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Zur Geschichte

von Oedingen
von 853 bis 2000

bearbeitet von Karl Beelke


Herausgeber:
Hallengemeinschaft Oedingen e.V.

Redaktion:
Bernhard van de Gey

Gestaltung:
Dieter Holstein

Druck:
Druckerei Kirschbaum GmbH
Bonn

Alle Rechte der Veröffentlichung, auch auszugsweise, liegen beim Herausgeber.


Karl Beelke, geboren 1922 in
Labes/Pommern verbrachte seine
Kindheit und Jugendzeit in Hin-
terpommern. Als gelernter Ver-
messungsingenieur und Topo-
graph war er beim Niedersächsi-
schen Landesvermessungsamt
kreuz und quer durchs Land im
Außendienst tätig. 1956 ging er
als Berufsoffizier zur Bundes-
wehr, wo er bis 1980 auf verschie-
denen Kommandoebenen tätig
war, zuletzt im Verteidigungsmi-
nisterium.
Nach vielen beruflich bedingten
Ortswechseln innerhalb der Bun-
desrepublik kam er 1972 nach Oe-
dingen. Schnell heimisch gewor-
den, arbeitete er in den Vereinen
und als Vorsitzender im Kultu-
rausschuß sowie in der Kommu-
nalpolitik (Mitglied im Ortsbeirat
und als sachverständiger Bürger
im Stadtrat) mit. Er verfaßte eine
Reihe von Festschriften, bearbei-
tete die Oedinger INFO und war
Mitarbeiter am Gertrudisboten.
Er schrieb einige historische Ab-
handlungen, eine Vielzahl von
Kurzreferaten für Studien und
Forschungsberichte und verfaßte
Beiträge für Standardwerke der
Dokumentation.
Beelke ist mittlerweile verwitwet
und lebt seit 1980 im Ruhestand
in seinem geliebten Oedingen.
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN

Inhalt
ZUM GELEIT 2 OEDINGEN NACH DER
VORWORT 3 JAHRHUNDERTWENDE 78
Danke 4 DER ERSTE WELTKRIEG 1914 – 1918 80
DIE INFLATION VON 1918 – 1923 83
TEIL A 6 DIE WÄHRUNGSREFORM 1923/24 86
OEDINGEN IM MITTELALTER, DIE FRANZÖSISCHE BESATZUNG
ERSTE ERWÄHNUNGEN 1918 – 1926 87
DIE UNTERWERFUNG OEDINGENS DURCH DIE WIRTSCHAFTSKRISE 88
DIE REICHSUNMITTELBARE HERRSCHAFT
DAS DRITTE REICH 93
LANDSKRON 11
DER ZWEITE WELTKRIEG 1939 – 1945 98
DIE PFARREI OEDINGEN 12
OEDINGEN WÄHREND DES
DREIßIGJÄHRIGEN KRIEGES 14 TEIL C
DIE TOPOGRAPHIE OEDINGENS 16 CHRONIK ZUR GESCHICHTE DES
DAS GEFECHT BEI OEDINGEN 19 ORTES OEDINGEN
VON 1945 BIS ENDE 2000 102
RELIGIÖSES – KIRCHLICHES LEBEN 21
ZEITTAFEL 1815 – 2000 191
DIE ALTE PFARRKIRCHE 24
DIE ENTWICKLUNG ZUR POLITISCHEN GEMEINDEVORSTEHER /
GEMEINDE 27 ORTSBÜRGERMEISTER / ORTSVORSTEHER
VON 1816 BIS 2001 198
QUELLEN 34
PFARRER IN OEDINGEN 199
ANMERKUNGEN
PRIESTER AUS OEDINGEN 202
DOKUMENTE, ÜBERSETZUNGEN UND
ERLÄUTERUNGEN VON LEHRER IN DER EINKLASSIGEN
PATER BENTIVOLIUS MARXEN, 35 DORFSCHULE IN OEDINGEN. 203
ERLÄUTERUNGEN ZUR GESCHICHTE VORSITZENDE DES CDU-ORTSVERBANDES
VON OEDINGEN 39 REMAGEN-OEDINGEN 204
VORSITZENDE DES SPD-ORTSVEREINS
TEIL B (1816 – 1945) 40 REMAGEN-OEDINGEN 204
DIE RHEINLANDE UNTER PREUSSISCHER VORSITZENDE DES SPORTVEREINS
HERRSCHAFT 40 „GRÜN-WEIß“ OEDINGEN 205
URLISTE 45 FÖRDERVEREIN FREIWILLIGE FEUERWEHR,
DER KRIEG GEGEN FRANKREICH 1870/71 63 EINHEIT OEDINGEN 205
ALLTAG IN DER GEMEINDE OEDINGEN 64 VORSITZENDE UND DIRIGENTEN DES
DIE PFARRGEMEINDE OEDINGEN MÄNNERGESANGVEREINS
IM 19. JAHRHUNDERT 66 „1882 CÄCILIA“ OEDINGEN 205
PFARRER PAUL WOLBER (1869-1902) 69 KIRCHENCHOR „ST. GERTRUDIS“
OEDINGEN 205
OEDINGEN IM AUSGEHENDEN
19 JAHRHUNDERT 71 JUNGGESELLVVEREIN OEDINGEN 206
DIE DORFSCHULE IN OEDINGEN 74 PRÄSIDENTEN DER RHEINHÖHENFUNKEN 207
NEUBAU DER GERTUDISKIRCHE 76 MÖHNEVEREIN OEDINGEN 207

1
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN

ZUM GELEIT

V orliegendes Werk zur Geschichte Oe-


dingens rundet die Darstellungen
der Geschichte Remagens und seiner Ort-
Als Besonderheit dieses Werks ist die Ak-
tualität hervorzuheben, berücksichtigt es
doch die Anfänge des neuen Jahrtau-
steile ab. Es ist eine wohlgelungene Er- sends, in das wir erst eben eingetreten
gänzung der 1977 von Klaus Fink her- sind.
ausgegebenen Schrift "Zur Geschichte Ebenso ist beachtenswert, daß dieses
des Raumes Remagen". Werk auf Bestreben des Autors, Karl Beel-
Ein besonderer Dank gilt hier Herrn Karl ke, von Anbeginn zur möglichst kosten-
Beelke, der 1972 als Neubürger nach Oe- freien Verteilung an alle Oedinger Haus-
dingen kam. Als Vorsitzender des Aus- halte vorgesehen war. Um dieses Ziel zu
schusses für Kultur- Brauchtums- und Hei- erreichen, verrichteten Mitarbeiter, Her-
matpflege machte er sich die Erstellung ausgeber, Redaktion und Gestalter die Be-
einer Chronik für Oedingen zur persönli- arbeitung ehrenamtlich, also ohne jegli-
chen Aufgabe und hat dies äußerst erfol- ches Honorar. So entstanden lediglich für
greich bis heute fortgesetzt. Er sammelte Drucklegung und Druck Kosten, die im
Beiträge zur Oedinger Heimatgeschichte. wesentlichen durch Zuschüsse des Landes,
Nachdem im Jahre 1988 die erste Zusam- öffentlicher Einrichtungen sowie Spen-
menfassung "Zur Geschichte von Oedin- den Oedinger Bürger und des Autors
gen 853 - 1820" erschien, halten wir selbst abgedeckt werden konnten.
heute ein Werk in den Händen, das bis Wir, Bürgermeister und Ortsvorsteher,
zum Jahre 2001 reicht. Die damalige Bro- würden uns sehr freuen, wenn diese Aus-
schüre fand bereits in zahlreichen Fest- gabe von den Oedinger Bürgerinnen und
schriften Oedinger Vereine ihren Nieder- Bürgern insbesondere aber auch von der
schlag. Jugend herzlich angenommen würde.
An dieser Stelle sei auch ein herzliches Gehen wir doch davon aus, daß durch die-
Dankeschön an Herrn Bernhard van de ses Buch die Heimatverbundenheit von
Gey ausgesprochen, der sich Ende der 80er Alt- und Neubürgern in besonderem
Jahre in Oedingen niederließ und den Maße gefestigt wird. Insofern hoffen wir,
Autor in den vergangenen Jahren bestän- daß es viele interessierte Leser finden
dig durch seine Mitarbeit unterstützte. wird.

Bürgermeister Ortsvorsteher
Lorenz Denn Werner Lapp

2
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN

Vorwort

D as lebhafte Echo, das die 1988 her-


ausgegebene kleine Broschüre zur
Geschichte von Oedingen, vom Mittelal-
mal das Wagnis, ein Buch zu schreiben.
Diese Chronik soll dazu beitragen, die
Vergangenheit ins Gedächtnis zu rufen,
ter bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts, um die Gegenwart zu begreifen und
gefunden hat, ist Anlaß, dieser nach neu- woher wir gekommen sind sowie den
esten Erkenntnissen verbesserten und er- Weg in die Zukunft zu finden. Sie soll
weiterten Ausgabe bis zur Gegenwart ei- aber auch bewirken, das uns der idylli-
nige Bemerkungen voranzustellen. sche Ort Oedingen noch mehr ans Herz
Ursprünglich sollte dieses vervollständig- wächst, der Wohn- und Lebensqualität in
te Geschichtsbuch schon 1997/98 erschei- Fülle bietet.
nen, da die Recherchen in den Archiven, Gedankt wird nun allen, die am Zustan-
Bibliotheken und relevanten Veröffent- dekommen dieses Buches mitgewirkt
lichungen abgeschlossen waren. Doch haben, ganz besonders Herrn Prof. Dr.
dann habe ich Vorschläge vom Mitarbei- Klaus Flink, der mir zu Beginn wichtige
ter, Ortsvorsteher und interessierten Bür- Hinweise auf relevante Veröffentlichun-
gern, das Buch bis zum Jahr 2001 fortzu- gen aus rheinland-pfälzischen Archiven
schreiben, aufgegriffen und mich an die und versprengten Archivalien gegeben
Arbeit gemacht. Diese drei bis vier Jahre hat. Dank dem Landeshauptarchiv Ko-
voller nennenswerter Ereignisse, wie die blenz und seinen hilfsbereiten Mitarbei-
Dorferneuerung, Ausbau der Ortsmitte, tern. Dank dem Kreisarchiv Ahrweiler,
Restaurierung des alten „Backes“ sowie besonders Herrn Archivar Ignaz Görtz.
die Fülle von geselligen Veranstaltun- Dank dem Stadtarchiv Remagen, beson-
gen, lohnten sich zu dokumentieren. ders Herrn Archivar Kurt Kleemann.
Was nun aus all´ dieser Arbeit geworden Dank auch allen Oedinger Bürgern, die
ist, wird mit dieser Schrift vorgelegt. als Zeitzeugen manche Lücken in den
Natürlich mag manches fehlen, was dem vorgefundenen Dokumenten ausgefüllt
einen oder anderen Leser wichtig er- haben; auch allen, die geeignetes Bild-
scheint. Natürlich mag auch manches für und Fotomaterial zur Verfügung stell-
überflüssig gehalten werden, das ist nun ten.
Karl Beelke

3
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
DANKE

Danke
W ir danken den Ortsvereinen
und Institutionen, Betrieben
und Geschäftsleuten sowie den
Bürgern von Oedingen, die durch ihre
Unterstützung zum Gelingen dieses
Buches beigetragen haben:

• Backesfreunde
• Freunde der Freiwillige Feuerwehr
• Kirchenchor
• Männergesangverein „Cäcilia1882“
• Möhne
• Rheinhöhenfunken
• Sportverein „Grün-Weiß“
• Junggesellenverein
• CDU Ortsverband
• SPD Ortsverein
• evangelische Kirchengemeinde
• katholische Kirchengemeinde
• Ausschuß für Kultur u. Brauchtumspflege
• Band Saitensprung
• Oedinger Kultband „De Rievekooche“
• Kreissparkasse Ahrweiler
• Raiffeisenbank Grafschaft-Wachtberg eG

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
DANKE

• Jagdgenossenschaft Oedingen
• Gaststätte Franz-Josef und Margret Breuer
• Heinz Breuer Bäckerei-Konditorei
• Em ahle Saal - Glasmacher
• Mini-Markt Born und Weber
• Hans Bungard GmbH Transporte
• Frank Klevenhaus Fuhrunternehmen
• Meier-Wuille Steuerberatung
• Merghad & Link Auto-Sport-Shop
Kfz - An- u. Verkauf
• Dipl.-Ing. Josef A. Niederstein Architekt
• Paetch Straßen- und Tiefbau GmbH
• Markus Reven Garten und Landschaftsbau
• Schleitzer u. Verhoeven GmbH
Holzbau u. Trockenausbau
• Sonntag Metallbau
• Klaus Theisen Kfz-Meisterbetrieb
• Winfried Vilz Bau- u. Möbelschreiner -
Bestattungen
• Ursula Wolter Quelle Profi-Partner
• Marion Workert Tierärztin
Heinz Adams, Wolfgang Bachem, Ute und
Günter Gries, Toni Hillen, Dirk Holstein,
Sven Holstein, Günter Johnke, Hans Kossin,
Werner Lapp, Winand Nietgen, Karl Rieck,
Detlef Schmitt, Klemens Weber, Giesela und
Rudolf Wißkirchen, Olaf Wulf

Wir danken ihnen


für ihre großzügigen Spenden.

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN

Teil A
Oedingen im Mittelalter, erste Erwähnungen

ie bisher älteste urkundliche Erwäh- und Oedingen – die Lage am Rhein und
D nung Oedingens findet sich in einer
Schenkungsurkunde aus dem Jahr 8531.
an der den Fluß begleitenden Rhein-
straße gemeinsam ist. Hier wurde in ver-
Der Stiftsherr Herigarius vermacht sei- gleichbar früher Zeit schon Wein- und
nem Stift zu den heiligen Märtyrern Ca- Ackerbau betrieben.2
sius und Florentinius in Bonn sein Erbteil, Bei ihren Eroberungszügen vor über 2000
darunter auch drei Weingärten seines Jahren trafen die Römer auf die indoger-
Landgutes Adingahoven und eine Par- manischen Stämme der Kelten und Ger-
zelle im Bereich Idengoven, gewiß der manen. Im nördlichen Ahrgau zwischen
Name eines weiteren Hofes in der Ge- Rhein und Ardennen war es der Stamm
markung des heutigen Oedingen. der germanischen Eburonen, der nach
Diese beiden in der Urkunde erwähnten einem Aufstand gegen den römischen
Höfe müssen längst existiert haben, Feldherrn Gajus Julius Caesar (100 bis 44
denn mindestens ein Hof in Oedingen vor Christus) ausgerottet wurde. Caesar
gehörte zu dem umfangreichen Besitz, siedelte danach die ihm freundlicher ge-
den sogenannten „Versorgungsterritori- sonnenen Ubier an. Die Landschaft zwi-
en“, des Königshofes zu Remagen. Die- schen Maas und Rhein beschreibt Caesar
ser war zur Zeit der Römer ihr Versor- in seinem Buch „De bello gallico“ als ein
gungslager und ging als deren Rechts- riesiges und unwegsames Waldgebiet.
nachfolger im 5. Jahrhundert in den Be- Der römische Geschichtsschreiber Tacitus
sitz der fränkischen Herrscher über. (55 bis 120 nach Christus) berichtet anno
Remagen hat übrigens erst in jüngster 98 nach Christus in seinem Werk „De ori-
Zeit erfahren, daß es dort schon wenige gine et situ Germanorum“ von einem
Jahre vor Christi Geburt Ansiedlungen „schrecklichen Wald mit wenigen Ansied-
gegeben hat. Ein Fundstück in Form lungen von Holzköhlern“, sein Buch ist
einer Türschwelle des ehemaligen römi- die älteste uns überlieferte Quelle über
schen Castells wurde in Trier analysiert die Germanen.3
und das Ergebnis in Koblenz bestätigt. In der Hälfte des 4. Jahrhunderts erobern
Auszugsweise heißt es: „Die Siedlung Re- die germanischen Franken römische Fest-
magen zählt allgemein zu den älteren, in ungen am Rhein zurück wie „Castra vete-
vorrömische Zeiten zurückreichenden ra“ (Xanten), „Collonia Agrippina“ (Köln)
Wohnplätzen der rheinischen Lande. Das , Andernach und später auch „Rigoma-
erwähnte Fundstück aus Remagen konn- nensis“ (Remagen). Zwei in Remagen ge-
te exakt auf wenige Jahre vor Christi Ge- fundene christliche Grabinschriften aus
burt datiert werden.“ dem ausgehenden 5. / 6. Jahrhundert be-
Auch die frühzeitige und wahrscheinlich weisen, daß hier schon christliche Franken
noch dünne Besiedlung Oedingens ist ansässig waren neben der ansässig ge-
deswegen anzunehmen, weil mehrere bliebenen keltischen und römischen Be-
Ortschaften im Raum Remagen – Boden- völkerungsgruppe.4
dorf, Unkelbach, Oberwinter, Bandorf Mit einer Urkunde vom 3. Mai 1018

6
DIE GESCHICHTE VON OEDINGEN
OEDINGEN IM MITTELALTER, ERSTE ERWÄHNUNGEN

schenkte König Otto III. (980 bis 1002) kung dieses Hofes an die Abtei Deutz er-
der Abtei Deutz den in Reichsbesitz be- hielt letztere auch die Grundrechte, das
findlichen Hof zu Odinghe (Oedingen). Patronat und das Recht auf den Zehn-
Otto III. wurde mit drei Jahren schon zum ten6. Demnach gab es in Oedingen auch
König und mit 16 Jahren zum Kaiser ge- vor 1018 und wahrscheinlich schon zur
krönt; er stand unter der Vormundschaft frühen Karolingerzeit (687 bis 987) ein
seiner Mutter bis 991 und bis 995 seiner Gotteshaus, das der heiligen Gertrud
Großmutter.5 (626 bis 659) geweiht war.
Die Echtheit dieser Urkunde wird be- Sie war die Tochter des ostfränkischen
zweifelt, weil Otto III. 1002 verstarb. Von Hausmeiers, des Herzogs Pippin des Äl-
1002 bis 1024 regierte Heinrich II. Ein teren (623 bis 639) und seiner Gattin Idu-
Schreibfehler kann nicht ausgeschlossen berga, auch Itta genannt und wurde im
werden, weil die Abtei Deutz seit 1018 Jahre 647 Äbtissin der von ihrer Mutter
tatsächlich im Besitz des Oedinger Hofes gegründeten Abtei zu Nivelles. Das süd-
war. Möglich auch, daß Einsprüche und lich von Brüssel gelegene Nivelles war
Erbauseinandersetzungen die Schen- der Stammsitz der Eltern Pippin und Itta
kung verzögerten. (seit 640 Witwe). Gertrud wurde schon
Die Grundherrschaft über Oedingen bald nach ihrem frühzeitigen Tod (33
besaß bis zum 3. Mai 1018 jeweils der Jahre alt) als Heilige angesehen und ver-
fränkische König (vor 751 der fränkische ehrt.7 In mehr als 800 Kirchen und Ka-
„Hausmeier“). Außer dem „Zehnten“ pellen des damaligen fränkischen Rei-
stand ihm auch das Patronat über die Kir- ches und der benachbarten christiani-
che bzw. Kapelle zu; sie bildete einen Teil sierten Länder wurde sie zur Kirchen-
des königlichen Hofes. Mit der Schen- patronin erhoben, darunter auch im klei-
nen Gotteshaus zu Oedingen.8
Die Abtei Nivelles besaß ebenfalls in Oe-
dingen ein Tafelgut; es wurde der Äbtis-
sin wahrscheinlich durch die Schenkung
eines Pippiniden übereignet, also in der
Zeit zwischen 623 und 751. Dieses Tafel-
gut – ohne Kirche – ist in einer (zum Teil
unklaren) Urkunde vom 2. März 1059
verzeichnet. Diese Urkunde beinhaltet
die Teilung der Güter der Abtei Nivelles
in drei Teile, die von Heinrich IV. vorge-
nommen wurde. Er war König von 1056
bis 1084, Kaiser von 1084 bis 1106, und
wurde bekannt durch seinen Bußgang
nach Canossa. In dieser Urkunde wird
Hl. Gertrud (626 – 659) „Uedechoves“ oder „Udechovet“ (=Oe-

7
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
OEDINGEN IM MITTELALTER, ERSTE ERWÄHNUNGEN

dingen) als Besitz der Abtei Nivelles auf- Frau Äbtissin überwachen. Ihren Schult-
geführt. Es fehlt der Zusatz „und die Kir- heißen kann die Äbtissin in jedem Jahr
che“, der bei den beiden anderen von absetzen.“ Soweit der Wortlaut der Ur-
der Abtei abgeteilten Besitzungen aus- kunde des Aachener Stiftsarchivs.
drücklich vermerkt wurde.9
Die lateinisch verfaßte Urkunde des Stifts- ANMERKUNGEN:
archivs zu Aachen (1282) „Spezifikation Kurmeden „Kurmediat“: nicht reichsunmit-
der Güter und Rechte, welche die Äbtissin telbare, sondern indirekte Ausübung der
herrschaftlichen Rechte.
von Nivelles in Binsfeld und anderen „Vasa“ heißt wörtlich „Krüge“. Mit vasa wur-
Orten im Rheinland hat“, besagt in deut- den im Altertum und im frühen Mittelalter
scher Übersetzung:10 „Die Frau Äbtissin Flüssigkeiten und Körnerfrüchte gemessen.
von Nivelles hat in Odinckhoven acht Später kamen für die Feldfrüchte die Maßein-
heiten „Scheffel“ und „Malter“ auf. Ein zu-
Morgen Weinberge, die als Erblehen für
treffender Vergleich (Größenordnung in kg)
die Halbscheid gebaut werden“ (Halb- zwischen Vasa, Malter und Scheffel scheint es
scheid bedeutet, daß als sogenannte nicht zu geben, zumal die Gefäße und Schau-
Halbpacht sich Pächter und Verpächter feln (vasa und Scheffel) verschieden groß sein
den Ertrag je zur Hälfte teilen). „Sie hat konnten. Deshalb wurde bei An- und Verkauf
stets um die Preise verhandelt, wie es heute
auch 40 Morgen Ackerland, die ebenfalls im Orient noch üblich ist.
zur Halbscheid bebaut werden, sowie un-
gefähr 15 Morgen Wald. Außerdem hat
die Äbtissin dort eine Rente von 2 Kölner Die Vogtei zu Odinhoven (Oedingen)
Mark und 2 Kölner Schillinge der alten und Neryndorp (Nierendorf) hat im Jahre
Währung; Jakob von Halstenberg bezahlt 1321 Vogt Tilmann von Odinhoven ab-
diese Rente. Von den 2 Mark stehen dem getreten an den Grafen Gerhard von
Vogt 4 Schillinge zu. Ferner besitzt die Landskron mit der Auflage, daß auf
Abtei dort eine Wiese, deren Heu der ewige Zeiten alljährlich in Oedingen ein
Schultheiß den Leibeigenen der Frau Äb- Gottesdienst abgehalten wird für die
tissin als Pferdefutter zu geben hat. Des- Seelenruhe von Tilmann Schmitz (Pfar-
gleichen hat die Äbtissin 16 Zinshühner rarchiv), der dafür der Kirchengemeinde
und erhält davon 70 Eier. Dem Schultheiß Oedingen ein Ackerfeld übereignete.11
zur Verfügung steht 1 Morgen vom Wald Am 8. Mai 1327 bestätigt Graf Gerhard
der Äbtissin, der wiederum alle Kopfzin- von Landskron, daß er die Lehen über
sen und Kurmeden zustehen. In Unkel- Neryndorp und Oedynchoven als Vogtei
bach besitzt sie eine Weinkelter. Nach der erhalten hat vom Grafen Gerhard von
Weinlese geben Boten der Äbtissin den Jülich, dem inzwischen die Grundherr-
Lehnsleuten Bescheid, ob sie die Ernte an schaft zustand.
den Rhein zu bringen haben oder aber Als im Jahre 1366 der Hausbesitz Lands-
auf einen gewissen Berg bei Uedichoven krone aufgeteilt wurde, erhielten die
(Oedingen) (siehe Abb. 1). Der Frau Äb- Vogteien Nierendorf und Oedingen zu-
tissin gehört ein Haus in Udinckhoven erst 1366 Gerhard von Eynenberg, 1419
(Oedingen); der jeweilige Bewohner die- Johannes von Eynenberg und 1478 Ger-
ses Hauses ist der Förster im Dorf und er- hard Quadt, Lehnsherr von Landskron.
hält jährlich 9 vasa Roggen. Er muß die Der in der Spezifikation der Güter und
Saaten, Weinberge und Ländereien der Rechte der Äbtissin von Nivelles bereits

8
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
OEDINGEN IM MITTELALTER, ERSTE ERWÄHNUNGEN

erwähnte „gewisse Berg“ bei Oedingen ANMERKUNGEN:


ist eine nach Osten vorstoßende Berg- 1.) Die Annahme, daß es sich bei der Ruine auf
zunge auf der Gemarkungsgrenze Oe- dem Berg um die Reste eines Römischen
Landhauses handeln könnte, stützt sich
dingen / Unkelbach mit der Ruine einer auf die Aussagen von Kurt Klemannn, der
frühmittelalterlichen Burganlage; mög- im oberen Unkelbachtal während der rö-
lich, eines noch älteren römischen Land- mischen Zeit Landhäuser vermutete. Dieses
hauses (Villa). Unkelbachtal endet in westlicher Richtung
Nur den Boten der Äbtissin und vertrau- am „Gewissen Berg“.
2.) Im Jahr 1913 entdeckten Oedinger Bürger
enswürdigen Lehnsleuten war der ge- Reste der frühmittelalterlichen Burganla-
heimnisvolle Berg bekannt. Hier siedel- ge am Rande unserer ostwärtigen Gemar-
ten sich auch einige der Lehnsleute des kungsgrenze zu Unkelbach. Lose Fund-
Abteigutes an; bei Gefahr im Verzuge stücke, mittelalterliche Keramik, Ziegel-
brocken, Basaltsteine und römische Zie-
fanden sie innerhalb der Mauern Zu- geln wurden dem Geologischen-Institut
flucht in den unsicheren Zeiten der krie- der Universität Bonn übergeben. Nach ört-
gerischen Raubzüge. So entstand abseits lichen Vermessungen der Mauerreste und
vom Ort, aber innerhalb der Gemarkung anhand der losen Funde konnten die Wis-
Oedingen, ein kleiner Weiler. Erhaltene senschaftler die Lage der ehemaligen Burg
annähernd rekonstruieren. Sie war etwa
Kellerruinen und noch in jüngster Zeit 40 m lang in Ost-West Richtung und 30 m
auf den benachbarten Äckern gefunde- breit. Die Burganlage war an der Westsei-
ne Ziegel bezeugen die Existenz dieses te durch einen Graben und eine feste hohe
Weilers. Mauer sowie an den übrigen Seiten durch
natürliche Steilhänge und Mauern gesi-
Die Vermutung liegt nahe, daß noch chert, die noch an mehreren Stellen zu er-
nutzbare Räume und Kellereien der kennen waren. Die Fundstelle lag inner-
Ruine der Äbtissin von Nivelles als Wein- halb der Flur „In den Burgmauern“. Das
keller, Warenlager und Umschlagplatz Mauerwerk bestand aus Basalt, Grau-
dienten für die vom Rhein heraufge- wacker und römischen Ziegeln in starker
Mörtelpackung.
brachten Güter, die auf dem Landweg
nach Nievelles weiterbefördert wurden.12
Dieser geheimgehaltene Ort regte in den
mündlichen Überlieferungen die Phanta-
sie an. So haben zum Beispiel
in der Zeit nach dem 2. Welt-
krieg junge Leute aus Oedin-
gen vergeblich in den Keller-
ruinen nach sagenhaften
Schätzen gesucht. Dieser Wei-
ler wurde sehr wahrscheinlich
während des Pfälzischen Erb-
folgekrieges (Gefecht bei Oe-
dingen 31. Mai 1689) bis auf
die Grundmauern zerstört.

Skizze Fundstelle von


Rudolph Bungard

9
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
OEDINGEN IM MITTELALTER, ERSTE ERWÄHNUNGEN
Abb. 1

Topographische Skizze von Oedingen und Umgebung (9. – 13. Jahrhundert)

10
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN

Die Unterwerfung Oedingens durch die


reichsunmittelbare Herrschaft Landskron
as Tafelgut der Äbtissin von Nivelles schlossen. Dagegen aber machte nun
D wurde 1308 an Kuno von Binsfeld,
1314 an Yolande vom Stein und 1382 an
Reichsritter Lutter Quad, Herr auf Lands-
kron, ein Vorkaufsrecht an diesen Gütern
Konrad Rost von Binsfeld verpachtet. gegenüber dem Deutschorden geltend.
Anno 1469 ließ sich Werner von Binsfeld Mit 100 Pferden und 500 bis 600 schwer
in Oedingen, Unkelbach und Binsfeld als bewaffneten Gefolgsleuten, die er im
Alleinherrscher dieser Orte huldigen. Da- Landskroner Land aufgeboten hatte, fiel
gegen aber legte die Äbtissin von Nivel- er am 10. Januar 1567 in Oedingen ein.
les, Wilhelmine von Frankenberg, beim Er zwang den Diener der Deutschherren,
Offiziat des Kölner Kurfürsten (Bischofs) Tilmann Erbland, die Kirchenglocken
Beschwerde ein. Der Prozeß dauerte ein läuten zu lassen, um alle Einwohner zu-
halbes Jahrhundert; das verleidete der sammenzurufen, dazu auch jene, die auf
Abtei zu Nivelles ihren verhältnismäßig dem Besitztum der Ballei wohnten. Sie
kleinen Besitz zu Oedingen. Deshalb ver- alle mußten der Gewalt weichen und
kauften die Äbtissin (Margarete von Ni- Lutter Quad von der Landskron als ihren
velles) und ihr Kapitel im Jahre 1526 alle Herren anerkennen. Nach dieser Huldi-
Besitzungen in Oedingen, Nierendorf gung bildeten Oedingen und Nierendorf
und Unkelbach an den Deutschorden, einen mit 7 Scheffen besetzten „Ding-
Ballei Koblenz (Ballei = Verwaltungsbe- stuhl“ der Herrschaft Landskron, die mit
zirk eines Ritterordens unter Verwaltung der Besitznahme der Rheinlande durch
eines „Landkomturs“). Der endgültige die Franzosen ihr Ende fand.13
Vertrag wurde aber erst 1550 abge-

11
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN

Die Pfarrei Oedingen

n frühchristlicher Zeit gehörten Oe- dingen wurden nach wie vor von der
I dingen, Unkelbach und Bodendorf (als
Filialkirchen) zur Urpfarrei Remagen und
Abtei Deutz besetzt. Sie entsandte auf
Vorschlag des Pfarrers von Remagen
wurden von dort seelsorgerisch betreut. meist einen ihrer Mönche als Seelenhir-
Anno 1412 traf der Pastor von Remagen ten zu den Filialen. Oft war es der Rektor
mit seinen Oedinger Pfarrkindern Ab- des Benediktinerinnenklosters auf Non-
machungen über die Gottesdienste, da nenwerth, der Oedingen mitbetreute.
diese kleine Gemeinde schon seit Beginn Eine kanonische Investitur (also eine
des 13. Jahrhunderts eine Kapelle besaß, rechtskräftige Pfarrer-Einführung) wurde
nämlich den älteren (romanischen) Teil nicht vorgenommen. Die Landskroner
der heutigen Friedhofskapelle. Ein Bene- verfügten, wenn überhaupt, nur über ein
diktiner der Deutzer Abtei kam von Re- eingeschränktes Patronat an der Oedin-
magen herauf und hielt gelegentlich ger Kirche; ein Vorschlagsrecht für die
Gottesdienst. Es wird nicht immer eine Pfarrstellenbesetzung besaßen sie jeden-
Sonntagsmesse gewesen sein, da nach falls nicht.
glaubhaften Überlieferungen die Oedin- 1519, also 500 Jahre nach der Übernahme
ger Urahnen die weiten Wege nicht der Zehntrechte, wird als Pfarrer in Oe-
scheuten und auch gern nach Remagen dingen der Benediktiner Wilhelm von Re-
zum Pfarrgottesdienst gingen. magen erstmals mit Namen aufgeführt.
Ende des 13. Jahrhunderts ging das Pa- Er ist wahrscheinlich in Remagen gebo-
tronat über die Remagener Mutterkir- ren und gehörte der Abtei Deutz an. Am
che aus dem Besitz der Grafen von Berg 5. September 1558 bestellte der Pfarrer
an die Abtei Deutz über. Die in Remagen von Remagen und Kirchherr von Oedin-
durch eine Schenkung des Kölner Erzbi- gen Herbert Schwenk einen gewissen Jo-
schofs bereits seit Beginn des 11. Jahr- hann Becker aus Remagen zum Offizian-
hunderts die Zehntrechte, einen Fronhof ten (kirchenamtlichen Beauftragten) in
sowie zwei Drittel der Münz- und Zoll- Oedingen, der allerdings nur vier Jahre
fälligkeiten besaß;14 auch über die Pfar- bis 1562 residierte. Er mußte zwei Wo-
rei Oedingen war sie Zehntherr von 1018 chenmessen halten und bekam als Ge-
bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Eini- genleistung den Wittumshof (Pfarrhaus
ge Quellen besagen, daß die reichsun- mit zugehörigen Bauten und Ländereien
mittelbare Herrschaft Landskron, die sich für die Amtsdauer) sowie die Erträge aus
1567 Oedingen gewaltsam einverleibte, den pfarreigenen Erbschaften und das
seither auch das Patronatsrecht über die Kirchengefälle (das heißt die Pachtzin-
Kapelle wahrgenommen hat. Urkundlich sen vom Kirchenland). Er war verpflich-
nachweisbar ist auch das Patronatsrecht tet, jährlich 2 Malter Korn und 3 Malter
dieser Herrschaft über die Pfarrei Bir- Hafer an den Kirchherren abzuliefern.
gel/Oberwinter und deren Filiale Ban- Sein Bruder Heinrich Becker aus Rema-
dorf. Die Pfarrstellen Remagen mit ihren gen übernahm die Bürgschaft für die Er-
Filialen Bodendorf, Unkelbach und Oe- füllung des Vertrages durch den Offizi-

12
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
DIE PFARREI OEDINGEN

anten, der ab 1562 auch Rektor der Mag- Pfarrer Erbland nach der Kapitulation
dalenenkapelle seiner Heimatstadt seine Dienste in Oedingen noch weiter
war.15 ausüben durfte. Jedenfalls werden noch
(Malter ist übrigens ein sehr ungenaues für 1567 ein N. Bruno und für 1578 ein
Hohlmaß für Getreide; es schwankt zwi- Pastor Peter Landorping als Seelenhirten
schen der Größenordnung von 700 bis von Oedingen erwähnt; beide wirkten
1000 Litern). hier ausdrücklich im Namen des Pfarrers
Die Präsenz des Offizianten hielt seine von Remagen.
Oedinger Pfarrkinder jedoch nicht davon Zu Beginn des 17. Jahrhunderts erhielt
ab, auch weiterhin zur Sonntagsmesse die Pfarrgemeinde Oedingen einen ei-
ins Tal zu gehen. genen Friedhof, eine kleine Anlage von
Obwohl der Oedinger Wittumshof etwa einem Drittel der heutigen Aus-
(Pfarrverwaltung) erst 1558 urkundlich dehnung. (Sie wird meist als „alter Fried-
erwähnt wird, ist er gewiß älteren Da- hof“ bezeichnet.) Bis dahin wurden die
tums. Schon im germanischen Recht wird Verstorbenen unter großen Mühen zum
mit Wittum das Gut bezeichnet, das eine Pfarrfriedhof nach Remagen gebracht.
Frau von ihrem Mann bei der Freiung er- Hinter dem Altar der alten Pfarrkirche
hielt; es sollte der Witwenversorgung (der jetzigen Friedhofskapelle, meist
dienen. Deshalb ist auch im Fall Oedin- „Alte Kirche“ genannt) liegt ein Grab-
gen anzunehmen, daß zum ehemaligen stein aus dem Jahre 1634 und erinnert an
Königshof außer der Kapelle auch ein die Anfänge des Oedinger Gottesackers.
Wittumshof gehörte. Auf den Grund- Er trägt die Inschrift:
mauern dieses Hofes, der 1739 noch gut
erhalten war, wurde im Jahr 1847 das Anno 1634 den 24.
heutige Pfarrhaus neu errichtet. tugentsame Jungfrau
Die Bestrebungen zu einer selbständigen Charlotta Tibaute d.s.g.g.“16
Pfarrei in Oedingen gingen nur sehr Diese Inschrift war noch gut lesbar im
langsam voran. Der Benediktiner Tilm- Jahr 1849, als anläßlich der Erhebung
ann Erbland mußte 1567 mit allen Oe- Oedingens zur selbständigen Pfarrei
dingern die Alleinherrschaft der Lands- eine gründliche Inventur durch das Pfar-
kroner anerkennen, wie bereits berich- ramt von Remagen vorgenommen
tet wurde. Dies führte naturgemäß zu wurde. Inzwischen ist die Verwitterung
Differenzen mit der Mutterpfarrei Re- so weit fortgeschritten, daß nur noch der
magen. Leider gibt es keine Hinweise, ob Name Charlotta erkennbar ist.

13
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN

OEDINGEN WÄHREND DES DREIßIGJÄHRIGEN KRIEGES

V om „Prager Fenstersturz“ im Jahre


1618 bis zum „Westfälischen Frie-
den“ von Münster und Osnabrück anno
heimgesucht wurde.
Der Remagener Stadtarchivar Wilhelm-
Josef Langen hat eine Schrift herausge-
1648 tobte in deutschen Landen der geben mit dem Titel „Remagen in den
Dreißigjährige Krieg, der eigentlich die Kriegen des Mittelalters bis nach dem spa-
Aufeinanderfolge von vier Kriegen war. nischen Erbfolgekrieg“. Darin berichtet
Er begann – eben wegen des Prager Fen- er über die zahlreichen Besetzungen,
stersturzes – mit dem böhmisch-pfälzi- Plünderungen und Feuersbrünste sowie
schen Krieg 1618 – 1623, wurde fortge- über die beklagenswerten Opfer unter
setzt von 1623 bis 1630 im dänischen den einheimischen Bürgern. In dieser sehr
Krieg, von 1630 bis 1636 im schwedi- ausführlichen Veröffentlichung wird Oe-
schen Krieg unter dem Schwedenkönig dingen überhaupt nicht erwähnt. Und bei
Gustav Adolf II. und seinem Kanzler allen intensiven Nachforschungen der
Oxenstierna und dem französischen Herausgeber in den uns zugänglichen Ar-
Krieg, der von 1636 bis 1648 dauerte. Be- chiven war über die Auswirkungen dieses
sonders die beiden letztgenannten Krie- fürchterlichen Krieges in oder um Oedin-
ge brachten den Rheinlanden Verwü- gen nichts zu erfahren. Im Gegensatz zu
stung, Not, Weiterverbreitung der Pest den benachbarten Gemeinden gibt es bei
und unbeschreibliches Elend. (Vergleiche uns auch kein Pestkreuz. Anscheinend
„Pestkreuz“ in der Kirche zu Unkelbach). wurde Oedingen sowohl vom Dreißi-
So wurde das schon arg mitgenommene gjährigen Krieg als auch – zumindest im
Remagen 1633 von den Schweden be- 17. Jahrhundert – vor der Pest bewahrt.
setzt und fast völlig zerstört. Ihr gelieb- Die verdeckte Ortslage hinter dem damals
ter König und Feldherr, Gustav Adolf, dicht bewaldeten Hängen der Rhein-
war ein Jahr zuvor, am 16.11.1632, in der höhe, die tiefen Schluchten zwischen dem
Schlacht bei Lützen gefallen; seither Rheinuferweg und dem fast 200 m höher
wurden aus den schwedischen Soldaten liegenden Dorf machten die Zufahrtswe-
brandschatzende Marodeure, die sinnlos ge vom Rhein nach Oedingen schwer be-
zerstörten und mordeten. In Remagen gehbar und fast unbefahrbar. Wahr-
brannten sie die Kirche und 106 Häuser scheinlich wurde deswegen der Ort von
und Höfe nieder und vertrieben die Marodeuren und der vor allem von den
überlebenden Bürger auf die kahlen Fel- Söldnern weitergetragenen Pest ver-
der. Auch die heutigen Stadtteile Ober- schont.
winter, Birgel, Bandorf und Unkelbach So ist es zu erklären, daß Oedingen trotz
hatten unter den mordbrennenden dieser kriegerischen Epochen des Dreißi-
Söldnertruppen schwer zu leiden, die auf gjährigen Krieges eine normale Aufwärt-
den Rheinuferstraßen rechts und links sentwicklung erlebte und sogar Flüchtlin-
des Flusses entlang zogen. Nur so ist es ge aus Nonnenwerth, Rolandseck und
zu erklären, daß Oedingen hinter den Mehlem aufgenommen hat, die hier eine
Rheinhöhen von den Schweden nicht sichere Zufluchtsstätte fanden.

14
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
OEDINGEN WÄHREND DES DREIßIGJÄHRIGEN KRIEGES

Noch vor Ende dieses schrecklichen Krie- Die Bruderschaft St. Gertrud bestritt aus
ges wurde im Jahre 1640 die „Bruder- ihren Einkünften alle laufenden Ausga-
schaft St. Gertrud“ gegründet, die wahr- ben der Kirchengemeinde; ihre Einkünfte
scheinlich eng verbunden wurde mit der setzten sich zusammen aus Kollekten,
1645 entstehenden „Marienbruder- Spenden, Pachtzins und Erbschaften.
schaft“. Letztere wurde anläßlich der Auch die Instandhaltung der Kirche war
Konsekration des Gertrudis-Hochaltares ihre Aufgabe. Bis ins 20. Jahrhundert war
und des Marien-Seitenaltares durch den diese Bruderschaft das Rückgrat im Pfarr-
Kölner Weihbischof Georg Stravius ge- gemeindeleben und in der Pfarrverwal-
nehmigt. Mit dem Besuch der beiden Al- tung. So hatte sie zum Beispiel im Jahre
täre in der Oedinger Kirche war ein Ablaß 1929 120 männliche und 150 weibliche
von 40 Tagen verbunden. Alljährlich vom Mitglieder; es dürfte vom Säugling bis
29. September bis 1. Oktober wurde von zum Greis fast die ganze Einwohnerschaft
da an in der Pfarrei ein 40-Stunden-Gebet gewesen sein.
verrichtet.17 Doch zurück ins 17. Jahrhundert, dem
Von den beiden Altären stehen heute nur Jahrhundert des 30jährigen Krieges und
noch die nackten Tische aus Stein. Ob und der Pest: 20 Jahre nach dem westfälischen
welche Aufbauten oder Altarbilder vor- Frieden zählte die Pfarrgemeinde Oedin-
handen waren, wissen wir nicht. Später gen 90 Erstkommunikanten; bei der da-
wird noch ausführlich über die „Alte Kir- mals großen Kinderzahl läßt das auf eine
che – das Juwel unter den Dorfkirchen Einwohnerzahl von mindestens 120 bis
des Bistums Trier“ berichtet. 130 Seelen schließen.18

15
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN

DIE TOPOGRAPHIE OEDINGENS

M it ganz wenigen Ausnahmen ist


heute noch die Topographie des
Ortskerns von damals erhalten geblie-
ständnis die heutigen Ortsnamen in
Klammern neben den urkundlich be-
zeugten alten Bezeichnungen.
ben. Oedingen hat sich entwickelt nach Diese alten Namen stammen aus manch-
dem Typ eines „Straßendorfes“. Beider- mal schwer zugänglichen oder aus oft
seits der Dorfstraße, die heute Wacht- kaum noch lesbaren Archivdokumenten;
bergstraße heißt, waren die Häuser und sie finden sich zum Beispiel in Lager-
Höfe angesiedelt. Die Ortskarte zeigt, büchern, Inventarverzeichnissen, Karten-
daß um 1670 am rheinseitigen Ortsein- auszügen oder auch in Protokollen über
gang das Stammhaus der Familie Walen Kauf- bzw. Erbverträge, über rechtswidri-
(heute Heuser) das erste Gebäude war. ge Aneignungen oder sonstige Rechts-
Von dort ging es in verschwommenen streitigkeiten.20
Abgrenzungen um die Ecke des Hofes Aus den oben angegebenen Unterlagen
Bungard (heute „Alt-Oedingen“) in die geht hervor, daß der ehemalige Königs-
heutige Pastoratsstraße hinein. Die Dorf- hof, die spätere Vogtei von Oedingen, an
straße war für alle Einwohner zugleich der alten Dorfstraße beim heutigen Pfarr-
der Kirchweg an Sonn- und Feiertagen, haus gelegen hat. Von einigen Vögten
bei Taufen, Trauungen und Beerdigun- der Oedinger Vogtei sind uns die Namen
gen; sie führte dann vom Pfarrhaus (bzw. urkundlich überliefert; Tillmann von Oe-
der Kirche) weiter bis zum alten Simon- dingen 1324 bis 1327, Dietrich von Oe-
schen Hof.19 Siehe Abb. 2 dingen 1338, Winant von Oedingen 1378,
Übrigens wurde die direkte Verbindung Johann I. von Oedingen (wahrscheinlich
der Dorfstraße vom Göbelschen Fach- Johann von Einemberg) 1407, Johann II.
werkhaus an der Ecke Pastoratsstraße von Oedingen 1433 bis 1440, Raboth von
zum heutigen Hof Dernbach (früher Plettenberg 1523, Johann Friedrich Quad,
Weber) bis zur Einmündung der Kapel- Herr auf Landskron sowie unter anderen
lenstraße erst in der Mitte des vorigen von Oedingen und Nierendorf 1615. In
Jahrhunderts ausgebaut. Heberegistern, Lagerbüchern und Inven-
Die in Abb. 1 und Abb. 2 beigefügten to- tarlisten 17. Bis 18. Jahrhundert wird die
pographischen Skizzen zeigen die Ent- Vogtei als „Pohlhof“ benannt (Name des
wicklung des Ortes zwischen dem 9. Und Pächters).21 Mit Sicherheit gehörte der
19. Jahrhundert von 853 (Herigarius) bis Pohlhof anno 1894 einem Canonicus Mül-
1830 (Kataster-Urkarte). Zugleich geben ler.22 Um 1900 wurde ein Teil des Anwe-
sie Aufschluß darüber, wo im Ort das ur- sens von den Geschwistern Vogels über-
sprünglich königliche Gut, die spätere nommen.23
Vogtei, gelegen hat, und darüber, was Das ehemalige Tafelgut der Äbtissin von
zum Tafelgut der Äbtissin von Nivelles Nivelles lag an der Dorfstraße auf dem
gehörte. Runde 1000 Jahre sind in diesen Grundstück neben der 1908 erbauten
beiden Skizzen überbrückt. Gertrudiskirche; heute befindet es sich im
In der Skizze 1 stehen zum besseren Ver- Besitz der Familie Vilz. Dieser Hof wurde

16
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
DIE TOPOGRAPHIE OEDINGENS

17
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
DIE TOPOGRAPHIE OEDINGENS

im Mittelalter auch Schultheisshof, im La- Krieges und der vielen Nachfolgekriege


gerbuch von 1671 „Krahhof“, genannt verschont geblieben. Erst der Pfälzische
und als Eigentum der Familie „von Brau- Erbfolgekrieg, den Frankreich 1689 bis
mann“ ausgewiesen. Zu Beginn des 19. 1697 gegen Österreich, England, Spanien
Jahrhunderts gehörte er einem Canonicus und die Niederlande führte, sollte auch
aus Nierendorf (der Name in der Urkunde Oedingen in das Kriegsgeschehen einbe-
ist unleserlich), der ihn wegen Baufällig- ziehen. Nachdem die Franzosen unter
keit abreißen ließ.24 ihrem Heerführer Mélac die Pfalz total
Auf den Bruchstücken der alten Funda- zerstört hatten, drangen sie am linken
mente wurden zu Beginn des 20. Jahr- Rheinufer bis nach Köln vor. Am 31. Mai
hunderts die neugotische Gertrudis-Pfarr- 1689 kam es in Oedingen zu einem Ge-
kirche (1908) und die Gastwirtschaft mit fecht zwischen plündernden Franzosen
Saalbetrieb Vilz (1906) erbaut. und den kaiserlichen Deutschen. Als Au-
Nach bisherigen Erkenntnissen war Oe- genzeuge berichtet Christian Ley, Ge-
dingen bis gegen Ende des 17. Jahrhun- richtsschreiber von Honnef, über dieses
derts von den Greueln des 30jährigen Ereignis.25

18
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN

DAS GEFECHT BEI OEDINGEN

D ie Kaiserlichen und die Reichstrup-


pen hatten die Franzosen im Raum
Bonn zusammengedrängt und hielten
das Dorf und die umliegenden Ortschaf-
ten „auszufouragieren“. Dies bedeutete,
daß den Bewohnern der unteren Graf-
sie am gegenüberliegenden Ufer von der schaft die letzten Vorräte enteignet und
Wolkenburg aus in Schach. Im Mai 1689 das letzte Stück Vieh abgeschlachtet
wurden sie wieder von der Wolkenburg würden. Anschließend sollte noch alles
abgezogen; sie sollten jene Truppen ver- vernichtet werden, was auf dem Felde
stärken, welche die Stadt Mainz von den stand. Trotz eines schweren Unwetters
Franzosen befreien wollten. Daraufhin machte sich der Gerichtsschreiber Ley
rückten die Franzosen aus Bonn wieder noch am gleichen Tag auf den Weg nach
in Honnef ein. Am 27. Mai 1689 um 8.00 Linz. Dort berichtete er dem Komman-
Uhr loderten in Dollendorf, Königswin- deur der Reichstruppen, Oberst Had-
ter und Honnef die Flammen der bren- dinghausen, daß die Mordbrenner in Oe-
nenden Häuser. Zuvor waren die Ein- dingen hausten und sich in Sicherheit
wohner Honnefs um 4.000 Taler ge- fühlten. Noch in der gleichen Nacht ent-
brandschatzt worden, wie der damalige schloß sich der Oberst, seinen Gegner
Pfarrer Tripp berichtet; sie flohen dann frühmorgens am 31. Mai anzugreifen. Er
mit Frauen und Kindern, Vieh und Haus- schickte 150 Dragoner unter Führung
rat in den Wald. Nur Pfarrer Tripp und eines wegekundigen Mannes über Un-
sein Kaplan und der Gerichtsschreiber kelbach nach Oedingen. Eine weitere
Ley mit seiner Schwester waren in der Abteilung von ebenfalls 150 Soldaten
Stadt zurückgeblieben, weil sie das in führte Ley selbst über Mehlem und den
der Kirche gestapelte Gut der Bürger Rodderberg zu einem Hinterhalt am
und die Archive der Pfarrei und des Ge- Waldrand vom Schießgraben. Der Plan
richtes retten wollten. Ihre Mühe war von Oberst Haddinghausen bestand
vergebens. Der Pfarrer wurde schwer darin, den Feind in die Zange zu nehmen
mißhandelt und die davonrennende und ihm einen eventuellen Rückzug
Schwester des Herrn Ley wurde von hin- durch den Wald abzuschneiden. Das Vor-
ten erschossen. Als die französischen haben gelang ausgezeichnet.
Marodeure ihr entsetzliches Handeln be- Ley selbst durfte nicht mitkämpfen, weil
endet hatten, zogen etwa 200 von ihnen er zwar die Feder, aber nicht die Waffen
bei Rolandseck über den Rhein. Sie mar- zu führen verstand. Man riet ihm, einen
schierten durch die Schlucht über den hohen Baum zu erklettern, von dem aus
Schießgraben nach Oedingen. Einen er das Geschehen gefahrlos beobachten
wege- und waldkundigen Mann hatten könne. Diesem Umstand verdanken wir
sie gezwungen, den Trupp nach Oedin- heute den Bericht über das Gefecht von
gen zu führen. Dieser Mann kam nun Oedingen.
drei Tage später wieder nach Honnef Als die Aufstellung am Schießgraben ge-
und berichtete, daß die Franzosen acht rade beendet war, hörte man von Oedin-
Tage in Oedingen bleiben wollten, um gen her Schüsse. Die Dragoner – eine be-

19
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
DAS GEFECHTE BEI OEDINGEN

rittene Infanterie, die schnell beweglich schatzung verschont blieben, wie sie drei
zu Pferd und zu Fuß kämpfen kann – hat- Tage vorher Honnef hatte erleben müs-
ten die Franzosen angegriffen und aus sen. Stattgefunden hatte dieses Gefecht
ihren Quartieren aufgescheucht. Der am 31. Mai 1689 auf einer Flur rechts und
Kampflärm wurde stärker, und es dauer- links von der Verlängerung der heutigen
te nicht lange, bis die ahnungslos gestör- Waldstraße in Höhe der Landesgrenze zu
ten Franzosen, die zunächst noch mit Bra- Nordrhein-Westfalen. Bis heute heißt die
vour kämpften, sich über den Wald und Obststreuwiese im Volksmund „das To-
den Rodderberg in Sicherheit bringen tenfeld“.
wollten. Hier aber gerieten sie in den Hin- Daß Oedingen verschont blieb, ist auf die
terhalt am Schießgraben. Es gab Tote und Tatsache zurückzuführen, daß die Fran-
viele Verwundete; nur wenige Franzosen zosen hier für acht Tage Quartier zu neh-
konnten sich nach Bonn durchschlagen. men gedachten. Sie wollten zunächst von
Das heftige Sperrfeuer am Waldrand vor Oedingen aus die umliegenden Orte
dem Schießgraben hatte die Entschei- brandschatzen, ihr Quartierdorf sollte zu-
dung zugunsten der deutschen Dragoner letzt an die Reihe kommen. Aus den
gebracht. Landskroner Heberegistern läßt sich
Christian Ley, der das Geschehen von sei- schließen, daß die Marodeure schon zu
nem Versteck im Baum aus beobachtet Beginn ihrer Erkundigungszüge auf die
hatte, schließt seinen Bericht: „Als alles Burgruine gestoßen sind. Im (mutmaßli-
vorüber war, kletterte ich vom Baum her- chen) „Weiler“, den wenigen herunter-
unter. Der kommandierende Offizier, der gewirtschafteten Lehenshäusern bei der
am Arm verwundet war, fragte mich, wie Ruine, war nicht mehr viel zu hohlen.
mir die Bataille (früher Ausdruck für „Ge- Kurzerhand machten sie alle Bauten dem
fecht“) gefallen habe. Ich sagte: Nicht Erdboden gleich, von denen bis heute die
schlecht; jetzt habe ich Vergeltung für Kellerruinen noch übriggeblieben sind.
den Tod meiner Schwester, die in Honnef Tatsächlich ist in den Landskroner Hebe-
von den Franzosen erschossen worden ist. registern ab 1700 nur noch die Rede von
Das siegreiche Gefecht hatte zur Folge, einem Busch „Auf den Burgmohren“, wie
daß damals Oedingen und die ganze Um- die damalige Flurbezeichnung lautete.26
gebung von einer furchtbaren Brand-

20
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN

RELIGIÖSES – KIRCHLICHES LEBEN

I n der Entwicklung zu einer selbständi-


gen Pfarrei kam Oedingen im Jahre
1716 einen beachtlichen Schritt weiter,
nahmen als Lehrer bezieht er als Küster
von jedem Haus ein Brot.“27
Nach dem Tod dieses erfolgreichen Vize-
da dem damaligen Vizekurator Hermann kurators Manken (U 1742) wurde dem Be-
Manken (1716 bis 1741) das Taufrecht in nediktinerpater Rupert Munstermann
der Remagener Filialkirche zu Oedingen (geb. 1702) die Pfarrverwaltung von Oe-
bewilligt wurde. Schon wenige Jahre dingen übertragen. Er war vom Abt sei-
später durfte er dann auch die Oedinger nes Klosters in Deutz beauftragt, die va-
Kinder zur ersten heiligen Kommunion kante Stelle zu besetzen. Die Ernennung
führen. Das ersparte den Eltern und Kin- von Pater Munstermann bestätigte der
dern den weiten Weg zur Pfarrkirche erzbischöfliche Generalvikar von Köln,
nach Remagen (9 Kilometer bei Wind seine Einführung in die Filialkirche und
und Wetter). Um zumindest den An- Gemeinde vollzog der Pfarrer von Rema-
schein der weiteren Bindung an die Mut- gen, dem diese Aufgabe oblag.28
terkirche zu wahren, mußte der jeweili- Das Protokoll dieser Einführung mag als
ge Pfarrverwalter alljährlich am Oster- weiterer Hinweis darauf gelten, daß das
montag 25 Eier an den Remagener Pa- Patronat der Landskroner Herrschaft gar
stor abliefern. Weisungsgemäß hatte der nicht gefragt wurde.
Pastor H. Manken während seiner Die beigefügte Karte Abb. 3 weist die ter-
25jährigen Seelsorgetätigkeit noch eine ritorialen Grenzen im 17. Jahrhundert
besondere Aufgabe in Oedingen zu er- zwischen dem Kurfürstentum / Erzbistum
füllen. Nachdem nämlich 1717 bis 1720 Collen (Köln) und dem Herzogtum Gulick
die „allgemeine Schulpflicht“ eingeführt (Jülich) aus. Im Süden des Herzogtums Jü-
war, mußte er eine Dorfschule einrich- lich übten die Landskroner ihre „reich-
ten. Die bereitwillige Hilfe seiner Pfarr- sunmittelbare“ Herrschaft aus.
kinder ermöglichte es ihm, bis 1740 das Doch nun zurück zu Pater Munstermann.
Schulgebäude mit Lehrerwohnung zu er- Dieser Seelenhirt muß eine herausragen-
richten. Die Dienstaufsicht oblag dem de Persönlichkeit gewesen sein. Seine
Pastor, Instandhaltung und Pflege der Amtseinführung begann er mit sorgfälti-
einklassigen Schule dagegen der Ge- gen Bestandsaufnahmen, was bis dahin
meinde; Zuschüsse gab es damals nicht. keineswegs üblich war. Schon im ersten
Dieses erste Schulgebäude steht gut er- Jahr nach seiner Einführung setzte er die
halten noch heute in der Wachtbergs- Konsekration (Kirchweihe) der Oedinger
traße Nr. 59. Kirche durch, die bis dahin nur Benedikti-
Über die Oedinger Schule wird in einem on (Segnung) erhalten hatte. Hundert
Fragebogen aus dem Jahr 1743 vermerkt: Jahre zuvor waren nur der Haupt- und
„Das kleine Dorf hat eine gute Schule. Der der Nebenaltar konsekriert worden.
Lehrer, der zugleich Küster ist, hat den Diese Kirchweihe bedeutete schon die
verlangten Eid geleistet; der Pastor ist mit faktische Anerkennung Oedingens als
ihm zufrieden. Neben seinen Jahresein- selbständige Pfarrei.

21
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
RELIGIÖSES – KIRCHLICHES LEBEN

Weil das Patrozinium (Patronatsfest) St. gemeinschaft zusammenhielt. Kein Wun-


Gertrud am 17. März immer in die Fa- der also, daß im Visitationsprotokoll von
stenzeit fiel, wurde das Kirchweihfest auf 1743 zu lesen ist: „Der Pastor lebt mit sei-
den Sonntag nach Martini festgeschrie- ner Gemeinde in guter Gemeinschaft und
ben; alle Ernte- und Feldarbeit war dann in Frieden miteinander.“
beendet. Ein festes Gehalt vom Bistum gab es da-
Pater Munstermann OSB war ein gütiger mals noch nicht. Das Pfarrstelleneinkom-
und lebensfroher Mensch. Die Seelsorge men mußte vielmehr von der Pfarrge-
betrachtete er als seine Hauptaufgabe. meinde aufgebracht werden.
Deshalb war er um die Sonntagsheiligung Dazu zählte:
(3. Gebot von Sinai) sowie um die Kran- 1. der gesamte Zehnte,
ken und die Glaubensunterweisung in 2. die Nutzung von 3,75 Morgen Land
der Kirche und Schule ganz besonders 3. freiwillige Gaben der Pfarrkinder.
bemüht. Ein wichtiges Anliegen war ihm Als Stollgebühren standen dem Pastor zu:
auch die Pflege des Gemeinschaftslebens a) von jeder Taufe 16 Albus
in seiner Gemeinde. So richtete er zum b) von jedem Begräbnis 52 Albus
Beispiel an Sonn- und Feiertagen oft ge- c) von jeder Trauung 78 Albus
sellige Veranstaltungen aller Art ein, um 1 Albus hatte den Wert von 2 Kreuzern (8
den Seinen etwas zu bieten, was die Dorf- bis 10 Pfennige).29

22
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
RELIGIÖSES – KIRCHLICHES LEBEN

23
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN

DIE ALTE PFARRKIRCHE

D ie Visitationsprotokolle in den Jah-


ren 1742 und 1747 enthalten eine
genaue Beschreibung der Pfarrkirche
und in der Mitte der Nordwand eine
Steinkonsole, die ehemals wohl einen Em-
porenbalken trug. In das Chor führt ein
(vergleiche Abb. 4) und eine detaillierte verdrückter Rundbogen mit gekehlten
Aufzählung des dazugehörenden Inven- Kanten. Die Strebepfeiler sind nach innen
tars. Es ist interessant, wie wenig sich die- gezogen und bilden Wandnischen mit
ses Gotteshaus im Laufe von 250 Jahren umlaufender Sohlbank. Das Sterngewöl-
äußerlich verändert hat und wie gut es be mit gekehlten Rippen ruht auf 6 Pfei-
damals ausgesehen hat und ausgestattet lerkonsolen mit gut gearbeiteten Brust-
war. In den „Kunstdenkmälern der bildern der Apostel Petrus, Jakobus des
Rheinprovinz“ heißt es: Älteren, Andreas, Bartholomäus, Johan-
„Die alte Pfarrkirche ist ein kleiner, im nes und Paulus. In den beiden Vier-
Kern noch dem 13. Jahrhundert an- paßschlußsteinen sind Halbfigurenreliefs
gehörender, einschiffiger Bau mit bündi- des Schmerzenmannes und der Schmerz-
gen Langwänden des quadratischen We- haften Mutter zu sehen. Über dem Stein-
sturmes, des kurzen Schiffes und des drei- rahmen des mit Eisengitter verschlosse-
seitig anschließenden Chors. Nördlich ist nen Sakramentsschreins befindet sich ein
eine rechteckige Sakristei mit abge- 84 cm hoher steinplastischer Kruzifixus
schrägten Außenkanten angebaut (ver- mit knieendem Stifterpaar.
gleiche Abb. 5, Grundriß und Aufriß). Das Die Sakristei ist flach gedeckt und hat in
Bruchsteinmauerwerk ist mit Sandstein- der Südwestecke einen Treppenabsatz,
brocken untermischt und hat alten, zum der ehemals wohl für die Kanzel geschaf-
Teil steinsichtigen Putz. Am Turm sind fen wurde.“30
Sandsteinquaderecken sichtbar, das ge- Der Zahn der Zeit nagte auch damals
schieferte Glockenhaus trägt auf den schon an der Alten Kirche, so daß gute
etwas erhöhten Langwänden einen acht- drei Jahrzehnte später eine gründliche
seitigen Helm. Der abgeschrägte Sockel Renovierung notwendig wurde. 1775
geht um den ganzen Bau, das Kehlgesims richtet Vizekurat Neusser (1773 bis 1779
um das Schiff und Chor. In der Westwand Pfarrer in Oedingen) ein Gesuch mit der
befindet sich eine rechteckige Holzrah- Bitte um Beisteuer zur Kirchenreparatur
mentür. an die Herren von der Landskron, da die
Im 13 m langen und 4,15 m breiten Innern Bruderschaft St. Gertrudis schon 500 Gul-
haben die beiden Schiffsjoche ein Kreuz- den bei der Renovierung der Kirche ver-
gewölbe aus Tuff mit gekehlten Rippen, braucht hätte. Damit war die Kirchenkas-
die teilweise in die Wand verlaufen. Die se voll ausgeschöpft, und es waren auch
Mauern des Westjochs, über dem sich der nur wenige Kirchenrenten vorhanden.
Turm erhebt, sind noch romanisch. Der Leider ist es nicht erwiesen, wie die Herr-
Gurtbogen auf geschmiegten Wand- schaft reagiert hat. Sehr wahrscheinlich
kämpfern ist annähernd halbrund; in den wurde der erbetene Zuschuß nicht bewil-
Westecken erkennt man Runddienste ligt, da die Landskroner während dieser

24
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
DIE ALTE PFARRKIRCHE

Zeit bis auf die Verwaltungshoheit über Abb. 4:


wenig Hof- und Grundbesitz in Oedingen Madonna mit der Birne
verfügten. Sie werden sich darauf berufen Pfarrkirche Oedingen
haben, daß die Grundeigentümer für die
Unterhaltung der Kirche zuständig
seien.31

Liste über das Inventar


der alten Pfarrkirche
(Auszug aus dem Fragebogen von 1742)

2 Altäre (Hochaltar der heiligen


Gertrud im Chor, Marienaltar rechts im
Schiff
1 Altarstein aus schwarzem Marmor
1 Kommunionbank mit Balustern, 11
Kirchenbänke aus dem 17. Jahrhundert
1 Grabstein der Charlotta Tibaute
(Bruchstück)
1 Vortragskreuz aus Holz, 17. Jahrhun-
dert
1 Vortragskreuz aus Messing, 17. Jahr-
hundert
1 Holzkreuz, Korpus mit alter Fassung
(jetzt im Pfarrhaus)
1 Figur „Madonna mit der Birne“ (diese
mittelrheinische Arbeit vom Ende des
15. Jahrhunderts wurde das Opfer von
Kunsträubern), Abb. 4

1 Holzfigur des heiligen Sebastianus


1 Holzfigur der heiligen Gertrud aus
dem 17. Jahrhundert
1 gotische Turmmonstranz aus der
Mitte des 15. Jahrhunderts
1 Speisekelch, Messing vergoldet, 1700
1 Meßkelch, Kupfer vergoldet, mit
Sechspaßfuß
1 Zinnkelch mit Sechspaßfuß aus dem
17. Jahrhundert

25
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
DIE ALTE PFARRKIRCHE

3 Glocken aus den Jahren 1612, 1733 ANMERKUNG:


und 1742: Die meisten der oben angegebenen Ausstat-
tungsgegenstände wurden in die neue Pfarr-
a) Durchmesser 50 cm, Inschrift: kirche übernommen. Die alte Gertrudisglocke
SANKT GERTRVT HEISCHEN ICH KERST- hängt wieder im Turm der früheren Pfarrkir-
GEN VON ONCKEL GAVSZ MICH ANNO che und dient heute als Totenglocke und als
zusätzliches Festtagsgeläut.
1612 PETER MORREN OFFERMANN
PETER SMIT KIRCHMEISTER
b) Durchmesser 60 cm, Inschrift:
ST GERTVD HEISCHE ICH; DIE LEBENDIGE
BERVFE ISCH; DIE DOTTEN BELEVTE ICH;
DAS DONNERWETTER VERTREIBE ICH,
GOTTFRID DINKELMAEYER GOS MICH
IN COLLEN ANNO1733
c) Durchmesser 35 cm, Inschrift:
ZV EHREN DER MVTTER GOTTES VND
DER HE. GERTVDIS PATRONIN ZV OE-
DINGEN GOS MICH JOHAN HEINRICH
DINCKMAYER 1742 31

Abb. 5:
Die alte Pfarrkirche
um 1750

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN

DIE ENTWICKLUNG ZUR POLITISCHEN GEMEINDE

R ückblickend hat sich Oedingen im


Verlauf von über 1100 Jahren von an-
fangs zwei klar voneinander abgegrenz-
digen. Er richtete danach für Oedingen
und Nierendorf einen gemeinsamen
Dingstuhl ein, der sich aus 7 Schöffen zu-
ten Gutsgemeinden kontinuierlich zu sammensetzte; einen, zugleich den Vor-
einer Dorfgemeinde entwickelt. Die ge- sitzenden, stellte die Herrschaft.
meinschaftliche Verbundenheit wurde Der letzte rechtmässige Grundherr der
von der Pfarrgemeinde getragen. Die Landskrone mit allen Besitztümern war in
beiden Güter, der königliche Hof und das Erbfolge von 1797 bis 1802 der Reichs-
Tafelgut der Äbtissin von Nevilles, hatten freiherr vom und zum Stein, somit auch
bestimmt ab 1018, möglicherweise auch Grundherr von Oedingen.
schon vorher, eine gemeinsame Grund- Mit der Eroberung der Rheinlande durch
herrschaft, nämlich die Abtei Deutz, der die Franzosen, die in der ersten Oktober-
sie den Zehnten entrichten mußten. Aus hälfte 1794 rheinauf- und abwärts vorge-
dem Spezifikationsbericht von 1282 der drungen waren und Remagen eroberten,
Abtei Nivelles entnehmen wir, daß die wurden die politischen Zuordnungen der
Äbtissin einen abteilichen Hofschultheis- Gemeinden per Besatzungsdekrets neu
sen auf ihrem Oedinger Tafelgut in Dien- verfügt. So wurde Oedingen zunächst der
sten hatte. Dieser mußte jährlich an den Mairie Heimersheim zugeteilt. Diese übte
Vogt als den Beauftragten des Grund- die Verwaltung mit ihren ehemaligen Be-
herren vier alte Kölner Schillinge ent- amten noch nach dem jülisch-bergischen
richten. Die Grundherrschaft hatten in- Landesgesetzen aus.
zwischen die Grafen von Jülich, die auch Nach dem Friedensvertrag von Lunéville
Stiftsherren von Deutz waren. am 9. Februar 1801 wurden die linksrhei-
Erbstreitigkeiten, aber auch Dank für nischen Lande in das französische Reich
Dienstleistungen führten dazu, daß Graf eingegliedert. Der Rhein bildete die Gren-
Gerhard von Jülich am 8. Mai 1327 die ze zwischen Deutschland und Frankreich.
Vogtei über Nierendorf und Oedingen als Die Franzosen führten in den von ihnen
Lehen an den Grafen Gerhard von Lands- okupierten Gebieten den CODE NAPOLE-
kron gab. Er und noch eifriger seine Nach- ON ein, das napolenische Recht. Es wirkt
folger strebten jedoch nach dem alleini- bis heute in den linksrheinischen Gebie-
gen, uneingeschränkten Besitz des Le- ten nach und hat z.B. durch das französi-
hens. Nach vielen aufeinanderfolgenden sche Erbrecht – gleiche Teile für alle Kin-
Querelen und gerichtlichen Auseinander- der – die bis dahin bestehenden großen
setzungen, unter anderem auch mit der Bauernhöfe zerschlagen und unrentabel
Abtei von Nivelles und der Ordensballei gemacht, während rechtsrheinisch das
Koblenz, überfiel am 10.1.1567 Reichsrit- alte Erbhofrecht bestehen blieb.
ter Lutter Quad, Herr auf Landskron, das Nach der Eingliederung verfügte die Be-
Dorf Oedingen und ließ sich angeblich im satzungsmacht eine neue Verwaltungs-
reichsunmittelbaren Auftrag als den al- ordnung. –Hiernach gehörte Oedingen
leinigen Herrn von allen Oedingern hul- zusammen mit Heimersheim, Ringen, Sin-

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
DIE ENTWICKLUNG ZUR POLITISCHEN GEMEINDE

zig usw. dem neu gebildeten KANTON RE- In dem o.a. Protokoll wird nochmals die
MAGEN bis zum Januar 1815 an, als die Existenz des Pohlhofes als Erbgut der
Franzosen sich trotz heftigen Widerstan- Landskroner Herrschaft bestätigt. Es ist
des zurückziehen mußten. auch beachtenswert, daß eine so bedeu-
Der Landskroner Reichsfreiherr vom und tende Persönlichkeit wie Reichsfreiherr
zum Stein, seit 1780 in preußischen vom und zum Stein in so naher Beziehung
Staatsdiensten, durfte sein rechtmäßiges zu unserem kleinen Ort gestanden hat. Er
Erbe, alle Besitztümer der Landskroner wurde übrigens auf Schloss Nassau gebo-
auf linksrheinischem Gebiet, nicht antre- ren, stand seit 1780 in preußischen Staats-
ten, da er als preußischer Beamter den diensten und avancierte 1804 zum
Franzosen nicht genehm war. Den An- preußischen Staatsminister. Bekannt
spruch seiner Rechte seit 1797 setzte er wurde er durch die Reorganisation der
trotz französischer Besatzung und Anne- oberen Staatsbehörden, die Aufhebung
xion der Rheinlande nach und nach der Erbuntertänigkeit sowie die freiheit-
durch, indem er seinen Notar beauftrag- liche Städteordnung, die auf dem Grund-
te, symbolisch alle Erbgüter und Grund- satz der Selbstverwaltung beruht. 1808
rechte der Landskroner Herrschaft in Be- wurde er auf Druck der preußischen Stän-
sitz zu nehmen. de und der Franzosen in Ungnade entlas-
sen.
Nach dem Protokoll der Maßnahmen: * Heimatjahrbuch für den Kreis Ahrwei-
ler 1960, S. 49-52
„erhob sich oftgemeldeter Herr Bevoll- ** Heimatjahrbuch für den Kreis Ahrwei-
mächtigter in Begleitung des Bürger- ler 1965, S. 101-103
meisters Winzer (Heimersheim) zu Jo- Die Ortschaften des Kantons Remagen
hannes Pohl in Oedingen, machte in lebten wochenlang in der Furcht, daß die
dessen Behausung die Haustüre auf und Franzosen vor ihrem Rückzug alles in
zu, schnitt in einer Wiese einen Lappen Schutt und Asche legen würden. Doch es
Gras aus und brach in einem Gebüsch sollte – Gott Dank! – ganz anders kom-
einen Zweig mit dem an den Halfteren men. Es gab nur einige Geplänkel zwi-
(Gutspächter) Johannes Pohl gerichte- schen kleinen Besatzungs-truppen und ei-
ten Bedeuten: Daß dero Prinzipal nigen Kosakenabteilungen, die hin und
(Grundherr) durch dieses Zeichen den wieder über den Rhein vorstießen. Ge-
Besitz von allen bisher dem Freiherrn fährlich wurde es erst, als am 6. Januar
von Clodh zugestandenen Gütern, Ren- 1815 die auf dem Apollinarisberg ein-
ten und Gefällen hiermit wollte genom- quartierten etwa 100 Franzosen am Rhei-
men haben.“ * nufer liegende Schiffe in Brand setzten.
Beherzte Remagener Bürger konnten –
Aus politischen Erwägungen ließ Reichs- bis auf zwei total ausgebrannte Schiffe –
freiherr vom und zum Stein schon 1802 das Feuer löschen; so verhinderten sie ein
alle seine linksrheinischen Besitzungen Übergreifen des Brandes auf die Stadt.
versteigern. Darunter auch den Pohlhof Am 15. Februar 1815 verließen die Fran-
(früher Vogtei) in Oedingen, den der bis- zosen endlich sang- und klanglos die
herige Pächter Johannes Pohl auf dieser Stadt und überließen den Kanton Rema-
Auktion günstig erwerben konnte. ** gen den von den Preußen herbeigerufe-

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DIE ENTWICKLUNG ZUR POLITISCHEN GEMEINDE

nen Kosaken, die das umstrittene Gebiet die einen Anspruch darauf erhoben. Nach
endgültig absicherten. weiteren, schwierigen Verhandlungen
Mit dem 1. PARISER FRIEDEN waren un- wurden schließlich die Rheinlande und
terdessen am 30. Mai 1814 die Freiheits- Westfalen den Preußen zuerkannt, die
kriege beendet worden. Der WIENER darüber keineswegs glücklich waren. Ihre
KONGRESS (18.9.1814 – 9.6.1815) befaßte Unzufriedenheit äußerte sich in den un-
sich mit der Neuordnung Europas, Abb. 6 freundlichen Worten: „Seine Majestät be-
(Anm.: Man hat dabei die noch existie- lastet sich nur im Dienst des allgemeinen
renden Kleinstaaten Andorra, Liechten- Wohles mit diesem Land und wäre bereit,
stein, Monaco und San Marino vergessen darauf zu verzichten, wenn ganz Sachsen
bzw. übersehen). Ursprünglich sollte das Ihr zugesichert würde.“
bisher von Frankreich besetzte linksrhei- Letzten Endes aber blieb es bei der ge-
nische Gebiet (Trier/Koblenz und troffenen Entscheidung. Am 15. Mai 1815
Bonn/Aachen), also die gesamte Eifel, fand dann in Aachen die Huldigung für
dem König von Sachsen angeboten wer- den Preußenkönig statt, der damit das
den, der seinerseits sein angestammtes linksrheinische Gebiet unter seine Herr-
Sachsen den Preußen überlassen sollte, schaft nahm.

