichen Thema unter dem Aspekt grundrechtlicher Garantie des Wahlrechts Niklas Luhmann: Grundrechte als Institution. Andere Modalitäten wie Begrenzung der Zulassung von Wählern oder Kandidaten. Auszählen des Ergebnisses.3- Politische Wahl 1 Dem äußeren Ablauf nach geht es bei der politischen Wahl um einen Vorgang der Rekrutierung für öffentliche Ämter. Benachrichtigung der Gewählten. Strukturierung der Alternativen (Problem der »Listen«). S. Typisch ist ferner der Zug zur Entscheidung und die höchst künstliche Neutralisierung zahlreicher Verfahrensaspekte durch die Entscheidung: Die Kompetenz. Öffentlichkeit oder Geheimhaltung der Stimmabgabe oder Festlegung des Auszählungssystems ergeben sich nicht unmittelbar aus der Rekrutierungsaufgabe selbst. wird eindeutig ganz übertragen oder nicht übertragen. unabhängig davon. kann man strenggenommen nicht von »Wahlen« sprechen und jedenfalls nicht von einem Verfahren im Sinne unserer Theorie. sondern scheinen eher ihrer Koordination mit anderen Systembedürfnissen zu dienen. Die Ungewißheit des Ausgangs der Wahl dient als wesentliches Motiv kommunikativer Beteiligung und Engagierung . die mit dem zu besetzenden Amt verbunden ist. 55 . 1 3 6 ff. Ein Beitrag zur politischen Soziologie. Abgabe und Einsammlung der Stimmen. wie hoch der Kandidat die Wahl gewonnen oder verloren hat. Er erfordert zum Beispiel Registrierung der Wähler. 3 ) . Dieser Vorgang läuft nach bestimmten sachnotwendigen Bedingungen ab. K a p .

die bestimmte Prinzipien beachte. ermöglichen keinen Vergleich von Systemen und neigen deshalb dazu. wenngleich wertmäßig entgegengesetzte Arten..): Varieties of Political Theory. In der distanzierten. Talcott Parsons: The Political Aspect of Social Structure and Process. J.Möglichkeiten. 77 ff. zumeist nach askriptiven Kriterien. etwa durch die Thesen. das heißt in fester Anknüpfung an schon vorhandene andere Rollen . die Erstgeborenen 4 3 3 Zu diesem selten besonders betonten. weitfassenden Perspektive der Systemtheorie erscheint bereits als bemerkenswert. S. 71-112 (84). Der wertfreie Begriff der Legitimität. Sie vermitteln keinen Einblick in andere funktional äquivalente Möglichkeiten. Unterschiede in die kategorische Form antithetischer Wertsetzungen zu kleiden. aber sehr wesentlichen Eindeutigkeitsprinzip vgl. S. Nadel: The Theory of Social Structure. 156 . der Beantwortung zu. falls sie sie überhaupt als solche vorsehen. läßt solche Auswege nicht mehr zu. 4 Die besondere Bedeutung dieser Rekrutierungsweise für den Zusammenhalt sozialer Systeme hat Siegfried F. Warum ist dies alles so und nicht anders? Und was daran ist Bedingung einer »Legitimation durch Verfahren« ? Man kann sich die Antwort auf diese Fragen durch Wertsetzungen vereinfachen. die in anderen Bereichen politischer Tätigkeit durchaus offenstehen. daß Rekrutierung überhaupt zum Problem und zum Gegenstand besonderer Verfahren wird. Einfache Gesellschaften vergeben politische Rollen und Entscheidungsrechte. »demokratisch« sei und daß nur eine demokratische Wahl Herrschaft legitimieren könne. Dafür bietet die soziologische Systemtheorie neue analytische Hilfsmittel an. daß nur eine Wahl. daß die Ältesten. Das Unbefriedigende solcher Auskünfte liegt jedoch auf der Hand. In: David Easton (Hrsg. an dem wir unsere Untersuchungen orientieren.einflußreich seine Förderer sind . die jeweiligen Häuptlinge einer bestimmten Stammeslinie. Auf dieser gedanklichen Ebene lassen sich offizielle Verlautbarungen zu schöner Einmütigkeit koordinieren. die Wirksamkeit seiner Stimme durch besonderen Einsatz oder durch Wiederholung zu verstärken . Im übrigen lassen aber auch die klassischen Theorien der Demokratie mit ihren allzu einfachen Prämissen kaum eine andere Form. Englewood Cliffs N. einsichtig gemacht. Es wird dadurch automatisch gesichert. London 1 9 5 7 . Auch der Wähler hat keine Möglichkeit. 1966.

in der Person verknüpfte Rollenzusammenhang sich 6 5 Die »Verfahren« der Nachfoigerbesrimmung in einfachen Gesellschaften. Solche Rollenzusammenfassungen verraten einen sehr geringen Grad an Ausdifferenzierung des politischen Systems. ( 1 9 5 3 ) . S. S. dienen mehr der Überwindung einer momentanen. 42 ff. S. Es braucht keine Verfahren. A Study in Processes and Types of Domination. 157 . Schapera: Government and Politics in Tribal Societies.): Succession to High Office. Reinhard Bendix: Nation-Building and Citizenship. Cambridge England 1966. Siegel (Hrsg. Und entsprechend wird die soziale Kontrolle der Herrschaft durch die Rücksicht auf diese eigenen anderen Rollen der Herrscher vermittelt.. 1 1 3 f. Riggs: Thailand. als der eigene Rollenkontext ihn hält. Dafür ist er von der »Anerkennung« seiner Untergebenen unabhängig in dem Maße. Das zeigt sich schon an der häufig anzutreffenden Geheimhaltung des Todesfalls. Marion J . 3 8 . 2 1 0 . The Modernization of a Bureaucratic Polity. 3 3 8 ff.. als der invariante. London 1 9 3 6 . als der . 30 ff. Hauseigentümer. Cambridge England o. verwandtschaftliche Rücksichten ihm Grenzen ziehen. Stanford Cal. Gildenmeister oder wer immer die politisch-administrativen Funktionen wahrnehmen. A Setting for International Affairs. 209. : Modernization and the Structure of Societies. -zufällig« auftretenden Unsicherheit bei Ausfall des bisherigen Herrschers. die Grundbesitzer. Dessen Stabilität wird gerade durch Einbettung in die Gesellschaft erreicht. systematischen politischen Konsenssicherung.2 6 2 (244 f. Siehe für Beispiele etwa Aidan W.einer bestimmten Familie. familiären Aktionszusammenhängen. In dem Maße.. 5 Die gesellschaftliche Entwicklung verläuft im großen und ganzen entsprechend der zunehmenden Ausdifferenzierung eines spezifisch politischen Teilsystems von askriptiver zu eignungsoder leistungsorientierter Rekrutierung . S. 104 f.. Studies of our Changing Social Order. nicht adäquate Problemlösungen.). Bd. J . S. Jack Goody (Hrsg. religiöse.. 85 ff-. Im übrigen sind diese Verfahren durchweg schlecht funktionierende. militärischen. I I . I. daß wirtschaftliche. Honolulu 1 9 6 6 . nämlich im Wege der Unterstützung durch und der Bindung an die anderen gesellschaftlichen Rollen der Entscheidungsträger. wirtschaftlichen.. S. Southall: Alur Society. Der Herrscher immobilisiert sich auch politisch dadurch.): Biennial Review of Anthropology 1 9 3 9 . die keine feste Designation kennen. die diese Zustimmung sicherstellen sollen . New York-London-Sydney 1 9 6 4 . Princeton 1966. militärische. Levy J r . religiösen. 440 ff. Fred W. Die Herrschaft beruht dann auf der Unterstützung durch die eigenen anderen Rollen der Herrscher in statusmäßigen. 1939. 6 So speziell für politisch-administrative Rollen auch David Easton: Political Anthropology. In: Bernard J.

sondern funktional spezifizierbar ist. O. Nadel. S. gegenüberzustellen. a. Zugleich steigt das Potential für den Ausdruck von Konflikten in der Sozialordnung mittels gegenüberstehender Rollen. dem politischen Herrscher spezifisch politische Publikumsrollen. sie müssen durch gegenüberstehende. Angehöriger einer Korporation. 63 ff. .ob ein Politiker. Minister oder Beamter auch reich. was sie leisten müssen: Sie müssen von anderen Rollenzusammenhängen abtrennbar und funktional spe- 7 Vgl. auf die man sich aber nicht mehr verlassen kann . erkennt man. Daraus ergibt sich. etwa die des Wählers. die Individualisierung der Position des einzelnen. a. verliert die Gesellschaft die darin begründete Sicherheit. komplementäre Rollen anderer vermittelt werden.. die strukturell bedingten Unsicherheiten und das Potential für Darstellung und kampfloses Abarbeiten von Konflikten miteinander variieren. Das hat den wesentlichen Vorteil. ersetzen dynamische Rekrutierungsverfahren die alten statischen Rollenverbindungen. verheiratet. Kriegsveteran usw. nämlich Alternativen für die Rollenbesetzung.dadurch lockert. daß der unterstützende und kontrollierende Rollenzusammenhang nicht mehr auf diffuser Verquickung verschiedener Rollenbereiche beruhen muß.4 1 (36). die Mobilität der Rollenbeziehungen. die für Unterstützung und Kontrolle einen modus vivendi finden müssen. die vorstellbaren Alternativen. 7 N u r wenn man diese systemstrukturell begründeten Zusammenhänge überblickt. Der durch die Person vermittelte Rollenzusammenhang . und wir können am Beispiel des Wahlverfahrens studieren. American Anthropologist 33 ( 1 9 3 3 ) . 1 7 . die man beeinflussen. In einer Gesellschaft. Sie gewinnt Mobilität. ist —wird zur individuell-zufälligen Konstellation. die funktionale Spezifizierbarkeit der Rollensysteme. hierzu kontrastierend Meyer Fortes: The Structure of Unilineal Descent Groups. die sich in diesem Sinne zu höherer Komplexität entwickelt. einer Kirche verbunden. S. Unterstützung und soziale Kontrolle können jetzt nicht mehr durch eigene andere Rollen. Erst unter diesen Voraussetzungen hat es Sinn. muß aber ihr Rollengefüge neu stabilisieren. wie stark im sozialen System der Gesellschaft die erreichbare Komplexität.

. Vgl. a. a. des politischen Systems werden vor allem durch die drei Prinzipien gesichert. sondern ein Prinzip der Indifferenz und der Spezifikation von Gründen: 8 9 8 Daß man auch in modernen Demokratien mit politischer Wahl mit einfachen. 9 Diese Interpretation der Prinzipien freier politischer Wahl findet sich bei Stein Rokkan: Mass Suffrage. zu verwirklichenden Wertes (alle Menschen sollen gleich behandelt werden). Barber: The Lawmakers. All diesen Prinzipien liegt die Abstraktion und Individualisierung einer Rolle des Wählers im politischen System zugrunde. Rollen persönlich kombinierenden Kleinsystemen älteren Typs auf lokaler Ebene noch rechnen muß. das diese Probleme entscheidbar werden läßt. also ihre Ablösung von anderen gesellschaftlichen Rollen und Bindungen . 4 7 . S. die nach unserer allgemeinen theoretischen Konzeption vom Systemtyp »Verfahren« erfüllt werden können. 1 5 9 . sie müssen Ungewißheit und Alternativen erzeugen können nach Maßgabe der benötigten Komplexität. und sie müssen ein Regulativ für Unterstützung und Kontrolle enthalten. S. daß das Verfahren der politischen Wahl diesen funktionalen Erfordernissen entsprechend institutionalisiert ist .): Essays on the Behavioral Study of Politics. auch Luhmann: Grundrechte als Institution. Vgl. 1 3 2 . Dies sind Bedingungen. Entmündigte. nämlich ( i ) durch die Allgemeinheit des Zugangs zur Rolle des Wählers für die gesamte Bevölkerung (mit Ausnahme funktional begründbarer Einschränkungen für Unmündige.1 5 2 . Notes Toward a Perspective on Current Research. (2) durch die Gleichheit des Stimmgewichts und (3) durch die Geheimhaltung der Stimmabgabe. 1 9 6 2 .). IJ9 . S. und in der Tat läßt sich zeigen. Urbana III. zeigt James D.zifizierbar sein. Anm. an einer wichtigen Systemgrenze. Recruitment and Adaption to Legislative Life. Die Rollentrennung und die Ausdifferenzierung des Wahlverfahrens und damit. O. die Rekrutierung der gesetzgebenden Versammlung im Wege eines Wahlkampfes durchzuführen. Europäisches Archiv für Soziologie 2 ( 1 9 6 1 ) . 1 1 6 ff. Ihre Abgeordneten werden auf Grund unpolitischer Rollenbindungen »eingezogen« und erscheinen als »Reluctants« im Parlament.: The Comparative Study of Political Participation. auch ders. nach denen freie politische Wahlen heute organisiert sind. J I . S. Verbrecher). New Häven-London 1 9 6 s . Secret Voting and Political Participation. Ihnen fällt es infolge rollenverschmelzender personaler Bindungen im Wahlgebiet schwer.9 0 (66 ff. In: Austin Ranney (Hrsg. Der sie tragende Gleichheitsgedanke ist mithin kein Ausdruck eines realen Sachverhaltes der »Natur« (alle Menschen sind gleich) noch Ausdruck eines aufgegebenen.

Martin Trow: Small Businessmen. O.2 8 1 . Why People Get Involved in Politics. sollen ignoriert werden außer solchen. 1 6 2 ff. a.Alle Unterschiede dürfen bzw. S. Dieses Beispiel lehrt im übrigen. (dort. lehrt. der Ausfall eines von ihnen korrumpiert auch die anderen. sie zu benutzen. sie bilden allenfalls Probleme und Motive in der Politik. kann der Großgrundbesitz auf die konservativen Stimmen seiner Landarbeiter so sicher zählen. B. da sie den Schutz des Geheimnisses genießt . 1 9 5 9 . 11 Daß der Schutz des Wahlgeheimnisses zunächst und auch heute in manchen Entwicklungsländern nicht in diesem Sinne funktioniert. Der politische Entscheidungskontext erreicht auf diese Weise eine gewisse Autonomie und Indifferenz gegenüber anderen Bereichen der Gesellschaft. Jahrhunderts. Maurice Zeitlin: Economic Insecurity and the Political Attitudes of Cuban Workers. dazu Robert E. willkürlichen Entscheidungsmacht. über die nach deren eigenen Kriterien entschieden wer10 11 12 10 Zu dieser Interpretation des Gleichheitssatzes näher Luhmann: Grundrechte als Institution. Andererseits gibt es durchaus Einzelbelege dafür. 12 So hat zum Beispiel die empirische Wahlforschung nicht einmal zwischen wirtschaftlichen Ereignissen und politischem Verhalten des Wählers deutliche Korrelationen ermitteln können. Political Tolerarice and Support for McCarthy. die sich in einem funktionsspezifischen Zusammenhang als sinnvoll begründen lassen . daß er eine Ausdehnung des Wahlrechts zu befürworten vermag. daß wirtschaftliche Unsicherheit Tendenzen zu politischer Radikalisierung. Vgl. sondern nur eine gewisse unabhängige Variabilität der Politik im Verhältnis zu anderen Bereichen der Gesellschaft. American Sociölogical Review 31 (1966). 2 7 0 . in der Wissenschaft. Änderungen in einem Bereich legen dann nicht ohne weiteres auch den anderen fest. a. Wo es daran fehlt. 3 2 9 f. Glencoe III.. 3 S . nicht Errichtung einer neuen. waren die. Lane: Political Life. daß. Ereignisse in der Wirtschaft. The American Journal of Sociology 64 (1958). voraussetzt.Landtagswahlen bis 1 9 1 g öffentlich) oder im Südamerika des 20. Siehe z. im Familienleben haben nicht eo ipso bestimmte politische Konsequenzen . wie man vermuten könnte.J I - l6o . S. S. begünstigen kann. zumindest in Form latenter Bereitschaften. etwa im agrarischen Preußen des . S . daß die drei Prinzipien nur geschlossen funktionieren können. bei Wirtschaftskrisen politische Aktivität und Interesse des Wählers zunähmen. daß auch diese Institution einen besonderen Entwicklungsstand der Gesellschaft und die Fähigkeit. Das bedeutet nicht Isolierung der Politik auf sich selbst. Der Zugang zum politischen Handeln in der Rolle des Wählers und deren Effekt sind dadurch von anderen gesellschaftlichen Rollen unabhängig gestellt und die Art der Entscheidung als Wähler braucht in anderen gesellschaftlichen Zusammenhängen nicht verantwortet zu werden. etwa in dem Sinne.

in diesem Verfahren Gegensätze abzubilden und Konflikte zum Austrag zu bringen. daß Wahlen periodisch wiederholt werden. Sie bleiben als Gegner erhalten. Mit der Unabhängigkeit der Politik wächst auch ihre Abhängigkeit von der Gesellschaft . Alternativen zu formieren und offenzuhalten.sei es.den kann. daß dieses Problem durch die Zulassung mehrerer Parteien und konkurrierender Listen allein gelöst werden könnte.nämlich um Zugang zu bestimmten Entscheidungskompetenzen führt zu einer Angleichung und nicht zu einer Differenzierung 161 . Wahl als Verfahren zu institutionalisieren.ein in den Diskussionen über die »Trennung von Staat und Gesellschaft« selten verstandenes Phänomen -. die sich voneinander abheben. sondern muß gerade intensiviert werden. Herstellung und Erhaltung unentschiedener. Daher ist es eine zweite wesentliche Funktion des Wahlverfahrens. Die Kommunikation reißt also nicht ab. Gerade Konkurrenz um dasselbe . während die konfliktslosen Einheits-»Wahlen« darauf angewiesen sind. als es gelingt. sei es. daß die Kandidaten als individuelle Personen dem Wähler ein eigenes Profil zeigen und durchzusetzen in Aussicht stellen. wird in dem Maße sinnvoll. daß die Motivation zur Teilnahme an einem Bekenntniszeremoniell schon vorher sichergestellt ist. Man darf deshalb nicht die Illusion hegen. daß sie verschiedenen Organisationen angehören. müssen dem Wähler in den Kandidaten unterschiedliche Prämissen künftiger Entscheidungen präsentiert werden . da soziale Systeme ebenso wie psychische Systeme normalerweise zum sofortigen Abbau aller Unsicherheiten tendieren und die langfristigen Vorteile hoher Komplexität nicht sehen. widerspruchsreicher Komplexität ist eine äußerst schwierige soziale Leistung. N u r so können durch Systembildung neue Motivquellen erschlossen und generalisiert werden. über die mittels Einflußnahme entschieden werden muß. weil die Zahl der Alternativen zunimmt. daß sie sich mit verschiedenartigen Programmen identifizieren. so daß die Unterliegenden ihre Hoffnung nicht begraben. sondern nur aufschieben müssen. gehört in dieses Muster. Schließlid. sei es. daß jeder Wahlsieg nur vorläufige Bedeutung hat. Soll diese Offenheit gegensätzlicher Alternativen bis zum Ausgang der jeweiligen Wahl erhalten bleiben.

Wenn Katholiken und Protestanten. J . Georg Geismann: Politische Struktur und Regierungssystem in den Niederlanden. Ungewißheit zu erzeugen. 1 9 6 3 . Princeton N . einfach in das politische System hinein verlängert werden.. Schwarze und Weiße schon in allen Rollen gegeneinariderstehen . Kruijt: Verzuiling. kann ihrem Konflikt nicht auch noch politisch Ausdruck gegeben werden. Mindestens in einer Hinsicht mißlingt dann auch die Ausdifferenzierung des politischen Systems. iS f. 8s ff. noch Parteien sich zu differenzieren vermögen. Übers. 162 . aber die Ungewißheit bleibt vordergründig wie die künstlich organisierte Dramatik eines sportlichen Ereignisses. Andererseits sind unter eben dieser Voraussetzung die gesellschaftlichen Konfliktsthemen so zahlreich und die Bedingungen für politische Unterstützung so fluktuierend. durch den Wahlmechanismus allein die Komplexität des politischen Systems zu garantieren und in der Wähl selbst zur Entscheidung zu bringen.der Strategien und Programmangebote: Auch in Mehrparteiensystemen findet man deshalb nicht selten. N u r wenn die Gesellschaft schon hinreichend komplex ist. daß die Interessen13 13 Diese Lage wird mit einem aus der niederländischen Soziologie stammenden Ausdruck oft »Versäulung« der Gesellschaft genannt. nämlich durch Verquickung von Politik und Unterhaltung. F. Lipset: Soziologie der Demokratie. Einen ähnlichen Sachverhalt umschreibt der Begriff »isolative political culture« bei Gabriel Almond/Sidney Verba: The Civic Culture. die in der Gesellschaft durchgehend dominieren. führt in ein unausweichliches Dilemma: Einerseits muß vermieden werden. daß die Bürgerkriegsgefahr akut wird. Deshalb sind gesellschaftlich vielfältig gebrochene Konfliktsfronten Voraussetzung für eine unschädliche Politisierung gesellschaftlicher Konflikte.. S. Neuwied-Berlin 1 9 6 2 . daß der Wahlmechanismus keinerlei Konflikte absorbiert und der Wahlausgang nahezu folgenlos bleibt. S. Das würde den politisch manipulierbaren Konflikt überschärfen und die gesellschaftlichen Gegensätze so versteifen. 77 ff. Dem Verfahren gelingt es dann zwar. Zum Problem selbst siehe auch Seymour M. dt. Arbeiter und Kapitalisten. Zaandijk 1 9 3 9 . Political Attitudes and Democracy in Five Nations. weil weder Personen. auf Grund von J. Vgl. kann ihr politisches System eigene Komplexität gewinnen. Frankfurr/Main-Bonn 1964. Jeder Versuch. noch Programme. daß kompakte Konfliktsfronten..

die nicht direkt zu fassen und abzuarbeiten ist. diese Konflikte in das politische System hinein. unwegdenkbarer Antriebsfaktor (wenngleich die Arbeit selbst natürlich nicht »im Verfahren« stattfindet). Sie müssen. umzuformen oder ins politisch Irrelevante abzuleiten . a. New York 1 9 3 7 . wesentliche gesellschaftliche Konflikte durch »das Volk selbst« entscheiden zu lassen *. Für sie dient nämlich die ungewisse Erhaltung und Mehrung von Wählerstimmen als oberstes Ziel und letztes Entscheidungskriterium . Aber es eignet sich dazu. Wege suchen.sei es durch parteiinterne Selektions. Herrschaft von Minoritäten. Dieses Ziel fungiert gleichsam als handlich-operationale Ersatzformel für die volle politische Komplexität. Das Verfahren der politischen Wahl eignet sich demnach kaum dazu.. daß entgegengesetzte Interessen den gleichen Kandidaten stützen und gleiche Interessen entgegengesetzte Kandidaten. damit gerechnet werden. divergierende Forderungen miteinander zu versöhnen. sondern werden in den Parteien durch interne Prozesse der Vorselektion und Entschärfung amalgamiert und nur noch in Form eines idealen. sondern nur. nacheinander zu befriedigen. abgeleiteten Fassung können politische Probleme trotz hoher Komplexität 1 15 14 Das ist im übrigen einer der Gründe. Es muß typisch. wenn nicht in. wie Dahl. so vor oder nach der Wahl. auf Entscheidung drängenden gesellschaftlichen Konflikten stellen. aus denen es keine Herrschaft der Majorität geben kann. Die wirklich motivierenden Interessen lassen sich nicht mehr auf eine oder einige wenige programmatische Alternativen zuspitzen. Denn wo nur Wahlgewinne zu legitimer Macht führen und Wahlverluste Macht kosten. müssen die Parteien sich den offenen. S. treffend formuliert. Es muß als erste Stufe eines gestaffelten Prozesses der Absorption von Konflikten begriffen werden. nicht nur zufällig. 1 3 2 . jedem gefälligen Programms vor den Wähler gebracht. O.Konstellationen in den Wahlen nicht mehr zum Ausdruck gebracht werden können. sei es durch zwischenparteiliche Koalitionsverhandlungen.und Ausgleichsprozesse. a. In dieser sekundären. 163 . 15 Die bekannteste Ausarbeitung dieses Entscheidungsprinzips ist Anthony Downs: An Economic Theory of Democracy.statt aus ihm herauszuleiten. Auch für solche Arbeit an Konflikten ist die durch das Wahlverfahren erzeugte Ungewißheit wesentlicher.

sondern die Programme um des Wahlgewinns willen auswählen. die durch das Wahlverfahren miterzeugt wird. S.2 1 4 . 164 . Diese Absonderung der politischen Wahl von der unmittelbaren Interessendurchsetzung absorbiert Konflikte dadurch. Eine Folgerung aus dieser Analyse wäre die Forderung nach höherer Publizität und Zugänglichkeit parteiinterner Konflikte und Entscheidungsprozesse.. Versagung politischer Unterstützung einerseits von denen der Interessendarstellung und der Anmeldung von Forderungen andererseits getrennt . Zur Trennung von » S u p p o r t s « und »demands« als verschiedener »input functions« vgl. die entscheidend zur Bildung autonomer legitimer Macht im politischen System beiträgt . Das Wahlverfahren regelt diese Arbeit nicht. daß in der Wahl zunächst nur Stellen und Kompetenzen. New York-London-Sydney 1 9 6 $ . S. Solch eine Pervertierung der aligemeinen Moral setzt ihrerseirs ein hohes Maß an Ausdifferenzierung des politischen Systems auf normativer und rollenmäßiger Ebene voraus. aber es institutionalisiert ihre Ziele einschließlich gewisser Nebenbedingungen . denn anders könnte die Politik den schlechten Ruf. Die Stellung der politischen Wahl außerhalb des eigentlichen Managens der Interessen deutet auf eine funktionale Innendifferenzierung des politischen Systems hin. World Politics 17 (1965). 37 ff. da die Parteien der allgemeinen gesellschaftlichen Wertung entgegen nicht Wählerstimmen um bestimmter Programme willen suchen. namentlich David Easton: A Systems Analysis of Political Life. 17 Möglichkeiten einer Ausarbeitung dieses Gedankens haben sich vor allem bei der Anwendung des Input/Output-Modells auf politische Systeme ergeben. nicht ertragen. Damit kommen w i r nach Erörterung der Ausdifferenzierung und der eigenen Komplexität des Wahlverfahrens zu einem dritten Strukturmerkmal: daß Systeme bei starker Ausdifferenzierung und hoher Eigenkomplexität sich auch intern differenzieren und für spezifische Funktionen wie Rekrutierung und Unterstützung spezifische Institutionen bereitstellen müssem Durch die Institution der politischen Wahl werden die Prozesse der Rekrutierung und der Gewährung bzw.taktisch-rational bearbeitet und in Entscheidungen umgesetzt werden.eine Einrichtung. 16 17 Die politische Wahl eignet sich nicht für den Ausdruck kön- 16 Zu beachten ist. daß dazu eine Umkehrung der normal geltenden Wertbeziehungen erforderlich ist. den solches Abweichen ihr einträgt. nicht aber zugleich auch Bedarfsbefriedigungen verteilt werden. 1 8 3 . und jetzt auch Gabriel Almond: A Developmental Approach to Political Systems.

Presseäußerungen.kreter Interessen. 80-120. ist. Angus Campbell/Philip E. eine Liste. Sie verweist den Gewählten auf Kontakte mit den Sprechern wichtiger. In: Eugene Burdick/Arthur J. sondern auch die Erkennbarkeit der konstituierenden Interessen. Überlegungen zur Lehre von der Repräsentation des Volkes.): American Voting Behavior. Ein konkreter Tausch von Interessenförderung gegen politische Unterstützung 8 19 18 Zu diesem »funnel of causality« vgi. S. Meinungserhebungen. weil mit der notwendigen Generalisierung politischer Unterstützung unvereinbar. Miller/Donald E. das eine korporative Organisation der Wählerschaft voraussetzen würde . aber sie durchläuft eine Reihe von Filtern mit dem Ergebnis.. New York i960. 165 . sowenig wie für die Entscheidung konkreter Konflikte. aber die Last der Entscheidung nicht aufheben. 24 ff. Glencoe III. Die Motive für diese Entscheidung können durchaus dem Interessenbereich entnommen werden. Wohlgemerkt fehlt nicht nur die rechtliche Bindung an ein »imperatives Mandat«. daß nur eine sehr abstrakte Kommunikation zustande kommt und die Gewählten nicht mehr an spezifische Interessen gebunden sindJ . Brodbeck (Hrsg. Die Kommunikation zwischen Interessensphäre und politischer Unterstützung ist also keineswegs unterbunden. Lokalwahlen. S. also auf das Mitbewirken einer Rollenbesetzung und auf den Ausdruck politischer Unterstützung in hochgeneralisierter Form. zeigt einleuchtend Christoph Müller: Das imperative und das freie Mandat. 19 Daß selbst dann ein imperatives Mandat problematisch. sondern nur ins Tragbare abmildern. Der in ihr zugelassene Kommunikationsakt ist beschränkt auf die Abgabe der Stimme für einen Kandidaten bzw. Entsprechend ungewiß ist die K a l kulation der Wiederwahlchancen. A l l das sind Orientierungshilfen. Sie wird sogar angeregt. stimmreicher Interessen und auf Beachtung von »Symptomen« des mutmaßlichen Wählerwillens wie etwa Nachwahlen. und die Interpretation als Generalisierung politischer Unterstützung bei Talcott Parsons: »Voting« and the Equilibrium of the American Politica! System. Converse/Warren E. Der Politiker wird so in die Entscheidungsfreiheit gezwungen. Stokes: The American Voter. die z w a r Struktur geben. Leiden 1966. 1959. Die Unbestimmtheit seiner Entscheidungssituation wird zur Erhaltung der Komplexität des politischen Systems im Wahlverfahren strukturell erzeugt und muß dann in anderen Rollenbeziehungen und Kommunikationskanälen kleingearbeitet werden.

Beides sind Einflußarten. und ferner Raymond A.5 3 . New York 1 9 6 1 . der Kirche. besonders in Fällen. Auf dem anderen. die sich noch von der Rolle des Entscheidungsempfängers unterscheiden. daß eine unmittelbare. S. Interessenverbände. Zum gleichen Thema siehe auch Lester W. Eine solche strukturelle Trennung des Unterstützens und Forderns durch Aufteilung auf verschiedene Rollen und Kommunikationswege führt mithin dazu. ihre Forderungen effektiv durch . 3 2 . aber er muß die Entscheidung anderen überlassen. Public Opinion Quarterly 24 ( i 9 6 0 ) . : Public Opinion and American Democracy.in der Wahl ist unter diesen Umständen nicht möglich. S. New York 1 9 6 3 . kann er seine Interessen darstellen und durch Aufwendung von Zeit und Kosten verstärkt fördern. nämlich durch global gewährte Unterstützung gegen Befriedigung im großen und ganzen . Demonstrationen usw. daß die Interessenverbände kaum in der Lage sind. Key J r . Vgl. as one unwisely does now and then. Dem einzelnen werden zwei Wege offen gehalten: Auf dem einen. 4 3 3 ff. Petitionen. Leserbriefe oder sonstige Publikationen. eingeholt werden muß. The Politics of Foreign Trade. 21 Daß in einem so konstituierten politischen Entscheidungskontext dann zur Reduktion der verbleibenden Komplexität sehr handfeste Abmachungen getroffen werden. Solche Geschäfte müssen jedoch in Relation zum Wahlmechanismus gesehen werden.Wählerverhalten zu sanktionieren. zumindest sehr erschwert . ohne jedoch seine spezifischen Interessen ausreichend fördern zu können. Aus der Sicht des Publikums erscheint diese Rollendifferenzierung als Doppelung der Kontaktbahnen zur Politik. Milbrath: Lobbying as a Communication Process. 5 2 2 . »When pressure group spokesmen threaten reprisal at the polls. l66 . O. Chicago 1 9 6 3 . Diese Aufgliederung sticht auffällig ab von der alten 20 21 20 Das zeigt sich zum Beispiel daran.: The Washington Lobbyist. steht auf einem anderen Blatt. Bauer/ Ithiel de Sola Pool/Lewis Anthony Dexter: American Business and Public Policy. Die Flexibilität des politischen Systems kann nur gewahrt werden. wenn auch minimalen und nicht ausbaufähigen Einfluß auf die Politik. they are usually pointing an unloaded gun at the legislator«. über persönliche Kontakte und Interventionen. S. wenn der Wahlmechanismus eine normalerweise ausreichende politische Unterstützung gewährt und nicht darüber hinaus noch für jede Entscheidung die Zustimmung der Militärs. auch ders. der Großindustrie usw. hat er garantierten. dem des Wählers. in denen die Wahl allein nicht ausreichende politische Unterstützung beschafft. bemerkt V. wechselseitig immobilisierende Bindung unterstützender und befriedigender Handlungen vermieden und ein relativ autonomer Entscheidungsbereich geschaffen wird durch ein stark generalisiertes Tauschverhältnis.

