Exemplarische Umsetzung des Radtourenangebots eines Reiseveranstalters in eine Multimedia-Anwendung

Diplomarbeit von Martin Vigerske

TECHNISCHE FACHHOCHSCHULE BERLIN Fachbereich III – Bauingenieur- und Geoinformationswesen Studiengang Kartographie 2005

Vorwort
Als Reise-, Radund Chinabegeisterter möchte ich meiner Mutter und Andrea Rückbeil danken. Ohne sie hätten viele Kommata nie das Licht der Welt erblickt. Als Dauer-Windows-Abhängiger möchte ich meinen Bruder für seinen technischen Support bei der Einrichtung eines Mini-Linux danken, ohne dass ich mich eventuell nicht rechtzeitig mit GRASS GIS vertraut hätte machen Herrn Prof. Dr. S. Schulz sei nicht nur für seine kritische Unterstützung während der Diplomzeit gedankt, sondern auch dafür, dass er mit seinem Unterricht meine Begeisterung an der Multimedia-Arbeit entfachen konnte. Meiner Kommilitonin Josefine Mnichatz möchte ich für die vielen hilfreichen Diskussionen über kartographische und multimediale Aspekte meiner Arbeit danken – diese brachten nicht selten die rechten Denkanstöße. Für das Durchlesen meiner kompletten Diplomarbeit und der Korrektur der dort begangenen Verbrechen an der deutschen Sprache Weiterhin danke ich unserem „Briten“ Daniel Wyss für seinen lustigen wie lehrreichen GISUnterricht, Nicole Schubbe für ihren TelefonSupport in vielen kleinen Uni- und sonstigen Fragen, Herrn Spindeldreher, der mich erstmals auf GRASS GIS aufmerksam machte und schließlich meinem Bruder für den schwarzen Marzipantee. Ohne Meinungen anderer ist es oft schwer eine wirklich gute (und vor allem intuitive) Anwendung zu erschaffen. Daher sei hier den Testern gedankt und zwar meinem Vater, Alexander Schwarz und Andrea Rückbeil. können. Mensch möchte ich mich zuallererst bei CHINA BY BIKE bedanken, insbesondere bei den beiden Gründern Christof Gebhardt und Volker Häring, die es mir ermöglichten meine Interessen in einer Diplomarbeit zu kombinieren und mir dabei mit Rat und Tat zur Seite standen.

Ich versichere, dass ich meine Diplomarbeit selbständig verfasst und keine anderen als die angegebenen Quellen und Hilfsmittel benutzt habe. Wenn nicht anders angegeben, wurden sämtliche Abbildungen vom Autor der Diplomarbeit geschaffen. Es wurde nicht darauf geachtet, dass Ausschnitte aus der Anwendung immer im gleichen Größenverhältnis zueinander stehen.

EXEMPLARISCHE UMSETZUNG DES RADTOURENANGEBOTS EINES REISEVERANSTALTERS IN EINE MULTIMEDIA-ANWENDUNG

INHALT

1 2
2.1 2.2

EINLEITUNG ................................................................................................................. 8 CHINA BY BIKE – IM KÖNIGREICH DER FAHRRÄDER .....................................10
Mit dem Rad das Reich der Mitte erkunden................................................................................10 CHINA BY BIKE – mittendrin, statt nur dabei ..............................................................................12

3
3.1 3.2 3.3 3.4

HERANGEHENSWEISE – DAS KONZEPT ..................................................................13
Was es bereits gibt ..................................................................................................................................13 Neue Möglichkeiten.................................................................................................................................14 Schwerpunkte der CD-ROM gegenüber Katalog und Internet............................................14 Director vs. Flash......................................................................................................................................15

4
4.1

AUFBAU DER ANWENDUNG ....................................................................................16
Das Layout ...................................................................................................................................................17
Bühnengröße und Farbtiefe ........................................................................................ 17 Allgemeine Bildaufteilung .......................................................................................... 18 Farbwahl .................................................................................................................... 18 Schriftarten ................................................................................................................ 19 4.1.1 4.1.2 4.1.3 4.1.4

4.2 4.3 4.4

Intro und Willkommensseite...............................................................................................................19 Menüführung ..............................................................................................................................................20
Skripten mit Director: ein freier gestaltbares Pulldown-Menü...................................... 21 Erstellung mit AutoRoute und Freehand ..................................................................... 23 Praxis-Tipp: Flash, die einzige vernünftige Vektor-Alternative..................................... 24 Reiseberichte ............................................................................................................. 25 Skripten mit Director: Slideshow, mit Sound synchronisiert ........................................ 26 China-Reisen A-Z........................................................................................................ 27 Literatur und Links..................................................................................................... 27 Team ......................................................................................................................... 28 Kontakt und Impressum............................................................................................. 28

4.3.1 4.4.1 4.4.2

Touren/Tourenübersicht......................................................................................................................22

4.5

Extras..............................................................................................................................................................25

4.5.1 4.5.2 4.5.3 4.5.4

4.6

CHINA BY BIKE............................................................................................................................................28

4.6.1 4.6.2

4.7

Ende.................................................................................................................................................................29

5
5.1

TOURVORSTELLUNG „SÜDLICH DER WOLKEN“ ..................................................30
Suche nach der passenden kartographischen Darstellung.................................................30
Variante: Isometrische Perspektive ............................................................................. 31 Endgültige Version: richtige 3D-Ansicht ..................................................................... 32 Das Problem mit dem Maßstab................................................................................... 33 Farbtiefe .................................................................................................................... 33 Praxis-Tipps: Speed-Button bei großen Animationen................................................... 34 Skripten mit Director: Bildsequenzen vor und zurück abspielen ................................. 35 5.1.1 5.1.2 5.1.3 5.1.4 5.1.5 5.1.6

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INHALT

5.2

Die Index-Karte ......................................................................................................................................... 36
Orange: Position ......................................................................................................... 36 Blau: Navigation ......................................................................................................... 36 Umsetzung der Index-Karte ........................................................................................ 37 Auswahl der Inhalte .................................................................................................... 38 Skripten mit Director: dynamisch erstellte Infoboxen.................................................. 39 Erzeugung der Höhendiagramme aus GPS-Daten ........................................................ 41 Praxis-Tipps: Flash-Nachteil – Unbrauchbarkeit von invisible ....................................... 42 Skripten mit Director: Ereignisse auslösen .................................................................. 43

5.2.1 5.2.2 5.2.3

5.3

Die Infoboxen ............................................................................................................................................ 38

5.3.1 5.3.2

5.4

Streckenabschnitte mit Höhendiagrammen............................................................................... 41

5.4.1 5.4.2

5.5 5.6

Selbstablaufende Demo........................................................................................................................ 43 Hilfe ................................................................................................................................................................ 44

5.5.1

6
6.1 6.2

3D-KARTE: GRASS GIS, FREEHAND, PHOTOSHOP ..........................................45
Esri-Alternative: GRASS GIS................................................................................................................. 45 Genutzte Materialen ............................................................................................................................... 46
Landsat-Satellitenbilder .............................................................................................. 46 Sowjetische Generalstabskarte.................................................................................... 47 SRTM-Höhendaten ...................................................................................................... 48 Prinzip von Locations ................................................................................................. 49 Satellitenbilder einlesen und aufbereiten .................................................................... 49 Rektifizierung der topographischen Karten ................................................................. 51 SRTM-Daten einlesen .................................................................................................. 53 Datenlöcher in SRTM-Daten automatisch füllen ........................................................... 54 Datenlöcher in SRTM-Daten manuell füllen ................................................................. 55 SRTM-Daten patchen, resamplen und in Relief umwandeln ......................................... 56 GPS-Daten einlesen ..................................................................................................... 58 Daten als Tiff-Bilder exportieren ................................................................................. 59 Tiffs in Photoshop nachbereiten ................................................................................. 60 Digitalisierung in Freehand......................................................................................... 60 Satellitenbild-Unterlage in Photoshop ......................................................................... 62

6.2.1 6.2.2 6.2.3

6.3

Datenaufbereitung mit GRASS GIS .................................................................................................. 48

6.3.1 6.3.2 6.3.3 6.3.4 6.3.5 6.3.6 6.3.7 6.3.8 6.3.9

6.4

Kartenerstellung mit Photoshop CS und Freehand MX ........................................................ 60

6.4.1 6.4.2 6.4.3

6.5

3D-Animation in GRASS mittels NVIZ............................................................................................. 64

7 8

ZUSAMMENFASSUNG................................................................................................66 LITERATURVERZEICHNIS .........................................................................................69 ANHANG: FLUSSDIAGRAMM ALLER BILDSCHIRME ..............................................70 ANHANG: DATENÜBERSICHT .................................................................................73 ANHANG: AUSSCHNITT AUS KARTEN-TEXTUR ...................................................74
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KAPITEL 1

1 EINLEITUNG
China hautnah erleben und im wahrsten Sinne des Wortes erfahren – nicht mehr und nicht weniger hat sich CHINA BY BIKE, das kleine Reiseunternehmen aus Berlin/Kreuzberg, in den Namen geschrieben. Eine Multimedia-CD-ROM soll die Firma nun dabei unterstützen sich dem Kunden zu präsentieren – anschaulich und informativ zugleich. Den Gründern Christof Gebhardt und Volker Häring zufolge, „kommt man diesem faszinierendem Land [auf keine andere Weise] so nahe wie mit dem Fahrrad oder zu Fuß“ (CHINA BY BIKE, 2004: S. 3). Getreu diesem Motto bietet das Unternehmen seit 1995 in stetig wachsender Zahl geführte Radtouren durch ganz China an – inzwischen sogar über dessen Grenzen hinaus. Abb. 1 zeigt eine Impression aus Guilin. Der China-Interessierte hat die Qual der Wahl zwischen zwölf Radtouren und zwei Trekkingtouren. Weiterhin erläutert der Katalog noch zwei Touren von anderen Veranstaltern, welche bei dieser Arbeit jedoch außer Acht gelassen werden. Auf der Suche nach der einzig-richtigen Tour kann der potentielle Kunde den Katalog durchstöbern, sich auf der Homepage informieren oder auch einfach im Büro anrufen. Informationsabende in Berlin und Messen stellen weitere Kontaktmöglichkeiten dar. CHINA BY BIKE, 1995 gegründet, kann sich rühmen, eines der ersten Reiseunternehmen mit eigener Internetpräsenz zu sein. Selbst große Unternehmen trauten sich in den Neunzigern nur zögerlich und lediglich mit
Foto: CHINA BY BIKE Abb. 1: Fahrräder vor den Karsthügeln Guilins

kleinen, leidlich informativen Websites in das Netz der Netze. Im Zuge dieser Diplomarbeit soll eine weitere innovative Informationsmöglichkeit dazu kommen: die CD-ROM. Auf Anfrage zugeschickt bekommen oder z.B. auf Messen mitgenommen, erwartet den Fahrradfreund auf dem Silberling eine kleine Entdeckungstour durch das Königreich der Fahrräder. Anders soll diese Präsentation sein, nicht so nüchtern wie der Katalog oder die Homepage. Dennoch muss eine Verbindung zum bekannten Erscheinungsbild von CHINA BY BIKE bestehen.

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KAPITEL 1

So versucht die CD-ROM nicht nur Informationen, sondern ein Bild Chinas aus der Sicht des Radfahrers zu liefern (vgl. Abb. 2). Was sie nicht sein will: ein Ersatz für Katalog oder Homepage. Jedes Medium steht für sich, jedes findet seine Nische in der Aufgabe, neue Kunden zu werben. Die geographischen Informationen der Touren stehen dabei nicht im Vordergrund, sollen jedoch Träger der Anwendung sein und dem Neugierigen die Tour im Detail vorführen. Diese konzeptionelle Entscheidung findet ihre Begründung in der Tatsache, dass bei Radtouren ein großer Teil der Erfahrung in der Reise selbst liegt. Nicht nur Sehenswürdigkeit A und Aussichtspunkt B, sondern auch die Verbindung dazwischen ist von immanenter Bedeutung und sollte erforscht werden können. Viel gibt es nicht, woran sich die CHINA BY BIKE-CD-ROM messen lassen muss. Der Reisemarkt scheint die CD-ROM noch nicht als

effektives Werbemittel für sich entdeckt zu haben – oder hat er sie bereits überwunden? Gerade für Anbieter der immer gleichen Pauschalreisen ist das Internet scheinbar eine ausreichende Plattform. Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit diesem Thema und beleuchtet eines der Produkte. Diese Diplomarbeit konzipiert eine CD-ROM, die prinzipiell das gesamte Tourenprogramm erfassen soll. Zwar wird jetzt nur eine einzige Tour – „Südlich der Wolken“ – detailliert umgesetzt, eine Erweiterung durch andere Touren sollte jedoch später möglich sein. Bei der Wahl der zu verwendenden Software musste also nicht nur auf die Funktion sondern auch den Kostenfaktor geachtet werden. Director oder doch nur Flash? Muss es denn immer Esri sein? Am Anfang der Kapitel vier und sechs wird auf diese Fragen eingegangen.

Abb. 2: Die Perspektive des Radfahrers liegt oft Nahe bei der Bevölkerung.

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KAPITEL 2

2 CHINA BY BIKE – I M K Ö N I G R E I C H D E R F A H R R Ä D E R
Das Reich der Mitte – wer an China denkt, dem kommen meist Bilder der Großen Mauer in den Sinn oder er bzw. sie denkt an PekingOper, große Kaiser, medizinische Wunder, Buddha und Konfuzius und dergleichen mehr. Vielleicht denkt er auch an knipsende Japaner und rollt mit den Augen, wenn er angestrengt darüber nachgrübelt, wie man einen Japaner von einem Chinesen unterscheidet. Doch auf den Gedanken, dass man das Land der Frühlingsrollen und Essstäbchen auch per Rad erkunden kann, kommen die wenigsten.

2.1 Mit dem Rad das Reich der Mitte erkunden
Einmal Urlaub in China machen - davon träumen viele, andere schrecken Horrorgeschichten von ominösen Speisefolgen und ähnlichem ab. Doch wer sich einmal entschlossen hat, seinen Urlaub in diesem groß(artig)en Land zu verbringen, der muss sich zwangsweise Gedanken machen, auf welche Weise er das Land erkunden möchte. Zumindest von der Fläche her ist China das drittgrößte Land der Welt. 20000 km Grenze umschlingen 30 Provinzen mit einer Ausdehnung von 4000 km in Nord-Süd- und 4500 km in Ost-West-Richtung (vgl. Abb. 3) Das ganze Land wirklich intensiv zu erleben ist mit einer Reise also praktisch nicht möglich. Reisebüros bieten in erster Linie Reisen zu bekannten Städten und Sehenswürdigkeiten wie Beijing (Peking) oder Shanghai an. Rundtouren zur Großen Mauer und der TerrakottaArmee im Nordosten, Karstlandschaften von Guilin im Südosten und am Besten noch nach Lhasa (Tibet) im Südwesten. Wer es etwas individueller mag, würde sich normalerweise einfach einen Mietwagen leihen, um auf eigene Faust und mit dem Reiseführer bewaffnet sein „Traumland“ zu erkunden. Doch in China ist es Touristen verboten, Autos zu steuern. Überhaupt, als „zahlungsDas Fahrrad stellt somit eine gute Alternative dar, zumal es eine Wiederkehr noch lohnenswerter macht. Denn mit dem Rad muss man sich zwangsweise auf eine oder zwei Regionen beschränken, welche dann aber auch wirklich intensiv erlebt werden können. Kaum ein Land ist landschaftlich so kontrastreich wie China: „Im Westen liegt das höchste Gebirge der Welt, der Himalaya, und das Hochland von Tibet. Im Nordwesten breiten sich große Wüsten aus (Takla Makan und Gobi) und im Süden liegt das Südchinesische
Abb. 3: senk- und waagerechte Ausdehnung Chinas

kräftiger Ausländer dürften sie von vornherein an jedem Unfall Schuld sein – selbst wenn sie nur im parkenden Auto sitzen“ (HAUSER & HÄRING, 2005).

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KAPITEL 2

Bergland. Im äußersten Südosten findet sich auch tropischer Regenwald“ (HERMANN, 2002: S. 487). Neben dem landschaftlichen Erlebnis steht natürlich der intensive Kontakt mit der Bevölkerung. Bus- oder Zugtouristen nehmen die Bevölkerung in erster Linie durch eine Glasscheibe wahr oder sie begegnen den Tourismus-geschädigten Chinesen in den Ballungsräumen, wo die Vertreter der örtlichen Minderheiten für Geld in ihren traditionellen Trachten posieren. Der Radfahrer indes erlebt die 1,3 Milliarden umfassende Bevölkerung (HERMANN, 2002: S. 488) aus einer ganz anderen, viel alltäglicheren Perspektive. Bedenkt man, dass nur etwa ein Fünftel der Fläche Chinas landwirtschaftlich nutzbar ist (HERMANN, 2002: S. 489), kann man sich leicht vorstellen, warum man auf dem Lande eigentlich nie allein ist. Überall in den Feldern arbeiten fleißige Chinesen (vgl. Abb. 4) und die meisten grüßen mit einem lächelnden, aber auch neugierigen „Ni Hao“ („Guten Tag“, „Hallo“), wenn eine „Langnase“ vorbeiradelt.

Der Radtourist muss sich jedoch auch einigen Hürden stellen. Man sollte immer im Hinterkopf behalten, dass China sich erst 1990, vor gerade mal fünfzehn Jahren, dem Tourismus geöffnet hat und auch das nur sehr vorsichtig. So waren anfangs nur bestimmte Gebiete für Touristen zugänglich und das ganz sicher nicht mit dem Fahrrad. Der Kontakt mit der Bevölkerung wurde erschwert, um ungewollte Einflussnahme des Westens zu unterbinden. Auch heute noch ist es in Gebieten wie Tibet äußerst schwer, sich wirklich frei fortzubewegen, die gesperrten Gebiete wechseln hier ständig. Die chinesische Bürokratie kann so zu einer echten Gefahr für den „Traumurlaub“ werden, vor allem, wenn man der Sprache gänzlich unkundig ist – Englisch ist selbst in den Ämtern noch nicht überall Gang und Gebe. Sich – zumindest beim ersten Besuch – einer Reisegruppe anzuschließen, ist infolgedessen also keine Schande, sondern wohlmöglich die einzige vernünftige Alternative.

Abb. 4: Bauer mit Kind, bei Eryuan (Provinz Yunnan)

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KAPITEL 2

2.2 CHINA BY BIKE – mittendrin, statt nur dabei
Für die Konzeption der CD-ROM war es nicht unwesentlich zu verstehen, was der durchschnittliche CHINA BY BIKE-Kunde für ein Mensch ist. Die Informationsabende boten eine gute Gelegenheit für entsprechende Gespräche. Hardtmut erzählt gerade, wie er sich bei seinem letzten China-Urlaub an der Grenze zu Laos mit den chinesischen Behörden rumärgern musste. Er ist leidenschaftlicher Radfahrer und möchte gern noch einmal China bereisen, ohne dass sich solche Erlebnisse wiederholen. Das Gesprächsthema driftet immer mehr ab und wird schließlich zu einer Diskussion um die chinesische Politik und die verschiedenen Einstellungen der Bevölkerung. Die Informations-Abende von CHINA BY BIKE sind keine groß angelegten Abende in riesigen Hallen, mit einem Sprecher in Krawatte, der vor einer Menschenmenge die Reiseroute beschreibt. Nein, in dem kleinen Restaurant Dong Dong, einem der wenigen in Berlin, die noch echtes chinesisches Essen servieren, kommt man bewusst in kleiner Runde zusammen. Über einem Bier, Maultaschen, Algen und Garnelen werden Fragen beantwortet, Bilder gezeigt oder auch nur einfach Reiseerfahrungen ausgetauscht. Diese Art ist Programm. Gerade dem unerfahrenen Radreisenden wird so die Angst vor dem fremden, exotischen Land China genommen. Auch die Touren werden nur in kleiner Gruppe (10-14 Personen) gefahren und der Reiseleiter ist ein China-Kenner, der mindestens ein Jahr in China gelebt hat.
T ECHNISCHE F ACHHOCHSCHULE B ERLIN – S TUDIENGANG K ARTOGRAPHIE – D IPLOMARBEIT VON M ARTIN V IGERSKE Foto: CHINA BY BIKE Abb. 5: Die "Wilde Mauer" gehört zu den ursprünglichsten Abschnitten der Großen Mauer.

Individuelles Anpassen der Tour an die Wünsche der Gruppe ist durchaus möglich, besonders was den Speiseplan angeht. Bei der Zusammenstellung der Touren achtet CHINA BY BIKE darauf, möglichst größeren Touristenrummel zu meiden. Wenn man sich in Beijing aufhält, wird natürlich die Verbotene Stadt aufgesucht, doch daneben gibt es Spaziergänge in den Hutongs (Altstadt) und gegessen wird in einer kleinen Garküche. Die Große Mauer wird nicht unbedingt an ihrer am blankesten polierten Stelle besucht, sondern dort, wo sie noch in einem sehr ursprünglichen Zustand ist (vgl. Abb. 5). Als Mitglied vom „forum anders reisen“, welches sich dem so genannten „Nachhaltigen Tourismus“ verschrieben hat, arbeitet CHINA BY BIKE nur mit kleinen Hotels und Privatpersonen zusammen. Große Hotelketten und reine Touristenaktionen werden konsequent gemieden. Diese Tatsachen halfen bei der Überlegung, was der Kunde für Erwartungen an die CDROM stellen wird.