Abb 6: Terr. Neuordnung Europa


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Nun wurde schrittweise, aber zügig, die wohner bitter zu leiden hatten.
preußische Verwaltung eingeführt. In un- Ein besonderes Ereignis bot sich den Re-
serem Raum entstand die Bürgermeiste- magenern am 27. September 1818. Mor-
rei Remagen (Bodendorf, Oberwinter, Ro- gens um halbacht durchfuhr König Frie-
landswerth und Unkelbach gehörten be- drich Wilhelm III. von Preußen die Stadt
reits dazu) Oedingen kam noch hinzu. Remagen, nachdem er vor der Stadt die
Alle heute wieder zur Stadt Remagen Pferde gewechselt hatte. Am selben Tage,
gehörenden Ortsteile – außer Bodendorf gegen zwei Uhr, kam Kaiser Franz I. von
– wurden damals zu einer Verwaltungs- Oesterreich zu Wasser hier vorbei und am
einheit zusammengeschlossen. 32) nächsten Tage, morgens um zehn Uhr,
Am 1. März 1815 hatte Kaiser Napoleon fuhr der Zar Alexander I. von Rußland
Bonaparte sein Domizil auf der Insel Elba nach einem Pferdewechsel vor Ort durch
verlassen und nach seiner Landung (bei unsere Stadt. Einige Oedinger, die früh-
Cannes) die Regierung wieder übernom- zeitig von den bevorstehenden Ereignis-
men. Sie dauerte aber nur die berühmt sen erfahren hatten und sich im Ort ab-
gewordenen „Hundert Tage“ bis zur Ver- kömmlich machen konnten. Mischten sich
nichtungsschlacht bei Waterloo am 18. unter die Schaulustigen.
Juni 1815. Die drei Monarchen, die sich am 26.9.1815
Unterdessen wurde vom preußischem Ge- während der „Zweiten Pariser Friedens-
neralgouverneur des Niederrheins die verhandlungen“ zur „Heiligen Allianz“
Aufstellung einer Bürgermiliz zur Selbst- zusammen geschlossen hatten, eilten zum
verteidigung angeordnet. Die Stadt Re- Aachener Kongreß (19.9. bis 22.11.1818).
magen brachte es auf zwei Kompanien Dieser garantierte schon kurz nach der
und warb auch in Oedingen für die Miliz. Eröffnung den Franzosen den Abzug der
Doch bei uns drängte es keinen Bürger zu Alliierten aus den französischen Territori-
den Waffen. Schon gegen Ende dieses en und die Ermäßigung der restlichen
weltgeschichtlich so bedeutsamen Jahres Kriegsschuld. Im wesentlichen ging es um
wurde die Miliz wieder aufgelöst, weil sie die Erweiterung der „Heiligen Allianz“, in
unvereinbar war mit dem weit umfassen- der sich nach zähen Verhandlungen unter
deren Landwehrsystem der Preußen. Die Führung des Fürsten Metternich alle eu-
Bürger Oedingens bekamen dieses ropäischen Herrscher mit Ausnahme der
preußische System zu spüren, als 1815/16 Türkei und des Vatikans zu einem Bündnis
der Geburtsjahrgang 1795 zur Musterung vereinigten mit dem Gelöbnis, die
anzutreten hatte. Nach den amtlichen Grundsätze des Christentums, der Gerech-
Protokollen wurde jedoch kein junger tigkeit, der Nächstenliebe und des Frie-
Mann aus Oedingen für tauglich befun- dens zu wahren.
den, denn alle in Frage kommenden In diesem Zusammenhang erscheint es
Jungmänner waren noch rechtzeitig vor nachträglich erwähnenswert, daß der rus-
dem Musterungstermin in den Ehestand sische Zar während des „Wiener Kongres-
getreten und entgingen so völlig legal ses“ und der „Zweiten Pariser Friedens-
ihrer Einberufung zum Militärdienst. verhandlungen“ von dem Reichsfreiherrn
Erwähnt sei noch, daß in den Jahren vom und zum Stein beraten wurde. Er,
1816/17 eine unvorstellbare Teuerung seit 1812 im Dienst des Zaren, organisier-
herrschte, unter der auch unsere Dorfbe- te den Widerstand der ostpreußischen

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Stände gegen Napoleon und war der In- den der „Kataster-Mutterrolle“ von 1820
itiator des russisch-preußischen Bündnis- auszugsweise entnommen.
ses gegen Frankreich. Es konnten leider nicht alle Haus- und
Hofbesitzer für die in der Handzeichnung
Zum Abschluß dieses ersten Beitrags „Zur eingetragenen Gebäude nach der Mut-
Geschichte von Oedingen“ TEIL A wird in terrolle ermittelt werden, da die Urkarte
der Handzeichnung nach der Katasterur- nach ihrer Entstehung noch mehrere
karte von 1828 (Abb. 7) der Haus- und Jahre fortgeführt und die Mutterrolle
Hofbesitz der Oedinger Bürger um 1820 nicht gleichlaufend dazu ergänzt wurde.
dargestellt. Die Namen in der Liste wur-

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Handzeichnung nach einer Kopie der Urkarte (1828) Abb. 7
Gemarkung OEDINGEN, Flur 5
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Auszug aus der „Kataster-Mutterrolle“ von Oedingen,


Flur 5 (1820)

Baerhausen, Johann, Oedingen 293


Dedorf, Ferinand, Gim. 629
Bungard, Mathias, Oedingen 300
Braun, Johann, Oedingen 360
von Braumann, Ww., Bonn 362
Brueck, Anton, Oedingen 208
Bungard, Apollinaris, Oedingen 296
Brustkern, Mathias, Oedingen 417
Cashels, Ww., Oedingen 402
Dexler, Johann Erben, Oedingen 311
Eupen, Ww., Oedingen 287
Vilz, Peter, Oedingen 290
Geller, Peter-Joseph 299
Gemeinde Oedingen 423
Gielsdorf, Peter, Oedingen 422
Gielsdorf, Servats 286
Hillen, Erben, Oedingen 429
Hoffmann, Elisabeth, Oedingen 288
Krahforst, Peter, Oedingen 380
Krahforst, Hans, Oedingen 377
Müller, Heinrich, Oedingen 291
Oster, Jakob, Oedingen 347
Pastorat, Oedingen 416
Pohl, Johann, Oedingen 392, 401, 388
Reimonds, Apolinaris, Oedingen 353
Schäfer, Johann, Oedingen 358
Schäfer, Anton, Oedingen 389
Stang, Franz, Köln 361
Sonntag, Johann, Oedingen 298, 422
Sonntag, Stephan, Oedingen 312
Schüller, Johann, Oedingen 376
Unger, Katholische Erben, Oedingen 390
Walen, Bartholomäus, Oedingen 285
Weber, Johann, Oedingen 302

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QUELLEN 16. Handschr. Quellen, Hist. Architektur, Erz-


1. Pater B. Marxen, Übersetzung des Heriga- bistum Köln, Fragebogen 1743, Visit. Prot.
rius Testaments, Beilage Gertrudis-Bote 17. M. Schuler
Juni 87 18. LHA Koblenz, Abteilung 53, C 25, Akten
2. K. Flink, Zur Geschichte des Raumes Re- betreffend Oedingen
magen, Rigomagus, Seite 5, 1977 Stadt- 19. Karl Beelke, top. Skizze Oedingen um
verwaltung Remagen 1700 (siehe Abb. 2)
3. L. Wirts, Zur Geschichte der geschichtli- 20. LHA Koblenz, Heberegister, Lagerbücher
chen Entwicklung des Ahrkreises, 1941, usw. 15. bis 18. Jahrhundert der Lands-
Kreis Archiv, Ahrweiler kron, Abteilung 53, C25
4. K. Flink, Seite 7 21. wie 20
5. P. Heusgen, Zur Geschichte von Oedingen, 22. Rheinische Antiquitäten III. 9., Kreis-Ar-
Heimatblatt für Bonn und Umgebung, chiv, Ahrweiler
1954, Nr. 6; C. J. Kremer, Akademische 23. Mahlberg, Schulchronik Oedingen 1890
Beiträge zur Gülischen Geschichte, Band bis 1923, Seite 2, Archiv Hauptschule Re-
III, 1789, Urkunde X, Seite 15 magen
6. P. Heusgen 24. wie 23
7. Karola Höller, Die heilige Gertrud von Ni- 25. G. Engländer, Festschrift zum 85jährigen
velles, Festschrift 17. März 1983, Köln Jubiläum MGV „Cäcilia 1882“ Oedingen,
8. P. Heusgen 1967
9. Monum, Germ, Hist., Henr. IV, Band T 510 26. wie 20
10. W. v. Mirbach, Zeitschrift des Aachener Ge- 27. Visit. Protokolle (V. P.) 1742 und 1747, Hi-
schichts Ver. 2, 1880, Seite 130 ff storisches Archiv Erzbistum Köln
11. P. Heusgen 28. Schuler, Series Pastorum, Geschichte der
12. W. von Mirbach Ahrgau-Dekanate, Trier 1952
13. M. Schuler, Geschichte d. z, Ahrgau geh. 29. V.P.
Pfarr.; Bearbeitung PF. P. Schug, Seite 367, 30. Clemens, Kunstdenkmäler der Rheinpro-
Trier 1952 vinz, Archiv Ahrweiler 1936
14. K. Flink, Seite 7 31. M. Schuler, Seite 365
15. Becker Hindt, LHA Koblenz, 53, C 25, Nr. 32. K. Flink, Seite 22 / 23
3227, Blatt 106

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN

ANMERKUNGEN hast. Wir glauben, dir diese Gunsterweisung


Dokumente, Übersetzungen und Erläuterun- schuldig zu sein und gestehen sie dir gnädigst
gen von Pater Bentivolius Marxen, zu. Dies gilt unter der Bedingung, daß für un-
alle Eigennamen sind zur Verdeutlichung fett sere Kirche hierdurch keine Präjudizierung
dargestellt. und keine Wertminderung entstehen darf. Als
Vermächtnis des Priesters Herigarius im Nutznießer sollst du den Überschuß an Natu-
Namen des höchsten Herrn ralien oder Geld alljährlich am Fest der heili-
Gunthar, von Gottes Gnaden euer Bischof von gen Märtyrer den Brüdern des Stiftes überge-
Agrippa (=Köln), an die Brüder in Christo, und ben.
zwar außer dem Bischof selbst an alle Brüder, Nach deinem Hinscheiden, wann immer Gott
die im kanonisch errichteten Stift zu den hei- es will, gehen auch die nachfolgend aufge-
ligen Märtyrern Cassius und Florentius leben. führten Güter samt ihrem von dir erzielten
„Euch allen dürfte wohlbekannt und offen- Zugewinn ohne Abzug über in den Besitz der
kundig sein: schon erwähnten Kirchen zum Nutzen der
Du, Herigarius, hast der Kirch den oben er- dort lebenden Brüder:
wähnten heiligen Märtyrer deinen Besitz üb- 1. Vom Landgut Meckenheim der Gutshof
ereignet. Er liegt teils in Tusten, teils im Dorf und neun Joch von dessen Landbesitz Sala-
bzw. in der Gemarkung Meckenheim und be- ritza sowie ebendort eine Hufe vom Land-
steht aus dem Gutshof mitsamt seinen Ne- gut Tuteboven;
bengebäuden. Außerdem gehören dazu noch 2. Vom Landgut Everstorp (=Eckendorf) eben-
44 Joch Wiesen- und Ackerland, weiterhin an falls eine Hufe sowie die Manizipien der
den vorgenannten Plätzen 40 Schweine und Eheleute Thiedolff und Ermelind und deren
in der Gemarkung Soenspald etwa 100 Kinder; außerdem im Bezirk Ludensberg
Schweine. Fernerhin gehören dazu drei Wein- die Weingärten zwischen Arden und Ar-
gärten: pehn;
1. Auf dem Landgut Adingahoven (=Oedin- 3. Eine Parzelle im Bereich Idenghoven (=Oe-
gen) im Bezirk Arden 1,5 ha; dingen);
2. Im Tal zwischen den Höhen Ginach / Pishaim 4. Mehrere Weinbergparzellen in Unchaberg
(=Wachtberg / Pissenheim, heute Werthoven) (=Unkelbach).
und Enezfeldt / Arpenn (=das ehemalige Einz- Das oben Geschriebene soll fest und sicher
feld auf der Rheinhöhe Bandorf); aufbewahrt werden.
3. Weitere zehn Weingärten samt ihren Ma- Verhandelt im Stift zu den heiligen Märtyrern
nizipien namens Thietwin, Willof, Linolff, Ra- am 1. Juli im 14. Jahr der Regierung des Kö-
dolff, Gnold, Froulind, Alvor, Bertrad und nigs Lutharius.
nochmals Froulind. (Siegel und Unterschrift des Kölner Bischofs
Im Namen Gottes geht dies alles in Nutzung Gunthar. Mitunterzeichnet von Abt Heldwin,
und Eigentum der obengenannten Kirche Praepositus Antgar, den Stiftsherren Engel-
über. hard, Salomon, Hardwich und dem Priester
Es war deine Bitte, die wir hiermit huldvoll ge- Heriolf.)
währen: „Und ich, der Diakon Gerfrid, habe im Namen
Auf Lebenszeit verbleibt dir der Nießbrauch des Herrn diese Urkunde niedergeschrieben.“
deines Eigentums, das du der Kirche vermacht

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN

Heutige Namen der Orts- und Hofbezeichnungen auf der alten Landkarte
(alphabetisch)

ADINGAHOVEN Oedingen
ARSTORP Arzdorf
BACHERENDORP Bandorf
BELNERE Beller
BINGEHOVE Bengen
BIRINGESTORP Birresdorf
BUDELINGCHOVE Böllingen
BUDENDORPH Bodendorf
CALMUNTE Calmuth
EONNESDORP Koisdorf
CURLE Köhlerhof
DUNE Kirchdaun
ELINGCHOVEN Ehlingen
EDDANDORFPH Eckendorf
EMAZFELDT Einzfeld
FRIGBODESDORPH Fritzdorf
GYMNICH Gimmingen
HEPPINGHOVEN Heppingen
HOLZWIRLE Holzweiler
LATHERISHOVE Lantershofen
LUNDORP Löhndorf
NITHIRINDORP Nierendorf
NUENARE Neuenahr
PISSUNHEM Werthhoven
RIGMAGUM Remagen
RINGEHOVE Ringen
SENTIACUM Sinzig
VENE Schloß Vehn
WALPRETISHOVE Walporzheim
WESTHEIM Westum

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN

Einzfeld wurde im 30jährigen Krieg zer- Pissenheim (Pößhem) und wurde 1936
stört und nicht wieder aufgebaut. In Ban- auf Antrag der Gemeinde in „Werthho-
dorf erinnert die Einzfelder Straße noch ven“ umbenannt. Heute ist unser Nach-
an diesen ehemaligen (und größeren) barort ein Ortsteil der Gemeinde Wacht-
Ort. berg.
In einer Schenkungsurkunde, die im Kreis- UNKEL ist auf dem Kartenausschnitt an-
archiv Ahrweiler einzusehen ist, wird Oe- deutungsweise zu erkennen. Bis zur
dingen als „Idinghoven“ angegeben (zur großen Überschwemmung, als sich der
Karolingerzeit). Rhein ein neues Bett über den Unkelstein
Geroldshova bezeichnet (wahrscheinlich) suchte, war Unkel ein linksrheinischer Ort;
ein Landgut, das dem Stift zu Gerolstein der Rhein floß jahrhundertelang von der
lehnspflichtig war. Die übrigen auf der Erpeler Ley an Rheinbreitbach vorbei und
alten Karte verzeichneten Namen haben hat erst nach seiner Eindeichung im vori-
sich nicht oder nur geringfügig geändert. gen Jahrhundert seinen heutigen Lauf
Willere (=Weiler) dürfte das heutige Ahr- gefunden. Der durch eine Boje gekenn-
weiler sein und Lohrsdorf ist auf der Karte zeichnete Unkelstein bei Stromkilometer
eingezeichnet als Ludolversdorf. 336 bleibt eine gefährliche Klippe für die
Pissunhem wird in der Urkunde vom 1. Rheinschiffahrt.
Juli 853 Pishaim genannt; später hieß es

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN

ERLÄUTERUNG ZU DEN Ein Joch ist soviel Land, wie ein Gespann Och-
EIGENNAMEN UND DATEN. sen an einem Tag umpflügen kann: 30 bis 65
Dem Wortlaut des Vermächtnisses habe ich in ar, je nach Bodenbeschaffenheit.
einfacher Klammer schon einige Erläuterun- Lutharius (Lothar) regierte von 840 bis 854 im
gen beigefügt. Unser Ort Oedingen wird Luthari Regnum, dem heutigen Lotharingen.
zweimal erwähnt in dieser Urkunde vom 1. Heldwin – manchmal auch Helduin geschrie-
Juli 853: Einmal der Hof Adingahoven und ben – hat das vorliegende Dokument nach
weiter unten der Hof Idengoven, der iden- dem Bischof Gunthar unterschrieben. Held-
tisch sein dürfte mit Idinghoven. Hausnamen win war der Onkel von Bischof Gunthar, der
(Zunamen) gab es im ersten Jahrtausend 850 den Kölner Bischofsstuhl bestieg. Held-
nicht, also auch keinen Landwirt Iding, wohl win selber war ein Verwandter des Königs Lut-
aber einen Hof (oder eine Ansiedlung) dieses harius, und des gleichnamigen Abtes (Hilduin)
Namens. von St. Denis bei Paris. Er starb als Abt von St.
„Hof“ oder Hoven kommt von „Hufe“, dem Germain-de-Pres 869.
altdeutschen „Huoba“, bezeichnet den Anteil Gunthar, der Bischof von Köln, leitete das
einer Bauernfamilie an der gesamten Ge- Bonner Cassius-Stift bis 854 und starb nach
meindeflur in der Größe zwischen 30 und 60 einem bewegten Leben 871 in Xanten am Nie-
Morgen. Auf die Hufe wurde oft eine Abgabe derrhein.
(Steuer) erhoben.

ERLÄUTERUNGEN heißt wie verleihen (vergleiche Lehen), ver-


ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN pflichten oder verpfänden. Das mittelhoch-
Weil wortgetreue Zitate aus oft sehr alten deutsche Wort DING ist vom althochdeut-
Quellen manchmal Verständnisschwierigkei- schen bzw. germanischen THING abgeleitet
ten für Unkundige mit sich bringen, sollen sie und bedeutet (Volks-, Gerichts- oder Heeres-)
hier kurz erläutert werden. Wer weiß zum VERSAMMLUNG.
Beispiel etwas mit dem Begriff „Dingstuhl der SCHEFFEN auf dem DINGSTUHL sind die von
Herrschaft Landskron“ anzufangen. Und was der Herrschaft eingesetzten Vertreter mit Ver-
sind nach heutiger Vorstellung die „sieben waltungs- und Entscheidungskompetenz, also
Scheffen“, die diesen „Dingstuhl“ besetzen? eher zu vergleichen mit dem heutigen Orts-
Auch „Ballei“ ist ein heutzutage nicht mehr beirat als mit den Schöffen bei Gericht.
geläufiger Ausdruck. Der schon mehrfach erwähnte „gewisse Berg“
BALLEI ist ein Verwaltungsbezirk der Ritteror- wird in alten Dokumenten auch UNCHA-
den; wir kennen heute noch das Wort Zusam- BERGH genannt. Nach unseren heutigen
menBALLUNG. Für Oedingen war die Deut- Kenntnissen handelt es sich wahrscheinlich
schritterballei in Koblenz zuständig. um eine kleine, von der Außenwelt abge-
DINGSTUHL hat mit unserem Wort „Ding“ schlossene Ansiedlung im Wald zwischen Un-
(=Sache) wenig zu tun, eher schon mit dem kelbach, Oedingen und dem Bentgerhof.
noch gebräuchlichen „verdingen“, was soviel

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN

TEIL B (1816 – 1945)


DIE RHEINLANDE UNTER PREUSSISCHER HERRSCHAFT

N ach der Eingliederung Oedingens in


die Amtsbürgermeisterei Remagen
im Jahre 1816 kam es zwischen unserer
bar die Handschrift der neuen preußi-
schen Verwaltung.

Gemeinde und Oberwinter zu heftigen „Bürgermeisterey Remagen,


Streitereien um einen Geländestreifen Gemeinde Oedingen
entlang der Grenze zu beiden Gemar- Verpachtungsprotokoll, heute den siebe-
kungen. Die Eingaben der Gemeindever- nundzwanzigsten Junius 1819. Vor uns
tretungen an den Bürgermeister (kom- unterzeichneten hierzu Beauftragten Bei-
missarisch: Notar Anton-Aloys Quecken- geordneten der Bürgermeisterey Rema-
berg) veranlaßten diesen, sich um eine gen nach gehöriger Bekanntmachung in
Schlichtung des Streitfalles zu bemühen. den benachbarten Gemeinden wurde zur
Er hatte keinen Erfolg und gab schließ- Verpachtung auf drei, sechs und neun
lich die strittige Angelegenheit zur Ent- Jahre verschiedener der Gemeinde Oe-
scheidung an den Landrat des Kreises dingen zugehörigen Güter gelegen an
Ahrweiler weiter, der jedoch trotz aller Banscheser Gemeinde und bekannt unter
Anstrengungen im Berichtsjahr keine zu- dem Namen Heideörter und Kirchenvier-
friedenstellende Lösung fand. Erst 1829 tel, welche bisher teilweise durch die Bür-
endete der seit 1817 andauernde ger der Gemeinde Oedingen benutzt
Rechtsstreit um die Bannmeile an der Ge- wurden, geschritten, und zwar unter fol-
markungsgrenze Oedingens zu Ober- genden Bedingnissen:
winter. Die Kontrahenten wurden von
der Bezirksregierung angewiesen, die 1) Die Güter werden in Loose vertheilt
Teilung des umstrittenen Grenzstreifens verpachtet, und ist eine Verpachtung
je zur Hälfte anzuerkennen. auf 3, 6 oder 9 Jahre.
Oedingen, bisher glücklich vom Dienst an 2) Die ehemaligen Besitzer bleiben im
der Waffe verschont, mußte 1819 einige Genuß der Güter bis zum künftigen
Männer im zweiten Aufgebot für die Ahr- November und treten alsdann die
weiler Landwehr stellen. Betroffen waren Ansteigerer in den Besitz desselben.
Anton Jungbluth, geb. 1789, Stephan 3) Der Steigerungspreis wird in die
Sonntag, geb. 1781, Servatius Gielsdorf, Kasse des Communal-Empfängers
geb. 1786, Johann Sonntag, geb. 1781 jeden Jahres am 1. Oktober entrich-
und Apollinaris Bungardt, geb. 1781. Bei tet.
diesem Aufgebot wurde der Ehestand 4) Der Ansteigerer hat nie eine Ent-
nicht mehr berücksichtigt, wie es einige schädigung zu fordern, sei es für
Jahre zuvor noch der Fall war. Überschwemmung, Hagel, Frost und
Im Juni 1819 wurden in Oedingen erst- andere Zufälle.
mals die Gemeindeländereien nach neu 5) Hat der Ansteiger die Gemeindesteu-
herausgegebenen Regierungs-Erlassen er und sonstigen Lasten zu zahlen.
verpachtet. Das nachstehend aufgeführte 6) Der Steigerer trägt die Kosten der ge-
Verhandlungsprotokoll trägt unverkenn- genwärtigen Versteigerung.

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DIE RHEINLANDE UNTER PREUSSISCHER HERRSCHAFT

7) Der Ansteigerer verzichtet auf alle Wohnhäuser in Oedingen – wie im


gerichtlichen Förmlichkeiten im Falle ganzen Amtsbereich – mit einer Haus-
eines Streites oder Mißhelligkeit, und nummer versehen werden. Begonnen
unterwirft sich, daß jeder Zwist durch wurde hier die Numerierung mit der Nr. 1
die Verwaltungsbehörde geschlich- am westlichen Ortseingang des Verbin-
tet und abgeurteilt werde, weshalb dungsweges von Pissenheim und dann
zur Zahlung des Steigerungspreises entlang der Dorfstraße fortlaufend bis
die für Eintreibung der Steuern ge- zum südostwärtigen Ortsausgang in Rich-
wöhnliche Formalitäten angewendet tung Unkelbach; dabei brachten die von
werden. der Dorfstraße abgelegenen Häuser die
8) Jeder Steigerer hat auf Verlangen Reihenfolge etwas durcheinander.
einen zahlungsfähigen Bürgen zu Am 9. Juni 1846 wurde der Oedinger Ge-
stellen der sich zugleich als Zahlmann meinderat gemäß der neuen Gemeinde-
darstellet. ordnung vom Landrat und Einführungs-
9) Jeder Pächter ist gehalten, die Güter kommissar vereidigt. Er war damit einge-
in guten Stand zu setzen, und selbe führt und setzte sich zusammen aus den
als guter Familienvater zu nutzen. Mitgliedern: Peter Joseph Geller, Ge-
10)Die Verpachtung wird der Genehmi- meindevorsteher, und den Gemeinderä-
gung der Hohen Regierung unterzo- ten Heinrich Winzen, Matthias Brustkern,
gen.“ Apollinar Drenk, Stephan Krahforst, Mat-
thias Schneider, Johann Sonntag, Peter
Folgend wurden nun die Loose sowie die Gielsdorf, Jakob Oster und Peter Josepf
Namen der Pächter und Größen der Güter Vilz.
mit den zugehörigen Unterzeichnungen Dieser neue Gemeinderat wurde schon
aufgeführt kurz nach der Einsetzung aktiv. Es galt,
(im einzelnen hier nicht beschrieben). die zunehmenden Diebereien im Ort und
Der Vertrag wurde mit der Unterschrift auf den Feldern wirkungsvoll zu unter-
des Gemeindeeinnehmers Limbach und binden. Eine Nachtwache mußte her. Sie
des Beigeordneten Hattingen geschlos- bestand aus 2 Mann, die nach einer Wach-
sen und gesiegelt. Danach wurde er auf liste aller männlichen Einwohner der
dem Dienstweg über das Landratsamt Reihe nach aufgeboten wurden. Dem Ge-
dem Regierungspräsidenten zur Geneh- meindevorsteher oblag, mit den Gemein-
migung vorgelegt. deräten die Einteilung und Kontrolle der
Im folgenden Jahr 1820 wurde der bishe- Wachen. Diese gingen ihre Streifen von
rige kommissarische Bürgermeister Ostern bis Michaelis in der Zeit von
Anton-Aloys Queckenberg offiziell in die- abends 11 bis morgens 2 Uhr, von Micha-
ses Amt bestellt. Damals war der Gemein- elis aber bis Ostern abends von 10 Uhr bis
derat in Oedingen mit sieben Schöffen morgens 4 Uhr.
besetzt. Namentlich sind uns fünf über- Im April 1847 beschloß der Gemeinderat
liefert: 1. Schöffe, zugleich Vorsteher, Gel- die Einführung von Bürgerwachen und
ler, dann folgten Profittlich, Bungarth, Patrouillen; hierzu ein Auszug aus dem
Wirts und Michael Wolf. Protokoll:
Nach einer Anordnung des Bürgermei-
sters von Remagen mußten 1827 alle

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DIE RHEINLANDE UNTER PREUSSISCHER HERRSCHAFT

„Das von nun an und solange es das Be- Die Oedinger hatten noch im selben Jahr
dürfnis erfordert die bestehende Nacht- ein großes Problem. Der „Königliche
wache von zwei unbescholtenen Bür- Landrat des Kreises Ahrweiler“ erhob die
gern der Gemeinde, welche der Ge- Forderung, daß Oedingen im Einverneh-
meinde-Vorsteher dazu der Reihe nach men mit Unkelbach den Verbindungsweg
bestellen und über dieselben nach den zwischen beiden Ortschaften so ausbau-
Anweisungen des Bürgermeisters die en sollte, daß alle Beanstandungen des
nötige Aufsicht zu führen hat, verstärkt Wegeaufsehers Bächer aus Gelsdorf be-
und begleitet werden soll. Daß zu die- hoben werden. Der Gemeinderat äußer-
sen Dienstleistungen sämtliche Einhei- te sich dazu wie folgt:
mische und ansässigen Bürger der Ge-
meinde herangezogen werden, dage- „Kann auch das Bedürfnis nach einem
gen ganz arme von der Klassensteuer besseren Wege zwischen Oedingen und
befreite imgleichen Witwen, welche sich Unkelbach nicht in Abrede gestellt wer-
vertreten zu lassen nicht im Stande sind, den, so sehen wir doch nicht ein, wie es
davon verschont bleiben. Über die Art den beiden Gemeinden Oedingen und
der Ausübung der Nachtwachen und Pa- Unkelbach möglich sein soll, den Weg in
trouillen wird der Bürgermeister die der projektierten Art und Weise zu
nöthigen Instruktion- und Polizeiver- bauen. Insbesondere wird dies die Mit-
ordnungen erlassen.“ tel und Kräfte der Gemeinde Unkelbach
ganz und gar übersteigen. Wir sind be-
Ein Jahr später schied der langjährige Bür- reit, den Weg, soweit er unsere Gemar-
germeister von Remagen (seit 1820) kung durchläuft, in einen besseren und
Anton-Aloys Queckenberg aus Alters- trockenen, allzeit befahrbaren Stand zu
gründen aus. Sein Nachfolger wurde Jo- setzen und darin zu unterhalten und
hann Adam Deinert. werden die dazu nöthigen Arbeiten
1852 trat der Oedinger Gemeindevorste- ohne Ausnahme selbst leisten. Den pro-
her Peter-Joseph Geller zurück. Sein Nach- jektierten Kunstbau aber müssen wir je-
folger im Amt wurde Stephan Krahforst. denfalls auf solange ablehnen, als nicht
Diesem seine erste Amtshandlung war die der Bau der längeren und schwierigeren
Bekanntgabe des Gemeinde-Haushalte- Wegestrecke in der Unkelbacher Ge-
tats für 1852: markung geführt sein wird. Zu diesem
Behälfe, die man uns zu Gunsten der
„Die Gesamteinnahmen betrugen 1894 Gemde. Unkelbach ansinnen möchte,
Taler, die Ausgaben wurden veran- können wir uns unter keinen Umstän-
schlagt mit 1856 Taler, der Überschuß den verstehen. Die Gemeinde Oedingen
betrug 38 Taler. Die Hundesteuer wurde hat ihre Strecke schon seither in weit
für das laufende Jahr von 10 auf 5 Gro- besserem Zustand gehalten, wie dies bei
schen herabgesetzt, da die Hunde über- der Unkelbacher Strecke der Fall war;
wiegend zur Sicherheit gehalten wur- daneben hat die hiesige Wegstrecke
den und kaum Luxus- oder Vergnü- eine anständige Breite und weit weni-
gungstiere waren.“ ger Gefälle wie die Strecke von Unkel-
bach.“

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DIE RHEINLANDE UNTER PREUSSISCHER HERRSCHAFT

Schon im nächsten Jahr 1853 wurde die wurden Pfarrer Mühlbach als Vorsitzen-
Forderung des Landrates nach einer der, Johann Joseph Krahforst, Mathias-Jo-
„Kunststraße“ (geschotterter Weg) viel seph Bruskern, Johann-Heinrich Winzen
deutlicher. Die Planung der Verbindungs- und Peter-Joseph Geller.
straße sah größere Ausmaße vor. Das Pro- Noch im selben Jahr beschaffte der Ge-
jekt umfaßte nun einen Hauptverbin- meinderat für die örtliche Feuerwehr die
dungsweg, 20 Fuß breit, der von Berkum dringend benötigte fahrbare Handspritze
über Pißenheim (Werthhoven) nach Oe- mit 4-zölligem Zylinder auf vierrädrigen
dingen und von hier weiter zum Rhein Wagen mit eisernen Achsen. Der Preis be-
führen sollte. Es wurde die Frage aufge- trug 200 Taler, die zur Hälfte von der Prov.-
worfen, wie weit sich die Gemeinde Oe- Feuerversicherung erstattet wurden.
dingen für diesen Bau interessierte. In der Für die Unterstellung der neuen Spritze
Begründung des Landrates hieß es, daß diente der zum Pfarrhaus gehörende Fut-
eine künftig mögliche Industrieansied- terstall, der eigens für den neuen Zweck
lung in den betroffenen Ortschaften den renoviert wurde.
geplanten Verkehrsweg erforderlich ma- Die nicht eingeplanten Geldmittel veran-
chen würde. Dies wurde jedoch von Oe- laßten die Gemeindekasse, die über meh-
dingen angezweifelt. Die Gemeinde war rere Jahre nicht gezahlte Brandabgabe
der Auffassung, daß überhaupt nicht ab- von einem Taler einzufordern. Diese hat-
zusehen war, ob ein „aus industriellen An- ten neu vermählte Ehepaare zur Beschaf-
lagen hervorgehender Verkehr“ die mög- fung von Löscheimern an die Gemeinde
liche Verbindungsstraße auslastete, da in zu zahlen.
der Umgebung noch keine Industrie an- Mitte des Jahres stellte der bisherige Ge-
gesiedelt war. Außerdem könne der um- meindevorsteher Johann Joseph Krah-
strittene Verkehr von Berkum nach Meh- forst sein Amt zur Verfügung. Ansch-
lem abwärts zum Rhein und von Berkum ließend wählte der Gemeinderat den hie-
über Gimmingen nach Heppingen zur Ahr sigen Ackerer, Haus- und Grundeigentü-
abgewickelt werden. Oedingen war je- mer Mathias Joseph Brustkern in das Amt.
doch nicht abgeneigt, sich an einer Ver- Er war 26 Jahre alt und verheiratet.
bindungsstraße von Pißenheim über Oe-
dingen abwärts zur Cöln-Mainzer-Straße Im nächsten Jahr 1855 nahmen die Die-
am Rhein zu beteiligen, da diese Straße bereien in und um Oedingen so zu, daß
eine wünschenswerte Verbindung zur die Gemeinde den hiesigen Tischler And-
Stadt Remagen wäre. Die Trasse sollte auf reas-Joseph Bachem zum Nachtwächter
dem kürzesten Wege zur Stadt führten. bestellte und ihn mit einer Jahresabfin-
Im selben Jahr wurde Friedrich-Wilhelm dung von 19 Talern entlohnte. Gleichzei-
Beinhauer nach vorausgegangener Wahl tig wurde Günter-Christian Schmitz vom
in das Amt des Bürgermeisters von Rema- Schießgraben als Feld- und Waldhüter
gen eingeführt. verpflichtet.
Ende des Jahres bat der seit 16 Jahren an
Der Oedinger Gemeinderat wählte 1854 der hiesigen Pfarrschule tätige Lehrer Ma-
erstmals einen Schulvorstand, nachdem thias Münch um seine Pensionierung. Die
die hiesige Pfarrei aus dem Pfarrverband Gemeinde war sofort einverstanden, wei-
Unkelbach ausgeschieden war. Gewählt gerte sich jedoch, ihm die geforderte Pen-

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sion zu zahlen. Sie verwies ihn an die kö- sterverband Remagen aus. Künftig hatte
nigliche Bezirksregierung in Koblenz. der Bürgermeister die zwei Ämter „Stadt-
bürgermeister“ und „Bürgermeister-
Mit Beginn des neuen Jahres 1856 schied Land“ zu verwalten.
die Stadtgemeinde aus dem Bürgermei-

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Nach den Gemeinderatswahlen im März den die beiden hiesigen Brandweiher in


1866 führte der Bürgermeister Remagen- Hand- und Spanndiensten entschlammt.
Land, Friedrich Beinhauer, die neu bzw. Die Gemeinde versteigerte den geförder-
wieder-gewählten Gemeindeverodneten ten Schlamm und zahlte aus dem Erlös
Mathias-Johann Brustkern (Vorsteher), eine kleine Vergütung für die geleisteten
Johann-Joseph Krahforst, Anton Müller, Dienste.
Peter Vogels, Peter-Joseph Vilz und Anton
Braun in ihre Ämter ein. Sie hatten nach Nach einer Benutzerordnung für das Ge-
ihrer Verpflichtung die Aufgabe, über meindebackhaus aus dem Jahre 1867,
den Anspruch des Kirchenrates auf einen durften dieses alle Oedinger Haushalte
Zuschuß aus der Gemeindekasse zu ent- kostenlos benutzen und über den Eigen-
scheiden. Schließlich mußten sie die For- bedarf hinaus gebackenes Brot ver-kau-
derung in Höhe von 17 Talern und 10 Gro- fen. Letzteres galt als gewerbliche Nut-
schen wegen Zahlungsunfähigkeit bis zur zung und wurde mit einem Taler pro Jahr
nächsten Haushaltsberatung vertagen. zu Gunsten der Gemeindekasse versteu-
Im Mai dieses Jahres wurden die hiesigen ert. Die beim Backen angefallene Asche
Wehrmänner Joseph Schneider, Anton wurde in Behältern aufbewahrt und am
Vilz und Franz Bungard zum Krieg gegen Ende des Jahres als begehrter Baum- und
Österreich einberufen. „Gott sei Dank“ Pflanzendünger meist-bietend verstei-
kehrten sie schon im September unver- gert. Der Erlös diente der Unterhaltung
sehrt zurück. Danach wurde im Oktober des „Backes“.
ein zünftiges Fest zu Ehren aller heimge- Schon ein Jahr später mußte Johannes-
kehrten Krieger aus dem Stadt- und Heinrich Winzen aufgrund einer Anzeige
Landgebiet in Remagen gefeiert. bekennen, daß er im Vorjahr Brot zu ge-
Der zuvor geforderte spezielle Gemein- werblichen Zwecken gebacken und den
dezuschuß zur Kirchenkasse konnte im festgesetzten „Backestaler“ nicht an die
neuen Haushaltsentwurf für 1867 nicht Gemeindekasse gezahlt hatte. Mit einer
berücksichtigt werden, da die Kirche es Aufforderung zur Nach-zahlung des hin-
versäumt hatte, ihre Forderung im ein- terzogenen Betrages kam er noch einmal
zelnen aufzuschlüsseln. glimpflich davon.
Wie sparsam damals gewirtschaftet wer-
den mußte, bewies der Antrag des Leh- In einem neu herausgegebenen Erlaß von
rers Fischer auf „erhöhte, genau fixierte 1869 wurden die Militär-Einquatierungs-
Vergütung“ für die Anschaffung des Ta- leistungen in Friedenszeiten geregelt. Als
felschwammes, der Kreide und Tinte Maßstab für die Bewertung sollten nach
sowie eines Besens für die Reinigung des wie vor die Grund-, Gebäude-, Klassen-
Schulhofes. In Anerken-nung dieses not- und Einkommenssteuer dienen, und zwar
wendigen Bedarfs wurde das Schulmei- auf Grund der jährlichen „Gemeinde-
ster-gehalt um 3 Taler im Jahr erhöht. steuer-Umlagerolle für die Deckung der
Nicht zu Lasten der Gemeindekasse wur- allgemeinen Gemeinde-Ausgaben“.

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Die Eheleute, der Ackerer und Schankwirt nen Schankwirts Leonard Kerp in Oedin-
Anton Vilz und Maria-Franziska, geb. gen. Heute noch als denkmalwürdiges
Zimmersdorf, erwarben 1870 die Schank- Fachwerk-Wohnhaus Eigentum der Nach-
wirtschaft von den Erben des verstorbe- kommen Vilz.

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DER KRIEG GEGEN FRANKREICH 1870/71

W ie ein Blitz aus heiterem Himmel


wurde am 16. Juli 1870 die Mo-
bilmachung gegen Frankreich verkün-
10. Mai (Bismarck und Jules Favre) been-
dete dann den Kriegszustand mit Frank-
reich. Elsaß-Lothringen wurde Deutsches
det. Schon einige Tage danach folgten in Reichsland.
Oedingen die ersten Einberufungen. Die Schon ab März kehrten, angefangen mit
Gestellungsbefehle erhielten damals den älteren Mannschaften des Deutschen
Peter Bungard, Adolf Klevenhaus, Apoli- Heeres, sukzessive die Kriegsteilnehmer
naris Drenk, Johann-Heinrich Winzen in ihre Heimatstandorte zurück; so auch
und Ludwig Labersweiler. die Soldaten aus „Stadt und Land Rema-
Die heimgebliebenen Oedinger wurden gen“. Aus dem Gemeindeprotokoll ent-
aufgefordert, sich an der eingerichteten nehmen wir:
Missionsstelle in der Bahnstation Ro-
landseck zu beteiligen. Die Gemeinde „Waren bis dahin alle Lustbarkeiten und
entschloß sich daraufhin eine Spende von öffentliche Vergnügungen gänzlich un-
20 Talern aus der Gemeindekasse zu zah- terblieben, war bis dahin keinem selbst
len. mit Gewerbeschein versehenen Musiker
In Remagen wurden dann die unbenutz- und einzelnen Musikanten gestattet
ten Räume des alten Abteigebäudes worden, sich auf den Straßen und an öf-
neben der Apollinariskirche in ein Laza- fentlichen Orten hören zu lassen, so ver-
rett verwandelt. Graf von Fürstenberg zu wandelte sich nun die Stimmung der
Stammheim stellte das Objekt kostenlos Gemüter zur lebhaftesten Freudigkeit,
zur Verfügung. Die königliche Garnisons- nicht nur über den errungenen glorrei-
verwaltung zu Aachen übernahm die chen Sieg und wieder erlangten Frieden,
Ausrüstung mit Betten und medizini- sondern auch über die errungene Er-
schem Bedarf. Noch bevor mit der Ein- weiterung und Einigung des Deutschen
richtung begonnen wurde, trafen schon Reiches.
die ersten Verwundeten in Remagen ein, Am 18. Juni wurde das allerhöchst an-
die zunächst bei gutsituierten Bürgern geordnete allgemeine Friedens- und
hilfreiche, gastliche Aufnahme fanden. Dankfest in hiesiger Gegend kirchlich
Die ärztliche Versorgung übernahmen in und öffentlich gefeiert.“
Remagen niedergelassenen Mediziner.
Danach reihte sich Festlichkeit an Fest-
Am 18.Januar 1871 wurde König Wilhelm lichkeit zu Ehren und würdigen Be-
I. von Preußen in Versailles von den Deut- grüßung der heimgekehrten Krieger,
schen Landesfürsten als Deutscher Kaiser wobei keine Ortschaft zurückblieb.
proklamiert. 10 Tage später, am 28. Janu- Remagen Stadt und Land hatte zwei
ar, kapitulierte Paris, am 16. Februar die Kriegstote sowie einen Dauerinvaliden zu
letzte Feste Belfort (Frkr.), das war die to- beklagen bzw. zu betreuen. Die Oedinger
tale Kapitulation des französischen Hee- Kriegsteilnehmer kehrten alle wohlbe-
res. Der Friede von Frankfurt a. Main am halten heim.

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ALLTAG IN DER GEMEINDE OEDINGEN

A m 16. – 18. Juni 1871 wurde das Ju-


belfest der 25jährigen Wirksamkeit
seiner Heiligkeit des Papstes Pius IX. ge-
Am 2. September wurde das „National-
siegesfest von Sedan“ in der hiesigen
Schule unter Teilnahme der einheimi-
feiert. Die Kinder hatten Schulfrei. schen Bürger durch patriotische Kundge-
bungen in erfreulicher Weise gefeiert.
1872 verzichtete die Gemeinde Oedingen Am 4. Dezember übernahm der Lehrer
auf ihren Anteil an der Klassensteuer in Elinghausen die hiesige Dorfschule von
Höhe von 1 Prozent zugunsten der Land- seinem Vorgänger Philippi, der vom
bürgermeisterei Remagen, da der Auf- Schulverwaltungsrat wegen schwacher
wand der Bearbeitung den geringen Erlös Leistungen zur Aufgabe der Stelle ange-
nicht rechtfertigte. halten wurde.
Peter-Joseph Schaefer und Jakob Velten
wurden neu in den Gemeinderat beru- Der im Vorjahr in Ungnade ausgeschiede-
fen. Danach wählte die Ratsversammlung nen Lehrer Philippi mahnte beim Ge-
den eben genannten Jakob Velten, Acke- meinderat eine Gehaltsnachforderung
rer, 38 Jahre alt, auch zum Abgeordneten von 45 Mark an. Darauf antwortete der
in der Landbürgermeisterei Remagen. Gemeinderat dem Lehrer:

Zu Beginn des Jahres 1876 wurde Heinrich „...., daß es als ungerecht erschiene, dem
Joseph Winzen, Ackerer und Gemeinde- Lehrer Philippi monatlich zu remunerie-
ratsmitglied, nach der gesetzlichen Vor- ren, indem außer der Krankheit des Leh-
mundschafts-ordnung zum Waisenrat ge- rers, welche denselben länger als einen
wählt und somit zum Vormund der hiesi- vollen Monat verhinderte, auch fast in
gen Waisenkinder bestellt. jeder Woche die Schule von demselben
Ausgang Februar überflutete ein verhee- ausgesetzt wurde.“
rendes Hochwasser die Ufer des Rheins.
Dazu gesellte sich am 12. März noch ein Nach halbjähriger Lehrtätigkeit wurde
gewaltiger Sturm. Die Remagener Chro- auch Elinghausen schon wieder versetzt.
nik (1813-1879; S. 51) schrieb: Sein Nachfolger war der Schulamtsaspi-
rant Jacob Dheine.
„Über die hierdurch verursachten
außerordentlichen Beschädigungen an Durch Neuwahl wurde 1878 der Gemein-
Gebäuden, Ländereien und Waldungen derat in seiner bisherigen Zusammenset-
wurden besondere Erhebungen amtlich zung wieder bestätigt. Danach wurden
angeordnet. Ein Verlust eines Men- im Frühjahr die Gebäudebeschreibungen
schen- und Tierlebens war im hiesigen des Dorfes Oedingen vom Katasterkon-
Bezirk jedoch nicht zu beklagen.“ trolleur aus Sinzig überprüft und berich-
tigt. Begleitet wurde der Beamte vom Ge-
Die Hochflut dauerte noch ganze 5 Wo- meindevorsteher Brustkern und dem
chen. Ratsmitglied Anton Schäfer.

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
ALLTAG IN DER GEMEINDE OEDINGEN

Im August schied die Gemeinde Oedin- ANMERKUNG


gen mit ihrer geringen Wald-fläche aus Der hier unterbrochene Beitrag zur Geschich-
dem Forstverwaltungsverband Ahrweiler te von Oedingen umfaßt die Amtsperioden
der drei Remagener Bürgermeister für Stadt
aus. und Land, Anton-Aloys Queckenburg (1820 –
Am 24. Oktober übernahm der Lehrer 1846), Johann-Adam Deinert (1846 – 1851)
und Küster Boden die Schule. und Friedrich-Wilhelm Beinhauer (1851 –
Den 10. Dezember haben die Oedinger 1879).
sobald nicht vergessen. Abends, zwischen Die Zusammenstellung der Ereignisse in und
um Oedingen wurde auszugsweise nach den
11 und 12 Uhr wurde das hiesige Gebiet Berichten der o.a. Bürgermeister und den Ge-
von einer mittleren Erderschütterung be- meindeprotokollen sowie den relevanten Do-
troffen, ohne größere Schäden zu verur- kumenten des Landes-Hauptarchivs Koblenz
sachen. niedergeschrieben.
Der Verfasser hat bewußt in seiner Wiederga-
be die damalige Rechtschreibung sowie die
Am 15. Februar 1879 schied der überall originelle Sprache der jeweiligen Berichtszeit
geschätzte und beliebte Bürgermeister und den verschachtelten Satzbau nicht korri-
von Stadt und Land Remagen, Friedrich- giert, um die Mentalität jener Zeit besser ver-
Wilhelm Beinhauer, aus Altersgründen ständlich zu machen.
nach 28jähriger Tätigkeit in unserer Stadt
QUELLEN
aus seinem Amt. Er hatte bereits das 78.
Klaus Flink, Chronik der Stadt Remagen von
Lebensjahr überschritten.
1813 – 1879, hrsg. 1972 Stadtverwaltung Re-
Gleichzeitig wurde der königliche Pre- magen.
mierleutnant a. D., Herr von Lassaulx von Gemeinde-Protokollbuch Oedingen, begon-
Zabern, als neuer Bürgermeister im höhe- nen 1846 (die Protokolle wurden im wesentli-
ren Auftrag von dem Landrat Herrn von chen von den jeweiligen Lehrern geführt),
Standort Stadtverwaltung Remagen.
Grooten aus Ahrweiler in sein Amt einge- Dokumente im Landeshauptarchiv Koblenz,
führt und vereidigt. Dem Zeremoniell Bestand 635, Nr. 327, 328, 388, 398, 478 und
wohnten die Stadt- und Landbürgermei- 479.
sterversamlungen sowie Vertreter der Kir- Schulchronik von Oedingen (Verzeichnis über
Ausfalltage der Schule) Standort Hauptschule
che bei.
Remagen.
Am 24. Und 25. Februar bekamen die Kin- Mathias Schuler, Geschichte der zum Ahrgau-
der in Oedingen erstmals seit Bestehen dekanat gehörenden Pfarreien, Bearb. Peter
der Schule an beiden Fastnachtstagen Schug, hrsg. Trier 1952.
schulfrei.

65
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN

DIE PFARRGEMEINDE OEDINGEN IM 19. JAHRHUNDERT

D ie Pfarrei Oedingen hatte sich 1794


nach dem Einmarsch der Franzosen
von der Mutterkirche Remagen ge-
Nach 3 Jahren, anno 1821, wurde die va-
kante Pfarrstelle mit Vikar Michael Wolf
besetzt, der unter den gleichen Bedin-
trennt. Doch dann ordneten die neuen gungen seines Vorgängers von unserer
Landesherren (seit 1801 die Franzosen) Pfarrgemeinde aus eigenen Mitteln ab-
im Jahre 1807 Oedingen als Filiale der gefunden werden mußte. Jedoch zwei
Pfarrei Unkelbach zu. Diese war 1802 Jahre später verließ dieser Oedingen, da
entstanden und gehörte seit 1803 zum auch ihm das vereinbarte Gehalt nur zö-
Bistum Aachen. Die Oedinger waren mit gernd gezahlt wurde. So wurde von nun
dieser Neuregelung zunächst zufrieden. an – wie in früheren Jahren – die Seelsor-
Seit 1640 gab es in Oedingen die „Bru- ge vom Unkelbacher Pfarrer Stephan
derschaft St. Gertrud“, in die alle Kinder Weber ausgeübt.
schon bei der Taufe aufgenommen wur- Im Zuge der Neugliederung der preußi-
den (später „Gertrudisverein“). Die Bru- schen Rheinprovinz wurde 1824 die Pfar-
derschaft war identisch mit der Pfarrge- rei Unkelbach mit ihren Filialkirchen Ban-
meinde. Diese wurde es bald leid, stets dorf und Oedingen dem Bistum Trier zu-
auf den Unkelbacher Seelsorger ange- geordnet (bisher Bistum Aachen und vor-
wiesen zu sein. Deshalb bestellte sie 1813 her noch Köln).
den Windhagener Vikar Johann-Caspar Am 25. Januar 1826 nahm die Oedinger
Völsgen als Gemeindepfarrer und ver- Pfarrgemeinde an der großen Rema-
sorgte ihn aus eigenen Mitteln mit Geld gener Pfarrprozession teil,, die sich von
und Naturalien. Seine Einkünfte betru- Unkelstein bis zu den nördlichen Stadtto-
gen damals: ein Jahresgehalt von 131 Ta- ren Remagens ausdehnte, um das Haupt
lern, freie Wohnung im Wittumshaus, 1/2 des hl. Apollinaris heimzuholen. Beherzte
Morgen Garten, 3/4 Morgen Wiese, 2 Mor- Bürger aus Remagen hatten es nach dem
gen Ackerland und 1/2 Morgen Buschwald. Einzug der Franzosen in Sicherheit ge-
Dieser Seelsorger war inzwischen 68 Jahre bracht. Zunächst in der Abtei Siegburg
alt und verließ nach dreijähriger Amtszeit wurde es nach Auflösung dieser Abtei der
zum Jahresende 1817 die hiesige Pfarrge- Lambertiskirche in Düsseldorf zur Aufbe-
meinde. Danach verbrachte er seinen Le- wahrung übergeben. Die Remagener
bensabend in Vettelschoß. Ein Grund Chronik berichtet:
könnte die säumige Zahlung seines Jah-
resgehaltes gewesen sein, das er ständig „Bei herrlichem Sonnenschein, mit
anmahnen mußte. glücklichen Gläubigern, unter Fahnen,
Die Seelsorge oblag nun wieder dem Pfar- mit Gebeten und Gesang gelangte das
rer Peter-Anton Schäfer, der neben seiner Heiligtum schließlich wieder an seinen
Unkelbacher Pfarrei die Filiale Oedingen rechtmäßigen Aufenthaltsort, die Apol-
betreuen mußte. In dieser wurden im linariskirche in Remagen.“
Jahre 1818 insgesamt 24 Singämter, Lese-
und Segensmessen gestiftet.

66
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
DIE PFARRGEMEINDE OEDINGEN IM 19. JAHRHUNDERTT

Nach 10 Jahren ohne eigenen Pfarrer Nachfolger wurde 1843 der Pfarrer Apol-
wurde am 16. April 1833 die Oedinger linar Schumacher. Dieser sah seine wich-
Pfarrstelle mit dem Vikar Gottfried Hou- tigste Aufgabe auch in dem Bemühen um
verath neu besetzt. In der Zwischenzeit die Selbständigkeit der Oedinger Pfarrei.
waren die Unkelbacher Pfarrer Jakob Ste- In formgerechten Anträgen an das Bis-
phan Weber (1823–1828), Anton Barzen tum wies er darauf hin, daß die Oedinger
(1828/29) und Chrysant-Wilhelm Baas Pfarrgemeinde bisher ihren Pfarrer aus ei-
(1829-1833) für Oedingen mit zuständig. genen Mitteln versorgt hat und ihn auch
Das bischöfliche Generalvikariat zur Trier künftig unterhalten wird. Unkelbach
zeigte vor der Berufung des neuen Pfar- wollte jedoch nicht auf die Beihilfe zu sei-
rers große Bedenken, da man befürchte- ner Pfarrkompetenz verzichten und ver-
te, daß die Oedinger in ihrem Drang nach langte nach wie vor eine Entschädigung
Selbständigkeit ihrer Pfarrei verstärkt von 500 Talern; Oedingen bot schließlich
tätig würden. So geschah es dann auch. nur 200 Taler an.
Kurz nach der Einführung des neuen Das Bistum Trier schien nicht mehr abge-
Geistlichen begannen die heftigen Aus- neigt, eine Lösung zu Gunsten Oedingens
einandersetzungen mit Unkelbach über zu finden. Es forderte schon mal die hie-
die Abtrennung der Oedinger Kirchenge- sige Gemeinde auf, das alte fast verfalle-
meinde. ne Pfarrhaus zu restaurieren und in einen
Die erste offizielle Eingabe über die Ei- würdigen Zustand zu versetzen. Darauf-
genkirche wurde 1838 durch unseren hin beschloß der Gemeinderat am 18. De-
Vikar über das Dekanat Remagen an das zember 1846 den Verkauf von zwei
Bistum Trier gerichtet, jedoch ohne Er- Parzellen Ackerland, um den Erlös aus-
folg. Das größte Hindernis bestand darin, schließlich für den Ausbau des Pfarrhau-
daß die Kirchengemeinde Unkelbach eine ses zu verwenden. Dann endlich, am
Entschädigung für den Ausfall der bishe- 25.8.1849, unterzeichnete der Bischof von
rigen Oedinger Abgaben und der Beihil- Trier, Wilhelm Arnoldi, die Erhebungsur-
fe des Bistums für die Mutterkirche in kunde zur selbständigen Pfarrei Oedin-
Höhe von 500 Talern verlangte. gen. Diese hatte nun an Unkelbach eine
Inzwischen wurde 1839 in Remagen der Entschädigung von 225 Talern zu zahlen.
Grundstein für die neue Apollinariskirche Die Pfarrgemeinde, gleich Gertrudisbru-
gelegt. Für die Oedinger von Interesse, da derschaft mußte den künftigen Pfarrern
die alte baufällige Kirche schon seit Jahr- ein Jahresgehalt von 300 Talern zusichern.
zehnten ein beliebtes Wallfahrtsziel un- Nur unter dieser Bedingung gaben das
serer Gläubigen war. Dies änderte sich Domkapitel und die Regierung ihre Ein-
auch nicht mit dem Bau der neuen Kirche. willigung.
Bis in die heutige Zeit zieht es die hiesigen Zum Dank und zur Erinnerung an den
Pilger dorthin. denkwürdigen Tag der gewonnenen Ei-
Schon nach neun Jahren 1842 verließ der genständigkeit pflanzten die Pfarrbrüder
46-jährige Vikar Gottfried Houverath die ein Kastanienbäumchen vor dem Gertru-
Pfarrei Oedingen. Es war ihm trotz eifri- diskirchlein (Anmerkung: dieser Baum, in-
ger Bemühungen während seiner Amts- zwischen 150 Jahre alt, hat heute gewal-
zeit nicht beschieden, Oedingen als tige Ausmaße angenommen).
selbständige Pfarrei zu verwalten. Sein Der seit 6 Jahren erkrankte Pfarrer Apol-

67
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
DIE PFARRGEMEINDE OEDINGEN IM 19. JAHRHUNDERTT

linar Schumacher wurde 1851 in den Ru- In diesem Jahr wurde auch das Pfarrhaus
hestand versetzt. Er, der sich von Beginn auf den Grundmauern des alten Wit-
an seiner Tätigkeit in Oedingen tatkräftig tumshofes in Eigenleistung der Gertudis-
für die selbständige Pfarrei eingesetzt bruderschaft und Geldzuwendungen der
hatte, durfte als schwer kranker Mann Gemeinde neu erbaut und fertiggestellt.
den Erfolg seiner Bemühungen noch er-
leben.

