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Ludwig-Maximilians-Universität München

Ausbildungseinrichtung für Orthodoxe Theologie

Die Bedeutung des Stefan Nemanja für die serbische Kirche

Diplomarbeit

im Fach

Geschichtliche Theologie und Ökumenik

vorgelegt von

Radmila Ninić, Ferdinandstr. 28 A, 33649 Bielefeld

Erstgutachter: Prof. Dr. Ioan-Vasile Leb

Zweitgutachter: Prof. Dr. Konstantin Nikolakopoulos

2007
2

Die Bedeutung des Stefan Nemanja für die serbische Kirche


3

Kommet herbei, Kinder,


höret mir zu!
Ich will euch die Furcht
des Herrn lehren."
Ps 33 (34), 11

Heiliger Simeon der Myronströmende


Kloster Hilandar
Quelle: D. Savić, Hilandar, Sveta srpska carska lavra na Svetoj gori Atonskoj
(Hilandar, das heilige serbische Zarenkloster auf dem Heiligen Berg Athos),
Beograd 2004, S. 41
4

Inhaltsverzeichnis

Heiliger Simeon der Myronströmende 3

A) Stefan Nemanja - Begründer des serbischen Staates


und der Nemanjiden-Dynastie 7

I. Die altserbischen Biographien 8

1. Das Leben Simeons vom heiligen Sava 9


2. Das Leben des heiligen Simeon Nemanja von
Stefan dem Erstgekrönten 10
3. Die Vita Simeons von Domentijan und Hymnen des Teodosije 11

II. Das kirchliche und politische Umfeld zur Zeit des Stefan Nemanja 11

1. Die außeren kirchlich-politischen Einflüsse 12


2. Die inneren Verhältnisse in den serbischen Gebieten Zeta
und Raszien 14
a) Kurzer Überblick über die Entwicklung Zetas 14
b) Der Aufstieg Rasziens zum serbischen Kernland 16
3. Einflüsse benachbarter Staaten 17

B) Biographische Angaben über Stefan Nemanja 18

I. Die wichtigsten Daten aus Nemanjas weltlichem Leben 18

1. Das Elternhaus 18
2. Das Geburtsjahr und der Geburtsort Nemanjas 20
a) Der Geburtsort 21
3. Die zwei Taufen Nemanjas 21
4. Der Titularname Stefan 23
5

5. Nemanjas Frau Ana 25

II. Stefan Nemanja wird zum Herrscher Serbiens 28

1. Nemanja und „das väterliche Erbe“ 30


2. Die „kaiserliche Würde“ Nemanjas 31
3. Die Auseinandersetzung mit den Brüdern 32
4. Die Ausweitung des Landes 34
5. Kämpfe um die Unabhängigkeit Serbiens 37
6. Begegnung mit Friedrich Barbarossa und Friedensvertrag
mit Byzanz 39
7. Nemanjas Residenz, Herrschaftsmethoden und Insignien 41

III. Das geistliche Leben Nemanjas und sein Verhältnis zu der Kirche 45

1. Nemanja als Stifter von Kirchen und Klöstern 45


2. Nemanjas Kampf gegen die Bogomilen 49
a) Die Bogomilen-Häresie auf dem Balkan 49
b) Die Bogomilen in Byzanz 51
c) Die Bogomilen in Serbien 52
3. Abdankung und Thronnachfolge 56
4. Nemanja wird Mönch Simeon 60
a) Simeons Leben in Studenica 63
b) Ankunft auf dem Heiligen Berg Athos 65
c) Die Erbauung des Klosters Hilandar 67
5. Tod und Heiligkeit des ersten serbischen Nationalheiligen 70
a) Der Abschied zwischen Vater und Sohn 71
b) Der Abschied von den Athos-Mönchen 72
c) Simeons Heiligkeit 73
d) Die Wunder des heiligen Simeon 77
6. Die zweite Bestattung Simeons 78
6

C) Die heutige Relevanz des Stefan Nemanja 81

I. Der Kult des heiligen Simeon 81


1. Kultentstehung und Verherrlichung 84
2. Kultinhalt und Merkmale 87
a) Nemanja als idealer Herrscher 87
b) Lehrer und Erleuchter des Volkes 89

II. Simeon Nemanja in der programmatischen Ausrichtung


der serbischen Kirche 91

1. Vereinigung von Vater und Sohn 92


2. Der heilige Simeon im religiös-politischen Programm der
Metropolie Karlovac 93
a) Zusammenführung des weltlichen und des
monastischen Namens 94

III. Zusammenfassung 95

Abbildungen im Anhang: 99
Stefan Nemanja 100
Landkarte: Serbien zur Zeit Stefan Nemanjas 101
Kirche der Apostel Petrus und Paulus in Ras 102
Kloster Studenica 103
Hilandar auf dem Heiligen Berg Athos 104
Sarkophag und Weinrebe des heiligen Simeon in Hilandar 105
Stammbaum der Nemanjiden (Kloster Gračanica) 106

Quellen- und Literaturverzeichnis 107

Erklärung 109
7

A) Stefan Nemanja - Begründer des serbischen Staates


und der Nemanjiden-Dynastie

„Als was aber bezeichnen wir diesen Mann?“1

Diese Frage aus der von Nemanjas jüngstem Sohn Rastko2, dem späteren Mönch
Sava, verfassten Vita Simeons3 lässt uns erahnen, wie vielfältig die Persönlichkeit
des Stefan Nemanja ist, und welche Bedeutung seinen Werken, die er während
seiner Regierung geschaffen, in fortwährendem Kampf bewahrt und seinen Erben
hinterlassen hat, nicht nur in der serbischen orthodoxen Kirche zukommt.

Als Stefan Nemanja, „der bedeutendste unter den serbischen Herrschern“4, im 12.
Jahrhundert in die Geschichte eintritt, ist das serbische Volk Dank der
missionarischen Tätigkeit der „Slawenapostel“, der aus Thessalonike stammenden
heiligen Brüder Kyrillos und Methodios, längst christianisiert. Dennoch sollten auf ihn
einige der wichtigsten religiösen und staatsmännischen Aufgaben warten, denn der
rechte Glaube ist gefährdet, sein Volk lebt zerstreut in mehreren Fürstentümern5 und
Ländereien, ohne ein einheitliches Staatsgebilde und ohne eine nationale Kirche.

Nach den uns vorliegenden Quellen6 verkörpert Stefan Nemanja viele scheinbar
widersprüchliche Charakterzüge und Eigenschaften. Er ist ein energischer Herrscher,
welcher die Geschicke des serbischen Staates fast vier Jahrzehnte mit
diplomatischem Gespür aber auch Entschlossenheit und straffer Disziplin lenkt und

1
Hl. Sava, Das Leben Simeons, in: Günther Stökl (Hg.), Serbisches Mittelalter – Altserbische Herrscher-
biographien, Bd. I, übersetzt, eingeleitet und erklärt von Stanislaus Hafner, Graz – Wien – Köln 1962, S. 44
Stefan Nemanja ist in der Anlage auf der Seite 100 als Herrscher zu sehen.
2
Prinz Rastislav, Kurzname Rastko, (1175- 1236) wird als Nemanjas jüngster Sohn geboren. Anstatt die ihm
von seinem Vater übertragene Verwaltung des Gebietes der heutigen Herzegowina zu übernehmen, flieht er als
Siebzehnjähriger auf den Heiligen Berg und wird Mönch Sava. Über den heiligen Sava existiert umfangreiche
Literatur, in deutscher Sprache z. B.: Velimirović, Nikolaj, Das Leben des heiligen Sava (englisches Original:
The Life of St Sava), übersetzt von Michael Schulte, Köln 1998.
3
Die vollständige Überschrift der Vita lautet: Wie unser ehrwürdiger Vater und Stifter Herr Simeon dieses
heilige Kloster (als Lohn) erhielt, und wie sein Leben war, vor Gott und den Menschen.
4
Konstantin Jireček, Istorija Srba, Prva knjiga do 1537 (Die Geschichte der Serben, Erstes Buch bis 1537),
übersetzt von Jovan Radonić, Beograd 21978, S. 147
5
Die Fürstentümer haben die serbische Bezeichnung „Župe“. An der Spitze einer „Župa“ steht der „Župan“
(ζούπανος) bzw. der Großžupan (ἀρχι ζούπανος).
6
Nach K. Jireček sind uns über Nemanja, als hl. Simeon, die von seinen Söhnen, dem hl. Sava und dem
ebenfalls heilig gesprochenen König Stefan Prvovenčani (der Erstgekrönte), zwei Anfang des 13. Jahrhunderts
verfassten Viten als Abschriften erhalten geblieben. Auch die Athosmönche Domentijan und Teodosije haben
über das Leben Simeons geschrieben. Als weitere Quellen sind einige altserbische und lateinische Urkunden,
Texte byzantinischer Autoren dieser Zeit und lateinischer Chronikschreiber des dritten Kreuzzuges bekannt.
8

schließlich freiwillig auf seinen Thron verzichtet, um Mönch Simeon zu werden, aber
auch ein unermüdlicher, frommer Kirchenerbauer und Verteidiger des rechten
Glaubens und zuletzt der myronströmende Heilige und Fürsprecher seines Volkes
vor Gott.

Hinsichtlich dieser Spannweite kann Stefan Nemanja auch heute noch als eine
kirchliche und/oder geschichtliche Persönlichkeit aber auch als eine in der
serbischen Überlieferungsgeschichte einmalige Persönlichkeit bezeichnet werden,
von welcher sowohl historische und theologische Texte als auch Volkslieder,
Gedichte und Erzählungen handeln. Bis in die heutige Zeit ist Stefan Nemanja im
serbischen Volk gegenwärtig und wird sowohl von den Gläubigen als auch von nicht
glaubenden Menschen wie ein Zeitgenosse erlebt und verehrt.

Möglicherweise hat gerade diese Verflechtung der Kirchengeschichte und der


Überlieferung in der Person des Stefan Nemanja dazu beigetragen, dass das
serbische Volk von allen frühen Herrschern hauptsächlich seinen Namen kennt,
seine Vorgänger bleiben oft unbekannt und werden sogar in Urkunden,
Genealogien, oder Gedenktafeln selten erwähnt7 – meist ist Nemanja alleine an der
Spitze der Staatsführer als der Staatsgründer genannt.

I. Die altserbischen Biographien

Trotz der Tatsache, dass über Nemanja und über sein Leben u. a. zwei seiner Söhne
geschrieben haben, sind bis heute viele Fragen ungeklärt geblieben.
Wie das im Mittelalter oft üblich ist, fehlen in beiden Viten Simeons genauere
Angaben über das weltliche Leben Nemanjas, wie z. B. die Angaben zu seiner
Herkunft und über die Eltern oder das Geburtsjahr.

Die Viten sind jedoch auch deshalb wichtig, weil sie den Anfang der serbischen
Biographik darstellen und zu der „originellsten und bedeutendsten Leistung der
mittelalterlichen Literatur“8 zählen. Als solche nehmen sie einen herausragenden
Platz in der serbischen mittelalterlichen Kultur ein.

7
Vgl. Konstantin Jireček, a. a. O., S. 147
8
Vgl. Alois Schmaus, Zur Frage der Kulturorientierung der Serben im Mittelalter, in: Südost-Forschungen, 15.
1956, S. 179ff.
9

Auch Nemanja selbst hat uns eine Art Autobiographie hinterlassen in Form der
sogenannten „Ersten Stiftungsurkunde für Hilandar“9, in welcher er zum einen seine
Herrscherzeit schildert und zum anderen den monastischen Weg seiner geistlichen
Vervollkommnung.

1. Das Leben Simeons vom heiligen Sava

Die erste, von dem Mönch Sava wahrscheinlich in dem Zeitraum zwischen 1208 bis
1217 verfasste Vita Simeons, ist ein Bestandteil des Typikons für das von Nemanja
gestiftete Kloster Studenica.10 Der spätere erste Erzbischof der autokephalen
serbischen Kirche beschreibt in der Vita mit knappen, präzisen Worten und wenig
rhetorischer Ausschmückung vorwiegend das Mönchsleben seines Vaters, nennt
aber auch die wichtigsten historischen Einzelheiten aus unterschiedlichen
Lebensphasen Nemanjas, „… vor allem aber die Wiedergabe des persönlich
Erlebten, die ergreifende Schilderung des Todes seines Vaters machen die Vita
Simeonis nicht nur zu einer hochwertigen historischen Quelle, sondern auch zu
einem Bedeutenden, im slawischen Mittelalter einzig dastehenden literarischen
Denkmal.“11

Wie viele andere mittelalterliche serbische Schriften, ist auch dieses Werk erst im 19.
Jahrhundert für die Wissenschaft dank der Arbeit des Slawisten P.J. Šafarik
zugänglich geworden.12

Die Originalhandschrift gilt als nicht mehr erhalten. Die Vita ist in zwei späteren, in
dem Skriptorium des Klosters Studenica entstandenen, Handschriften überliefert,
allerdings ist heute nur noch die erste Abschrift aus dem Jahr 1619 im Prager
Nationalmuseum vorhanden.

9
Die Erste Stiftungsurkunde für Hilandar ist in der Wissenschaft seit 1847 bekannt. Die sogenannte Zweite
Stiftungsurkunde für Hilandar stammt von Stefan dem Erstgekrönten. Vgl. R. Marinković, Nemanjina dvorska
kancelarija (Nemanjas Hofkanzlei), in Srpska Akademija Nauka i Umetnosti (Hg.), Meñunarodni naučni skup:
Stefan Nemanja – Sveti Simeon Mirotočivi, istorija i predanje, (Serbische Akademie der Wissenschaften und
Künste, Internationale wissenschaftliche Konferenz: Stefan Nemanja – der Heilige Simeon der Myronströmende,
Geschichte und Überlieferung), Beograd 2000, S. 131 ff.
10
Vgl. Hl. Sava, a. a. O., S. 32
Der Klosterkomplex ist im Anhang auf der Seite 103 zu sehen.
11
Ebd.
12
P.J. Šafarik veröffentlicht 1831 in den Wiener Jahrbüchern der Literatur eine „Übersicht der vorzüglichsten
schriftlichen Denkmäler älterer Zeit bei den Serben und anderen Südslaven“ und bezeichnet die Vita als „eine
sehr schätzbare, durch Inhalt und Darstellung gleich ausgezeichnete Pièce“. (ebd.)
10

Die aus dem Jahr 1760 stammende zweite Abschrift gilt heute als verschollen, sie
wurde jedoch von St. Stanojević im Glasnik Srpskog Učenog Društva (63) im Jahr
1885 beschrieben.13

Serbische Historiker haben die Fragen nach der Genauigkeiten der in dieser Vita
nach byzantinischer Art gemachten Zeitangaben lange und kontrovers diskutiert.

Durch die Abhandlungen von P. Popović, St. Stojanović, Vl. Ćorović, B. M.


Radojković und R. Novaković wurden die Zweifel im großen und ganzen ausgeräumt.
R. Novaković vertritt sogar die Meinung, dass Savas byzantinische Zeitangaben im
grunde richtig sind und nur chronologisch genau in die moderne Zeit transportiert
werden müssen.14

2. Das Leben des heiligen Simeon Nemanja von Stefan dem Erstgekrönten15

Die von Stefan dem Erstgekrönten16, dem Thronnachfolger Nemanjas, verfasste Vita
Simeons ist vom Umfang etwa doppelt so groß wie Savas Werk. Ein weiterer
Unterschied zwischen den beiden Viten liegt darin, dass Sava an keiner Stelle seiner
Vita von dem „heiligen Simeon“ spricht, sondern von dem „seligen und ehrwürdigen“,
während Stefan der Erstgekrönte gleich in der Überschrift von dem „Leben des
heiligen, seligen und ehrwürdigen“ Simeon berichtet. Stefan der Erstgekrönte
umfasst in der Vita, die er bis spätestens Juni 1216 abgeschlossen hat17, sowohl das
weltliche als auch der klösterliche Leben seines Vaters und gibt somit seine
Gesamtbiographie wieder.
Diese Vita ist in dem aus dem späten 13. oder frühen 14. Jahrhundert stammenden
slawischen Kodex Nr. 10 (Cod. slave No 10) der Pariser Bibliothéque Nationale
vollständig erhalten und gilt ebenso als eine literarische Meisterleistung ihrer Zeit.

13
Vgl. Hl. Sava, a. a. O., S. 33-34
14
Vgl. Anmerkung Nr. 101, Hl. Sava, a. a. O., S. 139
15
Die vollständige Überschrift der Vita lautet: Das natürliche und übernatürliche Leben des heiligen, seligen und
ehrwürdigen Vaters Simeon, weiland unseres Meisters, Lehrers, Herrn und Alleinherrschers in seinem
Vaterlande, in ganz Serbien und im Küstenland
16
Stefan ist der mittlere Sohn Nemanjas. Sein Geburtsjahr ist nicht bekannt. Er gilt als sehr klug, nach
byzantinische Art gebildet, geschickter Diplomat und herrscht als erster serbischer König von 1196 bis 1224. Er
stirb am 24. Sept./ 7. Oktober 1228 als Mönch Simon und wird in der serbischen Kirche als Heiliger verehrt.
Vgl. Hl. Sava, a. a. O., S. 65-67
17
Hl. Sava, a. a. O., S. 68
11

Der bekannte Slawist V. Jagić hat sie gründlich erforscht und als „ein durch Fülle des
dargebotenen Inhalts und verhältnismäßig klare Darstellung ausgezeichnetes
Denkmal“18 sowie als eines der größten Schätze der altserbischen Literaturwerke
bezeichnet.

3) Die Vita Simeons von Domentijan und Hymnen des Teodosije

Der Mönch Domentijan gilt als letzter Schüler des heiligen Sava und verfasst, wohl
auf Ersuchen des Königs Stefan Uroš I.19, nach der Vita Savas auch eine Vita
Simeons im Jahr 1264.20 Beide Viten gelten als meisterliche hagiographische Werke,
wobei als ziemlich sicher gilt, dass Domentijan als Vorlage für seine Vita Simeons die
Texte von Sava und Stefan dem Erstgekrönten benutzt.

Im frühen 14. Jahrhundert verfasst der Hilandar-Mönch Teodosije21 u.a. mehrere


hymnographische Werke, Kanones für die heiligen Sava und Simeon sowie eine Vita
des heiligen Sava. Seine literarischen Werke gelten als Meisterleistungen dieser Zeit.
Verglichen mit der hoch gebildeten und anspruchsvollen Sprache Domentijans,
schreibt Teodosije in einer gut verständlichen narrativen Sprache.22

II. Das kirchliche und politische Umfeld zur Zeit des Stefan Nemanja

Über die Verhältnisse in den Balkangebieten im 12. Jahrhundert sind nur wenige
Quellen erhalten geblieben. Dennoch kann dieses und das darauf folgende 13.
Jahrhundert als eine sehr stürmische Zeit für die in Byzanz und den Nachbarstaaten
lebenden Völker bezeichnet werden. Die anhaltenden Änderungen der Macht-
verhältnisse, Hegemoniebestrebungen größerer Reiche und vor allem der Verfall von
Byzanz stellen die kleinen Völker, und damit auch das serbische Volk und seine
Herrscher, vor große Herausforderungen.

18
Hl. Sava, a. a. O., S. 69
19
Stefan Uroš I. ist der dritte Sohn von Stefan dem Erstgekrönten und herrscht nach seinen beiden vom Thron
gestürzten Brüdern, Stefan Radoslav und Stefan Vladislav, von 1243-1276. Vgl. Enciklopedija pravoslavlja
(Enzyklopädie der Orthodoxie), Bd. II, Beograd 2002, S. 1300
20
Vgl. S. Ćirković, Srbi u srednjem veku (Die Serben im Mittelalter), Beograd 1997, S. 120
21
Der Mönch Teodosije ist ein Schüler des nach besten byzantinischen und theologischen Beispielen gebildeten
Domentijan. Er hat seinen Lehrer nach Umfang und Vielfalt der literarischen Werke übertroffen. Vgl. auch D.
Bogdanović, V. J. ðurić, D. Medaković, Hilandar, Heiliger Berg 1997, S. 52
22
S. Ćirković, a. a. O., S. 120
12

1. Die äußeren kirchlich-politischen Einflüsse

Die durch christliche Grundsätze geprägten byzantinischen Herrschaftsmethoden


wirken sich auf die Beziehungen zwischen Byzanz und seinen Nachbarn aus.
Es entsteht ein Gleichgewichtssystem, „welches die Grundinteressen aller
Hauptbeteiligten befriedet und das Gesicht wahrt: die Kirche verfügt über
Voraussetzungen, um ihre Mission ausführen zu können, der Kaiser kann als der
oberste Herrscher und Erbe der römischen Kaiser auftreten, den Fürsten wird die
Macht in ihren Ländern nicht beschnitten, sondern ihre Autorität gegenüber dem Adel
und den Untertanen bestärkt, so dass sie die Dynastien fortführen und ihre Rechte
wahren können. Aber ein solches Gleichgewicht ist sehr empfindlich, und es ist
überhaupt nicht einfach, es über eine längere Zeit aufrecht zu erhalten.“23

Es ist der Kaiser Basileios II. (976 – 1025), der in den von Byzanz beherrschten
Balkangebieten das byzantinische Verwaltungssystem einführt und aus den Städten
heraus mit Hilfe von Staatsbeamten und lokalen Kleinadeligen, Militärs und
Kirchenvertretern regiert.24 Sein weitsichtiges und taktvolles Regime akzeptiert statt
der in Byzanz üblichen Geldbesteuerung die Abgaben in Form von Getreide und
Wein, aber das wichtigste Augenmerk gilt der kirchlichen Ordnung.

Die westlichen Grenzen des unter der unmittelbaren byzantinischen Herrschaft


stehenden serbischen Gebietes bilden Anfang des 11. Jahrhunderts die Flüsse Drina
und Lim, und die geographisch entlegendsten Bischofssitze befinden sich in Sirmium
(die heutige Stadt Sremska Mitrovica), Ras und in Prizren.25

Die sich auf der gegenüberliegenden Seite der Grenze befindlichen Gebiete sind
zwar dem byzantinischen Kaiser untergeordnet, jedoch auf eine traditionelle Weise,
die ihnen eine Entwicklung auf den bestehenden, eigenen kulturellen Fundamenten
ermöglicht aber ein Hinauswachsen aus diesen Fundamenten andererseits nicht
bieten kann.

23
S. Ćirković, Srbi u srednjem veku (Die Serben im Mittelalter), Beograd 1997, S. 27
24
Vgl. S. Ćirković, a. a. O., S. 29
25
S. Ćirković hebt hervor, dass drei von dem Kaiser Basileios II. ausgestellte Urkunden für das Erzbistum mit
Sitz in Ohrid erhalten geblieben sind, in welchen die Bischofssitze genannt sind. Vgl. a.a.O., S. 29
13

So haben sich aufgrund der byzantinischen Städteordnung, Zivilisation und Kultur in


dem unter der unmittelbaren Herrschaft des oströmischen Reiches stehenden Gebiet
zahlreiche, bis heute bestehende, Städte weiter entwickelt, wie z. B. Beograd
(Singidunum), Braničevo (Viminacium), Niš (Naisus), Lipljan (Ulpiana) u.a.m.,
während sich in dem westlichen Teil nur wenige größere Städte in der Küstengegend
bilden.

Aufgrund dieser politischen Situation befindet sich also ein Teil des sogenannten
„getauften Serbiens“, über welches uns als erster Konstantin VII. Porfyrogennitos
(913-959) in seinem Werk De Administrando Imperio26 berichtet, unter der direkten
Herrschaft der Byzantiner, während sich der andere Teil im Küstenland außerhalb
dieses direkten Machteinflusses entwickelt.

Mit der Zeit entstehen in Raszien und Zeta27 bzw. Dioklitien aufgrund der
unterschiedlichen kulturellen und religiösen Einflüsse starke und teilweise
unversöhnliche Rivalitäten und dynastische Kämpfe28. Die Folgen der in diesem
Gebiet verlaufenden Grenze zwischen der byzantinischen kirchlichen Jurisdiktion mit
den Sitzen in Ohrid und Ras und der Jurisdiktion der lateinischen Zentren Split und
Dubrovnik sind sehr ausgeprägt29. Die lateinische Kirche weitet auch dadurch ihre
Macht in diesem Gebiet aus, indem sie im 11. Jahrhundert, wie das K. Jireček in
seinem Werk „Staat und Gesellschaft im mittelalterlichen Serbien“ (Bd. I, S. 53)
beschreibt, offenbar ohne die päpstliche Autorisation das Erzbistum von Bar
errichtet.

Die unterschiedliche kirchliche Jurisdiktion ist wiederum für die Machtausübung des
byzantinischen Kaisers wichtig. In Raszien kann er nämlich die unmittelbare

26
Das Werk gilt als eines der ältesten Zeugnisse der serbischen Geschichte. Vgl. Lj. Maksimović, Srbija i metodi
upravljanja Carstvom u XII. veku (Serbien und Herrschaftsmethoden im Kaiserreich im 12. Jahrhundert), in
Srpska Akademija Nauka i Umetnosti (Hg.), Meñunarodni naučni skup: Stefan Nemanja – Sveti Simeon
Mirotočivi, istorija i predanje, (Serbische Akademie der Wissenschaften und Künste, Internationale
wissenschaftliche Konferenz: Stefan Nemanja – der Heilige Simeon der Myronströmende, Geschichte und
Überlieferung), Beograd 2000, S. 58.
Konstantin VII. Porfyrogennitos berichtet über serbische Länder und ihre Herrscher als eine politische Realität,
gleichzeitig betont er, dass diese vom Kaiser Basileios I. ernannt werden.
27
Die Bezeichnung „Zeta“ ist ab dem 11. Jahrhundert gebräuchlich und wird von Nemanja und Sava verwendet.
Bis Ende des 10. Jahrhunderts ist die Bezeichnung „Duklja, Dioklitija üblich. Von „Dioklitien“ berichtet auch
Stefan der Erstgekrönte und bezeichnet es als „das ursprüngliche Land von Nemanjas Großvater“.
28
Vgl. V. Ćorović, Istorija Srba (Die Geschichte der Serben), Novi Beograd 2005, S. 91 f.
29
Vgl. S. Ćirković, a. a. O., S. 29 f.
14

Staatsgewalt durchsetzen, und in Zeta bzw. Dioklitien muss er seinen Einfluss über
die ernannten Herrscher ausüben.

2. Die inneren Verhältnisse in den serbischen Gebieten Zeta und Raszien

In den serbischen Gebieten hat sich seit dem 11. Jahrhundert das monarchistische
Herrschaftsprinzip30 immer mehr verfestigt. Die Hauptherrschaft im Land wird
demnach auf den erstgeborenen Sohn übertragen, und die anderen männlichen
Familienmitglieder erhalten Landesteile als eigene Herrschaftsgebiete.
Dieses Festhalten an der Tradition und an der Autorität des Herrscherhauses sichert
später den Nemanjiden die Fortführung ihrer Herrschaft in Serbien über sieben
Generationen und die Kontinuität ihrer Dynastie.31 Es sollte sich zeigen, dass dieses
schwierige Unterfangen viel Mühe und Opfer besonders von dem ersten Glied der
Dynastie und ihrem Begründer, Stefan Nemanja, erfordert.

a) Kurzer Überblick über die Entwicklung Zetas

Das Küstenland Zeta ist im 11. Jahrhundert bedeutender für die Entwicklung der
serbischen Staatlichkeit als Raszien. In den Berichten der kaiserlichen Tochter Anna
Komnene ist Stefan Vojislav als erster Herrscher genannt, der in Zeta die Aufstände
gegen Byzanz anführt.32 Sein Sohn Mihajlo entscheidet sich für eine byzanz-
freundliche Politik und wird in griechischen Quellen positiv beschrieben. Nach ihm
geht die Herrschaft in Zeta auf Mihajlos Sohn Bodin (auch Konstantin Bodin) über,
der sich gegen Kaiser Alexios I. Komnenos (1081-1118) auflehnt und auch Raszien
bekämpft. Bodin, der eine Zeitlang sogar zum bulgarischen Kaiser Petar ausgerufen

30
Vgl. J. Kalić, Stefan Nemanja u modernoj istoriografiji (Stefan Nemanja in der modernen
Geschichtsschreibung), in Srpska Akademija Nauka i Umetnosti (Hg.), Meñunarodni naučni skup: Stefan
Nemanja – Sveti Simeon Mirotočivi, istorija i predanje, (Serbische Akademie der Wissenschaften und Künste,
Internationale wissenschaftliche Konferenz: Stefan Nemanja – der Heilige Simeon der Myronströmende,
Geschichte und Überlieferung), Beograd 2000, S. 6
31
Vgl. I. Božilov, Ivan I. Asen i Stefan Nemanja – rodonačelnici dve porodice (Ivan I. Asen und Stefan Nemanja
– Begründer zweier Familien), in Srpska Akademija Nauka i Umetnosti (Hg.), Meñunarodni naučni skup: Stefan
Nemanja – Sveti Simeon Mirotočivi, istorija i predanje, (Serbische Akademie der Wissenschaften und Künste,
Internationale wissenschaftliche Konferenz: Stefan Nemanja – der Heilige Simeon der Myronströmende,
Geschichte und Überlieferung), Beograd 2000, S. 50
32
Stefan Vojislav wird in den Quellen als „Serbe, Travunier oder Dioklitier“ bezeichnet. Nach dem Aufstand
1034-1036 gelingt es ihm im Jahr 1037 „das Land der Serben“ zu erobern und den kaiserlichen Provinzverwalter
zu vertreiben. Auch 1042 besiegt Vojislav das byzantinische Heer. Nach Vojislavs Tod wird sein Sohn Mihajlo
Herrscher und bleibt bis ca. 1082 an der Regierung, jedoch als „Verbündeter und Freund der Romäer“ und erhält
den Titel des „Protospators“. Vgl. S. Ćirković, a. a. O., S. 31; V. Ćorović, a. a. O., S. 81 f.
15

wird, gerät 1090 in byzantinische Gefangenschaft, kann jedoch seine Macht wieder
herstellen und wird in den geschichtlichen Quellen zum letzten Mal bei seiner
Begegnung mit einem der Anführer des Ersten Kreuzzuges, Graf Raymund von
Toulouse, im Winter 1096/1097 erwähnt.33

Da es Byzanz nach der Kirchenspaltung 1054 nicht mehr gelingt, seine Positionen in
den dalmatinischen Städten zu stärken, geraten diese immer mehr unter den Einfluß
und die Jurisdiktion der lateinischen Kirche, die von Split aus in dieser Gegend wirkt.

Somit hat die Spaltung zwischen der Ost- und Westkirche eine große Auswirkung für
das serbische Volk, welches seit dieser Zeit „in zwei unterschiedliche Glaubens- und
Kultursphären aufgeteilt ist“.34

Unter dem Einfluss der Herrscher entwickeln sich die Städte Dubrovnik und Bar zu
Erzbistümern und Konkurrenten für Split, streiten jedoch untereinander auch um den
Rang und die kirchliche Jurisdiktion. Dabei entstehen „bis Mitte des 13. Jahrhunderts
eine ganze Reihe von Fälschungen, die bestätigt und in authentische päpstliche
Urkunden aufgenommen werden, was Probleme für diejenigen bereitet, die darüber
urteilen sollen, und nicht weniger auch für die späteren Historiker, die um die
Rekonstruktion der Kirchengeschichte und der Geschichte dieser Städte bemüht
sind.“35

Zetas Herrscher Bodin unterstützt in diesem Streit die Stadt Bar. Nach Bodin, der um
1101 stirbt und dem wegen seiner Unbeliebtheit laut Bericht in der Chronik des
Popen Dukljanin36 auf Forderung des Volkes statt seines Sohnes Mihajlo der Bruder
Dobroslav folgt, nimmt auch die Bedeutung Zetas als des führenden serbischen
Landes zunehmend ab.
Zwischen den Herrschern von Raszien und Zeta kommt es nun zu lang
andauernden, blutigen Machtkämpfen um die Vorherrschaft.37

33
Vgl., S. Ćirković, a. a. O., S. 32; V. Ćorović, a. a. O., S. 84
34
Vgl. V. Ćorović, a. a. O., S. 82
35
S. Ćirković, a. a. O., S. 32
36
Als Autor der wahrscheinlich 1131 verfaßten Chronik des Popen Dukljanin (Letopis popa Dukljanina) gilt ein
nicht genauer bekannter Pope aus Duklja / Dioklitien.
37
Ebd.
16

b) Der Aufstieg Rasziens zum serbischen Kernland

Diese Machtkämpfe nutzt Ende des 11. Jahrhunderts der erste namentlich bekannte
Župan oder sogar Großžupan Vukan aus Raszien aus, der sich zunehmend auch
gegen Byzanz auflehnt, bzw. die Einfälle der Petschenegen nutzt, um nach Lipljan,
Vranje und Skopje vorzudringen.38

Der Byzanzkenner Georg Ostrogorsky beschreibt diese Situation mit den folgenden
Worten: „Von Rascien aus begannen dann die Angriffe auf das byzantinische Gebiet,
und damit war der späteren serbischen Expansion die Richtung gewiesen und
innerhalb der serbischen Länder die Verlagerung des Schwergewichts von Zeta nach
Rascien vorbereitet.“39

Erst als Kaiser Alexios I. Komnenos persönlich mit seinem Heer 1093/94 nach
Kosovo kommt, unterwirft sich Vukan in Lipljan dem Kaiser und übergibt ihm als
Garantie seiner Treue die Neffen Uroš und Stefan Vukan als Geiseln, die der Kaiser
nach Konstantinopel mitnimmt. Dieses und einige späteren Ereignisse zeigen, dass
sich Byzanz neben der üblichen Maßnahmen gegenüber den serbischen Herrschern
zusätzlich der beim Kaiser lebenden Geiseln der Župane als Pfand für deren Treue
bedient und die Župane verpflichtet, dem Kaiser im Kriegsfall mit Soldaten
auszuhelfen.40

Stefan Vukan begründet jedoch seine Überfälle auf byzantinische Gebiete und aus
seiner Rechtfertigung ist ersichtlich, „dass die Grenzen Serbiens bekannt waren,
dass sie beachtet werden mussten, und dass kaiserliche Statthalter sich über diese
Grenzen hinaus nicht einmischen durften, dass ihre Einmischungen der Anlass für
die Störung der normalen Beziehungen waren.“41

Nach Vukans Tod entfachen neue Machtkämpfe zwischen den Dynastien in Zeta und
Raszien, über die nur wenige zuverlässige Quellen vorhanden sind.

