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SAMSTAG, 21. MAI 2011

WWOCHENENDEOCHENENDE

SAMSTAG, 21. MAI 2011 W W OCHENENDE OCHENENDE VERFÜHRERISCH: Dessous-Ausstellung in Augsburg // MAGISCH: Zauberer

VERFÜHRERISCH: Dessous-Ausstellung in Augsburg // MAGISCH: Zauberer begeistern mit hautnahen Tricks //

SÜSS: Gartenspaß für Kinder // SPANNEND: Die „Endeavour“ hebt zum letzten Mal ab // GEHEIMNISVOLL: Wie

unterschiedlich Menschen auf Gerüche reagieren // ERHOLSAM: Eine Italien-Reise in die Renaissance

// ERHOLSAM: Eine Italien-Reise in die Renaissance S o manch ein Spaziergänger bleibt stehen und beobach-

S o manch ein Spaziergänger bleibt stehen und beobach- tet, was er da sieht. Evi Men- ger-Krug kniet auf dem Gras

und breitet ein quadratisches Feld aus gelbem Band aus. Nun läuft sie genau 13 große Schritte und steckt erneut ein kleines Viereck ab. Sie nimmt einen Ball in die Hand und drischt ihn mit ihrem Schläger in Richtung des anderen Feldes, wo mittlerweile ihr Gegner Thorsten Bus steht. Der sogenannte Speeder passiert die Strecke dabei unge- wohnt schnell. Ihr Kontrahent spielt jedoch nicht zum ersten Mal. Er kennt die Geschwindigkeiten, die während einer Partie erreicht wer- den können, und schlägt gekonnt zurück. Das Spielgerät rast nun in Kniehöhe wieder auf Evi zu, begleitet von einem Pfeifen in der Luft. Schnell und tief – was hier gespielt wird, hat wenig mit dem Federball zu tun, das Großeltern mit ihren Enkeln spielen. Was hier gespielt wird, ist die junge Version einer alten Sport- art. Was hier gespielt wird, heißt Speed Badminton und kombiniert Tennis, Squash und Federball. Wie so oft bei Trendsportarten hat das, was hier gerade auf der Hei- delberger Neckarwiese praktiziert wird, seinen Ursprung in Berlin. Dort erfand Bill Brandes die abge- wandelte Form von Federball, da ihm das zu langweilig war. Er straffte die Bespannung der Schläger, ähn- lich wie beim Squash, verkleinerte und beschwerte den Ball und nahm das Netz ganz aus dem Spiel. Mittler- weile gibt es Speed-Badminton- Spieler auf der ganzen Welt. Es gibt den Deutschen Speed Badminton Verband (DSBV) und Landes- und Europameisterschaften.

Einfache Regeln

Die quadratischen Felder, in denen Evi und Thorsten jeweils stehen, sind 5,50 Meter lang und breit und 12,80 Meter voneinander entfernt. Die Regeln sind im Prinzip ganz ein- fach: „Wenn der Ball innerhalb des Kästchens landet, ist das ein Punkt. Alles andere ist aus“, sagt Evi, die schon seit über fünf Jahren dem Sport verfallen ist. „Und da es beim Speed Badminton kein Netz gibt, kann man den Ball eben sehr flach und sehr schnell spielen.“ Das ma- che den Sport jedoch nicht schwerer zu erlernen als gewöhnliches Feder- ball. Evi und Thorsten sind Mitglieder der Speedknights Heidelberg, dem einzigen Speed-Badminton-Verein in der Metropolregion. Die nächsten Clubs befinden sich in Deidesheim, Darmstadt und Filderstadt. Vor et- was über einem Jahr gründete Thorsten den Verein. Warum sie sich als Ritter bezeichnen? „Hat keinen besonderen Grund. Es waren auch viele andere Namen im Gespräch“, sagt er. Die neun Mitglieder, die heu- te der Gruppe angehören, bilden mehr einen Freundeskreis als nur ei- nen Verein. Alle kennen sich gut, zum Teil schon länger, als es die Speedknights gibt. Sie alle teilen den Spaß an und die Begeisterung für Speed Badminton. Mindestens zweimal pro Woche trainieren sie. „Im Sommer kommt