68
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN

PFARRER PAUL WOLBER (1869-1902)

Z um Jahresende 1869 übernahm der


Pfarrer Paul Wolber die Pfarrei Oe-
dingen. Er wurde am 23.09.1841 in Mon-
zuvor war er in Gedanken auf der Suche
nach sinnvoller Freizeitbeschäftigung für
seine ihm anvertrauten Pfarrgemeinde-
real geboren, Ordination am 26.08.1865 brüder, die vom „Karten- und Kegelspiel
in Trier. Zunächst als Kaplan in Münster- bis zum Exzeß“ besessen waren
maifeld und danach als Pfarrer in Kell bei (Pfarrchronik Remagen). Ihm ging es aber
Mayen tätig. Sein Vorgänger in der hie- auch im wesentlichen um das Ziel, einen
sigen Pfarrei, Pfarrer Nikolaus Hoff- würdigen Kirchengesang in seinem Gott-
mann, verließ die Gemeinde in Unfrie- esdienst zu hören.
den und übernahm das Benefiziat in Der-
nau. Ihm wurde von der Gemeinde noch
eine Rechnung in Höhe von 6 Talern und
29 Groschen nachgesandt, die er für
unnötige Reparaturen am Pfarrhaus aus
eigener Tasche bezahlen sollte. Pfarrer
Wolber, eine starke Persönlichkeit, geriet
auch bald mit dem Gemeinderat anein-
ander, da er energisch dringende Repa-
raturen an seinem Pfarrhaus anmeldete,
die von der Gemeinde aus Kostengrün-
den nicht durchgeführt werden konn-
ten. Dennoch raufte man sich bald zu-
sammen.
In den folgenden Jahren gab es einigen
Wirbel in der Pfarrei. Ordnung und Gott-
esfurcht wurden täglich praktiziert. Der
Hirte ging mit gutem Beispiel voran. So
wurde er bald zur Respektsperson. Jahre
danach berichtet die Schulchronik, daß Nach mündlicher Überlieferung spielte
Pfarrer Wolber im Juli 1882 mit dem Leh- sich das Vereinsleben des Kirchenchors
rer und Küster Heinrich Mahlberg sowie vor der Jahrhundertwende nur im Bereich
Peter Profittlich, Matthias Schäfer, Josef der Pfarrgemeinde ab. Mit Gesangaben-
Krahforst und Anton Braun den Männer- den, Darbietungen während des Gottes-
gesangverein „Cäcilia“ Oedingen grün- dienstes und Ausrichtung der jährlichen
deten, zunächst als Kirchenchor konzi- Kirchweihfeste, sowie bescheidenen ge-
piert. Zum 1. Dirigenten wurde Heinrich selligen Veranstaltungen fühlten sich die
Mahlberg bestimmt. Wolber fühlte sich Sänger hinreichend ausgelastet. Oedin-
nach eigenen Angaben durch den im Jahr gen hatte damals 176 Einwohner.
zuvor gegründeten Männergesangverein Am 23. April 1896 verließ Pfarrer Paul
„Eintracht Remagen“ motiviert. Schon Wolber sein geliebtes Oedingen, wo er

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
PFARRER PAUL WOLBER (1869-1902)

seit 27 Jahren als Seelenhirte waltete. Er sich zur Aufgabe, die Mittel für den Neu-
wurde auf Veranlassung der Kirchen- bau der Kirche mit Innenausstattung auf-
behörde nach Kell ins Dekanat Ander- zubringen. Der Initiator übernahm auch
nach versetzt. Den Gottesdienst mußte zugleich den Vorsitz der neuen Gemein-
fortan der Unkelbacher Pfarrer Riesen mit schaft. Das Rückgrat bildete damals der
übernehmen, dem auch die hiesige Pfarr- Männergesangverein „Cäcilia“ Oedingen
verwaltung anvertraut wurde. Jedoch im Rahmen der Getrudisbruderschaft.
schon im April 1897 kehrte Wolber wieder Dem rührigen Seelsorger Paul Wolber
nach Oedingen zurück, nachdem er aus blieben leider nur noch 2 Jahre erfolgrei-
gesundheitlichen Gründen auf seine cher Tätigkeit in unserem Ort; vorrangig,
Pfarrstelle in Kell verzichtet hatte. So um die finanziellen Mittel für den Neu-
übernahm er hier in vertrauter Umge- bau der Kirche zu beschaffen. Unerwartet
bung die kirchlichen Handlungen als Pri- starb er dann am 16. Mai 1902. Danach
vatgeistlicher. Körperlich geschwächt, je- übernahm Pfarrer Buhr aus Leimersdorf
doch ungebrochen in seinem Tatendrang vorübergehend die Verwaltung und See-
gründete der heimgekehrte den St. Ge- lsorge in unserer Pfarrei.
trudis-Kirchbauverein. Dieser machte es

70
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN

OEDINGEN IM AUSGEHENDEN 19 JAHRHUNDERT

A m 1. April 1880 wurde der kommis-


sarisch beauftragte Bürgermeister
von Lassaulx nach einstimmiger Wahl des
Winter völlig zusammen und es fehlte im
nächsten Frühjahr an Saatgut, so daß sich
die Vielzahl der kleinen Ackerer um Kre-
Stadtrates von Remagen in seinem Amt dite bemühen mußten und sich dabei teil-
bestätigt und durch den Landrat von weise hoch verschuldeten.
Groote feierlich eingeführt. Oedingen Die auf Antrag der Viehhalter auf 41 hie-
war unter anderen als Landgemeinde sigen Gehöften mit 132 Stück Rindvieh
dem Bürgermeister von Remagen für geforderte Beschaffung eines Gemeinde-
Stadt und Land unterstellt. Der Gemein- Zuchtbullen wurde vom Gemeinderat ab-
derat unseres Ortes hatte ständig einen gelehnt, da sich der Rindviehbestand im
Mandatsträger im Remagener Stadtrat, Ort aus verschiedenen Rassen zusammen-
derzeit Josef Winzen. Von Interesse dürf- setzte. Die Oedinger Rinder konnten je-
te sein, wie damals der Gemeindevorste- derzeit in Pissenheim oder Birresdorf in
her Brustkern in seinem Amt vergütet Privatzuchtstationen von Stieren ihrer Art
wurde. Gemäß der aktuellen preußi- gedeckt werden. Die Unkosten waren so
schen Gemeindeverordnung wurde die gering, daß sie von den Tierhaltern mühe-
Dienstentschädigung auf 10 Pfennig pro los aufgebracht werden konnten.
Kopf der Ortseinwohner ( insgesamt
etwa 22 Mark im Jahr) festgesetzt. Auf Anregung der „ Königlichen Regie-
Am 18 November 1881 um 11.19 Uhr fuhr rung“ in Koblenz sollte 1883 in unserem
den Oedingern der Schrecken in die Glie- Ort der Friedhof erweitert und neu ange-
der. Ehe sie ein „Vater unser“ zu Ende legt werden. Der Gemeinderat sah kein
beten konnten, bebte für einige Sekun- Bedürfnis und erklärte sich dennoch
den die Erde in der hiesigen Region; grundsätzlich bereit zuzustimmen; wenn
„Gott sei Dank“, ohne nennenswerte die Aufsichtsbehörde mit entsprechender
Schäden anzurichten. Im Frühjahr des Kostenbeteiligung den Ausbau anordnen
nächsten Jahres wüteten die Infektions- würde.
krankheiten Scharlach und Diphtherie in
der heimischen Gegend in und um Rema- Am 28. Oktober 1884 war Reichstags-
gen. 21 Personen starben daran, da man wahl. Die Schulchronik berichtet hier nur
damals noch nicht über die wirksamen von zwei aufgestellten Kandidaten, näm-
Heilmittel von heute verfügte. Nach all lich von dem Amtsgerichtsrat Kochann
den Sorgen um die verheerende Epide- (Centrum) und dem Staatsminister Mai-
mie wurden die Oedinger auch noch von bach ( Partei ?) aus Berlin; auf den erstge-
schweren Unwettern geplagt. Starke, un- nannten fielen 662, auf den anderen nur
unterbrochene Regenfälle vernichteten 91 Stimmen im Wahlbezirk Stadt- und
die Getreide- und Kartoffelernte. Die Landbürgermeisterei Remagen.
Feldfrüchte verfaulten unreif auf den
Äckern. Die Versorgung mit den Grund- Die Volkszählung am 1. Dezember 1885
nahrungsmitteln brach im kommenden erbrachte folgende Ergebnisse:

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
OEDINGEN IM AUSGEHENDEN 19. JAHRHUNDERT

1885 Seelen gegen 1880 fühlten sich die meisten der betroffenen
Remagen 2598 2621 Eigentümer benachteiligt. Erst nach zeit-
Kripp 621 565 raubenden, zähen Verhandlungen wur-
Bodendorf 579 564 den in einer außerordentlichen Gemein-
Oberwinter 1410 1354 deversammlung die Wogen geglättet, so
Oedingen 222 232 daß die Zusammenlegung von nun an
Rolandswerth 433 436 zügig vonstatten ging. Schließlich wur-
Unkelbach 472 454 den am 25.04.1889 die umgelegten Flur-
Gesamt 6335 6226 stücke an die Eigentümer übergeben. Es
herrschte allgemeine Zufriedenheit. Die
Im September 1886 wurde in Remagen Vorteile erkannten auch die Widersacher
der Antrag auf die erste linksrheinische an. Zum Beispiel: ein Betroffener hatte
Flurbereinigung gestellt, sozusagen als ursprünglich 76 Grundstücke, die nun auf
Modell für eine allgemeine Flächenzu- zehn zusammengelegt waren, ein ande-
sammenlegung in den übrigen Gemar- rer 65 und nun 14. Die Bewirtschaftung
kungen des Rheinlandes. Unser Gemein- wurde doch viel einfacher. Erfreulicher-
derat sprach sich nach gründlicher Bera- weise entstanden den Eigentümern keine
tung gegen den Willen der Ortseinwoh- Unkosten. Der Ausbau der neu vermesse-
ner für die Flurbereinigung aus. Schon am nen Wirtschaftswege wurde in Hand- und
5. Dezember dieses Jahres wurde im Spanndiensten durchgeführt. Zu Ver-
Schulhaus eine Generalversammlung suchszwecken wurde auch noch das ge-
über die geplanten Maßnahmen abge- meindeeigene Land entwässert.
halten. Als Sachkommissar wurde der Re- Es tat sich einiges in Oedingen um 1890.
gierungsrat Reichenau aus Düsseldorf be- Der Gemeindefriedhof wurde erweitert
stimmt, der einige Monate später, am 14. und neu kultiviert und es entstand eine
Februar des nächsten Jahres, mit der Bo- Ziegelei-Fabrik an der Straße nach Pissen-
denschätzung für die Zusammenlegung heim, etwa 200 m westlich von der Schu-
begann. Die Leitung lag in den Händen le entfernt. Im nächsten Jahr wurde Bür-
des Sachlandmessers Vennhof. Als Rech- germeister von Lassaulx, welcher bisher
ner und Deputierter fungierte unser Ge- die Stadt- und Landbürgermeisterei
meindevorsteher Mathias-Joseph Brust- gleichzeitig verwaltete, nach Ablauf sei-
kern. ner Wahlperiode aus dem Amt des Bür-
Am 9. März 1888 starb 91jährig der Be- germeisters entlassen. Dieser Anlaß führ-
gründer des Deutschen Reiches, Kaiser te zur Trennung der beiden Bürgermei-
Wilhelm I. In allen Kirchen und Schulen stereien. Der Amtssitz der Landbürger-
unserer Stadt- und Landbürgermeisterei meisterei, die Herr von Lassaulx weiter
wurden Trauergottesdienste bzw. Trauer- verwaltete, wurde nach Rolandswerth
feiern abgehalten. Sein Nachfolger, Frie- verlegt. Als neuer Stadtbürgermeister
drich III., ein todkranker Monarch, regier- wurde Herr Hoeren verpflichtet.
te nur 98 Tage und starb am 15 Juni. Nach Im Jahr 1893 wurde mit dem Bau der Ent-
ihm bestieg sein Sohn Wilhelm II. den Kai- wässerungsanlage begonnen. In Rich-
serthron. tung von den Geländererhebungen zu
Indessen wurde die Flurbereinigung fort- den Bodensenkungen wurden in Abstän-
gesetzt. Nach ersten Zwischenberichten den von 15 m und in 1,50 m Tiefe die

72
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
OEDINGEN IM AUSGEHENDEN 19. JAHRHUNDERT

Drainrohre verlegt. Die Kosten des ge- Ober- und Niederrhein war der Länge
samten Projektes wurden mit einer Anlei- nach wochenlang zugefroren. So abnorm
he bei der Provinzialkasse gedeckt und streng der Winter, so schön wurden die
mußten in Laufe von 10 Jahren getilgt folgenden Jahreszeiten. Dann aber mit-
sein. ten in dieser Schönwetterlage wurde
Gemeindevorsteher Matthias Brustkern unser Ort am 11. Juni von einem furcht-
trat 1894 nach all diesen grundlegenden baren Unwetter überrascht. Schwere, lan-
Erneuerungen, an denen er maßgeblich ganhaltende Gewitter mit Wolken-
mitgewirkt hatte, zurück. Zum Nachfol- brüchen und mächtigen Hagelschauern
ger wurde Matthias Schäfer gewählt und warfen die Feldfrüchte gänzlich nieder.
vom Landbürgermeister in sein Amt ein- Das Wasser strömte in Häuser, Ställe und
geführt. Scheunen, denn es gab ja noch keine Ka-
Ein Jahr später erlebte Oedingen ein Jahr- nalisation. Häuserwände und Mauern
hundertunwetter. Schon der Winter über- wurden aufgerissen und teilweise einge-
traf an Härte und Länge alles seit Men- drückt. Schließlich konnte das Ausmaß
schengedenken dagewesene. Vom 15. Fe- der Schäden erst nach und nach erfaßt
bruar bis 10. März 1895 fielen die Tempe- werden.
raturen nachts bis auf minus 24 Grad. Der

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN

DIE DORFSCHULE IN OEDINGEN

W ie bereits berichtet, wurde die


erste Dorfschule nach der Ein-
führung der „Allgemeinen Schulpflicht“
doch die Kinder zu einer angemesse-
nen Feierstunde zu versammeln;
6. für jedes Jahr wurden 7 Wochen Haupt-
1717-1720 geplant. Unter der Dienstauf- ferien angeordnet: 1 Woche für die
sicht des Pfarrers Hermann Manken Kartoffelernte, 3 Wochen für die Ern-
wurde das Schulgebäude mit Lehrer- teferien und 3 Wochen Herbstferien.
wohnung 1741 errichtet. Die Bauarbei- Gezeichnet vom Königlichen Landrat.
ten leisteten die Männer der Pfarrge-
meinde in Eigenleistung unter der Anlei- Das Jahresgehalt des Lehrers betrug da-
tung eines Baumeisters aus Remagen. In mals 144 Taler. Darin waren die Deputate
einem Fragebogen aus dem Jahr 1743 und Unterhaltskosten für Schulraum und
wurde vermerkt: „Das kleine Dorf hat –hof sowie Lehrerwohnung enthalten.
eine gute Schule. Der Lehrer, der zu- Für die Zweitfunktion als Küster, Organist
gleich Küster ist, hat den verlangten Eid und Glöckner standen ihm 10 Taler jähr-
geleistet; der Pastor ist mit ihm zufrie- lich zu.
den“. Das alte Schulhaus (zweckgebun-
den 1741-1863) steht heute noch gut er- Im Jahr 1860 wurde die über 100jährige
halten an der Wachtberg-Strasse 59. In alte Schule zu klein. Es mußten im Schnitt
den Jahren nach dem Neubau des Schul- über 40 Kinder in einem Klassenraum von
gebäudes findet sich in den Archivalien ca. 36 qm unterrichtet werden. So wurde
die kurze Notiz: „ das im Jahr 1775 ein 1863 mit Genehmigung der königl. Be-
Herr Thelen das Amt des Lehrers und Kü- zirksregierung eine neue Schule mit Leh-
sters versieht“. Erst 1854 gibt es weitere rerwohnung und Schulhof am westlichen
Hinweise in dem „Reglement für die Ele- Ortsausgang nach Pissenheim ( heute
mentar-Schule zu Oedingen in Aus- Werthhoven) gebaut. Der damalige Leh-
führung der Verordnung der Königli- rer war Johannes Fischer. Er übernahm
chen Regierung zu Koblenz vom 27 No- den Schlüssel und das auf den neuesten
vember 1854“. Dieser Erlaß regelte, daß Stand vervollständigte Inventar. Als Nach-
1. die Aufnahme neuer Kinder nur einmal weis für die geleisteten Schulstunden
im Jahr nach den Osterferien erfolgen hatte er eine Ausfalliste zu führen, die er
darf; jährlich dem hiesigen Pfarrer und dem
2. nur die Kinder aufgenommen werden, Kreisschulinspektor vorzulegen hatte.
die das fünfte Lebensjahr vollendet Ende 1874 trat er in den Ruhestand. Sein
haben; Nachfolger wurde Lehrer Philippi. Dieser
3. der Unterricht beträgt wöchentlich 26 mußte schon im November 1876 den
Stunden; Amtssessel wieder räumen, da er aus ge-
4. an christlichen Feiertagen fällt der Un- sundheitlichen Gründen seiner Aufgabe
terricht aus; nicht gewachsen war. Er übergab an den
5. am Geburtstag seiner „Majestät des Lehrer Elingshausen, der jedoch auch nur
Königs“ ist schulfrei; der Lehrer hat je- eine kurze Gastrolle spielte und schon im

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
DIE DORFSCHULE IN OEDINGEN

Juli 1877 von dem Schulamtsaspiranten dung des Männergesangvereins „Cäci-


Jakob Dheine abgelöst wurde. Die nach lia“, den Mahlberg noch viele Jahrzehnte
Oedingen beorderten Lehrer wurden hier dirigieren sollte. Er war neben seinen
nicht warm. Auch Jakob Dheine machte Fähigkeiten als Pädagoge und seinen mu-
sich nach nur 9 Monaten aus dem Staub. sikalischen Talenten auch ein begeisterter
Den verlassenen Lehrerstuhl übernahm Sportler. Dies kam den bisher auf diesem
nun W. Boden, der ihn immerhin bis Juni Gebiet vernachlässigten Schulkindern zu-
1882 besetzt hielt. Infolge wartete man gute. Schon am 15 August des nächsten
schon gespannt auf einen seßhaften Be- Jahres beteiligte sich die Oedinger Schule
werber, der tatsächlich in der Person des mit Erfolg am ersten großen Turnfest des
Lehrers Heinrich Mahlberg gefunden Rhein-Ahrgaues auf dem Victoriaberg in
wurde. Die oben angeführten Personal- Remagen.
veränderungen gingen nicht allein von
den Lehrern aus; vielmehr waren auch der Vom 25.01. bis 15.02.1889 mußte die
Pfarrer und der Gemeinderat diejenigen, Schule wegen einer im Ahrgau grassie-
die mit den Lehrern nicht einverstanden renden Scharlach-Epidemie geschlossen
waren. Es gab ständig Differenzen über werden, da auch in unserer Gemeinde ei-
die Abfindungen, die zu Lasten der Ge- nige Kinder infiziert waren. Leider gab
meinde geleistet werden mußten. Auch die damals geführte Schulchronik nichts
Heinrich Mahlberg hatte gleich zu Beginn her über den Schulbetrieb, Lehrpläne,
seiner Amtszeit Krach mit dem Gemein- Einklassenunterricht für Acht Jahrgänge
derat, der dem Lehrer nur die Hälfte sei- u.s.w.. Der Protokollführer beschränkte
ner Umzugskosten erstatten wollte. sich lediglich auf die Ausfalltage der Leh-
Schließlich vermittelte der Pfarrer Paul rer, die Zu- und Abgänge der Schüler
Wolber, der dem jungen Lehrer von An- sowie die Wetterlage und Ernteergebnis-
fang an wohlwollend gesonnen war. Der se. Zum Beispiel um 1901 betrug die
Pfarrer fand auch in diesem Neuling Schülerzahl 23 Kinder.
einen begeisterten Adlatus für die Grün-

75
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN

NEUBAU DER GERTUDISKIRCHE

A m 01. Dezember 1900 gründete der


Pfarrer a.D., Paul Wolber, wie bereits
berichtet den St. Gertrudis–Kirchen-
bau–Verein. Dieser wurde satzungs-
gemäß verpflichtet, die Mittel für den
Neubau einer neuen Kirche in Oedingen
aufzubringen. Die Gemeinschaft, zu der
nach und nach die gesamte Gertrudis-
bruderschaft gehörte, führte zunächst
Haussammlungen im Ort durch. Danach
wurden im kommenden Jahr Veranstal-
tungen aller Art, wie Pfarrgemeinde –
Basare, gesellige Sängerfeste, die
„Kirchweih“ sowie Jubiläen älterer Per-
sonen, zum Zwecke der Geldbeschaf-
fung gefeiert. Für ihre Kirche gaben die
durchweg armen Bürger Oedingens das
Letzte. Daneben bemühte sich Pfarrer
Wolber, das Bistum Trier mit Bittbriefen
zu überhäufen. Den Erfolg seiner Einga-
ben erlebte er leider nicht mehr, da er am
16. Mai 1902 verstarb und das Bistum
Trier erst 3 Monate danach reagierte. Es
empfahl und genehmigte im gesamten berg und erbrachte für damalige Verhält-
Dekanat Remagen Kollekten als finanzi- nisse einen sagenhaften Erlös.
ellen Beitrag zum Kirchbau in Oedingen
durchzuführen. Summasummarum betrug der in den ver-
Die nachfolgenden Gemeindepfarrer, gangenen Jahren angesammelte Kirch-
vom 20. September 1903 bis 24. Februar baufonds durch Kollekten, Spenden und
1907 Pfarrer Wilhelm Frisch und vom 17. sonstige Sammlungen den beachtlichen
April 1908 mit Unterbrechungen bis Be- Geldbetrag von 15.000,00 Mark. Diese
ginn 1920 Pfarrer Dr. Cöln, scheuten auch Summe reichte dem Kirchenvorstand, um
keine Mittel und Wege um an Baugeld am 03. Dezember 1907 den Neubau der
heran- zukommen. So ließ Pfarrer Dr. Cöln Gertrudiskirche mit einem Kostenvoran-
eine Postkarte mit der Abbildung des schlag von 23.750,00 Mark zu be-
Kirchneubau–Entwurfs vom Architekten schließen. Schon 1 Jahr später, im Novem-
J.Stumpf aus Bonn mit hohem Preisauf- ber 1908, wurde feierlich der Grundstein
schlag verkaufen. Der Vertrieb verbreiter- der Kirche gelegt. Die Bauleitung über-
te sich über Remagen, Sinzig, Bad–Neu- nahm der Architekt J. Stumpf aus Bonn,
enahr, Meckenheim sowie Bad-Godes- der weit und breit für seine neugothi-

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
NEUBAU DER GERTRUDISKIRCHE

schen Kirchbau-Schöpfungen bekannt Gottesdienstes und bei den anschließen-


war und mit der Oedinger Kirche sein den öffentlichen Veranstaltungen. Im
letztes Projekt verwirklichte. Ganzen gesehen ein Festtag, wie ihn der
Am 03. Oktober 1909 wurde die inzwi- kleine Höhenort Oedingen seit Men-
schen fertig erbaute Gertrudiskirche vom schengedenken nicht erlebt hatte.
hiesigen Pfarrer Dr. Cöln eingeweiht. Ver- Zwei Jahre später, am 11. Juni 1911,
treter des Bistums Trier, des Dekanats Re- wurde die neue Kirche durch den Weih-
magen sowie der Bürgermeister Hoeren bischof Ernst Schrod vom Bistum Trier fei-
aus Remagen, die Bauleitung, der Ge- erlich konsekriert. Es wurde für die Oe-
meindevorsteher Mathias Schäfer, die dinger wieder ein außergewöhnlicher, er-
Gertrudisbruderschaft, der Männerge- lebnisreicher Festtag. Sie waren stolz auf
sangverein „Cäcilia 1882“, die hiesige ihre Kirche, natürlich auch in Gedanken
Schule und die Pfarrer der benachbarten an die Opfer, Spenden und persönlichen
Pfarreien überbrachten Glückwünsche Eigenleistungen, die den Neubau erst
und Grußbotschaften. Die Vereine wirk- möglich machten.
ten mit an der würdigen Gestaltung des

77
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN

OEDINGEN NACH DER JAHRHUNDERTWENDE

D er Ort hatte nach der allgemeinen


Volkszählung 1900 am 01. Dezember
176 Einwohner. Sie verteilten sich auf 41
1849 den Neubau des Pfarrhauses und
seine ständige Instandhaltung gefordert
hatte.
Gehöfte, davon hatten 34 Höfe Viehbe- Angeregt durch den neuen Pfarrer Wil-
stand, insgesamt: 21 Pferde, 132 Stück helm Frisch, seit dem 20. September 1903
Rindvieh und 87 Schweine. Von den 34 in Oedingen, gründete 1905 die Jugend
Hofbesitzern betrieben einige die Land- den katholischen Junggesellenverein, der
wirtschaft im Nebenerwerb. Als Gewer- sich die Pflege jugendlicher Geselligkeit,
betreibender wurde der Schumacher Sport, Spiel- und Tanzvergnügen sowie
Berhausen erwähnt, dem die alte Dorf- des katholischen und öffentlichen
schule gehörte, die seine Eltern nach Ein- Brauchtums zur Aufgabe machte. Den
stellung des Schulbetriebs 1863 erwor- Vorstand bildeten die Jungmänner Peter
ben und renoviert hatten. Die vorhande- Velten als Vorsitzender, Peter Schneider
ne Dorschmiede wurde von dem Huf- als Kassenführer und Mathias Weil als
schmied Profittlich betrieben. Gemein- Schriftführer. Der Initiator, Pfarrer Frisch,
devorsteher war derzeit Mathias Schäfer. sollte nicht lange Freude an seinem Ju-
Seinen Berichten nach hatten die Oedin- gendverein haben, denn er starb am 27.
ger das lebensnotwendige Einkommen Februar 1907.
bei äußerst genügsamen Ansprüchen. Im Im Januar 1908 herrschte in der hiesigen
Vergleich mit den Nachbarorten ging es Region ein ungewöhnlich harter Frost.
den meisten nicht schlechter, eher etwas Die Rheinschifffahrt ruhte bedingt durch
besser. starken Eisgang. Im April fiel noch
Die Schulchronik berichtet, daß im Früh- Schnee. Aber dann, im Mai/Juni bis Ende
jahr und Sommer 1903 ungewöhnlich August gab es einen heißen Sommer. Ge-
viele schwere Gewitter unseren Ort heim- treide, Kartoffeln und Obst verdorrten.
suchten. Das schwerste zog am 17. Juni Die Eichenwaldungen waren schon im
dieses Jahres lange anhaltend über unse- Spätsommer total entlaubt durch den Ei-
ren Ort und traf durch Blitzschlag das chenwickler-Schädling, der in unvorstell-
Schulgebäude. In allen Zimmern wurden baren Massen sein Vernichtungswerk
erhebliche Schäden angerichtet. Bezirks- vollbrachte.
regierung und Ortsgemeinde mußten für Am 17. April 1908 übernahm der Pfarrer
die Reparaturkosten aufkommen. Dr. Franz Cöln die hiesige Pfarrei. Er
Der Gemeindevorsteher hatte in diesem wurde am 14. Mai 1873 in Linz geboren,
Jahr noch weitere Brocken zu verdauen. ordinierte am 03. April 1897 in Trier,
Das 1847 erbaute Pfarrhaus befand sich in wurde dann Rektor in Karthaus und
einem erbärmlichen Zustand und mußte anschließend Kaplan in Bittburg und
auf Kosten der Gemeinde renoviert wer- Wittlich. 1910 trat er einen längeren Aus-
den. Diese stand in der Pflicht dem Bistum lands-Studienurlaub bis 1912 an. Nach sei-
gegenüber, das als Vorbedingung für die ner Rückkehr fühlte er sich in der kleinen
Selbständigkeit der Pfarrgemeinde um Pfarrgemeinde nicht mehr verstanden

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
OEDINGEN NACH DER JAHRHUNDERTWENDE

und auch nicht ausgelastet. So resignier- Am 13. März 1911 wurde im Remagener
te er 1920, um später als Professor an der Amtsbereich für Stadt und Land eine
theologischen Universität in Washington außerplanmäßige Musterung aller wehr-
tätig zu werden. Oedingen behielt ihn in pflichtigen Jahrgänge angeordnet und
Erinnerung als den Bauherren der Ger- im August die Oberersatzgestellung
trudiskirche. (erste Wahl im Kriegsfall) mit einbezogen.
Zu Beginn des Jahres 1909 beschloß der Der 26. April 1913 wurde zum nationalen
Gemeinderat den Bau einer Wasserlei- Feiertag anlässlich des 25jährigen Regie-
tung durch den ganzen Ort. Bald darauf rungsjubiläums seiner Majestät, Kaiser
kamen Planung, Vermessung und vorbe- Wilhelm II, erklärt. In Oedingen hielt Bür-
reitende Bodenarbeiten in Gang. Vom germeister Hoeren die Festrede und
Oktober 1911 bis März 1912 wurde dann pflanzte zur Erinnerung an diesen Tag je
das Leitungsnetz verlegt. Die Bauaus- eine Linde auf dem Schulplatz am
führung wurde der Tiefbaufirma Mül- Westrand des Dorfes und am Wegedrei-
ler/Remagen übertragen. eck vor dem Eckhaus Bungard II an der da-
Der bisherige Gemeindevorsteher Ma- maligen Dorfstraße. Gegen Abend ver-
thias Schäfer trat 1910 zurück. Durch Neu- sammelten sich die Vereine und Schüler
wahl wurde der hiesige Ackerer Johann auf dem Schulplatz und unterhielten die
Bungard II im Amt bestätigt und vom Re- Bürger mit allerlei Darbietungen. Danach
magener Bürgermeister für Stadt und gab es in den Wirtschaften Bungard und
Land amtlich verpflichtet. Vilz Freibier im Werte von 50 Pfennig pro
Mann. Ein Glas kostete hier damals 10
Pfennig.
Nach dem Gemeindeprotokoll von 1914
entdeckten Oedinger Bürger Reste der
Ruinen der Burg aus dem frühen Mittel-
alter am Rande der ostwärtigen Gemar-
kungsgrenze zu Unkelbach (die Burgrui-
ne wurde bereits eingangs zur Geschich-
te von Oedingen im Zusammenhang mit
dem geheimnisvollen Berg der Äbtissin
von Nevilles erwähnt).
Im April 1914 wurden die Oedinger an
das elektrische Lichtnetz des Kreises Ahr-
weiler angeschlossen. Die Arbeiten gin-
gen so zügig voran, daß bereits zum
Pfingstfest alle Haushalte mit Strom ver-
sorgt waren.

79
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN

DER ERSTE WELTKRIEG 1914 – 1918

A m 26. Juni 1914 wurden der öster-


reichische Thronfolger, Erzherzog
Franz-Ferdinand und seine morganati-
gen, Peter Jungbluth, Peter Müller, Se-
bastian Schäfer und Peter Vogels einbe-
rufen. Schrecklich für die Heimgebliebe-
sche Gattin Sophie, durch ein Attentat nen. Es fehlten kurz vor der Getrei-
des serbischen Nationalisten Princip deernte die Arbeitskräfte. So mußte nun
beim Staatsbesuch in Serajewo ermor- alles was Beine hatte helfen, die Ernte
det. Daraufhin erklärte Österreich-Un- möglichst zeitgerecht einzubringen.
garn den Serben den Krieg. Rußland, mit Lehrer Mahlberg berichtet: daß auch
den Serben verbündet, machte mobil. noch die Mehrzahl der Pferdegespanne
Das forderte Österreich zur Kriegser- für den Kriegsdienst eingezogen wur-
klärung gegen das Zarenreich heraus. den. „Wie die Frauen, Kinder und ge-
Deutschland, mit den Österreichern ver- brechlichen Alten das alles geschafft
bündet, schloß sich der Kriegserklärung haben, bleibt mir ein Rätsel?“
an und brachte damit den Stein ins Rol- Im November des ersten Kriegsjahres be-
len, der schließlich zum Krieg gegen das gannen auf Geheiß der rückwärtigen
Bündnis Rußland-England-Frankreich Heeresleitung West zum Zwecke der
und Belgien führte. So brach am 31. Juli Nachschubsicherung die Arbeiten an dem
1914 der I. Weltkrieg aus. Gleich am er- Ortsverbindungsweg nach Unkelbach.
sten Mobilmachungstag mußten sich die Zunächst wurde der Weg befestigt und
Oedinger August Vogels, Franz Schnei- verbreitert. Die Bauausführung hatten
der, Heinrich Schneider und Johannes die Straßenbauer Gebrüder Weißenfeld
Vilz stellen. Sie wurden zur Bewachung aus Erpel. Den notwendigen Basalt liefer-
der Ahrtalbahn eingesetzt. In den fol- te Gemeindevorsteher Bungard II, den
genden Tagen wurden Johann Bungard Sand der Landwirt Schmahl.
II, Johann Bungard III, Innocenz Drolsha-

Teilweise geänderte Trasse der Strasse nach Unkelbach

80
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
DER ERSTE WELTKRIEG 1914 – 1918

Am 03. November 1914 fiel der erste Oe- cher zu lindern, wurden aus den Vorrats-
dinger, Gefreiter Franz Siebertz, bei sammelstellen Steckrüben ausgegeben.
Ypern in Belgien. Peter Jungbluth und Außerdem lieferte der Kommunalver-
Hubert Braun wurden ein halbes Jahr spä- band Hafermehl an die Ärmsten der
ter verwundet. Armen, das als Nahrungsmittel kaum
Am 10. Juli 1915 trafen 10 russische noch geeignet war.
Kriegsgefangene in Oedingen ein, die in Oedingen hatte seinerzeit 240 Einwoh-
einem von der Gemeinde angemieteten ner, einschließlich der Kriegsgefangenen.
Haus untergebracht und von einem Po- Die Schülerzahl war auf 62 Kinder ange-
sten bewacht wurden. Tagsüber waren sie wachsen. Die angeordnete Viehzählung
zur Arbeit bei verschiedenen Bauern ein- erbrachte: 15 Pferde, 147 Stück Rindvieh,
geteilt, insgesamt waren alle fleißige Ar- 57 Schweine, 12 Ziegen und 456 Hühner.
beiter. Der Krieg verlangte immer größere
Ende des Jahres 1915 wurden die ersten Opfer, nicht nur an der Front, auch von
Lebensmittelkarten eingeführt, und im der heimischen Bevölkerung. So wurde
Frühjahr 1916 die Gold- und Silber-Wert- Mitte des Jahres die „Hilfsdienstpflicht“
stücke von der Reichsbank eingezogen, (Zivildienstpflicht) eingeführt. Alle männ-
noch gegen Entgelt. Weitere Bezugskar- lichen Personen, die in der Zeit vom 30.
ten für Seife, Seifenpulver und Zucker Juni 1857 bis einschließlich 31. Dezember
wurden ausgegeben. Um den Viehbe- 1869 geboren waren, mußten sich zur
stand für die Rationierungsmaßnahmen Stammrolle beim Kreis anmelden. Ne-
zu schonen, wurden die Schlachtungen benbei wurde auch die Musterung der
stark eingeschränkt. Dafür wurde min- Landsturmpflichtigen des Jahrganges
derwertiges ausländisches Fleisch ersatz- 1899 durchgeführt. Auch wurden vor-
weise auf Bezugskarten streng rationiert beugend Luftschutzmaßnahmen getrof-
verteilt. fen. So mußten alle Fenster abgeblendet
Im März/April 1916 hörten die Oedinger und die Straßenlaternen nach oben hin
erstmals Kanonendonner von der West- blau angestrichen werden.
front. Es war ein andauerndes, dumpfes Im 4. Kriegsjahr 1918 kam der Schwarz-
Grollen, das mutmaßlich von der Be- handel in Schwung. Auch einige unserer
schießung der französischen Festung Ver- Dörfler profitierten davon, trotz hohem
dun herkam. Im April wurde auch mit Strafrisiko. So verkauften die Selbstver-
dem Bau der Eisenbahn-Rheinbrücke Re- sorger ihre überschüssigen, gehorteten
magen-Erpel begonnen, die für den landwirtschaftlichen Erzeugnisse an ille-
Kriegsnachschub an die Westfront einge- gale Aufkäufer vom Rhein und aus dem
plant war. Ruhrgebiet. Sie boten für _ kg Mehl bis
Im 3. Kriegsjahr 1917 wurden schon im 3,50 Mark, Eier kamen mit 60 Pfennig pro
Frühjahr die Lebensmittel so knapp, daß Stück auf den Schwarzmarkt, 1 Liter
die Verwaltung die Ausgabe der Ratio- Rüböl brachte 24,00 Mark, 1 kg Butter
nen noch weiter einschränken mußte. Bei 20,00 bis 24,00 Mark (der amtliche no-
den Selbstversorgern wurden Kellerrevi- tierte Preis 2,50 Mark). Ab dem 01. April
sionen durchgeführt und versteckte Le- schritt die Verwaltung gegen den ver-
bensmittel-vorräte beschlagnahmt. Um breiteten Wucher ein. Es wurden Sam-
die ungeheure Not der Normalverbrau- melstellen eingerichtet und sehr hohe

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
DER ERSTE WELTKRIEG 1914 – 1918

Abgabenauflagen an die landwirtschaft- Einquartierungen. Der Schulsaal wurde in


lichen Erzeuger verfügt, die jedoch die der Regel mit 40 – 60 Soldaten belegt.
Anordnungen nicht mehr befolgten. Ställe und Scheunen wurden im wahrsten
Schon im Mai brach die bisher auf guten Sinne vollgestopft. Diese Truppenbewe-
Willen aufgebaute Versorgung der Nor- gungen dauerten bis Mitte Dezember,
malverbraucher völlig zusammen. Sie leb- dann kamen die ersten Amerikaner. Sie
ten praktisch nur noch von kärglichen Ra- quartierten sich mit 25 Soldaten in der
tionen Rübensaft und Kartoffeln. Schule ein. Die Lehrerwohnung bezogen
Noch im April wurde die neu erbaute Ei- der Kapitän und ein Militärpfarrer, die
senbahnbrücke über den Rhein zwischen dann allesamt am Heiligen Abend unser
Remagen und Erpel eingeweiht und in Dorf verließen.
Betrieb genommen. Auf Befehl des Kai- Ende des Jahres schied unser Bürgermei-
sers, Wilhelm II, wurde sie auf den Namen ster für Stadt und Land, Herr Hoeren,
„Ludendorff-Brücke“ getauft (General wegen Krankheit aus dem Dienst. Sein
Ludendorff war damals Stabschef der Nachfolger wurde Herr Bürgermeister
obersten Heeresleitung). Geelen.
Der Krieg näherte sich Oktober/Novem- Der Schulunterricht fiel im Winter und
ber dem Ende. Zwischen Deutschland und Frühjahr 1919 wegen Einquartierungen,
Russland wurde der Friedensvertrag von Heizstoffmangel, kursierender Krankhei-
Brest-Litowsk geschlossen. Das bedeutete ten immer öfter aus, auch wegen häufi-
für die 10 gefangenen Russen in Oedin- ger Erkrankungen des alternden Lehrers
gen die Entlassung in ihre Heimat. Heinrich Mahlberg, der nach 38 Jahren im
Der Kaiser dankte ab, die Heeresleitung Schulamt am 14. August 1920 verstarb. Er
schloß am 11. November 1918 mit Frank- war allerseits im Ort beliebt und ge-
reich und Belgien den Waffenstillstand in schätzt und in all den Dienstjahren auch
Compigne/Frankreich. Nach den Bedin- Chorleiter des MGV und Organist der
gungen der Siegermächte mußten die Pfarrei. Sein Nachfolger wurde am 01.
Deutschen Truppen über den Rhein in September der Lehrer Juchem, der mit
eine rechtsrheinische 10 km breite neu- der einklassigen Dorfschule 72 Kinder
trale Zone zurückgeführt werden, und übernahm.
die Franzosen besetzten nachrückend die Nach dem Ende des schrecklichen Welt-
linksrheinischen Gebiete. Während des krieges I hatten die Oedinger vier Kriegs-
Rückzugs kamen auch viele Truppenteile gefallene aus ihrem Dorf zu betrauern. Es
in verhältnismäßig guter Ordnung durch waren: Franz Sieberts, Johann Vilz, Wil-
unser Dorf. Täglich gab es wechselnde helm-Josef Bachem und Josef Weiss.

82
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN

DIE INFLATION VON 1918 – 1923

S chon zu Beginn des Jahres, am 19. Ja-


nuar 1919, fanden die Wahlen zur er-
sten Nationalversammlung statt. Oedin-
dieser Zeit, immerhin schon seit 1910, Jo-
hann Bungard II, der aus Erfahrung volles
Verständnis für die Sorgen des neuen
gen gehörte zum Wahlkreis Koblenz/ Amtsinhabers aufbrachte.
Trier, der zur geheimen, direkten Wahl In der Weihnachtszeit veranstaltete der
12 Kandidaten benannte. In unserem Ort MGV den ersten öffentlichen Unterhal-
gingen 104 von 107 wahlberechtigten tungsabend nach dem Kriege unter reger
Personen zur Wahlurne und wählten alle Mitwirkung der Schulkinder und Beteili-
die Kandidaten der Centrums-Partei. Als gung aller Ortseinwohner.
Wahlleiter war der Gemeindevorsteher Im nächsten Jahr 1921 wurde der Bezirk
Johann Bungard II bestellt worden. Coblenz mit Remagen Stadt und Land
Die Versorgungslage der Bevölkerung amerikanisches Besatzungsgebiet. Eigens
wurde immer schlimmer. Auch die mei- unsere Stadt war dauernd mit einigen
sten Oedinger hatten mehr oder weniger kleinen Kommandos amerikanischer Sol-
darunter zu leiden. Kamen die Selbstver- daten belegt. Das Verhalten der Truppen
sorger durch Tauschgeschäfte (landwirt- gab im allgemeinen zur Klage keinen
schaftliche Produkte gegen Saatgut, Dün- Anlaß. Die Oedinger haben die Besat-
gemittel und Materialien zur Erhaltung zung gar nicht bemerkt.
der Wirtschaftsbetriebe) noch einiger- Für den im vergangenen Jahr ausgeschie-
maßen über die Runden, so litten ver- denen Pfarrer Dr. Franz Cöln wurde Pfar-
gleichsweise die Normalverbraucher bit- rer Peter Billig in Oedingen eingeführt. Er
terste Not. wurde am 18. Oktober 1883 in Heimbach-
Im August 1920 wurde Herrn Froitzheim Weis geboren und wirkte nach seiner
die Verwaltung der Bürgermeisterei Re- Priesterweihe am 16. März 1907 in Trier
magen Stadt und Land übertragen, nach- als Kaplan in Kues, Illingen und Herren-
dem sich der bisher kommissarisch amtie- sohr, wurde 1912 Vikar in Nörtershausen,
rende Verwaltungschef für die Übernah- 1916 bis zum hiesigen Dienstantritt Pfar-
me der Amtsgeschäfte in Odenkirchen rer in Rhaunen.
entschieden hatte. Der neue Bürgermei- Anfang 1922 war die Inflation in vollem
ster schrieb über seinen Dienstantritt: Gange. Grundnahrungsmittel kosteten
„Wie alle anderen Gemeinden litt auch schon das 20- bis 30fache der amtlichen
Remagen Stadt und Land unter den Nach- Notierungen. Im September wurden für
wirkungen des Krieges. Die finanziellen einen Sack Weizen (100 kg) schon
Verhältnisse wurden immer schwieriger, 7.500,00 Mark gezahlt.
die Einnahmen gingen infolge des Weg- Am 01. April wurde der hiesige Lehrer Ju-
falles der selbständigen Erhebung der chem nach Kolmerath, Kreis Cochem, ver-
Einkommensteuer immer mehr zurück, setzt. Sein Nachfolger wurde der Schul-
während die Ausgaben zur Überwindung amtsbewerber Johann Bengel, der schon
der Hungers- und Wohnungsnot fortge- nach kurzer Dienstzeit in unserem Ort
setzt stiegen.“ In Oedingen amtierte zu zum 01. Oktober nach Illerich versetzt

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
DIE INFLATION VON 1918 – 1923

wurde. Am selben Tag übernahm der Leh- Im Juli 1923 wurde die völlig herunterge-
rer Emil Rehmer die Oedinger Schule. Er kommene Dorfschule in allen Räumen,
wurde kurz danach auch Organist, Küster auch die Lehrerwohnung mit elektri-
und Chorleiter des MGV, den er schon schem Licht versorgt und danach mit
bald mit neuen Ideen in der Mitglieder- einem neuen Anstrich versehen. Ende des
werbung und Vielfältigkeit möglicher Monats fand dann auf Veranlassung des
Veranstaltungen anspornte. Sein festge- Lehrers Rehmer die Schulrevision durch
setztes Jahresgehalt betrug damals: den Kreisschulrat Reit statt. Das Ergebnis
Grundgehalt 25.000,00 Mark, Ortszu- bestätigte die Feststellungen des neuen
schlag 4.000,00 Mark, Ausgleichszuschlag Lehrers.
206.330,00 Mark, Frauenzulage 2.500,00 Die wirtschaftliche Not in der ganzen Co-
Mark, Kinderbeihilfe 60.606,00 Mark, blenzer Region war unbeschreiblich groß.
Wirtschaftsbeihilfe 1.255,00 Mark; insge- Auch den Oedingern stand das Wasser bis
samt: 299.691,00 Mark. Als Organist und zum Hals, wenn auch nicht so hoch wie
Küster wurde er mit Naturalien von der den Städtern. Die Selbstversorger tausch-
Pfarrgemeinde entlohnt. Vertraglich wur- ten weiter ihre entbehrlichen Naturalien
den ihm 9 Zentner Roggen, 3 Zentner gegen Gebrauchsgüter für den landwirt-
Weizen, 2 Zentner Gerste und 18 Zentner schaftlichen Betrieb. Einigen blieb darü-
Speisekartoffeln pro Jahr zugesichert. Für ber hinaus der Tausch gegen Luxusgüter,
Rehmer und Familie waren diese Deputa- die sie normalerweise nie erworben hät-
te wertvoller als das hohe Gehalt an wert- ten. Nur die Normalverbraucher kamen
losem Papiergeld. immer weiter auf den Hund. Mit dem
Der Lehrer Emil Rehmer trat übrigens ein wertlosen Papiergeld konnten sie gerade
schweres Erbe an. Er berichtete über seine noch ein Minimum an Rübensaft und Kar-
ersten Eindrücke folgendes: „Der Ausbil- toffeln erwerben. Der Kurswert betrug in
dungsstand der Klasse ist ein derartig dieser Zeit 20,00 Mark Goldstück = 3 Mil-
niedriger, daß die U II weder Laute zu- liarden oder 1 Dollar = 3.3 Milliarden
sammenziehen noch lesen kann, ebenso Mark. Fast täglich verlor die Mark in po-
sieht es mit dem Rechnen aus; in der U I tenziellen Steigerungen an Wert.
nicht besser, der 3. Jahrgang ist fürchter- Rückblickend sei noch erwähnt, daß Ende
lich weit zurück; noch schlimmer sieht’s Januar infolge der Ruhrbesetzung durch
beim 4. – 8. Jahrgang aus; die Oberstufe die Franzosen und Belgier die amerikani-
kann keine lateinischen Buchstaben schen Besatzungstruppen ihre Coblenzer
schreiben.“ Die Ursachen sah er in den Zone und damit auch Remagen Stadt und
vielen Schulausfallzeiten während des Land verlassen hatten. Franzosen und Bel-
Krieges und der Nachkriegszeit. gier rückten sofort nach. In Remagen
Die Viehzählung im Dezember brachte wurde eine Abteilung Marokkaner zur Si-
folgende Ergebnisse: 27 Pferde, 130 Stück cherung der Ludendorffbrücke und der
Rindvieh, 86 Schweine, 10 Ziegen, 26 Ka- Reichsbahnanlagen stationiert. Die Span-
ninchen, 352 Stück Federvieh und 39 Bie- nung zwischen Bevölkerung und Besat-
nenvölker. Es war ein Wunder, daß nach zung nahm von Tag zu Tag zu. Am 19.
dem Futtermangel von über einem Jahr April wurde Bürgermeister Froitzheim sei-
der Viehbestand in dieser Höhe gehalten nes Amtes enthoben und mußte inner-
werden konnte. halb von 4 Tagen mit seiner Familie Re-

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
DIE INFLATION VON 1918 – 1923

magen verlassen. Nichts lief mehr, eine Leute aus dem Mittelstand gesellten,
hohe Arbeitslosenquote war die Folge. schlief nicht.
Während sich die politische Lage noch Am 29. Oktober, nachmittags gegen 2
hoffnungsloser entwickelte, verbreitete Uhr, wurde das verabredete Zeichen zum
sich der Separatismus immer mehr. Die Angriff auf die Separatisten im Rathaus
meist hergelaufenen Fanatiker kämpften gegeben. Die verfassungstreue Bevölke-
für eine eigenständige Republik Rhein- rung hatte das Rathaus schnell wieder in
land. Schon im Oktober gelang ihnen der der Gewalt. Die Besatzungstruppen, die
gewaltsame Umsturz der verfassungs- sich im allgemeinen neutral gehalten hat-
mäßigen Ordnung in vielen rheinischen ten, griffen nach einigen Rangeleien ein
Städten und Gemeinden. So wurde auch und verhängten den Belagerungszu-
in der Nacht vom 23. zum 24. Oktober in stand. Schon in der folgenden Nacht tra-
Remagen von Anhängern der separatisti- fen in Remagen, offenbar von den Sepa-
schen Bewegung die „Rheinische Repu- ratisten herbeigerufen, etwa 90 Mann
blik“ ausgerufen und auf dem Rathaus, starke Stoßtrupps ihrer Einheiten ein und
der Post und am Bahnhof nachts die rot- besetzten erneut das Rathaus. Nach kur-
weiß-grüne Fahne gehißt. Das Rathaus zer weiterer Schreckensherrschaft besan-
wurde von Separatisten besetzt. Diese nen sich die Franzosen, riefen ein Batail-
führten in den darauffolgenden Tagen lon Soldaten herbei und machten dem
ein wahres Schreckensregiment und ter- Spuk des Lumpengesindels ein Ende. Bald
rorisierten die Bevölkerung in der furcht- danach durfte Bürgermeister Froitzheim
barsten Weise. Doch die Gegenbewe- wieder zurückkehren und seine Ämter
gung, namentlich in den Kreisen der jun- übernehmen.
gen Arbeiter, zu denen sich auch junge

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN

DIE WÄHRUNGSREFORM 1923/24

D ie zum Ende des Jahres 1923 einset-


zende Stabilisierung der Währungs-
reform (Einführung der Rentenmark) be-
Die politischen Spannungen mit den Be-
satzungsmächten hatten sich nach dem
Dawes-Abkommen während des Frühjah-
scherte den Deutschen mit Beginn des res in London und der Ratifizierung durch
folgenden Jahres die stabile Reichsmark. den Reichstag im August beruhigt. Im
Das neue Geld hatte wieder Wert, wenn Herbst herrschten schon wieder normale
es auch in den meisten Haushalten sehr Verhältnisse.
knapp wurde. So mußten sich beispiels- Im Februar 1925 wurde die hiesige Schu-
weise unsere Kleinbauern hoch verschul- le vom Regierungs- und Schulrat Dr. Oelt-
den, um die längst fälligen Reparaturen mann, Bezirksregierung Koblenz und
an Gebäuden und Gerätschaften vorzu- dem Schulrat des Kreises, Herrn Reitz, re-
nehmen sowie Saatgut und Düngemittel vidiert. Über das Ergebnis der Revision
einzukaufen. Sie waren während des schwieg man sich aus. Die Revisoren
Krieges und der Inflationsjahre völlig waren nicht zufrieden, indessen mußte
ausgemergelt und hatten keine Chance, der Schulunterricht auf kreisärztliche und
Goldmark oder Dollars zu horten, um sie polizeiärztliche Anordnung wegen an-
nun in Reichsmark eintauschen zu kön- steckender Krankheit in der Lehrerwoh-
nen. So gab es schon kurz nach der nung bis Mitte Mai ausgesetzt werden.
Währungsreform viele abhängige arme Am 09. November wurde dann in Oedin-
Ackersleute neben einigen sehr wohlha- gen erstmals mit 10 Pflichtbesuchern die
benden Bauern in unserer Gemeinde. ländliche Fortbildungsschule eröffnet.
Nie zuvor waren die Unterschiede zwi- Die Unterrichtszeit wurde auf Dienstag
schen Armen und Reichen so kraß gewe- und Freitag von 17 – 20 Uhr in Kurzstun-
sen. den angeordnet.

86
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN

DIE FRANZÖSISCHE BESATZUNG 1918 – 1926

D ie französischen Besatzungstruppen
hatten sich inzwischen linksrheinisch
etabliert. Die allgemeine politische Lage
gung der Bevölkerung im Saal Viktoria,
Remagen statt. Vizepräsident Mand und
Landrat Dr. Meyers nahmen als offizielle
und die Beziehung zu den Franzosen Vertreter der Oberbehörde an dem Fest-
wurde infolge des Dawes- und des Lo- akt teil. Dem Reichspräsidenten von Hin-
carno-Vertrages für die Behörden immer denburg wurde ein Huldigungstele-
erträglicher. Oedingen spürte bis auf ge- gramm mit folgendem Wortlaut über-
legentliche Streifen kaum noch etwas sandt: „Die anläßlich der Feier zur Befrei-
von den Besatzern. ung von siebenjähriger Fremdherrschaft
Ende 1925 stellte dann die französische versammelte Bürgerschaft der alten Rö-
Kreisdelegation Ahrweiler ihre Tätigkeit merstadt Remagen entbietet dem Reich-
ein. Mit der Räumung der 1. Zone (am spräsidenten treudeutschen rheinischen
Rhein) schlug auch für Remagen Stadt Gruß und erkennt dankbar die in schwer-
und Land die Befreiungsstunde. Die Be- ster Zeit gezeigte große Opferbereit-
satzungstruppen verließen sang- und schaft des Reiches an. Mit dem Wunsche,
klanglos unser Gebiet. daß auch bald die Befreiungsstunde aller
Derzeit war die Wirtschaftslage in Stadt unter fremder Herrschaft stehenden
und Land infolge der permanenten Geld- Deutschen schlagen möchte, verbindet
knappheit schlecht. In Remagen-Land sie aufs Neue ihr Gelöbnis unverbrüchli-
waren um die 400 Personen arbeitslos cher Treue zu Stadt und Reich,“ Bürger-
und auf Wohlfahrts-Unterstützung ange- meister.
wiesen. Ein sehr freundliches Antwortschreiben
Im Februar 1926 wurde offiziell die Räu- des Reichspräsidenten bestätigte die mit
mung der ersten Besatzungszone be- großer Freude aufgenommene Huldi-
kannt gegeben. Die öffentliche Befrei- gung.
ungsfeier fand unter allgemeiner Beteili-

87
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN

DIE WIRTSCHAFTSKRISE

D ie Deflation, starke Einschränkung


des Geldumlaufs ohne entsprechen-
de Verringerung der Produktion, wirkte
der Revision war nicht zufriedenstellend
und veranlaßte die Provinzialschullei-
tung, als zweite Lehrkraft den Hilfslehrer
sich nach der Währungsreform mit Ein- Hans Anschütz aus Sinzig an unsere Schu-
führung der Reichsmark (1924) bis in die le zu versetzen. Beide Lehrer teilten sich
kleinsten Gemeinden aus. Die Bauern fortan die Unterrichtsstunden, indem
konnten ihre landwirtschaftlichen Er- jeder je 23 Wochenstunden unterrichten
zeugnisse mangels Kaufkraft der Ver- mußte. In Praxis: in der Zeit von 7 – 12 Uhr
braucher nicht absetzen. Um Saatgut und von 13 – 16 Uhr. Zwei Nachmittage
und notwendigste Anschaffungen für waren schulfrei.
die Aufrechterhaltung ihrer Kleinbetrie- Auf Vorschlag des Provinzialkonservators
be zu bezahlen, mußten sie sich hoch sollte unsere historische Kapelle restau-
verschulden. Hinzu kam die zunehmen- riert werden. Sie war wirklich in einem
de Arbeitslosigkeit, von der besonders sehr schlechten Zustand. Mit finanzieller
die Nebenerwerbsbetriebe betroffen Unterstützung von Seiten der Pfarrge-
waren. So geriet auch Oedingen nach meinde konnte nicht gerechnet werden,
und nach in den Sog der aufkommenden da diese noch Restschulden für den Kirch-
Armut, bis auf einige Bauern, die neubau abzutragen hatte. Schließlich ge-
während des Krieges und der Nach- lang es dem Konservator doch noch einen
kriegszeit sehr geschickt ihren Besitz- Landeszuschuß von mehreren 1.000,00
stand wahren und aufbessern konnten. Reichsmark für die Erneuerung des Turm-
Wenn dennoch der Lebenswille der zu- es, des Daches und der Fenster auszuhan-
meist betroffenen verarmten Bürger deln. Die Mittel reichten auch noch für
nicht gebrochen wurde, war dies dem einen soliden Innenanstrich.
Gemeinderat, dem Pfarrherrn, dem Leh- Die Reichstags- und Landtagswahl im Jahr
rer und nicht zuletzt der ehrwürdigen 1928 brachte in Oedingen ein überra-
Gertrudisbruderschaft zu verdanken. schendes Ergebnis. Erstmals verlor das
Diese 1640 gegründete Gemeinschaft Zentrum über 25 % der abgegebenen
zählte derzeit 120 männliche und 150 Stimmen, obwohl es als einzige Partei den
weibliche Mitglieder, in Praxis alle Oe- Wahlkampf in Oedingen geführt hatte.
dinger Einwohner. Diese bemühten sich Die Ergebnisse: Deutschnationale 5, Hit-
von jeher - gestärkt im christlichem Glau- lerbund 1, Sozialdemokraten 8, Kommu-
ben – aufkommende, nennenswerte ge- nisten 14 und Zentrum 76 Stimmen. Pfar-
sellschaftliche oder gar politische Span- rer und Gemeindevorsteher hatten trotz
nungen auszugleichen. geheimer Wahl die Abtrünnigen im Visier
Nun zurück zum Alltag in schweren Zei- und hielten diesen am Sonntag nach der
ten. Im Krisenjahr 1927 besuchten 24 Wahl eine deftige Strafpredigt in der Kir-
Mädchen und 27 Knaben unsere hiesige che und anschließend in der Wirtschaft.
Schule, die heuer wieder mal vom Kreis- Pfarrer Peter Billigs letzte Amtshandlung,
schulrat inspiziert wurde. Das Ergebnis denn bald danach wurde er nach Hen-

88
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
DIE WIRTSCHAFTSKRISE

tern, Kreis Saarburg versetzt. Sein Nach- land zu angemessenen Preisen kaufte,
folger wurde 4 Wochen später, am 28. De- um hier die reichlichen Kaolinvorkom-
zember 1928, der Pfarrer Peter Winand. men abzubauen. Die meisten Oedinger
Er wurde mit einem Kirch- und Dorffest Arbeitslosen fanden hier eine Dauerbe-
feierlich in sein Amt eingeführt. Seine schäftigung.
Personalien: am 17. März 1883 in Himmel Der 01. Juli 1930 wurde zum Volksfest des
geboren wurde er im März 1909 in Trier Rheinlandes, da bis zu diesem Tag die
zum Priester geweiht. Nach seiner Ka- Franzosen die Besetzung der restlichen
planzeit in Wallerfangen zog er 1914 als Besatzungszone aufgaben. Auch unsere
Feldgeistlicher in den Krieg und wirkte Bürger feierten schlicht und würdig in der
von 1916 bis 1928 als Pfarrer in Merzkir- Schule, aber danach recht ausgelassen in
chen. den Gaststätten unseres Ortes.
Auch in der Schule gab es einige Monate Der Männergesangverein beantragte die
später einen Lehrerwechsel. So wurde am Streichung der Lustbarkeitssteuer, die bis-
01. Mai 1929 Lehrer Emil Rehmer nach her in Höhe von 5,00 Reichsmark erhoben
Koblenz versetzt. Sein Nachfolger wurde wurde. Dem Antrag wurde ohne Wider-
Johannes Tenelsen, der die Schule mit rede stattgegeben. Die Gemeinde wurde
derzeit 33 Schülern übernahm. Nach sei- von der oberen Schulbehörde aufgefor-
ner ersten Bestandsaufnahme war der dert, einen Schularzt unter Vertrag zu
Ausbildungsstand der Klasse unbefriedi- nehmen. Dies lehnte der Gemeinderat ab
gend. Einzelne Kinder des 7. und 8. Schul- mit der Begründung: „daß bei dem guten
jahres rechneten nur mit Mühe den Stoff Gesundheitszustand der Oedinger Bevöl-
des 4. Grundschuljahres. Ebenso fehlten kerung gesundheitliche Störungen bei
in der Erdkunde die elementarsten Vor- den Kindern nicht zu befürchten waren,
aussetzungen. zumal auch Unterernährungen bisher
Die Zeit des wirtschaftlichen Niedergangs nicht festgestellt wurden.“
forderte weitere Opfer. Infolge der Ein anderes Problem war die rückständi-
schlechten Absatzlage schloß die Oedin- ge, unregelmäßige Postverbindung. Der
ger Ziegelei-Fabrik im Besitz der Familie Gemeinderat beantragte daher, die Post-
Schneider ihre Tore. Entgegen den münd- verteilung aufs Land von Remagen aus zu
lichen Überlieferungen verwendete die betreiben. Bisher geschah dies aus Bad
Oedinger Kirchbauleitung keine Ziegel Godesberg.
aus der hiesigen Ziegelei, sondern aus Am 28. Dezember veranstaltete die Schu-
einem rechtsrheinischen Betrieb. le erstmals seit ihrem Bestehen eine öf-
Von Monat zu Monat verschlechterte sich fentliche Weihnachtsfeier. Etwa 200 Ein-
die wirtschaftliche Lage. Die Erwerbslo- wohner hatten sich zur Feier des Tages
senzahlen stiegen sprunghaft an. Die eingefunden und erlebten ein anspruchs-
Bauern erzielten nicht einmal die Selbst- volles Programm. Neben Gedichten, ge-
kostenpreise für ihre landwirtschaftlichen sanglichen Darbietungen sowie gemein-
Erzeugnisse. In dieser Zeit war es ein sam gesungenen Liedern wurden auch
Glücksfall für unseren Ort, daß die neu- von den Kindern 2 Weihnachtsmärchen
gegründete „Rheinische Kaolin und Peg- aufgeführt. Die festliche Veranstaltung
matit A.G.“ in Oberwinter im ostwärtigen fand großen Anklang und erbrachte
Teil unserer Gemarkung Wald- und Busch- Spenden in Höhe von 47,00 Reichsmark,

89
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
DIE WIRTSCHAFTSKRISE

die für die Auffrischung der Schulbüche- men:


rei verwandt wurden. Die Eltern sollten sich bemühen, in Ge-
Der Winter und das Frühjahr anno 1931 sprächen mit ihren Kindern und Jugend-
waren recht mild und günstig für die lichen die Sittlichkeitsbegriffe hoch anzu-
Landwirtschaft, so daß die Aussaat sehr stellen;
gut gediehen war. Doch am 05. August Jugendliche sollten beim Paarungsakt in
wurden alle Hoffnungen auf eine gut der Viehzucht nicht zugegen sein;
Ernte zunichte gemacht. Ein Jahrhunder- Der Verkehr der Schulkinder mit schul-
tunwetter tobte über Remagen Stadt und entlassenen Jugendlichen sollte soweit
Land mit Schwerpunkt Oedingen. Unge- wie möglich unterbunden werden;
heure Regenmassen mit schweren Hagel- Für die schulentlassene Jugend sollte ein
schlägen überschwemmten unseren Ort Sportplatz hergerichtet werden, um dem
und die Äcker der ganzen Gemarkung Müßiggang in der Freizeit abzuhelfen.
und führten bis ins „Drachenfelser Län- Der Gemeinderat beschloß bald darauf
dchen“ zu Überflutungen der Bäche, die die Bereitstellung des 30 Hektar großen
sich in reißende Flüsse verwandelten. Das Gemeindegrundstückes „Auf der Heide“
erntereife Getreide wurde zum größten für Sportzwecke der Jugendvereine.
Teil vernichtet, wie auch die umliegenden Am 12. Juni 1932 feierte der Männerge-
Obstkulturen. Das Ausmaß der Schäden sangverein „Cäcilia“ Oedingen sein
konnte man danach beurteilen, daß den 50jähriges Jubiläum. Dieses Fest wurde
Landwirten ein Hagelschaden von 95 % unter der Regie des Vorsitzenden Willi
ersetzt wurde. Müller und der Stabführung von Johan-
Die Remagener Chronik berichtet über nes Tenelsen zu einem beispiellosen Dorf-
dieses Unwetter: „Am 05. August nach- fest. Die Oedinger vergaßen ihre wirt-
mittags gegen 6 Uhr verfinsterte sich schaftlichen Sorgen, die Unsicherheit im
plötzlich der Himmel unter gewaltigen Ort und in der ländlichen Umgebung,
Gewitterwolken, es brach unter Blitz und Einbrüche und Felddiebstähle und feier-
Donner ein Unwetter los, wie es die Ge- ten 3 Tage und Nächte lang mit Gesang-
gend lange nicht mehr gekannt hat. Der vorführungen, Platzkonzert, Fahnenwei-
Unkelbacher Bach wurde zu einem he, Umzüge und Tanzvergnügen. Der
reißenden Strom, der alles wegriß, was MGV hatte eigens eine große Tribüne auf
ihm im Wege stand. In der Gemarkung der Wiese der Familie Schmal zwischen
Oedingen verwüstete ein Hagelschlag bei der Gertrudiskirche und dem Anwesen
diesem Unwetter die Ernte, besonders des Landwirts Velten an der Dorfstraße
den auf dem Halm stehenden Hafer und aufgebaut. Das ganze Dorf war mit Bir-
die Hackfrüchte total.“ ken, Fahnen und Girlanden geschmückt.
Im Mai 1931 hatte die Schule erstmals die Das Fest war so fröhlich und heiter, daß
Elternschaft zu einer Schulversammlung auch der sehr besonnene und ernst ver-
eingeladen. Es wurden allgemeine Schul- anlagte Gemeindevorsteher Johann Bun-
fragen und insbesondere die sittliche Ge- gard II in eine derart ausgelassene Stim-
fährdung unserer Jugend diskutiert. Die mung geriet, daß ihn seine Mitbürger
Versammlung beschloss mit folgenden nicht wieder erkannten. Viele Gastverei-
Maßnahmen den sittlichen Verfall der ne aus der näheren und weiteren Umge-
schulentlassenen Dorfjugend einzudäm- bung beteiligten sich an dem Fest.

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
DIE WIRTSCHAFTSKRISE

Der MGV „Cäcilia“ im Jubiläumsjahr 1932

Oedingen hatte von jeher eine friedlie- sche erwachte die Witwe Vilz und konnte
bende Bevölkerung. Dennoch nahm in die Einbrecher durch lautes Schreien ver-
den letzten Jahren, ausgelöst durch die treiben. Bald darauf wurde auch im
Wirtschaftskrise, die Unsicherheit auf Hause des arbeitslosen Hubert Braun ein-
dem Lande gewaltig zu. Die ersten Früch- gebrochen. Die Diebe stahlen ihm den be-
te (Erdbeeren und Kirschen) wurden re- sten blauen Anzug. Besonders zur Ernte-
gelmäßig nachts gestohlen. Daran hatte zeit waren die Feld- und Obstdiebstähle
man sich schon gewöhnt. Es wurde erst an der Tagesordnung. Trotz verstärkter
richtig kriminell, als im vergangenen Jahr Feldwachen war den Umtrieben nicht
vier maskierte Banditen den alten 85jähri- beizukommen.
gen pensionierten Lehrer Winzen über- Im Herbst 1932 wurde vom Amt Remagen
fielen und ihm etwa 16.000,00 Reichs- gefordert, sich an der Winterbeihilfe zu
mark gestohlen haben; die gesamten Er- beteiligen. Der Gemeinderat lehnte die-
sparnisse, die der allein lebende, äußerst ses Ersuchen in Bausch und Bogen ab. Er
genügsame Junggeselle im Hause aufbe- war der Ansicht: „daß der kleine Ort Oe-
wahrte. Im Winter wurde die Wirtschaft dingen von Obdachlosen, Wohltätigkeits-
Vilz von Dieben heimgesucht, die gerade Vereinen und Klöstern mit Sammlungen
ein Faß Cognac aus dem Saal herausrollen von Lebensmitteln überlaufen würde und
wollten. Durch die verursachten Geräu- deswegen eine besondere Winterhilfe für

91
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
DIE WIRTSCHAFTSKRISE

Oedingen nicht in Frage käme.“ Was die ihnen verlangten Beitrag auf ein erträgli-
Armen in der Gemeinde betraf, so wurde ches Maß herabzusetzen. In der Begrün-
von hier aus für sie gesorgt. dung hieß es, daß Oberwinter in den letz-
Um die Jahreswende wurde die Solidar- ten 10 Jahren zu wenig Steuern erhoben
bereitschaft weiter strapaziert. So am 08. hätte und weit über seine Verhältnisse
Januar 1933, da versammelte sich der Oe- lebte.
dinger Gemeinderat, um über die Vor- Der Gemeinderat hatte seit langer Zeit
schläge des Bürgermeisters zur Festset- Probleme mit seinen zahlungsunfähigen
zung einer Amtsumlage im Bereich der Pächtern des Gemeindelandes. Es blieb
Bürgermeisterei Remagen-Land zu bera- dem Gemeindevorsteher Johann Bun-
ten. Betroffen waren die Gemeinden gard II keine andere Wahl, als gegen die
Oberwinter, Bodendorf, Unkelbach und Pächter, die mit ihrer Pacht über ein Jahr
Oedingen. Oberwinter sollte 60% der im Rückstand waren, mit Zahlungsbefeh-
Umlage, die drei übrigen Gemeinden zu- len vorzugehen. Er erhielt zusätzlich vom
sammen 40% aufbringen, um den mar- Gemeinderat die Vollmacht, weitere noch
oden Haushalt Oberwinters zu sanieren. härtere Maßnahmen zu veranlassen, falls
Die Oedinger sperrten sich gegen die er mit den bisher getroffenen keinen Er-
Höhe der Umlage und forderten, den von folg haben sollte.

92
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN

DAS DRITTE REICH

A m 30. Januar 1933 wurde Adolf Hit-


ler Reichskanzler. Das war das Ende
der Weimarer Republik und der Beginn
kung des Ermächtigungs-Gesetzes vom
März). Der Fraktionsführer der NSDAP,
Pfeifer, im Remagener Stadtrat sowie der
des verkündeten „Tausendjährigen Rei- Ortsgruppenleiter der NSDAP-Ortsgrup-
ches“. Die Oedinger nahmen kaum pe Remagen, Raab, machten dem Ge-
Kenntnis von diesen Vorgängen. Sie hat- meinderat klar, daß ab sofort keine mar-
ten ihre eigenen Probleme und vertrau- xistischen oder sozialdemokratischen Mit-
ten im übrigen dem Papst und ihrem glieder im Gemeinderat vertreten sein
Ortspfarrer Peter Winand, der dem durften und in Zukunft nur noch nach
neuen Kanzler mißtrauisch gegenüber den politischen Vorgaben der National-
stand. sozialisten gehandelt werde. Die hiesigen
Schon am 07. März wurden die ersten Ratsmitglieder wurden urkundlich ver-
Reichstagswahlen unter dem neuen Regi- pflichtet, als Hospitanten an kommunal-
me durchgeführt. In Oedingen entfielen politischen Kursen in Remagen teilzuneh-
auf die noch zugelassenen verschiedenen men.
Parteien folgende Stimmen: 22 NSDAP Im laufenden Haushaltsjahr 1934 wurden
(1), 5 SPD (14), 2 KPD (0), 105 Zentrum 300% Steuern auf das Grundvermögen
(111), 9 Deutschnationale (5), 3 Deutsche und 360% auf Gewerbe, Kapital und Er-
Volkspartei (3) (in Klammern die Stimmen trag erhoben. Schwierigkeiten bereiteten
der letzten Reichstagswahl in der Weima- dem Gemeinderat die hohen Sanierungs-
rer Republik). Die 8 Tage später durchge- kosten für die im schlechten Zustand vor-
führten Kommunalwahlen brachten in handene Dorfstraße im Etat unterzubrin-
Oedingen folgende Ergebnisse: NSDAP gen. Sie wurden letztlich auf die nächsten
11, SPD 1, DKP 1, Zentrum 114, Deut- 3 Jahre verteilt.
schnationale 8 Stimmen. Die Wahlergeb- Im Juni wurde die Ortssatzung über
nisse machten überzeugend deutlich, daß Hand- und Spanndienste in der Gemein-
die Oedinger nicht mit wehenden Fahnen de Oedingen neu festgesetzt. Danach
ins III. Reich marschiert sind. waren im laufenden Kalenderjahr pro
Danach wurden am 03. April die neu ge- Morgen bewirtschaftetes Land 8 Stunden
wählten Gemeinderatsmitglieder Hein- Handarbeit zu leisten. Die Besitzer eines
rich Winzen, Gerhard Schmahl, Peter Vo- Pferdes wurden 3 mal 8 Stunden und die
gels, Apollinar Vilz und Heinrich Krahforst Eigner eines Fuhrwerks mit 2 und mehr
verpflichtet und in ihr Amt eingeführt. Pferden wurden 5 mal 8 Stunden zu Ge-
Die neuen Ratsmitglieder wählten Jo- meinde-Dienstleistungen herangezogen.
hann-Josef Bungard II wieder zum Ge- Diejenigen Grundbesitzer, welche ihre Ar-
meindevorsteher und Heinrich Winzen zu beit nicht selbst ausführen konnten, hat-
seinem Stellvertreter. ten je Pflichtstunde 40 Pfennig an die Ge-
Ende Juli erteilten die Nationalsozialisten meindekasse zu entrichten.
dem vom Zentrum geführten Oedinger Nach den neuesten gesetzlichen Verord-
Gemeinderat die erste Lektion (Auswir- nungen wurden im Oktober die Amtsbe-

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
DAS DRITTE REICH

zeichnung „Gemeindevorsteher“ in Reichsmark ausgewiesen wurde. Es blieb


„Dorfschulze“ umbenannt und die Zu- nicht aus, daß dieser Etat vom Landrat be-
sammensetzung der Gemeindeältesten- anstandet wurde; insbesondere verlangte
räte vom Dorfschulzen Johann Bungard II er, die Kosten für den Straßen- und We-
verpflichtet. Erster Schöffe: Anton Schä- gebau niedriger anzusetzen und die Bür-
fer, die Gemeindeältesten: Inozens Drols- gersteuer zu erhöhen. Die Gemeinde
hagen, Peter Vogels, Heinrich Krahforst ging einen Kompromiß ein, in dem sie in
und Peter Velten. Leider wurde nicht den nächsten Jahren durch Einsparungen
überliefert, nach welchen Kriterien die den Fehlbetrag ausgleichen wollte. Die
Auswahl stattgefunden hat. Hand- und Spanndienste, im Volksmund
Die Preußische Regierung für Wissen- auch „Frohndienste“ genannt, wurden
schaft, Kunst und Volksbildung bewilligte im Bereich der Handleistungen von 8 auf
4.000,00 Reichsmark für die Erweiterung 6 Stunden pro Morgen bewirtschafteter
des Schulgebäudes mit der Auflage, daß Fläche herabgesetzt.
die Gemeinde die Restkosten in Höhe von Im März wurde die bisherige Pflichtfeu-
2.000,00 Reichsmark selbst übernehmen erwehr (jeder Hauseigentümer hatte im
mußte. Falle der Brandgefahr einen Mann zu stel-
Zu Beginn des Jahres 1935 wurde die vom len) aufgelöst und statt ihrer eine Freiwil-
Dorfschulzen aufgestellte Liste für die lige Feuerwehr des Ortspolizeibezirks Re-
Bürgersteuer von den Dorfältesten ge- magen neu gegründet. Die Oedinger
prüft und nach einigen Änderungen ge- Gründungsmitglieder waren Peter Jung-
nehmigt. Das Wassergeld, im Volksmund bluth, Führer und Brandmeister des hiesi-
auch der „Wasserzins“, wurde wie folgt gen Halblöschzuges; sein Stellvertreter
festgesetzt: ein Haushalt bis zu 5 Perso- Heinrich Sonntag, Oberlöschmeister
nen ohne Viehzeug hatte pro Jahr 10,00 Anton-Josef Henseler, Spritzenführer
Reichsmark zu zahlen, für jede weiter Per- Josef Braun und Trompeter Josef-Hubert
son waren 1,50 Reichsmark fällig. Für Vilz sowie 15 Mannschaftsmitglieder. Die
jedes vorhandene Pferd und jedes Stück Ausrüstung war sehr bescheiden. Sie be-
Rindvieh mußten pro Jahr 6,00 Reichs- stand aus einigen Leder-Wasserkübeln,
mark entrichtet werden, jedes Fohlen einer Handdruckspritze, 4 Ausstelleitern
sowie übriges Jungvieh kosteten 2,00 und einigen Einreißhaken.
Reichsmark. Für einen Geschäftsbetrieb Die im Vorjahr verfügte Amtsbezeich-
sowie den Besitz eines Wasserklosetts nung „Dorfschulze“ wurde schnell wie-
wurden extra je 5,00 Reichsmark erho- der in „Bürgermeister“ geändert. Gleich-
ben. Der Wasserzins war so hoch ange- zeitig wurden den Gemeinden von 150
setzt, daß Kleinhäusler und Kleinackerer bis 450 Einwohnern außer dem ehren-
ihn nicht voll bezahlen konnten. Es wurde amtlichen Bürgermeister 2 Beigeordnete
daher denjenigen eine Ermäßigung von und 4 Gemeinderäte zugestanden. Der
50% zugebilligt, die ihr Vieh während der Bürgermeister erhielt als Aufwandsent-
Sommermonate auf die Weide brachten. schädigung 96,00 Reichsmark pro Jahr.
Der Haushaltsplan sah für das laufende Zum neuen Gemeinderat gehörten die
Jahr an Einnahmen 7.490,00 Reichsmark Oedinger Johann-Josef Bungard II, Bür-
und an Ausgaben 11.350,00 Reichsmark germeister; Anton Schäfer, 1. Beigeord-
vor, so daß ein Fehlbetrag von 3.860,00 neter; Wilhelm Müller, 2. Beigeordneter;

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
DAS DRITTE REICH

Heinrich Krahforst, Inozens Drolshagen, fernzubleiben.


