RhoneZeitung

VON GRAFFENRIEO
ANDENMATTEN, EYER, WILLINER
VERMÖGENSVERWALTUNG AG
Perrighaus, Bahnhofstrasse 14, 3900 Brig,
T +41 2792211 77, www.gralfenried-brig.ch
Nr. 7 - Donnerstag, 24, Februar 2011 I Tel. 027922 29 11 I www.rz-online.chIAufiage 37 919 Ex. I GAZ/ AZ 3900 8rig
Kreuzdebatte. im Grossrat
Wallis Die SVP Wallis. nimmt si,ch das Kreuz zur Brust. In einem Postulat for-
dert SVP-Grossrat Franz Ruppen den Staatsrat auf, die nötigen Massnahmen
zu ergreifen, damit in jedem Klassenzimmer ein Kruzifix angebracht wird. Der
Grossrat wird in der März-Session darüber beraten. Seite 3
REGION
Chruchtelä
Fasnachtszeit ist «Chruchteläzit».
Finden Sie feine Rezepte zum
Ausprobieren auf Seite 4/ 5
REGION
Närrisches Treiben
Wie die Polizei sich für Streits an
der Fasnacht rüstet. Seite 7
ZERMATT
Google Street View
Google fotografiert erstmals Ski-
Pisten in der Schweiz. Seite 8
TURTMANN IUNTEREMS
Zusammenschluss
Darum sollen Unterems und
Turtmann fusionieren. Seite 15
REGION
Trockener Winter
Die Folgen des bis anhin trockenen
Winters sind nicht nur im Tourismus
zu spüren. Mehr dazu auf Seite 19
Der «Falzschreiber»
Charles-Louis loris hat die Visper
Fasnachtszeitung, den «Martini-
falz», verfasst. Seite 22/23
Titelseite
S. 1
Der Kreuzstreit geht weiter
WaUis Die SVP Wallis will
ein Kruzifix in jedem
Klassenzimmer an öf-
fentlichen Schulen. Allen
voran SVP-Grossrat Franz
Ruppen.
Der Disput um das Kreuz an öffent-
lichen Schulen nimmt kein Ende.
Jetzt fordert die SVP Wallis in einem
Postulat, dass der Staatsrat einen
Gesetzesvorschlag unterbreitet, da-
mit in allen Zimmern der öffent-
lichen Schulen ein Kruzifix ?u hän-
gen kommt. Der Grossrat wird in der
März-Session darüber beraten.
«Nötige Massnahmen ergreifen))
lässt Ruppen nicht geiten. "Wenn sich
Valentin Abgottspon als Präsident der
Freidenker Vereinigung Schweiz, Sek-
tion Wallis nicht gegen das Anbringen
von Kruzifixen in der Schule gewehrt
hätte, wäre das Postulat nicht nötig
gewesen. So aber mussten wir rea-
gieren.» Ruppen ist zuversichtlich,
dass das Postulat vom Grossrat ver-
abschiedet wird und der Staatsrat
einen entsprechenden Gesetzesent-
wurf vorlegen muss. Ob und inwie-
fern ein solches Gesetz überhaupt
anzuwenden wäre, bleibt fraglich.
Zur Erinnerung: 1990 hatte das Bun-
desgericht entschieden, dass das An-
bringen von Kruzifixen in den Schul-
zimmern der Primarschule in der
Tessiner Gemeinde Cadro gegen die
"Nach dem ganzen Brimborium der Das Kreuz mit dem Kreuz: Die SVP will das Anbringen des Kreuzes in Schulzimmern per verfassungsmässig vorgeschriebene
Freidenker Vereinigung Wallis, wo- Gesetz erlassen. Neutralität der öffentlichen Schule
nach das Kreuz aus der Schulstube
verschwinden soll, stellt sich die
grundlegende Frage, ob wir nicht das
Recht haben, in unserer christlich
geprägten Kultur zu unseren Wer-
ten und Traditionen zu stehen», sagt
SVP-Grossrat Franz Ruppen. Zusam-
men mit dem Unterwalliser Grossrat
IHRE MEINUNG
GEHÖRT EIN KREUZ INS
SCHULZIMMER?
