IMC OnAir ...

Broadcasting Show Nr. 14 – 06. März 2007 (Dienstag - 21:00-21:58 p.m.) Radiostation: TideRadio 96.0 (www.tidenet.de) Raga CDs des Monats: RagaMala-s – Teil 1 (Raga Lalit, Hindol, Dhanhasri u. Kamod) - Moderationstext / Doku v. 05.03.2007 -

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IMC OnAir / Feature “Raga CDs des Monats” 06.03.07 (21:00-21:58) / Sendeplatz: www.tidenet.de)

Hintergrund ... IMC OnAir als Radiosendung (Radio + Internet Radio (PodCasting) gliedert sich historisch und hierarchisch in folgenden Aufbau. Die Struktur soll als konzeptionelle Markenarchitektur für alle sozialen Projekte von IMC verstanden werden.
Projektbüro „Sinn-Macher.net“ – personalisierte Marke des Ideengebers und Initiators Lothar J.R. Maier mit Erstkonzeptionierung in 04/2003. Die Inhalte dieser auf „Sinn“ fokussierten Website (www.sinn-macher.net) befasst sich mit nahezu allen Aspekten rund um die Begrifflichkeit “Sinn” (z.Z. ca. 70 Webpages). – Und reflektiert das lebensphilosophische Verständnis, aus dem alle Teilprojekte wie IMC entwickelt werden.

Die Teilprojekte von IMC sind Bestandteile des Gesamtkonzeptes der EUFLETZ Stiftung i.G. (Europäisches Forschungs-, Lehr-/Lern- u. Therapiezentrum für Life-Sciences). IMC wurde gegründet zur Realisierung von musiktherapeutischen Angeboten auf der Basis indisch klassischer Musik, als Ergänzung zu dem segeltherapeutischen Konzept „3iE“. Unter IMC – India meets Classic subsumieren sich alle IMC-Teilsegmente. Das Logo darf als Dachmarke aller Teilleistungen und Sub-Brands verstanden werden. „IMC OnAir“ steht für die Broadcasting-Plattform von IMC via Radio (www.imcradio.net) und konvergenter Medien, wie das PodCasting (RSS Feeds – Push-&Pull-Technologie) oder PhoneCasting.

IMC-Förderinitiative „TablaPerformance – TablaGroup Hamburg“, das erste der Öffentlichkeit vorgestellte Teilprojekt ... unter der Themenüberschrift „Heimat – Individuum & Gesellschaft“ wurde als Weltpremiere beim Festival der Kulturen 2005 das Textrezitativ (Deutschfassung) des englischen Originalwerkes „Creative Unity“ (1922) von Rabindranath Tagore interpretiert, Indien’s grösster Philosoph und erster Nobelpreisträger für Literatur. Culturebridge „Water is Life – Living with Water“ wurde im Rahmen des Förderwettbewerbes der FHH in 4/2005 als Konzept vorgestellt. Es legt den Focus auf Live-Performances („night of ragas“) und Nachwuchsförderung (Schüleraustauschprogramm) mit dem Ziel des interkultureller Dialoges, insbesondere für den KnowHow-Transfer von Indien nach Deutschland. IMC – India meets Classic verfügt in seinem Gesamtansatz über ein Konzept für musikpädagogische Arbeit an Schulen als kleinere Teilleistung (6-wöchiger Workshop).

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- Raga CDs des Monats -

RAGAMALA
Gedicht – Bild – Musik ... das gesprochene Bild der Raga-Malerei.

-Teil 106.03.2007 (21:00-21:58)

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[0.]

Jingle (Intro)

IMC - India meets Classic ... eine Sendung für indisch klassische Musik. IMC bietet Ihnen ein monatliches Hör- und Leseangebot mit Werken indischer Musikmeister, Raga-CDs, Festivalreports und Special Features. Über die Website Ihres Radiosenders oder mit einem Besuch bei IMC im Internet finden Sie in deutscher und englischer Sprache weitere Infos zu den Musikmeistern, zu indischen Instrumenten, dem Musiksystem Indiens und vorgestellten CD-Titeln. IMC - India meets Classic wird auch im Podcasting-Verfahren, im MPEG-Format als Download angeboten. Stellen Sie sich Ihr ganz individuelles Radioprogramm zur indisch klassischen Musik zusammen unter: www.imcradio.net (Englisch: uu-uu-uu_dot_aiemciereidio_dot_net) imcradio.net (Deutsch: i em Ce Radio Punkt Net)

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[1.1.] Sehr verehrte Zuhörerinnen und Zuhörer !
... ich heisse Sie herzlich Willkommen bei „IMC - India meets Classic“, eine Sendung für indisch klassische Musik. Mein Name ist Lothar J.R. Maier. Es freut mich, für Sie heute Teil 1 unseres Themas zu präsentieren: "RagaMala Gedicht – Bild – Musik ... das gesprochene Bild der Raga-Malerei“. Wie in all unseren Sendungen „Raga-CDs des Monats“ hören Sie Beispiele original indisch-klassischer Musik, gespielt von den renomiertesten Musikmeistern Indiens. Beachten Sie auch die Hinweise zu unserem Hörertelefon und Internetangebot in dem weiteren Verlauf der Sendung.

[1.2]

Themenintro ...
Neben den herausragenden Musikkompositionen, der nordindischen (Hindustani) Klassik wie südindischen, karnatischen Musik, zeigt sich die künstlerische Schaffenskraft des indischen Subkontinents in imponierenden Palastanlagen und Monumentalmalereien wie in den Höhlentempeln von Ajanta. Sie können bis auf das 2.-1. Jh. v. Chr. zurückdatiert werden. Daneben hat sich eine einzigartige Malkunst, die Handschriftenilluminiation und die indische Miniaturmalerei, die >raga mala-s< etabliert. Sie korreliert mit der indischen Musik, der Ragaform unmittelbar.