38
Vgl. S. Ćirković, a. a. O., S. 49; V. Ćorović, a. a. O., S. 84
39
G. Ostrogorsky, Geschichte des byzantinischen Staates, München 1965, S. 300
40
S. Ćirković, a. a. O., S. 49
41
Ebd.
17

Vukans Nachfolge tritt sein Neffe, Uroš I., an, der einmal als Geisel in Byzanz lebte,
und in Zeta herrscht als byzantinischer Vasall Gradihna Branislavljević.42

3. Einflüsse benachbarter Staaten

Die weitere Entwicklung der Verhältnisse in den serbischen Ländern wird aber auch
durch die Ereignisse in den Nachbarstaaten beeinflusst, insbesondere durch das
ungarische Streben nach Ausweitung der Herrschaft auf dem Balkan. Der ungarische
König erhebt ab 1102 Anspruch auf den verwaisten kroatischen Thron und setzt die
Eroberung der zu Byzanz gehörenden dalmatinischen Städte fort.43

In den ab 1127 immer wieder aufflammenden Kriegen zwischen Ungarn und Byzanz,
die oft in den von Serben bewohnten Gebieten ausgetragen werden, schlagen sich
die serbischen Herrscher an die Seite der Ungarn in der Hoffnung, aus den Kämpfen
Vorteile für ihr Land ziehen zu können.
Etwa 1129/30 entsteht sogar eine dynastische Verbindung zwischen den beiden
Völkern, als der ungarische König Stefan II. vor seinem Tod den blinden Bella II. als
seinen Nachfolger bestimmt und ihn mit der serbischen Prinzessin Jelena, der
Tochter des Großžupan Uroš I., verheiratet.44

In ihrem Freiheitsstreben verlassen sich die Serben jedoch nicht nur auf die Ungarn,
sondern schließen sich der durch die Normannen in Süditalien geführten Koalition
gegen Byzanz an. Sowohl die byzantinischen Schriftsteller als auch serbische
Quellen berichten übereinstimmend, dass alle serbischen Herrscher langfristig das
Ziel verfolgen, für ihr Land die Unabhängigkeit von Byzanz zu erreichen.

Es verwundert deshalb nicht, dass auch Nemanja während seiner Herrschaft diesen
Weg einschlägt und seinerseits wiederum Bündnisse mit Bulgaren und sogar dem
deutschen König Friedrich Barbarossa anstrebt, um sein Ziel zu erreichen.

42
Vgl. Konstantin Jireček, a. a. O., S. 140
V. Ćorović, a. a. O., S. 85
43
S. Ćirković, a. a. O., S. 49
44
Vgl. J. Kalić, Raški veliki župan Uroš II. (Rasziens Großžupan Uroš II.), in Zbornik Vizantološkog instituta
(Sammelwerke des Byzantologischen Instituts), Beograd 1970, S. 23
18

B) Biographische Angaben über Stefan Nemanja

Wie bereits festgestellt, liefert uns Nemanjas nicht minder bedeutender Sohn Sava
mit seiner Vita die erste bis heute vielbeachtete und unumgängliche Grundlage „für
das historische Bild über Stefan Nemanja und sein Werk von unvergänglicher
Bedeutung“45. Dennoch müssen einige biographische Fragen offen bleiben.

I. Die wichtigsten Daten aus Nemanjas weltlichem Leben

Auch Nemanjas wichtigste Lebensdaten finden wir in den von seinen beiden Söhnen
verfassten und hier bereits genannten Viten. Diese sind jedoch, wie üblicherweise
die Viten dieser Zeit, mehr auf das Hagiographische als das Historische ausgerichtet
und deshalb im heutigen Sinne nicht immer präzise.

Weitere Informationen über Stefan Nemanja finden wir in der Chronik des Popen
Dukljanin (Letopis popa Dukljanina) aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts, in
der von Konstantin dem Philosophen verfassten Vita des serbischen Herrschers
Stefan Lazarević aus dem 15. Jahrhundert und in einigen Texten zeitgenössischer
byzantinischer Schriftsteller, wie Ioannis Kinnamos, Niketas Choniates, Konstantin
Manasses und Eustatios, dem späteren Erzbischof von Thessalonike.

1. Das Elternhaus

Der Name Nemanja hat einen biblischen Ursprung (Νεεµάν, Naamen, Nehemia) und
ist im 12. Jahrhundert besonders in der Küstengegend um das Adriatische Meer
verbreitet46. Er erweist sich für den späteren rastlosen Erbauer und Einer des
serbischen Volkes als ausgesprochen passend, denn auch sein biblischer
Namensvetter Nehemia richtet sein zerstörtes Vaterland wieder auf.47

45
Aus dem Grußwort des Generalsekretärs der Serbischen Akademie der Wissenschaften und Künste, Miroslav
Pantić, in Srpska Akademija Nauka i Umetnosti (Hg.), Meñunarodni naučni skup: Stefan Nemanja – Sveti
Simeon Mirotočivi, istorija i predanje, (Serbische Akademie der Wissenschaften und Künste, Internationale
wissenschaftliche Konferenz: Stefan Nemanja – der Heilige Simeon der Myronströmende, Geschichte und
Überlieferung), Beograd 2000, S. 2
46
Vgl. Konstantin Jireček, a. a. O., S. 147
47
Nehemia ließ mit Erlaubnis des persischen Königs Artaxerxes die zerstörten Mauern Jerusalems wieder
aufrichten. Während der Arbeiten muss das Werk gleichzeitig auch vor feindlichen Angriffen geschützt werden.
(Neh 4,11)
19

Die geschichtlichen Quellen stimmen überein, dass Nemanjas Vorfahren


ursprünglich aus Zeta stammen, bei der Rückverfolgung der Ahnenkette sind jedoch
einige Lücken und Unklarheiten bis heute geblieben.

Die im serbischen Volk gebräuchliche Tradition, die Kinder nach den eigenen
Vorfahren zu benennen, lässt die Möglichkeit zu, dass der Großžupan Stefan Vukan
ein unmittelbarer Vorfahre von Nemanjas Vater sein könnte, weil Nemanjas ältester
Sohn den Taufnamen Vukan trägt.48

Als die kritische Forschungsmethode der Kirchengeschichte im 19. Jahrhundert in


Serbien einsetzt, versuchen einige Wissenschaftler die in den Viten fehlenden
Angaben über das Elternhaus Nemanjas zu ergründen und knüpfen an die bis dahin
bekannten Ergebnisse aus dem 17. Jahrhundert49. Die Diskussion über Nemanjas
Abstammung dauert über das gesamte 19. Jahrhundert, und erst Stojan Novaković
kommt im Jahr 1900 zu der Schlussfolgerung, dass Nemanjas Vater den Taufnamen
Zavida haben muss.
Diese Annahme wird durch die im Jahr 1922 veröffentlichte Stiftungsinschrift an der
Kirche der Heiligen Petrus und Paulus in Bijelo Polje, die Nemanjas Bruder, Fürst
Miroslav, gestiftet hat, definitiv bestätigt. Miroslav ist in diesem Epigramm als Zavidas
Sohn bezeichnet.50 Auch in dem von Fürst Miroslav in Auftrag gegebenen
Evangelium51 wird Miroslav als Zavidas Sohn dargestellt.

Da mehrere Quellen, unter anderem die von Stefan dem Erstgekrönten geschriebene
Vita Simeons, bezeugen, dass Miroslav und Nemanja leibliche Brüder sind, hat
Zavida somit eine Verankerung in der Geschichte der Nemanjiden-Dynastie
gefunden.

48
Vgl. V. Ćorović, a. a. O., S. 92
49
Hier sind vor allem der Schriftsteller Mavro Orbin und die Lukarević-Chronik gemeint, die den Župan von
Raszien Desa als Nemanjas Vater angesehen haben.
50
J. Kalić, Stefan Nemanja u modernoj istoriografiji (Stefan Nemanja in der modernen Geschichtsschreibung),
…, S. 7
51
Es handelt sich um die älteste erhaltene serbische Handschrift in kyrillischer Schrift, die um die achtziger
Jahre des 12. Jahrhunderts entstanden ist und aus 181 Seiten besteht. Es wird angenommen, dass das Evangelium
in der von Fürst Miroslav gestifteten Kirche in Bijelo Polje oder in einem der Skriptorien (Kotor oder
Dubrovnik) geschrieben und verziert wurde. (Angaben aus Endiklopedija pravoslavlja (Enzyklopädie der
Orthodoxie), Bd. 2, Beograd 2002, S. 1226
20

Über Zavidas Abstammung und die verwandtschaftlichen Zusammenhänge mit der


Dynastie der Župane aus Raszien zu Ende des 11. Jahrhunderts bzw. mit den
Herrschern aus Zeta sind unterschiedliche Deutungen vorhanden.
Ebenso besteht unter den Historikern keine Einigkeit darüber, wie Zavidas
Herrschertitel lautet. Während einige meinen, dass Zavida nicht als Župan herrscht,
folgern andere, dass er durchaus mindestens die Würde eines Teilfürsten, wenn
nicht sogar eines Großžupan führt.

Über Nemanjas Mutter sind keine Informationen zu uns gekommen, so dass über sie
nichts gesagt werden kann.

2. Das Geburtsjahr und der Geburtsort Nemanjas

Zu Nemanjas Geburtsdatum sind keine Angaben überliefert. Sein Geburtsjahr lässt


sich jedoch anhand des Sterbedatums und des in der vom Sava verfassten Vita
Simeons festgehaltenen Alters erschließen. So berichtet Sava: „Sein ganzes Leben
währte 86 Jahre. Der selige Vater und Stifter, Herr Simeon, starb im Jahre 6708
(1200), im Monat Februar, am 13. Tage und er ging ein in die ewige Seligkeit.“52

Auch in dem Typikon des Klosters Hilandar ist das Todesjahr Simeons mit 6708
(1200) angegeben53.
Dieses wird jedoch von F. Barišić überzeugend widerlegt, der in seinem Werk
„Hronološki problemi oko godine Nemanjine smrti“ (Chronologische Probleme über
Nemanjas Todesjahr) aufgrund einer berichtigten Übersetzung der diplomatischen
Korrespondenz von Kaiser Alexios III. Angelos aus Juni 1199 Nemanjas Todesjahr
mit 1199 ansetzt. In diesem Text wird der Großžupan Nemanja nämlich als
„ἐκεἐνος“ bezeichnet. Diese Nachricht bemerkt zunächst D. Anastasijević, übersetzt
sie jedoch mit „jener Großžupan Serbiens“.

Der ausgezeichnete Kenner der kaiserlichen byzantinischen Diplomatensprache, F.


Barišić, berichtigt jedoch diese Stelle in „der verstorbene Großžupan Serbiens“.54

52
Hl. Sava, a. a. O., S. 60
53
Vgl. J. Kalić, Stefan Nemanja u modernoj istoriografiji (Stefan Nemanja in der modernen
Geschichtsschreibung), …, S. 9, besonders Anmerkung Nr. 29
54
J. Kalić schildert diesen Sachverhalt a. a. O., S. 9
21

Ausgehend von diesen Informationen gilt heute das Jahr 1113 als Nemanjas
Geburtsjahr und wird in der Wissenschaft allgemein akzeptiert.

a) Der Geburtsort

Der Ort Ribnica55 in Zeta bzw. Dioklitien, wo Nemanjas Vater nach dem Streit mit
seinen Brüdern flüchten muss, ist hingegen als sein Geburtsort anerkannt.

Stefan der Erstgekrönte berichtet in der Vita Simeons, „... daß zu jener Zeit in diesem
Gebiet des serbischen Landes, in Dioklitien, Dalmatien und in der Travunia große
Unruhen herrschten und daß die Brüder in teuflischem Neid seinen Vater des Landes
beraubten. Er aber entzog sich ihrem Aufruhr nach Dioklitien, in seine Heimat, und
nach dem Willen Gottes und seiner allerreinsten Mutter kam dieses heilige Kind zur
Welt, ... und zwar im Orte, genannt Ribnica.“56

Auch der heilige Sava nennt Ribnica als den Geburtsort seines Vaters: „Geboren
wurde er in der Zeta, an der Ribnica...“57

3. Die zwei Taufen Nemanjas

Da in dem Geburtsort Nemanjas zu dieser Zeit noch keine byzantinischen Priester


anwesend sind, empfängt Nemanja die Taufe zunächst nach dem lateinischen Ritus.

Nach dem Zwangsaufenthalt in Zeta, dessen Dauer nicht genau feststeht, kehrt
Nemanjas Vater nach Ras zurück, wo Nemanja nun nach dem orthodoxen Ritus
getauft wird.
Dazu berichtet sein jüngster Sohn, der heilige Sava: „Geboren wurde er in der Zeta
an der Ribnica, und dort empfing er auch die heilige Taufe; als Knabe hierher
gebracht, nahm ihn der Bischof der Kirche zu den heiligen Aposteln auf und betete
über dem Kinde, salbte es, und so empfing es die zweite Taufe.“58

55
Ribnica ist mit der heutigen Hauptstadt Montenegros Podgorica identisch. Ribnica heißt aber auch der sich in
der Nähe befindliche Fluß.
56
Hl. Sava, a. a. O., S. 75
57
Hl. Sava, a. a. O., S. 59-60
58
Hl. Sava, a. a. O., S. 59-60
22

Über die zwei Taufen Nemanjas schreibt Stefan der Erstgekrönte noch ausführlicher:
„Und da es in jenem Lande auch lateinische Priester gab, war er würdig, nach Gottes
Willen (in der Kirche der allerheiligsten und ehrwürdigen Gebieterin und
Gottesmutter) auch die lateinische Taufe zu empfangen. Nach der Rückkehr seines
Vaters in den Residenzort wurde er abermals für würdig befunden, aus der Hand des
Bischofs in der Kirche der heiligen, ruhmreichen und allerhöchsten Apostel Petrus
und Paulus, inmitten des serbischen Landes, eine zweite Taufe zu empfangen…“59

Die hier so beschriebenen zwei Taufen Nemanjas werden von den meisten
Historikern als solche hingenommen. Lediglich einige wenige, wie z. B. Ilarion
Ruvarac in seinem Werk „Die Bischöfe und Metropoliten von Raszien“ (Raški
episkopi i mitropoliti, Beograd 1901) beschreiben den zweiten Vorgang als eine
Salbung, ohne jedoch diese Meinung genauer auszulegen.

Dieser Meinung schließt sich in neuerer Zeit Svetislav Mandić an und begründet dies
in seinem Aufsatz „Die heiligen Taufen des Stefan Nemanja“ mit kanonischen
Vorschriften. Nach diesen Vorschriften, so S. Mandić, sei der Taufritus in der
orthodoxen und katholischen Kirche weitestgehend identisch, deshalb würden die
Kirchen gegenseitig die jeweils in der anderen Kirche vollzogenen Taufen
anerkennen und eine zweite Taufe ausdrücklich verbieten 60.

Nemanjas Söhne Sava und Stefan der Erstgekrönte, beide ausgezeichnet


theologisch gebildet und mit kirchlichen Vorschriften vertraut, lassen den zwei Taufen
Nemanjas eine besondere Bedeutung zukommen.

Der heilige Sava bringt die zwei Taufen mit den anderen wichtigen Handlungen an
seinem Vater zusammen und sieht in ihnen besondere Zeichen:
„Denn Wunderbares geschah an diesem Mann: Er empfing in seiner Jugend zweimal
die Taufe, und als er den engelhaften Stand auf sich nahm, erhielt er auch zweimal
die Weihen, die kleinförmige und die großförmige; ebenso erhielt nach dem Tode
sein ehrwürdiger Leichnam ein zweifaches Begräbnis, das erste auf dem heiligen

59
Hl. Sava, a. a. O., S. 76.
Die Kirche der Apostel Petrus und Paulus in Ras ist im Anhang auf der Seite 102 abgebildet.
60
Vgl. S. Mandić, Velika gospoda sve srpske zemlje i drugi prosopografski prilozi (Die grossen Herrschaften
aller serbischen Länder und andere prosopographischen Beiträge), Beograd 1986, S. 34 ff.
23

Berg, wo er starb, und von dort wurde er weggebracht und hierher getragen, und hier
wurde dann seinen ehrwürdigen Gebeinen unter großen Ehrenbezeigungen und
Lobpreisungen eine zweite Grablegung zuteil.“ 61

Stefan der Erstgekrönte begründet die zwei Taufen seines Vaters folgendermaßen:
„´Du hast die Milch aus beiden Brüstwarzen gesogen´62, das heißt das Alte und das
Neue Testament erfüllt; ihn, der von der Frömmigkeit und Gottesfurcht seiner Eltern
ernährt wurde, zogen die Eltern zum Knaben auf, ohne das göttliche Geheimnis und
die Größe der Gnade zu ahnen, welche über ihn ausgeschüttet werden wird.“63

Neben der Deutung der zweifachen Taufe legt Stefan der Erstgekrönte hier einen
besonderen Wert auf die Legitimierung des Herrschaftsanspruchs seines Vaters
durch die göttliche Gnade.

4. Der Titularname Stefan

Im serbischen Volk ist das Führen mehrerer Vornamen nicht üblich. Auch im
Mittelalter ist diese Praxis nicht bekannt. Es steht jedoch fest, dass die damaligen
Herrscher und Großžupane von Raszien in der Regel vor dem Vornamen einen
Titularnamen führen64.

So wird der Name „Stefan“65 zum ersten Mal als Titularname für einen Herrscher aus
Raszien in dem Werk von Anna Komnene erwähnt, in welchem sie die
geschichtlichen Hintergründe der Herrschaft ihres im Jahr 1118 verstorbenen Vaters
Alexios Komnenos beschreibt66.

Für den Titularnamen Stefan haben sich die Herrscher möglicherweise deshalb
entschieden, weil der heilige Stephan, der erste christliche Märtyrer, als

61
Hl. Sava, a. a. O., S. 60
62
Vgl. Anmerkung Nr. 29 a. a. O. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts ist dieser wahrscheinlich aus apokryphen
Bibeltexten stammender Zitat ein beispielhafter Vergleich für die östliche und die lateinische Kirche.
63
Hl. Sava, a. a. O. S. 76
64
Vgl. Svetislav Mandić, Velika gospoda ... (Die grossen Herrschaften ...), S. 8
Stefan der Erstgekrönte bildet hierbei eine Ausnahme, da „Stefan“ sein Taufname ist.
65
Stefan: von στέφανος (Kranz, Krone)
66
Laut S. Mandić (a. a. O., S. 9 f.) hat Anna Komnene das ihrem Vater Alexios gewidmete Werk ab 1136 bis zu
ihrem Tod im Jahr 1148 geschrieben. Den Titularnamen „Stefan“ hat sie auf Großžupan Vukan bezogen, der ihr
Zeitgenosse war und in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts in Raszien geherrscht hat.
24

Schutzpatron Serbiens gilt, was u.a. an den Herrschersiegeln erkennbar ist, auf den
der heilige Stephan abgebildet ist.67

Die Wahl eines Schutzpatrons ist im Mittelalter in den christlichen Ländern gängige
Praxis. So werden Schutzpatrone für Staaten, Städte, Familien oder einzelne
Personen ernannt, und die Schützlinge wenden sich an sie besonders in
Krisenzeiten.
Aber auch in Byzanz68 ist der Kult des heiligen Stephan sehr verbreitet sowie in
Ungarn, wo die Könige, wie in Serbien, den Namen Stefan als ihren Titularnamen
führen.69

Bei Nemanja ist es nicht einwandfrei feststellbar, seit wann er den Titularnamen
Stefan führt. Die meisten Kirchengeschichtler gehen davon aus, dass der
Titularname Stefan mit der Würde des Großžupans zusammenhängt.
Nemanja selbst schreibt in seiner Stiftungsurkunde für das Kloster Hilandar im Jahr
1198: „Und Gott setzte mich zum Großžupan ein mit den Namen der heiligen Taufe
Stefan Nemanja.“

Obwohl die erste feierliche kirchliche Krönung eines serbischen Herrschers bei
Nemanjas Sohn, Stefan dem Erstgekrönten, überliefert ist, ist es durchaus
anzunehmen, dass auch frühere serbische Herrscher in feierlichen kirchlichen
Handlungen aus der Hand des Bischofs die ihnen von Gott gegebene Macht
symbolisch empfangen, indem sie mit dem Kranz des Großžupans bekränzt
werden70. Dass „Stefan“ als Titel für den Herrscher gemeint ist, bezeugen ferner
mehrere Urkunden, wie z. B. der zwischen Serbien und Dubrovnik abgeschlossene

67
Vgl. M. Ćorović-Ljubinković, Odraz kulta svetog Stefana u srpskoj srednjovekovnoj umetnosti (Auswirkungen
des Kultes des heiligen Stephan in der serbischen mittelalterlichen Kunst), in Zbornik radova vizantološkog
instituta XII (Hg.) (Gesammelte Werke des byzantologischen Instituts), Beograd 1970, S. 45. In Studenica ist der
heilige Stephan in besonders betonter Weise abgebildet, er ist in monumentaler Größe und wie ein Apostel
bekleidet zu sehen, wodurch seine Bedeutung hervorgehoben werden soll. Vgl. dazu Vgl. M. Ćorović-
Ljubinković, a. a. O., S. 49
68
Nach M. Ćorović-Ljubinković (ebd.) ist der Kult des heiligen Stephan bis 641 ikonographisch in Byzanz
vorhanden. Als ab 641 alle byzantinischen Kaiser in der Hagia Sophia gekrönt werden, verliert sich die Spur
dieses Kultes in Byzanz.
69
Vgl. Z. Gavrilović, Premudrost i čovekoljublje vladara u ličnosti Stefana Nemanje (Weisheit und
Menschenliebe der Herrscher in der Person des Stefan Nemanja), in Srpska Akademija Nauka i Umetnosti (Hg.),
Meñunarodni naučni skup: Stefan Nemanja – Sveti Simeon Mirotočivi, istorija i predanje, (Serbische Akademie
der Wissenschaften und Künste, Internationale wissenschaftliche Konferenz: Stefan Nemanja – der Heilige
Simeon der Myronströmende, Geschichte und Überlieferung), Beograd 2000, S. 290
70
Svetislav Mandić, Velika gospoda ... (Die grossen Herrschaften ...), S. 45 f.
25

Vertrag oder die Innschrift von Kotor aus 1196, wo der serbische Großžupan nur mit
seinem Taufnamen Nemanja genannt ist.71

Dass der Name Stefan bei den serbischen Herrschern kein Taufname ist, kann auch
aufgrund der Tatsache festgestellt werden, dass in keiner serbischen mittelalterlichen
Urkunde neben dem Namen Stefan laufende Nummern vorhanden sind, wie wir sie
bei den Taufnamen kennen (z. B. Uroš II, Uroš III, usw.).72

Der Titularname Stefan ist auch für die beiden Brüder Nemanjas, Miroslav und
Stracimir, bezeugt. Für Stefan Miroslav ist die Stiftungsinschrift an der Kirche in
Bijelo Polje dafür maßgeblich und für Stefan Stracimir sein Bleisiegel in Form eines
Ringes in griechischer Sprache.
Nach Nemanja und seinen Brüdern wird der Titularname Stefan von allen serbischen
Herrschern im 13. und 14. Jahrhundert fortgeführt.73

5. Nemanjas Frau Ana

Über Nemanjas Ehefrau Ana sind nur wenige Informationen überliefert, haupt-
sächlich in den Viten Simeons der beiden Söhne, und zwar im Zusammenhang mit
der Mönchsweihe Nemanjas.
Der heilige Sava schreibt dazu: „Am selben Tage nahm auch die ihm von Gott
gegebene Gemahlin und Herrscherin über ganz Serbien, Anna, diesen heiligen
Stand, und man gab ihr den Namen Herrin Anastasia.“74

Stefan der Erstgekrönte schildert mit besonders gewählten, prophetischen Worten75


die beispielhafte Frömmigkeit und Tugendhaftigkeit seiner Mutter, die er in ihren
gottgefälligen Werken, im Gehorsam gegenüber ihrem Gemahl als erwiesen sieht.

Er betont hier auch den Respekt und das große Vertrauen Nemanjas gegenüber
seiner Gemahlin, weil dieser ihr seine Kirchenbauten zum Verwalten überlässt:

71
Vgl. M. Ćorović-Ljubinković, a. a. O., S. 48
72
Vgl. M. Ćorović-Ljubinković, a. a. O., S. 47
73
Svetislav Mandić, Velika gospoda ... (Die großen Herrschaften ...), S. 48
74
Hl. Sava, a. a. O., S. 45
75
“Ein tugendsames Weib im Hause ihres Gatten ist kostbarer denn Perlen und Edelsteine.” Diesen Spruch des
weisen Salomo sieht Stefan der Erstgekrönte auf seine Mutter passend. Vgl. Hl. Sava, a. a. O., S. 78
26

„Als er angekommen war, ging er ohne zu zögern daran, in seinem Vaterlande in


Toplica bei der Mündung des Flüsschens Kosanica der heiligsten Gottesmutter eine
Kirche zu bauen; er stattete sie mit allen kirchlichen Privilegien aus, setzte eine
Mönchsgemeinschaft ein, alles unter Mitwirkung seiner ehrwürdigen und
gottergebenen Gefährtin namens Anna, und ihr übergab er die Kirche der Heiligsten,
sie möge in jeder Beziehung dafür und für die in diesem heiligen Ort eingesetzten
Mönche sorgen. Sie aber hörte auf ihn mit größtem Gehorsam und in
Tugendhaftigkeit und behütete die Kirche der heiligsten Gottesmutter, die ihr dieser
unser heilige Herr übergeben hatte.“76
Im weiteren Text erfahren wir auch von Stefan dem Erstgekrönten, dass seine Mutter
den Namen Anastasia77 erhält, als sie Nonne wird.

Uns sind jedoch weder der Zeitpunkt Nemanjas Heirat mit Ana noch ihre Herkunft
bekannt.

Der Athosmönch Domentijan schreibt in der Vita Simeons, dass Nemanja seinen
Anteil des väterlichen Erbes erhält, „…als er im jugendlichen Stand und soweit war,
dass er in einer gesetzlichen Ehe vereinigt werde.“78

Aus der Vita des heiligen Sava, geschrieben von dem Athosmönch Teodosije,
erfahren wir, in welchem Alter die Jugendlichen zu dieser Zeit heiraten. Teodosije
schreibt nämlich über die Pläne der Eltern für ihren jüngsten Sohn Rastko: „Als er im
siebzehnten Jahr seines Lebens angekommen war, überlegten seine Eltern, ihn nach
dem Gesetz zu verheiraten.“79

Deshalb ist anzunehmen, dass Nemanjas Heirat nach den damals üblichen
Gepflogenheiten stattfindet, bzw. dass er wahrscheinlich im Alter eines volljährigen
Jugendlichen verheiratet wird. Weiter ist anzunehmen, dass seine Eltern durch seine
Heirat, wie das im Mittelalter allgemein auch in anderen Staaten gängige Praxis ist,
politische Ziele für ihr Land verfolgen.

76
Hl. Sava, a. a. O., S. 77-78
77
Hl. Sava, a. a. O., S. 95
78
Vgl. Anmerkung Nr. 9 in Svetislav Mandić, Carski čin Stefana Nemanje (Die Kaiserwürde des Stefan
Nemanja), Beograd 1990, S. 13
79
Teodosije, Žitije Svetoga Save (Das Leben des Heiligen Sava, übersetzt von L. Mikrović, Übersetzung
redigiert von D. Bogdanović), Beograd 1984, S. 8
27

Aus den vorgenannten Gründen gehen die Annahmen über Anas Herkunft in zwei
Richtungen. Einige Kirchengeschichtler, wie J. Rajić, berufen sich auf die von M.
Orbin und Branković überlieferten Informationen, nach denen Ana die Tochter des in
Bosnien herrschenden Bans Stefan Borić ist80. Andere sind wiederum aufgrund der
späten Genealogie aus dem Kloster Tronoša81 der Meinung, dass Ana durchaus eine
Ausländerin sein könnte und sehen sie als eine mögliche Verwandte des Kaisers
Manuel I. Komnenos (1143-1180)82, der sein Heer nach Raszien dreimal in den
Kriegsjahren 1149, 1150 und 1155 führt. Für diese letzte Annahme würde auch die
Belehnung Nemanjas mit Dubočica seitens dieses Kaisers sprechen.

Über Anas Geburtsjahr und ihre Jugendzeit haben wir keine Informationen und auch
nicht darüber, wie alt sie ist, als sie Nemanja heiratet bzw. in welchem Jahr die
Hochzeit stattfindet.

Es steht jedoch fest, dass Nemanja und Ana in ihrer Ehe die Söhne Vukan, Stefan
und Rastko sowie mindestens zwei Töchter, deren Namen nicht überliefert sind,
geboren haben83.

So wenig wir auch aus dem früheren Leben Anas wissen, umso genauer sind die
Angaben über ihren letzten Lebensabschnitt. Sie wird „im Monat März am 25. Tag,
am Feste Mariä Verkündigung des Jahres 6703 (1195)“84 Nonne, am selben Tag als
auch Nemanja in den Mönchstand eintritt.
Einige Historiker85 bezweifeln jedoch die Genauigkeit dieser Zeitangaben des
heiligen Sava bzw. gehen von möglicherweise fehlerhaften Abschriften seines
Autografs aus und setzen für die Mönchsweihen statt der Jahreszahl 1195 entweder
1196 oder sogar 1197 an.

80
Vgl. dazu die Anmerkungen Nr. 4 und 5 in S. Mandić, Carski čin ... (Die Kaiserwürde ...), S. 10
Die Titelbezeichnung „Ban“ kommt in Bosnien vor und ist vergleichbar mit „Fürst“.
81
Das Kloster stammt aus Ende des 13./Anfang des 14. Jahrhundert und war im 16. Jahrhundert ein bedeutendes
Skriptorium. Es befindet sich in Podrinje, im heutigen Nord-Ost-Bosnien.
82
S. Mandić, Carski čin ... (Die Kaiserwürde ...), S. 94
83
Enciklopedija pravoslavlja (Enzyklopädie der Orthodoxie), Bd. 1, Beograd 2002, S. 45
84
Hl. Sava, a. a. O., S. 45
85
Vgl. B. M. Radojković, Hronologija (Chronologie), S. 107-151
Auch J. Kalić, Stefan Nemanja u modernoj istoriografiji (Stefan Nemanja in der modernen
Geschichtsschreibung), …, S. 14
28

Ana verbringt somit die letzten Jahre ihres Lebens als Nonne Anastasija in dem
Kloster der Heiligen Gottesmutter „in Ras“86, wie das ihr Sohn, der heilige Sava
berichtet. In den späteren serbischen Chroniken und Genealogien ist vermerkt, dass
die Nonne Anastasija unweit des Bischofssitzes in Ras in der Kirche der Heiligen
Gottesmutter verstorben ist.87
Das genaue Todesjahr ist nicht überliefert, sie ist jedoch auf jeden Fall vor 1199
gestorben, „d.h. vor der Aufstellung des Typikons für Hilandar, in welchem die
Gesänge für die verstorbenen Stifter Simeon und Anastasija vorgeschrieben sind.“88

Die verstorbene Anastasija ist in der Gottesmutterkirche des Klosters Studenica


beerdigt, was durch die 1985 stattfindenden archäologischen Untersuchungen
nachgewiesen wird.89 Im selben Jahr wird durch umfangreiche anthropologische
Untersuchungen auch nachgewiesen, dass Anastasija zum Zeitpunkt ihres Todes auf
jeden Fall „über 60 Jahre alt war“.90 Ihr Portrait auf der über ihrem Grab
angebrachten Freske konnte aufgrund der anthropologischen Rekonstruktion ihres
Schädels als sehr realistisch und getreu bezeichnet werden.