Schreiben Sie uns an: RZ Oberwallis,
Saltinaplatz 1, 3900 Brig-Glis oder
unter leserbrief@rz-online.ch
Eric Jacquod fordert Ruppen dar-
um den Walliser Staatsrat auf, "die
nötigen Massnahmen zu ergreifen
und gegebenenfalls die nötigen Ge-
setzesgrundlagen zu schaffen, damit
die Schüler in jedem Klassenzimmer
einer öffentlichen Walliser Schule
Trennung von Kirche und Staat. Der
Staat soll sich nicht in kirchliche An-
gelegenheiten einmischen und die
Kirche soll sich aus politischen Fra-
gen heraushalten. Mit diesem Vorge-
hen haben wir in der Schweiz bisher
sehr gute Erfahrungen gemacht.»
durch ein Kruzifix an den Glauben Für Eyer wird das Kruzifix von der
unserer Väter erinnert werden.» SVP "ZU populistischen Wahlkampf-
zwecken missbraucht.» Darum wer-
eePopulistischer Wahlkamph) de man auf das Postulat auch nicht
Für German Eyer, Vizefraktionschef eintreten.
der SPO, hat die SVP damit ein The-
ma aufgegriffen, "das gar keins ist.» Verletzung der Religionsfreiheit
"Unsere Partei ist für eine strikte Den Vorwurf nach Effekthascherei
verstosse. Und auch der internatio-
nale Gerichtshof für Menschenrechte
entschied in einem Fall, dass das obli-
gatorische Anbringen von Kruzifixen
in Schulräumen gegen die Menschen-
rechtskonvention verstosse und die
Religionsfreiheit verletze.
_____ _ _ __ Walter Bellwald
DER RZ·STANDPUNKT German EscherChefredaktor
WERTLOSE
ZEITEN?·
Gehört das Kreuz in jede Schulstu-
be? Diese Frage erhitzt nach wie vor
die Gemüter (siehe oben). In Tat und
Wahrheit ist es eine Schattendiskus-
sion. Viele dieser «Kreuzritter» klam-
mem sich schon fast"rundamentalistisch
an dieses Symbol. In der Diskussion
geht es nicht nur um das Zeichen des
christlichen Glaubens, sondern um den
Erhalt unserer Werte. Vor diesem Hin-
tergrund habe ich gegen das Kreuz als
Symbol einer christlichen Einstellung,
die auch von Toleranz und Nächstenlie-
be geprägt ist, nichts einzuwenden.
Dennoch stellt sich die Frage: Wie
viel ist uns diese Haltung in Tat und
Wahrheit - und somit auch in Franken
- wert? Welche Werte sind in unserer
Gesellschaft wichtig?
Zur ersten Frage: Martin Grichting,
umstrittener Generalvikar in Chur, hat
am Wochenende überraschend die Ab-
schaffung der Kirchensteuer gefordert.
Grichting glaubt, dass bald einmal die
Hälfte der Steuerzahler konfessionslos
sind. Kirchen hätten sich deshalb vor
allem über Spenden zu finanzieren. Dem
Griff an die Geldtöpfe des Staates kann
sich der Bündner Generalvikar nicht ver-
wehren. Er stellt sich eine Art Mandats-
steuer vor. Jede Kirche, die sich in einem
Vertrag zur Bundesverfassung mit ihren
demokratischen Grundsätzen bekennt,
käme in den Genuss der Steuergelder.
Dabei könnte jeder Steuerzahler selbst
bestimmen, wem sein Anteil zu Gute
kommt. Denkbar wäre allenfalls auch
die Unterstützung staatlicher, humani-'
tärer Projekte. Das Modell wäre kompli-
zierter, aber zumindest transparenter als
die Walliser Lösung, bei der kein Bürger
weiss, wie viel Steuergelder in die Scha-
tulle der Kirchen abfliessen.
Bliebe da noch die zweite Frage,
nämlich jene über die Werte, welche
in unserer Gesellschaft zu gelten ha-
ben. Die Trennung von Kirche und Staat
ist richtig. Der Staat soll sich nicht um
Glaubens-, sondern um Ethikfragen küm-
mern. In dieses heikle Kapitel gehört et-
wa die Frage der Sterbehilfe. Wer letzte
Woche den Dokfilm «Tod nach Plan» auf
SF gesehen hat, weiss, was ich damit
meine. Dar{ der Staat zusehen, wenn
Sterbehilfeorganisationen psychisch
kranken und lebensmüden Menschen
den Suizid ermöglichen? Mit dem Kreuz
im Schulzimmer lassen sich vermutlich
kaum Menschenleben retten - mit klaren
Auflagen zur Sterbehilfe aber sehr wohl!
