Schriften zum Internationalen Recht Band 176

Verfassung und Verfassungsvertrag
Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU

Von

Karl-Theodor Frhr. zu Guttenberg

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Duncker & Humblot · Berlin

KARL-THEODOR FRHR. ZU GUTTENBERG

Verfassung und Verfassungsvertrag

Schriften zum Internationalen Recht Band 176

Verfassung und Verfassungsvertrag
Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU

Von

Karl-Theodor Frhr. zu Guttenberg

asdfghjk
Duncker & Humblot · Berlin

Die Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität Bayreuth hat diese Arbeit im Jahre 2006 als Dissertation angenommen.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Alle Rechte vorbehalten # 2009 Duncker & Humblot GmbH, Berlin Satz: werksatz · Büro für Typografie und Buchgestaltung, Berlin Druck: Berliner Buchdruckerei Union GmbH, Berlin Printed in Germany ISSN 0720-7646 ISBN 978-3-428-12534-0
Gedruckt auf alterungsbeständigem (säurefreiem) Papier ∞ entsprechend ISO 9706 *

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Vorwort
Europa und die USA. Mancher Blick nach innen wie über den Atlantik trägt dieser Tage den Schimmer der Ernüchterung in sich. Manche kleine wie epochale Erschütterung führt mittlerweile zur Systemfrage. Und manche Tradition weicht der Nostalgie. Scheinbar unberührt von alledem wähnte man bis zuletzt konstitutionelle Prozesse. Trotz gelegentlich zweifelhafter Verfassung unserer Gesellschaften gab es selten einen Zweifel an der gesellschaftlichen Notwendigkeit einer Verfassung. So pionierhaft sich diesbezüglich der amerikanische Pfad zu gestalten wusste, so eklektisch eigen wurde der europäische beschritten. Letzterer befindet sich wiederkehrend am Scheideweg. Kann man demgemäß und aktuell von Scheitern sprechen? Von einem großen Projekt, das im Angesicht des Hafens noch tragisch Schiffbruch erleidet? Oder vernehmen wir lediglich ein erneutes, wenngleich keuchendes historisches Durchatmen? Zumindest verpasste Europa in den Jahren 2007 und 2008 zum wiederholten Male den καιρός (Kairos) und ließ die notwendige Unbedingtheit des Gestaltungswillen nur schemenhaft erkennen. Es ist indes müßig zu debattieren, ob es die – letztlich nie eingeräumte – Furcht vor der eigenen Courage oder lähmender Pragmatismus war, der aus einem hart erkämpften Verfassungsvertrag schließlich einen „Vertrag von Lissabon“ werden ließ und selbst diesen in vermeidbare Warteschleifen drängte. Gleichwohl bildet auch diese Zäsur ein lebendiges wie traditionell paradoxes Beispiel europäischer Verfassungsgeschichte, wonach in jeder noch so brachialen Ablehnung immanent der Fortgang angelegt ist. Demzufolge hätte die vergleichende Beurteilung zweier Verfassungsprozesse mit einem gewissen Optimismus bei jeder „europäischen Krise“ enden können. Die Betrachtungen und Bezugnahmen dieser (2006 eingereichten) Monographie gehen nunmehr bis in das Jahr 2007 – abgesehen von einigen punktuell aktualisierten Gedanken. *** Diese Arbeit entspringt einer ungewöhnlichen Verkettung von Glücksfällen. Oder nach anderem – im obigen Sinne untypischem – Verständnis der vereinzelten Wahrnehmung eines „Kairos“.

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Vorwort

Augenblicken kann man schwer zu Dank verpflichtet sein, den sie gestaltenden Persönlichkeiten jedoch umso mehr. Insbesondere wenn der be- und ergriffene Moment dauerhafte Kräfte zu entfalten wusste. Ein unerreichtes (nicht lediglich) wissenschaftliches Kraftfeld und die Teilnehmer verpflichtendes Erbe war und ist das nunmehr zu Recht „legendär“ zu nennende „Häberle-Seminar“, das dem von Konrad Hesse geprägtem Vorbild längst weit enteilt ist – ohne den „akademischen Enkeln“ Erinnerungen und Berufungen auf eine Leitfigur der Verfassungslehre zu entwinden. Der Gedanke an die Teilnahme umweht den Verfasser nicht nur während intellektuell dürftigerer Alltagserlebnisse dauerhaft – und erhält wenigstens den Anspruch höchster Qualität eigenen Gemurmels. Von Herzen Danke meinem großen Lehrer Prof. Dr. Dres. mult. h.c. Peter Häberle für Unzähliges, das kein Vorwort angemessen abbilden könnte. In besonderer Verbundenheit danke ich einem weiteren tatsächlich bedeutenden Europäer, Prof. Dr. Rudolf Streinz. Wie oft wurde der Kairos der Fertigstellung durch freiberufliche wie später parlamentarische „Ablenkung“ versäumt, bevor die Erkenntnis dieses traurigen Faktums einer bemerkenswerten Mischung aus eherner professoraler Geduld (wie Liebenswürdigkeit), sanftem, aber unerbittlichem familiären Druck und wohl auch ein wenig der beklagenswerten Eitelkeit weichen durfte. Allzu viele mussten meine verwegene Charakter- und Lebensmelange ertragen und ich bin allen überaus dankbar für unbeugsame Gelassenheit. Gleichwohl: Wirkliche Besserung ist kaum absehbar. Meiner Frau und meinen Töchtern sei diese familienunfreundliche Lektüre in tiefer Dankbarkeit zugedacht. Sie sind der unerreichte wie dauerhafte „rechte Augenblick“ meines Lebens. Berlin, im Winter 2008 Karl-Theodor Frhr. zu Guttenberg

Inhaltsverzeichnis
A. Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15 19 20 20 22 23 24 24 27 29 33 B. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung – konstitutionelle Entwicklungslinien in den USA und der Europäischen Union . . . . . . . . . . . . . . . I. Eckpunkte der US-amerikanischen Verfassungsentwicklung . . . . . . . . . . . . 1. Augenblicke und Marksteine des europäischen kulturellen Einflusses . . 2. Die „Declaration of Independence“ – eine Abkehr von Europa? . . . . . . . 3. Der Modellcharakter einzel- wie bundesstaatlicher Verfassungen . . . . . . 4. Die Entstehung des Verfassungsstaates – der „Vorabend“ der Bundesverfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . a) Wege zur Emanzipation – von den „Fundamental Orders of Connecticut“ zur Unabhängigkeitserklärung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . b) Wege zum Konsens – von den „Articles of Confederation“ zum „Great Compromise“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . c) Der Verfassungskonvent . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . d) Ratifizierung und „Federalists“ gegen „Antifederalists“ . . . . . . . . . . e) Die Schlüsselrolle der Verfassung Virginias – Pionierin der Menschenrechte; konstitutionelle „Morgendämmerung“ – die Bill of Rights . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5. „We, the People“ – Souveränität (in) der US-Verfassung . . . . . . . . . . . . . 6. Eine (ge)zeitenfeste Verfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7. Wendepunkte amerikanischer Verfassungsgeschichte – Strukturierungsansätze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8. Konstitutionelle Selbstfindung und kulturelle Selbstverwirklichung . . . . 9. Der Kompromiss als Ankerpunkt amerikanischen Verfassungsverständnisses . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10. Eine dynamische Verfassung – „living constitution“ . . . . . . . . . . . . . . . . 11. Einige Grundgedanken und Strukturelemente des amerikanischen Verfassungsstaates . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . II. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung sowie des Verfassungsverständnisses . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1. Eingrenzung eines vielschichtigen Prozesses . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2. Stationen eines Konstitutionalisierungsprozesses . . . . . . . . . . . . . . . . . . a) Von Paneuropa zur Europa-Union (1923 – 1944) . . . . . . . . . . . . . . . . b) Verfassungsentwürfe nach 1945 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . aa) Hertensteiner Programm (1946) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

35 38 40 41 45 47 48 49 51 52 53 53 59 59

8 bb)

Inhaltsverzeichnis Entwurf einer föderalen Verfassung der Vereinigten Staaten von Europa (1948) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59 cc) Vorentwurf einer europäischen Verfassung (1948) . . . . . . . . . . 60 dd) Entwurf einer europäischen Bundesverfassung (1951) . . . . . . . 61 Wege zum Europarat . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61 „Verfassungsentwürfe“ ab 1952 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64 aa) Die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (1952) . . . 64 bb) Entwurf eines Vertrages über die Satzung der Europäischen Gemeinschaft – Entwurf der ad-hoc Versammlung der EGKS (1953) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 65 cc) Römische Verträge (1957) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67 Mythos und Ergebnis der 1950er Jahre . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68 Stationen zur Europäischen Verfassung – eine Auswahl aus 40 Jahren 69 aa) Der Entwurf von Max Imboden (1963) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69 bb) Die Verfassungsdiskussion 1984 – Das Europäische Parlament als Akteur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70 (1) Ausgangspunkte der Debatte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70 (2) Grundgedanken des Verfassungsentwurfs des Europäischen Parlaments . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 71 (3) Verlauf und Ergebnisse der Diskussion . . . . . . . . . . . . . . . 74 cc) Die Einheitliche Europäische Akte (1986) . . . . . . . . . . . . . . . . 75 dd) Der Verfassungsvertrag der Gemeinschaft der Vereinigten Europäischen Staaten von F. Cromme (1987) . . . . . . . . . . . . . . . . 76 ee) Der Vertrag von Maastricht (1992) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 77 ff) Die Verfassungsdiskussion 1994 – der Herman-Bericht . . . . . . 79 (1) Ausgangspunkte der Debatte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 79 (2) Grundgedanken des Verfassungsentwurfs des Europäischen Parlaments . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80 (3) Verlauf und Ergebnisse der Diskussion . . . . . . . . . . . . . . . 82 gg) Der Vertrag von Amsterdam (1997) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 84 hh) Verfassungsbemühungen um die Jahrtausendwende . . . . . . . . . 84 ii) Konstitutionelle „Morgendämmerung“ in Europa – die Grundrechtecharta . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 87 (1) Die Sachlage vor dem Herzog-Konvent . . . . . . . . . . . . . . . 88 (2) Gestaltung und Erfolg des ersten Konvents . . . . . . . . . . . . 90 jj) Mit „Humboldt“ nach Nizza? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 94 (1) Gründe für ein Debatten-Crescendo . . . . . . . . . . . . . . . . . . 97 (2) Die politische Dimension der Verfassungsdebatte . . . . . . 100 (3) Leitbilder und europäische Ideale in der politischen Auseinandersetzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 102 (a) Das Ideal einer „Föderation von Nationalstaaten“ . . . 103

c) d)

e) f)

. . . . . . . . . (c) Verfassungsfähigkeit und deren Voraussetzungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . nn) Inkurs: Verfassungsbegriff und Verfassungsverständnis . . . . . . . . . . . . . . . . mm) Aus der Nizzastarre zum Konvent . . . . (b) Organisations. . . . . . . . EU-Skepsiskultivierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ll) Die Verfassungsqualität der Gemeinschaftsverträge . . . . . . . . . . . . (1) Der Post-Nizza-Prozess – parlamentarische Einflusssphären . . . pp) Der Europäische Konvent . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .Inhaltsverzeichnis (b) Das Ideal eines „Europas der Nationen“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (c) Integrations. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . oo) Begleitend zum Verfassungskonvent vorgestellte (Privat-)Entwürfe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (c) Das Ideal eines „Europas der Regionen“ . . . . . . .und Begrenzungsfunktion in der Verfassungsdebatte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (1) Ausgewählte Verfassungsattribute . . . . (e) Zwischenfazit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Gewaltenteilung und Kompetenzverteilung . . . . . . . . . . . . . . (d) Staat und Verfassung im „wechselseitigen Korsett“? . . . . (4) Das Wechselspiel zwischen Verfassungsfunktionen und politischer Diskussion . . . . . . . . . . (a) Die Legitimationsfunktion als Gradmesser der (politischen) Verfassungsdebatte – das US-Modell als Vorbild? . . . . . . . . . . . . . . . . . . (2) Die Qualifikation der Verträge durch den EuGH – ein „europäisches Marbury vs. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (b) Allgemeine Eingrenzungsversuche des Verfassungsbegriffes . . (2) Der „europäische“ Verfassungsbegriff . . . . . . . . . . . . . (e) Fazit . . . . . . . (3) Völkerrechtliche Qualifikationen . . . . . . . . Madison“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .und Identifikationsfunktion: Transparenz und Bürgernähe. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . kk) Folgerungen aus vier Jahrzehnten Verfassungsentwicklung . . . . . (4) Konstitutionelle Defizite der Verträge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9 106 108 109 110 111 111 114 116 118 120 122 124 129 131 135 135 139 140 141 142 143 145 147 149 153 154 159 160 164 166 166 . . . . . . . (2) Die Erklärung von Laeken – eine „stille Revolution“ der Integrationsgeschichte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (a) Zwei Vorfragen . . . . . . . . . . . . (1) Das Verfassungsverständnis – allgemeine Überlegungen . . . . . . . . . . . . (1) Auftrag und Zusammensetzung – das innovative Konventsmoment . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (d) Ein offenes Leitbild mit Gemeinschaftsansatz . . . . . . (3) Das Verfassungs-Vorverständnis in anderen EU-Ländern (a) Nationale Erfahrungswerte in der Verfassunggebung (b) Das Vorverständnis von Demokratie. . . . .

Europäische Einflusssphären im amerikanischen Rechtsdenken – Schlaglichter . Rechtskulturzusammenhänge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Die konkrete Rolle der USA im europäischen Einigungsprozess . d) Die 80er Jahre: Konflikt und Kooperation . . . . . . . . . . . . . e) Die Folgejahre nach 1989/90 sowie ein Ausblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Der Einfluss der amerikanischen Verfassung und des Verfassungsverständnisses auf europäische Rechtskultur(en). . . . Inkurs: Teilaspekte einer Europäischen Rechtskultur. . . Präambel und „Leitmotto“. . . . . . . . . . . . . Gebundene Verfassunggebung – Wege zur Verfassungsergänzung und Verfassungsänderung . . . . . . Ein historisch gewachsenes „transatlantisches Verfassungsfundament“ IV. . . Abstimmung(sprobleme) im Europäischen Rat . . . . . (6) Schlussphase der Konventsarbeit. . . . . . . . . (2) Inhaltliche Anmerkungen. . . . . . III. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (1) Systematische Ergänzungen zur Frage: Verfassung oder Verfassungsvertrag? . . . . . . . Beratung der Verfassungstexte. a) Eine neue amerikanische Europapolitik nach dem zweiten Weltkrieg? b) Die 60er Jahre: amerikanische Europapolitik im doppelten Spannungsfeld zwischen Kooperation und Ambivalenz . 167 169 172 174 175 180 180 185 188 192 194 197 199 199 204 207 210 213 215 217 219 221 222 222 223 226 229 229 231 . . . . . . . . Inkurs: Der Konvent als Zentralisierungsplattform? . . . . . . . . . . . c) Die 70er Jahre: Das Abfedern von transatlantischen Rivalitäten und Friktionsfeldern . Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates (USA) bzw. . . . . . . . . . . . . . . . Plädoyer für eine „Europäische Gesprächskultur“ . . . Zeitgemäße Aspekte der Öffentlichkeitsarbeit? . . . . . . . . . . . . . bb) „Self-Restraint“ in der Verfassunggebung . . . . . . . . . . . . . . . 4. . . . . . . . . Die Vereinigten Staaten von Amerika – ein Faktor des europäischen Einigungsprozesses . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (2) Das Modell „constitutional convention“ – Option zur Totalrevision? . . . . . 2. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . die Rolle des einzelnen Mitglieds . . . qq) Einige Gedanken zum Ergebnis des Verfassungskonvents . . . . . . . . . . . 1. . . . . Drei Folgerungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . rr) Elemente einer Ratifikationskrise . . . . . . 1. . . . . . . . . . Europaverständnis 5. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (1) Das Modell „congressional proposal“ – der Regelfall . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . cc) Initiative und Ratifikation – das Verfahren . . der Verfassungsgemeinschaft (EU) durch Verfassunggebung. . . . . . . . . . 3. . . . . . . . . . a) USA: Die Amendments als Abbilder einer Verfassungsergänzung – Spiegelung amerikanischer Kulturgeschichte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .10 (2) (3) (4) (5) Inhaltsverzeichnis Die Gestaltung der Konventsarbeit . . . . . aa) Artikel V der Bundesverfassung – ein Faktor der Stabilität und Flexibilität . . . . . . . Verfassungsinterpretation und Verfassungsprinzipien . . . . . . . . . . . .

. . . . . . . . . bb) Europäische Rechtsetzung als Spiegelbild der institutionellen Ordnung. . . insbesondere die Rolle der Obersten Gerichte . (1) Momentaufnahmen einer Verfassungsgerichtshistorie . . . . . . . . . . . . . . . Madison . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Verfassungsrechtsprechung . . . . . (4) Ratifikationserfordernisse und Problemlagen – das Kuriosum 27. . . aa) Verfassunggebung in der Supranationalen Union . . . . . . . . (5) Beendigung des Amendment-Verfahrens . b) Der US-Supreme Court als ständiger Verfassungskonvent – die Wiege der Verfassungsgerichtsbarkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (1) Das Fünfstufenmodell des Verfassungsvertrages . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . aa) Die Geburtsstunde der Verfassungsgerichtsbarkeit – Marbury vs. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (2) Der Verfassungsrichter zwischen Recht und Politik – Anmerkungen zur „political question doctrine“ . . . . . . (2) Gemeinschaftsautonome Verfassungsänderung betreffend einen Übergang in die Mehrheitsentscheidung . . . . . . . . . . 2. . cc) Europäische Rechtsprechung als Spiegelbild einer offenen Gesellschaft . . . . . . . . . . . . cc) Die Abänderbarkeit der Europäischen Verträge . . . . . . . . . . . dd) Verfassungsänderung nach dem Verfassungsvertrag – die neuen Verfahren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . e) Die Frage der Abhängigkeit zwischen Verfassungsgerichtsbarkeit und Verfassung . . . . . . . . . b) Europäische Union: von der Vertragsänderung zur Verfassungs(vertrags)änderung . . d) Der EuGH als Verfassungsgericht. . . . . . . . . . bb) Der EuGH als „Motor der europäischen Integration“? . . . . . cc) Der Supreme Court als erheblicher Bestandteil von Rezeption und Bestätigung gesellschaftlichen Wandels . . . . . . . bb) Anmerkungen zum Wesen des „judicial review“ . . . . . . . . . . . a) Allgemeine Erwägungen zur Verfassungsinterpretation . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11 235 236 242 243 245 248 249 251 252 256 256 260 260 262 271 271 277 279 279 285 289 290 291 297 301 303 308 311 312 . . . . . . . . . . . . aa) Verfassungsgerichtliche Interpretationspotentiale im Verfassungsstaat – Entwicklungsstufen und Komponenten . . . . . . . . . . . . . bb) Charakteristika selbständiger Verfassungsgerichtsbarkeit . . . . . . . . . . . . . der dynamische Charakter des Unionsrechts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .Inhaltsverzeichnis (3) Versuche zur Begrenzung von „amending power“ . . . . . (3) Inkurs: „counter-majoritarianism“ . . . . . Kreative Verfassunggebung – Verfassungsinterpretation. . . . . . . c) Übergreifende Funktionen und Kompetenzen der Verfassungsgerichtsbarkeit – Richtwerte für den EuGH? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . dd) Möglichkeit der Interpretation von Amendments . . . . . . . . . . . ee) Die generellen Wirkkräfte des Amendment-Verfahrens . . . . . . . . . . . . Amendment . . aa) Das Rollengeflecht des EuGH . .

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . e) Das Demokratieprinzip – Anmerkungen . . . . 2. . . j) Europäische Grundrechtecharta – Bill of Rights . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . V. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . c) Das Prinzip der Gewaltenteilung . . . 313 317 318 318 318 321 322 323 324 329 331 331 332 335 338 343 349 350 353 354 356 357 358 359 364 369 373 373 374 374 375 375 376 377 379 C. . . . . . b) Die Kompetenzverteilung zwischen der Union und den Einzelstaaten aa) Grundlagen des amerikanischen Föderalismus . . . . . . . . . . . . . . . . (2) Funktionsweise des US-Föderalismus . . . . . . . aa) Vorbemerkung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Vergleichende Anmerkungen zu den Konventsergebnissen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (1) Charakter eines Bundesstaates . . . . . . . . . . . . . . . . bb) Die Ausgestaltung in den USA . . . (3) Inkurs: Der institutionelle Aspekt auf einzelstaatlicher Ebene . bb) Europäischer Föderalismus: Einzelaspekte . . . . . . . . . f) Inkurs: Verbreitung direktdemokratischer Elemente . . . . . Zwei Verfassunggebungsprozesse: ein Resümee . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Die Europäische Grundrechtecharta . . . cc) Die Ausgestaltung in der Europäischen Union . Einleitung . . . Der Entwurf des Europäischen Konvents . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . II. . 1. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . I. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . a) Änderungsanträge . . i) Ausgewählte institutionelle Aspekte . . . . . . . . . . . . k) Wertegemeinschaft Europa und USA – „ever closer union“ und „ever stronger union“ . . . . . . . . . . . . . . .12 Inhaltsverzeichnis f) Vergleichende Aspekte der Verfassungsgerichtsbarkeit – Kongruenz der Aufgaben . . . . g) Das Verhältnis zwischen Recht und „Moral“. . . . . . 3. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3. . . . . . . . . Bisherige Regelungen im Primärrecht der Europäischen Gemeinschaft 2. . . . . . . . Der Gottesbezug in den Verfassungen Europas . . . . . . . . . . . . . . . . Der Gottesbezug in den Verfassungen Europas und der USA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Lehren für die Europäische Union aus dem Vergleich der Verfassunggebungsprozesse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . a) Gottesbezug . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . b) Kirchen und Religionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . d) Identität und der Begriff der Nation . cc) Ergänzungen aus vergleichender Sicht . . . . . . . . . . . . . . a) Konzeptionen der Repräsentation – die Vertretung von Bürgern und Einzelstaaten . . . . Vergleichende Anmerkungen zum Konventsverfahren . . . . . . . . . . . . Grundgedanken und Strukturelemente eines Verfassungsstaates (USA) und einer Verfassungsgemeinschaft (Europäische Union) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3. . . . . . . . . . . . . Souveränitätsverzicht h) Finalität – die Bedeutung von Grenzen und Erweiterung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Gottesbezug in den bundesstaatlichen Verfassungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . b) Der Gottesbezug in den Verfassungen der Beitrittskandidaten zur Europäischen Union . . . . . . . . . . . . . . IV. . . . Das US-Modell ein Vorbild für Europa? . . aa) Die Vertreter einer Trennung und einer Zusammenarbeit zwischen Staat und Religionsgemeinschaften . . . . . . . . . . . . . . 416 Sachwortverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . bb) Zusammenfassender Überblick über die Rechtsprechung des Supreme Court . 2. . . . . . . . . . 465 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . a) Der Gottesbezug in den Verfassungen der Mitgliedstaaten der Europäischen Union . . . . . . Die Frage nach einem „Gottesbezug“ in der Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika . . . . . . . . . . c) Der Gottesbezug in den Verfassungen der 16 Länder der Bundesrepublik Deutschland . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . III. . . . . . Der Gottesbezug in den Mitgliedstaaten (und Beitrittskandidaten) der Europäischen Union sowie in den deutschen Bundesländern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 403 Zusammenfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .Inhaltsverzeichnis b) Die Beratungen der Regierungskonferenz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . b) Inhalt und Reichweite der „Establishment Clause“ nach der Rechtsprechung des Supreme Court . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13 381 381 382 383 388 388 391 393 393 395 395 396 399 402 Nachwort . . . . . . . . . . . . 405 Anhänge . . . . . . . Gottesbezug und US-Verfassung. . . . . . . . . . . . 408 Literaturverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . die Rechtsprechung des US-Supreme Court zur Trennung von Staat und Religion . . . . . c) Bewertung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4. . . . . . . . . . . . . . . . . . a) Entstehung und Entwicklung der „Establishment Clause“ . . . . . . . . . . . . .

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1 V.„Es wird ein Tag kommen. gemeinsamen Basis den Spielraum für die Entfaltung von Vielheit. Jahrhundert. 3. Afrika. Der mit Ringmann befreundete Kosmograph M. 2 „Amerika“ und „amerikanisch“ beziehen sich nach allgemeinem Sprachgebrauch im Folgenden auf die Vereinigten Staaten von Amerika (USA). Ringmann hatte vorgeschlagen. Ringmann begeisterte sich für den Entdecker und Seefahrer Vespucci.. oder nach der 1529 gegründeten Stadt Maracaibo benannt worden sei. sind einwandfrei widerlegt. F. die ursprüngliche autonome Vielfalt gegen einen von einer Zentralregierung gewährten Pluralismus einzutauschen bedeutete indes Verzicht. A. in: Archiv für Wiss.“ 1 Victor Hugo A.htm. Vespuccis Namen auf der seiner „Cosmographiae Introductio“ beigegebenen Weltkarte von 1507 für den neuen und erst vage umrissenen Erdteil zu verwenden. sich die Hände über den Ozean hinüber reichen wird [. denen zufolge der Kontinent nach Amalrich. das wie kein anderes den Pluralismus auf seine Fahnen geschrieben hat.com/EEE/ EEE2003/24Ideen. Sich zu einer Nation zu vereinigen. Das Land. Vespuccis Vornamen Amerigo (der sich von Imre oder Emerich. die bisher unter losem Konföderationsdach weitgehend selbständigen Einzelstaaten mussten um des Gemeinsamen willen den Anspruch auf das Eigene zurückschrauben und Souveränitätsrechte abgeben. wurde er 1849 in die verfassungsgebende Nationalversammlung gewählt). im Internet abrufbar unter http://www. Europa. 1992. Ronsin. Vgl. Hugo in seiner Eröffnungsrede als Präsident des Pariser Friedenskongresses (nach der Proklamation der Zweiten Französischen Republik. Découverté et baptéme de l’Amérique.] jene beiden unendlichen Gewalten: die Brüderlichkeit der Menschen und die Macht Gottes. Waldseemüller nahm dessen Vorschlag auf. Andere Versionen. dem Namen zweier Könige von Jerusalem im 12. Geographie. Die Herkunft der Kontinentsbezeichnung war lange Zeit umstritten. Aufl. Laubenberger. dass die Namensgebung auf zwei Deutsche zurückzuführen ist. Bd. Einleitung „E pluribus unum“. XIII. Mittlerweile ist jedoch geklärt. Ein Motto.exameneuropaeum. wo man jene beiden ungeheuren Gruppen: Die Vereinigten Staaten von Nordamerika und die Vereinigten Staaten von Europa einander gegenüberstellt. H. dem zusammen mit dem Vater heiliggesprochenen Sohn des Ungarnkönigs Stephan I herleitet) entsprechend den Namen der Kontinente der „Alten Welt“. zu feminisieren und in dieser Form als „America“ zu übernehmen. unter dem vor über 215 Jahren die amerikanischen 2 Staaten zur Union zusammenfanden. miteinander verbinden wird sehen. Der deutsche Humanist M. das programmatisch zu verstehen ist.. eröffnet erst auf dieser einheitlichen. 2. . „Aus vielem eines“ – so lautete das Motto. Ringmann oder Waldseemüller? Eine kritische Untersuchung über den Urheber des Namens Amerika.

Auch das Ergebnis der europäischen Konventsberatungen. war dies von allgemein verbreiteter Skepsis begleitet. in: International Journal of Constitutional Law 1/2003. welche Perzeption die fortschreitende europäische Integration und das Projekt „europäische Verfas- Vgl.16 A.und Regierungschefs der Europäischen Union einigten sich auf den Text des europäischen Verfassungsvertrages. S. Einleitung Wie schwer ein solcher Verzicht fällt. Juni 2004 wurde europäische Verfassungsgeschichte geschrieben. Die Erwartungen wurden von allen Beteiligten heruntergespielt. Die Staats. scheint (vordergründig) inhaltliche Parallelen zur amerikanischen Bundesverfassung aufzuweisen. wie nahe das Eigene und wie fern das Gemeinsame erscheint. Als der europäische Verfassungskonvent seine Beratungen aufnahm. 373 ff. Szenenwechsel: Am 18. mit denen man damals. für und wider die bundesstaatliche Lösung focht und zu ermitteln. 3 Nicht nur die spezielle Bezeichnung des mit der Ausarbeitung des Entwurf eines Vertrags über eine Verfassung für Europa befassten Gremiums als „Europäischer Konvent“ weckt Assoziationen mit dem mit der Ausarbeitung der amerikanischen Bundesverfassung betrauten „Konvent von Philadelphia“. 3 . Bereits seit Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) haben die USA ein lebhaftes Interesse am europäischen Integrationsprozess gezeigt. wenn man beides gegeneinander abzuwägen beginnt. Einheit in der Vielfalt: Die Verfassung einer freiheitlichen Gemeinschaft gab Anlass zu intensiven Debatten innerhalb des Konvents. M. Februar 2002 versammelten sich in Brüssel die Vertreter von Regierungen und Parlamenten aus ganz Europa zu der ersten Sitzung des EU-Konvents. Am 28. Bezeichnenderweise schien (zumindest in der Anfangsphase des Konvents) nur in den USA Vertrauen in das neue Werk der Europäer zu bestehen. Dort wurde der Verfassungskonvent in den Medien wie in der politischen Debatte zuweilen ungeniert mit dem Konvent von Philadelphia verglichen. in dem sich ein pluralistisch zusammengesetztes 105-köpfiges Gremium an die Ausarbeitung einer „Verfassung für Europa“ machte. sich mit einigen Argumenten und Grundfragen zu beschäftigen. welches Modell der Vermittlung von Einheit und Vielfalt schließlich die Mehrheit überzeugte. Die Vorgeschichte ist lang und ein Rückblick darf sich keineswegs auf Dezember 2001 beschränken. The European Convention and Constitution Making in Philadelphia. als es um die amerikanische Einigung ging. Rosenfeld. Gerade angesichts dieser Schwierigkeiten erscheint es angebracht. das landläufig als „EU-Verfassung“ bezeichnet wurde. der so mühsam und zäh vonstatten geht und daher auch weiterhin so wenig Begeisterung zu erwecken vermag. zeigt sich in aller Deutlichkeit in dem schwierigen Prozess der europäischen Einigung. Es ist für Europa auch heute bedeutsam zu wissen.

1. kann die Beschäftigung mit der Vergangenheit dazu beitragen. der Begriff nimmt also nicht Bezug auf andere Staaten jenseits und diesseits des Atlantiks. Vortrag an der Humboldt-Universität zu Berlin am 6. Einleitung 17 sung“ in den USA erfährt. die USA würden das europäische Interesse teilen. die freilich einer ständigen Neudefinition unterworfen sind. Nicht selten werden die Vorstellungen über Europas zukünftige Rolle in der Welt mit historischen Argumenten unterfüttert.de/WHI/deutsch/fce/fce402/burghardt. Eindrucksvoll waren in diesem Kontext die Worte von Präsident J. dem 4. 5 Allerdings gibt es zwischen Europa und den Vereinigten Staaten weiterhin eine Vielzahl verknüpfender Aspekte. Juni 2002. Die Europäische Verfassungsentwicklung aus dem Blickwinkel der USA. der am amerikanischen Unabhängigkeitstag. angemessen auf neue Herausforderungen zu reagieren. die Risiken und Chancen bestimmter politischer Maßnahmen realitätsgerechter zu beurteilen. S.hu-berlin. Kennedy. Die konstitutionelle Fortentwicklung Europas betrifft die USA als wichtigsten Partner der Europäischen Union unmittelbarer als dies in manchen Kreisen der amerikanischen Administration und einzelner Think Tanks wahrgenommen werden will. nur ganz vereinzelt und kursorisch 4 Mit „transatlantisch“ ist ausschließlich das Verhältnis zwischen Europa und den Vereinigten Staaten gemeint. dürfte sich ein kurzer Rückblick auf die jeweiligen Verfassunggebungsprozesse und demzufolge auf einige Kapitel aus dem Geschichtsbuch der amerikanisch-europäischen Beziehungen bei der Erörterung von Grenzen und Möglichkeit der internationalen Rolle eines stärker integrierten Europa als überaus hilfreich erweisen. Burghardt. Juli 1776 nicht in Vergessenheit geraten. den Prozess der europäischen Integration dauerhaft in eine „transatlantische Partnerschaft der Gleichen“ einzubetten. Selbst wenn die transatlantische Atmosphäre wiederkehrend einigen Turbulenzen unterworfen ist. im Internet unter www. Juli 1962 in der Hall of Independence in Philadelphia seine transatlantische Rede mit dem Wunsch beendete. Gleichwohl wird dieser historische Brückenschlag im einschlägigen wissenschaftlichen Schrifttum. soweit ersichtlich. sollte das feinsinnige Wortspiel mit der amerikanischen „Declaration of Independence“ vom 4.A. um im sich wandelnden transatlantischen Verhältnis 4 für Verständnis zu werben und um erneute Missverständnisse zu vermeiden. 5 So aber G. das sich einigende Europa und die Vereinigten Staaten dereinst in einer „Declaration of Interdependence“ verbunden zu sehen. Wie auch in anderen Politikfeldern. führt (mittlerweile) allerdings zu weit. . Unabhängig davon.rewi. etwa wenn auf die säkulare Tendenz zu einer immer eigenständigeren europäischen Außen.htm. Fehlperzeptionen zu erkennen und somit die verantwortlichen Akteure in die Lage zu versetzen.und Verteidigungspolitik oder – im Gegenteil – auf die dauerhafte sicherheitspolitische Abhängigkeit Europas von den USA verwiesen wird.F. wie berechtigt oder abwegig historische Rekurse dieser Art tatsächlich sind. Die Annahme.

2001. dass die Theorie von Verfassung und Staat der Erfahrung gefolgt ist. Vgl. 1 ff. die die Wirklichkeit umgestalten sollte. die mit der klaren Vorstellung angetreten war. vielleicht durfte einen anderen Weg beschreiten. 10 Europa musste. Der Anspruch der amerikanischen Revolution gestaltete sich da vergleichsweise gering. etwa S. 10 Hierin ist einer der wesentlichen Unterschiede zur französischen Revolution zu erkennen. Howard. Überspitzt ließe sich der Gedanke anschließen. Heft 1. Herbst. Ihre Dauerhaftigkeit verdankt die amerikanische Verfassung der Tatsache. Der Konvent: Modelle für eine innovative Integrationsmethode. 93. 6 Siehe allerdings aus jüngerer Zeit T. statt sie zum Ausfluss einer Idee zu machen. in: Integration. um das Ziel der bürgerlichen Gleichheit und Brüderlichkeit zu verwirklichen. zum Teil eingeschränkt bejaht 8. 9 In Kraft gesetzt nämlich wurde das amerikanische Verfassungssystem buchstäblich ohne wirkliche Vorstellung von einem Staat. 2003.. Ein Prinzipienmodell der Legitimität staatlicher und supranationaler Hoheitsgewalt. 12. Hobe. Bedingungen. 7 Vgl. 2/2002. 8 W. auch S. der allerdings zum einen den Ausgang des europäischen Verfassungskonvents noch nicht berücksichtigen konnte. 2003. das revolutionäre Amerika kam erst über den Umweg der praktischen Erfahrung zu seinen Verfassungsprinzipien. Die Grundlegung der amerikanischen Demokratie. Europäischer Konvent. in: JöR 53 (2005). Frankfurt a. nationale Parlamente. in: Europarecht. M.. S. S. Einleitung vorgenommen 6 und zum Teil in seiner Berechtigung verneint 7. Verfahren und Chancen europäischer Verfassungsgebung: Zur Arbeit des Brüsseler Verfassungskonvents. wie der Staat zu gestalten sei. 9 Ähnlich auch D. . bediente sich allerdings ähnlicher Mittel und fand viele inhaltliche Bezugspunkte im amerikanischen Verfassungsstaat. S. Hölscheidt.18 A. 83 ff. Europäische Verfassung. Wessels. zum anderen eine weitgehende Beschränkung auf (wiewohl rechtsvergleichende) Legitimationsaspekte vornehmen musste. Legitimation durch Verfassunggebung. 429 ff.

weshalb dieser Begriff auch im Hinblick auf die schöpferischen Gedanken. Dem Wort „Erweckung“ ist hingegen die äußere sanfte. 2006. 913 ff. 1 Ein verfassungsgeschichtlicher Vergleich ist daher auch unter dem Aspekt der Ähnlichkeit pluralistischer Beeinflussung fast geboten. Die Kultur ist für beides Impulsgeber. Das Resultat der einen kann dabei auf eine nunmehr über 200 Jahre währende Tradition zurückblicken. Aufl. und IV. 2 Die Verfassungswerdung Amerikas ist so sehr auch eine europäische wie die europäische Verfassungsentwicklung auch eine amerikanische ist. Grundrechtsgeltung und Grundrechtsinterpretation im Verfassungsstaat.). P. S. das den unterschiedlichen Status der Verfassungsentwicklung widerspiegelt. Europäische Verfassungslehre. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung – konstitutionelle Entwicklungslinien in den USA und der Europäischen Union Zahlreichen Verfassungsbemühungen anderer Staaten diente die US-amerikanische Verfassung als Vorbild. 3 Im gemeinschaftsrechtlichen Zusammenhang könnte man nun versucht sein – auch angesichts der bislang zu konstatierenden Verfassungsfortschritte – von „Verfassungserstarkung“ zu sprechen. dazu ders. die die „Gründungsväter“ und bis heute große Denker (aber auch gelegentlich allein die Bedürfnisse einzelner Bevölkerungsteile) dem Gebilde „Europa“ zuteil werden lassen.f)jj)(4)(a). die jedoch einer dauerhaften. vgl. die kulturelle Basis jenseits der Verfassungskultur allerdings fast umkehrt: Verfassungsbestätigung und Verfassungserweckung. Während in den Vereinigten Staaten der Einfluss und die Kombination eigentlich fremder Kulturen der Verfassung erst zu ihrer Genese verhalfen. Eine erstarkende Verfassung wächst jedoch begrifflich zunächst aus sich selbst. S. Auch im Sinne einer „kulturellen Verfassungsvergleichung“. und – aus gewissen Blickwinkeln. die andere fertigt sich angesichts der weitaus kürzeren Historie nach klassischen Modellen noch ihre Kinderschuhe ohne dabei modische Entwicklungen außer Acht zu lassen. 252 ff. sowie II. kann Europa auf ein jahrhundertelanges Nebeneinander. 2 1 . in: JZ 1989. unter Bezugnahme auf die „Verfassungsvergleichung als ‚fünfte‘ Auslegungsmethode“ (vgl. Europa steht in vielerlei Hinsicht bereits auf festen Füßen.B. kontrastiert jedoch in ihrer Ursprünglichkeit. etwa dem des christlichen Abendlandes – auf Verschmelzungen zurückblicken. unten III. Häberle. zuweilen rüttelnde Hand wesenseigen. die Grundlage aller Verfassungsbildung und damit auch ihrer Erstarkung sind. 4. 3 Gewiss. auch die Einflüsse auf die erste Fassung der amerikanischen Verfassung waren europäische. Diese Voraussetzungen zu Grunde gelegt soll ein Begriffspaar gebildet werden. jedoch Vgl.2.. resistenten Ummantelung bedürfen.

Currie. nachdem Florida erst 1819 von Spanien erworben. 5 Die erste englische Niederlassung befand sich bemerkenswerterweise. die Beteiligung der wohlhabenden Bürger an Gesetzgebung und Rechtsprechung.P. die Traditionen Anwendung finden soll. S. wird auch von der Außendarstellung gegenüber den europäischen Bürgern abhängen. Aufl. S. 2.. rechtlichen und gesellschaftlichen Fundamente wären ohne die englische Prägung. nicht denkbar. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung solche des 17. 6 In Anlehnung an G. Allgemeine Staatslehre. 1999. Beide sahen nie das heutige Gebiet der Vereinigten Staaten von Amerika. 1577 von F. Was hierbei nun in welcher Reihenfolge einander bedingt. in: AöR 111 (1986).. 1905. Zippelius. Die tiefe Verwurzelung der Freiheit in ihren „status negativus. Texas und andere ehemals spanische oder mexikanische Gebiete wie Kalifornien 1845 „einverleibt“ wurden. Jahrhunderts 4 (Jamestown und die Kolonie Virginia 1607 5) an der nordamerikanischen Ostküste. R.. Aufl. New Mexico. Dies impliziert freilich. D.. 230 ff. 418 ff. 344 ff. Vespucci zurückzuführen. Die Vereinigten Staaten. I. S.. Rechtsphilosophie. 3. die wechselseitigen kulturellen Impulse mit einzubeziehen. Augenblicke und Marksteine des europäischen kulturellen Einflusses Europa und die Vereinigten Staaten einem Vergleich zu unterziehen bedeutet auch immer. Allgemeine Staatslehre. S.P. siehe auch ders. lateinamerikanisch geprägten Bevölkerungsanteil spürbar. dass der Status der Erweckung nach Ansicht des Verf. dies gelang wohl erst 1512 dem spanischen Governeur von Puerto Rico J. Jellinek. ihr Selbstverständnis. de Leon mit dem Betreten des heutigen Floridas. . 1960). Drake begründet. vor dem Europa noch steht: Verfassungsbewusstsein und übergreifend europäisches Selbstbewusstsein. Gleichwohl sind gegenwärtig durchaus spanische Wurzeln in den südlichen Staaten wie Kalifornien. 3. 13. Aufl. 67 ff. System der subjektiven öffentlichen Rechte. 1999). Insbesondere brachten viele dieser Siedler ein in England ausgebildetes Grundverständnis der Möglichkeiten und Errungenschaften eines Rechtsstaats mit auf den neuen Kontinent. Positive und negative Grundrechte. activus und positivus“ 6 rührt bereits aus dieser Zeit. die heutigen politischen. Eckpunkte der US-amerikanischen Verfassungsentwicklung 1. S. Jahrhunderts. 4 Es würde freilich zu weit führen. 81 ff. Eine der Demokratie verpflichtete Verfassung entwickelt und bestätigt sich nicht zuletzt durch die Bevölkerung. 1914 (Neudr. G. begonnen durch die Gründung von Kolonien Anfang des 17. Texas oder Florida durch einen hohen hispanischen. Columbus oder A.20 B. Einen hohen Stellenwert nahmen alsbald die Menschenrechte nach der Bill of Rights von 1689. noch fortdauert. spanische oder auch portugiesische Einflüsse auf die großen Entdecker wie C. in Kalifornien (New Albion). Ein Befinden. Bestätigt wurde sie mittels eines mehr und mehr autarken amerikanischen Selbstbewusstseins. und 18. was kaum verwundert. 1932 (Studienausg. Radbruch. Aufl.

S. 1959. Loewenstein. das sich weiterhin durch die (Amts-)Sprache äußert. findet ihren Ursprung im Wesentlichen in europäischen Wurzeln. New Haven in Connecticut). 3. Jahrhunderts war die Erforschung des nordamerikanischen Kontinents überwiegend den Franzosen vorbehalten. Die Siedlung erhielt den Namen New York. 373 ff. Siehe auch zur Kolonialperiode in der US-amerikanischen Geschichte K. abgewehrt werden konnte. zeigt sich wie der weiterer europäischer Staaten (beispielsweise wird die Zahl der Deutschen 1775 auf 200 000 geschätzt) durch kulturelle Grundsteine anderer Art: Neben ökonomischen Verlockungen bot Nordamerika zahlreichen religiösen Dissidenten Zuflucht – Puritaner. deren ursprüngliches System bis heute in den einzelnen Bundesstaaten spürbar ist: die Kronkolonie (z. sich in der Delaware-Bucht niederzulassen. S. auf den von der Krone gewährten verfassungsähnlichen Kolonialcharten 8. 1959. S. erst 1699 wurde die französische Kolonie von Louisiana an der Mündung des Mississippi gegründet. Auflage 2001. in: Staatslexikon. hierzu ausführlich K. 10 Frankreichs Einfluss. musste sich freilich die holländische Siedlung 1664 den Engländern ergeben. auf Gesetzgebungsakten der kolonialen Vertretungskörperschaften sowie den übergeordneten Gesetzen des Parlaments in London. die sich im frühen 17. Ungeachtet dieses zweifellos vorherrschenden englischen Potentials. Eigentümerkolonie (Maryland) und Freibriefkolonie (New Plymouth in Massachusetts. de La Salle 1643 –1687. deren Hauptstämme von der griechischen Philosophie und dem Christentum geformt wurden. 7 Die Rechtsordnungen begründeten sich zum einen auf dem tradierten englischen gemeinen Recht (Common Law). Loewenstein (1959). S. Historische und Politische Entwicklung. Einführung in das öffentliche Recht der USA. Die Erschließung Nordamerikas stand im Zeichen europäischer Großmachtrivalitäten. Verfassungsrecht und Verfassungspraxis der Vereinigten Staaten. Verfassungsrecht und Verfassungspraxis der Vereinigten Staaten.R. Auch bedeutende Entfaltungen 7 Vgl. K. der freilich mit dem Pariser Frieden von 1763 spürbar geringer wurde. 7. S. die sich über den Atlantik spannt.I. Aufl 1992. die Niederlande 9 und bis 1763 gegen Frankreich zu behaupten. 2.. Jahrhundert schließlich im Osten Kanadas niederließen und bis in den heutigen Mittleren Westen gelangten (beispielhaft der französische Entdecker R. 9 Die Holländer kauften 1626 die Insel Manhattan für 24 Dollar den Indianern ab und gründeten dort New Amsterdam. Loewenstein. Hugenotten. Quäker. englische Katholiken. Insbesondere wird der französischen Gestaltungskraft oftmals ein allzu geringer Stellenwert eingeräumt. manifestieren lassen. Sechster Band. das Recht auf ein Geschworenengericht und auf „habeas corpus“ bei Inhaftierung ein. Berg. Eckpunkte der US-amerikanischen Verfassungsentwicklung 21 der lokalen Selbstverwaltung. Die Vereinigten Staaten von Amerika – Teil II.C. Eine auf der abendländischen Kultur basierende „Western Civilization“. 1. W. sollten aber auch weitere kulturelle Wurzeln nicht außer Acht gelassen werden. auch M. den Vormachtanspruch gegen Spanien. Nachdem 1655 ein Versuch der Schweden. Brugger. der „patron saint“ von Chicago). 2 f. B. 1 ff. 10 Während des 16. 8 Es gab drei Rechtstypen der Besiedlung.. . Virginia). die sich durch die Bemühungen der englischen Krone.

Die Komponisten der sog. Hitchcock. Mies van der Rohe. Malone. Sein grundsätzlich am englischen Recht. „Neuenglandschule“ (2. Unabhängigkeitserklärungen können Wirkungen in zwei Richtungen entfalten: einerseits wird dem Neuen. mit einer vordergründigen Betonung des Fortschrittlichen. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung der Musik und bildenden Kunst. Ravel zurück. Debussy und M. 6 Bde.P. 13 Konservative und moderne Gedankengänge. Parker und E. Music in the United States. Johnstone. Schweisfurth / R.M. andererseits bilden traditionelle Elemente den notwendigen. 1971. Juli 1776 als Abkehr von Europa zu bezeichnen wäre unzutreffend. vgl. Brahms und E. in Malerei und Skulptur der ersten Hälfte des 20. zur neueren Verfassungsentwicklung in Osteuropa T. der Kauf des ausgedehnten Louisiana-Gebiets von Frankreich (1803). Heinrich. 2. Ernst / L. Auflage 1974. zum anderen aber einer verstärkten Brauchtumpflege nachgehen. Grieg. Slowenien oder in den baltischen Ländern. A History in American Painting. Alleweldt. Jefferson and the Presidency.G. siehe umfassend M.K. Die „Declaration of Independence“ – eine Abkehr von Europa? Dahingegen die berühmte Unabhängigkeitserklärung vom 4. Gropius / L. Innovativen ein hohes Gewicht eingeräumt. der Sowjetunion zum einen den mutigen Schritt zu einer neuen Verfassung wagten. dieser „westliche“ Maßstäbe verliehen. McDowell sahen ihre Vorbilder in J. 2. die sich gerade ihren Ursprüngen besinnt.22 B. griffen später auf C. 1948 – 1981 sowie R. in: G. kontrollierenden Gegenpol. Baigell. Loeffler. . Literatur und der Wissenschaft tragen eine unverkennbar europäische Kennzeichnung. zur amerikanischen Musikgeschichte H. Hälfte des 19. Palladios.).M. Andere. vgl. der Philosophie. Eine weitere kulturelle Einflussnahme von Jefferson sollte nicht vorenthalten werden: Bekanntlich betätigte er sich auch als Architekt und orientierte sich bei seinen für die amerikanische Architektur impulsgebenden Entwürfen an der Baukunst der spätrömischen Antike sowie den Werken A. Jefferson and his Time. In seine Präsidentschaft fällt schließlich auch der Louisiana Purchase. 1978. am antiken Republikanismus und am Individualismus der Aufklärung ausgerichtetes Staatsdenken erfuhr durch den französischen Einfluss und die geistige Unterstützung der französischen Revolution den Feinschliff. Die amerikanische Kunst wurde stets von Emigranten mitgeprägt – beispielhaft in der Architektur W. Mason und C. Die Vertreter „seiner“ politischen Richtung vereinigten sich schließlich unter Jeffersons Führung zur Republikanischen Partei (die spätere Demokratische Partei). Diese wenigen Beispiele illustrieren bereits die Vielfalt des europäischen kulturellen Erbes in den Vereinigten Staaten. Als frühester Komponist gilt der aus Mähren stammende A. Jeffersons 12 Zeit von 1784 bis 1789 als Gesandter in Paris darf zu den Marksteinen politischer Entwicklung in Amerika gezählt werden. Paine / H. Jahrhunderts) wie J. 11 T. Die neuen Verfassungsstrukturen in Osteuropa. Jahrhunderts M. treffen 11 So gibt es ein schöpferisches Musikleben nach europäischem Vorbild seit etwa 1800.W. Gabo. die nach dem Bruch mit Jugoslawien bzw. Jefferson das große Werk von D. Brunner (Hrsg. Politische und ökonomische Transformation in Osteuropa. wie D. 12 Siehe zu T. 13 Dies offenbart sich in jüngster Zeit beispielsweise in Kroatien. Moholy-Nagy oder N.

Eckpunkte der US-amerikanischen Verfassungsentwicklung 23 sich auch im Streben nach Souveränität. South Carolina und New Hampshire griffen dabei als erste noch nicht einmal auf die Anregungen des Kontinentalkongresses zurück. Loewenstein (1959). S. Verfassunggebung in Osteuropa. rechtsvergleichend H. Governments are instituted among Men. 1988. So wurde unter anderem wie folgt formuliert: „We hold these truths to be self-evident. Vol I. 2. The Founders’ Constitution. S.“ 14 3. Heideking.. S. Steinberg. 258 ff. in: Osteuropa Recht 1995. 45 ff. 1987.und Osteuropas. . greift man auf die Gedanken der Aufklärung und damit auf Elemente das Natur. Und selbst dieses „neue“ Gemeinwesen folgt tief ausgetretenen europäischen Spuren. Roggemann. 2000. S. 2001. Der Modellcharakter einzel. that all men are created equal.. Rotunda. Die europäische Aufklärung fand also in einigen ihrer Basis. umfassten indes Grundrechtserklärungen. Die neuen Verfassungen der baltischen Staaten. as to them shall seem most likely to effect their Safety and Happiness. Verfassungsentwicklung und Verfassungsrecht in Osteuropa. Die Verfassungen Mittel. S. Der Text der von Jefferson verfassten Unabhängigkeitserklärung ist Spiegelbild dieses Phänomens. H. that among these are Life. Modern Constitutional Law. R. S. S. 177 ff. 1997. Kontinentalkongresses 16 1775/76 folgten. in: Recht in Ost und West 1996. 5 ff. deriving their just powers from the consent of the governed. Aufl. Aufl. Appendix A. Kurland / R. 14 Zitiert nach P. – That whenever any Form of Government becomes destructive of these ends. that they are endowed by their Creator with certain unalienable Rights. 1999. Er besteht aus drei Teilen. Brunner. Brugger. 15 1780 hatten sich bereits elf von 13 Staaten eine Verfassung gegeben. Loewenstein.. Ein veränderten Umständen angepasstes Staatswesen würde ohne die Rückbesinnung auf grundsätzlich staatstragende Elemente in Kürze zusammenbrechen. 16 Dazu K. it is the Right of the People to alter or to abolish it. and to institute new Government.I.. G. – That to secure these rights.und 2. komplett abgedruckt bei R. sondern auch an den damals aktuellen Leitlinien des Gesellschaftsvertrags und des Naturrechts ausrichteten.D. Einführung in das öffentliche Recht der USA. 524 ff. laying its foundation on such principles and organizing its powers in such form. 9 ff. S. Verfassungsrecht und Verfassungspraxis der Vereinigten Staaten. Liberty and the pursuit of Happiness.wie bundesstaatlicher Verfassungen Auch die Verfassungen der Einzelstaaten 15. 6. 6 th ed. S. 2 f. Die Verfassung vor dem Richterstuhl: Vorgeschichte und Ratifizierung der amerikanischen Verfassung: 1787 –1791. wobei einer Auflistung der Demütigungen und Ungerechtigkeiten Englands eine Rechtfertigung der Revolution und schließlich eine Darstellung der Grundlagen des neuen amerikanischen Gemeinwesens folgt. die teilweise den Anregungen des 2. 1959. in: JöR 43 (1995). Roggemann (Hrsg. ausführlich J. siehe zum Inhalt der Unabhängigkeitserklärung auch W. die sich nicht nur an der Hinterlassenschaft Englands.und Vernunftrechts zurück. K. 258 ff.. Da eine Bezugnahme der Kolonien auf das englische Recht über Jahre fruchtlos blieb.).. Lerner.

7. 19 An dieser Stelle nur so viel zur Ausgangslage: In Europa wie in den Vereinigten Staaten existierten Einzelstaaten beziehungsweise wie in Deutschland Länder vor der Schaffung eines übergeordneten „Bundes“. and every Power. klassifiziert die tragenden Ideen der Aufklärung in „Programm-. 18 K. Bd. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Programmideen 17 ihre ersten kodifizierten. Die Entstehung des Verfassungsstaates – der „Vorabend“ der Bundesverfassung a) Wege zur Emanzipation – von den „Fundamental Orders of Connecticut“ zur Unabhängigkeitserklärung Knüpfte man die amerikanische Verfassungsgeschichte an das Vorhandensein eines Textes. Sogar im Hinblick auf den momentanen Zustand der Entwicklung Europas erweist sich die Verfassungsgeschichte der Vereinigten Staaten zwischen 1774 und 1788 als aufschlussreich. in Congress assembled.. der zumindest einige der heute allgemein angelegten verfassungstheoretischen Kriterien erfüllt.. Das Ergebnis der Kontinentalkongresse waren die 1777 beschlossenen und 1781 ratifizierten Articles of Confederation. Gemeinsam ist beiden Entwicklungen die Urheberschaft der Gründungsinitiative. 4. 20 Tatsächlich sollte es aber fast 140 Jahre 17 N. II der Konföderationsartikel heißt es: „Each State retains its sovereignty. which is not by this Confederation expressly delegated to the United States. in: Staatslexikon. and independence. S. Loewenstein „als historisch übliche und wohl auch zweckmäßige Übergangsstufe [. Die nachfolgende Bundesverfassung erfuhr eine nachhaltige Prägung durch die Neuerungen in den Einzelverfassungen.24 B. 1. .b). Hinske. die erste Verfassung der Vereinigten Staaten.und Basisideen“.3. In Art. Kampf. die nicht „dem Volk“. 1992.“ 19 Siehe unten IV. 391 ff. Inwieweit diese Erscheinungsform mit der europäischen Wirklichkeit vergleichbar ist. den K. Loewenstein (1959).] von gesonderten Einzelstaaten zum echten Bundesstaat“ 18 qualifizierte. so ließen sich bereits die 1638 in Hartford erlassenen Fundamental Orders of Connecticut heranziehen. wird noch zu zeigen sein. Aufl. Cromwell aus dem Jahr 1653 vor. sondern den Vertretern der Einzelstaaten zuzubilligen ist. 20 Sie gehen damit sogar dem englichen „Instrument of Government“ von O. 7. um das frühe Aufkeimen konstitutioneller Strukturen abzubilden. S. Diese Konföderationsartikel etablierten einen Staatenbund. freedom. staatstragenden Bewährungsproben auf dem nordamerikanischen Kontinent. Aufklärung. die neben der umfassenden Betonung der Gewaltenteilung von einer Stärkung der gesetzgebenden Körperschaften als Mittelpunkt der Staatsgewalt über die eingeschränkteren Rechte der gewählten Gouverneure als Inhaber der ausführenden Gewalt bis zu einer gesteigerten religiösen Toleranz und einer Intensivierung der demokratischen Grundsätze der Volkssouveränität reichten. Jurisdiction and right.

I. Bonwick. hrsg. So heißt es in Paines berühmter Schrift „Die Rechte des Menschen“ aus den Jahren 1791/92. Stemmler. Bemerkenswert in diesem Kontext ist auch eine rückblickende Äußerung von J. Speziell zum historisch-sozalwissenschaftlichen Aspekt der „Revolution“ der Klassiker von H. Lenk. S.. and J. H. Schröder. 1959. Adams. Jefferson and A. Lindner. The Growth of the American Republic. The American Revolution. die das damalige amerikanische Geschehen als Revolution bezeichneten. The War of American Independence. a.). Adams in einem Brief an T. zitiert nach einer Übersetzung von D. Auflage 1973. 22 Detaillierte Darstellungen der „American Revolution“ finden sich bei C. Griewank. Freidel (Hrsg.E. A. Theorie der Revolution. S. 455.und Machtverhältnisse. nachdem auch sie geistiger Ausgangspunkt der folgenden Verfassungsbewegung waren. Siehe auch K. 2. 1985. die allgemein unter dem Begriff „American Revolution“ resümiert wird. S.). 6. vgl. 1982. 1991. The AdamsJefferson Letters. Higginbotham. 23 Ein vergleichsweise trivialer Auslöser. Auflage. 3. die Revolution in Amerika sei „eine Erneuerung der natürlichen Ordnung der Dinge. Insbesondere hat aber bereits T. Auflage 1982. August 1815: „Die Revolution fand im Herzen des Volkes statt. Opolka. 1972. 1973. S. in seinem Werk diesen restaurativen Aspekt deutlich betont. Boston 1986.M. 1977. vgl. bis ein Dokument einer Bewegung entsprang. Opolka (Hrsg. Braun / F.-C. Franklins Plan eines Bundes aus dem Jahre 1754 oder die bereits 1743 geschlossene „New England Confederation“ konnten keine stabile. H. 173. . Schlesinger. um die Restauration der durch die englische Krone unterbrochenen und missbrauchten Rechtstradition. 7. Ihnen ging es nicht um den Bau einer neuen Gesellschaft. Politische Erklärungen: Die Verfassungen der nordamerikanischen Staaten und der Französischen Revolution.). sondern – wie bereits anlässlich des ersten Kontinentalkongresses 1774 in Philadelphia zum Ausdruck gebracht – um die Wiedereinsetzung in ihre alten Rechte vor 1763. 183 f. Die amerikanische Revolution 1763 – 1787. Cappon (Hrsg. 2 Bde. der Versuch des britischen Parlaments. auch U. auch wenn er einer der ersten war. Dippel. K. ein System von Grundsätzen. S. C. bevor ein Tropfen Blut in Lexington vergossen wurde“. Eckpunkte der US-amerikanischen Verfassungsentwicklung 25 dauern.M. und diese wurde bewirkt von 1760 bis 1775 im Verlauf von 15 Jahren. Originalausgabe 1963) sowie K. Politische Philosophie. die ebenso allgemein sind als die Wahrheit und die Existenz des Menschen und die Moral mit politischer Glückseligkeit und Nationalwohlstand verbindet“. Über die Revolution. 2 Bde. H. Loewenstein. Forkel. gemeinhin akzeptierte Ordnung etablieren. Adams. Auf die Einzelheiten der amerikanischen Revolution ist an dieser Stelle nicht ausschweifend einzugehen. The Complete Correspondence between T. The Cycles of American History. 1980.. in: E. 21 Vorangegangene Einigungsbemühungen unter den Kolonien wie etwa B. 1998. Morison u. D. 1959.. 22 Beweggründe und Resultat sollen jedoch nicht gänzlich verschwiegen werden. Verfassungsrecht und Verfassungspraxis der Vereinigten Staaten. nicht um die Umwälzung bestehender Staats. Der neuzeitliche Revolutionsbegriff. Cambridge (Mass) 1974. Zumindest das Selbstverständnis der Gründungsväter der Vereinigten Staaten ist damit aber keineswegs getroffen. Die amerikanische Revolution.J. Jefferson vom 24. 1965 (engl. die Kolonien durch Zölle und Besteuerung an den Kosten des Siebenjährigen Krieges zu beteiligen. 4 ff. Wassmund. Aufl. Arendt. Revolutionstheorien. von T. einer der publizistischen Wegbereiter sowohl der amerikanischen Unabhängigkeit wie dann später der Französischen Revolution. Harvard Guide to American History. Heine / U. entflammte ab 1763 eine 21 Die amerikanische Unabhängigkeitsbewegung wird – in Analogie zur Französischen Revolution – tatsächlich überwiegend als „Amerikanische Revolution“ bezeichnet. Paine. J. F. Theorien der Revolution. in: L. 1978. II.

Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Kontroverse zwischen den Kolonisten und der britischen Krone und führte – nach der Eskalation in einen bewaffneten Konflikt – schließlich zur bereits erwähnten Erklärung der Unabhängigkeit durch die „dreizehn vereinigten Staaten von Amerika“ am 4. 27 Der theoretische Abschnitt der Unabhängigkeitserklärung wird emotional von der Abrechnung mit dem englischen König George III. 25 Zitiert nach D.). New Hampshire. Vossler. Rhode Island. The Declaration of Independence. Voorhees (Hrsg. North Carolina. Republikanische Verfassung und bürgerliche Freiheit. Adams. 26 Hierzu W. Eine heute „klassisch“ zu nennende Analyse der Erklärung liefert C.. Textlich kulminiert die Erklärung in der Verkündigung neuer staatlicher Souveränität. S.. der Absetzung Philipps II. 26 Inhaltlich bildet sie die communis opinio der aufgeklärten Naturrechtslehre. Dort wird das archaische Motiv des Widerstands gegen einen Tyrannen aufgegriffen. Die Declaration of Independence wurde zu einem der bedeutenden Dokumente der Menschheitsgeschichte. Becker.R. 280 f. Concise Dictionary of American History. wo von Konsens und Widerstand die Rede ist.W.. Insoweit steht die Erklärung durchaus in gewisser Rechtstradition der Monarchomachen. 1973. Der Einfluss J. Maryland. Juli 1776. 1992. New Jersey. THEREFORE. ihrer Vorgeschichte und Tragweite J. 1960). Pole. in the Name. untersucht an Thomas Jefferson. 1929. the Representatives of the UNITED STATES OF AMERICA [. überlagert. Pennsylvania.P. Ihr Gedankengerüst formte das Fundament der folgenden Verfassungsentwürfe. in Sprache und Anspruch gelegentlich (allzu pathetisch) mit den Geboten der großen abendländischen Religionen verglichen. Massachusetts. That these United Colonies are. The Ideological Origins of the American Revolution. wenn es am Schluss heißt: „We. 27 23 Im transatlantischen Kontext bedeutsam die Dissertation von O. der Hinrichtung Karls I. Lockes ist überall dort spürbar. A Study in the History of Political Ideas.]“ 25. Die amerikanischen Revolutionsideale in ihrem Verhältnis zu den europäischen.]. Bailyn. Angesichts der Form und inhaltlichen Gewichtung könnte beinahe von einer „Postambel“ gesprochen werden. B. Umfassend zur Unabhängigkeitserklärung.26 B. Die Verfassung und politische Ideen der amerikanischen Revolution. The Decision of American Independence. do. Georgia. Delaware. and by Authority of the good People of these Colonies.1581. New York. und der Bill of Rights von 1689. South Carolina und Virginia. 1922 (Neudr. Diesen Aspekt heben auch .. 1983. 24 In der Präambel wird unter Berufung auf das Naturrecht die Freiheit und Gleichheit aller Menschen sowie das Prinzip der Volkssouveränität postuliert. Erst im Pariser Frieden von 1783 fand die Unabhängigkeit nach einem wechselvollen Krieg unter Beteiligung Frankreichs. Neuausg. solemnly publish and declare.L. 24 An der Erklärung waren folgende bisherigen Kolonien beteiligt: Connecticut. 1975. Die Erklärung ermöglichte den Amerikanern die völkerrechtliche Anerkennung als Krieg führende Partei und punktuelle Hilfe durch andere Mächte. and of Right ought to be FREE AND INDEPENDENT STATES [. Spaniens und der Niederlande ihre tatsächliche Anerkennung durch das englische Mutterland.

Stevens. Jahrhunderts zu. Mertens / W.). the second (1787). 1963. auch H. Steinberger. da mit Rousseaus Idee des „volonté générale“ gerade die Forderung nach einem Selbstbestimmungsrecht gegenüber Spanien und Großbritannien begründet wurde. 27. Reinhard. Er umfasste neben der Unabhängigkeitserklärung auch einzelstaatliche Verfassungsbemühungen. Juli 1776 zunächst nicht über den Willen. b) Wege zum Konsens – von den „Articles of Confederation“ zum „Great Compromise“ Der Vorabend nahm freilich einige Jahre in Anspruch. geht allerdings fehl. Ellis in seinem Werk „Founding Brothers“ in sechs Episoden über die ersten Jahrzehnte des neuen Gemeinwesens beschreibt. Ellis. 30 In Bezug auf den ersten Schritt bestand Einigkeit. reichte die Einigkeit über Jeffersons Unabhängigkeitserklärung vom 4. Becker.. 1922 (Neudr. S. sowie E. 6. Sources of the Constitution of the United States – Considered in Relation to Colonial and English History. 30 J. 1987. der spürbare Impuls der großen englischen Juristen Cocke und Blackstone 28 sowie nicht zuletzt das gestärkte Selbstbewusstsein nach über 20 Jahren erbittertem Ringen aus dem als Klammergriff empfundenen Beharren der englischen Krone verdichteten sich schließlich zu dem. The Revolutionary Generation. S. American statehood“. 1894. Vortrag. 61 ff. 369. umfänglich C. was man den „amerikanischen Konsensus am Vorabend der Bundesverfassung“ genannt hat. in: Historische Zeitschrift 200 (1965). sowie verschiedene Grundrechtserklärungen und die 1781 in Kraft getretenen (1777 formulierten) Articles of Confederation als erste bedeutende Marksteine auf dem Wege zu einer dauerW. C. Ständische Rechtstradition in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung. Rosen (Hrsg. Frenske / D. 241 ff. Der Einfluss derjenigen. Eckpunkte der US-amerikanischen Verfassungsentwicklung 27 Die vielfältigen europäischen Einflüsse auf Staatsphilosophie und verfassungspolitisches Ideengut. 2 nd ed. S. A Study in the History of Political Ideas. das Joch der englischen Krone loszuwerden. The Declaration of Independence.I. S. der zweite war zwischen „Föderalisten“ und Anhängern eines losen Staatenbundes höchst umstritten. The Political Thought of the American Revolution. 29 Vgl. aktualisierte Ausgabe 1996. 29 Wie auch J. 2002. Vom italienischen Humanismus bis zum Vorabend der Französischen Revolution. reprint 1987.E. Noch heute besteht bis in die Tätigkeitsfelder der Tagespolitik eine Spannung zwischen den damals von Hamilton und Jefferson verkörperten Denkschulen.L. Geschichte der politischen Ideen. 28 Siehe umfassend mit Blick auf das englische „Erbe“ das klassische Werk von C. Der Rückschluss Reinhards (1996). die in den USA auf den „state rights“ bestehen. die Unabhängigkeitserklärung sei damit nicht von Rousseau abhängig. Reinhard / K. . in: H. The Founding Brothers. 1960). nimmt seit den 80er Jahren des 20. Angermann. hervor. die teils den Anregungen der Kontinentalkongresse folgten. gehalten vor der Juristischen Gesellschaft zu Berlin am 4. „The first founding (1776) declared American independence. Juni 1986. 200 Jahre amerikanische Bundesverfassung: Zu Einflüssen des amerikanischen Verfassungsrechts auf die deutsche Verfassungsentwicklung. Rossiter. hinaus.

35 Das Fehlen einer Finanzhoheit und von Zwangsbe31 Jedoch wurde keineswegs überall der Anspruch auf Volkssouveränität festgehalten und lediglich in Massachusetts erfolgte eine Befragung des Souveräns zur Verfassung.28 B. freedom. Siehe auch W. S. 32 Ferner galt das Zweikammersystem (mit der Ausnahme Pennsylvanias) als unentbehrliches Instrument zur Balancierung und Entschärfung unvermeidlicher Konflikte zwischen Exekutive und Legislative. Beachtenswert sind in diesem Bezugsrahmen Connecticut und Rhode Island. II. 33 Art. des zwischenstaatlichen Handels und der Steuererhebung. Modern Constitutional Law. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung haften Verfassung. 2 f. zu Einzelheiten K. Brugger. unter anderem durch möglichst gleichmäßige Repräsentation. 34 Dazu zählten die Hoheitsrechte im Bereich der Auswärtigen Angelegenheiten und der Verteidigung im Namen der souveränen Einzelstaaten. 35 Vgl. Rotunda u. 1959. Der Gedanke der Volkssouveränität erfuhr stabile Grundlegungen. der aus de facto souveränen Staaten bestand. Die Begriffe Souveränität. dehnte seine Rechte in der Folgezeit sukzessiv aus. Auflage 2001. Verfassungsrecht und Verfassungspraxis der Vereinigten Staaten. in Congress assembled. nachdem sich ihre bisherigen königlichen Charters nach leichten Modifizierungen längerfristig als zweckdienlich erwiesen hatten. Jurisdiction and right.. 31 Die Repräsentanten der Exekutive – von Versammlungen gewählte Gouverneure – mussten beschränkte Rechte hinnehmen. Loewenstein. der ursprünglich nicht als Zentralregierung gedacht war und lediglich marginale Zuständigkeiten vereinnahmte 34. . and every Power. 7 f. 2000. die einen Staatenbund zu begründen wussten. 2.“ 33 Inhaltlich wurde für Verfassungsänderungen Einstimmigkeit gefordert. Von überragender Tragweite war schließlich die nachhaltige Etablierung der Gewaltenteilung mit gegenseitiger Kontrolle der Gewalten.3. in dem jeder Staat eine Stimme besaß. and independence.c). Freiheit und Unabhängigkeit fanden erstmals zusammengehörig im Hinblick auf Einzel. a. 32 Zum Verfassungsprinzip Gewaltenteilung siehe unten IV. Einführung in das öffentliche Recht der USA. Eine permanente zentrale Exekutivgewalt fehlte in den Articles aber ebenso wie eine Regelung der Gerichtsbarkeit.D. Appendix B. Zitiert nach R. 1842 folgten. 6 th ed. which is not by this confederation expressly delegated to the United States. deren Verfassungen erst 1819 bzw. Die Brückenfunktion vom ungeordneten Nebeneinander der Einzelstaaten zum letztlich errichteten Bundesstaat nahmen die Articles of Confederation ein. Von einem sanften Anstoßen späterer Verfassungsprinzipien kann hingegen nicht gesprochen werden. S. Die Einzelstaatsverfassungen waren sogleich Experiment und Impulsgeber für die nachmalige Bundesverfassung. Gegenüber den ursprünglichen königlichen Charters erhielt die Legislative einen höheren Stellenwert. deren verbindendes Element ein Kongress sein sollte.oder Mitgliedsstaaten Berücksichtigung: „Each State retains its souvereignty. Der Kongress.

The American Constitution – its Origins and Development. C. 7 f. L. 75 (1981). 97 ff. Loewenstein (1959). waren das Verhältnis von Bundesregierung und Einzelstaaten.J. sich gegen die Befürworter einzelstaatlicher Souveränität durchzusetzen. S. Die größten Differenzen in den Beratungen. Adams waren freiwillig ferngeblieben. dessen Zusammensetzung und Beratungen wird an dieser Stelle verzichtet und auf grundlegende Betrachtungen verwiesen. Kelly / W. Smith. 1871. 1987. mit Spanien eine Klärung der Grenze zu Florida zu erzielen. D. war der Kongress ebenso erfolglos wie bei der angemessenen Begleichung der enormen Kriegsschulden. zu alledem auch K. die unter Vorsitz von G. The Political Ideas of the Founding Fathers. Die Verfassung vor dem Richterstuhl: Vorgeschichte und Ratifizierung der amerikanischen Verfassung: 1787 –1791. Henry und S. 1987. musste er unverrichteter Dinge zurückkehren. 598 ff. Belz (Hrsg. The American Constitutional Tradition.). J.W. Aus der deutschsprachigen Lit. Letztere musste nach der Einbuße der durch das britische Merkantilsystem gesicherten Handelsbeziehungen neue Verbindungen gewinnen. Einige radikale Republikaner wie P..und Finanzpolitik niederschlug. Heideking. The Convention and the Constitution. um der Großbritannien einen Handelsvertrag vorzuschlagen.und Südstaaten auf . 7th ed. Jillson. die Gewaltenteilung innerhalb der Bundesregierung sowie die Interessenkonflikte zwischen Nord. A. 1991. Adams 1784 nach London reiste. Als J. Adams / W. A. Constitution-Making: Alignment and Realignment in the Federal Convention of 1787. nachdem die Briten ihn mit der heiklen Frage konfrontiert hatten. Das erleichterte es den „Nationalists“. 1948.G. c) Der Verfassungskonvent 37 Den Schwächen der Articles of Confederation sollten schließlich die ab Mai 1787 in Philadelphia versammelten 55 Delegierten der Einzelstaaten 38 – aus- 36 Gerade der Kongress bewies seine gravierendsten Schwächen auf außenpolitischem Gebiet. 1988. reprint 1987. in der auswärtigen Politik galt es Verstimmungen mit England und Spanien geschlossen zu begegnen 36 und zwischen den Staaten kam es zu förmlichen Handelskriegen aufgrund rigider Zollschranken und mangelhafter Zusammenarbeit.A.I. van Doren. 39 (1977). 37 Auf die Details des Konvents. Washington bis Mitte September andauerten. Eckpunkte der US-amerikanischen Verfassungsentwicklung 29 fugnissen ließ nach dem Wegfall der äußeren Bedrohung das Unvermögen zur einheitlichen Willensbildung klar zu Tage treten. S.H. was sich äußerst negativ auf die Handels. S. 3 rd ed.C. The Story of the Making and Ratifying of the Constitution of the United States. Siehe auch C.). The Framing and Ratification of the Constitution. On Understanding the Constitutional Convention of 1787. in: The Journal of Politics. Levy (Hrsg. History and analysis of the constitution of the United States. A Convention of Delegates – the Creation of the Constitution. Towle. C. Verfahrensbesonderheiten.C. Harbison / H. ob er eine Nation oder einen der 13 Staaten vertrete. ausführlich insbesondere J. Klassische Standardwerke sind weiterhin: N. Die Amerikanische Revolution und die Verfassung: 1754 –1791. Großbritannien kam der im Frieden von Paris genannten Verpflichtung nicht nach. Wolfe.). in: The American Political Science Review. Zudem die historischen Darstellungen von D. seine Truppen aus dem Staatsgebiet der USA abzuziehen. The Great Rehearsel. 1988. Vgl. Bei dem Versuch. 1987.P. Adams (Hrsg.D. 38 Rhode Island war nicht vertreten. 1987. Elazar. Hauptly..

