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PUBLIC-P RIVATE-P ARTNERSHIP

09.05.2011

Wie staatliche Hochschulen ihre Studienabschlüsse verkaufen
Seit einigen Jahrengibt es private Bildungseinrichtungen an denen man durchaus , beträchtliche Studiengebührenzahlen muss, um am Ende den Abschluss einer staatlichen Hochschule zu erlangen, an der man nur wenig Zeit verbringt (und zwar im wesentlichen zur Abnahmeeiniger Prüfungen). Studis Online hat sich diese Kooperationen näher angeschaut. Einige sind nicht nur politisch zweifelhaft, sondern auch rechtlich. Von Ralf Hutter "Die Unternehmen brauchen heute nicht mehr eigene Hochschulen zu gründen, um sinnvoll zu investieren, sie können das an den staatlichen Hochschulen tun. Die sind nach der Entfesselung qualitativ genauso gut, wenn nicht besser." Diese Feststellung[ http://www.tagesspiegelde/wissen/die-privatunis-gehoeren-nicht-zur. elite/1413626.html ] ist nur etwas mehr als zwei Jahre alt und stammt von Detlef MüllerBöling, dem langjährigenLeiter und Vordenker des kapitalistischorientierten Centrum für Hochschulentwicklung(CHE). "Die Entfesselung"? Müller-Böling geht wohl nicht ganz zu Unrecht davon aus, dass die in seinem Buch "Die entfesselte Hochschule" (2000) veröffentlichtenÜberlegungen zur besseren Vermarktung des universitärenTreibens (Managementstrukturenstatt Mitbestimmung ungleiche finanzielleFörderung der Unis statt einheitlicheUni-Landschaft ; usw.) die jüngsten Entwicklungenim deutschen Uni-Sektor mitgeprägt haben. Die

Verzahnung von Unternehmen und universitärerForschung beziehungsweiseAusbildung findet einen immer deutlicheren Ausdruck. Zum Einen zeigt sich das an dem Einstiegstaatlicher Hochschulen in den kostenpflichtigen Weiterbildungssektor über den hier schon , bezüglich Berlin zu lesen war.1 In Bayern wurde Ende Februar ein Gesetz zur Einführung gebührenpflichtigerberufsbegleitender Studiengänge beschlossen.2 Modellversuchelaufen bereits seit Dezember an vier Fachhochschulen. Kosten sollen die Studiengänge bis zu 2000, beziehungsweisebei ingenieurs- und naturwissenschaftlichenFächern 3000 Euro pro Semester, wie das zuständige Landesministerium Studis Online mitteilte. Der Grund: "Die Gebühren sollen der Deckung des konkreten Mehraufwands der Hochschulen dienen." Im Zuge dieser Neuerung wurde der Begriff "sonstige Studien" ins Hochschulgesetzaufgenommen. Er steht sogar im Titel des Artikels 56. "Sonstige Studien" sind keine Studiengänge, sondern dienen dem "Erwerb von wissenschaftlichenoder beruflichen Teilqualifikationen Die Module können sowohl von ". Externen belegt werden, als auch von Studierenden zusätzlich zu ihrem Studiengang. Zum Anderen kommt besagte Verzahnung zum Ausdruck, wenn Hochschulen Studien in Kooperation mit Unternehmen anbieten. Das sind zwar meistens ganze Studiengänge. Doch der in Bayern geprägte Begriff der "sonstigen Studien" macht durchaus auch in diesem Bereich Sinn, denn auch der sporadischen Weiterbildungdienende Angebote können ja in Zusammenarbeit mit Firmen organisiertsein.
unpict - Fotolia.com Wer an privaten Einrichtungen - auch im PPP-Modell - studiert, muss in der Regel mit Studiengebühren in Höhe von mehreren Tausend Euro im Semester rechnen.