Der Gedenktag der ehrwürdigen Anastasija wird in der serbischen Kirche am 5. (22.)
Juli begangen.

II. Stefan Nemanja wird zum Herrscher Serbiens

Als in Raszien nach dem Großžupan Uroš I.91 sein Sohn, Uroš II., folgt, bringen
seine Gegner 1155 seinen Bruder Desa an die Macht, was eine kaiserliche
Entscheidung erfordert, durch welche Uroš II. als Herrscher bestätigt wird.92

86
Hl. Sava, a. a. O., S. 45
87
J. Kalić, Stefan Nemanja u modernoj istoriografiji (Stefan Nemanja in der modernen Geschichtsschreibung),
…, S. 14-15
88
Ebd.
89
Ebd.
90
Živko Mikić, Antropološka saznanja o Studenici i stanovništvu Srbije Nemanjinog doba (Antropologische
Erkenntnisse über Studenica und die Bevölkerung Serbiens zu Nemanjas Zeit), in Srpska Akademija Nauka i
Umetnosti (Hg.), Meñunarodni naučni skup: Stefan Nemanja – Sveti Simeon Mirotočivi, istorija i predanje,
(Serbische Akademie der Wissenschaften und Künste, Internationale wissenschaftliche Konferenz: Stefan
Nemanja–der Heilige Simeon der Myronströmende, Geschichte und Überlieferung), Beograd 2000, S. 372-374
91
Nach J. Lesny (Stefan Zawida als Sohn von Uroš I. und Vater von Stefan Nemanja. Ein Beitrag zur serbischen
Prosopographie, Südostforschungen 48/1989, S. 37-49) ist Nemanjas Vater Zavida einer der Söhne des Groß-
župan Uroš I. (Uroš II., Desa, Beloša und Zavida). Vgl. dazu S. Ćirković, Preci Nemanjini i njohova postojbina
(Nemanjas Vorfahren und ihre Heimat), in Srpska Akademija Nauka i Umetnosti (Hg.), Meñunarodni naučni
29

Desa gelingt es jedoch um 1161 erneut an die Macht zu kommen, er wird aber sehr
bald, wahrscheinlich schon 1163, vom Kaiser verurteilt und abgesetzt.

Manuel I. Komnenos ist zu dieser Zeit bemüht, die Aufstände in Serbien dauerhaft zu
befrieden und nimmt deshalb mehrmals den Wechsel am Thron des serbischen
Großžupans zwischen den vier Brüdern Desa, Primislav, Beloša und Uroš II. vor.93

Viele Kirchengeschichtler sehen in dieser Handlung des byzantinischen Kaisers den


Versuch, die Reichsgrenzen zu Serbien durch loyale serbische Herrscher zu
stabilisieren und abzusichern.

Die Unruhen hören jedoch nicht auf, und so entscheidet der Kaiser, die
aufständischen Brüder Desa, Primislav, Beloša und Uroš II. durch Zavidas Söhne
Tihomir, Stracimir, Miroslav und Nemanja zu ersetzen,94 wobei der älteste Sohn die
Würde des Großžupan erhalten soll.

Dies ist die Stunde des Stefan Nemanja, denn Kaiser Manuel I. Komnenos erhebt
den Dynastiezweig des alten serbischen Fürstenhauses der Zavida auf die höchste
Herrschaftsebene. Damit kommt derjenige Abzweig der Dynastie wieder an die
Macht, der eine Generation vorher abgesetzt worden war.95

skup: Stefan Nemanja – Sveti Simeon Mirotočivi, istorija i predanje, (Serbische Akademie der Wissenschaften
und Künste, Internationale wissenschaftliche Konferenz: Stefan Nemanja – der Heilige Simeon der
Myronströmende, Geschichte und Überlieferung), Beograd 2000, S. 22 ff. S. Mandić hält diese Annahme als
nicht haltbar und meint, der Großžupan Uroš II. sei identisch mit Nemanjas Vater Zavida.
92
S. Ćirković, Srbi u srednjem veku (Die Serben im Mittelalter), Beograd 1997, S. 49. Für B. Ferjančić ist es
offensichtlich, dass „die Politik des Manuel I. Komnenos gegenüber Serbien von einer klaren Konzeption
gekennzeichnet ist… Der Kaiser wollte, dass in Serbien loyale Herrscher an der Macht sind,…“ (Stefan Nemanja
u vizantijskoj politici druge polovine XII. veka – Stefan Nemanja in der byzantinischen Politik der zweiten
Hälfte des XII. Jahrhunderts, in Srpska Akademija Nauka i Umetnosti (Hg.), Meñunarodni naučni skup: Stefan
Nemanja – Sveti Simeon Mirotočivi, istorija i predanje, (Serbische Akademie der Wissenschaften und Künste,
Internationale wissenschaftliche Konferenz: Stefan Nemanja – der Heilige Simeon der Myronströmende,
Geschichte und Überlieferung), Beograd 2000, S. 32
Die Ereignisse im Zusammenhang mit den Aufständen, die serbische Großžupane gegen Kaiser Minauel I.
Komnenos unternommen haben, beschreiben mehrere byzantinische Schriftsteller, wie z. B. Ioannes Cinnamos
und der Historiker Niketas Choniates.
93
Vgl. B. Ferjančić, Stefan Nemanja u vizantijskoj politici druge polovine XII. veka (Stefan Nemanja in der
byzantinischen Politik in der zweiten Hälfte des XII. Jahrhunderts), in Srpska Akademija Nauka i Umetnosti
(Hg.), Meñunarodni naučni skup: Stefan Nemanja – Sveti Simeon Mirotočivi, istorija i predanje, (Serbische
Akademie der Wissenschaften und Künste, Internationale wissenschaftliche Konferenz: Stefan Nemanja – der
Heilige Simeon der Myronströmende, Geschichte und Überlieferung), Beograd 2000, S. 33-34
94
Ebd.
95
S. Ćirković, a. a. O., S. 50
30

Es wird angenommen, dass Nemanjas ältester Bruder Tihomir die Würde des
Großžupan von Manuel I. Komnenos im Jahr 1166 erhält in der Hoffnung, dass er
nach ständigen Aufständen endlich ihm gegenüber loyale Regenten gefunden hat.96

Das sehen B. Ferjančić, M. Blagojević und Pirivatrić in der dem byzantinischen


Kaiser gewidmeten Lobrede des Patriarchen Michael Anchialos bestätigt, in welcher
von den Siegen und Erfolgen des Kaisers auch in Serbien und dem dort
vorgenommenen Machtwechsel berichtet wird.

1. Nemanja und „das väterliche Erbe“

In seiner Jugend erhält Nemanja laut der von seinem Sohn, Mönch Sava,
geschriebenen Vita zunächst „einen Teil seines Vaterlandes“, nämlich Toplica, Ibar,
Rasina und Reke als Herrschaftserbe97. Nemanjas Herrschaftsgebiet wird später
erweitert, als er von Kaiser Manuel I. Komnenos mit der Gegend Dubočica98 belehnt
wird, die ihm und seiner „Nachkommenschaft für ewige Zeiten“99 dienen soll.
Dubočica hat zu dieser Zeit eine herausragende territoriale Bedeutung auf der
Heeresstraße Belgrad-Byzanz. Deshalb stellt diese Belehnung auch einen
Durchbruch im politischen Aufstieg Nemanjas dar100.

Die genauere Datierung der Machtübernahme durch Nemanja ist nicht ohne weiteres
möglich. Sava fasst in der Vita Simeons die Herrschaftszeit seines Vaters mit den
folgenden Worten zusammen: „Als seit seiner Geburt 46 Jahre verstrichen waren,
empfing er nach dem Willen Gottes alsbald die Reichsgewalt. Und er blieb an
der Regierung 37 Jahre …“101.
Die Herrschaftsdauer von 37 Jahren ist in der Vita dreimal genannt, an einer Stelle
schreibt der heilige Sava sogar, dass sein Vater „ganze 38 Jahre“ regiert hat. Das
bedeutet, dass Nemanja im Jahr 1158/1159 an die Macht gekommen ist bzw. zu
diesem Zeitpunkt als einer der serbischen Teilfürsten seinen Anteil am väterlichen
Erbe in den östlichen serbischen Gebieten erhält.

96
S. Ćirković, a. a. O., S. 50. Vgl. auch S. Runciman, Häresie und Christentum, München 1988, S. 127
97
Vgl. J. Kalić, a. A. O., S. 8
98
ebd. Dubočica ist auch unter dem Namen Globočica bekannt.
99
Hl. Sava, a. a. O., S. 77
100
Vgl. dazu Anmerkung Nr. 36, Hl. Sava, a. a. O., S. 152
101
Hl. Sava, a. a. O., S. 60
31

Die meisten serbischen Historiker interpretieren diese Darstellung des heiligen Sava
so, dass Nemanja zu diesem Zeitpunkt noch nicht die Würde des Großžupans
führt102. Dennoch stellt das Jahr 1158/1159 eine entscheidende Wende in Nemanjas
Leben und den Beginn seiner politischen Laufbahn dar. Ab diesem Zeitpunkt ist er
möglicherweise „nicht nur dem serbischen Großžupan, sondern gleichzeitig und vor
allem dem byzantinischen Kaiser unterworfen“.103

Auch Stefan der Erstgekrönte schreibt in der Vita Simeons über die Regierungszeit
seines Vaters, jedoch ohne Zeitangaben. Die Gebiete Toplica, Ibar, Rasina und Reke
sind auch dort als Nemanjas Vaterlandsanteile erwähnt wie auch die Belehnung
Nemanjas mit Dubočica durch Kaiser Manuel I. Komnenos anläßlich seines
Aufenthaltes in der Nähe von Niš.104

Diese bedeutende Ausweitung des Herrschaftsgebietes, die Nemanjas Stellung nach


innen und außen stärkt und ihm zusätzliche Autorität verleiht, findet wahrscheinlich
1160/1161 statt.105

2. Die „kaiserliche Würde“ Nemanjas

Obwohl der jüngste unter den Brüdern wird Nemanja auch mit einer nicht genauer
bestimmbaren „kaiserlichen Würde“ bzw. einem byzantinischen Titel durch Kaiser
Manuel I. Komnenos ausgezeichnet106.
Einige Kirchenhistoriker deuten diese Auszeichnung und die Belehnung mit Dubočica
als einen Hinweis dafür, dass in dem um 1150 geschlossenen Friedensvertrag
zwischen Kaiser Manuel I. und Nemanjas Vater Zavida auch eine Vereinbarung über
die Thronnachfolge getroffen sein könnte107.

Laut dieser Vereinbarung soll Nemanja als auserwählter Träger der „kaiserlichen
Würde“ die Thronnachfolge nach seinem Vater antreten, und die älteren Brüder
sollen sich mit ihren Erbschaftsanteilen und hohen heimischen Hoftiteln begnügen.

102
Diese Meinung vertreten z. B. P. Popović, B. M. Radojković, Vl. Ćorović.
103
Vgl. Anmerkung Nr. 5 und 5a bei B. Ferjančić, Stefan Nemanja u vizantijskoj ... (Stefan Nemanja in der
byzantinischen ...), S. 32
104
Hl. Sava, a. a. O., S. 76-77
105
Vgl. V. Ćorović, a. a. O., S. 92
106
Vgl. S. Mandić, Carski čin … (Die Kaiserwürde …), S. 17
107
Ebd.
32

Diese Regelung ist zwar für die damalige Zeit nicht üblich, aber auch Kaiser Manuel
kommt als der jüngste Sohn an die Macht, indem er von seinem Vater, Kaiser
Johannes II. (1118-1143), zum Thronnachfolger ernannt wird.108

3. Die Auseinandersetzung mit den Brüdern

Auch Nemanjas ältere Brüder, Stracimir und Miroslav, erhalten Gebietsanteile, in den
sie als Fürsten (serbisch: knez, lateinisch: comes) herrschen. Bekannt ist, dass sich
die Herrschaftsgebiete der Fürsten Stracimir und Miroslav um den Fluss Zapadna
Morava bzw. in der Gegend Zahumlje/Hum befinden109.

Warum Nemanja seinem ältesten Bruder Tihomir den Thron streitig macht und sich
gegen das geltende Herrschaftsprinzip auflehnt, ist geschichtlich nicht klar
festzustellen.
Er wird beschrieben als „ehrgeizig und nicht gerade rücksichtsvoll“110, als ein
„siegreicher Herrscher und Krieger“111, ein „von allen bewunderter und gefürchteter
Herrscher“112, den Gott „eingesetzt hat, über das ganze serbische Land zu
regieren“.113

Die Vitenschreiber liefern dazu keine Informationen, halten jedoch fest, dass es
zwischen den Brüdern zum Konflikt kommt.114
Einer der Gründe für den Konflikt könnte die zwischen Zavida und Kaiser Manuel I.
vereinbarte Thronnachfolge Nemanjas sein, mit welcher die älteren Brüder nicht
einverstanden zu sein scheinen. Hinzu kommt, dass sie sich wegen der durch
Nemanja unternommenen Bauten von Kirchen und Klöstern gekränkt und
hintergangen fühlen.

108
Vgl. J. Kalić, Stefan Nemanja u modernoj istoriografiji (Stefan Nemanja in der modernen
Geschichtsschreibung), …, S. 10-11
109
Vgl. J. Kalić, Stefan Nemanja u modernoj istoriografiji (Stefan Nemanja in der modernen
Geschichtsschreibung), …, S. 12
110
V. Ćorović, a. a. O., S. 92
111
D. Popović, O nastanku kulta svetog Simeona (Über die Entstehung des Kultes des heiligen Simeon), in
Srpska Akademija Nauka i Umetnosti (Hg.), Meñunarodni naučni skup: Stefan Nemanja – Sveti Simeon
Mirotočivi, istorija i predanje, (Serbische Akademie der Wissenschaften und Künste, Internationale
wissenschaftliche Konferenz: Stefan Nemanja – der Heilige Simeon der Myronströmende, Geschichte und
Überlieferung), Beograd 2000, S. 356
112
Vgl. Hl. Sava, a. a. O., S. 36
113
Hl. Sava, a. a. O., S. 35
114
B. Ferjančić, a. a. O., S. 34
33

Über diese ersten Kirchen- und Klosterbauten Nemanjas wird in beiden Viten
berichtet, wobei die von Stefan dem Erstgekrönten verfasste Vita Simeons zusätzlich
von brüderlichem Neid zeugt. Er beschriebt in ihr, wie Nemanja von seinem ältesten
Bruder Tihomir überlistet und gefangen genommen, gefesselt und „… in eine
Felsenhöhle, wie einst die Brüder den edlen Josef in eine Grube geworfen
hatten…“115 geworfen wird.

Nemanja setzt jedoch seine Hoffnung auf die Freiheit in die an den heiligen Märtyrer
Georg gerichteten Gebete und gelobt für den Fall seiner Freiheit als Gegenleistung,
dass er dem heiligen Georg eine Kirche spenden werde. Nach der gelungen Flucht
„… ging dieser heilige Mann unverzüglich daran, die Kirche des heiligen,
ruhmreichen und großen Märtyrers in Christus, Georg, mit Eifer und Hingabe zu
erbauen“116.

Tihomir sucht und findet nun Hilfe bei dem byzantinischen Kaiser, welcher ihm ein
von Theodoros Padiatos befehligtes Heer gegen Nemanja schickt.117
Nemanja gelingt es jedoch, das gegen ihn vorstoßende Heer bei Pantino 1168 zu
besiegen118, wobei auch sein Bruder Tihomir in den Fluten des Flusses Sitnica119
ums Leben kommt.

Das beschreiben Stefan der Erstgekrönte in seiner Vita Simeons, aber auch der
Historiker Niketas Choniates, ein Zeitgenosse, der über den Kampf berichtet und
zum ersten Mal namentlich Stefan Nemanja erwähnt.
Choniates beschreibt Nemanjas Bemühungen, sein Herrschaftsgebiet auszudehnen
und stellt fest, dass dieser zu stark geworden sei, sich gegen seine Brüder wende
und diese sogar „mit dem Schwert“ bekämpfe.120 Der Geschichtsschreiber führt aus,

115
Hl. Sava, a. a. O., S. 79
116
Hl. Sava, a. a. O., S. 81.
Es handelt sich um die auf der Anhöhe bei Novi Pazar gebaute Kirche bekannt unter dem Namen „ðurñevi
Stupovi“, die als eines der frühesten Denkmäler mittelalterlicher serbischer Baukunst gilt. In dem Kloster leben
heute ca. 20 Mönche mit Hegumenos Petar Ulemek. Das ganze Komplex „ðurñevi Stupovi“ wird seit ca. 10
Jahren renoviert.
117
Ebd.
118
Ebd., vgl. Anmerkung Nr. 15, wonach J. Kalić diese Schlacht in ihrem Werk „Der serbisch-byzantinische
Kampf im Jahr 1168“ untersucht hat.
119
Nach dem Kirchenhistoriker St. Stanojević hat die Schlacht in der Nähe des Dorfes Pantino (nördliches
Amselfeld) 1169 stattgefunden (Nemanja, S. 105). Andere, wie J. Kalić, setzen die Schlacht um 1171/1172 an.
120
Ebd.
34

dass Nemanja „… Kroatien unterworfen und auch die Macht in Kotor an sich
genommen hat“.121

Es wird angenommen, dass Nemanja nach der Schlacht bei Pantino und der
Unterwerfung der Brüder Stracimir und Miroslav um das Jahr 1170 zum serbischen
Großžupan wird122 und sich zum Alleinherrscher (ἐυτοκράτωρ123) erklärt. Die
Fürsten Miroslav und Stracimir erkennen die Alleinherrschaft Nemanjas an und sind
von nun an seine treuen Verbündeten.

4. Die Ausweitung des Landes

Aber Nemanja verfolgt nicht nur das Ziel, sein „Ahnenerbe“ wieder in sein
Herrschaftsgebiet einzugliedern. Nachdem er Zeta, den Küstenstreifen an der Adria,
welcher stets als des Großvaters-Erbe Nemanjas bezeichnet wird, und im Süden
Dalmatien an Serbien angliedert, dringt er in dem mit Bella III. geführten Krieg gegen
Byzanz bis nach Sredac/Serdika (Sofia) vor und erobert weitere byzantinische
Städte124.

Wohl in dem Bewusstsein, dass er alle diese Gebiete nicht dauerhaft halten kann,
macht Nemanja sie dem Erdboden gleich. Er zerstört und plündert sie und „ihren
Reichtum und Ruhm verwandelt er in den Reichtum und Ruhm seines Vaterlandes
und in den Ruhm seiner Würdenträger und Gefolgsleute“, wie das über diesen
Lebensabschnitt seines Vaters ausführlich Stefan der Erstgekrönte beschreibt:

„Denn der ehrwürdige und heilige Simeon zog mit dem ungarischen König
und erreichte die Stadt Sredac, zerstörte sie und machte sie dem Erdboden
gleich. Der ungarische König kehrte in sein Land zurück, er aber, der Heilige,
wandte sich von ihm ab und zog mit seinen eigenen Streitkräften gegen die
Festung Pernik, zerstörte und verwüstete sie, ferner die festen Plätze Stob,
Zemen, Velbužd, Žitomisk, Skopje, Lješak im Unteren Polog, die Stadt

121
Ebd.
122
Vgl. K. Jireček, a. a. O., S. 149
Stefan Nemanja ist als Großupan im Anhang auf der Seite 100 zu sehen.
123
Diese Bezeichnung hat nach K. Jireček Stefan der Erstgekrönte eingeführt (vgl. Staat und Gesellschaft, S.
10).
124
Stojan Novaković, serbischer Kultusminister und Hochschulprofessor, hat 1877 zwei Studien - Zemljište
radnje Nemanjine (Das Land aus Nemanjas Wirken) und „Srpske oblasti X. i XII. veka“ (Die serbischen Gebiete
im X. und XII. Jahrhundert) – geschrieben mit dem Ziel, die serbischen mittelalterlichen Grenzen als das
legitime Erbe nach der Befreiung von der osmanischen Herrschaft zu etablieren. Die Werke gelten bis heute trotz
einiger Fehler als maßgeblich für die Feststellung des serbischen Territoriums aus der Nemanjiden Zeit.
35

Gradac, Prizren, das berühmte Niš, die Plätze Svrljig, Ravni und Koželj...Zum
Gebiet seines Vaterlandes legte er den Bezirk von Niš gänzlich hinzu, auch
Lipljan, Morava, das sogenannte Vranje, den Bezirk von Prizren, die beiden
Pologs zur Gänze mit ihren Grenzgebieten.. Er erwarb Dioklitien und
Dalmatien, sein Vaterland und sein Geburtsland, sein eigentliches Ahnenerbe,
welches das griechische Volk mit Gewalt an sich gebracht hatte, genauso wie
die hier von dessen Händen erbauten Burgen und Städte, ..., sie tragen
folgende Namen: Danj, Sardoniki, Drivast, Rosaf, genannt Skadar, Svač,
Ulcinj und die berühmte Stadt Bar. Kotor liess er stehen, befestigte es und
verlegte seine Pfalz dorthin, die noch heute steht.“125

Aber auch im Küstengebiet unternimmt Nemanja 1184 und 1185 mit seinen Brüdern
Stracimir und Miroslav den Versuch, die gut befestigte und unter dem Schutz des
Normannenkönigs Wilhelm II. stehende Stadt Dubrovnik einzunehmen, was ihnen
jedoch nicht gelingt.126

Das von Nemanja zu Ende seiner Herrschaft regierte Gebiet umschreibt der Heilige
Sava folgendermaßen:

„Nachdem er das väterliche Erbe erneuert und es mit Gottes Hilfe und kraft seiner
ihm von Gott verliehenen Klugheit noch stärker gefestigt und sein in Verfall
geratenes Ahnenerbe wiederum aufgerichtet hatte, erwarb er vom Küstenland die
Zeta mit ihren Städten, von Rabno beide Pilots, vom griechischen Gebiet Patkovo,
ganz Hvostno und Podrimlje, Kostrac, Drškovina, Sitnica, Lab, Lipljan, Dubočica,
Reke, Uška und das Moravagebiet, Zagrlata, Levče und Belica. Mit Klugheit und
Arbeit erwarb er das alles, sein einst durch Gewalt verloren-gegangenes Ahnenerbe,
das, was ihm vom serbischen Land zustand.“127

Auffallend ist, dass beide Brüder die durch ihren Vater eingenommenen Gebiete als
Nemanjas legitimes Land ansehen, „einst durch Gewalt verloren gegangenes
Ahnenerbe“, und an keiner Stelle von Eroberungen fremder Landesteile sprechen.

125
Hl. Sava, a. a. O., S. 86-88. Zu den Ortsangaben siehe auch die entsprechenden Anmerkungen.
126
Vgl. J. Kalić, Istorija srpskog naroda u šest knjiga, Prva knjiga: od najstarijih vremena do Maričke bitke
1371 (Die Geschichte des serbischen Volkes in sechs Büchern, Das erste Buch: von frühester Zeit bis zu der
Schlacht an der Marica 1371), SKZ, Beograd 1981, S. 253
127
Hl. Sava, a. a. O., S. 35-36. Zu den Ortsangaben vgl. Anmerkungen Nr. 14-31.
Die Landkarte Serbiens zur Zeit Nemanjas ist im Anhang auf der Seite 101 abgebildet.
36

Auch Nemanja selbst beschreibt in der Schenkungsurkunde für das Kloster Hilandar,
wie er sein „Ahnenerbe“ erneuert, „in der Länge und Breite ausgeweitet“ und
wiederaufgebaut hat.128

Seit dieser Zeit gilt es als sicher, dass Nemanjas Staatsgebiet auf den zwei Teilen,
Raszien und dem Küstenland von Zeta, besteht. Diese Tatsache heben auch
Nemanjas Nachfolger in ihren Titeln hervor.129

Durch die Angliederung von Zeta und die Eroberungen benachbarter byzantinischer
Gebiete legt Nemanja nun das Fundament des geeinten, mittelalterlichen serbischen
Staates130. Besonders die sich im Tal der drei Morava-Flüsse befindlichen Gebiete
sollten sich wegen der dort verlaufenden strategisch wichtigen Straße nach
Konstantinopel als bedeutend für Nemanjas Staat erweisen.

Diese Straße ist eine lebendige Pulsader zwischen Ost und West, auf der politische,
wirtschaftliche, militärische und kulturelle Ströhmungen in beiden Richtungen bis zum
Niedergang Konstantinopels ausgetauscht werden.131

Somit liegt „der Verdienst des großen serbischen Staatsmanns Stefan Nemanja
darin, dass er seine Nachfolger auf ein Territorium aufmerksam gemacht hat, in
welchem sie sich dauerhaft niederlassen sollten.“132

Über die geographische Lage und die Flächengröße des serbischen mittelalterlichen
Staates schreiben zum ersten Mal auf wissenschaftlicher Grundlage K. Jireček und
Stojan Novaković zwischen 1877 und 1880.133

Besonders Stojan Novaković setzt sich in seinen Werken Zemljište radnje Nemanjine
(Das Land aus Nemanjas Wirken) und Srpske oblasti X. i XII. veka (Die serbischen
128
M. Blagojević, O „Zemljištu radnje Nemanjine“ (Über „Das Land aus Nemanjas Wirken“), in Srpska
Akademija Nauka i Umetnosti (Hg.), Meñunarodni naučni skup: Stefan Nemanja – Sveti Simeon Mirotočivi,
istorija i predanje, (Serbische Akademie der Wissenschaften und Künste, Internationale wissenschaftliche
Konferenz: Stefan Nemanja – der Heilige Simeon der Myronströmende, Geschichte und Überlieferung),
Beograd 2000, S. 72
129
Vgl. K. Jireček, a. a. O., S. 153
130
Vgl. J. Kalić, Stefan Nemanja u modernoj istoriografiji (Stefan Nemanja in der modernen
Geschichtsschreibung), …, S. 11
131
Vgl. M. Blagojević, a. a. O., S. 74
132
Ebd.
133
Vgl. M. Blagojević, a. a. O., S. 65
37

Gebiete im X. und XII. Jahrhundert) mit den Territorien und Grenzen des serbischen
Staates zur Zeit Nemanjas und seiner Nachfolger auseinander.

Trotz einiger Fehler beschreibt S. Novaković im großen und ganzen das sich
zwischen der Adriaküste und dem Moravatal ausdehnende serbische Territorium zu
Nemanjas Zeit richtig und gibt auch die geographische Lage der eroberten und
zerstörten Städte meist präzise an.134

5. Kämpfe um die Unabhängigkeit Serbiens

Nemanjas 37 bzw. „ganze 38“ Jahre währende Regierungszeit ist durch ständige
Behauptungskämpfe geprägt, wobei er die Machtkämpfe zwischen Byzanz und den
benachbarten Staaten Ungarn, Bulgarien, Venedig sowie die Kreuzzüge für die
Befestigung seiner Stellung geschickt nutzt.

Aber Nemanja muss auch Niederlagen verkraften, darunter auch die um 1172. Als
sich nämlich die Verhältnisse zwischen Ungarn und Byzanz nach dem Tode des
ungarischen Königs Stefan III. am 4. März 1172 ändern und der in Byzanz erzogene
Bella III. an die Macht kommt, unternimmt Manuel I. Komnenos einen Feldzug gegen
die von Nemanja geführten Serben, welche die Heerstraße nach Byzanz zwischen
Belgrad und Niš bedrohen.135 Nemanja flüchtet zunächst in die Berge, ergibt sich
jedoch später dem byzantinischen Kaiser, damit – wie Niketas Choniates berichtet –
„die Macht nicht an diejenigen übertragen werde, die mehr Herrschaftsrechte hatten
als er, und welche er niedergeworfen hat, als er an die Regierung erhoben worden
war“.136

Manuel I. Komnenos nimmt Nemanja anschließend mit nach Konstantinopel. Der


Triumphzug wird in zwei byzantinischen Chroniken in Versdichtung beschrieben.137

134
Vgl. M. Blagojević, a. a. O., S. 72
Die Landkarte Serbiens zur Zeit Nemanjas ist im Anhang auf der Seite 101 abgebildet.
135
Vgl. ebd. Arnold von Lübeck berichtet über die Reise von Heinrich dem Löwen in das Heilige Land und
serbische Überfälle auf der Heerstraße, in der Nähe der Stadt Ravno im Moravatal, im März 1172.
136
K. Jireček, a. a. O., S. 150
137
K. Jireček nennt hier, a. a. O., S. 151, Eustathios von Thessalonike und Konstantin Manasses.
38

Wie lange Nemanja in Konstantinopel bleibt und wann er wieder nach Serbien
zurückkehrt, ist nicht bekannt. Offenbar dauert sein Aufenthalt in der Kaiserstadt
nicht lange, denn es steht fest, dass Nemanja nach der Rückkehr seine Herrschaft
fortsetzen kann. Er unternimmt keine neuen Aufstände mehr gegen Byzanz und
bleibt dem großen Kaiser Manuel I. bis zu dessen Tod im September 1180 treu.

Diese Zeit nutzt Nemanja, um die inneren Verhältnisse im Land zu klären und die
häretischen Bogumilen zu bekämpfen.138

Nach dem Tode Manuels I. gerät Byzanz von allen Seiten in Bedrängnis. In dem
herrschenden Chaos kann sich Alexios II., der minderjährige Sohn des verstorbenen
Kaisers, nicht behaupten und wird im Frühjahr 1182 von dem zwielichtigen Cousin
seines Vaters, Andronikos Komnenos, vom Thron verdrängt.139

Die byzantinischen Machtkämpfe sind den benachbarten Staaten Ostroms ein


willkommener Anlass, an der eigenen Selbständigkeit intensiv zu arbeiten und dafür
nach neuen Möglichkeiten zu suchen.

Der ehemalige Schützling Manuels I., der ungarische König Bella III., startet Angriffe
gegen die byzantinischen Gebiete in Norddalmatien und weitet sie auf die Grenze zu
Serbien bei Belgrad und Braničevo aus, als er hört, dass Andronikos die Witwe des
Kaisers ins Gefängnis geworfen hat. Als die Witwe im Jahr 1183 ermordet wird, setzt
Bella seine Angriffe mit der Unterstützung Nemanjas fort.140

Nachdem der neue byzantinische Kaiser Isaak II. Angelos (1185-1195) jedoch die
Tochter des ungarischen Königs heiratet, ändert sich die Situation, und Nemanja
muss nach neuen Verbündeten suchen.141

138
Zum Kampf gegen die Bogumilen siehe S. 49 ff.
139
Vgl. K. Jireček, a. a. O., 151-152
140
Ebd.
141
Vgl. B. Ferjančić, a. a. O., S. 38
39

6. Nemanjas Begegnung mit Friedrich Barbarossa und Friedensvertrag mit Byzanz

Nemanja lässt keinen Versuch aus, um sein vereinigtes und vergrößertes Land so
gut es geht gegen die übermächtigen Nachbarn abzusichern. Als er erfährt, dass die
mächtigsten westlichen Herrscher einen neuen, dritten Kreuzzug zur Befreiung des
Heiligen Landes planen, und der deutsche Kaiser Friedrich I. Barbarossa dazu die
bekannte Heerstraße von Belgrad über Braničevo, Niš und Sophia nach
Konstantinopel mit seinen Kreuzrittern durchquären will, sendet er im Dezember
1188 eine serbische Delegation nach Nürnberg, die mit allen Ehren im kaiserlichen
Palast aufgenommen wird.142

Die Gesandten überreicht Barbarossa einen Brief Nemanjas, in welchem er dem


deutschen Kaiser mitteilt, ihn bei seinem Durchzug durch Serbien „in der
bekanntesten seiner Städte, die er zu der Residenz seines Landes machen“143
möchte, festlich empfangen und die Versorgung des gewaltigen Heeres nicht
behindern zu wollen.

Das etwa 12.000 – 15.000 Mann144 zählende Heer der Kreuzfahrer setzt sich am 11.
Mai 1189 in Bewegung, wobei die Meisten auf dem Landweg reisen. Der Kaiser fährt
zu Schiff auf der Donau bis zu der Festung Braničevo (heute Kostolac).
Etwa im Juni erreichen sie den nun bereits unabhängigen Staat Serbien.145
Nemanja hält seine in Nürnberg übermittelten Zusagen und bereitet dem deutschen
Kaiser mit seinem Bruder Stracimir einen festlichen Empfang Ende Juli in Niš.

