Essay zum Grundkurs Praktische Philosophie

Ein Paragraph für Tiere
Vorschläge für eine Änderung der bisherigen Tierrechte

Dozentin: Angelika Krebs Tutor: Andreas Schönenberger

Lucien Käslin Herbstsemester 2009

um die eigene Existenz. Die Würde des Tieres wird missachtet. Schäden und Angst vermieden werden 1 vgl. Darauf entsteht das Tierschutzgesetz (TSchG) vom 16. den Handel. den Tieren weitgehend Rechte einzuräumen. 4. Tierversuche abzuschaffen. und was diese Begriffe bedeuten: Art. Diskussionen über die Abschaffung einer Lebensgrundlage von anderen Menschen sind nicht einfach. 80 BV 2 .a. Wer kann von einem anderen Menschen verlangen. nur weil Tiere töten unmoralisch. das artgemässe Verhalten innerhalb der biologischen Anpassungsfähigkeit gewährleistet ist. seine Existenz als. Leiden. Würde: Eigenwert des Tieres. wie gesagt. Eine Belastung liegt vor. Darin wird u. weil es zu heftigen Konfrontationen zwischen den Betroffenen kommt. Tom Regan sprach sich dafür aus. Art. festgehalten. die die Menschen bis heute nur für sich beanspruchen und er verlangt. die Zucht von Tieren und ihrem Fleisch als Nahrung verbietet und zudem Tierversuche untersagt. In der Bundesverfassung der schweizerischen Eidgenossenschaft wird dem Bund die Kompetenz übertragen. b. ihre Werte und auch ihre Rechte. dass ihre Körperfunktionen und ihr Verhalten nicht gestört sind und sie in ihrer Anpassungsfähigkeit nicht überfordert sind. Änderungen in diesem Ausmass ziehen sich oft über Jahrzehnte hinweg. sie klinisch gesund sind. seinen Beruf und seine Selbstverwirklichung. es in Angst versetzt oder erniedrigt wird. 2. Wohlergehen: Wohlergehen der Tiere ist namentlich gegeben. wenn eine Belastung des Tieres nicht durch überwiegende Interessen gerechtfertigt werden kann. Leiden oder Schäden zugefügt werden. wenn tief greifend in sein Erscheinungsbild oder seine Fähigkeiten eingegriffen oder es übermässig instrumentalisiert wird. die Haltung und Ernährung so sind. Nichtsdestotrotz möchte ich im Folgenden eine Herleitung einer Gesetzesänderung formulieren. wenn: 1. welche Tiere ein Recht auf Würde und Wohlergehen im Sinne von Achtung seitens des Menschen haben. der im Umgang mit ihm geachtet werden muss. beispielsweise Metzger. sich um den Tierschutz1 zu kümmern. Dezember 2005. 3 Begriffe In diesem Gesetz bedeuten: a. Schmerzen.In der Vorlesung behandelten wir als Anwendungsbeispiel der jeweiligen Moralphilosophien den moralischen Gehalt von Tieren. wenn dem Tier insbesondere Schmerzen. aufzugeben. 3. die die Produktion. unnötig und grausam für die Tiere ist? In den Augen des Metzgers geht es.

soll prinzipiell nicht mit Rechtszwang durchgesetzt werden. indem er das Mitleid mit dem Tier sozusagen als Probe für den guten Charakter des Menschen sieht. der die Ansprüche gemäss biologischer Artenzugehörigkeit aufteilt. Obwohl Kant nicht auf die Empfindungsfähigkeit der Tiere näher eingeht. beschreibt er es als ehrwürdig. indem er keinen vernünftigen Sinn darin sieht.. Das Wohlergehen des Tieres ist hierarchisch dem Interesse des Menschen untergeordnet. tragischerweise wie allzu oft. 62 3 . Wenn also viele Menschen krank sind und ein grosses Interesse daran haben. die das Tier bis zum äussersten strapazieren. da das Überleben der 2SEELMANN K. weil viele Menschen es essen wollen. dass ein überwiegendes Interesse das Wohl eines Tieres rechtfertigen kann.Die ausgeführten Definitionen zeigen auf. Das heisst. den Seelmann erwähnt. wenn man zur Schulung seiner Persönlichkeit Rücksicht auf das Wohlergehen der Tiere nimmt. können Tierversuche für ihre Heilung. womit wir beim Speziesismus sind. weil er. dass bei BioProdukten Hühner „gesund ernährt und nicht in Batterien gehalten werden. Vielleicht ist es auf den ersten Blick unlogisch. In einem weiteren Schritt möchte ich natürlich trotzdem auf den Utilitarismus eingehen. Das Gleiche gilt auch für Tierversuche. gesund zu werden.. genau auf die gleiche Weise zu rechtfertigen. legitim sein. Aber Kant trifft den Kern der Problematik. weil es ja ein Interessenabwägungsprinzip ist. dass zum Beispiel ein Tier geschlachtet werden darf. zum Beispiel. S. Es ist ersichtlich.) die seit der Aufklärung wichtige Trennung von Recht und Moral: Das moralische Gebot. Dazu schreibt Kurt Seelmann treffend: „(. die Lösung des Problems bereithält. (etwa durch eine Blutspende) anderen zu helfen. Umgekehrt ist das Leiden eines Tieres. dass zwar Würde und Wohlergehen des Tieres geschützt. dass dem Tier das Wohl zugesteht.. ist bei Kant anzutreffen. sogar bis zum Tod. also ein überwiegendes Interesse am Tod des Tieres. wie sich herausstellen wird. aber nicht unantastbar sind. dass gesellschaftlich akzeptiert wird. Mitleid mit dem Tier als Gesetz anzusehen. besteht. Hier ist eine Verbindung zur Moralphilosophie Kants angebracht. Strafrecht Allgemeiner Teil. 2 Der Rechtszwang. nicht gleich auf den Utilitarismus einzugehen.

