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SAMSTAG, 21.

MAI 2011

VERFÜHRERISCH: Dessous-Ausstellung in Augsburg // MAGISCH: Zauberer begeistern mit hautnahen Tricks // unterschiedlich Menschen auf Gerüche reagieren // ERHOLSAM: Eine Italien-Reise in die Renaissance

WOCHENENDE
Federball heute: tief und schnell
Was früher die Großeltern mit ihren Enkeln spielten, begeistert heute in abgewandelter Form unter dem Namen Speed Badminton die junge Generation. VON DANIEL BERNOCK
es ab und an auch vor, dass wir 14 Tage hintereinander spielen“, sagt Thorsten. Meist sind die Speedknights auf der Neckarwiese anzutreffen. „Nur wenn es sehr windig ist, spielen wir ab und zu zwischen den Gebäuden der Universität im Neuenheimer Feld“, sagt Eddy Tunkl, noch leicht außer Atem nach einer Partie gegen Thorsten. Früher seien sie bei Regen auch in Parkhäuser gegangen oder spielten auf dem Gelände des Heidelberger Schlosses. Von beiden Orten wurden sie jedoch schnell vertrieben. Mit der Zeit und steigendem Ehrgeiz nahm auch die Professionalität der Speedknights zu. Im Winter trainieren sie mittlerweile regelmäßig in einer Halle. Nur noch für die Kameras von Fernsehteams posieren sie auf Treppen, unter der Brücke oder auf Parkhausdecks, zu hoch sei die Verletzungsgefahr. Auch das sogenannte „Blackminton“, also Speed Badminton in der Nacht, spielen sie nur sehr selten. Wenn, dann auf irgendwelchen Events oder Treffen, die sie regelmäßig besuchen. Denn obwohl der Ball dabei mit einem kleinen Licht bestückt wird, sei er doch sehr schwer zu sehen, sagen sie.

SÜSS: Gartenspaß für Kinder // SPANNEND: Die „Endeavour“ hebt zum letzten Mal ab // GEHEIMNISVOLL: Wie

S

o manch ein Spaziergänger bleibt stehen und beobachtet, was er da sieht. Evi Menger-Krug kniet auf dem Gras und breitet ein quadratisches Feld aus gelbem Band aus. Nun läuft sie genau 13 große Schritte und steckt erneut ein kleines Viereck ab. Sie nimmt einen Ball in die Hand und drischt ihn mit ihrem Schläger in Richtung des anderen Feldes, wo mittlerweile ihr Gegner Thorsten Bus steht. Der sogenannte Speeder passiert die Strecke dabei ungewohnt schnell. Ihr Kontrahent spielt jedoch nicht zum ersten Mal. Er kennt die Geschwindigkeiten, die während einer Partie erreicht werden können, und schlägt gekonnt zurück. Das Spielgerät rast nun in Kniehöhe wieder auf Evi zu, begleitet von einem Pfeifen in der Luft. Schnell und tief – was hier gespielt wird, hat wenig mit dem Federball zu tun, das Großeltern mit ihren Enkeln spielen. Was hier gespielt wird, ist die junge Version einer alten Sportart. Was hier gespielt wird, heißt Speed Badminton und kombiniert Tennis, Squash und Federball. Wie so oft bei Trendsportarten hat das, was hier gerade auf der Heidelberger Neckarwiese praktiziert wird, seinen Ursprung in Berlin. Dort erfand Bill Brandes die abgewandelte Form von Federball, da ihm das zu langweilig war. Er straffte die Bespannung der Schläger, ähnlich wie beim Squash, verkleinerte und beschwerte den Ball und nahm das Netz ganz aus dem Spiel. Mittlerweile gibt es Speed-BadmintonSpieler auf der ganzen Welt. Es gibt den Deutschen Speed Badminton Verband (DSBV) und Landes- und Europameisterschaften.