Die Verhandlungen, den sich auch die bulgarischen Herrscher Peter und Johannes
Asen anschließen, beginnen am 27. Juli.146 Sowohl die Serben als auch die
Bulgaren verfolgen das Ziel, ein Bündnis mit dem deutschen Kaiser gegen Byzanz
abzuschließen, um sich so gegen eventuelle neue Ansprüche des oströmischen
Reiches abzusichern. Nemanja bietet dem deutschen Kaiser laut Ansbert sogar ein
Vasallenverhältnis an, wenn dieser ihm die Erhaltung des serbische Territoriums

142
J. Kalić, Istorija ... (Die Geschichte...), S. 256
Über das tragische Ende des von Friedrich Barbarossa geführten Kreuzzuges vgl. Ferdinand Opll, Friedrich
Barbarossa, Darmstadt 21994, S. 155 ff.
143
Ebd.
144
Nach F. Opll (a. a. O., S. 164) hat die Forschung die früheren Quellenangaben von 100.000 Mann korrigiert.
145
Vgl. S. Runciman, Geschichte der Kreuzzüge, München 1983, S. 784
146
Vgl. J. Kalić, Istorija... (Die Geschichte...), S. 256. Die Autorin zitiert nach Ansbert, Historia 46.
40

garantiert. Friedrich Barbarossa geht auf das serbisch-bulgarische Angebot jedoch


nicht ein, wohl um Ostrom nicht noch mehr zu verärgern. Um den freundschaftlichen
Beziehungen zu Serbien aber Nachdruck zu verleihen, erfolgt noch in Niš die
Verlobung eines Neffen Nemanjas mit der Tochter des Herzogs Berthold von
Andechs-Meranien. Es ist „zwar nicht eine staufische Eheverbindung, aber doch die
eines bedeutenden Reichsfürsten“.147

Als nun die Kreuzritter weiter ziehen, setzen die Serben und Bulgaren ihre Kämpfe
gegen Byzanz fort, um aus den Streitigkeiten zwischen dem byzantinischen Kaiser
und den Kreuzrittern möglichst großen Nutzen für ihre Länder zu ziehen.

Erst nachdem der byzantinische Kaiser Isaak II. Angelos am 14. Februar 1190 einen
Friedensvertrag mit den von Friedrich Barbarossa geführten Kreuzrittern schließt,
kann er serbische und bulgarische Angriffe stoppen.148

Als Nemanja laut Berichten von Nekitas Choniates bis nach Skopje vordringt,
unternimmt Kaiser Isaak II. Angelos einen Feldzug gegen ihn. Die entscheidende
Schlacht findet im Moravatal im Herbst 1190 statt,149 und Nemanjas Heer wird durch
die von Isaak II. Angelos geführten Streitkräfte besiegt.
Der gealterte Großžupan schließt Frieden mit Byzanz.150

Die Tatsache, dass beide Seiten einen formellen Friedensvertrag abschließen,


„bedeutet … die ausdrückliche Anerkennung des staatlichen Eigendaseins
Serbiens“151 durch das oströmische Reich.
Die Friedensbedingungen scheinen jedoch nicht so nachteilig für die Serben zu sein,
wie sie der Rhetor Niketas Akomminatos beschreibt, denn Nemanja kann den
wesentlichen Teil der eroberten byzantinischen Gebiete behalten.152

Somit ist sein Herrscherziel erreicht, denn „statt der Abhängigkeit eines
Vasallenstaates hat Nemanja für sein Land die Unabhängigkeit erreicht.“153

147
Vgl. Ferdinand Opll, a. a. O., S. 165
148
Vgl. K. Jireček, a. a. O., S. 157
149
Vgl. B. Ferjančić, a. a. O., S. 39
150
Ebd.
151
G. Ostrogorsky, a. a. O., S. 349
152
Vgl. K. Jireček, a. a. O., S. 157
41

Weiter sieht der Friedensvertrag zwischen dem Großžupan und Kaiser Isaak II.
Angelos vor, dass Nemanjas mittlerer Sohn Stefan die Nichte des Kaisers Eudokia
heiraten und den hohen byzantinischen Titel eines Sebastokrators erhalten soll.154

Die stabilisierten Verhältnisse im Land und mit den benachbarten Staaten erlauben
es, dass Nemanja im März 1196 die Herrschaft über Serbien auf den mittleren Sohn
Stefan übertragen und so seine Regierungszeit zu Ende führen kann.

7. Nemanjas Residenz, Herrschaftsmethoden und Insignien

Seit Anfang des 12. Jahrhunderts wird der Sitz der serbischen Herrscher
wahrscheinlich aus Sicherheitsgründen aus dem Küstengebiet der Zeta immer mehr
ins Landesinnere verlegt. So entwickelt sich der Ort Ras während Nemanjas
Regierungszeit zunehmend zu einem Zentrum und Residenz des serbischen
mittelalterlichen Staates.

Aufgrund archäologischer Ausgrabungen gilt es heute als erwiesen, dass Ras auf
den Ruinen der römischen Stadt Arse zur Zeit des Kaisers Justinian I. aufgebaut
wurde.155 Darüber berichtet der Geschichtsschreiber Prokopios von Kaisareia in
seinem Werk De aedificiis.156

Nemanja erbt sozusagen Ras von seinen Vorgängern, weil sich der Ort bereits in der
zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts als Residenz der serbischen Großžupane
behauptet hat.157 Über Ras als dem Sitz der serbischen Großžupane berichtet als
erster Johannes Kinnamos in seiner Beschreibung des Feldzugs des Kaisers Manuel
I. Komnenos gegen die Serben im Jahr 1151.

153
J. Kalić, Istorija ... (Die Geschichte ...), S. 259
154
Ebd. Vgl. auch G. Ostrogorsky, a. a. O., S. 349
155
J. Kalić, Stefan Nemanja u modernoj istoriografiji (Stefan Nemanja in der modernen Geschichtsschreibung),
…, S. 10
156
D. Mrkobrad, Stefan Nemanja i tradicija raškog episkopskog središta (Stefan Nemanja und die Tradition des
Bischofszentrums in Ras), in Srpska Akademija Nauka i Umetnosti (Hg.), Meñunarodni naučni skup: Stefan
Nemanja – Sveti Simeon Mirotočivi, istorija i predanje, (Serbische Akademie der Wissenschaften und Künste,
Internationale wissenschaftliche Konferenz: Stefan Nemanja – der Heilige Simeon der Myronströmende,
Geschichte und Überlieferung), Beograd 2000, S. 252, besonders Anmerkung Nr. 21
157
M. Popović, Vladarsko boravište Stefana Nemanje u Rasu (Die Residenz Stefan Nemanjas in Ras), in Srpska
Akademija Nauka i Umetnosti (Hg.), Meñunarodni naučni skup: Stefan Nemanja – Sveti Simeon Mirotočivi,
istorija i predanje, (Serbische Akademie der Wissenschaften und Künste, Internationale wissenschaftliche
Konferenz: Stefan Nemanja – der Heilige Simeon der Myronströmende, Geschichte und Überlieferung),
Beograd 2000, S. 234
42

Der Ort Ras ist sicherlich auch deshalb für die Herrscher interessant, weil sich in der
Nähe der in Ras befindlichen Kirche der Heiligen Apostel Petrus und Paulus seit dem
10. Jahrhundert auch der Sitz der Bischöfe von Raszien befindet.

Die Bedeutung und das Alter der Petruskirche in Ras bezeugen auch byzantinische
Quellen. Sie wird in der zweiten Urkunde des Kaisers Basilios II. aus Mai 1020
erwähnt, die er an das Erzbistum in Ohrid schreibt.158 Als eine der wichtigsten
Quellen gilt der Brief des Erzbischofs von Ohrid, Demetrios Chomatian, aus Mai
1220 gerichtet an Sava, in welchem Chomatian von serbischen Bischöfen in Ras
spricht.159

Bezeichnend für Nemanjas Zeit ist jedoch, dass er durchaus auch in anderen
Städten Hofgebäude errichtet bzw. mindestens zeitweise in anderen Städten, wie
z. B. in der 1185 eingenommenen Stadt Kotor, residiert.

Über die Verlegung des Hofes nach Kotor schreibt Stefan der Erstgekrönte in der
Vita Simeons: „Kotor ließ er stehen, befestigte es und verlegte seine Pfalz dorthin,
die noch heute steht.“160

Die besondere Bedeutung von Kotor nach seiner Eingliederung in Nemanjas


Staatsgebiet ist auch in einem Beschluß des Stadtrates von Kotor aus dieser Zeit
bezeugt, in dem ausdrücklich festgehalten wird, dass er in der Regierungszeit
Nemanjas, des Großžupan von Raszien, gefasst worden ist.161

Aber Nemanja bezeichnet auch die Geburtsstadt Konstantins, das berühmte Niš, als
eine Stadt, die er zur Hauptstadt Serbiens machen möchte. Dieses Vorhaben kündigt
Nemanja in seinem Empfehlungsschreiben an Friedrich Barbarossa im Dezember

158
Vgl. D. Mrkobrad, a. a. O., S. 249
In der Einleitung der erwähnten kaiserlichen Urkunde ist festgehalten, dass die Diözese von Ras bis 1016 (Ende
der Herrschaft des Königs Samuel) in der Jurisdiktion der bulgarischen Kirche war. Seit Basileios II. bis zur
Einbeziehung in die autokephale serbische Kirche (1219) befindet sich Ras unter der Jurisdiktion des
Erzbischofs von Ohrid.
159
Ebd.
160
Hl. Sava, a. a. O., S. 88
161
Vgl. J. Kalić, Istorija ... (Die Geschichte ...), S. 253
43

1188 an, welches dem deutschen Kaiser an seinem Hof in Nürnberg von Nemanjas
Gesandten ausgehändigt wird.162

Nicht desto trotz bleibt Ras in der entscheidenden Phase der Staatsgründung und
Festigung und in dem folgenden Jahrhundert das weltliche und das geistige Zentrum
serbischer Länder.163

Nemanja lässt während seiner Herrschaft im Wesentlichen die in ihren Grundlagen


aus früheren Perioden bereits bestehenden Verwaltungsmethoden bestehen und
führt keine großen Veränderungen ein164. Als Großžupan befindet er sich an der
Spitze des Landes, wobei größere Gebietseinheiten von seinen Brüdern und Söhnen
verwaltet werden.

Bezeichnend ist, dass alle wichtigen Entscheidungen in einer kirchlich-staatlichen


Versammlung, einem Sabor (σύνοδος καì σύγκλητος), getroffen werden, an der auf
Einladung des Großžupan angesehene Adelige, führende Kirchenmänner und
Militärs und sonstige einflussreiche und bedeutende Persönlichkeiten teilnehmen.
Diese wichtige Einrichtung des serbischen Staates ist bereits vor Stefan Nemanja
entstanden, der Sabor erhält jedoch von ihm neue Impulse und eine größere
Gewichtung165.

Zu den wichtigen staatsmännischen Errungenschaften Nemanjas zählt, dass er


selbst als Ahnherr die eigentliche Herrschaftsideologie der ganzen Nemanjiden-
Dynastie begründet hat.

So schreibt Nemanja in der Gründungsurkunde für das Kloster Hilandar mit klaren
und knappen Worten, dass „jede Macht von Gott geschenkt sei, dass auch er diese
so erhalten und danach den Platz seines Staates in der Staatenhierarchie bestimmt
habe.“166

162
Vgl. J. Kalić, Istorija ... (Die Geschichte...), S. 256
163
Vgl. M. Popović, a. a. O., S. 245
164
Vgl. J. Kalić, Istorija ... (Die Geschichte ... ), S. 261
165
Vgl. J. Kalić, Stefan Nemanja u modernoj istoriografiji (Stefan Nemanja in der modernen
Geschichtsschreibung), …, S. 12
166
Ebd.
44

Trotz seiner staatsmännischen Entschlossenheit und dem diplomatischen Geschick


ist Nemanja durchaus gewillt, sich auch bei den Regierungsgeschäften von den
Bischöfen beraten zu lassen und mit ihnen eng zusammenzuarbeiten.

Dieser Herrschaftsideologie entsprechen auch Nemanjas Kennzeichen der


staatlichen Macht.

Im Mittelalter gilt im allgemeinen, dass die Herrschaftsinsignien eine doppelte


Bedeutung haben. Sie sind einerseits „ein sichtbarer Ausdruck des Status eines
einzelnen Herrschers und Staates“167 und haben andererseits eine theologische
Bedeutung, indem sie „symbolisch die Verbindung zwischen Christus, der
Gottesgebärerin, den Heiligen, dem Herrscher und seinen Untergebenen
widerspiegeln.“168

Zu den wichtigsten geschichtlich bezeugten Insignien Nemanjas zählen der Thron169,


der Kranz170, das Brustkreuz171, die Lanze172 und das Schwert173, es sind jedoch
auch andere zu nennen, wie z. B. das Pferd, Festkleider, verschiedene Waffen
u.s.w.174

167
Vgl. S. Marjanović-Dušanić, Vladarski znaci Stefana Nemanje (Die Herrschaftsinsignien des Stefan
Nemanja), in Srpska Akademija Nauka i Umetnosti (Hg.), Meñunarodni naučni skup: Stefan Nemanja – Sveti
Simeon Mirotočivi, istorija i predanje, (Serbische Akademie der Wissenschaften und Künste, Internationale
wissenschaftliche Konferenz: Stefan Nemanja – der Heilige Simeon der Myronströmende, Geschichte und
Überlieferung), Beograd 2000, S. 77
168
Ebd.
169
Der Thron wird als Herrschaftszeichen am häufigsten erwähnt. Mit der Bezeichnung „das Gebiet des
serbischen Thrones“ beschreibt Stefan der Erstgekrönte das von seinem Vater regierte Land. Vgl. auch
Anmerkung Nr. 2, ebd.
170
Mit „Kranz“ ist eigentlich eine Krone als das sichtbare Symbol der himmlischen Gunst und gleichzeitig als
das Symbol der Alleinherrschaft gemeint. Vgl. auch Anmerkung Nr. 3, ebd.
171
Nemanjas Brustkreuz mit der Partikel des Kreuzes Christi zählt zu einer der wichtigsten Insignien, der
Wunderkräfte nachgesagt werden. Im Zusammenhang mit dem Kreuz vergleicht Stefan der Erstgekrönte seinen
Vater mit Moses und mit Konstantin dem Großen, denn sowohl Moses, als auch Konstantin als auch Nemanja
haben im Zeichen des Kreuzes Siege errungen. Nemanjas Brustkreuz wird zum ersten Mal im Zusammenhang
mit der Schlacht bei Pantino erwähnt. Vgl. S. Marjanović-Dušanić, a. a. O., S. 81
172
Die Lanze ist auch in anderen Teilen Europas zu den wichtigen Herrschaftsinsignien.
173
Das Schwert scheint eine der älteren Insignien zu sein, da es auch lange vor Nemanja als Siegeszeichen und
Zeichen der Investitur gilt. Vgl. Vgl. S. Marjanović-Dušanić, a. a. O., S. 78, Anmerkung Nr. 6
174
Vgl. S. Marjanović-Dušanić, a. a. O., S. 78-79
45

III. Das geistliche Leben Nemanjas und sein Verhältnis zu der Kirche

Von Anfang an steht Nemanja in einem engen und vertrauenswürdigen Verhältnis zu


der Kirche und ihren Hierarchen, die zu seiner Zeit Griechen sind und dem
Patriarchat Konstantinopel unterstehen. Er ist bestrebt, die Harmonie zwischen der
weltlichen und der geistigen Herrschaft stets im Gleichgewicht zu halten.

Alle Biographen beschreiben die tiefe und aufrichtige Religiosität des Großžupans,
die ihm bereits in seinem Elternhaus anerzogen wird.
Stefan der Erstgekrönte sagt sogar, dass Nemanja „von der Frömmigkeit und
Gottesfurcht seiner Eltern ernährt wurde“.175

Dabei ist es wichtig, dass Nemanja stets als ein Vorbild für sein Volk handelt, denn
„zuerst zeigte er an sich selbst die Frömmigkeit, dann lehrte er auch andere, weihte
Kirchen, gründete Klöster, hatte für die Bischöfe ein geneigtes Ohr, ehrte die
Priester, den Mönchen kam er mit großer Demut und Liebe entgegen...“176

In diesem Sinne erzieht Nemanja auch seine Söhne und beschwört sie, an der Treue
zum rechten Glauben und der Kirche festzuhalten. So identifizieren sich bereits seine
ersten Nachfolger mit dem Staat und der Kirche, später mit dem Königreich und dem
Erzbistum.177

1. Nemanja als Stifter von Kirchen und Klöstern

Wie kein serbischer Herrscher vor ihm, hält Nemanja den Bau von Kirchen und
Klöstern für eine Prioritätsaufgabe für sein Land. Welch große Bedeutung er den
sakralen Objekten zukommen lässt, sieht man auch an der Tatsache, dass seine
Stiftungen auch heute noch bestehen und ein bewunderswertes Zeugnis seines
Wirkens darstellen.

Die monumentale Bauweise sakraler Objekte beginnt in Serbien erst mit Nemanja,
denn Kirchen gebaut vor seiner Zeit sind von wenigen Ausnahmen abgesehen, wie

175
Hl. Sava, a. a. O., S. 76
176
Hl. Sava, a. a. O., S. 36
177
Vgl. I. Božilov, a. a. O., S. 51
46

z. B. der Petruskirche in Ras, kaum erhalten. Mit dem Beginn des monumentalen
Baus geht die Bildung des neuen Denkmaltyps einher, genannt die serbische Schule
von Raszien, die während der zweiten Hälfte des 12. und über das gesamte 13.
Jahrhundert in Serbien führend bleibt.178

Es steht somit fest, dass Nemanjas Stiftungen „die kulturelle Landschaft verändert
und die bis dahin gänzlich vernachlässigten Landesteile durch schöne Kirchenbauten
geschmückt haben.“179
Auch bei der Ausschmückung der Gotteshäuser setzt Nemanja als Stifter höchste
Maßstäbe, so dass die Ikonen- und Freskomalerei bis heute weltweite Anerkennung
findet.

Der eigene architektonische Baustiel entsteht als eine Synthese der byzantinischen
und romanischen architektonischen Lösungen und ist bereits bei der ersten Stiftung,
dem Kloster des hl. Nikolaos in Toplica, erkennbar. Der neue Stil setzt sich noch
deutlicher bei dem Kloster des heiligen Georg in Ras fort, welches deshalb als „das
erste Denkmal des Raszien-Stils“ gilt.180

Schließlich findet sich in der Bauart der Muttergotteskirche von Studenica die
Bestätigung, dass Nemanjas Stiftungen eigene architektonische und künstlerische
Lösungen aufweisen und eine „wohlüberlegte schöpferische Orientierung, … eine
bauliche Symbiose des byzantinischen und romanischen Stils“181 repräsentieren.

Nemanjas Stiftungen fördern außerdem die mittelalterliche Kunst in Serbien und „ihre
Originalität, Eigenständigkeit ist ein Ergebnis ihrer Schöpfer und Stifter und Meister
und der allgemeinen geschichtlichen Bedingungen des serbischen Staates, der
Kirche und Kultur, aber auch der komplizierten Umwälzungen und früherer
Zusammenstöße der Zivilisationen im Mittelmeerraum und auf dem Balkan.“182

178
Vgl. Jovan Nešković, Neka otvorena pitanja o crkvenom graditeljstvu u doba Stefana Nemanje (Einige offene
Fragen über den Kirchenbau zur Zeit Stefan Nemanjas), in Srpska Akademija Nauka i Umetnosti (Hg.),
Meñunarodni naučni skup: Stefan Nemanja – Sveti Simeon Mirotočivi, istorija i predanje, (Serbische Akademie
der Wissenschaften und Künste, Internationale wissenschaftliche Konferenz: Stefan Nemanja – der Heilige
Simeon der Myronströmende, Geschichte und Überlieferung), Beograd 2000, S. 199
179
S. Ćirković, Srbi u srednjem veku (Die Serben im Mittelalter), Beograd 1997, S. 126
180
Vgl. Jovan Nešković, a. a. O., S. 201
181
Ebd.
182
Vgl. J. Maksimović, Parasinus graecus 83 i grupa južnoitalijanskih rukopisa (Parasinus graecus 83 und eine
Gruppe süditalienischer Handschriften), in Srpska Akademija Nauka i Umetnosti (Hg.), Meñunarodni naučni
47

Wenn wir bedenken, wie klein das mittelalterliche Serbien im Vergleich zu seinen
mächtigen Nachbarn ist, muss uns doch bereits die Anzahl der Stiftungen Nemanjas
umso imponsanter erscheinen.

Der heilige Sava zählt die während Nemanjas Herrscherzeit gestifteten Gotteshäuser
auf: „Er selbst gründete Klöster: zunächst in Toplica das des hl. Vaters Nikolaos, und
ein zweites ebenda der hl. Gottesmutter in Toplica (zu Ehren); dann wiederum
erbaute er das Kloster des hl. Georg in Ras…Nach diesen errichtete er dies unser
heiliges Kloster, weihte es unserer allerheiligsten Gebieterin…“183

Hinzu kommt noch „eine ganze Reihe weiterer Gotteshäuser“184, wie z. B. die dem hl.
Panteleimon in Niš gewidmete Kirche, die Gottesmutterkirche in Bistrica (Voljevac)185
oder die Erzengel-Michael Kirche in Skopje.

Seine Stiftungen und Spenden widmet Nemanja in tiefer Frömmigkeit Gott als Dank
für die erhörten Gebete. Die Bauten sollen jedoch auch als bleibende Denkmale an
wichtige Ereignisse in Nemanjas Leben erinnern.
So gilt, wie bereits geschildert, der Bau des dem heiligen Georg gewidmeten Klosters
bei Ras als Nemanjas Dank für die Befreiung aus der Gefangenschaft, es steht aber
auch symbolhaft für die Machtübernahme Nemanjas und seine Erhebung zum
Großžupan dar.186

Auch die Erbauung des Klosters Studenica erfolgt sowohl aus religiösen als auch
aus privaten Motiven. Nemanja widmet Studenica der Muttergottes aus Dankbarkeit
für die erfolgreiche Verteidigung des rechten Glaubens von häretischen Lehren und
die Verfestigung des Staates, sowie „als Niederlassung und Pflanzstätte des

skup: Stefan Nemanja – Sveti Simeon Mirotočivi, istorija i predanje, (Serbische Akademie der Wissenschaften
und Künste, Internationale wissenschaftliche Konferenz: Stefan Nemanja – der Heilige Simeon der
Myronströmende, Geschichte und Überlieferung), Beograd 2000, S. 264
183
Hl. Sava, a. a. O., S. 36-37. Mit “dies unser heiliges Kloster” ist Studenica gemeint.
184
Vgl. J. Kalić, Stefan Nemanja u modernoj istoriografiji (Stefan Nemanja in der modernen
Geschichtsschreibung), …, S. 14.
Die Stiftungen Nemanjas sind inzwischen ein eigenes Forschungsgebiet geworden. Darüber haben insbesondere
V. Petković, A. Deroko, ð. Bošković, V. Korać, J. Nešković, D. Bogdanović u.v.a.m. geschrieben.
185
Vgl. S. Ćirković, Preci Nemanjini i njihova postojbina (Nemanjas Vorfahren und ihre Heimat), in Srpska
Akademija Nauka i Umetnosti (Hg.), Meñunarodni naučni skup: Stefan Nemanja – Sveti Simeon Mirotočivi,
istorija i predanje, (Serbische Akademie der Wissenschaften und Künste, Internationale wissenschaftliche
Konferenz: Stefan Nemanja – der Heilige Simeon der Myronströmende, Geschichte und Überlieferung),
Beograd 2000, S. 26-27
186
Vgl. Jovan Nešković, a. a. O., S. 202
48

Mönchtums.“187 Außerdem bestimmt er die Muttergotteskirche in Studenica zu


seiner Grabeskirche, in welcher auch seine Nachfahren bestattet werden sollen.

Der Klosterkomplex Studenica und insbesondere Nemanjas Grabeskirche der


Gottesmutter, in welcher sich heute die Reliquien des heiligen Simeon befinden,
waren und sind „ein sakraler Raum Serbiens von äußerster Bedeutung… ein Ort
geistiger Versammlung, das religiöse und politische Zentrum von weiter und
dauerhafter Bedeutung.“188
Heute noch empfinden die Pilger diese Stiftung Nemanjas als einen ganz
besonderen Ort, in welchem es, ausgenommen Altar, „keinen heiligeren Platz als die
Grabesstätte des heiligen Simeon Nemanja“ gibt.189

Neben der ausgeprägten Stiftertätigkeit spendet Nemanja reiche Gaben an


zahlreiche Gotteshäuser außerhalb des Landes, wie z. B. an das Kloster der
Gottesmutter Evergetis – der Wohltäterin in Konstantinopel, die Kirchen des heiligen
Demetrios in Thessalonike, der hl. Apostel Petrus und Paulus in Rom, des heiligen
Nikolaos in Bari, des heiligen Johannes am Jordan, des heiligen Theodosios in
Palästina, an die Kirche der heiligen Auferstehung zu Jerusalem und viele andere
Kirchen.190

Sein bemerkenswerter Hang für den Kirchenbau und die zahlreichen Spenden an
Gotteshäuser sind sogar zu einem Thema in der Volksdichtung geworden.
Der Philologe und Reformator der serbischen Sprache, Vuk Karadžić (1787 – 1864),
hält in seinen Gesammelten Werken auch die durch die Jahrhunderte mündlich
überlieferten epischen Dichtungen über Nemanja fest.
Eines dieser Gedichte trägt die Überschrift „Kud se dede car Nemanje blago?“ (Was
geschah mit den Reichtümern von Kaiser Nemanja?). Diese Frage, aufgeworfen bei
einem Sabor im Kloster Gračanica, beantwortet der heilige Sava und erklärt: „Vater

187
Vgl. Hl. Sava, a. a. O., S. 35, 89
Auch R. Marinković, a. a. O., S. 133
188
Vgl. J. Kalić, Stefan Nemanja u modernoj istoriografiji (Stefan Nemanja in der modernen
Geschichtsschreibung), … , S. 17
189
Vgl. V. J. ðurić, Ikonografska pohvala svetom Simeonu Nemanji u Studenici (Ikonographisches Lob an den
heiligen Simeon Nemanja in Studenica), in Srpska Akademija Nauka i Umetnosti (Hg.), Meñunarodni naučni
skup: Stefan Nemanja – Sveti Simeon Mirotočivi, istorija i predanje, (Serbische Akademie der Wissenschaften
und Künste, Internationale wissenschaftliche Konferenz: Stefan Nemanja – der Heilige Simeon der
Myronströmende, Geschichte und Überlieferung), Beograd 2000, S. 267
190
Vgl. N. Velimirović, a. a. O., S. 17
49

hat die Reichtümer nicht in Streitäxte und Keulen verhämmern lassen, … sondern
gänzlich für den Bau vieler Stiftungen verbraucht..., für das Pflastern von Wegen,
den Brückenbau und für milde Gaben an Kranke und Blinde“191

Für Stefan Nemanja steht fest, dass neben dem rechten Glauben auch die Bildung
wichtig für sein Volk ist. So spielt sein Wunsch, das Volk aufzuklären, eine große
Rolle beim Bau von Klöstern und Kirchen, denn sie sind im Mittelalter Zentren, in den
auch verschiedene Wissenschaften unterrichtet werden und sogar medizinische
Versorgung für die Bevölkerung organisiert wird.

2. Nemanjas Kampf gegen die Bogomilen192

Als die bogomilischen Irrlehren den Balkan erreichen, ist entschlossenes Handeln
auch in Serbien gefragt.

a) Die Bogomilen-Häresie193 auf dem Balkan

Das erste bekannte Zeugnis über die durch den bulgarischen Popen Bogomil
gegründete Häresie auf dem Balkan ist ein zwischen 933 und 956 geschriebenes
Dokument des Patriarchen Theophylaktos von Konstantinopel (Sohn des Kaisers
Romanos Lakapenos) an seinen Schwager, den bulgarischen Kaiser Peter194.

191
Vgl. N. Milošević-ðorñević, Stefan Nemanja u srpskoj narodnoj književnosti (Stefan Nemanja in der
serbischen Volksliteratur), in Srpska Akademija Nauka i Umetnosti (Hg.), Meñunarodni naučni skup: Stefan
Nemanja – Sveti Simeon Mirotočivi, istorija i predanje, (Serbische Akademie der Wissenschaften und Künste,
Internationale wissenschaftliche Konferenz: Stefan Nemanja – der Heilige Simeon der Myronströmende,
Geschichte und Überlieferung), Beograd 2000, S. 414. Auch Grußwort von M. Pantić, a. a. O., S. 2.
192
Auch „Bogumilen“ genannt, übersetzt „Die, die Gott gefallen“ oder „von Gott geliebt“. Als Bogomilen-
Gründer gilt der „Pope Bogomil“, der z. Z. des bulgarischen Kaisers Peter seine Irrlehren verbreitet. Sie werden
in serbischen Quellen ab dem 13. Jh. auch als „Babunen“ bezeichnet. Zu Kurzgeschichte der Bogomilen siehe
auch Enciklopedija pravoslavlja (Die Enzyklopädie der Orthodoxie) Bd. 1, Beograd 2002, S 218. Nach G.
Ostrogorsky sind „die Sekten der Bogomilen, Babunen, Patarener, Katharer, Albigenser, wie auch ihrer
kleinasiatischen Vorgänger, verschiedene Äußerungsformen einer großen Bewegung, die sich von den Gebirgen
Armeniens bis nach Südfrankreich hindehnt…“ (Geschichte des byzantinischen Staates, S. 222)
193
G. Ostrogorsky beschreibt die Bogomilen auf dem Balkan folgendermaßen: „Gleich dem Paulikianismus, der
seinerseits auf den alten Manichäismus zurückgeht, ist der Bogomilismus eine dualistische Lehre, nach der die
Welt von zwei Prinzipien, dem Guten (Gott) und dem Bösen (Satanael) regiert wird und der Kampf zwischen
den beiden entgegen gesetzten Mächten das gesamte Weltgeschehen und jedwedes Menschenleben bestimmt…
Sie (die Bogomilen) verwerfen aufs schärfste jeden äußeren Kult, jeden kirchlichen Ritus, ja die gesamte
christliche Kirchenordnung. Die bogomilische Auflehnung gegen die herrschende Kirche bedeutete zugleich
auch eine Ablehnung der bestehenden Weltordnung, deren mächtige geistige Stütze die Kirche war.“
(Geschichte des byzantinischen Staates, S. 221 f.)
194
Vgl. A. Solovjev, Svedočanstva pravoslavnih izvora o bogomilstvu na Balkanu (Zeugnisse orthodoxer
Quellen über das Bogomilentum auf dem Balkan), Sarajevo 1953, S. 2. Nach H.-G. Beck (Geschichte der
orthodoxen Kirche im byzantinischen Reich, S. D124) hat der Kaiser seinen 16-jährigen Sohn gegen den
50

In diesem Brief, in welchem die Bogomilen als den Paulikianern nahe stehende
Ketzer bezeichnet werden, beantwortet der Patriarch die besorgten Fragen des
Kaisers bezüglich des Umgangs mit dieser neuartigen Häresie195.

Der Patriarch beruft sich auf Artikel 19 des Konzils von Nikäa und rät dem Kaiser,
dass er die Ketzer in drei Gruppen unterteilen und entsprechend gegen sie vorgehen
soll. In die erste Gruppe sind Führer und Lehrer, die der Irrlehre abschwören, zu
zählen. Sie müssen erneut getauft werden, wobei frühere bogomilische Priester
jedoch ihre Priesterwürde verlieren.

Zu der zweiten Gruppe sind Gefolgsleute zu zählen, die bei Abwendung von der
Häresie nicht erneut zu taufen, sondern nur zu salben sind. Schließlich gehören in
die dritte Gruppe Menschen, die aus Unwissen zu den Lehrern und Führern geraten
sind, weil sie diese für Asketen und gute Menschen hielten196.

In dem Dokument empfiehlt der Patriarch jedoch, dass gegen die gänzlich
unbelehrbaren Ketzer mit Milde vorgegangen werden solle, obwohl weltliche Gesetze
gegen diese eigentlich die Todesstrafe vorsehen, und sendet dem Kaiser eine
vollständige Anathematismenformel für die Häretiker197.