Im Folgenden geht es um verschiedene Aspekte der öffentlich-privaten Kooperationen im Hochschulbereich. Schauplätze sind dabei Dortmund und das Bundesland Sachsen. Franchising und Narrenfreiheitin Dortmund In Dortmund gibt es gleich zwei Institutionen die Hochschule und Unternehmen verzahnen , – um nicht zu sagen: verschmelzen. Das liegt an der dortigen Fachhochschule, die staatliche Titel (akademische Grade) auch für privatwirtschaftlichorganisierteunternehmensnahe Ausbildungenvergibt. Da ist zum einen der Aus- und Weiterbildungsanbieter"W3L-Akademie". "W3L" steht für "Web Life Long Learning", also lebenslangesLernen vermittels des Internets. Einziges Studienfach ist dort Web- und Medieninformatik Nicht nur dieser Bachelor-Abschluss wird . über die W3L-Akademie von der FH Dortmund verliehen, sondern auch ein halbes Dutzend damit zusammenhängender Weiterbildungszertifikate die einzeln absolviertwerden können , und Namen wie "Junior-Programmierer/in" und "Software-Architekt/in" tragen. Bemerkenswert ist dabei, dass sich diese so genannte "Akademie" mindestens genauso sehr wie an die potenziellenStudierenden, auch an die Unternehmen wendet: "Die W3L-Akadmie bietet Unternehmen die Möglichkeit ihre Nachwuchsförderung um das Angebot des Dualen , Studiums zu erweitern.", ist in ihrem Internetauftrittzu lesen. Und weiter: "Das W3LOnline-Studium erlaubt den Verbleib des Studierenden im Unternehmen, 8 Stunden am Tag, 5 Tage die Woche, wobei die Lern- und Arbeitszeiten vollständigflexibelzwischen Unternehmen und Studierenden vereinbart werden können." Dieses "Study&Job-Modell" versteht sich als Alternative zum Präsenzstudium, denn die Lerninhalte werden per Internet konsumiert. Der Studieneinstiegkann jederzeit erfolgen, fünf Mal pro Jahr können Prüfungen gemacht werden. Ein Modul kostet übrigens 400 Euro und pro Semester werden 150 Euro fällig, so dass selbst wer die 36 Module in sechs Semestern studiert (was einem Vollzeitstudiumentspräche) über 15 000 Euro bezahlt.

Ebenfalls eine duale Ausbildungbietet das IT-Center Dortmund (ITC), das nach eigenen Angaben "seit 2000 in kompakten, praxisorientiertenStudienprogrammen IT-Spezialisten für die Wirtschaft ausbildet". Kompakt und praxisorientiertist das offensichtlich– aber ein Studium hatten wir uns bisher anders vorgestellt "Deutschlands schnellstesInformatik. Studium", so die Selbstbezeichnung, dauert nämlich nur zwei Jahre. Es endet auch nicht mit einem Bachelor-Titel, sondern mit dem Abschluss "IT-Professional". Das Modell sieht so aus: "Die ITC'ler sind 14 Monate und damit mehr als die Hälfte ihrer Studienzeit als Mitarbeiterin der IT-Abteilungihres Partnerunternehmens tätig. Während des Semesters sind sie zwei Mal in der Woche im Unternehmen tätig. Zudem verbringen sie die vorlesungsfreieZeit vollständigim Unternehmen." Da ist es kein Wunder, dass das Unternehmen die Studiengebühren von 520 Euro pro Monat übernimmt und "in der Regel" zusätzlichein "Praktikantengehalt zahlt. Im " Anschluss kann übrigens nach zwei Semestern Abendschule der ebenfalls von der FH Dortmund verlieheneTitel "IT-Bachelor" erreicht werden. Angesichtsdieser Freizügigkeitder FH Dortmund, was ihre Titel angeht, tun sich Fragen auf. Studis Online stellte dem zuständigen Landesministeriumeine ganze Reihe: 1. Ist es von der Staatsregierunggewünscht, dass in Zukunft weitere privatwirtschaftliche Anbieter solche Kooperationen anbieten und Kurse durchführen, die eine staatliche Hochschule dann mit einem Titel krönt? 2. Wie viele solcher Einrichtungenund Kooperationen gibt es ungefähr in NRW? 3. Die W3L-Akademie bewirbt ihr Fernstudium mit Abschluss der FH Dortmund unter anderem damit, dass das eine Alternativezum Präsenzstudiumsei. Wie steht die Staatsregierungzur Einrichtung von staatlichenFernstudiumsangeboten für die dann , die gleichen Bedingungen, insbesondere im Bereich der Studienförderung, gelten, wie für normale staatlicheHochschulen? Gibt es da eine Marktlücke, die momentan nur privatwirtschaftlicheAkteure füllen? 4. Wie verträgt sich der Abschluss "IT-Professional" des ITC Dortmund, der nach 2 Jahren "Studien"-Zeit einen berufsqualifizierendenTitel darstellt, mit der von der