Federball heute: tief und schnell Was früher die Großeltern mit ihren Enkeln spielten, begeistert heute
Federball
heute: tief
und schnell
Was früher die Großeltern mit ihren
Enkeln spielten, begeistert heute in
abgewandelter Form unter dem Namen
Speed Badminton die junge
Generation. VON DANIEL BERNOCK
Speed Badminton die junge Generation. VON DANIEL BERNOCK es ab und an auch vor, dass wir

es ab und an auch vor, dass wir 14 Tage hintereinander spielen“, sagt Thorsten. Meist sind die Speedknights auf der Neckarwiese anzutreffen. „Nur wenn es sehr windig ist, spielen wir ab und zu zwischen den Gebäuden

windig ist, spielen wir ab und zu zwischen den Gebäuden der Universität im Neuenheimer Feld“, sagt

der Universität im Neuenheimer Feld“, sagt Eddy Tunkl, noch leicht außer Atem nach einer Partie gegen Thorsten. Früher seien sie bei Regen auch in Parkhäuser gegangen oder spielten auf dem Gelände des Hei- delberger Schlosses. Von beiden Or- ten wurden sie jedoch schnell ver- trieben. Mit der Zeit und steigendem Ehrgeiz nahm auch die Professiona- lität der Speedknights zu. Im Winter trainieren sie mittlerweile regelmä- ßig in einer Halle. Nur noch für die Kameras von Fernsehteams posie- ren sie auf Treppen, unter der Brü- cke oder auf Parkhausdecks, zu hoch sei die Verletzungsgefahr. Auch das sogenannte „Blackminton“, also Speed Badminton in der Nacht, spie- len sie nur sehr selten. Wenn, dann auf irgendwelchen Events oder Tref- fen, die sie regelmäßig besuchen. Denn obwohl der Ball dabei mit ei- nem kleinen Licht bestückt wird, sei er doch sehr schwer zu sehen, sagen sie.

Thorsten Bus erneuert vor einer Partie den Griff seines Schlägers (oben links). Eddy Tunkl spannt
Thorsten Bus erneuert
vor einer Partie den
Griff seines Schlägers
(oben links). Eddy
Tunkl spannt das
Spielfeld und Evi
Menger-Krug streckt
sich und erreicht so
gerade den hohen
Ball. FOTOS: RINDERSPACHER

Hohe Schlagfrequenz

Dass das Spiel nicht mehr viel mit dem gemütlichen Federball zu tun hat, sieht man den Spielern an: Be- reits nach einer Partie laufen die Schweißperlen die Stirn hinab. Bernd Lammleins Hemd ist durch- geschwitzt, sein Kopf rot vor An- strengung. Er ist erst seit sechs Mo- naten von Speed Badminton begeis- tert, hat davor jedoch jahrelang Ten- nis gespielt: „Speed Badminton ist schneller als Tennis. Die Schlagfre- quenz ist höher. Daher kommt man viel schneller ins Schwitzen.“ Auch wenn die Speedknights im- mer wieder auf die neue Art des Fe- derballs angesprochen werden und viele Leute noch stehen bleiben und verdutzt den Ballwechseln zuschau- en, gehört Speed Badminton diesen Sommer genauso zum Bild der Hei- delberger Neckarwiese wie die ille- galen Griller und Slackliner – Leute, die über ein gespann- tes, dickes Band balancieren, das zwischen zwei Bäumen gespannt ist. „Das ist schon wieder out“ sagt Evi über Slackline und lacht. „Dieses Jahr spielt man Speed Badminton.“

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Video unter

www.morgenweb.de

Die Regeln von Speed Badminton

Ein Spiel geht über drei Gewinn- sätze. Wer zuerst 16 Punkte in einem Satz erreicht, gewinnt ihn.Bei 15 zu 15 gibt es eine Verlängerung, wobei zwei Punkte Vorsprung zum Sieg notwendig sind.

Die Felder, in denen die Spieler ste- hen – die sogenannten Easy Courts – sind 5,50 auf 5,50 Meter groß und liegen auf dem Boden in einem Abstand von 12,80 Metern entfernt.

Aufschlag nicht gelingt, der Spiel- ball im Feld oder im Aus landet, zwei Mal hintereinander geschlagen wird oder den Körper berührt.

Der Ball gilt als angenommen, wenn ein Spieler ihn außerhalb des Fel- des weiterspielt.

Um eine Chancengleichheit zu gewähren, wechseln die Spieler nach jedem Satz die Seite.

Wer zuerst aufschlägt, entscheidet das Los. Danach wechseln sich die Spieler mit jeweils drei Aufschlä- gen ab. Jeder gespielte Ballwechsel punktet.

Punkte werden verteilt, wenn der

Günstige Komplett-Sets für Ein- steiger gibt es bereits ab 50 bis 60 Euro in gut ausgestatteten Sportfachhäusern.

Bessere Schläger erhält man ab circa 70 bis 80 Euro.