Schriften zum Internationalen Recht Band 176

Verfassung und Verfassungsvertrag
Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU

Von

Karl-Theodor Frhr. zu Guttenberg

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Duncker & Humblot · Berlin

KARL-THEODOR FRHR. ZU GUTTENBERG

Verfassung und Verfassungsvertrag

Schriften zum Internationalen Recht Band 176

Verfassung und Verfassungsvertrag
Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU

Von

Karl-Theodor Frhr. zu Guttenberg

asdfghjk
Duncker & Humblot · Berlin

Die Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität Bayreuth hat diese Arbeit im Jahre 2006 als Dissertation angenommen.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Alle Rechte vorbehalten # 2009 Duncker & Humblot GmbH, Berlin Satz: werksatz · Büro für Typografie und Buchgestaltung, Berlin Druck: Berliner Buchdruckerei Union GmbH, Berlin Printed in Germany ISSN 0720-7646 ISBN 978-3-428-12534-0
Gedruckt auf alterungsbeständigem (säurefreiem) Papier ∞ entsprechend ISO 9706 *

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Vorwort
Europa und die USA. Mancher Blick nach innen wie über den Atlantik trägt dieser Tage den Schimmer der Ernüchterung in sich. Manche kleine wie epochale Erschütterung führt mittlerweile zur Systemfrage. Und manche Tradition weicht der Nostalgie. Scheinbar unberührt von alledem wähnte man bis zuletzt konstitutionelle Prozesse. Trotz gelegentlich zweifelhafter Verfassung unserer Gesellschaften gab es selten einen Zweifel an der gesellschaftlichen Notwendigkeit einer Verfassung. So pionierhaft sich diesbezüglich der amerikanische Pfad zu gestalten wusste, so eklektisch eigen wurde der europäische beschritten. Letzterer befindet sich wiederkehrend am Scheideweg. Kann man demgemäß und aktuell von Scheitern sprechen? Von einem großen Projekt, das im Angesicht des Hafens noch tragisch Schiffbruch erleidet? Oder vernehmen wir lediglich ein erneutes, wenngleich keuchendes historisches Durchatmen? Zumindest verpasste Europa in den Jahren 2007 und 2008 zum wiederholten Male den καιρός (Kairos) und ließ die notwendige Unbedingtheit des Gestaltungswillen nur schemenhaft erkennen. Es ist indes müßig zu debattieren, ob es die – letztlich nie eingeräumte – Furcht vor der eigenen Courage oder lähmender Pragmatismus war, der aus einem hart erkämpften Verfassungsvertrag schließlich einen „Vertrag von Lissabon“ werden ließ und selbst diesen in vermeidbare Warteschleifen drängte. Gleichwohl bildet auch diese Zäsur ein lebendiges wie traditionell paradoxes Beispiel europäischer Verfassungsgeschichte, wonach in jeder noch so brachialen Ablehnung immanent der Fortgang angelegt ist. Demzufolge hätte die vergleichende Beurteilung zweier Verfassungsprozesse mit einem gewissen Optimismus bei jeder „europäischen Krise“ enden können. Die Betrachtungen und Bezugnahmen dieser (2006 eingereichten) Monographie gehen nunmehr bis in das Jahr 2007 – abgesehen von einigen punktuell aktualisierten Gedanken. *** Diese Arbeit entspringt einer ungewöhnlichen Verkettung von Glücksfällen. Oder nach anderem – im obigen Sinne untypischem – Verständnis der vereinzelten Wahrnehmung eines „Kairos“.

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Vorwort

Augenblicken kann man schwer zu Dank verpflichtet sein, den sie gestaltenden Persönlichkeiten jedoch umso mehr. Insbesondere wenn der be- und ergriffene Moment dauerhafte Kräfte zu entfalten wusste. Ein unerreichtes (nicht lediglich) wissenschaftliches Kraftfeld und die Teilnehmer verpflichtendes Erbe war und ist das nunmehr zu Recht „legendär“ zu nennende „Häberle-Seminar“, das dem von Konrad Hesse geprägtem Vorbild längst weit enteilt ist – ohne den „akademischen Enkeln“ Erinnerungen und Berufungen auf eine Leitfigur der Verfassungslehre zu entwinden. Der Gedanke an die Teilnahme umweht den Verfasser nicht nur während intellektuell dürftigerer Alltagserlebnisse dauerhaft – und erhält wenigstens den Anspruch höchster Qualität eigenen Gemurmels. Von Herzen Danke meinem großen Lehrer Prof. Dr. Dres. mult. h.c. Peter Häberle für Unzähliges, das kein Vorwort angemessen abbilden könnte. In besonderer Verbundenheit danke ich einem weiteren tatsächlich bedeutenden Europäer, Prof. Dr. Rudolf Streinz. Wie oft wurde der Kairos der Fertigstellung durch freiberufliche wie später parlamentarische „Ablenkung“ versäumt, bevor die Erkenntnis dieses traurigen Faktums einer bemerkenswerten Mischung aus eherner professoraler Geduld (wie Liebenswürdigkeit), sanftem, aber unerbittlichem familiären Druck und wohl auch ein wenig der beklagenswerten Eitelkeit weichen durfte. Allzu viele mussten meine verwegene Charakter- und Lebensmelange ertragen und ich bin allen überaus dankbar für unbeugsame Gelassenheit. Gleichwohl: Wirkliche Besserung ist kaum absehbar. Meiner Frau und meinen Töchtern sei diese familienunfreundliche Lektüre in tiefer Dankbarkeit zugedacht. Sie sind der unerreichte wie dauerhafte „rechte Augenblick“ meines Lebens. Berlin, im Winter 2008 Karl-Theodor Frhr. zu Guttenberg

Inhaltsverzeichnis
A. Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15 19 20 20 22 23 24 24 27 29 33 B. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung – konstitutionelle Entwicklungslinien in den USA und der Europäischen Union . . . . . . . . . . . . . . . I. Eckpunkte der US-amerikanischen Verfassungsentwicklung . . . . . . . . . . . . 1. Augenblicke und Marksteine des europäischen kulturellen Einflusses . . 2. Die „Declaration of Independence“ – eine Abkehr von Europa? . . . . . . . 3. Der Modellcharakter einzel- wie bundesstaatlicher Verfassungen . . . . . . 4. Die Entstehung des Verfassungsstaates – der „Vorabend“ der Bundesverfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . a) Wege zur Emanzipation – von den „Fundamental Orders of Connecticut“ zur Unabhängigkeitserklärung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . b) Wege zum Konsens – von den „Articles of Confederation“ zum „Great Compromise“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . c) Der Verfassungskonvent . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . d) Ratifizierung und „Federalists“ gegen „Antifederalists“ . . . . . . . . . . e) Die Schlüsselrolle der Verfassung Virginias – Pionierin der Menschenrechte; konstitutionelle „Morgendämmerung“ – die Bill of Rights . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5. „We, the People“ – Souveränität (in) der US-Verfassung . . . . . . . . . . . . . 6. Eine (ge)zeitenfeste Verfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7. Wendepunkte amerikanischer Verfassungsgeschichte – Strukturierungsansätze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8. Konstitutionelle Selbstfindung und kulturelle Selbstverwirklichung . . . . 9. Der Kompromiss als Ankerpunkt amerikanischen Verfassungsverständnisses . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10. Eine dynamische Verfassung – „living constitution“ . . . . . . . . . . . . . . . . 11. Einige Grundgedanken und Strukturelemente des amerikanischen Verfassungsstaates . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . II. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung sowie des Verfassungsverständnisses . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1. Eingrenzung eines vielschichtigen Prozesses . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2. Stationen eines Konstitutionalisierungsprozesses . . . . . . . . . . . . . . . . . . a) Von Paneuropa zur Europa-Union (1923 – 1944) . . . . . . . . . . . . . . . . b) Verfassungsentwürfe nach 1945 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . aa) Hertensteiner Programm (1946) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

35 38 40 41 45 47 48 49 51 52 53 53 59 59

8 bb)

Inhaltsverzeichnis Entwurf einer föderalen Verfassung der Vereinigten Staaten von Europa (1948) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59 cc) Vorentwurf einer europäischen Verfassung (1948) . . . . . . . . . . 60 dd) Entwurf einer europäischen Bundesverfassung (1951) . . . . . . . 61 Wege zum Europarat . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61 „Verfassungsentwürfe“ ab 1952 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64 aa) Die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (1952) . . . 64 bb) Entwurf eines Vertrages über die Satzung der Europäischen Gemeinschaft – Entwurf der ad-hoc Versammlung der EGKS (1953) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 65 cc) Römische Verträge (1957) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67 Mythos und Ergebnis der 1950er Jahre . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68 Stationen zur Europäischen Verfassung – eine Auswahl aus 40 Jahren 69 aa) Der Entwurf von Max Imboden (1963) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69 bb) Die Verfassungsdiskussion 1984 – Das Europäische Parlament als Akteur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70 (1) Ausgangspunkte der Debatte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70 (2) Grundgedanken des Verfassungsentwurfs des Europäischen Parlaments . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 71 (3) Verlauf und Ergebnisse der Diskussion . . . . . . . . . . . . . . . 74 cc) Die Einheitliche Europäische Akte (1986) . . . . . . . . . . . . . . . . 75 dd) Der Verfassungsvertrag der Gemeinschaft der Vereinigten Europäischen Staaten von F. Cromme (1987) . . . . . . . . . . . . . . . . 76 ee) Der Vertrag von Maastricht (1992) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 77 ff) Die Verfassungsdiskussion 1994 – der Herman-Bericht . . . . . . 79 (1) Ausgangspunkte der Debatte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 79 (2) Grundgedanken des Verfassungsentwurfs des Europäischen Parlaments . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80 (3) Verlauf und Ergebnisse der Diskussion . . . . . . . . . . . . . . . 82 gg) Der Vertrag von Amsterdam (1997) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 84 hh) Verfassungsbemühungen um die Jahrtausendwende . . . . . . . . . 84 ii) Konstitutionelle „Morgendämmerung“ in Europa – die Grundrechtecharta . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 87 (1) Die Sachlage vor dem Herzog-Konvent . . . . . . . . . . . . . . . 88 (2) Gestaltung und Erfolg des ersten Konvents . . . . . . . . . . . . 90 jj) Mit „Humboldt“ nach Nizza? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 94 (1) Gründe für ein Debatten-Crescendo . . . . . . . . . . . . . . . . . . 97 (2) Die politische Dimension der Verfassungsdebatte . . . . . . 100 (3) Leitbilder und europäische Ideale in der politischen Auseinandersetzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 102 (a) Das Ideal einer „Föderation von Nationalstaaten“ . . . 103

c) d)

e) f)

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (2) Der „europäische“ Verfassungsbegriff . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . EU-Skepsiskultivierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . nn) Inkurs: Verfassungsbegriff und Verfassungsverständnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (a) Die Legitimationsfunktion als Gradmesser der (politischen) Verfassungsdebatte – das US-Modell als Vorbild? .Inhaltsverzeichnis (b) Das Ideal eines „Europas der Nationen“ . (b) Allgemeine Eingrenzungsversuche des Verfassungsbegriffes . . . . (c) Integrations. . . . . . . . . . . . . . . . .und Begrenzungsfunktion in der Verfassungsdebatte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (d) Staat und Verfassung im „wechselseitigen Korsett“? . . oo) Begleitend zum Verfassungskonvent vorgestellte (Privat-)Entwürfe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .und Identifikationsfunktion: Transparenz und Bürgernähe. . (4) Konstitutionelle Defizite der Verträge . . . . . . . . . . Gewaltenteilung und Kompetenzverteilung . . . . . . . . . . . . . (3) Das Verfassungs-Vorverständnis in anderen EU-Ländern (a) Nationale Erfahrungswerte in der Verfassunggebung (b) Das Vorverständnis von Demokratie. . . . . . . . . . (e) Fazit . . . . . ll) Die Verfassungsqualität der Gemeinschaftsverträge . . . . . . . . . . (1) Der Post-Nizza-Prozess – parlamentarische Einflusssphären . (1) Auftrag und Zusammensetzung – das innovative Konventsmoment . . . . . . . . . . (1) Das Verfassungsverständnis – allgemeine Überlegungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (2) Die Erklärung von Laeken – eine „stille Revolution“ der Integrationsgeschichte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . mm) Aus der Nizzastarre zum Konvent . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9 106 108 109 110 111 111 114 116 118 120 122 124 129 131 135 135 139 140 141 142 143 145 147 149 153 154 159 160 164 166 166 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (c) Verfassungsfähigkeit und deren Voraussetzungen . . (3) Völkerrechtliche Qualifikationen . . . . . . . . . pp) Der Europäische Konvent . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (4) Das Wechselspiel zwischen Verfassungsfunktionen und politischer Diskussion . . . . . . . . . (d) Ein offenes Leitbild mit Gemeinschaftsansatz . . . . . . . kk) Folgerungen aus vier Jahrzehnten Verfassungsentwicklung . . . . . . . . . . . . . (1) Ausgewählte Verfassungsattribute . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (e) Zwischenfazit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (c) Das Ideal eines „Europas der Regionen“ . . . . . . . . (b) Organisations. . . . . . . . . . (2) Die Qualifikation der Verträge durch den EuGH – ein „europäisches Marbury vs. . (a) Zwei Vorfragen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Madison“ . . . . . . . . .

. . . . . . . . Inkurs: Der Konvent als Zentralisierungsplattform? . . . . . . . . . . 167 169 172 174 175 180 180 185 188 192 194 197 199 199 204 207 210 213 215 217 219 221 222 222 223 226 229 229 231 . . . . . . . . . . . . (1) Systematische Ergänzungen zur Frage: Verfassung oder Verfassungsvertrag? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2. . . . . . . . . . . . . . . . . . . Abstimmung(sprobleme) im Europäischen Rat . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . die Rolle des einzelnen Mitglieds . . . . . . . . . . . Gebundene Verfassunggebung – Wege zur Verfassungsergänzung und Verfassungsänderung . . . . . . a) USA: Die Amendments als Abbilder einer Verfassungsergänzung – Spiegelung amerikanischer Kulturgeschichte . 1. . . . . . . . . . . . . . . . . Europaverständnis 5. . . . . . . . . . Zeitgemäße Aspekte der Öffentlichkeitsarbeit? . . . . . . e) Die Folgejahre nach 1989/90 sowie ein Ausblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3. . . . . . . . . Beratung der Verfassungstexte. . . . . (6) Schlussphase der Konventsarbeit. . . .10 (2) (3) (4) (5) Inhaltsverzeichnis Die Gestaltung der Konventsarbeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . a) Eine neue amerikanische Europapolitik nach dem zweiten Weltkrieg? b) Die 60er Jahre: amerikanische Europapolitik im doppelten Spannungsfeld zwischen Kooperation und Ambivalenz . Europäische Einflusssphären im amerikanischen Rechtsdenken – Schlaglichter . . Die konkrete Rolle der USA im europäischen Einigungsprozess . . . . . . . . . . . . . . . . . (1) Das Modell „congressional proposal“ – der Regelfall . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1. . Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates (USA) bzw. . . . . . . . . . . . . . . . III. . . . . . . . c) Die 70er Jahre: Das Abfedern von transatlantischen Rivalitäten und Friktionsfeldern . . . . . . . . . . . . . . . . . . bb) „Self-Restraint“ in der Verfassunggebung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (2) Inhaltliche Anmerkungen. . . . . . . . . . Plädoyer für eine „Europäische Gesprächskultur“ . . . . . . Rechtskulturzusammenhänge . . . . . . . . . . Die Vereinigten Staaten von Amerika – ein Faktor des europäischen Einigungsprozesses . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . cc) Initiative und Ratifikation – das Verfahren . . . . . . . . . 4. . . . . . . . Inkurs: Teilaspekte einer Europäischen Rechtskultur. . . . . . . . . . . . . . Verfassungsinterpretation und Verfassungsprinzipien . . . . . . . d) Die 80er Jahre: Konflikt und Kooperation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Präambel und „Leitmotto“. . . . . . . . . . Drei Folgerungen . . . aa) Artikel V der Bundesverfassung – ein Faktor der Stabilität und Flexibilität . . . . . . . (2) Das Modell „constitutional convention“ – Option zur Totalrevision? . Ein historisch gewachsenes „transatlantisches Verfassungsfundament“ IV. . . . . . der Verfassungsgemeinschaft (EU) durch Verfassunggebung. Der Einfluss der amerikanischen Verfassung und des Verfassungsverständnisses auf europäische Rechtskultur(en). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . rr) Elemente einer Ratifikationskrise . . . . . . . . . . . . qq) Einige Gedanken zum Ergebnis des Verfassungskonvents . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

. . . . . . . . . . . . . . . . . . bb) Charakteristika selbständiger Verfassungsgerichtsbarkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . bb) Europäische Rechtsetzung als Spiegelbild der institutionellen Ordnung. . . . . . . . . . . . . . . . . cc) Europäische Rechtsprechung als Spiegelbild einer offenen Gesellschaft . . . . . . . . . . . . . . b) Der US-Supreme Court als ständiger Verfassungskonvent – die Wiege der Verfassungsgerichtsbarkeit . . (2) Gemeinschaftsautonome Verfassungsänderung betreffend einen Übergang in die Mehrheitsentscheidung . . (1) Momentaufnahmen einer Verfassungsgerichtshistorie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11 235 236 242 243 245 248 249 251 252 256 256 260 260 262 271 271 277 279 279 285 289 290 291 297 301 303 308 311 312 . . . . . . ee) Die generellen Wirkkräfte des Amendment-Verfahrens . . . . . . . . cc) Die Abänderbarkeit der Europäischen Verträge . . . . . . . . . Madison . . . . . . . . . aa) Die Geburtsstunde der Verfassungsgerichtsbarkeit – Marbury vs. . . . . . . . . . . . . . . (3) Inkurs: „counter-majoritarianism“ . . . . . e) Die Frage der Abhängigkeit zwischen Verfassungsgerichtsbarkeit und Verfassung . . . . . . . . . . . . . b) Europäische Union: von der Vertragsänderung zur Verfassungs(vertrags)änderung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . aa) Verfassunggebung in der Supranationalen Union . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . bb) Anmerkungen zum Wesen des „judicial review“ . . . . . aa) Verfassungsgerichtliche Interpretationspotentiale im Verfassungsstaat – Entwicklungsstufen und Komponenten . dd) Möglichkeit der Interpretation von Amendments . . (4) Ratifikationserfordernisse und Problemlagen – das Kuriosum 27. . . . . . . . . dd) Verfassungsänderung nach dem Verfassungsvertrag – die neuen Verfahren . . . . . . (5) Beendigung des Amendment-Verfahrens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Verfassungsrechtsprechung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . aa) Das Rollengeflecht des EuGH . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2. . . . . . . . . insbesondere die Rolle der Obersten Gerichte . . . . . . . . . . cc) Der Supreme Court als erheblicher Bestandteil von Rezeption und Bestätigung gesellschaftlichen Wandels . . c) Übergreifende Funktionen und Kompetenzen der Verfassungsgerichtsbarkeit – Richtwerte für den EuGH? . . . .Inhaltsverzeichnis (3) Versuche zur Begrenzung von „amending power“ . . . d) Der EuGH als Verfassungsgericht. . . . . . . . . . bb) Der EuGH als „Motor der europäischen Integration“? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (1) Das Fünfstufenmodell des Verfassungsvertrages . . . (2) Der Verfassungsrichter zwischen Recht und Politik – Anmerkungen zur „political question doctrine“ . . . Amendment . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . a) Allgemeine Erwägungen zur Verfassungsinterpretation . . . . . . . . . . der dynamische Charakter des Unionsrechts . . . . . Kreative Verfassunggebung – Verfassungsinterpretation. . . . . . . . . . . . . . . . . . .

. . . . . . . . . . Die Europäische Grundrechtecharta . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3. . . . (2) Funktionsweise des US-Föderalismus . Vergleichende Anmerkungen zu den Konventsergebnissen . . . . . . . . . a) Konzeptionen der Repräsentation – die Vertretung von Bürgern und Einzelstaaten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . i) Ausgewählte institutionelle Aspekte . . . . . . . . . . . . . j) Europäische Grundrechtecharta – Bill of Rights . . . . . . . . . a) Änderungsanträge . . . . 3. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . a) Gottesbezug . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . II. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . cc) Ergänzungen aus vergleichender Sicht . Grundgedanken und Strukturelemente eines Verfassungsstaates (USA) und einer Verfassungsgemeinschaft (Europäische Union) . . . . . . . . . . . . . . . . . d) Identität und der Begriff der Nation . . . . . . . . . . . . . . . . k) Wertegemeinschaft Europa und USA – „ever closer union“ und „ever stronger union“ . . . . . . . . . . . . . I. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . bb) Europäischer Föderalismus: Einzelaspekte . . . . 313 317 318 318 318 321 322 323 324 329 331 331 332 335 338 343 349 350 353 354 356 357 358 359 364 369 373 373 374 374 375 375 376 377 379 C. . . . . . . . . . . . . . . 3. . . Lehren für die Europäische Union aus dem Vergleich der Verfassunggebungsprozesse . . . . . 1. . . . . . . . . . . . . . Zwei Verfassunggebungsprozesse: ein Resümee . . . . . . . . . . . . Souveränitätsverzicht h) Finalität – die Bedeutung von Grenzen und Erweiterung . . . . . . . . . . . . . . . . . f) Inkurs: Verbreitung direktdemokratischer Elemente . . . . . . . . . . 2. . . bb) Die Ausgestaltung in den USA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . c) Das Prinzip der Gewaltenteilung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Bisherige Regelungen im Primärrecht der Europäischen Gemeinschaft 2. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . cc) Die Ausgestaltung in der Europäischen Union . . . . . . . . . . 1. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (1) Charakter eines Bundesstaates . . . . . . . . . . . V. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . e) Das Demokratieprinzip – Anmerkungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Der Entwurf des Europäischen Konvents . b) Die Kompetenzverteilung zwischen der Union und den Einzelstaaten aa) Grundlagen des amerikanischen Föderalismus . . . . . . . . . Vergleichende Anmerkungen zum Konventsverfahren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . aa) Vorbemerkung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .12 Inhaltsverzeichnis f) Vergleichende Aspekte der Verfassungsgerichtsbarkeit – Kongruenz der Aufgaben . . . . . . b) Kirchen und Religionen . . . . . . . . . . . . . g) Das Verhältnis zwischen Recht und „Moral“. . Der Gottesbezug in den Verfassungen Europas und der USA . . . . . . . . . . . . . . . . . . Der Gottesbezug in den Verfassungen Europas . . . (3) Inkurs: Der institutionelle Aspekt auf einzelstaatlicher Ebene . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

. . . . . . . Gottesbezug in den bundesstaatlichen Verfassungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Das US-Modell ein Vorbild für Europa? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 465 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . IV. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1. . . . . . . . 403 Zusammenfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . c) Bewertung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . die Rechtsprechung des US-Supreme Court zur Trennung von Staat und Religion . . . . . . . . . . . . . . . . 416 Sachwortverzeichnis . . . . . . . . . . bb) Zusammenfassender Überblick über die Rechtsprechung des Supreme Court . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . b) Inhalt und Reichweite der „Establishment Clause“ nach der Rechtsprechung des Supreme Court . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . aa) Die Vertreter einer Trennung und einer Zusammenarbeit zwischen Staat und Religionsgemeinschaften . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . c) Der Gottesbezug in den Verfassungen der 16 Länder der Bundesrepublik Deutschland . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 405 Anhänge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Die Frage nach einem „Gottesbezug“ in der Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika . . . . . . . . . . . a) Entstehung und Entwicklung der „Establishment Clause“ . . . . . . . . . . . . . Gottesbezug und US-Verfassung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4. . . . . . . . . 408 Literaturverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13 381 381 382 383 388 388 391 393 393 395 395 396 399 402 Nachwort . . Der Gottesbezug in den Mitgliedstaaten (und Beitrittskandidaten) der Europäischen Union sowie in den deutschen Bundesländern . . . . . . . . III. . . . . . . . . a) Der Gottesbezug in den Verfassungen der Mitgliedstaaten der Europäischen Union . . . . . . . . . . b) Der Gottesbezug in den Verfassungen der Beitrittskandidaten zur Europäischen Union . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.Inhaltsverzeichnis b) Die Beratungen der Regierungskonferenz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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„Es wird ein Tag kommen. 2. Aufl. wurde er 1849 in die verfassungsgebende Nationalversammlung gewählt). Ringmann begeisterte sich für den Entdecker und Seefahrer Vespucci.] jene beiden unendlichen Gewalten: die Brüderlichkeit der Menschen und die Macht Gottes.. F. Vgl. das programmatisch zu verstehen ist. Waldseemüller nahm dessen Vorschlag auf. Das Land.“ 1 Victor Hugo A. Vespuccis Vornamen Amerigo (der sich von Imre oder Emerich. Vespuccis Namen auf der seiner „Cosmographiae Introductio“ beigegebenen Weltkarte von 1507 für den neuen und erst vage umrissenen Erdteil zu verwenden. in: Archiv für Wiss. das wie kein anderes den Pluralismus auf seine Fahnen geschrieben hat. Ronsin. im Internet abrufbar unter http://www. eröffnet erst auf dieser einheitlichen. Der deutsche Humanist M. Geographie. zu feminisieren und in dieser Form als „America“ zu übernehmen. die bisher unter losem Konföderationsdach weitgehend selbständigen Einzelstaaten mussten um des Gemeinsamen willen den Anspruch auf das Eigene zurückschrauben und Souveränitätsrechte abgeben. Hugo in seiner Eröffnungsrede als Präsident des Pariser Friedenskongresses (nach der Proklamation der Zweiten Französischen Republik. Der mit Ringmann befreundete Kosmograph M. die ursprüngliche autonome Vielfalt gegen einen von einer Zentralregierung gewährten Pluralismus einzutauschen bedeutete indes Verzicht. dem Namen zweier Könige von Jerusalem im 12. Découverté et baptéme de l’Amérique. Europa.com/EEE/ EEE2003/24Ideen. Andere Versionen. „Aus vielem eines“ – so lautete das Motto. Ringmann hatte vorgeschlagen. 2 „Amerika“ und „amerikanisch“ beziehen sich nach allgemeinem Sprachgebrauch im Folgenden auf die Vereinigten Staaten von Amerika (USA). gemeinsamen Basis den Spielraum für die Entfaltung von Vielheit. dass die Namensgebung auf zwei Deutsche zurückzuführen ist. oder nach der 1529 gegründeten Stadt Maracaibo benannt worden sei. H. Ein Motto.htm. wo man jene beiden ungeheuren Gruppen: Die Vereinigten Staaten von Nordamerika und die Vereinigten Staaten von Europa einander gegenüberstellt. 1992. Sich zu einer Nation zu vereinigen. sich die Hände über den Ozean hinüber reichen wird [. Afrika.. 1 V. dem zusammen mit dem Vater heiliggesprochenen Sohn des Ungarnkönigs Stephan I herleitet) entsprechend den Namen der Kontinente der „Alten Welt“. sind einwandfrei widerlegt. . Einleitung „E pluribus unum“. unter dem vor über 215 Jahren die amerikanischen 2 Staaten zur Union zusammenfanden. Bd.exameneuropaeum. A. Mittlerweile ist jedoch geklärt. Ringmann oder Waldseemüller? Eine kritische Untersuchung über den Urheber des Namens Amerika. Jahrhundert. Laubenberger. miteinander verbinden wird sehen. 3. denen zufolge der Kontinent nach Amalrich. Die Herkunft der Kontinentsbezeichnung war lange Zeit umstritten. XIII.

M. welche Perzeption die fortschreitende europäische Integration und das Projekt „europäische Verfas- Vgl. der so mühsam und zäh vonstatten geht und daher auch weiterhin so wenig Begeisterung zu erwecken vermag. zeigt sich in aller Deutlichkeit in dem schwierigen Prozess der europäischen Einigung. S. scheint (vordergründig) inhaltliche Parallelen zur amerikanischen Bundesverfassung aufzuweisen. in dem sich ein pluralistisch zusammengesetztes 105-köpfiges Gremium an die Ausarbeitung einer „Verfassung für Europa“ machte. 373 ff. Am 28. wenn man beides gegeneinander abzuwägen beginnt. Bereits seit Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) haben die USA ein lebhaftes Interesse am europäischen Integrationsprozess gezeigt. das landläufig als „EU-Verfassung“ bezeichnet wurde. für und wider die bundesstaatliche Lösung focht und zu ermitteln.und Regierungschefs der Europäischen Union einigten sich auf den Text des europäischen Verfassungsvertrages. Auch das Ergebnis der europäischen Konventsberatungen. Einleitung Wie schwer ein solcher Verzicht fällt. Die Vorgeschichte ist lang und ein Rückblick darf sich keineswegs auf Dezember 2001 beschränken. war dies von allgemein verbreiteter Skepsis begleitet. Als der europäische Verfassungskonvent seine Beratungen aufnahm. The European Convention and Constitution Making in Philadelphia. sich mit einigen Argumenten und Grundfragen zu beschäftigen. Bezeichnenderweise schien (zumindest in der Anfangsphase des Konvents) nur in den USA Vertrauen in das neue Werk der Europäer zu bestehen. Juni 2004 wurde europäische Verfassungsgeschichte geschrieben. Einheit in der Vielfalt: Die Verfassung einer freiheitlichen Gemeinschaft gab Anlass zu intensiven Debatten innerhalb des Konvents. Rosenfeld. Die Staats. wie nahe das Eigene und wie fern das Gemeinsame erscheint. als es um die amerikanische Einigung ging. 3 . Es ist für Europa auch heute bedeutsam zu wissen.16 A. Dort wurde der Verfassungskonvent in den Medien wie in der politischen Debatte zuweilen ungeniert mit dem Konvent von Philadelphia verglichen. welches Modell der Vermittlung von Einheit und Vielfalt schließlich die Mehrheit überzeugte. 3 Nicht nur die spezielle Bezeichnung des mit der Ausarbeitung des Entwurf eines Vertrags über eine Verfassung für Europa befassten Gremiums als „Europäischer Konvent“ weckt Assoziationen mit dem mit der Ausarbeitung der amerikanischen Bundesverfassung betrauten „Konvent von Philadelphia“. Februar 2002 versammelten sich in Brüssel die Vertreter von Regierungen und Parlamenten aus ganz Europa zu der ersten Sitzung des EU-Konvents. Gerade angesichts dieser Schwierigkeiten erscheint es angebracht. Szenenwechsel: Am 18. in: International Journal of Constitutional Law 1/2003. mit denen man damals. Die Erwartungen wurden von allen Beteiligten heruntergespielt.

und Verteidigungspolitik oder – im Gegenteil – auf die dauerhafte sicherheitspolitische Abhängigkeit Europas von den USA verwiesen wird. Selbst wenn die transatlantische Atmosphäre wiederkehrend einigen Turbulenzen unterworfen ist. 5 Allerdings gibt es zwischen Europa und den Vereinigten Staaten weiterhin eine Vielzahl verknüpfender Aspekte. kann die Beschäftigung mit der Vergangenheit dazu beitragen. dürfte sich ein kurzer Rückblick auf die jeweiligen Verfassunggebungsprozesse und demzufolge auf einige Kapitel aus dem Geschichtsbuch der amerikanisch-europäischen Beziehungen bei der Erörterung von Grenzen und Möglichkeit der internationalen Rolle eines stärker integrierten Europa als überaus hilfreich erweisen. Juli 1776 nicht in Vergessenheit geraten. 1. Einleitung 17 sung“ in den USA erfährt. Gleichwohl wird dieser historische Brückenschlag im einschlägigen wissenschaftlichen Schrifttum. dem 4. um im sich wandelnden transatlantischen Verhältnis 4 für Verständnis zu werben und um erneute Missverständnisse zu vermeiden. die Risiken und Chancen bestimmter politischer Maßnahmen realitätsgerechter zu beurteilen. führt (mittlerweile) allerdings zu weit. Kennedy. . etwa wenn auf die säkulare Tendenz zu einer immer eigenständigeren europäischen Außen. der am amerikanischen Unabhängigkeitstag.de/WHI/deutsch/fce/fce402/burghardt. Die konstitutionelle Fortentwicklung Europas betrifft die USA als wichtigsten Partner der Europäischen Union unmittelbarer als dies in manchen Kreisen der amerikanischen Administration und einzelner Think Tanks wahrgenommen werden will. S. das sich einigende Europa und die Vereinigten Staaten dereinst in einer „Declaration of Interdependence“ verbunden zu sehen. 5 So aber G. den Prozess der europäischen Integration dauerhaft in eine „transatlantische Partnerschaft der Gleichen“ einzubetten. soweit ersichtlich. nur ganz vereinzelt und kursorisch 4 Mit „transatlantisch“ ist ausschließlich das Verhältnis zwischen Europa und den Vereinigten Staaten gemeint. Nicht selten werden die Vorstellungen über Europas zukünftige Rolle in der Welt mit historischen Argumenten unterfüttert. Unabhängig davon. wie berechtigt oder abwegig historische Rekurse dieser Art tatsächlich sind. Burghardt.A. Juni 2002. Fehlperzeptionen zu erkennen und somit die verantwortlichen Akteure in die Lage zu versetzen.htm. Vortrag an der Humboldt-Universität zu Berlin am 6. im Internet unter www. Eindrucksvoll waren in diesem Kontext die Worte von Präsident J.hu-berlin. der Begriff nimmt also nicht Bezug auf andere Staaten jenseits und diesseits des Atlantiks. Die Europäische Verfassungsentwicklung aus dem Blickwinkel der USA. Juli 1962 in der Hall of Independence in Philadelphia seine transatlantische Rede mit dem Wunsch beendete.F. die freilich einer ständigen Neudefinition unterworfen sind. die USA würden das europäische Interesse teilen.rewi. sollte das feinsinnige Wortspiel mit der amerikanischen „Declaration of Independence“ vom 4. Die Annahme. Wie auch in anderen Politikfeldern. angemessen auf neue Herausforderungen zu reagieren.

. die die Wirklichkeit umgestalten sollte. zum anderen eine weitgehende Beschränkung auf (wiewohl rechtsvergleichende) Legitimationsaspekte vornehmen musste. 9 Ähnlich auch D. das revolutionäre Amerika kam erst über den Umweg der praktischen Erfahrung zu seinen Verfassungsprinzipien. um das Ziel der bürgerlichen Gleichheit und Brüderlichkeit zu verwirklichen. auch S. Vgl. 8 W. S. M. vielleicht durfte einen anderen Weg beschreiten.. 2001. Wessels. Hobe. . 2/2002.18 A. 9 In Kraft gesetzt nämlich wurde das amerikanische Verfassungssystem buchstäblich ohne wirkliche Vorstellung von einem Staat. 2003. der allerdings zum einen den Ausgang des europäischen Verfassungskonvents noch nicht berücksichtigen konnte. in: Integration. Ein Prinzipienmodell der Legitimität staatlicher und supranationaler Hoheitsgewalt. in: JöR 53 (2005). Einleitung vorgenommen 6 und zum Teil in seiner Berechtigung verneint 7. Europäische Verfassung. statt sie zum Ausfluss einer Idee zu machen. 12. Legitimation durch Verfassunggebung. Heft 1. Verfahren und Chancen europäischer Verfassungsgebung: Zur Arbeit des Brüsseler Verfassungskonvents. 93. 1 ff. 83 ff. Herbst. in: Europarecht. Der Konvent: Modelle für eine innovative Integrationsmethode. Die Grundlegung der amerikanischen Demokratie. Ihre Dauerhaftigkeit verdankt die amerikanische Verfassung der Tatsache. etwa S. Howard. zum Teil eingeschränkt bejaht 8. Bedingungen. 6 Siehe allerdings aus jüngerer Zeit T. 10 Europa musste. bediente sich allerdings ähnlicher Mittel und fand viele inhaltliche Bezugspunkte im amerikanischen Verfassungsstaat. Der Anspruch der amerikanischen Revolution gestaltete sich da vergleichsweise gering. die mit der klaren Vorstellung angetreten war. 7 Vgl. S. 10 Hierin ist einer der wesentlichen Unterschiede zur französischen Revolution zu erkennen. Hölscheidt. Frankfurt a. S. Europäischer Konvent. dass die Theorie von Verfassung und Staat der Erfahrung gefolgt ist. nationale Parlamente. 2003. wie der Staat zu gestalten sei. 429 ff. Überspitzt ließe sich der Gedanke anschließen.

die die „Gründungsväter“ und bis heute große Denker (aber auch gelegentlich allein die Bedürfnisse einzelner Bevölkerungsteile) dem Gebilde „Europa“ zuteil werden lassen. in: JZ 1989. Europäische Verfassungslehre. die kulturelle Basis jenseits der Verfassungskultur allerdings fast umkehrt: Verfassungsbestätigung und Verfassungserweckung. zuweilen rüttelnde Hand wesenseigen. unter Bezugnahme auf die „Verfassungsvergleichung als ‚fünfte‘ Auslegungsmethode“ (vgl. 2 1 . 3 Gewiss. 2 Die Verfassungswerdung Amerikas ist so sehr auch eine europäische wie die europäische Verfassungsentwicklung auch eine amerikanische ist. Grundrechtsgeltung und Grundrechtsinterpretation im Verfassungsstaat.f)jj)(4)(a). Europa steht in vielerlei Hinsicht bereits auf festen Füßen. das den unterschiedlichen Status der Verfassungsentwicklung widerspiegelt. unten III. resistenten Ummantelung bedürfen. 252 ff. 2006. weshalb dieser Begriff auch im Hinblick auf die schöpferischen Gedanken. die jedoch einer dauerhaften. etwa dem des christlichen Abendlandes – auf Verschmelzungen zurückblicken. 3 Im gemeinschaftsrechtlichen Zusammenhang könnte man nun versucht sein – auch angesichts der bislang zu konstatierenden Verfassungsfortschritte – von „Verfassungserstarkung“ zu sprechen. Die Kultur ist für beides Impulsgeber. und – aus gewissen Blickwinkeln. Das Resultat der einen kann dabei auf eine nunmehr über 200 Jahre währende Tradition zurückblicken. Dem Wort „Erweckung“ ist hingegen die äußere sanfte. auch die Einflüsse auf die erste Fassung der amerikanischen Verfassung waren europäische. Aufl. 1 Ein verfassungsgeschichtlicher Vergleich ist daher auch unter dem Aspekt der Ähnlichkeit pluralistischer Beeinflussung fast geboten. dazu ders. vgl. S.. kontrastiert jedoch in ihrer Ursprünglichkeit. 913 ff.B. Während in den Vereinigten Staaten der Einfluss und die Kombination eigentlich fremder Kulturen der Verfassung erst zu ihrer Genese verhalfen. S. die andere fertigt sich angesichts der weitaus kürzeren Historie nach klassischen Modellen noch ihre Kinderschuhe ohne dabei modische Entwicklungen außer Acht zu lassen.2. die Grundlage aller Verfassungsbildung und damit auch ihrer Erstarkung sind. 4.). Eine erstarkende Verfassung wächst jedoch begrifflich zunächst aus sich selbst. kann Europa auf ein jahrhundertelanges Nebeneinander. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung – konstitutionelle Entwicklungslinien in den USA und der Europäischen Union Zahlreichen Verfassungsbemühungen anderer Staaten diente die US-amerikanische Verfassung als Vorbild. und IV. Auch im Sinne einer „kulturellen Verfassungsvergleichung“. Diese Voraussetzungen zu Grunde gelegt soll ein Begriffspaar gebildet werden. Häberle. jedoch Vgl. P. sowie II.

Die tiefe Verwurzelung der Freiheit in ihren „status negativus.. Rechtsphilosophie. Texas und andere ehemals spanische oder mexikanische Gebiete wie Kalifornien 1845 „einverleibt“ wurden. 1905. Aufl. . Zippelius. R. Was hierbei nun in welcher Reihenfolge einander bedingt. ihr Selbstverständnis. Columbus oder A. 1999).. 1914 (Neudr. 13. 230 ff. Die Vereinigten Staaten. 6 In Anlehnung an G. vor dem Europa noch steht: Verfassungsbewusstsein und übergreifend europäisches Selbstbewusstsein. die heutigen politischen. 67 ff. spanische oder auch portugiesische Einflüsse auf die großen Entdecker wie C.20 B. 1577 von F. wird auch von der Außendarstellung gegenüber den europäischen Bürgern abhängen. Allgemeine Staatslehre. S. Dies impliziert freilich. Texas oder Florida durch einen hohen hispanischen. S. D.. 2. lateinamerikanisch geprägten Bevölkerungsanteil spürbar. 1960). 81 ff. Aufl. nicht denkbar. Positive und negative Grundrechte. was kaum verwundert. die Beteiligung der wohlhabenden Bürger an Gesetzgebung und Rechtsprechung. S. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung solche des 17. 3. noch fortdauert. Einen hohen Stellenwert nahmen alsbald die Menschenrechte nach der Bill of Rights von 1689. New Mexico. de Leon mit dem Betreten des heutigen Floridas. begonnen durch die Gründung von Kolonien Anfang des 17. S. 344 ff. Drake begründet. in Kalifornien (New Albion). Ein Befinden. und 18. Eine der Demokratie verpflichtete Verfassung entwickelt und bestätigt sich nicht zuletzt durch die Bevölkerung. Insbesondere brachten viele dieser Siedler ein in England ausgebildetes Grundverständnis der Möglichkeiten und Errungenschaften eines Rechtsstaats mit auf den neuen Kontinent. Allgemeine Staatslehre. 418 ff. in: AöR 111 (1986). Beide sahen nie das heutige Gebiet der Vereinigten Staaten von Amerika. 4 Es würde freilich zu weit führen. die wechselseitigen kulturellen Impulse mit einzubeziehen. S. Aufl. Radbruch. 1932 (Studienausg. Vespucci zurückzuführen. System der subjektiven öffentlichen Rechte. Currie. nachdem Florida erst 1819 von Spanien erworben. siehe auch ders.. 5 Die erste englische Niederlassung befand sich bemerkenswerterweise. activus und positivus“ 6 rührt bereits aus dieser Zeit.P. Jellinek. die Traditionen Anwendung finden soll. dass der Status der Erweckung nach Ansicht des Verf. Eckpunkte der US-amerikanischen Verfassungsentwicklung 1. Augenblicke und Marksteine des europäischen kulturellen Einflusses Europa und die Vereinigten Staaten einem Vergleich zu unterziehen bedeutet auch immer. Gleichwohl sind gegenwärtig durchaus spanische Wurzeln in den südlichen Staaten wie Kalifornien. Aufl. Jahrhunderts 4 (Jamestown und die Kolonie Virginia 1607 5) an der nordamerikanischen Ostküste.P. G. rechtlichen und gesellschaftlichen Fundamente wären ohne die englische Prägung. dies gelang wohl erst 1512 dem spanischen Governeur von Puerto Rico J. 1999. Jahrhunderts. Bestätigt wurde sie mittels eines mehr und mehr autarken amerikanischen Selbstbewusstseins. I.. 3.

S. 10 Frankreichs Einfluss. 9 Die Holländer kauften 1626 die Insel Manhattan für 24 Dollar den Indianern ab und gründeten dort New Amsterdam. Eckpunkte der US-amerikanischen Verfassungsentwicklung 21 der lokalen Selbstverwaltung. Die Erschließung Nordamerikas stand im Zeichen europäischer Großmachtrivalitäten. Eigentümerkolonie (Maryland) und Freibriefkolonie (New Plymouth in Massachusetts. S. S. der freilich mit dem Pariser Frieden von 1763 spürbar geringer wurde. Loewenstein. 2 f. deren Hauptstämme von der griechischen Philosophie und dem Christentum geformt wurden. auf Gesetzgebungsakten der kolonialen Vertretungskörperschaften sowie den übergeordneten Gesetzen des Parlaments in London. 1959. 7. B. Die Siedlung erhielt den Namen New York. Siehe auch zur Kolonialperiode in der US-amerikanischen Geschichte K.R..I. Virginia). 8 Es gab drei Rechtstypen der Besiedlung. abgewehrt werden konnte. das sich weiterhin durch die (Amts-)Sprache äußert. . Die Vereinigten Staaten von Amerika – Teil II. englische Katholiken. Insbesondere wird der französischen Gestaltungskraft oftmals ein allzu geringer Stellenwert eingeräumt. zeigt sich wie der weiterer europäischer Staaten (beispielsweise wird die Zahl der Deutschen 1775 auf 200 000 geschätzt) durch kulturelle Grundsteine anderer Art: Neben ökonomischen Verlockungen bot Nordamerika zahlreichen religiösen Dissidenten Zuflucht – Puritaner. 10 Während des 16. auf den von der Krone gewährten verfassungsähnlichen Kolonialcharten 8. W. auch M. Auch bedeutende Entfaltungen 7 Vgl. 1. die sich im frühen 17. deren ursprüngliches System bis heute in den einzelnen Bundesstaaten spürbar ist: die Kronkolonie (z. de La Salle 1643 –1687. Eine auf der abendländischen Kultur basierende „Western Civilization“. das Recht auf ein Geschworenengericht und auf „habeas corpus“ bei Inhaftierung ein. Auflage 2001.C. New Haven in Connecticut). hierzu ausführlich K. 1 ff. Hugenotten. Verfassungsrecht und Verfassungspraxis der Vereinigten Staaten. K. Verfassungsrecht und Verfassungspraxis der Vereinigten Staaten. manifestieren lassen. S. Jahrhunderts war die Erforschung des nordamerikanischen Kontinents überwiegend den Franzosen vorbehalten. S. Aufl 1992. 7 Die Rechtsordnungen begründeten sich zum einen auf dem tradierten englischen gemeinen Recht (Common Law). Jahrhundert schließlich im Osten Kanadas niederließen und bis in den heutigen Mittleren Westen gelangten (beispielhaft der französische Entdecker R. die sich durch die Bemühungen der englischen Krone. findet ihren Ursprung im Wesentlichen in europäischen Wurzeln. Brugger. Ungeachtet dieses zweifellos vorherrschenden englischen Potentials. den Vormachtanspruch gegen Spanien. Sechster Band. Historische und Politische Entwicklung. musste sich freilich die holländische Siedlung 1664 den Engländern ergeben. der „patron saint“ von Chicago). 373 ff. die sich über den Atlantik spannt. 2. sollten aber auch weitere kulturelle Wurzeln nicht außer Acht gelassen werden. Loewenstein (1959). 3. sich in der Delaware-Bucht niederzulassen. die Niederlande 9 und bis 1763 gegen Frankreich zu behaupten. Quäker. Loewenstein. in: Staatslexikon. erst 1699 wurde die französische Kolonie von Louisiana an der Mündung des Mississippi gegründet. Nachdem 1655 ein Versuch der Schweden. Einführung in das öffentliche Recht der USA. Berg. 1959..

Johnstone. Gropius / L. Grieg.M. Politische und ökonomische Transformation in Osteuropa. vgl. Loeffler. Baigell. die sich gerade ihren Ursprüngen besinnt.G. Innovativen ein hohes Gewicht eingeräumt. Hälfte des 19. Debussy und M. Brunner (Hrsg. Eine weitere kulturelle Einflussnahme von Jefferson sollte nicht vorenthalten werden: Bekanntlich betätigte er sich auch als Architekt und orientierte sich bei seinen für die amerikanische Architektur impulsgebenden Entwürfen an der Baukunst der spätrömischen Antike sowie den Werken A. Ravel zurück. 1948 – 1981 sowie R. Mies van der Rohe.W. in Malerei und Skulptur der ersten Hälfte des 20. der Philosophie. Hitchcock. zum anderen aber einer verstärkten Brauchtumpflege nachgehen.K. treffen 11 So gibt es ein schöpferisches Musikleben nach europäischem Vorbild seit etwa 1800. zur amerikanischen Musikgeschichte H.). Paine / H. Heinrich. 11 T. Malone. Die Vertreter „seiner“ politischen Richtung vereinigten sich schließlich unter Jeffersons Führung zur Republikanischen Partei (die spätere Demokratische Partei). 1971. 2. Die Komponisten der sog. die nach dem Bruch mit Jugoslawien bzw.M. 13 Konservative und moderne Gedankengänge. Jefferson and the Presidency. McDowell sahen ihre Vorbilder in J. Als frühester Komponist gilt der aus Mähren stammende A. Alleweldt. 13 Dies offenbart sich in jüngster Zeit beispielsweise in Kroatien. Literatur und der Wissenschaft tragen eine unverkennbar europäische Kennzeichnung.P. Slowenien oder in den baltischen Ländern. Moholy-Nagy oder N. 6 Bde. am antiken Republikanismus und am Individualismus der Aufklärung ausgerichtetes Staatsdenken erfuhr durch den französischen Einfluss und die geistige Unterstützung der französischen Revolution den Feinschliff. Andere. Diese wenigen Beispiele illustrieren bereits die Vielfalt des europäischen kulturellen Erbes in den Vereinigten Staaten. Schweisfurth / R. Palladios. der Kauf des ausgedehnten Louisiana-Gebiets von Frankreich (1803). kontrollierenden Gegenpol. griffen später auf C. zur neueren Verfassungsentwicklung in Osteuropa T. 2. mit einer vordergründigen Betonung des Fortschrittlichen. Gabo. Ernst / L. A History in American Painting. Brahms und E. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung der Musik und bildenden Kunst. andererseits bilden traditionelle Elemente den notwendigen. Parker und E. Sein grundsätzlich am englischen Recht. . Mason und C. in: G. 1978. Auflage 1974. Jefferson and his Time. Jeffersons 12 Zeit von 1784 bis 1789 als Gesandter in Paris darf zu den Marksteinen politischer Entwicklung in Amerika gezählt werden. Juli 1776 als Abkehr von Europa zu bezeichnen wäre unzutreffend. wie D. vgl. der Sowjetunion zum einen den mutigen Schritt zu einer neuen Verfassung wagten. Jahrhunderts M. Die amerikanische Kunst wurde stets von Emigranten mitgeprägt – beispielhaft in der Architektur W. dieser „westliche“ Maßstäbe verliehen. Jahrhunderts) wie J. 12 Siehe zu T. Music in the United States. „Neuenglandschule“ (2. siehe umfassend M. In seine Präsidentschaft fällt schließlich auch der Louisiana Purchase. Die neuen Verfassungsstrukturen in Osteuropa. Jefferson das große Werk von D. Unabhängigkeitserklärungen können Wirkungen in zwei Richtungen entfalten: einerseits wird dem Neuen.22 B. Die „Declaration of Independence“ – eine Abkehr von Europa? Dahingegen die berühmte Unabhängigkeitserklärung vom 4.

45 ff. Verfassunggebung in Osteuropa. 1987. Vol I. S.“ 14 3. wobei einer Auflistung der Demütigungen und Ungerechtigkeiten Englands eine Rechtfertigung der Revolution und schließlich eine Darstellung der Grundlagen des neuen amerikanischen Gemeinwesens folgt. as to them shall seem most likely to effect their Safety and Happiness. Der Text der von Jefferson verfassten Unabhängigkeitserklärung ist Spiegelbild dieses Phänomens. Roggemann (Hrsg. 2001. 2 f. deriving their just powers from the consent of the governed. Rotunda. Brunner.. that among these are Life. 258 ff.. 1997.. . 1988.. S. Kurland / R. siehe zum Inhalt der Unabhängigkeitserklärung auch W. The Founders’ Constitution.I.. G. 177 ff. Governments are instituted among Men. S. in: Recht in Ost und West 1996. Lerner. Verfassungsentwicklung und Verfassungsrecht in Osteuropa. So wurde unter anderem wie folgt formuliert: „We hold these truths to be self-evident. Die Verfassung vor dem Richterstuhl: Vorgeschichte und Ratifizierung der amerikanischen Verfassung: 1787 –1791. Kontinentalkongresses 16 1775/76 folgten. 9 ff. Loewenstein. S.. 14 Zitiert nach P. it is the Right of the People to alter or to abolish it. H. Er besteht aus drei Teilen. Eckpunkte der US-amerikanischen Verfassungsentwicklung 23 sich auch im Streben nach Souveränität. 5 ff. S. Aufl. ausführlich J. greift man auf die Gedanken der Aufklärung und damit auf Elemente das Natur. Steinberg. umfassten indes Grundrechtserklärungen.wie bundesstaatlicher Verfassungen Auch die Verfassungen der Einzelstaaten 15. 6 th ed. – That whenever any Form of Government becomes destructive of these ends. Verfassungsrecht und Verfassungspraxis der Vereinigten Staaten. Brugger. S. that they are endowed by their Creator with certain unalienable Rights. laying its foundation on such principles and organizing its powers in such form. 6. 2000. 258 ff. Loewenstein (1959).und Osteuropas. Ein veränderten Umständen angepasstes Staatswesen würde ohne die Rückbesinnung auf grundsätzlich staatstragende Elemente in Kürze zusammenbrechen. S. Appendix A. S. Heideking. Und selbst dieses „neue“ Gemeinwesen folgt tief ausgetretenen europäischen Spuren. Einführung in das öffentliche Recht der USA. 524 ff. Roggemann. komplett abgedruckt bei R. Die europäische Aufklärung fand also in einigen ihrer Basis.und Vernunftrechts zurück. Modern Constitutional Law. K. Der Modellcharakter einzel. 1999. Da eine Bezugnahme der Kolonien auf das englische Recht über Jahre fruchtlos blieb. die teilweise den Anregungen des 2. – That to secure these rights. that all men are created equal.). rechtsvergleichend H. Die neuen Verfassungen der baltischen Staaten. S. 15 1780 hatten sich bereits elf von 13 Staaten eine Verfassung gegeben. 16 Dazu K.und 2.D. Aufl. R. in: Osteuropa Recht 1995. Liberty and the pursuit of Happiness. sondern auch an den damals aktuellen Leitlinien des Gesellschaftsvertrags und des Naturrechts ausrichteten. Die Verfassungen Mittel. and to institute new Government. 2. die sich nicht nur an der Hinterlassenschaft Englands. 1959. in: JöR 43 (1995). South Carolina und New Hampshire griffen dabei als erste noch nicht einmal auf die Anregungen des Kontinentalkongresses zurück.

Hinske.b). S. 18 K.. S. in Congress assembled. die erste Verfassung der Vereinigten Staaten. um das frühe Aufkeimen konstitutioneller Strukturen abzubilden. 20 Sie gehen damit sogar dem englichen „Instrument of Government“ von O. wird noch zu zeigen sein. which is not by this Confederation expressly delegated to the United States. 391 ff. in: Staatslexikon. 19 An dieser Stelle nur so viel zur Ausgangslage: In Europa wie in den Vereinigten Staaten existierten Einzelstaaten beziehungsweise wie in Deutschland Länder vor der Schaffung eines übergeordneten „Bundes“. 1. Loewenstein (1959). klassifiziert die tragenden Ideen der Aufklärung in „Programm-. 7. staatstragenden Bewährungsproben auf dem nordamerikanischen Kontinent. 20 Tatsächlich sollte es aber fast 140 Jahre 17 N.“ 19 Siehe unten IV. . den K. and every Power. 1992. so ließen sich bereits die 1638 in Hartford erlassenen Fundamental Orders of Connecticut heranziehen. 7. Loewenstein „als historisch übliche und wohl auch zweckmäßige Übergangsstufe [. II der Konföderationsartikel heißt es: „Each State retains its sovereignty. and independence. Die Entstehung des Verfassungsstaates – der „Vorabend“ der Bundesverfassung a) Wege zur Emanzipation – von den „Fundamental Orders of Connecticut“ zur Unabhängigkeitserklärung Knüpfte man die amerikanische Verfassungsgeschichte an das Vorhandensein eines Textes. Cromwell aus dem Jahr 1653 vor.. freedom. Aufl. Jurisdiction and right. Sogar im Hinblick auf den momentanen Zustand der Entwicklung Europas erweist sich die Verfassungsgeschichte der Vereinigten Staaten zwischen 1774 und 1788 als aufschlussreich. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Programmideen 17 ihre ersten kodifizierten. Aufklärung. Diese Konföderationsartikel etablierten einen Staatenbund. Inwieweit diese Erscheinungsform mit der europäischen Wirklichkeit vergleichbar ist.] von gesonderten Einzelstaaten zum echten Bundesstaat“ 18 qualifizierte. sondern den Vertretern der Einzelstaaten zuzubilligen ist.24 B. Bd. Die nachfolgende Bundesverfassung erfuhr eine nachhaltige Prägung durch die Neuerungen in den Einzelverfassungen. die nicht „dem Volk“.3.und Basisideen“. Das Ergebnis der Kontinentalkongresse waren die 1777 beschlossenen und 1781 ratifizierten Articles of Confederation. die neben der umfassenden Betonung der Gewaltenteilung von einer Stärkung der gesetzgebenden Körperschaften als Mittelpunkt der Staatsgewalt über die eingeschränkteren Rechte der gewählten Gouverneure als Inhaber der ausführenden Gewalt bis zu einer gesteigerten religiösen Toleranz und einer Intensivierung der demokratischen Grundsätze der Volkssouveränität reichten. In Art. Kampf. Gemeinsam ist beiden Entwicklungen die Urheberschaft der Gründungsinitiative. 4. der zumindest einige der heute allgemein angelegten verfassungstheoretischen Kriterien erfüllt.

21 Vorangegangene Einigungsbemühungen unter den Kolonien wie etwa B. 4 ff. bis ein Dokument einer Bewegung entsprang. die Revolution in Amerika sei „eine Erneuerung der natürlichen Ordnung der Dinge. entflammte ab 1763 eine 21 Die amerikanische Unabhängigkeitsbewegung wird – in Analogie zur Französischen Revolution – tatsächlich überwiegend als „Amerikanische Revolution“ bezeichnet. Higginbotham. in: L. Lenk. in seinem Werk diesen restaurativen Aspekt deutlich betont. die das damalige amerikanische Geschehen als Revolution bezeichneten. Über die Revolution. Speziell zum historisch-sozalwissenschaftlichen Aspekt der „Revolution“ der Klassiker von H. 1985. The American Revolution.. und diese wurde bewirkt von 1760 bis 1775 im Verlauf von 15 Jahren. 2 Bde. S. H. Revolutionstheorien. 7. 1980. Insbesondere hat aber bereits T. Adams. vgl. 2 Bde. 1972. Jefferson vom 24. The Complete Correspondence between T. die Kolonien durch Zölle und Besteuerung an den Kosten des Siebenjährigen Krieges zu beteiligen. H. Freidel (Hrsg. 1982. Cambridge (Mass) 1974. die ebenso allgemein sind als die Wahrheit und die Existenz des Menschen und die Moral mit politischer Glückseligkeit und Nationalwohlstand verbindet“. Opolka. 23 Ein vergleichsweise trivialer Auslöser. Morison u.-C. Wassmund. Bonwick. . zitiert nach einer Übersetzung von D. Arendt. Die amerikanische Revolution 1763 – 1787. nachdem auch sie geistiger Ausgangspunkt der folgenden Verfassungsbewegung waren. F..). 22 Detaillierte Darstellungen der „American Revolution“ finden sich bei C. The Cycles of American History. Auflage 1973. von T. gemeinhin akzeptierte Ordnung etablieren. Aufl. 2. Politische Philosophie. hrsg. 183 f. Dippel. Harvard Guide to American History. auch U.und Machtverhältnisse. 1998. Die amerikanische Revolution. Auflage. and J. 22 Beweggründe und Resultat sollen jedoch nicht gänzlich verschwiegen werden. Auflage 1982. 6. 1978. nicht um die Umwälzung bestehender Staats. Schröder. II. 1959. The AdamsJefferson Letters. H. ein System von Grundsätzen. die allgemein unter dem Begriff „American Revolution“ resümiert wird. 455. Zumindest das Selbstverständnis der Gründungsväter der Vereinigten Staaten ist damit aber keineswegs getroffen. Originalausgabe 1963) sowie K. 1977.. S.M. Paine. Jefferson and A. Forkel.E. Loewenstein. Der neuzeitliche Revolutionsbegriff. a. Franklins Plan eines Bundes aus dem Jahre 1754 oder die bereits 1743 geschlossene „New England Confederation“ konnten keine stabile.M. August 1815: „Die Revolution fand im Herzen des Volkes statt. bevor ein Tropfen Blut in Lexington vergossen wurde“. Griewank. sondern – wie bereits anlässlich des ersten Kontinentalkongresses 1774 in Philadelphia zum Ausdruck gebracht – um die Wiedereinsetzung in ihre alten Rechte vor 1763. Auf die Einzelheiten der amerikanischen Revolution ist an dieser Stelle nicht ausschweifend einzugehen.I. Siehe auch K. Adams. S. 3. einer der publizistischen Wegbereiter sowohl der amerikanischen Unabhängigkeit wie dann später der Französischen Revolution. 1959. Boston 1986. Opolka (Hrsg. D. um die Restauration der durch die englische Krone unterbrochenen und missbrauchten Rechtstradition. K. der Versuch des britischen Parlaments. 1973. Eckpunkte der US-amerikanischen Verfassungsentwicklung 25 dauern. 1991.J. The War of American Independence. 1965 (engl. 173. Cappon (Hrsg. Ihnen ging es nicht um den Bau einer neuen Gesellschaft. Heine / U. Politische Erklärungen: Die Verfassungen der nordamerikanischen Staaten und der Französischen Revolution.). Schlesinger. Lindner. Verfassungsrecht und Verfassungspraxis der Vereinigten Staaten. Adams in einem Brief an T. auch wenn er einer der ersten war. The Growth of the American Republic. A. C. J. Braun / F.). S. Bemerkenswert in diesem Kontext ist auch eine rückblickende Äußerung von J. vgl. So heißt es in Paines berühmter Schrift „Die Rechte des Menschen“ aus den Jahren 1791/92. in: E. Stemmler. S. Theorien der Revolution. Theorie der Revolution.

R. Concise Dictionary of American History. Juli 1776. and of Right ought to be FREE AND INDEPENDENT STATES [. 1960). 280 f. B. Erst im Pariser Frieden von 1783 fand die Unabhängigkeit nach einem wechselvollen Krieg unter Beteiligung Frankreichs.26 B. und der Bill of Rights von 1689. Die Erklärung ermöglichte den Amerikanern die völkerrechtliche Anerkennung als Krieg führende Partei und punktuelle Hilfe durch andere Mächte. solemnly publish and declare. 24 In der Präambel wird unter Berufung auf das Naturrecht die Freiheit und Gleichheit aller Menschen sowie das Prinzip der Volkssouveränität postuliert. der Absetzung Philipps II... 1975. Pennsylvania. 27 23 Im transatlantischen Kontext bedeutsam die Dissertation von O. Umfassend zur Unabhängigkeitserklärung.]“ 25. Eine heute „klassisch“ zu nennende Analyse der Erklärung liefert C. Vossler. Becker. Neuausg. 1973. der Hinrichtung Karls I. South Carolina und Virginia. the Representatives of the UNITED STATES OF AMERICA [. Textlich kulminiert die Erklärung in der Verkündigung neuer staatlicher Souveränität. Ihr Gedankengerüst formte das Fundament der folgenden Verfassungsentwürfe. Dort wird das archaische Motiv des Widerstands gegen einen Tyrannen aufgegriffen. 24 An der Erklärung waren folgende bisherigen Kolonien beteiligt: Connecticut. Der Einfluss J. A Study in the History of Political Ideas. 26 Hierzu W.P. Bailyn.]. Delaware. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Kontroverse zwischen den Kolonisten und der britischen Krone und führte – nach der Eskalation in einen bewaffneten Konflikt – schließlich zur bereits erwähnten Erklärung der Unabhängigkeit durch die „dreizehn vereinigten Staaten von Amerika“ am 4. North Carolina. wo von Konsens und Widerstand die Rede ist. The Ideological Origins of the American Revolution. That these United Colonies are. Voorhees (Hrsg. 27 Der theoretische Abschnitt der Unabhängigkeitserklärung wird emotional von der Abrechnung mit dem englischen König George III. Adams. Die amerikanischen Revolutionsideale in ihrem Verhältnis zu den europäischen. 1929. 1922 (Neudr. The Decision of American Independence. S. Angesichts der Form und inhaltlichen Gewichtung könnte beinahe von einer „Postambel“ gesprochen werden. The Declaration of Independence. THEREFORE. 26 Inhaltlich bildet sie die communis opinio der aufgeklärten Naturrechtslehre. and by Authority of the good People of these Colonies. New Hampshire. 1983. in Sprache und Anspruch gelegentlich (allzu pathetisch) mit den Geboten der großen abendländischen Religionen verglichen. ihrer Vorgeschichte und Tragweite J. in the Name. 1992.1581. Die Verfassung und politische Ideen der amerikanischen Revolution. wenn es am Schluss heißt: „We. Die Declaration of Independence wurde zu einem der bedeutenden Dokumente der Menschheitsgeschichte.. 25 Zitiert nach D.W. New Jersey. untersucht an Thomas Jefferson. Spaniens und der Niederlande ihre tatsächliche Anerkennung durch das englische Mutterland..L. Georgia. do. Massachusetts.). Rhode Island. Lockes ist überall dort spürbar. überlagert. Maryland. New York. Diesen Aspekt heben auch . Pole. Republikanische Verfassung und bürgerliche Freiheit. Insoweit steht die Erklärung durchaus in gewisser Rechtstradition der Monarchomachen.

29 Vgl. der spürbare Impuls der großen englischen Juristen Cocke und Blackstone 28 sowie nicht zuletzt das gestärkte Selbstbewusstsein nach über 20 Jahren erbittertem Ringen aus dem als Klammergriff empfundenen Beharren der englischen Krone verdichteten sich schließlich zu dem. Ständische Rechtstradition in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung. die in den USA auf den „state rights“ bestehen. The Founding Brothers. Er umfasste neben der Unabhängigkeitserklärung auch einzelstaatliche Verfassungsbemühungen. S. Eckpunkte der US-amerikanischen Verfassungsentwicklung 27 Die vielfältigen europäischen Einflüsse auf Staatsphilosophie und verfassungspolitisches Ideengut. geht allerdings fehl. Mertens / W. sowie E. The Revolutionary Generation. in: Historische Zeitschrift 200 (1965). 1987. Stevens. 1894. 369.L. A Study in the History of Political Ideas. Noch heute besteht bis in die Tätigkeitsfelder der Tagespolitik eine Spannung zwischen den damals von Hamilton und Jefferson verkörperten Denkschulen. Becker. 2 nd ed. gehalten vor der Juristischen Gesellschaft zu Berlin am 4. hinaus. S. The Declaration of Independence. 29 Wie auch J. reprint 1987.I. Juni 1986. Ellis in seinem Werk „Founding Brothers“ in sechs Episoden über die ersten Jahrzehnte des neuen Gemeinwesens beschreibt. 6. Angermann. 241 ff. 1960). Geschichte der politischen Ideen. die teils den Anregungen der Kontinentalkongresse folgten. nimmt seit den 80er Jahren des 20. Vortrag. Reinhard.E. 27. S. b) Wege zum Konsens – von den „Articles of Confederation“ zum „Great Compromise“ Der Vorabend nahm freilich einige Jahre in Anspruch. was man den „amerikanischen Konsensus am Vorabend der Bundesverfassung“ genannt hat. Juli 1776 zunächst nicht über den Willen. in: H. Rosen (Hrsg.. Der Einfluss derjenigen. Vom italienischen Humanismus bis zum Vorabend der Französischen Revolution. 30 J. 28 Siehe umfassend mit Blick auf das englische „Erbe“ das klassische Werk von C. 30 In Bezug auf den ersten Schritt bestand Einigkeit.). hervor. „The first founding (1776) declared American independence. 200 Jahre amerikanische Bundesverfassung: Zu Einflüssen des amerikanischen Verfassungsrechts auf die deutsche Verfassungsentwicklung. Der Rückschluss Reinhards (1996). C. The Political Thought of the American Revolution. Rossiter. Sources of the Constitution of the United States – Considered in Relation to Colonial and English History. Jahrhunderts zu. Ellis. American statehood“. reichte die Einigkeit über Jeffersons Unabhängigkeitserklärung vom 4. 2002. Reinhard / K. die Unabhängigkeitserklärung sei damit nicht von Rousseau abhängig. S. 1922 (Neudr. umfänglich C. 61 ff. auch H. the second (1787). da mit Rousseaus Idee des „volonté générale“ gerade die Forderung nach einem Selbstbestimmungsrecht gegenüber Spanien und Großbritannien begründet wurde. das Joch der englischen Krone loszuwerden. der zweite war zwischen „Föderalisten“ und Anhängern eines losen Staatenbundes höchst umstritten. Steinberger. aktualisierte Ausgabe 1996. . 1963. sowie verschiedene Grundrechtserklärungen und die 1781 in Kraft getretenen (1777 formulierten) Articles of Confederation als erste bedeutende Marksteine auf dem Wege zu einer dauerW. Frenske / D.

zu Einzelheiten K. Beachtenswert sind in diesem Bezugsrahmen Connecticut und Rhode Island. 32 Ferner galt das Zweikammersystem (mit der Ausnahme Pennsylvanias) als unentbehrliches Instrument zur Balancierung und Entschärfung unvermeidlicher Konflikte zwischen Exekutive und Legislative.“ 33 Inhaltlich wurde für Verfassungsänderungen Einstimmigkeit gefordert. Gegenüber den ursprünglichen königlichen Charters erhielt die Legislative einen höheren Stellenwert. S. des zwischenstaatlichen Handels und der Steuererhebung. S. in Congress assembled. deren verbindendes Element ein Kongress sein sollte. 2. Einführung in das öffentliche Recht der USA.oder Mitgliedsstaaten Berücksichtigung: „Each State retains its souvereignty. Von überragender Tragweite war schließlich die nachhaltige Etablierung der Gewaltenteilung mit gegenseitiger Kontrolle der Gewalten. Die Begriffe Souveränität. 2000. and every Power. der ursprünglich nicht als Zentralregierung gedacht war und lediglich marginale Zuständigkeiten vereinnahmte 34. Freiheit und Unabhängigkeit fanden erstmals zusammengehörig im Hinblick auf Einzel. die einen Staatenbund zu begründen wussten. Loewenstein. Appendix B. 32 Zum Verfassungsprinzip Gewaltenteilung siehe unten IV. Der Gedanke der Volkssouveränität erfuhr stabile Grundlegungen.3. Eine permanente zentrale Exekutivgewalt fehlte in den Articles aber ebenso wie eine Regelung der Gerichtsbarkeit. 2 f. Auflage 2001. 33 Art. deren Verfassungen erst 1819 bzw.. dehnte seine Rechte in der Folgezeit sukzessiv aus. 6 th ed. which is not by this confederation expressly delegated to the United States. 35 Das Fehlen einer Finanzhoheit und von Zwangsbe31 Jedoch wurde keineswegs überall der Anspruch auf Volkssouveränität festgehalten und lediglich in Massachusetts erfolgte eine Befragung des Souveräns zur Verfassung. 31 Die Repräsentanten der Exekutive – von Versammlungen gewählte Gouverneure – mussten beschränkte Rechte hinnehmen. Siehe auch W. 35 Vgl. freedom.D. in dem jeder Staat eine Stimme besaß. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung haften Verfassung. Der Kongress. der aus de facto souveränen Staaten bestand. Zitiert nach R. 1959. 34 Dazu zählten die Hoheitsrechte im Bereich der Auswärtigen Angelegenheiten und der Verteidigung im Namen der souveränen Einzelstaaten. and independence. Von einem sanften Anstoßen späterer Verfassungsprinzipien kann hingegen nicht gesprochen werden. 7 f. Verfassungsrecht und Verfassungspraxis der Vereinigten Staaten. Jurisdiction and right.28 B. Die Brückenfunktion vom ungeordneten Nebeneinander der Einzelstaaten zum letztlich errichteten Bundesstaat nahmen die Articles of Confederation ein. Rotunda u. a. Die Einzelstaatsverfassungen waren sogleich Experiment und Impulsgeber für die nachmalige Bundesverfassung. nachdem sich ihre bisherigen königlichen Charters nach leichten Modifizierungen längerfristig als zweckdienlich erwiesen hatten. II. 1842 folgten. Brugger.c). unter anderem durch möglichst gleichmäßige Repräsentation. Modern Constitutional Law. .

W. S. Vgl. Henry und S. A. Washington bis Mitte September andauerten. 7th ed.H. Die größten Differenzen in den Beratungen. 1988. 598 ff. Towle. Die Amerikanische Revolution und die Verfassung: 1754 –1791.D. Heideking. On Understanding the Constitutional Convention of 1787. die unter Vorsitz von G. The American Constitutional Tradition. Als J. 39 (1977). zu alledem auch K.C. Siehe auch C. D. A Convention of Delegates – the Creation of the Constitution. 1987.. van Doren. C. nachdem die Briten ihn mit der heiklen Frage konfrontiert hatten. Das erleichterte es den „Nationalists“. S. The American Constitution – its Origins and Development.J.. History and analysis of the constitution of the United States. Harbison / H.P. C. in: The American Political Science Review. in der auswärtigen Politik galt es Verstimmungen mit England und Spanien geschlossen zu begegnen 36 und zwischen den Staaten kam es zu förmlichen Handelskriegen aufgrund rigider Zollschranken und mangelhafter Zusammenarbeit.G. Adams waren freiwillig ferngeblieben.A.C. 1948.). The Political Ideas of the Founding Fathers. 3 rd ed. Letztere musste nach der Einbuße der durch das britische Merkantilsystem gesicherten Handelsbeziehungen neue Verbindungen gewinnen. 97 ff. Constitution-Making: Alignment and Realignment in the Federal Convention of 1787. 1991. die Gewaltenteilung innerhalb der Bundesregierung sowie die Interessenkonflikte zwischen Nord. 1988. Aus der deutschsprachigen Lit. The Great Rehearsel. was sich äußerst negativ auf die Handels. Einige radikale Republikaner wie P. The Convention and the Constitution. Smith. Loewenstein (1959). sich gegen die Befürworter einzelstaatlicher Souveränität durchzusetzen. 1987. Elazar. Verfahrensbesonderheiten. reprint 1987. dessen Zusammensetzung und Beratungen wird an dieser Stelle verzichtet und auf grundlegende Betrachtungen verwiesen. um der Großbritannien einen Handelsvertrag vorzuschlagen. 1987. seine Truppen aus dem Staatsgebiet der USA abzuziehen. Adams / W. mit Spanien eine Klärung der Grenze zu Florida zu erzielen.und Finanzpolitik niederschlug. 1987. Adams (Hrsg. ausführlich insbesondere J. c) Der Verfassungskonvent 37 Den Schwächen der Articles of Confederation sollten schließlich die ab Mai 1787 in Philadelphia versammelten 55 Delegierten der Einzelstaaten 38 – aus- 36 Gerade der Kongress bewies seine gravierendsten Schwächen auf außenpolitischem Gebiet. 38 Rhode Island war nicht vertreten. Hauptly.). L. Großbritannien kam der im Frieden von Paris genannten Verpflichtung nicht nach. 37 Auf die Details des Konvents. Eckpunkte der US-amerikanischen Verfassungsentwicklung 29 fugnissen ließ nach dem Wegfall der äußeren Bedrohung das Unvermögen zur einheitlichen Willensbildung klar zu Tage treten. Wolfe. 7 f. The Story of the Making and Ratifying of the Constitution of the United States. 1871. Die Verfassung vor dem Richterstuhl: Vorgeschichte und Ratifizierung der amerikanischen Verfassung: 1787 –1791. Kelly / W. Adams 1784 nach London reiste. war der Kongress ebenso erfolglos wie bei der angemessenen Begleichung der enormen Kriegsschulden. The Framing and Ratification of the Constitution. Klassische Standardwerke sind weiterhin: N. in: The Journal of Politics. Bei dem Versuch. S. Belz (Hrsg. J. Levy (Hrsg. Jillson.). Zudem die historischen Darstellungen von D. waren das Verhältnis von Bundesregierung und Einzelstaaten.und Südstaaten auf . 75 (1981).I. A. ob er eine Nation oder einen der 13 Staaten vertrete. musste er unverrichteter Dinge zurückkehren.

Er schlug eine radikale Abweichung vom ursprünglichen der einen. 1. G. „ratifiers“. . Rutland. Der Historiker J. später „the Cato of his country without the avarice of the Roman“ nennen sollte) sowie J. These Daring Disturbers of the Public Peace: The Struggle for Property and Power in Early New Jersey. der selbst zu der Zeit als Gesandter in Paris weilte. Verfassung und Nationalstaatsgründung. in: W. The Founding Brothers. 1788 –1828. 1999. Wilson (beide Pennsylvania). 43. (Hrsg. „framers“. McConville. James Madison and the Creation of the American Republic.P. Forced Founders: Indians. Ellis. 39 Vgl. J. Dies ist insbesondere auf die erneut aufgeflammte Debatte um die Bedeutung der „original meaning“ in der Verfassungsinterpretation zurückzuführen. Neben den Konventsdelegierten selbst werden verbreitet auch die zahlreichen Teilnehmer an den einzelstaatlichen Ratifizierungskonventen genannt. The Other Founders: Anti-Federalism and the Dissenting Tradition in America. 39 Neben den klangvollen Namen der Konventsmitglieder rückten in jüngerer Vergangenheit weitere Verfassungsväter ins Blickfeld der Verfassungshistoriker. „adopters“ und selbst „we the people“ ein. J.A. vgl. zu dessen späterer Präsidentschaft (1809 –1817) R. Revolution. 1999. The Presidency of James Madison. der 81-jährige B. Holton. dazu J. Allerdings ist die Kategorie „public debate“ selten zitierfähig und kaum konkret genug. Ellis hat die amerikanischen „Verfassungsväter“ im Anschluss an die „Gründerväter“ der Unabhängigen Vereinigten Staaten „founding brothers“ und die Verfassunggebung elf Jahre nach der Unabhängigkeitserklärung „the second founding“ genannt. zu der Diskussion um die Auswahl der „Founders“ neuerdings S. Das Spektrum der „Founders“ schließt im englischen Sprachgebrauch „drafters“. 32 ff. S. Bd. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung nahmslos Vertreter der bürgerlichen und landbesitzenden Schicht – durch die Schaffung eines zentralen Regierungssystems entgegenwirken. a.. 41 Zur Person J. Madison 41. Rakove.oder Gründerväter“ („founders“) bezeichnet. Heideking. Die Vereinigten Staaten von Amerika. Federführend für diese Entwicklung war ein damals 36-jähriger Delegierter aus Virginia. Die genannten Delegierten werden verbreitet als „Verfassungs. Madison und dessen Einfluss auf die Verfassungswerdung siehe die bemerkenswerte Studie von J.N. 1990. zu den unterschiedlichen Aspekten der Meinungsbildung in der einzelstaatlichen „public debate“: B. 40 Die damalige Entscheidung zu einem völligen verfassungstheoretischen Neubeginn markierte den entscheidenden Wendepunkt zur konstitutionellen Moderne. Einige erweitern diesen Ansatz um die Zahl all derer. Debtors. Cornell. 2002. Adams u. Hamilton (New York). Mason (Virginia.). Tatsächlich ist hierbei aber ein differenzierterer Blick angebracht. Weitere bekannte Delegierte waren A. 1990. Dickinson (Delaware).30 B. die die öffentliche Debatte um die Verfassung zu prägen verstanden. The Revolutionary Generation. Im Zuge dieser Diskussion erscheinen eigentliches Konzept und Zusammensetzung der Gründer immer weniger fassbar. Slaves. kleinen und großen Einzelstaaten auf der anderen Seite. um den Vorwurf einer gewissen Willkür in der Auswahl zu entkräften. Franklin und J. den Jefferson. and the Making of the American Revolution in Virginia. 40 Vgl. 1999 sowie W.

W. Die Spannungen waren von einer Vermengung unauflöslich erscheinender materieller Interessen mit generellen Einwänden gegen jegliche Machtkonzentration gekennzeichnet. dem einzigen Bundesorgan. nationalen Regierungsform ersetzt werden. 45 Für die Wahl zum Repräsentantenhaus. Agrarprodukte exportierenden Süden. um das Negative und im Zweifel Unpatriotische ihres Standpunktes hervorzuheben. S. Anstoß an dem Entwurf nahmen allerdings die kleinen Staaten. Madisons Vorstellungen basierten auf einem eigenen Entwurf. auch P. galt die Bestimmung. Dem Kongress wurde lediglich das Recht eingeräumt. Der Vorschlag von New Jersey („New Jersey-Plan“). dass die Qualifikationen für die Wähler nicht höher angesetzt werden dürften als für das „populäre“ Haus des jeweiligen Einzelstaates (Art. 42 Er sah im Kern eine präsidiale Republik vor. Eckpunkte der US-amerikanischen Verfassungsentwicklung 31 Auftrag des Konvents vor: die Konföderationsartikel sollten nicht revidiert. darin wurde ein System bevorzugt. Politische Protagonisten und Gegenpole dieser Auseinandersetzung waren einerseits die „Nationalisten“ – Befürworter einer starken Zentralregierung (die sich entgegen dem heutigen Sprachgebrauch Federalists nannten) – und auf der anderen Seite die Anhänger der Souveränität der Einzelstaaten sowie einer größtmöglichen Dezentralisierung der Macht. sondern durch den Beschluss einer neuen. Den dritten „Plan“ legte A. der Senat bot hingegen ungeachtet der Größe jeweils zwei Sitze für die einzelnen Staaten. der eine Kollektivspitze vorsah. das nach der ursprünglichen Verfassung direkt gewählt werden musste. die von den Einzelstaaten geregelten „Zeiten. der als „VirginiaPlan“ bekannt werden sollte.I. Schließlich konnte ein für die Konventsmitglieder akzeptabler Kompromiss (ehrfurchtsvoll „The Great Compromise“ genannt) erzielt werden: im Repräsentantenhaus war nunmehr eine Vertretung nach der Bevölkerungszahl vorgesehen. Virginia hätte damit ein erhebliches Gewicht im Kongress gehabt. Widmer. 43 Der Souveränität der Einzelstaaten wurde durch das innovative Prinzip des Föderalismus 44 und durch die Entscheidung über ein neues Wahlrecht 45 RechDer Verfassungsdebatte lagen drei „Plans“ zugrunde. in: Schweizerische Zeitschrift für Geschichte. I § 2 par 1 der Verfassung). der von Virginia hatte Ähnlichkeiten mit der späteren Verfassung der dritten französischen Republik. 43 Aktualität erlangten diese Frage und die Argumente der früheren Auseinandersetzung bei den Präsidentschaftswahlen im Jahr 2000 und der knappen (letztlich gerichtlichen) Entscheidung für den Wahlsieger G. das dem „British Government“ als laut Hamilton „the best in the world“. die auf einer strengen Gewaltenteilung durch ein Zweikammerparlament beruhte. da sich die Sitzverteilung im Kongress nach der Einwohnerzahl des jeweiligen Bundesstaates richten sollte. Bush.Ü. 38 (1988). Letztere wurden von ihren Widersachern geschickterweise mit dem Namen Antifederalists belegt. 359 ff. glich dabei in manchen Einzelheiten der späteren Schweizer Verfassung von 1848 (siehe i.b).). Orte und 42 . An den Rand des Scheiterns brachte die Beratungen überdies der Interessenkonflikt zwischen dem kommerziell ausgerichteten Norden und dem auf Sklavenarbeit angewiesenen. frappierend ähnelte. Der Einfluss der Schweiz auf die Amerikanische Verfassung von 1787. Hamilton vor. 44 Dazu ausführlicher unten IV.3.

jedoch ein Steuer von nicht mehr als 10 Dollar auf jeden importierten Sklaven erhoben werden (Art. 46 Zum Ideengehalt der Einzelstaatsverfassungen: W.P. Die Quellen der amerikanischen Verfassung. Vgl. Einfuhrzölle und Steuern zu erheben. 46 Art“ der Wahlen zu ändern (Art. alle Gesetze zu beschließen. S. Eine weitere Beschränkung der Einzelstaaten bildete das Verbot der Münzprägung und Papiergeldausgabe. die es dem Kongress ermöglichte. Nach Art. 1973. 3 der Verfassung ein flüchtiger Sklave von den Behörden des Staates. in den er geflüchtet war. ein Organ („Council of Revision“) zu schaffen. das Gesetze der Einzelstaaten und / oder des Kongresses auf ihre Verfassungsmäßigkeit überprüfen würde. . 107 ff. Siehe zu deren Einfluss auf die Bundesverfassung auch H. eine Flotte und ein Heer zu unterhalten. I § 2 par.P. I § 9 par. Essentiell für die Zustimmung der Südstaaten zur Verfassung war die Anerkennung der Institution der Sklaverei. als wegweisender Erfahrungsschatz für die Inhalte der Bundesverfassung. 1. Allerdings wurde damit erst ein gemeinsamer Binnenmarkt mit einer gemeinsamen Währungs-. (Hrsg. Weiterhin musste gemäß Art. S. Diese Akzeptanz wurde letztlich konkludent in drei Klauseln deutlich. Nicht mehrheitsfähig waren Anregungen. wie bereits erwähnt.G. Kompensation für den Verlust der einzelstaatlichen Souveränität sollte der Senat bieten. einer Einmannexekutive und einem obersten Gerichtshof waren insbesondere die Verfassungen von New York und Massachusetts. Den Gipfel der Machtfülle bildete die berühmte Bestimmung. Adams u. Keller. in: W. über den die Staaten Einfluss auf die Gesetzgebung. Auch die Zuweisung dieser Funktion an den in der Verfassung vorgesehenen Obersten Gerichtshof fand keine Zustimmung. in: Schweizer Beiträge zur allgemeinen Geschichte 16 (1953). Der Bundesregierung wurde die Befugnis erteilt. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung nung getragen. den Abschluss von Verträgen und die Ernennung hoher Amtsinhaber nehmen konnten. die Milizen der Staaten zu beaufsichtigen (und nötigenfalls militärisch einzusetzen) sowie den Handel zwischen den Staaten und dem Ausland zu regulieren. 280 f. I § 4 par..L. 18 der Verfassung). auch K. Die einzelstaatlichen Verfassungen dienten.32 B. IV § 2 par. an seinen Herrn ausgeliefert werden. Die Verfassungen und politischen Ideen der amerikanischen Revolution. Bd.). Adams. Shell. I § 8 par. Wirtschafts. 277 ff. 3 der Verfassung sollten bei der Berechnung der Bevölkerungszahl im Hinblick auf die Zuteilung von Sitzen im Repräsentantenhaus „other persons“ (womit Sklaven gemeint waren) als DreiFünftel-Personen gewertet werden. Republikanische Verfassung und bürgerliche Freiheit. Die Vereinigten Staaten von Amerika. um die in der Verfassung enthaltenen Kompetenzen wahrzunehmen (Art. 1 der Verfassung). Zudem durfte der Import von Sklaven vom Kongress bis zum Jahre 1808 nicht verboten. 1990.und Außenhandelspolitik ermöglicht. a. 1 der Verfassung). Die Verfassung von 1787. Vorbilder etwa für die Gestaltung der Bundesgewalt mit einer Zweikammerlegislative. die notwendig und angemessen („necessary and proper“) seien.

November 1789 beziehungsweise 29. Diese Taktik zahlte sich aus. Auch in New York galt es Widerstände gegen den Verfassungsentwurf zu brechen. Die Antifederalists befürworteten dabei die Idee einer überschaubaren Republik in einem lockeren Staatenbund. Brooks.I. The Other Founders: Anti-Federalism and the Dissenting Tradition . weitgehend ideellen Streit um etwaige Segnungen des Föderalismus oder eines ausgeprägten Zentralismus offenbarten. The Eleventh Pillar: New York and the Federal Constitution. in: William and Mary Quarterly 24 (1967). 1961. welche angesichts der zahlreichen Kompromisse kaum zu erreichen schien. Sept. Vgl. dem Beispiel aus Massachusetts folgend. R.T. Cornell. S. Critics of the Constitution 1781 – 1788. Reden und Pamphleten die öffentliche Meinung zu indoktrinieren. So beschloss man. die in einer geistig-ideologischen Auseinandersetzung das gemeinsame Fundament der Revolution in zwei Varianten des Republikanismus zu spalten wußten. C. denn am 2. Main. 1787 verabschiedete Verfassung spiegelte letztlich den mühselig errungenen Kompromiss zwischen Interessenlagen wider. The Antifederalists. Neuerdings S. Überdies wurde der bis dahin fehlende Grundrechtekatalog beklagt. sondern eigens zu berufenden verfassunggebenden Versammlungen in den einzelnen Staaten zu überlassen.M. Men of Little Faith: The Antifederalists on the Nature of Representative Government. ein Gebiet von der Größe der Vereinigten Staaten könne problemlos als freiheitliche Republik geführt werden. de Pauw. Juli 1788 wurde durch die Zustimmung des zehnten der dreizehn Gründungsstaaten die Verfassung ratifiziert. 49 Unter Berufung auf Montesquieu widersprachen die Antifederalists der Auffassung. North Carolina und Rhode Island zögerten mit der Ratifizierung noch bis zum 21. VII des Verfassungsentwurfs bereits neun von dreizehn Ja-Stimmen die übrigen Staaten binden. Zeitungsartikeln.G. 1966. in: William and Mary Quarterly 12 (1955). Diese hätte sich bei Berücksichtigung der damaligen Rechtslage schwierig gestaltet. Die Kongressordnung sah nämlich prinzipiell Einstimmigkeit vor. allmählich das Volk als eigentlicher Souverän ins Spiel gebracht. Beide Seiten versuchten mit einer Flut von Flugblättern. Melanchton Smith and the Ratification of the Constitution in New York. d) Ratifizierung und „Federalists“ gegen „Antifederalists“ Der Verabschiedung sollte nach dem Willen der Delegierten die baldige Ratifizierung folgen. S. wie sie in den „Articles of Confederation“ vorgesehen war. 47 Überdies sollten nach Art. 339 ff. 3 ff. Die neu geschaffenen Verfassungsorgane und Institutionen betrachtete man als potentielle Gefahr für die Bedürfnisse der Einzelstaaten und ihrer Bürger. die Zustimmung zur Verfassung nicht dem Kongress in New York. Alexander Hamilton. 49 47 Gleichzeitig wurde. Eckpunkte der US-amerikanischen Verfassungsentwicklung 33 Die am 17. Kenyon. 48 Hierzu ausführlich L. die sich in einem materiell ausgerichteten Nord-Süd-Konflikt und einem grundsätzlichen. ähnlich der Struktur. Mai 1790. 48 Wie unter einem Brennglas prallten dort die herausragenden Vertreter von Federalists und Antifederalists aufeinander. zu den Argumenten und Vertretern dieser Bewegung insgesamt J.

1958. The Federalist Papers. ders. A.. The Federalist. Adams (Hrsg). Der Anlass für diese eifrige Publikationstätigkeit war. die Verfassung per Volksentscheid zu ratifizieren. Kramnick (Hrsg. Aufl. The Political Theory of the Federalist. das dank des Formats seiner Autoren und des Erfolgs der vertretenen politischen Position schließlich einen hervorragenden Platz einnehmen sollte im literarischen corpus der amerikanischen Ziviltheologie“. Siehe ders. The Federalist (1787/88). in denen sie die Bedeutung und Vorteile der Verfassung hervorzuheben suchten. James Madison. Textausgaben wurden u.). Dennoch richteten sich die Artikel der Autoren ebenso wie die Artikel und Pamphlete der Verfassungsgegner unmittelbar an die interessierten Bürger.P. Diese heute unter dem Titel „Federalist Papers“ versammelten Schriften gelten zu Recht als eines der wichtigsten Dokumente zur Staatstheorie und zählen zu den Klassikertexten im Verfassungsleben 50. 1981 sowie ders. und W. in: H.34 B. sie erweckte Leidenschaften. 50 Die Begrifflichkeit „Klassikertexte im Verfassungsleben“ prägte P.. 1961. vielmehr oblag diese Aufgabe gewählten Konventen. Deutschsprachige Übersetzungen editierten u. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Demgegenüber stand das Modell der Federalists. bevor sie zusammengefaßt als Buch publiziert wurden. II. die verwundern muss. a. Hamilton / Madison / Jay: Die Federalist Artikel. 1998. 51 In deren Plädoyer für einen amerikanischen Bundesstaat lebt die damals geführte Diskussion wieder auf und es sind prinzipielle Überlegungen über die Probleme zu finden. (Hrsg. S. 58.). Den theoretischen und intellektuellen Unterbau hierzu lieferten A. Wright. Bd. C. Siehe auch K.. Rossiter (Hrsg.J. nämlich 1787/88. mit zahlreichen Mitteln der politischen Rhetorik um Zustimmung gerungen. 1999. 1961 – mit oft zitierter Einleitung. Häberle. herausgegeben von J. die Einigungsprozesse von solcher Größenordnung aufwerfen. 58 ff.). Siehe auch die Textsammlung von H. die etwa ein Jahr lang. Jay. Aufl. 1987. 51 J. a. Klassikertexte im Verfassungsleben. . Hamilton.).F. a. vielleicht sogar in literarischer Hinsicht. nunmehr bundesstaatlichen Verfassung zu werben. Verfassungslehre als Kulturwissenschaft. 1994 sowie F. die für das Modell einer „Bundesrepublik“ mit einer effektiven Zentralgewalt sowie für eine Stärkung und Expansion der Wirtschaft eintraten. Es war nicht vorgesehen. J. Ermacora (Hrsg. 1984. Storing / M. 5. John Jay. Madison und J. Die Interpretation der amerikanischen Verfassung im Federalist. B. 1977. wenn man die Entstehungsgeschichte der „Papers“bedenkt: Sie waren zunächst schlicht eine Serie von Zeitungsartikeln. Gerade mit Blick auf in America. S. es wurde argumentiert.E. Zur politischen Interpretation der Federalist Paper vgl. von Oppen-Rundstedt. die unter dem gemeinsamen Pseudonym „Publius“ 85 Essays veröffentlichten. für die Ratifizierung der neuen. I. in mehrtägigem Abstand in drei New Yorker Zeitungen erschienen. Klassiker des politischen Denkens. 1961.). vgl. Dry (Hrsg. 1987. Alexander Hamilton.F. The Complete Anti-Federalist. The Federalist. 7 Bde. Gebhardt spricht in diesem Zusammenhang von einem „livre de circonstance. Der Föderalist. Maier u. 481 ff. D. 2. 1970. Cooke (Hrsg. Zudem ist eine Stringenz der Argumentation zu erkennen. Epstein. 1788 –1828. The Federalist..). Offenbar fand diese öffentlich geführte Kontroverse um die künftige Gestalt der Union auch die erwünschte Resonanz. polemisiert.

12) und der freien . Eckpunkte der US-amerikanischen Verfassungsentwicklung 35 den europäischen Einigungsprozess ist es erhellend.gmu. stand der Staat New York vor der Wahl. Sie sollte die erste Verfassung sein.html).P. Eigentum zu erwerben und zu besitzen und Glück und Sicherheit zu erstreben und zu erlangen. das auf mühsamen. Hinzu kamen unter anderem Gewährleistungen der Pressefreiheit (Art.. wie eine von Leidenschaft getragene Einigung andere Kräfte freisetzt als ein Zusammenfinden. / 29.. 1 der Erklärung heißt es: „Alle Menschen sind von Natur aus gleichermaßen frei und unabhängig und besitzen gewisse angeborene Rechte [. Washington als erster Präsident den Beschluß eines Grundrechtekatalogs im Kongress durchsetzen würde. Der Verdienst der Federalist Papers lag weniger in deren tagespolitischem Erfolg als in der ideenpolitischen Langzeitwirkung auf das politische Selbstverständnis der amerikanischen Republik. Einige der Staatsversammlungen hatten die neue Verfassung allerdings nur unter der Prämisse ratifiziert. Die naturrechtliche Lehre von den unveräußerlichen 52 In Art. im Internet unter http://chnm. die nationale Willensbildung und Entscheidungsfindung vereinfachenden Fasson staatlichen Zusammenlebens hatte sich zuletzt trotz oder gerade aufgrund der langatmigen Ratifikationsauseinandersetzung vollzogen. Adams. konstitutionelle „Morgendämmerung“ – die Bill of Rights In ihrer Tragweite ist dabei die Verfassung Virginias vom 12.] und zwar auf Genuß des Lebens und der Freiheit und dazu die Möglichkeit. kleinteiligen Gewinn-und-Verlust-Rechnungen beruht. Juni 1776 kaum zu unterschätzen. e) Die Schlüsselrolle der Verfassung Virginias – Pionierin der Menschenrechte. dass G. der Union fernzubleiben und eine Sezession der Stadt New York zu riskieren oder sich dem Druck der Umstände zu beugen. New York jedenfalls wählte einen anti-federalistischen Konvent. als sie erstmals Regeln der Staatsorganisation („Constitution or Form of Government“) mit einem Menschenrechtskatalog („Virginia Bill of Rights“ 52) verband. Gleichwohl: Über die unmittelbare Bedeutung der Federalist Papers in der Auseinandersetzung um die Verfassung sind die Meinungen geteilt. Nachdem jedoch mit Virginia als zehnter Staat nach Massachusetts ein anderer großer Schlüsselstaat die Verfassung ratifiziert hatte. Obwohl die Anti-Federalisten unter dem Strich den Kampf um die Verfassung verloren hatten.“(zitiert nach der Übersetzung von W. Der Schritt zu einer neuen. die den Schritt von traditionellen konstitutionellen Denkmustern zur Verfassungs-Moderne insoweit zu meistern vermochte.edu/declaration/german. ging im Rahmen des erzielten Kompromisses ihre Idee vom republikanischen Kleinstaat ebenso in das amerikanische Selbstverständnis ein wie die einzelnen Prinzipien ihrer federalistischen Widersacher. Der Konvent entschloss sich schließlich mit knapper Mehrheit für die Ratifizierung.I.

Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Menschenrechten und die Rechtsentwicklungen in England bildeten den geistigen Unterbau. 13. 1974). Schwartz. auch B.A. „The Constitution of Pennsylvania“. dass sich eine beispiellose Offenheit für zeitgenössische Staatsphilosophie beobachten ließ. in den Covenants von Connecticut [.180 f. Massachusetts). die Achtung von Leib. sichtbare. 162 f. Schnur (Hrsg. zitiert nach S. 1909. 1955. North Carolina. ihm ist in allen diesen Punkten das Naturrecht gar nicht Theorie und Literatur. Aufl. to be the constitution of this commonwealth. S.“ 55 Die Staaten Virginia.] do ordain. 1776 – 1791. Hatschek. gutem Namen und Besitztum sowie die Glaubens-. Laut O. sondern fassbare.] wirklich durch Vertrag Staaten entstehen.. Rutland. in: R. Vossler sieht der Amerikaner „im Mayflower Compact. 2. So war die Frage nach dem konkreten Inhalt von „Freiheit“ nicht eindeutig im Sinne einer allgemeinen Übereinstimmung zu beantworten. Bd.E. S.). Jedoch sollte es nicht lange dauern.36 B. um die bedeutendsten Freiheiten als allgemeine Bürger. 1977. In den General Fundamentals von New Plymouth aus dem Jahre 1671 wurde die Gleichheit vor dem Gesetz und in der Rechtsprechung. declare and establish the following Declaration of Rights and Frame of Government. Leben. 56 So kam es schließlich.. Freiheit.. Allgemeines Staatsrecht.. 54 O. Neudr. bis es zu der Verschmelzung beider Bestandteile kam.“ 54 Zwar steht die Menschenrechtserklärung von Virginia noch außerhalb. 1910. Morison (Hrsg. ihrem ausgeprägten Unabhängigkeitssinn und deren gewachsenem Streben nach Glaubensfreiheit zuzuschreiben sein. die schließlich in deren konkreter Umsetzung mündete.oder Menschenrechte in einem Grundrechtskatalog zu konzentrieren und als positives Gesetz zu verkünden. lebendige Wirklichkeit. In der Verfassung Pennsylvanias vom 28. Die Erklärung der Menschen. Siehe zu den ersten amerikanischen Entwürfen von Grundrechtskatalogen bereits H. Pennsylvania. 1776 wurde erstmals diese für das spätere Verfassungsverständnis wesentliche Verbindung formuliert: „We [. also formal getrennt von der „Constitution or Form of Government“. R. A History of the American Bill of Rights. J. in fünf Staaten waren beispielsweise nur Protestanten amtsfähig. 55 Vgl. Allgemeine Staatslehre. Aufl. 1999. dazu R. 16). 329. New York und Massachusetts waren es dann auch. Vossler. Zippelius. Vgl. die eine Annahme der Bundesverfassung von der Bedingung abhängig machten. Studien zur Erklärung der Menschenrechte. 1964 (2. Hägermann. Sources and Documents Illustrating the American Revolution 1764 –1788. 133 f. S. 166 ff. 53 Es mag der damaligen Mentalität der Siedler. S. dass Grundrechte dauernde Berücksichtigung fänden. 56 Bis 1780 schufen lediglich sechs Staaten Grundrechtserklärungen (Virginia. Freiheit als politische Partizipation war nicht gleichmäßig verwirklicht. 1929. dass Religionsausübung (Art. II.). Maryland. Das Gleichheitsprinzip der Unabhängigkeitserklärung war . Gewissensund Kultusfrreiheit für unverletzlich erklärt. Aufl.9. Inhaltlich gab es hierbei erhebliche Differenzen. Delaware.. 53 Bereits das Massachusetts Body of Liberties von 1641 enthielt ein detailliertes Bekenntnis zu Individualrechten. Zur Geschichte der Erklärung Menschenrechte und Grundfreiheiten. The Birth of the Bill of Rights. 1953. vgl.und Bürgerrechte in den ersten amerikanischen Staatsverfassungen. The Great Rights of Mankind.

Zudem würde so abgelenkt von der letztlich entscheidenden Gemeinwohlsicherung. die Habeas Corpus Act 1679 und die Bill of Rights 1689 folgend strukturell und inhaltlich schon ein Stück in die Zukunft enteilt war. 59 Hamilton.“ 60 Bekanntlich konnten sich die Föderalisten mit diesem Ansatz nicht durchsetzen.1. W. Der „Vorabend“ der Bundesverfassung nahm unter dem Gesichtspunkt der Verknüpfung dieser heute untrennbar erscheinenden Elemente also durchaus den Zeitraum bis 1789 in Anspruch.W. auch K. 59 Anders freilich W. 60 Vgl. 1. die der englischen Tradition von der Magna Charta 1215 über die Petition of Right 1627. The Federalist No. 58 Selten wird darauf verwiesen. 1998. Brugger. dem Geist der Freiheit in der Bürgerschaft. Das Jahr 1791 mag als die „Morgendämmerung“ einer modernen Verfassung bezeichnet werden. betonten in den gemeinsam von ihnen verfassten Federalist Papers. ließen sie doch den Eindruck entstehen. S. Levy. der sich in demokratischer Selbstbestimmung äußere: „Hier müssen wir [. Die historischen und verfassungsrechtlichen Grundlagen sowie die Fortentwicklung bespricht A. To form a more perfect union. Hertel.I. hierzu W. 58 Vgl. von denen die Bundesstaaten letztlich zehn bestätigten. Origins of the Bill of Rights. Gerechtigkeit und Freiheit seien ausreichend durch Gewaltenteilung und die repräsentative Demokratie gesichert. 26. aus neuerer Zeit das sehr umstrittene Werk von L. September zunächst zwölf Verfassungszusätze (Amendments). 65. Republikanische Verfassung und bürgerliche Freiheit. grundrechtliche Abwehrrechte seien überflüssig. 1993. in: Ruperto Carola – Forschungsmagazin der Universität Heidelberg.R. Supranationalität als Verfassungsprinzip. S. 1973. 84 (Hamilton). Einzelheiten zu den Amendments unten ausführlich IV. 57 Der Kongress verabschiedete am 25.] letzten Endes das einzige solide Fundament für alle unsere Rechte suchen. Madison und Jay. Auf Druck der Anti-Föderalisten wurde bald nach Verfassungsannahme ein Grundrechtskatalog entworfen. ja schädlich. The ratification of the Constitution and the Bill of Rights. Reed Amar. 22 ff.. Verfassungen im Vergleich: USA & Deutschland. dass im Prozess der amerikanischen Verfassunggebung 1787/88 die Föderalisten zunächst für eine Verfassung ohne Grundrechte eintraten. Die Verfassungen und politischen Ideen der Amerikanischen Revolution. Überdies fand es nur in drei Grundrechtserklärungen Berücksichtigung. vordergründig gegen England gerichtet und zunächst nicht zur unbeschränkten inneren Umsetzung bestimmt. Vgl. The Bill of Rights: Creation and Reconstruction. Stern. 1999.a) Zur Geschichte der amerikanischen „Bill of Rights“ vgl. . 1984.P. Bd. die Bill of Rights. S. Heft 3/1994. Adams. für die die amerikanische Verfassung berühmt geworden ist. Eckpunkte der US-amerikanischen Verfassungsentwicklung 37 Herrschaftsordnung und Grundrechte in der westlichen Verfassungstradition seit der Einbeziehung der Ten Amendments als „Bill of Rights“ in die amerikanische Verfassung im Jahre 1789 57 (ratifiziert 1791) eine untrennbare Einheit bilden und nicht hinweg zu denkender Bestandteil moderner Verfassungen sind. Das Staatsrecht der Bundesrepublik Deutschland. Siehe auch C. Smith. 1787 – 1791.. 1999. das mit ihnen abgewehrte Verhalten des Staats sei eigentlich erlaubt und müsse erst verboten werden.

weit deutlicher mit den politischen Strukturen der vorhergehenden Periode.3.38 B. 11 ff. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Die Verfassung und die Bill of Rights erzeugten so eine Balance zwischen zwei gegensätzlichen. Gorman. 62 Die Präambel der amerikanischen Verfassung wird beispielsweise umfassend erläutert von M. denn dies schien mehr regionale Kontrolle und Verantwortung zu garantieren. We the People I: Foundations.W. der sich eigentlich erst jetzt als in sich geschlossene Nation betrachten konnte. Constitutional Law in the United States: a Systematic Inquiry into the Change and Relevance of Supreme Court Decisions. Die Demokratischen Republikaner verteidigten die Rechte der einzelnen Staaten.e).. Nowak / R. Currie. Adler / W. J. 5. 2000. „We the People[. American Constitutional Law. 1998. die Rechte des Einzelnen zu schützen. The American Testament. Constitutional Law. Siehe auch B. 63 Das Volk wird als 61 Profunde Darstellungen der amerikanischen Verfassungsordnung bieten etwa R.. S. „We. S. 1988. 2. S. auch ders. Fundament und Auftrag dieses Werkes. Verfassungslehre als Kulturwissenschaft. Eine Auseinandersetzung.. 1.E. .20. 61 Bereits in den ersten drei Worten der Präambel 62 manifestieren sich Herkunft. dass damals die Kolonien zwar den einschneidenden Schritt zur Unabhängigkeit getätigt hatten. Die beiden ersten politischen Parteien spalteten sich entlang dieser Linien. Demokratie in Anfechtung und Bewährung. the People“ – Souveränität (in) der US-Verfassung Die Verfassung der Vereinigten Staaten ist die älteste noch gültige schriftliche Verfassung der Welt. obersten Souverän berufen wurde. Der entstandene Verfassungsstaat auf der Grundlage des Dokuments von 1787 war zunächst von Geburtswehen begleitet. Festschrift für J.3.12. effizienten Zentralgewalt und der Maxime. in: J. indem die durch Generationen hindurch bewahrte Tradition der relativen Selbständigkeit der Einzelterritorien durchbrochen und das Volk der Vereinigten Staaten zum tatsächlichen. Bland. aber grundlegenden Aspekten der amerikanischen Politik – der Notwendigkeit einer starken. 63 ff. 1991. 920 ff. S.P... Häberle. vgl. 3 rd ed. Aufl. Die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika. so lässt sich feststellen. allerdings Verwaltung und Staatsverständnis lediglich Modifizierung erfahren durften. 2000. ch. Inhalt und Sinn von Präambeln in ihrer Verbindung mit Verfassungen erläutert rechtsvergleichend P. 6 thed. Schambeck (Hrsg. Tribe. D. Setzt man einen Vergleich mit 1776 an. Den Zweck. die der Konfliktsituation unter den Delegierten des Verfassungskonvents gewissermaßen konsequent nachfolgte. Rotunda.2. 1992. 63 Zum Demokratieprinzip ausführlicher unter IV. S. Ackerman.]“ ist mehr als lediglich der Ausdruck des Demokratiegedankens.. der freilich zu den Säulen amerikanischen Verfassungsdenkens zu zählen ist.D. Broermann. Präambeln im Text und Kontext von Verfassungen. 1975. 1787 wurde hingegen ein erstes klares Bekenntnis zur Moderne des Staatswesens abgegeben.H. die beschwerlicher zu sein schienen als die der abgelösten Konföderation. 211 ff. Die Föderalisten bevorzugten einen starken Präsidenten und eine Zentralregierung. L.. 1982. Listl / H. Insbesondere brach der reformierte Staat.). 1 ff. 7 ff.

Direkte Demokratie in den Staaten der Europäischen Union. 66 Die Volkssouveränität fand zwar von Beginn an in der amerikanischen Verfassung ihre theoretische Verankerung.2. Wobei der Begriff des „Schaffenden“ weit zu verstehen ist: eine Legitimation durch eine Volksabstimmung gab es nämlich ebensowenig wie zu den meisten folgenden Verfassungsentwürfen anderer Länder. 155 ff. Loewenstein (1959). vgl. Staatsorganisation und Staatsfunktion im Wandel. S. 521. Schmitt Glaeser. 65 Schon seit der Antike wurden mit dem Begriff der „Verfassung“ die unterschiedlichsten Inhalte in Verbindung gebracht. K. Martin v. 67 sie entfaltete sich hingegen inhaltlich und in der Wahrnehmung erst eine Generation später. 197 ff. W. in: O. (1 Wheat. Zum Verfassungsbegriff unten ausführlich unter B. in: P. 1993. Scholz (Hrsg.. 14 U. Direkt-demokratische Institutionen und repräsentative Demokratie im Verfassungssstaat. 1996. K. 64 . vgl. 1963. McCulloch v. S. K. Rossiter.S. und entfaltet schließlich identitätsstiftende Wirkung.). wolle er nicht in Anarchie verfallen. in: Aus Politik und Zeitgeschichte.) 419. N.) 304. die von einem tiefen Misstrauen gegen jegliche Volksherrschaft gekennzeichnet war. (2 Dall. 505.. S. Diesbezüglich war Verfassung alleine „institutio“ und nicht „constitutio“. Gönnenwein / E. 1994 sowie R. J. auch H. auch G. Hunter’s Lessee. 2 U. 3. in diesem Fall sogar den Hinweis auf die revolutionäre Vorgeschichte. Die Verbindung von Verfassungsidee und Grundrechtsidee zur modernen Verfassung. Freilich handelte es sich hierbei oftmals lediglich um die Fixierung real vorhandener Machtverhältnisse und obrigkeitlich gesetzter Ordnungen. Gebhardt.) 316. die in dieser Form erstmalig Einzug in eine moderne Verfassung hielt 65. 1955. Festschrift für Kurt Eichenberger zum 60. in: G. impliziert aber auch die Billigung und Prägung durch die Bürger eines Landes.K. 324 (1816). Geburtstag. S. Volksabstimmung in der rechtsstaatlichen Demokratie... siehe auch J. 403 (1819). 8 f.). 68 Vgl. S. Schneider. The Political Thought of the American Revolution. 17 U. 200. S. Vgl. Auflage 1914 (Neudr. S. 170 ff. Grote. 26 m. Georgia. Gleichzeitig wird der Schaffende zum Adressaten. Volksgesetzgebung in den USA und in Deutschland. 64 Diese Bezugnahme.w. 1982. Die Antwort gibt das Volk. unabänderlicher Prinzipien die Rede sein. Festschrift für Peter Lerche. S. da die Verfassungsväter keine Demokraten im eigentlichen Sinne waren. Drath / O. Gedächtnisschrift für Walter Jellinek.f)nn). Formen und Verfahren direkter Demokratie. die alleine auf dem Willen eines Herrschers oder vertraglichen Absprachen beruhten. sich an bestimmte Ordnungsvorstellungen halten müsse. Die Gliedstaaten im amerikanischen Bundesstaat: Institutionen und Prozesse gliedstaatlicher Interessenwahrung in den Vereinigten Staaten von Amerika. S. Maryland. Sie zählten zu der konservativen Oberschicht. Walz (Hrsg. Hernekamp. 317 ff. Müller u.). 1960). B 23.II.S. 1991. Zu Volksabstimmungen siehe allgemein aus dem deutschsprachigen Schrifttum H. 185 ff. 66 Eine Ausnahme bildet freilich etwa die Schweiz. Eckpunkte der US-amerikanischen Verfassungsentwicklung 39 Träger der verfassunggebenden Gewalt festgeschrieben. dass die Verfassung ein Akt des Volkes und nicht von souveränen und unabhängigen Staaten geschaffen war. 68 Dennoch stand So hat auch der US-Supreme Court bereits früh festgestellt. Jellinek. a. Stern..S. Allgemeine Staatslehre. (4 Wheat. 67 Zu den Inhalten und Elementen des damaligen Souveränitätsverständnisses C. (Hrsg. 1979. Bachof / M. 1992. in: Staatswissenschaft und Staatspraxis. Es herrschte insoweit Einigkeit als ein Staat. Badura / R. 315 ff. 16 ff.471 (1793). Es konnte weder von einer Ordnung des gesamten Staatswesens noch von einer Einbeziehung übergeordneter.I. Heußner. Chisholm v. Annaheim.

17 U. Eine (ge)zeitenfeste Verfassung Ursprünglich für einen Agrarstaat mit einer Gesamtbevölkerung von weniger als vier Millionen Menschen konzipiert. Neben idealisierten Darstellungen des Grundkonsenses von 1787 und der darauf beruhenden verfassungsrechtlichen Grundentscheidungen des historischen Verfassungsgebers ist wohl auch dies auf die Knappheit des Textes zurückzuführen. Organe und Machthaber mussten – vielleicht durften – sich mehr als zwei Jahrhunderte an einem nahezu unveränderten Verfassungstext ortientieren. beherrschenden Weltmacht – und dies mit einer in ihren Kerngehalten wenig revidierten Verfassung. hat sich möglicherweise auch angesichts dieser Entwicklung bewährt. Annaheim (1992). 71 D. 24. Systemwechsel. . 7. Nach Currie hat diese Entscheidung „erheblich zur gesunden und weit verbreiteten Auffassung beigetragen. dessen Bevölkerung sich seit 1789 mehr als versechzigfacht hat 69 und der selbstbewußt für sich den Standort der Wiege des Fortschritts in Anspruch nimmt. 71“ Auch in England als Wunderwerk menschlichen 69 Die Vereinigten Staaten von Amerika hatten zum Zeitpunkt der letzten Volkszählung im Jahr 1990 insgesamt 248. nur die fundamentalen Grundsätze durch die Verfassung selbst zu regeln 70. S. Bestätigt und gestärkt durch die amerikanische Verfassungsgeschichte. Institutionen. nicht der Mensch. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung und steht die Souveränität des Volkes in der Folge im Mittelpunkt aller Betrachtung. S. 78. gilt die Verfassung mittlerweile in einem Staat. 316 (1819). 1988. angestiegen. Maryland. Veränderungen des Wertebewußtseins. sondern das Recht übe letztlich die Herrschaftsgewalt aus. außenund innenpolitische Neuordnungen fanden gerade nicht ihren Niederschlag in gänzlich neuen Verfassungsentwürfen. Anwendung und Gestaltung der Verfassung. Die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika. gestrafften Werkes ist demzufolge Ursache und Messlatte der Dauerhaftigkeit dieser Verfassung.709. Der Fortschreibung zufolge ist die Bevölkerung allein bis zum 1.40 B. Vgl. die lediglich 4400 Worte umfasst und damit die kürzeste aller geschriebenen Verfassungen ist. Tatsächlich entwickelten sich die Vereinigten Staaten zu einer hochindustrialisierten. 70 So auch der Supreme Court in seinem berühmten Urteil McCulloch v.S. Currie. begrenzt durch das Bewußtsein. Die Grundentscheidung der Verfassungsväter. 1998 auf 270 Mio. Die Flexibilität eines konzentrierten. auch J. Menschen.P.873 Einwohner. dass die Verfassung ewige und heilige Vorschriften enthält. an denen man nicht ohne zwingenden Grund rütteln sollte. Im Zuge der Verfassungsbestätigung der vergangenen 200 Jahre hat sich in den Vereinigten Staaten von Amerika ein mitunter ritualisierter Verfassungspatriotismus ausgebildet. Alle neueren Daten sind ein Ergebnis der Fortschreibung der Statistik. 6.

M. Die heute so unverrückbar erscheinende amerikanische Verfassung war das Ergebnis zahlreicher Kompromisse. unten B. U. in: JuS 1976. Millett. Mason. Constitution: a Guide to Information Sources. Im übrigen bis in die heutige Zeit: eine äußerlich überwiegend statisch anmutende Verfassung ist freilich auch stetem Wandel unterzogen. 74 Diesen Terminus gebraucht.. 1896 –1979. S. 233 ff. 77 Die umfassendste Bibliographie der amerikanischen Verfassungsgeschichte stammt von K. Aufl. 1980.9. A Comprehensive Bibliography of American Constitutional and Legal History. 5 Vol. vgl. 164 f. S.. 77 Der vergleichende Blick auf die Verfassungsentwicklung Europas soll eine Auseinandersetzung mit den verfassungsbezogenen Wendepunkten in den Vereinigten Staaten rechtfertigen.“ Vgl. Wendepunkte amerikanischer Verfassungsgeschichte – Strukturierungsansätze Bei aller mythischen Verklärung darf jedoch nicht vergessen werden. Vol.. wurde die Verfassung in den Vereinigten Staaten laut Fraenkel mehr und mehr zum „Objekt eines irrationalen Staatskults“ 73. Mit unterschiedlichen Ergebnissen. Auflage 1999. S. S.S. 75 Diese Vorstellung des Kompromisses bildet den Leitgedanken bei der Betrachtung des amerikanischen „Verfassungscharakters“. wie erbittert sich das Ringen um die Unionsverfassung gestaltete. Klette. auch E. die amerikanische Verfassungsgeschichte einer Strukturierung zu unterziehen wurde mehrmals unternommen. Der Versuch. Siehe auch C. 75 Insgesamt ist es kaum abwegig. Gladstone.). 7. I 1981. A Selected Bibliography of American Constitutional History. die ihrerseits Abbild einschneidender gesellschaftlicher. selbst wenn sich dies lediglich in veränderten Auslegungskriterien eines gewandelten gesellschaftlichen Umfelds und nicht oder nur selten in textlichen Modifikationen äußern sollte. S. 179 die Verfassung als „[. Zippelius in seiner „Allgemeinen Staatslehre“. in: The North American Review.M. 73 E.M.]the most wonderful instrument ever struck off at a given time by the brain and purpose of man. 1878. Eckpunkte der US-amerikanischen Verfassungsentwicklung 41 Geistes gerühmt 72. 8. der amerikanischen Verfassungsentwicklung bei aller scheinbaren Unbeweglichkeit der Verfassung gewisse Wendepunkte zuzuordnen. McCarrick. 1975. 1977. 1984.L. S. auch im Hinblick auf die Vereinigten Staaten.I. Siehe auch E. Corwin on the Constitution. Some Lessons from the Constitution of 1787. Verfassungsbestätigung erfährt damit 72 So bezeichnete W. Eine Kultur schöpft ihre Wesensmerkmale aus der Kraft immanenter Veränderung. Loss (ed. Sept. R. 157 ff. Das amerikanische Regierungssystem. 1976.. A. 3. . 76 In diesem Zusammenhang von „kulturellen Veränderungen“ zu sprechen ist mit der Gefahr der Widersprüchlichkeit verbunden. in: R.T. Corwin. vielleicht kultureller Veränderungen 76 waren. Hall. 432.S. Zur Einführung: Verfassungsrecht der Vereinigten Staaten. 21. Fraenkel.E. wobei der Gedanke des Kompromisses als konstitutives Strukturprinzip oder als politische Lebensform 74 das amerikanische Verfassungsdenken in erheblichem Masse beeinflusst hat. die freilich differierenden Grundausrichtungen der jeweiligen Forschungsvorhaben entspringen. 13. American Constitutional Development.I.

soziale oder kulturelle Veränderung Platz gegriffen hat? K. in: 21 Journal of Urban Affairs (1999) no. Deutschland und sein Grundgesetz: Themen einer deutsch-amerikanischen Konferenz. J. Ob sie letztlich ihre Entsprechung in der kürzeren gemeineuropäischen Verfassungsentwicklung finden. S. und zusammenfassend unter B. wobei sich der erste von der Etablierung der Republik bis zur Rekonstruktionsperiode nach Abschluss des Sezessionskrieges erstrecken sollte. 16. 79 Eine andere Einteilung nimmt J. hierzu A.B.). Kirchhof / D. in: H. der zweite von diesem Zeitpunkt bis zur großen Depression 1929 reichte und schließlich der dritte die Zeitspanne vom Roosevelt’schen New Deal bis zur Gegenwart umfasse. De Facto Devolution and Urban Defunding: The Priority of Persons over Places. Prinzipien des amerikanischen Föderalismus. 41 ff. Annaheim (1992). wird am Beispiel der europäischen Wendemarken aufzuzeigen sein. Letztere sind durchaus in einigen verfassungsgeschichtlichen Wendepunkten zu sehen. S.V. Loewenstein teilt die Verfassungsentwicklung der Vereinigten Staaten von der Gründung der Union bis zu den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in drei Abschnitte. hierzu A. Kommers (Hrsg. 38 ff. was er verspricht?: seine Vergangenheit. Gegenwart und Zukunft. 1959. S. 80 Dieser Ansatz soll aufgrund der bestimmenden Rolle des Föderalismus im amerikanischen Verfassungsdenken Berücksichtigung finden. Föderative Systeme im Vergleich: Die USA und Deutschland. Kincaid. 135 ff. S. S.). 80 Siehe J.. 99 ff. Eine vergleichbare Aufgliederung nach Entwicklungsstadien des amerikanischen Föderalismus nimmt A.. 2. 78 Lassen sich nun allgemein verfassungsgeschichtliche Wenden konstruieren. Annaheim unter dem Aspekt der Entwicklung des amerikanischen Föderalismus vor. Der „dual federalism“ erfährt noch eine abgestufte Betrachtung.B. 55 ff. Demnach ist von der Gründungszeit bis zur Gegenwart eine grobe Dreigliederung vorzunehmen. S. 1993. Föderalismus – hält er noch. 82 Vgl. von Arnim (Hrsg. vgl. 2000.1. K. auch im Lichte ausländischer Erfahrungen. Ähnlich wird der „cooperative federalism“ in „Grundlegung“ ( 1933 –1941) und „Ausdifferenzierung“ (1941 –1960) sowie die „neuere Entwicklung“ in „präsidentiellen Reformföderalismus“ (1960 –1980) und „Aufgabenreform der achtziger Jahre“ gestaffelt. in: P. Verfassungsrecht und Verfassungspraxis der Vereinigten Staaten. 82 Hierzu unten B. II. die sich zunächst an den Begriffen „dual federalism“ und „cooperative federalism“ sowie abschließend etwas flach an der „neueren Entwicklung“ 81 ausrichtet. Gunlicks (2000). und ders. 79 78 . 81 Das neue Schlagwort in der amerikanischen Föderalismus-Debatte ist die sogenannte „devolution revolution“. Loewenstein.. sobald eine gewisse gesellschaftspolitische.B. 41 ff.42 B. indem zwischen „Aufbau“ (1789 –1861) und „Bewährung“ (1861 –1933) unterschieden wird. Gunlicks vor. Gunlicks. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung sowohl eine Begrenzung als auch eine Erklärung hinsichtlich ihrer Abhängigkeit von „verfassungserstarkenden“ Elementen.H. die sich in allen rückblickenden Betrachtungen moderner Verfassungen zwangsläufig einstellen müssen.

P. Jedoch nicht ausnahmslos – insbesondere die politische Praxis sowie der amerikanische Amendment-Process nach Art. Currie.P. die Articles of Confederation: die Gründung einer neuen Nation. S. dass der amerikanischen Verfassung auch. D. welche die Bevölkerung. dass seit 1969 vier republikanische Präsidenten zehn neue Richter zum Supreme Court teils mit dem ausdrücklichen Ziel ernannt haben. letztlich die Gesellschaft tatsächlich aufzuwühlen und zu prägen vermochten. aber nicht ausschließlich durch die Diskussion über die Grenzen und Möglichkeiten des Föderalismus Gestalt verliehen wurde. Vielmehr wird eines deutlich: die Verfassungsentwicklung wurde und wird im Wesentlichen durch die Entscheidungen des Supreme Court angestoßen. Die dritte war die Begrenzung der Macht der Einzelstaaten durch die ‚Civil War Amendments‘ nach dem Bürgerkrieg. Stone schon 1938 voraussagte. 511 f. den Schutz der Minderheiten und die Integrität des demokratischen Prozesses eingesetzt – wie Chief Justice H. den Revolutionskrieg. Currie wagt in diesem Sinne einen anderen Blickwinkel auf die Entwicklung des amerikanischen Verfassungsrechts. Amendment von einer Vorschrift zur Gleichbehandlung der Schwarzen in eine Waffe gegen den Sozialstaat. V der Bundesverfassung darf 83 D. in ihrer Linie bestätigt und gelegentlich neu ausgerichtet. 83 Demnach soll es in der Verfassungsgeschichte der Vereinigten Staaten bislang sechs „große Wenden“ gegeben haben: „die erste umfaßte die Unabhängigkeitserklärung. Die fünfte war die Abschaffung der Schranken der Kompetenzen der Staaten und des Bundes im wirtschaftlichen und sozialen Bereich während der ‚New Deal‘ Revolution der 30er Jahre dieses Jahrhunderts. wenn man eine Einbeziehung des ersten Adressaten der Verfassung in diese Konstellationen anstrebt.F. 511 ff. zeigt Curries Ansatz. .. eine konservative Wende herbeizuführen. und die erste Verfassung. Seit der sechsten Wende hat sich der Supreme Court immer stärker für die Durchsetzung der Grundrechte. S. in: JÖR 46 (1998). Die zweite war die Verstärkung des Bundes durch die Annahme der jetzigen Verfassung im Jahre 1788 und ihre weite Auslegung durch den Supreme Court während der Amtszeit des großen Chief Justice John Marshall.P. Currie (1998). der im Ergebnis eine siebte Wende lediglich angedeutet sehen will. die sich nur am Zusammenspiel der Kräfte des Bundes und der Einzelstaaten ausrichteten. die von anderer Qualität waren als solche. D. 512. 524. Currie (1998). Eckpunkte der US-amerikanischen Verfassungsentwicklung 43 Der Nachteil einer lediglich an den Erscheinungsformen des Föderalismus orientierten. die vierte die richterliche Umwandlung des 14. Neuere Entwicklungen im amerikanischen Verfassungsrecht. So gibt es verfassungsspezifische Wendemarken. S.I. 85 Vgl.P. 85 Obgleich sich über die Auswahl der einzelnen „Wenden“ trefflich streiten ließe. 84 D. gegliederten Verfassungsgeschichte wird offensichtlich.“ 84 Eine „siebte konservative Wende“ erwägt Currie schließlich durch den Umstand.

87 86 . 2: Transformations. 89 Die Verfassungskrisen in Argentinien und Weimar führten freilich bekanntlich zu anderen Ergebnissen. Tushnet. wo die ökonomischen Auswirkungen der Depression ähnlich wie in den Vereinigten Staaten zu bemerkenswerten Innovationen in den Regierungs. in: 108 Yale Law Journal (1999). 1225 ff. 89 Vgl. die in ihrer Abfolge bedeutende „transformations“ hinzunehmen hatten. Die implizite Verknüpfung mit den kulturellen Spiegelungen und Wirkungen einer lebenden sowie sich bewährenden Verfassung soll den sich stets erneuernden Bedeutungszusammenhang von Tradition und Moderne auch in diesem Kontext sichtbar werden lassen.S. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung bei einer Bestandsaufnahme der Umbrüche einer Verfassung nicht außer Acht bleiben. 88 Vgl. wobei diesbezüglich nicht der zeitgleiche Moment. sondern der Blick auf den Fortgang einer Generation ausschlaggebend sein soll. 1959. M. im internationalen Kontext zeitliche Parallelen zu finden. der sich Ende des 18.R. dass die geistigen Grundlagen beider Zeiträume unmittelbar nicht von Erfolg gekrönt waren. nur M. Palmers. B. Ackermann. Insofern soll Currie bereits an dieser Stelle leise widersprochen werden. S. Frankreich 1789) setzen lässt. 2 Bde. constitutional regimes“ benannte. Ackermann hat kürzlich die Diskussion bereichert. Überdies offenbarten die höchsten Gerichte dieser Staaten ähnliche Argumentationsmuster in ihrem Widerstand gegen die Wirtschaftsmisere. Jahrhunderts transatlantisch um die Inhalte demokratischer Revolutionen und die Niederlegung von Menschenrechtskatalogen (Virginia 1776. ebenda. Das erste „Regime“ ist Teil eines Rahmens. das zweite in der Phase der „Reconstruction“ und das dritte während des „New Deal“ entstanden. The Possibilities of Comparative Constitutional Law. 87 Die Periode der „Reconstruction“ (1865 –77) wird gerne mit den Ereignissen in Europa im Jahre 1848 verglichen 88. indem er drei „U.44 B. 86 Das erste „Regime“ sei mit der Gründung der Union geschaffen worden. Für diesen gewagten Blickwinkel spricht immerhin. B. Diese Ansicht kann für sich beanspruchen. Age of Democratic Revolutions.und Verwaltungsorganisationen führten. Siehe dazu das klassische Werk R. Vol. We the People. Zu der Verfassungskrise während der Zeit des „New Deal“ lassen sich durchaus Analogien zu den Entwicklungen etwa in Australien und Kanada ziehen. jedoch langfristig substantielle Auswirkungen auf die Ideologie demokratischer Staatsführung hatten. 1998. Tushnet (1999). Ein nüchterner Blick auf die historischen Grunddaten der amerikanischen Verfassungsentwicklung und ihrer Bestätigung kann vielleicht einen Beitrag zur Entwirrung des „Wendengeflechts“ leisten.

Etwas Analoges hat es beispielsweise in Deutschland nicht gegeben. Eastman / E. hat Deutschland das Ende des Heiligen Römischen Reichs gesehen. S. definitorische Element der amerikanischen res publica. Dabei soll die Wegstrecke konstitutioneller Selbstfindung vom Mayflower Compact 91 bis zur Verfassung Virginias als eigentlicher Ausgangspunkt dienen. die Weimarer Verfasssung. Eckpunkte der US-amerikanischen Verfassungsentwicklung 45 8. Konstitutionelle Selbstfindung und kulturelle Selbstverwirklichung Die amerikanische Verfassung hat. Loewenstein. 1848. das Vorrang vor den einzelstaatlichen Verfassungen In den mehr als zweihundert Jahren der amerikanischen Verfassung. Frederick W. 1620 bei Cape Cod schlossen 41 Männer aus den Reihen der Pilgerväter den Mayflower Compact. Casper. die Besatzungszeit. Die kühne Feststellung der „konstitutionellen Selbstfindung“ geht Hand in Hand mit der kulturellen Selbstverwirklichung einer Bevölkerung.html. die sich die Unabhängigkeit 1776 nicht nur auf dem Papier. Sie findet vielmehr hierin ihre ersten Höhepunkte. so lassen sich die beschriebenen Schritte von den einzelstaatlichen Verfassungen zu einer bundesstaatlich ausgerichteten. Indian Boyhood. oder.“ 90 . 92 Die neue Verfassung und die Gesetze und Verträge der Union bildeten das „supreme law of the land“. in dem sie sich zur Aufrichtumg einer gesetzlichen Ordnung in der zu gründenden Siedlung Plymouth verpflichteten. Die Asomnie amerikanischen Verfassungsdenkens und –lebens über mehr als zweihundert Jahre ist ebenso Zeugnis positiven Auslegungsgebarens wie gelegentliches Abbild eines herausgeforderten Aktionismus. Turner III sagte 1971in einem Vorwort zur Neuauflage von C. den Deutschen Bund. die Bismarck’sche Reichsverfassung von 1871. 11.de/texte/deutsch/aktuell/Casper. Verfassungsgeschichte muss in den Vereinigten Staaten als Verfassungsgegenwart angesehen werden. neben der Unabhängigkeitserklärung als das wahrscheinlich wichtigste. im Laufe der eigenen. 1902: „Die Geschichte existiert für uns nicht bis und nur wenn wir sie ausgraben. September 2001 in Karlsruhe. Eastman. später den Norddeutschen Bund.I. Rede beim Staatsakt zur Feier des fünfzigjährigen Bestehens des Bundesverfassungsgerichts am 28. dann wird deutlich. 90 Greift man das oben angeführte Bild der verfassungshistorischen „Wenden“ wieder auf. was Geschichte schon immer gewesen ist – ein Teil der Gegenwart. VII. interpretieren und zusammenstellen. sondern im Herzen erstritten hatte. Vgl.bverfg. übergeordneten Verfassung in der Gestalt von 1787 sowie die anschließend erfolgte Einbettung der Grundrechte als erste Wendepunkte markieren. den Rheinbund. Dann wird die Vergangenheit lebendig. Verfassungsrecht und Verfassungspraxis der Vereinigten Staaten. 1959. 92 Ähnlich K.A. Amerikanische Kultur beginnt demzufolge nicht erst mit der Declaration of Independence oder den letztlich erfolgreichen Bemühungen um eine Verfassung. zwei Verfassungen der DDR und das Grundgesetz. http://www. amerikanischen Geschichte kontinuierlich als Bezugspunkt gedient. akurater ausgedrückt. auch zu dieser Gegenüberstellung G. die Rechtlosigkeit und Willkürherrschaft des Dritten Reichs. 91 Vor der Landung des berühmten Segelschiffs am 21. Die Karlsruher Republik.

dass die britische Verfassung hätte geraten müssen. 95 94 . dass die Regierungsstruktur auf die Zeitgenossen. wie man in Amerika glaubte.46 B. die die Wirklichkeit umgestalten sollte. 95 Insoweit ist die Verfassung aber Mahner an die Tradition wie im ähnlichen Maße regulierende Barriere für allzu modernistische Bestrebungen. Hoffnungen und Ängste der ursprünglich verfassunggebenden Generation des 18.IV. sondern auch an der Zukunft ihrer Nation. Berlin 1998. Howard. Verfassungslehre als Kulturwissenschaft. in einer Verfassung seien nicht lediglich blanker juristischer Text oder normatives „Regelwerk“. 18 in Fn. Häberle. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung und Gesetzen hatte. dass hinter der heutigen Verfassung eben auch die Begriffe. „sondern auch Ausdruck eines kulturellen Entwicklungszustandes. statt sie zum Ausfluss einer Idee zu machen. US-Amerikanisches Recht. 2001. Aufl. Jahrhunderts stehen. Mittel der kulturellen Selbstdarstellung des Volkes. Ähnlich P. als An93 Siehe P. Zusammenfassend wäre es also verwegen zu behaupten. Artikel V der US-Verfassung gibt hierfür beredtes Zeugnis. Auch P. 96 Ähnlich auch D. S. Sie waren sich bewußt.1. München 2000. Frankfurt a. Ihre Dauerhaftigkeit verdankt die amerikanische Verfassung der Tatsache. dass die Theorie von Verfassung und Staat der Erfahrung gefolgt ist. 2. S. 83. In fortwährendem Rückgriff auf ihre Wurzeln und Ursprünge erlangte die amerikanische Nation mit der Verfassung neben einem Instrument der Selbstinterpretation eines der (kulturellen) Selbstverwirklichung. Spiegel seines kulturellen Erbes und Fundament seiner Hoffnungen“ zu sehen. 94 Trotzdem ist auch im Rahmen zeitgemäßer Interpretation darauf hinzuweisen. die Madison und Hamilton als unabdingbar für die innere Stabilität der Union erachteten.a)aa). 5. M. Es wurde bereits darauf hingewiesen. aber auch auf spätere Generationen ausgerichtet sein musste. Die Väter der Verfassung orientierten sich aber nicht nur an der Gegenwart. Sie kann in ihrer ursprünglichen Gestalt als Resultat einiger wesentlicher Einflussfaktoren betrachtet werden: als Erwiderung der vorhersehbaren Schwächen des amerikanischen Staatenbundes unter den Articles of Confederation. 96 Die amerikanische Verfassung ist Ausdruck der Selbstbestimmung und nationalen Einheit des Landes und verobjektivierte den Willen ihrer „founding fathers“. Hay. dass mit dem Inkrafttreten der Verfassung von 1787 zunächst ein grundsätzlich neuer Verfassungsbegriff am Ende einer Entwicklung und am Anfang eines Siegeszuges eines in sich wachsenden „Exportartikels“ stand. Denkweisen. die amerikanischen Verfassungen nach 1776 faßten lediglich in Worte. Dies ermöglichte der Zentralregierung die nötige coercive power gegenüber den Einzelstaatsparlamenten. Die Grundlegung der amerikanischen Demokratie. Häberle 93 verdeutlichte. Hierzu ausführlich unter B.