I. Steuern zahlen usw. die noch jene undifferenzierte Beziehung von Obrigkeit und Untertan und deshalb eine undifferenzierte Einheit der Themen vor Augen hatten. deswegen auf einen geplanten Hausbau verzichten. Warum sollte ein vernünftiger Mensch deswegen seinen Wagen zum T Ü V fahren. Die These verkennt das Wesentliche: die Komplexität der Vermittlung zwischen dem konzedierten Einfluß und der zu akzeptierenden Entscheidung. und selbst eine Auffassung. Demgegenüber ist die heute in der demokratischen Politik vorherrschende Erwartung eines Tausches von Anerkennung gegen Einfluß realistischer. Worin liegt da der Fortschritt und was ist damit für die Legitimität staatlichen Entscheidens gewonnen? Drei Stadien der Behandlung dieses Problems lassen sich unterscheiden: Die naturrechtlichen Staatstheorien. 117 ff. deswegen sich impfen lassen. S. »n'a pas toujours fait abandonner le principe. Leipzig 1 8 7 0 . Schon bei der Behandlung von Einzelverfahren der Rechtsanwendung hatten wir Zweifel bekommen. Bd.« 24 Vgl. aber eben deshalb auch empirisch zu widerlegen.). 167 . aber auch nicht als Sache individueller Nutzenkalkulation angesehen werden. i: Metaphysische Anfangsgründe der Rechtslehre. 23 »L'absurdite de la conséquence*. T. wieweit solche Hoffnungen auf Partizipation gerechtfertigt sind. kommentiert Guizot: Histoire des origines du gouvernement représentatif en Europe. S. die Zustimmung der Nichtzustimmenden zu fingieren) . Erst recht gilt das hier.. daß ein Zusammenhang emotional nicht herstellbar und rational nicht kalkulierbar ist. nach der Ausgabe der Philosophischen Bibliothek. mais elle l'a toujours fait violer. dazu bereits oben S. Diese Vermittlung ist so umweghaft und so uneinsehbar. 1 5 2 ff. § 46 (zit. Psychische Mechanismen dieser Art werden bei sehr hoher Komplexität und 22 23 24 22 Siehe statt anderer Immanuel Kant: Metaphysik der Sitten. weil er hin und wieder einen Stimmzettel ankreuzen darf? Legitimität kann nicht mehr als ein konsentiertes Rechtsverhältnis. konnten sich wahre Rechtsgesetze nur kraft Zustimmung aller Betroffenen vorstellen (und waren dann genötigt. 80.hierarchischen und funktionaldiffusen Einheitsbeziehung zwischen Obrigkeit und Untertan. die auf individuelles Wertgefühl oder auf persönlich »internalisierte« soziale Überzeugungen abstellte. Brüssel i 8 t i . träfe nicht das Wesentliche .

der wirtschaftlichen Lage natürlich nicht übersehen. Daß Erfahrungen des einzelnen mit dem politischen System oder in anderen Rollenbereichen der Gesellschaft in das politische System zurückfließen. obwohl deren. des Berufs. und wichtigster Effekt dieser Differenzierung ist die psychische Vermittlung der Entscheidung des Wählers .Variabilität der Sozialordnung unzuverlässig. Auffälligstes Merkmal dieser durch das Wahlverfahren mitkonstituierten Ordnung des politischen Verhaltens ist ihre starke Rollendifferenzierung. der Rasse. und als neueren Überblick sowie für weitere Literaturhinweise: Nils Diederich: Empirische Wahlforschung. vorigen Anmerkung erwähnte Wahlforschung bestätigt. Why People Gel Involved in Politics. indem sie die Entscheidungen vieler einzelner Wähler motivieren. 1959. zumindest zersplittert. aber sie har sie nicht als Systemstrukturen betrachtet. Hauptinteresse ganz entgegengesetzt auf Entdeckung sozialer Abhängigkeiten gerichtet ist. Köln 1965. Eine soziologische Theorie der Legitimierung durch politische Wahl wird viel stärker als die bisherige empirische Wahlforschung Systemstrukturen für ausschlaggebend halten und Legitimität dem sozialen System. Lane: Political Life. Konzeptionen und Methoden im internationalen Vergleich. Als immer noch beste Darstellung siehe Robert E. ob er in seinen politischen Präferenzen eine Familientradition fortführt oder in Auflehnung gegen sie handelt oder durch entsprechende Wahlpropaganda beeindruckt ist oder seinen am Stammtisch gewonnenen »Standpunkt« in die Tat 25 26 25 Die reich fließende sozialpsychologische Forschung über Wählerverhalten hat soziale Strukruren wie Unterschiede des sozialen Status. gleichsam überdeterminiert und dadurch frei zu wählen. Glencoe III. Entscheidungen des Wählers vorhersagen zu können. Ob er als Katholik oder als Bergarbeiter wählt oder seiner Verärgerung über bestimmte Entscheidungen der an der Macht befindlichen Gruppe Ausdruck gibt und ob er dabei mehr auf außenpolitische Blamagen oder auf wirtschaftspolitische Fehlschläge reagiert. Dadurch wird eine Situation geschaffen. die ihm politisch auswertbare Erfahrungen zuspielen. aber jeder einzelne w i r d durch eine Vielzahl von Rollen. der Erziehung. 26 Dieses Phänomen wird übrigens gerade durch die in der . 168 . Ihr Blickpunkt ist durch die Frage nach den determinierenden Faktoren eines einfach strukturierten (und darum forschungsgünstigen) individuellen Entscheidungsverhaltens festgelegt mit dem praktischen Ziel. nicht der individuellen Erlebnisverarbeitung zurechnen . die den Einfluß gesellschaftlicher Strukturen auf das politische System neutralisiert. ist damit nicht ausgeschlossen.

Scheuch/Rudolf Wildenmann (Hrsg. S. wenn dies so ist. so daß ein Filterprozeß unvermeidlich wird.umsetzt— das steht ihm frei. Es gibt mehr Gründe als Entscheidungsmöglichkeiten.): Zur Soziologie der Wahl.Fall. wer der Wähler sonst ist . wenn man auf die Rollenstrukturen achtet. deren Ausführung für das Leben im übrigen so gut wie folgenlos ist . sondern gerade umgekehrt die Aufteilbarkeit des Handelns des einzelnen auf sehr verschiedene Rollen unter sehr geringen Konsistenzanforderungen führt zur Mobilisierung des politischen Systems. Um so mehr kann es nun 27 28 27 Mit dieser Feststellung unterscheidet sich die hier vorgetragene Konzeption wesentlich vor der bekannten. Nicht die konkrete Individualität. Interessent. Die individuelle Persönlichkeit hat daher auch nicht als Prinzip der Konsistenz des eigenen Handelns eine Funktion (so wie zum Beispiel in der Familie). Darin liegt der Anteil des Wählers an der Reduktion politischer Komplexität. sondern nur als individuell-verschiedener Mechanismus der Erlebnisverarbeitung. daß diese Reduktionsleistung in einer spezifischen Rolle erfolgt. Für das politische System Hegt in dieser Uberdetermination eine gewisse Zufälligkeit. es sei dies keine Folge der funktionalen Ver- 169 . daß das Handeln der Beteiligten trotz hoher Komplexität und Unübersichtlichkeit der Entscheidungssituationen auf eine Rolle gebracht und nicht etwa nur. ein versierter Geschäftsmann.und verfahrensmäßigen Differenzierung dieses Systems. Scheuch: Die Sichtbarkeit politischer Einstellungen im alltäglichen Verhalten. Steuerzahler. der die Einwirkung anderer gesellschaftlicher Systeme auf das politische System auf mannigfache Weise bricht. Ebenso wichtig ist. Das gerade ist.2 1 4 . Das Handeln in der Wahl kann. Vielmehr liegt nur eine neue Art der Vermittlung vor: die Vermittlung durch eine Mehrzahl von eigenen Rollen als Wähler. hierzu Erwin K. 1 6 9 . über abstrakte Werte und symbolische Identifikationen mit dem Verfahren integriert werden kann. Das Handeln als Wähler braucht deshalb nicht verantwortet zu werden. mit denen man dem politischen System angehört nach Maßgabe der System. ein rücksichtsvoller Nachbar. wie im Falle der Gesetzgebung. 28 Vgl. nicht der. Es erlaubt keine Rückschlüsse darüber. daß im modernen Staatswesen der einzelne als konkretes Individuum der zunehmend zentralisierten Staatsgewalt unmittelbar gegenübertrete. Diese Folgenlosigkeit ist Voraussetzung dafür. die in scheinbarem Konsens eine Art modus vivendi sucht..ob ein guter Vater und Ehemann. ein unterhaltsamer Gast. in anderen Rollenzusammenhängen auch nicht mehr Gegenstand ernsthafter Konflikte sein. Es wird auch insofern freigestellt . etwa von Tocqueville prominent vertretenen Auffassung. Scheuch selbst erklärt die geringe Sichtbarkeit politischer Einstellungen im täglichen Leben als Folge einer allgemeinen Verhaltensstrategie bei Konsensunsicherheit. Köln-Opladen 1965. Sonderheft 9 der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie. Zeitungsleser. Kläger usw. In: Erwin K.

29 Vgl. Gerade die überkomplexe. S. 170 . also die im System selbst geschaffene Geschichte zur Reduktion der Komplexität zu benutzen. Smelser: Theory of Collective Behavior. beeinflußbar. 1 8 0 ff. liegt auf der H a n d . Daß damit Risiken übernommen werden müssen. die in ihren Einflußversuchen Kritik und Versprechungen. darauf. da er nicht weiß. Gleichwohl bleibt das Wählerverhalten. in dem das politische System sich an seiner eigenen Geschichte orientieren kann. auf sich selbst und seine Wirkungen in der Gesellschaft zu reagieren. wenn und solange er nicht auf die Probe gestellt werden muß. Huntington: Political Development and Political Decay. dazu Neil J. S. seinen Strukturbedarf durch Geschichte (und nicht etwa durch Planung) zu befriedigen. Es kann lernen. Auf diese Weise wird die periodisch wiederholte Wahl zu einem Verfahren. wie die zu Wählenden handeln werden. Der Wähler reagiert. undurchsichtige Situation der Wahl legt es dem Wähler nahe. wenn das politische System nicht ausdifferenziert wäre? Scheinkonsens bildet einen modus vivendi nur. Diese Risiken sind im Grunde Gefahren des Verlustes an Komplexität. der Rückkehr zu drastisch vereinfachenden Formen der Erlebnisverarbeitung und des Verhaltens.. durch den das politische System sich selbst sanktioniert und politisch-administratives Entscheiden der Vergangenheit entweder bestätigt oder verwirft. zu kategorisch-exklusiven Klassifikationen und letztlich zu offenem Kampf. Ihnen kann vor allem durch Verteilung der Kom29 selbständigung des politischen Systems. Geschichtsorientierung und Planung verbinden. New York 1 9 6 3 . Beeinflußbare.Gegenstand immanenter Beeinflussung im politischen Leben selbst werden. und speziell für Entwicklungsländer Samuel P. wie früher Gewählte gehandelt haben. das für die Erhaltung hoher Komplexität und Autonomie des politischen Systems große Bedeutung besitzt. World Politics 1 7 (1965). Die Wahl wird dann zu einem Mechanismus. reduktionsbedürftige Zufälligkeit in diesem Sinne dürfte ein Strukturmoment sein. da die Geschichte die Zukunft nicht determiniert. die denen der Positivierung des Rechts nicht nachstehen. über: die strukturellen Vorbedingungen politischer »crazes«. 386-430. Wie könnte man aber im täglichen Leben politische Einstellungen ignorieren oder tolerieren. Die Zufälligkeit der Wählerentscheidung kann auch durch Aktivität der Politiker reduziert werden.

Sieht man die Rolle des Wählers im Verfahren der politischen Wahl als Bestandteil einer so differenzierten Struktur. Die expressive Funktion des Wählerverhaltens für den einzelnen hängt nicht davon ab. den wir untersuchen. So zu stimmen.vor allem in zwei Richtungen vermuten: Die politische Wahl bietet eine Gelegenheit für den Ausdruck von Unzufriedenheit ohne Strukturgefährdung. wird offensichtlich. daß nicht genug Alternativen erzeugt werden. also für expressives Handeln. oben S. a. zu diesem Thema auch Lane. kann nicht allein dadurch zustande kommen. daß die gewählte Partei nicht an die Macht kommt. Neben dieser Enttäuschungen ausbalancierenden Funktion er30 31 30 Vgl. Sie gehört insofern zu den Mechanismen der Absorption von Protesten. durch unterschiedliche Ziele.plexität im System entgegengewirkt werden. Vgl. die im gegenwärtigen Stand der empirischen Forschung begründet sind . etwa im Sinne einer Warnung. indem Entscheidungssituationen rollenmäßig differenziert. S. zum Beispiel radikale Parteien zu srimmen kann im übrigen auch eine nicht nur expressive. daß sie nicht allein Quelle der Legitimität sein kann. D a s geschieht. fällt gerade dann leicht. 31 Ein gutes Beispiel dafür isr die empfindliche Reaktion auf die Wahlerfolge neunarionaler Parteien in der Bundesrepublik. daß der. ähnlich wie die Gerichtsverfahren diese Funktion miterfüllen . wenn man sicher sein kann. das entlastend wirkt. sondern durchaus rationale Mitteilung an das politische System sein. Schon die Abreaktion kann befriedigen. unterschiedliche Prämissen und offene Möglichkeiten strukturiert und dadurch verbunden werden. 1 1 6 f. den man aus Protest wählt. Eine Umstrukturierung von Erwartungen. Für aussichtslose. 309. und das ist unser Begriff von Legitimität. (1939). daß der Enttäuschte als Wähler am System beteiligt wird. 171 . und im übrigen haben bereits die Stimmzahlen Ausdruckswert und finden als »Symptom« für Veränderungen des Wählerwillens im politischen System Beachtung . a. wirklich ins Amt kommt urtd Entscheidungen beeinflussen kann. Solche Beiträge lassen sich — mit all den Unsicherheiten. Und doch schafft das Verfahren der Wahl gewisse Voraussetzungen und Teilleistungen für den Prozeß der Selbstlegitimation des politischen Systems. O. daß für alle die Fortsetzung des Systems Entscheidungsbedingung bleibt.

daß er jetzt über Kommunikationen geleitet. den Rekrurierungsprozeß der Wahl bzw. Das führt dazu. um zu einer Entscheidung zu kommen. Insofern ist die begriffliche und entscheidungstechnische Entwicklung des abendländischen Rechts eine wesentliche Vorbedingung der modernen Demokratie gewesen. auch in den sachlichen Entscheidungsverfahren der Rechtsetzung und der Rechtsanwendung das Gleichheitsprinzip anzuwenden.möglicht das Wahlverfahren durch seine den einzelnen isolierende Trennfunktion eine A r t negatives Vertrauen: Jeder kann damit rechnen. nach universellen. 33 Übrigens gilt auch die umgekehrte Beziehung. also expliziert werden muß. vermögendere. kontrolliert und geändert werden können. daß alle Ungleichheiten sekundär in das System hineinkommen. ist eine schwer zu entscheidende Frage. dürfte kein wesentlicher Orientierungsfaktor in der Politik sein u n d im übrigen jenes negative Vertrauen nicht behindern. Er bewirkt natürlich keine Demokratie im Sinne eines gleichen Herrschaftsanteils aller. können die gesellschaftlich herrschenden Kreise auf Besetzung der wichtigsten Positionen mit ihren Vettern verzichten. daß sie nicht in strukturellen Verflechtungen mit der Gesellschaft verankert sind. Ob der Einfluß aus unpolitischen Statuspositionen damit zunimmt oder abnimmt. Es kann dann »ohne Ansehen der Person«. sie sind jedenfalls nicht durch ihre anderen Rollen begünstigt. Der Wahlmechanismus vermittelt als solcher keine sozialen Ungleichheiten in das politische System .Venn das politische System ein rein sachliches Entscheiden nach universell angewandten Kriterien garantieren kann. der bürokratisch-fachlichen Personalauslese überlassen und lediglich von gegenüberstehenden Rollen aus Einfluß üben. wenn er Mißtrauen faßt. da ja jeder zur Wahl gehen kann. Ein so rekrutiertes System hat die Möglichkeit. Daß dies effektiv geschieht. funktional spezifisch ausgewählten Kriterien entscheiden .und Entscheidungsprozessen beruhen. das heißt ohne Rücksicht auf persönliche Beziehungen oder eigene andere Rollen des Entscheidenden. Die Veränderung liegt darin. wenn sie auch andere Orientierungshilfen und andere psychische Mechanismen verwenden als er. und geschichtlich gesehen ist sie vermutlich die wirksamere gewesen: Nur. sondern auf Inform a t i o n . kann durch 32 33 32 Daß statushöhere. in der Stadt wohnende Gesellschafisschichten durchweg eine höhere Wahlbeteiligungsquote aufweisen. das heißt eine Begründung aller Ungleichheiten zu verlangen. besser erzogene. die rechenschaftspflichtig gemacht. während er vordem aus der Bewußtseinslage der Entscheidenden heraus sich von selbst verstand. ". 172 . aber er gibt dem Gleichheitsprinzip einen prominenten Platz an der Basis des Prozesses politischer Rekrutierung. daß die anderen als Wähler in der gleichen Lage sind wie er.

vor allem eine gewisse Unberechenbarkeit der Entscheidungslagen als Anreiz für die systeminterne Konstruktion und Eliminierung von Alternativen. Sie dient schließlich der Absorption von Protesten. kann durch Veranstaltung von Wahlen allein kaum gewährleistet werden. Die Funktion des Verfahrens der politischen Wahl (im Unterschied zu anderen Formen der Rekrutierung) liegt nach alldem nicht genau in der Richtung der offiziellen Zielangabe. daß es sich in seinen selektiven Entscheidungsverfahren selbst legitimieren kann. 173 . Die Wahl zwingt außerdem den einzelnen. Daß dessen Entscheidungen durchgehend Zustimmung finden. Denn allein die Form der Rekrutierung des entscheidenden Organs bietet noch keine Gewähr für die enttäuschungsfeste Legitimität seiner Entscheidungen selbst. Die Wahl leistet an kritischer Stelle einen Beitrag zur Ausdifferenzierung des politischen Systems. Sie beschafft dem politischen System hohe Komplexität und strukturelle Unbestimmtheit. die durch das Verfahren der politischen Wahl geboten werden. die besten Repräsentanten des Volkes für politische Ämter auszulesen. eine Vielzahl möglicher Entscheidungsmotive selbst zu eliminieren (oder in anderen Rollen als bloßes Interesse zu spezifizieren). Eine ungewöhnlich hohe operative Autonomie des politischen Systems ist die Folge. sollen Wahlen nicht zur Farce werden. und entlastet damit das politische System von direkter Bindung an andere gesellschaftliche Rollen. müssen im politischen System die Verfahren der Ausarbeitung von Entscheidungsprogrammen die Möglichkeiten aufgreifen und verwirklichen. aber ein durch Wahlen gebildetes politisches System kann so viel Alternativen erlangen.Wahlen allein natürlich nicht sichergestellt werden. Neben den Umweltvoraussetzungen. Das politische System kann sich so zahlreichen und rasch fluktuierenden Bedürfnissen der Gesellschaft besser anpassen. die erfüllt sein müssen.

daß ein Verfahren nicht als Ritual.). Aufl. Studien zur Verfassungswirklichkeit der Bundesrepublik. Das Verfahren müßte sonst einem Gomputerprogramm gleichen. Das Verfahren ist also nicht der eigentliche EntScheidungsprozeß.7 9 und 80-99. die Zeitfolge der Entscheidungsschritte in einem festen Bedingungsverhältnis regeln. Wir hatten schon gesehen. Berlin 1 9 6 1 . Das Thema hört indes nicht auf. Die moderne Entscheidungstheorie macht es vollends unmöglich. Aber ist das ein Einwand gegen das Verfahren? 1 2 Es hat den Anschein. Wie wir im nächsten Teil bei der Behandlung des Verwaltungsverfahrens noch eingehender begründen werden. München 1967. sondern durch Abmachungen zwischen politisch relevanten Kräften außerhalb des förmlichen Verfahrens zustande kommen. So als Beispiel aus einer jüngeren Generation Walter Euchner: Zur Lage des Parlamentarismus. ch. die Gemüter zu erregen. Wahrheit suchenden Diskussion »Geist« und »Substanz« aus dieser Institution gewichen seien. nicht als festgelegte Folge bestimmter Schritte begriffen werden kann.4- Gesetzgebung Daß das parlamentarische Verfahren sich zur Ausarbeitung von Gesetzen nicht eignet. beides in: Gert Schäfer/Carl Nedelmann: Der CDU-Staat. S. wußte bereits der praktisch erfahrene jüngere Mill . ist diese Gleichsetzung ohnehin verfehlt. 2 Vgl. 174 . 3. und Hans Joachim Blanck/Joachim Hirsch: Zum Verhältnis von Verwaltung und Gesetzgebungsprozeß. daß die Kritik des Parlamentarismus von einer falschen Erwartung. John St. 233 ff. Mill: Representative Government. v (zit. nach der Ausgabe der Everyman's Library.. Beobachter dieses Verfahrens sind sich im allgemeinen darüber einig. Daß mit der öffentlichen. daß die eigentlichen Entscheidungen nicht im parlamentarischen Verfahren fallen. von einer Gleichsetzung von Entscheidungsprozeß und Verfahren ausgegangen ist. S. London-New York 1 9 5 3 . 6 3 . hat C a r l Schmitt plausibel zu machen versucht . Keines der hier behandelten Verfahren hat so scharfe Kritik über sich ergehen lassen müssen wie die parlamentarische Gesetzgebung. Carl Schmitt: Die geistesgeschichtliche Lage des heutigen Parlamentarismus. das aber hieße die Trennung von 1 Vgl. Verfahren und EntScheidungsprozeß zu identifizieren.

eine andere Vorgeschichte wird relevant. dem auf Zeit gewählten Parlament. Es wechselt dann jeweils das engere Bezugssystem des Verhaltens. 175 . die das Verfahren regeln. und selbst in einer einzelnen Sitzung werden zumeist mehrere Verfahren nacheinander behandelt. unserem allgemeinen Modell entsprechend. ein Gesetz auszuarbeiten und in K r a f t zu setzen. kann man präzise nach der Funktion des Verfahrens fragen und untersuchen. andere Personen werden zu prominenten Sprechern oder gewinnen Hintergrundrelevanz. Es ist ebensowenig eine einzelne Sitzung und erst recht nicht der Komplex von Normen (Verfassung. wieweit Verfahrenssysteme den Entscheidungsprozeß beeinflussen. Das Verfahren ist vielmehr. es werden neue Akten auf die Tische gelegt. Um ein klares Bild zu gewinnen. das besondere System des Verhaltens. und die Rhetorik muß auf ein anderes Publikum umgestellt werden. In solchen Rahmensystemen ist denn auch sehr deutlich eine Vielfalt von Verfahren zu beobachten. dazu auch Niklas Luhmann: Recht und Automation in der öffentlichen Verwaltung. Gegner und Förderer formieren sich neu. Eine verwaltungswissenschaftliche Untersuchung. Jedes Gesetzgebungsverfahren ist ein System für sich. Erst wenn man diese Verquickung auflöst und den Selektionsprözeß der Informationsverarbeitung begriff lieh von dem Sozialsystem des Verfahrens trennt. das mit einem bestimmten Einzel Vorgang der Gesetzgebung befaßt ist und das Ziel verfolgt. das Entscheidungsorgan behandelt viele Verfahren. Selbst die Prozeßordnungen der Gerichte regeln nicht den selektiven Prozeß des Erzeugern und Ausscheidens anderer Möglichkeiten. Gesetzen.materiellem Recht und Verfahrensrecht aufheben. Berlin 1 9 6 3 . muß man außerdem verschiedene Systemreferenzen auseinanderhalten: Das Verfahren der Gesetzgebung ist nicht identisch mit dem Entscheidungsorgan. S. Das Verfahrensrecht regelt viele Verfahren. das Thema ändert sich. die nacheinander die Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen. 3 Die Differenz von beständig arbeitendem Gesamtsystem und 3 Darüber muß besonders dann Klarheit herrschen. Geschäftsordnungen). sondern allenfalls die Darstellung der Herstellung der Entscheidung . wenn man an eine Automatisierung des Prozesses der Rechtsfindung denkt. 49 ff. nicht die eigentliche Herstellung der Entscheidung. Vgl.

1 2 0 . Barber: Power in Committees. Diese Orientierung am umfassenden System gewinnt praktische Realität vor allem in der formalen Entscheidungsregel des Gesetzgebungsverfahrens: im Mehrheitsprinzip. Vgl. 6 Zur Möglichkeit spieltheoretischer Analyse entscheidender Systeme mit Hilfe dieser Prämisse vgl. Auf diese Weise läßt sich gewährleisten. Damit ist vorgegeben. Kopenhagen 1 9 6 3 . 176 . S. sondern nur die Machtverteilung im System geändert werden kann (hier: daß nicht die Zahl der Stimmen. daß nicht die Machtmenge. unter denen es operieren kann. von Gesetzgebungsverfahren zu Gesetzgebungsverfahren ändern kann) . muß alle politische Macht. Dahl: A Preface to Democratic Theory. Diese Regel 4 5 6 4 Siehe statt anderer Robert A. A Study in Twelve Contemporary Poüticai Theories. Elias Berg: Democracy and rhe Majority Principle.: The Theory of Poüticai Coaütions. Zeitschrift für Politik (im Druck). Ein sehr viel komplexeres Bild vermittelt James D. daß eine übergreifende Orientierung das Bewußtsein ständig begleitet und daß die Erhaltung dieses Gesamtsystems stets wichtiger bleibt als die Erledigung jeder einzelnen Auseinandersetzung.1 3 1 . Die klassische Politologie stellt das Mehrheitsprinzip gern als eine Notlösung dar und begründet es damit. 5 Die klassische Politologie hatte dieses Prinzip implizite für ein Wesensmerkmal von Macht überhaupr gehalten und nicht als ein sehr voräussetzungsreiches Sondermodell. Ist das Mehrheitsprinzip als Entscheidungsregel institutionalisiert. Dessen Funktion bedarf daher zunächst der Klärung.7 9 2 . The American Poüticai Science Review 48 ( 1 9 J 4 ) . Eine solche Charakterisierung von unerreichbaren Idealen her vermittelt aber wenig Aufschluß über den eigentlichen Sinn dieses Prinzips und die strukturellen Funktionsbedingungen. sondern nur die Verteilung der Stimmen sich von Wahl zu Wahl bzw. Chicago 1 9 6 6 . L. S. Die positive Funktion des Mehrheitsprinzips liegt in einer Transformation politischer Macht. ders. William H. Chicago 1 9 3 6 . bevor sie legitim entscheidungswirksam wird. An Experiment in the Governmental Process. Behavioral Science 4 ( 1 9 5 9 ) . Shapley/Martin Shubik: A Method for Evaluating the Distribution of Power in a Committee System. S.einzelnen Verfahrenssystemen ist eine wichtige Voraussetzung dafür. Niklas Luhmann: Klassische Theorie der Macht. Kritik ihrer Prämissen. daß für einstimmiges Entscheiden leider kein ausreichender Konsens zu beschaffen sei . Schon aus diesem Grunde konnte sie kein angemessenes Verständnis für das Mehrheitsprinzip aufbringen. daß Konflikt regulierbar wird. New Häven-London 1 9 6 2 . sich dem Prinzip der Machtsummenkonstanz fügen . 7 8 2 . Riker: A Test of the Adequacy of the Power Index.

der Intensität der Bemühung oder unpolitischen Mitteln abhängigen) Zahl von Stellen bezogen wird. nicht auch auf die sachliche Thematik der jeweiligen Entscheidung. Man kann daher das Ergebnis einer kontroversen Auseinandersetzung im voraus kennen und einkalkulieren. kann formale politische Macht unter das Mehrheitsprinzip gebeugt werden.leistet eine künstliche Vereinfachung der Machtkalkulation. Die Grundlage dafür bietet das Verfahren der politischen Wahl. Die Frage bleibt indes. N u r dadurch. Außerdem sind die Machtrelationen eindeutig quantifiziert und dadurch übersehbar. Jeder Machtverlust (Stimmenverlust) führt eo ipso zum entsprechenden Machtzuwachs beim Gegner und umgekehrt. Nur weil die Stimmabgabe bei der Wahl in ihrem Effekt unter eine eindeutige Entweder/Oder-Bedingung gestellt ist . wenig bei. also auch zum einzelnen Gesetzgebungsverfahren. daß die Wahl auf die Rekrutierung einer fest definierten (und nicht etwa vom politischen Eifer. Die Analyse des Ausdifferenzierungsmechanismus der politischen Wahl stimmt 177 . So viel ist zwar sicher. Der Konflikt wird durch eine solche Systemstruktur auf Dauer gestellt. und sie trägt deshalb zur Rationalisierung des EntScheidungsprozesses. daß sie sich nicht aus dem Wesen der Macht heraus von selbst versteht.entweder kommt der Kandidat ins Amt oder nicht -. Es gibt kaum Ungewißheit des Kampf ausganges. Über die systemstrukturellen Prämissen einer solchen Bindung von Macht an Summenkonstanz wissen wir theoretisch wie empirisch so gut wie nichts. unter welchen Umständen diese Transformation reale politische Macht erfaßt oder neu bildet und wie repräsentativ infolgedessen jene auf Abstimmung hin rationalisierten parlamentarischen Verfahren sein können. die unter sehr komplexen Verhältnissen (insbesondere solcher mit einer Vielzahl von Machtquellen) zur wesentlichen Grundlage rationalen Handelns wird. sondern erst künstlich geschaffen werden muß. das den Vertretenen gegenüber begründet werden kann. kann der politische Machtkampf durch Abstimmungen formalisiert werden. und das ermöglicht ein rationales Nachgeben in Vorverhandlungen .insbesondere ein Nachgeben durch Vertreter. Die damit erreichbare Kalkulationshilfe bezieht sich allerdings lediglich auf die Machtlage als solche und auf Rückwirkungen von Ereignissen auf eine Veränderung der Machtlage.

zumindest gegenüber der klassischen Repräsentationsidee skeptisch. Die Wirklichkeit scheint eher auf die Erzeugung eines Modells für Verfahrenssysteme hinauszulaufen, das gegenüber den gesellschaftlichen Konflikten, die es lösen soll, nicht genau isomorph gebaut sein kann, das gegenüber den realen gesellschaftlichen Kräften disparate, rein politische Macht erzeugt und mit dieser den unmittelbaren Zugang zu den Entscheidungskompetenzen blockiert. Im Vergleich zu den Gerichtsverfahren ist hier mithin geringere Isomorphie und höhere Komplexität festzustellen — und vermutlich die eine um der anderen willen. Künstlichkeit und Disparatheit des Summenkonstanz- und Mehrheitsprinzips sind nur deshalb erträglich, weil im Gesetzgebungsverfahren sehr hohe Komplexität zu bewältigen ist, für deren Reduktion Stimmzahlen einen unentbehrlichen Anhaltspunkt bieten, keineswegs aber den allein entscheidenden Vorgang der Sinnbestimmung ausmachen. Ein reales Bild gewinnt man erst, wenn man sich das Gesetzgebungsverfahren als soziales S y stem genauer ansieht. Im zeitlichen Längsschnitt gesehen, läuft ein solches Verfahren nach festen Regeln und daher mit einer gewissen Typizität ab, ohne daß man daraus allein schon entnehmen könnte, wo und wann und ob innerhalb oder außerhalb des Verfahrens die wichtigen Teilentscheidungen fallen . Das Verfahren beginnt mit der Ausarbeitung eines offiziellen Entwurfs (zumeist in den dafür zuständigen Ministerien). Es kommt dann zu einer Beschlußfassung des Kabinetts. Der Entwurf wird dem Parlament zugesandt und läuft dort in eine Folge von Plenar- und Ausschußsitzungen hinein, die in groben Zügen vorher feststeht, in Einzelheiten jedoch variiert werden kann. Er wird dann in diesen (und außerhalb dieser) Sitzungen erörtert, bis entweder hinreichend Konsens für die Verabschiedung des Gesetzes in einer bestimmten Fassung gefunden ist oder der Entwurf zurückgezogen oder begraben und durch Ende der Sitzungs7