[2.1.1] Begriffliche Einführung „ragamala“ ...
Die literarische Bedeutung des Wortes Ragmala (im musikalischen Zusammenhang) ist: eine Kette, Girlande (mala) von Ragas, in dem Sinne: einer Ansammlung, Spielabfolge verschiedener Ragas. Sie unterscheidet sich je nach Author und Musikschule, aus der ihr Interpret stammt. Die musik-inspirierten indischen Miniaturmalerein sind einzigartig, eine komplexe Kunstform, wie sie in keiner anderen Kultur unserer Welt anzutreffen ist ...

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[2.1.2] Hoerbeispiel No. 1: Ravi Shankar – Sublime Sounds of Sitar – Raga Tilak Kamod...
Nachtraga (zweite Hälfte / 09:00-12:00): Raga Tilak Kamod (Kalyan Thaat) – Nalina Kanthi ’P ’N S R G m R m P N S’ – S’ N P D m G R G S Pakkad: S R P, M P D P, G m P G m R S Die Autobiographie der Sitar-Legende Ravi Shankar trägt bezeichnend den Titel “Raga Mala”. Eine Publikation aus dem Jahre 1997, veröffentlicht bei dem englischen Verlag Genesis Publications. Zum Zeitpunkt unserer Sendung befindet sich die Autobiographie Shankars für eine Neuauflage in der redaktionellen Überarbeitung und Aktualisierung. Von Ravi Shankar hören wir den Raga Tilak Kamod. Als Tilak wird in Indien das Stirnmal, das dritte Auge bezeichnet. Der Nachtraga Kamod wird in der zweiten Hälfte von 21:00 Uhr bis gegen Mitternacht gespielt. Er ist ein antiker Raga. Eine Vielzahl von Beschreibungen finden sich in der Literatur der Vergangenheit. In der Mitte des 16. Jahrhunderts wird er in einigen Ragamala-Darstellungen porträtiert als eine halb-nackte Schönheit mit einer Blüte in der Hand. KAMOD war einst ein Raga von grosser Bedeutung, dem man die Heilkraft von Erkrankungen zusprach. Er wird heute nicht mehr oft aufgeführt

[2.1.3.1] RagaMala-Zitat/-Dhyana... Raga Tilak Kamod
Mit bestem Gold und Juewlen geschmückt, hat sie an Händen und Füssen eine Kette angelegt. Bunt gekleidet hält diese Kamodinni einen Lotos und eine Girlande und erscheint wie Rati. Kamodini, des Dipaka erste Ragini.

Prof. Dr. Harunaga Isaacson (Asien-Afrika-Institut der Uni Hamburg)

[2.1.3.2] Die folgende Aufnahme mit Pandit Ravi Shankar, Sitar, begleitet von Kumar Bose
auf der Tabla, ist ein Tondokument eines Live-Konzerts vom 01. Dezember 1988 im >Town House<, in London. Der Raga Tilak Kamod findet sich auf der CD „Sublime Sounds of Sitar“, veröffentlicht bei Oriential Records in New York. ...

[2.1.4] Abmoderation ...
... Sie hörten Pandit Ravi Shankar, auf der Sitar, begleitet von Kumar Bose auf der Tabla. Die CD Sublime Sounds of Sitar aus dem Jahre 1988, ein Live-Mitschnitt eines Konzerts im Town House, London, ist bei Oriental Records, New York erschienen.

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[2.1.5] Geschichtlicher Bezug ... indische Malschulen ...
Das subkontinentale Klima Indiens hat die landesüblichen Palmblatt- und Birkenrindenmanuskrite grösstenteils zerstört, so dass aus der Zeit vor 1000 n. Chr. kaum Kunstwerke der Raga-Malerei erhalten sind. Die ältesten Beispiele stammen aus dem 11. Jahrhundert n. Chr. Kunsthistoriker gehen davon aus, dass zu dieser Zeit die Miniaturmalerei vielerorts in Indien ausgeübt wurde. Bisher sind nur die stilistisch voneinander recht verschiedenen Arbeiten einer s.g. „östlichen“ und „westlichen“ Malschule greifbar geworden. Wir wollen uns in der heutigen Sendung auf den westlichen Malstil beschränken, ist der Östliche in Indien mit der Vernichtung des Buddhismus durch die islamische Eroberung Nordindiens im 13. Jahrhundert erloschen ... und lebte nur noch in wenigen Malschulen in Nepal und Tibet fort. Für die Fortentwicklung der Miniaturmalerei in Indien haben daher nur die Arbeiten der westlichen Schulen an Bedeutung gewonnen. Ihre Malweise überdauerte die islamische Eroberung und wurde bis in das 16./17. Jahrhundert hinein ausgeübt. Auf der fortlaufenden Zeitachse wurde die strenge Illustrationsform der westlichen Malschule von einem neuen, farbenfrohen und lebensvollen Stil abgelöst, in dem auch Dichtungen weltlichen Charakters behandelt wurden.