S. (Hrsg. 98 Insgesamt ist die Perzeption vom „Kompromiss als politischer Lebensform“ 99 ein Ankerpunkt des amerikanischen Verfassungsverständnisses. Aufl. Eckpunkte der US-amerikanischen Verfassungsentwicklung 47 passung von Institutionen und politischen Prinzipien. Frankfurt / New York 1990. 13. Der philosophische Schwung der Unabhängigkeitserklärung von 1776 mag verloren gegangen sein – die entsprechend nüchtern ausfallende VerfassungsPräambel legt hierfür bereits klares Zeugnis ab. So erlangte die neue Bundesverfassung einen pragmatischen und vergleichsweise undoktrinären Charakter. 9. 1999. sondern unter erheblichem – zuweilen unverhältnismäßigem – Einfluss partikulärer Kräfte erwachsen oder scheitern. in: W. 233 ff.und Glaubensfreiheit organisiert und auf den unterschiedlichen Ebenen des Bundesstaates zur Durchsetzung ihrer Ziele in ein Konkurrenzverhältnis gebracht werden. Der Kompromiss als Ankerpunkt amerikanischen Verfassungsverständnisses Die offensichtlichen Grundprobleme. Reinhard.P. m. Die Vereinigten Staaten von Amerika. 1999. 99 Vgl. etwa der Ausgleich zwischen Zentralgewalt und Einzelstaaten wurde durch Kompromisse gelöst. Zippelius. S. Meinungs. Individuelle Interessen sollen auf der Basis persönlicher Entfaltungsfreiheit.). Geschichte der Staatsgewalt: eine vergleichende Verfassungsgeschichte Europas von den Anfängen bis zur Gegenwart.L. N. 480 ff. die den Amerikanern aus ihrer kolonialen Vergangenheit und den Verfassungen der neuestens unabhängigen Einzelstaaten vertraut waren 97 und als Kompromiss zwischen widerstreitenden Interessen und politischen Ideen. 277. dass die Kompromisse kein ausbalanciertes Resultat berücksichtigenswerter Interessen sind. So auch K. 97 . zu dieser Bezeichnung R. Aufgrund einer ausgeprägten „Partikularisierung“ der Politik ergibt es sich nicht selten. In der Praxis bewies sich diese Bewandtnis erstmals anlässlich des Verfassungskonvents von 1787 in der bereits geschilderten Einigung zwischen den kleineren Staaten und Madison hinsichtlich des Proporzes im Zweikammersystem. Shell. S.I. im juristischen Sinne. Bd. Die Verfassung von 1787.w. 1. 98 Derartige Erfahrungen fehlten entweder weitgehend wie in Lateinamerika und später in Afrika oder sie waren nur wenige Jahrzehnte alt wie etwa in Indien 1947. a. Kein anderes postkoloniales Staatswesen sollte über diese Grundlage einer politisch geschulten Zivilgesellschaft verfügen. 277ff. Dennoch gewährt die Bundesverfassung erheblichen Spielraum zur Deutung und. Siehe die Ansätze zu einer vergleichenden Verfassungsgeschichte auch bezüglich des Staates in der außereuropäischen Welt in W. Allgemeine Staatslehre. zur Auslegung. Adams u. Gleichwohl war die Gesellschaft der Vereinigten Staaten bereits seit langem an die selbstverständliche Praxis einer bestimmten Art von Staatlichkeit und Konsensherstellung gewöhnt. Das nordamerikanische Verfassungsverständnis ist wesentlich durch die Vorstellung von Konsens geprägt.

1992. 3 rd rev. der Charakterzug der amerikanischen Verfassung als „living constitution“ erfordert gerade eine dogmatische Einbettung. In der zweiten Amtsperiode von G.. Vgl. nämlich bei klaren Mehrheiten der „Präsidentenpartei“ in den beiden Häusern des Kongresses. Revised Edition. aber effektiv ausgehebelt. Letztere Annahme könnte die Schlußfolgerung nach sich ziehen. dass häufig der Präsident und die Kongressmehrheit nicht derselben Partei angehören.W. Auch wenn es paradox klingen mag. The Living U. Bland. Eine dynamische Verfassung – „living constitution“ Die amerikanische Verfassung wird weithin als „living constitution“ bezeichnet und begriffen. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Der dauernde Zwang zu Koordination und Kompromiss erzeugt allerdings auch Reibungsverluste und gefährdet nicht selten Klarheit und Kontinuität amerikanischer Politik. und den Titel der Textsammlung von S. Die verfassungsrechtlich gewollte „Langsamkeit“ der Politikprozesse in den USA ist in den vergangenen Jahrzehnten häufig durch das Phänomen des „divided government“ verstärkt worden. S. hat zusätzlich Entscheidungsprozesse gehemmt. die in über 200 Jahren erprobt und bestätigt wurde. S. die demzufolge kaum als Obersatz eines Subsumtionsschlusses dienen können. 7 f. die ihren Ursprung in zuweilen engen Maßstäben (kontinental-)europäischen Rechtsdenkens haben. das amerikanische Verfassungsrecht habe nie eine hohe Stufe dogmatischer Durchbildung erreicht. Klette. Padover. Auf den zweiten Blick wird deutlich: das System der „checks und balances“ wird hiermit unelegant. führt dies umso eher zu Lähmungserscheinungen. Im Gegenteil. Es liegt daher nahe. verbindlichen Rechts. verbunden mit einem allzu offenen Spielraum richterlicher Interpretationstätigkeit. 9. 101 Diese Feststellung ist jedoch nur im Hinblick auf dogmatische Grundsätze nachzuvollziehen. als Aufruf zur Rechtsunsicherheit verstanden werden. sondern als dynamischen Evolutionsprozess zu begreifen. 1995. Die Notwendigkeit ergibt sich bereits aus der Gefahr der Konturlosigkeit höchsten.W. 8 ff.S. ed. Das amerikanische Faktum einer gewissen Scheu vor starren Begrifflichkeiten und abstrakten Systematisierungen bedeutet nicht die Abkehr von jeglicher Dogmatik. 100 Vgl. 101 So C. die Verfassung der Vereinigten Staaten eben nicht als dauerhaft unberührbaren. Constitutional Law in the United States: a Systematic Inquiry into the Change and Relevance of Supreme Court Decisions. statt vieler R.K. in: JuS 1976. Zur Einführung: Verfassungsrecht der Vereinigten Staaten. auch die häufige Bezeichnung der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) als „living instrument“.48 B. Der Umstand. in einem Flechtwerk von Kompetenznormen fassbaren Zustand. Ihre Kürze und inhaltliche Unbestimmtheit gereicht ihr hingegen zur Stärke. Constitution. Bush offenbarte sich jedoch auch ein umgekehrtes Phänomen immanenter Schwächung.M. 10. 100 Zwar könnte sie für den kontinental-europäischen Juristen angesichts fehlender scharfer Kompetenzabgrenzungen sowie begrifflich schwammig umrissener Tatbestände. .

11. Sie ist der Zusammenhalt einer sonst sehr heterogenen Gesellschaft.L. Vielleicht sind es gerade die genannten Charakteristika der Verfassung. die sich aus dem steten. Die Furcht vor einer allzu starken Machtkonzentration ebnete den Weg zu einer Bundesverfassung. V.). 69. 103 Vertiefend wird hierauf im Zuge des später folgenden „transatlantischen Vergleichs“ eingegangen (vgl. S. 75. ohne aber nur noch repräsentative Funktion zu haben. ihre Beständigkeit und Kürze können aber nicht darüber hinwegtäuschen. seien an dieser Stelle nur angedeutet. zwischen den Bundesstaaten und innerhalb eines Bundesstaates sowie schließlich die Assoziation dieser einzelnen Umstände ein vergleichbares Maß an Problemstellungen wie die gegensätzlichen Interessen und weitgehend fehlende Homogenität zwischen den Regionen und den Bundesstaaten. Unter der Alleinherrschaft eines von einer demokratischen Mehrheit gewählten Parlaments und einer von einem demokratischen Parlament abhängigen Regierung 102 Vgl. um den ehernen Prinzipien Gewaltenteilung und gegenseitige Gewaltenhemmung stärkere Geltung zu verleihen. Zusammenarbeit. 1969.IV. die zu diesem differenzierten Erscheinungsbild mit beizutragen wissen. abstrakten Grundbedingungen des Staates festlegen und ist nicht – wie in der Schweiz über die Volksinitiative – auch eine stete „Plattform der politischen Auseinandersetzung“. Eckpunkte der US-amerikanischen Verfassungsentwicklung 49 Die amerikanische Verfassung soll die festen.I. Sie verzichtet auf die Verantwortlichkeit der Regierung gegenüber der vom Volk gewählten gesetzgebenden Körperschaft. Einige Grundgedanken und Strukturelemente des amerikanischen Verfassungsstaates 103 Die Vereinigten Staaten von Amerika sind eine präsidialdemokratische Republik mit bundesstaatlicher Verfassung. und B. durch das Enteilen der Technik hervorgerufenen sozialen und wirtschaftlichen Wandel ergeben haben und werden. deren Handhabe gegen jegliche einseitige Machtposition ein vielverzweigtes System der Gewaltenteilung. Auch insofern ist das gesamte System.3. S. Die grundsätzliche Flexibilität der amerikanischen Verfassung. . 102 Die Schwierigkeiten. auch J. und bildet so einen eigentlichen „dignified part“ des amerikanischen Staatsrechts (Verfassungspatriotismus). L. Richterliche Rechtsfortbildung durch den EuGH. abgesehen von den auf Wettbewerb angelegten Wahlen. Verhandeln und Aushandeln bilden die Messlatte des Umgangs. unter B. Jaffe. English and American Judges as Lawmakers. am Konfliktregelungsmodell der konsensorientierten Kooperation ausgerichtet. dass die Rechtsordnung der USA einen außerordentlich hohen Grad an Komplexität aufzuweisen hat. 1995. Beispielsweise beinhaltet die Willensbildung zwischen Union und Bundesstaaten. Ukrow. Gewaltenverschränkung sowie föderativer Gewaltenbalance erfordert.

S. Nach E. nach denen sie im Gesamtgefüge der nationalen Einheit zu operieren berufen sind und normiert zugleich die Beschränkungen. aus denen die heterogene amerikanische Nation zusammengesetzt ist. und es wäre allzu bequem. dass mittels einer Repräsentativverfassung nicht nur der Schutz. den Drang und den Glauben nach einem einheitlichen ‚Gemeinwillen‘ lediglich als ‚falsches Bewußtsein‘ abzutun. 39 f. Fraenkel garantiert das naturrechtlich legitimierte amerikanische Verfassungsrecht nicht nur die Existenz dieser Gruppen. sondern auch der Ausdruck der Minderheitsinteressen ermöglicht werde. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung hielten die Väter der amerikanischen Verfassung auch die Rechte der Minderheiten für ständig bedroht und daher nicht nur die religiösen Freiheitsrechte der religiösen Sekten. Das amerikanische Regierungssystem. 104 Bis in die Gegenwart hinein leben die Vereinigten Staaten von Amerika nach dem Gesetz.“ sowie ders. den Mitgliedern der verschiedenen Gruppen. Die Verfassung von 1787 geht vielmehr von der Annahme aus. wenn allen Sonderinteressen der gleiche Schutz und die gleiche Chance gewährt und gleichzeitig ausreichend Vorsorge getroffen werde. und der amerikanischen Nation niemals hätten eingegliedert werden können bzw. dass kein Einzelinteresse einen dominierenden Einfluss auszuüben in der Lage sei. wenn nicht gar beeinträchtigt wird. 1960. aus der sie sich zusammensetzt. ihr wieder entfremdet worden wären. dass die Herrschaft des Gemeinwillens die Unterdrückung der Privatinteressen erforderlich mache. sondern der Schutz der Minderheiten war das primäre Anliegen der ursprünglichen Verfassung der USA. 105 Beides sei zur Pflege des Gemeinwohls einer Nation unerläßlich. wenn nicht gar vergewaltigt fühlten. 104 Siehe aber auch E. S. 343 ff. Wie denn andererseits die Gefahr besteht. die sich gerade deshalb als politische Einheit fühle. die Existenz und die Betätigung der Gruppenwillen lediglich als soziale Verfallserscheinungen abzulehnen. Die Ablehnung einer „direkten“ Demokratie und die Bejahung der repräsentativen „Republik“ wird mit der Erwägung gerechtfertigt. . 105 E.: „Es wäre allzu einfach. weil die autonome Entwicklung der Partikulargruppen gewährleistet ist.1960. sondern legt auch die Spielregeln fest..50 B. weil sich sonst herausstellen mag. Nicht die Herrschaft der Mehrheit. Fraenkel. Der Rousseau’sche Gedanke eines a priori gültigen Gemeinwohls ist ihr ebenso fern wie die Vorstellung. nach dem sie angetreten sind: der Bereitschaft. 343 ff. dass ohne den Glauben an das Vorhandensein eines Gemeinwillens das Gemeinwohl gefährdet. Besteht doch die Gefahr. Das amerikanische Regierungssystem. sondern auch die Eigentumsrechte der (eine dünne Oberschicht bildenden) ökonomischen Elite für gefährdet. S. dass dem Gemeinwohl dann am besten gedient sei. dass ein Gruppenkompromiss entweder unmöglich oder lediglich unter einseitiger Berücksichtigung der Interessen der stärksten dieser Gruppen zu erreichen ist. die einer jeden dieser Gruppen und der Gesamtheit auferlegt sind. dass ohne die Gewährung eines freien Betätigungsrechts die Minoritätsgruppen sich vernachlässigt. Fraenkel. eine freie Entfaltungsmöglichkeit und den Gruppen selber ein freies Betätigungsrecht zu gewähren.

April 2004. 20 ff. Europäische Integration durch Verfassungsrecht. jedoch haben in verschiedensten Rechtskulturen nach einer gewissen Bewährungszeit Verfassungen wie auch Verfassungsorgane eine bedeutsamere Position im Bewusstsein der jeweiligen Öffentlichkeit eingenommen. 1927). 107 Vgl. European integration trough constitutional law. ein lebensfähiger Konservatismus hat demzufolge sowohl die unversöhnliche Gegnerschaft zur Moderne als auch die kritiklose Anerkennung derselben zu meiden. Hier soll der Konservatismus durch seine ambivalente Stellung zur Moderne bestimmt werden.II. als J. vgl. . in: H. Governing Europe under a Constitution. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 51 Es ist richtig: Der stärkste Integrationsfaktor der Vereinigten Staaten von Amerika ist die Anerkennung des pluralistischen Charakters der amerikanischen Nation. Gerade letzteres sollte vom Vorwurf romantischer Verklärung geschieden und der Erkenntnis eines tatsächlichen Integrationsdefizits zugeführt werden. Gewissheit und Realität könnte. Jedoch nicht getrennt voneinander. zum Scheitelpunkt zwischen Konservatismus 106 und Moderne werden. Konservatismus. S. 3.). auch H. Aufl. Ein Beitrag zur Soziologie des Wissens. Streinz. 1 ff. „natürlichen Konservatismus“ zu unterscheiden (vgl. Mannheim. „dass wir am Althergebrachten zäh festhalten und ungern auf Neuerungen eingehen“. S. 7. im weiteren Sinne auch R.. Konservatismus. II. Blanke / S. das die Dynamik der bürgerlichen Gesellschaft und die Spaltung der Ideenwelt in Gegner und Befürworter des „Fortschritts“ voraussetzt. Mangiameli (Hrsg. Emotionale Bindungen sind der oftmals von einem Subordinationsverhältnis geprägten Rechtswirklichkeit nicht unbedingt wesenseigen. Mannheim. sondern ihrerseits im gegenseitigen Verständnis wie auch emotional verbunden. in: Staatslexikon. einer organisierten „Seilschaft“. und ders.J. dazu ausführlich K. Ottmann. ebenda. Croker die Tories als „conservative party“ bezeichnet) vom Traditionalismus oder vom sog. die in Europäischen Institutionen wie in einer Europäischen Bevölkerung zu finden sein dürfte. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung sowie des Verfassungsverständnisses Europa als Gedanke. 107 106 Der Konservatismus ist angesichts seines modernen Ursprungs (er wurde zur Zeit der Französischen Revolution zum Sammelbegriff für politische Strömungen und Ideen. 1985. 2006. 636 ff. Auf dem Weg zu einer europäischen Wissensgesellschaft. S. der weder die Option der Gradwanderung noch die Gelegenheit der Verbindung jener Elemente auszuschließen vermag. am Ende dieser Stufenleiter angelangt und auf dem Wege zur Tradition.W. in England erscheint der Begriff erst 1830. vgl. in: Villa Vigoni. Heft VIII. Bd. ist der Konservatismus ein erst in der Moderne möglich gewordenes Phänomen. Beides bedarf einer stützenden Konstante. Während der Traditionalismus die „allgemein-menschliche Eigenschaft“ bezeichnet.

S. der Europakonzeptionen des Mittelalters wie die von P. H. Vgl. 1984. Classen u. Everling. In ihr spiegelt sich von Anfang an die Intention der Europäischen Gründerväter. aktuelle analysen Nr. Ansätze zu einer Verfassungsgeschichte der Europäischen Union. S. 1 ff. in: C.D. Schäfer (Hrsg. (Hrsg..und Verfassungsgeschichte. Der europäische Verfassungsprozess – Grundlagen. S. 2001. Europäische Rechts. 270 ff. der seinen Ausgangspunkt aber im Versuch des Verständnisses einer Jahrtausende währenden Entwicklungslinie „europäischen Denkens“ zu finden sucht. Da die Verfassungsidee unauflöslich mit der Frage der Einigung Europas verbunden ist. 2001. Gedanklich einzufügen sind die Europa. Von den Europäischen Gemeinschaften zur Europäischen Union. Streinz.52 B. S. Ohler / C. Herausragende Dokumente von 1930 bis 2000. Die neue Verfassung für Europa. ist daher ein dürftiger Ansatz.). Allerdings würde selbst die Beschränkung auf einzelne Wegmarken europäischer Verfassungsgenese den Rahmen dieser Untersuchung sprengen. Einführung mit Synopse. Schulze (Hrsg. 4. Europäische Rechtsgeschichte. Siehe auch A.und Friedenspläne von Erasmus von Rotterdam. auch R. 110 Von daher fehlt an dieser Stelle eine eingehendere Betrachtung des Europamythos’ der Antike. in: ZNR 1997. Jahrhundert. 2002 sowie M. 163 ff. Werte und Perspektiven nach dem Scheitern des Verfassungsvertrages und nach dem Vertrag von Lissabon. Zu nennen wären freilich in . H. Vgl. Dubois und bildlicher Darstellungen wie Rembrandts „Raub der Europa“. Penn. Zuleeg.. Crucés. 46 der Akademie für Politik und Zeitgeschehen der Hanns-Seidel-Stiftung. auch U.. 111 Auch würde „Die Christenheit und Europa“ des 108 Zu den Begrifflichkeiten „Europäische Gemeinschaften“ und „Europäische Union“ und deren substantieller Unterfütterung U. 2005. Everling. die Erwägungen Sullys im 17. 109 Eine Verfassungsgeschichte Europas bedürfte freilich des Blickes bereits in die Antike. 110 Siehe aber ausführlich beispielsweise W. Schmale. Hattenhauer. 109 Ein guter Überblick findet sich bei R.“. die ihren Ursprung im 20. 2001. Durch Konvergenz zur Kohärenz. Aufl. 2008. oder von Saint-Simon im frühen 19. Eingrenzung eines vielschichtigen Prozesses Die Debatte um die Verfasstheit der Europäischen Gemeinschaften bzw. 6 f. Herrmann. R. Die Verfassungsentwürfe zur Gründung einer Europäischen Union. 2004. des Abbé de Saint-Pierre im 18. Jahrhundert finden. Wehberg. jedoch gleichzeitig die Bändigung eines der Ausschweifung gefährdeten Blickwinkels. Unterwegs zur Europäischen Union. mehr als lediglich ein loser Zusammenschluss gleich gesinnter Staaten zur Erreichung gemeinsamer Ziele und auch mehr als nur ein Binnenmarkt zu sein. Die Dezimierung auf Aspekte. „In einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen . Geschichte Europas. Ideen und Projekte betreffend die Vereinigten Staaten von Europa in den letzten hundert Jahren. gab es Vorläufer einer Verfassungsdiskussion schon seit dem ausgehenden Mittelalter. 1991. Liber amicorum Thomas Oppermann. Comenius und W. a.).). 111 Man müsste Dantes Idee einer „Universalmonarchie“ ebenso einbeziehen wie die Gedanken von Podiebrad. Streinz / C. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung 1. der Europäischen Union 108 ist so alt wie diese selbst.

1986. dass Westeuropa der fortgeschrittenste und begabteste Teil der Welt sei. Freilich war er überzeugt. Bentham. G. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 53 Dichters Novalis größere Beachtung verdienen. 1923. die freilich bereits in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ihre Geburtsstunde erlebte und damit erheblich früher als die Gründung der Europäischen Gemeinschaften anzusetzen ist.F. nicht zuletzt auch ein gleiches System in ganz Europa: „un code européen. une cour de cassation européenne“). Vgl. .F. Burckhardt und B. erstmals einer größeren Öffentlichkeit der Folge auch J. Kant (er betont in seiner Schrift „Zum ewigen Frieden“ (1795) die Notwendigkeit. F. Hugo. 113 W. Lipgens (Hrsg. eine „association européenne“ zu verwirklichen.). in dem er seine Neigung.II. k. 114 R. die Vereinigung der Völker. Diplomaten und einer Japanerin. u. sie hätte dem Kontinent Wohlstand und Glück gebracht. dass die europäische Einigung niemals vom liberalen Bürgertum oder von Idealisten von der Art Mazzinis herbeigeführt werden könnte. Siehe sodann auch die Schriften von J. also der einzige. ein schmales Buch veröffentlicht 114.K. in Erdteilen zu denken und die Welt nach seinem persönlichen Ermessen zu formen. Helena in sein „Mémorial de Sainte Hélène“: „Eine meiner Lieblingsideen war die Zusammenschmelzung. Schelling. K. Eine historische Bilanz. Stationen eines Konstitutionalisierungsprozesses a) Von Paneuropa zur Europa-Union (1923 – 1944) Der „Verfassungsprozess“ der Europäischen Gemeinschaften – bis hin zur Europäischen Union – ist vielschichtiger als oftmals dargestellt 112 (– allein aus der Zeit 1939 –1984 hat W. die durch Revolution und Politik getrennt worden waren.W. Loth. 112 Die „europäische“ Verfassungsgeschichte mit zahlreichen Verfassungsentwürfen betrachtet vertiefend auch W. ebenso „Vordenker“ Europas wie C. aber auch K.N. von Suttner verwiesen. Bereits im November 1923 hatte R. Gentz und selbst Napoleon Bonaparte (er schreibt 1816 auf seiner Verbannungsinsel St. Hegel und F. der reif wäre.N. einen Bund der Nationen zu schaffen und entwirft ein „Bundes-Europa“). Graf Coudenhove-Kalergi. Entwürfe einer europäischen Verfassung. Paneuropa. Mazzini oder V.“ Es sei vor allem sein Wunsch gewesen. Lipgens nahezu 150 Texte mit Verfassungsvorschlägen vorgelegt 113 –) und soll in dieser (eingegrenzten) Untersuchung seinen Ausgangspunkt in der „Pan-Europa-Bewegung“ des Grafen Coudenhove-Kalergi finden. Dokumente 1939 –1984. Marx begrüßte die freiheitlichen Bewegungen beispielsweise der durch das russische Joch unterdrückten Polen als „dialektische“ Etappe zur Einigung Europas in einer klassenlosen Gesellschaft. Von den Schriften der Widerstandsbewegung bis zum Vertragsentwurf des Europäischen Parlaments. die Zukunft der Menschen zu formen. G. Frantz. geboren 1894 in Tokyo als Sohn eines k. 45 Jahre Ringen um die Europäische Verfassung. 2002. auch die wichtigen Impulse von I. sondern nur durch das Proletariat). Graf Coudenhove-Kalergi. Schließlich sei noch auf J. Bluntschli. Comte. von Schmidt-Phiseldeck. Marx (er teilte etwa die Überzeugung Hegels. Weitergesponnen wurden diese Gedanken (von der Überlegenheit Europas) etwa von A. 2.

und die europäische Integration wurde für den gerade 29-jährigen Aristokraten zur Lebensaufgabe: „Durch Agitation in Wort und Schrift soll die europäische Frage als die Lebensfrage von Millionen Menschen von der öffentlichen Meinung aller Völker aufgerollt werden. R. Ähnlich waren dagegen die langfristigen Ziele: eine weit reichende politische und wirtschaftliche Integration der Staaten Europas. Graf Coudenhove-Kalergi. die Schaffung gemeinsamer Institutionen in einer gemeinsamen Kapitale. Paneuropa. vgl. Im Unterschied zur Paneuropa-Union betrachteten die Mitglieder des Komitees Großbritannien als einen Teil Europas. Der Titel „Pan-Europa“ stand für ein Programm mit weit reichenden Zielen: die politische und wirtschaftliche Integration des Kontinents.“ 116 Im Frühjahr 1924 gründete er in Wien die Paneuropa-Union 117. eine – nach heutigem Sprachgebrauch – Nichtregierungsorganisation.N. Unter maßgeblicher Beteiligung W. 2004. Als Gründer. 117 Umfassend zur Paneuropa-Union beispielsweise ihr langjähriger Präsident O.54 B. Graf Coudenhove-Kalergi. später umbenannt in „Bund für Europäische Cooperation“. eines Binnenmarktes und einer gemeinsamen Währung finden sollte. Grundlegend war dabei die Orientierung am Völkerbund. Heiles formierte sich indessen innerhalb der Friedens. Regierungskreisen und in der politischen Publizistik. Die Paneuropäische Idee. eine große politische Bewegung zu wecken. prophezeite Coudenhove-Kalergi im Vorwort 115. Ziegerhofer-Prettenthaler. Präsident und Chefprogrammatiker der von ihm ins Leben gerufenen Bewegung entwickelte Graf Coudenhove-Kalergi eine Strategie persönlicher Lobbyarbeit – im Dialog mit Kanzlern und Königen. bis jeder Europäer sich gezwungen sieht. die unterschiedliche Europa-Konzepte verfochten: europäische R. schließlich die Verabschiedung einer Verfassung für die Vereinigten Staaten von Europa. auch jüngst A.N. Eine Vision wird Wirklichkeit. 1923. wie etwa seitens 116 115 . Als Antwort auf die Gründung der Paneuropa-Union hoben deutsche und französische Parlamentarier im Frühling 1924 ein „Komitee für die Interessengemeinschaft der europäischen Völker“ aus der Taufe. von Habsburg. Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi und die Paneuropa-Bewegung in den zwanziger und dreißiger Jahren. 1999. die in allen Völkern Europas schlummert“. der den institutionellen Rahmen für die europäische Integration darstellen sollte. Formen der Kommunikation. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung verriet. „Dieses Buch ist bestimmt. 1923. Botschafter Europas.und Völkerbundbewegung eine Gegenströmung. Paneuropa. die heute zum einen angesichts der „europäischen Lähmung“ weiter Kreise der europäischen Intellektualität (deren sporadisches und allzu spätes Eingreifen. dessen Einbeziehung als elementar galt. Unternehmern und Geistesgrößen. eine gemeinsame Währung und Armee. zu ihr Stellung zu nehmen. Ähnlich wie die Paneuropa-Union verstand sich das Komitee als „pressure group“ für Europa in den Parlamenten. Damit standen sich seit 1924 zwei politische Organisationen gegenüber. die ihren Abschluss in der Schaffung supranationaler Institutionen. welche zunächst die Öffentlichkeit mobilisieren sollte.

S. Erinnerungen eines Europäers.).M. wenigstens dringend geboten erscheinen. S. Diese Krise Europas sei in erster Linie eine Krise des Geistes. Spengler in seinem „Untergang des Abendlandes“ (1918/22). Habermas. Hytier (Hrsg.II. 988 ff). Deutsche Essays von Novalis bis Enzensberger. München 1992.) Vergleichbare Belege für ein ausgeprägtes europäisches Krisenbewußtsein aber finden sich auch bei O. M. Derrida. T. Ortega Y Gasset in seinem „Aufstand der Massen“ (1929) oder später in England bei A. jenes „esprit européen“.“ (postum 1944). Nach dem Krieg: Die Wiedergeburt Europas“. auch in: Blätter für deutsche und internationale Politik. Lützeler (Hrsg. zum anderen hinsichtlich des Informationsdefizits in der Bevölkerung nahezu aller Mitgliedsstaaten. die Valéry noch im selben Jahr als Essay unter dem Titel „La crise de l’esprit“ im französischen Original veröffentlicht. wie er sich auf dem Kontinent seit der griechischen Antike herausgebildet habe und wie er zu Beginn der Neuzeit von L. Im Frühjahr des Jahres 1919 erscheinen in der renommierten Londoner Zeitschrift Athenæum zwei „Letters from France“.M. Valéry. Entscheidend geprägt sind diese beiden Briefe.). Steinkamp. Frankfurt a. hierüber nicht hinwegtäuschen kann). und J. sowie V. bei S. Hofmannsthal mit seinem Essay des Jahres 1922 mit dem Titel „Blick auf den geistigen Zustand Europas“ angeführt (Der Text findet sich bei P. Valérys Schrift „La crise de l’esprit“ kann als der erste bedeutende Beitrag zu einer Debatte über Europa betrachtet werden. mit besonderer Intensität aber in Frankreich und Deutschland geführt worden ist. Für den Cartesianer Valéry ist dieser europäische Geist nichts anderes als der Geist der Wissenschaft. 118 Unterschiedlich sah man auch die Modalitäten der Finanzierung: Der Bund für Europäische Cooperation konnte auf Subventionen der deutschen und französischen Re- . der die eigentliche Essenz Europas ausmache und seine Zivilisation von allen anderen unterscheide. Von der Romantik bis zur Gegenwart. v. 118 Gemeinsam war beiJ. da Vinci exemplarisch verkörpert wurde. Die Schriftsteller und Europa. vor allem in seiner Autobiographie „Die Welt von gestern. OEuvres. insgesamt in wesentlichen Teilen der europäischen Öffentlichkeit aktueller denn je. 1994. politischen und wirtschaftlichen Dimension. S. Nr. von der Erfahrung des erst wenige Monate zuvor zu Ende gegangenen Weltkrieges und von dem klaren Bewußtsein. 272 ff. Zweig. Weltkrieges zu finden ist. 1999. sei beispielhaft – im Rahmen eines für jede Verfassungsentwicklung auch notwendigen geistesgeschichtlichen Rückblicks an einige Beiträge nach dem ersten Weltkrieg erinnert. Novellen und Gedichten (einen Überblick mit zahlreichen bibliographischen Angaben gibt P. Als ein Beispiel unter vielen anderen möglichen sei hier aus dem deutschen Sprachraum nur H. Valéry begreift dabei die Krise Europas nicht nur in ihrer militärischen. Im Lichte der aktuellen Zurückhaltung europäischer Intellektueller innerhalb der Verfassungsdebatte (ausgenommen juristischer Fachkreise) sowie in der Diskussion um Gestalt und Zukunft Europas schlechthin. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 55 Integration innerhalb des Völkerbundes. 877 ff. unter Einbeziehung Großbritanniens und der UdSSR – oder Paneuropa als kontinentaleuropäisches Bündnis mit losen Verbindungen zur internationalen Staatengemeinschaft. 258 ff. in: FAZ vom 31. P. dass dieser Krieg einen epochalen Einschnitt in der Geschichte Europas markiert (die Schrift ist abgedruckt in: J. 7 (Juli 2003) S. 1957. Europa wird in beiden Ländern zum Thema einer kaum zu zählenden Anzahl von Essays und Aufsätzen.). wie es in vielfältiger Form auch bei anderen europäischen Schriftstellern in den Jahren nach dem Ende des 1. Lützeler. Valéry. die in den zwanziger Jahren auf dem gesamten Kontinent. Die Europa-Debatte deutscher und französischer Intellektueller nach dem Ersten Weltkrieg. I. „Hoffnung Europa“. verfaßt von dem französischen Dichter P. ZEI-Discussion paper. in Spanien bei J. Toynbee in seiner Universalgeschichte „A Study of History“ (1934 –61). Valéry artikuliert in seiner Schrift in charakteristischer Weise ein ausgeprägtes Bewußtsein von der Dekadenz Europas. ja sogar zum Gegenstand von zumeist allerdings eher zweitrangigen Romanen. Mai 2003.

119 Die deutsch-französische Europa-Debatte hat – und das verleiht ihr eine zusätzliche Dimension – ihren Ausgangspunkt in der nach dem ersten Weltkrieg zeitgleich in beiden Ländern einsetzenden Diskussion über die Zukunft der deutsch-französischen Beziehungen. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung den Organisationen die Überzeugung. 122 Vgl. Börne findet. 99. In Pursuit of Peace: the American reaction to the Kellogg-Briand Pact. S.. Briand der Völkerbund-Versammlung in Genf vor. Lipgens. die sich unter der Leitung R. S. insbesondere die Sorge um die sécurité – um die Sicherheit gegenüber einem inzwischen wieder unberechenbaren Nachbarn jenseits des Rheins. und wenig später auch in V. in: HZ 203 (1966). Kneeshaw.1 (1992). 119 Wenig später glaubte sich Coudenhove-Kalergi indes am Ziel. 120 Die Debatte mit den Reden Briands und Stresemanns findet sich abgedruckt bei W. C. Beide Themenkreise sind natürlich nicht identisch. Navari (1992). die europäischen Staaten durch eine föderale Verbindung enger zusammenzuführen.. in: Diplomacy and Statecraft 3. S. vgl. Europäische Einigungsidee 1923 –1930 und Briands Europaplan im Urteil der deutschen Akten. S. Dagegen suchte und fand Graf Coudenhove-Kalergi finanzielle Unterstützung in einem Kreis von Unternehmern und Bankiers.56 B. 74 ff. im weiteren Kontext auch S. Hugos Vision von den „Vereinigten Staaten von Europa“ wieder auftaucht und die bis in die Gegenwart unter Berücksichtigung vielerlei berechtigter Kritik in der Vorstellung von einer „deutschfranzösischen Achse“ oder dem Bild von der deutsch-französischen Freundschaft als Motor des europäischen Einigungsprozesses fortwirkt. 120 Dennoch – Briands Initiative setzte das Thema für einen Moment auf die Agenda der Weltpolitik. Vorstellungen. dass in der amerikanischen Öffentlichkeit der Europaplan Briands so ausführlich diskutiert wurde wie selten ein Thema der europäischen Politik.. 121 Vgl. So geht aus einem Dossier der französischen Botschaft in Washington hervor. September 1929 schlug der französische Außenminister (und zeitweilige Ministerpräsident) A. die Zusammenarbeit der europäischen gierungen zurückgreifen. ausführlich W. vgl. Sein deutscher Amtskollege G. 99 ff. Lipgens (1966). was nach 1945 geplant oder begonnen wurde. dass Paris und Berlin Schrittmacher einer europäischen Annäherung sein mussten. die das Anliegen einer europäischen Verständigung unter dem Dach des Völkerbundes unterstützten. ihrer zentralen Lage. S. The Origins of the Briand Plan. Am 5. weil in der Wahrnehmung sowohl der Franzosen wie der Deutschen beide Länder aufgrund ihrer Größe. die – auch hinsichtlich einer wirtschaftlichen Einigung – vieles von dem vorbereiteten. der von einem „Nukleus-Europa“ spricht. Jahrhundert bei dem in Paris lebenden deutschen Schriftsteller L. 1928 –29. Deutlich lassen sich aus einem wenige Monate später nachgelegten Europa-Memorandum 122 die nationalen Interessen und Ängste Frankreichs herauslesen. Boschs zu einem Paneuropa-Förderkreis zusammenschlossen. Navari (1992). 78 f. Das Memorandum fordert. 121 Doch Briands Auftritt kam zu spät. doch er verhehlte nicht die Skepsis des Realpolitikers gegenüber der Aussicht auf eine politische Integration Europas. ihrer Vergangenheit sowie ihrer politischen. Navari. . 1991. aber auch schon deshalb nicht voneinander zu trennen. Stresemann lobte in einer Antwortrede die wirtschaftliche Seite der Idee. 46 ff.. 80 ff. wirtschaftlichen und nicht zuletzt ihrer kulturellen Bedeutung wegen den eigentlichen Kern Europas bilden – eine Konzeption. 82 f. auch C. C. die sich im übrigen schon im frühen 19.

die Grenzgarantien des LocarnoPaktes auf die osteuropäischen Staaten auszudehnen.und europapolitische Bestrebungen der Vernunft wurde damals immer rascher unterspült durch das Anschwellen radikaler und nationalistischer Kräfte in Europa. Damit sollten zugleich Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in Europa gegenüber totalitären Kräften gesichert und die für Wiederaufbau und Wohlstand hinderlichen Zoll. als dem institutionalisierten Egoismus und Gegeneinander der europäischen Völker. begünstigt durch die unglücklichen politischen Verhältnisse jener Jahre und die 1929 ausbrechende Weltwirtschaftskrise. grundlegenden Ideen und Pläne für eine Neuordnung Europas vor allem in den Widerstandsbewegungen der von Hitlerdeutschland besetzten Länder (wie auch in Deutschland selbst). Lipgens. die im Juni 1944 ein Französisches Komitee für die europäische Föderation gründeten: 123 Hierzu ausführlich und mit umfassenden Quellenmaterial W. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 57 Staaten zu institutionalisieren. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland 1933 war endgültig der Weg zu einer nochmaligen gewaltsamen Explosion des Nationalismus beschritten. Ein solches Ost-Locarno aber war der deutschen Außenpolitik nicht abzuringen. Der Boden für außen. 123 So heißt es etwa in einer Erklärung von Vertretern wichtiger Widerstandsbewegungen Frankreichs. wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Strukturen der Vorkriegszeit bedeuten dürfe. die vom Typ bisweilen mit den Europaplänen Napoleons verglichen werden. das Reich wieder als Großmacht zu etablieren. nämlich auf die Vorherrschaft Deutschlands gerichteten „Europaideen“ des Nationalsozialismus. Überdies regt ein Zusatz an.und sonstigen Wirtschaftsschranken beseitigt werden. die Organisation einer Friedens. Weitgehende Übereinstimmung im breiten Spektrum demokratischer Richtungen des antifaschistischen Widerstandes bestand in der Forderung. Die Europaideen des Widerstands waren in nicht unerheblichen Teilen wohl auch eine Antwort auf die gegensätzlichen. denn diese zielte trotz aller Verständigungsbereitschaft langfristig darauf an. . Hierbei war die Zahl maßgeblicher Stimmen des Widerstandes wie auch demokratischer Exilgruppen aus den von Deutschland besetzten Ländern besonders groß. eine Europäische Konferenz auf Regierungsebene einzurichten sowie einen Ständigen Politischen Ausschuss als europäisches Exekutivinstrument.und Solidargemeinschaft Europas nach föderalistisch-bundesstaatlichen Prinzipien für notwendig hielt. die Deutschlands erneutem Griff nach der Weltmacht nur noch wenig entgegenzusetzen vermochte. dass der Aufbau Europas nach dem Kriege nicht die einfache Wiederherstellung der alten staatlichen.II. 1968. Gleichwohl gab es in der Folge und während des zweiten Weltkrieges eindrucksvolle sowie in vielen Bezügen zur Gegenwart immer noch – oder wieder – aktuelle. So zeugt das Memorandum der französischen Regierung gleichermaßen von Briands Glauben an die Gemeinschaft Europas wie von der Hilflosigkeit einer Außenpolitik. Europa-Föderationspläne der Widerstandsbewegungen 1940 – 1945. die anstelle des Systems der souveränen Nationalstaaten.

Siehe aber auch das 1941 auf der italienischen Verbannungsinsel Ventotene von den beiden Italienern A. 20 f. von komplizierten Organisationen oder großen Plänen. die Schaffung einer europäischen Staatsangehörigkeit. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung „Es ist unmöglich. Lipgens (1968). dass die bereits bestehende Einheit der europäischen Gesellschaft durch politische Zusammenfassung sichergestellt werden muss. Ritzel mit der Ausarbeitung einer „Verfassung für die Vereinigten Staaten von Europa“ begonnen und bis 1944 zu diesem Zweck 80 Sitzungen abgehalten und. die Verwaltung der Kolonialgebiete. [.“ 124 Die Sozialistische Partei Italiens veröffentlichte 1942 aus dem Untergrund folgende Erklärung: „Die Grundforderung hinsichtlich der zukünftigen Ordnung in Europa [. S..J.. 244 ff. Hoegner und H. 10.“ 125 Bemerkenswert neben allzu vielen Unerwähnten auch der deutsche Widerstandskämpfer H. Spinellis Flugschrift „Gli Stati Uniti d’Europa e le varie tendenze politiche“ vom Oktober 1941 und der Ansatz der Sektion Basel der schweizerischen Europa-Union. einen ausgereiften Verfassungsentwurf mit etwa 90 Artikeln nach dem bekannten Haager Kongress von 1948 veröffentlicht hatte. der 1942 an einen Freund in England schrieb: „Für uns ist Europa nach dem Kriege weniger eine Frage von Grenzen und Soldaten. Zu ihnen zählten beispielsweise A. der ständig von den souveränen Staaten her Gefahr droht.58 B. Lipgens feststellt. Graf von Moltke. demokratisches und friedliches Europa wieder aufzubauen.] Die europäische Föderation darf keine in ihren Vollmachten eingeengte Union sein. wenn die Nationalstaaten sich zusammenschließen und einem europäischen Bundesstaat folgende Zuständigkeiten überantworten: die wirtschaftliche und handelspolitische Organisation Europas. Rossi berühmt gewordene Manifest von Ventotene. die neben die nationale Staatsangehörigkeit träte.] Europa kann sich nur dann in Richtung auf wirtschaftlichen Fortschritt. S. wie W. 56. wenn es bei der zusammengewürfelten Existenz nationaler Staaten bleibt.] muss darin gesehen werden. Spinelli und E. sondern einer demokratischen und direkten Bestimmung durch die Völker Europas sein. [. Die europäische Bundesregierung muss das Ergebnis nicht einer Wahl durch die Nationalstaaten. 127 Zitiert nach W. Graf von Moltke. die noch nicht bis zur Unabhängigkeit herangereift sind.G. Europa nach dem Kriege ist die Frage: Wie kann das Bild des Menschen in den Herzen unserer Mitbürger aufgerichtet werden?“ 126 Unter den während der Kriegsjahre 1939 – 1945 formulierten Studien und Manifesten befanden sich auch einige Verfassungsentwürfe. 126 H. das alleinige Recht zu bewaffneten Streitkräften und zur Intervention gegen jeden Versuch der Wiederherstellung autoritärer Regime.. S.J. Letzte Briefe aus dem Gefängnis Tegel. die 1942 unter der namhaften Mitwirkung von W. ein blühendes. Auflage 1965... hingerichtet 1945 in Plötzensee. 125 124 . Demokratie und Frieden entwickeln.. Zitiert nach W. die Leitung der auswärtigen Angelegenheiten. Lipgens (1968).

130 Dabei einigten sich Vertreter aus zwölf europäischen Ländern 131 und den USA auf den Zusammenschluss aller europäischen Einigungsbewegungen in einer „Aktion Europa-Union“. als manche das heute wünschen (vgl.). Sämtliche in diesem Dokument geforderten Punkte (u. II. Histoire de la construction européenne de 1945 à nos jours. einen „Europarat“ als ersten Schritt zu den „Vereinigten 127 Der Entwurf fiel durchaus „schweizerisch“ aus: er garantierte Gemeindeautonomie. im Unionsvertrag wieder. 130 Das Treffen und den Text dokumentiert u.II. Polen. Österreich. 12. Knipping.jefniedersachsen. März 1957. Rom.). keine neue Weltmacht. gemeinschaftliches Gericht zur Streitschlichtung.de/hertenstein.-T. 131 Belgien. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 59 Erwähnenswert ist auch der Verfassungsentwurf für die „United States of Europe“. England. Schweiz. 132 Am 17. Herausragende Dokumente von 1930 bis 2000. Text 22).14. Italien. 2001. Schäfer (Hrsg. Churchill in einer Aufsehen erregenden Rede in Zürich dazu aufgerufen. Die Einigung Europas. föderativer Charakter der Union. Wahrung der nationalen Eigenarten) fanden sich später in den Gemeinschaftsverträgen bzw. Griechenland. sah neben den Wahlen auch Abstimmungen zu Sachfragen vor und ging selbstverständlich von einer föderalistischen Bundesstruktur aus. Bitsch. 2002. 133 bb) Entwurf einer föderalen Verfassung der Vereinigten Staaten von Europa (1948) Wenige Tage zuvor hatte W. Die Verfassungsentwürfe zur Gründung einer Europäischen Union. Anerkennung von Grund.html. Zeittypisch erachtete man allerdings mehr „Staat“ für nötig. die Quelle unter http://www. 2001. 2004. Spanien. 129 Vgl. der im Rahmen der Paneuropa-Konferenz in New York 1944 vorgestellt wurde. 128 b) Verfassungsentwürfe nach 1945 129 aa) Hertensteiner Programm (1946) Zahlreiche dieser und ähnlicher Vorstellungen fanden einen ersten gemeinsamen Niederschlag nach dem Kriege im historischen Treffen von Persönlichkeiten des Widerstandes und europäischer Föderalisten vom 14. Siehe auch F. 133 Abdruck bei A.-21. die sich zuvorderst mit dem Schutz der Menschenrechte befassten und eine klare Ablehnung der faschistischen Ideologien und des nationalen Protektionismus signalisierten. Brunn. 1946 erfolgte dann der Zusammenschluss zur „Union Européenne des Fédéralistes“. 25. 128 Texte mit kurzer Einführung bei A. Ungarn. vertiefend G. Holland. W. 1999. Herausragende Dokumente von 1930 bis 2000. Lipgens (1968). Frankreich. 132 Das Aktionsprogramm hatte zwölf Punkte. M. Schäfer (Hrsg. Die europäische Einigung von 1945 bis heute. Liechtenstein. September 1946 in Bern und am Vierwaldstätter See. Die Verfassungsentwürfe zur Gründung einer Europäischen Union. . a. a.und Freiheitsrechten.

Von den Schriften der Widerstandsbewegung bis zum Vertragsentwurf des Europäischen Parlaments. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Staaten von Europa“ zu bilden 134. 136 Menthon umriss Organe der Föderation. Die Föderation sollte die Zuständigkeit für die Sicherheit und Außenpolitik besitzen (die NATO entstand erst 1949/50) ebenso wie die alleinige Regulierungskompetenz zur Schaffung eines einheitlichen Wirtschaftsgebiets und der „Vereinheitlichung der Gesetzgebung der Mitgliedstaaten“. über einen Europäischen Verfassungsrat in einem Wurf und mit einem Vorgriff auf eine ohnehin in diese Richtung weisende Zukunft ein Vereinigtes Europa herzustellen. 2002. der erstmals eindeutige Regeln für die doppelte Konstituierung (Völker und Staaten) einer europäischen Föderation enthielt. 135 Es war die Zeit der großen Hoffnungen und entsprechenden Ambitionen. 135 Vor dem Hintergrund des in Den Haag vom 7. Eine historische Bilanz. der am 11. wie z. Fachministerien ergänzten den Föderationsapparat. Daneben würden ein Exekutivrat und ein Oberster Gerichtshof eingesetzt. de Menthon erarbeitete im Juni 1948 einen Entwurf für eine Versammlung von Abgeordneten der nationalen Parlamente in Interlaken (im September 1948). B. Dokumente 1939 –1984. Im März 1948 wurde immerhin von 190 Abgeordneten des britischen Unterhauses und von 169 Abgeordneten der französischen Nationalversammlung die Einberufung einer Europäischen Verfassungsgebenden Versammlung gefordert. Loth. 136 Vgl. ein Europäisches Parlament. S. cc) Vorentwurf einer europäischen Verfassung (1948) Auf ihrem zweiten Kongress in Rom erarbeitete die Union Europäischer Föderalisten einen Vorentwurf einer europäischen Verfassung. Der französische Christdemokrat und Verfassungsbeauftragte der „Europäischen Parlamentarier-Union“ F. S. die Aussöhnung und Partnerschaft Deutschlands und Frankreichs müsse hierfür die Grundlage bilden. Der Entwurf enthielt aber keine detaillierten Regelungen hinsichtlich der Abgrenzung der Kompetenzen von Föderation und Mitgliedstaaten.). die offensichtlich ein schrittweises Vorgehen in Etappen nötig machten. Mai 1948 veranstalteten „Europa-Kongresses“ erreichte die Diskussion um die europäische Einigung eine neue Intensität. Entwürfe einer europäischen Verfassung. Novem134 Die Rede Churchills findet sich unter anderem bei W. 214 ff. 45 Jahre Ringen um die Europäische Verfassung. . Im Mai 1948 erneuerten Politiker und Vertreter privater europäischer Verbände aus fast allen Staaten Westeuropas den Appell für eine Einigung Europas und die Errichtung eines „Europarates“ auf ihrem Haager Kongress. W. 1986. bis 10. das sich aus einer Abgeordnetenkammer (Vertreter der nationalen Parlamente) sowie aus einem Staatenrat (2 Vertreter der Mitgliedstaaten) zusammensetzen sollte. wobei aus den Reihen des ersteren jeweils für ein Jahr der Präsident der Föderation gewählt werden sollte. 49 ff. Lipgens (Hrsg. Diese Initiative entsprach indessen nicht den realen Möglichkeiten.60 B. aus dem einige Monate später die Gründung der „Europäischen Bewegung“ hervorging.

2001. Die Mitgliedstaaten sollten genau festgelegte Kompetenzen an den Bund übertragen. S.20. Bundesregierung („Bundesrat“) und Bundesgericht vorgesehen. Diese Kommission formulierte im Mai desselben Jahres in Straßburg einen sehr knappen (18 Artikel) Vor. 1966. 138 c) Wege zum Europarat Jenseits aller Kongresse und Manifeste war auch ein ansehnlicher Teil der politisch aktiven jüngeren Generation – vor allem in den früheren „Erbfeindländern“ Vgl.und Sozialkammer vorsah. vgl. Hauptaugenmerk des Dokuments war der Bereich der Kompetenzen bzw. wirtschaftliche und soziale Rechte von Einzelpersonen. Zwar betonte der Entwurf das Subsidiaritätsprinzip.C. dass sich einzelne Staaten zu engeren Gemeinschaften zusammenschließen konnten. Der Entwurf enthielt eine Charta der Grundrechte. Rechtsangleichung und der Vereinheitlichung der Wirtschaft. Verfassungsrevisionen). Schäfer (Hrsg. Die Verfassungsentwürfe zur Gründung einer Europäischen Union. W.und Rahmenentwurf einer europäischen Bundesverfassung (Grundsätze. Mayer-Tasch / I. Herausragende Dokumente von 1930 bis 2000. Ein Abdruck dieses Verfassungsentwurfes findet sich u. 137 Der Entwurf eines einheitlichen europäischen Bundesstaates enthielt weit reichende Regelungen hinsichtlich Zuständigkeitsverlagerung.). Loth (2002). Vorgesehen war. Befugnisse. bei P. um ein „Verfassungskomitee für die Vereinigten Staaten von Europa“ ins Leben zu rufen. S. dd) Entwurf einer europäischen Bundesverfassung (1951) 72 Mitglieder der Beratenden Versammlung des Europarates fanden sich unter dem Vorsitz des bereits oben benannten Präsidenten der Paneuropa Bewegung Graf Coudenhove-Kalergi im Februar 1951 in Basel zusammen. Den nationalen Regierungen wurde im Rahmen der Ausgestaltung der Föderationsorganisation also keine entscheidungserhebliche Rolle zugewiesen. Kompetenzverteilung. auch A. Als Bundesorgane waren Bundesparlament und Senat (Legislative). a. der vom Parlament bestätigt werden musste.. 138 137 . Gewaltenteilung. es mangelte ihm aber wiederum an einer klaren Abgrenzung der Kompetenzen von europäischem Bundesstaat und Mitgliedstaaten. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 61 ber 1948 verabschiedet wurde. Der auf Vorschlag der drei Kammern vom Obersten Gerichtshof gewählte Präsident sollte einen Kanzler ernennen. Bundesbehörden. die über dem Verfassungsgesetz stehen sollte und die politische. Eine Besonderheit war. Contiades (Hrsg. 55 ff. dass der Entwurf ein Drei-Kammer-System aus Unterhaus (direkt gewählte Abgeordnete). 631 ff. Gruppen von Einzelpersonen und Körperschaften definierte. Grundlage war das Subsidiaritätsprinzip. II.II. Die Verfassungen Europas.). Staatenkammer (bestimmt durch nationale Parlamente) und Wirtschafts.

auch von der Sowjetunion in ihrem Machtbereich nicht in Frage gestellt wurde). dem britischen Commonwealth of Nations (vgl.62 B. Bemerkenswert ist allerdings die Ähnlichkeit mancher Argumentationslinien zur Verfassungsdiskussion der jüngsten. die der Auffassung waren. O. Churchill. wie die gemeinsamen Interessen Europas in der Weltpolitik einschließlich seiner Verteidigung angemessen zu vertreten wären. Den damaligen Befürwortern einer „Neuordnung Europas“ zufolge war das System der souveränen Nationalstaaten in Europa unfähig. auch wäre im „Schrebergartensystem“ seiner Volkswirtschaften eine optimale Entfaltung der Produktionsfaktoren und damit des Wohlstandes kaum zu ermöglichen gewesen. zumindest äußerlich. Demgegenüber wurde vertreten. das mit zunehmender Entfernung vom Kriege und wachsendem Selbstbewusstsein der Staaten nach dem Wiederaufbau noch an Bedeutung gewann. Die „Zeitlosigkeit“ der „europäischen Debatte“ ist folglich gleichermaßen Ausdruck von stabilisierender Stringenz und ermüdender Stagnation. Konsequenterweise hätten diese Aufgaben in den Augen jener „Europäer“ die Schaffung einer über den Nationen stehenden („supranationalen“) gemeinsamen politischen Ordnung in Form eines föderalistischen Bundesstaates erfordert. 139 . W. wie jeder beteiligte Staat aus eigener Entscheidung zu gehen bereit sei. aber selbst nicht daran teilnehmen. das System der souveränen Nationalstaaten könne nicht (oder noch nicht) aufgegeben oder eingeschränkt werden. schließlich stellte sich nicht nur angesichts der Erfahrungen der ersten Jahrhunderthälfte die Frage. ist hier nur stark vereinfacht möglich. Gleichwohl artikulierten sich diesbezüglich Zurückhaltende und Gegenkräfte. 139 Eine zusammenfassende Gegenüberstellung der grundsätzlichen Auffassungen zur Zukunftsgestaltung Europas. a. die Europa trennenden Schranken zu beseitigen und eine gemeinsame europäische Zukunft aufzubauen. da es schon einer anderen Völkergemeinschaft angehöre. a. war schließlich ein Faktum von eigenem Gewicht geschaffen. zu dessen Gunsten die Einzelstaaten auf Teile ihrer Entscheidungsbefugnisse hätten verzichten müssen. Die zur Lösung der gemeinsamen europäischen Probleme und Aufgaben erforderlichen Schritte könnten nur so weit reichen. Mit der tatsächlichen Gestaltung Europas nach 1945 auf der Grundlage der alten nationalstaatlichen Ordnung (die. Europäische Für Großbritannien hatte Churchill bereits in seiner Züricher Rede ein anderes Argument geltend gemacht: Es könne die europäische Einigung von außen fördern. de Gaulle. wie sie die politischen Diskussionen und Entscheidungen der Nachkriegsjahre bis zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft wesentlich bestimmten. Grundlage der politischen Identität der europäischen Völker und des durch sie legitimierten staatlichen Handelns seien nach wie vor die Nationalstaaten. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Frankreich und Deutschland – in diesen Jahren von der Idee erfasst. zwischenstaatliche Konflikte gewaltlos zu lösen und damit implizit den Frieden zu sichern.). Zu ihren markantesten und einflussreichsten Vertretern zählte C. vergangenen Jahre.

insbesondere den Grad der Einigung des Kontinents. Mit der Teilung Europas. 2 GG. das heißt der Eingliederung der osteuropäischen Staaten und der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands in den Machtbereich der UdSSR. 1 GG ist erstmals in einer deutschen Verfassung die Möglichkeit vorgesehen. in Art. dass der Bund „durch Gesetz Hoheitsrechte auf zwischenstaatliche Einrichtungen übertragen“ könne. Die unterschiedlichen Vorstellungen in Europa über die Zukunftsgestaltung. ergaben sich jedoch bald völlig neue Interessenkonstellationen und Impulse zur Einigung (nunmehr) Westeuropas. „Der Bund kann sich zur Wahrung des Friedens einem System gegenseitiger kollektiver Sicherheit einordnen. nicht aber durch deren Unterordnung unter Entscheidungen supranationaler Organe. Andererseits bedeutete er das Äußerste dessen. Österreich. die eine friedliche und dauerhafte Ordnung in Europa und zwischen den Völkern der Welt herbeiführen und sichern“. „in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen“ (Präambel). Der Kompromiss spiegelt sich auch in Gestal140 Die Bundesrepublik Deutschland entschied sich nach ihrer Gründung 1949 unter ihrem ersten Bundeskanzler K. . Art. bald alles überschattenden Ost-WestKonflikt. Mai 1949 von zunächst zehn Staaten in Straßburg gegründete Europarat erhielt einerseits keine supranationalen Befugnisse. Schweden und der Schweiz. waren mit Ende des Zweiten Weltkrieges jedoch vielfältigen Einwirkungen der politischen Entwicklung unterworfen. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 63 Zusammenarbeit sei somit – zumindest vorerst – nur möglich in den Formen herkömmlicher internationaler Zusammenarbeit oder eines Staatenbundes der unabhängigen („souveränen“) Einzelstaaten. geprägt vom Kompromiss. wie vor allem die Europäische Bewegung es forderte. zu der sich bald die Mehrzahl der westeuropäischen Staaten bereit fand. er wird hierbei in die Beschränkungen seiner Hoheitsrechte einwilligen. wirtschaftlicher Stabilität und Eindämmung des Kommunismus. Sie waren bestimmt vom Bedürfnis der USA und Westeuropas nach Sicherheit. zum wirtschaftlichen Wiederaufbau und zur Sicherung der jungen Demokratie gegenüber dem Kommunismus wurde mehrheitlich auch als Voraussetzung für die Wiedervereinigung Deutschlands gesehen. was die zurückhaltenderen Staaten an Einigung akzeptieren konnten. Die sich damit bietende Chance zur gleichberechtigten Aufnahme in die europäische Staatengemeinschaft. aufgrund autoritärer Regime wie in Spanien und Portugal oder aus einer historisch-politisch begründeten Zurückhaltung wie bei Großbritannien (insbesondere durch seine Bindungen im weltweiten Commonwealth) und den skandinavischen Staaten. Adenauer ebenfalls für den Weg der Westintegration und der Beteiligung an der westlichen Verteidigung. Nach 1945 sah es trotz aller Einigungspläne für Europa zunächst so aus. als werde sich am wiederhergestellten System der unabhängigen Nationalstaaten kaum etwas ändern. Der am 5. 140 Vor dem Hintergrund des bestimmenden Einflusses der beiden Supermächte über Europa war der erste Schritt zu einer von den Europäern selbst ausgehenden organisierten Zusammenarbeit. Im GG wird neben dem Bekenntnis zur Einheit und Freiheit Deutschlands der Wille ausgedrückt.II. 24 Abs. die im 1951 gegründeten Nordischen Rat eine engere Zusammenarbeit einleiteten. in erster Linie dem beginnenden. 24 Abs. Andere Staaten Westeuropas waren zu einer supranationalen Einigung zunächst nicht bereit oder in der Lage – sei es wegen auferlegter oder selbst gewählter Neutralität wie bei Finnland.

Atomgemeinschaft und Gemeinschaft für Kohle und Stahl. dass dies „automatisch“ auch die engere politische Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten mit sich bringen würde. eine Hohe Behörde. Die Stellung der EMRK im Europäischen Gemeinschaftsrecht. 1956. Europarat in Bedrängnis. d) „Verfassungsentwürfe“ ab 1952 aa) Die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (1952) 1952 erschien eine unmittelbare politische Integration aufgrund zu großer nationaler Gegensätze noch nicht möglich.). die eine Versammlung (d.-L.). in: U.C. Recht zwischen Umbruch und Bewahrung. Hilf. Streinz. 50 Jahre Europarat. (Hrsg. 143 Vgl. H. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung tung. Der Europarat. Eine verfassungsgeschichtliche Betrachtung Europas (wie der Europäischen Union) wäre ohne einen Blick auf die Errungenschaften des Europarates unvollständig. Carstens. Bemerkenswert ist. Die gegenseitige Abhängigkeit und Überwachung der Organe sollte eine rechtsstaatliche Legitimation gewährleisten. ein Parlament). Zusammensetzung und Wirkkraft der wichtigsten Organe des Europarates wider. Die Geltung der EMRK für Rechtsakte der EU. Dieser Gedanke war auch in der Organisation der EGKS enthalten.64 B. in: EuGRZ 1979. M. Bernhardt. in: Internationale Politik 12/1997. J. Europäische Union und Europäische Menschenrechtskonvention. S. Notwendige Reformen und Konsequenzen. 1269 ff. aus der umfangreichen Lit. 1193 ff. S.. Le Conseil de l’Europe. Rechtswesen. Beyerlin u. in: ZaöRVR 18 (1958). 2005. in: U. Festschrift für R. Burban. 141 Auch wenn dem Europarat supranationale Entscheidungsbefugnisse fehlen. Waldock. 1993).). 1074 ff. S. Die Entwicklung seines Rechts und der „europäischen Verfassungswerte“. 142 Hierzu beispielsweise G. a. wegen Menschenrechtsverletzungen vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg Klage zu erheben. Rodriguez Iglesias... Der Beitrag des Europarates um Regionalismus. Sozialpolitik und Umweltschutz. a. R. Busse. C. 17 ff. Gimbal. in: NJW 2000. M. 599 ff. S. Die Wirksamkeit des Systems der EMRK. 2000. Stattdessen unterzeichnete man am 18. Beyerlin u. 459 ff.. April 1951 den – in erster Linie als enge wirtschaftliche Kooperation geschaffenen – EGKS-Vertrag 143 und hoffte. Wittinger. 1995. 45 ff. in: ders. Carstens. den Gerichtshof und den Ministerrat vorsah. (Hrsg. S. sie bietet die Möglichkeit. Das Recht des Europarates. 1985 (2ème éd. etwa bereits K. dass Art. S. (Hrsg. Die Errichtung des Gemeinsamen Marktes in der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft. kulturelle Initiativen sowie nicht zuletzt die Europäische Menschenrechtskonvention (EMRK) 142. zum Europarat K. A. Sie betreffen die Angleichung von Politik und Gesetzgebung der Mitgliedstaaten in Teilbereichen von Erziehung und Bildung. Einführung: 50 Jahre Europarat. Recht zwischen Umbruch und Bewahrung.. h. sind seiner freiwilligen Zusammenarbeit nicht unbedeutende Erfolge zu verdanken. . S. 141 Vgl. 21 EGKSV bereits eine Direktwahl der Delegierten zur Versammlung benannte.

wenn die Integration in eine neue Phase trat oder in eine Krise geriet. Diese „verstärkte“ Versammlung der EGKS bildete einen Verfassungsausschuss. Materialien zur Politischen Union. Bonn 1986. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 65 Der EGKS-Vertrag kann als erste „Vertragsverfassung“ bezeichnet werden. 144 Der erste politisch bedeutsame Entwurf für eine konstitutionelle Neugründung Europas entstand im Nachkriegseuropa 1953 im Zusammenhang mit den Plänen zur Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG) und Europäischen Politischen Gemeinschaft (EPG). 293 f. 45 Jahre Ringen um eine europäische Verfassung. gemeinsamer Armee und weitreichenden legislativen und exekutiven Kompetenzen implizierten. Spaak (Vorsitzender der europäischen Beratenden Versammlung des Europarates) eine aus den parlamentarischen Mitgliedern der EGKS und einigen Mitgliedern der Beratenden Versammlung des Europarates zusammengesetzte „ad hoc“-Versammlung zu beauftragen. 146 „Erklärung zur Montanunion“. gewann die Gründung einer umfassenden politischen Gemeinschaft während des Koreakriegs und der damit verbundenen deutschen Wiederbewaffnung erneut an Bedeutung. Analog zum Modell des Schuman-Plans schlug Frankreich eine frühzeitige Einbindung Deutschlands in ein supranational organisiertes europäisches Sicherheitssystem vor. bb) Entwurf eines Vertrages über die Satzung der Europäischen Gemeinschaft – Entwurf der ad-hoc Versammlung der EGKS (1953) Kontrastierend zur „pragmatischen Integrationsmethode“ ist die Verfassungsidee Teil eines permanenten Diskussionsprozesses über Reform und Gestaltung der europäischen Einigung gewesen und rückte immer dann auf die Tagesordnung. Weidenfeld. 1991. 45 Jahre Ringen um eine europäische Verfassung. Juli 2002 aus. Dieser Ansatz ist auch in klarer Abgrenzung zu den Verfassungsentwürfen der benannten Gruppen der Europabewegung während und direkt nach dem Zweiten Weltkrieg zu sehen. die konkrete und wirksame Schritte in Richtung einer gemeinsamen politischen Union einleitete. S. Bonn 1986. Letztlich beschlossen die sechs Außenminister der Montanunion auf Anregung von J. dass „Europa sich nicht mit einem Schlage“ herstellen lassen könne. 145 Hierzu die Dokumente in W.II. der einen Vertragsentwurf 147 ausar144 Vgl. 9. Monnet (Präsident der Hohen Behörde der Montanunion) und P. 76. Wie Europa verfaßt sein soll. Lipgens. . deren Pläne meist die Umwandlung Europas in einen föderalen Bundesstaat mit eigener Haushaltskompetenz. Dok. S. sondern mit der EGKS nur eine „erste Etappe der europäischen Föderation“ 146 auf wirtschaftlichem Gebiet zu verwirklichen war.H. Lipgens. Mai 1950. 145 Während sich 1950 die Erkenntnis durchgesetzt hatte. in: W. Er lief am 23. einen Vertragsentwurf für eine Europäische Politische Gemeinschaft zu erarbeiten. W. 67.

Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung beitete. Der enge Zusammenhang von Organisations. Gemeinschaftsrecht sollte Verfassungsvorrang gegenüber den Mitgliedsstaaten erhalten (Art. welche auch die Hoheit über den Haushalt erhalten sollte (Art. Grimm. Dieses soll im Namen des souveränen Volkes die Regierung kontrollieren und ihr im äußersten Fall auch das Vertrauen entziehen. II. sah aber 147 Abdruck bei A. Ist die europäische Union verfassungsfähig?. Schäfer (Hrsg.und Verfahrensregeln fest. vgl. Machtausübung zu legitimieren. sie absetzen können. Braucht Europa eine Verfassung?. Diesen Entwurf legte die Versammlung am 9. in: JZ 1995 (12). muss sie gegenüber dem einfachen Gesetzesrecht verbindlich durchsetzbar sein. März gebilligt. 272. . S. 4) und einklagbar bei einem Gerichtshof sein (Art. 38 –49).und Legitimationsfunktion zeigt sich besonders an der verfassungsmäßigen Rolle des Parlaments.). Gleichzeitig initiiert das Parlament als Repräsentant des Volkes die Gesetze und garantiert so die demokratische Mitgestaltung gesellschaftlicher Prozesse. schafft sie die Grundlage für die Ausübung von Hoheitsgewalt überhaupt: Weil nur die Verfassung aus den vorrechtlichen Gegebenheiten der verfassungsgebenden Gewalt der Gemeinschaft abgeleitet ist. 75). Sie ist damit der Maßstab allen rechtlichen und politischen Handelns. 150 Die Verfassung legt die Organisations. Gesetz und jeder Rechtsakt auf die Verfassung zurückführen lassen. Einige „Verfassungsfunktionen“ 148. Zwar war der „Ad-hoc-Entwurf“ vorsichtiger formuliert als die Pläne der föderalistischen Bewegung („Verfassung“ oder „Bundesstaat“ tauchten als Begriffe nicht auf). föderale Organisationsstruktur mit einer weitgehend gleichberechtigten Völkerund Staatenkammer (Senat) nach amerikanischem Modell (Art. muss sich jedes Organ. auch C. entlehnt. h. Die Verfassungsentwürfe zur Gründung einer Europäischen Union. vgl. Die Folgen der Globalisierung für die europäische Verfassungsdiskussion. doch inhaltlich richtete sich der Plan weitgehend am Leitbild eines europäischen Bundesstaates aus. 148 Die Unterteilung in Funktionen der Verfassung als Analyseraster ist in ihren Grundzügen C. 149 Indem sie die Macht dem subjektiven Belieben ihrer Träger entzieht und sich auf den Willen eines souveränen Volkes stützt. Es verfügt außerdem über die sogenannte Kompetenzkompetenz. Weil die Verfassung in der Hierarchie der Normen an oberster Stelle steht. Deshalb enthalten Verfassungen Bestimmungen über die Einrichtung und Ausübung der Hoheitsgewalt.und Organisationsfunktion 150 der vorgelegten Konzeption gestalteten sich ähnlich den Entwürfen der Europabewegung: eine demokratisch legitimierte. 268 ff. Zudem sollte das Parlament den „Europäischen Exekutivrat“ mit Präsident und Ministern kontrollieren (Art. in: DVBl 2000.66 B. 1 ff. März 1953 vor. im Namen der verfassungsgebenden Gewalt Unvollständigkeiten in der Verfassung durch neue Staatsaufgaben zu ergänzen. 5 f. Damit wird das parlamentarische Gesetz das zentrale Instrument der Herrschaftsausübung. die Missbräuche verhüten sollen und so meist nach dem Prinzip der Gewaltenteilung zwischen Exekutive. d. Der Entwurf verfügte über keinen Menschenrechtskatalog. Indem sie sich auf die Volkssouveränität als pouvoir constituant beruft. wie die Legitimations 149. S. 584. 581 ff.. in: DÖV 1998..b)..23. Er wurde vom Rat der sechs Außenminister der EGKS am 10. 2001. Koenig. die eine den Legitimationsprinzipien konforme Handhabung der öffentlichen Gewalt garantieren. D. Herausragende Dokumente von 1930 bis 2000. S. hat die Verfassung zunächst die Funktion. Legislative und Judikative die Kompetenzen der einzelnen Organe verbindlich festlegen. Walter. Diese Durchsetzbarkeit kommt üblicherweise einem Verfassungsgericht zu. 31). 11 und 16).

der dem Ministerrat der Montanunion und EVG entsprechen sollte. 2001. S. in dem sich die verschiedenen Motive und Interessen der Mitgliedsstaaten erfolgreicher bündeln ließen. Diese zögerlichen Formulierungen lassen eine Deutung auf den Wandel der europapolitischen Interessen zu Ungunsten eines verfassungspolitischen Integrationssprungs zu. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 67 die Aufnahme der EMRK als „integrierten Bestandteil“ vor (Art.b)..II. Die Verfassungsentwürfe zur Gründung einer Europäischen Union. 2002. Schneider.R. Vor allem Frankreich erschien der Preis eines nationalen Souveränitätsverlustes zugunsten einer europäischen Armee zu hoch. S. 3/2000. Konföderation – oder was sonst?. 171 ff. 33 ff. 16 ff. Das Verfassungsmodell reduzierte sich auf eine rein rhetorische Figur. 69). S. Reid. Italien. Die Integrationsbemühungen verlagerten sich auf den wirtschaftlichen Bereich. . Der Verfassungsentwurf scheiterte zusammen mit der EVG in der französischen Nationalversammlung (30. siehe auch W. cc) Römische Verträge (1957) Die von der Regierungskonferenz der sechs Gründungsstaaten (Belgien.. 171. Herausragende Dokumente von 1930 bis 2000. Dabei war der Rat zunächst praktisch als alleiniger Gesetzgeber der Gemeinschaft konzipiert. Entwürfe einer europäischen Verfassung. 2005. Die Kompetenzen der Gemeinschaft waren allerdings begrenzter als in den Verfassungsplänen der Europabewegung. Niederlande) unter dem Vorsitz von P.). und die europäische Verfassungsdebatte ebbte zunächst ab. 153 Abdruck bei A. Alternativen der Verfassungsfinalität: Föderation. Deutschland. 38. in: Integration.24. 1/1984. welcher letztlich zum Scheitern des Ad-hoc-Entwurfs führte. Das Ende der Koreakrise im Jahr 1953 nahm den Antrieb zur Gründung einer EVG und EPG. Der „Rat der nationalen Minister“. aber „durch einstimmigen Beschluß“ des Ministerrats (Art. 104) Auch die Außenpolitik sollte lediglich von der Gemeinschaft koordiniert werden. Die Römischen Verträge 153 übernahmen im Wesentlichen die institutionelle Gestaltung der EGKS und sahen einen Rat. Spaak verfassten Verträge über die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und die Europäische Atomgemeinschaft (EAG) betrafen – anders als bei der EGKS – die gesamte Volkswirtschaft der Mitgliedstaaten. W. Mit dem Entwurf wurde auch das Leitbild eines föderalen Bundesstaates ad acta gelegt. 3). II. 152 H. konnte in zentrale Zuständigkeitsgebiete der Gemeinschaft eingreifen (Art. August 1954). Schäfer (Hrsg. eine Kommission und ein Parlament vor. Weidenfeld. The United States Of Europe: The New Superpower and the End of American Supremacy. Eine historische Bilanz.-H. Europäische Verfassung für Visionäre?. Loth. in: Integration. 154 151 Siehe aber T. Leitbilder wie „Vereinigte Staaten von Europa“ 151 wirkten „wie der Aufputz von Sonntagsreden“ 152. B. Frankreich. 154 Im Einzelnen z. Luxemburg.

Timmermann (Hrsg. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Schon damals wurde daher ein Defizit an Handlungsfähigkeit (Einstimmigkeit im Rat) und an parlamentarischer Kontrolle konstatiert. deren Struktur dem staatsrechtlichen. 196.7. überaus gewagt der „Europäischen Union“) ist zu fragen.68 B. 1972. öffentlichen Verbandsgewalt der EVG im Verhältnis zur Staatsgewalt ihrer Mitgliedstaaten.–15. Ipsen. 1952). 1953. Der Kampf um den Wehrbeitrag. e) Mythos und Ergebnis der 1950er Jahre Gerade angesichts der gelegentlich romantisierenden und den Vergleich zu den USA suchenden Bezeichnung „Gründerväter der Europäischen Gemeinschaften“ (bzw. Sie fanden hierbei auch umfassende Unterstützung durch die Lehre. im konkreten Fall jener der Bundesrepublik.V. Halbband: Das Gutachtenverfahren (30. 24 Abs. in: H. Die jüngste „Verfassungsdebatte“ in der Europäischen Union nahm dabei Überlegungen auf. Art. 157 Auslöser war die vorgesehene Übertragung von Hoheitsrechten der Bundesrepublik Deutschland auf die geplante EVG und Gegenstand der Auseinandersetzung war die von H.). Aufgrund der Qualifizierung der Gemeinschaften als lediglich „funktionelle Zweckverbände wirtschaftlicher Integration“ 155.2. Kraus erhobene Forderung nach „struktureller Kongruenz und Homogenität“ der hoheitlichen. rechtsstaatlichen Aufbau des nach dem GG verfassten bundesrepublikanischen Staatswesens „kongruent“ ist. in Mainz (Hrsg. 156 155 . Hummer. ob sich die Beteiligten in den 50er-Jahren des vorigen Jahrhunderts auch über die Ausgestaltung der hoheitlichen öffentlichen Gewalt der Europäischen Gemeinschaften überhaupt Gedanken gemacht haben bzw. die sie den drei Europäischen Gemeinschaften mitzugeben beabsichtigten. S. Europäisches Gemeinschaftsrecht. 158 Vgl. die vordergründig keine wie immer gearteten „verfassungsrechtlichen“ Probleme aufwerfen konnten –soll auch im Hinblick auf die „Verfassungsdebatte“ im Rahmen des „Europäischen Konvents“ 156 dieser Fragestellung nachgegangen werden. dazu W. 2. Hierzu unten B. 158 Nach der später „Lehre“ genannten These von der notwendigen „strukturellen Kongruenz und Homogenität“ durften gem.-P. die in der zweiten Jahreshälfte 1952 von führenden deutschen Staatsrechtslehrern verfasst wurden. 2. H. Tatsächlich haben sich die „europäischen Gründungsväter“ sehr intensiv mit der Thematik der Ausgestaltung und Strukturierung der hoheitlichen öffentlichen Verbandsgewalt beschäftigt. 157 Gesammelt in den Veröffentlichungen des Instituts für Staatslehre und Politik e. 12. 2001).f)oo). machen mussten. Beiträge zu einer grundsätzlichen und aktuellen Diskussion. Eine Verfassung für die Europäische Union – eine Sicht aus Österreich. Eine Verfassung für die Europäische Union. 1 GG deutsche Hoheitsrechte nur an solche zwischenstaatlichen Einrichtungen übertragen werden. Bd.IV.). wie die Fülle einschlägiger Gutachten belegt. die sich bereits 1952 im Zuge der Diskussion bezüglich der Übertragung von Hoheitsrechten Deutschlands auf die geplante EVG entspannen (vgl.

1962 waren die so genannten Fouchet-Pläne grandios gescheitert.). mit einem Europäischen Parlament ohne Legislativbefugnisse etc. S. 2003. Siehe übrigens aus den 70er Jahren auch den Verfassungsentwurf von J. die sich bewusst vom staatsrechtlichen Modell ihrer Mitgliedstaaten abhob. S. die Europäischen Gemeinschaften konzeptionell als eine „inkongruente“ und „inhomogene“ Verbandsgewalt „sui generis“ zu bezeichnen – und zwar nicht nur ohne Gewaltenteilung. 160 f) Stationen zur Europäischen Verfassung – eine Auswahl aus 40 Jahren aa) Der Entwurf von Max Imboden (1963) Unter den Ideen der 60er. S. Instrumente zur Verstaatlichung der Union.pdf. Europäische Union 1980. im Internet: cdl. die gleichfalls eine engere politische Zusammenarbeit und sogar eine gemeinsame Außen. dass die Gründungsverträge der Europäischen Gemeinschaften in keiner der Ratifikationsdebatten in den sechs Gründungsstaaten verfassungsrechtlichen Bedenken begegneten. 1982. Petkovic. W.. S. Wessels. 163 Vgl. abrufbar unter http://www. –.und 70-er Jahre des 20. Fragen und Thesen im Hinblick auf den Tindemans-Bericht zur Europäischen Union. S. Hummer. etwa H. Im Ergebnis erscheint es nicht vermessen. Griller / F. 160 Vgl. 1991. Europäische Union 2004. in: Politische Studien. Geschichte der politischen Integration in Europa – Teil 2 (von der EPZ zum Vertrag von Nizza). Die Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft.-J. 2004.uni-trier. Jahrhunderts ist neben den Fouchet-Plänen (Februar 1961) 161 und dem Davignon-Bericht (1970) 162 sowie dem Tindemans-Bericht (1975) 163 insbesondere der Entwurf von M. a. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 69 Der Ansatz von der notwendigen „strukturellen Kongruenz und Homogenität“ der Verbandsgewalt internationaler / supranationaler Organisationen im Allgemeinen und der EVG im Speziellen in Bezug auf die Staatsgewalt ihrer Mitgliedstaaten wusste sich – wie soeben beschrieben – aber nicht durchzusetzen. 236 ff.II. Reindl (Hrsg. „Verfassungs-Konvent“ und neue Konventsmethode.de/˜ievr/eu_verfassungen /dorren.. Bilanz und Perspektive. ohne Grundrechtskatalog.) (2004). Fundamentale Rechtsgrundlagen einer EG-Mitgliedschaft. 162 Vgl.de/blob /images/C4786923_L20. Niedersächsischen Landeszentrale für politische Bildung (Hrsg. Imboden 164 159 So auch W. Küsters. 6 f.und Sicherheitspolitik beabsichtigten.niedersachsen. Maislinger / A. S. Sonderheft 1/2003. 159 Hervorzuheben ist. 53 ff. die Initialzündung für den so genannten (bis heute nicht unumstrittenen) „Motor der Integration“. Tindemans „Bericht über die Europäische . Der Europäische Verfassungskonvent – Strategien und Argumente. 8. ohne vertikale Kompetenzverteilung. S. 1975. 161 Hierzu u. Dorren (1977). Niedersächsischen Landeszentrale für politische Bildung (Hrsg.htm.). 55. etwa S. Trotz allem wurde bereits ein Jahr darauf der Deutsch-Französische-Freundschaftsvertrag unterzeichnet. 472 ff. sondern sogar „gewaltenfusionierend“ (mit einem exekutiv rekrutierten Rat als Hauptlegislator). 7. und die parlamentarischen Genehmigungsverfahren mit großen Mehrheiten erfolgten.

Aufgrund offensichtlicher Parallelen zum jüngsten Verfassungsvertrags-Entwurf soll die Darstellung der Ansätze von 1984 und 1994 entsprechend umfassender ausfallen. wenn einzelne Staaten noch nicht zu weiterer Integration bereit seien. Die Verfassungsentwürfe zur Gründung einer Europäischen Union. 4. Er hielt den „funktionalen“ Ansatz der EWG. der Schweiz und das deutsche Grundgesetz (GG) wollte Imboden versuchen. 132) ordnet Imbodens Entwurf als „Bauteil innerstaatliche[n] Europaverfassungsrecht[s]“ ein. Bereits 1968 war die Zollunion verwirklicht. „Europäische Versammlung“ – bestehend aus Abgeordnetenhaus (Volkswahl) und Senat (Länderkammer) – sowie einen Gerichtshof vor. Streinz / C.70 B. S. 164 Abdruck bei A. wenngleich verfassungstheoretisch stringenten Begebenheiten. Das trifft sowohl auf den Verfassungsentwurf 1984 als auch auf den Verfassungsentwurf 1994 zu.und der Regionalpolitik. die Stärkung der Sozial. Mit dem vertragswidrigen Verzicht auf Mehrheitsentscheidungen wurde jedoch zwei Jahre vorher ein entscheidendes Instrument supranationaler Politik außer Kraft gesetzt. . 2006. Einführung mit Synopse. Herausragende Dokumente von 1930 bis 2000. In Anlehnung an die Verfassungen der USA. für unzulänglich. deren Grundrechte zu schützen seien. auch mit verschiedenen Geschwindigkeiten verwirklicht werden. ein „Europa der Bürger“. Schäfer (Hrsg. 2005. Aufl. 18 gewährleistete Grundrechte und in Artikel 22 –25 ist ausdrücklich eine Friedenspflicht der Gemeinschaft gegenüber den Mitgliedstaaten und Dritten enthalten. „den noch schwer fassbaren konkreten funktionellen Inhalten ein festes politisches Gefäß zu geben.und Umweltschutz. Die schrittweise Weiterentwicklung der Union könne. II. Die neue Verfassung für Europa. bb) Die Verfassungsdiskussion 1984 – Das Europäische Parlament als Akteur (1) Ausgangspunkte der Debatte Es zählt zu den bemerkenswerten. 165 Zitat nach R. dass die ersten umfassenderen und inhaltlich kohärenteren Verfassungsentwürfe parlamentarischen Ursprungs sind. Entscheidungen waren demzufolge nur noch auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner der Einstimmigkeit möglich. Häberle.). 2001.26. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung hervorzuheben. Die Vorschläge fanden Zustimmung. Herrmann. 166 P. bei dem die Einheit letztlich durch gemeinschaftliche Ausübung von Funktionen erreicht werden soll. Ohler / C. 33 (Fn. verschwanden aber in den Schubladen und wurden zum Teil erst viele Jahre später umgesetzt. die jeweils vom Europäischen Parlament vorgelegt worden sind. 4. erhöhten Verbraucher.“ 165 Er sah die Organe „Rat“ (als Regierung). Art. 166 Seit Gründung der EWG (1958) standen Erfolge und Rückschläge im Einigungsprozess in einem dynamischen Wechselspiel. Union“ empfahl eine durchaus föderale Gestaltung der Union. Europäische Verfassungslehre.“ Diese Ordnung sollte der Gemeinschaft „über situationsbedingte Erfolge und Misserfolge hinaus innere und äußere Beständigkeit sichern.

Unter Mitwirkung der so genannten Juristenkommission (vertreten durch die Professoren Hilf. gegenüber dem Ministerrat trotz zahlreicher Initiativen aber weitgehend machtlos geblieben war. 2001. 492 f. dass dieser Entwurf ausschließlich eine Initiative des Europäischen Parlaments darstellt. S. Das Europäische Parlament hat sich diesen Aufgaben vielmehr mit dem selbst gesetzten Anspruch eigener Legitimation und unter Inanspruch167 Vgl. Die Regierungen hatten zur Ausarbeitung dieses Verfassungsentwurfs weder einen Auftrag erteilt noch waren sie an den Verhandlungen über die Formulierungen des Textes beteiligt. S. Spinelli. Bd. Laut Spinelli verstand sich das erste direkt gewählte Europäische Parlament als „verfassungsgebende Versammlung“. Einen ersten Erfolg und Höhepunkt konnte Spinelli mit dem Beschluss des Plenums des Europäischen Parlaments vom 9. Von der EG zur EU. Juli 1981 erzielen. Verfassungsentwürfe für die Europäische Union. ABl. der anschließend den Mitgliedsstaaten zur Ratifizierung vorgelegt werden sollte. 3 ff. C 77/1984. S. 168 Vgl. abgedruckt auch in: Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union (Hrsg. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 71 Vergleichbare Initiativen innerhalb des Europäischen Parlaments gewannen bereits nach dessen erster Direktwahl im Jahre 1979 an Schubkraft. 169 A. den das Europäische Parlament am 14. 167 (2) Grundgedanken des Verfassungsentwurfs des Europäischen Parlaments Von anderen vorherigen und auch nachfolgenden Textentwürfen unterscheidet sich der Verfassungsentwurf des Europäischen Parlaments aus dem Jahre 1984 sowohl hinsichtlich seiner Legitimation als auch in Bezug auf seine inhaltliche Architektur und Geschlossenheit. Eine Verfassung für Europa. A. . Im September 1983 legte der Institutionelle Ausschuss den Vorentwurf eines Vertrages vor. 242. der sich mit anderen bisherigen Entwürfen nicht vergleichen ließ. 168 A. Hervorzuheben ist vor allem der italienische Abgeordnete A.). Februar 1984 mit großer Mehrheit verabschiedete. Schwarze (Hrsg.II. Das Verfassungsprojekt des Europäischen Parlaments. in: J. 35 (2002). 33. die den Unionsbürger legitim vertritt. 231 ff. Die Initiative des Europäischen Parlaments war als Akt echter Verfassunggebung intendiert. Peters charakterisiert den Verfassungsentwurf 1984 (wie auch den aus dem Jahre 1994) als „in dem Sinne revolutionär“. einen Institutionellen Ausschuss im Europäischen Parlament einzurichten. Peters.). als er sich als normativ diskontinuierlich zum geltenden Verfassungsrecht auffasste. 169 Festzuhalten ist. welcher vorsah. S. Texte und Materialien. Spinelli. Nr. 1984. der vehement für diese Initiative kämpfte. Elemente einer Theorie der Verfassung Europas. der Vorschläge für die Verwirklichung einer Europäischen Union erarbeiten sollte. Einflussreiche Kreise hielten es nach der ersten Direktwahl für eine historische Pflicht. Jaqué und Capotori) entstand schließlich ein endgültiger Entwurf. als erstes von den europäischen Bürgern direkt gewähltes Parlament einen Entwurf für eine Union vorzulegen.. Jacobs.

in die konkurrierende Zuständigkeit die Konjunktur. als die Union nicht tätig geworden wäre. 34 II). dass Gegenstände. Bezüglich .und Kreditpolitik. teilweise im Wege der Zusammenarbeit agieren können. Zentral ist die ausdrückliche Festlegung. Die zur Ausführung der Gesetze erforderlichen Verordnungen und Beschlüsse sollten von der Kommission erlassen werden. wichtige Modalitäten über das eigene Funktionieren selbst zu regeln. Einen gewissen Innovationsgrad besitzen in dem Verfassungsentwurf vor allen Dingen die Bestimmungen über die gesetzgebenden Organe und das Gesetzgebungsverfahren. der von einem beachtlichen parlamentarischen Selbstbewusstsein zeugte. die bisher der Zusammenarbeit zwischen den Staaten unterliegen. die sich dabei an die im Gesetz vorgesehenen Verfahren zu halten hatte. ohne auf die Ratifizierung durch die nationalen Parlamente angewiesen zu sein. Die Gewaltenteilung erscheint durch die Differenzierung in supranationale. Im Falle der konkurrierenden Zuständigkeit waren die Mitgliedsstaaten nur insoweit zur Handlung befugt. Unter gemeinsamen Aktionen versteht der Verfassungsentwurf Rechtshandlungen. Gegenstand gemeinsamer Aktionen werden können. Der Verfassungsentwurf ist in vielerlei Hinsicht als bemerkenswert zu bezeichnen. Unter bestimmten Voraussetzungen wurde auch dem Europäischen Parlament Gesetzesinitiativrecht eingeräumt. Auch berief man sich bekräftigend auf das Subsidiaritätsprinzip. aber auch weite Bereiche der Gesellschaftspolitik fallen. die im weiteren Sinne auch noch heute deren Funktionieren zu bestimmen wissen: Einmal die vom Europäischen Parlament so genannte gemeinsame Aktion und zum anderen die Zusammenarbeit. die den organisatorischen Aufbau und die Funktionsweise der Institutionen regeln sollten (Art. an die Staaten oder an Einzelne richten. 10). die von den Institutionen der Union ausgehen und sich entweder an diese selbst. Dieses Verfahren würde es der Union erlauben. konkurrierender und potentieller Zuständigkeiten“ unterschieden. Nach Art. die die Mitgliedsstaaten im Rahmen des Europäischen Rates eingehen. Hinsichtlich der internationalen Beziehungen der Union sollte die Union teilweise durch gemeinsame Aktionen. Bezüglich der Politiken der Union wird in dem Verfassungsentwurf unter jeweils enumerativer Benennung zwischen „ausschließlicher. „gemeinsame Aktionen“ und bloße „Zusammenarbeit“ gewährleistet (Art. unter Zusammenarbeit werden die Verpflichtungen subsumiert. In die ausschließliche Zuständigkeit sollten etwa Bestimmungen über den Binnenmarkt und die Freizügigkeit sowie den Wettbewerb. Insgesamt ein Vorgang. Ausdrücklich vorgesehen ist. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung nahme eines konstitutionellen Initiativrechts unterzogen.72 B. dass im Falle einer ausschließlichen Zuständigkeit der Union allein die Institutionen der Union handlungsbefugt sein sollten. 36 des Entwurfs sollten nämlich das Europäische Parlament und der Rat der Union gemeinsam unter aktiver Beteiligung der Kommission die Gesetzgebungsbefugnis ausüben. Neu war das Instrument der so genannten Organgesetze. im Interesse der Erhaltung des europäischen Integrationsgrads jedoch nicht umgekehrt. Er legt zwei Aktionsweisen der Union fest.

Weder war der rechtliche Status der Begriffe „Zusammenarbeit“ noch der „gemeinsamen Aktion“ genau definiert. 5) zu verstehen. W. S. 44) darstellen. Kritiker vermuteten. dass wesentliche Grundrechte wie etwa die im Grundgesetz festgelegte Menschenwürde. in: DVBl. das heißt mit der Mehrheit der abgegebenen gewogenen Stimmen ohne Berücksichtigung der Enthaltungen. dass für Abstimmungen im Rat die Beschlussfassung mit einfacher Mehrheit.. Aufl. auch C. Kimmel.f)ii). 1ff. 23 ff. Beispielsweise bekennen sich jene Verfassungen. wenn er den in der Verfassung festgelegten Grundkonsens der Gesellschaft gefährdet. 2000. S. Vgl. 171 Nahezu 20 Jahre später sollte der umgekehrte Weg beschritten werden. hierzu unten B. 171 Allerdings hatte der Entwurf angesichts der Organisationsfunktion auch Defizite. . 4. die die Freiheit des Einzelnen garantieren und bewahren sollen und die zu diesem Zweck nicht von einer Mehrheit widerrufbar sind. ausführlicher zum Demokratieprinzip und den Menschenrechten (wie die deutsche. Gerade die Kompetenzabgrenzung wurde als unzureichend kritisiert. italienische.). Spinelli habe eine außerordentliche Ausweitung der Kompetenzen auf die supranationale Ebene vorzunehmen gewollt. dass innerhalb einer Frist von fünf Jahren die Union nach dem in dem Entwurf vorgesehenen Vertragsänderungsverfahren „ihre eigene Grundrechtserklärung“ verabschieden solle. Ausdrücklich erwähnt wurde in Art. dazu A. 4 I nur die Menschenwürde. 1 I GG. Brettschneider. die Regel sein sollte. spanische und portugiesische) als andere (wie etwa die französische). indem man zuerst eine Grundrechte-Charta erarbeitete. Ansonsten verwies der Verfassungsentwurf auf die Grundrechte und Grundfreiheiten. Strukturen. Verfassungsrechtliche Rahmenbedingungen: Grundrechte. Diese von der Gesellschaft wechselseitig zuerkannten Rechte schützen somit die Minderheit vor der „Tyrannei der Mehrheit“ und begrenzen andererseits die Freiheit des Einzelnen. So sollte auch die Begrenzungsfunktion 170 europäischer Hoheitsgewalt gegenüber dem Unionsbürger mittels einer Verfassung erweitert werden. S. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 73 der Mehrheitserfordernisse ist festzuhalten. Herrschaft zu legitimieren und zu organisieren. (Hrsg. Sie schreibt verbindliche Grund. Der Entwurf sah jedoch neben dem Beitritt der Union zur EMRK vor. welche nach Diktaturen entstanden sind. s. Dabei ist essentiell.II. um sich erst anschließend mit deren Einfügung in eine Verfassung auseinanderzusetzen. Diese Fülle unscharfer Festlegungen schien so kaum praktikabel. in: O.und Bürgerrechte fest. Art. „die sich insbesondere aus den gemeinsamen Grundsätzen der Verfassungen der Mitgliedsstaaten und der Europäischen Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten ergeben“. so dass 170 Unter Begrenzungsfunktion ist in diesem Kontext (vgl. Gabriel / F. dass die Verfassung neben ihrer Aufgabe.2. Die jeweilige Ausgestaltung der Grundrechte hängt stark von den Entstehungsbedingungen der Verfassung selbst ab.II. die Rechte des Einzelnen vor der von der Mehrheit errichteten Herrschaft schützt. Inhalte.W. Die Folgen der Globalisierung für die europäische Verfassungsdiskussion. Staatszielbestimmungen und Verfassungsstrukturen. noch das Verfahren der „Europäisierung“ einzelner Bereiche eindeutig festgelegt. Beachtlich ist. 1994. Die EU-Staaten im Vergleich. 1996. Rudzio. Walter. ein „unaufgebbares Naturrecht“ (vgl. wie sich der Verfassungsentwurf des Europäischen Parlaments zu den Grundrechten verhielt. Prozesse. 24. Das politische System der Bundesrepublik Deutschland.

einer Ordnung. 82). hat wesentlich dazu beigetragen. während die Regierungen lediglich das Datum des Inkrafttretens beschließen sollten (Art. 13 sowie 23. nur U. die auf einen vollständigen Neuansatz für die Fortentwicklung der Integrationen eintraten. Letztlich waren jedoch die zentralistischen Tendenzen ausschlaggebend für das Scheitern der Entwurfes. als Rahmenordnung politischer Einheitsbildung der Union. Er ist als rechtliche Grundordnung des Gemeinwesens konstituiert. Der Verfassungsentwurf des Europäischen Parlaments aus dem Jahre 1984 wurde vom Europäischen Parlament mit großer Mehrheit angenommen. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung den „Mitgliedsstaaten kaum noch Hoheitsgewalt bleibt“. mit der nationale Empfindlichkeiten geschont werden sollten.. 12 ff. 1/1984. in der Hoheitsgewalt begründet. denn organisatorisch wurde beim Nullpunkt angefangen. unterstreicht aber eben auch gleichzeitig den Grundsatz der Subsidiarität. 87. 173 Offensichtlich hatte Spinelli die Strategie verfolgt. S. Juni 1984 neu gewählte Europäische Parlament wurde in der dem Verfassungsentwurf beigefügten Entschließung aufgefordert. von der traditionellen Methode des Völkerrechts abzuweichen.74 B. Zur Rechtsstruktur einer Europäischen Verfassung. Hinter der Fassade der gemäßigten Formulierungen. . der den Parlamenten automatisch und zwingend zur Ratifizierung zugeleitet werden musste. die zum Verfassungsentwurf geführt hatte. (3) Verlauf und Ergebnisse der Diskussion Das am 17. Garthe. ihre Ausübung legitimiert und organisiert wird. weil es sich bei dem Vertragsentwurf ja gerade nicht um einen nach völkerrechtlichen Grundsätzen von den Regierungen erarbeiteten Text handelte. um die Haltungen und Standpunkte der nationalen Parlamente zu berücksichtigen. alle geeigneten Kontakte und Treffen mit den nationalen Parlamenten zu organisieren und jede andere dienliche Initiative zu ergreifen. Dementsprechend befürchteten die Regierungen eine „natürliche Koalition der Parlamente gegen die Exekutiven“ 174. 174 M. Dieses Verfahren war erforderlich. Weichenstellung zur Europäischen Union? Der Verfassungsentwurf des Europäischen Parlaments und sein Beitrag zur Überwindung der EG-Krise. 1989. rückte der erforderliche 172 Vgl. begrenzt und zugeordnet. Everling. zu klären. die vertragsimmanente Reformen für vordringlich hielten und denjenigen. S. in: Integration. Sobald die Beteiligten nämlich den „Unterwerfungscharakter der supranationalen Beschlüsse“ erkannten hatten. 173 Die Diskussion. die Fronten zwischen denjenigen. Bereits eine Zwei-Drittel-Mehrheit der EGBevölkerung sollte den Vertrag ratifizieren können. Der Vertrag beinhaltet schließlich einen umfassenden „Zielekatalog“. verbarg sich also nicht die Fortsetzung der alten Gemeinschaft. 172 Insgesamt tritt in dem Verfassungsentwurf des Europäischen Parlaments aus dem Jahr 1984 jedoch der Verfassungscharakter des Vertrages sehr stark hervor.

Ein wesentlicher Grund für die Ablehnung war die Absicht. die Exekutiven der Mitgliedsstaaten möglichst wenig mit einzubeziehen. in: Deutscher Bundestag. staatliche Verfassungsstrukturen auf die europäische Ebene zu übertragen. Denn die Erarbeitung der Grundrechte-Charta und die Vorbereitung der Regierungskonferenz 2004 durch einen mehrheitlich aus Parlamentariern zusammengesetzten Konvent ist auch aus der Einsicht entstanden. Schon daraus. Überstaatlichkeit statt Bürgernähe. 1986. die Union mit einem eigenen Haushaltsrecht zu versehen. 1/1984. 45 ff. konnte entnommen werden. 37 ff. Popovic. der sich der Lektüre des Verfassungsentwurfs unterzieht. 178 Vgl. Wessels.. 176 Zudem: Das Ziel. Weidenfeld / W.II. Weidenfeld / W. Wege zur Europäischen Union: Vom Vertrag zur Verfassung?. Hartleif / V. S. S. 28 ff. das Vetorecht und die bisherige Kompetenzverteilung müsse erhalten bleiben.). dass er aus einem Guss und ohne Scheuklappen formuliert ist. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 75 europäische Konsens in unerreichbare Ferne. Die Reformbilanz der Europäischen Gemeinschaft: ‚Bundesrepublik Europa‘ als Perspektive?.“ Diese Erkenntnis sollte bei der 20 Jahre später stattfindenden Verfassungsdiskussion noch eine wesentliche Rolle spielen. Die Debatte um die Europäische Union – Konzeptionelle Grundlinien und Optionen. demokratischeres. 178 Selbst wenn im Jahre 1986 mit der Einheitlichen Europäischen Akte und dem Vertrag von Maastricht aus dem Jahre 1993 wichtige 175 G. Wege zur Europäischen Union: Vom Vertrag zur Verfassung?. Einleitung. Wessels (Hrsg. zu welchen integrationspolitischen Leistungen und zu welchen konstitutionellen Taten parlamentarisch zusammengesetzte Gremien im Vergleich zu exekutiv zusammengesetzten Organen in der Lage sind.. ein europäischeres. Referat Öffentlichkeitsarbeit (Hrsg. 177 W. 29. 21 ff. Der deutsche Bundestag kritisierte den Entwurf wegen der „Tendenzen zur Auszehrung nationalstaatlicher Finanzautonomie“. 175 So lehnte etwa das dänische Parlament die Spinelli-Initiative mit der Begründung ab.. Fuchs / S. Der Entwurf verfügt über den großen Vorteil. musste auch an der damals unüberbrückbar – heute banal – scheinenden Beobachtung scheitern. 32: „Noch heute ist der Enthusiasmus und die Aufbruchstimmung der Verfassungsväter für denjenigen spürbar. 177 cc) Die Einheitliche Europäische Akte (1986) Trotz der letztlich fehlenden Umsetzung wirkt der Spinelli-Entwurf bis in die heutige Zeit nach. -fortentwicklung zu etablieren. transparenteres und nicht zuletzt effizienteres Verfahren der Vertragsänderung bzw. 176 Vgl. in: W. in: W. 1986. auch M. Weidenfeld. So wurden die Verfassungsbestrebungen des Europäischen Parlaments dem apostrophierten dualen Charakter der Gemeinschaft – supranational und intergouvernemental – nicht gerecht.). Der Weg zum EU-Verfassungskonvent. aber auch aus dem Entwurf des Europäischen Parlaments aus dem Jahr 1994. Bonn. S. 2002. in: Integration. S. dass die Union bereits aus Staaten mit eigenen Verfassungen besteht. S.. 50. . Wessels (Hrsg.). W. 47. Besonders deutlich wird dieses Realisierungsdefizit eben an der (gescheiterten) Strategie des Europäischen Parlaments. Zellentin.

181 Abdruck bei A.76 B. Eine Union wird bereits als Ziel in der Präambel genannt. Herausragende Dokumente von 1930 bis 2000. ins Rollen gebracht hat. 180 Bis zur Umsetzung dieses ehrgeizigen Anspruches in die Wirklichkeit sollte es jedoch noch ein langer und steiniger Weg sein – auch des Interessenabgleichs zwischen dem Europäischen Parlament und den nationalen Parlamenten. Parlamentarische Demokratie in der Europäischen Union. die immerhin zur Gründung der Europäischen Union führten. dass der Verfassungsentwurf den Prozess. Cromme (1987) Bevor die Debatte von 1994 ins Blickfeld rückt. schrittweisen und regierungsseitig zu Stande gekommenen Vertragsergänzung erfolgt sind. Die Verfassungsentwürfe zur Gründung einer Europäischen Union. den Staats.). 179 Zudem hat der Verfassungsentwurf – wie der Entwurf aus dem Jahre 1994 – die trivialen. am 1. im Wege der herkömmlichen. 180 Eine eingehende und umfangreiche – auch empirische – Analyse liefert auch A. aber nicht minder bedeutsamen Funktionen erfüllt. Die zwölf damaligen Mitgliedstaaten unterzeichneten die EEA 1986. (Abdruck bei A. kann doch nicht übersehen werden. Herausragende Dokumente von 1930 bis 2000. Maurer. der zur Unterzeichnung der Einheitlichen Europäischen Akte geführt hatte. II. Einige wesentliche Änderungen der Gemeinschaftsverträge bestanden in einer Verankerung der Europäischen Politischen Zusammenarbeit und des Europäischen Rates. 2001. Cromme entstandene Entwurf eines „Verfassungsvertrages der Gemeinschaft der Vereinigten Europäischen Staaten“ 181 Aufmerksamkeit. Allerdings wurden andere Ziele noch nicht erreicht: Auf das Einstimmigkeitsprinzip wurde noch nicht vollständig verzichtet und die erweiterten Rechte des EP machten dieses noch nicht zu einem „klassischen“ Parlament. Der Beitrag des Europäischen Parlaments und der nationalen Parlamente. Er Die EEA bereitete letztlich die Europäische Union vor. Schäfer (Hrsg. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Vertragsfortentwicklungen. für die 179 .). 200. II. verdient allerdings der auf Eigeninitiative von F. Die Einheitliche Europäische Akte hatte bekanntlich eine nennenswerte Anzahl von Vorschlägen aus dem Spinelli-Entwurf übernommen (und etwa die Stellung des Europäischen Parlaments durch die Einführung des Verfahrens der Zusammenarbeit bei der Rechtsetzung deutlich verbessert). Schäfer (Hrsg.und Regierungschefs wiederkehrend konstitutionelle Desiderata vor Augen zu führen und den Unionsbürgern deutlich zu machen. Vgl. Forschung und Technologie.31. einer Änderung des Beschlussverfahrens des Rates für den Binnenmarkt. Juli 1987 trat sie in Kraft.30). 2002. Die Verfassungsentwürfe zur Gründung einer Europäischen Union. dd) Der Verfassungsvertrag der Gemeinschaft der Vereinigten Europäischen Staaten von F. Eine bedeutungsvolle Etappe auf diesem Weg bildete die Verfassungsdiskussion des Jahres 1994. der Einführung neue Aufgaben in den Bereichen Umweltschutz. dass die Konstitutionalisierung der Europäischen Union und damit ihre zunehmende Demokratisierung und die Erhöhung ihrer Legitimation und Transparenz grundsätzlich nicht am Parlament und seinen Mitgliedern scheitert und auf keinen Fall an den Parlamenten vorbei erfolgen kann.

S. Frankreich befürchtete eine Übermacht des größeren Deutschland. Der Unionsvertrag von Maastricht – Ein schritt auf dem Weg zu einem europäischen Bundesstaat.-J. a. 131 ff. Über die ursprüngliche Wirtschaftsgemeinschaft hinaus wollten die Mitgliedstaaten mit dieser neuen Reformübereinkunft die Integration weiter vorantreiben. Rechtsstaat zwischen Sozialgestaltung und Rechtsschutz. Staat und Demokratie. Deutschland und die Benelux-Staaten begrüßten allerdings den weiteren Schritt hin zu engerer Zusammenarbeit. S. P.. in: JZ 1993. in: B. insgesamt zum Maastrichter Vertrag aus der ausufernden Literatur: P. Fugmann. Huber. der Einstieg in eine Gemeinsame Außen. ee) Der Vertrag von Maastricht (1992) Am 1. Portugal und Griechenland erwarteten mehr Geld aus dem Kohäsionsfonds. Pfennig / F. Blanke. . Zum „Maastricht Urteil“ des BVerfG: R. Recht zwischen Umbruch und Bewahrung. Festschrift für Konrad Redeker. November 1993 ist schließlich der in Maastricht geschlossene Vertrag über die Europäische Union (vom 7. in: EuZW 1994. Maastricht. Die systematische Gliederung wurde für eine zukünftige Europäische Verfassung als vorbildlich gewertet. Das MaastrichtUrteil des Bundesverfassungsgerichts. Spanien. Bernhardt. V.II. 1992) in Kraft getreten. (Hrsg. Lerche.M. Festschrift für R.und Sicherheitspolitik und die engere Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen der Innenpolitik. in: U. Die Europäische Staatlichkeit und die Identität des Grundgesetzes. Großbritannien sträubte sich gegen eine gemeinsame Sozialpolitik. Steinberger. 1993. 182 80er Jahre auch den Verfassungsentwurf von R. Luster / G. in: DÖV 1993.. 2. Er erweiterte zwar die Befugnisse des Europäischen Parlaments (im Vergleich zum Stand der Gemeinschaftsverträge von 1987) wesentlich. Kernpunkte sind die angestrebte Währungsunion. Die vorhergehenden Debatten lieferten ein Musterbeispiel „europäischer Polyphonie“. in: Die Verwaltung 26 (1993). Das MaastrichtUrteil des Bundesverfassungsgerichts. Während die Dänen erst nach einigen Kompromissen in einer zweiten Abstimmung knapp mehrheitlich zustimmten und auch Frankreichs Referendum mit hauchdünner Mehrheit positiv ausfiel. S. Bundesstaat Europäische Union.. 1313 ff. S. erreichte die Mehrheit in Irland 69 Prozent. R. Maastricht – ein Staatsstreich?. Die Europäische Union im Lichte der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes vom 12. eine den „Federalist Papers“ wenigstens nahe kommende intellektuelle Begleitung war in der sich weitgehend spiegelbildlich erweisenden wissenschaftlichen Diskussion nicht erkennbar. Dänemark plante sich von der gemeinsamen Außenpolitik fernzuhalten. Oktober 1993. Pernice. Ein Verfassungsentwurf. Bender (Hrsg. Götz.). 412 ff. normierte aber trotzdem den Rat als zentrales und entscheidungswesentliches Gemeinschaftsorgan. 182 Die zuweilen gezielte Instrumentalisierung von Hoffnungen und Befürchtungen spaltete die öffentliche Meinung. auf dem eben beschriebenen Spinelli-Entwurf (1984) und der Einheitlichen Europäischen Akte und legte Schwerpunkte auf die Kompetenzverteilung zwischen der Europäischen Union und den Mitgliedstaaten sowie auf eine präzise Festlegung der Kompetenzen der Organe. I. S. die Deutschen lehnten den drohenden Verlust der DM zugunsten eines ECU ab. H.). 1081 ff. Die Kontroversen spiegelten sich in drei Volksbefragungen wider. 1988. 1995. S.. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 77 basierte auf den bestehenden Gemeinschaftsverträgen. 329 ff. Vgl. 1993. 449ff. Streinz. Beyerlin u.

Entscheidungen sollten einstimmig getroffen werden.). S. 221 ff. Grabitz. Weltinnenrecht. Die Regierungen erklärten sich aber dazu bereit. Europäische Verfassungslehre. Dabei bleibt der Einfluss bei den Mitgliedstaaten. Dabei sollten auch die vorhandenen Strukturen der Westeuropäischen Union (WEU) genutzt werden. Europäisches Bürgerrecht zwischen Marktbürgerschaft und Staatsbürgerschaft.und Sicherheitspolitik (GASP) zu erarbeiten und zu entwickeln. die hier nur kursorisch wiedergegeben werden sollen: Die erste Säule umfasst den alten EGV und entwickelt ihn weiter. Die Europäische Gemeinschaft auf dem Weg zu einem Europa der Bürger?. Die zweite Säule bezieht sich auf die Außen. S. Die dritte Säule sieht eine Zusammenarbeit in der Innen. Statt von „Wirtschaftsgemeinschaft“ sollte nunmehr von einer „Europäischen Union“ die Rede sein. in: DÖV 1993. 2005. Dazu wurde eine „Unionsbürgerschaft“ 184 eingeführt.. Diese stark Abdruck BGBl. (Hrsg. 12. Agrarmarkt und Handelspolitik traten neue Felder der Integration: eine Währungsunion. 1995. Randelzhofer / R. Randelzhofer. Der Rechtsstatus der Unionsbürger. in Zukunft eine Gemeinsame Außen. zur Bildung eines Regionalausschusses sowie zur beschränkten Stärkung der Rechte des Europäischen Parlaments. Bildung und Sozialpolitik. 47 v. S. einen immer engeren Zusammenschluss der europäischen Völker zu schaffen. Dicke u. S. Siehe bereits E. Vgl.. in: K. Nr. 4. Zu den alten Bereichen Zollunion. S. Wilke (Hrsg. Aufl. Gesundheitswesen. 2006. Verbraucher. a. in: DÖV 1987. Scholz / D. Mit dem Zerfall des Ostblocks und der Öffnung der Grenzen in Europa stellten sich neue Anforderungen an die Zwölfergemeinschaft.und Umweltschutz.). 749 ff. Kampf gegen Drogen und Kriminalität und empfiehlt engere polizeiliche Zusammenarbeit. Der nun gültige Vertragstext 183 ruht auf drei „Säulen“. S. sich gegenseitig abzusprechen und gemeinsame Regelungen zu suchen. Kotalakidis. 1970. Neu aufgenommen wurden die Verpflichtungen zu größerer Bürgernähe.und Einwanderungsfragen.und Sicherheitspolitik. Vor diesem Hintergrund gewann die Gipfelkonferenz im Dezember 1991 in Maastricht entscheidende Bedeutung. aus dem Schrifttum P. wobei die Zuständigkeiten der Europäischen Union in den einzelnen Politikbereichen sehr unterschiedlich ausgestaltet waren. 184 183 . Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Die Gründe für einen neuen Vertrag waren offensichtlich: Bereits in der Präambel des EGV von 1957 ist als Ziel angegeben. in: A. 429 ff. auch M.. 2000. 353 ff. Binnenmarkt. 30. nennt Stichworte wie Asyl. A. Gedächtnisschrift für Eberhard Grabitz. 581 ff. Die Unionsbürgerschaft nach dem Vertrag über die Europäische Union. Degen. Magiera. Auch hier lagen bereits Erfahrungen aus der Zusammenarbeit im Rahmen der „Europäischen Politischen Zusammenarbeit“ (EPZ) vor.. Liber amicorum Jost Delbrück. 1992. S.78 B. Mit der Einheitlichen Europäischen Akte (1986) und der weitgehenden Vollendung des Binnenmarktes (1993) waren erhebliche Fortschritte erreicht.. Häberle. vgl. Marktbürgerschaft – Unionsbürgerschaft – Staatsbürgerschaft. 1254 ff. Von der nationalen Staatsangehörigkeit zur Unionsbürgerschaft.und Justizpolitik vor. N. später ders. Der Vertragstext spricht zurückhaltend davon.

Aufl. Europäische Verfassungslehre. die nach den Umbrüchen von 1989/1990. 431 ff. 4. Doch der Weg. insbesondere P. griffen im Westen Zweifel an einer gemeinsamen Zukunft um sich. 186 Zum Regionalismus in Europa vgl. 2006. ff) Die Verfassungsdiskussion 1994 – der Herman-Bericht (1) Ausgangspunkte der Debatte Bereits im Hinblick auf die Regierungskonferenz zum Maastricht-Vertrag hatte das Europäische Parlament mit den Entschließungen vom 11. Dieser wurde im federführenden institutionellen Ausschuss fortentwickelt. jedoch noch nicht unbedingt stabilisiert. Texte und Materialien. F. S. Auch der offensichtliche Krisenzustand. im Februar 1994 finalisiert und anschließend dem Plenum vorgelegt. Dezember 1990 Leitlinien für einen Verfassungsentwurf vorgelegt. C 61/1994. in dem sich die europäische Wirtschaft. supranational geprägte Säule beinhaltet die Gemeinschaftsverträge. stieß insbesondere in den Parla185 Vgl. Verfassungsentwürfe für die Europäische Union. sondern als völkerrechtliche Einrichtung. abgedruckt auch in: Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union (Hrsg. Juli 1990 und vom 12. den wahrhaft „europäischen Momenten“. mit zahlreichen Nachweisen. Der Vertrag brachte die Gründung der Europäischen Union – nicht als supranationale Konstruktion mit eigener Rechtspersönlichkeit. Nr. dass der Zeitpunkt gekommen war. zeigte. aber für den gesamten – auch rechtsvergleichenden – Kontext notwendige Zusammenfassung lässt kaum etwas ahnen von den überaus komplexen und (nicht nur) für den Laien schwer verständlichen Vertragsformulierungen. befand. 185 Dieser neuerliche Entwurf einer europäischen Verfassung – benannt nach dem Berichterstatter des Institutionellen Ausschusses des Europäischen Parlaments.II. Die Erweiterungspläne der Union auf 16 oder mehr Mitgliedsstaaten und die damit verbundenen Ängste offenbarten die Notwendigkeit eines institutionellen Umbaus der Union im Hinblick auf ihre Organisation und ihre Entscheidungsverfahren. das europäische Aufbauwerk erneut mit „Schwung“ zu versehen. 155. der die Mitgliedstaaten der Gemeinschaften angehören. S. Er wird durch das „Säulenmodell“ veranschaulicht: Die erste. Häberle. Der Zusammenbruch der Sowjetunion und die Wiedervereinigung Deutschlands hatten innerhalb der EG die gelegentlich im Stolpern begriffenen Schritte in Richtung auf eine politische Union beschleunigt. Während nationalistische Kämpfe den Balkan erschütterten. während die zweite und dritte Säule völkerrechtlich ausgerichtet sind. deutlich geworden war. der mit Maastricht beschritten wurde.). 35 (2002). vor allem nach dem Zusammenbruch des EWS. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 79 geraffte. . ABl. Bereits zu dieser Zeit waren Wirtschaft und Politik in Europa immer stärker von der Globalisierung geprägt. 26 ff. Bd. S. gleichzeitig aber gewannen die Regionen Europas 186 zunehmend an Bedeutung. Herman – war gewissermaßen eine von vielen Antworten auf die Erkenntnis neuer Strukturen und einer etwaigen Modernisierung Europas.

. Die Politik der Union betraf immer mehr Lebensbereiche unmittelbar. . Menschenrechte bereits so viele Vorarbeiten geleistet. 205. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung menten nicht zuletzt aufgrund der übermäßigen Komplexität des Vertragswerkes auf unverhohlene Skepsis. nur die Beschlussempfehlung des Sonderausschusses „Europäische Union (Vertrag von Maastricht)“. 188 (2) Grundgedanken des Verfassungsentwurfs des Europäischen Parlaments Im Wesentlichen sollte die „Verfassung“ von 1994 die Ziele der Europäischen Union präzisieren. BT-Drucks. die Einführung eines Zwei-Kammer-Systems (Parlament und Rat). 204 ff. auch T. eines Gesetzgebungsverfahrens sowie die transparente Definition einer Rechtshierarchie.80 B. die Entscheidungsverfahren vereinfachen und veranschaulichen bzw. 187 Nach Maastricht sollte sich auch das Legitimationsproblem intensivieren. 188 Vgl. Obgleich das Europäische Parlament mit dem Mitentscheidungsrecht in einigen Bereichen gestärkt und bei der Einsetzung der Kommission ein Bestätigungsrecht erhielt. Transparenz und demokratische Ausrichtung der Organe verbessern. da Kompetenzen sich von den nationalen Parlamenten zur Kommission.bzw. Ausschüssen und den Exekutiven verlagerten. Weiter versah der Textentwurf den Unionsbürger mit 187 Vgl. Zur künftigen Verfassung der Europäischen Union. Der verwirrende und unverständliche Vertragstext hatte nur mit Mühe die Nagelprobe der Referenden in Dänemark und Frankreich bestanden. S. Die Verfassungsinitiative vom Februar 1994 hatte daher zum Ziel. entzog sich aber zunehmend der demokratischen Kontrolle. Läufer. Die Angst vor einem Souveränitätsverlust spiegelte sich in den knappen Referenden zur Ratifikation des Maastrichter Vertrages wider. die Effizienz. in: Integration. dass im Herman-Entwurf ein separater Menschenrechtekatalog etabliert werden konnte. a. damit neue Impulse für den Fortgang der europäischen Integration gesetzt und ein einheitlicher verfassungsrechtlicher Rahmen geschaffen werden konnten. Zu den wichtigsten Axiomen des Verfassungsentwurfs zählten demzufolge u. Im Hinblick auf die Begrenzungsfunktion hatte das Europäische Parlament bis 1994 auf dem Gebiet der Grund. Schließlich strebte man an. bis Ende der 90er-Jahre endlich Aufschluss über die Finalität der Europäischen Union und ihren Teilnehmerkreis zu erhalten. Als weitere Argumente für den Verfassungsbedarf der Union galten die durch den Maastricht-Vertrag eingeführte Unionsbürgerschaft und die erforderliche Stärkung gemeinsamer Werte sowie die Bildung eines gemeinsamen europäischen Bewusstseins. Darüber hinaus die Abschaffung von Einstimmigkeitsentscheidungen. 2/1994. die zunehmend komplexen EG-Strukturen zu systematisieren. eine stärkere demokratische Legitimierung des Entscheidungsverfahrens gewährleisten sowie die Achtung der Menschenrechte und Grundfreiheiten garantieren. 12/3895. blieben seine gestalterischen und kontrollierenden Kompetenzen eher gering.

Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 81 einer direkten Klagemöglichkeit vor dem EuGH (Art. dass gemäß Art. sowie – ähnlich wie im Ad-hoc-Entwurf – ein Misstrauensvotum gegenüber dem Präsidenten aussprechen können (1984: Art. 25). Der Verfassungsentwurf vermochte einerseits das bisherige EG-System mit einer ganzen Reihe von Elementen anzureichern. Wie im Spinelli-Entwurf fehlte auch 1994 eine genauere Festlegung des Subsidiaritätsprinzips. indem die Richter des EuGH zur Hälfte vom Europäischen Parlament ernannt werden sollten (1984: Art. 29. Im Gegensatz zu 1984 verstand sich das Europäische Parlament 1994 aber nicht als alleinige verfassungsgebende Versammlung. und das Europäische Parlament als Zweite Kammer eine gleichberechtigte Rolle neben dem Ministerrat erhalten bzw. 17 – 24). 44). Zu erheblichen Diskussionen führte die geplante Aufnahme eines Rechts auf Arbeit oder auf Gründung einer Familie in den Grundrechtekatalog. 1994: Art. Die bisherige Aufteilung der Kompetenzen in gemeinschaftliche und intergouvernementale Bereiche blieb zwar bestehen. Unklar blieb. Gleichzeitig sollte aber das politische System der Union weiterhin auf der Grundlage föderaler Strukturen ausgebaut werden. wie eine Verfassungsänderung vor sich gehen sollte. wie es in der Etablierung des Zwei-Kammer-Systems zum Ausdruck kam. konnte aber durch das Verfahren der Verfassungsänderung überwunden werden. Allerdings wies der Verfassungsentwurf nicht unerhebliche Defizite auf.II. Es erschien denkbar. und der Verstoß eines Mitgliedsstaates gegen Menschenrechte sollte von Rat und Parlament sanktionierbar sein (Art. 42). sondern betonte stärker die doppelte Legitimitätsgrundlage der Europäischen Union: laut der Entschließung zur Verfassung sollte ein „Verfassungskonvent“ aus nationalen und europäischen Parlamentsabgeordneten. wonach lediglich eine Zweidrittelmehrheit im Europäischen Parlament nötig wäre. Auch die Judikative sollte stärker demokratisch legitimiert werden. 22 III). 31 ein „Verfassungsgesetz“ gemeint war. die auf eine künftige Staatlichkeit der Union wenigstens hinzudeuten wussten. Beispielhaft seien etwa das Fehlen einer klaren Aufteilung und Benennung der Zuständigkeiten sowie unklare Integrationsziele genannt. wesentlich gestrafft zu sein und damit allen Anforderungen an Transparenz und Klarheit . Das Europäische Parlament sollte das Programm des Kommissionspräsidenten billigen. Wie im Entwurf von 1984 nahm die Legitimationsfunktion eine zentrale Stellung ein. der Zivilgesellschaft und den Regierungsvertretern auf Grundlage des Entwurfs eine endgültige Version ausarbeiten (Art. 38). 30. 2). Ebenso das damals bereits erwogene Prinzip der doppelten Mehrheit bei Abstimmungen im Ministerrat. das Mitentscheidungsrecht auf alle Verfahren ausgeweitet werden (1984: Art. 1994: Art. Die Legitimität der Legislative sollte durch eine echte Beteiligung der gewählten Volksvertreter gewährleistet sein. 1994: Art. Mit seinen nur 47 Artikeln erweckte der Entwurf den Eindruck. 37.und Sicherheitspolitik sollte zudem schon nach fünf Jahren mit qualifizierter Mehrheit im Rat entschieden werden (Art. Über die Kompetenzen in der Außen.

189 Dabei enthielt der zweite Entwurf bereits weniger ehrgeizige Ziele als ursprünglich festgelegt.). 129 der Geschäftsordnung des Europäischen Parlaments an den Institutionellen Ausschuss zurück überwiesen. ausführlich: M. einen zweiten Entwurf vorzulegen. 21 ff. 2002. . Februar 1994 und wurde angesichts der fehlenden Sachdebatte von einigen Abgeordneten als Farce bezeichnet. 36 ff. Der Weg zum EUVerfassungskonvent. zu einer mehrheitsfähigen Fassung des Verfassungsentwurfs zu kommen.und Regelungskraft einer europäischen Verfassung entgegenkam noch inhaltlich den aktuellen Stand der politischen Diskussion widerspiegelte. mit der Begründung. Mit der Entschließung erging jedoch die Forderung an das aus der vierten Direktwahl hervorgehende Parlament. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung gerecht zu werden. Dezember 1993 hatte der Institutionelle Ausschuss den ersten. die Verfassungsgrundlagen der Europäischen Union zu verdeutlichen. Februar gemäß Art. in: Deutscher Bundestag. Februar 1994 wies das Europäische Parlament mit einer Mehrheit von 155 Stimmen für die Entschließung bei 46 Stimmenthaltungen und 87 Gegenstimmen (von insgesamt 518 Mitgliedern des Europäischen Parlaments) den bereits zweiten Entwurf an den Institutionellen Ausschuss zurück. diese Arbeiten 189 Zum Verlauf der Diskussion vgl. Die spürbare Zurückhaltung lag wohl vor allem daran. Die Behandlung des Dokuments erfolgte in der Plenarsitzung vom 9. a. Dies lag unter anderem daran. u. Popovic. Am 10. In der kontrovers geführten Aussprache wurde zwar das Ziel. dass der Entwurf weder dem neuen Erwartungshorizont an die Wertentscheidungs. so beschränkte sie sich dennoch (anders als die Debatte um den Maastricht-Vertrag) auf einen relativ kleinen Zirkel von Fachleuten und Politikern. (3) Verlauf und Ergebnisse der Diskussion Anders als 1984 verfügte das Europäische Parlament 1994 über keine eindeutige Strategie zur Durchsetzung des Verfassungsentwurfs. Teilweise wurde bemängelt. Referat Öffentlichkeitsarbeit (Hrsg. In seiner Sitzung am 2. Fuchs / S. Der Institutionelle Ausschuss prüfte seinen Entwurf erneut in seiner Sitzung vom 9. Der Entwurf wurde am 9. dem Entwurf fehle es an einer schlüssigen Vision. Allerdings konnte die geringe Anzahl von Artikeln nur durch den fast vollständigen Verzicht auf eine nähere Kompetenzbeschreibung der Union sowie durch die Verschiebung des Katalogs der Menschenrechte in den abschließenden Schlusstitel VIII erreicht werden. In der gleichen Sitzung nahm er den entsprechenden Entschließungsantrag an und reichte den Text dem Plenum ein. Dennoch standen viele dem Text eher skeptisch gegenüber. Die Diskussion konzentrierte sich zu stark auf institutionelle Reformen und schwierig zu lösende Legitimationsfragen. Hartleif / V.. / 3.82 B. Einleitung. In dieser Hinsicht stand der Verfassungsentwurf von 1994 der Verfassung der Vereinigten Staaten am nächsten. Die Verweise auf den „gemeinsamen Besitzstand“ der bisherigen Verträge standen mit dem Gebot der Transparenz nur bedingt im Einklang. Februar und beschloss. S. generell akzeptiert. so genannten Herman-Entwurf einer Verfassung angenommen. Auch wenn sich die wichtigsten politischen Akteure im Europäischen Parlament an der Debatte beteiligten. dass es kurz vor der Europawahl und der Auflösung des Parlaments nicht ausreichend Zeit gebe. dass der Entwurf auch in den eigenen Reihen umstritten war. die über die bestehenden Vertragsgrundlagen hinaus reiche.

190 . S.“ 191 Es bleibt festzuhalten.II. dass bereits in der Entschließung des Europäischen Parlaments vom 10. Dennoch zeigt das Schicksal des Entwurfs. sondern diesen einen Verfassungsrahmen zu geben. dass der Entwurf von 1994 nicht das Ziel hatte. Transparenz und demokratische Ausrichtung zu verdeutlichen“. 256 ff. F. insbesondere bei der Regierungskonferenz 1996. aber auch zu beweisen. an die Stelle der bestehenden Verträge zu treten. Bieber bezeichnete die Verfassungsdebatte als „integralen Bestandteil der institutionellen Dynamik“ der europäischen Einigung: Die beiden Entwürfe von 1984 und 1994 sahen explizit keine völlige Neugründung der EG bzw. für die breitestmögliche Verbreitung des Entwurfs zu sorgen. Februar 1994 vorgeschlagen wurde. Es wird gelegentlich übersehen. klar. dass die Verfassungsentwürfe von 1984 und 1994 nicht folgenlos blieben. sowie Menschenrechte und Grundfreiheiten zu gewährleisten. Der Verfassungsentwurf des Institutionellen Ausschusses des europäischen Parlaments von 1994. EU vor. 190 Mit seinem Text ist es dem Institutionellen Ausschuss gelungen. Cromme (1995). ebenda. dass sich die Europäische Union in allgemein verständlicher Form organisieren ließe. in: ZfG 1995 (3). das Europäisches Wirtschaftssystem und EPZ gebildet werden. inspirierenden Sinne die Funktion „symbolischer Politik“ 192 erfüllten. wie die Befugnisse der Europäischen Union aufgebaut und verteilt werden könnten. Die 1984 zu gründende „Europäische Union“ sollte lediglich als Dach für die EG. die in den darauf folgenden Jahren. geführt werden sollte. 1994 rückte das Ziel in den Vordergrund. F. R. Cromme. So sollte eine breitere Basis für die Ausarbeitung einer Verfassung für die Europäische Union vorgefunden werden. dem technokratischen Geflecht der weiter geltenden Verträge einen verfassungsrechtlichen Rahmen zu geben. Damit war die öffentliche Auseinandersetzung angestoßen und ein Signal vom Europäischen Parlament gesetzt. Zugleich beauftragte das Europäische Parlament seinen Präsidenten. 191 Vgl. kurz und prägnant darzulegen. der auf der Grundlage eines im Europäischen Parlament vorzulegenden Verfassungsentwurfs Leitlinien für die Verfassung der Europäischen Union verabschiedet und dem Europäischen Parlament den Auftrag zur Ausarbeitung eines endgültigen Entwurfs erteilt. deren Ziele zu präzisieren und „Effizienz. 257. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 83 zu einem Entwurf der Verfassung der Europäischen Union unter Berücksichtigung der Beiträge der nationalen Parlamente und der Öffentlichkeit fortzusetzen. sich auch nur ansatzweise die Verfassunggebung aus der Hand nehmen zu lassen. Insgesamt stellte der noch nicht ausgereifte Entwurf durchaus eine solide Ausgangsbasis für die Diskussion dar.. als dies bis dahin der Fall gewesen war. dass „vor der für 1996 vorgesehenen Regierungskonferenz ein europäischer Verfassungskonvent aus Abgeordneten des Europäischen Parlaments und der Parlamente der Mitgliedsstaaten der Union zusammentritt. auch wenn es sich selbst noch nicht auf eine konkrete Verfassungsperspektive festgelegt hatte. sondern im positiven. Bemerkenswert ist allerdings. vgl. dass die Mitgliedsstaaten noch nicht bereit waren. der über seine Symbolkraft hinaus auch Erneuerungen von großer Tragweite bringen sollte.

2001. 195 Ausführlich zum Vertrag von Amsterdam: M. 1986. Der Vertrag von Amsterdam. in: DVBl. Mai 1999 in Kraft. Rupp. Wildenmann.K.. 545 ff. Der Vertrag von Amsterdam. S. in: EuZW 1998. Zellentin. Schäfer (Hrsg.. S.). U. 193 Vgl. Riedel. (Hrsg. Staatswerdung Europas? Optionen für eine Europäische Union. 48. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung als Gegengewichte zur Politik der kleinen. auch W. H. in: JZ 1998. 137 ff. 705 ff. Staatswerdung Europas? Politikwissenschaftliche Überlegungen nach Maastricht. Herausragende Dokumente von 1930 bis 2000. 37 ff. Oktober 1997 unterzeichnet und trat nach Abschluss der Ratifizierungsverfahren in den Mitgliedstaaten am 1. in: R. Baden-Baden 1991. Eine konstitutionelle Neugründung wurde darüber hinaus als Antwort auf die Frage „quo vadis Europa?“ Zu dieser Bezeichnung siehe auch G. S. pragmatischen Schritte dienten sie als Orientierungs. S. h. Hecker. Die Debatte um die Europäische Union – Konzeptionelle Grundlinien und Optionen. Baden-Baden. Der Vertrag von Amsterdam im Lichte der Maastricht-Entscheidung des BVerfG. Die Verfassungsentwürfe zur Gründung einer Europäischen Union. die Kompetenzverteilung zwischen EU-Institutionen und Mitgliedsstaaten. 393 ff. 194 Abdruck bei A. Eine wesentliche Neuerung war die Verankerung des „Europas der mehreren Geschwindigkeiten“. das demokratische Defizit und die fehlende Identifizierung des Bürgers mit Brüssel. N.H. J.. 938 ff. S. Verfassungsentwicklung und Verfassungsgebung in der Europäischen Gemeinschaft. S. 66. 1993. Der Amsterdamer Vertrag 194 wurde am 2. S. an denen „die politischen und gesellschaftlichen Kräfte ihre Erwartungen und Befürchtungen ausrichten konnten“. Wessels (Hrsg. Wege zur Europäischen Union: Vom Vertrag zur Verfassung?. S. Bonn. in: W. 403.. Weidenfeld / W. Wessels.). Hrbek (Hrsg.. eine Regelung über die Flexibilität der Union.. in: R. Sie ermöglicht eine individuelle engere Zusammenarbeit zwischen Mitgliedstaaten unter genannten Voraussetzungen und unter Nutzung der gemeinschaftlichen Organe und Verfahren. in: BayVBl 1998. Souveränitätswahrung durch Einstimmigkeit im Rat: Der Conseil Constitutionnel zum Vertrag von Amsterdam. 942 ff. 1998. S..37. 195 hh) Verfassungsbemühungen um die Jahrtausendwende In der Konstitutionalisierungsdebatte um die Jahrtausendwende finden sich viele der den bisherigen Entwürfen innewohnenden Argumentationslinien wieder. bereits 1991 R. 192 . in: NJW 1998. Hilf / E.).).und Kristallisationspunkt. vgl. Ausschaltung des Bundesverfassungsgerichts durch den Amsterdamer Vertrag?. Der Vertrag von Amsterdam und die institutionelle Reform der Europäischen Union. 193 gg) Der Vertrag von Amsterdam (1997) Eine weitere Revision der Gemeinschaftsverträge führte die stufenweise Integration der Unionsbürger nochmals voran. 41 ff. Erneut versprach man sich von einer europäischen Verfassung die Lösung struktureller und substanzieller Probleme wie die mangelnde Handlungsfähigkeit der EU-Organe (insbesondere nach der Osterweiterung). 213 ff.84 B. R. Bieber. in: JZ 1998. Streinz. Pache. Karpenstein. II. Der Vertrag von Maastricht in der wissenschaftlichen Kontroverse. d..

II. S.R. 1996. Szczypiorski. 1990. Die Schwerpunkte der deutschen Ratspräsidentschaft. J. Oktober 1999 schlug ein Expertenkomitee unter der Ägide von R. Im ersten Teil würde der konstitutionelle Gehalt dargestellt. Marhold (Hrsg. Schäuble. Enzensberger. als Mittel.hu-berlin. Morin. Schäuble und der außenpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion K.de/linguapolis/ConsIV98-99 /Cons98-99. die europäischen Verträge zu teilen. aber auch H. Regierungserklärung: Die Einheit Europas – Chance und Aufgabe für Baden-Württemberg und Deutschland. 2001. Auf dem Wege zu einer europäischen Verfassung – Wechselwirkungen zwischen europäischem und nationalem Verfassungsrecht. der europäischen Einigung eine neue Vision zu geben und damit auch die – damals von vielen bereits als erschöpft bezeichnete – Erörterung der Ungewissheit ihrer Finalität zu beantworten 196. Bevor Fischer zum Ende der deutschen Ratspräsidentschaft erneut vor dem Europäischen Parlament am 21. S. dazu Süddeutsche Zeitung. Rede vor dem EP in Straßburg. den Beschluss des 12. K. E. Dehaene und dem früheren britischen Minister Lord Simon of Highbury vor. Januar 1999 vor dem Europäischen Parlament. vgl. bürgernahes Europa“. Lamers. 2005. 197 Vgl. Reid. Schon nach dem Beschluss über die Währungsunion im Jahr 1998 hatten Juristen und einzelne Politiker den Gedanke einer europäischen Verfassung verstärkt aufgegriffen. E. J. 1999. April 1999 (dazu auch J. Europa braucht einen Verfassungsvertrag. 197 Mit der deutschen Ratspräsidentschaft der Europäischen Union bestätigte nun erstmals die Regierung eines Mitgliedsstaates diesen Gedanken. Leitbilder für das Europa der Zukunft. vgl. Fischer. 2004. 200 Am 18. Juli 1999 an diese Formulierungen anknüpfte. dass sich nach Maastricht und Amsterdam die Frage nach einer europäischen Verfassung viel eher stellen würde. 199 Auf Länderebene forderte der Ministerpräsident Baden-Württembergs E.htm. im zweiten die detaillierten Bestimmungen aufgelistet. Außenminister J.M. Penser l’Europe. 1990. . Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 85 gesehen. T. Teufel. 1999. 200 Vgl. einen europäischen Verfassungsvertrag“. in: DVBl 1999. August 1998. nur den wenig bekannten Vorschlag der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Juristen. Rifkin. 4: „Wie wär’s mit einem Brüsseler Grundgesetz?“. Parteitages 1999 in Erfurt: „Europa muss man richtig machen“ sowie W. Lamers in Anknüpfung an ihr Papier von 1994 ein Strategiepapier zu einem „europäischen Verfassungsvertrag“ vor. hatte das Thema bereits zunehmende Bedeutung erlangt. A. 198 Vgl. The European Dream. Essays und Reden. Europa ist unterwegs. Am 3. 28. Europa!. 1677 ff. 201 196 Die wiederkehrende Diskussion um die Finalität Europas widerspiegeln exemplarisch die Beiträge im Sammelband von H. Teufel eine „europäische Charta. Mai 1999 stellten der damalige CDU-Vorsitzende W.). 198 Auf ihrem Parteitag in Erfurt im April 1999 forderte die CDU einen europäischen „Verfassungsvertrag“ für ein „werteorientiertes. Schwarze. Ach.5. abrufbar unter www2. Fischer konstatierte am 12. Die neue Europadebatte..-L. dem ehemaligen belgischen Premierminister J. Eine Diskussion über die Verfasstheit Europas werde neue Impulse für die Integration bringen und wichtige Zukunftsfragen klären. von Weizsäcker. 10. 1679). The United States Of Europe: The New Superpower and the End of American Supremacy. in FAZ vom 4. 199 Vgl.