Was dabei. Demnach ist das Interesse des Tiers mehr oder weniger das Interesse des Menschen. als das Verbot von kommerzieller Nutzung von Tieren. Damit würde ein grosses. die heutige Lage zugunsten des Tieres zu ändern. ist tiefgreifender und fundamentaler. abgesehen von Vermeidung von Schmerzen usw. und die Tiere würden „sich selbst überlassen werden. Ein Eigeninteresse fast aller Tiere ist bis heute noch nicht (vollständig) nachzuvollziehen. dass es nicht um Interessen gehen sollte. da sie zudem das Überleben der Menschheit bedroht. 2 TSchG). Entsprechend hat ein jeder Mensch das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Dabei ist die Notwendigkeit der gesetzlichen Eingrenzung des Ausstosses von Schadstoffen wohl noch viel grösser und dringender. Schmerz usw. vielleicht sogar unbemerkt. Vielleicht ist eine ähnliche Situation mit dem Klimawandel entstanden.. wenn genug Menschen sich dafür interessieren. auf der Strecke bleibt. muss gesagt werden. als dass man es als solches bezeichnen kann. Man kann gesetzlich sozusagen gar nicht daran interessiert sein. Art 2 Abs. ist das Interesse. ohne Leid und Angst leben zu können. wie schon erwähnt. scheint nicht schwer zu fallen. keiner Folter ausgesetzt zu sein usw. dass dies zumindest zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich ist. um welches es eigentlich geht: Das Interesse der Tiere selbst.. nicht zu leben (nicht mit Suizid zu verwechseln). Das Interesse daran. Folglich liegt es. Die gleichen Menschen können sich aber dafür einsetzen. vielleicht sogar überwiegendes Interesse bestehen. Das Verhalten der Menschen und ihre Politik bleibt aber gleich. 1. auch am Menschen. egal ob dies in seinem eigenen Interesse ist oder nicht. So sollte es auch beim Tier sein. Art. Bei beiden Situationen steht eine unvorstellbare Einbusse im Wirtschaftssektor als Nachspiel 4 . dass der kommerziellen Nutzung der Tiere umfassend Einhalt geboten wird. Das verhindert indirekt die Wissenschaft. die die Grundlage der Zugeständnissen an Rechte für Tiere bildet in Bezug auf Angst. Das könnte durchaus zu einer Änderung im Gesetz und in der Gesellschaft führen. Die Einsicht. 6 Abs. Um die momentane Situation weiter zu kritisieren.Menschheit das ultimative Interesse überhaupt ist. (vgl. Leid.

