„Entwicklungskontinent“ Afrika - Perspektiven und Handlungsempfehlungen

10. Dezember 2010 Hannover

Herausgeber Denise Dittrich, Steffen Hentrich, Sylvia Bruns Regionalbüro Hannover der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit/ der Rudolf von Bennigsen-Stiftung Grupenstr. 1 30159 Hannover Tel.: 05 11.16 99 97- 0 Fax: 05 11.16 99 97-17 hannover@freiheit.org www.freiheit.org Gesamtherstellung COMDOK GmbH Büro Berlin 2010

„Entwicklungskontinent“ Afrika - Perspektiven und Handlungsempfehlungen
10. Dezember 2010 Hannover

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„Entwicklungskontinent“ Afrika – Perspektiven und Handlungsempfehlungen

Inhalt
Begrüßung Dr. Wolfgang Gerhardt MdB, Vorstandsvorsitzender der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit Entwicklungspolitik der FDP Harald Leibrecht MdB, Entwicklungspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion Entwicklung braucht Freiheit – Über die institutionellen Voraussetzungen wirksamer Entwicklungspolitik Steffen Hentrich, Liberales Institut, Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

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Mit Augenmaß und Leidenschaft – Die Arbeit der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in Afrika Denise Dittrich, Bereich Internationale Politik, Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit 40

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Begrüßung

Dr. Wolfgang Gerhardt MdB

Vorstandsvorsitzender der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

„Der Entwicklungsprozess liegt in erster Linie in der Verantwortung der Regierungen der Entwicklungsländer,“ sagte Bundeskanzlerin Merkel am 21.9. auf dem „Millenniumsgipfel“ in New York. Sie betonte die nötigen „Eigenanstrengungen“ der Partnerländer, und dass die Entwicklungshilfe nicht „zeitlich unbegrenzt“ gegeben werden könne. Sogar das Wort „Entwicklungshilfeindustrie“ nahm sie in den Mund. Solche Aussagen hatte man von staatlichem Spitzenpersonal in Deutschland bisher nicht gehört. Sie ähnelten dem, was US-Präsident Obama bei derselben Gelegenheit sagte. Von ihm sind kritische Töne gegenüber dem Entwicklungsrückstand Afrikas allerdings nichts Neues. Noch nie ist die wirtschaftliche Entwicklung des Kontinents so kritisch kommentiert worden wie in den letzten Jahren, und zwar von ausländischen wie von einheimischen Kennern der Verhältnisse. Auch immer mehr Menschen hierzulande, die kein genaueres Wissen vom Innenleben der Entwicklungszusammenarbeit haben, dämmert, dass daran irgendetwas nicht stimmen könne, nachdem doch ein halbes Jahrhundert lang so viele Berater und so viel Geld nach Afrika geschickt worden seien. Neu ist auch, dass gerade afrikanische Wortführer wie James Shikwati, George Ayittey und Dambisa Moyo rundheraus die Einstellung der Entwicklungshilfe fordern. Dass die Kernregion der wirtschaftlichen Entwicklungsproblematik, SubsaharaAfrika, so schlecht dasteht, liegt selbstverständlich in erster Linie daran, dass die afrikanische politische Kaste, aufs Ganze gesehen, erbärmlich wenig zum Aufbau ihrer Länder geleistet hat. Grund ist auch ein krasser Mangel an tüchtigen und gemeinwohlorientierten Unternehmern. Aber auch die externe Entwicklungshilfe hat das Entscheidende nicht geschafft: afrikanische Eigeninitiative zu stärken. Diese ist, ganz im Gegenteil, durch Entwicklungshilfe in erheblichem Umfang geschwächt worden. Es ist erstaunlich, wie
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wenig diese Zusammenhänge selbst von Leuten mit viel praktischer Erfahrung gesehen werden. Wer die Wirklichkeit nicht erkennt, von dem wird nicht zu erwarten sein, dass er wesentliche Änderungen am bisherigen Hilfesystem unterstützt. Sie sind aber nötig, auch wenn sie wegen der großen Beharrungskräfte nur schwer durchzusetzen sind. Ziel muss sein, ein absehbares Ende der Entwicklungshilfe ins Auge zu fassen und die afrikanischen Staaten in die Normalität zu entlassen. Vorher sollte aber – auch mit unserer Hilfe – dafür gesorgt werden, dass alle entwicklungswilligen Menschen in der Dritten Welt Zugang zu (Klein)krediten haben. Nicht zur Disposition steht die sogenannte Humanitäre Hilfe. Dass sie notwendig ist, ist keine Frage, wohl aber, wie sie am klügsten gegeben werden kann.