europäischen Ebene kommenden Übereinkunft, dass ein Erststudium3 Jahre dauern solle? Wie bewertet es die Staatsregierungzudem, dass im Rahmen dieser Ausbildung die vorlesungsfreieZeit vollständigim Partnerunternehmen verbracht wird und selbst in der Vorlesungszeitan zwei Tagen in der Woche im Unternehmen gearbeitet wird (was den Studienumfang weiter reduziert)? 5. Ist die Möglichkeitgegeben, dass besagte 3-Jahres-Vorgabe durch solche öffentlichprivaten Kooperationen unterlaufen wird? 6. An welchen Hochschulen in NRW ist es möglich, ohne Hochschulreife-Zeugnis zu studieren? Ist die W3L-Akademie, wo beispielsweise3 Jahre Berufserfahrung ausreichen, um ein "fachtreues" Studium zu beginnen, diesbezüglicheher der Normalfall, oder eine Ausnahme? Die Antwort kam erst eine Email, eine telefonischeNachfrage und sechs Wochen später: "Der Grad wird vergeben seit dem 1. August 2001. Diese spezielleKooperation ist wegen des IT-Fachkräftemangelsnur in Dortmund gegründet worden5Das Studium wird angeboten im Rahmen des "Franchising der Hochschulen in staatlicher Trägerschaft" nach dem NRW-Hochschulgesetz. Die Fachhochschule muss die Qualität des Studiums an der anderen Bildungseinrichtunggarantieren und überprüfen." Diese Antwort hat zwar wenig mit den gestellten Fragen zu tun – aber na gut, es war mitten in der Karnevalswoche. Auf nochmalige Zusendung der Fragen kam jedoch die Antwort, mehr könne dazu "leider" nicht gesagt werden. DezentraleStudien und rechtliche Grauzonein Sachsen Während in Dortmund die ganze Struktur des "Studiums" von der Einbezogenheitder Unternehmen geprägt ist, sehen öffentlich-private Kooperationen in Sachsen eher so aus, dass traditionellstrukturierte Studienangebotein Kooperation mit privatwirtschaftlichen Einrichtungenerbracht werden.

Eine der, zeitlichund – mehr noch – konzeptionellgesehen, Vorreitereinrichtungendürfte dabei die AMAK aus dem Städtchen Mittweida sein: "Die Akademie für multimediale Ausbildungund Kommunikation an der Hochschule Mittweida (AMAK AG) ist ein außergewöhnlichesBildungsunternehmen", da sie "in der für hochschulnahe Einrichtungen noch seltenen Rechtsform einer Aktiengesellschaft arbeitet, so die Selbstvorstellungim " Internet. "Hochschulnah" bedeutet: Die AMAK bietet mit Kooperationspartnern in verschiedenen deutschen Städten nach dem Motto "privat studieren, staatlich abschließen" (so der Münchener Partner Campus M21) Ausbildungenan, die am Ende mit einem Titel der Hochschule Mittweida gekrönt werden. Am profiliertestenist die AMAK, und wohl auch die Hochschule selbst, im Medienbereich. Zwei der vier von der AMAK angebotenen Bachelor-Studiengänge sind aus diesem Bereich, und über 90 Prozent der AMAK-Studierenden. Die "Partnerakademien" der AMAK sind zahlreich und auf ganz Deutschland verteilt. Dort finden die eigentlichenKurse statt. Erst im fünften Semester geht es für fünf Wochen nach Mittweida. Dort soll dann auch im sechsten Semester die Bachelor-Arbeit geschrieben werden. Der mit Abstand größte Teil des Studiums findet also nicht an der Hochschule statt. Das Studienmodell wird deshalb als dezentral und von der Hochschule nur gelenkt bezeichnet. Der beteiligteProfessor Ludwig Hilmer erklärt gegenüber Studis Online: "Das DHS-Modell (dezentraleshochschulgelenktesStudium) besteht seit einem Jahrzehnt. Es ermöglichtden Studierenden, im unmittelbaren Branchenunfeld zu studieren. Die Gründung der AMAK erfolgte 1999/2000 auf Anregung des damaligen sächsischen WissenschaftsministersProf. Dr. Joachim Mayer. Er wollte das staatliche sächsische Hochschulwesen u.a. mit diesem Kooperationsmodellgegen die sich damals abzeichnende (und mittlerweileeingetretene) demographische Entwicklung/Krise stärken."