Peter Vogels und Peter Velten als Ge- Von April bis Weihnachten wurden 60
meinderäte. Mädchen aus Halle a. d. Saale im Land-
Ende des Jahres wurden in der Gemeinde jahrlager Oberwinter einquartiert. Neben
verschiedene Leute arbeitslos, 3 davon der körperlichen und weltanschaulichen
waren sogar auf Wohlfahrtsunterstüt- Schulung sollten diese Kinder der Groß-
zung angewiesen. Sie mußten nach den stadt insbesondere die Landarbeit des
Gemeindestatuten Pflichtarbeiten an den Bauern kennen und schätzen lernen. Zu
Gemeindegräben leisten. diesem Zwecke wurden durchschnittlich
Im Mai 1936 gab es Veränderungen im 20 bis 25 Mädchen bei den Oedinger Bau-
Gemeinderat. Heinrich Krahforst und ern untergebracht, denen sie eine will-
Peter Velten waren nicht mehr vertreten. kommene Hilfe waren, denn sie waren
An ihre Stelle traten Andreas Velten und anstellig und fleißig. Mit einem fröhli-
Johann Tenelsen. Der Bürgermeister, die chen Abend verabschiedeten sich die Mä-
Beigeordneten und die Gemeinderats- dels im Dezember und kehrten kurz vor
mitglieder wurden erstmals von der Weihnachten wieder in ihre Heimat
NSDAP-Gauleitung für die Dauer von 6 zurück.
Jahren ernannt. Ein kleiner Beitrag zur gesellschaftlichen
Der Lehrer Tenelsen, von höherer Stelle Entwicklung der letzten 20 Jahre vom hie-
bedrängt, hatte seine liebe Not, seine sigen Lehrer Tenelsen gibt uns interessan-
Schüler in die Staatsjugend (Jungmädel te Aufschlüsse. Im Jahr 1928 besuchten 72
und Jungvolk) zu bekommen. Der Wider- Kinder die Oedinger Schule. Sie kamen
stand der Eltern und mangelnde Bereit- aus kinderreichen Familien mit durch-
schaft der fähigen Schüler hier Verant- schnittlich 7 Kindern. Im Berichtsjahr 1938
wortung zu übernehmen, ließen die eifri- waren es im Schnitt nur noch 4 Kinder pro
gen Bemühungen immer wieder schei- Familie, das führte zu einem Rückgang
tern. Nach einer erneuten, intensiven auf 36 schulpflichtige Mädchen und Kna-
Werbung unter den Eltern erklärten sich ben. Diese Verminderung ist in den rück-
diese mit dem Eintritt ihrer Kinder in die läufigen Zahlen der Eheschließungen und
Staatsjugend einverstanden unter der den zeitgemäßen Familienplanungen zu
Voraussetzung, daß der Dienst in Oedin- suchen. so hielten sich Sterbefälle und Ge-
gen stattfand. So traten der Jungmädel- burten gerade noch die Waage. Bis zum I.
schaft 11 Mädchen und dem deutschen Weltkrieg war Oedingen noch ein fast rei-
Jungvolk 5 Knaben bei. Schon 8 Tage nach nes Bauerndorf. Nur wenige Einwohner
der Gründung hatten alle Mädchen ihre waren als Arbeiter in der Umgebung be-
Uniformen beschafft. Die Lösung der schäftigt, z.B. im Steinbruch Unkelbach.
Führerfrage war unbefriedigend. Der Erst nach dem Krieg brachten die Er-
ganze Dienst des Jungvolks war ein Fuß- schließung der Bodenschätze (Kaolin) im
ballspiel am Samstagnachmittag. Die Ostteil der Gemarkung Oedingen den
Mädchen erlernten immerhin einige Lie- hiesigen Einwohnern ergiebige Arbeits-
der, ansonsten vertrieben sie sich die plätze. Bauernsöhne, die keine Aussicht
Dienstzeit mit Handarbeiten. Schon nach auf Hofbesitz hatten, nahmen dort ihre
kurzer Zeit zeigte sich, daß einige Kinder Arbeit auf. So waren im Berichtsjahr bei
jede Gelegenheit nutzten, um dem Dienst 270 katholischen Einwohnern nur noch

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
DAS DRITTE REICH

28 Familienoberhäupter Landwirte, die men. Die Gemeinderäte würdigten den


restlichen 21 standen in einem fremden Reichskanzler und Führer Adolf Hitler als
Arbeitsverhältnis. Viele kleine Höfe litten den Förderer, Schützer und Gestalter
unter dem Mangel an ertragreichen „Großdeutschlands“ und sahen es als
Ackerflächen. Hier schuf die neue Reichs- selbstverständliche Pflicht des Dankes an,
führung Abhilfe und sorgte im Rahmen daß sie und mit ihnen alle stimmberech-
des „Vierjahres-Planes“ für die Kultivie- tigten Oedinger vollständig mit freudi-
rung nutzloser Busch- und Ödflächen. So gem Herzen dem Führer das „Ja“ gaben.
wurde auch in Oedingen der minderwer- Am 25. Oktober verunglückte der Sohn
tige Wald im Ostteil unserer Gemarkung Peter des Landwirtes Johann Bungard III,
in die Planung einbezogen, um schließlich tödlich. Er war mit der Kartoffelernte be-
80 Morgen fruchtbaren Ackerlandes zu schäftigt, als plötzlich die vor der Kartof-
gewinnen. Der Staat bewilligte einen be- felmaschine eingespannten Pferde scheu-
trächtlichen Zuschuß, die Restkosten wur- ten und durchgingen. Dabei kam der Bau-
den in zinsgünstigen Darlehen gewährt. erssohn zu Fall und geriet unter die
Mit dem Beginn der Arbeiten sollte im schwere Maschine. Er wurde noch nach
Rahmen des Notstandsprogrammes im Remagen ins Krankenhaus gebracht, wo
Frühjahr des nächsten Jahres begonnen er während der Einlieferung verstarb.
werden. Eifrig bei der Sache hatten schon Am 02. April 1939 traf sich der Kreisleiter
Ende Januar 1938 die Waldbesitzer ihre der NSDAP, Meink, mit den Gemeinde-
Baum- und Buschbestände im Gebiet des ratsmitgliedern Tenelsen, Velten und Vo-
neu zu erschließenden Ackerlandes ab- gels sowie dem 1. Beigeordneten Schäfer,
geholzt, so daß am 01. Februar 50 Ro- um mit ihnen über die Berufung des Josef
dungsarbeiter mit den notwendigen Vilz zum Ortsvorsteher von Oedingen zu
Geräten und Maschinen ihre Arbeiten sprechen. Die Beteiligten akzeptierten
aufnehmen konnten. Es ging rasch vor- den Vorschlag des Kreisleiters. Schon
wärts, um das Planziel möglichst pünkt- einen Monat später trat der bisherige
lich zu erreichen. Schon im Herbst konn- Bürgermeister Bungard II zurück. Der
ten bereits die neu kultivierten Acker- Amtsbürgermeister Dr. Kemming würdig-
flächen bestellt werden. So weit der Be- te die Verdienste Bungards, die er sich
richt des Lehrers. während der 29jährigen Verwaltung sei-
Im Februar 1938 zogen schwere Unwetter nes verantwortlichen Amtes erworben
und Sturmböen über unser Dorf. Viele hätte. Für Oedingen war Bungard wegen
Dächer und beide Kirchtürme wurden seiner väterlichen Sorge um das Wohler-
schwer beschädigt. Das 3 Zentner schwe- gehen der Gemeinde und auch des ein-
re Kreuz mit Hahn auf dem Turm der Ger- zelnen ein Begriff, ein würdiger Reprä-
trudiskirche wurde zunächst zur Seite ge- sentant des Dorfes, der überall geachtet
drückt und stürzte dann zur Erde herab. und geehrt wurde. Sein Nachfolger als
Dabei wurde die Lichtleitung zu Boden Ortsbürgermeister wurde Josef Vilz. Nach
gerissen und hätte beinahe ein kleines einigen Auswechslungen setzte sich der
Kind getötet. Gemeinderat nun wie folgt zusammen:
Am 05. April 1938 wurde der Gemeinde- Ortsbürgermeister Josef Vilz, 1. Beigeord-
rat einberufen, um die Mitglieder auf die neter Anton Schäfer, 2. Beigeordneter
Volksbefragung am 10. April einzustim- Peter Jungbluth, Gemeinderatsmitglie-

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
DAS DRITTE REICH

der: Peter Vogels, Anton Velten, Johannes dem bisherigen Pächter Josef Nägele aus
Tenelsen und Hans Gielsdorf. Remagen übertragen. Weiter wurde be-
Der Gemeinde wurde der Eigenbetrieb schlossen, den im sehr schlechten Zustand
des Gemeindewasserwerkes als Sonder- befindlichen Ortsverbindungsweg nach
vermögen zugeordnet. Dieses betrug Oberwinter im Rahmen der Hand- und
24.946,00 Reichsmark, demgegenüber Spanndienste auszubauen.
standen 944,00 Reichsmark an Schulden. Im Rahmen der Kinderlandverschickung
Die sich aus der Eigenbetriebsverordnung wurden 8 Kinder aus Baden und 2 aus
ergebenden Handlungen wurden sach- dem Ruhrgebiet bei hiesigen Familien un-
gerecht vom Wasserversorgungs-Zweck- tergebracht. Innerhalb von 6 Wochen
verband Remagen wahrgenommen. Aufenthalt in Oedingen hatten sich diese
Noch im selben Jahr wurde die Gemein- Kinder dank der vorbildlichen Betreuung
delandverpachtung mit zeitgemäß ange- prächtig erholt und konnten so ihre
paßten Pachtgebühren neu durchge- Heimreise mit 4 bis 6 Pfund Gewichtszu-
führt. nahme und schönsten Erinnerungen an
Die Jagd wurde wieder für weitere 9 die Oedinger antreten.
Jahre unter unveränderten Bedingungen

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN

DER ZWEITE WELTKRIEG 1939 – 1945

I n der Nacht vom 31. August zum 01.


September 1939 begann der 2. Welt-
krieg mit dem Einmarsch Deutscher Trup-
anstrengend war. Auch für Unterhaltung
wurde hinreichend gesorgt. Daß aber
drohende Entscheidungen in der Luft
pen in Polen. Großbritannien und Frank- lagen, spürte jeder.
reich, mit Polen verbündet, erklärten Nach einer Polizei-Verfügung wurde 1940
daraufhin Deutschland den Krieg. Nun der Bau eines Luftschutzkellers in der
überstürzten sich die Ereignisse. In Oe- Schule angeordnet. Der bereits vorhan-
dingen wurden alle wehrfähigen Män- dene Keller mußte um 70 cm vertieft wer-
ner zu den Waffen gerufen. Noch in der den, um die vorgeschriebenen Ausmaße
Nacht zum 02. September mußten einige zu erreichen. Der Aushub wurde in Hand-
ihre Koffer packen und sich in Ahrweiler und Spanndiensten bewältigt. Die Ne-
stellen. Danach kamen fast jeden Tag benstraßen im Dorf waren durch motori-
neue Kriegsbeorderungen. Neben den sierte Abteilungen der Wehrmacht so
alten Landwehrmännern des I. Weltkrie- stark beschädigt worden, daß sie kaum
ges waren es die Reservisten der neuen noch befahrbar waren. Die Gemeinde
Wehrmacht sowie kurzfristig ausgebil- mußte bei der Wehrverwaltung die Ko-
dete Soldaten. Nach dem 18-Tage-Feld- stenübernahme für die notwendigen
zug in Polen wurde der größte Teil der Ausbesserungsarbeiten beantragen.
deutschen Wehrmacht im Westen kon- Wie ein Blitz aus heiterem Himmel ver-
zentriert. Auch in unserem Dorf gab es kündete am 09. April 1940 der deutsche
Einquartierungen. Als erste kamen Ge- Rundfunk den Beginn des Feldzuges
birgsjäger, die in großer Zahl, etwa 200, gegen Dänemark und Norwegen. Als sich
hier untergebracht werden mußten. Die auch hier die Erfolgsmeldungen aneinan-
beiden Wirtshaussäle Bungard und Vilz der reihten, hoffte man auf eine baldige
vermochten nur Teile der Einheiten auf- Entscheidung des ganzen Krieges und sei-
zunehmen. Die übrigen wurden in Pri- nem Ende.
vatquartieren untergebracht und fühl- Am 10. Mai kündete der deutsche Rund-
ten sich als die Bevorzugten. Diese Sol- funk den Beginn des Westfeldzuges an.
daten wurden von ihren Quartiergebern Die Oedinger Einquartierungen rückten
auch verpflegt. Der Dienst war erträg- angeblich zu einer Übung am 09. Mai aus.
lich. Zur Abwechslung wurde mit dem Sie kehrten aber nicht mehr in ihre Quar-
Reichssender Köln im Saal Vilz mehrmals tiere zurück. In knapp 6 Wochen war der
ein bunter Abend veranstaltet, an dem Westfeldzug beendet.
die Quartiergeber teilnehmen durften. Im Juni traf in Oedingen die erste Nach-
Lehrer Johannes Tenelsen berichtet über richt vom Tode des Soldaten Peter Vogels,
diese Wochen, daß vom Herbst 1939 bis Sohn der Witwe August Vogels, Dorf-
zum Beginn des neuen Schuljahres 40/41 straße 37, ein. Er wurde gleich zu Beginn
die militärische Tätigkeit im Westen nur des Krieges einberufen und in einem Bun-
sehr gering war. Die Soldaten freuten sich ker des Westwalls stationiert. Hier er-
ihres Lebens, zumal der Dienst nicht sehr krankte er an einer Bauchfellentzündung

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
DER ZWEITE WELTKRIEG 1939 – 1945

und verstarb auf dem Hauptverbands- cher betroffen.


platz in Merzig, wo er auf dem Soldaten- Das nächste Kriegsopfer war Heinrich
friedhof bestattet wurde. Schmahl, gestorben am 22. September
Der Ortsbürgermeister Vilz wurde 1941 1942 in einem Heimatlazarett nach einer
zur Wehrmacht einberufen; seine Vertre- heimtückischen Krankheit, die er sich im
tung im Amt übernahm der erste Beige- Kriegsdienst zugezogen hatte. Um ihn
ordnete Anton Schäfer. Vordringlich er- trauerten die hinterbliebene Ehefrau und
schien den Dorfältesten der Ausbau des drei unmündige Kinder.
Oberwinterer-Weges im Rahmen der Am 03. April 1943 verstarb der Uffz. Peter-
Hand- und Spanndienste. Anton Vogels in einem Feldlazarett der
Am 20. Mai hatte Oedingen das zweite Ostfront an den Folgen einer Krankheit
Kriegsopfer zu beklagen, es war der Sol- im Kriegsdienst.
dat Peter Schulte. Er verunglückte in Aus- In der großen militärischen Lage trat eine
übung seines Dienstes in einer Gefange- entscheidende Wende ein. Unsere Trup-
nen-Wachkompanie. pen, die bisher siegreich halb Europa
Der Krieg, dessen Ende schon herbeige- unter die Herrschaft Deutschlands ge-
sehnt wurde, ging unvermindert weiter. bracht hatten, mußten ihre erste schwere
Nachdem es im ersten Halbjahr ruhig an Niederlage bei Stalingrad hinnehmen. Im
allen Fronten war, marschierten am 22. Juli-September landeten die Alliierten auf
Juni 1941 deutsche Truppen in Rußland Sizilien und in Italien. Im eigenen Land
ein, wo sie nach siegreichen großen Kes- wurden die Lebensmittelzuteilungen
selschlachten bis zum Wintereinbruch die immer knapper und die Urteile gegen
vorderste Front auf der Linie Leningrad, Verstöße immer härter bis hin zur Todes-
Moskau, Orel, am Don entlang bis zum strafe.
Schwarzen Meer erreichten. Noch im Juni Im Herbst fielen der Uffz. Heinrich Ber-
begann auch der Balkanfeldzug, in dem hausen und der Feldwebel Mathias Bun-
nach nur drei Wochen der gesamte Bal- gard an der Ostfront. Im Mai 1944 starb
kan einschließlich der Mittelmeerinsel der Obergefreite Josef Weber den Krieg-
Kreta besetzt wurde. stod auf dem Montecassino in Italien.
Das Dorfleben war vom Krieg geprägt. Anfang August 1944 begann das neue
Die wehrhaften Familienväter sowie die Schuljahr in einer bereits schicksalsschwe-
jungen Männer standen im Kriegsdienst, ren Zeit. Der hiesige Lehrer Tenelsen be-
so daß die Mütter mit ihren Kindern und richtete damals: „Im Juni dieses Jahres ge-
den Senioren die landwirtschaftlichen Ar- lang den westlichen Alliierten die Lan-
beiten unter schwersten körperlichen An- dung auf der französischen Halbinsel Co-
strengungen verrichten mußten. Die tentin (Normandie). Die Hoffnung aller
strengen Rationierungen, Abgabe der Deutschen, daß unsere Wehrmacht sie
landwirtschaftlichen Erzeugnisse und bald wieder von dort vertreiben würde,
knappe Zuteilungen für den Eigenbedarf, hatte sich nicht erfüllt. Der Gegner durch-
brachten manche Familien an den Rand brach die deutsche Abwehrfront bei
der Verzweiflung. Die allgegenwärtigen Avranches und seine Panzer konnten un-
Überwachungen ließen auch in extremen gehindert in das französische Hinterland
Notfällen keine Übertretungen zu. Am eindringen. Seitdem befanden sich unse-
schlimmsten waren die Normalverbrau- re Truppen auf andauerndem Rückzug,

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
DER ZWEITE WELTKRIEG 1939 – 1945

der einer Flucht gleichkam. Die feindli- während eines feindlichen Bombenan-
chen Flugzeuge kamen in immer größe- griffs getötet.
ren Verbänden bei Tag und Nacht, so daß Mitte Januar 1945 verfügte die Schul-
eine geregelte Arbeit nicht mehr möglich behörde die Einstellung des gesamten
war.“ Unterrichts. Die dauernden Fliegeralarme
Da der hiesige Lehrer auch die Vertretung machten jede Arbeit unmöglich. Bereits
in Unkelbach übernehmen mußte, konn- frühmorgens stellten sich die Tiefflieger
ten die Oedinger Kinder auch weiter nur ein und ließen die Menschen nicht mehr
an 3 Tagen in der Woche unterrichtet zur Ruhe kommen. Zudem rückte die
werden. Aber auch an diesen 3 Tagen fan- feindliche Front immer näher.
den häufige Unterbrechungen durch Flie- Anfang März durchbrach der Feind die
geralarm statt. deutsche Westfront, für den es von nun
Der Ernst der militärischen Lage zwang ab kein Halten mehr gab. Schon am 05.
die Regierung zur Erklärung des Notstan- März waren die Amerikaner in Euskir-
des. Jeder Deutsche wurde verpflichtet, chen. Niemand hier hatte erwartet, daß
die Arbeiten durchzuführen, die im Inter- er bereits am 07. März in Oedingen ein-
esse des Volkes noch Wert besaßen. So er- zog, an diesem Tage arbeitete kein
hielten am 30. August viele Volksgenos- Mensch. Die tollsten Gerüchte wurden
sen im nördlichen Ahrkreis auch ihre Not- verbreitet. Gegen 9 Uhr hißten einige die
dienstverpflichtung des zuständigen Gau- weiße Fahne auf dem Kirchturm; es war
leiters, der sie zum Bau des Westwalls das Signal für alle Oedinger Bürger, weiße
bzw. zu seiner Verstärkung einberief. In Tücher aus ihren Fenstern zu hängen.
Oedingen war zunächst nur der Lehrer Gegen 1 Uhr erschienen eine unüberseh-
Tenelsen betroffen, zu dem sich nach ei- bare Reihe feindlicher Panzer, die von
nigen Tagen noch 4 weitere Oedinger ge- Werthhoven über die Birresdorfer Höhe
sellten. Sie wurden in einem größeren auf Remagen zu marschierten. Von Ab-
Transport des Ahrkreises zusammenge- wehr war nichts mehr zu spüren. Alle hier
stellt und in zwei Sonderzügen zur lu- waren froh, daß das Dorf nicht in das
xemburgischen Grenze gebracht, um dort Kampfgeschehen einbezogen wurde. Im
die Moselschutzstellungen auszubauen. Verlauf des Nachmittages kamen nur ei-
Nach 10 Tagen harter Arbeit wurden die nige amerikanische motorisierte Soldaten
Arbeitseinheiten im Fußmarsch und ins Dorf, denen sich hier 3 zurückgeblie-
anschließend mit einem Sonderzug nach bene deutsche Soldaten ergaben.
Malberg in der Nähe von Kyllburg ver- In den nächsten Tagen belegte ein Vor-
legt. Hier zeigten sich schon erste Auflö- kommando amerikanischer Soldaten un-
sungserscheinungen. Viele schritten zur sere Dorfschule; alle anderen Häuser, die
Selbsthilfe und desertierten heimwärts. für Einquartierungen geeignet erschie-
Nach 12 Wochen wurden auch die Oedin- nen, mußten geräumt werden. Die aus-
ger, das letzte verlorene Häufchen, offizi- gewiesenen Bewohner suchten in den
ell abgelöst und nach Hause geschickt. verbliebenen Wohnungen Unterkunft.
Der Soldat Cosmas Velten, Sohn der Vom Bentgerhof bis nach Mehlem fuhren
Witwe Josef Velten, wurde nach einem amerikanische Kampfwagen, Panzer und
Weihnachtsurlaub 1944 auf der Rückfahrt Geschütze auf und bekämpften von hier
von Oedingen zu seiner Einheit in Köln aus Ziele im Siebengebirge. Über unseren

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
DER ZWEITE WELTKRIEG 1939 – 1945

Ort wurde ein Ausgehverbot verhängt. auf der Johannisstraße (heute Burgs-
Nur 3 Stunden am Tage durften die Be- traße) einen Krater von etwa 10 m Tiefe
wohner ihre Häuser verlassen. Bald ge- auswarf. Die auf der linken Straßenseite
lang es dem Feind während der Kampf- befindlichen Häuser von Peter Müller, Nr.
handlungen die Remagener Ludendorff- 57, Peter Jungbluth, Nr. 58 und Heinrich
brücke über den Rhein unversehrt in Adams, Nr. 59 wurden weggefegt und die
seine Gewalt zu bringen. Trümmer zum Teil weit fortgeschleudert.
Am 17. März 1945, dem Namenstag der An der Stelle, an der die Rakete sich in die
hiesigen Pfarrpatronin „der Heiligen Ger- Erde eingrub, standen die 22jährige Ur-
trud“, detonierte nachmittags gegen sula Jungbluth mit ihrer 20jährigen
15.30 Uhr in unmittelbarer Nähe der Schwester Gertrud und dem Polen Anton
Schule ein deutsches V-2 Geschoß mit ver- Konko im Gespräch. Sie hatten gerade die
heerender Wirkung. Die Rakete wurde Straße für den kommenden Sonntag ger-
um 15.15 Uhr aus der deutschen Feuer- einigt und fanden plötzlich den Tod. Die
stellung der Waffen-SS-Werfer-Abteilung sterblichen Reste wurden am Abend im
500 bei Hellendorn/Holland, 40 km west- Straßengraben und im Garten hinter
lich von Nordhorn, abgeschossen und war Gielsdorf gefunden. Der Pole Anton
auf den vorgezogenen Divisionsgefechts- Konko lag verstümmelt im Garten von
stand der Amerikaner gerichtet, der sich Henselers.
behelfsmäßig auf der Obststreuwiese am Unter den Trümmern der eingestürzten
Wasserbehälter westlich der heutigen Häuser wurden noch 3 Tote geborgen. Es
Burgstraße eingerichtet hatte. Eine Oe- waren die 65jährige Maria und der
dinger Bürgerin hatte die Rakete als 69jährige Ehemann Josef Müller sowie
glühende Granate von etwa 1 m Länge das einjährige Söhnchen der Familie Hein-
(wirkliche Länge 14 – 16 m) vom Himmel rich Adams.
senkrecht herunter kommen sehen, die

101
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN

TEIL C
CHRONIK ZUR GESCHICHTE DES ORTES OEDINGEN
VON 1945 BIS ENDE 2000

1945 für ihren Gemeinschaftsdienst verpflich-


tet. Die Uniform mußte in Farbe und Zu-
Der von der Militärregierung wieder ein- schnitt der aus der Zeit vor 1933 entspre-
gesetzte Ortsbürgermeister Johann Bun- chen. Als Schutzhelme wurden die Luft-
gard II (bereits von 1910 bis 1939 im Amt) schutzhelme bzw. Stahlhelme, mit
ließ als seine vordringlichste Aufgabe das weißem Anstrich versehen, weiter ver-
Dach der Schule reparieren und die Fen- wendet.
ster instand setzen, so rettete er zumin- Die Lebensmittelversorgung brach völlig
destens die Bausubstanz des stark be- zusammen. Schon über einige Monate
schädigten Gebäudes. Mehr war im Mo- hinweg konnte dem Einzelnen das Exi-
ment nicht zu machen, da es an Baustof- stenzminimum nicht mehr zugesichert
fen aller Art mangelte. werden. Kurz nach der Ernte hatten die
Am 1.10. wurde von der Militärregierung begüterten Bauern ihre landwirtschaftli-
die Wiedereinführung der Schulpflicht chen Erzeugnisse unter der Hand gegen
angeordnet. Die noch verfügbaren Lehrer Rauchwaren, Textilien, sogar Teppiche
wurden zunächst in Kursen mit dem und andere Luxusgüter eingetauscht,
neuen demokratischen Lehrstoff vertraut aber auch gegen Maschinenersatzteile,
gemacht und konnten danach mit dem Baustoffe und Düngemittel. So hatten z.B.
Unterricht beginnen. So wurde am 1.11. die Mühlen und Bäckereien in der Umge-
die hiesige Schule mit ihrem alten Lehrer bung kurz nach der Ernte kein Mehl und
Tenelsen behelfsmäßig im Wirtshauslokal auch keine Backwaren anzubieten. Die
Bungard eröffnet. Als Symbol christlichen Städter kamen in Scharen aufs Land, um
Schulunterrichts wurde das 1939 aus der Lebensmittel zu hamstern. Felddiebstähle,
Schule entfernte Kruzifix wieder aufge- Schwarzschlachtungen und Schwarz-
stellt. Die Schülerzahl betrug mit den brennereien nahmen in einem Umfang
Neuzugängen von 5 Knaben und 4 zu, den die Kontrollorgane nicht mehr in
Mädchen insgesamt 41 Schüler, die je- den Griff bekamen. Neid und Mißgunst
doch nicht gemeinsam in dem kleinen störten das Gemeinschaftsleben.
Raum unterrichtet werden konnten. Sie Entgegen der Misere organisierte die
wurden in 2 Stufen eingeteilt und jeweils Dorfjugend schon im Spätherbst dieses
am Vormittag bzw. am Nachmittag un- Jahres die erste Nachkriegskirmes im Saal
terrichtet. Vilz. Die Jugendlichen, kaum der Schule
Bereits am 2.Juni mußten die nach dem entwachsen, kamen aus Nah und Fern,
Krieg verbliebenen Feuerwehrmänner in um hier die erste öffentliche Tanzveran-
unserm Ort dem Amtsbürgermeister in staltung zu erleben. Gegen 0:30 Uhr in
Remagen gemeldet werden. Es waren der Nacht gab es ein böses Erwachen aus
neben dem Truppführer Peter Jungbluth den schönsten Träumen in beschwingter
noch 15 Wehrmänner, überwiegend Ju- Stimmung. Eine französische Militärstrei-
gendliche. Alle wurden darauf im August fe betrat den Saal und schloß unter
an Hand einer neuen Dienstanweisung Androhung von harten Strafen die Ver-

102
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1946

anstaltung. Jugendliche, die sich nicht litischen Umerziehungskursus in Ahrwei-


ausweisen konnten, wurden zur Perso- ler zusammengefaßt.
nalfeststellung festgenommen. Der Wirt Im Mai brach die Lebensmittelversorgung
kam vor ein Militärgericht und wurde völlig zusammen. Nicht nur die Normal-
trotz seiner glaubwürdigen Einlassungen verbraucher, sondern auch die Bauern
zu einer Geldstrafe von 5000 RM und (Selbstversorger) hatten darunter zu lei-
Schließung der Wirtschaft auf die Dauer den. Die Vorräte waren aufgebraucht,
von 6 Monaten verurteilt. Fünf weitere überwiegend von Hamsterern aus den
Angeklagte kamen mit einer Geldstrafe Großstädten. Ein kläglicher Rest wurde
von je 250 RM davon. als Saatgut, zurückgehalten. Um der
Die im Ahrkreis untergebrachten Flücht- Hamsterei, vor allen Dingen auf dem
lingsfamilien aus der benachbarten briti- Lande Einhalt zu gebieten, verstärkten
schen Besatzungszone mußten auf An- die Franzosen entlang der Zonengrenze
ordnung der Militärregierung vom 28.11. ihre Grenzpolizei-Posten. So wurde auch
die französische Besatzungszone verlas- in Oedingen eine Gruppe stationiert, die
sen. Sie hatten sich mit einem Fünftages- mitten im Ort einen Schlagbaum errich-
vorrat an Verpflegung in Ahrweiler zu tete. An dieser Stelle wurden die Fahr-
melden und wurden von dort in einem zeuge angehalten und kontrolliert, die
Sammeltransport über die Zonengrenze aus der Eifel kommend durch Oedingen
abgeschoben, jedoch kamen nur wenige an den Rhein wollten. Schon in kurzer
dieser Aufforderung nach. So auch vier Zeit wurden hier tausende Liter Wein,
Oedinger Flüchtlingsfamilien, die auf ei- mehrere 100 Ztr. Kartoffeln und sonstige
gene Faust den Ort verließen und in Fritz- Mangelware beschlagnahmt. Die Kartof-
dorf, Villip sowie in Köln ein neues Un- feln wurden an die Ortseinwohner teils
terkommen fanden. zum Verzehr, teils als Saatgut verteilt.
Zum Jahresende wurde der Ehefrau von Nach einigen Wochen wurde die Kon-
Peter Schmahl durch seinen Kameraden trollstelle aus dem Dorf auf die Land-
mitgeteilt, daß ihr Mann bereits im De- straße nach Unkelbach in Höhe des Hei-
zember 1944 in russischer Kriegsgefan- dekreuzes verlegt, da es zwischenzeitlich
genschaft gestorben war. Er war das 15. zu Rangeleien zwischen den Grenzposten
Oedinger Opfer des Krieges. und der Oedinger Jugend gekommen
war.
1946 Nach den Pfingstferien wurde der Schul-
Vom 23. bis 30.1. wurde hier in der fran- unterricht wieder in die neurenovierte
zösischen Besatzungszone eine Volkszäh- Schule verlegt. Schreiner und Anstreicher
lung durchgeführt. Anders, wie bisher bei hatten ihr Bestes getan, um den Schulsaal
deutschen Volkszählungen üblich, wur- und die Lehrerwohnung in einen würdi-
den hier nicht die Personen nach Haus- gen Zustand zu versetzen; allerdings blieb
halten erfaßt; sondern jede Person ein- äußerlich alles noch im argen. Die Schul-
zeln mit einem Fragebogen registriert. In pflicht wurde für die gegenwärtigen
Oedingen wurden insgesamt 243 Perso- Schulbesucher um ein halbes Jahr verlän-
nen gezählt. gert, da die Kinder durch Kriegs- und
Im ersten Drittel des Februars wurden alle Nachkriegseinwirkungen zu viele Unter-
Lehrer des Kreises nochmals zu einem po- richtsausfälle erlebt hatten.

103
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1947

Am 19. Oktober, gegen 13 Uhr, wurde aus wurden die alten Verträge verlängert. Im
der Gertrudiskirche die etwa 500 Jahre April wurde beschlossen, die kaum noch
alte Madonnenstatue mit dem Strahlen- befahrbaren Feldwege und das herunter-
kranz, ein Produkt spätmittelalterlicher gekommene Feuerwehr-Gerätehaus in-
rheinischer Kunst, gestohlen. Der Dieb stand zu setzen.
ging dreist und offen zu Werke. Er stellte Die freiw. Feuerwehr hatte sich inzwi-
sein Fahrrad vor der Gertrudiskirche ab schen vollständig formiert und zählte be-
und ging ruhigen Schrittes in die Kirche. reits 33 aktive Mitglieder. Die Militärre-
Dort verpackte er die Statue in zwei Pa- gierung verlangte, daß der Personalum-
piersäcke und verstaute sie auf dem fang in dieser Größenordnung festzu-
Gepäckträger seines Fahrrades. Dann ver- schreiben war, andernfalls müßten Bür-
ließ er eilends den Tatort in Richtung Zül- ger für Ausfälle zwangsverpflichtet
lighoven. Einige Zeugen hatten das Ge- werden.
schehen neugierig beobachtet. Sie gaben Am 30. Mai wurde in einer Sitzung des
später zu Protokoll, daß sie angenommen Gemeinderats die erste gültige Hauptsat-
hätten, die Statue würde zu Reparatur zung nach dem Krieg erarbeitet und we-
Zwecken abgeholt. Die polizeilichen nige Tage später in Kraft gesetzt. Gleich-
Nachforschungen blieben ohne Erfolg. zeitig wurde die Jahresaufwandsentschä-
Im Herbst wurde eine allgemeine Volks- digung für den Ortsbürgermeister auf
zählung in allen 4 Besatzungszonen 1,50 RM je Ortseinwohner festgesetzt.
Deutschlands durchgeführt. Von diesem Betrag mußte er 25 % an den
Im Gemeinderat gab es einige Verände- Amtsbürgermeister von Remagen ab-
rungen. Der neu zusammengesetzte mit führen.
Johann Bungard II als Ortsbürgermeister Am 29. August feierten die Eheleute Mar-
und den Gemeinderäten Stephan Adams, garete und Anton Klevenhaus das Fest
Peter Vogels, Josef Berhausen, Franz der „Goldenen Hochzeit“. Die Jubilarin
Schneider und Peter Vilz wurden vom hatte 18 Kindern das Leben geschenkt, 16
Amtsbürgermeister Dr. Füth eingeführt davon blieben am Leben und sind trotz
und in Pflicht genommen. Dieser Ge- größter Not und Entbehrungen in ihren
meinderat hatte den ersten ordentlichen Kinder- und Jugendjahren während des 1.
Haushaltsplan für Oedingen nach dem Weltkrieges, der Inflation, der Weltwirt-
Krieg aufzustellen. Er betrug in Einnah- schaftskrise, der Notverordnungen usw.
men 13.732 RM, in Ausgaben 14.600 RM tüchtige, achtbare Bürger geworden. Die
und schloß mit einem Fehlbetrag von 868 ganze Dorfgemeinschaft feierte erstmals
RM. Es wurde außerdem ein Ortsausschuß wieder öffentlich das Jubiläum mit.
gebildet, der dem Gemeinderat in allen
wichtigen Fragen zur Seite stehen sollte. 1948
Die Gemeinde trat kooperativ dem Volks-
1947 bund „Deutsche Kriegsgräberfürsorge“
Die alten Pachtverträge für die Gemein- bei und zahlte dafür einen Jahresbeitrag
deländereien „Auf der Heide“ waren ab- von 20 RM. Dieser unbedeutende Beitrag
gelaufen und sollten neu verhandelt wer- soll nur verdeutlichen, wie sparsam die
den. Nach einigen Unsicherheiten wurde Oedinger seit jeher mit ihrem Geld um-
die Auktion auf 1948 vertagt, bis dahin gingen.

104
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1948

Auf Vorschlag des neuen Amtsbürger- deckt als schwarzer Markt „Zigaretten-
meisters Firsching wurde die Herstellung währung“ kursierte.
eines Gemeindewappens in Auftrag ge- Bisher kamen die Verbraucher auf Zutei-
geben. Der Entwurf zeigte eine Krone, lungen von 800 Kalorien pro Tag, wenn es
welche an die Herrschaft Landskrone er- überhaupt noch etwas zu verteilen gab.
innern sollte, eine Glocke als Hinweis auf Ein minderwertiger Anzugstoff kostete
die drei Oedinger Gertrudisglocken und 3000 RM-, und mehr. Mit dem Stichtag
eine Christrose sowie ein Spinnrechen, die der Reform wurde die RM außer Kurs ge-
Attribute der Hl Gertrudis. setzt und durch die neue DM (Deutsche
Mark) ersetzt. Jede Person in den drei
Westzonen erhielt gegen Abgabe von 60
RM ein Kopfgeld von 60 DM; die Ausga-
be geschah in zwei Raten, 40 DM sofort
und 20 DM zwei Monate später. Die vor-
handenen Guthaben der Bürger wurden
im Verhältnis 1:10 gekürzt. Von den ver-
bleibenden 10 % wurden die Hälfte auf
ein Verfügungskonto, die übrige Hälfte
auf ein Sperrkonto überwiesen. Letztlich
verblieben von den alten Guthaben nur
6% zur Verfügung in DM. Für die Kleins-
parer bedeutete diese Währungsumstel-
lung zunächst eine unverdiente Härte.
Den Profit hatten diejenigen, die ihre Ver-
mögenswerte auf dem Schwarzmarkt er-
worben hatten. Dennoch gab die
Entwurf des Gemeindewappens vom Währungsreform der Wirtschaft einen
Heraldiker Decku/Rheinbreitbach ungeahnten Auftrieb.
(wurde aus Kostengründen abgelehnt) Schon kurze Zeit darauf wurde der Ge-
meinderat aktiv, um unter Berücksichti-
gung der neuen Finanzlage über die Be-
Das herausragende Ereignis dieses Jahres seitigung der Kriegsschäden und die
war die Währungsreform am 20.6. in den durch den Krieg vernachlässigten kom-
drei westlichen Besatzungszonen. Sie munalen Bedürfnisse zu beraten. In einer
wurde auf Anordnung der Besatzungs- Mammutsitzung wurden die Wohlfahrts-
mächte durchgeführt und war die Folge unterstützungen überprüft, die erlitte-
des totalen Staatsbankrotts, hervorgeru- nen Kriegsschäden aufgelistet und die
fen durch den erhöhten Notenumlauf Neuverpachtung der Gemeindeländerei-
nach dem II.Weltkrieg (vor 1939 = 9 Mrd. en sowie der Wegränder und Grabenbö-
RM-, 1948 = 75 Mrd. RM). Dieser Kauf- schungen diskutiert. Miteinbezogen wur-
kraftüberhang führte bei gleichzeitigem den auch mögliche Grundstücksverkäufe
Rückgang der Produktion zu einer unü- und die Abgabe eines Gemeindegrund-
bersehbaren Inflation, die infolge Preis- stückes für den Ausbau eines Sportplatzes
festsetzungen und Rationierungen ver- an den hiesigen Sportverein.

105
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1949

Ende November wurde eine neue Ge- später der Besatzung kein Mißtrauen zu
meindevertretung eingesetzt. Nach der erregen.
würdigen Verabschiedung des bisherigen
Ortsbürgermeisters Johann Bungard II 1949
(von 1910 bis 1939 und von 1945 bis 1948 Der Haushaltsplan ergab einen Fehlbe-
im Amt) durch den Amtsbürgermeister trag von 8.500,- DM, bedingt durch die
Firsching wurden die ernannten Gemein- Beseitigung der Kriegsschäden an der
deratsmitglieder Peter Vilz, Stephan Schule u. sonstigen Gebäuden sowie an
Adams, Anton Schäfer, Apollinaris Vilz III, Straßen und Wegen. Die Regierung be-
Johann Bungard II, Toni Elz und Josef Ber- willigte zum Ausgleich einen Betrag von
hausen durch Handschlag verpflichtet. 2.500,- DM, der natürlich vorn und hinten
Aus ihrer Mitte wählten sie Anton Schäfer nicht reichte.
zum Bürgermeister und Stephan Adams Die neu gebildete erste Mannschaft des
zum Beigeordneten. Sportvereins wurde in die II. Kreisklasse
aufgenommen und damit in den re-
gulären Spielbetrieb des Kreises einge-
gliedert.
Am 1. Weihnachtstag kehrte der letzte
Oedinger Kriegsgefangene, Josef Bun-
gard, Dorfstraße 16, aus Rußland heim.
Danach wurde von der Gemeinde eine
Liste der Kriegsopfer des II. Weltkrieges
erstellt.
1. Es starben für die Heimat:
a) Soldaten: Peter Vogels, Peter-Josef
Schulte, Heinrich Schmahl, Heinrich
Berhausen, Mathias Bungard, Peter
Vogels, Josef Weber, Peter Schmahl,
Cosmas Velten, Mathias Schäfer und
Johann Schmahl.
b) Zivilpersonen: Maria Müller, Josef
Anton Schäfer Müller, Wilhelm Adams, Ursula Jung-
bluth, Gertrud Jungblut, (alle am 17.3.
Aus der Zeit der Kriegs- und Nachkriegs- 1945 durch eine V-2 Rakete, die von
jahre gibt es nur wenige Dokumente über deutscher Seite auf einen in der Nähe
das kirchliche, religiöse Leben in Oedin- Oedingens gelegenen amerikanischen
gen. Nach Gesprächen mit Zeitzeugen Gefechtsstand gerichtet war).
darf jedoch vermerkt werden, daß der 2. Es blieben für immer vermißt:
Ortspfarrer Peter Winand seine Oedinger Karl Bungard, Heinrich Velten, Johan-
Schäflein nach wie vor mit Hingabe be- nes Bertram, Innozenz Vogels, Hans
treut hat. Er gab manchen Verzweifelten Weber und Franz Gielsdorf.
Trost und wertvolle Lebenshilfen. Dies ge- Insgesamt eine erschütternde Bilanz! Von
schah mehr im Stillen, um unter den 250 Ortseinwohnern mußten 22 = 9% ihr
wachsamen Augen der „Nazipartei“ und Leben hingeben.

106
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1950

1950 Einwohnerzahl nicht mehr gerecht, da die


Neubürger und auch die alteingesesse-
Die Gemeinde folgte nicht dem Beschluß: nen Kleinbauern im Nebenerwerb Arbeit
„In der Stadtverwaltung den alten Zu- nur in der Umgebung bis Remagen, Go-
stand von 1937 wiederherzustellen und desberg und Mehlem fanden. Die Pend-
Remagen Stadt und Land zu trennen.“. ler, inzwischen über 30 Personen, mußten
Der Amtsbürgermeister sollte seine Auf- weite Strecken zu Fuß gehen, um ihre Ar-
gaben in Personalunion mit dem Stadt- beitstelle zu erreichen. Im Februar ge-
bürgermeister erfüllen. Dieser Antrag nehmigte der Regierungspräsident end-
wurde abgelehnt, es blieb alles wie bisher. lich eine Anbindung bestehender Buslini-
Weiter wurde einstimmig der Beschluß en im Drachenfelser Ländchen und im
gefaßt, den Wasserzweckverband Rema- Nordkreis Ahrweiler nach Oedingen.
gen-Oedingen aufzulösen und die Was- Schwere Sorgen bereitete der Gemeinde
serleitung wieder selbständig zu verwal- die im März 1945 kurz vor Schluß des Krie-
ten. ges durch ein V2-Geschoß zur Hälfte zer-
In einer Elternversammlung wurden unter störte Schule. Mit einem Kostenaufwand
anderen Erziehungsfragen der Schule be- von 8500 DM und überwiegender Eigen-
sprochen. Die Probleme, die dem Lehrer leistung der Gemeinde konnten zuvor die
am Herzen lagen: Ordnungsliebe in allen gröbsten Schäden beseitigt werden, aber
Lebenslagen, ausreichende Nachtruhe, 55 Kinder auf 40 Sitzplätzen unterzubrin-
Beaufsichtigung der Schulaufgaben; gen, war nicht möglich. Der Lehrer war
womit die Eltern überfordert waren, da gezwungen, die Kinder in 2 Klassen auf-
sie in der Regel einen 12-Stundentag auf zuteilen und je zur Hälfte vormittags und
den Beinen waren, um mit der Familie zu nachmittags, zu unterrichten.
überleben. Im März dieses Jahres verstarb der Pastor
Im September wurde eine Volkszählung Peter Wienand nach 22-jähriger Tätigkeit
im Auftrag der UNO durchgeführt, die in als Seelenhirte in Oedingen. Er wurde 68
Oedingen folgende Ergebnisse brachte. Jahre alt und hatte sich in selbstloser
Es wurden gezählt: Weise die Liebe und Verehrung der Gläu-
60 Gebäude, 53 Wohnungen, 71 Haushal- bigen erworben. Für den kleinen, abge-
te, 14 Arbeitsstätten und 275 Einwohner schiedenen Höhenort ein schwerer Ver-
(138 männlich, 137 weiblich). lust. Sein Nachfolger, Pfarrer Adolf Dickel,
Da Oedingen bisher keine Flüchtlinge wurde am 26. August feierlich in sein Amt
aufgenommen hatte, mußten in diesem eingeführt.
Jahr 27 untergebracht werden. Die mei- Die Landtagswahl im April brachte in Oe-
sten kamen aus Ostpreußen und lebten dingen folgende Stimmenergebnisse:
sich verhältnismäßig schnell ein. Ihre CDU 74, SPD 13, FDP 3, KPD 2 und das Zen-
Gläubigkeit und ihr Fleiß führten wider trum 27. Die Wahlbeteiligung lag bei
Erwarten zur Anerkennung und zur rei- 73,91 % der Wahl-berechtigten. Bemer-
bungslosen Eingliederung in Oedingen. kenswert war die Tatsache, daß die akti-
ven Politiker vorher keine Wahlversamm-
1951 lungen organisierten, obwohl das Infor-
Die Verkehrsverbindungen von und nach mationsbedürfnis groß war.
Oedingen wurden der anwachsenden Wegen einiger Fälle spinaler Kinderläh-

107
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1952

mung in der Umgebung, mußte die Schu- men: 135 der CDU, 10 der SPD und 4 der
le im September 22 Tage geschlossen wer- FDP. 86% der Wahlberechtigten gingen
den. Gott wurde gedankt, daß in Oedin- zur Wahlurne. –
gen kein akuter Fall gegeben war. Die Aufwandsentschädigung des Orts-
bürgermeisters wurde von 350 DM auf
1952 705 DM pro Jahr erhöht.
war ein verhältnismäßig ruhiges Jahr. Der Mit Beginn der Sommerferien unternah-
Gemeinderat wurde neu gewählt im Rah- men die Schüler eine Lehrfahrt durch das
men der Gemeinde- und Kommunalwah- Ahrtal nach Cochem / Mosel. 34 Schulkin-
len in Rheinland-Pfalz und durch den der und einige Eltern beteiligten sich
Amtsbürgermeister Dr. Kemming ver- daran.
pflichtet. Anton Schäfer blieb als Orts- Beim Sportverein „Grün-Weiß“ Oedingen
bürgermeister im Amt. Weitere Gemein- ging der Vorsitz von Johann Schumacher
deratsmitglieder wurden Johann Vogels, an Heinrich Adams über. Die Fußballer
Peter Vilz, Josef Schneider, Hubert Braun, verfehlten den Aufstieg in die 1. Kreis-
Anton Moog und Heinrich Adams. klasse nur um einen Punkt.
Die Dorfschule verfiel immer mehr, die
Toiletten waren nicht mehr benutzbar. 1954
Im Juli wurde erstmals mit der Schule eine wurde die Gebührenordnung des Was-
heimatkundliche Lehrfahrt in die Eifel or- serwerkes umgearbeitet herausgegeben.
ganisiert. Die Wegstrecke führte über Sin- Die Nutzungsgebühren (Wassergeld) stie-
zig - Bad Tönnisfelden (Brohltal) – Eifel- gen leicht an und waren nicht auf den
maar Lacher See mit Rundgang durch die Verbrauch bezogen, sondern richteten
Bennediktiner – Abtei – Niedermendig – sich nach der Personenzahl, dem Viehbe-
Rheinbrücke Weißenbüren – Neuwied – stand und den Gerätschaften, die Wasser
Wiedtal bis nach Neustadt von dort auf benötigten (Kühlung usw.).
die Autobahn nach Köln – Abfahrt Sie- Im Mai feierte der Lehrer Tenelsen sein
bengebirge über den Rhein nach Hause. 25-jähriges Jubiläum im Dienste der Oe-
Für die Kinder ein neues Erlebnis, da sie dinger Schule, die er 1929 übernommen
durch Kriegs- und Nachkriegswirren noch hatte. In dieser Zeit war er auch der Diri-
nicht über ihr kleines dörfliches Umfeld gent des MGV „Cäcilia 1882“ Oedingen
hinausgekommen waren. sowie Organist der Pfarrgemeinde. Er
hatte sich große Verdienste mit seinen
1953 fortschrittlichen Lehrmethoden, auf kul-
wurde im Gemeinderat beschlossen, die turellem Gebiet und im Schulsport (Leiter
Burgstraße mit einer Wasserleitung und der Schulsportfeste in der Gesamtstadt
Wegeausbesserung zu versorgen. Die Remagen) erworben.
Kreissparkasse bewilligte einen Kredit in Erneuter Führungswechsel beim Sport-
Höhe von 3.000 DM. Die Erdarbeiten verein: Heinrich Breuer löste Heinrich
mußten im Hand- und Spanndienst gelei- Adams ab.
stet werden. Jeder Familie wurde ein Ar- Am 14.10. (im Marienjahr) führte der Bi-
beitsdienst von 8 Stunden auferlegt. schof von Trier persönlich die anstehende
Im September wurde der Bundestag neu Firmung in der Oedinger Pfarrkirche
gewählt. Die Oedinger gaben ihre Stim- durch. Für den kleinen Ort ein Jahrhun-

108
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1955

dertfest. Im Ortsbürgermeisteramt gab es einen


Im selben Monat feierten die Oedinger Wechsel. Gewählt wurde Anton Elz, der
Junggesellen ihr 50-jähriges Stiftungsfest. Toni Schäfer ablöste. Sein erster Beige-
Das Wetter war das ganze Jahr über ordneter wurde Johann Vogels.
außergewöhnlich schlecht. So regnete es Kontrollmessungen ergaben, daß der Zu-
im Juli/August ununterbrochen. Die Ernte stand der Wasserversorgungsleitungen in
konnte nicht rechtzeitig eingebracht wer- einem miserablen Zustand waren. Die
den und war danach fast völlig verdor- teilweise Erneuerung bzw. Ausbesserung
ben. Sie wurde ans Vieh verfüttert. war dringend geboten.
Im Mai wurde der hiesige Lehrer Tenelsen
1955 nach 27jähriger Lehrtätigkeit in Oedin-
wurde Oedingen in den neuen Linien- gen als Rektor an die kath. Volksschule in
busverkehr Remagen-Oedingen – Ahr- Remagen berufen. Nachfolgerin wurde
weiler einbezogen. Die Eröffnung wurde die Lehramtsanwärterin Martha Keber.
mit einer Sonderfahrt auf der Linie gefei- Die Betreuung der Pfarrgemeinde über-
ert. nahm nach dem Tode von Adolf Dickel
Die alljährliche Schullehrfahrt führte in der Unkelbacher Pastor Schmitt in Ne-
diesem Jahr durch den Taunus. Im Mittel- benfunktion.
punkt stand der Bereich des Niederwald- Zu Beginn dieses Jahres, am 4.1., hatte es
Denkmals. nach 16 Jahren wieder einmal in Oedin-
Unser Sportverein bewegte sich in einer gen gebrannt. Innerhalb des bäuerlichen
von Krisen geschüttelten Talsohle. Anwesens Berends inmitten des Ortes an
Die Kriegsschäden an der Oedinger Pfarr- der Dorfstraße brannten die Scheune
kirche, Risse in den Wänden und im Kirch- total ab und Stallungen zum Teil aus. Die
gewölbe, wurden zunächst provisorisch örtliche Feuerwehr sowie benachbarte
in wochenlanger Kleinarbeit ausgebes- Wehren konnten nur noch ein Übergrei-
sert, um dem Verfall vorzubeugen. fen des Feuers auf die Nachbarhöfe ver-
Im September starb plötzlich und uner- hindern.
wartet der Ortspfarrer Adolf Dickel im
siebzigsten Lebensjahr. Er durfte seiner
geliebten Pfarrgemeinde nur 4 Jahre die-
nen.
In diesem Jahr mußte der Landtag neu
gewählt werden. Auf die Parteien entfie-
len folgende Stimmen: CDU 103, SPD 10,
FDP 4 und BHE 1 (Gesamtdeutscher Block
– Bund der Heimatvertriebenen).

1956
Im Gemeinderat wurde einstimmig be-
schlossen, ein Ehrendenkmal zum Geden-
ken an die Toten beider Weltkriege (1914-
18/1939-45) zu errichten. Es wurden Ko- Schadenfeuer Anwesen Berends,
stenvoranschläge in Auftrag gegeben. 4.1.1956

109
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1957

1957 wiedergewählt (seit 1918 im Amt).


Im Mai wurde nach einer Vakanz der
Die Jagdgenossenschaft verzichtete auf Pfarrstelle von nahezu 3 Jahren der Pfar-
ihre Anteile aus der Jagdverpachtung und rer Jakob Rosen, geb. 1899, mit der Pfarr-
stellte diese Mittel für den Feldwegeaus- stelle in Oedingen betraut. Er kam aus
bau innerhalb der Gemarkung Oedingen Luisental an der Saar.
zur Verfügung.
Am 1.4. wurde die Lehrerstelle an der hie- 1959
sigen Dorfschule mit dem Lehramtsan- Die Gemeindevertretung wurde ermäch-
wärter Hubert Rohbeck neu besetzt, der tigt, den Stromlieferungsvertrag mit dem
auch die Stelle des Organisten und Chor- RWE-Brühl bis zum Jahre 2002 zu verlän-
leiters im MGV übernahm. gern.
Im Oktober wurde der Ort von der „Asia- In diesem Jahr wurde auch eine wichtige,
tischen Grippe-Epidemie“ erfaßt. 50% zukunftsweisende Entscheidung getrof-
der schulpflichtigen Kinder fielen wo- fen - nämlich: die Erweiterung des Be-
chenlang aus. Trotzdem wurde der Schul- bauungsplanes in der Flur 6 nach Westen
unterricht aufrecht erhalten. Am bis an den Kernbachweg. Mit der Planung
schlimmsten traf es die Kleinbauern, die wurde das Kreisbauamt Ahrweiler beauf-
ihre Ernte nur mit fremder Hilfe einbrin- tragt.
gen konnten. Am Feuerwehrhaus, früher der „Backes“,
wurde ein Brunnen gebaut, der bei Was-
1958 serknappheit im Netz als Viehtränke ge-
Oedingen wollte sobald wie möglich ein nutzt werden durfte. Das örtliche Lei-
neues Wasserwerk bauen. Die Planungen tungsnetz wurde ebenfalls erweitert.
wurden in Auftrag gegeben. Am 19.4. wurde der Landtag neu ge-
Die Bäckerei Heinrich Breuer beantragte wählt. In Oedingen waren 194 Personen
eine Ausschank-Konzession, die aber wahlberechtigt. Davon wählten 110 die
zunächst wegen verschiedener Mängel CDU, 6 die SPD, 1 die FDP, 1 die BHE (ge-
nicht genehmigt werden konnte. samtdeutscher Block – Bund der Heimat-
Die Errichtung des Ehrenmals wurde wei- vertriebenen) und 7 die DRP, die Wahlbe-
ter verfolgt. Standort und Ausstattung teiligung lag bei 64 %.
sowie die Finanzierung waren noch nicht Ende Juli brachte ein Bus 50 Oedinger
eindeutig geklärt. kath. Gläubige, unter ihnen die Schüler
Große Sorge bereitete der Ausbau der der Oberklasse, zur Teilnahme an der Pil-
Feldwirtschaftswege. Mit Hilfe der Jagd- ger-Prozession zum „heiligen Rock“ nach
genossenschaft konnte nur Flickwerk ge- Trier.
leistet werden. Der Sportverein versuchte sich neu zu for-
Der Gemeinde bereiteten auch die Einsät- mieren, ohne daß es ihm gelang aus der
ze der Hand- und Spanndienste erhebli- festgefahrenen Talsohle zu kommen.
che Sorgen. Sie bat beim Amt Remagen In der Nacht zum 25. März wurde im
um Einsatzrichtlinien. Gehöft des Landwirtes Klemens Weber
Beim Amt Remagen wurde der Amtsbür- durch seinen betrunkenen Knecht (24) ein
germeister (zuständig auch für unseren Feuer gelegt. Die Wirtschaftsgebäude fie-
Ort) Dr. Johannes Kemming einstimmig len den Flammen zum Opfer. Der Schaden

110
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1960

belief sich auf etwa 80.000,- DM. Für da- Die Grundgedanken der Planung und er-
malige Verhältnisse viel Geld. warteten Kosten für den Bau einer neuen
Beim Graben wurde im Garten des Schule waren Hauptthemen der nächsten
Bäckermeisters Breuer der Zündring der Gemeinderatssitzung.
im März 1945 in Oedingen detonierten V- Pfingstsamstag feierten die Eheleute Vo-
2 Rakete gefunden. gels das Fest der Goldenen Hochzeit.
Die inzwischen gut gegliederte „Freiwilli-
ge Feuerwehr“ wurde von Schmiedemei-
ster Stefan Sonntag als Wehrführer über-
nommen. Ein schweres Erbe, da die Gerä-
teausstattung noch zu wünschen übrig
ließ.
In langer, mühseliger Kleinarbeit wurde
die Renovierung der historischen Kapelle
(Kriegs-schäden und Sicherung der alten
Fresken), erbaut um 1200 mit finanzieller
Hilfe des Sponsors, H.J. Abs, Vorstand der
Deutschen Bank, vorläufig abgeschlossen.
Die Kommunalwahlen zum Gemeinderat
erbrachten heuer folgende Ergebnisse:
Wählergruppe Anton Elz 91 Stimmen und
Wählergruppe Schmahl 38 Stimmen. Da-
mals gehörten zum Gemeinderat: Als
Ortsbürgermeister Anton Elz, Peter Vilz,
Gerhard Schmahl, Heinrich Krahforst, Kle-
mens Weber, Hans Manikowski und Josef
Schadenfeuer Weber Moog.

1961
1960 Die Finanzierung für den Schulneubau
Die neu gebaute Wasserquelle im Bereich war weitgehend gesichert. Die Baupla-
des Wasserschutzgebietes nahe dem nung wurde beim Architekten Diehl, Re-
Adam’schen Gehöft und die renovierte magen in Auftrag gegeben. Die Bezirks-
bzw. erweiterte Wasserleitung wurden regierung Koblenz empfahl der Gemein-
im Mai in Betrieb genommen. Die Bauko- de, das alte Schulhaus Wachtberg- / Ecke
sten brachten die Gemeinde in erhebliche Burgstraße zu verkaufen und den Erlös
Schwierigkeiten, da die veranlagten zur Mitfinanzierung des Schulneubaues
Haushaltsmittel weit überschritten wur- einzusetzen.
den. Neue Einnahmequellen: Umlagen Der Grunderwerb konnte auf dem
und Installationen von Wasseruhren in Tauschwege abgeschlossen werden. Ge-
jedem Haushalt, um die Gebühren nach meinsam mit der Bezirksregierung wurde
dem Wasserverbrauch zu berechnen. Bis- die Finanzierung wie folgt aufgeteilt: Das
her zahlten die Bürger nur eine geringe Land zahlte einen verlangten Zuschuß
Pauschale. von 100.000 DM, der Kreis beteiligte sich

111
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1962

mit 10.000 DM, der Rest wurde mit dem Dorfstraße, Befestigung der Straße nach
Verkaufserlös der alten Schule verrech- Züllighoven, sowie die Errichtung einer
net. Im Vorgriff wurde schon die zu er- Straßenbeleuchtung, der Schulneubau
wartende Miete des Lehrers einkalkuliert. und eine beabsichtigte Industrieansied-
Im November war die nächste Bundes- lung.
tagswahl. Die Parteien er-hielten in Oe- Alle Vorhaben sollten noch in diesem Jahr
dingen folgende Stimmen: CDU 151, SPD beginnen. Stirnrunzeln bei Büchler. Er
11, FDP 12. sagte nur: „mal sehen!“.
In diesem Jahr machte die Schule ihren Zu Beginn des Jahres wurde Josef Dern-
Heimatbildungsausflug nach Köln; Höhe- bach zum neuen Vorsitzenden des MGV
punkte waren die Besichtigung des „Cäcilia 1882“ Oedingen gewählt. Er trat
Domes, der alten Ausgrabungen aus der die Nachfolge von Stefan Adams an.
Römerzeit sowie ein Rundgang durch den Am 29. Juni starb der Gemeindepfarrer
Zoo. Josef Rosen im 63. Lebensjahr. Nur 4 Jahre
Schon wieder ein Wechsel im Vorsitz des waren ihm als Seelsorger in Oedingen
Sportvereins. H. Simons löste Heinrich vergönnt. Einer Aufgabe, der er sich trotz
Breuer ab. Die erste, größere Aufgabe schwerer Krankheit aufopfernd gestellt
war, den Sportplatz in einen bespielbaren hat.
Zustand zu versetzen. Das Unternehmen Die Seelsorge übernahmen vorüberge-
wurde in Eigenleistung durchgeführt. hend Patres vom Apollinarisberg.
Mitte dieses Jahres sorgten Schuljungen Ende des Jahres wurde mit Bestätigung
für helle Aufregung. Sie fanden im des Bischofs von Trier der Pater Bentivoli-
Mehlemer Bach (Landesgrenze Nord- us Marxen als Pfarrer in Oedingen einge-
rhein-Westfalen / Rheinland-Pfalz) 300 m setzt. Dieser vitale Mönch sollte sich ein _
vom Nordrand Oedingens entfernt eine 5 jahrhundertlang als Glücksfall für unsere
kg Brandbombe aus dem II. Weltkrieg, die Pfarrgemeinde erweisen.
einer von ihnen seelenruhig ca. 200 m Die Gemeinde, inzwischen von Bauwilli-
weiter zum Züllighovener Weg (heute gen umlagert, gab bei der Kreisverwal-
Gertrudisweg) trug und dort ablegte, tung einen Flächennutzungsplan in Auf-
ohne sich der Lebensgefahr bewußt zu trag.
sein. Erst hinzukommende Schüler alar-
mierten den Lehrer, der auf dem kommu- 1963
nalen Dienstweg die Entschärfung der Das alte Backhaus („Backes“) wurde in Ei-
Bombe durch Feuerwerker der Bundes- genleistung der Freiwilligen Feuerwehr
wehr veranlaßte. für die Unterstellung der Feuerwehr-
Gerätschaften hergerichtet.
1962 Am 19. Mai wurde der vom Kreisbauamt
Amtsbürgermeister Kemming (zuständig neu erarbeitete Flächennutzungsplan für
für Remagen Land) ging in den Ruhe- Oedingen ausgelegt.
stand. Sein Nachfolger im Amt wurde Beim Straßen- und Wegeausbau sowie für
Josef Büchler. Mit seiner Einführung in die Straßenbeleuchtung, Kanalisation
Oedingen durch Bürgermeister Elz wur- und Wasserleitungsbau wurden alle an-
den Büchler die Probleme der Gemeinde liegenden Grundeigentümer prozentual
vorgetragen, nämlich: der Ausbau der nach ihrem Grund-besitz an den Gesamt-

112
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1964

kosten beteiligt. Peter Vilz, Alfons Pätsch, Karl Simons und


Das Pfarrfamilienfest am Dreikönigstag Josef Schneider vom Amtsbürgermeister
wurde zu einem außerordentlichen Er- verpflichtet.
folg. Lehrer, Pfarrer, Schüler und Vereine Der FF-Oedingen wurde von der Gemein-
richteten gemeinsam das Fest in proviso- de ein Zuschuß von 750,- DM für die Be-
risch hergerichteten Räumen der Gast- schaffung von neuen einheitlichen Uni-
stätte Breuer aus. Der Tag endete mit formen bewilligt.
einer Tanzveranstaltung bis spät in die Die Zustände in der alten Schule wurden
Nacht hinein. immer unerträglicher. Das Dachgeschoß
Lehrer Hubert Rohbeck, seit 1.5.57 im war baufällig, 32 Schüler mußten in
Amt, wurde zum 15. April an eine Schule einem Schulraum von 3 x 8 m zusammen-
in Solingen versetzt. Ab 1.4. trat der Lehr- gedrängt am Unterricht teilnehmen. Der
amtsanwärter Hubert Stein die Nachfolge Neubau wurde immer dringlicher.
an. Am 11. Oktober feierte der in Oedingen
Das Schulgebäude wurde 100 Jahre alt. geborene Günter Schmahl seine Primiz in
Das Pfarrzusatzgehalt, daß nach dem der Kirche San-Lorenzo in Rom. 80 Oe-
französischen Dekret von 1804 von der dinger Pfarrgemeindemitglieder nahmen
Pfarrgemeinde aufzubringen war, wurde daran teil.
ersatzlos gestrichen, da das Pfarrgehalt Die Gertrudiskirche erhielt Ostern drei
nach Erhöhung der Kirchensteuer durch neue Glocken, ein Dreiklanggeläute. Die
die Länder auch von diesen gezahlt in der Pfarrkirche vorhandene Glocke aus
wurde. dem ausgehenden Mittelalter wurde wie-
Im Sportverein „klüngelte“ es mal wieder. der an alter Stelle in der historischen Ka-
Als Retter in der Not übernahm Heinrich pelle installiert. Die neue C-Glocke wurde
Breuer nochmals den Vorsitz. Es gelang der Mutter Gottes, die E-Glocke dem hl.
ihm endlich, den Verein auf eine solide Franziskus und die G-Glocke dem hl. Flo-
Geschäftsbasis zu stellen. rian geweiht.
Erstmals wagte es die Gemeinde, wegen Im November wurde das neue Ehrenmal
der unerträglichen, katastrophalen Ver- für die Opfer beider Weltkriege vor der
kehrsverhältnisse auf der Hauptstraße Gertrudiskirche enthüllt und eingeweiht.
eine Umgehungsstraße für LKW zu for- Mit Ansprachen und Segnungen wurden
dern. Kränze der örtlichen Vereine niederge-
legt. Die Bundeswehr stellte eine Ehren-
1964 wache. An den Beschaffungskosten hatte
In diesem Jahr verstarb Gemeinderatsmit- sich der Bankier H.-J. Abs maßgeblich be-
glied Peter Vogels, der lange Jahre unei- teiligt.
gennützig mit Erfolg sein Ehrenamt Erstmalig wurde das Amtsfeuerwehrfest
wahrgenommen hatte. Nach ihm wurde unter Teilnahme aller Stadt- und Ortsein-
eine Straßenbenennung beantragt, die heiten verbunden mit einer Leistungs-
letztlich nicht genehmigt wurde. schau im Wettbewerb in Oedingen durch-
Nach den Gemeinde- und Kommunal- geführt. Für „Jung und Alt“ ein besonde-
richtlinien wurden die neu gewählten Ge- res Erlebnis.
meindevertreter Toni Elz (Ortsbürgermei-
ster), Gerhard Schmahl, Johann Vogels,

113
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1965

1965 lung-Rheinland-Pfalz GmbH die ersten


Baugrundstücke in Oedingen.
Die Bezirksregierung und Kreisverwal-
tung zögerten immer noch den Neubau
der Schule hinaus, denn es wurden im 1966
Umland schon Überlegungen für zentra- Der Neubau der Schule und des Lehrer-
le Gesamtschulen laut. hauses sowie der Ausbau der Schulstraße
Erst mit dem Wechsel im Lehramt der Oe- (heute „In der Berling“) hatten begon-
dinger Schule, es ging Edgar Stein und nen. Am 28. Oktober wurde bereits Richt-
kam Wolfgang Tack aus Bad-Neuenahr, fest gefeiert; wobei auch der Grundstein
fiel die Entscheidung für den Neubau. mit einer eingelassenen Urkunde einge-
Im Juli feierte der im Vorjahr in Rom zum mauert wurde. Der Amtsbürgermeister
Priester geweihte Günter Schmahl in der Büchler hielt die Festansprache.
Oedinger Gertrudiskirche seine Heimat- In der alten Schule wurden am 19. April
primiz. Nach Johann Innozenz Winzen 16 Mädchen und 19 Jungen, insgesamt 35
(1865) und seinem Onkel, dem Trierer Kinder gezählt.
Domvikar Wilhelm Vogels, der 3. Priester Mitte des Jahres wurde mit der Restau-
aus der kleinen Oedinger Pfarrgemeinde. rierung der Gertrudis-Pfarrkirche begon-
nen, sie war in vier Bauabschnitten ge-
Nachdem Oedingen einen amtlichen plant. Zunächst galt es im I. Abschnitt die
Flächennutzungsplan vorweisen konnte, Fundamente zu entwässern. Reparatur-
kaufte die Gemeinnützige-Landessied- und erneuerungsbedürftig waren nach

Heimadtprimiz Günter Schmahl, Juli 1965

114
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1967

den Kriegs- und Witterungsschäden, das aus unserer Region überbrachten Glück-
Turmdach, das Dach über dem Kirchen- wünsche und beteiligten sich mit Ge-
schiff, der brüchige Boden des Altarrau- sangbeiträgen am Festkommers. Für
mes, die Buntglasfenster sowie der ge- 40jährige Mitgliedschaft wurden geehrt
samte Innenputz des Kirchenschiffes. und mit der goldenen Ehrennadel des
Das Wasserwerk am nördlichen Ortsrand Sängerbundes Rheinland-Pfalz ausge-
bekam 2 neue Pumpen, um die Wasser- zeichnet: Stefan Adams, Peter Bachem,
versorgung auch nach einem möglichen Stefan Bungard, Willi Schmahl und Josef-
Ausfall der Wasserdruckpumpe sicherzu- Hubert Vilz. Die ganze Gemeinde Oedin-
stellen. Das gemeindeeigene Werk arbei- gen mit Gästen aus der näheren Umge-
tete bereits mit fast ausgeglichenem bung feierte mit.
Haushalt. Die Kirche bekam eine kleine Orgel, die
gebraucht erworben wurde. Sie löste das
altersschwache Harmonium ab.
1967 Der Sportverein, mit Schwerpunkt Fußball,
Am 27. Oktober wurde die neue katholi- fusionierte mit dem eigenständigen Tisch-
sche Volksschule ihrer Bestimmung über- tennisverein. Man versprach sich dadurch
geben. Sie war der letzte einklassige Neu- finanzielle Vorteile für beide Vereine.
bau in Rheinland-Pfalz, und wurde zum
Schmuckstück des Ortes dank der guten
Planung des Remagener Architekten 1968
Heinz Diel. Ein außergewöhnlicher Frühling, der
Eine mit großen Fenstern ausgebaute sprichwörtlich über „Nacht mit Macht“
helle Schulklasse, eine geräumige Pau- kam, beglückte die Oedinger. In der er-
senhalle mit modernen Toiletten und sten Aprilwoche zeigte sich bereits ein
Waschanlagen sowie ein großer Schulhof sommerliches Wetter mit Temperaturen
waren das Kernstück des Neubaues. Da- von über 30 Grad im Schatten.
neben wurde das Lehrerhaus mit moder- An den Bundesjugendspielen im Rema-
nen Wohnräumen erbaut. gener Stadion „Goldene Meile“ nahmen
Durch den hohen Schuldendienst für die die Oedinger Schüler im Rahmen von 700
Schule, blieb der Gemeinde kaum Spiel- Kindern der Volksschulen des Amtsbe-
raum für andere dringend notwendige zirks Remagen teil. 10 Oedinger Jungen
Maßnahmen im Ort. Sie mußte für den und Mädchen plazierten sich in verschie-
Neubau ein Darlehen von 89.000,- DM denen Disziplinen auf den Rängen eins
aufnehmen, da ein Gesamtbetrag von bis vier. Ein beachtliches Ergebnis.
253.000,- DM veranschlagt wurde. Das Das Feuerwehrfest des Amtes Remagen
Land gab einen Zuschuß von 150.000,- wurde wieder in Oedingen durchgeführt.
DM, der Kreis weitere 10.000,- DM. Der Eine auf 30 m ausfahrbare vollautomati-
Restbetrag von 4.000,- DM wurde aus sche Steigleiter der Bonner Berufsfeuer-
Rücklagen und dem ordentlichen Haus- wehr erregte die Aufmerksamkeit der vie-
halt der Gemeinde finanziert. len Gäste. Der Amtsbürgermeister Büch-
Der Männergesangverein „Cäcilia 1882“ ler ging als erster in die Luft. Dann wurde
Oedingen feierte in diesem Jahr sein bei einer Schauübung die Einheit Oedin-
85jähriges Bestehen. 10 Gesangvereine gen besonders von der Kreisfeuerwehr-