Die Vereinigten Staaten von Amerika. J.).oder Gründerväter“ („founders“) bezeichnet. The Revolutionary Generation. „framers“. kleinen und großen Einzelstaaten auf der anderen Seite. 40 Die damalige Entscheidung zu einem völligen verfassungstheoretischen Neubeginn markierte den entscheidenden Wendepunkt zur konstitutionellen Moderne.N. 1990. 1788 –1828. Mason (Virginia. (Hrsg. „adopters“ und selbst „we the people“ ein. Debtors. 1999. Revolution. 1990. Er schlug eine radikale Abweichung vom ursprünglichen der einen. 2002.A. McConville. Slaves. der selbst zu der Zeit als Gesandter in Paris weilte. . Cornell. der 81-jährige B. 1999 sowie W. Das Spektrum der „Founders“ schließt im englischen Sprachgebrauch „drafters“. The Presidency of James Madison.P.. Einige erweitern diesen Ansatz um die Zahl all derer. Bd.30 B. J. Ellis hat die amerikanischen „Verfassungsväter“ im Anschluss an die „Gründerväter“ der Unabhängigen Vereinigten Staaten „founding brothers“ und die Verfassunggebung elf Jahre nach der Unabhängigkeitserklärung „the second founding“ genannt. Franklin und J. Der Historiker J. These Daring Disturbers of the Public Peace: The Struggle for Property and Power in Early New Jersey. Dies ist insbesondere auf die erneut aufgeflammte Debatte um die Bedeutung der „original meaning“ in der Verfassungsinterpretation zurückzuführen. zu den unterschiedlichen Aspekten der Meinungsbildung in der einzelstaatlichen „public debate“: B. die die öffentliche Debatte um die Verfassung zu prägen verstanden. Die genannten Delegierten werden verbreitet als „Verfassungs. 1. 40 Vgl. Weitere bekannte Delegierte waren A. 39 Vgl. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung nahmslos Vertreter der bürgerlichen und landbesitzenden Schicht – durch die Schaffung eines zentralen Regierungssystems entgegenwirken. Forced Founders: Indians. and the Making of the American Revolution in Virginia. The Other Founders: Anti-Federalism and the Dissenting Tradition in America. James Madison and the Creation of the American Republic. Neben den Konventsdelegierten selbst werden verbreitet auch die zahlreichen Teilnehmer an den einzelstaatlichen Ratifizierungskonventen genannt. Heideking. später „the Cato of his country without the avarice of the Roman“ nennen sollte) sowie J. Madison 41. a. Rutland. Federführend für diese Entwicklung war ein damals 36-jähriger Delegierter aus Virginia. in: W. 1999. zu der Diskussion um die Auswahl der „Founders“ neuerdings S. Hamilton (New York). zu dessen späterer Präsidentschaft (1809 –1817) R. den Jefferson. The Founding Brothers. 39 Neben den klangvollen Namen der Konventsmitglieder rückten in jüngerer Vergangenheit weitere Verfassungsväter ins Blickfeld der Verfassungshistoriker. Verfassung und Nationalstaatsgründung. Allerdings ist die Kategorie „public debate“ selten zitierfähig und kaum konkret genug. Madison und dessen Einfluss auf die Verfassungswerdung siehe die bemerkenswerte Studie von J. um den Vorwurf einer gewissen Willkür in der Auswahl zu entkräften. dazu J. vgl. Im Zuge dieser Diskussion erscheinen eigentliches Konzept und Zusammensetzung der Gründer immer weniger fassbar. S. G. Adams u. Dickinson (Delaware). 41 Zur Person J. Rakove. 32 ff. Holton. 43. „ratifiers“. Wilson (beide Pennsylvania). Ellis. Tatsächlich ist hierbei aber ein differenzierterer Blick angebracht.

darin wurde ein System bevorzugt. Bush.3. I § 2 par 1 der Verfassung). 42 Er sah im Kern eine präsidiale Republik vor. Dem Kongress wurde lediglich das Recht eingeräumt. um das Negative und im Zweifel Unpatriotische ihres Standpunktes hervorzuheben. der als „VirginiaPlan“ bekannt werden sollte. Den dritten „Plan“ legte A. 45 Für die Wahl zum Repräsentantenhaus.I. Widmer. S. 43 Der Souveränität der Einzelstaaten wurde durch das innovative Prinzip des Föderalismus 44 und durch die Entscheidung über ein neues Wahlrecht 45 RechDer Verfassungsdebatte lagen drei „Plans“ zugrunde. Madisons Vorstellungen basierten auf einem eigenen Entwurf. glich dabei in manchen Einzelheiten der späteren Schweizer Verfassung von 1848 (siehe i.b). die von den Einzelstaaten geregelten „Zeiten. frappierend ähnelte. 44 Dazu ausführlicher unten IV. Hamilton vor. auch P. Schließlich konnte ein für die Konventsmitglieder akzeptabler Kompromiss (ehrfurchtsvoll „The Great Compromise“ genannt) erzielt werden: im Repräsentantenhaus war nunmehr eine Vertretung nach der Bevölkerungszahl vorgesehen. Letztere wurden von ihren Widersachern geschickterweise mit dem Namen Antifederalists belegt. dass die Qualifikationen für die Wähler nicht höher angesetzt werden dürften als für das „populäre“ Haus des jeweiligen Einzelstaates (Art. das nach der ursprünglichen Verfassung direkt gewählt werden musste. in: Schweizerische Zeitschrift für Geschichte. galt die Bestimmung. Der Vorschlag von New Jersey („New Jersey-Plan“). Die Spannungen waren von einer Vermengung unauflöslich erscheinender materieller Interessen mit generellen Einwänden gegen jegliche Machtkonzentration gekennzeichnet. Der Einfluss der Schweiz auf die Amerikanische Verfassung von 1787. der eine Kollektivspitze vorsah.W. dem einzigen Bundesorgan. sondern durch den Beschluss einer neuen. da sich die Sitzverteilung im Kongress nach der Einwohnerzahl des jeweiligen Bundesstaates richten sollte. 38 (1988). der von Virginia hatte Ähnlichkeiten mit der späteren Verfassung der dritten französischen Republik. die auf einer strengen Gewaltenteilung durch ein Zweikammerparlament beruhte.Ü.). Agrarprodukte exportierenden Süden. Eckpunkte der US-amerikanischen Verfassungsentwicklung 31 Auftrag des Konvents vor: die Konföderationsartikel sollten nicht revidiert. Anstoß an dem Entwurf nahmen allerdings die kleinen Staaten. nationalen Regierungsform ersetzt werden. das dem „British Government“ als laut Hamilton „the best in the world“. Politische Protagonisten und Gegenpole dieser Auseinandersetzung waren einerseits die „Nationalisten“ – Befürworter einer starken Zentralregierung (die sich entgegen dem heutigen Sprachgebrauch Federalists nannten) – und auf der anderen Seite die Anhänger der Souveränität der Einzelstaaten sowie einer größtmöglichen Dezentralisierung der Macht. 359 ff. der Senat bot hingegen ungeachtet der Größe jeweils zwei Sitze für die einzelnen Staaten. An den Rand des Scheiterns brachte die Beratungen überdies der Interessenkonflikt zwischen dem kommerziell ausgerichteten Norden und dem auf Sklavenarbeit angewiesenen. Orte und 42 . Virginia hätte damit ein erhebliches Gewicht im Kongress gehabt. 43 Aktualität erlangten diese Frage und die Argumente der früheren Auseinandersetzung bei den Präsidentschaftswahlen im Jahr 2000 und der knappen (letztlich gerichtlichen) Entscheidung für den Wahlsieger G.

eine Flotte und ein Heer zu unterhalten. Weiterhin musste gemäß Art.L. Wirtschafts. 18 der Verfassung). Republikanische Verfassung und bürgerliche Freiheit. a. Auch die Zuweisung dieser Funktion an den in der Verfassung vorgesehenen Obersten Gerichtshof fand keine Zustimmung. I § 8 par. . 46 Zum Ideengehalt der Einzelstaatsverfassungen: W. 3 der Verfassung ein flüchtiger Sklave von den Behörden des Staates. 277 ff. S. I § 4 par. an seinen Herrn ausgeliefert werden. Kompensation für den Verlust der einzelstaatlichen Souveränität sollte der Senat bieten. Bd. Adams. Nicht mehrheitsfähig waren Anregungen. um die in der Verfassung enthaltenen Kompetenzen wahrzunehmen (Art. als wegweisender Erfahrungsschatz für die Inhalte der Bundesverfassung. ein Organ („Council of Revision“) zu schaffen. einer Einmannexekutive und einem obersten Gerichtshof waren insbesondere die Verfassungen von New York und Massachusetts. den Abschluss von Verträgen und die Ernennung hoher Amtsinhaber nehmen konnten. 1 der Verfassung). Die Verfassung von 1787. IV § 2 par.P. das Gesetze der Einzelstaaten und / oder des Kongresses auf ihre Verfassungsmäßigkeit überprüfen würde.G. Zudem durfte der Import von Sklaven vom Kongress bis zum Jahre 1808 nicht verboten.). S. 1990. 3 der Verfassung sollten bei der Berechnung der Bevölkerungszahl im Hinblick auf die Zuteilung von Sitzen im Repräsentantenhaus „other persons“ (womit Sklaven gemeint waren) als DreiFünftel-Personen gewertet werden. Den Gipfel der Machtfülle bildete die berühmte Bestimmung. Siehe zu deren Einfluss auf die Bundesverfassung auch H. jedoch ein Steuer von nicht mehr als 10 Dollar auf jeden importierten Sklaven erhoben werden (Art. 46 Art“ der Wahlen zu ändern (Art. in: Schweizer Beiträge zur allgemeinen Geschichte 16 (1953). 280 f. 107 ff.und Außenhandelspolitik ermöglicht. (Hrsg. Eine weitere Beschränkung der Einzelstaaten bildete das Verbot der Münzprägung und Papiergeldausgabe. Vgl. Die einzelstaatlichen Verfassungen dienten. Nach Art. Die Verfassungen und politischen Ideen der amerikanischen Revolution.32 B. auch K. über den die Staaten Einfluss auf die Gesetzgebung.. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung nung getragen. die es dem Kongress ermöglichte. Adams u. 1973. Diese Akzeptanz wurde letztlich konkludent in drei Klauseln deutlich. Essentiell für die Zustimmung der Südstaaten zur Verfassung war die Anerkennung der Institution der Sklaverei. Einfuhrzölle und Steuern zu erheben. die Milizen der Staaten zu beaufsichtigen (und nötigenfalls militärisch einzusetzen) sowie den Handel zwischen den Staaten und dem Ausland zu regulieren. 1 der Verfassung).P. Shell. I § 2 par. 1. die notwendig und angemessen („necessary and proper“) seien. Die Vereinigten Staaten von Amerika. wie bereits erwähnt. Keller. I § 9 par. alle Gesetze zu beschließen. Der Bundesregierung wurde die Befugnis erteilt. in: W. Vorbilder etwa für die Gestaltung der Bundesgewalt mit einer Zweikammerlegislative. Allerdings wurde damit erst ein gemeinsamer Binnenmarkt mit einer gemeinsamen Währungs-. Die Quellen der amerikanischen Verfassung. in den er geflüchtet war.

Diese hätte sich bei Berücksichtigung der damaligen Rechtslage schwierig gestaltet. R. in: William and Mary Quarterly 12 (1955). Juli 1788 wurde durch die Zustimmung des zehnten der dreizehn Gründungsstaaten die Verfassung ratifiziert. denn am 2. Die neu geschaffenen Verfassungsorgane und Institutionen betrachtete man als potentielle Gefahr für die Bedürfnisse der Einzelstaaten und ihrer Bürger. zu den Argumenten und Vertretern dieser Bewegung insgesamt J. 1961. Beide Seiten versuchten mit einer Flut von Flugblättern. 48 Hierzu ausführlich L. Critics of the Constitution 1781 – 1788. die sich in einem materiell ausgerichteten Nord-Süd-Konflikt und einem grundsätzlichen.G. Men of Little Faith: The Antifederalists on the Nature of Representative Government. The Antifederalists. Vgl. weitgehend ideellen Streit um etwaige Segnungen des Föderalismus oder eines ausgeprägten Zentralismus offenbarten. Reden und Pamphleten die öffentliche Meinung zu indoktrinieren. d) Ratifizierung und „Federalists“ gegen „Antifederalists“ Der Verabschiedung sollte nach dem Willen der Delegierten die baldige Ratifizierung folgen. Brooks.I.M. Zeitungsartikeln. 3 ff. allmählich das Volk als eigentlicher Souverän ins Spiel gebracht. North Carolina und Rhode Island zögerten mit der Ratifizierung noch bis zum 21. C. November 1789 beziehungsweise 29. VII des Verfassungsentwurfs bereits neun von dreizehn Ja-Stimmen die übrigen Staaten binden. 1787 verabschiedete Verfassung spiegelte letztlich den mühselig errungenen Kompromiss zwischen Interessenlagen wider. 339 ff. Diese Taktik zahlte sich aus. dem Beispiel aus Massachusetts folgend. in: William and Mary Quarterly 24 (1967). Die Antifederalists befürworteten dabei die Idee einer überschaubaren Republik in einem lockeren Staatenbund. die Zustimmung zur Verfassung nicht dem Kongress in New York. 1966. The Eleventh Pillar: New York and the Federal Constitution. 47 Überdies sollten nach Art. de Pauw. The Other Founders: Anti-Federalism and the Dissenting Tradition . ähnlich der Struktur. sondern eigens zu berufenden verfassunggebenden Versammlungen in den einzelnen Staaten zu überlassen. die in einer geistig-ideologischen Auseinandersetzung das gemeinsame Fundament der Revolution in zwei Varianten des Republikanismus zu spalten wußten. welche angesichts der zahlreichen Kompromisse kaum zu erreichen schien. Neuerdings S. Cornell. Main.T. Die Kongressordnung sah nämlich prinzipiell Einstimmigkeit vor. Alexander Hamilton. wie sie in den „Articles of Confederation“ vorgesehen war. Auch in New York galt es Widerstände gegen den Verfassungsentwurf zu brechen. S. Eckpunkte der US-amerikanischen Verfassungsentwicklung 33 Die am 17. Kenyon. Melanchton Smith and the Ratification of the Constitution in New York. 48 Wie unter einem Brennglas prallten dort die herausragenden Vertreter von Federalists und Antifederalists aufeinander. 49 Unter Berufung auf Montesquieu widersprachen die Antifederalists der Auffassung. ein Gebiet von der Größe der Vereinigten Staaten könne problemlos als freiheitliche Republik geführt werden. Überdies wurde der bis dahin fehlende Grundrechtekatalog beklagt. Mai 1790. 49 47 Gleichzeitig wurde. So beschloss man. S. Sept.

Storing / M. 50 Die Begrifflichkeit „Klassikertexte im Verfassungsleben“ prägte P.E. Die Interpretation der amerikanischen Verfassung im Federalist. 7 Bde.F. mit zahlreichen Mitteln der politischen Rhetorik um Zustimmung gerungen. Alexander Hamilton. The Federalist. Der Föderalist. es wurde argumentiert. die unter dem gemeinsamen Pseudonym „Publius“ 85 Essays veröffentlichten. 2. 481 ff. Häberle. nämlich 1787/88. John Jay. Offenbar fand diese öffentlich geführte Kontroverse um die künftige Gestalt der Union auch die erwünschte Resonanz. vielmehr oblag diese Aufgabe gewählten Konventen. Hamilton / Madison / Jay: Die Federalist Artikel. S. 1958. 1987. 1970.. Madison und J. wenn man die Entstehungsgeschichte der „Papers“bedenkt: Sie waren zunächst schlicht eine Serie von Zeitungsartikeln. Adams (Hrsg). und W. in mehrtägigem Abstand in drei New Yorker Zeitungen erschienen.). die etwa ein Jahr lang. Deutschsprachige Übersetzungen editierten u. Diese heute unter dem Titel „Federalist Papers“ versammelten Schriften gelten zu Recht als eines der wichtigsten Dokumente zur Staatstheorie und zählen zu den Klassikertexten im Verfassungsleben 50. Den theoretischen und intellektuellen Unterbau hierzu lieferten A. Dry (Hrsg.34 B. Kramnick (Hrsg. Klassikertexte im Verfassungsleben. B.). die Verfassung per Volksentscheid zu ratifizieren. Maier u.J. a. Siehe auch K. Es war nicht vorgesehen. James Madison. 1984. Hamilton. 58 ff.). 5. vgl. von Oppen-Rundstedt. Klassiker des politischen Denkens. sie erweckte Leidenschaften. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Demgegenüber stand das Modell der Federalists. 1987. Der Anlass für diese eifrige Publikationstätigkeit war. Dennoch richteten sich die Artikel der Autoren ebenso wie die Artikel und Pamphlete der Verfassungsgegner unmittelbar an die interessierten Bürger. Epstein. a. 1994 sowie F. 1998. Ermacora (Hrsg. Wright. bevor sie zusammengefaßt als Buch publiziert wurden. Textausgaben wurden u. Rossiter (Hrsg. Aufl.F. A. Bd.). die Einigungsprozesse von solcher Größenordnung aufwerfen. . 1981 sowie ders. für die Ratifizierung der neuen. I. D. 1977. 1961 – mit oft zitierter Einleitung. The Federalist Papers. vielleicht sogar in literarischer Hinsicht. 1999.). Zudem ist eine Stringenz der Argumentation zu erkennen. das dank des Formats seiner Autoren und des Erfolgs der vertretenen politischen Position schließlich einen hervorragenden Platz einnehmen sollte im literarischen corpus der amerikanischen Ziviltheologie“. polemisiert. The Federalist. Verfassungslehre als Kulturwissenschaft. 51 J. Zur politischen Interpretation der Federalist Paper vgl. C. Aufl. die für das Modell einer „Bundesrepublik“ mit einer effektiven Zentralgewalt sowie für eine Stärkung und Expansion der Wirtschaft eintraten. The Complete Anti-Federalist. Siehe auch die Textsammlung von H. 58. The Political Theory of the Federalist. The Federalist. a. 1788 –1828.. Gebhardt spricht in diesem Zusammenhang von einem „livre de circonstance. die verwundern muss..P. in: H. Gerade mit Blick auf in America. S. Jay.). Cooke (Hrsg. nunmehr bundesstaatlichen Verfassung zu werben. ders.. Siehe ders. J. 1961. II. herausgegeben von J. (Hrsg. in denen sie die Bedeutung und Vorteile der Verfassung hervorzuheben suchten. 1961. 51 In deren Plädoyer für einen amerikanischen Bundesstaat lebt die damals geführte Diskussion wieder auf und es sind prinzipielle Überlegungen über die Probleme zu finden. The Federalist (1787/88).

“(zitiert nach der Übersetzung von W. als sie erstmals Regeln der Staatsorganisation („Constitution or Form of Government“) mit einem Menschenrechtskatalog („Virginia Bill of Rights“ 52) verband. wie eine von Leidenschaft getragene Einigung andere Kräfte freisetzt als ein Zusammenfinden. die nationale Willensbildung und Entscheidungsfindung vereinfachenden Fasson staatlichen Zusammenlebens hatte sich zuletzt trotz oder gerade aufgrund der langatmigen Ratifikationsauseinandersetzung vollzogen.html). Einige der Staatsversammlungen hatten die neue Verfassung allerdings nur unter der Prämisse ratifiziert. der Union fernzubleiben und eine Sezession der Stadt New York zu riskieren oder sich dem Druck der Umstände zu beugen. Der Schritt zu einer neuen. New York jedenfalls wählte einen anti-federalistischen Konvent. ging im Rahmen des erzielten Kompromisses ihre Idee vom republikanischen Kleinstaat ebenso in das amerikanische Selbstverständnis ein wie die einzelnen Prinzipien ihrer federalistischen Widersacher. die den Schritt von traditionellen konstitutionellen Denkmustern zur Verfassungs-Moderne insoweit zu meistern vermochte. Obwohl die Anti-Federalisten unter dem Strich den Kampf um die Verfassung verloren hatten. Gleichwohl: Über die unmittelbare Bedeutung der Federalist Papers in der Auseinandersetzung um die Verfassung sind die Meinungen geteilt.] und zwar auf Genuß des Lebens und der Freiheit und dazu die Möglichkeit.P. 1 der Erklärung heißt es: „Alle Menschen sind von Natur aus gleichermaßen frei und unabhängig und besitzen gewisse angeborene Rechte [. Washington als erster Präsident den Beschluß eines Grundrechtekatalogs im Kongress durchsetzen würde. konstitutionelle „Morgendämmerung“ – die Bill of Rights In ihrer Tragweite ist dabei die Verfassung Virginias vom 12. Sie sollte die erste Verfassung sein.I. Hinzu kamen unter anderem Gewährleistungen der Pressefreiheit (Art. Adams. Nachdem jedoch mit Virginia als zehnter Staat nach Massachusetts ein anderer großer Schlüsselstaat die Verfassung ratifiziert hatte. stand der Staat New York vor der Wahl. / 29. Juni 1776 kaum zu unterschätzen. Der Verdienst der Federalist Papers lag weniger in deren tagespolitischem Erfolg als in der ideenpolitischen Langzeitwirkung auf das politische Selbstverständnis der amerikanischen Republik. e) Die Schlüsselrolle der Verfassung Virginias – Pionierin der Menschenrechte. dass G. das auf mühsamen. Eckpunkte der US-amerikanischen Verfassungsentwicklung 35 den europäischen Einigungsprozess ist es erhellend.. im Internet unter http://chnm. kleinteiligen Gewinn-und-Verlust-Rechnungen beruht.gmu. Der Konvent entschloss sich schließlich mit knapper Mehrheit für die Ratifizierung. 12) und der freien . Eigentum zu erwerben und zu besitzen und Glück und Sicherheit zu erstreben und zu erlangen.edu/declaration/german. Die naturrechtliche Lehre von den unveräußerlichen 52 In Art..

in fünf Staaten waren beispielsweise nur Protestanten amtsfähig. Schnur (Hrsg.“ 55 Die Staaten Virginia. Delaware.. Bd. 1999. Gewissensund Kultusfrreiheit für unverletzlich erklärt. 1909. New York und Massachusetts waren es dann auch. 166 ff. 1977.. Allgemeine Staatslehre. 1953. dazu R.36 B. 13. Allgemeines Staatsrecht. A History of the American Bill of Rights. lebendige Wirklichkeit. Studien zur Erklärung der Menschenrechte. 1974). 1955. 1776 wurde erstmals diese für das spätere Verfassungsverständnis wesentliche Verbindung formuliert: „We [. Freiheit.. in den Covenants von Connecticut [. Morison (Hrsg. The Great Rights of Mankind. Die Erklärung der Menschen. Zur Geschichte der Erklärung Menschenrechte und Grundfreiheiten. to be the constitution of this commonwealth. zitiert nach S. Aufl. gutem Namen und Besitztum sowie die Glaubens-. Siehe zu den ersten amerikanischen Entwürfen von Grundrechtskatalogen bereits H.180 f. 54 O. Vossler sieht der Amerikaner „im Mayflower Compact. R. 53 Bereits das Massachusetts Body of Liberties von 1641 enthielt ein detailliertes Bekenntnis zu Individualrechten. Zippelius. In den General Fundamentals von New Plymouth aus dem Jahre 1671 wurde die Gleichheit vor dem Gesetz und in der Rechtsprechung. Aufl. In der Verfassung Pennsylvanias vom 28. 133 f. um die bedeutendsten Freiheiten als allgemeine Bürger. 1776 – 1791. Sources and Documents Illustrating the American Revolution 1764 –1788.und Bürgerrechte in den ersten amerikanischen Staatsverfassungen. 55 Vgl. sondern fassbare. Neudr. Jedoch sollte es nicht lange dauern. ihrem ausgeprägten Unabhängigkeitssinn und deren gewachsenem Streben nach Glaubensfreiheit zuzuschreiben sein.A.“ 54 Zwar steht die Menschenrechtserklärung von Virginia noch außerhalb. Maryland. II.] wirklich durch Vertrag Staaten entstehen. 329. 53 Es mag der damaligen Mentalität der Siedler. Hägermann. So war die Frage nach dem konkreten Inhalt von „Freiheit“ nicht eindeutig im Sinne einer allgemeinen Übereinstimmung zu beantworten. The Birth of the Bill of Rights. S. vgl. Pennsylvania. North Carolina. Vossler. declare and establish the following Declaration of Rights and Frame of Government. dass Religionsausübung (Art. Inhaltlich gab es hierbei erhebliche Differenzen. 1910.E. 16). auch B. die eine Annahme der Bundesverfassung von der Bedingung abhängig machten. sichtbare. S. Rutland. Aufl. 162 f.. J. die schließlich in deren konkreter Umsetzung mündete. 1964 (2. 2. Freiheit als politische Partizipation war nicht gleichmäßig verwirklicht. Leben. S. 56 So kam es schließlich. die Achtung von Leib. S. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Menschenrechten und die Rechtsentwicklungen in England bildeten den geistigen Unterbau. „The Constitution of Pennsylvania“. Hatschek. bis es zu der Verschmelzung beider Bestandteile kam. 56 Bis 1780 schufen lediglich sechs Staaten Grundrechtserklärungen (Virginia. also formal getrennt von der „Constitution or Form of Government“.] do ordain. Das Gleichheitsprinzip der Unabhängigkeitserklärung war .).). in: R. Schwartz.oder Menschenrechte in einem Grundrechtskatalog zu konzentrieren und als positives Gesetz zu verkünden. Laut O. 1929. Massachusetts).. dass Grundrechte dauernde Berücksichtigung fänden. dass sich eine beispiellose Offenheit für zeitgenössische Staatsphilosophie beobachten ließ. Vgl.9. ihm ist in allen diesen Punkten das Naturrecht gar nicht Theorie und Literatur.

Bd. betonten in den gemeinsam von ihnen verfassten Federalist Papers. Einzelheiten zu den Amendments unten ausführlich IV. S. grundrechtliche Abwehrrechte seien überflüssig.. Eckpunkte der US-amerikanischen Verfassungsentwicklung 37 Herrschaftsordnung und Grundrechte in der westlichen Verfassungstradition seit der Einbeziehung der Ten Amendments als „Bill of Rights“ in die amerikanische Verfassung im Jahre 1789 57 (ratifiziert 1791) eine untrennbare Einheit bilden und nicht hinweg zu denkender Bestandteil moderner Verfassungen sind. die Bill of Rights. Die Verfassungen und politischen Ideen der Amerikanischen Revolution. 57 Der Kongress verabschiedete am 25..a) Zur Geschichte der amerikanischen „Bill of Rights“ vgl. Supranationalität als Verfassungsprinzip. hierzu W. Levy. 1973. von denen die Bundesstaaten letztlich zehn bestätigten. The ratification of the Constitution and the Bill of Rights. W. Republikanische Verfassung und bürgerliche Freiheit. Origins of the Bill of Rights. in: Ruperto Carola – Forschungsmagazin der Universität Heidelberg. Das Jahr 1791 mag als die „Morgendämmerung“ einer modernen Verfassung bezeichnet werden. für die die amerikanische Verfassung berühmt geworden ist. ließen sie doch den Eindruck entstehen. 65. Adams. 59 Hamilton. 60 Vgl. Reed Amar.I. auch K. 1993. S. ja schädlich. S.1. Zudem würde so abgelenkt von der letztlich entscheidenden Gemeinwohlsicherung. Brugger. Vgl. Überdies fand es nur in drei Grundrechtserklärungen Berücksichtigung. Smith. Hertel. 58 Vgl. aus neuerer Zeit das sehr umstrittene Werk von L. Auf Druck der Anti-Föderalisten wurde bald nach Verfassungsannahme ein Grundrechtskatalog entworfen. Der „Vorabend“ der Bundesverfassung nahm unter dem Gesichtspunkt der Verknüpfung dieser heute untrennbar erscheinenden Elemente also durchaus den Zeitraum bis 1789 in Anspruch. Stern. Verfassungen im Vergleich: USA & Deutschland. 1999. der sich in demokratischer Selbstbestimmung äußere: „Hier müssen wir [. die Habeas Corpus Act 1679 und die Bill of Rights 1689 folgend strukturell und inhaltlich schon ein Stück in die Zukunft enteilt war. 1984. 22 ff. The Bill of Rights: Creation and Reconstruction. Heft 3/1994. 58 Selten wird darauf verwiesen.P.] letzten Endes das einzige solide Fundament für alle unsere Rechte suchen. 1787 – 1791. The Federalist No. dem Geist der Freiheit in der Bürgerschaft. 26. Siehe auch C.R. Gerechtigkeit und Freiheit seien ausreichend durch Gewaltenteilung und die repräsentative Demokratie gesichert. 84 (Hamilton). die der englischen Tradition von der Magna Charta 1215 über die Petition of Right 1627. Die historischen und verfassungsrechtlichen Grundlagen sowie die Fortentwicklung bespricht A.W. das mit ihnen abgewehrte Verhalten des Staats sei eigentlich erlaubt und müsse erst verboten werden. . 1998. 1. vordergründig gegen England gerichtet und zunächst nicht zur unbeschränkten inneren Umsetzung bestimmt. Madison und Jay. To form a more perfect union. dass im Prozess der amerikanischen Verfassunggebung 1787/88 die Föderalisten zunächst für eine Verfassung ohne Grundrechte eintraten. 1999. 59 Anders freilich W. September zunächst zwölf Verfassungszusätze (Amendments).“ 60 Bekanntlich konnten sich die Föderalisten mit diesem Ansatz nicht durchsetzen. Das Staatsrecht der Bundesrepublik Deutschland.

L. weit deutlicher mit den politischen Strukturen der vorhergehenden Periode.D. 920 ff. die Rechte des Einzelnen zu schützen. Insbesondere brach der reformierte Staat.]“ ist mehr als lediglich der Ausdruck des Demokratiegedankens. Adler / W. 2. Die Demokratischen Republikaner verteidigten die Rechte der einzelnen Staaten. Die Föderalisten bevorzugten einen starken Präsidenten und eine Zentralregierung. Tribe. Häberle. Inhalt und Sinn von Präambeln in ihrer Verbindung mit Verfassungen erläutert rechtsvergleichend P. aber grundlegenden Aspekten der amerikanischen Politik – der Notwendigkeit einer starken.H. Rotunda.E. 11 ff. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Die Verfassung und die Bill of Rights erzeugten so eine Balance zwischen zwei gegensätzlichen. 1991. Demokratie in Anfechtung und Bewährung. der sich eigentlich erst jetzt als in sich geschlossene Nation betrachten konnte. Die beiden ersten politischen Parteien spalteten sich entlang dieser Linien. 1982.20.12. Setzt man einen Vergleich mit 1776 an.3.P.. Der entstandene Verfassungsstaat auf der Grundlage des Dokuments von 1787 war zunächst von Geburtswehen begleitet. auch ders. Broermann.2. 5. „We. J. der freilich zu den Säulen amerikanischen Verfassungsdenkens zu zählen ist... effizienten Zentralgewalt und der Maxime. vgl. Constitutional Law in the United States: a Systematic Inquiry into the Change and Relevance of Supreme Court Decisions. 211 ff. Festschrift für J. Fundament und Auftrag dieses Werkes. S. so lässt sich feststellen. Präambeln im Text und Kontext von Verfassungen. 63 Das Volk wird als 61 Profunde Darstellungen der amerikanischen Verfassungsordnung bieten etwa R. 1. Verfassungslehre als Kulturwissenschaft. Eine Auseinandersetzung. Bland. S. allerdings Verwaltung und Staatsverständnis lediglich Modifizierung erfahren durften. 63 Zum Demokratieprinzip ausführlicher unter IV. 63 ff. 61 Bereits in den ersten drei Worten der Präambel 62 manifestieren sich Herkunft. obersten Souverän berufen wurde. S. 62 Die Präambel der amerikanischen Verfassung wird beispielsweise umfassend erläutert von M. in: J.. ch. S. 7 ff.. Siehe auch B. the People“ – Souveränität (in) der US-Verfassung Die Verfassung der Vereinigten Staaten ist die älteste noch gültige schriftliche Verfassung der Welt. denn dies schien mehr regionale Kontrolle und Verantwortung zu garantieren. Constitutional Law. Gorman. 1998. Listl / H. Nowak / R. „We the People[.3. die der Konfliktsituation unter den Delegierten des Verfassungskonvents gewissermaßen konsequent nachfolgte. Ackerman. 1988. 2000. Schambeck (Hrsg. 1787 wurde hingegen ein erstes klares Bekenntnis zur Moderne des Staatswesens abgegeben. Die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika. 1 ff. American Constitutional Law.W. We the People I: Foundations. 1992. The American Testament. 6 thed.38 B. Currie. Aufl. 2000. die beschwerlicher zu sein schienen als die der abgelösten Konföderation. 3 rd ed. 1975.).. indem die durch Generationen hindurch bewahrte Tradition der relativen Selbständigkeit der Einzelterritorien durchbrochen und das Volk der Vereinigten Staaten zum tatsächlichen. Den Zweck. dass damals die Kolonien zwar den einschneidenden Schritt zur Unabhängigkeit getätigt hatten.e). D.. . S.

Hunter’s Lessee. 324 (1816). 170 ff. Bachof / M.f)nn). 1963.) 304. 64 Diese Bezugnahme.. 1994 sowie R.K. 197 ff. Martin v. Die Verbindung von Verfassungsidee und Grundrechtsidee zur modernen Verfassung. S.. Grote. 64 . Müller u. Formen und Verfahren direkter Demokratie. K. 16 ff. a. Auflage 1914 (Neudr. The Political Thought of the American Revolution. Zum Verfassungsbegriff unten ausführlich unter B. 1979. K. Festschrift für Kurt Eichenberger zum 60.) 419. die alleine auf dem Willen eines Herrschers oder vertraglichen Absprachen beruhten. 66 Die Volkssouveränität fand zwar von Beginn an in der amerikanischen Verfassung ihre theoretische Verankerung. impliziert aber auch die Billigung und Prägung durch die Bürger eines Landes.S. wolle er nicht in Anarchie verfallen. 2 U. in: O.. Staatsorganisation und Staatsfunktion im Wandel. Hernekamp. Vgl. Annaheim. Zu Volksabstimmungen siehe allgemein aus dem deutschsprachigen Schrifttum H. Es herrschte insoweit Einigkeit als ein Staat. 185 ff. S. dass die Verfassung ein Akt des Volkes und nicht von souveränen und unabhängigen Staaten geschaffen war. Maryland. die von einem tiefen Misstrauen gegen jegliche Volksherrschaft gekennzeichnet war. Volksgesetzgebung in den USA und in Deutschland. (2 Dall. Sie zählten zu der konservativen Oberschicht. McCulloch v. W. in: P. in: Staatswissenschaft und Staatspraxis. Wobei der Begriff des „Schaffenden“ weit zu verstehen ist: eine Legitimation durch eine Volksabstimmung gab es nämlich ebensowenig wie zu den meisten folgenden Verfassungsentwürfen anderer Länder. 17 U. Festschrift für Peter Lerche. in: G. Direkte Demokratie in den Staaten der Europäischen Union. in diesem Fall sogar den Hinweis auf die revolutionäre Vorgeschichte. Gleichzeitig wird der Schaffende zum Adressaten. Eckpunkte der US-amerikanischen Verfassungsentwicklung 39 Träger der verfassunggebenden Gewalt festgeschrieben. Gönnenwein / E. 521. 26 m. da die Verfassungsväter keine Demokraten im eigentlichen Sinne waren. S. und entfaltet schließlich identitätsstiftende Wirkung. Die Gliedstaaten im amerikanischen Bundesstaat: Institutionen und Prozesse gliedstaatlicher Interessenwahrung in den Vereinigten Staaten von Amerika. Allgemeine Staatslehre. S. 68 Dennoch stand So hat auch der US-Supreme Court bereits früh festgestellt. siehe auch J. Schmitt Glaeser.S. Chisholm v. vgl.. Es konnte weder von einer Ordnung des gesamten Staatswesens noch von einer Einbeziehung übergeordneter. 67 sie entfaltete sich hingegen inhaltlich und in der Wahrnehmung erst eine Generation später. 67 Zu den Inhalten und Elementen des damaligen Souveränitätsverständnisses C. 3. (1 Wheat. Direkt-demokratische Institutionen und repräsentative Demokratie im Verfassungssstaat. Drath / O.II. Volksabstimmung in der rechtsstaatlichen Demokratie. Stern. 1991. 68 Vgl. K. vgl. 8 f. auch H. 403 (1819). N.I. S. Gedächtnisschrift für Walter Jellinek. J.2. sich an bestimmte Ordnungsvorstellungen halten müsse. Badura / R. 1955. Freilich handelte es sich hierbei oftmals lediglich um die Fixierung real vorhandener Machtverhältnisse und obrigkeitlich gesetzter Ordnungen. 155 ff. S. Gebhardt.) 316. 505.). Die Antwort gibt das Volk. 65 Schon seit der Antike wurden mit dem Begriff der „Verfassung“ die unterschiedlichsten Inhalte in Verbindung gebracht. Scholz (Hrsg. S. auch G. 317 ff. S..w. 1996. (Hrsg. Rossiter. 14 U. 66 Eine Ausnahme bildet freilich etwa die Schweiz. Georgia. die in dieser Form erstmalig Einzug in eine moderne Verfassung hielt 65.471 (1793). 200. B 23. Diesbezüglich war Verfassung alleine „institutio“ und nicht „constitutio“. 1992. unabänderlicher Prinzipien die Rede sein. Geburtstag. 1993.S. in: Aus Politik und Zeitgeschichte. Schneider.). Walz (Hrsg. 315 ff.). 1982. (4 Wheat. Loewenstein (1959). S. Heußner. 1960). Jellinek.

Organe und Machthaber mussten – vielleicht durften – sich mehr als zwei Jahrhunderte an einem nahezu unveränderten Verfassungstext ortientieren. außenund innenpolitische Neuordnungen fanden gerade nicht ihren Niederschlag in gänzlich neuen Verfassungsentwürfen. 1988. Maryland. gilt die Verfassung mittlerweile in einem Staat. Bestätigt und gestärkt durch die amerikanische Verfassungsgeschichte. Nach Currie hat diese Entscheidung „erheblich zur gesunden und weit verbreiteten Auffassung beigetragen. 316 (1819). begrenzt durch das Bewußtsein. Der Fortschreibung zufolge ist die Bevölkerung allein bis zum 1. 6. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung und steht die Souveränität des Volkes in der Folge im Mittelpunkt aller Betrachtung. Vgl. Currie. 71“ Auch in England als Wunderwerk menschlichen 69 Die Vereinigten Staaten von Amerika hatten zum Zeitpunkt der letzten Volkszählung im Jahr 1990 insgesamt 248. 78.S. 7. dessen Bevölkerung sich seit 1789 mehr als versechzigfacht hat 69 und der selbstbewußt für sich den Standort der Wiege des Fortschritts in Anspruch nimmt. Institutionen. Eine (ge)zeitenfeste Verfassung Ursprünglich für einen Agrarstaat mit einer Gesamtbevölkerung von weniger als vier Millionen Menschen konzipiert. dass die Verfassung ewige und heilige Vorschriften enthält. die lediglich 4400 Worte umfasst und damit die kürzeste aller geschriebenen Verfassungen ist. Die Grundentscheidung der Verfassungsväter. . Anwendung und Gestaltung der Verfassung. an denen man nicht ohne zwingenden Grund rütteln sollte. angestiegen.40 B. sondern das Recht übe letztlich die Herrschaftsgewalt aus. nicht der Mensch. 70 So auch der Supreme Court in seinem berühmten Urteil McCulloch v. Alle neueren Daten sind ein Ergebnis der Fortschreibung der Statistik. Neben idealisierten Darstellungen des Grundkonsenses von 1787 und der darauf beruhenden verfassungsrechtlichen Grundentscheidungen des historischen Verfassungsgebers ist wohl auch dies auf die Knappheit des Textes zurückzuführen. Die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika. Die Flexibilität eines konzentrierten. Im Zuge der Verfassungsbestätigung der vergangenen 200 Jahre hat sich in den Vereinigten Staaten von Amerika ein mitunter ritualisierter Verfassungspatriotismus ausgebildet.873 Einwohner. nur die fundamentalen Grundsätze durch die Verfassung selbst zu regeln 70. auch J. hat sich möglicherweise auch angesichts dieser Entwicklung bewährt. 24. 71 D. 17 U. Veränderungen des Wertebewußtseins. Menschen. Tatsächlich entwickelten sich die Vereinigten Staaten zu einer hochindustrialisierten.P. gestrafften Werkes ist demzufolge Ursache und Messlatte der Dauerhaftigkeit dieser Verfassung. S. S. 1998 auf 270 Mio. beherrschenden Weltmacht – und dies mit einer in ihren Kerngehalten wenig revidierten Verfassung. Annaheim (1992).709. Systemwechsel.

75 Insgesamt ist es kaum abwegig. wie erbittert sich das Ringen um die Unionsverfassung gestaltete. Im übrigen bis in die heutige Zeit: eine äußerlich überwiegend statisch anmutende Verfassung ist freilich auch stetem Wandel unterzogen. in: R. Mason. Constitution: a Guide to Information Sources. 8. McCarrick. Fraenkel. die ihrerseits Abbild einschneidender gesellschaftlicher. 1976. A Selected Bibliography of American Constitutional History. Loss (ed. vgl. 1977. S. die amerikanische Verfassungsgeschichte einer Strukturierung zu unterziehen wurde mehrmals unternommen. 77 Die umfassendste Bibliographie der amerikanischen Verfassungsgeschichte stammt von K. 74 Diesen Terminus gebraucht. vielleicht kultureller Veränderungen 76 waren.. 5 Vol.). Zur Einführung: Verfassungsrecht der Vereinigten Staaten. Siehe auch C. Eckpunkte der US-amerikanischen Verfassungsentwicklung 41 Geistes gerühmt 72.I. 1975. 73 E. Vol. 76 In diesem Zusammenhang von „kulturellen Veränderungen“ zu sprechen ist mit der Gefahr der Widersprüchlichkeit verbunden.L. 1980. Corwin. Eine Kultur schöpft ihre Wesensmerkmale aus der Kraft immanenter Veränderung.. wobei der Gedanke des Kompromisses als konstitutives Strukturprinzip oder als politische Lebensform 74 das amerikanische Verfassungsdenken in erheblichem Masse beeinflusst hat.. Sept.T. S.E. S.I.M. American Constitutional Development. auch im Hinblick auf die Vereinigten Staaten. 233 ff. Auflage 1999. S.. S. Mit unterschiedlichen Ergebnissen.S. 1984.]the most wonderful instrument ever struck off at a given time by the brain and purpose of man. in: The North American Review. 1878. auch E. der amerikanischen Verfassungsentwicklung bei aller scheinbaren Unbeweglichkeit der Verfassung gewisse Wendepunkte zuzuordnen. 7.“ Vgl. Aufl.S. 179 die Verfassung als „[. Verfassungsbestätigung erfährt damit 72 So bezeichnete W. . Klette. 77 Der vergleichende Blick auf die Verfassungsentwicklung Europas soll eine Auseinandersetzung mit den verfassungsbezogenen Wendepunkten in den Vereinigten Staaten rechtfertigen. Der Versuch.9. Zippelius in seiner „Allgemeinen Staatslehre“. A Comprehensive Bibliography of American Constitutional and Legal History. 3. A. 75 Diese Vorstellung des Kompromisses bildet den Leitgedanken bei der Betrachtung des amerikanischen „Verfassungscharakters“. Die heute so unverrückbar erscheinende amerikanische Verfassung war das Ergebnis zahlreicher Kompromisse. Hall. Siehe auch E.M. in: JuS 1976. wurde die Verfassung in den Vereinigten Staaten laut Fraenkel mehr und mehr zum „Objekt eines irrationalen Staatskults“ 73. 1896 –1979. Millett. die freilich differierenden Grundausrichtungen der jeweiligen Forschungsvorhaben entspringen. S. R.M. 157 ff. unten B. I 1981. selbst wenn sich dies lediglich in veränderten Auslegungskriterien eines gewandelten gesellschaftlichen Umfelds und nicht oder nur selten in textlichen Modifikationen äußern sollte. U. 13. 164 f. 432. Das amerikanische Regierungssystem. 21. Gladstone. Some Lessons from the Constitution of 1787. Wendepunkte amerikanischer Verfassungsgeschichte – Strukturierungsansätze Bei aller mythischen Verklärung darf jedoch nicht vergessen werden. Corwin on the Constitution.

. Deutschland und sein Grundgesetz: Themen einer deutsch-amerikanischen Konferenz.). Ähnlich wird der „cooperative federalism“ in „Grundlegung“ ( 1933 –1941) und „Ausdifferenzierung“ (1941 –1960) sowie die „neuere Entwicklung“ in „präsidentiellen Reformföderalismus“ (1960 –1980) und „Aufgabenreform der achtziger Jahre“ gestaffelt. hierzu A. hierzu A. 1959. S. 99 ff.B. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung sowohl eine Begrenzung als auch eine Erklärung hinsichtlich ihrer Abhängigkeit von „verfassungserstarkenden“ Elementen.V. wird am Beispiel der europäischen Wendemarken aufzuzeigen sein. Gunlicks (2000). Eine vergleichbare Aufgliederung nach Entwicklungsstadien des amerikanischen Föderalismus nimmt A. Föderalismus – hält er noch. in: 21 Journal of Urban Affairs (1999) no. 79 78 . J. 1993.). S. Loewenstein. Annaheim (1992). in: P. Gunlicks. Letztere sind durchaus in einigen verfassungsgeschichtlichen Wendepunkten zu sehen.B. Kommers (Hrsg. Verfassungsrecht und Verfassungspraxis der Vereinigten Staaten. soziale oder kulturelle Veränderung Platz gegriffen hat? K. Prinzipien des amerikanischen Föderalismus. 82 Hierzu unten B..42 B. 38 ff. 2. 82 Vgl. sobald eine gewisse gesellschaftspolitische. Föderative Systeme im Vergleich: Die USA und Deutschland. 81 Das neue Schlagwort in der amerikanischen Föderalismus-Debatte ist die sogenannte „devolution revolution“. von Arnim (Hrsg.B. 135 ff. Gunlicks vor. 55 ff. die sich zunächst an den Begriffen „dual federalism“ und „cooperative federalism“ sowie abschließend etwas flach an der „neueren Entwicklung“ 81 ausrichtet. 2000. auch im Lichte ausländischer Erfahrungen. was er verspricht?: seine Vergangenheit. 80 Siehe J. S. S. Demnach ist von der Gründungszeit bis zur Gegenwart eine grobe Dreigliederung vorzunehmen. in: H. II. Loewenstein teilt die Verfassungsentwicklung der Vereinigten Staaten von der Gründung der Union bis zu den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in drei Abschnitte. Ob sie letztlich ihre Entsprechung in der kürzeren gemeineuropäischen Verfassungsentwicklung finden. vgl. wobei sich der erste von der Etablierung der Republik bis zur Rekonstruktionsperiode nach Abschluss des Sezessionskrieges erstrecken sollte. S. S. K.. 41 ff. Annaheim unter dem Aspekt der Entwicklung des amerikanischen Föderalismus vor. 80 Dieser Ansatz soll aufgrund der bestimmenden Rolle des Föderalismus im amerikanischen Verfassungsdenken Berücksichtigung finden.H. 41 ff. Der „dual federalism“ erfährt noch eine abgestufte Betrachtung. Kirchhof / D. 78 Lassen sich nun allgemein verfassungsgeschichtliche Wenden konstruieren. Gegenwart und Zukunft.1. De Facto Devolution and Urban Defunding: The Priority of Persons over Places. 16. der zweite von diesem Zeitpunkt bis zur großen Depression 1929 reichte und schließlich der dritte die Zeitspanne vom Roosevelt’schen New Deal bis zur Gegenwart umfasse. Kincaid. die sich in allen rückblickenden Betrachtungen moderner Verfassungen zwangsläufig einstellen müssen. 79 Eine andere Einteilung nimmt J. und ders. indem zwischen „Aufbau“ (1789 –1861) und „Bewährung“ (1861 –1933) unterschieden wird. und zusammenfassend unter B.

511 f.. Die fünfte war die Abschaffung der Schranken der Kompetenzen der Staaten und des Bundes im wirtschaftlichen und sozialen Bereich während der ‚New Deal‘ Revolution der 30er Jahre dieses Jahrhunderts. gegliederten Verfassungsgeschichte wird offensichtlich. zeigt Curries Ansatz. Jedoch nicht ausnahmslos – insbesondere die politische Praxis sowie der amerikanische Amendment-Process nach Art.P. die vierte die richterliche Umwandlung des 14. 85 Vgl. 84 D. den Schutz der Minderheiten und die Integrität des demokratischen Prozesses eingesetzt – wie Chief Justice H. 85 Obgleich sich über die Auswahl der einzelnen „Wenden“ trefflich streiten ließe. D. dass seit 1969 vier republikanische Präsidenten zehn neue Richter zum Supreme Court teils mit dem ausdrücklichen Ziel ernannt haben. Neuere Entwicklungen im amerikanischen Verfassungsrecht. Currie wagt in diesem Sinne einen anderen Blickwinkel auf die Entwicklung des amerikanischen Verfassungsrechts. 524. und die erste Verfassung. die von anderer Qualität waren als solche. Die dritte war die Begrenzung der Macht der Einzelstaaten durch die ‚Civil War Amendments‘ nach dem Bürgerkrieg.F. 511 ff. aber nicht ausschließlich durch die Diskussion über die Grenzen und Möglichkeiten des Föderalismus Gestalt verliehen wurde. eine konservative Wende herbeizuführen. die Articles of Confederation: die Gründung einer neuen Nation. V der Bundesverfassung darf 83 D. in ihrer Linie bestätigt und gelegentlich neu ausgerichtet. So gibt es verfassungsspezifische Wendemarken.I. S. Amendment von einer Vorschrift zur Gleichbehandlung der Schwarzen in eine Waffe gegen den Sozialstaat. S. Currie (1998). Eckpunkte der US-amerikanischen Verfassungsentwicklung 43 Der Nachteil einer lediglich an den Erscheinungsformen des Föderalismus orientierten. in: JÖR 46 (1998).P. Die zweite war die Verstärkung des Bundes durch die Annahme der jetzigen Verfassung im Jahre 1788 und ihre weite Auslegung durch den Supreme Court während der Amtszeit des großen Chief Justice John Marshall. wenn man eine Einbeziehung des ersten Adressaten der Verfassung in diese Konstellationen anstrebt. welche die Bevölkerung. 512. dass der amerikanischen Verfassung auch. Vielmehr wird eines deutlich: die Verfassungsentwicklung wurde und wird im Wesentlichen durch die Entscheidungen des Supreme Court angestoßen. S. Currie. Currie (1998).P. . den Revolutionskrieg. D. die sich nur am Zusammenspiel der Kräfte des Bundes und der Einzelstaaten ausrichteten.“ 84 Eine „siebte konservative Wende“ erwägt Currie schließlich durch den Umstand. letztlich die Gesellschaft tatsächlich aufzuwühlen und zu prägen vermochten. der im Ergebnis eine siebte Wende lediglich angedeutet sehen will. 83 Demnach soll es in der Verfassungsgeschichte der Vereinigten Staaten bislang sechs „große Wenden“ gegeben haben: „die erste umfaßte die Unabhängigkeitserklärung.P. Seit der sechsten Wende hat sich der Supreme Court immer stärker für die Durchsetzung der Grundrechte. Stone schon 1938 voraussagte.

The Possibilities of Comparative Constitutional Law. wobei diesbezüglich nicht der zeitgleiche Moment.44 B. im internationalen Kontext zeitliche Parallelen zu finden.und Verwaltungsorganisationen führten. B. Vol. Insofern soll Currie bereits an dieser Stelle leise widersprochen werden.S. We the People. Ein nüchterner Blick auf die historischen Grunddaten der amerikanischen Verfassungsentwicklung und ihrer Bestätigung kann vielleicht einen Beitrag zur Entwirrung des „Wendengeflechts“ leisten. 1225 ff. Age of Democratic Revolutions. B. wo die ökonomischen Auswirkungen der Depression ähnlich wie in den Vereinigten Staaten zu bemerkenswerten Innovationen in den Regierungs. das zweite in der Phase der „Reconstruction“ und das dritte während des „New Deal“ entstanden. Jahrhunderts transatlantisch um die Inhalte demokratischer Revolutionen und die Niederlegung von Menschenrechtskatalogen (Virginia 1776. dass die geistigen Grundlagen beider Zeiträume unmittelbar nicht von Erfolg gekrönt waren.R. 87 Die Periode der „Reconstruction“ (1865 –77) wird gerne mit den Ereignissen in Europa im Jahre 1848 verglichen 88. jedoch langfristig substantielle Auswirkungen auf die Ideologie demokratischer Staatsführung hatten. 2 Bde. Siehe dazu das klassische Werk R. M. die in ihrer Abfolge bedeutende „transformations“ hinzunehmen hatten. 87 86 . 89 Vgl. Überdies offenbarten die höchsten Gerichte dieser Staaten ähnliche Argumentationsmuster in ihrem Widerstand gegen die Wirtschaftsmisere. Diese Ansicht kann für sich beanspruchen. sondern der Blick auf den Fortgang einer Generation ausschlaggebend sein soll. 86 Das erste „Regime“ sei mit der Gründung der Union geschaffen worden. 1998. 2: Transformations. Das erste „Regime“ ist Teil eines Rahmens. Tushnet. in: 108 Yale Law Journal (1999). Ackermann hat kürzlich die Diskussion bereichert. ebenda. 89 Die Verfassungskrisen in Argentinien und Weimar führten freilich bekanntlich zu anderen Ergebnissen. indem er drei „U. nur M. Für diesen gewagten Blickwinkel spricht immerhin. Ackermann. constitutional regimes“ benannte. Die implizite Verknüpfung mit den kulturellen Spiegelungen und Wirkungen einer lebenden sowie sich bewährenden Verfassung soll den sich stets erneuernden Bedeutungszusammenhang von Tradition und Moderne auch in diesem Kontext sichtbar werden lassen. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung bei einer Bestandsaufnahme der Umbrüche einer Verfassung nicht außer Acht bleiben. 88 Vgl. Zu der Verfassungskrise während der Zeit des „New Deal“ lassen sich durchaus Analogien zu den Entwicklungen etwa in Australien und Kanada ziehen. der sich Ende des 18. Palmers. 1959. Tushnet (1999). S. Frankreich 1789) setzen lässt.

Dabei soll die Wegstrecke konstitutioneller Selbstfindung vom Mayflower Compact 91 bis zur Verfassung Virginias als eigentlicher Ausgangspunkt dienen. akurater ausgedrückt. Eastman / E. die Rechtlosigkeit und Willkürherrschaft des Dritten Reichs. Casper.A. so lassen sich die beschriebenen Schritte von den einzelstaatlichen Verfassungen zu einer bundesstaatlich ausgerichteten. Etwas Analoges hat es beispielsweise in Deutschland nicht gegeben. in dem sie sich zur Aufrichtumg einer gesetzlichen Ordnung in der zu gründenden Siedlung Plymouth verpflichteten. S. dann wird deutlich. die sich die Unabhängigkeit 1776 nicht nur auf dem Papier. interpretieren und zusammenstellen. 92 Ähnlich K. die Weimarer Verfasssung. auch zu dieser Gegenüberstellung G. die Besatzungszeit.“ 90 . Eckpunkte der US-amerikanischen Verfassungsentwicklung 45 8. im Laufe der eigenen. Vgl. sondern im Herzen erstritten hatte. Amerikanische Kultur beginnt demzufolge nicht erst mit der Declaration of Independence oder den letztlich erfolgreichen Bemühungen um eine Verfassung.I.de/texte/deutsch/aktuell/Casper. neben der Unabhängigkeitserklärung als das wahrscheinlich wichtigste. Die Karlsruher Republik. 1848. das Vorrang vor den einzelstaatlichen Verfassungen In den mehr als zweihundert Jahren der amerikanischen Verfassung. Die kühne Feststellung der „konstitutionellen Selbstfindung“ geht Hand in Hand mit der kulturellen Selbstverwirklichung einer Bevölkerung. oder. 91 Vor der Landung des berühmten Segelschiffs am 21. den Rheinbund. Frederick W. Sie findet vielmehr hierin ihre ersten Höhepunkte. 90 Greift man das oben angeführte Bild der verfassungshistorischen „Wenden“ wieder auf. 92 Die neue Verfassung und die Gesetze und Verträge der Union bildeten das „supreme law of the land“. Turner III sagte 1971in einem Vorwort zur Neuauflage von C. Eastman. Loewenstein. 11.html. Indian Boyhood. Rede beim Staatsakt zur Feier des fünfzigjährigen Bestehens des Bundesverfassungsgerichts am 28. http://www. 1959. übergeordneten Verfassung in der Gestalt von 1787 sowie die anschließend erfolgte Einbettung der Grundrechte als erste Wendepunkte markieren. 1902: „Die Geschichte existiert für uns nicht bis und nur wenn wir sie ausgraben.bverfg. Die Asomnie amerikanischen Verfassungsdenkens und –lebens über mehr als zweihundert Jahre ist ebenso Zeugnis positiven Auslegungsgebarens wie gelegentliches Abbild eines herausgeforderten Aktionismus. 1620 bei Cape Cod schlossen 41 Männer aus den Reihen der Pilgerväter den Mayflower Compact. hat Deutschland das Ende des Heiligen Römischen Reichs gesehen. den Deutschen Bund. was Geschichte schon immer gewesen ist – ein Teil der Gegenwart. später den Norddeutschen Bund. Dann wird die Vergangenheit lebendig. amerikanischen Geschichte kontinuierlich als Bezugspunkt gedient. Konstitutionelle Selbstfindung und kulturelle Selbstverwirklichung Die amerikanische Verfassung hat. Verfassungsrecht und Verfassungspraxis der Vereinigten Staaten. VII. Verfassungsgeschichte muss in den Vereinigten Staaten als Verfassungsgegenwart angesehen werden. die Bismarck’sche Reichsverfassung von 1871. zwei Verfassungen der DDR und das Grundgesetz. September 2001 in Karlsruhe. definitorische Element der amerikanischen res publica.

Spiegel seines kulturellen Erbes und Fundament seiner Hoffnungen“ zu sehen. Auch P. Howard. wie man in Amerika glaubte. Hierzu ausführlich unter B. dass die Theorie von Verfassung und Staat der Erfahrung gefolgt ist. Denkweisen. dass die Regierungsstruktur auf die Zeitgenossen. 18 in Fn. München 2000. S. Ähnlich P. als An93 Siehe P. Sie kann in ihrer ursprünglichen Gestalt als Resultat einiger wesentlicher Einflussfaktoren betrachtet werden: als Erwiderung der vorhersehbaren Schwächen des amerikanischen Staatenbundes unter den Articles of Confederation. Hay. Häberle 93 verdeutlichte. Es wurde bereits darauf hingewiesen. Aufl. Zusammenfassend wäre es also verwegen zu behaupten. In fortwährendem Rückgriff auf ihre Wurzeln und Ursprünge erlangte die amerikanische Nation mit der Verfassung neben einem Instrument der Selbstinterpretation eines der (kulturellen) Selbstverwirklichung. Die Väter der Verfassung orientierten sich aber nicht nur an der Gegenwart. Sie waren sich bewußt. Dies ermöglichte der Zentralregierung die nötige coercive power gegenüber den Einzelstaatsparlamenten. 2. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung und Gesetzen hatte. US-Amerikanisches Recht.a)aa). die Madison und Hamilton als unabdingbar für die innere Stabilität der Union erachteten. 95 Insoweit ist die Verfassung aber Mahner an die Tradition wie im ähnlichen Maße regulierende Barriere für allzu modernistische Bestrebungen. sondern auch an der Zukunft ihrer Nation. M. 2001. statt sie zum Ausfluss einer Idee zu machen. in einer Verfassung seien nicht lediglich blanker juristischer Text oder normatives „Regelwerk“. Häberle. Frankfurt a. die amerikanischen Verfassungen nach 1776 faßten lediglich in Worte. aber auch auf spätere Generationen ausgerichtet sein musste. „sondern auch Ausdruck eines kulturellen Entwicklungszustandes. dass die britische Verfassung hätte geraten müssen. dass mit dem Inkrafttreten der Verfassung von 1787 zunächst ein grundsätzlich neuer Verfassungsbegriff am Ende einer Entwicklung und am Anfang eines Siegeszuges eines in sich wachsenden „Exportartikels“ stand. 5. Hoffnungen und Ängste der ursprünglich verfassunggebenden Generation des 18. Die Grundlegung der amerikanischen Demokratie. dass hinter der heutigen Verfassung eben auch die Begriffe.1. 96 Die amerikanische Verfassung ist Ausdruck der Selbstbestimmung und nationalen Einheit des Landes und verobjektivierte den Willen ihrer „founding fathers“.IV. Berlin 1998. 94 Trotzdem ist auch im Rahmen zeitgemäßer Interpretation darauf hinzuweisen. die die Wirklichkeit umgestalten sollte. S. 95 94 . Artikel V der US-Verfassung gibt hierfür beredtes Zeugnis. Jahrhunderts stehen. Ihre Dauerhaftigkeit verdankt die amerikanische Verfassung der Tatsache. 96 Ähnlich auch D.46 B. Mittel der kulturellen Selbstdarstellung des Volkes. 83. Verfassungslehre als Kulturwissenschaft.

zu dieser Bezeichnung R. Allgemeine Staatslehre. Reinhard. 1999. Frankfurt / New York 1990. N. Meinungs. Der philosophische Schwung der Unabhängigkeitserklärung von 1776 mag verloren gegangen sein – die entsprechend nüchtern ausfallende VerfassungsPräambel legt hierfür bereits klares Zeugnis ab. zur Auslegung. 98 Insgesamt ist die Perzeption vom „Kompromiss als politischer Lebensform“ 99 ein Ankerpunkt des amerikanischen Verfassungsverständnisses. Adams u. Geschichte der Staatsgewalt: eine vergleichende Verfassungsgeschichte Europas von den Anfängen bis zur Gegenwart. Zippelius. dass die Kompromisse kein ausbalanciertes Resultat berücksichtigenswerter Interessen sind. Kein anderes postkoloniales Staatswesen sollte über diese Grundlage einer politisch geschulten Zivilgesellschaft verfügen. Eckpunkte der US-amerikanischen Verfassungsentwicklung 47 passung von Institutionen und politischen Prinzipien. in: W. Bd.P. 480 ff.I. Das nordamerikanische Verfassungsverständnis ist wesentlich durch die Vorstellung von Konsens geprägt. Der Kompromiss als Ankerpunkt amerikanischen Verfassungsverständnisses Die offensichtlichen Grundprobleme. 99 Vgl. Dennoch gewährt die Bundesverfassung erheblichen Spielraum zur Deutung und. 277ff. 97 . S. In der Praxis bewies sich diese Bewandtnis erstmals anlässlich des Verfassungskonvents von 1787 in der bereits geschilderten Einigung zwischen den kleineren Staaten und Madison hinsichtlich des Proporzes im Zweikammersystem. 9. (Hrsg.).und Glaubensfreiheit organisiert und auf den unterschiedlichen Ebenen des Bundesstaates zur Durchsetzung ihrer Ziele in ein Konkurrenzverhältnis gebracht werden. Gleichwohl war die Gesellschaft der Vereinigten Staaten bereits seit langem an die selbstverständliche Praxis einer bestimmten Art von Staatlichkeit und Konsensherstellung gewöhnt. Die Vereinigten Staaten von Amerika. die den Amerikanern aus ihrer kolonialen Vergangenheit und den Verfassungen der neuestens unabhängigen Einzelstaaten vertraut waren 97 und als Kompromiss zwischen widerstreitenden Interessen und politischen Ideen. Aufgrund einer ausgeprägten „Partikularisierung“ der Politik ergibt es sich nicht selten. 98 Derartige Erfahrungen fehlten entweder weitgehend wie in Lateinamerika und später in Afrika oder sie waren nur wenige Jahrzehnte alt wie etwa in Indien 1947.w. a. im juristischen Sinne. 277. 1999. Shell.L. Individuelle Interessen sollen auf der Basis persönlicher Entfaltungsfreiheit. So erlangte die neue Bundesverfassung einen pragmatischen und vergleichsweise undoktrinären Charakter. S. etwa der Ausgleich zwischen Zentralgewalt und Einzelstaaten wurde durch Kompromisse gelöst. sondern unter erheblichem – zuweilen unverhältnismäßigem – Einfluss partikulärer Kräfte erwachsen oder scheitern. 233 ff. S. So auch K. Aufl. 1. Siehe die Ansätze zu einer vergleichenden Verfassungsgeschichte auch bezüglich des Staates in der außereuropäischen Welt in W. m. Die Verfassung von 1787. 13.

das amerikanische Verfassungsrecht habe nie eine hohe Stufe dogmatischer Durchbildung erreicht. hat zusätzlich Entscheidungsprozesse gehemmt. Constitution. 9. Die Notwendigkeit ergibt sich bereits aus der Gefahr der Konturlosigkeit höchsten. in einem Flechtwerk von Kompetenznormen fassbaren Zustand.S.K. 10. verbindlichen Rechts. Eine dynamische Verfassung – „living constitution“ Die amerikanische Verfassung wird weithin als „living constitution“ bezeichnet und begriffen.48 B. 1995.. verbunden mit einem allzu offenen Spielraum richterlicher Interpretationstätigkeit. Ihre Kürze und inhaltliche Unbestimmtheit gereicht ihr hingegen zur Stärke. die in über 200 Jahren erprobt und bestätigt wurde. auch die häufige Bezeichnung der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) als „living instrument“.M. S. Bland. Zur Einführung: Verfassungsrecht der Vereinigten Staaten. der Charakterzug der amerikanischen Verfassung als „living constitution“ erfordert gerade eine dogmatische Einbettung.W. als Aufruf zur Rechtsunsicherheit verstanden werden. The Living U. 1992. nämlich bei klaren Mehrheiten der „Präsidentenpartei“ in den beiden Häusern des Kongresses. 8 ff. Es liegt daher nahe. Auf den zweiten Blick wird deutlich: das System der „checks und balances“ wird hiermit unelegant. 100 Zwar könnte sie für den kontinental-europäischen Juristen angesichts fehlender scharfer Kompetenzabgrenzungen sowie begrifflich schwammig umrissener Tatbestände. Im Gegenteil. sondern als dynamischen Evolutionsprozess zu begreifen. 100 Vgl. ed. . Der Umstand. Die verfassungsrechtlich gewollte „Langsamkeit“ der Politikprozesse in den USA ist in den vergangenen Jahrzehnten häufig durch das Phänomen des „divided government“ verstärkt worden. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Der dauernde Zwang zu Koordination und Kompromiss erzeugt allerdings auch Reibungsverluste und gefährdet nicht selten Klarheit und Kontinuität amerikanischer Politik. statt vieler R. Auch wenn es paradox klingen mag. dass häufig der Präsident und die Kongressmehrheit nicht derselben Partei angehören. die ihren Ursprung in zuweilen engen Maßstäben (kontinental-)europäischen Rechtsdenkens haben. 101 Diese Feststellung ist jedoch nur im Hinblick auf dogmatische Grundsätze nachzuvollziehen. führt dies umso eher zu Lähmungserscheinungen. 3 rd rev. Constitutional Law in the United States: a Systematic Inquiry into the Change and Relevance of Supreme Court Decisions. und den Titel der Textsammlung von S. Vgl. die Verfassung der Vereinigten Staaten eben nicht als dauerhaft unberührbaren. aber effektiv ausgehebelt. In der zweiten Amtsperiode von G. Das amerikanische Faktum einer gewissen Scheu vor starren Begrifflichkeiten und abstrakten Systematisierungen bedeutet nicht die Abkehr von jeglicher Dogmatik. 101 So C. in: JuS 1976.W. 7 f. Letztere Annahme könnte die Schlußfolgerung nach sich ziehen. die demzufolge kaum als Obersatz eines Subsumtionsschlusses dienen können. Klette. Padover. S. Bush offenbarte sich jedoch auch ein umgekehrtes Phänomen immanenter Schwächung. Revised Edition.

Sie ist der Zusammenhalt einer sonst sehr heterogenen Gesellschaft.). seien an dieser Stelle nur angedeutet. Sie verzichtet auf die Verantwortlichkeit der Regierung gegenüber der vom Volk gewählten gesetzgebenden Körperschaft. durch das Enteilen der Technik hervorgerufenen sozialen und wirtschaftlichen Wandel ergeben haben und werden. Gewaltenverschränkung sowie föderativer Gewaltenbalance erfordert. und B. dass die Rechtsordnung der USA einen außerordentlich hohen Grad an Komplexität aufzuweisen hat. abstrakten Grundbedingungen des Staates festlegen und ist nicht – wie in der Schweiz über die Volksinitiative – auch eine stete „Plattform der politischen Auseinandersetzung“. S. Ukrow. auch J. Eckpunkte der US-amerikanischen Verfassungsentwicklung 49 Die amerikanische Verfassung soll die festen. Die Furcht vor einer allzu starken Machtkonzentration ebnete den Weg zu einer Bundesverfassung. Verhandeln und Aushandeln bilden die Messlatte des Umgangs. 103 Vertiefend wird hierauf im Zuge des später folgenden „transatlantischen Vergleichs“ eingegangen (vgl. . ohne aber nur noch repräsentative Funktion zu haben.3. deren Handhabe gegen jegliche einseitige Machtposition ein vielverzweigtes System der Gewaltenteilung.L.IV. Zusammenarbeit. um den ehernen Prinzipien Gewaltenteilung und gegenseitige Gewaltenhemmung stärkere Geltung zu verleihen. S. Richterliche Rechtsfortbildung durch den EuGH. Vielleicht sind es gerade die genannten Charakteristika der Verfassung. und bildet so einen eigentlichen „dignified part“ des amerikanischen Staatsrechts (Verfassungspatriotismus). L. 102 Die Schwierigkeiten. 69. Unter der Alleinherrschaft eines von einer demokratischen Mehrheit gewählten Parlaments und einer von einem demokratischen Parlament abhängigen Regierung 102 Vgl. Beispielsweise beinhaltet die Willensbildung zwischen Union und Bundesstaaten.I. V. unter B. am Konfliktregelungsmodell der konsensorientierten Kooperation ausgerichtet. 11. Die grundsätzliche Flexibilität der amerikanischen Verfassung. Auch insofern ist das gesamte System. die zu diesem differenzierten Erscheinungsbild mit beizutragen wissen. die sich aus dem steten. abgesehen von den auf Wettbewerb angelegten Wahlen. 75. Jaffe. 1969. zwischen den Bundesstaaten und innerhalb eines Bundesstaates sowie schließlich die Assoziation dieser einzelnen Umstände ein vergleichbares Maß an Problemstellungen wie die gegensätzlichen Interessen und weitgehend fehlende Homogenität zwischen den Regionen und den Bundesstaaten. ihre Beständigkeit und Kürze können aber nicht darüber hinwegtäuschen. 1995. Einige Grundgedanken und Strukturelemente des amerikanischen Verfassungsstaates 103 Die Vereinigten Staaten von Amerika sind eine präsidialdemokratische Republik mit bundesstaatlicher Verfassung. English and American Judges as Lawmakers.

nach dem sie angetreten sind: der Bereitschaft. nach denen sie im Gesamtgefüge der nationalen Einheit zu operieren berufen sind und normiert zugleich die Beschränkungen. Besteht doch die Gefahr. dass kein Einzelinteresse einen dominierenden Einfluss auszuüben in der Lage sei. dass ohne den Glauben an das Vorhandensein eines Gemeinwillens das Gemeinwohl gefährdet. . sondern der Schutz der Minderheiten war das primäre Anliegen der ursprünglichen Verfassung der USA. Nach E. Die Verfassung von 1787 geht vielmehr von der Annahme aus. dass mittels einer Repräsentativverfassung nicht nur der Schutz. Das amerikanische Regierungssystem. 1960. Das amerikanische Regierungssystem.. Die Ablehnung einer „direkten“ Demokratie und die Bejahung der repräsentativen „Republik“ wird mit der Erwägung gerechtfertigt. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung hielten die Väter der amerikanischen Verfassung auch die Rechte der Minderheiten für ständig bedroht und daher nicht nur die religiösen Freiheitsrechte der religiösen Sekten. Wie denn andererseits die Gefahr besteht. aus denen die heterogene amerikanische Nation zusammengesetzt ist. dass ein Gruppenkompromiss entweder unmöglich oder lediglich unter einseitiger Berücksichtigung der Interessen der stärksten dieser Gruppen zu erreichen ist. sondern auch die Eigentumsrechte der (eine dünne Oberschicht bildenden) ökonomischen Elite für gefährdet. Fraenkel garantiert das naturrechtlich legitimierte amerikanische Verfassungsrecht nicht nur die Existenz dieser Gruppen. 104 Bis in die Gegenwart hinein leben die Vereinigten Staaten von Amerika nach dem Gesetz.: „Es wäre allzu einfach. wenn nicht gar vergewaltigt fühlten. wenn allen Sonderinteressen der gleiche Schutz und die gleiche Chance gewährt und gleichzeitig ausreichend Vorsorge getroffen werde. Nicht die Herrschaft der Mehrheit. ihr wieder entfremdet worden wären. 39 f. Fraenkel. den Mitgliedern der verschiedenen Gruppen. Der Rousseau’sche Gedanke eines a priori gültigen Gemeinwohls ist ihr ebenso fern wie die Vorstellung. die einer jeden dieser Gruppen und der Gesamtheit auferlegt sind. dass die Herrschaft des Gemeinwillens die Unterdrückung der Privatinteressen erforderlich mache. weil die autonome Entwicklung der Partikulargruppen gewährleistet ist.50 B. S.1960. und der amerikanischen Nation niemals hätten eingegliedert werden können bzw. weil sich sonst herausstellen mag. 343 ff.“ sowie ders. sondern auch der Ausdruck der Minderheitsinteressen ermöglicht werde. 104 Siehe aber auch E. die Existenz und die Betätigung der Gruppenwillen lediglich als soziale Verfallserscheinungen abzulehnen. dass dem Gemeinwohl dann am besten gedient sei. 105 E. dass ohne die Gewährung eines freien Betätigungsrechts die Minoritätsgruppen sich vernachlässigt. und es wäre allzu bequem. wenn nicht gar beeinträchtigt wird. aus der sie sich zusammensetzt. die sich gerade deshalb als politische Einheit fühle. den Drang und den Glauben nach einem einheitlichen ‚Gemeinwillen‘ lediglich als ‚falsches Bewußtsein‘ abzutun. 343 ff. eine freie Entfaltungsmöglichkeit und den Gruppen selber ein freies Betätigungsrecht zu gewähren. S. sondern legt auch die Spielregeln fest. S. Fraenkel. 105 Beides sei zur Pflege des Gemeinwohls einer Nation unerläßlich.

jedoch haben in verschiedensten Rechtskulturen nach einer gewissen Bewährungszeit Verfassungen wie auch Verfassungsorgane eine bedeutsamere Position im Bewusstsein der jeweiligen Öffentlichkeit eingenommen. ist der Konservatismus ein erst in der Moderne möglich gewordenes Phänomen. Bd. Ein Beitrag zur Soziologie des Wissens. . Heft VIII. 1927). das die Dynamik der bürgerlichen Gesellschaft und die Spaltung der Ideenwelt in Gegner und Befürworter des „Fortschritts“ voraussetzt. S. als J.J. Streinz. Mannheim. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 51 Es ist richtig: Der stärkste Integrationsfaktor der Vereinigten Staaten von Amerika ist die Anerkennung des pluralistischen Charakters der amerikanischen Nation. 2006. Gerade letzteres sollte vom Vorwurf romantischer Verklärung geschieden und der Erkenntnis eines tatsächlichen Integrationsdefizits zugeführt werden. und ders. die in Europäischen Institutionen wie in einer Europäischen Bevölkerung zu finden sein dürfte. 636 ff. in: Villa Vigoni. European integration trough constitutional law. 20 ff. Auf dem Weg zu einer europäischen Wissensgesellschaft. Ottmann. zum Scheitelpunkt zwischen Konservatismus 106 und Moderne werden. im weiteren Sinne auch R. Jedoch nicht getrennt voneinander. 107 106 Der Konservatismus ist angesichts seines modernen Ursprungs (er wurde zur Zeit der Französischen Revolution zum Sammelbegriff für politische Strömungen und Ideen. Mannheim. auch H. 1985. Croker die Tories als „conservative party“ bezeichnet) vom Traditionalismus oder vom sog.). Während der Traditionalismus die „allgemein-menschliche Eigenschaft“ bezeichnet. 3. Mangiameli (Hrsg. einer organisierten „Seilschaft“. am Ende dieser Stufenleiter angelangt und auf dem Wege zur Tradition. in: H. ebenda. Konservatismus. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung sowie des Verfassungsverständnisses Europa als Gedanke. 7. Konservatismus. Emotionale Bindungen sind der oftmals von einem Subordinationsverhältnis geprägten Rechtswirklichkeit nicht unbedingt wesenseigen. 107 Vgl. Aufl. vgl. der weder die Option der Gradwanderung noch die Gelegenheit der Verbindung jener Elemente auszuschließen vermag. „dass wir am Althergebrachten zäh festhalten und ungern auf Neuerungen eingehen“. ein lebensfähiger Konservatismus hat demzufolge sowohl die unversöhnliche Gegnerschaft zur Moderne als auch die kritiklose Anerkennung derselben zu meiden. 1 ff.W. „natürlichen Konservatismus“ zu unterscheiden (vgl. Beides bedarf einer stützenden Konstante. April 2004. in: Staatslexikon.. Gewissheit und Realität könnte. S. Blanke / S. Hier soll der Konservatismus durch seine ambivalente Stellung zur Moderne bestimmt werden.II. II. dazu ausführlich K. S. sondern ihrerseits im gegenseitigen Verständnis wie auch emotional verbunden. vgl. in England erscheint der Begriff erst 1830. Europäische Integration durch Verfassungsrecht. Governing Europe under a Constitution.