Neben dem Brief des Patriarchen Theophylaktos stellt die Rede des bulgarischen
Presbyters Kosmas ein weiteres wichtiges Zeugnis über die Bogomilen-Häresie dar,
das der Nachwelt einen vollständigen Bericht über die bogomilischen Lehren liefert,
die Kosmas jedoch hauptsächlich aus bulgarischer Sicht schildert.198

Widerstand kirchlicher Kreise zum Patriarchen ernennen lassen. Als Verfasser des erwähnten Dokuments nennt
Beck Chartophylax Joannes.
195
Vgl. H.-G. Beck, Geschichte der orthodoxen Kirche im byzantinischen Reich, Göttingen 1980, S. D124. Nach
A. Solovjev (Svedočanstva… - Zeugnisse…, S. 5) hält der Patriarch die Bogomilen-Irrlehren u. a. wegen ihrer
Christologie, der Ablehnung des Alten Testaments sowie des ausgeprägten Antimaterialismus und der
Ablehnung der Ehe als einen seiner Urform, dem Manichianismus, nahe stehenden Doketismus.
196
Vgl. A. Solovjev, a. a. O., S. 3
197
Ebd.
198
Vgl. S. Runciman, Häresie und Christentum, München 1988, S. 89 ff.
51

b) Die Bogomilen in Byzanz

Die Sekte beschränkt sich aber nicht auf ein Gebiet und breitet sich auch in Byzanz
stark aus. Da sie sich nicht nur gegen die kirchliche sondern auch gegen die
kaiserliche Autorität auflehnt und sogar Anhänger in den höchsten Kreisen der Kirche
und des Adels findet, muss Kaiser Alexios I. Komnenos Anfang des 12. Jahrhunderts
in Konstantinopel gegen die Bogomilen energisch vorgehen. Er stellt ihrem Anführer,
einem bulgarischen Mönch Namens Basilios, eine Falle, indem er ihn zunächst
ehrenvoll behandelt, in den Palast einlädt und für die bogomilischen Lehren
angeblich Interesse zeigt.199 Der getäuschte Basilios schildert dem Kaiser ausführlich
den Bogomilismus, was von einem versteckten Sekretär des Kaisers penibel
festgehalten wird. Die eigenen Worte werden nun Basilios zum Verhängnis.
Trotz vieler Versuche des Kaisers persönlich will Basilios nicht widerrufen, er wird
schließlich von der heiligen Synode verurteilt und auf dem Scheiterhaufen im
Hippodrom verbrannt200.

Aufgrund der Aufzeichnung der von Basilios vorgetragenen Lehren des


Bogomilismus lässt der Kaiser von dem Theologen Euthymios Zigabenos (oder
Zigadenos) eine Beschreibung dieser Häresie erstellen, die in der Panoplia
Dogmatica (πανοπλία δογµατική)201, die neben Kosmas Rede als der zweite
vollständige Bericht über diese Häresie gilt, festgehalten ist.202

Möglicherweise hat die intensive Erfahrung mit dem Bogomilismus den Kaiser
Alexios I. motiviert, sich noch mehr für die Reinheit des rechten Glaubens und des
christlichen Lebenswandels einzusetzen und die streng asketischen Klöster auf dem
Heiligen Berg Athos ganz besonders zu unterstützen und zu fördern.203

Nachdem die bogomilische Häresie in einem Väterkonzil unter dem Vorsitz des

199
Vgl. S. Runciman, Häresie.., S. 93
200
Ign. v. Döllinger, Beiträge zur Sektengeschichte des Mittelalters, Erster Teil: Geschichte der gnostisch-
manichäischen Sekten, München 1890, S. 37. Auch S. Runciman, a. a. O., S. 94
201
Es handelt sich um ein Sammelwerk mit 28 τίτλοι, das zum Ziel hat, alle Häresien zu widerlegen. Vgl. H.-G.
Beck, Kirche und theologische Literatur im Byzantinischen Reich, München 21977, S. 614
202
Diese Information stammt von Anna Komnene, die ebenfalls eine erfahrene Theologin war. Sowohl sie als
auch Euthymios Zigabenos waren sich sicher, dass die bogomilische Häresie aus einer Vermischung der
paulikianischen mit der messalianischen oder euchitischen entstanden und sich hauptsächlich unter
unzufriedenen Bauern verbreitet hat. Vgl. S. Runciman, Häresie ..., S. 96-118
203
Vgl. G. Ostrogorsky, a. a. O., S. 315
52

Patriarchen Nikolaos III. Grammatikos (1084 - 1111) verurteilt, und auch von den
späteren byzantinischen Kaisern hart bekämpft wird, verlassen ihre Führer und
Anhänger vermehrt Konstantinopel und ziehen in den Westen.

Der Anführer der Bogomilen aus Konstantinopel, der sogenannte Papst Niketas,
organisiert nach der Flucht 1167 eine Synode in St. Felix de Caraman in der Nähe
von Toulouse, in welcher er als Vertreter von sieben Gemeinden in Kleinasien und
fünf auf dem Balkan auftritt204.

c) Die Bogomilen in Serbien

Die Vorgeschichte der bogomilischen Häresie in Serbien ist nicht bekannt. Es gilt
jedoch als sicher, dass die ungeordneten kirchlichen Verhältnisse in den serbischen
Gebieten die Ausbreitung der Häretiker aus Nord-Makedonien nach Serbien
begünstigt haben, denn in Nord-Makedonien befindet sich seit der zweiten Hälfte des
12. Jahrhunderts eines der wichtigsten Zentren der extrem orientierten Dualisten205.

Die wichtigsten Zeugnisse über Nemanjas Kampf gegen die Bogomilen erhalten wir
wiederum von seinen beiden Söhnen und den Mönchen Domentijan und Teodosije.
Sowohl in diesen als auch in anderen serbischen Quellen aus dem 12. Jahrhundert
wird jedoch nicht ausdrücklich von den Bogomilen gesprochen, und die Irrlehre, die
Nemanja so gnadenlos bekämpft, nicht ausdrücklich als die bogomilische
bezeichnet. Die Häresie wird stets als „die dreimal verfluchte Häresie“, „der
verhasste, bösartige Irrglaube“, „der verfluchte, hinterlistige Glaube“ oder einfach als
„Häresie“ bezeichnet, weil es in dieser Zeit nur diese eine Irrlehre gibt, die in solchem
Ausmaß verbreitet ist. In der Tat fällt es den rechtgläubigen Christen, die ihrer
Bedeutung nach positive Bezeichnung „Bogomili - Die Gott gefallen“ für ihre Gegner
zu verwenden, dessen Lehren sie bekämpfen und ausrotten wollen.

Deshalb bezeichnet auch der Presbyter Kosmas die Bogomilen in seinem Traktat als
„Bogomrski - „Die Gott verhassten“.206

204
Vgl. Ign. v. Döllinger, a. a. O., S. 122-123. Auch S. Runciman, Häresie ..., S. 95
205
D. Dragojlović, Bogomilstvo na Balkanu i u Maloj Aziji i bogomilski rodonačelnici (Das Bogomilentum auf
dem Balkan und in Kleinasien und bogomilische Anführer), Beograd 1974, S. 104
206
A. Solovjev, a. a. O., S. 23
53

Da der heilige Sava in seiner Vita Simeons vorwiegend über Nemanjas Leben als
Mönch Simeon berichtet, erwähnt er nur allgemein, dass Nemanja sich auch für die
rechte christliche Lehre eingesetzt hat: "Denn er bestärkte und belehrte die Herzen
aller und unterwies uns, wie rechtgläubige Christen den wahren Glauben an Gott zu
halten haben."207 In seinen anderen Werken jedoch, wie dem Nomokanon208,
schreibt er ausführlich über den Einsatz seines Vaters gegen die Häresie. Ebenso
betont er in seiner Ansprache vor dem Kaiser Theodoros I. Laskaris in Nikaia im Jahr
1219 anlässlich seines Ersuchens um die Autokephalie für die serbische Kirche,
dass „Nach Gottes Willen … die böse Häresie durch meinen Vater und mich aus
unserem Land und von unserem Volk vertrieben wurde und der orthodoxe Glaube
verstärkt und vermehrt wird.“209

Stefan der Erstgekrönte erbt als Nachfolger seines Vaters auch das vorhandene
Staatsarchiv. Somit kann er Nemanjas Einsatz für den rechten Glauben in der Vita
Simeons viel ausführlicher beschreiben.

Nachdem Nemanja von einem "rechtgläubigen Soldaten" unterrichtet wird, "dass ein
verhasster Glaube und eine dreimal verfluchte Ketzerei" in seinem "Herrschafts-
bereich Wurzel zu schlagen beginnt", beruft er "ohne zu zögern, in Eile seinen
Bischof Jeftimije, die Mönche mit ihren Hegumenoi, die hochwürdigen Priester, die
Ältesten des Volkes und seine Großen (des Landes), vom niedrigsten bis zum
höchsten"210.

In diesem kirchlich-staatlichen Sabor, den die meisten Kirchenhistoriker zwischen


1172 und 1180211 ansetzen, berichtet Nemanja den Anwesenden, wie er gerade
vernommen hat, dass "der Bösewicht vor kurzem hier Wurzel geschlagen, den

207
Hl. Sava, a. a. O., S. 36
208
Der ursprüngliche Nomokanon wurde bereits z. Z. des hl. Methodios im 9. Jh. in das Kirchslawische als eine
Sammlung kirchlicher und kaiserlicher Normen und Gesetze übersetzt. Der heilige Sava hat im Kloster
Studenica und im Kloster Philokalou in Thessalonike weitere Kanones und Kommentare, wie z. B. den nach
Patriarch Photios benannten Nomokanon aus 883 u. a., übersetzt, bearbeitet und zusammengestellt, so dass ein
neuer Nomokanon, genannt „Krmčija bzw. Zakonopravilo Svetoga Save“ (Der Nomokanon des heiligen Sava)
entstanden und später für die serbische Kirche verbindlich geworden ist. Der Nomokanon des heiligen Sava wird
im 13. Jahrhundert auch in Bulgarien, Russland und Rumänien angewendet. Siehe dazu A. Solovjev, a. a. O., S.
32 und Enciklopedija pravoslavlja, Bd. 1, S. 1053-1054.
209
Zitat nach A. Solovjev, a. a. O., S. 30
210
Hl. Sava, a. a. O., S. 84
211
Vgl. J. Kalić, Stefan Nemanja u modernoj istoriografiji (Stefan Nemanja in der modernen
Geschichtsschreibung), …, S. 10. Der Sabor fällt in den Zeitraum nach der Schlacht bei Pantino und vor der
Krönung des Kaisers Andronikos.
54

Heiligen Geist gelästert, die unteilbare Gottheit geteilt, wie es der törichte Arius
lehrte, indem er die wesenseinheitliche Dreifaltigkeit gespalten"212 hatte.
Es wird angenommen, dass Nemanja diese Definition der bogomilischen Häresie von
seinem griechischen Bischof Jeftimije (Euthymios) übernommen hat, der sich wohl
für den Sabor und die Auseinandersetzung mit der gefährlichen, „radikal
kirchenfeindlichen Sekte“213 mit dem Werk Panoplia Dogmatica des Euthymios
Zigabenos vorbereitet hat214.

Laut der Beschreibung Stefan des Erstgekrönten hat es in diesem Sabor eine
Beratung bzw. einen Disput oder eine Art Gerichtsverhandlung über den Irrglauben
gegeben, denn er schildert ferner, wie eine Adelsfrau vor dem Rat über den
Irrglauben ihres Ehemanns berichtet:
"Fürwahr, mein Herr, laut Ehegesetz hatte man bei meinem Vater, deinem Diener,
um meine Hand angehalten, er war der Meinung, in deinem Reich gäbe es nur eine
Religion. Ich geriet jedoch an Ketzer und sah, dass sie in Wirklichkeit dem Satan
selbst dienen, der von der Ehre Gottes abgefallen ist... Und der Heilige stellte sie vor
seinen Rat, der zusammengetreten war, um über diesen teuflischen Unglauben zu
Gericht zu sitzen."215

Möglicherweise wollen die Bogumilen sogar einen politischen Umsturz in Serbien


durchführen. So ist S. Runciman z. B. der Meinung, dass sie „…die von ihren
Lehrern befohlene Politik des passiven Widerstands verwarfen und unter der
Führung einer Anzahl von Adligen zu den Waffen griffen“.216

Der eingesetzte Rat diskutiert nun „über diesen teuflischen Glauben“, entlarvt und
verurteilt die Irrlehren nach byzantinischen Vorbildern. Offenbar sind die Bogumilen
nicht bereit, die Beschlüsse anzunehmen und ihren Irrlehren abzuschwören bzw. das
Land freiwillig zu verlassen, denn sie „antworten auf die Beschlüsse des Sabor mit
einem Aufstand, so dass es in Nemanjas Land zu einem Glaubenskampf kommt.“217

212
Hl. Sava, a. a. O., S. 84
213
G. Ostrogorsky, a. a. O., S. 221
214
Vgl. A. Solovjev, a. a. O., S. 20. Auch H.-G. Beck, Kirche und ..., S. 341
215
Hl. Sava, a. a. O., S. 85
216
Vgl. S. Runciman, Häresie ..., S. 125
217
G. Mikić, Pregled istorije hrišćanske crkve, II. Srpska Crkva (Geschichtsübersicht der christlichen Kirche, II.
Die Serbische Kirche), Sremski Karlovci 1936, S. 11
55

Nemanja geht sodann hart und entschieden gegen die Ketzer vor. Er sendet seine
besten Soldaten und bestraft sie grausam, wie es die Gesetze seiner Zeit erfordern.

Stefan der Erstgekrönte schildert die Bestrafung trocken und ohne Beschönigungen:
"Die einen übergab er dem Feuertod, andere belegte er mit verschiedenen Strafen,
andere wiederum vertrieb er aus seinem Reich, beschlagnahmte ihr Hab und Gut
und verteilte es an Aussätzige und Bettler. Ihrem Lehrer und Führer schnitt er die
Zunge aus dem Gaumen, der Christus, den Sohn Gottes, nicht verkünden wollte. Die
ketzerischen Bücher verbrannte er, ihn vertrieb er des Landes und verbot, seinen
dreimal verfluchten Namen jemals wieder zu nennen oder seiner je zu gedenken.
Und mit Stumpf und Stiel rottete er diese verfluchte Ketzerei aus, dass sie in seinem
Reich niemals mehr jemandem in den Sinn komme..."218

Trotz dieser drastischen Maßnahmen und der Tatsache, dass die meisten Bogomilen
nach Bosnien und in andere Länder ziehen, sind sie in Serbien nicht gänzlich
vernichtet, so dass auch Nemanjas Söhne weiter gegen sie vorgehen müssen.
Das belegt u. a. auch die Ansprache des heiligen Sava am zweiten Tag des Sabors
im Kloster Žiča am 21. Mai 1221, die als die Unterweisung über den rechten Glauben
und die Verurteilung der bogomilischen Häresie bekannt ist.219

Die bogomilische Häresie hat über mehrere Jahrhunderte den orthodoxen Glauben
nicht nur in kleineren Staaten gefährdet, sondern auch ernsthafte Probleme im
byzantinischen Reich und in der lateinischen Kirche verursacht.
„Das große Verbreitungsgebiet … und die lange Dauer ihres Bestehens machen
diese religiöse Bewegung zum bedeutendsten religionsgeschichtlichen Phänomen
vor der Reformation und zur letzten religiösen Ost-Westbewegung.“220

Auch die lateinische Kirche verurteilt die bogomilischen Lehren in mehreren


Konzilien, gründet als Gegenbewegung zu den Bogomilen die Orden der
Dominikaner und Franziskaner und ruft schließlich mit den Verfolgungen der Sekte

218
Hl. Sava, a. a. O., S. 86
219
Vgl. dazu die Viten Savas von Domentijan und Teodosije. Siehe auch Srpski državni sabori u srednjem veku
(Die serbischen Staatsversammlungen im Mittelalter) von N. Radojčić. Am ersten Tag des Sabors wird Serbien
zum Königreich ausgerufen und Nemanjas Sohn Stefan zum König gekrönt.
220
Vgl. Hl. Sava, a. a. O., Anmerkung Nr. 62, S. 154
56

im Jahr 1233 die päpstliche Inquisition ins Leben.221

Diese Tatsachen verdeutlichen uns, welch große Bedeutung dem Kampf Nemanjas
gegen die Bogomilen nicht nur für die serbische Kirche zukommt, die ihm deshalb
große Hochachtung zollt.

Das ist auch daran zu erkennen, dass der erwähnte Sabor gegen die Bogomilen
ikonographisch in vielen Kirchen und Klöstern Serbiens dargestellt ist, wie z. B. in
dem Kloster Sopoćani222 oder in der Kirche des heiligen Achillios in Arilje223.
In Arilje ist Nemanjas Sabor unter dem Ersten ökumenischen Konzil als eine klare
Gegenüberstellung der Rechtgläubigen und der sogenannten „Halbgläubigen“
dargestellt.224

Auch in Sopoćani ist neben den sieben ökumenischen Konzilen der Sabor des
Stefan Nemanja gegen die Bogumilen zu sehen. „Zweifellos wollte man durch die
Einführung eines einheimischen Sabor in den Zyklus ökumenischer Konzilien
hervorheben, wie bedeutend Nemanjas Bestrebungen sind, den rechten Glauben zu
bewahren und die Häresie im serbischen Staat auszurotten.“225

3. Abdankung und Thronnachfolge

In den letzten Jahren seiner Herrschaft sorgt Nemanja dafür, dass sein wieder
aufgerichtetes „Ahnenerbe“ in sicheren Händen bleibt, und der rechte Glaube in
seinem Land noch stärkere Wurzeln im Volk schlägt. Seine Brüder Stracimir und
Miroslav verwalten die Gebiete um Morava, Zahumlje/Hum und die Gegend um den
Fluss Lim. Zahumlje/Hum wird 1190 Nemanjas jüngstem Sohn Rastko zugeteilt,226
der sich jedoch nicht lange den weltlichen Aufgaben eines Prinzen widmet, sondern
Ende 1191/Anfang 1192 nach Athos flüchtet, um Mönch Sava zu werden.227

221
Ebd.
222
Das Kloster Sopoćani wurde 1265 von König Stefan Uroš I. gestiftet. Es liegt 16 km von Novi Pazar entfernt
und steht als Weltkulturerbe unter UNESCO-Schutz. Über Sopoćani ist zahlreiche Literatur vorhanden, hier B.
Živković, Sopoćani, Crteži fresaka, Beograd 1970
223
Die Kirche aus 1296 ist eine Stiftung des Königs Stefan Dragutin. Mehr bei B. Živković, Arilje, Raspored
fresaka, Beograd 1970
224
Vgl. Z. Gavrilović, a. a. O., S. 287
225
Vgl. Z. Gavrilović, a. a. O., S. 285
226
Vgl. J. Kalić, Istorija... (Die Geschichte ...), S. 261
227
Ebd. Siehe auch V. Ćorović, a. a. O., S. 97
57

Nemanjas ältester Sohn Vukan kontrolliert das Küstenland Zeta mit Trebinje sowie
die Gebiete Toplica und Hvosno.

Ein wichtiger Grund für Nemanjas freiwilligen Rückzug von der Macht ist wohl auch
in der Heirat seines mittleren Sohnes Stefan mit der byzantinischen Prinzessin
Eudokia, der jüngsten Tochter des Kaisers Alexios III., zu suchen.
Es wird angenommen, dass diese Eheschließung nach der Schlacht an dem Fluss
Morava im Jahr 1190 stattfindet, dem letzten Kampf mit Ostrom, "der eine definitive
Bereinigung der Verhältnisse zwischen Nemanja und Byzanz"228 bringt.

Die auf der höchsten Ebene entstandenen verwandtschaftlichen Beziehungen zu


Byzanz bringen Serbien in eine ganz andere Position und verleihen seinen
Herrschern großes Ansehen. 229 Dass das Ansehen Nemanjas und seines
Herrscherhauses gewachsen ist, ist auch aus den in der Urkunde (1198) für Hilandar
enthaltenen Zeilen des byzantinischen Kaisers erkennbar, in den er Nemanja als
„ἐ εἐγενέστατος µέγας ζουπάνος τἐς Σερβίας καἐ ἐγαπηµένος συµπένθερος τἐς
βασιλείας µου„230 bezeichnet.

Ein weiteres Zeichen für die guten Beziehungen zu Byzanz ist auch in dem hohen
Titel des Sebastokrators zu sehen, den Kaiser Alexios III. seinem Schwiegersohn
Stefan verleiht. Einige Indizien und historische Zusammenhänge lassen sogar die
Möglichkeit zu, dass Nemanja die Verleihung des Sebastokrator-Titels an Stefan und
seine Thronnachfolge mit Kaiser Alexios vereinbart hat, um den byzantinischen
Schutz für Serbien längerfristig zu sichern.231

Die auf diese Weise geordneten politischen Verhältnisse im Land und friedliche
Zeiten tragen also zusätzlich dazu bei, dass Nemanja seine Entscheidung über die
Abdankung und den freiwilligen Rückzug von der Macht beruhigter treffen kann.232

228
Vgl. Hl. Sava, a. a. O., Anmerkung Nr. 45, S. 136. Von diesem Zeitpunkt der Heirat geht M. Laskaris
(Byzantinische Prinzessinnen im mittelalterlichen Serbien) aus. B. Ferjančić, setzt sie jedoch ins Jahr 1186 an.
229
Vgl. J. Kalić, Istorija... (Die Geschichte ...), S. 260
230
Vgl. Božidar Ferjančić, a. a. O., S. 41
231
Vgl. B. Ferjančić, a. a. O., S. 42-43
232
Vgl. K. Jireček, a. a. O., S. 159
58

Seine Abdankung und den Thronverzicht verkündet Nemanja selbst in einem


weiteren staatlich-kirchlichen Sabor, zu dem er alle wichtigen kirchlichen und
staatlichen Würdenträger einberuft.
Dieser der Reihe nach zweite Sabor in Nemanjas Leben findet nach Auskunft des
heiligen Sava am 25. März 6703 (1195) statt und wird ausführlich von ihm
beschrieben:

„Und so ließ er seine edelgeborenen Kinder und alle auserwählten Magnaten,


die höheren und die niederen, versammeln, und als er alle um sich vereinigt
hatte, hub er an, sie zu belehren: ´Meine teueren und von mir erzogenen
Kinder! Es ist euch allen bekannt, wie Gott in seiner Vorsehung mich berufen
hat, über euch zu herrschen, wie unser Land zu Beginn darniederlag, als ich
es erwarb, und wie ich mit Gottes und unserer heiligen Muttergottes Hilfe,
soweit meine Kräfte es vermochten, weder müßig ging noch mir Ruhe gönnte,
bis ich alles in Ordnung gebracht hatte. Und mit Hilfe Gottes vermehrte ich es
mir für euch in die Länge und Breite, was euch allen bekannt ist…Nun aber
lasst mich, euren Herrscher, in Frieden ziehen´,… Sie alle jedoch weinten sehr
und sprachen zu ihm: ´Lass uns Waisen nicht im Stich, o Herr, … Durch alle
deine 38 Jahre wurden wir behütet, gebildet und wir kannten keinen anderen
Herrn und Vater als dich, unsern Gebieter.“233

Mit ausgewählten Worten und sehr einfühlsam schildert der Heilige Sava den
Abschied seines Vaters von seinem Volk und den irdischen Sachen überhaupt.

Entgegen der üblichen Praxis bestimmt Nemanja seinen mittleren Sohn Stefan zum
Nachfolger und belehrt ihn, wie er die Regierungsgeschäfte führen soll. Dazu
schreibt der heilige Sava:
„… Und wie es der Wille Gottes war, wählte er den wohlgeborenen und geliebten
Sohn, Stefan Nemanja, den Schwiegersohn des von Gott gekrönten griechischen
Kaisers Alexios, und übergab ihnen diesen, indem er sprach: ´Diesen hier nehmet an
meiner Statt, er ist eine gute Wurzel, hervorgegangen aus meinem Leibe, und diesen
setze ich auf den Thron in dem mir von Christus verliehenen Reiche´, und er selbst
krönte ihn und erteilte ihm einen besonderen Segen, wie einst Isaak seinen Sohn
Jakob mit reichem Segen bedacht hatte, und begann ihn zu lehren, in seinem Reiche
bei jeder guten Sache Eifer zu zeigen, gutherzig der Christenwelt gegenüber zu sein,
die er als seine von Gott behütete Herde ihm übergebe…“234

233
Hl. Sava, a. a. O., S. 39-41
234
Hl. Sava, a. a. O., S. 41
59

Und als hätte Nemanja den zukünftigen Bruderzwist geahnt, sorgt er auch dafür,
dass sein ältester Sohn Vukan entsprechend gewürdigt wird und belehrt
anschließend beide Söhne innbrüstig:

„Und er segnete den zweiten edelgeborenen und geliebten Sohn, den Fürsten
Vukan, setzte ihn zum Großfürsten ein, übergab ihm genug Land und erteilte
ihm dieselben Ratschläge. Und der gütige Vater stellte beide vor sich hin und
sprach zu ihnen: ´Söhne, vergesset meiner Gesetze nicht, und euer Herz
möge meine Worte bewahren, so werden euch ein langes Leben, viele Jahre
des Lebens und Friedens beschieden sein. Barmherzigkeit und Glaube sollen
euch nicht verlassen, legt sie um euren Hals, schreibt sie euch auf die
Täfelchen eures Herzens, und ihr werdet Dank ernten, und denket Gutes vor
Gott und den Menschen; … Dieses Gebot gebe ich euch, es liebe der Bruder
den Bruder, und Haß soll es unter euch keinen geben. Diesem sowohl von
Gott als auch von mir auf meinen Thron Erhobenen sollst du, (Vukan),
untertan sein, und sei ihm gehorsam. Du aber (Stefan), der du regierst, füge
deinem Bruder kein Unrecht zu, sondern zolle ihm Achtung. Denn wer den
Bruder nicht liebt, liebt auch nicht Gott, …Wollt ihr es so und hört ihr auf mich,
werdet ihr irdische Güter genießen; seid ihr aber nicht willens und schenkt mir
kein Gehör, werden euch die Waffen verschlingen…´“235

Laut Sava verabschiedet sich Nemanja von allen Anwesenden, Fürsten und
Adeligen, Jünglingen, der geistigen Herde Christi, seinen „reichen und armen, jungen
und alten Kindern“, wünscht allen Gottes Frieden und belehrt auch sie.

Es ist anzunehmen, dass die vom heiligen Sava geschilderte Abdankung Nemanjas
deshalb umfangreicher und ausführlicher ist, weil er später die Einzelheiten von
seinem Vater, dann bereits jedoch Mönch Simeon, auf Athos hört, als die beiden im
Mönchsleben eng verbunden sind.236

Obwohl Zeuge des Geschehens, berichtet Stefan der Erstgekrönte über die
Abdankung seines Vaters und die eigene Thronübernahme nicht so ausführlich wie
sein Bruder, der heilige Sava:
„Nachdem er dieses Gebet beendet, rief er seine Gemahlin zu sich, seine
Söhne, seinen Bischof Kalinik, die Leiter der Regierungsämter, die Fürsten
seines Landes, welche den Verwaltungsbehörden vorstehen, die Wojwoden

235
Hl. Sava, a. a. O., S. 41-43
236
Vgl. M. Živojinović, Stefan Nemanja kao monah Simeon (Stefan Nemanja als Mönch Simeon), in Srpska
Akademija Nauka i Umetnosti (Hg.), Meñunarodni naučni skup: Stefan Nemanja – Sveti Simeon Mirotočivi,
istorija i predanje, (Serbische Akademie der Wissenschaften und Künste, Internationale wissenschaftliche
Konferenz: Stefan Nemanja – der Heilige Simeon der Myronströmende, Geschichte und Überlieferung),
Beograd 2000, S. 104
60

und Krieger und sprach zu ihnen: ´... Nun ist die Zeit da, das längst
Begonnene zu vollenden. Meine Herrschergewalt also gebe ich jenem, der
unter euch bleibt, auf dass er auf meinem Throne herrsche, und ich segne ihn
für euch mit jenem Segen, mit dem einst Gott die Nachkommen Jobs
gesegnet hat, damit er für immer unter euch die Herrschaft innehabe.´ Und er
stand von seinem Throne auf und übergab ihn diesem mit dem gebührlichen
Segen.“237

4. Nemanja wird Mönch Simeon

In Byzanz ist seit dem 10. Jahrhundert der Brauch bekannt, dass sich die Herrscher
zu Ende ihres Lebens ins Kloster zurückziehen, und zwar nicht in irgendein
beliebiges sondern eins, das sie selbst als ihre Stiftung erbauen lassen, für das sie
ein Typikon aufstellen sowie die Form der Erinnerung an den Stifter und seine
Familie festlegen und die Erben der Stiftung bestimmen.238

Auch im Mittelalter ist diese Praxis durchaus üblich. Deshalb ist es nicht
verwunderlich, dass in mehreren Quellen Hinweise dafür vorhanden sind, wie
Nemanja bereits vor seiner Abdankung daran denkt, Mönch zu werden.
Seine Söhne berichten übereinstimmend über diesen Wunsch Nemanjas.

Der heilige Sava beschreibt ihn folgendermaßen: „Nemanja, dieser fromme und
christusergebene Herr, der ehrwürdige Greis, bemühte sich, zur Zahl der am Tage
des Schrecklichen Gerichts Gott Wohlgefälligen zu gelangen, für sich Möglichkeiten
zu schaffen, den paradiesischen und unaussprechlichen Aufenthaltsort zu erhalten
und, wonach sein Inneres am meisten verlangte, den engelhaften und
apostelgleichen Stand zu empfangen… Solches also begehrte unser gottgeliebter
Vater und Stifter zu empfangen, und er wandte sich an den allergütigsten Herrn und
Gott mit der Bitte, er möge ihm seinen Wunsch nicht versagen.“239

Stefan der Erstgekrönte beschreibt, wie Nemanja während des langjährigen Baus
von Studenica betet: "Lass deshalb, o Herr, auch mich Elenden, der auf deine

237
Hl. Sava, a. a. O., S. 94-95
238
S. Ćirković, Srbi u ... (Die Serben im ...), S. 126
239
Hl. Sava, a. a. O., S. 37-38
61

Barmherzigkeit baut, nicht im Stich, verwirf mich Sündigen nicht, sondern habe
Erbarmen, Erlöser, mit deinem Geschöpf, damit es, nachdem es den Flitter dieser
Welt abgestreift, dir nachfolgt und dankbar lobpreiset deinen heiligen und
wohlgefälligen Namen, den Vater, Sohn und den Heiligen Geist, jetzt und
immerdar."240

Von Domentijan erfahren wir ferner, dass Sava während seines Mönchslebens auf
dem Athos in ständigem Kontakt mit seinem Vater steht und in einem der Briefe den
Wunsch äußert, dass sowohl Nemanja als auch seine Mutter Ana die monastischen
Gelübde ablegen sollen.241

Aber auch Nemanja selbst unterrichtet während seiner Abdankung die Anwesenden,
dass er seit langem den Wunsch hat, Mönch zu werden: „Priester, Freunde und
meine Brüder! Es sei euch kundgetan, von meiner Jugend an trug ich den heißen
Wunsch in meinem Herzen, den Geboten meines Herrschers zu folgen…“242

Die drei Biographen Nemanjas (der heilige Sava, Stefan der Erstgekrönte und Mönch
Domentijan) schildern ferner, dass Nemanja von Rascziens Bischof Kalinik zum
Mönch geweiht bzw. in den kleinen und großen Mönchsstand aufgenommen wird.243

Die zwei Profeßstadien im Mönchtum der Ostkirche sind an den entsprechenden


Mönchskleidern erkennbar, so dass ein Mönch das µικρόν σχἐµα oder das µέγα
σχἐµα trägt und folglich als µικρόσχηµος bzw. µεγαλόσχηµος bezeichnet wird.244

Stefan der Erstgekrönte überliefert uns sogar, wie die Handlung der Mönchsweihe an
seinem Vater vollzogen wird. Nemanja wendet sich an den Bischof:
"… Zum Bischof aber sprach er: ´Tritt näher und erfülle mir den Wunsch.´ Und auf
diese Weise empfing er aus dessen Hand den engel- und apostelgleichen Stand in
Andacht und gemeinsam mit seiner ihm von Gott angetrauten Gemahlin.“245

240
Hl. Sava, a. a. O., S. 91
241
Vgl. N. Velimirović, a. a. O., S. 44
242
Hl. Sava, a. a. O., S. 94
243
Vgl. M. Živojinović, a. a. O., S. 105
244
Vgl. H.-G. Beck, Kirche …, S. 131-132
245
Hl. Sava, a. a. O., S. 95
62

Obwohl in der orthodoxen Kirche die Mönchsweihe als ein Übertritt des Menschen in
das „engel- und apostelgleiche“ Leben bezeichnet wird, sehen einige Kirchen-
historiker in diesen auf Nemanja bezogenen Begriffen auch eine besondere
symbolische Bedeutung.
Wie einem Apostel werden auch Nemanja, und somit natürlich auch dem Mönch
Simeon, die Eigenschaften des Führers und Lehrers seines Volkes zugeschrieben.246

Von den drei Biographen erfahren wir nicht, in welcher Kirche die Mönchsweihe
stattfindet. Aufgrund der Tatsache jedoch, dass der Bischof von Rasczien Kalinik die
Mönchsweihen von Nemanja und seiner Frau vornimmt, ist davon auszugehen, dass
diese in der Petruskirche in Ras, dem Bischofssitz, am zweiten Tag des Sabor
vollzogen werden, obwohl es auch Meinungen gibt, dass die Mönchsweihen im
Kloster Studenica stattfinden.247

Zu seinem Mönchsnamen wählt Nemanja den Namen Simeon (Symeon) nach


Simeon Bogoprimac, dem heiligen Greis aus Jerusalem, der viele Jahre auf die
Darstellung Christi wartet und nicht eher sterben kann, bis er Christus in seinen
Armen hält.