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KAPITEL 3

3 HERANGEHENSWEISE – DAS KONZEPT
Eine Präsentation auf CD-ROM bringt so einiges mit sich. Nicht nur die Möglichkeit einfach mehr Bilder und mehr Informationen als im Katalog oder im Internet präsentieren zu können – die Art und Weise der Darstellung ist es, die dieses Medium so interessant macht. Dem Nutzer werden nicht, wie in einem Trailer, vorgefertigte Inhalte hintereinander vorgelegt, vielmehr ist die Interaktivität – das selbstständige Erforschen – von besonderer Bedeutung.

3.1 Was es bereits gibt
So seltsam es erscheint, aber Werbe-CD-ROMs von Reisunternehmen sind erstaunlich dünn gesät. Offenbar brachte einzig TUI Mitte der Neunziger eine CD-ROM heraus. Mal abgesehen von der (aus heutiger Perspektive) etwas dürftigen technischen Umsetzung, wurden damals schon einige interessante Ideen verfolgt. Zum einen konnte man die Hotels einfach über Karten finden. Von der Start-Karte (vgl. Abb. 6) beispielsweise nach Mallorca und von dort zu den verschiedenen Hotels. Weiterhin bestand die Möglichkeit, Hotels nach Kriterien wie Land, Sportmöglichkeiten, Strandnähe usw. zusammenzusuchen. Doch wirklich innovativ war der Modus „Traum-Bilder“ (vgl. Abb. 7). In mehreren Schritten wurden dem Kunden jeweils zwei bis drei Bilder typischer TUI-Urlaubsszenen mit passenden Geräuschen geboten und nach maximal sieben gewählten Motiven wurden die Hotels angezeigt, die dieser Auswahl am ehesten entsprachen. Die Reihenfolge „Blaues Wasser“, „Kleinstadt“, „Sandstrand“, „Kulturstätte“ und „Bananenstaude“ führte z.B. zu drei Hotels in Gran Canaria.
Abb.: TUI Abb. 6: über typische TUI-Fotos zum Traum-Hotel Abb.: TUI Abb. 7: Von der Karte im Startmenü können verschiedene Unterkarten angewählt werden.

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KAPITEL 3

3.2 Neue Möglichkeiten
Das Reiseprogramm von CHINA BY BIKE ließe sich auf eine wie oben beschriebene Art und Weise nur schwer kategorisieren. Die Gliederung nach „Berge“, „Wasser“, „Landschaft“, „Städte“, „Kultur“ und „Minderheiten“ gerät oft sehr schwammig und lässt manche Touren, die sich nicht in solche Kategorien pressen lassen, arg ins Hintertreffen geraten. Wieder spielt sich die Tatsache in den Vordergrund, dass eben nicht die markanten Anlaufpunkte, sondern die Strecke selbst und die vielen unterschiedlichen Menschen die eigentlichen „Sehenswürdigkeiten“ darstellen. Insbesondere für die Touren von CHINA BY BIKE, jedoch nicht ausschließlich, sind die heutigen Möglichkeiten geographischer Darstellungsformen äußerst interessant, wenn es darum geht den Markt für derartige WerbeCD-ROMs zu beleben. Fast von der ganzen Welt können Satellitenbilder und Höheninformationen in durchaus passabler Auflösung kostenlos über das Internet bezogen werden. Freie (auch kommerziell verwendbare) Software produziert daraus eindrucksvolle Bilder. Mittels GPS kann jeder seine eigenen Routen kartographieren. Software wie Macromedia Director, Macromedia Flash oder selbst Microsoft PowerPoint verbindet diese Elemente schließlich zu einer spielerisch-interaktiven Präsentation – von hohem Werbefaktor. Die Mittel, um selbst kleinen Unternehmen zu interessanten Darstellungen zu verhelfen, sind gegeben, es braucht nur den Willen, diese zu nutzen.

3.3 Schwerpunkte der CD-ROM gegenüber Katalog und Internet
Die Hauptinformationsträger von CHINA BY BIKE sind ganz klar der Katalog und die Homepage. Wer konkrete Vorstellungen hat, welche Orte er in seinem China-Urlaub besuchen möchte, hat es mit dem Katalog sicher leicht, die richtige Reise zu finden. Das Internet ist indes ein guter Informationsverteiler. Hier wird man schnell gefunden. Dabei stellt alles eine gewisse GradwandeDaher versucht die CD-ROM, einen anderen Zugang zu den Touren zu liefern. Nicht der Tagesplan steht hier im Vordergrund, sondern die Region, in die man reist, die Menschen, die man trifft und generell die Atmosphäre des China-Radelns. rung dar. Je mehr Eindrücke die CD-ROM wiedergibt, umso mehr läuft sie Gefahr, dem China-Reisenden in spe zu viel zu zeigen, so dass er sich eventuell fragt, warum er da überhaupt noch hinfahren soll. Bei der Auswahl der gezeigten Bilder musste also darauf geachtet werden, in erster Linie In Hinblick auf das zweite Kapitel sollte der typische CHINA BY BIKE-Kunde schließlich nicht einfach als „Pauschalreisender“ betrachtet werden, sondern als jemand, der gern selbst auf Erkundungstour geht. Insofern muss auch die CD-ROM es ermöglichen, die vorgestellten Touren zu einem gewissen Grad selbstständig zu erkunden.

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KAPITEL 3

Typisches zu zeigen, ohne jedoch sämtliche Hauptattraktionen abzubilden. Beispielsweise sind beim Himmelstempel in Beijing nicht der Tempel selbst, sondern die Menschen in der zum Tempel dazugehörenden Parkanlage zu sehen (vgl. Abb. 8). Das Bild dieser Menschen ist typisch, doch man wird bei einem eigenen Besuch anderen Personen begegnen und dann natürlich den Tempel besuchen. Dieses direkte Kennen- und Verstehenlernen einer Tour konnte bisher nur der Informationsabend liefern. Für Personen, die nicht extra nach Berlin kommen können, soll die CD-ROM eine mögliche Alternative darstellen.
Abb. 8: Der Informationskasten zum Himmelstempel zeigt nicht den Tempel selbst, sondern die Menschen in der Parkanlage.

3.4 Director vs. Flash
Director zu nutzen war eigentlich die naheliegendste Entscheidung, schließlich ist dies die Software die auch in der Vorlesung gelehrt wurde. Doch wie bereits in der Einführung erwähnt, sollte bei dieser Diplomarbeit auch auf den Geldbeutel geachtet werden – Director wiegt immerhin 1000 Euro mehr als der kleine Bruder aus demselben Hause. Zumindest die Möglichkeit, Flash zu nutzen musste daher untersucht werden. Nach einigen Gesprächen mit Personen, die sowohl Flash als auch Director kannten, wurde klar, dass Director die einzig wahre Alternative für eine solche Aufgabe ist. Macromedia selbst soll gesagt haben, dass Director für große CD-Produktionen gedacht ist und Flash eher für die kleinen, in erster Linie mit Vektor-Grafiken arbeitenden, Anwendungen, welche dann auch leicht im Internet verbreitet werden können.
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Timeline, Bibliothek und Bühne besitzen beide Produkte, doch alles funktioniert etwas anders. Flash ist beispielsweise wesentlich verschachtelter. Ein Film kann in einem anderen Film liegen und dieser wieder in einem anderem. Das ist im Grunde die größte Stärke von Flash, macht die Programmierung jedoch sehr kompliziert. Das größte Manko von Flash liegt jedoch in der Handhabung der Skripte. In Director wird ein Skript programmiert und wie ein Darsteller behandelt. Es liegt also als Objekt vor und kann x Mal angewendet werden. In Flash wird das Skript dagegen für jedes Objekt einzeln geschrieben, bzw. muss von einem anderen kopiert werden. Änderungen im Nachhinein können so bei sehr vielen gleichen Objekten (eben bei großen Projekten) in echte Arbeit ausarten.

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KAPITEL 4

4 AUFBAU DER ANWENDUNG
Einfach betrachtet setzt sich die Anwendung aus zwei Teilen zusammen. Der allgemeine Teil beinhaltet eine Übersicht über alle Touren, generelle Tipps zum Reisen in China, Literatur- und Internet-Hinweise, einen vertonten Reisebericht und Infos zu CHINA BY BIKE selbst. In dem anderen Teil werden die Touren ausführlich besprochen. Eine Übersicht über sämtliche Bildschirme findet sich im Anhang. Genau so sind auch die Director-Filme unterteilt (vgl. Abb. 9). Es ist anzunehmen, dass ein Nutzer, wenn er sich im ersten Film, dem allgemeinen Teil, aufhält, zunächst einige der dort verfügbaren Punkte hintereinander besuchen wird, was bei Für den Fall, dass doch größere Umstrukturierungen vorgenommen werden müssen, sind die Sprites, auf die sich bestimmte Skripte beziehen (welche dann anzupassen sind), im Drehbuch farbig markiert. Außerdem ist der allgemeine Teil ziemlich fest und wird in Zukunft kaum erweitert werden. Einzig weitere Reiseberichte könnten vertont werden, weswegen sich diese am Ende des Drehbuchs befinden. einer stärkeren Unterteilung der Filme zu unschönem Nachladen führen würde. Ebenso wird er sich eine Tour, wenn er in die ausführliche Präsentation gewechselt hat, in Ruhe anschauen, bevor er wieder zu den anderen Punkten springt.

Abb. 9: Das Flussdiagramm zeigt die (vereinfachte) Struktur der Anwendung und die Aufteilung der Filme.

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KAPITEL 4

4.1 Das Layout
Eine der ersten Design-Entscheidungen betraf das generelle Erscheinungsbild der CD-ROMAnwendung, welches sich eng an Katalog und Homepage orientieren sollte. Stichwort: „corporate identity“, also das Wiederfinden des Bildes einer Firma (Farben, Logo, Schriften) in jedem Produkt.

4.1.1

Bühnengröße und Farbtiefe
CD-ROM-Laufwerkes und der Prozessor-Leistung ab. Auch die Fotos hätten größer dargestellt werden müssen, um nicht so verloren auszusehen. Beides zusammen genommen hätte die Größe des Films, also der Datei, um einiges erhöht. Momentan ist das Projekt so angelegt, dass sämtliche Touren auf eine 700MB-CD-ROM passen würden. Dabei ist davon auszugehen, dass beispielsweise die beiden Trekkingtouren und die Allround-Tour „Chinesische Landpartie“ weit weniger Platz einnehmen

Die Entscheidung über Bühnengröße und Farbtiefe ist als Erstes einmal die Frage nach der Hardware des Nutzers. Es ist zwar davon auszugehen, dass inzwischen die meisten Personen Rechner zu Hause haben die eine Auflösung von mehr als 800x600 Pixel unterstützen, dennoch lässt sich keine Verbindung von der Zielgruppe von CHINA BY BIKE zu ihrer Hardwareausstattung ziehen. Insofern könnte bei dem einen oder anderen auch noch ein PC mit 15’’-Monitor zu Hause stehen. Die eigentlichen Gründe für die Wahl dieser Auflösung finden sich jedoch in dem benötigten Platz auf der Bühne, der Schnelligkeit der Anwendung und der Größe auf der CD-ROM. Für eine höhere Auflösung bestand einfach kein Bedarf. Das Kartenbild der einzelnen Touren größer zu machen war nicht notwendig, die Tourpunkte sind auch so gut zu erkennen und alles um die Karte herum (Index, Menüs) ist ebenfalls gut lesbar. Weiterhin hätte eine Vergrößerung des Kartenbildes (und damit jedes einzelnen Bildes der Animation) zu einem Anwachsen der Hardware-Mindestvoraussetzungen geführt, da jedes Bild, wie in einem Film, schnell genug auf das andere folgen muss, ohne dass zu lange Pausen entstehen. Die hängt in erster Linie von der Lese-Geschwindigkeit des

werden als beispielsweise die Tour „Südlich der Wolken“ (etwa 40 MB). Alle drei weisen nicht dermaßen viel tatsächliche Rad- bzw. Wanderstrecken auf und benötigen damit relativ wenig 3D-Animation. Für die Farbtiefe gibt es ähnliche Argumente. Ein konsequentes Nutzen von nur 256 Farben (8 Bit) hätte sicher ein Maximum an Geschwindigkeit gebracht. Die Bildqualität würde jedoch sehr darunter leiden, weshalb gerade bei Fotos meist etwa 65000 Farben (16 Bit), in wenigen Ausnahmen (sehr feine Farbverläufe) sogar 16,7 Millionen Farben (24 Bit) verwendet wurden. Einfache Grafiken und viele der Thumbnails (kleine Fotos) liegen indes in 256 Farben vor. Es wurde also von Fall zu Fall entschieden, um eine gute Balance zwischen Qualität und Geschwindigkeit/Größe zu erhalten.

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KAPITEL 4

4.1.2

Allgemeine Bildaufteilung

Das Bild der Anwendung teilt sich konsequent in drei Teile auf (vgl. Abb. 10). Der obere Teil beherbergt rechts das Menü zur Navigation durch die Hauptpunkte der CD-ROM und links den Titel des momentan aktiven Bildschirms. In der Tourvorstellung befindet sich darunter der Untertitel der Tour. Der untere Teil ist zweigeteilt: links befinden sich meist Untermenüs bzw. die Steuerung zum aktuellen Bildschirm oder weitere Informationen. In der Tourenübersicht stehen hier die Texte zu den Touren. Im rechten Teil wird der eigentliche Inhalt gezeigt. Hier werden die Touren in der Übersicht dargestellt, das Reise-A-Z, das Team, die eigentliche Tour mit Karte und so weiter.
Abb. 10: Der Bildschirm ist aufgeteilt in die Bereiche Menü (oben), Kontrollleiste (links) und eigentlicher Inhalt (rechts).

4.1.3

Farbwahl
wurde, welche nur 256 Farben, und zwar ganz bestimmte, verwendet. Am nächsten kommt den Farben des Heftes noch die Mac-Palette, welche daher für den kompletten Film (außer natürlich bei Bildern mit 16 bzw. 24 Bit) die Grundlage liefert. Der blasseste Gelbton der Windows-Palette wirkt wesentlich greller und auf Dauer unansehnlicher als der der Mac-Palette. Der dunkle Rotton, der blasse Gelbton, das Orange der Leiste sowie Schwarz und Weiß finden in leichten Variationen (je nach Hintergrund oder Schriftart) überall Anwendung in Text, Buttons, Hintergründen und so weiter. Für den Bühnenhintergrund, also im Voll-

Wie bereits erläutert, soll sich das Layout der Anwendung möglichst an dem des Katalogs und der Homepage orientieren. Das betrifft in erster Linie die Wahl der Farben und die der Schriftarten. Wie im Katalog der Balken am oberen Ende einer jeden Seite, ist auch das Menü in einem dunklen Rot gehalten. Der Untergrund des Bildschirms hat einen ähnlichen Gelbton wie im Heft und der Balken links kommt in seiner Funktion dem Balken rechts im Heft am nächsten, enthält dieser doch die wichtigsten Punkte in kurzer Form. Dieser Diplomarbeit ist der Katalog über das Tourenprogramm 2005 beigelegt. Die Farben stimmen dabei nicht exakt mit denen des Heftes überein, da für den Hintergrund, das Menü und viele andere Grafiken die Standard-Palette des Films verwendet

bildmodus der Raum zwischen Bühnenrand und Monitorrand, wurde Schwarz gewählt, was neutral ist und einen guten Kontrast zur eher hellen Anwendung darstellt.

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KAPITEL 4

4.1.4

Schriftarten
Die im Katalog verwendete Standard-Schrift eignet sich nicht so gut, da die Serifen bei kleiner Schriftgröße das Textbild verwaschener und somit schwerer lesbar erscheinen lassen. Einzig der Bildschirm-Titel (links oben) verwendet eine dritte Schriftart: Century Gothic. Um den Titel hervorzuheben, sollte dieser kursiv geschrieben werden. Leider wirkt die kursive Version von Lucida Sans etwas dünn und die fett-kursive wiederum etwas fett. Daher wurde hier eine Ausnahme gemacht und eine ähnliche Schriftart verwendet.

Genau wie die Farbpalette orientieren sich auch die Schriftarten am Katalog. Die im Logo und in der Kopfzeile des Katalogs für den Schriftzug CHINA BY BIKE verwendete Schriftart Informal BT findet sich sowohl im Menü wieder als auch bei vielen anderen größer geschriebenen Schriften. Lange Texte lassen sich nicht besonders gut mit dieser Schriftart lesen, einzelne Wörter indes schon. Ansonsten wurde Lucida Sans genutzt, was auch bei kleiner Schriftgröße leicht zu lesen, jedoch nicht so blockhaft ist wie Arial.

4.2 Intro und Willkommensseite
Das Intro beginnt mit einer Ansicht von China. Ein Radfahrer fährt über das Land und einige Fotos von typischen Szenen, wie sie bei CHINA BY BIKE-Touren vorkommen, erscheinen (vgl. Abb. 11). Die Musik wurde danach ausgewählt möglichst „typisch chinesisch“ zu klingen. Des Weiteren spielte natürlich eine Rolle, dass durch die Nutzung keine CopyrightVerletzungen entstehen sollten. An einem bestimmten Punkt der Musik erscheint das CHINA BY BIKE-Logo – jedoch ohne Radfahrer. Der kommt daraufhin angeradelt und hält an seiner vorgesehenen Position im Logo. Da die Musik recht kurz und mit 32000Hz, 16Bit und Mono die Datei auch nicht besonders groß ist, konnte der Soundfile als interner Darsteller eingebunden werden. Durch die Verwendung von TransparenzEffekten läuft die Animation auf sehr schwachen Rechnern etwas langsam. Die ganze Zeit über ist es dem Nutzer möglich, durch einen Klick das Intro zu beenden. Ist die gesamte Animation abgespielt erscheint ein entsprechender Hinweis. und hat der Nutzer immer noch nicht geklickt,
Abb. 11: zwei Ansichten aus dem Intro

Daher wurde bei Frame 35 ein Bildskript eingefügt, welches abfragt, wie weit der SoundFile bereits abgespielt ist. Wenn die Animation zu langsam läuft, wird die Musik schon wesentlich weiter abgespielt sein als vorgesehen. Dann wird der Wert step auf 4 gesetzt (statt 1). Jedes Bild danach besitzt ein Bildskript, welches die Bild-Schrittweite nach exitframe kontrolliert und diese auf den Wert step setzt.

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KAPITEL 4

Nach dem Intro wird der eigentliche Film mit einem Startbildschirm aufgerufen. Dieser Bildschirm ist bewusst simpel gehalten, heißt den Nutzer lediglich Willkommen und erklärt ihm kurz, welches Menü wo hinführt (vgl. Abb. 12). Auf die Teilung Links/Rechts wurde verzichtet, um den Bildschirm als etwas Eigenes darzustellen, das eher zum Intro gehört und nicht zum Rest der Anwendung, obwohl der Nutzer über das CHINA BY BIKE-Menü durchaus hierher zurückfinden kann (im Gegensatz zum Intro).
Abb. 12: Die Willkommensseite erklärt kurz die Inhalte der CD-ROM und die Menüstruktur.

4.3 Menüführung
Die Menüführung gestaltet sich ganz simpel über drei Pulldown-Menüs im rechten Teil der Kopfzeile (vgl. Abb. 13). Weiß und der blasse Gelbton sind die einzigen Farben, die genügenden Kontrast zum verwendeten Rotton bilden. Durch die Nutzung des Gelbtons der Bühne bei den Menüpunkten, die dem aktuell aktiven Bildschirm entsprechen, entsteht der Eindruck, der Bühnenhintergrund würde durch das Menü durchscheinen, was eine Verbindung schafft. Außerdem ist der Bildschirm-Titel ebenfalls in dieser Farbe gehalten, was eine weitere Verbindung darstellt. So ist immer klar, wo man sich in der Anwendung befindet. Links neben jedem der drei Menüpunkte findet sich ein kleines passendes Icon. Ein Fahrrad für die Touren, ein Stern für die Extras Beim Öffnen eines Menüpunktes durch Überfahren mit der Maus, können Unterpunkte ausgewählt werden, welche im Orangeton der linken Spalte aufleuchten, da diese Spalte teilweise ebenfalls die Funktion eines Untermenüs hat. Einzig nicht anzuklicken sind der Menüpunkt zum aktiven Bildschirm und die Punkte zu den noch nicht umgesetzten Touren. Hier hätte ein Klick auch zur Tourenübersicht führen können, mit aktiviertem Text der jeweiligen Tour. Doch das würde nur Verwirrung schaffen: Warum öffnet sich bei einigen Touren die Tourenübersicht und bei der anderen die ausführliche Tourenpräsentation? und das CHINA BY BIKE-Logo für den entsprechenden Punkt. Dieses Logo befindet sich ebenfalls neben dem Bildschirm-Titel – erneut um eine Verbindung zu schaffen und die Übersichtlichkeit zu erhöhen.

Abb. 13: Gelb steht für aktuelle, Weiß für wählbare Punkte und der unterlegte Punkt ist gerade selektiert.