Zur Gründung einer Aktiengesellschaftbraucht es ja Kapital. Mit wessen Geld wurde die AMAK also gestartet? Dazu führt Hilmer aus: "Entsprechend der Gründungsintention, nach der der Freistaat finanziellentlastet werden sollte, ist die Hochschule nicht Gesellschafter Sie nimmt aber durch Kontroll. und Aufsichtsgremienstarken Einfluss. Die Gesellschafterder AMAK AG sind Professoren der Hochschule, Brachenexperten sowie Vertreter der örtlichen sächsischen Wirtschaft." Das Unternehmen hat übrigens bescheidene Dimensionen. Nach Hilmers Angaben besteht der Vorstand aus zwei, und der Aufsichtsrat aus drei Personen. Und Gewinne werden demnach nicht ausgeschüttet, sondern reinvestiert. Wenn das Land Sachsen finanziellentlastet werden sollte– wer wird dann belastet? Doch nicht etwa die Studis? Nein, Studiengebühren gebe es keine, antwortete jüngst das zuständige Landesministeriumauf eine Parlamentsanfrage Doch das ist nur formal richtig. . Es sind die Partnerakademien, die Geld nehmen. Zwischen 17.000 und knapp 25.000 Euro kosten die vier Semester dort. Davon erhält die AMAK einen prozentualen Anteil. Wichtig zu wissen ist dabei, dass eine Immatrikulationerst zum fünften Semester erfolgt. Vorher kann es also auch gar kein BaföG-Geld geben. Die Frage, ob bei Studienabbruch vor Immatrikulationdie erbrachten Leistungen an einer anderen staatlichenHochschule anerkannt werden, beantwortete das sächsische Hochschulministeriumso: "Während der zehnjährigen Laufzeit des Modells stellten Studienabbrecher einen so geringen Anteil, dass keine praktischen Erfahrungen zu diesem Thema vorliegen ." Die Hochschule Mittweida fährt übrigens nicht nur mit der AMAK das DHS-Modell. In Österreich gibt es gleich zwei Partner, die ein paar technikwissenschaftlicheund betriebswirtschaftlicheStudiengänge für sie anbieten. In Kooperation mit zwei eingetragenen Vereinen werden darüber hinaus Master in Sozialmanagementund Sozialer Arbeit angeboten.