[3.1.1] Allgemeine Einführung (1) ... Ragas
Für ein tiefergehendes Verständnis der indischen Raga-Malerei zunächst einiges Wesentliche über die indische Musik selbst und ihre zentrale Form, den Ragas ... Raga bedeutet im Sanskrit, der alten indischen Wissenschaftssprache, „The Act of Coloring or Dyeing“, eine Färbung des menschlichen Geistes, im positiven Sinne. Der Wortstamm für „Raga“ geht auf den Terminus „Ranja“ zurück. Die Bedeutung schliesst drei wesentliche Elemente ein: Farbe, Leidenschaft und Melodie. Die erste anerkannte Authorität in Sachen Ragas war Bharata mit seinem Werk „Natya Shastra“. Er schrieb es im dritten Jahrhundert nach Christus. Seit dem 9. Jahrhundert bis in unsere nahe Gegenwart des 20. Jahrhunderts haben indische Musikwissenschaftler eine Vielzahl von Klassifikationssystemen zur indischen Musik und Ragaform geschaffen. Nicht selten standen sie zueinander im Widerspruch. Bereits im 12. Jahrhundert bezog sich der Musiktheoretiker Sarngadeva in seiner Musikabhandlung Sangita-ratnakara auf die medizinischen, ayurvedischen Prinzipien. Es gibt eine Vielzahl von ragas, bei denen die Anzahl der Noten in der aufsteigenden mit der der absteigenden Skala nicht identisch sind. Diese sogenannten gemischten, sankirna o. mishra ragas können sogar mehr als sieben (7) Hauptnoten je Skala haben, wenn natürlich, schwach oder stark betonte Varienten einer oder mehrerer Noten in der aufsteigenden oder absteigenden Skala auftreten ... Ragas, bestehend aus sieben (7) Noten, versprechen ein langes Leben, Ruhm, Reputation, Erfolg, Gesundheit und Wohlstand. Ragas mit sechs (6) Noten sind geeignet, das Heldentum einer Schlacht zu preisen, die Schönheit von Form und positiven Eigenschaften. Ragas mit fünf (5) Noten sollten beim Ausbruch einer gesundheitlichen Störung gesungen werden. Mughal-Authoren waren die ersten, die sich direkt auf die therapeutische Wirkung von Ragas und ihrer Hörerschaft bezogen, im Besonderen auf die emotionale Wirkung der nordindischen Ragas.
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IMC OnAir / Feature “Raga CDs des Monats” 06.03.07 (21:00-21:58) / Sendeplatz: www.tidenet.de) ... So scheint es plausibel, Ragas als ein kognitives Schema, als eine Struktur des Memorierens zu verstehen, als einen geordneten „Spielplatz“ (array) von Kategorien, die ein zeitliches oder ein zueinander in Beziehung stehendes Organisieren von Erfahrungen repräsentieren, die Erwartungen und eine Bewusstseinserweiterung generieren können.

[3.1.2] Hörbeispiel Nr. 2: Pt. Prabhakar Karekar (Vocal) – Raga Lalit
Spät-Nacht bis frühen Morgen-Raga (03:00-06:00): Raga Lalit (Marwa Thaat ?? Poorvi Thaat) – Surya Lalith ’N r G m M m G M d S’ – r’ N d M d M m G r S Pakkad: `N r G m M m G M G r S Ein Beispiel eines 6-Ton-Ragas ist der Spät-Nacht- bis Früher Morgen-Raga Lalit. Er wird zwischen 03:00 und 06:00 gespielt, und präsentiert von dem Gesangsmeister Pandit Prabhakar Karekar ...

[3.1.3] Hörbeispiel Nr. 2: Pt. Prabhakar Karekar (Vocal) – Raga Lalit …
Prabhakar Karekar, geboren 1950, ist in Indien ein beliebter Musiker, der sich sowohl in der indischen Klassik wie in der Marathi-Bühnenmusik zuhause findet. Neben dem Khyal, dem anspruchsvollsten Gesangsstil der nordindischen Klassik, gibt es von Karekar eine Vielzahl von Aufnahmen zu Thumri-s, Dadra-s und Bhajan-s. Er war Schüler von Pandit Jitendra Abhisheki, der ihn in die unterschiedlichsten Genres einführte. Karekar’s Marathi Natya Sangeet (= nataka = Drama), eine Musik mit Gesangsinterpretationen von Dramen in der Landessprache des westlichen Indiens, der Einwohner von Maharashtra, wurde von dem Publikum vor allen anderen indischen Gesangsformen gefordert, die Karekar in dem alleine ihm zugesprochenen Interpretationsstil, natyasangeetkar, beherrscht. Das Marathi Natya kann man am ehesten mit unseren Musicals vergleichen.

[3.1.4.1] RagaMala-Zitat/-Dhyana... Raga Lalit
Lalita wird erklärt als einer, der auf der Stirn ein Mal hat, gelb und weiss gewandet ist, mit einer Champakablütengirlande. Von überaus hellem Körper, mit einer Betelzubereitung in der Hand, anmutig gekleidet, am Morgen. Lalita, des Bhairava sechster Sohn.

Prof. Dr. Harunaga Isaacson (Asien-Afrika-Institut der Uni Hamburg)

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[3.1.4.2] Anmoderation zu Hörbeipsiel No. 2 ... Raga Lalit
Der Raga Ahir Lalit mit Pandit Prabhakar Karekar findet sich auf der CD bei Fountain Music Company, veröffentlicht in 2002. Prabhakar Karekar wird begleitet von Arvid Thatte, Harmonium und Subhash Kamat, Tabla. ...

[3.1.5]Abmoderation ...
... Wir hörten den Spätnacht- bis Früher Morgenraga (03:00-06:00 Uhr), Lalit, ein 6Ton-Raga, von der CD Classical Vocal – Discovery of Indian Classical Music Pandit Prabhakar Karekar, veröffentlicht in 2002 bei Fountain Music Company, Pune..Es begleiteten Arvid Thatte, Harmonium und Subhash Kamat, Tabla.