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KAPITEL 4

4.3.1

Skripten mit Director: ein freier gestaltbares Pulldown-Menü
Ein Skript ist den drei Menüköpfen zugeordnet und steuert die Sichtbarkeit der dazugehörigen Menüzeilen (vgl. Abb. 14). Bei Kontakt werden die entsprechenden Sprites aktiviert. Ein zweites Skript ist jeder Menüzeile zugewiesen (vgl. Abb. 15). Wenn der Mauszeiger eine Zeile berührt, ändern sich ihre Hintergrund- und Schriftfarbe. Beim Verlassen der Zeile werden zuerst die Farben wieder hergestellt. Danach wird der Name des Darstellers des fraglichen Sprites in Erfahrung gebracht. Der Name enthält die Nummer des Menüs. Ob das Menü nun ausgeschaltet werden soll, hängt davon ab, ob beim Verlassen der Zeile auch wirklich das Menü verlassen wird. Eine Bewegung zur Seite oder über die letzte Zeile hinaus stellt ein Verlassen des Menüs dar, ansonsten wird nur die Zeile gewechselt.

Die übliche Herangehensweise an ein Pulldown-Menü führt in Director über ein Textfeld mit mehreren Zeilen. Der Befehl the mouseline fragt die aktuell überfahrene Zeile ab, welche dann durch hilite member(„menüzeile“).line[Nummer] aufleuchtet. Das Problem ist, dass der Befehl hilite nicht ermöglicht, die Farbe festzulegen, in der die Hervorhebung geschieht (zumindest in der Windows-Version). Das automatische Ereignis sieht leider unmöglich aus. Daher wurde für diese CD-ROM ein anderer Weg eingeschlagen, der zwar mehr Sprites und Darsteller produziert, dafür aber freiere Gestaltung zulässt. Jede Zeile der Menüs liegt als eigener Darsteller vor, da die Hintergrundfarbe eines Textobjektes werden kann. nicht zeilenweise, sondern immer nur für das ganze Objekt bestimmt

Abb. 14: Dieses Skript wurde den drei Menütiteln zugewiesen und sorgt dafür, dass sich je nach Menünummer die richtigen Menüzeilen öffnen.

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KAPITEL 4

Je nachdem um welches der drei Menüs es sich handelt, werden andere Ausmaße für das aktive Menü angenommen. Diese stehen fest im Skript und werden mit der Mauspo-

sition verglichen. Nur wenn bei mouseLeave auch wirklich eine dieser Grenzen überschritten wird, werden die Menüzeilen deaktiviert.

Abb. 15: Dieses Skript (Ausschnitt) wurde jeder Menüzeile zugeordnet. Es steuert die Farben und deaktiviert alle Menüzeilen, wenn mit dem Mauszeiger eine der dazugehörigen Grenzen überschritten wird.

4.4 Touren/Tourenübersicht
Über den Menüpunkt Touren sind die detaillierten Tourbeschreibungen zu erreichen (momentan nur „Südlich der Wolken“, siehe dazu Kapitel Fünf) und die Tourenübersicht. Die Auswahl einer Tour geschieht entweder In der Tourenübersicht sind links sämtliche Touren aufgelistet. Rechts zeigt eine Karte Chinas den Verlauf sämtlicher Touren bzw. der Touren, die über einen Streckenverlauf verfügen, der in dem Maßstab darstellbar ist. Die beiden Trekkingtouren und die an sehr vielen Orten stattfinüber einen Klick auf den Namen oder auf die Tourroute. Beispielsweise führt sowohl das Überfahren des Namens „Heimat der Pandas“ als auch der lilafarbenen Linie in der Karte dazu, dass diese sowie die dazugehörigen Städtenamen „Chengdu“, „Wolong“, „Leshan“ und „Beijing“ aufleuchten (vgl. Abb. 16). dende BestOf-Tour „Chinesische Landpartie“ sind daher nur links gelistet, nicht aber abgebildet.

Abb. 16: Der Ausschnitt aus der Tourenübersicht zeigt, das bei Selektion der Tour Heimat der Pandas die Strecke, die dazugehören Orte und der Titel der Tour aufleuchten.

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KAPITEL 4

Bei Klick werden der zur Tour dazugehörende Text und ein Bild angezeigt. Beides lässt sich über einen rückwärts gerichteten Pfeil in der Ecke oben rechts wieder ausblenden. Das Überfahren der Städtenamen führt dazu, dass die Linien und Namen der Touren aufleuchten, bei denen die entsprechende Stadt besucht wird. Einigen Städten, wie beispielsweise Beijing oder Lijiang, wird bei mehreren Touren ein Besuch abgestattet, so dass nach dem Überfahren mit der Maus alle dazugehörenden Touren aufleuchten (vgl. Abb. 17). Ein Klick bringt dann nur etwas, wenn links gerade ein Tour-Text aktiviert ist, welcher dann ausgeblendet wird, um die verschiedenen leuchtenden Tour-Namen zu zeigen. Zu einer bestimmten Tour kann so nicht gesprungen werden, da teilweise mehrere zur Auswahl stehen. Nur zu einer Tour zu spring-

en, wenn eine eindeutige Zuordnung gemacht werden kann (beispielsweise taucht „Chengdu“ nur bei „Heimat der Pandas“ auf), stellte sich als verwirrend heraus. Manche Städtenamen würden zu Touren führen, andere wieder nicht.

Abb. 17: Wenn in der Tourenübersicht eine Stadt selektiert wird (hier: Beijing), leuchten die Linien und Namen der dazugehörigen Touren auf.

4.4.1

Erstellung mit AutoRoute und Freehand
Die Städte wurden qualitativ in Klassen eingeteilt: Rotes Rechteck mit schwarzem Punkt und großer Großbuchstabenschrift für Hauptstädte, rote Rechtecke ohne Punkt und kleine Großbuchstabenschrift für Provinz-Hauptstädte und normale Schrift mit schwarzen Rechtecken für gewöhnliche Ortschaften.

Als Grundlage für die China-Karte wurde Microsoft AutoRoute verwendet. Der Vorteil bei AutoRoute liegt darin, dass sich hier sehr viele der im Touren-Programm erwähnten Orte finden und markieren lassen. Beim Herauszoomen, so dass ganz China sichtbar ist, bleiben diese Markierungen erhalten (vgl. Abb. 18). Ein Screenshot davon konnte so leicht als Digitalisierungsgrundlage verwendet werden. Über die Markierungen wurden die kleinen, im Katalog verwendeten Karten eingepasst und in vereinfachter Form genutzt. Für „Tal des Roten Flusses“ und „Entlang der Burmastraße“ existierten noch keine Karten, diese konnten ebenfalls anhand der Markierungen aller in AutoRoute verzeichneten Ortschaften erstellt werden.

Abb. 18: die AutoRoute-Karte Chinas (grün) mit den Markierungen (gelb) der einzelnen Tourpunkte T ECHNISCHE F ACHHOCHSCHULE B ERLIN – S TUDIENGANG K ARTOGRAPHIE – D IPLOMARBEIT VON M ARTIN V IGERSKE

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KAPITEL 4

Sämtliche Ortsnamen wurden in der Schreibweise geschrieben wie sie CHINA BY BIKE nutzt. Beispielsweise bei „Beijing“ wurde (wie teilweise im Katalog) die besser bekannte Umschrift „Peking“ in Klammern darunter geschrieben. Neben den Touren sind noch die angrenzenden Länder eingezeichnet und benannt, da hier teilweise Touren hinführen. Provinzgrenzen, –namen und Meere stehen im Hintergrund, da sie nicht wirklich wesentlich sind. Sie sollen nur den Menschen eine Orientierungshilfe sein, die sich etwas besser mit der Geographie Chinas auskennen.

Ein graphischer Maßstab zur Einschätzung der Größe des Landes, ein China-Index zur Orientierung und eine Legende vervollständigen das Kartenbild (vgl. Abb. 19).

Abb. 19: Legende und Maßstab in Tourenübersicht

4.4.2

Praxis-Tipp: Flash, die einzige vernünftige Vektor-Alternative

Komplexere Vektor-Grafiken, die sich in das restliche Bild einpassen lassen, in Director zu erstellen ist kaum möglich. Mit dem internen Vektor-Zeichentool (vgl. Abb. 20) lassen sich zwar brauchbare Formen erzeugen, jedoch muss immer „blind“ gezeichnet werden. Es ist nicht möglich, direkt auf der Bühne zu zeichnen. Um die Tour-Linien, die bei Kontakt aufleuchten, nachzeichnen zu können, musste also ein externes Zeichentool bemüht werden – Freehand. Unverständlicherweise unterstützt Director
Abb. 20: Das Vektor-Werkzeug versteht sich nur auf einfachste Aufgaben, wie das Zeichnen von Linien, Flächen und Farbverläufen.

nur ein Vektor-Format: Flash. Und auch dabei geschieht kein wirklicher Import, denn das Flash-Objekt wird nicht etwa in einen bearbeitbaren Vektor-Darsteller umgewandelt sondern bleibt ein Flash-Objekt. Das Flash lässt sich transparent stellen und ist dann auch wirklich nur da empfindlich, wo die gezeichnete Linie liegt, und nicht etwa über das ganze es umgebende Rechteck, wie es bei einem transparent gestellten Bitmap der Fall wäre. Einen Nachteil hat Flash aber, doch dazu mehr im Kapitel 5.4.2.

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KAPITEL 4

4.5 Extras
Unter Extras verbergen sich die Punkte, die dem Nutzer weitere Informationen bringen, jedoch nicht direkt mit bestimmten Touren in Zusammenhang stehen.

4.5.1

Reiseberichte

Volker Häring, einer der beiden Gründer von CHINA BY BIKE, ist ein fleißiger Schreiber von Reiseberichten und generellen Texten zum Thema Radfahren in Asien. Diese Texte sind zwar auch auf der Homepage verfügbar, sollten jedoch auch dem CDROM-Publikum zugängig sein, zumal sie hier in einer druckerfreundlicheren Form angeboten werden können. Als PDF liegen sämtliche Texte in einem Ordner auf der CD-ROM bereit, dazu PC- und Mac-Version des Adobe Acrobat-Readers. Im Reiseberichte-Bildschirm wird darauf hingewiesen. Nicht nur, um die Aufnahme der Berichte in die Anwendung zu rechtfertigen, sondern weil es einen wirklichen Gewinn an Atmosphäre darstellt, wurde bereits einer der Texte vertont und mit Bildern hinterlegt. Der Text zur Tour „Südlich der Wolken“ hätte zwar auch gut in die entsprechende Tourvorstellung gepasst, doch da alle anderen Texte nicht direkt bestimmten Touren zuzuordnen sind, wurde davon abgesehen. Lediglich ein Hinweis in der Tourenübersicht weist auf diesen Reisebericht hin. Nach Klick auf „Südlich der Wolken“ wechselt die Ansicht erstmals radikal in eine Art Vollbild-Modus. Die Menüs sind deaktiviert und nur ein Foto ist zu sehen, welches langsam über den Bildschirm wandert (vgl. Abb. 21). In der momentanen Version wurde der Text vom Autor der Diplomarbeit gesprochen, da für eine professionellere Aufnahme mit Volker Häring keine Zeit mehr blieb. Bei solch langen Sound-Dateien muss man sich auch mit der Frage beschäftigen, ob der Sound intern oder extern abgelegt werden soll und welches Dateiformat, im Falle von extern, zu verwenden ist. Ein Sprecher spricht den Text, das Foto wechselt in größeren Abständen, nicht zu früh, um den Nutzer nicht zu überfordern, aber auch nicht zu spät, um ihn nicht zu langweilen. Der Text ist in diesem Beispiel in vier Teile aufgeteilt. So ist es möglich, den Bericht zu unterbrechen (über den entsprechenden Button rechts unten) und später zu Ende zu hören. Ein Klick auf eine der vier roten Tasten unten führt zu einem der vier Abschnitte.
Abb. 21: Bildschirm aus dem letzten Abschnitt des vertonten Reiseberichts

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KAPITEL 4

Allgemein wird empfohlen, längere SoundDateien als externe Dateien einzubinden, da so eine längere Ladezeit beim Starten des Sounds vermieden wird. Außerdem wächst die Größe der Filmdatei durch eine längere Sound-Datei stark an, was das Laden des Films verzögert. Nachteil kann eine externe Datei unter Umständen dann bringen, wenn gleichzeitig noch andere Daten schnell geladen werden müssen, so dass der Lesekopf des Laufwerkes gezwungen ist, ständig zwischen der zu streamenden (in kleinen Päckchen zu liefernden) Sound-Datei und den anderen Daten hin- und herzuwechseln. Da dies bei den Reiseberichten aber nicht der Fall war, wurde der Sound aus externer Quelle eingebunden. Die Frage nach dem Dateiformat klärte sich nach einem einfachen Test mit den Formaten WAV und MP3 auf einem 400Mhz-PC.

WAV ist leicht zu lesen, dafür aber auch äußerst groß. MP3 indes ist schlank, aber auch schwer zu decodieren, beansprucht also mehr Rechenleistung. Schnell zeigte sich, dass der Unterschied kaum von Bedeutung ist. Daher konnte problemlos das MP3-Format genutzt werden. Da in dieser Szene die Grafik wenig Anspruch an die Rechenleistung des Rechners stellte, konnte die Soundqualität entsprechend hoch gestellt werden. 44100Hz, Mono und 80kBit/sec sorgen dafür, dass der Ton nicht zu blechern klingt und den Nutzer nach einer Weile anfängt zu nerven. Am äußersten Bühnenrand wurde ein Pixelbreiter Rahmen angelegt, da sonst das Schwarz der Bühne in das Schwarz des Hintergrunds übergegangen wäre und das Foto sich damit von einem nicht sichtbaren Bühnenrand abstoßen und die Menüleiste unten ohne Verbindung „schweben“ würde.

4.5.2

Skripten mit Director: Slideshow, mit Sound synchronisiert
Die Bewegung für das Foto ist einem Beispiel aus dem Buch „Director MX und Lingo“ entlehnt (EBERL & JACOBSEN, 2003: S. 117). Hierbei wird ein transparentes Rechteck als „Spielfläche“ des zu bewegenden Sprites aufgezogen. Bei einem Ereignis wie exitframe wird die Position des Sprites um einen fixen Wert verändert, so dass eine geradlinige Bewegung entsteht. Deckt sich die Position des rechten Randes des Sprites mit der des rechten Randes des Rahmens oder übersteigt diese sogar, wird der fixe Wert für die horizontale Bewegung auf negativ gestellt. Das Sprite bewegt sich in die entgegengesetzte Richtung, bis es zum Beispiel mit dem Boden des Rahmens kollidiert, was die vertikale Bewegung umkehrt, bis irgendwann die linke Seite getroffen wird.

Eine mit Sound synchronisierte Slideshow ist leicht erstellt. Als erstes wird der Sound gestartet. sound(1).currenttime fragt die aktuelle Position der ersten Soundspur ab. Bei gewünschter Zeit (standardmäßig in Millisekunden angegeben) wird der Darsteller des Sprites, welches die Slideshow zeigt, ausgewechselt. Dabei muss darauf geachtet werden, nicht einfach einen exakten Zeitpunkt anzugeben, sondern einen Zeitraum von beispielsweise einer halben Sekunde. Das hängt mit dem Handler zusammen, über den diese Abfrage gestartet wird. Beispielsweise findet exitframe nur alle 60 Millisekunden statt, bei langsameren Rechnern sogar noch seltener.

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KAPITEL 4

4.5.3

China-Reisen A-Z

Katalog und Homepage enthalten bereits Texte zu typischen Fragen eines China(-Rad)Reisenden. Auch die CD-ROM sollte eine solche Kategorie enthalten, welche wohl die textlastigste Rubrik der Anwendung darstellt. Um dies zu entschärfen, wurden die Texte möglichst kurz gehalten, alphabetisch sortierte Stichworte in der linken Spalte führen sofort zum Punkt des größten Interesses. Die meisten Texte wurden von Volker Häring verfasst und sind auch im „China-Handbuch“ (HAUSER & HÄRING, 2005) abgedruckt. Einige Texte schrieb der Autor der vorliegenden Arbeit selbst, nach Gesprächen mit Interessierten an einem Informationsabend. Die Fotos dienen in erster Linie der Auflockerung. Der hyperrealistische Look (sehr kontrastreich und scharf, übersteigert real) einiger Bilder fördert den Gesamtbildwert und hat eine Blickfangfunktion (vgl. Abb. 22).
Abb. 22: Kurze, prägnante Texte und betont realistische Bilder lockern den Abschnitt A-Z auf.

4.5.4

Literatur und Links

Gleiches Verfahren wie bei den Reise-Tipps: Links die einzelnen Titel, rechts ein kurzer knapper Text und, so vorhanden, ein Bild des Covers (vgl. Abb. 23). Sämtliche Texte stammen auch hier wieder aus dem „China-Handbuch“ (HAUSER & HÄRING, 2005), außer dem zu eben diesem. Von einem Amazon-Link wurde abgesehen, um die ganze Sache nicht zu sehr zu kommerzialisieren.
Abb. 23: ein Bildschirm der Literatur-Tipps

Einige Links ins Internet wurden ebenfalls mit aufgenommen. Gerade was aktuelle Neuigkeiten angeht oder einfach die Wetterlage, ist das Internet doch immer noch die sinnvollste Lösung. Hier wurden Seiten ausgesucht, von denen man annehmen kann, dass sie auch in ein paar Jahren noch online sein werden, obwohl sich das natürlich nur sehr schwer sagen lässt.

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KAPITEL 4

4.6 CHINA BY BIKE
Im CHINA BY BIKE-Menü finden sich die ganzen formellen Punkte, die weniger stark mit den Reisen in Verbindung stehen. Auch das Impressum der Anwendung wurde hier untergebracht.

4.6.1

Team

Wer seinen potentiellen Reiseleiter kennen lernen möchte, kommt hier in den Genuss einer Galerie (vgl. Abb. 24). Ein kleiner Lebenslauf stellt die Menschen hinter CHINA BY BIKE vor. Wichtig auch für diejenigen, die sich bereits eine Tour ausgesucht haben und schon wissen, wer ihr Reiseleiter sein wird.
Abb. 24: Die Teamseite stellt die Reiseleiter vor.

4.6.2

Kontakt und Impressum

Das beste Mittel, um an verlässliche Informationen zu kommen, ist immer noch ein persönliches Gespräch. Der Kontakt-Bildschirm (vgl. Abb. 25) verrät Adresse und Telefonnummer von CHINA BY BIKE und lässt natürlich auch nicht unter den Tisch fallen, wie man sich denn nun eigentlich für eine Tour anmeldet. Eine kleine Karte zeigt die Lage des Büros in Berlin und gibt Auskunft über die Anbindung an das U-Bahn-Netz. Um auch Menschen ohne Internetanschluss zu unterstützen, liegt der aktuelle Katalog mit Anmeldeformular als PDF bei. Allen anderen reicht ein Klick auf den Link, um das Formular im Internet zu erreichen.
Abb. 25: die Kontakt-Seite mit Adresse, Karte und Link zur Homepage

Das Impressum bezieht sich nicht nur auf CHINA BY BIKE, sondern natürlich auch auf die CD-ROM und den Autor. Im Design (linker Balken) ist es besonders eng mit der Kontakt-Seite verbunden.

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KAPITEL 4

4.7 Ende
Ganz wichtig: der Ende-Bildschirm – möglichst von überall zu erreichen. Eine Anwendung mit Alt+F4 bzw. Apfel+Q beenden zu müssen, zeugt von schlecht durchdachtem Design. Hier ist das gar nicht möglich, das Programm lässt sich nur noch über den Ende-Button (oben rechts in der Menüleiste) beenden. Das war nötig, um zu verhindern, dass sich die ganze Anwendung beendet, bloß weil jemand entnervt Escape drückt, obwohl er eigentlich nur das aktuelle Menü schließen will oder ähnliches. Nach Bestätigung des Wunsches die AnwenNeben der Abfrage, ob denn wirklich beendet werden will, findet sich auf dem Bildschirm noch eine Kurzform des Impressums (vgl. Abb. 26). dung zu beenden wird (wie vorgeschrieben) vier Sekunden lang das Macromedia-Logo eingeblendet.
Abb. 26: Der Ende-Bildschirm wird immer über dem gerade aktiven Bildschirm eingeblendet.

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KAPITEL 5

5 T O U R V O R S T E L L U N G „S Ü D L I C H D E R W O L K E N “
Das Hauptaugenmerk der CD-ROM liegt natürlich auf der Beschreibung der Touren. Der Nutzer wird zu einer Entdeckungsreise eingeladen, auf der er entweder selbständig jeden Kilometer der Tour betrachten und sich über Menschen und Orte informieren kann, oder er lässt einfach einen Abriss der Tour automatisch durchspielen, um einen ersten Eindruck zu bekommen. Wie beim Rest der Anwendung ist auch hier der Bildschirm zweigeteilt. Links die Navigation und Übersicht, rechts der eigentliche Inhalt (vgl. Abb. 27). Um den Nutzer nicht zu überfordern, begrüßt ihn als Erstes ein Startbildschirm mit nicht zu vielen Informationen. Auf Wunsch kann er sich noch mal die Tourbeschreibung, etwas zum Klima in der Region und den Anspruch der Tour mit Höhendiagramm (siehe Kapitel 5.4) anzeigen lassen.
Abb. 27: Bildaufteilung der Tourvorstellung

In der Touransicht wird jeder Punkt der Tour gezeigt. In den großen Städten, wie auf der eigentlichen Strecke. Dazwischen zeigt eine mit Freehand erstellte und über Flash in Director importierte Karte Chinas, wie man sich zwischen den Abschnitten bewegt.