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Harald Leibrecht MdB

Entwicklungspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion

Entwicklungspolitik der FDP
Gut zehn Jahre sind seit der Millenniumserklärung im September 2000 durch 189 UN-Mitgliedsstaaten in New York vergangen und noch knapp fünf Jahre liegen vor uns, bis die daraus abgeleiteten Millenniumsentwicklungsziele (MDGs) erreicht sein sollen. Vor gut einem Jahr hat die christlich-liberale Bundesregierung ihre Arbeit aufgenommen und sich im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit eindeutig auf die Erreichung dieser Ziele verpflichtet. Für die Liberalen der FDP bedeutet internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung traditionell eine ganz wesentliche Verantwortung. Seit der Zeit, in der Bundespräsident Walter Scheel noch Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit war, hat sich bis heute mit Dirk Niebel nichts an der liberalen Überzeugung geändert, dass es zu allererst darum gehen muss, den einzelnen Menschen in eine Lage zu bringen, in der er sein wirtschaftliches und soziales Leben selbst in die Hand nehmen kann. Um einem jeden Wohlstand zu ermöglichen, orientieren sich die Liberalen am zentralen Handlungsprinzip der Hilfe zur Selbsthilfe. Dabei steht immer der Mensch mit seinen individuellen Bedürfnissen und unveräußerlichen Persönlichkeitsrechten im Mittelpunkt der Politik. Liberale Entwicklungspolitik zeichnet sich durch großes Vertrauen in die Stärken der Menschen aus und unterstützt sie konsequent darin, ihre Situation aus eigener Kraft zu verbessern. In den allermeisten Fällen sind die Lebenslagen armer Menschen nicht selbst verschuldet. Vielmehr sind sie das Resultat nicht vorhandener oder nur scheinbar vorhandener demokratischer und rechtsstaatlicher Strukturen, schlechter Regierungsführung, wirtschaftlicher, politischer Isolation oder defizitärer Bildung. In diesem Zusammenhang sind kluge entwicklungspolitische Maßnahmen immer solche, die sich auf die Ursachen von Armut beziehen. Für eine wirkungsund vertrauensvolle Entwicklungszusammenarbeit müssen aber gewisse Standards gelten. Einmal im Sinne von Spielregeln als Basis für die Zusammenarbeit, die von den Partnerländern eingefordert werden, andererseits als Zielzustände, die in den Partnerländern gefördert werden. „Gute Regierungsführung und nachhaltige Entwicklung lassen sich nicht trennen. Das ist die Lehre aus all unseren Bemühungen und Erfahrungen von Afrika über Asien und Lateinamerika. Ohne gute Regierungsführung – ohne Rechtsstaatlichkeit, verlässliches Regierungshandeln, legitimierte Machtausübung und bürgernahe Regelsetzung – werden uns alle Gelder und alle
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Wohltätigkeit dieser Welt nicht auf den Weg zum Wohlstand bringen.“1 Diese Einsicht des ehemaligen UN-Generalsekretärs Kofi Annan spiegelt sich voll und ganz in der Entwicklungspolitik der christlich-liberalen Koalition wider. Außerdem kommt dem Recht auf Eigentum eine eigene herausragende Bedeutung zu. Private Eigentumsrechte an den Produktionsmitteln erkannte bereits der österreichische Ökonom Ludwig von Mises in den 1920er-Jahren als zentrale Säule einer funktionierenden Volkswirtschaft.2 Von John Locke über Charles-Louis de Montesquieu und Claude Frédéric Bastiat ist das staatlich garantierte Recht auf Privateigentum ein Kernelement liberalen Denkens. Ludwig von Mises’ Prämisse, wonach das Privateigentum an Produktionsmitteln Grundlage für die Autonomie des Individuums ist, wurde in einem pragmatischen entwicklungspolitischen Kontext vor allem von Hernando de Soto aufgegriffen.3 Einklagbare Eigentumsrechte fungieren bei ihm vor allem als Schutzinstrument armer Menschen vor einschränkenden wirtschaftlichen und politischen Abhängigkeiten. Der Schutz der Menschenrechte, die Stärkung von good governance und rechtstaatlicher Strukturen, die Unterstützung der Eigenverantwortung und der Selbsthilfekräfte sowie der umfassende Einbezug der Zivilgesellschaft und des Privatsektors gelten heute als die zentralen Bestimmungselemente liberaler Entwicklungspolitik, wie sie auch sehr deutlich innerhalb der schwarz-gelben Koalition zum Tragen kommen. Als entwicklungspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion und Obmann im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit (AwZ) freue ich mich sehr, dass das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) mit Unterstützung der Koalition auch neue Wege in der Frage eingeschlagen hat, wie Entwicklungsländern tatsächlich dauerhaft geholfen werden kann. Die bislang unternommenen Schritte sind von großer Reichweite und stellen effektiv einen sehr wirkungsvollen Beitrag zum nachhaltigen Wohl der weltweit in Armut lebenden Menschen dar. Grundsätzlich kann es nur in enger Verbindung mit dem zivilgesellschaftlichen Engagement von politischen Stiftungen, Kirchen und Nichtregierungsorganisationen gelingen, Projekte vor Ort effizient durchzuführen und den Menschen in den Partnerländern nachhaltig wirksame Hilfen zu geben. Es gilt diese Art der Entwicklungsarbeit weiter zu forcieren und daneben noch stärker als bisher die Aufmerksamkeit der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland für die so
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„Striving for good governance in Africa: Synopsis of the 2005 African Governance Report prepared for the African Development Forum IV”, African Governance Report (AGR) 1 (UN/Economic Commission for Africa, 2005). Ludwig von Mises (1927/2000), Liberalismus. Academia Verlag (Sankt Augustin). Hernando de Soto (1992), Marktwirtschaft von unten. Orell Füssli (Zürich).
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wichtige Entwicklungszusammenarbeit zu gewinnen. Eine Schlüsselrolle spielt in diesem Zusammenhang die Überführung der drei Durchführungsorganisationen des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED), der Internationalen Weiterbildung und Entwicklung (InWEnt) und der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (DGiZ). Durch die Schaffung einer schlagkräftigen Organisation, deren Kompetenzen unter einem gemeinsamen Dach gebündelt sind, wird nicht nur die Kohärenz und die entwicklungspolitische Steuerungsfähigkeit der deutschen Entwicklungspolitik, sondern auch die Wirksamkeit der in der Technischen Zusammenarbeit eingesetzten Mittel erhöht. Gleichzeitig kommt Deutschland damit seinen im Rahmen der Erklärung von Paris (2005)4 und des Aktionsplans von Accra (2008)5 gemachten Zusagen für eine wirksamere internationale Entwicklungszusammenarbeit zur Erreichung der Millenniumsentwicklungsziele nach. Diese Reform muss stets darauf ausgerichtet bleiben, die Partner in den Entwicklungsländern zu befähigen, aus eigener Kraft wirtschaftliches Wachstum und Wohlstand in demokratischen, rechtsstaatlichen Strukturen zu erreichen. Im Zusammenhang mit der Steuerungsfähigkeit gilt, dass die Ressourcen einer reformierten Durchführungsstruktur gerade auch für die Stärkung der entwicklungspolitischen Meinungsführerschaft Deutschlands auf internationaler Ebene benötigt werden. Deutschland kann damit eine Vorreiterrolle in der Gestaltung einer modernen, zukunftsorientierten Entwicklungszusammenarbeit einnehmen und unseren Nachbarn im EU-Raum als Maßstab dienen. Neben der unverzichtbaren Einbindung von Kirchen, Stiftungen und Nichtregierungsorganisationen in die deutsche Entwicklungszusammenarbeit kommt es auch auf die private Wirtschaftstätigkeit als Basis einer erfolgreichen Armutsbekämpfung an. Denn es kann kein Zweifel daran bestehen, dass selbsttragende ökonomische Strukturen die wahren Entwicklungshelfer sind. Zahlreiche Länder, deren Mittelschicht in den letzten Jahren durch wirtschaftlichen Aufschwung gewachsen ist, haben dies gezeigt. Eine solche Entwicklung wirkt sich zudem stabilisierend auf das gesellschaftliche und politische Leben aus.6 Wenn die Industrieländer den Entwicklungsländern im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit finanzielle Hilfen
4 „Erklärung von Paris über die Wirksamkeit der Entwicklungszusammenarbeit“ (High Level Plenary Forum, 28. Februar-2. März 2005). Die fünf programmatischen Kernelemente sind hier bereits im Titelzusatz enthalten: Eigenverantwortung, Harmonisierung, Partnerausrichtung, Ergebnisorientierung sowie gegenseitige Rechenschaftspflicht. „Aktionsplan von Accra” (High Level Plenary Forum, 2.-4. September 2008). Die fünf programmatischen Kernelemente sind hier: Transparenz und reziproke Fortschrittsüberprüfungen, mehr Arbeitsteilung zwischen den Geberländern, gestärkte Eigenverantwortung der Entwicklungsländer, stärkere Einbindung der Strukturen der Partnerländer sowie erhöhte Verlässlichkeit der Leistungen. Vgl. Bertelsmann Stiftung (2010), Bertelsmann Transformation Index (BTI) (Gütersloh).
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zur Verfügung stellen, so wie es in den vergangenen 50 Jahren der Fall gewesen ist, muss prinzipiell immer beachtet werden, dass Geld alleine keineswegs zu wirtschaftlicher Entwicklung und gesellschaftlichem Fortschritt führen. Dort, wo etwa die wirtschaftlichen Abhängigkeiten der Regierungen in Entwicklungsländern von Entwicklungsgeldern zu groß werden, kann das – so eine verbreitete Auffassung – Korruption begünstigen und einen schlechten Regierungsstil andauern lassen. Und auf diese Weise kann Armut sicher nicht reduziert werden. Vor diesem Hintergrund steht es ganz außer Frage, dass wir mit unserem Engagement in den Entwicklungsländern auch eine große Verantwortung übernehmen, der wir gerecht werden müssen. Die dauerhafte Bekämpfung von Armut in unseren Partnerländern kann dabei nur auf der Grundlage einer nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung gelingen, die die Eigendynamiken der wirtschaftlich tätigen Menschen fördert. Der Markt kann dabei als Motor gesehen werden, der das wirtschaftliche Potential der Menschen in unseren Partnerländern ernst nimmt. Eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung schließt gerade auch das privatwirtschaftliche Engagement mit ein, das die Partnerschaften verstärkt und keine neuen Abhängigkeitsstrukturen schafft. Natürlich können wir nicht von jetzt auf gleich davon ausgehen, dass wir in den Partnerländern eine soziale Marktwirtschaft nach deutschem Vorbild aufbauen können. Aber es sollte immer unser Anspruch sein, dass wir bei all unseren Anstrengungen um die Armenhäuser der Welt – neben den immer wieder auftretenden Notwendigkeiten bei Nahrungsmittelknappheit, Gesundheitsversorgung und Bildung, die natürlich vermittels spontaner Hilfe behoben werden müssen – marktwirtschaftliche Strukturen bekräftigen, die den jeweiligen Ländern und ihren Menschen eine langfristige Perspektive in Eigenständigkeit bieten. Eine gute Möglichkeit stellt in diesem Zusammenhang auch die vermehrte Ausrichtung auf die Kleinen und Mittleren Unternehmen (KMU) dar. Wenn man an den Vorhaben der Förderung der marktwirtschaftlicher Strukturen, eines nachhaltigen Wachstums und einer Verstärkung der Anreize für private Initiativen und Investitionen festhalten möchte, muss – ganz im liberalen Sinne – darauf geachtet werden, dass sich die jeweiligen Entwicklungsländer auch effektiv in die Weltwirtschaft integrieren können und dort auch wirklich ihre Chancen haben. Neben dem Aufbau eines starken, dynamischen Privatsektors geht es also auch um die Förderung von Kleinen und Mittleren Unternehmen in den Partnerländern, da diese nachweislich Arbeitsplätze schaffen, Steuereinnahmen für den Staat generieren und Wissenserwerb, Technologietransfer und Exportdiversifizierung ermöglichen.7 Sie werden
7 Martin Roth und Michel Mordasini (2005), Wirtschaftliche Entwicklungszusammenarbeit und Privatsektor: Verstärkte Partnerschaft. In: Die Volkswirtschaft. Das Magazin für Wirtschaftspolitik (3/2005), S. 59-62.
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somit zu einem entscheidenden Faktor im Kampf gegen die Armut. Es geht ferner auch darum, eine engere Partnerschaft mit den örtlichen KMU, den repräsentativen Organen des Privatsektors, Berufs- und Handelsverbänden sowie Finanzintermediären in den Partnerländern auf- bzw. auszubauen – also darum, nach Möglichkeit ganze Wertschöpfungsketten zu etablieren. Die dabei entstehenden Formen der Zusammenarbeit ergänzen und verstärken traditionellere Instrumente, die auf eine Verbesserung des Managements der öffentlichen Finanzen oder die Schaffung von günstigen Rahmenbedingungen für Industrie und Handel abzielen. Die Relevanz dieser Maßnahmen wurde ja unter anderem auf der UNO-Konferenz über Entwicklungsfinanzierung in Monterrey (2002) bestätigt. Die internationale Gemeinschaft unterstrich dabei, dass die Geberländer nicht nur ihre öffentliche Entwicklungshilfe erhöhen, sondern gleichzeitig die Direktinvestitionen in den Handel mit den Entwicklungsländern stark ausbauen sollen. Die Partnerstaaten verpflichteten sich im Gegenzug, ihre Regierungsführung zu verbessern sowie die eigenen Anstrengungen und die Effektivität der Armutsbekämpfung zu erhöhen.8 Liberale Entwicklungspolitik hat innerhalb des letzten Jahres nicht nur im Bereich der Durchführung für mehr Kohärenz gesorgt, sondern auch im gemeinsamen Vorgehen der für die Entwicklungszusammenarbeit relevanten Bundesministerien. Die für die wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung relevanten Prozesse werden künftig zwischen den Ressorts der Außen-, Handels-, Sicherheitsund Entwicklungspolitik noch enger auf einander abgestimmt und mit einander verbunden. Seit Ende 2009 sind die Bereiche des Äußeren und der Zusammenarbeit und Entwicklung mit Guido Westerwelle und mit Dirk Niebel wieder mit zwei Ministern aus der gleichen Partei besetzt, was sich bislang ausgesprochen positiv auf die Koordinationspraxis auswirkt. Bei ihrer gemeinsamen Afrikareise nach Tansania, Südafrika und Dschibuti vom 7. bis zum 11. April dieses Jahres ist dies erstmals sehr deutlich geworden. Schließlich ist es den Liberalen auch gelungen deutlich zu machen, dass entwicklungspolitisches Handeln stets wertgebunden sein und sich einen klaren Blick auf die tatsächliche Reformbereitschaft in den Partnerländern bewahren muss. Dass die Bundesregierung daher auf die Menschenrechtsverletzungen in Uganda und auf Fälle von Korruption und Misswirtschaft in der Demokratischen Republik Kongo streng reagiert und unmissverständlich klar gestellt hat, im Rahmen deutscher Entwicklungszusammenarbeit nur diejenigen Länder zu unterstützen, die sich an

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„Bericht der Internationalen Konferenz über Entwicklungsfinanzierung“, Monterrey, (UN, 18.-22. März 2002).
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die international anerkannten rechtstaatlichen Standards halten, hatte zweifelsohne seine Richtigkeit.9 Ein zentraler Schwerpunkt in der Entwicklungspolitik der FDP ist der afrikanische Kontinent. Entwicklungspolitische Maßnahmen sollten sich immer auf die ärmsten Länder und Regionen fokussieren und sich dabei am Prinzip der Eigenverantwortung orientieren. Das bedeutet, die zur Verfügung stehenden Mittel noch zielgerichteter zur Stärkung rechtsstaatlicher Strukturen aufzuwenden sowie der Afrikanischen Union (AU) dabei zu helfen, zu einer effektiven Krisenlösungsinstitution in Afrika zu werden10. Die Notwendigkeit dafür ist leider nicht geringer geworden, denn nach wir vor ist Afrika in weiten Teilen durch fragile staatliche Institutionen, Bürgerkriege, Hungersnöte, extreme Armut und überdurchschnittlich hohe HIV/ Aids-Raten gekennzeichnet. Gerade vor dem Hintergrund des 3. EU-Afrika-Gipfels vom 29. bis 30. November 2010 in Tripolis unter dem Titel „Investition, Wachstum und Beschäftigung“ ist diese Politik ausgesprochen wegweisend. Die beim 2. EU-Afrika-Gipfel 2007 in Lissabon beschlossene gemeinsame Strategie bildete den Hintergrund dafür, den afrikanischen Kontinent zum ersten Mal einheitlich und in seiner Gesamtheit zu betrachten und deutlich heraus zu stellen, dass diese strategische Partnerschaft über die traditionellen Entwicklungskooperationen hinausreichen und neben den zivilgesellschaftlichen und privaten Akteuren auch nationale Parlamente in den Prozess mit einbeziehen. Gleichzeitig stellt diese Partnerschaft eine zentrale Plattform zum Austausch über die drängenden globalen Fragen der weltweiten Klimaproblematik und der Umsetzung der Millenniumsentwicklungsziele dar. Wenn man Afrika – wie es in dieser Veranstaltung der Fall ist – als „Entwicklungskontinent“ in den Blick nimmt, dann sind nach meinem Dafürhalten besonders zwei Dinge ganz entscheidend. Wie ich bereits dargelegt habe, muss Entwicklung den Menschen in den Entwicklungsländern zu einem nachhaltigen Vorteil und zur vollen Einbeziehung in das öffentliche, wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Leben gereichen. In diesem Zusammenhang sehe ich das Engagement anderer staatlicher Akteure in Afrika teilweise mit großer Sorge. Besonders die wirtschaftliche Zusammenarbeit von China will ich hierbei erwähnen. Ganz offensichtlich sind bei China in erster Linie die eigenen außenwirtschaftlichen Profite sowie der eigene
9 10 Harald Leibrecht, Pressemitteilung „Menschenrechtskriterien wichtig für Gewährung von Entwicklungshilfe“ (28. Mai 2010). Der „African Peer Review Mechanism” (APRM) ist das Kernelement der „New Partnership for Africa‘s Development” (NEPAD) im Rahmen des sozio-ökonomischen Programms der African Union (AU).
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Bedarf an Rohstoffen ausschlaggebend – abgekoppelt von demokratischen, rechtstaatlichen und menschenrechtlichen Wertevorstellungen und abgekoppelt vom wirklichen Nutzen für die Menschen selbst. Denn bislang durchgeführte Projekte, etwa der Bau von Schulen und Krankenhäusern, sind nur von geringer Nachhaltigkeit. Zudem wird die Partnerseite im Großen und Ganzen außen vor gelassen, was bedeutet, dass es kaum zu dem für gute Entwicklungszusammenarbeit notwendigen Wissenstransfer oder zu der langfristigen Schaffung von Arbeitsplätzen kommt. Wenn es den EU-Staaten auch nach dem Gipfel von Tripolis gelingen kann, Freundschaft und strategisches Interesse innerhalb der gemeinsamen, geschichtlich gewachsenen Beziehungen zu verbinden sowie sich vertrauensvoll und auf Augenhöhe zu begegnen, dann können derlei Gefahren künftig im Sinne der Zukunft der Partnerländer noch besser erkannt und auch begegnet werden. Zum zweiten muss die Entwicklungszusammenarbeit immer auf die länderspezifischen Bedürfnisse ausgerichtet bleiben. Um hierbei größtmögliche Erfolge zu erzielen, sollten sich die europäischen Partnerländer immer ein großes Maß an Flexibilität bewahren und ein Vorgehen im Sinne eines Generalansatzes vermeiden. Wo nun die konkreten Problembereiche auf dem „Entwicklungskontinent“ Afrika liegen, welche weiteren Faktoren es dort noch zu berücksichtigen gilt und welche Optionen sich für die beteiligten Akteure anbieten, darüber werden uns nun die folgenden Beiträge interessante Einblicke liefern.