RZ, 24.02.2011, Seite 3 unten
DER RZ·STANDPUNKT German EscherChefredaktor
SCHULSCHLUSS
Auf Glaubensfragen reagieren
viele Menschen sensibel. Das zeigt
der aktuelle Kreuzstreit - und die
zahlreichen Leserreaktionen auf Seite
9 dieser Ausgabe.
Ebenso e.mpfindlich reagieren
Eltern auf Schulfragen - zumindest
dann, wenn die eigenen Kinder noch
schulpflichtig sind.
In Brig-Glis kommen beide The-
men nun zusammen. Vergangene Wo-
che hat der Briger Stadtrat beschlos-
sen, den Vertrag mit der evangelischen
Schule aufzulösen. Die Konsequenz:
Die Schule wird wohl stufenweise auf-
gelöst.
Der Entscheid des Stadtrats ist mu-
tig und wohl auch richtig. Die Zahl der
Kinder mit evangelischem Glauben sind
heute klar in der Minderheit. Zwar las-
sen sich auch andere (katholische oder
konfessionslose) Eltern für die evan-
gelische Schule begeistern. Aber leider
nicht genügend; dei Schule gehen die
Kinder aus. Zwangszuteilungen von
Kindern in die evangelische Schule sind
aber rechtlich und pädagogisch frag-
würdig. Eine andere Gewichtung der
Fächer (mehr Musik anstelle von Ma-
thematik und Deutsch) und das doppel-
stufige Klassensystem sind wesentliche
Unterschiede. Wer die Chancengleich-
heit für alle Primarschüler von Brig-Glis
ernst nimmt, darf die Zwangszuteilung
von Kindern in eine Schule mit anderer
Stundentafel nicht akzeptieren.
Man mag die Besonderheiten
der evangelischen Schule durchaus
als Stärke sehen. Objektiv betrachtet
scheint diese Schule aber nicht mehr
attraktiv genug. Wer dennoch an dieser
Art des Unterrichts festhalten will, muss
sich organisieren - und eine Privat-
schule gründen.
Die Bewohner kleiner Bergdörfer
werden sich beim Lesen dieser Zeilen
zu Recht an den Kopf greifen. Vielerorts
kämpfen die Gemeinden um den Erhalt
ihrer Dorfschule. Nur in Brig-Glis wird
darüber debattiert, ob einer öffent-
lichen Schule Sonderrechte einzuräu-
men sind. Ich meine, nein.
Im Mittelpunkt der Schule muss
das Kind stehen - unabhängig davon,
ob es in e i n ~ r grossen Talgemeinde
oder in einem kleinen Bergdorf lebt.
Wir brauchen weder evangelische noch
katholische Schulen, sondern einen
kindergerechten Unterricht, bei dem
zeitgemässe Lerninhalte ebenso dazu-
gehören wie die Vermittlung eines tole-
ranten Menschenbildes.
RZ, 03.03.2011, Seite 3 unten
(Leserbriefe zum Artikel «Kreuzstreit
geht weiteo) vom 24. Februar)
TIEFES NIVEAU
Die Kre-uzdiskussion bewegt nicht nur
unseren Kanton, sondern bereits die
ganze Schweiz. Manche Befürworter
führen ins Feld, dass in einigen (isla-
mischen) Ländern die Religionsfreiheit
nicht gewährleistet sei und man daher
auch hier das Christentum auf jeden
Fall durchsetzten muss. Der Zweck hei-
ligt ja schliesslich die Mittel. Ich befür-
worte keinesfalls das Nicht-Einhalten
der Religionsfreiheit, ein gewisses
(tiefes) Niveau ist d'l.mit sicherlich ver-
bunden. Allerdings stellt sich nun doch
eine Frage: Die Schweiz ist den Konser-
vativen zu Folge ein hoch kultiviertes
Land mit vielen guten Eigenschaften,
welche ich trotz allem nicht missen will.
Ist es dann aber nötig, sich ebenfalls
auf ein solch tiefes Niveau herabzulas-
sen und den eigenen Glauben unbe-
dingt propagieren zu wollen? Wir sind
nämlich bereits auf gutemWeg dazu, es
geht steil bergab. Wieso nicht ein Vor-
bild sein für andere Staaten und eine
möglichst Religionsfrei-
heit und strikte Trennung von Kirche
und Staat präsentieren? Wo bleibt die
Moderne? Wieso wird diese Diskussion
nur von «älteren» Leuten geführt? Wer
nicht mehr zur Schule geht, kann sich
vielleicht sagen, dass es ihm egal sei,
er merke sowfeso nichts davon. Aber so
kann und wird unsere Gesellschaft
nicht länger funktionieren.