2000. 18. S. France-Allemagne: difficiles relations entre PS et SPD. in: Le Monde vom 4. Chancen und Herausforderungen der EU-Erweiterung“. Kwasniewski 206 und schließlich der gemeinsame Artikel von G. vom 28. 2000.86 B. Toubon / A. der an der Konstitutionalisierung der EU mitwirken und eine groß angelegte Verfassungsdebatte in Gang bringen sollte. Aufl. 2000. Häberles (Europäische Verfassungslehre. Dehaene / L. 2006. Fischer. Juppé. auch ders.und Sicherheitspolitik vom 13.. Rau. 4. Kwasniewski. Amato 207. 4) aus. Vom Staatenverbund zur Föderation. September 1999. Védrine auf die Rede von J. 600 ff. Weizsäcker / J. Entwurf der französischen UDF: „Projet pour une Constitution de l’Union Européenne“. Fischer vor der Humboldt-Universität 203. 11.Une Constitition pour l’Europe. Schröder/ G. Gedanken über die Finalität der europäischen Integration. in: FAZ vom 4. Ferner haben bis Ende 2000 verschiedene europäische Parteien Verfassungsentwürfe 208 201 R. 206 A. Kommissionspräsident R. a. 2000. 1999. das der Idee zustimmte. vgl. Press Release: Founding of an Intergroup „European Constitution“. Beschluss des Bundesfachausschusses Außen. Weil es uns Ernst ist mit der Zukunft Europas. in: FAZ vom 8. European Parliament. Straßburg.5. von J.udf-europe . sozialistischer Seite bis dahin keine Entwürfe vorlagen. 205 T. Simon of Highbury. Allenfalls kann bis zu diesem Zeitpunkt auf den Antwortbrief von H. Schröder und G. Wir brauchen eine europäische Verfassung. 2000 (abrufbar u.html. a. v.uk/busch/data/blair_warsaw. 11. 2000. Positionspapier der CDU / CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag: „Europa vereinigen. 126 ff. 429 ff. in: Le Monde vom 7. 1999. in: FAZ. S. 21.. in: DÖV 11/2003. vgl.mic-fr. H. 149 ff.jsp?path=/notreprojet/projet_constitution. S. Blair. in: FAZ vom 4. November 1999 mit dem Europäischen Parlament. Die Quelle der Legitimation deutlich machen. Der Weg zur Politischen Union. abgedruckt u. sowie W. 204 Abgedruckt in: IP. 6. S. Warschau 6. 202 J. ders. Schäuble. Nr. 12. vgl.xhtml). 12. Fischer . Europa vor der Krise?. Leinen (SPD) ein Ausschuss „Europäische Verfassung“ gebildet. Oktober 1999. 16. 11. 9. 39. Amato. Oktober 2000 (vgl. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Im Vorfeld von Nizza ist die Diskussion über eine europäische Verfassung durch verschiedene Diskussionsbeiträge und vorgelegte Verfassungsentwürfe erneut angereichert worden. Speech to the Polish Stock Exchange. 8/2000. in: FAZ vom 2. warum von sozialdemokratischer bzw. 11... 203 J. Constitution de l’Union Européenne.) verweisend: Entwurf der französischen Neogaullisten (RPR) J. 207 G. Rede vor der Humboldt-Universität Berlin am 12. Rau. unter www. Zu den Gründen. 9. 202 ferner die Reden von J. abrufbar unter users. Chirac vor dem Deutschen Bundestag 204 und von T. 208 Lediglich beispielhaft und auf die ergänzende Darstellung P.-L.ac. Hervorzuheben sind im Wesentlichen die verschiedenen Beiträge von Bundespräsident J. Dieser Vorschlag löste eine Reihe von neuen Forderungen aus.ox. in: Die Welt vom 15. Bundespräsident J. The Institutional Implications of Enlargement. 1999. Prodi debattierte die Zweiteilung der Verträge am 10. Die Herausforderungen des europäischen Juristen vor den Aufgaben unserer Verfassungs-Zukunft: 16 Entwürfe auf dem Prüfstand. Oktober 2000. Rau sprach sich für eine „föderale Verfassung Europas“ („Die Quelle der Legitimität deutlich machen“. 6. Contribution à une réflexion sur les institutions futures de l’Europe. Blair in Warschau 205 Ebenso zu nennen sind der Beitrag von A. Inzwischen hatte sich im Europäischen Parlament unter dem Vorsitz des deutschen MdEP J. www. 2000. ders. 2000.org/proposition-mic-ce.net/main/visu_doc. de Bresson. S. in: integration 2000. Report to the European Commission.rtf).

Bd. Texte und Materialien. . 2001. September 2000. 210 Vorgelegt vom Europäischen Hochschulinstitut. das – im Sinne einer „Verfassung“ – mit einer noch auszuarbeitenden Grundrechtecharta eine Einheit bilden sollte.-P. Der Vorschlag sah eine Zweiteilung vor. Auf die vorangegangene Betrachtung der amerikanischen Verfassungsgeschichte und die Bedeutung der „Bill of Rights“ sei an dieser Stelle erinnert. vgl. ii) Konstitutionelle „Morgendämmerung“ in Europa – die Grundrechtecharta Insgesamt verstand man es. 212 Abgedruckt ebenda. Und auf einer Konferenz in Berlin im Januar 2001 hat Schröder den Appell für eine europäische Verfassung prononciert wiederholt.1. 8/2000. Verfassungsentwürfe für die Europäische Union. 14. dazu etwa Financial Times vom 20. Die Kommission beabsichtigte. wobei der erste Teil grundsätzliche Bestimmungen (d. Den Unionsbürgern sollte das Primärrecht in vereinfachter und gestraffter Form zugänglich gemacht werden. 213 Zitiert nach Die Welt. neu zu gruppieren. verwiesen werden. bzw. Die auf dem Gipfel von Nizza im Dezember 2000 proklamierte Grundrechtecharta bezeichnete der Vorsitzende des Grundrechtskonvents R. die Substanz der bestehenden Verträge weitgehend zu erhalten und nur zusammenzufassen bzw. Nicht nur deshalb bedarf es im Rahmen einer entstehungsgeschichtlichen Betrachtung europäischer Konstitutionalisierung einer kurzen Betrachtung jener Grundrechtecharta. dessen Inhalte schließlich den Vertrag über die Gründung der Europäischen Union ersetzen sollten. S. 2000. S. 35 (2002). Diesem Vorschlag zum Teil frappierend ähnlich kürzte und vereinfachte die Bertelsmann Forschungsgruppe Politik den Basisvertrag und veröffentlichte (ebenfalls) im Mai 2000 ihren Entwurf eines Grundvertrages für die Europäische Union. Herzog schlägt Volksabstimmung über EU-Verfassung vor. in: Die Welt.). Robert Schuman Centre for Advanced Studies. Herzog als „einen Teil einer Verfassung von morgen“ 213. IP. 211 Abgedruckt in Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union (Hrsg. 209 Vgl. gleichwohl ausdruckstarken Schritten aus dem Schatten inhaltsleerer Rhetorik herauszutreten. 5. 13. Chevènement. S. 6. Mai 2000.. 108 ff. / 21. mit kleinen. mit dem vorgelegten Basisvertrag 211 ein Symbol für die Einheit Europas und die Integration zu schaffen.II. Der im Mai 2000 vorgelegte Entwurf sah vor. Der Text 212 entspricht in seinem einfachen Aufbau eher der Forderung nach einem übersichtlichen und für den Bürger verständlichen Grundsatzvertrag. eine „Staatsverfassung“) und der zweite Teil die Ausführungsregelungen enthielt. h. 209 Auch die Kommission hatte eine europäische Forschungsgruppe 210 mit der Ausarbeitung eines Entwurfs beauftragt. auf das Streitgespräch zwischen Fischer und J. in: Die Zeit vom 21. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 87 oder zumindest Positionspapiere zur künftigen Entwicklung Europas vorgelegt.

Herzog seine Arbeit auf. Die Entscheidung zur Grundrechtscharta fiel unter dem Eindruck des Inkrafttretens des Amsterdamer Vertrags im Mai 1999: Der Vertrag institutionalisierte zwar neue Grundrechte und intensivierte den Grundrechtsschutz. 216 Freilich gab es bereits verschiedene Expertengremien zur Ausarbeitung von Vertragstexten. der nationalen Parlamente. 04. und am 17. Erstmalig sollten die Parlamente schon bei der Entstehung einer Vertragsänderung als Vermittler demokratischer Legitimation und Multiplikatoren in die politische Mitverantwortung genommen werden.] wissenschaftlicher und politischer Arbeitsgruppen in unterschiedlichen Mitgliedsstaaten [. „auf der Grundlage der zahlreichen Vorarbeiten [. 3. Juni 1999 in Köln. in: ZfR 3/1999. auch H. und 4.eu. Schlussfolgerungen des Vorsitzes. etwa die gemeinsame Erklärung der EG-Organe vom 05. Oktober 1999 beschloss der Europäische Rat von Tampere die Zusammensetzung eines „Konvents“ 216. Dezember 1999 nahm dieses Gremium aus Vertretern der nationalen Regierungen.. 04. die Erklärung des Europäischen Parlaments über Grundrechte und Grundfreiheiten vom 12. vgl.. welcher die Charta ausarbeiten sollte. 205.. S. blieb aber ohne Systematisierung dieser Rechte. 34 ff. Dix. 3. Während der folgenden finnischen Ratspräsidentschaft in der zweiten Hälfte des Jahres blieb die Grundrechtecharta auf der Agenda. Neu war die gleichberechtigte Teilnahme von gewählten Volksvertretern.. 215 Siehe Europäischer Rat in Köln. ein Gutachten über die institutionellen Auswirkungen der EUOsterweiterung zu erstellen. 218 ABl. S.. deren Verhandlungen nach dem Entschluss des Kölner Rates bereits mit Beginn der Regierungskonferenz im Februar 2000 aufgenommen werden sollten. Grundrechtecharta und Konvent – auf neuen Wegen zur Reform der EU?. Schwerpunkte der Rechtspolitik in der neuen Legislaturperiode. Schlussfolgerungen des Vorsitzes. der drei Gemeinschaften. . 1989 219 und den Grundrechtsteil im 214 Europäischer Rat in Köln. Vgl. die bis dato auf Beratung und auf nachträgliche Zustimmung beschränkt waren. in: Integration 1/2001. des Europäische Parlament und der Zivilgesellschaft unter Vorsitz von R.] die heute schon geltenden Grundrechte [zu] systematisieren. sowie vieler [.htm. und 16. 217 (1) Die Sachlage vor dem Herzog-Konvent Zum Zeitpunkt der Einsetzung des „Konvents“ existierte noch kein eigener Grundrechtskatalog der Europäischen Union bzw. Der Beschluss sah vor. 1977 218. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Auf Initiative der deutschen Ratspräsidentschaft beschloss der Europäische Rat am 4. Juni 1999. Juni 1999. September 1999 eine Reflexionsgruppe.. Vgl.88 B. Prodi am 1. des Europäischen Parlaments. dass „im gegenwärtigen Entwicklungszustand der Europäischen Union die auf der Ebene der Union geltenden Grundrechte in einer Charta zusammengefasst und dadurch sichtbarer gemacht werden sollten“ 214. in einem Dokument zusammenzufassen und inhaltlich [zu] erweitern“ 215.. 79 ff. Es gab zwar Bestrebungen in dieser Hinsicht. Am 15.int/council/off/conclu/june99/june99_de. ebenda. auch W. europa.] der EU-Kommission. Däubler-Gmelin. 84. 1977 C 103/1 219 Abgedruckt in EuGRZ 1989. und 4. 217 Zudem beauftragte der neue Kommissionspräsident R.

EuGH Slg. F Abs. T. EuGRZ 1997. 1985. a. Kokott. 3289 f. Dreier. 22 m. 1974. Slg. in: ders. 1975. Staebe. dass bei der Auslegung des Grundgesetzes Inhalt und Entwicklungsstand der EMRK zu berücksichtigen sind. teilweise aus (ungeschriebenen) allgemeinen Rechtsgrundsätzen im Range von primärem Gemeinschaftsrecht. wie sie in der EMRK gewährleistet sind und wie sie sich aus den gemeinsamen Verfassungsüberlieferungen der Mitgliedstaaten als allgemeine Rechtsgrundsätze ergeben“. Slg. Art. 25f. S. I Abs. Übersicht bei J. 953)). in: AöR 1996.91. 1 (Art. Konkurrenz oder Ergänzung?. Entscheidungen der EKMR oder des EGMR. 491 („Nold“). S. ebenda). 1125 („Handelsgesellschaft“). E.w. 108 („Feuerwehrabgabe“). Vor der Europäischen Grundrechtecharta wurden europäische Grundrechte deshalb hauptsächlich aus den Rechten der EMRK 221 sowie aus den so genannten „Gemeinschaftsgrundrechten“ 222 abgeleitet. in: EuGRZ 1995. u. 221 Die EMRK (mit Zusatzprotokollen) ist im Wesentlichen von allen Mitgliedstaaten der EU ratifiziert worden und damit verbindlich. 83ff („Kranzow“). N. 220 Außerdem ist auf Art. S. 222 Die „Gemeinschafts-Grundrechte“ ergeben sich teilweise (ausdrücklich) aus dem primären Gemeinschaftsrecht. der Europäischen Kommission für Menschenrechte (EKMR) und des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) zu beachten (BVerfG. N. 387 ff. 02.3. P. auch C. wonach „die Union die Grundrechte. Ein Grundrechtskatalog für die Europäische Gemeinschaft. in: JA 1996. (Hrsg. des BVerfG. EG-Grundrechtsschutz gegenüber Maßnahmen der Mitgliedstaaten. 419 (425) („Stauder“) – unter Berufung auf Art 164.. Der Grundrechtsschutz im europäischen Gemeinschaftsrecht. Rdnr.. Sächs.). Sächs. 1. 273 (275). 2 EGV. Pipkorn / J.w. Schlünder. Die Europäische Union. Verfassungsrechtlicher und internationaler Schutz der Menschenrechte. VerfGH LKV 1996. 1997). in: EuGRZ 1994. 1969. vor Art. Zur streitigen Bindungswirkung von Urteilen des EGMR für das BVerfG vgl. vgl. 2004. 1991 I. Bundesverfassungsgericht versus Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte. auf die Rspr. 1981. speziell der EMRK in der Auslegung ihrer Organe. Auflage 1993. 2 S. Die europäische Menschenrechtskonvention und ihre Bedeutung für die Rechtsordnung der Bundesrepublik Deutschland. Die materielle Kompetenz des EuGH zur Entwicklung der „Gemeinschaftsgrundrechte“ ergibt sich aus Art. m. 06.. 2. in: AöR 1996. Jürgensen / I. Zur Bindungswirkung von Urteilen des EuGH vgl. N. in Deutschland hat die EMRK wegen Art. 599 ff. 59 Abs. Beutler / Bieber / J. 24 (27). 1191 (1215). vgl. 719 (747) und statt vieler B. 1994. VerfGH (1996). Gesetze über die Konvention (BGBl. Abgeleitet werden diese „allgemeinen Rechtsgrundsätze“ aus den gemeinsamen Verfassungsüberlieferungen der Mitgliedstaaten sowie aus den von den Mitgliedstaaten abgeschlossenen völkerrechtlichen Menschenrechtsverträgen.II. vgl. Art 53 EMRK und EuGH. 4. . Kirchhof. 1 –19).w. 7. nur H. S. BVerfGE 92. B. 164 EGV. 1952 II 685. achtet.3. Grundgesetz-Kommentar. NJW 1987. 200 ff. 2 EUV (Erweiterung durch Amsterdamer Vertrag vom 16. 2925 („Elliniki“). Bleckmann. Bd. 16 ff. in: NJW 1997. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 89 bereits oben benannten Verfassungsentwurf des Europäischen Parlamentes vom 14. Außerdem ist auch die Rspr. S. und Lehre anerkannt. Zum EG-Grundrechtsschutz vgl. z. 1219 (1232) („Rutili“).. Aufl.O. 75 ff. Trotz des formell niederen Rangs der EMRK im Vergleich zum Grundgesetz ist heute in Rspr. 1 GG den Rang eines einfachen Bundesgesetzes (zur „Gesetzeskraft“ vgl. EuGH Slg. Rdn. S. 220 Vgl. Lenz. 215 Abs. Siehe auch EuGH Slg. Slg. 1970. 81 m.7. Streil. 2 EUV hinzuweisen. A.

und Regierungschefs. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Es ließen sich letztlich vier Argumente herauskristallisieren. die es bislang nicht ausreichend gab. Darin lässt sich auch schon im geltenden Unionsrecht ein föderatives Element erkennen. 375 ff. 6 Abs. 2 EUV). Allerdings gibt es einen wesentlichen Unterschied: Während das Grundgesetz wie die meisten staatlichen Verfassungen die Grundrechte detailliert regelt.w. 30 Mitgliedern der nationalen Parlamente – zwei aus jedem Mitgliedstaat – sowie einem Beauftragten des Präsidenten der Europäischen Kommission bestehen. wie sie in der EMRK gewährleistet sind und wie sie sich aus den gemeinsamen Verfassungsüberlieferungen der Mitgliedstaaten als allgemeine Grundsätze des Unionsrechts ergeben (vgl. Das BVerfG hat ausdrücklich anerkannt. m.und schutzlos ausgeliefert zu sein. findet sich in Art. klarer zu machen. zu alledem mit weiteren Nachweisen zu den relevanten Etscheidungen des EuGH und des BVerfG N. in: ZRP 2000. Grundrechtecharta und Konvent – auf neuen Wegen zur Reform der EU?. Einzelheiten seines Verfahrens und der Auslegung seines Mandats 223 Anerkanntermaßen gewährleistet die Rechtsprechung des EuGH in Luxemburg seit Jahrzehnten weitgehenden Schutz gegen die Hoheitsgewalt der Union. dass der EuGH einen dem Grundgesetz im Wesentlichen vergleichbaren Grundrechtschutz gewährleistet. S. 224 Zu Verfahren. soweit sie Unionsrecht anwenden und umsetzen. Dix. Der Gerichtshof prüft die Rechtsakte der Europäischen Union auf ihre Vereinbarkeit mit den Grundrechten. zumal in dem gemeinsamen Rechtsraum der Union mehr als 27 verschiedene Rechtstraditionen zusammenwachsen sollen. S. sondern – als stellvertretende Mitglieder – auch die jeweilige Opposition beteiligt werden. Zur Notwendigkeit einer Europäischen Grundrechtsbeschwerde. 6 EUV nur der Verweis auf die vorgenannten Rechtsquellen. − Die deutlichere Darstellung bereits bestehender Rechte. wofür die Union stehe.90 B. . (2) Gestaltung und Erfolg des ersten Konvents Der Konvent sollte schließlich aus 15 Beauftragten der Staats. Selbst Rechtsakte der Mitgliedstaaten unterliegen dieser Prüfung. Reich. Dem einzelnen Bürger sollte das Gefühl genommen werden. in: Integration 1/2001. W. Vgl. dieser Macht hilf. Dagegen bleiben die Mitgliedstaaten in den rein nationalen Bereichen der Gesetzgebung nur ihren eigenen Grundrechtsregelungen unterworfen. Arbeitsweise und Zusammensetzung dieses „Konvents“ vgl. 224 Von den nationalen Parlamenten konnten nicht nur die Regierungsparteien. Jeweils ein Vertreter des Europarats. Für den Bürger ist dies wenig transparent und voraussehbar. des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) und des Gerichtshofs der Europäischen Union sollte als Beobachter teilnehmen. N. 16 Mitgliedern des Europäischen Parlaments. Art. um etwa den Beitrittskandidaten die Werte. 34 ff. die Charta als Teil einer Verfassung von morgen rechtsverbindlich (und von jedem Einzelnen vor dem EuGH einklagbar zu machen 223): − Die wachsende Macht der EU-Organe in Brüssel sollte einer Kontrolle unterwerfen werden. − Die Defizite des bisher durch die Verträge und den EuGH gewährleisteten Grundrechtsschutzes sollten beseitigt werden. − Die Komplexität der Verträge erzeugt ein Gefühl der Rechtsunsicherheit.

die im Interesse eines möglichst breit legitimierten Ergebnisses bis zuletzt vermieden werden konnten. September wesentliche Veränderungen und hat die fast einhellige Billigung des Textes durch den Konvent erst ermöglicht. Die Bedeutung dieses Ereignisses wurde naturgemäß in der wissenschaftlichen Literatur. wären zwar möglich gewesen. Alle Interessierten konnten sich direkt gegenüber dem Konvent oder mittelbar über seine Mitglieder zu Worte melden.II. Die Parlamente akzeptierten diese Einladung. um isolierte Positionen im Rat und vor allem auch gegenüber ihren eigenen Parlamenten zu vermeiden. Auch über die Benennung als „Konvent“ und über das Recht der stellvertretenden Mitglieder. Die Öffentlichkeit hatte es allerdings nicht leicht. jedoch hätte der Konvent die Modalitäten selber festlegen müssen. entschied die Versammlung durch Abstimmung selbst. auf nationaler Ebene durch Anhörungen der jeweiligen Parlamente. Bei aller Schärfe der sachlichen Auseinandersetzung stand die Suche nach einem möglichst breiten Konsens im Vordergrund. Bernsdorff / M. Das Beratungsverfahren des Konvents war parlamentarisch geprägt: freie Debatte unabhängiger Persönlichkeiten nach strikten parlamentarischen Regeln. 225 . Damit bestanden auf Unionsebene und in den Mitgliedstaaten beste Voraussetzungen für eine breite öffentliche Diskussion. Die gesellschaftlichen Gruppen und die Öffentlichkeit wurden arbeitsteilig konsultiert: auf Unionsebene durch das Präsidium des Konvents. Pernice. an den Beratungen teilzunehmen. durch die Medien und Politik unterschiedlich bewertet. die Kontroverse in den Rat verlagert und wegen der dort erforderlichen Einstimmigkeit den Erfolg des Konvents in Frage gestellt. Die Charta der Grundrechte. Herzog als Vorsitzenden und auf ein Arbeitsprogramm. Das Gremium einigte sich in seiner konstituierenden Sitzung am 17. in: DVBl. Die europäischen und die nationalen Parlamentarier wählten jeweils einen Sprecher in das Präsidium. Andererseits mussten auch die Regierungsbeauftragten ein Höchstmaß an Kompromissbereitschaft aufbringen. das unter den Regierungsbeauftragten im Konvent streitig geblieben wäre. die sich der Konvent nach Bedarf selbst auferlegte. 2000. Borowsky. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 91 sollte das Gremium nach eigenem Ermessen entscheiden. Überdies hätte ein Ergebnis. Einen Überblick bieten N. Von diesem Vorgehen versprach man sich eine ständige aktive Teilnahme des institutionellen Sachverstandes und aller großen politischen Richtungen in den Mitgliedstaaten und auf Unionsebene. 2002. Die Sitzungen des Konvents und seine Diskussionsgrundlagen waren ständig öffentlich und über Medien und Internet zugänglich. dem raschen Verhandlungsgang im Konvent und der teilweise erheblichen Weiterentwicklung der Vorentwürfe zu folgen. Abstimmungen über den Entwurf. So brachte auch noch die letzte Verhandlung am 26. Anlässlich des Europäischen Rates in Nizza am 7. I. 225 Während manche nach der Notwendigkeit dieser Charta fragten. Dezember 2000 hatten die Unionsorgane die erarbeitete Charta der Grundrechte der Europäischen Union feierlich proklamiert. Dezember 1999 auf den früheren Bundespräsidenten R. Eine Grundrechte-Charta für die Europäische Union.

Aufl. P. setzten sich Sozialdemokraten und die Grünen. welcher neben einem umfassenderen Katalog vor allem die Verbindlichkeit und Einklagbarkeit der Rechte als ersten Schritt zu einer Verfassung einforderte. 634 ff. dass die Aufnahme dieser Rechte zu einer Kompetenzausweitung der Europäischen Union führen könnte. Will Europa sein Modell opfern? Die EU-Grundrechtecharta belebt die alte Debatte über die Notwendigkeit sozialer Rechte neu. in: NJW 2001. Vgl. Kommentar zur Charta der Grundrechte der Europäischen Union. S. 2. 4. Einige sahen in der Charta sogar den ersten Schritt zu einer föderativen Verfassung der Union.92 B. Sie erhofften sich eine grundlegende Reform der Union unter breiter Mitwirkung der Parlamente und der Öffentlichkeit. Grundrechtecharta und Konvent – auf neuen Wegen zur Reform der EU?. 2000. Meyer. Hier zeichneten sich zwei Positionen ab: Die Minimalisten plädierten für die Unverbindlichkeit der Charta (dies forderten vor allem die Briten und Skandinavier). in: Frankfurter Rundschau vom 28. in: Vertretung der Europäischen Kommission.. S. Dix. Eine europäische Charta der Grundrechte. Im Zusammenhang mit den juristischen Problemen. Die Charta der Grundrechte der EU. in dem sie entstanden war. Vor diesem Hintergrund verlagerte sich die Diskussion auf den Gehalt und die Verbindlichkeit der Grundrechtscharta. 226 Für den maximalistischen Ansatz. 226 Vgl.J. Siehe auch J. das Europäische Parlament und die Kommission ein.).. auch W. Januar 2000 diskutiert. 2005. 34 ff. 1010 ff. bei möglichen Verstößen gegen Grundrechte auch schon vorbeugend tätig zu werden. Häberle. und 20. weil sie die gemeinsamen Grundrechte für alle Unionsbürger in einer gemeinsamen Sprache klar und verständlich formuliert und damit Vertrauen in die gemeinsame Rechtsordnung begründet hätte. Auf dem Gipfel von Feira am 19. 2006. Berlin Heft 2/ 1999. J. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung zumal doch die Grundrechte in der Union und ihren Mitgliedstaaten umfassend gewährleistet wären. Die konservativen Parteien und Wirtschaftsverbände fürchteten. Tettinger. S. Für Andere stellte die Charta und vor allem das neue Konventsverfahren. Berlin (Hrsg. In Frankreich wurde zeitgleich der Vorschlag des ehemaligen Kommissionspräsidenten J. P. Europäische Verfassungslehre. Aufl. ein Modell für künftige Vertragsänderungen dar. Die Debatte über die gemeinsame Wertebasis der Europäischen Union erreichte im ersten Halbjahr 2000 unter dem Vorzeichen der Wahl der rechtspopulistischen FPÖ in Österreich ihren (unrühmlichen) Höhepunkt. S. 4. in: Integration 1/2001. ders. Meyer. stärkte für die Gegenansicht die Charta den Schutz der Grundrechte. eine Kerngruppe der sechs S. auf welche die Sanktionen der Europäischen Union gegen Österreich stießen. Juni 2000 entschloss der Europäische Rat sich dann aber – gegen den Willen von Deutschland und Frankreich – unter dem Einfluss der „Minimalisten“ für die Unverbindlichkeit der Charta. Delors vom 19. 847 ff. Europäische Gespräche. 90 ff. forderten viele Politiker geeignetere Mechanismen. die Beschränkung auf klassische Abwehrrechte und gegen die Aufnahme sozialer Anspruchsrechte.. .

Das rechtsstaatliche Gebot. 228 227 . Dabei gab es immer schon die Auseinandersetzungen zwischen Befürwortern und Gegnern einer Vertiefung der Union.II. 148 ff. Studien und Forschung Nr. 227 Die ehemaligen Regierungschefs H. weil in einigen Mitgliedstaaten weiterhin starke Vorbehalte gegen eine vertragliche Verankerung der Charta bestanden. sollte sich letztlich als das stärkere Argument erweisen. J.und Souveränitätsverständnis. Giscard d’Estaing stimmten diesem Vorschlag zu. Pernice. Vgl. „Föderation“ und „Souveränität“ heraus kristallisieren. Demzufolge hat bislang noch jede Vertragsänderung die gemeinschaftlichen Elemente der Union weiterentwickelt. 229 Vgl. 228 Die Proklamation der Grundrechtecharta ist im Rückblick. I. die durch einen „Vertrag im Vertrag“ – nicht einer Verfassung – eine „Föderation der Nationalstaaten“ bilden sollten. nur das Interview mit J. Notre ´ Europe. Juli 2000. Vgl. CDU. Delors in Le Monde vom 19. Freilich wurden zu diesem Zeitpunkt – trotz gelegentlich aufflammender Tendenzen Unionskompetenzen zu renationalisieren – der Union bereits zahlreiche „souveräne“ Hoheitsrechte übertragen. Grund hierfür war zumeist das Festhalten an einem Verfassungs. Als Korrektiv und Grenze dieser Entwicklung wurden zugleich die Achtung der nationalen Identität der Mitgliedstaaten und der Grundsatz der Subsidiarität zu fundamentalen Prinzipien der Union erhoben. was sie auf ihrem Parteitag im Jahre 2000 in Essen deutlich machte. vgl. Die CDU hielt an ihrem Konzept des Verfassungsvertrages fest. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 93 Gründungsstaaten in der Integration schneller voranschreiten zu lassen. April 2000. Essener Erklärung. Arnaud. diesen „Acquis“ zu erhalten und seine Funktionsfähigkeit sicherzustellen. die Grundrechte als Beschränkung von Hoheitsrechten möglichst klar und verbindlich zu regeln. Die Mitgliedstaaten haben sich vertraglich verpflichtet. in: VVDStRL 60 (2001). Schmidt und – im Hinblick auf seine spätere Rolle nicht ohne Pikanterie – V. Dennoch offenbarten sich auch in dieser Debatte die zu erwartenden Widerstände. zwischen „Integrationisten“ und „Souveränisten“. S. Das gilt in besonderem Maße für eine überstaatliche Gemeinschaft. die sich regelmäßig im europäischen Kontext an Begriffen wie „Verfassung“. 10. Beschluss des 13.Parteitages. 2000. Europäisches und nationales Verfassungsrecht. jedoch teilweise auch im damaligen Verständnis lediglich als Vorstufe zur vertraglichen Regelung oder Verfassung zu sehen. die ihre zwangsläufig größere Bürgerferne überwinden und um Vertrauen und Zustimmung ihrer Bürger werben muss. Paris. das die Verbindlichkeit der Grundrechtecharta als weiteren Schritt zu einem staatsähnlichen Zustand der Union ablehnte. die jedoch zumeist pragmatisch überbrückt werden konnten.-L. weshalb ihre Organe allein schon deshalb zu einem gewissen Grade handlungsfähig. demokratisch und rechtsstaatlich „verfasst“ sein müssen 229. Groupement d’Etudes et de Recherches. 3. Sie war notwendig. S. 1. Die Franzosen und Europa: Der Stand der Debatte in Frankreich bei Eröffnung der französischen Ratspräsidentschaft.

in: Integration 2000. Für Dix. so wäre diese Einigung zu dieser Zeit mit großer Wahrscheinlichkeit gefährdet gewesen. sie provozierte vor allem auf französischer Seite die unterschiedlichsten Reaktionen.“ 231 Drei Tage vor dem 50jährigen Jubiläum des Schuman-Plans legte Fischer seine „Gedanken über die Finalität der europäischen Integration“ als „Privatmann“ dar. ebenda. so auch W. ob ein Schritt zu einer quasi-staatlichen Verfassung der Union vollzogen worden wäre. Gedanken über die Finalität der europäischen Integration. Dix. sowie Süddeutsche Zeitung. sich zu Wort zu melden und individuelle Verfassungskonzepte der europäischen Öffentlichkeit vorzustellen. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Der Grundrechtekonvent hat die Frage. 13. Die Rede fand nicht nur innerhalb Deutschlands Zustimmung von den Regierungsund Oppositionsparteien (siehe u. abgedruckt u. in der er nicht nur ausdrücklich eine „Verfassung“ bzw. sondern durchaus konkrete Inhalte und Realisierungschancen nannte. Vom Staatenverbund zur Föderation. Mai 2000 begann eine weitere Phase der Debatte. 230 Im Ergebnis erwies sich aber insbesondere das Konventsverfahren als zukunftstauglich. 2000. a. 2000: „Mit der Schwerkraft zum Ziel“. in: Integration 1/2001. 5. Mai 2000: „Schäuble lobt Fischers Europa-Idee“). Sie spielte für seine Aufgabe letztlich auch keine fundamentale Rolle. 2000: Fischer greift nach dem europäischen Rettungsring“. einen „Verfassungsvertrag“ forderte. a. die demokratische Legitimation. 5. Grundrechtecharta und Konvent – auf neuen Wegen zur Reform der EU?. 36. Die strikte Beschränkung auf dieses Ziel ermöglichte schließlich auch die Einigung auf eine entsprechend umfassende Grundrechtecharta und die Genesis eines Textes. Fischer. vgl. 231 Aus den Reihen der Staats. die sich zu einer weiter 230 Hätte man sich auf einen Streit um Verfassung und Staatlichkeit der Union eingelassen.5. Chirac den Reigen derer. Hierfür genügen ihr die schon immer anerkannten funktionalen Grundsätze der Integration: die Handlungsfähigkeit der Organe. S. Fischer an der Berliner Humboldt-Universität am 12.Kohabitation‘ wollte Frankreich keine Spaltungen durch provokante Visionen hervorrufen und die für Nizza vorgesehenen . die Darstellungen in der deutschen Tagespresse: etwa Frankfurter Rundschau. die Rechtsstaatlichkeit und die Wahrung der nationalen Identität der Mitgliedstaaten. der in Klarheit und Verständlichkeit den Grundrechtskatalogen der staatlichen Verfassungen vergleichbar ist. in der zahlreiche Spitzenpolitiker aus verschiedensten Mitgliedsstaaten dem Drang nachgaben. 17.und Regierungsschefs eröffnete der französische Staatspräsident J. S. 149 ff. dass sich die Union auch ohne Berufung auf staatsrechtlich geprägte Zielvorstellungen pragmatisch und schrittweise weiterentwickeln kann. Rede vor der Humboldt-Universität Berlin am 12. über die EMRK hinausgeht und für eine spätere Aufnahme in eine Verfassung grundsätzlich geeignet war. jj) Mit „Humboldt“ nach Nizza? Mit der (mittlerweile vom Protagonisten selbst grundlegend revidierten) Rede des deutschen Außenministers J. ist die „Charta ein weiteres Beispiel. Entscheidend war allein. Sowohl in der Sonderrolle der Ratspräsidentschaft als auch im Hinblick auf die . 34ff.94 B. 13. wie die Union dem Anspruch auf Rechtsstaatlichkeit ihres Handelns am besten gerecht werden konnte. bewusst offen gelassen. Frankfurter Allgemeine Zeitung.

2000. allgemein J. Bayrou. Dossier.M. Juli der italienische Staatspräsident Carlo Ciampi an der Universität Leipzig. Mai 2000. 232 J. S. 5: „Beifall fürs Ganze.-L. Nach dem deutsch-französischen Gipfel in Mainz. Rede vor dem Deutschen Bundestag am 27. 18. 1: „Prodi lobt Fischers Rede zu Europa“. sowie eine Minderheit im Europäischen Parlament. 233 G. Die Franzosen und Europa: Der Stand der Debatte in Frankreich bei Eröffnung der französischen Ratsprä´ sidentschaft. abrufbar unter www . 7.ac. September 2000. a. Juppé und J. Juni 2000). 234 Zu den Gegnern einer Verfassung zähl(t)en neben Blair der spanische Ministerpräsident J. 3.theepc. ebenda). F.-L. 10. legte – wie bereits erwähnt – mit dem grünen Europaabgeordneten D. Konservative wie sozialistische Parteien bekundeten in der französischen Öffentlichkeit ihre Zustimmung zu Fischers Konzept. in dem sie sich ebenfalls skeptisch zu Fischers Rede äußerten und ein gemeinsames Auftreten in der Wirtschaftspolitik signalisierten. S. der damalige französische Innenminister H. auf dem der französische Staatspräsident Chirac sich positiv zu Fischers Visionen geäußert hatte. Juni 2000 setzte er sich über die Kohabitation hinweg und bestätigte. ähnliche Befürchtungen äußerten einzelne Abgeordnete des Europäischen Parlaments (siehe Süddeutsche Zeitung. September 2000). er wolle mit seinen Verfassungsplänen die Kommission abschaffen. S. . Juni einen gemeinsamen Artikel in der Financial Times und El Mundo. Dagegen mündete die skeptische Haltung des damaligen französischen Außenministers J.ox. kurz darauf folgten die Neogaullisten A. Juni 2000. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 95 reichenden „Antwort“ auf die Gedanken Fischers aufgerufen fühlten. Juli 2000. Warschau 6. Aznar. 28. Der Präsident der konservativen UDF. abrufbar u. vgl. hatten aber bekanntlich gegen die deutschen Vorschläge einer Konstitutionalisierung argumentiert. Védrine und der ehemalige Kommissionspräsident J. sowie Süddeutsche Zeitung. Auch das Europäische Parlament und die Kommission reagierten ambivalent. Während Kommissionspräsident R. Groupement d’Etudes et de Recherches.rtf).org/proposition-mic-ce. 233 Kurz darauf legte Tony Blair vor der polnischen Börse seine Vision für Europa dar und sprach sich gegen eine Verfassung aus (6. in einigen Jahren werde man über einen Text befinden. Studien und Forschung Nr. Mit seiner Rede vor dem Reichstag am 27. Prodi die Ideen der Rede begrüßte. Aznar am 13. den man dann als erste Europäische Verfassung proklamieren könne. Es folgte der belgische Premierminister G. 10 f.uk/busch/data/blair_warsaw. Cohn-Bendit sogar einen eigenen Verfassungsentwurf vor (dazu J. Blair. Kritik am Detail“). abrufbar unter users. Paris. Lindh. 232 Ähnlich argumentierte am 6. Toubon mit einem ausgearbeiteten Konzept („Constitution de l’Union Européenne“.be. Eine nicht unerkleckliche Anzahl französischer Spitzenpolitiker wie der Sozialist J. S.II.6. unter www. in: FAZ vom 28. Delors sprachen sich zwar für grundsätzliche Reformen des Systems aus. 16. Mai 2000. Verhofstadt mit einer Rede vor dem European Policy Center in Brüssel (21. A Vision for Europe. Chirac. Chevènement. Blair und der spanische Staatschef J. Arnaud. Notre Europe. 234 T. Chevènement in ein offenes Streitgespräch mit Fischer (dokumentiert in Die Zeit. die (später ermordete) schwedische Außenministerin A.html. Speech to the Polish Stock Exchange. Oktober 2000).mic-fr.-P. Verhofstadt. Juni 2000. Arnaud.M. befürchteten Kollegen. institutionellen Reformen nicht gefährden. 21. Oktober 2000. veröffentlichten der britische Premierminister T.-P.

Eine Verfassung für Europa – Neue Regeln für den alten Kontinent?. Wagner. die polizeiliche und justizielle Zusammenarbeit. Anmerkungen zu einer in Deutschland stattfindenden Debatte. 238 Vgl. H. Franzke. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Wenig später folgten Reden des finnischen Premierministers P.. P. 143 ff.. Der Vertrag von Nizza. 1999. etwa die Aufsätze in: M. 239 Vgl. Insgesamt sollten Legitimität. . 449 ff. S. Schwarze. 993 ff.. November 2000) 235 und – wie bereits oben erwähnt – von Bundespräsident J.-G. in: Integration 1/2001. S. Lippert / H. S. 237 Zahlreiche Anregungen und Stellungnahmen aus der Wissenschaft begleiteten diesen Prozess. 287 ff. 86 ff. in: ZÖR 58 (2003). Indirekt war damit die Frage nach der politischen.). S. S. Rede beim VIII Kongress der Eurochambres Berlin. die Stimmenwägung und Abstimmungsverfahren betreffend. Der Vertrag enthält wesentliche Änderungen der Gemeinschaftsverträge und des Unionsvertrags. 2001. 11. Oktober 2000 wiederholt vorstellte. Brok. vor allem die Größe der Kommission. Die verstärkte Zusammenarbeit nach Nizza. S. Bender. 9. Rau. (EG-)Verfassungsrechtliche Aspekte des Vertrages von Nizza. der demokratischen „Verfasstheit“ der Union gestellt. in: Le Monde vom 4. ders. d.). Jopp / B. Februar 2003) bereitete sich die Union auf die Aufnahme der damaligen zwölf Beitrittskandidaten vor. Pernice (Hrsg.fi/english/speech/20001110e. Oktober 2000. in: ZaöRV 2001. sowie der Vorschlag der Kommission zur Neuordnung der Verträge vom 14. in: NJW 2002. Rau. h. Oktober 2000. S.vn.. A. Perspectives of the Nice Treaty and the Intergovernmental Conference in 2004. Der Vertrag von Nizza – seine Folgen für die Zukunft der Europäischen Union. S. Melissas / I. in: EuR 2001. 237 So etwa der Bericht des konstitutionellen Ausschusses des Europäischen Parlaments über die Konstitutionalisierung der Verträge vom 12. in: BayVBl.96 B. Fischer. K. 2001. auch H. Er sollte somit die Integrationsfähigkeit während der kommenden Erweiterungsphasen stärken. Der Vertrag von Nizza. 423 ff. Hatje. Speech at the College of Europe. insbesondere zu den kontraprodunktiven Wirkungen der Rede J.. Schneider (Hrsg. 2001..und Sicherheitspolitik. 2000. U. der sein konstitutionelles Konzept in Zeitungsartikeln und einer Rede am 19. 240 Vgl. vgl. abrufbar unter www. Juli 2000. Lipponen. 729 ff. 240 Oder anders formuliert: es ging (und geht 235 P. 137 ff. 238 Mit dem Vertrag von Nizza 239 (Inkrafttreten am 1. Die institutionelle Reform der Europäischen Union – der Vertrag von Nizza auf dem Prüfstand. Fischers. Das weitere Schicksal des Vertrages von Nizza. E. die gemeinsame Außen. Effizienz und Transparenz der Gemeinschaftsinstitutionen verbessert werden. 2001 sowie in: D.. 28 ff. S. Europäische Verfassungsperspektiven nach Nizza. Die Quelle der Legitimation deutlich machen. 11. in: ZRP 2001.. Lipponen (10. Schäfer. November 2000. Das Vertragswerk von Nizza und die Zukunft der Europäischen Union.htm. T. Gnan. Brügge. Streinz. in: FAZ vom 4. ders. S. Wir brauchen eine europäische Verfassung. R. in: ZEuS 2006. R. in: Die Welt vom 15. in: IP 2/2001.. Eine Sichtweise aus dem Europäischen Parlament. 1999. 2001. ders. 19. Guérot. 460 ff. Die Rechtsnatur der EU. Die Ergebnisse von Nizza. 10. 236 Das Europäische Parlament und die Kommission legten in diesem Zeitraum mehrere Stellungnahmen zur Verfassungsdebatte vor.H.Une Constitition pour l’Europe.. 236 J. J. in: BayVBl.

und Osteuropas sowie Maltas und Zyperns. in: Recht in Ost und West.). 242 Dazu aus der neueren Lit. Freilich traten weitere Elemente und Überlegungen hinzu. 2003. den Literaturhinweis bei P. A.. 10. in: A. C. Eine Lösung für den Kosovo. in: JZ 2000. vgl.tu-dresden. Wieser (Hrsg. S. 415 ff. in: ZaöRV 64 (2004). die letztendlich die Auffassung manifestierten.. 217 Fn. 866 ff. 2006. S. Europäisches Verfassungsrecht. EuropäischeVerfassungslehre..und Sicherheitspolitik. die Entfernung – zuweilen Entfremdung – zwischen den Bürgern und der Union zu vergrößern anstatt zu verringern. Verfassungsvergleichung in Mitteleuropa. Trüe.de / browse. 2006. dass die Zeit für die formale Konstitutionalisierung der Europäischen Union überreif sei. Zuleeg.: M. 93. Häberle. S. zu den jüngsten Erweiterungs. Mit grundsätzlichen Erwägungen H. 2. (1) Gründe für ein Debatten-Crescendo Vor allem zwei politische Entwicklungen von historischem Ausmaß haben die neuerliche Verfassungsdiskussion entfacht und befördert. von Bogdandy. Pernice. Erinnert sei in diesem Zusammenhang nur an die Ausweitung der Gemeinschaftskompetenzen 242.-T. Roggemann. die zu einer politischen Auf- 241 Siehe zur EU-Osterweiterung angesichts ausufernder Literatur die Bibliographie im „Dresdner Internetportal zur EU-Osterweiterung“.II. 4. Neben zahlreichen anderen Konsequenzen hat dieses schreckliche Ereignis maßgeblich die Einsicht gefördert. Der rechtliche Zusammenhalt der EU. in: Die Welt vom 8.und Fortschritten der Länder des westlichen Balkans K. es untergräbt auch und vor allem die Glaubwürdigkeit und den eigenen Anspruch der Union und trägt damit im Ergebnis mit dazu bei. Vgl. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 97 weiterhin) um die Frage der vertikalen und horizontalen Gewaltenteilung innerhalb der Europäischen Union. Dieses Missverhältnis ist innerhalb einer „europäischen Grundsatzdebatte“ kaum den „europäischen Bürgern“ zu vermitteln. Zu den einzelnen osteuropäischen Staaten vgl. Zum einen die „Wiedervereinigung Europas“ als historische Aufgabe der Erweiterung der Europäischen Union um die Länder Mittel. 2004. das die gegenwärtige Verfassungsdiskussion in der Europäischen Union entscheidend befördert hat. 1996. Vorsichtig in die Unabhängigkeit. 177 ff. Stolz / B. M. zu Guttenberg. auch I. September 2001 hervor. abrufbar unter dipo. 241 Als zweites politisches. S. in: Berliner Zeitung vom 18. S. . S. 2000. 391 ff. Verfassungsentwicklung und Verfassungsrecht in Osteuropa. Kompetenzen. 58 ff. Das System der EU-Kompetenzen. aber auch im Bereich der Zusammenarbeit Inneres und Justiz – derzeit dieser Verantwortung gerecht zu werden. Nettesheim. sticht der 11. 2005 sowie ders. Kompetenzregelung im Europäischen Verfassungsverbund. Aufl. im besonderen Maße auch – ungelöstes – gesellschaftspolitisches Ereignis.. andererseits jedoch das evidente Unvermögen auf Grund ihres institutionellen Gefüges – vor allem im Bereich der Gemeinsamen Außen..php?topic=Literature. dass innerhalb der Europäischen Union eine offensichtliche Diskrepanz nicht mehr länger hinnehmbar ist: nämlich einerseits die Verantwortung einer Weltmacht.

Europäische Verfassungslehre. 1995. Die Europäische Gemeinschaft auf dem Weg zu einem Europa der Bürger?.. Es wäre allerdings ein allzu offensichtliches Versäumnis. 2001 (KOM (2001) 506) sowie aus dem Schrifttum P. aber umgekehrt auch zu derjenigen Unübersichtlichkeit des Vertragswerks beigetragen hat. 581 ff. 4. 244 Von der Notwendigkeit einer europäischen Verfassung überzeugt zeigten sich 2002 nach der 56. Randelzhofer / R. Scholz / D. Siehe bereits E. 2005. Hu243 . die Union sollte den Geboten von Transparenz. noch bevor er richtig begonnen worden wäre. Gedächtnisschrift für Eberhard Grabitz. Aufl. S. dass mit zunehmender Ausweitung des demokratischen Defizits Vertragsänderungen nicht mehr wie bisher durchgeführt werden konnten. Peters. fortentwickelt. die oftmals so apostrophierte „Monnet-Methode“ 245.98 B. 8194 v. Es ist müßig darüber zu debattieren. (Hrsg. 1970. vgl. 580 ff. vgl. 18. Liber amicorum Jost Delbrück. reifte in den vergangenen Jahren über die Ebene einzelner Staats. a. auch M. das die Union schrittweise. / 16. Aufl. Europäische Verfassungslehre. Europäisches Bürgerrecht zwischen Marktbürgerschaft und Staatsbürgerschaft. „MonnetMethode“ u. 4. 7. 7 und Nr. Vgl. 353 ff. W.) postuliert. 2001 hervor. 4. 2002. Degen. 36 ff.. mit aller Konsequenz geführte Verfassungsdiskussion bereits zu Beginn der europäischen Einigung zu einer Blockierung des Integrationsprozesses geführt hätte. Jean Monnet – Mensch und Methode. Dicke u.). 375 ff. 8192 v. Bulletin Quotidien Europe Nr. 15. Elemente einer Theorie der Verfassung Europas. in: DÖV 1993. 2006. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung wertung der Union führten. Wilke (Hrsg.). S. die in diesen evolutionären Entwicklungsschritten bereits enthaltenen verfassunggebenden Elemente zu verschweigen 246.. 2002. 221 ff. Effizienz und Demokratie wahrhaftig genügen. N. Häberle. 9. S. 6. die zu einem weiteren ernst zu nehmenden Argument für die gegenwärtige Verfassungsdiskussion wurde.und Regierungschefs hinaus auch in der Wahrnehmung einer beträchtlichen Mehrheit der Bürger in der Europäischen Union 244. weshalb in den vorangegangenen Kapiteln entspreSiehe den 3. 245 Ein Vorgehen. in: A. S.. Bericht der Kommission über die Unionsbürgerschaft v. 2001. 2000. die Züge einer „Kontinuierlichen Verfassungsgebung“ konstatiert und eine „Konstitution durch Evolution“ (S. Magiera.) sowie eine „Legitimation durch Bewährung“ (S. später ders. dazu lediglich noch I. Häberles (vgl. ob eine solche. Die Unionsbürgerschaft nach dem Vertrag über die Europäische Union. 429 ff.. S. Ausgabe des Eurobarometers 2/3 der Bevölkerung.M. Der Rechtsstatus der Unionsbürger. S. S. 2006. Von der nationalen Staatsangehörigkeit zur Unionsbürgerschaft.. nur ders. 4. A. Randelzhofer. zur sog. Grabitz. Kotalakidis. Wessels. nach denen der Union bereits heute unstreitig Verfassungsqualität zukommt. in: DÖV 1987. Weltinnenrecht. in: K. Pernice / P. 246 Neben den grundlegenden Erwägungen und in dieser Hinsicht Pionierwerken P. Marktbürgerschaft – Unionsbürgerschaft – Staatsbürgerschaft. Das Bewusstsein über die Notwendigkeit einer verfassungsgestaltenden und letztlich verfassungsmäßigen „Generalüberholung“ der Union sowie die Erkenntnis. Gleichwohl war die schrittweise Integration in der Gründerphase der europäischen Einigung. S. Grundsätze.) hebt diese verfassunggebenden Elemente etwa auch A. während dieses Abschnittes der europäischen Integration insgesamt die adäquate Methode. vgl. 749 ff. a. die Einführung einer Unionsbürgerschaft 243 und die Herausbildung eines europäischen Bewusstseins sowie die an Resonanz gewinnende Überzeugung. orientiert am jeweils Machbaren und ohne die Beteiligten zu überfordern. S.

16. Graf Vitzthum. Insgesamt gestaltet sich spätestens seit dem Vertrag von Nizza die Diskussion sehr viel politischer als zuvor und steht unter einem sehr viel größeren – nicht nur zeitlichen – (Erwartungs-) Druck. ders. wie sie in Amsterdam 248 begonnen wurden. Europäische Verfassungsperspektiven nach Nizza. B. S. S. − Schließlich Verfassungsmodelle. S. Steinberger / E. Karpenstein. 182. die die wichtigsten Verträge (EUV. EGV. Protokolle ausgliedern. So sollten redaktionelle Vereinfachungen oder eine reine Fusion der vorhandenen Vertragstexte nicht ausreichen.).. 2000. Konvent) erarbeitet wird – wobei allerdings unterschiedliche Leitmotive zu unterschiedlichen Lösungsmodellen führen. 993 ff. um das notwendige Maß an Vereinfachung und Transparenz zu schaffen.. in: DVBl 1998. in: JURA 1998. Der Verfassungsstaat als Glied einer europäischen Gemeinschaft. EAGV) in einem Vertrag zusammenführen und dabei weniger wichtige Bestandteile z. 248 Im Einzelnen U. in: EuR 2002. . − Fusionsmodelle. die eine rechtsqualitative Zweiteilung in einen Kernvertrag mit den konstitutionellen Bestandteilen der Gemeinschaftsverträge sowie in einen oder mehrere Ausführungsteile vorsehen. Der Vertrag von Amsterdam. B. Streinz. Die Identität Europas. in: VVDStRL 60 (2001) und H. die bereits in den vergangenen Jahrzehnten mit mehr oder minder hoher Intensität in der Diskussion standen. Die Entstehung einer europäischen Verfassungsordnung. EGKSV. Thürer. in: ders.II. Europäisches und nationales Verfassungsrecht. (Hrsg.. Schwarze. Diese vier Optionen sahen sich auch um die Jahrtausendwende mit Überlegungen konfrontiert. die einen neuen Text generieren. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 99 chende Hinweise zu geben waren. Im Vorfeld der erneuten Verfassungsdebatte rückten vier qualitativ unterschiedliche Herangehensweisen zur Reform der Vertragsstruktur ins Blickfeld: − Redaktionelle Vereinfachungen. R. 57 ff. 13. Lübbe-Wolff / C. in: NJW 2002. 1 ff. Verfassungsmodelle oder sogar eine damit verbundene „Neugründung“ der Europäischen Union ber / G. − Grundvertragsmodelle. der in der Regel von einer verfassungsgebenden Institution (z. S. Der zu Beginn des neuen Jahrhunderts dem späteren Verfassungskonvent zugrunde liegende Diskussionsstand ist angesichts der einzelnen und bereits wie im Folgenden angerissenen „verfassungshistorischen“ Stufen als bislang konkretestes und entsprechend erfolgversprechendes Szenario zu erachten gewesen 247 (das vorübergehende Scheitern und Aussetzen des Verfassungsvertrages im Dezember 2003 sowie des Vertrages von Lissabon läuft dieser Beobachtung nicht entgegen – vielmehr hat sie durch die Intensivierung der inhaltlichen Auseinandersetzung eine Manifestierung erfahren). 942 ff. S. deren Revision dann auch unterschiedlich strengen Anforderungen genügen muss. in: VVDStRL 50 (1991). Klein / D.. 247 Zutreffend diesbezüglich auch J. ein wenig zu skeptisch bezüglich des politischen Willens für „konstitutionalisierende europäische Verträge“ : W. Grabenwarter. Der Vertrag von Amsterdam im Lichte der Maastrichtentscheidung des BVerfG.

Weiler. The Constitution of Europe. 2000. in: EuR 1996.-C.). 2001. 387 ff. Pernice. Pernice. Une constitution européenne.. Schwarze / P..). Differenzierte Integration und Flexibilität als neues Ordnungsmuster der Europäischen Union?.). S. 250 Aus politischer Sicht ist allerdings hervorzuheben. J. Die Verfassung Europas.und Nachteile sein könnten.H... 311 ff. P. Schwarze (Hrsg. Die Lit. R. etwa D.. W.. Zur „Verfassung“ der Europäischen Gemeinschaft. Die Diskussion. Jopp. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung hätten sich hingegen stets an der politischen Durchsetzbarkeit zu messen. Die europäische Union auf dem Weg zum verfassten Staatenverbund: Perspektiven der europäischen Verfassungsordung. in fünfzig Jahren ausgebildeten Vertragsgrundlagen der „europäischen Bevölkerung“ verständlich darzustellen. Grimm. P. Festschrift zum 70.100 B. Hertel.. Dies würde grundsätzlich bedeuten. Der Vertrag über eine Verfassung für Europa – Analysen zur Konstitutionalisierung der EU. Matl (Hrsg.7. H. EuR Beiheft 1. ob Europa tatsächlich einer Verfassung bedarf und was deren Vor. n° 2. 2004. auch I. S.H. G.C. S. in: JZ 1995. Europäische Verfassungsentwicklung. in: Staatswissenschaften und Staatspraxis 1996. T. 78 ff. Suprantionalität als Verfassungsprinzip. in: EuR 2000. in: NJW 2000. 347 ff. auch S. eigenen Befindlichkeiten folgenden Ratifikationsprozess bereits im Vorfeld im Auge zu behalten und den Mehrwert gegenüber den bestehenden.II. 233 ff. Heberlein. aber eine Verfassung.M. C... (2) Die politische Dimension der Verfassungsdebatte Der Weg zum Verfassungsvertrag ist – ebenso wie das amerikanische Vorbild – neben allen verfassungsrechtlichen Aspekten – ein höchst politischer. Goulard.. I. 1999. A. 2000. S. in: EuR 1996. S. weshalb dieser – gerade auch angesichts des Wechselspiels zwischen Politik und Verfassungsrecht 249 – wenigstens in Ansätzen aufgezeichnet werden soll. S. Schilling.). 125 ff. S. Grewe / H. in: EuR 1996. Stein. Kein Staat. in: NJW 1999. dass mit einem abgeschlossenen Verfassunggebungsprozess auch eine Manifestierung der „Politisierung“ der Europäischen Union einherginge 251 und dass dadurch ihre Legitimität erhöht würde. 1999. Europäische Verfassungslehre in Einzelstudien. 27 ff. ist Legion : vgl. Gedanken zum Entstehen einer Europäischen Rechtsordnung. 1 ff. Braucht Europa eine Verfassung?. 2000.G. Vgl. in: Politique étrangère. 1 ff.. Herzog / S. Huber. S. entsprechend Dazu auch unter B. Hirsch.2. Rupp. 581 ff.). 250 249 . in: Festschrift Krause. J. den notwendigen.-C. 1997..f)jj)(4) sowie unter B. Pescatore. Regierungskonferenz 1996: Eine Neue Verfassung für die Europäische Union? (Tagungsbereicht).. 3 ff. 319 ff. Nettesheim. Hrbek (Hrsg. 1999. Schneider (Hrsg. in: BayVBl.b)cc)(2). J. Siehe auch G. von Bogdandy / M.2. Häberle. T. Piris. in: W. 2005. Lequesne. 1997. Rodriguez Iglesias. M. S. 1999. R. Hobe (Hrsg. wurde erschöpfend geführt. 251 Vgl. in: FAZ vom 7. Die Europäische Union: Ein eineheitlicher Verband mit eigener Rechtsordnung. S. Hat die Europäische Union eine Verfassung? Braucht sie eine?. Müller-Graff (Hrsg. Von manchen als „klassisch“ bezeichnet: P. Die Dritte Gewalt im europäischen Verfassungsverbund. Geburtstag von Hans Kutscher. 1981. S. Vertragsrevision oder Verfassunggebung?.IV. 46 f. in: EuGRZ 1996. Die Entstehung einer euopäischen Verfassungsordnung. Siehe auch die Sammelbände von J. S. S. si et seulement si . Europas Verfassung. Die Reform der Europäischen Union. ders.). Die Gemeinschaftsverträge als Verfassungsrecht – ein Kapitel Verfassungsgeschichte in der Perspektive des Europäischen Gerichtshofs.H. H.. S.

. Und drittens ist zu betonen. 22. 28. Manche (wissenschaftlichen) Protagonisten gehen in selten offener Selbstbetrachtung gar soweit. den der britische Economist veröffentlichte 254. 11. 255 Der luxemburgische Premierminister J. ihre Majestät. den Beitrag der Wissenschaft zur Verfassungsentwicklung als eher gering einzuschätzen.“). die sich als Staaten-. 28. Die Quelle der Legitimation deutlich machen.und Währungsunion einen qualitativen Integrationsschritt.und Gestaltungsversuche ergänzen. dass eine europäische Verfassung der Europäischen Union.org. zum Ausdruck kam. noch der deutsche Bundeskanzler oder der französische Staatspräsident dann ein Vertragsdokument unterzeichnen. Eine bewusst gesetzte Analogie zum amerikanischen Verfassungstext. ifri und ISPI. Denn eine europäische Verfassung bedeutet im Gegensatz zu den bestehenden Europäischen Verträgen insofern eine qualitative Veränderung bezüglich der Legitimität. von Bogdandy. vgl. ähnlich wie es in dem fiktiven Verfassungsentwurf („We. die Königin von Dänemark. S. 208 ff. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 101 der Maßgabe. Rau. auch die „Mailänder Erklärung zur Europäischen Verfassung“ von DGAP. eine versteckte Renationalisierungsdebatte zu führen. Stichwort: „European Constitution Watch“. A Bird’s Eye View on the Science of European Law.Une Constitition pour l’Europe. in: European Law Journal. Bd. 215 ff. sondern die europäischen Bürger. 11. wo (europäisches) Recht gilt und durch. 11. 4. 1999. umgesetzt wird. S. September 2000. 2000 sowie A. 15. 1. indirekt. Ausdruck eines freien Volkswillen ist.. die Wis252 Vgl. 2000. 252 Zudem bedeutet die Realisierung der europäischen Wirtschafts. . dass die Diskussion über eine Europäische Verfassung vor allem von den Gegnern einer tiefer gehenden Integration dazu genutzt werden konnte. auch der (verfassungsmäßige) Ursprung dieser Rechtsetzung offensichtlich sein muss. der steter politischer Begleitung bedarf. 2000.II. aber auch als Bürgerunion versteht. in: Le Monde. Guérot. Wir brauchen eine europäische Verfassung. dass dort.. J. 3. Freiburghaus stellte lakonisch fest. 9. Eine Verfassung für Europa – Neue Regeln für den alten Kontinent?. 4.. insbesondere über die Frage der Kompetenzabgrenzung..bzw. 10. 6. als dass eine Verfassung normalerweise Ausdruck von Volkssouveränität und damit. S. 2001: „Die Regierungskonferenz 2004 darf keine Abbaukonferenz werden“. 255 An dieser Stelle soll nunmehr ein vertiefender Blick aus der politischen Praxis die wissenschaftlichen Schilderungs. Juncker formulierte in der Financial Times Deutschland vom 16. 254 A Constitution for the European Union‚ in: The Economist. 1999. ders. D. 253 Idealiter würden nicht mehr seine Hoheit. in: Frankfurter Allgemeine Zeitung. in der besten Tradition von J. the people of Europe . Hobbes. den europäischen Bürgern die Souveränität über den europäischen Integrationsprozess zurückgeben würde.-C. abrufbar über: www . Bodin und T. in: IP 2/2001. Nr. Politisch sprach (und spricht) indes dagegen. der König von Belgien.dgap. in: Die Welt. 253 Siehe auch U. ders. 28 ff..

nachgedacht zu haben“ (L.] keine institutionelle Architektur [.). was verfasst werden soll“. 299 ff.pdf. Die Ökonomen gelegentlich. 4. Jospin. in: Integration 3/2000. S. erwuchs und erwächst freilich überaus konstruktive Begleitung. 60. S. stellten andere politische Protagonisten die Frage nach einer europäischen Vision. 260 J. 60 f. . Jospin) 257. CAP-Working Paper. 3. Mit derselben Stoßrichtung äußerte sich auch K. 257 L. Die Politikwissenschaft leidet darunter.auswaertigesamt. Rede zur „Zukunft des erweiterten Europas“. einen „Klärungsprozess darüber einzuleiten. Dezember 2000.. 256 Gleichwohl: Die Juristen haben auch unter praktischen Aspekten fraglos am meisten beigetragen. Es bestand weitgehend Einigkeit darüber. an dem sich die verfassungsmäßige Organisation europäischer Macht folglich ausrichten sollte. ohne zuvor über den politischen Sinn. habe jedoch auf die Handlung kaum Einfluss. 28. wozu die Einigung Europas überhaupt gut ist“ 259. Die Debatte um eine europäische Verfassung. 2001. in: G. welche 256 D. abrufbar unter www. Kreis (Hrsg. Fischer.franco-allemand. (3) Leitbilder und europäische Ideale in der politischen Auseinandersetzung Es überrascht kaum. Basler Schriften zur europäischen Integration. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung senschaft begleite diese Prozesse wie ein Chor in der griechischen Tragödie. Biedenkopf. Freiburghaus. dass unterschiedliche Vorstellungen über die endgültige Gestalt Europas auch die politische Debatte prägten. 2003.. Zukunftsfähigkeit und Legitimität der Europäischen Union. wo unsere Bürger genauer wissen wollen. 258 Alle genannten Akteure verfolgten letztlich die – banale – Absicht. S. 20. Berlin. 5. 2001. 259 H. im Internet abrufbar unter www . Fischer. Januar 1999. dass sie eigentlich nicht Wissenschaft von der Politik. 171. ohne zu wissen. den man Europa zu verleihen wünscht. „Man kann [. Rede am Walter-Hallstein-Institut der Humboldt Universität. Gedanken über die Finalität der europäischen Integration. Sie sollen in der Folge systematisiert werden. dass zuerst das Ziel der Integration feststehen musste. in: Integration 3/2000. Biedenkopf : „Man kann keine Verfassung schaffen. Vom Staatenverbund zur Föderation.. Stellungnahme. Der Beitrag der Wissenschaften zur künftigen Verfassung der EU. Neben dem deutschen Außenminister J.] vorschlagen. S. Europa vor dem Gipfel in Nizza: Perspektiven. Konföderation – oder was sonst?. Volkmann-Schluck. 258 K.. S. der in einfachen Worten betonte. 66. Soweit „Europa“ (in klaren Grenzen) staatsähnlich ist.com/de/de-traite-jospineurope2001.). 2001. Fischer.de/www/de/infoservice/download/pdf/reden/1999/r990120a. die Integration sei jetzt „an einem Punkt angelangt. Nr. sondern zunehmend Wissenschaft des modernen Staates ist.. Anders allerdings S. Alternativen der Verfassungsfinalität: Föderation. wohin die Reise geht und wie das Ziel aussieht“ 260 und deshalb eine Antwort auf die Frage „quo vadis Europa?“ vonnöten sei 261. Aufgaben und Herausforderungen. 261 J. 149 ff. Ronge (Hrsg. 171 ff. In welcher Verfassung ist Europa – welche Verfasssung für Europa?. Schneider.. Interdisziplinäres Verfassungssymposium anlässlich des 10 Jahre Jubiläums des Europainstituts der Universität Basel.htm.102 B. Rede vor der französischen Nationalversammlung. sowie in: F.

denn er erweckt den Eindruck. welche Europa einschlagen soll. sowie in: F. sie sollten auch die Rolle der Institutionen im Prozess der Gemeinschaftsbildung ausdrücken helfen und den Grad der Kohärenz des jeweils erreichten Entwicklungsstandes mit den jeweiligen politischen Erwartungen der Bürger widerspiegeln.). ebenda.. 3/2000. 3. Leitbilder der europäischen Integration. Gedanken über die Finalität der europäischen Integration. Janning. 6.de/de/bf /reden_und_interviews/reden00/10-C. J. S. 157 ff. Jospin einen Abgleich mit ihren Vorstellungen über die Finalität der Integration. 265 Tatsächlich zeigte sich Fischer. Delors.. 253 ff. Taschenbuch der Europäischen Integration.-C. in: Integration 3/2000. So J. „in welchem Europa wir leben wollen“. Europa von A-Z.). 258. erweist sich als ein Konstrukt jenseits der gewachsenen 262 . fordert Fischer zunächst staatsähnliche Merkmale für diese Föderation: „Ein europäisches Parlament und eine ebensolche Regierung. Fischer. Der Begriff „Föderation“ erscheint zunächst als Tabubruch. a.htm. Schuman bereits vor 50 Jahren gefordert hat“ 266. Weitergehende Gedanken über die „Finalität“ der europäischen Einigung machten sich auch die Verfassungsskeptiker wie etwa T. die nicht nur die Erwartungen der Beteiligten an die Entwicklung der Integration ausdrückten. Weidenfeld / W. Im Laufe der Rede macht Fischer jedoch deutlich. 263 T. und die zu „weiteren Anstrengungen veranlasst und diese rechtfertigt“ 262 . S. Oktober 2000. Blair. Müller-Graff. in: W.] ausüben“. dazu auch J. Speech to the Polish Stock Exchange. S. als würde der aus der Europapolitik verbannte Gedanke eines Europäischen Bundesstaates als Gegenstand politischer Gestaltungsperspektiven wiederbelebt. Warschau. S. Er bezieht sich auf die „Europäische Föderation. Oktober 2000 in der Semperoper in Dresden. 1997. die tatsächlich die gesetzgebende und exekutive Gewalt [. Zum zehnten Jahrestag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2000. 2001. der den Begriff in seiner Humboldt-Rede aufwirft.. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 103 beantworten soll. 157. Leitbilder oder „europäische Ideale“.“ 263 Die Überlegungen zur endgültigen Gestalt Europas richteten die unterschiedlichen Akteure letztlich an differierenden Leitbildern aus. 265 So P. Ronge (Hrsg. In welcher Verfassung ist Europa – welche Verfasssung für Europa?. Rau und L. Dieser Logik folgend. 264 Vgl. Wessels (Hrsg. 266 J. verirren wir uns im Dickicht des institutionellen Wandels. Europäische Föderation als Revolutionskonzept im europäischen Verfassungsraum?.. Chirac.II.sachsen. dass er mit „Föderation“ schließlich etwas anderes meint: „Die bisherige Vorstellung eines europäischen Bundesstaates. der als neuer Souverän die alten Nationalstaaten und ihre Demokratien ablöst. Blair: „Wenn wir uns nicht zuerst die grundlegende Frage nach der Richtung stellen. J. 299 ff. 264 (a) Das Ideal einer „Föderation von Nationalstaaten“ Mit dem Leitbild einer „Föderation von Nationalstaaten“ suchten u. die R. in: Integration. J. 149 ff. Vom Staatenverbund zur Föderation. inspiriert von der bundesstaatlichen Rhetorik der Nachkriegszeit. Fischer. abrufbar unter http://www.

Juni 2000. dass etwa Abgeordnete des Europäischen Parlaments Fischer vorwarfen. Vgl. die hinter jahrzehntelangen Auseinandersetzungen um die Zielsetzung der Europapolitik standen. auch T. Alternativen der Verfassungsfinalität: Föderation.H. Dabei tendierte er teilweise sogar zu einer stärkeren Intergouvernementalisierung: Fischer konnte sich im Streitgespräch mit seinem französischen Amtskollegen Chevènement (vgl. wenngleich durchaus streitbare Replik auf Fischers „Humboldt-Rede“ von C.. 7. 100 ff. Konföderation – oder was sonst?. Damit diese Dualität gewährleistet bleibt. Fischers ursprüngliches Konzept des Doppelmandats in der ersten Kammer stellt in der Konsequenz einen Rückschritt zu den Zeiten dar.. 268 Vgl.rewi. dass bestimmte Aufgaben wieder [auf die Nationalstaaten] rückübertragen werden“. H. das über „Entweder-Oder-Sichtweisen hinausführt“ 268. wie etwa die Übertragung des Haushaltsrechts auf die europäische Ebene (s. Des weiteren erwähnt Fischer entscheidende föderationsqualifizierende Merkmale nicht. Mény / J.). in: C. um sich in Kategorien wie Staatenbund und Bundesstaat ein- politischen Realitäten“. baut Fischer „Unitarisierungsbremsen“ ein. Bericht von M. 267 So beispielsweise in einem Vortrag J. Statt dessen definiert Fischer den Föderationsbegriff jenseits der althergebrachten Begriffsbestimmungen. insb. auch H.htm. die sich aus einer doppelten Legitimation ableitet: Eine Bürgerkammer mit direkt gewählten Abgeordneten vertritt die Bürger direkt.H. 48).H.104 B. das von ihm entworfene Europa sei keine Föderation. S. Fischer bemühte sich mit seiner unorthodoxen Verwendung des Begriffs „Föderation“ um ein vermittelndes Leitbild. 3/2000. Bereits im Januar 1999 hatte er darauf hingewiesen. Joerges / Y. A Federation of Nation States or a Federation of States?. sondern eine „lockere Konföderation von Nationalstaaten im Sinne von de Gaulle“ 267. Weiler (Hrsg. Schneider. Alternativen der Verfassungsfinalität: Föderation. Mény / J. die „bundesstaatlichen Tendenzen einen Riegel“ vorschieben sollen. Who is afraid of a European Federation? How to Constitutionalize a Multi-Level Governance System. z. vgl. Konföderation – oder was sonst?. dazu die vergleichsweise intellektuell klare. Seine „Föderation der Nationalstaaten“ beruht auf dem Prinzip der „Souveränitätsteilung“ zwischen Mitgliedsstaaten und Europäischen Union nach dem Subsidiaritätsgrundsatz. 45 ff. 103: „The Commission would become only an administrative body“. den Ministerrat als „echte Regierung“ der Europäischen Union zu etablieren. mit einer klaren Kompetenzabgrenzung zwischen Mitgliedsstaaten und EU-Organen. den Nationalstaat auch bei einer verstärkten Integration zu erhalten: „Die Nationalstaaten werden fortexistieren und in der Föderation einen stärkeren Rang haben als die Bundesländer“. Das Europäische Parlament und die konstitutionellen Reformen der Europäischen Union. Vor diesem Hintergrund wird erklärbar. 171 ff.O. eine neue Föderalismus-Debatte zu entfachen. Weiler (Hrsg.hu-berlin... Europa ist bereits zu weit entwickelt.. Leben. in: Integration. S. Joerges / Y.H. Schneider. „sehr gut vorstellen. S. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Fischers Leitbild ist in seiner Berliner Rede vom Interesse geprägt. What Kind of Constitution for What Kind of Policy? Responses to Joschka Fischer. DIE ZEIT. S. in: Integration 3/2000. 172. 171 ff. in: C. 18). Risse.de/WHI/english/fce/fce600/bericht-voggenhuber. es gehe ihm „nicht darum. . Börzel / T. S. Die von Fischer erwogene Alternative. 2000. würde die Kommission allerdings zu einer bloßen administrativen Körperschaft degradieren. 2000. Voggenhuber. Pahl abrufbar unter www. als das Europäische Parlament noch aus Delegierten der Mitgliedsstaaten zusammengesetzt war. eine Staatenkammer wahrt die Interessen der Nationen. 173.A. B.) (2000). 13 ff.

S. Widersprüchlich ist allerdings. Europa ist und bleibt eine Konstruktion sui generis“ 269. Wenn man es übersetzt. dass eine „Föderation von Nationalstaaten“ das Gegenteil eines Superstaates bedeuten würde. das Leitbild der Föderation in seinen späteren Europareden und Stellungnahmen aber nicht mehr nachhaltig verfolgt hat. auf sich allein gestellt. warum er dennoch den ideologisch belasteten Begriff „Föderation“ gewählt hatte: „Wir haben versucht. Rede vor der französischen Nationalversammlung.3.. Die Föderation sei „darauf die Antwort.. 3. 20. S. Wagner.] immer wieder fédération oder federation heraus. kommt [. dass Rau den Ministerrat in eine zweite Kammer neben einem gleichberechtigten Europäischen Parlament umwandeln und das nationale Vetorecht aufgeben wollte und noch betonte. 269 . davon ging ich aus. 271 Siehe auch das Interview mit Fischer in DIE ZEIT. 272 In der Rede vor dem belgischen Parlament. Zur durchaus kontraproduktiven Wirkung der Rede Fischers vgl. wie wir sie uns für morgen wünschen können: ein Zusammenschluss von Staaten. die die einzelnen Staaten. S. das sollte sie“. lässt sich anhand der Tatsache vermuten. 270 Siehe Die ZEIT. damit sie durch gemeinsames Handeln Souveränität zurückgewinnen können“ 274. in: ZEuS 2006. Fischer.IV. Juni 2000. 7. Eine föderale Verfassung gebe „Europa eine Gestalt. weil sie Souveränität [. zu provozieren.. Oktober 2000.. Sodass wir am Ende aufgegeben und gesagt haben: Wir müssen akzeptieren.. 273 Der Bundespräsident betonte.. ersetzt er das Wort „Föderation“ durch „Europa“: „Wichtigster Ansatzpunkt muss eine klare Souveränitätsteilung zwischen ‚Europa‘ und den Nationalstaaten sein“ 273 Siehe J. Die Rechtsnatur der EU. die einen Teil ihrer Hoheitsrechte gemeinschaftlichen Einrichtungen übertragen. 287 ff. 13 ff. auch H. Rede beim VIII Kongress der Eurochambres Berlin. S. Juli 2000. 274 J. „Europas Werte“: „Dass meine Rede Anstoß erregen würde. Umfassend zum Föderalismusbegriff in rechtsvergleichender Perspektive unten B.] wiedergewinnt. Rau wies darauf hin. Bundespräsident J. längst verloren haben“. Januar 1999. April 2001. im Zuge der Globalisierung. diese Kammer „wahre die Souveränität der Nationalstaaten“. dass dies das Wort ist“. Im Streitgespräch mit Chevènement erklärte Fischer. 20.b). – Anmerkungen zu einer in Deutschland stattfindenden Debatte. ein neues deutsches Wort zu finden anstatt ‚Föderation’. 271 Dass er aber nicht gänzlich hinter dem Begriff stand.II. 288 ff. S. dass Fischer seinen Verfassungsgedanken zwar weiterhin an den Vorstellungen der „Souveränitätsteilung“ ausrichtete. 3. 19. in der Fischer seine Konzepte der Humboldt-Rede noch einmal fast wortgetreu wiedergibt. Rau. J. 17 f. 270 Gleichwohl ist Fischer mit dieser Wortwahl seiner (wiederholten) Intention gerecht geworden. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 105 zwängen zu lassen. dass „die wirtschaftliche Globalisierung die Souveränität der Nationalstaaten gravierend aushöhlt“. Zukunftsfähigkeit und Legitimität der Europäischen Union. und schon gar nicht ein Europa „á la Bundesrepublik Deutschland“. Rau. 272 Trotz der begrifflichen Probleme haben einige weitere Politiker dieses Leitbild aufgegriffen. Plädoyer für eine Europäische Verfassung“ Rede vor dem Europäischen Parlament am 4.

wich er der von Fischer aufgeworfenen Frage der Finalität aus und gab in seiner Berliner Rede „den Pragmatiker“. Wie Fischer und Rau distanzierte sich der französische Premier von einer zentralistischen Auslegung: „Dieses Wort [. Fischer benannte Chirac nicht explizit ein „typisches“ Leitbild im Spannungsfeld von Föderation oder Konföderation. Delors in: Le Monde vom 19. ebenda. Auch J. Juni 2000. 276 Vgl. „die Nation zu verteufeln“ (vgl. ders. S. Beyme. Chirac und A. wo in ähnlicher Diktion L. die Föderation bleibe ein „Ideal“.. 2000. Fischers Griff nach einer Europäischen Verfassung. 61 ff. abgedruckt in: FAZ vom 28. Joerges / Y. solle die Union „jeden Einzelnen stärker machen“. um nicht zu provozieren. „dass die Nationalstaaten bleiben müssen“ 276. What Kind of Constitution for What Kind of Policy? Responses to Joschka Fischer. Jospin für eine „Föderation von Nationalstaaten“ plädierte. v. Jospin. Gleichzeitig verdächtigte er Fischers Verfassungskonzept als „verkappten deutschen Hegemonieanspruch“ (zitiert nach K. Chirac. 7. 61) Einerseits neige Deutschland dazu. die unterschiedliche Teile möglichst regional zusammenhält“. 6. Damit „starke und lebendige Nationen. dass die Nation ein „unentbehrlicher Rahmen der demokratischen Auseinandersetzung“ sei.106 B. Verstehe man dagegen unter „Föderation“ eine „schrittweise und kontrollierte Teilung von Befugnissen und deren Übertragung auf die Union“. 7. sondern auszugleichen.. Chevènement sah den wichtigsten Bezugspunkt der Bürger in der Nation und hielt deshalb den Begriff des „Verfassungspatriotismus“ für „oberflächlich“. DIE ZEIT. S. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Auch auf französischer Seite ist das Konzept aufgegriffen worden.. J. Rede zur „Zukunft des erweiterten Europas“. Weiler (Hrsg. stimme er dem Begriff „ohne Wenn und Aber“ zu. S. in dem die derzeitigen Staaten lediglich den Status eines deutschen Bundeslandes erhielten. Rede vor dem Deutschen Bundestag am 27. andererseits habe Fischer aber genau verstanden. So etwa des bereits benannten „Souveränisten“ Chevènement auf das empfohlene Leitbild der Föderation: „Weil Deutschland immer noch die Nation diabolisiert.H. Im Gegensatz zu J.] deckt in Wirklichkeit vielfältige Inhalte ab“. vgl. 5. Delors. Fischers Vorschlag sorgte auch in diesem Kontext für nahezu reflexartige Abwehrreaktionen. 2001. 277 Vgl. Plädoyer für eine Europäische Verfassung“ Rede vor dem Europäischen Parlament am 4. die ihre Identität wahren wollen“.H.). wie er Europa sehen wollte. 275 L. Mény / J. (b) Das Ideal eines „Europas der Nationen“ Der Vorstellung eines „Europa der Nationen“ lassen sich die Verfassungskonzepte von J. neigt es zur Flucht ins Postnationale und findet sich wieder im wehmütigen Traum einer Art von Föderation. S. 10 f. Hinter diesen „Zweideutigkeiten“ . bestehen bleiben. der einer Verfassung grundsätzlich skeptisch gegenüber stand. könne Frankreich nicht akzeptieren. Indem er auf seine damalige Rolle als Ratspräsident und die Kohabitation Rücksicht nahm. 275 Ein Gefüge. Juppé mit J. verfolgte dieses Leitbild gleichfalls in der Annahme.. Juni 2000. nämlich als „Zusammenschluss von Nationen. 2000. 13). April 2001. Januar 2000. Der Terminus traf außerdem Jospins Vorstellung des konstitutiven Spannungsfeldes der europäischen Integration: die Nationalstaaten seien „Realität“. das Interview mit J. 277 Dennoch lässt sich herauskristallisieren. in: C. Toubon zuordnen. S.

ders. Europa dürfe aber nie ein „Superstaat“ werden. Den Verfassern ging es mit der Abschaffung der Kommission. aber beschlossen haben. S. unabhängiger souveräner Nationen. Auch bei ihm rief das Schlagwort „Föderation“ Souveränitätsverlustängste hervor: „Wenn man die Direktwahl des Präsidenten der Föderation. stand Védrine der Verfassungsidee skeptisch gegenüber. und das klassische föderalistische Modell. ihre Interessen und vor allem ihre Werte gemeinsam zu verteidigen“ 278. Blair sah in Fischers Konzept ein etatistisch geprägtes Leitbild. Fischer wolle den anderen „ein Konzept aufzwingen. Speech to the Polish Stock Exchange. Védrine. das ihm entspricht.cs. loyalen [. 7)... abrufbar unter ig. vom 8. 27. der Aufwertung witterte Chevènement offensichtlich den Versuch.II. Nicht allein. in Erwägung zieht. In diesem Kontext ist auch das Zitat zu verstehen. Oktober 2000. „Die Europäische Avantgarde“ in Paris.] Wie lange gäbe es in Frankreich noch einen Präsidenten [. S. Deutschland müsse sich „von den Entgleisungen des Nationalsozialismus“ erholen. sondern er hatte auch seinen Verfassungsentwurf im Auftrag desselben ausgearbeitet. S. der deren Außen. Konkreter bekannten sich Juppé und Toubon zu einem Leitbild der „Nationalstaaten und der Bürger“. 278 J. welche Zuständigkeiten verbleiben dann dem Nationalstaat? [. welches er dem konföderalen Modell der britischen Konservativen gegenüberstellte: „Zwei Modelle wurden bis jetzt vorgeschlagen: Europa als eine bloße Freihandelszone. Auch für Blair war das von Fischer vorgeschlagene „Gravitationszentrum“ mit eigenen Institutionen nicht akzeptabel.de / oldstatic / w2001/eu1/dokumente/). schien auch J. S. die Antwort auf Herausforderungen könne „nur das Ergebnis einer wirklichen. Vedrine. Védrine: „Niemand kann behaupten. Als ehemaliger Premier und Vorsitzender von Chiracs Sammlungsbewegung RPR stand Juppé dem Präsidenten nicht nur nahe.. 2001.] Diskussion sein“ (vgl. Schreiben an den deutschen Außenminister J. H. ders. wenn er hinter der Diskussion um eine Verfassung „eine Arglist“ vermutete (so in seiner Rede bei einem Kolloquium der Friedrich-Ebert-Stiftung. meinte auch H. dass eine konstitutionelle Debatte nicht unbedingt in einem einzigen Dokument enden müsse. Statt eines „Superstaates“ sah (und sieht) Blair Europa als „Supermacht“ und „wirtschaftliches Kraftwerk“ (vgl. weil er sich in der Position des Ratsvorsitzes zu diesem Zeitpunkt um kurzfristigere Ziele kümmern musste. auch ders. wonach die wichtigsten Bezugspunkte unserer Völker „auch in Zukunft die Nationen darstellen“ würden. Auch T. Er betonte wiederholt. aber nicht uns“. den Bürgern eine ernstzunehmende Stimme zu verleihen und Rechte der Mitgliedsstaaten zu garantieren. ebenda). denn die wichtigste Quelle demokratischer Legitimität seien die direkt gewählten nationalen Parlamente und Regierungen: „Europa ist ein Europa freier. die frei wählen. Dass die Deutschen den anderen einen europäischen Bundesstaat nach deutschem Vorbild überstülpen wollen. schon gar nicht bei einer so „dynamischen und komplexen Einheit wie der EU“. Rede zum zehnten Jahrestag der Deutschen Einheit am 3.und Sicherheitspolitik unter der Kontrolle des Parlaments umzusetzen hätte. 1).. 2000. Juni 2000. . Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 107 die jeweils ihre Seele und Identität bewahren möchten. Delors anzudeuten... ihre Souveränität in ihrem eigenen Interesse und zum gemeinsamen Gut zusammenschließen“ (vgl. Chirac. in dem Europa seinen Kommissionspräsidenten wählt und das Europäische Parlament eine echte Legislative und Europas wichtigste demokratische Kontrollinstanz wird“.tu-berlin. 5 ff..] und in Deutschland noch einen Bundeskanzler?“ (vgl. (2000). Zielsetzung des Verfassungsentwurfes war unter anderem. Obwohl er die Position Chevènements ablehnte. eine ‚Patentlösung‘ für Europa zu haben“.) Außerdem sei es für die Briten aufgrund ihrer eigenen Verfassungstradition „einfacher zu verstehen“. Juni 2000. Fischer. Rede vor dem Deutschen Bundestag: „Unser Europa“.

Dezember 2000. die „als Keimzellen der Integration“ Menschen auch „über nationale Grenzen hinaus verbinden“. Aufgaben und Herausforderungen“.108 B. Biedenkopf bewusst von Fischers „Föderation der Nationalstaaten“ als „Endpunkt der Integration“ ab. Während Biedenkopf die Absicht verfolgte.mic-fr. Deshalb sah Gabriel auch keinen Widerspruch 279 Siehe A. 2000.. 282 S. Europa vor dem Gipfel in Nizza: Perspektiven. Constitution de l’Union Européenne. S. weil sie die Tendenz einer durch die nationalen Exekutiven dominierten Regierungsform“ verstärke. Die Dominanz größerer über die kleineren Mitgliedsstaaten würde so aufgehoben und die Union würde handlungsfähiger. 280 Vgl.] kaum vereinbar“ sei. Chiracs Leitbild ist zwar moderater. in: C. 280 Eine „Föderation der Nationalstaaten“ befördere die Behauptung und Durchsetzung nationaler Interessen und die Reaktivierung der Nationalstaaten im Falle von Krisen“.de/uploads/media/ef-2000-1.). Juni 2000 in Hannover.H. Bei „Fortdauer der Nationalstaaten“ seien der „Steigerung der Verbundsintensität dauerhaft Grenzen gesetzt“. doch erwähnt er beispielsweise die Kommission auch nicht. K. Mény / J.... Juppé / J.] die Länder auf Kosten der nationalen Parlamente über die Regionalpolitik der Europäischen Union zu stärken“ 281. vom 28.. abrufbar unter www . so Biedenkopf. 61 ff. Gabriel den Erhalt des Nationalstaates für eine Vorraussetzung. durch eine europäische Verfassung ratifiziert zu werden. . Ein „Europa der Regionen“ könnte. 4.H. Berlin. Die vom Außenminister geforderte Souveränitätsteilung zwischen Nationen und Europäischer Union sei „instabil“: Die „Größenunterschiede der Mitgliedsstaaten erlaubten keine dauerhafte Struktur“. 2000. Regierungserklärung am 21. 279 (c) Das Ideal eines „Europas der Regionen“ Neben den deutschen Bundesländer verfolgten gerade die Regierungschefs kleinerer Staaten das Leitbild eines „Europa der Regionen“. 6. What Kind of Constitution for What Kind of Policy? Responses to Joschka Fischer. Joerges / Y. Toubon. abrufbar unter www . Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung des Rates. der Beschränkung europäischer Kompetenzen und der übergeordneten Position der „Staatenkammer“ letztendlich um eine weitgehende Renationalisierung. hielt der glücklose niedersächsische Ministerpräsident S.org/proposition-mic-ce. 281 So K. der es rechtfertigen würde. „Grenzüberschreitende Euroregionen“ erlaubten die Bildung „selbstverwalteter Einheiten“. da „die Idee des Nationalstaates [. 70. Rede am Walter-Hallstein-Institut der Humboldt Universität.] mit einer demokratisch legitimierten Föderation [.. die Demokratisierung und Effizienz europäischer Politik besser gewährleisten. Fischers Föderation sei kein „Neubeginn. Biedenkopf.. Gabriel. „wirklich ernsthaft eine Revitalisierung des Föderalismus in Deutschland durchzusetzen“ 282. Es gab freilich Differenzierungen.eiz-niedersachsen. So setzte sich der sächsische Ministerpräsident K. Weiler (Hrsg. Fischers Griff nach einer Europäischen Verfassung.pdf. von Beyme. Contribution à une réflexion sur les institutions futures de l’Europe. „in einem Prozess der Regionalisierung [.rtf.

htm. Ciampi wollte sich nicht an „starre Schemata gebunden fühlen“. Auch E. Beck in der FAZ. der die Souveränitäts. kombinierten Formen allesamt brauchbar sind“. 6. Juli 2000. Clement. ders. auf der Grundlage ihrer jeweiligen Verfassungen die Kompetenzen mit ihren Nationalstaaten zu regeln“.II.und Kompetenzverteilung zwischen Europa und den Nationalstaaten horizontal und vertikal regelt“. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 109 zwischen dem Erhalt der Nationalstaaten und der Stärkung der Regionen: Ein „Verfassungsvertrag. Lipponen als Vertreter kleinerer Mitgliedsstaaten zu zählen. die in neuen. Stoiber sah den Kernpunkt eines Verfassungsvertrags Europas in der Frage: „Welche Kompetenzen behalten die Nationen und Regionen?“. sowie G. 2001. abrufbar unter www. dass die „Gemeinschaftsmethode“ unter der Prämisse ihrer „Rationalisierung.quirinale.it/ex_presidenti/Ciampi/Discorsi /Discorso. Beck: „Die Rechte der Bundesländer müssen in die EU-Verfassung“. So zeigte sich Kommissionspräsident R.asp?id=12718.. Rede anlässlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Leipzig.nrw. Rede in Berlin. S. dass „[. abrufbar unter www. abrufbar unter www. Staatenbund oder Staatenverbund unterschiedliche Hypothesen [verkörpern]. die in ihren Reden und Äußerungen keinem fest definierten Muster folgten. 285 Die Kommission. . Febr. So forderte im trivialen Duktus der rheinlandpfälzische Ministerpräsident K. aber mit einer Verfassung die Einbeziehung der supranationalen Institutionen garantieren wollen. Auch C. um der „Erosion regionaler Handlungsspielräume“ 283 durch immer weitere Kompetenzerweiterung der europäischen Ebene entgegenzuwirken und diese wiederzugewinnen. mit dem weiteren Hinweis. Der Gipfel von Nizza hätte die Schwächen der zwischenstaatlichen Methode 283 So der damalige Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens W.] die Begriffe Bundesstaat. 12. 284 Interview mit K. 285 C.pressearchiv. Dazu sind die Kommission. Lipponen und Verhofstadt richteten ihr Leitbild im Wesentlichen am Gemeinschaftsmodell aus. Juli 2000. 2.bayern. Ciampi.pdf ?PHPSESSID. sollte nämlich gleichzeitig „den Regionen und Ländern Spielräume verschaffen. Allen Konzepten der Bundesländer ist die zentrale Forderung nach einer verfassungsmäßigen Kompetenzabgrenzung zwischen den Regionen und der Europäischen Union gemeinsam. Vereinfachung und Erweiterung die Zukunft der Union“ wäre. das Europäische Parlament (bereits aufgrund der Heterogenität der immanenten Ansätze). vgl. November 1999 in München.de/Presse-Info/Regierungserklaerungen/pdf/reg_000322. Rede am 13. 284 (d) Ein offenes Leitbild mit Gemeinschaftsansatz In diese Kategorie fallen jene Akteure.. Prodi fest davon überzeugt. Europa gestalten – nicht verwalten. 5.de/01_textdienst/12_reden/2001 /mskr20010212_1. Verhofstadt (bis 2005) und P.. Die Kompetenzordnung der EU nach Nizza.

2000. abrufbar unter www. (e) Zwischenfazit Zusammenfassend ist festzuhalten.de/europa/01lvkvjf/102LV/haensch. Ziel und Zukunft der Einigung Europas.. mit einem Rat. welches auf dem institutionellen Dreieck der Gemeinschaftsmethode beruhe. 21.europaweb. dass keiner der benannten Spitzenpolitiker – unabhängig von seiner Meinung zur Konstitutionalisierung der Europäischen Union – einen ‚Superstaat Europa‘ errichten wollte. war die Kommission von „ausschlaggebender Bedeutung“. Juni 2000.de/aktuell/dossier/reden/verhofstadt. Welche Zukunft für welches Europa? Rede am 24. ebenda sowie K. Legitimität“ nur mit der Gemeinschaftsmethode gewährleistet werden.htm. Rede vor dem Europäischen Parlament am 17. 2001. Rede des belgischen Ministerpräsidenten v. 9. Verhofstadt. der die Prioritäten der Union festlege und zusammen mit dem Parlament als Gesetzgeber fungiere (vgl. . Die Ablehnung des Verfassungsbegriffs ist 286 R.int/comm/igc2000/dialogue/info/offdoc/index_de.shtml. als es ein Leitbild der „Union der Staaten und Bürger“ benannte. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung gezeigt. Hänsch. 289 Vgl. Brügge.be/About_The_EPC/EPC_Documents/Communications_Doc/305. Lipponen. S. 2000. „Eine ‚starke Kommission‘ müsse ihre Kraft aus einem ‚neuen Verhältnis mit den anderen Institutionen‘ schöpfen. A Vision of Europe. sondern beispielsweise auch von kritischen Stimmen wie J. 289 Die Bedeutung des Begriffs „Föderation“ wurde vor diesem Hintergrund nicht mehr ausschließlich von Verfassungsbefürwortern benutzt. 3. abrufbar unter www. 287 Gleichzeitig betonten die meisten der genannten Akteure. Speech at the College of Europe.htm. A Vision of Europe. umfassend auch S. 286 Das Parlament verfolgte wohl eine ähnliche Absicht. Die Debatte um eine europäische Verfassung. Juni 2001. Rede vom 21.110 B. Zumal die vehementesten Befürworter einer Verfassung wie Fischer oder Rau sich ausdrücklich von einem Europa á la Bundesrepublik distanzierten und mittels der Staatenkammer und dem Kompetenzkatalog Zentralisierungshindernisse in ihr Konzept mit einbauten bzw. könnten „Transparenz. abrufbar unter www. 2000. Prodi. 287 So im Bericht des Europäischen Parlaments zu der Konstitutionalisierung der Verträge. abrufbar unter europe. Rede auf der Landestagung der Europa-Union Hessen. CAP-Working Paper. 10.asp ?ID=305). Verhofstadt. S. ders. Dies würde auch die Gleichberechtigung jedes Mitglieds im Ministerrat nötig machen.fi/english/speech/20001110e. Für P. 288 Einmal mehr sollte der Hinweis folgen. sogar die Renationalisierung einzelner Politiken befürworteten. Volkmann-Schluck. abrufbar unter www.theepc.eu. damit in Zukunft nicht mehr die größeren über die kleineren Staaten dominieren könnten. 288 Vgl. 9.vn. 17. Januar 2001. Effizienz. 30 f. Delors. Nur einheitliches Handeln. Nach G.europadigital. November 2000. dass sie damit weder für die „Staatswerdung Europas“ noch etwa für einen „europäischen Superstaat“ plädierten. G. die Europäische Union sei eine Rechtsordnung sui generis.htm. würde auch in Zukunft zu Ergebnissen führen. die den Ministerrat und das Parlament als wirklich gleichberechtigte Legislativen vorsehen sollte.

Fischer. Weiler (Hrsg. Ciampi sollte eine europäische Verfassung erforderlich sein. Fischer griff hier – wenn auch nicht explizit – die These auf. 28. Ähnlich argumentierte auch J. J. Vom Staatenverbund zur Föderation – Gedanken über die Finalität der Europäischen Integration. 291 J. in: C. What Kind of Constitution for What Kind of Policy? Responses to Joschka Fischer. Chirac. denn ein „Faktum der europäischen Realität sind [.und Identifikationsfunktion (klare Festlegung von Normen und Werten). Begrenzungsfunktion (individuelle Bürger. Joerges / Y. 292 J. Andererseits forderten die meisten Verfassungsbefürworter die Vertiefung der politischen Integration. Organisationsfunktion (vertikale und horizontale Gewaltenteilung).II. (a) Die Legitimationsfunktion als Gradmesser der (politischen) Verfassungsdebatte – das US-Modell als Vorbild? Alle Beobachter und Politiker betonten während der Debatte um eine künftige Verfassung.. v. während die Verfassungsskeptiker die Europäische Union vorrangig als Wirtschaftsgemeinschaft sahen. Rede vor dem Deutschen Bundestag am 27.H. (4) Das Wechselspiel zwischen Verfassungsfunktionen und politischer Diskussion Maßgeblich für diese Untersuchung ist die Feststellung. nämlich die Legitimationsfunktion (Berufung auf eine verfassungsgebende Gewalt und Garantie von Partizipationsrechten). in: FAZ Nr. Mény / J.). Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 111 daher zum Teil durch „institutionalisierte Wirklichkeitskonstruktionen“ 290 bedingt: Gerade euroskeptische Regierungen verbanden mit den Begriffen „Verfassung“ und „Föderation“ immer noch die althergebrachte Vorstellung eines europäischen Superstaates. Mai 2000.] die unterschiedlichen politischen Nationalkulturen und deren demokratische Öffentlichkeiten. Chirac: Wegen ihrer „politischen. um zu „de290 K. getrennt zudem noch durch die auffälligen Sprachgrenzen“ 291.H. kulturellen und sprachlichen Traditionen“ würden „auch in Zukunft die Nationen die wichtigsten Bezugspunkte unserer Völker darstellen“. S. Fischers Griff nach einer Europäischen Verfassung. 147 v. Rede an der Humboldt-Universität Berlin. sich aber gleichzeitig die juristische Auffassung durchsetzen konnte. 67. der rechtliche Rahmen der Europäischen Union habe sich bereits weitgehend zur Verfassung entwickelt. 2000. dass bisher alle politischen Verfassungsentwürfe der Integrationsgeschichte gescheitert sind. 6. dass das Europäische Parlament nie die Rolle der nationalen Parlamente übernehmen könne. sind vier essentielle Funktionen und Merkmale einer modernen Verfassung anzusetzen und auf den europäischen Kontext zu übertragen. 12. Beyme. 61 ff. Juni 2000. Um diesen Widerspruch zu erklären. 292 Laut C.und Menschenrechte) sowie die Integrations. 10 f. dass die Legitimationsquelle der Europäischen Union nicht allein aus dem bisherigen Europäischen Parlament entspringen könne.. . 2000.. S.

FAZ. Das Redemanuskript des Auswärtigen Amtes entspricht der im Wesentlichen frei gehaltenen Rede nur in Grundzügen. S. Lipponen und Chirac – erwähnten das Zwei-Kammer-System indes nicht ausdrücklich. Juni 2000 mit Johannes Voggenhuber. gleichzeitig zwei Mandate „auch nur annähernd sachgerecht auszuüben“. Zahlreiche Abgeordnete warfen Fischer vor. 294 Diese „Souveränitätsteilung“ sollte sich in einem Zwei-Kammer-System manifestieren. S. Ciampi. ohne dass sie dabei „die Identität der einzelnen Nationen auslöscht“. Nach Fischers ursprünglicher Auffassung sollten die Abgeordneten der ersten Kammer zunächst „zugleich Mitglieder der Nationalparlamente“ sein. Lediglich wenige Politiker – wie Ciampi. Ähnlich wie in den USA sollten in der ersten Kammer die direkt gewählten Europa-Abgeordneten sitzen. Das US-Vorbild des Kongresses schimmerte hierbei erst schüchtern hindurch. führe ein solches Doppelmandat zu einer „Schwächung des Europäischen Parlaments und seiner Kontrollfunktion“. vgl. 297 293 C. Andere Befürworter einer Verfassung hatten ihre Ideen über die Zusammensetzung dieser beiden Kammern im Laufe der Debatte wiederholt modifiziert. garantieren. 6. 293 Eine europäische Verfassung sollte deshalb die Souveränität der EU-Bürger auf beiden Ebenen. 294 J. dass das EP die „unterschiedlichen nationalen Öffentlichkeiten tatsächlich zusammenführt“. der europäischen wie der nationalen. er stelle die Eigenständigkeit des Europäischen Parlaments in Frage. von dem eine Kammer die Bürger und die andere die Staaten vertritt. Fischer folgerte daraus: „Ein europäisches Parlament muss deswegen immer ein Doppeltes repräsentieren: Ein Europa der Nationalstaaten und ein Europa der Bürger“. 4. Rede anlässlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Leipzig. vgl.112 B. Fischer. 296 Dem entsprang schließlich ein weiteres Konzept Fischers. dazu den Bericht über das Diskussionsforum am Walter-Hallstein-Institut vom 22. 7. Rau in den Namensartikeln in Le Monde und der FAZ schon im November 1999 für dieses System plädiert. . November 1999. 8: „Rede vor dem Europäischen Parlament in Straßburg: Fischer fordert Entscheidungen über die Zukunft der EU“. denn nur so sei gewährleistet. ders. der in seiner Humboldt-Rede das Zwei-Kammer-System nach eigenen Angaben als erster aus der politischen Szenerie auf die Agenda gebracht haben wollte 295 und diesen institutionellen Ansatz gleichwohl bald zu relativieren wusste. 295 Tatsächlich hatte J. ebenda. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung monstrieren. 296 Da es zeitlich nicht möglich sei. In seiner Humboldt-Rede (2000). nachdem dieser Vorschlag auf heftige Kritik in vielen Fraktionen des Europäischen Parlaments gestoßen war. 8: „Die Quelle der Legitimation deutlich machen“. Gegenposition zu Joschka Fischer aus dem Europäischen Parlament“. vgl. es fand aber nicht ein vergleichbares Echo. 297 Dazu SZ. MdEP und Vorsitzender des Ausschusses für konstitutionelle Fragen (Grüne): „Umfassende Demokratisierung gefordert. Fischer (2000). dass die letztliche Quelle für die Legitimität der Institutionen der Europäischen Union bei den Bürgern liegt“. Juli 2000. welches er vor dem Europäischen Parlament am 6. Juli 2000. die Zweite Kammer dafür aus Delegierten der nationalen Parlamente bestehen. So auch J. Juli 2000 darstellte.

und zwar durch den „Ministerrat und das Europäische Parlament“ (Konstitutioneller Ausschuss: Bericht über die Vorschläge des Europäischen Parlaments für die Regierungskonferenz. hatten sich die Positionen zwischen den Verfassungsbefürwortern mittlerweile polarisiert: Am einen Ende der Skala standen die Befürworter von mehr Supranationalität. „in denen das Parlament oder der Rat das letzte Wort haben“ sollten (ebenda. in dem „alle Gesetzgebung doppelt legitimiert sein muss: Durch eine Mehrheit der gewichteten Stimmen der Mitgliedsstaaten im Rat und durch eine Mehrheit im Parlament“ (Vgl. Hänsch auf der Landestagung der Europa-Union Hessen.: A5 –0086/2000. und das Europäische Parlament ein generelles Mitentscheidungsrecht erhal298 .und Bundesratsmodell – setzte sich ersteres in der Debatte durch. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 113 Hatte Fischer in seiner Humboldt-Rede noch zwei Alternativen zur Stimmenverteilung dieser „Staatenkammer“ vorgeschlagen – das Senats. S.. dazu etwa die Rede von K. die Partizipationsmöglichkeiten der Bürger durch mehr Mitspracherechte der Regionen auszuweiten. 299 Verfechter von mehr Supranationalität forderten ein Zwei-Kammer-System. 17). Europa als demokratischer Staat. in dem das Europäische Parlament und der Ministerrat gleichberechtigt Gesetze erlassen könnte. Juni 2000. noch deutlich machte. die dem Europäischen Parlament nur eine untergeordnete Rolle gegenüber dem Ministerrat zuweisen wollten. Während Fischer weder ein konkretes Rollenverhältnis zwischen beiden Kammern definierte. Der konstitutionelle Ausschuss modifizierte diese Forderung. dass die „Komposition. 300 Ein drittes Modell zielte darauf ab. sowie das Papier von W. und das Europäische Parlament als Vertreter der europäischen Völker. Dok. Auch Andere befürworteten in späteren Reden das Senatmodell mit je zwei Abgeordneten pro Mitgliedsstaat.. 19. das Funktionieren und die Balance zwischen den Institutionen der Union“ die „doppelte Legitimität als eine Union der Völker und eine Union der Staaten“ reflektieren müsse. den Rat und das Europäische Parlament zu den Kammern einer einzigen Legislative zu entwickeln.] the constitutional principle that the Union of Peoples is represented by the European Parliament and the Union of the States is represented by the Council“).II. S.. 27. Mahrhold. Teile des Europäischen Parlaments sahen vor.. 301 So beispielsweise J. 298 Vor allem die kleineren Länder wie Belgien und Finnland warben aus offensichtlichen Gründen für das US-Modell. Oktober 2000). betonte aber mehrfach. Rau. indem er die „Aufteilung in zwei Gruppen von Rechtsakten“ verlangte. Rede beim VIII Kongress der Eurochambres Berlin..] therefore [. 298 ff. der für die gleichberechtigte Repräsentation mit einer „gleichen Anzahl von Stimmen“ in der zweiten Kammer warb (vgl. Zahlreiche Abgeordnete forderten in Anlehnung an die früheren Verfassungsentwürfe aus der Mitte des Europäischen Parlamentes ein „echtes Zwei-Kammer-System“. 5: „An overall equilibrium must be struck between the small and large States [.). die kleinen Staaten müssten gleichberechtigt mit den großen Staaten repräsentiert werden. März 2000. Am anderen Ende waren die Intergouvernamentalisten auszumachen. Nr. wobei ein ständiger Rat als Beauftragter der Mitgliedsstaaten fungieren sollte. Die neue Europadebatte. Görlach / J. 3. Diese Vorschläge kamen vor allem von französischer Seite. 2001. 300 Laut G. S. 299 Im Zuge von Nizza plädierten auch Regierungschefs verstärkt dafür. Die Kommission äußerte sich nicht explizit zu diesem Modell. Linkohr. ders. Leinen / R. Verhofstadt sollte im Rat die Beschlussfassung mit qualifizierter Mehrheit gefasst werden. in: H. ob die zweite Kammer den Ministerrat ersetzen würde.

somit auch bezüglich der Stichworte „Europäische Regierung“ und „Kompetenzkatalog“ befasst. Schröder in seiner Funktion als SPD-Parteichef. April 2001. Auch W. Das Europäische Paralment würde zur „Bürgerkammer“ werden.und Begrenzungsfunktion in der Verfassungsdebatte Die wissenschaftliche und politische Debatte um die Berücksichtigung der Organisationsfunktion ist zwar mit Blick auf die Wechselwirkungen dieses Prinzips eher dürr 302. 21. . Ähnlich argumentierte auch E. S. Rede in Göttweig am 24. September 2000. ders. Überlegungen auf französischer Seite waren diesen bundesstaatlichen Tendenzen entgegengesetzt. sehr verschiedenen Nationalstaaten“ (K. Rede vor dem European Policy Center in Brüssel. Juni 2001. Febr. eingehender S. Auch P. sondern sich aus dem Ausschuss der Regionen entwickeln könnte (ebenda (2000)). überschaubare Einheit“ der Region den Bürgern mehr Partizipationsmöglichkeiten. 9). Er plädierte nicht nur für den „Ausbau des Rates zu einer europäischen Staatenkammer“ und für die „weitere Stärkung der Rechte des Europäischen Parlamentes mittels Ausweitung der Mitentscheidung“. 34 ff. sondern forderte damals als einziger Regierungschef die „volle Budgethoheit“ für das Europäische Parlament (hier G. S. Lipponen und G. erlaube die „kleinere. Rau vor: „Der Ministerrat soll zur Staatenkammer werden. Biedenkopf schlug sogar vor. ders. 2). Beide Kammern sollten „gleichwertig und gleichberechtigt entscheiden“ (J. Speech at the College of Europe in Brügge. 302 Vgl. S. 27. Die Debatte um eine europäische Verfassung. Plädoyer für eine Europäische Verfassung. in der jeder Staat. Während vor allem in den bevölkerungsreicheren Mitgliedsstaaten der Nationalstaat nur einen „geringen Bezug zur Bevölkerung“ herstellen würden. Die Neogaullisten A. aber aus der politikwissenschaftlichen Lit. S.. CAP-Working Paper. Rede in Berlin. Rede am Walter-Hallstein-Institut der Humboldt Universität Berlin. S. dass das Europäische Parlament „als Bürgerkammer in allen Bereichen mit dem Rat gleichberechtigt entscheiden“ sollte (vgl. zitiert nach dem SPD-Leitantrag „Verantwortung für Europa“. Schröder. Lipponen. Die Debatte um eine europäische Verfassung. Toubon verorteten Legitimität und Kompetenzkompetenz hauptsächlich bei den Nationalstaaten. Die Regionen wären demnach „angesichts ihrer besseren Vergleichbarkeit nach äußerer Größe und innerer Homogenität eine geeignetere Basis staatlicher Repräsentanz in Europa“ als die „größeren. 12. 10. G.. Stoiber. Europa vor dem Gipfel in Nizza: Perspektiven. abrufbar unter www. vertreten durch seine Regierung. November 2000. 2001). Clement forderte. 2001.114 B. Volkmann-Schluck. 2001. 38 ff. abstimmt“. Verhofstadt. 5). dass die Zweite Kammer überhaupt nicht die Nationalstaaten vertreten solle. Biedenkopf in seiner Rolle als Ministerpräsident. Verhofstadt betonten die „wachsende Bedeutung der Regionen“ (P. S.bayern. mit zahlreichen Nachweisen S. Europa gestalten – nicht verwalten. 8). 303 ten ( vgl. gleichwohl haben sich zahlreiche Beiträge mit der Frage nach horizontaler Gewaltenteilung zwischen den Institutionen. Am weitesten ging Bundeskanzler G. Rede vor dem Europäischen Parlament am 4. 4.de/Berlin/ Veranstaltungen /Redenarchiv/?PHPSESSID=eb06875d90a340f2d38d4976). S. der beiden – Rat und Europäischem Parlament – ein Initiativrecht zubilligte (ders. 30. 4. 7). In ihrem Verfassungsentwurf vom Juni 2000 ist die „Chambre des Nations“ der Kammer der europäischen Abgeordneten deutlich übergeordnet. S. Die Kompetenzordnung der EU nach Nizza. Rau. CAP-Working Paper. Aufgaben und Herausforderungen. Das gleiche Konzept schlug auch J. Dezember 2000. 301 So argumentierten etwa K. September 2000. Juppé und J. A Vision for Europe. vgl. Volkmann-Schluck. Reformen für Europas Zukunft. Biedenkopf. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung (b) Organisations. April 2001. der vertikalen Gewaltenteilung. sowie die Regierungschefs der kleineren Staaten.

Gemeinsames Verfassungsrecht in der Europäischen Union. Müller-Graff / E. Sowohl Befürworter als auch Gegner einer Verfassung waren sich weitgehend einig. Europarecht. . S.-D. zunehmend mehr Macht auf die europäische Ebene zu übertragen. Brenner. 2003. 406 ff. Der Gestaltungsauftrag der Verwaltung in der Europäischen Union. welche die in den Verträgen verstreuten Grundrechte sichtbar machen sollte. Riedel (Hrsg. 4. S. in: JZ 1998. h. S. Aufl. die Verfassungsdiskussion in allen Mitgliedsstaaten an.und Bürgerrechten bildeten neben der Frage der Kompetenzabgrenzung den zweiten Kernpunkt der Verfassungsdiskussion. Fraenkel. in: JöR 49 (2001). 157 ff. in: P. 137 f. hing jedoch – wie historisch erwartbar – von den Interessen der einzelnen Akteure ab. 99 ff. Die Gewaltenbalance zwischen staatlichen und europäischen Organen.f)ii)... Das amerikanische Regierungssystem. R. H. 1998. dass das Subsidiaritätsprinzip durch einen klaren Kompetenzkatalog gesichert werden sollte und der Übertragung von Kompetenzen verfassungsmäßige Schranken entgegengesetzt werden müssten. Kirchhof. Europäische Verfassungslehre. S.). Während die früheren Entwürfe des Europäischen Parlamentes darauf abzielten. Nicht zufällig trieb demnach die auf dem Kölner Rat vom Juni 1999 beschlossene Ausarbeitung einer „Grundrechtecharta“ 304. Über den Grundsatz der Gewaltenteilung in Deutschland und Europa.. auf welcher Ebene die unterschiedlichen Politikbereiche ausgeübt werden sollen. S. Häberle. P. Ein Kompetenzkatalog stellte – neben der Grundrechtecharta – für viele die Konkretion des Verfassungsgedankens dar.A. Siehe des weiteren M. Statt der Vielzahl von Regelungen auf EU-Ebene als Ergebnis der induktiven Vergemeinschaftung sollten bereits in Fischers HumboldtRede die Kompetenzen nach dem Prinzip der horizontalen (zwischen den Institutionen). 287 ff. S.. Überlegungen zur verfassungsmäßigen Begrenzungsfunktion politischer Macht gegenüber dem Einzelnen in Form von Menschen. besonders aber der vertikalen Gewaltenteilung zwischen EU-Ebene und Mitgliedsstaaten geordnet werden. unter B.. Aufl. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 115 Die Forderung nach einer eindeutigeren Zuständigkeitsverteilung zwischen Europäischer Union und Mitgliedsstaaten bzw. 1998. indem die Kommission klarer der Exekutive zugeordnet würde und der Ministerrat sich auf legislative Aufgaben konzentriert hätte. 965 ff. Regionen stand und steht bis heute in zahlreichen Überlegungen an zentraler Stelle.II. Aus der Perspektive der amerikanischen Bundesstaatskonzeption bereits E. 2006. d. Aufl. Simm. Der gemeineuropäische Bestand von Verfassungsprinzipien zur Begrenzung der Ausübung von Hoheitsgewalt – Gewaltenteilung. Lorz. 1962. Horn. S. 6. Zum „institutionellen Gleichgewicht“ R. 304 Vgl. P. 217. 1996.II. M. Rechtsbindung. Die vertikale Gewaltenteilung. gestaltete sich die Organisationsfunktion der Verfassungsentwürfe um die Jahrtausendwende tatsächlich anders. Mit einem Kompetenzkatalog sollte das Prinzip funktional definierter Handlungsbefugnisse zugunsten rechtsgebietlich definierter Zuständigkeiten überwunden werden. Der Gerichtshof der Europäischen Gemeinschaften im föderalen Kompetenzkonflikt. 106.-C. Die meisten Akteure versprachen sich von dem 303 Aus der Lit. Föderalismus.2. So sollte die horizontale Gewaltenteilung besser organisiert werden. Streinz. 2.

Streinz. S.und Bürgerrechtskatalog auch eine Verbesserung der Akzeptanz der Europäischen Union. weil jene als „Wertegemeinschaft“ 305 identifizierbar würde. der Personifizierung von EU-Politik durch die Wahl eines Präsidenten. aktuelle analysen Nr. EU-Skepsiskultivierung Alle diskutierten Verbesserungen im Bereich der Legitimations-. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Menschen. Werte und Perspektiven nach dem Scheitern des Verfassungsvertrages und nach dem Vertrag von Lissabon. der klareren Nachvollziehbarkeit von Verantwortlichkeiten. in: Festschrift für Rupert Scholz. die sich seit Maastricht nicht verringert hat. 2008. Der europäische Verfassungsprozess – Grundlagen. Herdegen. 139 ff. 13 ff. Zudem sind die „Wahrnehmungsmängel“ der bereits in den EU-Verträgen und durch die Rechtssprechung garantierten europäischen Grundrechte wohl auch entscheidende Gründe für wachsende Unzufriedenheit. Als Indikatoren dieser Identitätskrise nannten die Politiker die steigende Europa-Verdrossenheit und die sinkende Beteiligung an den Wahlen zum Europäischen Parlament. S. Zahlreiche Beiträge zielten darauf ab. Das Problem hatte spätestens mit der Erweiterungswoge im Jahre 2004 noch an Dringlichkeit und Umfang zugenommen. Die mangelnde Identifizierung des Bürgers mit Brüssel war (und ist) für nahezu alle Verfassungsbefürworter ein zentrales Problem: Zwischen der Europäischen Union und ihren Bürgern besteht eine derart bemerkenswerte Kluft. 46 der Akademie für Politik und Zeitgeschehen der Hanns-Seidel-Stiftung. dass Europa kein „abstraktes Großprojekt mehr ist. sowie der Verständigung über grundlegende und identitätsstiftende Werte des Zusammenlebens die Identitätskrise zu beseitigen. Vgl. mittels der Verbürgung von mehr Bürgernähe durch Subsidiarität. Nachdem die Vergrößerung der Kritisch zur „Wertegemeinschaft“ R. auch M. 305 . Die negativen dänischen und irischen Referenda zum Euro und zum Vertrag von Nizza wurden als Folge einer Identitätskrise gewertet.116 B. Schröder in seiner Regierungserklärung vom 19. 2007. Begrenzungsund Organisationsfunktion sollten letztlich dazu beitragen. (c) Integrations. Die Europäische Union als Wertegemeinschaft: aktuelle Herausforderungen. Ein weiterer wichtiger Grund für die fehlende Akzeptanz der Europäischen Union bleibt freilich – auch praekonstitutionell – die Undurchsichtigkeit der Verträge. Januar 2001 (vgl.und Identifikationsfunktion: Transparenz und Bürgernähe. Das spätere französische „Non“ und das niederländische „Nee“ zum Verfassungsvertrag sind beredter Ausdruck einer „EU-Skepsiskultivierung“. das sich hinter verschlossenen Türen im fernen Brüssel oder in den Köpfen einiger Technokraten abspielt“ 306. Desinteresse und „EuroMüdigkeit“ der Bürger. Plenarprotokoll des Deutschen Bundestages). 306 So Bundeskanzler G. die in den letzten Europawahlen in nahezu allen Mitgliedsstaaten in bisher kaum für möglich gehaltene Wahlverweigerung umgeschlagen sind.

Oktober 1999). 2000 sowie Centrum für angewandte Politikforschung. dass man die klassisch-völkerrechtliche Sichtweise (unabhängiger Staat und internationaler Zusammenschluss) überwinden müsse. Als vordergründig banalste (und in der Umsetzung offensichtlich unerreichbare) Lösung dafür.. weil die konstitutionellen Garantien und Grundsätze in dem über Jahrzehnte gewachsenen.ksh?p_action. Die von I.Gedanken über die Finalität der europäischen Integration. Auch unter diesem Vorzeichen stand die Forderung nach einer Zweiteilung der Verträge in Artikel mit konstitutionellem Charakter (in einem Grundvertrag) und solche mit detaillierten Ausführungsbestimmungen. Danach stehen Verfassung und Rechtsordnung des Verbands „Europäische Union“ und der mitgliedstaatlichen Verbände in einem so engen Verhältnis der gegenseitigen Verweisung. unter anderem. Pernice 309) sind bereits damit messbare Grenzen gesetzt. European University Institute.eu. Die zwischen der EU und den Mitgliedstaaten bestehende Trennung werde durch den Prozess des konstitutiven Zusammenwachsens aufgehoben. Vom Staatenverbund zur Föderation. EU-Rechtsordnung und . immer komplexer gewordenen Vertragswerk und den Urteilen des EuGH für den Bürger nicht erkennbar sind. Abdruck seiner Rede vor der Humboldt Universität Berlin (2000). S. A Basic Treaty for the European Union. der gegenseitigen Anhängigkeit und der Verflechtung. 2000). aber eben auch der Vereinigten Staaten von Amerika könnte sich auf diesem Wege ein europäischer „Verfassungspatriotismus“ entwickeln.gettxt=gt&doc=SPEECH/00 /475%7C0%7CRAPID&lg=DE) bereits in der ersten Phase der Debatte an. Die „für die Europapolitik unverzichtbare Akzeptanz“ würde sich auch laut Fischer deshalb nur dann einfinden. dass sich die Bürger wieder als Teilnehmer des europäischen Gemeinwesens verstehen. auch ders. dass die Erweiterung „bei den Bürgern Sorgen und Ängste auslösen würde. Dem theoretisch nicht reizlosen Ansatz eines „Verfassungsverbunds“ (I. Nizza – und danach. in: EuR 1996. Selbst J. Damit können die Verträge nicht die integrative Kraft 307 J. 309 I. 308 Diese Überlegung resultierte aus dem Bericht der „Drei Weisen“. Ein Grundvertrag für die Europäische Union. Prodi. abrufbar unter www. Pernice entwickelte Konzeption des Verfassungsverbunds hat inzwischen hohen Bedeutungsgrad in der deutschen Debatte erlangt. Fischer. 308 Selbst eine „europäische Verbundsverfassung“ wäre dem Bürger nur schwer vermittelbar. weil die EU noch undurchsichtiger und unverstehbarer“ 307 würde. die Rede von R. 27 ff. Analog zu den Erfahrungen in der Bundesrepublik. 29. Europäische Union und Mitgliedstaaten sind danach rechtsnormativ in einer Weise zusammengewachsen. muss es auch aus diesem Grunde einen strukturellen Neuanfang geben. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 117 Europäischen Union von 15 auf 27 (plus x) Mitglieder die Auflösung zuordnungsfähiger Verantwortlichkeiten noch verstärkt und somit potentiell zu europäischen „Erosionsprozessen“ führt. den die Kommission im Oktober 1999 in Auftrag gegeben hatte (vgl. 28.int/rapid/start/cgi/guesten.II. Pernice.europa. dass man sie als Bestandteile eines miteinander zusammengewachsenen Verbundes betrachten müsse. wenn der „Zugang der Bürger zum Recht“ verbessert wird (vgl. Rede zu den Schlussfolgerungen des Europäischen Rates von Tampere. galt deshalb die Vereinfachung der bestehenden Verträge. Fischer warnte (sic!). Die Kommission stieß deswegen die Diskussion um die „Neugestaltung der vorhandenen Texte“(vgl. November 2000. Die Dritte Gewalt im europäischen Verfassungsverbund.

Die Verträge begrenzen Macht. Pernice. Die in der Vergangenheit immer wieder auftauchenden Konflikte zwischen dem Geltungsanspruch beider Rechtsordnungen wären damit hinfällig. Pernice. Die Komplexität führte aber nicht nur zu mangelnder Akzeptanz und Entfremdung von der Europäischen Union. nur I. welcher bereits in den sechziger Jahren europäischem Recht Vorrang vor nationalem Recht zusprach und ein Garant individueller Rechte wurde. . auch M. Rdnr. FIDE-Tagung 2002. Die Verflechtung hätte einen Grad erreicht. vgl. in: H. dass die Verträge und die EuGH-Rechtssprechung wesentliche Funktionen einer Verfassung nicht erfüllen können.118 B. Im Übrigen steht nicht die Frage nach der Souveränität bzw.). indem sie dem Bürger Wahlmöglichkeiten und Petitionsrechte einräumen. EU-Recht und nationales Verfassungsrecht. Unter dem Strich trugen alle Defizite im Bereich der Legitimation. Es hat sich gezeigt. weil die Bürger sich nicht als Träger des europäischen Gemeinwesens verstehen. indem sie die individuellen Menschenrechte der EU-Bürger schützen.). Im Hinblick auf das Zusammenwachsen der Verfassungen müsse auch von einer einheitlichen „Verfassung Europas“ gesprochen werden. vgl. 23. Grundgesetz Kommentar. nach dem Ausnahmefall im Zentrum des Denkens von Pernice. Dreier (Hrsg. Dies mündet in ein Verfassungsverständnis. in dessen Mittelpunkt die europäische Verfassungsgesamtheit steht.fide2002. sondern der Regelfall der Kooperation. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung einer Verfassung entfalten. in: 36 CMLRev. 20). Art. 1999. (zu finden im Internet unter www.und Integrationsfunktion einer Verfassung kaum erfüllen. Multilevel Constitutionalism and the Treaty of Amsterdam: European Constitution-Making Revisited?. sondern auch zu Koordinationsproblemen im politischen System selbst. womit auch die mangelhafte Organisationsfunktion der Verträge erneut angedeutet wäre. 703 ff. Deutscher Bericht für die XX. So legitimieren die Verträge europäische Macht. dass diese Konstitutionalisierung maßgeblich vom EuGH forciert wurde. S. Dramatisch (und fälschlicherweise gerne gleichgesetzt mit dem vorangegangenen Gedanken) war in der Folge auch der Identitätsverlust seitens der Europäischen Union. dass das ursprünglich zwischenstaatlich konzipierte europäische Recht der anfänglichen Wirtschaftsgemeinschaft im Laufe des Integrationsprozesses immer mehr konstitutionelle Funktionsnormen entwickelt hat. zwischen zwei verschiedenen Rechtsordnungen zu unterscheiden (vgl. der es konzeptionell nicht mehr sinnvoll erscheinen ließe. in der EUVerfassungsrecht und nationale Verfassungen aufgegangen seien. Häberle) aufgehen („Mehrebenen Verfassungsverbund“. kk) Folgerungen aus vier Jahrzehnten Verfassungsentwicklung Insgesamt hat sich herausgestellt. indem er dem Einzelnen Klagemöglichkeiten gegen Vertragsverstöße durch die Mitgliedsstaaten gab. Nettesheim. in der die mitgliedstaatlichen Verfassungen und die unionale Verfassung als „Teilverfassungen“ (P. Organisation und Begrenzung europäischer Macht zur mangelnden Identifizierung der Bürger mit Brüssel bei. Die Verträge können also die Identifikations.htm). 1998. I. Gleichzeitig ist aber auch offensichtlich geworden. denn sie leiten sich nicht vom pouvoir constituant eines souveränen Volnationale Rechtsordnung würden miteinander verschmolzen.org/reportseulaw.

waren die Verfassungsentwürfe des Europäischen Parlamentes zum Scheitern verurteilt. 312 310 Zum „Volksbegriff“ aus der Lit: A. in dem „zwischen den Mitgliedsstaaten und der Gemeinschaft sowie zwischen den Organen der EG ein sich fortwährend neu definierendes Gleichgewicht gesucht wird“. S. übersichtliches Dokument zu ersetzen. die Politik der Union demokratisch mitzugestalten. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 119 kes 310 ab und bieten dem Bürger nur unzureichende Möglichkeiten. Das Volk der Europäischen Union. Bieber. 1007 ff. sondern ein „mehrpoliges System“. die während der Integrationsgeschichte vom Europäischen Parlament entworfen wurden. Die Verfassungspläne. 312 Zitate nach R. wie sie üblicherweise vom Staat gewährleistet werden. Ähnlich versuchte der Herman-Entwurf von 1994. Häberle.): Staatswerdung Europas? Optionen für eine Europäische Union. die verhindern. 1991. die für das Funktionieren einer Verfassung unerlässlich ist. Wildenmann (Hrsg. um die Handlungsfähigkeit der Europäischen Union auch nach einer Erweiterung ihrer Mitgliederzahl zu sichern. Aufl.und Handlungsprobleme der Europäischen Union. verfügen würde. 2000. P. Häberle. 2001 zuvor schon in: Festschrift Hangartner. weil sie nicht gänzlich über die nötigen demokratischen Strukturen und Voraussetzungen. 306 f. 1998. die sie zu lösen versuchten. Augustin. So war der Entwurf der Ad-hoc-Versammlung eine Reaktion auf die KoreaKrise und sollte den Übergang zu einer politischen Gemeinschaft markieren. „europäische Öffentlichkeit“?. Der Entwurf des Parlamentes von 1994 reagierte auf die Akzeptanzkrise nach dem Maastrichter Vertrag. S. dass eine europäische Öffentlichkeit 311 zustande kommt. dem Bürger aber kaum Gestaltungsmöglichkeiten europäischer Politik gegeben hatte. diese Defizite zu lösen und die unübersichtlichen Verträge durch ein einzelnes.II. wenn eine innere Krise diese Probleme sichtbar machte oder wenn die europäische Integration durch Einflüsse von außen sich qualitativ veränderte. der zwar immer mehr politische Befugnisse auf die Gemeinschaft übertragen. dass eine europäische Konstitution nicht die staatlichen Verfassungen ersetzen kann. ein neues Selbstverständnis der Europäischen Union nach dem Ende des Kalten Krieges zu definieren. Europäische Verfassungslehre. vgl. Erschwerend kommen die Sprachbarrieren zwischen den Mitgliedsstaaten hinzu. 2006. Obgleich die Akzeptanz. Auch aus diesem Defizit lässt sich schließen. Zu Inhalt und Kritik eines normativen Begriffs. da sie die besonderen Bedingungen einer europäischen Konstitutionalisierung nicht genügend berücksichtigten. S. Initiativen zur Konstitutionalisierung der Europäischen Union entstanden immer dann. 311 Grundlegend P. Die beiden neueren Entwürfe des Europäischen Parlamentes von 1984 und 1994 entstanden.. in: R. 4. 393 ff. . Die Verfassungsentwicklung der Europäischen Union stellt keinen „eindeutig abgrenzbaren linearen“ Prozess dar. hatten zum Ziel. Verfassungsentwicklung und Verfassungsgebung in der EG. 412 f. sich im Laufe der Integration verschärften und spätestens seit Maastricht auch zur gelegentlich offenen Verweigerung der Europäischen Union (Wahlen!) umschlugen.