ParlamentarischeAnfragen bringen etwas Licht ins Dunkel – vieles bleibt aber unklar Eine Anfrage zu dem Thema von Studis Online an die meisten Oppositionsfraktionenim sächsischen Parlament mit der Bitte um politischeBewertung führte zu mehreren parlamentarischenAnfragen. Bekannt wurde so: Sachsen ist für öffentlich-private Kooperationen im Hochschulbereich ein gutes Pflaster. Es gibt sie an insgesamt fünf – und somit der Hälfte – seiner Hochschulen: UniversitätLeipzig, Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig, Hochschule Mittweida, Hochschule Zittau/ Görlitz und WestsächsischeHochschule Zwickau. Je Hochschule gibt es zwischen einem (Zwickau) und elf (Mittweida) solcher Angebote. Es dominieren medien- und betriebswirtschaftliche Studiengänge, und einige der Abschlüsse werden berufsbegleitenderworben. Die Kosten betragen zwischen einigen Hundert und mehreren Tausend Euro pro Semester. Auch in anderen Fällen wird, wie in Mittweida, von der Hochschule selbst keine Rechnung gestellt Wie vielGeld die Partnerinstitutionennehmen, wird in der Antwort auf eine . parlamentarischeAnfrage des sächsischen LandtagsabgeordnetenHolger Mann, der allgemeinnach Studiengebühren gefragt hatte, jedoch nicht angegeben. Der hochschulpolitischeSprecher der SPD-Fraktion vermutet gegenüber Studis Online, dass nicht nur für den Fall Mittweida die Angaben des Ministeriumsbezüglich der wirklichen Kosten der "Public-Private-Partnerships" (PPP) unzureichend sind: "Es ist davon auszugehen, dass auch bei den weiteren PPP-Studiengängen Entgeltevon den privaten Institutionenerhoben werden. Dies bedarf einer parlamentarischen Nachfrage." Ersichtlichwird aus den Angaben des Ministeriumshingegen, dass in den besagten Studiengängen Lehrveranstaltungenso gut wie gar nicht von den Hochschulen selbst erbracht werden. Das ist für Letztere natürlich reizvoll denn sie haben sich im Rahmen des , so genannten Hochschulpaktesvon Bund und Ländern zu bestimmten Anzahlen von Studienplätzen verpflichtet, und die (frühestens im letzten Drittel der Ausbildungszeit

immatrikulierten PPP-Studierenden und ihre Abschlüsse werden ihnen gutgeschrieben ) . Doch Holger Mann sieht diesen nur flüchtigen Kontakt zwischen Studis und Hochschule kritisch. In einer Frage, die das Ministeriumallerdingsanscheinend falsch verstand und deshalb am Thema vorbei beantwortete, bezieht er sich auf die "Beschlüsse der Kultusministerkonferenz(KMK) zur Anrechnung von außerhalb des Hochschulwesens erworbenen Kenntnissen und Fähigkeitenauf ein Hochschulstudium" von 2002 und 2008. Demnach soll "ein wesentlicherTeil der dem Hochschulabschlusszugrundeliegenden Ausbildungin der unmittelbaren Verantwortung, d. h. durch eigene Leistungen der verleihendenHochschule" stattfinden. Doch wo trifft selbst die schwammigeFormulierung "ein wesentlicherTeil" bei den PPP-Modellen zu? Diese Modelle "stellen primär auf die Sicherung der Qualität des Studiums mittels (Abschluss-)Prüfungen und die Anerkennung von extern erworbenen Leistungen ab und bewegen sich in einem gesetzlichenRahmen, der durchaus als Graubereich bezeichnet werden kann", so Mann gegenüber Studis Online. Eigentlichsolltedurch die Akkreditierung der Abschlüsse die Einhaltung der KMK-Regelung gewährleistetsein. "Dennoch bleibt insbesondere beim Mittweida-Modell die Frage, ob die KMKStandards erfüllt werden. Da mit den derzeit vorliegendenInformationen keine abschließende Bewertung vorgenommen werden kann, wird es zu diesem Sachverhalt weitere Rückfragen an den Akkreditierungsratsowie die KMK beziehungsweisedas Landesministeriumgeben." Die Akkreditierungsagenturen– es läuft also auch auf diese neuen großen Unbekannten des Hochschulwesenshinaus. Eine ganze Handvoll Agenturen begutachtete sächsische PPPStudiengänge. Wer kennt sie schon, wer durchschaut ihr Treiben? Dazu lernen wir von Holger Mann: "Eine detaillierteKontrolle der Agenturen bzw. ihrer Entscheidungen obliegt in erster Linie dem Akkreditierungsrat der nach meinen Erkenntnissenstichprobenartig prüft ,

