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Wahre Gottesverehrung.

Der Irhael Rede. »Nicht Bethäuser, sondern Herbergen und


Krankenhäuser für Arme sollt ihr Mir bauen!« Hinweis auf
den Tempel der Schöpfung

49. Kapitel

01] Sagt der Oberpriester: „Ich bin nun ganz in der Ordnung und
hoffe, daß es in kurzer Zeit auch diese ganze Ortschaft werden wird.
Aber eine Frage noch erlaube mir, und diese eine Frage bestehe
darin: Sollen wir nun noch den Berg und Dein altes Haus ehren und
dort Deinen Sabbat heiligen, oder sollen wir von nun an uns hier ein
Haus erbauen, in dem wir uns versammeln möchten in Deinem
Namen? Wenn letzteres Dein Wille wäre, so möchtest Du uns etwa
morgen wohl eine passende, Dir am meisten wohlgefällige Stätte
anweisen, und wir würden dann alles aufbieten, Deinem Wunsche
auch darin zu genügen!"

02] Sage Ich: „Freund, was euch und allen Menschen not tut, das
habe Ich euch heute am Berge kundgetan.

03] Zur Beachtung dessen aber bedarf es weder des alten Hauses
auf dem Berge und noch weniger eines neuen in der Stadt, sondern
allein eures gläubigen Herzens und eures festen guten Willens.

04] Als Ich gestern hierher kam und eine Rast nahm am
Jakobsbrunnen, und zusammentraf mit der Irhael, da auch fragte sie
Mich, als sie Mich näher erkannte, wo man Gott anbeten solle, ob
auf Garizim oder zu Jerusalem im Tempel. Sie soll es dir sagen, was
Ich darauf ihr zur Antwort gab!"

05] Hier wendet sich der Oberpriester an die Irhael, und die sagt:
„Also aber redete dann mit mir der Herr:

06] ,Es kommt die Stunde, und ist schon da, daß die wahren
Anbeter Gott weder auf Garizim noch in dem Tempel zu Jerusalem
anbeten werden! Denn Gott ist ein Geist, und die Ihn anbeten,
müssen Ihn im Geiste und in der Wahrheit anbeten!‘ Das sprach der
Herr; du bist ein Oberpriester und wirst nun wohl wissen, was nun
zu tun sein dürfte!
07] Ich bin der Meinung: So der Herr schon einmal uns allen die
übergroße Gnade erwies und Herberge nahm in diesem Hause, das
nicht mein, sondern Sein Haus ist und bleiben soll, so soll dieses
Haus für immer ein denkwürdigstes bleiben, und wir wollen darin
uns allzeit versammeln in Seinem Namen und Ihm zu Ehren heiligen
den Sabbat!"

08] Sagt der Oberpriester: „Ja, ja, du hast wohl recht, so wir schon
lauter Gläubige wären; aber man muß dennoch auch für die
Schwachen irgend eine Rücksicht nehmen! Diese würden sich daran
noch mehr stoßen."

09] Sage Ich: „Irhael hat recht! Wer sich stößt, nun, der soll sich
stoßen und soll seinen Berg besteigen! Wann er dort nichts mehr
finden wird, da wird er sich dann schon von selbst eines Bessern zu
bedenken anfangen.

10] Nicht Bethäuser sollet ihr Mir fürder erbauen, sondern


Gasthäuser und Herbergen für Arme, die euch nichts zu entgelten
haben!

11] In der Liebe zu den armen Brüdern und Schwestern werdet ihr
Meine rechten Anbeter sein, und Ich werde in solchen Bethäusern
häufig unter euch sein, ohne daß ihr es sogleich merken werdet;
aber in eigens zu Meiner Anbetung mit den Lippen, wie es bis jetzt
der Fall war, erbauten Tempeln werde Ich ebensowenig von nun an
wohnen, als des Menschen Verstand in seiner kleinen Zehe.

12] Wollt ihr aber schon in einem erhabenen Tempel eure Herzen zu
Mir erwecken und vor Mir in eine rechte Demut eingehen, da gehet
hinaus in den weiten Tempel Meiner Schöpfungen, und Sonne, Mond
und die Sterne alle und das Meer, die Berge, die Bäume und die
Vögel in der Luft, wie die Fische im Wasser und die zahllos vielen
Blumen auf den Feldern werden euch Meine Ehre verkünden!

13] Saget, ist der Baum nicht herrlicher denn alle Pracht des
Tempels zu Jerusalem?! Der Baum ist ein reines Gotteswerk, hat
sein Leben und bringt nährende Frucht. Was aber ist und bringet der
Tempel? Ich sage es euch allen: nichts als Hochmut, Zorn, Neid, die
bellendste Eifer- und Herrschsucht; denn er ist nicht Gottes, sondern
nur ein eitles Menschenwerk!

14] Wahrlich, wahrlich sage Ich es euch allen: Wer Mich ehren,
lieben und dadurch anbeten wird, daß er in Meinem Namen Gutes
tut seinen Brüdern und Schwestern, der soll seinen ewigen Lohn
haben im Himmel;

wer Mich aber fürder durch allerlei Zeremonie verehren wird in


einem eigens dazu erbauten Tempel, der soll auch seinen Lohn
zeitlich aus dem Tempel haben! So er aber nach des Fleisches Tode
zu Mir kommen und sagen wird: ,Herr, Herr, sei mir, Deinem Diener,
gnädig!‘, da werde Ich dann zu ihm sagen: ,Ich kenne dich nicht;
daher weiche von Mir und suche dir den Lohn bei dem, bei welchem
du gedient hast!‘ Aus diesem Grunde sollet denn auch ihr fürder mit
keinem Tempel etwas mehr zu tun haben!