Die «Schuld» aufValentin Abgottspon
und die Freidenker abzuschieben, er-
achte ich indes als billig. Herr Ruppen,
falls Sie dies lesen sollten - die SVP
meint ja immer: «Schweizer wählen
SVP». Sie in diesem Falle aber zu unter-
stützen Und ein Kreuz-Obligatorium ein-
zuführen, verstösst ohne Wenn' und
Aber 'gegen die Grundsätze der von Ih-
nen so sehr geliebten Schweiz. Halten
Sie das nicht für sehr widersprüchlich?
Ich für meinen Teil halte an den Grund-
festen einer neutralen Schweiz fest - ei-
ner Schweiz, die hicht nur politisch,
sondern auch religiös neutral ist. Wenn
schon ein Kreuz aufhängen, dann auch
die Symbole anderer Religionen oder
garnichfs.
Juniper Wyer, Gamsen
UND DAS MEINEN'
'LESERINNEN UND LESER •••
GOTT ALS NOTHELFER
Wie weit ist das Wallis schon gesunken? .
Wenns einem gut geht, denkt keiner an
Gott. Aber kaum ist jemand in Not,
springt man in die Kirche und bittet um
Gottes Hilfe und Erbarmen.
Es wäre auch besser, wenn Herr Abgott-
spon seinen Nachnamen ändern würde,
denn derjenige, der gegen ein Kreuz im
Klassenzimmer ist, ist -es auch nicht
wert, das Wort «Gott» in seinem Nach-
,namen zu tragen!!!
Watter Bloch, Brig
MUT ZUR RELIGION
Manche Leute sind farbenblind, und
es ist mir immer vorgekommen, als ob
ihnen etwas fehlt, das ihr Leben be-
reichert. Manche Leute sind gehörlos,
und es ist mir immer vorgekommen, als
ob ihnen etwas fehlt, das ihr Leben be-
reichert. Manche Leute sind religions-
los, und es ist mir immer vorgekom-
men, als ob ihnen das Zentrum ihres
Lebens fehlt.
Unsere Eltern und Vorfahren haben uns
den christlichen Glauben auf unseren
Lebensweg mitgegeben, und dafür bin
ich ihnen unendlich dankbar. Alles
kann uns im Leben genommen werden,
aber unser Glaube trägt uns durch all
unsere Lebenstage. I!:r ist nichts Ein-
. schränkendes, sondern ein grosses
Geschenk.
Unsere Vorfahren in unserem Abend-
land haben sich in voller Gottesüber-
zeugung für unsere Rellgion eingesetzt.
Für sie brauchte es viel mehr Mut, zum
Christentum zu stehen, als es für uns
Zivilcourage braucht, zu einem Kreuz in
unseren Schulzimmern positive Stel-
lung zu nehmen. Jeder Andersgläubige
ist bei uns herzlich willkommen, und
wir müssen uns gegenseitig akzeptie-
ren und einander grossen Respekt ent-
gegenbringen. Aber wir erwarten auch
Toleranz von Andersgläubigen, dass sie
unsere Tradition tolerieren, ein Kreuz
an unsere Wände zu hängen. Denn vom
geschichtlichen Standpunkt aus gese-
hen sin.d wir das christliche Abendland.
Ich habe in meinem 'Schulalltag an der
Sekundarschule die Erfahrung ge-
macht, dass sich Mohamedaner nie
daran gestossen haben, dass ein Kreuz
an unseren Schulzimmerwänden hing.
Nicht eih einziger Schüler fühlte sich Je-
mals durch ein Kruzifix gestört.
Ich möchte Herrn- Ruppen Franz ganz
. herzlich danken, dass er sich für das,
Kruzifix im Schulzimmer einsetzt. Dies
braucht heutzutage mehr Mut, als sich
gegen die Religion zu stellen.
Wenn sich ein Mensch so vehement
gegen ein Kreuz wehrt, dann frage ich
mich immer: «Was ist bloss in der
Lebensbio.graphie dieses Menschen
passiert, dass er so viel negative Ge-
fühle gegen ein Kruzifix aufbringt?»