6 f. aktuelle analysen Nr. 109 Ein guter Überblick findet sich bei R. Unterwegs zur Europäischen Union. 2005. der Europakonzeptionen des Mittelalters wie die von P. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung 1. Ansätze zu einer Verfassungsgeschichte der Europäischen Union. ist daher ein dürftiger Ansatz. 1984. Dubois und bildlicher Darstellungen wie Rembrandts „Raub der Europa“. 1991. Gedanklich einzufügen sind die Europa. des Abbé de Saint-Pierre im 18. Schulze (Hrsg. 109 Eine Verfassungsgeschichte Europas bedürfte freilich des Blickes bereits in die Antike. die ihren Ursprung im 20. Die Verfassungsentwürfe zur Gründung einer Europäischen Union. H. In ihr spiegelt sich von Anfang an die Intention der Europäischen Gründerväter.und Verfassungsgeschichte. S. Schäfer (Hrsg.).. 2008. Die neue Verfassung für Europa. 110 Von daher fehlt an dieser Stelle eine eingehendere Betrachtung des Europamythos’ der Antike. R. Da die Verfassungsidee unauflöslich mit der Frage der Einigung Europas verbunden ist. Von den Europäischen Gemeinschaften zur Europäischen Union.. Ohler / C. 46 der Akademie für Politik und Zeitgeschehen der Hanns-Seidel-Stiftung. 110 Siehe aber ausführlich beispielsweise W. 111 Man müsste Dantes Idee einer „Universalmonarchie“ ebenso einbeziehen wie die Gedanken von Podiebrad. Classen u. Crucés. 163 ff. Vgl. Hattenhauer. 111 Auch würde „Die Christenheit und Europa“ des 108 Zu den Begrifflichkeiten „Europäische Gemeinschaften“ und „Europäische Union“ und deren substantieller Unterfütterung U. S. Penn. Durch Konvergenz zur Kohärenz. Aufl. Der europäische Verfassungsprozess – Grundlagen. jedoch gleichzeitig die Bändigung eines der Ausschweifung gefährdeten Blickwinkels. Europäische Rechts. auch U. Vgl. S. Siehe auch A. Streinz.“. a. der Europäischen Union 108 ist so alt wie diese selbst.52 B. Zu nennen wären freilich in . 270 ff. in: C. Streinz / C.. auch R. in: ZNR 1997. Everling. Europäische Rechtsgeschichte. Everling. Jahrhundert. 2001.). Herrmann. S. Eingrenzung eines vielschichtigen Prozesses Die Debatte um die Verfasstheit der Europäischen Gemeinschaften bzw. H. Schmale. (Hrsg. gab es Vorläufer einer Verfassungsdiskussion schon seit dem ausgehenden Mittelalter. „In einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen . Geschichte Europas. der seinen Ausgangspunkt aber im Versuch des Verständnisses einer Jahrtausende währenden Entwicklungslinie „europäischen Denkens“ zu finden sucht.D. 2001. Einführung mit Synopse. Ideen und Projekte betreffend die Vereinigten Staaten von Europa in den letzten hundert Jahren. Wehberg. Herausragende Dokumente von 1930 bis 2000. 2004.). Jahrhundert finden. oder von Saint-Simon im frühen 19. Allerdings würde selbst die Beschränkung auf einzelne Wegmarken europäischer Verfassungsgenese den Rahmen dieser Untersuchung sprengen. 1 ff. die Erwägungen Sullys im 17. 2001. Werte und Perspektiven nach dem Scheitern des Verfassungsvertrages und nach dem Vertrag von Lissabon. 2002 sowie M. 4. Comenius und W. Zuleeg. mehr als lediglich ein loser Zusammenschluss gleich gesinnter Staaten zur Erreichung gemeinsamer Ziele und auch mehr als nur ein Binnenmarkt zu sein. Die Dezimierung auf Aspekte.und Friedenspläne von Erasmus von Rotterdam. Liber amicorum Thomas Oppermann.

Stationen eines Konstitutionalisierungsprozesses a) Von Paneuropa zur Europa-Union (1923 – 1944) Der „Verfassungsprozess“ der Europäischen Gemeinschaften – bis hin zur Europäischen Union – ist vielschichtiger als oftmals dargestellt 112 (– allein aus der Zeit 1939 –1984 hat W. 114 R. die Zukunft der Menschen zu formen. Bluntschli. Entwürfe einer europäischen Verfassung. Bereits im November 1923 hatte R. Paneuropa. Schelling. 45 Jahre Ringen um die Europäische Verfassung. in Erdteilen zu denken und die Welt nach seinem persönlichen Ermessen zu formen. eine „association européenne“ zu verwirklichen. Freilich war er überzeugt. in dem er seine Neigung. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 53 Dichters Novalis größere Beachtung verdienen. Vgl. der reif wäre. ebenso „Vordenker“ Europas wie C. Bentham. Helena in sein „Mémorial de Sainte Hélène“: „Eine meiner Lieblingsideen war die Zusammenschmelzung. Loth. dass Westeuropa der fortgeschrittenste und begabteste Teil der Welt sei. erstmals einer größeren Öffentlichkeit der Folge auch J. Gentz und selbst Napoleon Bonaparte (er schreibt 1816 auf seiner Verbannungsinsel St. Dokumente 1939 –1984. Lipgens nahezu 150 Texte mit Verfassungsvorschlägen vorgelegt 113 –) und soll in dieser (eingegrenzten) Untersuchung seinen Ausgangspunkt in der „Pan-Europa-Bewegung“ des Grafen Coudenhove-Kalergi finden. sie hätte dem Kontinent Wohlstand und Glück gebracht.). k. Mazzini oder V. F. geboren 1894 in Tokyo als Sohn eines k. von Suttner verwiesen. G. Marx begrüßte die freiheitlichen Bewegungen beispielsweise der durch das russische Joch unterdrückten Polen als „dialektische“ Etappe zur Einigung Europas in einer klassenlosen Gesellschaft. Eine historische Bilanz. Kant (er betont in seiner Schrift „Zum ewigen Frieden“ (1795) die Notwendigkeit. die durch Revolution und Politik getrennt worden waren. Siehe sodann auch die Schriften von J. Burckhardt und B. einen Bund der Nationen zu schaffen und entwirft ein „Bundes-Europa“). von Schmidt-Phiseldeck. K. une cour de cassation européenne“). Lipgens (Hrsg. 112 Die „europäische“ Verfassungsgeschichte mit zahlreichen Verfassungsentwürfen betrachtet vertiefend auch W. Von den Schriften der Widerstandsbewegung bis zum Vertragsentwurf des Europäischen Parlaments.F.N.“ Es sei vor allem sein Wunsch gewesen.F. u. also der einzige. Frantz. .W. 1986. Graf Coudenhove-Kalergi. 113 W. ein schmales Buch veröffentlicht 114. 1923.II. 2002. 2. Hugo. Graf Coudenhove-Kalergi. Hegel und F. die Vereinigung der Völker. Weitergesponnen wurden diese Gedanken (von der Überlegenheit Europas) etwa von A. dass die europäische Einigung niemals vom liberalen Bürgertum oder von Idealisten von der Art Mazzinis herbeigeführt werden könnte.K. Schließlich sei noch auf J. Comte. Marx (er teilte etwa die Überzeugung Hegels. aber auch K. sondern nur durch das Proletariat). die freilich bereits in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ihre Geburtsstunde erlebte und damit erheblich früher als die Gründung der Europäischen Gemeinschaften anzusetzen ist. auch die wichtigen Impulse von I. Diplomaten und einer Japanerin. nicht zuletzt auch ein gleiches System in ganz Europa: „un code européen.N. G.

Heiles formierte sich indessen innerhalb der Friedens. Ähnlich wie die Paneuropa-Union verstand sich das Komitee als „pressure group“ für Europa in den Parlamenten. auch jüngst A. bis jeder Europäer sich gezwungen sieht.N. der den institutionellen Rahmen für die europäische Integration darstellen sollte. Ähnlich waren dagegen die langfristigen Ziele: eine weit reichende politische und wirtschaftliche Integration der Staaten Europas. 2004. Präsident und Chefprogrammatiker der von ihm ins Leben gerufenen Bewegung entwickelte Graf Coudenhove-Kalergi eine Strategie persönlicher Lobbyarbeit – im Dialog mit Kanzlern und Königen. Eine Vision wird Wirklichkeit. und die europäische Integration wurde für den gerade 29-jährigen Aristokraten zur Lebensaufgabe: „Durch Agitation in Wort und Schrift soll die europäische Frage als die Lebensfrage von Millionen Menschen von der öffentlichen Meinung aller Völker aufgerollt werden. Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi und die Paneuropa-Bewegung in den zwanziger und dreißiger Jahren.und Völkerbundbewegung eine Gegenströmung. vgl. 1923. Als Antwort auf die Gründung der Paneuropa-Union hoben deutsche und französische Parlamentarier im Frühling 1924 ein „Komitee für die Interessengemeinschaft der europäischen Völker“ aus der Taufe. Damit standen sich seit 1924 zwei politische Organisationen gegenüber. eines Binnenmarktes und einer gemeinsamen Währung finden sollte. die unterschiedliche Europa-Konzepte verfochten: europäische R. die in allen Völkern Europas schlummert“. die ihren Abschluss in der Schaffung supranationaler Institutionen. Graf Coudenhove-Kalergi. welche zunächst die Öffentlichkeit mobilisieren sollte.54 B. Formen der Kommunikation. dessen Einbeziehung als elementar galt. die Schaffung gemeinsamer Institutionen in einer gemeinsamen Kapitale. Die Paneuropäische Idee. 1923. schließlich die Verabschiedung einer Verfassung für die Vereinigten Staaten von Europa. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung verriet. eine gemeinsame Währung und Armee. Botschafter Europas. Unter maßgeblicher Beteiligung W. später umbenannt in „Bund für Europäische Cooperation“. zu ihr Stellung zu nehmen. Der Titel „Pan-Europa“ stand für ein Programm mit weit reichenden Zielen: die politische und wirtschaftliche Integration des Kontinents. prophezeite Coudenhove-Kalergi im Vorwort 115.N. 1999. R.“ 116 Im Frühjahr 1924 gründete er in Wien die Paneuropa-Union 117. Graf Coudenhove-Kalergi. „Dieses Buch ist bestimmt. die heute zum einen angesichts der „europäischen Lähmung“ weiter Kreise der europäischen Intellektualität (deren sporadisches und allzu spätes Eingreifen. 117 Umfassend zur Paneuropa-Union beispielsweise ihr langjähriger Präsident O. Paneuropa. eine – nach heutigem Sprachgebrauch – Nichtregierungsorganisation. eine große politische Bewegung zu wecken. Grundlegend war dabei die Orientierung am Völkerbund. von Habsburg. Regierungskreisen und in der politischen Publizistik. Als Gründer. Unternehmern und Geistesgrößen. wie etwa seitens 116 115 . Im Unterschied zur Paneuropa-Union betrachteten die Mitglieder des Komitees Großbritannien als einen Teil Europas. Paneuropa. Ziegerhofer-Prettenthaler.

Hofmannsthal mit seinem Essay des Jahres 1922 mit dem Titel „Blick auf den geistigen Zustand Europas“ angeführt (Der Text findet sich bei P. politischen und wirtschaftlichen Dimension. da Vinci exemplarisch verkörpert wurde.). Novellen und Gedichten (einen Überblick mit zahlreichen bibliographischen Angaben gibt P.“ (postum 1944). dass dieser Krieg einen epochalen Einschnitt in der Geschichte Europas markiert (die Schrift ist abgedruckt in: J. Die Schriftsteller und Europa. sowie V. „Hoffnung Europa“. 988 ff). bei S. Als ein Beispiel unter vielen anderen möglichen sei hier aus dem deutschen Sprachraum nur H. Im Frühjahr des Jahres 1919 erscheinen in der renommierten Londoner Zeitschrift Athenæum zwei „Letters from France“. München 1992. Von der Romantik bis zur Gegenwart. ZEI-Discussion paper. Europa wird in beiden Ländern zum Thema einer kaum zu zählenden Anzahl von Essays und Aufsätzen. ja sogar zum Gegenstand von zumeist allerdings eher zweitrangigen Romanen. 7 (Juli 2003) S. 118 Gemeinsam war beiJ. in: FAZ vom 31. OEuvres. Valérys Schrift „La crise de l’esprit“ kann als der erste bedeutende Beitrag zu einer Debatte über Europa betrachtet werden. mit besonderer Intensität aber in Frankreich und Deutschland geführt worden ist. 1999. Nr. T. Valéry. unter Einbeziehung Großbritanniens und der UdSSR – oder Paneuropa als kontinentaleuropäisches Bündnis mit losen Verbindungen zur internationalen Staatengemeinschaft. Für den Cartesianer Valéry ist dieser europäische Geist nichts anderes als der Geist der Wissenschaft. hierüber nicht hinwegtäuschen kann). zum anderen hinsichtlich des Informationsdefizits in der Bevölkerung nahezu aller Mitgliedsstaaten. M.). 118 Unterschiedlich sah man auch die Modalitäten der Finanzierung: Der Bund für Europäische Cooperation konnte auf Subventionen der deutschen und französischen Re- . 272 ff.M. I. Nach dem Krieg: Die Wiedergeburt Europas“. von der Erfahrung des erst wenige Monate zuvor zu Ende gegangenen Weltkrieges und von dem klaren Bewußtsein. Entscheidend geprägt sind diese beiden Briefe.). wenigstens dringend geboten erscheinen. wie es in vielfältiger Form auch bei anderen europäischen Schriftstellern in den Jahren nach dem Ende des 1. Die Europa-Debatte deutscher und französischer Intellektueller nach dem Ersten Weltkrieg. Diese Krise Europas sei in erster Linie eine Krise des Geistes. Steinkamp. v. Valéry begreift dabei die Krise Europas nicht nur in ihrer militärischen. 1994. Zweig. und J. S. die in den zwanziger Jahren auf dem gesamten Kontinent.M. Weltkrieges zu finden ist. Lützeler. S. Derrida. verfaßt von dem französischen Dichter P. Deutsche Essays von Novalis bis Enzensberger. Ortega Y Gasset in seinem „Aufstand der Massen“ (1929) oder später in England bei A. 877 ff. 258 ff. Valéry artikuliert in seiner Schrift in charakteristischer Weise ein ausgeprägtes Bewußtsein von der Dekadenz Europas. auch in: Blätter für deutsche und internationale Politik. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 55 Integration innerhalb des Völkerbundes. Im Lichte der aktuellen Zurückhaltung europäischer Intellektueller innerhalb der Verfassungsdebatte (ausgenommen juristischer Fachkreise) sowie in der Diskussion um Gestalt und Zukunft Europas schlechthin.) Vergleichbare Belege für ein ausgeprägtes europäisches Krisenbewußtsein aber finden sich auch bei O. wie er sich auf dem Kontinent seit der griechischen Antike herausgebildet habe und wie er zu Beginn der Neuzeit von L. P. Valéry. Habermas.II. die Valéry noch im selben Jahr als Essay unter dem Titel „La crise de l’esprit“ im französischen Original veröffentlicht. in Spanien bei J. Lützeler (Hrsg. Frankfurt a. Hytier (Hrsg. Erinnerungen eines Europäers. der die eigentliche Essenz Europas ausmache und seine Zivilisation von allen anderen unterscheide. 1957. S. vor allem in seiner Autobiographie „Die Welt von gestern. insgesamt in wesentlichen Teilen der europäischen Öffentlichkeit aktueller denn je. Spengler in seinem „Untergang des Abendlandes“ (1918/22). Mai 2003. Toynbee in seiner Universalgeschichte „A Study of History“ (1934 –61). jenes „esprit européen“. sei beispielhaft – im Rahmen eines für jede Verfassungsentwicklung auch notwendigen geistesgeschichtlichen Rückblicks an einige Beiträge nach dem ersten Weltkrieg erinnert.

S. im weiteren Kontext auch S. vgl. C. dass in der amerikanischen Öffentlichkeit der Europaplan Briands so ausführlich diskutiert wurde wie selten ein Thema der europäischen Politik. 99. S. die sich im übrigen schon im frühen 19. 1928 –29. und wenig später auch in V. in: HZ 203 (1966). C. September 1929 schlug der französische Außenminister (und zeitweilige Ministerpräsident) A. ausführlich W. Dagegen suchte und fand Graf Coudenhove-Kalergi finanzielle Unterstützung in einem Kreis von Unternehmern und Bankiers.. Navari (1992). wirtschaftlichen und nicht zuletzt ihrer kulturellen Bedeutung wegen den eigentlichen Kern Europas bilden – eine Konzeption. die – auch hinsichtlich einer wirtschaftlichen Einigung – vieles von dem vorbereiteten. Lipgens (1966). Kneeshaw. 120 Die Debatte mit den Reden Briands und Stresemanns findet sich abgedruckt bei W. 1991. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung den Organisationen die Überzeugung. Sein deutscher Amtskollege G. Vorstellungen.. der von einem „Nukleus-Europa“ spricht. 80 ff. 46 ff. The Origins of the Briand Plan. 82 f.56 B. die europäischen Staaten durch eine föderale Verbindung enger zusammenzuführen. ihrer Vergangenheit sowie ihrer politischen. Deutlich lassen sich aus einem wenige Monate später nachgelegten Europa-Memorandum 122 die nationalen Interessen und Ängste Frankreichs herauslesen. die das Anliegen einer europäischen Verständigung unter dem Dach des Völkerbundes unterstützten. Navari. die sich unter der Leitung R. . doch er verhehlte nicht die Skepsis des Realpolitikers gegenüber der Aussicht auf eine politische Integration Europas. 119 Die deutsch-französische Europa-Debatte hat – und das verleiht ihr eine zusätzliche Dimension – ihren Ausgangspunkt in der nach dem ersten Weltkrieg zeitgleich in beiden Ländern einsetzenden Diskussion über die Zukunft der deutsch-französischen Beziehungen. Hugos Vision von den „Vereinigten Staaten von Europa“ wieder auftaucht und die bis in die Gegenwart unter Berücksichtigung vielerlei berechtigter Kritik in der Vorstellung von einer „deutschfranzösischen Achse“ oder dem Bild von der deutsch-französischen Freundschaft als Motor des europäischen Einigungsprozesses fortwirkt. Am 5. 121 Doch Briands Auftritt kam zu spät. 122 Vgl. Stresemann lobte in einer Antwortrede die wirtschaftliche Seite der Idee. ihrer zentralen Lage. Europäische Einigungsidee 1923 –1930 und Briands Europaplan im Urteil der deutschen Akten. weil in der Wahrnehmung sowohl der Franzosen wie der Deutschen beide Länder aufgrund ihrer Größe. S. was nach 1945 geplant oder begonnen wurde. S. 121 Vgl. S. insbesondere die Sorge um die sécurité – um die Sicherheit gegenüber einem inzwischen wieder unberechenbaren Nachbarn jenseits des Rheins. Jahrhundert bei dem in Paris lebenden deutschen Schriftsteller L. Briand der Völkerbund-Versammlung in Genf vor. Beide Themenkreise sind natürlich nicht identisch. Börne findet. in: Diplomacy and Statecraft 3. die Zusammenarbeit der europäischen gierungen zurückgreifen. 119 Wenig später glaubte sich Coudenhove-Kalergi indes am Ziel. auch C. 74 ff. Das Memorandum fordert. 99 ff. vgl. In Pursuit of Peace: the American reaction to the Kellogg-Briand Pact. 78 f. Navari (1992). dass Paris und Berlin Schrittmacher einer europäischen Annäherung sein mussten.. aber auch schon deshalb nicht voneinander zu trennen.. Lipgens. Boschs zu einem Paneuropa-Förderkreis zusammenschlossen. 120 Dennoch – Briands Initiative setzte das Thema für einen Moment auf die Agenda der Weltpolitik. So geht aus einem Dossier der französischen Botschaft in Washington hervor.1 (1992).

Hierbei war die Zahl maßgeblicher Stimmen des Widerstandes wie auch demokratischer Exilgruppen aus den von Deutschland besetzten Ländern besonders groß. Gleichwohl gab es in der Folge und während des zweiten Weltkrieges eindrucksvolle sowie in vielen Bezügen zur Gegenwart immer noch – oder wieder – aktuelle. 123 So heißt es etwa in einer Erklärung von Vertretern wichtiger Widerstandsbewegungen Frankreichs. . die Deutschlands erneutem Griff nach der Weltmacht nur noch wenig entgegenzusetzen vermochte. Damit sollten zugleich Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in Europa gegenüber totalitären Kräften gesichert und die für Wiederaufbau und Wohlstand hinderlichen Zoll.II. So zeugt das Memorandum der französischen Regierung gleichermaßen von Briands Glauben an die Gemeinschaft Europas wie von der Hilflosigkeit einer Außenpolitik. eine Europäische Konferenz auf Regierungsebene einzurichten sowie einen Ständigen Politischen Ausschuss als europäisches Exekutivinstrument. nämlich auf die Vorherrschaft Deutschlands gerichteten „Europaideen“ des Nationalsozialismus. als dem institutionalisierten Egoismus und Gegeneinander der europäischen Völker. Europa-Föderationspläne der Widerstandsbewegungen 1940 – 1945. die im Juni 1944 ein Französisches Komitee für die europäische Föderation gründeten: 123 Hierzu ausführlich und mit umfassenden Quellenmaterial W. 1968. die Organisation einer Friedens. Weitgehende Übereinstimmung im breiten Spektrum demokratischer Richtungen des antifaschistischen Widerstandes bestand in der Forderung. das Reich wieder als Großmacht zu etablieren.und europapolitische Bestrebungen der Vernunft wurde damals immer rascher unterspült durch das Anschwellen radikaler und nationalistischer Kräfte in Europa. grundlegenden Ideen und Pläne für eine Neuordnung Europas vor allem in den Widerstandsbewegungen der von Hitlerdeutschland besetzten Länder (wie auch in Deutschland selbst). Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland 1933 war endgültig der Weg zu einer nochmaligen gewaltsamen Explosion des Nationalismus beschritten. dass der Aufbau Europas nach dem Kriege nicht die einfache Wiederherstellung der alten staatlichen. Überdies regt ein Zusatz an.und sonstigen Wirtschaftsschranken beseitigt werden. denn diese zielte trotz aller Verständigungsbereitschaft langfristig darauf an. die vom Typ bisweilen mit den Europaplänen Napoleons verglichen werden. Ein solches Ost-Locarno aber war der deutschen Außenpolitik nicht abzuringen. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 57 Staaten zu institutionalisieren. Lipgens. die anstelle des Systems der souveränen Nationalstaaten. wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Strukturen der Vorkriegszeit bedeuten dürfe. begünstigt durch die unglücklichen politischen Verhältnisse jener Jahre und die 1929 ausbrechende Weltwirtschaftskrise.und Solidargemeinschaft Europas nach föderalistisch-bundesstaatlichen Prinzipien für notwendig hielt. die Grenzgarantien des LocarnoPaktes auf die osteuropäischen Staaten auszudehnen. Der Boden für außen. Die Europaideen des Widerstands waren in nicht unerheblichen Teilen wohl auch eine Antwort auf die gegensätzlichen.

Zitiert nach W. Spinelli und E. sondern einer demokratischen und direkten Bestimmung durch die Völker Europas sein. die Leitung der auswärtigen Angelegenheiten.. demokratisches und friedliches Europa wieder aufzubauen.J. 10.. Europa nach dem Kriege ist die Frage: Wie kann das Bild des Menschen in den Herzen unserer Mitbürger aufgerichtet werden?“ 126 Unter den während der Kriegsjahre 1939 – 1945 formulierten Studien und Manifesten befanden sich auch einige Verfassungsentwürfe. Ritzel mit der Ausarbeitung einer „Verfassung für die Vereinigten Staaten von Europa“ begonnen und bis 1944 zu diesem Zweck 80 Sitzungen abgehalten und. 125 124 .“ 124 Die Sozialistische Partei Italiens veröffentlichte 1942 aus dem Untergrund folgende Erklärung: „Die Grundforderung hinsichtlich der zukünftigen Ordnung in Europa [. die Verwaltung der Kolonialgebiete. einen ausgereiften Verfassungsentwurf mit etwa 90 Artikeln nach dem bekannten Haager Kongress von 1948 veröffentlicht hatte. Die europäische Bundesregierung muss das Ergebnis nicht einer Wahl durch die Nationalstaaten. wie W. die Schaffung einer europäischen Staatsangehörigkeit.. S. Letzte Briefe aus dem Gefängnis Tegel. [. wenn die Nationalstaaten sich zusammenschließen und einem europäischen Bundesstaat folgende Zuständigkeiten überantworten: die wirtschaftliche und handelspolitische Organisation Europas. von komplizierten Organisationen oder großen Plänen. die 1942 unter der namhaften Mitwirkung von W. [. Hoegner und H. S. 244 ff. Auflage 1965. 20 f. wenn es bei der zusammengewürfelten Existenz nationaler Staaten bleibt. die noch nicht bis zur Unabhängigkeit herangereift sind. die neben die nationale Staatsangehörigkeit träte. der ständig von den souveränen Staaten her Gefahr droht. der 1942 an einen Freund in England schrieb: „Für uns ist Europa nach dem Kriege weniger eine Frage von Grenzen und Soldaten.“ 125 Bemerkenswert neben allzu vielen Unerwähnten auch der deutsche Widerstandskämpfer H..J. Zu ihnen zählten beispielsweise A.. dass die bereits bestehende Einheit der europäischen Gesellschaft durch politische Zusammenfassung sichergestellt werden muss. 126 H. Lipgens (1968).G.] Europa kann sich nur dann in Richtung auf wirtschaftlichen Fortschritt. Lipgens feststellt. Lipgens (1968).58 B. S..] muss darin gesehen werden. Graf von Moltke. 56. das alleinige Recht zu bewaffneten Streitkräften und zur Intervention gegen jeden Versuch der Wiederherstellung autoritärer Regime. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung „Es ist unmöglich. hingerichtet 1945 in Plötzensee. Rossi berühmt gewordene Manifest von Ventotene. Graf von Moltke. Demokratie und Frieden entwickeln. Siehe aber auch das 1941 auf der italienischen Verbannungsinsel Ventotene von den beiden Italienern A. ein blühendes.] Die europäische Föderation darf keine in ihren Vollmachten eingeengte Union sein. Spinellis Flugschrift „Gli Stati Uniti d’Europa e le varie tendenze politiche“ vom Oktober 1941 und der Ansatz der Sektion Basel der schweizerischen Europa-Union. 127 Zitiert nach W.

die Quelle unter http://www. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 59 Erwähnenswert ist auch der Verfassungsentwurf für die „United States of Europe“. Lipgens (1968). Die Einigung Europas.-T. Churchill in einer Aufsehen erregenden Rede in Zürich dazu aufgerufen. Frankreich. einen „Europarat“ als ersten Schritt zu den „Vereinigten 127 Der Entwurf fiel durchaus „schweizerisch“ aus: er garantierte Gemeindeautonomie. a.-21. Ungarn. 128 Texte mit kurzer Einführung bei A. Die Verfassungsentwürfe zur Gründung einer Europäischen Union. 2001. 25. 12. a. 129 Vgl. 130 Das Treffen und den Text dokumentiert u. Holland. Zeittypisch erachtete man allerdings mehr „Staat“ für nötig. Schäfer (Hrsg.jefniedersachsen. Die Verfassungsentwürfe zur Gründung einer Europäischen Union. Siehe auch F. Schäfer (Hrsg. Italien. Österreich. M. 2002. als manche das heute wünschen (vgl. September 1946 in Bern und am Vierwaldstätter See. gemeinschaftliches Gericht zur Streitschlichtung. Herausragende Dokumente von 1930 bis 2000.de/hertenstein. 128 b) Verfassungsentwürfe nach 1945 129 aa) Hertensteiner Programm (1946) Zahlreiche dieser und ähnlicher Vorstellungen fanden einen ersten gemeinsamen Niederschlag nach dem Kriege im historischen Treffen von Persönlichkeiten des Widerstandes und europäischer Föderalisten vom 14. Schweiz. föderativer Charakter der Union. Bitsch. .). im Unionsvertrag wieder. England. W. sah neben den Wahlen auch Abstimmungen zu Sachfragen vor und ging selbstverständlich von einer föderalistischen Bundesstruktur aus. Rom. 131 Belgien. vertiefend G. Sämtliche in diesem Dokument geforderten Punkte (u. der im Rahmen der Paneuropa-Konferenz in New York 1944 vorgestellt wurde. Text 22). März 1957. 1946 erfolgte dann der Zusammenschluss zur „Union Européenne des Fédéralistes“. Herausragende Dokumente von 1930 bis 2000. 133 Abdruck bei A. Brunn. 132 Das Aktionsprogramm hatte zwölf Punkte. 2004. Griechenland.). 133 bb) Entwurf einer föderalen Verfassung der Vereinigten Staaten von Europa (1948) Wenige Tage zuvor hatte W. II. die sich zuvorderst mit dem Schutz der Menschenrechte befassten und eine klare Ablehnung der faschistischen Ideologien und des nationalen Protektionismus signalisierten. Wahrung der nationalen Eigenarten) fanden sich später in den Gemeinschaftsverträgen bzw. Anerkennung von Grund.und Freiheitsrechten. Spanien.14. 1999. 2001. 132 Am 17. Liechtenstein. Knipping.html. 130 Dabei einigten sich Vertreter aus zwölf europäischen Ländern 131 und den USA auf den Zusammenschluss aller europäischen Einigungsbewegungen in einer „Aktion Europa-Union“.II. keine neue Weltmacht. Polen. Histoire de la construction européenne de 1945 à nos jours. Die europäische Einigung von 1945 bis heute.

60 B. 135 Es war die Zeit der großen Hoffnungen und entsprechenden Ambitionen. Entwürfe einer europäischen Verfassung. B. Loth. Der französische Christdemokrat und Verfassungsbeauftragte der „Europäischen Parlamentarier-Union“ F. Von den Schriften der Widerstandsbewegung bis zum Vertragsentwurf des Europäischen Parlaments. 45 Jahre Ringen um die Europäische Verfassung. die offensichtlich ein schrittweises Vorgehen in Etappen nötig machten. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Staaten von Europa“ zu bilden 134. Im Mai 1948 erneuerten Politiker und Vertreter privater europäischer Verbände aus fast allen Staaten Westeuropas den Appell für eine Einigung Europas und die Errichtung eines „Europarates“ auf ihrem Haager Kongress. 136 Menthon umriss Organe der Föderation. Der Entwurf enthielt aber keine detaillierten Regelungen hinsichtlich der Abgrenzung der Kompetenzen von Föderation und Mitgliedstaaten. . S.). de Menthon erarbeitete im Juni 1948 einen Entwurf für eine Versammlung von Abgeordneten der nationalen Parlamente in Interlaken (im September 1948). die Aussöhnung und Partnerschaft Deutschlands und Frankreichs müsse hierfür die Grundlage bilden. 136 Vgl. 49 ff. Novem134 Die Rede Churchills findet sich unter anderem bei W. Daneben würden ein Exekutivrat und ein Oberster Gerichtshof eingesetzt. 214 ff. der am 11. cc) Vorentwurf einer europäischen Verfassung (1948) Auf ihrem zweiten Kongress in Rom erarbeitete die Union Europäischer Föderalisten einen Vorentwurf einer europäischen Verfassung. bis 10. ein Europäisches Parlament. Eine historische Bilanz. Im März 1948 wurde immerhin von 190 Abgeordneten des britischen Unterhauses und von 169 Abgeordneten der französischen Nationalversammlung die Einberufung einer Europäischen Verfassungsgebenden Versammlung gefordert. der erstmals eindeutige Regeln für die doppelte Konstituierung (Völker und Staaten) einer europäischen Föderation enthielt. Mai 1948 veranstalteten „Europa-Kongresses“ erreichte die Diskussion um die europäische Einigung eine neue Intensität. aus dem einige Monate später die Gründung der „Europäischen Bewegung“ hervorging. Fachministerien ergänzten den Föderationsapparat. S. 1986. W. über einen Europäischen Verfassungsrat in einem Wurf und mit einem Vorgriff auf eine ohnehin in diese Richtung weisende Zukunft ein Vereinigtes Europa herzustellen. das sich aus einer Abgeordnetenkammer (Vertreter der nationalen Parlamente) sowie aus einem Staatenrat (2 Vertreter der Mitgliedstaaten) zusammensetzen sollte. Diese Initiative entsprach indessen nicht den realen Möglichkeiten. wobei aus den Reihen des ersteren jeweils für ein Jahr der Präsident der Föderation gewählt werden sollte. 135 Vor dem Hintergrund des in Den Haag vom 7. Die Föderation sollte die Zuständigkeit für die Sicherheit und Außenpolitik besitzen (die NATO entstand erst 1949/50) ebenso wie die alleinige Regulierungskompetenz zur Schaffung eines einheitlichen Wirtschaftsgebiets und der „Vereinheitlichung der Gesetzgebung der Mitgliedstaaten“. Dokumente 1939 –1984. wie z. 2002. Lipgens (Hrsg.

Rechtsangleichung und der Vereinheitlichung der Wirtschaft. dass sich einzelne Staaten zu engeren Gemeinschaften zusammenschließen konnten. II. Gewaltenteilung.. wirtschaftliche und soziale Rechte von Einzelpersonen. Staatenkammer (bestimmt durch nationale Parlamente) und Wirtschafts. Die Verfassungsentwürfe zur Gründung einer Europäischen Union. Grundlage war das Subsidiaritätsprinzip. Bundesbehörden. bei P.II. 2001. auch A. Diese Kommission formulierte im Mai desselben Jahres in Straßburg einen sehr knappen (18 Artikel) Vor. Die Mitgliedstaaten sollten genau festgelegte Kompetenzen an den Bund übertragen. 1966. Die Verfassungen Europas. Gruppen von Einzelpersonen und Körperschaften definierte. Ein Abdruck dieses Verfassungsentwurfes findet sich u. 55 ff. Schäfer (Hrsg. S. Den nationalen Regierungen wurde im Rahmen der Ausgestaltung der Föderationsorganisation also keine entscheidungserhebliche Rolle zugewiesen. a. Bundesregierung („Bundesrat“) und Bundesgericht vorgesehen. Eine Besonderheit war. dass der Entwurf ein Drei-Kammer-System aus Unterhaus (direkt gewählte Abgeordnete). 137 Der Entwurf eines einheitlichen europäischen Bundesstaates enthielt weit reichende Regelungen hinsichtlich Zuständigkeitsverlagerung. Contiades (Hrsg. Herausragende Dokumente von 1930 bis 2000. Der auf Vorschlag der drei Kammern vom Obersten Gerichtshof gewählte Präsident sollte einen Kanzler ernennen. Als Bundesorgane waren Bundesparlament und Senat (Legislative).C. Hauptaugenmerk des Dokuments war der Bereich der Kompetenzen bzw.und Rahmenentwurf einer europäischen Bundesverfassung (Grundsätze. um ein „Verfassungskomitee für die Vereinigten Staaten von Europa“ ins Leben zu rufen. 138 c) Wege zum Europarat Jenseits aller Kongresse und Manifeste war auch ein ansehnlicher Teil der politisch aktiven jüngeren Generation – vor allem in den früheren „Erbfeindländern“ Vgl. Der Entwurf enthielt eine Charta der Grundrechte. Loth (2002).). Kompetenzverteilung. Zwar betonte der Entwurf das Subsidiaritätsprinzip. Verfassungsrevisionen). Mayer-Tasch / I. 138 137 .). dd) Entwurf einer europäischen Bundesverfassung (1951) 72 Mitglieder der Beratenden Versammlung des Europarates fanden sich unter dem Vorsitz des bereits oben benannten Präsidenten der Paneuropa Bewegung Graf Coudenhove-Kalergi im Februar 1951 in Basel zusammen.und Sozialkammer vorsah. S. Vorgesehen war. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 61 ber 1948 verabschiedet wurde.20. Befugnisse. der vom Parlament bestätigt werden musste. W. die über dem Verfassungsgesetz stehen sollte und die politische. es mangelte ihm aber wiederum an einer klaren Abgrenzung der Kompetenzen von europäischem Bundesstaat und Mitgliedstaaten. 631 ff. vgl.

W. 139 Eine zusammenfassende Gegenüberstellung der grundsätzlichen Auffassungen zur Zukunftsgestaltung Europas. O. wie die gemeinsamen Interessen Europas in der Weltpolitik einschließlich seiner Verteidigung angemessen zu vertreten wären. war schließlich ein Faktum von eigenem Gewicht geschaffen. die Europa trennenden Schranken zu beseitigen und eine gemeinsame europäische Zukunft aufzubauen.62 B. die der Auffassung waren. Die zur Lösung der gemeinsamen europäischen Probleme und Aufgaben erforderlichen Schritte könnten nur so weit reichen. Demgegenüber wurde vertreten. wie jeder beteiligte Staat aus eigener Entscheidung zu gehen bereit sei. auch wäre im „Schrebergartensystem“ seiner Volkswirtschaften eine optimale Entfaltung der Produktionsfaktoren und damit des Wohlstandes kaum zu ermöglichen gewesen. wie sie die politischen Diskussionen und Entscheidungen der Nachkriegsjahre bis zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft wesentlich bestimmten. auch von der Sowjetunion in ihrem Machtbereich nicht in Frage gestellt wurde). Mit der tatsächlichen Gestaltung Europas nach 1945 auf der Grundlage der alten nationalstaatlichen Ordnung (die. Gleichwohl artikulierten sich diesbezüglich Zurückhaltende und Gegenkräfte. de Gaulle. aber selbst nicht daran teilnehmen. das System der souveränen Nationalstaaten könne nicht (oder noch nicht) aufgegeben oder eingeschränkt werden. Grundlage der politischen Identität der europäischen Völker und des durch sie legitimierten staatlichen Handelns seien nach wie vor die Nationalstaaten. Konsequenterweise hätten diese Aufgaben in den Augen jener „Europäer“ die Schaffung einer über den Nationen stehenden („supranationalen“) gemeinsamen politischen Ordnung in Form eines föderalistischen Bundesstaates erfordert. vergangenen Jahre. zumindest äußerlich. Zu ihren markantesten und einflussreichsten Vertretern zählte C. Bemerkenswert ist allerdings die Ähnlichkeit mancher Argumentationslinien zur Verfassungsdiskussion der jüngsten. Churchill. Die „Zeitlosigkeit“ der „europäischen Debatte“ ist folglich gleichermaßen Ausdruck von stabilisierender Stringenz und ermüdender Stagnation.). zu dessen Gunsten die Einzelstaaten auf Teile ihrer Entscheidungsbefugnisse hätten verzichten müssen. das mit zunehmender Entfernung vom Kriege und wachsendem Selbstbewusstsein der Staaten nach dem Wiederaufbau noch an Bedeutung gewann. Europäische Für Großbritannien hatte Churchill bereits in seiner Züricher Rede ein anderes Argument geltend gemacht: Es könne die europäische Einigung von außen fördern. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Frankreich und Deutschland – in diesen Jahren von der Idee erfasst. a. ist hier nur stark vereinfacht möglich. schließlich stellte sich nicht nur angesichts der Erfahrungen der ersten Jahrhunderthälfte die Frage. da es schon einer anderen Völkergemeinschaft angehöre. zwischenstaatliche Konflikte gewaltlos zu lösen und damit implizit den Frieden zu sichern. a. dem britischen Commonwealth of Nations (vgl. 139 . Den damaligen Befürwortern einer „Neuordnung Europas“ zufolge war das System der souveränen Nationalstaaten in Europa unfähig.

Mai 1949 von zunächst zehn Staaten in Straßburg gegründete Europarat erhielt einerseits keine supranationalen Befugnisse. ergaben sich jedoch bald völlig neue Interessenkonstellationen und Impulse zur Einigung (nunmehr) Westeuropas. Der am 5. das heißt der Eingliederung der osteuropäischen Staaten und der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands in den Machtbereich der UdSSR. Im GG wird neben dem Bekenntnis zur Einheit und Freiheit Deutschlands der Wille ausgedrückt. dass der Bund „durch Gesetz Hoheitsrechte auf zwischenstaatliche Einrichtungen übertragen“ könne. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 63 Zusammenarbeit sei somit – zumindest vorerst – nur möglich in den Formen herkömmlicher internationaler Zusammenarbeit oder eines Staatenbundes der unabhängigen („souveränen“) Einzelstaaten. Die sich damit bietende Chance zur gleichberechtigten Aufnahme in die europäische Staatengemeinschaft. 1 GG ist erstmals in einer deutschen Verfassung die Möglichkeit vorgesehen. Mit der Teilung Europas. nicht aber durch deren Unterordnung unter Entscheidungen supranationaler Organe. bald alles überschattenden Ost-WestKonflikt. 24 Abs. Die unterschiedlichen Vorstellungen in Europa über die Zukunftsgestaltung. geprägt vom Kompromiss. in erster Linie dem beginnenden. Andere Staaten Westeuropas waren zu einer supranationalen Einigung zunächst nicht bereit oder in der Lage – sei es wegen auferlegter oder selbst gewählter Neutralität wie bei Finnland. Schweden und der Schweiz.II. Art. als werde sich am wiederhergestellten System der unabhängigen Nationalstaaten kaum etwas ändern. waren mit Ende des Zweiten Weltkrieges jedoch vielfältigen Einwirkungen der politischen Entwicklung unterworfen. zum wirtschaftlichen Wiederaufbau und zur Sicherung der jungen Demokratie gegenüber dem Kommunismus wurde mehrheitlich auch als Voraussetzung für die Wiedervereinigung Deutschlands gesehen. insbesondere den Grad der Einigung des Kontinents. zu der sich bald die Mehrzahl der westeuropäischen Staaten bereit fand. wie vor allem die Europäische Bewegung es forderte. „Der Bund kann sich zur Wahrung des Friedens einem System gegenseitiger kollektiver Sicherheit einordnen. . Der Kompromiss spiegelt sich auch in Gestal140 Die Bundesrepublik Deutschland entschied sich nach ihrer Gründung 1949 unter ihrem ersten Bundeskanzler K. 2 GG. die eine friedliche und dauerhafte Ordnung in Europa und zwischen den Völkern der Welt herbeiführen und sichern“. Andererseits bedeutete er das Äußerste dessen. aufgrund autoritärer Regime wie in Spanien und Portugal oder aus einer historisch-politisch begründeten Zurückhaltung wie bei Großbritannien (insbesondere durch seine Bindungen im weltweiten Commonwealth) und den skandinavischen Staaten. Österreich. 140 Vor dem Hintergrund des bestimmenden Einflusses der beiden Supermächte über Europa war der erste Schritt zu einer von den Europäern selbst ausgehenden organisierten Zusammenarbeit. „in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen“ (Präambel). die im 1951 gegründeten Nordischen Rat eine engere Zusammenarbeit einleiteten. Adenauer ebenfalls für den Weg der Westintegration und der Beteiligung an der westlichen Verteidigung. Nach 1945 sah es trotz aller Einigungspläne für Europa zunächst so aus. er wird hierbei in die Beschränkungen seiner Hoheitsrechte einwilligen. wirtschaftlicher Stabilität und Eindämmung des Kommunismus. was die zurückhaltenderen Staaten an Einigung akzeptieren konnten. in Art. 24 Abs. Sie waren bestimmt vom Bedürfnis der USA und Westeuropas nach Sicherheit.

dass Art. Sozialpolitik und Umweltschutz.64 B.. Die Entwicklung seines Rechts und der „europäischen Verfassungswerte“. 459 ff. kulturelle Initiativen sowie nicht zuletzt die Europäische Menschenrechtskonvention (EMRK) 142. dass dies „automatisch“ auch die engere politische Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten mit sich bringen würde. Dieser Gedanke war auch in der Organisation der EGKS enthalten. Die Errichtung des Gemeinsamen Marktes in der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft. 1956. . Zusammensetzung und Wirkkraft der wichtigsten Organe des Europarates wider. h. 143 Vgl. Festschrift für R. Europarat in Bedrängnis. Recht zwischen Umbruch und Bewahrung.-L. Eine verfassungsgeschichtliche Betrachtung Europas (wie der Europäischen Union) wäre ohne einen Blick auf die Errungenschaften des Europarates unvollständig. 1269 ff. Carstens. 50 Jahre Europarat. Waldock. 1993). in: ZaöRVR 18 (1958). 1074 ff.). Sie betreffen die Angleichung von Politik und Gesetzgebung der Mitgliedstaaten in Teilbereichen von Erziehung und Bildung. in: U. 141 Auch wenn dem Europarat supranationale Entscheidungsbefugnisse fehlen. Atomgemeinschaft und Gemeinschaft für Kohle und Stahl. Le Conseil de l’Europe. zum Europarat K. Burban. J.. Stattdessen unterzeichnete man am 18. Busse. S.. S. 1985 (2ème éd. H. Notwendige Reformen und Konsequenzen. a. April 1951 den – in erster Linie als enge wirtschaftliche Kooperation geschaffenen – EGKS-Vertrag 143 und hoffte. 2005. in: NJW 2000. in: EuGRZ 1979. wegen Menschenrechtsverletzungen vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg Klage zu erheben. in: Internationale Politik 12/1997. S. sie bietet die Möglichkeit. (Hrsg. M. S. a. R. Europäische Union und Europäische Menschenrechtskonvention. aus der umfangreichen Lit. S. Bernhardt. S. Die Geltung der EMRK für Rechtsakte der EU. C. Der Europarat. Die gegenseitige Abhängigkeit und Überwachung der Organe sollte eine rechtsstaatliche Legitimation gewährleisten. Recht zwischen Umbruch und Bewahrung. Bemerkenswert ist. Der Beitrag des Europarates um Regionalismus. Hilf. Beyerlin u. S. Wittinger. 599 ff.C. den Gerichtshof und den Ministerrat vorsah. Rechtswesen. Carstens. 2000..). etwa bereits K. 141 Vgl. 1995. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung tung.. Streinz. 142 Hierzu beispielsweise G. (Hrsg. Die Wirksamkeit des Systems der EMRK. Das Recht des Europarates. (Hrsg. sind seiner freiwilligen Zusammenarbeit nicht unbedeutende Erfolge zu verdanken. in: U. Die Stellung der EMRK im Europäischen Gemeinschaftsrecht. A. M. 45 ff. 17 ff. in: ders. ein Parlament). Gimbal.). d) „Verfassungsentwürfe“ ab 1952 aa) Die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (1952) 1952 erschien eine unmittelbare politische Integration aufgrund zu großer nationaler Gegensätze noch nicht möglich. Einführung: 50 Jahre Europarat. die eine Versammlung (d. 21 EGKSV bereits eine Direktwahl der Delegierten zur Versammlung benannte. Rodriguez Iglesias. eine Hohe Behörde. 1193 ff. Beyerlin u.

deren Pläne meist die Umwandlung Europas in einen föderalen Bundesstaat mit eigener Haushaltskompetenz. dass „Europa sich nicht mit einem Schlage“ herstellen lassen könne. Letztlich beschlossen die sechs Außenminister der Montanunion auf Anregung von J. Er lief am 23. Lipgens. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 65 Der EGKS-Vertrag kann als erste „Vertragsverfassung“ bezeichnet werden. in: W. Bonn 1986. einen Vertragsentwurf für eine Europäische Politische Gemeinschaft zu erarbeiten. 1991. 145 Während sich 1950 die Erkenntnis durchgesetzt hatte. Mai 1950. Analog zum Modell des Schuman-Plans schlug Frankreich eine frühzeitige Einbindung Deutschlands in ein supranational organisiertes europäisches Sicherheitssystem vor. Diese „verstärkte“ Versammlung der EGKS bildete einen Verfassungsausschuss. Spaak (Vorsitzender der europäischen Beratenden Versammlung des Europarates) eine aus den parlamentarischen Mitgliedern der EGKS und einigen Mitgliedern der Beratenden Versammlung des Europarates zusammengesetzte „ad hoc“-Versammlung zu beauftragen. Dieser Ansatz ist auch in klarer Abgrenzung zu den Verfassungsentwürfen der benannten Gruppen der Europabewegung während und direkt nach dem Zweiten Weltkrieg zu sehen. sondern mit der EGKS nur eine „erste Etappe der europäischen Föderation“ 146 auf wirtschaftlichem Gebiet zu verwirklichen war. Materialien zur Politischen Union. Wie Europa verfaßt sein soll. 67. gewann die Gründung einer umfassenden politischen Gemeinschaft während des Koreakriegs und der damit verbundenen deutschen Wiederbewaffnung erneut an Bedeutung. wenn die Integration in eine neue Phase trat oder in eine Krise geriet. Weidenfeld. 45 Jahre Ringen um eine europäische Verfassung. 293 f. 145 Hierzu die Dokumente in W. gemeinsamer Armee und weitreichenden legislativen und exekutiven Kompetenzen implizierten. S. Lipgens. der einen Vertragsentwurf 147 ausar144 Vgl. . W. 144 Der erste politisch bedeutsame Entwurf für eine konstitutionelle Neugründung Europas entstand im Nachkriegseuropa 1953 im Zusammenhang mit den Plänen zur Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG) und Europäischen Politischen Gemeinschaft (EPG). 76. Monnet (Präsident der Hohen Behörde der Montanunion) und P. 146 „Erklärung zur Montanunion“.H. die konkrete und wirksame Schritte in Richtung einer gemeinsamen politischen Union einleitete. S. Juli 2002 aus. 45 Jahre Ringen um eine europäische Verfassung.II. Dok. Bonn 1986. 9. bb) Entwurf eines Vertrages über die Satzung der Europäischen Gemeinschaft – Entwurf der ad-hoc Versammlung der EGKS (1953) Kontrastierend zur „pragmatischen Integrationsmethode“ ist die Verfassungsidee Teil eines permanenten Diskussionsprozesses über Reform und Gestaltung der europäischen Einigung gewesen und rückte immer dann auf die Tagesordnung.

272. 268 ff. Gesetz und jeder Rechtsakt auf die Verfassung zurückführen lassen. S. Es verfügt außerdem über die sogenannte Kompetenzkompetenz. Weil die Verfassung in der Hierarchie der Normen an oberster Stelle steht. 150 Die Verfassung legt die Organisations. Koenig. Er wurde vom Rat der sechs Außenminister der EGKS am 10. Damit wird das parlamentarische Gesetz das zentrale Instrument der Herrschaftsausübung. März 1953 vor. II. im Namen der verfassungsgebenden Gewalt Unvollständigkeiten in der Verfassung durch neue Staatsaufgaben zu ergänzen. 11 und 16). d. Braucht Europa eine Verfassung?. in: JZ 1995 (12)..66 B. 4) und einklagbar bei einem Gerichtshof sein (Art. doch inhaltlich richtete sich der Plan weitgehend am Leitbild eines europäischen Bundesstaates aus. Deshalb enthalten Verfassungen Bestimmungen über die Einrichtung und Ausübung der Hoheitsgewalt. muss sich jedes Organ. 148 Die Unterteilung in Funktionen der Verfassung als Analyseraster ist in ihren Grundzügen C. 581 ff. 584. Schäfer (Hrsg. Walter. in: DVBl 2000.b). Sie ist damit der Maßstab allen rechtlichen und politischen Handelns. März gebilligt. S. Machtausübung zu legitimieren. hat die Verfassung zunächst die Funktion. Diese Durchsetzbarkeit kommt üblicherweise einem Verfassungsgericht zu.. S. Zudem sollte das Parlament den „Europäischen Exekutivrat“ mit Präsident und Ministern kontrollieren (Art. entlehnt. schafft sie die Grundlage für die Ausübung von Hoheitsgewalt überhaupt: Weil nur die Verfassung aus den vorrechtlichen Gegebenheiten der verfassungsgebenden Gewalt der Gemeinschaft abgeleitet ist.und Verfahrensregeln fest. . Grimm. Dieses soll im Namen des souveränen Volkes die Regierung kontrollieren und ihr im äußersten Fall auch das Vertrauen entziehen. Indem sie sich auf die Volkssouveränität als pouvoir constituant beruft. föderale Organisationsstruktur mit einer weitgehend gleichberechtigten Völkerund Staatenkammer (Senat) nach amerikanischem Modell (Art. Legislative und Judikative die Kompetenzen der einzelnen Organe verbindlich festlegen. 149 Indem sie die Macht dem subjektiven Belieben ihrer Träger entzieht und sich auf den Willen eines souveränen Volkes stützt. Einige „Verfassungsfunktionen“ 148. vgl. die Missbräuche verhüten sollen und so meist nach dem Prinzip der Gewaltenteilung zwischen Exekutive. 1 ff. muss sie gegenüber dem einfachen Gesetzesrecht verbindlich durchsetzbar sein. h.und Organisationsfunktion 150 der vorgelegten Konzeption gestalteten sich ähnlich den Entwürfen der Europabewegung: eine demokratisch legitimierte.und Legitimationsfunktion zeigt sich besonders an der verfassungsmäßigen Rolle des Parlaments. Die Verfassungsentwürfe zur Gründung einer Europäischen Union.).23. Der enge Zusammenhang von Organisations. Gemeinschaftsrecht sollte Verfassungsvorrang gegenüber den Mitgliedsstaaten erhalten (Art. 2001. 31). sie absetzen können. D. 75). auch C. sah aber 147 Abdruck bei A. Diesen Entwurf legte die Versammlung am 9.. 38 –49). vgl. wie die Legitimations 149. in: DÖV 1998. Gleichzeitig initiiert das Parlament als Repräsentant des Volkes die Gesetze und garantiert so die demokratische Mitgestaltung gesellschaftlicher Prozesse. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung beitete. Herausragende Dokumente von 1930 bis 2000. welche auch die Hoheit über den Haushalt erhalten sollte (Art. Zwar war der „Ad-hoc-Entwurf“ vorsichtiger formuliert als die Pläne der föderalistischen Bewegung („Verfassung“ oder „Bundesstaat“ tauchten als Begriffe nicht auf). Der Entwurf verfügte über keinen Menschenrechtskatalog. Ist die europäische Union verfassungsfähig?. 5 f. Die Folgen der Globalisierung für die europäische Verfassungsdiskussion. die eine den Legitimationsprinzipien konforme Handhabung der öffentlichen Gewalt garantieren.

S. S. 104) Auch die Außenpolitik sollte lediglich von der Gemeinschaft koordiniert werden. W. Leitbilder wie „Vereinigte Staaten von Europa“ 151 wirkten „wie der Aufputz von Sonntagsreden“ 152. Schäfer (Hrsg. in dem sich die verschiedenen Motive und Interessen der Mitgliedsstaaten erfolgreicher bündeln ließen.-H. Alternativen der Verfassungsfinalität: Föderation. .. 38. Loth. der dem Ministerrat der Montanunion und EVG entsprechen sollte. Deutschland. Das Verfassungsmodell reduzierte sich auf eine rein rhetorische Figur. welcher letztlich zum Scheitern des Ad-hoc-Entwurfs führte. Italien. 3).. Die Römischen Verträge 153 übernahmen im Wesentlichen die institutionelle Gestaltung der EGKS und sahen einen Rat. Mit dem Entwurf wurde auch das Leitbild eines föderalen Bundesstaates ad acta gelegt. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 67 die Aufnahme der EMRK als „integrierten Bestandteil“ vor (Art. Weidenfeld.). eine Kommission und ein Parlament vor. siehe auch W. August 1954). 152 H. Herausragende Dokumente von 1930 bis 2000. Dabei war der Rat zunächst praktisch als alleiniger Gesetzgeber der Gemeinschaft konzipiert. Die Verfassungsentwürfe zur Gründung einer Europäischen Union. 154 151 Siehe aber T. 2005. in: Integration. Europäische Verfassung für Visionäre?. 2002.24. 1/1984. Das Ende der Koreakrise im Jahr 1953 nahm den Antrieb zur Gründung einer EVG und EPG. S.R. Konföderation – oder was sonst?. 33 ff. konnte in zentrale Zuständigkeitsgebiete der Gemeinschaft eingreifen (Art. II. The United States Of Europe: The New Superpower and the End of American Supremacy. Schneider. Entwürfe einer europäischen Verfassung. Die Integrationsbemühungen verlagerten sich auf den wirtschaftlichen Bereich. Niederlande) unter dem Vorsitz von P. cc) Römische Verträge (1957) Die von der Regierungskonferenz der sechs Gründungsstaaten (Belgien. 2001. B. 171. Luxemburg. Der „Rat der nationalen Minister“. in: Integration. 16 ff. 154 Im Einzelnen z. Diese zögerlichen Formulierungen lassen eine Deutung auf den Wandel der europapolitischen Interessen zu Ungunsten eines verfassungspolitischen Integrationssprungs zu. und die europäische Verfassungsdebatte ebbte zunächst ab. Spaak verfassten Verträge über die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und die Europäische Atomgemeinschaft (EAG) betrafen – anders als bei der EGKS – die gesamte Volkswirtschaft der Mitgliedstaaten. Frankreich. 153 Abdruck bei A. Eine historische Bilanz. Reid. 3/2000. Der Verfassungsentwurf scheiterte zusammen mit der EVG in der französischen Nationalversammlung (30. Vor allem Frankreich erschien der Preis eines nationalen Souveränitätsverlustes zugunsten einer europäischen Armee zu hoch. 171 ff. aber „durch einstimmigen Beschluß“ des Ministerrats (Art.II.b). Die Kompetenzen der Gemeinschaft waren allerdings begrenzter als in den Verfassungsplänen der Europabewegung. 69).

Art.V. Ipsen. Timmermann (Hrsg. die sie den drei Europäischen Gemeinschaften mitzugeben beabsichtigten. wie die Fülle einschlägiger Gutachten belegt. Hierzu unten B. 1 GG deutsche Hoheitsrechte nur an solche zwischenstaatlichen Einrichtungen übertragen werden. Hummer. 158 Vgl. Der Kampf um den Wehrbeitrag. in Mainz (Hrsg. 12.2. im konkreten Fall jener der Bundesrepublik. 196. rechtsstaatlichen Aufbau des nach dem GG verfassten bundesrepublikanischen Staatswesens „kongruent“ ist. e) Mythos und Ergebnis der 1950er Jahre Gerade angesichts der gelegentlich romantisierenden und den Vergleich zu den USA suchenden Bezeichnung „Gründerväter der Europäischen Gemeinschaften“ (bzw. überaus gewagt der „Europäischen Union“) ist zu fragen. Tatsächlich haben sich die „europäischen Gründungsväter“ sehr intensiv mit der Thematik der Ausgestaltung und Strukturierung der hoheitlichen öffentlichen Verbandsgewalt beschäftigt. Bd. 157 Gesammelt in den Veröffentlichungen des Instituts für Staatslehre und Politik e. H. 2. S. Halbband: Das Gutachtenverfahren (30. die sich bereits 1952 im Zuge der Diskussion bezüglich der Übertragung von Hoheitsrechten Deutschlands auf die geplante EVG entspannen (vgl. 2. Aufgrund der Qualifizierung der Gemeinschaften als lediglich „funktionelle Zweckverbände wirtschaftlicher Integration“ 155. 156 155 . dazu W. 1952). 158 Nach der später „Lehre“ genannten These von der notwendigen „strukturellen Kongruenz und Homogenität“ durften gem. 24 Abs. die vordergründig keine wie immer gearteten „verfassungsrechtlichen“ Probleme aufwerfen konnten –soll auch im Hinblick auf die „Verfassungsdebatte“ im Rahmen des „Europäischen Konvents“ 156 dieser Fragestellung nachgegangen werden. Europäisches Gemeinschaftsrecht. 2001). ob sich die Beteiligten in den 50er-Jahren des vorigen Jahrhunderts auch über die Ausgestaltung der hoheitlichen öffentlichen Gewalt der Europäischen Gemeinschaften überhaupt Gedanken gemacht haben bzw.). Sie fanden hierbei auch umfassende Unterstützung durch die Lehre. Eine Verfassung für die Europäische Union – eine Sicht aus Österreich. Kraus erhobene Forderung nach „struktureller Kongruenz und Homogenität“ der hoheitlichen. deren Struktur dem staatsrechtlichen. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Schon damals wurde daher ein Defizit an Handlungsfähigkeit (Einstimmigkeit im Rat) und an parlamentarischer Kontrolle konstatiert. Die jüngste „Verfassungsdebatte“ in der Europäischen Union nahm dabei Überlegungen auf. die in der zweiten Jahreshälfte 1952 von führenden deutschen Staatsrechtslehrern verfasst wurden.-P. machen mussten. in: H. 1972. Beiträge zu einer grundsätzlichen und aktuellen Diskussion.). Eine Verfassung für die Europäische Union. 157 Auslöser war die vorgesehene Übertragung von Hoheitsrechten der Bundesrepublik Deutschland auf die geplante EVG und Gegenstand der Auseinandersetzung war die von H.IV.–15.68 B. öffentlichen Verbandsgewalt der EVG im Verhältnis zur Staatsgewalt ihrer Mitgliedstaaten.7.f)oo). 1953.

1962 waren die so genannten Fouchet-Pläne grandios gescheitert. die gleichfalls eine engere politische Zusammenarbeit und sogar eine gemeinsame Außen.und Sicherheitspolitik beabsichtigten. 163 Vgl. 6 f. Fundamentale Rechtsgrundlagen einer EG-Mitgliedschaft. 1982. S. etwa S. 160 Vgl. etwa H. sondern sogar „gewaltenfusionierend“ (mit einem exekutiv rekrutierten Rat als Hauptlegislator). Trotz allem wurde bereits ein Jahr darauf der Deutsch-Französische-Freundschaftsvertrag unterzeichnet. 1975. a. ohne vertikale Kompetenzverteilung. Griller / F.niedersachsen. Fragen und Thesen im Hinblick auf den Tindemans-Bericht zur Europäischen Union. „Verfassungs-Konvent“ und neue Konventsmethode. im Internet: cdl. 159 Hervorzuheben ist. Maislinger / A. Niedersächsischen Landeszentrale für politische Bildung (Hrsg. Imboden 164 159 So auch W.de/˜ievr/eu_verfassungen /dorren. Instrumente zur Verstaatlichung der Union. Küsters. 160 f) Stationen zur Europäischen Verfassung – eine Auswahl aus 40 Jahren aa) Der Entwurf von Max Imboden (1963) Unter den Ideen der 60er.-J. Tindemans „Bericht über die Europäische . S. 472 ff. S. Geschichte der politischen Integration in Europa – Teil 2 (von der EPZ zum Vertrag von Nizza). die sich bewusst vom staatsrechtlichen Modell ihrer Mitgliedstaaten abhob. Bilanz und Perspektive. Jahrhunderts ist neben den Fouchet-Plänen (Februar 1961) 161 und dem Davignon-Bericht (1970) 162 sowie dem Tindemans-Bericht (1975) 163 insbesondere der Entwurf von M. dass die Gründungsverträge der Europäischen Gemeinschaften in keiner der Ratifikationsdebatten in den sechs Gründungsstaaten verfassungsrechtlichen Bedenken begegneten. Der Europäische Verfassungskonvent – Strategien und Argumente. 53 ff. mit einem Europäischen Parlament ohne Legislativbefugnisse etc. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 69 Der Ansatz von der notwendigen „strukturellen Kongruenz und Homogenität“ der Verbandsgewalt internationaler / supranationaler Organisationen im Allgemeinen und der EVG im Speziellen in Bezug auf die Staatsgewalt ihrer Mitgliedstaaten wusste sich – wie soeben beschrieben – aber nicht durchzusetzen. Im Ergebnis erscheint es nicht vermessen.. –. W. Die Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft. abrufbar unter http://www. die Initialzündung für den so genannten (bis heute nicht unumstrittenen) „Motor der Integration“. und die parlamentarischen Genehmigungsverfahren mit großen Mehrheiten erfolgten. 236 ff.) (2004).).pdf. Europäische Union 2004. Dorren (1977). 162 Vgl. S.. Europäische Union 1980. 55. S. 7.II. S. Hummer. 1991. 161 Hierzu u.). Wessels. S. 2004. 8. Niedersächsischen Landeszentrale für politische Bildung (Hrsg. Sonderheft 1/2003. Reindl (Hrsg. ohne Grundrechtskatalog. 2003.uni-trier. in: Politische Studien. Siehe übrigens aus den 70er Jahren auch den Verfassungsentwurf von J. die Europäischen Gemeinschaften konzeptionell als eine „inkongruente“ und „inhomogene“ Verbandsgewalt „sui generis“ zu bezeichnen – und zwar nicht nur ohne Gewaltenteilung.htm.de/blob /images/C4786923_L20.und 70-er Jahre des 20. Petkovic.

deren Grundrechte zu schützen seien. bb) Die Verfassungsdiskussion 1984 – Das Europäische Parlament als Akteur (1) Ausgangspunkte der Debatte Es zählt zu den bemerkenswerten. Europäische Verfassungslehre. die Stärkung der Sozial. die jeweils vom Europäischen Parlament vorgelegt worden sind. Das trifft sowohl auf den Verfassungsentwurf 1984 als auch auf den Verfassungsentwurf 1994 zu. 166 Seit Gründung der EWG (1958) standen Erfolge und Rückschläge im Einigungsprozess in einem dynamischen Wechselspiel. 18 gewährleistete Grundrechte und in Artikel 22 –25 ist ausdrücklich eine Friedenspflicht der Gemeinschaft gegenüber den Mitgliedstaaten und Dritten enthalten. „den noch schwer fassbaren konkreten funktionellen Inhalten ein festes politisches Gefäß zu geben. S. Herrmann. verschwanden aber in den Schubladen und wurden zum Teil erst viele Jahre später umgesetzt. Die schrittweise Weiterentwicklung der Union könne. Die Vorschläge fanden Zustimmung.und Umweltschutz. auch mit verschiedenen Geschwindigkeiten verwirklicht werden. 4. erhöhten Verbraucher. Einführung mit Synopse. 132) ordnet Imbodens Entwurf als „Bauteil innerstaatliche[n] Europaverfassungsrecht[s]“ ein. Herausragende Dokumente von 1930 bis 2000.70 B.und der Regionalpolitik.). Die Verfassungsentwürfe zur Gründung einer Europäischen Union. Art. bei dem die Einheit letztlich durch gemeinschaftliche Ausübung von Funktionen erreicht werden soll.“ 165 Er sah die Organe „Rat“ (als Regierung). „Europäische Versammlung“ – bestehend aus Abgeordnetenhaus (Volkswahl) und Senat (Länderkammer) – sowie einen Gerichtshof vor. dass die ersten umfassenderen und inhaltlich kohärenteren Verfassungsentwürfe parlamentarischen Ursprungs sind.26. 164 Abdruck bei A. 2006. . Ohler / C.“ Diese Ordnung sollte der Gemeinschaft „über situationsbedingte Erfolge und Misserfolge hinaus innere und äußere Beständigkeit sichern. 166 P. Schäfer (Hrsg. Aufgrund offensichtlicher Parallelen zum jüngsten Verfassungsvertrags-Entwurf soll die Darstellung der Ansätze von 1984 und 1994 entsprechend umfassender ausfallen. Entscheidungen waren demzufolge nur noch auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner der Einstimmigkeit möglich. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung hervorzuheben. 2005. Union“ empfahl eine durchaus föderale Gestaltung der Union. für unzulänglich. Die neue Verfassung für Europa. In Anlehnung an die Verfassungen der USA. II. Mit dem vertragswidrigen Verzicht auf Mehrheitsentscheidungen wurde jedoch zwei Jahre vorher ein entscheidendes Instrument supranationaler Politik außer Kraft gesetzt. 165 Zitat nach R. wenn einzelne Staaten noch nicht zu weiterer Integration bereit seien. der Schweiz und das deutsche Grundgesetz (GG) wollte Imboden versuchen. 33 (Fn. 2001. Er hielt den „funktionalen“ Ansatz der EWG. Aufl. Bereits 1968 war die Zollunion verwirklicht. Streinz / C. wenngleich verfassungstheoretisch stringenten Begebenheiten. ein „Europa der Bürger“. Häberle. 4.

Einen ersten Erfolg und Höhepunkt konnte Spinelli mit dem Beschluss des Plenums des Europäischen Parlaments vom 9. Hervorzuheben ist vor allem der italienische Abgeordnete A. der sich mit anderen bisherigen Entwürfen nicht vergleichen ließ. Juli 1981 erzielen. als erstes von den europäischen Bürgern direkt gewähltes Parlament einen Entwurf für eine Union vorzulegen. Nr. dass dieser Entwurf ausschließlich eine Initiative des Europäischen Parlaments darstellt. den das Europäische Parlament am 14. Im September 1983 legte der Institutionelle Ausschuss den Vorentwurf eines Vertrages vor. S. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 71 Vergleichbare Initiativen innerhalb des Europäischen Parlaments gewannen bereits nach dessen erster Direktwahl im Jahre 1979 an Schubkraft. in: J. 35 (2002). Das Verfassungsprojekt des Europäischen Parlaments. 169 A. der vehement für diese Initiative kämpfte. Texte und Materialien. Eine Verfassung für Europa. Die Regierungen hatten zur Ausarbeitung dieses Verfassungsentwurfs weder einen Auftrag erteilt noch waren sie an den Verhandlungen über die Formulierungen des Textes beteiligt. Von der EG zur EU. einen Institutionellen Ausschuss im Europäischen Parlament einzurichten. Verfassungsentwürfe für die Europäische Union. Schwarze (Hrsg.). als er sich als normativ diskontinuierlich zum geltenden Verfassungsrecht auffasste. 2001. Die Initiative des Europäischen Parlaments war als Akt echter Verfassunggebung intendiert. gegenüber dem Ministerrat trotz zahlreicher Initiativen aber weitgehend machtlos geblieben war. 492 f. 1984. Laut Spinelli verstand sich das erste direkt gewählte Europäische Parlament als „verfassungsgebende Versammlung“. 33. Februar 1984 mit großer Mehrheit verabschiedete. Spinelli. Das Europäische Parlament hat sich diesen Aufgaben vielmehr mit dem selbst gesetzten Anspruch eigener Legitimation und unter Inanspruch167 Vgl. C 77/1984. S. S. Peters charakterisiert den Verfassungsentwurf 1984 (wie auch den aus dem Jahre 1994) als „in dem Sinne revolutionär“. 3 ff.II. Bd. Jacobs. 168 Vgl. 167 (2) Grundgedanken des Verfassungsentwurfs des Europäischen Parlaments Von anderen vorherigen und auch nachfolgenden Textentwürfen unterscheidet sich der Verfassungsentwurf des Europäischen Parlaments aus dem Jahre 1984 sowohl hinsichtlich seiner Legitimation als auch in Bezug auf seine inhaltliche Architektur und Geschlossenheit.. die den Unionsbürger legitim vertritt. abgedruckt auch in: Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union (Hrsg. welcher vorsah. Elemente einer Theorie der Verfassung Europas. S. Peters.). Jaqué und Capotori) entstand schließlich ein endgültiger Entwurf. A. der Vorschläge für die Verwirklichung einer Europäischen Union erarbeiten sollte. 168 A. Spinelli. . der anschließend den Mitgliedsstaaten zur Ratifizierung vorgelegt werden sollte. 231 ff. ABl. Einflussreiche Kreise hielten es nach der ersten Direktwahl für eine historische Pflicht. 169 Festzuhalten ist. Unter Mitwirkung der so genannten Juristenkommission (vertreten durch die Professoren Hilf. 242.

Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung nahme eines konstitutionellen Initiativrechts unterzogen. aber auch weite Bereiche der Gesellschaftspolitik fallen. dass Gegenstände. Unter gemeinsamen Aktionen versteht der Verfassungsentwurf Rechtshandlungen. die von den Institutionen der Union ausgehen und sich entweder an diese selbst. Er legt zwei Aktionsweisen der Union fest. Die zur Ausführung der Gesetze erforderlichen Verordnungen und Beschlüsse sollten von der Kommission erlassen werden. die bisher der Zusammenarbeit zwischen den Staaten unterliegen. Im Falle der konkurrierenden Zuständigkeit waren die Mitgliedsstaaten nur insoweit zur Handlung befugt. Auch berief man sich bekräftigend auf das Subsidiaritätsprinzip.72 B. die den organisatorischen Aufbau und die Funktionsweise der Institutionen regeln sollten (Art. Neu war das Instrument der so genannten Organgesetze. 36 des Entwurfs sollten nämlich das Europäische Parlament und der Rat der Union gemeinsam unter aktiver Beteiligung der Kommission die Gesetzgebungsbefugnis ausüben. unter Zusammenarbeit werden die Verpflichtungen subsumiert.und Kreditpolitik. Nach Art. „gemeinsame Aktionen“ und bloße „Zusammenarbeit“ gewährleistet (Art. Ausdrücklich vorgesehen ist. wichtige Modalitäten über das eigene Funktionieren selbst zu regeln. Insgesamt ein Vorgang. Der Verfassungsentwurf ist in vielerlei Hinsicht als bemerkenswert zu bezeichnen. die im weiteren Sinne auch noch heute deren Funktionieren zu bestimmen wissen: Einmal die vom Europäischen Parlament so genannte gemeinsame Aktion und zum anderen die Zusammenarbeit. der von einem beachtlichen parlamentarischen Selbstbewusstsein zeugte. in die konkurrierende Zuständigkeit die Konjunktur. konkurrierender und potentieller Zuständigkeiten“ unterschieden. die sich dabei an die im Gesetz vorgesehenen Verfahren zu halten hatte. dass im Falle einer ausschließlichen Zuständigkeit der Union allein die Institutionen der Union handlungsbefugt sein sollten. Gegenstand gemeinsamer Aktionen werden können. Unter bestimmten Voraussetzungen wurde auch dem Europäischen Parlament Gesetzesinitiativrecht eingeräumt. im Interesse der Erhaltung des europäischen Integrationsgrads jedoch nicht umgekehrt. Bezüglich . an die Staaten oder an Einzelne richten. die die Mitgliedsstaaten im Rahmen des Europäischen Rates eingehen. Einen gewissen Innovationsgrad besitzen in dem Verfassungsentwurf vor allen Dingen die Bestimmungen über die gesetzgebenden Organe und das Gesetzgebungsverfahren. ohne auf die Ratifizierung durch die nationalen Parlamente angewiesen zu sein. Dieses Verfahren würde es der Union erlauben. Die Gewaltenteilung erscheint durch die Differenzierung in supranationale. Hinsichtlich der internationalen Beziehungen der Union sollte die Union teilweise durch gemeinsame Aktionen. 10). 34 II). als die Union nicht tätig geworden wäre. teilweise im Wege der Zusammenarbeit agieren können. Zentral ist die ausdrückliche Festlegung. In die ausschließliche Zuständigkeit sollten etwa Bestimmungen über den Binnenmarkt und die Freizügigkeit sowie den Wettbewerb. Bezüglich der Politiken der Union wird in dem Verfassungsentwurf unter jeweils enumerativer Benennung zwischen „ausschließlicher.