5.1 Suche nach der passenden kartographischen Darstellung
Die Darstellung des Tourverlaufs gehört sicher zu den Punkten, die bei der Entwicklung dieser CD-ROM besonders viele Stadien durchlief, schließlich hängt von ihr maßgeblich das Erscheinungsbild der ganzen Anwendung ab. Über die technische Erschaffung des Kartenbildes klärt das sechste Kapitel auf. Im Folgenden nur einige Punkte zum theoretischen Vorlauf und worauf es bei einer Karte mit dem Zwecke der Präsentation von Radtouren ankommt: Höheninformationen: Der Nutzer möchte wissen, ob er sich die einzelnen Strecken zutrauen kann oder nicht. Übersichtlichkeit: Der aktuelle Standort der Ansicht im Bezug zum Tourverlauf muss leicht nachvollziehbar sein, ebenso die Richtung der Tour. Präsentierbarkeit: Die Karte dient nicht der Orientierung vor Ort, sondern der Präsentation. Die Optik ist also von spezieller Bedeutung. Einfachheit: Eine Werbe-CD-ROM darf dem Nutzer nicht zu viel Einarbeitungszeit abverlangen. Die Symbolik muss zugleich simpel sein, aber auch nicht zu banal, um der Karte nicht den gewissen Reiz zu nehmen.

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KAPITEL 5

Die einfachste Form wäre eine gewöhnliche Karte, die das Gelände von oben zeigt. Optisch wahrscheinlich die am wenigsten beeindruckende Variante. Ein Relief im Hintergrund hätte das Bild aber sicher noch etwas aufwerten können.

Doch an Höhenlinien hätte kein Weg vorbeigeführt. Leider versteht längst nicht jeder diese Art der Höhendarstellung, zumindest nicht auf den ersten Blick.

5.1.1

Variante: Isometrische Perspektive

Der Schritt in die dritte Dimension lag nahe. Nicht nur sehr werbewirksam, wenn auf der Packung „3D“ steht, ist die dreidimensionale Darstellung auch äußerst anschaulich und benutzerfreundlich, kann hier doch gänzlich auf Höhenlinien verzichtet werden. Vom kartographischen Standpunkt aus wird diese Art der Darstellung meist eher stiefmütterlich behandelt, da die Akkuratesse, vor allem beim genauen Ablesen, durch die perspektivische Verzerrung äußerst leiden muss. Doch wie bereits erläutert, geht es nicht um eine Karte zur Nutzung im Gelände, sondern um die möglichst eingängige Darstellung räumlicher Informationen. Bevor jedoch die letztendliche Darstellungsform gefunden war, wurde noch eine Zwischenform in Betracht gezogen: die isometrische Perspektive - im Prinzip wie eine dreidimensionale Darstellung, nur ohne Verzerrung in der Tiefe (vgl. Abb. 28). Dadurch ergeben sich erhebliche Vorteile: die Größe des Geländes und einzelner Abschnitte, sowie die Höhe, lassen sich gut einschätzen, ein graphischer Maßstab reicht für die ganze Szene. Die Navigation wäre äußerst simpel und die Übersicht unbedingt gegeben. Der Nutzer könnte die Karte nach Belieben in jede Himmelsrichtung verschieben, oder sie verschiebt sich auf Klick selbst zum nächsten TourPunkt. Kein Schnitt, kein Ansichtswechsel, Doch dem stehen erhebliche Nachteile gegenüber: Zumindest, wenn sich die Perspektive nicht drehen lässt (was die Datenmenge unermesslich erhöht und dem Nutzer ständige Neu-Orientierung abverlangt), setzt man nichts, was den Nutzer zwingt, sich neu zu orientieren.
Abb. 28: Die zwei fast isometrischen Ansichten zeigen den Erhai (oben) und die Tigersprungschlucht aus etwa demselben Winkel (hier noch mit Topomap-Textur), wodurch die Schlucht parallel zum Betrachter liegt und nicht einzusehen ist.

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KAPITEL 5

voraus, dass sich immer die gesamte Tour aus einem einzigen Blickwinkel von ihrer schönsten Seite zeigt. Das ist jedoch sehr unwahrscheinlich (vgl. Abb. 28). Weiterhin lässt sich eine solche Perspektive technisch nicht so ohne Weiteres umsetzen. Weder ArcScene von Esri noch das im nächsten Kapitel vorgestellte GRASS-GIS kennen die isometrische Perspektive. Bei beiden Programmen lässt sich der Wert für die Perspektive sehr weit runter regeln, jedoch nicht bis Null. Das hätte zur Folge, dass jedes Bild noch eine gewisse Verzerrung aufweisen würde und beispielsweise die Maßstabsangabe nicht mehr akkurat wäre.

Damit geriete auch die technische Herstellung der Grafik problematischer. Für eine so hohe grafische Auflösung der Karte, wie sie hier nötig ist, müsste die Karte eigentlich in mehreren Abschnitten gerendert (berechnet) und dann zusammen geschnitten werden. Die perspektivische Verzerrung würde jedoch zu einem kleinen Versatz an den Rändern führen, der obere Rand eines Teils wäre kürzer als der untere des nächsthöheren. Somit scheiterte die isometrische Perspektive an der Technik und den zu engen Freiheitsgraden in der Ansicht, wie sie nur eine richtige 3D-Ansicht liefern kann.

5.1.2

Endgültige Version: richtige 3D-Ansicht

Der nächste Schritt bewegt die Kamera noch tiefer in das Gelände rein. Völlig zwanglos wird die beste Ansicht für die einzelnen wichtigen Standpunkte ausgesucht (vgl. Abb. 29), dazwischen führen fest definierte Kamerafahrten von Punkt zu Punkt. Die Steuerung geschieht hauptsächlich über die zwei großen pfeilförmigen Buttons, am unteren Ende des linken Balkens. Alternativ können auch die Tasten „A“, „S“, „D“ und „F“ zur Steuerung der Animation genutzt werden, was dem Nutzer im Hilfebildschirm erklärt wird. Anders als bei den anderen Varianten kann der Nutzer hier nicht mehr frei die Himmelsrichtung auswählen, in die er sich auf der Karte bewegen will. Das hat nicht nur technische Gründe, vielmehr kann der Nutzer hierdurch an die Hand genommen und sanft durch die Tour geleitet werden, ohne sich zu verirren, wie es beispielsweise bei einer flugsimulatorähnlichen Echtzeit-3D-Variante zu befürchten wäre.
Abb. 29: Die finale Version der Karte erlaubt es, die Tigersprungschlucht wirklich einzusehen.

Auch der Tour-Charakter wird dadurch bewahrt. Es geht eben nicht um ein großes Gebiet, welches in 3D dargestellt wird, sondern um eine Tour mit bestimmtem Verlauf, einem Anfang und einem Ende. Selbst bei einer Rundtour hätte man einen Startpunkt, nur würde man am Ende halt zu ihm zurückkommen.

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Um nicht jede Freiheit zu nehmen, ermöglichen es die kleinen pfeilförmigen Buttons, jedes Bild einzeln zu betrachten. Das kann mitunter von Bedeutung sein, wenn man sich für die Geländestruktur der Abschnitte zwischen den Standpunkten interessiert. Die Orientierung ist sicher das größte Problem bei einer solchen Darstellung.

Darum wurde darauf geachtet, nicht zu wilde Kameradrehungen und damit den ständigen Wechsel der Ausrichtung zu den Himmelsrichtungen einzubauen. Ein Nordpfeil in Verbindung mit der Anzeige der aktuellen Position und Blickrichtung in der Index-Karte erleichtert die Orientierung weiterhin maßgeblich.

5.1.3

Das Problem mit dem Maßstab
Eine Ahnung von dieser Art der Darstellung gibt die Abb. 28 im Kapitel 5.1.1. Das in der Topomap eingebettete Netz ist allerdings sehr dicht. Dies wäre eine gute Möglichkeit für einen

Die perspektivische Verzerrung bringt es leider mit sich, dass ein einfacher, grafischer Maßstab nicht mehr funktioniert. In der momentanen Fassung verfügt lediglich die Index-Karte über eine Maßstabsleiste. Eine Lösung, die aus zeitlichen Gründen leider nicht mehr umgesetzt werden konnte, könnte sein, bereits in die für die 3D-Karte verwendete Textur ein Maßgitter einzubetten. Ganz dünn, um nicht zu stören und mit einer Maschendichte von etwa zehn der zwanzig Kilometern. Koordinaten oder ähnliches müssten gar nicht eingetragen werden, dem Nutzer bräuchte nur über die Legende mitgeteilt zu werden, wie weit die Maschen des Netzes auseinander liegen.

Maßstab in der Karte, ist aber nicht zwingend erforderlich. Ein Eindruck von der Größe eines Gebietes wird durch den Maßstab der Index-Karte vermittelt. Bei bestimmten Streckenabschnitten reicht auch das Höhendiagramm, da es meistens nur darum geht, festzustellen, wie lang eine bestimmte Anhöhe ist. Dennoch könnte dieses Verfahren in den nächsten zu realisierenden Touren zum Einsatz kommen.

5.1.4

Farbtiefe

Um die animierte Kamerafahrt zu realisieren, wurden mehrere Einzelbilder gerendert und diese einzeln in das Drehbuch eingefügt. Je nach Distanz zwischen den Punkten umfasst eine Sequenz zehn bis zwanzig Bilder. Um die Animation nicht ins Stocken geraten zu lassen, durften die Bilder nicht zu groß sein, da sonst der Prozessor nicht mit der Verarbeitung der Daten hinterherkäme bzw.
Abb. 30: 16 Bit- (oben) und 8 Bit-Darstellung T ECHNISCHE F ACHHOCHSCHULE B ERLIN – S TUDIENGANG K ARTOGRAPHIE – D IPLOMARBEIT VON M ARTIN V IGERSKE

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KAPITEL 5

das CD-ROM-Laufwerk die Daten nicht so schnell auslesen könnte (beides kann ein Problem sein). Darum wurde die Farbpalette der Bilder der eigentlichen Animation, also zwischen den Standpunkten, auf 256 Farben reduziert (vgl. Abb. 30). Auch das Bild des eigentlichen Standpunktes wurde zusätzlich in 256 Farben eingefügt. Falls zwischen den 8-Bit-Bildern und dem

folgenden 16-Bit-Bild eine Pause wegen des Nachladens entsteht, kommt es nach erfolgtem Laden nicht zu einem Ruckeln (dem letzten Schritt der Kamerafahrt). Einzig eine Änderung der Farbpalette und das plötzliche Erscheinen der Infofelder könnte wahrgenommen werden. Doch das sollte höchstens bei älteren Rechnern ein Problem sein.

5.1.5

Praxis-Tipps: Speed-Button bei großen Animationen
Punkt zu Punkt springen will, kann die Geschwindigkeit somit erheblich anziehen. Eigentlich gibt es in Director für die Geschwindigkeitskontrolle ja die Tempoleiste bzw. den Befehl puppetTempo, womit sich die fps-Zahl direkt regulieren lässt. Bei Verwendung der Tempooption müssten die Bilder der Animation generell auf einen Animationsschritt pro Drehbuchbild reduziert werden. Die Tempo-Option hätte dann im ersten Geschwindigkeitsmodus dafür gesorgt, dass die Drehbuchbilder während der Animation mit einer Geschwindigkeit von 10 fps abgelaufen wären, in den anderen Modi mit 20 bzw. 30 fps. Nur hätte die Geschwindigkeit nicht direkt bei der Betätigung des Speed-Buttons korrigiert werden dürfen, da dies zu einer Verlangsamung der gesamten Anwendung führen würde. Vielmehr hätte bei jedem Start einer Kamerafahrt und bei jedem Ende die Geschwindigkeit runter und wieder hoch gesetzt werden müssen, je nach Einstellung des Speed-Buttons. Das Ergebnis für verschiedene Rechnerkonstellationen einzuschätzen ist jedoch sehr schwer. Das zuerst beschriebene Verfahren erlaubt dagegen etwas mehr Kontrolle und ist nicht so kompliziert einzubauen.

Bei nur zehn bis zwanzig Bildern pro Kamerafahrt würde eine Sequenz normalerweise äußerst schnell ablaufen, wenn jedes Bild der Kamerafahrt auf genau ein Bild des Films gelegt werden würde. Daher wurden für einen Animationsschritt drei Bilder im Drehbuch verwendet. Die normale Geschwindigkeit eines Filmes beträgt 30 fps (frames per second - Bilder pro Sekunde). Ein Bild der Animation ist somit in der Regel 1/10 Sekunde lang sichtbar. Leider sind ältere Rechner nicht immer in der Lage, diese Geschwindigkeit zu halten und die Animation ruckelt. Daher wurde unten links ein Speed-Button eingefügt, mit dem der Nutzer selber festlegen kann, wie viele Drehbuch-Bilder während einer Animation tatsächlich angezeigt werden. Bei der ersten Einstellung wird tatsächlich jedes Bild abgespielt (also drei Mal das gleiche Kamerabild), bei der zweiten nur jedes zweite und bei der dritten nur jedes dritte (jedes Kamerabild auch wirklich nur einmal). So kann das Maximum an Geschwindigkeit aus den alten Maschinen geholt werden. Natürlich kann auch jemand mit einem schnellen Rechner von dieser Option profitieren. Wer die Tour schnell durchschauen, aber der Orientierung wegen nicht direkt von

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KAPITEL 5

5.1.6

Skripten mit Director: Bildsequenzen vor und zurück abspielen
ten Variablen das folgende Bild the frame +geschwindigkeit (aktuelles Bild + einen bestimmten Wert) sein wird. Die Variable geschwindigkeit wird durch den Speed-Button bestimmt und ist normalerweise auf eins gestellt (ansonsten noch zwei oder drei möglich, siehe vorheriges Kapitel), womit in dem Fall das nächste abzuspielende Bild auch das nächste im Drehbuch ist. Steht die Variable rueckwaerts auf true, wird das nächste Bild einfach über the frame -geschwindigkeit ermittelt. Bei Klick auf einen der beiden EinzelschrittButtons wird ein Schritt um drei Drehbuchbilder (ein Animationsbild) in die entsprechende Richtung gemacht und die Variable einzelbild auf true (wahr) gesetzt. Das führt dazu, dass das Bildskript in den Pause-Modus schaltet und als Folgebild immer the frame, also das aktuelle Bild, wiedergibt.

Da die Kamerafahrten nicht nur sowohl in die eine als auch in die andere Richtung abspielbar sein sollen, sondern eventuell auch noch im Einzelbildmodus, musste für die Dauer der Animation ein Bildskript geschrieben werden (vgl. Abb. 31). Über dieses wird beim Verlassen des aktuellen Bildes entweder ein Bild vor oder nach dem aktuellen Bild abgespielt (normale Animation) oder das gleiche noch mal (Pause). Dieses Verhalten wird über die Variablen rueckwaerts und einzelbild gesteuert, welche von den Abspielbuttons bzw. den dazugehörigen Tastaturkommandos gesetzt werden. Um beispielsweise die Animation ganz normal vorwärts abzuspielen, werden die Variablen rueckwaerts und einzelbild auf false (nicht zutreffend) gesetzt. Das Bildskript bestimmt daraufhin in dem Handler on exitframe, dass bei den so gesetz-

Abb. 31: In einem Filmskript (Ausschnitt oben) werden die Variablen gesetzt, die über die Art des Bildwechsels bestimmen. Die Variablen werden bei exitFrame von einem Bildskript (Ausschnitt unten) umgesetzt.

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5.2 Die Index-Karte
In erster Linie zur Orientierung zeigt die Index-Karte im linken Balken in wirklich jedem Bild die aktuelle Position an. Unter den Ortschaften befinden sich kleine Zahlen, welche für die Tage stehen, an denen man diese Städte besucht. Dies ist sogleich ein Hinweis auf die Richtung der Tour. Im Prinzip könnte eine Tour ja auch von Süden nach Norden verlaufen. Ein grafischer Maßstab gibt einen Hinweis auf die Ausmaße der Tour.

5.2.1

Orange: Position

Orange steht ausnahmslos für die aktuelle Position. Im China-Index weist ein kleines orangefarbenes Rechteck auf die Position in China hin. Befindet man sich in einer der Städte, die zweimal besucht werden, sind nur die Tage markiert, die der aktuellen zeitlichen Koordinate entsprechen. Innerhalb der eigentlichen Strecke steht ein orangefarbenes Trapez stellvertretend für den Kamerawinkel (kein Rechteck, da sich die Perspektive ja nach hinten öffnet) (vgl. Abb. 32). Auch beim Startbildschirm ist der Schriftzug „Übersicht zu dieser Tour“ mit einem hellen Orange hinterlegt.

Abb. 32: Die Index-Karte zeigt den aktuellen Standort (orangefarbener Kamerawinkel).

5.2.2

Blau: Navigation
Von den Tagen sind nur die blau, die sich auch wirklich anklicken lassen, nämlich die der Orte, die zweimal besucht werden. Ein Klick auf die Städtenamen hätte hier wenig Sinn, wäre doch unklar, zu welchem Punkt innerhalb der Tour gesprungen werden soll. Die Kamerawinkel der einzelnen Standpunkte sind in einem hellen Blau gezeichnet und lassen sich ebenfalls anklicken, wodurch der entsprechende Tour-Abschnitt erreicht wird.

Blau steht dagegen für die Navigation, eine Farbe, die im Internetzeitalter symbolisch für alles steht, was über einen Mausklick zu einem Ortswechsel führt. Bis auf die Gewässer lässt sich alles Blaue im Index anklicken (vgl. Abb. 32). So wird dem Nutzer eine alternative Navigation zur Verfügung gestellt, die es in erster Linie ermöglichen soll, schnell zu bestimmten Punkten zu springen.

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5.2.3

Umsetzung der Index-Karte

Umgesetzt wurde die Index-Grafik mit Freehand und exportiert als schlankes Flash. Das Kamera-Trapez durfte zudem kein Bitmap sein, da bei Drehungen deutlich die einzelnen Pixel zu sehen sein würden. Des Weiteren wurde das Kamera-Trapez eingesetzt, um bestimmte Kamera-Positionen zu selektieren. Einzig bei einer Vektor-Grafik lässt sich die Empfindlichkeit (Absenden von Ereignissen wie MouseEnter oder MouseUp) innerhalb der transparenten Bereiche (also außerhalb der Trapez-Grafik) ausschalten, ein Bitmap wäre konsequent über das gesamte Rechteck empfindlich, selbst, wenn eine bestimmte Farbe transparent geschaltet ist. Geometrie und Optik der Karte basieren vornehmlich auf den Karten aus dem Katalog, um einen gewissen Widererkennungswert herzustellen. Sie wurde lediglich in den Farben leicht angepasst und noch etwas stärker generalisiert. Die Index-Karte der exemplarisch umgesetzten Tour erstreckt sich relativ geradlinig von Norden nach Süden. Dies ist für die senkrechte Form des Balkens eine optimale Form. Doch der Platz soll auch für andere Touren ausreichen. Eine exemplarische Umsetzung des Balkens für die Tour „Berg und Wasser“, zeigt, dass eine (Fast-)Rundtour mit großer Ost-WestAusdehnung auf die gleiche Art und Weise umgesetzt werden könnte (vgl. Abb. 33). Momentan gibt es im Programm von CHINA BY BIKE noch keine Tour, die so geradlinig wie „Südlich der Wolken“, nur in horizontaler Lage, verläuft.
Abb. 33: exemplarische Umsetzung der Index-Karte für eine eher horizontal verlaufende Tour.

Sollte später einmal eine solche Tour dazukommen, könnte es sein, dass dieses Format nicht mehr ausreicht. In diesem Fall müsste die Karte leicht gedreht werden. Ein Nordpfeil, konsequenterweise bei allen Touren, gäbe die Himmelsrichtung an.

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5.3 Die Infoboxen
Selbstverständlich existiert die Karte nicht nur zum Selbstzweck. An den Standorten vor und nach einer Teilstrecke bzw. in den Großstädten kann der Nutzer markante Punkte anklicken (=in blauer Schrift), um sich Fotos und mehr Informationen anzeigen zu lassen. Neben dem Titel eines Buttons in der Karte und auch in der Infobox befinden sich ein bis zwei (in der Hilfe erläuterte) Symbole, die einen Hinweis darauf geben, um was es sich handelt (vgl. Abb. 34). Untergliedert wurden die Inhalte in die Kategorien „Stadt“, „Hotel“, „Busreise“, „Flug“, „Kulturstätte“, „Landschaft“, „Gewässer“ und „Markt/Essen“. Diese Klassifizierung deckt sich auch mit den Inhalten anderer Touren. Einzig „Tiere“ könnte noch bei einigen hinzukommen. Die Infobox baut sich nicht immer an derselben Stelle auf, sondern möglichst so, dass in erster Linie der angeklickte Titel zu sehen ist, aber auch die anderen nicht überdeckt werden.
Abb. 34: Diese Infobox gehört zu einer Stadt und Kulturstätte (die beiden Symbole neben dem Titel). Momentan wird der Zusatztext angezeigt.

Beim Klick auf eines der Thumbnails vergrößert sich dieses und wird zusammen mit einem Bilduntertitel angezeigt, bis zum nächsten Klick.