7 Als ausführlichen Bericht über ein solches Verfahren vgl. Otto Stammer u.a.: Verbände und Gesetzgebung. Die Einflußnahme der Verbände auf die Gestaltung des Personalvertretungsgesetzes, Köln-Opladen 1 9 6 $ . Vgl., ferner Roman Schnur: Strategie und Taktik bei Verwaltungsreformen, Baden-Baden 1 9 6 6 ; und als beste amerikanische Fallstudie Stephen K. Bailey: Congress Makes a Law, New York
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période des Parlamentes ohne Übernahme der förmlichen Verantwortung für ein negatives Ergebnis obsolet wird. Da Gesetzgebungsverfahren nicht (oder allenfalls durch formal unverbindliche politische Zielbeschlüsse oder Zusagen) programmiert sind, ist ihre Entscheidungssituation ungewöhnlich komplex. Um so wichtiger ist deshalb eine Systembildung, die diese unbestimmte Komplexität in bestimmte Komplexität erkennbarer Alternativen transformiert und sie schließlich entscheidbar macht. Zum Betrieb eines solchen Verfahrens und als Grundlage für die Auswahl mitwirkender Kommunikationen sind deshalb Kenntnisse der verschiedensten Art erforderlich, die dazu dienen, die Bewegungsmöglichkeiten der Sache und die Grenzen des Verfahrens als System zu ermitteln. Es gehört dazu die Kenntnis der notwendigen Stationen und Fristen des förmlichen Entscheidungsganges und der erforderlichen Kompetenzen, außerdem laufende Information über die jeweils offenen Punkte, die im Laufe des Verfahrens ab-, aber auch zunehmen können, also Information über den jeweiligen Stand des Verfahrens. Man muß ferner die Lage des Verfahrens in der Zeit beurteilen können, seine zeitliche Verschränkung mit anderen Ereignissen, seine Dringlichkeit sowie die Korrelation dieser Daten mit Beschleunigungs- oder Verzögerungsinteressen. Wer wieviel Zeit zur Vorbereitung welcher Alternativen braucht, ist wichtig zu wissen; und dazu muß man abschätzen können, welche Anspruchsniveaus gelten und wie Ungewißheiten und Mittel zu ihrer Überwindung verteilt sind. Ereignisse außerhalb des Verfahrens dürfen nicht unbeachtet bleiben, soweit sie das Verfahren berühren können. Das ist nicht nur der Fall, wenn sie im Verfahren zum Thema gemacht werden können, sondern auch, wenn sie Konsenschancen eröffnen oder verschließen, Alternativen versperren oder heikel oder gar unaussprechbar werden lassen, wenn sie latente Themenverquickungen herbeiführen oder Gegner bzw. Förderer der Sache oder einzelner ihrer Varianten zermürben, überlasten, prestigemäßig stärken oder wartefähig machen. Dabei ist, wie diese Beispiele schon zeigen, ein integrierendes Zusammendenken zeitlicher, sachlicher und sozialer Aspekte erforderlich, da die Variationsmöglichkeiten in diesen einzelnen Dimensionen voneinander abhängen, da zum Beispiel der erreichbare Konsens von 179

der sachlichen Fassung des Themas und vom Zeitpunkt der K o m munikation abhängt und deshalb Thema und Zeitpunkt nicht unabhängig voneinander und nicht unabhängig von der Frage gewählt werden können, welches Potential politischer Unterstützungsiebieten. Tragfähig und auswertbar werden Informationen dieser und anderer Art erst in bezug auf das individuelle Verfahren und seine Geschichte. Erst müssen mit Hilfe feststehender, allgemein lernbarer und dann vorauszusetzender Rechtsvorschriften Verfahrenssysteme überhaupt konstituiert werden können. Das ist eine notwendige, wenn auch allein nicht ausreichende Vorbedingung für den Beginn und die Abwicklung eines taktischen Gefüges von so hoher Komplexität. Anders würde man die Grenzen des Möglichen nicht (oder nur für sehr viel einfachere Konstellationen) abschätzen können. Man muß, grob gesagt, wissen, wie man ein solches Verfahren beginnt, an wen man sich mit was zu wenden hat, wer welche Weichen stellen kann und mit welchen Möglichkeiten des Ablaufs normalerweise zu rechnen ist, damit das Verhalten aller Beteiligten so weit voraussehbar ist, daß in der Sache selbst ein komplizierteres Spiel von Rücksichten und Gegenrücksichten, zweiten Absichten und vorbeugenden Verzichten, Zeitplanungen und miteingebauten Rückzugsmöglichkeiten beginnen kann. Erst innerhalb erkennbarer Systemgrenzen, wenn beliebiges Verhalten ausgeschlossen ist, kann so beziehungsreicher Sinn kultiviert werden. Diese Überlegungen knüpfen an die im dritten Kapitel des ersten Teils skizzierte allgemeine Theorie des Verfahrens an und zeigen jedenfalls eins: daß es Verfahren in diesem Sinne auch für unprogrammiertes Entscheiden geben kann. Die Einrichtung der Möglichkeit von Verfahren durch Rechtsvorschriften und Organisation, die Individualisierung der Verfahren als besondere Systeme von begrenzter Dauer, die auf eine verbindliche Entscheidung zustreben, eigene Komplexität dieser Systeme und Aufbau einer eigenen Systemgeschichte zur Reduktion dieser Komplexität - diese allgemeinen Strukturmerkmale lassen sich auch bei Gesetzgebungsverfahren nachweisen. Damit sind jedoch die Besonderheiten des Gesetzgebungsverfahrens im Unterschied zu anderen Verfahrensarten nicht ausreichend erfaßt. Sie ergeben
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sich erst aus den spezifischen Problemen, die im politischen System durch unprogrammiert-programmierendes Entscheiden zu lösen sind. Diese Probleme sind mit den alten Zielformeln für gute Gesetzgebung - etwa Herstellung gerechter, richtiger, alle überzeugender Gesetze, Förderung des Gemeinwohls oder des größtmöglichen Glücks möglichst vieler - nicht zureichend bezeichnet. Es handelt sich vielmehr um Probleme, deren Lösung dem Gesetzgebungsverfahren zugewiesen werden muß, weil sie Verfügung über sehr hohe Komplexität voraussetzt und deshalb nur in unprogrammiertem Entscheiden erfolgen kann. Das ist der Fall bei Integrationsproblemen, die sich aus der differenzierten Struktur des politischen Systems ergeben, und zwar ( i ) bei der Wiederverbindung von interessemäßigen Forderungen und politischer Unterstützung, (z) bei der Integration des persönlichen oder gruppenmäßigen »Image«, das der Rekrutierung zugrunde liegt, mit der sachlichen Entscheidungspraxis und (3) bei der Koordination von Politik und Verwaltung. Im ersten Fall handelt es sich um die Aufhebung einer rollenmäßigen Differenzierung, im zweiten um die Aufhebung einer Differenzierung von Entscheidungsprämissen, im dritten um die Aufhebung einer Differenzierung von Teilsystemen des politischen Systems. Im Kapitel über politische Wahl hatten wir gesehen, daß die Trennung von Rollen für politische Unterstützung und für Interessendarstellungen und Forderungen eine Bedingung hoher Autonomie und hoher Komplexität des politischen Systems ist. Nur dank dieser Rollendifferenzierung stehen im politischen System genügend Entscheidungsalternativen zur Verfügung, die nicht unmittelbar tauschförmig gebunden sind. Dieser Entscheidungsspielraum kann dann seinerseits benutzt werden, um Entscheidungen zu finden, die Interessen so befriedigen, daß die politische Unterstützung erhalten und vermehrt wird. Die Chance, solche Lösungen zu finden und damit die Entscheidungspraxis auf lange Sicht im großen und ganzen durch Konsens zu legitimieren, ist normalerweise größer, je mehr Alternativen zur Verfügung stehen, je weniger also spezifische Entscheidungen mit bestimmten Interessengruppen vorweg ausgehandelt werden. Daß solche Bindungen immer wieder eingegangen werden, vor allem wenn der 181

Wahlmechanismus allein nicht genügend politischen Kredit geschaffen hat, ist bekannt. Selbst dann treten aber zwei wirkungsvolle Schwellen in Funktion, die eine Wiederherstellung der Entscheidungsautonomie bei Bedarf ermöglichen, nämlich (i) die Mehrzahl konkurrierender Parteien, die bei Entscheidungen zusammenwirken müssen und daher keine festen Entscheidungszusagen geben, sondern nur versprechen können, sich für bestimmte Interessen einzusetzen , und ( 2 ) die stillschweigend akzeptierte »Krisenbedingung«, die besagt, daß solche Zusagen bei wesentlichen Veränderungen politischer Umstände, bei außenpolitischen, wirtschaftlichen, finanziellen oder sonstigen Krisen, nicht fortgelten. Daneben müssen Politiker ihr persönliches und das parteimäßige »Image« beachten, jene Darstellung eines persönlichen oder organisationsmäßigen Zusammenhanges von Entscheidungsprämissen, auf deren Grundlage sie vermutlich gewählt worden sind . Diese Darstellung muß im großen und ganzen mit den sichtbaren Aspekten der Entscheidungspraxis in Einklang ge8 ; 9

8 Wo dagegen eine Partei mit klarer Mehrheit regiert, hat sie genug politischen Kredit, um Bindungen vermeiden zu können, die ihr nicht entsprechend weite politische Unterstützung eintragen. 9 Daß man neuerdings von »Image« spricht und nicht mehr vom Charakter eines Politikers oder einer Partei hat seinen Grund darin, daß eine Manipulation von Vorstellungen leichter fällt als eine Manipulation der Sache.selbst. Ein Image kann, in gewisser Unabhängigkeit von dem abgebildeten Gegenstand, nach eigenen Gesetzen variiert bzw. konstant gehalten werden. So eignet es sich als Wanderer zwischen zwei Welten, die unabhängig voneinander variieren — hier den Bedingungen politischer Rekrutierung und Unterstützung und der nach eigenen Gesetzen sinnvollen Entscheidungspraxis. Es ist sicher kein Zufall, daß gerade stark differenzierte Sozialsysteme, die ein hohes Maß an Interdependenz und an Unabhängigkeit ihrer Teile zugleich institutionalisieren müssen, auf solche Vermittlungsmechanismen zurückgreifen. Zur Image-Theorie im allgemeinen vgl. Hans Peter Dreitzel: Selbstbild und Gesellschaftsbild: Wissenssoziologische Überlegungen zum Image-Begriff, Europäisches Archiv für Soziologie 3 ( 1 9 6 2 ) , S. 1 8 1 - 2 2 8 . Zum Image politischer Parteien siehe z. B. V. O. Key J r . : Public Opinion and American Democracy, New York 1 9 6 1 , S. 433 ff.;-oder Marek Sobolewski: The Voters Political Opinionsand Elections: Some Problems of Political Representation. In: Festschrift für Gerhard Leibholz, Tübingen 1966, S. 3 4 5 - 3 6 6 (359 ff.). Zum persönlichen Image einzelner Politiker finden sich Beiträge in: Leo Hamon/AIbert Mabileau (Hrsg.): La personnalisation du pouvoir. Entretien de Dijon 1964, Paris 1 9 6 4 . Vgl. auch Philipp E. Converse/ Georges Dupeux: De Gaulle and Eisenhower: The Public Image of the Victorious General. In: Angus Campbell u. a.: Elections and the Political Order, New YorkLondon-Sydney 1966, S. 2 9 2 - 3 4 5 .

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mit der Rekrutierung und Erprobung von Führungspersönlichkeiten.bracht werden. diese Faktoren in der Motivationsstruktur der Wählerschaft statistisch wieder zu trennen . 11 Als Klassiker dieser Unterscheidung siehe Woodrow Wilson: The Study of Administration. The Journal of the Royal Anthropological Institute of Great Britain and Ireland 86 ( 1 9 3 6 ) . A Study in Government. ( 1 9 6 1 ) . mit der Pflege legitimierender Symbole und Ideologien. sobald es zur Bildungs funktionsspezifischer Teilsysteme kommt. S. die politische Unterstützung genießt.1 9 3 0 . Goodnow: Politics and Administration. Smith: On Segmentary Lineage Systems. die Partei weiterhin als Symbol für Entscheidungsprämissen fungieren. ( 1 9 3 9 ) . 247 fi. die Wahl und Entscheidungspraxis (nicht nur. In modernen politischen Systemen findet man durchweg eine primäre funktionale Differenzierung in Politik und Verwaltung mit mehr oder weniger ausgeprägter struktureller Trennung entsprechender Teilsysteme . daß es der empirischen Forschung bisher nicht möglich war. 379-600. mit dem 11 10 Vgl.. Die Verschmelzung von persönlichen. da anderenfalls die Entscheidung als unpersönliche Konsequenz des Programms aufgefaßt und dem Image nicht zugerechnet wird.. G. Key a. und entsprechend ist das Entscheidungsverhalten im Amt eines der wichtigsten Mittel der Darstellung des Images. Die Politik befaßt sich mit der Erzeugung von Macht. New York-London 1900. 1 9 7 . : Government in Zazzau 1 8 0 0 . a. M. S. aber vor allem Gesetzgebung) in ihrem Zusammenhang verständlich machen. a. O. 467 f. London-New York-Toronto i960. auch ders. Auch die Integration von Imagedarstellung und Verwaltungsprogrammierung läßt sich nur in Verfahren verwirklichen. parteimäßigen und sachprogrammatischen Entscheidungsprämissen gelingt typisch so gut. a. S.2 2 2 . 15 ff. zum unentschiedenen Stand der Forschung Lane. 10 Schließlich stellen sich Integrationsaufgaben auch auf Systemebene. 183 . Die politischen Images sind Vereinfachungsmittel. Albert SchärTIe: Uber den wissenschaftlichen Begriff der Politik. Frank J . S. S. verfolgt diese Unterscheidung bis in die einfachsten menschlichen Gesellschaften zurück. O.8 0 . die genügend Alternativen offenlassen und nicht nur programmiertes Entscheiden vorsehen. mit der Ausarbeitung konsensfähiger Themen und Programme. 3 8 . wo sie sich allerdings nur in der elementaren Form einer situationsmäßigen Trennung von Entscheidungsvorbereitung und Entscheidungsausführung findet. 24 f. Vgl. S. soll die Persönlichkeit bzw. Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft S3 ( 1 8 9 7 ) . Politicai Science Quarterly 2 (1887).

dazu oben S. S. Politik ist das komplexere. All diese integrativen Funktionen erfordern ein Operieren 12 13 14 12 Mit nicht behobener Verwunderung fragt Thomas Ellwein: Einführung in die Regierungs. wie »im Rahmen eines Gesamtsystems dauerhaft die Führung des stabilen Teils dieses Systems durch den systembedingt instabilen Teil möglich sein« könne. Für diese Aufgabe ist ein Verfahren nützlich. 2 7 6 . die das politisch Mögliehe realisiert. bei dessen Lösung sich das politische System als Ganzes bewährt . politische Motive zu generalisieren und zu legalisieren.die besondere Moral der Parteipolitik. formal verbindliche Entscheidungen zu produzieren. wäre der dafür notwendige Entscheidungsspielraum nicht herzustellen. Beide Bereiche müssen nicht nur personell und rollenmäßig. wenn sie auf ihre je besondere Funktion hin ausgerichtet arbeiten sollen . das andererseits aber gleichwohl in der Lage ist. Sie muß die Leistungen der Politik voraussetzen können. 184 .das einerseits politisch beeinflußbar ist auf Grund von Erwägungen. Die Antwort kann nur lauten. also höhere Komplexität bewältigt werden können. In einer solchen Ordnung wird die Verbindung von Politik und Verwaltung zum Engpaß der Organisation. 14 Hierzu ausführlicher Niklas Luhmann: Politische Planung. wo mehr Alternativen.und Verwaltungslehre. instabilere System und eben deshalb zur Leitung der weniger komplexen. Jahrbuch für Sozialwissenschaft 1 7 ( 1 9 6 6 ) . 13 Vgl. so wie diese eine funktionierende Verwaltung voraussetzt. 16 über. das beiden Bereichen gerecht werden kann . Diesen Anforderungen kann das Gesetzgebungsverfahren genügen als Verfahren. 2 1 3 . auch Parlamente und Gerichte einschließenden Sinne) nimmt Kompetenzen zu verbindlichem Entscheiden wahr und befaßt sich mit der Ausarbeitung und Durchführung richtiger Entscheidungen. S.2 9 6 . sondern zunehmend auch nach N o r men. 164 Anm. wird die Übersetzung der Kommunikationen aus einem Bereich in den anderen zum kritischen Problem.Bilden und Testen von Konsens für bestimmte Vorhaben. besser strukturierten Verwaltungsbürokratie berufen . Stuttgarl-Berlin-Köln-Mainz 1966. Ohne Positivierung des Rechts. daß die Führung dort liegen muß. das heißt ohne Gesetzgebung. das speziell dazu dient. die weder Verbindlichkeit noch Legitimität für sich in Anspruch nehmen können. Werten und Rationalitätskriterien differenziert werden. Die Verwaltung (im weitesten.

Ein solches Verhaltensmodell eignet sich nur für sehr einfache Systeme und setzt überdies voraus. minimisierende Strategien der Bürokratie. Sollen trotzdem innerhalb begrenzter Zeit Entscheidungen zustande kommen. Man argumentiert gegen die. 185 . muß das Gesetzgebungsverfahren vereinfachende Strukturen ausbilden oder doch tolerieren. daß komplementäre Erwartungen und eine sinnvolle Orientierung der Teilnehmer möglich werden. Konkurrenz und Kooperation bleiben undifferenziert beisammen. die Unbestimmtheit und Unübersichtlichkeit einer übermäßig beziehungsreichen Entscheidungssituation so weit zu reduzieren. wie sie bewältigt werden kann . 16 Das ist. wie oben S. Dies leisten zahlreiche Hilfsmechanismen. Das versucht erst eine soziologische Aufklärung zu leisten. die speziell dazu dienen. Als Beispiele seien erörtert: die Trennung von Konkurrenz und Kooperation. ein allgemeines Merkmal von Verfahrenssystemen. der Wechsel von öffentlichen und nichtöffentlichen Situationen. und die Bedeutung der Exekutive und der Ausschüsse. würde eine solche Ordnung zu unübersichtlich werden. daß dies Strukturprinzip das Gegeneinander und Miteinander der Meinungen offenläßt . aber gemessen an den offiziellen Zielen der Institution unwesentlichen oder gar abweichenden Charakter haben. zeigen aber nicht. Soziale Welt 1 8 ( 1 9 6 7 ) . daß Wahrheit erscheint und als Entseheidungskriterium die Meinungen ordnet.und beziehungsreicher werden. Es würde die Beteiligten überfordern. Die Modelle unaufhörlicher Diskussion oder unabhängiger Konkurrenz der einzelnen Volksvertreter spiegeln die Komplexität ihrer Situation wider. Sobald Systeme und Entscheidungsthemen sinn. immer wieder neu sachliches 16 15 Sie sind insofern typische Modelle vorsoziologischer Aufklärung. so fällt auf. das Sichverlassen auf Darstellungen. als sie nur Komplexität. die informale Personalisierung der Arbeitsbeziehungen. Niklas Luhmann: Soziologische Aufklärung.unter sehr hoher und unbestimmter Komplexität. nicht aber die Notwendigkeit ihrer Reduktion auf bestimmten Sinn mit einbeziehen. S. die eben deshalb latente Funktionen und Mechanismen. die funktionsnotwendig sind. Widersprüche und abweichendes Verhalten mitberücksichtigen muß. 30 f. die als Zustimmende in Betracht kommen. dargelegt. 9 7 . die Aufnahme abkürzender Informationen aus der Umwelt.1 2 3 . 15 Beginnen wir beim Ideal des Ausdiskutierens konkurrierender Meinungen. Vgl.

bilden sich innerhalb der Parlamente. 1 2 9 . The Wisconsin Assembly.7 8 . S 9 . Journal of Politics 24 (1962). Neben diesen Grobstrukturen. Neu gedruckt "in: Robert L. Solche 17 18 17 Ähnliche Überlegungen zur Differenzierung von Konkurrenz und Tausch bei zunehmender Komplexität finden sich bei Peter M. Recruitment and Adaption to Legislative Life. Vertrauens. 1 0 1 . Chicago 1963. S. S. Peabody/Nelson W. S. aber auch an ihrer Peripherie injormale Kontakt Systeme. deren Beobachtungen freilich gerade in dieser Frage nicht ohne weiteres verallgemeinert werden können.3 2 1 . Samuel C. insbes. Wahlke/Heinz Eulau/William Buchanan/LeRoy C. für Gegnerschaft und Kooperation. B. James A. weil hier kuiturspezifische Eigentümlichkeiten ins Spiel kommen.1 3 6 . nur dem Eingeweihten erkennbare Differenzen an Ansehen und Ausstrahlungskraft einzelner Persönlichkeiten mehr spezifischer oder mehr allgemeiner A r t . während »Wahrheit«. für das Zweiparteiensystem einer Gewerkschaft 186 . den Gegner vermutet man immer als Gegner und widerspricht ihm. 7 2 .und Mißtrauensverhältnisse. Routt: Interpersonal Relationships and the Legislative Process. Heinz Eulau: Bases of Authority in Legislative Bodies. New York-London 1 9 6 2 . Ferguson: The Legislative System. Deliberierende Versammlungen bilden so aus sich heraus Parteien. Alan Fiellin: The Functions of Informal Groups in Legislative Institutions. ihren Status als Ziel und Problem verliert: Die Nahestehenden oder »politischen Freunde« vermutet man immer als sympathisierend und gibt ihnen gegenüber bei Differenzen eher nach. z. S. S. 2 1 7 f. Robinson: DecisionMaking in the House Rules Committee. S. 3 0 9 . The Annals of the American Academy of Political and Social Science 1 9 j ( 1 9 3 8 ) . gute persönliche Beziehungen. auch wenn die sachlichen Differenzen unwesentlich sind oder gar erst aufgebaut werden müssen. Blau. Barber: The Lawmakers.W. Administrative Science Quarterly 3 (1958). New Haven-London 1 9 6 5 .): New Perspectives on the House of Representatives. Public Opinion Quarterly 2 3 (-9S9). 7 3 . durch Trennung der Wahrscheinlichkeiten für Dissens und Konsens. 1 3 5 ff. Vgl. Garland C. A Comparative Analysis. Administrative Science Quarterly 7 (1962). John C. Patterson: Patterns of Interpersonal Relations in a State Legislative Group. San Francisco 1 9 6 2 . Explorations in Legislative Behavior. Polsby (Hrsg. vorstrukturiert werden .). Die Situationen müssen dann durch Differenzierung der sozialen Beziehungen. da sie ohnehin nicht deutlich spricht. S. Richard Scott: Formal Organizations: A Comparative Approach. Boston-Toronto 1 9 6 4 . die in mehr oder weniger formalisierten und zwingenden Fronten festliegen.8 6 (81 f. James S. In die Stabilisierung dieser Differenz werden dann sekundäre Motive gesteckt. S..Thema und soziale Beziehung in Beziehung aufeinander zu variieren. 18 Auch hierüber sind wir vor allem durch die amerikanischen Forschungen gut unterrichtet. für das Verhältnis von Parlament und Bürokratie Aaron Wildavsky: The Politics of the Budgetary Process.9 1 .1 1 8 .

vor dem Einzelverfahren fest und helfen ihm dazu. 187 . sie zeigt sich im übrigen darin. 1 4 4 .). Die offizielle Konzeption des Gesetzgebungsverfahrens als Meinungsdiskussion ist demnach zwar kein verläßlicher Weg zur Wahr19 20 21 Seymour M.Kleinstrukturen erleichtern das Sichzurechtfinden. daß Darstellungen mehr. die dem Modell der freien Konkurrenz nahekommen. and Empire-Building in the New States. daß Darstellungen weitgehend auf das hohe Niveau einer Mitteilung eigener Meinungen gebracht werden müssen. J. was er sagen und was er nicht sagen kann und wie die anderen darauf reagieren werden . 91 ff. daß man sich in besonderem Maße an Darstellungen der Verfahrensbeteiligten orientieren und auf ihre Darstellungen verlassen kann — und zwar weniger in dem Sinne. Beishaw: Traditional Exchange and Modern Markets. S. Cyril S. kurz: sie reduzieren die hochkomplexe Entscheidungslast durch soziale Strukturen auf ein Format. D.. 1 9 4 . Coleman: Union Democracy. 67 f.. 282 ff. die als Bedingung persönlicher Ehrenhaftigkeit und persönlichen Einflusses angesehen und sanktioniert w i r d . Auch diese Strukturen stehen. Wahlke u. Vgl. 1 6 0 . O-. Wie schon Gerichtsverfahren hängen auch Gesetzgebungsverfahren davon ab.. 1 4 6 u. Bestand haben müssen und verpflichten . a. Man findet daher in Parlamenten die informale Verhaltensregel.. a. 19 Möglicherweise ist diese Tendenz zur gegenstrukturellen Ausbildung persönlicher sozialer Beziehungen als Orientierungshilfe ein allgemeiner und typischer Zug komplexer Systeme mit freier Konkurrenz. Y. daß die Darstellungen »richtig« sind. Trow/James S. World Politics 20 ( 1 9 6 8 ) . hat man dieses Phänomen beobachtet. 20 Vgl. erleichtern auch das Abweichen vom Weg der Ideale. J. Lipset/Martin A. (Copyright 1 9 ( 6 ) . sie dienen unausgesprochen als Hilfe bei der Konsensbildung. Guenther Roth: Personal Rulership. O.. Barber. rasch seine Grenzen zu finden. sondern darin. 21 Auch hierzu sind mir nur Feststellungen bekannt. Patriomonialism. a. o. dazu oben S. S. wenn auch modifizierbar. sie vermitteln dem Neuling das Klima und die Grenzen angebrachten Verhaltens. Zu personalen Herrschaftsapparaten in der Politik auch fortschrittlicher Industrienationen vgl. a. 1 9 6 5 . ö. die sich auf gesetzgebende Versammlungen in den Vereinigten Staaten beziehen. von deren Richtigkeit der Sprecher überzeugt ist. S. Auch in Marktsystemen. daß der Darstellende bei ihnen bleibt. S. Garden City N.2 0 6 ( 1 9 7 ff. Englewood Cliffs N. als im täglichen Leben normal ist. J. 78 ff. J. Vgl. C. S. 56 ff. Diese Erwartung nimmt die Form einer moralischen Forderung an. a. in dessen Grenzen der einzelne erkennen kann.

Ein weiteres Reduktionsmittel ist das Sichverlassen auf schon bearbeitete. Für amerikanische Erfahrungen mit »boomerangs« im Gesetzgebungsprozeß vgl. S. weil der Informationsbedarf so komplex ist. Auch hier spielen sich gewisse Anspruchsniveaus für die Prüfung ein und gewisse Möglichkeiten. was das Parlament aus einer ganz harmlosen. 188 . und jeder wird Vorwürfe machen.6 6 2 . Am einfachsten ist es natürlich. Vertrauen in »Quellen« ist notwendig. Die Zurückhaltung mancher Ministerien bei der Novellierung reformbedürftiger Gesetze ist ein Beispiel dafür weiß man doch nie. American Sociological Review 3 1 (1966). 23 Solche Bedenken sind dem Verfasser aus der Praxis deutscher Ministerien bekannt. der die Reduktion der Komplexität erleichtert. Seiten der Interessenverbände. präzise begrenzten Novelle macht. daß nicht einmal alles an sich publike einschlägige Wissen erfaßt werden kann. sei es von S e i t e n der Verwaltung. verdichtete Information von außen. gar nicht erst anzufangen. Damit verwandt. Lane: The Decline of Politics and. A Study in Social Combat. S. von Seiten lokaler Parteiinstanzen.Ideology in a Knowledgeable Society. das Risiko eines Gesetzgebungsverfahrens zu minimisieren. die Variabilität von 22 23 22 Vgl. Frühzeitiges Eliminieren von Alternativen im Stadium der Vorefwägungen zu einem Gesetzentwurf dient einem ähnlichen Zweck. Vorwürfe mit entlastender Wirkung weiterzugeben. 6 4 9 . von Seiten zufälliger Bekannter oder von Seiten der Presse. New York-Toronto-London 1 9 3 3 . kleinen. Niemand wird Menschenunmögliches verlangen. von Seiten der Wissenschaft. wenn »bei dieser Gelegenheit« alte oder neue Wünsche laut werden . von heit. aber nicht institutionalisiert.aber sie hat die latente Funktion eines Darstellungszwangs. obwohl das richtige Wissen auf der Straße lag. Gross: The Legislative Struggle. weil die Verantwortung für die vollständige Erarbeitung der Entscheidungsgrundlagen an sich dem Gesetzgeber aufgebürdet ist. und besonders prekär. aber doch besonders zu notieren sind gewisse bürokratische Strategien. Bertram M. 1 7 6 f. wenn im Einzelfall einer falschen Quelle vertraut wurde. Das Zusammenschnüren mehrerer Gesetzentwürfe zu einem »Paket« ist eine neuere und zukunftsreiche Strategie. In gewisser Weise typisch für das moderne Leben überhaupt ist diese Abhängigkeit von fremden kognitiven Prozessen hier besonders ausgeprägt. dazu Robert E.

Entwürfen einzuschränken. Sie findet starke Unterstützung in der Tatsache, daß eine planende Verwaltung zunehmend Interdependenzen sieht und einzelne Gesetze nicht mehr isoliert behandeln kann. Schließlich ist das Ausgehen v o m Status quo, bewährt vor allem bei den jährlichen Haushaltsentwürfen , ein beliebtes und oft unentbehrliches Vereinfachungsmittel. Ganz anders, aber funktional äquivalent w i r k t der Wechsel öffentlicher und nichtöffentlicher Stationen des Verfahrens, also der Wechsel seines Zuhörerkreises. Dieser Rhythmus erleichtert die Verwendung unerlaubter Motive zur Vereinfachung der Entscheidungslage und ermöglicht es, Herstellung und Darstellung von Konsens zu trennen. Dadurch ist es möglich, divergierende Reduktionsstile nacheinander zu verwenden, in den nichtöffentlichen Sitzungen mit Pressionen oder Tauschangeboten zu arbeiten, die öffentlich nicht gezeigt werden könnten, oder umgekehrt mehr Vernunft und Entgegenkommen zu zeigen, als mit der öffentlichen Linie der Partei oder mit ihrer Oppositionsrolle vereinbar sind. Auf diese Weise können die integrierenden Symbole öffentlich intakt gehalten werden, obwohl sie nicht ausreichen, um den Entseheidungsprozeß selbst zu ordnen . Schließlich hat auch das meistdiskutierte Phänomen der Verschiebung der faktischen Entscheidungstätigkeit gegenüber dem offiziellen Schaubild hier seinen Grund. Kleinere Gremien mit festliegenden Rollen, erkennbar verteiltem Informationsbesitz, unterdrückter Konkurrenz und der Möglichkeit, direkt und abgekürzt zur Sache sprechen zü können, ohne einen Mißbrauch der Kommunikation befürchten zu müssen, haben ein höheres Potential für die Durcharbeitung komplexer Sachverhalte als
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24 Hierzu gerade unter dem Gesichtspunkt übermäßiger Komplexität sehr instruktiv Aaron Wildavsky/Arthur Hammond: Comprehensive Versus Incremental Budgeting in the Department of Agriculture, Administrative Science Quarterly 1 0 (196s),
S. 3 2 1 - 3 4 6 .

25 Mit weniger gewagten Argumenten betonen auch Politologen die Notwendigkeit eines gleichberechtigten Nebeneinanders von Ausschußarbeit und Plenarverhandlung - so namentlich Heinz Rausch: Parlamentsreform. Tendenzen und Richtungen, Zeitschrift für Politik 14 (1967), S. 239-289. 26 Speziell hierzu Edward Gross: Social Integration ahd the Conrrol of Competition, The American Journal of Sociology 67 ( 1 9 6 1 ) , S. 2 7 0 - 2 7 7 ; Jane S. Mouton/Robert R. Blake: The Influence of Competitively Vested Interests on Judgment, The Journal of Conflict Resolution 6 (1962), S. 1 4 9 - 1 3 3 .

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große Versammlungen. Die Arbeit am Gesetz liegt daher notwendig bei Ressortkonferenzen, im Kabinett, in den Parlamentsausschüssen. Hier müssen Paragraph für Paragraph Alternative für Alternative ausgeschieden werden, damit das Plenum abschließend den Entwurf akzeptieren oder verwerfen kann. In dieser Endentscheidung geht es dann zwar um ein komplexes Ganzes - aber um ein geschlossenes Ganzes, das nur noch mit letzten binären Entscheidungen angenommen oder abgelehnt werden kann. Die öffentlichen Plenarsitzungen des Parlamentes behalten durchaus eine wesentliche Funktion, obwohl die eigentlichen Entscheidungen aus ihnen abgewandert sind. Ihre Funktion liegt jedoch nicht in der Ermittlung der Wahrheit, sondern in der Darstellung des politischen Kampfes mit Hilfe von Argumenten und Entscheidungsgründen, mit denen kontroverse politische Positionen sich identifizieren . Das ist, ähnlich der Begründung der gerichtlichen Entscheidung, eine notwendige Verfahrensstation, deren gedankliche Vorwegnahme das gesamte Verfahren strukturiert: Man muß zwar nicht seine Motive und Hintermänner, wohl aber seine Gründe unter den Augen des Gegners öffentlich darstellen und der Kritik aussetzen können und findet dadurch die Wahl vertretbarer Positionen eingeschränkt . Allerdings darf kaum erwartet werden, daß das Parlament die Politik belebt, wenn nicht die Politik das Parlamentbelebt. Als Fazit aus diesen gedrängten, im einzelnen sicher ergänzungs- und korrekturbedürftigen Darlegungen bleibt festzuhalten, daß die hohe Komplexität des Gesetzgebungsverfahrens nur mit Hilfe mehr oder weniger devianter Strukturen und Mechanismen abgearbeitet werden kann. Muß man daraus folgern, daß das Gesetzgebungsverfahren soziologisch falsch organisiert ist?
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27 Ein engagierter Vertreter dieser Auffassung isr Wilhelm Hennis: Rechtfertigung und Kritik der Bundestagsarbeit, Die neue Gesellschaft 14 (1967), S. 1 0 1 - 1 1 1 . Siehe auch Thomas Ellwein/Axel Görlitz: Parlament und Verwaltung. I . T e i l : Gesetzgebung und. politische Kontrolle, Stuttgart-Berlin-Köln-Mainz 1967, insbes. S. 237 ff. 28 Dieser Darstellungszwang wirkt im übrigen keineswegs notwendig rationalisierend oder auch nur im Sinne des Offenhaltens der Komplexität des Systems. Eine der Techniken des Vorbeugens für diese Situation ist nämlich die, sich dem Gegner anzugleichen, so daß dieser nicht schießen kann, ohne sich selbst zu treffen.