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Entwicklung braucht Freiheit – Über die institutionellen Voraussetzungen wirksamer Entwicklungspolitik

Steffen Hentrich

Liberales Institut, Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Einleitung Die Beseitigung von Armut und Unterentwicklung gehört auch im 21. Jahrhundert zu einer der größten Herausforderungen der Menschheit. Obgleich sich in vielen Regionen der Erde die Lebensbedingungen der Menschen in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verbessert haben, leben noch heute viele Menschen unter nach unseren Maßstäben nicht akzeptablen Bedingungen. Vor allem die afrikanischen Länder südlich der Sahara haben wenig, wenn überhaupt, vom Entwicklungstrend der vergangenen Jahrzehnte profitiert. In diesen Ländern ist von der Globalisierung, dem Aufschwung des internationalen Handels und der Zunahme internationaler Kapitalflüsse, kurz der Segen der internationalen Arbeitsteilung, noch nicht richtig angekommen. Über lange Jahre galt Entwicklungshilfe als Patentrezept für die Überwindung von Armut und Unterentwicklung. Eine ausreichende Kommunikation in der Öffentlichkeit und die Erhöhung der Sensibilität der Wohlhabenden für die Not auf der Erde wäre nach Ansicht vieler Entwicklungshilfeprotagonisten notwendig, um die notwendigen finanziellen und personellen Ressourcen aus den Industrieländern für Entwicklungsprojekte in der Dritten Welt in Gang zu setzen. Das schlechte Gewissen der Reichen, ihren Wohlstand auf dem Rücken der Ärmsten dieser Erde erlangt zu haben, ein Bild, das seit der Kolonialisierung weiter Teile der Welt noch immer in den Köpfen der Menschen steckt, geben diesem Konzept auch heute noch die moralische Vollmacht. Noch immer ist „Hilfe zur Selbsthilfe“ das Leitmotiv der Entwicklungshilfe, ein Motto, dem sich auch heute noch die Milleniumsziele der Vereinten Nationen verpflichtet sehen und das weite Bereiche der Entwicklungspolitik in den Industrieländern bestimmt. Von einer Armutsfalle ist die Rede, einem Zustand der Unterentwicklung, aus dem sich die ärmsten Länder aus eigener Kraft nicht befreien könnten, weshalb nur fremde Hilfe einen Ausweg bedeuten würde. Geographische Hindernisse und klimatische Faktoren, wie fehlende Transportwege in Binnenländern oder Wassermangel in Dürregebieten, machten Investitionen nötig, die arme Länder aus eigener Kraft nicht aufbringen könnten. Krankheiten und Seuchen würden den
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Menschen die Produktivität rauben und deren Bekämpfung die Regierungen dieser Länder überlasten. Nur durch medizinische Hilfe und die Bereitstellung von Medikamenten ließen sich diese Probleme begrenzen. Mit dem raschen Wachstum der Bevölkerung könne das Wachstum des Kapitalstocks nicht mithalten, so dass die Produktivität und damit die Einkommen der Menschen zwangsläufig sinken würden. Ersparnisse ließen sich so nicht anlegen und auch den Regierungen fehle so das Geld für den Ausbau der öffentlichen Infrastruktur, die Bildung und das Gesundheitswesen. Zudem bestehe die Armutsfalle in einer ungünstigen Exportstruktur, die vor allem Rohstoffe und Rohprodukte mit enormen Preisschwankungen auf den Weltmärkten umfassten und damit zu einer hohen Einkommensvolatilität führten. Schließlich würde der permanente Raubbau an natürlichen Ressourcen und fehlende Investitionen in den Umweltschutz die Anfälligkeit für Naturkatastrophen verstärken, so dass wirtschaftliche Errungenschaften immer wieder der Zerstörung anheim fallen würden. Nur mit externer Unterstützung seitens der entwickelten Länder ließen sich diese Probleme planvoll angehen (Sachs 2006). Diese offizielle Position wird inzwischen von einer ganzen Reihe von Experten hinterfragt. Prominente Kritiker eines globalen Entwicklungsplans für die Umsetzung der UN-Milleniumsziele wie William Easterly und Paul Collier bescheinigen diesem Ansatz Wirkungslosigkeit und gehen sogar soweit, zentrale Entwicklungsplanung als verschwenderisch und kontraproduktiv zu bezeichnen. Ihre Hoffung in die Umsetzung der entwicklungspolitischer Ziele mit Hilfe internationaler Hilfsprojekte ist dementsprechend gering. Wie andere liberale Kritiker der Entwicklungshilfe auch, betonen sie die Bedeutung des institutionellen Rahmens für eine erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung. Sichere Eigentumsrechte, eine stabile Rechtsordnung, verlässliche geldpolitische Rahmenbedingungen, freier Handel und der Verzicht des Staates auf eine lähmende Regulierung der Wirtschaft sind die Garanten für wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt. Tatsächlich deutet die empirische Forschung auf einen engen Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Freiheit und der Dynamik der Wohlstandsentwicklung hin. Erfolgsbeispiele in Asien und Lateinamerika zeigen dies ebenso wie die größtenteils eher enttäuschende Entwicklung auf dem afrikanischen Kontinent. Afrika und die globale Wohlstandsentwicklung: eine kurze Bestandsaufnahme Die Menschheit hat in den vergangenen zweihundert Jahren einen gigantischen Entwicklungssprung gemacht. Vor allem in den letzten einhundert Jahren war der Anstieg des Pro-Kopf-Einkommens der Weltbevölkerung bemerkenswert (Abbildung 1). Während die Menschheit über Jahrtausende in einer malthusianischen Falle zu ste„Entwicklungskontinent“ Afrika – Perspektiven und Handlungsempfehlungen

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cken schien, in der die bescheidenen Produktivitäts- und Einkommensfortschritte immer wieder sehr schnell durch die einen Zuwachs der Bevölkerung kompensiert wurden, konnte dieses eiserne Gesetz des Elends im Zuge der industriellen Revolution durchbrochen werden. Trotzdem sich die globale Bevölkerung im vergangenen Jahrhundert (1900 bis 2001) von 1,6 Mrd. auf gut 6 Mrd. fast vervierfacht hat, stieg das globale Volkseinkommen in derselben Phase um das Achtzehnfache. Belief sich das Pro-Kopf-Einkommen im Jahr 1900 im globalen Durchschnitt noch auf rund 1.260 US-$ (in Preisen von 1990) standen einem durchschnittlichen Erdenbürger einhundert Jahre später rund 6.000 US-$ zur Verfügung. Hinter dieser beeindruckenden Entwicklung verbirgt sich jedoch ein Jahrhundert extrem ungleicher Entwicklung. Während sich das Pro-Kopf-Einkommen der westlichen Welt, also Westeuropa, der USA, Japan, Australien und anderer Industrieländer, bis in das Jahr 2001 auf rund 22.510 US-$ nahezu verachtfachte, sieht die Bilanz der Länder auf dem afrikanischen Kontinent enttäuschend aus. Ausgehend von einem schon damals deutlich niedrigen Niveau, das einem guten Fünftel der „westlichen“ Einkommen entsprach, hatte das afrikanische Pro-Kopf-Einkommen zur Jahrtausendwende lediglich das Dreifache seines Niveaus von 1900 erreicht (Maddison 2005). Abbildung 1
Entwicklung des Pro-Kopf-Einkommens (1990-2001)
25.000

US-$ (in Preisen von 1990)

20.000 15.000 10.000 5.000 0 1900 1950 1990 2001

Globaler Durchschnitt

Westliche Industrienationen

Entwicklungs- und Schwellenländer

Afrika

Quelle: Goklany (2007), p. 16
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Auch wenn andere Indikatoren der menschlichen Entwicklung, wie die Überwindung des Hungers und die Entwicklung der Lebenserwartung dank des Einflusses der technischen Entwicklung auf Arbeitsbedingungen, Umwelt und den Konsum der Menschen auch in den ärmsten Ländern Fortschritte verzeichnen, hat die stürmische Entwicklung des Wohlstands um Afrika bislang noch einen großen Bogen gemacht (vgl. Abbildungen 2 und 3). Abbildung 2
Entwicklung der Nahrungsversorgung 3500
Energieaufnahme (kcal/Person/Tag)

3000 2500 2000 1500 1000 500 0
vorindustriell 1961 1975 1989 2002

Industrieländer

Entwicklungsländer

Subsahara

Globaler Durchschnitt

Quelle: Goklany (2007), p. 5

Zwar melden sich zunehmend wachstumsskeptische Stimmen in der entwicklungspolitischen Debatte zu Wort, doch hat sich an dem engen Zusammenhang zwischen Einkommen und Lebensqualität bis heute nichts geändert. So zeigt Goklany (2007), dass Nahrungsmittel- und Wasserversorgung, Lebenserwartung, Säuglingssterblichkeit und Zugang zur Bildung in einem sehr engen Zusammenhang zur Einkommenssituation stehen (Abbildungen 4, 5, 6, 7). Hinter dieser banal erscheinenden Erkenntnis verbirgt sich die Fähigkeit der Menschen im produktiven Umgang mit den verfügbaren Ressourcen Arbeit, Kapital und Boden, nicht nur die unmittelbaren Lebensbedürfnisse zu befriedigen, sondern auch den Luxus erzeugen zu können, der ein Leben über das Subsistenzniveau hinaus ermöglicht. Dabei ist der Unterschied der Ressourcenausstattung unterentwickelter Staaten gegenüber stärker entwickelten
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Nation in der Regel rein qualitativer Natur sind. Diesen Ländern mangelt es nicht an Menschen, an Rohstoffen oder an wirtschaftlich nutzbarer Fläche, sondern an den Institutionen, die eine produktive Nutzung und qualitative Fortentwicklung der reichlich vorhandenen Ressourcen erst möglich machen. Abbildung 3
Lebenserwartung bei der Geburt
80 70 60 50

Jahre

40 30 20 10 0 vorindustriell 1950-55 1975-80 1985-90 2003

Industrieländer

Entwicklungsländer

Subsahara

Globaler Durchschnitt

Quelle: Goklany (2007), p. 8.