und sich in Präzedenzfällen auch beratend äußert. Auffälligist, dass sehr viele Studiengänge noch nicht akkreditiertwurden und dass es starke Schwankungen in der Bewertung des PPP-Modells gibt. Beispielsweisehat die Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig auf Grund der Akkreditierungdas Anerkennungsverfahren an die KMK-Beschlüsse anpassen müssen." Allzuvielsagt das Urteil dieser mittlerweileso wichtigenAgenturen aber nicht aus, so der SPD-Abgeordnete: "Die Akkreditierungprüft lediglichMindeststandards und kann nur ein Element in einem Qualitätssicherungskreislauf sein. Ihr obliegt nicht, politischmotivierte Entscheidungen zu korrigierenoder zu revidieren. Sie kann jedoch dafür Sorge tragen, dass es eine Vergleichbarkeitauf Mindestniveaugibt. Allerdingsscheint auch dieser Umstand durch die unterschiedlichePhilosophie der jeweiligenAgentur nicht immer gegeben." Wissenswertzu dem Punkt der "politischmotiviertenEntscheidungen" ist noch: "Die PPP-Studiengänge wurden in einem Zeitraum gegründet, der das Akkreditierungswesennoch nicht kannte. Sie wurden vielmehr durch ministerielle Genehmigungen während der CDU-Alleinregierungauf den Weg gebracht." Holger Mann sieht nicht nur die Gebühren für grundständigeStudiengänge kritisch, sondern ein Ausufern des PPP-Modells an sich: "AkademischeWeiterbildungsollteunter dem Dach der Hochschule etabliert werden, damit eben die zuständigen Gremien involviertsind, die Studierenden Rechte und Pflichten besitzen und die gesetzlichenGebührenrahmen Anwendung finden. Diese Angebote können unter dem Aspekt der derzeitigenFinanzierungssituationder Hochschulen jedoch nicht an erster Stelle stehen, vielmehr muss das grundständige Angebot abgesichert werden und eine breitmöglicheÖffnung des Hochschulwesens angestrebt werden."

Mann segnet also, vielleichtohne es zu merken, zumindest bezüglich des Weiterbildungswesensden Trend zu öffentlich-privaten Kooperationen ab: Zwar wäre es anders wünschenswert, doch auf Grund der finanziellenSituation können die Hochschulen das eben nicht alleineleisten. Fazit: Neuartige unternehmerischeEingriffe im Kommen? Nun können die geschilderten Studienangebotevon Dortmund und Sachsen zusammengedacht werden. Im ersten Fall sind spezifische"Studiengänge" zum größten Teil in Unternehmen selbst angesiedelt oder dienten als berufsbegleitendeWeiterbildungdirekt den Zwecken von Unternehmen. Im zweiten Fall sind die privatwirtschaftlichenAkteure Partner der Hochschulen und verdienen an der Ausbildung, und nicht an der verbesserten Arbeitskraftder Ausgebildeten. Doch warum nicht beides zusammenführen? Angesichtsder Tatsache, dass duales Studium und berufsbegleitendeWeiterbildung(siehe Dortmund) nicht in allen Fächern und Branchen möglich sind, wäre es für finanzstarke Unternehmen reizvoll zusätzlichzu solchen direkten , Eingriffen in Studienstrukturen Institutionenaufzuziehen, die den finanziellausgebluteten staatlichenHochschulen Studiengang-Kooperationen anbieten, die in ihrem Interesse sind. Die Hochschulen sind jedenfalls entfesselt und warten auf Investitionen .