II. . Aufl. 5) zu verstehen. 1ff. Die jeweilige Ausgestaltung der Grundrechte hängt stark von den Entstehungsbedingungen der Verfassung selbst ab. „die sich insbesondere aus den gemeinsamen Grundsätzen der Verfassungen der Mitgliedsstaaten und der Europäischen Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten ergeben“. W. S.und Bürgerrechte fest. 23 ff. dazu A. italienische. Diese von der Gesellschaft wechselseitig zuerkannten Rechte schützen somit die Minderheit vor der „Tyrannei der Mehrheit“ und begrenzen andererseits die Freiheit des Einzelnen. 1994. in: DVBl. Strukturen. Die EU-Staaten im Vergleich. Verfassungsrechtliche Rahmenbedingungen: Grundrechte. Kimmel. 2000. ein „unaufgebbares Naturrecht“ (vgl. Brettschneider. Art. wenn er den in der Verfassung festgelegten Grundkonsens der Gesellschaft gefährdet. Herrschaft zu legitimieren und zu organisieren. Diese Fülle unscharfer Festlegungen schien so kaum praktikabel. 4. Staatszielbestimmungen und Verfassungsstrukturen. Das politische System der Bundesrepublik Deutschland.W. indem man zuerst eine Grundrechte-Charta erarbeitete. in: O. (Hrsg. Der Entwurf sah jedoch neben dem Beitritt der Union zur EMRK vor. 24. Gerade die Kompetenzabgrenzung wurde als unzureichend kritisiert. die Regel sein sollte. Rudzio. s.II. 171 Nahezu 20 Jahre später sollte der umgekehrte Weg beschritten werden. Beispielsweise bekennen sich jene Verfassungen. dass für Abstimmungen im Rat die Beschlussfassung mit einfacher Mehrheit. dass die Verfassung neben ihrer Aufgabe. Prozesse. Walter. 44) darstellen. dass innerhalb einer Frist von fünf Jahren die Union nach dem in dem Entwurf vorgesehenen Vertragsänderungsverfahren „ihre eigene Grundrechtserklärung“ verabschieden solle. wie sich der Verfassungsentwurf des Europäischen Parlaments zu den Grundrechten verhielt. Gabriel / F. noch das Verfahren der „Europäisierung“ einzelner Bereiche eindeutig festgelegt. 4 I nur die Menschenwürde. Die Folgen der Globalisierung für die europäische Verfassungsdiskussion. Ansonsten verwies der Verfassungsentwurf auf die Grundrechte und Grundfreiheiten. die die Freiheit des Einzelnen garantieren und bewahren sollen und die zu diesem Zweck nicht von einer Mehrheit widerrufbar sind. so dass 170 Unter Begrenzungsfunktion ist in diesem Kontext (vgl. Vgl. auch C. 1 I GG. das heißt mit der Mehrheit der abgegebenen gewogenen Stimmen ohne Berücksichtigung der Enthaltungen.f)ii). welche nach Diktaturen entstanden sind. 1996. die Rechte des Einzelnen vor der von der Mehrheit errichteten Herrschaft schützt.2. Sie schreibt verbindliche Grund. hierzu unten B. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 73 der Mehrheitserfordernisse ist festzuhalten. Beachtlich ist. Weder war der rechtliche Status der Begriffe „Zusammenarbeit“ noch der „gemeinsamen Aktion“ genau definiert. Kritiker vermuteten. spanische und portugiesische) als andere (wie etwa die französische). Inhalte. S. Spinelli habe eine außerordentliche Ausweitung der Kompetenzen auf die supranationale Ebene vorzunehmen gewollt. So sollte auch die Begrenzungsfunktion 170 europäischer Hoheitsgewalt gegenüber dem Unionsbürger mittels einer Verfassung erweitert werden.). ausführlicher zum Demokratieprinzip und den Menschenrechten (wie die deutsche. 171 Allerdings hatte der Entwurf angesichts der Organisationsfunktion auch Defizite. Dabei ist essentiell. dass wesentliche Grundrechte wie etwa die im Grundgesetz festgelegte Menschenwürde. S.. Ausdrücklich erwähnt wurde in Art. um sich erst anschließend mit deren Einfügung in eine Verfassung auseinanderzusetzen.

um die Haltungen und Standpunkte der nationalen Parlamente zu berücksichtigen. in: Integration. 173 Die Diskussion. 172 Insgesamt tritt in dem Verfassungsentwurf des Europäischen Parlaments aus dem Jahr 1984 jedoch der Verfassungscharakter des Vertrages sehr stark hervor. Juni 1984 neu gewählte Europäische Parlament wurde in der dem Verfassungsentwurf beigefügten Entschließung aufgefordert. .74 B. denn organisatorisch wurde beim Nullpunkt angefangen. die zum Verfassungsentwurf geführt hatte. von der traditionellen Methode des Völkerrechts abzuweichen. S. 12 ff. Bereits eine Zwei-Drittel-Mehrheit der EGBevölkerung sollte den Vertrag ratifizieren können. 173 Offensichtlich hatte Spinelli die Strategie verfolgt. der den Parlamenten automatisch und zwingend zur Ratifizierung zugeleitet werden musste. Dieses Verfahren war erforderlich. unterstreicht aber eben auch gleichzeitig den Grundsatz der Subsidiarität. 87. alle geeigneten Kontakte und Treffen mit den nationalen Parlamenten zu organisieren und jede andere dienliche Initiative zu ergreifen. nur U. Dementsprechend befürchteten die Regierungen eine „natürliche Koalition der Parlamente gegen die Exekutiven“ 174. hat wesentlich dazu beigetragen. Er ist als rechtliche Grundordnung des Gemeinwesens konstituiert. ihre Ausübung legitimiert und organisiert wird. zu klären. in der Hoheitsgewalt begründet. 82).. die vertragsimmanente Reformen für vordringlich hielten und denjenigen. Everling. die Fronten zwischen denjenigen. rückte der erforderliche 172 Vgl. S. mit der nationale Empfindlichkeiten geschont werden sollten. die auf einen vollständigen Neuansatz für die Fortentwicklung der Integrationen eintraten. Garthe. Der Vertrag beinhaltet schließlich einen umfassenden „Zielekatalog“. Weichenstellung zur Europäischen Union? Der Verfassungsentwurf des Europäischen Parlaments und sein Beitrag zur Überwindung der EG-Krise. (3) Verlauf und Ergebnisse der Diskussion Das am 17. 13 sowie 23. Letztlich waren jedoch die zentralistischen Tendenzen ausschlaggebend für das Scheitern der Entwurfes. verbarg sich also nicht die Fortsetzung der alten Gemeinschaft. als Rahmenordnung politischer Einheitsbildung der Union. 1/1984. Der Verfassungsentwurf des Europäischen Parlaments aus dem Jahre 1984 wurde vom Europäischen Parlament mit großer Mehrheit angenommen. begrenzt und zugeordnet. Hinter der Fassade der gemäßigten Formulierungen. während die Regierungen lediglich das Datum des Inkrafttretens beschließen sollten (Art. Zur Rechtsstruktur einer Europäischen Verfassung. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung den „Mitgliedsstaaten kaum noch Hoheitsgewalt bleibt“. einer Ordnung. 1989. weil es sich bei dem Vertragsentwurf ja gerade nicht um einen nach völkerrechtlichen Grundsätzen von den Regierungen erarbeiteten Text handelte. Sobald die Beteiligten nämlich den „Unterwerfungscharakter der supranationalen Beschlüsse“ erkannten hatten. 174 M.

. 177 cc) Die Einheitliche Europäische Akte (1986) Trotz der letztlich fehlenden Umsetzung wirkt der Spinelli-Entwurf bis in die heutige Zeit nach. S. Der deutsche Bundestag kritisierte den Entwurf wegen der „Tendenzen zur Auszehrung nationalstaatlicher Finanzautonomie“. 2002. S. Der Weg zum EU-Verfassungskonvent. Besonders deutlich wird dieses Realisierungsdefizit eben an der (gescheiterten) Strategie des Europäischen Parlaments. zu welchen integrationspolitischen Leistungen und zu welchen konstitutionellen Taten parlamentarisch zusammengesetzte Gremien im Vergleich zu exekutiv zusammengesetzten Organen in der Lage sind. konnte entnommen werden. 32: „Noch heute ist der Enthusiasmus und die Aufbruchstimmung der Verfassungsväter für denjenigen spürbar. Wessels. S. Zellentin. 1986. Weidenfeld / W. staatliche Verfassungsstrukturen auf die europäische Ebene zu übertragen. Schon daraus. W. in: Deutscher Bundestag.). Wege zur Europäischen Union: Vom Vertrag zur Verfassung?.). 37 ff. 178 Vgl. 29. 176 Zudem: Das Ziel. .“ Diese Erkenntnis sollte bei der 20 Jahre später stattfindenden Verfassungsdiskussion noch eine wesentliche Rolle spielen. Überstaatlichkeit statt Bürgernähe. Wessels (Hrsg.. aber auch aus dem Entwurf des Europäischen Parlaments aus dem Jahr 1994. S. 178 Selbst wenn im Jahre 1986 mit der Einheitlichen Europäischen Akte und dem Vertrag von Maastricht aus dem Jahre 1993 wichtige 175 G. transparenteres und nicht zuletzt effizienteres Verfahren der Vertragsänderung bzw. in: Integration. Denn die Erarbeitung der Grundrechte-Charta und die Vorbereitung der Regierungskonferenz 2004 durch einen mehrheitlich aus Parlamentariern zusammengesetzten Konvent ist auch aus der Einsicht entstanden. demokratischeres. Popovic.. So wurden die Verfassungsbestrebungen des Europäischen Parlaments dem apostrophierten dualen Charakter der Gemeinschaft – supranational und intergouvernemental – nicht gerecht. Ein wesentlicher Grund für die Ablehnung war die Absicht. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 75 europäische Konsens in unerreichbare Ferne. die Union mit einem eigenen Haushaltsrecht zu versehen. S.. die Exekutiven der Mitgliedsstaaten möglichst wenig mit einzubeziehen. musste auch an der damals unüberbrückbar – heute banal – scheinenden Beobachtung scheitern. 50. der sich der Lektüre des Verfassungsentwurfs unterzieht.II. Einleitung. 1/1984. 47.). 1986. -fortentwicklung zu etablieren. Fuchs / S. dass die Union bereits aus Staaten mit eigenen Verfassungen besteht. Hartleif / V. das Vetorecht und die bisherige Kompetenzverteilung müsse erhalten bleiben. dass er aus einem Guss und ohne Scheuklappen formuliert ist. Referat Öffentlichkeitsarbeit (Hrsg. 176 Vgl. Die Reformbilanz der Europäischen Gemeinschaft: ‚Bundesrepublik Europa‘ als Perspektive?. 175 So lehnte etwa das dänische Parlament die Spinelli-Initiative mit der Begründung ab. in: W. 177 W. in: W. 45 ff. auch M. Wege zur Europäischen Union: Vom Vertrag zur Verfassung?. Weidenfeld / W. Wessels (Hrsg. Die Debatte um die Europäische Union – Konzeptionelle Grundlinien und Optionen. Bonn. ein europäischeres. Der Entwurf verfügt über den großen Vorteil. 21 ff. 28 ff. Weidenfeld.

kann doch nicht übersehen werden. Er Die EEA bereitete letztlich die Europäische Union vor. Einige wesentliche Änderungen der Gemeinschaftsverträge bestanden in einer Verankerung der Europäischen Politischen Zusammenarbeit und des Europäischen Rates.30). Forschung und Technologie. (Abdruck bei A. II. Die zwölf damaligen Mitgliedstaaten unterzeichneten die EEA 1986. ins Rollen gebracht hat. der zur Unterzeichnung der Einheitlichen Europäischen Akte geführt hatte. 180 Bis zur Umsetzung dieses ehrgeizigen Anspruches in die Wirklichkeit sollte es jedoch noch ein langer und steiniger Weg sein – auch des Interessenabgleichs zwischen dem Europäischen Parlament und den nationalen Parlamenten. am 1. den Staats.und Regierungschefs wiederkehrend konstitutionelle Desiderata vor Augen zu führen und den Unionsbürgern deutlich zu machen. 2001. 181 Abdruck bei A. 200. Vgl. dass der Verfassungsentwurf den Prozess. Allerdings wurden andere Ziele noch nicht erreicht: Auf das Einstimmigkeitsprinzip wurde noch nicht vollständig verzichtet und die erweiterten Rechte des EP machten dieses noch nicht zu einem „klassischen“ Parlament. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Vertragsfortentwicklungen. Maurer. Der Beitrag des Europäischen Parlaments und der nationalen Parlamente. Schäfer (Hrsg. 2002. Cromme (1987) Bevor die Debatte von 1994 ins Blickfeld rückt.76 B.). der Einführung neue Aufgaben in den Bereichen Umweltschutz. für die 179 . Parlamentarische Demokratie in der Europäischen Union. dd) Der Verfassungsvertrag der Gemeinschaft der Vereinigten Europäischen Staaten von F. Eine Union wird bereits als Ziel in der Präambel genannt. dass die Konstitutionalisierung der Europäischen Union und damit ihre zunehmende Demokratisierung und die Erhöhung ihrer Legitimation und Transparenz grundsätzlich nicht am Parlament und seinen Mitgliedern scheitert und auf keinen Fall an den Parlamenten vorbei erfolgen kann. Herausragende Dokumente von 1930 bis 2000. verdient allerdings der auf Eigeninitiative von F. Schäfer (Hrsg. 179 Zudem hat der Verfassungsentwurf – wie der Entwurf aus dem Jahre 1994 – die trivialen. Juli 1987 trat sie in Kraft. im Wege der herkömmlichen. die immerhin zur Gründung der Europäischen Union führten. aber nicht minder bedeutsamen Funktionen erfüllt. einer Änderung des Beschlussverfahrens des Rates für den Binnenmarkt. Die Verfassungsentwürfe zur Gründung einer Europäischen Union. schrittweisen und regierungsseitig zu Stande gekommenen Vertragsergänzung erfolgt sind.31. Herausragende Dokumente von 1930 bis 2000. II. 180 Eine eingehende und umfangreiche – auch empirische – Analyse liefert auch A.). Eine bedeutungsvolle Etappe auf diesem Weg bildete die Verfassungsdiskussion des Jahres 1994. Die Einheitliche Europäische Akte hatte bekanntlich eine nennenswerte Anzahl von Vorschlägen aus dem Spinelli-Entwurf übernommen (und etwa die Stellung des Europäischen Parlaments durch die Einführung des Verfahrens der Zusammenarbeit bei der Rechtsetzung deutlich verbessert). Die Verfassungsentwürfe zur Gründung einer Europäischen Union. Cromme entstandene Entwurf eines „Verfassungsvertrages der Gemeinschaft der Vereinigten Europäischen Staaten“ 181 Aufmerksamkeit.

normierte aber trotzdem den Rat als zentrales und entscheidungswesentliches Gemeinschaftsorgan. Ein Verfassungsentwurf. S. S. Bender (Hrsg. S. Die Kontroversen spiegelten sich in drei Volksbefragungen wider. Portugal und Griechenland erwarteten mehr Geld aus dem Kohäsionsfonds. Festschrift für R.-J. Vgl. Staat und Demokratie. Steinberger. P. S. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 77 basierte auf den bestehenden Gemeinschaftsverträgen. 1081 ff. 1313 ff. Bernhardt. 1993. Deutschland und die Benelux-Staaten begrüßten allerdings den weiteren Schritt hin zu engerer Zusammenarbeit. die Deutschen lehnten den drohenden Verlust der DM zugunsten eines ECU ab. Während die Dänen erst nach einigen Kompromissen in einer zweiten Abstimmung knapp mehrheitlich zustimmten und auch Frankreichs Referendum mit hauchdünner Mehrheit positiv ausfiel. Maastricht – ein Staatsstreich?.. Streinz. 182 80er Jahre auch den Verfassungsentwurf von R. 412 ff. 182 Die zuweilen gezielte Instrumentalisierung von Hoffnungen und Befürchtungen spaltete die öffentliche Meinung. Pernice. Die systematische Gliederung wurde für eine zukünftige Europäische Verfassung als vorbildlich gewertet. Das MaastrichtUrteil des Bundesverfassungsgerichts. Huber. 1992) in Kraft getreten. in: Die Verwaltung 26 (1993). 329 ff. Der Unionsvertrag von Maastricht – Ein schritt auf dem Weg zu einem europäischen Bundesstaat. in: U. erreichte die Mehrheit in Irland 69 Prozent. Lerche. (Hrsg. Er erweiterte zwar die Befugnisse des Europäischen Parlaments (im Vergleich zum Stand der Gemeinschaftsverträge von 1987) wesentlich. in: B. der Einstieg in eine Gemeinsame Außen. in: DÖV 1993. 2. Bundesstaat Europäische Union. Spanien. H. 1995. Dänemark plante sich von der gemeinsamen Außenpolitik fernzuhalten. Fugmann. November 1993 ist schließlich der in Maastricht geschlossene Vertrag über die Europäische Union (vom 7.).. Die Europäische Staatlichkeit und die Identität des Grundgesetzes. S. Zum „Maastricht Urteil“ des BVerfG: R. Rechtsstaat zwischen Sozialgestaltung und Rechtsschutz. insgesamt zum Maastrichter Vertrag aus der ausufernden Literatur: P. 131 ff. Recht zwischen Umbruch und Bewahrung. . Beyerlin u. 1993. S. Maastricht.II. in: JZ 1993. Blanke. Die vorhergehenden Debatten lieferten ein Musterbeispiel „europäischer Polyphonie“.. I. Frankreich befürchtete eine Übermacht des größeren Deutschland.M. ee) Der Vertrag von Maastricht (1992) Am 1. Großbritannien sträubte sich gegen eine gemeinsame Sozialpolitik. 449ff. auf dem eben beschriebenen Spinelli-Entwurf (1984) und der Einheitlichen Europäischen Akte und legte Schwerpunkte auf die Kompetenzverteilung zwischen der Europäischen Union und den Mitgliedstaaten sowie auf eine präzise Festlegung der Kompetenzen der Organe.). Pfennig / F. Die Europäische Union im Lichte der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes vom 12. Über die ursprüngliche Wirtschaftsgemeinschaft hinaus wollten die Mitgliedstaaten mit dieser neuen Reformübereinkunft die Integration weiter vorantreiben.und Sicherheitspolitik und die engere Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen der Innenpolitik. eine den „Federalist Papers“ wenigstens nahe kommende intellektuelle Begleitung war in der sich weitgehend spiegelbildlich erweisenden wissenschaftlichen Diskussion nicht erkennbar. Festschrift für Konrad Redeker. Götz. a. Das MaastrichtUrteil des Bundesverfassungsgerichts. Luster / G.. Oktober 1993. R. 1988. V. in: EuZW 1994. Kernpunkte sind die angestrebte Währungsunion.

in: DÖV 1987. Europäisches Bürgerrecht zwischen Marktbürgerschaft und Staatsbürgerschaft. (Hrsg. vgl. Die Unionsbürgerschaft nach dem Vertrag über die Europäische Union. Bildung und Sozialpolitik. Binnenmarkt.). 353 ff. die hier nur kursorisch wiedergegeben werden sollen: Die erste Säule umfasst den alten EGV und entwickelt ihn weiter. Der Rechtsstatus der Unionsbürger.und Sicherheitspolitik. 429 ff. Kotalakidis. Neu aufgenommen wurden die Verpflichtungen zu größerer Bürgernähe. Magiera.. 1970. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Die Gründe für einen neuen Vertrag waren offensichtlich: Bereits in der Präambel des EGV von 1957 ist als Ziel angegeben. Randelzhofer / R. Statt von „Wirtschaftsgemeinschaft“ sollte nunmehr von einer „Europäischen Union“ die Rede sein. Vgl. N.und Justizpolitik vor. S. sich gegenseitig abzusprechen und gemeinsame Regelungen zu suchen. Vor diesem Hintergrund gewann die Gipfelkonferenz im Dezember 1991 in Maastricht entscheidende Bedeutung. in: DÖV 1993. Der nun gültige Vertragstext 183 ruht auf drei „Säulen“. Agrarmarkt und Handelspolitik traten neue Felder der Integration: eine Währungsunion. Dazu wurde eine „Unionsbürgerschaft“ 184 eingeführt. Europäische Verfassungslehre. Mit dem Zerfall des Ostblocks und der Öffnung der Grenzen in Europa stellten sich neue Anforderungen an die Zwölfergemeinschaft.. 581 ff. Gedächtnisschrift für Eberhard Grabitz. 749 ff. 2006. Grabitz. 2005. Dabei sollten auch die vorhandenen Strukturen der Westeuropäischen Union (WEU) genutzt werden.). Dicke u. 30. in Zukunft eine Gemeinsame Außen. 2000. S. S. Mit der Einheitlichen Europäischen Akte (1986) und der weitgehenden Vollendung des Binnenmarktes (1993) waren erhebliche Fortschritte erreicht. Scholz / D. einen immer engeren Zusammenschluss der europäischen Völker zu schaffen. Randelzhofer.. Aufl. Siehe bereits E. S. in: A. aus dem Schrifttum P. Zu den alten Bereichen Zollunion. in: K. Die Europäische Gemeinschaft auf dem Weg zu einem Europa der Bürger?. Häberle. Degen. 4. 221 ff. später ders.und Sicherheitspolitik (GASP) zu erarbeiten und zu entwickeln. Weltinnenrecht. Von der nationalen Staatsangehörigkeit zur Unionsbürgerschaft. Marktbürgerschaft – Unionsbürgerschaft – Staatsbürgerschaft. 1254 ff. Nr. Der Vertragstext spricht zurückhaltend davon. Diese stark Abdruck BGBl. Dabei bleibt der Einfluss bei den Mitgliedstaaten. auch M. S. wobei die Zuständigkeiten der Europäischen Union in den einzelnen Politikbereichen sehr unterschiedlich ausgestaltet waren. Die dritte Säule sieht eine Zusammenarbeit in der Innen. Kampf gegen Drogen und Kriminalität und empfiehlt engere polizeiliche Zusammenarbeit. S. Die zweite Säule bezieht sich auf die Außen. Gesundheitswesen. Die Regierungen erklärten sich aber dazu bereit. S. Wilke (Hrsg. Entscheidungen sollten einstimmig getroffen werden. Auch hier lagen bereits Erfahrungen aus der Zusammenarbeit im Rahmen der „Europäischen Politischen Zusammenarbeit“ (EPZ) vor. Liber amicorum Jost Delbrück..und Umweltschutz. 1992. Verbraucher..und Einwanderungsfragen. 1995. zur Bildung eines Regionalausschusses sowie zur beschränkten Stärkung der Rechte des Europäischen Parlaments. 47 v. A. nennt Stichworte wie Asyl. 184 183 . a. 12.78 B.

Aufl. der mit Maastricht beschritten wurde. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 79 geraffte. 2006. Dieser wurde im federführenden institutionellen Ausschuss fortentwickelt. zeigte. Häberle. 35 (2002). Er wird durch das „Säulenmodell“ veranschaulicht: Die erste. griffen im Westen Zweifel an einer gemeinsamen Zukunft um sich. ff) Die Verfassungsdiskussion 1994 – der Herman-Bericht (1) Ausgangspunkte der Debatte Bereits im Hinblick auf die Regierungskonferenz zum Maastricht-Vertrag hatte das Europäische Parlament mit den Entschließungen vom 11. insbesondere P. Juli 1990 und vom 12. mit zahlreichen Nachweisen.II. während die zweite und dritte Säule völkerrechtlich ausgerichtet sind. . die nach den Umbrüchen von 1989/1990. Bd. Der Zusammenbruch der Sowjetunion und die Wiedervereinigung Deutschlands hatten innerhalb der EG die gelegentlich im Stolpern begriffenen Schritte in Richtung auf eine politische Union beschleunigt. 431 ff. Dezember 1990 Leitlinien für einen Verfassungsentwurf vorgelegt. Doch der Weg. den wahrhaft „europäischen Momenten“. aber für den gesamten – auch rechtsvergleichenden – Kontext notwendige Zusammenfassung lässt kaum etwas ahnen von den überaus komplexen und (nicht nur) für den Laien schwer verständlichen Vertragsformulierungen. ABl. Der Vertrag brachte die Gründung der Europäischen Union – nicht als supranationale Konstruktion mit eigener Rechtspersönlichkeit. 4. Europäische Verfassungslehre. befand. in dem sich die europäische Wirtschaft. Verfassungsentwürfe für die Europäische Union. S.). das europäische Aufbauwerk erneut mit „Schwung“ zu versehen. Auch der offensichtliche Krisenzustand. S. vor allem nach dem Zusammenbruch des EWS. stieß insbesondere in den Parla185 Vgl. S. supranational geprägte Säule beinhaltet die Gemeinschaftsverträge. 155. abgedruckt auch in: Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union (Hrsg. Während nationalistische Kämpfe den Balkan erschütterten. jedoch noch nicht unbedingt stabilisiert. 186 Zum Regionalismus in Europa vgl. Herman – war gewissermaßen eine von vielen Antworten auf die Erkenntnis neuer Strukturen und einer etwaigen Modernisierung Europas. im Februar 1994 finalisiert und anschließend dem Plenum vorgelegt. deutlich geworden war. der die Mitgliedstaaten der Gemeinschaften angehören. 26 ff. Texte und Materialien. sondern als völkerrechtliche Einrichtung. F. dass der Zeitpunkt gekommen war. C 61/1994. gleichzeitig aber gewannen die Regionen Europas 186 zunehmend an Bedeutung. 185 Dieser neuerliche Entwurf einer europäischen Verfassung – benannt nach dem Berichterstatter des Institutionellen Ausschusses des Europäischen Parlaments. Die Erweiterungspläne der Union auf 16 oder mehr Mitgliedsstaaten und die damit verbundenen Ängste offenbarten die Notwendigkeit eines institutionellen Umbaus der Union im Hinblick auf ihre Organisation und ihre Entscheidungsverfahren. Bereits zu dieser Zeit waren Wirtschaft und Politik in Europa immer stärker von der Globalisierung geprägt. Nr.

Im Hinblick auf die Begrenzungsfunktion hatte das Europäische Parlament bis 1994 auf dem Gebiet der Grund. eine stärkere demokratische Legitimierung des Entscheidungsverfahrens gewährleisten sowie die Achtung der Menschenrechte und Grundfreiheiten garantieren. Weiter versah der Textentwurf den Unionsbürger mit 187 Vgl. 187 Nach Maastricht sollte sich auch das Legitimationsproblem intensivieren.80 B. dass im Herman-Entwurf ein separater Menschenrechtekatalog etabliert werden konnte. nur die Beschlussempfehlung des Sonderausschusses „Europäische Union (Vertrag von Maastricht)“. 188 Vgl. Ausschüssen und den Exekutiven verlagerten. Transparenz und demokratische Ausrichtung der Organe verbessern. 188 (2) Grundgedanken des Verfassungsentwurfs des Europäischen Parlaments Im Wesentlichen sollte die „Verfassung“ von 1994 die Ziele der Europäischen Union präzisieren. 12/3895. . Obgleich das Europäische Parlament mit dem Mitentscheidungsrecht in einigen Bereichen gestärkt und bei der Einsetzung der Kommission ein Bestätigungsrecht erhielt. Der verwirrende und unverständliche Vertragstext hatte nur mit Mühe die Nagelprobe der Referenden in Dänemark und Frankreich bestanden. Die Verfassungsinitiative vom Februar 1994 hatte daher zum Ziel. bis Ende der 90er-Jahre endlich Aufschluss über die Finalität der Europäischen Union und ihren Teilnehmerkreis zu erhalten. 204 ff. S. 205. BT-Drucks. auch T. Läufer. 2/1994. Zu den wichtigsten Axiomen des Verfassungsentwurfs zählten demzufolge u. Die Politik der Union betraf immer mehr Lebensbereiche unmittelbar. entzog sich aber zunehmend der demokratischen Kontrolle. Darüber hinaus die Abschaffung von Einstimmigkeitsentscheidungen. Die Angst vor einem Souveränitätsverlust spiegelte sich in den knappen Referenden zur Ratifikation des Maastrichter Vertrages wider. damit neue Impulse für den Fortgang der europäischen Integration gesetzt und ein einheitlicher verfassungsrechtlicher Rahmen geschaffen werden konnten. Schließlich strebte man an. blieben seine gestalterischen und kontrollierenden Kompetenzen eher gering. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung menten nicht zuletzt aufgrund der übermäßigen Komplexität des Vertragswerkes auf unverhohlene Skepsis. in: Integration. Zur künftigen Verfassung der Europäischen Union. die zunehmend komplexen EG-Strukturen zu systematisieren. Als weitere Argumente für den Verfassungsbedarf der Union galten die durch den Maastricht-Vertrag eingeführte Unionsbürgerschaft und die erforderliche Stärkung gemeinsamer Werte sowie die Bildung eines gemeinsamen europäischen Bewusstseins..bzw. a. die Einführung eines Zwei-Kammer-Systems (Parlament und Rat). Menschenrechte bereits so viele Vorarbeiten geleistet. eines Gesetzgebungsverfahrens sowie die transparente Definition einer Rechtshierarchie. die Effizienz. da Kompetenzen sich von den nationalen Parlamenten zur Kommission. die Entscheidungsverfahren vereinfachen und veranschaulichen bzw.

1994: Art. Wie im Entwurf von 1984 nahm die Legitimationsfunktion eine zentrale Stellung ein. 1994: Art. wie es in der Etablierung des Zwei-Kammer-Systems zum Ausdruck kam. die auf eine künftige Staatlichkeit der Union wenigstens hinzudeuten wussten. Über die Kompetenzen in der Außen. dass gemäß Art. Unklar blieb. 42). 1994: Art. Ebenso das damals bereits erwogene Prinzip der doppelten Mehrheit bei Abstimmungen im Ministerrat. 30. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 81 einer direkten Klagemöglichkeit vor dem EuGH (Art. sowie – ähnlich wie im Ad-hoc-Entwurf – ein Misstrauensvotum gegenüber dem Präsidenten aussprechen können (1984: Art. 38). Der Verfassungsentwurf vermochte einerseits das bisherige EG-System mit einer ganzen Reihe von Elementen anzureichern. Die Legitimität der Legislative sollte durch eine echte Beteiligung der gewählten Volksvertreter gewährleistet sein. Beispielhaft seien etwa das Fehlen einer klaren Aufteilung und Benennung der Zuständigkeiten sowie unklare Integrationsziele genannt. Im Gegensatz zu 1984 verstand sich das Europäische Parlament 1994 aber nicht als alleinige verfassungsgebende Versammlung. wie eine Verfassungsänderung vor sich gehen sollte. Mit seinen nur 47 Artikeln erweckte der Entwurf den Eindruck. Es erschien denkbar. Gleichzeitig sollte aber das politische System der Union weiterhin auf der Grundlage föderaler Strukturen ausgebaut werden. Das Europäische Parlament sollte das Programm des Kommissionspräsidenten billigen. und der Verstoß eines Mitgliedsstaates gegen Menschenrechte sollte von Rat und Parlament sanktionierbar sein (Art. der Zivilgesellschaft und den Regierungsvertretern auf Grundlage des Entwurfs eine endgültige Version ausarbeiten (Art. konnte aber durch das Verfahren der Verfassungsänderung überwunden werden. 17 – 24). und das Europäische Parlament als Zweite Kammer eine gleichberechtigte Rolle neben dem Ministerrat erhalten bzw. Auch die Judikative sollte stärker demokratisch legitimiert werden. wonach lediglich eine Zweidrittelmehrheit im Europäischen Parlament nötig wäre. 2). Zu erheblichen Diskussionen führte die geplante Aufnahme eines Rechts auf Arbeit oder auf Gründung einer Familie in den Grundrechtekatalog. 31 ein „Verfassungsgesetz“ gemeint war. Wie im Spinelli-Entwurf fehlte auch 1994 eine genauere Festlegung des Subsidiaritätsprinzips. 22 III). sondern betonte stärker die doppelte Legitimitätsgrundlage der Europäischen Union: laut der Entschließung zur Verfassung sollte ein „Verfassungskonvent“ aus nationalen und europäischen Parlamentsabgeordneten.und Sicherheitspolitik sollte zudem schon nach fünf Jahren mit qualifizierter Mehrheit im Rat entschieden werden (Art. Allerdings wies der Verfassungsentwurf nicht unerhebliche Defizite auf. indem die Richter des EuGH zur Hälfte vom Europäischen Parlament ernannt werden sollten (1984: Art. 29. das Mitentscheidungsrecht auf alle Verfahren ausgeweitet werden (1984: Art. wesentlich gestrafft zu sein und damit allen Anforderungen an Transparenz und Klarheit . 25). 44). 37. Die bisherige Aufteilung der Kompetenzen in gemeinschaftliche und intergouvernementale Bereiche blieb zwar bestehen.II.

In dieser Hinsicht stand der Verfassungsentwurf von 1994 der Verfassung der Vereinigten Staaten am nächsten. a. die über die bestehenden Vertragsgrundlagen hinaus reiche. die Verfassungsgrundlagen der Europäischen Union zu verdeutlichen. / 3. Der Institutionelle Ausschuss prüfte seinen Entwurf erneut in seiner Sitzung vom 9.. 36 ff.). diese Arbeiten 189 Zum Verlauf der Diskussion vgl. dass es kurz vor der Europawahl und der Auflösung des Parlaments nicht ausreichend Zeit gebe. Die Verweise auf den „gemeinsamen Besitzstand“ der bisherigen Verträge standen mit dem Gebot der Transparenz nur bedingt im Einklang. dem Entwurf fehle es an einer schlüssigen Vision. dass der Entwurf auch in den eigenen Reihen umstritten war. Allerdings konnte die geringe Anzahl von Artikeln nur durch den fast vollständigen Verzicht auf eine nähere Kompetenzbeschreibung der Union sowie durch die Verschiebung des Katalogs der Menschenrechte in den abschließenden Schlusstitel VIII erreicht werden. Fuchs / S. (3) Verlauf und Ergebnisse der Diskussion Anders als 1984 verfügte das Europäische Parlament 1994 über keine eindeutige Strategie zur Durchsetzung des Verfassungsentwurfs. Hartleif / V. 129 der Geschäftsordnung des Europäischen Parlaments an den Institutionellen Ausschuss zurück überwiesen. S. u. ausführlich: M. Einleitung.und Regelungskraft einer europäischen Verfassung entgegenkam noch inhaltlich den aktuellen Stand der politischen Diskussion widerspiegelte. zu einer mehrheitsfähigen Fassung des Verfassungsentwurfs zu kommen. Auch wenn sich die wichtigsten politischen Akteure im Europäischen Parlament an der Debatte beteiligten. Die spürbare Zurückhaltung lag wohl vor allem daran. Dezember 1993 hatte der Institutionelle Ausschuss den ersten. so genannten Herman-Entwurf einer Verfassung angenommen. Der Weg zum EUVerfassungskonvent. Teilweise wurde bemängelt. Referat Öffentlichkeitsarbeit (Hrsg. Februar 1994 wies das Europäische Parlament mit einer Mehrheit von 155 Stimmen für die Entschließung bei 46 Stimmenthaltungen und 87 Gegenstimmen (von insgesamt 518 Mitgliedern des Europäischen Parlaments) den bereits zweiten Entwurf an den Institutionellen Ausschuss zurück. so beschränkte sie sich dennoch (anders als die Debatte um den Maastricht-Vertrag) auf einen relativ kleinen Zirkel von Fachleuten und Politikern. Februar und beschloss. Die Behandlung des Dokuments erfolgte in der Plenarsitzung vom 9.82 B. dass der Entwurf weder dem neuen Erwartungshorizont an die Wertentscheidungs. mit der Begründung. 21 ff. Februar gemäß Art. Februar 1994 und wurde angesichts der fehlenden Sachdebatte von einigen Abgeordneten als Farce bezeichnet. In seiner Sitzung am 2. In der gleichen Sitzung nahm er den entsprechenden Entschließungsantrag an und reichte den Text dem Plenum ein. generell akzeptiert. Dies lag unter anderem daran. Der Entwurf wurde am 9. . 2002. Popovic. 189 Dabei enthielt der zweite Entwurf bereits weniger ehrgeizige Ziele als ursprünglich festgelegt. Am 10. in: Deutscher Bundestag. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung gerecht zu werden. Die Diskussion konzentrierte sich zu stark auf institutionelle Reformen und schwierig zu lösende Legitimationsfragen. Mit der Entschließung erging jedoch die Forderung an das aus der vierten Direktwahl hervorgehende Parlament. In der kontrovers geführten Aussprache wurde zwar das Ziel. einen zweiten Entwurf vorzulegen. Dennoch standen viele dem Text eher skeptisch gegenüber.

sondern im positiven. geführt werden sollte. als dies bis dahin der Fall gewesen war. 190 . R. 190 Mit seinem Text ist es dem Institutionellen Ausschuss gelungen. 257. dass bereits in der Entschließung des Europäischen Parlaments vom 10. dass sich die Europäische Union in allgemein verständlicher Form organisieren ließe. Cromme. So sollte eine breitere Basis für die Ausarbeitung einer Verfassung für die Europäische Union vorgefunden werden. für die breitestmögliche Verbreitung des Entwurfs zu sorgen. F. 1994 rückte das Ziel in den Vordergrund. dass die Mitgliedsstaaten noch nicht bereit waren.“ 191 Es bleibt festzuhalten. Es wird gelegentlich übersehen. Dennoch zeigt das Schicksal des Entwurfs. deren Ziele zu präzisieren und „Effizienz. Die 1984 zu gründende „Europäische Union“ sollte lediglich als Dach für die EG. Insgesamt stellte der noch nicht ausgereifte Entwurf durchaus eine solide Ausgangsbasis für die Diskussion dar. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 83 zu einem Entwurf der Verfassung der Europäischen Union unter Berücksichtigung der Beiträge der nationalen Parlamente und der Öffentlichkeit fortzusetzen. klar. dem technokratischen Geflecht der weiter geltenden Verträge einen verfassungsrechtlichen Rahmen zu geben. in: ZfG 1995 (3). Cromme (1995). ebenda. Der Verfassungsentwurf des Institutionellen Ausschusses des europäischen Parlaments von 1994. sich auch nur ansatzweise die Verfassunggebung aus der Hand nehmen zu lassen. EU vor. die in den darauf folgenden Jahren. 256 ff. der über seine Symbolkraft hinaus auch Erneuerungen von großer Tragweite bringen sollte. insbesondere bei der Regierungskonferenz 1996. inspirierenden Sinne die Funktion „symbolischer Politik“ 192 erfüllten. das Europäisches Wirtschaftssystem und EPZ gebildet werden. Februar 1994 vorgeschlagen wurde. S.. Damit war die öffentliche Auseinandersetzung angestoßen und ein Signal vom Europäischen Parlament gesetzt. Bemerkenswert ist allerdings. Zugleich beauftragte das Europäische Parlament seinen Präsidenten. sondern diesen einen Verfassungsrahmen zu geben. der auf der Grundlage eines im Europäischen Parlament vorzulegenden Verfassungsentwurfs Leitlinien für die Verfassung der Europäischen Union verabschiedet und dem Europäischen Parlament den Auftrag zur Ausarbeitung eines endgültigen Entwurfs erteilt. aber auch zu beweisen. kurz und prägnant darzulegen. vgl. dass „vor der für 1996 vorgesehenen Regierungskonferenz ein europäischer Verfassungskonvent aus Abgeordneten des Europäischen Parlaments und der Parlamente der Mitgliedsstaaten der Union zusammentritt. dass die Verfassungsentwürfe von 1984 und 1994 nicht folgenlos blieben. dass der Entwurf von 1994 nicht das Ziel hatte.II. an die Stelle der bestehenden Verträge zu treten. wie die Befugnisse der Europäischen Union aufgebaut und verteilt werden könnten. Transparenz und demokratische Ausrichtung zu verdeutlichen“. auch wenn es sich selbst noch nicht auf eine konkrete Verfassungsperspektive festgelegt hatte. F. Bieber bezeichnete die Verfassungsdebatte als „integralen Bestandteil der institutionellen Dynamik“ der europäischen Einigung: Die beiden Entwürfe von 1984 und 1994 sahen explizit keine völlige Neugründung der EG bzw. sowie Menschenrechte und Grundfreiheiten zu gewährleisten. 191 Vgl.

Baden-Baden 1991. Staatswerdung Europas? Optionen für eine Europäische Union. 705 ff. Erneut versprach man sich von einer europäischen Verfassung die Lösung struktureller und substanzieller Probleme wie die mangelnde Handlungsfähigkeit der EU-Organe (insbesondere nach der Osterweiterung).. S. Souveränitätswahrung durch Einstimmigkeit im Rat: Der Conseil Constitutionnel zum Vertrag von Amsterdam. in: NJW 1998. Rupp. 193 Vgl. II. Hilf / E. H. 194 Abdruck bei A. in: BayVBl 1998.. Der Vertrag von Amsterdam und die institutionelle Reform der Europäischen Union. in: JZ 1998. Mai 1999 in Kraft. 942 ff. 41 ff. Streinz. 1993. Der Vertrag von Amsterdam.. Der Vertrag von Amsterdam. in: R. Hecker. Wessels. Karpenstein. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung als Gegengewichte zur Politik der kleinen. bereits 1991 R.37. Die Debatte um die Europäische Union – Konzeptionelle Grundlinien und Optionen. an denen „die politischen und gesellschaftlichen Kräfte ihre Erwartungen und Befürchtungen ausrichten konnten“. J.. S.). pragmatischen Schritte dienten sie als Orientierungs. U. Baden-Baden. Wege zur Europäischen Union: Vom Vertrag zur Verfassung?.). in: DVBl. d. Schäfer (Hrsg. Verfassungsentwicklung und Verfassungsgebung in der Europäischen Gemeinschaft. h. Sie ermöglicht eine individuelle engere Zusammenarbeit zwischen Mitgliedstaaten unter genannten Voraussetzungen und unter Nutzung der gemeinschaftlichen Organe und Verfahren. Ausschaltung des Bundesverfassungsgerichts durch den Amsterdamer Vertrag?. 1986.).).. 195 Ausführlich zum Vertrag von Amsterdam: M.. das demokratische Defizit und die fehlende Identifizierung des Bürgers mit Brüssel. S.. S. in: W. Die Verfassungsentwürfe zur Gründung einer Europäischen Union. S. Der Vertrag von Maastricht in der wissenschaftlichen Kontroverse. Weidenfeld / W. N. Oktober 1997 unterzeichnet und trat nach Abschluss der Ratifizierungsverfahren in den Mitgliedstaaten am 1. 1998. auch W. Bonn.84 B. Pache. Eine wesentliche Neuerung war die Verankerung des „Europas der mehreren Geschwindigkeiten“. (Hrsg. vgl.. Zellentin. Der Vertrag von Amsterdam im Lichte der Maastricht-Entscheidung des BVerfG. Der Amsterdamer Vertrag 194 wurde am 2. 48. 193 gg) Der Vertrag von Amsterdam (1997) Eine weitere Revision der Gemeinschaftsverträge führte die stufenweise Integration der Unionsbürger nochmals voran. Wildenmann. 66. Staatswerdung Europas? Politikwissenschaftliche Überlegungen nach Maastricht. 195 hh) Verfassungsbemühungen um die Jahrtausendwende In der Konstitutionalisierungsdebatte um die Jahrtausendwende finden sich viele der den bisherigen Entwürfen innewohnenden Argumentationslinien wieder. R.H.und Kristallisationspunkt. Hrbek (Hrsg. Riedel. S. 2001.K. S. 37 ff. S. in: EuZW 1998. die Kompetenzverteilung zwischen EU-Institutionen und Mitgliedsstaaten. 938 ff. 403. in: R. Herausragende Dokumente von 1930 bis 2000. 545 ff. Bieber. eine Regelung über die Flexibilität der Union. 137 ff. Eine konstitutionelle Neugründung wurde darüber hinaus als Antwort auf die Frage „quo vadis Europa?“ Zu dieser Bezeichnung siehe auch G. 213 ff. 192 . S. in: JZ 1998. Wessels (Hrsg. 393 ff.

Parteitages 1999 in Erfurt: „Europa muss man richtig machen“ sowie W. The European Dream. Ach. Juli 1999 an diese Formulierungen anknüpfte. Januar 1999 vor dem Europäischen Parlament. Regierungserklärung: Die Einheit Europas – Chance und Aufgabe für Baden-Württemberg und Deutschland. 198 Vgl. Essays und Reden. Teufel. dem ehemaligen belgischen Premierminister J. Rede vor dem EP in Straßburg. Eine Diskussion über die Verfasstheit Europas werde neue Impulse für die Integration bringen und wichtige Zukunftsfragen klären. 1679). Penser l’Europe.5. 1677 ff. Lamers in Anknüpfung an ihr Papier von 1994 ein Strategiepapier zu einem „europäischen Verfassungsvertrag“ vor. Rifkin. vgl.M. Die Schwerpunkte der deutschen Ratspräsidentschaft. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 85 gesehen. nur den wenig bekannten Vorschlag der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Juristen. 2004. Mai 1999 stellten der damalige CDU-Vorsitzende W. Außenminister J.-L. Europa braucht einen Verfassungsvertrag. . Dehaene und dem früheren britischen Minister Lord Simon of Highbury vor. als Mittel. Auf dem Wege zu einer europäischen Verfassung – Wechselwirkungen zwischen europäischem und nationalem Verfassungsrecht. den Beschluss des 12. Europa ist unterwegs. The United States Of Europe: The New Superpower and the End of American Supremacy. J. dass sich nach Maastricht und Amsterdam die Frage nach einer europäischen Verfassung viel eher stellen würde. in: DVBl 1999. Fischer. E. der europäischen Einigung eine neue Vision zu geben und damit auch die – damals von vielen bereits als erschöpft bezeichnete – Erörterung der Ungewissheit ihrer Finalität zu beantworten 196.. 10. 200 Am 18. Schon nach dem Beschluss über die Währungsunion im Jahr 1998 hatten Juristen und einzelne Politiker den Gedanke einer europäischen Verfassung verstärkt aufgegriffen. Schäuble und der außenpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion K. hatte das Thema bereits zunehmende Bedeutung erlangt. Schäuble. S. Marhold (Hrsg. A. 2001. August 1998. 199 Auf Länderebene forderte der Ministerpräsident Baden-Württembergs E. 4: „Wie wär’s mit einem Brüsseler Grundgesetz?“. Oktober 1999 schlug ein Expertenkomitee unter der Ägide von R. 1990. Am 3. dazu Süddeutsche Zeitung. Reid. 1999.). 200 Vgl. 197 Vgl. einen europäischen Verfassungsvertrag“. Morin. in FAZ vom 4. bürgernahes Europa“. Schwarze. 1996. 199 Vgl. 201 196 Die wiederkehrende Diskussion um die Finalität Europas widerspiegeln exemplarisch die Beiträge im Sammelband von H. 2005. April 1999 (dazu auch J. vgl. 198 Auf ihrem Parteitag in Erfurt im April 1999 forderte die CDU einen europäischen „Verfassungsvertrag“ für ein „werteorientiertes.R. Teufel eine „europäische Charta. Europa!. abrufbar unter www2. Szczypiorski. 28. Bevor Fischer zum Ende der deutschen Ratspräsidentschaft erneut vor dem Europäischen Parlament am 21. E. Im ersten Teil würde der konstitutionelle Gehalt dargestellt.de/linguapolis/ConsIV98-99 /Cons98-99. Leitbilder für das Europa der Zukunft. Enzensberger. S. K. von Weizsäcker. 1990. die europäischen Verträge zu teilen. aber auch H. Fischer konstatierte am 12.hu-berlin. Lamers. Die neue Europadebatte. 197 Mit der deutschen Ratspräsidentschaft der Europäischen Union bestätigte nun erstmals die Regierung eines Mitgliedsstaates diesen Gedanken.II. T. J. 1999. im zweiten die detaillierten Bestimmungen aufgelistet.htm.

www. unter www. Juppé. 208 Lediglich beispielhaft und auf die ergänzende Darstellung P. vgl. France-Allemagne: difficiles relations entre PS et SPD. S.udf-europe .) verweisend: Entwurf der französischen Neogaullisten (RPR) J. 18. Bundespräsident J. The Institutional Implications of Enlargement. abgedruckt u. Contribution à une réflexion sur les institutions futures de l’Europe. Oktober 1999. Kommissionspräsident R. Amato. Simon of Highbury.org/proposition-mic-ce. September 1999. Ferner haben bis Ende 2000 verschiedene europäische Parteien Verfassungsentwürfe 208 201 R. Report to the European Commission. Dehaene / L. der an der Konstitutionalisierung der EU mitwirken und eine groß angelegte Verfassungsdebatte in Gang bringen sollte. Chancen und Herausforderungen der EU-Erweiterung“. in: FAZ vom 4. in: FAZ vom 4. Blair. 2006. de Bresson. das der Idee zustimmte. 429 ff. 21. 2000. 206 A. Toubon / A. vgl. in: DÖV 11/2003. 2000. 9. Europa vor der Krise?. a. in: Le Monde vom 7. 12. Blair in Warschau 205 Ebenso zu nennen sind der Beitrag von A. 205 T.rtf). Rede vor der Humboldt-Universität Berlin am 12. in: Le Monde vom 4. Entwurf der französischen UDF: „Projet pour une Constitution de l’Union Européenne“.uk/busch/data/blair_warsaw. sozialistischer Seite bis dahin keine Entwürfe vorlagen.und Sicherheitspolitik vom 13. Straßburg.. 1999. 149 ff. 600 ff. 2000 (abrufbar u. Oktober 2000. ders. Rau. Schröder/ G. Weil es uns Ernst ist mit der Zukunft Europas. Allenfalls kann bis zu diesem Zeitpunkt auf den Antwortbrief von H. Rau sprach sich für eine „föderale Verfassung Europas“ („Die Quelle der Legitimität deutlich machen“. in: FAZ vom 2. Wir brauchen eine europäische Verfassung. 207 G. abrufbar unter users. a. 9.5. Der Weg zur Politischen Union. S. 204 Abgedruckt in: IP. Fischer vor der Humboldt-Universität 203. vom 28.net/main/visu_doc.ox. Press Release: Founding of an Intergroup „European Constitution“. 12. v. 11. 11. European Parliament.xhtml). Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Im Vorfeld von Nizza ist die Diskussion über eine europäische Verfassung durch verschiedene Diskussionsbeiträge und vorgelegte Verfassungsentwürfe erneut angereichert worden. Inzwischen hatte sich im Europäischen Parlament unter dem Vorsitz des deutschen MdEP J. in: FAZ vom 8. 2000. in: FAZ. H. warum von sozialdemokratischer bzw. 202 J. Die Quelle der Legitimation deutlich machen. Védrine auf die Rede von J.. 203 J. 1999. vgl. sowie W. 16.Une Constitition pour l’Europe. ders. Prodi debattierte die Zweiteilung der Verträge am 10. Hervorzuheben sind im Wesentlichen die verschiedenen Beiträge von Bundespräsident J. Kwasniewski 206 und schließlich der gemeinsame Artikel von G.ac. Rau. Leinen (SPD) ein Ausschuss „Europäische Verfassung“ gebildet.86 B. Beschluss des Bundesfachausschusses Außen. 2000. 2000.html. Positionspapier der CDU / CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag: „Europa vereinigen. in: Die Welt vom 15. Kwasniewski. 1999. Fischer. Warschau 6. Gedanken über die Finalität der europäischen Integration. Häberles (Europäische Verfassungslehre. 4) aus. Constitution de l’Union Européenne. Chirac vor dem Deutschen Bundestag 204 und von T. S. auch ders. 39. 202 ferner die Reden von J. 4. Amato 207. 6. Fischer . 8/2000. Die Herausforderungen des europäischen Juristen vor den Aufgaben unserer Verfassungs-Zukunft: 16 Entwürfe auf dem Prüfstand. 2000. 11. 126 ff. 2000. Dieser Vorschlag löste eine Reihe von neuen Forderungen aus. 6. in: integration 2000. Oktober 2000 (vgl. S. Speech to the Polish Stock Exchange. Schäuble. November 1999 mit dem Europäischen Parlament. Weizsäcker / J. 11.mic-fr. Nr. Schröder und G. S.. Aufl.-L.jsp?path=/notreprojet/projet_constitution. von J.. Vom Staatenverbund zur Föderation. Zu den Gründen.

Bd.1. Die auf dem Gipfel von Nizza im Dezember 2000 proklamierte Grundrechtecharta bezeichnete der Vorsitzende des Grundrechtskonvents R. S. 8/2000. 6. 13. eine „Staatsverfassung“) und der zweite Teil die Ausführungsregelungen enthielt.-P. Diesem Vorschlag zum Teil frappierend ähnlich kürzte und vereinfachte die Bertelsmann Forschungsgruppe Politik den Basisvertrag und veröffentlichte (ebenfalls) im Mai 2000 ihren Entwurf eines Grundvertrages für die Europäische Union. mit kleinen. bzw. ii) Konstitutionelle „Morgendämmerung“ in Europa – die Grundrechtecharta Insgesamt verstand man es. 2001. auf das Streitgespräch zwischen Fischer und J. Der im Mai 2000 vorgelegte Entwurf sah vor..II. vgl. 211 Abgedruckt in Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union (Hrsg.). 209 Auch die Kommission hatte eine europäische Forschungsgruppe 210 mit der Ausarbeitung eines Entwurfs beauftragt. S. gleichwohl ausdruckstarken Schritten aus dem Schatten inhaltsleerer Rhetorik herauszutreten. Der Vorschlag sah eine Zweiteilung vor. Den Unionsbürgern sollte das Primärrecht in vereinfachter und gestraffter Form zugänglich gemacht werden. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 87 oder zumindest Positionspapiere zur künftigen Entwicklung Europas vorgelegt. die Substanz der bestehenden Verträge weitgehend zu erhalten und nur zusammenzufassen bzw. Chevènement. 35 (2002). 212 Abgedruckt ebenda. das – im Sinne einer „Verfassung“ – mit einer noch auszuarbeitenden Grundrechtecharta eine Einheit bilden sollte. neu zu gruppieren. 5. Nicht nur deshalb bedarf es im Rahmen einer entstehungsgeschichtlichen Betrachtung europäischer Konstitutionalisierung einer kurzen Betrachtung jener Grundrechtecharta. Herzog schlägt Volksabstimmung über EU-Verfassung vor. September 2000. Robert Schuman Centre for Advanced Studies. . Der Text 212 entspricht in seinem einfachen Aufbau eher der Forderung nach einem übersichtlichen und für den Bürger verständlichen Grundsatzvertrag. 213 Zitiert nach Die Welt. verwiesen werden. IP. 14. in: Die Welt. dazu etwa Financial Times vom 20. 209 Vgl. Verfassungsentwürfe für die Europäische Union. 108 ff. 2000. wobei der erste Teil grundsätzliche Bestimmungen (d. / 21. h. Die Kommission beabsichtigte. in: Die Zeit vom 21. S. 210 Vorgelegt vom Europäischen Hochschulinstitut. Mai 2000. Auf die vorangegangene Betrachtung der amerikanischen Verfassungsgeschichte und die Bedeutung der „Bill of Rights“ sei an dieser Stelle erinnert. dessen Inhalte schließlich den Vertrag über die Gründung der Europäischen Union ersetzen sollten. Und auf einer Konferenz in Berlin im Januar 2001 hat Schröder den Appell für eine europäische Verfassung prononciert wiederholt. Herzog als „einen Teil einer Verfassung von morgen“ 213. mit dem vorgelegten Basisvertrag 211 ein Symbol für die Einheit Europas und die Integration zu schaffen. Texte und Materialien.

und 4.. Oktober 1999 beschloss der Europäische Rat von Tampere die Zusammensetzung eines „Konvents“ 216. sowie vieler [. auch H.eu. Neu war die gleichberechtigte Teilnahme von gewählten Volksvertretern. blieb aber ohne Systematisierung dieser Rechte. Während der folgenden finnischen Ratspräsidentschaft in der zweiten Hälfte des Jahres blieb die Grundrechtecharta auf der Agenda. deren Verhandlungen nach dem Entschluss des Kölner Rates bereits mit Beginn der Regierungskonferenz im Februar 2000 aufgenommen werden sollten. 34 ff. auch W. S.] wissenschaftlicher und politischer Arbeitsgruppen in unterschiedlichen Mitgliedsstaaten [. die bis dato auf Beratung und auf nachträgliche Zustimmung beschränkt waren. Am 15. Juni 1999. des Europäischen Parlaments. 3.] der EU-Kommission. „auf der Grundlage der zahlreichen Vorarbeiten [. 215 Siehe Europäischer Rat in Köln. etwa die gemeinsame Erklärung der EG-Organe vom 05. europa. Grundrechtecharta und Konvent – auf neuen Wegen zur Reform der EU?. .88 B. 218 ABl. Erstmalig sollten die Parlamente schon bei der Entstehung einer Vertragsänderung als Vermittler demokratischer Legitimation und Multiplikatoren in die politische Mitverantwortung genommen werden. ebenda. Juni 1999. Prodi am 1. 216 Freilich gab es bereits verschiedene Expertengremien zur Ausarbeitung von Vertragstexten. des Europäische Parlament und der Zivilgesellschaft unter Vorsitz von R.. Dezember 1999 nahm dieses Gremium aus Vertretern der nationalen Regierungen. ein Gutachten über die institutionellen Auswirkungen der EUOsterweiterung zu erstellen. die Erklärung des Europäischen Parlaments über Grundrechte und Grundfreiheiten vom 12.. und 4. welcher die Charta ausarbeiten sollte. S. 217 Zudem beauftragte der neue Kommissionspräsident R. 1977 218. 84. 1977 C 103/1 219 Abgedruckt in EuGRZ 1989. Schwerpunkte der Rechtspolitik in der neuen Legislaturperiode. in: ZfR 3/1999. 217 (1) Die Sachlage vor dem Herzog-Konvent Zum Zeitpunkt der Einsetzung des „Konvents“ existierte noch kein eigener Grundrechtskatalog der Europäischen Union bzw. Juni 1999 in Köln. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Auf Initiative der deutschen Ratspräsidentschaft beschloss der Europäische Rat am 4. 1989 219 und den Grundrechtsteil im 214 Europäischer Rat in Köln.. in: Integration 1/2001.int/council/off/conclu/june99/june99_de. 04. Herzog seine Arbeit auf. und am 17. der drei Gemeinschaften. vgl. Der Beschluss sah vor. 205. Däubler-Gmelin. der nationalen Parlamente. Schlussfolgerungen des Vorsitzes. in einem Dokument zusammenzufassen und inhaltlich [zu] erweitern“ 215. und 16... Schlussfolgerungen des Vorsitzes. 3. 79 ff. 04. Vgl.htm.] die heute schon geltenden Grundrechte [zu] systematisieren. Die Entscheidung zur Grundrechtscharta fiel unter dem Eindruck des Inkrafttretens des Amsterdamer Vertrags im Mai 1999: Der Vertrag institutionalisierte zwar neue Grundrechte und intensivierte den Grundrechtsschutz. Vgl. dass „im gegenwärtigen Entwicklungszustand der Europäischen Union die auf der Ebene der Union geltenden Grundrechte in einer Charta zusammengefasst und dadurch sichtbarer gemacht werden sollten“ 214. Dix. September 1999 eine Reflexionsgruppe.. Es gab zwar Bestrebungen in dieser Hinsicht.

Pipkorn / J. Verfassungsrechtlicher und internationaler Schutz der Menschenrechte. Schlünder. Sächs. Streil. a. N. Siehe auch EuGH Slg. Beutler / Bieber / J. Gesetze über die Konvention (BGBl. ebenda). Zum EG-Grundrechtsschutz vgl. A. 1125 („Handelsgesellschaft“). Slg.. 1975. 59 Abs. und Lehre anerkannt. vgl. EuGRZ 1997. F Abs. Bleckmann. EuGH Slg.. wie sie in der EMRK gewährleistet sind und wie sie sich aus den gemeinsamen Verfassungsüberlieferungen der Mitgliedstaaten als allgemeine Rechtsgrundsätze ergeben“. 491 („Nold“). Außerdem ist auch die Rspr. S. 273 (275).91. vgl. 02. teilweise aus (ungeschriebenen) allgemeinen Rechtsgrundsätzen im Range von primärem Gemeinschaftsrecht. 1970. Trotz des formell niederen Rangs der EMRK im Vergleich zum Grundgesetz ist heute in Rspr. Abgeleitet werden diese „allgemeinen Rechtsgrundsätze“ aus den gemeinsamen Verfassungsüberlieferungen der Mitgliedstaaten sowie aus den von den Mitgliedstaaten abgeschlossenen völkerrechtlichen Menschenrechtsverträgen. 1997). 2925 („Elliniki“). 75 ff. 22 m. Die europäische Menschenrechtskonvention und ihre Bedeutung für die Rechtsordnung der Bundesrepublik Deutschland. S. achtet. 2004. Der Grundrechtsschutz im europäischen Gemeinschaftsrecht. (Hrsg. 25f. 4. Konkurrenz oder Ergänzung?. 1191 (1215). 1969. Ein Grundrechtskatalog für die Europäische Gemeinschaft. Übersicht bei J. m. Die Europäische Union.3. S. 1 (Art. Bundesverfassungsgericht versus Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte. Kirchhof. der Europäischen Kommission für Menschenrechte (EKMR) und des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) zu beachten (BVerfG. 83ff („Kranzow“). Bd. Entscheidungen der EKMR oder des EGMR. in: EuGRZ 1995. 222 Die „Gemeinschafts-Grundrechte“ ergeben sich teilweise (ausdrücklich) aus dem primären Gemeinschaftsrecht. 215 Abs. vor Art. 2 EUV (Erweiterung durch Amsterdamer Vertrag vom 16. 719 (747) und statt vieler B. Die materielle Kompetenz des EuGH zur Entwicklung der „Gemeinschaftsgrundrechte“ ergibt sich aus Art.7.). in: JA 1996. in: NJW 1997. Aufl. z. E. 1219 (1232) („Rutili“). in: AöR 1996. 599 ff.w. NJW 1987. Zur streitigen Bindungswirkung von Urteilen des EGMR für das BVerfG vgl. VerfGH LKV 1996. 200 ff. Dreier. 1. Slg. 81 m. S. 108 („Feuerwehrabgabe“).II. Slg. T.O. 419 (425) („Stauder“) – unter Berufung auf Art 164. B. Lenz.3. . 164 EGV. in: AöR 1996. auf die Rspr. in Deutschland hat die EMRK wegen Art. 3289 f. 221 Die EMRK (mit Zusatzprotokollen) ist im Wesentlichen von allen Mitgliedstaaten der EU ratifiziert worden und damit verbindlich. des BVerfG. u. Art.. VerfGH (1996). dass bei der Auslegung des Grundgesetzes Inhalt und Entwicklungsstand der EMRK zu berücksichtigen sind. N. 1994.w.w. P. S. 1952 II 685. EuGH Slg. 953)). 2 S. 2 EUV hinzuweisen. 7. Staebe. Vor der Europäischen Grundrechtecharta wurden europäische Grundrechte deshalb hauptsächlich aus den Rechten der EMRK 221 sowie aus den so genannten „Gemeinschaftsgrundrechten“ 222 abgeleitet. Rdn. 06. 1974. Zur Bindungswirkung von Urteilen des EuGH vgl. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 89 bereits oben benannten Verfassungsentwurf des Europäischen Parlamentes vom 14. in: EuGRZ 1994. 1 –19). EG-Grundrechtsschutz gegenüber Maßnahmen der Mitgliedstaaten. 2. 220 Außerdem ist auf Art. Grundgesetz-Kommentar. 1985. Jürgensen / I. N. BVerfGE 92. vgl. 2 EGV. speziell der EMRK in der Auslegung ihrer Organe. Sächs. nur H. S. Kokott. 1 GG den Rang eines einfachen Bundesgesetzes (zur „Gesetzeskraft“ vgl. Art 53 EMRK und EuGH. 387 ff. 16 ff. Auflage 1993. in: ders. wonach „die Union die Grundrechte. I Abs. 220 Vgl. Rdnr. 1981. auch C. 1991 I. 24 (27)..

Reich. Dem einzelnen Bürger sollte das Gefühl genommen werden. dieser Macht hilf. Arbeitsweise und Zusammensetzung dieses „Konvents“ vgl. S. Für den Bürger ist dies wenig transparent und voraussehbar. Vgl.und schutzlos ausgeliefert zu sein. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Es ließen sich letztlich vier Argumente herauskristallisieren. Grundrechtecharta und Konvent – auf neuen Wegen zur Reform der EU?. des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) und des Gerichtshofs der Europäischen Union sollte als Beobachter teilnehmen. Der Gerichtshof prüft die Rechtsakte der Europäischen Union auf ihre Vereinbarkeit mit den Grundrechten. wie sie in der EMRK gewährleistet sind und wie sie sich aus den gemeinsamen Verfassungsüberlieferungen der Mitgliedstaaten als allgemeine Grundsätze des Unionsrechts ergeben (vgl. 30 Mitgliedern der nationalen Parlamente – zwei aus jedem Mitgliedstaat – sowie einem Beauftragten des Präsidenten der Europäischen Kommission bestehen. die es bislang nicht ausreichend gab. wofür die Union stehe.90 B. 224 Zu Verfahren. 16 Mitgliedern des Europäischen Parlaments. N. . in: Integration 1/2001. zu alledem mit weiteren Nachweisen zu den relevanten Etscheidungen des EuGH und des BVerfG N. Art. 375 ff. 34 ff. 224 Von den nationalen Parlamenten konnten nicht nur die Regierungsparteien. − Die Defizite des bisher durch die Verträge und den EuGH gewährleisteten Grundrechtsschutzes sollten beseitigt werden. findet sich in Art. Selbst Rechtsakte der Mitgliedstaaten unterliegen dieser Prüfung. zumal in dem gemeinsamen Rechtsraum der Union mehr als 27 verschiedene Rechtstraditionen zusammenwachsen sollen. − Die deutlichere Darstellung bereits bestehender Rechte. W. (2) Gestaltung und Erfolg des ersten Konvents Der Konvent sollte schließlich aus 15 Beauftragten der Staats. S. Darin lässt sich auch schon im geltenden Unionsrecht ein föderatives Element erkennen. 6 Abs. Einzelheiten seines Verfahrens und der Auslegung seines Mandats 223 Anerkanntermaßen gewährleistet die Rechtsprechung des EuGH in Luxemburg seit Jahrzehnten weitgehenden Schutz gegen die Hoheitsgewalt der Union. Zur Notwendigkeit einer Europäischen Grundrechtsbeschwerde. um etwa den Beitrittskandidaten die Werte. 6 EUV nur der Verweis auf die vorgenannten Rechtsquellen.und Regierungschefs. in: ZRP 2000. 2 EUV). Jeweils ein Vertreter des Europarats. Allerdings gibt es einen wesentlichen Unterschied: Während das Grundgesetz wie die meisten staatlichen Verfassungen die Grundrechte detailliert regelt. m. Dagegen bleiben die Mitgliedstaaten in den rein nationalen Bereichen der Gesetzgebung nur ihren eigenen Grundrechtsregelungen unterworfen. sondern – als stellvertretende Mitglieder – auch die jeweilige Opposition beteiligt werden. − Die Komplexität der Verträge erzeugt ein Gefühl der Rechtsunsicherheit. Das BVerfG hat ausdrücklich anerkannt. die Charta als Teil einer Verfassung von morgen rechtsverbindlich (und von jedem Einzelnen vor dem EuGH einklagbar zu machen 223): − Die wachsende Macht der EU-Organe in Brüssel sollte einer Kontrolle unterwerfen werden. klarer zu machen. Dix. soweit sie Unionsrecht anwenden und umsetzen.w. dass der EuGH einen dem Grundgesetz im Wesentlichen vergleichbaren Grundrechtschutz gewährleistet.

225 Während manche nach der Notwendigkeit dieser Charta fragten. Bernsdorff / M. I.II. Herzog als Vorsitzenden und auf ein Arbeitsprogramm. Das Beratungsverfahren des Konvents war parlamentarisch geprägt: freie Debatte unabhängiger Persönlichkeiten nach strikten parlamentarischen Regeln. jedoch hätte der Konvent die Modalitäten selber festlegen müssen. dem raschen Verhandlungsgang im Konvent und der teilweise erheblichen Weiterentwicklung der Vorentwürfe zu folgen. Bei aller Schärfe der sachlichen Auseinandersetzung stand die Suche nach einem möglichst breiten Konsens im Vordergrund. Pernice. durch die Medien und Politik unterschiedlich bewertet. um isolierte Positionen im Rat und vor allem auch gegenüber ihren eigenen Parlamenten zu vermeiden. Alle Interessierten konnten sich direkt gegenüber dem Konvent oder mittelbar über seine Mitglieder zu Worte melden. entschied die Versammlung durch Abstimmung selbst. Überdies hätte ein Ergebnis. die im Interesse eines möglichst breit legitimierten Ergebnisses bis zuletzt vermieden werden konnten. Einen Überblick bieten N. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 91 sollte das Gremium nach eigenem Ermessen entscheiden. Dezember 1999 auf den früheren Bundespräsidenten R. auf nationaler Ebene durch Anhörungen der jeweiligen Parlamente. Damit bestanden auf Unionsebene und in den Mitgliedstaaten beste Voraussetzungen für eine breite öffentliche Diskussion. Die Öffentlichkeit hatte es allerdings nicht leicht. Auch über die Benennung als „Konvent“ und über das Recht der stellvertretenden Mitglieder. 225 . Von diesem Vorgehen versprach man sich eine ständige aktive Teilnahme des institutionellen Sachverstandes und aller großen politischen Richtungen in den Mitgliedstaaten und auf Unionsebene. Die europäischen und die nationalen Parlamentarier wählten jeweils einen Sprecher in das Präsidium. Borowsky. Die Sitzungen des Konvents und seine Diskussionsgrundlagen waren ständig öffentlich und über Medien und Internet zugänglich. die sich der Konvent nach Bedarf selbst auferlegte. Die Charta der Grundrechte. an den Beratungen teilzunehmen. 2000. das unter den Regierungsbeauftragten im Konvent streitig geblieben wäre. in: DVBl. Das Gremium einigte sich in seiner konstituierenden Sitzung am 17. So brachte auch noch die letzte Verhandlung am 26. Die Parlamente akzeptierten diese Einladung. Andererseits mussten auch die Regierungsbeauftragten ein Höchstmaß an Kompromissbereitschaft aufbringen. Die gesellschaftlichen Gruppen und die Öffentlichkeit wurden arbeitsteilig konsultiert: auf Unionsebene durch das Präsidium des Konvents. die Kontroverse in den Rat verlagert und wegen der dort erforderlichen Einstimmigkeit den Erfolg des Konvents in Frage gestellt. Dezember 2000 hatten die Unionsorgane die erarbeitete Charta der Grundrechte der Europäischen Union feierlich proklamiert. Abstimmungen über den Entwurf. Eine Grundrechte-Charta für die Europäische Union. September wesentliche Veränderungen und hat die fast einhellige Billigung des Textes durch den Konvent erst ermöglicht. Anlässlich des Europäischen Rates in Nizza am 7. 2002. Die Bedeutung dieses Ereignisses wurde naturgemäß in der wissenschaftlichen Literatur. wären zwar möglich gewesen.

eine Kerngruppe der sechs S. Januar 2000 diskutiert. S. 226 Vgl. Die konservativen Parteien und Wirtschaftsverbände fürchteten. J. Europäische Gespräche. Aufl. Für Andere stellte die Charta und vor allem das neue Konventsverfahren. forderten viele Politiker geeignetere Mechanismen. setzten sich Sozialdemokraten und die Grünen. Kommentar zur Charta der Grundrechte der Europäischen Union. Die Debatte über die gemeinsame Wertebasis der Europäischen Union erreichte im ersten Halbjahr 2000 unter dem Vorzeichen der Wahl der rechtspopulistischen FPÖ in Österreich ihren (unrühmlichen) Höhepunkt. Im Zusammenhang mit den juristischen Problemen. 90 ff. Aufl. 1010 ff. die Beschränkung auf klassische Abwehrrechte und gegen die Aufnahme sozialer Anspruchsrechte. In Frankreich wurde zeitgleich der Vorschlag des ehemaligen Kommissionspräsidenten J. 2006. 847 ff. S. in dem sie entstanden war. Häberle. auch W. Will Europa sein Modell opfern? Die EU-Grundrechtecharta belebt die alte Debatte über die Notwendigkeit sozialer Rechte neu. das Europäische Parlament und die Kommission ein. P.. Hier zeichneten sich zwei Positionen ab: Die Minimalisten plädierten für die Unverbindlichkeit der Charta (dies forderten vor allem die Briten und Skandinavier).J. Grundrechtecharta und Konvent – auf neuen Wegen zur Reform der EU?. Berlin Heft 2/ 1999.. 4.). auf welche die Sanktionen der Europäischen Union gegen Österreich stießen. 2005. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung zumal doch die Grundrechte in der Union und ihren Mitgliedstaaten umfassend gewährleistet wären. Einige sahen in der Charta sogar den ersten Schritt zu einer föderativen Verfassung der Union. 4. Europäische Verfassungslehre. . ein Modell für künftige Vertragsänderungen dar. 226 Für den maximalistischen Ansatz. ders. in: Vertretung der Europäischen Kommission. Meyer. Siehe auch J. Vor diesem Hintergrund verlagerte sich die Diskussion auf den Gehalt und die Verbindlichkeit der Grundrechtscharta.. 2. dass die Aufnahme dieser Rechte zu einer Kompetenzausweitung der Europäischen Union führen könnte. Juni 2000 entschloss der Europäische Rat sich dann aber – gegen den Willen von Deutschland und Frankreich – unter dem Einfluss der „Minimalisten“ für die Unverbindlichkeit der Charta. 2000. Vgl. Delors vom 19. P. 34 ff. S. Sie erhofften sich eine grundlegende Reform der Union unter breiter Mitwirkung der Parlamente und der Öffentlichkeit. in: Frankfurter Rundschau vom 28. weil sie die gemeinsamen Grundrechte für alle Unionsbürger in einer gemeinsamen Sprache klar und verständlich formuliert und damit Vertrauen in die gemeinsame Rechtsordnung begründet hätte. in: Integration 1/2001. Berlin (Hrsg. Meyer. welcher neben einem umfassenderen Katalog vor allem die Verbindlichkeit und Einklagbarkeit der Rechte als ersten Schritt zu einer Verfassung einforderte. S. und 20. Auf dem Gipfel von Feira am 19. Tettinger. 634 ff.92 B. Dix. stärkte für die Gegenansicht die Charta den Schutz der Grundrechte. Eine europäische Charta der Grundrechte. bei möglichen Verstößen gegen Grundrechte auch schon vorbeugend tätig zu werden. Die Charta der Grundrechte der EU. in: NJW 2001.