149 ff. S. S.P.. in dem die nationalen Verfassungen und das europäische Primärrecht Teilelemente eines Europäischen Verfassungsverbundes bilden“. 767 ff. Europäische Prinzipienlehre. H.D. „In einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen . in: Der Staat 41 (2002). Classen u. Der europäische Verfassungsverbund auf dem Weg der Konsolidierung. S. Kilian. (Hrsg. Die Europäische Gemeinschaft. 316 Bemerkenswert äußerte sich auch der EuGH – bereits in diesem Kontext – . H. in: C. Pernice ist eine „geschachtelt konstituierte europäische Gesamtordnung“ entstanden. der in seiner berühmten Les Verts-Entscheidung bestätigte. Der Visionär. Anmerkungen zu einer Europäischen Verfassung. Der unvollendete Bundesstaat. 2002. a. dazu allgemein A. von Bogdandy. 1969.. 197 ff... 315 Vgl. in: JZ 2003. Zur Europäischen Union als „Rechtsgemeinschaft“ R. 1319 ff. 205 ff. Bd. Aufl. potenziell unbeschränkter Kompetenzfülle von Gebiets. 1999. (Hrsg. „dass die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft eine Rechtsgemeinschaft der Art ist. 2007. in: JöR. S. S. R. Häberle. S. Zu W.. Wege zur Europäischen Verfassung. Hallsteins Werke dürfen zu den Klassikern des gemeinschaftsrechtlichen Schrifttums gezählt werden. Die Europäische Gemeinschaft im System der Staatenverbindungen.. Pernice. 313 . Ipsen. in: EuR 2002. 1972. I. Scholz. S. M. Elemente einer Theorie der Verfassung Europas. 1972. die „ein einheitliches. 2001..). S. Europäische Verfassungslehre in Einzelstudien. 18 ff. in: ZG 2002. Die Europäische Verfassung. A. vgl. 210. in: ders. Peters. Die Vorzüge der europäischen Verfassung. Pache. 2001. 313 ll) Die Verfassungsqualität der Gemeinschaftsverträge In der Literatur ist man sich inzwischen weitgehend einig.. 1973. dass das Primärrecht der Europäischen Union Verfassungsqualität 314 hat. 49. Europäisches Gemeinschaftsrecht. Die rechtsdogmatische Qualifikation der Europäischen Gemeinschaften bereitete hingegen schon zur Zeit ihrer Gründung erhebliche Schwierigkeiten. 1 ff.. föderal strukturiertes System bildet. Zwar charakterisierte schon W. 48 (2000). in: Festschrift Steinberger. Streinz. Zuleeg.120 B. Europäisches Verfassungsrecht.und Personalhoheit“. 316 W. S.. dass aber unter Zugrundelegung eines substantiell angereicherten Verfassungsbegriffs Defizite bestehen. S. 395 ff. 1. ders. Hallstein die EWG als „Rechtsgemeinschaft“ und nicht lediglich als ein Bündel völkervertraglicher Rechte und Pflichten der verbundenen Staaten. Europäische Erfahrungen und Erkenntnisse. 2003. auch ders. Europäische Verfassungslehre. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Laut I. A. E. Pernice. Rechtsstaatliche Anforderungen an einen Staatenverbund. Die Europäische Union als Rechtsgemeinschaft. Rupp. 315 Im Zuge ihrer weiteren Entwicklung und Ausgestaltung zu einer politischen Union und „Werte-Gemeinschaft“ haben sich diese noch erheblich verstärkt. 4. in: Festschrift für Detlev Merten. 314 Grundsätzlich zur Frage eines konstitutionellen Europas: P. 119 ff. 359 ff.). sieht in der Gemeinschaft einen Zweckverband und unterstreicht damit auch den Unterschied zur „Staatlichkeit als umfassender geistig-sozialer Wirklichkeit.. Aufl.“. Hallstein: M. Hallstein. Eine Verfassung für Europa – Krönung oder Kollaps der Europäische Integration?. 2006. dass weder die Mitgliedstaaten noch die Gemeinschaftsorgane der Kontrolle I. Riklin. Liber amicorum Thomas Oppermann. S.H.

auch W. 2000 im Rahmen des Studienganges Journalisten-Weiterbildung der Freien Universität Berlin. „Verfassungs-Konvent“ und neue Konventsmethode. vgl.fu-berlin. Das Recht der internationalen Organisationen – eine Entwicklungsstufe des Völkerrechts. 6 EGKS 318 317 . Vgl. die Gemeinsame Außen.). 281 und 282 EGV. etwa M.und Sicherheitspolitik (GASP) als zweite Säule sowie die Polizeiliche und Justizielle Zusammenarbeit in Strafsachen (PJZ) als dritte Säule. 11. stehen“. 319 Zur rechtlichen Natur der Europäischen Union sei noch ergänzt. 38 f. die Union (noch) mit dem herkömmlichen begrifflichen Instrumentarium des Staatsrechts oder des Völkerrechts qualifiziert werden können 318 oder ob sie sich einer solchen Einordnung konzeptuell bereits entziehen. Hummer.II. dass die Union zunächst auf mehreren. Diese „drei Säulen Europas“ umfassen die Europäischen Gemeinschaften als erste Säule (Die Europäischen Gemeinschaften (die EG. 55 f. Nur die Europäischen Gemeinschaften sind sowohl im völkerrechtlichen Sinne als auch im innerstaatlichen Rechtsverkehr im Rahmen der Kompetenzen der EG rechtsfähig. Vom Dickicht der Verträge zur europäischen Verfassung? Vortrag vom 27. Instrumente zur Verstaatlichung der Union. S. Meng. in: Politische Studien. Herdegen. Das Primärrecht der Europäischen Union setzt sich zusammen aus dem primären Gemeinschaftsrecht (das durch die vertraglichen Grundlagen der Europäischen Gemeinschaften gebildet wird) und den Grundlagenverträgen der Europäischen Union. 319 EuGH Slg. die teilweise auf die Organe der Europäischen Gemeinschaften zurückgreifen. 1339 (1365 f. Der Europäische Verfassungskonvent – Strategien und Argumente. (Ausdrücklich anerkannt in den drei Gründungsverträgen: Art. die jedoch auf das jeweilige nationale Recht nur mittelbaren Einfluss haben. Wesentlich für die Begründung dieses supranationalen Staatenzusammenschlusses ist die Übertragung von Teilen nationaler Hoheitsgewalt durch die Mitgliedstaaten auf die Europäischen Gemeinschaften. in denen die Staaten auf der Grundlage völkerrechtlicher Verträge. intergouvernementale Zusammenarbeit wirkt insbesondere in den Bereichen der zweiten und dritten Säule der Europäischen Union.). ob ihre Handlungen im Einklang mit der Verfassungsurkunde der Gemeinschaft. 2006. Während es sich bei der zweiten und dritten Säule um Strukturen mit rein intergouvernementaler Zusammenarbeit handelt. kooperieren. 1993 in Kraft getretenen Vertrag von Maastricht Untereinheiten der Europäischen Union und wurden durch diesen Vertrag ergänzt um PJZ und GASP. die EGKS – im Jahr 2002 in die Anwendungsbereiche des EGV überführt – sowie die Euratom) bilden seit dem am 01. 1979. Sonderheft 1/2003. Heintzen. das Sekundärrecht besteht aus allen Rechtsakten.. umfassend bereits W. dem Vertrag. Art. 8. ob die Gemeinschaften bzw.html). www. 11. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 121 darüber entzogen sind. Die sog. die beispielsweise im Fall der Europäischen Kommission und des EuGH auch unabhängig von nationaler Willensbildung tätig werden. Dadurch liegt sowohl legislative als auch judikative Entscheidungsund Regelungsgewalt gegenüber den Völkern dieser Staaten in den Händen der Europäischen Gemeinschaftsorgane. S. Europarecht. die auf der Grundlage des Primärrechtes gesetzt werden und ebenfalls mittelbare als auch unmittelbare Wirkung annehmen können. in der Art der Zusammenarbeit zwischen den Staaten abgestuften Gemeinschaften basiert.de/jura/netlaw/pubikationen/beitraege/ss00-heintzen. 317 Unentschieden blieb jedoch die grundlegende Frage. Zugleich eine Untersuchung zur Rechtsnatur des Rechts der Europäischen Gemeinschaften. Aufl. 1986. bilden die Europäischen Gemeinschaften eine besondere Form völkerrechtlicher Verträge durch Ihren Charakter als „supranationale Organisationen“ und sind in ihrer rechtlichen Gestalt weltweit einzigartig (so auch M. 53 ff.

dass man innerhalb eines weiter gefassten Verfassungsbegriffs verschiedene Verfassungstypen unterscheidet. 1969. 65). 64.).. ein in sich geschlossenes System. 398 ff. Europäisches Gemeinschaftsrecht. Unübersehbare Parallelen zwischen den Gründungsverträgen der Europäischen Gemeinschaften und einer Verfassung haben im europarechtlichen Schrifttum allerdings schon früh zu einer verfassungsrechtlichen Interpretation der Verträge geführt. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung In die Verfassungstheorie lassen sich nichtstaatliche Verbände dadurch dogmatisch einbeziehen. normativen Verfassungsbegriffs der Verfassungstheorie gedacht. dabei war durchaus an eine Verfassung i. 323 Vgl. Planung I. während weitere Lehren nur für bestimmte Verfassungstypen gelten und allenfalls nach umsichtiger Anpassung auf andere übertragen werden können. 322 Vgl. M. 1965. 54. 29 ff. 320 T. H. die bundesstaatliche Gliedstaatsverfassung und – ggf. d. 229 ff. Ipsen. Schmitz ist zuzustimmen . S. dass sie eine Grundordnung enthielten. Ophüls. S. Integration in der Supranationalen Union. Herdegen (2006). das im Gemeinschaftsrecht ähnlich herrsche wie die staatliche Verfassung im nationalen Bereich. welche sich ursprünglich auf die Schaffung eines gemeinsamen Marktes und die damit verbundenen Wirtschaftspolitiken beziehen (sollten). – die Unionsverfassung. S. S. 320 Die Einbeziehung staatsähnlicher Verbände bedeutet demnach also keine vollständige Gleichstellung einer etwaigen Unionsverfassung mit der eines Staates.P. Kaiser (Hrsg. Bisher sind nach der Art des Verbandes drei Verfassungstypen zu unterscheiden. in: J. Siehe bereits ders. S.F. 321 C. nämlich die Staatsverfassung. die Verträge unter Hinweis auf ihre zum Teil verfassungstypischen Regelungsinhalte und Funktionen als Verfassung zu charakterisieren. . Der Europäische Gerichtshof als Verfassungsgericht und Rechtsschutzinstanz. S. Ipsen. T. Recht und Politik der Planung in Wirtschaft und Gesellschaft. Die Europäischen Gemeinschaftsverträge als Planungsverfassungen. 1983.H. 184 und 185 Euratom). Als „Zweckverband“ ist ihr Geltungsbereich im Gegensatz zur Verfassung also nicht universal. 2001. Schwarze (Hrsg. Ipsen benannte sie später angesichts der bereits mehrfach erfolgten Vertragsänderungen als „Wandelverfassungen“. 1972. dass die essentiellen Lehren der Verfassungstheorie auf alle Verfassungstypen anwendbar sind. in: J. Schmitz. Bereits Ophüls verwies darauf. Die Verfassungsrolle des Europäischen Gerichtshofs für die Integration.122 B. wo vom „Inbegriff des Primärrechts“ als der „materiellen Verfassung der Gemeinschaft“ die Rede ist. Fusionverfassung Europäische Gemeinschaften. 323 Anders als eine Verfassung im „klassischen“ Sinne sowie Art. (1) Ausgewählte Verfassungsattribute Die Verträge sind Verträge zwischen Mitgliedstaaten. Die EU sollte dagegen bisher augenscheinlich keine auf völkerrechtlicher Ebene rechtsfähige Organisation sein (vgl. S.). 321 Hinsichtlich der teils erst für spätere Zeitpunkte festgelegten Integrationsschritte sprach er von „Planungsverfassungen“. H. sondern auf einzelne Politikbereiche begrenzt.P. 322 In den achtziger Jahren ging die Lehre zunehmend dazu über.

Fn. S. Häberles Bezug zur „Herrenideologie“ erscheint jedoch ein wenig konstruiert – bei aller zugestanden unglücklichen Wortwahl.und EG-Verträge eben auch nicht aus einem – beispielsweise revolutionären – Gründungsakt einer politischen Gemeinschaft. was seit „Maastricht“ mit der Unionsbürgerschaft auch auf das aktive und passive Wahlrecht bei Kommunalwahlen in jedem Mitgliedsstaat ausgeweitet wurde. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 123 konstituieren sich die EU. vgl. In Bezug auf die Legitimationsfunktion haben die Verträge dem ursprünglichen „Marktbürger“ 326 im Integrationsprozess immer mehr Partizipationsrechte gewährleistet. 45. 192. Ausgehend von diesem „kleinsten gemeinsamen Nenner“ sollten die Mitgliedsstaaten dazu gebracht werden. auf friedliche Weise den Kern des deutschen Wirtschaftspotentials zu kontrollieren. Gleichwohl existieren Merkmale. sondern leiten sich aus dem Vertragsabschluss souveräner Staaten ab. Eingaben und Beschwerden an das Europäische Parlament zu richten. S. Dazu gibt es einen Bürgerbeauftrag324 Kritisch freilich P. Dazu zählt seit 1979 das aktive Wahlrecht zu den Direktwahlen des Europäischen Parlaments. auf weiteren Gebieten „gemeinsame Lösungen zu suchen“. Hobe. Häberle.II. die im staatlichen Bereich von einer Verfassung erwartet und erfüllt werden. 1997. und für den Kriegsverlierer Deutschland die gleichberechtigte Aufnahme in eine internationale Organisation. 2006.“ Im demokratischen Europa könne es keine „Herren“ geben. 326 Zu diesem Begriff siehe auch S. ebenda. 32 (1993). da die Staaten „im EU-Europa ohnehin nicht mehr ‚Herren der Verträge‘ sind. Nr..und Politikbereiche und die damit verbundene Übertragung ursprünglich nationalstaatlicher Kompetenzen auf die supranationale Ebene hat dazu geführt. 246. C. 48 EUV muss deshalb jede Änderung der EU-Verträge an den Anforderungen der nationalen Verfassungen gemessen und von den nationalen Parlamenten ratifiziert werden. Die auf der würde des Menschen aufbauende „Bürgergemeinschaft Europas“ mache die Herrenideologie gegenstandlos (vgl. Die Unionsbürgerschaft nach dem Vertrag von Maastricht. Die Kommission hat das alleinige Initiativrecht für Gesetze (Art. und theoretisch können die Mitgliedsstaaten (in einer besonderen Ausdrucksform jenes Attributes) als „Herren der Verträge“ 324 die Mitgliedschaft wieder aufkündigen. 4. dass die Verträge wesentliche Funktionen übernommen haben. S. 325 Bei der Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) im Jahr 1950 eröffnete sich durch diesen Souveränitätsverzicht für Frankreich die Möglichkeit. 211 EGV) und kontrolliert die Implementierung dieser Gesetze auf nationaler Ebene. Demzufolge sei mit einigen Stichpunkten und freilich unvollständig auf einige Attribute hingewiesen. 21). ist der teilweise Souveränitätsverzicht der Mitgliedsstaaten durch die vertraglich festgelegte Errichtung einer supranationalen Behörde und eines Gerichtshofs. in: Der Staat. P. Europäische Verfassungslehre. die den Verträgen partiell Verfassungsqualität verleihen.und EU-Verträge zunächst von internationalen Verträgen unterscheidet. Mit der Unionsbürgerschaft erhielt der Einzelne auch das Recht. . 245 ff. Giering. 325 Die funktionale Ausweitung der Verträge auf immer neue Wirtschafts. Was die EG. Europa zwischen Zweckverband und Superstaat. Aufl. Laut Art.

3 Abs. 5 EGV) soll garantieren. Madison“ Die konstitutionellen Merkmale des bisherigen Gemeinschaftsrechts erschließen sich nicht nur aus dem Wortlaut der Verträge. 3 EUV). dass der Ministerrat auch vorbeugend tätig werden kann. (2) Die Qualifikation der Verträge durch den EuGH – ein „europäisches Marbury vs. 2 EGV die „Gleichstellung von Männern und Frauen“. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung ten. Gleichzeitig haben sich im Laufe der Integrationsgeschichte immer mehr allgemein als „demokratisch“ bezeichnete Rechtsgrundsätze entwickelt. 6. Batliner (Hrsg. dass die Gefahr einer schwerwiegenden Verletzung grundlegender gemeinsamer Werte besteht. In Art. Merten (Hrsg. dass Entscheidungen „möglichst bürgernah getroffen werden sollen“ (Präambel EUV).und Bürgerrechten ist im Prozess der schrittweisen Vertragsänderungen ebenfalls ausgebaut worden. 6. 6 EUV achtet die Union die Grundrechte. D. Subsidiarität. Dazu gehören seit „Amsterdam“ auch der Schutz vor „Diskriminierung aus Gründen des Geschlechts.). P. 329 In seiner Rolle als unabhängige permanente Ge327 Die Lit. etwa H. 1993. der Rasse. A. Auch das Subsidiaritätsprinzip 327 (Art. S. 328 Gleichzeitig ist die Unionsbürgerschaft aber nur als Ergänzung zur nationalen Staatsangehörigkeit gedacht: „Die Union achtet die nationale Identität ihrer Mitgliedsstaaten“ (Art.und Appellationsrechte ein gewisses „Nähe. Vgl. des „Alters“ oder der „sexuellen Ausrichtung“ (Art 13 EGV). Der in Maastricht geschaffene „status activus“ der Unionsbürgerschaft soll dem Bürger durch Petitions. Abs. The French Conseil Constituionnel and the constitutional . Abs. 1993.). Häberle. wie das Verhältnismäßigkeitsprinzip und die Rechtssicherheit. 3 EUV). der ethnischen Herkunft. Laut Art. Das Prinzip der Subsidiarität aus Sicht der vergleichenden Verfassungslehre. in: AöR 118 (1994). welche in der EMRK „gewährleistet sind“ und die sich aus den „gemeinsamen Verfassungen der Mitgliedsstaaten ergeben“. Lecheler.124 B. sondern auch aus höchstrichterlichen Leitentscheidungen. 328 Gleichzeitig ist die Unionsbürgerschaft aber nur als Ergänzung zur nationalen Staatsangehörigkeit gedacht: „Die Union achtet die nationale Identität ihrer Mitgliedsstaaten“ (Art. Die Subsidiarität Europas.und Akzeptanzverhältnis“ zur Europäischen Union ermöglichen und so zur Integration und Identifikation beitragen. der im Interesse der Bürger die Organe zu Stellungnahmen auffordern kann (Art. 1994. sowie in Art. einer „Behinderung“. 7 EUV wurde so geändert. 329 Die diesbezüglichen Ansätze des französischen Conseil Constitutionnel beleuchtet J.. 136 EGV werden zudem grundsätzliche soziale Rechte bestimmt. der Religion“ oder „der Weltanschauung“. Mit dem Vertrag von Nizza ist außerdem ein Frühwarnsystem eingebaut worden: Art. 169 ff. wenn 90 Prozent des Rates feststellen. zum „Subsidiaritätsprinzip“ ist uferlos. Das Subsidiaritätsprinzip – Strukturprinzip einer europäischen Union. Riklin / G. Dutheil de la Rochère. 195 EGV). Die verfassungsmäßige Begrenzung von Hoheitsgewalt zum Schutz des Einzelnen in Form von Grund.

der von den Mitgliedstaaten getragen wird und deren nationale Identität achtet. derzeit nicht beabsichtigt“ (BVerfGE 89. in: EuR 1996. 88). 225 ff.. S. A new Constitutional Role for the European Court of Justice in the next decade?.]. . S.) geradezu den Schulfall einer „semantischen Leerformel“ dar. auch M. vgl. Hitzel-Cassagnes. er betrifft die Mitgliedschaft Deutschlands in supranationalen Organisationen. Damit verwirft das BVerfG nicht nur (für den damaligen Integrationsstand) jedweden Staatsbezug. statt vieler Aufsätze ders. die der Staatswerdung der Vereinigten Staaten von Amerika vergleichbar wäre. 56 ff. In der vom BVerfG gewählten Beschreibung der Europäischen Union als „Staatenverbund“ drückt sich allerdings die ganze Hilflosigkeit nicht nur der Doktrin. development of the European Union. Pernice (Hrsg. Baden-Baden 1999. Der Europäische Gerichtshof: Ein europäisches ‚Verfassungsgericht’?.G. 155 ff.. Siehe auch F.] einen Staatenverbund zur Verwirklichung einer immer engeren Union der – staatlich organisierten – Völker Europas. 330 Dieser Konstitutionalisierungsprozess durch den EuGH ist gekennzeichnet durch zwei Grundprinzipien: Die direkte Wirkung des EG-Rechts auf den Bürger und der Vorrang der europäischen Rechtsordnung gegenüber den Mitgliedstaaten. 4/1994. Pernice (Hrsg.. 215. 51. bleibt im gemeinten Ziel letztlich jedoch offen. 27 ff.A. B. S. zur verfassungstheoretischen Einordnung der Verträge aber bislang nicht Stellung genommen. 33. 52 –53/2000. Entwicklungsperspektiven der europäischen Verfassung im Lichte des Vertrags von Amsterdam. Jedenfalls ist eine Gründung ‚Vereinigter Staaten von Europa‘. Das BVerfG hat verschiedentlich untechnisch von einer Gemeinschaftsverfassung gesprochen. Rdnr. Jacobs. Pernice. der Union – nicht einmal für die Verwirklichung der Wirtschafts. Oktober 1993 zu nennen. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 125 richtsinstanz für die Wahrung des Gemeinschaftsrechts hat der EuGH als „Markstein“ rechtsschöpferischer Gerichtsbarkeit das Gemeinschaftsrecht von der völkerrechtlichen Grundlage der Verträge gelöst und seine Prinzipien in Richtung auf eine Verfassung entwickelt. sondern auch der höchstrichterlichen Judikatur mitgliedstaatlicher Gerichte aus. Kloepfer / I. Entwicklungsperspektiven der europäischen Verfassung im Lichte des Vertrags von Amsterdam. Der Unions-Vertrag begründet [. in: M..]. sondern sieht auch für die weitere Ausgestaltung der Gemeinschaften bzw. Der Gerichtshof der Europäischen Gemeinschaften als Verfassungsgericht. 330 Vgl. S. in welchem das BVerfG den Gründungsvertrag der Union sowie die Europäische Union selbst mit folgenden Worten qualifiziert: „Der Vertrag begründet einen europäischen Staatenverbund.II.. in: APuZ. der unter Umständen zu Formen föderaler Staatlichkeit führen könnte. Die Rolle des EuGH als Verfassungsgericht der EU. T. (Rdnr.. keinen sich auf ein europäisches Staatsvolk stützenden Staat [. Dauses. Rodríguez Iglesias.. Wohin ein europäischer Integrationsprozess nach weiteren Vertragsänderungen letztlich führen soll..C. Der Begriff „Staatenverbund“ stellt in diesem Zusammenhang (und bis zur wegweisenden Ausgestaltung durch I. 53). die hybride Rechtsnatur der Europäischen Union auch nur einigermaßen exakt zu beschreiben.. täuscht er doch – allerdings nur auf der semantischen Ebene – einen (vermeintlichen) Konsens in der (völkerrechtlichen) Lehre der Staatenverbindungen über die rechtliche Qualität der Europäischen Union vor.und Währungsunion – „keinen in seinem Selbstlauf nicht mehr steuerbaren ‚Automatismus‘“ (BVerfGE ebenda. Zu ebendieser Rolle des EuGH als „Verfassungsgericht“ siehe bereits G. Die Dritte Gewalt im europäischen Verfassungsverbund. Kloepfer / I. Gleichwohl ist (trotz inflationärer Literatur) in diesem Zusammenhang die „Maastricht“-Entscheidung des BVerfG vom 12. in: M. in: Integration. 215 ff.). 1999.). nicht eine Zugehörigkeit zu einem europäischen Staat [. S. S. der als solcher aber nicht existiert. 43 ff. mag in der Chiffre der ‚Europäischen Union‘ zwar im Anliegen einer weiteren Integration angedeutet sein. in: EuR 1992.

. 154 ff. 1251. Van Gend & Loos hatte sich der EuGH 1963 mit der Rechtsnatur der EWG und deren Gründungsvertrag auseinander zu setzen gehabt 335 und dabei statuiert. Weil die Verträge selbst keinen Grundrechtskatalog besitzen. sondern – wie ein Verfassungsgericht – auch ein „Gralshüter“ jener Rechte und Freiheiten der EGBürger. 332 Den übergeordneten Charakter des EG-Rechts vor nationalem Recht bestätigte der EuGH kurz darauf in der Rs. die Mitgliedsstaaten bei der Umsetzung von EG-Recht diese Menschenrechte beachten.] Souveränitätsrechte beschränkt und so einen Rechtskörper geschaffen. Slg. Slg. integrierte der EuGH eine „Grundrechtsdoktrin“ in seine Rechtssprechung. berief sich der EuGH seit 1970 (Rs. indem spezifischen europäischen Freiheiten des Einzelnen gegen Eingriffe der Mitgliedsstaaten Schutz erwuchs. 331 Die nationalen Gerichte müssen demnach EG-Recht unabhängig von der jeweiligen Gesetzgebung in den Mitgliedsstaaten anwenden. 1141 ff. in: Transit 1999 (17). S. wenn auch in begrenztem Rahmen. 26/62.] haben die Mitgliedsstaaten ihre [. sondern auch unmittelbar für deren Bürger gilt. Hummer. in: Politische Studien. Auf der Suche nach Europas Verfassung. indem er den Bürgern die Möglichkeit gab. 1 ff. Mit der Ausweitung der Klagemöglichkeit auf Einzelpersonen und Unternehmen ist der EuGH nicht mehr nur „Kontrollorgan der Staaten und der Gemeinschaftsorgane“. der für sie und ihre Angehörigen verbindlich ist. 155)...“ 333 Mit dieser Rechtssprechung wurde den Verträgen Vorrang vor nationalem Recht verliehen.. dass der EWG-Vertrag „mehr ist als ein Abkommen. Internationale Handelsgesellschaft) auf die gemeinsamen Überlieferungen der Mitgliedsstaaten und der EMRK.. dass EGRecht anders als in internationalen Organisationen nicht nur für Staaten. EuGH. Rs.. Auch ohne Grundrechtskatalog gab es also genügend Mechanismen. Sonderband 1/2003. 333 EuGH.K. 24.. S. Rs. welche über die im EWG-Vertrag vorgesehenen wirtschaftlichen Freiheiten und den Schutz vor Diskriminierung aufgrund der Nationalität hinausreichte. Um dieser verfassungsmäßigen Begrenzungsfunktion von Hoheitsgewalt auch auf der Ebene der Europäischen Union gerecht zu werden. S. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Der EuGH entschied bereits 1963 in der berühmten Rs. Costa/ENEL: „Mit der Übertragung von Hoheitsrechten [. 334 Die Organe müssen demnach bei der Gesetzgebung. S. Dauses (1994).126 B. So auch M. S. 1963. Costa/ENEL. 57 f. Van Gend & Loos. Van Gend & Loos. die sicherstellen. die in den Vertragstexten begründet sind.A. Preuß.. Gemeinschaftsrecht vor ihren jeweiligen nationalen Gerichten einzuklagen. 334 Ebenfalls in der Rs. zu deren Gunsten die Staaten. 1964. 332 331 . 6/64.] auf die Gemeinschaft [. hierzu sowie zu den weiteren relevanten Ansätzen des EuGH W. „dass die Organe und Mitgliedsstaaten die Grenzen der ihnen übertragenen öffentlichen Autorität nicht überschreiten“ (so U.. 335 Vgl. 215. 54 ff. ihre SouveVgl.. das nur wechselseitige Verpflichtungen zwischen den vertragsschließenden Staaten begründet“ sowie „dass die Gemeinschaft eine neue Rechtsordnung des Völkerrechts darstellt. „Verfassungs-Konvent“ und neue Konventsmethode.

„ob ihre Handlungen im Einklang mit der Verfassungsurkunde der Gemeinschaft.“ 337 Dieser von ihm selbst benannte völkerrechtliche Ursprung der Europäischen Gemeinschaften hinderte den EuGH hingegen nicht. wo er von der „inneren Verfassung der Gemeinschaft“ spricht. EuGH. 1986. dass weder die Mitgliedstaaten noch die Gemeinschaftsorgane der Kontrolle darüber entzogen sind. Costa / ENEL diesen Gedanken der Eigenständigkeit der Rechtsordnung der EWG weiter fort: „Zum Unterschied von gewöhnlichen internationalen Verträgen hat der EWG-Vertrag eine eigene Rechtsordnung geschaffen [. Slg. 1977. EWR. 741 ff. S.. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 127 ränitätsrechte eingeschränkt haben. der für ihre Angehörigen und für sie selbst verbindlich ist. I-3365. dem Vertrag. .. Costa/ENEL. C-2/88. 1991 S.J. 340 Im Gutachten 1/91 qualifiziert der EuGH den EWG-Vertrag (kontrastierend zum EWR-Vertrag) wie folgt: „Dagegen stellt der EWG-Vertrag. Zwartveld u. 1963. Les Verts. Van Gend & Loos.. Dezember 1991. stehen“. eine Rechtsordnung. S. haben die Mitgliedstaaten. J. Gutachten 1/91 vom 14. vgl. a. deren Rechtssubjekte nicht nur die Mitgliedstaaten. 1339 ff. 1964. Slg. insgesamt EuGH. Rdnr. Rs. Beschluss vom 13. 340 EuGH. nichtsdestoweniger die Verfassungsurkunde einer Rechtsgemeinschaft dar. wiederholt deren Gründungsverträge als „Verfassungen“ zu bezeichnen und damit (gewollt oder ungewollt) eine staatsrechtliche Analogie zu ziehen. obwohl er in der Form einer völkerrechtlichen Übereinkunft geschlossen wurde. April 1977. 26/62. in der er den EWG-Vertrag explizit als „die Verfassungsurkunde der Gemeinschaft“ bezeichnet. Stilllegungsfonds für die Binnenschiff- fahrt. Rs.] Denn durch die Gründung einer Gemeinschaft für unbegrenzte Zeit. 1990. mit internationaler Handlungsfähigkeit und insbesondere mit echten. 336 Ein Jahr später entwickelt der EuGH in der benannten Rs.. 339 Diese Formulierung nimmt der EuGH in der Folge in der Rs. Partí écologiste „Les Verts“/Europäisches Parlament. S. Slg. Slg. Rs. S. wenngleich auch auf einem begrenzten Gebiet. aus der Beschränkung der Zuständigkeit der Mitgliedstaaten oder der Übertragung von Hoheitsrechten der Mitgliedstaaten auf die Gemeinschaft herrührenden Hoheitsrechten ausgestattet ist. Slg. 25. EuGH. Juli 1990. im Anschluß aber bereits pointiert in der Rs.“ 341 336 337 338 EuGH. 6079 ff.II.16. sondern auch die Einzelnen sind“. 6/64. Gutachten 1/76 vom 26. 294/83. Slg. S. 1141 ff. 341 EuGH. mit der Rechts. ihre Souveränitätsrechte beschränkt und so einen Rechtskörper geschaffen. die mit eigenen Organen. So bediente sich der EuGH erstmals der Begrifflichkeit „Verfassung“ – wenngleich zunächst noch in Form eines bloßen obiter dictum – in seinem Gutachten 1/76 338.und Geschäftsfähigkeit. 339 In der französischen Fassung: „charte constitutionnelle de base“. Rs. Zwartveld wieder auf und postuliert. 1 ff.

Auch der Generalanwalt F. Gutachten zum EWR-Abkommen von 1991 übernommen. T-222. I-3681 ff. 2001. I-3694. Rdnr. Slg.39). Jacobs weist in seinen Schlussanträgen in dieser Rechtssache darauf hin. I-1093 ff. Madison“ 345 sprechen.IV. stehen“. dass „mir eine solche Analogie zur Verteilung der Befugnisse nach der deutschen Verfassung jedoch neben der Sache zu liegen [scheint]“ (vgl. 344 Insgesamt lässt sich mit Blick auf die Leitentscheidungen des EuGH (insbesondere 1963 und 1964) und angesichts der Parallelen zu den US-Entwicklungen von einem „europäischen Marbury vs. Slg. dass „weder die Mitgliedstaaten noch die Gemeinschaftsorgane der Kontrolle daraufhin entzogen sind.128 B. C-314/91. sondern anderen Gesetzmäßigkeiten – außerhalb des Staatsrechts – folgt. Slg. Hummer (2003). die in einem Bundesstaat wie der Bundesrepublik Deutschland dem Bund gegenüber den Ländern zustünden“ – darauf hin. dem Vertrag. Zwartveld. die den Bund und die Länder miteinander verbinden“ (EuGH. S. C-359/92 (Fn. indem er die Zulässigkeit einer Nichtigkeitsklage damit begründet. Martínez fest.. 1993. S. S. Beate Weber wieder den Kontext zu seiner Formulierung in der Rs. der Union mit der bundesrepublikanischen föderalen Kompetenzverteilung nichts gemein hat. die die Beziehungen zwischen der Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten betreffen. 327 und 329/99. Rs. Damit erkennen sowohl der EuGH als auch der Generalanwalt. „dass die Vorschriften. 9 der allgemeinen Produktsicherheitsrichtlinie (1992) eingeräumte Befugnis stehe „in Widerspruch zu der Verteilung der Befugnisse zwischen den Gemeinschaftsorganen und den Mitgliedstaaten“ und gehe damit „über die Befugnisse hinaus. die Schlussanträge des GA Jacobs in der Rs. . auch W.G. II-2823. S.. ob ihre Handlungen im Einklang mit der Verfassungsurkunde der Gemeinschaft.2b)aa). C-359/ 92 – die der Kommission in Art. Rs. 57 f. Beate Weber / Europäisches Parlament. Rdnr. vor allem was einen eventuellen „föderalen“ Charakter der vertikalen Kompetenzverteilung zwischen den Gemeinschaften und ihren Mitgliedstaaten betrifft. 48. 343 Im Ergebnis hat der EuGH die verfassungsrechtliche Sichtweise zunächst durch seine kontinuierlich rechtsstaatlich-staatsanaloge und systembildende Rechtsprechung gefördert und schließlich mit der Entscheidung Les Verts von 1986 und dem 1. Andererseits ist sich der EuGH aber durchaus der Grenzen einer solchen staatsrechtlichen Analogie bewusst. Deutschland / Rat. ohne sie allerdings näher zu begründen oder zu erläutern. C-359/92. Vgl. 345 Zur zitierten Entscheidung des US-Supreme Courts unter B. Rs. S. Rdnr. 343 EuG. dass der Gründungsvertrag der EG als „Verfassungsurkunde“ der Gemeinschaft zu erachten ist. I-3712. nicht die gleichen sind wie diejenigen. verb. Jean Claude Martínez ua / Europäisches Parlament. S.38). dass die „vertikale Kompetenzverteilung“ im Sinne einer (bloßen) „begrenzten Einzelermächtigung“ mit final ausgerichteten Organkompetenzen zwischen den Mitgliedstaaten der Gemeinschaften bzw. 344 So weist er zu dem Vorbringen der deutschen Bundesregierung in der Rs. 34). Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Schließlich sucht der EuGH in der Rs. 342 Im Übrigen stellte auch das EuG in der Rs. 1994. 342 EuGH. Rdnr.8.

Die EU – eine autonome Rechtsgemeinschaft? Gleichzeitig ein „Verfassungs-Konvent“ und neue Konventsmethode. Ein Beitrag zu der Lehre von den Staatenverbindungen. S. nicht aber. „VerfassungsKonvent“ und neue Konventsmethode. 347 346 . siehe auch A. also die Unabhängigkeit von Dritten entscheidend. Hummer (Hrsg. P. auch S. Paradigmenwechsel im Europarecht zur Jahrtausendwende. Beitrag zur Problematik des dualistischen Rechtsdenkens in der internationalen Jurisprudenz. General Theory of Law and State. Griller (2003). Der „Sui Generis-Charakter“ der EU und die Konsequenzen für die Verfassungsoptionen. Hummer. Die Staatenverbindungen. Instrumente zur Verstaatlichung der Union. S. 348 Vgl. auch S. S. nicht aber für die Selbstständigkeit gegenüber Dritten. 350 Selbst das Abgrenzungskriterium der „Kompetenz-Kompetenz“ stellt keine plausible Trennlinie dar. als dies nicht schlüssig die Existenz einer eigenen autonomen Rechtsordnung im Sinne einer „lex contractus“ 348 nach sich ziehen muss. Ansichten österreichischer Völkerrechtler zu aktuellen Problemlagen. Vielmehr seien die Kategorien der Allgemeinen Staatslehre sowie der Lehre von den völkerrechtlichen Staatenverbindungen 349 flexibel genug. in: W. 1954. Paradigmenwechsel im Europarecht zur Jahrtausendwende. Sonderheft 1/2003. 53 ff. in: W. in: Politische Studien. Der Europäische Verfassungskonvent – Strategien und Argumente. 26 ff. Die Europäische Gemeinschaft im System der Staatenverbindungen. Griller. Ein Versuch der Entmythologisierung des Verfassungsstreits. 1882. die aus völkerrechtlicher Sicht das Kriterium für den Bestand einer „Staatsgewalt“ darstellt.L. 1929. H. J. Kunz. R. 350 Diese Beobachtung und Differenzierung stützt sich auf W. S. Jellinek. wobei die Grenzen aber fließend sind. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 129 (3) Völkerrechtliche Qualifikationen Neuerdings wird der herrschenden Qualifikation 346 einer zwischen den beiden Polen eines völkerrechtlichen Staatenbundes bzw. 2003. Denn völkerrechtlich ist die souveräne Selbstbestimmung. eines staatsrechtlichen Bundesstaates 347 angesiedelten gegenwärtigen Hybridform als Gebilde „sui generis“ insoweit entgegengetreten. 2003. 330 ff. 1972. 1949. ob innerhalb der Staatenverbindung die „Kompetenz-Kompetenz“ bei der zentralen oder bei den dezentralisierten Einheiten liegt. Einem sehr allgemeinen Ansatz folgend liegt der Unterschied zwischen Staatenbünden und Bundesstaaten grundsätzlich im Ausmaß der Zentralisierung bzw. Letzteres ist wiederum maßgeblich für die föderale Ausgestaltung und die Gewaltenbalance in diesem Verbund. 56. S. Bindschedler. Fischer. dass der EU eben jene drei Elemente fehlen würden: Im Sinne eines „dualistischen Rechtsdenkens“. Ansichten österreichischer Europarechtler zu aktuellen Problemlagen. 351 Bezug nehmend auf die klassische „Drei-Elemente-Lehre“ des Völkerrechts für das Vorliegen eines souveränen Staates wird behauptet. Die Lehre von den Staatenverbindungen.II.). Riklin. Rechtsfragen der europäischen Einigung.). Hummer (Hrsg. 351 Vgl.. Dezentralisierung der Aufgabenwahrnehmung. 349 Klassiker etwa G. Vgl. Kelsen. um auch eine Einordnung der Europäischen Union nach herkömmlicher Terminologie vornehmen zu können. 3 ff. 23 ff.

Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung − So habe sie bereits kein Staatsvolk. eine „subjektive Bekenntnisgemeinschaft“ im Sinne einer „Nation“. 3 B-VG: ‚Das Bundesgebiet umfasst die Gebiete der Bundesländer‘ – bleibt unerfindlich“. 189 EGV nur die „Völker der in der Gemeinschaft zusammengeschlossenen Staaten“. aber kein einheitliches europäisches Staatsvolk. 353 Und betreffs der fehlenden Staatsgewalt wurde vorstehend schon ausgeführt. dass es nur auf die souveräne Selbstregierung und rechtliche Unabhängigkeit ankommen könne. Instrumente zur Verstaatlichung der Union. Art. Bezüglich des Staatsgebietes stellt das Völkerrecht nur auf den Bestand eines gesicherten Raumes ab. sondern rekurriert auf die Bevölkerung als Anzahl sesshafter Menschen. hinsichtlich des ‚Außenaspektes‘ muss ein in der Literatur . Im Wesentlichen ist die noch fehlende „Staatsqualität“ des (völkerrechtlichen) Staatenbundes Europäische Union auf den mangelnden Staatsgründungswillen ihrer Mitgliedstaaten zurückzuführen und weniger auf die fehlende hinreichende Staatsgewalt oder die in den Gründungsverträgen enthaltenen Garantien für die einzelstaatliche Identität (Art. Griller. 14: „Warum die Festlegung dieses Gebiets in der ‚Staatsverfassung‘ nicht unter Bezugnahme auf die räumliche Abgrenzung seiner territorialen Untergliederungen. Art. 53 ff. etwa der Länder einer bundesstaatlichen Organisation. − Zuletzt fehle ihr auch die Staatsgewalt. 17 EGV nur Unionsbürger und es existierten gem. Im Inneren wachse „der Union implizit vor allem über den bereits durch sie selbst mehrfach erfolgten Vertragsschluss mit Drittstaaten gem. zwischen einer „Innensicht“ im Sinne einer „Autostereotypisierung“ und einer „Außensicht“ im Sinne einer „Heterostereotypisierung“.130 B. da das Gewaltmonopol nach wie vor bei den Mitgliedstaaten liege. Art. 299 EGV über die territoriale Souveränität ihrer Mitgliedstaaten umschriebener räumlicher Geltungsbereich ihres Gründungsvertrages. 354 352 Die folgenden völkerrechtlichen Begründungsansätze lehnen sich an W. wie die Wahrnehmung der Staatsgewalt in der Staatenverbindung intern aufgeteilt ist. nicht aber darauf. sondern gem. dogmatisch ebenfalls bestrittene Völkerrechtssubjektivität der Europäischen Union unterscheidet W. S. Hummer (2003). S. Ein Staat ohne Volk? Zur Zukunft der Europäischen Union. Hummer. ebenda. 21. 3 EUV) und Selbstständigkeit. „Verfassungs-Konvent“ und neue Konventsmethode. Sonderheft 1/2003. Art. 354 Bezüglich der damit zusammenhängenden. 1996. Der Europäische Verfassungskonvent – Strategien und Argumente. in: Politische Studien. sondern nur ein gem. IEF Working Paper Nr.. Alle diese Einwände lassen jedoch nicht zwingende Argumentationslinien erkennen. 24 EUV mehr und mehr Handlungsfähigkeit und damit (partielle) Rechtspersönlichkeit im Völkerrecht zu. 352 Hinsichtlich der Existenz eines „europäischen Volkes“ verlangt das Völkerrecht kein homogenes Staatsvolk bzw. 353 Hierzu auch S. 6 Abs. 56 an. auf dem das Staatsvolk seine Herrschaft ausüben kann. − Des Weiteren sei der Europäischen Union kein Staatsgebiet zuzuordnen. möglich sein soll – etwa in Form von Art.

und Kontrollmöglichkeiten nur unzureichend die konstitutionelle Legitimationsfunktion übernehmen. S. Siehe auch P. D. S. von denen einige in der gebotenen Kürze dargestellt werden sollen.II. (Hrsg.II.). Festschrift für U.w.f)nn)(2)(c). 1995. Kaufmann. S. Das europäische Demokratieprinzip.. Der Bürger bleibt durch seine rudimentären Mitwirkungs. 357 Vgl. Di Fabio. 26/62. verfassungstheoretischen Perspektive ist dies nicht unproblematisch. Band 2. Staatsrechtliche und europarechtliche Aspekte. in: O. da der Bürger zwar immer mehr an die Hoheitsgewalt der Gemeinschaft gebunden ist. der es schwer hat. Die Rolle des Demokratieprinzips im europäischen Integrationsprozess. D. Staat und Demokratie. da sich die Souveränität der europäischen Rechtsordnung nicht auf den vorrechtlichen pouvoir constituant einer politischen Gemeinschaft. 349 ff. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 131 (4) Konstitutionelle Defizite der Verträge Der „Komplementärverfassungscharakter“ der Verträge birgt jedoch auch konstitutionelle Mängel. 1999. Vgl. Europäische Verfassung und Demokratische Legitimation. 69 ff. in: Die Verwaltung 29 (1993). Diese „Heterostereotypisierung“ der EU als eigenständige Rechtsperson durch dritte Völkerrechtssubjekte wird mit zunehmender Verdichtung der Außenbeziehungen der EU immer wahrscheinlicher und würde die EU diesbezüglich „von außen“ in Zugzwang bringen. Van Gend & Loos. S. 269 ff. S. S. M. 1 ff. nur A. 449 ff. Demzufolge kann die materielle „Verfassung“ der Europäischen Union bereits ihre integrative Kraft nicht vollends völlig vernachlässigtes Kriterium erwähnt werden. I. 53 ff.M. 738. auch J. Europäische Integration und Demokratieprinzip. Slg.). Demokratie in Europa. 25. sondern letztlich auf die Rechtssprechung eines durch Verträge geschaffenen Gerichtshofes stützt. N. H.und Kontrollrechte eher ein „Zaungast des eigenen Schicksals“.. die „neue Formation öffentlicher Gewalt zu verstehen und sich selbst als Subjekt dieser Entwicklung zu erkennen“.. Drexl u. 356 Auf dieses vielbeklagte Demokratiedefizit 357 stützt sich die Meinung.. in: Staatswissenschaften und Staatspraxis 1992.und damit auch Rechtsfähigkeit „nachzujustieren“. Unzureichend ist zunächst die Legitimationsfunktion der Verträge. in: JZ 2001. Die Europäische Unionsgrundordnung im Schatten der Effektivitätsdiskussion. a. Eine europäische Charta.. Europäische Demokratie. Pernice. 1561 ff. seine demokratischen Mitwirkungsrechte aber primär im jeweiligen Mitgliedsstaat ausübt. in: JZ 2000.] ihre Souveränitätsrechte eingeschränkt haben“.. Everling. Auch das Europäische Parlament als schwächstes Organ der Gemeinschaft kann wegen seiner mangelhaften Gestaltungs. in: JöR 49 (2001).H. Huber. Der EuGH stützte seine Urteile wie zitiert auf die Annahme. Auf dem Weg zur Unionsverfassung. Maastricht.. 63 ff. in: AöR 120 (1995). 1963. Thürer. 57. 1997. „zu deren Gunsten die Staaten [. unter B. 737 ff. wie denn die Staatengemeinschaft als solche die EU als „internationalen Akteur“ sieht. dass die Gemeinschaft eine „neue Rechtsordnung des Völkerrechts“ darstellt. nämlich der Umstand. (Hrsg.. ihre Handlungs. 358 Zur Frage der „Verfassungsfähigkeit“ der Union m. a. . 355 Aus einer engen. S.. Due u. S. Rupp. Rs. Tsatsos. 355 EuGH.2. 356 Zitiert nach U. die Europäische Union sei generell nicht verfassungsfähig 358. Bleckmann.

132 B. Ziel einer europäischen Verfassung wäre deshalb nicht. Grimm (1995). 591. 587. Bundesländer und jeweiligen nationalen Parlamente. sondern auf der Basis eines der Pluralität verhafteten Europabildes das „Recht zum Anderssein“. in dem die Bürger ihre Konflikte austragen könnten. h. bezeichnet unter Anderen D. heterogenen Gemeinschaft erfolgt weniger durch eine politische Gesamtwillensbildung nach parlamentarischem Muster. 361 In die gleiche Richtung zielte auch das BVerfG in seiner „Maastricht“-Entscheidung vom 12. B. S. die Union handlungsfähig und Kanäle zur Interessensdurchsetzung nutzbar zu machen. Braucht Europa eine Verfassung?. Unter dieser Prämisse könnte selbst die Stärkung der legislativen Rechte des Europäischen Parlaments dieses Defizit nicht verringern. um so dem. sondern das 359 Vgl. 360 Deshalb könne der zum Funktionieren einer Verfassung unerlässliche demokratische Willensbildungsprozess nicht zustande kommen. Denn die Unionsbürger orientieren sich bei der Wahl der Abgeordneten an Präferenzen. in: DÖV 1998. in: JZ 1995. wäre die durch eine europäische Verfassung vermittelte Legitimation nur eine „Scheinlegitimation“.. S. Die Legitimität einer solchen primär funktionellen. durch das der öffentliche politische Diskurs an nationale Grenzen gebunden bleibe. politische Parteien. Da die supranationale Gemeinschaft gerade ihrer dem Nationalstaat gegenüber höheren Problemlösefähigkeit wegen gegründet wurde.] rechtlichen Ausdruck zu geben“. 359 Als größtes Hemmnis der Bildung eines europäischen öffentlichen Raumes. also z. Koenig.und Interessensdiskurse dominieren. was es „relativ homogen – geistig. EU-Organe. S.). 361 Hiergegen ließe sich anführen. sondern durch die Bereitstellung verschiedener Beteiligungsmöglichkeiten auf den politischen Prozess wie Interessensgruppen. Grimm das Fehlen einer gemeinsamen Sprache. weil die Bürger sich nicht als Mitträger des durch sie konstituierten Gemeinwesens verstehen. ist das wichtigste Legitimitätskriterium der Europäischen Union nicht input-definiert.. den Nationalstaat zu ersetzen. durch Wahlen. D. Grimm. 581 ff. dass ein Grundaxiom der europäischen Idee gerade nicht die Homogenität eines Staatsvolks. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung entfalten. Da diese Kompetenz-Kompetenz aber nicht von einer Art europäischem Staatsvolk legitimiert wäre. der Leistungsfähigkeit und Effektivität. 360 D. d. sozial und politisch –verbindet [. 271). 155 ff. Wichtig wäre es deshalb. Ist die europäische Union verfassungsfähig?. Nur innerhalb der Mitgliedsstaaten könne sich das „Staatsvolk in einem von ihm legitimierten und gesteuerten Prozess politischer Willensbildung entfalten und artikulieren“.. die sich „sachlich in den nationalen nach wie vor segmentierten öffentlichen Meinungen widerspiegeln“ (so C. während im europäischen Raum abseits der Öffentlichkeit geführte Fach. neue Hoheitsbefugnisse zu schaffen.. 268 ff. . Oktober 1993 (BVerfGE 89. die „Garantie für Vielfalt“ und die „Selbstbestimmung des Individuums“ die erforderlichen Prämissen bilden. S. Probleme zu lösen. Eine konstitutionelle Neugründung der Europäischen Union würde zwar den Organen die Fähigkeit geben. 581. sondern ergibt sich aus ihrem output.

EGV die Organe und Ausschüsse der Gemeinschaft. Würde der EuGH beispielsweise das in der irischen Konstitution vorgesehene Abtreibungsverbot in seine Rechtssprechung mit einbeziehen. noch wird eine qualitative Unterscheidung der einzelnen Politiken vorgenommen.). 2000. S. Ein wesentliches Organisationsprinzip der Europäischen Union. 363 Auch die tatsächliche Begrenzungsfunktion der in den Verträgen festgelegten Grundrechte ist beschränkt. kann es hier zu Konflikten mit diesen Grundrechtskatalogen kommen. 23 –188 EGV überein.II. und erst seit Amsterdam gibt es einen sehr schwerfälligen Sanktionsmechanismus. Schwarze (Hrsg. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 133 Ineinandergreifen von nationalem und europäischem Verfassungsrecht und einer auf verschiedenen Ebenen ruhenden geteilten Souveränität. käme es zum Konflikt mit allen anderen Verfassungen. Pernice. die Subsidiarität. 365 Hierzu G. 2000. S.. Es wird weder klargestellt. Die Kompetenzen innerhalb der Europäischen Union sind allerdings willkürlich aufgelistet (vgl. welche Normen Verfassungsrang haben und welche sich davon ableiten. Vor dem EuGH haben Einzelpersonen kein Klagerecht. 3/1993. . 10 EGV deutlich. Zwar wird die vorrangige Stellung des Vertragsrechts in Art. 13. sondern auf die Verfassungstraditionen der Mitgliedsstaaten beruft. 7 und Art. Zwar sind in Art. Art. Der europäische Verfassungsverbund auf dem Weg der Konsolidierung.] zu bekämpfen. Das Ineinandergreifen von nationalem und europäischem Verfassungsrecht. S. 189 ff. um diese Diskriminierungen [. ist im Vertrag von Maastricht sogar in die Präambel aufgenommen worden. 301.. Es bleibt unklar. welche Bereiche nur teilweise zur Union gehören oder nur von dieser koordiniert werden und welche Politiken noch rein zwischenstaatlich gemacht werden. denn die Verfassungen der Mitgliedsstaaten verbürgen wegen ihrer kulturellen und geschichtlichen Entstehungsbedingungen unterschiedliche Grundrechte. Die Entstehung einer europäischen Verfassungsordnung. 365 Der Beitritt der Europäischen Union zur EMRK kann dieses Problem formell und in enger 362 Vgl. 364 Art. sowie deren Befugnisse und Aufgaben festgelegt. Ein Grundvertrag für die Europäische Union. I. in: Oxford Journal of Legal Studies. 364 Weil der EuGH sich in Bezug auf die Menschenrechte gerade nicht auf die autonome Rechtsordnung der Europäischen Union. De Búrca. Fundamental Rights and the Reach of EC-Law. in: JöR 48 (2000). sowie die Aufsatzsammlung bei J. laut dem die Mitgliedsstaaten alle zur Erfüllung ihrer Verpflichtungen beitragenden Maßnahmen ergreifen müssen. 13 EGV: Der Rat kann auf Vorschlag der Kommission und nach Anhörung des Parlaments einstimmige Vorkehrungen treffen. 283 ff. Eine klare Abgrenzung der Kompetenzen und Normenhierarchie legen die Verträge allerdings nicht fest. 205 ff. zu alledem Centrum für angewandte Politikforschung. in welchen Politiken die Union tatsächlich verantwortlich und entscheidungsbefugt ist. 362 Ein weiteres Defizit der Verträge ist bei der Organisationsfunktion zu sehen. 363 Vgl.. 3 EGV) und stimmen nicht mit der Systematik der Art.

H. da sie in einem Jahrzehnte langen Prozess an verschiedensten Stellen immer wieder eingefügt und ergänzt worden sind. 190. was früher in den Mitgliedstaaten gegeben war. Die derzeitigen Gründungsverträge der Europäischen Union erfüllen diese Anforderungen offensichtlich nicht. So sind die demokratischen Rechte des Bürgers nur schwer in den Verträgen erkennbar. 367 Dieser „graduelle Bedeutungsverlust der Verfassungen der Mitgliedstaaten“ zeigt sich insbesondere auf dem Gebiet der Grundrechte. die als solche nicht in einem Zusammenhang mit der Tätigkeit der Union stehen. welches ihre Funktionsdefizite ausgleicht. Vgl. und die Europäische Union ist – wie der EuGH 1994 bestätigte – kein Staat. 2001. Der Streit um die Verfassung der Europäischen Union erhält durch eine unvermeidliche Nebenfolge der Integration. Weiler.H. Schmitz. hierzu ausführlich T. weil er sie kaum erkennen kann. müssen die nationalen Verfassungen durch ein Pendant auf der Ebene der Union ergänzt werden.134 B. seine vertraglich verbürgten Rechte umfassend wahrzunehmen. S.und Identifikationsfunktion. 1999. zudem wird ihre Autorität gegenüber den ihr unterstellten Akteuren durch abweichende Vorgaben aus einer anderen Rechtsordnung punktuell durchbrochen.H. Um heute in dem um die Union erweiterten politischen Gesamtsystem das sicherzustellen.H. Jahrhunderts gestützt hat. 366 Dem Einzelnen ist es bereits deshalb nicht möglich. welche selbst für Fachleute gelegentlich diffus erscheint. Durch diese Entwicklung wird die Integrationsfunktion der Verfassungen beeinträchtigt. Weiler spricht in diesem Zusammenhang von einem „selfreferential legal universe“. Zudem kommt erschwerend die komplizierte Sprache des Rechts und die geringe Präsenz des EuGH im Bewusstsein der Bürger im Vergleich mit anderen EU-Institutionen hinzu. besonderes Gewicht: Zwangsläufig büßt die nationale Verfassung einen Teil ihrer politischen Steuerungsfähigkeit ein. die nicht mehr ihrer Autorität unterworfen sind. 374 ff. J. The Constitution of Europe. S. J. die in Europa zu erheblichen Teilen bereits eingetreten ist. aber auch bei materiellen Verfassungsgrundsätzen und sogar bei nationalen Verfassungsspezifika. 367 366 . denn in ihrem territorialen Wirkungskreis entfalten sich Kräfte. Ähnliches gilt für die vom EuGH entwickelte ungeschriebene Grundrechtsdoktrin. auf die sich gerade der moderne Verfassungsstaat der zweiten Hälfte des 20. da der Konvention nur Staaten beitreten können. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Auslegung auch nicht lösen. Das markanteste Defizit der Verträge liegt allerdings bei der Integrations. Integration in der Supranationalen Union.

Im ersten Halbjahr nach Nizza kristallisierte sich heraus. Barnier konkretisierte diesen Plan in einer Rede in Brüssel und bekannte sich ausdrücklich zu dem Wort „Verfassungsvertrag“.und Wertemodell entworfen hatte. Brüssel. 371 368 Hierzu etwa M. Am 17. der in nur 18 Sitzungen eines der modernsten Menschenrechtsdokumente und ein deutliches Bekenntnis der Europäischen Union zum europäischen Grundrechte. Ein wesentliches Argument für die Forderung nach einer offenen und transparenten Methode jenseits der nationalen Interessensgräben der Regierungskonferenzen war dabei regelmäßig der Hinweis auf die positiven Erfahrungen mit dem Konvent zur Erarbeitung der Grundrechtecharta. die Debatte über die Zukunft Europas zu strukturieren“. Januar 2001. Häberle / M.). Die Verfassungsfrage der EU – Möglichkeiten und Grenzen der europäischen Verfassungsentwicklung nach Nizza. wie die Debatte über die Zukunft der Europäsche Union und ihre Verfassung strukturiert werden sollte. 2001 eröffneten Kommissionspräsident Prodi. in: NJW 2002. 2003. 208 ff. S. Rede vor Vertretern der Region Aquitaine und Emilia-Romagna und des Landes Hessen: „Die Perspektiven der EU nach Nizza“. 370 M. das Gleichgewicht zwischen Mitgliedsstaaten und Union sowie um die Stärkung des demokratischen Selbstverständnisses gehen sollte.eu. . Geburtstag am 5. der Kommissar für institutionelle Fragen Barnier und der schwedische Ministerpräsident G. Der Post-NizzaProzess. Prodi. M. Mai 2003. 2001: „Es ist an der Zeit. in: Integration 2/2001. 18. 1. Skouris (Hrsg. Müller-Graff. 3.htm. Protokolle der Sitzungen des Europäischem Parlaments. S. Rede vor dem Europäischen Parlament am 17. s. Dorau. 370 Am 9. der sich eher mit dem euroskeptischen Großbritannien verbündet sah. Morlok / W. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 135 mm) Aus der Nizzastarre zum Konvent (1) Der Post-Nizza-Prozess 368 – parlamentarische Einflusssphären Im Lichte der wenig überzeugenden Reformergebnisse des Vertrags von Nizza wurde wiederkehrend der Vorteil eines konventsähnlichen Verfahrens thematisiert. Festschrift Festschrift für Dimitris Th. S. Auf dem Weg zu einer neuen europäischen Verfassung. 1022 ff.II. Ein nationaler Beitrag zur Europäischen Verfassungsdiskussion: deutsche Erfahrungen im Post-Nizza-Prozess. R. die Verfassungsfrage stand nicht explizit auf der Agenda. 2001 stellte Kommissionspräsident R.. P. Die historische Dimension. 257 ff. Dennoch förderte Schweden die „Debatte über die Zukunft Europas“. C. 369 EUKommissar M. 2001. welche auch im Internet verstärkt geführt werden sollte. abrufbar unter www. 369 Vgl. in: P. Kotzur.europe. Persson eine insgesamt breiter angelegte und eingehendere Debatte. Barnier.C. Europa nach Nizza..int/comm/igc2000/dialogue/info/offdoc/index_de. Prodi einen dreistufigen Plan über die Strukturierung der Debatte über die Zukunft der Europäischen Union vor. Die Ratspräsidentschaft übernahm mit Schweden im ersten Halbjahr 2001 ein EU-kritischer „Kleinstaat“. Tsatsos. Stolleis. Zum 70. 1. in der es einmal mehr um die bessere Verständlichkeit der Verträge und Strukturen der Europäischen Union.

S. Juli 2001) ist bei M. dazu SZ. welches über eine verfassungsmäßige Grundlage verfügen werde (Regierungserklärung vom 19. Fuchs / S. Juli 2001 fasste er mit den Stimmen aller Fraktionen einen weiteren Konventsbeschluss. vgl. Seinen Wunsch nach einer europäischen Verfassung äußerte er aber spontan. a. die Protokolle der Sitzungen des Deutschen Bundestages). 1. Am 4. in dem die Einrichtung einer am Vorbild Grundrechtekonvent orientierten Konferenz zur Vorbereitung der Regierungskonferenz 2004 gefordert wurde. 1: „Wenn Schröders Herz spricht“). Nach dem ersten Schulterschluss mit den anderen mitgliedsstaatlichen Parlamenten blieb der Europaausschuss des Bundestages in engem Kontakt mit der Bundesregierung über die Frage der weiteren Verfahrensschritte im Rahmen des Post-Nizza-Prozesses. Einleitung.). Bei seiner Regierungserklärung vor dem Bundestag zu den Ergebnissen von Nizza am 19. Persson anlässlich der Debatte über die Zukunft der Union. vgl. die Debatte im Internet unter: http://europa. Diese Vision wiederholte Schröder vor dem Internationalen Bertelsmann Forum in Berlin (im Rede-Manuskript ist zwar von „Verfasstheit“ die Rede. S. Fuchs / S. 373 Hinsichtlich der Zusammensetzung und Arbeitsweise des Gremi- 371 Vgl. Januar 2001. 2. Aufsehen und kritische Stimmen erntete ein Leitantrag der SPD vom April 2001. vgl. 2002. Popovic (2002). Fuchs / S. für eine europäische Verfassung aussprach („Zur Zukunft des erweiterten Europa“). Popovic (2002). 2001. S. 241 ff. 22. Rau vor dem Europäischen Parlament Beifall für sein bereits erwähntes „Plädoyer für eine Europäische Verfassung“ (Rede am 4. 245. M. Am Ende der zweitägigen Konferenz verabschiedete die COSAC einstimmig bei einer Stimmenthaltung einen Beitrag. genügte nach fester Überzeugung vieler Fachausschüsse nationaler Parlamente der Forderung nach mehr Demokratie und Transparenz der Meinungs. 5 2001 in Stockholm. Popovic. Schröder. S. Hartleif / V. April 2001 bzw. das Mandat des Konvents zur Vorbereitung der Regierungskonferenz 2004 auf Vorschläge zur . Jospin seine lang erwartete Grundsatzrede zur Zukunft Europas. 2001 hielt schließlich auch der französische Ministerpräsident L.eu. M. 30. Mitteilung von Ministerpräsident G. März 2001.htm. 9. Berlin 2001). S. Brüssel 2001. 5. 372 Jedoch gelang es auf der XXIV. in dem er unter anderem forderte. Hartleif / V. 4. in dem Schröder in seiner Funktion als Parteichef seine Vorstellungen über die Ausgestaltung der europäischen Verfassung konkretisierte (SPD-Leitantrag „Verantwortung für Europa“. Kurz zuvor erntete Bundespräsident J. dass in Nizza die Tür zum neuen Europa aufgestoßen worden sei. / 22. 372 Die ablehnende Haltung des Ausschusses für Europäische Angelegenheiten des Deutschen Bundestages (Beschluss vom 4. 4. 2001. Bericht vom 6. COSAC am 21. Der Weg zum EU-Verfassungskonvent. siehe dazu SZ. „Die EU tritt vor das Volk“. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Ein „Rat der Weisen“ der zwischenzeitlich auf Ratsebene als Alternative zum Konvent thematisiert wurde. Am 28.und Entscheidungsprozesse in der Europäischen Union nicht. 2001 sagte Bundeskanzler G. 1. 2001. Nachhaltig unterstützt wurde die Bundestagsdelegation in ihrer Forderung nach einer Verfahrensreform von der COSAC-Delegation der Assemblée Nationale und des französischen Senats sowie den Abgeordneten des Europäischen Parlaments. in: Deutscher Bundestag. die Unterstützung der Vertreter aller nationalen Parlamente für die neue Methode zu gewinnen. 373 Trotz deutlicher Zurückhaltung des Gastgeberlandes Schweden sprachen sich im Verlauf der Beratungen immer mehr Delegierte für ein konventsähnliches Verfahren in Anlehnung an den Grundrechtekonvent aus. 631. Straßburg). März 2001. Hartleif / V. dokumentiert.136 B. Auch die Regierungschefs setzten ihre Grundsatzreden kontinuierlich fort. Referat Öffentlichkeitsarbeit (Hrsg. vgl.int/futurum. in der er sich u.

M. angesehen. der nach den geschäftsordnungsrechtlichen Sonderbefugnissen des Europaausschusses stellvertretend für den Deutschen Bundestag gefasst wurde. Ebenso wie in den Parlamenten der Mitgliedsstaaten gewann die Diskussion um den Post-Nizza-Prozess auch innerhalb des Rates immer deutlichere Konturen. 49 ff. 4 GO-BT.und Regierungschefs als Thema der Zukunftsdebatte noch nicht explizit genannt worden war. „Welche Zukunft für welches Europa?“. Verhofstadt. dass der Post-Nizza-Prozess in „die Konstitutionalisierung der Union“ münden müsse. 374 Zum Auftakt seiner Ratspräsidentschaft erklärte der belgische Premierminister G. Popovic (2002). Vgl. Insbesondere die belgische EU-Ratspräsidentschaft vertrat die Idee des Konventmodells während des 2. ders. Halbjahr 2002. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 137 ums betonten die Delegationen die Notwendigkeit einer starken und frühzeitigen parlamentarischen Beteiligung. Um den Ergebnissen eines zweiten Konvents in der anschließenden Regierungskonferenz Gewicht zu verleihen. Halbjahres 2001 mit großem Nachdruck. M. § 93a Abs. sprach sich der Bundestag klar für die Ausdehnung des Konventmandats auf die künftige Gewaltenteilung zwischen den europäischen Institutionen aus. S. Fuchs / S. in Ausnahmefällen bei kontroversen Meinungen alternative Optionen in Form von Mehrheits. Mit diesem Beschluss. transparente und unmittelbar demokratisch legitimierte Methode zur Vorbereitung der nächsten Vertragsrevisionsverhandlungen“. Dabei wurde das Konventsmodell „als kreative. Juni. 375 So befasste sich der Deutsche Bundestag bereits in einer Sondersitzung des Europaausschusses am 15.) mit der Initiative der Bundesregierung zum Anstoß der europaweiten Zukunftsdebatte. die Abgeordneten machten mehrheitlich deutlich. die gleichberechtigte Einbeziehung der Beitrittsländer sowie den Beginn der Arbeiten unter der folgenden spanischen Ratspräsidentschaft im 1.und Minderheitsvoten anzuzeigen. vgl. die in der Erklärung Nr. Die Bundestagsabgeordneten stellten sich damit auf den gleichen Standpunkt. Rede am 24. dass die Ausgestaltung des Prozesses zur Zukunft der EU und die Vorbereitung der Regierungskonferenz 2004 einen neuen Verfahrensansatz erfordere. 2001.. 23 zur Zukunft der EU von den Staats. Fuchs usw. den auch das Europäische . vgl.II. zur Vereinfachung der Verträge. Einig waren die Außenminister über die Zusammensetzung des zweiten Konvents nach dem Vorbild des Grundrechtekonvents – und damit über die starke parlamentarische Komponente –. (2002). die Frage eines Gesamttextes oder einer Optionslösung sowie die Einrichtung eines Präsidiums blieben allerdings mangels Konsens noch in der Diskussion. Weitere wichtige Verfahrensfragen wie der Umfang des Konventmandats. Parallel dazu berieten seit September 2001 die Europaausschüsse des Deutschen Bundestages 375 und der Assemblée Nationale über einen gemeinsamen Text zur Zusammensetzung und Arbeitsweise des neuen Konvents. ebenda. Dezember 2000 (vgl. zur künftigen Rolle der nationalen Parlamente sowie zur Integration der Europäischen Grundrechtecharta in die Verträge auszuweiten. betonte der Ausschuss die Bedeutung der Erarbeitung eines einzigen Ergebnisentwurfs mit der Möglichkeit. zur Abgrenzung der Zuständigkeiten zwischen der Europäischen Union und den Mitgliedsstaaten. Hartleif / V. 374 Im Oktober 2001 konnten im Allgemeinen Rat und beim informellen Treffen der EU-Außenminister in Genval auf belgische Initiative erste Festlegungen auf die Konventmethode zur Vorbereitung der Regierungskonferenz 2004 erreicht werden. 376 zukünftigen Rolle der Organe der EU sowie ihr Verhältnis zueinander.

241 ff. Dezember 2001 die beiden Europaausschüsse zusammen mit den Auswärtigen Ausschüssen und unter Leitung der Parlamentspräsidenten W.138 B. wahrgenommen werden müssten. Forni in Paris erstmalig in der Geschichte beider Parlamente zu einer gemeinsamen Sitzung zusammen. um Vorschläge für die Reform der EU zu erarbeiten. in der sich die Abgeordneten dafür aussprachen. 377 Vgl. dass das inhaltliche Mandat des Konvents außerdem die Prüfung weiterer Integrationsschritte in den Bereichen der 2. das Mandat des Konvents auf die Vorlage eines einzigen Textentwurfs für den neuen Grundvertrag der Europäischen Union zu richten und Optionslösungen nur in unvermeidlichen Fällen zu formulieren. dass die Vorbereitungen zur Ausarbeitung einer Verfassung im Rahmen des in Nizza beschlossenen Prozesses zur Zukunft der Europäischen Union verstärkt durch das Europäische Parlament und die nationalen Parlamente. Säule umfassen müsse. COSAC. 376 Im unmittelbaren Vorfeld des Europäischen Rats von Laeken trafen am 10. und 3. die ehrgeizige Initiativen im Bereich der inneren und äußeren Sicherheit wie die Einsetzung einer europäischen Polizei zur Überwachung der EU-Außengrenzen. die Stärkung von Europol mit dem Ziel einer integrierten Polizei zur Bekämpfung von internationalem Terrorismus und organisierter Kriminalität. S. dass zur Vorbereitung der für 2004 geplanten Regierungskonferenz eine an den Konvent angelehnte Konferenz zusammengerufen werden sollte. Fuchs / S.und Regierungschefs in seiner Bewertung zu Nizza einnahm. Mit dem Fortschreiten der Ausschussberatungen und im Anschluss an eine öffentliche Anhörung zur Zukunftsdebatte in der EU mit nationalen Verfassungsexperten fasste der Europaausschuss des Bundestages im April 2001 zur Vorbereitung der XXIV. Parlament auf europäischer Ebene gegenüber den Staats. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Mit Blick auf den Stand der Konventsdiskussion im Rat wurde eine gemeinsame Erklärung an den Europäischen Rat von Laeken verabschiedet 377. vgl. in dem er forderte. Beide Parlamente vertraten die Überzeugung. Fuchs usw. den Ausbau von Eurojust. Gleichzeitig lag den Parlamenten besonders an der Ausstattung des Konvents mit einem weit gefassten und seine Autonomie wahrenden Mandat.und Verteidigungspolitik gefordert hatte. . 561 ff. M. Fuchs / S. Popovic (2002).. der gemeinsamen Konferenz der Europaausschüsse der nationalen Parlamente und des Europäischen Parlaments einen von allen Bundestagsfraktionen getragenen Beschluss. einschließlich der Parlamente der Beitrittsländer. vgl. Thierse und R. M. 263 f. den Aufbau einer europäischen Staatsanwaltschaft. M. S. die Perspektive einer gemeinsamen europäischen Verteidigung und die Terrorismusbekämpfung als Aufgabe der Europäischen Sicherheits. Damit hatte der Europaausschuss seine Position zur Vorbereitung der Regierungskonferenz 2004 frühzeitig festgelegt. S. Hartleif / V. Hartleif / V. Die bilaterale Parlamentsinitiative unterstützte damit vorbehaltlos die gemeinsame Erklärung der Bundesregierung und der französischen Regierung auf dem deutsch-französischen Gipfel von Nantes vom November 2001. Popovic (2002). (2002). Gleichzeitig regten die Ausschussmitglieder an.

die Frage der Beibehaltung der halbjährlichen Rotation des EU-Ratsvorsitzes. − sodann der Status der in Nizza verkündeten Charta der Grundrechte der Europäischen Union gemäß den Schlussfolgerungen des Europäischen Rates von Köln. die Stärkung der Rolle der Europäischen Union in den Bereichen Verteidigung.und Regierungschefs im belgischen Laeken. indem sie unter anderem folgende Fragen formulierten. und der Anstoß zu Veränderungen der Gesetzgebungsinstrumente der Europäischen Union formuliert. Wägenbauer. die es zu klären galt: − Zum einen wie eine genauere. Kriminalitätsbekämpfung.II. Zuwanderung. Gleichzeitig entsprach der Europäische Rat in Laeken dem begründeten Ringen der Parlamente in der Europäischen Union um mehr und direkten Einfluss bei der Fortentwicklung der Europäischen Verträge. 378 . Zur Zukunft der EU: Was bringt die Erklärung von Laeken?. Die der Einsetzung des Europäischen Konvents zugrunde liegende Entscheidung der EU-Staats. Neben der Forderung nach einer Vereinfachung und Neuorganisation des europäischen Vertragswerks und der Integration der Grundrechtecharta in die Verträge wurden konkrete Reformkomplexe wie die Wahl des Präsidenten der Europäischen Kommission. − eine Vereinfachung der Verträge mit dem Ziel.und Regierungschefs haben mit der dem Vertrag von Nizza beigefügten Erklärung Nr. die Verteilung der Zuständigkeitsbereiche zwischen der europäischen und der nationalstaatlichen Ebene. Außenpolitik. die Debatte über die künftige Gestalt der Europäischen Union im Rahmen eines Konvents unter maßgeblicher Beteiligung der nationalen Parlamente der EU-Mitgliedsstaaten und des Europäischen Parlaments zu führen. in: ZRP 2002. 23 378 zur Zukunft der Union dies unterstrichen. 94 f.und Regierungschefs die Unzulänglichkeit der „Methode Regierungskonferenz“ für die gewünschte europaweite Zukunftsdebatte erkannt. Dazu R. wurde zu Recht als historischer Schritt bezeichnet und verdiente sich angesichts der weitgehend zustimmenden Reaktionen in großen Teilen der „europäischen Öffentlichkeit“ den Begriff einer „stillen Revolution“ der europäischen Integrationsgeschichte. S. dem Subsidiaritätsprinzip entsprechende Abgrenzung der Zuständigkeiten zwischen der Europäischen Union und den Mitgliedsstaaten hergestellt und danach aufrechterhalten werden kann. − die Rolle der nationalen Parlamente in der Architektur Europas. diese klarer und verständlicher zu machen. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 139 (2) Die Erklärung von Laeken – eine „stille Revolution“ der Integrationsgeschichte Die Staats. ohne sie inhaltlich zu ändern. Mit der Festlegung auf einen überwiegend aus Parlamentariern zusammengesetzten Konvent hatten die Staats.

32 ff. in: EuGRZ 1995. in: JöR 48 (2000). 2006. nn) Inkurs: Verfassungsbegriff und Verfassungsverständnis In der Zeit um die Erklärung von Laeken spitzte sich die (nicht neue) europäische Debatte über die Verfassungsfähigkeit der Europäischen Union in entsprechender Intensität zu. 45 GG i. Häberle. 380 379 . Tsatsos. Europäische Verfassungslehre.. 245 ff.V.. C. Die intensive Einbeziehung der nationalen Parlamente sowie des Europäischen Parlaments bildete schon relativ früh den gedanklichen Ausgangspunkt für den Wunsch nach Einrichtung eines Konvents. Koenig. in: DÖV 1998. Aus der unüberschaubaren Lit. S. I. S. § 93a Abs 3 Satz 2 GO-BT am 4. (2002). die bisherige Debatte ergänzende Überlegungen angereichert werden. Eine nähere Betrachtung des Konventverfahrens und seiner Zielsetzung erfordert die Klärung einer elementaren. S.. Bereits zuvor hatte der Bundesrat in einer Entschließung zu den Verfahrensaspekten der „Erklärung zur Zukunft der Europäischen Union“ vom 11.140 B. 1999. S. der mitgliedstaatlichen Regierungen. So hatte etwa der Deutsche Bundestag durch den Ausschuß für Europäische Angelegenheiten. unter Rückgriff auf das Konvents-Modell für die Vorbereitungsphase der „Regierungskonferenz 2004“ eine umfassende Einbeziehung der nationalen Parlamente sowie des Europäischen Parlaments gefordert. M. Auch die Kommission hatte sich bereits zu einem recht frühen Zeitpunkt für ein Konventmodell unter Anlehnung an das im Rahmen der Erarbeitung der Grundrechts-Charta praktizierte Prozedere ausgesprochen. Das Europäische Parlament hatte sich in einer Entschließung diesen Forderungen im Wesentlichen angeschlossen. Die Europäische Unionsgrundordnung. um im Rahmen der späteren Betrachtung Vgl. insbesondere W. m. Ist die Europäische Union verfassungsfähig?. 205 ff. 69 ff. Mai 2001 ein Gremium aus Vertretern der nationalen Parlamente unter Einschluss eines Vertreters des Bundesrates. 268 ff. Fuchs usw. gleichwohl inflationär abgehandelten Vorfrage: von welchem Verfassungsbegriff und Verfassungsverständnis ist innerhalb der heutigen Europäischen Union auszugehen? 380 Auch mit Blick auf die späteren Vergleiche mit der US-amerikanischen Verfassungsordnung soll dieser Aspekt eingehender abgehandelt und durch einige. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Mit der Erklärung von Laeken war ein tatsächlich zukunftsgerichteter Ausgangspunkt für die Diskussion über die Effizienz eines neuen Verfahrens zur Vorbereitung künftiger Vertragsrevisionen gefunden. Zudem bedarf es einer zielführenden Einordnung. der Organe in der Europäischen Union sowie von Sachverständigen und Vertretern der Beitrittsländer gefordert. Aufl. Pernice. P. Der Europäische Vervassungsverbund auf dem Weg der Konsolidierung. Siehe auch D. Supranationalität als Verfassungsprinzip. Juli 2001 einen entsprechenden plenarersetzenden Beschluß fasste 379. 4. 287 ff. der in Wahrnehmung seiner verfassungsmäßigen Rechte gemäß Art. Hertel.

H. K. Aufl. sei es dass auf die dem Begriff zugrundeliegenden Aufgaben und Zielsetzung abgestellt wird. Wenn allerdings das Verfassungsverständnis etwa als Grundlage eines Verständnisses von Verfassungsgerichtsbarkeit und deren Methodik zu begreifen ist. sich sowohl einem Verfassungsverständnis als auch dem angestrebten Verfassungsbegriff mit mehr oder weniger langatmigen Umschreibungen anzunähern. 3. Smend. 397. etwa R. so vordergründig unvereinbar (einige. Die Verfassung als Sozialgestaltungsplan. beweist sich bereits bei den Versuchen. (1) Das Verfassungsverständnis – allgemeine Überlegungen Der Facettenreichtum einer Verfassung legt den Schluss nahe. Staatsrechtliche Abhandlungen. oder auf ihre Funktionen. (Hrsg. vgl. Häberle zum (erweiterten) Ansatz eines „gemischten. Grundzüge des Verfassungsrechts der Bundesrepublik Deutschland. Aufl. die eine Annäherung an das Verfassungsverständnis unternehmen. S. S. Aufl. . 4. da eine Gegenüberstellung sich nicht lediglich am Gestaltungswillen des Gesetzgebers (N. 249 ff. das ersteres wiederum ausgestaltet. sondern wie sich Verfassung in ihrem jeweiligen Umfeld darstellt. Schmitt) 385 oder an der Akzentuierung planmäßigen. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 141 des europäischen „Verfassungsänderungsverfahrens“ oder einer „Europäischen Verfassungsgerichtsbarkeit“ gesicherte Grundlagen aufweisen zu können. Achterberg) 384. Staatslehre. Europäische Verfassungslehre. 385 Siehe C. 3 ff. So unscharf zuweilen zwischen Verfassungsbegriff und Verfassungsverständnis unterschieden wird 383. 9. S. so wird man sich nicht auf formale Gesichtspunkte beschränken können. 1993. 1995. 20. Recht und Staat im sozialen Wandel. Festschrift für H. 20. 3. 8. Ähnliches gilt auch für den Verfassungsvergleich: es bietet sich ein „gemischtes Verfassungsverständnis“ an. 293 ff. Scupin. N. 187 ff. ders.U. Aufl. Nun geht es hier nicht um die Frage. Hesse. Schmitt.. 399 ff. 1998. Europäische Verfassungslehre. S.). 23.II. S. Grundzüge des Verfassungsrechts der Bundesrepublik Deutschland. Smend bestätigen diese Einschätzung) scheinen sich gewisse Thesen gegenüberzustehen. Hesse. die ihrerseits allesamt einer „gemischten“ 381 Definition innewohnen dürften. in: ders. Schmitt gegen R.. Verfassungslehre als Kulturwissenschaft. der in Abgrenzung zur Verfassungstheorie für die Verfassungsrechtslehre auf einen vielseitig beeinflussten Verfassungsbegriff zurückgreift und diesen wohl mit dem Verfassungsverständnis gleichsetzt. 1963). Aufl. S. wie C. 2006. 4. Aufl. Vgl. ein Verfassungsverständnis gründe sich auf der geglückten gedanklichen Verbindung ihrer vielfältigen Elemente. S. kulturwissenschaftlichen Verfassungsverständnisses“. Das Verfassungsverständnis kann nun mittels Begriffen bestimmt werden. 1995. Häberle. S. 187 ff. bewussten 381 Ein „gemischtes Verfassungsverständnis“ betont P. 1983. Aufl. 1934 (Neudr.. 1994. ders. 2006. 384 Vgl. Heller. Verfassungslehre. S. aber auch P. 383 Dass mehrere Begriffe zumeist erst ein Verständnis ausbilden können. 2. 382 Auch um dieser Problemstellung beizukommen wird allgemein auf „Hilfsmittel“ zurückgegriffen. vgl.. was überhaupt Verfassung ist 382.. am jeweiligen Entscheidungsmoment (C. Achterberg. Ähnlich K.

Nachdem dieses auch durch seine stete Fortentwicklung geformt wird.. Derzeit ist die Europäische Union eine „Komposition“ aus drei Europäischen Gemeinschaften und zwei Formen der Zusammenarbeit. H. 127 ff. S. Smend. 3. Heller) 388 oder die intendierte Freiheitssicherung durch Machtbeschränkung (H. Aufl. Gleichwohl wird auch diese Untersuchung auf Versuche eingehen. 388 Vgl. Dennoch soll unter Berücksichtigung der Bedeutung einzelner Verfassungsprinzipien und der rechtskulturellen Perspektive für die jeweilige Ausprägung einer Verfassungsentwicklung dem Leitbild eines „gemischten Verfassungsverständnisses“ gefolgt werden. Staatsrechtliche Abhandlungen. die den Anforderungen eines vergleichsweise jungen Europas entspringt. die durchaus eine Verfassung im materiellen Sinne. So gibt es Staaten – wie beispielsweise Großbritannien –. Aufl.und sozialpolitische) Ziele (Art. Loewenstein. Heller (1934). Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung organisierten Zusammenwirkens (H. Einem umfassenden Vergleich ist ebenso wenig eine Verengung der Sichtweise auf den materiellen oder formellen Sinn zuträglich 387 wie eine Begriffsbestimmung durch die Betonung einer „Hauptfunktion“. 1975. Ehmke. H. 187 ff. die einen europäischen (bzw. 1994. 2 EUV). institutioneller Rahmen (Art. H. wirtschafts. 387 386 . Verfassungslehre. Hinzu kommen gemeinsam verfasste Grundaufgaben und materielle (z. kaum gerecht. jedoch keine Verfassungsurkunde besitzen. Die unterschiedlichen Ansätze einer Begriffsbestimmung aus dem deutschen Sprachraum werfen somit bereits ein vorauseilendes Licht auf die Schwierigkeiten. 6 –7 EUV und Europäische Grundrechtecharta). Heller) 386 orientieren muss. Loewenstein) 389. ein einheitlicher. in deren fortlaufenden Vollzug sich die politische Gemeinschaft „integriert“ (R.142 B. R. Letztlich würde selbst ein befürwortetes einheitliches Verfassungsverständnis der tatsächlichen Vielfalt einer mehr als zwei Jahrhunderte erprobten amerikanischen Verfassung und der Bandbreite eines Regelwerks. H. Smend. sei es die Verfassung als grundlegende normative Ordnung und Sinnorientierung. 3 – 5 EUV) sowie eine gemeinsame Grundwerteorientierung (Art. Grenzen der Verfassungsänderung. indes nur als eine der Komponenten eines übergreifenden Verfassungsverständnisses. ist die hier getätigte Auswahl bestimmender Faktoren unweigerlich fragmentarisch. 1953. Ehmke. (2) Der „europäische“ Verfassungsbegriff Die Frage nach der Konstitutionalisierung der Europäischen Union hat ihren Bezugspunkt in der Problematik des Gemeinwesens der Europäischen Union in ihrer (gegenwärtigen) Verfasstheit. K. B. 389 Siehe K. im späteren Rechtsvergleich den US-amerikanischen) Verfassungsbegriff zu prägen glauben. S. 3. Heller (1934). die im Rahmen der Rechtsvergleichung zu erwarten wären. Dies allerdings Vgl. die die tragenden Verfassungsgrundsätze zusammenfaßt.

). grundsätzlich ein verfassungsbedürftiges Gemeinwesen darstellt. Basler Schriften zur europäischen Integration. 391 390 . 213 Abs. 2 EGV auf ein Gemeinschaftswohl verpflichtet ist. auch wenn sie als Gemeinwesen sui generis ohne „Staatsqualität“ gelten muss. 392 Vgl. S. Juristisch könnte man daraus ein „Verfassungserfordernis“ für die Europäische Union ableiten bzw. S. Fédéralisme et constitutionnalisme: le Sonderweg de l’Europe. (a) Zwei Vorfragen Bei allen Qualifizierungen der bisherigen europäischen Rechtsordnung richtete sich eine breite Hoffnung auf eine „echte“ Verfassung. sondern oft unauffällig in den Diskurs hineinzugelangen vermag. die sich jedoch nicht offenbart.II. Stellungnahme. 395 So J. gäbe es einen „juristischen Begriffshimmel“. 2 EGV. Die Banalität der Begrifflichkeit „echt“ verschleiert jedoch die Klärung zweier Grundfragen. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 143 legt nahe. Jouanjan. EAGV. wobei sie laut Art. nur die Befugnis zur Aufsicht über staatliche Beihilfen. also die „Konstitutionalisierung“ Europas seine „Normalisierung“ bedeuten? Hinsichtlich der ersten Fragestellung sind weiterhin latente Tendenzen einer gewissen Art der „Begriffsjurisprudenz“ zu beobachten. Art. 188 f. Siehe etwa die Ermächtigung zum Erlass von Verordnungen im Sinne von Art. Interdisziplinäres Verfassungssymposium anlässlich des 10 Jahre Jubiläums des Europainstituts der Universität Basel. 2003. zu einer Gesamtverfassung von Gemeinschaften und Union zu kommen.).H. EGV. 393 Vgl. Um mit R. 394 Vgl. Weiler. das politische Ziel. Die juristischen Begriffe müssten danach metahistorische Größe sein. die Texte von Art. 151. 6 EGKSV. administrativ-exekutiver 392 und judikativer Gewalt 393 übt die Europäische Union kraft ihrer Organe letztlich (quasi-)staatliche Gewalt aus. Dehousse (Hrsg. den absoluten. 281 f. die Notwendigkeit. Une Constitution pour l’Europe?. zur Ahndung von Verstößen gegen die Wettbewerbsregeln etc. in: R. dass die Europäische Union. 249 Abs. soll sie ein Sonderweg zur Normalität sein. 2002.H. platonistisch konzipierten Begriff der Verfassung? Zweitens: selbst wenn die Konstitutionalisierung Europas ein „Sonderweg“ 395 ist. die neben den weiteren (sogleich angerissenen) vielschichtigen Debatten – etwa um die „Staatlichkeit“ der Europäischen Union – oftmals unterzugehen drohen. insb. Der Beitrag der Wissenschaften zur künftigen Verfassung der EU. 12 ff. Nr. 66. EGV. aber den Redebeitrag von O. Die scheinbare Notwendigkeit stets fester Begrifflichkeiten bietet hierbei eine – wenn auch gelegentlich schwankende – Plattform für Begriffsrealismus. in: G. Als eigene Rechtspersönlichkeit 390 mit eigener legislativer 391. 220 ff. 394 Erstens: gibt es den idealen Typus der Verfassung. Kreis (Hrsg. wohin der inszenierte Romanist nach seinem Tod endlich kommt: Vgl. von Ihering zu sprechen.

398 Siehe den Text der Erklärung. Das Flussprinzip gilt im Übrigen auch für die zweite Voraussetzung der Frage nach der „echten“ Verfassung. sondern in ihrer vollendeten. bessere Antworten auf konkrete Fragen [erwartet]. Aufl. wonach der Bürger „mehr Ergebnisse. nämlich die angedachte „Normalisierung“ Europas. 398 In diesem Kontext ist festzuhalten. weil im Gegensatz zur gelegentlich idealisierten Verfassunggebung nach dem Muster der französischen Revolution eine europäische Verfassung kein Machtvakuum füllen soll. Jellinek hatte Anfang des 20. da er in den Argumentationslinien auch die „Staatswerdung“ Europas und damit Souveränitätsverluste implizierte. Zudem ist „Normalisierung“ in diesem Kontext und unabhängig vom Ergebnis nicht lediglich mit „Verstaatlichung“ gleichzusetzen. die sich mit allem und jedem befassen. in ihrer Verunstaltung. 396 R. a. So wurde der Begriff „europäische Verfassung“ lange Zeit auch tabuisiert. nicht aber einen europäischen Superstaat oder europäische Organe. Aber nicht in ihrer unvollkommenen Gestalt. 12. sondern höchstens von einem geschichtlichen Typus ausgegangen werden. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung „In ihm findest Du alle die juristischen Begriffe.“ . von Ihering. 397 Auch angesichts eines erforderlichen Schutzes gegen wissenschaftlich vertarnten Essentialismus sollte alles in allem nicht von einem „idealen Wesen der Verfassung“. S. Die Europäische Union bleibt jedoch trotz unübersehbarer Parallelen zu verfassungsschöpferischen Vorgängen in der (nationalstaatlichen) Verfassungsgeschichte auch im Hinblick auf seine Konstitutionalisierung ein Ansatz sui generis. sondern im Gegenteil bereits vorhandenen staatlichen Macht. weil er reflexartige Abwehrreaktionen vieler Mitgliedsstaaten hervorrief. Bereits G. die sie auf Erden durch Gesetzgeber und Praktiker erfahren haben. S. 3. abgedruckt in EuGRZ 2001. 1914. S. Jellinek. 2001 weist in diese Richtung. mit denen Du Dich auf Erden so viel beschäftigt hast. So verblieben die Verfassungsentwürfe der Integrationsgeschichte weitgehend im Bereich der symbolischen Politik. Darmstadt 1992. u.144 B.“ 396 Das Heraklit’sche παντα ρει entfaltet jedoch auch im Hinblick auf juristische ´ Grundbegriffe Geltungskraft. dass neben den genannten Gründen die bisherige etatistische Ausrichtung europäischer Verfassunggebung schon deshalb zum Scheitern verurteilt war. Scherz und Ernst in der Jurisprudenz. 249 f.und Verfassungsstrukturen entgegentritt.. 397 Vgl. Schon die Erklärung von Laeken vom 15. fleckenlosen Reinheit und idealen Schönheit. Allgemeine Staatslehre. Neudruck. 662. G. 39. wieder. Jahrhunderts diese „im Fluss des historischen Geschehens“ gesehen. Zwar könnte man in der kongruenten Wandelbarkeit bereits einen Hinweis hierauf erkennen.

dann Bayern und Baden (1818).org/reportseulaw . meinte es dagegen bestimmte von Herrscher erlassene Gesetze.). Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 145 (b) Allgemeine Eingrenzungsversuche des Verfassungsbegriffes Seine normative Bedeutung gewann der Verfassungsbegriff erst im 18. Im Jahre 1871 trat eine gesamtdeutsche Verfassung. Badura. a.htm). FIDE-Tagung 2002. Gleichwohl wird es als fraglich erachtet. der Emanzipation der bürgerlichen Gesellschaft von religiösen Vorstellungen. D. Auflage. So wird der Begriff „Verfassung“ zumeist als die rechtliche 399 Vgl. 634.fide2002. vgl. 3. ob es ausschließlich das sich in dieser Zeit formende Ideengut der Aufklärung. Staatslexikon. Deutscher Bericht für die XX. D. 400 Vgl. ob der Staat eine Verfassung erhalten oder ob es beim „verfassungslosen“ Zustand verbleiben sollte. 399 Vorher handelte es sich nicht um einen – im heutigen Sinne – normativen. als staatsrechtliche Grundlage des neu geschaffenen deutschen Bundesstaates. S. in den Normen im Wesentlichen lediglich als zustandsbestimmende Elemente eingingen.. 1989 und 1995. S. namentlich griechische oder römisch-rechtliche sowie mittelalterliche Vorstellungen gewesen ist.). K. Band 5. aber gerade nicht ein Gesetz. 582. Stern. um die Staatsgewalt rechtsstaatlich zu begrenzen und insbesondere Grundfreiheiten der Bürger zu sichern. die Verfassungen hervorbrachten. So ist die Idee der geschriebenen Verfassung als Grundgesetz des „modernen“ Staates eine Frucht des ausgehenden 18. 2. Den Anforderungen demokratischer Verfassunggebung genügte aber erst die Weimarer Verfassung von 1919. Wie bereits oben beschrieben wurden diese auf Schaffung eines Verfassungsstaates abzielenden Bestrebungen zuerst auf dem amerikanischen Kontinent in die politische Wirklichkeit umgesetzt. Jahrhundert manifestierten sich in zahlreichen Staaten der Gedanke und die Forderung. . auch instruktiv aus den Sammelwerken P. das die Herrschaft selbst betreffen sollte. In vielen Staaten entstanden politische Bewegungen und teilweise innere Kämpfe um die Frage. M. 10 (abrufbar unter www. Das Staatsrecht der Bundesrepublik Deutschland. in: Görres Gesellschaft (Hrsg. S. sondern um einen empirischen Begriff. in: JZ 1995. so Sachsen-Weimar-Eisenach (1816). oder das Gedankengut der Volkssouveränität. des Liberalismus und der Demokratie gewesen sind.II. 401 Im allgemeinen Sprachgebrauch wird der Ausdruck „Verfassung“ mit verschiedenen Bedeutungen verbunden. 401 Vgl. ein Staat müsse eine Verfassung haben. EU-Recht und nationales Verfassungsrecht. 581 ff. als sich der Gedanke von der Notwendigkeit die staatliche Herrschaft ordnender und begrenzender Normen sowie das Prinzip der Kodifikation durchsetzte. Herzog u. 1984 Band I. S. bevor sich in Europa im Jahre 1791 Frankreich seine erste Verfassung schuf. Verfassung. Band II. in Kraft. Braucht Europa eine Verfassung?. Was Deutschland anbelangt. Spalte 3738. Grimm. 48. (Hrsg. Auflage. Evangelisches Staatslexikon. oder ob es nicht auch eine Anknüpfung an ältere. in: R. Württemberg (1819). zum 19. Wo das Wort „Verfassung“ oder ein fremdsprachliches Äquivalent normativ verwendet wurde. Jahrhundert. Verfassung. Jahrhunderts. gaben sich in Anlehnung an die französische Verfassung von 1814 zahlreiche deutsche Staaten eine Verfassung. Auflage. Grimm. 7. 1987. Nettesheim. 400 Seit der Wende vom 18. 402 Über einige grundlegende Wesensmerkmale besteht jedoch Einigkeit.

nur J. nicht wirklich als Verfassung i. 1. Kommentar. Aufl. Das Ineinandergreifen von nationalem und europäischem Verfassungsrecht. Verfassungstheorie anzuerkennen).. S. S. Auch besteht Übereinstimmung darüber. Demzufolge lassen sich kaum zwingende Aussagen treffen.). 405 Nach verbreiteter Meinung wird im formellen Sinne unter Verfassung das Verfassungsgesetz als das „Grundgesetz“ eines Staates verstanden. die einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Verfassungsrechtslehre ausgeübt haben. Jellinek und C. J. Supranationalität als Verfassungsprinzip. dazu K. und W. dass in der Verfassung die Leitprinzipien für die Organisation des Staatverbundes und die Funktionsweise der Staatsgewalt und damit die wesentlichen Entscheidungsstrukturen festgelegt werden. während der materielle Verfassungsbegriff nach dem Regelungsgehalt eine Zuordnung bestimmter Normen zum Verfassungsrecht vornimmt. 2000. 644. Kirchhof. Schmitt. Staat und Verfassung. in: J. aber auch einige materielle Merkmale (da es eine Verfassung in einem nur formellen oder nur materiellen Sinne faktisch nicht geben kann – auch deswegen ist vieles. Schmitz (2001). 17. Beachtenswert sind die Begriffsbestimmungen der Verfassung von G. 403 Wie man die begrifflichen Voraussetzungen der Verfassung definiert. welche äußerlichen Kriterien (Form. welche Zulässigkeit und Verfahren der eigenen Abänderbarkeit regelt. 109 404 Dazu T. Schwarze. etwa J. Handbuch des Staatsrechts der Bundesrepublik Deutschland. Sie lässt sich auf keine Normenzeugungsregel zurückzuführen. . S. Vgl. Badura (1987). Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Grundordnung des Gemeinwesens umschrieben. d. S. Bieber (Hrsg. erhöhte Bestandskraft. wie sie bei logischen Fragestellungen möglich sind. S. Aufl. S. Sie entspringt außerhalb 402 Vgl. Verfassungsentwicklung in der Europäischen Gemeinschaft. S. 1998. Bedeutung und Inhalt beider Verfassungsbegriffe sind in den Einzelheiten freilich sehr umstritten. 51 ff.146 B. Schwarze / R. 15 ff. Eine Verfassung für Europa. 2003. An dieser Stelle soll sich auf diejenigen Merkmale konzentriert werden. die allen anderen Normen die Regeln der Erzeugung vorgibt und den Geltungsmaßstab bildet. Die höchste Norm der staatlichen Rechtsordnung. einheitliche Urkunde) eine Verfassung kennzeichnen. was in der europäischen Verfassungsdiskussion als „Verfassung“ bezeichnet wird. Gleichwohl bleibt die Unterscheidung von Verfassung im formellen und materiellen Sinne grundlegend. das besondere Formqualitäten kennzeichnen 406: der höchste Rang innerhalb der staatlichen Normenhierarchie (Vorrang der Verfassung). ist die einzige Norm. Isensee. Grundgesetz. Spalte 3737 und M. erschwerte Abänderbarkeit. 51 ff. Hertel. 406 Vgl. Das sind im Wesentlichen formelle. in: J. 415. Die Entstehung einer europäischen Verfassungsordnung. 1987. Band I. Isensee / P. Schwarze. Dabei versucht der formelle Verfassungsbegriff eine Antwort auf die Frage zu geben. Stern (1984). Bestandskraft. P. S. 1984. 403 Vgl. 3. hängt ebenso wie bei den Voraussetzungen der Verfassungsfähigkeit und vielen anderen Fragen der Verfassungstheorie zu einem erklecklichen Teil von Wertungen ab. 405 Vgl. Sachs. die für die Wirkung der „Verfassung als rechtliche Institution“ 404 erforderlich sind. 77 ff.

Die postnationale Konstellation und die Zukunft der Demokratie. 1123 ff. Nation. in: D. nach demokratischem Verständnis. weil der Begriff der Vgl. Habermas.. in: ders. Verfassungsvertrag 409) oder einer etwaigen („klassischen“ Verfassungs(?)-)Interpretation erneut Aktualität. im Willen des Volkes liegt. Als wesentliche Charakteristika der Verfassungsordnung eines modernen Staates werden die Staatsorganisation. Häberle. Sie ist die rechtliche Substanz.f)qq)(1). 115 ff. 408 Vgl. auf der das Staatsgrundgesetz als die rechtliche Form angelegt ist. Europa. Staat. Diese Debatte hat sich auch nach dem Verfassungskonvent nicht gänzlich erschöpft. statt vieler etwa D. Vertrag bzw. G. ob der europäische Herrschafts. S. 2001.. in: 36 CMLRev. 1996. 1999. 2000. 1994. 91 ff. T.J.. Grundlagen der Staatsorganisation. Welche Verfassung für Europa? Erstes interdisziplinäres „Schwarzkopf-Kolloquium“zur Verfassungsdebatte in der Europäischen Union. I. The Return of Contract: Problems and Pitfalls of European Constitutionalism.. Die postnationale Konstellation. Grimm. Proposals for a Constitutional Theory and Constitutional Law of the EU. 1995.. 68 ff. S. Obgleich man annehmen könnte. 407 (c) Verfassungsfähigkeit und deren Voraussetzungen Die zentrale Frage in der europäischen Verfassungsdiskussion war die. S.II. Politische Essays. E. Verfassung im materiellen Sinne ist dagegen die rechtliche Grundordnung des Staates. das heißt im Sinne der Verfassungstheorie zu einer Verfassung fähig ist („Verfassungsfähigkeit“). gewann diese Diskussion beispielsweise bei der Qualifikation des Konventsentwurfs (Verfassung. 407 . wiederum J. Über die Voraussetzungen der Verfassungsfähigkeit ist in der Verfassungstheorie bisher keine tiefgreifende Diskussion geführt worden. S. 703 ff. in: 32 CMLRev. Die Einbeziehung des Anderen. Bruha / J. 33 ff. S.II. Schwarze. das Recht der höchsten Staatsorgane sowie Ziele und Grenzen der Staatsform. 257 ff. Welchen Weg geht Europa?. in: ders. Gemeineuropäisches Verfassungsrecht. ders. Zur materiellen Verfassung gehören die Staatsform. 1999.. Verfassungstheorie und Rechtsphilosophie. Die Entstehung einer europäischen Verfassungsordnung... S. der Legitimationsursprung. Nowak (Hrsg. 581 ff. Pernice. Frankenberg. die Rechtsstaatlichkeit und der Schutz der Grundrechte betrachtet. E. S. 1998. 409 Dazu unter B. P. J. Petersmann. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 147 des Systems staatlich verfasster Legalität im Legitimitätsgrund der Staatlichkeit. Studien zur politischen Theorie. S.. 185 ff. S.und Integrationsverband in seiner damaligen (und gegenwärtigen) Gestalt überhaupt eine Verfassung haben kann 408. Hesse / C. disponiblen Gesetzes durch ihre Bedeutung für die staatliche Einheit hinausreichen. Böckenförde. in: 6 ELJ 2000.). Grimm.2. Multilevel Constitutionalism and the Treaty of Amsterdam: European Constitution-Making Revisited?. Materien der Verfassung müssen über die des einfachen. Braucht Europa eine Verfassung?.-U. dass mit dem schließlich vorgelegten Verfassungsvertrag der Streit um die Verfassungsfähigkeit obsolet geworden ist. das Demokratieprinzip. in: JZ 1995.-W. Studien zur Staatslehre.. der. Europäische Rechtskultur. Das Ineinandergreifen von nationalem und europäischem Verfassungsrecht.. Braucht Europa eine Verfassung? Eine Bemerkung zu Dieter Grimm. die Machtverteilung durch die Kompetenzordnung. in: ders.

welche ihrer Integrationsfunktion vor allem dadurch nachkommt. die eine Parallele zur staatlichen Schicksalsgemeinschaft erkennen lässt.148 B. aber grundlegend und zu den nachfolgend aufgeführten Gesichtspunkten ausführlich T. Ferner bedarf es einer nicht unerheblichen Autonomie bei der Aufgabenerfüllung. Primäre Voraussetzung ist. Im Einzelfall kann die Verfassungsfähigkeit allerdings daran scheitern. Außerdem muss es sich um einen allgemeinen politischen Zusammenschluss handeln. denn die Funktion einer Verfassung ist auch die eines grundlegenden rechtlichen Dokumentes. auf ständige Fortentwicklung angelegte. 404 ff. der allerdings auch ein Gesamtverband sein kann. soll die Institution der Verfassung doch der Selbstkontrolle selbständiger Machtapparate und nicht der Beaufsichtigung von Erfüllungsgehilfen dienen. S. die unmittelbar an das Territorium anknüpft oder die rechtlich unverbundenen europäischen Verbände Europäische Union. das dem Bürger den Schutz und Beistand der Gemeinschaft garantiert. 2001. Deswegen muss zumindest ein erheblicher Teil der wesentlichen Entscheidungen unitarischen Organen überantwortet oder dem Mehrheitsprinzip unterstellt sein. müsste man daher die Verfassungsfähigkeit der Europäischen Gemeinschaften bis in die späten achtziger Jahre verneinen. Verstände man den Luxemburger Kompromiss von 1966 als rechtlich bindend. 410 Es kann daher nur allgemein auf Sinn und Zweck der Verfassung und die unter diesem Gesichtspunkt wichtigen Eigenschaften des Staates abgestellt werden. denn die Institution der Verfassung ist für die rechtliche Ordnung politischer Gemeinschaften von Menschen und nicht als Steuerungsinstrument für Zweckverbände entwickelt worden. Außerdem ist jede Verfassung auf einen einzigen. Dabei müssen das zentrale Anliegen und der Kerngedanke der Verfassungstheorie im Mittelpunkt stehen. dass es sich um einen Verband.und Solidargemeinschaft getragen sein. dass sie in erheblichen Umfang durch Ausübung von Hoheitsgewalt in den Mitgliedstaaten selbst öffentliche Aufgaben wahrnimmt. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung „Verfassungsfähigkeit“ dort noch nicht entsprechend breit eingeführt ist. denn Verfassungen kommen nach der hier vertretenen Auffassung nur für hoch entwickelte Verbände mit politischem Gewicht in Betracht. 168. dass den Regierungen der Mitgliedstaaten eine so weitgehende Kontrolle über die Politik der 410 Vgl. S. Die Europäische Union und die Europäischen Gemeinschaften fallen somit hierunter. Schmitz. Weitere Voraussetzungen sind ein hoher Organisationsgrad und weitreichende Kompetenzen. . Integration in der Supranationalen Union. konzeptionell für Aufgaben aller Art offene internationale Organisation. Zu dieser Autonomie gehört bei einem völkerrechtlichen Verband auch eine Verselbständigung des politischen Willens gegenüber den einzelnen Willen der Mitgliedstaaten und ihrer Regierungen. eine Körperschaft handelt. bestimmten Verband beschränkt. Eine „europäische Verfassung“ im Wortsinne. versteht in dieser Arbeit unter „Supranationaler Union“ eine von mehreren Staaten zum Zwecke der Integration gegründete. Europarat und OSZE unter einer Ordnung vereint. auch die Definition von T. – Bei einer Supranationalen Union 411 sind diese Voraussetzungen grundsätzlich erfüllt. Schließlich muss ein verfassungsfähiger Verband von einer engen Verantwortungs. vgl. erscheint also nicht möglich. 411 Der Verf. Schmitz (2001).

). 53. Biehl / W. d. 398 f. 413 C. G.F. Der Staatsbezug ist darauf zurückzuführen.W. die als Referenz dienten. 51 ff. 1928. 414 Für Hegel ist der Staat als „die Wirklichkeit der Sittlichen Idee“ das „an und für sich Vernüftige“.und Anwendungsbefehl konstitutiv zur Wirkung zu verhelfen. (d) Staat und Verfassung im „wechselseitigen Korsett“? Geboren und durchgesetzt in der Epoche der Nationalstaatlichkeit. dass lange Zeit nur der Staat als territorial gebundene.. 412 Vgl. Böckenförde. Hegel. ist die Institution der Verfassung traditionell mit der Organisationsform des Staates verbunden. h.-W. als nur aus diesem Grund frei. Föderale Union – Europas Zukunft?. Wessels (Hrsg. besteht nach dem so genannten „normativen staatsbezogenen Verfassungsbegriff“ folglich eine Konnexität von souveränem Staat und Verfassung 416. Der Staat als sittlicher Staat. 3: „Das Wort . 11ff sowie zur Differenzierung von Verfassung und Verfassungsgesetz. 1978.II. sein ausschließliches Recht. 1995. die historischen Verfassunggebungen. S. Pauly. 415 Herleitung nach D. 605.Verfassung‘ muss auf die Verfassung des Staates. E. Schultze. 412 Auch C. Ihre Theorie wurde für den Staat entwickelt. S. Die europäischen Staaten und ihre Union – Staatsbilder in der Diskussion.). S. wenn eine Verständigung möglich sein soll“. vergleichbar enge Formulierung. den „pouvoir constituant“.. in: Der Staat 2000. der politischen Einheit eines Volkes beschränkt werden. W. vgl. vor allem 392 ff. 1821. fanden in den Staaten statt. Grundlinien der Philosophie des Rechts. 1994. allein zu allgemeinverbindlicher Entscheidung und zu zwangsweisem Vollzug legitimierte Einrichtung durch seine Souveränität. W. ebenso wenig zu wie die Behauptung. in völliger Selbständigkeit handelnden Staates bezogen. Wessels. Lexikon der Politik. Schmitt wählte in seiner „Verfassungslehre“ eine ähnliche. Nach diesem vielfach als „klassisch“ bestimmtem Verständnis werden die Funktionen und Vorraussetzungen der Verfassung auf das Bild eines in sich geschlossenen. 413 Dieses auf die Hegel’sche Staatsphilosophie zurückgehende 414 staatszentrierte Verständnis von Verfassung lässt die Annahme. die Europäische Union könne sich in näherer Zukunft eine Verfassung zulegen. d. in: H. S. . Schneider / D. Nohlen / R. indem er „Verfassung“ (kontrastierend zum „Verfassungsgesetz“) als Dezision über die Form und Grundstruktur eines schon vorgegebenen Staates bezeichnete. Schmitt. 381 ff. über ein definiertes Gebiet einem Geltungs. 415 Bezeichnet man nun den souveränen Staat als Rechtsvoraussetzungsbegriff und die Konstituente. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 149 Union eingeräumt ist. (§§ 257 ff. dass letztlich nicht mehr von autonomer Aufgabenerfüllung gesprochen werden kann. die Effektivität der Verfassung garantieren konnte. wenn nicht sogar eine wechselseitige korsettartige Verbindung. Zum modernen sittlichen Staat vgl.-O. es existiere bereits eine europäische Verfassung. h. Hegel und die Frage nach dem Staat. S.. ebenda S. Verfassungslehre. Band 1: Politische Theorie.

S.. denn sie sei kein Staat. S. „auf der klassischen Idee von der Verfassung als Ausdruck staatlicher Selbstherrschaft zu beharren“. wird von ihr nicht vorausgesetzt. 1993. 105 ff.. 2001. 417 Vgl. den man.). 2. S. (Hrsg. Ist die Staatswerdung Europas unausweichlich? Die Spannung zwischen Unionsgewalt und Souveränität der Mitgliedstaaten ist kein Hindernis für die Einheit Europas. P. Für einen vom 416 . Sobotta. 20 f. S. S. in: Herbert Quandt-Stiftung (Hrsg. 421 Dies umfasst eine „Offenheit“ für die rechtliche Erfassung supra. Isensee (Hrsg.. Auf dem Weg zu einer Unionsverfassung. auch K. in: FAZ v. Grundlagenpapier.. 739.). 418 Da sie auch kein Volk im traditionellen Sinne vorzuweisen habe. Häberle formulierten Gedanken. 82. Europas Verfassung-Eine Ordnung für die Zukunft der Union. Grundsätzlich J. 419 I. 18 ff..und Zwecksetzung. Sinclair-Haus Gespräch.. gebe es noch nicht einmal eine verfassungsgebende Gewalt. a. 1998. 44 ff. 1999. S. VVDStRL 60 (2001).. Politische Essays. 47 f. und es nicht mehr erlaubt ist.. Kirchhof und D. Zur Europäisierung des deutschen Verfassungsrechts.und internationaler Strukturen gleicher Ziel. Europäische Einigung und der Verfassungsstaat der Bundesrepublik Deutschland. Der Europäische Verfassungskonvent – Strategien und Argumente. 1066.. Die Europäische Verfassung. Bericht. 2. vgl. 418 In diesem Sinne auch U. sowie speziell zur Entwicklung in der Europäischen Union D. die Europäische Charta nennen könnte“. Sinclair-Haus Gespräch. in: JZ 2000. Dieser weiterhin von den früheren Richtern am Bundesverfassungsgericht P. Die postnationale Konstellation. Pernice. vgl. „[. Blumenwitz. 419 Er ist funktional bestimmt und begründet sich auf dem von P. S. in: Herbert Quandt-Stiftung (Hrsg. Habermas. 30 ff. Die Europäisierung der mitgliedstaatlichen Rechtsordnungen in der Europäischen Union. S. di Fabio. auch ders. 1998. Europäische Verfassungslehre in Einzelstudien.. 8.H. vgl. 2001. Verfassungslehre als Kulturwissenschaft. in: Politische Studien. Europas VerfassungEine Ordnung für die Zukunft der Union. 420 Der Staat ist demzufolge der Verfassung nicht vorgelagert.). 421 So D. in: ders.]dass es eine europäische Verfassung im herkömmlichen Sinne staatlicher verfassungsgebender Gewalt nicht gibt. Aufl. 417 In der Konsequenz könne nach dieser Auffassung die Europäische Union keine Verfassung haben.150 B.. Das Prinzip Rechtsstaat. sondern durch sie konstituiert. Von der Staatssoziologie zur Soziologie der Verfassung?. 2. 2001. 63 ff. Pernice. dass es nicht mehr „Staat“ geben kann. 737 ff.] wir uns längst im Strudel des Epochenwechsels befinden. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Auch hinsichtlich der europäischen Dimension wurde der Begriff der Verfassung zunächst herkömmlich und überwiegend auf den Staat bezogen gedacht. Europäisches und nationales Verfassungsrecht. II. 87 ff. 420 Vgl. (i. 1997. I. Hofmann.). wonach „[. 620. 1065 ff. Allerdings auch ders. Scheuing. Ihm letztlich folgend: H. um Missverständnisse auszuschließen. Europäische Verfassungslehre – Ein Projekt. Europa als politische Idee und als rechtliche Form. Sonderheft 1/2003. in: J. der die Konnexität von souveränem Staat und Verfassung auflöst“.. in: JZ 1999. 1997. Grimm vertretenen Vorstellung hat I. als die Verfassung konstituiert.). Pernice einen „postnationalen“ Verfassungsbegriff entgegengestellt. Drexl u.. 16. 18 ff. S. E. nur P. Grundlagenpapier. wohl aber einen funktionellen Verfassungsvertrag. ders. Die Europäische Verfassung. Kirchhof. Wer gibt die Verfassung Europas?.. Mit dem Wandel des Staates und seinen Funktionen wird nach dieser Auffassung das Bedürfnis nach einem „offenen Verfassungsbegriff“ evident. Häberle. Ziff. Eine europäische Charta. S. S. in: J. 16. S. 20. 16.

422 Nicht nur die Verfassungslehre sah und sieht sich hierbei mit einer grundlegenden Weichenstellung konfrontiert. zum anderen zunächst lediglich eine „Komplementärverfassung“. Biaggini. also kein umfassend normhierarchischer Vorrang gegenüber dem mitgliedstaatlichen Recht gesehen werden könnte. die aus vielfachen Gründen nicht für eine Verfassung geeignet sind. Staat gelösten Verfassungsbegriff siehe auch G. Auf diese Weise lasse sich das zentrale Anliegen der Verfassungstheorie. Verneinte man sie. Integration in der Supranationalen Union. für eine verlässliche grobe Ordnung der politischen Verhältnisse und eine Grundausrichtung und Mäßigung der öffentlichen Gewalt zu sorgen. die dem Staat nahe kommt. Es ist richtig: Dieser Lösungsansatz erlaubt eine möglichst weitgehende Verfassungsgebundenheit öffentlicher Gewalt auch unter den Bedingungen der Globalisierung und Georegionalisierung und . ohne dass dabei der Kern dieser Theorie. doch wird bis heute vielfach in Zweifel gezogen. S. der Grundgedanke der Bindung jedes Machtträgers in einem Herrschaftsverband an übergeordnete rechtliche Vorgaben. 422 So T. die allerdings oftmals unbenannt blieben. 393 ff. und den wenigen herausragenden Typen. doch bleibt eine „Unionsverfassung“ vordergründig sowohl in ihrer Legitimität als auch in ihrer normativen Wirkung hinter der eines Staates zurück. eine allmähliche Untergrabung der Herrschaft der Verfassung durch immer ausgedehntere „verfassungsfreie Zonen“ oder eine weitere Komplizierung der Supranationalen Union durch eine erst noch einzuführende. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 151 Mit der Supranationalen Union existiert nunmehr eine völkerrechtliche Organisationsform. 2001. bei denen sich aufgrund einer besonderen Staatsähnlichkeit die Übernahme des Konzepts der Verfassung trotz der damit verbundenen Probleme rechtfertigen lässt.. verknüpfte sich dies mit der Gefahr einer Verwässerung des Verfassungsbegriffs und damit einer schleichenden Entwertung des Konzepts der Verfassung. Schmitz. Zwar bedarf die Union ebenso wie der Staat eines festen Rahmens. da zum einen keine Zurückführbarkeit auf ein Staatsvolk. Als Ausweg aus dem Verfassungsdilemma schlägt ders. in ihrer Wirkung schwer berechenbare verfassungsähnliche Institution. die „vorsichtige Einbeziehung einzelner nichtstaatlicher Organisationsformen in die Verfassungstheorie“ vor. 463. Die Debatte war in ihrem Kern letztlich eine um Folgeprobleme. 423 T. verändert würde. 445 ff. vom „Verfassungsdilemma der supranationalen Integration“. Schmitz spricht ähnlich. die man als das „Verfassungsdilemma supranationaler Integrationsverbände“ 423 umschreiben kann. ob dies schon eine Übertragung der eigentlichen Verfassungsidee zulässt. Die Idee der Verfassung – Neuausrichtung im Zeitalter der Globalisierung. S. S.II. in das Zeitalter der relativierten und integrierten Staatlichkeit weitertragen. Akzeptierte man nämlich die Möglichkeit einer Verfassung für die Union. (2001). 388 ff. der sie bei aller Entwicklungsoffenheit verlässlich in bestimmte Bahnen lenkt und so die vom Verfassungsstaat bekannte Grundsicherheit schafft. ein unzureichend vorbereiteter vorzeitiger Übergang in den „geo-regionalen Vereinigungs-Staat“.. Es müsse unterschieden werden zwischen den gewöhnlichen nichtstaatlichen Verbänden. in: ZSR 119 (2000). drohte je nach den unmittelbar daraus gezogenen Konsequenzen eine vorübergehende Stagnation der Integration mit anschließendem Zentralisierungsschub. jedoch in einem etwas zu weitgehendem Ansatz. Es handelt sich nach Schmitz also um eine Fortschreibung. nicht Verfälschung.

2. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Insgesamt stößt jedoch der enge Verfassungsbegriff (wie etwa bei C. 424 P. auf die sich später bei der Erarbeitung einer Staatsverfassung zurückgreifen lässt. 426 Hierzu unter B. . die formal als multilaterale völkerrechtliche Verträge erscheinen. weil der gewohnte nationalstaatliche Verfassungsrahmen und die damit verbundene Begrifflichkeit dahinschwinden. Visionär im gewissen Sinne ist bereits der Ansatz P. Häberle. S.“ 424 Angesichts der ökonomischen und politischen Potenziale. Diese Einwände artikulieren Sorgen vor einem wachsenden Defizit an demokratischer Legitimation. Verfassungscharakter 426 haben. Ähnlich verhält es sich mit der zögernden Formel „staatlicher Verbund“ 425. sie kann sich wegen der normativen Kraft des Faktischen einem noch weiter verdichteten und rechtlich verfassten Europa nicht mehr entziehen. einer Rechtsgemeinschaft oder einer supranationalen öffentlichen Gewalt verstanden werden. Auflage. der Übergang vom Vertrag auf die Verfassung sei verfrüht oder der Wechsel von der Legitimation durch die Staaten (im Ministerrat) zur Legitimation durch ein echtes Parlament sei noch nicht (oder nie) gangbar. 155 [181]. manchmal aber lediglich Irritationen.2. berücksichtigt außerdem den Bedarf an vorstaatlichen Verfassungserfahrungen im multinationalen Integrationsverband. h. werden theoretische Einwände. schließt also die – verfasste – Gesellschaft ein. „Verfassung“ kann also auch in einem weiteren Sinne als rechtliche Grundordnung eines nichtstaatlichen Gemeinwesens. Der Verfassungsfähigkeit der Europäischen Union als eines supranationalen Herrschaftsgebildes eigener Art steht damit auf den ersten Blick zumindest begrifflich nichts entgegen. vernachlässigt aber nicht die Gefahren. für eine Verfassung brauche man ein „Staatsvolk“.: nicht nur der Staat ist verfasst (Verfassung ist nicht nur ‚Staats-‘Verfassung). Häberles. Demgemäß können die Gründungsverträge internationaler Organisationen. – freilich nicht im Sinne von Identitätsvorstellungen . die der Wirklichkeit geschuldet sind. die in einer Gesamtbevölkerung von mehr als 350 Millionen Menschen stecken und wenn es gelingen sollte. einen „postnationalen Verfassungsbegriff“ gebe es nicht. Berlin 1998. 425 So das Bundesverfassungsgericht in BVerfGE 89.152 B. Schmitt) – nicht nur qua definitionem – rasch auf Grenzen. 118 f. d. Verfassungslehre als Kulturwissenschaft. kaum Widerhall finden. diese über demokratische Repräsentation einheitlich zu artikulieren. die mit einer Öffnung der Verfassungstheorie einhergehen. der – gleichwohl (aber eben nicht nur) mit Staatsbezug – einen ähnlich weiten Verfassungsbegriff angelegt hat: „Verfassung meint rechtliche Grundordnung von Staat und Gesellschaft. Er vermeidet die negativen Folgen einer Integration ohne Verfassung.f)ll). Die Politik der „Kernländer“ der Europäischen Union ist längst festgelegt.II.

EU-Recht und nationales Verfassungsrecht. Zur Begriffsbildung vgl. das aber gleichwohl in seiner Existenz und Wirksamkeit als Recht nicht in Zweifel gezogen werden konnte. die sich mit der Einbindung und Legitimierung von Herrschaft im 21.“ 427 Insbesondere die deutsche Verfassungsrechtswissenschaft bedient sich nicht eines eindeutigen Verfassungsbegriffs. Staatliches Recht genoss zwar vor dem Hintergrund der staatlichen Zwangsgewalt eine besonders prägnante Normativität. Constitutions. Weitgehend hat sich die Auffassung durchgesetzt. wenngleich nicht legitimistischen Verfassungsbegriffs als sinnvoll erscheinen lässt. 125 ff. Bruha u. von Staatsgewalt und Rechtsetzung wird hiermit relativiert. Das Völkerrecht bietet hierfür seit Herausbildung des Konzepts der internationalen Organisation in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts genügend Beispiele. (Hrsg. dass je nach Erkenntnisinteresse. Insofern bedarf es eines Hinweises. 429 Zum Ganzen P. in: 7 ELJ 2001. Welche Verfassung für Europa?. . der Recht setzt. 428 Insofern könne es nicht verwundern. Einige weisen zu Recht darauf hin. Craig.fide2002. Deutscher Bericht für die XX. Der überkommene.II. FIDE-Tagung 2002. Constitutionalism and the European Union. mit zahlreichen Nachweisen sowie R. verfassungstheoretischem Standpunkt und normativem Anliegen man sich des Begriffs in deutlich unterschiedlicher Bedeutung bedient. Nettesheim (2002). an seiner Seite stand aber immer auch Recht.). 507 ff. um Richtung und Finalität des Prozesses auch und zuerst auf begrifflicher Ebene abspielt(e). in: ZEuS 5 (2002). der auf die Problematik zugeschnitten ist. 428 So etwa M. aber abstrahierender normativer Verfassungsbegriff). S. Die konsoziative Föderation von EU und Mitgliedstaaten. die auch jenseits der Staatlichkeit erfolgen. S. Nettesheim ist zuzustimmen. lassen sich ohne Probleme auch außerhalb staatlicher Kontexte denken. 429 427 M. dass sich die Diskussion um Stand und Entwicklung der europäischen Integration. Insbesondere war der Rechtsbegriff zu keiner Zeit ausschließlich auf den Staat bezogen. Zwang. wenn die damit verbundenen Schwierigkeiten – entgegen gelegentlich geäußerter Befürchtungen – nicht überzeichnet werden sollten: „Kategorien wie Kompetenz. nicht. Bieber. Es muss sich demnach um einen Verfassungsbegriff handeln. die eine Verwendung eines angereicherten. (zu finden im Internet unter www. zusammenfassend etwa M. wenn nicht durchbrochen. S. 111 ff. Verfassungsfrage und institutionelle Reform. Recht etc. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 153 (e) Fazit Im Zuge der Integration hat sich schließlich ein Hoheitsträger herausgebildet. in: T.htm). 2001. Nettesheim. hinter dem diese Gewalt nicht stand. seit nunmehr dreihundert Jahren gültige und nahezu zum Dogma erhobene Konnex von Staat und Recht.org /reportseulaw. Jahrhundert jenseits des Nationalstaates verbindet (konkreter. a. ohne Staat zu sein. Nettesheim. dass die Durchsetzung des Unionsrechts in den Händen der Mitgliedstaaten liegt. Regierungsgewalt und Rechtsetzung dürfen nunmehr als Erscheinungen begriffen werden.

dass es in Demokratien allgemein gültige Wirkungsmechanismen gibt. − die Schriftform. Es gibt auch 430 Vgl.154 B. die die nationalen Verfassungsordnungen ergänzt. − die Schaffung der verbandsbezogenen rechtlichen Voraussetzungen für die Entstehung der supranationalen öffentlichen Gewalt und schließlich − die politisch-philosophische Grundausrichtung der Union. (3) Das Verfassungs-Vorverständnis in anderen EU-Ländern Von C(arlo) Schmid stammt das geflügelte Wort. zu der Abgrenzung „Verfassung“ – „Verfassungsvertrag“ unten B. eine europäische Verfassung zu schreiben. in einer Föderation von Nationalstaaten zum Ausdruck käme.II. Politische Verantwortlichkeit. Man brauche nur jeweils das Beste aus den nationalen Verfassungen der Mitgliedstaaten zu nehmen. es sei ganz leicht. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Ergänzend und die vorherigen Verfassungs-Prämissen aufgreifend wären für eine „Unionsverfassung“ zunächst als einzelne formelle Voraussetzungen zu nennen: − der durch normativen Gesamtakt erlassene Normenkomplex (was allerdings eine allmähliche Verfassungsherausbildung und Verfassungsbegründung durch richterliche Rechtsfortbildung ausschließen würde). wie er z. − die erschwerte Abänderbarkeit und schließlich − die Selbstkennzeichnung als Verfassung. und damit auch um die Bedeutung der Institutionen Union und Staat. demokratische Legitimation und Gewaltenteilung finden sich auch in den verschiedenen instititutionellen Ausprägungen und Grundrechten der EU-Mitgliedstaaten. dass die Unionsverfassung nur in einem Verfassungsvertrag liegen kann 430). Im „Streit um die Verfassung der Europäischen Union“ ging es allerdings nicht nur um Begrifflichkeiten: Er dreht sich bis heute auch allgemein um die politische und staatstheoretische Bedeutung des Primärrechts der Union auf der einen und des nationalen Verfassungsrechts auf der anderen Seite.2. Richtig an dieser Aussage ist.und Bürgerunion“. Der Rekurs auf nationale Verfassungsvorverständnisse erfordert Umsicht. Nationalstaatliche Verfassungstraditionen sind infolgedessen nicht eins zu eins übertragbar. Das Originäre an der Europäischen Union ist – wie bereits aufgezeigt – ihr nichtstaatlicher Charakter. der Vorrang (mit der Konsequenz. Materielle Voraussetzungen einer „Unionsverfassung“ wären etwa: − die organisatorische Ausgestaltung der Union. . Eine europäische Verfassung kann nur eine nicht-staatliche Verfassung darstellen.f)qq)(1). B. dass ein Mitgliedstaat aus der Verfassungsordnung ausbricht). − die Bestimmung des Verhältnisses zu den Mitgliedstaaten (bis hin zum Bereitstellen von Sanktionsinstrumenten für den Krisenfall. ihr „Doppelcharakter als Staaten.

Vgl. allgemein sowie für die beidseitige Wechselwirkung auch W. auch die polnische Verfassung von 1997. 433 Alle konstitutionellen Sonderwege.H. Die italienische Verfassung (1947) wurde wie das Grundgesetz (GG) und die späteren Verfassungen von Griechenland (1975). 91 ff.Aus der nationalstaatlichen Sphäre vertraute Baumuster können beim Bürger eher ein Gefühl der Transparenz und Verständlichkeit vermitteln als eine „sui generis“ – Konstruktion. nationalstaatlichen Zweikammer-Systemen durchaus „Modelle“ für echte supranationale zweite Kammern. Den Schöpfern der Verfassung der V. in: ders. 433 Aus dem Doppelcharakter der Staaten. Mayer). S. Französischen Republik ging es 1958 dagegen darum. nur den deutschen Bundesrat oder den US-Senat – und solche. Sie kann dazu beitragen.und Bürgerunion folgt z. verdeutlichen: Eine Verfassung ist eine Existenzbedingung eines modernen demokratisch organisierten Gemeinwesens. B. aber J. Portugal (1976) und Spanien (1978) nach dem Ende eines diktatorischen Regimes ausgearbeitet. Demos. (gemeinsam mit A. 9 ff. eine historische Ausnahmesituation zu bewältigen. in: JöR 44 (1996). Weiler. 432 So gibt es bei den existierenden. neuen und zukünftigen Mitgliedstaaten bestehen. das Modell eines parlamentarisch-verantwortlichen Regierungschefs und das einer direkt gewählten exekutiven Spitze gegenüber. 2007. Der Staat „über alles“. B. Eine zu ausgeprägte Verwendung nationaler Verfassungsvorstellungen kann aber zum Missverständnis führen. vgl. 432 − einen Beitrag zum besseren Verständnis vorheriger Verfassungsprojekte für die Europäische Union – mit ihrer z. Telos und die MaastrichtEntscheidung des Bundesverfassungsgerichts. .). bei den Exekutivmodellen stehen sich z. Eine Analyse nationaler Verfassungs-Vorverständnisse kann gerade auch im Hinblick auf das Konventsergebnis dreierlei leisten: − eine Hilfestellung zur Wahrnehmung der eingeflossenen „europageeigneten“ Strukturen und Institutionen. die in den alten (insbesondere in Großbritannien). (Hrsg. dass über eine EU-Verfassung eine Staatlichkeit der Union angestrebt wird („Superstaat“). Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 155 noch keinen komplementären europäischen Demos 431 und erst ansatzweise eine komplementäre europäische Öffentlichkeit. Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union als Gestalter und Adressaten des Integrationsprozesses – Grundlagen und Problemaufriss. − eine Verdeutlichung der Grenzen für die Übertragung von nationalen Modellen im Rahmen der europäischen Verfassunggebung. einen 431 Vgl. Kluth. B. Eine Analyse der Einwirkungen der Europäischen Integration auf die mitgliedstaatlichen Verfassungssysteme und ein Vergleich ihrer Reaktionsmodelle. Ballmann und F. – dass anders als in den meisten nationalen Verfassungen – in einem EU-Verfassungsvertrag ein „StaatenLegitimationsstrang“ im Rat und ein „Unions-Legitimationsstrang“ über das Europäische Parlament und die Kommission notwendig ist.H. Europäische Integration und Verfassungsrecht. S. B. eher supranational-föderalen oder eher intergouvernemental – souveränistischen Ausrichtung.II. Ein vergleichbarer Umstand prägt z. die lediglich mit einer stärkeren Einbeziehung nationaler Parlamentarier arbeiten.

die Rede von Staatspräsident J. auch Art. so ergibt sich insgesamt ein eher heterogenes Bild. 101 ff. 434 Betrachtet man nun die Strukturen der am Konvent beteiligten Staaten. allerdings ergibt sich durch die „Ewigkeitsklausel“ des Art. in: Integration 4/2003. 398 ff. Aus deutscher Perzeption hat dabei das Grundgesetz vor allem auch abwehrenden Charakter gegenüber Übergriffen des Staates. Während der europäischen Verfassungsdebatte durfte man deshalb außerhalb von Deutschland nicht die gleichen Konnotationen beim Begriff einer etwaigen EU-Verfassung erwarten. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung ineffizienten Parlamentarismus zu überwinden und eine starke Exekutive zu schaffen. 2000. In einer geteilten Nation bot es die Möglichkeit. Die Verfassungen anderer Mitgliedstaaten stehen nicht in gleichem Maße für diesen positiv besetzten Abwehrgedanken. GG. über einen „Verfassungspatriotismus“ einen Identifikationspunkt für den verlorenen Nationalstaat zu bilden. wobei für die Struktur des Grundgesetzes wie für die Verfassungen der Länder die Zusammenfassung der Verfassungsbestimmungen in einer Urkunde 436 und im Grundgesetz – kontrastierend zur Struktur der Weimarer Verfassung – die Akzentuierung der (meisten 437) Grundrechte durch ihre „Position“ an der Spitze der Verfassung. Großbritannien verfügt mit der Magna Charta von 1215 434 Dies galt freilich immer weniger in Frankreich (vgl.156 B. Mayer. S. 79 Abs. 405 f. 1 bis 19 GG) kennzeichnend sind. 2000. in der der Verfassungsbegriff zentral für die Bestimmung der französischen Rolle in der und durch die EU ist). 435 Zu diesem Ergebnis kommt auch F. S. 06.. Materiell besteht grundsätzlich eine Gleichrangigkeit der Grundgesetzbestimmungen. in einem Teil I („Die Grundrechte“ – Art. 435 Aus deutscher Sicht sind die naheliegendsten Vergleichsparameter für Verfassungen die des Grundgesetzes von 1949 und der Nachkriegs-Länderverfassungen. Vielmehr überwogen (allerdings auch letztlich in Deutschland) die Befürchtungen einer Staatswerdung Europas. 436 Vgl. in: FAZ vom 28. 438 Der deutschen Verfassungsstruktur ist die Italiens (Verfassung von 1947) nicht unähnlich. I GG. 438 Eine Besonderheit bildet die Einbeziehung der Art. . 136 bis 141 der Weimarer Verfassung in das Grundgesetz durch Verweis.. zum anderen aufgrund des unklaren Verhältnisses zwischen Teil I und insbesondere Teil III des Entwurfs. Insgesamt verwundert es nicht. 3 GG eine Abstufung in der Änderungsfestigkeit der Verfassungsartikel. Das Grundgesetz (GG) hatte in der (alten) Bundesrepublik Deutschland einen besonderen historischen Stellenwert. Diametral unterschiedlich erweist sich hingegen die Verfassungsordnung Großbritanniens. 79 Abs. 10 f. Verfassungsstruktur und Verfassungskohärenz – Merkmale europäischen Verfassungsrechts?. 437 Siehe aber die justiziellen Grundrechte in Art. dass aus deutscher Sicht die Struktur des Konventsentwurfs eines Verfassungsvertrages vor allem unter zwei Aspekten Kritik fand: zum einen wegen der Positionierung der Grundrechtecharta lediglich in Teil II des Entwurfs. 6.C. Chirac vor dem Deutschen Bundestag vom 27.

II. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung

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zwar über das vergleichsweise älteste geschriebene Verfassungsdokument, hat aber bekanntlich kein einheitliches, geschriebenes Verfassungsrecht. Dieses setzt sich zum einen aus kodifizierten Texten, wie eben der Magna Charta oder der Bill of Rights von 1689 bis zum Human Rights Act (1998) zusammen, zum anderen aber aus den nicht kodifizierten Grundsätzen des Common Law wie dem Grundsatz der „Parliamentary Sovereignty“. Bemerkenswert ist darüber hinaus, dass die kodifizierten Rechte mit Verfassungsrang keine hervorgehobene Stellung innerhalb des Rechtssystems einnehmen. 439 Die Verfassungen der anderen Mitgliedstaaten lassen sich innerhalb der beiden „Pole“ – einerseits Konzentrierung aller Verfassungsbestimmungen in einer Urkunde, andererseits weitgehend ungeschriebene, nur in Einzelaspekten auf bestimmte Urkunden zurückgreifende Verfassung – ansiedeln. Am nächsten kommen der ersteren Erscheinungsform mit übersichtlichen, einheitlichen Verfassungsurkunden die Verfassungen von Belgien (1831) 440, Luxemburg (1868), Griechenland (1975) und Portugal (1976). Ebenso sind die verfassungsrechtlichen Grundlagen in Polen (Verfassung von 1997), der Slowakei (1992), Slowenien (1991), Litauen (1992) und beim Konventsteilnehmer Bulgarien (1991) in einer Urkunde zusammengeführt. In Zypern beanspruchte während des Konventsverfahrens die Verfassung von 1960 nur für den griechischen Teil der Insel Geltung, weshalb zu einem gewissen Grade von „ungeklärten Verfassungsverhältnissen“ gesprochen werden kann. 441 In manchen Verfassungsordnungen ist allerdings nicht unmittelbar erkennbar, dass das als Verfassung apostrophierte Dokument nicht alle geltenden „Verfassungsbestimmungen“ widerspiegelt, ja wiedergibt. So finden sich etwa in der Verfassungsurkunde Verweise auf frühere Normschichten oder auf ergänzende
439 Sie stehen vielmehr auf derselben Rangstufe wie andere Parlamentsgesetze. Demzufolge könnten durch entgegenstehende „Statutes“ Verfassungsrechte aufgehoben werden, vgl. insgesamt auch P. Birkinshaw, Britischer Landesbericht, in: J. Schwarze (Hrsg.), Die Entstehung einer europäischen Verfassungsordnung. Das Ineinandergreifen von nationalem und europäischem Verfassungsrecht, 2000, S. 208 ff. 440 Zur Vorbildfunktion der belgischen Verfassung allgemein H. Hattenhauer, Europäische Rechtsgeschichte, 1992, S. 565 ff. Die belgische Verfassung, die bis heute Bestand hat, verbriefte die bedeutendsten Freiheitsrechte als geltendes Recht und stellte erstmals in Europa die Staatsordnung auf eine demokratische Grundlage, ohne allerdings das Bestehen der Monarchie anzutasten, vgl. ebenso W. Skouris, Die kontinentale(n) europäische(n) Verfassungskultur(en), in: M. Morlok (Hrsg.), Die Welt des Verfassungsstaates, 2001, S. 85 ff., 90. Der Verfassungstext von 1831 war Vorbild für zahlreiche späteren europäischen Verfassungsurkunden, insbesondere für die griechische Verfassung von 1864 (deren Grundentscheidungen auch den Kern der heutigen griechischen Verfassung von 1975 bilden). 441 In der Türkei galt zu diesem Zeitpunkt noch die Verfassung von 1982 (die im Zuge der EU-Beitrittsbemühungen grundlegende Änderungen erfahren sollte). Eine Reihe von kemalistischen Reformgesetzen bleiben allerdings gegen diese Verfassung abgeschirmt (Art. 174 der türkischen Verfassung).