Hohe Schlagfrequenz
Dass das Spiel nicht mehr viel mit dem gemütlichen Federball zu tun hat, sieht man den Spielern an: Bereits nach einer Partie laufen die Schweißperlen die Stirn hinab. Bernd Lammleins Hemd ist durchgeschwitzt, sein Kopf rot vor Anstrengung. Er ist erst seit sechs Monaten von Speed Badminton begeistert, hat davor jedoch jahrelang Tennis gespielt: „Speed Badminton ist schneller als Tennis. Die Schlagfrequenz ist höher. Daher kommt man viel schneller ins Schwitzen.“ Auch wenn die Speedknights immer wieder auf die neue Art des Federballs angesprochen werden und viele Leute noch stehen bleiben und verdutzt den Ballwechseln zuschauen, gehört Speed Badminton diesen Sommer genauso zum Bild der Heidelberger Neckarwiese wie die illegalen Griller und Slackliner – Leute, die über ein gespanntes, dickes Band balancieren, das zwischen zwei Bäumen gespannt ist. „Das ist schon wieder out“ sagt Evi über Slackline und lacht. „Dieses Jahr spielt man Speed Badminton.“

Einfache Regeln
Die quadratischen Felder, in denen Evi und Thorsten jeweils stehen, sind 5,50 Meter lang und breit und 12,80 Meter voneinander entfernt. Die Regeln sind im Prinzip ganz einfach: „Wenn der Ball innerhalb des Kästchens landet, ist das ein Punkt. Alles andere ist aus“, sagt Evi, die schon seit über fünf Jahren dem Sport verfallen ist. „Und da es beim Speed Badminton kein Netz gibt, kann man den Ball eben sehr flach und sehr schnell spielen.“ Das mache den Sport jedoch nicht schwerer zu erlernen als gewöhnliches Federball. Evi und Thorsten sind Mitglieder der Speedknights Heidelberg, dem einzigen Speed-Badminton-Verein in der Metropolregion. Die nächsten Clubs befinden sich in Deidesheim, Darmstadt und Filderstadt. Vor etwas über einem Jahr gründete Thorsten den Verein. Warum sie sich als Ritter bezeichnen? „Hat keinen besonderen Grund. Es waren auch viele andere Namen im Gespräch“, sagt er. Die neun Mitglieder, die heute der Gruppe angehören, bilden mehr einen Freundeskreis als nur einen Verein. Alle kennen sich gut, zum Teil schon länger, als es die Speedknights gibt. Sie alle teilen den Spaß an und die Begeisterung für Speed Badminton. Mindestens zweimal pro Woche trainieren sie. „Im Sommer kommt

Thorsten Bus erneuert vor einer Partie den Griff seines Schlägers (oben links). Eddy Tunkl spannt das Spielfeld und Evi Menger-Krug streckt sich und erreicht so gerade den hohen Ball. FOTOS: RINDERSPACHER

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Die Regeln von Speed Badminton
Ein Spiel geht über drei Gewinnsätze. Wer zuerst 16 Punkte in einem Satz erreicht, gewinnt ihn.Bei 15 zu 15 gibt es eine Verlängerung, wobei zwei Punkte Vorsprung zum Sieg notwendig sind. Die Felder, in denen die Spieler stehen – die sogenannten Easy Courts – sind 5,50 auf 5,50 Meter groß und liegen auf dem Boden in einem Abstand von 12,80 Metern entfernt. Wer zuerst aufschlägt, entscheidet das Los. Danach wechseln sich die Spieler mit jeweils drei Aufschlägen ab. Jeder gespielte Ballwechsel punktet. Punkte werden verteilt, wenn der

Video unter www.morgenweb.de

Aufschlag nicht gelingt, der Spielball im Feld oder im Aus landet, zwei Mal hintereinander geschlagen wird oder den Körper berührt. Der Ball gilt als angenommen, wenn ein Spieler ihn außerhalb des Feldes weiterspielt. Um eine Chancengleichheit zu gewähren, wechseln die Spieler nach jedem Satz die Seite. Günstige Komplett-Sets für Einsteiger gibt es bereits ab 50 bis 60 Euro in gut ausgestatteten Sportfachhäusern. Bessere Schläger erhält man ab circa 70 bis 80 Euro.