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Das wäre voreilig, denn auch die offizielle Darstellung des Verfahrens hat ihren Sinn. Die Diskrepanz, die sich da auftut, bringt uns zum Problem der Legitimation durch Verfahren zurück. Präziser gefragt: Wie kann ein Verfahren, das in so weit offenen Entscheidungssituationen bestimmte Lösungen sucht, die Erwartungen der Betroffenen umstrukturieren? Auch in dieser Frage sind w i r bei dem gegenwärtigen Stand der empirischen Forschung auf Vermutungen angewiesen. Mit Sicherheit erwartbar ist jedoch eines: daß der Informationsstand des Publikums und damit die Durchbildung der Erwartungen in Angelegenheiten der Gesetzgebung äußerst gering sind. Selbst in Fragen, die eigenes Interesse stark berühren, etwa im Steuerrecht, im Versicherungs- und Versorgungsrecht, im Wohnungsrecht, kann nur dort, wo Berufsrollen mit der Materie befaßt sind, ein einigermaßen adäquates Wissen angenommen werden. Das Angebot an Information ist so bunt und so vielseitig, daß die Wahrscheinlichkeit gering wird, daß der einzelne seine knappe Aufmerksamkeit ausgerechnet Gesetzen zuwendet. Man liest keine Gesetzblätter. Wer von klassischen Vorstellungen über öffentliche Meinung und Gesetzgebung ausgeht, wird das bedauern. Ignoranz und Apathie sind jedoch die wichtigsten Vorbedingungen für einen weithin unbemerkten Austausch der Paragraphen, für die Variabilität des Rechts, und insofern funktional für das System. Wer für oder gegen eine bestimmte Rechtsänderung eine politische Front bilden will, kann sich in den seltensten Fällen auf ein vorhandenes Interesse oder auf eine allgemeine Empfänglichkeit für Kommunikation stützen, sondern muß Arbeit und Organisation einsetzen, um eine hohe Schwelle der Indifferenz zu überwinden. Er muß die Regeln und Techniken der Kreation politischer Themen beherrschen, und dies ist nur möglich für sehr aktive Teilnehmer des politischen Systems, die im System schon sozialisiert sind .
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29 Bei anderen ist die Wahrscheinlichkeit groß, daß sie gar keine oder nur unbeabsichtigte Wirkungen erzeugen. Außenstehenden, wie zum Beispiel Studenten, fällt es deshalb schwer, ein bestimmtes Thema, etwa das der Universitätsreform, politisch in Gang zu bringen. Wenn sie ihre Bemühungen verstärken, so führt das zwar dazu, daß ein politisches Thema entsteht, aber dieses heißt dann »Studentenunruhen«.

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Dieses Desinteresse ist natürlich keine beabsichtigte Folge des Gesetzgebungsverfahrens - etwa eine Folge der Tatsache, daß die wichtigsten, weichenstellenden Entscheidungsvorgänge hinter verschlossene Türen gelegt werden. Vielmehr ist beides, das Verfahren und das Desinteresse, Ausdruck einer gemeinsamen Grundbedingung, die die Entscheidungssituationen regiert, nämlich des Zusammentreffens von hoher Komplexität mit hohem Spezifizierungsbedarf. Unter dieser Bedingung entsprechen die Verfahrensform der Gesetzgebung und das allgemeine Desinteresse einander und stabilisieren sich wechselseitig. Gleichwohl läßt dieses Desinteresse keine beliebige, zum Beispiel keine rein bürokratieinterne oder wissenschaftlich-planerische, Gestaltung des Gesetzgebungsverfahrens zu, und deshalb kommt es zu jenen Diskrepanzen zwischen offizieller Darstellung und faktischer Arbeitsweise. In der hohen Variabilität und der unverständlichen Komplexität des politischen Systems liegen eigentümliche Risiken, die in der Gesellschaft als Problem der »Sicherheit« auftauchen und formuliert werden . Dabei ist nicht die wissende, sondern viel mehr die unwissende Reaktion gefährlich. Gut informierte, zweckspezifische Einflüsse kann das politische System, da es sich für planmäßige und realistische Interessenförderung weit offenhält, in großem Umfange absorbieren, sei es befriedigen, sei es politisch isolieren. Unwissende Reaktionen sind dagegen ein Problem, weil sie sich auf Grund einer unerfaßten Motivlage nahezu beliebig amalgamieren und generalisieren lassen und sich unberechenbare Ziele suchen. So kann es zu plötzlichen und doch geschlossenen Ausbrüchen kommen - eine Gefahr, die wächst in dem Maße, als die gesellschaftliche Mobilität der Kommunikationen und Kontakte und das Vermögen, sich Alternativen vorzustellen, zunimmt. Angesichts der starken Differenzierung der Gesellschaft und der entsprechenden Individualisierung der Persönlichkeiten ist nicht damit zu rechnen, daß dieser Gefahr durch Aufbau einer
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30 Zu beachten ist, daß politisch bedingte Unsicherheit nicht unbedingt im politischen System Ausdruck finden muß, sondern etwa in wirtschaftlichem Sicherungsstreben oder in der Familie abgefangen werden kann; aber auch das Umgekehrte ist denkbar. Problemherkunft und Thematisierung sind gegeneinander verschiebbar, da es sich um eine Motivlage von sehr unbestimmter Komplexität handelt.

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psychisch homogenen Motivstruktur, etwa primär emotionalzustimmender A r t , oder durch eine praktisch durchführbare rationale Nutzenkalkulation entgegengewirkt werden könnte. Andererseits gehören zum Leben unter jenen zivilisatorischen Bedingungen gewisse Grundeinstellungen, die auf die eine oder andere Weise durchgehalten werden müssen, soll das erreichte N i v e a u der Lebensführung erhalten bleiben; So ist ein pauschales, angstloses Akzeptieren hoher Komplexität und Veränderlichkeit der Verhältnisse erforderlich, und dieses Akzeptieren, das wir im politischen Bereich Legitimität nennen, kann durch ein generalisiertes Systemvertrauen erleichtert werden . Über die empirischen Bedingungen und die konkreten Vorstellungselemente eines solchen Vertrauens wissen wir wenig. Es darf aber vermutet werden, daß Ursachen w i e Inhalte des Systemvertrauens variieren können - anders w ä r e es unter den angegebenen Bedingungen kaum stabilisierbar — und daß deshalb zum Aufbau eines solchen Vertrauens sinnbildende Prozesse erforderlich sind, die hinreichend abstrakt operieren, so daß sie sehr verschiedenartige psychische und soziale Medianismen in ihren Dienst nehmen können. Die Vertrauensbildung bedarf, mit anderen Worten, einer sinnhaften Vermittlung, die das Handeln zunächst nur sehr formal bindet und nahezu Beliebiges offenläßt. Das Werben um politisches Vertrauen für konkrete Personen, Führungsgruppen, Parteien oder Sachprogramme genügt, so notwendig es ist, diesen Anforderungen nicht. Es muß in eine Form gebracht werden, in der es zugleich Systemvertrauen mitbildet. Dazu dienen Verfahren, vornehmlich Gesetzgebungsverfahren, in denen die Entscheidung zugleich den für sie Stimmenden und dem System zugerechnet wird und so auf zwei Ebenen vertrauensbildend wirken k a n n .
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Anders als bei rechtsanwendenden Verfahren, in denen Einzelfälle entschieden werden, ist im Verfahren der Gesetzgebung

31 Hierzu näher Niklas Luhmann: Verrrauen. Ein Mechanismus der Reduktion sozialer Komplexität, Stuttgart 1968, S. 44 ff. 32 Etwas Ähnliches scheint Duverger im Auge zu haben, wenn er anläßlich einer Diskussionsbemerkung im politischen System »deux circuits de confiance« unterscheidet. Siehe Leo Hamon/AIbert Mabileau (Hrsg.): La personnalisarion du pouvoir. Entretien de Dijon 1 9 6 4 , Paris 1 9 6 4 , S. 442 f.

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586-606. sie ist zugleich eine Funktionsbedingung der symbolischen Identifikation und Vertrauensbildung dadurch. In beiden Theorien wird die Möglichkeit horizonthaft-indirekten. Über funktionale Integration. die unabhängig von der Genugtuung über bestimmte sachlich-richtige Ergebnisse zustande kommt. einerseits die Integrationstheorie Smends (Rudolf Smend: Verfassung und Verfassungsrecht. Im Unterschied zur Rollenübernahme operiert der Mechanismus symbolischer Identifikation auf Distanz und ohne unmittelbare Handlungsverpflichtung.etwa Harold D. unthematischen Miterlebens des Systems nicht ausreichend gewürdigt. In: Dorwin Cartwright/Alvin Zander (Hrsg. wenn benötigt. 2 9 9 . Berlin 1 9 5 5 . Ferner Götz Briefs: Betriebsführung und Betriebsleben in der Industrie. 2. auf die es uns in den folgenden Analysen ankommt. Lasswell: Psycho pathology and Politics. Aufl. S. Handwörterbuch der Sozialwissenschaften Bd. 1 9 2 8 . Auf diese Weise lassen sich im relativ Unbestimmten 33 34 33 Als sehr verschieden gefärbte Theorien. j. vgl. weniger auf Geist und mehr auf Gefühl spekulierenden Ansätze der amerikanischen Symboltheorie . das zur Entscheidung führt . Neu gedruckt in ders. sei es unter dem Gesichtspunkt bestimmter selektiver Perspektiven. 194 .eine unmittelbare. Er enthält deshalb keine effektive soziale Kontrolle der Konsistenz des Verhaltens. 61 ff. daß sie die Details und Vielfalt der praktischen Folgen einzelner Ereignisse verwischt und so die Reduktion der Komplexität auf seiten des Publikums erleichtert .: Integrationslehre.2 6 7 . 34 Ähnliche Überlegungen haben zu der These geführt.: Staatsrechtliche Abhandlungen und andere Aufsätze. ein unvermeidliches Übel. eigens politisch oder polizeilich organisiert werden. oder Murray Edelman: The Symbolic Uses of Politics. 1964. dort insbes. eine gewisse soziale Distanz sei Voraussetzung für das Entstehen von sozialem Prestige und damit für das Entstehen von statushöheren Führungsrollen. rollenmäßige Beteiligung aller Betroffenen kaum durchführbar. sei es durch Identifikation mit einzelnen Akteuren oder Parteien.sei es in der Form eines Interesses am politischen D r a m a schlechthin. Fiedler: The Leader's Psychological Distance and Group Effectiveness. im Anschluß an Lewis Leopold: Prestige. Siehe namentlich Heinz Kluth: Sozialprestige und sozialer Status. Damit entfällt deren Bindung durch Selbstdarstellung in rollenkonformem Handeln. S. Stuttgart 1 9 5 7 . Stuttgart-Tübingen-Göttingen i 9 j 6 .148 ff. S. Stuttgart 1 9 3 4 . etwa des Auf und Ab der Aktienkurse oder des nationalen Prestiges .3 0 2 ) und andererseits die stärker psychologisch fundierten. New York 1 9 3 3 . Urbana 111. Evanston Ill. 1 1 9 . oder Fred E. Möglich bleibt aber eine sinnvermittelte Teilnahme jedes einzelnen an gewissen Aspekten des Geschehens.-London i960.): Group Dynamics. wie die R e präsentationstheorie es sah. London 1 9 1 3 . (Diese muß.. S. die sich auf die Möglichkeit symbolischer Identifikation gründen.. S.) Distanz ist jedoch nicht nur. ders.

aber nicht symbolisiert. Ebenso wie in den Fallverfahren der Behörden und Gerichte ist auch hier die Fortsetzung des Miterlebens an die Anerkennung der Ablaufregeln gebunden. die im System in Behandlung sind. Indem er das tut. ja dramatischen Charakter. Projekte. nämlich auf seiten der Politik die Differenzierung von Herstellung und Darstellung. ohne Gegenstand einer Entscheidung zu sein. verliert er jedoch. wenn sie laufenden Verfahren entstammen. Audi für die unverpflichtete Selbstfestlegung als Zuschauer in einem komplexen. daß die Zeitdimension mitbenutzt wird. und seine Alternativen schränken sich ein auf wenige. Die Aufmerksamkeit wird nämlich im Alltag auf Themen gelenkt. da es nicht in Verfahren behandelt wird. gefeiert und eingebleut. Auch die Einstellung zu ihnen kann man wählen. Anträge und Streitgegenstände einzelner Verfahren geht das politische System nur als sinnkonstituierende Prämisse ein und wird nicht zum Thema. Symbol ist nur das Verfahren selbst. Im so erfaßten und umstrittenen Sinn ist das System impliziert. unübersehbaren Felde von Möglichkeiten ist wesentlich. die Komplexität möglicher Einstellungen reduziert sich in einer Art Lern. seiner Sympathien und seiner Antipathien selbst suchen kann. Zugleich erhält sich im Interesse die Anerkennung. Es werden nicht . indem man die Geschichten des Systems .und das sind neben den Skandalen vor allem i?5 .heterogene Differenzierungen verbinden. In die Themen. zitiert.nur einige wenige. durch die Geschichte seines Miterlebens seine ursprüngliche Freiheit. sondern dynamischen. Es ergeht die Einladung zum Miterleben eines dramatischen Geschehens mit wechselnden Inhalten. Unter ihnen kann man wählen. Die politisch interessierenden Informationen haben.und SozialisierungsVorgang. politisch steuerbare Varianten.wie im Falle einer sich selbst bestätigenden Hierarchie . das heißt nicht als Ganzes dargestellt. Man lebt sich ein. auf seiten des Publikums die Differenzierung verschiedenartiger Interessen und Mechanismen der Meinungsbildung. nicht statischen. ähnlich wie in einer Rolle. Der Zuschauer wird in Geschichten hineingezogen. immer gleiche Symbole dargestellt. unter denen der einzelne die Kristallisationspunkte seines Interesses. die Sinn und Interesse konstituieren. was man selektiv mit Aufmerksamkeit bedenkt.

im Gesetzgebungsverfahren: des Abge35 Vgl.Beispiele dafür finden sich in manchen Entwicklungsländern . vermutungsweise. statt Horizont des Entscheidens zu bleiben. I96 .kann der einzelne keine Beziehungen im System mehr herstellen.verfolgt. sachlich wenig strukturierten Komplexität ist diese Leistung nicht zu unterschätzen. oben S. daß in der Demokratie dank ihrer Willensbildungsverfahren letztlich allgemeiner Konsens zum Ausdruck komme. Das Mehrheitsprinzip selbst ist jedoch keine Legitimierungsweise. diese Aussagen zu präzisieren: Verfahren dienen einerseits in den Grenzen des Möglichen dazu. Konsens ist knapp und muß deshalb generalisiert werden. aktuellen Konsens zu mehren. Wenn die Verfahren eine solche Einbeziehung nicht zu leisten vermögen . daß Legitimität nicht mit faktischem Konsens gleichgesetzt werden kann. wie w i r gezeigt haben . daß die verfahrensmäßige Form. Ein äußerlicher Ausdruck dafür ist. sondern nur noch eine Beziehung zum System. also knappe Ressourcen auszuschöpfen. Wichtiger aber ist. Unsere Analyse des Verfahrens erlaubt es. 35 A l l dies hat bezeichnende Konsequenzen für die Konsenslage. Wir hatten allgemein gesehen und finden hier bestätigt. Der Konsens eines jeden einzelnen (bei der Wahl: des Wählers. durch die Umgründung des politischen Systems von hierarchischen Prinzip auf Verfahren vermieden werden. daß der Majorität die Entscheidung anvertraut wird. zumindest symptomatisch. oder sie behaupteten. Gerade diese Gefahr sollte aber. in der um Konsens geworben wird. Thema einer Entscheidung Zu werden. Entweder versuchten sie. Die klassischen Theorien der Demokratie hatten das gesehen und darin ihr Kernproblem gefunden. Besonders bei Gesetzgebungsverfahren mit ihrer hohen. Das politische System ist dann in Gefahr. den einzelnen oder die Minderheit durch subjektive Rechte und Verfahrenskautelen gegen die Mehrheit in Schutz zu nehmen (also fehlenden Konsens zu kompensieren).die Entscheidungsgeschichten . sei es Rebellion. eine bestimmte Einstellung zum Konsens anderer impliziert und festlegt: Jede Stimme zählt. I J 2 . sei es Apathie. sondern eine Verlegenheitslösung. vertretungsweise.

höchst voraussetzungsvolle Ordnung ist. und faktisch-politisch erarbeiteter Konsenslage im Einzelfall. Vgl. S. daß niemandes Meinung a priori für irrelevant erklärt werden könnte. 197 . Vor dem Verfahren sind alle gleich. zum Beispiel auf Grund seiner Religion.zwar nicht in dem Sinne. Hier liegt auch der eigentliche Grund. sich anerkannt zu fühlen und deshalb anzuerkennen. welche anderen Rollen der Zustimmende wahrnimmt. daß die Konsensfrage in jedem Einzelverfahren erneut gestellt und ausgetragen werden muß. Stanford Cal. wo Konsens zwar nach Reputation gewichtet wird. Das heißt: Man kann Meinungen nicht nur zählen. die den Wechsel der Themen überdauert. im Gesetzgebungsverfahren sich ausbildenden Substrukturen der Entscheidungserleichterung nicht anerkannt werden können. Das allein ist für den Bürger sicher kein zureichender Grund. als ein Beispiel unter vielen: Felix M. wer jemand sonst (in anderen Rollen) ist. insbes. Alle Unterschiede und alle Ungleichheiten müssen als Ergebnis eines Verfahrens dargestellt und begründet werden können. Keesing/Marie M. Normalerweise verwenden soziale Systeme gesellschaftliche Strukturen zugleich zur Differenzierung der Konsensrelevanz anderer Menschen (was ein geringes Maß von Ausdifferenzierung des Systems bezeugt). Ohne strukturelle Bindung werden die Konsenschancen nach Möglichkeit variabel gehalten. Andere gesellschaftliche Strukturen werden mithin in ihrer präjudizierenden Auswirkung auf das Verfahren neutralisiert . Erreicht wird auf diese Weise aber. damit niemandes Interesse erlahmt. Keesing: Elite Communication in Samoa: A Study of Leadership. die durch die Institution des Verfahrens gerade erhalten werden soll — die Differenz von gleicher Konsensrelevanz aller. aus dem die oben erörterten. Ein Parallelfall zu der politischen Ausdifferenzierung durch Quantifikatiön ist im sozialen System der Wissenschaft gegeben. Die Politik und ihre Verfahren erhalten aus diesen Gründen eine egalitäre und segmentierte (in gleiche Untereinheiten sich teilende) Struktur im Gegensatz zum Prinzip der Hierarchie 36 36 Daß dies eine außergewöhnliche. daß jene Differenz verschmilzt. 98 ff. sondern abweichendes Verhalten bleiben müssen: Ihre Anerkennung würde dazu führen. seines Geburtsstatus.ordneten) ist prinzipiell relevant . seiner Klasse. wohl aber in dem Sinne. aber ebenfalls unabhängig davon ist.-London 1 9 5 6 . einer Organisationszugehörigkeit oder eines wirtschaftlichen Zensus. seiner Rasse. sondern muß sie gewichten und kann dabei nicht außer acht lassen. sei nochmals betont. daß zu jeder Entscheidung alle faktisch zustimmen müßten.

und der funktionalen Differenzierung, das die Verfahren in Justiz und Verwaltung beherrscht . Es kann unter diesen Umständen nicht wundernehmen, wenn in der Politik das Prinzip der Gleichheit als legitimierender Wert verkündet wird. Gleichheit ist jedoch kein Wert, der verwirklicht werden könnte, sondern ein Strukturprinzip, das zweierlei in einem zu erreichen sucht: Rollentrennung gegenüber der Umwelt und hohe Offenheit und Variabilität der Konsenschancen im System selbst. Ob ein so organisiertes Verfahren der Gesetzgebung hält, was es verspricht, und tatsächlich in der Lage ist, Konsens zu generalisieren und Vertrauen des zuschauenden Publikums zu gewinnen, hängt von zahlreichen weiteren Umständen ab, die vorausgesetzt werden müssen. Zum Beispiel muß die Gesellschaft Rollentrennung und Autonomie ihres politischen Systems akzeptieren können und selbst strukturell darauf eingerichtet sein. Der lebenswichtige Bedarf muß auf alle Fälle gedeckt sein, so daß jedermann warten kann, und Werte und Interessen müssen so stark differenziert sein, daß sich in der Politik eine opportunistische Wunscherfüllung organisieren läßt, die ihre Ziele rasch wechseln kann. N u r dann läßt sich nämlich das Prinzip der Chancengleichheit durch Realitäten abdecken. Es muß, mit anderen Worten, gesellschaftlich möglich sein, politische Stabilität gerade auf die Variabilität des Rechts und der Interessenbefriedigung zu gründen . Außerdem muß in der Gesellschaft ein
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37 M. G. Smith, a. a. O., sieht, in Ausführungen, die auch in der politischen Soziologie und der Rechtssoziologie Beachtung verdienten, in der Trennung von segmentierend strukturierter Entscheidungsvorbereitung und hierarchisch strukturierter Entscheidungsdurchführung das Grundgesetz politischer Systeme schlechthin und verfolgt dieses DifTerenzierungsprinzip bis in die einfachsten Gesellschaften' hinein. Vgl. dazu auch David Easton: Political Anthropology. In: Bernard J. Siegel (Hrsg.): Biennial Review of Anthropology 1959, Stanford Cal. 1 9 5 9 , S. 2 1 0 - 2 6 2 . Erst in modernen politischen Systemen wird es jedoch möglich, diese Trennung dauerhaft strukturell zu vollziehen und entsprechende Verfahren zu differenzieren. Vgl. dazu auch Talcott Parsons: The Political Aspect of Social Structure and Process. In: David Easton (Hrsg.): Varieties of Political Theory, Englewood Cliffs N . J . 1966, S. 7 1 - 1 1 2 (84 ff.), der unterstreicht, daß die Entscheidungsfähigkeit des politischen Systems heute nicht mehr aus einer Hierarchie abgeleitet werden könne, sondern aus egalitär segmentierten Strukturen gewonnen werde, die ihrerseits erst die Hierarchie der Ämter und Kompetenzen zu begründen hätten. 38 Eine entsprechende Tne-drie- des demokratischen EntScheidungsprozesses formuliert Charles E. Lindblom: The Intelligence of Democracy. Decision Making Through Mutual Adjustment, New York-London 1 9 6 $ .

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hohes Maß an funktionaler Systemdifferenzierung und Leistungsspezifikation bereits erreicht sein, denn nur dann ist es möglich, Änderungen durch Entscheidung als genau umgrenzte Substitutionsvorgänge zu präzisieren, ihre Nebenfolgen auszugleichen und die Neuerung dadurch verlustlos zu gestalten; diffus strukturierte Systeme müssen sich dagegen notwendig traditional orientieren, weil sie Änderungen nicht isolieren können und jede Neuerung unabsehbare Folgen hat . Diese und andere Vorbedingungen bedürfen einer Untersuchung für sich. Verfahren, auch die der Gesetzgebung, reichen allein niemals aus, um Legitimität des Entscheidens im Sinne einer laufenden Umstrukturierung .von Erwartungen zu bewirken. Sie sind jedoch die Form, in der das politische System zu seiner eigenen Legitimation beiträgt. Sie symbolisieren durch ihre institutionelle und rechtliche Verankerung Identität der Entscheidungsweise und Kontinuität ähnlicher Erfahrungen, und das ist eine unentbehrliche Voraussetzung für jedes Lernen. Das Publikum kann so durch Erfahrung lernen, sich trotz prinzipieller Variabilität allen Rechts im großen und ganzen sicher zu fühlen, und Systemvertrauen fassen. Verfahren sind eine notwendige, wenn auch allein nicht ausreichende Einrichtung der Legitimierung von Entscheidungen. Zunächst muß man deshalb wissen, wie sie funktionieren und was sie leisten können, bevor man untersuchen kann, auf welche Bedingungen es sonst noch ankommt. Der bereits unübersichtlich gewordene Gedankengang dieses Kapitels läßt sich nunmehr wie folgt zusammenfassen: Das Gesetzgebungsverfahren muß, da es Recht als variabel behandelt, außerordentlich hohe Komplexität bewältigen. Diese Komplexität muß, wenn regressive Entwicklungen des politischen Systems vermieden werden sollen, institutionell gesichert sein, laufend erhalten werden und doch von Fall zu Fall in bestimmte Gesetzentscheidungen ausgemünzt werden. Dem dient die geschilderte Doppelstruktur, die Verstrebung der offiziellen Version
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39 Einige Bemerkungen in dieser Richtung finden sich bei Bert F. Hoselitz: Main Concepts in the Analysis of the Social Implications of Technical Change. In: Bert F. Hoselitz/Wilbert E . Moore: Industrialization and Society, o. O. (UNESCOMouton) 1 9 6 3 , S. 1 1 - 3 1 (rz).

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des Verfahrens einer deliberierenden, mit Mehrheit entscheidenden Versammlung einerseits und einer mit Gruppenbildungen, informalen Beziehungen und Kompetenzverschiebungen durchsetzten faktischen Arbeitsweise andererseits. Im Verhältnis zum Publikum wird dadurch eine doppelte Funktion erfüllt. Es wird einerseits hohe Variabilität und Entscheidungsfähigkeit symbolisiert und dadurch eine wenn nicht positive so doch indifferente Einstellung auf hohe Komplexität motiviert. Zum anderen wird von Verfahren zu Verfahren versucht, nach Möglichkeit ausreichenden faktischen Konsens als politische Handlungsgrundlage zusammenzubringen. Wenn diese Verfahren in den übrigen Strukturen der Gesellschaft und ihrer anderen Teilsysteme genügend Rückhalt finden, ein Problem, das wir nur andeutungsweise behandeln konnten, kann dadurch erreicht werden, daß die Betroffenen Variationen des Rechts zum Teil im Einzelfall begrüßen, im allgemeinen aber wie ein faktisches Geschehen hinnehmen und ihre Erwartungen entsprechend ändern, ohne daß dadurch in ihren übrigen Rollen erhebliche Komplikationen oder Diskrepanzen eintreten.

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iv. Entscheidungsprozesse der Verwaltung

dieser also nicht zu lange dauert). Die Zeit und Kapazität des Einzelmenschen zu rationaler Überlegung reichen bei weitem nicht aus. wie die Entscheidungen zustande kommen. Nicht nur die Kritik der Wahrheitsfähigkeit von Wertprämissen. daß sie vorausgesetzt werden müssen. um den Entscheidungsbedarf großer Systeme zu decken. wenn geordnete Kooperation überhaupt zustande kommen soll. und dies nicht nur in dem allgemeinen Sinne. ist es prinzipiell gleichgültig oder allenfalls ein Problem der Organisations. sehr rasch zersetzt.und Verfahrensform abhängt.und Verfahrensökonomie. die an rationalen oder an normativ richtigen Entscheidungen interessiert sind. die aus ziemlich einfachen Prämissen durch Nachdenken gewonnen werden können. in den empirischen Wissenschaften ebenso wie in den Fächern. Sein Potential für rationale Informationsverarbeitung kann nur durch Kooperation gesteigert werden. hat dieses Interesse den alten Glauben an einzig richtige Entscheidungen. daß die relevante Umwelt während des Entscheidungsprozesses konstant gehalten werden kann. die durch Entscheidungen zu lösen sind. mehrere brauchbare oder mehrere »vertretbare« Lösungen gibt. In allen beteiligten Disziplinen. gewinnt 203 . hat zu diesem Ergebnis geführt. und das ist für reale Entscheidungslagen der Verwaltung typisch. Nur wenn und soweit Entscheidungen optimale Rationalität erreichen oder an eindeutigen Kriterien der Richtigkeit kontrolliert werden können (und das erfordert als mindestes. Damit werden Organisation und Verfahrensregelungen für den EntScheidungsprozeß relevant. daß die im Entscheidungsprozeß erreichbare Rationalität von der Wahl der Organisations. sondern darüber hinaus in dem für Entscheidungsorganisationen spezifischen Sinne. Sobald es aber.Entscheidungsvorgänge schlechthin und besonders die Entsdieidungsprozesse großer bürokratischer Verwaltungsorganisationen in Staat und Wirtschaft haben in den letzten zwanzig Jahren zunehmend wissenschaftliche Aufmerksamkeit gefunden. sondern ebenso der Einblick in die unvorstellbare Komplexität der Probleme.

Tübingen 1 9 6 3 . sondern die daran orientierte Regelung einer Folge von Entsdjeidungssdnltten. dt. S.9 5 .. B. Im Bereich realistischer Entscheidungstätigkeit sollten daher Organisation und Verfahrensweisen nicht nur unter dem Gesichtspunkt einer Aufwandökonomie entworfen und beurteilt werden. 5 9 . B. March: Models in a Behavioral Theory of the Firm. Von ihm hängt dann ab. Siehe z. welche Möglichkeiten gleich anfangs auf Grund noch unzulänglicher Information ausgeschieden wurden und wo und wie die »offenen Punkte« und die Alternativen fixiert wurden. 8 1 . . welche Informationen an welcher Stelle zuerst vorhanden waren. March: A Behavioral Theory of the Firm. und "ausführlicher Richard M. welche dieser zulässigen Lösungen gewählt wird. 204 . Cyeri/James G. Simon: Perspektiven der Automation für Entscheider. die mit dem Informationswert vorangegangener Entscheidungen für nachfolgende Entscheidungen rechnen. die Situation am Anfang strukturiert w a r und in welcher Richtung die Uberlegungen und die weiteren Ermittlungen dadurch gelenkt wurden. G. M. Behavioral Science 4 (1959). March (Hrsg. darin nämlich. J . wie viele Möglichkeiten sie in begrenzter Zeit zu erfassen und gegeneinander abzuwägen gestatten. Quickborn 1966. Englewood Ciiffs N. wie das Problem definiert.. die statistische Analyse von Entscheidungssequenzen. S. Kanter: Organizational Décision Making.7 3 . 303 ff. Untersuchungen zur Logik und ökonomischen Bedeutung des rationalen : Handelns. Eine solche am Entscheidungsprozeß orientierte Organisationstheorie ist vorerst allerdings selbst in der Wissenschaft nur als ausgearbeitete Problemstellung vorhanden und in der Praxis 1 2 1 Diese Verbindung von sachlicher und zeitlicher Struktur ist ein typisdies Merkmal moderner Entscheidungstheorien.): Handbook of Organization^.und Ermittlungsschritten verbunden waren. Es kommt dann darauf an.. sondern sie finden ihr letztes K r i terium in der Rationalität des Entscheidens* die sie ermöglichen. In: James G. 2 Siehe als Uberblick Julian Feldman/Herschel E. S. Herbert A. 2 1 4 fr. 1 9 6 3 . oder Gérard Gäfgen: Theorie der wirtschaftlichen Entscheidung. Cyert/E. Siehe z. welche Kosten und Umstände mit einzelnen möglichen Überlegungs. Das gilt sowohl für die mehr empirisch orientierten Versuche der Nachkonstruktion faktischer Entscheidungsabläufe. Übers.der Selektionsprozeß selbst sachliches Gewicht. Chicago 1 9 6 5 .siehe statt anderer R. S.als auch für. A. Feigenbaum/J. über die dann ernsthaft diskutiert und gegebenenfalls an höchster Stelle verantwortlich entschieden w i r d . 7 4 . Human Factors 4 (1962). daß auch der Programmbegriff der Automationstheorie nicht lediglich ein sachliches Entscheidungskriterium oder ein gedankliches Arrangement von Zeichen meint. den Oberblick bei Ward Edwards: Dynamic Décision Theory and Probabilistic Information Processing. Anzumerken ist im übrigen.

Köln-Berlin-Bonn-München 1 9 6 t . S. Köln-Berlin 1966. 3 Es gibt dagegen durchaus überlegte Regelungen des Geschäftsganges in typischen. die Carl H. die doch eine genaue Analyse aller entscheidungsnotwendigen Teilschritte erfordert. 6 Hierzu näher: Niklas Luhmann: Recht und Automation in der öffentlichen Verwaltung. Zeitstruktur und zu 4 5 6 3 S. entschieden. sj ff. die Vereinfachung der Verwalrung beim Bundesministerium des Innern. Bonn i960. S. Selbst über eine Automatisierung von Entscheidungsvorgängen. Bestandsaufnahme und Entwurf. Dazu Malte von Berg: Automationsgerechte Rechts. den Ablauf des Entscheidungsprozesses nach Inhalten. die sich mit Gesetzgebung auf dem Gebiete des Verwaltungsverfahrens befassen.und v o r allem Vereinheitlichungsbedürfnissen . Köln-Berlin 1 9 6 8 . anstellt. 20J . wobei die Entscheidungsinhalte selbst als konstant vorgegebene Daten behandelt werden . sich häuhg wiederholenden Angelegenheiten. Gallen 1 9 6 4 . Festschrift zum hundertfünfzigjährigen Bestehen des Carl Heymanns-Verlages. S. Köln-Berlin 1 9 6 8 . Nicht nur die zunehmende Automation von Verwaltungsvorgängen wird ein sorgfältigeres Durchdenken des Vorgehens beim Entscheiden erzwingen. Schulze: Geschäftsgang bei Behörden. J. Daß es dabei nicht bleiben kann.der öffentlichen Verwaltung unbekannt . Siehe etwa Pius Bischof berger: Durchserzung und Forrbildung betriebswirtschaftlicher Erkenntnisse in der öffentlichen Verwaltung. praktisch unter dem Gesichtspunkt der Personaleinsparung. Hans H. Berlin 1966. Dargestellt an ausgewählten Beispielen der kommunalen Verwaltung. an Lücken. Immerhin fordert man bereits eine Revision von Vorschriften unter diesem Gesichtspunkt. führen lediglich auf prinzipiellere Rechtsgedanken zurück. Köln-Berlin-Bonn-München o. Die fachliche Differenzierung zahlreicher Einzelbeiträge.J 3 . Der Musterentwurf eines Verwaltungsverfahrensgesetzes ( 1 9 6 3 ) orientiert sich rechtsimmanent an vorhandenen Vorschriften und Rechtsmeinungen. 4 Veröffentlicht im Grote-Verlag. die starke Zerstreuung der relevanten Informationen und der Außenkontakte fordern ebenfalls dazu auf. aufgetretenen Ergänzungs-. 90 ff. Ule: Verwaltungsreform als Verfassungsvöllzug. Anpassungs.. S.6 4 9 . In: Recht im Wandel. 2. wird lediglich im Rahmen der Kostenberechnungen. Eine verwaltungswissenschaftliche Untersuchung. Zürich-St. S. 47 ff. Ein Beitrag zur Verwaltungslehre. 6 1 4 . 1 1 6 ff. insbes.und Verwaltungsvorschrifeen. Aufl. Widersprüchen. Eine kurze Skizze auch bei Niklas Luhmann: Theorie der Verwaltungswissenschaft. Auch die grundsätzlicheren Erwägungen. Weder die organisationstheoretischen noch die sozialpsychologischen oder soziologischen Forschungen über den Entscheidungsvorgang liegen im Blickfeld derjenigen Stellen. ist abzusehen.8 9 . 5 So auch der Bericht der Sachverständigenkommission für.