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B. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung

Normen. Beispielhaft ist hierbei Frankreich zu nennen, wo mit der Verfassung der V. Republik von 1958 zwar eine einheitliche Verfassungsurkunde existiert; jedoch verweist diese in ihrer Präambel auf die Präambel der Verfassung von 1946, die wiederum die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 mit Verfassungsrang ausstattet. Daneben bestehen sogenannte „Lois organiques“, die die Verfassung weiter konkretisieren. Eine vergleichbare Normenkategorie findet sich in Spanien zur Ausgestaltung der Verfassung von 1978. In der Verfassung der Niederlande von 1983 stehen Verweise auf einzelne Bestimmungen der Verfassung von 1972, die somit weiter Geltungskraft entfalten. In Ungarn gilt die Verfassung von 1949, die 1989/90 umfassend revidiert wurde. Die Verfassung von Lettland lässt sich auf einen Text aus dem Jahre 1922 zurückführen, der 1998 umfängliche Änderungen erfahren durfte. 442 Wie die Beispiele von Irland und Dänemark zeigen, können verfassungsergänzende Bestimmungen durchaus unterschiedlicher Natur sein. 443 Während in Schweden vier „Grundgesetze“ mit Verfassungsrang bestehen 444, beruhte auch die Verfassungsordnung Finnlands (gewissermaßen als Relikt aus den Zeiten der Zugehörigkeit Finnlands zum schwedischen Königreich) bis in die jüngste Zeit auf mehreren Verfassungsgesetzen mit Verfassungscharakter. Nach einer umfassenden Verfassungsreform wurde 1999 eine Verfassung für Finnland verkündet, die im Jahre 2000 in Kraft trat. Eine Eigentümlichkeit des finnischen Verfassungsrechts besteht allerdings dahingehend fort, als materielle Abweichungen von der Verfassung durch „Verfassungsausnahmegesetze“ zugelassen werden können (Paragraph 73 (1) der finnischen Verfassung). 445 Die Verfassung von Malta ist
442 Davor bestand ein eigenes Verfassungsgesetz über Bürgerrechte von 1991. Diese finden sich nunmehr im Schlusskapitel der Verfassung. 443 Die Verfassung von Dänemark (1953) wird etwa durch das „Thronfolgegesetz“ ergänzt. In Irland sind alle Verträge, auf die sich die europäische Integration gründet, explizit in den Wortlaut der derzeitigen Verfassung (Ausgangsfassung aus dem Jahre 1937) aufgenommen und damit gleichsam in das irische Verfassungsrecht einbezogen, vgl. auch F.C. Mayer, Verfassungsstruktur und Verfassungskohärenz – Merkmale europäischen Verfassungsrechts?, in: Integration 4/2003, S. 398 ff., 404f: „Damit genügt es nicht, zur Ermittlung des geltenden irischen Verfassungsrechts den Verfassungstext von 1937 aufzuschlagen, vielmehr muss man auch das europäische Primärrecht heranziehen.“ 444 Neben der Verfassung („Regeringsformen“) aus dem Jahre 1975, und dem „Thronfolgegesetz“ sind dies Gesetze mit Verfassungsrang, die jeweils grundrechtliche Gewährleistungen zur Pressefreiheit („Tryckfrihetsförordningen“) und zur Meinungsfreiheit („Yttrandefrihetsgrundlagen“) enthalten. 445 Demzufolge kann der Gesetzgeber unter denselben Voraussetzungen, wie sie für eine förmliche Verfassungsänderung erforderlich sind, Gesetze verabschieden, die nicht mit der Verfassung vereinbar sind. Der Unterschied zu einer Verfassungsänderung besteht darin, dass die „Verfassungsausnahmegesetze“ zwar in einem qualifizierten Verfahren zustande kommen, jedoch durch ein einfaches Parlamentsgesetz zurückgenommen werden können (allein in den Jahren 1919 bis 1995 ist in 869 Fällen ein Verfassungsausnahmegesetz verabschiedet worden). In diesem Kontext ist beachtenswert, dass nach der Verfassung des

II. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung

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gekennzeichnet durch die Besonderheit, dass sie durch sogenannte „Schedules“ ergänzt wird. Auch in Österreich ist eine „Streuung“ von Normen mit Verfassungsrang über die gesamte Rechtsordnung zu beobachten. Obgleich mit dem Bundes-Verfassungsgesetz von 1920 in der Fassung von 1929 (zurückgehend auf den großen Verfassungsrechtler H. Kelsen) ein hervorgehobener und allgemein als „österreichische Verfassung“ identifizierter Text vorliegt, finden sich doch mehr als zweihundert Verfassungsbestimmungen in über hundert Bundesgesetzen, die letztlich alle – als „Bundesverfassungsgesetze“ – im gleichen Rang stehen und mit dem Bundes-Verfassungsgesetz die eigentliche „Verfassung“ bilden. Gewisse Parallelen zu einem „Ensemble von Teilverfassungen“ (P. Häberle) im europäischen Kontext sind nicht zu übersehen. In der Tschechischen Republik gilt die Verfassung von 1992. Diese bezieht neben weiteren „Verfassungsgesetzen“ in ihrem Art. 3 eine „Grundrechtecharta“ (ebenfalls 1992) als Bestandteil der Verfassungsordnung mit ein – bemerkenswert im Hinblick auf die europäische Struktur. (a) Nationale Erfahrungswerte in der Verfassunggebung Hinsichtlich des originären Verfassunggebungsprozesses offenbarten zum Zeitpunkt der Einberufung des Verfassungskonvents alle vierzehn (geschriebenen) Verfassungen der Mitgliedstaaten – in der unterschiedlichsten Form – Anschauungsmaterial für demokratische, legitimitätsstiftende Verfahren des Zustandekommens. Die „Verfassungsschöpfung“ erfolgte teilweise durch ein „normales“ Parlament, häufiger aber durch eine eigens gewählte verfassunggebende Versammlung. Zusätzlich ist das Instrument des Volksentscheids zu nennen oder sogar, wie 1958 in Frankreich, ein Referendum ohne vorherige parlamentarische Beratung und Verabschiedung. Das Grundgesetz (GG) bildet insofern eine Ausnahme, als der Parlamentarische Rat nicht direkt gewählt war, sondern sich aus Vertretern der Landtage der westdeutschen Länder zusammensetzte. 446 Nach den Erfahrungen des Europäischen Rates in Nizza lag es nahe, an nationale Erfahrungen der Verfassunggebung anzuknüpfen. Fragen von derart grundsätzlicher Tragweite, wie sie im Post-Nizza-Prozess (teilweise erneut) anstehen sollten 447, ließen sich alleine durch das herkömmliche Verfahren der Regierungskonferenz kaum lösen. Nach den positiven Erfahrungen bei der Ausarbeitung mit der Grundrechte-Charta sprach deshalb viel dafür, diese mit der Konvent-Methode zu nutzen. 448
Konventsteilnehmers Rumäniens von 1991 mit Zweidrittelmehrheit verfassungswidrige Gesetze bestätigt werden können (Art. 145 der Verfassung). 446 Die Ratifizierung erfolgte durch die – allerdings demokratisch gewählten – Landtage. 447 Vgl. unter B.II.2f)mm). 448 Hierzu umfassend unter B.II.2f)pp) und B.V.1.

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B. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung

(b) Das Vorverständnis von Demokratie, Gewaltenteilung und Kompetenzverteilung Hinsichtlich der Axiome Demokratie und Gewaltenteilung sowie bezüglich „direkter Mitwirkungsrechte“ offenbaren die Verfassungen aller Mitgliedstaaten einheitliche Elemente: Alle begründen die Legitimation der Staatsgewalt im Willen des Volkes, das sich in regelmäßig stattfindenden freien Wahlen äußert. Das Volk, d. h. die Summe aller Staatsangehörigen eines Mitgliedstaates, ist der letzte legitimatorische Ableitungspunkt für die politische Herrschaft. 449 Der „StaatsLegitimationsstrang“ bildet sich in den nationalen Arenen (nationalen Parlamenten und nationaler Öffentlichkeit) und wird für den europäischen Kontext im Rat formuliert. Er bleibt jedoch ein national-vermittelter Legitimationsstrang, der mit fortschreitender Integration nicht ausreicht. Das Demokratieprinzip kommt zwar in den Nationalstaaten ungeschmälert zur Geltung, aber den Nationalstaaten schwinden die Entscheidungsbefugnisse. Diese wachsen auf europäischer Ebene an, mit der Folge, dass sich auch dort ein immer stärkeres Bedürfnis nach einer unmittelbaren, nicht von den Mitgliedstaaten abgeleiteten demokratischen Substanz ausgebildet hat. Für mehr Akzeptanz von Entscheidungen der Europäischen Union bildet sich deshalb das Erfordernis eines „Unions-Legitimationsstrangs“ heraus, der besonders in den Organen Europäisches Parlament und Kommission seinen Ausdruck zu finden hat. In allen Verfassungen findet sich – bei unterschiedlichen Lösungen im Einzelnen – eine Aufteilung der exekutiven, legislativen und judikativen Funktionen der Staatsgewalt auf verschiedene Organe, ebenso wie die Unabhängigkeit der Justiz. Die gleichzeitige Exekutiv- und Legislativtätigkeit des Europäischen Rates ist in dieser Hinsicht systemfremd (wenngleich in der „sui generis“ Architektur der Europäischen Union das klassische Montesquieu’sche Prinzip der Gewaltenteilung wahrscheinlich nicht streng anwendbar sein mag). 450 Kennzeichnend für den modernen europäischen Verfassungsstaat ist eine Interdependenz zwischen Regierung und Parlament. Dabei sind die Regierungen dem Parlament politisch verantwortlich. 451
449 450

Vgl. etwa Art. 20 Abs. II GG: „Alle Staatsgewalt geht vom Volk aus.“ A. Juppé und J. Toubon forderten daher in ihrem Verfassungsentwurf vom 28. 06. 2000 (ganz in der französischen Verfassungstradition) exekutive und legislative Tätigkeiten klarer voneinander zu trennen, vgl. A. Juppé / J. Toubon, Constitution de l’Union Européenne. Contribution à une réflexion sur les institutions futures de l’Europe, vom 28. 6. 2000, abrufbar unter www.mic-fr.org/proposition-mic-ce.rtf. Ein anderer Mangel der Gewaltenteilung zwischen europäischer Exekutive und europäischer Legislative könnte darin zu sehen sein, dass das Europäische Parlament, zunehmend in die administrative Umsetzung von Ratsbeschlüssen durch die Kommission (im Ausschuss- /„Komitologie“Verfahren) eingreifen möchte. Kritisch ist ebenfalls zu erwähnen, dass das Europäische Parlament wiederholt den Anspruch erhebt, über sein Haushaltsrecht die exekutive GASP mitzugestalten.

II. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung

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Im Allgemeinen ist die Stellung der Parlamente in den Mitgliedstaaten stark (insbesondere in Mitgliedstaaten und Beitrittsländern mit Diktaturerfahrung). Einzig die Stellung der französischen Nationalversammlung, die noch nicht einmal über volle Geschäftsordnungsautonomie verfügt, ist eher schwach. Korrespondierend zu dieser Schwäche des Parlaments verfügt die französische Exekutive über ein hohes Maß an autonomen Normsetzungskompetenzen. Die Demokratien in den Mitgliedstaaten sind repräsentativ verfasste Demokratien. Das Element direkter Demokratie tritt ergänzend hinzu. Direkte Mitwirkungsrechte bei der Gesetzgebung – in Form von Volksbegehren und Volkentscheiden – sind im mitgliedstaatlichen Verfassungsrecht die Regel (nicht aber in Deutschland, dessen Demokratie – auf Bundesebene – wohl die repräsentativ ausgeprägteste in den Mitgliedstaaten ist). Bei Fragen des EU-Beitritts, der Vertragsänderung oder der Euro-Einführung können diese Volksrechte bekanntlich eine gewichtige Rolle spielen. 452 Die Mitgliedstaaten weisen unterschiedliche Erfahrungen auf, was den Wert eines Zwei-Kammersystems für die Parlamentarisierung der Europäischen Union anbelangt (das britische Oberhaus ist beispielsweise relativ einflusslos und auch nicht in indirekter Form demokratisch legitimiert). In Dänemark, Finnland, Griechenland, Luxemburg, Portugal und Schweden besteht das Parlament nur aus einer Kammer. Die anderen Staaten besitzen Zweite Kammern, die die Gebietskörperschaften in den Mitgliedstaaten repräsentieren. In Frankreich vertreten etwa die Abgesandten der Gebietskörperschaften im Senat das „tiefe Frankreich“. Diese zweiten Kammern weichen nach Struktur- und Kompetenzen erheblich voneinander ab (der französische Senat verfügt in der Gesetzgebung nur über ein suspensives Veto gegenüber der Nationalversammlung). Nur im Falle von Deutschland, Belgien und Österreich spielen die zweiten Kammern eine traditionelle föderale Rolle im Gesetzgebungsprozess. 453

451 Im Rahmen einer weiteren Ausbildung der EU-Exekutive stellt sich die Frage, inwieweit diese aus einer Mehrheit im Europäischen Parlament hervorgehen sollte. 452 Siehe nur die Regelungen in Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Irland, Finnland und Österreich. Aus der eigenen verfassungsrechtlichen Tradition heraus schlugen A. Juppé und J. Toubon (2000) ein Gesetzesinitiativrecht für europäische Bürger vor, ebenso die Annahme oder das Außerkraftsetzen („référendum d’abrogation“) durch Bürgerreferenden. So interessant dieser Vorschlag erscheint: grundsätzlich setzt er eine europäische Öffentlichkeit voraus, die sich erst noch entwickeln muss. 453 Bislang gibt es in der Europäischen Union eine institutionelle Dreiecksbeziehung zwischen Rat, Europäischen Parlament und Kommission. Die europäische Legislative wird aus Rat und Europäischen Parlament gebildet, die europäische Exekutive aus Kommission und Rat (mit einer dominierenden Rolle des letzteren in weiten Bereichen), die europäische Judikative aus dem EuGH. Wann immer es um die Einführung einer föderalen zweiten EU-Kammer neben dem Europäischen Parlament ging, war eine Bikameralisierung der Europäischen Union gemeint, in der ein stärker repräsentatives Europäisches Parlament

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B. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung

Im Hinblick auf die Exekutive eröffnen sich zwei Grundmodelle in den Mitgliedstaaten. Der Normalfall ist eine politische Regierung, die aus den Machtrelationen im Parlament hervorgeht (etwa mit einem Bundeskanzler, einem Ministerpräsidenten oder einem Premierminister mit Richtlinienkompetenz an der Spitze). Diese Exekutive ist gegenüber dem Parlament verantwortlich. Hierbei ist die Möglichkeit des Misstrauensvotums zu erwähnen, wobei der Regierungschef in Deutschland, Spanien und Belgien besonders durch ein „konstruktives Misstrauensvotums“ geschützt ist. Daneben existiert die „Einrichtung“ eines repräsentativen Staatsoberhauptes mit begrenzten, eben überwiegend repräsentativen Befugnissen. Anders stellt sich die Situation in Frankreich dar. Hier besteht eine exekutive Doppelspitze aus Staatspräsident und Premierminister. Der Premierminister geht als Regierungschef aus dem Parlament hervor und unterliegt dessen Misstrauensvotum. Dies gilt nicht für den französischen Staatspräsidenten: er ist zugleich oberstes Repräsentations- und Exekutivorgan (insbesondere in der Außen- und Sicherheitspolitik, in der er über eine Art Richtlinienkompetenz verfügt). Er leitet seine Autorität aus der Direktwahl durch die Bevölkerung ab und ist damit aus französischer Sicht unmittelbar und souverän legitimiert wie das Parlament – und deshalb diesem auch nicht verantwortlich. Ausfluss dieser besonderen direkten Legitimation ist das Recht, die Nationalversammlung aufzulösen. 454
mit europaweit einheitlichen Wahlrecht die erste Kammer der EU bilden und der Rat sich in Richtung einer Staatenkammer entwickeln sollte. Die Kommission wäre tendenziell zur Exekutive geworden (einschließlich einer Aufgabe des Prinzips der nationalen Repräsentation dort). Zu entscheiden wäre in diesem Modell, ob die Vertreter in der Staatenkammer ernannt oder direkt gewählt werden sollen (siehe die Beispiele Deutscher Bundesrat oder US-Senat) bzw. ob und wie das demographische Gewicht zum Tragen zu bringen wäre (z. B. von drei bis sechs Stimmen wie im Bundesrat oder je zwei Stimmen wie im US-Senat). Bei dieser Bikameralisierung der Europäischen Union darf aber nicht übersehen werden, dass auch die im Rat vertretenen mitgliedstaatlichen Regierungen durch ihren nationalen Parlamente demokratisch legitimiert sind. Als solche haben sie einen demokratisch hergeleiteten Anspruch, gestaltende Akteure im europäischen Organsystem zu sein. Insofern erscheint es in einer „Staaten- und Bürgerunion“ problematisch, den Rat in eine rein nachgeordnete legislative zweite Kammer herabzustufen. Für viele Mitgliedstaaten stand deshalb während des Konventsprozesses bei der etwaigen Einrichtung einer zweiten Kammer nicht der Rat im Vordergrund, sondern die stärkere Einbeziehung der nationalen Parlamente (vgl. insofern die Vorschläge von Kommissar C. Patten und Premierminister T. Blair für die Einrichtung einer zweiten Parlaments-Kammer aus nationalen Parlamentsangehörigen, in ihren Reden vom 26. 10. 2000 bzw. 06. 10. 2000). Die französischen Vorschläge für eine aus nationalen Parlamentariern beschickten zweiten Parlaments-Kammer dürften sich – neben Souveränitätsvorbehalten – auch aus den schwachen parlamentarischen Kontrollmöglichkeiten der Assemblée nationale in der Europapolitik erklären. Eine zweite Kammer würde diese Kontrollrechte verbessern (während der deutsche Bundestag bereits nach Art. 23 GG über breite Mitwirkungsmöglichkeiten verfügt). Juppé und Toubon (2000) schlugen vor diesem Hintergrund ein Zwei-Kammer-System vor, mit einem Europäischen Parlament (dessen exklusive Gesetzgebungszuständigkeit allerdings durch die Tagesordnung der europäischen Regierung bestimmt wird) sowie eine „Kammer der Nationen“ (aus Mitgliedern der nationalen Parlamente). Die Kammer ist gedacht als Garant des Subsidiaritätsprinzips und vitaler nationaler Interessen eines Mitgliedstaates.

II. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung

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Effizienz (über starke Gemeinschaftsorgane mit Mehrheitsentscheidungen im Rat) und demokratische Legitimation (über verstärkte parlamentarische Kontrollrechte) sind auch das Ergebnis einer nachvollziehbaren Aufgabenteilung zwischen Union und Mitgliedstaaten. Die Mitgliedstaaten bringen hier sehr unterschiedliche verfassungsrechtliche Vorerfahrungen ein. Wenn der Föderalismus eine politische Organisationsform darstellt, in der jede staatliche oder regionale Ebene in einer Reihe von Aufgabenbereichen endgültige Entscheidungen treffen kann, dann wird man neben Deutschland und Österreich nur noch Belgien als einen föderalen Staat bezeichnen können. 455 Im deutschen Verbund-Föderalismus fallen die Gesetzgebungszuständigkeiten grundsätzlich den Ländern zu. Der Bund nutzt seine speziellen Gesetzgebungs-Kompetenzen allerdings so extensiv, dass für die Länder derzeit 456 „unter dem Strich“ nur wenige Bereiche übrig bleiben. Der Bund ist dabei allerdings fast immer auf eine Mehrheit im Bundesrat und auf eine Umsetzung über die Verwaltungen der Länder angewiesen. Die anderen mitgliedstaatlichen Verfassungsordnungen kennen keine bundesstaatlichen Strukturen (in der Verfassung der V. Republik Frankreichs gibt es beispielsweise keine hierarchischen Kompetenzbestimmungen). Es lässt sich lediglich eine allmähliche Entwicklung weg vom Unitarismus beobachten (allerdings von oben nach unten und nicht von unten nach oben). Spanien hat 1978 – mit noch offenem Ausgang – eine Dezentralisierung begonnen. Ähnliches gilt ansatzweise für Polen. Italien hat durch die Einführung der Direktwahl des Präsidenten des Regionalausschusses zwar die Legitimität der Regionen gestärkt, ihre Zuständigkeiten und Finanzausstattung freilich nicht erweitert. In Frankreich ist ein (schüchterner) Dezentralisierungsprozess eingeleitet, der inzwischen aber – trotz aller Auflockerung des Einheitsstaates – ins Stocken geraten ist (vgl. nur das „Problemfeld“ Korsika). Dieser Prozess soll erklärtermaßen nicht in einen Föderalismus münden. Großbritannien schließlich hat 1998 Gesetze beschlossen, die Schottland, Wales und Nordirland eine – begrenzte – Regionalautonomie geben sollen. Insgesamt ist und war es beim Herangehen an die europäische Verfassungsdebatte entscheidend, die nationalen Verfassungsvorverständnisse mitzuberücksichtigen. Die bislang vorliegenden Verfassungsentwürfe zeig(t)en, welche große Rolle die nationalen Ausprägungen demokratischer Wirkungsprinzipien spielen.
454 Die Stellung des US-Präsidenten ist insofern noch stärker, als er Regierungschef ist und ebenfalls direkt – über Wahlmänner – gewählt wird. 455 Der schweizerische Wettbewerbsföderalismus ist insoweit nochmals eine Besonderheit, da er den Gliedstaaten z. B. auch autonome Steuererhebungskompetenzen einräumt; nach dem US-Trennungsföderalismus umfassen dagegen die jeweils der Bundesebene zugewiesene Sachkompetenz alle Funktionen: Gesetzgebung, Exekutive und Gerichtsbarkeit. 456 Belastbare Bewertungen der „Föderalismus-Reform I“ sowie der laufenden „Föderalismus-Kommission“ stehen noch aus.

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B. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung

oo) Begleitend zum Verfassungskonvent vorgestellte (Privat-)Entwürfe Begleitend zum seit Februar 2002 tagenden „Konvent zur Zukunft Europas“ erarbeiteten verschiedene Politiker und Juristen eine Vielzahl eingehender Verfassungsentwürfe. 457 Zu nennen sind hierbei (P. Häberle zitierend 458 und ergänzend) der „Budapester Entwurf für eine Europäische Verfassung“ der Arbeitsgruppe an der Staatsund Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Budapester Eötvös-Loránd-Universität vom Juni 2003 459, der Entwurf von The Young Christian Democrats of Denmark (KFU) vom März 2003 460, der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Juristinnen und Juristen (ASJ) vom Februar 2003 461 sowie aus demselben Monat der „Trierer Verfassungsentwurf für die Europäische Union“ 462. Weiterhin sollen in diesem Kontext hervorgehoben werden: Die EVP – Konventsgruppe und ihr Diskussionspapier vom November 2002 463 sowie die überarbeitete Fassung vom Januar 2003 464; der (überarbeitete) Entwurf eines „Verfassungsvertrages der Europäischen Union“ von F. Cromme 465; der Vorentwurf des Verfassungsvertrages von Kommissionspräsident R. Prodi (4. 12. 2002) 466.

17 dieser Entwürfe werden von P. Häberle, Europäische Verfassungslehre, 4. Aufl. 2006, S. 600 ff. (vgl. auch ders., Die Herausforderungen des europäischen Juristen vor den Aufgaben unserer Verfassungs-Zukunft: 16 Entwürfe auf dem Prüfstand, in: DÖV 11/2003, S. 429 ff.) vorgestellt und profund (gelegentlich streitbar – etwa der sog. „Berliner Entwurf“ vom November 2002) analysiert. Auf eine Darstellung dieser Ansätze wird daher verzichtet, gleichwohl darauf verwiesen, dass eine nicht unerhebliche Anzahl der Entwürfe einflussreiche Wegmarken für die Debatte zu setzen wussten (bzw. noch wissen). Einige Verfassungsentwürfe, die von P. Häberle nicht aufgenommen wurden, sind bereits oben benannt worden. Vgl. auch T. Oppermann, Vom Nizza-Vertrag 2001 zum Europäischen Verfassungskonvent 2002/2003, in: DVBl. 2003, S. 1 ff. J. Schwarze, Europäische Verfassungsperspektiven nach Nizza, in NJW 2002, S. 993 ff. 458 P. Häberle, Europäische Verfassungslehre, 4. Aufl. 2006, S. 604 ff. 459 Vgl. www.cap.uni-muenchen.de/konvent/entwuerfe.htm. 460 Young Cristian Democrats Of Denmark (B. Langdahl, T.N.W. Pedersen), A Danish Proposal on a European federal Constitution, 25. März 2003, abrufbar unter http://kfu.dk /rtf/108.pdf. 461 Der Entwurf: Verfassungsgrundsätze der Europäischen Union, 14. Februar 2003, vgl. www.bundestag.de/internat/eu_konvent/verf_ent.html. 462 H.W. Maull, R. Kirt (Hrsg.), Eine Verfassung für Europa. Trierer Verfassungsentwurf für die Europäische Union. Ergebnis eines Projektseminars Trierer Studentinnen und Studenten, 2003. 463 „The Constitution of the European Union“ (Discussion Paper), 10. November 2002, Text of the EPP Convention Group meeting in Frascati, abrufbar unter http://www.cap.unimuenchen.de/konvent/download/EPP-Constitution2.pdf. 464 „Die Verfassung der Europäischen Union“ (Diskussionspapier), überarbeitete Fassung einschl. des 2. Teils, 27. 01. 2003, vgl. CONV 616/03 vom 01. 04. 2003.

457

II. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung

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Der „Berliner Entwurf“ von G. Gloser und M. Roth (November 2002) 467 und der „Freiburger Entwurf“ des Europa-Instituts Freiburg e.V. (November 2002) 468 verdienen ebenso eine Erwähnung wie der „Entwurf einer Neufassung des Vertrages über die Europäische Union für den Verfassungskonvent der EU“ von R. Scholz (2002) 469, der Vorentwurf des Verfassungsvertrages vom Konventspräsidium (Oktober 2002) 470 und der Vorschlag einer „Verfassung der Europäischen Union“ an den Konvent von J. Leinen (Oktober 2002) 471. Auf Widerhall stießen zudem der Entwurf von A. Dashwood, M. Dougan, C. Hillion, A. Johnston und E. Spavent (Oktober 2002) 472 sowie die Ansätze der Konventsmitglieder E.O. Paciotti 473, E. Brok 474, R. Badinter 475 und A. Duff 476. Neben dem in mancherlei Hinsicht geglückten Entwurf von F. Dehousse und W. Coussens (Europen Policy Center) 477 ist in messbaren Grenzen beachtenswert auch der „First Green Draft for a European Constitution“ der jungen Grünen-Politi-

465 F. Cromme, Verfassungsvertrag der Europäischen Union, Entwurf und Begründung, 2. Aufl. 2003, S. 27 ff. 466 Abrufbar unter http://europa.eu.int/futurum/documents/offtext/const051202_en.pdf. 467 Abrufbar unter http://www.gloser-spd.de/berliner_entwurf-verfassung_fuer_die_eu .pdf. 468 Europa-Institut Freiburg e.V. (Hrsg.), Freiburger Entwurf für einen europäischen Verfassungsvertrag, 2002. 469 R. Scholz, Entwurf einer Neufassung des Vertrages über die Europäische Union für den Verfassungskonvent der EU, in: Zeitschrift für Gesetzgebung, Vierteljahresschrift für staatliche und kommunale Rechtsetzung, 17. Jahrgang, Sonderheft 2002. 470 Vgl. CONV 369/02 sowie http://register.consilium.eu.int/pdf/de/02/cv00/00369d2 .pdf. 471 Abrufbar unter http://www.joleinen.de/dokumente.html. 472 „Draft Constitutional Treaty of the European Union and related documents“, vgl. CONV 345/02 REV 1 sowie http://register.consilium.eu.int/pdf/de/02/cv00/00345r1d2.pdf. 473 „Progetto di Costituzione dell’Unione Europea“ (ital.), „Projet de Constitution de l’Union Europenne“ (franz.), vgl. CONV 335/02 vom 10. Oktober 2002 sowie http://register .consilium.eu.int/pdf/de/02/cv00/00335d2.pdf. 474 „Constitution of the European Union“ (Discussion Paper) neuere Version zum Entwurf vom 10. September 2002 (abrufbar unter http://www.weltpolitik.net/texte/policy /verfassung/brok.pdf), vgl. CONV 325/02 vom 8. Oktober 2002 (CONTRIB 111) sowie http://register.consilium.eu.int/pdf/de/02/cv00/00325d2.pdf 475 „Eine Europäische Verfassung, Une Constitution Europenne“, vgl. CONV 317/ 02 vom 30. September 2002 sowie http://register.consilium.eu.int/pdf/de/02/cv00/00317d2 .pdf 476 „A Model Constitution for a Federal Union of Europe“, vgl. CONV 234/02 vom 3. September 2002 sowie http://register.consilium.eu.int/pdf/de/02/cv00/00234d2.pdf. 477 Constitution of the European Union, 17. September 2002, vgl. http://www.cap.unimuenchen.de/konvent/download/EPC-DehousseCoussens.pdf.

Skouris (Hrsg. Oppermann. 578 ff.. mit denen sich der Konvent beschäftigen sollte. Zum 70.uni-muenchen. Morlok / W. Im Unterschied zu Regierungskonferenzen. Siehe insb. welche die zukünftige Entwicklung der Europäischen Union aufwirft. 2003.ensam. sondern in erster Linie aus Parlamentariern. Neben dem Präsidenten und zwei Vizepräsidenten bestand der Konvent aus − − − − 28 Vertretern der Regierungen der Mitgliedstaaten.. Lührmann und Nouripour (September 2002) 478 sowie „La Constitution Européene de Cluny“ der Convention Européene de Cluny (Juli 2002) 479. Vom Nizza-Vertrag 2001 zum Europäischen Verfassungskonvent 2002/2003. Bury als Vertreter der Bundesregierung.. 1 ff. Praktisch war damit der Auftrag für eine Generalrevision der Europäischen Union gegeben. http://www. (2006). 481 Vgl.C. in: DVBl. 477 ff. S. Mayer. Die stellvertretenden Mitglieder waren im Status den Mitgliedern praktisch gleichgestellt. Der Konvent hat seine Arbeit so angelegt.). I. Festschrift Festschrift für Dimitris Th. 481 Aus Deutschland gehörten zuletzt dem Konvent an: Bundesminister J. Mai 2003. Der Konvent versammelte 105 Mitglieder und die gleichen Zahl von Stellvertretern. dass praktisch das gesamte europäische System auf den Prüfstand kam. Zwar hatten die Mitglieder der Beitrittsstaaten kein Stimmrecht. / 15.“ Dazu wurden in der benannten „Erklärung von Laeken“ jene knapp 60 Fragen aufgelistet. 2003. S. D. S. Darin lag das „innovative Moment“ des EU-Konvents für die europäische Verfassunggebung. Geburtstag am 5. auch die Bibliographie des Verf.166 B.cluny. Tsatsos. Pernice. die bisher die Verträge ausgearbeitet hatten. Magiera. Die Arbeit des europäischen Verfassungskonvents und der Parlamentarismus. Macht und Gegenmacht in der Europäischen Verfassung. Eine neue Kompetenzordnung für die Europäische Union. Fischer (Grüne). 59 ff. Zur Arbeit des Europäischen Verfassungskonvents. Ministerpräsident 479 478 . Dezember 2001 beauftragt. S. Der Europäische Konvent.htm.fr/Europe/textes/const_2001. F. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung ker Seifert. Vgl. in: P.pdf. 16 Mitgliedern des Europäischen Parlaments. pp) Der Europäische Konvent 480 (1) Auftrag und Zusammensetzung – das innovative Konventsmoment Der „EU-Konvent zur Zukunft Europas“ wurde von den europäischen Staatsund Regierungschefs am 14.. 480 Aus der Lit: T. setzte sich der Konvent nicht aus Diplomaten der Mitgliedstaaten zusammen. Häberle / M. 56 Vertretern der nationalen Parlamente und zwei Vertretern der EU-Kommission. doch wirkte sich das in der Praxis mangels Abstimmungen nicht aus.de/konvent/download/Young_Greens. und Staatsminister H. http://pictel. „die wesentlichen Fragen zu prüfen. S.cap. 2003. in: ZaöRV 63 (2003). 749 ff. Tsatsos. in: Festschrift für T. Auch Vertreter der Beitrittsstaaten nahmen teil. S. Fleiner. in: DÖV 2003.M.

den Institutionen. Brok (CDU). Um die Verfassung zu entwerfen. Kaufmann (PDS) und J. 29. Es gibt 848 Konventsdokumente. die letzte CONVNr. 2002 und dem 10. 7. 7. 7. dass die „GrundE. 5995 Änderungsanträge wurden gestellt. die als Folge der Beschränkung der Redezeit „nur“ 5436 Minuten in Anspruch genommen haben. 483 So wurden etwa Arbeitsgruppen mit einer realistischen Zeitvorgabe erst auf Druck des Plenums eingesetzt. Ersetzung der geltenden Verträge zurückgreifen. S. hinzu kommen drei Arbeitskreise. Die Zusammenarbeit zwischen dem Plenum und dem Präsidium bzw. doch wurden gem. 483 Bereits der Auftakt der Konventsberatungen war in diesem Sinne misslungen. K. 2003 6 CONVNr. Hänsch (SPD). 2003. Meyer (SPD) und P. 18. Meyer/ S. nicht vergeben. ohne dass dabei tatsächlich plausible Strukturüberlegungen erkennbar waren. Von Vielen wurde beklagt. 2003 durchgeführt. wurden 27 Plenarsitzungen zwischen dem 28. 2. E. sehr präsidiallastige Geschäftsordnung zur Grundlage der Konventsarbeit zu machen. seinem Präsidenten gestaltete sich von Beginn an nicht reibungs. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 167 Ein bedeutender Vorteil des Konventsverfahrens lag im Beginn der „Politisierung“ des europäischen Interessensausgleichs. die insgesamt zwölfmal getagt haben. Zu einem zentralen Punkt der Reform. hat es keine Arbeitsgruppe gegeben. 7. Gerhards (SPD).II. vgl. vgl. als Vertreter des Bundesrates. 2003. Agence Europe v. S. Die Zusammenkünfte der „politischen Familien“ im Vorfeld der Plenarsitzungen führten so schon beim ersten Konvent zu einer Abstimmung über die nationalen Grenzen hinweg. Grundsätzlich ist eine Abstimmung von 25 (plus x) nationalen Interessen nahezu unmöglich. CONV 835/03 v. ist zwar 854/03 v. Das Präsidium hat 50mal getagt. 2003. 29. in denen es 1802 Redebeiträge gab. März 2002 fanden sowohl die ersten Treffen der Institutionengruppen als auch Koordinierungssitzungen der „politischen Familien“ statt. da das Präsidium den Versuch unternommen hatte. So erfolgte beispielsweise zum Ende des Grundrechtekonvents der politische Interessenausgleich nicht mehr entlang der nationalstaatlichen Linien. 482 Der zweite Konvent hat daraus zumindest vordergründig seine Konsequenzen gezogen: Bereits vor der Eröffnungssitzung am 28. CONV 851/03 v. Die jeweiligen Vorarbeiten spielten in der Konsequenz aber eine vergleichbar marginale Rolle. Wuermeling (CSU) in der Delegation des Europäischen Parlaments. Elf Arbeitsgruppen gab es.und konfliktfrei. J. . 7. eine ausschließlich von ihm selbst entworfene. Teufel (CDU) und W. in: EuZW 2003. 10. Die Europäische Verfassung des Europäischen Konvents. 613 ff. die insgesamt 86 Sitzungen durchgeführt haben. Unhabhängig von einer aktuellen Bewertung steht einem Konvent dagegen grundsätzlich die Möglichkeit zur Interessenformulierung innerhalb der vier Institutionengruppen und der „politischen Familien“ offen. Hölscheidt. Altmaier (CDU) als Vertreter des Bundestages. sondern zwischen den politischen Gruppen. auch J. 482 (2) Die Gestaltung der Konventsarbeit Der Konvent konnte freilich auf zahlreiche neue Vorschläge für eine Reform bzw.

Dies gab Gelegenheit zu 1802 mündlichen Beiträgen. In diesem Rahmen fanden jeweils Koordinierungen statt. um Fortschritte zu erzielen. umfasste etwa 40 Prozent der Mitglieder. 485 484 J. dass dies ein „wichtiger Grund für manche Ungereimtheiten der Verfassung“ gewesen sei: „Theoretisch wäre es sinnvoll und möglich gewesen. Meyer/ S. Die EVP-Gruppe hatte in vielen Punkten aufgrund (damalig) weitgehender Homogenität eine Führungsrolle übernommen bis hin zur Vorlage des bereits erwähnten kompletten Verfassungsentwurfs. Europa benötigt generell Zeitdruck. von den ursprünglichen 105 Mitgliedern waren am Schluss nur noch 69 vertreten. Hölscheidt. Arbeitsgruppen wurden eingerichtet u. a. Europäisches Parlament oder nationale Parlamente) zusammengefunden. . Speziell für den Konvent als neuartigem parlamentarischen Gremium war die Mitgliedersituation zu berücksichtigen. Glotz durch Außenminister J. S. zu den Themen Subsidiarität. Zudem gehörte Fischer als Grüner keiner der großen politischen Gruppen an. Inneres und Justiz. die Konventsarbeit weiter zu verlängern.168 B. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung rechtecharta“ vom Präsidium als „Steinbruch“ genutzt worden wäre. Das Potential Deutschlands als größtem Mitgliedstaat wurde bei aller gebotenen Zurückhaltung auch angesichts gegebener Wirkkräfte nur bedingt genutzt. den umfangreichen Teil III in der gebotenen Ausführlichkeit zu erörtern. 484 Der Konvent tagte im Plenum an 52 Sitzungstagen zwischen März 2002 und Juni 2003. Fischer erfolgte zu spät. indem es ihre Normen in anderen Teilen der Verfassung untergebracht und dadurch unnötigerweise hunderte von Änderungsanträgen provoziert hätte. Erfahrungsgemäß ist er nach ca. nationale Parlamente. in der die Linien verabredet wurden. in: EuZW 2003. eine große Rolle gespielt haben. wie sie Regierungskonferenzen kennen. Ordnungspolitik. Die Fraktion der Europäischen Volkspartei (EVP). 485 Die deutschen Vertreter von „Rot-Grün“ hätten im Konvent eine maßgeblichere Rolle spielen können. zwei Jahren erreicht. 613 ff. In dem Konvent haben sich die Mitglieder sowohl nach politischer Zugehörigkeit wie nach Delegationen (z. praktisch nicht. In den Konvent brachten lediglich 14 Mitglieder durchgängig ihre Erfahrungen aus dem Grundrechtekonvent ein.. mehr als ein Drittel ist also ausgetauscht worden. Außenbeziehungen und Verteidigungspolitik. Die Europäische Verfassung des Europäischen Konvents. Chirac zu den traurigen Kapiteln tatsächlicher „Interessensvertretung“ zu zählen ist). Einen Akzent brachte zumindest die deutsch-französische Initiative im Frühjahr 2003 (wobei die „Vertretungsregelung“ Deutschlands durch J. weil persönliche Kontakte jenseits starrer Delegationsgrenzen. die der Sozialisten 30 Prozent. so dass dem Konvent gegen Ende nicht genügend Zeit blieb. Gesetzgebungsverfahren. Ein allzu üblicher Verfahrensfehler ließ sich ebenfalls nicht vermeiden: die anfänglich geführte Generaldebatte war viel zu langwierig. B. Die Auswechslung des Regierungsvertreters P. Spanien und Portugal auf der Staatenebene. Eine Verlängerung hätte zwangsläufig eine weitere Fluktuation mit sich gebracht und das Konventsgeflecht beeinträchtigt. Zuständigkeiten. 613 stellen zu Recht fest. die Verfassungskommissionen der fünf neuen Bundesländer auf der innerstaatlichen Ebene und zuletzt der Grundrechtekonvent auf der europäischen Ebene. Außerdem erschöpft sich die Dynamik und Produktionskapazität eines solchen Gremiums zu einem bestimmten Zeitpunkt.“ Dies belegen auch die Prozesse der Verfassunggebung in den 70er Jahren in Griechenland.

Der Konvent wurde im Dezember 2001 vom Europäischen Rat eingesetzt. die Machtfülle. Nicht zuletzt um ihn – auch in seinem eigenen Land – unter Druck zu setzen 486. die Kompetenzen der Europäischen Union zu erweitern. ex post zu legitimieren und weiter auszubauen. so standen die Vertreter der Kommission (2) und des Europaparlaments (16) an der Spitze. der als besonders zentralisierungsfreudig bekannt war. der Leitung des Konvents und 13 (von 15) Regierungsvertretern (2+16+3+13=34). wenn es um die Zentralisierung Europas geht.II. in: NZZ am Sonntag vom 16. nur R. pragmatische und konziliante Amtsführung überzeugen können. 2003. Weshalb das Defizit an Demokratie bestehen bleibt. die Macht des Staates zu begrenzen. Seine Autorität hat in der Schlussphase gelitten durch das Beharren auf Vorschlägen. Versucht man die verschiedenen Gruppen des Konvents nach ihrem jeweiligen Zentralisierungsinteresse zu ordnen. auch weil der französische Präsident J. die einer stärkeren Zentralisierung grundsätzlich befürwortend gegenüberstand. Für eine Mehrheit bedurfte es 34 der 66 Stimmen. 2. das Präsidium und das Generalsekretariat. Es folgten der Präsident. schon im Vorfeld einer Regierungskonferenz Einfluss auf die Reformdiskussion zu nehmen. Der Präsident war zunächst auf viele Vorbehalte der Mitglieder gestoßen. auf öffentlichkeitswirksame Weise an die Spitze des Verfassungskonvents einen bürgerlichen Politiker aus Frankreich zu stellen. die staatliche Institutionen angesammelt haben. Tatsächlich besaßen die Europaparlamentarier (16) und die nationalen Parlamentarier (30) im Konvent – allerdings nicht in seinem Präsidium – zusammen eine Mehrheit der 66 Stimmen. Das Kooperationspotential erschien zunächst eingeschränkt. Er hat jedoch den Konvent laut Aussagen zahlreicher Mitglieder durch eine weitsichtige. die das Plenum mit breiter Mehrheit abgelehnt hatte. Chirac in Nizza offensichtlich eine weitere Zentralisierung der Europäischen Union in wichtigen Punkten zu blockieren vermocht hatte. Giscard d’Estaing. beschloss die Ratsmehrheit. Der Europäische Verfassungskonvent hatte vorgeschlagen. anstatt sie zu beschränken. Vaubel. Sie kann aber auch dazu missbraucht werden. Die offizielle Begründung lautete freilich anders: Der Konvent sollte erstmals den Parlamenten – dem Europaparlament und den nationalen Parlamenten – die Möglichkeit geben. (3) Inkurs: Der Konvent als Zentralisierungsplattform? Eine grundsätzliche Überlegung: die Verfassung ist ein klassisches Mittel. Der Repräsentant der französischen Regierung und die Vgl. 486 . Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 169 Der Konvent wurde „gesteuert“ durch den Präsidenten V. Damit wurde deutlich: Die Mehrheitskoalition. Hierbei ist jedoch die unterschiedliche Interessenlage zwischen den nationalen und europäischen Parlamentariern zu berücksichtigen. die beiden Vizepräsidenten Amato und Dehaene (zusammen 3) sowie die Vertreter der nationalen Regierungen (15). besteht aus den Vertretern der Kommission und des Europaparlaments.

I. denen für die Zukunft alle Ämter in den EU-Institutionen verwehrt worden wären. der den EWG-Vertrag für die Bundesrepublik Deutschland ausgehandelt hatte. und auch ein internationales Regulierungskartell hat für sie wenig Wert. Schmitt (Hrsg. Referenden in Europa. 2003. Im zwölfköpfigen Präsidium gestaltete sich dies noch leichter. Diese Gruppe war nicht im Präsidium vertreten. in: DÖV 18 (2003). 487 Tatsächlich haben die europäischen Institutionen den benannten verfassungstheoretischen Grundsatz bereits früher missachtet. . Herausforderungen der repräsentativen Demokratie. um sich der extensiven parlamentarischen Kontrolle zu entziehen. K. Schunz.). Hallstein der Mann. SWP-Papier. Die Parlamentarier der Mitgliedstaaten haben jedoch kein Interesse an ihrer eigenen Entmachtung. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung nationalen Parlamentarier konnten beliebig überstimmt werden. So war der erste Präsident der Kommission mit W. dass sich die Verfassunggeber mehr Macht einräumen. die sie später einhalten sollen. Den Ausschlag gab daher weitgehend die Konventsleitung. Dem Präsidium gehörten – in der Rangfolge ihrer vordergründigen Zentralisierungsneigung – je zwei Vertreter der Kommission und des Europaparlaments. S. Hölscheidt. Interessant wird in diesem Gesamtzusammenhang und mit Blick auf den Verfassungsvertrag bzw. Zwar sollen die nationalen Parlamente die Möglichkeit erhalten. Dann hätte der Verfassungskonvent auch ganz an die Stelle der Regierungskonferenz treten können. Unter Berücksichtigung dieser Erwägungen hätte der Europäische Verfassungskonvent im Grunde nur aus Mitgliedern der nationalen Parlamente bestehen dürfen. Jedoch ist bislang 487 In diesem Kontext entwickelt der Gedanke eines Referendums in der Regel besondere Anreize. Nunmehr in Fortführung der oben angestellten grundsätzlichen Überlegung: Die Zusammensetzung des Konvents könnte gegen die klassischen Maxime der Verfassungstheorie verstoßen haben. für das daraufhin zu wählende Parlament (Assemblée Legislative) zu kandidieren. dazu A. Demzufolge hatte beispielsweise die erste französische Verfassunggebende Versammlung (Assemblée Constituante) in der Verfassung von 1791 ihren Mitgliedern verboten. Maurer/ S.170 B. Alle Änderungen der Verträge wären vom Konvent ausgehandelt und dann den Parlamenten der Mitgliedstaaten zur Ratifizierung vorgelegt worden. Ratifikation durch Referendum. Putz. vgl. den Vertrag von Lissabon die zukünftige Rechtsprechung des EuGH sein. im Vorfeld der EU-Gesetzgebung ihre Bedenken anzumelden und im Nachhinein beim EuGH gegen Kompetenzüberschreitungen zu klagen. Europas Verfassung nach der Regierungskonferenz. Das wäre bereits insoweit vorzugswürdig gewesen. 2003. als für das Gemeinwesen „gut“ ist. die dreiköpfige Konventsleitung.. Andernfalls bestünde die Gefahr. wonach Verfassungsregeln nicht von denen aufgestellt werden dürfen. als die Regierungen oft allein deshalb an der Zentralisierung interessiert sind. 737 ff. S. Zehn Mitglieder des Konvents kritisierten den Zentralisierungskurs. drei Vertreter der Regierungen und zwei nationale Parlamentarier an.

da es nicht für Kompetenzstreitigkeiten zwischen den Kantonen und dem Bund zuständig ist. Die wiedererweckte ECG umfasste 18 Ökonomen und Rechtsexperten. Der Entwurf der ECG war naturgemäß viel schlanker als die Dokumente des EU-Konvents. dass für eine wachsende Europäische Union in gewissem minimalem Ausmaß eine föderale Union nötig sei. Gemeinschaftsgericht und Verfassungsgericht – rechtsvergleichende Aspekte. S. 161 ff. Saner. P.. Graf Vitzthum. Der Europäische Gerichtshof zwischen Recht und Politik. in: AöR 125 (2000). Aufl. Ursprung und Legitimation der rechtsgestaltenden Funktionen des EuGH. dem EuGH zumindest ein „Subsidiaritätsgericht“ an die Seite zu stellen. föderal aufgebaute Europäische Union mit klarer Kompetenzaufteilung zwischen den verschiedenen Staatsebenen. 490 488 Siehe nur G. Europäische Verfassungslehre. um bei der Veröffentlichung des offiziellen Verfassungsentwurfs des EU-Konvents mit einem liberalen Gegenvorschlag aufzuwarten. Mager. S.. stießen jedoch bei der Mehrheit des Verfassungskonvents auf wenig Widerhall. wie sie die „European Constitutional Group“ (ECG) in einem Entwurf für eine europäische Verfassung im Sinne einer liberalen Ordnung 1993 vorgestellt hatte. 2006. 1998. Es würde zu weit führen zu postulieren. Je mehr Kompetenzen die Europäische Union erhält. 691 ff. vgl. 490 Solche Vorschläge. Schwarze. Zur bisherigen Rolle des EuGH J. 1997. W. Auch wurde erwogen. 1983. Wolf-Niedermaier. Verfassungsregeln. 1988. Die ECG ist im Juni 2002 in Berlin mehr oder weniger neu lanciert worden. 4. um das Vorhaben des EU-Verfassungskonvents kritisch zu begleiten. Die Herrschaft der Richter im Recht ohne Staat. nicht – wie es eher EUTradition ist – die Rechte von Staaten. auch den Sammelband von J. P. in: JZ 1998. dass die Verfassungsgerichte kaum gegen Zentralisierungstendenzen vorzugehen tendierten und diese nicht selten durch ihre Rechtsprechung verstärkten. sozusagen als Schatten-Konvent zu arbeiten. Verfassungsrecht und Verfassungsgerichtsbarkeit im Zeichen Europas. Zielsetzung war u. in: Juristische Blätter 2000.). dass sich insbesondere deshalb der EuGH in der Vergangenheit als „Motor der Integration“ betätigt hätte 488. die die Rechte der Bürger schützen. Der Europäische Gerichtshof als Verfassungsgericht und Rechtsschutzinstanz.II. Die Autoren waren der Meinung. Als Grundrechte sollten die in der Konvention von 1950 umschriebenen Freiheitsrechte gelten und nicht – wie es der EU-Konvent letztlich vorsah – die im Dezember 2000 verkündete Grundrechte-Charta der Europäischen Union. inhaltlich aber radikaler. desto wirkungsmächtiger sind die Fälle. die die europäischen Richter zu entscheiden haben. 478 ff. A. S. weshalb der EuGH das Zentralisierungsinteresse der anderen europäischen Institutionen nicht teilen sollte. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 171 nicht erkennbar. 489 Eine Ausnahme bildet etwa das schweizerische Bundesgericht. Schwarze (Hrsg. O. Dörr/ U. Rechtswahrung und Rechtsschutz nach Amsterdam – Zu den neuen Zuständigkeiten des EuGH.G. 489 Demzufolge und aufgrund der beklagten Chancenlosigkeit der nationalen Parlamente vor dem EuGH wurde bereits in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wiederholt die Forderung aufgestellt. a. Häberle. Gesucht wurden deshalb Spielregeln für eine demokratische. um deren Funktionsfähigkeit zu sichern.. 386 ff. das aus Vertretern der höchsten nationalen Gerichte bestünde und ausschließlich über Kompetenzstreitigkeiten zu entscheiden hätte. . Der Europäische Gerichtshof als Förderer und Hüter der Integration. die nationalen Parlamente über eine zweite Kammer des Europaparlaments oder direkt an der europäischen Gesetzgebung zu beteiligen. Pernthaler. S. Allerdings ist in einer vergleichenden Betrachtung der Geschichte unterschiedlicher Bundesstaaten festzustellen.

Eine Verfassung nach dem Geist der ECG müsste wohl dem Volk vorgelegt werden. zumal diese eine Art Grundkonsens der EU-Bürger darstellen sollte. Demokratie. aus denen zahlreiche Schutz. dass die Charta zur verfassungsmäßigen Beschränkung der Staatsgewalt ungeeignet sei.weite Umweltprobleme. Ziel war eine umfassende Debatte aller Bürgerinnen und Bürger zur Reform der Europäischen Union. / 26. Effizienz und Effektivität politischer Entscheidungsverfahren – sind wesensmäßig weitgehend identisch mit jenen. 491 So haben etwa CDU / CSU-Konventsmitglieder der Führungsspitze. etwa durch eine proportionale indirekte Steuer. Der Vorsitzende hat die Mitgliedstaaten dazu aufgerufen.und Umverteilungs-Versprechen ableitbar wären. auch auf nationaler Ebene Foren zur Bürgerbeteiligung einzurichten. Der Haushalt der europäischen Regierung muss über die Legislaturperiode hinweg ausgeglichen sein. obwohl der Verfassungstext gerade Übersichtlichkeit. wenn unter den Mitgliedstaaten darüber Konsens herrscht und ein Referendum darüber die Volks. Außenpolitik. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung (4) Zeitgemäße Aspekte der Öffentlichkeitsarbeit? Der Konvent tagte öffentlich und alle Dokumente waren über das Internet jedermann zugänglich. die Gewährleistung des freien Verkehrs von Waren. da sie neben Freiheitsrechten viele Stellen enthalte. Die europäische Regierung wird durch eine speziell bezeichnete Steuer finanziert. Die Zuständigkeit der europäischen Regierung beschränkt sich auf Verteidigung. und zwar in der ganzen Europäischen Union. die auch im nationalen Kontext Begründet wurde dies damit. wobei das Volk mit qualifizierter Mehrheit zustimmen muss und Verfahren mit Übergangszeiten festzulegen sind. Jeder Staat hat das Recht. die beispielsweise im Rahmen einer Anhörung der Zivilgesellschaft am 25. Umfassend informiert wurden allerdings die nationalen Parlamente durch ihre Vertreter.und Ländermehrheit findet. das allen Organisationen der Zivilgesellschaft offen stand. All dies soll nur an die oberste Ebene delegiert werden. Schliesslich ist das Verfahren bei Entwurf und Verabschiedung einer Verfassung von zentraler Bedeutung. 491 Die Kernthemen. Personen und Kapital innerhalb der Europäischen Union. Vorlagen bedürfen zur Annahme einer Volks. Außenhandelspolitik. Umfragen zufolge hatten zum Schluss gerade einmal die Hälfte der EU-Bürger von dem Konvent gehört.172 B. Steueränderungen sind nur bei Zweidrittelmehrheit in beiden Kammern und Zustimmung des Volkes möglich. Dienstleistungen. Einfachheit und Bürgernähe vermitteln sollte.und Ländermehrheit. Dazu wurde ein „Forum“ geschaffen. . In einem „Jugendkonvent“ wurde am 10. für andere Vorlagen bei bestimmten UnterschriftenQuoren ein fakultatives Referendum. Im ECG-Vorschlag wird die zweite Kammer nicht aus dem Europäischen Rat gebildet. mit denen der Konvent sich zu befassen hatte – Transparenz. Hier sind 1264 Beiträge von Nichtregierungsorganisationen eingegangen. dieser bleibt näher bei seiner heutigen Rolle. Juli 2002 der Beitrag von über 200 Jugendlichen gehört. den Europapolitikern. auf Wettbewerbspolitik sowie Umweltpolitik mit Blick auf EU. Für wichtige Geschäfte gilt ein obligatorisches. Dies. Eine breitere Öffentlichkeit nahm trotz dieser Bemühungen erst gegen Ende des Mandats von den Arbeiten Notiz. aus der Europäischen Union auszutreten. Juni 2002 durch den Konvent in die Debatte eingeflossen sind. Bundestagsabgeordneten und weiteren Mandatsträgern der Partei nach jeder Plenartagung schriftlich Bericht erstattet.

Muschg und anderen Intellektuellen absieht. Gewiss. intensiver Diskussionsprozesse. Der EU-Verfassungskonvent hat zügiger und diskreter gearbeitet als die meisten staatlichen Verfassunggeber. demokratisch und transparent. gerade in dem Augenblick. Kühnhardt. Verfassungsfragen sind oftmals prozeduraler Natur und interessieren daher neben den naturgemäß Betroffenen und Beteiligten in den Institutionen regelmäßig Minderheiten. Bewertung der Strukturentscheidungen. Der Prozess vollzog sich – im Gegensatz zu klassischen Fällen des staatlichen „constitution-making“ – in einer gewissen Abgeschiedenheit vom politischen und intellektuellen Leben. 492 . Es wird allerdings abzuwarten und manche Analyse bestritten sein. Der Verfassungstext ist zwar nicht gerade über Nacht. Liberalen und Konservativen vorausgegangen. dass sie dadurch besser auf die Europäische Union vorbereitet sind und waren als manches bisherige EU-Mitglied auf die gemeinsame europäische Zukunft. Derrida. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 173 vieler EU-Länder bestehen. wenn man einmal von (verstreuten und eher unkohärenten) öffentlichen Stellungnahmen aus den Federn von U. So beispielsweise die gaullistische Verfassung der Fünften Republik in Frankreich. Es ist demzufolge ein bedauernswerter Umstand.zwar so lustlos zum neuen Text wie ein ermüdeter Patient zum rettenden Medikament. aber doch in der vergleichsweise kurzen Zeitspanne von weniger als zwei Jahren entstanden. ob das allgemeine Interesse wenigstens an den Ergebnissen des Konvents und seinen Folgen höher war als bei Verfassungsprozessen früherer Zeiten. Doch waren der Errichtung des Bundesstaates von 1848 während fünfzig Jahren zum Teil erbitterte Auseinandersetzungen zwischen Zentralisten und Föderalisten. Trotzdem war niemals zuvor in der Verfassungsgeschichte ein Verfassunggebungsprozess im Angebot so öffentlich. Debré in wenigen Monaten redigiert und in Kraft gesetzt. Ein entscheidender Unterschied zur „Geheimniskrämerei von Philadelphia oder Herrenchiemsee“ 492. Alte Staatsverfassungen wie diejenige der Vereinigten Staaten von 1787 aber waren meist Produkte langer. Eco. 2003. Der Verfassungsentwurf des EU-Konvents. J. während die EU-Kandidatenländer in der zurückliegenden Dekade einem intensiven Reformprozess unter diesen Perspektiven unterzogen wurden: gelegentlich drängt sich der Eindruck auf.II. In der Schweiz nahm die Tagsatzung 1848 die neue Bundesverfassung zwar nach nur einigen Wochen dauernden Kommissionsverhandlungen an. Sie wurde 1958 unter der Leitung von M. dass die europäische Verfassungsdebatte am Ende wieder auf eine Institutionendebatte reduziert wurde. J. Sie griff – so der Kommentar (des US-Schweizers) W. A. auch Verfassungen von Staaten kamen zum Teil sehr schnell zustande. ZEI Discussion-Paper. So L. Habermas. Er produzierte definitiv keine „Federalist Papers“. bevor eine klare Festellung gewagt werden kann. Rappard . Er war nicht umlagert von einem nachrichtenbegierigen Publikum.

Lesung). Kein einziger Text kam in den Verfassungsvertrag. warum die Charta der Grundrechte nicht an eine prominentere Stelle in der Verfassung gesetzt wurde. Preuß (Hrsg. In der folgenden Plenartagung wurden die Texte und die Änderungsanträge diskutiert. Auf dieser Grundlage überarbeitete das Präsidium den Entwurf und legte eine neue Fassung vor. Europäische Verfassungslehre. 2006. die Regierungskonferenz zu passieren. in: ZfP 1969. S. der nicht zuvor die Billigung des Präsidiums erhalten hatte. Öffentlichkeit und Verfassung. siehe auch den Sammelband von C. Sodann wurden sukzessive Vertragsartikel für die diversen Teile des Entwurfs vorgelegt. denn sie weiß eine hervorgehobene Facette politischer Identität zu verkörpern. Es wäre beispielsweise zielführender gewesen. 163 ff. 2004. Häberle. Insgesamt wurden fast 8000 solcher Änderungsanträge gestellt.) Europäische Öffentlichkeit. unter Beteiligung einer tatsächlich einbezogenen europäischen Öffentlichkeit 493 darüber zu streiten. Nach Vorstellung dieser Artikel im Plenum konnten die Mitglieder (und auch die Stellvertreter) binnen einer Woche schriftliche Änderungsanträge zu den Texten einreichen (1. die Rolle des einzelnen Mitglieds Auf der Grundlage der ersten Diskussionen und der Ergebnisse der Arbeitsgruppen erarbeitete das Präsidium im Oktober 2002 ein Rohgerüst für den Verfassungsvertrag.174 B. nach dem das Präsidium die Aufgabe der Ausarbeitung der Texte hatte. S. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung wo sie in das Blickfeld der Medien gelangte. Dieses Verfahren räumte dem Präsidium des Konvents eine starke Stellung ein. Zu dieser konnten wiederum Änderungsanträge eingebracht werden (2. Aufl. Nach einer erneuten Überarbeitung und Diskussion im Plenum (3. die aus der Europäischen Union neben der Staatenunion auch eine Union der Unionsbürger macht. 273 ff. bevor man den Konsens feststellen konnte. Vgl. Es traf sich zu insgesamt 50 Sitzungen und unterbreitete dem Plenum 52 Arbeitspapiere. Wären aber deren Vertreter regelmäßig überstimmt worden. (5) Beratung der Verfassungstexte. Franzius / U. Im Konvent konnte nicht abgestimmt werden. 493 Den Begriff „europäische Öffentlichkeit“ beleuchten und definieren P. Nach einem Block von fünf Redebeiträgen konnten Kurzreaktionen von einer Minute abgegeben werden. mit zahlreichen Nachweisen. bereits P. In den Plenardebatten konnte sich das einzelne Mitglied in auf drei Minuten beschränkten Wortbeiträgen zu den vorgegebenen Themen äußern. hätte der Entwurf keinerlei Chance gehabt.K. 4. Dies war in dem Mandat des Gipfels von Laeken angelegt. denn er war nicht repräsentativ zusammengesetzt. Lesung) wurden noch geringfügige Änderungen vorgenommen. . Häberle. Lesung). Bei Abstimmungen hätte auf die Sensibilität von einzelnen Mitgliedstaaten nicht Rücksicht genommen werden können.

Die meisten Reformansätze in dem Vertrag beruhen auf Vorarbeiten in den Arbeitsgruppen. Innenpolitik). In Nizza waren die Vetokapazitäten zwischen den Staaten gefestigt worden. Gleichwohl aber war an vielen Orten auf subtile Weise eine wachsende Stimmung gegen Europa zu spüren. 1.und sicherheitspolitischen Kapitel des Entwurfs zu modifizieren und für alle anderen Fragen differenzierte Lösungsmöglichkeiten zu präsentieren. 495 Vgl. und dass es dort trotz aller Rhetorik schwach bleiben könnte. als sollten dieses Mal die Vetokapazitäten gegenüber den gemeinschaftsbildenden Prozessen und Institutionen gestärkt werden. Nach der Übergabe des Entwurfs durch den Konvent im Juli 2003 begannen im Oktober 2003 die Vorbereitungen zur Regierungskonferenz im Dezember. 1159 solcher Beiträge sind zum Plenum und zu den Arbeitsgruppen eingegangen. die außen. Vielfach wurden der Wert und das Ziel einer Balance zwischen den Institutionen der Europäischen Union angerufen.eu . Da sich die Präsenz der Mitglieder hier meistens auf ein Dutzend beschränkte. Die Zeit der Vorverhandlungen zur endgültigen Verabschiedung war knapp bemessen – ein Großteil der Verantwortung lag hierbei in den Händen der italienischen Ratspräsidentschaft. Ziele und Folgen des Verfassungsprozesses debattiert.int) zugänglich. Darüber hinaus konnten die Mitglieder wie eben erwähnt Änderungsanträge und „schriftliche Beiträge“ einbringen. Man hatte nicht selten den Eindruck. dass das System insgesamt nicht mehr funktionieren würde. Justiz-. Abstimmung(sprobleme) im Europäischen Rat Allerorten entwickelten sich in der Schlussphase der Arbeit des Konvents überbordende Plattformen für europafreundliche Schriften und Reden. wo die Bürger eindeutig und ausweislich aller demoskopischen Befunde „mehr Europa“ wünschen (Außen-. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 175 Die Beratungen in den Arbeitsgruppen waren wesentlich ergebnisorientierter. 494 (6) Schlussphase der Konventsarbeit. Orientierungen zu Einzelthemen wie etwa den ergänzenden Zuständigkeiten oder der Verteidigungspolitik zu erarbeiten. dass Europa dort geschwächt werden sollte. 38.II. Maurer. SWP-Aktuell Nr. Der Vorsitz selbst arbeitete darauf hin. 495 Ein sehr kontro494 Die Beiträge sind auf der Web-Site des Konvents (http://european|-|convention. Erneut – wie im Umfeld von Nizza – wurde intensiver über Kompromissspielräume bei den Institutionenfragen als über Maßstäbe. war eine intensive und produktive Diskussion der einzelnen Themen möglich. Aufschnüren oder Dynamisieren? Chancen und Risiken der Regierungskonferenz zum EU-Verfassungsvertrag. . S. 2003. wo es funktioniert (Binnenmarkt). Nicht selten entstand in der Schlussphase des Konvents der Eindruck. bis am Ende die Einsicht Platz griff. Sie tagten nur während eines kurzen Zeitraums von zwei oder drei Monaten und hatten das Ziel. A.

dass im Zweifelsfall nationale Interessen stärker die Vorgehensweise der Konferenzteilnehmer bestimmten. Moravcsiks. 1993. ob ein Misstrauensvotum des Parlaments gegen die Kommission auch eine Amtsniederlegung des Außenministers zur Folge haben sollte (vgl. 498 Darunter waren die Funktion und Flexibilität des durch den Konvent vorgeschlagenen Legislativrates im Verhältnis zu den anderen Ratsformationen wie auch die Frage nach Status und Rolle des künftigen Außenministers. Entwurf eines Vertrags über eine Verfassung für Europa. 2003. 10. 497 In der Praxis sollte sich zeigen. in: Journal of Common Market Studies. Preferences and Power in the European Community: A Liberal Interngovernmentalist Approach. vgl. Artikel I-25. Maurer sieht hierin einen Fortschritt zum herkömmlichen „Bargaining“ nach der Theorie A. Die Außenministerkonferenz kam hier überein. Fassung vom 06. Zur näheren Definition der Rolle des künftigen Außenministers der EU vereinbarte man einen den anderen Kommissionsmitgliedern gleichberechtigten Status (Artikel I – 28. 2004. 08. S. vielmehr sollten die einzelnen Fachräte immer dann als ein solcher zusammentreten. Auf verschiedenen Foren der Regierungskonferenz. CIG 87/04. Nr 4. Maurer/ S. dass jeder Ministerrat in jeder seinerZusammensetzungen den eigenen Vorsitz autonom wählt. Diese Regelung ging schließlich in den Vertragstext ein. trug er die Verantwortung für das Finden eines neuen Konsensus. Zur Effizienzsteigerung hatte man eine Vorgehensweise festgelegt: Stellte ein Mitgliedsstaat eine partielle Regelung. A. 08. Bezug zu. Auf dem Weg zum Verfassungsvertrag. 497 Der „Economist“ äußerte sich hierzu wie folgt: „The Germans. Gegenstände der Einigung waren die Klärung seines Stimmrechtes außerhalb der Bereiche der Gemeinsamen Außen. als dieser edle Vorsatz. Entwurf eines Vertrags über eine Verfassung für Europa. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung verser Verhandlungsverlauf war zu erwarten. A. Die Formulierung des Artikel I-24 . Economist vom 04. dass kein eigenständiger Legislativrat gebildet werden sollte. darunter der Außenministerkonferenz in Neapel Ende November. Neben der Dauer des Vorsitzes musste auch die Anzahl der Mitglieder innerhalb einer Gruppenpräsidentschaft diskutiert werden: Laut italienischem Konsenpapier CIG 60/03 ADD 1 sollten dies drei Staaten sein. 498 Bei den Diskussionen um den turnusmäßigen Wechsel des Vorsitzes im Ministerrat wurde als endgültige Lösung die „gleichberechtigte Rotation“ im Vertrag festgehalten – eine präzise Ausgestaltung sollte zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. hatten sich bereits einige institutionelle Fragen in der Vorbereitungsphase des Abschlussgipfels klären lassen. Vermerk des Vorsitzes der Ratspräsidentschaft an die Delegationen CIG 60/03 ADD 1). einen einzelnen Punkt des Gesamtkonsensus in Frage. vgl.und Sicherheitspolitik und die Frage.176 B. Fassung vom 06. Schunz. think that so broad a consensus was reached in the convention that any government wishing to fiddle with the text must find an alternative broad consensus – which is unlikely“. 2003. Die Alternative wäre gewesen. Moravcsik. CIG 87/04). 496 Nicht alle Teilnehmer sahen diese Vereinbarung als verbindlich und konsensual getroffen an. 499 Der italienische Vorsitz zielte auf die Diskussion achtzehnmonatig wechselnder Vorsitze. wenn sie ein Gesetzgebungsverfahren durchführen und in diesem Zusammenhang öffentliche Beratungen stattfinden. 3. Der Entwurf einer Europäischen Verfassung in der Regierungskonferenz. Artikel I – 24. 2004.: A. for instance. 499 496 Vgl.

Der Besetzungsmodus der Europäischen Kommission war wie die folgenden Diskussionsgegenstände keiner der Gründe. Gleichwohl: in den meisten Auseinandersetzungen standen sich die sechs Gründungsstaaten und die kleineren Mitgliedsstaaten. 500 Die kleinen Staaten wollten auch weiterhin einen eigenen stimmberechtigten Kommissar stellen. November 2009 nur noch 15 stimmberechtigte Kommissare („innerer Kreis“) umfassen. Beide Staaten stellten sich einer im Konventsentwurf vorgesehenen Vergrößerung der Kompetenzen der Kommission im Bereich des Stabilitäts. 500 Die Kommission sollte laut Konventsentwurf ab dem 1. Die Zusammensetzung und Beschlussfassung der Europäischen Kommission war bereits im Konvent Gegenstand kontroverser Diskussionen gewesen. 501 Vgl. 2003. Neben dem Präsidenten und dem Vizepräsidenten sollten weitere 13 Kommissare („äußerer Kreis“) vertreten sein. gegenüber. da die kleinen Staaten ihr Interesse hier massiv geltend machten.II. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 177 Am 24. Diese Frage wurde ebenso wenig geklärt wie die der Rechte des Europäischen Parlaments im Haushalt der Europäischen Union und die Neustrukturierung der Parlamentssitze. Der Kommissionspräsident würde einen Kommissar aus einer Dreier-Liste jedes Mitgliedsstaats wählen. Fassung vom 18. 501 Der Verzicht auf einen Kommissar bedeutet für einen Mitgliedsstaat einen nicht geringen Einflussverlust. in der endgültigen Fassung ermöglicht eine Änderung des Modus durch das im Vergleich zur Verfassungsänderung einfachere Verfahren des Europäischen Beschlusses. daher möchte jeder Staat mit der Person des Kommissars über ein „symbolisches Vertretungsdispositiv“ verfügen. November 2003 verständigten sich schließlich die EU-Botschafter der 25 Mitgliedsstaaten über die Neuordnung der Ratspräsidentschaft: In einem Turnus von 18 Monaten sollte im Regelfall ein jeweils größerer EU-Staat gemeinsam mit einem kleineren bisherigen Mitgliedsstaat sowie mit einem „neuen“ Mitglied die Teampräsidentschaft stellen. die unweigerlich zum Abbruch der Verhandlungen hätten führen müssen – da aber aufgrund der großen Streitfrage um die Gestaltung der Mehrheitsverhältnisse im Ministerrat ohnehin ein Scheitern absehbar war. Die eigennützige Interessenlage beider Defizitsünder trug nicht gerade zu einer affektfreien Diskussion bei. CONV 850/03.und Wachstumspaktes entgegen. die nach einem System der gleichberechtigten Rotation ausgewählt würden. eine Einigung in dieser Frage zunächst auf einen Folgegipfel zu vertagen. . bevorzugte man die Klärung jener Fragen unter Sondierung durch die folgende irische Ratspräsidentschaft. Entwurf eines Vertrags über eine Verfassung für Europa. Es wurde vorgezogen. während Großbritannien und die Gründungsstaaten für eine Verkleinerung der Kommission eintraten. darunter die Beitrittsstaaten. Artikel 25. Die Kommissare gelten als Mittler zwischen „Brüssel“ und ihren Herkunftsländern. 07. Die Ablehnung von Sanktionen gegen Deutschland und Frankreich wegen ihres Verstoßes gegen die Defizitkriterien verschlechterte das Klima zusätzlich.

Innen. Fischer. 2003. In: International Organization. Laut Konventsentwurf sollten zum Zustandekommen einer qualifizierten Mehrheit 50 Prozent der Stimmen der Mitgliedsstaaten repräsentiert werden und gleichzeitig hätten 60 Prozent der Bevölkerungszahl darin vertreten sein müssen. Außen. etwa The International Harald Tribune vom 13. Nr. Einige Staaten waren nicht bereit. Die Regierungen Polens und Spaniens argumentierten. Emmanouilidis / T.und Außenpolitik zu verhindern.178 B. vgl. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Die Ausweitung der Entscheidungen mit qualifizierter Mehrheit zur Verbesserung der Handlungsfähigkeit und Effizienz war bereits auf den letzten Regierungskonferenzen vorrangiges Ziel gewesen.D. . Die Abstimmungsregeln von Nizza und Konvent im Vergleich. hätten vor allem Deutschland. Sozial. Vor allem aber im Bereich der Außenpolitik gelten Kompetenzabtretungen an die supranationale Ebene als Souveränitätsverluste. Belgien und Niederlande gerne künftig in diesen Bereichen mit qualifizierter Mehrheit abgestimmt. Die relative Gestaltungsmacht bevölkerungsreicher Staaten wie Deutschland gegenüber den anderen großen Staaten im Rat wäre begünstigt worden. Die „red lines“ der britischen Regierung waren der Vorsatz. dass sie auf diese Weise Mehrheitsbeschlüsse nicht mehr blockieren und folglich von den bevölkerungsreichsten Staaten der Europäischen Union dominiert werden könnten. Der Einsatz der Verhandlungspartner zielte hier folglich nicht auf direkten eigenen Machtzuwachs 502 Die Einführung des Abstimmungsmodus der qualifizierten Mehrheit sollte in den Politikfeldern Steuern. Der Abstimmungsmodus berücksichtigte im Vergleich zur Stimmengewichtung im Vertrag von Nizza 503 die tatsächlichen Bevölkerungsverhältnisse. 502 Die Konventsregelung für die Gewichtung der Stimmen im Ministerrat stellte die Streitfrage dar. Die Formulierung von Artikel 24 des Konventsentwurfs wollte dem Doppelcharakter der Europäischen Union als „Union der Staaten“ und „Union der Bürger“ Rechnung tragen. Malta und Slowenien einerseits – und den anderen Staaten andererseits. Tschechien. Die große Konfliktlinie bestand zwischen Großbritannien. Vielmehr lassen sich von den „roten Linien“ abweichende Ergebnisse innenpolitisch nicht rechtfertigen. dass Verhandlungshärte nicht zur Erreichung von Zugeständnissen an den Tag gelegt wurde.A. Im britischen Fall kann davon ausgegangen werden. Während erstere für Einstimmigkeit plädierten. 2003. Da die Einführung eines Mehrheitsvotums regelmäßig national als Abtretung souveräner Kompetenzen wahrgenommen wird. wohnte diesem Thema hohes Konfliktpotential innerhalb der Mitgliedsstaaten inne. Irland.und Sicherheitspolitik. Mehrheitsentscheidungen in den Feldern Steuer-. ihre Vetomöglichkeit in für sie sensiblen Bereichen aufzugeben.und Justizpolitik wie auch Sozialpolitik und Haushalt erfolgen. 503 J. 1988) umrissene Verhandlungsparadigma ließe sich auf diese Situation anwenden: Die Kompromissbereitschaft und der Spielraum der Diskussionspartner sind in dem vorliegenden Konfliktfall stark von ihrer europapolitischen Grundposition zur Integration abhängig. Putnam (Diplomacy and Domestic Politics: The Logic of Two-Level-Games. die letztlich eine Einigung unmöglich machte. 3. Großbritannien erwies sich in dieser Hinsicht als unbeirrbar in seiner Position: Die vergleichsweise niedrige Steuerquote sollte nicht durch Harmonisierungszwänge modifiziert werden müssen. Polen und Spanien lehnten dies als Herabstufung ihrer im Nizza-Vertrag entstandenen Sperrminorität ab. Das von R. 12. Die Machtfrage europäisch beantworten.

bis Ende Juni die Beratungen über die EU504 Vgl. Machtfragen und psychologische Verstimmungen hatten sich vermischt – Folge einer Kette von Ereignissen und Tendenzen. Juli 2004. versuchte die Ratspräsidentschaft im „Beichtstuhlverfahren“. 12. 505 Die Gründe für das Scheitern des Gipfels vom Dezember 2003 waren – wie geschildert – mannigfach. Von vornherein stand dieser Erfolg nicht fest. sich auf einen Verfassungsvertrag für die Union zu einigen.II. transparenten und effizienten Abstimmungsverfahrens gegangen. Kühnhardt. Auch in dieser Hinsicht wurde eine alte Erfahrung bestätigt: Wann immer die transatlantischen Beziehungen in einem schlechten Zustand sind. Der gescheiterte EU-Gipfel vom Dezember 2003 ist in eine weitere Perspektive zu rücken. abrufbar unter www. Hussein eskalierten. Anders als im Dezember 2003 war es den Staats. Zum andern standen die Regierungsverantwortlichen im Wort. So bemerkenswert die konsensuale Übereinstimmung im Verfassungskonvent gewesen war – am Ende stand keine formelle Abstimmung. befindet sich auch der Prozess der europäischen Einigung in einem schlechten Zustand. Die Ursachen dafür ließen sich nicht auf die besonders kontroverse Frage der Abstimmungsmodalitäten im Europäischen Rat reduzieren. Regierungserklärung von Bundesaußenminister J. Zum einen wollten die Konferenzteilnehmer ihre Entscheidungsfähigkeit nach der niedrigen Stimmbeteiligung an den Europawahlen und dem Vormarsch der EU-kritischen Parteien in vielen Mitgliedstaaten eindrücklich unter Beweis stellen. 504 Da sich die Diskussion zunehmend im Kreise drehte. Die deutsche und die französische Delegation fühlten sich zu Unrecht angegriffen.de/www/de/ausgabe_archiv?archiv_id=5179.und Regierungschefs jedoch bei ihrem zweitägigen EU-Gipfeltreffen am 18. Allerdings war der Druck für eine Verständigung außerordentlich groß. L. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 179 ab. Auf dem Weg zu einem europäischen Verfassungspatriotismus. Am Vorabend der größten Erweiterung in der Geschichte der Europäischen Union schien der größte mögliche Absturz der Hoffnung auf eine Verstärkung des politischen Charakters der Europäischen Union zu stehen. denn sie hatten sich im März verpflichtet. Es sei ihnen um die Einführung eines einfachen. Vor allem mangelte es an einem „esprit européenne“ bei vielen der beteiligten Akteure.auswaertiges-amt . die seit dem Gipfeltreffen des Jahres 2000 in Nizza ruchbar geworden waren und spätestens im internen kalten Krieg des Westens über die richtige Politik gegenüber der irakischen Diktatur und über die Weisheit des amerikanischen Krieges gegen das Regime von S. 2003. 505 Vgl. 16. In Ermangelung weiterer Verhandlungsmasse verkündete der italienische Premierminister schließlich den Abbruch der Verhandlungen. sondern vielmehr auf die Verhinderung eines als Bedrohung empfundenen „Übergewichts“ der großen Staaten. Fischer zum Europäischen Rat vor dem Deutschen Bundestag am 11. . in: NZZ. Juni 2004 in Brüssel gelungen. das Gestaltungsmöglichkeiten eröffne und keine Blockadehaltung konserviere. die Fronten aufzuweichen. also bilateralen Einzelgesprächen.

. 508 So im Redemanuskript beim Internationalen Bertelsmann-Forum 2001: „Das entgrenzte Europa“.de/. 4. das entsprechende Sitzungsprotokoll des Deutschen Bundestages). 666 ff. 2000. Blanke / S. Vgl. 507 J. Juni 2000. „Grundvertrag“ sprachen. zudem zu den Inhalten des Verfassungsvertrages die Bibliographie des Verf. findet sich unter www. in: FAZ vom 28. Zudem war auffallend. Eine tiefergehender Bericht sowie eine entsprechende Bewertung (die unter dem Namen des damaligen Staatsministers R. 661 f. (1) Systematische Ergänzungen zur Frage: Verfassung oder Verfassungsvertrag? Bei der Verwendung des Begriffs „Verfassung“ waren im Debattenverlauf um die Jahrhundertwende auch unter den politischen Akteuren einige zurückhaltender als andere. Governing Europe under a Consitution.). qq) Einige Gedanken zum Ergebnis des Verfassungskonvents Eine umfassendere Bewertung des Verfassungsvertrages befindet sich im Anhang 506. Europäische Verfassungslehre. Amato in der FAZ. 10 f. hätten zunächst die Regierungen und dann die Völker über einen Text zu befinden. Aufl. zur Genesis auch die Aufsätze in H. S.. dazu die bei P. so die Kommission und die CDU / CSU. taucht der Ausdruck in J. weshalb an dieser Stelle lediglich einige beifolgende (und gegebenenfalls von der „Parteilinie“ abweichende) Gedanken sowie „wertende Bruchstücke“ die bunte Fassade der Kommentierungen ergänzen sollen. 2001. die es in allen Phasen der Debatte verstanden hatte. 508 Nahezu alle politischen Protagonisten betonten unterdessen den Verlaufcharakter eines „Konstitutionalisierungsprozesses“. und dann auch sehr vage: „Nach diesen Arbeiten. dass manche Akteure. Bocklet der bayerischen Staatsregierung vorgelegt wurde) des ersten Entwurfes vom Juli 2003. mit G. die sicherlich einige Jahre in Anspruch nehmen werden. Noch bedeutsamer war wohl die zielstrebige und effiziente Verhandlungsführung der irischen EU-Präsidentschaft. 19. S. Vgl. 2000: „Weil es uns ernst ist mit der Zukunft Europas“.bayern.bzw. Schröder sprach zunächst von einer „verfassungsmäßigen Grundlage“ oder „Verfasstheit“ und erst später von „Verfassung“. sowie in der Regierungserklärung zu Nizza.. Fischer in seiner Humboldt-Rede ganze zehn mal auf eine „Verfassung“. angegebene Lit. fast ausschließlich von einem „Verfassungsvertrag“ bzw. The Hard Road from the European Treaties to a European Constitutional Treaty. 2006. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Vertrags-Reform abzuschließen. den wir dann als erste ‚Europäische Verfassung‘ proklamieren könnten“ 507. 6. 21./content/stk/allgemein/ergebnisse_eu_konvent_030911 . 2006. scheinbar unüberbrückbare Differenzen mit kreativen Kompromissvorschlägen zu überwinden.180 B. Während J. Mangiameli (Hrsg.) der CSU-Landesgruppe sowie der CDU / CSU Fraktion im Deutschen Bundestag.pdf?PHPSESSID=eb06875d90a340f2d38d4976. (2006). während Bewertungen (unter Mitarbeit des Verf. Chirac. einen „Verfassungsvertrag“ Bezug nimmt. Rede vor dem Deutschen Bundestag am 27. 19. 506 . Auch Bundeskanzler G. Häberle. Januar. Januar 2001 (vgl.-J. 9. Chiracs Rede vor dem Deutschen Bundestag (2000) nur einmal auf.

Demokratie.w. Sinn machen. Ein „Verfassungsvertrag“ hat aus theoretischer Perspektive grundsätzlich eine schwächere Bedeutung als eine Verfassung. Auflage 2006. 342 ff. Jahrhundert sollte dieser konstitutionelle Kompromiss die Souveränitätsfrage überflüssig machen. Oktober 2000. Der Begriff ‚Verfassung‘ bringt unser europäisches Engagement stärker zum Ausdruck“ 509 .II. Andernfalls könnte die Begrifflichkeit über einen verordneten Symbolcharakter nur schwerlich hinausreichen. Wird innerhalb eines Staates ein Verfassungsvertrag abgeschlossen. Staat. 1998. Verfassungslehre als Kulturwissenschaft. Erst dann würde die Einführung des Wortes „Verfassung“ eine eigentliche Bedeutungskraft entwickeln und eine zielführende Betrachtung. welche qualitative Änderung der „Verfassungs“-text für die Europäische Union induzieren würde. Dem Europäischen Parlament dagegen erschien „die Wahl des Ausdruckes [. 2006. dann ist immerhin auch zu fragen. N. die der Begriff „Verfassung“ mit sich bringt. Er leitet sich nicht allein von der Volkssouveränität ab. 510 Dieser Frage widmet sich auch P. m. Im 19. S. wenn also die Entwicklung der Europäischen Union auf ihrem „Sonderweg“ zur Konstitutionalisierung ohne die gängigen Vorurteile. 512 Der Terminus „Grundvertrag“ ist im Übrigen noch enger gefasst und bezieht sich nur auf die Bündelung der Artikel der Verträge. 36..2. unter B. 1991.f)nn)(2)(d). 511 Vgl. Die Debatte um die (Richtigkeit der) Bezeichnung des Ergebnisses des Verfassungskonvents 510 ist auf den ersten Blick ein Scheingefecht.II. Häberle. Europäische Verfassungslehre. da keine von beiden konstituierenden Gewalten im Konfliktfall das letzte Wort hatte. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 181 etwa Fischer beide Begriffe benutzte.. nämlich in welcher Beziehung die künftige Verfassung Europas zur historischen Typologie der Verfassung steht. Das Wort „Verfassung“ findet sich bereits in der 509 Europäisches Parlament. S. 512 So E. S. 4. 12. Ausschuss für konstitutionelle Fragen: „Bericht über die Konstitutionalisierung der Verträge“. Aufl. die bereits Verfassungscharakter tragen. Europäische Verfassungslehre. Häberle.] von zweitrangiger Bedeutung.-W. S. Gleichwohl soll als unverzichtbare interpretatorische Grundlage im Rahmen einer „Textstufenanalyse“ 513 zunächst der eigentliche. zum „Textstufenparadigma“ im europäischen Kontext ders. bewertet werden soll.. Verfassung. Aufl. Böckenförde. 2. vorliegende Text selbst einer Prüfung unterzogen werden. 4 ff. 647 f. sondern stellt in der Regel eine Vereinbarung zwischen selbständigen Staaten zur Begründung und Ausgestaltung einer bundesstaatlichen oder bundesstaatsähnlichen Einheit dar. Studien zur Verfassungstheorie und zum Verfassungsrecht.. 4. Wenn von einem idealen und metahistorischen Begriff der Verfassung sowie von der traditionellen Verbindung zwischen Staat und Verfassung – wie unten dargelegt 511 – abgerückt werden muss. . ist meist von einer Abmachung zwischen der Exekutive und Volk auszugehen. 513 Begriff und Methodik der „Textstufenanalyse“ beruhen auf P.

um über die Verfassung zu entscheiden (in der deutschen Sprachfassung heißt es „Vertrag über die Verfassung“).2.182 B. dass der die Verfassung gründende Vertrag also auch formell ein Vertrag bleibt. S. Durch die Vertragsform wird die Verfassung letztlich gegründet (worauf die französischen Fassung hin deutet: „Traité instituant la Constitution“). An dieser Stelle 516 sei lediglich die Notwendigkeit der Ratifizierung jeder Änderung durch alle Staaten nach ihren eigenen nationalen Verfassungsbestimmungen benannt. Die vertragsmäßige Gründung des Deutschen Reichs 1866 –1871 sollte auch bei dem bayerischen Staats- . dass die Schlussbestimmungen formelle Fragen behandeln. Dagegen ist im 4.IV. wonach den „Hohen Vertragsparteien“ eine „dankende Anerkennung der Leistung der Mitglieder des Europäischen Konvents“ dafür zugeschrieben wird. Mit Blick auf die amerikanische Verfassungsgeschichte sei nur an Calhoun und seine „States Rights“-Doktrin erinnert. was zur Folge hat. Der IV.. Zumindest im Falle des Entwurfs wird die Form des Vertrags gebraucht. dem „Vertrag über die Verfassung“. Dies mag sich unter anderem daraus erklären. 515 Nun könnte man dazu neigen. Diese in der „Verfassung“ zu lesende Zwischenstaatlichkeit der Europäischen Union wird durch das in Art. 517 Vgl. 1989.b). 7. 515 Ein Umstand. I-59 niedergelegte Recht auf „freiwilligen Austritt aus der Union“ noch verstärkt. Sezessionsrecht war stets der neuralgische Punkt. der die „Lesbarkeit“ des Gesamtwerkes – einer der wichtigen Aufträge des Konvents nach der Erklärung von Laeken – nicht unbedingt fördert. womit er die Stellung der Südstaaten vor dem Sezessionskrieg begründete. 514 In den drei ersten Teilen bezeichnet sich der Text ausnahmslos mit dem Wort „Verfassung“. IV-6 des Textes bestätigen lässt. 517 514 Bemerkenswert an diesem Satz ist zudem das seitens des Konvents formulierte „Selbstlob durch Dritte“. dass diese Mitglieder „diese Verfassung im Namen der Bürgerinnen und Bürger und der Staaten Europas ausgearbeitet haben“. was sich mit Art. formell aber um einen Vertrag. 516 Ausführlich zum Änderungsverfahren unten B. Verfassungslehre. dazu C. dass es sich vorliegend materiell um eine Verfassung handelt. Teil (Schlussbestimmungen) nur noch die Rede von einem „Vertrag“ („le traité instituant la Constitution“ in der französischen Fassung). Eine gewisse vertragsrechtliche Form des Textes zeigt sich auch dadurch. Offensichtlich wird aber auch ein „Vertragsmoment“ in diesem Sinne fortdauern. Im Ergebnis erweist sich die europäische Integration als weiterhin zwischenstaatlich gegründet. In der Bestimmung wird das im Art. Aufl. 48 EUV vorgeschriebene und vereinheitlichte Verfahren der Vertragsänderung modifiziert. an den die Interpretation föderaler Verfassungsordnungen angestoßen ist. Schmitt. dass er mit mehreren Protokollen versehen ist. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Präambel. Teil des Textes untermauert schließlich diese These. 374 f.

änderte sich bemerkenswerterweise in eine engere Fassung (nunmehr: „zugewiesen haben“). Für eine Auslegung der Sowjetverfassung als zwischenstaatlich abgeschlossenen Vertrag war schließlich kein Raum. die ihr von den Mitgliedstaaten in der Verfassung zur Verwirklichung der in ihr niedergelegten Ziele zugewiesen werden.“ Man kann auch eine gewisse Zurückhaltung in den vorgesehenen Garantien erkennen. diese Rechtsakte in Deutschland anzuwenden. die der Union „zugewiesen werden“. die den Rückgriff auf die neu gestaltete Flexibilitätsklausel einrahmen (Art. culture. sondern eine begrenzte Zahl an Zuständigkeiten gestaltet. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 183 Insgesamt ist mit der Anerkennung eines Austrittsrechts eine gewisse Schwächung der integrativen Symbolik verbunden. nicht mehr gedeckt wäre. 25. 155: „Würden etwa europäische Einrichtungen oder Organe den Unions-Vertrag in einer Weise handhaben oder fortbilden. S. BVerfGE 89.“ Die zukunftsoffene Formulierung bezüglich der Zuständigkeiten. in : Centre de recherches sur l’URSS et les Pays de l’Est (Hrsg.“ Hiermit wird offenkundig.II. vgl. Paris 1962. Les contradictions du fédéralisme soviétique. Umgekehrt wurde das vom sowjetischen Föderalismus immer formell anerkannte Austrittsrecht der autonomen Republiken schon von Lenin so interpretiert. so wären die daraus hervorgehenden Rechtsakte im deutschen Hoheitsbereich nicht verbindlich. auch im Lichte von Art. die von den Staaten zugewiesen sind. 1. I-17). 1 noch: „Nach dem Grundsatz der begrenzten Einzelermächtigung wird die Union innerhalb der Grenzen der Zuständigkeiten tätig. 520 rechtler M. I-9 Abs.M. dass seine Ausübung auf jeden Fall durch die unwahrscheinliche Bewilligung der Union bedingt und folglich faktisch unmöglich war (vgl. Alle der Union nicht in der Verfassung zugewiesenen Zuständigkeiten verbleiben bei den Mitgliedstaaten. I-9. I-9 Abs. 5 EGV.). 520 Dieses Prinzip wird in Art. dass die Verfassung keine originäre Macht.). die von dem Vertrag . S.“ Art. L’URSS: Droit. II S. 518 Im Konventsentwurf lautete Art. von Seydel das Sezessionsrecht der Länder gewähren. Die deutschen Staatsorgane wären aus verfassungsrechtlichen Gründen gehindert. Mouskhely. sociologie. die ihr die Mitgliedstaaten 519 in der Verfassung zur Verwirklichung der in ihr niedergelegten Ziele zugewiesen haben. In Letzterem ist das sogenannte Prinzip der Einzelermächtigung wie folgt ausformuliert: „Die Gemeinschaft wird innerhalb der Grenzen der ihr in diesem Vertrag zugewiesenen Befugnisse und gesetzten Ziele tätig. 2 lautet (mittlerweile 518): „Nach dem Grundsatz der begrenzten Einzelermächtigung wird die Union innerhalb der Grenzen der Zuständigkeiten tätig. Dementsprechend prüft das Bundesverfassungsgericht. Eine weitere Akzentuierung erfährt der derivative Charakter der EU-Zuständigkeiten in der Formulierung von Art. wie er dem deutschen Zustimmungsgesetz zugrundeliegt. économie. Damit soll die viel diskutierte Gefahr einer durch diese . politique. die man dem Terminus „Verfassung“ beimisst. Eine solche klare Begrenzung des dem EU-Recht zukommenden Vorrangs steht im Übrigen der vom deutschen Bundesverfassungsgericht in seiner Maastricht-Entscheidung behaupteten Prüfungskompetenz nicht entgegen. I-5a im Kontext des Grundsatzes vom Vorrang des EURechts wiederholt: „Die Verfassung und das von den Organen der Union in Ausübung der ihnen zugewiesenen Zuständigkeiten gesetzte Recht haben Vorrang vor dem Recht der Mitgliedstaaten“. ob Rechtsakte der europäischen Einrichtungen und Organe sich in den Grenzen der ihnen eingeräumten Hoheitsrechte halten oder aus ihnen ausbrechen. t. 519 Kursivsetzung erfolgte durch den Verf.

Mehr als ein „Vertrag über eine Verfassung für Europa“ konnte daraus als Gesamtwerk nicht erwachsen. Auch war es dem Konventspräsidium laut K. M Sarran. nicht in einer „revolutionären“ Situation. die es zu ersetzen gilt. Die Bezeichnung des Vertrags als „Verfassung“ kann an dieser vom Bundesverfassungsgericht in seiner Maastricht-Entscheidung ausgesprochenen Behauptung nichts ändern. vorausgesetzt. Anders gesagt: über den Weg des Art. 55 der nationalen Verfassung heißt es: „Die ordnungsgemäß ratifizierten oder genehmigten Verträge oder Abkommen erlangen mit ihrer Veröffentlichung höhere Rechtskraft als die Gesetze. Conseil d’Etat. Oktober 1998. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch der Blick nach Frankreich. Damit ist aber auch ein Vorbehalt zum Vorrangsanspruch des EU-Rechts verbunden: nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung in Frankreich gilt diese „höhere Rechtskraft“ der internationalen Verträge den Verfassungsbestimmungen gegenüber nicht (vgl. . 55 der französischen Verfassung wird eine Unions-Verfassung aus der französischen nationalen Perspektive nie vor der nationalen Verfassung Vorrang haben. Juni 2000. Nach der französischen Rechtsprechung ist diese Bestimmung der Geltungsgrund des primären sowie des sekundären EG Rechts in der nationalen Rechtsordnung. in: Integration 4/2003. die einen Bruch mit dem bestehenden Recht oder eine Staatsgründung gestattet hätte. Mathieu et Verpeaux). In Art. 2000. sondern umgekehrt. 521 Ein Text mit lediglich (wenngleich zahlreichen) verfassungscharakteristischen Bestandteilen ist ebenso nur partiell „Verfassung“. Diese Tatsache ließe sich auch durch das Wort „Verfassung“ nicht korrigieren. 865. Nr. der wegen seiner überrissenen Dimension und der SprachFlexibilität ins System möglicherweise einfliessenden Kompetenz-Kompetenz der Europäischen Union abgewandt werden. 13. M. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Auch im Hinblick auf die Ausgangslage des Konvents ist einer unreflektierten Bezeichnung des Textes als „Verfassung“ mit Skepsis zu begegnen. 331 ff. Aufl. wie bereits angedeutet.).184 B. dass der Begriff „Verfassungsvertrag“ in der öffentlichen Diskussion zur „Verfassung“ verkürzt werden würde. 2.. Hänsch. S. unterschiedlichen Verfassungsverständnissen und unterschiedlichen Wahrnehmungen. was wiederum die Zustimmung aller Mitgliedstaaten erfordert. Mademoiselle Fraisse. Les Grands Arrêts de la Jurisprudence Administrative. Die ratifizierte EU-Verfassung könnte auch diesen Weg zur nationalen Rechtsordnung über den Art. 30. wie die bisherigen „Verträge“ entgegen ihrer Benennung und angesichts unbestreitbarer Verfassungselemente nur zu einem (wenngleich großen) Teil „Verträge“ im engeren Sinne sind. Anm. Ist das Verfassungsprojekt ein Turm zu Babel. Er sollte auf der Basis eines Mandats der Mitgliedstaaten der Europäischen Union sowie geltender internationaler Verträge arbeiten. Der Konvent – unkonventionell. S. K. Der Konvent tagte. Levacher et autres. Cour de cassation. 55 der französischen Verfassung nehmen. 113 . Hänsch durchaus bewusst. 2001. Auch hier mit unterschiedlichen Traditionshintergründen. dass die Abkommen oder Verträge von den Vertragspartnern angewandt werden“ (Übersetzung des Verf. europäische Debatte wider. Die Diskussion um die Bezeichnung des Konventstextes spiegelt im Ergebnis eine mittlerweile „typisch“ zu nennende. Nach wie vor wird die Geltung und die Anwendung von Europarecht in Deutschland „von dem Rechtsanwendungsbefehl des (zur Ratifizierung der ‚Verfassung‘ verabschiedeten) Zustimmungsgesetzes“ abhängen.. 334. 521 Vgl.

Die „Finalität“ der Union – ob Vereinigte Staaten von Europa 523 oder etwas anderes „sui generis“ – bleibt auf der Grundlage des Textes unbeantwortet. Vgl. das mit einem einheitlichen. das der Europäischen Gemeinschaft grundsätzlich die Verfassungsfähigkeit abspricht. Präambel und „Leitmotto“. (2) Inhaltliche Anmerkungen. Welche Bezeichnung man dem Papier schließlich gibt.II. Die Verfassung(svertrag)surkunde 524 unterscheidet sich freilich erheblich von früheren Verträgen der Europäischen Union und in vielerlei Hinsicht auch von Zum Verfassungsbegriff und Verfassungsverständnis ausführlich unter B. ist dann von sekundärer Bedeutung. das sich nicht in der Frage verliert. Daneben ein lediglich formales Verfassungsverständnis. kohärenten und einprägsamen Dokument zufrieden ist. zur Entflammung europäischer Herzen genügt das Dokument nicht. Das Mischwort „Verfassungsvertrag“ dürfte auch unter diesem Blickwinkel die angemessene Konsenslösung sein. Die „Vertiefung“ der Europäischen Union entwickelt sich weiter auf ihre traditionelle Weise. langsam. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 185 verwirrung zwar formell fertig gestellt erscheint. Immerhin sind Fortschritte gemacht worden. Zum dritten ein funktionelles Verfassungsverständnis (als insgesamt problemadäquatestes). Schritt für Schritt. Unausgesprochen oder lediglich schüchtern erwähnt blieb bislang der Umstand. denen das Verabschiedete entweder des Guten zuviel oder zu wenig ist. vielleicht für die Zukunft offensteht. unsicher über das Ziel. 523 522 . Plädoyer für eine „Europäische Gesprächskultur“ Obgleich Beethoven mit – von vielen als „Europa-Hymne“ apostrophierter – „Freude schöner Götterfunken“ bemüht wurde. T.II.f)nn). mühsam.R. sondern prinzipiell gegen. Mehr war realistischerweise nicht zu erwarten. die das eher lamentable Ergebnis des Gipfeltreffens von Nizza hinter sich lassen. während die „Erweiterung“ weiterhin (und bei aller politischen Ermüdung etwa angesichts des in mancherlei Hinsicht ernüchternden Beitritts Rumäniens und Bulgariens) große Sprünge macht. drei Ausgangsverständnissen 522 zugeordnet werden. The United States Of Europe: The New Superpower and the End of American Supremacy. solche. vereinfachend und zusammenfassend. Reid. 2005.2. Es ergänzt vielmehr in einem Mehrebenen-Modell die nationalen Verfassungen um eine supranationale „Hausordnung“ – unabhängig von den Ansichten um die Beschaffenheit des „Hauses Europa“. Die unterschiedlichen Vorstellungen können. dass das Produkt gerade nicht für die Ewigkeit gemacht und revidierbar ist. Zum einen das (national) staatszentrierte Verfassungsverständnis. aber faktisch nie diesen Status erreichen wird? Redeten letztlich alle vom Gleichen. ob mit der Organisation der Dinge zugleich eine wie immer geartete Staatlichkeit entstehe oder diese voraussetze. meinten jedoch Grundverschiedenes? Es wird stets Stimmen geben.

Die Aufgabe der eigenen Staatlichkeit der Mitgliedsländer ist keine Bedingung zur Erreichung dieser Ziele (und kann deshalb auch kein – und schon gar nicht das einzige – Kriterium für die Durchführung einer Volksabstimmung sein). 2000. 525 Sofern man den Beginn des Verfassungsschöpfungsprozesses nicht bereits in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts sehen will. Heintschel von Heinegg (Hrsg.b) aufgezeigt. die im 524 Zum Verfassungsvertrag ist ein vollständiger Kommentar erschienen. sind bisher angesichts der immanenten Komplexität wenig fruchtbar gewesen.IV. Europa vor der Krise?. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung nahezu allen Verfassungen. 6. die Kulturen und die Religionen bewahren und zukünftig leisten wollen. die man landläufig als historische Vorbilder heranziehen könnte. J. Im Gegenteil: es ist abzusehen. eindeutige Kompetenzabgrenzungskataloge zu entwickeln. die Regionen. Picaper. der zwar auf den Gedanken sowie einem Ensemble von Teilverfassungen (P. in: FAZ vom 8. je klarer und unzweifelhafter durch einen eindeutigen Kompetenzkatalog festgelegt wäre. und welche sie in Form einer mit den Mitgliedstaaten geteilten (oder konkurrierenden) Kompetenz wahrnehmen soll. nachdem der aktuelle Konvent ein originärer Vorgang ist. Handkommentar. 528 Doch Überzeugung allein führt in dieser Frage bis heute nicht weiter. 527 Damit sollte einer bisher „schleichenden“ Kompetenzaushöhlung regionaler und nationaler Kompetenzen durch die Europäische Union vorgebeugt werden. Vedder / W. 526 Möglichkeiten und Wege der Verfassungsänderung werden unter B.2. jedoch letztlich die gesamte Verfassungsgeschichte zur Grundlage nehmen müsste. in: Le Figaro vom 15. Der nunmehr vorliegende Entwurf einer europäischen Verfassung setzt hier keinesfalls einen Endpunkt. 2007. Im deutsch-französischen Dialog über diese Frage wurden zwischenzeitlich auch Teile des politischen Spektrums in Frankreich von der Notwendigkeit eines Kompetenzkatalogs überzeugt. um so größer wäre. dass sich die europäische Verfassung in den kommenden Jahren und Jahrzehnten mit viel höherer Frequenz verändern wird 526 als wir dies von anderen Verfassungen gewohnt sind. Ein weiterer Punkt: auf den ersten Blick ist das Argument einleuchtend. Verschiedene Versuche. 527 Siehe bereits W. Europäischer Verfassungsvertrag. Le RPR et l’UDF se rapprochent sur l’Europe. 2000. sich auf eine Europäische Verfassung einzulassen. sondern sie rekurriert auf das. Eine optimierte Organisation der „geteilten“ Kompetenzen zwischen europäischen und nationalen Behörden bleibt unabhängig von den Regelungen. Sie entsteht nicht nach einer historischen Katastrophe 525.186 B. dass die politische Bereitschaft. 528 Vgl. beispielsweise von deutschen Landesregierungen. nach einem verheerenden Krieg oder nach einer Revolution. welche Kompetenzen die Europäische Union ausschließlich. Häberle) und Errungenschaften des vergangenen halben Jahrhunderts aufzubauen weiß. 12. Schäuble.-P. . Darüber hinaus: in seinem evolutionären Charakter ist der Prozess der europäischen Integration einzigartig. nämlich C.). was ist und was die Nationen. Ein insgesamt abwegiger Gedanke.

Der Verfassungsentwurf des EU-Konvents. auch L. Die Akzentuierung der Repräsentativorgane (Könige?) ist weniger Endstadium als Einleitung eines erwünschten Devolutiveffekts. Auch die formulierten „Ziele der europäischen Einigung“ werden eher in trockener Sprache. Aber was hat dieser Dank in der Präambel einer Verfassung zu suchen. 531 Vgl. Bewertung der Strukturentscheidungen. ist wohl wahr. Kühnhardt. Eher ist hierin eine Aufforderung zur konkreten Ausgestaltung und Neubestimmung durch die europäische Bevölkerung zu sehen. 530 Vgl. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 187 Verfassungsvertrag gefunden wurden ein wichtiges Thema. auch U. Was der Dank an die „Verfassungsschöpfer“ in einer Präambel zu suchen meint. Guérot. sondern die von Schülern und Studenten in ganz Europa studiert wird. wenngleich die Diskussion über die fortwirkende Bedeutung des religiösen Erbes für die europäische Identität bemerkenswert lebendig und substantiell gewesen ist. entsprechend dem Kommuniqué-Stil von EUGipfeltreffen abgehandelt. 529 Einige Worte zur Präambel des Verfassungsvertrages: Ist die fehlende Nennung der Bürger in der Präambel nun ein rückschrittliches Element. noch vorhandene „gegen Europa“ zu verteidigen.“ wird auf absehbare Zeit kaum am Schluss einer evolutiven Stufenleiter stehen. Nicht nur erscheint der Bezug zum religiösen und geistigen Erbe Europas dürr 530. 28 ff. die Abkehr von mittlerweile gewohnten Verfassungselementen? Wohl nicht. 531 Der Präambeltext bewegt sich auffällig fern allen (auch literarischen) Schwunges sowie des gerne belächelten Pathos und Zielorientierung der amerikanischen Verfassung. hierzu unter C.. S. in: IP 2/2001. 532 Vgl. ebenda. Künhardt. Erforderlich ist im Wesentlichen eine klare Vereinbarung von Grundsätzen und Instrumenten für die Wahrnehmung politischer Verantwortung und für die Mitgestaltungsmöglichkeiten von nationalen (und subnationalen) Einheiten in der Europa-Politik.II..: „Dass den Verfassungsschöpfern Dank gebührt. wo die politische Verantwortung themenbezogen am geeignetsten ausgeübt würde. den Kompetenzkatalog dazu zu nutzen. 2003. um Auskunft über die Frage zu bekommen. Ein europäisches „We the People . verloren geglaubte Kompetenzen zurück zu gewinnen bzw. und dies relativ unabhängig von der eigentlich wichtigen Frage. S. 6 f. 529 . was die politische Identität Europas bedeutet?“ 532 Siehe aber L. bleibt das – uneitlen Erwägungen wohl nicht gänzlich ferne – (Er-)Schöpfungsrätsel der Konventsmitglieder. Eine Verfassung für Europa – Neue Regeln für den alten Kontinent?. die nicht nur politischen Akteuren als Referenzpunkt dienen soll. Die Präambel ist im Vergleich zu manch anderen Verfassungstexten wenig eindrucksvoll ausgefallen. würde freilich zu weit führen. In der Konsequenz einen Verzicht auf die Präambel zu erwägen und den Verfassungstext stattdessen unmittelbar mit der Evokation der Grundrechte in der Europäischen Union beginnen zu lassen. Die Gefahr aber lag und liegt stets darin. ZEI Discussion-Paper.II.

2001. deren zentrale Stellung innerhalb der Verfassungsdebatte lassen angesichts der integritätsstiftenden Wirkung einer Währung diese Beobachtung umso evidenter erscheinen. konnte erst in Kraft treten. Der Verfasser dieser Zeilen erhebt den bislang vereinzelten und schüchternen Ruf. In den einzelnen Staaten sind noch durchaus Mangelerscheinungen an der erforderlichen politischen Substruktur. das Konventspräsident Giscard d’Estaing in letzter Minute für den Text der Präambel einbrachte: „In Vielfalt geeint“ (es wird in Artikel IV-1 VerfV: „Die Symbole der Union“ wiederholt). Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Gelungen ist allerdings das Motto.“ war einer der wichtigsten Punkte der „inneren Reichsgründung“ erreicht. zum (wenngleich stets zu überprüfenden und höchstens im Hinblick auf eine erfolgreiche Implementierung des Verfassungsvertrages geltenden) Leitmotto der Europäischen Union auf Jahre und Jahrzehnte hinweg zu werden. wenn er von den Unterzeichnerstaaten angenommen beziehungsweise ratifiziert wurde. Diese Floskel besitzt durchaus Chancen. ob Europa bereits reif ist. Es stellt sich freilich die Frage. die „Europäische Gesprächskultur“ nachhaltig zu fördern.. Allein das „Dogma“ der Integration.188 B. gilt es im besonderen Maße. 1873 ein Münzgesetz erließ und dort erklärte „An die Stelle der in Deutschland geltenden Landeswährungen tritt die Reichsgoldwährung . Die vordergründigen Barrieren der Vielsprachigkeit und gelegentlich diametraler Interessen in nahezu allen Politikbereichen müssen dabei weniger als unüberwindbare Begrenzung denn vielmehr als Sprungbrett zu einem ehrlichen interkulturellen Dialog mit dem Ziel einer auf gemeinsamen Werten basierenden Verfassungsgemeinschaft empfunden werden. die Devise „In Vielfalt geeint“ eines Tages – in lateinischer Fassung – auch auf den EURO-Geldscheinen lesen können. 533 Siehe zu dieser Argumentation auch D. Weshalb sollte man also nicht auch die Währung als „Transporteur“ von Kernbotschaften nutzen? Das Beispiel der USA („In God We Trust“ – auf allen Geldscheinen) ist diesbezüglich wegweisend. der alle derzeitigen europäischen Verträge durch einen einzigen Rechtsakt ersetzen sollte. rr) Elemente einer Ratifikationskrise Ein vordergründig trivialer Vorgang entwickelte sich nunmehr zur nahezu unüberwindbar erscheinenden Hürde: der Verfassungsvertrag. sich eine Verfassung zu geben. Grimm. . Die Verfassung und die Politik. 7. zur Forderung. Zumindestens in der Perzeption der Bevölkerung kann die Etablierung einer Währung – wie auch der Verzicht – den „Verfassungsbestätigungsprozess“ begleiten. Der Ratifizierungsprozess sollte ursprünglich in allen Mitgliedsstaaten bis November 2006 abgeschlossen sein. Als das neue Deutsche Reich am 9.. insbesondere an den Voraussetzungen für eine echte politische Kommunikation auf europäischer Ebene zu beobachten. 533 Um die Kommunikationshemmnisse zu überwinden.

2003. 535 Vgl. Eine Reihe von Referenda wurde über Aspekte der konstitutionellen Vertiefung der europäischen Integration abgehalten. 537 534 Vgl. auch S. sowie L. 737 ff. S. A. Europas Verfassung nach der Regierungskonferenz. In drei Mitgliedsstaaten stand die Methode der Annahme noch nicht fest. auf Europa bezogenen Referenden können diesen Minderheitenschutz nicht leisten. K. konnten in weiteren zwölf Ländern grundsätzlich die nationalen Parlamente die Verfassung ratifizieren. SWP-Papier. Herausforderungen der repräsentativen Demokratie. 536 In einem „europäischen Verfassungsreferendum“ müsste verfahrensmäßig der föderale Aspekt zum Tragen kommen. Schunz. Dies kulminierte schließlich in den ablehnenden Referenda in Frankreich und den Niederlande. Ein Referendum entschied über den Beitritt anderer Länder. 2003 sowie 2004. IRI Europe Country Index on Citizenlawmaking. Seit dem Abschluss der Einheitlichen Europäischen Akte 1986 ist dies ein Indikator dafür geworden. in: integration 30/2007. Europäische Paradoxien – ein Kommentar zur Lage der EU. Es dürfte nicht nur auf die Zustimmung der gesamten europäischen Bürgerschaft ankommen. Hölscheidt / I. S. 535 Unterschieden werden muss dabei zwischen verschiedenen Typen: bindende und nichtbindende Referenda. Allerdings: ein gesamteuropäisches Referendum (gar mit dem geschilderten föderalen Mechanismus) bleibt utopisch.). Goulard. die von Regierungen.). Darüber hinaus traf der Verfassungsvertrag in zahlreichen Ländern weiterhin auf Widerstand und Ablehnung in Gesellschaft und Politik. Die Frage nach der konstitutionellen Legitimität einer vertieften Integration stellt sich überhaupt nur dort. S. Vgl. Pijpers. in: DÖV 18 (2003). um die Majorisierung von Bürgern kleiner Mitgliedstaaten (deren auch-nationale Identität zu respektieren ist) zu verhindern. Referendums in Global Perspective. 536 Bisher haben über 40 Referenda über Aspekte der Weiterentwicklung der europäischen Integration stattgefunden. 2003. Putz. Einige betrafen die Frage des Beitritts – oder der Fortsetzung der Mitgliedschaft – eines Landes zum europäischen Einigungsprozess in seiner jeweiligen Form oder zur verstärkten bilateralen Kooperation mit der Europäischen Union. The Politics of Direct Democracy. hierzu IRI Europe (Hrsg. 449 ff. und Referenda mit Wirkung auf den EU-Prozess insgesamt. Die bloß parallelen nationalen.II. Referenden in Europa. und solche. die von der jeweiligen Opposition eingebracht worden sind. A Report on Design and Rating of the I&R Requirements and Practices of 32 European States. S. S. 2003. Ratifikation durch Referendum. Zu der Diskussion in den Niederlande A. dass die europäische Integration auf die Identität ihrer Mitgliedsstaaten zurückwirkt.. 534 Referenda zu Fragen der europäischen Integration sind freilich kein Novum. Maurer / S. Referenda mit Wirkung auf das Land. sondern es wäre auch die regionale Verteilung der Zustimmung zu berücksichtigen. Schmitt (Hrsg. das das Referendum durchführt. in: integration 30/2007. 20 f. . Neue Nüchternheit und kritische Öffentlichkeit – die Niederlande und die europäische Integration. LeDuc. Referenda. 503 ff. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 189 Zunächst gab es lediglich differierende Annahmeverfahren und einige Unklarheiten zu konstatieren: während in zehn Mitgliedsstaaten die Ratifizierung per Referendum stattfinden sollte. wo der nächste politische Schritt tatsächlich eine Vertiefung des Integrationsprozesses bedeutet.

539 Vgl. Auf dem Weg zu einem europäischen Verfassungspatriotismus.190 B. Der Prozess der Ratifizierung einer europäischen Verfassung ist ebenso Teil der Formierung einer europäischen Öffentlichkeit. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Über den Ausgang der Referenda über den Verfassungsvertrag ließen sich anfangs nur schwerlich klare Prognosen anstellen (was für das „französische Referendum“ 2005 nur beschränkt galt). dass der Urnengang für innenpolitische Zwecke instrumentalisiert würde (Frankreich. vor allem nicht mit Blick auf Länder mit einer europaskeptischen Grundströmung wie Großbritannien oder Dänemark. wenn das Einigungswerk insgesamt in eine Sackgasse zu geraten droht. dass ein Land nicht die ganze Europäische Union zur Geisel nehmen dürfe. dass in einer solchen Situation in einigen Ländern der EU die Referendumsfrage virulent wurde – und bei der europäischen Verfassung wieder virulent geworden ist. Dies war letztlich der – sowohl integrationstheoretisch wie auch demokratietheoretisch nachvollziehbare – Grund. wo im ersten Anlauf der Vertrag von Nizza verworfen wurde. Es ist nicht verwunderlich. In beiden Fällen obsiegte ein gewisser Sinn für Pragmatismus. im irischen Fall die demokratietheoretische Logik des zweiten Referendums. L. geht es um die Übertragung nationalstaatlicher Souveränität auf die EU. Juli 2004: „Wo dies der Fall ist. Kühnhardt (2004). 16. 539 Die Architekten des EU-Verfassungsvertrags haben mögliche Pannen beim Ratifizierungsprozess nicht wirklich bedacht. Niederlande!). in: NZZ. verbunden mit deutlichen Worten von außen. Im irischen Fall – bei dem doppelten Votum der Iren zum Vertrag von Nizza – wurde das zweite Votum nach einer Periode des Wartens angesetzt. 537 . Sie rückt Prognosen in das Licht der Öffentlichkeit. wie die Erarbeitung des nun zur Abstimmung stehenden Textes selbst es gewesen ist. Andere Staaten votierten schon in früheren Fällen – und auch jetzt wieder – für die primäre Verantwortung ihrer frei gewählten und dadurch entsprechend zur Abstimmung mandatierten Parlamente. Die Debatte über die Ratifikationsprozedur war und ist in sich selbst ein Teil des Diskurses zur europäischen Verfassung. 538 Schließlich sollte der weitere „Abstimmungskampf“ um die EUVerfassung weiterhin maßgeblich von der „Türkei-Frage“ beeinflusst werden. Im dänischen Fall wurde die integrationspolitische Logik des erzielten Kompromisses kritisiert. Was in einem solchen Fall konkret Vgl. In den als integrationsfreundlich geltenden Ländern wiederum bestand die berechtigte Gefahr. der in der Europäischen Union offenbar vor jeder Form von Purismus immer dann obwaltet. Kühnhardt. L. die mit gewisser stereotypischer Kontinuität über die Haltung einzelner Völker zum europäischen Einigungswerk gemacht werden.“ 538 Die zweifachen Abstimmungen in Dänemark (1992 und 1993) und Irland (2001 und 2003) über den konstitutionellen Fortgang des Integrationsprozesses ragten bis zu den „schwarzen Tagen“ in Frankreich und den Niederlande tatsächlich aus dem Kontext der Erfahrungen mit Referenden zu Fragen der europäischen Integration heraus: In beiden Fällen hatte das Votum eines Mitgliedslandes Auswirkungen für alle anderen Mitgliedsländer und ihren Integrationswillen. Dies geschah bereits in Irland. das in den frühen neunziger Jahren schon einmal den Aufstand geprobt und zunächst den Vertrag von Maastricht abgelehnt hatte. Im Falle Dänemark geschah dies nach Konzessionen an die dänischen Kritiker des Maastricht-Vertrages („opting out“-Klauseln). warum in beiden Fällen ein zweites Referendum angesetzt wurde.

II. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung

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geschehen sollte, stand gänzlich offen. Entschieden (und mittlerweile revidiert) war lediglich, dass sich die Staats- und Regierungschefs bei „Schwierigkeiten“ in einem oder mehreren Mitgliedstaaten und unter der Voraussetzung, dass zwei Jahre nach Unterzeichnung, also im Oktober 2006, mindestens 80 Prozent der Länder den Verfassungsvertrag ratifiziert haben, der „Frage“ annehmen würden. Fazit: Der Europäischen Union stand eine Zitterpartie bezüglich ihrer Verfassung bevor, bestenfalls keine Periode integrationspolitischer Wirrnis und Konfusion (was angesichts des Beginns der Beitrittsverhandlungen mit der Türkei (sowie mit Kroatien) am 3. Oktober 2005, der Debatte um Rumänien und Bulgarien sowie der Perspektive des restlichen westlichen Balkans („Thessaloniki goals“) eher illusionär sein sollte). Nach dem Scheitern der Referenda in Frankreich und den Niederlanden sprachen sich viele Politiker, Kommentatoren und Wissenschaftler für eine „Rettung“ des Vertrages aus, dessen baldiges Inkrafttreten realistischerweise unwahrscheinlich war. Sowohl die französische wie die niederländische Regierung häten bei einer zeitnahen neuen Abstimmung „politischen Selbstmord“ begangen. Der Vorwurf des Ignorierens des Wählerwillens wäre allenfalls dann überwindbar, wenn das unbedingte Festhalten am Verfassungsvertrag innerhalb der Europäischen Union eine breite Unterstützung fände. Diese ist bis heute weder auf EU-Ebene noch in den Mitgliedstaaten auszumachen. Zudem war insbesondere in Großbritannien und Irland ein klares „Ja“ nicht zu erwarten. Folglich dachten Viele über mögliche Alternativen nach. Es wurde eine ganze Reihe von „Plan B-Optionen“ diskutiert 540: eine umfassende Neuverhandlung, der „cherry-picking-Ansatz“ (sog. Nizza-Plus), ein Zusatzvertrag zum geltenden Vertrag von Nizza in der Form eines Verfassungsvertrages light oder eines Änderungsvertrages, ein Europa der zwei Geschwindigkeiten mit den beiden Optionen eines freiwilligen Austritts der Nichtratifizierer oder der Gründung einer neuen Union, die Beibehaltung des primärrechtlichen Status quo sowie die erneute Reform der europäischen Verträge in einigen Jahren im Sinne einer „Verfassung II“. Einige der Alternativvorschläge stellten keine reelle Option dar. Aber auch die übrigen konnten nur „second-best-Lösungen“ anbieten, da sie stets mit gewissen Einschränkungen oder Hindernissen verbunden sind. Welcher der diskutierten
540 Vgl. umfassend und m.w. N. B. Thalmaier, Nach den gescheiterten Referenden: Die Zukunft des Verfassungsvertrages, C.A.P.-Analyse, 2005; siehe auch C. Closa, Ratifying the EU-Constitution: Referendums and their Implications, 2004. Vgl. auch D. Göler / H. Marhold, Die Zukunft der Verfassung – Überlegungen zum Beginn der Reflexionsphase, in: integration 28/2005, S. 332 ff.; D. Göler/ M. Jopp, Die europäische Verfassungskrise und die Strategie des „langen Atems“, in: integration 29/2006, S. 91 ff.; B. Laffan / I. Sudbury, Zur Ratifizierungskrise des Verfassungsvertrages – drei politikwissenschaftliche Lesarten und ihre Kritik, in: integration 29/2006, S. 271 ff.; D. Thym, Weiche Konstitutionalisierung – Optionen der Umsetzung einzelner Reformschritte des Verfassungsvertrages ohne Vertragsänderung, in: integration 28/2005, S. 307 ff.

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B. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung

Plan B-Optionen auch immer im Rahmen des Vertrages von Lissabon zum Tragen käme, die Ratifikation sollte nur gestoppt werden, wenn eine klare Alternative vorhanden ist, die ambitioniert genug ist, die EU-27 demokratischer und effizienter zu gestalten. Der Ausgang der Referenden belegt ein „So geht es nicht weiter!“. Ein schlichtes Einstellen der Bemühungen um Reformen und ein Weitermachen wie bisher kommen nicht in Betracht. Den Verfassungsvertrag bzw. nunmehr den Vertrag von Lissabon zu „begraben“, ist daher keine tragfähige Option. Die Staats- und Regierungschefs hatten schließlich auf dem EU-Gipfel am 16. / 17. Juni 2005 in Brüssel beschlossen, bis zum Ende der österreichischen Ratspräsidentschaft im Juni 2006 eine „Phase der Reflexion“ im Prozess der Ratifizierung des Vertrages über eine Verfassung für Europa einzulegen. 541 Die Fortsetzung des Ratifikationsprozesses wurde dadurch nicht Frage gestellt, zeitlich ist er aber zunächst bis Mitte 2007 verlängert worden. Infolgedessen hatten Großbritannien, Portugal, Polen, die Tschechische Republik, Dänemark, Irland, Schweden und Finnland ihre nationalen Ratifikationsverfahren auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Schließlich ein grundsätzlicher Gedanke: Ein einmaliger, punktueller Akt kann eine Verfassung ohnehin nicht legitimieren. Denn dieser bezieht sich immer nur auf den Status quo. Wenn sich Verfassungsinhalte nicht bewähren oder wenn sich die Umstände ändern, dann bringt die vergangene einmalige Zustimmung letztlich nichts. Für die nachfolgenden Generationen, die unter dieser Verfassung leben müssen, hat dieser Akt – wenn es auf die Zustimmung der Bürger ankommen soll – ohnehin keine Legitimationswirkung. Ein Umstand, der bereits Ende des 18. Jahrhunderts von Republikanern und Jakobinern erkannt worden ist. Demzufolge wird eine Verfassung weniger durch die Art und Weise ihrer „Erzeugung“ legitimiert als über ihre – nur ex post feststellbaren – Leistungen und kontinuierliche Akzeptanz. 542 3. Drei Folgerungen In der Absicht, abschließend die Geschichte Europas als Ganzes in den Blick zu nehmen, ergeben sich aus dieser (limitierten) tour d’horizon einige Folgerungen, die gleichzeitig einer weitergehenden interdisziplinären Bearbeitung bedürften. Zum einen: Die Geschichte Europas ist in weiten Teilen ihre eigene Rezeptionsgeschichte. Die longue durée ist ein Zivilisationsprozess, der in hohem Maße aus
541 Diese Reflexionsphase wurde auf dem Gipfel Ende Juni 2006 nunmehr erneut verlängert. 542 Die unbestrittene Legitimität des deutschen GG, das bekanntlich an diversen „Geburtsmakeln“ litt, illustriert diese These, vgl. zu alledem auch A. Peters, Stellungnahme, in: G. Kreis (Hrsg.), Der Beitrag der Wissenschaften zur künftigen Verfassung der EU. Interdisziplinäres Verfassungssymposium anlässlich des 10 Jahre Jubiläums des Europainstituts der Universität Basel. Basler Schriften zur europäischen Integration, Nr. 66, 2003, S. 24 ff.

II. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung

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Traditionswahrnehmungen gespeist wird. Für Europa gilt, was B. Anderson über die Nationen gesagt hat: Es ist eine „imagined community“, besteht also, wenn es besteht, vor allem in den Köpfen der Menschen. 543 Möglicherweise, das wäre das zweite Ergebnis, ließe sich das analytische Instrumentarium für eine Verfassungsgeschichte Europas verfeinern. Das oft genutzte Begriffspaar Rationalisierung und Modernisierung als Leitfaden einer europäischen Geschichte ist für sich alleine eine zu grobe und übrigens auch zu vieldeutige Kategorisierung, um zur Beschreibung einer Langen Dauer der abendländischen Zivilisation zu taugen. Hilfreicher als ein lineares Fortschrittsmodell wäre eines, das an jedem Zeitpunkt der Entwicklung auch die dazugehörige Reflexion über diese Entwicklung einbezöge: welche historischen Weltbilder liefern den Wahrnehmungs- und Urteilsrahmen, innerhalb dessen sich die Entwicklungsschritte vollziehen? Welche kollektiven Erinnerungen, welche Vorbilder, welche Mythen, welche Metaphern, welche rückwärtsgewandten Utopien bilden die „Folie“, auf deren Hintergrund der Prozess der Zivilisation abläuft? Erst wenn der Zusammenhang zwischen Logos und Mythos, zwischen Zukunftsentwurf und Vergangenheitsbild hergestellt sein wird, kann man die lange Renaissance Europas, die Verwestlichung des Abendlandes angemessen beschreiben und damit der Verfassungsgeschichte einen tatsächlich würdigen Rahmen ermöglichen. Im übrigen wird – drittens und letztens – ersichtlich, dass es nicht ausreicht, einzelne Epochen der europäischen Geschichte jeweils für sich zu betrachten und zu analysieren. In jeden Zeitpunkt ist die ganze europäische Vorgeschichte mit eingeschlossen und muss jeweils mitgedacht werden, und zwar zugleich auf zwei Ebenen: Als Realgeschichte wie als mythisch vermittelte Vergangenheitswahrnehmung, als welche sich Geschichte in dauernder Verwandlung ständig wiederholt. 544 Der tiefste Grund für den Aufstieg wie auch für die Gefährdung Europas liegt vielleicht in dieser immerwährenden Suche nach der verlorenen, der geahnten und erhofften aurea aetas.

543 B. Anderson, Imagined Communities. Reflections on the Origin and Spread of Nationalism, 1983. 544 Namentlich Letzteres spricht übrigens gegen das Verfahren namhafter Historiker, die Antike aus der europäischen Geschichte auszugrenzen und Europa irgendwann zwischen Spätantike und Hochmittelalter entstehen zu lassen, vgl. nur H. Pirenne, Geschichte Europas. Von der Völkerwanderung bis zur Reformation, 1956; D. Gerhard, Das Abendland 800 –1800. Ursprung und Gegenbild unserer Zeit, 1981; F. Heer, Europäische Geistesgeschichte, 1953; A. Mirgeler, Revision der europäischen Geschichte, 1971. Tatsächlich reicht die Antike als historisch wirkende Kraft bis in unserer Gegenwart, ist also auch Neueste Geschichte, und zwar in erster Linie in Gestalt ihrer Verwandlungen, die sie im Laufe der Zeit in den Köpfen und Herzen der Menschen durchgemacht hat.

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B. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung

III. Der Einfluss der amerikanischen Verfassung und des Verfassungsverständnisses auf europäische Rechtskultur(en), Rechtskulturzusammenhänge
Amerikanische Verfassungsprinzipien und -elemente waren in den vergangenen, annähernd zweieinhalb Jahrhunderten einer weitreichenden Rezeption in Europa unterworfen. 545 Durch Rousseau waren im vorrevolutionären Frankreich demokratische Ideen lebendig geworden. Die Physiokraten erhoben die Forderung nach Freiheit wirtschaftlicher Betätigung und Niederhaltung staatlicher Einmischung. 546 Zeitgleich war in Amerika die Verbriefung solcher Freiheiten in Grundrechtskatalogen nur eine Kodifizierung von bereits weitgehend geltenden Grundsätzen in der damaligen Verfassungswirklichkeit. Das revolutionäre Frankreich stand angesichts der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte vor einer gänzlich unterschiedlichen politischen wie verfassungsrechtlichen Situation. 547 Lafayette wurde jedoch maßgeblich durch die Bill of Rights of Virginia angeregt, in der französischen Constituante den Antrag für eine Erklärung der Menschenrechte zu erlassen. Und wieder führt die Spur zu Jefferson, der angesichts seiner Mitwirkung an dem eingebrachten Entwurf 548 tatsächlich zum Grenzgänger zweier Verfassungswelten wurde und wohl als der eigentliche „Pionier transatlantischer Verfassungsrezeption“ bezeichnet werden muss. In Frankreich betonte man im kosmopolitischen Geist der Aufklärung die Gemeinsamkeiten zwischen den beiden „Revolutionen“. Die amerikanischen Verfassungen erschienen in französischen Übersetzungen und Lafayette verehrte seinem Freund Washington in einer symbolischen Geste den Schlüssel der Bastille. 549

545 Dazu etwa H. Steinberger, 200 Jahre amerikanische Bundesverfassung, 1987, S. 1 ff., 23 f.; B. Pieroth, Amerikanischer Verfassungsexport nach Deutschland, in: NJW 1989, S. 1333 ff. 546 Vgl. D. Klippel, Der Einfluss der Physiokraten, in: Der Staat 1984, S. 205 ff. 547 Dazu umfassend W. Rees, Die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789, 1912 (Neudr. 1968); S.-J. Samwer, Die französische Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789/91, 1970. 548 Diese Konstellation beschreibt O. Vossler, Studien zur Erklärung der Menschenrechte, in: R. Schnur (Hrsg.), Zur Geschichte der Erklärung Menschenrechte und Grundfreiheiten, 1964 (2. Aufl. 1974), S. 166 ff., S. 193 ff. Die amerikanischen Revolutionsideale in ihrem Verhältnis zu den europäischen beschreibt ebenfalls O. Vossler in seiner gleichnamigen Monographie (1929). 549 Zu den wechselseitigen Wirkungen der Französischen Revolution und der Amerikanischen Revolution auf das Frankreich und Amerika des ausgehenden 18. und frühen 19. Jahrhunderts vgl. J. Heideking, Geschichte der USA, 2. Aufl. 1999, S. 79 ff.

III. Der Einfluss der amerikanischen Verfassung

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Insbesondere das US-amerikanische Prinzip der Verfassungskontrolle ist im Europa des 19. Jahrhunderts stellenweise rezipiert worden. Portugal, Griechenland und Norwegen übernahmen sogar die Grundzüge des amerikanischen Vorbilds. 550 Das Präsidialsystem hat – in Konkurrenz zum System mit Premierminister – weltweite Verbreitung gefunden. Ebenso die Verfassungsgerichtsbarkeit.
„[T]he Federalist Constitution has proved to be a brilliant success, which unitary nation states and parliamentary democracies all over the world would do well to copy. I give it most of the credit for the fact that ours is the wealthiest, most technologically advanced, and most socially just society in human history, not to mention the fact that we have with ease become a military superpower. [...] The rest of the world is quite rightly impressed with us, and it is thus no accident that the United States of America has become the biggest single exporter of public law in the history of humankind. Almost wherever one looks, written constitutions, federalism, separation of powers, bills of rights, and judicial review are on the ascendancy all over the world right now – and for a good reason. They work better than any of the alternatives that have been tried.“ 551

Die triumphalen und schwerlich bescheiden zu nennenden Zeilen Calabresis sind beredtes Zeugnis für ein amerikanisches Selbstverständnis, dass neben aller gelegentlichen Hybris doch in einem tatsächlich fruchtbaren „VerfassungsNährboden“ wurzelt. 552 Freilich: Die Unabhängigkeitserklärung von 1776 und die amerikanische Bundesverfassung von 1787 zählen zu den wichtigsten Innovationen für den westlichen Staatsbildungsprozess überhaupt. Uralte Gegenseitigkeitsprinzipien fanden auf der Grundlage allgemeiner Volkssouveränität eine Transformation in modernes Selbstbestimmungsrecht. Eine Nation gründete sich mittels einer Verfassungsurkunde erstmalig selbst, einer Verfassung, die wie oben kursorisch ausgeführt auch inhaltlich innovativ war – eigentlich weniger durch die Verankerung der Gewaltenteilung als in der Errichtung eines Bundesstaates mit klar aufgeteilter Souveränität. 553 Die – regelmäßig in einem fundamentalen Verfassungsgesetz rechtlich fixierte – Verfassung ist konstitutives Merkmal des modernen politischen Gemeinwesens. Der moderne Konstitutionalismus wiederum erwächst den großen Revolutionen des ausgehenden 18. Jahrhunderts. In vielerlei Gestalt hat die „Konstitutio550 Vgl. M. Fromont, La justice constitutionelle dans la monde, 1996, S. 15; R. Grote, Rechtskreise im öffentlichen Recht, in: AöR 126 (2001), S. 10ff, 49. 551 S.G. Calabresi, An Agenda for Constitutional Reform, in: W.N. Eskridge / S. Levinson (Hrsg.), Constitutional Stupidities, Constitutional Tragedies, 1998, S. 22. 552 Etwas nüchterner in der Betrachtung B. Ackerman, The New Separation of Powers, in: 113 Harvard L. Rev. (2000), S. 633 ff. 553 Tatsächlich gelang es mit der North West Ordinance 1787, das weitere Wachstum der Nation verbindlich vorzuprogrammieren, eine gänzlich neuartige, rationale Planung des politischen Prozesses.

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B. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung

nalisierung der Herrschaft“ (D. Grimm) 554 seither die historisch-politische Welt geprägt und darüber hinaus im Zuge der Globalisierung der Politik die nichtwestlichen Gesellschaften erfasst. Dort, wo seiner Grundidee nach der moderne Begriff der Verfassung als „Ordnung des Politischen“ 555 konzipiert wird, wird gleichzeitig ein zentraler Sinngehalt der politischen Kultur ausgedrückt. In diesem Kontext entspringt der modernen Verfassung eine Mehrfachfunktion: zum einen deutet sie ihrer symbolischen Funktion entsprechend die Ordnungsgehalte der politischen Kultur der Gesellschaft und normiert dieselben. Gemäß ihrer instrumentellen Funktion liefert sie zudem das (Spiel-)Regelwerk für die politischen Prozesse des politischen Systems. Als „quasi-kanonischer Text“ steht sie einmal für eine Hermeneutik der gesellschaftlichen Existenz mit einem Verbindlichkeit fordernden Geltungsanspruch. Zum anderen ist sie Anker- und Kristallisationspunkt für einen permanenten hermeneutischen Prozess der Interpretation der durch sie verbürgten Prinzipien im Medium der politischen Deutungskultur der Gesellschaft. Wo ein Interpretationsmonopol der Verfassungsgerichtsbarkeit zukommt, hat sich eine in sich stets kontroverse Tradition der Verfassungshermeneutik herausgebildet, die unter modernen kulturhermeneutischen Vorzeichen zu analysieren ist bzw. wäre. 556

Vgl. D. Grimm, Die Zukunft der Verfassung, 1991. Dazu weitergehend in U.K. Preuß (Hrsg.), Zum Begriff der Verfassung, 1994. 556 Es entspricht der hier vorgeschlagenen Problemstellung, dass sowohl an die Resultate der historisch und vergleichend ausgerichteten Forschungen zum Konstitutionalismus als auch an die jeweilige nationale Verfassungsgeschichtsschreibung anzuknüpfen ist. Hierbei liegt das Gewicht in der Regel auf der Behandlung des westlichen Konstitutionalismus. Bezeichnend ist, dass der von K. Löwenstein in seiner Verfassungslehre (1959) konzipierte historisch-vergleichende Ansatz erst in den vergangenen Jahrzehnten wiederaufgenommen wurde. Ein Grund hierfür mag darin zu sehen sein, dass der Strukturfunktionalismus als dominante Richtung der „comparative politics“ die Verfassungsfragen marginalisierte. Die Arbeiten von J. Elster / R. Slagstat (Hrsg.), Constitutionalism and Democracy, 1988, D. Grimm, Die Zukunft der Verfassung, 1991, U.K. Preuß (Hrsg.), Zum Begriff der Verfassung, 1994, J. Gebhardt/ R. Schmalz-Bruns (Hrsg.), Demokratie, Verfassung und Nation, 1994, A. Kimmel (Hrsg.), Verfassungen als Fundament und Instrument der Politik, 1995 und H. Vorländer, Die Verfassung. Idee und Geschichte, 1999, haben in unterschiedlicher Perspektive die Bedeutung des Konstitutionellen für die moderne Staatlichkeit erneut thematisiert. Die Problemstellung der Hybridisierung und Indigenisierung konstitutioneller Formen wurde erst in der neueren Forschung als ein eigenständiger Untersuchungsgegenstand begriffen (Y. Mèny (Hrsg.), Le Politiques du mimétisme institutionel, 1993; W. Reinhard (Hrsg.), Verstaatlichung der Welt, 1998). Hier ist insbesondere auf die regionalspezifische verfassungsgeschichtliche Forschung zu islamischen (aus der Lit. M. Bayat, The Constitutionalization of Power in Shia Iran, in: J. Gebhardt (Hrsg.), Verfassung und politische Kultur, 1999; dies., Iran’s First Revolution, Shi’ism, and the Constitutional Revolution, 1991; H.G. Ebert, Die Interdependenz von Staat, Verfassung und Islam im Nahen und Mittleren Osten in der Gegenwart, 1991; A. Schirazi, The Constitution of Iran, 1997) und ostasiatischen (K.J. Antoni, Der himmlische Herrscher und sein Staat, 1991; W. Seifert, Verfassung und Politische Kultur am Bespiel der Meiji-Verfassung von 1889,
555

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III. Der Einfluss der amerikanischen Verfassung

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Der in der amerikanischen Revolution formulierte Katalog konstitutioneller Ordnungsprinzipien wurde schon im Verlauf des „westlichen“ Konstitutionalisierungsprozesses jeweils unterschiedlichen historisch-politischen Formensprachen unterworfen, woraus durch Verschmelzung von Eigenem und Fremdem eine Vielfalt der Verfassungskulturen resultierte. Letztlich ein dynamischer Prozess der Übernahme, Umformung, Anpassung und Umdeutung konstitutioneller Paradigmata. 557 Diese verschmolzenen, hybriden Formen des institutionellen Mimetismus erwiesen sich durchaus als exemplarisch für Staaten Lateinamerikas, Afrikas und Osteuropas. 558 Im Iran, in Japan und der Türkei bedienten sich unterschiedliche Reformbewegungen aus dem Fundus des westlichen Konstitutionalismus, um indigene politische Ausprägungen der gesellschaftlichen Existenz zu entwickeln. Die Rezeption des Konstitutionalismus in den „nicht-westlichen“ Zivilisationen resultierte im Wesentlichen jedoch nicht in einer Modernisierung durch Verwestlichung, sondern in einer Entfaltung pluraler Formen der Modernität, in denen die jeweiligen eigenen historischen Traditionen oftmals in der Begegnung mit westlichen konstitutionellen Formen eine indigenisierte konstitutionelle Politik generierten, die in den Strukturen analog, aber nicht identisch zu bzw. mit dem westlichen Modell sind. 1. Die Vereinigten Staaten von Amerika – ein Faktor des europäischen Einigungsprozesses Es wäre trotz aller (regelmäßig wiederkehrender) Friktionsfelder falsch, die historisch fördernde Rolle der USA im europäischen Einigungsprozess wegzudiskutieren und die strategische wie gesellschaftliche Bedeutung eines gut funktionierenden, transatlantisch partnerschaftlichen Verhältnisses zu unterschätzen. 559
in: J. Gebhardt (Hrsg.), Verfassung und politische Kultur, 1999, S. 139 ff.; M. Schmiegelow, Democracy in Asia, 1997) Gesellschaften zu verweisen. 557 Von Y. Mèny (Hrsg.), Le Politiques du mimétisme institutionel – La greffe et le rejet, 1993 im Vorwort als „mimètisme constitutionel“ bezeichnet. 558 Während Hybridisierung für jeden Fall der Verfassungsübernahme charakteristisch ist, gilt für den Fall eines gelungenen Konstitutionalisierungsprozesses, dass die mimetische Anverwandlung der institutionellen Form an die geschichtlich-kulturellen Vorgänge, d. h. die Indigenisierung des Konstitutionalismus in einer politischen Kultur gebunden ist. 559 Zustimmung verdient G. Burghardt, Die Europäische Verfassungsentwicklung aus dem Blickwinkel der USA, Vortrag an der Humboldt-Universität zu Berlin am 6. Juni 2002, abgedruckt in: Walter Hallstein-Institut für Europäisches Verfassungsrecht (Hrsg.), Die europäische Verfassung im globalen Kontext, 2004, S. 41 ff., 41, der hinsichtlich des derzeitigen transatlantischen Verhältnisses feststellt: „Indessen gleicht das Verhältnis der USA und der EU einer langjährigen partnerschaftlichen Beziehung, die beide Partner als so selbstverständlich ansehen, dass sie sich über den Grad der Belastbarkeit beim Austragen von Streitigkeiten keine Sorgen zu machen glauben. Das ‚taking for granted‘ aber ist ein schleichendes Gift, das die soliden Grundlagen in Vergessenheit geraten lassen und den Blick für die gemeinsame Bewältigung zukünftiger Aufgaben trüben kann.“

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B. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung

Ein nüchterner Blick bleibt angebracht: Die Einigung Europas ist in erster Linie eine Verantwortung und gestalterische „Hausaufgabe“ der Europäer selbst. Gleichwohl ist die Haltung der Vereinigten Staaten – unterstützend, kritisch wohlwollend begleitend oder skeptisch abwartend – stets auch ein Faktor der Beschleunigung oder der Verzögerung gewesen. Die Reden W. Churchills in Fulton / Missouri (1946) 560 und G. Marshalls in Harvard (1947) 561 konnten inspirierende Wirkkraft entfalten. Persönliche Bindungen mit „transatlantisch prägender Dimension“ fristen in der rechts- und politikwissenschaftlichen Betrachtung ein eher kümmerliches Dasein. Umso erstaunlicher, da etwa jeder grenzüberschreitende, „rechtskulturelle“ Ansatz auf personalisierte Bindeglieder, zumal „Transporteure“ angewiesen sein müsste. Beispielhaft darf angeführt werden, dass drei amerikanische Nachkriegspräsidenten, Truman, Eisenhower und Kennedy, mit J. Monnet in persönlicher Freundschaft und gegenseitigem Respekt verbunden waren. G. Ball war J. Monnets engster amerikanischer Berater. J.F. Kennedys Konzept der Partnerschaft von Gleichen, sein Einfluss auf Mac Millans Beitrittsgesuch zur Europäischen Gemeinschaft 1961 und die frühe Beschäftigung amerikanischer Universitäten mit der Theorie und Praxis europäischer Integration sind weitere Beispiele konstruktiven amerikanischen Interesses. W. Hallstein hat diese Interaktion zwischen amerikanischem Interesse und notwendiger Erklärung komplexer europäischer Vorgänge prägend mitgestaltet. In Teilen ungebrochen aktuell lesen sich Hallsteins Clayton-Vorlesungen mit dem Titel „Die Einheit Europas – Herausforderung und Hoffnung“ im April 1962 in Boston 562 oder die (selbst verfassten) Berichte über seine regelmäßigen Gespräche mit Präsident Kennedy sowie seine Reden in Washington und New York aus den Jahren 1961 –63 563. Ernst Haas hat schon Anfang der 50er Jahre an der Universität Berkeley eine Vorlesung über die Rechtsnatur der EGKS eingerichtet. Heute beherbergen mehr als 15 amerikanische Universitäten ein „European Union Center“, zahlreiche Institute und Forschungseinrichtungen mit dem Schwerpunkt „Europäische Union“ wurden und werden etabliert.