5.3.1

Auswahl der Inhalte
geschrieben hat, einen anderen, tieferen Eindruck der Touren zu geben. Daher wurden noch zusätzlich Texte mit aufgenommen, welche den Hintergrund eines Ortes und der dort lebenden Menschen wiedergeben. Diese bemühen sich jedoch (mehr oder minder erfolgreich) darum, nicht zu viel preiszugeben, schließlich soll der potentielle Reisende nicht dem Reiseführer Konkurrenz machen können (vgl. Abb. 34).

Immer wieder stellte sich während der Produktion die Frage, wie viel Information der Nutzer bekommen möchte und wie viel er bekommen darf. Essentiell ist bei den Informationspunkten natürlich das Tagesprogramm. Was wird wann wo gemacht? Doch das alleine wäre etwas zu einfach. Nicht nur, weil damit kein Mehrwert gegenüber dem Katalog bestehen würde, sondern auch, weil sich die CD-ROM ja eigentlich aufs Blatt

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KAPITEL 5

Eine weitere Abstufung wurde eingebaut, indem die Hintergrundinformationen nicht sofort sichtbar sind, sondern erst nach einem Klick auf das erhabene (blaue!) Buchsymbol. So kann jeder Nutzer für sich entscheiden, ob er wirklich die tiefer gehenden Informationen lesen möchte oder nicht. Genauso wurden die Fotos mit Bedacht ausgewählt. Nicht jeder Tempel und nicht jedes Landschaftspanorama ist in voller Größe zu betrachten. Wie bereits im Kapitel 3.3 erläutert, werden hier bevorzugt Bilder der lokalen Bevölkerung gezeigt.

Natürlich können dem Nutzer nicht konsequent alle Attraktionen vorenthalten werden, sonst entsteht am Ende eventuell das Gefühl, eigentlich gar nichts von der Tour gesehen zu haben. Die wichtigsten Punkte werden also schon gezeigt, aber eben aus einem möglichst ungewöhnlichen Blickwinkel. Letztlich entscheidet aber natürlich das vorhandene Fotomaterial. Um die bereits große Auswahl an Bildern von CHINA BY BIKE noch zu erweitern, hat der Autor bei Bedarf auch einige seiner eigenen Fotos verwendet.

5.3.2

Skripten mit Director: dynamisch erstellte Infoboxen
ten, da wirklich jeder Kasten nachzubearbeiten wäre. Deshalb werden die Boxen dynamisch erstellt, immer der jeweiligen Situation angepasst. Vorgefertigt liegen lediglich die einzelnen Sprites für Titel, Thumbnails, Texte usw. unsichbar neben der Bühne. Im Kartenbild liegen bis zu acht transparente Rechtecke über den anklickbaren Titeln, denen je nach momentanem Bildschirm (also dem Standort innerhalb der Tour) ein anderes Skript zugewiesen wurde. Für jeden Standort gibt es somit ein solches Skript (vgl. Abb. 35).

Die simpelste Herangehensweise an die Infoboxen wäre gewesen, für jede mögliche Box je einen Textdarsteller für Tourablauf, Hintergrundinfo und Titel anzulegen, einen Hintergrundkasten in der zu Text und Bildern passenden Größe und alles zusammen mit den Icons und den Thumbnails unsichtbar an einer angemessenen Stelle zu platzieren. Bei Klick auf einen Titel in der Karte würden die dazugehörigen Sprites angezeigt werden. Im Prinzip möglich, doch letztlich auch sehr starr. Eine Änderung der Darstellungsweise, um beispielsweise mehr als nur drei Bilder unterzubringen, würde in echte Arbeit ausar-

Abb. 35: Jeder Standort verfügt über ein Skript, welches je nach selektiertem Sprite die Variablen anders setzt. T ECHNISCHE F ACHHOCHSCHULE B ERLIN – S TUDIENGANG K ARTOGRAPHIE – D IPLOMARBEIT VON M ARTIN V IGERSKE

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Dieses Skript enthält die Inhalte, die an die Infobox weitergegeben werden sollen. Je nachdem, welches der acht Rechtecke angeklickt wird, werden andere Informationen weitergegeben. Die Weitergabe geschieht über folgende Variablen: Titel Bilderanzahl Bild-Text 1, eventuell zu Bild 2 und 3 Text zur Tourroute eventueller Text zum Hintergrund erste und eventuelles zweites Icon Nummer des angeklickten Buttons Code für die Position, an der die Box erscheinen soll (etwa „LU“ für links/ oben oder „RU“ für rechts/unten“) Ein Filmskript empfängt diese Daten und füttert die Sprites bzw. die Darsteller der Infobox damit (vgl. Abb. 36). Dabei entstehen einige Abhängigkeiten. Die Darsteller-Namen für die Fotos und deren Thumbnails leiten sich beispielsweise von der Nummer des Standorts und der des angeklickten Buttons und der Bilderanzahl ab. Beispielsweise lautet der Name des zweiten Thumbnails, des siebten Buttons (Sprite 80) in der Szene 16 „foto_16_80_2_thumb“ (die Badeszene vom Erhai bei Dali).

Dieser Name wird aus den Variablen folgendermaßen konstruiert:

Sprite(96).member = "foto_" & standort & "_" & i_button & "_2_thumb".
Sprite(96) ist der Platzhalter des zweiten Thumbnails, die Variable standort kommt von einem Filmskript und i_button wurde vom zuvor beschriebenen Skript geschickt. Positionen werden in Abhängigkeit bestimmter Sprites gesetzt. Zuerst wird der Titelbalken an seine Position gesetzt, wobei für das Wohin je nach geschicktem Positions-Code eine von fünf bestimmten Standardkoordinaten genutzt wird. Grob gesagt werden daraufhin alle anderen Positionen in Abhängigkeit von diesem Balken bestimmt. Dabei ergibt sich ein Problem: Director „weis“ erst nach einem erfolgten exitframe, dass sich die Position des Titelbalkens geändert hat. Darum muss an verschiedenen Stellen im Skript der Befehl updateStage ausgeführt werden, welcher die Bühne neu zeichnet. Dies muss immer dann getan werden, wenn Positionen oder Größen der zuvor veränderten Sprites abgefragt werden. Ansonsten würden sich die in Abhängigkeit zu anderen Sprites gesetzten Sprites noch immer an den alten Werten orientieren.

Abb. 36: Dieses Filmskript (Ausschnitte) wechselt die Darsteller der Platzhalter aus. Sprite 82 ist der Titelbal-

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ken, der hier (oben) seine Koordinaten erhält. Unten wird relativ dazu ein weiteres Sprite positioniert. T ECHNISCHE F ACHHOCHSCHULE B ERLIN – S TUDIENGANG K ARTOGRAPHIE – D IPLOMARBEIT VON M ARTIN V IGERSKE

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Da das Neuzeichnen der Bühne, vor allem bei langsamen Rechnern, nicht gerade schnell abläuft, sollte mit dem Befehl sparsam umgegangen werden. Es sollten sich möglichst viele Werte auf die ersten gesetzten Sprites beziehen, nach denen dann ein updateStage durchgeführt werden kann. Eine weitere Besonderheit betrifft den Text. Diesen per Variable einzusetzen gestaltet sich nicht ganz so simpel. Normalerweise wird der Inhalt eines TextDarstellers über member(„name“).text = „Text“ geändert. Leider können hierbei keine Formatierungen (insbesondere Absätze) eingefügt werden. Daher muss der Befehl member(„name“).html bemüht werden, welcher nicht den reinen Text, sondern das jeweilige HTML-Pendant ersetzt. Siehe dazu auch die Skript-Zeilen 19 und 20 in der Abb. 35.

Die Schriftarten, die über <font face=’…’> gesetzt werden, müssen in Director existieren. <BR> ist der HTML-Code für einen Absatz. Schriftgröße und Ausrichtung lassen sich so nicht setzen, dies geschieht danach durch zwei Lingo-Befehle:

member("info_text").alignment = #full member("info_text").fontSize = 11
Diese Art und Weise, die Infoboxen zu erstellen, erfordert zwar erheblich mehr Denkarbeit, da jede Eventualität (drei/keine Bilder, ein Hintergrund-Text, …) durchdacht sein will, lohnt sich aber unbedingt, zumindest wenn viele derartige Boxen eingebaut werden sollen. Falls das Design der Boxen geändert werden muss, brauchen nur die entsprechenden Werte manipuliert zu werden. Sämtliche Boxen werden nun nach dem neuen Muster erzeugt.

5.4 Streckenabschnitte mit Höhendiagrammen
Zu sämtlichen Rad- und Wanderstrecken lassen sich Höhendiagramme anzeigen. Wenn der Nutzer mit dem Mauszeiger über eine Teilstrecke fährt, leuchtet diese auf und es wird nach einem Mausklick das entsprechende Profil dargestellt (vgl. Abb. 37). Für die Selektion der Streckenabschnitte wurde die Ansicht einer jeden Teilstrecke für die einzelnen Standorte in Freehand mit einer dicken Linie nachgezeichnet und als Flash transparent über das Bild gelegt.

Abb. 37: Höhenprofil der Strecke Lijiang-Jianchuan

Bei mouseEnter wird der jeweilige Abschnitt sichtbar. Ein Klick führt zum entsprechenden Höhendiagramm.

5.4.1

Erzeugung der Höhendiagramme aus GPS-Daten
Das Freeware-Programm GPS-Babel (erhältlich über http://www.gpsbabel.org) versteht sich auf die Konvertierung der verschiedensten GPS-Formate.

CHINA BY BIKE hat von sämtlichen Touren GPS-Aufzeichnungen gemacht. Diese Daten lassen sich einfach in Excel einlesen und in ein Höhendiagramm umwandeln.

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Das Tool wurde genutzt, um die im GPSFormat GPX vorliegenden Daten in einen einfachen Text-File umzuwandeln. Dieser enthält, durch Leerzeichen getrennt, den Rechts- und Hochwert, sowie die Höhe eines jeden Punktes. Mittels Excel werden die Abstände zwischen den Punkten errechnet. Diese Werte bilden aufsummiert den X-Wert für das Höhendiagramm (Kilometerangabe) (vgl. Abb. 38). Die Höhe ergibt den Y-Wert. Um zwischen den einzelnen Diagrammen einen Bezug zu erkennen, wurde für jedes Diagramm die gleiche Y-Skalierung verwendet. In 200m-Schritten reicht die Skala von 1800m bis 3400m (bis auf das Diagramm am Anfang der Tour, welches von 1900m bis 3500m geht). Dadurch ist immer zu erkennen, wie hoch der jeweilige Abschnitt liegt und es lässt sich leicht einschätzen, ob eine Strecke anDer Farbverlauf im Hintergrund soll dabei helfen, die Höhe, in der eine Teilstrecke verNicht gleichmäßig wurde die X-Skala skaliert, da beispielsweise eine 25km-Strecke so wirklich sehr klein im Verhältnis zu einer 90kmStrecke wäre. läuft, einzuschätzen, ohne auf die Zahlen schauen zu müssen. Jede Farbe entspricht immer genau einem Höhenintervall. spruchsvoller ist als eine andere. In Freehand wurden die Diagramme weiterbearbeitet. Kleine Markierungslinien zeigen die Positionen signifikanter Punkte, zumindest Anfang und Ende der Teilstrecken.
Abb. 38: In Excel wird aus den Differenzen von Rechts- und Hochwert der Abstand zweier Punkte berechnet (untere Formel). Die Summe ergibt den jeweiligen Abstand zum Start (obere Formel).

Die X-Skalierung ist aber auch rein optisch gut wahrzunehmen, und zwar durch die unterschiedlichen Abstände der senkrechten Linien.

5.4.2

Praxis-Tipps: Flash-Nachteil – Unbrauchbarkeit von invisible
Hier konnte das Flash bei Deaktivierung jedoch nicht einfach auf invisible geschaltet werden. Normalerweise müsste das Sprite dadurch nicht nur transparent werden, sondern auch keine Handler wie beispielsweise mouseUp auslösen. Doch genau das ist der Fall. Im invisible-Modus bleibt ein Flash sensibel für alles, was irgendwie einen Handler auslösen könnte und zwar innerhalb des ganzen gedachten Rechtecks um das Sprite (was in dem Beispiel der Höhendiagramme identisch

Die Höhendiagramme wurden nicht als Bitmap, sondern wieder als Flash eingefügt, da sie so weniger Platz brauchen und auch besser ausschauen. Genau wie bei den Infoboxen steht auch für das Höhendiagramm ein einziges Sprite zur Verfügung, welches auf Wunsch mit einem bestimmten Darsteller besetzt und sichtbar geschaltet werden kann.

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mit dem Inhalt ist), nicht nur in den eigentlichen Bereichen mit Inhalt (beispielsweise bei der Trapez-Grafik der Kamerawinkel) (vgl. Abb. 39). Daher bleibt nichts anderes übrig, als das Sprite bei Deaktivierung in den Bereich außerhalb der Bühne zu schieben und bei Bedarf jedes Mal wieder zurückzuholen.
Abb. 39: Wenn dieses Flash deaktiviert wird, bleibt nicht nur die Ellipse sensibel für Mausereignisse, sondern alles innerhalb des schwarzen Rechtecks.

5.5 Selbstablaufende Demo
Um einen ersten Eindruck von einer Tour zu erhalten, ohne sich groß in die Funktionen der Tourvorstellung einarbeiten zu müssen, sowie zum Abspielen auf Messen eignet sich der Demo-Modus gut. Nach dem Start (Schriftzug unten rechts im Startbild) werden jeder Standort der Tour angespielt, ein bis zwei Infoboxen pro Bildschirm und jeweils ein Foto geöffnet. Dabei geht es nicht in erster Linie darum, die Texte zu lesen, sondern nur einen Eindruck zu gewinnen, ein Gefühl für die Tour. Im Hintergrund spielt leise der chinesische Song „Roter Lappen“ von Volker Härings China-Rock-Band „Der Alptraum der Roten Kammer“ (die Rechte liegen bei CHINA BY BIKE). Auf einem 400Mhz-PC bewirkte die Nutzung eines MP3s nur etwa zwei Sekunden Verzögerung im Gegensatz zur Nutzung eines WAVs. Die Nutzung eines internen Sound-Files wirkte sich beim Abspielen zwar in etwa zehn Sekunden aus, jedoch müsste der Anwender beim Start der Demo etwa fünf bis sechs Sekunden warten, bis die Musik geladen ist. Auch hier wurde für den Sound wieder ein externes MP3 verwendet, diesmal jedoch in etwas schwächerer Tonqualität, da die Musik nur leise im Hintergrund spielt und weil für die Darstellung der Bühne ein wesentlicher Teil der Rechenkapazität genutzt wird: 22050Hz, Mono, 32kbit/sec.

5.5.1

Skripten mit Director: Ereignisse auslösen
In dem Filmskript wird ständig der aktuelle Standort abgefragt und nach etwa zwei bis drei Sekunden ein Ereignis ausgelöst. Sämtliche Ereignisse starten dadurch, dass einem Button vorgegaukelt wird, der Nutzer hätte auf ihn geklickt. Mit dem Befehl sendsprite(77, #mousup) wird beispielsweise dem Sprite 77 der Befehl mouseUp gesendet. In diesem Fall ist Sprite 77 eines der transparenten Rechtecke, die

Die Umsetzung gelang durch ein einfaches Skript. Bei Klick auf den Schriftzug verwandelt sich der Mauszeiger in einen Stop-Cursor, da die Demo durch einen einfachen Klick an beliebiger Position abgebrochen werden kann. Damit nichts anderes angeklickt werden kann, liegt ein transparentes Rechteck über der Bühne, welches alle Befehle abfängt.

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über den Titelschriften in den Karten liegen und über die der Nutzer die Infoboxen aufrufen kann (vgl. Abb. 40). Da die Kamerafahrten durch die verschiedenen Hardware-Voraussetzungen der Nutzer und natürlich den Speed-Button unterschiedlich lange dauern, lässt sich nicht voraussagen, wann ein bestimmter Standort genau erreicht wird. Daher wird nach jedem ausgelösten Ereignis die interne Zeit auf Null gesetzt und es werden von neuem die Millisekunden gezählt.

Genau aus den gleichen Gründen lässt sich nicht genau bestimmen, wann das Ende der Demo erreicht ist. Somit kann das Lied im Hintergrund nicht auf eine passende Länge gekürzt werden, um es dann zum Ende hin auslaufen zu lassen. Um dennoch ein zu abruptes Ende zu vermeiden, vermindert das letzte ausgelöste Ereignis schrittweise die Lautstärke und beendet dann die Demo durch Rückkehr zum Startbildschirm.

Abb. 40: Dieses Filmskript (Ausschnitt) steuert den Ablauf der Demo.

5.6 Hilfe
Traditionell steht das Fragezeichen für den Zugang zur Hilfe. Der Hilfebildschirm zeigt eine verkleinerte Version einer typischen Szene aus der Anwendung. Sämtliche Tour-spezifischen Buttons werden kurz erläutert, ebenso die Tastaturkommandos und die Index-Karte.
Abb. 41: Der Ausschnitt aus der Hilfe zeigt unter

Auch die Legende findet sich hier. Sowohl die Icons, als auch die Signaturen aus der Karte werden benannt (vgl. Abb. 41). Letztere wurden in einer Draufsicht abgebil-

anderem die Legende.

det, welche zwar in dieser Form selten zu sehen ist, die Signatur jedoch sehr klar und deutlich zeigt.

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KAPITEL 6

6 3D-K A R T E : GRASS GIS, F R E E H A N D , P H O T O S H O P
Schon vor der Entscheidung für eine 3D-Karte stand fest, dass nicht nur mit klassischen Kartographen-Werkzeugen wie Freehand gearbeitet werden könnte. Spätestens die Nutzung von Höhendaten und Da es zu den meisten Gebieten, in denen die Touren von CHINA BY BIKE liegen, keine, oder nur sehr alte Karten mit großem Maßstab gibt, mussten Satellitenbilder genutzt werdie Kombination aller Daten machen Software wie ArcGIS von Esri oder Erdas Imagine notwendig. den, auf denen wichtige Straßen und Ortschaften in ihrem heutigen Ausmaß zu erkennen sind.

6.1 Esri-Alternative: GRASS GIS
Aus (bereits erläuterten) Kostengründen stand jedoch für diese Arbeit keines der beiden Programme zur Debatte. Einzig das inzwischen recht preisgünstig erhältliche ArcView wäre eine Alternative gewesen, doch dazu kämen noch einige Erweiterungen wie der 3D-Analyst. Außerdem können die 3D-Fähigkeiten der Software nicht wirklich überzeugen und ob ein so altes Programm mit solch riesigen Datenmengen, wie sie bei diesem Projekt nötig sind, problemlos umgehen könnte, müsste erst noch überprüft werden. Daher wurde davon abgesehen und sich nach kostengünstigen Alternativen umgeschaut. Die Entscheidung fiel auf die kostenfreie und äußerst vielseitige GIS-Software GRASS GIS (Geographic Resources Analysis Support System GIS). Ähnlich anderen Projekten, wie das über die GNU general public licence frei erhältliche Betriebssystem Linux, funktioniert auch das frei erhältliche GRASS GIS nach dem Prinzip Jeder-für-Jeden. Jeder kann die Software frei und ohne Einschränkungen nutzen und sie Unter http://grass.itc.it findet sich die offizielle Homepage, woher sich auch neue Versionen (also Zusammenstellungen der vielen Module) beziehen lassen. auch nach eigenen Vorstellungen modifizieren und erweitern. Ein Grundprinzip freier Software ist es, dass zu jedem Modul auch der unkompilierte SourceCode (also der reine Programm-Code) verfügbar gemacht werden muss, was automatisch zu einem eigenständigen Anwachsen der Software führt, da es so möglich ist, Teile eines Moduls zu erweitern oder anderweitig zu nutzen.
Abb. 42: GRASS GIS Logo (Grafik von der offiziellen Homepage: http://grass.itc.it)

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KAPITEL 6

Ursprünglich war GRASS vom amerikanischen Militär entwickelt worden, hat sich inzwischen jedoch verselbständigt und wird nun, laut der oben genannten Website, weltweit von akademischen, kommerziellen und Regierungseinrichtungen genutzt, unter anderem von NASA, NOAA, USDA, DLR, CSIRO, dem National Park Service, dem U.S. Census Bureau und der USGS.

-

die Produktion von thematischen sowie topographischen Karten und die Darstellung in 2D und 3D.

Da es durch die freie Struktur von GRASS jedem möglich ist, seine eigenen Module zu schreiben, gibt es auch einige sehr spezielle Anwendungen wie beispielsweise die Simulation der Ausbreitung von Wildfeuer. Für dieses Projekt wurde GRASS GIS genutzt,

Das auf Unix basierende Programm versteht sich auf typische GIS-Fähigkeiten wie den Umgang mit und die Analyse von räumlichen Informationen, die Verarbeitung und Erzeugung von Bild- und Vektordaten, den Im- und Export bekannter Formate wie Shape oder GeoTiff,

um die verwendeten geographischen Daten für die Digitalisierung, welche in Freehand stattfand, aufzubereiten und deckungsgleich (in der selben Projektion) auszugeben. Die so erstellten Roh-Karten wurden in GRASS als Textur genutzt, um in Kombination mit den Höhendaten die Animation der 3D-Karte zu erstellen.