Nemanja beschreibt in der Schenkungsurkunde für das Kloster Hilandar die Erfüllung
seines lang ersehnten Wunsches, Mönch zu werden, mit den folgenden Worten:
„Und Christus befand mich Sündiger seines guten Jochs für würdig und machte mich
zum Mitglied des ehrwürdigen und engelhaften und apostelgleichen kleinen und
großen Standes.“248 So ist Nemanja den byzantinischen Vorbildern seiner Zeit und
dem Beispiel seines jüngsten Sohnes gefolgt und ist selbst nach einer langen
Herrscherzeit Mönch geworden.

Als Vorbereitung für diese wichtige Entscheidung stiftet er früher schon das Kloster
Studenica und bestimmt es als seine Grabstätte und die Grabstätte seiner
Nachfolger, die jedoch in Anlehnung an Nemanja eigene Kirchen und Klöster
stiften.249

246
Vgl. M. Živojinović, a. a. O., S. 105
247
Vgl. M. Živojinović, a. a. O., S. 106. D. Bogdanović, V. J. ðurić, D. Medaković, Hilandar, Heiliger Berg
1997, S. 36
248
Zitat nach: M. Živojinović, a. a. O., S. 104
249
S. Ćirković, Srbi u ... (Die Serben im ...), S. 126
63

a) Simeons Leben in Studenica

Offenbar begeben sich Simeon und Anastasija kurze Zeit nach ihren Mönchsweihen
in ihre Klöster, Simeon in das Kloster Studenica und Anastasija in das Kloster des hl.
Nikolaos bei Kuršumlija, ebenfalls von Nemanja gestiftet, in welchem sich der
Bischofssitz von Toplica befindet.

Dazu schreibt der heilige Sava: „Nachdem dies alles vollbracht war, kam unser Vater
und Herr in unser Kloster zur heiligen und wundertätigen Gottesmutter, das er erbaut
hatte, und die Herrin Anastasia begab sich zur heiligen Gottesmutter in Ras.“250

Der Bau der Carska lavra (Zarenkloster) Studenica, das heute noch zu einem der
bedeutendsten serbischen Klöstern überhaupt zählt, beginnt mit dem Bau der
Gottesmutterkirche nach 1183 und dauert mehrere Jahre. Es wird angenommen,
dass einige Abschlussarbeiten in die Zeit fallen, als Nemanja sich als Mönch Simeon
in das Kloster begibt.251

Als Stifter des Klosters ist er offensichtlich berechtigt, den Hegumenos zu


bestimmen. Obwohl in den Quellen nicht ausdrücklich festgehalten, spricht vieles
dafür, dass er während seiner Zeit in Studenica selbst als Abt das Klosterleben
leitet.252

Der heilige Sava beschreibt, wie sich Simeon in Studenica "vervollkommnet in jeder
Art von Frömmigkeit und Tugend und alle durch seine geistlichen Übungen belehrt"
und die Mönchsgemeinschaft vermehrt.253

Bald jedoch erwacht in ihm der Wunsch, sein Mönchsleben auf dem Heiligen Berg
Athos fortzusetzen.
Diese zweite Stufe in Simeons monastischem Leben begründet der heilige Sava mit
der Heiligen Schrift: „Verlasset eure Plätze und euere Heimat, denn kein Prophet
wird in seinem Vaterlande aufgenommen“254.

250
Hl. Sava, a. a. O., S. 45. Siehe auch Anmerkung Nr. 36, S. 135
251
Vgl. M. Živojinović, a. a. O., S. 102
252
M. Živojinović, a. a. O., S. 107
253
Hl. Sava, a. a. O., S. 46
254
Ebd. Vgl. Dazu Mt 13,57; Mk 6,4; Lk 4,24; Joh 4,44.
64

Aber auch das große Ansehen, das der Heilige Berg in der christlichen Welt genießt
und der Wunsch Simeons, sein Lebensende mit dem jüngsten und am meisten
geliebten Sohn zu verbringen, spielen eine große Rolle:
"Deshalb erfasste den gottgefälligen Herrn Simeon der Wunsch, von hier
wieder fortzuziehen und zu pilgern, um an sich selbst alles Gesagte zu
erfüllten, und er fand den Ausspruch, welcher besagt:´ Jene, die auf Gott
vertrauen, machen sich dem Heiligen Berg gleich, den Angriff der Feinde ganz
und gar nicht zu erschüttern vermögen.´ darum also strebte er fort, erstens
des heiligen Ortes wegen und den zweiten Grund will ich euch in Kürze
mitteilen: Dieser unser seliger Herr Simeon hatte drei Söhne: Der eine, jüngste
- ich kann ihn nicht einen Sohn nennen, sondern einen Knecht -, ihn liebte er
am meisten, und dieser war für ihn auch ohne Unterlass tätig... Deshalb also
erwachte im seligen Vater und Herrn Simeon der Wunsch, sich auf den
heiligen Berg zu begeben, um dort wie ein guter Hirte nach dem verlorenen
Lamme zu suchen, der es auf die Schulter nimmt und es zu seinem Vater an
sein Wunschziel bringt, damit er von Gott einen Lohn für das Verlassen der
Seinen erhalte, der zweite Wunsch seines Herzens in Erfüllung gehe und er
sein geliebtes und verirrtes Lamm wieder finde."255

Stefan der Erstgekrönte berichtet, dass Simeon zunächst Sava in einem Brief über
seine Mönchsweihe informiert, und dass darauf hin der jüngste Sohn ihn zu sich
nach Athos einlädt:
"Wisse, mein Geliebter in Christus, um was ich gebeten und was ich
gewünscht und wonach ich mit aller meiner Kraft, mit meiner ganzen Seele
suchte, jetzt hat sich mein Schöpfer meiner erbarmt und hat mich nicht nach
meinen Missetaten, sondern auf Grund seiner übergroßen und
unaussprechlichen Barmherzigkeit und Liebe zu den Menschen für seinen
heiligen Engelstand, den ich mir ersehnte, für würdig befunden. So freue auch
du dich in meinem Namen und bete auch du in meinem Namen bei deinem
Herrscher, weil er mich noch in zwölfter Stunde ausersehen hat, einzutreten,
um mit dir zugleich zum Arbeiter im Weinberge Christi zu werden und dafür
auch meinen Lohn zu empfangen.´ Der genannte Sava erfreute sich im Geiste
.... und er schrieb ihm seine Botschaft. ´Komme nur, mein Herr, wahrer
Diener meines Herrschers. Komme nur, Ehrwürdiger, dein Herr harret deiner
und hat dir die beste Unterkunft bereitet, denn jene, die auf ihn bauen, werden
nicht zuschanden werden."256

Nachdem Simeon etwa eineinhalb Jahre in Studenica verbringt, verkündet er in einer


Versammlung seinen Entschluss, seinem jüngsten Sohn Sava nach Athos zu folgen.
Vor seinem Aufbruch ernennt er den Priestermönch Dionisije zum Hegumenos von
Studenica, segnet seine Söhne Vukan und Stefan zum zweiten Mal und ermahnt den
neuen Herrscher Serbiens, sich neben der anderen Pflichten auch um das Kloster

255
Hl. Sava, a. a. O., S. 46-47
256
Hl. Sava, a. a. O., S. 95-96
65

Studenica zu kümmern.257
Schließlich bricht er am 8. Oktober 1197 in Begleitung des neuen serbischen
Großžupans Stefan und zahlreicher Fürsten und Würdenträger in Richtung der
serbisch-byzantinischen Grenze auf mit "viel Gold, Gold- und Silbergefäßen, um
diese an Klöster und Einsiedler zu verteilen...", wie Teodosije berichtet.258

Auch der heilige Sava gibt dieses Datum als Zeitpunkt für den Antritt der Reise
Simeons an. Diese Zeitangabe gilt als zuverlässig und wird nicht von den
Wissenschaftlern in Zweifel gezogen.

b) Ankunft auf dem Heiligen Berg Athos

Nemanjas Reise zum Heiligen Berg dauert fast einen Monat. Der heilige Sava hält
fest, dass "der Selige den heiligen Berg im Monat November, am zweiten Tage"
erreicht und sich "zunächst im Kloster Vatopedi niederlässt", wo sich auch sein
jüngster Sohn befindet.259 Die Begegnung zwischen Vater und Sohn, die sich zuletzt
als Großžupan Nemanja und Prinz Rastko vor gut sechs Jahren trennen, und nun
als Mönch Simeon und Mönch Sava gegenüberstehen, ist für beide überwältigend260.

Sie ist außerdem ein weiterer Wendepunkt in Nemanjas Leben, denn er, der
physische Vater seines Sohnes, wird nun zu Savas geistigem Kind. Auf dem Heiligen
Berg, in der geistlichen Welt, vollzieht sich eine beachtliche Wendung im Leben von
Vater und Sohn, so dass nun der Sohn zum geistigen Vater seines Erzeugers wird.

Simeon und Sava zeigen „der Welt das feinste Modell von Sohnes- und Vaterliebe.
Der Sohn der Natur nach wurde zum Vater im Geiste für seinen irdischen Vater
gemäß dem biblischen Spruch: ´Anstelle Deiner Väter werden Dir Söhne sein´
(Ps 45,17).“261

Diesen bemerkenswerten und seltenen Umstand bemerkt auch Kaiser Alexios III.,
der ihn in dem einleitenden Satz seiner Chrysobulle für das Kloster Hilandar aus Juni

257
Vgl. Hl. Sava, a. a. O., S. 48. Auch M.Živojinović, a. a. O., S. 107
258
M. Živojinović, a. a. O., S. 107
259
Vgl. Hl. Sava, a. a. O., S. 48
260
Die Begegnung ist ikonographisch im Kloster Vatopedi festgehalten und auch heute noch zu sehen.
261
N. Velimirović, a. a. O., S. 58
66

1198 wie folgt umschreibt:


„Sava ging seinem Vater auf dem Weg des monastischen Lebens voraus, und so ist
der Sohn zum Vorgänger/Führer des Erzeugers seines körperlichen/physisichen
Wesens im geistigen Leben geworden (προέδροµε δἐ οἐτος, ἐ Σάβας δηλαδή, τοἐ
πατρἐς αἐτοἐ εἐς τἐν κατἐ τἐν µονήρη βίον ἐδόν, καἐ γέγονε τἐ τἐς κατἐ
σάρκα ζωἐς αἐτοἐ αἐτίἐ προαγωγἐς εἐς τἐν κατἐ πνεἐµα διαγωγἐν ἐ
υἐός.)“262

Die Neuankömmlinge werden in Vatopedi von dem Abt und seiner Bruderschaft mit
Ehrerbietung und Freude empfangen. Sogar aus Karyes kommen der Protos
persönlich und auch die Äbte und Mönche anderer Klöster.
Zweifellos ist die Ankunft Simeons „ein großes Ereignis in der Geschichte des
Heiligen Berges, denn niemals zuvor war ein großer Herrscher irgendeines
orthodoxen Landes gekommen, um im Reich der Heiligen Jungfrau als Mönch unter
armen Mönchen zu leben.“263

Aber Simeon kommt nicht alleine, mit ihm kommen auch weitere Mönche, ehemalige
serbische Fürsten, die sich an ihrem früheren Herrscher ein Beispiel nehmen und
ihm auch in das Mönchsleben folgen, sowie zahlreiche andere Begleiter. Domentijan
beziffert sogar die neuen Anwohner des Heiligen Berges: „Und so kam er auf den
Heiligen Berg zu der Heiligen Gottesmutter von Vatopedi und brachte 300
auserwählte Diener mit sich, sowie andere.“264

Wie uns Domentijan und Teodosije berichten, beschenken die neu angekommenen
Mönche das Kloster Vatopedi mit "zwei Gefäßen Gold- und Silbermünzen, Gold- und
Silbergeschirr, Arbeitseseln, Pferden und vielen anderen nützlichen Sachen.“265

Domentijan berichtet weiter, dass die neuen serbischen Mönche mit den
mitgebrachten Arbeitern gleich umfangreiche Bauarbeiten im Kloster vornehmen.
Sie errichten Räumlichkeiten für ihre Unterkunft, erneuern das zerstörte, zu Vatopedi
gehörende und dem heiligen Greis Simeon gewidmete, Kloster in dem Ort

262
Zitat aus M. Živojinović, a. a. O., S. 102
263
N. Velimirović, a. a. O., S. 48
264
Zitat aus R. Marinković, a. a. O., S. 131
265
M. Živojinović, a. a. O., S. 107
67

Prosphoros, errichten viele Weinberge und nehmen in Vatopedi selbst viele


Verbesserungen vor, wie z. B. im Speisesaal.266

Etwa im Herbst desselben Jahres äußert Simeon den Wunsch, alle Klöster und
Kirchen auf dem heiligen Berg zu besuchen. Mit dem Segen des Hegumenos von
Vatopedi macht er sich mit Sava auf den Weg.

Die Vitenschreiber Domentijan und Teodosije heben besonders die Besuche


Simeons und Savas in Karyes, dem Verwaltungszentrum des Heiligen Berges und
Sitz des Protos, sowie in den altehrwürdigen Klöstern Iviron und der Große Lavra
hervor. Alle diese besuchten Klöster beschenken sie großzügig und werden als
Zweitstifter in ihre Diptycha aufgenommen.267

c) Die Erbauung des Klosters Hilandar268

Bei dieser Reise durch Athos bemerken Simeon und Sava das von Seeräubern
zerstörte, kleine griechische Kloster Hilandar269, und in ihnen erwacht der Wunsch,
es zu erneuern. Als sie außerdem erfahren, dass es auch nichtgriechische Klöster
auf Athos gibt, sind beide durch Gott inspiriert - wie uns Teodosije und Domentijan
berichten -, von dem Gedanken ergriffen, ein Kloster für serbische Mönche zu
gründen, was der Rat der Athos-Hegumenoi trotz des anfänglichen Widerstands aus
Vatopedi genehmigt.270

Nach der zweiten Reise durch den Heiligen Berg, die Simeon als bereits sehr
geschwächt auf einer Trage liegend unternimmt, entscheiden sich Vater und Sohn
definitiv für das Kloster Hilandar als die zukünftige Stätte serbischer Mönche auf
Athos.

266
M. Živojinović, a. a. O., S. 109
267
M. Živojinović, a. a. O., S. 110
268
Ein Teil des Klosterkomplexes ist im Anhang auf der Seite 104 abgebildet.
Zahlreiche Begleitobjekte wurden vor 3 Jahren in einem Großfeuer vernichtet oder beschädigt, die wichtigsten
Klosterteile konnten jedoch gerettet werden.
269
Hilandar wird zum ersten Mal 1076 als ein zerstörtes, „vollkommen verwaistes und verlassenes“ griechisches
Kloster erwähnt. Sein ursprünglicher Stifter war wahrscheinlich ein gewisser Mönch Georgios Chelandarios.
Vgl. D. Bogdanović, V. J. ðurić, D. Medaković, Hilandar, Heiliger Berg 1997, S. 36
270
M. Živojinović, a. a. O., S. 110
68

Den Wunsch, Hilandar wieder aufzubauen, trägt Sava anlässlich seines Aufenthaltes
in Konstantinopel dem Kaiser der Rhomäer vor, allerdings soll Hilandar zuerst noch
zu Vatopedi gehören. Im Juni 1198 erlässt der Kaiser Alexios III. eine neue
Chrysobulle, wonach das Kloster Hilandar und das umliegende Gebiet endgültig zum
serbischen Besitz werden und unter die Herrschaft und Verwaltung serbischer
Mönche fallen, welche im Kloster das Mönchsleben für Menschen aus Serbien
organisieren sollen.271

Der heilige Sava beschreibt die Erbauung von Hilandar folgendermaßen: "... Im
Seligen erwachte der Wunsch, wie er hier im Lande sein Herrschertum unter Beweis
gestellt, so auch dort einen Ort des Heiles für alle von überall her Kommenden zu
schaffen. Und er erbat sich vom Kaiser Kir Alexios, seinem Verwandten, ein Stück
ödes Land für die Errichtung eines Klosters auf dem heiligen Berge. Und er nahm
mich, den Sündigen, aus Watopedi nach diesem Orte mit, und wir beide ließen uns
hier nieder."272

Stefan der Erstgekrönte beschreibt die Suche nach einem geeigneten neuen Kloster
wie folgt: "Als mein Herr, dieser Heilige, angekommen war, wurden alle Klöster, vom
größten bis zum geringsten - er ließt keines von ihnen aus - von ihm mit allen
erdenklichen Geschenken ihrem Range nach bedacht, und überall ließ er sein Licht
anzünden und sich in die Brudergemeinschaft aufnehmen, was bis zum heutigen
Tage besteht. Hierauf fand er eine verlassene Stätte mit dem Namen Chilandar,
geweiht der Reinigung unserer allerheiligsten Gebieterin..."273

Als nun die Bauarbeiten am Hilandar bereits laufen, sendet Simeon den Mönch
Metodije zum Großžupan Stefan nach Serbien und fordert von seinem Sohn
materielle Unterstützung für den Wiederaufbau des Klosters. Darüber berichtet
Stefan der Erstgekrönte:

"... und es sandte dieser heilige und ehrwürdige Greis, von Sava Vater
genannt, zu seinem Sohne, den er in seinem Vaterlande zurückgelassen
hatte, um über das gesamte Serbenland zu herrschen, die Botschaft, er möge
ihnen beiden (Simeon und Sava) genügend Mittel für die Errichtung und

271
Ebd. Die erste Chrysobulle hat der Kaiser Anfang 1198 erlassen.
272
Hl. Sava, a. a. O., S. 48-49
273
Hl. Sava, a. a. O., S.97
69

Erneuerung der Kirche der Allerheiligsten schicken, mit den Worten: `Geliebter
Sohn und Diener Christi, dies sei dir kund: Da dich der Herr und Gott und die
Allerheiligste nach ihrem Willen und mit meinem Segen zurückließen, dort zu
regieren, schreibe ich dir, daß ich mitten auf dem heiligen Berge eine
verlassene Gnadenstätte, geweiht der Reinigung der Gottesmutter, genannt
Chilandar, gefunden habe. Zögere nicht, sondern setzte alle deine Kraft daran,
dieses Heiligtum der Allerheiligsten zu meinem Andenken in diesem Lande
und nach mir für dich, deine Kinder und Enkel, dein Geschlecht und die
Nachkommenschaft bis in die Ewigkeit wieder aufzubauen."274

Da Großžupan Stefan "reichlich und massenhaft Geschenke für die Gründung und
die Fertigstellung des Heiligtums der allerheiligsten Gottesmutter, und zwar nicht nur
einmal, sondern jedes Jahr"275 sendet, schreitet der Wiederaufbau von Hilandar
schnell voran. So können bereits Mitte 1198 die ersten Mönche dort einziehen und
im Juli desselben Jahres zieht auch der greise Mönch Simeon aus Vatopedi zu ihnen
nach Hilandar.276

Im Auftrag Simeons macht sich Sava unermüdlich daran, möglichst viel Land mit
verlassenen Heiligtümern zu erwerben, um die Existenz Hilandars zu sichern und
das Kloster zu einem Selbstversorger zu machen. Rund um Hilandar kauft er in der
folgenden Zeit kleinere Klöster mit Ländereien, verlassene Kellia mit Ölbäumen und
Weinbergen in Milea und in Karyes.277

Trotz guter Fortschritte beim Wiederaufbau sendet Simeon den erfahrenen und an
der Erbauung von Hilandar beteiligten Mönch Metodije zum zweiten Mal nach
Serbien, zu seinem dort regierenden Sohn. Metodije soll dem Großžupan eine sehr
bedeutende Reliquie übergeben und ihn erneut um materielle Hilfe für Hilandar
bitten.

Bei der Reliquie handelt es sich nämlich um Nemanjas Brustkreuz mit der Partikel
des Kreuzes Christi, dem große Wunderkraft zugeschrieben wird: "Und wiederum
sandte der heilige Simeon ihn (Metodije) mit einem Segen auf den Weg zu seinem
Sohne und gab ihm das heilige und lebenspendende Kreuz des Herrn mit, auf dem
nämlich einst der Herrscher unserer Sünden wegen gehangen, das er als Herrscher

274
Hl. Sava, a. a. O., S. 97-98
275
Hl. Sava, a. a. O., S. 99
276
M.Živojinović, a. a. O., S. 111
277
Vgl. N. Velimirović, a. a. O., S. 52
70

selbst an seinem Halse getragen und mit dem er die feindlichen Widersacher besiegt
hatte..."278
Stefan der Erstgekrönte schildert sehr ausführlich, mit welchen Ehren er diese
bedeutende Reichsinsignie empfängt, die "nicht nur Kennzeichen der hohen Würde
des Herrschers, sondern auch Unterpfand und Siegel der Herrschaft"279 ist.

Wir erfahren diesmal jedoch nicht, wie viel er seinem Vater an materieller Hilfe
zukommen lässt. Es steht jedoch fest, dass Simeon nach dieser erneuten
Schenkung seines Sohnes aus Serbien in der zweiten Hälfte des Jahres 1198 die
Gründungsurkunde für Hilandar verfasst.
Eines der Hauptziele, das Simeon mit der Gründungsurkunde für seine letzte Stiftung
verfolgt, ist es, Besitztümer für Hilandar auch in Serbien zu begründen und somit
langfristig das Bestehen des Klosters zu sichern,280 nachdem die kirchenrechtliche
Frage der Unabhängigkeit durch die zweite Chrysobulle des Kaisers definitiv geklärt
ist.

5. Tod und Heiligkeit des ersten serbischen Nationalheiligen

Trotz seines fortgeschrittenen Alters und der Erkrankung handelt Simeon auch als
Mönch bis zuletzt, um nach seinem Tode auch in Hilandar geordnete Verhältnisse zu
hinterlassen.

Er und Sava sind als Stifter befugt, den Hegumenos zu bestellen und entscheiden
sich für den bereits erwähnten Mönch Metodije.

Der heilige Sava beschreibt das Wirken Simeons in Hilandar, das er persönlich erlebt
und mit ganzer Kraft unterstützt, wie folgt: "Und als er genug Mönche um sich
gesammelt hatte, setzte er einen ehrwürdigen Mann, den Mönch namens Metodije
(als Hegumenos) ein, und nachdem er für das Kloster und seine Inwohner alles
Erforderliche angeschafft hatte, verblieb er hier acht Monate und vollbrachte
Leistungen und unaussprechliche geistliche Übungen, die ein Menschenverstand

278
Hl. Sava, a. a. O., S. 101
279
Hl. Sava, a. a. O., S. 163, Anmerkungen 172-174. Neben der Lanze erhält Stefan nun die zweite wichtige
Reichsreliquie, die ihn „als rechtmäßigen Vertreter Christi ausweisen“ soll.
280
M.Živojinović, a. a. O., S. 111
71

nicht auszusagen vermag."281

a) Der Abschied zwischen Vater und Sohn

Nachdem er die Zukunft auch dieses Klosters bei seinen Söhnen absichert, stirbt
Simeon am 13./26. Februar 1199, nicht jedoch ohne vorher den bei ihm anwesenden
Sohn Sava belehrt zu haben.

Die Beschreibung der letzten Tage Simeons und die an Sava gerichtete Belehrung
bilden den literarischen Höhepunkt der Vita und lassen das besondere, innige
Verhältnis zwischen Vater und Sohn erkennen:
"Am 7. Tage des Monats Februar begann sein ehrwürdiges Alter etwas an Kräften zu
verlieren. Und gleich rief der selige Greis, der Herr Simeon, mich, den Unwürdigen
und in jeder Hinsicht Erniedrigten, und begann zu mir leise heilige, ehrwürdige und
süße Worte zu sprechen."282

In der ergreifenden Belehrung bezeichnet der Sterbende seinen Sohn als „mein
süßes Kind und Trost meines Alters“, „mein geliebtes Kind und Licht meiner Augen“,
„Trost und Beschützer meines Alters" und beschwört ihn, auf seine Worte zu hören.

So solle Sava sich nicht nur die allgemeinen Werte, wie Gerechtigkeit, Aufrichtigkeit
und Standhaftigkeit, aneignen, sondern sein "Herz mit mannigfacher Seelenkost
ernähren", richtige Lehren verbreiten, an die Ratschläge von Vater und Mutter
denken, sich "nicht unter Törichte" mengen, nach Weisheit suchen und statt Wissen
Verstand einsetzen.283 Die meisten der Ratschläge entlehnt Simeon den alt-
testamentlichen Büchern, wie z. B. "Der Weisheit Beginn ist die Furcht des Herrn“,
oder "Stelle nicht Böse bloß, auf dass sie dich nicht hassen; tadle einen Weisen, und
er wird dich lieb gewinnen."284

Simeon tröstet seinen Sohn wegen des baldigen Scheidens und segnet ihn: "Und er
hob seine reinen Hände, legte sie auf mein Haupt mit den Worten: ´Ich segne dich

281
Hl. Sava, a. a. O., S. 51
282
Ebd.
283
Ebd.
284
Hl. Sava, a. a. O., S. 52. Vgl. dazu Anmerkungen Nr. 137 ff., S. 143.
72

mit dem Segen; der Herr und Gott, der Gesegnete, möge dein Heil fördern und
anstatt irdischer Güter dir Gnade und das Himmelreich geben und deinen
Lebensweg ausrichten, der du von mir den Ausgang nimmst und den unzertrennlich,
hier wie dort, mein wenn auch sündiges Gebet begleitet.´ ".285

b) Der Abschied von den Athos-Mönchen

Am nächsten Tag bittet er Sava, nach den Athosmönchen zu rufen, damit er auch
von ihnen Abschied nehmen kann. Als sie dann ankommen, bittet Simeon sie, bis zu
seinem Begräbnis zu bleiben: "Verweilet bei mir, bis ihr mit euren heiligen und
ehrwürdigen Begräbnisgesängen meinen Leib besungen und ihn beigesetzt habt."286

Simeon nimmt "bis zu seinem Tode weder Brot noch Wasser zu sich, sondern nur
täglich die heiligen und allerreinsten Geheimnisse des Leibes und Blutes Gottes,
unseres Erlösers Jesus Christus."287

Am "22. des Monats", segnet er "zum letzten Male" alle, und bittet Sava, ihm die
Ikone der allerheiligsten Muttergottes zu bringen, womit wahrscheinlich die berühmte
wundersame Ikone der Bogorodica Trojeručica (Die dreihändige Muttergottes,
Tricherusa)288 gemeint ist, weil er gelobt habe, seinen Geist vor ihr aufzugeben.
Die letzte Anweisung Simeons lautet, dass ihm ein für das Begräbnis vorgesehenes
Mönchsgewand angezogen und sein Leib auf eine Matte auf dem Boden mit einem
Stein unter dem Haupt gelegt werde.

Dieses Bild des auf dem bloßen Boden liegenden alten Mannes muss auf die
Anwesenden eine tiefe Wirkung gehabt haben, die Sava so beschreibt:
"Denn wahrhaftig, ..., es war wie ein Wunder zu schauen: Jener, den alle fürchteten
und vor dem alle im Lande zitterten, war jetzt hier zu sehen, wie einer der Fremden,
arm, in einer Mönchskutte gehüllt, auf einer Matte auf der Erde liegend, mit einem

285
Hl. Sava, a. a. O., S. 53
286
Hl. Sava, a. a. O., S. 54
287
ebd.
288
Der Überlieferung nach soll die Ikone dem hl. Johannes von Damaskus gehört haben. Als ihm die Hand
wegen seiner Ikonenverteidigung abgehackt wurde, betete er vor ihr, und seine Hand wuchs wieder an. Aus
Dankbarkeit fügte der hl. Johannes an der Ikone noch eine dritte, silberne Hand hinzu. Der hl. Sava hat die
Tricherusa aus Jerusalem mitgebracht. Unklar ist, ob sie sich bei Simeons Tod bereits in Hilandar befand.
Vgl. Enciklopedija pravoslavlja (Die Enzyklopädie der Orthodoxie, Bd. 3, Beograd 2002, S. 1953
73

Stein unter dem Haupt, allen sich verneigend und demütig von allen Vergebung und
Segen erbittend."289

Simeon stirbt am nächsten Morgen und sein Sohn hört als letzte Worte aus seinem
Munde die Psalmverse: "Lobpreiset den Herrn in seinen Heiligen, lobpreiset ihn in
der Festigkeit seiner Herrschergewalt, …Lobet ihn ob seiner Kräfte, lobet ihn gemäß
seiner übergroßen Macht."290

Nach der Totenandacht und den Gesängen aller versammelten Mönche des Athos,
Griechen, Georgier (hiermit sind wohl Mönche des Iberer-Klosters Iviron, eines der
ältesten auf dem Athos gemeint), Russen, Bulgaren und Serben, legt Sava den
Leichnam in das vorbestimmte Grab.

Auch Stefan der Erstgekrönte beschreibt mit ähnlichen Worten den Abschied
Simeons von den Athos-Mönchen, sein Dahinscheiden und schildert, wie er zuletzt
die versammelten Mönche auffordert, die Totenliturgie anzufangen und sogar selbst
in seiner Todesstunde an den Gesängen teilnimmt.291

c) Simeons Heiligkeit

Sava muss sich von nun an allein um Hilandar kümmern und berichtet, wie schwer
ihm diese verantwortungsvolle Aufgabe fällt:

"Nachdem unser seliger Vater zum ewigen Frieden eingegangen war,


überließ er mir, dem Sündigen, durch Verfügung das Kloster mit der kleinen
Belegschaft, wie er es verlassen hatte, mit dem ehrwürdigen Mann, dem
Mönch namens Metodije und mit 15 Mönchen, mich eingerechnet. Große
Trauer und Angst überkamen mich, einerseits wegen des Verlassenseins,
anderenteils aus Furcht vor gottlosen Räubern. Aber dank der Liebe der
Gottesmutter und unserer Erzieherin, und dank den heiligen Gebeten des
Herrn Simeon wurde uns beschieden, dass dieses Haus von unscheinbaren
Anfängen zu großartigem Aussehen emporwuchs. Und nach kurzer Zeit
brachte ich eine 90köpfige Bruderschaft zusammen und richtete die gesamte
Verwaltung ein, die ein Kloster benötigt“.292

289
Hl. Sava, a. a. O., S. 55
290
Hl. Sava, a. a. O., S. 56
291
Hl. Sava, a. a. O., S. 107
292
Hl. Sava, a. a. O., S. 57
74

Als sich am 13./26. Februar nächsten Jahres erneut viele Athosmönche versammeln,
unter ihnen auch der Protos Dometios, um des Jahrestages des Entschlafenen zu
gedenken, geschehen wundersame Ereignisse.
Nur Domentijan berichtet in der Vita Savas, dass Sava die Heiligkeit seines Vaters
bereits durch Gott offenbart wurde, und wie er zu Gott betet, damit Er sie auch
anderen offenbare.293

Domentijan beschreibt, wie innbrüstig und leidenschaftlich Sava um ein Zeichen


Gottes betet und welche Schritte er in Erwartung des Wunders unternimmt. Sava
zelebriert mit seiner Bruderschaft mit Segen des Protos die Andacht für seinen Vater
im Pyrgos des heiligen Sabbas in „seiner Sprache“, während das der Protos neben
der Grabstelle Simeons in der Muttergottes Kirche in Hilandar in Anwesenheit vieler
Hegumenoi und anderer Mönche macht.294
Die zunächst unverständlichen Worte, die Sava an den Protos vor seinem Verlassen
der Kirche richtet: „Und wenn Gott Seinen Diener verherrlicht hat, werde ich mich zu
euch gesellen, wenn ihr mich ruft“295, begreift der Protos erst, als die in der Kirche
Versammelten das aus Simeons Grab reichlich fließende, wohlriechende Myron
bemerken.296 Der Protos lässt unverzüglich nach Sava rufen, salbt sich, dann Sava
und alle Anwesenden mit dem Myron, welches „… nicht nur aus den heiligen
Reliquien des seligen Diener Gottes, sondern auch aus dem trockenen Stein und aus
seiner an der Wand über seinem Grab gemalten Ikone“297 strömt.