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Abbildung 4: Nahrungsversorgung und Einkommen

Source: Based on data from World Resources Institute (2005). World Bank (2005b)

Abbildung 5: Lebenserwartung und Einkommen

Source: Based on data from World Bank (2005b)

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Abbildung 6: Säuglingssterblichkeit und Einkommen

Source: Based on data from World Bank (2005b)

Abbildung 7: Wasserversorgung und Einkommen

Source: Based on data from World Bank (2005b)

Quelle: Goklany (2007)
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Wirtschaftliche Freiheit als Motor der Entwicklung Armut und Unterentwicklung sind die Folge einer geringen oder unproduktiven Ressourcennutzung. Die Geschwindigkeit der Wohlstandsentwicklung hängt vor allem davon ab, inwieweit es den Akteuren in der Gesellschaft gelingt, die ihnen zur Verfügung stehenden natürlichen Ressourcen mit dem Humankapital der Gesellschaft zu kombinieren, so dass im Ergebnis eine möglichst große Menge an wertvollen Gütern entsteht. Hierzu ist der Einsatz effizienter technische Produktionsverfahren und zeitsparender organisatorischer Abläufe notwendig. Voraussetzung hierfür ist jedoch ein hohes Maß individueller Handlungsfreiheit, die Möglichkeit der Menschen Güter und Ideen auf freiwilliger Basis zu tauschen und gegenseitig in Wettbewerb zu treten, all dies auf einer institutionellen Basis, die den Schutz des Individuums und seines Eigentums sicher gewährleistet. Nicht ohne Grund ist wirtschaftliche Freiheit die Basis für eine dynamische Wohlstandsentwicklung. Individuelle Handlungsfreiheit bildet nicht nur die Voraussetzung für ein selbsterfülltes Leben, sondern auch für die Entfaltung von Leistung und Kreativität des Einzelnen bei der Erzeugung des gesellschaftlichen Wohlstands. Freier Tausch von Gütern und Dienstleistungen sorgt dafür, dass die erzeugten Güter dorthin gelangen, wo sie den größten Nutzen stiften. Zudem erlaubt freier Tausch eine kostensenkende und qualitätssteigernde Spezialisierung der Produktion und die Ausnutzung komparativer Kostenvorteile. Nur wer in wirtschaftliche Tauschprozesse integriert ist, kann sich auf die Produktion der Güter und Dienstleistungen konzentrieren, die seinen Fähigkeiten und Neigungen am meisten entsprechen. Freier Wettbewerb zwingt die Produzenten zur Kundenorientierung und zur Kostensenkung. Wirtschaftliche Gewinne lassen sich unter Wettbewerbsbedingungen nur dauerhaft generieren, wenn der herrschende Marktpreis durch eine permanente Senkung der Herstellungskosten unterboten wird oder durch Qualitätssteigerungen neue zahlungsbereite Kundengruppen erschlossen werden. Daher führt das Gewinnmotiv unter Wettbewerbsbedingungen zu permanenten Produkt- und Prozessinnovationen und macht langfristig sinkende Marktpreise möglich. Diese beiden Dimensionen der wirtschaftlichen Freiheit setzen den Schutz des Individuums und des privaten Eigentums zwangsläufig voraus. Nur unter diesen Bedingungen besteht beim Einzelnen der Anreiz langfristig zu denken, dementsprechend sparsam mit wertvollen Ressourcen umzugehen sowie in ihren Erhalt und ihre Wertsteigerung zu investieren. Ohne sichere Eigentumsrechte führen konkurrierende Ansprüche der Menschen an die Nutzung knapper Ressourcen zwangsläufig zu einer Übernutzung der natürlichen Ressourcen. Dies führt nicht nur zur Verschwendung wertvoller Produktionsfaktoren, sondern langfristig auch zur Degradierung der Umwelt. Wachstum und Wohlstand sind eng verbunden mit den Vorteilen gegen„Entwicklungskontinent“ Afrika – Perspektiven und Handlungsempfehlungen

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seitigen Handels, einer wettbewerbsorientierten Unternehmenskultur und einer regen Investitionstätigkeit für den Aufbau und Erhalt des Produktionskapitals, der Versorgungs- und Transportinfrastruktur und des Humankapitals. Die Herausbildung dieser Wachstumsfaktoren ist das Resultat gesellschaftlicher Institutionen und staatlicher Politik. Unsichere Eigentumsrechte, ein unfaires und parteiisches Rechtssystem, Handelsbeschränkungen und staatliche Regulierung, die den Marktzutritt und Wettbewerb reduzieren, belasten die Wirtschaftsakteure und vermindern die Effizienz des Wirtschaftssystems. Als außerordentlich hilfreiche Werkzeuge zur Bewertung der Gewährleistung wirtschaftlicher Freiheiten durch staatliche Institutionen hat sich hat sich der Economic Freedom of the World Bericht erwiesen, der seit mehreren Jahrzehnten im jährlichen Turnus die Qualität staatlicher Institutionen für inzwischen 141 Länder, darunter auch eine ganze Reihe von Entwicklungs- und Transformationsländer misst (EFW-Report 2010). Der Bericht bewertet den Umfang der Staatstätigkeit, das Rechtssystem und den Eigentumsschutz, die Stabilität der Geldpolitik, die Gewährleistung der Freiheit des internationalen Handels sowie die Regulierung von Kapitalmarkt, Arbeitsmarkt und Unternehmenssektor. Der hier entwickelte Index erlaubt nicht nur die Bildung einer internationalen Rangreihe der Staaten hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Freiheit, sondern ermöglicht darüber hinaus die Herleitung von Zusammenhängen zwischen dem Grad wirtschaftlicher Freiheit und der wirtschaftlichen Entwicklungsdynamik.“ Die Auswertung der Daten spricht eine eindeutige Sprache: Wirtschaftliche Freiheit ist klar mit dem Pro-Kopf-Einkommen der untersuchten Staaten korreliert und wirkt sich förderlich auf das wirtschaftliche Wachstum eines Landes aus. Trotz des mit steigendem Basiseinkommen einhergehenden Niveaueffekts auf die Wachstumsrate liegt die Wachstumsdynamik der wirtschaftlich freien Länder in derselben Größenordnung wesentlich ärmerer und wirtschaftlich unfreier Länder. Das bedeutet jedoch, dass wirtschaftliche Freiheit einen hohen Beitrag zur Anstieg des absoluten Wohlstands leistet. Aber auch die Wohlstandsverteilung profitiert von einem Zuwachs wirtschaftlicher Freiheit. Zwar liegt der prozentuale Anteil der ärmsten zehn Prozent in allen untersuchten Ländern auf einem ähnlichen Niveau, doch unterscheidet sich die absolute Einkommensarmut in freien und unfreien Ländern um nahezu das Zehnfache. Aber auch andere Aspekte der Wohlstandsentwicklung, wie etwa die Lebenserwartung, die Umweltqualität, die Zufriedenheit der Bürger und die Chancengleichheit der Geschlechter, profitieren von wirtschaftlicher Freiheit (Abbildungen im Anhang I). Hier gibt es ebenfalls einen eindeutig positiven Zusammenhang zwischen der wirtschaftlichen Freiheit und den jeweiligen Entwicklungsindikatoren. Schließlich zeigt sich, dass in Ländern, in denen die Regierung
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„Entwicklungskontinent“ Afrika – Perspektiven und Handlungsempfehlungen

die institutionellen Voraussetzungen für wirtschaftliche Freiheit gewährleistet, auch politische Rechte und bürgerliche Freiheiten gewährt werden. Korruption, in der Regel eine Ausweichreaktion staatlicher und privater Akteure auf den Mangel an legalen Handlungsoptionen, ist in wirtschaftlich freien Ländern deutlich weniger verbreitet als in Ländern mit einem geringen Freiheitsniveau. Insgesamt wird deutlich, dass Wohlstand und staatliche Institutionen, die wirtschaftliche Freiheit garantieren, einen sehr engen Zusammenhang aufweisen. Die theoretisch naheliegende These von der Freiheit als Voraussetzung des gesellschaftlichen Fortschritts wird auch empirisch gestützt. Afrika: Ohne wirtschaftliche Freiheit keine Entwicklung Der Entwicklungsrückstand afrikanischer Staaten lässt sich in erster Linie durch das unterdurchschnittliche Niveau wirtschaftlicher Freiheit erklären. In fast allen Kategorien des Economic Freedom Index belegen die Staaten Afrikas südlich der Sahara (Subsahara-Afrika) die niedrigsten Indexwerte (Abbildung 8). Lediglich der Umfang der Staatstätigkeit ist in den entwickelten Volkswirtschaften geringfügig stärker ausgeprägt. Von den zehn Ländern mit dem niedrigsten Freiheitsniveau im Jahr 2008 befinden sich allein acht auf dem afrikanischen Kontinent, wovon sieben auf dem Gebiet südlich der Sahara liegen (EFW-Report 2010). Abbildung 8
Wirtschaftliche Freiheit im Vergleich
10 9 8 7 6
Index

5 4 3 2 1 0
Summenindex Staatstätigkeit Rechtssystem & Eigentumsrechte Geldpolitik Freihandel Regulierung

Asien

Subsahara-Afrika

Zentral- und Südamerika

Frühere Planwirtschaften

OECD

Quelle: EFW-Report 2010, Ländergruppierung im Anhang II.
„Entwicklungskontinent“ Afrika – Perspektiven und Handlungsempfehlungen

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Betrachtet man die Entwicklung der Indikatoren im Zeitverlauf fällt auf, dass die afrikanischen Staaten die geringsten Fortschritte im Bezug auf die Entwicklung der wirtschaftlichen Freiheit erzielen konnten (Tabelle 1). Tabelle 1: Entwicklung der wirtschaftlichen Freiheit 1970-2008
Gruppe Summenindex Staatstätig- RechtsGeldpolitik keit system & Eigentumsrechte 1970 6,2 6,9 5,1 2008 6,7 7,1 6,0 1970 5,0 3,2 6,4 2008 4,9 5,0 4,3 1970 6,6 7,6 6,4 2008 6,9 8,1 6,6 Freihandel Regulierung

