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Die wahre Weisheit

und die lebendige Gottesverehrung

1. Kapitel – Jesus in der Gegend von Cäsarea Philippi, Fortsetzung


(Kap.1-263)

[GEJ.04_001,01] Als Ich Mich aufgerichtet habe und alle, die mit Mir
über drei Stunden lang recht süß geschlummert haben, berufe Ich
sogleich die drei zu Mir und frage sie, warum sie sich denn nicht
auch die drei Stunden hindurch dem stärkenden Schlafe ergeben
haben.

[GEJ.04_001,02] Sagt Mathael: „Herr! Du Herrlicher, Du Weisester!


Wer kann schlafen, so er durch Dein Wort ohnehin die mächtigste
Stärkung erhielt! Wir sind alle drei so gestärkt, als hätten wir die
ganze Nacht allerbestens geschlafen! Wir aber haben die drei
Stunden in Deinem Namen – so gut, als es uns möglich war –
benutzt und haben vermittels Deiner gnädigsten Zulassung Dinge
erfahren, von denen wohl noch keinem Sterblichen je etwas
geträumt hat. Dafür wir Dir nun aber auch den innigsten und
wärmsten Dank abstatten; Du bist der Herr, und allenthalben bist
Du allein alles in allem; Dir allein darum aber auch alle unsere Liebe
und höchste Achtung!"

[GEJ.04_001,03] Sage Ich: „Gut denn, Ich weiß, was ihr alles
besprochen und erfahren habt vor der für euch einberaumten Zeit!
Aber da ihr solches erfahren habt, so behaltet es vorderhand bei
euch und machet auch nachderhand keinen unrechten Gebrauch
davon; denn solches fassen die Kinder dieser Erde nicht; denn sie
sind nicht von dorther, von woher ihr seid. Ihr werdet aber noch viel
Größeres erfahren; wenn der Heilige Geist über euch kommen wird,
den Ich dereinst aus den Himmeln über euch ausgießen werde, der
wird euch erst in alle Wahrheit leiten! Das wird sein der Geist der
Liebe, der Vater Selbst, der euch ziehen und lehren wird, auf daß ihr
alle dorthin kommen möget, da Ich sein werde.

[GEJ.04_001,04] Denn wahrlich sage Ich es euch: Niemand wird zu


Mir kommen, so ihn nicht der Vater zu Mir hinziehen wird! Ihr
müsset alle vom Vater, also von der ewigen Liebe in Gott gelehret
sein, so ihr zu Mir kommen wollt! Ihr alle müßt also vollkommen
sein, wie der Vater im Himmel vollkommen ist! Aber das viele
Wissen, wie auch die reichlichste Erfahrung wird euch nicht dahin
bringen, sondern allein die lebendige Liebe zu Gott und im gleichen
Maße zum Nächsten; darin liegt das große Geheimnis der
Wiedergeburt eures Geistes aus Gott und in Gott.

[GEJ.04_001,05] Jeder aber wird zuvor mit Mir durch die enge Pforte
der vollsten Selbstverleugnung ziehen müssen, bis er wird, wie Ich
bin. Ein jeder muß aufhören, für sich etwas zu sein, um in Mir alles
werden zu können.

[GEJ.04_001,06] Gott über alles lieben, heißt: in Gott ganz auf- und
eingehen, – und den Nächsten lieben, heißt ebenfalls: in den
Nächsten ganz eingehen, ansonst man ihn nie ganz lieben kann;
eine halbe Liebe aber nützt weder dem, der liebt, noch dem, der
geliebt wird.

[GEJ.04_001,07] Wenn du von einem hohen Berge die volle Aussicht


nach allen Seiten hin haben willst, so mußt du in jedem Falle dessen
höchste Spitze erklimmen; denn von einem unteren Höhenpunkte
wird dir von der Ganzaussicht stets ein guter Teil verdeckt bleiben.
Also muß denn auch in der Liebe alles und das Äußerste aus dem
Innersten heraus geschehen, damit ihre Früchte an euch offenbar
werden.