.). welchen Weg eine Sache zu nehmen hat. etwa (251 ff. Angesichts der Komplexität dieses Problems stellt eine rationale Planung verwaltungsmäßiger EntScheidungsprozesse A n forderungen. so daß eine Stelle die Selektionsleistungen der anderen als Prämisse verwenden kann. S. Vor allem wird die Enscheidung. Im Grunde handelt es sich um ein Problem der internen Rationalisierung des Entscheidungsvorganges der Verwaltung. deren Geschäftsbereich berührt wird. mithin das Verfahren. In: Fritz Morstein Marx (Hrsg. Ule: Rechtmäßigkeit. daß das Verhältnis einzelner Teihentscheidungen jm Sinne einer wechselseitigen Selektivitätsverstärkung geordnet ist. Unkontrollierbare Motive und Präferenzen in der Bürokratie versucht man heute vor allem durch Ausbau des Rechtsschutzes im Interesse des einzelnen Rechtsträgers zu bekämpfen. Aber auf diese Weise kommt man über die Festlegung einiger weniger Grundsätze und Mindestbedingungen nicht hinaus . O. im Einzelfall durch ressortspezifische Motive und durch Machtstrategien verzerrt. zur Machtfrage. Dazu muß die Verwaltung als System von EntScheidungsprozessen geplant werden mit dem Ziel. a.).3 1 4 (305 ff. möglichst viel Alternativen abgewogen und doch die Entscheidungen möglichst rasch getroffen werden.2 6 3 oder auf Grund eines Vergleichs verschiedener Rechtsordnungen Franz 206 . In: Morstein Marx. a. daß alle Stellen. Eine 8 Vgl. S. liegt auf der Hand.etwa den. nur ad hoc festzulegen und die verschiedenen Einzelfallverfahren lediglich durch einige allgemeine »Grundsätze« zu koordinieren . relevante Information möglichst nur dort und nur dann zu aktivieren. 2 9 8 . 7 8 7 Siehe dazu tung. daß ohne Überlastung einzeln ner Informationsträger oder einzelner Knotenpunkte des K o m munikationsnetzes möglichst viel Informationen erfaßt.): Verwaleinführende Darstellung. Daß damit erhebliche Nachteile verbunden sind.beteiligenden Stellen so zu regeln. wo und wann sie eine selektive Funktion erfüllt. zu beteiligen sind . die Abfolge der Entscheidungsschritte und die Koordination der Einzelbeiträge. 2 4 J . Der typische und vorläufig unentbehrliche Ausweg ist daher. deren Bewältigung heute weder die Theorie noch die Praxis gewachsen sind. Carl H. da sie die Entscheidung über das jeweils einzuschlagende Verfahren impliziert. Franz Mayer: Geschäftsgang. Die »Federführung« wird. Berlin 196s. Das wiederum setzt voraus.

Sie eröffnet zugleich die Möglichkeit der Automatisierung von EntScheidungsprozessen. der eine häufige Wiederholung des gleichen ermöglicht. Gerade in den Augen des Publikums trennen sich dann Effizienz auf der einen und Befriedigungswert oder Legitimität der Entscheidung auf der anderen Seite. Je höher die Komplexität eines Systems ist. die durch interne Prozesse abgearbeitet werden muß. desto zwingender wird eine systemimmanente Eigengesetzlichkeit. wie die moderne entscheidungstheoretische Organisationsforschung sie anstrebt. denen die Entscheidungsverfahren der Verwaltung nachkommen müssen. die zugleich ein Optimum an werbender Wirkung erbringt und dem Bürger das Gefühl des Beteiligtseins an einer eigenen Sache vermittelt. Ganz im groben kann man mehrere Arten von Entscheidungssituationen danach unterscheiden. 207 . daß sich eine einheitliche Beurteilung oder gar die Institutionalisierung eines einheitlichen Verfahrenstyps von selbst verbietet. die in Organisationsformen und Verfahrensweisen Berücksichtigung erheischt. ob und wieweit sich in der Verwaltung Ansatzpunkte für legitimierende Verfahren finden lassen. 40 ff. und davon hängt ab. rationell sein. die den Entscheidungsprozeß selbst erfaßt. wie sie programmiert sind. Damit wird es zunehmend schwieriger und eine Belastung für die erreichbare Rationalität. S. Stuttgart-Bruxelles i960. wird kaum eine Form annehmen können. so deutlich weist er die Richtung der Anforderungen. dann erscheinen die Entscheidungsbedingungen der Verwaltung als so vielgestaltig. Sieht man genauer hin.Sehr wahrscheinlich wird eine Standardisierung von Verfahren. In sehr weitem Umfange sind Verwaltungsentscheidungen Becker: Das allgemeine Verwaltungsverfahren in Theorie und Gesetzgebung. Die Ordnung von Entscheidungsschritten unter dem Gesichtspunkt rationaler Problembearbeitung und hoher Chancen für brauchbare Ergebnisse. So utopisch der Gedanke einer vollständig durchrationalisierten optimalen Entscheidungsorganisation im Bereich des politischen Systems ist und bleiben wird. nur bei einem sehr hohen Spezialisierungsgrad. den Verwaltungsverfahren auch noch legitimierende Funktionen abzuverlangen.

S. 9s ff. In diesen Fällen wird in den Entscheidungsverfahren ein hohes Maß an zweckgerichteter Aktivität der Veranstalter des Verfahrens erwartet. Philip Selznick: T V A and the Grass Roots.Vgl. Vgl. bei dem der Eindruck der Unparteilichkeit des Entscheidens nicht zu wahren ist . z. Reinhard Bendix: Higher Civil Servants in American Society. S. thé Careers. Sie können nicht zugleich die zweckneutrale Haltung eines Richters einnehmen.. 12 Siehe namentlich Elihu Katz/Shmuel N. Kap. 1 9 4 9 . Ferner Reinhard Bendix: Nation-Building and Citizenship: Studies of our Changing Social Order. Berkeley-Los Angeles 1 9 4 9 . Dieses Bemühen ist jedoch nicht unbedenklich. 21 und 2 2 . Thompson: Public Administration.1 3 3 . Boulder Cal. durch Bildung von »Kontaktsystemen« oder durch ein weithin akzeptierbares Arrangement von Mitteln und Kompensationen möglichst viel konkreten Konsens und Kooperation unter den Betroffenen zu erreichen . S. 10. 3 . Simon/Donald W. 11 Besonders in der amerikanischen Literatur über öffentliche Verwaltung wird diese konsensbildende Funkrion sehr betont. insbes. zur Aufnahme vieler Informationen und Nebenziele in den Entscheidungsgang zwingt und die Rationalität der Entscheidung belastet. Herbert A. Kap. 20? . Krankenhäuser. ob sie als Mittel oder als Hindernis der Zweckerreichung in den Blick treten. weil es zu einer erheblichen Einschränkung der Entscheidungsmöglichkeiten der Verwaltung führt. A Study of the Social Origins. 1 3 4 f. 263 ff. Neuere Forschungen in den Entwicklungsländern und in bezug auf typische Dienstleistungsbetriebe (Schulen. B. In zweckgerichteten EntScheidungsprozessen kann deshalb allenfalls versucht werden. S. die für legitimierende Verfahren wesentlich ist. Sie sollen sich mit ihrem Zweck identifizieren. Smithburg/Victor A. oben Teil u. New York 1 9 5 0 . Administrative Science Quarterly 5 (i960). American Sociological Review 31 ( 1 9 6 6 ) . Eisenstadt: Some Sociological Observations on the Response of Israeli Organizations to New Immigrants. 8 1 1 .8 2 2 . »therapeutisch« orientierte Gefäng9 10 11 12 9 Vgl. 1 9 .durch Vorgabe von Zwecken und Begrenzungen der Mittelwahl programmiert. 1 1 3 . auch Elihu Katz/Brenda Danet: Petitions and Appeals: A Study of Officiai-Client Relations. and the Power-position of Higher Fédéral Administrators. Sie setzen sich für ihre Zwecke ein und bewerten die von ihren Entscheidungen Betroffenen unterschiedlich je nachdem. zumindest eine solche Identifikation darstellen. oben S. New York-LpndonSydney 1 9 6 4 . Vgl. Das verpflichtet sie auf ein Vorgehen.

aus der kaum noch übersehbaren organisäiionssoziologischen Literatur über Dienstleistungsbetriebe als typische Beispiele Oscar Grusky: Role Conflict in Organization. Damit wird jedoch auf die Vorteile einer funktionalen Differenzierung von Politik und Verwaltung verzichtet. Ihre Rationalität und Leistungsfähigkeit wird dann zum tragenden Faktor der (politischen) Legitimation des Verwaltungssystems als Ganzes. und die grundsätzlicheren Formulierungen bei Talcott Parsons: Structure and Prpcess in Modern Society. Unter bestimmten gesellschaftlichen Umständen oder bei bestimmten Aufgaben mag dies unerläßlich sein. Administrative Science Quarterly 9 ( 1 9 6 t ) . Rosengren: Communication. wenn ihnen eine Mitverantwortung für die Einstellungen ihres Publikums aufgebürdet wird. unter mehr Alternativen zu wählen und mehr Zweckprogramme in der Verwaltung unterzubringen. Administrative Science Quarterly 9 (1964). weil ihre Arbeitsweise konsequent und funktionsspezifisch auf die Bearbeitung bestimmter Entscheidungsprogramme zugeschnitten werden kann. S. Administrarive Science Quarterly 3 ("959). and Conduct in the -Theräpeutic Milieu«. William R. 13 13 Vgl. In dem Maße. die mit den nötigen finanziellen und kompetenzmäßigen Mitteln ausgestattet und vom Konsens der Betroffenen weitgehend unabhängig ist. S. A Study of Prison Camp Officials.). bei denen Kooperation der Bedienten Erfolgsbedingung ist . wenn die eigentlich politischen Prozesse nicht genügend politische Unterstützung für die Verwaltung beschaffen.nisse. Organization. Glencoe III. so daß diese genötigt ist. Jene höhere Komplexität und Wahlfreiheit in der Verwaltung würde verlorengehen. S. Earl Rubington: Organizational Strains and Key Roles.9 0 . Entwöhnungsheime usw. i960. 7 0 . 4 5 2 . wollte man der Verwaltung die politische Mitverantwortung für die wohlwollende Annahme ihrer Entscheidungen durch das Publikum zuschieben. 350^369. S. daß Organisationen entbürokratisiert werden müssen. haben deutlich gezeigt. die leistungsfähigere sein. als die Politik ihre Funktion erfüllt* kann die Verwaltung von politischer Selbstversorgung mit Konsens entlastet werden. als wenn die Kooperation der jeweils Betroffenen konkret und tauschförmig gesichert werden müßte.4 7 2 . 7 1 ff. Das dürfte besonders dann gelten. selbst politische Funktionen zu erfüllen und sich ein kooperationswilliges Publikum von Fall zu Fall aufzubauen. Im ganzen dürfte die bürokratische Verwaltung. 209 . Sie ermöglicht es.

und Rechnungswesens. Voraussetzungen nachgewiesen werden. Es muß im großen und ganzen genügen. Kassen. Diese Bedingungen können rein interner Art sein. V o r Gericht ist die Situation so strukturiert. daß die eine oder die andere Partei verliert. Die konditional programmierten Entscheidungsprozesse der Verwaltung laufen dagegen im großen und ganzen enttäuschungsfrei ab: Man beantragt seine Rente und erhält seine Rente.Eine ganz andere. sehr viel gerichtsähnlichere Situation ergibt sich bei konditionaler Programmierung der Verwaltungsentscheidungen. das Verfahren auf Enttäuschungsverarbeitung und Lernen zuzuschneiden. ob die vorprogrammierten Voraussetzungen für eine bestimmte Entscheidung gegeben sind. Bei dieser Sachlage hat es keinen Sinn. sondern er prüft lediglich. etwa Regeln des Haushalts-. wenn das Enttäuschungsproblem akut wird. also erst dann legitimierende Mechanismen einzuschalten. sei es. daß in jedem Verfahren eine Enttäuschung fällig ist. die durch Entscheidungsprogramm eine Art Auslöse-Funktion erhalten. So ist zum Beispiel die Verteilung staatlicher Leistungen weithin konditional programmiert: Immer. für den Fall von Enttäuschungen ein gerichtliches oder doch gerichtsähnliches Verfahren zur Verfügung zu stellen. Hier ist die Verwaltung gebunden. und es ist generell nicht voraussehbar. muß ein entsprechender Leistungsbescheid erteilt werden. Anträge gestellt. Er kann sich dank dieser Verantwortungsentlastung sachlich und neutral verhalten. 210 . welche Verfahren zu Ablehnungen und Enttäuschungen führen. sei es. er hat kein Engagement in die Zukunft zu vertreten. daß beide nachgeben und sich einigen. in bestimmtem Sinne zu entscheiden. Sie können sich aber auch auf Informationen aus der Umwelt des Verwaltungssystems beziehen. alle Verfahren mit konditional programmierten Entscheidungen von vornherein unter der Fiktion eines Dissenses anlaufen zu lassen. wenn näher bezeichnete Tatbestände vorliegen. Und doch besteht ein wesentlicher Unterschied zum gerichtlichen Verfahren. Unter diesen Umständen lohnt es sich. Damit sind gewisse Grundlagen für legitimierende Verfahren gegeben: Der Entscheidende hat nicht die Verantwortung für das Erreichen bestimmter Zwecke. wenn die im Programm spezifizierten Be^ dingungen vorliegen.

2 7 7 ( 2 7 6 ) . Die Belastung liegt im Erfordernis der Anwesenheit mit einer unvermeidlich hohen Rate von Inaktivität und in der zeitlichen Synchronisierung des Verhaltens der Beteiligten. O. vgl. a. In der Begründung wird das Gebot der Mündlichkeit lediglich auf das Erfordernis umfassender Anhörung gestützt. weil sie viel zu zeitaufwendig ist. Berlin 1 9 6 7 . die in zahlreichen Verwaltungsverfahrensgesetzen vorgeschrieben ist und auch der Musterentwurf eines Verwaltungsgesetzes 1963 §§ 53 und 54 für »förmliche Verwaltungsverfahren« vorsieht . daß in einem politischen System. wenn die Teilnehmer von Ver14 15 14 Siehe z. also einer individuell verschiedenen Zeitplanung eingepaßt werden können. ist für die meisten Entscheidungsprozesse der Verwaltung schon deshalb inopportun. als ob diese nicht auch schriftlich oder für einzelne Beteiligte getrennt erfolgen könnte.): Vcrwaltungsverfahrensgesetze des Auslandes. der nicht für alle Beteiligten arbeitsgünstig liegen kann. Vgl. der Konsensbeschaffung und Enttäuschungsbewältigung aufgetragen werden sollten. Bonn i960.. S: Z 1 4 ff. der ausführenden Verwaltung nicht zugleich Funktionen der Legitimation. a. erfordern mündliche Verhandlungen einen gemeinsamen Termin. ohne daß ihre Vereinbarkeit mit den verwaltungsinte. Diese Belastung wirkt sich besonders dann aus.rnen Koordinationsproblemen überprüft wurde. B. Das gilt nicht so sehr für die Dauer des einzelnen Verfahrens. nämlich des Gebotes mündlicher Verhandlung. den Überblick über ausländische Regelungen in: Carl Hermann Ule (Hrsg. Skeptisch äußert sich Jakob Kratzer: Zum Musterentwurf eines Verwaltungsverfahrensgesetzes.Damit verdichtet sich die Vermutung. zu ff. denen man am ehesten eine legitimierende Funktion zuschreiben könnte. S. das Sachverzeichnis unter »mündliche Verhandlung«. Offensichtlich wurde die Vorstellung dem Gerichtsverfahren entlehnt. weil das ihre Entscheidungsprozesse mit Nebenfunktionen belasten und ihre Rationalisierung erschweren würde. Abschließend soll diese Auffassung durch Prüfung derjenigen Rechtseinrichtungen der Verwaltung erhärtet werden. das durch eine mündliche Verhandlung aller Beteiligten sogar beschleunigt werden kann. Während schriftliche Äußerungen lagerfähig sind. S. des Rechtes auf Anhörung und des Gebotes der Begründung von Verwaltungsentscheidungen. 211 . 15 Vgl. Eine mündliche Verhandlung. das seine Teilsysteme nach Funktionen differenziert und spezifiziert.. 2 7 3 . Bayerische Verwaltungsblätter 1 0 ( 1 9 6 4 ) . 33 f. auch den Bericht der Sachverständigenkommission für die Vereinfachung der Verwaltung beim Bundesministerium des Innern.

über die trotz »mündlicher Verhandlung« nicht mündlich verhandelt werden kann. wird diese Voraussetzung irreal. Eine mündliche Verhandlung setzt eine institutionelle Konzentration aller Entsdieidurigsleistungen an einer Stelle voraus. Diss. besonders wenn er sieht. gegen Abwesende zu verhandeln. das einen einfachen hierarchischen Aufbau und auf der horizontalen Ebene eine Mehrzahl von nebeneinander arbeitenden. Die Belastung wächst ferner mit der Zahl der Beteiligten. Riegert: Das amerikanische Administrative Law: Eine Darstellung für deutsche Juristen. daß der mündliche Vortrag folgenlos bleibt oder daß unhandliche Mengen von Protokollen angefertigt werden. die er braucht. kann nicht zur mündlichen Verhandlung erscheinen . 74 f. die durch eine Stelle vorgenommen wird. 17 Ähnliche Probleme ergeben sich übrigens im: Verwaltungsgerichtsverfahren. der die verwaltungsinterne Entscheidungsgeschichte den Akten entnimmt. 16 17 16 Zu den Schwierigkeiten. Würzburg 1 9 6 5 . vgl. Die Gefahr ist dann groß. als die hierarchische und funktionale Differenzierung des EntScheidungsprozesses in Teilentscheidungen verschiedener Stellen fortschreitet und die Interdependenz der einzelnen Beiträge steigt. Der wahrhaft Entscheidende. wie der Verfasser mehrfach erlebr hat. Einen Überblick über die Rechtsformen des Zusammenwirkens in der deutschen Verwaltung. S. Berlin 1 9 6 7 . die allein gar nicht zur Entscheidung befugt ist . zu verklagende Behörde »den Staat« vertreten. die im amerikanischen Verwaltungsrecht aus der Regel »He who decides must hear« entstanden sind und praktisch zu ihrer Aufgabe geführt haben. w i e etwa in gesetzgebenden Körperschaften. Das entspricht dem klassischen Verwaltungsbild.fahren zu Verfahren wechseln und nicht. Hält man dann noch am Prinzip der mündlichen Verhandlung fest. In dem Maße. eine Vielzahl verschiedener Verfahren in einer Sitzung abgehandelt werden kann. im normalen Geschäftsgang voneinander unabhängigen Verwaltungsämtern vorsah. der ähnliche Fragen aufwirfr. Der Richter. vermittelt Eberhard Klingler: Rat und Beratung in der deutschen öffentlichen Verwaltung. welche die Entscheidung in den umstrittenen Hinsichten festgelegt hatte. Dort muß stets eine bestimmte. In solchen Fällen können sich. obwohl sie vielleicht gar nicht diejenige ist. muß diese zu einer Protokollierung von Stellungnahmen entarten. nicht findet. Robert A. wird dann nicht selten das Gefühl haben. Auch die amerikanischen Erfahrungen sprechen. daß der vor ihm stehende Prozeßvertreter oder seine Behörde in den Vorverhandlungen eine andere Linie vertreten hatten. in denen der am Verfahren später Beteiligte die wenigen Angaben. das »Kommunikationsnetz«. Verständigungen anbahnen. 2 12 .

a.wenn sie auch im einzelnen nicht vergleichbar sind. der allerdings dem förmlichen Verfahren trotz seiher Seltenheit wesentliche Bedeutung beimißt als Möglichkeit. die § 21 des Musterentwurfs eines Verwaltungsverfahrensgesetzes ( a . Gäfgen.. S. a . alle anderen Anspruchs- 213 . und Riegert. sich um Entscheidungsmodelle zu bemühen. sie muß immer unter der Bedingung partieller Ungewißheit entscheiden. Behavioral Science 7 ( 1 9 6 2 ) . 4 S 9 . Der Baden-Württembergische Verwaltungsgerichtshof konzediert in seinem Urteil vom 9. 21 In den Wirtschaftswissenschaften beginnt man denn auch seit einiger Zeit. aus Gründen der Wirtschaftlichkeit davon absehen könne.4 4 . Amount of PayofT. 19 Siehe dazu Hans-Günther König: Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs im verwaltungsbehördlichen Verfahren. O. B. Siehe z. Kanäreff: Information Cost. S. die das Weitersuchen nach Informationen an einem optimalen Punkte beenden. S. . S. Berkeley-Los Angeles 1 9 6 3 . daß die Verwaltung. die als Sollvorschrift abgeschwächte. ob sie vorhanden sind. und Carl H. The Infcrmal Process. Ule/Franz Becker: Verwaltungsverfahren im Rechtsstaat. 1967. S. 65 f.103 f. mit Ausnahmen gespickte Regelung. 40 ff.1 9 6 . In: Studien über Recht und Verwaltung. 207 ff. zi.bereits. 1 9 6 3 . a. 20 Vgl. S.. Ein Recht der Betroffenen auf Anhörung im Verwaltungsverfahren würde diesen Informationsbedarf unterstreichen und von Willen und Einsicht der Verwaltung unabhängig stellen. . oder G. O . Siehe auch Elmar Breuckmann: Grundzüge des Federal Administrative Procedure Act. gegen eine Anwendung gerichtsähnlicher mündlicher Verhandlungen im Verwaltungsverfahren . S. sondern auch. in dem 18 19 0 21 18 Vgl... Andererseits zögert die Praxis nicht ohne verständlichen Grund. die im Hintergrund bleibt.. John T. 2 4 . wenn sie einen Ablehnungsgrund hat. S. mit weiteren Hinweisen.4 7 3 . Franz Becker: Das Recht auf Gehör im deutschen und französischen Verwaltungsrecht. a . .. ein solches Recht vorbehaltlos zu konzedieren? . Ule in: Recht im Wandel a.Die öffentliche Verwaltung 17 (1964). 40 f.) vorschlägt. S. sondern die Kosten der InformationsbeschafFung gegenrechnen. 1 2 3 ff. Auf Informationen aus dem Publikum bleibt die Verwaltung angewiesen. weil mehr Informationen nicht vorhanden sind. 1 8 9 . Diss. Selbstverständlich dürfen die informativen Beziehungen zwischen Verwaltung und Publikum nicht zu stark zurückgeschnitten werden. Mainz 1 9 6 2 . Kritisch dazu Carl H. insbes. O . S. and Level of Aspiration as Determinants in Decision Making. die nicht mehr von vollständiger Information ausgehen. weil das Bemühen um ihre Beschaffung oder um Klärung der Frage. zur Notwendigkeit von »Stoppregeln*. noff. a. Peter Woll: Administrative Law. zu aufwendig w ä r e . Das Ausmaß. Die Verwaltung kann ohnehin nie »vollständige« Information erreichen. O. 1 0 . Köln-Berlin 1964. Lahzetta/Vera T. a . Köln-Berlin-Bonn-München. Auch die Rechtswissenschaft wird sich mit diesem Gedanken befreunden müssen. und zwar nicht nur. Deutsches Verwaltungsblatt 7 4 ( 1 9 J 9 ) .

Vgl. eingehen.. müßte ihm zum Beispiel Kompensation anbieten. 22 Vgl. daß solche Begründungen dem Zwecke dienen. wie er die Entscheidung in seine Lebenssituation einbauen kann. sie wird indes nicht ernsthaft als Mittel zu diesem Zweck aufgefaßt und darauf zugeschnitten. die heute im Prinzip durchweg bejaht w i r d . O. Das kann nicht geschehen und geschieht nicht einmal ini gerichtlichen Verfahren. Einen letzten Anhaltspunkt für vermeintlich legitimierende Funktionen des Verwaltungsverfahrens bietet die Pflicht zur Begründung schriftlich erlassener Verwaltungsakte. Im Augenblick ist dies freilich reine Theorie. 214 . 44 ff. wollte sie versuchen. ihr ein Recht auf Anhörung entgegenzusetzen mit Ausnahmen für Fälle. wäre danach Sache ihres eigenen Kalküls. Der politischen Philosophie sind solche Notwendigkeiten.. a. 6 9 ff. Arbeitskraft. in das nicht nur die Relevanzkriterien der Programme. Die Grenzen sinnvoller Informationsbeschaffung können nur durch verwaltungsinterne Kalkulation ermittelt werden. S. S. den Betroffenen persönlich zu überzeugen. sich Informationen zu verschaffen. vorgesehene Regelung und dazu Ule/Becker. Sie müßte eine ganz andere Sprache wählen. Geld usw. Diesen Effekt kann die Begründung im Einzelfall zweifellos haben. Man könnte vermuten. sondern auch Fragen des Aufwandes an Zeit.es rational ist. die eindeutig jenseits der Wirtschaftlichkeitsgrenze liegen. daß die Begründung einer Streitent22 voraussetzungen zu prüfen. Schon die Tatsache. O. Solange die Verwaltung die R a tionalität eines Verzichts auf weitere Informationen nicht eindeutig belegen kann. a. da es für praktische Verwaltungssitüationen noch keine Entscheidungsmodelle gibt. für den Standpunkt der Verwaltung zu werben und den Betroffenen von der Richtigkeit der Entscheidung zu überzeugen. müßte ihm zeigen. die in § 30 des Musterentwurfs a. a. 1 1 8 . ohnehin vertraut. Studien Joachim Ritter zum 60. In: Collegium Philosophicum. und für all das wäre eine Fülle zusätzlicher Informationen im vorbereitenden Entscheidungsgang zu beschaffen und zu bearbeiten. fehlende Information zu überspringen. a. Basel-Stuttgart 1 9 6 $ . mag es sinnvoll sein. O. nach denen sich Informationsbeschaffung nach Aufwand und Ertrag kalkulieren ließen. Geburtstag. die Entscheidung also durch Konsens zu legitimieren. und Ule. a. S.1 4 0 . ( 1 9 6 $ ) . Hermann Lübbe: Zur Theorie der Entscheidung.

1 4 s . a. Die Begründungspflicht und die Begründungspraxis in der Verwaltung kann nach all dem kaum als Beleg dafür dienen. ( 4 4 ) .und von dort in die Begründung des Musterentwurfs eines Verwaltungsverfahrensgesetzes . zeigt. zuzuschieben. Die Begründung legt die Linien der Argumentation fest. Sie zwingt den Erläuternden fast automatisch. daß sie nicht darauf spezialisiert werden kann. i. 215 . dem Finanzministerium etc. Diese Erwägungen legen den Vorschlag nahe. a. um so ein Höchstmaß an Verständnis zu erreichen. die die Verwaltung in einem etwaigen Gerichtsverfahren vertreten wird. S. die Verwaltung 23 24 23 Gelegentlich kann man in der Verwaltungspraxis beobachten. Konsens zu erreichen . So wird denn auch die Begründung in der Praxis von Juristen für Juristen geschrieben. unbürokratische Beziehungen an den Grenzen der Verwalrung angewiesen und eignet sich daher kaum zur Legitimation des Rechts. partikulare.in die Begründung des Gutachtens der Sachverständigenkommission beim Bundesinnenministerium .etwa Zeitersparnis und Entscheidungsbeschleunigung oder juristische Exaktheit und Unangreifbarkeit der Darstellung . und gibt dem Betroffenen so eine Grundlage für seine Entscheidung der Frage. sein künftiges Wohlwollen oder ähnliches als Werbemittel einzusetzen und die »Schuld« an der Entscheidung anderen. daß der Empfänger sie oft allein nicht verstehen und nur mit Hilfe von Sachverständigen enträtseln kann. nämlich die eines Verbindungsgliedes zur anschließenden verwaltungsgerichtlidien Kontrolle. . Die Problematik dieser Praxis liegt auf der Hand. O. 207 f. etwa dem Gesetz. Die Funktion der Begründung ist eine andere.Scheidung für Gewinner und Verlierer gleichlautend geschrieben wird. Die Uberzeugungskraft der Begründung ist unter diesen Umständen allenfalls ein Zweitziel. belastende Entscheidungen neben der Begründung zusätzlich erläutert v/erden. sei es mündlich. I Q J 7 . für die vorgesetzte Behörde oder für das Gericht. das im Konflikt mit anderen Zielen . daß im Verwaltungsverfahren in nennenswertem Umfange legitimierende Funktionen erfüllt werden. und sie wird in dem Bemühen um Richtigkeit und Fehlerfreiheit so verschlüsselt.a. Konsenssuche dieser Art ist typisch auf kurzgeschlossene. O-.a.laufend zurückgestellt wird. sich von seiner Entscheidung zu distanzieren und seinen persönlichen Stil. der Zentralbehörde. Es ist aus der Begründung der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 1 6 .BVerfGE 6. sei es durch Referentenbrief.. ob er anfechten w i l l oder nicht . Allerdings setzt dieser Gedanke das an sich zulässige »Nachschieben« neuer Begründungen im Prozeß in ein fragwürdiges Licht. S. 24 Dieses Argument hat im übrigen bei der Begründung der Begründungspflicht eine wichtige Rolle gespielt. yi ff. daß ablehnende. S.gelangt und scheint vor allem Praktiker zu überzeugen.

6 0 3 . Die Demokratisierung der Politik als eines Systems der Sicherstellung politischer Unterstützung für legitime Macht auf der einen Seite. wäre Platz für ein hochkomplexes rationales System der Ausarbeitung konsistenter Entscheidungen. S. a. O. politische Unterstützung oder Kooperationswilligkeit der Betroffenen belastet zu werden braucht. von Verwaltung und Verwaltungsgerichtsbarkeit andererseits.und damit auch die Verwaltungsverfahren von legitimierenden Funktionen weitgehend zu entlasten und die Verwaltungsarbeit funktional spezifisch auf die Ausarbeitung konsistenter Entscheidungen unter Reduktion möglichst hoher Komplexität zu konzentrieren . sind institutionelle Errungenschaften. a. insbes. 2l6 . 25 Die Verwaltung sollte unter diesen Umständen ihre Verfahren nicht als Institution zur Entlastung der Verwaltungsgerichtsbarkeit ansehen und auch nicht mit dieser Nebenfunktion belastet werden.1 8 2 (168 ff. S. daß für bestimmte Arten von Entscheidungsprozessen. Das entspricht einer scharfen Trennung von Politik und Verwaltung als verschiedenen Teilsystemen der politischen Ordnung einerseits. Ule: Verwaltungsverfahren und Verwaltungsgerichtsbarkeit. Dann legt nämlich die Gleichheit der Funktion ein Verhältnis wechselseitiger Entlastung von Verwaltungsverfahren und Verwaltungsgerichtsvcrfahren nahe.). das nun nicht nochmals selbst mit Sorge um Legitimität. Deutsches Verwaltungsblatt 7 2 (19S7). und durch sie getragen. nämlich durch Verbreitung eines symbolisch vermittelten Konsenses für das politische System und seine jeweilige Regierung auf der einen Seite und durch expressive Isolierung von Protesten auf der anderen. Siehe etwa Carl H.. 1 1 8 . oder Becker. 37 ff. S. die voll ausgebaute Gerichtsbarkeit in öffentlich-rechtlichen Streitigkeiten auf der anderen Seite. wer das Verwaltungsverfahren primär unter dem Aspekt einer Rcchtsschulzfunktion sieht. aber eine hohe Legitimität der staatlichen Entscheidungstätigkeit gewährleisten können. die durch ihren Verfahrensstil zwar in ihrem Potential für Komplexität begrenzt sind. Veröffentlichungen der Vereinigung der Deutschen Staatsrechcslehrer 1 7 ( 1 9 5 9 ) . Bettermann: Das Verwaltungsverfahren. Zwischen diesen Institutionen. 5 9 7 . Dagegen namentlich Karl A. und diese Entlastung kann nur bei einer gewissen Ähnlichkeit der Verfahren konzediert werden. in denen auf eine funktional differenzierte Kooperation bei der Entscheidüngs25 Zu einer anderen Auffassung muß kommen. Diese Normalregelung braucht nicht auszuschließen. Dieses Beispiel zeigt zugleich die möglichen praktischen Konsequenzen der Wahl des funktionalen Bezugsproblems einer Verfahrenstheorie auf.

worin der besondere Sinn dieser Verfahrensart im Unterschied zu anderen zu sehen sei und nach welchen funktionalen Kriterien die für sie geltenden Bestimmungen ausgewählt worden sind. 217 . Vielleicht ist es möglich. der den Entwurf erarbeitet hat. O-. a. in Deutschland mehr auf Schutz gegen Politik ankam. Die Situation hat sich jedoch gegenüber jener Ausgangslage durch die zunehmende Komplexi26 26 Ein »förmliches Verwaltungsverfahren« ist als eine besondere Verfahrensart im Musterentwurf eines Verwaltungsverfahrensgesetzes { 1 9 6 3 ) . Auch in der Verwaltung kann. sondern sie müßte als Randerscheinung angesehen werden und Ausnahme bleiben. wobei es in den Vereinigten Staaten mehr auf Schutz gegen Bürokratie. S. Erst recht böte sie in dieser Beschränkung auf untypische. Anscheinend ist der Ausschuß. Konsens oder doch eine Festlegung der Positionen und expressiven Isolierung der Betroffenen zu erreichen. die in ihrem Sinn und in ihrer Funktion jedenfalls im deutschen Recht noch recht undeutliche Kategorie des »förmlichen Verfahrens« für diesen Zweck zu reservieren . Geschichtlich gesehen sind bürokratische Verwaltungen zwar in einem Prozeß der Ausdifferenzierung aus der Rechtspflege entstanden. Besonders im amerikanischen Bereich ist diese Tradition noch durchaus lebendig und färbt die Vorbehalte gegenüber reiner Bürokratie in Verwaltung und Justiz viel stärker als die Bedenken gegen unsachlich-politische Einflüsse. und sie könnte auch nicht als Vorbild des eigentlichen Verwaltungsverfahrens gelten. Auch dort hat. eine andere Lösung gesucht und ein besonderer Verfahrenstyp bereitgestellt wird. Diese Verfahrensart könnte dann allerdings nicht die Funktion eines letzten Mittels der Betroffenen haben. wie es angesichts eines lückenhaften Rechtsschutzes in den Vereinigten Staaten der Fall ist.) erkennbar würde. § § 49 ff-. das lediglich aus praktischen Erwägungen nicht überall zum Zuge kommen kann. für geeignete Fälle ein Verfahren mit legitimierenden Funktionen vorgesehen werden. mit anderen Worten. ohne daß aus der beigegebenen Begründung (a. vorgesehen.findung verzichtet werden kann und es andererseits sehr darauf ankommt. ebenso wie in Deutschland. das Gerichtsverfahren als Modell des Verwaltungsverfahrens gedient. 207 ff. daß es solche förmlichen Verfahren schon gebe und daher auch geben müsse. davon ausgegangen. besonders enttäuschungsanfällige EntScheidungsprozesse keine wirksame Garantie der »Rechtsstaatlichkeit« der Verwaltungspraxis.

um diesen Leistungsdruck abzufangen. Entlastung vor allem von Funktionen der Konsensbeschaffung und der Legitimierung des Entscheidens. Rationalisierung heißt immer: funktionsspezifische Orientierung. Verwaltungsentscheidungen müssen rationalisiert werden. die in einer Zivilisationsgesellschaft erwartet werden muß und die seine Legitimität trägt. Nur wenn das politisch-administrative System des Staates insgesamt ein hinreichendes Maß funktioneller Differenzierung entwickelt. 218 . Funktionsspezifische Orientierung erfordert aber Entlastung von anderen Funktionen.t a t und Rationalisierungsbedürftigkeit der Verwaltung. durch die Demokratisierung der Politik und besonders in der Bundesrepublik durch einen Vollausbau der Verwaltungsgerichtsbarkeit grundlegend geändert. kann es jene innere Komplexität erreichen. Der organisatorische Engpaß liegt jetzt in der Leistungsfähigkeit der Verwaltung.