Dennoch offenbarten sich auch in dieser Debatte die zu erwartenden Widerstände. Studien und Forschung Nr. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 93 Gründungsstaaten in der Integration schneller voranschreiten zu lassen. 1. vgl. Europäisches und nationales Verfassungsrecht.Parteitages. zwischen „Integrationisten“ und „Souveränisten“. Das gilt in besonderem Maße für eine überstaatliche Gemeinschaft. Als Korrektiv und Grenze dieser Entwicklung wurden zugleich die Achtung der nationalen Identität der Mitgliedstaaten und der Grundsatz der Subsidiarität zu fundamentalen Prinzipien der Union erhoben. 2000. Notre ´ Europe. 228 Die Proklamation der Grundrechtecharta ist im Rückblick. S. Vgl. 148 ff. 3. nur das Interview mit J. 228 227 . Delors in Le Monde vom 19. Vgl. Schmidt und – im Hinblick auf seine spätere Rolle nicht ohne Pikanterie – V. Freilich wurden zu diesem Zeitpunkt – trotz gelegentlich aufflammender Tendenzen Unionskompetenzen zu renationalisieren – der Union bereits zahlreiche „souveräne“ Hoheitsrechte übertragen. Beschluss des 13. die Grundrechte als Beschränkung von Hoheitsrechten möglichst klar und verbindlich zu regeln. Giscard d’Estaing stimmten diesem Vorschlag zu. Die Franzosen und Europa: Der Stand der Debatte in Frankreich bei Eröffnung der französischen Ratspräsidentschaft. in: VVDStRL 60 (2001). Pernice. I. CDU.II. 10. Grund hierfür war zumeist das Festhalten an einem Verfassungs. sollte sich letztlich als das stärkere Argument erweisen. Groupement d’Etudes et de Recherches. Paris. die durch einen „Vertrag im Vertrag“ – nicht einer Verfassung – eine „Föderation der Nationalstaaten“ bilden sollten. Die Mitgliedstaaten haben sich vertraglich verpflichtet. die jedoch zumeist pragmatisch überbrückt werden konnten. 229 Vgl. Dabei gab es immer schon die Auseinandersetzungen zwischen Befürwortern und Gegnern einer Vertiefung der Union. Essener Erklärung. die sich regelmäßig im europäischen Kontext an Begriffen wie „Verfassung“. Demzufolge hat bislang noch jede Vertragsänderung die gemeinschaftlichen Elemente der Union weiterentwickelt. „Föderation“ und „Souveränität“ heraus kristallisieren. Arnaud. weil in einigen Mitgliedstaaten weiterhin starke Vorbehalte gegen eine vertragliche Verankerung der Charta bestanden. 227 Die ehemaligen Regierungschefs H. S. jedoch teilweise auch im damaligen Verständnis lediglich als Vorstufe zur vertraglichen Regelung oder Verfassung zu sehen. weshalb ihre Organe allein schon deshalb zu einem gewissen Grade handlungsfähig. die ihre zwangsläufig größere Bürgerferne überwinden und um Vertrauen und Zustimmung ihrer Bürger werben muss. demokratisch und rechtsstaatlich „verfasst“ sein müssen 229. April 2000. Die CDU hielt an ihrem Konzept des Verfassungsvertrages fest.und Souveränitätsverständnis. diesen „Acquis“ zu erhalten und seine Funktionsfähigkeit sicherzustellen. J. Das rechtsstaatliche Gebot. das die Verbindlichkeit der Grundrechtecharta als weiteren Schritt zu einem staatsähnlichen Zustand der Union ablehnte. Juli 2000.-L. was sie auf ihrem Parteitag im Jahre 2000 in Essen deutlich machte. Sie war notwendig.

und Regierungsschefs eröffnete der französische Staatspräsident J. Hierfür genügen ihr die schon immer anerkannten funktionalen Grundsätze der Integration: die Handlungsfähigkeit der Organe. Entscheidend war allein. die Darstellungen in der deutschen Tagespresse: etwa Frankfurter Rundschau. ob ein Schritt zu einer quasi-staatlichen Verfassung der Union vollzogen worden wäre. 2000. jj) Mit „Humboldt“ nach Nizza? Mit der (mittlerweile vom Protagonisten selbst grundlegend revidierten) Rede des deutschen Außenministers J. abgedruckt u. sich zu Wort zu melden und individuelle Verfassungskonzepte der europäischen Öffentlichkeit vorzustellen. Die strikte Beschränkung auf dieses Ziel ermöglichte schließlich auch die Einigung auf eine entsprechend umfassende Grundrechtecharta und die Genesis eines Textes. einen „Verfassungsvertrag“ forderte. a. 13. Dix. Grundrechtecharta und Konvent – auf neuen Wegen zur Reform der EU?. bewusst offen gelassen. die demokratische Legitimation. 5. der in Klarheit und Verständlichkeit den Grundrechtskatalogen der staatlichen Verfassungen vergleichbar ist. 230 Im Ergebnis erwies sich aber insbesondere das Konventsverfahren als zukunftstauglich. Frankfurter Allgemeine Zeitung.“ 231 Drei Tage vor dem 50jährigen Jubiläum des Schuman-Plans legte Fischer seine „Gedanken über die Finalität der europäischen Integration“ als „Privatmann“ dar. 2000: „Mit der Schwerkraft zum Ziel“. vgl. Vom Staatenverbund zur Föderation. die sich zu einer weiter 230 Hätte man sich auf einen Streit um Verfassung und Staatlichkeit der Union eingelassen. so auch W. Sie spielte für seine Aufgabe letztlich auch keine fundamentale Rolle. Chirac den Reigen derer. wie die Union dem Anspruch auf Rechtsstaatlichkeit ihres Handelns am besten gerecht werden konnte. ist die „Charta ein weiteres Beispiel. Sowohl in der Sonderrolle der Ratspräsidentschaft als auch im Hinblick auf die . sowie Süddeutsche Zeitung. 149 ff. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Der Grundrechtekonvent hat die Frage. Fischer an der Berliner Humboldt-Universität am 12. S. Mai 2000: „Schäuble lobt Fischers Europa-Idee“). über die EMRK hinausgeht und für eine spätere Aufnahme in eine Verfassung grundsätzlich geeignet war. in: Integration 2000. in der er nicht nur ausdrücklich eine „Verfassung“ bzw. so wäre diese Einigung zu dieser Zeit mit großer Wahrscheinlichkeit gefährdet gewesen. 13. Gedanken über die Finalität der europäischen Integration.5.Kohabitation‘ wollte Frankreich keine Spaltungen durch provokante Visionen hervorrufen und die für Nizza vorgesehenen . 231 Aus den Reihen der Staats. dass sich die Union auch ohne Berufung auf staatsrechtlich geprägte Zielvorstellungen pragmatisch und schrittweise weiterentwickeln kann. Rede vor der Humboldt-Universität Berlin am 12. a. die Rechtsstaatlichkeit und die Wahrung der nationalen Identität der Mitgliedstaaten. Für Dix. Die Rede fand nicht nur innerhalb Deutschlands Zustimmung von den Regierungsund Oppositionsparteien (siehe u. sie provozierte vor allem auf französischer Seite die unterschiedlichsten Reaktionen. S. 36. sondern durchaus konkrete Inhalte und Realisierungschancen nannte. 2000: Fischer greift nach dem europäischen Rettungsring“. Mai 2000 begann eine weitere Phase der Debatte. 5. in der zahlreiche Spitzenpolitiker aus verschiedensten Mitgliedsstaaten dem Drang nachgaben.94 B. 34ff. ebenda. 17. in: Integration 1/2001. Fischer.

-P. Juli 2000. Notre Europe. in dem sie sich ebenfalls skeptisch zu Fischers Rede äußerten und ein gemeinsames Auftreten in der Wirtschaftspolitik signalisierten. legte – wie bereits erwähnt – mit dem grünen Europaabgeordneten D. Juni 2000 setzte er sich über die Kohabitation hinweg und bestätigte. September 2000). Oktober 2000).be. Dagegen mündete die skeptische Haltung des damaligen französischen Außenministers J. Aznar am 13. 234 Zu den Gegnern einer Verfassung zähl(t)en neben Blair der spanische Ministerpräsident J. Chevènement. Nach dem deutsch-französischen Gipfel in Mainz. 28. befürchteten Kollegen. institutionellen Reformen nicht gefährden. Studien und Forschung Nr. S.theepc. Blair. S. Während Kommissionspräsident R. Lindh. abrufbar unter users. Es folgte der belgische Premierminister G. a. in: FAZ vom 28. Védrine und der ehemalige Kommissionspräsident J. sowie eine Minderheit im Europäischen Parlament.-P. vgl.html. kurz darauf folgten die Neogaullisten A. Verhofstadt. Juni 2000. 5: „Beifall fürs Ganze. die (später ermordete) schwedische Außenministerin A. 234 T.uk/busch/data/blair_warsaw. Konservative wie sozialistische Parteien bekundeten in der französischen Öffentlichkeit ihre Zustimmung zu Fischers Konzept. hatten aber bekanntlich gegen die deutschen Vorschläge einer Konstitutionalisierung argumentiert. in einigen Jahren werde man über einen Text befinden. Groupement d’Etudes et de Recherches. Mai 2000. Arnaud. Oktober 2000. allgemein J. 10. Juppé und J. Aznar. der damalige französische Innenminister H. Der Präsident der konservativen UDF. Verhofstadt mit einer Rede vor dem European Policy Center in Brüssel (21. Die Franzosen und Europa: Der Stand der Debatte in Frankreich bei Eröffnung der französischen Ratsprä´ sidentschaft. Dossier. er wolle mit seinen Verfassungsplänen die Kommission abschaffen. abrufbar unter www . Mit seiner Rede vor dem Reichstag am 27. Bayrou. Auch das Europäische Parlament und die Kommission reagierten ambivalent. 16. Juni 2000. veröffentlichten der britische Premierminister T. sowie Süddeutsche Zeitung. Cohn-Bendit sogar einen eigenen Verfassungsentwurf vor (dazu J. Juni 2000). S. Chevènement in ein offenes Streitgespräch mit Fischer (dokumentiert in Die Zeit.II. 2000.M. unter www. Speech to the Polish Stock Exchange.ac. Paris. 10 f. 21. Eine nicht unerkleckliche Anzahl französischer Spitzenpolitiker wie der Sozialist J. A Vision for Europe. Mai 2000. Juli der italienische Staatspräsident Carlo Ciampi an der Universität Leipzig. den man dann als erste Europäische Verfassung proklamieren könne. 1: „Prodi lobt Fischers Rede zu Europa“.-L. Rede vor dem Deutschen Bundestag am 27.mic-fr. Prodi die Ideen der Rede begrüßte.org/proposition-mic-ce. 233 G. Blair und der spanische Staatschef J.rtf). Arnaud. auf dem der französische Staatspräsident Chirac sich positiv zu Fischers Visionen geäußert hatte. 3. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 95 reichenden „Antwort“ auf die Gedanken Fischers aufgerufen fühlten. ähnliche Befürchtungen äußerten einzelne Abgeordnete des Europäischen Parlaments (siehe Süddeutsche Zeitung. Warschau 6. . 18. Delors sprachen sich zwar für grundsätzliche Reformen des Systems aus. abrufbar u.6. ebenda). F. Juni einen gemeinsamen Artikel in der Financial Times und El Mundo.-L. 232 Ähnlich argumentierte am 6. 233 Kurz darauf legte Tony Blair vor der polnischen Börse seine Vision für Europa dar und sprach sich gegen eine Verfassung aus (6.M. 232 J. Chirac. Kritik am Detail“).ox. 7. S. Toubon mit einem ausgearbeiteten Konzept („Constitution de l’Union Européenne“. September 2000.

10. die gemeinsame Außen. in: Die Welt vom 15. Pernice (Hrsg. Lipponen (10. ders. Fischer. abrufbar unter www.. 287 ff. S. Fischers. Oktober 2000 wiederholt vorstellte. 19.. Lippert / H. 236 J. 729 ff. Der Vertrag von Nizza – seine Folgen für die Zukunft der Europäischen Union. . in: EuR 2001. Wagner. S. S. S. Europäische Verfassungsperspektiven nach Nizza. Jopp / B. Eine Verfassung für Europa – Neue Regeln für den alten Kontinent?. Oktober 2000. U. Hatje. in: BayVBl. in: NJW 2002. 11. auch H. E.. d. 238 Mit dem Vertrag von Nizza 239 (Inkrafttreten am 1. H... Oktober 2000. 137 ff. R. Der Vertrag enthält wesentliche Änderungen der Gemeinschaftsverträge und des Unionsvertrags. Schwarze.. in: IP 2/2001.htm. Die institutionelle Reform der Europäischen Union – der Vertrag von Nizza auf dem Prüfstand. 1999. in: ZRP 2001. vor allem die Größe der Kommission. Insgesamt sollten Legitimität. vgl. etwa die Aufsätze in: M. Anmerkungen zu einer in Deutschland stattfindenden Debatte. Effizienz und Transparenz der Gemeinschaftsinstitutionen verbessert werden. S. Er sollte somit die Integrationsfähigkeit während der kommenden Erweiterungsphasen stärken. Rau. Juli 2000. S. Wir brauchen eine europäische Verfassung. in: ZEuS 2006.. November 2000) 235 und – wie bereits oben erwähnt – von Bundespräsident J. P. insbesondere zu den kontraprodunktiven Wirkungen der Rede J. Melissas / I. Brok. 993 ff. der sein konstitutionelles Konzept in Zeitungsartikeln und einer Rede am 19. Brügge. S. Die verstärkte Zusammenarbeit nach Nizza. Rau. K. 236 Das Europäische Parlament und die Kommission legten in diesem Zeitraum mehrere Stellungnahmen zur Verfassungsdebatte vor. S. Der Vertrag von Nizza. sowie der Vorschlag der Kommission zur Neuordnung der Verträge vom 14. Guérot.). Indirekt war damit die Frage nach der politischen. 28 ff. A. Perspectives of the Nice Treaty and the Intergovernmental Conference in 2004. 2001. 2001. 460 ff. 11. J. Schneider (Hrsg. T. 2000.Une Constitition pour l’Europe. der demokratischen „Verfasstheit“ der Union gestellt. November 2000. in: BayVBl. Die Rechtsnatur der EU. in: ZÖR 58 (2003). Bender. h. in: FAZ vom 4. 86 ff.. 2001. S. in: ZaöRV 2001.vn. in: Le Monde vom 4. Schäfer.. Die Quelle der Legitimation deutlich machen. 1999.H.und Sicherheitspolitik. 240 Vgl. Franzke. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Wenig später folgten Reden des finnischen Premierministers P.fi/english/speech/20001110e. 239 Vgl. 2001. Speech at the College of Europe. 240 Oder anders formuliert: es ging (und geht 235 P. 423 ff. Die Ergebnisse von Nizza. die Stimmenwägung und Abstimmungsverfahren betreffend. R. die polizeiliche und justizielle Zusammenarbeit.-G. Das weitere Schicksal des Vertrages von Nizza. 2001 sowie in: D. Der Vertrag von Nizza. Streinz. 449 ff. Das Vertragswerk von Nizza und die Zukunft der Europäischen Union. Februar 2003) bereitete sich die Union auf die Aufnahme der damaligen zwölf Beitrittskandidaten vor. Lipponen. 237 Zahlreiche Anregungen und Stellungnahmen aus der Wissenschaft begleiteten diesen Prozess. in: Integration 1/2001.). (EG-)Verfassungsrechtliche Aspekte des Vertrages von Nizza. Rede beim VIII Kongress der Eurochambres Berlin.96 B. 9. S. 237 So etwa der Bericht des konstitutionellen Ausschusses des Europäischen Parlaments über die Konstitutionalisierung der Verträge vom 12. ders. ders.. 238 Vgl. Gnan. 143 ff. Eine Sichtweise aus dem Europäischen Parlament.

Der rechtliche Zusammenhalt der EU. in: ZaöRV 64 (2004). Trüe. S. S. zu den jüngsten Erweiterungs. 177 ff. in: Berliner Zeitung vom 18. 2004. C. in: Recht in Ost und West. M. 2003. 1996.).und Fortschritten der Länder des westlichen Balkans K. Das System der EU-Kompetenzen. aber auch im Bereich der Zusammenarbeit Inneres und Justiz – derzeit dieser Verantwortung gerecht zu werden. von Bogdandy. Wieser (Hrsg. 2. EuropäischeVerfassungslehre. zu Guttenberg. Zuleeg. 415 ff.II. 866 ff. 2000. 241 Als zweites politisches. 2006.und Osteuropas sowie Maltas und Zyperns.: M.tu-dresden. 58 ff. Häberle. . (1) Gründe für ein Debatten-Crescendo Vor allem zwei politische Entwicklungen von historischem Ausmaß haben die neuerliche Verfassungsdiskussion entfacht und befördert. S. 10. vgl. in: A. die letztendlich die Auffassung manifestierten. dass die Zeit für die formale Konstitutionalisierung der Europäischen Union überreif sei. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 97 weiterhin) um die Frage der vertikalen und horizontalen Gewaltenteilung innerhalb der Europäischen Union. Verfassungsentwicklung und Verfassungsrecht in Osteuropa. Erinnert sei in diesem Zusammenhang nur an die Ausweitung der Gemeinschaftskompetenzen 242.-T. Nettesheim. 2005 sowie ders. das die gegenwärtige Verfassungsdiskussion in der Europäischen Union entscheidend befördert hat. Zum einen die „Wiedervereinigung Europas“ als historische Aufgabe der Erweiterung der Europäischen Union um die Länder Mittel. 4.und Sicherheitspolitik. in: JZ 2000. 93. A. in: Die Welt vom 8. Verfassungsvergleichung in Mitteleuropa. Vgl. 2006.php?topic=Literature. 391 ff. Aufl. Zu den einzelnen osteuropäischen Staaten vgl. Pernice. Dieses Missverhältnis ist innerhalb einer „europäischen Grundsatzdebatte“ kaum den „europäischen Bürgern“ zu vermitteln. Europäisches Verfassungsrecht. 242 Dazu aus der neueren Lit.. Kompetenzregelung im Europäischen Verfassungsverbund.de / browse.. S. Mit grundsätzlichen Erwägungen H. abrufbar unter dipo.. S. die Entfernung – zuweilen Entfremdung – zwischen den Bürgern und der Union zu vergrößern anstatt zu verringern. Vorsichtig in die Unabhängigkeit. Freilich traten weitere Elemente und Überlegungen hinzu. Stolz / B. Eine Lösung für den Kosovo. S.. Neben zahlreichen anderen Konsequenzen hat dieses schreckliche Ereignis maßgeblich die Einsicht gefördert. andererseits jedoch das evidente Unvermögen auf Grund ihres institutionellen Gefüges – vor allem im Bereich der Gemeinsamen Außen. September 2001 hervor. im besonderen Maße auch – ungelöstes – gesellschaftspolitisches Ereignis.. 217 Fn. den Literaturhinweis bei P. dass innerhalb der Europäischen Union eine offensichtliche Diskrepanz nicht mehr länger hinnehmbar ist: nämlich einerseits die Verantwortung einer Weltmacht. Kompetenzen. es untergräbt auch und vor allem die Glaubwürdigkeit und den eigenen Anspruch der Union und trägt damit im Ergebnis mit dazu bei. auch I. die zu einer politischen Auf- 241 Siehe zur EU-Osterweiterung angesichts ausufernder Literatur die Bibliographie im „Dresdner Internetportal zur EU-Osterweiterung“. sticht der 11. Roggemann.

. die Einführung einer Unionsbürgerschaft 243 und die Herausbildung eines europäischen Bewusstseins sowie die an Resonanz gewinnende Überzeugung. die Züge einer „Kontinuierlichen Verfassungsgebung“ konstatiert und eine „Konstitution durch Evolution“ (S.). ob eine solche. zur sog. die zu einem weiteren ernst zu nehmenden Argument für die gegenwärtige Verfassungsdiskussion wurde. „MonnetMethode“ u. 7 und Nr. 1970. reifte in den vergangenen Jahren über die Ebene einzelner Staats.). 221 ff. / 16. Es ist müßig darüber zu debattieren. Ausgabe des Eurobarometers 2/3 der Bevölkerung. während dieses Abschnittes der europäischen Integration insgesamt die adäquate Methode. 429 ff. Grundsätze. in: A. Randelzhofer / R. 353 ff. Jean Monnet – Mensch und Methode.M. 7. Die Europäische Gemeinschaft auf dem Weg zu einem Europa der Bürger?. 2006. Europäisches Bürgerrecht zwischen Marktbürgerschaft und Staatsbürgerschaft. 2005. Degen. A. in: K. Von der nationalen Staatsangehörigkeit zur Unionsbürgerschaft.. S. 2000. 2006. 580 ff. Peters. vgl. Der Rechtsstatus der Unionsbürger. Vgl. a. die oftmals so apostrophierte „Monnet-Methode“ 245.) hebt diese verfassunggebenden Elemente etwa auch A. Siehe bereits E. Pernice / P. orientiert am jeweils Machbaren und ohne die Beteiligten zu überfordern. die in diesen evolutionären Entwicklungsschritten bereits enthaltenen verfassunggebenden Elemente zu verschweigen 246. 749 ff. Wessels. 4. Gedächtnisschrift für Eberhard Grabitz. Häberle. 2002. aber umgekehrt auch zu derjenigen Unübersichtlichkeit des Vertragswerks beigetragen hat.. Die Unionsbürgerschaft nach dem Vertrag über die Europäische Union.. 2001 hervor. in: DÖV 1993. a. S.98 B. fortentwickelt. 581 ff. 18. 2002. auch M. Dicke u. S. (Hrsg. nur ders. 2001 (KOM (2001) 506) sowie aus dem Schrifttum P. 36 ff. Aufl. Scholz / D. S. dass mit zunehmender Ausweitung des demokratischen Defizits Vertragsänderungen nicht mehr wie bisher durchgeführt werden konnten. Randelzhofer. Es wäre allerdings ein allzu offensichtliches Versäumnis. Das Bewusstsein über die Notwendigkeit einer verfassungsgestaltenden und letztlich verfassungsmäßigen „Generalüberholung“ der Union sowie die Erkenntnis. Marktbürgerschaft – Unionsbürgerschaft – Staatsbürgerschaft. 8194 v. Häberles (vgl. noch bevor er richtig begonnen worden wäre. 2001. 375 ff. Elemente einer Theorie der Verfassung Europas. dazu lediglich noch I. Kotalakidis. Aufl. S. S. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung wertung der Union führten. N.. vgl. 9. 4. das die Union schrittweise.und Regierungschefs hinaus auch in der Wahrnehmung einer beträchtlichen Mehrheit der Bürger in der Europäischen Union 244. Europäische Verfassungslehre. Grabitz. S. S. Weltinnenrecht. in: DÖV 1987. 246 Neben den grundlegenden Erwägungen und in dieser Hinsicht Pionierwerken P. Wilke (Hrsg. Effizienz und Demokratie wahrhaftig genügen. Bulletin Quotidien Europe Nr. mit aller Konsequenz geführte Verfassungsdiskussion bereits zu Beginn der europäischen Einigung zu einer Blockierung des Integrationsprozesses geführt hätte. 15. später ders. weshalb in den vorangegangenen Kapiteln entspreSiehe den 3. W. Europäische Verfassungslehre. 4. Liber amicorum Jost Delbrück. 6. Magiera. S. 245 Ein Vorgehen. die Union sollte den Geboten von Transparenz.. Bericht der Kommission über die Unionsbürgerschaft v.) postuliert. vgl. nach denen der Union bereits heute unstreitig Verfassungsqualität zukommt. 8192 v. 4.) sowie eine „Legitimation durch Bewährung“ (S. Hu243 . 244 Von der Notwendigkeit einer europäischen Verfassung überzeugt zeigten sich 2002 nach der 56. Gleichwohl war die schrittweise Integration in der Gründerphase der europäischen Einigung. 1995.

S. Die Entstehung einer europäischen Verfassungsordnung. − Fusionsmodelle. 248 Im Einzelnen U.II. EGV. ein wenig zu skeptisch bezüglich des politischen Willens für „konstitutionalisierende europäische Verträge“ : W. . 57 ff. Der Verfassungsstaat als Glied einer europäischen Gemeinschaft. in: VVDStRL 60 (2001) und H. Schwarze. 182. Graf Vitzthum. 942 ff.. Konvent) erarbeitet wird – wobei allerdings unterschiedliche Leitmotive zu unterschiedlichen Lösungsmodellen führen. in: JURA 1998. 2000. Im Vorfeld der erneuten Verfassungsdebatte rückten vier qualitativ unterschiedliche Herangehensweisen zur Reform der Vertragsstruktur ins Blickfeld: − Redaktionelle Vereinfachungen. − Grundvertragsmodelle. Die Identität Europas. B. wie sie in Amsterdam 248 begonnen wurden. 993 ff. Der zu Beginn des neuen Jahrhunderts dem späteren Verfassungskonvent zugrunde liegende Diskussionsstand ist angesichts der einzelnen und bereits wie im Folgenden angerissenen „verfassungshistorischen“ Stufen als bislang konkretestes und entsprechend erfolgversprechendes Szenario zu erachten gewesen 247 (das vorübergehende Scheitern und Aussetzen des Verfassungsvertrages im Dezember 2003 sowie des Vertrages von Lissabon läuft dieser Beobachtung nicht entgegen – vielmehr hat sie durch die Intensivierung der inhaltlichen Auseinandersetzung eine Manifestierung erfahren). S. in: NJW 2002. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 99 chende Hinweise zu geben waren. B.. So sollten redaktionelle Vereinfachungen oder eine reine Fusion der vorhandenen Vertragstexte nicht ausreichen. 247 Zutreffend diesbezüglich auch J. Der Vertrag von Amsterdam. Verfassungsmodelle oder sogar eine damit verbundene „Neugründung“ der Europäischen Union ber / G. S. die einen neuen Text generieren. Karpenstein. Klein / D. Insgesamt gestaltet sich spätestens seit dem Vertrag von Nizza die Diskussion sehr viel politischer als zuvor und steht unter einem sehr viel größeren – nicht nur zeitlichen – (Erwartungs-) Druck. S. Grabenwarter.). in: VVDStRL 50 (1991). Europäische Verfassungsperspektiven nach Nizza. Der Vertrag von Amsterdam im Lichte der Maastrichtentscheidung des BVerfG. EAGV) in einem Vertrag zusammenführen und dabei weniger wichtige Bestandteile z. 16. die die wichtigsten Verträge (EUV. in: ders. (Hrsg.. Europäisches und nationales Verfassungsrecht. ders. R. S. die bereits in den vergangenen Jahrzehnten mit mehr oder minder hoher Intensität in der Diskussion standen.. um das notwendige Maß an Vereinfachung und Transparenz zu schaffen. in: DVBl 1998. Steinberger / E. deren Revision dann auch unterschiedlich strengen Anforderungen genügen muss. 13. EGKSV. Diese vier Optionen sahen sich auch um die Jahrtausendwende mit Überlegungen konfrontiert. in: EuR 2002. Lübbe-Wolff / C. Streinz. Protokolle ausgliedern. 1 ff. die eine rechtsqualitative Zweiteilung in einen Kernvertrag mit den konstitutionellen Bestandteilen der Gemeinschaftsverträge sowie in einen oder mehrere Ausführungsteile vorsehen. − Schließlich Verfassungsmodelle. Thürer. der in der Regel von einer verfassungsgebenden Institution (z.

b)cc)(2). in: EuR 1996. S.100 B. Braucht Europa eine Verfassung?. dass mit einem abgeschlossenen Verfassunggebungsprozess auch eine Manifestierung der „Politisierung“ der Europäischen Union einherginge 251 und dass dadurch ihre Legitimität erhöht würde.. 1999.. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung hätten sich hingegen stets an der politischen Durchsetzbarkeit zu messen. auch S. 1 ff. in: EuR 2000. Festschrift zum 70. Huber. Hertel.G. Rodriguez Iglesias. S.. J. Hat die Europäische Union eine Verfassung? Braucht sie eine?. 250 Aus politischer Sicht ist allerdings hervorzuheben.C. Grewe / H. Matl (Hrsg. 2000. S. in: NJW 1999. n° 2. Schwarze / P. 125 ff. S. 250 249 .. EuR Beiheft 1. I. 1999.). in: W. in: Festschrift Krause. entsprechend Dazu auch unter B. Der Vertrag über eine Verfassung für Europa – Analysen zur Konstitutionalisierung der EU. S. Pescatore. Europas Verfassung. Jopp. Siehe auch G. H.. Hirsch. Schilling. 1 ff. Piris. Une constitution européenne. J. Die Gemeinschaftsverträge als Verfassungsrecht – ein Kapitel Verfassungsgeschichte in der Perspektive des Europäischen Gerichtshofs. Schneider (Hrsg. Vertragsrevision oder Verfassunggebung?. Rupp. S. wurde erschöpfend geführt. Dies würde grundsätzlich bedeuten. in: EuR 1996.. 2000. Regierungskonferenz 1996: Eine Neue Verfassung für die Europäische Union? (Tagungsbereicht). 581 ff. 2000.7. Pernice... von Bogdandy / M.. G. S. Die Diskussion. M. den notwendigen. 1997. 78 ff. Weiler. Hobe (Hrsg. R.II. S. Häberle.). S. 3 ff. 27 ff..).. in: EuR 1996. Lequesne. 347 ff.-C. ob Europa tatsächlich einer Verfassung bedarf und was deren Vor. R. 311 ff. in: FAZ vom 7. 387 ff. Nettesheim. etwa D. 319 ff. P. Zur „Verfassung“ der Europäischen Gemeinschaft..). Die Entstehung einer euopäischen Verfassungsordnung. auch I. Vgl. The Constitution of Europe.). H. 2004. Gedanken zum Entstehen einer Europäischen Rechtsordnung. Grimm. in fünfzig Jahren ausgebildeten Vertragsgrundlagen der „europäischen Bevölkerung“ verständlich darzustellen. Herzog / S. 1981. Die Verfassung Europas. T.2. A. Pernice. in: NJW 2000. Differenzierte Integration und Flexibilität als neues Ordnungsmuster der Europäischen Union?. 2001. (2) Die politische Dimension der Verfassungsdebatte Der Weg zum Verfassungsvertrag ist – ebenso wie das amerikanische Vorbild – neben allen verfassungsrechtlichen Aspekten – ein höchst politischer. T. S. P. in: Staatswissenschaften und Staatspraxis 1996. in: Politique étrangère. si et seulement si . in: JZ 1995. Goulard.. Geburtstag von Hans Kutscher.. in: EuGRZ 1996. Europäische Verfassungsentwicklung. Stein. 233 ff. Suprantionalität als Verfassungsprinzip.H. W. Die europäische Union auf dem Weg zum verfassten Staatenverbund: Perspektiven der europäischen Verfassungsordung. 1999.IV. 251 Vgl. Die Dritte Gewalt im europäischen Verfassungsverbund. J. Die Reform der Europäischen Union. C. Kein Staat. S. Die Lit.H. 46 f. Hrbek (Hrsg. weshalb dieser – gerade auch angesichts des Wechselspiels zwischen Politik und Verfassungsrecht 249 – wenigstens in Ansätzen aufgezeichnet werden soll. S. Europäische Verfassungslehre in Einzelstudien. S.und Nachteile sein könnten. Die Europäische Union: Ein eineheitlicher Verband mit eigener Rechtsordnung.2. 1999.f)jj)(4) sowie unter B. ist Legion : vgl. Von manchen als „klassisch“ bezeichnet: P. ders. Schwarze (Hrsg. aber eine Verfassung. Heberlein.M. S. in: BayVBl. eigenen Befindlichkeiten folgenden Ratifikationsprozess bereits im Vorfeld im Auge zu behalten und den Mehrwert gegenüber den bestehenden. 1997. Siehe auch die Sammelbände von J.). Müller-Graff (Hrsg.H. 2005.-C.

in: European Law Journal. dass dort.. die Wis252 Vgl. in: Le Monde. 208 ff.org. wo (europäisches) Recht gilt und durch. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 101 der Maßgabe. S. Eine bewusst gesetzte Analogie zum amerikanischen Verfassungstext. ihre Majestät.II. Eine Verfassung für Europa – Neue Regeln für den alten Kontinent?. Die Quelle der Legitimation deutlich machen. dass eine europäische Verfassung der Europäischen Union. in: IP 2/2001. Stichwort: „European Constitution Watch“. ders. the people of Europe .. S. 253 Idealiter würden nicht mehr seine Hoheit. vgl. 255 An dieser Stelle soll nunmehr ein vertiefender Blick aus der politischen Praxis die wissenschaftlichen Schilderungs. 2000. ähnlich wie es in dem fiktiven Verfassungsentwurf („We. 11. Manche (wissenschaftlichen) Protagonisten gehen in selten offener Selbstbetrachtung gar soweit. der König von Belgien. als dass eine Verfassung normalerweise Ausdruck von Volkssouveränität und damit. 2000. 11. A Bird’s Eye View on the Science of European Law. 1999. auch die „Mailänder Erklärung zur Europäischen Verfassung“ von DGAP. Und drittens ist zu betonen. . 4. Ausdruck eines freien Volkswillen ist. Guérot. in: Die Welt. 28. ifri und ISPI. ders. 22. sondern die europäischen Bürger. dass die Diskussion über eine Europäische Verfassung vor allem von den Gegnern einer tiefer gehenden Integration dazu genutzt werden konnte. die sich als Staaten-. 254 A Constitution for the European Union‚ in: The Economist. Rau. 215 ff. Wir brauchen eine europäische Verfassung.und Währungsunion einen qualitativen Integrationsschritt. in: Frankfurter Allgemeine Zeitung.. Bd. indirekt. 1. den Beitrag der Wissenschaft zur Verfassungsentwicklung als eher gering einzuschätzen. noch der deutsche Bundeskanzler oder der französische Staatspräsident dann ein Vertragsdokument unterzeichnen. 15. umgesetzt wird. der steter politischer Begleitung bedarf.. 253 Siehe auch U. September 2000. 9. Denn eine europäische Verfassung bedeutet im Gegensatz zu den bestehenden Europäischen Verträgen insofern eine qualitative Veränderung bezüglich der Legitimität.“). 11. aber auch als Bürgerunion versteht. abrufbar über: www . auch der (verfassungsmäßige) Ursprung dieser Rechtsetzung offensichtlich sein muss.. in der besten Tradition von J. D. 6. 2000 sowie A.bzw. 28 ff. Freiburghaus stellte lakonisch fest. 255 Der luxemburgische Premierminister J. Juncker formulierte in der Financial Times Deutschland vom 16. Hobbes. 28. 1999. die Königin von Dänemark. Bodin und T. insbesondere über die Frage der Kompetenzabgrenzung. S.-C. 2001: „Die Regierungskonferenz 2004 darf keine Abbaukonferenz werden“.dgap.Une Constitition pour l’Europe. 252 Zudem bedeutet die Realisierung der europäischen Wirtschafts. 4. den europäischen Bürgern die Souveränität über den europäischen Integrationsprozess zurückgeben würde. eine versteckte Renationalisierungsdebatte zu führen. von Bogdandy. 3. Nr. den der britische Economist veröffentlichte 254. 10.. zum Ausdruck kam. J. Politisch sprach (und spricht) indes dagegen.und Gestaltungsversuche ergänzen.

stellten andere politische Protagonisten die Frage nach einer europäischen Vision. „Man kann [... Nr. Konföderation – oder was sonst?. 2001.] vorschlagen. CAP-Working Paper. Januar 1999. Volkmann-Schluck. Vom Staatenverbund zur Föderation. S. 3. wohin die Reise geht und wie das Ziel aussieht“ 260 und deshalb eine Antwort auf die Frage „quo vadis Europa?“ vonnöten sei 261. an dem sich die verfassungsmäßige Organisation europäischer Macht folglich ausrichten sollte.. Jospin) 257.. Alternativen der Verfassungsfinalität: Föderation.com/de/de-traite-jospineurope2001. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung senschaft begleite diese Prozesse wie ein Chor in der griechischen Tragödie. Berlin. Ronge (Hrsg. In welcher Verfassung ist Europa – welche Verfasssung für Europa?. ohne zuvor über den politischen Sinn.] keine institutionelle Architektur [. 4. Europa vor dem Gipfel in Nizza: Perspektiven. 258 K. in: Integration 3/2000. sondern zunehmend Wissenschaft des modernen Staates ist. Anders allerdings S. 28. dass unterschiedliche Vorstellungen über die endgültige Gestalt Europas auch die politische Debatte prägten.franco-allemand. wo unsere Bürger genauer wissen wollen.). erwuchs und erwächst freilich überaus konstruktive Begleitung. Schneider. Biedenkopf : „Man kann keine Verfassung schaffen. 60. die Integration sei jetzt „an einem Punkt angelangt. Fischer. Es bestand weitgehend Einigkeit darüber. Freiburghaus. abrufbar unter www. 66. S. Die Ökonomen gelegentlich.102 B. was verfasst werden soll“. 258 Alle genannten Akteure verfolgten letztlich die – banale – Absicht. Kreis (Hrsg. 60 f. 2003. 256 Gleichwohl: Die Juristen haben auch unter praktischen Aspekten fraglos am meisten beigetragen. den man Europa zu verleihen wünscht. dass sie eigentlich nicht Wissenschaft von der Politik. Fischer. Mit derselben Stoßrichtung äußerte sich auch K. ohne zu wissen. in: Integration 3/2000. 257 L.). habe jedoch auf die Handlung kaum Einfluss. Der Beitrag der Wissenschaften zur künftigen Verfassung der EU. Aufgaben und Herausforderungen.de/www/de/infoservice/download/pdf/reden/1999/r990120a. nachgedacht zu haben“ (L. 149 ff. Interdisziplinäres Verfassungssymposium anlässlich des 10 Jahre Jubiläums des Europainstituts der Universität Basel. 2001. Stellungnahme. einen „Klärungsprozess darüber einzuleiten. 171 ff. 299 ff. Rede zur „Zukunft des erweiterten Europas“. Zukunftsfähigkeit und Legitimität der Europäischen Union.pdf.. 259 H. Die Debatte um eine europäische Verfassung. Gedanken über die Finalität der europäischen Integration. S. dass zuerst das Ziel der Integration feststehen musste. welche 256 D. Neben dem deutschen Außenminister J. Soweit „Europa“ (in klaren Grenzen) staatsähnlich ist. S. Die Politikwissenschaft leidet darunter. 2001. wozu die Einigung Europas überhaupt gut ist“ 259. 260 J.auswaertigesamt. 5. Biedenkopf. Rede am Walter-Hallstein-Institut der Humboldt Universität. Fischer. in: G. S. Basler Schriften zur europäischen Integration. Rede vor der französischen Nationalversammlung. (3) Leitbilder und europäische Ideale in der politischen Auseinandersetzung Es überrascht kaum.htm. Jospin. Dezember 2000.. . sowie in: F. 171. der in einfachen Worten betonte. 20. 261 J. Sie sollen in der Folge systematisiert werden. im Internet abrufbar unter www .

in: Integration. J. 149 ff. So J.. verirren wir uns im Dickicht des institutionellen Wandels. In welcher Verfassung ist Europa – welche Verfasssung für Europa?.] ausüben“. Ronge (Hrsg. Speech to the Polish Stock Exchange. in: W.. Fischer. Müller-Graff. 253 ff. Delors. Jospin einen Abgleich mit ihren Vorstellungen über die Finalität der Integration. fordert Fischer zunächst staatsähnliche Merkmale für diese Föderation: „Ein europäisches Parlament und eine ebensolche Regierung.sachsen. 265 Tatsächlich zeigte sich Fischer.-C. Europa von A-Z. Blair. J.II. S. als würde der aus der Europapolitik verbannte Gedanke eines Europäischen Bundesstaates als Gegenstand politischer Gestaltungsperspektiven wiederbelebt.. Oktober 2000. Im Laufe der Rede macht Fischer jedoch deutlich. Vom Staatenverbund zur Föderation. die R. 265 So P. Janning. 6.de/de/bf /reden_und_interviews/reden00/10-C. 299 ff. Warschau. Leitbilder oder „europäische Ideale“. Gedanken über die Finalität der europäischen Integration. die nicht nur die Erwartungen der Beteiligten an die Entwicklung der Integration ausdrückten. Leitbilder der europäischen Integration. dass er mit „Föderation“ schließlich etwas anderes meint: „Die bisherige Vorstellung eines europäischen Bundesstaates. Oktober 2000. J. Weitergehende Gedanken über die „Finalität“ der europäischen Einigung machten sich auch die Verfassungsskeptiker wie etwa T. Oktober 2000 in der Semperoper in Dresden. ebenda. der als neuer Souverän die alten Nationalstaaten und ihre Demokratien ablöst. denn er erweckt den Eindruck. Dieser Logik folgend. Er bezieht sich auf die „Europäische Föderation. sie sollten auch die Rolle der Institutionen im Prozess der Gemeinschaftsbildung ausdrücken helfen und den Grad der Kohärenz des jeweils erreichten Entwicklungsstandes mit den jeweiligen politischen Erwartungen der Bürger widerspiegeln. a. erweist sich als ein Konstrukt jenseits der gewachsenen 262 .. 157. „in welchem Europa wir leben wollen“. Europäische Föderation als Revolutionskonzept im europäischen Verfassungsraum?. Der Begriff „Föderation“ erscheint zunächst als Tabubruch. 264 Vgl. Fischer. 263 T. Wessels (Hrsg. welche Europa einschlagen soll. Rau und L. S. Blair: „Wenn wir uns nicht zuerst die grundlegende Frage nach der Richtung stellen. 266 J. inspiriert von der bundesstaatlichen Rhetorik der Nachkriegszeit. 258. 264 (a) Das Ideal einer „Föderation von Nationalstaaten“ Mit dem Leitbild einer „Föderation von Nationalstaaten“ suchten u. die tatsächlich die gesetzgebende und exekutive Gewalt [. 1997. Schuman bereits vor 50 Jahren gefordert hat“ 266.). S. Chirac. abrufbar unter http://www. 3/2000. 3. Weidenfeld / W. sowie in: F. und die zu „weiteren Anstrengungen veranlasst und diese rechtfertigt“ 262 . der den Begriff in seiner Humboldt-Rede aufwirft. S. dazu auch J.htm. Zum zehnten Jahrestag der Deutschen Einheit am 3.“ 263 Die Überlegungen zur endgültigen Gestalt Europas richteten die unterschiedlichen Akteure letztlich an differierenden Leitbildern aus. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 103 beantworten soll. in: Integration 3/2000. 157 ff. 2001.). Taschenbuch der Europäischen Integration.

Fischer bemühte sich mit seiner unorthodoxen Verwendung des Begriffs „Föderation“ um ein vermittelndes Leitbild. Risse.H. B. 171 ff.H. mit einer klaren Kompetenzabgrenzung zwischen Mitgliedsstaaten und EU-Organen. insb. Damit diese Dualität gewährleistet bleibt. Weiler (Hrsg. What Kind of Constitution for What Kind of Policy? Responses to Joschka Fischer. Seine „Föderation der Nationalstaaten“ beruht auf dem Prinzip der „Souveränitätsteilung“ zwischen Mitgliedsstaaten und Europäischen Union nach dem Subsidiaritätsgrundsatz.hu-berlin. Des weiteren erwähnt Fischer entscheidende föderationsqualifizierende Merkmale nicht. 48).. wenngleich durchaus streitbare Replik auf Fischers „Humboldt-Rede“ von C. wie etwa die Übertragung des Haushaltsrechts auf die europäische Ebene (s. Börzel / T. auch H. den Nationalstaat auch bei einer verstärkten Integration zu erhalten: „Die Nationalstaaten werden fortexistieren und in der Föderation einen stärkeren Rang haben als die Bundesländer“. eine Staatenkammer wahrt die Interessen der Nationen. Konföderation – oder was sonst?..A.de/WHI/english/fce/fce600/bericht-voggenhuber. dazu die vergleichsweise intellektuell klare. Joerges / Y.htm. dass etwa Abgeordnete des Europäischen Parlaments Fischer vorwarfen. 45 ff. 3/2000. dass bestimmte Aufgaben wieder [auf die Nationalstaaten] rückübertragen werden“. Mény / J. in: Integration.rewi. Vgl.O. . 7. A Federation of Nation States or a Federation of States?. Vor diesem Hintergrund wird erklärbar. H. Bereits im Januar 1999 hatte er darauf hingewiesen. Alternativen der Verfassungsfinalität: Föderation. Bericht von M. 100 ff. Schneider. in: C. als das Europäische Parlament noch aus Delegierten der Mitgliedsstaaten zusammengesetzt war. 173. „sehr gut vorstellen. 268 Vgl. S. S.). vgl. 172.H. Dabei tendierte er teilweise sogar zu einer stärkeren Intergouvernementalisierung: Fischer konnte sich im Streitgespräch mit seinem französischen Amtskollegen Chevènement (vgl. S. 103: „The Commission would become only an administrative body“. Europa ist bereits zu weit entwickelt. DIE ZEIT. 2000. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Fischers Leitbild ist in seiner Berliner Rede vom Interesse geprägt. Pahl abrufbar unter www. 267 So beispielsweise in einem Vortrag J. Die von Fischer erwogene Alternative. das von ihm entworfene Europa sei keine Föderation. Mény / J.104 B.. Statt dessen definiert Fischer den Föderationsbegriff jenseits der althergebrachten Begriffsbestimmungen. Joerges / Y.. Juni 2000. den Ministerrat als „echte Regierung“ der Europäischen Union zu etablieren. Konföderation – oder was sonst?. 2000. in: Integration 3/2000. Alternativen der Verfassungsfinalität: Föderation.) (2000).H. die „bundesstaatlichen Tendenzen einen Riegel“ vorschieben sollen. würde die Kommission allerdings zu einer bloßen administrativen Körperschaft degradieren. die sich aus einer doppelten Legitimation ableitet: Eine Bürgerkammer mit direkt gewählten Abgeordneten vertritt die Bürger direkt. Who is afraid of a European Federation? How to Constitutionalize a Multi-Level Governance System. Voggenhuber. auch T. Fischers ursprüngliches Konzept des Doppelmandats in der ersten Kammer stellt in der Konsequenz einen Rückschritt zu den Zeiten dar. die hinter jahrzehntelangen Auseinandersetzungen um die Zielsetzung der Europapolitik standen. um sich in Kategorien wie Staatenbund und Bundesstaat ein- politischen Realitäten“. S. 13 ff. es gehe ihm „nicht darum. 171 ff. S. sondern eine „lockere Konföderation von Nationalstaaten im Sinne von de Gaulle“ 267. eine neue Föderalismus-Debatte zu entfachen. Weiler (Hrsg.. 18). baut Fischer „Unitarisierungsbremsen“ ein. in: C. z. Schneider. das über „Entweder-Oder-Sichtweisen hinausführt“ 268. Leben. Das Europäische Parlament und die konstitutionellen Reformen der Europäischen Union.

April 2001. wie wir sie uns für morgen wünschen können: ein Zusammenschluss von Staaten. dass „die wirtschaftliche Globalisierung die Souveränität der Nationalstaaten gravierend aushöhlt“. 270 Siehe Die ZEIT.. S. J. die die einzelnen Staaten. Rede beim VIII Kongress der Eurochambres Berlin. Die Rechtsnatur der EU. dass dies das Wort ist“. damit sie durch gemeinsames Handeln Souveränität zurückgewinnen können“ 274. 272 In der Rede vor dem belgischen Parlament. Europa ist und bleibt eine Konstruktion sui generis“ 269. längst verloren haben“. dass Rau den Ministerrat in eine zweite Kammer neben einem gleichberechtigten Europäischen Parlament umwandeln und das nationale Vetorecht aufgeben wollte und noch betonte. zu provozieren. Wenn man es übersetzt. S. 270 Gleichwohl ist Fischer mit dieser Wortwahl seiner (wiederholten) Intention gerecht geworden. 274 J. Juli 2000. 3. Juni 2000. Bundespräsident J. Im Streitgespräch mit Chevènement erklärte Fischer. lässt sich anhand der Tatsache vermuten. Rau wies darauf hin. das sollte sie“. 3.. S.. Rau.] wiedergewinnt. und schon gar nicht ein Europa „á la Bundesrepublik Deutschland“. 287 ff. warum er dennoch den ideologisch belasteten Begriff „Föderation“ gewählt hatte: „Wir haben versucht. Rau. Wagner. 13 ff. S. davon ging ich aus. in der Fischer seine Konzepte der Humboldt-Rede noch einmal fast wortgetreu wiedergibt. Sodass wir am Ende aufgegeben und gesagt haben: Wir müssen akzeptieren. diese Kammer „wahre die Souveränität der Nationalstaaten“. im Zuge der Globalisierung. S. „Europas Werte“: „Dass meine Rede Anstoß erregen würde..IV. Widersprüchlich ist allerdings. die einen Teil ihrer Hoheitsrechte gemeinschaftlichen Einrichtungen übertragen. 273 Der Bundespräsident betonte. auch H. ersetzt er das Wort „Föderation“ durch „Europa“: „Wichtigster Ansatzpunkt muss eine klare Souveränitätsteilung zwischen ‚Europa‘ und den Nationalstaaten sein“ 273 Siehe J.. Rede vor der französischen Nationalversammlung. 17 f.3.] immer wieder fédération oder federation heraus. in: ZEuS 2006. Oktober 2000. kommt [. Zukunftsfähigkeit und Legitimität der Europäischen Union. dass Fischer seinen Verfassungsgedanken zwar weiterhin an den Vorstellungen der „Souveränitätsteilung“ ausrichtete. Zur durchaus kontraproduktiven Wirkung der Rede Fischers vgl. 19. Plädoyer für eine Europäische Verfassung“ Rede vor dem Europäischen Parlament am 4. Umfassend zum Föderalismusbegriff in rechtsvergleichender Perspektive unten B. 271 Siehe auch das Interview mit Fischer in DIE ZEIT. – Anmerkungen zu einer in Deutschland stattfindenden Debatte. 271 Dass er aber nicht gänzlich hinter dem Begriff stand. 7. weil sie Souveränität [. dass eine „Föderation von Nationalstaaten“ das Gegenteil eines Superstaates bedeuten würde.b). 272 Trotz der begrifflichen Probleme haben einige weitere Politiker dieses Leitbild aufgegriffen. 269 . Fischer. 20. Januar 1999. 20. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 105 zwängen zu lassen. 288 ff. Eine föderale Verfassung gebe „Europa eine Gestalt. Die Föderation sei „darauf die Antwort.. ein neues deutsches Wort zu finden anstatt ‚Föderation’. auf sich allein gestellt. das Leitbild der Föderation in seinen späteren Europareden und Stellungnahmen aber nicht mehr nachhaltig verfolgt hat.II.

neigt es zur Flucht ins Postnationale und findet sich wieder im wehmütigen Traum einer Art von Föderation.] deckt in Wirklichkeit vielfältige Inhalte ab“. 275 Ein Gefüge. Fischers Griff nach einer Europäischen Verfassung. (b) Das Ideal eines „Europas der Nationen“ Der Vorstellung eines „Europa der Nationen“ lassen sich die Verfassungskonzepte von J. Hinter diesen „Zweideutigkeiten“ . Damit „starke und lebendige Nationen. Indem er auf seine damalige Rolle als Ratspräsident und die Kohabitation Rücksicht nahm. Der Terminus traf außerdem Jospins Vorstellung des konstitutiven Spannungsfeldes der europäischen Integration: die Nationalstaaten seien „Realität“. abgedruckt in: FAZ vom 28. Wie Fischer und Rau distanzierte sich der französische Premier von einer zentralistischen Auslegung: „Dieses Wort [. S.. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Auch auf französischer Seite ist das Konzept aufgegriffen worden. Joerges / Y. What Kind of Constitution for What Kind of Policy? Responses to Joschka Fischer. Gleichzeitig verdächtigte er Fischers Verfassungskonzept als „verkappten deutschen Hegemonieanspruch“ (zitiert nach K. Delors in: Le Monde vom 19. wich er der von Fischer aufgeworfenen Frage der Finalität aus und gab in seiner Berliner Rede „den Pragmatiker“. die ihre Identität wahren wollen“. Auch J. Plädoyer für eine Europäische Verfassung“ Rede vor dem Europäischen Parlament am 4. 61 ff. dass die Nation ein „unentbehrlicher Rahmen der demokratischen Auseinandersetzung“ sei. ders. Chirac und A.. ebenda. Januar 2000. vgl. könne Frankreich nicht akzeptieren. „dass die Nationalstaaten bleiben müssen“ 276. stimme er dem Begriff „ohne Wenn und Aber“ zu. 2000.106 B. 276 Vgl. Im Gegensatz zu J. Jospin für eine „Föderation von Nationalstaaten“ plädierte. die unterschiedliche Teile möglichst regional zusammenhält“. 2001. der einer Verfassung grundsätzlich skeptisch gegenüber stand. wie er Europa sehen wollte.. DIE ZEIT. nämlich als „Zusammenschluss von Nationen.H. 10 f. Weiler (Hrsg. in: C. 277 Dennoch lässt sich herauskristallisieren. S. Juni 2000. Mény / J. 2000. Juni 2000. S. 5. Juppé mit J. Fischers Vorschlag sorgte auch in diesem Kontext für nahezu reflexartige Abwehrreaktionen.H. v. 7. solle die Union „jeden Einzelnen stärker machen“. Beyme. Verstehe man dagegen unter „Föderation“ eine „schrittweise und kontrollierte Teilung von Befugnissen und deren Übertragung auf die Union“. Fischer benannte Chirac nicht explizit ein „typisches“ Leitbild im Spannungsfeld von Föderation oder Konföderation. um nicht zu provozieren. S. wo in ähnlicher Diktion L. „die Nation zu verteufeln“ (vgl. sondern auszugleichen. Delors. Jospin. Chirac. Toubon zuordnen. 7. in dem die derzeitigen Staaten lediglich den Status eines deutschen Bundeslandes erhielten. April 2001. 277 Vgl.). das Interview mit J. bestehen bleiben. 6. J. 13). andererseits habe Fischer aber genau verstanden. 61) Einerseits neige Deutschland dazu.. So etwa des bereits benannten „Souveränisten“ Chevènement auf das empfohlene Leitbild der Föderation: „Weil Deutschland immer noch die Nation diabolisiert. Rede zur „Zukunft des erweiterten Europas“. Chevènement sah den wichtigsten Bezugspunkt der Bürger in der Nation und hielt deshalb den Begriff des „Verfassungspatriotismus“ für „oberflächlich“. die Föderation bleibe ein „Ideal“. S. 275 L. Rede vor dem Deutschen Bundestag am 27. verfolgte dieses Leitbild gleichfalls in der Annahme.

Obwohl er die Position Chevènements ablehnte. unabhängiger souveräner Nationen. ders.de / oldstatic / w2001/eu1/dokumente/).] Wie lange gäbe es in Frankreich noch einen Präsidenten [. welches er dem konföderalen Modell der britischen Konservativen gegenüberstellte: „Zwei Modelle wurden bis jetzt vorgeschlagen: Europa als eine bloße Freihandelszone.tu-berlin.. weil er sich in der Position des Ratsvorsitzes zu diesem Zeitpunkt um kurzfristigere Ziele kümmern musste. 2000. 1). Statt eines „Superstaates“ sah (und sieht) Blair Europa als „Supermacht“ und „wirtschaftliches Kraftwerk“ (vgl. dass eine konstitutionelle Debatte nicht unbedingt in einem einzigen Dokument enden müsse. Blair sah in Fischers Konzept ein etatistisch geprägtes Leitbild. auch ders. H.. Oktober 2000. 278 J. und das klassische föderalistische Modell. welche Zuständigkeiten verbleiben dann dem Nationalstaat? [.cs.. Fischer. aber nicht uns“.und Sicherheitspolitik unter der Kontrolle des Parlaments umzusetzen hätte. . Nicht allein. Dass die Deutschen den anderen einen europäischen Bundesstaat nach deutschem Vorbild überstülpen wollen. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 107 die jeweils ihre Seele und Identität bewahren möchten. ihre Interessen und vor allem ihre Werte gemeinsam zu verteidigen“ 278. S. Rede vor dem Deutschen Bundestag: „Unser Europa“. (2000). aber beschlossen haben. loyalen [. abrufbar unter ig.) Außerdem sei es für die Briten aufgrund ihrer eigenen Verfassungstradition „einfacher zu verstehen“.. die frei wählen. Europa dürfe aber nie ein „Superstaat“ werden. Védrine: „Niemand kann behaupten. die Antwort auf Herausforderungen könne „nur das Ergebnis einer wirklichen. Deutschland müsse sich „von den Entgleisungen des Nationalsozialismus“ erholen. vom 8. S. stand Védrine der Verfassungsidee skeptisch gegenüber.. Zielsetzung des Verfassungsentwurfes war unter anderem. der deren Außen. „Die Europäische Avantgarde“ in Paris. 7). Er betonte wiederholt. wonach die wichtigsten Bezugspunkte unserer Völker „auch in Zukunft die Nationen darstellen“ würden. Auch T. 27. S. eine ‚Patentlösung‘ für Europa zu haben“. schien auch J. 2001. meinte auch H.] und in Deutschland noch einen Bundeskanzler?“ (vgl. In diesem Kontext ist auch das Zitat zu verstehen. Auch für Blair war das von Fischer vorgeschlagene „Gravitationszentrum“ mit eigenen Institutionen nicht akzeptabel. S. Chirac. Als ehemaliger Premier und Vorsitzender von Chiracs Sammlungsbewegung RPR stand Juppé dem Präsidenten nicht nur nahe.II. Juni 2000. Auch bei ihm rief das Schlagwort „Föderation“ Souveränitätsverlustängste hervor: „Wenn man die Direktwahl des Präsidenten der Föderation. Speech to the Polish Stock Exchange. in dem Europa seinen Kommissionspräsidenten wählt und das Europäische Parlament eine echte Legislative und Europas wichtigste demokratische Kontrollinstanz wird“. Vedrine. der Aufwertung witterte Chevènement offensichtlich den Versuch.] Diskussion sein“ (vgl. Schreiben an den deutschen Außenminister J. ebenda). Rede zum zehnten Jahrestag der Deutschen Einheit am 3. schon gar nicht bei einer so „dynamischen und komplexen Einheit wie der EU“. Fischer wolle den anderen „ein Konzept aufzwingen. ihre Souveränität in ihrem eigenen Interesse und zum gemeinsamen Gut zusammenschließen“ (vgl.. den Bürgern eine ernstzunehmende Stimme zu verleihen und Rechte der Mitgliedsstaaten zu garantieren. sondern er hatte auch seinen Verfassungsentwurf im Auftrag desselben ausgearbeitet. Delors anzudeuten. Védrine. ders. in Erwägung zieht. denn die wichtigste Quelle demokratischer Legitimität seien die direkt gewählten nationalen Parlamente und Regierungen: „Europa ist ein Europa freier. 5 ff.. Juni 2000. wenn er hinter der Diskussion um eine Verfassung „eine Arglist“ vermutete (so in seiner Rede bei einem Kolloquium der Friedrich-Ebert-Stiftung. Konkreter bekannten sich Juppé und Toubon zu einem Leitbild der „Nationalstaaten und der Bürger“. Den Verfassern ging es mit der Abschaffung der Kommission. das ihm entspricht.

..pdf. What Kind of Constitution for What Kind of Policy? Responses to Joschka Fischer. 70.. doch erwähnt er beispielsweise die Kommission auch nicht. 279 (c) Das Ideal eines „Europas der Regionen“ Neben den deutschen Bundesländer verfolgten gerade die Regierungschefs kleinerer Staaten das Leitbild eines „Europa der Regionen“. 61 ff. Biedenkopf bewusst von Fischers „Föderation der Nationalstaaten“ als „Endpunkt der Integration“ ab. Gabriel den Erhalt des Nationalstaates für eine Vorraussetzung. Die vom Außenminister geforderte Souveränitätsteilung zwischen Nationen und Europäischer Union sei „instabil“: Die „Größenunterschiede der Mitgliedsstaaten erlaubten keine dauerhafte Struktur“. Biedenkopf. Juppé / J. Europa vor dem Gipfel in Nizza: Perspektiven. so Biedenkopf. Regierungserklärung am 21. 2000. . K.. hielt der glücklose niedersächsische Ministerpräsident S. 2000. 282 S. „Grenzüberschreitende Euroregionen“ erlaubten die Bildung „selbstverwalteter Einheiten“. 281 So K. Toubon. 4. der Beschränkung europäischer Kompetenzen und der übergeordneten Position der „Staatenkammer“ letztendlich um eine weitgehende Renationalisierung.. da „die Idee des Nationalstaates [. Dezember 2000. die Demokratisierung und Effizienz europäischer Politik besser gewährleisten. Es gab freilich Differenzierungen. von Beyme.org/proposition-mic-ce. S. Fischers Griff nach einer Europäischen Verfassung. 280 Eine „Föderation der Nationalstaaten“ befördere die Behauptung und Durchsetzung nationaler Interessen und die Reaktivierung der Nationalstaaten im Falle von Krisen“. durch eine europäische Verfassung ratifiziert zu werden. der es rechtfertigen würde. „wirklich ernsthaft eine Revitalisierung des Föderalismus in Deutschland durchzusetzen“ 282.).eiz-niedersachsen.. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung des Rates. Rede am Walter-Hallstein-Institut der Humboldt Universität. Weiler (Hrsg.] kaum vereinbar“ sei. 6.] die Länder auf Kosten der nationalen Parlamente über die Regionalpolitik der Europäischen Union zu stärken“ 281. Mény / J. „in einem Prozess der Regionalisierung [. 280 Vgl.108 B. Gabriel. abrufbar unter www . vom 28. Fischers Föderation sei kein „Neubeginn. Constitution de l’Union Européenne.rtf. Deshalb sah Gabriel auch keinen Widerspruch 279 Siehe A.] mit einer demokratisch legitimierten Föderation [. Während Biedenkopf die Absicht verfolgte. Die Dominanz größerer über die kleineren Mitgliedsstaaten würde so aufgehoben und die Union würde handlungsfähiger. So setzte sich der sächsische Ministerpräsident K.mic-fr. die „als Keimzellen der Integration“ Menschen auch „über nationale Grenzen hinaus verbinden“. Joerges / Y.. weil sie die Tendenz einer durch die nationalen Exekutiven dominierten Regierungsform“ verstärke. Berlin. abrufbar unter www . Ein „Europa der Regionen“ könnte. Bei „Fortdauer der Nationalstaaten“ seien der „Steigerung der Verbundsintensität dauerhaft Grenzen gesetzt“. Chiracs Leitbild ist zwar moderater. Contribution à une réflexion sur les institutions futures de l’Europe. Juni 2000 in Hannover. in: C.H. Aufgaben und Herausforderungen“.de/uploads/media/ef-2000-1.H.

So forderte im trivialen Duktus der rheinlandpfälzische Ministerpräsident K. 285 C. 2001. Lipponen und Verhofstadt richteten ihr Leitbild im Wesentlichen am Gemeinschaftsmodell aus. Dazu sind die Kommission. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 109 zwischen dem Erhalt der Nationalstaaten und der Stärkung der Regionen: Ein „Verfassungsvertrag. die in ihren Reden und Äußerungen keinem fest definierten Muster folgten. 284 Interview mit K. dass die „Gemeinschaftsmethode“ unter der Prämisse ihrer „Rationalisierung. Auch E. mit dem weiteren Hinweis. aber mit einer Verfassung die Einbeziehung der supranationalen Institutionen garantieren wollen. Juli 2000. 5.de/01_textdienst/12_reden/2001 /mskr20010212_1. Rede in Berlin. Stoiber sah den Kernpunkt eines Verfassungsvertrags Europas in der Frage: „Welche Kompetenzen behalten die Nationen und Regionen?“.it/ex_presidenti/Ciampi/Discorsi /Discorso. ders. Rede am 13. Prodi fest davon überzeugt. November 1999 in München. vgl.. sollte nämlich gleichzeitig „den Regionen und Ländern Spielräume verschaffen.II. Lipponen als Vertreter kleinerer Mitgliedsstaaten zu zählen.htm. Staatenbund oder Staatenverbund unterschiedliche Hypothesen [verkörpern]. dass „[.nrw. Vereinfachung und Erweiterung die Zukunft der Union“ wäre. Ciampi. Die Kompetenzordnung der EU nach Nizza. Auch C. Europa gestalten – nicht verwalten. Juli 2000. Febr. So zeigte sich Kommissionspräsident R.quirinale. der die Souveränitäts. kombinierten Formen allesamt brauchbar sind“.. Der Gipfel von Nizza hätte die Schwächen der zwischenstaatlichen Methode 283 So der damalige Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens W. die in neuen. 6.bayern. Ciampi wollte sich nicht an „starre Schemata gebunden fühlen“. . Rede anlässlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Leipzig. das Europäische Parlament (bereits aufgrund der Heterogenität der immanenten Ansätze). auf der Grundlage ihrer jeweiligen Verfassungen die Kompetenzen mit ihren Nationalstaaten zu regeln“.. 284 (d) Ein offenes Leitbild mit Gemeinschaftsansatz In diese Kategorie fallen jene Akteure. Beck in der FAZ.pdf ?PHPSESSID. abrufbar unter www. 12. Clement. Verhofstadt (bis 2005) und P.und Kompetenzverteilung zwischen Europa und den Nationalstaaten horizontal und vertikal regelt“.] die Begriffe Bundesstaat.pressearchiv. 285 Die Kommission.de/Presse-Info/Regierungserklaerungen/pdf/reg_000322. abrufbar unter www. um der „Erosion regionaler Handlungsspielräume“ 283 durch immer weitere Kompetenzerweiterung der europäischen Ebene entgegenzuwirken und diese wiederzugewinnen.asp?id=12718. 2. Beck: „Die Rechte der Bundesländer müssen in die EU-Verfassung“. abrufbar unter www. Allen Konzepten der Bundesländer ist die zentrale Forderung nach einer verfassungsmäßigen Kompetenzabgrenzung zwischen den Regionen und der Europäischen Union gemeinsam. sowie G. S.

.110 B. 287 Gleichzeitig betonten die meisten der genannten Akteure. 9. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung gezeigt. „Eine ‚starke Kommission‘ müsse ihre Kraft aus einem ‚neuen Verhältnis mit den anderen Institutionen‘ schöpfen. ders. Hänsch. Nur einheitliches Handeln. sondern beispielsweise auch von kritischen Stimmen wie J.fi/english/speech/20001110e. Rede vor dem Europäischen Parlament am 17. Prodi. umfassend auch S. welches auf dem institutionellen Dreieck der Gemeinschaftsmethode beruhe. ebenda sowie K. Delors. 289 Die Bedeutung des Begriffs „Föderation“ wurde vor diesem Hintergrund nicht mehr ausschließlich von Verfassungsbefürwortern benutzt.de/europa/01lvkvjf/102LV/haensch. November 2000. Rede vom 21.int/comm/igc2000/dialogue/info/offdoc/index_de.htm. Brügge. 2000.shtml. dass sie damit weder für die „Staatswerdung Europas“ noch etwa für einen „europäischen Superstaat“ plädierten.europaweb. abrufbar unter europe. . abrufbar unter www. 2000. Ziel und Zukunft der Einigung Europas. dass keiner der benannten Spitzenpolitiker – unabhängig von seiner Meinung zur Konstitutionalisierung der Europäischen Union – einen ‚Superstaat Europa‘ errichten wollte. Juni 2000. 288 Einmal mehr sollte der Hinweis folgen. 288 Vgl. war die Kommission von „ausschlaggebender Bedeutung“. Verhofstadt. 289 Vgl. der die Prioritäten der Union festlege und zusammen mit dem Parlament als Gesetzgeber fungiere (vgl. Juni 2001.europadigital. als es ein Leitbild der „Union der Staaten und Bürger“ benannte. Effizienz. Welche Zukunft für welches Europa? Rede am 24.htm. Zumal die vehementesten Befürworter einer Verfassung wie Fischer oder Rau sich ausdrücklich von einem Europa á la Bundesrepublik distanzierten und mittels der Staatenkammer und dem Kompetenzkatalog Zentralisierungshindernisse in ihr Konzept mit einbauten bzw.de/aktuell/dossier/reden/verhofstadt. G. A Vision of Europe. 3. die den Ministerrat und das Parlament als wirklich gleichberechtigte Legislativen vorsehen sollte. 2001. S. S.be/About_The_EPC/EPC_Documents/Communications_Doc/305. Nach G. sogar die Renationalisierung einzelner Politiken befürworteten. damit in Zukunft nicht mehr die größeren über die kleineren Staaten dominieren könnten. Legitimität“ nur mit der Gemeinschaftsmethode gewährleistet werden.theepc. 30 f. würde auch in Zukunft zu Ergebnissen führen. 287 So im Bericht des Europäischen Parlaments zu der Konstitutionalisierung der Verträge. 9. Januar 2001. abrufbar unter www. Rede des belgischen Ministerpräsidenten v. abrufbar unter www. Verhofstadt. A Vision of Europe. Die Debatte um eine europäische Verfassung. 10.asp ?ID=305). Für P. die Europäische Union sei eine Rechtsordnung sui generis. 2000. Volkmann-Schluck. mit einem Rat. 286 Das Parlament verfolgte wohl eine ähnliche Absicht. Die Ablehnung des Verfassungsbegriffs ist 286 R. abrufbar unter www. CAP-Working Paper. könnten „Transparenz. Dies würde auch die Gleichberechtigung jedes Mitglieds im Ministerrat nötig machen. 21. Speech at the College of Europe.htm. 17. (e) Zwischenfazit Zusammenfassend ist festzuhalten. Rede auf der Landestagung der Europa-Union Hessen.vn. Lipponen.eu.

28. Fischers Griff nach einer Europäischen Verfassung.H. . Fischer. sind vier essentielle Funktionen und Merkmale einer modernen Verfassung anzusetzen und auf den europäischen Kontext zu übertragen. dass bisher alle politischen Verfassungsentwürfe der Integrationsgeschichte gescheitert sind.und Menschenrechte) sowie die Integrations. v. Beyme. während die Verfassungsskeptiker die Europäische Union vorrangig als Wirtschaftsgemeinschaft sahen. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 111 daher zum Teil durch „institutionalisierte Wirklichkeitskonstruktionen“ 290 bedingt: Gerade euroskeptische Regierungen verbanden mit den Begriffen „Verfassung“ und „Föderation“ immer noch die althergebrachte Vorstellung eines europäischen Superstaates.II.. Organisationsfunktion (vertikale und horizontale Gewaltenteilung). What Kind of Constitution for What Kind of Policy? Responses to Joschka Fischer. um zu „de290 K. 10 f. Mény / J. 147 v. Rede vor dem Deutschen Bundestag am 27. Juni 2000. in: C.und Identifikationsfunktion (klare Festlegung von Normen und Werten). 292 J. getrennt zudem noch durch die auffälligen Sprachgrenzen“ 291.). Chirac: Wegen ihrer „politischen.. Um diesen Widerspruch zu erklären. Ciampi sollte eine europäische Verfassung erforderlich sein. Chirac. der rechtliche Rahmen der Europäischen Union habe sich bereits weitgehend zur Verfassung entwickelt. kulturellen und sprachlichen Traditionen“ würden „auch in Zukunft die Nationen die wichtigsten Bezugspunkte unserer Völker darstellen“. dass die Legitimationsquelle der Europäischen Union nicht allein aus dem bisherigen Europäischen Parlament entspringen könne. Rede an der Humboldt-Universität Berlin. Begrenzungsfunktion (individuelle Bürger. 2000.] die unterschiedlichen politischen Nationalkulturen und deren demokratische Öffentlichkeiten. Fischer griff hier – wenn auch nicht explizit – die These auf. 292 Laut C. 2000. sich aber gleichzeitig die juristische Auffassung durchsetzen konnte. (4) Das Wechselspiel zwischen Verfassungsfunktionen und politischer Diskussion Maßgeblich für diese Untersuchung ist die Feststellung. 291 J. nämlich die Legitimationsfunktion (Berufung auf eine verfassungsgebende Gewalt und Garantie von Partizipationsrechten). 12. 61 ff. (a) Die Legitimationsfunktion als Gradmesser der (politischen) Verfassungsdebatte – das US-Modell als Vorbild? Alle Beobachter und Politiker betonten während der Debatte um eine künftige Verfassung. Andererseits forderten die meisten Verfassungsbefürworter die Vertiefung der politischen Integration. Joerges / Y. in: FAZ Nr. Weiler (Hrsg. J.H. Vom Staatenverbund zur Föderation – Gedanken über die Finalität der Europäischen Integration. Mai 2000. 67. denn ein „Faktum der europäischen Realität sind [. Ähnlich argumentierte auch J. S. S.. dass das Europäische Parlament nie die Rolle der nationalen Parlamente übernehmen könne. 6.

vgl. vgl. 297 293 C. der in seiner Humboldt-Rede das Zwei-Kammer-System nach eigenen Angaben als erster aus der politischen Szenerie auf die Agenda gebracht haben wollte 295 und diesen institutionellen Ansatz gleichwohl bald zu relativieren wusste. 296 Da es zeitlich nicht möglich sei. die Zweite Kammer dafür aus Delegierten der nationalen Parlamente bestehen. führe ein solches Doppelmandat zu einer „Schwächung des Europäischen Parlaments und seiner Kontrollfunktion“. . Ciampi. Fischer. Das Redemanuskript des Auswärtigen Amtes entspricht der im Wesentlichen frei gehaltenen Rede nur in Grundzügen. 8: „Die Quelle der Legitimation deutlich machen“. ders. Ähnlich wie in den USA sollten in der ersten Kammer die direkt gewählten Europa-Abgeordneten sitzen. FAZ. So auch J. dazu den Bericht über das Diskussionsforum am Walter-Hallstein-Institut vom 22. 6. Das US-Vorbild des Kongresses schimmerte hierbei erst schüchtern hindurch. dass die letztliche Quelle für die Legitimität der Institutionen der Europäischen Union bei den Bürgern liegt“. 4. ebenda. Lipponen und Chirac – erwähnten das Zwei-Kammer-System indes nicht ausdrücklich. Juli 2000. November 1999.112 B. dass das EP die „unterschiedlichen nationalen Öffentlichkeiten tatsächlich zusammenführt“. es fand aber nicht ein vergleichbares Echo. 296 Dem entsprang schließlich ein weiteres Konzept Fischers. Juli 2000. Rede anlässlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Leipzig. 294 J. welches er vor dem Europäischen Parlament am 6. 294 Diese „Souveränitätsteilung“ sollte sich in einem Zwei-Kammer-System manifestieren. S. Zahlreiche Abgeordnete warfen Fischer vor. Fischer folgerte daraus: „Ein europäisches Parlament muss deswegen immer ein Doppeltes repräsentieren: Ein Europa der Nationalstaaten und ein Europa der Bürger“. Andere Befürworter einer Verfassung hatten ihre Ideen über die Zusammensetzung dieser beiden Kammern im Laufe der Debatte wiederholt modifiziert. Lediglich wenige Politiker – wie Ciampi. nachdem dieser Vorschlag auf heftige Kritik in vielen Fraktionen des Europäischen Parlaments gestoßen war. 293 Eine europäische Verfassung sollte deshalb die Souveränität der EU-Bürger auf beiden Ebenen. von dem eine Kammer die Bürger und die andere die Staaten vertritt. Nach Fischers ursprünglicher Auffassung sollten die Abgeordneten der ersten Kammer zunächst „zugleich Mitglieder der Nationalparlamente“ sein. er stelle die Eigenständigkeit des Europäischen Parlaments in Frage. ohne dass sie dabei „die Identität der einzelnen Nationen auslöscht“. 295 Tatsächlich hatte J. gleichzeitig zwei Mandate „auch nur annähernd sachgerecht auszuüben“. 297 Dazu SZ. Juni 2000 mit Johannes Voggenhuber. Rau in den Namensartikeln in Le Monde und der FAZ schon im November 1999 für dieses System plädiert. MdEP und Vorsitzender des Ausschusses für konstitutionelle Fragen (Grüne): „Umfassende Demokratisierung gefordert. 8: „Rede vor dem Europäischen Parlament in Straßburg: Fischer fordert Entscheidungen über die Zukunft der EU“. 7. vgl. Fischer (2000). Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung monstrieren. der europäischen wie der nationalen. Juli 2000 darstellte. In seiner Humboldt-Rede (2000). Gegenposition zu Joschka Fischer aus dem Europäischen Parlament“. garantieren. denn nur so sei gewährleistet. S.