[3.1.6] Allgemeine Einführung (2) ... Spielzeit von Ragas
Die Verknüpfung der Spielzeit mit bestimmten Tages- und Nachtzeiten wurde in der ästhetischen Annäherung an die indische Musik besonders im 17. Jahrhundert als wesentlich betrachtet, mit Aussnahme des Ensemble-Singens oder auf der Theaterbühne. In der Sangita Narayana heisst es: „Verletzt man die korrekte Zeit für die Aufführung, führt dies zu einem vollständigen Zusammenbruch“. Der saisonale Bezug entwickelte ein Verhältnis, eine Bewustseinshaltung der Inder zu Ragas, in dem Sinne, dass Raga-s die Macht besitzen sollen, über die Naturgewalten zu herrschen. So kann der Frühlingsraga „Hindol“ Blumen zum spriessen bringen. Sogar Ordnungsmethoden der südindischen Musik flossen in die nordindische (Hindustani) Musik ein. Pundarika, ein südindischer Musikwissenschaftler, migierte in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in den Norden Indiens und führte als erster die südliche Methode der Klassifizierung von Hindustani Ragas in Skalentypen, den mela-s ein.

[4.1]

Geschichte der Ragamala-s ...
Die indische Miniaturmalerei und die ragamala-s erlebten ihre Blütezeit unter der Regentschaft von Akbar, einem der vier für Indien besonders bedeutsamen Moghul-Herrschern, neben Jehangir, Shah Jehan und Aurangzeb. Der Mughul-Stil wird datiert zwischen 1556 bis 1605. Zunächst hervortretende, iranische Stileigentümlichkeiten wurden allmählich von einem indischen Gesamtcharakter gekennzeichnet. Die Landschaft wurde geschildert durch die Abbildung indischer Pflanzen, indische Bäume und Tiere, begrünten Bodens, von Wasserläufen und indischen Bauten. Die iranische Tradition führte sich darin fort, indem man persische Epen und Ritterromane flächenhaft illustrierte. Besonders am Hofe Akbars, der ein ausgeprägtes Interesse an fremden Religionen hatte, veränderte sich die Motivgestaltung. Zu den indisch-iranischen Stilelementen traten christliche Motive wie Madonnen, Engel und Allegorien hinzu die sich in die indischen Darstellungen einflochten. Akbars Sohn und Nachfolger Jehangir, seine Regierungszeit datiert sich von 16051627, war ebenso ein sensibler Kunstkenner. Durch seinen Einfluss beachteten die Künstler der kaiserlichen Malschule europäische Vorbilder. ...

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IMC OnAir / Feature “Raga CDs des Monats” 06.03.07 (21:00-21:58) / Sendeplatz: www.tidenet.de) ... Die Hochzeit der Miniaturmalerei hielt auch unter dem folgenden Moghul, Shah Jehan an. Seine Regierungszeit war von 1627 bis 1658. Er war auch der Erbauer des Taj Mahal. Die Motivwahl in den raga mala-s änderte sich zugunsten der Abbildung eines repräsentativen Hofbildes. Staatsempfänge, Hoffeste, Aufzüge oder Jagdszenen wurden gemalt. Daneben schenkten die Künstler und ihre Patrone auch alltäglichen Ereignissen in vornehmen Kreisen ihre Aufmerksamkeit, allen voran dem Frauen- und Liebesleben. 1658 ging die Zeit der Bildermalerei zu Ende. Der Miniaturmalerei verdankt die Nachwelt eine bis in alle Einzelheiten gehende bildliche Schilderung der damaligen geistigen und materiellen Kultur. Der damals vierzigjährige Aurangzeb übernahm nach einem blutigen Nachfolgestreit unter den vier Söhnen Shah Jehans das Zepter. Er beseitigte dafür seine Brüder und nahm seinen von ihm entmachteten Vater bis zu dessen Tode 1666 gefangen. Aurangzeb führte am Hofe eine puritanische Lebensweise ein, unterband Wein- und Haschischgenuss, verbannte die Musik vom Hofe und verbot Tanz- und Freudenmädchen. Zu den Bilderliebhabern konnte man Aurangzeb nicht zählen. Er lies Darstellungen von Engel, Madonnen und Heiligen unter Kalkputz verschwinden. Der Moghul-Stil fand sich nur in den lokalen indischen Malschulen wieder, in den Fürstentümern von Rajasthan (Rajputana) und des westlichen Himalayas, in den Zentren Bijapur, Ahmadnagar, Golconda und Haidarabad. Im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts entstand eine volkstümlich, vereinfachte Ausführung in den Schulen von Meistern des kaiserlichen Ateliers oder ihnen nahestehenden Künstler, der s.g. volkstümliche Moghul-Stil. Die beliebtesten Maler waren keine Muslime mehr, sie trugen die Aufschriften in indischen Lettern auf, wie Sanskrit, Prakrit oder Nagari. Relativ spät hat man die Bedeutung der Illustrationen und ihre Beziehung im Sinne einer musik-inspirierten Malerei verstehen können. Das Manuskript des Kalpasutra (Jinacaritra) wurde erst 1956 einer breiteren Öffentlichkeit bekannt, es kann auf das Ende des 15. Jahrhunderts datiert werden. Die als Randverzierung abgebildeten, männlichen und weiblichen Götter oder Genien, den Schutzgeistern, stehen in keiner Verbindung mit dem religiösen Text und seinen Hauptillustrationen. Die Gestalten wurden aber durch Beischriften eindeutig als Personifikation von Melodietypen gekennzeichnet.