[GEJ.04_001,08] Euer Herz ist ein Acker, und die tätige Liebe ist das
lebendige Samenkorn; die armen Brüder aber sind der Dünger für
den Acker. Wer aus euch in den wohlgedüngten Acker viel der
Samenkörner legen wird, der wird auch eine Vollernte machen. Mit
je mehr Armen ihr den Acker düngen werdet, desto kräftiger wird er
sein; und je mehr der guten Samenkörner ihr hineinlegen werdet,
desto reicher wird die Ernte ausfallen. Wer da reichlich säen wird,
der wird auch reichlich ernten; wer aber sparsam säen wird, der
wird auch sparsam ernten.

[GEJ.04_001,09] Darin aber liegt die höchste Weisheit, daß ihr weise
werdet durch die lebendigste Liebe. Alles Wissen aber ist ohne die
Liebe nichts nütze! Darum bekümmert euch nicht so sehr um ein
vieles Wissen, sondern daß ihr viel liebet, so wird euch die Liebe
geben, was euch kein Wissen je geben kann! Es ist ganz gut, daß ihr
drei die drei Stunden zur vielfachen Bereicherung eures Wissens
und eurer Erfahrungen alleremsigst verwendet habt; aber alles das
würde für sich eurer Seele wenig nützen. So ihr aber in der Folge die
Zeit also emsig der Liebe zum Nächsten opfern werdet, so wird
euch ein Tag schon von größerem Nutzen für eure Seelen sein!
[GEJ.04_001,10] Was nützete es euch vor Mir, so ihr euch nahe
auflösen möchtet vor Verwunderung über Meine Macht, Größe und
nie ergründbare Herrlichkeit, außerhalb eures Hauses aber weineten
arme Brüder und Schwestern vor Hunger, Durst und Kälte? Wie
elend und zu gar nichts nütze wäre ein lautes Jubel- und
Lobgeschrei zur Ehre und zum Ruhme Gottes, über dem man das
Elend des armen Bruders überhörete! Was nützen all die reichen
und prunkvollsten Opfer im Tempel, wenn vor dessen Tür ein armer
Bruder vor Hunger verschmachtet?

[GEJ.04_001,11] Darum sei euer Forschen vor allem nach dem Elend
eurer armen Brüder und Schwestern gerichtet; denen bringet Hilfe
und Trost! Da werdet ihr in einem Bruder, dem ihr geholfen habt,
mehr finden, als so ihr alle Sterne bereist hättet und Mich gepriesen
mit Zungen der Seraphim!

[GEJ.04_001,12] Wahrlich, Ich sage es euch, alle Engel, alle Himmel


und alle Welten mit all ihrer Weisheit können euch nicht geben in
Ewigkeit, was ihr erreichen könnet, so ihr einem Bruder, der im
Elende war, wahrhaft geholfen habt nach aller eurer Kraft und nach
allen euren Mitteln! Nichts stehet höher und näher bei Mir denn
allein nur die wahre, tätige Liebe!

[GEJ.04_001,13] So du zu Gott betest und hörst, solange du betest,


die Klagestimme deines armen Bruders nicht, der in deiner
Betstunde zu dir um Hilfe gekommen ist, dann sei verflucht dein
leeres Geplärr! Denn Meine Ehre bestehet in der Liebe – und nicht
im eitlen Geplärre deines Mundes!

[GEJ.04_001,14] Ihr sollet nicht sein, wie da Jesajas gerufen hat:


,Siehe, dieses Volk ehret Mich mit den Lippen; aber sein Herz ist
ferne von Mir!‘, sondern so ihr zu Mir betet, da tuet das im Geiste
und in aller Wahrheit! Denn Gott ist ein Geist und kann nur im
Geiste und in der Wahrheit angebetet werden.

[GEJ.04_001,15] Das wahre, Mir allein wohlgefällige Gebet im Geiste


besteht demnach nicht im Bewegen der Zunge, des Mundes und der
Lippen, sondern allein in der tätigen Ausübung der Liebe. Was nützt
es dir, so du mit vielen Pfunden Goldes eines Propheten Grab
geschmückt hast, hast aber darob die Stimme eines leidenden
Bruders überhört?! Meinst du, Ich werde daran ein Wohlgefallen
haben? Tor! Mit zornigen Augen wirst du von Mir angesehen werden,
darum du eines Toten wegen die Stimme eines Lebendigen überhört
hast!"
Band 4 (GEJ)

Lehren und Taten Jesu während Seiner drei Lehramts-Jahre.

Durch das Innere Wort empfangen von Jakob Lorber.

http://www.wahre-wege.de/lorber-webspace/johannes4.htm
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