1970 Asien Mittelund Südamerika Subsahara-Afrika 5,5 5,3 5,2

2008 6,2 6,7 5,8

1970 4,1 4,7 4,9

2008 6,0 6,8 5,8

1970 4,8 5,2 4,5

2008 6,2 6,5 6,0

Quelle: Economic Freedom Report 2010

Während die Entwicklungs- und Transformationsländer in Asien sowie Mittel- und Südamerika während der vergangenen vierzig Jahre in nahezu allen Einzelindizes moderate Fortschritte erzielen konnten, ist die Aufwärtsentwicklung der Indizes in Afrika insgesamt geringer ausgeprägt. Zwar sind in einzelnen Teilbereichen leichte Verbesserungen erzielt worden, doch konnte das Entwicklungsniveau der anderen Ländergruppen nicht erreicht werden. Besonders auffällig sind der Verlust an Rechtssicherheit und der verringerte Schutz von Eigentumsrechten in der afrikanischen Ländergruppe. Da sich Rechtssicherheit und Eigentumsschutz als essentielle Voraussetzungen für die Herausbildung funktionierender und leistungsfähiger Märkte erwiesen haben, dürfte hier eine wesentliche Ursache für die geringere Entwicklungsdynamik afrikanischer Staaten liegen. Aber auch die geringere Ausprägung der anderen Bewertungskriterien trägt zu dem Verharren Afrikas im Zustand der Unterentwicklung bei. Neben der Rechtssicherheit und dem Schutz der Eigentumsrechte hängt die Wachstumsdynamik der Wirtschaft vor allem von der Einbindung in den internationalen Handel, die Herausbildung eines leistungsfähigen Unternehmertums und einer regen Investitionstätigkeit ab. Diese Erfolgsfaktoren wirtschaftlicher Entwicklung werden in den meisten afrikanischen Ländern erheblich ausgebremst. Erheblichen Einschränkungen unterliegen afrikanische Unternehmen im Bezug auf die Ein24
„Entwicklungskontinent“ Afrika – Perspektiven und Handlungsempfehlungen

bindung in den internationalen Handel, so dass Spezialisierungsvorteile und Skaleneffekte in der Produktion kaum ausgenutzt werden können. Daher verbleiben große Teile der afrikanischen Volkswirtschaften auf dem technologischen Niveau der Subsistenzwirtschaft. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass die afrikanischen Staaten südlich der Sahara hinsichtlich ihrer Anzahl und Größe den Bundesstaaten der USA oder den Mitgliedstaaten der Europäischen Union ähneln. Im Unterschied zum relativ freien Warenaustausch in diesen Regionen ist der Freihandel in Afrika stark eingeschränkt und durch Steuern und Zölle hoch belastet. Das zieht gerade in kleinen Staaten erhebliche Entwicklungshemmnisse nach sich, da aufgrund der geringen Marktgröße der Einzelstaaten kaum Spezialisierungs- und Größenvorteile in der Produktion genutzt werden können. Gerade Länder mit kleinen Binnenmärkten profitieren besonders stark von der globalen Arbeitsteilung. Nach wie vor große Hemmnisse gehen von der hohen Regulierungsintensität der Märkte in afrikanischen Ländern aus. Auch hier schneiden die Länder südlich der Sahara im Vergleich mit anderen Ländergruppen zumeist schlechter ab (Abbildung 9). Abbildung 9
Regulierung der privaten Wirtschaft im Vergleich
10 9 8 7 6

Index

5 4 3 2 1 0 Kreditmarktregulierung Arbeitsmarktregulierung Unternehmensregulierung

Subsahara-Afrika

Asien

Zentral- und Südamerika

Frühere Planwirtschaften

OECD

Quelle: EFW-Report 2010.
„Entwicklungskontinent“ Afrika – Perspektiven und Handlungsempfehlungen

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Die private Wirtschaft ist in den meisten afrikanischen Staaten von einem dichten Regulierungsgeflecht überzogen, wobei vor allem die intensive Regulierung des Unternehmenssektors auffällt. Ein Blick auf die Subindikatoren in diesem Bereich zeigt, dass Preiskontrollen, Unternehmensauflagen und staatliche Korruption in Form von Sonderzahlungen und Bestechungsgeldern für die Gründung und Erweiterung von Unternehmen besonders intensiv praktiziert werden und damit die unternehmerischen Tätigkeiten hemmen (EFW-Report 2010). Aber auch im Bereich der Arbeitsmarktregulierung und hier vor allem im Bereich der Auflagen für die Einstellung und Kündigung von Beschäftigten führen staatliche Auflagen zu hohen Kosten und geringer Arbeitsmarktflexibilität. Bei der Regulierung der Kreditmärkte wirkt sich vor allem die Dominanz des Staates im Bankenwesen hemmend auf die Verfügbarkeit von Investitionsmitteln der privaten Wirtschaft aus. Entwicklungspolitik: Hilfe oder Hemmnis? Angesichts dieser Resultate ist es nicht weiter verwunderlich, dass das Zurückbleiben der afrikanischen Länder in der Wohlstandsentwicklung kaum auf das Ausbleiben externer Hilfe zurückgeführt werden kann. Kaum eine Region der Erde hat in den vergangenen fünfzig Jahren mehr Entwicklungshilfe erhalten als Afrika (Norton and Gwartney 2008). Dennoch fielen die Entwicklungsfortschritte sehr verhalten aus, wobei empirische Forschungsergebnisse sogar darauf hinweisen, dass Entwicklungshilfeprogramme ohne institutionelle Reformen das Wirtschaftswachstum sogar hemmen können. Zu fragmentiert ist die Entwicklungshilfe und in ihrer Wirkung widersprüchlich, zu sehr konsumorientiert und wenig auf Langfristinvestitionen ausgerichtet (Easterly 2008). Mal ist die Entwicklungshilfe zu stark an den Interessen der Geberländer ausgerichtet, dann wieder auf politische Eliten in den Nehmerländern konzentriert, deren Politik alles andere als wachstumsfördernde Bedingungen setzt (Collier 2007). Daher kann die empirische Wirkungsforschung der Entwicklungshilfe lediglich dann eine Wirkung bescheinigen, wenn ohnehin schon gute Ausgangsbedingungen für wirtschaftliche Entwicklung vorliegen und eher Mitnahmeeffekte zu erwarten sind (Abbildung 10) (Burnside and Dollar 2004). Insgesamt zeigt die empirische Forschung, dass Entwicklungshilfe einen bestenfalls vernachlässigbaren Einfluss auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Rezipienten hat (Vgl. hierzu Easterly Levine and Roodman 2004, Easterly 2006, Djankow, Montalvo and ReynalQuerol, 2006, Rajan and Subramanian, 2005, Vásquez 1998)

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„Entwicklungskontinent“ Afrika – Perspektiven und Handlungsempfehlungen

Abbildung 10

Quelle: Burnside/Dollar (2004): Aid, Policies and Growth: Revisiting the Evidence, WBPRPaper 3251

Zudem fließt ein großer Teil der Hilfszahlungen in die Entwicklungshilfebürokratie und kommt nicht dort an, wo finanzielle Hilfe die Entwicklung stimulieren könnte (Easterly 2008). Im Extremfall hat Entwicklungshilfe die Wirkung einer Droge, die Nehmerländer in finanzielle Abhängigkeit stürzt und ihnen den Anreiz nimmt sich langfristig aus der bequemen entwicklungspolitischen Subventionsmentalität zu befreien. Institutionen, die wirtschaftliche Freiheit gewährleisten, haben sich hingegen als außerordentlich förderlich für die Dynamik der wirtschaftlichen Entwicklung erwiesen. Ganz gleich wie hoch das Einkommensniveau zum Zeitpunkt wirksamer marktwirtschaftlicher Reformen ist, die wachstumsfördernde Wirkung wirtschaftlicher Freiheit ist hiervon unbenommen (Abbildung 11) (Easterly 2008).

„Entwicklungskontinent“ Afrika – Perspektiven und Handlungsempfehlungen

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Abbildung 11

Quelle: Easterly 2010.

Die Tücken des institutionellen Wandels Das Ausmaß wirtschaftlicher Freiheit hängt maßgeblich von den informellen und formellen Institutionen einer Gesellschaft ab. Sie bilden die Spielregeln einer Gesellschaft und beeinflussen die Leistungsfähigkeit ihres Wirtschaftssystems. Die Institutionen einer Gesellschaft bestimmen, ob wirtschaftliche Tausch- und Abstimmungsprozesse reibungslos verlaufen, das Preissystem seiner Informationsfunktion auf Märkten gerecht wird oder ob organisatorische Hemmnisse, Misstrauen, Konflikte und Unsicherheit ein Wirtschaftssystem in seiner Entfaltung hemmen. Während formelle Institutionen in Form von Verfassungen, Gesetzen und Verordnungen kodifiziert sind, zeichnen sich informelle Institutionen durch ungeschriebene gesellschaftliche Normen, Konventionen und Traditionen aus. Formelle Institutionen werden durch staatliche Gewalt forciert, informelle Institutionen erhalten sich durch soziale Kontrolle. Beide Formen gesellschaftlicher Institutionen existieren nicht unabhängig voneinander. Staatliche Gesetze und Normen lassen sich in der Gesellschaft nur insoweit mit tragbarem Aufwand durchsetzen, wie sie mit den gesellschaftlichen Konventionen, Normen und Traditionen vereinbar sind. Besteht eine
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„Entwicklungskontinent“ Afrika – Perspektiven und Handlungsempfehlungen

Kompatibilität zwischen den formellen Institutionen und dem informellen Regelgeflecht, lassen sie sich in der Gesellschaft vergleichsweise leicht durchsetzen. Liegt zwischen beiden jedoch eine breite Kluft und lehnen die Bürger Verhaltensweisen ab, wie sie die Gesetze des Staates von ihnen fordern, wird es schwer gesetzliche Regeln in der Gesellschaft durchzusetzen (Coyne and Sobel 2010: 164). Institutionelle Reformen setzen geeignete informelle Regeln voraus. Nicht nur ihr Charakter, sondern auch die Dauer ihrer Veränderung entscheidet über den Erfolg mit denen sich die kodifizierten Regeln des Staates in der Gesellschaft durchsetzen lassen. Während es vergleichsweise einfach ist, die formellen Institutionen einer Gesellschaft in Zuge politischer Reformen anzupassen, nehmen Veränderungen informeller Institutionen oft deutlich längere Zeiträume in Anspruch. Konventionen, Normen und Traditionen lassen sich nur in dem Maße ändern, wie die Menschen Vertrauen in diese Veränderungen gewinnen, lernen mit institutionellen Veränderungen zu leben und merken, dass diese Veränderungen im Alltag zu einer Verbesserung ihrer Lebenssituation führen. Während sich formelle Institutionen auf Basis demokratischer Mehrheitsentscheidungen oder diktatorischer Erlasse mehr oder weniger gewaltsam durchsetzen lassen, machen informelle Institutionen einen langwierigen Marktprozess durch, an dessen Ende jeder Einzelne die neue Regel freiwillig akzeptiert. Politische Reformen, die darauf abstellen die Bedingungen für die Funktionsweise von Märkten in Ländern mit fehlenden Marktinstitutionen zu verbessern, müssen die informellen Institutionen der Gesellschaft ebenfalls berücksichtigen. Marktreformen lassen sich daher schwer planen und entwicklungspolitische Ziele kaum in einem Top-Down-Prozess etablieren. Ein Beispiel für die Komplexität institutioneller Veränderungen ist eine der wichtigsten Institutionen der Marktwirtschaft, der Schutz individueller Eigentumsrechte und die Stabilität des Rechtssystems, die besonders stark mit dem informellen Institutionengeflecht der Gesellschaft verwurzelt sind. Eigentumsrechte sind das Ergebnis der dezentralen Suche nach Lösungen zur Senkung der Transaktionskosten im Umgang mit knappen Ressourcen in der Gesellschaft. Der Schutz von Eigentumsrechten kann nur insoweit gesetzlich gesichert werden, wie die Mitglieder der Gesellschaft bereit sind Eigentumsrechte zu akzeptieren. Die Akzeptanz von Eigentumsrechten ist ein evolutionärer Prozess, der auch in Ländern mit heute sicheren Eigentumsrechten aus einem Stückwerk von Gewohnheitsrecht entsprang, das erst im Nachhinein in informelles Recht überführt wurde (Easterly 2006: 90ff). Die ökonomische Bedeutung von Eigentumsrechten wächst mit der Knappheit der betreffenden Ressourcen und dem sich daraus ableitenden wirtschaftlichen Wert.
„Entwicklungskontinent“ Afrika – Perspektiven und Handlungsempfehlungen