15] Aber in diesem Hause möget ihr zu Meinem Gedächtnisse


immer zusammenkommen, ob an einem Sabbate oder an einem
andern Tage; denn ein jeder Tag ist des Herrn, nicht allein der
Sabbat, an dem ihr in der Folge ebenso Gutes tun möget wie an
einem andern Tage."

Vom wahren Gebet


111. Kapitel

01] Als wir uns alle wieder am Ufer befanden, da sprach der
Hauptmann: „Herr, nun habe ich des Beweises in größter Menge,
daß du entweder der allerhöchste Gott Selbst, oder ein Sohn
desselben bist; denn das vermag kein Sterblicher!"

02] Darauf fielen alle vor Mir auf ihre Knie und wollten anfangen,
Mich anzubeten.

03] Aber Ich behieß sie, sich vom Boden zu erheben, und sagte zu
ihnen: „Höret, alles dessen bedarf Gott und Ich nicht, sondern das
allein wahre Gebet besteht in der aufrichtigen Liebe zu Gott,
dem Vater im Himmel, und gleichermaßen zu den
Nebenmenschen, die eure Nächsten sind. Alles andere Gebet hat
vor Gott keinen Wert, und vor Mir auch nicht.

04] Gott hat die Menschen auch nie gelehrt, Ihn mit den Lippen zu
verehren und die Herzen kalt zu halten. Aber weil ein Samuel vor
dem Volke laut gebetet hat, desgleichen mehrere Propheten, und
weil David Gott dem Herrn seine Psalmen und Salomo sein
Hoheslied sang, so kam das Volk zum leeren Lippengebet und zu
den kalten Opfern.

05] Aber vor Gott ist solch ein Beten und Opfern ein Greuel! Wer
nicht im Herzen beten kann, der bete lieber gar nicht, auf daß er
sich vor Gott nicht unanständig gebärde! Füße, Hände, Augen,
Ohren und Lippen hat Gott dem Menschen nicht gegeben, daß er
damit eitel und leer beten solle, sondern allein das Herz!

06] Aber dennoch kann ein jeder Mensch auch mit den Füßen,
Händen, Augen, Ohren und Lippen beten; und zwar mit den Füßen:
wenn er hingeht zu den Armen und ihnen Hilfe und Trost bringt; mit
den Händen: wenn er den Notleidenden unter die Arme greift; mit
den Augen: wenn er gerne die Armen ansieht; mit den Ohren: wenn
er gern und tatwillig Gottes Wort anhört und dieselben vor den
Bitten der Armen nicht verschließt; und am Ende mit den Lippen:
wenn er sich gerne tröstend mit den armen, verlassenen Witwen
und Waisen bespricht und für die Gefangenen nach seiner Macht
und Kraft gern ein gutes Wörtlein einlegt bei denen, die die Armen
oft schuldlos gefangenhalten, auf daß sie dieselben freiließen.

07] Also betet der Mensch mit den Lippen auch, wenn er die
Unwissenden belehrt und sie zum wahren Glauben, zur rechten
Erkenntnis Gottes und zu allerlei nützlicher Tugend beredet. Das
alles ist dann auch ein Gott höchst wohlgefälliges Gebet.

08] So ihr aber nun das wißt, da tuet auch danach, – und ihr werdet
an den Segnungen Gottes nie einen Mangel haben! Denn das heißt
dann: Gott im Geiste und in aller Wahrheit anbeten.

09] Es steht zwar wohl geschrieben, daß der Mensch ohne Unterlaß
beten soll, so er nicht in eine Versuchung fallen will; wie läppisch
und vollkommen närrisch aber wäre es, so Gott von den Menschen
ein unablässiges Lippengebet verlangen würde! Da müßten denn
die Menschen, um Gott wohlgefällig zu werden, Tag und Nacht in
einem fort auf den Knien liegen und unaufhörlich leere, herz- und
sinnlose Lippengebete, gleich den Vögeln in der Luft, herschnattern!
Wann aber würden sie dann sonst eine nötige Arbeit bestellen
können? Aber so ihr mit Händen, Füßen, Augen, Ohren und Lippen
in einem fort also tätig seid und liebet in euren Herzen allzeit Gott
und eure armen Nächsten, so betet ihr wahr und in der Tat ohne
Unterlaß zu Gott, der euch darum auch allzeit segnen und euch
darum auch dereinst jenseits geben wird das allerglückseligste
ewige Leben! – Habt ihr das wohl alles verstanden?"
10] Sagen alle: „Ja, Herr und Meister, das ist so klar und wahr, wie
klar und wahr da ist das Licht der Sonne, und wir werden alle
danach tun!"

11] Sage Ich: „Gut denn, Meine lieben Freunde, so lasset uns nun
wieder in die Stadt heimziehen!"

12] Die acht Knechte aber behieß Ebahl, daß einige von ihnen
mitgehen sollten; und er werde ihnen Brot, Wein, Fische und Früchte
geben für ihren Unterhalt. – Da machen sich gleich sechs mit auf
den Weg, und Ebahl versieht sie mit allem reichlich.

DAS GROSSE EVANGELIUM JOHANNES

Band 1 (GEJ) Kapitel 49


und
Band 2 (GEJ) Kapitel 111

Lehren und Taten Jesu während Seiner drei Lehramts-Jahre.

Durch das Innere Wort empfangen von Jakob Lorber.

http://www.wahre-wege.de/lorber-webspace/johannes1.htm
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