So wird aus dem Jahresgedächtnis für den verstorbenen Simeon ein freudiger Tag
für alle Athos-Mönche, denn Gott hat „in seiner unermesslichen Gnade einen von
ihnen, einen armen Mönch, zu einem großen Heiligen erhoben, durch den der
Heilige Berg um eine Zierde reicher wurde, und dass es jetzt einen Fürsprecher mehr
für sie im Himmel gab.“298

Aus der Vita Savas von Domentijan erfahren wir, dass Simeon danach „… zum
heiligen Simeon dem Myronströmenden gesprochen wird. Der Protos und die

293
Vgl. N. Velimirović, a. a. O., S. 66
294
M. Živojinović, a. a. O., S. 111
295
Zitat nach J. Popović, Žitija svetih za mesec januar (Die Heiligenviten für den Monat Januar), Valjevo 1991,
S. 377
296
M. Živojinović, a. a. O., S. 112. Vgl. auch J. Popović, a. a. O., S. 377
297
Vgl. J. Popović, a. a. O., S. 378
298
Vgl. N. Velimirović, a. a. O., S. 67
75

anwesenden Mönche beauftragen Sava, eine Vita für den neuen Heiligen, die
entsprechende liturgische Heiligenfeier sowie Kanones und Sticheres zu seinen
Ehren zu schreiben“.299

Diese Angaben Domentijans über das Ausrufen zum Heiligen bzw. eine Art Simeons
Kanonisation werden von einigen Wissenschaftlern aus mehreren Gründen
angezweifelt. Zum einen ist diese Praxis in der byzantinischen Welt nicht vor „dem
letzten Viertel des 13. Jahrhunderts“300 üblich, unabhängig vom Rang der Institution,
welche diesen formellen Vorgang vollzieht. Gegen eine offizielle Ausrufung der
Heiligkeit Simeons spricht auch die Tatsache, dass weder Stefan der Erstgekrönte
noch Sava darüber berichten, außer dass Sava erwähnt, wie er nach acht Jahren
Simeons Körper „ganz und unversehrt“ vorfindet.301

Deshalb vertreten einige Kirchengeschichtler, wie z. B. ð. Trifunović und D. Popović,


die Meinung, dass Simeon in Hilandar zwar durch das Myronströmen, also durch
eines der wichtigsten Zeichen der Heiligkeit, als ein neuer Heiliger offenbart wurde,
dass es jedoch keinen formellen Akt der Ausrufung seiner Heiligkeit gegeben hat.302

Laut Domentijan findet die erste von Sava für den heiligen Simeon geschriebene
Andacht in Hilandar am 3. Februar, dem Tag des heiligen Greisen Simeon, im Jahr
1202 statt.303

Beim Schreiben der liturgischen Feier für seinen Vater orientiert sich Sava an der
Feier für den heiligen Symeon dem Styliten und übernimmt aus ihr die ersten zwei
Sticheron. Anstatt der Verse über die Säule setzt Sava neue „Verse über das
Vaterland, dem Nemanja sein Leben gewidmet hat“.304

299
Ebd.
300
Vgl. D. Popović, a. a. O., S. 354
301
Vgl. Hl. Sava, a. a. O., S. 58
302
Vgl. D. Popović, a. a. O., S. 353 ff.
In der lateinischen Kirche wurde die päpstliche Kanonisation als ein offizieller Akt, in welchem eine Person
zum/zur Heiligen erklärt wird, im Jahr 973 eingeführt. Vgl. D. Popović, Anmerkung Nr. 49, a. a. O., S. 354
303
Vgl. Enciklopedija pravoslavlja (Die Enzyklopädie der Orthodoxie, Bd. 3, Beograd 2002, S. 1744
304
Vgl. V. J. ðurić, a. a. O., S. 275
76

Die zwei geänderten Strophen handeln davon, wie „der heilige serbische Herrscher
im Vaterland den Weg für die Könige vorgezeichnet … und seine Herde zu dem
wahren Glauben ausgerichtet“305 habe.

Durch diese Änderungen will der heilige Sava gleich zu Beginn der liturgischen Feier
für seinen Vater den programmatischen Grundsatz festlegen, wonach „Simeon von
Serbien ein Vorbild für serbische Herrscher sein soll.“306
Dabei nennt Sava als Gründe für die Heiligkeit seines Vaters den Verzicht auf die
weltliche Herrschaft und seinen Dienst an Gott und den Besitzlosen.307

In diesem Sinne endet auch die liturgische Feier für den heiligen Simeon mit den
folgenden Worten:
„…Auf das Fasten und die Gebete hin,
auf die Almosen für die Besitzlosen,
die dein Gebieter angenommen,
wurde dir die Gnade verliehen,
und das heilige Grab deiner Reliquien
strömt das wohlriechende Myron,
Vater Simeon“308

Diese Verse erhalten noch mehr Gewicht vor dem Hintergrund, dass am Tag des
heiligen Simeon, dem 13./26. Februar, aus dem Matthäus Evangelium die Stelle über
das Weltgericht (25,31-46) gelesen wird.
Wahrscheinlich ist deshalb auch über dem Grab Simeons in der Gottesmutterkirche
in Studenica dieser Text in einem Buch abgebildet, das Jesus in seiner Hand hält.

Nemanjas Tugenden der Güte und Mildtätigkeit gegenüber Besitzlosen werden auch
von anderen Biographen als besondere Gründe für seine Heiligkeit hervorgeheben,
wodurch er als beispielhafter Herrscher in die serbische Geschichte eingeht.

Aber Simeon soll nicht nur für seine Nachfolger auf dem Thron ein Vorbild sein und

305
Ebd.
306
Ebd.
307
Vgl. V. J. ðurić, a. a. O., S. 269
308
Zitat nach V. J. ðurić, a. a. O., S. 270.
77

ihnen den Weg weisen, sondern auch für die Mönche. Ihnen soll er „ihr Vorsteher im
Vaterland“309 sein, denn er scheut in seinem monastischen Leben keine Mühen auf
dem Weg zur Vervollkommnung.

An die vom heiligen Sava aufgegriffene Anspielung auf die Leiter des Johannes
Klimakos, die sein Vater erklommen hat, um „in die Höhen zu steigen“, knüpfen auch
alle späteren Dichter und Künstler.

Es verwundert deshalb nicht, wenn Pilger, die an Simeons Grab in Studenica


verweilen und die Fresken betrachten, zu der festen Überzeugung gelangen, „dass
der heilige Simeon der Myronströmende Tugenden erreicht hat, mit welchen er den
Gläubigen seines Volkes eine zuverlässige Vertretung am Tag der allgemeinen
Auferstehung und des Endgerichts gesichert hat.“310

d) Die Wunder des heiligen Simeon

Während der heilige Sava in der Vita Simeons nicht über die von Gott durch den
ersten serbischen Heiligen vollbrachten Wunder spricht, beschreibt Stefan der
Erstgekrönte ausführlich, wie aus den Reliquien des heiligen Simeon wundertätiges
Myron fliesst. Wie es für eine Hagiographie üblich ist, berichtet der Herrscher auch
über die Wunder, die Gott über Simeon verrichtet, so z. B. wie ein Besessener und
ein Lahmer geheilt werden, und wie er selbst, sein Land und Volk, mehrfach durch
die Gebete des Heiligen Simeon von den Überfällen der Feinde geschützt werden.311

Von den insgesamt neun Wundern, die Stefan der Erstgekrönte systematisch
beschreibt, beziehen sich zwei auf Heilungen und die restlichen sieben auf den
Schutz und die Verteidigung des Volkes und der Dynastie vor feindlichen
Übergriffen.312
Die meisten der Wunder gehören also zu den sogenannten „negativen Wundern“, da
der Heilige die Feinde seiner Schützlinge bestraft bzw. tötet.313

309
Vgl. V. J. ðurić, a. a. O., S. 276
310
Vgl. V. J. ðurić, a. a. O., S. 277
311
Hl. Sava, a. a. O., S. 112-120
312
Vgl. D. Popović, a. a. O., S. 359-360
313
Ebd.
78

Wegen des Myronströmens, der Art der vollbrachten Wunder und der
Vaterlandsliebe wird der heilige Simeon vielfach in Zusammenhang mit dem
Megalomartyrer Demetrios314, dem Schutzpatron von Thessalonike, gebracht, der
ebenso zu den Myronheiligen (µυρόβλυτοι) gezählt wird.

Die bestehenden Parallelen zwischen den beiden Heiligen sind auch deshalb wichtig,
weil sie uns „aufzeigen, dass Anfang des 13. Jahrhunderts in der serbischen Mitte
die Bereitschaft vorhanden war, die wichtige theologische Regel über den
wechselseitigen Austausch von Eigenschaften und Funktionen der Heiligen sowie
ihrer Wunder anzunehmen, welche auf den Lehren des Apostel Paulus beruht, dass
die Gemeinschaft der Heiligen dem einen Leib, Christus und der Kirche, gehört.“315

6. Die zweite Bestattung Simeons

Als Konstantinopel im Jahr 1204 durch die Kreuzritter erobert wird, ändert sich die
politische Situation in Byzanz. Aber auch in Serbien trübt sich der von Nemanja
hinterlassene Frieden. Es kommt zu Auseinandersetzungen zwischen dem
regierenden Stefan und seinem Bruder Vukan, der ihm trotz Vaters Wunsch, den
Thron streitig macht, Stefan mit Unterstützung Ungarns und der römischen Kurie
angreift und ihn sogar aus dem Land vertreibt316. Die Brüder bekämpfen sich
unerbittlich mehrere Jahre.

Um seine Position zu stärken, bittet Vukan sogar den römischen Papst um die Krone
und ist bereit, bei seiner Machtübernahme der lateinischen Kirche beizutreten.317

Doch dieser Versuch misslingt, und Stefan gelingt es, seinen Thron wieder
einzunehmen und seine Herrschaft im gesamten Land erneut herzustellen.
Er schildert die inneren Wirren in Serbien ausführlich, beschwert sich über Vukans
Vorgehensweise, denn "...er führte Fremdlinge in sein Land, beraubte mich des

314
Der Kult des Großmartyrers, der 306 hingerichtet wurde, verbreitet sich im 5. Jahrhundert in seiner
Geburtsstadt, wo zu seinen Ehren eine Basilika erbaut wurde. Vgl. auch D. Obolensky, The Cult of St. Demetrius
of Thessaloniki in the History of Byzantine-Slav relations, Balkan Studies 15 (1974), 3-19.
315
D. Popović, a. a. O., S. 360
316
Hl. Sava, a. a. O., Anmerkung Nr. 193 f., S. 164
317
Vgl. S. Ćirković, Srbi u ... (Die Serben im ...), S. 58 f.
79

Landes und verwüstete es..."318 Stefan beruft sich "... auf den rechtmäßigen Segen"
und bittet Sava, "... die wohlriechenden Gebeine des Heiligen zu überbrigen, auf
dass sein Vaterland durch die Übertragung der Gebeine und durch die Ankunft
erleuchtet werde..."319

Sava schreibt nicht über den Grund des Bruderzwistes, er berichtet nur über den
gemeinsamen Wunsch der beiden älteren Brüder, welche die in fast vier Jahren
Bruderkrieg entstandenen Probleme nicht allein lösen können: "Deshalb bitten wir
dich inständig, um des Herrn willen, dass du uns nicht überhörst; nimm die
ehrwürdigen Gebeine unseres Herrn Simeon und bringe sie hierher, damit die
Wirkung seines Segens an uns offenbar werde."320

Nachfolgend beschreibt Sava, wie er diesen wegen der unsicheren und gefährlichen
Situation jener Zeit sehr riskanten Schritt dennoch wagt und durchführt:
"An einem für dieses Vorhaben günstigen Zeitpunkt ging ich hin und öffnete das
Grab des seligen Greises und fand seinen seligen Körper ganz und unversehrt,
obgleich er hier im Grabe bereits acht Jahre gelegen hatte...Und ich nahm seine
ehrwürdigen Gebeine und begab mich auf den Weg."321

Als Sava nun Anfang 1207322 mit den Reliquien Simeons in Begleitung einiger
Athosmönche in Serbien bei Hvostno/Hvosno im heutigen Metochien eintrifft, werden
sie von Stefan und Vukan, den Bischöfen und Priestern, vielen Mönchen und dem
Volk empfangen und bis zum Kloster Studenica begleitet, wo sie von dem
ehrwürdigen Abt Dionisije, den Nemanja einst selbst ernannte, empfangen werden.

In Studenica findet nun nach der langen Reise die zweite Bestattung Simeons statt.

318
Hl. Sava, a. a. O., S. 108
319
Hl. Sava, a. a. O., S. 109
320
Hl. Sava, a. a. O., S. 58
321
Hl. Sava, a. a. O., S. 58-59. Laut Überlieferung widersetzen sich die Mönche gegen Savas Vorhaben,
Simeons Reliquien nach Serbien zu überführen. Simeon erscheint ihnen jedoch im Traum und verkündet, dass
von nun an eine wundersame Weinrebe an der Kirchenwand wachsen werde, wo im Inneren sein Grab war.
Simeons Weinrebe trägt bis heute Früchte, und es gibt viele Zeugnisse von Gläubigen unterschiedlicher
Konfessionen, den sie bei Kinderlosigkeit geholfen haben.
Die an der Außenwand der Kirche der Reinigung der Gottesmutter wachsende Weinrebe des heiligen Simeon ist
im Anhang auf der Seite 105 zu sehen. An der gegenüberliegenden Innenwand befindet sich heute an der Stelle
von Simeons Grab ein Sarkophag.
322
Laut Savas Zeitrechnung würde es sich um das Jahr 1208 handeln. Ausgehend von dem wissenschaftlich
festgestellten Todesjahr Simeons 1199, kommen wir auf 1207 als das Jahr der Reliquienüberführung.
80

Stefan der Erstgekrönte schreibt dazu: "Als wir die heiligen Gebeine eingeholt hatten,
veranstalteten wir an Ort und Stelle eine Nokturne mit Psalmen und Liedern,
verrichteten die Totenliturgie und gaben das Geleit mit Beweihräucherung und
Wohlgerüchen zum vorbereiteten Grab bei der allerheiligsten Gottesmutter in
Studenica, das er sich selbst vorbereitet hatte, und legten die Gebeine feierlich ins
Grab, mit Dankgebeten den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist lobpreisend."323

Der heilige Sava ist hier noch präziser und nennt auch das Datum dieses
Ereignisses, welches heute als richtig gilt und nicht angezweifelt wird: "Und dies
geschah im Monat Februar, am 19. Tage."324

Als am Tag des heiligen Simeon, dem 13./26. Februar, nächsten Jahres aus
Simeons Grab in Studenica wohlriechendes Myron fliesst, ist seine Heiligkeit durch
Gott nun auch in Serbien offenbart. Im ganzen Land verbreitet sich diese Nachricht,
dass „Serbien einen himmlischen Beschützer und Fürsprecher vor Christus und der
Gottesgebärerin“325 erhalten hat.

Die Überführung der Reliquien Simeons bewirkt, dass alle Söhne Nemanjas nach
langer Zeit wieder zusammenkommen.

Stefan und Vukan versöhnen sich und Sava, der zu dem Zeitpunkt bereits die Würde
des Archimandriten326 trägt, bleibt auf Bitten des Großžupans Stefan bis 1217 in
Studenica, „um Frieden und eine Ordnung mit guten Gesetzen unter dem Volk“ 327
des Vaterlandes aufzurichten.

323
Hl. Sava, a. a. O., S. 110
324
Hl. Sava, a. a. O., S. 59
325
S. Ćirković, Srbi u ... (Die Serben im ...), S. 54-55
326
Sava wird von dem Protos Dometios und Bischof Nikolaos von Ierissos in Hilandar zuerst zum Diakon und
am nächsten Tag zum Priester geweiht. In Thessalonike wird er später durch den Metropoliten Konstantinos und
Bischof Nikolaos von Ierissos zum Archimandriten erhoben. Genaue Zeitangaben dazu sind jedoch nicht
überliefert. Vgl. N. Velimirović, a. a. O., S. 67-68
327
Vgl. N. Velimirović, a. a. O., S. 78
81

C) Die heutige Relevanz des Stefan Nemanja

Die heutige Relevanz des Stefan Nemanja in der serbischen Kirche ist auch nach
über acht Jahrhunderten unvermindert spürbar, und seine Gegenwart im serbischen
Volk gilt als selbstverständlich. Der aktuelle Stand und das Empfinden seiner
Heiligkeit sind auch deshalb von einer besonderen Bedeutung, weil sie uns zeigen,
wie sich die Serben in den vergangenen Jahrhunderten entwickelt haben und wie
ihre geistige Ausrichtung in dieser Zeit gewesen ist328.

I. Der Kult des heiligen Simeon

Zunächst ist festzuhalten, dass der Kult des heiligen Simeon „sicherlich aus den
besonderen Gegebenheiten und den Bestrebungen Serbiens nach Staatsgründung
zur Zeit des Übergangs aus dem 12. in das 13. Jahrhundert“329 hervorgeht.
Denn um als selbständiger Staat die volle Anerkennung zu finden, bedarf es neben
der eigenen, selbständigen Kirche auch der eigenen Heiligen.

Der Zusammenbruch der byzantinischen Staatsordnung im Jahr 1204 nach


Einnahme Konstantinopels durch die lateinischen Kreuzritter, und die Tatsache, dass
im 12. und 13. Jahrhundert nur wenige neue Heilige in der Ostkirche verherrlicht
werden, begünstigen die Entstehung des Kultes für den ersten serbischen Heiligen.

Simeons Kult entsteht in einer byzantinisch geprägten Welt, die seit den Anfängen
der Kirche heilige Männer und Frauen als Vorbilder für die Christen hervorbringt.
Und es entspricht dem Willen Gottes, Seine Heiligen in unterschiedlichen Epochen
der Geschichte auf eine wohl nur Ihm verständliche Weise den Menschen zu
offenbaren.

So ist mit der Zeit ein Bewusstsein entstanden, dass die Verherrlichung eines
Heiligen aus unterschiedlichen Elementen und Strukturen besteht, die sich zum

328
Vgl. Danica Popović, a. a. O., S. 349.
Auf diese Tatsache hat als erster S. Novaković in seinem Werk „Istorija srpske književnosti“ (Die Geschichte
der serbischen Literatur) hingewiesen.
329
Vgl. D. Popović, a. a. O., S. 350
82

einen auf der hagiologischen Ebene und zum anderen auf der historischen
widerspiegeln.330

Die ursprüngliche christliche Praxis, wonach die Verehrung der Heiligen spontan
zunächst in ihren lokalen Gemeinden wächst, nachdem Gott durch sie Wunder
vollbracht hat, ändert sich allmählich und wird „bereits in der mittelbyzantinischen
Epoche von einem erheblich komplexeren Verfahren verdrängt.“331
Dieses veränderte Verfahren zur Feststellung der Heiligkeit äußert sich im
wesentlichen in dem Auffinden der Reliquien, ihrer feierlichen Überführung und der
am Grab stattfindenden Wunder.

Somit ist der Kult des heiligen Simeon als das Ergebnis eines langen, allmählichen
Entwicklungsprozesses zu bewerten. Dieser Prozess setzt bereits vor seinem
Mönchsleben ein, nämlich zu Ende seiner fast vier Jahrzehnte währenden
Herrscherzeit, als es ihm gelingt, die inneren dynastischen Streitigkeiten zu beenden,
das Land zu einen, den rechten Glauben von häretischen Lehren zu verteidigen, in
tiefer Frömmigkeit unermüdlich imposante Gotteshäuser zu bauen und schließlich
„das höchste Ziel und das ideale Herrschaftsmodell zu erreichen – dem Staat
´Frieden und Ruhe´ zu geben.“332

Diese Verdienste sichern Nemanja schon eine dauerhafte Erinnerung und


Hochachtung seiner Nachfahren und würden eigentlich ausreichen, um ihn zu den
„heiligen Herrscher“ bzw. „gottesfürchtigen und frommen Königen und Fürsten“
hinzuzufügen.333

Aber sein Leben nimmt einen anderen Lauf, Nemanja hat höhere Normen zu
erfüllen, um zu bestätigen, dass er eines Heiligen würdig ist.

Seine Abdikation und die Annahme des Mönchsstandes sind der erste,
entscheidende Schritt in dieser Richtung. Nemanja erkennt, „wie alles menschliche

330
Vgl. D. Popović, a. a. O., S. 349-350. Zu der hagiologischen Ebene gehört z. B. das Verfassen der
Heiligenvita und zu der historischen die Interpretation des Lebenswegs nach den geltenden Modellen.
331
D. Popović, a. a. O., S. 349
332
D. Popović, a. a. O., S. 350
333
Vgl. Anmerkung Nr. 28 ebd. Zu Arten von Kategorien der heiligen Herrscher je nach Typ und Verdienst
siehe K. Gorski, Le roi-saint: Un problème d´idéologie féodale, Annales, 24 Nr. 2 (1969).
83

Bemühen nichtig ist, über den Tod hinaus keinen Bestand hat, der Reichtum nicht
von Dauer ist, (wahrer) Ruhm unerreichbar bleibt“334 und ist besorgt um die Errettung
seiner Seele. Die logische Konsequenz für ihn lautet, Gottes Gebote zu erfüllen und
Christus auf dem schmalen, mühsamen Weg zu folgen.

Dieser Weg führt ihn schließlich auf den Heiligen Berg als der letzten Station vor der
Verkündigung seiner Heiligkeit, die sein Sohn Sava laut Domentijan prophezeit
hat.335

Somit wird „das Leben Simeons damals schon in einen christlichen Rahmen gesetzt
und sein endgültiger Zweck durch das monastische und evangelien-engelhafte Ideal
vorbestimmt.“336

Nemanjas Wahl der monastischen Ideale des Verzichts, der Demut und Armut statt
Herrschermacht und Reichtum erfolgt somit aus ethischen und konfessionellen
Motiven.
Diese Wahl macht ihn schließlich nicht nur zum Begründer der heiligen Nemanjiden
Dynastie, sondern vielmehr zum Begründer „eines geistlichen, himmlischen Serbien,
das in Christus leben will…“.337

Die Kirchengeschichtler berücksichtigen jedoch auch andere Motive Nemanjas für


seine Mönchsweihe. So hält N. Radojčić fest, dass es „sicherlich bei dieser
Entscheidung, wie bei jeder wichtigen politischen Handlung, eine Vielfalt an Motiven
gab – Savas Aufforderung, andere Beispiele, den Wunsch, jüngerem Sohn noch zu
Lebzeiten den Thron zu sichern und dass sich die Menschen noch Zeit seines
Lebens an den neuen Herrscher gewöhnen, und schließlich – aber deshalb nicht
weniger wichtig – das in der Tat fortgeschrittene und zerbrechliche Alter
Nemanjas…“338

334
Hl. Sava, a. a. O., S. 40
335
Domentijan berichtet in den Viten der heiligen Sava und Simeon von Savas Prophezeiung, dass Simeon erst
nach Athos kommen müsse, um verherrlicht und dem heiligen Demetrios von Thessalonike ähnlich würdig zu
sein. Vgl. Domentijan, Život svetog Simeuna i svetoga Save, ed. ð. Daničić, Biograd 1865, S. 86 ff.
336
D. Popović, a. a. O., S. 351
337
D. Bogdanović, Likovi svetitelja (Die Bilder der Heiligen), 42, Zitat nach D. Popović, Anmerkung Nr. 29,
ebd.
338
N. Radojčić, Sveti Sava (Der heilige Sava), Godišnjica Nikole Čupića 44 (1935), Zitat ebd.
84

1. Kultentstehung und Verherrlichung

Aber es scheint, dass Nemanja auch hier nichts dem Zufall überlassen will. So zeigt
er selbst durch seine autobiographische Urkunde für Hilandar den Weg für seine
zukünftigen Vitenschreiber auf.
Die in dieser Urkunde durchgeführte zweifache textliche Gliederung, in der er kurz
seine Herrschererfolge schildert und den zweiten Teil seinem moralischen,
geistlichen Leben widmet, übernehmen auch Nemanjas Biographen. 339

Nach diesem Schema entsteht für die Zukunft „eine Gestalt des serbischen
Herrschers aus der unzertrennlichen Verbindung eines erfolgreichen Kriegers und
einer hoch geistlichen Persönlichkeit“340 und bleibt in der serbischen Literatur als
unveränderliches Ideal, so dass auch alle späteren mittelalterlichen Herrscher nach
diesem Vorbild Nemanjas beschrieben und dargestellt werden.

Sein mönchischer Tod und die Beerdigung im Kloster Hilandar gehören zu den
weiteren entscheidenden Momenten in der Entstehung seines Kultes und leiten den
Beginn seiner Verherrlichung ein. 341

Sava sorgt dafür, dass an Simeons Todestag durch das Singen von Panichiden
erinnert werden soll. Diese Anweisung fügt er später sowohl in das Typikon von
Hilandar als auch in das Typikon von Studenica ein.

Zu dieser Zeit stellen sie noch ein Andenken an den verdienstvollen Stifter dar und
sind nicht dem Heiligen gewidmet.342

Aber auch in weiteren Schriften sind wichtige und wertvolle Informationen enthalten,
die für die Kultbildung Simeons entscheidend sind. Dazu zählt, neben Nemanjas
autobiographischen Angaben aus der Ersten Gründungsurkunde für Hilandar, den
kurzen hagiographischen Notizen über Simeons Tod im Typikon von Hilandar und
der umfangreichen Einleitung der Stiftungsurkunde für Hilandar von Stefan dem

339
Vgl. R. Marinković, a. a. O., S. 132
340
Ebd.
341
Vgl. J. Kalić, Stefan Nemanja u modernoj istoriografiji (Stefan Nemanja in der modernen
Geschichtsschreibung), …, S. 16
342
Vgl. D. Popović, a. a. O., S. 351
85

Erstgekrönten, vor allem das schriftliche Zeugnis eines anonymen Mönches, eines
Zeitgenossen, der Simeons Tod und seine Verherrlichung in einer kurzen Vita des
heiligen Sava festhält.343

Später berichten auch Domentijan und Teodosije von dem Myronströmenden


Simeon, wobei wir bei Domentijan besonders ausführliche und nützliche Hinweise
finden.

Neben der Beschreibung, dass das Ausströmen des Myron aus Simeons Grab durch
den Protos und zahlreiche Athosmönche bezeugt wird, und für den neuen Heiligen
die erforderlichen kirchlichen Texte in Auftrag gegeben werden, berichtet
Domentijan, dass die bei der Verherrlichung Simeons Anwesenden „einen Feiertag
für den heiligen Simeon, dem neuen Myronströmenden, einrichten und ihn zu dem
heiligen Greis Simeon hinzufügen, damit sie an einem Tage gemeinsam gefeiert
werden.“344

Aus diesen wertvollen Angaben können wir also folgern, dass der neue Heilige
zunächst zu einem bereits bekannten, „der am gleichen Tag gefeiert wird“, oder „dem
Hauptheiligen dieses Monats“ hinzugefügt wird.345

Das wundersame Myronströmen von Hilandar stellt zwar ein wichtiges Zeichen für
die Verherrlichung des Heiligen dar, ist jedoch für die breite Anerkennung seiner
Heiligkeit nicht zwingend notwendig.346

Die nächste Stufe der Verherrlichung Simeons zeichnet sich acht Jahre nach seinem
Begräbnis ab, als nämlich sein „ganzer und unversehrter Körper“ vom heiligen Sava
herausgehoben und nach Serbien gebracht wird.

Das Ausströmen des Myron in Studenica an Simeons Todestag wird „in allen
zeitgenössischen Quellen als ein Ereignis von größter Wichtigkeit erwähnt.“347

343
Vgl. D. Popović, a. a. O., S. 352. Diese „Hilandarische Niederschrift“ hat D. Bogdanović herausgegeben und
kommentiert.
344
Zitat nach D. Popović, a. a. O., S. 353
345
Ebd.
346
Das folgt aus der Praxis der Ostkirche, in welcher das Wunder des Myronströmens ein Teil des komplexen
Verfahrens für die Feststellung der Heiligkeit ist. Vgl. ebd.
86

Nachdem nun bis 1213 die liturgische Feier und später die Viten von Stefan dem
Erstgekrönten und dem heiligen Sava geschrieben sind, erfolgt in Studenica die
endgültige Redaktion der von Sava verfassten liturgischen Feier.

In dieser Feier werden ab diesem Zeitpunkt „Simeon zum ersten Mal als Heiliger und
Myronströmender und seine Reliquien als heilig und wundertätig bezeichnet.“348

Somit ist festzustellen, dass die Verherrlichung des Heiligen Simeon von Serbien der
in der damaligen orthodoxen Welt üblichen Form des Bestätigens der Heiligkeit
durch liturgische Texte entspricht und aufgrund einer bestehenden frommen
Verehrung also als ἐναγνώρισις zu bezeichnen ist.349

Sie ist nicht als ein mehr oder weniger formeller Akt der Ausrufung durch kirchliche
Autoritäten etabliert, was vergleichbar wäre mit der lateinischen canonisatio bzw.
ἐνακήρνξις.

Somit ist die Rolle der serbischen Kirche und ihrer Hierarchie darauf beschränkt, „die
in der Praxis bereits verwurzelte fromme Kultverehrung anzuerkennen.“350

Daran ändert auch nichts die Tatsache, dass bei Simeons Kultentstehung von
Anfang an seine Söhne Stefan der Erstgekrönte als sein Nachfolger auf dem Thron
und Sava maßgeblich beteiligt sind, wobei Sava zu Ende dieses Prozesses als
Archimandrit faktisch die serbische Kirche leitet.

Die Söhne legen jedoch unterschiedliche Schwerpunkte für Simeons Kult fest.
Während Sava in seiner Vita Simeons den Kult des neuen Heiligen mehr auf
Studenica ausrichtet, nimmt Stefan der Erstgekrönte eine Ausweitung des Kultes
seines Vaters vor und stellt ihn auf eine größere, allgemeinserbische Grundlage.351

347
D. Popović, a. a. O., S. 355
348
Ebd.
349
Ebd.
350
D. Popović, a. a. O., S. 356
351
Vgl. D. Popović, Anmerkung Nr. 58, a. a. O., S. 355
87

2. Kultinhalt und Merkmale

Im mittelalterlichen Serbien entwickeln sich viele Sphären des gesellschaftlichen,


kulturellen und kirchlichen Lebens nach byzantinischen Vorbildern. Es handelt sich
aber nicht um eine bloße Nachahmung oder plumpe Übernahme byzantinisch-
christlicher Ästhetik, sondern um ein autochthones Schaffen von Grundsätzen, die an
eigene Bedürfnisse und Gegebenheiten angepasst sind.

Die Verdienste Nemanjas sind auch hierbei so bedeutend, dass man tatsächlich „die
Rolle Stefan Nemanjas beim Setzen fester Grundlagen für diese Entwicklung“352
kaum überbewerten kann.

a) Nemanja als idealer Herrscher

So wird auch die byzantinische Idealvorstellung von einer Symphonie bzw. Harmonie
zwischen der weltlichen und der geistlichen Herrschaft der eigenen, serbischen
„politischen Staatsphilosophie“353 angepasst. Als eine Folge dieser politischen
Philosophie des mittelalterlichen Serbien werden für Nemanja Eigenschaften eines
Staatsmanns herausgestellt, die der damaligen allgemeinen Herrscherideologie
entsprechen.354

Er wird in seinem irdischen Leben auf der einen Seite als ein von Gott für sein Volk
auserwählter Herrscher nach dem Vorbild Jakobs mit den wichtigsten
Herrschertugenden, wie Frömmigkeit und Gerechtigkeitsliebe, im Rahmen der
christlichen Ethik dargestellt.355

Auf der anderen Seite erscheint er auch als ein siegreicher Herrscher und Krieger,
also eine aufgrund seiner enormen Verdienste für sein Volk unantastbare Autorität,
an der sich alle seine Nachfolger nur noch ein Beispiel nehmen können.

352
Z. Gavrilović, a. a. O., S. 282
353
Den Begriff “politische Philosophie” verwendet laut Anmerkung Nr. 2 von Z. Gavrilović, a. a. O., S. 282,
zuerst D. Bogdanović in seinem Aufsatz „Die politische Philosophie des mittelalterlichen Serbien.
Möglichkeiten einer Erforschung“. Er schildert dort insbesondere seine Untersuchung der Proömien von
Stiftungsurkunden auf ihre „theologischen aber auch politisch-philosophischen Aspekte“ hin.
354
Vgl. D. Popović, a. a. O., S. 356
355
Vgl. D. Popović, a. a. O., S. 357
88

Nemanja werden aber noch weitere Eigenschaften eines idealen Herrschers nach
Gottes Willen zugeschrieben, die Tradition überträgt auf ihn, den auserwählten
Beschützer seines Volkes, „Christi Eigenschaften der Weisheit und Menschen-
liebe.“356

Durch Nemanja entsteht ein „Beispiel für demütiges Handeln vor dem Gesetz Christi,
und seine Weisheit, als ein Abbild der Weisheit Gottes, zeigt auf den Weg der Güte
und Barmherzigkeit hin, den einzigen Weg, der zu der Errettung führt.“357

Aus diesem Grund wird Nemanja in vielen Klöstern und Kirchen als „der Uranfang
dieser idealen Beziehung zwischen dem durch Gott inspirierten Herrscher, der Kirche
und des Volkes“358 dargestellt.

Deshalb darf die seit langem bekannte Feststellung serbischer Kirchenhistoriker,


dass „in der serbischen Geschichte Stefan Nemanja, d.h. der heilige Simeon, der
immerwährende Herrscher Serbiens ist: die nachfolgenden Herrscher sind nur seine
Mitherrscher (Mitregenten)“359 niemanden verwundern.