Mehr zum Thema Kooperationsmodell: Studiengang zu verkaufen (09.05.2011; ftd.de) »
http://www.ftd.de/wissen/leben/:kooperationsmodell-studiengang-zuverkaufen/60048432 .html

Hochschulähnliche Bildungseinrichtungen(im Artikel"Hochschularten" von Studis Online) »
http://www.studis-online.de/StudInfo/hochschularten.php#bild

Fußnoten
1

Vgl. "Deutsche Universitätfür Online-Chat" [ http://www.studis-online.de/HoPo/art-1143-

weiterbildung .php ] und "Weiterbildungauf Uni-Kosten" [ http://www.studis-online.de/ HoPo/art-1144-umschichtungen.php ] auf Studis Online (12.01.2011). Siehe auch den Deutschlandfunk-Beitrag "Fachkräfte nur für Elite-Firmen? - Universitätfür Weiterbildung in der Kritik" (15.03.2011).
2

Vgl. Bericht aus Bayern: Tausende Euro Studiengebühren und weniger Geld für die

Hochschulen [ http://www.studis-online.de/HoPo/art-1125-salamitaktik -bayern.php ] (Artikel stellt Pläne für die Studiengebühren für berufsbegleitendenStudiengänge dar, die dann auch ohne wesentlicheÄnderung verabschiedetwurden)

Kommentare zu diesem Artikel

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1. Lars B. kommentierte am 10.05.2011 um 09:50:16 Uhr

NRW hat eine Landes-, keine Staatsregierung Nordrhein-Westfalen hat keine Staatsregierung, sondern eine Landesregierung. Nur Bayern, Sachsen und Thüringen bezeichnen sich als "Freistaaten".

2. horndasch kommentierte am 10.05.2011 um 14:43:04 Uhr

Danke für den spannenden Artikel! Hallo,

inhaltlich hervorragend, vielen Dank für die umfassende Recherche. Bin sehr beenidruckt -

und entsetzt von den Entwicklungen, die sich unterhalb des öffentlichen Radars abspielen. Diesen Inhalt sollte man in der FAZ oder im Spiegel platzieren.

Ach ja, ein kleiner Wehrmutstropfen: Der Artikel liest sich an manchen Stellen etwas langatmig - 25 Prozent weniger Text hätten gut getan. Das Internet verführt leicht zu zu langen Texten...

Aber dennoch, grosses Lob!

3. baugrund kommentierte am 11.05.2011 um 10:15:10 Uhr

PPP muss mal wieder herhalten Wie kann man PPP in diesem Zusammenhand verwenden? Keine der oft sehr weitreichenenden Definitionen eines PPP würde nicht die geringste Verbindung zwischen privaten Hochschulen/staatlichen Abschlüssen und PPP beschreiben.

Es ist vielmehr zu erkennen, dass sich im Rahmen der Kritik (oder auch Frustentledigung?) eines Wortes bedient wurde, welches in letzter Zeit oft öffentlichwirksam in der Presse stand und an vielen Stellen fälschlicherweise für die verschiedensten Kooperationsformen zwischen Staat und Privat verwendet wurde.

So auch in diesem Beitrag. Aber nicht jede kleinste Berührung von staatlicher und privater Sphere ist als PPP zu beschreiben. Genauso wenig wie PPP gleich Privatisierung ist.

Wer wissenschaftlich arbeitet sollte von Populismen absehen!

4. Oli (Studis Online ) kommentierte am 11.05.2011 um 11:19:25 Uhr

PPP ist schon richtig ... (@baugrund) ... denn bspw. die HS Mittweida bzw. die AMAK (als Ausgründung dieser Hochschule) sprach selbst davon, dass die Studiengänge im "PPP-Modell" angeboten würden. Auch wenn sie von dieser Bezeichnung inzwischen offenbar nicht mehr so sehr Gebrauch machen. Einer der Anbieter, die Akademie der media GmbH schreibt selbst auf http://www.media-gmbh.de/60.0.html: "Das Bachelor-Studium im Public Private PartnershipModell (PPP-Modell) bietet Studierenden alle Vorteile eines Privatstudiums kombiniert mit einem staatlichen Abschluss!"

Kurz: Die Bezeichnung wurde nicht gewählt, weil der Autor des Artikels oder ich als Herausgeber von Studis Online fanden, man müsste den Begriff hier unbedingt reinbringen, sondern weil die Akteure ihn selbst verwendet haben.