115
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1969

Leitung inspiziert. Einheitsführer der Oe-


dinger Wehr war der Berufsfeuerwehr-
1969
Beamte in Bonn, Rudi Gütten, der hier sei- Das Jahr begann kriminell in unserem idy-
nen Wohnsitz hat. llischen Ort, indem die „Heile Welt“ zu
Ein besonderes Erlebnis war für die Oe- Hause war. Fachgerecht schweißten in der
dinger Schüler die Fahrt mit einem Son- ersten Woche unbekannte Einbrecher
derzug in Gemeinschaft mit 1000 Kindern den Kassenschrank der Raiffeisenkasse in
der Volksschulen aus Remagen und Sinzig der Zweigstelle Oedingen auf. Nach Fest-
ins schöne Nahetal. Klassenweise wurden stellungen des Kassenleiters Schneider
von verschiedenen Ausgangsstationen wurden über 10.000,- DM entwendet. Die
die Sehenswürdigkeiten erwandert. Ermittlungen wurden von einer Sonder-
Eine Hiobsbotschaft erschütterte die kommission aus Koblenz übernommen.
Pfarrgemeinde Oedingen! Der in kurzer Interessant, daß in der selben Nacht auch
Zeit allseits beliebte Ortspfarrer, Pater die Raiffeisenkasse in Oeverich heimge-
Bentivolius Marxen, wurde vom Franzis- sucht wurde, jedoch ohne Erfolg. Zusam-
kanerorden zurückbeordert. Die Pfarrei- menhänge wurden nicht ausgeschlossen.
en Oedingen und Unkelbach sollten Am 4. Juli wurde Oedingen ein Stadtteil
fortan in Personalunion von einem jun- von Remagen. Damit wurde die amtliche
gen Pfarrer aus Unkelbach verwaltet wer- Bezeichnung „548 Remagen-Oedingen“
den. Mit allen erdenklichen Eingaben inkraft gesetzt. Der Ortsbürgermeister
konnte die Entscheidung abgewendet führte nun die Amtsbezeichnung „Orts-
werden. Letztlich blieb Pater Bentivolius vorsteher“ und der Gemeinderat fungier-
in seinem Amt und durfte weiterhin in te als „Ortsbeirat“.
seinem Pfarrhaus wohnen bleiben. Im September wurde die einklassige Dorf-
Im Dezember mußte sich Oedingen ent- schule in Oedingen innerhalb des Stadt-
scheiden, ob es seine Selbständigkeit be- verbandes aufgeteilt. Im Ort verblieben
halten oder in die Stadt Remagen als Ort- die Kinder vom 1. – 4. Schuljahr. Das 5.
steil eingegliedert werden wollte. und 6. Schuljahr wurde der Schule in
Der Gemeinderatsbeschluß stimmte ein- Kripp zugeteilt, während das 7., 8. und 9.
deutig für den Zusammenschluß mit der Schuljahr in die Volksschule Remagen ein-
Maßgabe, daß die speziellen Wünsche gegliedert wurden. Somit verblieben in
Oedingens berücksichtigt werden. Die der Oedinger Schule noch 28 Kinder. Die
waren unter anderen der Ausbau des Pendelschüler wurden mit Schulbussen
Sportplatzes, die Erhaltung der eigenen befördert.
Grundschule, bessere Verkehrsanschlüsse Mitte Juli wurden nach der kommunalen
an Remagen und der Ausbau der Wirt- Neugliederung in Rheinland-Pfalz die
schaftswege in der eigenen Gemarkung. neuen Beigeordneten, Ortsbeiräte und
Gleichzeitig befaßte sich der Gemeinde- Ortsvorsteher in der Gesamtstadt Rema-
rat mit dem großen Neubauplan, der gen gewählt. Bürgermeister war inzwi-
nördlich der Dorfstraße in 30 Wohnein- schen Hans-Peter Kürten. Nach dem
heiten etwa 60 Wohnungen schaffen soll- Wahlergebnis der Stadtteile hatte Oedin-
te. Danach dürfte Oedingen um die Hälf- gen einen Ortsbeirat von 7 Mitgliedern,
te größer werden, wenn die Pläne reali- davon 6 CDU und 1 SPD, namentlich: Willi
siert würden. Minten, Gerhard Schmahl, Josef Schnei-

116
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1970

der, Klemens Weber, Josef Dernbach und


Arnold Bücken. Ortsvorsteher wurde Toni
1972
Elz, bisher Ortsbürgermeister. Am 1. Januar wurde die Müllabfuhr für
die Stadt Remagen neu geregelt. Im Rah-
men dieser Maßnahmen entstand eine
1970/ 71 der 4 großen Mülldeponien des Kreises in
Schwerpunkt der Gemeindearbeit war Oedingen. Die Beschlußfassung war
die kaum erwartete Resonanz auf die Orts- lange umstritten, ehe der Ortsbeirat seine
erweiterung. Nachdem die gemeinnüt- Zustimmung gab.
zige „Landessiedlung Rheinland-Pfalz Die Freiwillige Feuerwehr erhielt ein mo-
GmbH“ 1965 die ersten Bauflächen ge- dernes Tragspritzenfahrzeug (Pumpenlei-
kauft hatte (Gesellschafter der GmbH: stung 888 Liter). Damit hatte die Einheit
Land, Bundesrepublik, Land-wirt-schafts- Oedingen endlich die komplette Min-
kammer, Deutsche Siedlungs- und Ren- destausstattung. Nun sollte auch das
tenbank), waren die Nachfragen von Bau- neue Gerätehaus in Angriff genommen
will-ligen größer als die Angebote. Insge- werden, das die Oedinger Wehrmänner
samt sollten mit der Zeit 80 Wohneinhei- in Eigenleistung bauen wollten.
ten entstehen. Die Ansiedlung verteilte
sich am Nordhang von Oedingen rechts
und links von der Straße „Zwischen den 1973
Wiesen“. Die Gemeinde mußte vorab für Zu Beginn des Jahres wurde die Hallen-
die Erschließung sorgen, sowie Straßen- gemeinschaft Oedingen aus Vertretern
ausbau, Kanalisation, Wasser- und Strom- der ört-lichen Institutionen und Vereinen
versorgung. Alles ging wider erwarten gegründet – mit der Schwerpunktaufga-
zügig voran. be: eine Mehrzweck-halle zur Förderung
Die Schule machte dieses Jahr ihren Aus- der gemeinschaftlichen Freizeitgestal-
flug mit den Schülern und ihren Eltern ins tung und Pflege des Brauchtums zu pla-
„Phantasia-Wunderland“ bei Brühl. Ein nen und zu bauen. Die Halle sollte auf
wunderbares Erlebnis, aber die vielen dem Gemeindegrundstück unterhalb der
Verlockungen kosteten auch ihren Preis. neuen Schule entstehen. Eingaben an die
Die Hoffnungen, die Schule als einklassi- Stadt und den Kreis sowie laute Proteste
ge Grundschule in Oedingen zu erhalten, der Anlieger ver-hinderten sehr bald die-
wurden nach und nach immer mehr an- ses Vorhaben. Zwischenzeitlich wurde
gezweifelt, denn die Forderung nach Zen- noch ein Grundstück der Pfarr-gemeinde
tralisierung des ländlichen Schulwesens am Kernbachweg in Betracht gezogen;
wurde immer deutlicher. aber auch hier waren die Neubürger am
Der Sportverein „Grün-Weiß“ Oedingen Siebengebirgsblick und an der Peters-
feierte am 24. und 25. Juli sein 25-jähriges berg-Straße entschieden dagegen.
Jubiläum. Aus diesem Ablaß stellte er den Oedingen entwickelte sich in diesem Jahr
Antrag an die Stadt, einen neuen Sport- explosionsartig wie kein anderer Stadt-
platz rechts der Landstraße nach Unkel- teil von Remagen. Die Einwohnerzahl
bach in Höhe des jetzigen zu bauen. Das stieg innerhalb von 2 Jahren von 270 auf
benötigte Land war städtisches Eigen- über 600 an und brachte eine Vielzahl von
tum. Problemen mit, die gelöst werden muß-

117
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1974

ten. Zum Beispiel mußten erhebliche Mit-


tel für die Wasserversorgung aufgebracht
werden, da der Oedinger Brunnen (Orts-
rand Burgstraße) besonders in der trocke-
nen Sommerzeit nicht genug Wasser
führte. So wurde ein Wasserlieferungs-
vertrag mit der Gemeinde Wachtberg
unter Dach und Fach ge-bracht, der die
Wasserversorgung auf Jahrzehnte sicher-
stellte. Erhebliche Mittel mußten auch für
die Kanalisierung bereitgestellt werden.
Das Feuerwehrhaus wurde überwiegend
in Eigenleistung der Wehrleute gebaut.
Die Kosten wurden mit 18.000 DM veran-
schlagt, wovon das Land einen Zuschuß Heinrich Breuer,
von 9.000 DM und der Kreis von 3.000 DM Vorsitzender des SV Oedingen
gaben.
Der in diesem Jahr erstellte Flächennut- maßnahmen sollten die Unratverstreuun-
zungsplan sah ein Wachstum der Bevöl- gen sowie die Geruchsbelästigung nach
kerung auf 800 Einwohner vor. Möglichkeit eingedämmt werden.
Ortsvorsteher Anton Elz (65) trat aus Al-
ters- und Gesundheitsgründen zurück. Er
1974 stand seit 1956 als Orts-Bürgermeister
Das Jahr begann mit einem gut organi- und seit 1969 als Ortsvorsteher in der Ver-
sierten Pfarrfest beider Konfessionen der antwortung der Ge-meinde. Zu seinen Er-
Orts-einwohner. Herausragend erstmals folgen in der kommunalpolitischen Ar-
in Oedingen die „Beatmesse“ unter Be- beit gehörten die Erneuerung der Was-
teiligung der Oedinger Singgruppe und serleitung, der Ausbau der Dorfstraße,
einer Musikgruppe aus Ahrweiler unter
Leitung des hiesigen Lehrers Tack und des
sehr modern eingestellten Gemeinde-
pfarrers, Pater Bentivolius.
Der Sportverein „Grün-Weiß“ wählte
einen neuen Vorstand mit Herbert Bun-
gard als Vorsitzenden. Der bisherige,
Heinrich Breuer, 25 Jahre mit wenigen
Unterbrechungen im Amt, wurde zum
Ehrenvorsitzenden ernannt.

Der Bau des Feuerwehrgerätehauses ging


zügig voran. Im Juni wurde Richtfest ge-
feiert.
Der Kreis stellte 130.000 DM bereit für Anton Elz,
den Bau der Mülldeponie. Durch Sofort- geb. 1909

118
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1975

die Kanalisation, die neue Straßenbe- Mitte Januar veranstaltete die FF-Oedin-
leuchtung, die Sicherung der Wasserver- gen zum zwölften Mal ihre traditionelle
sorgung, der Bau des neuen Schulgebäu- Karnevalssitzung im neu renovierten Saal
des, die Aufstellung des Ehrenmals für die Vilz. Herausragend der Vortrag der Vet-
Kriegsopfer und ein pausenloser Einsatz tern Vilz als „Knoll und Knöllchen“ neben
für die beispiellose Entwicklung des vielen anderen jecken Beiträgen.
Ortes. Nach zahlreichen Einsprüchen und er-
Zu seinem Nachfolger wurde Klemens neuten Zusagen wurde die Erweiterung
Weber gewählt, der schon einige Jahre der Oedinger Mülldeponie beschlossen.
dem Ortsbeirat angehörte. Am 17.3. jährte sich zum 30. Mal der
schwarze Tag von Oedingen kurz vor Be-
Auf Anregung des Ortsbeirates wurde endigung des II. Weltkrieges. Eine V2 –
der Ausschuß für Heimat- Kultur- und Rakete detonierte am Westrand unseres
Brauchtums-pflege gegründet. Er setzte Ortes (heute Burgstraße) und richtete
sich zusammen aus Vertretern der örtli- enormen Schaden an (6 Todesopfer, viele
chen Institutionen und Vereine. Den Vor- Verletzte und Totalschäden an Gebäu-
sitz übernahm Josef Dernbach. den). Wie bereits berichtet, sollte die Ra-
Die ständig zunehmende Einwohnerzahl kete einen vorgeschobenen amerikani-
brachte auch eine Mehrzahl an Schülern schen Divisionsgefechtsstand am Orts-
in die Dorfschule. So mußten von nun an rand von Oedingen treffen und hatte die-
auch die Schüler der 3. und 4. Klasse die sen etwa um 200 m verfehlt.
Schule in Remagen besuchen. Sie pendel- Der Ortsausschuß für Kultur- und Brauch-
ten im Schulbusverkehr. tumspflege beantragte erneut eine
In Gemeinschaftsarbeit wurde der reno- Mehrzweckhalle. Kurz darauf wurde für
vierungsbedürftige Saal Vilz neu gestal- die spezielle Sonderanforderung die Hal-
tet, so daß von nun ab die geselligen Ver- lengemeinschaft wieder aktiv; ihr erster
anstaltungen hier stattfinden konnten. Vorsitzender wurde der Ortsvorsteher
Klemens Weber.
Im Juni wurde das termingemäß in über-
1975 wiegender Eigenleistung der Wehrmän-
Das Jahr wurde mit einem Pfarrfest im ner erstellte Feuerwehr-Gerätehaus ein-
neu renovierten Saal Vilz eingeleitet. Ein geweiht.
Familienfest mit vielen interessanten Dar- Auch der Sportverein hatte sich ein
bietungen und Überraschungen. zweckmäßiges Umkleidehaus nach dem
Oedingen hatte erneut Probleme mit der Umbau des alten „Dorfbackes“ errichtet,
Wasserverteilung, mit der die höher gele- das vorher der FF als behälfsmäßiges
genen Ortsteile nicht ausreichend ver- Gerätehaus diente.
sorgt wurden. Ein stärkeres Druckpum- Mit dem sauerländischen Oedingen (Kreis
penwerk sollte zunächst Abhilfe schaffen. Olpe) wurde eine Partnerschaft beschlos-
Beim Volksentscheid in Oedingen für den sen., die in gegenseitigen Besuchen bei-
Anschluß an Nordrhein-Westfalen oder der Orte zünftig gefeiert wurde.
den Verbleib bei Rheinland-Pfalz votier- Im Oktober hoher Staatsbesuch in unse-
ten die hiesigen Bürger für die bisherige rem schön gelegenen Höhenort. Diesmal
gewachsene Zugehörigkeit. gab sich der Innenminister Heinz Schwarz

119
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1976

die Ehre. Er wollte sich über die beispiel- Nach dem Beschluß der Bezirksregierung
lose, mit staatlichen Mitteln geförderte am 1.8.1974 wurde in diesem Jahr die
Ortsentwicklung informieren. Grundschule Oedingen aufgelöst und in
Zum Ende des Jahres trat Rudi Güttes, der die Hauptschule Remagen eingegliedert.
langjährige Wehrführer der FF-Oedingen Bisher wurden nur noch die 1. und 2.
zurück. Als Nachfolger wurde Rainer Vilz Grundklasse hier unterrichtet. Für den
gewählt. Pendelverkehr der Schüler nach Remagen
wurde ein zweiter Schulbus eingesetzt.
Am 22. Mai wurde das Oedinger Neu-
1976 baugebiet „Zwischen den Wiesen“ vom
In der Ortsbeiratssitzung zu Beginn des stellvertretenden Ministerpräsidenten
Jahres wurde als vordringliche Aufgabe Rh-Pfalz, Otto Meyer, zugl. Vorsitzender
der Bau einer Mehrzweckhalle beschlos- der Landessiedlungs GmbH, unter Anteil-
sen. Man erhoffte sich finanzielle Unter- nahme der meisten Ortseinwohner seiner
stützung von der Landesregierung. Bestimmung übergeben. Über die Auf-
Im Februar stellte sich der Oedinger Bür- bauzeit erschien in der Rheinzeitung ein
ger, Dr. Heller, als Kandidat der Landesli- umfassender Bericht.
ste der CDU für die Bundestagswahl vor. Die CDU Ortsgruppe besuchte mit 100
Auf der Jahreshauptversammlung des Teilnehmern in 2 Bussen das Zonenrand-
Sportvereins wurde Herbert Bungard für gebiet im Kreis Fulda und an dem Hessi-
weitere zwei Jahre in seinem Amt als Vor- schen-Thüringer Grenzabschnitt.
sitzender bestätigt. Die Bemühungen um den Bau der Mehr-
Die Karnevalsveranstaltung der FF-Oe- zweckhalle beherrschten die Oedinger
dingen im Saal Vilz wurde wieder ein voll- Gemüter immer mehr. Es bildeten sich be-
er Erfolg. reits zwei Lager unter den Bürgern, wenn

Meisterschaft SV Grün-Weiß Oedingen 1976

120
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1977

es im Ort um den Bau der Halle ging. In Bürgermeisters mit Schwerpunkt der
kurzer Zeit wurden 11 Standorte in Erwä- schlechten Finanzlage der Gesamtstadt
gung gezogen, die alle in ständigen Dis- konnten die Wogen geglättet werden.
kussionen und Einsprüchen wieder verris- Z.B.: brachten die Oedinger nur 1,47 %
sen wurden. vom Gesamtsteueraufkommen bei einem
Im Landeswettbewerb „Unser Dorf soll Einwohneranteil von 4,98 % auf. Die Dis-
schöner werden“ erreichte Oedingen in kussionen drehten sich vor allem um die
der Kreiswertung den 18. Platz und in der Kanalisation und den Bau einer Mehr-
Hauptklasse den 5. Platz. zweckhalle, die nach vielen gescheiterten
Im August feierte der allseits verehrte Standortfragen nunmehr am Rande des
Pater Bentivolius Marxen, seit 1962 Orts- Sportplatzes gebaut werden sollte. Für
pfarrer in Oedingen, sein 40-jähriges Prie- Kürten war mit dieser Forderung die
sterjubiläum. Halle aus Rechts- und Kosten-gründen ge-
Zur selben Zeit feierte auch der Sportver- storben.
ein sein 30-jähriges Jubiläum mit einer Zu Ostern wurde im Einverständnis mit
gut gelungenen Sportwoche. der katholischen Kirche erstmals eine
Im Oktober veranstaltete die CDU eine evangelische Konfirmation in der St. Ger-
Wahlpartie mit prominenten Gästen im trudiskirche durchgeführt. Schon seit
Saal Vilz. Dr. Heller konnte den Staatsmi- mehreren Jahren stellte die katholische
nister Johann-Wilhelm Gaddun, sowie Pfarrgemeinde den evangelischen Gläu-
den Landrat Dr. Stollenberg, den Staats- bigen, die 1956 nur mit zwei Personen
sekretär Dr. Herzog und die Olympiasie- präsent waren und 1977 schon 221 Bürger
gerin Jutta Heine begrüßen. zählten, ihr Gotteshaus zu regelmäßigen
Gottes-diensten zur Verfügung. Die Evan-
gelischen bedankten sich mit namhaften
1977 Spenden für die Restaurierung der Orts-
Der zweite Tag im neuen Jahr begann mit kirche.
der traditionellen Altenfeier für Senioren Der Sportverein, bisher der Bescheiden-
über 60 Jahre. Mit Gedicht-, Theater- und ste, erhob nun auch Ansprüche. Er bean-
Puppenspielaufführungen sowie Lied- tragte offiziell den Bau eines neuen Ra-
Vorträgen bei Kaffee und Kuchen wurde senplatzes für seine Fußballveranstaltun-
der Nachmittag ein vergnügliches Erleb- gen. Er war auch bereit, Eigen-leistungen
nis. in machbarer Höhe zu erbringen.
Ende des Monats Januar hatte der Stadt- Eine Gruppe von 50 Oedingern besuchte
bürgermeister Kürten zu einer Bürgeran- anläßlich des 30-jährigen Jubiläums unse-
hörung in der Gaststätte „Alt-Oedingen“ res Landes „Rheinland-Pfalz“ den Mini-
eingeladen. Ungeduld der Neubürger sterpräsidenten Dr. Bernhard Vogel und
und das Gefühl der Benach-teiligung un- wurde von diesem herzlich willkommen
seres Ortsteiles gegenüber den anderen geheißen.
in der Gesamtstadt Remagen führten zu Im Juli wurde der Partnerschaftsvertrag
unberechtigten Emotionen, die erstmals mit dem Lennedorf Oedingen besiegelt.
auch innenpolitische Spannungen in der Der September war dem MGV „Cäcilia
allgemein friedlichen Ge-meinde auslö- 1882“ Oedingen vorbehalten, der sein 95-
sten. Nach dem sachlichen Vortrag des jähriges Jubiläum mit dem ganzen Dorf

121
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1978

und den befreundeten Nachbargesang-


vereinen würdig feierte.
1978
Im selben Monat erschien in der Rhein- In der Hauptversammlung der Freiwilli-
zeitung eine Kurzreportage über die Ent- gen Feuerwehr zu Beginn des Jahres
wicklung unseres Ortes. Oedingen zählte wurde im Jahresbericht 77 kein Ernstfall
780 Einwohner auf einer Gesamtfläche genannt. Die Wehr konnte sich auf solide
von 241 Hektar. Die landwirtschaftliche Ausbildung der jungen Wehrmänner
Fläche betrug 184 Hektar, darin enthalten konzentrieren. Es wurden neue Unifor-
25 Hektar Wald und 9,5 Hektar Straßen, men und Ausrüstungsgegenstände ange-
Wege und Gewässer. Sieben landwirt- schafft. Auch wurden 12 neue aktive Mit-
schaftliche Vollerwerbsbetriebe bildeten glieder geworben.
die wirtschaftliche Basis. An öffentlichen Josef Dernbach wurde beim MGV „Cäcilia
Einrichtungen waren vorhanden: Katho- 1882“ in der Hauptversammlung für wei-
lische Pfarrkirche, Poststelle, 2 Bushalte- tere 2 Jahre als Vorsitzender bestätigt.
stellen, Kinderspielplatz, öffentliche Fern- Der Sportverein konnte mangels einiger
sprechzelle, Friedhof mit alter Kapelle Gutachten noch nicht mit der Planungs-
(Leichen-halle), Sportplatz und die Müll- phase für den Neubau der Sportplatzan-
deponie der Stadt Remagen. An aktiven lage beginnen. Auch war die Frage der
Vereinen repräsen-tierten sich der MGV Zuschüsse noch ungeklärt. An Mitglie-
„Cäcilia 1882“ Oedingen, die Freiwillige dern zählte der Verein nun 108 aktive und
Feuerwehr, der Sportverein „Grün-Weiß“, inaktive Personen.
der Kulturausschuß, die Möhnen und die Eine wichtige Entscheidung der Stadt Re-
Hallengemeinschaft. Die Politik wurde magen war, die leerstehende Schule für
von den Ortsverbänden der CDU und der das örtliche Gemeinschaftsleben zur Ver-
SPD bestimmt. Zwei Gaststätten mit ge- fügung zu stellen. Die Hallengemein-
pflegter Gast-lichkeit wurden besonders schaft Oedingen e.V. über-nahm das Ge-
erwähnt. bäude zur kostenfreien Nutzung als Ge-
Im Oktober hielt die CDU ihre Jahres- meinschaftsraum.
hauptversammlung. Ihr ungewöhnlich Ende April gründete die CDU eine Orts-
hoher Mitgliederbestand von 86 Perso- frauenvereinigung mit 34 Frauen als Mit-
nen in unserem kleinen Ort verschaffte glieder.
ihr Geltung – auch im Stadtverband. Vor- Der Ortsbeirat ehrte Johannes Vogels für
sitzender war seit der Gründung im Au- 25-jährige kommunalpolitische Tätigkeit.
gust 1973, Dr. Heller, der über einflußrei- Das Hin und Her um die inzwischen neu
che Verbindungen bis in die Spitzen der geplante Mehrzweckhalle als Anbau an
Politik verfügte und diese auch während die Dorf-schule ging weiter. Anlieger und
der Aufbauphase für unseren Ort nutzte. übrige Nachbarn signalisierten Proteste.
Im November feierte das Ehepaar Anne Das evangelische Presbyterium Oberwin-
und Anton Scheffler, die 1950 als Flücht- ter mit Unkelbach, Oedingen und Ban-
linge aus Ostpreußen hier siedelten, ihre dorf wurde nach eineinhalbjähriger Va-
Goldhochzeit. kanz (Pensionierung des Vorgängers,
Pfarrer Buitkamp) mit dem Pfarrer Her-
manus Herfkens, gebürtiger Niederlän-
der, besetzt.

122
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1979

1979 hatte sich die junge Frauen-gym-na-


stikgruppe bei den Stadtmeisterschaften
Die Pfarrgemeinde konnte mit Hilfe von qualifiziert.
Spenden und Zuschüssen des Bistums die Im Februar wurde unter der Regie der
lange fällige Sanierung des Kirchturmda- Freiwilligen Feuerwehr eine Karnevalssit-
ches in Auftrag geben. zung im Saal Vilz veranstaltet, die alles
Die am 18. März dieses Jahres durchge- bisher dagewesene in den Schatten stell-
führte Landtagswahl brachte in Oedin- te. Vortragende aus Nah und Fern lösten
gen folgende Ergebnisse: es entfielen auf Lachsalven am laufenden Band aus.
die CDU 295 (66,2 %), SPD 130 (29,2 %), Die Generalüberholung der Oedinger
FDP 18 (4,0 %) und NPD 1 Stimmen. Pfarrkirche machte Fort-schritte. Inzwi-
Ende Juni hatte der Sportverein sein Ziel schen wurde ein Dreistufenplan erstellt,
erreicht, nach den Genehmigungsverfah- wobei es im ersten Abschnitt um die Sa-
ren und Bewilligung von Zuschüssen mit nierung des Turmes ging, dann sollten das
dem Bau der Sportplatzanlage an der K40 Dach des Kirchenschiffes erneuert und
zu beginnen. Außenputzarbeiten aus-ge-führt werden.
Wie in den Nachbarorten und überhaupt Im letzten Abschnitt galt es den welligen
im ganzen Lande wurden auch hier die Chorboden anzuheben sowie im Inneren
chaotischen Verkehrsverhältnisse zum der Kirche die breiten Risse auszufüllen
Problem. Der Durchgangs- und Sonder- und den gesamten Innenraum neu zu
verkehr zur Mülldeponie nahm ungeahn- streichen. Pater Bentivolius sprach über
te Ausmaße an, die Raserei war nicht zu Sanierungskosten in Höhe von 300.000,-
bremsen. Der Ortsbeirat beantragte dar- DM.
aufhin eine Halteverbotszone und Ge- Am 3. April feierte der Franziskaner-Pater,
schwindigkeitsbegrenzung von 30 km/h unser Gemeindepfarrer Bentivolius Mar-
im ganzen Ort. xen, sein 50-jähriges Priesterjubiläum.
Zum Jahresabschluß beantragte der Orts- Ausgerichtet wurde die Jubiläumsfeier
beirat eine einheitliche Schreibweise un- von seinem Orden auf dem Apollinaris-
seres Orts-namens. Dieser wurde ver- berg unter Anteilnahme vieler Würden-
schieden öffentlich sowie postal mit „Ö“ träger und seiner Oedinger Pfarr-kinder.
oder mit „Oe“ ge-schrie-ben. Der Vor- Am 1. Mai wurde erstmals ein Heimat und
schlag enthielt die Schreibweise mit Familientag in Oedingen durchgeführt.
„Oe“, da in den alten Flurbüchern und Er begann mit der Besichtigung der hiesi-
–kar-ten der Oedinger Gemarkung diese gen 800 Jahre alten historischen Kapelle
Schreibweise üblich war. und einer Wanderung mit „Kind und
Kegel“ durch die Gemarkung Oedingen.
Fast 100 Bürger verschiedener Coleur
1980 nahmen in froher Gemeinschaft an der
In der Jahreshauptversammlung des gelungenen Veranstaltung teil.
Sportvereins wurde neu gewählt. Franz- Im September wurde der Ausschuß für
Joseph Breuer wurde als Vorsitzender „Kultur- Brauchtums- und Heimatpflege“
wieder bestätigt. Stellvertreterin wurde wieder ins Leben gerufen. Alle Vereine
Giesela Wißkirchen. Der Verein hatte in- und Institutionen des Ortes waren in ihm
zwischen 170 Mitglieder. Herausragend vertreten. Als Vor-sitzender wurde Karl

123
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1981

Beelke gewählt. Dieser Ausschuß bestand bach zu kostspielig, wurde mit der Nach-
bereits seit 1974, zerfiel dann aber in sich bar-Verbandsgemeinde Wachtberg Ver-
mangels klarer Aufgabenstellung. bindung aufgenommen, die ein Abwas-
Im September kamen die Oedinger aus serkanalsystem mit Kläranlagen von
dem Sauerland zum Freundschaftstreffen Werthhoven über Züllighoven – Niederb-
in unseren Ort. Mit Veranstaltungen aller achem in den Rhein in Planung hatten. In
Art: Platzkonzert, Verlosungen, Luftbal- dieses System konnte Oedingen bequem
lon-Starts und Kinder-wettspielen wurde einbezogen werden. Remagen und
das Treffen ein Erfolg. Wachtberg gründeten daher einen
Einen Rückschlag erlebte der Ortsbeirat Zweckverband, der von dem Oedinger
mit der Ablehnung der beantragten Ge- Günter Johnke, Mitglied des Stadtrates
schwin-digkeits-begrenzung. Remagen, gesamt geleitet wurde. Schon
Der Oedinger Bürger Johann Vogels er- im Frühjahr wurden die Arbeiten in An-
hielt aus der Hand des Landrates Dr. Egon griff genommen, die sich über mehrere
Plümer das Bundesverdienstkreuz für be- Jahre hinzogen.
sondere Verdienste im kommunalen Be-
reich und den verantwortlichen selbstlo-
sen Tätigkeiten in den Vereinen und der
Pfarrgemeinde.
Die unterbrochenen Baumaßnahmen am
Sportplatz konnten nach über einem Jahr
wieder zügig fortgesetzt werden.

1981
Durch das schnelle Anwachsen der Ein-
wohnerzahl Oedingens wurde die Was-
ser-ver-sorgung erneut zum Problem. Die
bisherigen Zwischenlösungen mit dem
Zukauf von Fremd-wasser reichten nicht
mehr aus. Mit einem Vorgriff auf die
künftige Wasserversorgung wurde Oe-
dingen an das Verbandssystem Ost ange-
schlossen, zusammen mit einigen Graf-
schafts-gemeinden. Dies erforderte eine
neue Versorgungsleitung über Kirchdaun
- Birresdorf -Oedingen. Das Trinkwasser
käme dann aus Bad Neuenahr. Der Ko-
stenvoranschlag wurde mit 1,6 Millionen Erster Spatenstich von Günter Johnke
DM beziffert. Schon im Mai sollte die Be-
triebsbereitschaft hergestellt sein. Der Sportplatzneubau ging zügig weiter,
Ein weit größeres Problem war die Ab- nachdem die stellvertretende Vorsitzende
wasserentsorgung. Wegen der Höhenla- des Sport-vereins, Giesela Wißkirchen,
ge unseres Ortes nach Remagen Unkel- und das Mitglied des Kreistages, der Oe-

124
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1982

dinger Dr. Siegmund Heller, sich uner- scheidend für die Platzierung war die in-
müdlich höheren Ortes für den Fortgang dividuelle Bauweise mit durchwachsener
der Baumaßnahmen eingesetzt hatten. Begrünung, die das Leben in unserem Ort
Der Kirchturm der Gertrudiskirche war trotz „Mülldeponie“ noch wohnlich
endlich restauriert, nun konnte der II. machte.
Bauabschnitt in Angriff genommen wer-
den.
Das Gerangel um die Mehrzweckhalle
wurde im Ortsbeirat sowie in den Ver-
einsvorständen ohne brauchbare Lösun-
gen fortgesetzt.
Der Bebauungsplan „Ortsmitte Oedin-
gen“ sowie für die Friedhofserweiterung
wurde von der Stadt freigegeben.
Der Sportverein „Grün-Weiß“ Oedingen
rief am 1. Mai auf zum ersten „Trimm –
Trab ins Grüne“ und hatte damit einen
ungeahnten Erfolg. 80 Teilnehmer, Kin-
der, Heranwachsende, aktive Jahrgänge
und Senioren (weiblich und männlich)
nahmen an der Veranstaltung teil. Die
Laufstrecken wurden auf einem Rundkurs
für die verschiedenen Jahrgänge zwi-
schen 3000 m und 8000 m abgesteckt.
Alle Teilnehmer erreichten ihre Ziele und
erhielten zur Erinnerung eine „Trimmpla-
kette“.
Im Mai diesen Jahres wurde dem Ortsbei- Turm nach Sanierung, I. Baustufe
rat verbindlich mitgeteilt, daß die Müll-
deponie nicht erweitert wird, da sie noch
über eine Aufnahmekapazität für die 1982
nächsten 5 Jahre verfügte. Die SPD gründete im Januar einen eige-
Im November konnte die Neugestaltung nen Ortsverein. Bisher wurden die Partei-
des Friedhofes abgeschlossen werden. mit-glieder vom Ortsverein Oberwinter
Dank Fried-hofs-ausschuß unter der Regie mitbetreut. Als Vorsitzender wurde Ger-
von Josef Dernbach und vieler freiwilliger hard Wolf gewählt.
Helfer erhielt die vernachlässigte Anlage Ein geplantes Wartehäuschen an der Bus-
ein würdiges Aussehen. haltestelle vor der Kirche wurde zum
Beim Wettbewerb „Unser Dorf soll schö- Zankapfel zwischen der Stadt Remagen
ner werden“ erreichte der Ortsteil Oedin- und dem Ortsbeirat Oedingen sowie dem
gen unter 39 teilnehmenden Gemeinden Ortspfarrer Bentivolius. Es wurde auf
den 9. Platz. Ein beachtlicher Platz, da ja lange Sicht keine Einigung erzielt.
das Oedinger Umfeld durch die Müllde- Beim Sportplatzneubau gab es Verzöge-
ponie teilweise verschandelt war. Ent- rungen. Die Stadt konnte Zusagen für den

125
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1983

Ausbau nicht einhalten, so daß ein Privat- Im Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner
unternehmen mit den notwendigen Ma- werden“ errang Oedingen den 7. Platz
schinen in die Bresche springen mußte. unter 43 Teilnehmern.
Pater Bentivolius, der neben der Pfarrei Die Landes- Lehr- und Versuchsanstalt im
Oedingen seit 1968 auch die Pfarrei Un- Kreis Ahrweiler veranstaltete im Septem-
kelbach ver-waltete, gab aus Altersgrün- ber in Oedingen einen Tag der Offenen
den die Verpflichtung ab und wollte sich Tür im Bauernhof des Ortsvorstehers Kle-
nur noch voll und ganz unserer Gemein- mens Weber. Zahlreiche Besucher aus
de widmen. Stadt und Land der Region besuchten den
Höhepunkt im Jahresablauf unseres Dor- Hof, der mit Schautafeln, Vor-trägen, offe-
fes war heuer die 100-jährige Jubiläums- nen Stallungen, den Gästen ein eindrucks-
feier des Männergesangvereins „Cäcilia volles Bild über das ländliche Leben ver-
1882“ Oedingen. Vorab nahm der Vorsit- mittelte. Offene Höfe in Nachbarorten er-
zende Josef Dernbach im „Pfalzbau“ in gänzten mit bestimmten Schwerpunkten
Ludwigshafen unter weiteren 24 Gesang- die hoch-in-teres-santen Darbietungen.
vereinen vom Rheinland-Pfälzischen Kul- Der Ortsbeirat befaßte sich mit dem Bau
tusminister die Zelterplakette entgegen. einer Grillhütte am Nordrand des alten
Diese Plakette wurde nur an Gesang-ver- Sportplatzes.
eine vergeben, die lückenlos urkundlich Der Abwasser-Zweckverband der Ver-
ihre Geschichte nachweisen konnten. Die bandsgemeinde Wachtberg mit Remagen
Antrags-dokumente trug in mühevoller war inzwischen sehr aktiv und begann
Kleinarbeit der Chronist Karl Beelke zu- mit dem Bau der Kläranlage Züllighoven.
sammen. Die Feierlichkeiten begannen Diese Anlage klärt das Abwasser aus
dann mit der Enthüllung des Gedenkstei- Werthhoven, Oedingen und Züllighoven
nes zur Erinnerung an den Vereins-grün- und ist beispielhaft für die über-lappende
der, Pfarrer Paul Wolber. Sie wurden 3 Zusammenarbeit im grenznahen Bereich.
Tage lang mit Gesangwettbewerben in Am 12. Dezember wurde im Dorfgemein-
einem großen Festzelt fortgesetzt unter schaftshaus Oedingen unter Feder-
Teilnahme aller bedeutenden Vereine un- führung des Ausschusses für Kultur-
serer Region, Resümee: Ein Jahrhunderter- Brauchtums- und Heimatpflege ein Foto-
lebnis. wettbewerb durchgeführt. Das Motto
lautete „Wir Oedinger in unserer ländli-
chen Umgebung“. In den rund 250 aus-
ge-stellten Aufnahmen wurde das Leben
und Treiben im Dorf und seinem Umfeld
bild-doku-mentarisch dargestellt. Die Re-
sonanz war überraschend erfreulich.
Über 100 Besucher er-lebten ihr Dorf in
den vielen Fotos aufs Neue.

1983
Die Jahreshauptversammlung des SV
Josef Dernbach „Grün-Weiß“ Oedingen stand ganz im

126
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1983

Zeichen der Fertigstellung und Einwei- che Stunden. Die Eröffnungsansprache


hung des neuen Sportplatzes im Juni die- hielt der Schirmherr, Landrat Dr. Plümer.
ses Jahres. Es wurde ein Festausschuß ge- Als Gratulanten erschienen der Kreis-
bildet mit der vorrangigen Aufgabe, ein sportvorsitzende Peter Hoff und mit
Programm vorzubereiten. Dieser Sport- Grußworten der Bürgermeister Kürten
platz wurde mit großem Anteil an Eigen- sowie die Repräsentanten der Sportverei-
leistungen der Vereinsmitglieder errich- ne der Stadt Remagen und aller Vereine
tet. Nennenswert, die vorbildlichen Lei- in unserem Dorf.
stungen von Hans Kossin beim Ausbau Zur gleichen Zeit konnte Oedingen einen
des Drainagesystems sowie des sehr brei- Erfolg mit der Teilnahme am Wett-be-
ten und hohen Ballfangzaunes. werb „Unser Dorf soll schöner werden,
Die traditionelle Maiwanderung der Oe- 1983“ verbuchen und sich in der Haupt-
dinger Bürger führte in diesem Jahr zur klasse an 4. Stelle plazieren sowie an der
Besichtigung der neu in Betrieb genom- Bezirksausscheidung beteiligen. Unter 48
menen Abwasser-beseitigungsanlage in Teilnehmern ein groß-artiger Erfolg.
Züllighoven, die auch das Oedinger Ab- Der Männergesangverein „Cäcilia 1882“
wasser aufnimmt und klärt. Stadtrat Gün- unternahm im September eine Dreitages-
ter Johnke, der Vorsitzende des Abwas- fahrt in den Schwarzwald.
ser-zweckverbandes Wachtberg – Rema- Am 30. September wurde Günter Johnke
gen, erläuterte den interessierten Wan- Vorsitzender des Ortsverbandes der CDU,
derern das Projekt. Jeder Teilnehmer er löste damit Dr. Heller ab, der wegen
konnte sich an Ort und Stelle von der Ar- Häufung seiner Ehrenämter zurücktrat.
beitsweise eines modernen Klärwerkes Er wollte sich nun mit Schwerpunkt der
überzeugen. Parteiarbeit als Vorsitzender des Gesamt-
Die Einweihung des neuen Sportplatzes stadtverbandes widmen. Dr. Heller hat in
am 25. Juni war der Höhepunkt des Jah- einem beachtenswerten Arbeitsbericht
res. In einer Festschrift hat der Chronist einen wertvollen Beitrag zu dieser Chro-
Karl Beelke die Entstehungsgeschichte nik ge-leistet (Dokumente zur Geschichte
der Anlage vom Grundgedanken bis zur von Oedingen).
Fertigstellung niedergeschrieben. Enor- Die Ortsgruppe der SPD forderte drin-
me Schwierigkeiten waren zu überwin- gend die notwendige Aufstellung eines
den. Manche Fehler von Seiten des Ver- Glascontainers in Oedingen. Die bisherige
eins sowie zu strenge Auslegungen der Altglasentsorgung war unzureichend.
Verwaltungs-vorschriften führten immer Der Ortsbeirat mußte sich in der Herbst-
wieder zu Mißverständnissen in der Bau- sitzung mit dem neu erstellten Flächen-
ausführung. Letztlich rauften sich alle Be- nutzungsplan für Oedingen befassen. Kri-
teiligten zusammen und konnten ge- tisiert wurde, daß die Baufläche gegenü-
meinsam die überaus gut gelungene Ra- ber der Ausweisung in dem Vorläufer re-
sensportanlage den zahlreichen Ehrengä- duziert wurde.
sten und Besuchern präsentieren. Ein viel- Am 13.11. wurde die öffentliche katholi-
seitiges Festprogramm mit Jugend- und sche Pfarrbücherei nach mehrjähriger Un-
Turnierspielen, Unterhaltung für Groß terbrechung wieder eröffnet. Die ehren-
und Klein so-wie mit Angeboten fürs leib- amtliche Leitung übernahm Sigrid Heller,
liche Wohl sorgten für abwechslungsrei- Dipl. Bibliothekarin, die mit Guido

127
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1984

Scheffler das Literaturangebot den heuti- geführten Orten.


gen Anforderungen entsprechend neu sy- Die Gesamtfläche der Gemarkung Oedin-
stematisch geordnet hatte. gen betrug zur Berichtszeit 241 Hektar,
Unser Mitbürger Dr. Siegmund Heller davon wurden 184 ha landwirtschaftlich
wurde im Dezember als Kandidat der Lan- genutzt. Der Rest teilte sich auf in 25 ha
desliste für das Europaparlament aufge- Wald, 9,5 ha Wohnflächen, Straßen,
stellt. Wege und Gewässer.
Eine schreckliche Entdeckung machte am Die Einwohnerzahl betrug zur Berichts-
2. Dezember gegen 1400 Uhr eine Poli- zeit 850 Personen. Hier zum Vergleich die
zeistreife im Oedinger Wald. Ein Autofa- Ent-wick-lung in den letzten 80 Jahren:
hrer aus Godesberg hatte sich in seinem Um 1900 zählte Oedingen 176, 1912
Wagen mit Benzin über-gossen und an- waren es 231, 1936 lebten hier 270 und
gezündet. Er war bis auf den Torso ver- 1972 um die 300 Einwohner. Danach er-
brannt. Der Selbstmord geschah unter lebte Oedingen durch die preiswerten
schweren Depressionen wegen totaler Baulandangebote einen schwunghaften
Überschuldung. Zuwachs auf 850 Personen.
Das Jahresende klang gut aus, denn Oe- Erwartet wurden nach Erschließung der
dingen konnte im Bezirksentscheid Ko- Baulücken in der geschlossenen Ortschaft
blenz „Unser Dorf soll schöner werden (Runddorf) etwa 1000 Einwohner. In der
1983“ einen unerwartet guten 4. Platz Landwirtschaft gab es vier landwirt-
einfahren. Landrat, Bürgermeister und schaftliche Vollerwerbs-be-triebe der
Stadtrat gratulierten. Landwirte: Stefan Adams, Hans Bungard,
Heinrich Schäfer und Klemens Weber. Im
Vergleich waren es um 1900 noch 24 Höfe
1984 und 1972 nur die Hälfte.
Mit dem Antrag zur Teilnahme am Wett- Zu den selbständigen, gewerblichen Be-
bewerb „Unser Dorf soll schöner werden trieben zählten insgesamt 10, davon die
1984“ wurde zu Beginn des Jahres vom zwei Gast-stätten Weber und Breuer, der
Kulturausschuß ein Lage- und Zustands- Rewe-Markt mit Back- und Fleichwaren-
bericht unseres Ortes vorgelegt, der zu- verkauf Breuer und Söhne, die Bäckerei
sammenfassend Teil dieser Chronik ist. Heinz Breuer, der Frischfleischhof mit
Oedingen ein Ortsteil der Stadt Remagen Fleischwarenverkauf aus eigener Vieh-
liegt im Norden von Rheinland-Pfalz an mast des Landwirts Klemens Weber, die
der Landes-grenze zu Nordrhein-Westfa- Schuhmacherei Johann Henseler, das Bau-
len, zentral zu den Städten BONN – Bad unternehmen Felix Krahforst, die Bau-
Godesberg, Remagen – Zentrum, Bad und Möbelschreinerei sowie Beerdi-
Neuenahr – Ahrweiler und Meckenheim. gungsinstitut Winfried Vilz, die Firma Me-
Er liegt in idyllischer Höhenlage, um- tallbau Stefan Sonntag und das Auto-
geben von einem Panorama mit Aussicht Transport-Unternehmen Hans Bungard.
auf das Drachenfelser Ländchen, das Sie- In der Mehrzahl hatten die erwerbstäti-
bengebirge mit Petersberg und Drachen- gen Oedinger ihre Arbeitsplätze in der
fels, den Westerwald, die Ahreifel und die Bundeshauptstadt BONN, hier in den Mi-
Hohe-Eifel. Verkehrsmäßig hat Oedingen nisterien, der Bundestagsverwaltung,
Anschluß über die K40 zu den oben an- sonstige Ämter und Verwaltungen, in der

128
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1984

Justiz, in Instituten, in Krankenhäusern bauung der Ortsmitte vor. Hiernach sollte


oder als selbständige Ge-schäftsleute und in naher Zukunft ein abgerundetes Dorf-
Gewerbetreibende. Die günstigen Ver- bild entstehen.
kehrsverbindungen zum Großraum Bonn Im Bereich der Verkehrsverbindungen
machten es möglich. konnten in letzter Zeit noch wesentliche
Vom mittleren Beamten bis zum Ministe- Verbes-ser-ungen erreicht werden.
rialrat, vom kaufmännischen Gehilfen bis In der Planung war auch eine südliche
zum Dipl. Betriebswirt, vom Lehrling bis Ortsumgehung.
zum Meister, vom Laboranten bis zum Mit vielen Eigenleistungen wurde der
Arzt, vom Wachmann bis zum Offizier neue Rasensportplatz fertiggestellt und
reichte die Palette der Berufssparten. im Juni letzten Jahres durch den Landrat
Versorgungseinrichtungen (Logistik) Dr. Egon Plümer seiner Bestimmung über-
waren ausreichend vorhanden, jedoch re- geben.
novierungs und weiterentwicklungs be- Die Sicherheit und Ordnung im gemein-
dürftig. Z.B. war die Wasserversorgung schaftlichen Interesse waren im allgemei-
seit Jahren ein Problem, sie sollte noch in nen gut. In Ausnahmefällen ( Verwahrlo-
diesem Jahr im Vorgriff auf die Kreiswas- sung mehrerer Baulücken) half das Ord-
serversorgung sichergestellt werden. nungsamt nach. Es darf bemerkt werden,
Die ärztliche Versorgung war durch Kran- daß Vorgärten, Gärten und Innenhöfe
kenhäuser, Kliniken, Arztpraxen (Fach- von Jahr zu Jahr besser gepflegt wurden.
und Allge-meinmedizin) in der näheren Soweit die wesentlichen Angaben zu den
Umgebung immer zufriedenstellend. Kriterien im Wettbewerb.
Zwei Ärzte hielten bisher an bestimmten
Wochentagen regelmäßig Sprechstunden Am 4. Januar unternahm die katholische
ab, um älteren und behinderten Per- Pfarrjugend mit 50 jugendlichen Teilneh-
sonen die auswärtigen Wege zu ersparen. mern eine Bildungsfahrt nach Eindhoven
Der Dorfgemeinschaft (Vereine und Insti- / Niederlande zum Besuch des EVOLUON,
tutionen) standen die ehemalige Schule ein Rundbau mit Sonderaustellungen auf
als Dorf-gemeinschaftshaus zur Verfü- vier Etagen. Themen der Ausstellung:
gung. Geplant war der Ausbau zur Mehr- „Die Weltbevölkerung, Ernährung und
zweckhalle. Überbevölkerung, Umweltprobleme, Bio-
An öffentlichen Einrichtungen verzeich- logie, Bildung und Wissen, wissenschaft-
nete der Ort die katholische Pfarrkirche liche Forschung, Materie, Schwingungen
(erbaut 1908), eine Poststelle, 5 Bushalte- und Schall, Werk und Werkzeug-maschi-
stellen, einen Kinderspielplatz, eine öf- nen.“
fentliche Fernsprechzelle, den Friedhof Es wird nicht jeder Teilnehmer alles ver-
mit der alten historischen Kapelle als Lei- standen haben. Das Interesse war jedoch
chenhalle ( erbaut um 1200), einen Sport- so beachtlich, daß unsere Jugendlichen
und Boltzplatz, eine Gemeinschafts-Grill- immerhin sechs volle Stunden pausenlos
hütte sowie eine Mülldeponie und ein durch das Dargebotene gefesselt waren.
neu erbautes Feuerwehr-Gerätehaus. Organisiert war die Besichtigung von dem
Ein neu erstellter Flächennutzungsplan Studenten Guido Scheffler aus Oedingen.
schloß eine Ausdehnung des Ortes nach Der Vorsitzende des Abwasserzweckver-
Süden aus und schrieb vorrangig die Be- bandes Wachtberg / Remagen-Oedingen,

129
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1984

Stadtrat Günter Johnke, legte zu Beginn gedroht.


dieses Jahres seinen Rechenschaftsbericht Der Tischlermeister Johann Vilz wurde
vor, in dem unter anderem die Fertigstel- während der Jahresversammlung der
lung der Kläranlage Züllighoven im April Kreistischler-Innung für über 50-jährige
angekündigt wurde. Berufstätigkeit besonders geehrt.
In der Jahreshauptversammlung des In der Ortsbeiratssitzung Ende April
Sportvereins wurden durch Neuwahl der wurde heftig über Kosten für die neue
bisherige Vorsitzende Franz-Josef Breuer Oedinger Kanali-sation sowie über die
bestätigt und als 2. Vorsitzender Hans Wegeinstandsetzung und die wilden
Kossin und als Geschäftsführer Helmut Müllkippen debattiert. Ein Gas-anschluß
Born gewählt. Der Verein zählte neuer- des Ortes „fiel mangels Nachfrage ins
dings 237 Mitglieder. Wasser“.
Anfang Februar veranstaltete die FF-Oe- Im Mai richteten Rowdies auf der Oedin-
dingen im Festzelt am Dorfgemein- ger Mülldeponie Schäden von Zigtau-
schaftshaus die traditionelle Karnevalssit- sendmark an, indem sie mit den schweren
zung. Als Sitzungspräsident fungierte betrieblichen Räumungsgeräten der De-
Wolfgang Schmitz, der das Narrenschiff ponie die sichere Umzäunung und das be-
fest in der Hand hatte. sonders befestigte Eingangstor demolier-
Ihren 90 ten Geburtstag feierte die ehe- ten.
malige Pianistin Mimi Lesle-Hutans, Schü- Mitglieder des Ortsbeirates Oedingen
lerin bei Krehl, Teichmüller, Martinsen und des Stadtrates von Remagen nahmen
und Max Reger. Sie musizierte nach Ab- an einem drei-tägigen Besuch der Part-
schluß der Ausbildung erfolgreich in vie- nerstadt Maissons-Laffitte / Frankreich
len internationalen Konzertsälen und teil. Den Teilnehmern wurde an Ort und
war vertraglich an den Sender Stettin / Stelle der Verwaltungsmechanismus einer
Pommern gebunden. Nach der Vertrei- französischen Kommune sowie die Arbeit
bung 1945 wirkte sie in der Bundesrepu- des Stadtrates vorgeführt. Besichtigun-
blik und verbrachte ihren Lebensabend gen und gastfreundliche Geselligkeiten
rüstig im Kreise ihrer Familie hier in Oe- rundeten die erlebnis- und lehrreiche Vi-
dingen. site ab.
Mitte März wurde Oedingen durch ein Nach den Kommunalwahlen im Juni
trauriges Ereignis geschockt. Der Oedin- wurde der bisherige Stadtrat und Oedin-
ger Real-schüler Stephan Thomas (15) ger Bürger, Günter Johnke (CDU) erneut
nahm Pflanzengift und starb nach acht für die nächsten vier Jahre bestätigt. Ru-
Tagen Todeskampf qualvoll in der Unikli- dolf Wißkirchen (SPD) kam als zweiter
nik BONN. Der Auslöser war ein Schüler- Oedinger in den Stadtrat. Karl Beelke
streich, der von seinen Klassen-kamera- wurde als sachverständiger Bürger im
den ausgeklügelt wurde. Danach sollte er Kulturausschuß des Stadtrates verpflich-
dem Lehrer die Schlüssel zum Zimmer und tet.
zu den Klassenschränken entwenden, Das seltene Fest der eisernen Hochzeit (65
was ihm auch gelang. Dieser Leichtsinn Jahre gemeinsamer Lebensweg) feierten
wurde ihm als schwerer Diebstahl ausge- Auguste und Friedrich Born, Burgstraße.
legt, und ihm der sofortige Schulverweis Soweit man sich entsinnen konnte, war es
von der Realschule in Bad-Godesberg an- in Oedingen das erste Fest dieser Art.

130
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1985

Die gemeinsame Kläranlage für Werth- trudiskirche. Es beteiligten sich die Kin-
hoven, Züllighoven, und Oedingen wurde der-Instrumental-Gruppe unter Leitung
am 1. September ihrer Bestimmung über- von Renate Nikodemus, der Frauenkir-
geben. chenchor (Ltg. Hajo Braun) und der MGV
In der Sonderklasse konnte Oedingen „Cäcilia 1882“ (Ltg. Willibrod Schmitt).
beim Wettbewerb „Unser Dorf soll schö- Die Presse berichtete enthusiastisch über
ner werden 1984“ unter 53 Teilnehmern die herausragenden Leistungen der Mu-
den 7. Platz behaupten. Es gab eine Prä- sizierenden und Sänger.
mie von 500,- DM.
In der Ortsbeiratssitzung am 10. August
wurden die neugewählten Mitglieder des 1985
Beirates durch den Bürgermeister Hans- Der Oedinger Ortsbeirat in Zusammenar-
Peter Kürten verpflichtet. Namentlich: beit mit dem örtlichen Kulturausschuß
Ortsvorsteher Klemens Weber, Stellver- riefen zu Beginn des Jahres zu einer
treter Hans Bungard, Karin Eregger, Heinz Baumspenden-Aktion auf. Eine Haus-
Heuser, Toni Hillen, Hans Kossin, Herbert sammlung wurde im März angekündigt.
Stolz, und Gerhard Wolff. Gesammelt wurden dann 4.500,- DM, die
Das Dorfgemeinschaftshaus erhielt einen für den Kauf von Bäumen zur Verfügung
neuen Außenanstrich. In Eigenleistung standen. In einer Pflanzaktion setzten die
unter Leitung von Josef Dernbach und Spender ihre Bäume mit Hilfe der Stadt-
Robert Schmitt beteiligten sich mehrere gärtner an die vorgesehenen Standorte.
Bürger an den Arbeiten. Zum Abschluß gab es eine feuchtfröhli-
Die „Alten Herren“ des Sportvereins che, gesellige Veranstaltung.
Grün-Weiß Oedingen folgten einer Einla- Unser Mitbürger, Herr Anton Elz, Orts-
dung nach Berlin auf Initiative des 2. Vor- bürgermeister von 1969 bis 1974, starb
sitzenden des SV Hans Kossin. Höhepunkt am 20. März im 76ten Lebensjahr nach
in einem abwechslungsreichen Pro- geduldig ertragenem schweren Leiden.
gramm war ein Freundschaftsspiel unse- Der ganze Ort erwies ihm die letzte Ehre.
rer „Alten Herren“ gegen die Sportge- Unser Ortspfarrer, der Franziskanerpater
meinschaft der Verwaltung des Deut- Bentivolius (Heinrich) Marxen, hatte in
schen Bundestages, das unsere Spieler mit diesem Jahr gleich drei Jubiläen. Am 30.
4 : 1 für sich entschieden. Juli war er 25 Jahre Priester in Oedingen,
Im November dieses Jahres feierte die am 9. August waren 50 Jahre seit seiner
Pfarrbücherei ihr 60jähriges Bestehen. Priesterweihe vergangen, und am 27. Ok-
Guido Scheffler und Sigrid Heller war es tober vollendete er sein 75. Lebensjahr.
zu danken, das in Jahresfrist die Biblio- An diesem Tag wurden alle drei Jubiläen
thek nach modernen Erkennt-nissen neu unter Teilnahme vieler Gemeindemitglie-
aufgebaut wurde und sie der Öffentlich- der in seiner Ordensgemeinschaft auf
keit wieder zugänglich gemacht werden dem Apollonarisberg Remagen gefeiert.
konnte. Der Bestand hatte sich von an- Die Oedinger Deponie, lange Zeit Anlaß
fänglich 270 Bänden auf 800 erhöht. zu Beanstandungen seitens der Ortsein-
Die katholische Pfarrfamilie veranstaltete wohner (Gestank, rasender Zubringerver-
anläßlich der Weihe ihrer neuen Orgel ein kehr usw.), wurde inzwischen so gut sa-
groß-artiges Adventskonzert in der Ger- niert, daß sie nach einer Untersuchung

131
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1986

durch ein Freiburger Institut mit „Gut“ Rheinland-Pfalz für besondere Verdien-
bewertet wurde und den gängigen Vor- ste um die Bürgerschaft.
schriften entsprach. Oedinger Jugendliche diskutierten mit
Im Juni feierte die FF – Einheit Oedingen den hiesigen Mandatsträgern über Mög-
ihr 50jähriges Bestehen mit Gastwehren, lichkeiten der Freizeitgestaltung und ver-
Umzug durch den Ort, Schauübungen, fügbare Räumlichkeiten. Die Politiker
Tanz und Geselligkeit. In einer Festschrift sagten Unterstützung der Aktivitäten, z.
wurde die mühselige Entwicklung, vor- B. des Junggesellenvereins, der kath.
dergründig im materiellen Bereich, of- Pfarrjugend, der Sportjugend u.s.w. zu.
fengelegt. Anfänglich nur mit ein-fachen In der Adventszeit wurde der Pfarrge-
Sprossenleitern und Ledereimern ausge- meinde-Bazar im Dorfgemeinschaftshaus
stattet, verfügte man nun über ein mo- veranstaltet, der diesmal hervorragend
dernes Gebäude und eine TS 8/8 kom- organisiert war und einen guten Ver-
plette Ausrüstung mit Arbeitsanzügen kaufserlös erbrachte. Das Geld wurde für
und 300 m Schlauch-material sowie den die Renovierung der Gertrudiskirche be-
notwendigen Einsatzgeräten. reitgestellt.
Unter Leitung von Landrat Dr. Plümer be-
reisten im Juli Kommunalpolitiker die
Verkehrswege im Kreis, u.a. auch in Oe- 1986
dingen. Hier ging es hauptsächlich um die Mitte Januar hielt der MGV „Cäcilia 1882“
südliche Um-gehungs-straße Oedingens. Oedingen seine Jahreshauptversamm-
Es lagen verschiedene Planungen vor, die lung in der Gaststätte Breuer ab. Schrift-
nun nochmals vom Straßenbauamt Co- führer Siegfried Schmidt berichtete über
chem überarbeitet werden sollten. ein lebhaftes Vereinsjahr, das neben den
Der Sportverein Oedingen wurde im Au- regelmäßigen Chorproben 21 Auftritte
gust mit der Austragung der Stadtmei- zu verzeichnen hatte (Familien- und Ver-
sterschaften im Fußball beauftragt. Es einsjubiläen, Sängerfeste bei auswärtigen
nahmen acht Mannschaften teil. Der Sie- befreundeten Vereinen mit Sängerwett-
ger war der SV Oberwinter in einem span- streit usw.). In einer Trauergedenkminute
nenden Finale gegen den SV Remagen. wurde des im vergangenen Herbst ver-
Oedingen kam auf den 4. Platz. storbenen Chorleiters Willibrod Schmitt
Mit zahlreichen Eindrücken und Erlebnis- gedacht. Für den vakanten Posten wurde
sen kehrte Ute Müller aus Oedingen im Hajo Braun aus Unkelbach verpflichtet,
Oktober von einer zweiwöchigen Polen- der auch schon länger den Frauen – Kir-
reise zurück, die sie als Preis für eine Ein- chenchor dirigierte.
zelarbeit „Die Deutschen und ihre östli- In der Ortsbeiratssitzung Mitte Januar
chen Nachbarn“ in der Hauptschule Re- kam erneut der Bebauungsplan Ortsmit-
magen gewonnen hatte. te zur Sprache. Bis auf kleine unterbreite-
Im November wurde der neue Bebau- te Änderungs-vorschläge im Amt fand er
ungsplan 93 „Ortsmitte Oedingen“ be- die allgemeine Zustimmung. Außerdem
kannt gemacht. wurde beschlossen, das Oedingen sich
Im Rahmen einer Feierstunde im Landrat- wieder am Wettbewerb „Unser Dorf soll
samt Ahrweiler erhielt unter anderen Kle- schöner werden 1986“ beteiligen wird.
mens Weber die Ehrennadel des Landes Hierzu wurden die Mitbürger aufgeru-

132
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1986

fen, möglichst im eigenen Bereich für Auch Mitte Februar wurde der einge-
einen ordentlich sauberen Eindruck und schlafene Junggesellenverein erneut ins
schönen Anblick zu sorgen (Fassaden, Blu- Leben gerufen. Er ging mit dem Namen
menschmuck, Vorgärten, Straßen und „katholischer Junggesellenverein Ein-
Wege). tracht Oedingen BDKJ“ unter Vorsitz von
Fast zur gleichen Zeit wurde in der Jah- Werner Jungbluth, Stellvertreter Günter
reshauptversammlung der „FF – Rema- Müller, Schriftführer Georg Schmahl an
gen, Einheit Oedingen“ die Gründung die Jugendarbeit.
des „Fördervereins Freiwillige Feuerwehr Am 22.4. verstarb Johannes Vogels, Trä-
Remagen, Einheit Oedingen“ beschlos- ger des Bundesverdienstkreuzes, nach
sen, um so die Mitgliedschaft im Verein langer mit Geduld ertragener Krankheit.
auf vereinsrechtlichen Boden zu stellen. Er stellte sich nach Kriegsende ehrenamt-
In der Gründungsversammlung, zwei Wo- lich in vielen Funktionen der Gemeinde
chen später, wurde der von Günter John- zur Verfügung und hat sich um unseren
ke, Toni Hillen, Siegfried Schmidt und Ru- Heimatort sehr verdient gemacht. Zu er-
dolf Wißkirchen ausgearbeitete Sat- wähnen: Wiederaufbau der Feuerwehr
zungsentwurf vorgetragen und gebilligt. nach dem Kriege, Gemeinderats- und
Der Höhepunkt war dann die Vorstands- Stadtratsmitglied, Vorstandsmitglied in
wahl. Neuer erster Vorsitzender wurde den hiesigen Vereinen und im Pfarrge-
Hans-Willi Jungbluth, sein Stellvertreter, meinderat.
der Einheitsführer der aktiven Wehr, In der Bürgerversammlung mit Stadtbür-
Peter Jungbluth, Kassierer Martin germeister Kürten waren die Kanalbau-
Schmahl, Schriftführer Clemens Weber, maßnahmen und die Kosten in Höhe von
Junior. 7,5 Million Mark sowie die geplante Um-
Die Karnevalssitzung am 18. Januar gehungsstraße Süd, die ein Ingenieur-
wurde von den Oedinger Möhnen anläß- büro in Auftrag bekommen hat, die
lich ihres 11-jährigen Bestehens im Saal Hauptthemen. Nebenher standen auch
der Bürgergesellschaft Werthhoven ver- der Erdgasanschluß sowie die Verkabe-
anstaltet. Sie zogen im vollbesetzten Saal lung des Ortes auf der Tagesordnung.
eine zünftige Schau unter frenetischem Der Sportverein „Grün-Weiß“ feierte mit
Beifall der Teilnehmer ab. einer Sportwoche sein 40-jähriges Beste-
In der Jahreshauptversammlung des hen. Eine eigens gefertigte Festschrift ließ
Sportvereins am 21. Februar wurde neben die Vergangenheit Revue passieren. Po-
den Geschäftsberichten des Geschäftfüh- kalspiele mit be-freundeten Gastverei-
rers und der Abteilungsleiter die obliga- nen, Gymnastik-Vorführungen der in
torischen Neuwahlen durchgeführt. Stadt- Kreis- und Landwett-be-werben er-
Franz-Josef Breuer wurde in seinem Amt folgreichen Gymnastikgruppe unter der
bestätigt, sein Stellvertreter wurde Eck- Trainerin Jytte Dubben und erstmals in
hard Born, Geschäftsführer Dieter Moog Oedingen ein Damenfußballspiel boten
und Kassenwart Volker Meier. Die Ver- den Oedingern abwechslungs- und erleb-
sammlung forderte ein neues Sport- nisreiche Tage.
gerätehaus mit Umkleidekabinen neben Im Berichtsjahr haben die Oedinger Orts-
der neuen Sportplatzanlage und bot Ei- vereine die traditionelle Kirmes aus wit-
genleistungen an. terungs-bedingten Gründen auf den 26. –

133
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1987

29. September vorverlegt. Die gemeinsa- enkirchenchor Oedingen und dem ge-
men Veranstallter waren der Junggesel- mischten Chor „Eintracht Birresdorf“ ein
lenverein, Männergesangverein, Förder- geistliches Konzert in unserer Pfarrkirche
verein der FF-Oedingen und der Sport- St. Gertrudis. Unterstützt wurden die Sän-
verein im großen Festzelt am Dorfge- ger von den Gesangsolisten, der Soprani-
meinschaftshaus. stin H. Janitzki, (Schwester des hiesigen
Am „Elften im Elften“ um 20, 11 Uhr Sängers Georg Hasenknopf) und dem Ba-
eröffneten die Oedinger Möhnen im fest- riton Dieter Amelen sowie Streichern des
lich-karnevalistisch geschmückten Dorf- Bonner Kammerorchesters. Die Gesamt-
gemeinschaftshaus die närrische Session leitung lag in den Händen des Dirigenten
in der fünften Jahreszeit. Hans-Joachim Braun aus Unkelbach. Lie-
Auch in diesem Jahr führte die Pfarrge- der von Franz Schubert, Jakob Christ, Her-
meinde ihren Adventsbazar durch, der mann Bruckner, W-A. Mozart, P.E. Back,
wieder einen beachtlichen Erlös ein- Ludwig v. Beethoven, F.S. Bach und ande-
brachte und der Renovierung der Gertru- re wurden nach gründlicher Einstudie-
diskirche zugute kam. rung gekonnt vorgetragen.
SPD und CDU hielten im Dezember ihre Die Bundestagswahl Ende Januar brachte
Jahreshauptversammlungen ab und in Oedingen für die CDU 335/312, die SPD
konnten beide, je aus ihrer Sicht, Erfolge 68/61, die FDP 25/45 und die Grünen 27/30
verbuchen. Erst- und Zweitstimmen.
Ab 1. Februar galt in Oedingen für den
Fahrzeugverkehr eine Höchstgeschwin-
1987 digkeit von „Tempo 30“. An beiden Ort-
Während der Jahresabschlußfeier 1986 seinfahrten / -ausfahrten wurden große
des MGV „Cäcilia 1882“ im Januar stand Hinweisschilder aufgestellt. Die Beach-
der Vorsitzende Josef Dernbach im Mit- tung der Geschwindigkeitsbeschränkung
telpunkt des festlichen Abends. Er führte wurde stichprobenartig überprüft.
seit 25 Jahren die Sänger mit guten Erfol- Die 5. Jahreszeit wurde am 22. Februar
gen. Er war von Jugend an ein passionier- um 15, 11 Uhr mit dem traditionellen Kin-
ter Sänger und fühlte sich voll und ganz derkarneval im Saal der Gaststätte „Alt
dem Gesang verpflichtet. Der stellvertre- Oedingen“ eröffnet. Es folgte der „Wie-
tende Vorsitzende, Wolfgang Schmitz, verfastelovend“ der Oedinger Moehnen
würdigte seine Leistungen und über- am Donnerstag, dem 26. Februar im oben
reichte dem Jubilar im Namen des MGV genannten Festsaal. Den musikalischen
eine wertvolle alte Sprungdeckeluhr und Rahmen füllte die Band „Los Palmas“ mit
eine Dankurkunde. Rudi Dick aus.
Noch im Januar hielt auch der Förderver- Wieder einmal wurde im März zur Orts-
ein seine Jahreshauptversammlung ab. verschönerung aufgerufen. Der Ortsbei-
Der Wehrführer, Peter Jungbluth, durfte rat und der Ortsausschuß für Kultur- Hei-
berichten, daß im abgelaufenen Jahr mat- und Brauchtumspflege appellierten
1986 unser Ort von schweren Bränden an unsere Mitbürger mit der Bitte um Un-
verschont geblieben war. terstützung beim Wettbewerb „Unser
Im selben Monat veranstaltete der MGV Dorf soll schöner werden 1987“.
„Cäcilia 1882“ Oedingen mit dem Frau- Die Landtagswahlkämpfe tangierten im

134
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1987

März auch unseren kleinen Ort Oedin- Ein gut organisiertes Turnier bot in der
gen. Die SPD führte den Reigen in einer Zeit vom 4. - 12. Juni die Oedinger Sport-
Wahlversammlung mit dem SPD-Land- woche, die der SV „Grün Weiß“ veran-
tagskandidaten Bernd Lang aus Bad Brei- staltete. Es nahmen 8 Gastmannschaften
sig an. Es folgte im April die CDU mit dem im freien Wettbewerb daran teil. Turnier-
Landrat Egon Plümer als Redner. sieger wurde die SG Bengen / Leimers-
Der Ortsbeirat befaßte sich in seiner April- dorf.
sitzung mit dem „Problemmüll“, wohin An den 105. Geburtstag erinnerte vom
damit ? Weiterhin ging es um die Aus- 18.9. bis 20.9. der MGV „Cäcilia 1882“ Oe-
weisung eines Panorama-Wanderweges dingen. Mit einem reichhaltigen musika-
um den Ort Oedingen im Rahmen der lischen Festprogramm wurde dieses Er-
Dorferneuerung. eignis zünftig gefeiert. Es nahmen 8 Ga-
Auch in diesem Jahr wurde am 1. Mai der stchöre aus der näheren Umgebung an
Familienwandertag der Oedinger mit den Gesangdarbietungen teil. Sie haben
guter Beteiligung durchgeführt. Ziel war insgesamt eine gute Werbung für den
unser Nachbarort Birresdorf, um die tech- Chorgesang geleistet. Besonderen Grund
nische Meister-leistung einer Verschie- zur Freude hatten die Mitglieder Josef
bung des gesamten Bauwerks der im 17. Bächer, Stefan Sonntag, Hans Bachem
Jahrhundert erbauten Orts-kapelle zu be- und Klemens Weber für 40 jährige- und
sichtigen. Sie wurde in mühevoller Arbeit Theo Behrens, Helmut Mansfeld sowie
mit Rollen auf unterlegter Schiene um 20 Josef Dernbach für 25 jährige Mitglied-
m verschoben. schaft, für die sie besonders geehrt wur-
Nach alter Väter Sitte wurde am Vor- den.
abend zum 1. Mai dieser angesungen, der Vom 25. Bis 28. September war Kirmes in
Maibaum an der Gertrudiskirche aufge- Oedingen, veranstaltet von den Ortsver-
stellt und die Junggesellen-Aspiranten in einen unter reger Beteiligung aller Dorf-
die Reihen der Aktiven aufgenommen. bewohner. Der Höhepunkt war am Sonn-
Mit allerlei „Schnickschnack“ mußten sie tag das schmissige Platzkonzert im Fest-
ihre Einstellungsprobe bestehen. Die zelt und der anschließende Festzug durch
Nacht wurde dann zum Tage mit dem den ganzen Ort.
Aufstellen der „Maischen“ (Maibäume) Unter dem Motto „Kinder helfen Kin-
für die „Herzallerliebsten“. dern“ wurde von der katholischen Ju-
Die Landtagswahl am 17. Mai brachte in gendgruppe im Oktober ein Jugendgrup-
Oedingen folgende Ergebnisse: Es ent- pentag veranstaltet. Unter Leitung von
schieden sich bei einer Wahlbeteiligung Michaela Dernbach, Marlis Theisen und
von 467 Personen für die CDU 270, für die Dirk Holstein wurden der Basar und ein
SPD 126, für die Grünen 17 und für die Spielzeugmarkt eröffnet. Mit einer ge-
FDP 45 Wähler. lungenen Kinderhitparade ging man zum
Viel Anklang fand das Sommerfest des geselligen Teil über und erfreute mit vie-
Fördervereins der Freiwilligen Feuerwehr len unterhaltsamen Darbietungen und
Remagen - Einheit Oedingen. Mit unter- Wettspielen Jung und Alt. Der Erlös
haltsamen Kinderspielen und Belustigun- wurde dem SOS-Kinderdorf „Esmeralda“
gen für alt und Jung wurden die zahlrei- in Ecuador zugeleitet.
chen Gäste erfreut. Zu einem besonderen Festtag wurde am

135
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1988

16. Oktober die Einweihung der in Eigen- Platz unter 45 Teilnehmern beim Wettbe-
leistung erstellten Grillhütte. Sie wurde werb „Unser Dorf soll schöner werden
feierlich mit Segnung durch den Orts- 1987“ wurde für den weiteren Ausbau
pfarrer der Dorfgemeinschaft übergeben. der Florianshütte zur Verfügung gestellt.
Diese ansprechende rustikale Hütte liegt Der Anschluß Oedingens an das Gasnetz
an der Kreisstraße nach Unkelbach, hier der Energieversorgung Mittelrhein
an der Abzweigung zur Mülldeponie und wurde zurückgestellt, da für 1988 keine
sie erhielt den Namen „Florianshütte“. Geldmittel zur Verfügung standen.
Der Bau der Hütte ging auf eine Initiative Wie alljährlich wurde am 1. Advent der
der Hallen-gemeinschaft zurück. Die Bau- Pfarrbasar veranstaltet. Der Erlös (etwa
zeit dauerte mit Eigenleistungen der FF- 8,000,- DM) wurde wie bisher für den Aus-
Einheit Oedingen und Arbeitsgruppen bau der Gertrudiskirche bereitgestellt.
der Vereine, politischen Gruppierungen Am 11.12. veranstaltete Frau Renate Ni-
und Pfarrgemeinde ein volles Jahr. Die codemus, Musiklehrerin an der Kreismu-
Bauleitung hatte der Oedinger Architekt sikschule, mit dem Schülerkreis dieser
Josef Niederstein. Schule ein festliches Weihnachtskonzert
Eine Ausstellung Remagener Hobby- in der Gertrudiskirche.
Künstler, die erstmals im November im Zum Abschluß dieses Jahres beteiligten
Foyer der Rheinhalle demonstriert wurde, sich die Oedinger-Sportschützen an den
war auch für die Oedinger Bürger von In- Wettbewerben zur historischen Stadt-
teresse, da unter anderen der Oedinger meisterschaft. In der Sonderklasse „Luft-
Hobby-Maler, Karl Ellerbrock, mit beacht- gewehr“ errangen Georg Hasenknopf
lichen Werken, wie Bleistift- Rötelfeder- den 1. und Dieter Holstein den 2. Platz.
zeichnungen und Aquarellen vertreten
war.
Im November tagte der Ortsbeirat. Der 1988
Ortsvorsteher Klemens Weber verab- Der Oedinger Siegfried Schmidt, Vorsit-
schiedete Karin Eregger nach 6 jähriger zender des SPD-Stadtverbandes, wurde
Tätigkeit im Beirat und verpflichtete als im Januar 50 Jahre. Er war auch im Oe-
Nachfolgerin Angela Siegmund. Als näch- dinger Ortsbeirat aktiv tätig.
ster Tages-ordnungspunkt wurde der auf Am 11. Februar erhielt Dr. Siegmund Hel-
6 Monate befristete Model-versuch einer ler aus Oedingen als erster Bürger der
„30 Kilometerzone“ in ganz Oedingen Stadt Remagen den neuen Europa-Paß.
behandelt. Das positive Ergebnis der Heller ist Stadtverbandsvorsitzender der
Kreisverwaltung von Juli bis Dezember CDU, Kreistagsmitglied und als Europa
wurde durch mehrere Polizeikontrollen Beauftragter aktiv tätig.
ermittelt und von Fall zu Fall immer wirk- Der Förderverein der FF-Oedingen gestal-
samer im Sinne des Gebotes. Noch mehr tete Mitte Februar den Karneval mit einer
Wirkung für das Tempolimit versprach außergewöhnlichen Prunksitzung im Bür-
sich die Kreisverwaltung von verkehrsbe- gersaal des Nachbarortes Werthhoven
ruhigenden Eingriffen auf Oedinger (Pössem). Hans-Willi Jungbluth führte
Straßen. Der Ortsbeirat war mit diesen durch ein abwechslungsreiches Pro-
Planungen einverstanden. gramm, das von den aktiven Vortragen-
Der Preis (Prämie) von 500,- DM für den 7. den und Schaustellern in bunter Form

136
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1988

dargeboten wurde und die zahlreichen Wohnsitz nach Stuttgart.