Erst mit Nemanja werden die tief verwurzelten Begriffe über die Tugenden und die
Rolle christlicher Herrscher in Bezug auf das ihnen anvertraute Volk bei den Serben
so eindeutig festgeschrieben.

Seine „ewige Herrschaft“ ist dadurch erreicht, dass Nemanja Mönch wird und so den
Weg frei macht für die Entstehung des Kultes des heiligen Simeon, den Begründer
der heilige Dynastie der Nemanjiden.

„Dadurch ist eine feste und ständige Verbindung zwischen Nemanja als
Dynastiegründer und der Ideologie aller späteren Herrscher auf dem serbischen
Thron bis zum Ende der Selbständigkeit entstanden.“360

356
Z. Gavrilović, a. a. O., S. 283
357
Ebd.
358
Z. Gavrilović, a. a. O., S. 288. Ganz besonders kommt das im Portrait Nemanjas in der Muttergottes Kirche in
Prizren zum Ausdruck.
359
Ebd. Vgl. auch Anmerkung Nr. 9.
360
Z. Gavrilović, a. a. O., S. 283-284
89

Ausgehend von diesen idealen Vorstellungen eines Herrschers, die Nemanja voll
erfüllt, werden sie von D. Bogdanović in seiner Politischen Philosophie des
mittelalterlichen Serbien für alle nachfolgenden serbischen Herrscher treffend
zusammen gefasst:
„Der serbische Herrscher soll also die von Gott erhaltene Gnade als Liebe zum
Vaterland künden; mit dem von Gott geheiligten Licht soll er das serbische Volk
erläuchten und aufklären; alle von oben erhaltenen und im Symbol des heiligen
Myron konzentrierten Kräfte hat er zum Wohle seines Volkes und seiner Errettung
vom Bösen und vom Tod ´strömen zu lassen´ ... so wird er (der Herrscher) durch die
Liebe zu Gott geleitet, die sich nicht anders äußert, als durch die Liebe zu den
Menschen...“361

Auch an dieser Aussage gemessen, bleibt Nemanja allen serbischen Herrschern im


Mittelalter „ein Beispiel ohne gleichen: man geht von seinem Werk aus und erkennt
in ihm die Verwirklichung der Lehren Christi, auf welchen der Glaube aufgebaut
werden konnte, wonach das Gute trotz aller Bedrängnisse das Böse überwinden und
das Licht über der Dunkelheit thronen wird.“362

b) Lehrer und Erleuchter des Volkes

Aber Nemanjas Kult umfasst noch mehr Attribute. Er wird von Sava als „ein zweiter
Abraham“363, also als ein Vater der Nation bezeichnet, den Gott wegen seiner
Tugenden „so hoch erhoben und ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen
ist…“364 Mit diesem Vergleich will Sava uns andeuten, dass Nemanja für sein Volk
wie Christus für die Welt ist.
Daran knüpft auch Domentijan und schreibt, dass Nemanja von Gott auserwählt
wurde, damit er „eine wunderschöne Blume mit guter Wurzel… jener, die über das
serbische Land herrschen“ werde, begründe.365

361
Zitat nach Z. Gavrilović, ebd.
362
Z. Gavrilović, a. a. O., S. 291
363
Hl. Sava, a. a. O., S. 36
364
Ebd. (Philipper 2,9)
365
Vgl. D. Gil, Izmeñu sakralizacije i politizacije istorije i tradicije (Zwischen der Sakralisierung und
Politisierung der Geschichte und Tradition), in Srpska Akademija Nauka i Umetnosti (Hg.), Meñunarodni naučni
skup: Stefan Nemanja – Sveti Simeon Mirotočivi, istorija i predanje, (Serbische Akademie der Wissenschaften
und Künste, Internationale wissenschaftliche Konferenz: Stefan Nemanja – der Heilige Simeon der
Myronströmende, Geschichte und Überlieferung), Beograd 2000, S. 90
90

In diesem Licht ist auch Nemanjas Kampf gegen das Böse zu sehen. Er ist nicht
persönlich gemeint, als eine eigene Abrechnung gegen die Feinde, sondern „erweist
sich ausschließlich als ein Kampf gegen Menschen, die ein Werkzeug des Teufels
sind“366, unabhängig davon ob es sich um Häretiker oder andere Feinde handelt.

Gerade sein Einsatz für die Verfestigung des rechten Glaubens und der Kampf
gegen die Häretiker machen es möglichen, dass er noch Zeit seines Lebens als
„Lehrer“ bezeichnet wird.367
Diese Tatsache ist umso bedeutender vor dem Hintergrund, dass diese Bezeichnung
die Vertreter der höchsten kirchlichen Hierarchie tragen, die „ihre Herde im Geiste
der von den Aposteln empfangenen und in ökumenischen Konzilien festgelegten
kanonischen Glaubensgrundsätze“ führen.368

Nach Simeons Tod bekommt diese Bezeichnung noch mehr an Intensität und wird
bis in das 17. Jahrhundert verwendet. Dies schlägt sich auch in der Ikonographie
nieder. Der heilige Simeon wird sehr häufig dargestellt, wie er in seiner Hand eine
Rolle mit dem Text aus dem Psalm 33 (34), 11 hält:

„Kommet herbei, Kinder, höret mir zu!


Ich will euch die Furcht des Herrn lehren.“

Die erste Darstellung Simeons dieser Art ist in der Kirche in Arilje zu sehen.369

Aber diese Psalmverse werden schon viel früher bei Nemanja bezeugt. In seiner Vita
Simeons hält Domentijan fest, dass Nemanja diesen Vers unmittelbar nach seinem
Mönchsgelübde ausspricht.370

366
D. Popović, a. a. O., S. 359
367
Vgl. B. Todić, Predstave sv. Simeona Nemanje, nastavnika prave vere i dobre vlade, u srednjovekovnom
slikarstvu (Die Darstellungen des hl. Simeon Nemanja, dem Lehrer des rechten Glaubens und der guten
Herrschaft, in der mittelalterlichen Malerei), in Srpska Akademija Nauka i Umetnosti (Hg.), Meñunarodni naučni
skup: Stefan Nemanja – Sveti Simeon Mirotočivi, istorija i predanje, (Serbische Akademie der Wissenschaften
und Künste, Internationale wissenschaftliche Konferenz: Stefan Nemanja – der Heilige Simeon der
Myronströmende, Geschichte und Überlieferung), Beograd 2000, S. 295
368
Ebd.
369
Vgl. B. Todić, a. a. O., S. 303
370
Vgl. S. Petković, Ikonografija svetog Simeona Srpskog u doba turske vladavine (Die Ikonographie des
heiligen Simeon von Serbien zur Zeit der türkischen Herrschaft), in Srpska Akademija Nauka i Umetnosti (Hg.),
Meñunarodni naučni skup: Stefan Nemanja – Sveti Simeon Mirotočivi, istorija i predanje, (Serbische Akademie
der Wissenschaften und Künste, Internationale wissenschaftliche Konferenz: Stefan Nemanja – der Heilige
Simeon der Myronströmende, Geschichte und Überlieferung), Beograd 2000, S. 384
91

Denselben Psalmtext hat in griechischer Sprache S. Radojčić auf der aus dem 13.
Jahrhundert stammenden berühmten Abbildung der heiligen Simeon und Sava in
Hilandar entdeckt.371

II. Simeon Nemanja in der programmatischen Ausrichtung der serbischen Kirche

Gleich zu Beginn der serbischen Hagiographie zeichnen Sava und Stefan der
Erstgekrönte die programmatische Ausrichtung der serbischen Kirche vor, indem sie
betonen, dass ihr Vater von Gott auserwählt sei, im eigenen Leben die höchste
Mission zu erfüllen, nämlich die Errettung zu erreichen.372

Die weiter gehende Aussage von Stefan dem Erstgekrönten, dass sein Vater
aufgrund des „göttlichen Geheimnisses und der Größe der Gnade…über Irdisches
herrschen und sich im Himmel mit den Engeln niederlassen wird“373, verlässt jedoch
die Rahmen der Hagiographie. „Das ist ein programmatischer Standpunkt, der mit
den Mitteln der politischen Theologie die Idee über den heiligen Herrscher
begründet, und Grundlagen für eine sakrale Bestimmung seiner Herrschaft legt.“374

Nach dem Mittelalter und besonders während der fünfhundertjährigen Besatzung


durch die Osmanen schöpft die serbische Kirche neue Kraft, um ihre Gläubigen
durch diese schwere Zeit zu bringen, indem sie immer wieder die glorreiche Zeit
Nemanjas und seiner Dynastie in Erinnerung ruft.

Den bereits vorhandenen Kult des heiligen Simeon und die Errungenschaften aus
dem geistlichen Leben der Nemanjiden-Zeit muss die serbische Kirche jedoch unter
den nun erheblich erschwerten Bedingungen ihrer Existenz pflegen, was sie nicht
hindert, an der Tradition unbeirrt festzuhalten.375

371
Vgl. C. Gvozdanov, Sveti Simeon Nemanja i sveti Sava u slikarskoj tematici u Makedoniji (Der heilige
Simeon Nemanja und der heilige Sava in der künstlerischen Thematik in Makedonien), in Srpska Akademija
Nauka i Umetnosti (Hg.), Meñunarodni naučni skup: Stefan Nemanja – Sveti Simeon Mirotočivi, istorija i
predanje, (Serbische Akademie der Wissenschaften und Künste, Internationale wissenschaftliche Konferenz:
Stefan Nemanja – der Heilige Simeon der Myronströmende, Geschichte und Überlieferung), Beograd 2000,
S. 321. Der heilige Simeon (Darstellung aus Hilandar) ist am Anfang dieser Arbeit auf der Seite 3 zu sehen.
372
Vgl. D. Popović, a. a. O., S. 359
373
Hl. Sava, a. a. O., S. 76
374
D. Popović, a. a. O., S. 359
375
Vgl. S. Petković, a. a. O., S. 391
92

1. Vereinigung von Vater und Sohn

Bereits bei Anzeichen der beginnenden Krise, die den selbständigen serbischen
Staat und seine Kirche bedroht, beginnt ab Mitte des 14. Jahrhundert die
gemeinsame Darstellung des Begründers der heiligen Nemanjiden-Dynastie, des
heiligen Simeon, und des Begründers der selbständigen serbischen Kirche, des
heiligen Sava.

Diesen neuen Aspekt in der programmatischen Ausrichtung der Kirche kündigen


bereits im 13. Jahrhundert Domentijan und Teodosije an, indem sie die beiden
Heiligen als „gleichdenkend“, „einen Willen in zwei Körpern“, „im Geiste vereint“ oder
„unzertrennlich“ preisen.376

So werden zunehmend Vater und Sohn in fast allen serbischen Gotteshäusern und
sogar auf liturgischen Gegenständen meist gemeinsam abgebildet.

Auch in der folgenden Zeit werden das hohe Ansehen der heiligen Simeon und Sava
und ihr Kult durch die Kirche beharrlich gestärkt, gepflegt und landesweit verbreitet.

Als die serbische Kirche für fast einhundert Jahre, von der Mitte des 15. Jahr-
hunderts bis zur Erneuerung des Patriarchats Peć im Jahr 1557, ihre Unabhängigkeit
unter den Osmanen verliert und ihre Selbständigkeit auch gegen die Anfechtungs-
versuche des Erzbistums Ohrid verteidigen muss,377 werden die heiligen Simeon und
Sava fast pflichtgemäß in neugebauten Gotteshäusern abgebildet.378

Die neuen Darstellungen werden von nun an bis ins 17. Jahrhundert den veränderten
Verhältnissen im Land angepasst, so dass der heiligen Simeon nicht mehr als
„Schirmherr des serbischen Staates und seiner Herrscher bzw. seiner Kirche,
sondern vorrangig als Beschützer seines serbischen Volkes“379 abgebildet wird.

376
Vgl. S. Petković, a. a. O., S. 386
377
Vgl. S. Petković, a. a. O., S. 387
378
Z. B. in den Klöstern Prohor Pčinjski und Poganovo, sowie in den Kirchen in Matka und Pobužje bei Skopje
usw. Vgl. Anmerkung Nr. 45, ebd.
379
Vgl. S. Petković, a. a. O., S. 391
93

Die Gründe für die vermehrte ikonographische und sonstige gemeinsame Verehrung
der beiden serbischen Heiligen sind vielfältig.
Die serbische Kirche will mit den heiligen Simeon und Sava zum einen beweisen,
dass sie seit mehreren Jahrhunderten besteht und ihre Unabhängigkeit ihnen zu
verdanken hat.
„Auf diese Weise dienen die Abbildungen der heiligen Simeon und Sava sowie der
anderen serbischen Heiligen in den Gotteshäusern nicht nur als ein Ansporn zum
Gebet, sondern auch der ständigen Erinnerung an das Alter und die Heiligkeit der
Kirche, der die Gläubigen gehören.“380

2. Der heilige Simeon im religiös-politischen Programm der Metropolie Karlovac

Mit der Zeit hebt die Kirche jedoch den Kult des heiligen Simeon besonders hervor,
um junge Mönche zu motivieren und das Ansehen des Mönchtums zu stärken, das
eine der Hauptsäulen der kirchlichen Organisation bildet. Der heilige Simeon soll den
serbischen Mönchen ein Vorbild sein, denn obwohl ein großer Herrscher und
Dynastiebegründer findet er erst durch die Mönchsweihe sein Lebensideal und
erreicht das höchste Ziel – er gehört zu den Heiligen der Kirche Christi.381

Seine außerordentlich große Bedeutung für die serbische Kirche, die zunächst durch
die Osmanen, dann auch durch Österreich-Ungarn für eine lange Zeit ihre
Selbständigkeit verlieren sollte, und ihre Gläubige unter der Führung der Hierarchen
im 17. Jahrhundert in neue Gebiete auswandern müssen, bleibt unvermindert auch
im weiteren Verlauf der Geschichte bestehen.382 Ja, man kann sogar sagen, je
größer die Krise des Staates ist und je größer die Gefahren für den Glauben sind,
desto mehr nehmen das Ansehen und die Verehrung des heiligen Simeon zu.

Er ist auch für den Teil der serbischen Kirche, welcher wie z. B. die Metropolie von
Karlovac383 unter der Habsburger Monarchie besteht, ein ewiger Begleiter und

380
Vgl. S. Petković, a. a. O., S. 392
381
Ebd.
382
Die Abwanderungen aus dem heutigen Kosovo-Metochien und südlichen Gegenden Serbiens setzen bereits
nach der Schlacht an der Marica 1371 an und erreichen ihren Höhepunkt 1690 als die Große Abwanderung unter
dem Patriarchen Arsenije III. stattfindet. Vgl. Enciklopedija pravoslavlja (Enzyklopädie der Orthodoxie), Bd. 3,
Beograd 2002, S. 1810 ff.
383
Die Metropolie von Karlovac wurde vom Patriarchen Arsenije III Crnojević auf dem damaligen
österreichisch-ungarischen Gebiet (heute Vojvodina, Slawonien und Kroatien) gegründet und von Kaiser
94

Beschützer, ein Hoffnungsträger und Wegweiser. Er wird sogar mit anderen


serbischen Heiligen zum stärksten Argument des von der Metropolie ausgearbeiteten
religiös-politischen Programms, mit welchem die Rechte und Privilegien der
serbischen Kirche unter der neuen Herrschaft verteidigt werden sollen.

a) Zusammenführung des weltlichen und des monastischen Names

In diesem Programm, welches zunächst Graphiken, Bücher, kirchliche Gegenstände


und sogar ein Drama umfasst, wird zunächst die „allegorisch-politische Deutung des
hagiolatrischen Erbes“ entsprechend aktualisiert, so dass eine Kontinuität hergestellt
wird zwischen dem heiligen Simeon und den aktuellen Hierarchen der Metropolie.
Auffallend ist, dass Nemanja hier als „der erste serbische Kaiser“ dargestellt wird.384

Selbstverständlich ist diese Benennung Nemanjas nicht aufgrund von fehlendem


Geschichtswissen entstanden, sie ist vielmehr ein Ergebnis der geschichtlichen
„wohldurchdachten Deutung im Lichte aktueller politischer Interessen“.385
Der heilige Simeon wird weiterhin als Mönch dargestellt, der in der einen Hand die
Rolle mit dem bekannten Psalmtext „Kommet herbei…“ trägt.

Aus Gründen liturgischer Praxis und/oder der privaten und öffentlichen Verehrung
wird zu den unterschiedlichen Varianten seines Mönchsnamens (der heilige Simeon
von Serbien, der heilige Simeon der Myronströmende, der heilige und ehrwürdige
Simeon der Myronströmende von Serbien) als Neuerung immer öfter der Kaisertitel
hinzugefügt.386

Leopold I am 04.03.1695 anerkannt. Die neu gegründete kirchliche Organisation beschloss auf ihrer ersten
kirchlich-nationalen Versammlung (Sabor) im Januar 1708, dass sie die Jurisdiktion des Patriarchats von Peć
voll anerkennt und sich somit der Mutterkirche unterstellt. Sie kann sich unter sehr schwierigen Bedingungen
und Unionsversuchen behaupten und besteht bis zu der Widerherstellung der Einheit der serbischen Kirche im
Jahr 1920. Vgl. Enciklopedija pravoslavlja (Enzyklopädie der Orthodoxie), Bd. 3, Beograd 2002, S. 1820 ff.
384
Vgl. M. Timotijević, Stefan Nemanja u baroknom versko-političkom programu Srpske crkve (Stefan Nemanja
in dem barocken religiös-politischen Programm der Serbischen Kirche), in Srpska Akademija Nauka i Umetnosti
(Hg.), Meñunarodni naučni skup: Stefan Nemanja – Sveti Simeon Mirotočivi, istorija i predanje, (Serbische
Akademie der Wissenschaften und Künste, Internationale wissenschaftliche Konferenz: Stefan Nemanja – der
Heilige Simeon der Myronströmende, Geschichte und Überlieferung), Beograd 2000, S. 397.
Es handelt sich hierbei um eine Graphik, mit welcher der Patriarch Arsenije IV. Jovanović der Maria Theresia
zur Krönung als Kaiserin gratulierte.
385
Vgl. M. Timotijević, a. a. O., S. 399
386
Ebd. Vgl. besonders Anmerkung Nr. 20
95

Auch in anderen Werken dieser Zeit, wie auch in anderen Teilen der serbischen
Kirche wird die Goldene Zeit der Nemanjiden als ein religiöses und ein Staatsideal
hervorgehoben, wobei im Mittelpunkt dieser Akzentuierung Stefan Nemanja, der
heilige Simeon, steht.

So widmet der Metropolit von Montenegro, Vasilije, eine Ode an Stefan Nemanja und
bezeichnet ihn in seinem Werk Die Geschichte Montenegros als „den Begründer des
serbischen Kaiserreichs“.387

Schließlich findet diese idealisierte Darstellung Nemanjas ihren künstlerischen


Höhepunkt in der barocken Abbildung des Georgije Stojanović im Jahr 1743, nach
welcher eine für das Kloster Hilandar hergestellte Ikone erstellt wird.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass im 19. Jahrhundert als ein Ergebnis der
transportierten Errungenschaften des barocken religiös-politischen Programms der
Metropolie von Karlovac die Zusammenführung des weltlichen und des Mönchs-
namens für den ersten serbischen Heiligen erfolgt, so dass er von nun an als
„Simeon Nemanja“ oder als „Der heilige Simeon, König Nemanja I.“ bezeichnet
wird.388

Auch im 20. Jahrhundert sind diesbezüglich keine Veränderungen festzustellen,


zumal die Kirche ab dem Ende des Zweiten Weltkrieges in einem atheistischen Staat
existiert und eine minimale Tätigkeit entfalten kann.

III. Zusammenfassung

Wir stellen also rückblickend fest, dass Nemanja in eine Zeit und in eine Umgebung
hineingeboren wird, die ihm keine Vorbilder bieten kann, niemanden an dem er sich
bei seinem Vorhaben orientieren und seine Pläne ausrichten könnte.

Deshalb erfordert sein Wirken an der Errichtung eines selbständigen serbischen


Staates und an der Bewahrung und Ausbreitung des orthodoxen Glaubens von ihm
ungeheuerliche geistige und physische Kräfte und einen unbeirrbaren Glauben an
387
Zitat nach M. Timotijević, a. a. O., S. 400
388
Vgl. M. Timotijević, a. a. O., S. 406
96

Gott und sich selbst. Das kann er nur deshalb aufbringen, weil er von Anfang an für
seine besondere Aufgabe von Gott auserwählt und mit Seiner Gnade versehen wird.

Von Nemanjas Wirken zeugen heute nicht nur seine Stiftungen, überall begegnen
uns Spuren seines unermüdlichen und gottgefälligen Handelns, da auch seine
Nachfahren gemäß seinem Wunsch sein Werk mal stärker, mal schwächer
fortsetzen.

Bereits die Ergebnisse seiner staatsmännischen Errungenschaften, ohne die ein


Gedeihen der serbischen Kirche nicht denkbar wäre, sind enorm.
Er hat nicht nur das Land geeint, ihm seine alten Gebiete wieder einverleibt und sein
Territorium insgesamt ausgeweitet, „seine gesamte Tätigkeit an der Einigung der
serbischen Länder hat die eigentlichen Voraussetzungen für die große Kirchenreform
des heiligen Sava und die Einrichtung der Serbischen autokephalen Kirche
vorbereitet.“389

Erst als das souveräne Serbien Nemanjas verfestigt und anerkannt ist, und erst als
Nemanja sein Land und Volk definitiv zum orthodoxen Glauben ausrichtet, kann
Sava voll auf die Selbständigkeit der serbischen Kirche hinausarbeiten und das
große Werk ihrer Reformation vollbringen.

Aber auch in seinem geistlichen Leben erklimmt Simeon Nemanja unermüdlich die
Leiter. Allmählich entsteht aus einem Familienheiligen ein Nationalheiliger, der erste
Heilige der serbischen Kirche, und aus der durch ihn begründeten heiligen Dynastie
entsteht eine Dynastie der Heiligen.

Nach dem heiligen Simeon Nemanja folgen Stefan der Erstgekrönte, Dragutin,
Milutin, Stefan Dečanski, Uroš V., der heilige Sava, Sava II. und als die heilige Frau
unter den Nemanjiden Jelena Anžujska, so dass der Stammbaum der Nemanjiden in
Anlehnung an den Stammbaum Jesaias ikonographisch dargestellt wird.390

389
Vgl. J. Kalić, Stefan Nemanja u modernoj istoriografiji (Stefan Nemanja in der modernen
Geschichtsschreibung), …, S. 13
390
Vgl. I. Božilov, a. a. O., S. 51
Der Stammbaum der Nemanjiden aus dem Kloster Gračanica ist im Anhang auf der Seite 106 zu sehen.
97

Nach seinem Tod fördern seine Nachfolger den Kult des heiligen Simeon und weiten
ihn sogar noch aus. So bleibt er der unbestrittene Schutzpatron des serbischen
Staates und Fürsprecher seines Volkes, gleich wo es und in welcher Zeit es lebt, „im
Zentrum des serbischen Heiligenpantheons“.391

Bis in unsere Zeit begleitet also der heilige Simeon Nemanja seine Kirche und sein
Volk. Der Kult seiner Heiligkeit wird durch die Geschichte hindurch kontinuierlich und
unbeschadet in der serbischen Kirche und auch in anderen orthodoxen Kirchen392
weiter gegeben, den aktuellen Bedürfnissen angepasst und in Verbindung mit der
entsprechenden Epoche gebracht.

Das ist wohl auch deshalb möglich, weil „die geschichtliche Zeit nur ein kleiner Teil
der heiligen, biblischen Zeit ist; Alles findet seinen Sinn, das Wesentliche durch das
Verhältnis zu der kosmischen Ordnung, in welcher die aktuelle Wirklichkeit nur ein
Antitypus der Dinge ist, die sich nach Gottes Willen bereits ereignet haben – wie im
Alten Testament, das das Neue Testament ankündigte und dieses das Alte erfüllte.
Die konkrete geschichtliche Wirklichkeit also - beschrieben in den altserbischen
Werken durch die Einbeziehung in die mythische Geschichte – wird dekonkretisiert
und erhält eine kosmologische Dimension.“393

In der serbischen Kirche hat der heilige Simeon Nemanja seit langem einen festen
Platz, zu Ende eines jeden Gottesdienstes erinnern die Priester das gläubige Volk an
den „Erleuchter und Lehrer der Serben“.

Immer wieder pilgern gläubige Christen zu seiner Grabstätte in Studenica oder nach
Hilandar, um dem Heiligen ihre Verehrung zu zollen oder Trauben von seiner
Weinrebe zu erhalten, um mit dem Kindersegen beglückt zu werden.

391
Vgl. J. Kalić, a. a. O., S. 17
392
In postbyzantinischer Zeit wird der Kult des heiligen Simeon durch die Einwirkung der Athos-Mönche auch
in der griechischen Kirche verbreitet. Dazu: I. Tarninadis, Der Kult der heiligen Sava und Simeon bei den
Griechen, Hilandarski zbornik 5, 1983
393
D. Gil, Izmeñu sakralizacije i politizacije istorije i tradicije (Zwischen der Sakralisierung und Politisierung
der Geschichte und Tradition), in Srpska Akademija Nauka i Umetnosti (Hg.), Meñunarodni naučni skup: Stefan
Nemanja – Sveti Simeon Mirotočivi, istorija i predanje, (Serbische Akademie der Wissenschaften und Künste,
Internationale wissenschaftliche Konferenz: Stefan Nemanja – der Heilige Simeon der Myronströmende,
Geschichte und Überlieferung), Beograd 2000, S. 92
98

Das Wissen um Stefan Nemanja und die Bedeutung seines Werkes für die serbische
Kirche ist durch die hinter uns liegenden Jahrhunderte lebendig geblieben.

Auch die moderne historische Wissenschaft hat trotz kritischer Hinterfragung und
vorsichtiger Deutung die Größe Nemanjas und die Wichtigkeit seines Unterfangens
nicht schmälern können, im Gegenteil.

Sein Platz in der Geschichte und seine Bedeutung für die serbische Kirche werden
nur noch zusätzlich bekräftigt und laufend verfestigt.

Und sehr früh schon hat sein Sohn, der heilige Sava, ihn bereits umfassend und
zutreffend charakterisiert und somit auch seine bis heute währende Bedeutung für
die serbische Kirche und sein Volk mit weisen Worten für uns beschrieben:

„Wie soll ich ihn benennen, in der Tat, ich weiß es nicht. Einen guten Herrn?
Einen Lehrmeister der Rechtgläubigkeit? Einen gütigen Vater? Einen Hirten,
der seine ihm anvertraute Herde im Glauben gesättigt hat? Einen
Verherrlicher der Kirchen und Lehrer der Tugenden und einen (Mann), der
ständig im Gebet verharrte? Einen überaus freigebigen Diener und Freund der
Armen? Einen Lehrer der Rechtgläubigkeit und Erzieher zur Frömmigkeit und
eine Leuchte der Tugend der Welt? Einen vom Glauben Erfüllten, ein Vorbild
der Sanftmut und einen Meister der Enthaltsamkeit? Einen Lehrer der
Weisheit, einen Sinngeber und einen Erzieher der Toren? Einen Hüter seiner
Herde und einen Mann, der für alle, die um ihn leben, weise Antworten
wusste? Wahrhaftig, alles das war in ihm enthalten. Er war erfüllt von Weisheit
und Verstand und die göttliche Gnade ruhte auf ihm.“394

394
Hl. Sava, a. a. O., S. 44f.
99

Anhang
100

NEMANJA

(Quelle: Stanoje Stanojević, Naši vladari - Unsere Herrscher -, Beograd 1927, S. 2)


101

Serbien zur Zeit Stefan Nemanjas

(Quelle: Hl. Sava, Das Leben Simeons, in: Günther Stökl (Hg.), Serbisches Mittelalter
– Altserbische Herrscherbiographien, Bd. I, übersetzt, eingeleitet und erklärt von
Stanislaus Hafner, Graz – Wien – Köln 1962, S. 177)
102

Petrova crkva
Kirche der Apostel Petrus und Paulus in Ras

(Quelle: Sima Ćirković, Srbi u srednjem veku –


Serben im Mittelalter, Beograd 1997, S. 33)
103

Kloster Studenica

(Quelle: Sima Ćirković , Srbi u srednjem veku –


Serben im Mittelalter, Beograd 1997, S. 41)
104

Hilandar: Kirche der Reinigung der Gottesmutter, Pyrgos des heiligen Sabbas
Quelle: D. Savić, Hilandar, sveta srpska carska lavra na Svetoj gori Atonskoj,
(Hilandar, das heilige serbische Zarenkloster auf dem Heiligen Berg Athos),
Beograd 2004, S. 21
105

Hilandar: Sarkophag
an Simeons Grab
(Kirche der Reinigung
der Gottesmutter)

Weinrebe des
heiligen Simeon
(Außenwand der
Kirche)

Quelle: D. Savić, Hilandar,


Sveta srpska carska lavra
na Svetoj gori Atonskoj,
(Hilandar, das heilige
serbische Zarenkloster
auf dem Heiligen Berg
Athos), Beograd 2004,
S. 41
106

Stammbaum der Nemanjiden (Kloster Gračanica)

(Quelle: Sima Ćirković, Srbi u srednjem veku – Serben im Mittelalter,


Beograd 1997, S. 151)
107

Quellen- und Literaturverzeichnis

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- Beck, Hans-Georg, Geschichte der orthodoxen Kirche im byzantinischen Reich,


Bd. 1, Lieferung D1 von: Die Kirche in ihrer Geschichte. Ein Handbuch begründet
von K.D. Schmidt – E. Wolf, hrsg. V. B. Moeller, Göttingen 1980

- Beck, Hans-Georg, Kirche und theologische Literatur im byzantinischen Reich,


München 21977

- Bogdanović, Dimitrije; ðurić, J. Vojislav; Medaković, Dejan, Hilandar (Chilandar),


Heiliger Berg Athos 1997

- Ćirković, Sima, Srbi u srednjem veku (Die Serben im Mittelalter), Beograd 1997

- Ćorović, Vladimir, Istorija Srba (Die Geschichte der Serben), Beograd 2005

- Von Döllinger, Ign., Beiträge zur Sektengeschichte des Mittelalters, München 1890

- Dragić, R. Predrag, Catena Mundi. Srpska hronika na svetskim verigama I-II,


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- Dragojlović, Dragoljub, Bogomilstvo na Balkanu i u Maloj Aziji i bogomilski


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- Grujić, M. Radoslav, Pravoslavna srpska crkva (Die orthodoxe serbische Kirche),


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- Hl. Sava, Das Leben Simeons, in: Günther Stökl (Hg.), Serbisches Mittelalter –
Altserbische Herrscherbiographien, Bd. I, übersetzt, eingeleitet und erklärt von
Stanislaus Hafner, Graz – Wien – Köln 1962

- Janković, M., Episkopije i mitropolije srpske crkve u srednjem veku (Episkopate und
Metropolien der serbischen Kirchen im Mittelalter), Beograd 1985

- Jireček, Konstantin, Istorija Srba, Prva knjiga do 1537 (Die Geschichte der Serben,
Erstes Buch bis 1537), übersetzt von Jovan Radonić, Bd. 1, Beograd 21978

- Kalić, Jovanka, Zur Bezeichnung „Raška“ (Raszien) für den serbischen Staat bis
zur Mitte des 12. Jahrhunderts, Balcanoslavica 6 (1976)

- Kalić, Jovanka, Istorija srpskog naroda u šest knjiga, Prva knjiga: od najstarijih
vremena do Maričke bitke 1371 (Die Geschichte des serbischen Volkes in sechs
Bänden, Band 1: Von frühester Zeit bis zu der Schlacht an der Marica 1371), SKZ,
Beograd 1981
108

- Mandić, Svetislav, Velika gospoda sve srpske zemlje i drugi prosopografski prilozi
(Die grossen Herrschaften aller serbischen Länder und andere prosopographischen
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- Ostrogorsky, Georg, Byzanz und die Welt der Slawen, Beiträge zur Geschichte der
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Januar), Valjevo 1991

- Popović, Justin, Žitija svetih za mesec februar (Die Heiligenviten für den Monat
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(Zeugnisse orthodoxer Quellen über das Bogomilentum auf dem Balkan), Godišnjak,
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Nemanja – Sveti Simeon Mirotočivi, istorija i predanje, (Serbische Akademie der
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Nemanja – der Heilige Simeon der Myronströhmende, Geschichte und
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- Stanojević, Stanoje, Naši vladari (Unsere Herrscher), Beograd 1927

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- Zbornik radova Vizantološkog Instituta (Sammelwerke des Byzantologischen


Instituts), Bd. XII, Redakteur Georg Ostrogorsky, Beograd 1970
109

Radmila Ninić 15. September 2007


Ferdinandstr. 28 A
33649 Bielefeld

Erklärung

Ich versichere hiermit, die vorliegende Arbeit selbständig und nur mit den
angegebenen Hilfsmitteln angefertigt zu haben.