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[5.1.1] Ragamala-s & Spiritualität/Religion (1) ...
In Indien glaubt man, dass ein sensibler Musiker oder Zuhörer, während er über den Tönen eines Ragas meditiert, nicht nur einen Einblick in die Emotionen (bhava) haben kann, die durch die jeweiligen Noten zum Ausdruck gebracht werden, sonder – in einem Art extatischen Zustand des Geistes – rasa-anubhuti auch die Farben dieser Noten zu assoziieren fähig ist. Ähnlich werden von Dichtern Werke komponiert, die beschreiben, was in ihrem Empfinden die Essenz eines Ragas ausmacht. Die Energie der Ragas wurde aus einem göttlichen Bezug erklärt. Ihre konzeptuelle Form, dhyana-murti, ist als erstes in religiösen Predigten beschrieben worden. Der Ausdruck der Empfindungen des göttlichen Wesens ist nicht reiner Gefühlsausdruck, sondern er besitzt eben auch - durch seinen göttlichen Ursprung - die Kraft der Wirkung, die ihr Schöpfer damit beabsichtigt. Sarngadeva ordnete im 12. Jahrhundert jedem Raga einen Schutzheiligen zu. Später erklärte man sogar die Ragas als halb-göttliche Geschöpfe. In einer Vielzahl von Bilddarstellungen, besonders in den Jammu-Ragamalas, finden sich die Ragas wieder, in denen sie als Götter und Göttinen dargestellt werden, zusammen mit ihren Skalen, Noten und Mikrotönen. Bis in’s 16. und 17. Jahrhundert wurde diese göttliche Personifizierung der Ragas in Versen und Malereien zum Ausdruck gebracht, als amoröse Heroen und Heroinnen (Najaka u. Nayika) ... Der Raga Dhaneshri eignet sich dazu als Beispiel hervorragend (s. 5.1.2.-5.1.4.).

[5.1.2] Hörbeispiel No. 3: Pt. Vishwa Mohan Bhatt ... Raga Dhaneshri
Raga Dhanasri ’N S r G g G m M p P d D n N S’ r’ Dhanasri steht im allgemeinen Verständnis für eine Mischung verschiedener Themen, in Bezug auf die Gefühle, die durch die Ragamusik vermittelt werden. Dhanasari bedeutet Inspiration und Motivation. Dieser Raga ist im indischen Verständnis sehr geeignet für die Anbetung und Anrufung Gottes. Guru Nanak (1469-1539), Begründer und einer der ersten 10 Lehrer der Sikh-Religion, hat die Hingabe an Gott durch die Natur selbst beschrieben: „Welche andere Form der Anbetung von Gott als die des der Natur eigenen Lichterfestes kann verglichen werden, während die göttliche Musik darin erklingt.“

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[5.1.3.1] RagaMala-Zitat/-Dhyana... Raga Dhaneshri
Von durvagrasgleicher, dunkler Schönheit, mit glänzendem, lockigem Haar, ein schwarzweiss geschecktes Gewand tragend und mit hin-und-her sich bewegenden tränenwassergebenden Augen, begleitet von der Freundin Jetashri und der edlen Bhimapalashini, einen Granatapfel in der Hand haltend, so wird von den Weisen die wohlstandgewährende Dhanyashri beschrieben, des Malakaushika fünfte Ragini.

Prof. Dr. Harunaga Isaacson (Asien-Afrika-Institut der Uni Hamburg)

[5.1.3.2] Den Raga Puria Dhanashri spielt uns Pandit Vishwa Mohan Bhatt, auf der von ihm
konstruierten Mohan Vina, eine Art Slide-Guitar. Er begleitet der Hindustani-Sänger Shri Parameshwar Hegde. Die Aufnahme findet sich auf einer DVD zum Live-Programm des Pune-Festivals, in 2004 von Fountain Music Company veröffentlicht. Es begleiten Vyas Murthy Katti, Harmonium und Ram Kumar Mishram, Tabla. ... Auf der Website von IMC (Englisch) www.imcradio.net (Deutsch) finden Sie neben vielfältigen Information rund um die Musiktitel ein Gästebuch, in dem Sie sich mit unseren Hörern zur indisch klassischen Musik austauschen können. Registrieren Sie sich auch gerne für den Bezug des kostenlosen Newsletters, und IMC - India meets Classic hält Sie regelmässig über neue Sendungen auf dem Laufenden. Telefonisch können Sie bundesweit zum Ortstarif Ihre Wünsche an das Redaktionsteam richten: 01801-9933223863. ...

[5.1.4] Abmoderation ...
… Das war der Raga Puriya Dhanashri, von Viswa Mohan Bhatt, auf der Mohan Veena und em Sänger Sri. Parameshwar Hegde, eine Live-Aufnahme dokumentiert auf der DVD von Fountain Music Company, in 2004 veröffentlicht. Es begleiteten Vyas Murthy Katti, Harmonium und Ram Kumar Mishram, Tabla.