6.2 Genutzte Materialen
Für die Erstellung der Karten wurden Satellitenbilder, topographische Karten, SRTMHöhendaten und die GPS-Aufzeichnungen von CHINA BY BIKE genutzt. Im Anhang finden sich eine graphische Übersicht zu dem Gebiet, unter anderem mit eingezeichneten Landsat-Szenen, GPS-Aufzeichnungen und UTM- und Gradgitter.

6.2.1

Landsat-Satellitenbilder

Als Satellitenbilder wurden frei erhältliche Szenen des Satelliten Landsat genutzt. Landsat umkreist die Erde in einem polnahen Orbit und vollendet alle sechzehn Tage einen Scan-Zyklus. An Board befindet sich der Multi-SpektralSensor ETM+ (Enhanced Thematic Mapper). Dieser ist in der Lage, bis zu acht verschiedene Licht-Spektren (Bänder) aufzunehmen. Je nach Spektrum liegen die Bilder später in einer von drei Auflösungen vor: 15 m: panchromatische Aufnahme (vgl. Abb. 43)
Abb. 43: Tigersprungschlucht, panchromatisch

30 m: rotes, grünes, blaues Licht nahes Infrarot zwei Bänder des mittleren Infrarots

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60 m: Thermalstrahlung

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KAPITEL 6

Letztlich verwendet wurden die Kanäle für grünes Licht, nahes Infrarot und der erste für mittleres Infrarot. Der panchromatische Kanal konnte genutzt werden, um die anderen zu schärfen. Bei Satellitenbildern besteht natürlich immer die Gefahr, dass Wolken wichtige Teile des

Gebietes verdecken. Die hier genutzten Daten waren davon jedoch nur wenig betroffen. Im Internet zu beziehen sind die LandsatSzenen unter http://glcf.umiacs.umd.edu. Die offizielle Seite von Landsat ist http://landsat.usgs.gov.

6.2.2

Sowjetische Generalstabskarte

Da Radtouren nicht immer entlang der breitesten Straßen und Wege führen und die 3DKarte das Gelände recht detailliert abbilden soll, musste die topographische Karte einen möglichst großen Maßstab haben. 1 : 1 000 000 reicht auf keinen Fall aus, selbst 1 : 500 000 ist hart an der Grenze. In größeren Maßstäben gibt es jedoch nur sehr wenig, vor allem, da die meisten Touren von CHINA BY BIKE nicht in den touristisch besser erschlossenen Regionen (beispielsweise die Ostküste Chinas) liegen. Das einzige flächendeckende Kartenwerk im Maßstab 1 : 200 000 ist die für die ganze Welt verfügbare Sowjetische Generalstabskarte (vgl. Abb. 44). Leider wurde dieses Kartenwerk zwischen Ende der 50er und Anfang der 90er gefertigt und ist somit reichlich unaktuell. Gerade in China hat sich nach dem Umbruch 1990 viel getan. Die Infrastruktur ist heute selbst in den entlegensten Gegenden Yunnans (wo die Beispieltour verläuft) eine ganz andere. Insofern konnten die Karten nur ein Anhalt sein, sie wurden immer in Kombination mit dem Satellitenbild genutzt. Das Kartenwerk ist auch in anderen Maßstäben verfügbar, doch beispielsweise in 1 : 100 000 nicht flächendeckend, sondern
T ECHNISCHE F ACHHOCHSCHULE B ERLIN – S TUDIENGANG K ARTOGRAPHIE – D IPLOMARBEIT VON M ARTIN V IGERSKE Abb. 44: Sowjetische Generalstabskarte im Maßstab 1 : 200 000, gleicher Ausschnitt wie in Abb. 43

nur für Gebiete von besonderer (militärischer) Bedeutung. Wie üblich bei russischen Karten verwendet die Sowjetische Generalstabskarte das GaussKrüger-Netz (mit 6°-breiten Streifen), in Kombination mit einer transversen Mercator-Projektion. Zugrunde liegt das Krassovski-Ellipsoid, mit dem Datum Pulkovo 1942. Ein Blatt umfasst ein Gebiet von 1° Breite und 40’ Höhe. Käuflich erwerben lassen sich die Karten beim Expeditionsservice Därr unter: http://www.daerr.de. Weiterhin führt die Staatsbibliothek in Berlin dieses Kartenwerk.

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KAPITEL 6

6.2.3

SRTM-Höhendaten

Im Auftrag der National Aeronautics and Space Administration (NASA) und der National ar Geospatial-Intelligence 2000 die „Shuttle Agency (NGA) führte das Space Shuttle Endeavour im FebruRadar Topography Mission“ (SRTM) aus. An Bord befand sich ein spezielles RadarGerät, welches die Struktur der Erdoberfläche in einer Auflösung von 90m erfasste. Die verwendete Technik hat zwar den Vorteil, von der Bewölkung unabhängig zu sein, jedoch hat Radar Schwierigkeiten mit sehr steil abfallendem Gelände. Wenn die RadarStrahlen nicht direkt von oben beispielsweise in eine Schlucht reichen, werden die Strahlen von einer der steilen Wände abgehalten und an den Koordinaten des Bodens der Schlucht ist im Bild nur ein Datenloch (der so genannte Radarschatten) zu sehen (vgl. Abb. 45). Entsprechend kam es bei den verwendeten Daten zu einem solchen Radarschatten bei der Tigersprungschlucht, einem wesentlichen Teil der Tour „Südlich der Wolken“ (siehe Kapitel 6.3.6). Die Daten können frei aus dem Internet geladen werden. GLCF bietet die Daten in der gleichen Kachelung an wie ihre LandsatSzenen: http://glcf.umiacs.umd.edu. Besser ist jedoch die Verwendung der NASADie GLCF erwähnt dies auf ihrer Homepage, schreibt es jedoch wage technischen Problemen bei der Aufzeichnung zu. Da allerdings die NASA-Daten wesentlich besser mit den anderen Daten zusammenpassen, ist anzunehmen, dass diese Differenzen bei der Neuprojektion von der GLCF entstanden.
Abb. 45: Die SRTM-Daten (Tigersprungschlucht) weisen stellenweise große Datenlücken auf.

Originale: ftp://e0mss21u.ecs.nasa.gov/srtm. Die Kacheln fallen hier zwar wesentlich kleiner aus (1° mal 1°), jedoch wurden sie nicht nachbearbeitet. Ein Vergleich der NASA- mit den GLCF-Daten zeigt, dass erhebliche Abweichungen auftreten. Es kommt teilweise zu Lagedifferenzen von bis zu 300m. Da dies lokal auftritt und es sich nicht um eine gerichtete Verschiebung des ganzen Gebietes handelt, können die Daten nicht so einfach angepasst werden.

6.3 Datenaufbereitung mit GRASS GIS
In Vorbereitung zu dieser Diplomarbeit machte sich der Autor mit GRASS vertraut. Da die Software auf Unix basiert, findet sie in erster Linie auf Linux-Rechnern Anwendung. Die Windows-Version war damals nur leidlich attraktiv, verweigerte sie doch bei vielen Aufgaben noch den Dienst. Es handelte sich hierbei auch nicht um eine „echte“ WindowsPortierung, sondern um eine Version, die mit dem Programm Cygwin (eine Art LinuxEmulator) betrieben wurde. Seit Ende Februar 2005 das neue GRASS6 erschienen ist, können aber auch WindowsAbhängige GRASS GIS in seinem ganzen Um-

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KAPITEL 6

fang nutzen. Hier sei die ISO von Marco Lechner empfohlen, welche neben GRASS 6.1 auch Cygwin enthält: http://www.geographie.uni-freiburg.de/ ~mlechner/CygwinGRASS/. Diese Tatsachen seien erwähnt, um verständlich zu machen, wie GRASS funktioniert und warum die graphische Oberfläche (vgl. Abb. 46) nicht immer der einzige Weg zum Ziel ist. Im folgenden Text wird daher immer das verwendete Modul und einmalig auch das jeweilige Menü genannt. Die genaue Befehlszeile, die den graphischen Menüs zu Grunde liegt, wird hier nicht wiedergegeben, da das online verfügbare Manual diese sehr gut erläutert: http://grass.itc.it/gdp/manuals.php.
Abb. 46: graphische Oberfläche von GRASS 6.1 für Windows, mit geladenen Vektor-Daten

6.3.1

Prinzip von Locations
Diese Definition lässt sich entweder manuell eingeben, oder man greift auf einen so genannten EPSG-Code zurück, welcher alle gängigen Kombinationen enthält. So lange sich der Nutzer in einer solchen Location aufhält, kann er nur mit Daten der gewählten Projektion arbeiten bzw. muss er alle anders (oder gar nicht) projizierten Daten in diese Projektion umwandeln.

Ähnlich wie bei den Esri-Produkten befindet sich der Anwender immer in einem vorher definierten Raum mit ganz bestimmter Projektion. Bei GRASS spricht man von einer Location, die ganz zu Anfang definiert werden muss. Die Definition umfasst neben der Projektion (inkl. Ellipsoid und Datum) noch die StandardRegion, also die geographischen Koordinaten des Gebietes in dem sich die Szene standardmäßig befindet.

6.3.2

Satellitenbilder einlesen und aufbereiten
102°E) lautet nach der EPSG-Tabelle 32647 (zu finden unter cygwin\usr\share\proj\epsg) und ist dort folgendermaßen definiert: +proj=utm +zone=47 +ellps=WGS84 +datum=WGS84 +units=m +no_defs. Die Namen der meisten Befehle in GRASS folgen einem bestimmten Schema. r.in.gdal ist beispielsweise der Befehl zum Import ver-

Bevor die Satellitenbilder und die anderen Daten eingelesen werden konnten, musste erst eine passende Location geschaffen werden. Da die meisten Daten in UTM projiziert waren, sollte auch das Endprodukt diese Projektion verwenden. Der EPSG-Code für die UTM-Projektion in der Zone 47 (Bereich Yunnans, zwischen 96°E und

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schiedener

Raster-Formate

mittels

der

Schnittstelle GDAL. Das r steht dabei für Raster, andere Befehle fangen beispielsweise mit v (vector), db (database), i (imagery) oder g (general) an. Nach dem ersten Teil folgt immer ein Punkt, wonach der zweite und manchmal noch ein dritter Teil folgen, welche den eigentlichen Inhalt des Befehls umschreiben. GDAL unterstützt zahlreiche Raster-Formate, wie beispielsweise Arc/Info Grid, TIFF / GeoTIFF, Erdas Imagine oder MrSID. Die einzelnen Kanäle der als GeoTiff vorliegenden Satellitenbilder wurden mit r.in.gdal (im Menü unter File/Import/Raster map/GDAL zu finden) importiert. Das Modul i.fusion.brovey (Image/Brovey Rot: Kanal 5 / (Kanal 2 + Kanal 4 + Kanal 5) * Pan Grün: Kanal 4 / (Kanal 2 + Kanal 4 + Kanal 5) * Pan Blau: Kanal 2 / (Kanal 2 + Kanal 4 + Kanal 5) * Pan Durch die doppelt so feine Auflösung des panchromatischen Kanals wurden immer vier von dessen Pixel verwendet, die alle mit dem gleichen gröber aufgelösten Pixel der anderen drei Kanäle gemixt wurden. Die oft genutzte IHS-Transformation wandelt das schlechter aufgelöste RGB-Bild in IHS um und verwendet nur Farbe und Sättigung (Hue und Saturation) für das endgültige Bild, während für die Intensität der Grauwert des hoch aufgelösten nutzt wird. Die Brovey-Transformation geht anders vor. Sie wandelt die drei Kanäle nicht in IHS um, sonder nutzt sie direkt als RGB-Kanäle und mischt den panchromatischen Kanal in der Berechnung der drei neuen RGB-Kanäle mit unter. panchromatischen Kanals geNach diesem Prozess stand das Bild, in die drei Farbkanäle Rot, Grün und Blau aufgeteilt, zur Verfügung. Die Kanäle konnten über den Befehl r.composite (Raster/Manage map colors/Create color image from RGB files) zu einem Bild verbunden werden. So lag das Satellitenbild letztlich als Falschfarbenbild in einer Auflösung von 15m vor. Diese Auflösung bildete die Zielvorstellung für alle anderen Daten. Die Farben wirken nach der BroveyTransformation sehr natürlich (vgl. Abb. 47). transformation) erlaubt die Erschaffung eines Falschfarbenbildes, unter Verwendung des zweiten Kanals (grünes Licht), des vierten (nahes Infrarot) und des fünften (mittleres Infrarot). Mit dem höher aufgelösten panchromatischen Kanal wurde das Bild zusätzlich geschärft.
Abb. 47: Das Satellitenbild der Tigersprungschlucht wirkt nach der Brovey-Transformation sehr natürlich. Die hellblauen Flecke sind Wolken.

Dazu verwendet sie folgende drei Formeln:

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6.3.3

Rektifizierung der topographischen Karten
Weitere kleine Schritte waren nötig, um den Scan vorzubereiten: i.group (Image/Develop images and groups/Create-edit also zusätzlich noch eine nannte Gruppe i.target (Image/Develop images and groups/Target imagery group) verbindet die Gruppe mit der momentanen Location d.mon (Display/Start display/x0) öffnet ein Fenster, in dem Grafiken angezeigt werden können Mit i.points (Image/Rectify and georeference image group/Set GCP’s from raster map or keyboard entry) wurde die Gruppe des Scans geladen. Dieses Tool öffnete sich in dem zuvor gestarteten Display und zeigte oben eine kleine Version des Scans an, in dem Passpunkte vergeben werden konnten (vgl. Abb. 48). Der Befehl „Plot Raster“ könnte rechts ein bereits eingemessenes Bild anzeigen, an Hand dessen es möglich wäre, die im Scan gesetzten Punkte zu georeferenzieren. Das Satellitenbild gab hierfür jedoch nicht genügend Anhaltspunkte, da große Teile der abgebildeten Gebiete über keine oder sehr wenig Infrastruktur und nur Gebirge verfügen. Daher mussten die Punkte manuell eingemessen werden. Über den Befehl Zoom lässt sich ein vergrößerter Ausschnitt unter dem Scan abbilden. So wurden nacheinander dreizehn gut verteilte Punkte des Koordinatengitters markiert und über Tastatureingabe mit den jeweiligen, am Kartenrand abzulesenden, Gauss-KrügerKoordinaten versehen. imagery group) erzeugt aus dem Scan eine so ge-

Da die topographischen Karten nicht in UTM sondern in 6°-Gauss-Krüger vorlagen, konnten die Scans nicht in der UTM-Location rektifiziert werden. Dazu musste Gauss-Krüger-Location geschaffen werden. Der EPSG-Code 2507 definiert folgende Location: +proj=tmerc +lat_0=0 +lon_0=99 +k=1.000000 +x_0=500000 +y_0=0 +ellps=krass Der Mittelmeridian (lon_0) liegt bei 99°, x_0 beschreibt die Verschiebung des Nullpunktes auf 500km, um negative X-Werte zu vermeiden. Auch zum Importieren der Scans wurde das Modul r.in.gdal genutzt. Da es sich dabei um ein Farbbild handelte (im Gegensatz zu den Kanälen des Satellitenbilds), wurde dieses beim Import in die drei Kanäle RGB zerlegt. Das Modul r.composite wurde daraufhin genutzt, um die Kanäle wieder in ein Farbbild umzuwandeln. Bevor die eigentliche Entzerrung vollzogen werden konnte, musste sichergestellt werden, dass die Region, in der gearbeitet wird, wirklich die Karte umfasst. Die Region entspricht etwa dem Arbeitsbereich von Photoshop. Ebenen können auch außerhalb davon liegen, doch die meisten Werkzeuge lassen sich nur auf den Inhalt des Arbeitsbereiches anwenden. Über den Befehl g.region (GIS/Region/Manage region) lässt sich die Region in Ausdehnung und Auflösung (später sehr wichtig) manuell oder automatisch einstellen. Hier wurde die Region automatisch nach den Ausmaßen des Scans eingestellt.

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Über den Punkt Analyze lässt sich immer eine Aufstellung aller vergebenen Punkte und (ab vier Punkten) den jeweiligen RMS-Error anzeigen, also die Abweichung, die ein bestimmter Punkt von der durch die Transformationsgleichung vorhergesehenen Koordinate hat. Ein hoher Wert spricht nicht zwangsweise dafür, dass ein Fehler bei der KoordinatenVergabe gemacht wurde, sondern kann auch ein Hinweis darauf sein, dass die Karte beispielsweise schlecht eingescannt wurde. Und genau das spielte beim nächsten Punkt eine Rolle. Nach der Eingabe der Punkte wurde i.points geschlossen und i.rectify (Image/Rectify and georeference image group/Affine and Polynominal rectification) ausgeführt. Dieses Modul nimmt die eigentliche Entzerrung vor. Ein wesentlicher Parameter ist die Angabe der Transformations-Ordnung. Je nach Art der Verzerrung muss eine Transformation erster, zweiter oder dritter Ordnung durchgeführt werden. Wie bereits erläutert ist der RMS-Error ein guter Hinweis. Normalerweise sollte dieser Fehler möglichst der Größe eines Pixels der Karte entsprechen oder darunter liegen. Die Pixel-Größe ist abhängig vom Maßstab der Karte und der Auflösung des Scans. Bei 1 : 200 000 und 300 dpi ist ein Pixel 16,93 m breit. Aus 300 Pixel pro Inch (2,54 cm) und 2000 m pro cm ergibt sich die Formel (2000*2,54)/300. Da der RMS-Error jedoch im Allgemeinen zwischen 20m und 40m lag, war von einem Fehler beim Scan auszugehen, welcher nur durch eine Polynomtransformation (dritter Ordnung) korrigiert werden konnte. Der Scan musste also nicht nur im Ganzen entzerrt und gedreht werden, sondern auch noch gebietsweise in sich selbst. Um eine Transformation dritter Ordnung durchführen zu können, braucht es mindestens zehn Passpunkte, da die Transformationsgleichung genau so viele Unbekannte enthält. Laut SHAPIRO (2005) wäre jedoch eine Überbestimmung besser, um die Genauigkeit zu erhöhen. In diesem Beispiel wurden dreizehn Punkte gesetzt. Zu solchen Fehlern kann es kommen, wenn die Karte nicht ganz eben auf dem Scanner liegt und beispielsweise eine Ecke absteht. Dafür sprach auch die Tatsache, dass der Scan an den Rändern leicht gebogen war.
Abb. 48: i.points, mit vergrößerter Tigersprungschlucht (unten) und markierten Punkten (grün, für die Ansicht leicht hervorgehoben)

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KAPITEL 6

Nach der Entzerrung wurde in die UTMLocation gewechselt. Über r.proj (Raster/Develop map/Reproject from other location) konnte der entzerrte Scan von der Gauss-Krüger- in die UTMLocation umprojiziert werden. Ein Vergleich mit dem Satellitenbild zeigte immer noch kleine Abweichungen, doch han-

delte es sich hier nicht um einen gerichteten Fehler, sondern um lokal auftretende Abweichungen, beispielsweise bei Flüssen (vgl. Abb. 49). Große Straßen stimmten wiederum relativ genau mit denen im Satellitenbild überein, weswegen davon auszugehen ist, dass die restlichen Fehler durch das Alter der Karten bedingt sind.

Abb. 49: Die Collage zeigt einen Vergleich der Topomap mit dem Satellitenbild. Beim roten Pfeil geht ein Fluß nicht gut von Karte in Foto über. Die orangefarbenen Pfeile zeigen eine Straße, mit korrektem Anschluß und der violette Pfeil zeigt eine Straße, die zu Zeiten der Karte noch nicht gebaut war.

6.3.4

SRTM-Daten einlesen
In der UTM-Location wurde wieder der Befehl r.proj genutzt, um die SRTM-Daten umzuprojizieren. Dieses Mal war es wichtig, als Methode cubic anzugeben. Dabei handelt es sich um das Verfahren, mit welchem die Grauwerte der Ausgangspixelmatrix in die neue solche Pixelmatrix umgewandelt werden. Nearest Neighbor verwendet einfach den Grauwert des Pixels, in den die betreffende Koordinate reinfällt. Die bilineare Interpolation bezieht indes die Nachbarpixel (in einer zwei mal zwei-Matrix) mit ein. Je nachdem, wie nahe die Koordinate an einem Nachbarpixel liegt, wird dessen Grauwert mehr oder weniger übernommen.

Da von den SRTM-Daten der NASA nur die Ausmaße in Grad bekannt sind, nämlich 1° mal 1°, mussten die Daten in eine so genannte Latitute/Longitude-Location importiert werden, die als Maßeinheit Gradangaben nutzt. Der EPSG-Code 4030 definiert eine +proj=longlat +ellps=WGS84 +no_defs. Das Modul r.in.srtm (File/Import/Raster Location und nutzt das WGS84-Ellipsoid:

map/SRTM hgt files) nutzt direkt die gezippten hgt-Dateien der NASA, um die SRTMDaten in die Location zu importieren.

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KAPITEL 6

Die Cubic Convolution funktioniert ähnlich wie die zuletzt genannte Methode, nur werden hier die Pixel einer vier mal vier-Matrix berücksichtigt. Tests mit allen drei Verfahren zeigten, dass die ersten beiden nicht ausreichend sind.

Es bildete sich ein ziemlich regelmäßiges Streifenmuster, welches dazu führte, dass die Geländeoberfläche kleine Stufen aufwies (vgl. Abb. 50). Der Nachteil der Cubic Convolution liegt in der benötigten langen Rechenzeit.