Abrufbar unter www.nato.int/docu/speech/1946/s460305a_e.htm. Abrufbar unter www.georgecmarshall.org/lt/speeches/marshall_plan.cfm. 562 W. Hallstein, United Europe: Challenge and Opportunity. The William L. Clayton Lectures on International Economic affairs and Foreign Policy, 1962. 563 Die Reden sind abrufbar unter www.ena.lu/europe/19571968-successes-crises /indexEN.html.
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III. Der Einfluss der amerikanischen Verfassung

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2. Die konkrete Rolle der USA im europäischen Einigungsprozess 564 Es wird im Folgenden darum gehen, die grundlegende Unterstützung der USA für den Prozess der supranationalen Integration Europas in den verschiedenen Phasen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs noch genauer nachzuzeichnen. Dabei wird zu zeigen sein, dass es sich um eine Unterstützung handelte, die in Abhängigkeit von den jeweils dominanten Motiven und Interessenlagen sowie den spezifischen Kontexten und Problemen unterschiedlich intensiv ausfallen und verschiedenartige Ausprägungen annehmen konnte. a) Eine neue amerikanische Europapolitik nach dem zweiten Weltkrieg? Bereits unmittelbar nach Kriegsende setzte das amerikanische Engagement für den Wiederaufbau des vom Krieg zerstörten (West-) Europa ein. Dabei standen zunächst die „Notwendigkeiten der Nachkriegszeit“ im Vordergrund. Seinen sichtbarsten Ausdruck fand das europapolitische Engagement der USA in der Verabschiedung des so genannten „Marshallplans“ durch den US-Kongress im Jahre 1948. Bekanntlich hat dieses nach dem amerikanischen Außenminister G. Marshall benannte Europäische Wiederaufbauprogramm (ERP) mit seinen materiellen und finanziellen Hilfen und Dienstleistungen erheblich zum Wiederaufbau der europäischen Länder nach 1945 beigetragen. Auch wenn dem Marshallplan die primäre Zielsetzung zugrunde gelegen hat, die materiellen Nöte der vom Krieg geschundenen Bevölkerung zu lindern und langfristig den ökonomischen Wiederaufstieg der westeuropäischen Staaten zu fundieren, war bereits dieses frühe europapolitische Engagement der USA auch mit der Absicht verknüpft, die politische, wirtschaftliche und militärische Integration Westeuropas zu befördern. Die 1953 vom amerikanischen Außenminister J.F. Dulles vor dem National Security Council vorgetragene These, „There was no hope for Europe without integration“ 565, lag bis in die sechziger Jahre als eine Art Leitmotiv der Europapolitik aller amerikanischen Nachkriegs-Administrationen zugrunde. Die Hintergründe und Motive dieser gegenüber der Vorkriegszeit grundlegend veränderten handlungsleitenden Grundmaxime der amerikanischen Europapolitik waren vielfältig. Ohne Frage hat die destruktive und destabilisierende Wirkung der von permanenten, gefährlichen Krisen erschütterten zwischenstaatlichen Beziehungen der europäischen Nationalstaaten in der Vorkriegszeit, die schließlich
564 Die nachfolgenden Thesen stützen sich auf einen Vortrag des Verf. am 17. 11. 2005 in Washington, zu dem eine vom Verf. in Auftrag gegebene Ausarbeitung der Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages (vom 25. 10. 2005) wesentliche Impulse zu setzen wusste. 565 Zitiert nach B. Neuss, Der „gütige Hegemon“ und Europa. Die Rolle der USA bei der europäischen Einigung, in: R.C. Meier-Walser / B. Rill (Hrsg.), Der europäische Gedanke. Hintergrund und Finalität, 2001, S. 155 ff., 155.

P. 566 . Schwarz (Hrsg.).. der EVG sowie der beide Organisationen überwölbenden EPG mit föderativer Struktur erste konkrete Ergebnisse. 1977.). J. Dagegen sah man bei einer Restauration des traditionellen europäischen Nationalstaatensystems das Wiederaufleben schwerer internationaler Krisen und kriegerischer Auseinandersetzungen als geradezu unvermeidlich an. Schuman. im größeren Kontext M. 131 ff. Hrbek. Italien und Deutschland im April 1951 begründete EKGS als erster entscheidender Schritt im europäischen Integrationsprozess und kann als „Keimzelle“ der späteren Europäischen Gemeinschaft betrachtet werden. S.200 B. dass den Vereinigten Staaten hieraus eines Tages ein potentieller Konkurrent erwachsen könne. 288 ff. dass die Gründungsväter Europas auf beiden Seiten des Atlantiks nicht (oder zumindest nicht allein) aus visionärer Einsicht das bisherige nationalstaatliche Paradigma zurückdrängten sowie gänzlich selbstlos und ohne handfeste ökonomische und nationale Während die 1952 beschlossene EVG ebenso wie das EPG-Projekt 1954 definitiv scheiterte.und Zukunftsprobleme. Nur eine Abkehr von der herkömmlichen Nationalstaatspolitik und eine weit reichende supranationale Integration der europäischen Staaten bei einem mehr oder weniger großen Verzicht auf nationale Souveränitätsrechte konnte nach einer in den maßgeblichen amerikanischen Führungskreisen weithin verbreiteten Überzeugung eine stabile friedliche sowie eine politisch wie ökonomisch gedeihliche Entwicklung garantieren. erwies sich die von den Beneluxstaaten. vgl. A. Die Übereinstimmung in der grundsätzlichen Ausrichtung erleichterte die amerikanisch-westeuropäische Zusammenarbeit in der Integrationspolitik sehr und zeitigte in den – angesichts der Komplexität und Reichweite der Materie – überraschend zügig zum Abschluss gebrachten Verhandlungen über die Verträge zur Errichtung der EGKS. in: U. Frankreich. in: K. Hillenbrand. de Gasperi. 132 f. 566 In Abgrenzung zur älteren idealistischen Sicht der Integrationsgeschichtsschreibung wird in der jüngeren Forschung allerdings geltend gemacht. selbst auf die Gefahr hin. Lexikon der internationalen Politik.J.. In der politischen Praxis der ersten Nachkriegsjahre kam dieser neuen Ausrichtung der amerikanischen Europapolitik zugute. 1997. Gegenwarts. die westeuropäischen Staaten zu einem der USA ebenbürtigen Verbund von Staaten zusammenzuschließen. Albrecht / H. Adenauer ebenfalls eine stärkere Einbindung ihrer Staaten in übernationale westeuropäische Strukturen befürwortete. Die USA und die EG. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung in der Katastrophe des Zweiten Weltkrieges mündeten. Vogler (Hrsg. bei den außenpolitischen Eliten in Washington eine gründliche Revision der tradierten Denkmuster und Handlungsstrategien hervorgerufen. auch R. die darauf abzielten. Monnet und K. Kaiser / H. dass eine Reihe von führenden westeuropäischen Staatsmännern der Wiederaufbauzeit wie R. S. Amerika und Westeuropa. Europa in der internationalen Politik. Die amerikanische Führung unterstützte daher alle Ansätze. Spannungen und Möglichkeiten. der international seine eigenen Ziele und Interessen verfolgen würde.

155 ff. etwa K. politischer und militärischer Hinsicht schuf. 155. Eisenhower mit der Einflussnahme auf Verhandlungen und der Ausübung von Druck als Antreiber und Vermittler im europäischen Einigungsprozess gewirkt haben. Neuss.). in: R. in: R. 569 So der Titel einer Monographie von B. dass die USA tatsächlich als „Geburtshelfer Europas“ 569 gewirkt haben. The United States and European Integration 1945 –1997. Meier-Walser / B. K.. S. . ähnlich auch B.C. Diesem Befund widerspricht nicht. 1998. 6.C. ohne den supranationale Integration keineswegs so schnell und in dieser Form vorangeschritten wäre. 2004. Rill (Hrsg. sollte es für die Amerikaner schon bald nach Kriegsende klar gewesen sein.III. Denn eine Stabilisierung und wachsende Integration der westeuropäischen Staaten versprach nicht 567 Vgl. 10. Hintergrund und Finalität. Hintergrund und Finalität.geschichte. 568 Selbst wenn das amerikanische Interesse an einer europäischen Einigung somit primär sicherheitspolitisch begründet war.. S. 567 Während aus europäischer Perspektive nur ein bestimmtes Maß an supranationaler Integration und ein damit einhergehender Teilverzicht auf Souveränitätsrechte das Überleben der Nationalstaaten und deren wirtschaftlichen Wiederaufstieg garantieren sollten und überdies militärische Schutzinteressen und die Aussicht auf ökonomische Hilfsleistungen eine enge Anlehnung an die USA ratsam erscheinen ließen. in: H-Soz-u-Kult.K.K. bleibt dennoch anzuerkennen. Lundestad. G. Insofern lässt sich durchaus mit einer gewissen Berechtigung konstatieren. Der „gütige Hegemon“ und Europa. The United States and Europe since 1945. From „Empire by Invitation“ to Transatlantic Drift.. Geburtshelfer Europas? Die Rolle der Vereinigten Staaten im europäischen Integrationsprozess 1945 –1958. Patel (2004). 2003. Voraussetzung hierfür war nach amerikanischer Überzeugung allerdings die Errichtung eines Systems zwischenstaatlicher Strukturen in Westeuropa. Der europäische Gedanke.de/rezensionen/2004 -4-049. dass sich ihre Hoffnungen auf eine friedliche Nachkriegsordnung in Europa und anderen Teilen der Welt zerschlagen hätten. Rezension zu G. Truman und D. dass die USA mit ihrem auf Integration ausgerichteten Europakurs durchaus eigene politische Interessen verfolgten. 21. „Empire“ by Integration. 13 f. 155 ff. Die Rolle der USA bei der europäischen Einigung. Der Einfluss der amerikanischen Verfassung 201 Interessen handelten. Siehe auch dies. S. 2001.huberlin. S. abrufbar unter http://hsozkult. Lundestad. Meier-Walser / B. dass die amerikanischen Regierungen unter H.. 2001. In ihren strategischen Überlegungen für den heraufziehenden Kalten Krieg wiesen die Amerikaner Europa die gewichtige Rolle eines starken und geeinten Partners bei der Herstellung des globalen Gleichgewichts zwischen den beiden Militärblöcken zu.). Patel. das den Ausbruch neuer europäischer Kriege wirksam unterband. 568 Vgl. Neuss. 155. 2000. Die Rolle der USA bei der europäischen Einigung. Rill (Hrsg. Der „gütige Hegemon“ und Europa. deshalb vor allem Deutschland als den größten Unruheherd der zurückliegenden Jahrzehnte und voraussichtlich stärksten Machtfaktor der Zukunft wirksam einband sowie die Grundlagen für eine positive Entwicklung der westeuropäischen Staaten in wirtschaftlicher. Der europäische Gedanke.

Dietl / F. hebt diesen Aspekt wiederholt hervor. da sie sich alleine weder im Stande sahen.w. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung nur einen Zugewinn an äußerer Sicherheit und damit eine Stärkung der amerikanischen Positionen in der Konfrontation der Blöcke. N. Vielmehr zeigten sich die Europäer durchaus in der Lage. sondern die Vereinigten Staaten nachgerade aufgefordert haben. 573 In diesem Kontext ist allerdings festzuhalten. ihre zerstörten Volkswirtschaften wieder aufzubauen.. 2003. durch Lastenverteilung („burden sharing“) mit den in Zukunft auch wirtschaftlich erstarkten europäischen Staaten zu senken. Heideking. 17 ff.202 B. 17 f. 570 Dies ändert freilich nach Ansicht einer Reihe von Historikern und Politikwissenschaftlern nichts an der Tatsache. 573 G. 571 Im Gegensatz zu älteren Forschungspositionen. die dem europapolitischen Engagement der Amerikaner hauptsächlich ökonomischen Eigennutz und hegemoniale Absichten bei nur geringem Interesse an einem föderalen Europa unterstellten 572. K. From „Empire by Invitation“ to Transatlatic Drift. Krüger. dass die sicherheitspolitischen Ziele in der amerikanischen Europapolitik gerade in den ersten Nachkriegsjahren gegenüber den ökonomischen Erwägungen eindeutig im Vordergrund gestanden haben und die Amerikaner für die Durchsetzung ihrer Sicherheitsbedürfnisse sogar bereit waren. S. amerikanische Vorhaben abzuändern und eigene Akzente zu setzen. auch ökonomische Nachteile in Kauf zu nehmen. 17 m. 572 Siehe etwa noch J. Die Vereinigten Staaten und Europa seit dem Ersten Weltkrieg. was sich unter anderem an der erfolgreichen Zurückweisung der 570 Dazu etwa D. noch sich gegen die äußere Bedrohung vor allem durch die sowjetischen Expansionsgelüste in Europa zur Wehr zu setzen. 571 Vgl. die gewaltigen Kosten. . dass die USA ihre Vorstellungen keinesfalls eins zu eins durchsetzen konnten. sondern eröffnete langfristig auch die Aussicht.K. noch die Einflüsse und Machtansprüche der kommunistischen Parteien in ihren eigenen durch den Krieg sozial zerrütteten und wirtschaftlich schwachen Staaten zurückzudrängen. The United States and Europe since 1945. Patel (2004). Sicherheit durch Integration? Die wirtschaftliche und politische Integration Westeuropas 1947 bis 1957. dass die Europäer die amerikanische Einflussnahme nicht nur mehr oder weniger zustimmend akzeptiert haben. die die Wahrnehmung der weltpolitischen Rolle der USA mit sich brachte.). Begegnungen zweier Kontinente. 2003. 1999. 7. Die Vereinigten Staaten. der Marshall-Plan und die Anfänge der europäischen Integration. sich an der Lösung der innereuropäischen Probleme zu beteiligen. Knipping (Hrsg. Ebenso dürften die US-Administrationen in ihren integrationspolitischen Bemühungen für Westeuropa auch von der Hoffnung auf das Entstehen lukrativer neuer Märkte in den zukünftig stärker verflochtenen Volkswirtschaften Europas angetrieben und bestärkt worden sein. Nach einer inzwischen weithin akzeptierten These suchten die westeuropäischen Staaten nach dem Krieg die enge Anlehnung an die Vereinigten Staaten. in: R. besteht nach neuerer Ansicht weitgehend Konsens darüber. S. S. Lundestad.

Rill (Hrsg. dass die amerikanische Einflussnahme auf Westeuropa keineswegs gegen den Widerstand der betroffenen Länder erfolgte. S. Meier-Walser / B.R. Kaiser / H. 1998. Der Einfluss der amerikanischen Verfassung 203 immer wieder vorgetragenen amerikanischen Forderungen nach größeren Rüstungsanstrengungen seitens der Europäer. 574 Vor diesem Hintergrund charakterisiert G.-P. sowie umfassend ders. bei der gescheiteren supranationalen Umorganisation der OEEC. in: K.und Empfindungslage) und machte einen weiteren So z. ließen seit etwa 1954 auch die Amerikaner in ihren Integrationsbemühungen nach und konzentrierten sich mehr auf ihr Verhältnis zu Großbritannien und zur NATO. Gegenwarts.). als die Europäer sich bereits zurückgezogen hatten. 2 ff.C. 576 Bei allem Einsatz für eine stärkere Integration der europäischen Staaten in den fünfziger Jahren war die amerikanische Politik nicht frei von Brüchen und Widersprüchen.). Lundestad. Siehe auch H. „Empire“ by Integration. Der „gütige Hegemon“ und Europa. Die Rolle der USA bei der europäischen Einigung. 159 ff.und Zukunftsprobleme. Schwarz (Hrsg. nachdem sie sich als leistungsfähiges und erfolgreiches Instrument zur Lösung der inneren und äußeren Sicherheitsprobleme erwiesen hatte. S. 2003 sowie B. aber auch an der Einflussnahme vor allem Frankreichs und Großbritanniens auf die integrationspolitischen Vorstellungen Washingtons belegen lässt. 2003. 576 Insbesondere in Situationen. der Errichtung der EGKS oder beim Scheitern von EVG und EPG. 575 Das insgesamt einigende Bekenntnis zu demokratischen und rechtsstaatlichen Prinzipien setzt der Einflussnahme seitens der amerikanischen Vormacht freilich messbare Grenzen und lässt Kritik und Gegenvorschläge der abhängigen Staaten nicht von vorneherein aussichtslos erscheinen. kann auch noch so großer Druck der USA die betroffenen europäischen Staaten nicht zum Einlenken bewegen. Neuss. Der europäische Gedanke. 288 ff. The United States and Europe since 1945. M. S. 288. 157 f. 155 ff. sondern im Gegenteil vielfach auf deren erklärten Wunsch hin zustande kam. Dabei versteht Lundestad „empire“ in Abgrenzung zu älteren Formen direkter Herrschaft wertneutral als hierarchisches System mit einem Zentrum.J. Die USA und die EG. Jeder für sich und Amerika gegen alle? Die Lastenteilung der NATO am Beispiel des Temporary Council Comittee 1949 bis 1954. From „Empire by Invitation“ to Transatlatic Drift. Lundestad die Position der USA in Westeuropa als „empire by invitation“. The United States and European Integration 1945 –1997. Hillenbrand. gegenüber der Herausforderung des Ostblocks eine politisch voll integrierte Gemeinschaft aufzubauen.III. Die transatlantische Einbindung garantierte größtmögliche Sicherheit (wenngleich auch eine allzu eingeschränkte Sicht. in denen einzelne europäische Länder sich in ihren existenziellen Grundlagen bedroht sahen. Spannungen und Möglichkeiten. 2001. B.. Amerika und Westeuropa.. 1977. das auch und vor allem mit Hilfe seiner integrationspolitischen Bemühungen seine Einflusssphäre auf eine Reihe unabhängiger Staaten ausdehnt. in: R. Hammerich. vgl. 574 . Überhaupt scheint die NATO. womit er zum Ausdruck bringt. wie dies etwa bei Frankreich angesichts der bei Umsetzung der EVG-Pläne befürchteten militärischen Aufwertung der Bundesrepublik der Fall war. Hintergrund und Finalität. Hatten die USA zunächst noch von den Europäern initiierte supranationale Initiativen unterstützt. 575 G.. die Westeuropäer der Notwendigkeit enthoben zu haben.

. föderalen Europas (vordergründig) überflüssig.wie sicherheitspolitischen Gesichtspunkten rechtfertigten. war mit amerikanischer Unterstützung vor allem im wirtschaftlichen Bereich ein enges organisatorisches Beziehungsgeflecht in Kontinentaleuropa entstanden. Wie oben bereits dargestellt konnten nach langwierigen. in: U. 1997. wirtschaftliche und militärische Integration Europas voranzutreiben. Neuss (2001) S. aber letztlich erfolgreichen Verhandlungen im Frühjahr 1957 die EWG und die Euratom mit der Ratifizierung der „Römischen Verträge“ ins Leben gerufen werden. Schaffung eines großen europäischen Binnenmarkts (mit neuen Marktchancen auch für die amerikanische Wirtschaft) – die befürchteten Nachteile vor allem für die amerikanische Wirtschaft (durch Subventionen oder Schutzzölle im Agrarbereich sowie Erhöhung des Konkurrenzdrucks und Exporteinbußen für die amerikanische Industrie) unter allgemein. Sicherung der Energieversorgung. 577 b) Die 60er Jahre: amerikanische Europapolitik im doppelten Spannungsfeld zwischen Kooperation und Ambivalenz Etwa ein Jahrzehnt nach Beginn der Bestrebungen. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Souveränitätsverzicht der auf ihre nationalstaatliche Eigenständigkeit bedachten westeuropäischen Staaten zugunsten eines stärker integrierten. Albrecht / H. Vogler (Hrsg. die westeuropäischen Staaten in supranationale Strukturen einzubinden und damit die politische. Europa in der internationalen Politik. Während die politische Bedeutung von Euratom insgesamt gering blieb und ihre integrationspolitischen Wirkungen bescheiden ausfielen. siehe auch R. . 163 f. Kontrolle der militärisch orientierten Atomforschung. die Euratom und die EWG auf rein europäischen Initiativen basierten und hinsichtlich ihrer Realisierungschancen von Washington äußerst skeptisch beurteilt wurden. da sie zu der Überzeugung gelangt war..). Vertiefung der Anbindung Deutschlands an den Westen. erwies sich die EWG als entscheidender Kristallisationspunkt für alle weiteren europäischen Einigungsbestrebungen. Angesichts der Verlagerung der europapolitischen Anstrengungen der Amerikaner kann es kaum verwundern. 131 ff. Die nun einsetzende Dynamik des europäischen Integrationsprozesses und die wieder erlangte 577 Umfassend B. dass auch die beiden gegen Ende der fünfziger Jahre ausgehandelten und für den weiteren europäischen Einigungsprozess besonders erfolgreichen Projekte. 133. dass die zu erwartenden Vorteile – unter anderem das Erreichen einer weiteren europäischen Integrationsstufe. das in den beteiligten Staaten neben einer gedeihlichen wirtschaftlichen und insgesamt stabilen inneren Entwicklung auch das friedliche Zusammenleben beförderte. S. Lexikon der internationalen Politik. Hrbek.204 B. Gleichwohl unterstützte die amerikanische Regierung auf Drängen der Europäer beide Projekte und vermittelte hinter den Kulissen zwischen den Verhandlungspartnern.

Auch wenn die USA die grundlegenden Leitlinien ihrer Europapolitik nicht veränderten und nach wie vor fördernd in den europäischen Einigungsprozess eingriffen. S. die durch den Übergang von der Strategie der „massiven Vergeltung“ zur Strategie der „flexiblen Antwort“ bei den Europäern ausgelöste Sorge vor einer Aufweichung des atomaren Schutzschilds der USA für Europa. autonome. der – auf Betreiben Frankreichs erfolgte – Ausschluss Großbritanniens aus dem Gemeinsamen Markt. 580 Anlass zu Irritationen und Konflikten boten unter anderem der Gemeinsame Markt. der mit seinen protektionistischen Praktiken amerikanischen Wirtschaftsinteressen tendenziell zu schaden drohte. Hillenbrand (1977). der deutschfranzösische Freundschaftsvertrag von 1963. der – aufgrund amerikanischer Bevorzugung Großbritanniens eingeleitete – atomare Alleingang der Franzosen. gelegentlich Platz zu greifen vermag. Seinen Fortschritt zu unterstützen. nach M. die amerikanische Führungsrolle in Europa ein ums andere Mal heraus. Juli 1962. Insbesondere die französische Regierung unter Präsident de Gaulle forderte mit seinen Versuchen. Trotz eines zunehmend selbstbewussten Auftretens der europäischen Staaten verstanden sich die USA weiterhin als Förderer der europäischen Einigung. 578 J. entwickelten sich nun mehr und mehr Frankreich und Deutschland zum eigentlichen Motor der europäischen Einigung. vor allem die von Frankreich vorangetriebene Ausgestaltung des gemeinsamen Agrarmarktes. vgl. 578 In seiner weithin beachteten Rede vom 4. 1989. In dem von der Kennedy-Administration entwickelten „Grand Design“ für die transatlantische Gemeinschaft sollte ein ökonomisch. in der er das neue NATO-Konzept vorstellte. 254. Kennedy. Schweitzer. war siebzehn Jahre lang das Hauptanliegen unserer Außenpolitik. sondern als Partner. den de Gaulle im Sinne der europäischen Führungspläne Frankreichs gegen die USA auszuspielen beabsichtigte. 579 J. S.F. The Goal of an Atlantic Partnership. Czempiel / C.J.III. ebenda. der Rückzug Frankreichs aus der Verteidigungsorganisation der NATO im . bekannte sich J. Der Einfluss der amerikanischen Verfassung 205 wirtschaftliche Stärke und politisch-gesellschaftliche Stabilität der europäischen Staaten hatte auch Auswirkungen auf die europäische Rolle der USA und die transatlantischen Beziehungen.“ 579 Trotz allem: jenseits derartiger langfristiger strategischer Überlegungen nahm im politischen Alltag die Zahl der Differenzen und Konflikte zwischen Amerikanern und Europäern zu. zit. Rede in Philadelphia am 4. Weltpolitik der USA nach 1945. auch E. Juli 1962 in Philadelphia. 289. 580 Ein Umstand.F. Wir betrachten ein starkes und vereintes Europa nicht als Rivalen.C. Kennedy. militärisch und politisch starkes und geeintes Europa eine tragende Rolle als zweite gleichberechtigte Säule neben der amerikanischen einnehmen. der bis heute durchzuscheinen. Kennedy daher auch ausdrücklich zur europäischen Integration: „Die Vereinigten Staaten sehen auf dieses große neue Unterfangen mit Hoffnung und Bewunderung.-O.F. mehr noch: in ihren strategischen Konzepten wiesen sie Europa eine zentrale Rolle zu. von den amerikanischen Hegemonialinteressen unabhängige europäische Strukturen und mit den USA eine gleichberechtigte und gleichgewichtige Partnerschaft aufzubauen (Konzept einer europäischen dritten Kraft). Einführung und Dokumente.

durch Gründung der OECD die aufstrebende EWG in den größeren Zusammenhang der (westlichen) Industriestaaten zum Zwecke der Koordinierung der Wirtschaftspolitik und Kooperation bei der Auslandshilfe einzubetten. hierzu W. Weltpolitik der USA nach 1945. vgl. Vor allem aber tat man sich jenseits des Atlantiks schwer damit anzuerkennen.).-O.-C. 1995. 117. So gelang es den USA. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Auf wirtschaftlichem Gebiet war der amerikanischen Einflussnahme in Europa nur bedingt Erfolg beschieden.uni-kassel. 49 ff. 581 Differenzen und Fehlschläge dieser Art verstärkten eine bereits Anfang der sechziger Jahre unter amerikanischen Führungsgruppen spürbare ambivalente Haltung gegenüber dem europäischen Einigungsprozess: Einerseits gab es eine breite Unterstützung für die europäischen Einigungsbemühungen. Link (Hrsg. durch Errichtung einer europäischen Freihandelszone mit der EWG. E. 581 Vgl. März 1966. Wallerstein. Andererseits empfand man insbesondere die EWG-Agrarpolitik und die Bevorzugung des Mittelmeerraums und Afrikas durch die EWG als Diskriminierung mit negativen Auswirkungen auf den eigenen Export. Dagegen scheiterte der amerikanische Plan. im Internet unter: www. 1989. Großbritannien und dem Commonwealth eine kontinentaleuropäische Blockbildung zu verhindern.html. S. Einführung und Dokumente. Auch war es noch unter der Kennedy-Administration gelungen. wenn nicht sogar auf kurz oder lang eine Beendigung der amerikanischen Führungsrolle in Europa zur Folge haben musste. 256 f. dass die aus der Einigung resultierende machtpolitische Stärkung Europas zwangsläufig eine Relativierung. sich in die Rüstungskontrollgespräche mit der Sowjetunion einbinden zu lassen. . Link.206 B. Auch wenn der amerikanische Führungsanspruch sich mit dem bereits von Kennedy propagierten Partnerschaftsmodell schwer vereinbaren ließ. Schweitzer. Historische Kontinuitäten und Diskontinuitäten im transatlantischen Verhältnis – Folgerungen für die Zukunft. die Weigerung. 120 sowie jüngst I. konnten ihn die Amerikaner aber vor allem mit Verweis auf die fehlende politische Einheit und großen militärtechnischen Defizite der Europäer zumindest auf sicherheitspolitischem Gebiet weiterhin geltend machen. Europa nach der Zeitenwende – die Wiederkehr der Geschichte. Kahler / W.de/fb5/frieden/themen/Europa/wallerstein. S.. Auch erkannte die amerikanische Wirtschaft die neuen ökonomischen Chancen der EWG und nutzte den durch diese hergestellten größeren Markt für eine Steigerung ihrer Direktinvestitionen in Europa (was dort Ängste vor „amerikanischer Überfremdung“ auslöste). Zollvereinbarungen mit der EWG auf den Weg zu bringen und durch Senkung der Zölle auf Industrieprodukte eine erhebliche Liberalisierung des Handels zwischen den Industriestaaten herzustellen. Die USA und Europa – 1945 bis heute. in: M. deren geopolitische Bedeutung nach wie vor unumstritten war. Czempiel / C.

. zumindest zeichnete sich damals der europapolitische Kurs der USA durch wachsende Distanz gegenüber den europäischen Partnern und ihren Integrationsbemühungen sowie durch eine insgesamt veränderte weltpolitische Prioritätensetzung aus. Kaiser / H. scheint sich diese Haltung in der Europapolitik in den siebziger Jahren weiter verfestigt zu haben. Schwarz (Hrsg. Ausweitung des transatlantischen Konfliktpotentials und wachsenden Gestaltungswillen der zu neuem Selbstbewusstsein gelangten Europäer mit nachlassendem Interesse an der europäischen Integration reagierten 582. dann schadete dies mehr dem Fortschritt. Stattdessen zogen sie es vor.. Hillenbrand. Für die weitere Zukunft werden diese Beziehungen die wesentlichen transatlantischen Bindungen darstellen [. sondern ebenso durch unsere bilateralen Beziehung zu den verschiedenen Staaten Europas. die innereuropäischen Entwicklungen nur noch indirekt über ihre bilateralen Beziehungen zu den einzelnen Mitgliedsländern der Gemeinschaft mehr zu begleiten als zu beeinflussen. nach M. Die Wendung in der Europapolitik der USA war Ausfluss eines sich seit Ende der sechziger Jahre abzeichnenden grundlegenden Richtungswechsels in der amerikanischen Außenpolitik. 300..III. als es ihm half. A New Strategy for Peace. Wir können Europa nicht vereinigen. Foreign Policy for the 1970’s. Der Einfluss der amerikanischen Verfassung 207 c) Die 70er Jahre: Das Abfedern von transatlantischen Rivalitäten und Friktionsfeldern Nachdem sich bereits in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts andeutete. Während die US-Wirtschaft stagnierte bzw. Spannungen und Möglichkeiten. The Atlantic Powers and the Reorganization of Western Europe.M. lässt sich an der Kongressrede Präsident Nixons vom Februar 1970 ablesen. stiegen die 582 Siehe auch J. 1958 – 1963. Gegenwarts. 288 ff. Dass dieser Kurswechsel auch einen Reflex auf die bisherigen Misserfolge in der Europapolitik darstellte. dass es nur einen Weg zu diesem Ziel gibt. 2002. Wenn die Vereinigten Staaten sich in früheren Regierungsperioden zum eifrigen Anwalt machten. 583 R. Bericht des Präsidenten an den Kongress. Wir glauben. in der er die Grundlinien seines neuen Ansatzes in der Europapolitik vorstellte: „Die Struktur Europas [.. 1977. Grand Designs and Visions of Unity. Die USA und die EG. in: K.G. als dass die Administration der Vereinigten Staaten zwar weiterhin das Ziel einer europäischen Vereinigung unterstützte. dass die Amerikaner auf europapolitische Misserfolge.und Zukunftsprobleme. S. dass wir den Prozess der europäischen Einigung nicht nur durch unsere Rolle in der Nordatlantischen Allianz und durch unsere Beziehungen zu europäischen Institutionen unterstützen können.-P. Nixon. Amerika und Westeuropa. Giauque. U.. .]“ 583 Dies bedeutete nichts anderes.J. sich aber von ihrer einstmaligen Rolle als Antreiber und Impulsgeber des europäischen Integrationsprozesses nunmehr endgültig verabschiedet hatte. Washington 1970. und wir glauben nicht.). zit.] ist grundsätzlich die Aufgabe der Europäer. der in hohem Maße ökonomisch motiviert war.S. in eine Rezession fiel.

Einführung und Dokumente. dass er nicht wisse. Auch wenn die dominante Weltmachtstellung der Vereinigten Staaten weiterhin unangetastet blieb. Kahler / W. . vgl. dass die westeuropäischen Staaten wirtschaftlich inzwischen weit fortgeschritten sich im Aufholprozess befanden und sich anschickten. Die amerikanischen Militärausgaben im Ausland (insbesondere während des Vietnamkriegs). Lundestad. 123 ff. umfangreiche Auslandshilfen sowie beträchtliche wirtschaftliche Investitionen der Amerikaner in Europa hatten den US-Staatshaushalt arg strapaziert. 584 Ausbildungen dieser Art signalisierten augenfällig. Kissinger zwar stets eine stärkere außenpolitische Zusammenarbeit der Europäer eingefordert und bei diesen moniert. The United States and European Integration 1945 –1997. Weltpolitik der USA nach 1945.-O. Kapitalabflüsse ins Ausland und eine dramatische Abnahme der Goldreserven brachten die amerikanische Währung zunehmend in Schwierigkeiten. 122 f. S. was schließlich dazu führte. 1989. dass die Regierung Nixon im August 1971 völlig überraschend die Goldbindung und Konvertibilität des Dollars aufhob (und damit das von den USA etablierte Weltwährungssystem von Bretton Woods beendete). 585 Erwartungsgemäß reagierte die US-Administration auf derartige Bestrebungen äußerst verstört. welche „Telefonnummer“ er in Europa bei einer Verständigung im Krisenfall anrufen solle. ihre Unabhängigkeit gegenüber der „hegemonialen Führungsmacht“ jenseits des Atlantiks auszuweiten. auch W. 257. 1995. S. dass die Europäer nun versuchten... dass ihm eine „freischwimmende 584 Ausführlicher G.. S. dass sich zumindest im wirtschaftlichen Bereich die überragende Position der USA zu relativieren begann. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Kosten des weltpolitischen Engagements der USA ins Unermessliche. 585 Neben dem Bestreben. Europa nach der Zeitenwende – die Wiederkehr der Geschichte. 96 ff. Vor allem die Staaten der Europäischen Gemeinschaft entwickelten ein der USWirtschaft nahezu ebenbürtiges Wirtschaftspotential. Link (Hrsg. Link. 1998. W. sich etwa durch währungspolitische Koordinierungsbemühungen (europäische Währungsschlange. 49 ff. E. Link (1995). war nicht mehr zu übersehen. Schweitzer. S. Block-Floating gegenüber dem Dollar) von den gravierenden Problemen der US-Wirtschaft abzukoppeln. Dies lässt sich unter anderem an den Reaktionen der amerikanischen Regierung auf das Streben der EG-Mitglieder nach Harmonisierung ihrer Außenpolitik im Rahmen der Europäischen Politischen Zusammenarbeit (EPZ) erkennen.208 B. Historische Kontinuitäten und Diskontinuitäten im transatlantischen Verhältnis – Folgerungen für die Zukunft. die neu gewonnene wirtschaftliche Stärke dazu zu nutzten. „Empire“ by Integration. So hatte der von diesem Vorhaben eher verunsicherte US-Außenminister H. in: M. Czempiel / C. zielten die europäischen Emanzipationsversuche auch auf eine größere Eigenständigkeit des sich vereinigenden Europa in der Weltpolitik – ohne allerdings die enge Anlehnung an die westliche Vormacht in Sicherheitsfragen sowie die feste Einbindung in die NATO in Frage zu stellen (ohne pointierte „Ausbruchsversuche“ Frankreichs außer Acht zu lassen). Es war deshalb wenig verwunderlich. 313 f.-C. andererseits machte er aber keinen Hehl daraus. das globale wirtschaftliche Kräfteverhältnis zu verändern.).

Rigoros lehnte er eine weitere Kooperation auf sicherheitspolitischem Gebiet für den Fall ab. den H. 589 Dazu E. Czempiel / C. . dass die USA bei EPZ-Beschlussfassungen. 586 Nixon stufte die auf politische Eigenständigkeit und Gleichberechtigung mit den USA zielenden Bestrebungen der EPZ in seiner Chicagoer Rede von April 1974 587 gar als „ganging up“ der Europäer gegen die Vereinigten Staaten ein und stellte angesichts der auch auf anderen Feldern 588 sichtbar gewordenen Differenzen in aller Öffentlichkeit die Bündnisfrage. Auf Vermittlung der Bundesrepublik Deutschland..). Die im Juni 1974 in Brüssel unterzeichnete „Atlantische Deklaration“ verpflichtete die europäischen Bündnispartner als Gegenleistung für die amerikanische Sicherheits586 Ein Umstand. Kissinger nunmehr in persönlichen Gesprächen mit dem Verf. In diesem Sinne ist auch der Entwurf Kissingers für eine Atlantik-Charta von 1973 zu verstehen. Der „gütige Hegemon“ und Europa. die als Frontstaat im Kalten Krieg existenziell auf den militärischen Schutz der USA angewiesen war. S. 257. Meier-Walser / B.-O. lenkten die Europäer schließlich ein.-C. 1989. die sicherheitspolitische Abhängigkeit der europäischen Staaten von der westlichen Schutzmacht gegen die wirtschaftlichen und politischen Eigenständigkeitsbestrebungen der Europäer auszuspielen. Ein Schlüsselmoment ereignete sich auf der Konferenz auf Schloss Gymnich bei Bonn im April 1974: dort sicherten die Europäer zu. in der er eine Neuordnung der transatlantischen Beziehungen vorschlug. Die Rolle der USA bei der europäischen Einigung. S. die Europäer aber als Gegenleistung für die amerikanische Sicherheitsgarantie wirtschaftliche Zugeständnisse machen und einen Teil der gewaltigen militärischen Lasten übernehmen sollten. 155 ff. 587 Zitiert nach W. ohne international an Einfluss zu verlieren und die hegemoniale Grundstruktur des transatlantischen Bündnissystems aufzugeben. 313. Statt den Europäern größere politische Unabhängigkeit zuzugestehen. Der europäische Gedanke. Neuss. Rill (Hrsg. B. Weltpolitik der USA nach 1945. Schweitzer. 124f. mehrfach dementiert hat. weil die im Zuge der Entspannungspolitik forcierten bilateralen amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen die Gefahr einer Durchlöcherung des amerikanischen Schutzschilds für Europa heraufzubeschwören drohten. 589 Die amerikanische Strategie. die amerikanische Interessen berühren. erwies sich schließlich als erfolgreich – nicht zuletzt auch deshalb. 588 So z. Der Einfluss der amerikanischen Verfassung 209 europäische Außenpolitik“ überaus suspekt war. die Kosten für ihr weltpolitisches Engagement zu reduzieren. Link (1995). vgl auch B. in: R. in der die bisherige Aufgabenteilung (globale Rolle der USA. Hintergrund und Finalität. 165. zu konsultieren sind. S. regionale Zuständigkeiten der europäischen Staaten) zwar grundsätzlich beibehalten.C. dass die Europäer ihren wirtschaftlichen und politischen Konfrontationskurs weiterhin fortsetzten. verfolgten die USA unter dem Eindruck der geschilderten ökonomischen Probleme seit Anfang der siebziger Jahre das Ziel. in der Diskussion über die als Folge der ersten Ölkrise notwendig gewordenen Änderungen der energiepolitischen Strategie des Westens.III. 2001. Einführung und Dokumente.

S. Die damit verbundene zunehmende Anerkennung des machtpolitischen Gewichts Westeuropas durch die USA ließ sich unter anderem an der relativ unabhängigen europäischen Rolle während der KSZE-Verhandlungen seit Ende der siebziger Jahre sowie an der gemeinsam von den USA und den drei europäischen Führungsmächten Großbritannien. 590 Obgleich es den Amerikanern somit aufgrund ihres in der Blockkonfrontation nicht zu kompensierenden militärischen Potentials gelungen war. Forndran. in: Gegenwartskunde 3/1981.G. die die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den USA und Westeuropa im Sinne einer weitgehend gleichrangigen Partnerschaft umformte. Der NATO-Doppelbeschluß – oder: Die Diskussion über die Nachrüstung. 591 Ihren sichtbarsten Ausdruck fand der Aufstieg Westeuropas als gleichberechtigter Partner in der Weltwirtschaft in den seit 1975 jährlich tagenden Weltwirtschaftsgipfeln.210 B. auch E. entwickelte sich dank der organisatorischen Ausweitung und institutionellen Verfestigung der europäischen Wirtschaftmacht in der EG eine Dynamik. Großbritannien. 2005. Japan und Kanada auch die vier europäischen Führungsmächte (Frankreich. 591 Auch die währungspolitischen Koordinierungsbestrebungen der europäischen Staaten. Januar 1945 – 31. in: H. an denen neben den USA. Dass das Wirtschaftspotential des nunmehr zur „ökonomischen Supermacht“ aufgestiegenen Westeuropa auf kurz oder lang auch das weltpolitische Gewicht der Europäer stärken musste.). die Rahmenbedingungen ihrer wirtschaftlichen Entwicklung autonom zu gestalten. Zudem verständigten sich die NATO-Partner darauf. ließ sich schon gegen Ende der siebziger Jahre absehen. Deutschland-Dokumentation. German Chancellor Schmidt and French Prime Minister Chirac at the North Atlantic Council Meeting in Brussels. 592 d) Die 80er Jahre: Konflikt und Kooperation Die wesentliche Prägung des transatlantischen Verhältnisses zu Beginn der achtziger Jahre erwuchs aus den Auseinandersetzungen um ein angemessenes Vgl. 293 ff. widerspiegelten deren Bestreben. 1974 06 26 – FOT –. 1. So gab es in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts auch von amerikanischer Seite verstärkte Bemühungen. 590 . die europäischen Partner in wichtigen internationalen Fragen zu konsultieren und mit ihnen bei der Lösung anstehender Probleme zu kooperieren. Januar 2004. die „Sicherheitsbeziehungen durch harmonische Beziehungen auf politischem und wirtschaftlichem Gebiet“ zu stärken. die 1978/79 mit der Errichtung eines Europäischen Währungssystems ihren vorläufigen Höhepunkt erreichten. die geopolitischen Eigenständigkeitsbestrebungen der europäischen Staaten einzufangen und machtstrategisch ihre hegemoniale Vorherrschaft im Atlantischen Bündnis weiterhin zu behaupten. Lehmann (Hrsg. Italien und Deutschland) teilnahmen. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung garantie zur Übernahme eines angemessenen Anteils an den Verteidigungslasten. 592 Vgl. Frankreich und Deutschland getroffenen Grundsatzentscheidung über den NATO-Doppelbeschluss im Januar 1979 erkennen.

49 ff. stritten die westlichen Verbündeten dies und jenseits des Atlantiks heftig über die richtige Antwort auf die neuen Herausforderungen. Link. 132 f.). Auch die von den Amerikanern vorgelegten neuen Konzepte für einen auf Europa beschränkten Krieg mit konventionellen und nuklearen Waffen widersprachen angesichts der damit verbundenen riesigen Zerstörungen (vor allem in der Bundesrepublik) den existenziellen Interessen der europäischen Verbündeten. der auch Sanktionen gegen die Staaten des Warschauer Paktes nicht ausschloss. Der Einfluss der amerikanischen Verfassung 211 Vorgehen angesichts der seit Ende der siebziger Jahre wieder einsetzenden Hochrüstung der beiden Militärblöcke. S. Obwohl zwischen Westeuropäern und Amerikanern Einigkeit darüber bestand. ausführlich W. N. insbesondere die Bundesrepublik.III. die militärische Stärke des Westens wiederherzustellen. Ihre Bemühungen. Kahler / W. anstelle des eben erst eingeführten kooperativen Führungsstils ihre frühere hegemoniale Vormachtstellung in der Allianz wiederherzustellen und ihre transatlantischen Partner zur Gefolgschaft und stärkeren Beteiligung an den sicherheitspolitischen Kosten zu verpflichten. 594 Die Europäer reagierten auf die neuerlichen hegemonialen und unilateralen Neigungen der Amerikaner mit einer Intensivierung und Ausweitung der westeuropäischen Kooperation und eigenständigen Initiativen gegenüber dem Ostblock. zogen die Vereinigten Staaten einen strikten Konfrontationskurs vor. als Chance.und Sanktionsstrategie (und stießen daher ein ums andere Mal auf den energischen Widerspruch der USA). 593 Die Amerikaner begriffen vor allem in der Amtszeit von Präsident R. eine drastische Reduzierung der amerikanischen Truppen in Europa an. dass eine Verschiebung des militärischen und machtpolitischen Gleichgewichts.w. W. Während die westeuropäischen Staaten. S. dass die in dieser Phase aufgenommenen bilateralen Abrüstungsverhandlungen zwischen der Sowjetunion und den USA eine Durchlöcherung des amerikanischen Schutzschildes für Europa zum Ergebnis hätten. nicht hingenommen werden durfte. die während der Entspannungspolitik der siebziger Jahre aufgebauten Wirtschafts. das sich aus der massiven sowjetischen Aufrüstung im eurostrategischen und interkontinentalen Bereich sowie der militärischen Intervention der Sowjetunion in Afghanistan ergab. in: M. 594 Unter anderem drohten sie ihren europäischen Bündnispartnern für den Fall. dass die europäischen Interessen nur durch ein einiges und starkes Europa wirk593 Vgl. Reagan die Notwendigkeit. Auch befürchteten die Europäer erneut. Link (Hrsg.. 135 f. Link (1995). m. vgl. . Historische Kontinuitäten und Diskontinuitäten im transatlantischen Verhältnis – Folgerungen für die Zukunft. dass diese nicht ihr konventionelles Verteidigungspotential deutlich stärkten (was den sofortigen Rückgriff auf die nukleare Option im Verteidigungsfall unnötig machen sollte). Die transatlantischen Gegensätze und Rivalitäten in diesen wie in anderen Fragen bestärkten aber in Europa die Einsicht.und Handelsbeziehungen zum Osten fortzuführen und die rüstungspolitischen Konflikte mit dem Warschauer Pakt durch Kompromisslösungen auf dem Verhandlungsweg zu lösen. widersprachen zwar der amerikanischen Konfrontations. Europa nach der Zeitenwende – die Wiederkehr der Geschichte. 1995. an der Entspannungspolitik festhalten wollten.

Schmidt. Kohl und Außenminister H. In Anlehnung an die von H. Auch ihre Anstrengungen. bestätigten die bereits in den siebziger Jahren erkennbare Tatsache. The United States and Western Europe since 1945. dass die Fortschritte bei der europäischen Integration weniger von den Konsultationen und der Zusammenarbeit mit den USA bewirkt wurden als vielmehr von den Reaktionen der Europäer auf Gegensätze und Konflikte mit der Vormacht des transatlantischen Bündnisses. dass die Konfliktbereitschaft gegenüber den Amerikanern unter den europäischen Regierungen sehr unterschiedlich ausgeprägt war.und währungspolitisch von den negativen Auswirkungen der Reagan’schen Wirtschaftspolitik abzukoppeln. From „Empire“ by Integration to Transatlantic Drift. was auf erhebliches Misstrauen in Washington stieß. bis 1993 einen einheitlichen Binnenmarkt zu schaffen (was bei den Amerikanern sogleich Befürchtungen vor einer sich abschottenden „Festung Europa“ heraufbeschwor). bekundeten mit der Unterzeichnung der Einheitlichen Europäischen Akte den Willen. Westeuropa wirtschafts. Schmidt formulierte Devise „Europa muss sich selbst behaupten“ 595. und weiteten die deutsch-französischen Kooperation im militärischen Bereich aus. Marschflugkörper) in Westeuropa zu Beginn des Jahrzehnts mit einhelliger Zustimmung der europäischen Regierungen (jedoch gegen den Widerstand großer Teile der Bevölkerung in den europäischen Staaten). S. revitalisierten die Europäer auf verteidigungspolitischem Gebiet die WEU.212 B. und forcierten somit die integrationspolitischen Bemühungen der westeuropäischen Staaten. 596 So auch G. Genscher hatte an ihrer ununumstößlichen Loyalität zur NATO und zu den Vereinigten Staaten nie einen Zweifel aufkommen lassen und war deshalb als Vermittler und Balancefaktor bei Streitigkeiten innerhalb der Allianz geradezu prädestiniert. Überhaupt ist festzustellen. Die Selbstbehauptung Europas. In den nun einsetzenden Abrüstungsverhandlungen mit den Warschauer-Pakt-Staaten griffen die Bündnispartner wieder verstärkt auf kollektive Beratungs. da hiermit eine Abkoppelung der interkontinentalen von der europäischen Abschreckung wirksam unterbunden wurde.und Entscheidungsmechanismen zurück.-D. zuletzt H. 2002. . Gorbatschow und die von ihm eingeleitete Entspannungspolitik gegenüber dem Westen hatte dann auch eine spürbare Klimaaufbesserung innerhalb des westlichen Bündnisses zur Folge. 232. Insgesamt war es der atlantischen Allianz mit der Nachrüstung gelungen. ihre militärstrategische Handlungsfähigkeit unter Beweis zu stellen und ihr machtpolitisches Gewicht zu stärken. Lundestad. Insbesondere die deutsche Regierung unter Bundeskanzler H. Auf dieser Basis 595 Eine wiederkehrende These des Altkanzlers. So erfolgte etwa die Stationierung der Mittelstreckenraketen (Pershing II. Die 1985 erfolgte Übernahme des Amts des Generalsekretärs der KPdSU durch M. 596 Allerdings: das Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und Westeuropa war auch in den achtziger Jahren nicht lediglich von Gegensätzen und Streit bestimmt. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung sam vertreten werden können. 2003.

155 ff. aber allzu häufig münden wirtschaftlicher Konkurrenzdruck und Rivalitäten in politische Streitigkeiten. S. Der europäische Gedanke. . Hintergrund und Finalität. die sich etwa in politisch forcierten Handelskriegen (Hähnchen. Zudem schuf das einheitliche Auftreten der transatlantischen Allianz im Umfeld der Verhandlungen über eine Vereinigung der beiden deutschen Staaten nach dem annus mirabilis (Häberle) mit dem Fall der Mauer. Rill (Hrsg. Genmais-Konflikt etc. die deshalb bei den Europäern stets geeignete Maßnahmen zur effektiveren Wahrnehmung ihrer internationalen Aufgaben und Verpflichtungen angemahnt haben. Oktober 1990. 165. Neuss.und Bananenkrieg. 597 Hierzu mit dem interessanten norwegischen Blickwinkel G. Meier-Walser / B.. Der „gütige Hegemon“ und Europa. in: R.III. Die Ansicht wird auch von den Amerikanern geteilt. 597 e) Die Folgejahre nach 1989/90 sowie ein Ausblick Auch nach Ende des Ost-West-Konflikts setzte sich die bereits seit den sechziger Jahren konstatierte ambivalente Haltung der USA gegenüber den europäischen Integrationsbestrebungen weiter fort. insbesondere die (mit Einverständnis der Bundesrepublik) gegenüber der Sowjetunion letztlich erfolgreich erhobenen Forderung nach einer unbedingten Einbindung eines wiedervereinigten Deutschlands in das westliche Bündnis (als wirksamer Schutz vor möglichen deutschen Sonderwegen oder einer kontinentalen deutsch-russischen Blockbildung) eine der wesentlichen Voraussetzungen für die internationale Zustimmung zur Wiedervereinigung Deutschlands am 3. 598 Ausführlicher B.C. Gerade weil die USA angesichts der neuen weltpolitischen Herausforderungen auf einen starken handlungsfähigen Partner angewiesen sind. Der Einfluss der amerikanischen Verfassung 213 gelang es im Rahmen der KSZE-Verhandlungen. 228 ff. Zwar haben die USA die Gleichberechtigung der Europäischen Union auf wirtschaftlichem Gebiet grundsätzlich akzeptiert und die gewachsene europäische Wirtschaftskraft für eigene ökonomische Interessen zu nutzen gewusst. 598 Im Bereich der internationalen Politik haben die globalen Entwicklungen seit 1990 gezeigt. den Osten durch Abbau seiner überlegenen konventionellen Streitkräfte zur Aufgabe seiner Invasionsfähigkeit zu bewegen und die Grundlagen für eine gesamteuropäische Friedensordnung nach dem Ende des Ost-West-Konflikts zu schaffen. 2001. S.). Die Rolle der USA bei der europäischen Einigung. Lundestad (2003). dass der transatlantischen Gemeinschaft bei der internationalen Konfliktregulierung und Aufrechterhaltung einer stabilen internationalen Ordnung nach wie vor eine gewichtige Rolle zukommt und dass für eine angemessene Funktionswahrnehmung dieser internationalen Rolle das machtpolitische Gewicht der Europäer noch stärker anwachsen muss.) oder Streitigkeiten über die Besetzung von Führungspositionen in Weltwirtschaftsinstitutionen äußern.

3. 3. dass sie die traditionelle Rollenverteilung im Bündnis. vom 23. aufzubauen. . 3. Trotz der traditionellen Reserviertheit der USA gegenüber eigenständigen verteidigungspolitischen Vorstößen der Europäer. 2003. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung haben sie sich immer wieder darüber beklagt. 2003. (noch) nicht über ein ausreichendes außen. vom 25. 2004. 599 Die immer häufiger und immer offener zu Tage tretenden Auseinandersetzungen und Brüche in den transatlantischen Beziehungen sind unter anderem auch 599 Vgl zu alledem umfassend die Bundestagsreden des Verf. 12. bei der Finanzierung friedensstabilisierender Maßnahmen. Die EU-Staaten haben ihrerseits zunehmend deutlich gemacht.und sicherheitspolitisches Instrumentarium zur angemessenen und eigenständigen Bewältigung der wachsenden an Europa herangetragenen internationalem Aufgaben und Herausforderungen zu verfügen. 10. 2003. z. Andererseits haben die USA in den internationalen Krisen der jüngsten Vergangenheit den Europäern deutlich zu verstehen gegeben. 2004. vom 15. nicht mehr länger gewillt sind hinzunehmen. um zügig und konsequent auf internationale Krisen reagieren zu können. ansonsten aber einer aktiven Rolle der Europäischen Union (etwa jüngst die „Kongo Mission EUFOR“) eher reserviert. haben sie daher in den neunziger Jahren verstärkt (und gelegentlich allzu brachial – Stichwort „Pralinen Gipfel“ 2003) damit begonnen. vom 27. Gerade die Administration von G. 5.und Ausbau einer Gemeinsamen Europäischen Außen und Sicherheitspolitik (GASP) und insbesondere einer Europäischen Sicherheits. wenn es ernst wird und ihre vitalen Interessen betroffen sind. 2004. vom 4. die Europäer zu verstärkten Integrationsanstrengungen und damit zur Stärkung ihres eigenständigen Gewichts in der Welt angespornt haben. dass die amerikanische Supermacht allenfalls bei Konflikten im regionalen Umfeld der Europäischen Union zur Kooperation bereit ist. zufallen. dass die Differenzen mit den Vereinigten Staaten über die Ausrichtung der Politik der westlichen Welt und die Erfahrung. 2002.214 B. vom 17. oftmals offen skeptisch gegenüber steht. B. sich nicht das Heft aus der Hand nehmen lassen. 2005 sowie vom 27. 6. Auch für die internationale Entwicklung nach dem Ende der Blockkonfrontation gilt somit. 10. ein eigenes geostrategisches Potenzial. 3. die beide als Haupttriebfedern einer „neuen“ transatlantischen Emanzipationsbewegung zu sehen sind). Temporär aufkeimende Gegengewichtsphantasien haben sich zuletzt relativiert (insbesondere durch die wachsende Schwäche der Regierung Chirac in Frankreich und durch die Abwahl des deutschen Bundeskanzlers Schröder. 2004. dass die Europäer weder über wirksame Entscheidungsmechanismen noch über die richtigen außenpolitischen Instrumente verfügten. 2005 (hierzu die jeweiligen BT-Plenarprotokolle des Sitzungstages). dass sie immer dann. wonach die USA die großen Leitlinien vorgeben und den Europäern lediglich unterstützende Funktionen. vom 5. 5.und Verteidigungspolitik (ESVP). weniger durch Belebung und Ausweitung der WEU als durch den Auf. 17. 11. 2004. vom 20.W. Bush hat mehrfach deutlich gemacht. vom 26.

Dez. Grund hierfür ist zum einen die neue weltpolitische Bedeutung Russlands – u. 601 Ähnlich auch M. 2001. 11. 600 . welche Rolle ein sich vereinigendes Europa zukünftig im internationalen Mächtekonzert spielen wird. das sich in einer solchen Situation Deutschland annähern könnte. Bislang war Amerika eine europäische Macht. Zukünftig wird dieser Umstand nur in dem Maße Geltung besitzen können. 8. mit oder ohne Verfassung keine real tragfähige Konstruktion (auch im militärischen Bereich) ausbilden. Sollten die Vereinigten Staaten in Reaktion auf weltpolitische Erfordernisse und europäische Selbstmarginalisierung einmal aufhören. tatsächlich europäische Macht zu sein.und Garantiemacht. dass sich Europäer wiederkehrend von vorderDie Entwicklungen Chinas und Indiens sind in diesem Kontext politisch wie wissenschaftlich aufmerksamer zu begleiten. der USA unverändert als Schutz. nicht lediglich eine Macht in Europa.III. wie Europa für die Vereinigten Staaten so unentbehrlich ist wie umgekehrt. solange sie. Europäische Einflusssphären im amerikanischen Rechtsdenken – Schlaglichter Eine wesentliche Ursache des Verkennens politischer wie rechtlicher Realitäten der USA liegt eventuell darin. ein partnerschaftliches Verhältnis auf gleicher Augenhöhe zu den Vereinigten Staaten aufzubauen oder sich eben als Gegengewicht oder Konkurrent zu der derzeit einzigen „Supermacht“ 600 zu etablieren. Jahrhunderts auch für ein stärker integriertes und machtpolitisch gewichtigeres Europa keine Alternative zur engen Anlehnung an das „amerikanische Empire“ sieht. 602 Beispielhaft seien nur die Friedens. wenngleich die Europäische Union zunehmend in diese Rolle selbst hineinzuwachsen scheint. sprechen andere Positionen bis heute einem vereinigten Europa das Potential zu. 602 3. je mehr sich der Nahe Osten in unvereinbaren Interessen und Konflikten verzettelt. ist auch in diesem Kontext die neue Rolle Russlands zu beachten. dass die internationale Ordnung auch 15 Jahre nach Ende des Kalten Krieges immer noch von bedeutenden Umwälzungsprozessen erfasst wird und die Re-Definition von Positionen und Rollen in der internationalen Politik immer noch nicht zu einem Abschluss gekommen ist. dass ein Verschieben der europäischen (Gleich?-)Gewichte eintritt. Proliferation und in Innerasien – zum anderen aber die europäische Energielage. wegen amerikanischer strategischer Bedürfnisse bei Raketenabwehr (NMD). Ebenso als Gleichgewichtsstifter. Stürmer.und Vermittlungsbemühungen unter „europäischer Flagge“ im Nahen Osten oder etwa in Bosnien-Herzegowina genannt. Diese wird umso unsicherer. Der Einfluss der amerikanischen Verfassung 215 Kennzeichen dafür. in: DIE WELT. Während eine Richtung angesichts der großen Zukunftsaufgaben des 21. Letzteres ließe Distanzierungen von Paris und London befürchten. a. Gleichwohl ist es mittelfristig nicht ausgeschlossen. Europas Sicherheitsarchitektur wankt. S. Ein nicht unbeträchtlicher Teil der politischen wie wissenschaftlichen Kontroversen (auf beiden Seiten des Atlantiks!) befasst sich mit der Frage. 601 Die Europäer bedürfen.

Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung gründigen Identitäten und formalen Parallelen der Herrschaftssysteme diesseits und jenseits des Atlantiks täuschen lassen. Die westliche Demokratie fördert während der ganzen früheren Zeit die Entstehung einer Gesellschaft. Diese Vorstellungen haben die gesamte amerikanische Demokratie mit Lebenskraft erfüllt und sie in scharfen Gegensatz zu den Demokratien der Geschichte gebracht und zu den modernen Bemühungen in Europa. Vorgaben und Begrifflichkeiten nicht lediglich zur Imitation europäischer Modelle.] Die amerikanische Demokratie ist im Grunde das Ergebnis der Erfahrungen des amerikanischen Volkes in der Auseinandersetzung mit dem Westen. Man arbeitete mit politischen Begriffen. A. Jahrhundert die offene Grenze. Sie gingen einerseits von weithin bekannten Ideen und Einrichtungen des „abendländisch-europäischen Kulturkreises“ aus. wie etwa allein schon das „Dogma der Volkssouveränität“ und das Gleichheitsprinzip überkommene Herrschaftseinrichtungen grundlegend veränderten.216 B. wie die eigentümliche „Ausgangslage“ der „Neuen Welt“. Und selbst wo die Verfassungsväter Ideen und Einrichtungen aus Europa übernahmen (etwa den Gedanken der Repräsentation). Varianten desselben Herrschaftsmodus zu identifizieren. Sie neigen dazu. wie ihre Glaubensbekenntnisse das Überkommene selbst dort veränderten. das Erlebnis der Weite des Westens und die Erfahrung der Ungewißheit für die gesamte politisch-soziale Entwicklung der USA (mit)verantwortlich machte: „Vom Beginn der Besiedlung Amerikas an hat die Region der Grenze ständig ihren Einfluß auf die amerikanische Demokratie ausgeübt [. die aus dem Fundus der Tradition stammten und die sie teilweise auch über den Atlantik in die „Neue Welt“ übernahmen. de Tocqueville hat in seinem klassischen Werk „Über die Demokratie in Amerika“ (1835) an zahlreichen Beispielen den Nachweis geführt.“ 603 .J. Gleichwohl nutzten sie all diese Kenntnisse.und Funktionsunterschiede der politischen Institutionenordnungen vorhanden sind. Ableitbar ist dieses Fehlurteil auch aus einer gewissen Ambivalenz mit der die amerikanischen Verfassungsväter die Schaffung ihrer Republik ins Werk setzten. sondern kreativ zur Schaffung neuer. ein künstliches demokratisches Ordnungssystem mit Hilfe von Gesetzen zu errichten. wo man es zu bewahren suchte. Der US-Historiker F. wo tatsächlich Struktur.. die mit europäischen Modellen kaum noch zu vergleichen waren. deren wichtigster Zug die Freiheit des Individuums zum Aufstieg im Rahmen sozialer Mobilität und deren Ziel die Freiheit und das Wohlergehen der Massen war. gewannen diese in einer völlig neuartigen Umgebung spezifisch amerikanische Charakteristika.. An dieser Stelle sei nur – und undifferenziert hinsichtlich sprachlicher wie inhaltlicher Unterschiede – auf den Föderalismus als amerikanische Erfindung im Bereich des Staatsrechts erinnert. als er um die Wende zum 20. durchaus revolutionärer Institutionen. die mannigfaltig die politischen Ordnungsverhältnisse in den amerikanischen Kolonien geprägt hatten. Turner meinte ähnliches. So nutzten sie sowohl exakte Kenntnisse der politischen Philosophie seit den Tagen der Antike oder der politischen Aufklärungsliteratur des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts in Europa sowie ihr Wissen über die Strukturen und Funktionsweisen des britischen Regierungssystems.

vgl. 605 Vgl. 32. die Gesetze der Union auch in deutscher Sprache zu veröffentlichen. wurde er im Plenum mit 42 zu 41 Stimmen abgelehnt. Erfolglos blieb dagegen ein Versuch deutschstämmiger Siedler 1794/95 in Pennsylvania und Virginia. abgegeben haben (. dass in dieser Herrschaftsordnung ein Parlament existiert.und Entscheidungsprozessen teilhaben. Solidarität und Subsidiarität. Nachdem sich zwei Kongressausschüsse für den Antrag ausgesprochen hatten. Der Einfluss der amerikanischen Verfassung 217 Viele Europäer haben die Eigentümlichkeiten des amerikanischen Herrschaftssystems missverstanden. Vgl. Deutsch sei nur wegen des Votums eines Deutschen nicht die Amtssprache der Vereinigten Staaten geworden.de/etexts/gov/bpb/body_i_199_1.usembassy. bei der Planung und Durchführung konkreter politischer Gestaltungsaufgaben. I. The Frontier in American History. 605 4. 604 Bei der Definition des parlamentarischen Regierungssystems kommt es nicht in erster Linie darauf an. Mühlenberg.C. die ihren eigenen Verfassungsordnungen entstammten. The Significance of the Frontier in American History. 1920. Miscellaneous. S.1893 sowie ders. Dies war der Anlaß für die in Deutschland immer wieder hochgespielte Legende. soll „die entscheidende Stimme der Speaker of the House. u. dass in diesen politischen Systemen Parlamente an den staatlichen Willensbildungs. Die Strukturprinzipien der parlamentarischen Regierungssysteme europäischdeutscher Prägung unterscheiden sich allerdings erheblich von jenen der amerikanischen Präsidialdemokratie. Washington D. S. Unabhängig davon. Turner. Inkurs: Teilaspekte einer Europäischen Rechtskultur. der Institutionen. a. mit Vorstellungen und Begriffen begegneten. da sie ihm. nieder.). Blumenwitz. 222. Andernfalls würde Verschiedenes zu einer künstlichen Einheit zusammengefügt – die Präsidialdemokratie der USA ebenso wie das Direktorialsystem der Schweiz oder die parlamentarischen Regierungsformen westeuropäischer Staaten.“ 603 . München 1998. der deutschstämmige F. 6. Europaverständnis Europas Werteordnung ist im Besonderen von drei Grundgedanken bestimmt: Personalität. hierzu D. wie im anglo-amerikanischen Rechtsund Kulturkreis die politischen Prozesse umschrieben werden. mit Verweis auf American State Papers. Diese Unterschiede schlagen sich notwendigerweise auch in der Sphäre der policy. usa .C.III. auch F. Einführung in das anglo-amerikanische Recht. den Code Civil aus dem Jahre 1808. Strukturen und konstitutiven Normen ebenso wie im Bereich der politics. von vordergründigen Parallelen der Regierungsweisen diesseits und jenseits des Atlantiks getäuscht. das verfassungsmäßig festgelegte Befugnisse bei der politischen Willensbildung hat.html. 114.J. Laut Blumenwitz (1998). Allerdings: Lousiana übernahm kurz nach seiner Aufnahme in die Union Gesetzbücher nach französischem Vorbild. 1834..A. 20 Fn. Aufl. Diese drei Faktoren verstehen sich ausZitiert nach der website der US-Amerikanischen Botschaft in Deutschland. trennt sie doch vieles 604: im Rahmen der polity..

bedarf es jedoch der Verflechtung mit dem Recht. Die nationale Prägung ist für die Menschen dabei sowohl stabiles Bindeglied zu sich selbst wie zu den Nachbarländern (im wechselseitigen Verständnis) als auch Teil ihrer unverwechselbaren Identität. dass der Mensch als ein mit Würde ausgestattes Einzelwesen zu sehen ist. dass die jeweils kleinere Einheit selbstverantwortlich alle die Herausforderungen erledigt. Im Gegenteil: Europa erfährt seine Prägung durch seine Nationen mit den ihnen eigenen Besonderheiten. aber Europa war auch immer gekennzeichnet vom gegenseitigen Durchdringen der Kulturen. Sie können dies umso besser. des Alltags und der sozialen Standards vermuten lassen. Die europäischen Völker und Staaten sind sich auch nicht annähernd so fremd. insbesondere vom einzelnen Bürger anerkanntes supranationales „Gebilde“ etabliert ist. Sie allein können. die sich aus eigener Kraft nicht helfen können. mit großem Selbstbewusstsein die notwendigen Aufgaben nach dem gewaltigen Schock gemeinsam zu erledigen. Sie haben eine seit dem frühen Mittelalter auf engem Raum und in ständiger Auseinandersetzung entwickelte (letztlich gemeinsame) Geschichte. September 2001 ein beeindruckendes Beispiel für den Willen. die latent drohende Gefahr einer Unterhöhlung des legitimen und friedensstiftenden Gewaltmonopols abwenden. Kulturelle Verwurzelung und nationale Identität stehen dabei zur Weltoffenheit oder zu einem gemeineuropäischen Verständnis nicht im Widerspruch. sondern auch eine des ständigen Austauschs durch Handel.und Gedankengerüst dem Reich der Ideen zu entreißen. Sie sind im Gegenteil gerade unentbehrlicher Bestandteil einer zu vermittelnden europäischen Kultur. die sie selbst schultern kann und erst dann die nächst größere zu Hilfe kommt. Migrationen. wohlverstandenen Patriotismus der europäischen Nationen bündeln sich die gemeinsame Geschichte und Kultur unseres Kontinents. sie ziehen sich aber gleichzeitig (neben anderen Axiomen) durch alle Bestimmungsversuche einer europäischen Rechtskultur. Dieser ständige Prozess des Austausches – ohne Verlust der eigenen Identität – war nur möglich. Der Gedanke der Solidarität knüpft an das Verständnis des Menschen als Sozialwesen an. Vereinfacht ist unter Personalität zu verstehen. und zwar nicht lediglich eine Kriegsgeschichte. Im positiv gemäßigten. je mehr sie von einem Gemeinschaftsbewusstsein ihrer Bürger getragen werden. Die Vereinigten Staaten lieferten nach dem 11. weil er in ein gesamteuropäisches Wertesystem eingebunden war. wie es die Vielfalt der Sprachen und die Unterschiede der Kulturen. bevor nicht ein stabiles. Auch im 21. der nicht anstrebenswertes Ziel einer überstaatlichen Vereinigung sondern bereits Grundlage hierfür sein muss und nirgends besser wachsen kann als aus den Staaten selbst heraus – von einem Gemeinschaftsbewusstsein ihrer Bürger getragen. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung drücklich als Säulen der Werteordnung. Missionierung . Um dieses Werte. Schließlich bedeutet Subsidiarität in diesem Kontext. das in der Gemeinschaft lebt und Verantwortung trägt für diejenigen.218 B. Jahrhundert bleiben die Garanten des Rechts primär die Staaten. das zunächst für sich verantwortlich ist. Auch im vereinten Europa haben die Nationalstaaten ihre Berechtigung nicht verloren. Ein Umstand im übrigen.

in: NJW 2002. Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen der europäischen und der amerikanischen „Rechtskultur“ zu erarbeiten.III. Stolleis. 1022 ff. Jahrhundert sich ausbreitende Schulung professioneller Juristen am wiederentdeckten römischen Recht sowie an dem für alle Lebensverhältnisse maßgeblichen Recht der römischen Kirche. also die Bindung an demokratisch zu Stande gekommene Normen. der Grundfiguren rechtlicher Ordnung und gewaltfreien Güteraustauschs. die diese Beschränkungen kontrollieren.). 1022 ff.Mit anderen Worten: Die Idee der Bindung der Staatsgewalt an Grundrechte und die effektive Kontrolle durch gerichtsförmige Verfassungsorgane oder funktionale Äquivalente gehören heute zum Standard.. faires Verfahren und ausgebauten Rechtsschutz durch unabhängige Gerichte. Europa nach Nizza. Constitutions-Akte und schließlich durch jeweils moderne Verfassungen unterworfen. der differenzierten Verfahren und der typischen Verfahrensfehler bedeuteten eine außerordentliche. ders. Zum anderen sind Verfassungsgerichte geschaffen worden. das sich aus Theologie und Naturrecht. 608 Im 19.. allerdings R. S. Dieses besteht zunächst aus internalisierten Sätzen einer vielfach gemeinsamen. Contemporary Law. 1023. Die historische Dimension. 1023. Zudem erkennen die Staaten Grundprinzipien des Rechtsstaats an. Die Einübung der Rechtssprache. Europa nach Nizza. 1995. Zimmermann (Hrsg. Gewohnheitsrecht und Doktrin langsam verfestigte und schrittweise positiviert wurde. Ein historisch gewachsenes „transatlantisches Verfassungsfundament“ Insgesamt ist ein transatlantisches „Verfassungsfundament“ zu konstatieren. Es entstanden Sicherungen der politischen Partizipation aller mündigen Bürgerinnen und Bürger. Das Gleiche gilt für die Entwicklung des neuzeitlichen Völkerrechts. 606 . und 20. dann durch Fundamentalgesetze. S. 607 Es gibt bislang nur zaghafte Versuche. in den Anfängen noch europäischen Rechtskultur. Ebenso M. Sie hat sich ihnen anfangs durch Eide und Verträge. Stolleis. Roman Law. Amerikanische Rechtskultur und europäisches Privatrecht. Jahrhundert ist die „egalitäre Demokratie“ hinzugekommen.. vgl. 608 So im Hinblick auf die europäische Verfassungsgeschichte auch M. Zum Kulturtransfer gehört auch die seit dem 12. dass die regierende Macht bei ihren Handlungen fundamentalen Beschränkungen unterliegt. Diese besagen zum einen. Verfahren der politischen und staatlichen Willensbildung. sondern auch unübersehbare historische Prinzipien. Verhältnismäßigkeit von Anlass und Eingriff. Die historische Dimension. 607 Es gibt nicht nur positives Verfassungsrecht. im Alltag kaum noch bewusste Zivilisationsleistung. European Law. Der Einfluss der amerikanischen Verfassung 219 und Kulturtransfer. 1991 mit Blick auf die römischrechtliche Tradition. Mit anderen Worten: Eine künftige Verfassung Europas kann auf einem durch lange Erfahrungen gesicherten Fundament aufbauen. 606 5. Bills of Rights. in: NJW 2002.

Das hat den geschichtlich unzählige Male bestätigten Vorteil. Kommission. dass in größeren Staaten nicht alle Fragen am grünen Tisch in der Hauptstadt entschieden werden können. gewinnt aber seine größte Bedeutung auf der mittleren Ebene semiautonomer „Teilstaaten“. 1023. sei es über die Wahl von Repräsentanten. aber doch im Bereich ihrer Kompetenzen als „Staaten“ auftreten. ist der letztlich banale Grundgedanke. Für regionale. Gerichte). die traditional geformte Räume. M. Was aber alle verbindet. vgl. sprachliche oder ethnische Besonderheiten muss es Legitimationsstrukturen vor Ort geben. Dies hat seinen Ausgangs. sind überaus vielfältig. die spanischen Comunidades Autónomas. sei es über die Sachfrage selbst. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung einschließlich der Anerkennung von Parteien.(oder End-)punkt bei den Kommunen. die Regierung als Exekutivorgan des Mehrheitswillens. mögen sie im europäischen „Gewand“ Provinzen (Belgien. sondern auch die horizontale Ausgliederung von Aufgaben zur selbstverantwortlichen Erledigung. 609 Die institutionellen Arrangements. Ausklammerung streitiger Themen und „Herunterzonen“. das Parlament als Beschlussorgan und politische „Schaubühne“. etwa durch Garantien von Mandaten. spezifische Mentali609 Das schließt Minderheitenschutz durch intelligente Verfahren ein. gleiche und geheime Abstimmung nach Mehrheitsprinzip. und zwar durch allgemeine. Ministerrat. folgen jedoch weitgehend einem Grundmuster: Parteien als „Agenturen“ zur Bündelung des Volkswillens. die französischen Départements und „Regionen“. Stolleis (2002). Wie eingespielt diese allgemeine Funktionsteilung mittlerweile auch auf europäischer Ebene ist. Vetorechten. Zu den kraft historischer Langzeiterfahrung internalisierten Sätzen atlantischer Rechtskultur gehört nicht nur die vertikale Funktionsteilung. dass diejenigen Politiken. die sich in überschaubaren Einheiten aufbauen lassen. die Opposition als politischer Gegner. offenbaren bei aller Dringlichkeit einer neuen Gewichtsverteilung die dort gebildeten Organe (Parlament. . S. die in der transatlantischen Verfassungsgeschichte der letzten zweihundert Jahre eingeübt worden sind: Jeder gesunde Erwachsene soll ohne Ansehung von Rang und Stand eine periodisch wiederkehrende Chance der politischen Mitbestimmung haben. die zwar wesentliche Aufgaben dem Zentralstaat überlassen. Wechsel im Vorsitz. Formelkompromisse und „praktische Konkordanzen“.220 B. Gewiss sind die englischen Grafschaften. die den so ermittelten Volkswillen in einen annähernd handlungsfähigen Regierungswillen überführen. So differierend die Reaktionen auf das mittelalterliche Postulat „quod omnes tangit ab omnibus approbetur“ auch ausfallen mögen. die schwedischen Provinzen (län). es gibt auch hierfür „Leitsätze“. freie. Niederlande). die ungarischen Komitate und die polnischen Wojewodschaften keine „Länder“ im Sinne der deutschen oder „Staaten“ (states) gemäß der amerikanischen Tradition. kulturelle. Regionen (Italien) oder Länder heißen. Unterschiedlich ist auf beiden Seiten des Atlantiks freilich das Verständnis von der Notwendigkeit einer Trennung von Staatsoberhaupt und Regierungschef.

610 Diese Bezeichnung wird Präsident W. 11. Als zweite Säule der Verfassunggebung und Standpunkt im obigen Sinne lässt sich als eigentlicher Impulsgeber und Kontrolleur amerikanischer Verfassungswerdung der US-Supreme Court als „ständiger Verfassungskonvent“ 610 und bedeutsamster Verfassungsinterpret ausmachen. Haller. S. Supreme Court und Politik in den USA. Aufl.IV. Beide Gerichte nehmen gleichzeitig eine bedeutende Rolle für Entfaltung und Fortgang der jeweils verankerten Verfassungsprinzipien ein. der sich unter den Begriff „amerikanische bzw. 1776 –1995. Kyvig. Verfassungsinterpretation und Verfassungsprinzipien Das Unterfangen einer (verkürzten) historischen Betrachtung der amerikanischen und europäischen Verfassungsentwicklung erlaubt (und erfordert) die Hervorhebung dreier Standpunkte. Gerichtshöfen und Verfassungsprinzipien findet sich schließlich eine höhere Schnittmenge. Zwischen Amendments. als dies die Verfassungstexte zunächst erahnen lassen. letztlich die effektiveren sind. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 221 täten. Wilson zugeschrieben: „The Supreme Court is a constitutional convention in continuous session“ (zitiert nach E. So haben sich in den letzten Jahrzehnten auch alte europäische Zentralstaaten zu einer gewissen Diversifizierung ihrer Verwaltung bereitgefunden. Vollzogener Wandel und Fortentwicklung sind in diesem Kontext nicht gleichzusetzen. die mit unterschiedlichem Blickwinkel. aber einem Zielpunkt. nur P. Europäische Verfassungslehre. 1988. Häberle. 2006. Corwin / J. Fragen der Justiziabilität in der höchstrichterlichen Rechtsprechung. wiederkehrend auch in D. in der deutschsprachigen Literatur bereits: W. Mit Blick auf die Europäische Union sind die Instrumente zur Änderung der Verträge sowie des Verfassungsvertrages näher zu betrachten. . 1972. die Verfassungsgeschichte zu prägen wußten. die drittens als Grundgedanken und Strukturelemente eines Verfassungsstaates (USA) und einer Verfassungsgemeinschaft 611 (Europäische Union) in einer Auswahl einem Vergleich unterzogen werden. S. 4.S. konfessionelle oder sprachliche Besonderheiten den Betroffenen zur eigenverantwortlichen Regelung überlassen. 611 Vgl. Bedürfnisse von ganzen „Landschaften“. 12. der Verfassungsgemeinschaft (EU) durch Verfassunggebung. IV. Constitution. Understanding the Constitution. 125. europäische Verfassungskultur“ fassen lässt. 1996. Peltason. S. 645.S. gleichwohl fortentwickelnden kulturellen Umfelds zu nennen. Explicit and Authentic Acts: Amending the U. vielmehr ist die stete Wandlungsfähigkeit erst Voraussetzung einer blühenden Kultur. Zum einen sind im Kontext der amerikanischen Verfassunggebung die Amendments als Zeugnis eines sich wandelnden gesellschaftlichen und politischen. Aufl. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates (USA) bzw. auf europäischer Ebene ist die diesbezügliche Rolle des EuGH in einzelnen Punkten zu prüfen.

The Theory and Practice of Constitutional Change in America : a Collection of Original Source Materials. Den Bezug zum politikwissenschaftlichen Ansatz arbeitet J. R Vile. der Bill of Rights. 1959. ihrer mehr als 200-jährigen Verfassungsgeschichte 613 und lassen sich am ehesten als „Verfassungsergänzung“ begreifen. 49. auch . gingen sie von einem lediglich begrenzten Spielraum für Änderungen aus. Siehe auch die Quellensammlung von ders. die schwer zu verändern. T. Verfassungsrecht und Verfassungspraxis der Vereinigten Staaten. S. Die amerikanische Verfassung bleibt angesichts des Festhaltens an ihren Bestimmungen damit Spiegelung ihrer Kulturgeschichte – im Gegensatz zu vielen anderen Verfassungen. als sie als untrennbarer Bestandteil der Gründungsverfassung gesehen werden müssen und deren Aufnahme von Anfang an vorgesehen war. The Constitution and its Amendments. die das Ringen um eine Fortentwicklung angesichts des revidierten Textes selten erkennen lassen. 1999. insoweit ein Sonderstatus einzuräumen ist. Tatsächlich vereinten seit der Verfassungsratifikation in mehr als zweihundert Jahren lediglich 27 vorgeschlagene Amendments die erforderlichen Mehrheiten im Kongress und den Staaten auf sich. 4 Vol. dass die Urfassung der amerikanischen Bundesverfassung bislang keine Wortlaut-Änderungen. J. 612 Die Amendments sind das Abbild unmittelbarer Verfassunggebung in Amerika. wobei den ersten zehn Amendments. K.222 B.. revidieren oder ergänzen sein sollte. indem er die Verfassung nur anlässlich „certain great and extraordinary ocassions“ irgendwelcher Modifikationen unterwerfen wollte. Im festen Glauben an eine eherne Verfassungsstruktur.). Madison unterstrich dieses Bewußtsein in The Federalist No.K. 612 . heraus. sachgerechter als der inflationär gebrauchte Begriff der „Verfassungsänderung“. 1993. die ihrerseits den verankerten und sich entwickelnden Prinzipien den gebührenden Respekt sichern würde. die Gültigkeit einzelner Bestimmungen gegebenenfalls aufgehoben. The Constitutional Amending Process in American Political Thought. Loewenstein. Der Terminus „Verfassungsergänzung“ ist angesichts des Umstandes. sondern vielmehr textliche Erweiterungen erfuhr.). 613 Zur Geschichte der Amendments in großer Ausführlichkeit R. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung 1. Newman (ed. Gebundene Verfassunggebung – Wege zur Verfassungsergänzung und Verfassungsänderung a) USA: Die Amendments als Abbilder einer Verfassungsergänzung – Spiegelung amerikanischer Kulturgeschichte Die Gründungsväter schufen bewusst eine Verfassung. 35. 1992. Hobbes sah bereits den Akt der Ver- Vgl. Trotzdem wirkt in einer Gesamtschau jede Änderung letztlich solange ergänzend bis es tatsächlich zu einer Totalrevision kommt. Freilich wurden mit Hilfe der Amendments Anwendungsbereiche einzelner Artikel geändert.(ed.

1960. (Hrsg. 2 ff. without any Alteration.. Was also bereits im alten Testament im Buch Esther und beim Propheten Daniel angesichts der kaum intendierten Auswirkungen unabänderlicher Gesetze von Medern und Persern angedeutet worden war 615. chap. 31 ff. change or diminish the Form or Effect of this Charter [. 19. P. Penn formulierte. Jahrhundert gibt J. Ideas of Legal Change: Precursors of the Constitutional Amending Process.und Gewissensfreieit sowie angesichts der banalen Erfahrung von der Sterblichkeit der Menschen bereits einen „amendingprocess“ vorsah.. in: 6 Ind. Vile. 617 Einen profunden Überblick über die amerikanischen Ansätze im 18. das den so gegensätzlich erscheinenden. Taylor. A New Look at Article V and the Bill of Rights. in: J.. Hesse u. 699 ff. Kirchhof greift diesen Gedanken ebenfalls auf in ders. Sci. 1909. 616 Vgl. Colonial Charters and Other Organic Laws of the States. Journal (1988). die nach der Unabhängigkeitserklärung geschaffen wurden. and Colonies Now or Heretofore Forming the United States of America. 1. T. 6. 67 ff. in englischer Übersetzung Plutarch. 9. Die Steuerungsfunktion von Verfassungsrecht in Umbruchsituationen. Penn. 49. S. Hobbes.. 614 Diese These wurde in den Vereinigten Staaten von Amerika auch in formeller Hinsicht erfüllt. Thorpe. dass „the First Article of this Charter relating to liberty of Conscience.] and Six Parts of Seven of the Assembly [. dass „no Act. 614 . The Rise and Fall of Athens: Nine Greek Lives. Law or Ordinance whatever“ shall „alter. S.). wohingegen die meist separat verabschiedeten „Bill of Rights“ meist für unabänderlich erklärt wurden. (1973). 615 Siehe das Buch Esther Kap.. Leviathan. aa) Artikel V der Bundesverfassung – ein Faktor der Stabilität und Flexibilität Darüberhinaus wurde mit dem Instrument der Amendments ein Gerüst geschaffen. tatsächlich jedoch einander streng bedingenden Säulen jeder Rechtsordnung – rechtliche Stabilität und notwendige Anpassungsfähigkeit zum gesellschaftlich bedeutsamen Wechsel – die Balance und Beständigkeit gab. Kap. dessen Entwurf der Charter of Delaware (1701) unter dem Eindruck der Forderungen nach Religions. The Federal and State Constitutions. sowie Daniel. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 223 fassunggebung in Kulturstaaten eher als einen Akt der Verfassungweitergebung.] without the Consent of the Governor [. 560. Bemerkenswert sind in diesem Kontext auch die frühen Gedanken des Quäkers W..R. 64 ff. Territories. in: 9 Midsouth Pol.. S. war die Möglichkeit zukünftiger Modifizierungen auf Änderungen der staatsorganisatorischen Struktur beschränkt. die in der vorhergegangenen Geschichte oftmals erstrebt und letztlich nie im erforderlichen Maße erreicht wurde. R.] shall be kept and remain. S..]. S. 1651.. a. inviolably for ever“. 1999. In einigen der einzelstaatlichen Verfassungen. Rev. 26. Verfassungsrecht und Verfassungspolitik in Umbruchsituationen. vgl.“ Darüberhinaus fand sich in der Charter eine Garantie. L. was schon Plutarch bezüglich des schnellen Wandels der ursprünglich für hundert Jahre niedergelegten Gesetze Solons festgehalten hatte 616 und was schließlich Zeitgenossen der amerikanischen Verfassungsväter in philosophischen und politischen Schriften forderten 617 – die Liaison von Tradition Vgl.IV.. and every Part and Clause therein [.J. zitiert nach F.

als er das Vorhaben der Verfassungsväter auch insoweit rechtfertigte. die Verbindung eines erhaltenden mit einem wandlungsfähigen Element – fand mit der Möglichkeit der Verfassungsergänzung mittels Amendments in Art. V übernahm hierbei eine bedeutsame Rolle. Garnett. is a federal function derived from the Federal Constitution. 253 U. representative bodies of the type which in 1789 exercised the legislative power in the several States. die beispielsweise keinerlei Schutz vor unerwünschtem politischen Wandel geboten hätte. in either Case. Das Urteil des US-Supreme Court in Hawke v. Provided that no Amendment which may be made prior to the Year One thousand eight hundred and eight shall in any Manner affect the first and fourth Clauses in the Ninth Section of the first Article.“ Über dem Verfassungskonvent von Philadelphia schwebte – wie erwähnt – stetig der Geist des Kompromisses. forms ought to give way to substance. nor may a State validly condition ratification of a proposed constitutional amendment on its approval by such a referendum“. 1958. indem man einen Mittelweg fand zwischen einer „fließenden“. leicht zu ändernden Verfassung. „ [. on the Application of the Legislatures of two thirds of the several States. and it transcends any limitations sought to be imposed by the people of a State. Smith. V der Verfassung von 1787 erstmalig Einzug in eine Rechtsordnung: „The Congress. 137 (1922): „[t]he function of a state legislature in ratifying a proposed amendment to the Federal Constitution. 40 zum Ausdruck. 130. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung und Moderne.224 B. that a rigid adherence in such cases to the former would render nominal and nugatory the transcendent and precious right of the people to ‚abolish or alter their 618 Der Begriff „legislatures“ in Artikel V bezeichnet „deliberative. shall be valid to all Intents and Purposes. shall propose Amendments to this Constitution. when ratified by the Legislatures of three fourths of the several States. . which. in all great changes of established governments.“ 619 Siehe Art. shall call a Convention for proposing Amendments. 258 U. or by Conventions in three fourths thereof.. shall be deprived of its equal Suffrage in the Senate. Hinsichtlich der Amendmentregelung wurde der Wille zur „aurea mediocritas“ schließlich exemplarisch umgesetzt.S. Solberg.] that. as Part of this Constitution. und einer allzu rigiden Ordnung ohne jegliche Möglichkeit zur gelegentlich notwendigen Neuorientierung. whenever two thirds of both Houses shall deem it necessary. vgl. as the one or the other Mode of Ratification may be proposed by the Congress. das sich nach überwiegender Meinung als unpraktikables Mittel zu Stillstand und potentieller Separation instrumentalisieren ließ 619. Art.. The Federal Convention and the Formation of the Union of the American States. So konnten noch die Articles of Confederation nicht ohne die Zustimmung der Legislaturen 618 aller Einzelstaaten geändert werden – ein System. and that no State. Die Unzufriedenheit mit den Regelungen der Articles und die daraus zu ziehenden Konsequenzen brachte Madison im Federalist No. 51.S. Dazu W. XIII der Articles of Confederation. S. It does not comprehend the popular referendum which has subsequently become a part of the legislative process in many of the States. like the function of Congress in proposing the amendment. or. without its Consent. 221. 231 (1920)sowie Leser v.

620 Verglichen mit den Articles of Confederation steht Art. 621 Bei den Anti-Federalists war die Befürchtung. Smith. Nachdem die rechtlichen Zwänge gegenüber denen der Articles vergleichsweise gelockert waren. Mason aus Virginia meinte etwa. zitiert nach M.IV. 46 ff. Federalism and Constitutional Change. Essays in the Constitutional History of the United States in the Formative Period. S.R. Madison’s Opposition to a Second Convention. S. which would render the Constitution too mutable. dass die grundsätzlich notwendige Aufnahme und Garantie einer Bill of Rights eines zweiten Verfassungskonvents vor der eigentlichen Verfassungsratifizierung bedürfte. vgl. Bd. Jameson. Principles Governing the Interpretation of Exercises of Article V Powers. 242 ff. rev. dass diese Idee immerhin in einige einzelstaatliche Verfassungen inkorporiert wurde. zitiert bei J. 1888. (1982). which might perpetuate its discovered faults“ (The Federalist No. S.F. Vgl. Die „amending articles“ verteidigte er im übrigen als ein „neither wholly national nor wholly federal“ (The Federalist No. hatte es innerhalb des Konvents kaum Diskussionen über die Notwendigkeit der neuen Verfahrensform gegeben. The Movement Towards a Second Constitutional Convention in 1788. die gegebenen „legal constraints“ seien durch eine selbst auferlegte Zurückhaltung („self-restraint“) zu ergänzen. Q. and it is therefore essential that such changes be instituted by some informed and unauthorized propositions. Freilich erfolglos auf Bundesebene – wobei jedoch nicht verschwiegen werden soll. Vile. made by some patriotic and respectable citizen or number of citizens. Elliott.“ Nachdem sich das Prinzip der Einstimmigkeit also als untaugliches Mittel für den unumgänglichen Wandel erwiesen hatte. 1889. Gaugush. The Records of the Federal Convention. 1956. S. E. Livingston. in: J. das Amendment-Verfahren sei zu schwierig (siehe die Kritik von P. 48 sowie die Einschätzung von W. Farrand. S. gleichwohl jedoch (unterschiedliche) Mehrheiten im Verfahren genügen lässt. American Views of the Constitutional Amending Process: An Intellectual History of Article V. versehen mit der Funktion „equally against that extreme facility. in: 35 The Western Pol. and that extreme difficulty. dass Amendments vonnöten seien und es wäre „better to provide for them. Andere forderten in regelmäßigen Abständen Überprüfungen der Verfassung („periodically scheduled reviews“). 1775 – 1789. Der Delegierte Col. regular and Constitutional way than to trust chance and violence“. 43) zu wachen. P. 44 ff. . Madison freilich vertröstete die Anhänger dieser Idee auf den Zeitraum nach der Ratifizierung und versicherte die anschließende Aufnahme einer Bill of Rights. S. Weber. 3. glaubten nun einige Konventsmitglieder. The Debates in State Conventions on the Adoption of the Federal Constitution. 202. 498 ff. brachten die Verfassungsväter eine neuartige Alternative auf den Weg. da er zwar hohe Hürden im Amendmentprozess vorschreibt 621. dazu auch J. 1. in: 25 AJLH (1991).) eng mit der Auffassung verknüpft.‘ since it is impossible for the people spontaneously and universally to move in concert toward their object..ed. in an easy. 1937 sowie 1966 (hier zitiert). S. 622 620 Obgleich alle Aufzeichnungen des Verfassungskonvents wiederholt Gegenstand intensiver Untersuchungen im Hinblick auf Hintergründe des Amendment-Prozesses waren. V für ein höheres Maß an Flexibilität. Henry vor dem Ratifizierungskonvent in Virginia. 49 f. S. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 225 governments as to them shall seem most likely to effect their safety and happiness. 213 ff. Bd.P.. 39) Heilmittel gegen alle erdenklichen Fehler in der Verfassung. vgl. in: 20 POLITY (1988).

Farmers Loan & Trust Co.S. Die nach allgemeiner Ansicht bedeutsamsten Amendments. 627 die Einkommenssteuer ermöglicht.. In Pennsylvania gab es für die „reviews“die Institution eines „Council of Censors“. J. 2 U. Mit dem 16. (1898). 1954. (1868) und 15. and 15th Amendments. in 22 Pennsylv. die größtenteils dazu dienten. Methods of State Constitutional Reform. 625 Das amerikanische Wahlrecht haben das 17.E. 19.226 B.) 393 (1857). Georgia 626 Klagen von Bürgern eines Einzelstaates gegen einen anderen Einzelstaat. No Easy Walk to Freedom.S. (1964) und 26. (1913). Amendment of State Constitutions. 27. etwa die Hälfte. 624 Dies sind das 13. entweder das Wahlrecht auszuweiten 625 oder die Amtszeit des Präsidenten zu regulieren.Mag.L. (1920). 265 ff. Amendment (1798) entgegen der Entscheidung Chisholm v. Amendment (1870). The Council of Censors. Sandford 60 U. S. 429 (1895). 626 Chisholm v. die Ausschlag für die sogenannten „Reconstruction Amendments“ 624 geben sollte. 1967. Reconstruction and the Ratification of the Fourteenth Amendment. 14. 50. 23. Farmers Loan & Trust Co. Constitutional Revision in Other States. Amendment (1913) wurde im Widerspruch zu Pollock v. Obwohl in diesem Zeitraum mehr als 11. jedoch erst im Jahre 1992 ratifiziert wurde. Zum Amendment-Prozess in den Einzelstaaten bereits J.and Bio. Amendment J. So verbietet das 11. das ursprünglich bereits Bestandteil des dem ersten Kongress 1791 zugegangenen Amendment-„Pakets“ war. 627 Pollock v. Das 14. The Reconstruction Amendments‘ Debates. Sturm. .L. Amendment. Garner. (2 Dall. Avins. Georgia. 623 Hierzu zählt kurioserweise auch das letzte. Kendrigan.P. sowie der umwälzenden Phase des Bürgerkrieges. Vier Amendments blieb es vorbehalten. (1865). Amendment (1868) aus der Reconstruction-Ära ermöglicht allen in den USA geborenen oder eingebürgerten Personen die amerikanische Staatsbürgerschaft und setzte sich damit über Dred Scott v. dazu S. 14th. Bond. vereinten lediglich 33 die erforderlichen Kongressmehrheiten auf sich.000 Amendment-Vorschläge für die Verfassung in den Kongress eingebracht wurden.1997. S. wovon letztlich nur die benannten 27 auch von den Staaten ratifiziert wurden. Amendment aus dem Jahre 1971 eine Beschränkung des Wahlrechts von Personen über achtzehn und 622 Vgl. M. 24. of Hist. Siehe auch A.S.W. entstammen zwei bahnbrechenden Perioden amerikanischer Geschichte – dem Zeitraum der Verfassungschöpfung 623. 157 U. die 1791 ihre Vollendung mit der Bill of Rights gefunden hatte. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung bb) „Self-Restraint“ in der Verfassunggebung Insgesamt gedieh. Meador. höchstrichterliche Entscheidungen de facto aufzuheben.) 419 (1793). 1907. besser glückte die Selbstverpflichtung zum „self-restraint“ in den ersten zwei Jahrhunderten nach dem Gründungsakt. Daneben bleiben lediglich dreizehn „sonstige“ Amendments der Verfassung. 628 Dred Scott v. Vile (1991).R. Zu den Schwierigkeiten im Zusammenhang mit dem 14. sowie A. (19 How. (1961). 1965. Sandford 628 ebenso klar hinweg wie das 26. Amendment (1971) sowie die „Reconstruction Amendments“ 14 (1868) und 15 (1870) zum Gegenstand. The Legislative History and Contemporary Debates in Congress on the 13th.

1 der Verfassung vorgesehen die Staatsparlamente ihre Senatoren ernennen sollten. schon im Zuge der Inkorporierung der Bill of Rights initiiert) mehr angenommen wurde. 350 (1920) sowie Leser v. 253 U. 631 Im Gegensatz etwa zum deutschen Grundgesetz. 112 (1971). Die einzigen Amendments. 79 III GG. Wahlkampffinanzierung. Obgleich seit 1971 kein neu vorgeschlagenes Amendment (das 27. Dazu W. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 227 damit das Urteil Oregon v. wie beispielsweise die „Ewigkeit“ der republikanischen Regierungsform in den Verfassungen der französischen dritten bis fünften Republik oder in der italienischen Verfassung. nämlich laut Art. wie bereits erwähnt. 633 Innerhalb weniger Jahre haben etwa in den 1990er Jahren sechs vorgeschlagene Verfassungsergänzungen (u. besteht also in dieser Form in den Vereinigten Staaten nicht. Verfahren zur Erhebung neuer Steuern. and the Advisability of its Modification. Mitchell 629 obsolet machte. die National Prohibition Cases. sollten sie in Kraft treten. 400 U. Religionsfreiheit. Tatsächlich wurde mit Erlaubnis des beeinrächtigten Staates diese Regelung mit dem 17. Garnett. 632 Vgl. den strafrechtlichen Schutz der Bill of Rights und die Methodik. sondern das Volk diese in Direktwahl zu bestimmen hätte.S. In den letzten Jahren waren jedoch im Hinblick auf Amendment-Bemühungen Anzeichen eines weniger strengen „self-restraint“-Bewußtseins zu beobachten. aber auch Flaggenentweihung („flag desecration“) betreffend) das Plenum einer der beiden oder beider Kammern des 630 629 . vgl. a. dass nicht mehr wie ursprünglich in Artikel I § 3 par. aus dem Jahre 1992 hatte man. 258 U. die den Verfahrensweg bereits ungewöhnlich weit beschritten haben und die. 632 Vor allem aber die erforderliche Beteiligung der Einzelstaaten stellte sich in der Vergangenheit als schwer zu überwindendes Hindernis gegen häufige und übereilte Ergänzungen des Verfassungstextes dar. die nicht geändert werden darf 631. September 2001 eine Potenzierung von Amendment-Vorhaben zu erkennen. 633 Darüber hinaus ist im Zuge der terroristischen Anschläge vom 11. Mitchell. the Objections to its Repeal.S. (1933) Amendment.S. V letzter Halbsatz die Bestimmung. Art. Amendment (1913) schließlich auch dahingehend geändert. ergab sich ein plötzlicher Anstieg vorgeschlagener Ergänzungen.D. Constitutional Aspects of National Prohibition: a Review of the Antecedents of the Eighteenth Amendment. Die grundsätzliche Änderungsbefugnis unterstrich der Supreme Court ausdrücklich in den 20er Jahren des 20. 130 (1922). die Religionsfreiheit. einschneidende Veränderungen zur Folge hätten.IV. In der amerikanischen Verfassung gibt es lediglich eine Vorschrift. die jedem Staat das gleiche Stimmrecht im Senat gewährt. Guthrie. Das 18. Jahrhunderts. einen ausgeglichenen Haushalt. auf die der Kongress für die Zuweisung von Mitteln zurückgreift. für fundamentale Prinzipien wie das Recht der freien Meinungsäußerung. (1919) und 21. 1932. Das Problem der „unabänderlichen Verfassungsnormen“. wobei Oregon v. die nicht diesen Kategorien unterfallen – die sogenannten Prohibition Amendments 630– bilden zudem das bislang einmalige Beispiel einer Aufhebung eines Amendents durch ein weiteres Amendment.

dazu nur die breite Berichterstattung etwa zum sog.judiciary. Subcommittee on the Constitution. Unter den Demokraten gibt es bis heute nicht wenige. Kongress wurden im Repräsentantenhaus bis Dezember 2001 fünfzig „proposals of an amendment“ (vgl. Zwar haben Bemühungen um die amerikanische Verfassunggebung seit der Declaration of Independence nicht mehr Anlass zur Vermutung gegeben. first session. One Hundred Third Congress.senate. Leahy vor dem Senate Judiciary Committee. House – Committee on the Judiciary. 634 Jedoch gab es bereits vor dem 11. Hearing before the Subcommittee on the Constitution of the Committee on the Judiciary. September in den Vereinigten Staaten (wie in vielen Ländern Europas) eine Flut von Gesetzgebungsinitiativen zur Folge. 636 Die Gründe für dieses neu erweckte politische Amendment-Interesse sind vielfältig. dass die Unmittelbarkeit der Reaktion (ein Wesensmerkmal von politisch gesteuertem Aktionismus) über die Momentaufnahme hinaus ihre Grenzen in der bisherigen Verfassungs-Ergänzungs-Tradition finde dürfte. 635 Vgl. Flag Desecration Amendment to the Constitution. first session on S. Res. / list / c106sj. das politische Klima zugunsten weiterer Amendments zu verändern. judiciary. Congress. Feingold und P. vgl.gov/93099rf. United States. on H. on S. September 2001 – insbesondere in der Parteienlandschaft – Tendenzen. dazu die Stellungnahmen der Senatoren R. Congress.J. 1999. a bill proprosing an amendment to the Constitution of the United States to require a balanced budget. Executive Business Meeting: „The Victims’ Rights Amendment“ (S. die Auflistung im Einzelnen unter http://thomas . 41. Hearings before the Committee on the Judiciary. äußeren Einflussfaktoren geschuldet zu sein. Dabei wurden zwei („balanced budged amendment“ und „flag desecration amendment“) vom Repräsentantenhaus verabschiedet. February 15. Subcommittee on the Constitution.htm bzw. BalancedBudget Amendment. United States Congress. 1995. United States Senate.lst:1) behandelt. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung aber weitgehend davon ausgegangen wird. Balanced-Budget Amendment to the Constitution. www. second session. vgl. One Hundred Fifth Congress. 3) September 30.J. Hearings before the Subcommittee on the Constitution of the Committee on the Judiciary. 79. 16. im Senat dreizehn solche Vorschläge (http://thomas.lst:1). „Patriot Act“. Senate -Committee on the Judiciary.gov/cgi|-|bin/query/L?c106:. and 17. die insbesondere verschärfte Maßnahmen im Rahmen der inneren Sicherheit ermöglichen sollten. die ihrer Frustration über Kongresses erreicht. Res. seit mehreren Generationen erstmals wieder die Mehrheit in beiden Häusern des Kongresses zu stellen.J. Res. eine nicht unbedeutende Rolle. 1995.gov/93099pl2. May 24. 1995.gov / cgi-bin / query / L?c106:.loc.228 B. United States Senate. 636 Allein im 106. January 17 and 22. eine Version des „balanced budged amendment“ verfehlte die erforderliche Senatsmehrheit zweimal jeweils nur um eine Stimme. die Verfassung um ein „victim’s rights – amendment“ 635 zu ergänzen ebenso politische Unterstützung wie Konzepte.senate. Für manchen Republikaner spielte gewiß der Umstand. . 1. Res. Zum „flag desecration amendment“: United States.htm. 1997.J. So fanden Vorschläge. 1994. Senate – Committee on the Judiciary. One Hundred Fourth Congress. 1997.J.loc. 634 Freilich hatte der 11. die amerikanische Staatsbürgerschaft neu zu definieren oder die Erfordernisse für zukünftige Amendments zu erleichtern. gleichwohl ist nicht zuletzt aufgrund des amerikanischen Verfassungsselbstverständnisses und -patriotismus’ gerade dieser Umstand eher Hemmnis denn Antrieb für allzu extensive AmendmentAbsichten./list/c106hj.

dass seit 1791 lediglich siebzehn eigentliche Verfassungsergänzungen erfolgreich durchgeführt wurden. Auf dieser Grundlage gestaltete die Detailkommission einen Absatz.. vgl. Murphy / C. Auch darf der Umstand. ders. Bd. Aufl. 237.). die richtigerweise Gegenstand der „normalen“ Gesetzgebung sein müssten. ders. Letzteres geschieht vorwiegend unter Berufung auf die sogenannte „original meaning“ des Verfassungsdokuments. dass der Kongress auf Antrag von zwei Dritteln der gesetzgebenden Körperschaften der Einzelstaaten einen Konvent zur Änderung der Verfassung einzuberufen hätte. S. rev. Pritchett (eds. 1993. Neutral Principles and Some First Amendment Problems. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 229 ein in ihren Augen durch umfangreiche Walkampfspenden korrumpiertes System mit einer Änderung des Verhältnisses „between money and speech“ Ausdruck verleihen wollen. Donnelly. 1 ff.ed. The Records of the Federal Convention of 1787. S. Der grundsätzlichen Bedeutung gescheiterter Empfehlungen zur Verfassungsergänzung oder -änderung für die Verfassungsentwicklung wird an späterer Stelle noch eingehender gedacht. 4. 1986. Bd. 638 Zum Stellenwert der „original meaning“ bzw. 202 f. S. 1. 638 Die Fülle der eingebrachten Amendment-Vorschläge sollte allerdings nicht darüber hinwegsehen lassen. 635 ff.). Zunächst wurde erwogen... 1937 (hier zitiert) sowie 1966. 639 Ersteres erfordert einen gemeinsamen Beschluss („joint resolution“) von Senat und Repräsentantenhaus mit Zweidrittel637 Siehe zu dieser Problematik D. Courts.H.B... The Political Seduction of the Law. Bd. Farrand (1937). angestellt. Judges & Politics. 22. 1990. die auf eine Beschränkung des höchstrichterlichen „judicial activism“ und eine Rückbesinnung auf den ursprünglich in der Verfassung vorgesehenen Amendment-Prozess abzielen. wobei die Initiative entweder vom Kongress oder den Staaten eingeleitet werden kann. An Introduction to the Judicial Process. Gunlicks (ed. S. Campaign and Party Finance in North America and Western Europe. Ein interessanter Vergleich zwischen amerikanischer und europäischer Methodik der Wahlkampfund Parteienfinanzierung wird im Sammelband von A. Tradition and Morality in Constitutional Law. Farrand. cc) Initiative und Ratifikation – das Verfahren (1) Das Modell „congressional proposal“ – der Regelfall Das Verfassungsergänzungsverfahren teilt sich in zwei Abschnitte: der Initiative („proposal“) folgt die Ratifikation. des „original intent“ in der Verfassungsinterpretation siehe einen der prominentesten Vertreter des sog. Bork. „originalism“ R. der vorsah. 85. 1. 2001. . 639 Bereits im Verfassungskonvent von 1787 wurde die Ausgestaltung eines Änderungsverfahrens kontrovers diskutiert. M. Are Elections for Sale?. in: W. 637 Insbesondere sind aber parteiübergreifend Bestrebungen auszumachen. nicht den Blick auf die Flut in den Kongress eingebrachter und letztlich gescheiterter Amendment-Vorschläge verschleiern. 2.F. dass der überwiegende Teil der intendierten Verfassungsergänzungen Problemstellungen betrifft.IV.H. vgl. in: 47 Indiana Law Journal (1979). The Tempting of America. dass „provision ought to be made for the amendment [of the Constitution] whensoever it shall seem necessary“ – ohne jegliche Beteiligung des Kongresses.

Bricker-Amendments. Allerdings sind dem Präsidenten indirekte Handhaben der Einflussnahme auf den Kongress gegeben. S. vgl. zunächst beide Kammern des Kongresses beschließen S. Jameson. 1889. S. Andere prophezeiten. 49 f. Schließlich wurde der Vorschlag Madisons angenommen. Ergänzungen in Form zusätzlicher Artikel vorzuschlagen. Bd. 557 f.P. so der Delegierte Gerry. Bd.) 378 (1798). beabsichtigte er eigentlich eine Inkorporation der entsprechenden Bestimmungen in den Verfassungstext. The Movement Towards a Second Constitutional Convention in 1788. and that extreme difficulty.S. . E. Bd. 717. S. 642 Vgl. 1775 –1789. 43) zu wachen. Essays in the Constitutional History of the United States in the Formative Period. Am Beispiel des sog. unterbreitete. Virginia. Madison freilich vertröstete die Anhänger dieser Idee auf den Zeitraum nach der Ratifizierung und versicherte die anschließende Aufnahme einer Bill of Rights. begründete Aussicht auf Erfolg hätten. which might perpetuate its discovered faults“ (The Federalist No. in: J. 1 (1789). besitzt der amerikanische Präsident gegenüber der „joint resolution“ des Kongresses weder ein Vetorecht noch ist seine Zustimmung erforderlich. Zum einen wurde die Gefahr einer subversiven Dominanz von zwei Dritteln der Staaten über die Minderheit befürchtet. Die „amending articles“ verteidigte er im übrigen als ein „neither wholly national nor wholly federal“ (The Federalist No. um gegebenenfalls gegen eine Verfassungsergänzung einzuschreiten. 433 ff. 39) Heilmittel gegen alle erdenklichen Fehler in der Verfassung. Den Gouverneuren der Staaten steht ebensowenig ein Veto zu. dass lediglich Veränderungen. auch J. which would render the Constitution too mutable. vgl. siehe Farrand (1937). die die Machtposition der Staaten festigen würden. 310 ff.230 B.. 642 Schlicht ignoriert wurde dabei eine Empfehlung. S. In den bislang eingebrachten dreiundreißig Verfassungsergänzungsinitiativen wurde in allen Fällen auf die genannte Alternative des Verfahrens über den Kongress zurückgegriffen. dass der Kongress wohl als Erster ein Amendment für notwendig erachten würde. 1 (1789). S. 188. S. (3 U. versehen mit der Funktion „equally against that extreme facility. 1959. eng mit der Auffassung verknüpft. Hollingsworth v. in: 25 AJLH (1991). was freilich zu heftigen Kontroversen führte. das Votum Hamiltons bei Farrand (1937). Smith. vgl.R. S. Gleichzeitig war bei den AntiFederalists die Befürchtung. 44 ff. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung mehrheit. Annals of Congress. 3 Dall. 641 Siehe Annals of Congress. 640 Bislang haben sich hinsichtlich dieses Initiativrechtes nur vereinzelt verfassungsrechtliche Probleme ergeben. Da das „proposal of an Amendment“ nicht als Gesetzgebungsakt einzustufen ist. 640 Vgl. Als etwa Madison dem Repräsentantenhaus den Vorschlag zur Aufnahme eines Grundrechtekataloges. Loewenstein Verfassungsrecht und Verfassungspraxis in den Vereinigten Staaten. der ein Amendment-Initiativrecht sowohl des Kongresses als auch von den gesetzgebende Körperschaften von zwei Dritteln der Einzelstaaten vorsah. 558. erläutert dies K. Vile. 641 Das Repräsentantenhaus entschied sich dahingegen bekanntlich für die bis heute praktizierte Methode. American Views of the Constitutional Amending Process: An Intellectual History of Article V. 1.F. das Amendment-Verfahren sei zu schwierig. das die außenpolitische Bewegungsfreiheit der Präsidialgewalt einschränken wollte. dem letztlich die Bill of Rights entsprang. 41. 46 ff. eine Übertragung der „Verfahrenshoheit“ auf die Einzelstaaten hingegen bedeuten könnte. dass die grundsätzlich notwendige Beifügung und Garantie einer Bill of Rights eines zweiten Verfassungskonvents vor der eigentlichen Verfassungsratifizierung bedürfte.

Imboden. alle erdenklichen Ergänzungen sowie de facto Änderungen der Verfassung vorzunehmen. of a joint resolution proposing an amendment to the Constitution. Die erneuerte schweizerische Bundesverfassung. Nunmehr R. 350. 646 Die Bundesverfassung unterscheidet nicht ausdrücklich zwischen Teil. Vile. dass die zwei Kammern des Kongresses durch den Vorschlag eines Amendments konkludent die Notwendigkeit einer Revision zum Ausdruck brächten. 239 ff. in: JöR 26 (1977). Ehrenzeller. 1997. S. 645 Art. April 1999 kam in der Schweiz eine zweite große Totalrevision nach 1874 zur Abstimmung und wurde trotz niedriger Stimmbeteiligung (35. Robinson (Hrsg.J. 643 Der Supreme Court entschied schließlich in den National Prohibition Cases. 1985. Rewriting the United States Constitution. Siehe National Prohibition Cases 253 U.. sondem spricht in Art. 219 ff. An Examination of Proposals from Reconstruction to the Present. Das Projekt einer Totalrevision der schweizerischen Bundesverfassung. S. her. Die neue Verfassung trat am 1. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 231 zu lassen. sufficiently shows that the proposal was deemed necessary by all who voted for it. 644 643 .. Eine solche Totalrevision.IV. in: ders. 1991. in: ZaörV 47 (1987). wurde in der Vergangenheit mehrfach vorgeschlagen. L.und Gesamtänderungen der Verfassung.S. 644 (2) Das Modell „constitutional convention“ – Option zur Totalrevision? Das zweite verfassungsmäßig vorgesehene Modell. Selbst die Annahme einer gänzlich neuen Verfassumg wäre im Rahmen des Möglichen. Die Bundesverfassung. 138 der Schweizer Bundesverfassung. Für eine genauere Beschreibung und Analyse der einzelnen Vorschläge: J. der „constitutional convention“ wurde bislang noch nicht erfolgreich bemüht. Die Totalrevision der schweizerischen Bundesverfassung. (zum Bericht der Expertenkommission für die Vorbereitung einer Totalrevision der Bundesverfassung. 1971. Der gegenwärtige Stand des Vorhabens. 263 ff. ob Amendments überhaupt notwendig („necessary“) seien. vom Supreme Court festgestellt.“ Im selben Fall wurde im übrigen auch das bereits oben genannte Quorum. S. Staat und Recht. 699 ff. 1977) und B. S. Ausschnitte der langen Diskussion um eine Totalrevision der Schweizer Verfassung bieten etwa M. Wildhaber. Taschenb. in: JöR 48 (2000). Am 18. wonach für das „proposal“ die Zweidrittelmehrheit der anwesenden Kongressmitglieder ausreichend sein sollte. each by a two-thirds vote. Reforming American Government.2000 in Kraft. Schweizer. wie sie sein könnte (1959). Europäische Rechtskultur (1994). S. Hierbei müssen zwei Drittel der Gesetzgebungskörperschaften aller Einzelstaaten die Einberufung eines Verfassungskonvents beschließen. 386 (1920): „The adoption by both Houses of Congress.. None of the resolutions whereby prior amendments were proposed contained such a declaration.1. 355 ff. „Werkstatt Schweiz“: Verfassungspolitik im Blick auf das künftige Gesamteuropa. wie sie beispielsweise in der Schweizer Verfassung vorgesehen ist 645. V lediglich von „Amendments Ebenda S. in: ders.). 646 Eine große Auswahl verschiedener Vorschläge findet sich bei D.4%) deutlich angenommen. An express declaration that they regarded it as necessary is not essential. Häberle.R. der dann die Freiheit besäße. 430. bevor detaillierte Vorschläge in Betracht gezogen würden. Den wichtigen Bezug schweizerischer Verfassungsstrukturen zu Europa stellt P. The Bicentennial Papers of the Committee on the Constitutional System.

647 . 666 ff. 1974. wie lange ein vom Kongress den Staatenlegislaturen zur Ratifikation überwiesener Vorschlag in Umlauf bleiben kann oder soll. Constitutional Brinksmanship. 671 f. gehen die Meinungen darüber auseinander. 650 In der amerikanischen Politikwissenschaft und Staatsrechtslehre üben wenige Themenkreise eine ähnlich – kontrovers diskutierte – Faszination aus wie die Möglichkeit der Einberufung eines weiteren Verfassungskonvents. S. 1959. vgl. Federalism and Constitutional Change. K. 648 Eine umfängliche Studie der „convention method“ gibt C. Amending the Constitution by National Convention. Livingston. inhaltlich das gleiche Amendment erstreben oder lediglich eine ähnliche Angelegenheit betreffen? Kommt es bei dem notwendigen Quorum auf ein gleichzeitiges Einreichen der Petitionen an oder können diese gar über mehrere Jahre gestreckt werden? 649 Kann ein Konvent nur auf die Beratung eines Amendments oder auf den materiellen Gehalt des Amendments begrenzt werden? Diese Fragen sind eine bloße Facette des unüberschaubar erscheinenden Problemkataloges. Edel. Da die Alternative des Konvents nie erfolgreich durchgeführt wurde. Caplan. 1st sess.P. Martin. das „geltungszeitliche“ Auslegungselement betonende Auffassung solche organspezifischen Kompetenzzuweisungen ab und räumt Kongress und Verfassungskonvent gleichermaßen die Befugnis zur Vornahme von Total. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung to this Constitution“. Association (Hrsg.S. 1957. S. A Constitutional Convention: Threat or Challenge?. Loewenstein.L.. W.. W. 1956. (1934). S. Problems Relating to a Federal Constitutional Convention. Teiländerungen der Verfassung vorzuschlagen. sei es um das Dokument von 1787 einer Totalrevision zu unterziehen oder sei es „nur“ einzelner Amendments willen. 1st sess. ehe er als überholt gelten kann. Verfassungsrecht und Verfassungspraxis der Vereinigten Staaten. 650 Eine gründliche Analyse der einzelnen Fragestellungen mit einigen bemerkenswerten Lösungsansätzen geben Brickfield (1957) und Caplan (1988). 1988. Soweit die Verfassungsrechtslehre gleichwohl an diese Unterscheidung anknüpft.232 B. ist diese Methode mit etlichen rechtlichen Fragen behaftet. welches Organ die Obliegenheit einer Totalrevision wahrzunehmen befugt ist. Platz. in: 3 The George Washington L..und Teilrevision ein. Rev. (1967). Siehe auch Federal Constitutional Convention.. 218.). 85th Congress. 1981. American Bar. 649 Diese Frage ist nicht mit der Problemstellung zu verwechseln. 647 Im Unterschied dazu lehnt eine verbreitete. zu diesem Streit mit einer Darstellung der unterschiedlichen Positionen W. 41. Die Konvents-Alternative scheiterte einige Vgl. Hearings before the Senate Judiciary Subcommittee on Separation of Powers. der dem „constitutional convention“ anhaftet. 17 ff. 24 f. D. Nach einer entstehungszeitlich argumentierenden Richtung ist der Kongress ausschließlich ermächtigt. während das Unternehmen einer Totalrevision von dem als Pouvoir constituant eingesetzten Verfassungskonvent durchzuführen ist. Amending the Constitution: the Bottleneck in the Judiciary Committees. Article V of the Federal Constitution. S. 648 Wann und wie ist ein Verfassungskonvent einzuberufen? Müssen die Amendment-Anträge der erforderlichen Anzahl von Einzelstaaten identisch sein. Lacy / P. 90th Congress. Amendment of the Constitution by the Convention Method under Article V. Brickfield. Siehe auch R.A. in: 9 Harvard Journal on Legislation (1971/72).

1612 ff. Letztere verweisen unter anderem auf den Umstand. Rees. in: 65 Amer. S. (1986). Weber.. S. Barker. Während in der amerikanischen Verfassungslehre einige die Auffassung vertreten. Marshall L. G. Proposed Legislation to Implement the Convention Mechanism of Amending the Constitution. S. Zum Dazu Brickfield (1957).. 657 Unter dem Strich haben wohl zwei Fragestellungen die Debatten um einen Konvent dominiert. 1980. in: 3 The J. Siehe aber auch W. Juli 1967. S. 652 Zwei Staaten fehlten zu einer erfolgreichen Petition für eine Begrenzung der Einkommenssteuerraten 653 sowie für ein „balanced budget amendment“ 654. S. The Constitutional Convention: A Safe Political Option. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 233 Male nur knapp. Stumbling Toward a Convention. Vgl. 652 651 . G. den wissenschaftlichen Spekulationen um die Einzelheiten eines ungenutzten Instruments ein Ende zu bereiten. 654 Gründliche Diskussionen zu diesem „proposal“ finden sich in: W. in: 66 Michigan L. A Status Report on the ‚Balanced Budget‘ Constitutional Convention. Proposed Legislation on the Convention Method of Amending the United States Constitution. Penner. Rev. nachdem der Senat die lang diskutierte Verabschiedung eines Amendments. of Law & Politics (1986). dass bislang nicht einmal ein Gesetz zur Regelung eines solchen Konvents verabschiedet wurde. Ervin. in: Sat. 655 Siehe nur Caplan (1988). of L. in: 10 Pac.. das die Direktwahl der Senatoren gestatten sollte. The Convention Method of Constitutional Amendment – Its Meaning. Noonan. in: 2 Benchmark (1986). P.T. zugelassen hatte. Usefulness and Wisdom. 656 Vgl. S. S. (1977). S. Gunther.. The Quiet Campaign to Rewrite the Constitution.J. S.T. 89. 641 ff. in: 20 The J. 73 ff. Rev.. 1046 ff. insbesondere der ehemalige Senator S. (1979). S. American Enterprise Institute. The Amendment Process and Limited Constitutional Conventions.. einen Gesetzentwurf zu formulieren mit dem Vorsatz. den Versuch. Rev. zahlreiche Sicherungshebel würden einen Konvent als risikolose politische Option erscheinen lassen 655. Constitutional Brinkmanship. 657 Freilich unternahmen einige. etwa L..IV. 653 Vgl. A.Col. 8 f. siehe auch ders. 651 In den 60er Jahren des 20. 66 f. Sorenson. Moore / R. Rev. Ervin. 7. setzen andere in zuweilen dramatischen Worten eher warnende Akzente 656. Caplan (1988). Jahrhunderts missglückte aufgrund nur eines fehlenden Staates zur erforderlichen Zweidrittel-Mehrheit der Versuch. 17 ff. 1979. der viele der einzelnen Petitionen für diesen Konvent für rechtsunwirksam hält. Zum einen wurde der Problematik einer etwaigen Begrenzung der Verhandlungspunkte in einem Konvent viel Aufmerksamkeit geschenkt. in: 4 Det. 29 ff. S.. (1968). 89. J. S. Brickfield (1957). ein Konvent zur Revision der umstrittenen Supreme Court Entscheidungen zur Anpassung der Wahlbezirke („reapportionment decisions“) zu initiieren. The Constitution and the Budget. (1986). So fehlte ein einziger Staat für die Einberufung eines Konvents. Proposals for a Constitutional Convention to Require a Balanced Federal Budget. (1979). Rev. S. in: 85 Harvard L. A constitutional Convention Would Threaten Rights We Have Cherished for 200 Years. 1087 ff. vgl. J. vom 15. 51 ff. Bar Assoc. Kean. 875 ff. L.

Ann Diamond on an Unlimited Constitutional Convention. „housekeeping rules“ 661 zu erlassen. Dellinger. Auf Widerstand stieß diese Auffassung unter anderem bei G. vgl. 1113 ff.R. in. 660 Die einzelstaatlichen Befugnisse. 189 ff. Dellinger. (1979). S. Dellinger. Rev. 44 ff. 660 Vgl. so widerspricht er doch Dellinger insoweit als er keinen Anlass erkennt. S. vorzuschlagen und zu ratifizieren. (1972). 386 ff. 658 Diese Position gründet auf der Überzeugung. Amendments. 659 Würde nun einem von beiden die Berechtigung zur Begrenzung zugebilligt. Rees. Vile.. dessen Aufgabe es im Wesentlichen sei. 658 .. liefe man Gefahr die eben genannten Grundsätze auszuhöhlen. im Vordergrund. um schließlich festzustellen. 661 Ebenda S.J. welche Kontrolle entweder der Kongress oder die Justiz über das Konventsverfahren ausüben könnten. in: 82 Yale L. inwieweit ein Konvent eine Begrenzung erfährt. Dagegen J. The Legitimacy of Constitutional Change: Rethinking the Amending Process. 659 Dellinger (1979). dem Kongress ebensowenig ein exklusives Vorschlagsrecht für Amendments zu gewähren wie den Legislaturen der Einzelstaaten einzuräumen. in: 25 AJLH (1991). 80. in: 19 PUBLIUS (1989). Eine Begrenzung des Verfassungskonvents auf lediglich „stückweise Änderungen“ („piecemeal changes“) schlägt A. The Recurring Question of the ‚Limited‘ Constitutional Convention. 662 Siehe W. 1623 ff. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung anderen stand immer wieder das Thema. Dies gelte dann auch entsprechend hinsichtlich einer Kontrollkompetenz des Kongresses über einzelne Punkte des Konvents. S. S. Black.L. Rees. 432. 65. Diamond. 177 ff.234 B. 97 Harvard L. was zur Folge habe. American Views of the Constitutional Amending Process: An Intellectual History of Article V. dass der Konvent viele seiner kennzeichnenden Angelegenheiten selbst zu erledigen habe und den Gerichten allgemeine Aufsichtsfunktionen zugewiesen werden müssten. S. sowie ders. Obgleich sich auch Rees selbst nicht als Befürworter eines erneuten Verfassungskonvents sieht. in: 88 Yale L. Sowohl Rees als auch Dellinger koppelten also die Problemstellungen der Organkompetenz und der Begrenzungsoption. Amending the Constitution: A Letter to a Congressman. Eine ähnliche Sichtweise offenbart auch C. in: 11 PUBLIUS (1981). 1630. 66 ff. dass eine inhaltliche Begrenzung des Konvents abzulehnen und jede gliedstaatliche Petition. Die Option einer „limited constitutional convention“ untersuchte insbesondere W. S. den Staaten lediglich die Wahl zwischen einem von allen Fesseln befreiten oder eben keinem Konvent zu geben. in: 2 Benchmark (1986). A Convention for Proposing Amendments. Rev. The Constitution’s Other Method. S. Amendments vorzuschlagen würden nach Artikel V zumindest „ungefähre“ Parallelen zu den dort genannten Kompetenzen des Kongresses aufweisen. stellt Rees den Gedanken des „contemporary consensus“ Siehe W. S. 86. die die gliedstaatlichen Befugnisse auf Kosten der Bundesregierung ausweiten würden. Während Dellinger das gesamte Amendment-Verfahren als eine „series of formalities“ beziehungsweise ein „set of formal rules rather than as the embodiment of vague policy objectives“ 662 einschätzt. The Amendment Process and Limited Constitutional Conventions. der es den Gliedstaaten durchaus selbst überlassen will. die auf eine solche Begrenzung abzielte demnach unwirksam sei. S. vor. G. Allerdings unter diametralen Prämissen. 418. (1983).. ebenda.