V. Folgerungen und Erweiterungen .

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4 . Jerome H. Neuwied-Berlin 1964. So viel sollte aus den bisherigen Überlegungen trotz all ihrer Vorläufigkeit deutlich geworden sein. 2 Davon kann ein Blick in die von Paul Trappe zusammengestellte Bibliographie der Rechtssoziologie überzeugen in: Theodor Geiger: Vorstudien zu einer Soziologie des Rechts. S.3 2 5 . O. zumindest bei Geiger selbst Ansätze zu einer tatsächlich soziologischen Rechtssoziologie zu erkennen (a. Law and Society (Supplement to Social Problems 1 9 6 5 ) . 586-594. aus der rechtsphilosophischen und rechtsiheorecischen Diskussion und nicht aus der soziologischen Theorie seiner Zeit. 3 1 5 . Das mag für seinen methodenbewußten Empirismus zurreffen. sofern sie nicht mit Rücksicht auf die Reichweite empirischer Methoden auf Fragen der Berufseinstellungen. Trappe meint zwar. Vgl. S. und das systemtheoretische Instrumentarium der allgemeinen Soziologie kann benutzt werden. Karrieren und Entscheidungsweisen von Juristen zurückgeschnitten wird . den Problemstellungen der Rechtswissenschaft verhaftet geblieben .: Norms. auf die er zu antworten sucht. The Problem of Definition and Classification. S. 4 2 1 ff. The American Journal of Sociology 70 ( 1 9 6 5 ) . Er hält es sogar für »ziemlich belanglos. Gibbs: The Sociology of Law and Normative Phenomena. 221 . Skolnick: The Sociology of Law in America. Inzwischen ist jedodi die Theorieentwicklung in den Sozialwissenschaften so weit fortgeschritten. C . S. 1 3 ) . daß Brücken gebaut werden können.Das Thema Legitimation durch Verfahren läßt sich mit den begrifflichen und methodischen Hilfsmitteln der neueren Sozialpsychologie und Soziologie behandeln. Jack P.. S. Aber auch Geiger bezieht die Fragen. a. Mit einer Einleitung und internationalen Bibliographie zur Rechtssoziologie. Das ist kein Zufall. S. a. American Sociological Review 3 1 (1966). Unsere Untersuchungen würden sich demnach dem Fachbereich der Rechtssoziologie einzuordnen haben. das unter dieser Fachbezeichnung publiziert worden ist. offene Probleme der Rechtswissenschaft mit nichtjuristischen Methoden zu lösen. Recht kann als Struktur sozialer Systeme begriffen werden. In ihrer heutigen Gestalt ist die Rechtssoziologie. gleichsam als ein Versuch. 3 9 ) . Gleichwohl haben sie wenig Kontakt gefunden mit dem Gedankengut. Siehe auch ders. ob man meine Arbeit als Beitrag zur allgemeinen Rechtstheorie oder zur RechtssQziologie betrachten will(a. Overview and Trends. um rechtssoziologische Forschungen zu befruch1 2 1 Diese in den Vereinigten Staaten vorherrschende Tendenz beginnt man selbst dort zu beklagen.3 9 .

daß Strukturen gegen Enttäuschungen abgesichert werden müssen. einem zunächst »unwahrscheinlichen« Anwendungsfall der Systemtheorie. die Einsicht. läßt sich das zeigen. Über den Systembegriff hinaus bietet die heutige soziologische Diskussion zahlreiche weitere Anknüpfungspunkte für unser Thema. 222 . die Theorie der funktionalen Differenzierung und ihrer Folgeprobleme sowie gewisse Anhaltspunkte für eine zunehmende Trennung sozialer und personaler Systeme dienen uns als Leitfaden. Einige von ihnen sollen zum Abschluß herausgegriffen und kurz skizziert werden. Auf diese Weise läßt sich zugleich die zentrale Bedeutung einer Legitimation durch Verfahren für die moderne Industriegesellschaft belegen.ten. D i e Unterscheidung von expressiven und instrumenteilen Variablen. Am Beispiel des Verfahrens.

Mit Hilfe dieser Unterscheidung läßt sich erläutern. unabhängig von dem sozialen Kontext. Natürlich wird nicht bestritten. richtiger Entscheidungen . Instrumentelle und expressive Variable Zu den auffallendsten Kennzeichen der neueren soziologischen Theorie gehören deutliche Vorbehalte gegenüber dem Zweckbegriff. den sie im Rahmen älterer Handlungswissenschaften besessen hatte. daß im Verfahren nicht Zweckprogramme. daß es Zwecke gibt. welcher Programmtyp im Verfahren Verwendung findet. ist die Unterscheidung instrumenteller und expressiver Variablen. noch ist es möglich anzugeben. Zweckorientierung muß heute als eine Variable angesehen werden. 2 Wenn hier von Zweck des Verfahrens und im folgenden von instrumentellen Variablen oder Bedürfnissen im Hinblick auf diesen Zweck gesprochen wird. Weder ist nämlich klar. sondern Rechtsschutz oder auch Anfertigung verbindlicher. aber die Kategorie des Zwecks wird ihres grundbegrifflichen Status entkleidet. Soziale Systeme können ihren Sinn und ihren Umweltbezug mehr oder weniger weitgehend auf spezifische Zwecke konzentrieren. Eine der Fassungen. der die Bereitschaft zur Hinnahme der Entscheidung trägt. daß und weshalb auch bei Verfahren der Sinn des Handelns sich nicht vollständig in einer Zweckformel einfangen läßt. an welchen spezifischen Wirkungen dieser Erfolg kontrolliert werden 1 2 1 Hierzu näher Nikas Luhmann: Zweckbegriff und Systemrationaiitär. so befinden wir uns damit auf einer anderen formalen Sinnebene als bei der Frage. Dieser Zweck soll erreicht und am Erfolg kontrolliert werden. müssen aber immer auch Funktionen erfüllen. 2 2 3 . Die These einer instrumenteilen Orientierung des Verfahrens widerspricht also nicht der oben erörterten. Er wird nach Möglichkeit operational definiert. Als Zweck eines Verfahrens wird im allgemeinen nicht Legitimation angegeben. die durch Zweckerreichung allein nicht sichergestellt werden können . ob und wieweit Legitimation überhaupt durch einzelne Verfahren erreicht werden kann.i. die diese Einsicht erhalten hat. sondern Konditionalprogramme als Entscheidungsprämissen benützt werden. Die Legitimation der Entscheidung könnte nicht in gleichem Sinn Zweck des Verfahrens werden. Tübingen 1968.

Thibaut/Harold H. S.1 6 1 . S. die zunächst in der Gruppentheorie gefunden wurde.5 9 . S. Attitudes. 2 1 4 ff. das als Herbeiführung einer bestimmten Zukunft nicht ausreichend begriffen werden kann. Instrumentelle Variable sind 3 3 Vgl. Peter J. heute aber darüber hinaus für die allgemeine Theorie des sozialen Systems wachsende Bedeutung gewinnt . Sociometry 30 (1967). John W. 91 f. S. New York 1 9 6 t . und für die Einbeziehung in eine allgemeine Theorie des Handlungssystems bzw. and Their Correlates. Involvement. 3 7 9 . insbes. Bales: Task Status and Likeability as a Function of Talking and Listening in Decision Making Groups. 688-698. S. Bales: Interaction Process Analysis. Dem entspricht unser Befund: daß die Funktion der Legitimation nicht durch Wahl geeigneter Mittel für einen vorgestellten. sondern durch sehr oft latent bleibende Aspekte des sozialen Verhaltens. Philip M. für die politische Soziologie siehe Ulf Himmelstrand: Social Pressures. Philip E. Stockholm i960. Als Auswertungen auf dem Gebiete der Organisationssoziologie vgl. Burke: The Development of Task and Socio-Emotional Role Differentiation. S. durch symbolisch-expressives Handeln. für die weitere gruppentheoretische Entwicklung etwa Robert F. American Sociological Review 20 ( 9 5 S ) . 278 ff.könnte. Cambridge/Mass. In: Leonard D. Slater: Role Differentiation'in Small Groups. die Nichtbeteiligten durch dramatische Darstellung des Verfahrens in seinen Sinn einbezieht und sie alle den Reduktionsprozeß aktiv oder symbolisch vermittelt mit vollziehen läßt. die während des Verfahrensablaufs mit erfüllt werden muß. White (Hrsg. The American Journal of Sociology 66 (i960). Barry E. Offenbar hat hier die Gegenwärtigkeit des Geschehens ein Eigenrecht. ders. Collins/Harold Guetzkow: A Social Psychology of Group Processes for Decision-Making. die aber nicht als ein Programm formuliert werden kann. das die Auswahl spezifischer Mittel leitet. sondern um eine Funktion. On Power. Kelley: The Social Psychology of Groups.3 9 2 . New York 1 9 5 9 .: Dual Leadership in Complex Organization.3 1 0 . in der Ferne liegenden Zweck erfüllt wird. und passim. Chicago 1 9 5 6 . des sozialen Systems Talcott Parsons/Robert r 224 . 5 4 . A Method for the Study of Small Groups. das die Beteiligten in implizierte Rollen.. New York-London-Sydney 1 9 6 4 .): The State of the Social Sciences. etwa Amitai Etzioni: A Comparative Analysis of Complex Organizations. Es handelt sich nicht um ein Operationales Ziel. S. S. 1 4 8 . American Sociological Review 3 0 (1965). Marcus: Expressive and Instrumental Groups. sollen auf die Dauer gesehen schwerwiegende politische Störungen der Gesellschaft vermieden werden. Diese Überlegung führt in die Nähe der begrifflichen Unterscheidung instrumenteller und expressiver Variabler. and Democratic Processes. 1 9 5 1 . 3 0 0 . Toward a Theory of Group Structure. als Ausgangspunkt Robert F..

): Sociology Today. 4 0 0 . 4 1 . Administrative Science Quarterly j ( i 9 6 0 ) . Gouldner: Organizational Analysis. ¿25 . Talcott Parsons/Roberr F. S. Dadurch entstand der Eindruck. die ihren Sinn aus der Erfüllung fernliegender Zwecke gewinnen und im Hinblick darauf variierbar sind. Zuvor muß allerdings die Unterscheidung von instrumenteilen und expressiven Variablen überarbeitet und gegen eine verbreitete Fehldeutung abgesichert werden. In: Merton u. während die symbolisch-verstrickenden Wirkungen des Verfahrens nur über expressives Handeln zustande kommen können. daß die Bestandsprobleme mithin primär solche der sozio-emotionalen Mitgliedermotivation seien. New York 1964. Bales/Edward A. die durch Handeln unmittelbar befriedigt werden. Bales: Family. Socialization. (Hrsg. New York 1 9 S 9 . a. expressiv (oder konsumatorisch) sind Bedürfnisse. in: Carl J. In: Robert K. S. 5 Besonders seit Kenneth D. S. Glencoe III. Die Kleingruppenforschung hatte nämlich dieser Unterscheidung eine ganz bestimmte Interpretation gegeben.4 2 8 . The Journal of Social Issues 4 (1948).. beide Unterscheidungen kongruent zu setzen. S. a. A Cnrique and a Suggestion. und ferner die zur Definition der Systemprobleme verwendete Unterscheidung von instrumentellen und konsumatorischen Bedürfnissen bei Talcott Parsons: General Theory in Sociology. diese Unterscheidung zu benutzen. 1 2 6 . O. Friedrich (Hrsg. 3 .). 1 9 5 3 . Amitai Etzioni: Two Approaches to Organizational Analysis. J r . Denn offensichtlich setzte das Finden einer richtigen Entscheidung instrumenteile Kalkulation voraus . so daß eine Änderung des Handelns eine Änderung des Bedürfnisses voraussetzt.abgeleitete Bedürfnisse. auch Alvin W. Cottrell. indem sie parallel dazu eine andere Unterscheidung von Zweckerfüllung und Bestandserhaltung benutzte und dahin tendierte. Zur Anwendung in der Orgamsationssoziolögie vgl. Shils: Working Papers in the Theory of Actions.. um das Verhältnis von Entscheidungsfindung und Legitimation im V e r fahren zu interpretieren und zugleich dieses besondere Problem in den Zusammenhang einer allgemeinen Theorie des sozialen Systems einzufügen. Merton/Leonard Broom/Leonard S. Glencoe III.1 4 4 . während die 4 5 F. a. S. and Interaction Process.5 8 US. 1 9 J J .): Rational Decision (Nomos vn).2 7 8 .4 9 . daß die expressive Funktion im Gegensatz zur Zweckerfüllung der Bestandserhaltung dient. Es drängt sich auf. 4 Das betont als Grundgedanken richterlicher Rationalität John Ladd: The Place of Practical Reason in Judicial Decision. 2 5 7 . Benne/Paul Sheats: Functional Roles of Group Members.

Vgl. S. instrumentell zu orientieren beginnen. 1 9 6 1 . A Study in Bureaucratic Nationalism. 7 Diese relative Variabilität stellt auch David Apter als Merkmal instrumenteller Werte im Unterschied zu konsumatorischen Werten heraus. also im Hinblick auf Zwecke. Zwecke dienen dazu. Handlung und Wünscherfüllung hängen nicht mehr kompakt zusammen. Solche Substitutionsprozesse liegen aller Rationalisierung des Handelns zugrunde. Köln-Berlin 1 9 6 4 . die instrumenteile wie die expressive.Zweckerfüllung für die Bestandserhaltung irrelevant sei. 8 3 ff. Durch solch ein zeitliches Auseinanderziehen von Ursachen und Wirkungen lassen sich Möglichkeiten funktionaler Spezifikation und abstrakt orientierter Variation des Handelns gewinnen. S. Studienausgabe. In Wirklichkeit geht der Unterschied auf ein Zeitproblem zurück .3 6 3 ( 3 Z 4 ) . Das ist natürlich falsch. deren Lösung nicht mit vertagt werden kann. 1 9 6 t . Englewood ClifTs N . sachlich und nicht zeitlich orientiert: zweckrational bedeutet Bestimmung und Rechtfertigung durch etwas anderes. Vielmehr können bestimmte Fernzwecke gesetzt und dann unter mehreren alternativ geeigneten Mitteln die besten gewählt. Beide Funktionen. B. ausfallende Mittel durch andere ersetzt und gegebenenfalls auch die Zwecke im Hinblick auf die Kosten der Mittel modifiziert werden . In: Max Black (Hrsg. wird die Gegenwart problematisch.. dienen der Lösung von Systemproblemen und in diesem Sinne der Erhaltung von Systemen.siehe z. S. David E. Chicago-London 1 9 6 5 .): The Social Theories of Talcott Parsons. daß die Erfüllung mancher Bedürfnisse vertagt und auf Umwegen erreicht wird. Es treten aktuelle Folgeprobleme auf. Demgegenüber war die nahestehende Unterscheidung von zweckrational und wertrational bei Max Weber: Wirtschaft und Gesellschaft. J. so daß das eine mit dem anderen steht oder fällt. wertrational dagegen Bestimmung und Rechtfertigung durch sich selbst. solche Umwege zu motivieren und aktuelle Verzichte oder Anstrengungen im Hinblick auf zeitlich entfernte Wirkungen zu rechtfertigen. Princeton N. als Systeme sich an zeitlich fernliegenden Wirkungen. S. J . Apter: The Political Kingdom in Uganda. The Point of View of the Author. vor allem solche der zwischenzeitlichen Systemerhaltung. Nicht alle Bedürfnisse lassen sich aber in diesem Sinne vertagen und einem substituierenden Kalkül ausliefern. 8c. 3 1 1 . In dem Maße.: The Politics of Modernization. und ders. 17 f. der 6 7 6 So im Prinzip auch Talcott Parsons . 226 . Eine Steigerung der Komplexität sozialer Systeme ist nur dadurch erreichbar.

insbes. deren Miteinander gewährleistet werden muß. An Stelle der unmittelbaren Bedürfnisbefriedigung müssen jene Fernziele angestrebt und zugleich in der Gegenwart als sinnvoll verankert werden. da man dem gemeinsamen Besitz der Vernunft und der Überzeugungskraft einleuchtender Argumente vertraute. die Idee der »procedural fairness« als Mittel zum Zweck der Gerechtigkeit . In die soziologische Begriffssprache übersetzt. und in dieser Form hält sie einer Überprüfung nicht stand. 227 . impliziert diese These eine vollständige Harmonie instrumenteller und expressiver Funktionen.fortlaufenden Motivation. 8 Man kann also davon ausgehen. 7 ff. 97 ff. Darin wurde kein Widerspruch gesehen. Verzichte und Geduld sich lohnen. öffentliche Rechtsverfahren sollten in einer einheitlichen Zweck/MittelBeziehung der richtigen Feststellung des Rechts und zugleich der Ausbreitung richtiger Rechtsüberzeugung dienen. daß Mühe. S. des Sicherheitsgefühls und der Vertrauensbildung . daß augenblickliche Benachteiligung durch künftiges Wohlergehen ausgeglichen werden wird. Es muß aktuelle Gewißheit darüber geschaffen werden. was die klassische. Ihre Kombinierbarkeit wird somit ein kritisches Problem. durch eine Verbindung von instrumenteller und expressiver Orientierung. für expressives Handeln und aktuelle Selbstdarstellung verkennen . S. Ein Mechanismus der Reduktion sozialer Komplexität.. Die einfache Bedürfnisbefriedigung kann deshalb nur durch eine Doppelfunktion abgelöst werden. Stuttgart 1968. der im Vollzug des Verfahrens selbst realisiert wird. also auf eine noch nicht reale Zukunft verweisen und seine Funktion für die jeweils gegenwärtige Situation. altliberale Verfahrenskonzeption vorausgesetzt hatte: Übereinstimmung instrumenteller und expressiver Verfahrensfunktionen. und zwar bei steigender Komplexität unter zunehmender Diskrepanz und verschärftem Leistungsdruck. daß sie Verfahren als Mittel zum Zweck sehen. Brian Barry: Political Argumenr. 9 8 Hierzu näher Niklas Luhmann: Vertrauen. daß in allen komplexen Sozialsystemen diese beiden Funktionen zusammen erfüllt werden müssen. B. Auch für heutige Verfahrensvorstellungen ist bezeichnend geblieben.und nicht als eigenen Wert. 9 So interpretiert z. wird zunächst deutlich. Sondiert man mit dieser Fragestellung die Funktionen des Verfahrens. London 1 9 6 5 .

und zwar besonders im Hinblick auf Führungsrollen. Das hat zur Aufstellung der sogenannten »Doppelführungstheorie« geführt. daß es selbst in kleinen Gruppen instrumenteile und expressive Führer nebeneinander gäbe und nur ausnahmsweise »große Männer« beide Funktionen zugleich erfüllen können. daß sich. das dazu zwingt. Bales: Some Findings Relevant to the Great Man Theory of Leadership. 11 Diese Lösung wählt zum Beispiel der »menschliche« Richter. daß die Leistungen funktionsspezifisch getrennt und verschiedenen Personen oder Rollen oder Aktionsprogrammen zugewiesen werden. die Prozeßbeteiligten zur Einsicht zu bringen oder doch in Positionen zu manövrieren. diese beiden Funktionen in einer komplexen Institution. daß dabei Schwierigkeiten entstehen. erörtert worden. Hier entstehen Probleme des Übergangs von einer Situatipnsauslegung in die andere und das Bedürfnis nach einem Mindestmaß an Konsistenz. Das bedeutet. 7 S S . 3 angeführten Literatur etwa Edgar F. S. sondern in die Beziehung zwischen diesen beiden Führern verlagert. Borgarta/Arthur Couch/Roberr F. die typisch nicht durch die gleichen Leistungen erfüllt werden können. Es kann unter diesen Umständen notwendig werden. Das Problem wird damit natürlich nicht gelöst. 228 . das also die Möglichkeiten funktionaler Spezifizierung des Verhaltens begrenzt. auch in der expressiven Phase den Zweck nicht ganz aus den Augen zu verlieren und umgekehrt. Die skizzierte Theorie erlaubt die Prognose.Als Ergebnis umfangreicher Forschungen über kleine Gruppen muß vielmehr festgehalten werden. also als Rollendifferenzierung. der zunächst nach Kräften versucht. der funktionalen Differenzierung durch eine strukturelle Differenzierung Rechnung zu tragen. daß es unmöglich wäre. wenn die Diskrepanz mit steigender Komplexität des Systems zunimmt' . Alles in allem kann man nicht sagen.7 S 9 . Siehe neben der oben Anm. unterzubringen und zu kombinieren. in denen die Entscheidung sie nicht mehr völlig unerwartet trifft. wo es gegebenenfalls leichter lösbar ist. die Kombination 0 11 10 In der Kleirtgruppenforschung ist eine solche Differenzierung namentlich auf der Ebene der Rollenbildung. daß instrumentelle und expressive Bedürfnisse einer Gruppe normalerweise an den einzelnen verschiedenartige Verhaltensanforderungen stellen. Neben solcher strukturellen Differenzierung sind andere Formen der Trennung denkbar* zum Beispiel die Auflösung des Konflikts in ein Nacheinander verschiedener Situationsauffassungen und Verhaltensstile . die behauptet. American Sociological Review 19 (1954). etwa der eines Verfahrens. mit anderen Worten.

nämlich instrumenteller und expressiver Orientierung im politischen System. Robert L.'abjlisierten Spannung« bei Arnold Gehlen: Urmensch und Spätkultur. Quinn/Diedrick J. Vielmehr wäre umgekehrt zu fragen. person. gelingt. 88 ff. So gewinnt die politische Wahl latent die Funktion expressiven Handelns: Sie drückt. 13 Siehe den Begriff der »r. Kahn/Donald M.oder programmbezogen. Niklas Luhmann: Funktionen und Folgen formaler Organisation. A Comparative Approach. Ablehnung aus. Siehe als verschiedenartige theoretische Konzeptionen. die den einzelnen von einer öffentlichen und rationalen Rechtfertigung der Wahlentscheidung entlastet. politische Zustimmung bzw. daß sie diskrepante Funktionen erfüllen müssen. Diese Doppelfunktionalität wird durch bestimmte institutionelle Vorkehrungen erleichtert. Blau/W. New York '9S7t 22C) . Bonn l$$6 S. 14 Siehe dazu als eine' kritische Analyse vom Standpunkt der ökonomischen Zweckrationalitäc aus Anthony Downs: An Economic Theory of Democracy. Studies in Role Conflict and Ambiguity.von expressivem und instxumentellem Verhalten nicht von selbst versteht. New York-London-Sydney 1 9 6 4 . Konflikte und Verhaltenslasten erzeugt. durch Institutionalisierung dieser Spanung und darauf bezogener Verhaltenserwartungen das Problem einer Lösung durch tägliches Verhalten näherzubringen. Das Verfahren der politischen Wahl dient zum Beispiel seinem offiziellen Sinn nach dem Zweck. die in dieser prinzipiellen Einsicht konvergieren: Peter M. Berlin 1 9 6 4 . Philosophische Ergebnisse und Aussagen. bestimmte Stellen des politischen Systems in Legislative und Exekutive mit Personen zu besetzen. sondern Spannungen und Folgeprobleme. und schließt ihre Bestandsfähigkeit nicht a u s . ob es nicht gerade Systemen. Snoek: Organizational Stress. Wolfe/Robert P. die diskrepante Funktionen kombinieren. Sie bilden die Nahtstelle zweier verschiedener Zeithorizonte und Funktionskreise. vor allem durch das Fehlen eindeutiger Erfolgskontrollen und durch die Geheimheit der Stimmabgabe. ihm aber die Möglichkeit eines Ausdrucks seiner 12 13 14 12 In der Organisationssoziologie ist das heule wohl allgemein anerkannt. Aber das ist normal für alle komplexen Systeme. Richard Scott: Formal Organizations. Gerade dies scheint für die wichtigsten Verfahrensarten des politischen Systems bezeichnend zu sein. San Francisco 1 9 6 2 . Dieser Zweck erlaubt jedoch weder in abstracto noch bei Berücksichtigung aller konkreten Umstände eine zweckrationale Wahl des bestgeeigneten Mittels .

zum Beispiel durch Indoktrination einer Ideologie als Prämisse allen sinnvollen Handelns oder durch Stilisierung des Verfahrens als Kampf. hierzu namentlich Himmelstrand. 230 . wie alle Ver18 ls Auch hier muß übrigens eine Prämisse der klassischen Verfahrensrheorie aufgegeben werden. dramatische. der Justiz eine integrierende Funktion ausdrücklich abspricht. Auch sie streben. auch die entsprechende Unterscheidung von Effizienz und Legitimität bei Thomas Ellwein: Einführung in die Regierungs. Berlin 19s J. Dieses wird durch expressive. S. sondern nur ein symbolisch-identifizierendes Miterleben. 15 16 17 Schließlich gehören auch die Gerichtsverfahren zu diesem doppelfunktionalen Verfahrenstyp . daß Rudolf Smend: Staatsrechtliche Abhandlungen und andere Aufsätze. daß er seine Interessen rational verfolgt. S. Ubers. ihrer Rechtmäßigkeit. 16 Ähnlich Seymour M. 18 Seltsam und unberechtigt ist. Verfahren der Gesetzgebung sind ein anderer Fall der institutionellen Verbindung instrumenteller und expressiver Funktionen.politischen Ansichten innerhalb und außerhalb der Wahl offenläßt . Daneben muß im Kontakt mit der Verwaltung die fachliche Ausarbeitung der Programme stattfinden unter Berücksichtigung ihrer Konsistenz mit anderen Programmen.. 1 7 1 . da die Variationsmöglichkeit der Entscheidungsprogramme keineswegs automatisch mit den Bedingungen politischer Unterstützung korreliert. Stuttgart-Berlin-Köln-Mainz 1966. NeuwiedBerlin 1962. Vgl. Für die Betroffenen kann eine unmittelbare rollenmäßige Beteiligung am Verfahren nicht in Betracht kommen. Die Koordination beider Variablen ist das Problem und die Leistung der Politik . Diese instrumentelle Ausrichtung kann jener expressiven widersprechen. die die Bevölkerung teils unmittelbar binden. Dabei werden instrumentelle und expressive Bedürfnisse nicht auf der Ebene der Rollen. 208. sondern abstrakter in Werten und Programmen kombiniert . Schwierigkeiten und Ergebnisse gesteuert und auf verschiedene Weise gesteigert. 70 ff. Wirtschaftlichkeit und Ausführbarkeit. dt. 17 Vgl. die auf einer allzu harmonischen Verschmelzung instrumenteller und expressiver Funktionen beruhte. Projekte. Lipset: Soziologie der Demokratie. Hier geht es um generelle Entscheidungen. öffentliche Darstellung der Themen. rationalen Wählers. O. teils nur die Bürokratie programmieren. der dadurch. a. nämlich die Konzeption des vollständig informierten. S.und Verwaltungslehre. a. eine Verwirklichung des Gemeinwohls ermöglicht und diesen Zusammenhang einsieht.

je nach den Erfordernissen expressive und instrumenteile Situationsauslegungen zu wechseln. und z w a r in einem Kontext mehr oder weniger festliegender Entscheidungsprogramme. in der beide Funktionen sich wechselseitig behindern. teils verhaltensmäßig versucht wird.fahren. eine Entscheidung an. expressive Funktionen. so können wir zusammenfassen. Es gibt demnach eine Reihe von Verfahren. Status ist nur eine Hilfe. auf seine formale Rolle zurückziehen. der das Verfahren dominiert. Die Entscheidungsprozesse der Verwaltung müssen von der Vorsorge für Gefühlserfüllung und Legitimität entlastet und instrumentell organisiert werden. wobei die anderen ihm folgen müssen . in denen teils institutionell. 19 Man würde. Daher kann dieser Entscheidungstyp nicht der einzige sein und bleiben. den Ton angibt und daher relativ frei ist. nur wenige Alternativen bearbeiten. wie eingehend behandelt. Alle komplexeren Problemkonstellationen müssen präpariert und vereinfacht werden. Sie können. macht die besondere Spannung solcher Verfahren aus. wollte man sie als Beziehung von Mittel und Zweck oder von Ursache und Wirkung deuten im Sinne von getrennten 19 Daß diese Kontrolle über die Situation und den Verhaltensstil auch verlorengehen oder dem Richter durch überlegenes Geschick entzogen werden kann. Der Richter kann daher zwar in der Regel mit mäßigem Verhaltensgeschick auskommen und so eine zu expressive Färbung der Szene verhindern. Die Kombination beider wird vor allem durch die Statusrolle des Richters erleichtert. Das ist eine Folge dieser mehrfunktionalen Verfassung des Verfahrens. die ein menschliches Gefühl an ihm entdecken und ausbauen möchten. muß sich dann aber gegenüber geschickteren Anwälten oder gegenüber Zeugen oder Parteien. Zugleich haben sie. 23 1 . wenn die Komplexität des politischen Systems so rapide steigt wie in den letzten hundert Jahren. bevor sie Gegenstand eines solchen Verfahrens werden können. die Beziehung des Verfahrens zur Legitimität der Entscheidung zu oberflächlich erfassen. Ein weiteres Merkmal dieser Verfahren ist ihr relativ geringes Potential für Komplexität. keine Problemlösungsgarantie. rationale Entscheidungsfindung und aktuelle Gefühlserfüllung mit mehr oder weniger Erfolg zu kombinieren. die jeweilige Situationsauslegung beherrscht. instrumentelle und expressive Funktionen. wenn sie neben ihrer Entscheidungsfunktion zugleich Darstellungen sein und Symbole bewähren sollen.