Gäste von den Stühlen riß. Lach- und Das Jugendgruppenfest der katholischen
Klatschsalven am laufenden Band erfüll- Jugend im Juni, diesmal erstmals in der
ten den Saal. neuen „St. Florianshütte“ veranstaltet,
Die Oedinger Mülldeponie, Dauersorgen- wurde wieder ein voller Erfolg.
kind unseres Ortes, würde nach Auffas- Der Förderverein der FF-Oedingen hatte
sung der Kreis- und Stadtverwaltung wie in all den Jahren zuvor im Juni zum
noch einige Jahre in Betrieb bleiben. So „Tag der offenen Tür“ eingeladen. Es be-
die Informationen aus erster Hand stätigte sich die Erfahrung, daß die FF mit
während der Bürgerversammlung im Fe- ihrem gut vorbereiteten Programm Gäste
bruar. anlocken und erfreuen konnte. So wur-
Die Oedinger Bürger Bernhardine und den auch diesmal „Jung und Alt“ in ihren
Karl Simons feierten im Februar ihre Dia- Erwartungen nicht enttäuscht.
mantene Hochzeit (60 Jahre verheiratet). Im August erhielt unser geschätzter Mit-
Das Jubelpaar, noch recht rüstig, wurde bürger, Josef Dernbach, die Verdienstme-
vom Landrat Dr. Egon Plümer, Bürgermei- daille des Verdienstordens der Bundesre-
ster Hans-Peter Kürten, Ortsvorsteher publik Deutschland aus der Hand des
Weber sowie von den Vereins- und Insti- Kreisdeputierten Gerhard Steffens. Oe-
tutuions-Vorsitzenden beglückwünscht. dingen gratulierte und es gab sicher kei-
Der Förderverein der FF-Oedingen zählte nen Mitbürger, der ihm die Auszeichnung
Anfang April 180 Mitglieder. In der Jah- mißgönnte. Seine ehrenamtlichen Tätig-
reshaupt-versammlung wurde durch keiten, seit 62: Vorsitzender des MGV und
Neuwahl der bisherige Vorstand: 1. Vor- Mitglied des Pfarrgemeinderates sowie
sitzender Hans-Willi Jungbluth, Stellver- des Pfarrverwaltungsrates, des Ortsbeira-
treter Peter Jungbluth und Schatzmeister tes, der Hallen-gemeinschaft sowie im
Martin Schmahl wieder bestätigt. Kulturausschuß. Er war immer ein Mann
In der Bürgerversammlung im April dieses der Tat, wortkarg, dennoch vorbildlich in
Jahres ging es wieder mal hoch her um seinen Einsätzen für die Dorfgemein-
das leidige Thema „Mülldeponie“. Stadt schaft, unentgeltliche Hilfen bei der Re-
und Kreis plädierten aus Kostengründen staurierung des Friedhofes, der beiden
für eine Erweiterung, die nach längerem Gotteshäuser, des Dorfgemeinschaftshau-
Ringen von den Oedingern aus Einsicht ses usw.. Sein Leitspruch: „Kommt, ma-
gebilligt wurde. Als Gegenleistung wur- chen wir mal!“.
den Stadt und Kreis sehr deutlich aufge- Im September wurde der neue Friedhofs-
fordert, das Verkehrsrowdytum der Müll- teil eingeweiht, der von der Pfarrgemein-
zubringer sofort und energisch zu unter- de in Eigenleistung hergerichtet wurde.
binden. Abschließend gaben die Behör- Auch hier waren der Pater Bentivolius
den-vertreter das Versprechen ab, durch Marxen und der o.a. ausgezeichnete Josef
häufige Kontrollen Abhilfe zu schaffen. Dernbach die Initiatoren.
In der CDU wurde in einer Mitgliederver- Ende September nahm die Kirmes ihren
sammlung Ende Mai der bisherige Vorsit- traditionellen Verlauf. Im Umzug wurde
zende Stephan Pieck verabschiedet und das Maikönigspaar, Dirk Holstein und
als Nachfolger Ludwig-Heinrich Meier ge- Anja Braun, durchs Dorf kutschiert. Alles
wählt, Pieck wechselte beruflich seinen in allem waren vier Tage Belustigungen

137
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1989

und Freude am bunten Treiben angesagt. tenrednern sowie Tanz- und Show-Grup-
Im Oktober erschien die Broschüre „Zur pen. Zum Schluß war sich die Mehrheit
Geschichte von Oedingen“, die von dem der Besucher einig: „das erlebte war
Mitbürger Karl Beelke geschrieben und „Erste Sahne“ und wirklich „jood““.
von Dieter Holstein drucktechnisch ge- Noch zu Beginn des Jahres besuchte die
staltet wurde. Sie wurde an jeden Haus- Rheinzeitung den Remagener Ortsteil
halt im Zusammenhang mit dem Verkauf Oedingen. Das Interesse galt der Ortsent-
der Martinslose kostenlos verteilt. Diese wicklung unseres Höhenortes. Ortsvor-
Schrift wurde akribisch erarbeitet und be- steher Klemens Weber machte eingangs
schreibt die Zeit von 853 - 1817 nach Aus- deutlich, daß innerhalb von 18 Jahren die
wertung umfangreichen Archivmaterials. Bevölkerung von 350 Einwohnern auf 850
Sie fand Anerkennung im Landesarchiv angewachsen sei. Ein Schwerpunkt der
Koblenz, Bistums-Archiv Trier, Kreis- und Ortsentwicklung sei der Ausbau der Orts-
Stadtarchiv und Interesse bei vielen Oe- mitte als Dorfzentrum mit einem kleinen
dinger Bürgern. Weiher und eventuell einer Mehrzweck-
Mitte Dezember befaßten sich die Sozial- halle. Im aktuellen Entwicklungspro-
demokraten Oedingens in einer gut be- gramm steht das flächendeckende Ab-
suchten Mitgliederversammlung mit dem wassernetz in Arbeitsgemeinschaft mit
leidigen Dauerbrenner „Mülldeponie“. den Nachbarorten Züllighoven und
Sie kamen zu dem Ergebnis, daß „20 Werthhoven. Ein Umweltproblem stellte
Jahre Mülldeponie“ genug sind. Man die Mülldeponie dar, Verkehrs- und Ge-
werde sich mit allem Nachdruck für ein ruchsbelästigungen nahmen Überhand.
Ende in Kürze einsetzen. Der Kreis war um Abhilfe bemüht und
versprach die Stillegung bis 1992.
Im CDU-Ortsverband gab es im März
1989 einen unerwarteten Führungswechsel.
Der Vorsitzende des ständigen Arbeits- Der bisherige Vorsitzende, Ludwig-Hein-
kreises Europa-Politik des CDU-Kreisver- rich Meier, Betriebswirt grad. bei der Luft-
bandes Ahrweiler und Europa-Kandidat hansa-Zentrale Köln, übernahm im Auf-
Dr. Sigmund Heller (Oedinger Mitbürger) trag dieses Unternehmens die kaufmän-
zieht Bilanz. Er trifft die Feststellung, daß nische Leitung ihres Stützpunktes auf
das vergangene Jahr erfolgreich in der dem Flughafen Peking in China. Zum
Europa-Politik abgelaufen ist, und der Nachfolger wählte der Ortsverband Toni
Kreisverband mit vielen Aktivitäten dazu Hillen, der bereits im Vorstand und als
beigetragen habe. Ortsbeiratsmitglied sein politisches Kön-
Mitte Januar feierte der Förderverein der nen unter Beweis gestellt hatte.
Freiwilligen Feuerwehr Oedingen sein tra- Den europäischen Gedanken stärken war
ditionelles „Fastelovend“ im Bürgersaal das Ziel eines Schülerwettbewerbs, an
Werthhoven. Es war eine phantastische dem sich die Realschule Remagen mit 5
Sitzung unter der Leitung des Präsidenten Klassen (gesamt 100 Schüler) beteiligte.
im „Elferrat“, Hans-Willi Jungbluth. Er Ganz vorne im Wettbewerb plazierte sich
präsentierte ein Programm voll neuer der Oedinger Realschüler Alexander Bun-
Ideen und karnevalistischen Darbietun- gard, der mit viel künstlerischer Phantasie
gen mit „Insidern“ und auswärtigen Büt- für die Einheit Europas geworben hatte.

138
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1989

Der Ortsbeirat unter dem Vorsitz von Kle- Die Kommunalwahlen brachten in Oe-
mens Weber beschäftigte sich im März dingen folgende Ergebnisse in Prozent
mit den Kanalbaumaßnahmen und den ausgedrückt: CDU 52, SPD 41, Grüne 4,4,
Kostenfragen hierzu. Weiter wurden die Bürgerliste Remagen 1,8 und Bürgerliste
Probleme der Busverbindungen erörtert. Oberwinter 1,2.
Anfang April führte der Förderverein der Mitte Juli wurden ostwärts von Oedingen
FF-Oedingen seine Jahreshauptversamm- (etwa 1 km) in den Teichen der Kaolingru-
lung durch. Der Vorsitzende Hans-Willi be mißgebildete Erdkröten entdeckt. Es
Jungbluth konnte ein Drittel der zur Zeit fehlten bei jungen Reptilien manche Glied-
167 Mitglieder begrüßen. Im Bericht über maßen. Die Ursachen wurden in der Ver-
die Einsätze des vergangenen Jahres schmutzung der Teiche nach dem Kriege
wurde die Beteiligung an der Reini- vermutet. Da der Besitzer die Teiche vor ei-
gungsaktion der Rheinufer besonders nigen Jahren gründlich gesäubert und
hervorgehoben. dabei allerlei Schrott (alte Mopeds, Fahrrä-
Noch Anfang April besuchte die Fraktion der usw.) herausbefördert hatte, beteuer-
der FDP im Mainzer Landtag unsere Müll- te er, daß die Teiche so sauber seien, daß er
deponie. Sie wollten sich über die mo- seit Jahren Fische züchten konnte, ohne
dernste Abfallentsorgung informieren. Ausfallerscheinungen beobachtet zu
Im Mai feierten die Oedinger Berta und haben. Nach monatelangen Untersuchun-
Bernhard Schrade das Fest der Goldenen gen konnte auch nicht geklärt werden,
Hochzeit. Beide stammten aus Ost- woher die Mißbildungen kamen.
preußen und kamen nach dem Kriege In Sachen Mülldeponie wurde von der
1950 auf Umwegen nach Oedingen, wo Kreisverwaltung das Ende der Ablage-
sie sich ein zweites Zuhause aufbauten. rungen in 1995 angesagt.
Ende Mai weilte Landrat Joachim Weiler Der Oedinger Bürger Rudi Wißkirchen
auf Einladung des CDU-Ortsverbandes in wurde Anfang Juli von der SPD-Stadtrats-
Oedingen. In seiner Ansprache befaßte er fraktion (Gesamtstadt Remagen) zu
sich mit den hinlänglichen Ortsproble- ihrem Fraktionsvorsitzenden gewählt.
men und versprach in besonders schwie- Im August fand die konstituierende Sit-
rigen Fällen Abhilfe; so, Mülldeponie, zung des neugewählten Ortsbeirates
Verkehrsbelästigungen, Kanalisation und statt. Klemens Weber wurde in seinem
Dorferneuerung sowie auch die Kosten- Amt für weitere 5 Jahre bestätigt. Orts-
beteiligung der Bürger. beiratsmitglieder waren außerdem CDU:
Dr. Heller gab im Juni den Vorsitz über Hans Bungard, Heinz Heuser, Anton Hil-
den Stadtverband der CDU ab. Er hatte len, SPD: Georg Hasenknopf, Hans Kossin
das Mandat über 11 Jahre inne. Er wurde und Siegfried Schmidt.
zum gleichen Zeitpunkt als Kreistagsmit- Traditionsgemäß wurde in der Zeit vom
glied gewählt. Für Oedingen eine nützli- 24.6 bis 2.7. die Sportwoche des SV Grün-
che Sache, einen Mitbürger im Kreistag Weiß Oedingen durchgeführt.
zu haben. Im Oktober wurden in einer Ortsbeirats-
Im Zusammenhang mit den Kommunal- sitzung zum wiederholten Male die Ver-
wahlen verabschiedete sich auch Günter kehrsberuhigungs-Probleme behandelt.
Johnke aus dem Stadtrat, dem er 10 Jahre Fazit: Es blieb bei Tempo 30 im gesamten
angehörte. Ort.

139
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1990

Ende September nahm die weit über Oe-


dingens Grenzen hinaus bekannte be-
1990
liebte Kirmes ihren Verlauf. Diesmal war Der Ausschuß für Umwelt- und Natur-
die Attraktion das Maikönigspaar Anto- schutz der Stadt Remagen traf sich Mitte
nella Granata und Herr Gemein, die von Februar zu einer Ortsbesichtigung auf
den Junggesellen in einem Festzug zum dem Gelände der Mülldeponie in Oedin-
Festplatz geleitet wurden. Ansonsten gen. Das Abfallreferat der Kreisverwal-
waren die Veranstaltungen - wie immer - tung stand Rede und Antwort.
ein Erfolg. Am 22. Februar veranstalteten die Oedin-
Klemens Weber, Ortsvorsteher und seit ger „Moehnen“ ihre traditionelle „Wie-
18.Juni auch Stadtratsmitglied, feierte ver-fastelovend“ im Dorfgemeinschafts-
Anfang Oktober im Kreise vieler Gäste haus, wie immer mit vielen närrischen
aus dem öffentlichen Leben sowie Famili- Überraschungen.
enangehörigen und guten Freunden sei- Der Ortsbeirat beschäftigte sich erneut
nen sechzigsten Geburtstag. Der Landrat mit dem Ausbau Oberwintererweg, Am
Joachim Weiler ließ es sich nicht nehmen, Kaolingrund und der Waldstraße. Es
persönlich zu gratulieren. wurde der neue geänderte Ausbauplan
Zur gleichen Zeit wurden die Oedinger El- vorgestellt.
friede und Franz Hange vom Bundesmi- Den Oedingern wurde im Februar vom In-
nister Hans Klein mit dem großen Ver- stitut für Zoologie der Universität Mainz
dienstkreuz der Bundesrepublik Deutsch- mitgeteilt, daß jegliche Mutationen als
land ausgezeichnet. Beide waren von der Ursache der Mißbildungen von Erdkröten
ersten Stunde der Bundesrepublik als in der Gemarkung Oedingen auszusch-
Journalisten in Bonn tätig. Franz Hange ließen sind.
wurde 1965 Stabschef im Bundespresse- Die K40 (Wachtbergstraße) war erneut
amt. Seine Ehefrau Elfriede gehörte als Gegenstand heftiger Auseinandersetzun-
Vorstands-mitglied der Bundespressekon- gen des Ortsbeirates mit Vertretern der
ferenz und des Bundespresseclubs an. Stadt- und Bezirksbauleitung. Es wurde
Im November demonstrierten Oedinger mit aller Härte, sogar mit Straßensperren
Bürger gegen den Gestank von der Müll- gedroht, wenn nicht bald eine Verkehrs-
deponie. Unter den Demonstranten beruhigung durchgesetzt würde.
waren auch der Ortsvorsteher und das Im März erhielt Dr. Siegmund Heller aus
Stadtratsmitglied Klemens Weber, sowie Oedingen, der langjährige Europabeauf-
sein Stellvertreter Hans Kossin und das tragte des CDU-Kreisverbandes, aus der
Stadtratsmitglied Rudi Wißkirchen. Der Hand des Ministerpräsidenten Carl-Lud-
Leiter der Vollzugspolizei des Kreises, wig Wagner (Rhl.-Pfalz) den „Merit-Euro-
Manfred Schiemann, sowie Vertreter der peen-Orden“ in Silber.
Kreisverwaltung erschienen vor Ort, um
die Demonstration (Straßensperre vor Im selben Monat feierte unser Pater Ben-
dem Eingang der Deponie) aufzulösen. tivolius Marxen sein diamantenes Or-
Erst nach Zusicherung eines schnellen densjubiläum im Kreise seiner Franziska-
Umschichtungsverfahrens löste sich die ner Ordensbrüder, Verwandten, Gästen
Demonstration auf. aus seiner Heimat und den Niederlanden
sowie den Oedingern Pfarrgemeinderats-

140
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1990

mitgliedern im Apollinaris-Kloster zu Re- Kreistags- und Bundestagsabgeordnete


magen. der SPD, Hans Wallow, teil.
In der Mainacht erlaubten sich einige Oe- Im selben Monat feierten die Oedinger
dinger Zeitgenossen einen tollen Scherz. Sänger ihr Sommerfest in und um die
Sie proklamierten mit einem großen Fir- Grillhütte. Bierbrunnen und Imbißstand
menschild im Garten eines erfahrenen sorgten für das leibliche Wohl. Alt und
Kartoffelzüchters diesen zum „Kartoffel- Jung wurden mit allerlei Kurzweil bei be-
könig“. Wie aus sicherer Quelle zu erfah- ster Stimmung unterhalten.
ren war, handelte es sich bei den Erzeug- Die Oedinger CDU-Mitglieder unternah-
nissen des Pensionärs um die schmack- men nach guter Vorbereitung durch Toni
haftesten und größten „Oedinger Grum- Hillen und Klemens Weber eine Fahrt
pere“, die es je gab. Der Geehrte war Toni über die damalige Zonengrenze nach Ei-
Hillen. senach. Im Mittelpunkt stand der Besuch
Im Mai veranstaltete die SPD unter ihrem der Wartburg. Den Teilnehmern wurde
Vorsitzenden Siegfried Schmidt eine Orts- kurz vor der Wiedervereinigung, damals
begehung mit dem Anliegen: „Wenn wir noch nicht im Gespräch, ein Einblick in die
den Müll nehmen, dann soll der Kreis uns Verhältnisse der damaligen DDR vermit-
auch eine ordentliche Zufahrt zur Depo- telt.
nie bauen!“. An der Begehung nahmen Die „Alten Herren“ des SV hatten sich
außer den Stadtrats-mitgliedern auch der Ende August was ganz besonderes einfal-

141
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1991

len lassen. Durch Initiative ihres Mitglieds, eingeweiht wurde. Mit der dritten Stro-
Adi Esch, konnten zwei Fußballspiele phe des Deutschlandliedes und ansch-
gegen eine kolumbianische Polizeimann- ließendem Umtrunk klang die Besin-
schaft, die einen 3 wöchigen Ausbil- nungsstunde aus.
dungslehrgang beim BKA absolvierten Vertreter der EVM (Energie-Versorgung-
(Esch seine Dienststelle) organisiert wer- Mittelrhein) informierten die Oedinger
den. Die Oedinger gewannen beide Spie- Bürger über eine mögliche Ferngasver-
le mit 5:1 und 8:1 ohne die entstandene sorgung.
Freundschaft zu trüben. Es wurden ab- Ende November kam im Rahmen des Bun-
schließend mit „Gegrilltem“ und einem destagswahlkampfes der Bundestagsab-
Faß Bier die völkerverbindenden Erleb- geordnete Karl Deres (CDU) zum Früh-
nisse in der Grillhütte zünftig gefeiert. schoppengespräch nach Oedingen. Er re-
Der Kreis mußte weitere 4 Millionen DM ferierte vor zahlreich erschienenen Bür-
für die Nachrüstung der Müll-Deponie in gern über die „Verantwortung für
Oedingen zahlen. Deutschlands Zukunft“.
Der Landrat versprach schriftlich den Oe- Die Bundestagswahl Dez. 1990 erbrachte
dingern den Ausbau der K40 in 1991/92. folgende Ergebnisse in Oedingen:
In der Ortsbeiratssitzung Ende August CDU: 277 (54,96 %), SPD: 140 (27,77 %),
wurde als wichtigster Tagesordnungs- FDP: 45 (8,90 %), Die Grünen: 26 (5,10 %),
punkt die Beratung und Beschlußfassung Sonstige: 16 (2,99 %).
über das „Dorferneuerungsprogramm“
abgehandelt. Es wurde einstimmig der
Antrag um die Aufnahme in das Pro- 1991
gramm an die Stadt Remagen gestellt. Das neue Jahr begann recht hoffnungs-
Noch Ende August feierten Erna und Ar- voll. In der Ortsbeiratssitzung vom 25. Ja-
nold Bücken das Fest der Goldenen Hoch- nuar wird mit Ortsvorsteher Klemens
zeit. Sie waren seit 1971 Oedinger Bürger. Weber, den Beiratsmitgliedern Hans Bun-
Die Oedinger Junggesellen feierten in Ge- gard, Heinz Heuser, Hans Kossin, Georg
meinschaft mit den übrigen hiesigen Ver- Hasenknopf und Siegfried Schmidt sowie
einen Ende September wieder die alther- dem Kreistagsmitglied Dr. Siegmund Hel-
gebrachte Kirmes. Ein gemeinsamer ler und den Stadtratsmitgliedern Her-
Umzug durch den Ort krönte die vielfälti- mann-Josef Fuchs und Rudi Wißkirchen
gen Darbietungen an Unterhaltung und die Neu- und Umgestaltung der Müllde-
Lustbarkeiten. Der Erfolg: alle Einzelver- ponie Oedingen beraten. Als Sachver-
anstaltungen waren voll ausgebucht. ständige erläuterten der Vertreter der
Am 3. Oktober, dem Tag der „Deutschen Kreisverwaltung, Herr Hommesen, der
Einheit“, rief der Ausschuß für Kultur- Leiter des Bauamtes Remagen, Herr Ra-
und Brauchtumspflege die Oedinger Ein- phael Helmrich und der Landschaftsarchi-
wohner (Vereine und Institutionen) zu tekt, Herr Arenz, die neuen Planungsvor-
einer kleinen Feierstunde am zukünfti- haben, wie Neugestaltung des Eingangs-
gen Ortsmittelpunkt auf. Es wurde zur Er- bereichs (Computerwaage, Teerstraßen).
innerung an diesen denkwürdigen Tag Bis zum heutigen Tage sind 7,5 Mio. DM
eine Linde gepflanzt, die vom Pater Ben- für die Sanierung und Ausbau ausgege-
tivolius mit einer würdigen Ansprache ben worden. Bis zur planmäßigen Verfül-

142
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1991

lung 1995 und der Nachbehandlung bis Werner Aufenanger. Er war Referent des
1997 werden die Kosten auf 18 Mio. DM Wehrbeauftragten in der Verwaltung des
anwachsen. deutschen Bundestages und in aller Öf-
Der zweite hochinteressante Punkt der fentlichkeit bekannt als Rechtsberater
Tagesordnung galt dem neuen Bebau- verschiedener parlamentarischer Unter-
ungs-plan-konzept „Ortsmitte Oedin- suchungsausschüsse.
gen“. Es wurde hier beraten, nun alle Am 9. Juni veranstaltete die Oedinger De-
Auflagen der Umwelt- und Wasserbehör- ponie einen „Tag der offenen Tür“. Der
den, die Wünsche der Oedinger Bürger Landrat, Joachim Weiler, hatte alle Orts-
und Vereine, deren Eingaben und Ände- bürgermeister der Region, Kreispolitiker,
rungsvorschläge zu berücksichtigen. Umweltschützer, die Abfallentsorgungs-
Das Oedinger Urgestein, der Altmeister unternehmen sowie den Remagener
und Schreinerhandwerker Johann Vilz, Stadtrat und die Ortsbeiräte von Oedin-
feierte Ende Februar seinen 80. Geburts- gen und Unkelbach hierzu eingeladen. Im
tag. Mittelpunkt stand die modernisierte
Unbekannte zündeten Mitte Februar ein Kreisdeponie. Informationen, Musik und
Wochenendhaus in der Laubenkolonie Unterhaltung wurden groß geschrieben.
an. Es kam zu einem Großeinsatz unserer Der Grundgedanke war, dem Bürger
Feuerwehr und den Löschzügen der nahe zu bringen, daß Müll vermeiden sich
Nachbarorte. Zu retten war nichts mehr. lohnt, der Umwelt zur Liebe.
Die Polizei ging von planmäßiger Brand- Das Ende für den dorfgerechten und ver-
stiftung aus. kehrsberuhigenden Ausbau der Wacht-
Klemens Weber machte im März berg-Straße (K40) war bis zum Jahres-
nochmals Dampf in einem Gespräch mit schluß in Aussicht gestellt worden.
der Rheinzeitung und mahnte an, daß es Anfang Juli verabschiedeten sich die Oe-
höchste Zeit für das Baugebiet Oedingen dinger Kleinkinder vom Kripper Kinder-
wäre. Vor allen Dingen müßte der garten und wechselten zum neu erbau-
Straßenbau in Angriff genommen wer- ten nahegelegenen Hort in Unkelbach.
den. Drei Jahre lang mußten sie bisher mit dem
Und wieder einmal dreht sich im April das Bus von Oedingen nach Kripp und zurück
Karussell um einen Standort für das Dorf- gefahren werden.
gemeinschaftshaus. Letztlich wurde nun Nach langem Zögern begannen im Au-
ein Neubau in der Ortsmitte angepeilt. gust die Arbeiten in der Waldstraße -
Unser Mitbürger, Karl-Heinz Nikodemus, Oberwinterer Weg und Am Kaolingrund.
wurde mit dem Bundesverdienstkreuz am Erstmalig wurde die Oedinger Kirmes
Bande für seine erfolgreiche Tätigkeit im Ende September im Festzelt am Dorfge-
diplomatischen und konsularischen meinschaftshaus gefeiert (bisher immer
Dienst der Bundesrepublik ausgezeich- Mitte November).
net. Er war Verwaltungsattache´ an der Die Freiw. Feuerwehr feierte Richtfest des
deutschen Botschaft in Tokio und ansch- Neubaues am Gerätehaus. Der Stadtbür-
ließend Vizekonsul beim Generalkonsu- germeister, Hans-Peter Kürten, würdigte
lat in Istanbul. die überragende Eigenleistung der Oe-
Am 21. Mai verstarb plötzlich und uner- dinger Wehrmänner. Ohne sie wäre der
wartet unser Mitbürger, der Ministerialrat Neubau nicht möglich gewesen.

143
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1992

Pater „Benti“ (Bentivolius) feierte am Zum Jahresende wurde die Neugestal-


27.10. seinen 80 ten Geburtstag in voller tung des Oedinger Friedhofs abgeschlos-
Rüstigkeit. Die Oedinger Vereine würdig- sen. Als Krönung der Abschlußarbeiten
ten mit einer großartigen Gratulations- stiftete Stefan Sonntag ein in seiner
cour das besondere Ereignis. Der Leitfa- Werkstatt selbstgefertigtes kunstschmie-
den des immer noch amtierenden Prie- denes Eingangstor.
sters war die Jugendseelsorge.

1992
Anfang des Jahres überreichte Klemens
Weber, Vorsitzender der Jagdgenossen-
schaft Oedingen/Unkelbach, der Leiterin
des neu erbauten Kindergartens in Un-
kelbach, Hildegard Eichstädter, einen
Scheck in Höhe von 3.000,- DM.
Im Februar wurde der Ausbau der Wald-
straße zu einem offenen Ärgernis. Die
Bauplanung, -leitung und -ausführung
waren ohne Abstimmung mit den Anlie-
gern und dem Ortsbeirat eigene Wege
gegangen. Ortsvorsteher Klemens
Weber, CDU- Stadtrats- und Ortbeirats-
mitglieder sowie mehrere Mandatsträger
informierten sich vor Ort über die Fehllei-
stungen. So waren einige Garagenein-
fahrten schwer zugänglich, die Lampen
entsprachen nicht den Forderungen der
Planungsphase, die Begrünung wurde
ohne Absprache mit den Anliegern vor-
genommen. Unverständlich, denn die An-
Im Ortsbeirat ging es am 25. November lieger mußten diese Baumaßnahmen
um die Erweiterung der Mülldeponie und doch mitfinanzieren.
den vorzeitigen Baubeginn. Der Sportverein „Grün-Weiß“ Oedingen
Der Oedinger Kreistagsabgeordnete, Dr. hielt am 7. Februar seine Jahreshauptver-
Siegmund Heller, richtete Ende Novem- sammlung ab. Im Mittelpunkt standen
ber eine Anfrage an den Landrat, wie es die Neuwahlen des Vorstandes. Nach den
um das Dorferneuerungskonzept und Jahresabschluß-berichten, die kleine Er-
den Verfahrensgang steht. folge der Tischtennisabteilung sowie in
Auch im November fand die Jahres- der Jugendarbeit aufweisen konnten,
hauptversammlung der CDU mit Neu- verlief das Sportlerjahr 1991 ohne nen-
wahl des Vorstandes statt. Der Vorsitzen- nenswerte Besonderheiten. Anders die
de Toni Hillen, sein Stellvertreter Klemens Kassenlage, die eine solide Finanzwirt-
Weber und die Schatzmeisterin Ruth Seid- schaft aufzeigte. Franz-Josef Breuer
ler wurden wiedergewählt. wurde wieder in seinem Amt als Vorsit-

144
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1992

zender bestätigt. Ebenso der Geschäfts- standen war. Die Wehrmänner investier-
führer Olaf Wulf, Kassiererin Monika ten 3.800 Arbeitsstunden. Material und
Grunwald, Abtleiter Fußball Helmut Born spezielle handwerkliche Leistungen im
und neu wurde in den Vorstand als 2. Vor- Rahmen der Baumaßnahmen kosteten
sitzender Hermann Kaak gewählt. immerhin noch 112.500 DM. Der Bürger-
Wie in all den Vorjahren, wurde auch in meister Kürten, Chef der gesamten Re-
diesem Jahr die fünfte Jahreszeit ausge- magener Feuerwehr, hielt die Festanspra-
lassen gefeiert. Eine Woche vor dem Ro- che und übergab das Gebäude seiner Be-
senmontagstrubel wurden die Kids bunt stimmung. Pater Bentivolius segnete das
kostümiert von den Möhnen zu einem Bauwerk im Anschluß an den Gottes-
Kinderball eingeladen. Der wurde mit dienst. Meisterlich gestalteten der hiesige
karnevalistischer Unterhaltung und närri- MGV „Cäcilia 1882“, das Musikkorps der
scher Musik zu einem lustigen, fröhlichen Stadtsoldaten und die Feuerwehrkapelle
Zusammensein. aus Lessenisch die Feier mit. Ein zünftiger
Dann, am „Weiberdonnerstag“ setzten Frühschoppen und der Familien-Nachmit-
die Möhnen das närrische Treiben mit tagskaffee rundeten das festliche Ereignis
ihren Mitgliedern und Gästen fort. Zün- ab.
dende Büttenreden, wilde Tänze bei flot- Ende Juli feierte der MGV „Cäcilia 1882“
ter Musik sowie Essen und Trinken brach- sein 110 jähriges Jubiläum. In einer Fest-
ten auch die ältesten „Weewer“ in Hoch- schrift wurde die 110 jährige Geschichte
stimmung. Klara Winandy, Marga Hense- den Mitgliedern und Gästen in Worten
ler sowie Maria Born und Beate Simons und Bildern in Erinnerung gebracht. Am
waren die Asse in der „Bütt“. Gesangfestival beteiligten sich die Chöre
Die geplante Erweiterung der Oedinger aus Koisdorf, Birresdorf, Bengen, Wal-
Deponie wurde auf Vorschlag des Unkel- dorf, Unkelbach, Kirchdaun und selbst-
bacher Ortsbeirates vom Remagener verständlich auch der Chor der Jubilare
Stadtrat abgelehnt. unter der Stabführung des bewährten Di-
Einen gehörigen Schrecken versetzte den rigenten Heinrich Möhren. Besondere Eh-
Oedingern das Erdbeben in der Nacht rung erfuhr der erste Vorsitzende des
zum Montag, dem 15. April. Wachgerüt- MGV, Josef Dernbach, der genau seit 30
telt durch schwingende Betten glaubten Jahren dieses Amt innehatte.
so mancher Bürger zu träumen. Dieses Der Ortsbeirat (Ortsvorsteher Klemens
Beben wurde mit einem Wert von 5,6 bis Weber), die Mitglieder Heinz Heuser, Toni
5,8 auf der nach oben offenen Richter- Hillen, Dieter Wagner, Hans Bungard,
skala registriert, das hier jedoch keine Hans Kossin, Siegfried Schmidt und Georg
nennenswerten Schäden verursachte. An- Hasenknopf, mußten sich erneut mit den
ders in Remagen, Oberwinter und Ro- Straßenbaumaßnahmen K40 und der
landseck (Rheingraben), wo erhebliche Dorferneuerung befassen. Schwierigkei-
Schäden an Gebäuden festgestellt wur- ten gab es beim Grundstückserwerb für
den. Besonders betroffen war das Rema- Begradigungen, Verbreiterung der Fahr-
gener Rathaus. bahnen, Einfahrten usw.. Das Gremium
Am 26.4. feierte die Oedinger Wehr die forderte die Stadtverwaltung auf, die
Inbetriebnahme des neuen Gerätehauses, vom Bauamt aufgeführten Verhinde-
das überwiegend in Eigenleistung ent- rungsgründe zügig auszuräumen.

145
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1992

Der Kreis Ahrweiler rief im September 12.09., alarmierte die Oedinger Wehr alle
den Müllnotstand aus. Er wußte nicht Einheiten in Remagen Stadt und in den
mehr, wohin mit den mehr als 100 000 Außenbezirken. Das Gehöft des Bauern
Tonnen Abfall in seiner Region. Nach Stefan Adams brannte bis auf das Wohn-
1995 würde nichts mehr laufen. Der Müll- gebäude lichterloh. Der Brandherd lag im
tourismus drohte. Die Schulder-Halde Schweinestall mit 130 untergebrachten
mußte dringend rekultiviert werden, Tieren, für die es kein Entrinnen mehr
Brohl-Lützing mußte die Tore schließen. gab. Trotz massivem Einsatz der 10 Weh-
Bis der Müll in Gönnersdorf entsorgt wer- ren mit 102 Freiwilligen und 18 Wagen
den könnte, würden noch Jahre verge- waren die Stallungen nicht mehr zu ret-
hen. Als Ausweg blieb nur die Erweite- ten. Die Wehrmänner mußten mit allen
rung der Oedinger / Unkelbacher Depo- Kräften und Gerätschaften ein Übergrei-
nie. Diese Vorstellung trieb Oedinger und fen auf das anliegende Wohnhaus ver-
Unkelbacher auf die Barrikaden. Auch hindern, in dem schon die Flammen im
Landrat Weiler konnte die Gemüter der Dachbereich wüteten. Erst am Sonntag-
allgemein friedlichen Bürger nicht beru- nachmittag konnten die Brandwachen
higen, die sich nun mit Eingaben an den Entwarnung geben. Die Ursachen waren
Stadtrat, den Kreis und die Bezirksregie- auf einen Defekt im elektrischen Lei-
rung wandten. tungssystem zurückzuführen.
4.08 Uhr in der Nacht zum Samstag, dem

146
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1992

Mit dem III. Bauabschnitt der Sanierung (Grenzbereich südlich von Aachen) ver-
der St. Gertrudis-Kirche wurde im Früh- bringen.
jahr begonnen und im September waren Vom 13. bis 16. November veranstalteten
die Pfarrgemeinde-Mitglieder unter Fe- die Oedinger Vereine, integriert im Kir-
derführung von Josef Dernbach, stellv. mesausschuß, die Kirmes nach alter Tradi-
Vorsitzender des Pfarrverwaltungsrates, tion. Man hatte ab 1986 die „Kirchweih-
in Eigenleistung ein gutes Stück vorange- tage“ in den September verlegt,
kommen. Von nun an mußten die Hand- hauptsächlich aus Witterungsgründen
werker hinzugezogen werden. Der Altar- und weil man sich eine größere Besu-
raum erhielt ein neues Bett. Nach dem cherzahl erhoffte. Beide Erwartungen
Verlegen der Fußbodenplatten wurde hatten sich jedoch in den vergangenen 6
auch die ganze Apsis neu gestaltet. Ein Jahren nicht erfüllt. Wesentliche Gründe
neuer Altartisch und ein neuer Ambo ent- mögen in der Vielzahl ähnlicher Veran-
standen in der Werkstatt eines Krufter staltungen zeitgleich in der ländlichen
Steinmetzmeisters. Ausgekuffert und mit Umgebung zu suchen sein.
einem neuen Bett versehen wurde auch Der Martinszug ging auch in diesem Jahr
das Kirchenschiff. Hier mußte noch zu- seinen gewohnten Weg und erfreute sich
sätzlich eine neue Heizanlage eingebaut immer größerer Beliebtheit durch die zu-
werden. Mitte Dezember war das Werk nehmende Teilnahme der Oedinger Kin-
vollendet und der Gottesdienst konnte der mit ihren bunten Fackeln, begleitet
wieder aufgenommen werden, der durch ihre Eltern und gesichert durch un-
während der Renovierungsarbeiten in sere Feuerwehr.
der alten historischen Kapelle aus dem 12. Am 16. Dezember kam es in einer öffent-
Jahrhundert abgehalten wurde. lichen Sitzung des Ortsbeirates zu einem
Am 3. Oktober (Tag der Deutschen Ein- heftigen Schlagabtausch mit dem Pfarr-
heit) wurde der Oedinger Heimat- und gemeinderat. Dieser hatte in einer vor-
Wandertag mit - Jung und Alt, Kind und ausgegangenen Versammlung unter Lei-
Kegel zum Erlebnistag. Es wurden zwei tung seines Vorsitzenden, Stephan Plück,
landwirtschaftliche Betriebe mit neuzeit- beschlossen, in Oedingen Wohnraum für
licher Viehhaltung in der näheren Umge- Bürgerkriegsflüchtlinge und Asylbewer-
bung besucht. Hier erhielten die Wande- ber zur Verfügung zu stellen und im An-
rer auch Kostproben aus den Erzeugnis- gebot das leerstehende Pfarrhaus sowie
sen dieser Betriebe; eine willkommene das Dorfgemeinschaftshaus (ehemalige
Wegzehrung zur Stärkung für den Heim- Schule) mit dem anliegenden Parkplatz
weg. voll aufgestellter Wohncontainer vorge-
Im Oktober wurde unser Pater Bentivoli- schlagen. Der Ortsbeirat lehnte den An-
us Marxen nach 30-jähriger Seelsorger- trag ab, da besonders das Dorfgemein-
Tätigkeit in Oedingen von seinem Orden schaftshaus für das dörfliche Vereinsleben
der Franziskaner auf dem Apollinarisberg ein unverzichtbarer Stützpunkt war und
und in einem zweiten Festakt im Dorfge- auch noch viele Jahre bis zum Bau einer
meinschaftshaus unseres Dorfes endgül- Mehrzweckhalle bleiben würde. Die Be-
tig verabschiedet. Er war im 82. Lebens- legung des Pfarrgemeindehauses sollte
jahr und wollte künftig seinen Ruhestand dem Pfarrgemeinderat freigestellt wer-
im Wallfahrtskloster Moresnet / Belgien den.

147
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1993

1993 ger: 1. Toni Hillen 256 Ringe von 300 mög-


lichen, 2. Dieter Holstein 242 Ringe, 3.
Der Förderverein der Oedinger Feuer- Wienand Nietgen mit 237 Ringen.
wehr hielt im Februar seine Jahreshaupt- Zum wiederholten Male sorgte Ende
versammlung ab und konnte mit einer April die Mülldeponie für Aufregung im
recht positiven Bilanz der Aktivitäten Dorf. Ein Großbrand rief am 30.4. gegen
überzeugen. Zunächst wurde mit einer 18:30 Uhr gut 60 Feuerwehrleute auf den
Gedenkminute der Verstorbenen 1992 Plan. In Minutenschnelle lag ganz Oedin-
gedacht. Es waren Willi Haspel, Karl Si- gen unter dichtem Qualm, die Rauchsäu-
mons, Jean Kümpel und Hans Schmahl. le über dem Brandherd betrug gut 200 m.
Der Wehrführer berichtete über 6 Einsät- Im Ort wurde eine leichte Schadstoffkon-
ze, wobei der Großbrand im Gehöft des zentration ermittelt und die Einwohner
Bauern Adams der Wehr alles abverlangt über Lautsprecher aufgefordert: „Türen
hatte. An gesellschaftlichen Ereignissen und Fenster zu schließen sowie in den
waren die Einweihung des neuen Geräte- Häusern zu bleiben!“ Die Wehren aus Oe-
hauses, die Tour der aktiven Kameraden dingen und der Nachbarschaft konnten
ins Sauerland, der bayerische Abend mit den Großbrand in 4 Stunden unter Kon-
allen Mitgliedern und Familienangehöri- trolle bringen. Die Brandsicherung war
gen im November nennenswert. danach noch über 24 Stunden im Einsatz.
Dr. Siegmund Heller aus Oedingen wurde Der Ortsbeirat beschäftigte sich in seiner
Anfang März in den Vorstand der Kreis- Sitzung am 12. Mai mit dem Brand auf der
tagsfraktion gewählt. Er war derzeit das Mülldeponie und bemängelte, daß die
einzige Kreistagsmitglied der CDU aus der Ursachen des Brandes noch nicht ermit-
Gesamtstadt Remagen. telt waren; besonders erwartet wurden
Im März machten erstmals die Oedinger Untersuchungsergebnisse über eventuel-
Schützen mit einer kleinen Veranstaltung le Gesundheitsschäden und eine Er-
auf sich aufmerksam. Sie waren als Sport- klärung über die nicht ausreichende Was-
schützenabteilung im SV „Grün-Weiß“ serversorgung während der Löscharbei-
Oedingen integriert und übten regel- ten. Keine Zustimmung fand das ÖPNV-
mäßig im Remagener Schützenhaus. Sie Konzept (öffentlicher Personennahver-
fanden sich 1983 locker zusammen und kehr) des Landkreises Ahrweiler. Es sollte
konnten hier und heute ihr 10-jähriges mit der Kreisverwaltung neu verhandelt
Jubiläum feiern. Mit dabei die Ehefrauen, werden.
die sich erstmals auch an den Schießü- Anfang Juli versammelten sich etwa 70
bungen beteiligten. Die Ergebnisse bei Bürger aus Oedingen und Unkelbach in
dem Frauen Luftgewehr auf 10er Ring- der Mehrzweckhalle, um gegen die
scheibe: 1. Frau R. Nietgen, 29 Ringe von gemäß Planfeststellungsbeschluß begin-
30 möglichen, 2. Frau Br. Holstein, 28 nende Erweiterung der Mülldeponie zu
Ringe. Auf die Jagdscheibe: 1. Frau Gönt- opponieren. Stadt und Kreis wurden auf-
gen nach Stechen mit Frau Br. Holstein. gefordert, den Ausbau der Deponie zu
Herren Luftgewehr: 1. J. Meyer 142 Ringe verhindern.
von 150 möglichen, 2. Toni Hillen 140 Mitte Mai wurde der Pfarrer Norbert
Ringe; Luftpistole: 1 Toni Hillen 142 Ringe, Klaes, der seit dem 4. Oktober des Vor-
2. Klemens Weber 114 Ringe. Gesamtsie- jahres die Pfarreien Oberwinter, Unkel-

148
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1993

bach und Oedingen zu betreuen hatte, diskirche (erbaut 1908) endgültig been-
feierlich in sein Amt eingeführt. Gleich- det. Die Kirche erstrahlte nun im neuen
zeitig wurde die Pfarreferentin, Schwe- Glanz. In Arbeit war noch der neue Altar
ster Helene Zimmer, von den Gemeinde- und der dazugehörige Ambo.
mitgliedern begrüßt. Praktisch über das ganze Jahr hinweg dis-
kutierten und stritten die örtlichen Insti-
Mitte August feierte der CDU-Ortsver- tutionen und Parteispitzen sowie der
band Oedingen sein 20-jähriges Ju- Ortsbeirat mit der Stadt und der Kreisver-
biläum. waltung um die Erweiterung der Müllde-
Der Oedinger SV „Grün-Weiß“ veranstal- ponie. Im November stellte sich dann der
tete Anfang August seine Sportwoche. Kreis zum wiederholten Male durch sei-
Ein zünftiger Sportlerball mit Siegereh- nen Vertreter, Johannes Pfaffenholz, den
rung und Verleihung von Ehrennadeln Bürgern, um ihnen zu erläutern, daß die
beendete die ereignisreichen, gut be- Schließung der Deponie für die Gesamt-
suchten Tage. Die Ehrenmitgliedschaft stadt Remagen die Flucht in den kost-
wurde den Sportfreunden Josef Bächer spieligen Mülltourismus bedeuten würde.
und Lothar Rauschenbach zuerkannt. Außerdem kämen auf die Stadt Kosten in
Noch im August wurden die Restaurie- Millionenhöhe zu, um die Deponie natur-
rungsarbeiten im Innern unserer Gertru- gemäß abzudecken.

149
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1994

Mitte Dezember entschied dann der Durch die örtliche Nähe zu unserem Dorf
Stadtbürgermeister Kürten aufgrund der nahm er bald Verbindung mit der Pfarr-
erdrückenden Tatsachen, der Erweite- gemeinde Oedingen auf. An Sonn- und
rung der Deponie zuzustimmen und daß Feiertagen besuchte er mit seiner Familie
er keine gerichtliche Klage dagegen ein- regelmäßig unsere Gottesdienste in der
leiten werde. Gertrudis-Pfarrkirche. Dank dieser engen
Am 15. Dezember wurde in der Jahres- Verbindung sponserte Abs 1946/47 die
hauptversammlung des CDU-Ortsverban- Restaurierung der alten historischen Ka-
des Oedingen der Vorstand neu gewählt. pelle zur Erhaltung der Bausubstanz mit
Vorsitzender blieb Toni Hillen; Stellvertre- dem Versprechen, die vollständige In-
ter Herbert Dernbach; Schatzmeister standsetzung in besseren Zeiten zu ver-
Manfred Fievet; Beisitzer: Günter Johnke, anlassen. Er machte aber zur Bedingung,
Dr. Siegmund Heller, Marlies Theisen und daß er mit seiner Gemahlin die letzte Ru-
Clemens Weber jr. hestätte in der Kapelle finden darf.
Immer wieder erwies sich Abs als Freund
Oedingens. Er stellte Gelder bereit für die
1994 Aufstellung des Ehrenmals zum Geden-
Im Februar war die Jahreshauptversamm- ken an die Kriefsopfer; er beteiligte sich
lung des SPD-Ortsvereins Oedingen in der finanziell an den Restaurierungsarbeiten
Gaststätte Breuer. Nach dem Rechen- unserer Gertrudiskirche; er stiftete die
schaftsbericht wurden in der gut besuch- beiden kostspieligen Buntglasfenster an
ten Versammlung die Weichen für die der Giebelseite des Altarraumes.
Kommunalwahlen gestellt. Schwerpunk- Die Bindung an Oedingen wurde noch in-
te der Themen für die politische Ausein- niger, als Pater Bentivolius 1962 die hiesi-
andersetzung bildeten das Dorferneue- ge Pfarrei übernahm. Dieser lernte den
rungsprogramm mit Verkehrsberuhigung großen Bankier Abs schon 1945 nach
der Wachtberg-Straße, die Weiterbear- Kriegsende in einer Exerzitien-Veranstal-
beitung der Bebauungspläne sowie der tung (religiöse Übungen) kennen, in der
Personennahverkehr. In den Vorstand beide brüderliche Freunde wurden. So
wurden gewählt: Vorsitzende Andrea Ha- war es selbstverständlich, daß Pater Pen-
senknopf; Stellvertreter Rudolf Wißkir- tivolius die Trauerfeier für seinen im Alter
chen; Schriftführer Hans Kossin; Kassiere- von 92 Jahren verstorbenen Freund Her-
rin Giesela Wißkirchen und die Beisitzer mann Josef Abs am 11. Februar zelebrier-
Jürgen Hasenknopf jr. Sowie Georg Ha- te. An diesem Tag hatten Sicherheitskräf-
senknopf sen.. te Oedingen voll im Griff. Sie standen an
Am 5. Februar starb Hermann-Josef Abs, Straßenrändern und zwischen den Ge-
der ehemalige Vorstands- und Aufsichts- bäudenischen und beobachteten arg-
rats-vorsitzender der Deutschen Bank. Er wöhnisch den Straßenverkehr. Sie hatten
war ein Freund und ständiger Berater immerhin die Elite der Deutschen und in-
Konrad Adenauers. 1939 erwarb Abs den ternationalen Bänker, die an der Trauer-
Bentgerhof in der Gemarkung Birresdorf feier teilnahmen, zu schützen. Diese
am Südrand der Gemarkung Oedingen. kamen still und unauffällig und ver-
Ende des II. Weltkrieges und in den ersten schwanden auch wieder so. In seinem Te-
Nachkriegsjahren bewohnte er das Gut. stament verfügte Abs nochmals letztlich

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1994

die vollständige Restaurierung der histo- men: 1. Gasversorgung in Oedingen; 2.


rischen Kapelle innen und außen auf Konzept des öffentlichen Personennah-
seine Kosten. Er legte Wert darauf, daß verkehrs; 3. Bebauungsplan „Ortsmitte
auch die alten, teilweise übertünchten Oedingen“; 4. die Dorferneuerung wie
Fresken in den ursprünglichen Farben den Ausbau der K40, den Sportplatz und
ausgearbeitet werden. die Mehrzweckhalle. Der Büroleiter der
Der Förderverein der Freiwilligen Feuer- Stadtverwaltung, Herr Brenner, konnte
wehr führte Ende Februar seine Jahres- nach einer Mitteilung des Landrates den
hauptversammlung durch. Nach dem Oedingern die feste Zusage übermitteln,
Tätigkeitsbericht über 10 Einsätze und daß Oedingen trotz anders lautenden
Hilfeleistungen im abgelaufenen Jahr Gerüchten im Dorferneuerungsplan
1993 wurde der Vorstand neu gewählt. bleibt und die entsprechende Finanzie-
Neuer Vorsitzender wurde Thomas Sonn- rung im Kreis- und Stadthaushalt abgesi-
tag, sein Stellvertreter der aktive Wehr- chert ist.
führer, Peter Jungbluth, Schriftführer Der Monat Juni stand vordergründig
Sven Adams und Kassierer Siegfried ganz im Zeichen der Kommunalwahlen
Schmahl. für den Ortsbeirat, Stadtrat und Kreistag.
Mitte März gab es auch Neuwahlen im So wurden in Oedingen Klemens Weber
Sportverein „Grün-Weiß“ Oedingen. Als (CDU) für den Stadtrat gewählt und für
Vorsitzender wurde wieder Franz-Josef den Ortsbeirat: Herbert Dernbach, Klaus
Breuer gewählt, der diesen Posten bereits Theisen, Hans Willi Jungbluth, CDU; sowie
seit 17 Jahren inne hatte. Sein Stellvertre- Georg und Andrea Hasenkonpf, Hans
ter wurde Hermann Kaak und Geschäfts- Kossin, SPD; Hans-Herrmann Kaak, FBL.
führer Olaf Wulf. Der Verein zählte der- Der Beirat wählte dann Hans Kossin zum
zeit 220 Mitglieder. Ortsvorsteher, der Klemens Weber nach
Das seltene Fest der Diamantenen Hoch- 20 Jahren in diesem Amt ablöste. Der
zeit feierten am 9. April die Eheleute Frie- neue Stadtbürgermeister Lorenz Denn
da und Arnold Kirchner. Sie lebten seit fand ehrende Worte der Anerkennung
1969 am Brückenweg in Oedingen, im Ru- für Klemens Weber, der sich über zwei
hestand und waren mit ihren 84 / 85 Jah- Jahrzehnte mit Geschick und Umsicht für
ren noch sehr rüstig. die Belange des Ortes und der Bürger ein-
Die Feuerwehr hatte Mitte April mal wie- gesetzt hatte. Schon seit 1970 war er an
der Grund zum feiern. Ihr wurde ein den Planungen für das Neubaugebiet
neues Tragspritzenfahrzeug (TSF) in „Zwischen den Wiesen“ beteiligt. Es galt,
einem feierlichen Festakt vom Bürger- die Nachfrage nach Bauland zu befriedi-
meister Kürten übergeben. Die Kosten in gen, jedoch den Ort nicht zu zersiedeln.
Höhe von 160.000,- DM teilten sich die Er forderte 1974 als Ortsvorsteher den
Stadt Remagen mit 100.000 DM und die Ausbau eines neutralen Ortsmittelpunk-
Landesregierung Rheinland-Pfalz mit tes. Weitere Anliegen: die Aufnahme Oe-
60.000 DM. Die heilige Messe und die Ein- dingens in das Dorferneuerungspro-
weihung des Fahrzeugs zelebrierte Pastor gramm und mit Stadtrat Günter
i.R. Joachim Werner. Johnke die Vorbereitung und Gründung
Am 3. Juni behandelte der Ortsbeirat in des Abwasserzeckverbandes Remagen –
seiner 18. Öffentlichen Sitzung die The- Wachtberg. Schließlich die Bewältigung

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1994

der Probleme, die mit dem explodieren- ber LKW voll) und transportierten ihn zur
den Anstieg der Bevölkerung von 300 Per- Mülldeponie.
sonen auf 850 zu lösen waren sowie die Am 25. Oktober hat sich Pater Bentivolius
Wasserversorgung und Entsorgung, Per- endgültig aus Oedingen verabschiedet.
sonennahverkehr, Kindergarten und Sein Ruhestandsdomizil war von nun ab
nicht zuletzt die ständigen Ärgernisse mit das Altersheim im Wallfahrtskloster 32,
der Mülldeponie. rue de la Chapelle, B-4850 Moresnet/Bel-
gien.
Am „Elften im Elften“ mauserte sich
unser Höhenortsteil Oedingen laut und
stimmungsvoll zu einer kleinen karneva-
listischen Hochburg im städtischen Ge-
schehen. Erstmals in unserer Ortsge-
schichte herrschte ein „Dreigestirn“ über
„Weh und Ach“ der närrischen Scharen
im Ort. Das Narrentreiben wurde von
Freunden der fünften Jahreszeit mit Un-
terstützung der Ortsvereine initiiert. Der
Grundgedanke, einen eigenen Prinzen zu
haben, reifte beim vorjährigen Karneval-
sumzug in Werthhoven, an dem sich seit
vielen Jahren Oedinger beteiligten. Nach
sorgfältigen Vorbereitungen seit Beginn
dieses Jahres wurde das Dreigestirn mit
dem Prinzen Rudi I. (Dick), der Jungfrau
Klemens Weber, Oedingen Heinz Adams und dem Bauern Adi Pop-
pelreuter aufgestellt. In ihrem Gefolge
Ende Oktober wurde in der öffentlichen die Ehefrauen, die ein feines Bild als Hof-
Ortsbeiratssitzung unter Leitung des damen abgaben. Als Hofmarschall gesell-
neuen Ortsvorstehers Hans Kossin te sich der „maitre d' plaisir“ im Oedinger
zunächst das neue Ortsbeiratsmitglied, Vereinsleben, Toni Hillen, dazu. Inthroni-
Rudi Wißkirchen, verpflichtet. Dann wur- siert wurden sie vom Ortsvorsteher Hans
den einzelne Anliegerprobleme der K40 Kossin. Für ausgelassene Stimmung sorg-
(Wachtberger Straße) sowie die Anlieger- ten Oedinger Urgesteine aus den Reihen
kosten (50% Stadt, 50% Anlieger) be- der Möhnen, eine Tanzformation von der
sprochen. „Schäl Sik“, die Oedinger Lollypops und
Um die gleiche Zeit wurde nach Hinwei- bewährte Büttenredner aus „nah und
sen einiger Bürger am Kernbach in der fern“. Insgesamt ein gelungener Ein-
Verlängerung der Straße „Zwischen den stand.
Wiesen“ eine wilde Müllkippe entdeckt. Foto Dreigestirn eigene Seite
Mitglieder der „Freien Bürgerliste“ stell- Noch im November feierten die Einheiten
ten sich spontan zur Verfügung und sam- der Remagener Feuerwehr ihren Kame-
melten den Unrat ein (Autoteile, Reifen, radschaftstag in der Unkelbacher Mehr-
gefüllte Plastiksäcke, insgesamt ein hal- zweckhalle. Bürgermeister Lorenz Denn

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1994

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1995

ehrte, verpflichtete und beförderte be- Hilfe der Christen“ zu Moresnet-Chapelle


währte Mitglieder. Unter anderen wurde und der anschließenden Beisetzung auf
der bisherige Einheitsführer in Oedingen, dem Klosterfriedhof teil.
Peter Jungbluth, verabschiedet und als Die Oedinger Feuerwehr feierte am 22.
Nachfolger Werner Jungbluth verpflich- April den 60. Jahrestag ihres Bestehens.
tet. Ein kurzer Rückblick zeigt, wie Familien in
Zum Monatsende nahm Ortsvorsteher unserem Höhenort das Feuerwehrmann-
Hans Kossin im Beisein des Direktors dasein an ihre Nachkommen vererbten.
Michael Buckeler von der Energie-Versor- So der Mitbegründer Heinrich Schmahl
gung Mittelrhein (EVM) das Anfackeln gab seinen Helm an seinen Sohn Hans
der Erdgasversorgung in unserem Ort vor. Schmahl, der dann drei seiner Söhne zum
Vorausgegangen war die Verlegung der Löschen schickte; nämlich: Siegfried, Mar-
„Pipeline“ von Unkelbach nach Oedin- tin und Georg. Oder die Familie Sonntag,
gen, die 1550 m lang war. Von den 866 wo Heinrich die FF mitbegründete und
Einwohnern Oedingens hatten sich 16 dann den Helm an seinen Sohn Stephan
Kunden an die Erdgasleitung angeschlos- weitergab und dieser in der 3. Generati-
sen. Darüber hinaus gab es noch viele In- on seinen Sohn Thomas in die Pflicht
teressenten, die dem Beispiel folgen woll- nahm. Auch bei den Jungbluths steht die
ten. 3. Generation in der Verantwortung. Hier
Kurz vor Weihnachten, am 20.12., wurde war es der Onkel Peter Jungbluth, der sei-
der Arbeitskreis „Dorferneuerung Oedin- nen Neffen Josepf zum Löschen schickte.
gen“ aktiv, der sich nach der ersten Bür- Der wiederum brachte seinen Sohn Wer-
gerversammlung zur Dorferneuerung ge- ner an die Schläuche. Bis zum Feuerwehr-
bildet hatte. Er hatte alle Bürger zu seiner tag im Vorjahr war Werners Vetter, Peter
konstituierenden Sitzung eingeladen. Jungbluth, Einheitsführer, der dann von
Der Arbeitskreis unter der Leitung des Werner abgelöst wurde. Zur Geschichte
Ortsvorstehers, Hans Kossin, setzte sich der Feuerwehr, Einheit Oedingen, gibt die
aus Ortsbeiratsmitgliedern und interes- Chronik 1935 - 1985 von Karl Beelke und
sierten sachverständigen Bürgern zusam- die Ergänzung bis 1995 von Josef A. Nie-
men, die die Entwicklung im Rahmen der derstein (Oedinger Dokumentation) alles
Dorferneuerung begleiten sollten. interessante Wissenswerte her.
Noch in diesem Monat wurde der Orts-
beirat um Mitarbeit am Denkmalbuch der
1995 Kreisverwaltung Ahrweiler gebeten,
Am 10. Januar starb unser verehrter Pater indem die Urblätter der einzelnen örtli-
i.R., Bentivolius (Heinrich) Marxen OFM chen Beschreibungen zu überprüfen
im 84. Lebensjahr, im 65. Jahr seines Or- waren. In Oedingen wurden als denkmal-
denslebens und im 59. Jahr seines Prie- würdig nachgewiesen: das Gellerkreuz an
stertums, im Kloster der Franziskaner der Kreuzung verlängerte Burgstraße -
Moresnet/Belgien, wo er am 1. November alter Birresdorfer Ortsverbindungsweg,
1994 seinen Ruhesitz eingenommen weiter das Flurkreuz an der Straße nach
hatte. Eine zahlreiche Delegation der Unkelbach - Ecke neuer Sportplatz sowie
Pfarrgemeinde Oedingen nahm an den die alte historische Gertrudiskapelle
Exequien in der Wallfahrtskirche „Maria (1200), das Gedenkkreuz am Wotanger -

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1995

Hausecke Raiffeisenkasse und die kath. rinteressen mit Entwicklungsmöglichkei-


Pfarrkirche „St. Gertrudis“ (1908) als letz- ten beinhaltete.
ter Neugotischer Kirchenbau des Bonner Der 14. Juli, ein zukunftsträchtiger, denk-
Architekten Stumpf in unserer Region. würdiger Tag, an dem traditionsbewußte
Weiter wurde zum wiederholten Male in und dem Frohsinn ergebene Bürger den
einer Ortsbegehung des Ortsbeirates mit Verein „Oedinger Rheinhöhenfunken“
sachkundigen Bürgern die Begehbarkeit gründeten. Die Initiatoren und mit der
des Kernbachweges zwischen Oedingen Vorarbeit betrauten Organisatoren
und Werthhoven untersucht. Bisher waren unter anderen Dieter Holstein und
konnte mit der Verbandsgemeinde Rudi Dick. Zwei tatkräftige Mitbürger, die
Wachtberg, Anreiner der Gemarkung Oe- schon in den vergangenen Jahren gelun-
dingen, keine Übereinstimmung erzielt gene gesellschaftliche Veranstaltungen,
werden. Widerstand kam von einigen An- besonders in der 5. Jahreszeit, auf die
liegern dieses Weges, die diesen mit in Beine gebracht haben. Der Zulauf an Mit-
ihre Ackernutzung einbezogen hatten. gliedern war enorm und in der großen
Mitte Mai führte der MGV „Cäcilia 1882“ Anzahl nicht erwartet worden.
einen Tagesausflug nach Bochum durch. Im August informierte der Arbeitskreis
Unser Mitbürger, Dieter Holstein, hatte Dorferneuerung über Fördermaßnahmen
mit Hilfe eines Bochumer Freundes ein er- an Gebäuden, die vom Land bezuschußt
lebnisreiches Programm vorbereitet. werden.
Zunächst wurde das Bergbau-Museum Zur gleichen Zeit wurde die Oedinger
mit Turmfahrt besichtigt. Dann in einem Sportwoche mit großem Interesse seitens
erstklassigen Ausflugslokal zu Mittag ge- der Bürger aus nah und fern durchge-
gessen. Weiter ging es mit einer Schiffs- führt. Der SV Kripp sicherte sich den Tur-
rundfahrt auf dem Baldeneisee mit Bord- niererfolg. Das mit Spannung erwartete
musik, Kaffee und Kuchen und Gesangd- Straßenturnier gewann die Wachtbergs-
arbietungen unserer Sangesbrüder. Nach traße mit erfahrenen Profis in ihrer Elf
Abschluß der Heimfahrt wurde noch haushoch mit 9:0.
zünftig in der Oedinger Grillhütte gefei- Mitte September nahm unsere Mitbürge-
ert. rin, Brigitte Holstein, einen nagelneuen
Um die gleiche Zeit konnte unser Orts- Toyota Starlett entgegen, den sie in der
vorsteher, Hans Kossin, den Oedingern SAT 1 Fernsehshow „Geh aufs Ganze“ am
die erfreuliche Mitteilung machen, daß 19. August mit Geschick und auch Glück
unser durch die Mülldeponie stark bela- gewonnen hatte.
steter Ort ins Dorf-erneuerungs-pro- Die „Rheinhöhenfunken“ wählten Ende
gramm der Landesregierung aufgenom- Oktober ihren Vorstand. Seit der Grün-
men wurde. Eine Sternstunde für Oedin- dung am 14. Juli zählte der Verein bereits
gen. Indessen nahm der Arbeitskreis mit 8 72 Mitglieder. Diese entschieden sich für
Ortspolitikern und sachkundigen Bürgern Rudi Dick als Präsidenten, sein Vize wurde
seine Arbeit auf. Sie erstellten zunächst Dieter Holstein. Zur Geschäftsführerin
ein 5-Punkteprogramm, das die Verkehrs- wählte die Versammlung Roswitha Dick.
situation, die Ortsbebauung, Sport und Weiter wurden Ilka Wilke zur Schatzmei-
Freizeit, historische denkmalwürdige Ge- sterin und als Beisitzer Uschi Wolter und
bäude und Wegkreuze sowie Einwohne- Heinz Adams bestimmt. Der Verein wurde

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1995

auch bereits Mitglied im Bund Deutscher tung. Hier wurde Neues geboten, das die
Karnevalisten und beantragte gleichzei- Vorstellungskraft des kleinen Ortes Oe-
tig die Gemeinnützigkeit. dingen weit übertraf. Die Presse schrieb:
Schon am „Elften im Elften“, um 19, 11 „Oedingen schlägt alle Rekorde“.
Uhr, wurde im „Ahle Saal“ die Proklama-
tion des neuen Prinzenpaares, Prinz Die- Im November griff der Oedinger Bürger,
ter I. mit seiner charmanten Gattin, Prin- Dr. Siegmund Heller, ins Weltgeschehen
zessin Brigitte I. (Holstein), veranstaltet. ein. Er wurde im Kapitel „Gemeinschaft /
Der Ortsvorsteher Hans Kossin, der Gesellschaft“ des Guinessbuchs der Re-
zunächst das Dreigestirn (1994/95) Prinz korde 1996 unter dem Abschnitt „Staats-
Rudi I., den Bauern Adi (Poppelreuter) oberhäupter, Regierungen und Parla-
und die Jungfrau Heinz (Adams) mit mente“ eingetragen. Unter dem Stich-
ihrem tollen Hofstaat verabschiedete, wort „Durchhaltevermögen“ steht: „Der
überreichte dem neuen Prinzenpaar die Parlamentskandidat, der sich am längsten
Insignien und dies mit humorigen Worten ununterbrochen um einen Abgeordne-
und einem breiten Spektrum an Lokalko- tensitz beworben hat, ohne je ein Man-
lorit. Alles in allem: eine gründlich vorbe- dat erhalten zu haben. Er hat seit 1965
reitete, gut organisierte Veranstaltung insgesamt acht mal für den Deutschen
mit außergewöhnlichen Vorträgen, Dar- Bundestag und später für das Europäische
bietungen und urwüchsiger Musikbeglei- Parlament kandidiert“.