Denn unsere Religion ist eine ' Botschaft
der Liebe und der Freude: Und ich be-
daure die in deren Herzen
sich beim Anblick des Kruzifixes negati-
ve Gefühle aufstauen.
IIse Carlen-Steiner, Reckingen
NÄCHSTENLIEBE LEBEN
Ein Kreuz gehört eigentlich nicht an die
Wand eines Schulzimmers, sondern gut
sichtbar, auch im Alltag, an die Brust je-
des einzelnen Bürgers, der zu seiner
christlich geprägten Kultur (was immer
das ist), zu seinen Werten und Tradition
steht! Daswäre Ehrlichkeit.
Nein, im Ernst: das zentrale christliche
Gebot: «Du sollst deinen Nächsten lie-
ben wie dich selbst» lebt man nach sei-
nen besten Kräften und Möglichkeiten -
oerer man lässt es sein.
Ruedi Hitz, Mund
(Leserbrief zum Artikel «Saas-Grund
baut sein Resort» vom 17. Februar)
GEMEINDERAT FÜR
FERIENRESORT
In der RZ (Rhone Zeitung) vom 17. Feb-
ruar wurde über das Projekt «Hohsaas
Alpine SA» berichtet. Dabei wurde mit-
geteilt, dass das Resort nun yon der
. Grischalpin AG in Zusammenarbeit mit
lokalen Partnern realisiert und betrieben
werden soll. Es entspricht der Wahrheit,
dass sich die Bevölkerung an der Ab-
stimmung vom 29. Oktober 2010 gegen
die Beteiligung der Bergbahnen am Pro-
jekt entschieden hat. Hingegen müssen
wir die Aussage, dass der Gemeinderat
von Saas-Grund die Bevölkerung mobili-
siert habe, das Projekt abzulehnen, klar
und deutlich dementieren. Wir möchten
klarstellen, dass sich der Gemeinderat
an seiner Sitzung vom 7. Juli. 2010, ent-
gegen der Mitteilung in der RZ, mit 3 zu
2 Stimmen für die Unterstützung des
PrOjektes entschieden hat. Die im ent-
sprechenden Artikel veröffentlichte Aus-
sage des Gemeindepräsidenten ent-
spricht also nicht den Tatsachen.
Wir, die Mehrheit des Gemeinderates,
haben uns für das Projekt und für eine
zukunftsorientierte Entwicklung der Ge-
meinde Saas-Grund eingesetzt. Wie be-
reits im Vorfeld zu erwarten war, wird
das Projekt nun auf privater Basis reali:
siert. Dies mit dem Effekt, dass wir kei-
nen Einfluss mehr auf dessen Umset·
zung und die späteren Auswirkungen
nehmen können, und dass anstelle von
warmen Betten nun mehrheitlich kalte
Betten erstellt werden.
Pius Zurbriggen, Chrsitoph Anthamat-
ten, Doris Werlen, Saas-Grund
NÄCHSTEN LI EBE
STATT KREUZE
(Leserbriefe zum Artikel «Kreuzstreit
geht weitem vom 24. Februar 2010)
Ist der Streit um das Kreuz christlich?
Woher entspringt die Auffassung,
dass das Kreuz ein christliches Sym-
bol sein soll?
Nachschlagewerke weisen oft auf den
Gebrauch des Kreuzes in alter Zeit
hin, weit zurück vor derTötung Jesu
Christi. Im christlichen Glauben wurde
das Kreuz durch Konstantin
(306-337) eingeführt, also wesent-
lich später als zur Zeit der Grundlage
des Christentums durch Jesus selbst
zu Pfingsten.
Wie sah das Mordwerkzeug Jesu aus?
Das griechische Wort «stauros» (ver-
wendet in Markus KapitellS, Vers 21)
wird in Langenscheidts Taschenwör-
terbuch mit «Pfahl, Palisade oder
Kreuz» übersetzt. Das Wort «Xylon»
(verwendet in Apostelgeschichte Kapi-
tels, Vers 30) wird mit «Holz, Scheit,
Brennholz, Balken ... » übersetzt. In
der Übersetzung beider Wörter steht
vorrangig ein einfaches Holz. In einem
Nachschlagewerk (A Critical Lexikon
and Concordance to the English and
Greek New Testament) heisst es betref-
fend dieser Wörter: «Keines der beiden
Wörter stimmt mit der heutigen Vorstel-
lung vom Kreuz überein, an die wir uns
durch Bilder gewöhnt haben.»