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[5.1.5] Ragamala-s & Spiritualität/Religion (2) ...
Der Miniaturmalkunst spricht man, wie bereits erwähnt, in ihrem ursprünglichen Sinne einen religiösen Charakter zu. Die Bilddarstellungen wurden mit Handschriften illustriert, weniger der Freude an der Kunst als um religiöse Verdienste zu erwerben. Begüterte Laien stellten dafür Schreiber und Maler an, um Kopien wichtiger religiöser Texte anzufertigen. Die Verwendung von Blattgold hob den Wert als frommen Spende hervor, die respektierten geistlichen Lehrern zugedacht war. Heilige und die sie umrankenden, erbaulichen Legenden wurden in stereiotypen Formen dargestellt. Die Körper menschlicher und göttlicher Gestalt sind einer ornamentalen Stilisierung unterworfen. Die Texte wurden mit kostbarem Material geschrieben, mit dekorativen Rändern, Leisten und Symbolen geschmückt. Die Mehrzahl der Ragamalas zwischen 1590 und etwa 1630 ist entweder gar nicht oder in Nagari beschriftet, mit Zitaten der in Sanskrit abgefassten Dhyana-s. Seit dem Übergang vom Palmblatt zum Papiermanuskript in der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts wurden die Handschriften noch üppiger ausgestattet. Das (indische) Breitformat („Pothi“)war beibehalten worden, hinzu kam das (persisch-europäische) Hochformat. Es konnte für grössere Illustrationen ausgelegt werden. ...

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[6.1]

Ragamala-s & Bhava (Emotion) ...
Die Ordnung der Stimmungsbilder für die Künste im Indien, Musik, Tanz, Drama und Poesie, basiert auf dem Konzept von Nava Rasa, den neun (9) Stimmungsbildern. Shringara (romantisch oder erotisch), hasya (humorvoll), Karuna (pathetisch), Raudra (verärgert), Veera (heroisch), Bhayanaka (furchtvoll), Vibhatsa (ekelerregend), Adbhuta (begeisternd/erstaunend), shanta (friedvoll). Jedem Raga und Ragini, der weiblichen Form eines Ragas, wird eine psychische Form (Rupa) zugesprochen, die sich in zwei Ausprägungen manifestiert. Entsprechend haben bereits viele Jahrhunderte früher indische Musiktheoretiker die blosse Klangform der Melodien, nadamaya-rupa, unterschieden von den dahinter, im Verborgenen liegenden Urbildern der göttlichen Weisheit devatamaya-rupa. Die indischen Minitarumalereien fallen in die zweite Kategorie. Sie sollen beim Betrachter in der gedanklichen Vorstellung „Harmonien“ wecken, die mit dem, was gesehen wird, korrespondieren. Die Kommunikationseigenschaften der Ragas werden als unentbehrliche Basis für die mystische Erfahrung gesehen, die eine Person an der göttlichen Realität teilhaben lassen. Der gemalte Raga funktioniert wie ein Yantra, um den spirituellen Zustand zu realisieren, wie er durch das Yoga erreicht werden kann. Zumindest scheint es das allgemeine Ziel des Dichters und Malers zu sein, beim Betrachter Vergnügen zu erwecken, wofür die Dichtung, die Musik und die Malerei Hand in Hand gehen. Die eine Kunstform wäre ohne dem künstlerischen Ausdruck der jeweilig anderen Kunstgattung nicht denkbar. 1949 beschreibt der französische Musikwissenschaftler Alain Danielou (Northern Indian Music, Vol. 1: Moods, Colours and Notes (S. 116)) die Stimmungsbilder des indischen Notenmaterials durch Farben. Die „sargam syllables“, die Hauptnoten der indischen Klassik: Sa, Re, Ga, Ma, Pa, Dha (und das um eine Oktave höher liegende Sa) finden ihr Pandon in den sieben, im Westen gebräuchlichen Tönen: Do, Re, Mi, Fa, Sol, La und Si. - Und entsprechen den Farben Lotusrot, Gelbrot, Goldgelb, Jasminweiss, Schwarzblau, Gelb und Vielfarbigkeit. Jeder der Töne ist gefühlsbestimmt und geeignet, beim Hörer eine Stimmung der Heiterkeit, Furcht usw. hervorzurufen. Fa und Sol, die 4. und 5. Stufte – entsprechend Ma und Pa – werden für die Erzeugung der Stimmung „Liebe und Heiterkeit“ gebraucht, Do und Sol, die 1. und 5. Stufe – entsprechend Sa und Pa für die des Heroismus, der Wut und Verwunderung, Si und Mi, die 7. und 3. Stufe – entsprechend Dha und Ga für die des Mitleids usw. .... ...