Die Entscheidung fällt nicht als eine unerwartbare Überraschung auf ihn zu. verpflichtendes Verhalten in der Gegenwart zu ermöglichen . die sich nicht einmal mehr in religiös deutbaren Bahnen bewegen. also auch von Verfahren und Zeit.: The Philosophy of the Act. Man kann das Verhältnis von System und Zeit. desto stärker würde die Aussicht auf unerwartbare Ereignisse. dem man ratlos entgegensieht. 20 20 Von einer ähnlichen Zeitkonzeption aus interpretiert auch George H. denn nur in der Gegenwart ist Zeit wirklich im Sinne eines Doppelhorizontes von Bestimmtem (Vergangenem) und Unbestimmtem (Zukünftigem). in dem man sich miterlebend und mithandelnd auf sie vorbereiten kann. als Glück oder Unglück. nicht zureichend begreifen. sinnerfülltes. alle Zeitpunkte aufreihenden und egalisierenden Zeitbegriff voraussetzt. also die Existenz. angesichts einer ungewissen Zukunft und vornehmlich angesichts einer Uberforderung durch eine unübersehbare Komplexität von Möglichkeiten des variablen Rechts gegenwärtige Sicherheit zu schaffen und ein darstellendes. Man muß vom stets gegenwärtigen Zeiterleben ausgehen. die Gegenwart. Mead das Problem der Sicherheit als nur in der permanent aktuellen Gegenwart lösbar. sie ermöglicht es vor allem* eine ungewisse Zukunft auszubalten. ohne sich darauf einstellen zu können. Chicago 1938. obwohl er auf eine ungewisse Zukunft zulebt. Sie verkleinern und entschärfen das Moment der Überraschung. S. So kann der Betroffene in einer laufend aktuellen Gegenwart sinnvoll miterleben und mithandeln. sondern Menschenwerk sind. In diesem Sinne sind Verfahren ein existentielles Komplement der Positivierung des Rechts. 1 7 J . Die Leistung eines Verfahrens erschöpft sich demnach nicht darin. sondern als Ergebnis eines Entscheidungsprozesses. wenn man einen objektiven. eine ungewisse Zukunft durch Selektionsprozesse zu bestimmen. das mit der Entscheidung verbunden ist. Verfahren verhelfen dazu. Je größer die Komplexität der künftigen Möglichkeiten ist.Ereignissen in einer objektiven Folge von Zeitpunkten. expressives. 232 . desto unerträglicher wären solche Überraschungen. verunsichern. Vgl. Audi ein lerntheoretisches Modell der laufenden Umstrukturierung von Erwartungen darf nicht so vordergründig angesetzt werden.

falsch erwartet zu haben.}. Garner: Uncertainty and Structure as Psychological Concepts. der ontisch definiert wird durch eine Eigenschaft. daß alle Sozialsysteme ihre Identität und ihre relative Autonomie gegenüber der Umwelt durch eine Trennung von Strukturen und Prozessen gewinnen . 6 1 5 . im Falle von rechtsanwendenden Verfahren also durch Rechtsnormen. wird die volle Tragweite dieses Problems sichtbar . Ein ähnlicher Stmkturbegriff ist für den Bereich der Psychologie ausgearbeitet worden von Wendeil R. Strukturen reduzieren die äußerste Komplexität der Welt auf einen stark verengten und vereinfachten Bereich von Erwartungen. für uns wesentliche Gedankenfolge können w i r herausziehen. N u r eine. wenn man Strukturen im allgemeinen und Rechtsnormen im besonderen als problematische Selektion ansieht. nämlich auf Täuschung über 1 2 3 1 Die juristischen Prozeßiehren würden ein solches Problem der Verarbeitung von Enttäuschungen und ihrer möglichst bruchlosen Einfügung in den kontinuierlichen Strom gegenwärtigen Erlebens nicht stellen. 233 . Daß dies nötig ist und wie dies möglich ist . nämlich Selektivität. ja nicht einmal skizziert werden. der falsch erwartet hatte. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 1 9 ( 1 9 6 7 ) . daß das Recht schon feststeht und daß eine Enttäuschung zu Lasten dessen geht. daß es möglich ist. Sie gehen davon aus. 2 Zum Zusammenhang dieses Gedankens mit einer allgemeinen Theorie des sozialen Systems vgl. und von ihm zu verwinden ist.6 4 4 (623 ff. sozial zu isolieren. Dabei wird vorausgesetzt. Die Funktion dieser Trennung besteht in der Einrichtung einer »doppelten Selektivität«. innerhalb dessen sich dann EntScheidungsprozesse sinnvoll-selektiv orientieren können. Erst wenn man das tut. S. 3 Im Unterschied zum üblichen Strukturbegriff. New York-London 1 9 6 z . nämlich Konstanz. die als Verhaltensprämissen vorausgesetzt und normalerweise nicht hinterfragt werden . wird ein engerer Bereich von Möglichkeiten vorgewählt. Strukturen und Enttäuschungen Das Problem des Kleinarbeitens von Erwartungsenttäuschungen kann in der Soziologie auch von einer Strukturtheorie aus behandelt werden. Sie beruhen also immer auf Täuschungen. Durch Strukturen. zumindest nicht als prinzipielles soziales Problem stellen. Eine dafür zureichende Theorie des sozialen Systems kann in diesem Zusammenhang nicht erarbeitet.das sind soziologische Probleme. auch Niklas Luhmann: Soziologie als Theorie sozialer Systeme. die man nur stellen kann. den einzelnen in seiner Schuld.2. Wir gehen davon aus. ist dieser Strukturbegriff funktional definiert durch eine Leistung.

To this end. ganz im groben gesehen. daß die Erwartungen »trotzdem weitergelten werden« und dem Erwartenden Regeln für sein Verhalten im Enttäuschungsfalle an die Hand gegeben werden. mit dem Ergebnis. 234 . hierzu das viel diskutierte Experiment von Lloyd G.3 0 1 . die der Struktur nicht schaden. zwei funktional äquivalente Strategien: das Abarbeiten der Enttäuschung in Bahnen. die Zahl der Neins. das Kapitel über »Scope and Reduction* einleitet: »Men seek for vocabularies that will be faithful reflections of reality. die jedes Ja impliziert. S. die in der Umwelt gesehen oder im System aktiviert werden können. sie können nur stabilisiert und institutionalisiert werden. Stogdill: Individual Behavior and Group Achievement. Für den Umgang mit Enttäuschungen gibt es. und das heißt vor allem: nach spezifischen Funktionen differenziert werden. 59 ff. in certain circumstances. wenn feststeht. wenn also die Zahl der Alternativen zunimmt. enttäuschungsgefaßte Erwartungen stabiler sind als sichere Erwartungen. die Enttäuschungen regulieren und entschärfen und dadurch indirekt Strukturen stabilisieren. they must develop vocabularies that are selections of reality. function as a deflection of reality. und sie müssen deshalb auf Enttäuschungen eingerichtet sein. Enttäuschungen lassen sich nicht wirksam ausschließen. S. sozial gestützte Regeln für die Bewältigung von Enttäuschungen untermauert sind. der mit jeder Sinnfestlegung verbunden ist. Einen Überblick über die daran anschließende Forschung findet man bei Ralph M. und 5 4 4 Siehe dazu die Passage.« 5 Vgl.und so auch positives Recht .sind mithin keineswegs beliebige Sinnentwürfe ins Ungewisse. 2 9 4 . And any selection of reality must. Eine Regulierung von Enttäuschungen wird um so wichtiger. S. mit der Kenneth Burke. insbesondere über das wirkliche Handlungspotential der Menschen. müssen dann entsprechend leistungsfähiger werden. Dann wächst nämlich zugleich der Enttäuschungseffekt. wenn die Komplexität der Systeme und ihres Umweltverständ^ nisses wächst.die wirkliche Komplexität der Welt . wenn sie durch wirksame. Strukturen . A Grammar of Motives. daß unsichere. aber Erwartungen können gleichwohl ziemlich enttäuschungsfest stabilisiert werden . Die Mechanismen. Journal of Experimental Psychology 25 (1939). 59. die bei der ersten Enttäuschung zusammenbrechen. Humphreys: The Acquisition and Extinction of Verbal Expectations in a Situation Analogous to Conditioning. New York 1 9 S 9 . Neudruck Cleveland-New York 1 9 6 2 .

In hinreichend komplexen und differenzierten Systemen können beide Mechanismen trotzdem nebeneinander eingesetzt werden — aber nur. von denen der Handelnde »besessen« ist. S. 23 J . im Druck. Triebverdrängungen. wenn es gelingt. 6 Für das Abarbeiten von Enttäuschungen sind eine Vielzahl von Symbolen und Prozessen der Erlebnisverarbeitung erforderlich. Minderwertigkeitskomplexe. Niklas Luhmann: Normen in soziologischer Perspektive. ferner plausible Erklärungen des enttäuschenden Verhaltens . die teils kombiniert. und das ist nur auf dem Boden einer sicheren Situation möglich. Soziale Welt zo (1969). daß die Enttäuschung die Struktur nicht erschüttert. Entrüstung. sei es durch moralisch bösen Willen. schließlich Möglichkeiten der Abreaktion von Gefühlen der Unsicherheit. weiter Ausdrucksmöglichkeiten für das Festhalten an der Erwartung trotz Enttäuschung.das Umlernen der Erwartungen. Für das Verwinden von Enttäuschungen ist nämlich die Suche nach Sicherheit in einer offenen. also auf Steigerung der Komplexität. obwohl funktional äquivalent. teils alternativ bewirken. also sofortige Bemühung um Reduktion der Komplexität. unbestimmt gewordenen Situation bezeichnend. Enttäuschungserklärungen und Änderungsbereitschaften zu kombinieren. die Modifikation der Struktur.sei es durch Beziehung auf überirdische Kräfte. Sanktionierung. Situationen und Rollen für das eine bzw. sei es durch quasiwissenschaftlich festgestellte. jedenfalls zunächst. D a z u gehören vor allem: eine Regelung der Zurechnung der Enttäuschung in dem Sinne. sondern der Handelnde die Schuld an der Diskrepanz bekommt. insbes. auf Suche nach Alternativen an. soziale oder psychische Faktoren wie Klassen. Auf psychologischer Ebene fragt Cyril Sofer: The Organization From Within: A Comparative Study of Social Institutions Based on a Sociotherapeutic Approach. auf entgegengesetzten Einstellungen.oder Rassenzugehörigkeit. die aus der latenten Strukturbedrohung entspringen: Man muß Entrüstung oder Sanktion übertreiben kön6 Vgl. 1 4 t ff. die nicht ohne weiteres kombinierbar sind . Beim Lernen kommt es dagegen. Angstdefensiven. andere Verhalten hinreichend zu trennen. nach der Möglichkeit. daß nicht der Erwartende. Auch das erfordert sicher hohe Komplexität und relativ bewußte Selbststeuerung des psychischen Systems und seiner Angstbewältigung. Beide Strategien beruhen.. Chicago 1962 (Erstausgabe London 1 9 6 1 ) . v o r allem durch Mißbilligung.

alle haben sich. daß er Unrecht hatte. Ihre enttäuschten Erwartungen finden keine gesellschaftliche Stütze und Ermutigung mehr. die den Kampf ums Recht verlieren. ist mindestens zweierlei erforderlich: die Organisation enttäuschungsloser und daher gefühlsfreier Lernprozesse zur strukturellen Anpassung des Systems (und nicht nur zur Tradierung von Wissen auf andere Generationen) und die Organisation eines Umlernens von Erwartungen. nicht zu lernen. gewisse Grundlagen des Erwartens der Problematisierung. hatten also die Entschlossenheit gezeigt. Sie hatten normativ erwartet. die das Dominieren der Systemstruktur sicherzustellen sucht. auf Medianismen der Abreaktion von Enttäuschungen verlassen und allenfalls latent gelernt. Symbole und Prozesse. Die Verlierer müssen ihre Enttäuschung durch ein gleichsam privates Assortiment von Strategien bewältigen .nen. Sie werden gegen den Rechtsbredier eingesetzt oder gegen den. mehr oder weniger ausschließlich. sondern zugleich auch eine Wiederherstellung der gefährdeten Struktur zu finden. Sie sind dazu bestimmt. die der Beschwichtigung von Enttäuschungen dienen. und müssen nun doch lernen. und daher kaum geeignet.eine ungleiche Verteilung von Chancen. um darin nicht nur eine Bestätigung der gefährdeten E r wartung. Beide Bedingungen eines normalisierten und entlasteten Lernens lassen sich nur außerhalb des Bereichs jener Prozesse verwirklichen. ja jeder Frage zu entziehen. in z 6 3 . eine Modifikation der Struktur durch Lernprozesse auf Seiten des Erwartenden einzuleiten. Die eigentlichen Lernprozesse des Rechts finden an ganz anderer Stelle statt. das frühere Erwartungen nicht diskreditiert. Man muß jedoch auch an die Enttäuschung derer denken. aber wenig Lernhilfe bietet. schränken die Variabilität der verteidigten Struktur ein. A l l diese Mechanismen stehen zur Stabilisierung der offiziellen Struktur des sozialen Systems zur Verfügung und helfen über strukturwidrig-enttäuschendes Verhalten hinweg. von dem sich herausstellt. Keine der historisch bekannten Gesellschaften hat dieses Problem des strukturellen Lernens von dem der Enttäuschungsbewältigung trennen und als eine besondere A r t der Stabilisierung durch Variation lösen können. Um struKturelles Lernen und Umlernen von Erwartungen zu institutionalisieren.

2 0 3 . Models of Political Communication and Control.denen Enttäuschungen verarbeitet werden . Vgl. 1 7 5 . Administrative Science Quarterly 1 0 ( 1 9 6 c ) . In eins damit wurden die wichtigsten Teilsysteme der Gesellschaf t formal organisiert und dadurch ebenfalls umprogrammierbar.1 0 2 . hierzu auch Niklas Luhmann: Gesellschaftliche und politische Bedingungen des Rechtsstaates. S. Deutsch: The Nerves of Government. Das politische System kann sich dadurch lernend auf die Gesellschaft als seine nähere Umwelt einstellen. Erst durch die volle Positivierung des Rechts und die Umgestaltung des Gesetzgebungsvorganges zu einer normalen. Köln-Berlin-BonnMünchen 1967. Observations Toward a Theory. 94 ff. 8 Vgl. Das gilt für die Erwartungen der Betroffenen. die die strukturierenden Wirkungen des Rechts in bisher ungekanntem Maße gesteigert hat. etwa Karl W. daß diese wesentliche Errungenschaft. S. entsprechend unsicher sind denn auch die theoretischen Versuche. so daß seine Enttäuschung folgenlos bleibt. Jahrhundert sind auf der Ebene des politischen Systems der Gesellschaft die Voraussetzungen für strukturelle Variation geschaffen worden . aber kanalisierter Aggressivität ausstatten und den Verlierer dann isolieren. In dem Maße.. aber audi für die von Juristen gegenwärtig so hoch eingeschätzte »richterliche Rechtsfortbil8 7 7 Ganz neu und. Vincent Cangelosi/William R. Die Verfahren für Rechtsanwendung sind nicht unter dem Gesichtspunkt von Lernmöglichkeiten ausgestaltet. als Erwartungen faktisch auf dem Wege enttäuschungsfreien Lernens umstrukturiert werden können. Der Lerneffekt ist gering zu veranschlagen. 8 1 . der auf Enttäuschungssituationen lastet. den Begriff des Lernens auf soziale Systeme anzuwenden und nach den Bedingungen der Lernfähigkeit sozialer Systeme (im Unterschied zu psychischen Systemen) zu fragen. New York-London 1 9 6 3 . Dill: Organizational Learning. Die Ergebnisse unserer Überlegungen zum Problem der Legitimation durch Verfahren stützen diese Hypothese jedenfalls in wesentlichen Hinsichten. nimmt der soziale Druck ab. indem sie streitende Parteien mit Möglichkeiten legitimer. 237 . Es scheint. sehr wesentlich auf einer Differenzierung von Verfahren für Rechtsetzung und Rechtsanwendung beruht. In: Studien über Recht und Verwaltung. S. permanent laufenden verfahrensmäßig geregelten politischen Arbeit im 1 9 . also lernfähig eingerichtet. Sie dienen mehr der Ableitung und Verkleinerung von Enttäuschungen.

B. in denen Richterrecht soziologisch treffende Strukturänderungen herbeigeführt hat. Im allgemeinen aber stehen im Rechtsanwendungsprozeß weder die Mittel zur Prüfung von Alternativen. London 1 9 6 5 . wenn Einzelfälle ein Politikum werden.dung«. Horst Reinicke. 238 . Gewiß ist es niemandem verwehrt. S. Wichtiger als diese ist jedoch eine andere Entlastung der politischen und rechtsetzenden EntScheidungsprozesse. 10 Das sehen natürlich Autoren deutlicher. Berlin 1 9 6 5 . Wahrscheinlichkeiten und Fölgenverkettungeh noch die Freiheiten zur Konstruktion prinzipieller Alternativen oder Neuansätze zur Verfügung . Kopenhagen i960. sie müssen dann schon symptomatische Bedeutung für etwas Allgemeineres besitzen. eine Entwicklung. A Study of Policy Making. und Niklas Luhmann: öffentlich-rechtliche Entschädigung rechtspolitisch betrachtet. 9 1 . die dies verdeutlichen sollen. siehe Franz Becker/Niklas Luhmann: Verwaltungsfehler und Vertrauensschutz. zum Beispiel aus dem Ruhebedürfnis nach komplexen Kodifikationen oder aus der Überlastung oder aus dem Schlechtfunktionieren der eigentlich politischen EntScheidungsprozesse sich immer wieder als unentbehrlich herausstellt und insofern kompensierende Funktionen erfüllt. Siehe z. Berlin 1 9 6 3 . oder Geoffrey Vickers: The Art of Judgment. München-Berlin 1 9 4 1 . die nicht Juristen sind oder sich aus der juristischen Betrachtungsweise weitgehend gelöst haben. Möglichkeiten gesetzlicher Regelung der Rücknehmbarkeit von Verwalrungsakten. Durch die rechtsanwendenden Verfahren werden Enttäuschungen und Proteste in Einzelfällen weitgehend abgefiltert und politisch unwirksam gemacht. wegen eines rechtskräftig gewordenen Verwaltungsaktes oder eines verlorenen Prozesses eine andere Partei zu wählen oder seinen Unmut auf andere Weise politisch abzureagieren. Zur Rechtsentwicklung siehe Josef Esser: Grundlage und Entwicklung der Gefährdungshaftung. Es ist entschieden eine Ausnahme. Wesentliche Aufschlüsse hierzu verdanke ich einem unveröffentlichten Manuskript von Dr. Richterliche Rechtsfortbildung ist politisch eine Verlegenheitslösung. die soziologisch im wesentlichen auf die zunehmende Verunsicherung der sozialen Definition von Gefahren zurückzuführen sein dürfte. die sich in der Fallpraxis aufdrängten . die aus vielerlei Gründen. 11 Als rechtspolitische Gegenentwürfe zum sich entwickelnden Richterrecht. Um politisch wirksame Forderungen zu stellen 9 10 11 9 Das gilt zum Beispiel für die Umstellung einiger Bereiche des Haftungsrechts von personalem Verschulden auf Sicherheir als Kriterium. Gewiß gibt es Fälle. Torstein EckhofT/ Knut Dahl Jacobsen: Rationality and Responsibility in Administrative and Judicial Decision-Making.

praktisch wichtige. Für die soziologische Analyse ist es dagegen möglich. Sie können deshalb nicht unmittelbar wie eine Art von weiterem Rechtszug an diejenigen Verfahren angeschlossen werden. Das hat wichtige Konsequenzen für die Bestimmung des Verhältnisses von Recht und Legitimität und eröffnet in dieser seit dem Zusammenbruch des Naturrechts unlösbar erscheinenden Frage neue Perspektiven. Sie sollen zudem die beiden Voraussetzungen für strukturelle Anpassung erfüllen. Die heute vorherrschende Auffassung trennt Rechtsgeltung und Legitimität durch die Kluft zwischen Sein und Sollen. auch wenn sie im Einzelfall unerfüllt bleiben. Legitimität ist ihr lediglich der faktische Glaube an die Richtigkeit und Werthaftigkeit bestimmten Sollens. ja überhaupt als ein anderer auftreten. wird die rein normimmanente (rechtswissenschaftlich-exegetische) Betrachtungsweise des Rechts gesprengt. Köln-Opladen :g66. ohne welche es nicht gesollt sein kann. Die Vorstellung des Sollens dient gleichsam als Kürzel für all die Prozesse.und Einfluß nehmen zu können. auch den Begriff des Sollens noch auf seine Funktion hin zu befragen und ihn als Chiffre für sehr komplexe soziale Mechanismen zu erkennen. weshalb das reine Sollen solchen Glaubens überhaupt bedarf. Legitimität des Rechts erscheint als eine wünschenswerte. die Verhaltenserwartungen enttäuschungsfest stabilisieren und dadurch Strukturen garantieren. an Verhaltenserwartungen festzuhalten. Bezieht man in dieser Weise Fragen der Enttäuschungsbehandlung und des Lernens in die Erörterung ein. nicht aber eine immanente Qualität des Sollens selbst. Dabei wird unverständlich. Die politisch -wirksamen Kommunikationskanäle sind auf Verfahren bezogen. muß er jedoch frisch Luft holen. die oben genannt wurden: unvorbelastete. 2 39 . enttäuschungsfreie Prüfung von Alternativen ermöglichen und die geltenden Entscheidungsprogramme in ihrer Geltung nicht diskreditieren. Die Frage nach der Rechtsgeltung. die es ermöglichen. die aufs Zentrum wirken und daher auf generalisierende Interessen abgestellt sind. aber äußerliche Zutat . Sie 12 12 Zum Stand der Diskussion siehe Hans "Welze!: An den Grenzen des Rechts. die die Enttäuschungen des Einzelfalls regulieren.

Die Dichotomie von Sollen und Sein hat ihren Grund in dieser Entscheidungssituation des Enttäuschungsfalles. Der Erwartende beruft sich statt dessen auf »höhere Normen« oder »absolute Werte«. In den geltenden Sinn der Rechtsnormen kann diese Abhängigkeit jedoch nicht als Bedingung der Geltung aufgenommen werden. daß geklärt werden kann. Im Erlebnishorizont des Erwartenden tauchen deshalb die faktisch legitimierenden Prozesse nicht auf. bekommt sie Sollqualität. Wenn die Erwartung kontrafaktisch behauptet wird. ob man die Verhaltenserwartung im Enttäuschungsfalle festhalten will oder nicht. muß sich aber als unabhängig von ihnen verstehen.2 3 4 . andernfalls wird sie als rein kognitive und lernbereite Vorzeichnung künftigen Geschehens behandelt . weil es notwendig ist zu entscheiden. können jedoch im normierten Sinn nicht reflektiert werden. weil sollsicheres. weil dies die als Entscheidungsgrundlage unerläßliche Entweder/ Oder-Struktur auflösen würde. denen eigentlich jedermann zustimmen müßte. Sie sind vorausgesetzt. Eine Erwartung kann nicht in dem Maße gelten. Die Geltung des Rechts hängt vom Funktionieren dieser legitimierenden Prozesse ab. 24O . sondern nur in ihrer Funktion durchschauen kann: Soziale Prozesse der Enttäuschungsbehandlung und des Lernens sind in aller Normierung von Verhaltenserwartungen vorausgesetzt. Der normierende Erwartungsanspruch ist und bleibt von legitimierenden Prozessen abhängig. Die Sollgeltung wird auf ein klares Entweder/ Oder gebracht. die man nicht auflösen. Enttäuschungsverarbeitung und Lernprozesse in ihrem Sinne zu verwirklichen. als es gelingt. S. wer seine Erwartungen festhalten kann und wer sie ändern muß und wenn für diese Regelung mit Sicherheit Konsens beschafft werden kann. kontrafaktisches Erwarten nur durchhaltbar ist. denn diese Prozesse setzen ihrerseits Entschiedenheit der Sollgeltung voraus. 2 1 3 . wenn die Zukunft so strukturiert ist. nicht in unergründlich-absoluten Prinzipien des Weltaufbaus.ermöglicht in formelhafter Kürze eine soziale Verständigung in dieser Absicht. 13 13 Zu dieser Unterscheidung Johan Galtung: Expectations and Interactions Processes. Diese Überlegung erhellt eine unvermeidliche Doppelsinnigkeit des Problems normativer Geltung. Inquiry 2 ( I O J J ) .

Emile Dürkheim: De la division du travail social. Paris 1 9 0 2 . 241 . wie der Moralist sich die Moral vorstellt.und glaubt.. 2. Aufl. 7. sondern lediglich die Art und Weise. S. 14 14 Vgl. die legitime Geltung seiner Erwartung allein von daher zu beziehen. wie man in Anlehnung an eine Formulierung Dürkheims sagen könnte. nicht die Realität der Moral zum Ausdruck. In dieser Begründung kommt jedoch.

2 Bde. fesse R. aber auf sehr verschiedene Weise begriffen worden. ist stets gesehen. Bd. daß das Verhalten von zu vielseitiger.2 6 4 . Leipzig 1 S 9 0 . n London 1 8 9 3 ) . 1 9 6 : . 242 .ir D. die bei stärkerer Differenzierung zunimmt. Eine funktionale Differenzierung liegt vor. Georg Simmel: Uber sociale Differenzierung. Bd. Als Differenzierung im allgemeinen läßt sich jede Steigerung der Komplexität eines Systems durch Untersystembildung bezeichnen. In: Talcott Parsons.Edward Shils/K. Glencoe 111. Naegcle. und: The Study of Sociotogy.3. Paris 1 8 9 3 . 1 . engere Funktionen läßt sich erreichen. London 1 S 7 4 . Neuerdings mehren sich die Anzeichen dafür. Differenzierung und Autonomie der Teilsysteme. widerspruchsvoller Beanspruchung (etwa: Enttäuschungen verwinden und Lernen) entlastet und dadurch in einer spezifischen Leistung gesteigert wird. Spezifizierung und Generalisierung oder auch als unvermeidliche Diskrepanz von Struktur und Funktion. Simmel und Dürkheim in der Soziologie weit verbreitete Theorie funktionaler Differenzierung sozialer Systeme . Diese Überlegungen lassen sich anknüpfen an die seit Spencer. N u r durch Spezifizierung auf bestimmte. wenn die Untersysteme nicht als gleiche Einheiten nebeneinandergesetzt. Daß sie durch bestimmte Schwierigkeiten und Folgeprobleme bezahlt werden müssen. 2 3 9 . Als neuere Darstellung siehe namentlidi Talcott Parsons: Introduction 10 Part Two. etwa als Notwendigkeit der Koordination bei jeder Arbeitsteilung. nach den Ausgaben Bd. sondern auf spezifische Funktionen bezogen und dann miteinander verbunden werden. (zit. Pitts (Hrsg. Emile Dürkheim: De la diviston du travail social. als Steigerungszusammenhang von Differenzierung und Integration. Die leistungssteigernden Vorteile funktionaler Differenzierung liegen auf der Hand. Funktionale Differenzierung Daß das Grundproblem von Struktur und Enttäuschung von sehr komplexen politischen Systemen in verschiedenartigen Verfahren bearbeitet werden kann und muß. I London I S S J . S. ist ein Fall von funktionaler Differenzierung.isp. daß Differenzierung kompensierende Leistungen weniger in konstrastierenden Prinzipien als vielmehr in eben1 1 Siehe als klassische Darstellungen Herbert Spencer: The Principles of Sdciology.): Theories of Society.

New York-London-Sydney-Toronto 1966. Diese Verfahren unterscheiden sich primär nach dem Ausmaß an Komplexität. 30-49. S.2 < i . 2 2 < . 2 2 Siehe beispielsweise die Theorie der Steuerungsspracheh bei Talcott Parsons: Die jüngsten Entwicklungen in der strukturell-funktionalen Theorie.): Approaches to Development. In: John D. Gleichgesinnte zu finden und Probleme trotz Entscheidung als unabgeschlossen zu behandeln. Politische Wahl und Gesetzgebung sind Verfahren mit sehr hoher Komplexität und entsprechend geringem Rationalitätsgrad. Vgl. An Elusive Concept. nach ihrem Output und nach ihrer Stellung zum Legitimitätsproblem. wird deren Differenzierung als solche zum Thema.2 3 . Ordnet man in diesen Theoriebereich unsere Analysen der verschiedenen Verfahrensarten ein. Soziale Welt 1 7 ( 1 9 6 6 ) . Unsere Untersuchung hatte sich auf vier Verfahrensarten erstreckt: auf die politische Wahl.falls funktionsspezifischen. Der Systemcharakter von Verfahren. 2 43 . oder den Begriff der »Performance« bei Fred W. S. die Entscheidungsprozesse der Verwaltung und die Gerichtsverfahren. ihre relative Autonomie der Informationsbearbeitung. Siffin (Hrsg. für das politische System die Vorteile funktionaler Differenzierung zu gewinnen.. die Gesetzgebung. Sie bieten mehr Möglichkeiten. ferner Niklas Luhmann: Reflexive Mechanismen. das sie übernehmen und abarbeiten. Sie erfordern. Zur Reduktion ihrer hohen Komplexität benutzen sie eine mehr oder weniger weitgehende Trennung von dargestelltem Verfahren und faktischem Entscheidungsprozeß und arbeiten in erheblichem Umfange mit devianten Motiven und Entscheidungstechniken. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 1 6 (1964). und in zweiter Linie nach ihren Reduktionstechniken. ein nur schwaches Engagement der nicht hauptberuflich Beteiligten und erleichtern dadurch das Umlernen. Politics. eben deshalb. Montgomery/William J. 1 . Themen politisch zu generalisieren. Dadurch fällt neues Licht sowohl auf den Systemcharakter und die allgemeine Struktur von Verfahren schlechthin als auch auf Sinn und Zusammenhang der einzelnen Verfahrensarten. Sie sind in diesem Sinne labil. ihre Eigenkomplexität und die unterschiedliche Typisierung verschiedener Verfahrensformen haben den Sinn. Riggs: Administrative Development. leistungssteigernden Medianismen sehr verschiedener Art gesucht werden . Administration and Change. S.

Eine Instanz. denn seine Ausdifferenzierung als System hätte keinen Sinn. zur Deckung. Daher kommen Herstellung und Darstellung des Entscheidens hier eher. wenn dieses die legitimierende Funktion abstreift und sich ganz auf Entscheidungsfindung konzentriert. wenn auch nie ganz. die unter je verschiedenen Bedingungen operieren. 244 . Teilprozesse in der Form von Verfahren zu konstituieren.Verfahren der verwaltungsmäßigen Entscheidung und Gerichtsverfahren sind in all diesen Hinsichten prinzipiell entgegengesetzt gebaut. wenn es die damit verbundene Last der Selektion verteilt. Divergenzen sich entfalten und nur noch sehr abstrakte Funktionsprämissen. kann das Potential für Komplexität wachsen. könnte nur relativ wenig Information aufnehmen. die sich in ihren Bedingungen jedoch wechselseitig voraussetzen und dadurch integriert werden. das System koordinieren. Ihre Komplexität ist durch Programmierung der Entscheidungsprämissen verringert und bestimmt worden. und selbst eine Hierarchie. Das wird im Gerichtsverfahren erreicht und tritt im Verwaltungsverfahren zurück. die sie zur Spezifizierung und Isolierung ihrer Interessen führt. Ein Verfahren wäre kein Verfahren. und den Betroffenen kann eine rollenmäßige Beteiligung am ganzen Verfahren eröffnet werden. leisten diese Verfahren eine Verteilung der Komplexität des politischen Systems auf verschiedene Reduktionsmechanismen. Komplexe Systeme müssen ein Zusammenspiel verschiedenartiger Mechanismen institutionalisieren. Denn damit wird das Erforderliche geleistet: Eine Ausdifferenzierung relativ autonomer Entscheidungskontexte. etwa das wechselseitige Anerkennen der Ergebnisse der Einzelprozesse. könnte nur wenig Widersprüche und Konflikte absorbieren und würde recht primitiv entscheiden. In dem Maße. sich nur erhalten. Im Zusammenhang und als Differenzierung gesehen. als inhaltlich-homogene Orientierungen aufgegeben werden. verschiedenen Rationalitätskriterien unterliegen und unterschiedliche Motive in ihren Dienst stellen. Das politische System einer Gesellschaft kann hohe Eigenkomplexität und damit die Fähigkeit. die unüberblickbare Vielzahl rasch fluktuierender Probleme der Gesellschaft zur Entscheidung zu bringen. In einer solchen Ordnung wird es sinnvoll und schließlich notwendig.

die sich unter je verschiedenen Relevanzgesichtspunkten eigene Komplexität aufbauen und reduzieren. Sachlich ist die Verteilung der Komplexität dadurch geordnet. müssen aber nicht in die laufende Politik zurückgemeldet werden und bilden dann wieder Anstoß für politische Verfahren. und die Integration kommt dadurch zustande. funktional spezifizierte Verfahren eine zeitliche und eine sachliche Ordnung erkennen. Die Differenzierung des Gesamtsystems kommt in dieser Zeitfolge darin zum Ausdruck. Bei genauerem Zusehen läßt sich in der Verteilung der Komplexität auf verschiedene. sondern lediglich dadurch. daß sie auf zwei Ebenen der Generalisierung stattfindet: allgemein durch Unterscheidung von Verfahrenstypen und in diesem Rahmen durch Einleitung von Einzelverfahren eines bestimmten Typs. daß die Entscheidung eines Verfahrens im nächsten nur mehr wie eine Tatsache behandelt. die beide der Integration des Gesamtsystems dienen. Erst muß. dann kann die Arbeit an richtigen Fallentscheidungen beginnen. In dieser Zeitordnung werden die verschiedenen Verfahren nicht im Hinbiidt auf einen gemeinsamen Zweck als komplementäre Mittel koordiniert. daß der Output des einen als Input des anderen in Betradit kommt. mit anderen Worten. Anderenfalls bricht die funktionale Differenzierung der Verfahren zusammen.etwa in der Form einer richterlichen Kontrolle der Gesetzgebung oder einer politischen Kritik der Justiz liegt die Problematik auf der Hand: Die Kontrollmaßstäbe müssen dann ihrerseits künstlich eingeschränkt werden. daß diese Ergebnisübernahme erfolgt und die Verfahren nicht etwa unverbunden nebeneinander herlaufen. diese der Verwaltungsentscheidung und Gesetzgebung oder Verwaltungsentscheidung dem Geriditsverfahren voraus. Zeitlich gehen die politische Wahl der Gesetzgebung. *4S . und durch 3 3 Wenn solche Kontrollen ausnahmsweise doch startrinden . die hohe und unbestimmte politische Komplexität des Systems in die Form von Personen-in-Ämtern oder von Programmen-in-Geltung gegossen sein. Die Fallentscheidungen können ihrerseits. Verfahren einzuleiten. und das System vereinfacht sich. damit die Verantwortung nicht übergeht. Die Typenfestlegung erfolgt durch Institutionalisierung der Möglichkeit. also pauschal übernommen und nicht nochmals erarbeitet oder kontrolliert w i r d .

vielmehr wird darüber erst im einzelnen Gesetzgebungsverfahren mitentschieden. Sie wird erst in einem zweiten Entscheidungsgang von Fall zu Fall konkretisiert. läßt also die zeitliche und sachliche Anwendungsbreite offen. wieweit die Wahl überhaupt praktisch relevant wird bzw.oder nacheinander stattfinden werden und mit welcher konkreten Thematik. Entsprechend müssen Differenzierung und Integration auf zwei verschiedenen Ebenen gesehen werden: Die Unterscheidung und die wechselseitige Anerkennung der Verfahrenstypen als Bestandteile des politischen Systems werden generell institutionalisiert in Abstraktion von der Interessenlage. was auf eine Verschmelzung zu einem Verfahren hinauslaufen würde. die Einleitung und Durchführung eines Verfahrens im Einzelfall bestimmt. Ebensowenig ist das einzelne Gesetzgebungsverfahren mit bestimmten Verwaltungs. in der Gerichte über Klagen entscheiden. Durch diese Trennung verschiedener Ebenen der Differenzierung und Integration wird für das Verhalten im Einzelfall eine gewisse Wahlfreiheit und damit eine begrenzte Mobilität der Verfahrensverknüpfungen geschaffen: Das Gesetzgebungsverfahren hängt z w a r von dem der politischen Wahl ab. die konkrete Koordination durch die beschriebene Übernahme von Output als Input erfolgt dagegen von Fall zu Fall. Dasselbe gilt schließlich für die Rückverbindung der politischen Wahl mit der Entscheidungspraxis des Systems.Festlegung generell geltender Merkmale. aber nicht so. Durch ihre allgemeine Formentypik sind die Ver246 .oder Gerichtsverfahren invariant gekoppelt. wie viele Verfahren dieses Typs neben. vielmehr wird erst im Einzelfall durch die Verwaltungsbehörde oder das Gericht entschieden. Die Reihenfolge. welches Gesetz angewandt wird. Sie enthält noch keine Vorentscheidung darüber. in der der Gesetzgeber mit einem Verfahren nach dem anderen Bedürfnisse der Gesellschaft zu befriedigen sucht. daß in der Wahl schon entschieden würde. und erst dadurch entscheidet sich. wer für welche Gesetze stimmt. ob und welche Entscheidungen des Gesetzgebers. Der Wähler entscheidet. braucht deshalb auch gar nicht koordiniert zu werden mit der Reihenfolge. die Gewählten zu wirkungsloser Opposition verurteilt. der Verwaltungsbehörden oder der Gerichte er im Wege der Wahl sanktionieren will.