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Natürliche Ressourcen, die im Überfluss vorhanden sind, bedürfen keiner individuellen Zuordnung, da die Gefahr einer kollektiven Übernutzung nicht besteht. Mit zunehmendem Wertzuwachs erhöht sich jedoch der Anreiz des Einzelnen an der Ressourcennutzung zu partizipieren, was die Gefahr einer Übernutzung der Güter verursacht. Mit steigendem Ressourcenwert wächst gleichzeitig der Anreiz des Einzelnen sich der sozialen Kontrolle der Gemeinschaft zu entziehen. War es in vorindustriellen Gesellschaften noch möglich auf Gemeineigentum basierende Wirtschaftsweisen zu fundieren, verliert diese Art der Organisation von Eigentumsrechten mit zunehmender wirtschaftlicher Entwicklung an Praktikabilität. Der Nutzungsdruck auf das Gemeineigentum macht die rechtliche Kodifizierung von individuellen Eigentumstiteln zwar volkswirtschaftlich sinnvoll, gerät jedoch in vielen Fällen mit dem in Gesellschaften im Transformationsprozess herrschenden Gewohnheitsrecht in Konflikt. Hier zeigt die empirische Forschung, dass eine forcierte Überwindung der gemeinschaftlichen Eigentumsnutzung auf Basis traditionellen Gewohnheitsrechts durch staatliche Eigentumsreformen zu mehr statt weniger Unsicherheiten im Bezug auf die Ressourcennutzung führen kann (Easterly 2006: 96f). Institutionelle Reformen müssen sich unter diesen Bedingungen eng an den informellen Institutionen der Gesellschaft orientieren. Die empirische Forschung belegt, dass Länder mit einer Rechtstradition, die sich am Gewohnheitsrecht orientiert und dieses zur Basis sich entwickelnder Rechtsprinzipien macht, bessere Entwicklungsbedingungen aufweisen als Länder, in denen die Rechtsinstitutionen vergleichsweise starre Konstrukte mit dem Anspruch auf Allgemeingültigkeit sind. Während in der einen Rechtstradition die Rechtssprechung dem folgt, was sich in der Praxis bewährt hat und daraus verallgemeinerbare Rechtsprinzipien entwickelt, versucht die eher zentralistische Rechtssprechung einen abstrakten Rechtskodex auf die Praxis anzuwenden, was zur mangelnden Anpassungsfähigkeit an den sozialen und technologischen Wandel einer Gesellschaft führt. Dieser Unterschied zeigt sich in den formalen Institutionen vieler Entwicklungs- und Transformationsländer. Wird eine präzedenzrechtsorientierte Rechtstradition praktiziert und dabei informelle Eigentumsrechte in formelles Recht überführt, funktioniert die Resonanz zwischen dem Rechtssystem und den für die Wirtschaft essentiellen vertraglichen Arrangements in der Regel besser als in Fällen, in denen eine Rechtsreform im Top-Down-Prozess praktiziert wird (Easterly 2006: 98, Boudreaux and Aligica 2007). Coyne und Sobel (2010) zeigen zwar, dass die meisten formellen Institutionen einer Gesellschaft durchaus wandlungsfähig sind und institutionelle Reformen erfolgversprechend sein können, weisen jedoch gleichzeitig auf die Schwierigkeiten der Reformen besonders wichtiger Institutionen, wie der Schutz der Eigentumsrechte und das Rechtssystem hin. Zudem verursacht die Interdependenz von formellen
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und informellen Institutionen eine starke Verzahnung politischer und ökonomischer Institutionen, mit der Folge, dass einem umfassenden Institutionenwandel gegenüber eng begrenzten Entwicklungsinitiativen, die nur auf einen Teil der Institutionen abzielen, höhere Erfolgschancen einzuräumen sind. Als äußerst schwierig hat sich in der Vergangenheit die Identifizierung von Institutionen erwiesen, deren Reform besondere Impulse für das wirtschaftliche Wachstum setzt. So zeichnen sich die im Economic Freedom Index gemessenen Indizes überwiegend durch im Zeitverlauf gleichgerichtete Änderungstrends aus, so dass auch die wirtschaftliche Entwicklung mit der Qualität der Gesamtheit der Institutionen korreliert sein dürfte. Daher ist es unwahrscheinlich, dass partielle Reformen marktwirtschaftlicher Institutionen zu dauerhaften Erfolgen führen. Langfristig stabile wirtschaftliche Entwicklung erfordert einen ausdauernden Prozess der institutionellen Anpassung, in dem kontextspezifisches Experimentieren sowie eine offene Fehleranalyse möglich sind. Nur so lassen sich die Bedingungen für wirtschaftliche Prosperität, Privateigentum, Regelgerechtigkeit und die Selbstbeschränkung des Staates auf eine marktwirtschaftliche Rahmensetzung in das formelle Regelgeflecht der Gesellschaft überführen (Coyne, Sobel 2010: 172f). Liberale Entwicklungspolitik: Hilfe beim institutionellem Wandel Günstige institutionelle Bedingungen für wirtschaftliche Entwicklung lassen sich nicht auf dem Reißbrett entwerfen. Obgleich unbestreitbar ist, dass wirtschaftliche Freiheit eine wesentliche Voraussetzung für die Herausbildung leistungsfähiger Wirtschaftsstrukturen bildet, erlauben die staatlichen Institutionen auf dem afrikanischen Kontinent noch nicht den Freiheitsspielraum, den eine dynamische Wirtschaftsentwicklung erfordert. Rechtssysteme, die keinen Eigentumsschutz garantieren, Handelshemmnisse sowie hohe regulative Hürden und administrative Kosten für Unternehmen hemmen die regionale Wirtschafte und schrecken weltweit operierende Unternehmen von einem wirtschaftlichen Engagement in der Region ab. In dieser Situation hat der Abbau der Handelshemmnisse und Unternehmensregulierung oberste Priorität. Ein Zuwachs an Möglichkeiten privatwirtschaftlicher Betätigung würde nicht nur Beschäftigung und Einkommen für viele Menschen mit sich bringen, sondern auch die nach wie hohe Attraktivität von sicheren Karrieren in staatlichen Institutionen vermindern. Der damit verbundene Gratiseffekt eines Abbaus kostenintensiver bürokratischer Strukturen ist kaum zu überschätzen. Trotz der Trägheit informeller Institutionen führt kein Weg an einem Umbau des Rechtssystems hinzu mehr Regelgerechtigkeit, Eigentumsschutz und individueller Freiheit vorbei. Es erscheint jedoch illusionär, dass diesem Reformprozess durch konditionelle Entwicklungshilfe spürbare Impulse verliehen werden können.
„Entwicklungskontinent“ Afrika – Perspektiven und Handlungsempfehlungen

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Welche Aufgabe kommt einer liberalen Entwicklungspolitik in dieser Situation zu? In erster Linie heißt dies vor der eigenen Tür zu kehren und die inhärenten Entwicklungshemmnisse der eigenen Wirtschaftspolitik auszuräumen. Wer sich selbst nur halbherzig mit dem eigenen Protektionismus auseinander setzt, sei es in der Außenhandelspolitik und in der Landwirtschaftspolitik oder zunehmend auch in der Umweltpolitik und im Verbraucherschutz, erschwert nicht nur sich, sondern auch den Handelspartnern in weniger entwickelten Volkswirtschaften die wirtschaftliche Entwicklung. Reformträgheit auf diesem Gebiet leistet überdies nicht gerade einen Beitrag zur Verbesserung der Ergebnisse internationaler Handelsabkommen. Das Erstarken protektionistischer Tendenzen in der Folge der globalen Wirtschaftskrise zeigt die Dringlichkeit des Handlungsbedarfs auf diesem Gebiet. Verbleibt die Entwicklungspolitik in ihrem klassischen Paradigma, ohne einen Beitrag zur Veränderungen der Institutionen zu leisten, ist von ihr kein langfristig wirksamer Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung zu erwarten. Wichtige Impulse können dagegen von einer besseren Fokussierung der Entwicklungspolitik auf den institutionellen Wandel ausgehen. Dringliche Nothilfe und die Konzentration auf Maßnahmen, die nachweißlich institutionelle Reformen für mehr wirtschaftliche Freiheit befördern, stehen dabei ganz oben auf der Agenda. Derartige Reformen erfordern einen mitunter zähen Lernprozess der Zivilgesellschaft und der staatlichen Akteure. Dieser Lernprozess lässt sich durch die Kommunikation positiver Reformerfahrungen, die Kooperation mit reformwilligen gesellschaftlichen Gruppen und die Stärkung der Zivilgesellschaft unterstützen. Zur Bereitstellung der notwendigen Infrastrukturen und organisatorischen Kapazitäten kann die liberale Entwicklungspolitik durchaus langfristig wirksamer einen Beitrag leisten.

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Literatur: Boudreaux, Karol and Paul Dragos Aligica (2007): Path to Property – Approaches to Institutional Change in International Development, Institute of Economic Affairs, London. Burnside, Craig, and David Dollar (2004): Aid, Policies and Growth: Revisiting the Evidence, WBPR-Paper 3251. Collier, Paul (2007): The Bottom Billion, Why the Poorest Countries are Failing and What Can Be Done About It, Oxford University Press. Coyne, Christopher J. and Russel S. Sobel (2010): How are Institutions Related?, Chapter 3, in: Gwartney, James, Joshua Hall, Robert Lawson, Economic Freedom of the World – 2010 Annual Report, www.freetheworld.com. Djankow, Simeon, Jose G. Montalvo, and Marta Reynal-Querol (2006): Does Foreign Aid Help? Cato Journal 26, 1: 1-28. Easterly, William (2006): The White MAn’s Burden, Penguin Press. Easterly, William, ed. (2008): Reinventing Foreign Aid, MIT Press. Easterly, William; Ross Levine and David Roodman (2004): Aid, Policies, and growth: Comment. American Economic Review 87 (May): 328-32. Goklany, Indur (2007): Wealth, health and the Cycle of Progress, in: Stevens, Philip (ed.): Fighting the Disease of Powerty, IPN Press, London, 2007. Gwartney, James, Joshua Hall, Robert Lawson (2010) (EFW-Report): Economic Freedom of the World – 2010 Annual Report, www.freetheworld.com. Maddison, Angus (2005): Evidence submitted to the Select Committee on Economic Affairs, House of Lords, London, for the inquiry into “Aspects of the Economics of Climate Change”, 20th February 2005. Norton, Seth W. and James D. Gwartney (2008): Economic Freedom and World Poverty, Chapter 2, in: Gwartney, James, Robert Lawson and Seth Norton: Economic Freedom of the World – 2008 Annual Report, www.freetheworld.com. Rajan, G. Raghuram, and Arvind Subramanian (2005): Aid and Growth: What Does the Cross-country Evidence Really Show? NBER Working Paper No. 11513. National Bureau of Economic Research. Sachs, Jeffrey (2006): Das Ende der Armut. Ein ökonomisches Programm für eine gerechte Welt, Edition Pantheon, München.
„Entwicklungskontinent“ Afrika – Perspektiven und Handlungsempfehlungen

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Anhang I: Wirtschaftliche Freiheit, Wirtschaftskraft und Lebensqualität
Wirtschaftliche Freiheit und Pro-Kopf-Einkommen
35.000 30.000 25.000 20.000 15.000 10.000 5.000 0 1. Quartil (unfrei) 2. Quartil 3. Quartil 4. Quartil (frei) $3.858 $7.188 $14.659 $32.744

Pro-Kopf-Einkommen (2008), US-$-Kaufkraftparitäten (in Preisen 2005)