Abb. 50: Die Abbildung zeigt einen Vergleich der beiden Umprojizierungsmethoden. Die Pfeile markieren die markanten Stufen, die sich bei Nearest Neighbor im Abstand von etwa 1200m bilden.

6.3.5

Datenlöcher in SRTM-Daten automatisch füllen
sehr glatt, da ihr jegliche Unebenheiten des natürlichen Geländes um sie herum fehlen. Für die meisten Flächen konnte dieses Verfahren genutzt werden. Bei größeren Datenlöchern reicht die automatische Interpolation leider nicht mehr aus. Die Tigersprungschlucht ist so ein Fall, bei dem sowohl eine komplette Seite als auch der Boden im Radarschatten liegen und dieses Gebiet so groß ist, dass die automatische Interpolation nicht mehr greift (vgl. Abb. 51). Das Spline, welches entlang des Randes gelegt wurde, lief praktisch ins Leere, weil es zu weit in den Schattenbereich reichen musste ohne auf eine Gegenseite zu treffen. Dadurch bildeten sich große Stufen im Gelände.

Die meisten Datenlöcher sind klein genug, dass eine Methode zur automatischen Füllung durchaus realistische Ergebnisse liefern kann. r.fillnulls (Raster/Interpolate surfaces/Fill NULL cells) erfüllt diese Aufgabe. Gebiete ohne Daten werden in GRASS als NULL cells bezeichnet. Das Modul basiert auf v.surf.rst, welches „regularized splines with tension“ (in etwa: unter Spannung gesetzte Splines) verwendet. Im Prinzip wird um den NULL-Bereich ein Spline gelegt und dieses nach innen zu gezogen. Je nach Spannung reagiert dieses Spline mehr oder weniger empfindlich auf kleine Ausbuchtungen des Randgebietes. Die resultierende Fläche wirkt dabei meist

Abb. 51: die Tigersprungschlucht, links mit Datenlöchern und rechts nach automatischer Korrektur

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6.3.6

Datenlöcher in SRTM-Daten manuell füllen

In solchen Fällen führt kein Weg an einer manuellen Korrektur vorbei. Hierfür konnten die topographischen Karten, welche über ein detailliertes Höhenliniennetz verfügen, als Digitalisierungsunterlage verwendet werden. Als erstes wurden automatisch aus den SRTMRohdaten von der fraglichen Stelle Höhenlinien erzeugt. Dazu musste mit g.region die Auflösung auf die der SRTM-Daten (90m) runtergestellt werden, da sich sonst Stufen bilden würden. Ebenfalls mit g.region oder grafisch über das Display mit d.zoom wurde die Arbeitsfläche auf das Gebiet unmittelbar um das fragliche Datenloch herum begrenzt. r.contour (Raster/Generate vector contour lines) berechnete die Höhenlinien des Gebiets als Vektor-Daten. Dabei war es wichtig, dass ein geringes Höhen-Intervall von 10 m genutzt wurde. Ein größeres Intervall hätte zu viele Details des Geländes geschluckt, weniger hätte die Bearbeitung unnötig erschwert. Mit g.region wurde die Auflösung wieder auf 15 m zurückgestellt und v.digit mit den Höhenlinien-Daten ausgeführt. v.digit dient der Erstellung und Bearbeitung von Vektor-Daten. Jeder neuen Linie konnte ein Höhenwert zugeteilt werden. Dabei konnte für den Hintergrund ein beliebiges DisplayKommando ausgeführt werden. Hier erschien es am sinnvollsten, das SRTM transparent über die Topomap zu legen. Dazu mussten die Farben des SRTM mit r.colors.rules (Raster/Manage map colors/Set colors using color rules) auf einen schwachen Grauverlauf gesetzt werden. Nach dem Ausführen des Befehls können in einem Fenster Regeln definiert werden. 0% 100 100 100 und 100% 200 200 200 führt beispielsweise dazu, dass der niedrigste Höhenwert ein dunkles Grau erhält und der höchste ein helles Grau. Das Display-Kommando für v.digit lautete so „d.his h_map=[Topomap] i_map=[SRTM] s_map=[Topomap]“. d.his nutzt nicht das Farbmodell RGB zur Darstellung von Rasterdaten, sondern HIS (Hue=Farbe, on=Sättigung). So konnte im Editor-Fenster die Topomap zusammen mit dem SRTM als transparenter Schleier angezeigt werden. Da die NULL cells im SRTM konsequent weiß sind, waren die Datenlücken nach wie vor gut zu erkennen. Darüber lag der zu bearbeitende VektorDatensatz (vgl. Abb. 52). Intensity=Intensität, SaturatiAbb. 52: Diese Ansicht von v.edit zeigt die Höhenlinien (rot) im Bereich der Datenlücken, wo sie mittels der Topomap nachgezeichnet wurden, und in den fehlerlosen Gebieten, wo sie automatisch in einem Intervall von 10m erstellt wurden.

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KAPITEL 6

Mit den Tools des Editors konnten nun die Datenlücken anhand der Höhenlinien der Topomap gefüllt werden. Dabei war es wesentlich, sich nicht konsequent an die Höhenlinien der Topomap zu halten, sondern vom Rand die vorhandenen Höhenlinien in die der teilweise abweichenden Topomap zu überführen, um an diese nahtlos anzuschließen. Es war jedoch nicht notwendig, jede der im Intervall von 10 m angelegten Höhenlinien weiterzuführen, die feine Gliederung diente einem anderen Zweck (dazu weiter unten). Am sinnvollsten schien es, sich an das Intervall der Höhenlinien in der topographischen Karte (200m) zu halten. Die so vervollständigten Höhenlinien mussten nun in eine Oberfläche umgewandelt werden. Als erstes wurde die Auflösung wieder auf 90m zurückgestellt und dann der Befehl v.surf.rst (Raster/Interpolate surfaces/Regularized spline tension interpolation from vector points or contours) ausgeführt, welcher die Höhenlinien zu einer Oberfläche verband. Dadurch, dass die Höhenlinien an den Rändern der Datenlücken zuvor in einem Intervall von 10m erstellt wurden, ging die neu gebilAbb. 53: Wenn für die gesamte Fläche die Höhenlinien in einem Intervall von 200m erstellt würden, käme es zu Stufen an den Rändern (später sichtbar an den Rändern der Datenlücken). Hier wurde der niedrigste Verlauf des Yangzi geschluckt.

dete Oberfläche gut in die alte über. Bei einer gröberen Höhenabstufung wären Details an den Rändern nicht nachgebildet worden und es wären Kanten entstanden, die die alte mit den Abweichungen der neuen Oberfläche verbunden hätten (vgl. Abb. 53).

6.3.7

SRTM-Daten patchen, resamplen und in Relief umwandeln

Noch bestanden die SRTM-Daten aus vielen kleinen Kacheln. Ein großer Datensatz der gesamten Fläche lässt sich später jedoch einfacher handhaben. Die Reihenfolge beim Zusammenfügen spielte eine große Rolle. Es empfahl sich, erst die große Datenlücke bei der Tigersprungschlucht zu korrigieren, danach sämtliche Kacheln zusammenzulegen und erst als letztes die verbliebenen Datenlücken automatisch füllen zu lassen. Da die Kacheln durch ein Gradgitter begrenzt sind und nicht durch UTM-Koordinaten,
Abb. 54: Diese stark übertriebene Zeichnung zeigt, dass die SRTM-Daten durch die Differenz zum UTM-Gitter in den Ecken nur NULL cells besitzen.

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KAPITEL 6

verfügen sie nicht über einen geraden Rand. Der Rand der Daten entspricht den Gradlinien und liegt somit schräg zum UTM-Gitter (in einer Latitute-/Longitute-Location wäre das genau anders herum). Das restliche Dreieck bis zum Rand des rechteckigen Datensatzes hat somit keine Daten (NULL cells) und wäre bei einem automatischen Füllen der Datenlücken mit gefüllt worden (vgl. Abb. 54). Daher mussten die Kacheln zuerst aneinandergelegt werden. In dem kleinen Überlappungsbereich passten die schrägen Kanten exakt aneinander. In r.patch (Raster/Overlay maps/Patch maps) wurden die entsprechenden Kacheln hintereinander angegeben, die erste Kachel ist dabei die unterste Ebene. Das spielte eine Rolle bei der Tigersprungschlucht. Die neu berechnete Oberfläche wurde als unterste genutzt. Durch diese Reihenfolge wurde die dazugehörige SRTM-Kachel darüber angebracht und nur in den Bereichen der Datenlücken war indes die neue Oberfläche sichtbar (vgl. Abb. 55). Durch die Beachtung der Höhenlinien des Randes beim Digitalisieren passte die neue Oberfläche nahtlos in die Datenlücken. Danach wurden alle anderen Kacheln ebenfalls angegeben und heraus kam das gesamte SRTM-Gebiet. Erst jetzt durfte die automatische Füllung der restlichen Datenlücken vorgenommen werden.

Momentan lagen die Daten noch immer in der 90m-Auflösung vor. Würden diese in der 3DDarstellung als Höhendaten genutzt werden, wäre das auch die maximale Auflösung für die Textur. Doch sollte ja eine Textur verwendet werden, die der Auflösung des Satellitenbildes entsprach. Darum mussten die SRTM-Daten mit r.resamp.rst (Raster/Develop map/Resamle

using regularized spline tension) auf 15m hochgerechnet werden. Dieser Prozess funktioniert ähnlich wie die Erzeugung einer Oberfläche aus Höhenlinien. Zwischen den vorhandenen Grauwerten werden neue Stufen in der gewünschten Auflösung interpoliert. Dabei war es wichtig, die aktuelle Auflösung zuvor mit g.region auf 90m hoch zu stellen, da sonst jeder Pixel als eine ebene Fläche mit einer Breite und Höhe von 6*15m (=90m) verstanden würde, eine Struktur, die das Programm versucht hätte beizubehalten, wodurch sich Treppen gebildet hätten. Nachdem die SRTM-Fläche komplett gefüllt und in hoher Auflösung vorlag, hätte die Oberfläche bereits in 3D dargestellt werden können. Doch dazu brauchte sie erst einmal eine Textur – die eigentliche Karte mit allen darzustellenden Signaturen.

Abb. 55: Die Zeichnung erläutert das Übereinanderlegen der einzelnen Ebenen. Als unterstes wird die manuell erstellte Fläche (orange) gelegt. Darüber kommen die lückenhaften SRTM-Daten (gelb). T ECHNISCHE F ACHHOCHSCHULE B ERLIN – S TUDIENGANG K ARTOGRAPHIE – D IPLOMARBEIT VON M ARTIN V IGERSKE

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KAPITEL 6

Neben Satellitenbild und Topomap war dazu noch ein Relief notwendig, welches die Oberflächenstruktur verständlicher machen sollte (vgl. Abb. 56). Besonders bei Flüssen konnte dies hilfreich sein. Vor der Erzeugung des Reliefs wurde die Auflösung mit g.region auf 30m eingestellt, was für die Arbeit mit Freehand völlig ausreichend sein sollte und die zu ladende Datenmenge um die Hälfte reduzierte. r.shaded.relief (Raster/Terrain analysis/Shaded relief map) erzeugte das Relief. Als Azimut (Sonnenwinkel relativ zu Norden) wurden 315° verwendet, was ein natürlich wirkendes
Abb. 56: Relief der Tigersprungschlucht

Ergebnis erzeugt. Beim Satellitenbild schien die Sonne leider genau von der anderen Seite auf das Gelände, wodurch Berge wie Täler wirken und Flüsse wie Gebirgskämme.

6.3.8

GPS-Daten einlesen

Die GPS-Aufzeichnung der Tour war die wichtigste Referenz bei der Erstellung der Karte. Gerade auf kleinen Wegen, die in der Topomap nicht verzeichnet sind und im Satellitenbild schwer zu entziffern waren, waren die GPS-Daten unerlässlich. Um diese in Freehand verwenden zu können, wurde der Umweg über das Esri-Shape-Format gewählt. Das Konvertierungs-Tool gpx2shp (http://gpx2shp.sourceforge.jp) ist wie Linux durch die GNU general public licence frei verwendbar und kann GPX-Dateien (ein Standard-GPS-Format) in Linien- und Punkt-3DShapes umwandeln. Wichtig ist bei der Konvertierung nur, dass die GPX-Datei nicht nur Wegpunkte enthält, sondern dazu auch immer eine Zeitkoordinate, da sonst keine Bezüge zwischen den einzelnen Punkten hergestellt werden können und die Shape-Datei am Ende nur Punkte aber keine Linien enthalten würde. Im Prinzip gibt es auch Wege, Shape-Dateien in Freehand einzulesen, doch kostet das entsprechende PlugIn nicht wenig Geld und ist zudem auch noch recht kompliziert in der Anwendung.
Abb. 57: GPS-Daten aus der Tigersprungschlucht

Daher wurde der Weg über GRASS gewählt. Da die Koordinaten-Angaben in einer GPXDatei immer in Longitude und Latitude vorliegen, musste für den Import wieder in die entsprechende Location gewechselt werden. Das Modul v.in.ogr (File/Import/Vector map/ Various formats using OGR) versteht sich auf den Import von Vektor-Daten verschiedenster Formate. Hiermit konnten die Shape-Dateien in das GRASS-Vektor-Format umgewandelt werden, inklusive zugehörigen Z-Werten. In der UTM-Location wurden diese VektorDateien aus der Long/Lat-Location durch v.proj (Vector/Develop map/Reproject vector from other location) umprojiziert.

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KAPITEL 6

6.3.9

Daten als Tiff-Bilder exportieren
den. Dieser enthält die genaue Auflösung und Koordinaten der exportierten Szene und wird beim Import über r.in.gdal auch verstanden. Der World-File für die Kachel mit der Tigersprungschlucht (vergleiche Datenübersicht im Anhang) sieht beispielsweise so aus: 14.250089063056643 0.000000000000000 0.000000000000000 -14.250089063056643 570007.125044531538151 3039992.874955468345433 14,25 ist die genaue Auflösung und die beiden letzten Zahlen sind der Rechts- und Hochwert der linken, oberen Ecke der Kachel. Die Verwendung von einem World-File hat den großen Vorteil, dass bei der Verarbeitung der Tiff-Bilder nicht darauf geachtet werden muss, nur mit Software zu arbeiten, die die wertvollen, in die Tiff-Datei eingebetteten, geographischen Informationen nicht zerstört (wie bei einem GeoTiff). Prinzipiell kann ein beliebiges Bild verwendet werden, um es an die im World-File bestimmte Stelle zu setzen. Die einzige Bedingung: das Bild muss exakt die gleiche Anzahl Pixel in Breite und Länge besitzen, sonst bildet sich eine Differenz zu den Angaben im World-File. Auf diese Weise konnten alle Daten exportiert werden, wobei aus Speicherplatzgründen die Topomap und das SRTM-Relief nur mit einer Auflösung von 30m exportiert wurden.

Im letzten Schritt zur Vorbereitung der Digitalisierungsgrundlagen mussten die Daten noch als Tiffs exportiert werden. Auch die eigentlich im wesentlich schlankeren Vektor-Format vorliegenden GPS-Daten wurden als Tiff exportiert. Zwar unterstützt GRASS die Ausgabe in DXF, und Freehand kann prinzipiell auch DXF einlesen, jedoch ist DXF nicht immer gleich DXF und so wird gerade das GRASS-DXF nicht von Freehand MX verstanden (im Gegensatz zu Illustrator 10 von Adobe). Um die Datenmenge zu reduzieren und die Bearbeitung in Freehand nicht zu sehr zu verlangsamen, durften die Daten nur in (sich überlappenden) Kacheln exportiert werden. Ein Gebiet von 80 mal 80km bringt bei einer Auflösung von 15m (genau genommen sind es eigentlich 14,25m) Bilder in der Größe von 5614 mal 5614 Pixel zu Tage (80 000/14,25). In der Datenübersicht im Anhang sind die einzelnen Kartenausschnitte eingezeichnet. Weiterhin konnte die Datenmenge reduziert werden, indem bereits an dieser Stelle Überlegungen angestellt wurden, wo die Kamerafahrt letzten Endes ungefähr lang führen würde. Vor allem die Blickrichtung spielte hierbei eine wichtige Rolle, da bei großer Entfernung je nach Winkel ein anderes großes Gebiet sichtbar sein würde, während für das Gelände unmittelbar vor der Kamera die Richtung keine so große Rolle spielt. Hinter der Kamera musste natürlich nichts bearbeitet werden. Beim Export der Kacheln über r.out.tiff (File/Export/Raster map/TIFF image) kann ein so genannter World-File (.tfw) angelegt wer-

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KAPITEL 6

6.4 Kartenerstellung mit Photoshop CS und Freehand MX
Mit Freehand MX geschah die eigentliche Digitalisierungsarbeit. Photoshop CS half bei der Nachbereitung der exportierten Tiffs und gab der in Freehand erstellten Karte den letzten Schliff.

6.4.1

Tiffs in Photoshop nachbereiten
Die Satellitenbilder mussten optisch aufgebessert werden, da sie in der vorliegenden Fassung noch etwas dunkel und matt waren. Damit diese Optimierung gleichmäßig vollzogen werden konnte, mussten sämtliche Satellitenbilder in ein Dokument importiert werden. Durch die Überlappung konnten die Kacheln exakt aneinander angepasst werden. So konnten alle Bilder gleichzeitig bearbeitet werden. Danach wurde das Bild zum Export wieder in Kacheln zerlegt.

Noch lagen die exportierten Bilder nicht in der optimalen Fassung vor. Da die gewählten Ausschnitte natürlich nicht genau dem Schnitt der topographischen Karten entsprachen, gab es pro gewählte Kachel mehrere Bilder. Hier mussten die Kartenränder beschnitten werden und die einzelnen Teile zu einer kompletten Kachel zusammengefügt werden. Bei den GPS-Bildern musste ein Alpha-Kanal eingefügt werden, der es später in Freehand ermöglichen sollte, die Fläche um die eigentlichen Linien herum auszublenden.

6.4.2

Digitalisierung in Freehand
Es wurden immer nur die Kacheln eines Gebietes geladen, um die Ladezeiten zu reduzieren. Nach dem Einladen eines Satzes an Satellitenbild-, SRTM-Relief-, Topomap- und GPS-Daten wurde die Digitalisierung vorgenommen (vgl. Abb. 58). Am wesentlichsten waren Straßen, Bebauung, große Gewässer und natürlich die eigentliche Strecke. Bei Flüssen wurden nur Hauptflüsse und in gewissen Abständen Nebenflüsse mit aufgenommen. Natürlich wurden nicht zwangsweise die gesamten Kacheln digitalisiert. In erster Linie ging es um die Elemente in der Nähe des Tourverlaufs, jedoch wurden auch etwas weiter entfernt liegende Straßen und Gewässer digitalisiert, um dem Nutzer ein Gefühl für

Bei der Präparierung des Dokuments musste besonders sorgfältig vorgegangen werden, da es wichtig war, die Größe der einzelnen Kacheln pixelgenau einzuhalten. Daher wurde die Maßeinheit auf Pixel umgestellt. Die einzelnen Kacheln mussten nach dem Import auf die halbe Größe reduziert werden, da ansonsten bald die maximal mögliche Dokumentgröße erreicht sein würde. Da Freehand (im Gegensatz zu Photoshop) ein Vektor-Programm ist, hat eine solche Verkleinerung nur Auswirkungen in der Darstellung (es muss stärker gezoomt werden) und nicht in der tatsächlichen Auflösung der Raster-Daten.