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[7.1.1] Handhabung der Ragamala-s (1) ...
Für die meisten Betrachter aus dem Westens wirken die indischen Miniaturmalereien zunächst fremd. Ihre Schönheit verschliesst sich uns auf den ersten Blick durch eine spezielle Codierung. Dazu im zweiten Teil unserer Sendung. Ähnlich wie im Umgang mit der Musik sind für den indischen Geniesser Perspektive, Grössenverhältnis, Plastizität, Mimik, Licht und Schatten nur von untergeordneter Bedeutung. Nicht ein einzelnes Bild wird betrachtet, viel häufiger die Abfolge einer ganzen Reihe von Bildern. Dieses kompositorische Gesamtbild liest sich auf besondere Weise. So wie ein Musiker die Spannung verstärkt oder abwächt, in dem er eine Art Mikrouniversum um eine Note oder mehrere Töne herum schafft, gestalten die Maler der Ragamala-Kunstwerke eine visuelle Entdeckungsreise. Das Auge wandert, wie in einem Manuskrit lesend, von Blickpunkt zu Blickpunkt durch das stark ineinander komponierte, relativ unübersichtliche Bild. Dem Kenner bieten die Beischriften in ihren ornamentalen Formen einen hohen ästhetischen Genuss. Meist blieben diese Künstler ihres Fachs mit ihrer ungeheuren Vorstellungskraft und künstlerischen Grösse anonym. Eine räumliche Perspektive, ein dreidimensionales Malen, kennt die Kunst der indischen Miniaturmalerei nicht; Figuren, die hintereinander gedacht sind, stehen übereinander ... man spricht von der Vertikalperspektive. Wie aus der Vogelschau sieht der Betrachter in ein System von übereinander geordneten Architektur- oder Landschaftskulissen. Sie bilden jeweils den Rahmen für einzelne Szenen und Personengruppen. In solchen Szenen auftretende Personen sind gleich gross dargestellt, ohne Rücksicht darauf, ob sie nah oder fern befindlich zu denken sind. Gemütsstimmungen werden fast nur durch die Körperhaltung, kaum durch die Gesichtszüge ausgedrückt. Zuweilen wird der emotionale Gehalt durch das Beiwerk der Ornamentik ausgedrückt. Z.B. die sorgenvolle Stimmung der Mutter wird in ihrer Unregelmässigkeit gezeigt. Beruhigt sich das Gemüt im Verlauf der Bildfolge, wird die Ordnung und Regelmässigkeit in den Ornamenten wiederhergestellt. Die Personen sind streng frontal wie ein Wappenbild stilisiert, meist sind die Körper in einer steifen Dreiviertelansicht, gelegentlich mit frontal gezeigten Schultern und seitlich gesehenen Füssen. Auffällig ist die Wiedergabe der Köpfe und Gesichter. Haar und Stirn setzen in Dreiviertelansicht ein, dann tritt eine sehr spitze und verhältnismässig lange Nase über die Stirn- und Wangenlinie heraus. Das Untergesicht wird mit Mund und Hals im Profil gezeigt. Für den jahrhundertelang geübten Stil bis etwa zum Ende des 16. Jahrhunderts ist charakteristisch ein aus dem Gesicht heraustretendes spitzovales zweites Auge. ...

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[7.1.2] RagaMala-Zitat/-Dhyana... Raga Hindol
Der Frühlingsraga Hindol ... Im Nabel des Schöpfers entstanden, überaus hübsch gekleidet von auffallend hellem Körper, an dessen Bogenpfeil eine Reihe Hummeln ein angenehmes Summen produziert, mit auf dem Kopf gesetzter, mit Juwelenhaufen besetzter Krone, der im Frühling auf der Hut ist, der immer guten Menschen Glück bereiten lässt, das ist der Ragakönig Hindola. So ist der Hindola Raga.

Prof. Dr. Harunaga Isaacson (Asien-Afrika-Institut der Uni Hamburg)

[7.1.3] Hörbeispiel No. 4: Pt. Prabhakar Karekar (Vocal) – Raga Lalit
Saisonaler Raga (Frühlings- / Nach-Mitternacht - Frühmorgen-Raga: 03:00-06:00): Raga Hindol (Marwa Thaat ?? Kalyan Thaat) – Sunada Vinodini S G M D N S' – S’ N D M G S Pakkad: S G M D M G M G S `D S Raga Hindol verkörpert Kama, den Gott der Liebe, oder Krishna. In der Übersetzung heisst Hindol “Schwung” (Schaukel / Swing). In den Ragamala-Darstellungen wird Hindol als Krishna auf einer Schaukel portraitiert, umgeben von schönen, jungen Frauen, die die Schaukel vor- und zurückbewegen. Es ist ein antiker Frühlingsraga. Viele Künstler benutzen in ihrer HindolInterpretation einen bestimmten Typus der Ornamentik (gamak), die in ihrer Bedeutung die Bewegung der Schaukel darstellen soll. Eine Ähnlichkeit zum nordindischen Raga Hindol findet sich in seinem Namensvetter Südindiens. Jedoch besitzt der Hindustani Raga alle natürlichen Noten und der südindische Raga alle vermidnerten Noten, vergleichbar dem Hindustani Raga Malkauns. Den Vokalisten Pandit Prabhakar Karekar, den wir zuvor mit dem Raga Lalit hörten, wollen wir nun nochmals zum direkten Vergleich mit einer Interpretation des Ragas Hindols (Frühlingsraga) hören. Auf seiner CD Eastern Soal wird er begleitet von Subash Kamat, Tabla, Pramod Marathe, Harmonium und Vilas Pednekar, Tanpura. Die CD wurde 2002 von dem englischen Label Sense World Music veröffentlicht. …

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[7.1.4] Abmoderation ...
... Unser letztes Hörbeispiel der heutigen Sendung war der Frühlingsraga Hindol, auf der CD Eastern Soal, veröffentlicht in 2002 bei Sense World Music, mit dem Sänger Prabhakar Karekar. Es begleiteten: Subash Kamat auf der Tabla, Pramod Marathe spielte das Harmonium und Vilas Pednekar die Tanpura.

[7.2.1] Handhabung der Ragamala-s (2) ...
Worin liegt nun der Reiz der Kleinformate, der indischen Minitaturmalerei, der raga mala-s ? – Sie beruht für den modernen Betrachter des 21. Jahrhunderts in den leuchtenden, scharf nebeneinandergestellten Farben. Rot, Blau, Weiss, Grün und Schwarz kommen hauptsächlich vor. Die bis heute ungebrochene Intensität der Farben erklärt sich aus einer Versiegelung in mehreren Schichten. Mit Hilfe eines Achatsteins wurden einzelne Farbschichten, nach Trocknung übereinander aufgetragen, einzeln durch Glätten verdichtet. Die Farbpigmente aus mineralischer oder vegetabiler Herkunft, mit einem Bindemittel vermischt, meist Gummi arabicum, seltener Eiweiss, trug der Maler in mehreren Schichten auf ... Die Abbildungen zu >Raga Mala-s< auf unserer Website geben in etwa eine Idee der verschiedenen Bildkompositionen und ihrer in Bann ziehenden Leuchtkraft.