Wirtschaftliche Freiheit und Wirtschaftswachstum
3 2,5 2 1,5 1 0,5 0 1. Quartil (unfrei) 2. Quartil 3. Quartil 4. Quartil (frei) 2,49 2,26 2,35

0,66

Jährliche Wachstumsrate des Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukts (%), in Kaufkraftparitäten, 1990 - 2008

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Wirtschaftliche Freiheit und relative Armut
2,7 2,6 2,5 2,4 2,3 2,2 2,1 2,0 1,9 1. Quartil (unfrei) 2. Quartil 3. Quartil 4. Quartil (frei) 2,2 2,3 2,5 2,6

Einkommensanteil (%) der ärmsten 10 Prozent aller Einwohner

Wirtschaftliche Freiheit und absolute Armut
9.000 8.000 7.000 6.000 5.000 4.000 3.000 2.000 1.000 0 1. Quartil (unfrei) 2. Quartil 3. Quartil 4. Quartil (frei)

$8.474

$3.334

$1.792 $910

Pro-Kopf-Einkommen - ärmste 10 Prozent der Einwohner (2008), US-$-Kaufkraftparitäten (in Preisen von 2005)

„Entwicklungskontinent“ Afrika – Perspektiven und Handlungsempfehlungen

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Wirtschaftliche Freiheit und Lebenserwartung
90 80 70 60 50 40 30 20 10 0 1. Quartil (unfrei) 2. Quartil 3. Quartil 4. Quartil (frei) 59,9 67,8 79,3 72,3

Lebenserwartung bei der Geburt in Jahren, 2008

Wirtschaftliche Freiheit und Umweltqualität (2008)
90 80 70 60 50 40 30 20 10 0 1. Quartil (unfrei) 2. Quartil 3. Quartil 4. Quartil (frei) 64,5 71,6 76,5 84,8

Umweltqualitäts-Index 2008

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Wirtschaftliche Freiheit und Zufriedenheit
8 7 6 5 4 3 2 1 0 1. Quartil (unfrei) 2. Quartil 3. Quartil 4. Quartil (frei) 4,7 5,9 6,3 7,5

Index der Lebenszufriedenheit (Happy Planet Index 2.0, 2009)

Wirtschaftliche Freiheit und Chancen von Frauen
80 70 60 50 40 30 20 10 0 1. Quartil (unfrei) 2. Quartil 3. Quartil 4. Quartil (frei) 37,7 49,0 59,2 75,7

Women's Economic Opportunity Index 2010, Median

„Entwicklungskontinent“ Afrika – Perspektiven und Handlungsempfehlungen

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Wirtschaftliche Freiheit und Korruption
8 7 6 5 4 3 2 1 0 1. Quartil (unfrei) 2. Quartil 3. Quartil 4. Quartil (frei) 2,6 3,5 4,3 7,4

Korruptionsindex (2009), 0 - extrem korrupt, 10 - nicht korrupt

Wirtschaftliche Freiheit und Rechtsstaat
0

1 1,6 2 2,3

3

3,4

4

4,3

5 1. Quartil (unfrei) 2. Quartil 3. Quartil 4. Quartil (frei)

Politische Rechte/Bürgerliche Freiheiten, 1 - hoch, 7 - gering

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Anhang II: Ländergruppierung Asien: Bangladesh, China, Indien, Indonesien, Südkorea, Malaysia, Mongolei, Myanmar, Nepal, Pakistan, Philippinen, Sri Lanka, Thailand, Vietnam Zentral- und Südamerika: Argentinien, Belize, Bolivien, Brasilien, Chile, Kolumbien, Costa Rica, Ecuador, El Salvador, Guatemala, Guayana, Honduras, Nicaragua, Panama, Paraguay, Peru, Trinidad & Tobago, Uruguay, Venezuela Frühere Planwirtschaften: Albanien, Armenien, Aserbaidschan, Bosnien & Herzegowina, Bulgarien, Tschechien, Estland, Georgien, Ungarn, Kasachstan, Kirgisien, Lettland, Litauen, Mazedonien, Moldawien, Mongolei, Montenegro, Polen, Rumänien, Russland, Serbien, Slowakei, Slowenien, Ukraine Subsahara-Afrika: Angola, Benin, Burkina Faso, Burundi, Kamerun, Zentralafrikanische Republik, Tschad, Demokratische Republik Kongo, Republik Kongo, Elfenbeinküste, Äthiopien, Gabun, Ghana, Guinea Bissau, Kenia, Lesotho, Malawi, Mali, Mauretanien, Malawi, Mali, Mozambique, Namibia, Niger, Ruanda, Senegal, Sierra Leone, Südafrika, Tansania, Togo, Uganda, Sambia, Simbabwe

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Mit Augenmaß und Leidenschaft – Die Arbeit der Friedrich-NaumannStiftung für die Freiheit in Afrika

Denise Dittrich1

Bereich Internationale Politik, Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit Mit allen Kräften für eine liberale Welt, das ist der Grundwert, der die Arbeit der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit (FNF) im In- und Ausland leitet. Unsere Auslandsarbeit ist Teil der außen- und entwicklungspolitischen Zusammenarbeit der Bundesrepublik Deutschland. Zwar handeln wir nicht im direkten Auftrag der Bundesregierung, aber mit ihrer Zustimmung und finanziellen Unterstützung. Heute arbeitet die FNF in sieben Regionalbüros, 44 Projektbüros und über 60 Projektländern weltweit. Über 100 Einzelprojekte werden von mehr als 230 Mitarbeitern in den jeweiligen Projektregionen umgesetzt. Wir arbeiten im Ausland mit einem breiten Spektrum an Partnern – Parteien, Think Tanks und Institutionen –, die genau wie wir folgende Ziele verfolgen: ein selbstbestimmtes Leben in einer rechtstaatlichen Demokratie und die Entwicklung einer freien Bürgergesellschaft, in der alle Menschen die Chance auf Bildung und auf Eigentum haben. Dabei setzen wir auf politische Bildung, die immer mehr Menschen befähigen soll, sich aktiv an politischen und gesellschaftlichen Prozessen zu beteiligen. Im Rahmen des Politikdialogs erhalten Politiker und Vertreter der Zivilgesellschaft die Möglichkeit, Erfahrungen auszutauschen, voneinander zu lernen und Lösungen für Konflikte zu finden. Durch Politikberatung werden politischen Entscheidungsträgern aus dem liberalen Spektrum Fähigkeiten, Kenntnisse und Erfahrungen vermittelt, die wichtig für die Stärkung politischer Parteien und die Umsetzung freiheitlicher Politikmodelle sind.

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Referentin für Afrika der FNF in Potsdam. Der am 10.12.2010 in Hannover gehaltene Vortrag orientierte sich an diesem Papier.
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Unsere Arbeit und unsere Partner in Subsahara-Afrika Mit Bildungsmaßnahmen und Beratungsleistungen ist die Stiftung seit 1963 auf dem afrikanischen Kontinent aktiv. Zunächst in Nordafrika, seit Ende der 1960er Jahre auch in Subsahara-Afrika. Zu Beginn lag der Schwerpunkt der Stiftungsarbeit auf der Aus- und Weiterbildung von Journalisten in Afrika. Nach der politischen und wirtschaftlichen Öffnung Afrikas in den 1980er Jahren baute die FNF ihr Engagement auf dem Kontinent aus und das südliche Afrika wurde regionaler Schwerpunkt. Heute arbeitet die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit im südlichen Afrika von fünf Standorten aus: Senegal, Ghana, Simbabwe, Tansania und Südafrika. Von dort aus werden auch Maßnahmen in anderen Ländern, wie Kenia und der Elfenbeinküste koordiniert. Ziel unsere Aktivitäten ist es, Wege zur Lösung politischer und wirtschaftlicher Probleme zu finden, die durch korrupte Eliten, ungenügende Durchsetzung rechtsstaatlicher Prinzipien, schwachen Institutionen oder schlechte Bildung verursacht wurden. Bei unserer Arbeit in Afrika konzentrieren wir uns auf drei Schwerpunkte: 1) Arbeit mit politischen Parteien und deren Vernetzung, 2) Förderung von Rechtsstaatlichkeit und 3) Unterstützung einer funktionierenden Marktwirtschaft. 1. Südafrika

Südafrika befindet sich auch 16 Jahren nach dem Ende der Apartheid (1994) immer noch in einem tiefgreifenden politischen und wirtschaftlichen Wandlungsprozess. Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit ist seit Anfang der neunziger Jahre vor Ort und unterstützt diesen Prozess aktiv. Einerseits sollen über die formalen demokratischen Mechanismen hinaus die Grundelemente eines liberalen Verfassungsstaates gesichert und ausgebaut, andererseits marktwirtschaftliche Lösungen als Weg zu wirtschaftlichem Wachstum und zum Abbau der Arbeitslosigkeit vermittelt werden. Dazu arbeitet die Stiftung von zwei Büros aus. In Kapstadt, dem Sitz des südafrikanischen Parlaments, wird in erster Linie mit dem politischen Partner Democratic Alliance (DA) auf nationaler, Provinz- und kommunaler Ebene sowie mit deren
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Vorfeldorganisationen (Verband Liberaler Provinzabgeordneter, Verband Liberaler Kommunalpolitiker, die Jungen Liberalen) zusammen gearbeitet. So bemüht sich die Stiftung, die ’Official Opposition’ Südafrikas und die zweitgrößte Partei im Parlament in die Lage zu versetzen, ihrer verfassungsgemäßen Kontrollfunktion noch besser nachzukommen und liberale Alternativen zur gängigen Politik aufzuzeigen. Die Aktivitäten zielen auf die Verbesserung der programmatischen, strategischen und organisatorischen Kenntnisse, Fertigkeiten und Wirkungsmöglichkeiten liberaler Mandats- und Funktionsträger sowie von Nachwuchskräften, wie auch auf die Identifikation und Lösung demokratischer und wirtschaftlicher Entwicklungshemmnisse. Von Johannesburg aus unterstützt die Stiftung gezielt die Arbeit im sozio-ökonomischen Bereich und kooperiert mit südafrikanischen Forschungsinstituten, die im Bereich Deregulierung, Korruptionsbekämpfung und Förderung kleiner- und mittlerer Unternehmen tätig sind. Vordergründig sind zu nennen das South African Institute of Race Relations (SAIRR), Centre for Development and Enterprise (CDE), der Helen Suzman Foundation (HSF), den Small Business Project (SBP) und der The Free Market Foundation (FMF).