299 Im Zuge von Nizza plädierten auch Regierungschefs verstärkt dafür. betonte aber mehrfach. S.). 17). Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 113 Hatte Fischer in seiner Humboldt-Rede noch zwei Alternativen zur Stimmenverteilung dieser „Staatenkammer“ vorgeschlagen – das Senats.. 298 Vor allem die kleineren Länder wie Belgien und Finnland warben aus offensichtlichen Gründen für das US-Modell. den Rat und das Europäische Parlament zu den Kammern einer einzigen Legislative zu entwickeln. Die neue Europadebatte. 27.. in dem das Europäische Parlament und der Ministerrat gleichberechtigt Gesetze erlassen könnte. Hänsch auf der Landestagung der Europa-Union Hessen. „in denen das Parlament oder der Rat das letzte Wort haben“ sollten (ebenda. die kleinen Staaten müssten gleichberechtigt mit den großen Staaten repräsentiert werden. Der konstitutionelle Ausschuss modifizierte diese Forderung.II. 299 Verfechter von mehr Supranationalität forderten ein Zwei-Kammer-System. Leinen / R. die Partizipationsmöglichkeiten der Bürger durch mehr Mitspracherechte der Regionen auszuweiten.] the constitutional principle that the Union of Peoples is represented by the European Parliament and the Union of the States is represented by the Council“).und Bundesratsmodell – setzte sich ersteres in der Debatte durch.. Diese Vorschläge kamen vor allem von französischer Seite. Görlach / J. 3. März 2000. 19. dass die „Komposition. noch deutlich machte. sowie das Papier von W. 300 Laut G. Rede beim VIII Kongress der Eurochambres Berlin. Linkohr. Dok. Verhofstadt sollte im Rat die Beschlussfassung mit qualifizierter Mehrheit gefasst werden. 298 ff. 301 So beispielsweise J. und das Europäische Parlament als Vertreter der europäischen Völker. hatten sich die Positionen zwischen den Verfassungsbefürwortern mittlerweile polarisiert: Am einen Ende der Skala standen die Befürworter von mehr Supranationalität. 300 Ein drittes Modell zielte darauf ab. S. Die Kommission äußerte sich nicht explizit zu diesem Modell. Europa als demokratischer Staat. indem er die „Aufteilung in zwei Gruppen von Rechtsakten“ verlangte. Zahlreiche Abgeordnete forderten in Anlehnung an die früheren Verfassungsentwürfe aus der Mitte des Europäischen Parlamentes ein „echtes Zwei-Kammer-System“. ob die zweite Kammer den Ministerrat ersetzen würde. und zwar durch den „Ministerrat und das Europäische Parlament“ (Konstitutioneller Ausschuss: Bericht über die Vorschläge des Europäischen Parlaments für die Regierungskonferenz.. Rau. 2001. Oktober 2000). in: H. der für die gleichberechtigte Repräsentation mit einer „gleichen Anzahl von Stimmen“ in der zweiten Kammer warb (vgl. Teile des Europäischen Parlaments sahen vor. Auch Andere befürworteten in späteren Reden das Senatmodell mit je zwei Abgeordneten pro Mitgliedsstaat. Juni 2000.. Während Fischer weder ein konkretes Rollenverhältnis zwischen beiden Kammern definierte. Am anderen Ende waren die Intergouvernamentalisten auszumachen. die dem Europäischen Parlament nur eine untergeordnete Rolle gegenüber dem Ministerrat zuweisen wollten. dazu etwa die Rede von K. Nr.] therefore [. und das Europäische Parlament ein generelles Mitentscheidungsrecht erhal298 . wobei ein ständiger Rat als Beauftragter der Mitgliedsstaaten fungieren sollte. 5: „An overall equilibrium must be struck between the small and large States [. das Funktionieren und die Balance zwischen den Institutionen der Union“ die „doppelte Legitimität als eine Union der Völker und eine Union der Staaten“ reflektieren müsse. ders. in dem „alle Gesetzgebung doppelt legitimiert sein muss: Durch eine Mehrheit der gewichteten Stimmen der Mitgliedsstaaten im Rat und durch eine Mehrheit im Parlament“ (Vgl. S. Mahrhold.: A5 –0086/2000.

34 ff. 27. 302 Vgl. 303 ten ( vgl. Lipponen. Biedenkopf schlug sogar vor. aber aus der politikwissenschaftlichen Lit. CAP-Working Paper. 9). 301 So argumentierten etwa K. Das gleiche Konzept schlug auch J. 4.. Die Regionen wären demnach „angesichts ihrer besseren Vergleichbarkeit nach äußerer Größe und innerer Homogenität eine geeignetere Basis staatlicher Repräsentanz in Europa“ als die „größeren. Rede vor dem Europäischen Parlament am 4.und Begrenzungsfunktion in der Verfassungsdebatte Die wissenschaftliche und politische Debatte um die Berücksichtigung der Organisationsfunktion ist zwar mit Blick auf die Wechselwirkungen dieses Prinzips eher dürr 302. Toubon verorteten Legitimität und Kompetenzkompetenz hauptsächlich bei den Nationalstaaten. Verhofstadt betonten die „wachsende Bedeutung der Regionen“ (P. S. mit zahlreichen Nachweisen S. Europa gestalten – nicht verwalten. S. In ihrem Verfassungsentwurf vom Juni 2000 ist die „Chambre des Nations“ der Kammer der europäischen Abgeordneten deutlich übergeordnet. 4. dass das Europäische Parlament „als Bürgerkammer in allen Bereichen mit dem Rat gleichberechtigt entscheiden“ sollte (vgl. Er plädierte nicht nur für den „Ausbau des Rates zu einer europäischen Staatenkammer“ und für die „weitere Stärkung der Rechte des Europäischen Parlamentes mittels Ausweitung der Mitentscheidung“. 7). in der jeder Staat. 2001. G. 30. S. Rede am Walter-Hallstein-Institut der Humboldt Universität Berlin. Dezember 2000. Schröder in seiner Funktion als SPD-Parteichef. abstimmt“. S. erlaube die „kleinere. 21. sehr verschiedenen Nationalstaaten“ (K. Die Debatte um eine europäische Verfassung. Speech at the College of Europe in Brügge. Auch P. Ähnlich argumentierte auch E. Febr. Beide Kammern sollten „gleichwertig und gleichberechtigt entscheiden“ (J. überschaubare Einheit“ der Region den Bürgern mehr Partizipationsmöglichkeiten. ders. Die Neogaullisten A. ders. Verhofstadt. S. Juppé und J. Rede vor dem European Policy Center in Brüssel. zitiert nach dem SPD-Leitantrag „Verantwortung für Europa“. . 8). Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung (b) Organisations. S. September 2000. 2001). 12. vgl. Die Debatte um eine europäische Verfassung. eingehender S. CAP-Working Paper. dass die Zweite Kammer überhaupt nicht die Nationalstaaten vertreten solle. 10. Volkmann-Schluck. Reformen für Europas Zukunft. Lipponen und G. sowie die Regierungschefs der kleineren Staaten. September 2000. Biedenkopf in seiner Rolle als Ministerpräsident. November 2000.114 B.bayern. Rau vor: „Der Ministerrat soll zur Staatenkammer werden. April 2001. Das Europäische Paralment würde zur „Bürgerkammer“ werden. 2). Schröder. 5). A Vision for Europe. sondern forderte damals als einziger Regierungschef die „volle Budgethoheit“ für das Europäische Parlament (hier G. S. Rede in Berlin. Während vor allem in den bevölkerungsreicheren Mitgliedsstaaten der Nationalstaat nur einen „geringen Bezug zur Bevölkerung“ herstellen würden. Juni 2001. Aufgaben und Herausforderungen. Volkmann-Schluck. Europa vor dem Gipfel in Nizza: Perspektiven. gleichwohl haben sich zahlreiche Beiträge mit der Frage nach horizontaler Gewaltenteilung zwischen den Institutionen. somit auch bezüglich der Stichworte „Europäische Regierung“ und „Kompetenzkatalog“ befasst. abrufbar unter www.. Biedenkopf. Rau. April 2001. der beiden – Rat und Europäischem Parlament – ein Initiativrecht zubilligte (ders. 2001. Rede in Göttweig am 24. vertreten durch seine Regierung. Plädoyer für eine Europäische Verfassung. sondern sich aus dem Ausschuss der Regionen entwickeln könnte (ebenda (2000)). Auch W. Stoiber. 38 ff. Clement forderte. Am weitesten ging Bundeskanzler G. Die Kompetenzordnung der EU nach Nizza. Überlegungen auf französischer Seite waren diesen bundesstaatlichen Tendenzen entgegengesetzt.de/Berlin/ Veranstaltungen /Redenarchiv/?PHPSESSID=eb06875d90a340f2d38d4976). der vertikalen Gewaltenteilung. S.

S. Regionen stand und steht bis heute in zahlreichen Überlegungen an zentraler Stelle. auf welcher Ebene die unterschiedlichen Politikbereiche ausgeübt werden sollen. Ein Kompetenzkatalog stellte – neben der Grundrechtecharta – für viele die Konkretion des Verfassungsgedankens dar. Während die früheren Entwürfe des Europäischen Parlamentes darauf abzielten. Horn. 217. Aufl. in: JöR 49 (2001). die Verfassungsdiskussion in allen Mitgliedsstaaten an. 1998. Lorz. Rechtsbindung. Der Gestaltungsauftrag der Verwaltung in der Europäischen Union. So sollte die horizontale Gewaltenteilung besser organisiert werden. S.2. Gemeinsames Verfassungsrecht in der Europäischen Union. zunehmend mehr Macht auf die europäische Ebene zu übertragen. Die meisten Akteure versprachen sich von dem 303 Aus der Lit. in: JZ 1998. dass das Subsidiaritätsprinzip durch einen klaren Kompetenzkatalog gesichert werden sollte und der Übertragung von Kompetenzen verfassungsmäßige Schranken entgegengesetzt werden müssten.A. 2003. S. Das amerikanische Regierungssystem.-C. P.f)ii). Häberle.. R.II. Die Gewaltenbalance zwischen staatlichen und europäischen Organen.. Streinz. Simm. unter B. 1998. Sowohl Befürworter als auch Gegner einer Verfassung waren sich weitgehend einig. 2006.. Überlegungen zur verfassungsmäßigen Begrenzungsfunktion politischer Macht gegenüber dem Einzelnen in Form von Menschen. Europäische Verfassungslehre. 406 ff. hing jedoch – wie historisch erwartbar – von den Interessen der einzelnen Akteure ab. d. 965 ff. S. gestaltete sich die Organisationsfunktion der Verfassungsentwürfe um die Jahrtausendwende tatsächlich anders. 1996. Riedel (Hrsg.und Bürgerrechten bildeten neben der Frage der Kompetenzabgrenzung den zweiten Kernpunkt der Verfassungsdiskussion. indem die Kommission klarer der Exekutive zugeordnet würde und der Ministerrat sich auf legislative Aufgaben konzentriert hätte. 4. Aufl. H. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 115 Die Forderung nach einer eindeutigeren Zuständigkeitsverteilung zwischen Europäischer Union und Mitgliedsstaaten bzw. Mit einem Kompetenzkatalog sollte das Prinzip funktional definierter Handlungsbefugnisse zugunsten rechtsgebietlich definierter Zuständigkeiten überwunden werden. Der Gerichtshof der Europäischen Gemeinschaften im föderalen Kompetenzkonflikt. 287 ff. Brenner. welche die in den Verträgen verstreuten Grundrechte sichtbar machen sollte. h. Statt der Vielzahl von Regelungen auf EU-Ebene als Ergebnis der induktiven Vergemeinschaftung sollten bereits in Fischers HumboldtRede die Kompetenzen nach dem Prinzip der horizontalen (zwischen den Institutionen). S. . Siehe des weiteren M. 304 Vgl.. Europarecht.II. besonders aber der vertikalen Gewaltenteilung zwischen EU-Ebene und Mitgliedsstaaten geordnet werden. Aus der Perspektive der amerikanischen Bundesstaatskonzeption bereits E. 99 ff.-D. Die vertikale Gewaltenteilung. Müller-Graff / E. Über den Grundsatz der Gewaltenteilung in Deutschland und Europa. Aufl. Nicht zufällig trieb demnach die auf dem Kölner Rat vom Juni 1999 beschlossene Ausarbeitung einer „Grundrechtecharta“ 304. 2. 1962. 157 ff.. Der gemeineuropäische Bestand von Verfassungsprinzipien zur Begrenzung der Ausübung von Hoheitsgewalt – Gewaltenteilung. Zum „institutionellen Gleichgewicht“ R. 106. Fraenkel. 6. P.). S. in: P. S. Föderalismus. Kirchhof. 137 f. M.

mittels der Verbürgung von mehr Bürgernähe durch Subsidiarität. Plenarprotokoll des Deutschen Bundestages). S. Das spätere französische „Non“ und das niederländische „Nee“ zum Verfassungsvertrag sind beredter Ausdruck einer „EU-Skepsiskultivierung“. EU-Skepsiskultivierung Alle diskutierten Verbesserungen im Bereich der Legitimations-. Begrenzungsund Organisationsfunktion sollten letztlich dazu beitragen. Der europäische Verfassungsprozess – Grundlagen. Die Europäische Union als Wertegemeinschaft: aktuelle Herausforderungen. Schröder in seiner Regierungserklärung vom 19. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Menschen. Herdegen. (c) Integrations. die sich seit Maastricht nicht verringert hat. Die negativen dänischen und irischen Referenda zum Euro und zum Vertrag von Nizza wurden als Folge einer Identitätskrise gewertet. 306 So Bundeskanzler G. 13 ff. Zudem sind die „Wahrnehmungsmängel“ der bereits in den EU-Verträgen und durch die Rechtssprechung garantierten europäischen Grundrechte wohl auch entscheidende Gründe für wachsende Unzufriedenheit. Werte und Perspektiven nach dem Scheitern des Verfassungsvertrages und nach dem Vertrag von Lissabon. der Personifizierung von EU-Politik durch die Wahl eines Präsidenten. 46 der Akademie für Politik und Zeitgeschehen der Hanns-Seidel-Stiftung. Desinteresse und „EuroMüdigkeit“ der Bürger. dass Europa kein „abstraktes Großprojekt mehr ist. weil jene als „Wertegemeinschaft“ 305 identifizierbar würde. 2007. die in den letzten Europawahlen in nahezu allen Mitgliedsstaaten in bisher kaum für möglich gehaltene Wahlverweigerung umgeschlagen sind. Januar 2001 (vgl. 139 ff. Zahlreiche Beiträge zielten darauf ab. Ein weiterer wichtiger Grund für die fehlende Akzeptanz der Europäischen Union bleibt freilich – auch praekonstitutionell – die Undurchsichtigkeit der Verträge. aktuelle analysen Nr.und Bürgerrechtskatalog auch eine Verbesserung der Akzeptanz der Europäischen Union. Das Problem hatte spätestens mit der Erweiterungswoge im Jahre 2004 noch an Dringlichkeit und Umfang zugenommen.116 B.und Identifikationsfunktion: Transparenz und Bürgernähe. sowie der Verständigung über grundlegende und identitätsstiftende Werte des Zusammenlebens die Identitätskrise zu beseitigen. Nachdem die Vergrößerung der Kritisch zur „Wertegemeinschaft“ R. 2008. Streinz. 305 . der klareren Nachvollziehbarkeit von Verantwortlichkeiten. Als Indikatoren dieser Identitätskrise nannten die Politiker die steigende Europa-Verdrossenheit und die sinkende Beteiligung an den Wahlen zum Europäischen Parlament. in: Festschrift für Rupert Scholz. das sich hinter verschlossenen Türen im fernen Brüssel oder in den Köpfen einiger Technokraten abspielt“ 306. S. auch M. Vgl. Die mangelnde Identifizierung des Bürgers mit Brüssel war (und ist) für nahezu alle Verfassungsbefürworter ein zentrales Problem: Zwischen der Europäischen Union und ihren Bürgern besteht eine derart bemerkenswerte Kluft.

den die Kommission im Oktober 1999 in Auftrag gegeben hatte (vgl. November 2000. in: EuR 1996.europa. European University Institute. dass man sie als Bestandteile eines miteinander zusammengewachsenen Verbundes betrachten müsse. Abdruck seiner Rede vor der Humboldt Universität Berlin (2000). dass sich die Bürger wieder als Teilnehmer des europäischen Gemeinwesens verstehen. Pernice 309) sind bereits damit messbare Grenzen gesetzt. S. dass die Erweiterung „bei den Bürgern Sorgen und Ängste auslösen würde. Ein Grundvertrag für die Europäische Union. Als vordergründig banalste (und in der Umsetzung offensichtlich unerreichbare) Lösung dafür.Gedanken über die Finalität der europäischen Integration. unter anderem. dass man die klassisch-völkerrechtliche Sichtweise (unabhängiger Staat und internationaler Zusammenschluss) überwinden müsse. Pernice. Prodi. Die Kommission stieß deswegen die Diskussion um die „Neugestaltung der vorhandenen Texte“(vgl. Pernice entwickelte Konzeption des Verfassungsverbunds hat inzwischen hohen Bedeutungsgrad in der deutschen Debatte erlangt. 309 I. aber eben auch der Vereinigten Staaten von Amerika könnte sich auf diesem Wege ein europäischer „Verfassungspatriotismus“ entwickeln. muss es auch aus diesem Grunde einen strukturellen Neuanfang geben. 27 ff. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 117 Europäischen Union von 15 auf 27 (plus x) Mitglieder die Auflösung zuordnungsfähiger Verantwortlichkeiten noch verstärkt und somit potentiell zu europäischen „Erosionsprozessen“ führt. Dem theoretisch nicht reizlosen Ansatz eines „Verfassungsverbunds“ (I. die Rede von R. 308 Selbst eine „europäische Verbundsverfassung“ wäre dem Bürger nur schwer vermittelbar. wenn der „Zugang der Bürger zum Recht“ verbessert wird (vgl.gettxt=gt&doc=SPEECH/00 /475%7C0%7CRAPID&lg=DE) bereits in der ersten Phase der Debatte an. Europäische Union und Mitgliedstaaten sind danach rechtsnormativ in einer Weise zusammengewachsen. galt deshalb die Vereinfachung der bestehenden Verträge. weil die konstitutionellen Garantien und Grundsätze in dem über Jahrzehnte gewachsenen. Danach stehen Verfassung und Rechtsordnung des Verbands „Europäische Union“ und der mitgliedstaatlichen Verbände in einem so engen Verhältnis der gegenseitigen Verweisung. A Basic Treaty for the European Union. 2000 sowie Centrum für angewandte Politikforschung. immer komplexer gewordenen Vertragswerk und den Urteilen des EuGH für den Bürger nicht erkennbar sind. Die Dritte Gewalt im europäischen Verfassungsverbund. der gegenseitigen Anhängigkeit und der Verflechtung. EU-Rechtsordnung und . 308 Diese Überlegung resultierte aus dem Bericht der „Drei Weisen“. 29. Damit können die Verträge nicht die integrative Kraft 307 J. Nizza – und danach.eu.ksh?p_action. Rede zu den Schlussfolgerungen des Europäischen Rates von Tampere. Analog zu den Erfahrungen in der Bundesrepublik. 28. Die zwischen der EU und den Mitgliedstaaten bestehende Trennung werde durch den Prozess des konstitutiven Zusammenwachsens aufgehoben.. Die „für die Europapolitik unverzichtbare Akzeptanz“ würde sich auch laut Fischer deshalb nur dann einfinden. abrufbar unter www. Fischer. Auch unter diesem Vorzeichen stand die Forderung nach einer Zweiteilung der Verträge in Artikel mit konstitutionellem Charakter (in einem Grundvertrag) und solche mit detaillierten Ausführungsbestimmungen. auch ders.II. Fischer warnte (sic!). 2000). Vom Staatenverbund zur Föderation.int/rapid/start/cgi/guesten. Die von I. Selbst J. weil die EU noch undurchsichtiger und unverstehbarer“ 307 würde. Oktober 1999).

23. Dies mündet in ein Verfassungsverständnis. Dramatisch (und fälschlicherweise gerne gleichgesetzt mit dem vorangegangenen Gedanken) war in der Folge auch der Identitätsverlust seitens der Europäischen Union.org/reportseulaw. 20). S. 703 ff.). dass die Verträge und die EuGH-Rechtssprechung wesentliche Funktionen einer Verfassung nicht erfüllen können. 1999. Multilevel Constitutionalism and the Treaty of Amsterdam: European Constitution-Making Revisited?. So legitimieren die Verträge europäische Macht.118 B. Im Hinblick auf das Zusammenwachsen der Verfassungen müsse auch von einer einheitlichen „Verfassung Europas“ gesprochen werden. Organisation und Begrenzung europäischer Macht zur mangelnden Identifizierung der Bürger mit Brüssel bei.fide2002. dass diese Konstitutionalisierung maßgeblich vom EuGH forciert wurde. nur I. indem er dem Einzelnen Klagemöglichkeiten gegen Vertragsverstöße durch die Mitgliedsstaaten gab. Rdnr. Die Komplexität führte aber nicht nur zu mangelnder Akzeptanz und Entfremdung von der Europäischen Union. Im Übrigen steht nicht die Frage nach der Souveränität bzw.und Integrationsfunktion einer Verfassung kaum erfüllen. Grundgesetz Kommentar. Häberle) aufgehen („Mehrebenen Verfassungsverbund“. Nettesheim. Gleichzeitig ist aber auch offensichtlich geworden. I. sondern auch zu Koordinationsproblemen im politischen System selbst. vgl. sondern der Regelfall der Kooperation. Pernice. welcher bereits in den sechziger Jahren europäischem Recht Vorrang vor nationalem Recht zusprach und ein Garant individueller Rechte wurde. weil die Bürger sich nicht als Träger des europäischen Gemeinwesens verstehen. nach dem Ausnahmefall im Zentrum des Denkens von Pernice. Deutscher Bericht für die XX. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung einer Verfassung entfalten. Art. Die in der Vergangenheit immer wieder auftauchenden Konflikte zwischen dem Geltungsanspruch beider Rechtsordnungen wären damit hinfällig. womit auch die mangelhafte Organisationsfunktion der Verträge erneut angedeutet wäre. in der EUVerfassungsrecht und nationale Verfassungen aufgegangen seien. kk) Folgerungen aus vier Jahrzehnten Verfassungsentwicklung Insgesamt hat sich herausgestellt. EU-Recht und nationales Verfassungsrecht. Unter dem Strich trugen alle Defizite im Bereich der Legitimation.htm).). Die Verflechtung hätte einen Grad erreicht. in: 36 CMLRev. 1998. Es hat sich gezeigt. in der die mitgliedstaatlichen Verfassungen und die unionale Verfassung als „Teilverfassungen“ (P. zwischen zwei verschiedenen Rechtsordnungen zu unterscheiden (vgl. Dreier (Hrsg. dass das ursprünglich zwischenstaatlich konzipierte europäische Recht der anfänglichen Wirtschaftsgemeinschaft im Laufe des Integrationsprozesses immer mehr konstitutionelle Funktionsnormen entwickelt hat. in: H. denn sie leiten sich nicht vom pouvoir constituant eines souveränen Volnationale Rechtsordnung würden miteinander verschmolzen. in dessen Mittelpunkt die europäische Verfassungsgesamtheit steht. auch M. indem sie die individuellen Menschenrechte der EU-Bürger schützen. (zu finden im Internet unter www. Die Verträge begrenzen Macht. FIDE-Tagung 2002. . der es konzeptionell nicht mehr sinnvoll erscheinen ließe. vgl. Die Verträge können also die Identifikations. indem sie dem Bürger Wahlmöglichkeiten und Petitionsrechte einräumen. Pernice.

Augustin. Häberle. So war der Entwurf der Ad-hoc-Versammlung eine Reaktion auf die KoreaKrise und sollte den Übergang zu einer politischen Gemeinschaft markieren. P. Die beiden neueren Entwürfe des Europäischen Parlamentes von 1984 und 1994 entstanden. die Politik der Union demokratisch mitzugestalten. die verhindern. Bieber. 412 f. Europäische Verfassungslehre. um die Handlungsfähigkeit der Europäischen Union auch nach einer Erweiterung ihrer Mitgliederzahl zu sichern. Verfassungsentwicklung und Verfassungsgebung in der EG. 312 Zitate nach R. Der Entwurf des Parlamentes von 1994 reagierte auf die Akzeptanzkrise nach dem Maastrichter Vertrag. Auch aus diesem Defizit lässt sich schließen. S. in dem „zwischen den Mitgliedsstaaten und der Gemeinschaft sowie zwischen den Organen der EG ein sich fortwährend neu definierendes Gleichgewicht gesucht wird“. Das Volk der Europäischen Union. in: R.): Staatswerdung Europas? Optionen für eine Europäische Union. 2006. verfügen würde. Wildenmann (Hrsg. 393 ff. Die Verfassungspläne. weil sie nicht gänzlich über die nötigen demokratischen Strukturen und Voraussetzungen. Initiativen zur Konstitutionalisierung der Europäischen Union entstanden immer dann. die sie zu lösen versuchten. hatten zum Ziel. der zwar immer mehr politische Befugnisse auf die Gemeinschaft übertragen. dass eine europäische Konstitution nicht die staatlichen Verfassungen ersetzen kann.und Handlungsprobleme der Europäischen Union. dem Bürger aber kaum Gestaltungsmöglichkeiten europäischer Politik gegeben hatte. 2001 zuvor schon in: Festschrift Hangartner. die für das Funktionieren einer Verfassung unerlässlich ist. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 119 kes 310 ab und bieten dem Bürger nur unzureichende Möglichkeiten. sich im Laufe der Integration verschärften und spätestens seit Maastricht auch zur gelegentlich offenen Verweigerung der Europäischen Union (Wahlen!) umschlugen. Die Verfassungsentwicklung der Europäischen Union stellt keinen „eindeutig abgrenzbaren linearen“ Prozess dar. wenn eine innere Krise diese Probleme sichtbar machte oder wenn die europäische Integration durch Einflüsse von außen sich qualitativ veränderte. 1007 ff. diese Defizite zu lösen und die unübersichtlichen Verträge durch ein einzelnes. Erschwerend kommen die Sprachbarrieren zwischen den Mitgliedsstaaten hinzu. . wie sie üblicherweise vom Staat gewährleistet werden. „europäische Öffentlichkeit“?. Ähnlich versuchte der Herman-Entwurf von 1994.II. 1998. da sie die besonderen Bedingungen einer europäischen Konstitutionalisierung nicht genügend berücksichtigten. übersichtliches Dokument zu ersetzen. Häberle. S.. Aufl. 4. die während der Integrationsgeschichte vom Europäischen Parlament entworfen wurden. S. 311 Grundlegend P. Obgleich die Akzeptanz. waren die Verfassungsentwürfe des Europäischen Parlamentes zum Scheitern verurteilt. vgl. 312 310 Zum „Volksbegriff“ aus der Lit: A. Zu Inhalt und Kritik eines normativen Begriffs. dass eine europäische Öffentlichkeit 311 zustande kommt. ein neues Selbstverständnis der Europäischen Union nach dem Ende des Kalten Krieges zu definieren. 2000. sondern ein „mehrpoliges System“. 1991. 306 f.

in: ders. 2007. S. sieht in der Gemeinschaft einen Zweckverband und unterstreicht damit auch den Unterschied zur „Staatlichkeit als umfassender geistig-sozialer Wirklichkeit.. ders. 1 ff. „dass die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft eine Rechtsgemeinschaft der Art ist. A.. Pernice.H. in dem die nationalen Verfassungen und das europäische Primärrecht Teilelemente eines Europäischen Verfassungsverbundes bilden“. 210. 1999. Zu W..120 B. S. 149 ff. Der europäische Verfassungsverbund auf dem Weg der Konsolidierung. 1972. H.). in: Der Staat 41 (2002). Riklin. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Laut I. in: ZG 2002. der in seiner berühmten Les Verts-Entscheidung bestätigte. 2002. 119 ff.. (Hrsg.. Die Europäische Gemeinschaft. 2001. Die Europäische Union als Rechtsgemeinschaft. Wege zur Europäischen Verfassung. Die Vorzüge der europäischen Verfassung. E. Classen u. 316 Bemerkenswert äußerte sich auch der EuGH – bereits in diesem Kontext – . Der unvollendete Bundesstaat. I. 205 ff. Zwar charakterisierte schon W. Elemente einer Theorie der Verfassung Europas. 1973. Europäische Verfassungslehre in Einzelstudien. 48 (2000). dass das Primärrecht der Europäischen Union Verfassungsqualität 314 hat. dazu allgemein A.. 1319 ff. A. Hallsteins Werke dürfen zu den Klassikern des gemeinschaftsrechtlichen Schrifttums gezählt werden. (Hrsg. Peters.. Scholz. in: Festschrift für Detlev Merten. auch ders. Kilian. Europäisches Verfassungsrecht. Die Europäische Verfassung. Bd.D. 2001. 18 ff. Zur Europäischen Union als „Rechtsgemeinschaft“ R. S. Eine Verfassung für Europa – Krönung oder Kollaps der Europäische Integration?. „In einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen . in: Festschrift Steinberger. 314 Grundsätzlich zur Frage eines konstitutionellen Europas: P. S. Pernice. S. S. Europäisches Gemeinschaftsrecht. Hallstein. in: C. Häberle. dass weder die Mitgliedstaaten noch die Gemeinschaftsorgane der Kontrolle I. von Bogdandy. potenziell unbeschränkter Kompetenzfülle von Gebiets. 395 ff. 1. 4. S. S. föderal strukturiertes System bildet. S. Die rechtsdogmatische Qualifikation der Europäischen Gemeinschaften bereitete hingegen schon zur Zeit ihrer Gründung erhebliche Schwierigkeiten. S. 315 Im Zuge ihrer weiteren Entwicklung und Ausgestaltung zu einer politischen Union und „Werte-Gemeinschaft“ haben sich diese noch erheblich verstärkt. H. in: JöR. Europäische Erfahrungen und Erkenntnisse. S.und Personalhoheit“. 197 ff.. Der Visionär. 1969. 49. 1972. 359 ff. Rechtsstaatliche Anforderungen an einen Staatenverbund. Aufl. 316 W. R. a. Europäische Prinzipienlehre. Die Europäische Gemeinschaft im System der Staatenverbindungen. 2006. Ipsen. Streinz. Liber amicorum Thomas Oppermann.P. Zuleeg. Europäische Verfassungslehre. dass aber unter Zugrundelegung eines substantiell angereicherten Verfassungsbegriffs Defizite bestehen. Aufl. Pache. M. 313 ll) Die Verfassungsqualität der Gemeinschaftsverträge In der Literatur ist man sich inzwischen weitgehend einig. Hallstein die EWG als „Rechtsgemeinschaft“ und nicht lediglich als ein Bündel völkervertraglicher Rechte und Pflichten der verbundenen Staaten.“. in: JZ 2003. 767 ff. Rupp.. 315 Vgl. Anmerkungen zu einer Europäischen Verfassung. Hallstein: M. Pernice ist eine „geschachtelt konstituierte europäische Gesamtordnung“ entstanden. 313 . in: EuR 2002. vgl..). 2003.. die „ein einheitliches.

S. Meng.html). Während es sich bei der zweiten und dritten Säule um Strukturen mit rein intergouvernementaler Zusammenarbeit handelt. Sonderheft 1/2003. 11. 281 und 282 EGV. Das Recht der internationalen Organisationen – eine Entwicklungsstufe des Völkerrechts.de/jura/netlaw/pubikationen/beitraege/ss00-heintzen. die EGKS – im Jahr 2002 in die Anwendungsbereiche des EGV überführt – sowie die Euratom) bilden seit dem am 01. stehen“. die jedoch auf das jeweilige nationale Recht nur mittelbaren Einfluss haben. 317 Unentschieden blieb jedoch die grundlegende Frage. die Union (noch) mit dem herkömmlichen begrifflichen Instrumentarium des Staatsrechts oder des Völkerrechts qualifiziert werden können 318 oder ob sie sich einer solchen Einordnung konzeptuell bereits entziehen. Dadurch liegt sowohl legislative als auch judikative Entscheidungsund Regelungsgewalt gegenüber den Völkern dieser Staaten in den Händen der Europäischen Gemeinschaftsorgane. das Sekundärrecht besteht aus allen Rechtsakten. Art. etwa M. Vgl.). auch W. Heintzen. dass die Union zunächst auf mehreren.. 55 f. Nur die Europäischen Gemeinschaften sind sowohl im völkerrechtlichen Sinne als auch im innerstaatlichen Rechtsverkehr im Rahmen der Kompetenzen der EG rechtsfähig. „Verfassungs-Konvent“ und neue Konventsmethode. in der Art der Zusammenarbeit zwischen den Staaten abgestuften Gemeinschaften basiert. 1993 in Kraft getretenen Vertrag von Maastricht Untereinheiten der Europäischen Union und wurden durch diesen Vertrag ergänzt um PJZ und GASP.und Sicherheitspolitik (GASP) als zweite Säule sowie die Polizeiliche und Justizielle Zusammenarbeit in Strafsachen (PJZ) als dritte Säule.). in: Politische Studien. Die sog. Wesentlich für die Begründung dieses supranationalen Staatenzusammenschlusses ist die Übertragung von Teilen nationaler Hoheitsgewalt durch die Mitgliedstaaten auf die Europäischen Gemeinschaften. Zugleich eine Untersuchung zur Rechtsnatur des Rechts der Europäischen Gemeinschaften. ob ihre Handlungen im Einklang mit der Verfassungsurkunde der Gemeinschaft. 6 EGKS 318 317 . umfassend bereits W. Vom Dickicht der Verträge zur europäischen Verfassung? Vortrag vom 27. Herdegen. Der Europäische Verfassungskonvent – Strategien und Argumente. die auf der Grundlage des Primärrechtes gesetzt werden und ebenfalls mittelbare als auch unmittelbare Wirkung annehmen können. 38 f. Hummer. www.II. Europarecht. dem Vertrag. Aufl. Instrumente zur Verstaatlichung der Union. 53 ff. S. kooperieren. 11. Diese „drei Säulen Europas“ umfassen die Europäischen Gemeinschaften als erste Säule (Die Europäischen Gemeinschaften (die EG. 319 Zur rechtlichen Natur der Europäischen Union sei noch ergänzt. die teilweise auf die Organe der Europäischen Gemeinschaften zurückgreifen.fu-berlin. die beispielsweise im Fall der Europäischen Kommission und des EuGH auch unabhängig von nationaler Willensbildung tätig werden. vgl. bilden die Europäischen Gemeinschaften eine besondere Form völkerrechtlicher Verträge durch Ihren Charakter als „supranationale Organisationen“ und sind in ihrer rechtlichen Gestalt weltweit einzigartig (so auch M. in denen die Staaten auf der Grundlage völkerrechtlicher Verträge. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 121 darüber entzogen sind. die Gemeinsame Außen. 1986. 2000 im Rahmen des Studienganges Journalisten-Weiterbildung der Freien Universität Berlin. ob die Gemeinschaften bzw. Das Primärrecht der Europäischen Union setzt sich zusammen aus dem primären Gemeinschaftsrecht (das durch die vertraglichen Grundlagen der Europäischen Gemeinschaften gebildet wird) und den Grundlagenverträgen der Europäischen Union. 319 EuGH Slg. 2006. (Ausdrücklich anerkannt in den drei Gründungsverträgen: Art. 1979. intergouvernementale Zusammenarbeit wirkt insbesondere in den Bereichen der zweiten und dritten Säule der Europäischen Union. 8. 1339 (1365 f.

184 und 185 Euratom). S. S. (1) Ausgewählte Verfassungsattribute Die Verträge sind Verträge zwischen Mitgliedstaaten. Ipsen. 65). Bereits Ophüls verwies darauf.. 229 ff. 322 In den achtziger Jahren ging die Lehre zunehmend dazu über. 1969. Kaiser (Hrsg. Die Verfassungsrolle des Europäischen Gerichtshofs für die Integration. normativen Verfassungsbegriffs der Verfassungstheorie gedacht. sondern auf einzelne Politikbereiche begrenzt. S. Die Europäischen Gemeinschaftsverträge als Planungsverfassungen. dass sie eine Grundordnung enthielten. Ipsen. Ipsen benannte sie später angesichts der bereits mehrfach erfolgten Vertragsänderungen als „Wandelverfassungen“. Bisher sind nach der Art des Verbandes drei Verfassungstypen zu unterscheiden. Der Europäische Gerichtshof als Verfassungsgericht und Rechtsschutzinstanz. wo vom „Inbegriff des Primärrechts“ als der „materiellen Verfassung der Gemeinschaft“ die Rede ist. Planung I.). Schmitz. dass man innerhalb eines weiter gefassten Verfassungsbegriffs verschiedene Verfassungstypen unterscheidet.). 1972. S. S. Schmitz ist zuzustimmen . 320 Die Einbeziehung staatsähnlicher Verbände bedeutet demnach also keine vollständige Gleichstellung einer etwaigen Unionsverfassung mit der eines Staates. 2001. Ophüls. 322 Vgl. S.F. Als „Zweckverband“ ist ihr Geltungsbereich im Gegensatz zur Verfassung also nicht universal. Europäisches Gemeinschaftsrecht. 1983. d. 398 ff. in: J. die Verträge unter Hinweis auf ihre zum Teil verfassungstypischen Regelungsinhalte und Funktionen als Verfassung zu charakterisieren. Die EU sollte dagegen bisher augenscheinlich keine auf völkerrechtlicher Ebene rechtsfähige Organisation sein (vgl. während weitere Lehren nur für bestimmte Verfassungstypen gelten und allenfalls nach umsichtiger Anpassung auf andere übertragen werden können. dabei war durchaus an eine Verfassung i. 54. Schwarze (Hrsg. nämlich die Staatsverfassung.P. Integration in der Supranationalen Union. welche sich ursprünglich auf die Schaffung eines gemeinsamen Marktes und die damit verbundenen Wirtschaftspolitiken beziehen (sollten). S. T. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung In die Verfassungstheorie lassen sich nichtstaatliche Verbände dadurch dogmatisch einbeziehen. Unübersehbare Parallelen zwischen den Gründungsverträgen der Europäischen Gemeinschaften und einer Verfassung haben im europarechtlichen Schrifttum allerdings schon früh zu einer verfassungsrechtlichen Interpretation der Verträge geführt. – die Unionsverfassung. 1965. H. 320 T. 321 Hinsichtlich der teils erst für spätere Zeitpunkte festgelegten Integrationsschritte sprach er von „Planungsverfassungen“. 323 Anders als eine Verfassung im „klassischen“ Sinne sowie Art. H.P. ein in sich geschlossenes System.122 B.H. 64. M. 29 ff. die bundesstaatliche Gliedstaatsverfassung und – ggf. dass die essentiellen Lehren der Verfassungstheorie auf alle Verfassungstypen anwendbar sind. . Siehe bereits ders. 323 Vgl. Herdegen (2006). 321 C. das im Gemeinschaftsrecht ähnlich herrsche wie die staatliche Verfassung im nationalen Bereich. Recht und Politik der Planung in Wirtschaft und Gesellschaft. Fusionverfassung Europäische Gemeinschaften. in: J.

Laut Art. Häberles Bezug zur „Herrenideologie“ erscheint jedoch ein wenig konstruiert – bei aller zugestanden unglücklichen Wortwahl. Hobe.und Politikbereiche und die damit verbundene Übertragung ursprünglich nationalstaatlicher Kompetenzen auf die supranationale Ebene hat dazu geführt. Gleichwohl existieren Merkmale. auf weiteren Gebieten „gemeinsame Lösungen zu suchen“. Dazu gibt es einen Bürgerbeauftrag324 Kritisch freilich P. Nr. was seit „Maastricht“ mit der Unionsbürgerschaft auch auf das aktive und passive Wahlrecht bei Kommunalwahlen in jedem Mitgliedsstaat ausgeweitet wurde. 192. S. Demzufolge sei mit einigen Stichpunkten und freilich unvollständig auf einige Attribute hingewiesen. Europäische Verfassungslehre. 45. . die im staatlichen Bereich von einer Verfassung erwartet und erfüllt werden. S. und für den Kriegsverlierer Deutschland die gleichberechtigte Aufnahme in eine internationale Organisation. 245 ff.II. C. sondern leiten sich aus dem Vertragsabschluss souveräner Staaten ab. die den Verträgen partiell Verfassungsqualität verleihen. auf friedliche Weise den Kern des deutschen Wirtschaftspotentials zu kontrollieren. und theoretisch können die Mitgliedsstaaten (in einer besonderen Ausdrucksform jenes Attributes) als „Herren der Verträge“ 324 die Mitgliedschaft wieder aufkündigen. 211 EGV) und kontrolliert die Implementierung dieser Gesetze auf nationaler Ebene. Europa zwischen Zweckverband und Superstaat. 21). ebenda. S. Eingaben und Beschwerden an das Europäische Parlament zu richten. Ausgehend von diesem „kleinsten gemeinsamen Nenner“ sollten die Mitgliedsstaaten dazu gebracht werden. 1997. in: Der Staat. Dazu zählt seit 1979 das aktive Wahlrecht zu den Direktwahlen des Europäischen Parlaments. P. 48 EUV muss deshalb jede Änderung der EU-Verträge an den Anforderungen der nationalen Verfassungen gemessen und von den nationalen Parlamenten ratifiziert werden. ist der teilweise Souveränitätsverzicht der Mitgliedsstaaten durch die vertraglich festgelegte Errichtung einer supranationalen Behörde und eines Gerichtshofs. Was die EG. Fn. Häberle. Die Kommission hat das alleinige Initiativrecht für Gesetze (Art.und EU-Verträge zunächst von internationalen Verträgen unterscheidet.. In Bezug auf die Legitimationsfunktion haben die Verträge dem ursprünglichen „Marktbürger“ 326 im Integrationsprozess immer mehr Partizipationsrechte gewährleistet. 325 Bei der Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) im Jahr 1950 eröffnete sich durch diesen Souveränitätsverzicht für Frankreich die Möglichkeit. Die auf der würde des Menschen aufbauende „Bürgergemeinschaft Europas“ mache die Herrenideologie gegenstandlos (vgl.und EG-Verträge eben auch nicht aus einem – beispielsweise revolutionären – Gründungsakt einer politischen Gemeinschaft. vgl. Aufl.“ Im demokratischen Europa könne es keine „Herren“ geben. 2006. dass die Verträge wesentliche Funktionen übernommen haben. Giering. 325 Die funktionale Ausweitung der Verträge auf immer neue Wirtschafts. Die Unionsbürgerschaft nach dem Vertrag von Maastricht. 4. 32 (1993). Mit der Unionsbürgerschaft erhielt der Einzelne auch das Recht. 326 Zu diesem Begriff siehe auch S. da die Staaten „im EU-Europa ohnehin nicht mehr ‚Herren der Verträge‘ sind. 246. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 123 konstituieren sich die EU.

einer „Behinderung“. der Rasse. 195 EGV). der ethnischen Herkunft.). 5 EGV) soll garantieren. 1993. 3 EUV). 3 EUV). wenn 90 Prozent des Rates feststellen. P. 1994. dass der Ministerrat auch vorbeugend tätig werden kann. etwa H. Batliner (Hrsg. Lecheler. sondern auch aus höchstrichterlichen Leitentscheidungen. In Art. Häberle. 6. sowie in Art. der Religion“ oder „der Weltanschauung“. 7 EUV wurde so geändert.124 B. 329 In seiner Rolle als unabhängige permanente Ge327 Die Lit. Der in Maastricht geschaffene „status activus“ der Unionsbürgerschaft soll dem Bürger durch Petitions. Das Prinzip der Subsidiarität aus Sicht der vergleichenden Verfassungslehre. dass die Gefahr einer schwerwiegenden Verletzung grundlegender gemeinsamer Werte besteht. Die Subsidiarität Europas. Abs. 3 Abs. 6 EUV achtet die Union die Grundrechte. Subsidiarität. Laut Art. 328 Gleichzeitig ist die Unionsbürgerschaft aber nur als Ergänzung zur nationalen Staatsangehörigkeit gedacht: „Die Union achtet die nationale Identität ihrer Mitgliedsstaaten“ (Art. des „Alters“ oder der „sexuellen Ausrichtung“ (Art 13 EGV). Die verfassungsmäßige Begrenzung von Hoheitsgewalt zum Schutz des Einzelnen in Form von Grund.und Akzeptanzverhältnis“ zur Europäischen Union ermöglichen und so zur Integration und Identifikation beitragen. 328 Gleichzeitig ist die Unionsbürgerschaft aber nur als Ergänzung zur nationalen Staatsangehörigkeit gedacht: „Die Union achtet die nationale Identität ihrer Mitgliedsstaaten“ (Art.. S. 136 EGV werden zudem grundsätzliche soziale Rechte bestimmt.und Appellationsrechte ein gewisses „Nähe. 1993. der im Interesse der Bürger die Organe zu Stellungnahmen auffordern kann (Art. (2) Die Qualifikation der Verträge durch den EuGH – ein „europäisches Marbury vs. D. Das Subsidiaritätsprinzip – Strukturprinzip einer europäischen Union. 6. 329 Die diesbezüglichen Ansätze des französischen Conseil Constitutionnel beleuchtet J. The French Conseil Constituionnel and the constitutional . Auch das Subsidiaritätsprinzip 327 (Art. wie das Verhältnismäßigkeitsprinzip und die Rechtssicherheit. welche in der EMRK „gewährleistet sind“ und die sich aus den „gemeinsamen Verfassungen der Mitgliedsstaaten ergeben“. zum „Subsidiaritätsprinzip“ ist uferlos. Madison“ Die konstitutionellen Merkmale des bisherigen Gemeinschaftsrechts erschließen sich nicht nur aus dem Wortlaut der Verträge. dass Entscheidungen „möglichst bürgernah getroffen werden sollen“ (Präambel EUV). Dutheil de la Rochère. Dazu gehören seit „Amsterdam“ auch der Schutz vor „Diskriminierung aus Gründen des Geschlechts. Vgl. A.). Riklin / G. 169 ff. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung ten. Gleichzeitig haben sich im Laufe der Integrationsgeschichte immer mehr allgemein als „demokratisch“ bezeichnete Rechtsgrundsätze entwickelt. Abs.und Bürgerrechten ist im Prozess der schrittweisen Vertragsänderungen ebenfalls ausgebaut worden. Merten (Hrsg. in: AöR 118 (1994). Mit dem Vertrag von Nizza ist außerdem ein Frühwarnsystem eingebaut worden: Art. 2 EGV die „Gleichstellung von Männern und Frauen“.

In der vom BVerfG gewählten Beschreibung der Europäischen Union als „Staatenverbund“ drückt sich allerdings die ganze Hilflosigkeit nicht nur der Doktrin. Rodríguez Iglesias. Der Gerichtshof der Europäischen Gemeinschaften als Verfassungsgericht. B. Dauses. S. auch M. S. keinen sich auf ein europäisches Staatsvolk stützenden Staat [. Entwicklungsperspektiven der europäischen Verfassung im Lichte des Vertrags von Amsterdam. Wohin ein europäischer Integrationsprozess nach weiteren Vertragsänderungen letztlich führen soll. der als solcher aber nicht existiert. Jacobs. in: APuZ. sondern auch der höchstrichterlichen Judikatur mitgliedstaatlicher Gerichte aus. in: M. Oktober 1993 zu nennen. S. 53)..] einen Staatenverbund zur Verwirklichung einer immer engeren Union der – staatlich organisierten – Völker Europas. derzeit nicht beabsichtigt“ (BVerfGE 89. Zu ebendieser Rolle des EuGH als „Verfassungsgericht“ siehe bereits G. in: Integration. Siehe auch F. Die Dritte Gewalt im europäischen Verfassungsverbund. Pernice (Hrsg.C.. Baden-Baden 1999. 27 ff.). Pernice (Hrsg. in welchem das BVerfG den Gründungsvertrag der Union sowie die Europäische Union selbst mit folgenden Worten qualifiziert: „Der Vertrag begründet einen europäischen Staatenverbund.A. 215. der von den Mitgliedstaaten getragen wird und deren nationale Identität achtet. Hitzel-Cassagnes.. 88).].. 1999. in: EuR 1992. 330 Vgl. Jedenfalls ist eine Gründung ‚Vereinigter Staaten von Europa‘.]. Der Europäische Gerichtshof: Ein europäisches ‚Verfassungsgericht’?.. 225 ff. Die Rolle des EuGH als Verfassungsgericht der EU. mag in der Chiffre der ‚Europäischen Union‘ zwar im Anliegen einer weiteren Integration angedeutet sein. vgl. (Rdnr. der Union – nicht einmal für die Verwirklichung der Wirtschafts.II. Entwicklungsperspektiven der europäischen Verfassung im Lichte des Vertrags von Amsterdam. 215 ff. Gleichwohl ist (trotz inflationärer Literatur) in diesem Zusammenhang die „Maastricht“-Entscheidung des BVerfG vom 12. S. Kloepfer / I. . täuscht er doch – allerdings nur auf der semantischen Ebene – einen (vermeintlichen) Konsens in der (völkerrechtlichen) Lehre der Staatenverbindungen über die rechtliche Qualität der Europäischen Union vor. 52 –53/2000. Das BVerfG hat verschiedentlich untechnisch von einer Gemeinschaftsverfassung gesprochen. Der Begriff „Staatenverbund“ stellt in diesem Zusammenhang (und bis zur wegweisenden Ausgestaltung durch I. 56 ff. 330 Dieser Konstitutionalisierungsprozess durch den EuGH ist gekennzeichnet durch zwei Grundprinzipien: Die direkte Wirkung des EG-Rechts auf den Bürger und der Vorrang der europäischen Rechtsordnung gegenüber den Mitgliedstaaten. 33. statt vieler Aufsätze ders.). development of the European Union. Kloepfer / I.. A new Constitutional Role for the European Court of Justice in the next decade?.G. bleibt im gemeinten Ziel letztlich jedoch offen. er betrifft die Mitgliedschaft Deutschlands in supranationalen Organisationen. 4/1994. Der Unions-Vertrag begründet [. in: EuR 1996. Pernice. die der Staatswerdung der Vereinigten Staaten von Amerika vergleichbar wäre. 155 ff. der unter Umständen zu Formen föderaler Staatlichkeit führen könnte. sondern sieht auch für die weitere Ausgestaltung der Gemeinschaften bzw. S. 43 ff. in: M. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 125 richtsinstanz für die Wahrung des Gemeinschaftsrechts hat der EuGH als „Markstein“ rechtsschöpferischer Gerichtsbarkeit das Gemeinschaftsrecht von der völkerrechtlichen Grundlage der Verträge gelöst und seine Prinzipien in Richtung auf eine Verfassung entwickelt. S.. 51. nicht eine Zugehörigkeit zu einem europäischen Staat [. zur verfassungstheoretischen Einordnung der Verträge aber bislang nicht Stellung genommen.) geradezu den Schulfall einer „semantischen Leerformel“ dar. Damit verwirft das BVerfG nicht nur (für den damaligen Integrationsstand) jedweden Staatsbezug..und Währungsunion – „keinen in seinem Selbstlauf nicht mehr steuerbaren ‚Automatismus‘“ (BVerfGE ebenda.. T. die hybride Rechtsnatur der Europäischen Union auch nur einigermaßen exakt zu beschreiben. Rdnr.

. in: Transit 1999 (17). die in den Vertragstexten begründet sind.. wenn auch in begrenztem Rahmen. S. sondern – wie ein Verfassungsgericht – auch ein „Gralshüter“ jener Rechte und Freiheiten der EGBürger. der für sie und ihre Angehörigen verbindlich ist. sondern auch unmittelbar für deren Bürger gilt. Weil die Verträge selbst keinen Grundrechtskatalog besitzen. Preuß. Rs. 57 f.A. 332 331 . 26/62.126 B.] Souveränitätsrechte beschränkt und so einen Rechtskörper geschaffen. Van Gend & Loos hatte sich der EuGH 1963 mit der Rechtsnatur der EWG und deren Gründungsvertrag auseinander zu setzen gehabt 335 und dabei statuiert. So auch M. Internationale Handelsgesellschaft) auf die gemeinsamen Überlieferungen der Mitgliedsstaaten und der EMRK. 1251. 335 Vgl.. in: Politische Studien. 334 Die Organe müssen demnach bei der Gesetzgebung. Sonderband 1/2003. Rs. Slg. hierzu sowie zu den weiteren relevanten Ansätzen des EuGH W. 1963. zu deren Gunsten die Staaten. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Der EuGH entschied bereits 1963 in der berühmten Rs.] haben die Mitgliedsstaaten ihre [. integrierte der EuGH eine „Grundrechtsdoktrin“ in seine Rechtssprechung. 215. Costa/ENEL. 6/64. S. Van Gend & Loos. die Mitgliedsstaaten bei der Umsetzung von EG-Recht diese Menschenrechte beachten. Gemeinschaftsrecht vor ihren jeweiligen nationalen Gerichten einzuklagen.“ 333 Mit dieser Rechtssprechung wurde den Verträgen Vorrang vor nationalem Recht verliehen. ihre SouveVgl. 1964. dass EGRecht anders als in internationalen Organisationen nicht nur für Staaten. indem spezifischen europäischen Freiheiten des Einzelnen gegen Eingriffe der Mitgliedsstaaten Schutz erwuchs. 333 EuGH. indem er den Bürgern die Möglichkeit gab. das nur wechselseitige Verpflichtungen zwischen den vertragsschließenden Staaten begründet“ sowie „dass die Gemeinschaft eine neue Rechtsordnung des Völkerrechts darstellt. Auf der Suche nach Europas Verfassung. „dass die Organe und Mitgliedsstaaten die Grenzen der ihnen übertragenen öffentlichen Autorität nicht überschreiten“ (so U. Hummer... berief sich der EuGH seit 1970 (Rs.] auf die Gemeinschaft [. 154 ff. Auch ohne Grundrechtskatalog gab es also genügend Mechanismen. „Verfassungs-Konvent“ und neue Konventsmethode.. Costa/ENEL: „Mit der Übertragung von Hoheitsrechten [.. 155).K.. 1141 ff. die sicherstellen. Dauses (1994). EuGH.. Mit der Ausweitung der Klagemöglichkeit auf Einzelpersonen und Unternehmen ist der EuGH nicht mehr nur „Kontrollorgan der Staaten und der Gemeinschaftsorgane“. 334 Ebenfalls in der Rs.. 54 ff. 1 ff. S. Van Gend & Loos. 331 Die nationalen Gerichte müssen demnach EG-Recht unabhängig von der jeweiligen Gesetzgebung in den Mitgliedsstaaten anwenden. 332 Den übergeordneten Charakter des EG-Rechts vor nationalem Recht bestätigte der EuGH kurz darauf in der Rs. 24. S. Slg. S. dass der EWG-Vertrag „mehr ist als ein Abkommen. welche über die im EWG-Vertrag vorgesehenen wirtschaftlichen Freiheiten und den Schutz vor Diskriminierung aufgrund der Nationalität hinausreichte. Um dieser verfassungsmäßigen Begrenzungsfunktion von Hoheitsgewalt auch auf der Ebene der Europäischen Union gerecht zu werden.

Partí écologiste „Les Verts“/Europäisches Parlament. S. 340 Im Gutachten 1/91 qualifiziert der EuGH den EWG-Vertrag (kontrastierend zum EWR-Vertrag) wie folgt: „Dagegen stellt der EWG-Vertrag. in der er den EWG-Vertrag explizit als „die Verfassungsurkunde der Gemeinschaft“ bezeichnet. 1339 ff. Costa / ENEL diesen Gedanken der Eigenständigkeit der Rechtsordnung der EWG weiter fort: „Zum Unterschied von gewöhnlichen internationalen Verträgen hat der EWG-Vertrag eine eigene Rechtsordnung geschaffen [. Stilllegungsfonds für die Binnenschiff- fahrt. Gutachten 1/91 vom 14. wenngleich auch auf einem begrenzten Gebiet. So bediente sich der EuGH erstmals der Begrifflichkeit „Verfassung“ – wenngleich zunächst noch in Form eines bloßen obiter dictum – in seinem Gutachten 1/76 338. 6079 ff. ihre Souveränitätsrechte beschränkt und so einen Rechtskörper geschaffen. 25. I-3365. Slg. dass weder die Mitgliedstaaten noch die Gemeinschaftsorgane der Kontrolle darüber entzogen sind.] Denn durch die Gründung einer Gemeinschaft für unbegrenzte Zeit. Zwartveld u.. aus der Beschränkung der Zuständigkeit der Mitgliedstaaten oder der Übertragung von Hoheitsrechten der Mitgliedstaaten auf die Gemeinschaft herrührenden Hoheitsrechten ausgestattet ist. 340 EuGH. dem Vertrag. sondern auch die Einzelnen sind“.“ 341 336 337 338 EuGH.. Rs. S. Rs. mit internationaler Handlungsfähigkeit und insbesondere mit echten. im Anschluß aber bereits pointiert in der Rs. Rdnr. April 1977. C-2/88. 1 ff. Dezember 1991.J. haben die Mitgliedstaaten. vgl. „ob ihre Handlungen im Einklang mit der Verfassungsurkunde der Gemeinschaft.und Geschäftsfähigkeit. 6/64. nichtsdestoweniger die Verfassungsurkunde einer Rechtsgemeinschaft dar. 1990. 1963. 339 In der französischen Fassung: „charte constitutionnelle de base“. die mit eigenen Organen. obwohl er in der Form einer völkerrechtlichen Übereinkunft geschlossen wurde. 336 Ein Jahr später entwickelt der EuGH in der benannten Rs. S. 1977. 339 Diese Formulierung nimmt der EuGH in der Folge in der Rs. . Beschluss vom 13. Rs. EuGH. mit der Rechts.. der für ihre Angehörigen und für sie selbst verbindlich ist. S. 1141 ff.16. Slg. wo er von der „inneren Verfassung der Gemeinschaft“ spricht. S. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 127 ränitätsrechte eingeschränkt haben. eine Rechtsordnung. J. 741 ff. Les Verts. a. 1991 S. insgesamt EuGH.II. Slg. Slg. 294/83. 1986. Slg. stehen“. EWR. wiederholt deren Gründungsverträge als „Verfassungen“ zu bezeichnen und damit (gewollt oder ungewollt) eine staatsrechtliche Analogie zu ziehen. Zwartveld wieder auf und postuliert. 1964.. Van Gend & Loos. Juli 1990. 26/62. Costa/ENEL. 341 EuGH. Rs.“ 337 Dieser von ihm selbst benannte völkerrechtliche Ursprung der Europäischen Gemeinschaften hinderte den EuGH hingegen nicht. deren Rechtssubjekte nicht nur die Mitgliedstaaten. EuGH. Slg. Gutachten 1/76 vom 26.

Jacobs weist in seinen Schlussanträgen in dieser Rechtssache darauf hin. 34). „dass die Vorschriften. indem er die Zulässigkeit einer Nichtigkeitsklage damit begründet. die die Beziehungen zwischen der Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten betreffen. ob ihre Handlungen im Einklang mit der Verfassungsurkunde der Gemeinschaft. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Schließlich sucht der EuGH in der Rs. C-359/ 92 – die der Kommission in Art. Vgl. dass „weder die Mitgliedstaaten noch die Gemeinschaftsorgane der Kontrolle daraufhin entzogen sind. ohne sie allerdings näher zu begründen oder zu erläutern. 345 Zur zitierten Entscheidung des US-Supreme Courts unter B. Rdnr. T-222. Beate Weber / Europäisches Parlament. . 1994. die Schlussanträge des GA Jacobs in der Rs. Martínez fest. C-359/92. Rs. Rs. I-1093 ff. S. Deutschland / Rat. I-3694. der Union mit der bundesrepublikanischen föderalen Kompetenzverteilung nichts gemein hat. I-3712. Gutachten zum EWR-Abkommen von 1991 übernommen. C-359/92 (Fn. Andererseits ist sich der EuGH aber durchaus der Grenzen einer solchen staatsrechtlichen Analogie bewusst. Damit erkennen sowohl der EuGH als auch der Generalanwalt. Beate Weber wieder den Kontext zu seiner Formulierung in der Rs. sondern anderen Gesetzmäßigkeiten – außerhalb des Staatsrechts – folgt. 1993. stehen“. C-314/91. 2001. dass „mir eine solche Analogie zur Verteilung der Befugnisse nach der deutschen Verfassung jedoch neben der Sache zu liegen [scheint]“ (vgl. S.128 B. 344 So weist er zu dem Vorbringen der deutschen Bundesregierung in der Rs.38). Hummer (2003). 343 Im Ergebnis hat der EuGH die verfassungsrechtliche Sichtweise zunächst durch seine kontinuierlich rechtsstaatlich-staatsanaloge und systembildende Rechtsprechung gefördert und schließlich mit der Entscheidung Les Verts von 1986 und dem 1. Auch der Generalanwalt F. Rdnr. dem Vertrag. 344 Insgesamt lässt sich mit Blick auf die Leitentscheidungen des EuGH (insbesondere 1963 und 1964) und angesichts der Parallelen zu den US-Entwicklungen von einem „europäischen Marbury vs. Slg. dass die „vertikale Kompetenzverteilung“ im Sinne einer (bloßen) „begrenzten Einzelermächtigung“ mit final ausgerichteten Organkompetenzen zwischen den Mitgliedstaaten der Gemeinschaften bzw. nicht die gleichen sind wie diejenigen. II-2823.. auch W. 342 EuGH. 327 und 329/99.39). S. 342 Im Übrigen stellte auch das EuG in der Rs. Slg. Rs. S. Rdnr.2b)aa). Slg.G.IV. I-3681 ff. dass der Gründungsvertrag der EG als „Verfassungsurkunde“ der Gemeinschaft zu erachten ist. S. die den Bund und die Länder miteinander verbinden“ (EuGH. Zwartveld. S. die in einem Bundesstaat wie der Bundesrepublik Deutschland dem Bund gegenüber den Ländern zustünden“ – darauf hin.8. 48. verb. Rdnr. 57 f. 9 der allgemeinen Produktsicherheitsrichtlinie (1992) eingeräumte Befugnis stehe „in Widerspruch zu der Verteilung der Befugnisse zwischen den Gemeinschaftsorganen und den Mitgliedstaaten“ und gehe damit „über die Befugnisse hinaus.. 343 EuG. Jean Claude Martínez ua / Europäisches Parlament. Madison“ 345 sprechen. vor allem was einen eventuellen „föderalen“ Charakter der vertikalen Kompetenzverteilung zwischen den Gemeinschaften und ihren Mitgliedstaaten betrifft.

351 Bezug nehmend auf die klassische „Drei-Elemente-Lehre“ des Völkerrechts für das Vorliegen eines souveränen Staates wird behauptet. Fischer. Rechtsfragen der europäischen Einigung. 23 ff. General Theory of Law and State. Griller (2003). in: W.). S. 347 346 . Einem sehr allgemeinen Ansatz folgend liegt der Unterschied zwischen Staatenbünden und Bundesstaaten grundsätzlich im Ausmaß der Zentralisierung bzw. in: W. Beitrag zur Problematik des dualistischen Rechtsdenkens in der internationalen Jurisprudenz. J. Hummer (Hrsg. 3 ff. Die Lehre von den Staatenverbindungen. 2003. auch S. Kunz. Der „Sui Generis-Charakter“ der EU und die Konsequenzen für die Verfassungsoptionen. 2003. S. Ansichten österreichischer Europarechtler zu aktuellen Problemlagen. Bindschedler. Griller. 330 ff.. Letzteres ist wiederum maßgeblich für die föderale Ausgestaltung und die Gewaltenbalance in diesem Verbund. Ein Beitrag zu der Lehre von den Staatenverbindungen. Die Staatenverbindungen. 350 Selbst das Abgrenzungskriterium der „Kompetenz-Kompetenz“ stellt keine plausible Trennlinie dar. „VerfassungsKonvent“ und neue Konventsmethode. Jellinek. auch S. 348 Vgl. Dezentralisierung der Aufgabenwahrnehmung. 1954. H. als dies nicht schlüssig die Existenz einer eigenen autonomen Rechtsordnung im Sinne einer „lex contractus“ 348 nach sich ziehen muss.). 350 Diese Beobachtung und Differenzierung stützt sich auf W. Hummer. 349 Klassiker etwa G. Ansichten österreichischer Völkerrechtler zu aktuellen Problemlagen. Der Europäische Verfassungskonvent – Strategien und Argumente. 1882. Hummer (Hrsg. nicht aber für die Selbstständigkeit gegenüber Dritten. P. also die Unabhängigkeit von Dritten entscheidend. Die Europäische Gemeinschaft im System der Staatenverbindungen. 56. R. Kelsen. S. siehe auch A. wobei die Grenzen aber fließend sind. 1972. Denn völkerrechtlich ist die souveräne Selbstbestimmung. 1929. S. die aus völkerrechtlicher Sicht das Kriterium für den Bestand einer „Staatsgewalt“ darstellt. Vielmehr seien die Kategorien der Allgemeinen Staatslehre sowie der Lehre von den völkerrechtlichen Staatenverbindungen 349 flexibel genug. Die EU – eine autonome Rechtsgemeinschaft? Gleichzeitig ein „Verfassungs-Konvent“ und neue Konventsmethode. Paradigmenwechsel im Europarecht zur Jahrtausendwende. Ein Versuch der Entmythologisierung des Verfassungsstreits. 26 ff. 1949.II. Instrumente zur Verstaatlichung der Union. S. nicht aber. um auch eine Einordnung der Europäischen Union nach herkömmlicher Terminologie vornehmen zu können. ob innerhalb der Staatenverbindung die „Kompetenz-Kompetenz“ bei der zentralen oder bei den dezentralisierten Einheiten liegt. Vgl. Sonderheft 1/2003. 351 Vgl. dass der EU eben jene drei Elemente fehlen würden: Im Sinne eines „dualistischen Rechtsdenkens“. Paradigmenwechsel im Europarecht zur Jahrtausendwende. 53 ff. eines staatsrechtlichen Bundesstaates 347 angesiedelten gegenwärtigen Hybridform als Gebilde „sui generis“ insoweit entgegengetreten. Riklin.L. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 129 (3) Völkerrechtliche Qualifikationen Neuerdings wird der herrschenden Qualifikation 346 einer zwischen den beiden Polen eines völkerrechtlichen Staatenbundes bzw. in: Politische Studien.

Griller. eine „subjektive Bekenntnisgemeinschaft“ im Sinne einer „Nation“. − Zuletzt fehle ihr auch die Staatsgewalt. 14: „Warum die Festlegung dieses Gebiets in der ‚Staatsverfassung‘ nicht unter Bezugnahme auf die räumliche Abgrenzung seiner territorialen Untergliederungen. 3 EUV) und Selbstständigkeit. Bezüglich des Staatsgebietes stellt das Völkerrecht nur auf den Bestand eines gesicherten Raumes ab. ebenda. Instrumente zur Verstaatlichung der Union. möglich sein soll – etwa in Form von Art. Der Europäische Verfassungskonvent – Strategien und Argumente. 354 352 Die folgenden völkerrechtlichen Begründungsansätze lehnen sich an W. 24 EUV mehr und mehr Handlungsfähigkeit und damit (partielle) Rechtspersönlichkeit im Völkerrecht zu. sondern gem. 354 Bezüglich der damit zusammenhängenden. Art. Hummer. S. auf dem das Staatsvolk seine Herrschaft ausüben kann. 1996. Art. 353 Hierzu auch S. 53 ff. Alle diese Einwände lassen jedoch nicht zwingende Argumentationslinien erkennen. sondern nur ein gem. dass es nur auf die souveräne Selbstregierung und rechtliche Unabhängigkeit ankommen könne. 21. Im Wesentlichen ist die noch fehlende „Staatsqualität“ des (völkerrechtlichen) Staatenbundes Europäische Union auf den mangelnden Staatsgründungswillen ihrer Mitgliedstaaten zurückzuführen und weniger auf die fehlende hinreichende Staatsgewalt oder die in den Gründungsverträgen enthaltenen Garantien für die einzelstaatliche Identität (Art. nicht aber darauf. da das Gewaltmonopol nach wie vor bei den Mitgliedstaaten liege. 56 an. 3 B-VG: ‚Das Bundesgebiet umfasst die Gebiete der Bundesländer‘ – bleibt unerfindlich“. 189 EGV nur die „Völker der in der Gemeinschaft zusammengeschlossenen Staaten“. 353 Und betreffs der fehlenden Staatsgewalt wurde vorstehend schon ausgeführt. IEF Working Paper Nr. − Des Weiteren sei der Europäischen Union kein Staatsgebiet zuzuordnen. S. wie die Wahrnehmung der Staatsgewalt in der Staatenverbindung intern aufgeteilt ist. Im Inneren wachse „der Union implizit vor allem über den bereits durch sie selbst mehrfach erfolgten Vertragsschluss mit Drittstaaten gem. 17 EGV nur Unionsbürger und es existierten gem. zwischen einer „Innensicht“ im Sinne einer „Autostereotypisierung“ und einer „Außensicht“ im Sinne einer „Heterostereotypisierung“. Sonderheft 1/2003. etwa der Länder einer bundesstaatlichen Organisation. in: Politische Studien. hinsichtlich des ‚Außenaspektes‘ muss ein in der Literatur .. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung − So habe sie bereits kein Staatsvolk. Art. 6 Abs. sondern rekurriert auf die Bevölkerung als Anzahl sesshafter Menschen. 352 Hinsichtlich der Existenz eines „europäischen Volkes“ verlangt das Völkerrecht kein homogenes Staatsvolk bzw. Ein Staat ohne Volk? Zur Zukunft der Europäischen Union. aber kein einheitliches europäisches Staatsvolk.130 B. 299 EGV über die territoriale Souveränität ihrer Mitgliedstaaten umschriebener räumlicher Geltungsbereich ihres Gründungsvertrages. „Verfassungs-Konvent“ und neue Konventsmethode. dogmatisch ebenfalls bestrittene Völkerrechtssubjektivität der Europäischen Union unterscheidet W. Hummer (2003). Art.

Siehe auch P. unter B. Europäische Demokratie.II.w. in: O. 269 ff.M. verfassungstheoretischen Perspektive ist dies nicht unproblematisch. S. Diese „Heterostereotypisierung“ der EU als eigenständige Rechtsperson durch dritte Völkerrechtssubjekte wird mit zunehmender Verdichtung der Außenbeziehungen der EU immer wahrscheinlicher und würde die EU diesbezüglich „von außen“ in Zugzwang bringen. (Hrsg. Bleckmann.. M. S. S. Band 2. 25.). Festschrift für U. Pernice. D. (Hrsg. Van Gend & Loos. Rs. Everling. 1997. in: JZ 2001. wie denn die Staatengemeinschaft als solche die EU als „internationalen Akteur“ sieht. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 131 (4) Konstitutionelle Defizite der Verträge Der „Komplementärverfassungscharakter“ der Verträge birgt jedoch auch konstitutionelle Mängel. nur A. Die Europäische Unionsgrundordnung im Schatten der Effektivitätsdiskussion.. S. Rupp. 355 Aus einer engen.f)nn)(2)(c). S. Drexl u. Maastricht. Unzureichend ist zunächst die Legitimationsfunktion der Verträge. ihre Handlungs. 1 ff..und damit auch Rechtsfähigkeit „nachzujustieren“. in: Die Verwaltung 29 (1993). von denen einige in der gebotenen Kürze dargestellt werden sollen. Auch das Europäische Parlament als schwächstes Organ der Gemeinschaft kann wegen seiner mangelhaften Gestaltungs.] ihre Souveränitätsrechte eingeschränkt haben“. der es schwer hat. 738. „zu deren Gunsten die Staaten [. Vgl. 355 EuGH. 63 ff. . Tsatsos. Demzufolge kann die materielle „Verfassung“ der Europäischen Union bereits ihre integrative Kraft nicht vollends völlig vernachlässigtes Kriterium erwähnt werden. die „neue Formation öffentlicher Gewalt zu verstehen und sich selbst als Subjekt dieser Entwicklung zu erkennen“. N. 449 ff.2. Der EuGH stützte seine Urteile wie zitiert auf die Annahme. Die Rolle des Demokratieprinzips im europäischen Integrationsprozess. in: JöR 49 (2001). Staatsrechtliche und europarechtliche Aspekte. Slg. Thürer. in: Staatswissenschaften und Staatspraxis 1992. Due u.II. 53 ff. Das europäische Demokratieprinzip.und Kontrollrechte eher ein „Zaungast des eigenen Schicksals“. dass die Gemeinschaft eine „neue Rechtsordnung des Völkerrechts“ darstellt. da sich die Souveränität der europäischen Rechtsordnung nicht auf den vorrechtlichen pouvoir constituant einer politischen Gemeinschaft. Europäische Integration und Demokratieprinzip. a.). D. 358 Zur Frage der „Verfassungsfähigkeit“ der Union m.und Kontrollmöglichkeiten nur unzureichend die konstitutionelle Legitimationsfunktion übernehmen. die Europäische Union sei generell nicht verfassungsfähig 358. Der Bürger bleibt durch seine rudimentären Mitwirkungs. 57. 356 Zitiert nach U. in: AöR 120 (1995).. S. H. auch J.. nämlich der Umstand. 356 Auf dieses vielbeklagte Demokratiedefizit 357 stützt sich die Meinung. Staat und Demokratie. 1561 ff. I. Europäische Verfassung und Demokratische Legitimation.. 26/62. sondern letztlich auf die Rechtssprechung eines durch Verträge geschaffenen Gerichtshofes stützt. Demokratie in Europa. da der Bürger zwar immer mehr an die Hoheitsgewalt der Gemeinschaft gebunden ist.H. Huber.. 349 ff. Kaufmann. S. in: JZ 2000. 1999. 1963. Eine europäische Charta. 357 Vgl. 69 ff. S. a. Auf dem Weg zur Unionsverfassung. Di Fabio. seine demokratischen Mitwirkungsrechte aber primär im jeweiligen Mitgliedsstaat ausübt.. 1995.. 737 ff.

um so dem. S. Koenig. D.. 155 ff. Grimm das Fehlen einer gemeinsamen Sprache. was es „relativ homogen – geistig. Denn die Unionsbürger orientieren sich bei der Wahl der Abgeordneten an Präferenzen.und Interessensdiskurse dominieren. 361 Hiergegen ließe sich anführen. Oktober 1993 (BVerfGE 89. Bundesländer und jeweiligen nationalen Parlamente. politische Parteien. wäre die durch eine europäische Verfassung vermittelte Legitimation nur eine „Scheinlegitimation“. sondern auf der Basis eines der Pluralität verhafteten Europabildes das „Recht zum Anderssein“. Ist die europäische Union verfassungsfähig?. Unter dieser Prämisse könnte selbst die Stärkung der legislativen Rechte des Europäischen Parlaments dieses Defizit nicht verringern. 271). durch das der öffentliche politische Diskurs an nationale Grenzen gebunden bleibe. S. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung entfalten. Nur innerhalb der Mitgliedsstaaten könne sich das „Staatsvolk in einem von ihm legitimierten und gesteuerten Prozess politischer Willensbildung entfalten und artikulieren“. in dem die Bürger ihre Konflikte austragen könnten. also z.. den Nationalstaat zu ersetzen. h. dass ein Grundaxiom der europäischen Idee gerade nicht die Homogenität eines Staatsvolks. während im europäischen Raum abseits der Öffentlichkeit geführte Fach. Probleme zu lösen. 268 ff. in: DÖV 1998.). 359 Als größtes Hemmnis der Bildung eines europäischen öffentlichen Raumes. 361 In die gleiche Richtung zielte auch das BVerfG in seiner „Maastricht“-Entscheidung vom 12. Grimm (1995).] rechtlichen Ausdruck zu geben“. sondern ergibt sich aus ihrem output.. weil die Bürger sich nicht als Mitträger des durch sie konstituierten Gemeinwesens verstehen. heterogenen Gemeinschaft erfolgt weniger durch eine politische Gesamtwillensbildung nach parlamentarischem Muster. neue Hoheitsbefugnisse zu schaffen. durch Wahlen. Wichtig wäre es deshalb. 360 Deshalb könne der zum Funktionieren einer Verfassung unerlässliche demokratische Willensbildungsprozess nicht zustande kommen. Grimm. S. 581 ff. bezeichnet unter Anderen D. in: JZ 1995. Ziel einer europäischen Verfassung wäre deshalb nicht. 581. Die Legitimität einer solchen primär funktionellen. die „Garantie für Vielfalt“ und die „Selbstbestimmung des Individuums“ die erforderlichen Prämissen bilden. B. sondern das 359 Vgl. die Union handlungsfähig und Kanäle zur Interessensdurchsetzung nutzbar zu machen. sondern durch die Bereitstellung verschiedener Beteiligungsmöglichkeiten auf den politischen Prozess wie Interessensgruppen. sozial und politisch –verbindet [.132 B. d. S. Eine konstitutionelle Neugründung der Europäischen Union würde zwar den Organen die Fähigkeit geben.. . 360 D. ist das wichtigste Legitimitätskriterium der Europäischen Union nicht input-definiert. der Leistungsfähigkeit und Effektivität. Braucht Europa eine Verfassung?. die sich „sachlich in den nationalen nach wie vor segmentierten öffentlichen Meinungen widerspiegeln“ (so C. Da diese Kompetenz-Kompetenz aber nicht von einer Art europäischem Staatsvolk legitimiert wäre. 587. EU-Organe. 591. Da die supranationale Gemeinschaft gerade ihrer dem Nationalstaat gegenüber höheren Problemlösefähigkeit wegen gegründet wurde.