[8.1] Danksagung ...
Für die Unterstützung zur Vorbereitung dieser Sendung möchte ich mich bedanken bei dem Vandenhoeck & Ruprecht-Verlag in Göttingen, für die Überlassung von Literatur des Kunsthistorikers Ernst Waldschmitt mit Dokumentation seines „zweiten Beitrags zur Ragamala-Ikonographie“ in den Nachrichten der Akademie der Wissenschaften in Göttingen ... bei Prof. Dr. Ludwig V. Habighorst, Koblenz, einem ausgewiesenen Kenner und leidenschaftlichen Sammler der Moghul Ragamalas - er veröffentlichte die RagaPutra Edition „Moghul Ragamala – Gemalte indische Tonfolgen und Dichtung des Kshemakarna“ zur Frankfurter Buchmesse 2006 ... und bei Prof. Dr. Harunaga Isaacson, Abteilung für indische und tibetische Studien des Asien-Afrika-Institutes, Universität Hamburg, für die Übersetzung und Phonetik alter Sanskrittexte, datiert um 1610, aus der Sammlung von Prof. Dr. Ludwig V. Habighorst.

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[8.2]

Verabschiedung ...
Das war IMC - India meets Classic. - Eine Sendung für indisch klassische Musik. Ich hoffe, Ihnen hat der heutige Teil 1 zum Thema "RagaMala - Gedicht – Bild – Musik ... das gesprochene Bild der Raga-Malerei“ gefallen. Sie hörten Beispiele der Ragas Lalit, Hindol, Dhanashree und Kamod ... von Musikmeistern des indischen Gesangs, auf der Sitar und Mohan Veena. - Vielen Dank für's Zuhören. Am Mikrophon war Lothar J.R. Maier. Namaste.

[9.1]

Abspann ...
Hinweise zu kommenden Sendeterminen entnehmen Sie dem Internetangebot Ihres Radiosenders. - Oder besuchen direkt die Website von IMC - India meets Classic: www.imcradio.net (Englisch: uu-uu-uu_dot_aiemciereidio_dot_net) imcradio.net (Deutsch: i em Ce Radio Punkt Net) ... Sie hörten die Sendung "IMC - India meets Classic" mit der Reihe "Raga CDs des Monats". imcradio.net (Deutsch: i em Ce Radio Punkt Net).

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[XXX] CD-/DVD-Playlist ... Sublime Sounds of Sitar
Pandit Ravi Shankar with Kumar Bose –Tabla (AAMS CD1161) (Recorded at: “The Town House” (London), December 1, 1988) Raga Tilak Kamod Alap, Gat in Dhamar (5+5+4) Raga Bhatiyar Vilambit Gat inTeental Dhun – Kaharwa – Tabla Solo Drut – Teental
© Oriental Records, Inc., P.O. Box 387, Williston Park, N.Y. 11596 U.S.A.

Classical Vocal Discovery of Indian Classical Music

Pandit Prabhakar Karekar
(Fountain Raag Rang FMRCD 034 – made in India) Raga Ahir Lalit Raga Hindol Bhahar 43:45 18:07

Accompanying: Arvid Thatte (Harmonium), Subhash Kamat (Tabla)
© 2004 Fountain Music Company, Duttakrupa Atp., 580- Budhwar Peth, Pune-411002

Musical JugalBandi Vol1 Fountain FMRVCD-16 (DVD) - Live Programme -

Pt. Vishwamohan Bhatt (Mohanveena) Sri. Parameshwar Hegde (Hindustani Vocal)
Raga Puriya Dhanashree 71:00

Accompanying: Vyas Murthy Katti (Harmonium), Ram Kumar Mishra (Tabla) Sound Recording: Parekh Studio, Bangalore
© 2004 Fountain Music Company, Duttakrupa Atp., 580- Budhwar Peth, Pune-411002

Eastern Soal
Prabhakar Karekar Raga Desi Raga Madhumad Sarang Raga Hindol 30:01 29:44 12:55

Accompanying: Subash Kamat (Tabla), Pramod Marathe (Harmonium), Vilas Pednekar (Tanpura)
© 2002 Sense World Music, +44-(0)116 266 7046, F. +44-(0)116 261 048

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demnächst ...

- Raga CDs des Monats -

RAGAMALA
Gedicht – Bild – Musik ... das gesprochene Bild der Raga-Malerei.

-Teil 203.04.2007 (21:00-21:58)

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I m p r e s s u m ...
Impressum …

Kontakt:
IMC “On Air” ... eMail: info@imcradio.net Internet: http://www.imcradio.net Projektbüro “Sinn-Macher.net” c/o Lothar J.R. Maier (verantwortl. Redakteur i.S.d.P.) Sootboern 7 D-22453 Hamburg Tel.: +49-(0)40- 41431-2872 (Intern.: -2892) Mobil: +49-(0)170- 882 81 76 Fax2eMail: +49-(0)180.5-999986-58919* (UMS) email: info@sinn-macher.net Internet: http://www.sinn-macher.net *) 12 cent aus dem Netz der Dt. Telekom.

IMC-Kontaktdaten ...
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Authoren:
Lothar J.R. Maier (Endfassung)

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