Die Democratic Alliance ist die größte südafrikanische Oppositionspartei. CDE ist einer der führenden südafrikanischen Think Tanks, der sich mit entwicklungspolitischen Fragen und deren Verhältnis zum Wirtschaftswachstum und der Festigung von demokratischen Strukturen beschäftigt. HSF ist eine unabhängige, überparteiliche Stiftung, die sich der Förderung von liberalen demokratischen Werten und Menschenrechten widmet.

www.da.org.za www.dayouth.org.za www.adac.co.za www.dampl.co.za

www.cde.org.za

www.hsf.org.za

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SAIRR war die erste nationale multikulturelle Organisation in Südafrika. Sie erstellt Risikoanalysen, forscht und publiziert in allen Bereichen, die Einfluss auf die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse im Land haben. SBP konzentriert sich auf die Förderung von politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen, die Wirtschaftswachstum unterstützen. Zudem erstellen sie für Unternehmen Geschäftsentwicklungskonzepte und helfen diese zu implementieren. FMF forscht und organisiert Veranstaltungen zu liberalen Themen. Das Ziel ist eine offene Gesellschaft, die geprägt ist von Rechtsstaatlichkeit, persönlicher und wirtschaftlicher Freiheit sowie Pressefreiheit.

www.sairr.org.za

www.sbp.org.za

www. freemarketfoundation.com

Regionale Netzwerkarbeit Auch die regionale Arbeit wird von Johannesburg aus koordiniert. Sie bindet Partner in länderübergreifenden liberalen Netzwerken, die nationale und regionale Wirkung entfalten. Strategisch und programmatisch unterstützt die FNF seit einigen Jahren das „African Liberal Network“ (ALN), ein Zusammenschluss von liberalen Parteien aus ganz Afrika. ALN hat derzeit 27 Mitgliedsparteien aus 21 Ländern, die sich verpflichtet haben, mit einer Stimme für mehr liberale Demokratie und damit für mehr persönliche Freiheiten der Bürger Afrikas einzutreten. Das Netzwerk bietet seinen Mitgliedsparteien gezielte Trainings für deren strategische Ausrichtung und fördert damit auch den Informations- und Erfahrungsaustausch der Parteien untereinander.
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Teil der politischen Netzwerksarbeit ist auch die Kooperation mit der „Organisation of African Liberal Youth“ (OALY) und ihren nationalen Mitgliedsverbänden. Die FNF hält es für wichtig, gerade auch junge liberale Nachwuchspolitiker zu fördern. Denn diese wird die nächste Politiker-Generation. Oft herrscht ein Mangel an Eigeninitiative innerhalb der liberalen Vorfeldorganisationen, aber auch ein fehlendes Interesse von Seiten der Mutterparteien. Diese empfinden ihre Jugendorganisationen oftmals als unnötigen administrativen Aufwand oder gar als Konkurrenz im eigenen Haus. Unser Ziel ist es u.a. auf eine komplementäre Wirkung der Maßnahmen zum Nutzen der Mutterparteien hin zuarbeiten. Im rechtsstaatlichen Bereich fördert das Regionalbüro Afrika mit dem „Southern African Legal Assistance Network“ (SALAN) den Informationsaustausch von zivilgesellschaftlichen Organisationen im Bereich Menschenrechte im südlichen Afrika. Dieses im östlichen und südlichen Afrika einflussreiche Rechtshilfe- und Menschenrechts-Netzwerk umfasst elf Mitgliedsorganisationen in Botswana, Malawi, Mosambik, Namibia, Sambia, Simbabwe, Südafrika und Tansania und hat seinen Sitz zurzeit noch in Lusaka, Sambia.2 SALAN bietet seinen Mitgliedern Informationsaustausch sowie juristische Unterstützung an und beteiligt sich an rechtlichen und politischen Reformbewegungen. 2. 2.1 Westafrika Senegal

Auch in Westafrika setzt sich die Stiftung dafür ein, dass die Grundlagen einer liberalen Demokratie geschaffen werden. Bereits 1980 öffnete die Stiftung für die Freiheit ihr Projektbüro in Dakar; seit Ende 2006 befindet sich dort der Sitz des Westafrika-Projekts. Die FNF arbeitet in Senegal vor allem mit den Think TankPartner Institut Supérieur de Management (ISM) zusammen. Ergebnisse dieser Kooperation sind in erster Linie Studien, Forschungsprojekte und Publikationen zur weiteren marktwirtschaftlichen Entwicklung im Senegal. Mit dem Partner Forum Civil, dem senegalesischen Zweig von Transparency International, verbindet die Stiftung eine lange Zusammenarbeit bei der Korruptionsbekämpfung und der Förderung der Bürgerbeteiligung an politischen Prozessen. Politischer Partner im Senegal ist die Regierungspartei Parti Démocratique Sénégalais (PDS). Die Unterstützung der PDS trug wesentlich zum demokratischen Machtwechsel im Jahre 2000 bei. Kooperiert wird auf allen Ebenen: national, re2
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SALAN zieht Anfang 2011 entweder nach Namibia oder Tansania.
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gional und lokal. Mit der PDS und ihren Vorfeldorganisationen wird eine Vielzahl politischer Vorhaben, von Grundlagen der Parlamentsarbeit bis zu Pilotprojekten zur Dezentralisierung der Kommunalverwaltung, bearbeitet. So hat die Stiftung 2009 mit jüngeren Parlamentarier Schulungen durchgeführt, um diese auf ihre Aufgabe als Abgeordnete vorzubereiten. 2.2 Ghana

Die FNF ist seit 1992 in Ghana vertreten. Sie setzt sich dort für den liberalen Transformationsprozess des Landes ein. Die Stiftung konzentriert ihre Tätigkeit auf den Ausbau des marktwirtschaftlichen Wirtschaftssystems und der Sicherung der hierfür notwendigen Rechtsstaatlichkeit des Landes. In Kooperation mit der Partnerorganisation Ghana Centre for Democratic Development (CDD) und dem Think Tank IMANI Center for Policy & Education wurden 2010 zahlreiche Aktivitäten zum Thema (geistige) Eigentumsrechte durchgeführt. Im Rahmen des „Liberalen Donnerstags“, einer Diskussionsplattform für aktuelle, liberale Fragen, wurde das viel diskutierte Thema des Schutzes und der Geltendmachung geistiger Eigentumsrechte beleuchtet und über liberale Lösungsansätze diskutiert. Die Stiftung unterstützt zudem die sogenannte „G11“, eine Gruppe jüngerer Abgeordneter der Oppositionspartei NPP. Unsere Schulungsangebote in guter Regierungsführung richteten sich aber auch an liberale politische Vorfeldorganisationen wie die Ghana Liberal Students Association. 3. Simbabwe

Seit 1980 ist die FNF auch mit einem Büro in Harare vertreten und hat die dramatischen Veränderungen in Simbabwe von Anfang an aktiv verfolgt und die Arbeit von Organisationen der Zivilgesellschaft in den krisenreichen Jahren unterstützt. Die Stiftung konzentriert sich in ihrer Arbeit auf Konzepte zum Wiederaufbau des Rechtsstaates, der liberalen Demokratie und der Marktwirtschaft, welche durch die Diktatur Robert Mugabes und seiner Militärjunta buchstäblich zum Erliegen gekommen sind. Die Stiftung setzt sich in Harare für die Sicherung verbliebener demokratischer und rechtsstaatlicher Freiräume ein. Diese Arbeit ist aufgrund der geplanten Verfassungsreform und der für 2011 vorzeitig geplanten Wahlen von besonderer Bedeutung.

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Im Bereich der zivilgesellschaftlichen Zusammenarbeit unterstützt die Stiftung schwerpunktmäßig den Business Council of Zimbabwe (BCZ), vormals Business Leaders’ Forum (BLF). Eine Handelskammer, die sich für Eigentumsrechte und für die Verfassungsreform einsetzt. Im Bereich der Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit arbeitet die Stiftung mit der Legal Resources Foundation (LRF) zusammen und fördert im Rahmen eines EU-Projekts eine Reihe von „Legal Aid Clinics“, die den Bürgern juristische Dienste anbieten, Musterprozesse führen und mit Bildungsmaßnahmen an Multiplikatoren und auch an Vertreter des parallelen traditionellen Rechtssystems herantreten. Des Weiteren kooperieren wir mit der National Association of Non-Governmental Organisations (NANGO), einem Netzwerk von Nichtregierungsorganisationen. 4. 4.1 Ostafrika Tansania

Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit ist seit 1991 mit einem Büro in Dar es Salaam (Tansania) vertreten und steuert von dort die Projekte in Tansania und Kenia. Bis Mitte der 1990er Jahre war Tansania ein Einparteienstaat. Seitdem befindet sich das Land in einem politischen und ökonomischen Transformationsprozess hin zu einem pluralistischen und marktwirtschaftlichen System. Es ist jedoch noch immer eine Herausforderung, das Konzept der Mehrparteiendemokratie in den Köpfen der politischen Elite zu verankern. Die Stiftung unterstützt diesen Weg durch ihre Zusammenarbeit mit liberalen Partnerorganisationen sowohl im politischen als auch im Bereich der Zivilgesellschaft. Dazu arbeitet die Stiftung seit vielen Jahren mit der Civic United Front (CUF) – die auf dem halb-autonomen Sansibar-Archipel seit November dieses Jahres Teil der Regierungskoaltion ist – zusammen. Hauptaufgabe der Stiftungsarbeit ist es, die Kenntnisse und Fertigkeiten liberaler Mandats- und Funktionsträger in thematischen, strategischen und organisatorischen Fragen zu verbessern. Ein weiterer bedeutender Partner ist die Tanzania Youth Vision Association (TYVA), ein liberaler Jugendverband. 4.2 Kenia

Bei der Arbeit in Kenia konzentriert sich die Stiftung auf den entwicklungspolitischen Think Tank Inter Region Economic Network (IREN). Der langjährige nicht-staatliche, unabhängige FNF-Partner hat es sich zur Aufgabe gemacht, liberale Denker in der Region Ostafrika zu vernetzen und gemeinsam Entwicklungskonzepte zu erarbei46
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ten. Das Netzwerk hat sich die Förderung des wirtschaftlichen Spielraums und die Stärkung persönlicher Freiheitsrechte in Afrika zum Ziel gesetzt. IREN will die afrikanischen Gesellschaften ermutigen, zur Lösung von Problemen weniger auf ihre Regierungen und mehr auf eigene Lösungswege zu vertrauen. Ein jährliches Highlight stellt das von IREN selbstorganisierte Treffen genannt African Resource Bank dar, an dem wichtige Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler sowie Intellektuelle und Politiker aus Afrika teilnehmen. Schlussbemerkung In der Mehrzahl der Staaten in der Region Subsahara-Afrika ist eine personalisierte Machtpolitik vorherrschend. Es fehlt an politischen und zivilgesellschaftlichen Korrektiven. Freedom House Index stuft nur sechs der 42 Länder und drei der sechs Inselstaaten der Region als „frei“, d.h. als Demokratien ein. Der im Oktober veröffentlichte Ibrahim Index 2010 verzeichnet zwar in den Ländern südlich der Sahara Fortschritte in der wirtschaftlichen Entwicklung, jedoch Rückschritte in den Bereichen politische Rechte, Sicherheit und Rechtsstaatlichkeit. Der Freedom House Index und Bertelsmann Transformation Index sieht die Negativentwicklung hinsichtlich der Freiheitsrechte und rechtsstaatlicher Demokratie sogar noch pessimistischer. Noch immer lebt die Hälfte der Bevölkerung Afrikas in extremer Armut (von weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag). Aufgrund des Mangels an wirtschaftlicher Freiheit und dem ungenügenden Schutz von Eigentumsrechten verharrt der Großteil der Bevölkerung in Armut. Ein Großteil der Bürger befindet sich in einem täglichen Kampf um die Befriedigung einfachster, elementarer Grundbedürfnisse, der wenig Raum lässt für politisches bzw. gesellschaftliches Engagement. Vor dem Hintergrund dieser Rahmenbedingen unterstützt und fördert die FriedrichNaumann-Stiftung für die Freiheit in Afrika seit Jahrzehnten ein breites Spektrum an Partnern – Parteien, Think Tanks und Institutionen. Ziel ist die Entwicklung einer freien Bürgergesellschaft im Rahmen einer rechtsstaatlichen Demokratie. Kontaktdaten: Denise Dittrich, Referentin für Afrika Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit Bereich Internationale Politik Karl-Marx-Straße 2, D-14482 Potsdam E-Mail: denise.dittrich@freiheit.org www.freiheit.org www.africa.fnst-freiheit.org
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