H. Bereits dem Verfassungskonvent von 1787 wurde der letztlich gescheiterte Vorschlag unterbreitet. Ihm ist im Ergebnis zuzustimmen. 1. The Proposed Amendments to the Constitution of the United States During the First Century of Its History. bundesweiten Einbeziehung der Regionen und Einzelstaaten bedürfen. 353. „to interfere. S. der Gerichte und Einzelstaaten und deren klarer Abgrenzung untereinander im gesamten Amendment-Verfahren ist.H. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 235 in den Vordergrund. ders. S. Bd. und 19. 663 (3) Versuche zur Begrenzung von „amending power“ Obgleich die beiden vorgesehenen Methoden der Verfassungsergänzung einer weitreichenden. die Dellinger durch seine stringente Haltung mit klaren Kompetenzabgrenzungen bewältigt. S. Tribe. (1983). with the domestic institutions thereof [. 664 Ein weiterer Anlauf. 666 Dazu ausführlich H. 1897. 1483 –1488 (1864). Amendments (das bundesweite Alkoholverbot sowie die Ausdeh663 Dazu zählen etwa die zahlreichen Streitpunkte bezüglich der Ratifikation (siehe sogleich). 667 Jahre später befanden sich die formelle und materielle Rechtsgültigkeit des 18. pt. 2. in: 97 Harvard L. Vile. 2d sess.]“ 665. Globe 1263 (1861). 433 ff.IV.. die „amending power“ einer verstärkten Begrenzung auszusetzen wurde 1861 unternommen. Farrand. das er grundsätzlich befürwortet. Doc.. 664 Vgl. Rev. M. . um die erforderlichen qualifizierten Mehrheiten zu erlangen. Globe 921. S. mangelte es in der Vergangenheit nicht an Versuchen. 66 Cong. Revised Edition 1937 (hier zitiert) sowie 1966. Amendments (Verbot der Sklaverei) zu verhindern. in: 3 J. Kritisch allerdings L. within any State. A Constitution We Are Amending: In Defense of a Restrained Judicial Role. 363. 419 ff. 667 Vgl. die den Kongress autorisieren würden. dass der „amending process“ nicht für eine derart große Veränderung innerer Angelegenheiten der Einzelstaaten missbraucht werden dürfte. 54th Congress. The Records of the Federal Convention of 1787. Nachdem bereits drei Staaten einen diesbezüglichen Entwurf ratifiziert hatten. 21 ff. Ames. Judicial Review of the Amending Process: the DellingerTribe Debate. Letzterer nimmt diesen Gedanken auch zum Maßstab eines gerichtlichen Eingreifens in Amendment-Angelegenheiten. S. 630. vgl. 1444 – 1447. indem sie darauf hinwiesen. beendete der Ausbruch des amerikanischen Bürgerkriegs vorzeitig den Fortgang dieses Vorhabens. V um die Klausel „no State shall without its consent be affected in its internal policy“ zu ergänzen. 666 Wenig später versuchten einige Kongressmitglieder vergeblich die Verabschiedung des 13. Siehe auch J. of Law & Politics (1986). Art. die vorgebenen Barrieren noch zu verschärfen.R. (1983).. als der Kongress den Staaten nahelegte. 665 Siehe 57 Cong. 1424 – 1425. alle zukünftigen Amendments zu blockieren. Für Dellinger kommt dagegen höchstens eine Justiziabilität der formellen Kriterien durch die Gerichte in Betracht. da er zum einen nicht den konstruiert erscheinenden Weg über eine sehr weite Auslegung von Artikel V gehen muss und letztlich konsequenter in den Folgefragen bezüglich der Stellung des Kongresses.

properly. Amendment wurde unter anderem vorgebracht. die auch den Verfassungsgesetzgeber binden würden. 350 (1920). 1 der Verfassung bei beiden Initiativ-Modellen eine Mehrheit von drei Vierteln der einzelstaatlichen Legislaturen. Amendments vorzuschlagen. nämlich anlässlich des 21. 670 (4) Ratifikationserfordernisse und Problemlagen – das Kuriosum 27. im Anschluß an die Wahrnehmung seines Initiativrechts die Ratifizierung entweder durch die gesetzgebenden Körperschaften der Staaten oder durch speziell von den Staaten einzuberufende Verfassungskonvente vorzuschreiben. 1787 – 1791. Amendments (Aufheben der Prohibition) bemüht. Grundsätzlich wurde dem Kongress das Recht zugestanden. Amendments hatte der Kongress allen Ergänzungsvorschlägen eine Formulierung beigefügt. 673 In Black’s Law Dictionary wird „reasonable time“ definiert als „such length of time as may fairly. and reasonably be allowed or required. Gegen das 19.R. ebenda 671 Zur Ratifikation der Gründungsverfassung und der Bill of Rights C. Diesbezügliche Gedankengänge wurden vom Supreme Court als unerheblich eingestuft. da man sich hiervon eine raschere Umsetzung versprach. Garnett. Vgl. V S. and to the attending circumstances“. mit dem „amendment-proposal“ ein angemessenes („reasonable“) Zeitlimit zu verbinden. The Ratification of the Constitution and the Bill of Rights. 1993. Amendment Die Ratifikation 671 erfordert laut Art. V der Verfassung umfasst sei. der das Amendment nicht ratifiziert habe. würde das Recht auf „equal suffrage“ im Senat vorenthalten. or of the subject-matter. dass ihr eigentlicher Anwendungsbereich die Korrektur von Fehlern der ursprünglichen Verfassungsversion sei und dass insbesondere nicht die Annahme zusätzlicher oder ergänzender Vorschriften von Art. National Prohibition Cases. Smith. having regard to the nature of the act or duty. In der Diskussion wurde hinsichtlich der Reichweite der Amendments betont. 258 U. ist dem amerikanischen Rechtsdenken fremd. 672 Die zweite Alternative wurde nur einmal. wonach das Vgl. 203 Jahre nach seinem „proposal“. die beiden Amendments entgegen aller Einwände letztlich aufrechterhalten. 672 Zur großen Überraschung der amerikanischen Bevölkerung wurde 1992 das bereits erwähnte 27. 669 Die Berücksichtigung „überpositiver“ Grundsätze.236 B. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung nung des Wahlrechts auf Frauen) auf dem Prüfstand. und mit der Ausnahme des 19. einem Gliedstaat. 668 Zudem habe der Kongress keine verfassungsmäßige Kompetenz. 670 Vgl. 673 Seit dem 18. Garnett. Allerdings steht es im freien Ermessen des Kongresses. 253 U. Dies warf freilich die Frage nach der erlaubten zeitlichen Anhängigkeit eines Amendments auf. Amendment ratifiziert. National Prohibition Cases und Leser v. Leser v. To Form a More Perfect Union. 130 (1922). 669 668 . welche die Wahrnehmung souveräner Gewalt der Gliedstaaten oder deren Verzicht darauf berühren würde.S.S.

nicht ermöglicht. Ed.“ 674 Coleman v. die schließlich 1810 beziehungsweise 1861 vorgelegt wurden. 677 Zudem deutete der Gerichtshof bereits an. der ein „proposal“ bereits angenommen hat. ob das den Staaten 1924 vorgelegte „child labor amendment“ 13 Jahre später ratifiziert werden könnte. Umgekehrt ist es aber einem Staat. 676 In Coleman v.S. Black.IV. zeitliche Begrenzungen für die einzelstaatlichen Ratifikationen zu setzen. indem er feststellte: „how long a ‚reasonable time‘ ought to be is not defined in law. 6 th edition 1990. 674 Dies sei eine „political question“ 675. but is left to the discretion of the judges. v. 23 L. Den wahren Bezugspunkt dieser Definition hat der Supreme Court in Twin Lick Oil Co. proposal and ratification are not treated as unrelated acts but as succeeding steps in a single endeavor. dass damit eine Stimme mehr für das Zustandekommen der Dreiviertelmehrheit gegeben sei. Loewenstein. Garner (ed. S. Miller 307 U. 1959. Verfassungsrecht und Verfassungspraxis der Vereinigten Staaten.IV. wurden jedoch nicht ratifiziert. 676 Bereits 1921 hatte der Supreme Court in Dillon v. so wies das Gericht doch nachdrücklich auf den Umstand hin. diesen wieder wirksam abzulehnen. dazu auch kritisch K. Secondly. 675 Hierzu kursorisch unter B.). inwieweit ein Staat. wenn die erforderlichen Dreiviertel der Gliedstaaten dem Amendment-Vorschlag zugestimmt hätten. Eine Fristsetzung seitens des Gerichtshofs komme daher nicht in Betracht. the reasonable implication being that when proposed vgl. auch die achte Neuauflage von B. die der Kongress zu lösen habe. Marbury.A. 591. sich nachträglich anders entscheiden und ihn doch annehmen kann. Gloss das Recht des Kongresses unterstrichen. ebenda. the natural inference being that they are not to be widely separated in time. der bereits einmal einen Ergänzungsvorschlag abgelehnt hat. 433 (1939).S. 1483 (vgl. it is only when there is deemed to be a necessity therefor that amendments are to be proposed. In seiner berühmten und heftig umstrittenen Entscheidung Coleman v.b)cc)(2). Miller weigerte sich der Supreme Court darüber zu befinden. 2006). 91 U. 368 (1921). Obgleich der Supreme Court zugestand. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 237 jeweilige Amendment nach einer Ratifikationsfrist von sieben Jahren ungültig sein sollte. S. H. 328 hergestellt. der Wortlaut von Artikel V der Bundesverfassung enthalte tatsächlich keinen Hinweis auf etwaige zeitliche Beschränkungen. wurde auch der Frage nachgegangen. zwei „proposals“ aus dem Jahre 1789. dass ein funktionierender „amending process“ als solcher das gewichtigste Argument gegen eine grenzenlose Ausweitung des Ratifizierungsverfahrens liefere. 678 Drei logisch miteinander verknüpfte Gesichtspunkte sollten die Ansicht des Supreme Court untermauern: „First. Der Supreme Court erklärte diese Konstellation für zulässig mit der etwas seltsam anmutenden Begründung. 677 Dillon v. Miller.2. 42.S. . Gloss 256 U. In den früheren Vorschlägen war diesbezüglich nichts zu lesen. 587. Vgl. 678 Ebenda 374.C. dass deutlich zeitferne „proposals“ nicht länger einer Ratifikation zugänglich gemacht werden dürften. Black’s Law Dictionary. gingen im Verfahren bereits an die Gliedstaaten.

erwies sich 1992 in Exekutive und Kongress als durchaus vertretbar. which of course ratification scattered through a long series of years would not do. Thirdly. 102 ff. as part of this Constitution‘ when ‚ratified‘ by three-fourths of the states – not that it might face a veto for tardiness. S. structure or history. Amendment zeigte sich auch. no speedy ratification rule may be extracted from Article V’s text. Ebenda. Allerdings sage das Argument. offensichtlich von der Notwendigkeit des Amendments ausgegangen wären. Angesichts der Kampagne zum 27. in: Wall Street Journal.H. To that view few would be able to subscribe. dass ein Amendment das Resultat Ebenda 374 f. Dies umso mehr als die Staaten. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung they are to be considered and disposed of presently. A15: „Article V says an amendment ‚shall be valid to all Intents and Purposes. 680 679 . wird auch an diesem Beispiel offenkundig. ein Amendment solle seine Notwendigkeit widerspiegeln gerade nichts über die Länge des verfügbaren Zeitraums aus. das die wesentlichen Bezüge zur Dillon-Entscheidung des Supreme Courts herstellte. and in our opinion it is quite untenable. Auch deute der Umstand. 13. Tribe. Mai 1992. 681 Das Office of Legal Counsel des Justizdepartments legte damals dem Weißen Haus ein Memorandum vor. die erst kürzlich ratifiziert hatten. Amendment noch von einer „reasonable time period“ die Rede sein konnte. die die amerikanische Geschichte wechselvoll prägte. 681 So schrieb beispielsweise L. Die Korrelation zwischen Verfassungsrecht und Politik. 16 Ops. as ratification is but the expression of the approbation of the people and is to be effective when had in three-fourths of the States. war heftig umstritten.238 B. 682 Dabei wurden die drei oben genannten „considerations“ des Gerichtshofs als nicht überzeugend qualifiziert. S. So setze der Supreme Court zwar voraus. Vier Amendmentvorschläge. die im Jahre 1789 den Staaten zugeleitet wurden „are still pending and in a situation where their ratification is some of the States many years since by representatives of generations now largely forgotten may be effectively supplemented in enough more States to make three-fourths by representatives of the present or some future generation. there is a fair implication that that it must be sufficiently contemporaneous in that number of States to reflect the will of the people in all sections at relatively the same period. das Verfahren müsse eher kurz denn ausgedehnt sein.“ 682 Vgl.“ 680 Was also dem Supreme Court 1921 ohne Gegenstimme untragbar („untenable“) erschien.“ 679 Weiter führte das Gericht diese Lösung deshalb als die tragfähigste an. wie eng das verfassungsrechtliche Instrument Verfassungsergänzung an die politische Wirklichkeit gebunden ist. als sie entgegen der anderen Ansicht nicht die Konsequenz jahrhundertelanger schwebender „proposals“ mit sich brächte. Inwieweit eim 27. da Vorschlag und Ratifikation als Schritte in einem einzigen Verfahren zu sehen seien. The 27th Amendment Joins the Constitution. wozu die zwei zu zählen wären. Despite the Supreme Court’s suggestion. of the Office of Legal Counsel (1992).

Annotations of Cases Decided by the Supreme Court of the United States. Hearings before the House Judiciary Subcommittee on Civil and Constitutional Rights. nirgends auf eine Zeitgleichheit der Übereinstimmung hin. 686 Dies kann jedoch höchstens für „proposals“ gelten. Amendment gleichzeitig einen Präzedenzfall (und als solcher wird es in den unterschiedlichsten Zusammenhängen gerne bezeichnet) für die etwaige Unwirksamkeit vom Kongress gesetzter Umsetzungsfristen zu nennen – sei es mittels des Textes selbst oder aufgrund der den Vorschlag begleitenden Resolution. Ebenda. verlängern darf. 685 Vgl. Hearings before the Senate Judiciary Subcommittee on the Constitution. Freilich ist – mit Ausnahme von Regelungen. 687 Ebenda. ob nun der Kongress eine bereits gesetzte Ratifikationsfrist ohne Hinzuziehung der Staaten. Allerdings zeigt eben auch gerade die amerikanische Bundesverfassung. Artikel V enthält keinerlei Hinweis auf etwaige Fristen. dass selbst unbedingte Vorschriften Ergänzungen und Veränderungen erfahren mussten. 113. 106 – 8. (1978). 1992 Edition: Cases Decided to June 29. any interpretation that would introduce confusion must be disfavored. Senate Document No. S. I § 7 par. ob einem Amendmentvorschlag eine „Ewigkeitsgarantie“ innewohne. nur: Equal Rights Amendment Extension. etwa Art. 111 f. II § 1 par. S. Senate Document No. S. 1992. Amendments wirft indessen die Frage auf. die Inhalte mögen auf Dauer Geltungskraft besitzen. 683 Schließlich wurde in besagtem Memorandum der Hinweis gewagt. 1st/2d sess. um ihren Standpunkt zu untermauern. Analysis and Interpretation. 2d sess. 904. die selbst nach vielen Jahren noch eine tatsächliche Aktualität beinhalten. Die Bemühungen um Flexibilität im Wortlaut unterstreichen diese Bemühungen.“ 684 Dieser Ansicht ist unter Berufung auf eine enge Wortlautauslegung der Verfassung grundsätzlich zuzustimmen. 685 Die Verabschiedung des 27. Accordingly. Befürworter und Gegner dieser ausschießlichen Befugnis des Kongresses zur Fristsetzung und etwaigen -verlängerung bemühten mit unterschiedlicher Stoßrichtung jeweils die „political question doctrine“. Art. verwickelte schließlich angesichts des vorgeschlagenen „Equal Rights Amendment“ sowohl Kongress als auch die Staaten und Gerichte in eine anhaltende Diskussion. Bereits die in Artikel V der Verfassung vorgesehene hervorgehobene Stellung des Kongresses während des Amendment-Verfahrens legt eine solche Sichtweise nahe. die an eine Bedingung oder Frist gebundenen sind – den meisten Verfassungsvorschriften der Wille der jeweiligen „Verfassungsväter“ zugrunde zu legen. II § 2 par. Equal Rights Amendment Extension. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 239 eines Konsenses sein sollte. 687 Es würde auch zu weit führen. 3 („immediately“). wohingegen die Verfassung an anderen Stellen sehr wohl Fristsetzungen aufweist. (1977 –78). Art. 3. 2. vgl. 95th Congress.IV. 684 683 . das Zustandekommen des 27. 103 –6 and 1998 Supplement: Cases Decided to June 26. V sei „ to provide a clear rule that is capable of mechanical application. die bereits ratifiziert haben. 686 Vgl. 95th Congress. dazu Congressional Research Center. Die Problematik. without any need to inquire into the timeliness or substantive validity of the consensus achieved by means of the ratification process. 1998. die einzig angebrachte Form der Auslegung von Art.

der bereits ratifiziert hat. 1992 Edition: Cases Decided to June 29. 691 Ebenda. Amendments. vgl. Analysis and Interpretation. Hearings before the House Judiciary Subcommittee on Civil and Constitutional Rights. ob ein Staat. (1978). Amendments 689 stützen diese Einschätzung. 121 ff. 2d sess. siehe Equal Rights Amendment Extension. Senate Document No. Zudem sei eine derartige Ausdehnung der Befugnisse des Kongresses schwer mit dem Grundgedanken der „separation of powers“ und des Föderalismus zu vereinbaren. diesen Schritt wieder mit der Folge rückgängig machen kann. 1992. Equal Rights Amendment Extension. dazu insgesamt ausführlich Congressional Research Center. Allerdings konnte angesichts des gescheiterten „amendment-proposal“ keine Klärung der Angelegenheit erzielt werden. 690 Als Begründung wurde unter anderem vorgebracht. 95th Congress. 688 . vorgeschlagenen „Equal Rights Amendment“. South Carolina). Amendments als „aberration“ bezeichnet. 690 Vgl. 106 –8. dass der Kongress im Gegensatz zu den amerikanischen Gerichten 307 U. (1977 –78). the political departments of the Government dealt with the effect of previous rejection and of attempted withdrawal and determined that both were ineffectual in the presence of an actual ratification. Corwin / M. 95th Congress. in: 27 Notre Dame Lawyer (1951). (1939): „Thus. 125.. Ramsey. S. lediglich einer eingeschränkten Justiziabilität zugänglich ist. mit weiteren Argumenten. Ebenso könnte insoweit von einer ausschließlichen Kompetenz des Kongresses ausgegangen werden. Insgesamt legt die bisherige Praxis den Schluss der Unwirksamkeit eines solchen Vorgehens einzelner Staaten nahe. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Im Kontext des Ratifikationsverfahrens stellte sich wiederkehrend die Frage. 102 ff. Andeutungen des Supreme Court in Coleman v. S. Hearings before the Senate Judiciary Subcommittee on the Constitution. indem er die Widerrufe Ohios und New Jerseys schlicht überging.“ 689 Nach den Widerrufen der Ratifikation des 14. 103 –6 and 1998 Supplement: Cases Decided to June 26. dass der Kongress diesen Staat nicht der erforderlichen Mehrheit zurechnen darf. Der Kongress selbst stellte schließlich die Wirksamkeit der Ratifikation fest. 1998.. 185 ff. S. Miller 688 und die Maßnahmen des Kongresses bei der Ratifikation des 14. Die Coleman-Entscheidung wurde als nicht bindend. 201 ff. Es handelt sich letzlich um eine „political question“.L. The Constitutional Law of Constitutional Amendment. Senate Document No. 433. wenn überhaupt. 691 Will man sich einer Lösung dieses Problems annähern. die.240 B. entbrannte ein Streit sowohl über die Wirksamkeit der Widerrufe als auch der Gültigkeit einer Ratifikation nach bereits erfolgter Zurückweisung. so gilt es zunächst festzustellen.S. 905. Amendments seitens der Staaten Ohio und New Jersey und insbesondere nach Ratifikation – durch neu eingesetzte Regierungen – dreier Staaten (Georgia.S. Annotations of Cases Decided by the Supreme Court of the United States. der Kongress werde durch Artikel V der Verfassung nur zum Vorschlag eines Amendments und zu Empfehlungen bezüglich der „Mode of Ratification“ ermächtigt. das Vorgehen des Kongresses bezüglich des 14. S. 448. of the Office of Legal Counsel (1992). 1st/2d sess. North Carolina. 16 Ops. Eine andere Ansicht in dieser Angelegenheit vertrat das Office of Legal Counsel des Justizdepartments erneut im Verfahren des 27. die im Vorfeld bereits die Ratifikation versagt hatten. Erneut debattiert wurden diese Fragen im Kontext des bereits genannten. Siehe auch E.

insb. Die Beantwortung von Fragen. Miller 696 nicht als Präzedenzfälle in dieser Gegebenheit erachtet werden können. S. inwieweit es sich hierbei um eine „political question“ handelt L. Gleichwohl ist auch der Kongress aufgerufen. Seyfarth. 695 256 U. was wiederum die Einflussmöglichkeiten der Gerichte beschneidet. die der Supreme Court in Dillon v.S. ebenda 453 f. die letztlich einer Verfassungsinterpretation bedürfen.“ Hinsichtlich einer etwaigen Fristsetzungskompetenz des Supreme Courts befand Hughes: „Where are to be found the criteria for such a judicial determination? None are to be found in Constitution or statute“. Stare Decisis. wie lange ein Amendment-Vorschlag „reasonably“ schweben dürfe bevor er unwirksam würde. in: American Bar Ass. „Article V.. 694 Ähnlich Chief Justice Hughes in Coleman v. autark zu beschließen und im Ergebnis die Maßnahme „politisch“ zu nennen. vgl. R. sind auch auf die Frage einer späteren Ratifikationsrücknahme übertragbar. Is There a ‚Political Question‘ Doctrine?. Die sichtbare und die unsichtbare Hand in der Evolution des Rechts.A.S. speaking solely of ratification. der Widerruf würde nicht die erforderliche „contemporaneous expression 692 Eingehender zu diesem Prinzip aus der deutschsprachigen Lit. Henkin. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 241 nicht unter dem Diktat des Prinzips der „stare decisis“ 692 handeln muss. Teil I. aber gleichzeitig „political questions“ darstellen. so wird man annehmen dürfen. 1998 sowie G. 694 Auch wenn die Entscheidungen Dillon v. Entscheidungen des Kongresses binden also keineswegs spätere Zusammensetzungen der Kammern. so lässt sich doch auf einige grundsätzliche Erwägungen des Supreme Courts. 1947. dass der Kongress einen Widerruf der Ratifikation nicht auch – stillschweigend – hinnehmen könnte. obliegt grundsätzlich zunächst den „politischen Gewalten“ Legislative und Exekutive. Laun. 307 U. Indes muss eine Bezugnahme auf diese Entscheidung nicht bedeuten. S. A Return to Stare Decisis.IV. 696 307 U. contains no provision as to rejection. Siehe bereits H. 433. gewisse Grundregeln im Umgang mit verfassungsrechtlichen Problemen einzuhalten. der „no basis in either Constitution or statute“ fand. 597 ff.S. Gloss angestellt hatte. beziehungsweise einzelner Richter in Sondervoten zurückgreifen. Allerdings werden beide per Eid an eine Verfassung gebunden 693. welche naturgemäß nicht immer die Klärung eines Problems bereits inhaltlich liefern kann. . 368 (1921). 450 ff. Die Einlassungen des Gerichts. Wenn aber die Verfassung die Entscheidung in einer Sache etwa dem Kongress auferlegt und keinerlei Regelungen über das Zustandekommen dieser Entscheidungen zu erkennen gibt. Journal 1928. 1998. The Fundamentals and the Significance of Anglo-Saxon Case Law. Siehe insgesamt zur Fragestellung. 693 Siehe Artikel VI § 3 der Bundesverfassung. (1939). (1976). 433 (1939). Dazu zählen insbesondere die oben genannten drei Schritte der Begründung. Miller. dass der Kongress die Freiheit besitzt. Leder. da ihnen ein anderer Sachverhalt zugrundelag. mit zahlreichen Nachweisen M. Gloss 695 und Coleman v. wenn er etwa zu der Einsicht gelangte. 71 ff.J. in: 85 Yale L. Oliphant. Die Änderung der Rechtsprechung durch das Bundesverfassungsgericht. der Gerichtsbarkeit entsprechende Eingriffsbefugnisse zuzusprechen.

697 Überdies unterstrich der Supreme Court in derselben Entscheidung. nachdem der Kongress bei diesem Ansatz keinerlei Entscheidungsautorität besäße. (5) Beendigung des Amendment-Verfahrens Das Amendment-Verfahren endete früher mit der offiziellen Unterrichtung des von dem Amendment betroffenen Ministers durch die einzelstaatliche LegislaNach der Gegenauffassung müsste diese Kompetenz auf einen „executive official“ (heute den sog. Vgl. bereits Madison habe darauf hingewiesen. Syrett (Hrsg. ebenda 456. 184. of the Office of Legal Counsel (1992). Artikel V überlasse dem Kongress die Autorität „to deal with subsidiary matters of detail as the public interest and changing conditions may require. Senate Document No. An adoption for a limited time would be as defective as an adoption of some of the articles only. 699 Ferner lässt Artikel V. dass ein Staat nach dem Akt der Ratifikation keine weitere rechtswirksame Beurteilung mit der Folge der Rücknahme der Ratifikation des Amendments vornehmen kann. Miller vertiefte Chief Justice Hughes den Gedanken. über die letztlich erneut nur der Supreme Court entscheiden könnte. zitiert nach: H. 699 Coleman v. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung of the people’s will“ untergraben. Bd. The Papers of Alexander Hamilton. 1992. In short any condition whatever must viciate the ratification“. Gloss zu verwerfen. 698 Ebenda 375 f. darauf schließen. Diese Konstruktion ist jedoch weder mit den vorgesehenen ministeriellen Funktionen des „Archivist“ zu vereinen noch leistet sie einen Beitrag zur Lösung einer „political question“. „Archivist“) übertragen werden.“ 698 In Coleman v. S. S. Im Wortlaut befand J. Analysis and Interpretation. 452 ff. 1962. 106 –8. denn eine Annahme habe „in toto and for ever“ zu erfolgen 700 lässt sich dagegen kaum auf die Frage einer späteren Rücknahme übertragen. Eine solche Sichtweise würde dem Kongress gerade die „Handlungshoheit“ hinsichtlich Erfolg und Scheitern einer Ratifikation erhalten. indem er diese „matters of detail“ ausdrücklich dem Kompetenzbereich des Kongresses zuordnete und den Gerichten diesbezüglich jegliche Zuständigkeit absprach. S. Bezug genommen. 458. 103 –6 and 1998 Supplement: Cases Decided to June 26. Annotations of Cases Decided by the Supreme Court of the United States.S. It has been so adopted by the other States. 697 . 116 ff. 700 Hierauf wird u. Miller 307 U. Das gelegentlich vorgetragene Argument. in Congressional Research Center. ein Gliedstaat könne nicht bedingt ratifizieren. Madison. Zudem forderte Black die Formulierung „reasonable time“ aus Dillon v. 433. dessen Wortlaut lediglich die „Ratifikation“ und diesbezüglich keine weitergehenden Optionen nennt. a. der sowohl den Kongress als auch den Gerichtshof in gewissen Fragestellungen im Zusammenhang von Artikel V für berufen hält. (1939)..). 5. Senate Document No. 908. auch 16 Ops. als in New York die Ratifizierung der Verfassung unter der Bedingung einer Berücksichtigung gewisser Amendments diskutiert wurde: „The Constitution requires an adoption in toto and for ever. 102 ff. der bei Fragen etwa nach der Gültigkeit eines Widerrufs der Ratifikation wiederum das Justizdepartment konsultieren könnte. 1998. Differenzierend in diesem Kontext das Sondervotum von Justice Black.242 B. 1992 Edition: Cases Decided to June 29.

Siehe aber auch bereits Fairchild v.S. Sec. bevor man zuletzt den Archivist of the United States für zuständig erklärte 703. In der Entscheidung Dillon v. Staates in Kraft getreten sei und nicht erst mit dem Datum der Proklamation des Ministers. 706 Vgl. So bindend dieses Amendment für den Minister war. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 243 turen. eine private Person könne nicht vor . 710 –711. 705 Leser v. zum dritten seien die Kompetenzen des Vizegouverneurs im Ratifikationsverfahren überschritten worden. 258 U. Miller bedeutete schließlich einen Wendepunkt in der Haltung des Gerichtshofs. Amendment mit dem Zeitpunkt der Ratifikation des (damals für die erforderliche Mehrheit entscheidenden) 36. Miller: A major reduction of the jurisdiction of the Supreme Court. Hughes. 704 Auf die deckungsgleiche heutige Verkündung durch den Archivist ist diese Regelung zweifellos entsprechend anwendbar. 2291. 106b. 704 Dillon v. 2. 20 of 1950. 706 der nicht weniger als vier unterschiedliche Meinungen in seinen Reihen vereinte.S. Streitpunkt war die erfolgte Bestätigung einer Ratifikationsresolution des Staates Kansas. 702 Siehe 65 Stat.C. 1818. dass das 18. 9. 1942. die bestätigten („authenticate“). 64 Stat. Sec. dd) Möglichkeit der Interpretation von Amendments Inwieweit Artikel V der Bundesverfassung tatsächlich richterlicher Auslegung zugänglich ist. dass sie das vorgeschlagene Amendment ordnungsgemäß ratifiziert hatten. Gloss. Sec. Plan No. Clark. Gloss erklärte der Supreme Court. 703 National Archives and Records Administration Act of 1984. Miller. 130. 376 (1921).S. indem seine Stimme als die entscheidende zugunsten der Ratifikation gewertet wurde. 1999.S. 126 (1922). R.H. 1(c).IV. so endgültig war dessen Bestätigung durch Verkündung („proclamation“) für die Gerichte sowohl im Hinblick auf etwaige folgende Einwände als auch angesichts der vermuteten Richtigkeit des legislativen Ratifikationsverfahrens. 433 (1939). Coleman v. gehört wie bereits mehrfach erwähnt zu den umstrittendsten Fragen im Kontext des Amendment-Verfahrens. Sec. Ch. 3 Stat. den sogenannten Administrator of General Services 702 übertragen worden. 258 U. Act of April 20. als der Supreme Court konstatierte. darüberhinaus sei für die Ratifikation ein „unreasonable“ Zeitraum. 307 U. Garnett. 1 U. Die in vielerlei Hinsicht unbefriedigende Entscheidung Coleman v. 2. Fairchild Cushman / B. 439 sowie Leser v. 701 Diese ministerielle Aufgabe war sodann auf einen Funktionär. ließ jedoch alle Begehren an der Begründetheit scheitern. I 1. 137 (1922). Garnett.S. Koukoutchos. Reorg. nämlich dreizehn Jahre verstrichen. Coleman v. 1272. 130 (1922). Aufl.F. 258 U. 256 U. wovon keine von mehr als vier Richtern 701 Vgl. Vor 1939 erklärte sich der Supreme Court (trotz der Erkenntnis von der Endgültigkeit einer Ratifikation nach der offiziellen Bekanntmachung durch die jeweiligen Gliedstaaten 705) bei einigen Einsprüchen gegen die Gültigkeit von Amendments zwar für zuständig.S. 98 Stat. die sich aus dreierlei Gründen Angriffen ausgesetzt sah: zum einen sei das Amendment („child labor amendment“) bereits einmal zurückgewiesen worden. 368. Cases in Constitutional Law. Ausführlich zu dieser Entscheidung statt vieler H.S.

708 Baker v.D. V) oder sei es aufgrund fehlender Entscheidungskriterien seitens der Gerichte. Throwing Away the Key: The Unconstitutionality of the Equal Rights Amendment Extension. (1983). (1977 –78). 95th Congress. Rev.N. were committed to congressional resolution and involved criteria of decision that necessarily escaped the judicial grasp. 529 F. 214 (1962). L. 875 ff. S. Carr. 414 ff. jedoch mit klaren Einschränkungen auf lediglich „formale Fragen“ W. Eine Vielzahl von Argumenten zu dieser Thematik findet sich auch in den „Hearings“ zur Equal Rights Amendment Extension. 809 (1982).C. ob diese überhaupt Gegenstand richterlicher Kontrolle sein dürften. A Constitution We Are Amending: In Defense of a Restrained Judicial Role. Supp. Blair.“ 709 Beide genannten Aspekte hob der Gerichtshof erneut als „political questions“ hervor. (1977). 1975). Ill.. Freeman. Supp.D. 1st/2d sess. Rev.244 B. in: 58 Texas L. die in späteren Entscheidungen bestätigt werden sollte. Im Ergebnis ähnlich. The Legitimacy of Constitutional Change: Rethinking the Amendment Process. 1981). Rescinding Ratification of Proposed Constitutional Amendments.C. 2d sess. (1980). Miller – der „political question doctrine“ annäherte: „[Coleman] held that the questions of how long a proposed amendment to the Federal Constitution remained open to ratification. 95th Congress. S.S. 711 den Bundesgerichten eine indirekte Entscheidung über die Gültigkeit und Annahme eines Amendments erstreiten. 707 Letzten Endes steht Coleman v. 1291 (D. Rees. um zu dem Schluß einer zumindest eingeschränkten Justiziabilität zu kommen. Dellinger. Rev. indem er sich erneut – auch unter Bezugnahme auf Coleman v. A Question for the Court. Idaho. Die Mehrheit urteilte. Idaho v. and what effect a prior rejection had on a subsequent ratification. in: 97 Harvard L. 433 ff. Dyer v. 459 U. dass einige Entscheidungen hinsichtlich „proposal“ und Ratifikation von Amendments ausschließlich dem Kongress vorbehalten sind – sei es angesichts des klaren Wortlauts der wesentlichen Bestimmung (Art. Miller der bereits oben im Zusammenhang mit dem Steit um Einzelfragen des Konvents erwähnte G.H.. 709 Ebenda. 369 U. ders. S. 1107 (D. 886 ff... aufgehoben und „remanded to dismiss“ durch den Supreme Court. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung unterstützt wurde. Materiell ging es freilich wie oben bereits angedeutet stets um die Frage. um abschließend und angemessen über Amendments zu befinden.S. Zudem befassten sich zwei gliedstaatliche Gerichte mit der Problematik. 390 F.. 386 ff. Miller für die Erkenntnis. 186. Siehe weiterhin L. 707 Dazu neben den Sondervoten in Coleman v. S. Carr 708. Der Supreme Court akzentuierte diesen Gedanken in Baker v. um die Zuständigkeit der Bundesgerichte zu begründen. Hearings before the House Judiciary Subcommittee on Civil and Constitutional Rights. . dass die Kläger – Mitglieder des Senats von Kansas – jedenfalls ein ausreichendes Interesse geltend machen konnten. 435 ff. inwieweit es sich bei den strittigen Punkten um „political questions“ handele und. in: 37 La. Comment. Equal Rights Amendment Extension. 896ff. (1978). wenn dies zu befürworten sei. der eine generelle Befugnis des Supreme Court zum „judicial review“ befürwortet. (1983). Tribe. Hearings before the Senate Judiciary Subcommittee on the Constitution. 710 Eine Überzeugung. Rev. in: 97 Harvard L.

jedoch nicht an ihr vollzogen. .). O’Brien v. S. Neben den 27 durch die erforderliche Dreiviertelmehrheit der Staaten ratifizierten Amendments wurden den Staaten sechs weitere Vorschläge zur Entscheidung vorgelegt. Dieser Aspekt gerät allzu leicht in Vergessenheit. Allerdings kann dieser Gesichtspunkt nicht derart pauschal bewertet werden. bereits geschilderten 27. Gleichzeitig werden unverzichtbare Fundamente für jede erfolgreiche Verfassunggebung errichtet. 444 U. illustrative documents and a copious index by Paul Leicester Ford. vgl. da auch (bereits im Kongress) gescheiterte „proposals“ durchaus zu hitzigen Debatten in der Öffentlichkeit geführt haben 712 und andere fast unbemerkt zuletzt sogar ratifiziert wurden 713. 1861“ (im Wortlaut abgedruckt bei P. 1982. The Politics and Process of Ratification of the 27th Amendment to the U.S. 714 Von den zwölf vorgeschlagenen Amendment-Artikeln aus dem Jahre 1789 wurden die Artikel III bis XII rati710 Ebenda 217: „a textually demonstrable constitutional commitment of the issue to a coordinate political department. aber G. James Madison and John Jay edited with notes. „Amendments Proposed by the Peace Conference. 1310 (1984) und das Sondervotum von Justice Powell in Goldwater v. 1001 (1979). Crittenden.S. 996. Dabei scheint sich zunächst eine unterschiedliche Betrachtungsweise aufzudrängen. (ed. and the Amending Process of the Constitution. werden sie im Originaltext im Anhang abgebildet. aber auch einschränkend Uhler v.S. Das Ausschlußprinzip wird somit zwar an der Verfassung ausgerichtet. Morgan. Anastaplo. dazu bereits vor der erfolgten Ratifikation S. Zu dem prominenten. 1986. Vgl.IV. Why ERA Failed: Politics. McCormack. 714 Da diese sechs „proposals“ bislang in der deutschsprachigen Literatur nicht zu finden sind (vgl. December 18. Why we lost the ERA. The Constitution of 1787. 413 U.“ 711 Siehe Powell v. February 8 –27. 1860“ bzw. Bestandteil und – insbesondere wenn sie öffentlich ausgetragen wird – Mittlerin einer lebendigen Verfassungskultur. Amendment überraschte selbst Kenner des amerikanischen Verfassungslebens. or a lack of judicially discoverable and manageable standards for resolving it.S. Women’s Rights. 1 (1973). 1989. gescheiterten „Equal Rights Amendment“ vgl. Berry. die jedoch nie ratifiziert wurden. 1898).L. Vol. Ford. 395 U. Constitution. 1986. 409 U. das über 200-jährige Verfahren trug unterdessen nicht wesentlich zur Prägung der amerikanischen Verfassungskultur bei. 713 Die Ratifizierung des zunächst letzten. 1 (1972). The Equal Rights Amendment. je nachdem wie weit ein Amendment-Vorschlag im Verfahren fortgeschritten ist. Allein die Diskussion einer etwaigen Verfassungsergänzung – oder Verfassungsänderung außerhalb der Vereinigten Staaten – leistet mehr als lediglich einen Beitrag zur Fortentwicklung eines gewachsenen Verfassungsverständnisses. sie ist Ausdruck. 298 f. Manbridge. Brown.S. M. A commentary on the Constitution of the United States by Alexander Hamilton. 712 Siehe beispielsweise im Kontext des Bürgerkrieges die „Amendments Proposed in Congress by Senator John J. Carter. The Federalist. Gilligan v.). 486 (1969). Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 245 ee) Die generellen Wirkkräfte des Amendment-Verfahrens Auch nicht ratifizierte Vorschläge für eine Verfassungsänderung oder -ergänzung können eine Verfassungskultur prägen.S. AFLCIO. 2. 468 U. J. Slavin.

Neben den Anmerkungen Marshalls zur Rechtfertigung einer Stärkung der Gerichtsbarkeit in der bahnbrechenden Entscheidung Marbury v. in: 101 Harvard L. 1164 ff. 1013 ff. S. wie an den obigen Beispielen illustriert.“ Das Werk kann als „Klassiker“ amerikanischer Verfassungsliteratur bezeichnet werden. Baltimore. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung fiziert und gingen als die ersten zehn Amendments unter dem Begriff „Bill of Rights“ in die Bundesverfassung ein. Tiedeman. Ford (ed. or before or after the alteration be made it . in: 93 Yale L. ders. und dem Favorisieren einer Verfassungsanpassung durch eine starke Gerichtsbarkeit.S. Rev. Supreme Court and Supreme Law.. 137. 720 Naturgemäß waren diese Bedenken stets am Ende langer Zeitspannen zu konsta715 So bereits T. 1890. Vol. Tiedeman 718 deutlich werden lassen.J. S. 719 Periodisch traten offen kundgetane Sorgen um die eigentliche Angemessenheit und die anti-demokratischen Wesenszüge des Amendment-Prozesses zutage. dazu mit Textbeispielen N. The Storrs Lectures: Discovering the Constitution. 717 Siehe insbesondere W. which are published and enacted in the enforcement of the written Constitution. 25. P. The Unwritten Constitution of the United States. 134 f. if demanded by necessity. der in ders. vgl. S. 4. Zu nennen ist etwa der Grundkonflikt zwischen dem Bedürfnis nach einem formalen Verfahren nach Artikel V. 176 (1803) ist seine Charakterisierung von Artikel V der Verfassung als „unwieldly and cumberous machinery“ in Barron v. 1954. 719 Fundierte Einblicke in das Wechselspiel zwischen Artikel V und der Rolle der Gerichtsbarkeit gibt B. das bereits T. (1988). The Papers of Woodrow Wilson.). The Trial of the Constitution. as they would be by an English Parliament? Should they be approved and ratified by the people. 720 So beispielsweise in den Schriften von S. 5 U. Link (ed. Einigen Problemstellungen ist allerdings eine gewisse Konstanz. Der zunächst vorgesehene Artikel II mündete schließlich im schon mehrfach genannten 27. auch in der unerbittlichen Haltung der konträr vertretenen Positionen nicht abzusprechen. wo er die Rolle des Supreme Court für eine Fortentwicklung der Verfassung prägnant hervorhebt. Cahn. Wilson 717 oder C. 1904 – 5. 1972 (Neudruck der Ausgabe von 1862). S. S. 55 die berühmt gewordenen rhetorischen Fragen stellte: „Why should they not be made by Congress.246 B. in: A.. Jefferson pointierte 715..S. Transformative Appointments. 1968. S.G. Madison. Congressional Government. Amendment (1992). Obgleich die Option einer formalen Verfassungsergänzung mittels des Amendment-Prozesses nie grundsätzlich in Frage gestellt wurde. Fisher. An American Contribution. vgl. 150 (1833) bemerkenswert. 716 Marshall sah sogar breit angelegte Konstruktionen durch die Gerichtsbarkeit als erstrebenswerte Alternative zu konstanten Textänderungen der Verfassung oder zu späteren Verfassungskonventen. 7. 3 ff. 6. 43: „[the] flesh and blood of the Constitution [are found] in the decisions of the courts and acts of legislature.).. Vol.L. Madison. Wilson. whether their consent be expressed by a Legislature or by a Convention which they have elected. (1984). Ackerman. tauchten doch in der amerikanischen Verfassungsgeschichte. 242. was wiederum Äußerungen von Chief Justice J. The Works of Thomas Jefferson. Pet. wiederkehrend Spannungen und heftige Kontroversen über Einzelheiten und Leitgedanken des Amendmentverfahrens auf. Jefferson im Briefwechsel mit J. what is the difference. S. Marshall 716 und später W. 718 C.

S. siehe nur den Ansatz von R.). Croly. as is the case in England. tiefgreifende Regierungsprobleme seien gegebenenfalls durch eine Revision der Verfassung zu lösen. S.S.. If they continue to be satisfied after the alteration is tried. 130. S. 724 Weiterhin ist die unbestrittene Aufmerksamkeit der amerikanischen Öffentlichkeit gegenüber der grundsätzlichen Option. 368. Siehe auch ders. Peisl / A. they can say so through another Congress. Zeit und Verfassungskultur.. Zeit und Verfassung findet in ihrer inneren Bedingtheit eine Kontrolle.IV. 724 Vgl. woraus er schließlich folgert: „[i]t must and will be modified to suit the wishes of the former.G. Progressive Democracy. Verfassungsergänzungen im Zuge eines formalen Verfahrens durchzuführen. it would be thus established as a precedent to be engrafted on the Constitution. 307 U. by their representatives in Congress. 725 Derlei Bestrebungen stehen in einem steten Spannungsfeld zu den ebenso „geistreichen“ Empfehlungen „moderner Madisons“. in: ZfP 21 (1974). 67 f.. Miller. 721 Eine Darstellung auffälliger „amendment clusters“ bietet A. 1978. 1909. vgl. Die Zeit. Grimes. 1976. Einerseits bestimmen Gerichtshof und Kongress letztlich das „Uhrwerk“ der Verfassung. 723 Der Gerichtshof hat trotz der selbst auferlegten Zurückhaltung allein schon in der Begründung derselben gewichtige Argumente für gewisse zeitliche Regelungen und Fristen getroffen. 722 Die Rechtsfragen im Zusammenhang mit der formalen. 433 (1939). Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 247 tieren – wie von 1804 bis 1865 und von 1870 bis 1913 –. „[t]he Constitution belongs to the people of 1862. 96 f. just as the English Constitution has been modified by Parliament“.). Gloss. Democracy and the Amendments to the Constitution. S. Ähnlich später H. not to those of 1787“. ebenda. eindrucksvolles Zeugnis ihres tief verwurzelten Engagements um einen funktionierenden „Konstitutionalismus“. in: A.S. Dabei entspricht es einer verbreiteten Ansicht. findet sich eine historische Zusammenstellung aller Bedenkenträger. während derer keine Amendments in die Verfassung Einzug hielten. 725 Wobei gelegentlich selbst eine neue Verfassung vorgeschlagen wurde. in: 25 AJLH (1991). 1974. 722 Bei J. erneut die Entscheidungen Dillon v. gebundenen Verfassunggebung in den Vereinigten Staaten legen einige Grundsätze des amerikanischen Verfassungsverständnisses offen. If the people should be dissatisfied. . S.R. 376 (1921) und Coleman v. die einen Verschleiß des Amendment-Instruments befürchten und daher gewisse verfassungsrechtliche Fragen ohne Rückgriff auf die Verfassung lösen would still be the wishes of the same people carried into effect. American Views of the Constitutional Amending Process: An Intellectual History of Article V. 256 U. 1983. Vile. 44 ff. Dreier / F. S. Mohler (Hrsg. Häberle. 111 ff. S. 157 f. der Artikel V als „the most formidable legal obstacle in the path of progressive democratic fulfilment“ zu portraitieren wußte. wiederabgedruckt in: R. Tugwell. 723 Grundsätzlich zu „Zeit und Verfassung“: P. The Emerging Constitution.“ Weiter bekräftigte Fisher. 289 ff. Zeit und Verfassung. die mit unterschiedlichen Argumenten Artikel V der „Büchse der Pandora“ gleichstellen. Probleme der Verfassungsinterpretation. 293 ff. Schwegmann (Hrsg. Wohingegen in Zeiten höchster Amendment-Kreativität 721 diesbezüglich höchstens gedämpfte Kassandrarufe zu vernehmen waren.

726 Letztlich ist es aber auch gerade den „stabilen“ Gegensätzlichkeiten innerhalb der endlosen Diskussion zuzuschreiben. S. wirtschaftlichen.N J. sozialen. 4. dass die im 20. und materiell schließlich dadurch. die verfassungsschöpfenden wie verfassungsändernden Charakter hatten. Die Geschichte der amerikanischen Revisionspraxis zeichnet sich insgesamt und in föderativer Hinsicht durch zwei Merkmale aus: Formell wie gesehen dadurch. Die Gliedstaaten im amerikanischen Bundesstaat. in: 25 AJLH (1991). Amendment). 1992. 1993. Amendment). die Abschaffung der Sklaverei (13. 61 ff. das Recht auf „due process“ (14. die Einführung einer Bundeseinkommenssteuer (16. dazu auch kritisch m. Die wesentlichen Veränderungen – und eben nicht lediglich Ergänzungen – sind demzufolge auch auf anderen Wegen als dem der gebundenen Verfassunggebung durchgesetzt worden. Annaheim. Die genannten Konflikte allein im AmendmentVerfahren leisten hierzu durch aus ihren Beitrag. Es drängt sich daher auch 726 Vgl. Die amerikanische Bundesverfassung entspringt einer emotional aufgeladen Stimmung Ende des 18. American Views of the Constitutional Amending Process: An Intellectual History of Article V. dass neben den bereits genannten Gründen die Urfassung der amerikanischen Verfassung vergleichsweise unberührt blieb.248 B.R. Die beispielhafte Anpassungsfähigkeit der amerikanischen Verfassung hat neben der Möglichkeit der formalen Verfassungsergänzung also weitere Gründe.. 728 Es ist daher durchaus schlüssig. vgl. Amendment). Bernstein. S. Amending America. auch mit Betonung der gliedstaatlichen Aspekte J. 728 b) Europäische Union: von der Vertragsänderung zur Verfassungs(vertrags)änderung Aus der verfassungshistorischen Betrachtung der heutigen Europäischen Union ergaben sich bereits unterschiedliche Entwicklungsschritte.w. dass bislang alle Verfassungsergänzungen auf Vorlagen des Kongresses beruhten. ethischen und politischen Umfeld 727 erscheint das parallele „Wachstum“ der amerikanischen Verfassung um zehn plus siebzehn Amendments nur auf den ersten Blick dürr. dass die unter bundesstaatlicher Sichtweise besonders wichtigen Amendments allesamt noch vor den sogenannten „New Deal“-Reformen angenommen wurden: so die „Bill of Rights“. die Gliedstaaten ihr Recht auf Einberufung eines Verfassungskonvents somit noch nie durchgesetzt haben. Jahrhundert gewachsenen Kompetenzverlagerungen auf den Bund weniger eine Folge förmlicher Anpassungen des Verfassungstextes. Amendment) und die Volkswahl der Senatoren (17. 220 mit Fn. 44 ff. Vile. Trotz fundamentaler Umwälzungen innerhalb der letzten zwei Jahrhunderte im gesellschaftlichen. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung wollen. 727 Einen Einblick in den Amendment-Prozess und dessen Konnexität zur amerikanischen politischen Realität gewährt R. sondern vielmehr Ergebnis richterlicher Verfassungsinterpretation sind. Jahrhunderts und sie lebt in der Aufrechterhaltung emotionaler Bindungen zu ihr fort. .

729 In der Supranationalen Union bestimmt sich bereits der Verfassunggeber anders als im Staat und die Institution der Verfassung ist zunächst nicht auf einen bestimmten Anwenderkreis festgelegt. Nach T. wem es gelingt. Öhlinger. Normen zu erlassen. verdeutlicht dies. auch I. aa) Verfassunggebung in der Supranationalen Union Von Interesse ist zunächst die generelle Frage nach den Voraussetzungen der Verfassunggebung in der Supranationalen Union. die vertragsändernde ist eine begrenzte. 11. die sich innerhalb des von ihnen betroffenen Herrschaftsverbandes mit der Autorität einer Verfassung im normativen Sinne durchsetzen. ohne dass der Text etwa des Grundgesetzes (GG) geändert würde: Art. / 12. andere Verfahren der Vertragsänderung zu vereinbaren (vgl. SinclairHaus-Gespräch. es kann aber auch grundsätzlich ein anderer Machtträger sein. insbesondere da ein völkerrechtlicher Vertrag üblicherweise von denselben Beteiligten. etwa die Änderung durch eine qualifizierte Mehrheit der Mitgliedstaaten oder die autonome Vertragsänderung durch die Unionsorgane. In diesem Falle ist die Unterscheidung ohne Schwierigkeit zu bewerkstelligen. Grundlagenpapier.79 Abs. nicht aber auf Absatz 1. 1999). Schmitz ist in der Supranationalen Union hingegen die verfassunggebende Gewalt bei den Mitgliedstaaten fixiert. Art. nämlich den Staaten. Pernice. ohne dass dies im Verfassungstext zum Ausdruck kommen muss. Im Staat soll das beispielsweise das Volk. der sowohl die Verträge als auch den Verfassungsvertrag und die jeweiligen Verfahrensschritte umfassen soll. auf demselben Wege geändert wie geschlossen wird. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 249 ein Blick auf die „gebundene Verfassunggebung“ in Europa auf. denn die Verfassung könne als die höchstrangige Rechtsquelle in einem völkerrechtlichen Verfassungsverband nur in einem als Verfassung ausgestalteten Gründungsvertrag (Verfassungsvertrag) 729 Vgl. Mai 2001. dazu T. 40 I WVRK). Dabei erscheint die Unterscheidung zwischen einer verfassunggebenden und einer verfassungsändernden Gewalt in der Supranationalen Union nicht unproblematisch. Verfassunggeber im weiten Sinne ist. 1 GG verweist konsequent auf Art. Verfassungsfragen einer Mitgliedschaft zur Europäischen Union. 2 und 3. erst mit dem Vertrag geschaffene Gewalt.IV. in welchem Maße allein die Mitgliedschaft in der Europäischen Union auf nationaler Ebene materielle Verfassungsänderungen mit sich bringt. 16. Jedoch erlaubt es das Recht der völkerrechtlichen Verträge.23 Abs. Wenn beispielsweise in Österreich der Beitritt zur Europäischen Union als Gesamtänderung der Bundesverfassung behandelt wurde (vgl. Die Europäische Verfassung. in dem für jede Grundgesetzänderung eine ausdrückliche Änderung des Textes vorgeschrieben wird. . und seine Änderung keinen Einschränkungen unterliegt. Im Übrigen: jede Vertragsänderung bewirkt zugleich eine materielle Verfassungsänderung auf nationaler Ebene.

440 ff. 731 Sie würden dabei als Angehörige zweier „Völker“ im demokratietheoretischen Sinne auftreten: des nationalen Staatsvolkes und eines „Unionsvolkes“. nämlich der Vertragsschluss als die Maßnahme.Einbeziehung des Volkes in das Verfahren der Verfassunggebung ist damit keineswegs verbunden. Demzufolge kann es eine verfassunggebende Gewalt des Volkes i. Solche Schritte ließen es zudem „sinnvoll erscheinen. 731 T. 730 Selbst wenn diese Andere beteiligen. Schmitz. Nicht. das zwar kein Staatsvolk ist. in dem die Bürger gleichzeitig als Unionsbürger über die Billigung der Unionsverfassung und als Staatsbürger über die Ratifizierung des Verfassungsvertrages durch ihren Mitgliedstaat entscheiden.250 B. um die Verfassungen der Mitgliedstaaten in ihrer bereits beeinträchtigten Integrationsfunktion effektiv zu ergänzen.und Integrationskraft vermittelnde Verfahrensschritte ergänzt wird oder (aus heutiger Sicht mit Blick auf den zunächst gescheiterten Verfassungsvertrag) worden wäre. S. Im Lichte der demokratischen Verfassungstheorie muss die Unionsverfassung in ihrer Legitimität der vom Volk gegebenen Verfassung wenigstens weitmöglichst angenähert werden. spricht mit ähnlicher Ausrichtung von einem „Doppelreferendum“ und schlägt weitere „Schritte“ wie etwa eine „vorbereitende Verfassungsversammlung“ deren notwendige Unterstützung „durch eine breite öffentliche Diskussion durch flankierende Maßnahmen zur Förderung einer unionsweiten öffentlichen Verfassungsdiskussion“ gesichert würde. Dieser Ansatz bedarf allerdings einer wichtigen Ergänzung: Eine Ausblendung bzw. Integration in der Supranationalen Union. Schmitz (2001). . Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung liegen. Aus Sicht der Allgemeinen Staatslehre kommt es zudem auf eine entsprechend weit gehende Integrationskraft der Unionsverfassung an. aber nach der hier vertretenen Auffassung als allgemeine politische Gemeinschaft von Menschen wenigstens für seinen Herrschaftsverband demokratische Legitimation vermitteln kann. Beides würde freilich eine besondere Ausgestaltung des Verfahrens nahe legen. S. zunächst einen Vorvertrag über die Modalitäten der Verfassunggebung zu schließen“. S. 432 ff. Einen dieser Schritte könnte neben einem öffentlich hinreichend begleiteten Konvent ein „duales Plebiszit“ darstellen. 2001. und die Rechtsmacht. völkerrechtliche Verträge zu schaffen. welche die Verfassungsnormen entstehen lässt. 730 So T. sei nach dem Völkerrecht den Staaten vorbehalten. demokratischen Verfassungstheorie in einem völkerrechtlichen Verfassungsverband nach dieser Darstellung nicht geben. Das europäische Organisationsmodell einer prozesshaften geo-regionalen Integration und seine rechtlichen und staatstheoretischen Implikationen. ausschließlich ihnen zuzurechnen. ist die Verfassunggebung selbst. bei dem der völkerrechtliche Vertragsschluss durch begleitende Legitimitäts. d.

Rat und Kommission und entwickelt sich zu einer Gewaltenteilung nationalstaatlicher Prägung mit einem Zweikammersystem. der dynamische Charakter des Unionsrechts Die europäische Rechtsetzung ist das Spiegelbild der institutionellen Ordnung der Europäischen Union.bzw. Das Gemeinschaftssystem ist durch weitere Aufwertung des Europäischen Parlaments und Ausrichtung auf eine ebenenübergreifende Kooperation fortzuschreiben. auf die Durchsetzung des Gemeinschaftsinteresses ausgerichteten Funktionenteilung zwischen Parlament. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 251 bb) Europäische Rechtsetzung als Spiegelbild der institutionellen Ordnung.IV. welche die Interpretation des Primärrechts auf der Grundlage der tatsächlichen Entwicklung fortschreibt. blendet die in nicht unwesentlichen Teilbereichen weiterhin dominierende nationale Ebene aus und ist eher zu ersetzen durch das Bild eines interdependent-kooperativen Systems. Das Bild einer supranationalen Gemeinschaftsebene. Auf diesen Tätigkeitsfeldern gibt es entsprechend und mittlerweile fast traditionell stärkere Beharrungstendenzen der Mitgliedstaaten. Die Organisationsstruktur der Union kann (noch) nicht als in sich geschlossenes institutionelles System verstanden werden. Diese Zusammenarbeit bestimmt alle Phasen des umfassend zu verstehenden Normgebungsprozesses: Neben der vorlegislatorischen Politikformulierung sowie der Umsetzungs. Angesichts des gegenwärtigen Entwicklungstands werden weitere Integrationsfortschritte vor allem durch eine aktive Ausweitung gemeinschaftlicher Politikbereiche erreicht. Die Einbußen der Kommission verringern die Durchsetzungsmöglichkeit genuiner Gemeinschaftsinteressen und ermöglichen eine verstärkte Einflussnahme seitens der nationalen Exekutiven auf die Organe der Gemeinschaft. In Einklang mit der konstatierten Verfassungsentwicklung und -praxis steht nur eine Lösung. Damit wird nicht nur das Primärrecht. die der nationalen Ebene übergeordnet ist und auf diese durch ein-seitige Hoheitsakte einwirkt. An die Stelle des Gemeinschaftsinteresses treten die koordinierten nationalen Partikularinteressen. Die überstaatliche Kooperation entspricht den Erfordernissen des fortgeschrittenen Entwicklungsstandes der Europäischen Union. Mit einer schrittweisen Reduzierung der Legislativfunktion der Kommission nimmt das Gemeinschaftssystem Abschied von der ursprünglichen Konzeption einer spezifischen. Die ursprünglichen Vorgaben des EG-Vertrags zur Durchsetzung der Gemeinschaftsziele waren vorrangig auf eine Beseitigung der Behinderungen innerhalb des Gemeinsamen Marktes gerichtet. sondern auch das Sekundärrecht durch die Regierungen der Mitgliedstaaten geprägt. Eine Rückbesinnung auf die tradierte gemeinschaftsspezifische Funktionenteilung ist angesichts gefestigter Verfahrenspraktiken weder normativ noch faktisch gangbar. Anwendungskontrolle im nachlegislatorischen Stadium bestimmt sie vor allem die Entscheidungsfindung in der legislatorischen Phase und die Normpräzisierung im Rahmen der Komitologie („tertiäre Rechtsetzung“). Europäische Rechtsetzung wird durch die Kooperation der Mitgliedstaaten mit den Organen der Europäischen Union geprägt. .

Trotz der durch zunehmende Kompetenzübertragung auf die Union herbeigeführten zentripetalen Entwicklung bleiben die Mitgliedstaaten bei der Erfüllung öffentlicher Aufgaben auf europäischer Ebene die zentralen Akteure. S. 34 ff. ob das Verfahren der Vertragsänderung für eine solche öffentliche Debatte Raum lässt. 733 Nicht weiter thematisiert wird im Folgenden die Kategorie des ungeschriebenen Primärrechts. Dix. die den Kern des europäischen Primärrechts ausmachen 733. Noch stärker als die nationalen Verfassungen sind die Verfahrensregeln der Europäischen Union ständigem Wandel unterworfen. Ursache waren die in vergleichbarem Maße wachsenden Befürchtungen. Ihre Ausgestaltung wird durch die vertragsändernde und vertragsergänzende Verfassungsentwicklung im Zuge der Vertragsrevisionen sowie durch die verfassungsimmanenten Formen einer gestaltenden Fortbildung fortlaufend verändert. Die Entwicklung zu einer Gewaltenteilung nationalstaatlicher Prägung wird begleitet von dem erkennbar zunehmenden politischen Druck seitens der Mitgliedstaaten. in: Integration 1/2001. durch explizite Vertragsänderung ist in Art. also auf unmittelbare Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten. die europäischen Rechtsetzungsverfahren in Analogie zu den vertrauten Paradigmata nationaler Normgebungsverfahren auszugestalten. Solche Befürchtungen manifestierten sich auch in den Exekutiven der Mitgliedstaaten. nach der die Mitgliedstaaten im Zuge der weiteren Integration künftig in einer neuen „staatlichen Einheit“ aufgehen oder von ihr überlagert werden. Angesichts kooperativer Steuerungsmechanismen haben ihre Regierungen verstärkt Mitwirkungsmöglichkeiten bei der Gestaltung öffentlicher Aufgaben zurückgewonnen. .252 B. Unvereinbar mit dem derzeitigen Integrationsverlauf erscheint deshalb eine Sichtweise. 48 EUV geregelt. Abhilfe verspricht bis heute deshalb wohl nur eine breite öffentliche Debatte unter Einbeziehung der Parlamente und aller gesellschaftlichen Gruppierungen. Danach kann die Regierung jedes Mitgliedstaates oder 732 So W. Die Abänderbarkeit der derzeitigen europäischen Verträge. sondern stärkt ihn letztlich. auszurichten. Das kooperative europäische Regelungssystem hebt den Nationalstaat nicht auf. Grundrechtecharta und Konvent – auf neuen Wegen zur Reform der EU?. die Mitgliedstaaten könnten dabei zuviel von ihrer Souveränität und Identität einbüßen. Mit zunehmender (und eigentlich wünschenswerter) Vertiefungsdebatte der Union wurde es schwieriger. die europäische Rechtsetzung intergouvernemental. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Dieses Ergebnis entspricht dem dynamischen Charakter des Unionsrechts. 732 cc) Die Abänderbarkeit der Europäischen Verträge Fraglich war freilich. Gleichzeitig sind die Regierungen und die nationalen Interessenverbände bestrebt. die noch bestehenden Defizite in der Verwirklichung der funktionalen Grundsätze zu überwinden.

Schwarze (Hrsg. Art. vgl.-H. Vielmehr erforderte der Entwicklungsstand der Union neue Verfahren. Dieses Verfahren sichert zwar den Regierungen größtmögliche Handlungsfreiheit für die Aushandlung der Vertragsänderungen. 48 EUV. werden die geplanten Änderungen auf einer vom Präsidenten des Rates einzuberufenden Regierungskonferenz von den Vertretern der Regierungen der Mitgliedstaaten beraten und beschlossen. 11. geändertes Primärrecht zum Gegenstand hat. die eine stärkere Einbeziehung der Parlamente und der Öffentlichkeit schon während Verhandlungen ermöglichen. erwies sich als kaum ausreichend. welches in Gestalt der jeweiligen Beitrittsverträge neues bzw. vorlegen. Bereits den Regierungskonferenzen von Maastricht und Amsterdam wurde der Vorwurf gemacht. um endgültig in Kraft zu treten. 23 GG. mit umfangreichen Nachweisen. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 253 die Kommission dem Rat Entwürfe zur Änderung der Verträge. . Auch deshalb haben sich die vertraglichen Grundlagen der Union zu einem sehr komplexen Gebilde von Kompromisslösungen entwickelt. Hier ist zunächst das in Art. auf denen die Union beruht. Dieses Verfahren für die Weiterentwicklung der Union. ihre Ergebnisse seien ohne breite politische Debatte und über die Köpfe der Parlamente und der Bevölkerung hinweg zustande gekommen. dass 734 Dazu ausführlich H. 48 EUV vorgesehenen regulären Vertragsänderungsverfahren dadurch.). auch eine Ausarbeitung der Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages (vom 24. In diesem Zusammenhang ist zwischen „vereinfachten“ und „autonomen“ Verfahren der Vertragsänderung zu unterscheiden.IV. 48 EUV erfolgen. 2000. die zunehmend supranationale Hoheitsrechte der Gesetzgebung ausübt und nicht nur völkerrechtliche Verpflichtungen ihrer Mitgliedstaaten begründet. in: J. Andererseits begünstigt es eine Fortschreibung des vertraglichen Acquis. die sich möglichst eng an den bisherigen Texten orientiert. 48. Herrnfeld. 734 Das sog. schon um die spätere Zustimmung in den Parlamenten und Volksabstimmungen nicht zu gefährden. 2003) im Auftrag des Verf. die Kommission als auch der Rat einbezogen sind. der (völkerrechtlichen) Ratifizierung durch die Mitgliedstaaten nach deren jeweiligen verfassungsrechtlichen Vorschriften. 10. „vereinfachte“ Verfahren unterscheidet sich von dem in Art. 49 EUV geregelte Verfahren des Beitritts neuer Mitgliedstaaten zu nennen. Nach einem unionsinternen Verfahren. Rn. In Deutschland bemisst sich der Ratifizierungsprozess nach Art. Sie bedürfen. Auch hier greift jedoch letztendlich der Ratifizierungsvorbehalt aller Mitgliedstaaten nach ihren jeweiligen verfassungsrechtlichen Vorschriften. Daneben bestehen jedoch weitere Mechanismen der Änderung von Primärrecht außerhalb des Verfahrens des Art. in das sowohl das Europäische Parlament. EU-Kommentar. Änderungen des Primärrechts können jedoch auch außerhalb des Verfahrens nach Art.

dass die Strukturprinzipien als allen Mitgliedstaaten gemeinsame. vorsieht. Rn. Rn. C. 190 Abs. Meng. 737 H. Gleichwohl wird im Schrifttum der Standpunkt vertreten.D. 79 Abs. 735 Demgegenüber fehlt es an diesem Ratifizierungserfordernis im Rahmen des „autonomen“ Vertragsänderungsverfahrens. 22 EGV (Begründung neuer Rechte im Rahmen der Unionsbürgerschaft). Eine „Umgehung“ der genannten ausdrücklichen Vertragsänderungsverfahren durch implizite Vertragsänderungen hält der EuGH nach ständiger RechtspreBeispielhaft seien an dieser Stelle die folgenden Anwendungsgebiete dieses Verfahrens genannt: Art. 3 EUV (Aussetzung des Stimmrechts bestimmter Mitgliedstaaten). 48.bzw.). mit ausführlichen weiteren Nachweisen aus dem Schrifttum. Art. Folz. Grabitz / M.w. Rn. Art. Herrnfeld (2000). vorzunehmen. 245 Abs. Art. Rn. 736 Hierzu zählen etwa die Bereiche: Art. 737 Dementsprechend sind die Mitgliedstaaten nach dem Wortlaut der Verträge frei. 5. die diese Aussage auf eine angebliche völkerrechtliche Verpflichtung bzw. Vedder / H. Calliess / M. das eine – in der Regel vom Rat einstimmig auszuübende – Vertragsänderungsbefugnis der EU-Organe. 2 (Übergang von der Einstimmigkeit zur qualifizierten Mehrheit im Bereich Justiz und Inneres).). zu den umfangreichen weiteren Anwendungsgebieten dieses Verfahrens nur die Auflistung bei H.Lieferung). Kommentar. Cremer. Erg.P. 48.-J. Art. 2002. Art. in: C.).-H. 7 Abs. Rn. 17 Abs. Das Recht der Europäischen Union. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung an Stelle einer Regierungskonferenz Vertragsänderungen durch den Rat mit einstimmigem Votum vorgenommen werden. N. ihrer Verfügungsgewalt entzogene Grundsätze auch dem Unionsvertrag bereits vorgegeben seien und damit nicht erst durch diesen gewährt. 738 Nicht hierzu zählt aber etwa der bereits erreichte Stand der Integration. 42 EUV (Überführung von Teilen der bisherigen dritten Säule des EUV in den EG-Vertrag). wie sie etwa für den deutschen (Verfassungs-)Gesetzgeber bzgl. Art. 48 EUV. Kommentar zum EGV / EUV. 736 Das EU-Recht kennt hinsichtlich der gemäß Art. 4. Kommentar zu EU-Vertrag und EG-Vertrag. Gemeinschaftsrechts. 2 (Änderung der Satzung des EuGH). es gebe einen (ungeschriebenen) änderungsfesten Kern des Unions. 48 EU-Vertrag vorzunehmenden Abänderung von Primärrecht keine vergleichbaren inhaltlichen Schranken. 67 Abs. Art. 20. 1 EUV (Festlegung einer gemeinsamen Verteidigungspolitik). Art. Aufl. Aufl. 4 EGV (einheitliches Wahlverfahren für das Europäische Parlament). 59 f). 2003 (Stand: 21. Hilf (Hrsg. von der Groeben / J. Vgl. N. zumeist für technische Anpassungen. der dies damit begründet. Ruffert (Hrsg. 8. 213 Abs. Art. 3 GG niedergelegt sind. Dazu werden etwa die in der Union zugrunde liegenden Strukturprinzipien des Bekenntnisses zu den Menschenrechten und zu Demokratie und Rechtstaatlichkeit gezählt. 1 (Änderung der Zahl der Kommissionsmitglieder).254 B. Art. 187 (Verfahren der Assoziierung). verfassungsrechtliche Selbstbindung der Mitgliedstaaten stützen. 2. 738 In diesem Sinne m. Ehlermann (Hrsg. allerdings mit abweichender Begründung H. Im Ergebnis ebenso. Thiesing / C. Ein mitgliedstaatliches Ratifizierungserfordernis nach den jeweiligen Vorgaben der nationalen Verfassungen besteht jedoch auch im Rahmen dieses Verfahrens. 12. 48. in: H. ohne inhaltliche Begrenzung jede Art von Änderungen oder Ergänzungen der Verträge. sondern durch diesen lediglich anerkannt werden (in diesem Sinne auch W. in: E. Art.-H. der Abänderungsmöglichkeiten des Grundgesetzes in Art. 1999. Herrnfeld (2000). auf denen die Union beruht. Art. 735 .

Ruffert (Hrsg. 455. das Verfahren des Art. 740 Dazu ausführlich H. Rn. 2002. 529 hält auch eine nachträgliche Änderung durch Erzeugung von Gewohnheitsrecht für denkbar. selbst bei einem Einverständnis aller Mitgliedstaaten nicht möglich. Gemeinschaftsrecht nach wie vor auf den zwischen den Mitgliedstaaten geschlossenen völkerrechtlichen Verträgen beruht. 48 EUV möglich sein. Rn. 46 ff. 48 EUV. 5.). Jedoch stehe dieser unionsrechtlichen Selbstverpflichtung der Mitgliedstaaten die in diesen verbliebene völkerrechtliche Kompetenz gegenüber. zur hierzu geführten. 24 (Vereinigtes Königreich / Rat). sich durch eine gegenteilige Übereinkunft von dieser Selbstverpflichtung zu lösen. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 255 chung für ausgeschlossen. 16. 16. wissenschaftlich komplexen Debatte nur C. so dass sich an der parlamentarischen Mitwirkungsbefugnis der nationalen Parlamente in diesem Fall nichts ändern würde. 48. differenzierend aber H. 1976. 48 EUV. Art. 1 (82). So auch etwa H.-J. 43/75. 2. Seidl-Hohenveldern. vgl. hierzu auch H. 2003 (Stand: 21. I. 68/86. dass das Unions. das eine konkludente Vertragsänderung durch einen sonstigen Änderungsvertrag für möglich hält. wie etwa durch eine schlichte Praxis des Rates nicht in Betracht. Calliess / M.bzw. Kommentar zu EU-Vertrag und EG-Vertrag. 48 EUV zu respektieren. 48 EUV erfolgenden Änderungen von Primärrecht die verfassungsrechtlichen Ratifizierungsanforderungen an den jeweiligen völkerrechtlichen Änderungsakt. Die allgemeinen Regelungen des Völkerrechts sollen demgegenüber durch Art. Aufl.). 48. Danach seien Änderungen der Verträge grundsätzlich nur im Wege der vertraglich vorgesehenen Änderungsverfahren möglich. 855. Herrnfeld. in: C. 56/58 (Defrenne / Sabena). der eine (unionsrechtliche) Bindung der Mitgliedstaaten annimmt. Art. Aufhebung von Primärrecht durch die Mitgliedstaaten nach Maßgabe des allgemeinen Völkerrechts grundsätzlich auch außerhalb des Verfahrens des Art. Erg.Lieferung). Cremer.P. 742 Diese Befugnis der Mitgliedstaaten folgt aus ihrer Eigenschaft als „Herren der Verträge“ und der Tatsache. Slg. etwa durch konkludenten. 1988. Völkerrecht. 740 Daneben kommt auch eine implizite Abänderung von Vertragsvorschriften durch bloßes Organhandeln.-H. Rn. Aufl.-H.IV. Vedder / H. in: C. Aufgrund der grundsätzlichen Gleichrangigkeit aller Akte des Völkerrechts wäre demzufolge eine Abänderbarkeit dieser Verträge auf die dargestellte Art und Weise grundsätzlich möglich. 8. gleichzeitig mit einem Organakt von den Mitgliedstaaten abgeschlossenen Änderungsvertrag oder durch Erzeugung von Gewohnheitsrecht. Kommentar zu EU-Vertrag und EG-Vertrag. 742 Diese völkerrechtlich wirksame Vorgehensweise kann aber zu einem Konflikt mit Unions. Anders aber BVerfGE 68. Vgl. Grabitz / M. 2002. Aufl. in: E. 1994.). Art. 739 Nach dieser Auffassung ist eine implizite Änderung der Verträge. Rs. Rn. Rn. Kommentar. Cremer. außerhalb von Art. Das Recht der Europäischen Union. Gemeinschaftsrecht führen. Herrnfeld (2000). Art. Rn 4 f. 741 In diesem Sinne EuGH Rs. 741 Demgegenüber soll nach überwiegender Auffassung im wissenschaftlichen Schrifttum die ausdrückliche Änderung bzw. Hilf (Hrsg. Gleichwohl greifen auch bei derartigen.-J. 48 EUV verdrängt worden sein. Rn. (2000). Slg. Art. Folz. Calliess / M. 2.bzw. Ruffert (Hrsg. 739 EuGH. 48. . rn.

Verfassungsergänzungen werden unvermeidlich sein und sind fraglos Ausdruck einer gewissen Normalität.“ Obschon am Ende wiederum eine Regierungskonferenz stehen soll. IV-7 VerfV (Allgemeine und Schlussbestimmungen) wird die Konventsmethode als Mechanismus häufiger Verfassungsänderungsdebatten eingeführt. dass alle bisherigen. so als müsste dem derzeit möglichen Verfassungsergebnis eine Ewigkeitsgarantie gewährt werden. expliziten oder impliziten Verfahren der Änderung von Vertragsprimärrecht. liegt in dem Mechanismus. Jedenfalls darf Zwang zur Einstimmigkeit bei künftigen Verfassungsergänzungen nicht die faktische Unveränderbarkeit der Verfassung in einer Europäischen Union mit 27 oder mehr Staaten bedeuten. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Zusammenfassend kann deshalb festgehalten werden. ob eine europäische Verfassung auf Dauer handlungssteigernd sein wird. Verfassungsergänzungen und Verfassungsänderungen im Sinne amerikanischer Amendments könnten im Prinzip mit qualifizierter Mehrheit möglich werden. Aber nur mit Hilfe einer klaren Trennung von fundamentalen und eher technischen Fragen der Verfassungsentwicklung kann europäische Verfassungskontinuität mit dem lebendig sich weiterentwickelnden politischen Erfahrungs. „um die an dem Vertrag wahrzunehmenden Änderungen zu vereinbaren“. sieht man einmal von den beim Verfahren der „autonomen“ Vertragsänderung geltenden Besonderheiten ab. Die Ausnahmetatbestände. den Konvent nicht einzuberufen. sofern der Europäische Rat am Ende im Normalfall mit qualifizierter Mehrheit entscheiden kann. sind selbstredend. (1) Das Fünfstufenmodell des Verfassungsvertrages Durch den Verfassungsvertrag wird eine fünfgliedrige Verfahrenskette zur Änderung und Anpassung des gesamten Vertrages sowie einzelner verfahrensrechtlicher und substantieller Aspekte normiert: 743 . „wenn seine Einberufung aufgrund des Umfangs der geplanten Änderungen nicht gerechtfertigt ist. Hierfür werden aber in Zukunft nicht mehr einstimmige Totalrevisionen erforderlich sein. Nach Art.256 B. ist der vorgesehene Modus für Verfassungsergänzungen eine bedeutende Stärkung des föderalen Unionsprinzips. dd) Verfassungsänderung nach dem Verfassungsvertrag – die neuen Verfahren Ein Schlüssel dafür.und Anforderungsprozess der Europäischen Union in Einklang gebracht werden. Bei technischen Änderungen kann der Rat mit einfacher Mehrheit beschließen. der für künftige Verfassungsänderungen gefunden wird. bei denen Einstimmigkeit erforderlich ist. durch ein mitgliedstaatliches Ratifizierungserfordernis flankiert werden.

Für den Fall. IV-443 VerfV. wenn auch nur ein einziges nationales Parlament innerhalb von sechs Monaten nach Übermittlung einer entsprechenden Vertragsänderungsinitiative sein Veto einlegt. 743 . Verweigert hingegen das Parlament die Zustimmung. Und zum zweiten kann der Europäische Rat in den Bereichen. in welchen er europäische Gesetze und Rahmengesetze nicht nach dem ordentlichen Gesetzgebungs-. die Änderungsentwürfe zu prüfen und im „Konsensverfahren“ eine Empfehlung für die nachfolgende Regierungskonferenz abzugeben. IV-444 VerfV die Regeln für ein vereinfachtes Vertragsänderungsverfahren. Dem Konvent ist es vorbehalten. um die Substanz des Verfassungsvertrages ohne notwendige Einberufung einer Regierungskonferenz oder eines Konvents zu ändern: So kann der Europäische Rat zum einen in Bereichen. Hierbei lassen sich zwei „Reformfelder“ ausmachen. sondern nach „besonderen Gesetzgebungsverfahren“ annimmt. Die neuen Handlungsermächtigungen der Organe. In der zweiten Variante „Regierungskonferenz ohne Konvent“ kann der Europäische Rat jedoch mit einfacher Mehrheit nach Zustimmung des Europäischen Parlaments beschließen. dass die Zustimmung des Europäischen Parlaments hierzu vorliegt. Das vereinfachte Vertragsänderungsverfahren scheitert. Beide genannten Beschlüsse unterliegen freilich der Zustimmung des Europäischen Parlaments sowie einem Vorbehaltsrecht der jeweiligen nationalen Parlamente. Dieses Verfahren beinhaltet zwei Varianten. Auf der zweiten (übergeordneten) Stufe bestimmt Art. einstimmig eine Überführung in den Entscheidungsmodus der qualifizierten Mehrheit beschließen. sollte der Europäische Rat nach Anhörung des Europäischen Parlaments und der Kommission mit einfacher Mehrheit die Prüfung der vorgeschlagenen Änderungen beschließen.IV. Vgl. einstimmig beschließen. diese europäischen Gesetze oder Rahmengesetze in das „ordentliche Gesetzgebungsverfahren“ zu überführen. wenn das Konventsverfahren aufgrund „des Umfangs der geplanten Änderungen nicht gerechtfertigt ist“. Der Vertrag über eine Verfassung für Europa. in denen der Rat nach den Bestimmungen des Verfassungsvertrages einstimmig entscheiden muss. A. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 257 Die erste Stufe bilden nunmehr zwei „ordentliche“ Verfahren zur Änderung des Verfassungsvertrages gemäß Art. Maurer. 2005. Allerdings entfällt im Gegenzug die Verpflichtung zur Ratifikation der Vertragsänderungsbeschlüsse. SWP-Diskussionspapier. wird auf der Grundlage eines Mandats des Europäischen Rates eine Regierungskonferenz zur Prüfung und zu etwaigen Änderungen des Vertrages einberufen. hat die Regierungskonferenz auf der Grundlage der dann im Konsensverfahren von einem Konvent angenommenen Empfehlungen zu arbeiten. wobei in der ersten Variante „Konvent plus Regierungskonferenz“ der Präsident des Europäischen Rates einen Konvent einberufen muss. auf die Einberufung eines Konvents zu verzichten.

745 Der entsprechende Änderungsbeschluss des Europäischen Rates erfolgt einstimmig nach Anhörung des Europäischen Parlaments und der Kommission. des Europäischen Rates verändert. Maurer (2005). der die institutionelle Balance zwischen den Organen Parlament. Innen. das durch die spezifischen Kompetenznormen selbst nicht 744 Andererseits stellt die Passerelle als Befugniserweiterung des Europäischen Rates einen Schritt dar. Rat und Kommission deutlich zugunsten des Rates bzw. Sind im Verfassungsvertrag die zur Erreichung eines bestimmten Ziels notwendigen Befugnisse nicht vorgesehen. obgleich „ein tätig werden der Union im Rahmen der in Teil III festgelegten Politikbereiche erforderlich“ erscheint. dass der Verfassungsvertrag ein entsprechend konkretes Unionsziel bestimmt. über einen längerfristigen Zeitraum auch diejenigen Politikfelder und Bereiche in die qualifizierte Mehrheit zu übertragen. Die nationalen Parlamente verfügen im Gegensatz zu den ersten beiden Fällen nicht über ein Vetorecht. Konsequenterweise ist hierzu letztlich wieder der Rückgriff auf das ordentliche Vertragsänderungsverfahren vonnöten. 744 Der Verfassungsvertrag sieht nunmehr auf einer dritten Stufe vor. weshalb die nach diesem Verfahren angenommenen Vertragsänderungen nicht zu einer Ausdehnung der der Union übertragenen Zuständigkeiten führen dürfen. IV-445 VerfV auch die Eingriffstiefe der jeweiligen Reformen. in der Regierungskonferenz (zum Teil erwartbar) nicht gelungen ist. Hieraus ergibt sich die Voraussetzung.258 B. Jedoch treten Vertragsänderungen erst nach Zustimmung der Mitgliedstaaten im Einklang mit ihren jeweiligen Verfassungsbestimmungen in Kraft. I-18 VerfV hingegen nicht. 42 EUV): Durch dieses Verfahren wird die Möglichkeit eröffnet. sondern lediglich eine auf den Einzelfall begrenzte Präzisierung bzw. Eine Änderung des Verfassungsvertrags gestattet Art. In der Umsetzung von Art. IV-445 VerfV der Europäische Rat eine „Änderung aller oder eines Teils der Bestimmungen von Teil III Titel III erlassen“ kann. .und Bildungspolitik mit ein.und Justizpolitik bis hin zur Gesundheits. Befugniserweiterung der Union. Die vierte Stufe beinhaltet gem. dass gemäß Art. S. Währungs-. durch den Maastrichter Vertrag festgelegten Justizund Innenpolitik (Art. IV-444 VerfV findet seine weitgehende Entsprechung in der Passerelle innerhalb der ehemaligen. 745 Diese Formulierung bezieht alle internen Politiken der Union vom Binnenmarkt über die Wirtschafts-. Art. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Art. vgl. bei denen es im Konvent bzw. dann kann der Rat einstimmig auf Vorschlag der Europäischen Kommission nach Zustimmung des Europäischen Parlaments die geeigneten Maßnahmen erlassen. auch A. I-18 VerfV schließlich eine Bestätigung der schon länger geltenden Flexibilitätsklausel zur einstimmigen Ergänzung bereits vertraglich sanktionierter Politiken. Durch die Einstimmigkeit der Übergangsentscheidung behält somit jeder Staat die Entscheidungshoheit über diesen signifikanten Schritt. IV-444 werden sich daher wohl auch grundsätzlichere Fragen der demokratischen Kontrolle des Europäischen Rates und seines Vorsitzenden stellen. 25. Allerdings beschränkt Art.

der Kultur-. die auf eine Harmonisierung der Rechts. der ein europäisches Rahmengesetz als mit den grundlegenden Prinzipien seiner Strafrechtsordnung für unvereinbar hält. Ausgenommen sind hiervon jedoch explizit Maßnahmen. vom irischen Ratsvorsitzenden vorgeschlagene Option den Weg für eine Konsenslinie zwischen jenen Regierungen.und Innenpolitik eröffnete erst eine solche. S. Jugend.4 VerfV). Lässt sich analog zu den Bestimmungen aus Art.IV. III-270. um das jeweils laufende Ratsverfahren zu stoppen. 747 746 . kann automatisch eine verstärkte Zusammenarbeit eingeleitet werden. Bildung-. obwohl die betroffene Vertragsbestimmung jedwede Harmonisierung ausschließt. verfügt im Bereich der Strafrechtszusammenarbeit ebenfalls über ein suspensives Vetorecht. an der sich mindestens ein Drittel der Mitgliedstaaten beteiligen muss (Art. III-136 VerfV keine Einigung erzielen. Im Bereich der sozialen Sicherheit zeitigt die „Notbremse“ wohl keine weiteren Konsequenzen für die faktische Fortentwicklung der Integration. Der Europäische Rat muss sich mit der Frage befassen und kann den geplanten Rechtsakt entweder an den Rat zur Weiterbehandlung zurück überweisen oder aber die Kommission um die Vorlage eines neuen Vorschlags ersuchen. der Sozialpolitik. der Beschäftigungspolitik. wenn und weil der geplante Rechtsstaat „die Kosten oder die Finanzstruktur seines sozialen Systems verletzen oder dessen finanzielles Gleichgewicht beeinträchtigen“ könnte (Art.2 VerfV). Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 259 gedeckt ist. dass ein Mitgliedstaat im laufenden. III-270. die auf eine Harmonisierung der Rechts. der Forschungspolitik. 747 Sodann muss sich der Europäische Rat mit der Frage befassen und innerhalb einer Frist von vier Monaten entscheiden. 136 VerfV wohl eher den „Rückbau“ der Integration sanktionieren. Maurer (2005). 748 Dahingegen eröffnet das Vetoverfahren in der Strafrechtszusammenarbeit de facto eine FortDazu A. III-136. der Tourismuspolitik. ordentlichen Gesetzgebungsverfahren einen Vorbehalt geltend machen kann. Art.und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten abzielen würden. Demzufolge sind flexible Vertragsergänzungen ausgeschlossen. Auch im weiten Bereich der Justiz. 748 Bei entsprechend extensiver Praxis würde Art. und denjenigen (vor allem Großbritannien). die sich in Zurückhaltung übten.3 VerfV.und Verwaltungsvorschriften bei der Diskriminierungsbekämpfung. So wird etwa im Rahmen des freien Dienstleistungsverkehrs für Maßnahmen zur sozialen Sicherheit der Arbeitnehmer festgehalten. sowie im Katastrophenschutz und der Zusammenarbeit der Verwaltungen hinauslaufen würden.und Sportpolitik. 746 Zuletzt benennt und etabliert der Verfassungsvertrag auf einer fünften Stufe so genannte „Notbremsen“ für die sekundärrechtliche Weiterentwicklung bestimmter Politikfelder. der Gesundheitspolitik. die weitere Integrationsschritte zugunsten der strafrechtlichen Kooperation forderten. 26. Im Kontext der sozialen Sicherheitspolitiken wird das Entscheidungsverfahren nach einem Staatsvorbehalt zunächst angehalten. Ausbildungs-. Jeder Staat.

wenn die sich aus der betroffenen Rechtsgrundlage ergebenden Kompetenzen nicht klar abgegrenzt sind. ob für einen Politikbereich zur Mehrheitsentscheidung übergegangen wird. wird die Interpretation der Verfassung erforderlich.S. Maryland 17 U. hat der Supreme Court der USA bereits 1819 dekretiert. Dies ist besonders problematisch. „We must never forget that it is a constitution we are expounding“. 2. Der Richter hat innerhalb des Interpretationsrahmens durch Auslegung die normative Aussage zu finden. and the interpretation of its powers by any branch is due great respect from the others. Nixon. die den konkreten Fall löst. da das in Art. McCulloch vs. Diese Funktion ist zunächst nur insoweit an eine gesetzliche Grundlage gebunden als man letztere zum Gegenstand der Tätigkeit bestimmt. 418 U. Stern) führt zu Besonderheiten bei der Interpretation. ob Staaten die „Notbremse“ in jeder Phase des Gesetzgebungsverfahrens oder nur in einer bestimmten Phase der ratsinternen Vorabstimmung ziehen dürfen.“ 749 Besser hätte der Supreme Court kaum seiner eigenen Rolle als auch der aller Verfassungsorgane bei der zweiten „Alternative“ der Einflussnahme auf die Entwicklung der amerikanischen Bundesverfassung Ausdruck verleihen können.S. Die Parlamente und insbesondere die Opposition werden dadurch nicht unerheblich geschwächt. 316 (407). 750 749 . Kreative Verfassunggebung – Verfassungsinterpretation. Mit Blick auf beide „Notbremsen“ mag sich die Unbestimmtheit des Verfahrenszeitpunkts als problematisch erweisen. Hierfür steht ihm etwa in Deutschland eine gefestigte Methodik zur Verfügung. Gilt es nun eine verfassungsrechtliche Frage zu beantworten. 683. Damit wird die Stellung von Deutschem Bundestag und Bundesrat erheblich geschwächt. 23 GG bei Hoheitsübertragungen vorgesehene 2/3-Erfordernis entfällt. Die spezifische „Gestimmtheit des Verfassungsrechts“ (K. 703 (1974). (2) Gemeinschaftsautonome Verfassungsänderung betreffend einen Übergang in die Mehrheitsentscheidung Der Europäische Rat entscheidet nach dem Entwurf des Verfassungsvertrages künftig ohne Ratifikationserfordernis. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung entwicklung dieses Politikfelds unterhalb der Schwelle der Vertragsreform. 750 United States v. So wird es sich gegebenenfalls nur im Rahmen eines Interinstitutionellen Abkommens zwischen Europäischem Parlament und Rat klären lassen. die sich nicht zweifelsfrei mittels der Verfassung selbst lösen lässt.260 B. Der Deutsche Bundestag und der Bundesrat müssen nur unterrichtet werden. insbesondere die Rolle der Obersten Gerichte „In the performance of assigned constitutional duties each branch of the Government must initially interpret the Constitution.

Hesse. Scheint es doch auf den ersten Blick durchaus paradox. wonach Auslegung „die Rekonstruktion des klaren oder unklaren Gedankens ist. it is“ (zitiert nach en. insbesondere durch die „Rechtsvergleichung“ anzureichern ist (P. Gesetzesrecht und Richterrecht zunehmend als sich wechselseitig ergänzende. 2006. Anders im angelsächsischen Recht. 1995 (Neudr. 751 Vgl. 20.“ Die Aufgabe des Richters. Diese Kompetenz versteht sich nicht von selbst.html). R. Schwegmann (Hrsg. the judges. Dieses insbesondere im französischen Recht entwickelte Verbot der Rechtsverweigerung („déni de justice“) gibt dem Richter die Kompetenz. Zu den „Prinzipien der Verfassungsinterpretation“ ders. but the constitution is. zuweilen auch zu Konflikten. S. Häberle). zugleich die Kompetenz haben sollen. 19 ff. Recht zu sprechen.thinkexist. insbesondere die umfangreiche Lit. Noch immer gilt der klassische Ansatz von Savigny. Aufl. we are under the constitution. „Wille des Gesetzgebers“ und „Teleologie“ angedeutet sei. S. 1976.. und dessen wichtige eigene Analyse des Themenfeldes. Probleme der Verfassungsinterpretation.). Diesen Zwiespalt brachte der Richter am US-Supreme Court Hughes treffend auf den Punkt: „We. die Entscheidung einer Streitfrage zu verweigern. verbietet ihm grundsätzlich. . what the judges say. zwischen den nach der Gewalten. Europäische Verfssungslehre. Aufl. der im Gesetz angesprochen wird. Siehe auch K. insofern er aus dem Gesetz erkennbar ist. Im kontinentaleuropäischen Recht ist deshalb die Kompetenz des Richters zur Fortentwicklung des geschriebenen Rechts feste Praxis. der sich jede Epoche unter ihren jeweiligen Bedingungen neu zu stellen hat. 247 ff. etwa durch Analogien. betont.und Funktionenordnung der Verfassung zur generellen Rechtserzeugung berufenen Parlamenten und den Verfassungsgerichten. an die sie gebunden sind. Vielfach wird etwa die Besorgnis zu zunehmender Nebenordnung und Annäherung von parlamentarischer und verfassungsgerichtlicher Rechtsbildung betont. Dreier/ F. 751 Dabei wird erschöpfend die „Komplexität der Interpretationsaufgabe“ oder ihre „Unerschöpflichkeit“. 258 ff. Dahinter steht eine dem angelsächsischen Rechtskreis vertraute Tendenz. wie überhaupt ein Großteil der jüngeren Arbeiten zum Thema Auslegung der Verfassungsauslegung gewidmet sind.-Darstellung bei P. Unzweifelhaft führt vor allem die Rechtsbildung zu Spannungen. 165 ff.. ebenda. „Prinzipien der Verfassungsinterpretation“ – so das Thema der Freiburger Tagung der Vereinigung Deutscher Staatsrechtslehrer von 1961 – herauszuarbeiten.IV. der die Worte des Gesetzes verkündet). Grundzüge des Verfassungsrechts der Bundesrepublik Deutschland. Häberle. dieses Recht fortzubilden und damit in gewissem Sinne selbst die Normen zu schaffen. mit den Fn. 1999). Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 261 Demgemäß hat sich die Wissenschaft seit langem bemüht. die mit den Stichworten „Wortlaut der Norm“. die dem gesetzten Recht unterworfen sind. S. 4. das Recht erforderlichenfalls fortzuentwickeln und Lücken zu füllen.com/quotation/we_are_under_a_constitution||but_the_constitution/158023. arbeitsteilige Modalitäten im Rechtsfindungsprozess zu sehen. dass Richter. Der Richter war – entgegen der Forderung von Montesquieu – in Europa niemals lediglich „la bouche qui prononce les paroles de la loi“(der Mund.

Jahrhundert insbesondere von F.E. (Hrsg. 20. Bd. Gadamer. Schröder. 277 (299 f. jeweils m. Entwicklungstendenzen der juristischen Interpretationstheorie von 1500 bis 1850. Erweist sich unter mehreren möglichen eine bestimmte Auslegung einer Norm als verfassungswidrig. 135 ff.). ob das Sinnverstehen ein rational kontrollierbares. Unrichtig ist es allerdings anzunehmen. 1. Bd. Gesammelte Schriften. Dilthey. (Hrsg. Bultmann. Grundzüge des Verfassungsrechts der Bundesrepublik Deutschland. F. Gesammelte Schriften. nur die eine – verfassungswidrige – Lösung bleibt ihm verwehrt. Die Entstehung der Hermeneutik. intersubjektiv prüfbares Verfahren ist. nachdem auch die analytische Wissenschaftstheorie das Problem des Sinnverstehens in ihre Überlegungen einbezieht. Schleiermacher und W. § 4 III 8 d. Entwürfe zur Kritik der historischen Vernunft. 1979. H. Aufl. Hesse. diesen Sachverhalt nach seinen Vorstellungen neu zu gestalten. 7..) und spielte eine gewichtige Rolle in der Theologie (als Lehre vom vierfachen Schriftsinn – sensus litteralis. Die Differenz zwischen Methodologie. Dilthey entwickelt worden. 346 ff. T. als Kunstlehre von den Regeln der Auskegung (ars interpretandi) und Strukturtheorie als Lehre vom Zusammenhang zwischen Zeichen Bedeutung (signum et res) spiegelt sich in der jüngeren Hermeneutikdebatte vor allem bei Gadamer und Betti. 10 – die Idee eines „Auslegungskanons“ war demnach früh geboren und im theologischen Kontext nicht wie vielfach behauptet erst seit Schleiermacher diskussionswürdig).D. Aufl. moralis und anagogicus. E. Die lange Jahre geführte Kontroverse zwischen analytischer Wissenschaftstheorie und geisteswissenschaftlicher Hermeneutik hat sich dagegen entschärft. Aufl. auch zuletzt J..). durch eine verfassungskonforme Auslegung würde der Handlungsspielraum des Gesetzgebers stärker als durch eine Kassation beschnitten. 2.D. Schleiermacher. 1984. allegoricus.. 752 Sie ist ein ebenso unentbehrliches und – in nicht ganz leicht zu definierenden Grenzen 753 – auch allgemein anerkanntes Instrument der Normerhaltung (wie etwa im amerikanischen Rechtskreis bereits treffend von Justice Brandeis festgestellt wurde 754). Summa theologiae I. 1995.). K. Das Staatsrecht der Bundesrepublik Deutschland. in: ders. Ebeling). auch BVerfGE 54. ders. Bd. Heidegger. 7. 297 US 288. 754 Justice Brandeis in seiner Dissenting Vote zu Ashwander v. Hermeneutik (hrsg. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Ein kurzes Wort zur verfassungskonformen Auslegung. die vor allem in der Frage kulminieren.(1936).-G. Tennessee Valley Authority. Hesse sieht 752 Dazu etwa K. vgl. .262 B.E. 1982. Jahrhundert nach dem griechischen ερμηνευειν „Hermeneutik“ genannt) gab es bereit seit der Antike und im Mittelalter (vgl. 5. so hindert den Gesetzgeber nichts. K. Stern. 52 ff. d. v. in: ZNR 2002. R. bestehen aber neben der in diesem begrenzten Umfang aufrechterhaltenen Norm andere Möglichkeiten zur Regelung des ihren Gegenstand bildenden Sachverhalts. Kimmerle). h. Betti. 1974. G. S. Die Theorie der Interpretation (seit dem 15. S. Beispiele späterer musikalischer Hermeneutik . birgt aber durchaus auch die Gefahr von Funktionsverwischungen. 753 Vgl. 755 Eine „allgemeine Hermeneutik“ als Grundlagendisziplin der Geisteswissenschaften ist im 19. Aufl. vgl. 79 ff. a) Allgemeine Erwägungen zur Verfassungsinterpretation Die juristische Hermeneutik teilt grundsätzlich die Probleme der allgemeinen Hermeneutik 755. Aufl. Aquin. 1 q. 2. Der Einfluss beider reicht bis in die Gegenwart (M. N.. Rdnr. W. 7.w. in: ders. von H.

K. 20. Verfassungslehre als Kulturwissenschaft. Vernünftigkeit. (gemeinwohl)gerechte („gute“) öffentliche Ordnung. Neudr. Hesse. Unter dem Strich ist dabei eher eine fruchtbare Ergänzung und weitere Auskleidung des Kulturbegriffes zu erwarten als ein ungeordnetes Nebeneinander wirrer Termini unter einer vagen Bezeichnung. Kretzschmar sowie A. Harmonisierung. 2. Berechenbarkeit. eine Ummantelung der begrifflichen Nacktheit fehlt. Aufl. Auflage 1998. 2. denen jedoch in der Regel das verbindende Element. Rechtssicherheit. Grundzüge des Verfassungsrechts der Bundesrepublik Deutschland.richtige‘ Ergebnis in einem rationalen und kontrollierbaren Verfahren zu finden. 227: „Da die einzelnen Interpretationsmethoden unterschiedliche Ausschnitte dessen beibringen. 1998. P. Konsensfähigkeit. Eine Betrachtung der möglichen Interpretations-„Objekte“ legt die Vielfalt juristischer Hermeneutik offen. um differierend anmutende Zielsetzungen und Aufgabenstellungen ebenso einer übergeordneten Sichtweise unterzuordnen wie dies im Kontext verschiedener methodischer Ansätze bereits vorgenommen wird 759. 759 Vgl. Häberle. 14): Gerechtigkeit. S. Häberle. Scherings Deutung der Musik L. Methodenklarheit. 757 Die Suche nach den Aufgaben und Zielen der Verfassungsinterpretation mündet oftmals zwangsläufig in einer Katalogisierung von Schlagworten 758. S. Sachgerechtigkeit. die „transatlantisch“ Geltung beanspruchen kann. 757 Zur mangelnden Bewältigung der gesetzten Aufgabe in der deutschen Verfassungswirklichkeit vgl. könnte die kulturwissenschaftliche Verfassungsinterpretation einen Rahmen für die Kombination der Methoden bei der Verfassungsauslegung bieten.“ . den bieten der Versuch einer Wiederbelebung der Affektenlehre durch H. Einheitsbildung. Transparenz. effektive grundrechtliche Freiheit. Im Mittelpunkt dieser Untersuchung steht in erster Linie die Verfassung als „Quelle interpretatorischer Tätigkeit“ und die obersten Gerichte der Vereinigten Staaten bzw. befriedendes und befriedigendes Ergebnis. 228 Fn. um der Entscheidung willen zu entscheiden. Beethovens. Aufl. Praktikabilität. der Europäischen Union respektive der Europäischen Gemeinschaften. normative Kraft der Verfassung. a.IV. Hesse. dieses Ergebnis rational und kontrollierbar zu begründen und auf diese Weise Rechtsgewißheit und Voraussehbarkeit zu schaffen – nicht etwa nur. ebenda. Interessenausgleich. Grundsätzlich finden sich so viele Arten der Interpretation wie es Rechtsquellen gibt. Billigkeit. Verfassungslehre als Kulturwissenschaft.“ 756 Eine Einschätzung. 756 K. soziale Gleichheit. 758 So werden an Aufgaben genannt (zitiert nach einer Aufzählung von P. Der moderne Konstitutionalismus entspringt u. v. was kulturell in der Zeit geschieht. S. „das verfassungsmäßig . Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 263 demgemäß idealtypisch die Aufgabe der Verfassungs-Interpretation zutreffend darin. wenngleich ihrer Umsetzung kaum nachgekommen wird. funktionelle Richtigkeit. Offenheit. 1999. die nicht falsch sein müssen. Dabei könnte möglicherweise ein kulturwissenschaftlicher Ansatz einen Rahmen bilden. Wie am Beispiel der Vereinigten Staaten bereits illustriert ist die – in der Regel in einem fundamentalen Verfassungsgesetz rechtlich fixierte – Verfassung konstitutives Merkmal des modernen politischen Gemeinwesens. 21.

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B. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung

großen „Revolutionen“ des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Seitdem hat die „Konstitutionalisierung der Herrschaft“ (D. Grimm 760) in unterschiedlicher Gestalt der historisch-politischen Welt ihre Prägung verliehen und darüber hinaus im Zuge der Globalisierung der Politik und der Ausbreitung mancher Aspekte der Verfassungslehre die nicht-westlichen Gesellschaften erfaßt. Seiner Grundidee nach drückt sich im modernen Begriff der Verfassung dort, wo sie als „Ordnung des Politischen“ (U.K. Preuß 761) konzipiert wird, der zentrale Sinngehalt der politischen Kultur aus. Unter diesem Aspekt kommt der modernen Verfassung eine doppelte Funktion zu: ihrer symbolischen Funktion entsprechend deutet und normiert sie die Ordnungsgehalte der politischen Kultur der Gesellschaft. Ihrer instrumentellen Funktion entsprechend liefert sie das Spielregelwerk für die politischen Prozesse des politischen Systems. 762 Als quasi-kanonischer Text steht sie einmal für eine Hermeneutik der gesellschaftlichen Existenz mit einem verbindlichkeitsfordernden Geltungsanspruch. Zum anderen ist sie Kristallisationspunkt für einen permanenten hermeneutischen Prozess der Auslegung der durch sie verbürgten Prinzipien im Medium der politischen Deutungskultur der Gesellschaft. Ein weitreichender wissenschaftlicher und politischer Diskurs über das Wesen der Verfassungshermeneutik ist vorläufig nur in den Vereinigten Staaten und neuerdings auch in Kanada aufgenommen worden. 763 Er bewegt sich „Toward a Constitutional Hermeneutics“

Vgl. D. Grimm, Die Zukunft der Verfassung, Frankfurt 1991. Siehe den Titel des von U.K. Preuß herausgegebenen Sammelbandes „Zum Begriff der Verfassung. Die Ordnung des Politischen, 1994“. 762 Eine „Hermeneutik des Politischen“ bewegt sich auf zwei Ebenen. Analytisch ist sie eine empirisch-hermeneutische Theorie. Sie analysiert die soziokulturellen Ordnungsgefüge auf die ihnen unterliegende Ordnungslogik hin und versteht das durch die Pluralität von Ordnungs- und Symboltypen vermessene geschichtliche Feld menschlicher Selbstverständigung und -aktualisierung als Manifestation des Politischen. In diesem solchermaßen umrissenen Objektbereich der empirisch-hermeneutischen Theorie spiegelt sich wiederum der anthropologische Sachverhalt des Menschen als eines sich selbst interpretierenden Wesens, als animal symbolicum. Dabei entspringen Ordnungsinterpretationen in einem sehr grundsätzlichen Sinn der fundamentalen menschlichen Existenzerfahrung. Insoweit gehen in die Hermeneutik stets Realerfahrungen der historisch-sozialen Lage ein. Zweitens bauen auf einer solchen Grundhermeneutik des Menschlichen eine Vielzahl von Deutungen jeweils sozialer Kontexte auf, deren Ordnungszentrum eine hegemoniale Identitätsdeutung des Menschlichen ist, die in peripheren Deutungen ausstrahlt. Drittens, das Specificum einer solchen Hermeneutik des Politischen ist deren Verankerung in der Machtstruktur, insofern sie Ausdruck des Ringens um das Deutungsmonopol für die politische Kultur (die „Wahrheit“ der Gesellschaft), dessen Durchsetzung und Aufrechterhaltung ist. Das Medium der Hermeneutik des Politischen ist die politische Deutungskultur einer Gesellschaft. Die machtgestützte Hermeneutik des Politischen und deren Manifestation in der politischen Ordnungslogik garantiert einerseits eine gewisse gesellschaftliche Stabilität, andererseits ist sie stets der Herausforderung durch alternative Hermeneutiken ausgesetzt. Das Deutungsmonopol der hegemonialen Hermeneutik ist niemals absolut, vgl. zu dieser Thematik ausführlich J. Gebhardt, Verfassung und Politische Kultur in Deutschland, in: ders. (Hrsg.), Verfassung und politische Kultur, 1999.
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760

IV. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates

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(G. Leyh) 764, wie sie sich in der Debatte zwischen textimmanent argumentierenden „interpretists“ und verfassungsgestaltenden „noninterpretivists“ niederschlägt 765 und in einen weiteren hermeneutischen Zusammenhang von „katholischen“ und „protestantischen“ Interpretationsschemata erstellt wird 766. In diesen naturgemäß stets politisch aufgeladenen Debatten zeichnet sich das Problemfeld einer vergleichend untersuchenden Verfassungshermeneutik 767 in den mit verfassungsrichterlichem Prüfungsrecht ausgestatteten Politien etwa der USA, Deutschlands, Kanadas, Australiens und Frankreichs ab, wobei in einigen Ländern in der Rechtsaber auch Politikwissenschaft vordergründig ein Interpretationsmonopol der Verfassungsgerichtsbarkeit behauptet wird. Insgesamt hat sich eine in sich kontroverse Tradition der Verfassungshermeneutik herausgebildet, die auch unter modernen kulturhermeneutischen 768 Vorzeichen zu analysieren wäre. 769 Dieser Untersuchung vorgelagert ist jedoch die Frage, ob es tatsächlich die Inhaberschaft eines Interpretationsmonopols geben kann – einen interpretatorischen
763 Siehe H. Belz, Constitutional and Legal History in the 1980s: Reflections on American Constitutionalism, in: 4 Benchmark (1988), S. 243 ff.; M.A. Graber, Why Interpret? Political Justification and American Constitutionalism, in: 56 The Review of Politics (1994), S. 415 ff. Zur amerikanischen Verfassungskultur aus dem deutschen Schrifttum J. Gebhardt, Verfassungspatriotismus. Anmerkungen zur symbolischen Funktion der Verfassung in den USA, in: Akademie für politische Bildung (Hrsg.), Zum Staatsverständnis der Gegenwart, 1987. 764 G. Leyh, Toward a Constitutional Hermeneutics, in: 32 American Journal of Political Science (1988), No. 2, S. 369 ff. 765 Vgl. P. Kommers, The Supreme Court and the Constitution: The Continuing Debate on Judicial Review, in: 47 The Review of Politics (1985), No. 3, S. 113 ff. 766 Dazu H. Levinson, Constitutional Faith, 1989. 767 Hierzu gibt es Ansätze bei J. Gebhardt/ R. Schmalz-Bruns (Hrsg.), Demokratie, Verfassung und Nation, 1994 und im Gesamtwerk P. Häberles. Bedeutsam vor allem das Werk von D.N. MacCormick / R. S. Summers, Interpreting Statutes: a Comparative Study, 1991. 768 Es grenzt an eine Tautologie, von „Kulturhermeneutik“ zu sprechen, da Hermeneutik immer mit „Kultur“ zu tun hat: zum einen sind ihre Gegenstände zweifellos Erzeugnisse kultureller Praxis, anfangs vor allem religiöse, juristisch-politische und philosophische Texte. Zweitens stellen hermeneutische Bemühungen ihrerseits ein kulturelles Phänomen dar, oft direkt in kulturelle Reflexivität einmündend. Drittens zielt Hermeneutik stets auf kulturelle Praxis, auf die Herstellung eines Zusammenhangs zwischen verschiedenen, meist auch räumlich und zeitlich getrennten kulturellen Dokumenten sowie zwischen deren Verfassern. Zum Begriff der „Kultur“ sehr detailliert P. Häberle, Verfassungslehre als Kulturwissenschaft, 2. Auflage 1998, S. 2ff; ders., Kulturverfassungsrecht im Bundesstaat, 1980, S. 13 ff.; ders., Vom Kulturstaat zum Kulturverfassungsrecht, in: ders., Kulturstaatlichkeit und Kulturverfassungsrecht, 1982, S. 1, 27 ff., jeweils mit zahlreichen Nachweisen weiterführender Literatur. 769 Diese Forderung erhebt auch J. Gebhardt, Verfassungspatriotismus (1987). Im vollausgebildeten Konstitutionalismus wird gebetsmühlenartig die Frage des verfassungsgerichtlichen Interpretationsmonopols behandelt, so wie es sich scheinbar in den USA herausgebildet haben soll.

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B. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung

Alleinanspruch über Verfassungsbestimmungen, die wegen ihres besonderen Charakters nicht allein durch „schlichte“ juristische Interpretation etwa im Sinne des Savignyschen Kanons zu erschließen sind, die aufgrund der normativen, materialen und funktionalen Besonderheiten des Verfassungsrechts einen „Kunstgriff“ erforderlich machen, der in der deutschen Verfassungslehre weithin als „Konkretisierung“ bezeichnet wird. 770 Einer solchen Konkretisierung bedarf es im Verfassungsstaat namentlich bei den fundamentalen Staatsstrukturprinzipien, wie Demokratie, sozialer Rechtsstaat, Bundesstaat und Gewaltenteilung, bei nahezu allen Grundrechten, schließlich bei Staatszielbestimmungen. Rechtsvergleichend lässt sich dieser Gedanke auch auf andere Verfassungsstaaten übertragen, wobei die Konkretisierungsaufgabe für das Verfassungsrecht zunächst auf die Verfassungsgerichtsbarkeit wegen ihrer Letztentscheidungsfunktion „fokussiert“ scheint. Also doch insgesamt ein Interpretationsmonopol der Verfassungsgerichtsbarkeit? Mitnichten, selbst wenn man einer Letztentscheidungsfunktion monopolähnliche Strukturen nur schwer absprechen kann. Gleichwohl wird die richterliche Entscheidung durch vorhergehende Interpretationen anderer Teilnehmer am „Verfassungsleben“ wesentlich mitbeeinflusst. P. Häberle spricht zu Recht von einer „offenen Gesellschaft der Verfassungsinterpreten“ und bezieht in die Prozesse der Verfassungsinterpretation „potentiell alle Staatsorgane, alle öffentlichen Potenzen, alle Bürger und Gruppen“ ein. 771 Häberles Gedanke wird in den Vereinigten Staaten zwar bislang (noch) nicht unverhohlen rezipiert, findet jedoch zunehmend theoretische Entsprechungen. 772 So formuliert etwa W. Murphy treffend:
„A final definitional matter is important, especially for Americans who often assume that judges have a monopoly on constitutional interpretation. In fact, however, even in a constitutional democracy with a constitutional text and judicial review, all public officials sometimes interpret – and properly if not always conrectly so – the constitution. Not only judges but also legislators interpret when they resolve constitutional doubts for or against a bill as do executive officials when they decide they can, or cannot, consistently with their oaths of office carry out a particular Public policy. Even police officers engage in constitutional interpretation when they decide they can or cannnot arrest and / or search a suspect. Moreover, leaders of interest groups frequently offer
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Vgl. etwa H. Huber, Rechtstheorie, Verfassungsrecht, Völkerrecht, 1971, S. 340. Siehe P. Häberle, Verfassungslehre als Kulturwissenschaft, 2. Auflage 1998, S. 228 ff., 229. Grundlegend ders., Die offene Gesellschaft der Verfassungsinterpreten, in: JZ 1975, S. 297 ff., auch in: ders., Verfassung als öffentlicher Prozess, 3. Auflage 1998, S. 155 ff.; vgl. auch ders., Verfassungsinterpretation als öffentlicher Prozess – ein Pluralismuskonzept, in: Verfassung als öffentlicher Prozess, 3. Auflage 1998, S. 121 ff. 772 Freilich im Wesentlichen nach dem hier so passenden Prinzip J. Pauls: „Unter einem freundlichen Ausleger mein’ ich den, welcher in einem fremden Buche seine eigne Meinung, obwohl tief vergraben, entdeckt und mit seiner Wünschelrute erhebt“, vgl. ders., Politische Fastenpredigten während Deutschlands Marterwoche, 1817.
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IV. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates

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interpretations of the constitution, both to advance and defend their goals. Individual voters can also join in the interpretive process by taking the time before casting their ballots to leam about and judge the validity of specific items on candidates’ platforms.“ 773

Einige Beispiele außergerichtlicher Verfassungsinterpretation sollen die Geltungskraft dieser Aussage diesseits und jenseits des Atlantiks unterstreichen. 1861 setzte A. Lincoln einen Markstein interpretatorischer Tätigkeit außerhalb des obersten Gerichtshofs als er feststellte: „I hold, that in contemplation of universal law, and of the Constitution, the Union of these States is perpetual.“ 774 Diese Auslegung war freilich nicht vollends abwegig, allerdings zu jener Zeit weder offensichtlich noch unbedingt allerorts populär. Da das Verfassungsdokument Lincolns Sätze textlich nicht explizit zu stützen wußte, soll erneut die Präambel der Verfassung in Erinnerung gerufen werden, in der es unter anderem heißt „[...]in Order to form a more perfect Union[...]“. Es ist also weder von einer allein „perfect“ geschweige denn von einer „perpetual Union“ die Rede. 775 Das zweite Exempel mag ungewöhnlich erscheinen und doch ist es Abbild verfassungsinterpretatorischer Tätigkeit. Im Jahre 1936 wirkte die Mehrheit der amerikanischen Bevölkerung als „Verfassungsinterpret“ als sie entgegen massiver
773 W.F. Murphy, Constitutional Interpretation as Constitutional Creation, 1999 –2000 Harry Eckstein Lecture, Princeton 2000, www.democ.uci.edu/democ/papers/murphy.htm. Siehe auch W.F. Murphy / J.E. Fleming / S.A. Barber, American Constitutional Interpretation, 2 nd ed., 1995, Part III; W.F. Murphy, Who Shall Interpret the Constitution?, in: 48 Review of Politics, 1986, S. 401 ff.; ders., Constitutions, Constitutionalism, and Democracy, in: D. Greenberg / S.N. Katz / M.B. Oliviero / S.C. Wheatley (eds.), Constitutionalism and Democracy, 1993, S. 14 ff. jeweils mit weiteren Nachweisen. Entsprechend seines Einsatzes für eine „representative“ und gegen eine „constitutional democracy“ Demokratie tendiert etwa R.A. Dahl zu einer Interpretationsvorherrschaft der gewählten gesetzgebenden Körperschaft, die sich einer Prüfung lediglich durch die Wahlen auszusetzen habe. Ein richterliches Einschreiten wäre höchstens vertretbar, um einen reibungslosen Ablauf der Wahlprozesse zu gewährleisten „for an independent body to strike down laws that seriously damage rights and interests that[,] while not external to the democratic process[,] are demonstrably necessary to it would not seem to constitute a violation of the democratic process.“, vgl. ders., Democracy end Ist Critics, 1989, S. 191. Ähnlich M. Walzer, Philosophy and Democracy, in: 9 Political Theory (1981), S. 379 ff. 397: „The judges must hold themselves as closely as they can to the decisions of the democratic assembly, enforcing first of all the basic political rights that serve to sustain the character of the assembly and protecting its members from discriminatory legislation. They are not to enforce rights beyond these unless authorized to do so by a democratic decision.“ Eine solche Nähe der Richterschaft zu politischen Entscheidungen erleichtert jedoch in der Regel die Rechtfertigung jeglicher Interpretation der Verfassung, zu dieser Problematik umfassend J.H. Ely, Democracy & Distrust, 1980. 774 A. Lincoln, First Inaugural Address, in: R.P. Basler (Hrsg.), The Collected Works of Abraham Lincoln, Vol. IV 1953, S. 262 f. 775 Die folgenden vier Jahre Civil War und dessen Ergebnis straften Lincolns Interpretation – wenngleich bis heute patriotisch bejubelt – im Grunde Lügen. Die Nation, die letztlich aus diesem Konflikt erwuchs, wies auch erhebliche Unterschiede zu den (mehr oder weniger) „united states“ vor dem Bürgerkrieg auf.

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B. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung

höchstrichterlicher Ablehnung der „New Deal“-Gesetzgebung dem amtierenden Präsidenten F.D. Roosevelt mit einem Erdrutschsieg bei den Wahlen (46 von 48 Staaten Zustimmung) erneut ins Amt verhalf. Auch H. Kohls entschlossener Griff nach dem Stundenzeiger historischer Zeitenwenden im Jahre 1990 muss als bedeutender Beitrag zur Interpretation einer Verfassung erachtet werden. Die Entscheidung, die Wiedervereinigung und Aufnahme neuer Bundesländer unter die damalige Fassung von Artikel 23 GG zu legen, war ein interpretatorischer Vorgang, der es allen Beteiligten ermöglichte, annähernd ohne richterliche „Beaufsichtigung“ die Bedingungen der Wiedervereinigung zu verhandeln. Zudem blieb das Grundgesetz mit lediglich kleineren Modifikationen auch die Verfassung der vereinten Nation. Die zunächst plausibler erscheinende Interpretationsalternative, nämlich Artikel 146 GG a. F., hätte eine Volksabstimmung über eine neue Verfassung erfordert, die schließlich die Bedingungen für die Wiedervereinigung enthalten hätte. 776 Es ist also festzuhalten, dass zur Interpretation der Verfassung weder nur die Verfassungsgerichtsbarkeit berufen noch dieser die ausschließliche Wirkkraft einer Auslegung zuzuschreiben ist. Diese Beobachtung führt zurück zu der Forderung, Verfassungsinterpretation unter kulturhermeneutischen Vorzeichen zu betreiben. Das Verfassungsgericht ist ebenso wenig repräsentatives Spiegelbild einer gewachsenen Verfassungskultur wie der Verfassungstext selbst alleiniger Bezugspunkt verantwortlicher Interpretationstätigkeit sein kann. Das Zusammenspiel unterschiedlichster Auslegungskräfte und -intentionen aller am Verfassungsleben Beteiligten – ein „polyphones Konzert“ der Verfassungsinterpreten – findet eine gemeinsame Zielsetzung in der Harmonisierung der eigenen Wunschvorstellungen mit den Realitäten der bestehenden Kultur und gibt letzterer damit stets eine kleinere oder größere Neuausrichtung ihrer Prägung, je nachdem wer oder welche Institution(en) an der Interpretation beteiligt sind. Dennoch werden westliche Konstitutionalismen und – dem Prinzip des institutionellen Mimetismus folgend – auch ansatzweise nicht-westliche Verfassungsstaaten nun zunehmend von einer Institutionalisierung eines autoritativ gesteuerten und gesamtgesellschaftlich wirksamen hermeneutischen Prozesses der Verfassungskultur gekennzeichnet, was der vorangegangenen These der „offenen Gesellschaft der Verfassungsinterpreten“ nicht widerspricht, allerdings Zeugnis einer differieAus der überbordenden Literatur dazu etwa C. Tomuschat, Wege zur deutschen Einheit, in: VVDStRL 49 (1990), S. 39 ff.; das Sammelwerk von K. Stern (Hrsg.), Deutsche Wiedervereinigung, Bde., 1991; siehe auch L. Michael, Die Wiedervereinigung und die europäische Integration als Argumentationstopoi in der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts. Zur Bedeutung der Art. 23 S. 2 a. F. und 23 Abs. 1 S. 1 n. F. GG, in: AöR 124 (1999), S. 583 ff. Interessant ist diesbezüglich auch die Sichtweise aus dem amerikanischen Rechtskreis, vgl. nur P. Quint, The Constitutional Law of German Unification, in: 50 Md. L. Rev. (1991), S. 475 ff. und ders., The Imperfect Union: Constitutional Structures of German Unification, 1997.
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IV. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates

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renden Gewichtung unter den Verfassungsinterpreten ist. Die freilich unscharfe Kategorisierung in das Verfassungsleben mitformende „Prae-interpreten“ und die letztliche Verantwortung tragende „Final-interpreten“ (wie etwa US-Supreme Court, Bundesverfassungsgericht oder der französische Conseil Constitutionnel) soll eine kaum bestrittene Realität akzentuieren, die durchaus mit der Bezeichnung „Demokratisierung der Verfassungsinterpretation“ 777 belegt werden kann. Dass „Post-Interpreten“ (beispielsweise die Verfassungslehre aber auch jeder „Verfassungsanwender“) selbst wieder gleichzeitig „Prae-Interpreten“ sind, lässt ein Kuriosum offenkundig werden: Die Gestaltung und Fortentwicklung von Verfassungskultur basiert auf einem „Kreislauf“ der Verfassungsinterpreten. In den Vereinigten Staaten bringt vor allem der Supreme Court durch seine ständige Auslegung sowohl einzelner Verfassungsbestimmungen wie der Verfassung als Ganzes den Text der Verfassung in Übereinstimmung mit sozialen, wirtschaftlichen und gegebenenfalls ethischen Zeitumständen. 778 Dies geschieht auch unabhängig von Zeiten selbst verordneter politischer Zurückhaltung und bedeutet in der Konsequenz bei aller Diskussion um die „political question doctrine“ und „judicial restraint“ ein stetes, mehr oder weniger sanftes Einwirken auf politische Gegebenheiten. Auch wenn die Verfassungsinterpretation zweifellos der zentrale Baustein kreativer Verfassunggebung ist, so gründet sich letztere in den Vereinigten Staaten (wie auch anderswo) fraglos auf weiteren Faktoren. Zu nennen ist etwa die immer wieder modifizierte Handhabung verfassungsmäßiger Aufgaben durch oberste Verfassungsorgane wie Kongress und Präsident, aber auch die Verfassungsfortbildung in der Tradition der englischen „conventions“ durch ungeschriebene Verfassungsbräuche und -gewohnheiten, wodurch neben einer Ausfüllung der Lücken im knapp bemessenen Verfassungstext auch die Verfassungsbestimmungen selbst einem steten Wandel unterzogen werden. 779

777 So P. Häberle, Verfassungslehre als Kulturwissenschaft, 2. Auflage 1998, S. 230; siehe auch ders., Zeit und Verfassung, in: ZfP 21 (1974), S. 111ff, 118 ff. 778 Siehe hierzu und im folgenden auch K. Loewenstein, Verfassungsrecht und Verfassungspraxis in den Vereinigten Staaten, 1959, S. 36 f. 779 Als Beispiele der Lückenausfüllung sollen zum einen der Aufbau der Bundesgerichtsbarkeit durch die „judiciary acts“ dienen, da die Verfassung nur einen obersten Gerichtshof vorschreibt und die Schaffung von untergeordneten Gerichten dem Kongress überlässt (Artikel III § 1 der Bundesverfassung); darüberhinaus die Organisationshoheit für die Schaffung von Bundesbehörden, die allein dem Kongress zusteht; oder die Nachfolgeregelung, wenn sowohl Präsident als auch Vizepräsident an der Ausübung ihrer Ämter gehindert sind. Als ein bedeutendes Kapitel der Verfassunggebung durch den Kongress erwiesen sich die verfassungsrechtlich zugewiesenen Bundeszuständigkeiten. Berühmtheit erlangte dabei die Auslegung der sogenannten „commerce“-Klausel (Artikel I § 8 par. 3 der Bundesverfassung) seitens des Kongresses. Diese Klausel unterstellt den Handel der Bundeszuständigkeit, wobei der Kongress zu bestimmen hat, was letztlich unter Handel zu verstehen ist. Jeweils mit Zustimmung des Supreme Court dehnte der Kongress über Jahrzehnte den Begriff weit über die ursprüngliche enge Bedeutung des einfachen Wa-

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B. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung

Die folgende Betrachtung einzelner Gesichtspunkte der (richterlichen) Verfassungsinterpretation in den Vereinigten Staaten und später in der Europäischen Union versucht dem hohen Anspruch einer Berücksichtigung kultureller Prämissen zu folgen und legt seinen Schwerpunkt auf eine Untersuchung kreativer Verfassunggebung durch die obersten Gerichtshöfe. Diese Einführung sollte sich nur auf einen Anriss der genannten Vorfragen nach den Verfassungsinterpreten und der Beziehung von Verfassungsinterpretation zur Verfassungs-Kultur beschränken. Laut P. Häberle „färbt“ kultureller Wandel die Verfassungsinterpretation. 780 Diese Aussage lässt sich aufgrund des oben Gesagten freilich auch insoweit umdrehen als Verfassungsinterpretation seit jeher den kulturellen Wandel zu „färben“, jedenfalls zu beeinflussen verstanden hat. Das symbiotische Verhältnis von Verfassungsinterpretation und Verfassunggebung gilt letztlich auch für die europäische Ebene. Das oben aufgezeigte Verfassungsverständnis und der zugrunde zu legende „europäische Verfassungsbegriff“ lassen demzufolge die Übertragung einer Vielzahl der vorgenannten Überlegungen auf die europäische Rangstufe zu ( – mit Ausnahme der gänzlich „staatsfixierten“ Aspekte). 781

renaustausches aus. Heute umfaßt er alles, was mit zwischenstaatlichem Handel auch im entferntesten in Verbindung steht. Aus der in Artikel I § 8 par. 3 der Bundesverfassung vorgesehenen eigentlichen Zuständigkeit zur Kreditaufnahme („borrowing money“) leitete der Kongress die Regelung des gesamten Geld-, Bank-, und Börsenwesens ab. Eine Rechtsfigur, die später auch in den Europäischen Gemeinschaften eine gewichtige Rolle spielen sollte, nahm in den Vereinigten Staaten mittels der unterstellten Vollmachten des Kongresses ihren Anfang: die „implied powers“. Aber auch dem Präsidenten bzw. den zuständigen Departments kommt in der Verfassunggebung durch Zuhilfenahme der „implied powers“-Regel oder durch die selbständige Auslegung von Verfassungsbestimmungen im Rahmen der Amtsgeschäfte ein erhebliches Gewicht zu. Exemplarisch für die Verfassungsfortbildung durch ungeschriebene Verfassungsbräuche und –gewohnheiten seien genannt: der heutige Gebrauch des Präsidialvetos (dazu bereits: G.F. Milton, The Use of Presidential Powers 1789 –1943, 1944); die Rolle der Unterausschüsse im Kongress und der gewachsene Einfluss politischer Parteien auf Verfassungsorgane und Verfassungsentwicklung. 780 P. Häberle, Verfassungslehre als Kulturwissenschaft, 2. Auflage 1998, S. 226. 781 Zur Interpretation und insbeondere Verfassungsinterpretation (insb. durch den EuGH) im europäischen Kontext (P. Häberle, Europäische Verfassungslehre, 4. Aufl. 2006, S. 268 ff. spricht von einer „offenen Gesellschaft der Verfassungsinterpreten in Europa“): C. Buck, Über die Auslegungsmethoden des Gerichtshofs der Europäischen Gemeinschaften, 1998; J. Ukrow, Richterliche Rechtsfortbildung durch den EuGH, 1995; J. Anweiler, Die Auslegungsmethoden des Gerichtshofs der Europäischen Gemeinschaften, 1997; W. Dänzer-Vanotti, Der Europäische Gerichtshof zwischen Rechtsprechung und Rechtsetzung, in: O. Due u. a. (Hrsg.), Festschrift für U. Everling, 1995, Band 1, S. 205 ff.

IV. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates

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b) Der US-Supreme Court als ständiger Verfassungskonvent – die Wiege der Verfassungsgerichtsbarkeit Die amerikanische Verfassung ist oberflächlich zunächst lediglich eine Darstellungsform allgemeiner Prinzipien, aus denen sich wiederum im einzelnen Gesetze und Kodifizierungen herausgebildet haben. Der Erfolg dieses Dokuments, der sich im Besonderen durch den Erhalt der Fundamente amerikanischer Regierungsstrukturen bestätigt sieht, gründet sich vornehmlich auf dem Umstand, dass es im Anschluss an die Gründergeneration nachfolgenden Besetzungen von Kongress und Supreme Court 782 ermöglicht wurde, die Verfassung zu interpretieren oder sie gegebenenfalls den Anforderungen wechselnder Zeiten anzupassen. Der amerikanische Föderalismus 783 hat in Verbindung mit angelsächsischen Traditionen ein Rechtswesen geschaffen, das sich unter anderem durch zwei vertikale Gerichtssysteme auszeichnet- die Bundesjudikative als dreistufige Pyramide mit Distriktgerichten, Appellationsinstanzen und dem Supreme Court einerseits, das gleichfalls mehrstufige Gerichtswesen der Einzelstaaten andererseits. Dem Föderalismus ist auch der Ansatz geschuldet, dass der Zivil- und Strafrechtsbereich, von verfassungsmäßig festgelegten Ausnahmen abgesehen, der Souveränität der Einzelstaaten unterliegt. Dies trägt zu jenem charakteristischen Farbenreichtum der Rechtsauffassungen bei, der durch das angelsächsische Common Law noch begünstigt wird. aa) Die Geburtsstunde der Verfassungsgerichtsbarkeit – Marbury vs. Madison Heute erscheint selbstverständlich, dass im Rahmen „moderner Staatlichkeit“ die Bindung der Staatsgewalt an die Prinzipien Gewaltenteilung, Grundrechte der Bürger gegen den Staat und demokratische Mitwirkungsrechte durch die Gerichte, letztlich durch ein Verfassungsgericht, überprüft wird. So eindeutig war diese Fundierung des modernen demokratischen Rechtsstaats aber nicht, als der Supreme Court der Vereinigten Staaten 1803 den Rechtsstreit Marbury vs. Madison zu entscheiden hatte. 784 In diesem Fall entwarf der U.S. Supreme Court

782 Aus der deutschspr. Lit: W. Haller, Supreme Court und Politik in den USA, 1972; B. Maaßen, Der US-Supreme Court im gewaltenteilenden amerikanischen Rechtssystem (1787 –1972), 1977; W. Brugger, Verfassungsinterpretation in den Vereinigten Staaten von Amerika, in: JöR 42 (1994), S. 571 ff. Siehe auch (streitbar) M. Tushnet, Taking the Constitution away from the Courts, 1999; A.S. Miller, The Supreme Court. Myth and Reality, 1978; L. Tribe, Constitutional Choices, 1985; W.H. Rehnquist, The Supreme Court. How It Was – How It Is, 1987. 783 Hierzu ausführlich unter B.IV.3b)aa). 784 Vgl. Marbury v. Madison, 5 U.S. 137 (1803). Vgl. aus der deutschspr. Lit. auch U. Thiele, Verfassunggebende Volkssouveränität und Verfassungsgerichtsbarkeit. Die Po-

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B. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung

zum ersten Mal vier Kriterien, die im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts einen Siegeszug durch die westlichen Rechtsordnungen antreten sollten 785: − Verfassungen sollten schriftlich formuliert sein, um mehr Rechtssicherheit zu verbürgen als Gemeinschaften, deren politische Entscheidungsmechanismen auf Tradition und Übung beruhen. − Die Verfassung hat Vorrang gegenüber Legislative, Exekutive und Judikative. − Es ist Aufgabe der Gerichte, und letztlich des höchsten Gerichts, diese Verfassungsbindung zu überprüfen. − Verstößt ein Akt von Exekutive oder auch Legislative gegen die Verfassung, kann das höchste Gericht die Verfassungswidrigkeit aussprechen. Der Geburtsort, die Wiege der Verfassungsgerichtsbarkeit liegt in den Vereinigten Staaten von Amerika, ihre Geburtsstunde, die „Inthronisation“ 786 als „gleichberechtigter Hüter und Formgeber“ der Verfassung 787 also in der viel zitierten Entscheidung Marbury v. Madison. Bevor man sich jedoch dieser zuwendet, sollte erneut ein Blick auf die Unabhängigkeitserklärung von 1776 gewagt und dort ein gerne übersehener erster „Zeugungsakt“ für die spätere Verwirklichung verfassungsgerichtlicher Kontrolle in Augenschein genommen werden. Er findet sich nach der Aufzählung der unabänderlichen Rechte im ersten Teil der Erklärung:
„That to secure these rights, Governments are instituted among Men, deriving their just powers from the consent of the governed, – That whenever any Form of Government becomes destructive of these ends, it is the Right of People to alter or to abolish it, and to institute new Government, laying its foundation on such principles and organizing sition der Federalists im Fadenkreuz der zeitgenössischen Kritik, in: Der Staat 39 (2000), S. 397 ff. 785 Vgl. hierzu W. Brugger, Verfassungen im Vergleich: USA & Deutschland, in: Ruperto Carola – Forschungsmagazin der Universität Heidelberg, Heft 3/1994, S. 22 ff., 22. Im deutschen GG finden sich diese Leitlinien in den Artikeln 1, 20, 92 und 93. 786 So W. Brugger, Grundrechte und Verfassungsgerichtsbarkeit in den Vereinigten Staaten von Amerika, 1987, S. 5. 787 Vor allen Arten von „Hüterideologie“ warnt P. Häberle, da entgegen der oft zitierten These, der Staatspräsident oder das Verfassungsgericht seien „Hüter“ der Verfassung, der Schutz derselben gerade allen Bürgern und allen Staatsorganen gleichermaßen anvertraut sei. Zum anderen sei die Verfassung „öffentlicher Prozess“, was sich in der Bewahrung von Vorhandenem nicht erschöpfe, vgl. ders., Das Bundesverfassungsgericht als Muster einer selbständigen Verfassungsgerichtsbarkeit, in: P. Badura / H. Dreier (Hrsg.), Festschrift 50 Jahre Bundesverfassungsgericht, Bd. 1, S. 311 ff., 316. M.E. birgt die Bezeichnung des „Hütens“ jenseits aller ideologischen Anklänge allerdings auch die Verpflichtung zur Fortentwicklung, wenn man so will zur „Erziehung“ in sich und darf daher nicht lediglich als starres Bewahren verstanden werden, da ein verantwortungsvolles „Be-hüten“ nur in der Vermittlung einer Zukunftsperspektive aufgehen kann. Der gleichzeitige Hinweis auf den „gleichberechtigten Hüter“ nimmt darüberhinaus keinen am Verfassungsleben Beteiligten aus. Häberle, ebenda, mit Verweis auf die Verfassungen der Ukraine und Burundis, ist freilich zuzustimmen, dass es fehl geht, die Verfassungsgerichtsbarkeit als „authentischen“ Verfassungsinterpreten zu bezeichnen.

allerdings mit richtigem Ergebnis. to throw off such Government. evinces a design to reduce them under absolute Despotism. Artikel III § 2 par. da die Richter – wenn auch (indirekt) durch politisch legitimierte Organe in ihr Amt berufen – für ihre Entscheidungen „dem Volk“ nicht direkt verantwortlich sind. 1 der Bundesverfassung regelt die Zuständigkeit der Bundesgerichte. T. die auf verschiedener Stufe stehen. dass es ein logisch unausweichliches Prinzip der Rechtsprechung sei..] But when a long train of abuses and usurpations. Fleiner-Gerster erkennt in seiner „Allgemeinen Staatslehre.IV. lediglich temporär durch Wahlen ausgedrückten Volkswillen gegenüberstellte. Concise Dictionary of American History. 1983. Voorhees (Hrsg. as to them shall seem most likely to effect their Safety and Happiness. die den 788 Zitiert nach D.“ 788 Die Betonung der „new Guards“. die der Kongress errichtet. wie sie sich später in der Etablierung der Verfassungsgerichtsbarkeit einstellen sollten. and to provide new Guards for their future security. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 273 its powers in such form. diesen Widerspruch durch eine eher metaphysische denn empirische Deutung des „Volkswillens“ zu zerstreuen. A. die gelegentlich fälschlich in deutscher Übersetzung als „Regierung“ im Sinne von „Government“ gedeutet wurden 789. 790 Im selben Artikel des Federalist betonte er außerdem die Existenz einer Rangordnung von Gesetzen und wies darauf hin. wohingegen er als Rechtsmittelgericht („appellate jurisdiction“) grundsätzlich alle Fälle. wonach dieser in erster Instanz („original jurisdiction“) nur in zwei Fällen zuständig ist. .. 789 So auch Fleiner-Gerster (1995). originären Gewalt. 790 Vgl. a. S. nämlich bei Beteiligung eines Mitgliedes des diplomatischen Corps oder eines Bundesstaates am Verfahren. Artikel III § 2 par. Hamilton im Federalist bereits ein Wesensmerkmal der künftigen Verfassungsgerichtsbarkeit hervorgehoben. pursuing invariably the same Object. S. einen Widerspruch zwischen Gesetzen.). Gemäß Artikel III § 1 wird die Judikative der Vereinigten Staaten von einem obersten Gericht und denjenigen nachgeordneten Gerichten ausgeübt. 279 f. Hamilton bemühte sich nun. 1995. 264. von Locke geprägte Auffassung bildete auch die Grundlage für die Verwirklichung der Verfassungsgerichtsbarkeit“.“ bereits diesen ursprünglichen gedanklichen Zusammenhang: die „u. 263 f. [. S. Die Verfassung von 1789 behandelt die Funktionen des Supreme Courts lediglich mit mageren Worten. als er das Spannungsverhältnis von der gelegentlichen Rolle des Gerichts als politischer Entscheidungsträger zum Prinzip der demokratischen Volkssouveränität offenlegte.W. 78. it is their right. durch Bevorzugung des höherrangigen Gesetzes zu lösen. Daneben bestehen in den Einzelstaaten vollständige Gerichtssysteme. Ferner hat A. 2. it is their duty. indem er die Verfassung als seine dauerhafte Artikulation und den Supreme Court als dessen Sprachrohr dem wankelmütigen. eröffnen die Kontrollmöglichkeiten einer eigenen. Aufl. 2 schließlich die Aufgaben des Supreme Court. Hamilton im Federalist Nr.