Die Kompetenzen innerhalb der Europäischen Union sind allerdings willkürlich aufgelistet (vgl. 13 EGV: Der Rat kann auf Vorschlag der Kommission und nach Anhörung des Parlaments einstimmige Vorkehrungen treffen. welche Bereiche nur teilweise zur Union gehören oder nur von dieser koordiniert werden und welche Politiken noch rein zwischenstaatlich gemacht werden. Die Entstehung einer europäischen Verfassungsordnung. um diese Diskriminierungen [. käme es zum Konflikt mit allen anderen Verfassungen. 364 Weil der EuGH sich in Bezug auf die Menschenrechte gerade nicht auf die autonome Rechtsordnung der Europäischen Union. 363 Auch die tatsächliche Begrenzungsfunktion der in den Verträgen festgelegten Grundrechte ist beschränkt. Fundamental Rights and the Reach of EC-Law. kann es hier zu Konflikten mit diesen Grundrechtskatalogen kommen. und erst seit Amsterdam gibt es einen sehr schwerfälligen Sanktionsmechanismus. S. Zwar sind in Art. 7 und Art. Pernice. Art. in: JöR 48 (2000). 3 EGV) und stimmen nicht mit der Systematik der Art. denn die Verfassungen der Mitgliedsstaaten verbürgen wegen ihrer kulturellen und geschichtlichen Entstehungsbedingungen unterschiedliche Grundrechte. De Búrca. 13.. noch wird eine qualitative Unterscheidung der einzelnen Politiken vorgenommen. ist im Vertrag von Maastricht sogar in die Präambel aufgenommen worden. 301. 362 Ein weiteres Defizit der Verträge ist bei der Organisationsfunktion zu sehen. 189 ff. Der europäische Verfassungsverbund auf dem Weg der Konsolidierung. laut dem die Mitgliedsstaaten alle zur Erfüllung ihrer Verpflichtungen beitragenden Maßnahmen ergreifen müssen. 363 Vgl. 2000. 23 –188 EGV überein. S.. Eine klare Abgrenzung der Kompetenzen und Normenhierarchie legen die Verträge allerdings nicht fest. Vor dem EuGH haben Einzelpersonen kein Klagerecht.). in welchen Politiken die Union tatsächlich verantwortlich und entscheidungsbefugt ist. sowie deren Befugnisse und Aufgaben festgelegt. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 133 Ineinandergreifen von nationalem und europäischem Verfassungsrecht und einer auf verschiedenen Ebenen ruhenden geteilten Souveränität. I. 365 Der Beitritt der Europäischen Union zur EMRK kann dieses Problem formell und in enger 362 Vgl. Es wird weder klargestellt. sowie die Aufsatzsammlung bei J. . Schwarze (Hrsg. 365 Hierzu G. welche Normen Verfassungsrang haben und welche sich davon ableiten. S. 283 ff. in: Oxford Journal of Legal Studies. zu alledem Centrum für angewandte Politikforschung. 2000. Ein wesentliches Organisationsprinzip der Europäischen Union. 205 ff. Zwar wird die vorrangige Stellung des Vertragsrechts in Art. Ein Grundvertrag für die Europäische Union. Das Ineinandergreifen von nationalem und europäischem Verfassungsrecht. 10 EGV deutlich.] zu bekämpfen. 3/1993. Es bleibt unklar. EGV die Organe und Ausschüsse der Gemeinschaft. Würde der EuGH beispielsweise das in der irischen Konstitution vorgesehene Abtreibungsverbot in seine Rechtssprechung mit einbeziehen. 364 Art.II.. sondern auf die Verfassungstraditionen der Mitgliedsstaaten beruft. die Subsidiarität.

Weiler.H. 366 Dem Einzelnen ist es bereits deshalb nicht möglich. 2001. 1999. Die derzeitigen Gründungsverträge der Europäischen Union erfüllen diese Anforderungen offensichtlich nicht. Weiler spricht in diesem Zusammenhang von einem „selfreferential legal universe“. die als solche nicht in einem Zusammenhang mit der Tätigkeit der Union stehen. welche selbst für Fachleute gelegentlich diffus erscheint. hierzu ausführlich T. Um heute in dem um die Union erweiterten politischen Gesamtsystem das sicherzustellen.und Identifikationsfunktion. J.H. Vgl. S. 190. So sind die demokratischen Rechte des Bürgers nur schwer in den Verträgen erkennbar. was früher in den Mitgliedstaaten gegeben war. Schmitz. Zudem kommt erschwerend die komplizierte Sprache des Rechts und die geringe Präsenz des EuGH im Bewusstsein der Bürger im Vergleich mit anderen EU-Institutionen hinzu. die in Europa zu erheblichen Teilen bereits eingetreten ist.134 B. Der Streit um die Verfassung der Europäischen Union erhält durch eine unvermeidliche Nebenfolge der Integration. welches ihre Funktionsdefizite ausgleicht. da der Konvention nur Staaten beitreten können. J. seine vertraglich verbürgten Rechte umfassend wahrzunehmen. aber auch bei materiellen Verfassungsgrundsätzen und sogar bei nationalen Verfassungsspezifika. da sie in einem Jahrzehnte langen Prozess an verschiedensten Stellen immer wieder eingefügt und ergänzt worden sind. Durch diese Entwicklung wird die Integrationsfunktion der Verfassungen beeinträchtigt. müssen die nationalen Verfassungen durch ein Pendant auf der Ebene der Union ergänzt werden.H. 374 ff. zudem wird ihre Autorität gegenüber den ihr unterstellten Akteuren durch abweichende Vorgaben aus einer anderen Rechtsordnung punktuell durchbrochen. 367 Dieser „graduelle Bedeutungsverlust der Verfassungen der Mitgliedstaaten“ zeigt sich insbesondere auf dem Gebiet der Grundrechte. The Constitution of Europe. 367 366 . Jahrhunderts gestützt hat. S. und die Europäische Union ist – wie der EuGH 1994 bestätigte – kein Staat. Integration in der Supranationalen Union. weil er sie kaum erkennen kann. die nicht mehr ihrer Autorität unterworfen sind. Das markanteste Defizit der Verträge liegt allerdings bei der Integrations. denn in ihrem territorialen Wirkungskreis entfalten sich Kräfte. besonderes Gewicht: Zwangsläufig büßt die nationale Verfassung einen Teil ihrer politischen Steuerungsfähigkeit ein.H. Ähnliches gilt für die vom EuGH entwickelte ungeschriebene Grundrechtsdoktrin. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Auslegung auch nicht lösen. auf die sich gerade der moderne Verfassungsstaat der zweiten Hälfte des 20.

Tsatsos. Geburtstag am 5. 370 Am 9.C. in: NJW 2002. Prodi. Januar 2001. Am 17. M. die Debatte über die Zukunft Europas zu strukturieren“. Barnier. Persson eine insgesamt breiter angelegte und eingehendere Debatte. die Verfassungsfrage stand nicht explizit auf der Agenda..eu. Die Ratspräsidentschaft übernahm mit Schweden im ersten Halbjahr 2001 ein EU-kritischer „Kleinstaat“. Kotzur. C. in: Integration 2/2001. in der es einmal mehr um die bessere Verständlichkeit der Verträge und Strukturen der Europäischen Union. 2001: „Es ist an der Zeit. S. 370 M. Die historische Dimension. Zum 70.htm. 369 Vgl. Protokolle der Sitzungen des Europäischem Parlaments. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 135 mm) Aus der Nizzastarre zum Konvent (1) Der Post-Nizza-Prozess 368 – parlamentarische Einflusssphären Im Lichte der wenig überzeugenden Reformergebnisse des Vertrags von Nizza wurde wiederkehrend der Vorteil eines konventsähnlichen Verfahrens thematisiert. Die Verfassungsfrage der EU – Möglichkeiten und Grenzen der europäischen Verfassungsentwicklung nach Nizza. 18. Barnier konkretisierte diesen Plan in einer Rede in Brüssel und bekannte sich ausdrücklich zu dem Wort „Verfassungsvertrag“. Europa nach Nizza. 3. Stolleis. Prodi einen dreistufigen Plan über die Strukturierung der Debatte über die Zukunft der Europäischen Union vor.int/comm/igc2000/dialogue/info/offdoc/index_de. 1022 ff. 2001. Dennoch förderte Schweden die „Debatte über die Zukunft Europas“. Mai 2003. Müller-Graff. P. 2001 stellte Kommissionspräsident R. Ein wesentliches Argument für die Forderung nach einer offenen und transparenten Methode jenseits der nationalen Interessensgräben der Regierungskonferenzen war dabei regelmäßig der Hinweis auf die positiven Erfahrungen mit dem Konvent zur Erarbeitung der Grundrechtecharta.und Wertemodell entworfen hatte. 2003. Im ersten Halbjahr nach Nizza kristallisierte sich heraus. das Gleichgewicht zwischen Mitgliedsstaaten und Union sowie um die Stärkung des demokratischen Selbstverständnisses gehen sollte. Morlok / W. wie die Debatte über die Zukunft der Europäsche Union und ihre Verfassung strukturiert werden sollte. Rede vor dem Europäischen Parlament am 17.europe. s. der in nur 18 Sitzungen eines der modernsten Menschenrechtsdokumente und ein deutliches Bekenntnis der Europäischen Union zum europäischen Grundrechte. in: P. 2001 eröffneten Kommissionspräsident Prodi. Festschrift Festschrift für Dimitris Th. 371 368 Hierzu etwa M. S. 369 EUKommissar M. 1. Auf dem Weg zu einer neuen europäischen Verfassung. 1. R. Ein nationaler Beitrag zur Europäischen Verfassungsdiskussion: deutsche Erfahrungen im Post-Nizza-Prozess. Rede vor Vertretern der Region Aquitaine und Emilia-Romagna und des Landes Hessen: „Die Perspektiven der EU nach Nizza“. 257 ff. Häberle / M. Dorau. 208 ff. .II. abrufbar unter www. der Kommissar für institutionelle Fragen Barnier und der schwedische Ministerpräsident G. Der Post-NizzaProzess. S. welche auch im Internet verstärkt geführt werden sollte. Skouris (Hrsg. Brüssel. der sich eher mit dem euroskeptischen Großbritannien verbündet sah.)..

Fuchs / S. Juli 2001) ist bei M. Mitteilung von Ministerpräsident G. Popovic (2002). Januar 2001. vgl. Fuchs / S. Am Ende der zweitägigen Konferenz verabschiedete die COSAC einstimmig bei einer Stimmenthaltung einen Beitrag. in dem Schröder in seiner Funktion als Parteichef seine Vorstellungen über die Ausgestaltung der europäischen Verfassung konkretisierte (SPD-Leitantrag „Verantwortung für Europa“. M. 5 2001 in Stockholm. 2001. Einleitung. dass in Nizza die Tür zum neuen Europa aufgestoßen worden sei. S. genügte nach fester Überzeugung vieler Fachausschüsse nationaler Parlamente der Forderung nach mehr Demokratie und Transparenz der Meinungs. Am 28. 372 Jedoch gelang es auf der XXIV. S. 1. siehe dazu SZ. März 2001.int/futurum.eu. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Ein „Rat der Weisen“ der zwischenzeitlich auf Ratsebene als Alternative zum Konvent thematisiert wurde. Persson anlässlich der Debatte über die Zukunft der Union. 2001 hielt schließlich auch der französische Ministerpräsident L. Aufsehen und kritische Stimmen erntete ein Leitantrag der SPD vom April 2001. welches über eine verfassungsmäßige Grundlage verfügen werde (Regierungserklärung vom 19. 4.htm. Hartleif / V. die Protokolle der Sitzungen des Deutschen Bundestages). vgl. a. M. Straßburg). die Debatte im Internet unter: http://europa. 2001 sagte Bundeskanzler G. 22. S. dazu SZ. Hartleif / V. 1. 4. das Mandat des Konvents zur Vorbereitung der Regierungskonferenz 2004 auf Vorschläge zur . 2. in dem die Einrichtung einer am Vorbild Grundrechtekonvent orientierten Konferenz zur Vorbereitung der Regierungskonferenz 2004 gefordert wurde. vgl. 2002. Kurz zuvor erntete Bundespräsident J. 2001. Jospin seine lang erwartete Grundsatzrede zur Zukunft Europas. Hartleif / V. 373 Trotz deutlicher Zurückhaltung des Gastgeberlandes Schweden sprachen sich im Verlauf der Beratungen immer mehr Delegierte für ein konventsähnliches Verfahren in Anlehnung an den Grundrechtekonvent aus. Fuchs / S. 373 Hinsichtlich der Zusammensetzung und Arbeitsweise des Gremi- 371 Vgl. Der Weg zum EU-Verfassungskonvent. 5. 2001. Referat Öffentlichkeitsarbeit (Hrsg. 245.). 631. S. 1: „Wenn Schröders Herz spricht“). 372 Die ablehnende Haltung des Ausschusses für Europäische Angelegenheiten des Deutschen Bundestages (Beschluss vom 4. Bericht vom 6. Am 4. Nachhaltig unterstützt wurde die Bundestagsdelegation in ihrer Forderung nach einer Verfahrensreform von der COSAC-Delegation der Assemblée Nationale und des französischen Senats sowie den Abgeordneten des Europäischen Parlaments. dokumentiert. März 2001. / 22. Schröder. die Unterstützung der Vertreter aller nationalen Parlamente für die neue Methode zu gewinnen. Brüssel 2001. Juli 2001 fasste er mit den Stimmen aller Fraktionen einen weiteren Konventsbeschluss. „Die EU tritt vor das Volk“. Popovic (2002). vgl. Rau vor dem Europäischen Parlament Beifall für sein bereits erwähntes „Plädoyer für eine Europäische Verfassung“ (Rede am 4. in der er sich u. Bei seiner Regierungserklärung vor dem Bundestag zu den Ergebnissen von Nizza am 19. Auch die Regierungschefs setzten ihre Grundsatzreden kontinuierlich fort. COSAC am 21. Popovic.und Entscheidungsprozesse in der Europäischen Union nicht. 30. Berlin 2001). für eine europäische Verfassung aussprach („Zur Zukunft des erweiterten Europa“). Nach dem ersten Schulterschluss mit den anderen mitgliedsstaatlichen Parlamenten blieb der Europaausschuss des Bundestages in engem Kontakt mit der Bundesregierung über die Frage der weiteren Verfahrensschritte im Rahmen des Post-Nizza-Prozesses. in: Deutscher Bundestag. April 2001 bzw. S. Diese Vision wiederholte Schröder vor dem Internationalen Bertelsmann Forum in Berlin (im Rede-Manuskript ist zwar von „Verfasstheit“ die Rede.136 B. in dem er unter anderem forderte. Seinen Wunsch nach einer europäischen Verfassung äußerte er aber spontan. 9. 241 ff.

Weitere wichtige Verfahrensfragen wie der Umfang des Konventmandats. Halbjahres 2001 mit großem Nachdruck. betonte der Ausschuss die Bedeutung der Erarbeitung eines einzigen Ergebnisentwurfs mit der Möglichkeit. zur Vereinfachung der Verträge. 374 Im Oktober 2001 konnten im Allgemeinen Rat und beim informellen Treffen der EU-Außenminister in Genval auf belgische Initiative erste Festlegungen auf die Konventmethode zur Vorbereitung der Regierungskonferenz 2004 erreicht werden. Verhofstadt. Popovic (2002). M. vgl.. 375 So befasste sich der Deutsche Bundestag bereits in einer Sondersitzung des Europaausschusses am 15. sprach sich der Bundestag klar für die Ausdehnung des Konventmandats auf die künftige Gewaltenteilung zwischen den europäischen Institutionen aus. (2002). ebenda. S. die in der Erklärung Nr. Halbjahr 2002. zur Abgrenzung der Zuständigkeiten zwischen der Europäischen Union und den Mitgliedsstaaten. 2001. die Abgeordneten machten mehrheitlich deutlich. M. ders. Um den Ergebnissen eines zweiten Konvents in der anschließenden Regierungskonferenz Gewicht zu verleihen. Die Bundestagsabgeordneten stellten sich damit auf den gleichen Standpunkt. 49 ff.) mit der Initiative der Bundesregierung zum Anstoß der europaweiten Zukunftsdebatte.II. „Welche Zukunft für welches Europa?“. § 93a Abs. dass der Post-Nizza-Prozess in „die Konstitutionalisierung der Union“ münden müsse. angesehen. Rede am 24. vgl. den auch das Europäische . Insbesondere die belgische EU-Ratspräsidentschaft vertrat die Idee des Konventmodells während des 2. Juni. Dezember 2000 (vgl. zur künftigen Rolle der nationalen Parlamente sowie zur Integration der Europäischen Grundrechtecharta in die Verträge auszuweiten. 23 zur Zukunft der EU von den Staats. 374 Zum Auftakt seiner Ratspräsidentschaft erklärte der belgische Premierminister G. Dabei wurde das Konventsmodell „als kreative. der nach den geschäftsordnungsrechtlichen Sonderbefugnissen des Europaausschusses stellvertretend für den Deutschen Bundestag gefasst wurde. Mit diesem Beschluss. 4 GO-BT.und Regierungschefs als Thema der Zukunftsdebatte noch nicht explizit genannt worden war. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 137 ums betonten die Delegationen die Notwendigkeit einer starken und frühzeitigen parlamentarischen Beteiligung. transparente und unmittelbar demokratisch legitimierte Methode zur Vorbereitung der nächsten Vertragsrevisionsverhandlungen“. Fuchs / S. die gleichberechtigte Einbeziehung der Beitrittsländer sowie den Beginn der Arbeiten unter der folgenden spanischen Ratspräsidentschaft im 1. Vgl. in Ausnahmefällen bei kontroversen Meinungen alternative Optionen in Form von Mehrheits. die Frage eines Gesamttextes oder einer Optionslösung sowie die Einrichtung eines Präsidiums blieben allerdings mangels Konsens noch in der Diskussion. 376 zukünftigen Rolle der Organe der EU sowie ihr Verhältnis zueinander. Ebenso wie in den Parlamenten der Mitgliedsstaaten gewann die Diskussion um den Post-Nizza-Prozess auch innerhalb des Rates immer deutlichere Konturen. Hartleif / V. Fuchs usw.und Minderheitsvoten anzuzeigen. Parallel dazu berieten seit September 2001 die Europaausschüsse des Deutschen Bundestages 375 und der Assemblée Nationale über einen gemeinsamen Text zur Zusammensetzung und Arbeitsweise des neuen Konvents. dass die Ausgestaltung des Prozesses zur Zukunft der EU und die Vorbereitung der Regierungskonferenz 2004 einen neuen Verfahrensansatz erfordere. Einig waren die Außenminister über die Zusammensetzung des zweiten Konvents nach dem Vorbild des Grundrechtekonvents – und damit über die starke parlamentarische Komponente –.

Fuchs usw. den Ausbau von Eurojust. 376 Im unmittelbaren Vorfeld des Europäischen Rats von Laeken trafen am 10. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Mit Blick auf den Stand der Konventsdiskussion im Rat wurde eine gemeinsame Erklärung an den Europäischen Rat von Laeken verabschiedet 377. das Mandat des Konvents auf die Vorlage eines einzigen Textentwurfs für den neuen Grundvertrag der Europäischen Union zu richten und Optionslösungen nur in unvermeidlichen Fällen zu formulieren. in der sich die Abgeordneten dafür aussprachen. Fuchs / S. 263 f. M. M. die Stärkung von Europol mit dem Ziel einer integrierten Polizei zur Bekämpfung von internationalem Terrorismus und organisierter Kriminalität. Gleichzeitig lag den Parlamenten besonders an der Ausstattung des Konvents mit einem weit gefassten und seine Autonomie wahrenden Mandat. vgl. Forni in Paris erstmalig in der Geschichte beider Parlamente zu einer gemeinsamen Sitzung zusammen. Popovic (2002).. dass die Vorbereitungen zur Ausarbeitung einer Verfassung im Rahmen des in Nizza beschlossenen Prozesses zur Zukunft der Europäischen Union verstärkt durch das Europäische Parlament und die nationalen Parlamente. die ehrgeizige Initiativen im Bereich der inneren und äußeren Sicherheit wie die Einsetzung einer europäischen Polizei zur Überwachung der EU-Außengrenzen. Die bilaterale Parlamentsinitiative unterstützte damit vorbehaltlos die gemeinsame Erklärung der Bundesregierung und der französischen Regierung auf dem deutsch-französischen Gipfel von Nantes vom November 2001. den Aufbau einer europäischen Staatsanwaltschaft. Beide Parlamente vertraten die Überzeugung. Fuchs / S. vgl. Hartleif / V. dass das inhaltliche Mandat des Konvents außerdem die Prüfung weiterer Integrationsschritte in den Bereichen der 2. M. COSAC. Popovic (2002). Damit hatte der Europaausschuss seine Position zur Vorbereitung der Regierungskonferenz 2004 frühzeitig festgelegt. der gemeinsamen Konferenz der Europaausschüsse der nationalen Parlamente und des Europäischen Parlaments einen von allen Bundestagsfraktionen getragenen Beschluss. 377 Vgl. in dem er forderte. 241 ff.und Regierungschefs in seiner Bewertung zu Nizza einnahm. (2002). Säule umfassen müsse. Mit dem Fortschreiten der Ausschussberatungen und im Anschluss an eine öffentliche Anhörung zur Zukunftsdebatte in der EU mit nationalen Verfassungsexperten fasste der Europaausschuss des Bundestages im April 2001 zur Vorbereitung der XXIV.und Verteidigungspolitik gefordert hatte. S. und 3. Dezember 2001 die beiden Europaausschüsse zusammen mit den Auswärtigen Ausschüssen und unter Leitung der Parlamentspräsidenten W. Thierse und R. 561 ff. Parlament auf europäischer Ebene gegenüber den Staats. S. .138 B. S. die Perspektive einer gemeinsamen europäischen Verteidigung und die Terrorismusbekämpfung als Aufgabe der Europäischen Sicherheits. Hartleif / V. einschließlich der Parlamente der Beitrittsländer. um Vorschläge für die Reform der EU zu erarbeiten. wahrgenommen werden müssten. dass zur Vorbereitung der für 2004 geplanten Regierungskonferenz eine an den Konvent angelehnte Konferenz zusammengerufen werden sollte. Gleichzeitig regten die Ausschussmitglieder an.

Wägenbauer. wurde zu Recht als historischer Schritt bezeichnet und verdiente sich angesichts der weitgehend zustimmenden Reaktionen in großen Teilen der „europäischen Öffentlichkeit“ den Begriff einer „stillen Revolution“ der europäischen Integrationsgeschichte. S.und Regierungschefs im belgischen Laeken. die Frage der Beibehaltung der halbjährlichen Rotation des EU-Ratsvorsitzes. indem sie unter anderem folgende Fragen formulierten. dem Subsidiaritätsprinzip entsprechende Abgrenzung der Zuständigkeiten zwischen der Europäischen Union und den Mitgliedsstaaten hergestellt und danach aufrechterhalten werden kann. diese klarer und verständlicher zu machen. 94 f. Außenpolitik. Gleichzeitig entsprach der Europäische Rat in Laeken dem begründeten Ringen der Parlamente in der Europäischen Union um mehr und direkten Einfluss bei der Fortentwicklung der Europäischen Verträge. Zur Zukunft der EU: Was bringt die Erklärung von Laeken?. und der Anstoß zu Veränderungen der Gesetzgebungsinstrumente der Europäischen Union formuliert. Neben der Forderung nach einer Vereinfachung und Neuorganisation des europäischen Vertragswerks und der Integration der Grundrechtecharta in die Verträge wurden konkrete Reformkomplexe wie die Wahl des Präsidenten der Europäischen Kommission. die Verteilung der Zuständigkeitsbereiche zwischen der europäischen und der nationalstaatlichen Ebene. Die der Einsetzung des Europäischen Konvents zugrunde liegende Entscheidung der EU-Staats. in: ZRP 2002. die es zu klären galt: − Zum einen wie eine genauere. die Stärkung der Rolle der Europäischen Union in den Bereichen Verteidigung.und Regierungschefs die Unzulänglichkeit der „Methode Regierungskonferenz“ für die gewünschte europaweite Zukunftsdebatte erkannt. − die Rolle der nationalen Parlamente in der Architektur Europas. ohne sie inhaltlich zu ändern. − eine Vereinfachung der Verträge mit dem Ziel. − sodann der Status der in Nizza verkündeten Charta der Grundrechte der Europäischen Union gemäß den Schlussfolgerungen des Europäischen Rates von Köln. Kriminalitätsbekämpfung.und Regierungschefs haben mit der dem Vertrag von Nizza beigefügten Erklärung Nr.II. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 139 (2) Die Erklärung von Laeken – eine „stille Revolution“ der Integrationsgeschichte Die Staats. 23 378 zur Zukunft der Union dies unterstrichen. Dazu R. Zuwanderung. die Debatte über die künftige Gestalt der Europäischen Union im Rahmen eines Konvents unter maßgeblicher Beteiligung der nationalen Parlamente der EU-Mitgliedsstaaten und des Europäischen Parlaments zu führen. Mit der Festlegung auf einen überwiegend aus Parlamentariern zusammengesetzten Konvent hatten die Staats. 378 .

Mai 2001 ein Gremium aus Vertretern der nationalen Parlamente unter Einschluss eines Vertreters des Bundesrates. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Mit der Erklärung von Laeken war ein tatsächlich zukunftsgerichteter Ausgangspunkt für die Diskussion über die Effizienz eines neuen Verfahrens zur Vorbereitung künftiger Vertragsrevisionen gefunden. Aus der unüberschaubaren Lit. (2002). S. insbesondere W. Das Europäische Parlament hatte sich in einer Entschließung diesen Forderungen im Wesentlichen angeschlossen. der mitgliedstaatlichen Regierungen. Häberle. 2006. in: JöR 48 (2000). 4. die bisherige Debatte ergänzende Überlegungen angereichert werden. 1999. Fuchs usw. Tsatsos. Bereits zuvor hatte der Bundesrat in einer Entschließung zu den Verfahrensaspekten der „Erklärung zur Zukunft der Europäischen Union“ vom 11. Koenig. S. Der Europäische Vervassungsverbund auf dem Weg der Konsolidierung. 380 379 . Die Europäische Unionsgrundordnung. 245 ff. in: EuGRZ 1995. der Organe in der Europäischen Union sowie von Sachverständigen und Vertretern der Beitrittsländer gefordert.V.. in: DÖV 1998. 69 ff. Die intensive Einbeziehung der nationalen Parlamente sowie des Europäischen Parlaments bildete schon relativ früh den gedanklichen Ausgangspunkt für den Wunsch nach Einrichtung eines Konvents. M. S. Juli 2001 einen entsprechenden plenarersetzenden Beschluß fasste 379. Europäische Verfassungslehre. Hertel. nn) Inkurs: Verfassungsbegriff und Verfassungsverständnis In der Zeit um die Erklärung von Laeken spitzte sich die (nicht neue) europäische Debatte über die Verfassungsfähigkeit der Europäischen Union in entsprechender Intensität zu. P. So hatte etwa der Deutsche Bundestag durch den Ausschuß für Europäische Angelegenheiten. 205 ff. gleichwohl inflationär abgehandelten Vorfrage: von welchem Verfassungsbegriff und Verfassungsverständnis ist innerhalb der heutigen Europäischen Union auszugehen? 380 Auch mit Blick auf die späteren Vergleiche mit der US-amerikanischen Verfassungsordnung soll dieser Aspekt eingehender abgehandelt und durch einige. Auch die Kommission hatte sich bereits zu einem recht frühen Zeitpunkt für ein Konventmodell unter Anlehnung an das im Rahmen der Erarbeitung der Grundrechts-Charta praktizierte Prozedere ausgesprochen. 32 ff. 268 ff. Zudem bedarf es einer zielführenden Einordnung. 45 GG i...140 B. Ist die Europäische Union verfassungsfähig?. C. Eine nähere Betrachtung des Konventverfahrens und seiner Zielsetzung erfordert die Klärung einer elementaren. 287 ff. Pernice. Supranationalität als Verfassungsprinzip. Siehe auch D. S. unter Rückgriff auf das Konvents-Modell für die Vorbereitungsphase der „Regierungskonferenz 2004“ eine umfassende Einbeziehung der nationalen Parlamente sowie des Europäischen Parlaments gefordert. I. um im Rahmen der späteren Betrachtung Vgl. m. Aufl. der in Wahrnehmung seiner verfassungsmäßigen Rechte gemäß Art. § 93a Abs 3 Satz 2 GO-BT am 4.

Häberle. Wenn allerdings das Verfassungsverständnis etwa als Grundlage eines Verständnisses von Verfassungsgerichtsbarkeit und deren Methodik zu begreifen ist. Hesse. 187 ff. Aufl. Europäische Verfassungslehre. So unscharf zuweilen zwischen Verfassungsbegriff und Verfassungsverständnis unterschieden wird 383. 1995. 384 Vgl. Ähnlich K. Heller.. 383 Dass mehrere Begriffe zumeist erst ein Verständnis ausbilden können. S. etwa R.II. S. Grundzüge des Verfassungsrechts der Bundesrepublik Deutschland. Achterberg) 384. oder auf ihre Funktionen.. wie C. Verfassungslehre als Kulturwissenschaft. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 141 des europäischen „Verfassungsänderungsverfahrens“ oder einer „Europäischen Verfassungsgerichtsbarkeit“ gesicherte Grundlagen aufweisen zu können. 1995. 1983. S. 20. Aufl. da eine Gegenüberstellung sich nicht lediglich am Gestaltungswillen des Gesetzgebers (N. . Smend. N. S. H. 1993. 4. 2. kulturwissenschaftlichen Verfassungsverständnisses“. 23. Europäische Verfassungslehre. 2006. (1) Das Verfassungsverständnis – allgemeine Überlegungen Der Facettenreichtum einer Verfassung legt den Schluss nahe. was überhaupt Verfassung ist 382. S. 249 ff. Schmitt. vgl. aber auch P. Aufl. ders. Verfassungslehre. das ersteres wiederum ausgestaltet. ein Verfassungsverständnis gründe sich auf der geglückten gedanklichen Verbindung ihrer vielfältigen Elemente. 399 ff. Schmitt gegen R. 3 ff. S. 382 Auch um dieser Problemstellung beizukommen wird allgemein auf „Hilfsmittel“ zurückgegriffen.). Festschrift für H. Das Verfassungsverständnis kann nun mittels Begriffen bestimmt werden. 1934 (Neudr. in: ders. Aufl. S. Hesse.. Scupin. bewussten 381 Ein „gemischtes Verfassungsverständnis“ betont P. Smend bestätigen diese Einschätzung) scheinen sich gewisse Thesen gegenüberzustehen. so vordergründig unvereinbar (einige.. 397. der in Abgrenzung zur Verfassungstheorie für die Verfassungsrechtslehre auf einen vielseitig beeinflussten Verfassungsbegriff zurückgreift und diesen wohl mit dem Verfassungsverständnis gleichsetzt. 20. Aufl. sei es dass auf die dem Begriff zugrundeliegenden Aufgaben und Zielsetzung abgestellt wird. K. 385 Siehe C. Aufl. Achterberg. Staatsrechtliche Abhandlungen. die eine Annäherung an das Verfassungsverständnis unternehmen. Vgl. 1998. Aufl. Schmitt) 385 oder an der Akzentuierung planmäßigen. 293 ff. Häberle zum (erweiterten) Ansatz eines „gemischten. Ähnliches gilt auch für den Verfassungsvergleich: es bietet sich ein „gemischtes Verfassungsverständnis“ an. 4. sich sowohl einem Verfassungsverständnis als auch dem angestrebten Verfassungsbegriff mit mehr oder weniger langatmigen Umschreibungen anzunähern. 9. vgl. (Hrsg. S. 1994. S. 3. ders. Die Verfassung als Sozialgestaltungsplan.. sondern wie sich Verfassung in ihrem jeweiligen Umfeld darstellt. 187 ff. Grundzüge des Verfassungsrechts der Bundesrepublik Deutschland. 3. 8. Staatslehre. so wird man sich nicht auf formale Gesichtspunkte beschränken können. 1963). beweist sich bereits bei den Versuchen. Nun geht es hier nicht um die Frage.U. 2006. Recht und Staat im sozialen Wandel. am jeweiligen Entscheidungsmoment (C. die ihrerseits allesamt einer „gemischten“ 381 Definition innewohnen dürften.

Heller (1934).und sozialpolitische) Ziele (Art. Nachdem dieses auch durch seine stete Fortentwicklung geformt wird. Einem umfassenden Vergleich ist ebenso wenig eine Verengung der Sichtweise auf den materiellen oder formellen Sinn zuträglich 387 wie eine Begriffsbestimmung durch die Betonung einer „Hauptfunktion“. Verfassungslehre. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung organisierten Zusammenwirkens (H. 187 ff. H. 3. Loewenstein) 389. im späteren Rechtsvergleich den US-amerikanischen) Verfassungsbegriff zu prägen glauben. die im Rahmen der Rechtsvergleichung zu erwarten wären. Letztlich würde selbst ein befürwortetes einheitliches Verfassungsverständnis der tatsächlichen Vielfalt einer mehr als zwei Jahrhunderte erprobten amerikanischen Verfassung und der Bandbreite eines Regelwerks. Dennoch soll unter Berücksichtigung der Bedeutung einzelner Verfassungsprinzipien und der rechtskulturellen Perspektive für die jeweilige Ausprägung einer Verfassungsentwicklung dem Leitbild eines „gemischten Verfassungsverständnisses“ gefolgt werden. wirtschafts. Aufl. in deren fortlaufenden Vollzug sich die politische Gemeinschaft „integriert“ (R. 6 –7 EUV und Europäische Grundrechtecharta). Derzeit ist die Europäische Union eine „Komposition“ aus drei Europäischen Gemeinschaften und zwei Formen der Zusammenarbeit. die den Anforderungen eines vergleichsweise jungen Europas entspringt. 3. Dies allerdings Vgl. Heller) 386 orientieren muss. Staatsrechtliche Abhandlungen. jedoch keine Verfassungsurkunde besitzen. 387 386 . die durchaus eine Verfassung im materiellen Sinne. 1975. K. Grenzen der Verfassungsänderung. B. 1953. 3 – 5 EUV) sowie eine gemeinsame Grundwerteorientierung (Art. R. S. H. ein einheitlicher. Heller) 388 oder die intendierte Freiheitssicherung durch Machtbeschränkung (H. die einen europäischen (bzw. Gleichwohl wird auch diese Untersuchung auf Versuche eingehen. H. S. sei es die Verfassung als grundlegende normative Ordnung und Sinnorientierung.142 B. Aufl. H. 127 ff. Smend. (2) Der „europäische“ Verfassungsbegriff Die Frage nach der Konstitutionalisierung der Europäischen Union hat ihren Bezugspunkt in der Problematik des Gemeinwesens der Europäischen Union in ihrer (gegenwärtigen) Verfasstheit. kaum gerecht. 1994. Loewenstein. Die unterschiedlichen Ansätze einer Begriffsbestimmung aus dem deutschen Sprachraum werfen somit bereits ein vorauseilendes Licht auf die Schwierigkeiten. So gibt es Staaten – wie beispielsweise Großbritannien –. die die tragenden Verfassungsgrundsätze zusammenfaßt. Smend. institutioneller Rahmen (Art. ist die hier getätigte Auswahl bestimmender Faktoren unweigerlich fragmentarisch. Hinzu kommen gemeinsam verfasste Grundaufgaben und materielle (z. Ehmke.. 388 Vgl. Ehmke. 389 Siehe K. Heller (1934). indes nur als eine der Komponenten eines übergreifenden Verfassungsverständnisses. 2 EUV).

platonistisch konzipierten Begriff der Verfassung? Zweitens: selbst wenn die Konstitutionalisierung Europas ein „Sonderweg“ 395 ist. in: G. Um mit R.). 394 Erstens: gibt es den idealen Typus der Verfassung. Die juristischen Begriffe müssten danach metahistorische Größe sein. dass die Europäische Union. aber den Redebeitrag von O. 394 Vgl. von Ihering zu sprechen. den absoluten. das politische Ziel. Die Banalität der Begrifflichkeit „echt“ verschleiert jedoch die Klärung zweier Grundfragen. 393 Vgl. 281 f. in: R. Stellungnahme. 2 EGV. 151. 188 f. Art. zur Ahndung von Verstößen gegen die Wettbewerbsregeln etc. 213 Abs. Kreis (Hrsg. 220 ff. sondern oft unauffällig in den Diskurs hineinzugelangen vermag. grundsätzlich ein verfassungsbedürftiges Gemeinwesen darstellt. Interdisziplinäres Verfassungssymposium anlässlich des 10 Jahre Jubiläums des Europainstituts der Universität Basel. wobei sie laut Art. wohin der inszenierte Romanist nach seinem Tod endlich kommt: Vgl. also die „Konstitutionalisierung“ Europas seine „Normalisierung“ bedeuten? Hinsichtlich der ersten Fragestellung sind weiterhin latente Tendenzen einer gewissen Art der „Begriffsjurisprudenz“ zu beobachten. 392 Vgl. die sich jedoch nicht offenbart. die neben den weiteren (sogleich angerissenen) vielschichtigen Debatten – etwa um die „Staatlichkeit“ der Europäischen Union – oftmals unterzugehen drohen. Juristisch könnte man daraus ein „Verfassungserfordernis“ für die Europäische Union ableiten bzw. (a) Zwei Vorfragen Bei allen Qualifizierungen der bisherigen europäischen Rechtsordnung richtete sich eine breite Hoffnung auf eine „echte“ Verfassung. 66. Fédéralisme et constitutionnalisme: le Sonderweg de l’Europe. die Texte von Art. Weiler. S. nur die Befugnis zur Aufsicht über staatliche Beihilfen. zu einer Gesamtverfassung von Gemeinschaften und Union zu kommen. Nr. Siehe etwa die Ermächtigung zum Erlass von Verordnungen im Sinne von Art. 6 EGKSV. Als eigene Rechtspersönlichkeit 390 mit eigener legislativer 391. 2002.II. EAGV. Die scheinbare Notwendigkeit stets fester Begrifflichkeiten bietet hierbei eine – wenn auch gelegentlich schwankende – Plattform für Begriffsrealismus. Basler Schriften zur europäischen Integration.H. Jouanjan. Une Constitution pour l’Europe?. auch wenn sie als Gemeinwesen sui generis ohne „Staatsqualität“ gelten muss.). Dehousse (Hrsg. insb. 391 390 . 2003. 395 So J. S. gäbe es einen „juristischen Begriffshimmel“. 12 ff. administrativ-exekutiver 392 und judikativer Gewalt 393 übt die Europäische Union kraft ihrer Organe letztlich (quasi-)staatliche Gewalt aus. 2 EGV auf ein Gemeinschaftswohl verpflichtet ist.H. EGV. 249 Abs. EGV. die Notwendigkeit. Der Beitrag der Wissenschaften zur künftigen Verfassung der EU. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 143 legt nahe. soll sie ein Sonderweg zur Normalität sein.

G. Jahrhunderts diese „im Fluss des historischen Geschehens“ gesehen. 396 R. Das Flussprinzip gilt im Übrigen auch für die zweite Voraussetzung der Frage nach der „echten“ Verfassung. abgedruckt in EuGRZ 2001. mit denen Du Dich auf Erden so viel beschäftigt hast. Schon die Erklärung von Laeken vom 15. S. u. 1914. Die Europäische Union bleibt jedoch trotz unübersehbarer Parallelen zu verfassungsschöpferischen Vorgängen in der (nationalstaatlichen) Verfassungsgeschichte auch im Hinblick auf seine Konstitutionalisierung ein Ansatz sui generis. So wurde der Begriff „europäische Verfassung“ lange Zeit auch tabuisiert. a. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung „In ihm findest Du alle die juristischen Begriffe. Darmstadt 1992. Allgemeine Staatslehre. 397 Auch angesichts eines erforderlichen Schutzes gegen wissenschaftlich vertarnten Essentialismus sollte alles in allem nicht von einem „idealen Wesen der Verfassung“. in ihrer Verunstaltung..und Verfassungsstrukturen entgegentritt. weil im Gegensatz zur gelegentlich idealisierten Verfassunggebung nach dem Muster der französischen Revolution eine europäische Verfassung kein Machtvakuum füllen soll. weil er reflexartige Abwehrreaktionen vieler Mitgliedsstaaten hervorrief. 662. 2001 weist in diese Richtung.“ . 12. 249 f.144 B. 39. Jellinek. Scherz und Ernst in der Jurisprudenz. sondern in ihrer vollendeten. Jellinek hatte Anfang des 20. Bereits G. 398 Siehe den Text der Erklärung. sondern höchstens von einem geschichtlichen Typus ausgegangen werden. Aber nicht in ihrer unvollkommenen Gestalt. So verblieben die Verfassungsentwürfe der Integrationsgeschichte weitgehend im Bereich der symbolischen Politik. S. S. Zudem ist „Normalisierung“ in diesem Kontext und unabhängig vom Ergebnis nicht lediglich mit „Verstaatlichung“ gleichzusetzen. die sich mit allem und jedem befassen. Neudruck. nicht aber einen europäischen Superstaat oder europäische Organe. dass neben den genannten Gründen die bisherige etatistische Ausrichtung europäischer Verfassunggebung schon deshalb zum Scheitern verurteilt war. Zwar könnte man in der kongruenten Wandelbarkeit bereits einen Hinweis hierauf erkennen. wonach der Bürger „mehr Ergebnisse. 3. die sie auf Erden durch Gesetzgeber und Praktiker erfahren haben.“ 396 Das Heraklit’sche παντα ρει entfaltet jedoch auch im Hinblick auf juristische ´ Grundbegriffe Geltungskraft. 398 In diesem Kontext ist festzuhalten. von Ihering. da er in den Argumentationslinien auch die „Staatswerdung“ Europas und damit Souveränitätsverluste implizierte. sondern im Gegenteil bereits vorhandenen staatlichen Macht. Aufl. wieder. 397 Vgl. bessere Antworten auf konkrete Fragen [erwartet]. nämlich die angedachte „Normalisierung“ Europas. fleckenlosen Reinheit und idealen Schönheit.

oder das Gedankengut der Volkssouveränität. Badura.). Auflage. Verfassung. 400 Seit der Wende vom 18. Den Anforderungen demokratischer Verfassunggebung genügte aber erst die Weimarer Verfassung von 1919. S. gaben sich in Anlehnung an die französische Verfassung von 1814 zahlreiche deutsche Staaten eine Verfassung. 400 Vgl. 401 Im allgemeinen Sprachgebrauch wird der Ausdruck „Verfassung“ mit verschiedenen Bedeutungen verbunden. Wie bereits oben beschrieben wurden diese auf Schaffung eines Verfassungsstaates abzielenden Bestrebungen zuerst auf dem amerikanischen Kontinent in die politische Wirklichkeit umgesetzt. Spalte 3738. in: R. namentlich griechische oder römisch-rechtliche sowie mittelalterliche Vorstellungen gewesen ist. ob der Staat eine Verfassung erhalten oder ob es beim „verfassungslosen“ Zustand verbleiben sollte. So ist die Idee der geschriebenen Verfassung als Grundgesetz des „modernen“ Staates eine Frucht des ausgehenden 18. Braucht Europa eine Verfassung?. 3. in: Görres Gesellschaft (Hrsg. ein Staat müsse eine Verfassung haben. Was Deutschland anbelangt. Württemberg (1819). S. S. Stern. EU-Recht und nationales Verfassungsrecht. FIDE-Tagung 2002. Wo das Wort „Verfassung“ oder ein fremdsprachliches Äquivalent normativ verwendet wurde. 581 ff. sondern um einen empirischen Begriff. als staatsrechtliche Grundlage des neu geschaffenen deutschen Bundesstaates. 634. das die Herrschaft selbst betreffen sollte. Auflage. aber gerade nicht ein Gesetz. Band II. zum 19. Gleichwohl wird es als fraglich erachtet. so Sachsen-Weimar-Eisenach (1816).htm). S. in Kraft. die Verfassungen hervorbrachten. Im Jahre 1871 trat eine gesamtdeutsche Verfassung. Jahrhundert manifestierten sich in zahlreichen Staaten der Gedanke und die Forderung. So wird der Begriff „Verfassung“ zumeist als die rechtliche 399 Vgl. vgl. Das Staatsrecht der Bundesrepublik Deutschland. D. 402 Über einige grundlegende Wesensmerkmale besteht jedoch Einigkeit. 399 Vorher handelte es sich nicht um einen – im heutigen Sinne – normativen. 582. Band 5.fide2002. Staatslexikon. 401 Vgl. bevor sich in Europa im Jahre 1791 Frankreich seine erste Verfassung schuf. Grimm. in den Normen im Wesentlichen lediglich als zustandsbestimmende Elemente eingingen. 7. Nettesheim. 2. Evangelisches Staatslexikon. des Liberalismus und der Demokratie gewesen sind. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 145 (b) Allgemeine Eingrenzungsversuche des Verfassungsbegriffes Seine normative Bedeutung gewann der Verfassungsbegriff erst im 18. Deutscher Bericht für die XX. 1989 und 1995. K. (Hrsg. In vielen Staaten entstanden politische Bewegungen und teilweise innere Kämpfe um die Frage. 1987.II. 1984 Band I. auch instruktiv aus den Sammelwerken P. oder ob es nicht auch eine Anknüpfung an ältere. um die Staatsgewalt rechtsstaatlich zu begrenzen und insbesondere Grundfreiheiten der Bürger zu sichern. ob es ausschließlich das sich in dieser Zeit formende Ideengut der Aufklärung. Grimm. als sich der Gedanke von der Notwendigkeit die staatliche Herrschaft ordnender und begrenzender Normen sowie das Prinzip der Kodifikation durchsetzte. Verfassung. Auflage. M.org/reportseulaw . Jahrhunderts. . der Emanzipation der bürgerlichen Gesellschaft von religiösen Vorstellungen.. 48. meinte es dagegen bestimmte von Herrscher erlassene Gesetze. dann Bayern und Baden (1818). a. Herzog u. Jahrhundert. in: JZ 1995.). 10 (abrufbar unter www. D.

in: J. aber auch einige materielle Merkmale (da es eine Verfassung in einem nur formellen oder nur materiellen Sinne faktisch nicht geben kann – auch deswegen ist vieles. Schwarze. erhöhte Bestandskraft. die für die Wirkung der „Verfassung als rechtliche Institution“ 404 erforderlich sind. 1987. Badura (1987).. S. das besondere Formqualitäten kennzeichnen 406: der höchste Rang innerhalb der staatlichen Normenhierarchie (Vorrang der Verfassung). 405 Vgl. 109 404 Dazu T. Schmitz (2001). . Spalte 3737 und M. 405 Nach verbreiteter Meinung wird im formellen Sinne unter Verfassung das Verfassungsgesetz als das „Grundgesetz“ eines Staates verstanden. die allen anderen Normen die Regeln der Erzeugung vorgibt und den Geltungsmaßstab bildet. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Grundordnung des Gemeinwesens umschrieben. 3. Aufl. Isensee. 77 ff. Schwarze. Hertel. P. 2003. Jellinek und C. S. 403 Vgl. 15 ff. Auch besteht Übereinstimmung darüber. Verfassungsentwicklung in der Europäischen Gemeinschaft. welche äußerlichen Kriterien (Form. Schwarze / R. nicht wirklich als Verfassung i. welche Zulässigkeit und Verfahren der eigenen Abänderbarkeit regelt. 51 ff. Kommentar. Eine Verfassung für Europa. J. erschwerte Abänderbarkeit. 403 Wie man die begrifflichen Voraussetzungen der Verfassung definiert. Beachtenswert sind die Begriffsbestimmungen der Verfassung von G. wie sie bei logischen Fragestellungen möglich sind. Schmitt. 2000. Handbuch des Staatsrechts der Bundesrepublik Deutschland. Grundgesetz. Das Ineinandergreifen von nationalem und europäischem Verfassungsrecht.146 B. ist die einzige Norm. S. Vgl. nur J. was in der europäischen Verfassungsdiskussion als „Verfassung“ bezeichnet wird. 1. Sie lässt sich auf keine Normenzeugungsregel zurückzuführen. S. Stern (1984). S. Bieber (Hrsg. Sachs. S. dazu K. Sie entspringt außerhalb 402 Vgl. Bestandskraft. dass in der Verfassung die Leitprinzipien für die Organisation des Staatverbundes und die Funktionsweise der Staatsgewalt und damit die wesentlichen Entscheidungsstrukturen festgelegt werden. Gleichwohl bleibt die Unterscheidung von Verfassung im formellen und materiellen Sinne grundlegend. Isensee / P. Supranationalität als Verfassungsprinzip. 1998. hängt ebenso wie bei den Voraussetzungen der Verfassungsfähigkeit und vielen anderen Fragen der Verfassungstheorie zu einem erklecklichen Teil von Wertungen ab. etwa J. 406 Vgl. d. Staat und Verfassung. während der materielle Verfassungsbegriff nach dem Regelungsgehalt eine Zuordnung bestimmter Normen zum Verfassungsrecht vornimmt. Die höchste Norm der staatlichen Rechtsordnung. S. Demzufolge lassen sich kaum zwingende Aussagen treffen. Dabei versucht der formelle Verfassungsbegriff eine Antwort auf die Frage zu geben. 51 ff. die einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Verfassungsrechtslehre ausgeübt haben. Bedeutung und Inhalt beider Verfassungsbegriffe sind in den Einzelheiten freilich sehr umstritten. Die Entstehung einer europäischen Verfassungsordnung.). S. Kirchhof. in: J. An dieser Stelle soll sich auf diejenigen Merkmale konzentriert werden. einheitliche Urkunde) eine Verfassung kennzeichnen. 415. 17. 1984. und W. 644. Aufl. Verfassungstheorie anzuerkennen). Das sind im Wesentlichen formelle. Band I.

Grimm. dass mit dem schließlich vorgelegten Verfassungsvertrag der Streit um die Verfassungsfähigkeit obsolet geworden ist.. S. Die Entstehung einer europäischen Verfassungsordnung. in: 6 ELJ 2000. Hesse / C. Nowak (Hrsg. S.II. statt vieler etwa D. The Return of Contract: Problems and Pitfalls of European Constitutionalism. Habermas. Welche Verfassung für Europa? Erstes interdisziplinäres „Schwarzkopf-Kolloquium“zur Verfassungsdebatte in der Europäischen Union.. Die postnationale Konstellation und die Zukunft der Demokratie.-U. im Willen des Volkes liegt. Obgleich man annehmen könnte. 1999. S. 91 ff. 1996. 409 Dazu unter B. in: JZ 1995. 68 ff. nach demokratischem Verständnis. 407 (c) Verfassungsfähigkeit und deren Voraussetzungen Die zentrale Frage in der europäischen Verfassungsdiskussion war die.und Integrationsverband in seiner damaligen (und gegenwärtigen) Gestalt überhaupt eine Verfassung haben kann 408. Vertrag bzw.II. 2001. S. 1995. Das Ineinandergreifen von nationalem und europäischem Verfassungsrecht. S.J. Braucht Europa eine Verfassung?. Materien der Verfassung müssen über die des einfachen. das Recht der höchsten Staatsorgane sowie Ziele und Grenzen der Staatsform. 1998. 407 . 115 ff. 703 ff. 257 ff. Studien zur politischen Theorie.. Frankenberg. in: 32 CMLRev... Staat.. das Demokratieprinzip. Verfassung im materiellen Sinne ist dagegen die rechtliche Grundordnung des Staates. der Legitimationsursprung. Als wesentliche Charakteristika der Verfassungsordnung eines modernen Staates werden die Staatsorganisation. in: ders. S. Nation. Gemeineuropäisches Verfassungsrecht. Verfassungstheorie und Rechtsphilosophie. S. Braucht Europa eine Verfassung? Eine Bemerkung zu Dieter Grimm. Häberle.. Welchen Weg geht Europa?. Diese Debatte hat sich auch nach dem Verfassungskonvent nicht gänzlich erschöpft. Studien zur Staatslehre.. Petersmann. 581 ff. der. weil der Begriff der Vgl. P. wiederum J. Die Einbeziehung des Anderen. J. Proposals for a Constitutional Theory and Constitutional Law of the EU. 185 ff.. Grimm. in: D. 1123 ff. ders. Politische Essays. S.. Über die Voraussetzungen der Verfassungsfähigkeit ist in der Verfassungstheorie bisher keine tiefgreifende Diskussion geführt worden. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 147 des Systems staatlich verfasster Legalität im Legitimitätsgrund der Staatlichkeit.. Zur materiellen Verfassung gehören die Staatsform. 408 Vgl. gewann diese Diskussion beispielsweise bei der Qualifikation des Konventsentwurfs (Verfassung. in: ders. G. Pernice. disponiblen Gesetzes durch ihre Bedeutung für die staatliche Einheit hinausreichen. 1999. T.-W. auf der das Staatsgrundgesetz als die rechtliche Form angelegt ist. Verfassungsvertrag 409) oder einer etwaigen („klassischen“ Verfassungs(?)-)Interpretation erneut Aktualität. Europäische Rechtskultur. Multilevel Constitutionalism and the Treaty of Amsterdam: European Constitution-Making Revisited?.f)qq)(1). das heißt im Sinne der Verfassungstheorie zu einer Verfassung fähig ist („Verfassungsfähigkeit“). ob der europäische Herrschafts.2. 2000. I. E. Europa. die Rechtsstaatlichkeit und der Schutz der Grundrechte betrachtet. in: ders. 33 ff. Schwarze. die Machtverteilung durch die Kompetenzordnung. Die postnationale Konstellation. Grundlagen der Staatsorganisation. Sie ist die rechtliche Substanz. in: 36 CMLRev. S. Bruha / J.). 1994. E. Böckenförde.

Außerdem muss es sich um einen allgemeinen politischen Zusammenschluss handeln. Verstände man den Luxemburger Kompromiss von 1966 als rechtlich bindend. 410 Es kann daher nur allgemein auf Sinn und Zweck der Verfassung und die unter diesem Gesichtspunkt wichtigen Eigenschaften des Staates abgestellt werden. auch die Definition von T. dass den Regierungen der Mitgliedstaaten eine so weitgehende Kontrolle über die Politik der 410 Vgl. S. aber grundlegend und zu den nachfolgend aufgeführten Gesichtspunkten ausführlich T. Eine „europäische Verfassung“ im Wortsinne. Primäre Voraussetzung ist. dass sie in erheblichen Umfang durch Ausübung von Hoheitsgewalt in den Mitgliedstaaten selbst öffentliche Aufgaben wahrnimmt. denn Verfassungen kommen nach der hier vertretenen Auffassung nur für hoch entwickelte Verbände mit politischem Gewicht in Betracht. bestimmten Verband beschränkt. Weitere Voraussetzungen sind ein hoher Organisationsgrad und weitreichende Kompetenzen. versteht in dieser Arbeit unter „Supranationaler Union“ eine von mehreren Staaten zum Zwecke der Integration gegründete. müsste man daher die Verfassungsfähigkeit der Europäischen Gemeinschaften bis in die späten achtziger Jahre verneinen. dass es sich um einen Verband. vgl. eine Körperschaft handelt. 2001. die unmittelbar an das Territorium anknüpft oder die rechtlich unverbundenen europäischen Verbände Europäische Union. 404 ff. Europarat und OSZE unter einer Ordnung vereint. Integration in der Supranationalen Union. Schmitz (2001). der allerdings auch ein Gesamtverband sein kann. Außerdem ist jede Verfassung auf einen einzigen. . die eine Parallele zur staatlichen Schicksalsgemeinschaft erkennen lässt. S. konzeptionell für Aufgaben aller Art offene internationale Organisation. Ferner bedarf es einer nicht unerheblichen Autonomie bei der Aufgabenerfüllung. Im Einzelfall kann die Verfassungsfähigkeit allerdings daran scheitern. Dabei müssen das zentrale Anliegen und der Kerngedanke der Verfassungstheorie im Mittelpunkt stehen. Schließlich muss ein verfassungsfähiger Verband von einer engen Verantwortungs. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung „Verfassungsfähigkeit“ dort noch nicht entsprechend breit eingeführt ist. auf ständige Fortentwicklung angelegte. 411 Der Verf. Zu dieser Autonomie gehört bei einem völkerrechtlichen Verband auch eine Verselbständigung des politischen Willens gegenüber den einzelnen Willen der Mitgliedstaaten und ihrer Regierungen. Die Europäische Union und die Europäischen Gemeinschaften fallen somit hierunter. Schmitz. erscheint also nicht möglich. denn die Institution der Verfassung ist für die rechtliche Ordnung politischer Gemeinschaften von Menschen und nicht als Steuerungsinstrument für Zweckverbände entwickelt worden. soll die Institution der Verfassung doch der Selbstkontrolle selbständiger Machtapparate und nicht der Beaufsichtigung von Erfüllungsgehilfen dienen. 168. welche ihrer Integrationsfunktion vor allem dadurch nachkommt. – Bei einer Supranationalen Union 411 sind diese Voraussetzungen grundsätzlich erfüllt. denn die Funktion einer Verfassung ist auch die eines grundlegenden rechtlichen Dokumentes. Deswegen muss zumindest ein erheblicher Teil der wesentlichen Entscheidungen unitarischen Organen überantwortet oder dem Mehrheitsprinzip unterstellt sein.148 B.und Solidargemeinschaft getragen sein. das dem Bürger den Schutz und Beistand der Gemeinschaft garantiert.

. W. fanden in den Staaten statt. Verfassungslehre. 51 ff. 1821. ebenso wenig zu wie die Behauptung. 413 Dieses auf die Hegel’sche Staatsphilosophie zurückgehende 414 staatszentrierte Verständnis von Verfassung lässt die Annahme. indem er „Verfassung“ (kontrastierend zum „Verfassungsgesetz“) als Dezision über die Form und Grundstruktur eines schon vorgegebenen Staates bezeichnete.).). S. die historischen Verfassunggebungen. Ihre Theorie wurde für den Staat entwickelt..-O. 605. wenn nicht sogar eine wechselseitige korsettartige Verbindung. dass letztlich nicht mehr von autonomer Aufgabenerfüllung gesprochen werden kann. Wessels. S. Nohlen / R. die Effektivität der Verfassung garantieren konnte. Der Staat als sittlicher Staat.und Anwendungsbefehl konstitutiv zur Wirkung zu verhelfen. dass lange Zeit nur der Staat als territorial gebundene. ebenda S. als nur aus diesem Grund frei. 53. Böckenförde. wenn eine Verständigung möglich sein soll“. h. die als Referenz dienten. h. Der Staatsbezug ist darauf zurückzuführen. Hegel und die Frage nach dem Staat. d.II. 1995. allein zu allgemeinverbindlicher Entscheidung und zu zwangsweisem Vollzug legitimierte Einrichtung durch seine Souveränität. vor allem 392 ff. d. 412 Auch C. E.-W. Wessels (Hrsg. 415 Herleitung nach D.. Zum modernen sittlichen Staat vgl.F. vergleichbar enge Formulierung. besteht nach dem so genannten „normativen staatsbezogenen Verfassungsbegriff“ folglich eine Konnexität von souveränem Staat und Verfassung 416. . in völliger Selbständigkeit handelnden Staates bezogen. Schmitt wählte in seiner „Verfassungslehre“ eine ähnliche. es existiere bereits eine europäische Verfassung. 1994. über ein definiertes Gebiet einem Geltungs. Schultze. 381 ff. 1928. in: H. Grundlinien der Philosophie des Rechts. W. 3: „Das Wort . Band 1: Politische Theorie. vgl. Föderale Union – Europas Zukunft?. ist die Institution der Verfassung traditionell mit der Organisationsform des Staates verbunden. in: Der Staat 2000. 415 Bezeichnet man nun den souveränen Staat als Rechtsvoraussetzungsbegriff und die Konstituente. Pauly. Schmitt. die Europäische Union könne sich in näherer Zukunft eine Verfassung zulegen. S. 412 Vgl. Nach diesem vielfach als „klassisch“ bestimmtem Verständnis werden die Funktionen und Vorraussetzungen der Verfassung auf das Bild eines in sich geschlossenen. 413 C. der politischen Einheit eines Volkes beschränkt werden. Lexikon der Politik. Schneider / D. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 149 Union eingeräumt ist. Die europäischen Staaten und ihre Union – Staatsbilder in der Diskussion.Verfassung‘ muss auf die Verfassung des Staates. den „pouvoir constituant“. 1978. 414 Für Hegel ist der Staat als „die Wirklichkeit der Sittlichen Idee“ das „an und für sich Vernüftige“. sein ausschließliches Recht. Biehl / W.W. (§§ 257 ff. 11ff sowie zur Differenzierung von Verfassung und Verfassungsgesetz. (d) Staat und Verfassung im „wechselseitigen Korsett“? Geboren und durchgesetzt in der Epoche der Nationalstaatlichkeit. S. S. G. 398 f. Hegel.

Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Auch hinsichtlich der europäischen Dimension wurde der Begriff der Verfassung zunächst herkömmlich und überwiegend auf den Staat bezogen gedacht. S. 16. 20. Das Prinzip Rechtsstaat. Europas Verfassung-Eine Ordnung für die Zukunft der Union. denn sie sei kein Staat. (Hrsg. auch ders. in: Herbert Quandt-Stiftung (Hrsg.. 1997.H. Sobotta. in: JZ 1999. 2001. Der Europäische Verfassungskonvent – Strategien und Argumente. nur P. 421 So D... Hofmann. 2.150 B. 1998. Bericht. 739. S.und Zwecksetzung. dass es nicht mehr „Staat“ geben kann. Zur Europäisierung des deutschen Verfassungsrechts.. 1997. vgl. 20 f. die Europäische Charta nennen könnte“. S. um Missverständnisse auszuschließen. Ihm letztlich folgend: H. vgl.). 1999. Für einen vom 416 . 2001. S.. Mit dem Wandel des Staates und seinen Funktionen wird nach dieser Auffassung das Bedürfnis nach einem „offenen Verfassungsbegriff“ evident. I. 419 I.und internationaler Strukturen gleicher Ziel. Von der Staatssoziologie zur Soziologie der Verfassung?. 44 ff. Europas VerfassungEine Ordnung für die Zukunft der Union. S. 2. 47 f. 421 Dies umfasst eine „Offenheit“ für die rechtliche Erfassung supra. auch K. 2. Grimm vertretenen Vorstellung hat I. Europa als politische Idee und als rechtliche Form. S. Dieser weiterhin von den früheren Richtern am Bundesverfassungsgericht P. Drexl u. 737 ff. Die Europäisierung der mitgliedstaatlichen Rechtsordnungen in der Europäischen Union. in: J. Häberle.. Grundsätzlich J. Isensee (Hrsg. Europäische Einigung und der Verfassungsstaat der Bundesrepublik Deutschland. 1066. wohl aber einen funktionellen Verfassungsvertrag. der die Konnexität von souveränem Staat und Verfassung auflöst“. 16. Ist die Staatswerdung Europas unausweichlich? Die Spannung zwischen Unionsgewalt und Souveränität der Mitgliedstaaten ist kein Hindernis für die Einheit Europas. 1993. Verfassungslehre als Kulturwissenschaft. Grundlagenpapier. 63 ff. sowie speziell zur Entwicklung in der Europäischen Union D. 418 In diesem Sinne auch U. (i. „auf der klassischen Idee von der Verfassung als Ausdruck staatlicher Selbstherrschaft zu beharren“. 420 Der Staat ist demzufolge der Verfassung nicht vorgelagert. Kirchhof. 16. 419 Er ist funktional bestimmt und begründet sich auf dem von P. und es nicht mehr erlaubt ist. S. di Fabio. 30 ff. Häberle formulierten Gedanken.. Politische Essays. Pernice. in: FAZ v.]dass es eine europäische Verfassung im herkömmlichen Sinne staatlicher verfassungsgebender Gewalt nicht gibt. in: Politische Studien. E. sondern durch sie konstituiert. P. Europäische Verfassungslehre – Ein Projekt.). a. S. Europäische Verfassungslehre in Einzelstudien. gebe es noch nicht einmal eine verfassungsgebende Gewalt. 18 ff. S. Wer gibt die Verfassung Europas?. 420 Vgl.. Grundlagenpapier. 82. Die Europäische Verfassung. Die Europäische Verfassung. Sonderheft 1/2003.. 1998. Ziff. 8.). 418 Da sie auch kein Volk im traditionellen Sinne vorzuweisen habe. vgl. Sinclair-Haus Gespräch.. 2001. 620. Eine europäische Charta. Allerdings auch ders. 18 ff. 105 ff. VVDStRL 60 (2001). „[. Europäisches und nationales Verfassungsrecht. S.. 417 Vgl. in: ders... S. Pernice. Aufl. als die Verfassung konstituiert. Scheuing.] wir uns längst im Strudel des Epochenwechsels befinden. 417 In der Konsequenz könne nach dieser Auffassung die Europäische Union keine Verfassung haben. in: Herbert Quandt-Stiftung (Hrsg.). 87 ff. Habermas. in: J. Sinclair-Haus Gespräch. Die postnationale Konstellation. wonach „[. Auf dem Weg zu einer Unionsverfassung. Pernice einen „postnationalen“ Verfassungsbegriff entgegengestellt. ders. wird von ihr nicht vorausgesetzt. Blumenwitz. II. S. den man.. 1065 ff. Kirchhof und D.). in: JZ 2000.

2001. doch bleibt eine „Unionsverfassung“ vordergründig sowohl in ihrer Legitimität als auch in ihrer normativen Wirkung hinter der eines Staates zurück. S. in: ZSR 119 (2000). also kein umfassend normhierarchischer Vorrang gegenüber dem mitgliedstaatlichen Recht gesehen werden könnte. und den wenigen herausragenden Typen. S. zum anderen zunächst lediglich eine „Komplementärverfassung“. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 151 Mit der Supranationalen Union existiert nunmehr eine völkerrechtliche Organisationsform. ob dies schon eine Übertragung der eigentlichen Verfassungsidee zulässt. (2001). S. verknüpfte sich dies mit der Gefahr einer Verwässerung des Verfassungsbegriffs und damit einer schleichenden Entwertung des Konzepts der Verfassung. Es ist richtig: Dieser Lösungsansatz erlaubt eine möglichst weitgehende Verfassungsgebundenheit öffentlicher Gewalt auch unter den Bedingungen der Globalisierung und Georegionalisierung und . Schmitz spricht ähnlich. in das Zeitalter der relativierten und integrierten Staatlichkeit weitertragen. vom „Verfassungsdilemma der supranationalen Integration“. in ihrer Wirkung schwer berechenbare verfassungsähnliche Institution. jedoch in einem etwas zu weitgehendem Ansatz. Als Ausweg aus dem Verfassungsdilemma schlägt ders. Zwar bedarf die Union ebenso wie der Staat eines festen Rahmens. die man als das „Verfassungsdilemma supranationaler Integrationsverbände“ 423 umschreiben kann. Verneinte man sie. die „vorsichtige Einbeziehung einzelner nichtstaatlicher Organisationsformen in die Verfassungstheorie“ vor. Die Idee der Verfassung – Neuausrichtung im Zeitalter der Globalisierung.. Schmitz. Es handelt sich nach Schmitz also um eine Fortschreibung. 388 ff.. die dem Staat nahe kommt. doch wird bis heute vielfach in Zweifel gezogen. bei denen sich aufgrund einer besonderen Staatsähnlichkeit die Übernahme des Konzepts der Verfassung trotz der damit verbundenen Probleme rechtfertigen lässt. Die Debatte war in ihrem Kern letztlich eine um Folgeprobleme. der Grundgedanke der Bindung jedes Machtträgers in einem Herrschaftsverband an übergeordnete rechtliche Vorgaben. die allerdings oftmals unbenannt blieben. Auf diese Weise lasse sich das zentrale Anliegen der Verfassungstheorie. 422 Nicht nur die Verfassungslehre sah und sieht sich hierbei mit einer grundlegenden Weichenstellung konfrontiert. Akzeptierte man nämlich die Möglichkeit einer Verfassung für die Union. Integration in der Supranationalen Union. 463. da zum einen keine Zurückführbarkeit auf ein Staatsvolk. 445 ff. Staat gelösten Verfassungsbegriff siehe auch G.II. ein unzureichend vorbereiteter vorzeitiger Übergang in den „geo-regionalen Vereinigungs-Staat“. 423 T. verändert würde. drohte je nach den unmittelbar daraus gezogenen Konsequenzen eine vorübergehende Stagnation der Integration mit anschließendem Zentralisierungsschub. ohne dass dabei der Kern dieser Theorie. Es müsse unterschieden werden zwischen den gewöhnlichen nichtstaatlichen Verbänden. Biaggini. die aus vielfachen Gründen nicht für eine Verfassung geeignet sind. nicht Verfälschung. 393 ff. für eine verlässliche grobe Ordnung der politischen Verhältnisse und eine Grundausrichtung und Mäßigung der öffentlichen Gewalt zu sorgen. der sie bei aller Entwicklungsoffenheit verlässlich in bestimmte Bahnen lenkt und so die vom Verfassungsstaat bekannte Grundsicherheit schafft. eine allmähliche Untergrabung der Herrschaft der Verfassung durch immer ausgedehntere „verfassungsfreie Zonen“ oder eine weitere Komplizierung der Supranationalen Union durch eine erst noch einzuführende. 422 So T.

II. Häberles. h. auf die sich später bei der Erarbeitung einer Staatsverfassung zurückgreifen lässt. kaum Widerhall finden. der Übergang vom Vertrag auf die Verfassung sei verfrüht oder der Wechsel von der Legitimation durch die Staaten (im Ministerrat) zur Legitimation durch ein echtes Parlament sei noch nicht (oder nie) gangbar. Verfassungscharakter 426 haben. einer Rechtsgemeinschaft oder einer supranationalen öffentlichen Gewalt verstanden werden. 424 P. 118 f. einen „postnationalen Verfassungsbegriff“ gebe es nicht. für eine Verfassung brauche man ein „Staatsvolk“.f)ll). Diese Einwände artikulieren Sorgen vor einem wachsenden Defizit an demokratischer Legitimation. Berlin 1998. Auflage. weil der gewohnte nationalstaatliche Verfassungsrahmen und die damit verbundene Begrifflichkeit dahinschwinden. d.: nicht nur der Staat ist verfasst (Verfassung ist nicht nur ‚Staats-‘Verfassung). Häberle. 155 [181]. 426 Hierzu unter B. – freilich nicht im Sinne von Identitätsvorstellungen . manchmal aber lediglich Irritationen. Ähnlich verhält es sich mit der zögernden Formel „staatlicher Verbund“ 425. Schmitt) – nicht nur qua definitionem – rasch auf Grenzen. die mit einer Öffnung der Verfassungstheorie einhergehen. die formal als multilaterale völkerrechtliche Verträge erscheinen. 2. diese über demokratische Repräsentation einheitlich zu artikulieren. sie kann sich wegen der normativen Kraft des Faktischen einem noch weiter verdichteten und rechtlich verfassten Europa nicht mehr entziehen. Visionär im gewissen Sinne ist bereits der Ansatz P. Verfassungslehre als Kulturwissenschaft. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Insgesamt stößt jedoch der enge Verfassungsbegriff (wie etwa bei C. S. berücksichtigt außerdem den Bedarf an vorstaatlichen Verfassungserfahrungen im multinationalen Integrationsverband. Der Verfassungsfähigkeit der Europäischen Union als eines supranationalen Herrschaftsgebildes eigener Art steht damit auf den ersten Blick zumindest begrifflich nichts entgegen.152 B. werden theoretische Einwände. vernachlässigt aber nicht die Gefahren. .2. Demgemäß können die Gründungsverträge internationaler Organisationen. „Verfassung“ kann also auch in einem weiteren Sinne als rechtliche Grundordnung eines nichtstaatlichen Gemeinwesens. 425 So das Bundesverfassungsgericht in BVerfGE 89. die der Wirklichkeit geschuldet sind.“ 424 Angesichts der ökonomischen und politischen Potenziale. Er vermeidet die negativen Folgen einer Integration ohne Verfassung. die in einer Gesamtbevölkerung von mehr als 350 Millionen Menschen stecken und wenn es gelingen sollte. schließt also die – verfasste – Gesellschaft ein. der – gleichwohl (aber eben nicht nur) mit Staatsbezug – einen ähnlich weiten Verfassungsbegriff angelegt hat: „Verfassung meint rechtliche Grundordnung von Staat und Gesellschaft. Die Politik der „Kernländer“ der Europäischen Union ist längst festgelegt.

in: T. verfassungstheoretischem Standpunkt und normativem Anliegen man sich des Begriffs in deutlich unterschiedlicher Bedeutung bedient. (zu finden im Internet unter www. Constitutionalism and the European Union. 507 ff. . dass sich die Diskussion um Stand und Entwicklung der europäischen Integration. dass die Durchsetzung des Unionsrechts in den Händen der Mitgliedstaaten liegt. (Hrsg. in: ZEuS 5 (2002).“ 427 Insbesondere die deutsche Verfassungsrechtswissenschaft bedient sich nicht eines eindeutigen Verfassungsbegriffs. Regierungsgewalt und Rechtsetzung dürfen nunmehr als Erscheinungen begriffen werden. Der überkommene.htm). S. ohne Staat zu sein. Bruha u. die auch jenseits der Staatlichkeit erfolgen. an seiner Seite stand aber immer auch Recht. nicht. Verfassungsfrage und institutionelle Reform. 429 Zum Ganzen P. um Richtung und Finalität des Prozesses auch und zuerst auf begrifflicher Ebene abspielt(e). wenn die damit verbundenen Schwierigkeiten – entgegen gelegentlich geäußerter Befürchtungen – nicht überzeichnet werden sollten: „Kategorien wie Kompetenz. Welche Verfassung für Europa?. lassen sich ohne Probleme auch außerhalb staatlicher Kontexte denken. Es muss sich demnach um einen Verfassungsbegriff handeln. Insofern bedarf es eines Hinweises. Jahrhundert jenseits des Nationalstaates verbindet (konkreter. Nettesheim (2002). Bieber. Craig. dass je nach Erkenntnisinteresse. 2001. in: 7 ELJ 2001. mit zahlreichen Nachweisen sowie R. Einige weisen zu Recht darauf hin. Zur Begriffsbildung vgl. seit nunmehr dreihundert Jahren gültige und nahezu zum Dogma erhobene Konnex von Staat und Recht. das aber gleichwohl in seiner Existenz und Wirksamkeit als Recht nicht in Zweifel gezogen werden konnte. Das Völkerrecht bietet hierfür seit Herausbildung des Konzepts der internationalen Organisation in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts genügend Beispiele. a. der Recht setzt. aber abstrahierender normativer Verfassungsbegriff). die sich mit der Einbindung und Legitimierung von Herrschaft im 21. Weitgehend hat sich die Auffassung durchgesetzt. der auf die Problematik zugeschnitten ist. Insbesondere war der Rechtsbegriff zu keiner Zeit ausschließlich auf den Staat bezogen. Nettesheim. Deutscher Bericht für die XX.II. EU-Recht und nationales Verfassungsrecht. 428 Insofern könne es nicht verwundern. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 153 (e) Fazit Im Zuge der Integration hat sich schließlich ein Hoheitsträger herausgebildet. Recht etc. wenngleich nicht legitimistischen Verfassungsbegriffs als sinnvoll erscheinen lässt. 429 427 M. Nettesheim ist zuzustimmen.). hinter dem diese Gewalt nicht stand. von Staatsgewalt und Rechtsetzung wird hiermit relativiert.org /reportseulaw. Zwang. Staatliches Recht genoss zwar vor dem Hintergrund der staatlichen Zwangsgewalt eine besonders prägnante Normativität. 428 So etwa M. Nettesheim. wenn nicht durchbrochen. FIDE-Tagung 2002. Constitutions. zusammenfassend etwa M. die eine Verwendung eines angereicherten. 111 ff.fide2002. S. 125 ff. S. Die konsoziative Föderation von EU und Mitgliedstaaten.