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KAPITEL 6

das gesamte Gebiet zu geben und es nicht so ausschauen zu lassen, dass außerhalb der Strecke keine Infrastruktur vorhanden wäre. Bei der Bebauung wurden auch nicht alle kleinen Ansiedlungen digitalisiert, sondern wiederum in erster Linie die, die nahe an der Tour lagen und möglichst über eine erkennbare Straßenanbindung verfügten. Satellitenbild und Topomap waren dabei gleichsam ein Anhalt über die sichtbare Infrastruktur. Teilweise wurde geschaut, ob Straßen, die in der Topomap abgebildet sind, im Satellitenbild zu sehen sind und teilweise wurde anhand der Topomap versucht zu bestimmen, worum es sich bei einer im Satellitenbild sichtbaren Struktur handelt. Beispielsweise ist nicht immer klar zu erkennen, ob eine gerade Linie ein Weg, ein begradigter Fluss oder einfach nur eine breite Trennlinie zwischen zwei Feldern darstellt. Der genaue Verlauf von Flüssen wurde anhand des SRTM-Reliefs nachgeprüft. Die Brovey-Transformation war bei der Interpretation des Satellitenbildes eine gute Hilfe. Sie ließ die farbliche Unterscheidung in erster Linie zwischen Grünfläche (grün), unbewachsener Fläche (braun), Gewässer (schwarz/tiefes blau), Bebauung (bläuliches grau) und Wolkenbedeckung (grelles hellblau) zu. Während der Digitalisierung wurde noch mit Strichstärken von einem Pixel gearbeitet. Erst zum Ende wurden passende Signaturen gewählt. Da die Karten als Textur dienen sollten und letztlich nur aus einem niedrigen Blickwinkel heraus (also nicht aus der gewöhnlich genutzten Draufsicht) betrachtet werden würden, mussten die Liniensignaturen entsprechend breit sein und dicke Konturen erhalten. Ansonsten würde zu viel durch die geringe Auflösung der ganz am Ende entstehenden Animations-Bilder geschluckt werden.
Abb. auch 58: der gesamte in Freehand erzeugte im Karteninhalt (nach der Generalisierung), vergleiche Datenübersicht und Kartenausschnitt Anhang

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KAPITEL 6

Im Hintergrund sollte später eine vereinfachte Version des Satellitenbildes zu sehen sein. Daher war es notwendig, besonders helle und kontrastreiche Farben zu nutzen, die gegen das eher dunkel gehaltene Satellitenbild anstehen könnten. Die Straßen wurden lediglich in zwei Klassen eingeteilt: Haupt- (Gelb) und Nebenstraßen (helles Grau). Eine weitere Signatur für Wege war unnötig und auch nicht praktikabel, da nur die Topomap als Referenz für diese Art der Unterscheidung hätte dienen können und diese bei solchen sich schnell ändernden Strukturen einfach zu unzuverlässig ist. Die Signatur für die Route musste besonders hervorstechen, um immer schnell wahrgenommen werden zu können. Rot stand damit als Farbe fest. Doch eine durchgezogene Liniensignatur hätte die Farbe der Straßensignatur darunter verdeckt und es sollte schon deutlich werden, auf welcher Art von Straße sich die Tour bewegt. Daher fiel die Wahl letztlich auf eine gestrichelte, rote Liniensignatur. Als Linienstärke wurde die der Hauptstraße (ohne Kontur) übernommen, da zum Einen die Tour meistens auf dieser Art Straßen lang führt und zum anderen durch die leichte Überlappung

der roten Signatur mit der grauen deutlich wird, dass die Nebenstraße kleiner. Auf Beschriftungen wurde fast gänzlich verzichtet, da die meisten Orte dem Nutzer sicher kein Begriff sein werden, er die wichtigen über die Infoboxen vermittelt bekommt und kleine Schriften wegen des schrägen Blickwinkels nur schwer zu lesen sein würden. Einzig der Erhai (Ohrensee) bekam eine große blaue Beschriftung in der bereits in der Anwendung verwendeten Schriftart Informal BT. Erst ganz am Ende, als alle Kartenelemente erzeugt waren, wurde alles noch einmal durchgegangen und generalisiert. Viele verwinkelte Straßen mussten vereinfacht werden, wenn sie sich durch die extreme Linienstärke in einen einzigen Klumpen verwandelt hatten. Exportiert wurden die Kartenelemente als Tiff und zwar wieder in der zuvor verwendeten Kachelgröße. Damit die Tiffs nach dem Export auch wirklich die richtige Breite (in Pixel) besaßen, musste als Auflösung 144dpi angegeben werden, da sie beim Import mit der Monitorauflösung von 72dpi geladen wurden und danach in der Größe auf 50% reduziert worden sind (72dpi * 2 = 144dpi).

6.4.3

Satellitenbild-Unterlage in Photoshop
das Kartenbild arg überlastet und die eigentlichen Signaturen, vor allem die Tour, wären viel schwerer auszumachen. Daher sollte aus dem Satellitenbild ein klassifiziertes Bild erzeugt werden. Dazu wurde das Bild kopiert und stark vereinfacht. Die Sättigung und der Kontrast wurden erhöht, das Bild weich gezeichnet und der Störungs-Filter „Helligkeit interpolieren“ angewendet, wel-

Bevor die Kartenbilder in Photoshop eingeladen wurden, musste das Satellitenbild noch vorbereitet werden. Aus zwei Gründen wurde das Satellitenbild nicht einfach im aktuellen Zustand als KartenUntergrund verwendet. Einmal sollte ein zu realistischer Look vermieden werden, um dem zukünftigen Reiseteilnehmer nicht zu viel vorwegzunehmen und zweitens hätte die Verwendung des detaillierten Satellitenbildes

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KAPITEL 6

cher kleine Details auflöst und die Ränder zwischen den braunen und grünen Flächen vereinfacht. Über die Farbselektion wurden die hellen Wolkenbereiche selektiert und je nach vermutetem Untergrund (unter Beachtung der Fläche am Rand) Braun oder Grün gefärbt. Weiterhin wurde die Farbselektion genutzt, um die braunen und die grünen Flächen zu selektieren. Hierbei musste beachtet werden, dass die Sonne in dieser Szene aus dem SüdOsten schien und damit die nach NordWesten gerichteten Bergrücken im Schatten lagen. Die schattigen Flächen waren daher schwerer als braun oder grün zu identifizieren. Da die Sonne jedoch (auf der Nordhalbkugel) normalerweise aus dem Nord-Westen einfällt, ist davon auszugehen, dass diese Flächen bewachsen, also grün, sind. Bei der Selektion wurden zuerst alle braunen Flächen selektiert (vgl. Abb. 59) und in einer neuen Ebene mit einer einfachen braunen Farbe gefüllt. Für weitere Nachbearbeitungen wurde die Selektion außerdem abgespeichert. Danach wurde die Selektion einfach invertiert, ebenfalls abgespeichert und in der neu angelegten Ebene grün gefärbt. Damit waren nicht nur die Grünflächen, sondern auch die (zuvor als grün bewerteten) Schatten-Bereiche grün gefärbt. Auch andere Flächen wie die Bebauung wurden so zwar ebenfalls gefärbt, jedoch spielte dies keine Rolle, da über diese Flächen später die Kartensignaturen gelegt wurden. Als dritte Farbe wurde versucht einige der blauen Flächen zu selektieren und in die Farbebene zu übertragen, doch waren längst nicht alle Gewässer wirklich blau. Gerade die tieferen Seen waren eher schwarz.
Abb. 59: selektierte Braunflächen (rote Strichelung)

Die so entstandene Ebene wurde mit etwa sechzig Prozent transparent über das Satellitenbild gelegt und bildete so eine gute Klassifizierung ohne sämtliche Strukturen des Untergrunds zu verlieren. Im nächsten Schritt wurden die Kartenelemente importiert. Anhand der Überlappung konnten die einzelnen Kacheln aneinander angepasst werden. Der weiße Untergrund wurde entfernt und dann wurden einige der Signaturen auf mehrere Ebenen verteilt. Die Bebauung und die Gewässerflächen sollten beispielsweise leicht transparent über den Untergrund gelegt werden, um nicht zu stark hervorzustechen. Die rot gestrichelte Tour-Signatur wurde ebenfalls isoliert, um sie mit einem SchattenEffekt etwas vom Untergrund abzuheben und ihr einen erhabeneren Eindruck zu verleihen. Die anderen Signaturen (Straßen, Flüsse, Flughäfen) bekamen als Ganzes einen kleinen Schatten verpasst, ebenfalls um sich etwas vom Untergrund abzuheben. Die fertige Textur (Satellitenbild + Flächenklassifizierung + Kartensignaturen) wurde wieder in die ursprüngliche Kachelung zerteilt und in einzelne Tiffs gespeichert. Im Anhang befindet sich ein Ausschnitt.

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KAPITEL 6

6.5 3D-Animation in GRASS mittels NVIZ
Zurück in GRASS mussten zunächst die Tiffs importiert werden. Soweit die World-Files den gleichen Dateinamen trugen, wurden diese beim Import der Tiff-Dateien über r.in.gdal erkannt und genutzt. Mit r.patch konnten die Bilder leicht zu einer großen Textur zusammengesetzt werden. Die Überlappung spielte dabei keine Rolle. GRASS nutzte in den Bereichen immer das Bild, welches als letztes angegeben wurde. Zwar ergab das große Bild am Ende kein ganzes Rechteck, da sich die einzelnen Kacheln ja immer am Tourverlauf orientierten, doch die leeren Bereiche wurden durch r.patch einfach mit NULL cells aufgefüllt. Zur Erstellung der 3D-Animation wurde das Modul nviz (Display/Start NVIZ (n-dimensional visualization module)) genutzt. Vor dem Start musste die Region jedoch auf einen Bereich begrenzt werden, der für die Animation von einem Standort zum nächsten ausreichte. Da das Laden der Daten in der hohen Auflösung von 15m bei großen Gebieten sehr lange dauern kann, sollte die Region sehr sorgfältig ausgesucht werden, am Besten durch einen Test bei geringerer Auflösung. Beim Einsatz von NVIZ wurde als ElevationRaster das auf 15m hochgerechnete SRTMRaster angegeben und als Color die große Textur. Nach ein bis zwei Minuten öffnete sich rechts eine Steuerbox und links das Anzeigefenster. Über einen kleinen Kompass ließ sich die Kamera relativ zu einem ebenfalls modifizierbaren Szenenmittelpunkt bewegen und auf den ersten Tourpunkt (Zhongdian) ausrichten. Für die Animation gibt es zwei Tools, die sich in erster Linie durch die Anzahl der animierbaren Szenen-Eigenschaften unterscheiden. Hier reichte der Modus „Animation“ völlig aus. In einem Feld wurde festgelegt, wie lang die Animation sein soll. Bei der Animation Zhongdian Qiaotou/Tigersprungschlucht wurden 20 Bilder verwendet (vgl. Abb. 60). Eine Leiste zeigt jedes Bild (Keyframe) als Strich an. Ein blauer Balken steht für das aktuelle Bild. Nachdem die Kamera an die richtige Stelle gesetzt war, wurde mit Add die Position und Blickrichtung in das aktuelle (erste) Frame geschrieben.
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Im Menü „Panel“ fanden sich die verschiedenen Steuereinheiten. Unter Surface konnte die Genauigkeit der Oberflächen-Darstellung eingestellt werden. Erst bei der endgültigen Erstellung der Animation wurde auf die maximale Auflösung hoch gestellt. Der Menüpunkt Position ist sehr zweckmäßig, wenn es um präzise Steuerung geht. Hier wird (nach Betätigen der Taste Refresh) die Position der Kamera (Eye), des Szenenmittelpunktes (Surface) und der Winkel bzw. die Entfernung zwischen Kamera und Szenenmittelpunkt angezeigt. Durch das Notieren dieser Werte (nach dem die richtige Kameraeinstellung für den aktuellen Tourpunkt gefunden war) konnte die exakte Kameraposition und –ausrichtung später wieder rekapituliert werden, falls beispielsweise ein Teil der Animation noch einmal neu berechnet werden sollte. Auch die exakte Steuerung der Kamera ist durch Manipulation dieser Werte möglich.

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KAPITEL 6

Nach einem Klick auf das letzte Bild und der Ausrichtung der Kamera auf die Tigersprungschlucht wurde wiederum über Add das letzte Bild der Animation festgelegt. Der Button „Run and Save“ startete die Berechnung der Animation. Eine Dialogbox fragte nach dem Namen, der als Datei-Anfang für die einzelnen Bilder dienen sollte. Leider erlaubt NVIZ es nicht, die Größe des Fensters per Eingabe festzulegen. Die Bilder haben daher nachher genau die Größe des aktuellen Fensters. Hier hätte das Fenster daher entweder maximiert werden können, um besonders große Bilder zu erhalten, die dann verkleinert werden müssten, oder das Fenster hätte nach Augenmaß auf die richtige Größe gesetzt werden müssen.

In dem Fall halfen ein Lupen-Tool und eine in Photoshop angelegte Schablone, die als Bild auf den Desktop-Hintergrund gelegt wurde, die richtige Größe festzulegen. In Photoshop wurden nun nur noch die Buttons gesetzt, die der Nutzer später anklicken konnte. Das hätte zwar auch direkt in Director gemacht werden können, jedoch hätte dies eine Unmenge an Darstellern und Sprites erzeugt, zumindest, wenn die gleiche optische Qualität hätte erreicht werden sollen. So wurde aus Satellitenbild, SRTM-Daten, sowjetischer Generalstabskarte und den GPSAufzeichnungen die animierte 3D-Karte zur CHINA BY BIKE-Radtour „Südlich der Wolken“ geschaffen.

Abb. 60: NVIZ, mit aktiviertem Animations-Panel (unten rechts) und geöffnetem Panel-Menü (oben links), der Kompass zeigt die Blickrichtung, die Szene zeigt die tibetische Kleinstadt Zhongdian (am Anfang der Tour)

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KAPITEL 6

7 ZUSAMMENFASSUNG
Mit dieser CD-ROM hat CHINA BY BIKE eine Möglichkeit bekommen, auf moderne Art für sein Tourenprogramm zu werben und interessierten Menschen nähere Informationen zu liefern. Dem Fahrradfreund werden hier viele Fragen beantwortet, die bei solch einer doch recht speziellen Reiseform immer wieder auftreten. Neben den Touren finden sich Informationen zum Reisen per Rad in China, Literaturtipps, Internet-Links sowie ein bebilderter und vertonter Reisebericht. Die Touren werden dabei direkt anhand des Verlaufs erläutert, was zu einer engen Verknüpfung von Radstrecke und Tourprogramm führt. In der detaillierten Präsentation wird der Nutzer über eine animierte 3D-Karte durch die einzelnen Etappen geführt, wo er sich per Klick beispielsweise auf die Namen von Sehenswürdigkeiten Fotos abrufen kann. Auch die einzelnen Tourabschnitte sind sensitiv angelegt. Beim Überfahren mit dem Mauszeiger leuchten diese auf, ein Klick führt zu einem Höhenprofil des entsprechenden Abschnitts. Durch diese enge Verknüpfung von realistisch wirkender 3D-Karte und den eigentlichen Reise-Informationen, verliert der Nutzer nie die Nähe zur Tour. Er wird nicht herausgerissen, weiß immer, wo er sich befindet und wo die Tour lang führt. Da die Fotos aus der Karte heraus aufzurufen sind, kann der Nutzer diese leicht lokal zuordnen und erschafft sich so im Kopf ein Gesamtbild der Tour und nicht nur ein Stückwerk einzelner Tourpunkte.
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In der Tourenübersicht sind bereits sämtliche Touren aus dem Reiseprogramm von CHINA BY BIKE enthalten. Jedoch lediglich die Tour „Südlich der Wolken“ wurde im Rahmen dieser Diplomarbeit detailliert umgesetzt. Dabei wurden die Filme so angelegt, dass es später relativ leicht sein wird, eine Tour zu kopieren und nur die Inhalte gegen die einer neuen Tour auszutauschen. So könnte später einmal das gesamte Tourenprogramm von CHINA BY BIKE umgesetzt werden. Es ist anzunehmen, dass alle 14 Touren zusammen auf eine CD passen würden. Momentan nimmt der allgemeine Teil inkl. der MP3s etwa 20MB ein. Die Tour verbraucht etwa 40MB. Da der meiste Speicherplatz neben den Fotos durch die Animation der 3D-Karte verbraucht wird, ist anzunehmen, dass die beiden Trekkingtouren und die BestOf-Tour „Chinesische Landparty“ weniger Platz benötigen. Alle drei Touren spielen sich in relativ kleinen Gebieten ab bzw. liegen über ganz China verteilt. Doch selbst wenn mit etwa 40MB für jede Tour gerechnet werden würde, käme am Ende etwa eine Summe von lediglich 615MB (inkl. AcrobatReader) heraus. Bei dieser Rechnung wurde allerdings davon ausgegangen, dass in Zukunft keine HybridCD für Mac und PC mehr hergestellt werden wird, da CHINA BY BIKE nicht über einen Macintosh verfügt. Sollte sich dies in Zukunft ändern, könnte bei Platzmangel eine CD für den Mac und eine für den PC angeboten werden.

Informationen,

sowie

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KAPITEL 7

Die CD der Diplomarbeit enthält den Macund den Windows-Projektor. Die Herstellung einer Hybrid-CD war aus technischen Gründen leider nicht mehr möglich. Auch eine Version für das Classic-System konnte nicht erstellt werden. Für die Karte standen folgende Materialien zur Verfügung: Landsat-Satellitenbilder SRTM-Höhendaten Sowjetische Generalstabskarten im Maßstab 1 : 200 000 GPS-Aufzeichnungen der Touren Alle Daten mussten in dieselbe Projektion (UTM) gebracht und teilweise noch nachbearbeitet (SRTM: Datenlöcher bereinigen) werden. Bei der Erstellung der 3D-Karte wurde ein Weg eingeschlagen, der eine kostengünstige Herstellung trotz hohem Anspruch an die Qualität der Arbeit gewährleisten konnte. Da Software wie Esris ArcGIS in einem äußerst hohen Preissegment angesiedelt ist, war die Nutzung dieses Programms von vornherein ausgeschlossen. Um die Möglichkeit zu wahren, das Projekt später fortführen zu können, machte sich der Autor mit dem unabhängig entwickelten und frei erhältlichen GRASS GIS vertraut, welches erstgenannter Software in Sachen Professionalität in nichts nachsteht. Mit dieser Software wurden die SRTM-Höhendaten für die 3DKarte präpariert, die Satellitenbilder in eine zur Fernerkundung geeignete Form gebracht, Scans der Russischen Generalstabskarte entzerrt und nach UTM umprojiziert, die GPS-Daten in eine grafische Form gebracht und letztlich

-

die Darstellung und Animation der Karte in 3D vorgenommen.

Zur 3D-Darstellung wurde das leistungsfähige Modul NVIZ (n-dimensional visualization module) genutzt, welches in der Lage ist, Rasterund Vektor-Daten äußerst präzise räumlich darzustellen. Es übertrifft dabei sogar die lediglich in Echtzeit berechnete 3D-Ansicht von Esris ArcScene. Mittels der in GRASS GIS präparierten Daten konnte die eigentliche Digitalisierungsarbeit ausgeführt werden, wofür Macromedia Freehand MX genutzt wurde, da hier GRASS GIS – typisch für ein GIS-System – die nötigen gestalterischen Freiheiten fehlen. Obwohl für die 3D-Karte sämtliche Signaturen ungewöhnlich groß angelegt werden mussten, wurde bei der Digitalisierung dennoch auf einen hohen Grad an Genauigkeit geachtet, auch wenn einige der vielen kleinen Schlenker letztlich der Generalisierung zum Opfer fielen. Einer der Gründe dafür war, dass die eigentliche Karte (also die zweidimensionale Textur) später eventuell auch als solche in Papierform genutzt werden soll. Den Reiseleitern steht momentan nur eine ziemlich detailarme Karte des US-Militärs im Maßstab 1 : 500 000 zur Verfügung. Nach der Herstellung der 3D-Karte folgte die Umsetzung der eigentlichen Anwendung in Macromedia Director MX, wobei versucht wurde, eine flexible Struktur einzuhalten, die einen späteren Einbau weiterer Touren möglichst einfach halten sollte. Beispielsweise werden die Boxen zur Anzeige der Streckeninformationen durch ein Skript gesteuert, welches es ermöglicht, durch einen einzigen Eingriff sämtliche Boxen zu modifizieren.

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KAPITEL 7

Die eigentlichen Inhalte erhalten diese Boxen ebenfalls durch Skripte, so dass bei neuen Touren nur die Skripte bearbeitet werden müssen. Für zukünftige Versionen der CD-ROM sind auch noch weitere Features angedacht. Neben dem Ausbau der Reiseberichte-Sektion sind beispielsweise kleine Spiele wie ein Wissensquiz mit Bildern der einzelnen Provinzen Yunnans vorstellbar. Letzteres macht jedoch erst Sinn, wenn genügend verschiedene Touren umgesetzt wurden. Bei der Tourvorstellung sollte in zukünftig umzusetzenden Touren die Möglichkeit ge-

testet werden, ein Maßstabsgitter in die 3DKarte einzubetten, um dem Nutzer ein direkteres Gefühl für die Ausmaße einer Szene zu geben, als es über die kleine Maßstabsleiste der Index-Karte oder die Höhendiagramme möglich ist. Ursprünglich war geplant, zusätzlich Videos einzubinden. Doch da schlichtweg kein geeignetes Material zur Verfügung stand, wurde diese Idee wieder fallen gelassen. Falls sich dieser Zustand ändern sollte, könnten einzelne Videos an gleicher Stelle präsentiert werden wie jetzt die Fotos während einer Tour.

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KAPITEL 8

8 LITERATURVERZEICHNIS
CHINA BY BIKE (2004): Tourenprogramm 2005, 47 S.; Berlin. EBERL, M. & JACOBSEN, J. (2003): Director MX und Lingo, 1. Aufl., 954 S.; München (Markt+Technik) HAUSER, F. & HÄRING, V. (2005): China-Handbuch, 1. Aufl., 480 S.; Berlin (Trescher Verlag). HERMANN, H. (2002): Fahrrad Weltführer, 2. Aufl., 724 S.; Markgröningen (Reise Know-How). SHAPIRO, M. (2005): GRASS6-Manual – i.points, online in Internet: http://grass.itc.it/grass60/manuals/html60_user/i.points.html

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ANHANG

9 ANHANG: FLUSSDIAGRAMM ALLER BILDSCHIRME

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EXEMPLARISCHE UMSETZUNG DES RADTOURENANGEBOTS EINES REISEVERANSTALTERS IN EINE MULTIMEDIA-ANWENDUNG

ANHANG

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EXEMPLARISCHE UMSETZUNG DES RADTOURENANGEBOTS EINES REISEVERANSTALTERS IN EINE MULTIMEDIA-ANWENDUNG

ANHANG

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EXEMPLARISCHE UMSETZUNG DES RADTOURENANGEBOTS EINES REISEVERANSTALTERS IN EINE MULTIMEDIA-ANWENDUNG

ANHANG

10 A N H A N G : D A T E N Ü B E R S I C H T

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ANHANG

11 A N H A N G : A U S S C H N I T T A U S K A R T E N -T E X T U R

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