Verfassungsrechtsprechung des Supreme Court der USA: die Wurzeln des Prinzips des „judicial review“ in Marbury v. S.. (1955). 794 In den Vereinigten Staaten ist es gängige Praxis.S. Schon zu dieser Zeit entbrannte die bis heute gelegentlich erbittert geführte Debatte über die diesbezügliche gerichtliche Kompetenz. Jahrhunderts befasste sich der Supreme Court in einigen grundlegenden Entscheidungen mit der Reichweite seiner eigenen Zuständigkeiten wie auch der anderer Verfassungsorgane. 61 ff. John Marshall and the Judicial Function. . 102 ff. die gegen königliche „Charters“ und später gegen die gliedstaatlichen Verfassungen verstießen. (1910). The Supreme Court and Unconstitutional Acts of Congress. insbesondere des Kongresses. vgl.. in: 9 Michigan L. 93 I Nr. in denen Gerichte Gesetze. The Establishment of Judicial Review. Rev. außer Kraft gesetzt hatten. Anfang des 19. Marshall-Court entschieden. 616 ff. Rehnquist vom Rehnquist-Court. in: 4 Michigan L. In der Praxis kam es aber nicht zu nennenswerten Einschränkungen der Zuständigkeit des Supreme Court. Marshall 794 wurden bis heute tragende Weichen für die künftige methodische Ausrichtung zur Konkretisierung der Bundesverfassung gestellt.P. in: ZvglRWiss 88 (1989). ders. 795 Dazu u. Rev. 100 I GG. da das Gericht in der Auslegung einer „Charter“ oder Verfassung unvermeidlich und oft mit folgenschweren gesellschaftlichen Konsequenzen in die Rolle der Politik schlüpft. S. die den Supreme Court ermächtigen würde. (1911). Marbury v.. S. 792 Das deutsche Recht etwa gestattet dies dem Bundesverfassungsgericht in Art. 2 der Bundesverfassung. Egerer. in tatsächlicher wie rechtlicher Hinsicht überprüfen kann... 792 Die Funktion der Normenkontrolle als Überprüfung von Gesetzgebung und exekutivem Handeln auf ihre Verfassungsmäßigkeit ist dem Supreme Court in der Verfassung nicht explizit zugewiesen. S. Madison wude vom sog. Rev. 1985. F. Rev. und in: 9 Michigan L. insoweit Ausnahmen zu erklären und das Verfahren einer Regelung zu unterwerfen. Allerdings gab es bereits in den amerikanischen Kolonien und nach der Unabhängigkeit von England in Einzelstaaten Präzedenzfälle. Frankfurter. Currie. 416 ff. 793 Dazu umfänglich D. Artikel III § 2 par. sondern in der Regel zu Festlegungen. insbesondere wenn es um die historische Einordnung „bewegter“ gerichtlicher Zeiten geht. 1. siehe auch die einflussreichen Schriften von E.274 B. 217 ff. 4b und Art. 793 Unter der Leitung von Chief Justice J. über die Auslegung der Verfassung und die Vereinbarkeit von nachrangigem Recht mit der Verfassung zu entscheiden. 417. den Supreme Court begrifflich mit dem jeweiligen Chief Justice zu identifizieren. aktuell sprach man wegen des seit 1986 (und bis 2006) amtierenden Chief Justice W. The Constitution in the Supreme Court: The First Hundred Years 1789 –1888. Corwin: beispielsweise ders. 283 ff. in welchen Fällen eine Verpflichtung des Supreme Courts zur Entscheidungsannahme und in welchen Fällen ein Annahmeermessen besteht. 791 Vergeblich sucht man hingegen eine ausdrückliche Regelung. S. S. 4a. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Bundesgerichten zugewiesen sind. in: 69 Harvard L. 2 S. Madison. 795 Das tatsächlich einschneidendste Ereignis auf dem Entwicklungswege des Supreme Court in seiner Eigenschaft als oberstes Verfassungsgericht zu ei791 Jedoch ist der Kongress ermächtigt. a. (1906). C. 2.

die ihm von der Verfassung ausdrücklich nicht zustanden. 685 ff. A Critical Guide to Marbury v. Marbury v. S.. Rev. Corwin. 7 ff. Egerer (1989). soll er hier nur kursorisch veranschaulicht werden. G. mit welchen ein gliedstaatliches Gesetz für nichtig erklärt wurde. C. Marbury v. die ihm Madison auf Anordnung Jeffersons verweigert hatte. Bereits im Jahre 1803 gab es Initiativen auf Einleitung eines Amtsenthebungsverfahren („impeachment“) gegen die Richter.P. Rev. Gesetze auf ihre Vereinbarkeit mit der Verfassung zu überprüfen und im Falle ihrer Unvereinbarleit in concreto nicht anzuwenden.. weil der Kongress darin dem Supreme Court Aufgaben zugewiesen hatte. 1997 sowie W. überwacht der Supreme Court also die Beachtung der verfassungsmäßiDa der Fall auch im deutschsprachigen Schrifttum eine umfängliche Darstellung erfahren hat. einer Volksabstimmung zu unterziehen.. van Alstyne. in: 1969 Duke L. S.. 1921.. Die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika. in: EuGRZ 1985. ders. 2000. Haines. Entscheidungen des Supreme Court.J.E. Nelson. 418 ff. Kramer. 2 nd ed. Madison and Judicial Review. Probleme eines Höchstgerichts. 4 ff. Madison and the Doctrine of Judicial Review.. 1989. 1 ff. Die Begründung aus der Feder J. (1914). Roosevelt. Marshalls muss neben ihrer inhaltlichen Bedeutung zu den wenigen Stücken weltweit gewichtiger Verfassungsliteratur gezählt werden. Heller.. Der Supreme Court gab im Rechtsstreit Marburys Begehren nicht statt. 15 ff. Jahrhundert.IV. 17 ff. S. dazu K. Clinton. zum Urteil ausführlich etwa W. In der Streitsache ging es um die Zustellung der Ernennungsurkunde an Marbury zum „Justice of the Peace“. ders. S. R. die sich eine derartige Gewalt über die gesetzgebenden Organe anmaßten.. Um das Prinzip der „checks and balances“ zu sichern. S. in: 12 Michigan L. Auflage 2001. Einführung in das öffentliche Recht der USA.G. zunächst nicht offen an der Macht beteiligten Staatsorgan. vgl. Siehe auch L. Damit reklamierte der Supreme Court für sich das benannte Recht.. Brugger. 1959. S. Aus der Flut der amerikanischen Literatur: E. 538 ff. D. 1987.W. Die Verfassung sei höchstes Recht. dem sich alles andere Recht unterzuordnen habe. The American Doctrine of Judicial Supremacy.. in: 115 Harvard L. Foreword: We the Court. in welcher das Gericht für sich in Anspruch nahm.W. 2. aus jüngerer Zeit die umstrittenen Monographien von P. Kahn. das der Supreme letztlich für unvereinbar mit der Verfassung erklärte. S. 796 Mit dieser Entscheidung machte sich der Supreme Court de facto selbst zu einem Verfassungsgerichtshof und damit zur – gerichtlich – höchsten Autorität in Verfassungsfragen. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 275 nem zentralen Organ der Integration und nationalen Vereinheitlichung war aber eben seine unter J. 797 Diese Entscheidung war gewissermaßen auch eine Reaktion auf das Bedürfnis nach einem dritten. zur historischen Einordnung vgl. The Reign of Law: Marbury v. Stourzh. Grundrechte und Verfassungsgerichtsbarkeit in den Vereinigten Staaten von Amerika. ein Gesetz des Kongresses – den „Judiciary Act“ von 1789 – für verfassungswidrig zu erklären. Siehe auch W. Marbury v. John Marshall and the Constitution: A Chronicle of the Supreme Court. Der Supreme Court der Vereinigte Staaten von Amerika. S. da jener sich auf ein Gesetz berufen hatte. Vom Widerstandsrecht zur Verfassungsgerichtsbarkeit: zum Problem der Verfassungswidrigkeit im 18. Madison and the Construction of America. der föderalen Struktur und den Grundrechten angelegte „Zwang“ zu Mäßigung und Ausgleich zu erfordern schien. Im (Wahl-)Jahr 1912 empfahl Präsident T. 797 Die Kritik an diesem Urteil ist seither nie gänzlich verstummt. 5 ff. Currie. Marshall getroffene Entscheidung in Marbury v. 796 . (2001). Vgl. Madison: The Origins and Legacy of Judicial Review.D. C. 686. das der zu dieser Zeit besonders im Dualismus von Kongress und Präsident. Madison. Madison. 1988. 1974.L.S.

letztlich der gesamten „Verfassungsöffentlichkeit“ ein weitgehender. als „gleichberechtigter Hüter der Verfassung“ zu entscheiden. der berühmte Vorsitzende auch schon gelegentlich als „zweiter Schöpfer der Verfassung bezeichnet“. Marshall wird gerne ein wenig pathetisch betrachtet. wobei letzteres sich aus der Bundesverfassung selbst ergibt. und die vorhandenen Möglichkeiten. 35 Gesetze oder Präsidialakte sozial. Der in der Gesetzesanwendung geschulte Richter war und ist nun dazu berufen. die Grundprinzipien der Verfassung seit Verabschiedung der Bundesverfassung in der politischen Überzeugung der amerikanischen Bevölkerung. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung gen Funktionsverteilung zwischen Kongress und Präsident. um die „Suprematie“ etwa durch nachgeordnete Verfassunggebung seitens der anderen Gewalten oder durch die Insbesondere unter amerikanischen Sozialwissenschaftlern ist der Begriff „judicial supremacy“ von scharfen Debatten begleitet. Nicht umsonst ist bis heute der Ausspruch „the Court will decide“ gelebter Maßstab amerikanischer Verfassungspolitik. Es ist nicht allzu verwegen zu behaupten. Diese Bereiche des Verfassungsrechts waren justiziabel geworden. Madison. Marshall in Marbury v. oft bedingungsloser Grundkonsens geherrscht hatte. „what the law is“ 799. Gleichwohl ist nicht abzustreiten.und wirtschaftspolitischen Inhalts zurückwies und vor allem in den ersten Jahren des Roosevelt’schen New Deal sozialreformerische Initiativen des Staates zur Überwindung der Weltwirtschaftskrise blockierte. dass der Supreme Court gerade in dieser Zeit durch richtungsweisende und schöpferische Ausübung seines originären und ausgeweiteten Entscheidungsrechts seine Vorrangstellung („judicial supremacy“) als Interpret und Gestalter der Verfassung begründete. Gleichwohl wird ein Idealzustand gelegentlich von den Realitäten hierarchisch gegliederter Gesellschaftsformen eingeholt. ebenda. hat sich der Supreme Court doch lediglich zwischen 1890 –1937 tatsächlich extensiv auf politischem Parkett bewegt. 798 . Die Ära unter Chief Justice J. dass erst die frühe „Suprematie“ der richterlichen Gewalt die tatsächliche „Herrschaft der Verfassung“ zu verbürgen wußte. Gleichwohl scheint die Annahme einer „Judiziokratie“ übertrieben. Dies widerspricht nicht der oben angestellten Betrachtung. nachdem über die Kernsubstanz. der Supreme Court sei lediglich gleichberechtigter Teil einer Verfassungsöffentlichkeit sowie einer „offenen Gesellschaft der Verfassungsinterpreten“. Er wird zwar größtenteils zu Recht als Faktum anerkannt. entscheidet Konflikte zwischen Bund und Gliedstaaten oder mehreren Gliedstaaten und garantiert in letzter Instanz den Freiheitsbereich des Einzelnen gegenüber der Staatsgewalt.276 B. 799 J. als er ca. Demzufolge kann die amerikanische „judicial supremacy“ 798 – als bislang fassbares „Endstadium“ vorgenannter Entwicklung – in hohem Maße der philosophischen und verfassungspolitischen Homogenität des Landes zugeschrieben werden. die als „supreme law of the land“ (Artikel VI § 2) absolute Wahrung ihres Vorrangs beansprucht. jedoch gerade im Hinblick auf die „checks and balances“ zuweilen sehr kritisch beurteilt. De facto hat sich der Supreme Court diese Stellung aber judiziell „erarbeitet“.

beinhaltet „judicial review“ die Befugnis. v.] the power to apply and construe the Constitution in matters of the greatest moment. (1914). wurden in den Vereinigten Staaten höchst selten oder im Falle des Konvents noch nie ergriffen. 802 Vgl. Unabhängig von der „political questions doctrine“ hat sich der Supreme Court auch nicht gescheut.IV. Marbury v.. 137 (1803). „judicial review“ sei „[. dass die rechtsprechende Gewalt die Zuständigkeit zur Auslegung der Verfassung und zu deren Anwendung auf Rechtstreitigkeiten umfasse. 804 Siehe E. dass die Verfassung im Verhältnis zu allem sonstigen Recht höherrangig sei. So betonte auch A. 552.1. Im Kontext des Amendment-Verfahrens wurde bereits angesprochen.a). Madison and the Doctrine of Judicial Review. 418 U. Was ist aber nun das Wesen des „judicial review“? 803 Nach E. Nixon. in Rechtsfragen von erheblicher Bedeutung gegen politische Organe zu entscheiden. S. Bickel. ist bei einer Betrachtung der Flut verfassungserheblicher Entscheidungen des Supreme Courts jedoch wiederum verschwindend gering. 683 (1974). um höchstrichterliche Entscheidungen aufzuheben. 804 Dadurch erlangt das Mittel des „judicial review“ noch eine weitere Dimension. Rev. schließlich die Erkenntnis. durch die Präsident Nixon während der Watergate-Affäre zur Herausgabe von 64 Tonbändern aufgefordert wurde. 803 Laut W. 538 ff. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 277 Bevölkerung (constitutional convention) zu entwerten..IV. 1 Fn. 5 U. 800 Dies erscheint angesichts der geringen Anzahl an Amendments zunächst viel.. zweitens. Brugger wird „judicial review“ – gerichtliche Überprüfung – in den Vereinigten Staaten üblicherweise im Sinn der (verfassungs-)gerichtlichen Kontrolle staatlicher Akte anhand der Verfassung verstanden.S.S. Unvergessen die Entscheidung U.S. S. dass es lediglich vier Amendments bedurfte. Während nämlich die rechtsschöpferischen Akte und Bemühungen nachgeordneter Gerichte von den zuständigen Legislativen durch einfaches Gesetz beseitigt werden können.S. Madison. die Auslegungen des Gerichts seien geltendes Recht und bindend auch für die anderen Gewalten. against the wishes of legisla- Siehe oben B. als elementarer Bestandteil amerikanischer Verfassunggebung. 1987. Corwin. in: 12 Michigan L. die Verfassung gerade in wesentlichen Fragestellungen gegen den Willen der parlamentarischen Mehrheit auszulegen und diese Interpretationen auch durchzusetzen. ders. 2. bb) Anmerkungen zum Wesen des „judicial review“ Der Supreme Court muss demzufolge auch zu den markantesten Faktoren des amerikanischen Verfassungs(fort)lebens gezählt werden. Marbury v. 801 800 .. Dabei entpuppte sich das Instrument des „judicial review“.S. Grundrechte und Verfassungsgerichtsbarkeit in den Vereinigten Staaten. Corwin enthält das Konzept des „judicial review“ drei Feststellungen: zum einen. die Machtposition gegenüber Hoheitsakten der Exekutive 801 sowie – praeter constitutionem – der Legislative des Bundes 802 und der Einzelstaaten. vgl.

ebenda. Madison die Grundlage für das richterliche Prüfungsrecht gelegt hat..) 304. den Grundsatz des „judicial review“ auch auf die Einzelstaaten anzuwenden und diesbezüglich auszudehnen. 257 (1821).S. dass Gerichte befugt seien. Folke Schuppert / K. Marshall scharfe Kritik entgegenbringt. (6 Wheat. in: J. 809 Zum Instrument des „judicial review“ aus rechtsvergleichender Perspektive: A. Madison „zementierte“ den Gedanken der selbständigen Verfassungsgerichtsbarkeit. (6 Cranch) 87. Bickel in seinem berühmten und umstrittenen Werk „The Least Dangerous Branch“. gegenüber anderen Staats-. 5 L. dass Jefferson die inhärente Schwäche jeden Gerichts gegenüber dem Machthaber nicht durch schlichtes Ignorieren des Urteils aufzeigen konnte. J. 97 (1816). Diesen Zusammenhang erkennt auch B. Der Supreme Court ergriff anläßlich dreier weiterer Fälle früh die Gelegenheit. die begrifflich eine „unabhängige. um das richterliche Prüfungsrecht auch gegen etwaige populistische Einwirkungen abzusichern. Hesse / G. Verfassungsorganen verselbständigte Institution mit bestimmten Kompetenzen bzw. in turn. S. Die Rolle der Verfassungsgerichtsbarkeit in Umbruchsituationen.). S. Ed. wenn er den „Einfluß. sondern durchweg politischer Natur sind. zieht man im selben Atemzuge auch den Stufenbau der Rechtsordnung als logisches Grundprinzip in Zweifel. Ed. which is. Verfassungsrecht und -politik in Umbruchsituationen.. (1 Wheat. 1962. bzw. Madison ein weiterer.] gewinnt [..278 B.-O. Marshalls Entscheidung war nämlich gleichzeitig mit einer ausgeklügelten politischen Strategie unterlegt. Bryde. würde es Kredit verspielen und als Kontrollorgan unbrauchbar. sondern gegen die scheinbar logische Schlußfolgerung. 3 L.-O.“ 808 Es ist Bryde zuzustimmen. 4 L. B. S. powerless to affect the judicial decision“ 805. Funktionen“ 810 voraussetzt. nämlich so. Das Zitat soll allerdings nicht darüber hinwegtäuschen. selten beachteter Gesichtspunkt verfassungsgerichtlicher Einflussnahme ins Spiel gebracht. 1 ff.J. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung tive majority. ist bis heute das klassische Beispiel solcher richterlichen Verfassungspolitik.S. die sich nicht gegen die These von der Rangordnung der Gesetze richtet. Ed. Bryde. Madison und der Begründungsarbeit von J. Bickel (1962). den ein Gericht [. . 197 ff. 16. Hunter’s Lessee. 806 Siehe Fletcher v. vgl. den Präsidenten und schließlich durch das Volk bei Wahlen gelöst werden.-O.. Zeige es hingegen zu viel Zurückhaltung.) 264. dass Bickel dem zugrunde liegenden Urteil Marbury v. 199. dass alle erfolgreichen Verfassungsgerichte späterer Epochen von diesem Beispiel profitiert haben. da seine Alternativen nicht rechtlicher.S. Bickels Beanstandung kann allerdings nicht überzeugen. Bryde. 805 A. Durch ein Infragestellen der grundsätzlichen Möglichkeit einer rechtlichen Lösung des Konflikts.] auch von seinem eigenen strategischen Verhalten“ abhängig macht.. 807 Eine offene Konfrontation mit mächtigen politischen Akteuren könne es in einer noch ungeklärten Lage kaum gewinnen. 808 B. Ein Konflikt zwischen Verfassung und einfachem Gesetz könne ebensogut durch die Gesetzgebung selbst. in der Marshall in Marbury v. Gesetze für nichtig („void“) zu erklären. „Die geniale Art und Weise. Martin v. Peck 10 U. 807 Vgl. 14 U. 1999. 806 Schließlich wurde mit der Etablierung des „judicial review“ durch Marbury v. 162 (1810). 1989. Judicial Review in Comparative Law. 809 Marbury v. 19 U. Harms (Hrsg. Brewer-Casrias.

Ein Verfassungsgerichtshof für Österreich. sondern eher zueinander in einem dialektischen Bezug und Spannungsververhältnis stehend. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 279 cc) Der Supreme Court als erheblicher Bestandteil von Rezeption und Bestätigung gesellschaftlichen Wandels Tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen in Amerika hatten von Beginn an auch Modifikationen in der durch den Supreme Court geprägten. Betrachtet man darüberhinaus die beiden Begriffe „Zentralisierung“ und „Demokratisierung“ nicht grundsätzlich als unvereinbar und als in der Kombination widersprüchlich. der den Schutz des „laissez-faire“-Systems und privatwirtschaftlicher Interessen gegen staatliche Interventionen zum wesensbildenden Merkmal hatte. S. 313 f. die dieser gröberen Einteilung untergeordnet sind. (1) Momentaufnahmen einer Verfassungsgerichtshistorie Im Anschluss an 1789 bildete der alles überlagernde Gedanken einer „Stärkung der Union“ eine erste Phase. dazu wegweisend G. Jellinek. über ein forderndes. etwa ders. In Europa begründeten dieses Konzept freilich zunächst Österreich (1867 – auf der Grundlage des Bundesverfassungsgesetzes 1920 wieder aufgelebt.). spürbaren Struktur und Wirkung der amerikanischen Verfassung zur Folge. in: VVDStRL 5 (1929). Badura / H. begleitenden Auftreten. 30 ff. so lassen sich diese als langfristige Entwicklungskonstanten (nicht So P. Daran knüpfte sich der Zeitraum. 2001. in: P.I. 811 Freilich ließen sich die strukturellen Neuerungen in immer kleinere. Der Gerichtshof bekleidete dabei unterschiedliche Rollen – von einem eher ruhigen. S. vorantreibendes Verhalten bis zu gelegentlich hemmenden Aktionen gegenüber gesellschaftlichen Strukturveränderungen. 1885) bzw.. 811 Siehe oben B. vertiefend die Ideen H. 810 . Gleichwohl birgt eine solche Unter-Gliederung stets die Gefahr einer banalen Aufzählung schlichter historischer Daten. soll lediglich eine Auswahl vorgenommen werden. bevor in einem dritten bis heute reichenden Abschnitt ein verstärkter Schutz individueller Rechte und die Herstellung von Rechtsgleichheit in den Vordergrund rückte. die sich im selben Atemzuge durch jeweils grundlegende Richtungen richterlicher Verfassungsinterpretation auszeichnen. Dreier (Hrsg.. Häberle.IV. Das Wirken des Supreme Court kann dabei in drei größere Phasen unterteilt werden.7. kürzere Abschnitte unterteilen ohne unbedingt die Berechtigung bedeutender Perioden zu verlieren. 311 ff. mit allen Verästelungen und etwaigen Sackgassen. Ohne den im einzelnen sicher notwendigen Blick auf ausgewählte wichtige Abschnitte zu verlieren. Kelsens (vgl. deren Beitrag zu den großen Linien gesellschaftlicher Entwicklungen möglicherweise lediglich marginal ist. Festschrift 50 Jahre Bundesverfassungsgericht. Das Bundesverfassungsgericht als Muster einer selbständigen Verfassungsgerichtsbarkeit. Wesen und Entwicklung der Staatsgerichtsbarkeit. Damit soll auch der Versuch einer Antwort auf das oben beschriebene Problem des „Wendengeflechts“ gegeben werden.

but the Constitution is what the judges say it is. hat sich der Supreme Court eine Stellung von einzigartigem Einfluss auf gesellschaftliche wie politische Verhältnisse geschaffen. a. Das mag banal klingen. den der Gerichtshof in seiner bewegten Geschichte gründlich (aus)genutzt hat.IV. Die „Demokratisierung“ bezieht sich in diesem Kontext primär auf die amerikanische Bundesverfassung und muss im Zusammenspiel mit der ebenso erfolgten „Liberalisierung“ derselben gesehen werden. Die Autorität der höchsten Gerichtsbarkeit ist nicht mit der anderer Verfassungsorgane. vergleichbar.E. Gesetze und Verwaltungsakte von gliedstaatlichen Parlamenten. Ein wesentlicher Gesichtspunkt für die Begründung dieses Umstandes ist freilich der noch zu diskutierende Schutz der Rechtsprechung vor Missbrauch für politische Zwecke 812 – und sei es nur in der öffentlichen Wahrnehmung. ist jedoch angesichts vehementer Gerichtsschelte in anderen Verfassungsstaaten (mit kürzerer Verfassungsgeschichte) alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Madison beruht. Sie beruht einzig und allein in der gesellschaftlichen Anerkennung der Funktionen des obersten Gerichtes.“ 813 Wie bereits dargestellt ermöglichte es Marbury v. Hierbei ist in einer ersten oberflächlichen Definition unter „Zentralisierung“ im Wesentlichen die Stärkung der Stellung der Bundesorgane gegenüber den Einzelstaaten zu verstehen.E. Lockhart u. Madison dem Supreme Court. zitiert nach N. Unter den amerikanischen Verfassungsorganen wirkt er einzig unmittelbar sowohl auf Bundesrecht wie auch auf die den Gliedstaaten vorbehaltenen Bereiche der Rechtsetzung ein. hat es dem Supreme Court ermöglicht. 8. Hughes wußte diese Gegebenheit mit leicht resignativem Unterton zu kommentieren: „We are under a Constitution. C.2b)cc)(2). Kongress und Regierungen anhand konkreter Rechtsstreitigkeiten zu überprüfen und gegebenenDazu unten B.. Seine Stellung als letzte und damit allgemein verbindliche Interpretationsinstanz für die Verfassung. Constitutional Law. eine Position die auf Marbury v. Hughes. dass es dem Supreme Court in mehr als 200 Jahren bis heute gelungen ist. Aus einer Rede von C. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung ohne gelegentliche Gegenbewegungen) konstatieren. Es ist höchst anerkennenswert. die ihre Entscheidungen auch mit anderen Mitteln (als ultima (ir)ratio sei nur an die Heranziehung des Heeres gedacht) gegebenenfalls durchsetzen können. Ein Umstand. 1986. den Respekt vor der Rechtsprechung mit wenigen Ausnahmen grundsätzlich zu wahren. S. etwa des Parlaments oder der Regierung. 813 812 . 1907.280 B. dass die Entscheidungen des Gerichts ausschließich in dem schwerfälligen AmendmentVerfahren außer Kraft gesetzt werden können. Nachdem der nahezu ehern entwickelte Grundsatz des „judicial review“ im Zusammenspiel und in annähernder Kongruenz mit dem Begriff der „judicial supremacy“ letztlich dazu führt. Cases-Comments-Questions. in praktisch alle Lebensbereiche einzuwirken.

but consist with the letter and spirit of the constitution. which are not prohibited. Maryland aus dem Jahre 1819 wird die Tendenz des Supreme Courts deutlich. In der Entscheidung McCulloch v. Bedeutsam für die Entwicklung einer Methodik der amerikanischen Verfassungsinterpretation wurden dabei die folgenden Worte J. Hunter’s Lessee 814 dehnte der Supreme Court seine Entscheidungskompetenz auch auf Akte von Einzelstaaten aus. Mit Martin v. Maryland.) 1 (1824). (1 Wheat. which are plainly adapted to that end. Die zunächst unaufhaltsam scheinende Expansion reglementierender Bundesgewalt gegenüber den Gliedstaaten wird durch die Entscheidung Gibbons v. 817 22 U. die jeweiligen Kompetenzen des Kongresses trügen gleichzeitig die Befugnis in sich. Hiervon machte der oberste Gerichtshof anfangs über lange Jahr nur in begrenztem Ausmaße Gebrauch. die ursprünglich limitierten. die sich mit dem Verhältnis des Bundes zu den einzelnen Staaten auseinandersetzten. I § 8 der Bundesverfassung. In die Amtszeit J.S. (9 Wheat. Marshalls: „Let the end be legitimate. ebenda. für verfassungswidrig. Marshalls (bis 1835) fielen jedoch auch die bis heute wegweisenden Fälle. 815 814 . are constitutional. 14 U. McCulloch v. deren Filiale in Maryland zu schließen. Maryland.) 316 (1819). Beide genannten Entscheidungen sind deutliche Beispiele für das anfängliche Bemühen des Supreme Courts. Der Supreme Court erklärte hierin die Besteuerung einer Bundesbank (Second Bank of the United States) durch den Staat Maryland mit dem Ziel. (4 Wheat.IV.S. alle zu ihrer Umsetzung notwendigen und angemessenen Gesetze zu erlassen. Bereits damals stützte sich der Supreme Court auf eine überaus extensive (und in der Zwischenzeit völlig konturlose) Auslegung der „interstate commerce-clause“ in Art. and all means which are appropriate. die von einem Ringen um die Determinierung der Bundeskompetenzen und der Grenzziehung zu den Kompetenzen der Gliedstaaten geprägt waren.“ 816 Bis heute beansprucht diese Interpretation Geltung für die Beurteilung der Grenzen der Bundesgesetzgebungskompetenz. 421. in Artikel I § 8 der Bundesverfassung genannten Gegenstände der Bundesgesetzgebung zu erweitern. S. 815 Der Supreme Court stellte in der Begründung die in Artikel I § 8 aufgeführte „necessary and proper“-Klausel mit dem Hinweis heraus. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 281 falls für verfassungswidrig zu erklären.S.) 304 (1816). Vgl. 816 McCulloch v. um die Befugnisse von Bundesregierung und Gliedstaaten gegeneinander abzugrenzen und um das Privateigentum vor unangemessenen Eingriffen der Einzelstaaten als auch des Bundes zu schützen. seine Kompetenzen gegenüber den weiteren Trägern der Staatsgewalt zu bestimmen und letztlich zu festigen. 17 U. let it be within the scope of the constitution. Ogden 817 ausgelöst.

.. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung 1857 traf der Oberste Gerichtshof mit Dred Scott v.. S. Dred Scott verstärkte einen bereits im Ansatz deutlich erkennbaren Riss. O. wie bereits dieses Beispiel anschaulich darlegt.]“. ob ein Sklave durch den Aufenthalt in einem fremden Staat oder Territorium seine Freiheit erlangt hätte..) 393 (1857). aus den Reihen der Nordstaaten wütende Entrüstung entgegenbrachte und die einen nicht unerheblichen Beitrag zum später folgenden Bürgerkrieg zu leisten wußte. die Parteien. es fehlte lediglich noch der Anlass. Die Ansichten über zivilisiertes Verhalten. Selbst entwickelte Grenzen in der Rechtsprechung des United States Supreme Court und des Bundesverfassungsgerichts. ja über das. neben ihrer Einordnung als erheblicher Bestandteil von Rezeption und Bestätigung gesellschaftlichen Wandels auch stets die latente Gefahr inne.] Zeugnis von einem Geburtsfehler des amerikanischen Verfassungsstaates ab[legt]. die Kirche. Wiecek (eds. Der Boden für eine gewaltsame Lösung war bereitet. Hall / J. selbst Sklavenhalter aus Maryland. so dass alle Gesetze.S.. was Recht und Unrecht war. Sklaven seien Eigentum.“ 820 Der Fall hatte die Frage zum Inhalt. 819 818 . (19 How. 380: „[. 24 mit einer breiten Darstelung der Entscheidung und des Sachverhaltes. 1992. The Oxford companion to the Supreme Court of the United States. Verfassungsgerichten wohnt also.). Bis heute wird Dred Scott als eines der verheerendsten und juristisch selbstherrlichsten Urteile in der amerikanischen Verfassungsgeschichte erachtet 819. S. Tribe. W. politische Kultur und ihre Grundwerte. a. S. Sandford 818 eine Entscheidung. S. fanden keinen gemeinsamen Nenner mehr. 549: „[... denn selbst eine Berufung auf die Volkssouveränität könne den übergeordneten Schutz des Eigentums nicht außer Kraft setzen.. 24 f.W. die den Bürger um sein verbrieftes Eigentumsrecht brächten. a. die ihm geballte. 3 rd ed. American Constitutional Law.] often recalled for its politically disastrous dictum [. null und nichtig seien.] the greatest disaster the Supreme Court has ever inflicted on the nation.B. der durch die gesamte amerikanische Gesellschaft. Grossman / W. Damit hatte Taney den Verfassungskonsens im Sinne der Sklavenhalter pervertiert. Rau. Wiecek in: K. Das gelte für den Missouri-Kompromiss und implizit ebenso für den Kompromiss von 1850 und das Kansas-Nebraska-Gesetz von 1854. Ely / J. das als „prononcierteste Frühentscheidung des Supreme Court zur Sklaverei ein bis zum heutigen Tage nicht völlig überwundenes Problem der amerikanischen Gesellschaft [markiert] und [. Andererseits ist es auch der Dred Scott-Entscheidung mit zuzuschreiben. die Wirtschaft und die allgemeinen Wertvorstellungen ging.. Namens der Mehrheit des Gerichts verkündete Chief Justice Taney. das dem besonderen Schutz der Verfassung unterliege. 60 U.. 1996.282 B. 2000.“ 820 C. Lincolns im Jahre 1860 finden lassen sollte.H. der sich schließlich in der Präsidentenwahl A. Siehe nur L. Auslöser gesellschaftlicher Brüche oder wenigstens „Wenden“ im bereits genannten Sinne zu sein..] infamous decision [. dass Schwarze keine Bürger der Vereinigten Staaten seien und folglich kein Klagerecht hätten.

dem Präsidenten die Anwendung des „reconstruction act“ zu untersagen. Anschließend wies Chief Justice Chase die Klage wegen fehlender Zuständigkeit des Supreme Court ab. 1998. die Verfassung und das politische System fortzuentwickeln und den Alltag der Bürger zunehmend mitzubestimmen.S. Allerdings begann der Supreme Court im 20. 821 Als „reconstruction“ wird die mit dem Ende des Bürgerkrieges beginnende und etwa ein Jahrzehnt dauernde Periode des „Wiederaufbaus“ des amerikanischen Bundesstaates bezeichnet. 824 Aus der deutschen Literatur J. mit der Feststellung zurück.IV. 821 So wies der Gerichtshof in Mississippi v. die tief in das gesamte Polizei und Justizwesen eingriff. gegen das beispielsweise die von Einzelstaaten angeordneten Verbote von Verhütungsmitteln und Abtreibungen verstießen. Mit den Amendments wurde unter anderem die Sklaverei abgeschafft. 475 (1867). Eine vergleichbare Zurückhaltung offenbarte der Supreme Court in Ex parte McCardle 823. Amendments sowie die Garantie eines fairen Prozesses für den Angeklagten. Johnson 822 einstimmig das Klagebegehren. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 283 dass nach dem Bürgerkrieg die Verfassung um die schon benannten Amendments 13 und 14 ergänzt wurde. alle in den Vereinigten Staaten geborenen Menschen als Bürger eingestuft und das Wahlrecht ausgeweitet. Das zweifellos beschädigte Vertrauen in die Rechtsprechung des Supreme Court konnte dieser durch gezielt eingesetzte Zurückhaltung in einigen prekären Entscheidung während der „reconstruction era“ genannten Phase wieder verbessern. 822 71 U. Heideking. dessen Zusammenhalt unter der Bedrohung einer Sezession der Südstaaten stand. das Gericht könne den Präsidenten nicht an einer Anwendung eines angeblich verfassungswidrigen Gesetzes hindern. Der gegen das präsidentielle Veto verabschiedete „reconstruction act“ verlieh den Südstaatenregierungen einen lediglich provisorischen Status und stellte sie bis zur Verabschiedung von Einzelstaatsverfassungen und Durchführung von Neuwahlen unter militärische Kontrolle. Gewissens. 824 Hierunter fiel anfangs vor allem die relativ weite Auslegung der Meinungs-. Erwähnung verdient auch das in der Verfassung nicht ausdrücklich erwähnte Recht auf eine Privatsphäre. womit Dred Scott letztlich ad absurdum geführt wurde.S. Jahrhundert immer deutlicher. Die Richter entschlossen sich nach der mündlichen Verhandlung im März 1868 mehrheitlich für eine Verzögerung der Entscheidung bis der Kongress die die Zuständigkeit des Gerichts begründende Norm außer Kraft gesetzt hatte. . 506 (1869). Es folgten das Verbot der Rassentrennung und der Diskriminierung von Minderheiten auf der Grundlage des 14. die ihre Verankerung im ersten Amendment findet und die nunmehr nicht nur gegen Einschränkungsversuche der Bundesregierung sondern auch der Gliedstaaten behauptet wurde. 68 f. Die Phase fand ihre gesetzgeberische Unterlegung insbesondere mit den „reconstruction amendments“ (13 –15) zur amerikanischen Verfassung und mit dem „reconstruction act“ aus dem Jahre 1867. S. im Besonderen durch seine Entscheidungen in Grundrechtsfragen.und Religionsfreiheit. 823 74 U. Einführung in die amerikanische Geschichte. In dieser Entscheidung hatte der Gerichtshof als Rechtsmittelinstanz über die Verfassungsmäßigkeit des Reconstruction Act zu urteilen.

Dazu eingehend und in einer allgemeinen Darstellung etwa H. die im Verfassungskontext als „Funktionen“ zu betrachten sind. Häberle der Begriff der „rationalen Rechtsprechungstätigkeit“. 311 ff.F.J. 1999. dass sich diese geändert hätte. wobei es nach diesem dabei auch um eine „Tätigkeit im Dienste der ‚Bewährung‘ nicht bloßer ‚Bewahrung‘ der Verfassung“ geht.. Diesem Aspekt könnte auch eine Zuordnung der drei letzten genannten Verfassungsfunktionen unterworfen werden. Die Judikatur des Supreme Court bietet auch dafür zahlreiche Beispiele. genügt es daher nicht. 316 ff.). in: J. Badura / H. Wieso sollte man der Verfassungsgerichtsbarkeit also nicht auch die Aufgabe der „Bestandssicherung für Verfassungsnormen als ranghöchste Normen“. 827 Siehe auch P. 347 US 483 (1954). Dort fand sich unter Berufung auf P. Geändert hatten sich Gesellschaft und gesellschaftliches Bewusstsein.. eine Verfassung zu lesen. so fallen der Verfassungsgerichtsbarkeit einige „. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Jede Interpretation der Verfassung ist aber in der Umkehrung auch abhängig von gesellschaftlichen Bedingungen. dass die Tatsache der Rassentrennung (Segregation) mit diesem Grundsatz vereinbar sei. Verfassungsrecht und Verfassungspolitik in Umbruchsituationen. Dieser einschneidende Wandel geschah mit Berufung auf die Verfassung – aber ohne. 1954 urteilte eben dieser Gerichtshof in seiner wegweisenden Entscheidung (Brown vs. Dreier (Hrsg. so muss das oberste Rechtsprechungsorgan (auch unter gelegentlichem „Bewahren“) zwangsläufig ein „Bewähren“ aller Verfassungsfunktionen gewährleisten. 65 ff. Schulze-Fielitz.Aufgaben“ zu. S. 826 825 . in: P. Hesse / G. Diese muss in Verbindung mit realer Politik gebracht werden.284 B. Es soll jedoch an die oben bereits genannten „typischen Elemente selbständiger Verfassungsgerichtsbarkeit“ 827 und „Funktionen der Verfassungsgerichtsbarkeit“ erinnert werden. die einem steten Wandel unterworfen sind. Festschrift 50 Jahre Bundesverfassungsgericht. Zur Rolle des Rechts in staatlichen Transformationsprozessen in Europa. Im übrigen können sich im Zusammenhang der Rolle der Verfassungsgerichtsbarkeit im Prozess des gesellschaftlichen Wandels durchaus Ähnlichkeiten. S. 2001. Wenn man nämlich Verfassungsgerichtsbarkeit unter dem Lichte des „Bewährens der Verfassung“ betrachtet. Die deutsche Wiedervereinigung und das Grundgesetz.). dass die Segregation der Verfassung widerspreche und deshalb aufzuheben sei. Harms (Hrsg. So interpretierte der Supreme Court bis 1954 die Verfassung der USA und das darin verankerte Prinzip der Gleichheit aller Menschen so. Board of Education 825). Wagt man den Schritt von der „Funktion“ zur „Aufgabe“. Schuppert / K. wenn nicht sogar Überschneidungen zu den Funktionen der Verfassung 826 ergeben. Häberle. eine „Schutzaufgabe durch Machtbegrenzung“ oder eine „Integrationsaufgabe“ zuweisen? Andere „Funktionen“ der Verfassung lassen sich wohl schwieriger direkt in eine „Aufgabe“ übertragen (etwa die der als „rechtliche Grundordnung“ oder die „programmatische Funktion – Verfassung als ‚Verhaltensentwurf‘“ und die „Legitimationsfunktion“). Das Bundesverfassungsgericht als Muster einer selbständigen Verfassungsgerichtsbarkeit. Um den politischen Wandel zu verstehen. 66 ff.

gleichwohl jedoch mit einer Rückbesinnung auf die inneren Abhängigkeiten dieser Bereiche auch die Überschneidungen. Selbst entwickelte Grenzen in der Rechtsprechung des United States Supreme Court und des BVerfG. 2. in: NJW 1976. Bundesverfassungsgericht und Gesetzgeber. etwa C.IV. EuGRZ 1983. Aufl. Dabei werden die Möglichkeiten der Anwendung dieses aus dem amerikanischen Recht bekannten Prinzips analysiert. darf die Frage aufgeworfen werden. S. die von erheblichen politischem Einschlag sind. Die Literatur versucht eine Trennung von Unparteilichkeit und Neutralität anzustellen und dabei wird klar. 777 ff. 1998. dass die Richter des Bundesverfassungsgerichtes zwar unparteiisch. gelegentlich die Kongruenz gewisser Axiome im Blick zu behalten sind. EuGRZ 1976. K. 177 ff. 1996. Die Problematik ergibt sich aus den Kompetenzen des Bundesverfassungsgerichtes. Das Spannungsfeld 828 Freilich handelt es sich auch um eine deutsche Debatte: der zentrale Einwand. ob Verfassungsgerichte in jedem dieser Konflikte das letzte Wort haben sollen. S.und Gleichheitsproblem formuliert werden kann. 11. Kriele. das über Fragestellungen zu entscheiden hat. über das die Verfassungsrichter genauso unterschiedliche Ansichten vertreten wie Bürger und Politiker? Die herrschende. J. S. Das Bundesverfassungsgericht im Spannungsfeld von Recht und Politik.). vgl. u.. a. Verfassungsgerichtsbarkeit und Gesetzgebung..). C. 1987. S. in Hinblick auf die Ablehnung von Entscheidungen mit hohen politischen Wert durch das Bundesverfassungsgericht. 175. der gegen die Verfassungsgerichtsbarkeit im Allgemeinen. Die Diskussion über die Möglichkeiten und Grenzen der Verfassungsgerichtsbarkeit gegenüber anderen Verfassungsorganen wird auch in Deutschland oft unter dem Stichwort der political question doctrine geführt. wird sogar durch Misstrauensverfahren nachgewiesen (vgl. aber nicht neutral bleiben sollten (dazu M. Blüggel. Dass ihre Entscheidungen durch die massive Beeinflussung im Zuge der juristischen Argumentation an politischer Macht verlieren. gleichwohl heftig bekämpfte Meinung 828 in den USA bejaht diese Frage. Dennoch sind es nur wenige Stimmen in der Literatur. 151. Der Gedanke zur Entpolitisierung der Entscheidungen wird jedoch prinzipiell nicht für abwegig gehalten. 500). Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 285 Ein deutliches Beispiel. S. S. insbesondere aber auch gegen die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichtes erhoben wird. selbst wenn die Verfassung nur ein vages Prinzip von Persönlichkeitsentfaltung und Gleichbehandlung vorgibt. S. S. Unvereinbarkeitserklärung statt Normkassation durch das Bundesverfassungsgericht. „Verfassungsgerichtsbarkeit“ oder „Verfassungsinterpretation“) vorzugehen ist. (2) Der Verfassungsrichter zwischen Recht und Politik – Anmerkungen zur „political question doctrine“ Nachdem nahezu jeder gesellschaftliche Konflikt als Freiheits. in: ZRP 1977. lautet. 230. 1996. Chryssogonos. die eine Anwendung der Doktrin für möglich halten. EuGH. dass Politik im Gewand des Rechts betrieben werde.. Rau. Benda. dass zwar trennscharf bei einer Darstellung der Prinzipien und Funktionen der einzelnen Teilbereiche (wie „Verfassung“.. Recht und Politik in der Verfassungsrechtsprechung. 1 ff. ja . E. Landfried. EuGH. Die richterliche Stellung wird doppelt kritisiert. 4. Die überwiegende Literatur hält diese Doktrin für unvereinbar mit der Verfassung der Bundesrepublik und lehnt ihre Anwendung durch das Bundesverfassungsgericht ab (S. einmal im Zusammenhang mit den „geheimen“ Wahlen und dem enormen politischen Einfluss durch die politische Nominierung und des weiteren aus der politischen Entscheidungskraft der einzelnen Richter.

die über Wirksamkeit oder Unwirksamkeit des Verfassungsgerichts entscheiden : zum einen. 831 sogar dessen Anwendung durch das Bundesverfassungsgericht schon als vorhanden ansehen (so R. und (3) die inhaltliche Kontrolle aller Ergebnisse des politischen Prozesses über die Berufung auch auf allgemeine Freiheits. Kontroversen solchermaßen in rechtliche Argumente zu übersetzen. bringt sie selbst in die politische Diskussion. Luhmann. Nicht nur in den Vereinigten Staaten lösen Entscheidungen zunehmend symbolische Kreuzzüge aus. Verfassungen im Vergleich: USA & Deutschland. wenigstens bei ausufernder Inanspruchnahme der Prüfungskompetenzen. Grenzen der richterlichen Verantwortung. auch N.286 B. 1 ff. 57 (70)). Die Vereinigten Staaten als Ursprung der hier diskutierten Gestalt der Verfassungsgerichtsbarkeit waren fast zwingend auch der Ausgangspunkt der verfassungsrechtlichen Sensibilität für die sogenannte „political question“. Verfassungskonkretisierung durch das Bundesverfassungsgericht und durch politische Verfassungsorgane. von EuGRZ 1983. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung zum Prinzip demokratischer Selbstbestimmung ist aber unübersehbar. 29 ff. vielleicht sogar Optimierung der Fairneß des demokratischen Prozesses. anstatt politische Diskussionen beizulegen. S. auch W. und zudem die Verfassung als fortwährende Weiterentwicklung immer neu zu interpretieren. dass sie entscheidbar sind. Vgl. 23. Diese Tendenz des Gerichts. S. 831 Hierzu insbesondere F. Legitimation durch Verfahren. Die Political-question-Doktrin in der Rechtsprechung des amerikanischen Supreme Court. Verfassungsgerichtsbarkeit und politischer Prozess. ruft man sich drei Stufen verfassungsgerichtlicher Kompetenzen in Erinnerung: (1) die Sicherung verfassungstextlich spezifizierter Grundrechte gegen legislative Eingriffe. am Bsp. ohne dem Verlierer noch eine Chance der Unterstützung für die Fortsetzung des Streits zu geben. seine Rechtsprechung bis in politische Maßnahmen hineinreichen zu lassen. inwieweit den Entscheidungen Folge geleistet wird. S. so ist die Debatte über die Beschneidung verfassungsgerichtlicher Prüfungskompetenzen letztlich unvermeidlich. 830 Vgl. Heft 3/1994. 1969. Brugger. auch den Überblick bei H. die Ersetzung der legislativen Prioritäten durch eine Herrschaft der Richter. 22ff. 830 Lässt ein Urteil mehrere Varianten der Auslegung zu.W. 829 Vgl. Will man gleichzeitig die Kompetenzen des demokratischen politischen Prozesses sichern und stärken und insgesamt in diesem Bereich mehr Qualität fordern. in: Ruperto Carola – Forschungsmagazin der Universität Heidelberg. Sie gefährdet damit zwei Erfolgskriterien.und Gleichheitspostulate. 1965. sondern auch inwieweit diese andere Entscheidungsarenen determinieren. 1968. 1982. gerät das Gericht konsequenterweise selbst in den Streit. Allgemein und freilich simplifiziert beruht der Legitimitätsanspruch der Gerichte auf ihrer Fähigkeit. . Laufer. Daran gemessen erreichen manche Verfassungsgerichte bereits die Grenzen der Akzeptanzbereitschaft innerhalb der jeweiligen Rechtskultur. (2) die Sicherung. Scharpf. 829 Gerade hinsichtlich des dritten Punktes droht. Dolzer.

Rill (Hrsg. S. Borden (1849) 832 hat der Supreme Court. S. das der Gesetzgeber frei wählen konnte („rational basis test“). deren Vorliegen er im einzelnen überprüfte. In anderen Worten: weitreichende politische Reformen sollten durch den politischen Gesetzgeber und nicht durch den Supreme Court eingeleitet werden.. und vor allem W.IV. The other is that while unconstitutional exercise of power by the executive and legislative 832 833 48 US (7 How. um zunächst der Entscheidung politischer Fragen auszuweichen. 944 ff. 834 In der nach dem Präsidenten des obersten Gerichts benannten „Lochner-Ära“ (etwa zwischen 1905 und 1937) wurde das vorwiegend wirtschaftslenkende Gesetzeswerk einer umfassenden Kontrolle unterzogen („strict scrutinity test“). One is that courts are concerned only with the power to enact statutes. 581. 834 Dazu aus dem deutschen Schrifttum J. . 1999. Basierend auf der Erwägung. Vordergründig sollte die Rolle des Richters als politisches Gegengewicht zur Exekutive und Legislative beschränkt werden. in der der Supreme Court ein landwirtschaftliches Sanierungsprogramm des Präsidenten Rossevelt für verfassungswidrig erklärt hatte. wenn es willkürlich. Stone bemerkenswert.) 1. Brugger. 1987. solche Gesetze würden die Vertragsfreiheit und im besonderen Maße das Eigentumsrecht beschränken. not with their wisdom. Wohingegen sich der Gerichtshof in der sogenannten „NachLochner-Ära“ nach 1937 spürbar zurücknahm und ein Gesetz regelmäßig nur dann für verfassungswidrig erklärte. seine abweichende Meinung wie folgt begründete: „The power of courts to declare a statute unconstitutional is subject to two guiding principles of decision which ought never to be absent from judicial consciousness. 109 ff. in: JuS 1987. Kroll. Annähernd 160 Gesetze hielten schließlich dieser Überprüfung nicht stand. 833 So viel zur Theorie. in: B. die Doktrin der „political question“ eingeführt. Ed. 110 ff. Aus dem erstgenannten Stadium der Rechtsprechung ist eine dissenting opinion des Richters H. sich bei verfassungsrechtlich nicht eindeutig entscheidbaren Fällen nicht in den demokratischen Prozess einzumischen. der 1936 in der Blütezeit der sogenannten „New Deal“-Gesetzgebung. S. Wittmann. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 287 Mit dem Fall Luther v. Der Supreme Court – das oberste Gericht der USA. Vom Rechtsstaat zum Rechtswegestaat.. 38 ff. aber lauernden Beobachters“ kann durchaus auch bereits eine politische Dimension in sich tragen. Allerdings: Die Rolle des „stillen. Self-restraint als Ausdruck der Gewaltenteilung. Grundrechte und Verfassungsgerichtsbarkeit in den Vereinigten Staaten.).F. Fünfzig Jahre freiheitlich-demokratischer Rechtsstaat. diskriminierend oder nachweisbar ungeeignet zur Ereichung des Ziels war. Der Grundgedanke dieser These ist darin zu sehen. Siehe auch B. forderte der Supreme Court zu deren Rechtfertigung substantiell gewichtige öffentliche Interessen. 947. 12 L. In der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts lassen sich in der Rechtsprechung des Supreme Court zwei Phasen unterschiedlicher Kontrolle feststellen.

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B. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung

branches of the government is subject to judicial restraint, the only check upon our own exercise of power is our own sense of self-restraint. For the removal of unwise laws from the statute books appeal lies, not to the courts, but to the ballot and to the processes of democratic government.“ 835

Soweit ersichtlich taucht an dieser Stelle der Begriff „self-restraint“ im Zusammenhang mit der Verfassungsgerichtsbarkeit erstmalig auf. Im Wesentlichen geht es bei der Beantwortung der Frage, ob nun eine „political question“ vorliege stets um die selben Problemkreise: Handelt es sich um eine Rechtsfrage, was ist also justiziabel, und was eine „political question“? Im Ergebnis lässt sich dabei keine stringente Rechtsprechung des Supreme Court erkennen. Studiert man die Fülle der Entscheidungen des Supreme Court zur political-question-Theorie, so lässt sich eine klare Linie schwerlich feststellen; sie wird äußerst flexibel gehandhabt. Nur zählt es zum Geheimnis des Supreme Court festzulegen, wann er eine politicalquestion annimmt und wann nicht. Manche Sozialwissenschaftler haben zuweilen von einer richterlichen Vorherrschaft im amerikanischen Herrschaftsprozess gesprochen. Bei näherer Betrachtung der geschichtlichen Entwicklung der USA erscheint jedoch etwa der Begriff „Judiziokratie“ übertrieben, hat sich der Supreme Court doch lediglich zwischen 1890 – 1937 extensiver auf politischem Parkett bewegt, als er ca. 35 Gesetze oder Präsidialakte sozial- und wirtschaftspolitischen Inhalts zurückwies und vor allem in den ersten Jahren des Rooseveltschen New Deal sozialreformerische Initiativen des Staates zur Überwindung der Weltwirtschaftskrise blockierte. Ansonsten aber hat sich das Oberste Bundesgericht in vergleichsweise nüchterner Einschätzung etwaiger Friktionsfelder und potentieller Ansehensverluste politischen Auseinandersetzungen eher entzogen und sich bevorzugt für unzuständig erklärt als in öffentliche Konflikte eingemischt. 836 Alles in allem hat aber die mehr als zweihundertjährige Rechtsprechung dem Obersten Gericht soviel Autorität eingetragen, dass es längst zum respektierten Partner im Geflecht der checks and balances, der politischen Willensbildung und Machtausübung geworden ist. Demoskopische Erhebungen haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten immer wieder belegt, dass das Ansehen der Institution Supreme Court in der Bevölkerung viel größer ist als dasjenige der Präsidentschaft, vom Kongress ganz zu schweigen.

United States v. Butler, 297 U.S. 1 (1936). Das Oberste Gericht kann sich also weigern, dort Recht zu sprechen, wo es die Verantwortung für die Folgen seiner Entscheidung nicht übernehmen kann. Es erklärt dann solche Fälle zu „political questions“. Als solche werden vor allem Rechtsstreitigkeiten mit möglichen internationalen Implikationen betrachtet, etwa Konflikte im Bereich der auswärtigen Beziehungen (über die Geltung bzw. Einhaltung von Verträgen, Grenzstreitigkeiten, Anerkennung von Staaten, Einreiseverweigerungen für Ausländer oder deren Ausweisung).
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IV. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates

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(3) Inkurs: „counter-majoritarianism“ Die Praxis des Supreme Courts, durch ständige Auslegung den Verfassungstext veränderten äußeren Umständen anzupassen ist letztlich bedeutsamer als die die gelegentlich spannungsgeladenere und im Ausland bis heute mehr beachtete Ausübung des richterlichen Prüfungsrechts, das jedoch in Wirklichkeit nur einen kleinen Ausschnitt aus der fortlaufenden Interpretationstechnik der Verfassung durch die amerikanische Gerichtsbarkeit darstellt. 837 In den Vereinigten Staaten wird die Betrachtung von Problemkreisen der Verfassungsgerichtsbarkeit gerne auf den Begriff der „counter-majoritarianism“ reduziert, also auf das Problem der „gegen-Mehrheitlichkeit“. Anders als etwa in Deutschland oder Österreich dient letzteres vielen als eines der führenden Paradigmen des amerikanischen Verfassungsrechts schlechthin. 838 Grundsätzlich ist die Debatte über das Verhältnis zwischen Verfassungsgerichtsbarkeit, Demokratie und Rechtsstaat umfangreich und kann hier nicht verfolgt werden. 839 Hierbei wird bemängelt, dass meist auf lange Zeit gewählten und nur unzureichend oder gar nicht verantwortlichen Richtern die Kompetenz erteilt wird, Gesetze eines demokratisch legitimierten Parlaments zu annullieren. Gerichte würden auch diesbezüglich Politik treiben, anstatt Recht zu sprechen. Befürworter wollen dagegen das demokratische Prinzip durch Theorien über die „Selbstbindung“ der Legislative und die Wahrung von Menschen- und Bürgerrechten retten 840. Für
So bereits K. Loewenstein, Verfassungsrecht und Verfassungspraxis in den Vereinigten Staaten, 1959, S. 36. 838 Hierzu insbesondere A. Bickel, The Least Dangerous Branch – The Supreme Court at the Bar of Politics, 1962. Es sind jedoch vermehrt Stimmen vernehmbar, die einer allzu erhöhten Stellung dieses Gedankens kritisch gegenüberstehen, vgl. nur B.A. Ackerman, The Storrs Lectures: Discovering the Constitution, in: 93 Yale L.J. (1984), S. 1013ff, S. 1016: „Hardly a year goes by without some learned professor announcing that he has discovered the final solution to the countermajoritarian difficulty, or, even more darkly, that the countermajoritarian difficulty is insolvable.“ Siehe auch E. Chemerinsky, The Supreme Court 1988 Term – Foreword: The Vanishing Constitution, in: 103 Harvard L. Rev. (1989), S. 43 ff.; ders., The Price of Asking the Wrong Question: An Essay on Constitutional Scholarship and Judicial Review, in: 62 Texas L. Rev. (1984), S. 1207 ff.; B. Friedman, Dialogue and Judicial Review, in: 91 Michigan L. Rev. (1993), S. 577 ff.; M.V. Tushnet, Anti-Formalism in Recent Constitutional Theory, in: 83 Michigan L. Rev. (1985), S. 1502 ff.; mit dem Versuch einer Umkehrung der Problematik („the majoritarian difficulty“) auch S. Croley, The Majoritarian Difficulty: Elective Judiciaries and the Rule of Law, in: 62 The University of Chicago L. Rev. (1995), S. 689 ff. 839 Für die amerikanische Diskussion wohl am bekanntesten A. Bickel (1962) und J.H. Ely, Democracy & Distrust, 1980; vgl. allgemein M. Cappelletti, The Judicial Process in Comparative Perspective, 1989, S. 3 ff.; für das deutsche Recht ist die Auseinandersetzung in der Weimarer Republik zwischen C. Schmitt und H. Kelsen immer noch äußerst beachtenswert. 840 Vgl. etwa U.K. Preuß, Umrisse einer neuen konstitutionellen Form des Politischen, in: ders., Revolution, Fortschritt und Verfassung, erw. Neuausg. 1994, S. 123 ff.
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B. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung

M. Cappelletti drücken Verfassungen die Positivierung höherer Werte aus, und Verfassungsgerichtsbarkeit sei die Methode zur Durchsetzung dieser Werte 841. Dieser normative Streit muss an dieser Stelle nicht gelöst werden, unabhängig davon, dass er wohl kaum plausibel auflösbar ist. 842. Entscheidend ist, dass diese Debatte – mit annähernd den gleichen Argumenten auf beiden Seiten – überall dort auftreten wird, wo die Verfassungsgerichtsbarkeit eingeführt wird und sich gegenüber der Politik emanzipiert. Auf der einen Seite steht dabei typischerweise die Ideologie der „Volkssouveränität“, die verfassungsgerichtliche Beschränkungen des Mehrheitswillens als „undemokratisch“ verwirft. Auf der anderen Seite offenbart sich der „Konstitutionalismus“, welcher die Bindung der Politik an eine Verfassung als Eigenwert begreift und den Mehrheitswillen diesen Bindungen unterordnet. Der „Legalismus“ steht wohl zwischen diesen Prinzipien. Er verweist zwar auf die Herrschaft des Rechts über die Politik – und damit auf den „Rechtsstaat“, ist aber weniger mit einer starken Verfassungsgerichtsbarkeit, als eher mit dem gesetzgebenden Parlament verbunden. c) Übergreifende Funktionen und Kompetenzen der Verfassungsgerichtsbarkeit – Richtwerte für den EuGH? Gerade im Hinblick auf eine Überprüfung der verfassungsgerichtlichen Elemente des EuGH sollen auch übergreifend kennzeichnende Funktionen und Kompetenzen der Verfassungsgerichtsbarkeit wenigstens angerissen werden, wobei bereits hier festgestellt werden darf, dass es bei den Kompetenzen und Funktionen durchaus zu Verschränkungen kommen kann, was auf dem Umstand beruht, dass beide unmittelbar einander zu bedingen wissen. Wie anders sollte beispielsweise die Funktion der Wahrung der Gewaltenbalance ohne die Kompetenz über Organstreitigkeiten aufrecht zu erhalten sein? Oder eine wirkungsvolle, evolutive Grundrechtssicherung ohne wenigstens eine dem Verfassungsbeschwerdeverfahren ähnliche Kompetenz herstellbar sein?

841 M. Cappelletti (1989), S. 118, 120. Freilich ließe sich pragmatisch argumentieren, dass es schlicht sinnvoll sei, eine Instanz zu schaffen, die auf juristischem Wege politische Konflikte letztendlich entscheidet. Dies setzt aber voraus, dass man dieVorherrschaft des Rechts anerkennt. 842 Einiges mag dafür sprechen, die Institution des Verfassungsgerichts als „Dritte Kammer“ des legislativen Prozesses zu begreifen (vgl. A. Stone, The Birth of Judicial Politics in France, 1992, S. 209 ff.). Wie bereits der „Schöpfer“ des europäischen Modells der Verfassungsgerichtsbarkeit, H. Kelsen, festgestellt hat, wird ein Verfassungsgericht unvermeidlich legislativ tätig.

IV. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates

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aa) Verfassungsgerichtliche Interpretationspotentiale im Verfassungsstaat – Entwicklungsstufen und Komponenten Im vollausgebildeten Konstitutionalismus stellt sich zudem die Frage des verfassungsgerichtlichen Interpretationsmonopols, so wie es sich in den USA herausgebildet hat. Diese Institutionalisierung eines autoritativ gesteuerten und gesamtgesellschaftlich wirksamen hermeneutischen Prozesses der Verfassungskultur prägt zunehmend „westliche“, auch ansatzweise „nicht-westliche“ Verfassungsstaaten. Ein wissenschaftlicher und politischer Diskurs über das Wesen der Verfassungshermeneutik ist umfassend und jenseits schüchterener Debatten vorläufig nur in den USA in Gang gekommen. Er bewegt sich „Toward a Constitutional Hermeneutics“ 843, wie sie sich in der Debatte zwischen textimmanent argumentierenden „interpretists“ und verfassungsgestaltenden „noninterpretivists“ niederschlägt 844 und in einen weiteren Zusammenhang von „katholischen“ und „protestantischen“ Interpretationsschemata erstellt wird 845. Diese stets politisch aufgeladenen Diskurse offenbaren die grundsätzliche Notwendigkeit einer vergleichend untersuchenden Verfassungshermeneutik in den mit verfassungs-richterlichem Prüfungsrecht ausgestatteten Politien der USA, Deutschlands, Kanadas, Australiens und Frankreichs. Die Idee und Praxis der Verfassungsgerichtsbarkeit griff in Europa erst spät Platz. Zwar gab es in Westeuropa Anfang des 20. Jahrhunderts in verschiedenen Ländern einige Bestrebungen, die Gesetzgebung einer Verfassungsmäßigkeitsprüfung zu unterwerfen. Aber nur in Österreich gelang es 1920 unter dem Einfluss des Staatsrechtlers H. Kelsens, ein wirklich aktives Verfassungsgericht in der Verfassung zu verankern. Die Ausbreitung dieser Institution fand in Westeuropa erst nach dem zweiten Weltkrieg statt. Dass die Verfassungsgerichtsbarkeit kein unabdingbares Element einer Demokratie ist, zeigen die vielen als demokratisch verstandenen Staaten, die über diese Institution nicht verfügen, so wie etwa England. Auch Frankreichs court constitutionel verfügt nicht über die Kompetenzen z. B. des deutschen Verfassungsgerichts und hat sich erst in den letzten Jahrzehnten eine größere Rolle im politischen System erkämpfen können. Mit Vorsicht ist eine Einordnung der Verfassungsgerichtsbarkeit in die historische Entwicklung des „Rechtsstaats“ oder der „Rule of Law“ zu behandeln, wie das deutsche und das englische Beispiel zeigen. 846
G. Leyh, Toward a Constitutional Hermeneutics, in: American Journal of Political Science, No. 2, vol. 32, 1988, S. 369 ff. 844 Dazu etwa D.P. Kommers, The Supreme Court and the Constitution: The Continuing Debate on Judicial Review, in: The Review of Politics, No. 3, vol. 47, 1985, S. 113 ff. 845 Hierzu beispielsweise das wichtige Werk von H. Levinson, Constitutional Faith, 1989. 846 Die Konzeption des Rechtsstaats war alles andere als eine universelle Idee, sondern hat sich in einem ganz bestimmten sozio-politischen Umfeld entwickelt. Sie entstand in
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B. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung

Die Verfassungsgerichtsbarkeit findet weltweit zur Durchsetzung ihrer jeweiligen Verfassung immer weitere Verbreitung und trägt damit in den entsprechenden Ländern implizit zur Festigung oder Ausformung gewisser gesellschaftlicher Strukturen bei. Zur Verwirklichung der normativen Anforderungen und zur Erhaltung des verfassungsrechtlichen Konsenses leisten Verfassungsgerichte einen wesentlichen Beitrag. Die Verfassung wäre ohne die Verfassungsgerichtsbarkeit lediglich auf ihren sozialen, gesellschaftlichen Rückhalt verwiesen. 847 Um aber eine in Konfliktfällen drohende Aufzehrung des verfassungsrechtlichen Konsenses zu vermeiden, ist die Einrichtung der Verfassungsgerichtsbarkeit nahezu unverzichtbar. Vefassungsgerichten ist grundsätzlich die Möglichkeit gegeben, einen von politischen und Handlungszwängen sowie Machterhaltungsinteressen vergleichsweise unabhängigen Blick auf die Verfassung zu werfen. Politisch wie gesellschaftlich bedeutsam und gegebenenfalls wirkungsvoller als die konkrete Gerichtsentscheidung kann dabei die generelle Existenz der gerichtlichen Kontrolle bereits im Vorfeld einer „drohenden“ Auseinandersetzung mit anschließender Entscheidung in einer Streitsache sein, da Beteiligte wie politische Instanzen gezwungen sein können, die Verfassungsfrage bereits verhältnismäßig früh und unabhängig zu stellen. 848
Deutschland aus dem für die Restaurationszeit nach den Unruhen von 1848 charakteristischen Kompromiss zwischen Liberalismus und Konservatismus. Deswegen unterscheidet sie sich historisch auch grundlegend von der Idee der „Rule of Law“. Die Ideologie der „Rule of Law“ entstand historisch in England unter dem Einfluss einer starken Mittelklasse, die das Parlament kontrollierte und einer relativ schwachen königlichen Bürokratie, während die kontinentalen Rechtsstaatsprinzipien sich vor dem Hintergrund von machtvollen und zentralisierten Bürokratien entwickelten, dessen Türen die „Bourgeoise“ nicht niederreißen konnte, sondern an denen sie anklopfen musste, um Zugeständnisse zu erreichen. Der „Rechtsstaat“ erwies sich flexibel genug, um im monarchisch-bürokratischen Kaiserreich genau wie der Weimarer Republik und der Bundesrepublik eine der tragenden Staatsprinzipien zu sein. Der Inhalt des Begriffs hat sich jedoch seit seinem ersten Gebrauch radikal verändert, wenn man seine heutige Bedeutung im deutschen Staatsrecht, die auch demokratische und sozialstaatliche Aspekte umfaßt mit der Vorstellung vergleicht, die seine frühen Verfechter hatten. Ähnliches gilt für die „Rule of law“. War diese Doktrin anfänglich vor allem eine liberale Philosophie, hat in den USA unter ihrem Banner der Supreme Court eine Rechtsprechung geschaffen, die den Staat auf die Durchsetzung von Bürgerrechten verpflichtet – eine am Anfang des 19. Jahrhunderts undenkbare Entwicklung. Eine Minimaldefinition des „Rechtsstaats“ könnte gleichwohl auch den Begriff „Rule of Law“ umfassen. Eine umfassende Bibliographie zum Themenkomplex „Rule of Law“ findet sich auf der Website der Weltbank unter http://www1.worldbank.org/publicsector/legal/annotated.pdf. 847 Auch wenn der soziale Rückhalt hinreichen sollte, absichtliche Verfassungsverstöße zu verhindern, kann er doch nicht divergierende Auffassungen über konkrete verfassungsrechtliche Anforderungen ausschließen, vgl. auch D. Grimm, Verfassung, in: Staatslexikon, hrsg. v. d. Görres-Gesellschaft, 7. Aufl., Bd. 5, 1989 und 1995, S. 634 ff., 639. 848 Bei einem Scheitern dieser „vor-gerichtlichen Wirkung“ ist es dann Aufgabe eines funktionierenden Verfassungsgerichts, die Verfassung dem politischen oder gesellschaftlichen Streit zu entziehen und ihrer in diesem Fall entscheidenden Funktion als Konsensbasis widerstreitender Interessen wieder zuzuführen. D. Grimm (1989 und 1995) betont aber

IV. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates

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Mit dem Argument, auch Verfassungsgerichte seien gesellschaftlich oder öffentlich verantwortlich, wird teilweise in der Politik- und Rechtslehre der Versuch angestellt, eine der Politik äquivalente Verantwortlichkeit der Verfassungsgerichtsbarkeit zu formulieren. 849 Dieser Gedanke verdient Unterstützung, da er alle Beteiligten der Verfassungsöffentlichkeit daran erinnert, was „Verfassung“ neben allen anderen Definitionen noch ist: ein Leitfaden für Verantwortungsübernahme, ein Dokument zur Regelung gesellschaftlicher Verantwortlichkeit. Dabei sollte im verfassungsgerichtlichen Kontext allerdings eine Differenzierung von individueller Verantwortlichkeit der Richter und institutioneller Verantwortlichkeit des Gerichts vorgenommen werden. 850 Selbstverständlich sind zu den verfassungsgerichtlichen Kompetenzen neben den beiden bereits genannten die konkrete und abstrakte, die vorbeugende und auch gegebenenfalls völkerrechtliche Normenkontrolle, unterschiedliche Verfassungsschutzverfahren sowie in föderalen Ordnungen Bundesstaatsstreitigkeiten zu zählen. Wahlprüfungsverfahren und Gutachtenkompetenzen sollen nicht unerwähnt bleiben, wenngleich für den berechtigten Status eines Gerichts als Verfassungsgericht insgesamt nicht alle Kompetenzen gegeben sein müssen. Allerdings ist ein Mindestmaß an verfassungsgerichtlichen Funktionen zu fordern, die von der Grundrechtssicherung über den Schutz maßgeblicher Verfassungsprinzipien (wie Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Vorrang der Verfassung 851, Gewaltenbalance im Kontext mit der Trennung der Staatsgewalten) bis zur Sicherung des Pluralismus und implizit dem Minderheitenschutz zu reichen haben. 852 Für die europäischen, einzelstaatlichen Verfassungsgerichte ist das Aufrechterhalten einer kooperativen
zutreffend, dass „[d]ie Bereitschaft, Machtfragen durch Gerichte schlichten zu lassen, [...] freilich soziale und kulturelle Wurzeln [hat], die keineswegs überall, wo eine Verfassung besteht, gegeben sind. Fehlen sie, werden Verfassungsgerichte mit den Machthabern kurzgeschlossen oder zur Bedeutungslosigkeit verurteilt. Beide Male ist der Schaden für die Verfassung größer als beim völligen Verzicht auf Verfassungsgerichtsbarkeit.“ 849 Siehe etwa M. Cappelletti, Who Watches the Watchmen?, in: ders., The Judicial Process in Comparative Perspective, 1989, S. 57 ff., 79 ff.; dazu auch U. Haltern, Verfassungsgerichtsbarkeit, Demokratie und Mißtrauen, 1998, S. 200 f. 850 Siehe auch B. Friedman, Dialogue and Judicial Review, in: 91 Michigan L. Rev. (1993), S. 577 ff. 851 Über die Verfassungsgerichtsbarkeit als „Instrument zur Sicherung des Vorrangs der Verfassung“ sehr instruktiv C. Starck, Vorrang der Verfassung und Verfassungsgerichtsbarkeit, in: C. Starck / A. Weber (Hrsg.), Verfassungsgerichtsbarkeit in Westeuropa, Teilband I: Berichte, 1986, S. 11 ff. Zu den antiken Grundlagen auch des Prinzips des Vorrangs der Verfassung vgl. bereits E.S. Corwin, The „Higher Law“. Background of American Constitutional Law, in: 42 Harvard L. Rev. (1928), S. 149ff, 153 ff. 852 Vgl. auch die Aufzählung bei P. Häberle, Das Bundesverfassungsgericht als Muster einer selbständigen Verfassungsgerichtsbarkeit, in: P. Badura / H. Dreier (Hrsg.), Festschrift 50 Jahre Bundesverfassungsgericht, 2001, S. 311 ff., S. 319, der noch die „friedliche Einordnung des nationalen Verfassungsstaates in regionale Verantwortungsgemeinschaften“ unter dem Stichwort der „Völkerrechtsfreundlichkeit“ und „die behutsame, buchstäblich so verstandene ‚Fortschreibung‘ der Verfassung“ nennt.

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B. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung

Beziehung zum EuGH miteinzubeziehen (ohne dabei näher auf den vom BVerfG geprägten Begriff des „Kooperationsverhältnisses“ eingehen zu müssen). 853 Daneben lässt sich an weiteren Variablen, die den genannten Elementen einer selbständigen Verfassungsgerichtsbarkeit hinzugefügt werden sollen, der Institutionalisierungsgrad von Verfassungsgerichten messen 854 Dabei ist zunächst die Autonomie zu nennen, als Fähigkeit von Institutionen, unabhängige Entscheidungen zu treffen und umzusetzen. Je weniger sie dabei in Abhängigkeit zu anderen Institutionen stehen, desto höher der Institutionalisierungsgrad. Trotz ihres Ranges als Verfassungsorgan sind die Verfassungsgerichte nicht in der Lage, ihre Entscheidungen selbst durchzusetzen, sondern hängen dabei von der Akzeptanz ihrer Judikate bei den Adressaten ab, bzw. von deren Bereitschaft, überhaupt eine judizielle Konfliktbeilegung zu wählen und nicht in andere Formen der Konfliktbewältigung auszuweichen. Diesbezüglich wird man dem Supreme Court der Vereinigten Staaten einen hohen Grad an institutioneller Autonomie zubilligen können. Prinzipiell dürfte aber der Autonomiegrad im Bereich der Entscheidungsfindung wesentlich höher als im Bereich der Umsetzung sein, was die Verfassungsgerichte wiederum durch spezielle Formen wie Apellentscheidungen, verfassungskonforme Auslegung oder auch Fristsetzungen zu kompensieren suchen. 855

Vgl. beispielsweise U. Everling, Bundesverfassungsgericht und Gerichtshof der Europäischen Gemeinschaften. Nach dem Maastricht-Urteil, in: A. Randelzhofer u. a. (Hrsg.), Gedächtnisschrift E. Grabitz, 1995, S. 57 ff.; ders., Die Rolle des Europäischen Gerichtshofs, in: W. Weidenfeld (Hrsg.), Reform der Europäischen Union, 1995, S. 256 ff.; M.A. Dauses, Aufgabenteilung und judizieller Dialog zwischen den einzelstaatlichen Gerichten und dem EuGH als Funktionselemente des Vorabentscheidungsverfahrens, in: O. Due u. a. (Hrsg.), Festschrift für U. Everling, 1995, Band 1, S. 223 ff.; C. Tomuschat, Die Europäische Union unter der Aufsicht des. Bundesverfassungsgerichts, in: EuGRZ 1993, 489 ff., 494 f.; M. Schröder, Das Bundesverfassungsgericht als Hüter des Staates im Prozess der europäischen Integration – Bemerkungen zum Maastricht Urteil, in: DVBl. 1994, S. 316 ff., 323 f.; H. Gersdorf, Das Kooperationsverhältnis zwischen deutscher Gerichtsbarkeit und EuGH, in: DVBl. 1994, S. 674 ff. 854 Diese folgenden Elemente (und gegebenenfalls Prinzipien) sind teilweise an Gedanken von R. Lhotta, Paper zur gemeinsamen Tagung von DVPW, ÖGPW und SVPW am 8. / 9. Juni 2001 in Berlin zum Thema: „Der Wandel föderativer Strukturen“, Verfassungsgerichte im Wandel föderativer Strukturen – eine institutionentheoretische Analyse am Beispiel der BRD, der Schweiz und Österreichs, 2001, angelehnt. Lhotta bettet seine Überlegungen freilich primär in eine Betrachtung bundesstaatlicher Besonderheiten ein. 855 Bei den als hochgradig politisch rezipierten Entscheidungen kann jedoch die Akzeptanz verfassungsgerichtlicher Entscheidungen rasch absinken. Dies hat etwa der Nachhall zum Präsidentschaftsurteil „Bush-Gore“ in den Vereinigten Staaten (1998/99) oder in Deutschland auf den „Kruzifix-Beschlusses“ (BVerfGE 93,1) des BVerfG gezeigt. Soweit eine unterlegene Prozesspartei scharfe Kritik übt, ist sie verständlich und meist auch bald vergessen. (vgl. zur „Richterschelte in Deutschand“ etwa H.-J. Vogel, Videant Judices! Zur aktuellen Kritik am. Bundesverfassungsgericht, in: DÖV 1978, S. 665 ff.). In

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IV. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates

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Als weiterer Aspekt ist die grundsätzliche Anpassungsfähigkeit von Verfassungsgerichten hervorzuheben, womit die Möglichkeit von Institutionen gemeint ist, sich an Veränderungen ihres Kontextes, Adressatenkreises und institutionellen Umfeldes anzupassen und diesen (aktiv oder lediglich durch vorbildhaftes Wirken) zu beeinflussen. Ein vergleichender Blick zeigt allerdings, dass die Verfassungsgerichte im Umgang mit den Kompetenzkatalogen der jeweiligen Verfassungen einen eher restriktiven, gelegentlich dem Bild der Stagnation nicht fernen Kurs verfolgen, der im deutschsprachigen Raum in der sog. „Versteinerungstheorie“ gipfelt. Auch die Selbstorganisation als die Fähigkeit einer Institution, interne Strukturen herauszubilden, um ihre Ziele zu verwirklichen und mit ihrer Umwelt umzugehen, gehört in den Reigen typischer, zumindest wünschenswerter Merkmale der Verfassungsgerichtsbarkeit. Hier ist auf die Selbstorganisationsfähigkeit der Verfassungsgerichte zu achten sowie auf die Art und Weise, wie das Selbstverständnis der Gerichte in eine eher streitentscheidende (richtende) oder streitvermittelnde (integrierende) Tätigkeit und / oder aktivistische bzw. zurückhaltende Spruchpraxis umgesetzt wird. 856 Daneben ist die Fähigkeit der Institution hervorzuheben, ihr eigenes Arbeitsaufkommen selbst zu steuern und Prozeduren zu entwickeln sowie Aufgaben schnell und effizient zu lösen. 857 Unter den Begriff der verfassungsgerichtlichen Kongruenz soll der Grad gefasst werden, in dem intrainstitutionelle Beziehungen die sozialen Beziehungen abbilden, die sie zu regeln beanspruchen. Hier wird man zweierlei zu berücksichtigen haben: Zum einen richtersoziologische Aspekte, die sich darauf beziehen, inwieweit sich die parteipolitische sowie bikamerale Mitbestimmung bei der Richterwahl signifikant auf die Spruchpraxis der Verfassungsgerichte auswirken. Allem Anschein nach ist dies (soweit hierzu überhaupt Daten vorliegen) weder in
jüngster Zeit indessen wird die Kritik anläßlich einiger Entscheidungen des Gerichts oder seiner Kammern grundsätzlicher. E.W. Böckenförde etwa hat die Gefahr des Übergangs zum „verfassungsgerichtlichen Jurisdiktionsstaat“ bzw. „Verfassungs-Areopag“ beschworen (siehe ders., Grundrechte als Grundsatznormen, in: Der Staat 29 (1990), S. 1 ff., 25), B. Großfeld von „Götterdämmerung“ geschrieben (ders., Götterdämmerung? Zur Stellung des Bundesverfassungsgerichts, in: NJW 1995, S. 1719 ff.) andere haben den Autoritätsverlust des Gerichts beklagt. Politik, Publizistik und Volkesmeinung in Leserbriefen und Demonstrationen reagierten nach den sog. „Soldaten sind Mörder“-Entscheidungen (BVerfGE 86, 1 ff.; BVerfG, NJW 1994, 2943 ff.) und dem sog. Kruzifix-Beschluß des Ersten Senats noch viel schärfer. Frühere Kritiken sprachen vom „government of judges“, von „richterlicher Zensur“, von „richterlichem Veto“ oder ähnlichen Charakterisierungen (siehe m.w. N. die Zusammenstellung bei K. Stern, Verfassungsgerichtsbarkeit zwischen Recht und Politik, 1980, S. 17). 856 So auch R. Lhotta (2001). 857 Hier geht es primär um Variablen wie die Zahl der Richter, der Senate, der Assistenten, der Vorselektionsverfahren für Annahme / Ablehnung sowie Geschäftsordnungen, mit denen die Verfassungsgerichte institutionell auf die anfallenden Aufgaben reagieren.

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B. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung

den USA noch in den mit einer Verfassungsgerichtsbarkeit ausgestatteten europäischen Staaten erschöpfend nachweisbar. Zum anderen, inwieweit es nicht gerade die hochgradig konsensual und parteipolitisch sowie konkordanzdemokratisch geprägten Richterwahlverfahren sind, aus denen Verfassungsgerichte durchaus ihre Autorität und Akzeptanz ableiten können. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass Durchbrechungen des Konsensprinzips bei der Richterbestellung auch zu signifikanten Autoritätseinbußen sowie zu legitimitätsschwächenden Diskussionen um die Politisierung der Richter führen können – ein sowohl in Deutschland als auch in Österreich wohlbekanntes Phänomen. Der Supreme Court ist im Gegensatz etwa zum deutschen Bundesverfassungsgericht kein genuiner Verfassungsgerichtshof, der nur über Verfassungsrecht zu entscheiden hätte. Angelegt und von den Verfassungsvätern angedacht war er zunächst als reines Rechtsmittelgericht, sowohl gegenüber Rechtsstreitigkeiten, die vor den Bundesgerichten ausgetragen werden, wie auch gegenüber bestimmten Streitsachen, die ihren Ausgang vor den Einzelstaatsgerichten nehmen. 858 Die bereits benannte, in der Bundesverfassung vorgesehene erstinstanzliche Zuständigkeit fällt dagegen kaum nennenswert ins Gewicht. Wollte man nun eine Gewichtung der oben aufgezählten verfassungsgerichtlichen Kompetenzen vornehmen, so müßte die Befugnis zur inzidenten Normenkonrolle schon eine herausgehobene Stellung erhalten. Allein diese bedeutsame verfassungsgerichtliche Komponente gestattet es, den Supreme Court seit Marbury v. Madison primär als Verfassungsgericht anzusehen. Eine künftige Aufgabe der vergleichenden Forschung sollte es sein, die institutionellen Merkmale und Variablen zur Ermittlung des Einflusses von Verfassungsgerichten auch in ihren Unterschieden klarer herauszuarbeiten und besser aufeinander abzustimmen, um die zweifellos weiter notwendige Analyse von Entscheidungen der Verfassungsgerichte institutionentheoretisch rückzukoppeln und auf diese Weise mehr über den faktischen Wirkungsgrad und die Rolle der Verfassungsgerichte als maßgebliche Beteiligte am staatlichen und gesellschaftlichen Wandel zu erfahren.

858 Einen hohen praktischen Stellenwert für seine Funktion als Rechtsmittelgericht nehmen die die Appellationszuständigkeit begründenden Normen von 28 U.S.C. Section 1254 (von Bundesgerichten aus) bzw. Section 1257 (von Einzelstaatsgerichten aus) ein. Nach einer erheblichen Beschränkung des als „appeal“ bezeichneten Rechtsbehelfs durch den 1988 erlassenen Judicial Improvements and Access to Justice Act, biden die sogenannten „certiorari-Verfahren“ den bei weitem größten Teil der zum Supreme Court kommenden Verfahren. Dabei bittet die unterlegene Partei das Gericht in einer „petition for certiorari“, den Fall zur Entscheidung anzunehmen, vgl. hierzu auch C. Rau, Selbst entwickelte Grenzen in der Rechtsprechung des United States Supreme Court und des Bundesverfassungsgerichts, 1996, S. 17 f.

IV. Da die richterliche Unabhängigkeit die Gefahr mit sich bringt. Zätzsch. Die richterliche Unabhängigkeit und ihre Schranken. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 297 bb) Charakteristika selbständiger Verfassungsgerichtsbarkeit Darüber hinaus steht der amerikanische Supreme Court exemplarisch und pionierhaft für eine Anzahl charakteristischer Komponenten selbständiger Verfassungsgerichtsbarkeit. Kürzlich H. 465 ff. S. dass die Kontrolle der rechtsetzenden Tätigkeit vor allem der Parlamente durch die Verfassungsgerichte der neuralgische Punkt ausgewogener Balancierung zwischen Erster und Dritter Gewalt ist. sondern weit in das 19. je weniger die beiden anderen Staatsgewalten. Madison über den Kampf um das richterliche Prüfungsrecht auch in Deutschland. Das erfordert nicht nur eine formelle (kein Gericht darf zugleich Verwaltungsbehörde sein). Papier. Häberle. 859 Dazu zählt zum einen die Verfassungsorganqualität mit ihrer notwendigen textlichen Verankerung in der Verfassung (Art. Die unabdingbare Garantie richterlicher Unabhängigkeit ist dabei von besonderer Bedeutung. 1919. III der amerikanischen Bundesverfassung.J. Die Unabhängigkeit des Richters?. in: NJW 2001. Es wird naturgemäß vereinzelt Fehlurteile geben. S. ausführlich zum Themenkreis der richterlichen Unabhängigkeit in den Vereinigten Staaten J. zeigt es sich noch deutlicher: Die Richter haben einen (relativ) staatsfreien Lebensbereich im Sinne des Gewaltenteilungsprinzips zu sichern. Decker. Meyer-Anschütz. in: Deutsche Richterzeitung 1953. Dies belegt ein Blick auf die Geschichte der Verfassungsmäßigkeitsprüfung von Gesetzen seit Marbury v. Ein Bericht über den Internationalen RichterKongress in Rouen. Die Unabhängigkeit der Richter. S. sondern vor allem auch eine materielle. Europäische Verfassungslehre. 2006. Aufl. 2000. die Gesetzgebung und die Verwaltung. der im übrigen nicht erst mit der Reichsgerichtsentscheidung vom 4. 860 Sie wird umso wichtiger.und Strafrechts den Richtern zur Entscheidung zugewiesen sein. Ob sich wenigstens einige dieser Elemente zu „Prinzipien der Verfassungsgerichtsbarkeit“ erheben ließen. dass ein einmal in ein bedeutendes Amt vorge- . 736 ff. voneinander getrennt sind: Die politischen Parteien beherrschen Parlament und Regierung. Jahrhundert hineinreicht (zur Geschichte G. Die Entscheidungsqualität richterlicher Urteile ist aber durch die Unabhängigkeitsgarantie strukturell eine andere als jene der Verwaltungsbehörden. 4. Richterliche Unabhängigkeit und Richterauswahl in den USA und Deutschland. RGZ 111. Bereits früh in rechtsvergleichender Perspektive F. 7. „Beherrschen“ sie auch (ganz oder teilweise) die Medien. 860 Vgl. Lehrbuch des Deutschen Staatsrechts. 320) begann. 286 ff. Herrmann.). Seite 158 ff. 1089 ff. 862 Siehe auch J. November 1925 (vgl. S. in: Deutsche Richterzeitung 1982. wo eine Auflistung entscheidender Kompetenzen des Supreme Courts zu finden ist). um Schutz vor der staatlichen Willkür. sachliche Gewaltenteilung: so sollte ein ausreichender Kernbereich des Privat. 861 Es geht um Freiheitssicherung durch einen von der politischen Macht (möglichst) abgeschirmten Richter. 861 Im Kontext mit dem Grundsatz der Gewaltenteilung steht es außer Zweifel. Aufl. sei als (noch) offene Frage nur angedeutet. 862 859 Die folgende Aufzählung ist – auch bezüglich inhaltlicher Komponenten – angelehnt an eine Katalogisierung typischer Elemente der Verfassungsgerichtsbarkeit durch P.

S. Witteveen. 79. nötigenfalls zu gestalten. aber eben auch zu begrenzen weiß. Verfassungsgerichtsbarkeit hat damit notwendig eine politische Dimension. Grundsätzlich darf bei aller Richtigkeit gewisser „Legitimationsketten vom Volk zu den Staatsorganen“ (U. Scheuner. Häberle) nicht gänzlich außer Acht gelassen werden. 2006. Häberle betont zu Recht. Hieraus ergibt sich auch kein Konflikt zu der Aussage Häberles. P. 863 P.). nicht von diesem abgetrennt werden. oft schöpferische „Anwendung“ von „Gesetz und Recht“ aus.J. Roermund (Hrsg. 863 Sie zeichne sich vielmehr durch in ihren Methoden rational nachprüfbare. sondern wesentlich auf die Materie des „Politischen“ bezogen und wird auch in gewisser Hinsicht von daher bestimmt. inwieweit Verfassungsgerückter Richter dieses gegen die Demokratie missbrauchen kann. 1993. Häberle. das Politik und deren immanenten Prozess näher zu bestimmen. jedoch nicht zu verwechseln mit der ebenso hitzig geführten Debatte. 466. da diese Streitfragen ja nicht deswegen weniger oder keine „rechtliche Streitigkeiten“ sind. das den Begriff der „politischen Macht“ umgibt. W. Demzufolge sei als weiteres – der rationalen Rechtsprechungstätigkeit entwicklungslogisch folgendes – Merkmal selbständiger Verfassungsgerichtsbarkeit das Spannungsfeldbewußtsein der höchsten Gerichte hervorgehoben. Verfassungsrechtliche Streitigkeiten können durch ihre Nähe zum Spannungsfeld. Verfassungsrechtsprechung sei nicht „Politik“. P. diese einzig und allein nach rechtlichen Grundsätzen zu entscheiden. in: B. gerade nicht ein von politischen Aspekten abgetrennter Komplex zu sein.298 B. 79 ff. Ebenso ein Charakteristikum selbständiger Verfassungsgerichtsbarkeit ist die demokratische Legitimation des Verfassungsgerichts. v. The Symbolic Constitution. gibt es in vielen Staaten die Möglichkeit der Richteranklage. dass in der Regel ein vom Volk nicht direkt legitimiertes Gremium von Richtern eine Parlamentsentscheidung der gewählten Volksvertreter außer Kraft zu setzen vermag. Durch Anwendung und Interpretation des Verfassungsrechts wenden Verfassungsgerichte ein Rechtsgebiet an. Constitutional Review – Verfassungsgerichtsbarkeit – Constitutionele Toetsing: Theoretical and Comparative Perspectives. 864 Vgl. wenn sie ihre Aufgabe sachlich und ihrer Verantwortung entsprechend wahrnehmen will. Europäische Verfassungslehre. Aufl. Allerdings ist Verfassungsrecht nach seinem Gegenstand und seiner Zielsetzung nicht nur beiläufig. . Vernünftige Einwände hinsichtlich dieses „undemokratischen“ Vorgehens werden schon gerne mit dem Beschwörung des Verfassungsdokuments und der Bezugnahme auf die darin enthaltenen Grundsätze der Staatlichkeit weggewischt.. S. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Der Forderung nach einer unabhängigen Rechtsprechungstätigkeit steht die nach einer rationalen Entscheidungsfindung nahe. 4. Es ist daher umso eher ein Wesensmerkmal von Verfassungsgerichtsbarkeit. 864 Der Gesichtspunkt der demokratischen Legitimation ist im Hinblick auf seine tatsächliche Befolgung seit den Anfängen heftig umstritten. Vielmehr bleibt der Grundsatz bestehen.

865 Der Chief Justice wird vom Präsidenten alleine ernannt. in: StWissStPr 1993. der Senat muss sie bestätigen. Der Einfluß der Verfassungsgerichte auf die Gesetzgebung in Bund und Ländern. In der politischen Realität ist die Stimmabgabe durch dieses Kollegium jedoch zur reinen Formsache geworden. das 12. 1996. so entscheidet zwangsläufig allein der Gesetzgeber. 867 Vgl. Ist es aber eine Rechtsnorm. Interne Studien der Konrad Adenauer Stiftung Nr. auch W. S. einer spezifisch für die Rechtskontrolle eingerichteten Institution und nicht eines genuin politischen Organs. 867 aber auch wie bereits mehrfach angedeutet Wege zur Verfassungsentwicklung 868 ohne permanente Verfassungsänderung offenhalten. ein gedankliches „decrescendo“. lässt sich für die Legitimation verfassungsgerichtlicher Tätigkeit finden. d. wobei regelmäßig eine öffentliche Anhörung der Kandidaten stattfindet.H. Bei der Legitimationsfrage geht es darum. The Supreme Court. dass die Verfassung als oberste Norm die Ausübung aller Staatsgewalt bestimmt. 2 der Bundesverfassung). so ist es nur konsequent. ob sich Verfassungsgerichtsbarkeit in einer logischen. Verfassungsstabilität durch Verfassungsgerichtsbarkeit? Beobachtungen aus deutsch-amerikanischer Sicht. § 6 BVerfGG). 1987. Brugger. Verfassungsstabilität zu sichern. Die neun Richter des Supreme Court werden vom Präsidenten der Vereinigten Staaten nominiert (Art. Rehnquist. obwohl die Wahlpersonen in ihrer Stimmabgabe durch das gliedstaatliche Recht nur selten gebunden werden.). als alle parlamentarischen Kontrollmechanismen durch Mehrheitsbeschlüsse überwindbar sind. Sucht man nämlich nach der Rechtfertigung für den verfassungsgerichtlich geprägten Verfassungsstaat. Die Verfassungsmäßigkeitsprüfung würde allein bei ihm selbst ruhen. Stern (Hrsg. so ist sie zunächst darin zu erblicken. S. . Verfassungsgerichtsbarkeit soll dabei helfen. Dies aber ist solange bedenklich. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 299 richtsbarkeit per se „demokratisch“ ist. Aber auch ein anderer Ausgangspunkt. weil es kein Organ über ihm gibt. Stern. 865 Vgl. In den Vereinigten Staaten ist dies klarer gewährleistet als etwa in Deutschland (Ernennung durch Wahlmänner aus den Fraktionen des Bundestags. II § 2 par.H. W. Weshalb also ist die „Legitimationskette“ in den Vereinigten Staaten klarer? Die Bundesverfassung sieht für die Wahl des Präsidenten eigentlich eine indirekte Wahl durch ein vom Volk gewähltes Wahlpersonenkollegium (electoral college) vor (vgl. 235 ff.IV. das Verfassungsschranken überwacht. Justiz und Politik im demokratischen Rechtsstaat. dass die Interpretation und Wahrung dieses Rechts in die Hand eines Organs der rechtsprechenden Gewalt gelegt wird. Amendment). Sendler / K. die Richtschnur staatlichen Handelns ist. im „crescendo“ einander bedingenden Abfolge legitimierender Elemente vom Volk zu sich selbst als Staatsorgan wiederfindet. h. Klein / H. 319 ff. 866 Siehe auch K. 119/1996. How It Was – How It Is. da nach der Volkswahl der Wahlpersonen die zukünftigen Amtsinhaber praktisch bereits feststehen. in: H. 866 Ist keine Verfassungsgerichtsbarkeit vorhanden. ob er sich im Rahmen der Verfassung hält oder nicht.

Concurrences und Dissents können sich auch nur auf Teile einer Entscheidung beziehen. . Millgramm. 2006. der letztverbindlichen Interpretationszuständigkeit und dem Fehlen eines allgemein akzeptierten Kanons der Interpretationsmethoden. Beide stehen in der Tradition der aus der englischen Gerichtspraxis stammenden „seriatim opinions“. S. 59 ff. 162 ff. S. 1982. Verfassungsentwicklung. 1985. wie sich die Idee einer Verfassungsgerichtsbarkeit im demokratischen Staat überhaupt begründen lässt. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Das Prinzip Öffentlichkeit nennt P. nicht aber mit deren Begründung oder Herleitung überein. 317. ergibt sich – soviel an dieser Stelle – insbesondere aus der Verknüpfung von drei Eigentümlichkeiten: nämlich dem Prinzip des „Vorrangs der Verfassung“. rechtfertigen? Die Verfassung. der Gerichtssaal kann selbst bei „öffentlicher Verhandlung“ nicht als notwendiger Multiplikator einer kontroversen Entscheidungsfindung dienen. Hierzu tragen etwa neben der zu fordernden öffentlichen Entscheidungsverkündung gerade in den Vereinigten Staaten auch die oftmals mitveröffentlichten – und die Diskussion in der Wissenschaft wie in der Bevölkerung bereichernden – Sondervoten einzelner Richter bei. Wie kann man also ein Letztentscheidungsrecht der Gerichtsbarkeit in staatlichen Ordnungen. so schreibt er eine „dissenting opinion“ oder / und schließt sich der eines Kollegen an. Stabilität und Dynamik im Verfassungsrecht der Bundesrepublik Deutschland. Die Tragweite einer solchen Entscheidung reicht gewöhnlich über die unmittelbar am Verfahren Beteiligten hinaus. Aufl. 870 Heute ergehen nur noch wenige Entscheidungen des Supreme Courts einstimmig. in der er seine Rechtsauffasung darlegt. Bryde. Diese Fragestellung hängt eng mit der Problematik zusammen. 869 Siehe P. einzigartige Interpretationsmacht.300 B. die zumindestens auf dem Papier die Staatsgewalt dem „Volke“ oder den „people“ überlassen. Praxis und Geschichte der Sondervoten beim Supreme Court. K. zu Bedeutung. die nur allzu oft die Befindlichkeiten unterschiedlicher Rechtsverständnisse auch in der Bevölkerung wiederspiegelt. wurde bereits im Vorfeld von 1787 in den Gründungsstaaten der Vereinigten Staaten diskutiert und soll im Zuge einer Betrachtung ausgewählter spezifischer Eigenheiten der amerikanischen Entwicklung der Verfassungsgerichtsbarkeit und ihrer Ausstrahlungswirkung nicht unerwähnt bleiben. 870 Lediglich die Verkündung eines Urteils mit einer knappen Bemerkung zu den Mehrheitsverhältnissen innerhalb eines Gremiums kann nicht genügen. Die Frage des „Letztentscheidungsrechts“. S. 4. Die der Verfassungsgerichtsbarkeit innewohnende. die das Volk (als die Gesamtheit der Bürgerinnen und Bürger eines Landes) in der Regel über Kom868 Siehe B. um insbesondere bei höchstrichterlichen Entscheidungen das Öffentlichkeitserfordernis zu wahren. Europäische Verfassungslehre.-O. Separate Opinion und Sondervotum in der Rechtsprechung des Supreme Court of the United States und des Bundesverfassungsgerichts. Häberle zu Recht „tragendes Organisationsprinzip für Status und Verfahren der Verfassungsgerichtsbarkeit“ 869.-H. Stimmt ein Richter zwar mit dem Ergebnis der von einer Mehrheit getragenen Entscheidung. Ist er mit dem tatsächlichen Ergebnis nicht einverstanden. Häberle. Vgl. so verfasst er im Allgemeinen eine „concurring opinion“.

erfährt ihren besonderen Rang und Vorrang 871 aus der Vorgabe als normative Grundlage und verbindlicher Rahmen eben durch das Volk. S. 876 E. dass die Repräsentanten des Volkes über dem Volk selber. in: Der Staat 20 (1981). 64.. . Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 301 petenzen. 1989.“ d) Der EuGH als Verfassungsgericht. „Lapidarformeln“ hat Böckenförde – wohl im Bewusstsein. „die aus sich selbst heraus inhaltlicher Eindeutigkeiten weitgehend entbehren“ 876. and of which the judges are the guardians and protectors. 9 ff. a. Jahrhundert. Verfahren und Begrenzungen staatlicher Gewaltausübung (jedenfalls mit-)entscheiden lässt. Grundrechtstheorie und Grundrechtsinterpretation. die sich nicht wie die anderer Rechtsbereiche zum rechtsdogmatischen Interpretationsmonopol eigne. 873 Der „Vorabend“ der Bundesverfassung in den Vereinigten Staaten bot dabei bereits eine beachtliche Begründungsarbeit: im Jahre 1783 weist der Jurist J. sich selbst dem Vorwurf des lapidaren Vorgehens auszusetzen . 78 die weite Kompetenz der Verfassungsgerichtsbarkeit mit einem demokratischen Ansatz: „Wenn man leugne. allgemein R. 11 f. Vom Widerstandsrecht zur Verfassungsgerichtsbarkeit. and the constitution superior even to the Legislature. Die offene Gesellschaft der Verfassungsinterpreten. 297 ff. nichtig seien. Daher prägen oft erst die Interpretationen der Gerichte ihre (immanent stets gegebene) Bedeutung. wie man an der 871 Zum Vorrang der Verfassung u. 55 ff. Strukturfragen. Studien zur Begriffs.IV. Der Vorrang der Verfassung.W. 872 Dazu auch E. 872 Darin geht schlussendlich auch ein Wesensmerkmal der Gewaltenteilung auf. Verfassungsrechtsprechung Die Verfassungsrechtsprechung wird gelegentlich als eine „offene Gesellschaft“ dargestellt 875. Böckenförde. Stourzh. Eine wesentliche Rolle der Verfassungsgerichtsbarkeit ist demzufolge zunächst die des unabhängigen Moderators. Verfassungsgerichtsbarkeit. In neu gebildeten Staaten weisen sie der Institutionalisierung von Recht und Politik die Richtung.. Legitimation. Wahl. S. 1529 f. S. das die Verfassung beschlossen hat.und Institutionengeschichte des liberalen Verfassungsstaates. dass Gesetze. behaupte man. 875 So P. „where the law is superior to any or all individuals.. die der Verfassung widersprechen. Hamilton rechtfertigt im bereits benannten Federalist-Artikel Nr. stünden. S.W. 873 Auf der Grundlage der Unterscheidung von „pouvoir constituant“ und „pouvoirs constitués“. in: ders. in: NJW 1999. Wege zur Grundrechtsdemokratie. Iredell aus North-Carolina auf eine Republik hin. in: Juristenzeitung 1975. Häberle. Zum Problem der Verfassungswidrigkeit im 18. 874 Das Zitat findet sich bei G. in: NJW 27 (1974). aber insbesondere Bewahrers des Ranges und der Funktionen der Verfassung mit dem Auftrag den in ihr verbrieften Rechten und Verfahren Geltung zu verschaffen. Organisation.“ 874 Und A. 485 ff. Böckenförde.die Grundrechtsbestimmungen des Grundgesetzes wie auch anderer rechtstaatlicher Verfassungen genannt. S.

Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Priorität erkennen kann. 694 f. die allgemeine Diskussionsbereitschaft zu bereichern wissen 878. 143ff. 1996. um seine Bestimmung als Versicherung und Triebfeder Europas zu akzentuieren. Videant Judices! – Zur aktuellen Kritik am Bundesverfassungsgericht. 1999.f)nn).302 B. Obgleich diese anfänglich eher historisch ausgerichtet und klar vom Vorrang und der Lückenlosigkeit des gesetzten Rechts. Blankenburg. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte auf dem Weg zu einem europäischen Verfassungsgerichtshof. hinsichtlich der gesteigerten Kritik am Bundesverfassungsgericht: H.. zunehmend zu polarisieren. Grundsätzlich fand die französische Gerichtsbarkeit einen starken Widerhall in der europäischen Verfassungsgerichtsbarkeit. S. beeinflusst waren. So sehr sich Wissenschaft und Politik um einen europäischen Verfassungsbegriff müh(t)en 879. P. vgl.J. der darauf verweist. so beträchtlich ist der Bedarf einer weitergehenden. . Weidmann.W. 1303 ff.. 877 Den Verfassungsgerichten kommt hierbei eine besondere Rolle zu. siehe auch Benthem vs Staat der Nederlande. die Verfassungsgerichten in den nach 1990 glücklich „gewendeten“ Staaten rund um das zerfallene Sowjetreich oder auch in Südafrika zuerkannt wird. Zur Demontage des Bundesverfassungsgerichts. Acht an die Macht! Das BVerfG als Reparaturbetrieb des Parlamentarismus?. Müller-Graff / H. 58 ff. 877 In den Niederlanden wird hingegen der politische Test an der Verfassung eher politischen Institutionen (einschließlich dem „politisch-rechtlichen Halbblut“. nachdem ihre Entscheidungen. S. Roth (Hrsg. in: NJW 1999. Dabei ist in besonderem Maße die formale Prägung durch gewisse Auslegungsmethoden und Stilelemente spürbar. Über die Auslegungsmethoden des Gerichtshofs der Europäischen Gemeinschaft (1998). 1997. aber K. Buck. DÖV 1978. stabilisierender Baustein der Brücke zwischen europäischem Bürger und europäischen Institutionen wäre mit einer Betonung der verfassungsgerichtlichen Elemente der europäischen Gerichtsbarkeit gesetzt. gewiss nicht ohne Zutun einer veränderten Medienlandschaft. Dabei verursacht der EuGH. auch E. Vgl. 101 ff.2. 879 Dazu oben B. R. wird an dieser Stelle verzichtet. R. dem Raad van State) überlassen. wahrnehmbaren Konturierung des EuGH (auch) als Verfassungsgericht 880. 665ff. Die Verfassungsbeschwerde – politisches Instrument und Klagemauer von Bürgern.II. Europäische Menschengerichtsbarkeit. H.. Ein erster. in: P.-C. außer bei den unmittelbar am Verfahren Beteiligten. Die Praxis des Richterberufs. Die Herrschaft der Richter im Recht ohne Staat. S. 1985. des Code Napoleon. S. Schneider. dazu auch C. noch weitaus geringere Empfindungen als die höchsten Gerichte einiger Staaten. 119 ff. Vogel. sie muss sich dann gelegentlich von europäischen Richtern vorhalten lassen. dass ihre Institutionen nicht den inzwischen normierten Vorstellungen von Rechtsstaatlichkeit oder Grundrechtsverwirklichung entsprechen“. Pernthaler. S.P. 691 ff. dass „[e]ine an sich selbst gewöhnte Demokratie wie etwa die der Niederlande bislang an jegliche richterliche Kontrolle der Gesetze an der Verfassung verzichten zu können [glaubt]. 880 Auf eine eingehendere Darstellung des zweiten „europäischen Verfassungsgerichts“. EGMR 23 Oktober 1985. vgl. Bernhardt. Lamprecht.). vgl. dem EGMR. was auch mit einer dort gewachsenen Verfassungs-Identifikation und -Sensibilität zusammenhängen mag. JBl 2000. 878 Beispielhaft das gesteigerte öffentliche Interesse in Deutschland. das durch sozial relevante und kontroverse Entscheidungen und Beschlüsse des Bundesverfassungsgerichtes geweckt wurde.

Rechtswahrung und Rechtsschutz nach Amsterdam – Zu den neuen Zuständigkeiten des EuGH. Mager. in: AöR 125 (2000).. in: JZ 1998. 4. zum EuGH: J. P.IV. M. 1817 ff. S. Wolf-Niedermaier. The European Court of Justice and the European economic Constitution. 2006. Maduro. G. Der Europäische Gerichtshof als Verfassungsgericht und Rechtsschutzinstanz. Dem Gerichtshof kommt nach den Gemeinschaftsverträgen eine starke Rolle als „Hüter des Gemeinschaftsrechts“ zu. S. Die Herrschaft der Richter im Recht ohne Staat. Diese ergeben sich insbesondere aus der besonderen Fragilität des föderalen Gleichgewichts in der Europäischen Union. 1983. Europäische Verfassungslehre.P. Der Europäische Gerichtshof zwischen Recht und Politik. W. Hirsch. Das Erfordernis föderaler Unparteilichkeit kann allerdings auch in Widerspruch zur Rolle des EuGH bei der Fortentwicklung des Gemeinschaftsrechts treten.. Schwarze. aa) Das Rollengeflecht des EuGH Trotz der grundsätzlichen Vergleichbarkeit der Funktionen der Gerichtsbarkeit in staatlichen Ordnungen und in der Europäischen Union ist die Rolle des EuGH jedoch auch von vielen Besonderheiten gekennzeichnet... Der Europäische Gerichtshof als Förderer und Hüter der Integration. 691 ff. Der Gerichtshof muss hier die Rolle eines Schiedsrichters zwischen der Gemeinschaft und den Mitgliedstaaten einnehmen. 1998. Bedingt durch diese Komplexität sowie die zunehmende Dynamik des europäischen Integrationsprozesses ist die Bestimmung der angemessenen Rolle der dritten Gewalt in der Europäischen Union mit noch größeren Schwierigkeiten verbunden als in staatlichen Herrschaftssystemen. Insbesondere hat er wesentlich zum Ausbau der Gemeinschaft als „Rechtsgemeinschaft“ beigetragen. das stets besonders im Blickfeld des Gerichtshofs steht. 1998. S.G. Auf diesem Gebiet hat der EuGH durch seine Rechtsprechung die Entstehung eines hoch effizienten Systems zur Sicherung 881 Aus der uferlosen Lit. S. 1997. Ursprung und Legitimation der rechtsgestaltenden Funktionen des EuGH.). 1988. . Die dritte Gewalt wird in der Europäischen Union durch den EuGH 881 sowie das ihm beigeordnete Gericht erster Instanz (EuG) ausgeübt. Aufl. 478 ff. Dieser Funktion kommt nach wie vor eine hohe Bedeutung für die Funktionsfähigkeit des föderalen Gefüges der Europäischen Union zu. S. In Ausführung dieser ihm übertragenen Aufgabe hat der Gerichtshof über Jahrzehnte eine bestimmende Rolle im Integrationprozess innegehabt. vgl. Der EuGH im Spannungsfeld zwischen Gemeinschaftsrecht und nationalem Recht. Verfassungsrecht und Verfassungsgerichtsbarkeit im Zeichen Europas. Häberle. Schwarze (Hrsg. We the Court. Gemeinschaftsgericht und Verfassungsgericht – rechtsvergleichende Aspekte. Eine weitere wesentliche Aufgabe des Gerichtshofs liegt in der Sicherung der Einheit des Gemeinschaftsrechts. 161 ff. Graf Vitzthum. Saner. G. O. P. Pernthaler. Dörr / U. in: NJW 2000. in: Juristische Blätter 2000. auch den Sammelband von J. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 303 Schon bislang war das interne Gewaltengefüge der Europäischen Union durch ein hohes Maß an Komplexität gekennzeichnet. A. 386 ff.

Einige Verfassungsgerichte in Mitgliedstaaten der Europäischen Union könnten bereits für sich in Anspruch nehmen. Die Ausarbeitung eines eigenständigen Grundrechtskatalogs könnte auch eine Stärkung des EuGH bedeuten. 372 ff. Rdnrn. Diese Aufgabe wird mit der zunehmenden Vertiefung der Integration und ihrem Vordringen in grundrechtsrelevante Bereiche noch an Bedeutung gewinnen.304 B. 2. Der EuGH hat auf diesen Wandel mit seiner Rechtsprechung sensibel reagiert. „Europäische Verfassungsgerichte“ zu sein – den Vertragszielen und dem großen Ziel einer tatsächlich europäischen Gemeinschaft verpflichtet und damit gelegentlich einem europäischen Verfassungsrecht näher als vielleicht der EuGH selbst erscheint.und Vollstreckungsübereinkommen in Zivil. Dem EuGH obliegt zudem die Wahrung des institutionellen Gleichgewichts in der Europäischen Union. ob der Gerichtshof heute noch vorrangig als „Motor der Integration“ angesehen werden kann.. aber auch zivilrechtliche und zivilprozessuale Zuständigkeiten 882 882 Zivilprozessualer Art sind die Zuständigkeiten des EuGH nach dem Europäischen Gerichtsstands.und Handelssachen (EuGVÜ) von 1968. dass die Wahrung der institutionellen Balance als Aufgabe des Gerichtshofs in Zukunft noch an Bedeutung gewinnen wird. Es ist jedoch durchaus fraglich. geschildert. Aufl 1999. Es ist zu erwarten. Dem Gerichtshof ist der Schutz der Rechte des Einzelnen gegenüber den Organen der Gemeinschaft anvertraut. Durch etwaige (weitere) Reformen darf jedoch der Grundsatz der einheitlichen Anwendung und Auslegung des Gemeinschaftsrechts im gesamten Vertragsgebiet nicht gefährdet werden. Europarecht. ob auch die verfahrensrechtlichen Möglichkeiten für Individualrechtssschutz ausreichend sind. Die unterschiedlichen Aufgabenbereiche werden ausführlich von T. Lange Zeit wurde die Förderung des Integrationsprozesses als eine wesentliche vom EuGH wahrgenommene Funktion angesehen. 709 ff. Nun geht der Aufgabenbereich des EuGH über den allgemeinen Bereich der Verfassungsgerichtsbarkeit hinaus. indem er – wie erwähnt – verwaltungsgerichtliche Elemente.w. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung der einheitlichen Anwendung und Auslegung des Gemeinschaftsrechts gefördert. Oppermann. Zwar gehört die Fortentwicklung der Rechtsordnung seit jeher zur Aufgabe der Rechtsprechung in gewaltenteiligen Systemen. N. Das institutionelle Gleichgewicht ist mit dem Prozess der Demokratisierung der Union und der damit verbundenen Bedeutungszunahme des Europäischen Parlaments noch komplexer geworden. . m. Gerade dieses System ist allerdings stets in seinen Funktionsvoraussetzungen durch die gleichzeitigen Prozesse von Vertiefung und Erweiterung gefährdet. Fraglich ist allerdings. Vom Motor der Integration wird der EuGH vorrangig zum Hüter der Rechtsgemeinschaft. Dies ist insbesondere außerhalb des Anwendungsbereichs der Gemeinschaftsverträge problematisch. Diese Aufgabe steht jedoch unter dem Vorbehalt der Wahrung der Verantwortungsspielräume der anderen Gewalten. Mit der zunehmenden Demokratisierung und Politisierung des Europäischen Integrationsprozesses haben sich hier auch die Spielräume für den Gerichtshof verengt.

Rechtsstaat zwischen Sozialgestaltung und Rechtsschutz. Schermers. in: B. 3 f. in: 32 CMLRev. F. Curtin / D. Einführung und Problemaufriß. 885 W. S. Rösler. 110. Dublin 1992. S. Constitutional Adjucation in European Community and National Law. in: Eur. 487 ff. „Taking Rights Seriously“ Seriously: The European Court and its Fundamental Rights Jurisprudence.). 382. 1983. Dordrecht 1994. S. in: D.). Schwarze. 136 ff. 20 f. Lockhart. 426 ff. Zur Zukunft des Gerichtssystems der EU. Art. (1995). II. seit 1958 ist er laut Art.. 886 Siehe hierzu J. war bereits im unterschiedlichen Kontext Gegenstand mancher rechtswissenschaftlichen Untersuchung 886.IV. Die Fragestellung. 51ff. J. Schwarze.)... J. 59 ff.“ 885 Lässt sich Hallsteins Ehrgeiz in heutiger Betrachtung nach aristotelischer Unterscheidung als unmäßig oder maßvoll und vernünftig einordnen? Gab oder gibt es tatsächlich übergreifende Entwicklungstendenzen des EuGH zum „Supreme Court“ Europas oder verlässt der EuGH bereits abgetretene Pfade hin zu einem „Verfassungsgericht eigener Natur“? Aufhellung könnte ein aktueller Vergleich mit genanntem US-amerikanischen Supreme Court bringen. Weiler / N. Institutional Dynamics of European Integration. The European Court of Justice: Taking Rights Seriously?. in: 29 CMLRev. S. EGV. O’Neill. H. 56. J. 1979. unter dessen Führung die urkundlich kaum skizzierte Verfassung der Vereinigten Staaten in der Gerichtspraxis Inhalt und Festigkeit gewann. Freilich wurde dieser Begriff im europäischen Zusammenhang bereits sehr früh geprägt: W. Essays in Honour of Henry G. Heukels (eds. S. S. Jedoch sind im gemeinschaftsrechtlichen Zusammenhang bislang kaum Ansätze erkennbar. in883 So etwa T. Die Europäische Gemeinschaft. Public Law 1999. Hallstein. des Abkommens über gemeinsame Organe für die Europäischen Gemeinschaften vom 25.). J. S. 220 ff. in: D. Oppermann (1999). 884 Von 1952 –1957 war der EuGH zunächst Gerichtshof der EGKS. Manche sprechen angesichts dieser Multifunktionalität bereits vom EuGH als „Supreme Court“ Europas 883.. EAGV. The Procedural Guarantees in the Recent Case-law of the European Court of Justice. 1993.H. Bender (Hrsg. nennt den EuGH „Universalgericht“. schwebte uns ein ehrgeiziger Gedanke vor: die Verfassungsstruktur der Gemeinschaft mit einem obersten Gericht zu krönen. Curtin / T. S. 294. 669 ff. 1957 i. (Hrsg. Hallstein hat 1970 im Rückblick auf die Grundlegung des EuGH 884 illustriert: „Als wir den Europäischen Gerichtshof schufen. in: ders. EGKSV gemeinsamer Gerichtshof der drei Gemeinschaften. Is the Court of Justice of the European Communities a Constitutional Court?. Rdnr. Der Europäische Gerichtshof als Verfassungsgericht und Rechtsschutzinstanz. The Role of the European Court of Justice as Federal Constitutional Court. m. 5. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 305 auf sich vereint. Coppel / A. insbesondere und gerade im Hinblick auf eine verfassungsgerichtliche Methodik des EuGH. 52 ff.. Zur Funktion des Gerichtshofs der Europäischen Gemeinschaften als Verwaltungsgericht.H. in: ZRP 2000. Festschrift für Konrad Redeker. (1992). Jacobs.V. Everling. U. 31 ff. . O‘Keeffe (eds. Aufl. welche Elemente einer europäischen Verfassungsgerichtsbarkeit überhaupt innewohnen (müssten) und worauf diese weniger theoretisch-dogmatisch als institutionell beruhen (sollten). Der Europäische Gerichtshof als Verfassungsgericht und Rechtsschutzinstanz.. das im vollen Sinn des Wortes Verfassungsorgan war. 293 ff. einem Gericht wie der amerikanische Supreme Court in seiner glänzenden Zeit unter dem Chief Justice John Marshall. Rinze. 3. Vol.

Die zunehmend energischer vorgebrachte Feststellung. im Sinne des lateinischen conservare. Eine diesbezügliche Betrachtung der Methodik hat folglich den Blickwinkel methodischer Instrumente einzubeziehen.htm). soweit sich die Erfahrungen einer konstruktiven Rezeption zuführen lassen.int/de/pres/persp. Auch hier treffen sich Konservative und Moderne. wobei neben jeweils originären Merkmalen auch die Übertragbarkeit gewisser traditioneller theoretischer. deren Existenz unbestritten. S. Dezentralisierung des Gerichtssystems der Europäischen Union?. methodische Ansatzpunkte für eine „europäische“ Theorie der Verfassungsgerichtsbarkeit erkennen zu lassen. Hirsch. S.curia. Verfassungsgerichte können über die allgemeinen.. 888 Dies gilt auch für das von der Debatte um eine Grundrechtsbe887 Mit Hilfe „transatlantischer Rechtsvergleichung“ könnte der Versuch unternommen werden. 53 ff. Die erhaltenden und innovativen Komponenten höchstrichterlichen Handelns finden gerade hierin ihren Niederschlag. Dazu G. kann eben bereits mittels einer Analyse seiner verfassungsgerichtlichen Methodik bekräftigt werden. das die Forderung nach institutionellen Reformen zum Inhalt hat. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung wieweit gerade die amerikanische Verfassungstheorie im Rahmen struktureller Gemeinsamkeiten und trotz bestehender Unterschiede Anhaltspunkte für ein stabiles Modell europäischer Verfassungsgerichtsbarkeit bieten könnte oder bereits geboten hat. und „Moderne“ zum Inhalt und zur Leitlinie haben. Der EuGH selbst hat 1999 ein Reflexionspapier veröffentlicht (www.eu. H. Die amerikanische Fasson der Verfassungsgerichtsbarkeit kann einem fruchtbaren Rechtsvergleich dienen. Im Übrigen ergeben sich aus dem Verfassungsvertrag unmittelbar kaum Veränderungen für die Rolle des EuGH als (einem der) Hüter der europäischen Verfassung. der EuGH sei (auch) ein europäisches Verfassungsgericht. dogmatischer und organisatorischer Grundlagen der Verfassungsgerichtsbarkeit auf die europäische Wirklichkeit zu untersuchen wäre. 887 Eine Gegenüberstellung beider Gerichtshöfe sollte aber den oben angeführten Grundgedanken der Verflechtung von „Konservative“. offensichtlichen Funktionen hinaus zwei Bestimmungen erfahren.306 B. Angesichts des Vorbildcharakters der amerikanischen Verfassung für eine Vielzahl europäischer Verfassungen liegt für die Europäische Union neben einem Vergleich des jeweiligen Verfassungsverständnisses eben auch eine Gegenüberstellung der höchsten Gerichte nahe. tatsächlich aber verschmolzen durch das belastungsfähige Band der inneren Bedingtheit. Hallstein selbst deutet mit besagtem Zitat bereits Sockel und Artefakt im Gesamtkunstwerk gelungener Verfassungsgerichtsbarkeit an: Verfassungsinterpretation und Verfassunggebung. 57 ff. nur vordergründig ein Paradoxon. Basierend auf der theoretischen Diskussion ließe sich zudem die etwaige Möglichkeit zur Adaption zukunftsfähiger institutioneller Charakteristika analysieren. deren Wahrnehmbarkeit in der Öffentlichkeit hingegen begrenzt ist: die Verknüpfung des Schöpferischen mit dem Element des Bewahrens. in: ZRP 2000. . die diesen gedanklichen „Treffpunkt“ mit Leben erfüllen. Rösler (2000).

1992): „Die Rolle des Gerichtshofes als sogenannter ‚Motor der Integration‘ soll nicht seiner Rolle als ‚Hüter der Gemeinschaftsverfassung‘ gegenüber gestellt werden. Offen ist indessen. die justizfreie Räume insgesamt verringern werden. Siehe auch K. dass die Entscheidungen der Regierungskonferenz über das institutionelle System in ihren Folgen nicht ohne weiteres überschaubar sind. Es handelt sich vielmehr um einen Bestandteil seiner Rolle als Hüter der Gemeinschaftsverfassung“. Art. Dreier / F. 411 ff. 2006. Die jetzige Änderung von Art. Wer soll Hüter der Europäischen Verfassung sein?. Hesse. die die Rolle der Kommission schwächen. das der noch zu entscheidenden Auslegung eines Urteils des Gerichtshofes vorzugreifen versuchte. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 307 schwerde übrig gebliebene Mehr an Individualrechtsschutz in Art. L des Unionsvertrages vermuten: In dem eben genannten Beitrag hatte Rodriguez Iglesias seine Verwunderung darüber ausgedrückt.IV. F. Häberle. Dies hängt nicht nur damit zusammen. 20. In diesem Kontext interessant: die dem Richteramt angemessene Zurückhaltung schloß manches deutliche Wort in den Arbeiten etwa von G. Prinzipien der Verfassungsinterpretation 889 oder möglicherweise einmal solche der Verfassungsgerichtsbarkeit. L im Vertrag von Amsterdam übertrug dem EuGH ziemlich genau jene Jurisdiktion hinsichtlich Art. ders. in: AöR 129 (2004). Die Verschiebungen im institutionellen Gefüge sind in ihren Folgen derzeit noch nicht prognostizierbar. So schrieb er in einem Artikel über den Gerichtshof als Verfassungsgericht (vgl. Den genannten Problemkreisen liegt dabei eine gemeinsame Fragestellung zugrunde. 889 P. Mayer. L des Maastrichter Vertrages dem Gerichtshof die Rechtsprechungsbefugnis über Art. Der Gerichtshof der Europäischen Gemeinschaften als Verfassungsgericht. 1999).. mag man aufgrund der im Amsterdamer Vertrag vorgenommenen Änderung des Art. 4. Dass die mit aller gebotenen Zurückhaltung eines amtierenden Richters geäußerte Auffassung auch Wirkung haben kann.. R. dass Art. F des Maastrichter Vertrages – der Grundrechtsschutzartikel – zwar eine vertragliche und damit verfassungsrechtliche Bestätigung der Rechtsprechung des Gerichtshofes darstellt. Schwegmann (Hrsg. Grundzüge des Verfassungsrechts der Bundesrepublik Deutschland. F aber vorenthielt. Probleme der Verfassungsinterpretation. S. die wiederum spiegelbildlich moderne und konservative Ansatzpunkte zu reflektieren weiß: Wie wirkt sich der Entwicklungsgrad einer Verfassung auf das (Selbst-)Verständnis von Verfassungsgerichtsbarkeit aus? Höchstrichterliches 888 Ausführlich etwa F. wie Veränderungen im institutionellen Gefüge. S. 1976. Rodriguez Iglesias zur Rolle und zum Selbstverständnis des Gerichtshofes dennoch nicht aus. Auflage 1995 (Neudr. die Rodriguez Iglesias damals als notwendig und systemgerecht beschrieben hatte. zuweilen auch dessen Statik. Die europäische wie die amerikanische Verfassungslehre beruft sich gemeinhin auf Prinzipien innerhalb methodischer und dogmatischer Untersuchungen. Positiv dürften sich die Aufhebung der Säulenstruktur und die Angleichung der Rechtsformen auswirken. III-365 VerfV. S.C. An anderer Stelle kritisierte er in unmissverständlicher Weise das dem Maastricht-Vertrag beigefügte sogenannte „Barber-Protokoll“. 19 ff. Prinzipien dienen dabei der Ummantelung eines Gedankengerüstes. seien es Verfassungsprinzipien. Aufl.C. 258 ff.). auf den EuGH rückwirken. Europäische Verfassungslehre. als Eingriff seitens des Verfassungsgebers in die auch in der Gemeinschaftsordnung herrschende Gewaltenteilung. .

Vgl. Zum Satz „More Powerful Than Intended“ vgl. S. Explaining National Court Acceptance of European Court Jurisprudence. Fernerhin hat in diese Überlegungen der Gedanke einzufließen. 891 Aufgrund seiner „expansiven“ Rolle geriet er zunehmend unter den Zwang der Rechtfertigung. Slaughter / A. optimistischere Betrachtung nahe? bb) Der EuGH als „Motor der europäischen Integration“? Die Rechtsprechung des EuGH erwies sich letztlich als „more powerful than intended“.“ U. Dänzer-Vanotti.H. Lenaerts. den gleichlautenden Aufsatz in der Financial Times vom 22. in: O. in: Journal of Common Market Studies 31 (1993). 227. Journey to an Unknown Destination. 1 ff. Legt aber nicht gerade die Einzigartigkeit gemeineuropäischer Rechts.. Häberle)!) nahe liegen könnte. in: A. Everling).). Wenigstens unter dem Blickwinkel eines gewohnten.“. Lutter / J. und V. S. Alter. Der Europäische Gerichtshof zwischen Rechtsprechung und Rechtsetzung. je nachdem ob es sich aktiv an einer Entwicklung oder einer Fort-Entwicklung beteiligt. Festschrift für Ulrich Everling. Der US-Supreme Court hat mit zahlreichen Entscheidungen die Möglichkeit vor Augen geführt. W.. S. The Work of the Court of Justice of the European Communities in European Political Integration. A Critical Evaluation of Theories of Legal Integration. The European Court and National Courts.II. 205ff. Für viele (gleichwohl nicht unumstritten) ist der EuGH ein „Motor der europäischen Integration“ (U. was angesichts der Vertragsstruktur der Europäischen Union bzw. illustriert. der antreibt. 1995. Due / M. Kap.H. nicht aber seine Richtung bestimmt. Siehe auch K. Political Integration by Jurisprudence. 1998. 227 ff. Schaffenskraft mit Erhaltungswillen in Einklang gebracht zu haben.und Verfassungskultur wie auch ihre praktische Umsetzung eine differenzierte. S.W. 1969.-M. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Auftreten kann durchaus unterschiedliche Ausprägungen zur Folge haben. in: Yearbook of European Law 12 (1992). Weiler (Hrsg.H.308 B. Verfassungsgerichtsbarkeit in den Vereinigten Staaten von Amerika und in Europa. Weiler.J. J. Doctrine and Jurisprudence. einzelstaatlich geprägten Verständnisses von Verfassung und Verfassungsgerichtsbarkeit. schon A. A Retrospective and Prospective of the European Court of Justice in the Arena of Political Integration. August 1974. Während allein eine weitgehend unabhängige Rechtsprechung der obersten Gerichte bereits tragendes Fundament abendländischer und amerikanischer Rechtskultur ist. Some Thoughts about the Interaction between Judges and Politicians in the European Community. Band 1. StoneSweet / J. VII: „The court builds a system of community law. Zum Begriff „Motor .. Schwarze (Hrsg. Gemeinschaften (aber auch aufgrund eines „Ensembles von Teilverfassungen“ (P.). 891 890 . 892 Wird vor diesem Hintergrund die „ever closer union“ Dieser Zusammenhang wird unten in B. 417 ff. Green. K. 890 Im europäischen Kontext ist diesbezüglich auch dem Entwicklungsstand einer europäischen Verfassung Rechnung zu tragen. 892 Vgl.H. Everling. befindet sich die Europäische Union also noch scheinbar im verfassungsgerichtlichen Konsolidierungsprozess. ob Verfassungsgerichtsbarkeit selbst gänzlich ohne Verfassung im hergebrachten Sinne existieren könnte. Legal Change in its Social Context.

Anweiler. 213 ff. K. The Transfomation of Europe. in: Yale Law Journal 100 (1991). Schultz / C. siehe auch ders.F. 3. in: Common Market Law Review 26 (1989). Randelzhofer / R. Rupp.. 398 f. Everling. The Community System. 213 ff. The European Court’s Political Power. 267 ff. The European Communities. de Witte. Paris 1996. Supranational Policy-Making. vgl. The Emergence of an Authoritative International Court in the European Union. Die Legitimitätsprobleme des Europäischen Gerichtshofes und die Auswirkungen auf seine institutionelle Autonomie. Europäische Grundrechtsperspektiven. S. sondern als „besonderes Verdienst“ 893 und als Ausgangspunkt für einen „normative supranationalism“.. ja.. S. 595 ff. Pfahl / E. On Law and Policy in the European Court of Justice. S. 1986. M. Institutionelle Herausforderungen im Neuen Europa.. 398 ff. 896 Nahezu zeitgleich legte die britische Regierung ihr Memorandum zur sogenannten „korrigierenden Kodifikation“ europäischen Die Zukunft der europäischen Gerichtsbarkeit in einer erweiterten Europäischen Union.H.. in: West-European Politics 15 (1992). Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 309 als begrüßenswert erachtet. Weiler. Alter. G.H. S. fällt die Beurteilung der richterlichen Tätigkeit entsprechend günstig aus.. 1ff. S. 109 ff. Zur Bedeutung des EuGH als Motor der Integration C.H. The Transfomation of Europe. Quelles réformes pour l’Europe de demain?. Sell (Hrsg. in: B. Ehlermann. Rapport d’information no 1939. Zeitgleich unternahmen die Mitgliedstaaten mit der Verabschiedung der Einheitlichen Europäischen Akte den Versuch.). Community Law and National Constitutional Values. Scholz / D. 73 f. 1997. 132 f.H. Bahlmann.. H. 17 ff..H. 896 Assemblée Nationale. S. in: S. 894 J. in: A. 893 So K. a. in: Legal Issues of European Integration (1991/92).. 218. 109. deren Kompetenzen an sich gerissen zu haben. Mancini.. dies. verlorenes Terrain gegenüber dem EuGH zurückzugewinnen.L. S. 894 Die Kritik am EuGH nahm in den neunziger Jahren zu. Volcansek. 895 Die französische Nationalversammlung beklagte in einer Erklärung wortreich die ausgedehnte Kompetenzanmaßung des EuGH. Weiler. Rasmussen. 21 ff. Festschrift für Karl Carstens zum 70. 1998. S. 215.).. 57 ff. in: International Organization 52 (1998). 24. Rasmussen dem EuGH vorgeworfen. 1. S. 1995. Wilke (Hrsg. Gedächtnisschrift für Eberhard Grabitz. Ausschaltung des Bundesverfassungsgerichts durch den Amsterdamer Vertrag?. 2403 ff. Die Auslegungsmethoden des Gerichtshofs der Europäischen Gemeinschaften. in: JuristenZeitung 53 (1998).-D..IV. The Making of a Constitution for Europe. Geburtstag. its Law and Lawyers. 458 ff.. in: Europarecht 32 (1997). 121 ff. S. Börner u. In diesem Fall gilt die normschöpfende Rechtsprechung nicht lediglich als Usurpation politischer Vorrechte. U. 1984.J. in: Yale Law Journal 100 (1991). Bundesverfassungsgericht und Gerichtshof der Europäischen Gemeinschaften nach dem Maastricht-Urteil. (Hrsg. Matthes / K. in: West European Politics 19 (1996). in: Yearbook of European Law (1981). S. Demgegenüber hat H. . B. in: Common Market Law Review 29 (1992). ohne demokratisches Mandat weit außerhalb der vertraglichen Ermächtigung zu agieren und dabei die erkennbaren Absichten der Mitgliedstaaten ignoriert. J.. S. 2403 ff. The European Court of Justice... Wirkung und Anpassung. in: AöR 123 (1998). Die Mitwirkung der deutschen Länder und der belgischen Regionen an EG-Entscheidungen. 462. Legitimität. 19. 57 ff. Einigkeit und Recht und Freiheit. The Dual Character of Supranationalism. Rasmussens Kritik ist auf fruchtbaren Boden gefallen. S. 24. J. Eine rechtsvergleichende Untersuchung am Beispiel der Umweltpolitik. H. S. E. Who Are the „Masters of the Treaty“? European Governments and the European Court of Justice.).. 895 Aus der Lit. S. S. Schultz. Roller. S. G.

merkte kritisch an: „Der Gerichtshof nimmt seine Rolle als Schutzmann in Europa nicht wahr. 901 897 Memorandum des Vereinigten Königreichs über den Europäischen Gerichtshof vom 23. Obwexer. 155 (Maastricht-Entscheidung). in: Der Staat 35 (1996).“ Das Gericht bezieht sich auf Art. Das war aber allem Anschein nach im Lauf der Jahre angesichts der Spruchpraxis des EuGH unkenntlich geworden. Protokoll des Tages). 9. T. „In der Unterwelt der Ausschüsse“. Urteile des EuGH durch die heimische Gesetzgebung zu korrigieren.C. Tabakwerbeverbot). e. 7. als sei diese erst mit diesem Artikel normiert worden. nicht als „neutraler Richter“. 899 ff. dass er dem Gemeinschaftsgesetzgeber eine allgemeine Kompetenz zur Regelung des Binnenmarktes gewähre. dass die Gemeinschaft jenseits ihrer Ermächtigung agiert habe.310 B. das Amtl. Art. Weiler. wenn sie ihre Kompetenzen überschreitet. Schäuble. 189 ff. weil er nicht als Hüter der nach dem Prinzip der begrenzten Einzelermächtigung konstruierten Kompetenzordnung der Gemeinschaft erschien. beileibe kein Kritiker der europäischen Integration (wenngleich auch selten das Florett diplomatischer Differenzierung führend). Das Vereinigte Königreich strebte an. Hummer / W. Die Ermächtigung der Europäischen Union und ihrer Gemeinschaften. Er sagt nicht nein zur Union. sondern als das „Integrationsorgan der Europäischen Union“. widerspräche nicht nur dem Wortlaut der genannten Bestimmungen.. C-378/98 Deutschland v. 301 ff. S.H. Selbst J.H. Anlage.. Juli 1996. 83 ausgeführte Begründung: „Diesen Artikel [i. 898 So etwa W. 901 Vgl.. Dabei war diese seit jeher das vorwaltende Organisationsprinzip der Gemeinschaft. am 3. sondern wäre auch unvereinbar mit dem in Artikel 3b EG-Vertrag niedergelegten Grundsatz. wenn sie zu weitreichend erschienen. in: Common Market Law Review 30 (1993). Oktober 2000 erstmals. S. fand in der Rechtsprechung keine Bestätigung.“ 900 Nicht zuletzt durch diese Kritik in seiner Selbstgewissheit erschüttert. Besondere Aufmerksamkeit verdient die unter Rdnr. auch W. Urteil vom 5. CONF 3883/96. Europäisches Parlament (2000). Oktober 1998. Dezember 1999 in der Bundestagsdebatte zur Regierungserklärung zum EU-Gipfel in Helsinki (vgl. in: EZW (1997) 10. vgl. damal. Oktober 2000 über die RL 98/43/EG (sog.). S.] die der Kompetenzstruktur der Gemeinschaft schon bislang nicht gerecht werdende Postulierung eines ‚Prinzips der (begrenzten) Einzelermächtigung‘ der Vergangenheit angehören“ sollte (vgl. 3b EG-Vertrag. er sei sein eigener Wächter 899. Vom „Gesetzesstaat zum Richterstaat“ und wieder retour? Reflexionen über das britische Memorandum über der EuGH vom 23. Vorsitzender der CDU / CSU-Bundestagsfraktion. obwohl diese Formel erst gerade in den Maastricht Vertrag aufge- . Diese hatte in den Augen eines Beobachters nämlich einen Zustand erreicht. 898 Die Zusicherung des Gerichtshofs. um mit der begrenzten Einzelermächtigung die Nichtzuständigkeit der Gemeinschaft festzustellen. 897 Der EuGH zog das Misstrauen der Mitgliedstaaten vor allem deswegen auf sich . 100a EGV] dahin auszulegen. Beyer.W. 1996 zur Frage der „korrigierenden Kodifikation“ von Richterrecht des EuGH. dass „[s]pätestens mit Maastricht [. urteilte der EuGH am 5. 900 Interview in DIE ZEIT vom 22. 295 ff. Quis Custodiet the European Court of Justice?. dass die Befugnisse der Gemeinschaft auf Einzelermächtigungen beruhen. Vgl. Rs. auch BVerfGE 89. S. 899 Dazu etwa die Editorial Comments. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Rechts vor.

Die Rolle des Europäischen Gerichtshofs bei der europäischen Integration. dem impliziten Wunsch der Politik zu entsprechen und das Subsidiaritätsprinzip zum neuen Maßstab seiner Rechtsprechung zu machen.. In einem entsprechenden Entwicklungsprozess hat sich auch die Rolle der Richter in Europa gewandelt.IV. Nach Einschätzung des früheren Richters am EuGH. dann nommen worden war. dass er die Vertragsänderung von Maastricht zum Anlass nimmt. die homogenisierend auf die mitgliedstaatlichen Rechtsordnungen wirkte. ob die Rechtsprechung Spiegel der Gesellschaft ist oder nicht: Sieht man als Gesellschaft den Souverän. dass sich ein Wandel in der Auffassung des EuGH abzeichnete. G. Die Zeiten. sondern auch der autonomen Rechtsordnung der Europäischen Union. Da jedoch Europarecht von den nationalen Behörden und Gerichten unmittelbar anzuwenden ist und im Kollisionsfall grundsätzlich Vorrang vor nationalem Recht hat. hatte der EuGH in der Zwischenzeit „auf berechtigte Kritik an einzelnen Urteilen reagiert“ 902 und eine kooperativere Haltung eingenommen. die nationale Gerichtsbarkeit wurde „europäisiert“ und in ein Kooperationsverhältnis zum EuGH gestellt. NF 49 (2001). wird deutlich. der im Sinne des berühmten Hauptwerks von J. Denn der EuGH könnte mit seiner Begründung deutlich machen wollen. Hirsch. Sollte die Rechtsprechung ein Spiegelbild der Gesellschaft sein – und sie ist es zumindest teilweise 903 –. auch BVerfGE 89. 79 ff. ist jeder nationale Richter auch Gemeinschaftsrichter. Hirsch. 903 Zur Frage. Dabei ließ er Nützlichkeits. das die Rechtsprechung in der Vergangenheit dominiert hatte. er ist jedoch nicht mehr nur dem nationalen Recht verpflichtet. dass das Prinzip durch den Maastricht-Vertrag gestärkt wurde (vgl. häufig indirekt und ohne zu wissen. S. Es war also nicht allgemein abzusehen. 88. Der Richter ist also zwar nach wie vor nationaler Hoheitsträger. das er aber nicht mehr korrigiert. dass nationale Richter in großem Umfang Europarecht auslegen und anwenden. Bedenkt man die Anzahl der nationalen Gesetze. 155 (181)). Dass der Gleichklang zwischen den Organen der Europäischen Union wegen des Mangels an ha