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1996

1996 Im März bestimmte die Politik das Ge-


schehen. Es wurde am 24.3. ein neuer
Das neue Jahr begann recht verheißungs- Landtag gewählt. Das Wahlergebnis in
voll. Oedingen brachte wie folgt: der CDU 44,4
Im Auftrage des Regierungsbezirks, des %, der SPD 36,1 %, der FDP 8,6 %, den
Kreises und der Stadt Remagen hat das Grünen 7,5 %, der ÖDP 0,8 % und sonsti-
Büro für Freilandplanung und Land- ge 2,5 % der Stimmen.
schaftsarchitektur ein Programm für die Die Arbeitsgemeinschaft „Dorferneue-
Dorfentwicklung im Rahmen der Dorfer- rung“ diskutierte im April im Rahmen
neuerung für Oedingen vorgelegt. Bear- einer Ortsbesichtigung mit dem Pla-
beitet wurde diese Studie von Dr.-Ing. nungsbüro Reinhold Langen sowie Ver-
Norbert Gerhards und Dr.-Ing. Theo Köt- tretern der Stadtverwaltung die Möglich-
ter, beide Stadtplaner sowie Dipl.-Ing. keiten einer Bach- und Flächenrenaturie-
Reinhold Langen, Landschaftsarchitekt. rung. Dies war nötig, da der Ort Oedin-
Im wesentlichen wurden die Rahmenbe- gen in Topographie und Qualität von der
dingungen, die siedlungsstrukturelle umgebenden Landschaft geprägt wurde.
Lage, die historische, bauliche und demo- Um so sorgfältiger war die Inan-
graphische Entwicklung sowie das Er- spruchnahme der Außenbereichsflächen
neuerungs- und Entwicklungskonzept, zu prüfen und Bachläufe mit den dazu-
die Umgestaltung der Straßenräume und gehörigen Auen zu bewerten.
Verbesserung des Wohnumfeldes bear- In der Nacht zum 30. April starb nach
beitet. Nun waren Praktiker gefragt. schwerer Krankheit der weit über unsere
Und weiter gings mit grundlegend neuen Orts- Stadt- und Kreisgrenze hinaus be-
Ereignissen in Oedingen. Im Februar kannte Oedinger, Dr. Siegmund Heller.
wurde ein lang gehegter Traum der Oe- Als passionierter Kommunal- und Euro-
dinger Wirklichkeit. Der junge Verein der papolitiker hat er sich besondere Ver-
Rheinhöhenfunken brachte nach mona- dienste erworben. Maßgebend setzte er
telangen Vorbereitungen den ersten Kar- sich für unseren Ort mit viel Geschick und
nevalszug auf die Beine. Mit der Ankün- Hartnäckigkeit für die Belange des Nah-
digung „De Zooch kütt“ wurden Mitte verkehrs, für die Fortführung der ins
des Monats stolze 24 Zugnummern in Stocken geratenen Bauausführung des
Marsch durch den Ort gesetzt. Bunte Sportplatzes sowie für die Dorferneue-
Menschen- und Narrenscharen säumten rung ein. Er baute den „Ständigen Ar-
die Straße. Den Höhepunkt bildete das beitskreis Europapolitik“ des CDU Kreis-
strahlende Prinzenpaar Dieter I. und Bri- verbandes auf, den er 18 Jahre bis 1995
gitte I. (Holstein) mit Hofstaat auf einem leitete. Auch auf Bezirksebene stand er
sehr prunkvoll ausgestatteten Wagen. dem Arbeitskreis vor. Für seine Verdienste
Der gesamte Festzug wurde in Wort und erhielt er 1990 die hohe Auszeichnung
Bild in der später erschienenen Festschrift „Merite Europeen“.
„Rheinhöhenecho“ festgehalten, nach- Im Rahmen der Sportwoche im Juli feier-
zulesen in der Oedinger-Dokumentation. ten die Freunde und Mitglieder des Oe-
Die Veranstalter waren sich einig, daß dinger Sportvereins „Grün-Weiß“ in der
auch in Zukunft so eine gelungene Dar- „Florianshütte“ ihr 50 jähriges Bestehen.
bietung fortgeführt werden müßte. Die Zeiten der genagelten Lederschuhe

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1996

und Phantasiekostüme, der manchmal die im Pendelverkehr beruflich in Wacht-


auch nur in Unterhosen bekleideten Spie- berg, in Berkum und in Meckenheim zu
ler, die waren im Sportverein längst vor- tun hatten.
bei. Während sich am Jubiläumstag die Ein Höhepunkt im geselligen Leben
Mitglieder des Vereins über solche Anek- wurde zur gleichen Zeit das Gründungs-
doten amüsieren konnten, war das für die fest der im vergangenem Jahr vereinten
Gründungsmitglieder Heinrich Adams, „Rheinhöhenfunken“. Ein knallharter
Heinrich Breuer, Heinrich Schneider, Jo- Orkan vor Beginn der „kölschen Messe“
hann Schumacher und Johann Vilz sowie als Auftakt der Feierlichkeiten verlor
10 weiteren Mitgliedern vor 50 Jahren seine gewaltige „Puste“ noch rechtzeitig
sportlicher Alltag. Viele Jahre brauchte vor der kirchlichen Feier: „Dem Här zo
der Verein, am Jubiläumstag unter Ihre“. Danach tummelten sich an der Oe-
Führung von Franz-Josef Breuer, lange dinger Grillhütte über 250 „Jecken“, aus-
Jahre vor ihm sein Vater, Heinrich Breuer, gelassener wie in der 5. Jahreszeit. Alle,
um zu dem zu werden, was er heute ist: die den engagierten Oedinger Karnevali-
ein Sportverein mit 4 Abteilungen (Fuß- sten mit offenem Herzen Glück ge-
ball, „Alte-Herren Fußball“, Gymnastik wünscht hatten, die dem damaligen Drei-
und Tischtennis) sowie 240 Mitgliedern. gestirn Rudi Dick, Heinz Adams und Adi
Der Weg war mit Höhen und Tiefen ge- Poppelreuter sowie dem diesjährigen
zeichnet und verlangte ungeheuren Ein- Prinzenpaar Brigitte und Dieter Holstein
satz der jeweiligen Vorsitzenden. Finanz- die Saaltüren geöffnet hatten, waren
kriesen, Nachwuchssorgen und Querelen Gäste an der Grillhütte. Alle folgten der
brachten den Verein oft an den Rand des Einladung des 1. Präsidenten Rudi Dick
Abgrunds. Aufatmen konnte der SV erst und seinem Elferrat. Eigens zu diesem
im Jahr 1971 durch die Einwohnerexplosi- Fest wurde die Festschrift Rheinhöhen-
on, die vielen bauwilligen Neubürger, die Echo herausgegeben mit vielen interes-
im Vereinsleben und in der Gesellschaft santen Begebenheiten aus den Anfängen
wahre Pionierdienste leisteten. Eine Fest- karnevalistischer Geselligkeiten und den
schrift zur Feier des Tages beschreibt in ersten Aktivitäten der Höhenfunken (Do-
Wort und Bild ausführlich die Ereignisse kumentation Oedinger Ortschronik).
(Dokumentation zur Oedinger Chronik).
Noch im Juli wurde der Oedinger Bürger Mitte September veranstaltete der Oe-
Karl Beelke unter anderen im Rahmen dinger Kirchenchor ein Freundschaftssin-
einer Feierstunde vom Stadtbürgermei- gen in der Gertrudiskirche anläßlich des
ster Lorenz Denn für seine Verdienste um 20-jährigen Bestehens. Die Vorsitzende
unseren Ort ausgezeichnet. des Chores, Sigrid Wendtland, hatte die
Ende August leistete sich die Stadt einen befreundeten Sängerinnen und Sänger
Schildbürgerstreich in dem sie voll zu „Bölinger Liederkranz“, „Lyra Walporz-
Recht wegen der umfangreichen Bau- heim“, „Cäcilia 1882“ Oedingen sowie
maßnahmen an der K40 den Durch- den „Kirchenchor Gelsdorf“ eingeladen.
gangsverkehr sperrte, aber nicht gleich- Die Gesamtleitung der Gesangdarbietun-
zeitig die Umgehungsstraße (Burgstraße) gen lag in den Händen des Dirigenten
frei gab. Diese Freigabe wurde zumindest Hajo Braun. Dargeboten wurden: „Die
von den Unkelbacher Nachbarn erwartet, Seele des Weltalls“, Beethoven, „Popule

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1996

meus“ von V. Verth, „Agnus Dei“ von G. Der 5. Bauabschnitt, die Basisabdichtung
Bizelt, und „Bless this House“ von May- der Oedinger Mülldeponie, wurde Mitte
Brahe sowie die „Bläser Messe“ von H.J. Oktober in Angriff genommen. Seit 1983
Brugk. Eindrucksvoll war das Duett von war die Deponie in Betrieb. Sie wurde
Hanelore Janitzky (Schwester von unse- zwischenzeitlich drei mal erweitert, letzt-
rem Bürger Georg Hasenknopf) mit Jugo malig 1991. Die eigentliche Deponief-
Jahn, die das „Caro mio ben“ von Gior- läche betrug zwischen 8 und 9 Hektar. Das
dani und das „Ave Maria“ von Günod in Gesamtgelände umfaßte jedoch 20 Hek-
höchster Vollendung sangen. Neben an- tar. Insgesamt mußten vom Kreis 160
deren hervorragenden Gesangdarbietun- Grundstücke angekauft ´werden. Mit
gen erklang abschließend von allen einem Gesamtvolumen von 800.000 Ku-
Chören gemeinsam „Weiß ich auch den bikmetern war die Oedinger Halde die
Weg noch nicht“ von „Weiß-Steinberg“. größte des Kreises. Zur Beruhigung der
Die Presse sowie die Sänger und Gäste Oedinger stellte die Kreisverwaltung den
waren des Lobes voll über das gelungene Abschluß der Verfüllung der Mülldepo-
Konzert. nie bis Ende 1997 in Aussicht.

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1996

Zum dritten Mal wurde Mitte Oktober Eltern zu einem unvergeßlichen Erlebnis.
von den Eltern der Turnkinder des SV Oe- Mitte Oktober rüsteten die Rheinhöhen-
dingen das „Spielefest“ am Dorfgemein- funken für ihre erste Sitzung. Der Elferrat,
schaftshaus veranstaltet. Der Höhepunkt einheitlich in schmucker Uniform, traf sich
war zweifellos der Malwettbewerb: „Wie zum ersten, gemeinsamen Fototermin,
stellen sich Oedinger Kinder ihren Spiel- um für die nächste Prinzenproklamation
platz vor“. Es kamen recht eindrucksvolle am „Elften im Elften“ zu werben.
Werke mit interessanten Anregungen zu- Ende Oktober ergriffen 18 junge Männer
stande. Monika Kriechel, eine der Initia- (Väter) die Initiative, um den Oedinger
torinnen, meinte: „Bürgermeister Lorenz Spielplatz zu sanieren. Der städtische
Denn und Ortsvorsteher Hans Kossin soll- Haushalt hatte 17.000 DM für die Rund-
ten sich die Bilder einmal ansehen; denn erneuerung zur Verfügung gestellt, die
in den kleinen Meisterwerken war so letztlich nur ausreichten, um den Mehr-
mancher Kinderwunsch versteckt!“. Die zweckturm neu zu bauen. Die Entsor-
Schminkecke, das Erbsenzertrümmern, gung des mit Tierkot verseuchten Ober-
Nägel in einen Balken schlagen, einge- flächensandes und die Planierung der
richtete Flohmarktstände und absch- freigelegten Flächen besorgten dann die
ließend der Auftritt der Tanzgruppe der oben erwähnten Väter unter der Leitung
„Rheinhöhenfunken“ machten die Ver- von Willi Jungbluth als Vertreter des Orts-
anstaltung für die beteiligten Kinder und vorstehers.

Kirchenchor St. Gertrud, Oedingen

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1996

Am „Elften im Elften“ war es dann so- rheinland-pfälzischen Innenminister Wal-


weit. Das neue Prinzenpaar für die närri- ter Zuber mit der Freiherr-vom-Stein-Pla-
sche Session 1996/97, Prinz Karl I. und kette ausgezeichnet. Diese hohe Aus-
Prinzessin Irene I. (Ehepaar Mark), wur- zeichnung wird nur alle zwei Jahre ver-
den in einer zünftigen karnevalistischen liehen und gilt als Anerkennung für ein
Veranstaltung gekürt. Das amtierende langjähriges kommunalpolitisches Enga-
Prinzenpaar 1995/96, Dieter I. und Brigit- gement. Für einen Oedinger Bürger
te I. Holstein, traten mit Wehmut ab, blie- schon eine besondere Ehre, war doch der
ben aber im Gefolge des Hofstaates der Landskroner, Freiherr vom Stein, 1797 bis
Nachfolger integriert. Unter der Regie 1802 letzter Grundherr von Oedingen,
des „Elferrats“ wurde es dann eine tolle der 1802 mit all´ seinen Besitzungen im
Sitzung mit vielen neuen Attraktionen im linksrheinischen, französischen Territori-
voll ausgebuchtem Festzelt. Die Akteure um von Napoleon enteignet wurde.
und alle Gäste kamen auf ihre Kosten In der letzten außerordentlichen Ortsbei-
(Festschrift in Dokumentation von Oedin- ratssitzung dieses Jahres, sprach sich das
gen). Ortsgremium mit einem 4 zu 3 Votum bei
einer Enthaltung für den Ausbau der
Unser Stadtrat und ExOrtsvorsteher, Kle- Ring- und Pastoratsstraße aus. Es galt vor-
mens Weber, wurde im November vom her im „Für und Wider“ mit den Anlie-

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1997

gern manche Differenzen auszubügeln. der Oedinger Möhnen, Maria Born, hatte
Die Mittel wurden zum Teil im Ortser- alles im Griff. Unter Ausschluß der örtli-
neuerungskonzept veranschlagt. chen Männlichkeiten bekamen eben
diese ihr „Fett“ weg in fast allen Darbie-
tungen. Bewährte Büttenprominenz, wie
1997 Klara Winandy als Sonntagsfahrer, Ma-
Am 1. Februar wurde der in Oedingen ge- thilde Hüskens als Putzfrau, diese
borene und 30 Jahre hier ansässige Verw.- nochmals mit Maria Born als „Franz und
Betriebswirt Gisbert Bachem zum neuen Heiner“ provozierten Lachsalven am lau-
Bauamtsleiter der Bauverwaltung in Re- fenden Band. Unsere „Hüppemützche“
magen ernannt. Er trat hiermit ein schwe- leiteten den Besuch der „Wölle-Totalitä-
res Erbe an, da es zunächst Defizite aus ten“, Prinz Werner III. und Prinzessin
der Vergangenheit, die der Landesversi- Petra I., aus Oberwinter ein. Dann war das
cherungshof anmerkte, auszumerzen „Botzendresser-Regiment“ mit Erna
galt. Dazu mußte er sich mit einer gründ- Bücken, Käte Schmahl, Rose Burkey,
lichen Untersuchung der Organisation Marga Henseler, Clara Winandy, und Erika
der Bürger-verwaltung beschäftigen. Der Pietrusziak an der Reihe, die mit ihrem
Stadtchef, Lorenz Denn, äußerte sich zu- Beitrag alle Anwesenden von den Stühlen
versichtlich, daß Bachem über genügend rissen. Nach pausenlosen Darbietungen,
Durchsetzungskraft, Verständnis für Wirt- eine origineller als die andere, erschienen
schaftlichkeit, Kontrolle der Arbeitsab- dann die Oedinger Totalitäten, Prinz Karl
läufe sowie Geschick in der Personal- I. und Prinzessin Irene I., mit ihrem
führung verfügt, um mit den anstehen- schmucken Hofstaat, die mit aufgela-
den Aufgaben fertig zu werden. dener Begeisterung empfangen wurden.
Oedingen rückt durch die Aktivitäten der Abends danach vertrugen sich die über-
noch jungen Vereinigung „Rheinhöhen- mütigen „Weever“ wieder mit ihren ge-
funken“ immer mehr in den Mittelpunkt ladenen Mannsbildern und überzeugten
karnevalistischen Treibens in unserer diese vom Gegenteil dessen, was sie so
nördlichen „Ahrgau-Region“. Den Auft- nachmittags an humorigen Bösartigkei-
akt bildeten die Oedinger Möhnen, die ten über die Herren der Schöpfung ver-
sich als eigenständige Vereinigung ko- breitet hatten.
operativ den „Rheinhöhenfunken“ ange- Schon am Freitag wurde heuer der närri-
schlossen hatten, mit einem zünftigen sche Lindwurm in Oedingen nach dem ge-
„Weiberfastelovend“. Zu Beginn wurde lungenen Debüt im Vorjahr wieder in
vormittags als Symbol der kommunalen Gang gesetzt. Dicht an dicht drängten
Macht das örtliche Feuerwehrhaus er- sich die fröhlichen Menschen aus nah und
stürmt, verteidigt vom Ortsvorsteher fern an den Straßenrändern und schun-
Hans Kossin. Er mußte den Schlüssel her- kelten, sangen, tranken von Anliegern
ausrücken und wurde dafür herzhaft mit kredenzte feurige Getränke und jubelten
„Bützchen“, Umtrunk und leckerem bei herrlichem Kaiserwetter dem „Zooch“
Imbiß belohnt. Ausgelassen feierten die zu. Fast 50 Gruppen an der Zahl, mit viel-
Möhnen ihren Sieg, um danach in toller fältigen Themen in bunter Reihenfolge
Stimmung ihre traditionelle Nachmit- sowie Musik- und Tanzbegleitung, beleb-
tagssitzung abzuhalten. Die Präsidentin ten die Hauptstraße in noch nie dargebo-

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1997

tener Weise. Die Tollitäten, Prinz Karl I. ins Leben und protegierte mit Schwer-
und Prinzessin Irene I. thronten auf einer punkt die Fußballabteilung, die in ihrem
Insel voll Blumen und huldigten ihren när- „Auf und Nieder“ schon der steten Für-
rischen Untertanen. sorge bedurfte. Der Bau des neuen Ra-
Leider endete nach dem Festzug die hie- sensportplatzes, ein totales Hindernisren-
sige idyllische Session mit einem Katzen- nen, verlangte von ihm unermüdliche Ge-
jammer. Der Humor wich dem geflügel- duld, Beharrlichkeit und Mannesmut vor
ten Sprichwort: „Nichts ist ernster als Kar- den Regierungsämtern. Er hatte es ge-
neval“ und lies das Prinzenpaar im Stich. schafft und dies sei ihm Zeit seines Lebens
Aus ihrer Sicht fühlten sich beide von den gedankt. So war es selbstverständlich,
Höhenfunken allein gelassen, während daß er an diesem Abend von der Ver-
diese die Überempfindlichkeit der Tollitä- sammlung zum Ehrenvorsitzenden er-
ten monierten. Es kam zum unwiderrufli- nannt wurde.
chen Bruch. Die Neuwahlen des Vorstandes brachten
Ende Februar startete die Oedinger Pfarr- folgende Ergebnisse: neben dem Vorsit-
gemeinde eine Haussammlung für die Re- zenden H. Born wurde Manfred Vievet als
novierung der historischen Kapelle aus Stellvertreter bestimmt. Als Geschäftsfüh-
dem 13ten Jahrhundert. Der Zahn der rer wurde Heinz Berhausen und als Kas-
Zeit hatte mächtig an ihr genagt. Viel senwart Günter Romes bestätigt. Der Ab-
wurde bisher bereits außen renoviert, teilungsleiter Jugend wurde Rolf-Peter
dank der Spenden des Bankiers Hermann- Schemmel. Verantwortlich für Tischtennis
Josef Abs. Nun standen hauptsächlich die ist wie bisher Wolfgang Brocker und Spre-
Renovierung der alten verwitterten Fres- cherin für die Gymnastikgruppe ist wei-
ken sowie Verputz und Anstrich der In- terhin Marie-Theres Weber.
nenwände an. Die Kosten wurden mit
80.000 DM veranschlagt, die aus Zuschüs-
sen des Bistums, dem Landesamt für
Denkmalpflege, aus dem Erbe unseres
Sponsors H.J.-Abs und der Haussammlung
der Pfarrgemeinde aufgebracht werden
sollten.
In der Jahreshauptversammlung des SV
„Grün-Weiß“ Oedingen Ende März dieses
Jahres trat Franz-Josef Breuer, „Franz-
Jupp“ liebevoll genannt, von seinem Po-
sten als Vorsitzender zurück und übergab
das Amt dem neu gewählten Helmut
Born. Breuer leitete die Geschicke des SV
seit 20 Jahren und konnte auf gute Erfol-
ge seiner bisherigen Tätigkeiten verwei-
sen. Er förderte die Jugendarbeit, grün-
dete Spielgemeinschaften, sorgte für die
Wiederbelebung der Tischtennisabtei-
lung, rief die Frauengymnastik-Gruppe

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1997

In der Sitzung des Ortsbeirates Anfang gen, erfolgreich mit neuem Liedgut auf-
April wurde der Antrag eines Privatinve- gepäppelt, bot einen musikalischen Blu-
stors behandelt, eine Windkraftanlage an menstrauß mit einigen Gastchören aus
der Mülldeponie zu errichten. Obwohl der näheren Umgebung. Der Vorsitzende
alle Mitglieder des Beirats die alternative Josef Dernbach, seit 35 Jahren ununter-
Stromerzeugung durch Windkraft prinzi- brochen im Amt, betonte in seiner Be-
piell befürworteten, fühlten sie sich auf- grüßungsrede, daß Nietgen es in kurzer
grund mangelnder Fachkenntnisse mit Zeit geschafft habe, im Schnitt 80% der
einer Entscheidung für oder dagegen Sänger zu den wöchentlichen Proben zu
zunächst überfordert. Sie beschlossen, bewegen. 23 aktive Sänger waren im Ju-
daß sich die Verwaltung der Stadt Rema- biläumsjahr aus Freude am Chorgesang
gen erst einmal bei einer Gemeinde in- vereint. Neben dem Vorsitzenden Josef
formieren sollte, die schon praktische Er- Dernbach gehörten zum Vorstand Her-
fahrungen gemacht hatte. bert Dernbach als Stellvertreter und
Im Mai traffen sich in Oedingen zum 9. Schriftführer Robert Schulte, seit 29 Jah-
Mal über 100 „Biker“ aus Herfort, Dort- ren Kassierer und Hans-Willi Vilz sowie
mund, Köln, Aachen, Herne, Ansbach, Martin Schmahl als Beisitzer.
Minden und Saarlouis. Die Motorrad- Die nimmermüde junge Vereinigung der
freunde zelteten auf dem alten Sport- Rheinhöhenfunken hatte Ende Juni schon
platz neben der Grillhütte, um von dieser wieder einen Grund zu feiern, nämlich
Zeltstadtbasis aus zum wiederholten die Weihe der neuen Vereinsstandarte als
Male an einer von Sinziger Sportfreun- Symbol der Zusammengehörigkeit. Eröff-
den ausgeschriebenen groß angelegten net wurde mit einem Disco-Abend im
Orientierungsfahrt teilzunehmen. Män- Festzelt an der Grillhütte für alle Jugend-
ner und Frauen, teils mit ihren Kindern, lichen und Junggebliebenen. Am näch-
zeigten, daß sie eine große Familie sind. sten Tag um 17:00 Uhr wurde in einer
Eine Familie, die eines gemeinsam hatte, „Kölschen Messe“ die Vereinsstandarte
nämlich die Liebe zum Motorrad und zur geweiht und anschließend gings im Fest-
Freiheit auf der Straße. zug zum Grillplatz, um den bunten
Mitte Mai wurde in offenen Briefen eini- Abend mit Tanz und sonstigen Lustbar-
ger Oedinger Kommunalpolitiker das keiten zu veranstalten. Wie üblich klang
„Für und Wider“ der Gestaltung der Orts- am nächsten Tag das Fest aus mit einem
mitte im Rahmen der Dorferneuerung Frühschoppen, Kaffee und Kuchen sowie
diskutiert. Im wesentlichen ging es Kinderbelustigungen.
darum, die seit langem geforderte Mehr- Um diese Zeit wurde unerwartet von der
zweckhalle in den Bebauungsplan Orts- Stadtverwaltung ein Baustopp im Rah-
mitte einzubeziehen oder sie nach neuen men des Ausbaus der K40 (Wachtberg-
Vorstellungen auf dem Sportplatz anzu- Straße) verfügt. Die Spatzen pfiffen es be-
siedeln. Im Endeffekt fiel die Entschei- reits von den Dächern, daß die
dung für den Standort Sportplatz. bauführende Tief- und Straßenbaufirma
Der MGV „Cäcilia 1882“ feierte im Juni Porz in den Konkurs geraten war. Schon
sein 115. Jubiläum. Diese stimmstarke Ge- seit Wochen wurde ohne Begründung
meinschaft, seit Herbst vergangenen Jah- das schwere Gerät abgezogen. Das be-
res vom neuen Dirigenten, Wienand Niet- deutete eine erhebliche Zeitverzögerung,

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1997

denn der erwartete Ausbau mußte neu zug. Das Signal der Rheinhöhenfunken,
ausgeschrieben werden. am 21.11. die Proklamation der künftigen
Im Juli hatte der Landrat Joachim Weiler Prinzessin Monika I. (Grunwald) für die
zahlreiche Gäste aus Verwaltung und Po- Session der 5. Jahreszeit in 1997/98 zu fei-
litik eingeladen und wie er in der Be- ern, kam im Ort gut an. Es wurde eine un-
grüßung sagte: „Am schönsten und höch- vergeßliche, außergewöhnliche Sitzung
sten Punkt der Stadt Remagen, dem Ost- im Festzelt am Dorfgemeinschaftshaus.
hang der Oedinger Mülldeponie!“. Der Viele Gäste aus Nah und Fern füllten das
Grund war, eine örtliche Begehung der Festzelt bis auf den letzten Platz. Für die
fertiggebauten östlichen Abdeckung mit Vorträge, musikalischen und tänzerischen
der Verstromung der in Betrieb genom- Einlagen waren Aktive, Büttenredner und
menen Gasfassungsanlage. Fachleute des Gruppen verpflichtet, eine Elite aus unse-
Unternehmens „Strabag“ demonstrier- rer Region, die als Stimmungskanonen
ten anhand von Plänen und Fotografien nicht zu übertreffen waren.
den technisch hochwertigen Werdegang.
Inzwischen war die Deponie immerhin
schon seit 1973, also 24 Jahre in Betrieb.
In der Ortsbeiratssitzung dieses Monats
wurde endgültig beschlossen, das Dorf-
gemeinschaftshaus (Mehrzweckhalle) auf
dem Sportplatz in Anlehnung an das vor-
handene Umkleide- und Gerätehaus zu
bauen. Den Ausschlag gab der vorhande-
ne Anschluß an die Energieversorgung
und Ortskanalisation.
Auf „Schusters Rappen“ unternahmen im
Juli die Gymnastikfrauen des SV „Grün-
Weiß“ Oedingen eine strapaziöse Wan-
derung durch das Siebengebirge. Bei
herrlichem Sonnenschein und unter fach-
kundiger Führung der Trainerin Jytte Monika I.
Dubben begann der Fußmarsch in Kö-
nigswinter und führte übers Siebengebir- Noch im November beschäftigte sich der
ge nach Unkel. Von hier setzten die sport- Ortsbeirat erneut mit dem Ausbau der K
lichen Frauen mit dem Boot nach Ober- 40, an der die Arbeiten nach dreimonatli-
winter über, wo bereits einige Ehemän- cher Unterbrechung von einer neu ver-
ner warteten, um sie mit ihren Autos nach pflichteten Baufirma wieder aufgenom-
Hause zu befördern. Der Tag klang in men worden waren, sowie den Plänen für
gemütlicher Runde nach einem deftigen die Mehrzweckhalle am Sportplatz. Für
Abendessen im Dorfkrug Breuer aus. die K 40 wurde die endgültige Fertigstel-
Ohne besondere Ereignisse, bis auf die lung Mitte des Jahres 1998 in Aussicht ge-
Belastung der Bürger durch die ruhende stellt. Das neue Dorfgemeinschaftshaus
Großbaustelle mit aufgerissenen Straßen- war als Kommunikationszentrum für alle
abschnitten, hielt der Herbst seinen Ein- Oedinger Vereine und Institutionen ge-

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1998

plant. Ein 294 qm großer Saal für 300 Per- Straße sollte im Anschluß an den Bauab-
sonen und Nebenräume für die Vereine schnitt der K 40 saniert und im Rahmen
war in der Innenaufteilung vorgesehen. des Dorferneuerungsprogramms ausge-
Der Architekt Niederstein erklärte, daß es baut werden. Die Anlieger wehrten sich
ihm darauf ankam, mit möglichst wenig dagegen, da sie ohne Anhörung in eine
Fläche möglichst viel Raum zu schaffen. Sache einbezogen wurden, die ihnen mit
Nach Vorstellungen der Kommunalpoliti- Sicherheit hohe Kostenanteile aufbürden
ker und Fachleute könnte die fertige könnte. Das städtische Bauamt bemühte
Halle im Jahre 2002 eingeweiht werden. sich zunächst, die Wogen zu glätten und
In der evangelischen Kirchengemeinde, versprach bald ein Bürgergespräch mit
Presbyterium Oberwinter, zu der auch die den Betroffenen zu führen und sie aus-
Oedinger Evangelen zählen, wurde der führlich zu informieren.
Pfarrer, Michael Schankweiler-Schell, für
das Amt des Gemeinde-Pfarrers gewählt.
Er sollte im März 1998 feierlich in sein 1998
Amt eingeführt werden. Die Unruhe über den Ausbau der Rings-
Zum Jahresabschluß und dem Ende des traße hielt an. Anfang Januar beschwer-
115 jährigen Jubiläums gab der MGV „Cä- te sich der Wortführer der Anlieger, Os-
cilia 1882“ am späten Sonntagnachmit- wald Risch, über die unverständlichen
tag des 30. Novembers ein Konzert in der nicht übersehbaren Verlautbarungen der
Pfarrkirche mit Beteiligung des Kirchen- Bauplanung und der Stadtverwaltung.
chors St. Gertrudis unter ihrem Dirigenten Für den Ausbau der kleinen Ringstraße
Ha-Jo Braun. Das Programm stellte Diri- wurde ein Kostenvoranschlag von 360000
gent Wienand Nietgen zusammen, den DM kalkuliert, den die Anlieger zu tragen
Ablauf moderierte der Sänger Rudi Dick. hätten, da die Finanzierung im Rahmen
Blockweise traten beide Chöre des Ortes des Dorferneuerungsprogramms für die-
Oedingen an um abschließend gemein- sen Bauabschnitt nicht vorgesehen war.
sam aufzutreten. Ein kleines Orchester Des „einen Leid, des anderen Freud“, so
mit Claudia Eckert und Astrid Heidrich erlebten wir den Übergang zur V. Jahres-
(Violinen) und Hermann Eckert an der zeit. Das Autohaus Frensch stellte unserer
Orgel überzeugten mit einem instrumen- liebenswerten Prinzessin Monika und
talen Intermezzo ihre andächtig interes- ihrem Hofstaat kostenlos ein Fahrzeug
sierten Zuhörer von ihrem Können. Mit für die vielen programmierten Einsätze
der „Weihe des Gesangs“ von Mozart, ge- zur Verfügung.
spickt mit vielen Schwierigkeiten in der Ende Januar wurde unser Mitbürger, Rudi
Partitur, wie auch die Hommage an Schu- Wißkirchen, von seiner Sparkasse in den
bert „Abendfrieden“ und „Die Nacht“ Ruhestand versetzt. Er hat sich nicht nur
überzeugte der MGV „Cäcilia 1882“, daß große Verdienste als Direktor seiner Bank
er auch schwierige Gesangstücke gut be- erworben, sondern hat auch in unserem
herrschte. Ort als Neubürger seit 1970 in der Kom-
Zum Jahresende zeigten sich die Anwoh- munalpolitik viel bewirkt. Er war Mitglied
ner der Ringstraße frustriert über poli- des Ortsbeirates Oedingen und lange Zeit
tisch und verwaltungsseitige Entschei- im Stadtrat Remagen, zeitweise Vorsit-
dungen der Stadt Remagen. Die kleine zender der SPD-Fraktion und hatte in die-

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1998

sen Funktionen stets das bestmögliche für


die Entwicklung unseres Ortes erreicht.
Am 20. Februar hieß es bis in den finster-
sten Winkel unseres Ortes nur noch: „De
Zooch kütt!“. Am Sonntag vorher wurde
Kinderkarneval im Dorfgemeinschafts-
haus und am Donnerstag die traditionel-
le Weiberfastnacht gefeiert. So konnte
nun am Freitag in bester aufgeheizter
Stimmung „De Zooch“ durch Oedingen
rollen. Die Presse schrieb begeistert: „Oe-
dinger Karnevalszug – ein Highlight am
närrischen Himmel unserer Region“. Der
prächtige Zug, zusammengestellt und
moderiert von Elferratsmitglied Wolf-
gang Bachem, zwängte sich durch die
Straßen unseres Rheinhöhenortes. Herr-
lich bunte Fußgruppen, tolle Motivwa-
gen, hervorragende Musikgruppen und
die strahlende Prinzessin Monika I. mit Eine bittere Enttäuschung mußten Mitte
ihrem Hofstaat auf dem Prunkwagen fla- März die beiden ehrenamtlichen Wärter
nierten vorbei an unzähligen begeister- der Oedinger Grillhütte Stefan Sonntag
ten Narren und den Tollitäten aus nah und Hans Manikowski erfahren, die in
und fern, die dieses Spektakel von der ei- mühsamer Kleinarbeit die Hütte für den
gens aufgestellten Tribüne beobachteten Sommerbetrieb hergerichtet hatten. Van-
und ihr lautes „Alaaaf“ beisteuerten. Mit dalen hatten schon wenig später alles zu-
dabei das Remagener Dreigestirn Prinz nichte gemacht und alle Türen an der
Dietert I., Bauer Kemy und Jungfrau Jose- Grillhütte und in den Toiletten in blinder
fa, der Oberwinterer Prinz Hans VI. und Zerstörungswut eingetreten und die
Prinzessin Brunhilde I. sowie der Kripper Becken sowie Spülkästen aus den Veran-
Prinz Ludwig I.. Nahezu 30 Gruppierun- kerungen gerissen. „Es war ein Bild des
gen ließen ihren Phantasien freien Lauf, Jammers“, klagten die beiden Senioren.
kostümierten sich einfallsreich und grif- Am 30. März wählten die Rheinhöhen-
fen dabei vor allem das lokale Geschehen funken ihren neuen Vorstand. Präsident
auf und glossierten auch in Wort und Bild wurde Rudi Dick, Vizepräsident Georg
die Bonner Politik. Schmahl, Geschäftsführerin Roswitha
Im März wurde der neue evangelische Pa- Dick, Schriftführerin Astrid Schmahl und
stor Miachael Schankweiler-Schell in Kassiererin Uschi Wolter.
Oberwinter auf die Kirchenordnung ver- Im April begann der Ausbau des letzten
pflichtet und feierlich in sein Amt einge- Abschnitts der Wachtberg-Straße zwi-
führt. Er ist hierdurch auch für die Evan- schen der Einmündung der Burgstraße
gelen in Oedingen zuständig, die mit den und dem Ortsausgang Werthhoven. Hier
Unkelbachern, Bandorfern und Oberwin- mußten für den Verkehr komplizierte Re-
terern ein Presbyterium bilden. gelungen getroffen werden, die sich erst

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1998

schwer nach einiger Zeit einspielten. Das Anfang Juni wurde den Oedingern mit-
Ordnungsamt mußte mit Appellen an die geteilt, daß die Poststelle im Ort auch
Bürger eingreifen. dem Post-filialensterben in der Region
Die Remagener Jagdgenossenschaft II Un- zum Opfer fallen muß. Die Schließung
kelbach – Oedingen zeigte sich während wird Ende des Jahres erfolgen.
der Jahresversammlung Anfang April Unser Oedinger Mitbürger, Stadtrat
recht großzügig. Die Mitglieder unter Rudie Wißkirchen, wurde im Juli vom Re-
ihrem Vorsitzenden Klemens Weber (Oe- magener Stadtrat als Nachfolger des aus-
dingen) verzichteten auf ihre Anteile aus geschiedenen Christian Strohe mit großer
der Jagdpacht 1998 und stellten die Ge- Mehrheit zum dritten Beigeordneten ge-
samteinnahme von 10.000,- DM für den wählt.
Bau der neuen Unkelbacher Friedhofska-
pelle zur Verfügung.
Der SV-Oedingen, aufstiegsverdächtig
von der C-Klasse in die B-Klasse, ver-
pflichtete für die neue Saison 1998/99 als
neuen Trainer Hartwig Larisch für den aus
beruflichen Gründen ausscheidenden bis-
her erfolgreichen Trainer Dieter Müller.
Eine eigenwillige Aktion Ende April stieß
auf Unverständnis des Ortsbeirates und
vieler Oedinger Bürger. Naturfreunde
stutzten die etwa 4 m hohen Weiden am
Bach parallel längst des Feldweges in Ver-
längerung des Gertrudisweges. Die
Bäume waren von Oedinger Bürgern
Jahre zuvor gespendet und gepflanzt
worden. Wie zu erfahren war, wurde die
Beschneidung vom Kreislandschaftspla-
ner angeregt, ohne den Ortsbeirat zu in-
formieren. Später erwies sich diese Aktion
jedoch als nützlich.
Die Feuerwehr feierte Mitte Mai ihr tra-
ditionelles Frühlingsfest mit der Einseg-
nung des neuen Mannschafts – Trans- Noch in diesem Monat überraschten wie-
portfahrzeugs für die Wehrmänner. Die- der einmal die Oedinger „Rheinhöhen-
ses Fahrzeug wurde mit Landesmitteln funken“ mit einem gelungenen Sommer-
und Beiträgen aus dem Förderverein be- fest die Dorfbewohner. Die noch amtie-
schafft, und der Innenausbau in Eigenlei- rende Prinzessin Monika I. (Grunwald) mit
stung der Feuerwehr gestaltet. ihrem Hofstaat standen im Mittelpunkt
Ende Mai eine erfreuliche Nachricht für des bunten Reigens frohen, geselligen
die „Deponie“ geplagten Oedinger. Der Geschehens.
Kreis signalisierte, daß am 4. September In der zweiten Hälfte Juli sorgte der SV
die Müllkippe endgültig geschlossen wird. „Grün-Weiß“ Oedingen für willkommene

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1998

Abwechslung im geselligen Treiben mit Straßenfest in und um die Scheune Vilz


einer gut organisierten Sportwoche. Am eingeladen. Das gründlich vorbereitete
Turnier beteiligten sich die Traditions- Fest begann um 18:00 Uhr mit dem Emp-
mannschaften aus Ahrweiler, der Bezirks- fang des Landrates Joachim Weiler, der
ligist DJK Friesdorf, der SV Kripp, der SC auf dem Weg nach Oedingen von einer
Ließem, der BSC Unkelbach, der TUS Ger- Motorrad-Eskorte Oedinger Motorsport-
mania Hersel und unsere Heimmann- ler begleitet wurde.
schaft. Sieger wurde der BSC Unkelbach. Seine erste Amtshandlung war, gemein-
Im September hatte der gebürtige Oe- sam mit unserem Bürgermeister Lorenz
dinger, Rudolf Bachem, seinen „Vilzschen Denn, unserem Ortsvorsteher Hans Kos-
Ackerhof – An der Eck“ in jahrelanger, sin, dem stellv. Leiter des Straßenbauam-
mühevoller Eigenleistung wieder in sei- tes Cochem, Manfred Weißkopf, die letz-
nen ursprünglichen Zustand versetzt. So te Straßensperre zu entfernen. Danach
wurde eines der ältesten Gebäude in Oe- wurde das Straßenfest mit einem Drehor-
dingen wieder zum sehenswerten gelspieler eröffnet. Zur weiteren Unter-
Schmuckstück zur Erinnerung an frühere haltung gabs zünftige Blasmusik des Mu-
Zeiten. sikvereins St. Barbara aus Strempt. Aller-
Das Bauen der K 40 hatte ein Ende, das lei kulinarische Leckereien sowie jede
mußte gefeiert werden. Der Landrat, Jo- Menge Freibier ließen schnell regelrechte
achim Weiler, hatte ganz Oedingen am Volksfeststimmung unter den zahlreich
18. Dezember zu einem gemeinsamen erschienenen Gästen aufkommen. Orts-

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1998

vorsteher Hans Kossin begrüßte zunächst In der Ortsbeiratssitzung Ende Oktober


die Anwesenden, um dann den Beteilig- wurden wieder einmal die Erweiterungs-
ten an der Ausführung des insgesamt 2,6 pläne für das Sportgerätehaus und das
Millionen teuren Kreisstraßen-Ausbau- Dorfgemeinschaftshaus behandelt. Mit
projekts für deren tatkräftige Mitwirkung der Entkernung des Gerätehauses wurde
und Unterstützung zu danken. Er beton- bereits begonnen. Bis Frühjahr 1999 sol-
te besonders, das hier im Einvernehmen len Duschen und Umkleidekabinen ein-
mit den politischen Gremien des Kreises gebaut werden. Im III. Bauabschnitt stand
Ahrweiler den Anliegern der Wachtberg- der Bau der Mehrzweckhalle auf dem
Straße eine kräftige finanzielle Unter- Programm, Fertigstellung bis 2002 ge-
stützung gewährt wurde, um deren Ko- plant.
stenanteil auf 25 % zu reduzieren. Auch In der Sitzung wurde Ortsbeiratsmitglied
Bürgermeister Denn fand viele lobende Rudolf Wißkirchen verabschiedet, der in-
Worte, und er dankte insbesondere dem zwischen das Amt des dritten Beigeord-
Oedinger Ortsbeirat und den Oedinger neten der Stadt Remagen ausübte.
Bürgern für die tadellose Organisation Wißkirchen war von 74 bis 75, 79 bis 84
der Veranstaltung. und 94 bis 98 im Ortsbeirat vertreten.
Im weiteren Verlauf des Abends folgte Ortsvorsteher Hans Kossin überreichte als
nach einem Liedvortrag des Oedinger Kir- Anerkennung für die erbrachten Leistun-
chenchors „St. Gertrudis“ unter der Stab- gen ein Abschiedsgeschenk.
führung von Ha-Jo Braun die Einsegnung Am 9. November wurde die „Fünfte Jah-
der neu gestalteten Straße durch Pfarrer reszeit“ 98/99 eingeläutet mit der Prokla-
Norbert Klaes und Pastor Michael Schank- mation des Prinzenpaares Uschi I. und Ge-
weiler-Schell. mahl Dieter II. (Schmitz). Inzwischen eine
Mit musikalischen Beiträgen des Gesang- eingespielte Sache, die nur um Nuancen
vereins „Cäcilia 1882“ Oedingen unter besser sein konnte nach den Erfahrungen
Chorleitung von Wienand Nietgen, sowie der Vorjahre. Sie stellten sich gekonnt den
gemütlicher Blasmusik der Kapelle St. vielen Gästen im ausverkauften Festzelt
Barbara, des Tanz- und Showorchesters vor mit ihrem Hofstaat: Hofmarschall Die-
„Rheinlandfanfaren Hersel“ und dem Re- ter Holstein, Hofdame Brigitte Holstein,
magener „Panik-Orchseter“ nahm die Säckelmeister Klemens Weber. Sitzungs-
Veranstaltung ihren Verlauf. Bis in die präsident Rudi Dick führte durch ein
Mitternacht amüsierten sich die Oedinger hochkarätiges Programm. Die Rema-
Bürger mit ihren Gästen aus „Nah und gener Stadtsoldaten, „Madame Motter-
Fern“ in ausgelassener Stimmung. boden“, die Tanzgruppe „Charisma“, das
Die Bundestagswahlen Ende September Oedinger Männerballett und das „Panik-
brachten in der Gesamtstadt Remagen Orchester“ waren nur einige von vielen
für die CDU 45,7 %, für die SPD 38,8 %, Höhepunkten eines gelungenen Abends.
für die FDP 5,2 %, für die Grünen 7,9 % Nach der feierlichen Proklamation, genau
und Sonstige 2,4 %. eine Woche später, wurde die traditionel-
In Oedingen entfielen auf die CDU 48,7 le Kirmes gefeiert. Beginn Freitagabend
%, auf die SPD 42,93 %, für die FDP 3,63 mit einer zünftigen Disco; Samstagabend
% und für die Grünen 4,01 % der Stim- das große Familienfest mit Tanz und Un-
men. terhaltung sowie Montag mit Umzug und

170
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1999

Verurteilung des Zachaies bis Dienstag Uschi I. (Ehepaar Schmitz), begleitet vom
um Mitternacht der Ausklang geblasen Züllighovener Tambourcorps. Ein Erlebnis
wurde. für unsere Kinder, das sich im Ablauf zwar
Im Dezember, um den Martinstag, durf- alle Jahre wiederholte, aber dennoch in-
ten sich die Kinder freuen. Sie mußten mit novativ in der Steigerung der Darbietun-
ihren Eltern in einem Fackelzug den lan- gen Überraschungen in Fülle brachte.
gen Fußweg zur Feuerstelle bewältigen Im Neubaugebiet Ortsmitte war der Bau
und wurden dann durch ein prächtiges von sieben neuen Wohnhäusern vorgese-
Feuer am Sportplatz entschädigt. Der hen. Zwei standen bereits im Rohbau am
Martin hoch zu Pferde und das Zülligho- verlängerten Weidenweg.
vener Tamborchor begleiteten, wie in all Die F.D.P. wählte in ihrer Mitgliederver-
den Jahren zuvor, die Kinderschar, die sammlung Mitte Februar Oswald Risch als
auch einige Martinslieder mitsangen. ihren Kandidaten für den Oedinger Orts-
Zum Abschluß wurden die Teilnehmer mit vorsteher.
Naschwerk und Wecken belohnt. Eine Woche später schlängelte sich ein
toller Karnevalszug durch die Oedinger
Straßen. Ein großer Tag für die Oedinger
1999 Tollitäten Prinz Dieter II. und Prinzessin
Das letzte Jahr im 20ten Jahrhundert be- Uschi I. (Schmitz), dem Hofmarschall Die-
gann ruhig, sozusagen „die Ruhe vor dem ter Holstein, Säckelmeister Klemens
Sturm“; denn im Februar, gegen Ende der Weber und den beiden Hofdamen Rosi
„Fünften Jahreszeit“, stand Oedingen im und Brigitte. 30 Formationen zogen in
Mittelpunkt des mittelrheinischen Karne- Gruppen und Grüppchen durch ein Spa-
valstreibens. Schon am 7. platzte das lier von jubelnden Närrinen und Narren
Dorfgemeinschaftshaus aus allen Nähten, aus nah und fern. Zum Abschluß pulsier-
erfüllt vom närrischen Treiben der Oedin- te in allen Oedinger Gasträumen noch
ger Kids unter der Regie der Möhnen. lange der Virus Karneval. Die Presse ur-
Den bunten Reigen eröffneten die „Höp- teilte fast übereinstimmend, die Oedin-
pemützje“, die bestens von ihren Traine- ger Rheinhöhenfunken mausern sich von
rinnen Beatrix Weis, Bianca Grunwald, Su- Jahr zu Jahr einfallsreicher zur Hochburg
sanne Thones und Monika Kriechel vor- des Frohsinns im rheinischen Karneval.
bereitet waren. Als gern gesehene aus- Am darauf folgenden Sonntag wurde
wärtige Gäste erschienen nacheinander zum Prinzenball in der Hofburg „em ahle
die Kinderprinzessinen der „Fiedelen Saal“ geladen. Unter vielen Einlagen fei-
Möhnen“ aus Lammersdorf sowie Prinz erten hier in voller Gruppierung und nach
Sebastian I. und Godesia Nicole I., die sich gründlicher Einstudierung die „Rievko-
nach dem stürmischen Beifall wie zuhau- oche“ Sänger: Rudi Dick, Günter Gries,
se in Godesberg fühlten. Ihnen folgte die Detlev Schmitt, Herbert Dernbach und
Kinderprinzessin Susanne I. von den „Rot- Marco Leuthen mit ihrem bunten Mund-
Weiße-Funken“ aus Unkelbach, die ihre artgesang und feinem Lokalkoloried ihre
„Rasselbande“ und die „Gänse- Premiere. Inzwischen eine berühmte
blümchen“ mitbrachte. Der Höhepunkt Gruppe, die auch bei Großveranstaltun-
war dann der Einmarsch der Oedinger gen außerhalb unseres Höhenortes erfol-
Tollitäten, Prinz Dieter II. und Prinzessin greich aufgetreten war.

171
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1999

Oedinger Kultband „De Rivekoocke”

Mitte Februar gab es erneut Ärger über zur weiteren Erschließung der Ortsmitte
den Ausbau der Ringstraße. Die Berech- durch Bürgermeister Lorenz Denn und
nungen der Anliegerkosten waren falsch. Ortsvorsteher Hans Kossin getan. Es ging
Die Planer hatten eine 30 % erhöhte um den Ausbau der Anliegerstraße vom
Grundfläche als Berechnungsgrundlage Gertrudisweg zum Weidenweg, um die
in Ansatz gebracht. Oswald Risch hat die- Ortsmittenbebauung durch den Bauträ-
sen Fehler aufgedeckt. ger GSB beginnen zu können.
Ende Februar wählten die Sozialdemo- Der Familienwandertag der CDU am 1.
kraten ihren Kandidaten Werner Lapp für Mai führte die Teilnehmer zum Radom,
das Amt des Ortsvorstehers. Der bisherige die weithin sichtbare weiße Kugel der
Amtsträger, Hans Kossin, trat aus persön- Forschungs-anstalt FGAN bei Werthho-
lichen Gründen nicht wieder an. ven. Hier wurde nach sachkundigem Vor-
Kurz darauf wählte auch die CDU den trag ins Weltall geschaut.
Kandidaten für den Ortsvorsteher. Die Mitte Mai hatte der Möhnenverein Oe-
Wahl fiel auf Klemens Weber, der schon dingens eine Jahreshauptversammlung.
langjährige Erfahrungen mit einbrachte. Die Neuwahl des Vorstandes stand im
Am 8. April wurde der erste Spatenstich Mittelpunkt und brachte folgendes Er-

172
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1999

gebnis: die Obermöhn blieb Maria Born, ihr großes Sommerfest mit Orts- und
Vizemöhn wurde Diana Thomas und Gastvereinen an der Oedinger Grillhütte.
Schriftführerin Doris Golchert. Schon am Samstagabend konnte der Prä-
Zur gleichen Zeit veröffentlichte die Ge- sident Rudi Dick neben dem eigenen rund
sellschaft für schlüsselfertiges Bauen 250 Mitgliedern zählendem Verein auch
ihren Plan für die Bebauung in der Oe- Gastvereine und Vertreter der örtlichen
dinger Ortsmitte. In Angriff genommen Oedinger Vereine sowie das alte und neu-
wurden ein Wohn- und Geschäftshaus mit gewählte Stadtratsmitglied Klemens
10 Eigentumswohnungen. Weber und den neugewählten Ortsvor-
Der Kommunalwahlkampf kam in Fahrt. steher Werner Lapp begrüßen. Der be-
Die beiden Kandidaten der großen Par- sondere herzliche Gruß galt natürlich
teien Klemens Weber (CDU) und Werner dem amtierenden Oedinger Prinzenpaar,
Lapp (SPD) gingen in offenen Briefen auf- Prinz Dieter II. und Prinzessin Uschi I.
einander los, jedoch nicht unfair. (Schmitz). In geselliger Runde mit Tanz-
Der Sportverein SV „Grün-Weiß“ Oedin- musik, süffigem Kölsch und herzhaften,
gen sicherte sich Ende Mai im Endspiel lukullischen Imbissen verging die Zeit wie
um die Meisterschaft in der C-Klasse West im Fluge. Auch für die Jugend gab es am
durch einen 5:1 Sieg gegen Müllenbach nächsten Tag allerlei Belustigungen und
den Aufstieg in die Kreisklasse – B. vielfältige Unterhaltung. Zum Schluß
Gleichzeitig feierte der Junggesellenver- konnte mit Stolz behauptet werden:
ein JGV „Eintracht“ Oedingen sein Som- „rundum gelungen!“.
merfest in der Grillhütte. Am Samstag- Vom 10. Bis 17. Juli feierte der SV „Grün-
abend Tanz mit Live-Musik und am Sonn- Weiß“ Oedingen wieder seine traditio-
tag Frühschoppen mit Skat, Knobeln und nelle Sportwoche. Mit einer originellen
Hüpfburg für die Kinder. Ein kräftiges Eröffnung wurde ein „Gerümpel-Turnier“
Mittagessen und Kaffee und Kuchen am ausgetragen, das mit insgesamt 16
Nachmittag mit vielen Unterhalungsspie- Hobby- und Freizeitmannschaften aus der
len für die „Cids“ füllten den Tag aus. näheren Umgebung bestritten wurde.
Die Kommunalwahlen am 13. Juni brach- Sieger wurden die „Frühkölscher“ aus
ten folgende Ergebnisse: Klemens Weber Wachtberg. Wie in all den Jahren zuvor
(CDU) kam in den Stadtrat. In den Orts- auch diesmal eine gelungene Sportveran-
beirat wurden gewählt von der CDU: staltung mit interessanten Wettkämpfen
Heinrich Heuser, Georg Schmahl, Johan- und sportlichen Höhepunkten.
nes-Wilhem Jungbluth und Jürgen Anfang September feierte die Katholi-
Meyer; von der SPD: Rudolf Wißkirchen, sche Pfarrgemeinde „St. Gertrudis“ ihr
Giesela Wißkirchen und Marco Leuthen. 150-jähriges Bestehen, genauer gesagt,
Von den beiden Kandidaten für den Orts- die vor 150 Jahren (1849) erfolgte Ernen-
vorsteher Klemens Weber (CDU) und nung zur selbstständigen Pfarrei. Zu Be-
Werner Lapp (SPD) erreichte keiner in der ginn wurde in der Pfarrkirche, unter Mit-
Direktwahl die absolute Mehrheit, so daß wirkung des Kirchenchores, ein feierliches
am 27. Juni eine Stichwahl erforderlich Hochamt gehalten. Dann fand im Dorf-
wurde, die dann Werner Lapp mit knap- gemeinschaftshaus ein gemütliches Bei-
per einfacher Mehrheit gewann. sammensein mit Liedvorträgen des
Im Juli feierten die „Rheinhöhenfunken“ Männergesangvereins „Cäcilia 1882“

173
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1999

unter Leitung von Wienand Nietgen und


des Kirchenchors unter Leitung von Hajo
Braun statt. Mit schmackhaften und preis-
günstigen Speisen und Getränken wurde
für das leibliche Wohl gesorgt und die
Kinder wurden mit verschiedenen Spiele-
Einlagen unterhalten. Die Vorsitzende im
Pfarrgemeinderat war derzeit Frau Hedi
Neukirchen, die Vorgängerin Frau Hiltrud
Romes, geb. Dernbach.
Ein altes Anliegen der Oedinger Bürger,
nämlich den Fußwanderweg von Oedin-
gen nach Werthhoven in Verlängerung
des Kernbachweges herzurichten und
freizugeben, schien Mitte September
wirklich zu werden. Bei einem gemeinsa-
men Ortstermin trafen sich Klemens
Weber, Günter Johnke, Georg Hasen-
knopf, und Hans Kossin aus Oedingen mit Oedingen Mitte bewegt sich. Schon am
Ute Heid, Günter Kläser und Michael Mar- 20.9. war Richtfest am Rohbau des Wohn-
kus aus Wachtberg-Werthhoven. Die letz- und Geschäftskomplexes im Ortszentrum.
teren erklärten sich bereit, den alten Weg Die Wohnungen wurden bereits zu 80%
vor der Umgehungsstraße durch Grund- verkauft. Im Erdgeschoß bezieht die Raif-
stückstausch bis zur Unterführung wieder feisenbank ihre Geschäftsstelle und da-
frei zu machen. neben wird von der Kirche ein soziales
Am 7. September traf sich der neue Orts- Zentrum eingerichtet. Ein Lob verdient
beirat zu seiner konstituierenden Sitzung die Gesellschaft für schlüsselfertiges
in der Gaststätte Breuer. Im Mittelpunkt Bauen, die unter pünktlicher Einhaltung
stand die Vereidigung und Amtsein- der Planungstermine in knapp 3 Monaten
führung des neuen Oedinger Ortsvorste- dieses Werk vollbrachte.
hers Werner Lapp und die Wahl seines Mitte Oktober stellte die SPD in ihrer gut
Stellvertreters Heinz Heuser sowie die besuchten Jahreshauptversammlung die
Verpflichtung der neu gewählten Orts- Weichen für die politische Arbeit in den
beiratsmitglieder (namentlich im Ab- nächsten Jahren. Der neue Ortsvorsteher
schnitt unter Juni erwähnt). Danach Werner Lapp gab aus seiner Sicht den
wurde Hans Kossin in Anerkennung sei- Überblick über die anstehenden Projekte
ner Verdienste vom Bürgermeister Lorenz in unserem Höhenort, die da sind: Dorf-
Denn mit Dank in Ehren verabschiedet. gemeinschaftshaus am Sportplatz bis
Die Schwerpunkte seiner Amtszeit waren: 2002; Entwicklung des Ortes und Umset-
die Realisierung des Dorferneuerungs- zung des Bebauungsplanes Amselweg;
programmes, der Ausbau und die Konso- Ausbau des „Backes“; Förderung der Ju-
lidierung der Wachtbergstraße, die Lö- gendarbeit; Fertigstellung der Ortsmitte
sung der Probleme mit der Mülldeponie mit dem Dorfplatz innerhalb des gesetz-
und die Restaurierung des alten „Backes“. ten Zeitrahmens. Neben den üblichen Re-

174
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1999

gularien erfolgte dann die Neuwahl des der bisherige Werner Jungbluth nach
Vorstandes. Erster Vorsitzender wurde 5jähriger Tätigkeit sein Amt zur Verfü-
Jörg Oertel, zweiter Vorsitzender Marco gung stellte. Der neue Mann, Peter Jung-
Leuthen, Kassiererin Giesela Wißkirchen bluth, ist seit 35 Jahren Feuerwehrmann
und Beisitzer Werner Lapp und Hans Kos- und hatte bereits 15 Jahre das Amt des
sin. Einheitsführers inne. Der Erste Beigeord-
Noch im Oktober verstarb der in unserem nete der Stadt Remagen, Hermann-Josef
Ort allseits bekannte und beliebte Land- Fuchs, überreichte ihm die Ernennungs-
rat des Kreises Ahrweiler, Joachim Weiler. urkunde.
Er hatte sich sehr erfolgreich für Oedinger
Belange im Zusammenhang mit der Müll- Nun sind wir wieder soweit, die kom-
deponie und dem Dorferneuerungsplan mende 5. Jahreszeit einzuläuten. Schon
eingesetzt. am 6. November startete die Proklamati-
Die Freiwillige Feuerwehr Remagen – Ein- onssitzung unseres neuen Prinzenpaares.
heit Oedingen wählte unter Vorsitz des Im Programm die Einführung von Prinz
Stadtwehrleiters Edi Krahe ihren neuen Rudi II. und Roswitha I. (Dick), die ihr Zep-
Einheitsführer Peter Jungbluth, nach dem ter in der närrischen Zeit 1999/2000 über

175
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
1999

Oedingen schwingen werden. Weiter im maßnahmen und versprachen in ihrem


Aufgebot: zahlreiche Künstler und Grup- Wirkungsbereich für Abhilfe zu sorgen.
pen aus nah und fern, die für einen stim- Nach der gelungenen Proklamation des
mungsvollen Aufakt sorgten. neuen Prinzenpaares wurde mit Beginn
am 12. November die Traditionskirmes in
Im Oktober/November äußerten die ge- Oedingen 1999 ausgerufen. Die Festfolge
plagten Bürger der Ringstraße öffentlich Karnevals-eröffnung – Kirmes mit nur
ihren Protest gegen die unverständlichen, einer Woche Abstand ergab sich, da beide
konfusen Baumaß-nahmen in ihrer Veranstalter unter Kostenteilung ge-
Straße. Ihr Wortführer, Oswald Risch, meinsam ein Großzelt angemietet hat-
brachte den ganzen Zorn mit den Schlag- ten. Sie waren sich klar darüber, daß fi-
worten: „Kantensteine setzen und wie- nanziell der zweite Veranstalter Ein-
der abreißen!“ ins Gespräch. Die F.D.P. bußen hinnehmen mußte. Dennoch
Ratsmitglieder Ute Kreienmeier und Dr. kamen beide auf ihre Kosten. Das Pro-
Jörg Roßberg überzeugten sich an Ort gramm der Kirmes: Freitag Eröffnung mit
und Stelle über die mißlungenen Bau- dem Flash-Disco-Team im voll ausgebuch-

Rudi II: und Roswitha I.