Falls Jesus an e i n e ~ Kreuz gestorben
wäre, was eher nicht der Fall war, stellt
sich noch die Frage, ob es dem Wunsch
und Charakter von Jesus entspricht,
dass wir sein Mordwerkzeug aufhän-
gen? (Wenn jemand, den ich liebe, er-
mordet würde, so könnte ich nie die
W a f f e ~ die den Tod herbeigeführt hat,
aufhängen.)
Somit die Frage: Welches Symbol oder
Zeichen zeichnet echte Christen wirk-
lich aus?
Wie wir im Evangelium des Apostels Jo-
hannes lesen können, ist es die Liebe!
«Daran werden alle erkennen, dass ihr
meine Jünger seid, wenn ihr Liebe habt
untereinan;ler» (Zitat aus Johannes Ka-
pitel13, Vers 3S gemäss katholischer
Familienbibel). Somit sollten wir daran
arbeiten, die Schulzimmer mit christli-
cher Liebe zu schmücken.
Esther Glowczewski, Bitsch
HASS SCHÜREN
Im Buch «Hexenbrände» von Franz Ru-
eb kann man Folgendes über die Ge-
schichte des Teufelwahns in der
Schweiz nachlesen: «._. ums Jahr 1428
schaffte es der Bischofvon Sitten in an-
derthalb Jahren, gegen etwa sieben-
hundert Menschen Prozesse zu veran-
stalten und etwa zweihundert Hexen
und Hexer wurden auf grausamste Art
zu Tode gefoltert und verbrannt...».
Wohlgemerkt: dies war der Anfang,
nicht das Ende dieses grausigen
Wahns.
Mit Recht kann man da einwenden: Das
ist schon sehr lange her. Niemand wird
heutzutage mehr auf den Scheiterhau-
fen geworfen und schon gar nicht mehr
von der Kirche. Das ist sicher richtig.
Mir scheint aber, dass die hasserfüllte
Einstellung gegenüber Andersgläu- .
bigen noch längstens nicht aus allen
Köpfen verbannt ist.
Und noch etwas: auf merkwürdige Art
und Weise scheinen auch die seeli-
schen Wunden der damaligen Opfer
keineswegs verheilt und verschwunden
und haben bis auf den heutigen Tag ih-
re unheilvolle verborgene Wirkung.
Aber darüber wird Stillschweigen be-
wahrt.
Rudolf Hitz, Mund
RESPEKT WAHREN
Vielen Dank Herr Ruppen für Ihr Be-
mühen wegen dem Kreuzstreit in den
Schulen. Es tut mir leid, dass das ein
Problem ist. Früher war es bei uns so:
Wenn eine Wohnung vererbt wurde,
musste das Kreuz in der Stube bleiben
und niemand hatte das Recht, es sich
anzueignen, auch wenn es noch so
kostbar war. Die Ehrfrucht und der Re-
spekt vor dem Kreuz waren gross. Jetzt
wird über das Kostbare so gestritten.
Schade!
Ich hoffe, dass das Kreuz in jeder Woh-
nung und in jedem Schulzimmer wieder
einen Ehrenplatz bekommt.
Fides Zimmermann, Visperterminen
WERTE VERMlnELN
Ich bin als Katholikin in einem refor-
mierten Kanton (Glarus) aufgewachsen,
seit 1982 im Wallis zuhause und hier
sehr glücklich und zufrieden.
Ich finde es sehr gut, dass in unseren
Schulen das Kruzifix hängt und ich
denke, dass wir vermehrt zu unseren
christlichen Wurzeln und Traditionen
stehen sollten.
Wenn man die Werte eines Kreuzes den
Kindern richtig vermittelt, kann es ih-
nen mehr Halt und Schutz geben, was
ja in der heutigen Zeit bestimmt sehr
förderlich wäre.
Betreffend Religionsfreiheit - es kann
doch nicht sein, dass in einem christli-
chen Land Kopftuch, Burka und Mina-
rette erlaubt sind, jedoch unser Kreuz
entfernt werden soll.
Ich hoffe nicht, dass unsere Politiker so
etwas Absurdes je in Betracht ziehen
werden.
Heidy Grichting, Leukerbad
RZ, 10.03.2011, Seite 17