Daß man den Volksvertretern. die sich durch Differenzierung von Verfahren gewinnen lassen. daß man abänderbare Normen als feststehend behandeln kann. seine Komplexität. sondern auch Widerspruchsvolles nebeneinander geschehen lassen. Dank solcher strukturell eingebauter Freiheiten kann die Komplexität des Systems über das hinauswachsen. aber nur in der Form eines allgemeinen Schemas. sehr komplexen politischen Systemen auf diese widerspruchsvolle Weise zustande. die man wählt. Die Vorteile eines Auseinanderziehens von Prozessen des Lernens und der Enttäuschungsbearbeitung. Zusammenhänge zwar allgemein sicherzustellen. Sie beruht einmal auf einem Mechanismus der Distanzierung vom Geschehen der Programmierung mit diffuser. Die fraglose Sicherheit. Rollenübernahme und soziale Isolierung des einzelnen zustande. So kann das System nicht nur die Vorteile der Spezialisierung von Fähigkeiten gewinnen. das die Variation der konkreten Verknüpfung nicht verhindert. kann unter entgegengesetzten Prämissen zugleich operieren und dadurch die Zahl seiner Handlungsmöglichkeiten. auch gehorcht. Die Trennung verschiedener Ebenen der Generalisierung hat genau diesen Sinn. vertagen. was an sinnvollen Aktionszusammenhängen vorausgesehen werden kann. ist ein weiteres Beispiel. symbolisch vermittelter Vergemeinschaftung der Miterlebenden. Auch Legitimation kommt in stark differenzierten. für ein regelmäßiges Auswechseln der Machthaber durch die ihnen Unterworfenen zu sorgen. dessen konkrete Konstellation nicht mehr voraussehbar ist. mit der in hochentwickelten Gesellschaften verbindliche Entscheidungen des politischen Systems abgenommen werden und die 247 . verschiedenartige Prozesse nebeneinander einzurichten. steigern. aber ihre Verwirklichung auf den Einzelfall zu. Funktionale Differenzierung ermöglicht es einem System. hatten wir bereits kennengelernt. die darauf angewiesen ist.fahren zwar aneinander gebunden. die nicht in einem Verhaltenskontext zusammengefaßt werden könnten. Ohne Differenzierung von Verfahren wäre es nicht möglich. Das gleiche gilt für die Positivierung des Rechts. Demokratie hängt von Differenzen ab. sondern ermöglicht. zum anderen kommt sie in den programmausführenden Gerichtsverfahren durch handlungsmäßige Einbeziehung.

daß beide Mechanismen nebeneinander und. 248 . in bezug aufeinander funktionierenkönnen.Erwartungen effektiv umstrukturieren. trotz ihrer Gegensätzlichkeit. scheint in hohem Maße darauf zu beruhen.

S. sondern nur noch durch den gemeinsamen Horizont der Welt zusammengefaßt werden. Trennung sozialer und personaler Systeme kann natürlich nicht dinglich-konkret vollzogen werden in dem Sinne. New York-Toronto-London 1 9 5 9 . z. S. 1 3 . S. ferner vor allem Soziologen und Sozialpsychologen. Gemeint ist nur. Bd. B.8 . Herbst: Situation Dynamics and the Theory of Behavior Systems. New York-London 1964. daß einmal das soziale System und ein anderes Mal das personale System handelte. Hunt/Harold M. Chris Argyris: The Inregration of the Individual and the Organization. Als Beispiele für diese Auffassung siehe etwa P. die auf diese Weise das Verhältnis der Persönlichkeit zu ihrer sozialen Umwelt zu begreifen suchen. G.): Psychology. Merron Gill: The Present State of Psychoanalytic Theory. S. A Study of a Science. Behavioral Science 2 ( 1 9 5 7 ) . J. ders. Homewood I I I . die aber nicht mehr in einem übergreifenden System aufgehoben und integriert.9 8 - 249 . New York-London 1 9 3 7 . Schröder: Conceptual Systems and Personality Organization. zugerechnet werden und daß. Harvey/David E. In: Sigmund Koch (Hrsg. Grenzen setzender Systeme erforderlich werden. In: Chris Argyris u. daß es im Sinn des Handelns Aspekte gibt.2 9 .a. Die moderne Systemtheorie bietet die Möglichkeit.4- Trennung sozialer und personaler Systeme Von der funktionalen Differenzierung sozialer (oder auch anderer) Systeme zu unterscheiden sind Systemtrennungen. ¡ 7 . Keineswegs alle Psychologen würden ihr Forschungsfeid durch eine Theorie personal integrierter Handlungssysteme definieren. New York-London 1 9 6 1 . ob und wieweit und durch welche Strukturen und Prozesse diese Trennung in bestimmten Gesellschaften durchgeführt w i r d . die Reaktionen 1 1 Wie in der Soziologie ist natürlich auch in der Psychologie die Systemtheorie umstritten. Sie bedeutet auch nicht Isolierung im Sinne einer Negation wechselseitiger Beeinflussung. in. aber nicht beiden zugleich. 1 9 6 2 .7 1 1 . The Journal of Abnormal and Social Psychology 58 ( 1 9 5 9 ) .: Social Structure and Personality. die entweder einem sozialen System oder dem personalen System. Plant: Personality and the Cultural Pattern. wenn dies so ist. 1 . soziale und personale (das heißt: durch eine individuelle Persönlichkeit integrierte) Handlungssysteme zunächst einmal analytisch zu trennen und dann zu fragen. 6 1 2 . die durch die Konstituierung relativ autonomer. O. James S. Talcott Parsons: An Approach to Psychological Theory in Terms of the Theory of Action.: Social Science Approaches to Business Behavior.

und in das soziale System des Ladens im weiteren Rahmen des Wirtschaftssystems der Gesellschaft. daß der einzelne genug Spielraum hat. das Maß ihrer Kritik an der Ware. 3 Von diesem Grundgedanken aus kann vor. allem das Phänomen zunehmender Organisation aller Sozialsysteme begriffen werden. also sich von individuellen Motivkonstellationen weitgehend unabhängig zu machen. die einerseits persönliche Motivierungen neutralisieren und andererseits soziale Determination so weit abbremsen. 4 3 . Für alle Beteiligten an einer solchen Szene ist es wichtig. 2J0 . 2 3 2 Vgl. daß sie erlebten Sinn richtig auf Systeme zurechnen können. Er braucht ein Integrationsprinzip jenseits der sozialen Systeme. Berlin 1964. vielleicht die Wahl der Worte und Menge und vor allem alles abweichende und störende Verhalten werden dagegen ihrer individuellen Persönlichkeit zugerechnet. weil sie sonst zu falschen Erwartungen und unverständlichen Reaktionen kommen. daß man um Preise nicht feilscht. Die Notwendigkeit solcher Systemtrennungen und die entsprechenden Anforderungen an das Verhalten wachsen mit zunehmender Komplexität der Gesellschaft. strukturkonformes. gehören Sinnelemente ihres Handelns in das soziale System ihrer Familie. die sie versorgt. Umgekehrt sind die sozialen Systeme jetzt darauf angewiesen. etwa ein sozial festgelegtes Verhalten persönlich umzumotivieren suchen oder mit persönlichen Vorwürfen bedenken . die zum Beispiel institutionalisiert hat. praktisch durchführbare Handlungsabfolge nur noch als Persönlichkeit zusammenbringt. um eine persönliche Verhaltenslinie zu entwickeln . zur Individualisierung der Persönlichkeiten. Siehe Niklas Luhmann: Funktionen und Folgen formaler Organisation. daß er eine einigermaßen konsistente. Der Stil ihres Auftretens. Wenn zum Beispiel eine Frau im Schlachterladen Wurst kauft. das ist allgemein anerkannt.entsprechend differenziert werden müssen. erwartbares Handeln sehr verschiedener Individuen sicherzustellen. dazu die Bemerkungen über Sichtbarkeit von Systemgrenzen oben S. Zwischen soziale und personale Systeme müssen daher generalisierende Transformatoren und Mechanismen wechselseitiger Indifferenz dazwischengesdhaltet werden. Soziale Differenzierung führt. Der einzelne erlebt sein Handeln als durch so viele und immer wieder wechselnde soziale Systeme beansprucht.

Chris Argyris: Personality and Organization. ist der Soziologie das Begreifen dieser Lage schwergefallen . so als ob eine Wiederverschmelzung wünschenswert wäre. S. über ^adaptive segregation«. Chicago I9S4» S. zumindest kann man es schlecht in Frage stellen. . Lazarsfeld/William N. S. Robert Dubin: Industrial Workcrs' World. wenn der einzelne sich aus freien Stücken in das soziale Ganze einfüge und die Überzeugungen anderer teile. es sei zu begrüßen. Means and Ends in a Rational Organization. New York 1 9 6 2 . 5 Vielleicht am weitesten fortgeschritten ist die Wahlforschung mit der Einsicht. insbes. wie w i r es in modernen 4 5 4 Eines der Hindernisse lag in der Art.1 4 2 .Aus Gründen. 251 . David L. Es ist aber gerade die Frage.. nur sei das leider oft nicht der Fall. Auch in der Organisationssoziologie nimmt das Interesse an Desinteresse zu bis zu der Einsicht in positive Funktionen der Indifferenz.so etwa Bernard R. ob hohe Konformität der Meinungen nicht gleichbedeutend ist mit geringer Komplexität der Systeme. 1 9 J 7 . Berelson/Paul F. mit wenig Alternativen und entsprechend hohen Bestandsrisiken. in begrenzterem Umfange. Definiert man Legitimität in der üblichen Weise durch die Verbreitung der Oberzeugung von der Geltung oder der Richtigkeit der staatlichen Entscheidungen. S u i s : The Volunteers. London 1 9 5 1 . S. die hier nicht im einzelnen dargelegt werden können. S.. A Study of Opinion Formation in a Presidential Campaign. An einzelnen Stellen hat vor allem unbefangene empirische Forschung den Sinn solcher Trennfunktionen gegen ein herrschendes Vorurteil erkennbar gemacht . mit dem RollenbegrifF bereit. Social Problems 3 ( 1 9 5 6 ) . dieses Vorurteil für Konformität zu zementieren. Man muß bezweifeln.. New York 1 9 5 7 .eine Auffassung. Siehe z . 3 1 4 ff. Ebenso verfehlt ist eine zweite dem 1 8 . McPhee: Voting.. S. die ihrerseits in der Unfähigkeit wurzelte. daß Apathie positive Funktionen haben kann . An AnaIysis and a Theory. 1 3 1 . The Conflict between System and the Individual. Robert Presthus: The Organizational Society. 89 ff. Elliott Jaques: The Changing Culture of a Factory. 18 ff. A Study of the »Central Life Interest« of Industrial Workers. B . das Verhältnis sozialer und personaler Systeme durch den Gegensatz von Zwang und Freiheit zu bestimmen. 205 ff. und 1 9 . Jahrhundert entstammende Tendenz. wie die Trennung sozialer und personaler Systeme als »Entfremdung« problematisiert wurde. ob ein hochkomplexes politisches System. speziell unter dem Gesichtspunkt des Akzeptierens der Entscheidung. 302 ff. Viele andere Forschungsbereiche sind jedoch immer noch von der undifferenzierten Vorstellung beherrscht. ist man in Gefahr. Glencoe III. Widersprüche als sinnvoll und stabilisierbar zu erkennen. Das begriffliche Instrumentarium für ihre Analyse steht mit der Systemtheorie und.

$ . verstellt man sich die Möglichkeit. seine Stabilität noch aus einem Grundbestand fester. in seinen Verfahren also jeweils genug Alternativen erzeugen und reduzieren kann. dafür Vorsorge treffen. Manches spricht in der Tat dafür. 2. durch den früher Unmögliches möglich wird und dann auch gedacht werden muß. wenn es nur selbst hinreichend komplex organisiert ist. Geht man davon aus.2 . kommt es darauf an.solche Denkvoraussetzungen stehen hinter der klassischen Verf ährenstheorie. das Thema Legitimation durch Verfahren angemessen zu behandeln.Industriegesellschaften typisch beobachten können. denn sie allein steht fest und kann alle überzeugen. daß aus NichtSeiendem nicht Seiendes. volle Gleich6 6 Zur Unvorstellbarkeit solcher »autojustificacion« im Rahmen des klassischen Denkens und zu der dann unvermeidlichen Absicherung im Naturrecht sei nochmals hingewiesen auf Luis Legaz y Lacambra: Legalidad y legitimidad. Wenn dem so ist. In Wirklichkeit ist jedoch in den schon wirkenden Institutionen ein ganz anderes Denken impliziert. ober ob es seine Bestandsfestigkeit nicht gerade der Heterogenität und dem Fluktuieren individueller Meinungen verdankt. Daß Sein und Nichtsein sich ausschließen.2 1 . Revista de Estudios Políticos I O I ( 1 9 5 8 ) . Die moderne Gesellschaft hat einen Grad der Komplexität erreicht. Dazu ist keineswegs universeller Konsens. daß die Umstellung von der einen auf die andere Basis bereits weit fortgeschritten ist. Hält man eine solche Transformation für ausgeschlossen. Ein politisches System kann. die Variabilität in Stabilität transformieren. hinter dem üblichen Legitimitätsbegriff und hinter dem Konformitätsideal. aber legitimieren tut nur die Wahrheit selbst. aus Unsicherem nichts Sicheres werden könne. weil auf Flugsand nicht sicher gebaut werden könne. die eine gleichartige Motivlage voraussetzen. allgemein verbreiteter Rechtsüberzeugungen gewinnen kann. diejenigen Strukturen und Prozesse zu erkennen. lassen Verfahren sich allenfalls als Mittel der Wahrheitsfindung rechtfertigen. daß seine Entscheidungen durchgehend als verbindlich akzeptiert werdendes kann soziale Erwartungen damit effektiv umstrukturieren und in diesem Sinne sich selbst legitimieren . daß Wahrheit richtige Vorstellung des Seienden sei und dadurch verbindlich sei . S.

wenn Wahrheit politisches Ziel bleibt und Konformität Wahrheit beweist. S. Das oft bemerkte Umschlagen demokratischer in totalitäre Ideale hat dann eine bestediende Konsequenz. 7 7 Hierzu auch Niklas Luhmann: Soziologie des politischen Systems. Sie stellen sich auf diese Komplexität ein. zugleich Erwartungen seiner Umwelt zu ändern.S c h a l t u n g oder gar totale Politisierung der Gesellschaft erforderlich. Auf diesen Ausweg verfällt man. Die Reduktion dieser Eigenkomplexität (im Unterschied zu derjenigen der Gesellschaft) können sie steuern durch eine Kombination verschiedenartiger Verfahren. 7 0 5 . daß es eigene Entscheidungsmöglichkeiten ausnutzt. indem sie die eigene Komplexität erhöhen. die in funktionaler Differenzierung zugleich eine politische Anpassung des Systems an seine Umwelt und eine administrative und justizielle Anpassung der Umwelt an das System zu erreichen suchen. Ein solches System hat hohe Chancen dadurch. Sie konstituieren sich durch Ausdifferenzierung aus einer gesellschaftlichen Umwelt. 253 . Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie zo (1968). Gelingt ihm das effektiv. um sich zu legitimieren . legitimiert es sich durch Verfahren. die sie als übermäßig komplex und im einzelnen weder planbar noch beherrschbar voraussetzen. wenn man die klassischen Prämissen beibehält und auf eine ihnen längst entwachsene Wirklichkeit anwendet.7 3 3 . Unter anderen Prämissen lassen sich jedoch auch politische Systeme denken. die keine volle Herrschaft über ihre Umwelt benötigen.

.

. . Selbstdarstellung ..des Rechts 145 .. Akzeptieren 32 ff. 167 Beweisführung 60 ff. 197 Abweichungsstabilisierung i n . 69 ff. 109 f. 59 ff.von Ungewißheit 44. 105 f. Ausdifferenzierung -. 1 9 1 .. . Identität.. 197 Alternativen..von Protesten 1 1 6 f. Ablehnung wegen 1 1 6 f.. politische 1 6 1 f. Rollendifferenzierung..Sachregister Absorption von Konflikten 163 f. . rechtliches Gehör Autonomie 43. 171 . 109 ff.öffentliche des Verfahrens 1 2 1 f f .als glaubwürdig 67 . 1 1 4 ff. Allgemeinheit der politischen Wahl 1 5 9 Ambivalenz von KonfliktsSituationen 102 Anerkennung s. funktionale 242 ff.. 185 ff. Begründung von Verwaltungsakten 2 1 4 f.Konsistenz von 91 f. 47.des Verfahrens 20 f.der Entscheidungen 66 . 185 Dissonanz. freie 63 Bürokratie 18 ff. 22 Distanz. 94. 2 5 1 Anm. 5 Ausdifferenzierung des politischen Systems 1 5 7 f. 247 Dienstleistungsbetriebe 208 f. Befangenheit. 1 1 8 f. 197 s. Belastungsgrenze 77 f. soziale 194 2J5 . Abweichende Strukturen im Gesetzgebungsverfahren 185 ff. 1 7 3 Apathie. 1 2 8 .. .des politischen Systems 244 fr.. s. kognitive 1 1 7 Anm. Differenzierung s. Rollentrennung Aussagefreiheit 97 f. 47. 1 1 9 f.. Politik und Verwaltung Diskussion 1 5 .. . 106. Ausschußarbeit im Gesetzgebungsverfahren 189 f.Zurechnung von 44 Demokratie 1 5 1 ff. 129 Beteiligung als Motivationsmechanismus 82 ff. Darstellung 91 ff. Akzeptieren Anhörung s. s. Beweiswürdigung. politische 1 9 1 f...

. j j f .. 230. 75 f. 2 3 2 s. 174 ff. Verfahrensgeschichte Gesetzesbegriff 16 Gesetzesentwürfe 188 f.Doppelte Selektivität 233 Drama..von Konflikten 75. 1 3 2 .. 67 Gleichheit der Parteien 103 f. . .. 170 s. Gesetzgebung 64 s. 1 0 1 f. 197 f.. Positivität Gesetzgebungsverfahren 15 f.des politischen Systems 1 5 2 . 1 3 9 f. 233 ff. 203 ff.des Verfahrens 107 ff. Sicherheit 256 2 Geheimhaltung der Stimmabgabe 1 5 9 f.. abweichende Strukturen. Konsistenz Entscheidungsprämissen Entscheidungsprözesse/Verfahren 174 f. Herstellung.. Öffentlichkeit. s. Führung. 49. Herstellung Entscheidungstheorie 203 f. s.des Stimmgewichts 1 5 9 . Due process 19 Entscheidungen. 166 f. Problematisierung der 226 f. 172 f. 198 Gottesurteil 60 Herstellung und Darstellung von Entscheidungen 124 Hierarchische Struktur des Rechts 142 . 240 Erkennbarkeit von Systemen 43. 230 f. informale im Gesetzgebungsverfahren 186 f. informale Kontakte. Fraglosigkeit. Sollen Generalisierung 3 2 . bindende 29 fr. Plenarsitzungen Glaubwürdigkeit 62 f. 245 ffGeschichte als Reduktion 146. 1 7 7 f.. 29 f. Darstellung. 1 7 1 . Entweder/Oder-Struktur 3 1 . 250 Erklärung von Enttäuschungen 35 Expressive/instrumentelle Variable 223 ff. Federführung 206 Förmliches Verwaltungsverfahren 2 1 7 Fraglosigkeit legitimer Geltung 28. Gegenwart..... 196 f. Politik als 195 f. 34. s. . Entscheidungszwang 21 Enttäuschungsverarbeitung i n f. 247 f. 245 ff.. Geltung 1 2 1 s. 149. 244 .. 1 5 5 . IOJ Gerichtskundigkeit v o n Tatsachen 66 Gerichtsverfahren 16 ff.. Ausschußarbeit. 243.

1 1 7 ff.. 185 f. 178 Justiz.. Konsens. 1 6 . Identität 84 f. Individuum s. Internalisierung .. 52.und Konflikt 50 f. symbolische 194 ff. 2$ 1 ff. Regelung. Kosten der 2 1 3 f. 49 f. 33 Interessenvertretung 164 ff. kontradiktorisches Verhandeln. Integrationstheorie (Smend) 194 Anm. s. Urteilskritik Langsamkeit der Verfahren 70 Legalität 28 f. Akzeptieren Konsistenz von Darstellungen 91 f. Indifferenz. 143 ff. 182 ff. 2 1 0 Konflikt 49. 208 f. Konditionalprogramme 130 ff. 100 ff. . Absorption.von Konflikten 100 ff.. 167 f. . Kontrolle. 196 f. 1 6 1 ff. s. Internalisierung 35. Ambivalenz.. 1 6 1 ff.von Entscheidungen 36 Kooperation der Betroffenen 208 f..Identifikation. »Image« von Politikern 1 8 1 . Generalisierung. s. Persönlichkeit Informale Kontakte 186 f. s. Konflikt Kontaktsysteme j% ff. 100 ff. s... Generalisierung.. Akzeptieren 2)7 . Institutionalisierung. Instrumentelle/expressive Variable 223 ff. Kritik s. wechselseitige 103 Konsens 28. Information 188 Informationsbeschaffung. politische 1 9 1 f. Sozialisation Konkurrenz 1 4 . Korruption 64 f. Internalisierung. Wahrheit Isomorphie des Konfliktslösungsmechanismus 1 0 2 . Informationsstand des Publikums 1 9 1 Institutionalisierung der Anerkennung von Entscheidungen 1 2 2 f. negatives Setreotyp der 112 Komplexität 4 1 . s. Kontradiktorisches Verhandeln 49 f. Spezifikation Konformität s. Intersubjektive Übertragbarkeit 24 f. 239 ff. Isomorphie. 1 2 1 . -. informale im Gesetzgebungsverfahren 186 f. Legitimität 27 ff.

Politik und Verwaltung Positivität des Rechts 3 1 . 3 Moralisierung des Rechts 105 Mündliche Verhandlung im Verwaltungsverfahren 2 1 1 ff. Liberalismus. Unterstützung. 1 0 . Wahl . Normänderung 46 f. Gesetzgebungsverfahren Parteibildung 186 Parteifähigkeit 1 2 1 f. 1 9 1 Öffentlichkeit des Gerichtsverfahrens 1 2 3 ff. s. 237. Demokratie. 85. Natur 16 Anm. Alternativen. richterliche Rechtsfortbildung Normen und Tatsachen 71 f.Lernen 33 ff.. Parteipolitik 1 5 4 s.. 108 Persönlichkeit/soziales System 1 1 9 . Persönliches/unpersönliches Verhalten 85 f.. 35 Persönlichkeitsstruktur 33 f... »Image«. 238 f. hierarchische Struktur. Ausdifferenzierung. 249 ff. Plenarsitzungen...des Gesetzgebungsverfahrens 189 Offenkundigkeit von Tatsachen 66 Organisation 203 f.227 Macht 25 f. Mehrzahl Persönliche Beziehungen 186 f. 2>of. 192 f. 1 7 5 s. 148. Lernen Planung des Entscheidungsprozesses 205 ff..... Differenzierung. 1 1 Naturrecht 144. öffentliche Meinung 104 Anm. 1 5 3 . s. Rekrutierung. Gesetzgebung. Apathie. Parteipolitik. 209. Themen. 164 Machtsummenkonstanz 176 ff. Verfahrenskonzeption 7 f... 258 Parlament 1 5 . 141 ff. 1 0 7 ff. 235 ff. . 2 1 6 Politische Freunde 186 Politische Neutralisierung durch Gerichtsverfahren 1 1 8 . 1 4 2 . 176 ff. Massenmedien 124 fr. 95 f. 122. 1 4 7 Anm. 64. 196 Mehrzahl politischer Parteien 182 Moral/Recht 1 4 5 . Politisches System s. parlamentarische 190 Politik s. 146 ff. 169. 247 Presse s. Massenmedien . Mehrheitsprinzip 2 1 . 11 ff. 61 Anm. 1.und Verwaltung 183 f.

Informationsstand.. richterliche Rechtsfortbildung Rechtliches Gehör 86 Anm. Rolle 47 ff. archaische 40. Sanktionen 235 f. 1 8 1 f. — im Verfahren 1 0 3 . Rationalisierung der V e r w a l tung 2 1 7 f. s. Prozeßrisiko. Ungewißheit Ritual 38 ff. 82 Anm. 86. Planung Rechenschaftsiegen 92 s. Folgenverantwortung Recht als Struktur 1 4 3 ff.233 Prozeßrisiko $1 Anm. 1 3 4 . Unabhängigkeit. Risiko s.. Recht/Moral 61 Anm. 1 Regelung von Konflikten 5 1 . Rollendifferenzierung. Befangenheit.. Ressentiments 1 1 2 Richter 64 f. 100 ff. Schlichtungsverfahren. in Anm. Öffentlichkeit Radikalisierung des Streites 105 s. politische 156 ff.im politischen System 166 f. 2 3 1 s. Rollendistanz 98 f. 20 259 . 2 2 1 f. expressive/instrumenteile 228 . s. 61 ff. 82 Rollendifferenzierung. Rekrutierung. hierarchische Struktur des Verfahrens.Programmierung s. Gesetzgebung Rechtssoziologie 12 f. 1 5 7 ff. 20 s.. Ausdifferenzierung Rollenübernahme 82 ff.. Generalisierung von Konflikten R a t 87 f. Rechtsfragen und Tatfragen 72 Rechtsfrieden 17 Rechtsgespräch 11 j Rechtskraft 129 Rechtsetzung/Rechtsanwendung 140. 237 f. 1 0 7 f. 223 Rechtsstaat 1 9 . 2 1 3 f. Rechtsschutz 17. Ungewißheit »Publicity« 124 ff. 1 1 7 Anm. Publikum s. s. 8. Repräsentation 13 f. Gesetzgebung Programmtypen 1 3 0 ff. Rollentrennung 48 f. 96. 3. Prozeß/System 41. Wissen Richterliche Rechtsfortbildung 237 f. 14$ Rechtsänderung s. Rechtsetzung.206. Positivität.. 1 0 .

intersubjektive 23 f. .. Lernen Umweltdifferenzierung 71 f. 15 j . 1 0 2 .von Konflikten 1 0 2 Staatsformenlehre 1 5 3 Status quo 189 Stereotypen. s. 163 Unparteilichkeit. Geltung Soziale Kontrolle 1 5 7 f. Recht als Struktur. soziales System . 1 1 6 f.. Erkennbarkeit von 43 Sy stem theorie 3 8 . 4 1 Takt 104 Anm.. 112'f. Konflikt. Geschichte Übertragbarkeit. negative 1 1 2 Strafgerichtsbarkeit 57 f. Radikalisierung Struktur 42. Mensch als 24. Internalisierung. Selbstverständlichkeit s. 3 2 . richterliche 1 1 6 . Fraglosigkeit Selektives Verhalten 40 Selektivität. . Unabhängigkeit.und Enttäuschung 233 ff. 2 1 1 f. 76 f. Internalisierung Spezifikation der Unzufriedenheit 1 1 5 ff. Wahrheit Überzeugungen 27. 1 9 2 . Subjekt. Umstrukturierung . 91 ff. System s. politische 195 f.Selbstbindung 93 ff. Unbestimmtheit. Selbsthilferecht 1 0 0 f. 192 f. 128. Streit s./Prozeß 4 1 . Themen. Persönlichkeitsstruktur. 179 f. 94. 47. 233 s. 1 7 1 Synchronisation des Verhaltens 45 f. politisches System. Sozialisation Umstrukturierung von Erwartungen s. Konsens. 105 f. 233 Systemgrenzen. 249 ff. 173 Ungewißheit des Verfahrensausgangs 40. 1 4 . doppelte 233 Sicherheit 146 f. 1 8 7 f.. 232 Sollen 239 f. 10 Taktik 67. . Soziales System 3 8 f r .. 169. s. -/Persönlichkeit 35. 1 3 3 ff. Tatsachen und Normen 71 f. richterliche 1 1 6 . Sozialisation 32 Anm. s.. strukturelle i j i .. Tradition s. 51 f. Selbstdarstellung 67. Entweder/Oder-Struktur.des Rechts 14 j f. 94..119. 109 260 Symptome des Wählerwillens 165. s. 2 5 1 f. hierarchische Struktur. 1 2 7 f.

251 Anm. 105 f. 5 Wahrheit 15 f. 149./EntScheidungsprozeß 174 f. s. 17 ff.. 208 . Wahl. 169. 180 Verfahrenstheorie. allgemeine 11 f. Zentralisierung der 1 0 1 Zweck s.. Langsamkeit. politische 1 5 1 ff. 245 ff. 7 1 ... 108 Unterstützung. 42. Entlastung von 48 f. politische 13 f. 203 ff. Herstellung Verfahrensgeschichte 40. 153 f.. 243. 227 Vertretung 108 Verwaltungsgerichtsbarkeit . 195 Verfahrensrecht 36 f.... Wahl. 2 3 2 . 1 1 . 244 Verwaltungsverfahrensgesetz (Musterentwurf) 20$. 164 ff. Zivilgerichtsbarkeit 57 f. öffentliche 128 ff.. 215 ff.. 1 8 1 . 1 8 1 f. 104 Anm. Zeit 2 2 6 .. 1 9 3 . Verantwortlichkeit. Gesetzgebungsverfahren. Welt 41 Wissen.. 1 4 8 . Spezifikation der 1 1 5 ff. Verwaltungsverfahren 203 ff. 1 2 9 ff. 180.. Wahlforsdiung. 15 5 ff. 43 ff. Zielsetzung von Verfahren 1 3 ff. 1 2 3 ^ . Gerichtsverfahren. 2 1 1 . 9$ f..Unpersönliches/persönliches Verhalten 8$ f. 7 f. 105 Anm.. 223 f. Zielsetzung .zur Informationsverarbeitung 70.. Verwaltungsverf ahren.. 1 0 2 Zeremoniell. hierarchische Struktur.. 187 f. 1 7 2 . 252 f.. Zuschauer 1 2 3 ff. 1 7 5 . Zielsetzung Zweckprogramm 1 3 0 .. 44 . 229 f.. 209 Unzufriedenheit. Mitwirken am 1 1 4 f. Urteilskritik. privates des Richters 65 f. politische 165 f.. 1 0 .. Zwangsgewalt. 2 1 0 Verfahren s. Zurechnung 40. 93 f.. 26 Volkswille 13 f. 195 f. 145.von Enttäuschungen 235 Zusagen. 38 Versäulung 162 Vertrauen 7 7 . empirische 168. 2 1 7 Anm.

die für moderne politische Systeme zentrale Rechtsidee des Verfahrens mit sozialwissenschaftlichen und speziell mit systemtheoretischen Mitteln nachzukonstruieren.Dieses Buch versucht. stw .

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