Tötung von Tieren Die Herstellung von tierischem Fleisch und die Haltung oder Fütterung von Tieren zu diesem Zweck ist verboten. ganze Fabriklandschaften müssten abgebaut oder umgenutzt werden und beim Umweltschutz würde auch die technische und wissenschaftliche Fortschrittsgeschwindigkeit stark abnehmen. Wolleund Lederproduktion (nur bei natürlichem Tod) usw. überwiegende Interessen zu verzichten. allerdings muss die Instrumentalisierung der Tiere möglichst naturnah bleiben.bevor.B. Vorstellbar bleibt sicher. Lohn und Arbeitsbedingungen hätte und zudem die Umweltbelastung reduzieren würde. z. es entstünde eine neue Moral. Leid. Wahrscheinlich würde dies auch eine höhere Wertschätzung der betroffenen Produkte hervorrufen. wenn sie das Tier in den weiter unten genannten Bedingungen verletzen. Arbeitsplätze gehen verloren. Diese zwei Artikeln müssten wegen ihrer Wichtigkeit in der Verfassung der Schweiz stehen. was wiederum der Massenproduktion. die Milchproduktion. Eier usw. Das heutige Tierschutzgesetz müsste aufgelöst werden und ein neues müsste vor allem die „Ausnahmen regeln. dass ein Überleben genauso möglich für den Menschen wäre. Dazu folgende Vorschläge von der juristischen Seite: In die Verfassung: Tierversuche Kein Tier darf für Versuche verwendet werden. entgegenwirken würde und einen positiven Effekt auf Regionalität. weiterhin zu nutzen. die wir heute haben. die Schmerzen. Die Gleichwertigkeit von Tieren wäre mit einer radikalen Änderung des Gesetzes gegeben.. die vom Menschen verlangt. Um aber zurück zu den Tieren zu kommen muss gesagt werden. in Bezug auf Tiere auf unnötige. Angst oder gar den Tod hervorrufen. Weitere Probleme wie 5 . Erzeugnisse wie Milch. wenn er auf Fleischprodukte verzichten würde.

ein Entgelt zu verbieten. Angenommen. dann müsste man aufschreien und sagen. oder viel besser gesagt umgekehrt. müssten noch im Detail geklärt werden. möglich wäre sogar. Natürlich müssten sehr strenge Vorschriften gelten. Sanktionen usw. schmerzhafte Versuche durchzumachen.h. zu fragen. auf Fleisch zu verzichten und Tierversuche vorzunehmen. dass die Versuche am direkt betroffenen Objekt vorgenommen werden könnten und nicht nach einem Versuch noch auf den Menschen geschlossen werden muss. es soll kein Interesse des Menschen damit verbunden werden. genauso wie bei der Apartheid müsste der Wandel dazu führen. um der Wissenschaft den Fortschritt in der Forschung zu ermöglichen. d. wenn das Tier am Diskurs beteiligt ist. um einen „Versuchsmensch-Handel zu verhindern. Das würde auch den Vorteil bringen. Doch das ist schnell geklärt. Als mögliche Einwände könnte ich mir vorstellen. und sie zu respektieren. Wenn man sich in diesem Zusammenhang eine alte Frau vorstellt. so wie sie sind und nicht mit voreingenommenem Verhalten zu erniedrigen. denn es geht nicht um uns. Wildjagd. was das Ganze bringen soll.Übergangslösung. Genau wie bei Habermas Diskursethik wird Tieren dann einen „Wert zugestanden. wenn sie eine enge Beziehung zum Mensch haben. denn es soll keinem Menschen etwas bringen. 6 . die vorgeschlagenen Artikel würden angenommen und in die Gesetze geschrieben werden. Tiere am leben zu lassen oder ihnen kein Leid zuzufügen. wäre die Ehre der Tiere gerettet? Die Anerkennung von Tieren ist wohl einer der ältesten Widersprüche der menschlichen Geschichte. „das ist doch absurd! . zu denen sie keine soziale Beziehung hat. Stellenabbau. die genüsslich ein „Ossobuco verschlingt und mit der anderen Hand ihre liebe Katze streichelt. wie Frau Krebs es erwähnt hat. alle Betroffenen als eigenständige Kreaturen anzusehen. Die Menschheit müsste darauf verzichten. Im Gegenteil könnten Menschen sich freiwillig zur Verfügung stellen. Tiere auszuschliessen.

auch wenn das ein Satz ist. die neuen Ideen und Innovationen schnell aus dem Boden spriessen. gewachsen ist. sobald ein Umdenken stattgefunden hat. Ich bin mir jedoch nicht sicher. All das sollte die Menschheit dazu bringen. 7 . die unserer Intelligenz. aber mit der Finanzkrise und dem Klimawandel ist der Normalbürger schon mit zwei mehr oder weniger lebensbedrohlichen Fakten beschossen worden.Um noch ein letztes Mal eine Parallele zur Umweltdebatte zu vollziehen. den vielleicht nur Diktatoren brauchen. ob die Zeit dafür reif ist. ihre Vorgänger zu respektieren in einer Weise. ist als gute Nachricht anzubringen. die wir durch sie gewonnen haben. dass. weshalb fraglich scheint. ob eine Dritte Bedrohung noch Platz hat. neue Arbeitsplätze geschaffen werden und neue Erkenntnisse gewonnen werden können.

ch Bundesverfassung: www. Strafrecht Allgemeiner Teil.ch Kurt Seelmann. 4.Quellen & Literaturangaben Tierschutzgesetz: www.admin. Auflage.admin. erschienen 2009 bei Helbing Lichtenhahn Verlag Skripte & Reader aus der Vorlesung 8 .