176
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
2000

ten Zelt. Samstag: offizielle Eröffnung


durch Ortsvorsteher Werner Lapp und
MILLENNIUM,
MGV „Cäcilia 1882“ Oedingen mit ansch- Jahrtausendwende
ließendem Tanz und Musik „Les Bermu-
das“. Am Sonntag: Frühmesse und Kranz-
2000
niederlegung am Ehrenmal und ansch- Der Wechsel ins neue Jahrtausend wurde
ließendem Früh-schoppen, der Nachmit- in Oedingen mit rheinischem Frohsinn
tag gehörte vorrangig den Kindern, für und Ausgelassenheit gefeiert. Im Famili-
die eigens Schausteller auf dem Vorplatz enkreis, mit lieben Freunden und Gästen,
zum Dorfgemeinschaftshaus ihre Attrak- traf man sich – wie in den Jahren zuvor,
tionen aufgebaut hatten. Wie in den Vor- um vergnüglich auf das neue Jahr anzu-
jahren wurde auch wieder am Montag stoßen. Wer keinen Anschluß hatte, folg-
der traditionelle Frühschoppen unter Mit- te der Einladung von Margret und Franz-
wirkung aller Oedinger Vereine gefeiert, Jupp Breuer in der Dorfschenke. Wider
der sich bis zur Abschluß – „Pardy“ mit DJ allen Unkenrufen der Medien, Weltun-
Hasi und Sven weit über die Mitternacht tergangsstimmung und finsteren Prophe-
hinzog. zeiungen, ließen sich die Oedinger in
Anfang Dezember trat der Ortsbeirat zu ihrem Optimismus nicht beeinflussen und
seiner Jahresabschlußsitzung zusammen sahen frohgemut in die Zukunft. Im ab-
und forderte im Wesentlichen eine aktive gelaufenen Jahr gab es keinen Grund
Beteiligung an den Planungen (Planungs- zum Pessimismus. Die Dorferneuerung
büro, Kreis- und Stadtbauleitung), vor näherte sich dem Ende zu, die Mülldepo-
allen Dingen sollten die Planungen für nie wurde geschlossen, die Vereine und
das neue Dorfgemeinschaftshaus bald- Institutionen konnten auf erfolgreiche
möglichst vorgestellt werden. Veranstaltungen zurückblicken; warum
Kurz vor Jahresabschluß gab es in Oedin- sollte es in Zukunft anders werden? Ein
gen noch helle Aufregung durch den Zir- zünftiges Feuerwerk leitete mit bunten
kus „Royals“, der sein Winterlager auf Himmelsbildern, Kracher und Böller das
dem Bolzplatz in Oedingen (neben dem neue Jahr ein.
neuen Sportplatz) aufgeschlagen hatte. Im Januar wurden in offenen Briefen
Oedinger Politiker hatten Einwendungen nochmals die Verhaltensweisen gegenü-
gegen die Standortbestimmung durch die ber dem Zirkus Royal, der von der Stadt-
Stadtverwaltung, und empfahlen der verwaltung auf dem Bolzplatz unterge-
Stadt, den Zirkus wettergeschützter in bracht war, heftig diskutiert. Am Ende
der Rheinebene unterzubringen. Diese war man sich einig, daß die Unterbrin-
Mahnung wurde jedoch in der Gesamt- gung eine vernünftige Lösung war und
stadt sowie auch in Oedingen vollkom- man ja nur noch bessere Lösungen vorge-
men mißverstanden, sozusagen als Af- schlagen hatte. Indessen fühlten sich die
front gegenüber dem fahrenden Volk. „Royals“ in ihrem Zeltlager wohl und
Der Zirkus blieb, und fast alle Oedinger wurden von der Oedinger Bevölkerung
Vereine und Institutionen bewiesen den und den hiesigen Vereinen weiter mit
15 sehr sympathischen Zirkusleuten ihr Spenden und allen möglichen Hilfelei-
Wohlwollen und spendeten für Mensch stungen unterstützt.
und Tier, wo sie nur konnten. Schon am 9. Januar meldeten sich die

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
2000

Höhenfunken zu Wort, indem sie mit Pfei- somit der neu gewählte Landrat des Krei-
fen und Trommeln und großem Gefolge ses Ahrweiler.
ihre diesjährige Hofburg in der Dorfgast- Am 20. Januar wurden unter anderen un-
stätte Breuer, getreu dem Motto: „Ohs sere Oedinger Bürger in der Nacht um
Hätz schleet für Oedingen,“ einweihten. 4:03 Uhr durch ein leichtes Erdbeben aus
Das Prinzenpaar Roswitha I. und Rudi II. dem Schlaf gerissen. Das Epizentrum lag
sorgten mit ihrem Hofstaat wieder mal in Wachtberg-Adendorf, 12,7 km von Oe-
unübertrefflich für allerlei Überraschun- dingen entfernt und hatte eine Stärke
gen. Die Oedinger machten spontan mit von 3,7 auf der Richterskala. Dauer des
und füllten den Festraum mit altherge- Bebens genau 4 Sekunden. Einige Oedin-
brachtem Frohsinn. Der Höhepunkt war ger witzelten: „Ein Gefühl, als wäre eine
in einhelliger Meinung die Verlesung der U-Bahn durch unsere Keller gefahren“.
Paragraphen für die Nutzung der Hof- Gottseidank traten keine Schäden auf.
burg durch Prinz Rudi I. Einfallsreich, mit Am Sonntag, dem 6. Februar waren die
vielen strapaziösen Auflagen für die Oedinger zu Gast beim Prinzenfrühstück
Wirtsleute und unbegrenzten Rechten des Prinzenpaares Roswitha und Rudi
für die Narren. Dick in ihrer Hofburg – dem Saal Breuer.
Schon auf den Tag folgend meldete sich Bis auf den letzten Platz war die „Narhal-
der Alltag mit dem Problemfall „Rings- la“ gefüllt. Bürgermeister Lorenz Denn
traße“ zurück, nämlich, Ausbau im Rah- mit Gattin ließen es sich nicht nehmen,
men des Dorferneuerungprogramms. Die der Einladung zu folgen. Alle Extollitä-
anfänglichen Baumaß-nahmen zeugten ten, -Prinzen, -Prinzessinen, -Bauer und
von unplanmäßigen Vorbereitungen. So Jungfrau sowie Sponsoren mit Freunden
mußten Randsteine wieder entfernt wer- und Bekannten waren geladen. Nach der
den, die Zufahrten zu den Anliegern auf- Begrüßung durch das Prinzenpaar traten
gerissen und nachgebessert werden. Der in bunter Reihenfolge auf: die Tänzerin-
Wort-führer der Ringstraßen-Anwohner, nen der KG Blau-Weiß-Rot aus Rüngsdorf,
Oswald Risch, schilderte in einem offenen die Oedinger „Höppe-Mötzje“ mit einem
Brief die mißlichen Zustände. Unver- gut einstudierten Tanz, die drei Musikan-
ständlich erschien ihm, daß in der Regel 3 ten aus Oedingen wie Prinz Rudi, Heinz
– 4 Arbeiter auf der Baustelle werkelten, Adams und Adi Poppelreuter, die Tanz-
aber wöchentlich mindestens 8 – 10 Her- gruppe der KG „Olleme Bobbelsbröder“
ren (Bauämter-, Bezirks-, Kreis- und Stadt- aus Euskirchen und die sechs Tanzmarie-
sowie beteiligte Baufirmen-Vertreter) chen der Rheinhöhenfunken. Danach
den Fortgang der Arbeiten kontrollier- folgten Büttenreden, der Besuch des
ten. Eine Abordnung der FDP sprach Oberwinterer Prinzenpaares mit Hofstaat
während einer Ortsbesichtigung vom und abschließend die Show der Kripper
„Dauerproblem der Baumaßnahmen „Magic Dancers“. Zwischendurch wurden
Ringstraße“. leckere Speisen und Getränke geboten.
Auch Anfang Januar machten die Partei- Erst am frühen Abend fand der tolle kar-
en mobil für die Wahl des neuen Landrats nevalistische „Frühschoppen“ sein Ende.
am 16. Januar 2000. Es standen zur Wahl Nach einer Pause von drei Wochen mel-
Herr Jürgen Pföhler CDU und Petra Elsner deten sich am 27. Februar die Möhnen
SPD. Wahlsieger war Jürgen Pföhler und mit einem zünftigen Kinderkarneval in

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
2000

der „Narhalla“. Der Saal Breuer platzte darunter auch viele Gäste aus den Nach-
aus allen Nähten. Er war fast zu klein vor barorten. Um einige zu nennen: die rei-
„wuselnden jecken Pänz“. So herrschte zenden roten Teufelchen, die weiblichen
aufgrund von Platzmangel nicht nur im „Robin Hoods“ von der Showtanz-Grup-
Saal, sondern auch davor, dort wo die Ak- pe „Charisma“, und die „Fidele Möhne
teure warteten, absolute Hochstimmung. Birresdorf“ die als „Tarzans Ladies“ in
Durch das Programm führte die Ober- feschen Leopardenfellen begeisterten.
möhne Maria Born. Begrüßt wurden in Auch die Oedinger Möhne, von Kopf bis
Reihenfolge das Kinderprinzenpaar aus Fuß im schicken Pinguin-Frack, erheiter-
Lannesdorf, Stefan I. und Verena I., die Di- ten die vielen Jecken am Zugwegrand.
scomäuse aus Werthhoven, die Oberwin- Die zahlreichen Musik- und Tambourcor-
terer Kinderprinzessin Anja I. Pfohl, mit ps, die sich auch durch frierende Finger
ihren Begleiterinnen, das Prinzenpaar aus und Regentropfen im Gesicht nicht vom
Wölle (Oberwinter), Frank I. (Heck) und Spielen abhalten ließen, brachten die
seine charmante Prinzessin Kirsten I. feucht-fröhlichen Zuschauer zum Mitsin-
(Kündgen) samt Hofstaat, das Oedinger gen.
Prinzenpaar Rudi II. und Roswitha I. Dick Bei den Festwagen hatten sich die Narren
mit Hofstaat. Zur Freude der närrischen allerhand einfallen lassen. So hatte sich
Pänz brachten alle Tollitäten ihre jeweili- das Oedinger Männerballett „Traumtän-
gen zugehörigen Tanzgruppen mit. Nach zer“ in Piraten verwandelt. Dann warte-
gut vier Stunden voll bunten Treibens war ten die „Schmutzigen Freunde“ mit
der Nachwuchs geschafft, ebenso sicher einem überdimensionalen Federvieh auf,
auch die Veranstalter und Eltern. das sie „Roswitha, unsere Superhenne“
Am 2. März folgte die Weiberfastnacht getauft hatten. Auf einem goldenen
mit traditionellem Programm, Kaffee, Ku- Schiff mit schwarz-rot-goldenem Schorn-
chen und Getränke inbegriffen, mit sprit- stein präsentierte sich der Elferrat der
zigen, zündenden Büttenreden, die Rheinhöhenfunken und kündigte das
manch hartgesottenen Mann die Röte ins prunkvolle Ende des Umzuges an.
Gesicht getrieben hätten. Aber sie waren Bunte Blumengebinde schmückten den
ja ausgeschlossen. Wagen, von dem aus Prinz Rudi II. und
Schon am nächsten Tag, dem 3. März, Prinzessin Roswitha I. samt Gefolge ihrem
hieß es im ganzen Höhenluftkurort „De Narrenvolk zujubelten und natürlich kilo-
Zooch kütt“. Das Wetter meinte es wirk- weise Kamelle unter den kleinen und
lich nicht gut mit den Oedinger Jecken, größeren Kindern verteilten. Der gesam-
zum Zeitpunkt der Aufstellung regnete es te Ablauf wurde hervorragend geplant
in Strömen – doch der ausgelassenen und ausgeführt durch den Zugleiter und
Stimmung konnte das nichts anhaben. Organisator Wolfgang Bachem.
Mit großen Schirmen, dicken Schals und Am Aschermittwoch, dem 8. März, verab-
hochprozentigen Getränken trotzte die schiedeten die Rheinhöhenfunken den
auf den Straßen versammelte Narren- Karneval mit dem althergebrachten „Por-
schar der feuchten Kälte und fieberte temonaie-Auswaschen“ .Das Prinzenpaar,
dem bunten Treiben entgegen. Ange- in Schwarz gekleidet, zogen mit Hofstaat
führt von der Freiwilligen Feuerwehr und Elferrat, ebenfalls in Trauerkleidung,
zogen rund 30 Gruppen durch den Ort, und vielen Oedinger Karnevalsfreunden

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
2000

an den Mehlemer Bach. Im Tross ein Bol- weiterer Meilenstein in der Ortsentwick-
lerwagen, mit Sekt und Schnaps sowie lung, mit Musik, Gesang und Grußworten
zwei Trauerkränzen beladen. Prinz Rudi II. feierlich eingeweiht. Die Bauzeit für das
ging an das Bachufer und wusch sein Por- Wohn- und Geschäftshaus dauerte nur 10
temanaie aus, lediglich Zwiebelringe, die Monate. Im Obergeschoß entstanden so
die Tränen aufsteigen ließen, verblieben 10 Wohnungen, und im Untergeschoß
in der Geldbörse. Ein Hinweis darauf, daß sind neben dem sozialen Zentrum der ka-
während der tollen Tage alles Geld aus- tholischen Pfarrgemeinde die Raiffeisen-
gegeben wurde. Danach begab sich die bank Grafschaft-Wachtberg mit moder-
Trauergemeinde zum traditionellen Fi- nen Geschäftsräumen inclusive einem
schessen in der Hofburg, das von dem Bankautomaten und einem Warenlager
Breuer-Team ganz hervorragend ange- sowie ein Minimarkt untergebracht. Die-
richtet worden war. ser wird von den Oedinger Mitbürgeri-
Einmal im Festrausch der „Fünften Jah- nen Marie-Theres Weber und Maria Born
reszeit“, die gerade abgelaufen war, gab betrieben. Die Gestaltung des Dorfplat-
es wieder einen hocherfreulichen Anlaß zes, genannt Kirchplatz, geschah in
zum Feiern. Am 1. April, kein Scherz, knapp vier Monaten. Dieser wurde trotz
wurde die neue Oedinger-Ortsmitte, ein Dauerregens unter großer Beteiligung

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
2000

der Bevölkerung der Öffentlichkeit über- sen. die Wanderer und erläuterte Entste-
geben. Ortsvorsteher Werner Lapp sprach hung und Bearbeitung im Obstbau. Auf
in seinem Grußwort: „Das ist für unseren dem Hof wurden die Wanderer von der
Ort eine absolute Bereicherung, dieser Bäuerin, Frau Wolf, gastfreundlich be-
Kirchplatz soll zum Kommunikationszen- grüßt und mit Kaffee und Kuchen bewir-
trum in Oedingen werden.“ Immerhin tet. Ein Rundgang in dem verhältnis-
hat er eine Fläche von 650 qm, davon mäßig großen Betrieb vermittelte den in-
gehen 180 qm für Parkflächen, 200 qm teressierten Wanderern einen Einblick in
für Grünflächen und 95 qm für einen den Betriebsablauf, wie Verfahren bei der
Spielplatz ab. Die Kosten für den Dorf- Sortierung, Lagerung und Versand. Der
platz betrugen 470.000 DM, davon wur- Rückweg endete wie in den vorausge-
den 220.000 DM aus dem Dorferneue- gangenen Jahren bei der Grillhütte, wo
rungsprogramm beigesteuert. Grußwor- eine deftige Erbsensuppe, von der Fami-
te sprachen in Reihenfolge: Bürgermei- lie Theisen zubereitet, den Appetit der
ster Lorenz Denn, der Pastor Norbert Wandergruppe mit Kind und Kegel stillte.
Klaes und Pfarrer Michael Schankweiler- Am 21. Mai feierte der Förderverein der
Schell, die auch gemeinsam die Ökumeni- freiwilligen Feuerwehr sein Frühlingsfest.
sche Einweihung vornahmen. Es war trotz des anhaltenden Regenwet-
Der Landrat betonte in seinem Grußwort, ters gut besucht. Die zahlreichen Mitglie-
daß der Tag der Einweihung der Ortsmit- der mit ihren Angehörigen und Bekann-
te ein glücklicher Tag für Oedingen sei. ten kamen am Samstag mit Tanz und
Als „Väter“, die sich für die Ortsmitte Musik sowie am Sonntag beim Früh-
über lange Jahre beispielhaft eingesetzt schoppen mit Platzkonzert voll auf ihre
hatten, nannte Pföhler die ehemaligen Kosten. Speis und Trank sowie für die Kin-
Ortsvorsteher Klemens Weber und Hans der Spiele und Lustbarkeiten, im Mittel-
Kossin und dankte ihnen ebenso wie dem punkt die Hüpfburg, erfreuten Jung und
jetzigen Ortsvorsteher Werner Lapp für Alt.
ihren unermüdlichen Einsatz. In der Ortsbeiratssitzung Anfang Juni gab
der Ortsvorsteher Werner Lapp einen
Mitte April führte der CDU-Ortsverband Sachstandsbericht zum Neubau des Dorf-
seine Jahreshauptversammlung durch. Im gemeinschaftshauses. Er legte einen ge-
Mittelpunkt standen die Neuwahlen des nehmigten Entwurfsplan des örtlichen
Vorstandes. Mit einer eindrucksvollen Architekten Josef Niederstein vor. Der
Mehrheit wurde der Vorsitzende Jürgen Neubau beinhaltet unter anderen einen
Meyer in seinem Amt bestätigt, ebenfalls Hallenraum von 18 m Länge und 13,50 m
auch sein Stellvertreter Hans-Willi Jung- Breite, WC und Duschräume, eine Küche,
bluth. Es folgten Tätigkeitsberichte im ein Stuhllager, einen Abstellraum, sowie
kommunalen Bereich mit Aussprachen. einen Raum für Technik. Die Baukosten
Der Familienwandertag der Oedinger am wurden mit 1,25 Millionen Mark veran-
1. Mai führte die zahlreichen Teilnehmer schlagt. Der Finanzierungsplan wies einen
unter Wanderführung von Hans-Willi Landeszuschuß von 415.000 DM, den Ver-
Jungbluth und Olaf Wulf zu einem Obst- kaufserlös der alten Schule mit 150.000
hof in Werthhoven. Bereits unterwegs be- DM sowie Eigenleistungen der Vereine
grüßte der Eigentümer Hubertus Wolf und Stadtanteil in Höhe von 400.000 DM

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
2000

aus. Darüber hinaus wird die Stadt in Der Oedinger Bürger, Heinz Leuthen,
Kürze einen Förderantrag an das Land wurde Anfang Juli für sein 25 jähriges Be-
Rheinland-Pfalz stellen. triebs-jubiläum in der alteingesessenen
„Ein neuer Schumi“ aus Oedingen, so be- Bäckerei Heinz Breuer durch den In-
richtete Anfang Juni die „Remagener nungsmeister Herbert Rats geehrt. Der Ju-
Chronik“. Gemeint war der Schüler Seba- bilar hat über seine Verdienste im Bäcke-
stian Schäfer, der mit seiner roten Seifen- rei-Handwerk hinaus, viel für die Allge-
kiste den 1. und 2. Lauf des Rennens in der meinheit in unserer Dorfgemeinschaft
B-Klasse in Wachtberg-Werthhoven und getan. So war der gebürtige Oedinger ak-
Wachtberg-Berkum gewann und mit tives Mitglied im Sportverein und hat hier
einem großen Pokal ausgezeichnet erfolgreiche Jugendarbeit als Trainer und
wurde. Dieser junge Sieger ist ein begei- Betreuer geleistet. Es blieb ihm neben sei-
sterter Rennfahrer, der seine Seifenkiste nem Hausbau auch noch Zeit für die San-
selbst in Ordnung hält, daran schraubt gesfreunde im MGV „Cäcilia 1882“, spä-
und bastelt. ter im Kirchenchor „St. Gertrudis“, wo er
Die Rheinhöhenfunken, inzwischen mo- mit kräftiger Stimme fröhlich mitmischte.
bile Einsatztruppe für originelle gesellige
Veranstaltungen, feierten Anfang Juli ihr Am 23. August wurde der erste Stadtju-
Sommerfest. Beginn war am Samstag, gend-Feuerwehrtag auf dem Sportplatz
dem 2. um 10, 11 Uhr, mit anschließen- in Oedingen ausgerichtet. 56 Jungen und
dem Frühschoppen, Mittagessen, Kaffee Mädchen aus den Jugendwehr-Einheiten
und Kuchen. Zwischendurch zeigten sie Remagen, Kripp, Unkelbach, Oberwinter,
ein tolles lockeres Programm. Die vier Rolandswerth und Oedingen nahmen
Trainerinnen der Funken Monika Krie- daran teil. Es mußten 15 verschiedene
chel, Susanne Tönnes, Doris Moog und Spiele absolviert werden, vom Torwand-
Bettina Bachem zeigten mit den Garde- schießen über das Schlauchausrollen bis
kindern, was sie auch im Sommer bei hin zum Wasserspritzen erlebten die Ju-
heißschwülem Wetter draufhaben. Auch gendlichen eine riesen Gaudi. Die Regie
Gastvereine aus Berkum, Fritzdorf, führten die Jugendfeuerwehrwarte Ingo
Werthhoven, Remagen, Unkelbach und Wolf und Robert Zimmermann aus Ro-
Villip beteiligten sich mit eigenen Beiträ- landswerth sowie Martin Schmahl aus Oe-
gen, musikalisch unterstützt von der Mu- dingen. „Dabeisein“ war alles. So wurden
sikgruppe „Atlantik-Band-Bornheim“. auch keine Sieger ermittelt, jedoch erhiel-
Die Arbeiten zur Abdichtung der ge- ten die Teilnehmer eine Erinnerungsur-
schlossenen Mülldeponie liefen seit Janu- kunde. Der Chef der Remagener Wehr,
ar zügig weiter. Heuer, im Juni, wurde Bürgermeister Lorenz Denn, der Stadt-
eine Tonschicht eingebaut, um das Ein- wehrleiter Eduard Krahe und andere
dringen von Oberflächen- und Sickerwas- sowie der Oedinger Ortsvorsteher Werner
ser in den Deponiekörper zu verhindern. Lapp beglückwünschten die teilnehmen-
Die Abdichtungsmaßnahmen sollen Ende den Jungen und Mädchen und überreich-
2000 abgeschlossen sein. Im Frühjahr ten ihnen die Urkunden nebst Präsenten.
2001 wird dann das gesamte Gelände mit Das Foto zeigt die im November 1999 ge-
standortgerechten Sträuchern und Pflan- gründete Jugendwehr Oedingen als Teil-
zen rekultiviert. nehmer am Stadtfeuerwehrtag 2000.

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2000

Den Sprung in die Selbständigkeit wagte teten die Experten von der Kreisverwal-
Ende August unser Mitbürger Klaus Thei- tung Walter Reichling und Josef Hommen
sen mit der Eröffnung eines KFZ-Meister- sowie Francesco Rumero vom Ing.- Büro
betriebes an der Sinzinger Straße in Re- Björsen über den Stand der Bauarbeiten.
magen. Vorher war er mehrere Jahre als Ausgestellte Baupläne und techn. Zeich-
Kfz-Meister in einer Großtankstelle tätig. nungen vervollständigten in anschauli-
Der MGV „Cäcilia 1882“ Oedingen feier- cher Weise die allgemein verständlichen
te Ende August sein Sommerfest in der Fachvorträge. Unser Mitbürger, Toni Hil-
Grillhütte und hatte viele Freunde und len, ging detailliert auf den Werdegang
Gäste um sich versammelt. Kurzweilige der Mülldeponie mit allen Vorteilen, je-
Darbietungen mit Lied-vorträgen unter doch auch auf die oft unerträglichen Er-
bewährter Leitung von Wienand Nietgen, schwernisse unseres Ortes durch den Zu-
sowie musikalische Beiträge des Alleinun- bringerverkehr und die Geruchsbelästi-
terhalters, Peter Wilhelms aus Euskirchen, gungen ein. Er dankte aber auch der
sorgten für eine gute Stimmung. Kulina- Kreisverwaltung, die die Auflage eines 9
rische Genüsse aus „Omas-Küche“ taten Punkte-Programmes eingehalten und die
das übrige. Fertigstellung bis zum Frühjahr 2001 ga-
rantiert hatte. Zusammenfassend die De-
Eine Informationsveranstaltung „Rund ponie in Zahlen: Sie wurde genau 25
um die Oedinger Mülldeponie“ veran- Jahre vom Kreis Ahrweiler in der Zeit vom
staltete der Oedinger CDU-Ortsverband 1.1.1973 bis zum 31.12.1998 betrieben.
Mitte September rund um die verfüllte Insgesamt wurde sie dreimal erweitert,
Deponie. Vor zahlreichen Gästen berich- letztmalig im Jahre 1994. Erst durch einen

183
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
2000

MGV „Cäcilia 1882“

mit verschiedenen Klägern aus unserem dem Leitspruch „Unser tägliches Brot gib
Ort und Unkelbach im Jahre 1994 ge- uns heute“ vor.
schlossenen Vergleich vor dem Verwal- Ein Rückblick über die umfangreichen
tungsgericht Koblenz konnte die letzte Bauarbeiten gab Aufschluß über die Ei-
Erweiterung mit einem Müllvolumen von genleistungen. Die „Backesfreunde“
rund 300.000 Kubikmeter in Angriff ge- mußten das ganze Gebäude entkernen,
nommen werden. Die Deponie hat eine die Zwischenwand entfernen, Mauern
Gesamtgröße von rund 10 ha. durchbrechen und den gesamten Innen-
Die Wiedereröffnung des historischen putz erneuern. Auch der Estrich und die
„Backes“ in der Ringstraße wurde am 20. Bodendecke wurden renoviert. Das Ver-
Oktober gefeiert. In einem Festzelt neben legen der Drainage, Abflußkanäle und
dem restaurierten Gebäude konnte der Leitungen für die Elektrik waren ebenso
Ortsvorsteher Werner Lapp die zahlrei- wie der neue Außenputz mit Anstrich und
chen Gäste begrüßen. Sein Dank galt den die Erneuerung des Pflasters auf dem Vor-
„Backes-Freunden“ die in Eigen-leistung platz mit Brunnen im Arbeitsnachweis
von über 300 Stunden den Wiederaufbau enthalten. Das dieses Werk gelungen war,
bewirkten. Im Namen der Stadt gratulier- davon konnten sich die Gäste überzeu-
te der Erste Beigeordnete, Hermann-Josef gen. Die Funktionsfähigkeit wurde vor
Fuchs. Er hob die Eigenleistungen hervor Ort von den künftigen Benutzern prak-
und die Gesamtkosten, die sich auf tisch vorgeführt, bevor sie den Gästen das
120.000 DM beliefen; wovon die Stadt selbst gebackene Brot und den Kuchen
65.000 DM zahlte und ein Zuschuß aus reichten.
dem Dorferneuerungsprogramm von Über die Geschichte des „Backes“ wurde
55.000 DM beigesteuert wurde. Die öku- vom Ursprung bis zur Wiederherstellung
menische Einsegnung nahmen Pastor bereits berichtet.
Norbert Klaes und Pfarrer Michael Der Männergesangverein „Cäcilia 1882“
Schankweiler-Schell gemeinsam unter Oedingen gab am 26. November in der

184
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
2000

Pfarrkirche zu Ehren seiner Schutzpatro- Hoheit mit Hofstaat warten. Nur wenige
nin, der heiligen Cacilia, ein Konzert. Wochen vorher fielen die ausgesuchten
Unter der Gesamtleitung von Wienand Kandidaten aus. Die Sitzungspräsidenten
Nietgen wirkten mit: der MGV „Cäcilia Rudi Dick und Willi Jungbluth sowie der
1882“ Oedingen, Dirigent Wienand Niet- „Elferrat“ überspielten geschickt die
gen; der Kirchenchor St. Gertrud Oedin- Lücke, indem sie statt der Inthronisierung
gen, Dirigent Hajo Braun; Waldhornblä- den Abschied der scheidenden Tollitäten
sergruppe Weibern, Dirigent Joachim um so zünftiger gestalteten. Ein großes
Geiler; Klavier Dr. Wim Kossin; Solistin Dankeschön des Ortsvorstehers Werner
Claudia Krake, Sopran. Nach der Eröff- Lapp wurde den beiden engagierten Kar-
nung durch den Vorsitzenden Hans-Die- nevalisten Prinz Rudi II. und Roswitha I.
ter Vilz begrüßte der Ortsvorsteher die (Ehepaar Dick) im Rahmen einer ein-
Gäste in der vollbesetzten Kirche. Danach drucksvollen Eröffnungsrede ausgespro-
folgten die Gesang- und Instrumental- chen. Beide hatten ihre Regentschaft in
Darbietungen mit überwiegend klassi- der vergangenen Session 2000 beispiel-
schem Liedgut. Der Höhepunkt war dann los, zünftig und nachahmenswert wahr-
das Finale mit van Beethovens „Freude genommen. Ein nun folgendes tolles Pro-
schöner Götterfunken“ unter Mitwir- gramm verbannte den Abschiedsschmerz
kung der Waldhornbläsergruppe Wei- der Exhoheiten vor einem überwiegend
bern, dem Kirchenchor St. Gertrudis und närrisch kostümiertem Auditorium. Die
dem MGV „Cäcilia 1882“, dirigiert von Höhenfunken mit Höppemötzje, der Kin-
Wienand Nietgen. Dieser würdige Ab- dergarde und den Tanzmariechen mach-
schluß verwandelte die Oedinger Dorfkir- ten den Auftakt. Weiter gings mit den
che in einen Konzertsaal. Ein Ereignis, das Stadtsoldaten unter dem Kommandan-
auf Wunsch vieler Gäste bald wiederholt ten Martin Tillmann und dem Regiments-
werden sollte. kapellmeister Mike Wahl. Nonstop folg-
Die „Fünfte Jahreszeit“ wurde in diesem ten die Westumer Tanzteufel „Los Bailas“
Jahr etwas früher, exakt am 4. November sowie die Tanzgruppe aus Niederzissen.
unter der Regie der Rheinhöhenfunken Die als Vorgebirgsbäuerin auftretende
eingeleitet. Mit einer großen Prunksit- „Madame Motteboden“ (Ute Groll) be-
zung im Festzelt am Sportplatz boten die geisterte mit deftigen Sprüchen die fröh-
Veranstalter ein buntes karnevalistisches lich gestimmten Narren und Närrinen.
Programm mit zahlreichen Höhepunkten, Als „Prinzenpaar 2001“ boten Dr. Hans-
präsentiert von bekannten Jecken aus Georg Grzeschik und Werner Kriechel
Nah und Fern. Der Grund für die Sitzung einen vom Lokalkolorit gefärbten Bütte-
vor dem offiziellen Sessionsauftakt war nersatz für das ausgefallene Prinzenpaar.
die Erfahrung, daß noch Spitzenkräfte für Weltenbummler Gerd Rück, die Pitter-
die Veranstaltung frei waren. männchen Christian und Willi Meurer,
Die Ehrengäste, Bürgermeister Lorenz Musik aus Irland, die Kripper „Magic Dan-
Denn, der erste Beigeordnete Hermann cers“ und das unnachahmliche Panikor-
Josef Fuchs, der Ortsvorsteher Werner chester vervollständigten das karnevali-
Lapp sowie die zahlreichen Mitglieder stische Programm, das mit dem Männer-
und Freunde der Oedinger Höhenfunken ballett „Die Schneeflöckchen“ unter rau-
mußten diesmal vergebens auf eine neue schendem Beifall den Abschluß fand.

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
2000

Der Oedinger, Wolfgang Bachem, bestritt geladen. Das zentrale Thema der Ver-
am 3. November sein 500. Meisterschafts- sammlung war die Entwicklung des Re-
spiel für den TUS-Oberwinter in der Ver- magener Höhenstadtteiles aus Sicht der
bandsliga. Damit hatte er einen einsamen Verwaltung. In seinem Vortrag betonte
Rekord aufgestellt, denn die für Statistik der Stadtchef besonders, daß unser Ort
zuständigen Herren beim Sportverband auf der Höhe überdurchschnittlich profi-
konnten sich nicht erinnern, daß ein Spie- tiert habe. Aus dem Stadtsäckel flossen
ler auf eine derart hohe Anzahl von Mei- zunächst 1.2 Millionen DM zwischen 1990
sterschaftsspielen in einer Spielklasse bis 1994 und nochmals im Zeitraum von
zurückblicken konnte. Ein absoluter 1995 bis 2000, 2,7 Millionen DM für Ka-
Höhepunkt seiner sportlichen Laufbahn nalisation und Straßenbau. Auch hin-
war das Pokalspiel in der 2. Runde des sichtlich seiner Einwohnerzahl konnte
DFB-Pokals gegen den VFB Stuttgart im Oedingen eine positive Entwicklung ver-
Oktober 1981 im Neckarstadion. Er spiel- buchen. Allein in den vergangenen 8 Mo-
te damals gegen den torgefährlichen Her- naten wurden 30 neue Bewohner ge-
mann Oblicher, den er im Mittelfeld neu- zählt. Damit leben nun 930 Menschen in
tralisierte. Wolfgang Bachem verfügt in Oedingen. 1972 lag die Einwohnerzahl
Oberwinter über eine besonders hohe bei nur 270 Personen. Der leidige Dauer-
Akzeptanz, die darin begründet liegt, brenner, das „Dorfgemeinschaftshaus“,
daß er eine große Vorbildfunktion im stand ebenfalls auf der Tagesordnung.
Trainingsfleiß und Leistungsbereitschaft Lorenz Denn versicherte, daß inzwischen
darstellt. Dieser hervorragende Sportler die Standortfrage geklärt wurde, die
ist auch in seinem Heimatort Oedingen Halle an den Sportplatz anzulehnen.
gut gelitten. Denn was wären die überre- Noch anstehende Probleme um den Neu-
gional anerkannten Karnevalsumzüge bau wird er in Kürze mit Bürgerbeteili-
der „Rheinhöhenfunken“ ohne ihren gung lösen.
Zug- und Einsatzleiter Wolfgang Bachem. Erstmals rief eine „Initiative Weihnachts-
Die diesjährige Kirmes wurde Mitte No- markt Oedingen“ aktive Oedinger Frauen
vember in der neugestalteten Dorfmitte und Männer auf, am 3. Advent einen
organisiert. Das Karussell und die Kirmes- Weihnachtsmarkt auf dem neuen Kirch-
buden fanden auf dem Kirchplatz opti- platz zu veranstalten. 13 von ortsansässi-
male Stellplätze, um die Kirmesbesucher gen Oedingern aufgebaute Stände sorg-
zu unterhalten. Vier Tage lang wurde ten für Speis und Trank und boten auch
zünftig gefeiert, als Auftakt mit einer gut genügend Auswahl für kleine Geschen-
besuchten Disco „Em aahle Saal“. Es folg- kartikel in letzter Minute. 40 kg Reibeku-
ten der traditionelle Tanzabend und dann chen verkauften alleine die mundartliche
– wie gehabt – die Frühmesse am Sonn- Musikgruppe „Rievekooche“ um Rudi
tagvormittag mit Kranzniederlegung am Dick. Der Erlös wurde dem Unkelbacher
Ehrenmal, Kaffeenachmittag und übli- Kindergarten gespendet. Am Stand des
chem Kirmesausklang am Montag bis in Männerballetts „Oedinger Traumtänzer“
die Nacht hinein. gabs Kaffee mit Amaretta oder Cognac.
Noch im November hatte der Bürgermei- Der Verein „schmutzige Freunde“ bot
ster Lorenz Denn zu einer Bürgerver- Waffeln und Kinderpunsch an. Weiter
sammlung in der Gaststätte Breuer ein- gab es selbstgemachten Likör, Kaffee und

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
2000

Kuchen sowie Bratkartoffeln nach Omas liches, friedliches Neujahr 2001. Er ließ das
Art und selbstgebackene Plätzchen zu ereignisreiche Jahr 2000 Revue passieren
kaufen. Einhellig waren alle Aktiven mit und erinnerte an die Einweihung der
ihren zahlreichen Gästen der Meinung neuen Ortsmitte, die Fertigstellung der
„So eine gelungene Sache muß im näch- Ringstraße, Einweihung des Oedinger
sten Jahr wiederholt werden“. „Backes“, Eröffnung der Karnevals-Sessi-
Zum Abschluß des Jahres 2000, zugleich on im Zelt am Sportplatz, Kirmes in der
Redaktionsschluß dieser Oedinger Chro- Dorfmitte, hier auch Biwak der Rhein-
nik, wünschte der Ortsvorsteher Werner höhenfunken und am 3. Advent den er-
Lapp in einem Rundbrief allen Oedinger sten Oedinger Weihnachtsmarkt.
Mitbürgern Frohe Festtage und ein glück-

„Einige der erwähnten Dinge sind Ergebnisse


kommunalpolitischer, zum Teil langwieriger
Entscheidungsprozesse der Oedinger Ortsbeiräte.

Was das Leben in Oedingen besonders kennzeichnet,


sind Initiativen der Oedinger Vereine und Bürger.

Die gegenseitige Unterstützung wurde dabei


immer wieder deutlich“.

Mit diesen Festtagsgrüßen endet die Chronik

zur Geschichte von Oedingen.

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2000

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2000

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ZEITTAFEL 1815 – 2000

1815 Am 15.2.1815 verließen die Fran- dinger Gemeinderats nach neuer


zosen das hiesige Gebiet, das von Gemeindeordnung.
den Preußen am 15. Mai förmlich 1847 Neubau des Pfarrhauses.
übernommen wurde. 1849 Am 25.8. wurde Oedingen selbst-
1816 Bildung der Bürgermeisterei Re- ändige Pfarrei.
magen mit den Gemeinden Re- 1851 Pfarrer Apollinar Schuhmacher
magen-Stadt, Bodendorf, Ober- wurde in den Ruhestand versetzt.
winter, Rolandswerth, Unkelbach 1852 Gemeindevorsteher Geller trat
und Oedingen. Gemeindevorste- zurück, Nachfolger wurde Step-
her: Peter-Josef Geller. han Krahforst.
1817 Pfarrer Völsgen verließ Oedingen 1853 Pfarrer Karl August Mühlbach
1818 Am 27./28. Sept. durchfuhren der übernahm Pfarrei Oedingen.
König von Preußen, der Kaiser 1854 In Oedingen ging Gemeindevor-
von Österreich und der Zar von steher Krahforst, sein Nachfolger
Rußland die Stadt Remagen. wurde Mathias-Joseph Brustkern.
1819 Verpachtung der Gemeindelän- 1855 Zunahme der Hof- und Felddieb-
dereien. stähle.
1820 Der Notar Anton Aloys Quecken- 1856 Einführung der Stadt- und Land-
burg wurde Bürgermeister. bürgermeisterei.
1821 Vikar Michael Wolf wurde Pfarrer 1857 Streit mit Pissenheim um den
in Oedingen. Ausbau der
1823 Vikar Michael Wolf verließ Oedin- Ortsverbindungsstraße.
gen. 1858 Peter Joesseph Geller wurde Ab-
1824 Pfarrei Unkelbach mit den Filialen geordneter bei der Landbürger-
Bandorf und Oedingen wurden meisterei Remagen.
dem Bistum Trier zugeordnet. 1859 Oedingen erlebte ein
1827 Numerierung aller Wohnhäuser Jahrhundert-Unwetter.
im Amtsbereich Remagen. 1861 Streit mit Pissenheim um den ge-
1828 Entstehung der Urkarte und Mut- meinsamen Grenzgraben.
terrolle für die Gemarkung 1862 Ausbau der Dorfstraße.
Oedingen. 1864 Am 9.1. starb der Pfarrer Karl-Au-
1833 Vikar Gottfried Houverath über- gust Mühlbach.
nahm Pfarrei Oedingen. 1865 Pfarrer Nikolaus Hoffmann über-
1838 Pfarrei Oedingen beantragte ihre nahm Oedinger Pfarrei.
Selbständigkeit. 1866 Einberufung zum Krieg gegen
1842 Pfarrer Houverath verließ Oedin- Österreich.
gen. 1867 Benutzerordnung für das
1843 Pfarrer Apollinar Schumacher Gemeindebackhaus.
übernahm Pfarrei Oedingen. 1868 Heftige Streitereien zwischen
1846 Am 9. Juni Vereidigung des Oe- Pfarrer und Gemeinderat.

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
ZEITTAFEL 1815 – 2000

1869 Pfarrer Hoffmann verließ Oedin- 1886 Beginn der Flurbereinigung als
gen, sein Nachfolger wurde Pfar- Modell für die Rheinlande.
rer Paul Wolber. 1888 Tod Kaiser Wilhelm I., Nachfolger
1870 Einberufung zum Krieg gegen Kaiser Friedrich III, verstorben im
Frankreich. Juni nach 98 Tagen, dann Nach-
1871 Wahl eines Schulvorstandes. folger Wilhelm II. (Dreikaiserjahr).
1872 Jakob Velten wurde Abgeordne- 1889 Am 25. 4. Übergabe der umgeleg-
ter bei der Landbürgermeisterei. ten Flurstücke an die Eigentümer.
1873 Kunststraße nach Unkelbach kam Die Oedinger Ziegelei an der
erneut ins Gespräch. Straße nach Pissenheim wurde er-
1874 Verordnung über Reinhaltung baut und in Betrieb genommen.
der Dorfstraße. 1893 Beginn mit dem Bau der Entwäs-
1876 Februar/März verheerendes serungsanlagen.
Hochwasser und orkanartiger 1894 Gemeindevorsteher Brustkern
Sturm. trat zurück, Nachfolger: Mathias
1878 Katasteramtliche Erhebungen. Schäfer.
1879 Bürgermeister Beinhauer wurde 1895 Am 10. Juli wurde Oedingen von
in den Ruhestand versetzt, zum einem Jahrhundertunwetter
Nachfolger wurde der heimgesucht.
Premierleutnant a.D. von Lassaulx 1896 Pfarrer Wolber verläßt Oedingen
bestellt. am 23. April.
1880 Joseph Winzen aus Oedingen 1897 Im April kehrte Pfarrer Wolber
wurde Ratsmitglied in der Land- aus gesundheitlichen Gründen
bürgermeisterei Remagen. wieder zurück.
1881 Am 1. April wurde der Premier- 1900 Am 1. Dezember betrug die Ein-
leutnant a.D. von Lassaulx zum wohnerzahl in Oedingen 176 Per-
Stadt- und Landbürgermeister in sonen.
Personalunion von Remagen be- 1902 Am 14. Mai starb Pfarrer i. R. Paul
stellt. Wolber.
1881 Am 18. November 11.19 Uhr 1903 Pfarrer Wilhelm Frisch wurde am
bebte die Erde einige Minuten in 20. Sept. in Oedingen eingeführt.
unserer Region, ohne nennens- 1905 Gründung des Junggesellenver-
werten Schaden anzurichten. eins.
1882 Als Nachfolger des Dorfschulleh- 1907 Tod des Pfarrers Wilhelm Frisch
rers Boden wurde am 17. Juli der 1908 Im April übernahm Pfarrer Dr.
Lehrer Heinrich Mahlberg Franz Coeln die hiesige Pfarrge-
verpflichtet. meinde.
Pfarrer Paul Wolber gründete im 1909 Am 3. Oktober Einweihung der
Juli mit dem Lehrer und Küster neugebauten Gertrudiskirche.
Mahlberg den Männergesangs- 1910 Mathias Schäfer trat zurück, Jo-
verein „Cäcilia“ Oedingen. hann Bungard II, geb. 1873,
1885 Ergebnis der Volkszählung vom 1. wurde Ortsbürgermeister.
Dezember: 222 Seelen in Oedin- 1911 Am 11. Juni wurde die neue Ger-
gen. trudiskirche vom Weihbischof

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ZEITTAFEL 1815 – 2000

Karl-Ernst Schrod vom Bistum 1926 Im Februar wurde offiziell die


Trier feierlich konsekriert. Räumung der ersten Besatzungs-
1912 Inbetriebnahme der neuen Was- zone (unsere Region) bekanntge-
serleitung. geben.
1913 26. April 25-jähriges Regierungs- 1928 Reichs- und Landtagswahl.
jubiläum Kaiser Wilhelm II. Renovierung der historischen Ka-
1914 Oedingen wird mit Elektrizität pelle aus dem 13.ten
versorgt. Jahrhundert.
Letzter Julitag Ausbruch des I. 1929 Der kälteste Winter seit
Weltkrieges. Einberufung Oedin- Menschengedenken.
ger Bürger. Am 1. Mai wurde Lehrer Emil
1915 Eintreffen der ersten 10 Kriegsge- Rehmer nach Koblenz versetzt,
fangenen Russen. sein Nachfolger wurde Johannes
1916 Erstmals hörten die Oedinger Ka- Tenelsen.
nonendonner von der 1930 Am 1. Juli verließen die Franzo-
Kriegsfront. sen die Rheinische-Besatzungszo-
1917 Aufgebot der Hilfsdienstpflicht. ne.
Erste Luftschutzmaßnahmen. 1931 Am 5. August wurde Remagen
1918 November / Dezember Waffen- Stadt und Land von einem Jahr-
stillstand und Rückzug der deut- hundertunwetter mit
schen Truppenteile von der West- Schwerpunkt über Oedingen
front. heimgesucht.
1919 19. Januar Wahlen zur ersten Na- Die Gemeinde stellte 30 ar Land
tionalversammlung nach dem zur Verfügung für den Bau eines
Kriege. Sportplatzes.
1920 14. August Tod des Lehrers Mahl- 1932 Im Juni feierte der MGV „Cacilia“
berg nach 38-jähriger Tätigkeit sein 50-jähriges Jubiläum.
im Oedinger Schuldienst. 1933 Adolf Hitler wurde am 30. Januar
Pfarrer Dr. Franz Coeln quittierte Reichskanzler. Schon am 7. März
seinen Dienst. fanden die Reichstagswahlen
1921 Einführung des Pfarrers Peter Bil- unter dem neuen Regime statt.
lig als Nachfolger von Dr. Coeln. 1934 Erhebung einer Biersteuer sowie
1922 Inflation in vollem Gange. Hundesteuer und Erhöhung des
Am 1. Oktober übernahm Lehrer Wassergeldes.
Emil Rehmer die Oedinger Dorf- 1935 Gründung der Freiwilligen Feuer-
schule. wehr Oedingen im Rahmen des
1923 Die Amerikaner gingen als Besat- Ortspolizeibezirks Remagen.
zer, Franzosen und Belgier rück- Im August Änderung der Amtsbe-
ten nach. zeichnung „Dorfschulze“ in „Bür-
1924 Zu Beginn des Jahres die germeister“.
Währungsreform mit Einführung 1936 Durch Kultivierungsmaßnahmen
der Reichsmark. im Rahmen des Vierjahresplanes
1925 Eröffnung der ländlichen Fortbil- wurden 80 Morgen fruchtbaren
dungsschule. Ackerlandes gewonnen.

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
ZEITTAFEL 1815 – 2000

1937 Bekämpfung der Kartoffelkäfer- Johann Bungard II (1910 – 1939 /


plage durch einen neu verfügten 1945 – 1948) verabschiedet. Sein
Abwehrdienst aus den Reihen der Nachfolger wurde Anton Schäfer.
Dorfbewohner. 1949 Erstellung einer Liste mit den
1939 Im Mai Rücktritt des bisherigen Kriegsopfern des II. Weltkrieges.
Bürgermeisters Johann Bungard II 1950 Volkszählung im Auftrag der
und Einsetzung von Josef Vilz. UNO.
Am 31. August Ausbruch des II. 1951 Beseitigung der Kriegsschäden an
Weltkrieges. Schon am 2. Septem- der Dorfschule.
ber erste Einberufungen in Im März verstarb Pfarrer Peter
Oedingen. Winand nach 22-jähriger Tätig-
1940 10. Mai Beginn des Westfeldzu- keit als Seelsorger in Oedingen.
ges. Im Januar der erste Oedinger 1953 Neuwahl des Bundestages.
an der Westfront gefallen. 1954 25-jähriges Jubiläum des Lehrers
1941 Einberufung des Ortsbürgermei- Tenelsen in Oedingen.
sters Vilz. Die Vertretung 1955 Oedingen wurde in den Linien-
übernahm Anton Schäfer. busverkehr des Nordkreises Ahr-
Am 22. Juni Einmarsch deutscher weiler eingeordnet.
Truppen in Rußland. 1956 Wechsel im
1942 Harte Rationalisierungsmaßnah- Ortsbürgermeisteramt; Anton
men trafen auch die Landbevöl- Schäfer ging, es kam Anton Elz.
kerung. Lehrer Tenelsen wurde nach 27-
1943 Weitere Oedinger an der Front jähriger Lehrtätigkeit an der Oe-
gefallen. dinger Schule als Rektor nach Re-
1944 Erklärung des Kriegsnotstandes magen versetzt.
und Notstandsverpflichtungen 1957 Im Oktober wurden 50% der
Oedinger Bürger. schulpflichtigen Kinder von der
1945 Amerikanische Panzertruppen „Asiatischen Grippe“ erfaßt.
marschierten durch Oedingen. 1958 Jakob Rosen wurde neuer Orts-
17.3. gegen 3 30 Uhr Detonation pfarrer.
einer deutschen V2 Rakete in un- 1959 Erweiterung des Bebauungspla-
mittelbarer Nähe der Schule. nes in der Flur 6 nach Westen.
Am 18. Mai wurde Johann Bun- 1960 Renovierung der alten
gard II von der Militärregierung historischen Kapelle mit finanziel-
wieder als Ortsbürgermeister ein- ler Hilfe H. J. Abs, Vorstand der
gesetzt. Deutschen Bank.
1946 Volkszählung in Oedingen, es leb- 1961 Finanzierung des Schulneubaues
ten hier 243 Einwohner. gesichert.
1947 Neuformierung der Freiwilligen 1962 Josef Dernbach wurde Vorsitzen-
Feuerwehr mit 33 aktiven der der Gesangvereins „Cacilia
Mitgliedern. 1882“ Oedingen.
1948 Währungsreform am 28.6. Pfarrer Josef Rosen starb.
Im November wurde der Ende des Jahres wurde Pater Ben-
langjährige Bürgermeister tivolius Marxen Pfarrer in Oedin-

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
ZEITTAFEL 1815 – 2000

gen. Im Oktober Informations-Besuch


1964 Der in Oedingen geborene Gün- des Landes-Innenministers
ter Schmahl feiert seine Primiz in Schwarz im Neubaugebiet Oedin-
der SAN-LORENZO-Kirche in Rom. gen.
1965 Kauf der ersten Baugrundstücke 1976 Auflösung der Oedinger Grund-
in Oedingen. schule.
1966 Beginn der Restaurierung der Der Oedinger Dr. Heller als Bun-
Gertrudispfarrkirche. destagskandidat auf der Landesli-
1967 Die neue kath. Volksschule in Oe- ste.
dingen wurde ihrer Bestimmung Am 22. Mai Einweihung des Neu-
übergeben. baugebietes „Zwischen den Wie-
1969 Einbruch in der Raiffeisenkasse in sen“.
Oedingen, die Täter erbeuteten 1977 Der Sportverein beantragt den
etwa 10.000 DM. Bau eines neuen Rasenplatzes.
Am 4. Juli wurde Oedingen ein Im Juli wurde der Partnerschafts-
Stadtteil von Remagen. Die Amts- vertrag mit dem Lennedorf Oe-
bezeichnung dingen besiegelt.
„Ortsbürgermeister“ wurde in 1978 Die leerstehende Schule wird
„Ortsvorsteher“ umbenannt. Dorfgemeinschaftshaus.
1970/71 Die Ortserweiterung nimmt 1980 Der Gemeindepfarrer Pater Benti-
durch rege Nachfrage Bauwilliger volius Marxen feiert sein 50 jähri-
Form an. ges Priesterjubiläum.
1972 Entstehung der Oedinger Müllde- Der Oedinger Bürger Johann Vo-
ponie, eine der vier großen im gels wurde mit dem Bundesver-
Kreis Ahrweiler. dienstkreuz ausgezeichnet.
1973 Gründung der Der Kirchturm der St. Gertrudis-
Hallengemeinschaft Oedingen. kirche restauriert.
Bau des neuen Feuerwehrhauses. 1982 Die SPD gründet im Januar ihren
1974 Im Juni Richtfest des Feuerwehr- Ortsverein Oedingen.
hauses. Der Männergesangverein feierte
Ortsvorsteher Elz trat aus Alters- sein 100 jähriges Jubiläum.
und Gesundheitsgründen zurück. 1983 Am 25. Juni wurde der neue
Sein Nachfolger wurde Klemens Sportplatz seiner Bestimmung
Weber. übergeben.
Gründung des Ausschusses für 1984 Das seltene Fest der eisernen
Kultur- Heimat- und Brauchtums- Hochzeit feierten Auguste und
pflege. Friedrich Born.
1975 Volksentscheid in Oedingen für Die gemeinsame Kläranlage
den Anschluß an Nordrhein-West- Werthhoven / Züllighoven und
falen. Oedingen wurde am 1. Septem-
Erweiterung der Oedinger Müll- ber ihrer Bestimmung
deponie. übergeben.
Im Juni Einweihung des 1985 Drei Jubiläen des Paters Bentivoli-
Feuerwehr-Gerätehauses. us Marxen in diesem Jahr.

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
ZEITTAFEL 1815 – 2000

Im Juni feierte die FF-Einheit Oe- ger Laubenkolonie.


dingen ihr 50 jähriges Bestehen. Am 9. Juni veranstaltete die Müll-
Im November wurde der neue Be- deponie einen „Tag der offenen
bauungsplan „Ortsmitte Oedin- Tür“.
gen“ öffentlich bekannt Anfang Juli ziehen die Oedinger
gemacht. Kinder vom Kindergarten Kripp
Neugründung des Junggesellen- zum neuerbauten Hort in Unkel-
vereins. bach um.
1986 Im Januar wurde der „Förderver- Im August Beginn der Ausbauar-
ein Freiwillige Feuerwehr Rema- beiten am Oberwinterer Weg.
gen, Einheit Oedingen“ gegrün- 1992 In der Nacht, am 15. April, erlebte
det. Oedingen ein mittleres Erdbeben.
1987 Ab 1. Februar galt im gesamten Am 26. April Inbetriebnahme des
Ort Oedingen „Tempo 30“. neuen FF-Gerätehauses.
16. Oktober Einweihung der in In der Nacht zum Samstag, dem
Eigenleistung erbauten Grillhüt- 12.9. um 4.08 Uhr, Großbrand im
te. Gehöft des Landwirtes Stefan
1988 Die Oedinger Bernhardine und Adams.
Karl Simons feierten im Februar Im Oktober wurde Pater Bentivo-
ihre Diamantene - Hochzeit. lius Marxen in den Ruhestand
Im August wurde unser Mitbür- versetzt.
ger Josef Dernbach mit der Ver- 1993 Ende April ein Großbrand auf der
dienstmedaille des Verdienstor- Mülldeponie.
dens der Bundesrepublik Mitte Mai feierliche Einführung
Deutschland ausgezeichnet. des neuen kath. Pfarrers Norbert
1989 Anfang Juli wurde der Oedinger Klaes.
Stadtrat Rudolf Wißkirchen zum Im August Abschluß der Restau-
Fraktionsvorsitzenden der SPD im rierung im Inneren unserer Pfarr-
Stadtrat gewählt. kirche.
Die Oedinger Elfriede und Franz 1994 Anfang Februar Beisetzung des
Hange wurden mit dem großen verstorbenen Bankiers Hermann-
Verdienstkreuz der Bundesrepu- Josef Abs in der historischen Ka-
blik Deutschland ausgezeichnet. pelle.
1990 Im März wurde der Oedinger Dr. Am 9. April feierten Frieda und
Heller mit dem „Merit-Europeen- Arnold Kirchner das Fest der
Orden“ ausgezeichnet. „Diamantenen Hochzeit“.
Am 25. Oktober wurde Pater Ben- Ende Oktober wurde Hans Kossin
tivolius Marxen in den Ruhestand als neuer Ortsvorsteher
verabschiedet. eingeführt.
1991 Im Januar Beratung der neuen Am 11. November Proklamation
Planungsvorhaben für Neu- und des ersten Dreigestirns, Prinz Rudi
Umgestaltung der Mülldeponie. I. (Dick), Jungfrau Heinz Adams,
Mitte Februar Brand eines und Bauer Addi Poppelreuter.
Wochenendhauses in der Oedin- 1995 Am 10. Januar Tod unseres Paters

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
ZEITTAFEL 1815 – 2000

i.R. Bentivolius Marxen. Schell in sein Amt eingeführt.


Mitte Mai erfuhr Oedingen die Stadtrat Rudi Wißkirchen (SPD)
Aufnahme in das wurde im Juli dritter Beigeordne-
Dorferneuerungsprogramm. ter in Remagen.
Am 14. Juli wurde der Karnevals- Am 18. Dezember Freigabe der
verein „Oedinger fertiggestellten Wachtberg-
Rheinhöhenfunken“ gegründet. Straße im Zuge der K 40.
Im November wird Dr. Heller ins 1999 Am 27. Juni wurde Werner Lapp
Guinessbuch der Rekorde unter (SPD) nach Stichwahl als Ortsvor-
der Rubrik „Gemeinschaft / steher gewählt.
Gesellschaft“ eingetragen. Am 7. Sept. Amtseinführung des
Am 11.11. Inthronisierung des neuen Ortsvorstehers Werner
neuen Prinzenpaares Brigitte I. Lapp.
und Dieter I. (Holstein). Im Oktober plötzlicher Tod unse-
1996 Februar Erster Karnevalszug in res Landrats Joachim Weiler.
Oedingen. 2000 Am 20. Januar um 4.03 Uhr ein
30. April Dr. Siegmund Heller ge- leichtes Erdbeben.
storben. Am 1. April wurde die neue Orts-
Mitte Oktober Beginn der Basis- mitte feierlich eingeweiht.
abdichtung der Mülldeponie. Anfang Juni Entwurf für den
Im November erhielt Klemens Neubau des Dorfgemeinschafts-
Weber die Freiherr vom Stein-Pla- hauses genehmigt.
kette. Am 20. Oktober
Im März tritt Franz-Josef Breuer Wiedereröffnung des Oedinger
vom Vorsitz des Sportvereins „Backes“.
zurück. Mitte November Oedinger Kirmes
1998 Im März wurde der evangelische erstmals in der neuen Dorfmitte.
Pastor Michael Schankweiler- 31. Dezember Ende der Chronik.

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ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN

GEMEINDEVORSTEHER / ORTSBÜRGERMEISTER /
ORTSVORSTEHER VON 1816 BIS 2001

1816 1852 Peter Josef Geller

1852 1854 Stephan Krahforst

1854 1894 Mathias-Joseph Brustkern

1894 1910 Mathias Schäfer

1910 1939 Johann Bungard II

1939 1941 Josef Vilz

1941 1945 Anton Schäfer (in Vertretung)

1945 1948 Johann Bungard II

1948 1956 Anton Schäfer

1956 1974 Anton Elz

1974 1994 Klemens Weber

1994 1999 Hans Kossin

1999 bis weiter Werner Lapp

198
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN

PFARRER IN OEDINGEN

Wilhelm von Remagen (1519), O. S. B. der Benedikt Berthling (1636), O. S. B., Pastor
Abtei Deutz. in Oedingen, gestorben 14.4.1636 in
Oedingen. Nach dem Bruderschafts-
Johann Becker (1558 – 1562), Offiziant. buch folgen Rupert Pipenex, Heribert
Sturm, Michael Broichhausen (1651),
Herbert Schwank, Pastor und Kirchherr in Professor von Heisterbach. (3*) 1650
Oedingen, stellt am 5.9.1558 als sei- wird Reiner Buschmann erwähnt.
nen Vertreter in Oedingen einen ge-
wissen Johann Becker, wahrscheinlich Matthias Wirtz (1622), O. S. B., Vikar (4*)
aus Remagen an, der daselbst residie- Bartholomäus Fressen (1668), O. S. B., Pa-
ren und die zwei Wochenmessen hal- stor, gestorben 19.10.1668.
ten soll. Derselbe erhält als Gegenlei-
stung den Wittumshof und alle zu- Gregor Gommersbach (1674), O. S. B.
gehörigen Erbschaften und Kirchen-
gefälle. Becker muß den Wittumshof Peter Neicken (1716), O. S. B., Pastor, ge-
in Ordnung halten und 2 Malter Korn storben 1716.
sowie 3 Malter Hafer an den Kirch-
herrn abliefern. Bürge beim Vertrag Herrmann Manten (1716 – 1741), Pastor,
ist der Bruder des Offizianten, Hein- O. S. B., gestorben im Alter von 73 Jah-
rich Becker aus Remagen. (1*) 1562 ren am 8.8.1758.
auch Rektor der Magdalenenkapelle
in Remagen. Rupertus Munstermann (1742 – 1767), ge-
boren 1702, Regular der Abtei Deutz.
Tilmann Erbland (1567) O. S. B. Er erhielt die Stelle eines Vizekuraten
in Oedingen von Abtin Deutz, der die
N. Bruno (1578). (2*) Kollatur ausübte. Approbiert wurde
er vom Generalvikar in Köln und inve-
Peter Landorpig (1586), Pastor. stiert durch den Pastor von Remagen.
Er besuchte die Schule und die Kran-
Reinhard Hindt (Heidt) (1594) erhält da- ken, applizierte an Sonn- und Feierta-
mals die Kollation der Stelle Oe. Vom gen für die Gemeinde. 1743 lebten Pa-
Pastor Hilden in Remagen schriftlich stor und Gemeinde im Frieden mitein-
zugestellt. Seine frühere Seelsorgs- ander. Gestorben 10.11.1767. (5*)
stelle war Kirchdaun, dann Berckum,
dessen Kirchmeister ihn als einen ehr- Beda Jakobs (1768 – 1773), O. S. B., Pastor
würdigen, erbaulichen und frommen seit 1773 Pfarrer in Remagen, gestor-
Priester bezeichnen. ben 12.2.1779. (6*)

Matthias Hensch (1619 – 1622) gestorben Johann Baptist Neusser (1773 – 1779), O.
1622 in Oedingen. S. B., geboren 25.7.1737 in Kessenich,

199
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
PFARRER IN OEDINGEN

1779 Pfarrer in Remagen, gestorben Karl August Mühlbach (1853 – 1864), ge-
28.11.1802. boren 10.2.1821 in Düsseldorf, ord.
1.11.1845 in Trier, Kaplan in Koblenz-
Heinrich Curtis (1779 – 1807). U. L. Fr., 1850 Haus.-geistlicher bei der
Gräfin d’Oultre-Mont in Schlesien,
Johann Kaspar Völsgen (1813 – 1817), ge- 1851 Vikar in Kues, gestorben
boren 21.9.1749 in Mehlem, Sohn von 9.1.1864. Er war ein edler Priester und
Franz und Maria Körner, ord. Menschenfreund. Seine Mutter und
14.3.1773 in Köln, Kaplan in Köln-St. Schwester bleiben im Pfarrhaus bis zur
Peter, 1781 Benefiziat in Niederba- Neubesetzung. Die Verwaltung hatte
chem, 1805 Vikar in Windhagen, seit Kirchdaun.
1821 Vikar in Vettelschoß, gestorben
daselbst 22.12.1826. (7*) Nikolaus Hoffmann (1865 – 1869), gebo-
ren 18.4.1830 in Koblenz, ord.
Michael Wolf (1821 – 1823), geboren 30.8.1855 in Trier, Kaplan in Heim-
1.1.1779 in Kömern (Niederlande), bach-Weis, 1856 Benefiziat in Linz,
ord. 1813 in Münster in Westfalen, be- 1861 Pfarrer in Mesenich, 1869 Bene-
sorgte auch zeitweilig den Dienst in fiziat in Dernau, gestorben 16.6.1881.
Unkelbach. In der folgenden Vacantur
lag die Seelsorge in den Händen des Paul Wolber (1869 – 1902), geboren
Pfarrers von Unkelbach. 23.9.1841 in Monreal, ord. 26.8.1865
in Trier. Danach Kaplan in Münster-
Gottfried Houverath (1833 – 1842), gebo- maifeld, ab 1869 Pfarrer in Oedingen
ren 1796 in Ahrweiler, ord. 1821, Vikar mit Unterbrechung (1896 in Kell) ge-
in Gleuel und Ringen, am 16.4.1833 storben 16.5.1902 in Oedingen.
zum Vikar von Oedingen ernannt.
Trier zeigte vorher große Bedenken, Dr. Franz Cöln (1908 – 1920), Erbauer der
weil es mit Recht befürchtete, daß neuen Pfarrkirche, geboren 14.5.1873
man weitergehe und die Errichtung in Linz, ord. 3.4.1897 in Trier, Rektor in
der Pfarrei versuchen würde, was Karthaus, Kaplan in Bitburg und Witt-
dann auch seit 1838 mit Eifer betrie- lich, Studienurlaub bis 1908, resig.
ben wurde. Gestorben in Herschbach 1920, 1939 Universitätsprofessor in
am 26.1.1869. Washington.

Appolinar Schumacher (1843 – 1851), ge- Peter Billig (1920 – 1928), geboren
boren 10.4.1804 in Spessart, Pfarrer in 8.10.1883 in Heimbach-Weis, ord.
Kempenich, ord. 1.6.1833 in Trier, Ka- 16.3.1906 in Trier, Kaplan in Kues, Il-
plan in Adenau, 1837 Pfarrer in Wers- lingen und Herrensohr, 1912 Vikar in
hofen, 1845 geisteskrank. Da er keine Nörtershausen, 1916 Pfarrer in Rhau-
geistliche Funktionen mehr verrichten nen, 1928 Pfarrer in Hentern.
konnte, trat er 1851 in den Ruhestand.
Gestorben 15.4.1855 in Kirmutscheid. Peter Winand (1929 – 1951), geboren
Unter ihm Errichtung der neuen Pfar- 17.3.1883 in Hümmel, ord. 27.3.1909
rei 1849. in Trier, Kaplan in Wallerfangen, 1914

200
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN
PFARRER IN OEDINGEN

Feldgeistlicher, 1916 Pfarrer in Merz- Evangelische Pfarrer aus Oberwinter, die


kirchen, gestorben 10.3.1951 in Oe- für die evangelischen Mitbürger in Oe-
dingen. dingen seit 1973 Gottesdienst hielten:

Adolf Dickel (1951 – 1955), geboren 1973 – 31.3.1977


22.4.1886 in Trier, ord. 12.8.1911 in Pastor Georg Buitkamp, Heiligabend
Trier. 1973 erster Gottesdienst in der kath.
Kirche Oedingen
Jakob Rosen (1955 – 1962), geboren 1899.
1.10.1978 – 1987
Bentivolius Marxen, Franziskaner-Pater Pastor Hermanus Herfkens,
(1962 - 1992), geboren am 27.10.1911 geb. Niederländer
in Rees am Niederrhein, ord. 9.8.1936
in Mönchengladbach. Anschließend 1.03.1988 – 1998
Gymnasialleher in Exaeten / Nieder- Pastorin Elisabeth Dymke
lande. 1941 – 45 Wallfahrtsseelsorger
in Moresnet / Belgien, 1947 Kaplan in 1.10.1988 – 1998
Heiligkreuz / Essen. Danach Exerziti- Pastor Holger Dymke
enmeister auf dem Appolinarisberg / Ehepaar, je halbe Planstelle
Remagen und später Guardian im
Konvent Essen. Ab 1959 Schwestern- 8.3.1999 bis weiter
und Priesterseelsorger in der Eifelre- Pastor Michael Schankweiler-Schell
gion. Ab 1962 Pfarrer in Oedingen.
1992 Ruhestand, gestorben am
10.1.1995 in Moresnet-Chapelle / Bel-
gien.

Nobert Klaes, geboren 1938 in Dortmund,


ord. 1962 in Trier, ab 1993 bis weiter
Pfarrer in Oberwinter, Unkelbach und
Oedingen.

(1*) Für die Angaben Becker-Hindt cfr. St. A.


Ko 53 C 25 Nr. 3227 Bl. 106
(2*) Frick (Landskron Nr. 2782)
(3*) ebd. e 516
(4*) D. A. Köln Dec. Arcuen. Gen. I
(5*) V. P. 1743
(6*) Daten der Sterbefälle cfr. Nekrolog der
Abtei Deutz im St. A. Dü. Abtei Deutz Hs.
4.%
(7*) D. A. Trier, Akten Oedingen: Völsgen war
sechs Jahre Vikar in Oedingen, wurde
dann suspendiert.

201
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN

PRIESTER AUS OEDINGEN

Oeding, Wilhelm (1632 – 1646), Pfarrei in Vogels, Wilhelm, geboren 7.12.1918 in


Remagen, gestorben 30.3.1646, Oedingen, Subd. 20.12.1947, ord.
wahrscheinlich aus Oedingen. 1948 in Trier, Kaplan in Saar-
brücken-St. Michel.
Winzen, Joh. Innozenz, geboren
19.11.1838, ord. 26.8.1865 in Trier, Prof. Dr. Günter Schmahl, geboren 1939 in
1865 Kaplan in Wallhausen, 1869 Oedingen, Studium in Trier und
Pfarrer in Fischbach-Weierbach, Rom, wo er auch 1964 die Priester-
seit 1884 Dek. für das Dekanat St. weihe empfing. Pfarrer in Ander-
Wendel, resig. 1906, wohnte in nach-Eich und Theologie-Professor
Trier, Barmherzige Brüder, gestor- am Studienhaus St. Lambert in
ben 2.1.1909, begraben in Oedin- Lantershofen.
gen.

202
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN

LEHRER IN DER EINKLASSIGEN DORFSCHULE


IN OEDINGEN.

Nach Einführung der allgemeinen Schulpflicht 1717 – 1720 wurde nach dem Neubau
des Schulgebäudes 1741 die Schule ihrer Bestimmung übergeben.

Lehrer 1741 Herr Thelen

1741 – 1839 keine Hinweise

1839 – 1855 Mathias Münch

1863 – 1874 Johannes Fischer

1874 – 1876 Herr Philippi

1876 – 1877 Herr Elinghausen

1877 – 1878 Jakob Dheine

1878 – 1882 W. Boden

1882 – 1920 Heinrich Mahlberg

1922 – 1929 Emil Rehmer

1929 – 1956 Johannes Tenelsen

1956 – 1957 Lehramtsanwärterin Martha Keber

1957 – 1963 Hubert Rohbeck

1963 – 1965 Hans-Edgar Stein

1965 – 1976 Wolfgang Tack

203
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN

VORSITZENDE DES VORSITZENDE DES SPORT-


CDU-ORTSVERBANDES VEREINS „GRÜN-WEIß“
REMAGEN-OEDINGEN OEDINGEN
Der Ortsverband wurde 1973 gegründet.

Vorsitzender Er wurde im Mai 1946 gegründet. Die


1973 – 83 Dr. Siegmund Heller Gründungsmitglieder waren:
Heinrich Adams, Johann Schumacher,
1983 – 87 Günter Johnke Heinrich Breuer, Heinrich Schneider und
Johann Vilz.
1987 – 88 Stefan Piek Vorsitzende in den Jahren von 1946 bis
Ende 2000.
1988 – 1989 Ludwig Meier

1989 – 96 Toni Hillen 1946 – 1953 Johann Schumacher

1996 – 98 Herbert Dernbach 1953 – 1954 Heinrich Adams

1998 – weiter Jürgen Meyer 1954 – 1961 Heinrich Breuer

1961 – 1963 Heinz Simons


VORSITZENDE DES
1963 – 1968 Heinrich Breuer
SPD-ORTSVEREINS
REMAGEN-OEDINGEN 1968 – 1971 Heinz Heuser

1971 – 1974 Heinrich Breuer


1980 SPD-Ortsbezirk Oedingen
im SPD-Ortsverein Oberwin- 1974 – 1977 Herbert Bungard
ter Vorsitzender Bodo Mein-
hard. 1977 – 1998 Franz-Josef Breuer

12.1.1982 Gründung SPD-Ortsverein 1998 – 2001 Helmut Born


Oedingen.
Vorsitzender Gerhard Wolf 2001 – weiter Manfred Vievet

17.04.1984 Rudolf Wißkirchen Ehrenmitglieder:


A. Bachem, J. Bächer, Fr.-J. Breuer,
16.12.1986 Siegfried Schmidt H. Breuer, H. Bungard, H. Heuser,
H. Linke, L. Rauschenbach, H. Scheffler.
25.01.1994 Andrea Hasenknopf
Ehrenvorsitzender seit 1998
21.09.1999 Jörg Oertel Franz-J. Breuer.

204
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN

FÖRDERVEREIN FREIWIL- DIRIGENTEN


1882 – 1920 Lehrer Heinrich
LIGE FEUERWEHR, Mahlberg
EINHEIT OEDINGEN 1920 – 1922 Lehrer Juchem
1922 – 1929 Lehrer Emil Rehmer
1929 – 1956 Lehrer Johannes
Der Förderverein wurde im Januar 1985 Tenelsen
gegründet. Vorsitzender von 1986 bis An- 1957 – 1963 Lehrer Hubert Rohbeck
fang 1994 war Hans-Willi Jungbluth, 1963 – 1983 Organist Willibrod
von 1994 bis weiter Thomas Sonntag. Schmidt
1983 – 1992 Hajo Braun
1992 – 1997 Heinrich Möhren
1997 – weiter Wienand Nietgen

VORSITZENDE UND
DIRIGENTEN DES
MÄNNERGESANGVEREINS
„1882 CÄCILIA“ OEDINGEN

Der Männergesangverein (MGV) „1882


Cäcilia“ Oedingen wurde im Juli 1882 von
dem Pfarrer Paul Wolber (1869 – 1902),
Geistlicher in Oedingen mit den Grün-
dungsmitgliedern Lehrer Heinrich Mahl-
berg, Mathias Schäfer, Peter Profittlich,
Joseph Krahforst und Anton Braun ge- KIRCHENCHOR
gründet.
„ST. GERTRUDIS“
VORSITZENDE OEDINGEN
1882 – 1902 Pfarrer Paul Wolber
1903 – 1919 Vakanz, wahrscheinl.
Der Dirigent in gegründet im November 1976
Pers.union
1919 – 1939 Willi Müller Vorsitzende Dirigenten
1946 – 1962 Stefan Adams 1976 – 1996 Käte Moog
1962 – 1994 Josef Dernbach 1976 – 1980 Pater Bentivolius
1994 – 1997 Toni Liessen 1980 – 1982 Gottfried Acker
1997 – 1999 Josef Dernbach 1996 – weiter Wendlandt
1999 bis weiter Hans Dieter Vilz 1982 – weiter HaJo Braun

205
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN

JUNGGESELLENVEREIN Die Neugründung erfolgte 1985; zum


Gründungsvorstand gehörten:
OEDINGEN Werner Jungbluth, Georg Schmahl,
Gründungsversammlung, zugl. erste Vor- Marco Leuthen, Dirk Holstein, Günter
standswahl am 14. Jan. 1905. Es wurden Müller, Norbert Schulte, Achim Simons.
gewählt: 1. Vorsitzender Peter Velten, Fahnenschwenker waren Willi Bungard,
Peter Schneider als Kassenführer, Mathias Harald Müller, Günther Gemein.
Weil als Schriftführer.
Der Verein machte sich zur Aufgabe: die Maikönigspaare seit 1986 waren:
Pflege jugendlicher Geselligkeit, des
Sport, Spiel- und Tanzvergnügens sowie 1986 Dorothee Leuthen / Winfried
des katholischen Brauchtums. Drolshagen
1987 Ira Bungard / Willi Bungard
Vorsitzende: 1988 Anja Braun / Dirk Holstein
1905-1908 Peter Velten 1989 Antonella Granata / Günther Ge-
1908-1911 Anton Müller mein
1911-1912 Peter Velten 1990 Anja Otterbach / Dominik Baum-
1912-1920 Mathias Bungard gart
1920-1921 Johann Gielsdorf 1991 Manuela Burkey / Peter Bungard
1921-1925 Mathias Bungard 1992 Iris Siegmund / Andreas Göbel
1925-1926 Stefan Adams 1993 Ronny Burkey / Alexander
1926-1927 Wilhelm Schmahl Bungard I
1927-1929 Johann Klevenhaus 1994 Stefanie Hinze / Michael Bungard
1929-1930 Stefan Adams 1995 Sandra Kossin / Arnold Schmahl
1930-1936 Peter Velten 1996 Nadine Vaeckenstedt / Patrick
1936-1937 Mathias Bungard Braun
1937-1938 Wilhelm Klevenhaus 1997 Sabine Gonzales / Sascha Harzem
1938-1939 Mathias Bungard 1998 Manuela Born / Thomas Erreger
1939-1946 Johann Bungard 1999 Melanie Kummer / Christian
1946-1948 Wilhelm Klevenhaus Hinze
1948-1951 Josef Gielsdorf 2000 Belinda Vilz / Alexander Bungard I
1951-1952 Hans Bachem 2001 Marion Ahlert (Breuer) / Alexan-
1952-1955 Klemens Weber der Bungard II
1955-1957 Josef Gemein
1957-1959 Herbert Bungard
1959-1960 Werner Weber
1960 Paul Braun
1960-1985 Verein ruht
1985-1988 Werner Jungbluth
1988-1996 Georg Schmahl
1996-2000 Alexander Bungard
2000 Sven Holstein

206
ZUR GESCHICHTE VON OEDINGEN

PRÄSIDENTEN DER MÖHNEVEREIN OEDINGEN


RHEINHÖHENFUNKEN Gründung: 1975
Obermöhn
Die Rheinhöhenfunken wurden am
14. Juli 1995 gegründet. 1975 – 1981 Klara Winandy
1981 – 1982 Brigitte Holstein
Präsident 1982 – 1986 Irmgard Leuthen
Okt 1995 – weiter Rudi Dick 1986 – 1990 Brigitte Holstein
1990 – 1996 Rosi Buckey
Vize-Präsident 1996 - Maria Born
Okt 1995 – 1998 Dieter Holstein
März 1998 – weiter Georg Schmahl

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