Nationalstaatliche Verfassungstraditionen sind infolgedessen nicht eins zu eins übertragbar. der Vorrang (mit der Konsequenz. − die Schriftform. − die Schaffung der verbandsbezogenen rechtlichen Voraussetzungen für die Entstehung der supranationalen öffentlichen Gewalt und schließlich − die politisch-philosophische Grundausrichtung der Union. Politische Verantwortlichkeit.und Bürgerunion“. (3) Das Verfassungs-Vorverständnis in anderen EU-Ländern Von C(arlo) Schmid stammt das geflügelte Wort. in einer Föderation von Nationalstaaten zum Ausdruck käme. Eine europäische Verfassung kann nur eine nicht-staatliche Verfassung darstellen. − die erschwerte Abänderbarkeit und schließlich − die Selbstkennzeichnung als Verfassung.2. dass ein Mitgliedstaat aus der Verfassungsordnung ausbricht). B.II. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Ergänzend und die vorherigen Verfassungs-Prämissen aufgreifend wären für eine „Unionsverfassung“ zunächst als einzelne formelle Voraussetzungen zu nennen: − der durch normativen Gesamtakt erlassene Normenkomplex (was allerdings eine allmähliche Verfassungsherausbildung und Verfassungsbegründung durch richterliche Rechtsfortbildung ausschließen würde). es sei ganz leicht. Richtig an dieser Aussage ist. dass die Unionsverfassung nur in einem Verfassungsvertrag liegen kann 430).f)qq)(1). die die nationalen Verfassungsordnungen ergänzt. Materielle Voraussetzungen einer „Unionsverfassung“ wären etwa: − die organisatorische Ausgestaltung der Union. dass es in Demokratien allgemein gültige Wirkungsmechanismen gibt. ihr „Doppelcharakter als Staaten. . − die Bestimmung des Verhältnisses zu den Mitgliedstaaten (bis hin zum Bereitstellen von Sanktionsinstrumenten für den Krisenfall. demokratische Legitimation und Gewaltenteilung finden sich auch in den verschiedenen instititutionellen Ausprägungen und Grundrechten der EU-Mitgliedstaaten. Man brauche nur jeweils das Beste aus den nationalen Verfassungen der Mitgliedstaaten zu nehmen. zu der Abgrenzung „Verfassung“ – „Verfassungsvertrag“ unten B. Im „Streit um die Verfassung der Europäischen Union“ ging es allerdings nicht nur um Begrifflichkeiten: Er dreht sich bis heute auch allgemein um die politische und staatstheoretische Bedeutung des Primärrechts der Union auf der einen und des nationalen Verfassungsrechts auf der anderen Seite. Es gibt auch 430 Vgl. Das Originäre an der Europäischen Union ist – wie bereits aufgezeigt – ihr nichtstaatlicher Charakter. Der Rekurs auf nationale Verfassungsvorverständnisse erfordert Umsicht. eine europäische Verfassung zu schreiben. wie er z.154 B. und damit auch um die Bedeutung der Institutionen Union und Staat.

Den Schöpfern der Verfassung der V. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 155 noch keinen komplementären europäischen Demos 431 und erst ansatzweise eine komplementäre europäische Öffentlichkeit. Französischen Republik ging es 1958 dagegen darum. 433 Aus dem Doppelcharakter der Staaten. Eine zu ausgeprägte Verwendung nationaler Verfassungsvorstellungen kann aber zum Missverständnis führen. aber J. eher supranational-föderalen oder eher intergouvernemental – souveränistischen Ausrichtung.Aus der nationalstaatlichen Sphäre vertraute Baumuster können beim Bürger eher ein Gefühl der Transparenz und Verständlichkeit vermitteln als eine „sui generis“ – Konstruktion. Eine Analyse nationaler Verfassungs-Vorverständnisse kann gerade auch im Hinblick auf das Konventsergebnis dreierlei leisten: − eine Hilfestellung zur Wahrnehmung der eingeflossenen „europageeigneten“ Strukturen und Institutionen.und Bürgerunion folgt z. eine historische Ausnahmesituation zu bewältigen. das Modell eines parlamentarisch-verantwortlichen Regierungschefs und das einer direkt gewählten exekutiven Spitze gegenüber. Portugal (1976) und Spanien (1978) nach dem Ende eines diktatorischen Regimes ausgearbeitet. Ballmann und F. 2007. Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union als Gestalter und Adressaten des Integrationsprozesses – Grundlagen und Problemaufriss. Telos und die MaastrichtEntscheidung des Bundesverfassungsgerichts.H. B. 9 ff. B.II. . 433 Alle konstitutionellen Sonderwege. Kluth. neuen und zukünftigen Mitgliedstaaten bestehen. B. nur den deutschen Bundesrat oder den US-Senat – und solche. − eine Verdeutlichung der Grenzen für die Übertragung von nationalen Modellen im Rahmen der europäischen Verfassunggebung. Eine Analyse der Einwirkungen der Europäischen Integration auf die mitgliedstaatlichen Verfassungssysteme und ein Vergleich ihrer Reaktionsmodelle. einen 431 Vgl. nationalstaatlichen Zweikammer-Systemen durchaus „Modelle“ für echte supranationale zweite Kammern. vgl. 91 ff. Der Staat „über alles“. allgemein sowie für die beidseitige Wechselwirkung auch W. Vgl. Mayer). Die italienische Verfassung (1947) wurde wie das Grundgesetz (GG) und die späteren Verfassungen von Griechenland (1975). – dass anders als in den meisten nationalen Verfassungen – in einem EU-Verfassungsvertrag ein „StaatenLegitimationsstrang“ im Rat und ein „Unions-Legitimationsstrang“ über das Europäische Parlament und die Kommission notwendig ist. auch die polnische Verfassung von 1997. 432 So gibt es bei den existierenden. (Hrsg. in: JöR 44 (1996). Weiler. (gemeinsam mit A. S. B. bei den Exekutivmodellen stehen sich z. die lediglich mit einer stärkeren Einbeziehung nationaler Parlamentarier arbeiten. die in den alten (insbesondere in Großbritannien).). 432 − einen Beitrag zum besseren Verständnis vorheriger Verfassungsprojekte für die Europäische Union – mit ihrer z.H. S. Europäische Integration und Verfassungsrecht. Demos. dass über eine EU-Verfassung eine Staatlichkeit der Union angestrebt wird („Superstaat“). Ein vergleichbarer Umstand prägt z. verdeutlichen: Eine Verfassung ist eine Existenzbedingung eines modernen demokratisch organisierten Gemeinwesens. in: ders. Sie kann dazu beitragen.

.. wobei für die Struktur des Grundgesetzes wie für die Verfassungen der Länder die Zusammenfassung der Verfassungsbestimmungen in einer Urkunde 436 und im Grundgesetz – kontrastierend zur Struktur der Weimarer Verfassung – die Akzentuierung der (meisten 437) Grundrechte durch ihre „Position“ an der Spitze der Verfassung. 435 Aus deutscher Sicht sind die naheliegendsten Vergleichsparameter für Verfassungen die des Grundgesetzes von 1949 und der Nachkriegs-Länderverfassungen. über einen „Verfassungspatriotismus“ einen Identifikationspunkt für den verlorenen Nationalstaat zu bilden. Großbritannien verfügt mit der Magna Charta von 1215 434 Dies galt freilich immer weniger in Frankreich (vgl. 2000. 101 ff. Während der europäischen Verfassungsdebatte durfte man deshalb außerhalb von Deutschland nicht die gleichen Konnotationen beim Begriff einer etwaigen EU-Verfassung erwarten. 6. in der der Verfassungsbegriff zentral für die Bestimmung der französischen Rolle in der und durch die EU ist). 06. I GG. Das Grundgesetz (GG) hatte in der (alten) Bundesrepublik Deutschland einen besonderen historischen Stellenwert. Mayer. 434 Betrachtet man nun die Strukturen der am Konvent beteiligten Staaten. 10 f. Verfassungsstruktur und Verfassungskohärenz – Merkmale europäischen Verfassungsrechts?. 2000. Diametral unterschiedlich erweist sich hingegen die Verfassungsordnung Großbritanniens. Materiell besteht grundsätzlich eine Gleichrangigkeit der Grundgesetzbestimmungen. 136 bis 141 der Weimarer Verfassung in das Grundgesetz durch Verweis. in: FAZ vom 28. 438 Der deutschen Verfassungsstruktur ist die Italiens (Verfassung von 1947) nicht unähnlich. 436 Vgl. In einer geteilten Nation bot es die Möglichkeit. 79 Abs. 79 Abs. in einem Teil I („Die Grundrechte“ – Art. Insgesamt verwundert es nicht. Vielmehr überwogen (allerdings auch letztlich in Deutschland) die Befürchtungen einer Staatswerdung Europas. allerdings ergibt sich durch die „Ewigkeitsklausel“ des Art. Aus deutscher Perzeption hat dabei das Grundgesetz vor allem auch abwehrenden Charakter gegenüber Übergriffen des Staates. Die Verfassungen anderer Mitgliedstaaten stehen nicht in gleichem Maße für diesen positiv besetzten Abwehrgedanken. in: Integration 4/2003. Chirac vor dem Deutschen Bundestag vom 27.C. 1 bis 19 GG) kennzeichnend sind. dass aus deutscher Sicht die Struktur des Konventsentwurfs eines Verfassungsvertrages vor allem unter zwei Aspekten Kritik fand: zum einen wegen der Positionierung der Grundrechtecharta lediglich in Teil II des Entwurfs. 437 Siehe aber die justiziellen Grundrechte in Art. die Rede von Staatspräsident J. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung ineffizienten Parlamentarismus zu überwinden und eine starke Exekutive zu schaffen. S. zum anderen aufgrund des unklaren Verhältnisses zwischen Teil I und insbesondere Teil III des Entwurfs. 405 f. S. auch Art. 398 ff. 438 Eine Besonderheit bildet die Einbeziehung der Art.. 435 Zu diesem Ergebnis kommt auch F. GG. 3 GG eine Abstufung in der Änderungsfestigkeit der Verfassungsartikel.156 B. so ergibt sich insgesamt ein eher heterogenes Bild.

II. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung

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zwar über das vergleichsweise älteste geschriebene Verfassungsdokument, hat aber bekanntlich kein einheitliches, geschriebenes Verfassungsrecht. Dieses setzt sich zum einen aus kodifizierten Texten, wie eben der Magna Charta oder der Bill of Rights von 1689 bis zum Human Rights Act (1998) zusammen, zum anderen aber aus den nicht kodifizierten Grundsätzen des Common Law wie dem Grundsatz der „Parliamentary Sovereignty“. Bemerkenswert ist darüber hinaus, dass die kodifizierten Rechte mit Verfassungsrang keine hervorgehobene Stellung innerhalb des Rechtssystems einnehmen. 439 Die Verfassungen der anderen Mitgliedstaaten lassen sich innerhalb der beiden „Pole“ – einerseits Konzentrierung aller Verfassungsbestimmungen in einer Urkunde, andererseits weitgehend ungeschriebene, nur in Einzelaspekten auf bestimmte Urkunden zurückgreifende Verfassung – ansiedeln. Am nächsten kommen der ersteren Erscheinungsform mit übersichtlichen, einheitlichen Verfassungsurkunden die Verfassungen von Belgien (1831) 440, Luxemburg (1868), Griechenland (1975) und Portugal (1976). Ebenso sind die verfassungsrechtlichen Grundlagen in Polen (Verfassung von 1997), der Slowakei (1992), Slowenien (1991), Litauen (1992) und beim Konventsteilnehmer Bulgarien (1991) in einer Urkunde zusammengeführt. In Zypern beanspruchte während des Konventsverfahrens die Verfassung von 1960 nur für den griechischen Teil der Insel Geltung, weshalb zu einem gewissen Grade von „ungeklärten Verfassungsverhältnissen“ gesprochen werden kann. 441 In manchen Verfassungsordnungen ist allerdings nicht unmittelbar erkennbar, dass das als Verfassung apostrophierte Dokument nicht alle geltenden „Verfassungsbestimmungen“ widerspiegelt, ja wiedergibt. So finden sich etwa in der Verfassungsurkunde Verweise auf frühere Normschichten oder auf ergänzende
439 Sie stehen vielmehr auf derselben Rangstufe wie andere Parlamentsgesetze. Demzufolge könnten durch entgegenstehende „Statutes“ Verfassungsrechte aufgehoben werden, vgl. insgesamt auch P. Birkinshaw, Britischer Landesbericht, in: J. Schwarze (Hrsg.), Die Entstehung einer europäischen Verfassungsordnung. Das Ineinandergreifen von nationalem und europäischem Verfassungsrecht, 2000, S. 208 ff. 440 Zur Vorbildfunktion der belgischen Verfassung allgemein H. Hattenhauer, Europäische Rechtsgeschichte, 1992, S. 565 ff. Die belgische Verfassung, die bis heute Bestand hat, verbriefte die bedeutendsten Freiheitsrechte als geltendes Recht und stellte erstmals in Europa die Staatsordnung auf eine demokratische Grundlage, ohne allerdings das Bestehen der Monarchie anzutasten, vgl. ebenso W. Skouris, Die kontinentale(n) europäische(n) Verfassungskultur(en), in: M. Morlok (Hrsg.), Die Welt des Verfassungsstaates, 2001, S. 85 ff., 90. Der Verfassungstext von 1831 war Vorbild für zahlreiche späteren europäischen Verfassungsurkunden, insbesondere für die griechische Verfassung von 1864 (deren Grundentscheidungen auch den Kern der heutigen griechischen Verfassung von 1975 bilden). 441 In der Türkei galt zu diesem Zeitpunkt noch die Verfassung von 1982 (die im Zuge der EU-Beitrittsbemühungen grundlegende Änderungen erfahren sollte). Eine Reihe von kemalistischen Reformgesetzen bleiben allerdings gegen diese Verfassung abgeschirmt (Art. 174 der türkischen Verfassung).

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B. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung

Normen. Beispielhaft ist hierbei Frankreich zu nennen, wo mit der Verfassung der V. Republik von 1958 zwar eine einheitliche Verfassungsurkunde existiert; jedoch verweist diese in ihrer Präambel auf die Präambel der Verfassung von 1946, die wiederum die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 mit Verfassungsrang ausstattet. Daneben bestehen sogenannte „Lois organiques“, die die Verfassung weiter konkretisieren. Eine vergleichbare Normenkategorie findet sich in Spanien zur Ausgestaltung der Verfassung von 1978. In der Verfassung der Niederlande von 1983 stehen Verweise auf einzelne Bestimmungen der Verfassung von 1972, die somit weiter Geltungskraft entfalten. In Ungarn gilt die Verfassung von 1949, die 1989/90 umfassend revidiert wurde. Die Verfassung von Lettland lässt sich auf einen Text aus dem Jahre 1922 zurückführen, der 1998 umfängliche Änderungen erfahren durfte. 442 Wie die Beispiele von Irland und Dänemark zeigen, können verfassungsergänzende Bestimmungen durchaus unterschiedlicher Natur sein. 443 Während in Schweden vier „Grundgesetze“ mit Verfassungsrang bestehen 444, beruhte auch die Verfassungsordnung Finnlands (gewissermaßen als Relikt aus den Zeiten der Zugehörigkeit Finnlands zum schwedischen Königreich) bis in die jüngste Zeit auf mehreren Verfassungsgesetzen mit Verfassungscharakter. Nach einer umfassenden Verfassungsreform wurde 1999 eine Verfassung für Finnland verkündet, die im Jahre 2000 in Kraft trat. Eine Eigentümlichkeit des finnischen Verfassungsrechts besteht allerdings dahingehend fort, als materielle Abweichungen von der Verfassung durch „Verfassungsausnahmegesetze“ zugelassen werden können (Paragraph 73 (1) der finnischen Verfassung). 445 Die Verfassung von Malta ist
442 Davor bestand ein eigenes Verfassungsgesetz über Bürgerrechte von 1991. Diese finden sich nunmehr im Schlusskapitel der Verfassung. 443 Die Verfassung von Dänemark (1953) wird etwa durch das „Thronfolgegesetz“ ergänzt. In Irland sind alle Verträge, auf die sich die europäische Integration gründet, explizit in den Wortlaut der derzeitigen Verfassung (Ausgangsfassung aus dem Jahre 1937) aufgenommen und damit gleichsam in das irische Verfassungsrecht einbezogen, vgl. auch F.C. Mayer, Verfassungsstruktur und Verfassungskohärenz – Merkmale europäischen Verfassungsrechts?, in: Integration 4/2003, S. 398 ff., 404f: „Damit genügt es nicht, zur Ermittlung des geltenden irischen Verfassungsrechts den Verfassungstext von 1937 aufzuschlagen, vielmehr muss man auch das europäische Primärrecht heranziehen.“ 444 Neben der Verfassung („Regeringsformen“) aus dem Jahre 1975, und dem „Thronfolgegesetz“ sind dies Gesetze mit Verfassungsrang, die jeweils grundrechtliche Gewährleistungen zur Pressefreiheit („Tryckfrihetsförordningen“) und zur Meinungsfreiheit („Yttrandefrihetsgrundlagen“) enthalten. 445 Demzufolge kann der Gesetzgeber unter denselben Voraussetzungen, wie sie für eine förmliche Verfassungsänderung erforderlich sind, Gesetze verabschieden, die nicht mit der Verfassung vereinbar sind. Der Unterschied zu einer Verfassungsänderung besteht darin, dass die „Verfassungsausnahmegesetze“ zwar in einem qualifizierten Verfahren zustande kommen, jedoch durch ein einfaches Parlamentsgesetz zurückgenommen werden können (allein in den Jahren 1919 bis 1995 ist in 869 Fällen ein Verfassungsausnahmegesetz verabschiedet worden). In diesem Kontext ist beachtenswert, dass nach der Verfassung des

II. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung

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gekennzeichnet durch die Besonderheit, dass sie durch sogenannte „Schedules“ ergänzt wird. Auch in Österreich ist eine „Streuung“ von Normen mit Verfassungsrang über die gesamte Rechtsordnung zu beobachten. Obgleich mit dem Bundes-Verfassungsgesetz von 1920 in der Fassung von 1929 (zurückgehend auf den großen Verfassungsrechtler H. Kelsen) ein hervorgehobener und allgemein als „österreichische Verfassung“ identifizierter Text vorliegt, finden sich doch mehr als zweihundert Verfassungsbestimmungen in über hundert Bundesgesetzen, die letztlich alle – als „Bundesverfassungsgesetze“ – im gleichen Rang stehen und mit dem Bundes-Verfassungsgesetz die eigentliche „Verfassung“ bilden. Gewisse Parallelen zu einem „Ensemble von Teilverfassungen“ (P. Häberle) im europäischen Kontext sind nicht zu übersehen. In der Tschechischen Republik gilt die Verfassung von 1992. Diese bezieht neben weiteren „Verfassungsgesetzen“ in ihrem Art. 3 eine „Grundrechtecharta“ (ebenfalls 1992) als Bestandteil der Verfassungsordnung mit ein – bemerkenswert im Hinblick auf die europäische Struktur. (a) Nationale Erfahrungswerte in der Verfassunggebung Hinsichtlich des originären Verfassunggebungsprozesses offenbarten zum Zeitpunkt der Einberufung des Verfassungskonvents alle vierzehn (geschriebenen) Verfassungen der Mitgliedstaaten – in der unterschiedlichsten Form – Anschauungsmaterial für demokratische, legitimitätsstiftende Verfahren des Zustandekommens. Die „Verfassungsschöpfung“ erfolgte teilweise durch ein „normales“ Parlament, häufiger aber durch eine eigens gewählte verfassunggebende Versammlung. Zusätzlich ist das Instrument des Volksentscheids zu nennen oder sogar, wie 1958 in Frankreich, ein Referendum ohne vorherige parlamentarische Beratung und Verabschiedung. Das Grundgesetz (GG) bildet insofern eine Ausnahme, als der Parlamentarische Rat nicht direkt gewählt war, sondern sich aus Vertretern der Landtage der westdeutschen Länder zusammensetzte. 446 Nach den Erfahrungen des Europäischen Rates in Nizza lag es nahe, an nationale Erfahrungen der Verfassunggebung anzuknüpfen. Fragen von derart grundsätzlicher Tragweite, wie sie im Post-Nizza-Prozess (teilweise erneut) anstehen sollten 447, ließen sich alleine durch das herkömmliche Verfahren der Regierungskonferenz kaum lösen. Nach den positiven Erfahrungen bei der Ausarbeitung mit der Grundrechte-Charta sprach deshalb viel dafür, diese mit der Konvent-Methode zu nutzen. 448
Konventsteilnehmers Rumäniens von 1991 mit Zweidrittelmehrheit verfassungswidrige Gesetze bestätigt werden können (Art. 145 der Verfassung). 446 Die Ratifizierung erfolgte durch die – allerdings demokratisch gewählten – Landtage. 447 Vgl. unter B.II.2f)mm). 448 Hierzu umfassend unter B.II.2f)pp) und B.V.1.

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B. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung

(b) Das Vorverständnis von Demokratie, Gewaltenteilung und Kompetenzverteilung Hinsichtlich der Axiome Demokratie und Gewaltenteilung sowie bezüglich „direkter Mitwirkungsrechte“ offenbaren die Verfassungen aller Mitgliedstaaten einheitliche Elemente: Alle begründen die Legitimation der Staatsgewalt im Willen des Volkes, das sich in regelmäßig stattfindenden freien Wahlen äußert. Das Volk, d. h. die Summe aller Staatsangehörigen eines Mitgliedstaates, ist der letzte legitimatorische Ableitungspunkt für die politische Herrschaft. 449 Der „StaatsLegitimationsstrang“ bildet sich in den nationalen Arenen (nationalen Parlamenten und nationaler Öffentlichkeit) und wird für den europäischen Kontext im Rat formuliert. Er bleibt jedoch ein national-vermittelter Legitimationsstrang, der mit fortschreitender Integration nicht ausreicht. Das Demokratieprinzip kommt zwar in den Nationalstaaten ungeschmälert zur Geltung, aber den Nationalstaaten schwinden die Entscheidungsbefugnisse. Diese wachsen auf europäischer Ebene an, mit der Folge, dass sich auch dort ein immer stärkeres Bedürfnis nach einer unmittelbaren, nicht von den Mitgliedstaaten abgeleiteten demokratischen Substanz ausgebildet hat. Für mehr Akzeptanz von Entscheidungen der Europäischen Union bildet sich deshalb das Erfordernis eines „Unions-Legitimationsstrangs“ heraus, der besonders in den Organen Europäisches Parlament und Kommission seinen Ausdruck zu finden hat. In allen Verfassungen findet sich – bei unterschiedlichen Lösungen im Einzelnen – eine Aufteilung der exekutiven, legislativen und judikativen Funktionen der Staatsgewalt auf verschiedene Organe, ebenso wie die Unabhängigkeit der Justiz. Die gleichzeitige Exekutiv- und Legislativtätigkeit des Europäischen Rates ist in dieser Hinsicht systemfremd (wenngleich in der „sui generis“ Architektur der Europäischen Union das klassische Montesquieu’sche Prinzip der Gewaltenteilung wahrscheinlich nicht streng anwendbar sein mag). 450 Kennzeichnend für den modernen europäischen Verfassungsstaat ist eine Interdependenz zwischen Regierung und Parlament. Dabei sind die Regierungen dem Parlament politisch verantwortlich. 451
449 450

Vgl. etwa Art. 20 Abs. II GG: „Alle Staatsgewalt geht vom Volk aus.“ A. Juppé und J. Toubon forderten daher in ihrem Verfassungsentwurf vom 28. 06. 2000 (ganz in der französischen Verfassungstradition) exekutive und legislative Tätigkeiten klarer voneinander zu trennen, vgl. A. Juppé / J. Toubon, Constitution de l’Union Européenne. Contribution à une réflexion sur les institutions futures de l’Europe, vom 28. 6. 2000, abrufbar unter www.mic-fr.org/proposition-mic-ce.rtf. Ein anderer Mangel der Gewaltenteilung zwischen europäischer Exekutive und europäischer Legislative könnte darin zu sehen sein, dass das Europäische Parlament, zunehmend in die administrative Umsetzung von Ratsbeschlüssen durch die Kommission (im Ausschuss- /„Komitologie“Verfahren) eingreifen möchte. Kritisch ist ebenfalls zu erwähnen, dass das Europäische Parlament wiederholt den Anspruch erhebt, über sein Haushaltsrecht die exekutive GASP mitzugestalten.

II. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung

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Im Allgemeinen ist die Stellung der Parlamente in den Mitgliedstaaten stark (insbesondere in Mitgliedstaaten und Beitrittsländern mit Diktaturerfahrung). Einzig die Stellung der französischen Nationalversammlung, die noch nicht einmal über volle Geschäftsordnungsautonomie verfügt, ist eher schwach. Korrespondierend zu dieser Schwäche des Parlaments verfügt die französische Exekutive über ein hohes Maß an autonomen Normsetzungskompetenzen. Die Demokratien in den Mitgliedstaaten sind repräsentativ verfasste Demokratien. Das Element direkter Demokratie tritt ergänzend hinzu. Direkte Mitwirkungsrechte bei der Gesetzgebung – in Form von Volksbegehren und Volkentscheiden – sind im mitgliedstaatlichen Verfassungsrecht die Regel (nicht aber in Deutschland, dessen Demokratie – auf Bundesebene – wohl die repräsentativ ausgeprägteste in den Mitgliedstaaten ist). Bei Fragen des EU-Beitritts, der Vertragsänderung oder der Euro-Einführung können diese Volksrechte bekanntlich eine gewichtige Rolle spielen. 452 Die Mitgliedstaaten weisen unterschiedliche Erfahrungen auf, was den Wert eines Zwei-Kammersystems für die Parlamentarisierung der Europäischen Union anbelangt (das britische Oberhaus ist beispielsweise relativ einflusslos und auch nicht in indirekter Form demokratisch legitimiert). In Dänemark, Finnland, Griechenland, Luxemburg, Portugal und Schweden besteht das Parlament nur aus einer Kammer. Die anderen Staaten besitzen Zweite Kammern, die die Gebietskörperschaften in den Mitgliedstaaten repräsentieren. In Frankreich vertreten etwa die Abgesandten der Gebietskörperschaften im Senat das „tiefe Frankreich“. Diese zweiten Kammern weichen nach Struktur- und Kompetenzen erheblich voneinander ab (der französische Senat verfügt in der Gesetzgebung nur über ein suspensives Veto gegenüber der Nationalversammlung). Nur im Falle von Deutschland, Belgien und Österreich spielen die zweiten Kammern eine traditionelle föderale Rolle im Gesetzgebungsprozess. 453

451 Im Rahmen einer weiteren Ausbildung der EU-Exekutive stellt sich die Frage, inwieweit diese aus einer Mehrheit im Europäischen Parlament hervorgehen sollte. 452 Siehe nur die Regelungen in Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Irland, Finnland und Österreich. Aus der eigenen verfassungsrechtlichen Tradition heraus schlugen A. Juppé und J. Toubon (2000) ein Gesetzesinitiativrecht für europäische Bürger vor, ebenso die Annahme oder das Außerkraftsetzen („référendum d’abrogation“) durch Bürgerreferenden. So interessant dieser Vorschlag erscheint: grundsätzlich setzt er eine europäische Öffentlichkeit voraus, die sich erst noch entwickeln muss. 453 Bislang gibt es in der Europäischen Union eine institutionelle Dreiecksbeziehung zwischen Rat, Europäischen Parlament und Kommission. Die europäische Legislative wird aus Rat und Europäischen Parlament gebildet, die europäische Exekutive aus Kommission und Rat (mit einer dominierenden Rolle des letzteren in weiten Bereichen), die europäische Judikative aus dem EuGH. Wann immer es um die Einführung einer föderalen zweiten EU-Kammer neben dem Europäischen Parlament ging, war eine Bikameralisierung der Europäischen Union gemeint, in der ein stärker repräsentatives Europäisches Parlament

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B. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung

Im Hinblick auf die Exekutive eröffnen sich zwei Grundmodelle in den Mitgliedstaaten. Der Normalfall ist eine politische Regierung, die aus den Machtrelationen im Parlament hervorgeht (etwa mit einem Bundeskanzler, einem Ministerpräsidenten oder einem Premierminister mit Richtlinienkompetenz an der Spitze). Diese Exekutive ist gegenüber dem Parlament verantwortlich. Hierbei ist die Möglichkeit des Misstrauensvotums zu erwähnen, wobei der Regierungschef in Deutschland, Spanien und Belgien besonders durch ein „konstruktives Misstrauensvotums“ geschützt ist. Daneben existiert die „Einrichtung“ eines repräsentativen Staatsoberhauptes mit begrenzten, eben überwiegend repräsentativen Befugnissen. Anders stellt sich die Situation in Frankreich dar. Hier besteht eine exekutive Doppelspitze aus Staatspräsident und Premierminister. Der Premierminister geht als Regierungschef aus dem Parlament hervor und unterliegt dessen Misstrauensvotum. Dies gilt nicht für den französischen Staatspräsidenten: er ist zugleich oberstes Repräsentations- und Exekutivorgan (insbesondere in der Außen- und Sicherheitspolitik, in der er über eine Art Richtlinienkompetenz verfügt). Er leitet seine Autorität aus der Direktwahl durch die Bevölkerung ab und ist damit aus französischer Sicht unmittelbar und souverän legitimiert wie das Parlament – und deshalb diesem auch nicht verantwortlich. Ausfluss dieser besonderen direkten Legitimation ist das Recht, die Nationalversammlung aufzulösen. 454
mit europaweit einheitlichen Wahlrecht die erste Kammer der EU bilden und der Rat sich in Richtung einer Staatenkammer entwickeln sollte. Die Kommission wäre tendenziell zur Exekutive geworden (einschließlich einer Aufgabe des Prinzips der nationalen Repräsentation dort). Zu entscheiden wäre in diesem Modell, ob die Vertreter in der Staatenkammer ernannt oder direkt gewählt werden sollen (siehe die Beispiele Deutscher Bundesrat oder US-Senat) bzw. ob und wie das demographische Gewicht zum Tragen zu bringen wäre (z. B. von drei bis sechs Stimmen wie im Bundesrat oder je zwei Stimmen wie im US-Senat). Bei dieser Bikameralisierung der Europäischen Union darf aber nicht übersehen werden, dass auch die im Rat vertretenen mitgliedstaatlichen Regierungen durch ihren nationalen Parlamente demokratisch legitimiert sind. Als solche haben sie einen demokratisch hergeleiteten Anspruch, gestaltende Akteure im europäischen Organsystem zu sein. Insofern erscheint es in einer „Staaten- und Bürgerunion“ problematisch, den Rat in eine rein nachgeordnete legislative zweite Kammer herabzustufen. Für viele Mitgliedstaaten stand deshalb während des Konventsprozesses bei der etwaigen Einrichtung einer zweiten Kammer nicht der Rat im Vordergrund, sondern die stärkere Einbeziehung der nationalen Parlamente (vgl. insofern die Vorschläge von Kommissar C. Patten und Premierminister T. Blair für die Einrichtung einer zweiten Parlaments-Kammer aus nationalen Parlamentsangehörigen, in ihren Reden vom 26. 10. 2000 bzw. 06. 10. 2000). Die französischen Vorschläge für eine aus nationalen Parlamentariern beschickten zweiten Parlaments-Kammer dürften sich – neben Souveränitätsvorbehalten – auch aus den schwachen parlamentarischen Kontrollmöglichkeiten der Assemblée nationale in der Europapolitik erklären. Eine zweite Kammer würde diese Kontrollrechte verbessern (während der deutsche Bundestag bereits nach Art. 23 GG über breite Mitwirkungsmöglichkeiten verfügt). Juppé und Toubon (2000) schlugen vor diesem Hintergrund ein Zwei-Kammer-System vor, mit einem Europäischen Parlament (dessen exklusive Gesetzgebungszuständigkeit allerdings durch die Tagesordnung der europäischen Regierung bestimmt wird) sowie eine „Kammer der Nationen“ (aus Mitgliedern der nationalen Parlamente). Die Kammer ist gedacht als Garant des Subsidiaritätsprinzips und vitaler nationaler Interessen eines Mitgliedstaates.

II. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung

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Effizienz (über starke Gemeinschaftsorgane mit Mehrheitsentscheidungen im Rat) und demokratische Legitimation (über verstärkte parlamentarische Kontrollrechte) sind auch das Ergebnis einer nachvollziehbaren Aufgabenteilung zwischen Union und Mitgliedstaaten. Die Mitgliedstaaten bringen hier sehr unterschiedliche verfassungsrechtliche Vorerfahrungen ein. Wenn der Föderalismus eine politische Organisationsform darstellt, in der jede staatliche oder regionale Ebene in einer Reihe von Aufgabenbereichen endgültige Entscheidungen treffen kann, dann wird man neben Deutschland und Österreich nur noch Belgien als einen föderalen Staat bezeichnen können. 455 Im deutschen Verbund-Föderalismus fallen die Gesetzgebungszuständigkeiten grundsätzlich den Ländern zu. Der Bund nutzt seine speziellen Gesetzgebungs-Kompetenzen allerdings so extensiv, dass für die Länder derzeit 456 „unter dem Strich“ nur wenige Bereiche übrig bleiben. Der Bund ist dabei allerdings fast immer auf eine Mehrheit im Bundesrat und auf eine Umsetzung über die Verwaltungen der Länder angewiesen. Die anderen mitgliedstaatlichen Verfassungsordnungen kennen keine bundesstaatlichen Strukturen (in der Verfassung der V. Republik Frankreichs gibt es beispielsweise keine hierarchischen Kompetenzbestimmungen). Es lässt sich lediglich eine allmähliche Entwicklung weg vom Unitarismus beobachten (allerdings von oben nach unten und nicht von unten nach oben). Spanien hat 1978 – mit noch offenem Ausgang – eine Dezentralisierung begonnen. Ähnliches gilt ansatzweise für Polen. Italien hat durch die Einführung der Direktwahl des Präsidenten des Regionalausschusses zwar die Legitimität der Regionen gestärkt, ihre Zuständigkeiten und Finanzausstattung freilich nicht erweitert. In Frankreich ist ein (schüchterner) Dezentralisierungsprozess eingeleitet, der inzwischen aber – trotz aller Auflockerung des Einheitsstaates – ins Stocken geraten ist (vgl. nur das „Problemfeld“ Korsika). Dieser Prozess soll erklärtermaßen nicht in einen Föderalismus münden. Großbritannien schließlich hat 1998 Gesetze beschlossen, die Schottland, Wales und Nordirland eine – begrenzte – Regionalautonomie geben sollen. Insgesamt ist und war es beim Herangehen an die europäische Verfassungsdebatte entscheidend, die nationalen Verfassungsvorverständnisse mitzuberücksichtigen. Die bislang vorliegenden Verfassungsentwürfe zeig(t)en, welche große Rolle die nationalen Ausprägungen demokratischer Wirkungsprinzipien spielen.
454 Die Stellung des US-Präsidenten ist insofern noch stärker, als er Regierungschef ist und ebenfalls direkt – über Wahlmänner – gewählt wird. 455 Der schweizerische Wettbewerbsföderalismus ist insoweit nochmals eine Besonderheit, da er den Gliedstaaten z. B. auch autonome Steuererhebungskompetenzen einräumt; nach dem US-Trennungsföderalismus umfassen dagegen die jeweils der Bundesebene zugewiesene Sachkompetenz alle Funktionen: Gesetzgebung, Exekutive und Gerichtsbarkeit. 456 Belastbare Bewertungen der „Föderalismus-Reform I“ sowie der laufenden „Föderalismus-Kommission“ stehen noch aus.

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B. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung

oo) Begleitend zum Verfassungskonvent vorgestellte (Privat-)Entwürfe Begleitend zum seit Februar 2002 tagenden „Konvent zur Zukunft Europas“ erarbeiteten verschiedene Politiker und Juristen eine Vielzahl eingehender Verfassungsentwürfe. 457 Zu nennen sind hierbei (P. Häberle zitierend 458 und ergänzend) der „Budapester Entwurf für eine Europäische Verfassung“ der Arbeitsgruppe an der Staatsund Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Budapester Eötvös-Loránd-Universität vom Juni 2003 459, der Entwurf von The Young Christian Democrats of Denmark (KFU) vom März 2003 460, der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Juristinnen und Juristen (ASJ) vom Februar 2003 461 sowie aus demselben Monat der „Trierer Verfassungsentwurf für die Europäische Union“ 462. Weiterhin sollen in diesem Kontext hervorgehoben werden: Die EVP – Konventsgruppe und ihr Diskussionspapier vom November 2002 463 sowie die überarbeitete Fassung vom Januar 2003 464; der (überarbeitete) Entwurf eines „Verfassungsvertrages der Europäischen Union“ von F. Cromme 465; der Vorentwurf des Verfassungsvertrages von Kommissionspräsident R. Prodi (4. 12. 2002) 466.

17 dieser Entwürfe werden von P. Häberle, Europäische Verfassungslehre, 4. Aufl. 2006, S. 600 ff. (vgl. auch ders., Die Herausforderungen des europäischen Juristen vor den Aufgaben unserer Verfassungs-Zukunft: 16 Entwürfe auf dem Prüfstand, in: DÖV 11/2003, S. 429 ff.) vorgestellt und profund (gelegentlich streitbar – etwa der sog. „Berliner Entwurf“ vom November 2002) analysiert. Auf eine Darstellung dieser Ansätze wird daher verzichtet, gleichwohl darauf verwiesen, dass eine nicht unerhebliche Anzahl der Entwürfe einflussreiche Wegmarken für die Debatte zu setzen wussten (bzw. noch wissen). Einige Verfassungsentwürfe, die von P. Häberle nicht aufgenommen wurden, sind bereits oben benannt worden. Vgl. auch T. Oppermann, Vom Nizza-Vertrag 2001 zum Europäischen Verfassungskonvent 2002/2003, in: DVBl. 2003, S. 1 ff. J. Schwarze, Europäische Verfassungsperspektiven nach Nizza, in NJW 2002, S. 993 ff. 458 P. Häberle, Europäische Verfassungslehre, 4. Aufl. 2006, S. 604 ff. 459 Vgl. www.cap.uni-muenchen.de/konvent/entwuerfe.htm. 460 Young Cristian Democrats Of Denmark (B. Langdahl, T.N.W. Pedersen), A Danish Proposal on a European federal Constitution, 25. März 2003, abrufbar unter http://kfu.dk /rtf/108.pdf. 461 Der Entwurf: Verfassungsgrundsätze der Europäischen Union, 14. Februar 2003, vgl. www.bundestag.de/internat/eu_konvent/verf_ent.html. 462 H.W. Maull, R. Kirt (Hrsg.), Eine Verfassung für Europa. Trierer Verfassungsentwurf für die Europäische Union. Ergebnis eines Projektseminars Trierer Studentinnen und Studenten, 2003. 463 „The Constitution of the European Union“ (Discussion Paper), 10. November 2002, Text of the EPP Convention Group meeting in Frascati, abrufbar unter http://www.cap.unimuenchen.de/konvent/download/EPP-Constitution2.pdf. 464 „Die Verfassung der Europäischen Union“ (Diskussionspapier), überarbeitete Fassung einschl. des 2. Teils, 27. 01. 2003, vgl. CONV 616/03 vom 01. 04. 2003.

457

II. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung

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Der „Berliner Entwurf“ von G. Gloser und M. Roth (November 2002) 467 und der „Freiburger Entwurf“ des Europa-Instituts Freiburg e.V. (November 2002) 468 verdienen ebenso eine Erwähnung wie der „Entwurf einer Neufassung des Vertrages über die Europäische Union für den Verfassungskonvent der EU“ von R. Scholz (2002) 469, der Vorentwurf des Verfassungsvertrages vom Konventspräsidium (Oktober 2002) 470 und der Vorschlag einer „Verfassung der Europäischen Union“ an den Konvent von J. Leinen (Oktober 2002) 471. Auf Widerhall stießen zudem der Entwurf von A. Dashwood, M. Dougan, C. Hillion, A. Johnston und E. Spavent (Oktober 2002) 472 sowie die Ansätze der Konventsmitglieder E.O. Paciotti 473, E. Brok 474, R. Badinter 475 und A. Duff 476. Neben dem in mancherlei Hinsicht geglückten Entwurf von F. Dehousse und W. Coussens (Europen Policy Center) 477 ist in messbaren Grenzen beachtenswert auch der „First Green Draft for a European Constitution“ der jungen Grünen-Politi-

465 F. Cromme, Verfassungsvertrag der Europäischen Union, Entwurf und Begründung, 2. Aufl. 2003, S. 27 ff. 466 Abrufbar unter http://europa.eu.int/futurum/documents/offtext/const051202_en.pdf. 467 Abrufbar unter http://www.gloser-spd.de/berliner_entwurf-verfassung_fuer_die_eu .pdf. 468 Europa-Institut Freiburg e.V. (Hrsg.), Freiburger Entwurf für einen europäischen Verfassungsvertrag, 2002. 469 R. Scholz, Entwurf einer Neufassung des Vertrages über die Europäische Union für den Verfassungskonvent der EU, in: Zeitschrift für Gesetzgebung, Vierteljahresschrift für staatliche und kommunale Rechtsetzung, 17. Jahrgang, Sonderheft 2002. 470 Vgl. CONV 369/02 sowie http://register.consilium.eu.int/pdf/de/02/cv00/00369d2 .pdf. 471 Abrufbar unter http://www.joleinen.de/dokumente.html. 472 „Draft Constitutional Treaty of the European Union and related documents“, vgl. CONV 345/02 REV 1 sowie http://register.consilium.eu.int/pdf/de/02/cv00/00345r1d2.pdf. 473 „Progetto di Costituzione dell’Unione Europea“ (ital.), „Projet de Constitution de l’Union Europenne“ (franz.), vgl. CONV 335/02 vom 10. Oktober 2002 sowie http://register .consilium.eu.int/pdf/de/02/cv00/00335d2.pdf. 474 „Constitution of the European Union“ (Discussion Paper) neuere Version zum Entwurf vom 10. September 2002 (abrufbar unter http://www.weltpolitik.net/texte/policy /verfassung/brok.pdf), vgl. CONV 325/02 vom 8. Oktober 2002 (CONTRIB 111) sowie http://register.consilium.eu.int/pdf/de/02/cv00/00325d2.pdf 475 „Eine Europäische Verfassung, Une Constitution Europenne“, vgl. CONV 317/ 02 vom 30. September 2002 sowie http://register.consilium.eu.int/pdf/de/02/cv00/00317d2 .pdf 476 „A Model Constitution for a Federal Union of Europe“, vgl. CONV 234/02 vom 3. September 2002 sowie http://register.consilium.eu.int/pdf/de/02/cv00/00234d2.pdf. 477 Constitution of the European Union, 17. September 2002, vgl. http://www.cap.unimuenchen.de/konvent/download/EPC-DehousseCoussens.pdf.

Die Arbeit des europäischen Verfassungskonvents und der Parlamentarismus. doch wirkte sich das in der Praxis mangels Abstimmungen nicht aus. Mayer. Magiera. in: Festschrift für T. dass praktisch das gesamte europäische System auf den Prüfstand kam. S. Tsatsos. 477 ff. Darin lag das „innovative Moment“ des EU-Konvents für die europäische Verfassunggebung. in: DÖV 2003. S. Zum 70.. 481 Aus Deutschland gehörten zuletzt dem Konvent an: Bundesminister J. 16 Mitgliedern des Europäischen Parlaments. und Staatsminister H.cluny. http://pictel. 2003.ensam. 2003. 481 Vgl. welche die zukünftige Entwicklung der Europäischen Union aufwirft.htm. Auch Vertreter der Beitrittsstaaten nahmen teil. Der Konvent versammelte 105 Mitglieder und die gleichen Zahl von Stellvertretern. S. Bury als Vertreter der Bundesregierung. Lührmann und Nouripour (September 2002) 478 sowie „La Constitution Européene de Cluny“ der Convention Européene de Cluny (Juli 2002) 479. 749 ff. Vgl. die bisher die Verträge ausgearbeitet hatten. „die wesentlichen Fragen zu prüfen. D.de/konvent/download/Young_Greens.. Im Unterschied zu Regierungskonferenzen. in: DVBl. S. Ministerpräsident 479 478 . Morlok / W. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung ker Seifert. mit denen sich der Konvent beschäftigen sollte.). Die stellvertretenden Mitglieder waren im Status den Mitgliedern praktisch gleichgestellt. Tsatsos. 1 ff.cap. (2006).“ Dazu wurden in der benannten „Erklärung von Laeken“ jene knapp 60 Fragen aufgelistet. Der Europäische Konvent. Oppermann. Zwar hatten die Mitglieder der Beitrittsstaaten kein Stimmrecht. Häberle / M.fr/Europe/textes/const_2001. 2003.M. Macht und Gegenmacht in der Europäischen Verfassung. 59 ff. Eine neue Kompetenzordnung für die Europäische Union.C. I. Fischer (Grüne). Der Konvent hat seine Arbeit so angelegt.uni-muenchen. Fleiner. http://www. Mai 2003. Neben dem Präsidenten und zwei Vizepräsidenten bestand der Konvent aus − − − − 28 Vertretern der Regierungen der Mitgliedstaaten. Skouris (Hrsg. Pernice. Zur Arbeit des Europäischen Verfassungskonvents. Praktisch war damit der Auftrag für eine Generalrevision der Europäischen Union gegeben. auch die Bibliographie des Verf. Siehe insb. 480 Aus der Lit: T. S. 56 Vertretern der nationalen Parlamente und zwei Vertretern der EU-Kommission. Dezember 2001 beauftragt. in: P. sondern in erster Linie aus Parlamentariern. F. Geburtstag am 5.pdf. Vom Nizza-Vertrag 2001 zum Europäischen Verfassungskonvent 2002/2003. in: ZaöRV 63 (2003). Festschrift Festschrift für Dimitris Th. 578 ff. / 15.166 B. pp) Der Europäische Konvent 480 (1) Auftrag und Zusammensetzung – das innovative Konventsmoment Der „EU-Konvent zur Zukunft Europas“ wurde von den europäischen Staatsund Regierungschefs am 14. setzte sich der Konvent nicht aus Diplomaten der Mitgliedstaaten zusammen... S.

März 2002 fanden sowohl die ersten Treffen der Institutionengruppen als auch Koordinierungssitzungen der „politischen Familien“ statt. 29. 2002 und dem 10. die letzte CONVNr. als Vertreter des Bundesrates. 29. Die jeweiligen Vorarbeiten spielten in der Konsequenz aber eine vergleichbar marginale Rolle.und konfliktfrei. da das Präsidium den Versuch unternommen hatte. Altmaier (CDU) als Vertreter des Bundestages. Agence Europe v. J. 2003. nicht vergeben. Meyer/ S. vgl. in denen es 1802 Redebeiträge gab. S. in: EuZW 2003. Die Zusammenkünfte der „politischen Familien“ im Vorfeld der Plenarsitzungen führten so schon beim ersten Konvent zu einer Abstimmung über die nationalen Grenzen hinweg. sondern zwischen den politischen Gruppen. Zu einem zentralen Punkt der Reform. 7. seinem Präsidenten gestaltete sich von Beginn an nicht reibungs. Grundsätzlich ist eine Abstimmung von 25 (plus x) nationalen Interessen nahezu unmöglich. Gerhards (SPD). die als Folge der Beschränkung der Redezeit „nur“ 5436 Minuten in Anspruch genommen haben. Um die Verfassung zu entwerfen. 483 So wurden etwa Arbeitsgruppen mit einer realistischen Zeitvorgabe erst auf Druck des Plenums eingesetzt. 10. CONV 835/03 v. 613 ff. . Es gibt 848 Konventsdokumente. CONV 851/03 v. So erfolgte beispielsweise zum Ende des Grundrechtekonvents der politische Interessenausgleich nicht mehr entlang der nationalstaatlichen Linien. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 167 Ein bedeutender Vorteil des Konventsverfahrens lag im Beginn der „Politisierung“ des europäischen Interessensausgleichs. dass die „GrundE. wurden 27 Plenarsitzungen zwischen dem 28. 2003 6 CONVNr. auch J. 18. die insgesamt zwölfmal getagt haben. Von Vielen wurde beklagt. ist zwar 854/03 v. 7. 7. 5995 Änderungsanträge wurden gestellt. eine ausschließlich von ihm selbst entworfene. 7. doch wurden gem. 2003 durchgeführt. 2. 482 Der zweite Konvent hat daraus zumindest vordergründig seine Konsequenzen gezogen: Bereits vor der Eröffnungssitzung am 28. hat es keine Arbeitsgruppe gegeben. Teufel (CDU) und W. Hölscheidt. 2003. E. 2003. Die Zusammenarbeit zwischen dem Plenum und dem Präsidium bzw. Meyer (SPD) und P. Elf Arbeitsgruppen gab es. Hänsch (SPD). sehr präsidiallastige Geschäftsordnung zur Grundlage der Konventsarbeit zu machen. Ersetzung der geltenden Verträge zurückgreifen.II. 482 (2) Die Gestaltung der Konventsarbeit Der Konvent konnte freilich auf zahlreiche neue Vorschläge für eine Reform bzw. ohne dass dabei tatsächlich plausible Strukturüberlegungen erkennbar waren. K. S. Das Präsidium hat 50mal getagt. die insgesamt 86 Sitzungen durchgeführt haben. Kaufmann (PDS) und J. 7. Brok (CDU). den Institutionen. hinzu kommen drei Arbeitskreise. 483 Bereits der Auftakt der Konventsberatungen war in diesem Sinne misslungen. vgl. Unhabhängig von einer aktuellen Bewertung steht einem Konvent dagegen grundsätzlich die Möglichkeit zur Interessenformulierung innerhalb der vier Institutionengruppen und der „politischen Familien“ offen. Die Europäische Verfassung des Europäischen Konvents. Wuermeling (CSU) in der Delegation des Europäischen Parlaments.

Meyer/ S. die der Sozialisten 30 Prozent. Das Potential Deutschlands als größtem Mitgliedstaat wurde bei aller gebotenen Zurückhaltung auch angesichts gegebener Wirkkräfte nur bedingt genutzt. indem es ihre Normen in anderen Teilen der Verfassung untergebracht und dadurch unnötigerweise hunderte von Änderungsanträgen provoziert hätte. 613 ff. Arbeitsgruppen wurden eingerichtet u. von den ursprünglichen 105 Mitgliedern waren am Schluss nur noch 69 vertreten. Europa benötigt generell Zeitdruck. In den Konvent brachten lediglich 14 Mitglieder durchgängig ihre Erfahrungen aus dem Grundrechtekonvent ein. In dem Konvent haben sich die Mitglieder sowohl nach politischer Zugehörigkeit wie nach Delegationen (z. B. zwei Jahren erreicht. Chirac zu den traurigen Kapiteln tatsächlicher „Interessensvertretung“ zu zählen ist). Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung rechtecharta“ vom Präsidium als „Steinbruch“ genutzt worden wäre. In diesem Rahmen fanden jeweils Koordinierungen statt. so dass dem Konvent gegen Ende nicht genügend Zeit blieb. weil persönliche Kontakte jenseits starrer Delegationsgrenzen. Glotz durch Außenminister J. die Konventsarbeit weiter zu verlängern. 613 stellen zu Recht fest. Die Fraktion der Europäischen Volkspartei (EVP). umfasste etwa 40 Prozent der Mitglieder. Außenbeziehungen und Verteidigungspolitik. Einen Akzent brachte zumindest die deutsch-französische Initiative im Frühjahr 2003 (wobei die „Vertretungsregelung“ Deutschlands durch J. Hölscheidt. Die EVP-Gruppe hatte in vielen Punkten aufgrund (damalig) weitgehender Homogenität eine Führungsrolle übernommen bis hin zur Vorlage des bereits erwähnten kompletten Verfassungsentwurfs. in: EuZW 2003. um Fortschritte zu erzielen. zu den Themen Subsidiarität. 485 Die deutschen Vertreter von „Rot-Grün“ hätten im Konvent eine maßgeblichere Rolle spielen können. Die Auswechslung des Regierungsvertreters P. eine große Rolle gespielt haben. in der die Linien verabredet wurden. Zuständigkeiten. wie sie Regierungskonferenzen kennen. die Verfassungskommissionen der fünf neuen Bundesländer auf der innerstaatlichen Ebene und zuletzt der Grundrechtekonvent auf der europäischen Ebene. Die Europäische Verfassung des Europäischen Konvents. a. Spanien und Portugal auf der Staatenebene. praktisch nicht. Fischer erfolgte zu spät. Ein allzu üblicher Verfahrensfehler ließ sich ebenfalls nicht vermeiden: die anfänglich geführte Generaldebatte war viel zu langwierig. 485 484 J. Europäisches Parlament oder nationale Parlamente) zusammengefunden. Inneres und Justiz. Erfahrungsgemäß ist er nach ca. . den umfangreichen Teil III in der gebotenen Ausführlichkeit zu erörtern. Gesetzgebungsverfahren. S. Zudem gehörte Fischer als Grüner keiner der großen politischen Gruppen an.. Dies gab Gelegenheit zu 1802 mündlichen Beiträgen. nationale Parlamente.“ Dies belegen auch die Prozesse der Verfassunggebung in den 70er Jahren in Griechenland. Außerdem erschöpft sich die Dynamik und Produktionskapazität eines solchen Gremiums zu einem bestimmten Zeitpunkt. dass dies ein „wichtiger Grund für manche Ungereimtheiten der Verfassung“ gewesen sei: „Theoretisch wäre es sinnvoll und möglich gewesen. Ordnungspolitik. mehr als ein Drittel ist also ausgetauscht worden. Eine Verlängerung hätte zwangsläufig eine weitere Fluktuation mit sich gebracht und das Konventsgeflecht beeinträchtigt. 484 Der Konvent tagte im Plenum an 52 Sitzungstagen zwischen März 2002 und Juni 2003.168 B. Speziell für den Konvent als neuartigem parlamentarischen Gremium war die Mitgliedersituation zu berücksichtigen.

das Präsidium und das Generalsekretariat. Giscard d’Estaing. der Leitung des Konvents und 13 (von 15) Regierungsvertretern (2+16+3+13=34). Damit wurde deutlich: Die Mehrheitskoalition. die Macht des Staates zu begrenzen. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 169 Der Konvent wurde „gesteuert“ durch den Präsidenten V. Für eine Mehrheit bedurfte es 34 der 66 Stimmen. Der Konvent wurde im Dezember 2001 vom Europäischen Rat eingesetzt. in: NZZ am Sonntag vom 16. Der Präsident war zunächst auf viele Vorbehalte der Mitglieder gestoßen.II. 2. die staatliche Institutionen angesammelt haben. die beiden Vizepräsidenten Amato und Dehaene (zusammen 3) sowie die Vertreter der nationalen Regierungen (15). die Kompetenzen der Europäischen Union zu erweitern. Seine Autorität hat in der Schlussphase gelitten durch das Beharren auf Vorschlägen. 486 . Der Europäische Verfassungskonvent hatte vorgeschlagen. wenn es um die Zentralisierung Europas geht. so standen die Vertreter der Kommission (2) und des Europaparlaments (16) an der Spitze. die Machtfülle. Der Repräsentant der französischen Regierung und die Vgl. auf öffentlichkeitswirksame Weise an die Spitze des Verfassungskonvents einen bürgerlichen Politiker aus Frankreich zu stellen. der als besonders zentralisierungsfreudig bekannt war. 2003. Hierbei ist jedoch die unterschiedliche Interessenlage zwischen den nationalen und europäischen Parlamentariern zu berücksichtigen. Chirac in Nizza offensichtlich eine weitere Zentralisierung der Europäischen Union in wichtigen Punkten zu blockieren vermocht hatte. Sie kann aber auch dazu missbraucht werden. Versucht man die verschiedenen Gruppen des Konvents nach ihrem jeweiligen Zentralisierungsinteresse zu ordnen. die einer stärkeren Zentralisierung grundsätzlich befürwortend gegenüberstand. anstatt sie zu beschränken. Nicht zuletzt um ihn – auch in seinem eigenen Land – unter Druck zu setzen 486. Tatsächlich besaßen die Europaparlamentarier (16) und die nationalen Parlamentarier (30) im Konvent – allerdings nicht in seinem Präsidium – zusammen eine Mehrheit der 66 Stimmen. Weshalb das Defizit an Demokratie bestehen bleibt. ex post zu legitimieren und weiter auszubauen. besteht aus den Vertretern der Kommission und des Europaparlaments. pragmatische und konziliante Amtsführung überzeugen können. die das Plenum mit breiter Mehrheit abgelehnt hatte. Das Kooperationspotential erschien zunächst eingeschränkt. auch weil der französische Präsident J. schon im Vorfeld einer Regierungskonferenz Einfluss auf die Reformdiskussion zu nehmen. beschloss die Ratsmehrheit. Er hat jedoch den Konvent laut Aussagen zahlreicher Mitglieder durch eine weitsichtige. Es folgten der Präsident. (3) Inkurs: Der Konvent als Zentralisierungsplattform? Eine grundsätzliche Überlegung: die Verfassung ist ein klassisches Mittel. Die offizielle Begründung lautete freilich anders: Der Konvent sollte erstmals den Parlamenten – dem Europaparlament und den nationalen Parlamenten – die Möglichkeit geben. nur R. Vaubel.

Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung nationalen Parlamentarier konnten beliebig überstimmt werden. in: DÖV 18 (2003). So war der erste Präsident der Kommission mit W. Hölscheidt. Unter Berücksichtigung dieser Erwägungen hätte der Europäische Verfassungskonvent im Grunde nur aus Mitgliedern der nationalen Parlamente bestehen dürfen. Den Ausschlag gab daher weitgehend die Konventsleitung. Hallstein der Mann. Dem Präsidium gehörten – in der Rangfolge ihrer vordergründigen Zentralisierungsneigung – je zwei Vertreter der Kommission und des Europaparlaments. Zehn Mitglieder des Konvents kritisierten den Zentralisierungskurs. die dreiköpfige Konventsleitung. Schmitt (Hrsg. 737 ff. Maurer/ S. für das daraufhin zu wählende Parlament (Assemblée Legislative) zu kandidieren. der den EWG-Vertrag für die Bundesrepublik Deutschland ausgehandelt hatte. 2003. Referenden in Europa. Die Parlamentarier der Mitgliedstaaten haben jedoch kein Interesse an ihrer eigenen Entmachtung. denen für die Zukunft alle Ämter in den EU-Institutionen verwehrt worden wären. Jedoch ist bislang 487 In diesem Kontext entwickelt der Gedanke eines Referendums in der Regel besondere Anreize. Zwar sollen die nationalen Parlamente die Möglichkeit erhalten. Europas Verfassung nach der Regierungskonferenz. Diese Gruppe war nicht im Präsidium vertreten. Putz. im Vorfeld der EU-Gesetzgebung ihre Bedenken anzumelden und im Nachhinein beim EuGH gegen Kompetenzüberschreitungen zu klagen. K. die sie später einhalten sollen. vgl.). Andernfalls bestünde die Gefahr.170 B. wonach Verfassungsregeln nicht von denen aufgestellt werden dürfen. als die Regierungen oft allein deshalb an der Zentralisierung interessiert sind. Nunmehr in Fortführung der oben angestellten grundsätzlichen Überlegung: Die Zusammensetzung des Konvents könnte gegen die klassischen Maxime der Verfassungstheorie verstoßen haben. dass sich die Verfassunggeber mehr Macht einräumen. I. um sich der extensiven parlamentarischen Kontrolle zu entziehen. Schunz. Alle Änderungen der Verträge wären vom Konvent ausgehandelt und dann den Parlamenten der Mitgliedstaaten zur Ratifizierung vorgelegt worden. . Herausforderungen der repräsentativen Demokratie. Demzufolge hatte beispielsweise die erste französische Verfassunggebende Versammlung (Assemblée Constituante) in der Verfassung von 1791 ihren Mitgliedern verboten. SWP-Papier. 487 Tatsächlich haben die europäischen Institutionen den benannten verfassungstheoretischen Grundsatz bereits früher missachtet. Dann hätte der Verfassungskonvent auch ganz an die Stelle der Regierungskonferenz treten können. drei Vertreter der Regierungen und zwei nationale Parlamentarier an. und auch ein internationales Regulierungskartell hat für sie wenig Wert. S. Ratifikation durch Referendum. Im zwölfköpfigen Präsidium gestaltete sich dies noch leichter. Das wäre bereits insoweit vorzugswürdig gewesen. den Vertrag von Lissabon die zukünftige Rechtsprechung des EuGH sein. Interessant wird in diesem Gesamtzusammenhang und mit Blick auf den Verfassungsvertrag bzw. dazu A. 2003. als für das Gemeinwesen „gut“ ist. S..

vgl. Graf Vitzthum. Dörr/ U. das aus Vertretern der höchsten nationalen Gerichte bestünde und ausschließlich über Kompetenzstreitigkeiten zu entscheiden hätte. S. wie sie die „European Constitutional Group“ (ECG) in einem Entwurf für eine europäische Verfassung im Sinne einer liberalen Ordnung 1993 vorgestellt hatte. weshalb der EuGH das Zentralisierungsinteresse der anderen europäischen Institutionen nicht teilen sollte.II. desto wirkungsmächtiger sind die Fälle. dass die Verfassungsgerichte kaum gegen Zentralisierungstendenzen vorzugehen tendierten und diese nicht selten durch ihre Rechtsprechung verstärkten. Der Entwurf der ECG war naturgemäß viel schlanker als die Dokumente des EU-Konvents. Saner. Der Europäische Gerichtshof als Verfassungsgericht und Rechtsschutzinstanz. in: AöR 125 (2000). Der Europäische Gerichtshof zwischen Recht und Politik. 478 ff. Pernthaler. sozusagen als Schatten-Konvent zu arbeiten. in: JZ 1998. Auch wurde erwogen. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 171 nicht erkennbar. nicht – wie es eher EUTradition ist – die Rechte von Staaten. . S. Wolf-Niedermaier.G. föderal aufgebaute Europäische Union mit klarer Kompetenzaufteilung zwischen den verschiedenen Staatsebenen.). S. 1998. die nationalen Parlamente über eine zweite Kammer des Europaparlaments oder direkt an der europäischen Gesetzgebung zu beteiligen. 161 ff.. in: Juristische Blätter 2000. 1988. Verfassungsrecht und Verfassungsgerichtsbarkeit im Zeichen Europas. Rechtswahrung und Rechtsschutz nach Amsterdam – Zu den neuen Zuständigkeiten des EuGH. Gemeinschaftsgericht und Verfassungsgericht – rechtsvergleichende Aspekte. 490 488 Siehe nur G. dem EuGH zumindest ein „Subsidiaritätsgericht“ an die Seite zu stellen. inhaltlich aber radikaler. dass für eine wachsende Europäische Union in gewissem minimalem Ausmaß eine föderale Union nötig sei. 1983. Europäische Verfassungslehre. Zielsetzung war u. auch den Sammelband von J. 691 ff. 386 ff. O. 1997. Die Herrschaft der Richter im Recht ohne Staat.. 4. A. 490 Solche Vorschläge. stießen jedoch bei der Mehrheit des Verfassungskonvents auf wenig Widerhall. dass sich insbesondere deshalb der EuGH in der Vergangenheit als „Motor der Integration“ betätigt hätte 488. Schwarze. P. 489 Eine Ausnahme bildet etwa das schweizerische Bundesgericht. Schwarze (Hrsg. um bei der Veröffentlichung des offiziellen Verfassungsentwurfs des EU-Konvents mit einem liberalen Gegenvorschlag aufzuwarten. Die wiedererweckte ECG umfasste 18 Ökonomen und Rechtsexperten. 489 Demzufolge und aufgrund der beklagten Chancenlosigkeit der nationalen Parlamente vor dem EuGH wurde bereits in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wiederholt die Forderung aufgestellt. Die ECG ist im Juni 2002 in Berlin mehr oder weniger neu lanciert worden. um deren Funktionsfähigkeit zu sichern. Es würde zu weit führen zu postulieren. die die europäischen Richter zu entscheiden haben. 2006. Mager. Je mehr Kompetenzen die Europäische Union erhält. Gesucht wurden deshalb Spielregeln für eine demokratische. Allerdings ist in einer vergleichenden Betrachtung der Geschichte unterschiedlicher Bundesstaaten festzustellen. um das Vorhaben des EU-Verfassungskonvents kritisch zu begleiten. da es nicht für Kompetenzstreitigkeiten zwischen den Kantonen und dem Bund zuständig ist. Aufl. Zur bisherigen Rolle des EuGH J. Als Grundrechte sollten die in der Konvention von 1950 umschriebenen Freiheitsrechte gelten und nicht – wie es der EU-Konvent letztlich vorsah – die im Dezember 2000 verkündete Grundrechte-Charta der Europäischen Union. Verfassungsregeln. P.. a. Der Europäische Gerichtshof als Förderer und Hüter der Integration. S. Die Autoren waren der Meinung. Ursprung und Legitimation der rechtsgestaltenden Funktionen des EuGH. die die Rechte der Bürger schützen. W. Häberle.

die Gewährleistung des freien Verkehrs von Waren. Juni 2002 durch den Konvent in die Debatte eingeflossen sind. die auch im nationalen Kontext Begründet wurde dies damit. All dies soll nur an die oberste Ebene delegiert werden. Für wichtige Geschäfte gilt ein obligatorisches. Außenhandelspolitik.und Umverteilungs-Versprechen ableitbar wären. dass die Charta zur verfassungsmäßigen Beschränkung der Staatsgewalt ungeeignet sei. Eine breitere Öffentlichkeit nahm trotz dieser Bemühungen erst gegen Ende des Mandats von den Arbeiten Notiz. die beispielsweise im Rahmen einer Anhörung der Zivilgesellschaft am 25.172 B. Umfassend informiert wurden allerdings die nationalen Parlamente durch ihre Vertreter. wobei das Volk mit qualifizierter Mehrheit zustimmen muss und Verfahren mit Übergangszeiten festzulegen sind. Eine Verfassung nach dem Geist der ECG müsste wohl dem Volk vorgelegt werden.und Ländermehrheit.weite Umweltprobleme. etwa durch eine proportionale indirekte Steuer. In einem „Jugendkonvent“ wurde am 10. Schliesslich ist das Verfahren bei Entwurf und Verabschiedung einer Verfassung von zentraler Bedeutung. Der Haushalt der europäischen Regierung muss über die Legislaturperiode hinweg ausgeglichen sein. / 26. Ziel war eine umfassende Debatte aller Bürgerinnen und Bürger zur Reform der Europäischen Union. 491 So haben etwa CDU / CSU-Konventsmitglieder der Führungsspitze.und Ländermehrheit findet. Demokratie. obwohl der Verfassungstext gerade Übersichtlichkeit. für andere Vorlagen bei bestimmten UnterschriftenQuoren ein fakultatives Referendum. Im ECG-Vorschlag wird die zweite Kammer nicht aus dem Europäischen Rat gebildet. und zwar in der ganzen Europäischen Union. Der Vorsitzende hat die Mitgliedstaaten dazu aufgerufen. den Europapolitikern. aus der Europäischen Union auszutreten. Hier sind 1264 Beiträge von Nichtregierungsorganisationen eingegangen. Jeder Staat hat das Recht. auch auf nationaler Ebene Foren zur Bürgerbeteiligung einzurichten. Effizienz und Effektivität politischer Entscheidungsverfahren – sind wesensmäßig weitgehend identisch mit jenen. Personen und Kapital innerhalb der Europäischen Union. Dazu wurde ein „Forum“ geschaffen. auf Wettbewerbspolitik sowie Umweltpolitik mit Blick auf EU. aus denen zahlreiche Schutz. Steueränderungen sind nur bei Zweidrittelmehrheit in beiden Kammern und Zustimmung des Volkes möglich. dieser bleibt näher bei seiner heutigen Rolle. Außenpolitik. Bundestagsabgeordneten und weiteren Mandatsträgern der Partei nach jeder Plenartagung schriftlich Bericht erstattet. Dies. zumal diese eine Art Grundkonsens der EU-Bürger darstellen sollte. Einfachheit und Bürgernähe vermitteln sollte. Umfragen zufolge hatten zum Schluss gerade einmal die Hälfte der EU-Bürger von dem Konvent gehört. Dienstleistungen. das allen Organisationen der Zivilgesellschaft offen stand. . 491 Die Kernthemen. Vorlagen bedürfen zur Annahme einer Volks. Die europäische Regierung wird durch eine speziell bezeichnete Steuer finanziert. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung (4) Zeitgemäße Aspekte der Öffentlichkeitsarbeit? Der Konvent tagte öffentlich und alle Dokumente waren über das Internet jedermann zugänglich. wenn unter den Mitgliedstaaten darüber Konsens herrscht und ein Referendum darüber die Volks. mit denen der Konvent sich zu befassen hatte – Transparenz. Die Zuständigkeit der europäischen Regierung beschränkt sich auf Verteidigung. da sie neben Freiheitsrechten viele Stellen enthalte. Juli 2002 der Beitrag von über 200 Jugendlichen gehört.

J. Der EU-Verfassungskonvent hat zügiger und diskreter gearbeitet als die meisten staatlichen Verfassunggeber. So L. Liberalen und Konservativen vorausgegangen. Sie griff – so der Kommentar (des US-Schweizers) W.II. Bewertung der Strukturentscheidungen. Der Verfassungsentwurf des EU-Konvents. 2003. 492 . dass die europäische Verfassungsdebatte am Ende wieder auf eine Institutionendebatte reduziert wurde. Eco. A. Der Verfassungstext ist zwar nicht gerade über Nacht. aber doch in der vergleichsweise kurzen Zeitspanne von weniger als zwei Jahren entstanden. Gewiss. Es ist demzufolge ein bedauernswerter Umstand. Ein entscheidender Unterschied zur „Geheimniskrämerei von Philadelphia oder Herrenchiemsee“ 492. wenn man einmal von (verstreuten und eher unkohärenten) öffentlichen Stellungnahmen aus den Federn von U.zwar so lustlos zum neuen Text wie ein ermüdeter Patient zum rettenden Medikament. Doch waren der Errichtung des Bundesstaates von 1848 während fünfzig Jahren zum Teil erbitterte Auseinandersetzungen zwischen Zentralisten und Föderalisten. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 173 vieler EU-Länder bestehen. Alte Staatsverfassungen wie diejenige der Vereinigten Staaten von 1787 aber waren meist Produkte langer. bevor eine klare Festellung gewagt werden kann. Debré in wenigen Monaten redigiert und in Kraft gesetzt. So beispielsweise die gaullistische Verfassung der Fünften Republik in Frankreich. Der Prozess vollzog sich – im Gegensatz zu klassischen Fällen des staatlichen „constitution-making“ – in einer gewissen Abgeschiedenheit vom politischen und intellektuellen Leben. Trotzdem war niemals zuvor in der Verfassungsgeschichte ein Verfassunggebungsprozess im Angebot so öffentlich. Kühnhardt. ob das allgemeine Interesse wenigstens an den Ergebnissen des Konvents und seinen Folgen höher war als bei Verfassungsprozessen früherer Zeiten. demokratisch und transparent. Rappard . intensiver Diskussionsprozesse. Muschg und anderen Intellektuellen absieht. während die EU-Kandidatenländer in der zurückliegenden Dekade einem intensiven Reformprozess unter diesen Perspektiven unterzogen wurden: gelegentlich drängt sich der Eindruck auf. Habermas. J. ZEI Discussion-Paper. auch Verfassungen von Staaten kamen zum Teil sehr schnell zustande. Er war nicht umlagert von einem nachrichtenbegierigen Publikum. Sie wurde 1958 unter der Leitung von M. In der Schweiz nahm die Tagsatzung 1848 die neue Bundesverfassung zwar nach nur einigen Wochen dauernden Kommissionsverhandlungen an. Verfassungsfragen sind oftmals prozeduraler Natur und interessieren daher neben den naturgemäß Betroffenen und Beteiligten in den Institutionen regelmäßig Minderheiten. dass sie dadurch besser auf die Europäische Union vorbereitet sind und waren als manches bisherige EU-Mitglied auf die gemeinsame europäische Zukunft. Derrida. Es wird allerdings abzuwarten und manche Analyse bestritten sein. gerade in dem Augenblick. Er produzierte definitiv keine „Federalist Papers“.

Häberle. Lesung) wurden noch geringfügige Änderungen vorgenommen. (5) Beratung der Verfassungstexte. Häberle. Europäische Verfassungslehre. Preuß (Hrsg. Nach Vorstellung dieser Artikel im Plenum konnten die Mitglieder (und auch die Stellvertreter) binnen einer Woche schriftliche Änderungsanträge zu den Texten einreichen (1. Franzius / U. Bei Abstimmungen hätte auf die Sensibilität von einzelnen Mitgliedstaaten nicht Rücksicht genommen werden können. . Vgl. Nach einem Block von fünf Redebeiträgen konnten Kurzreaktionen von einer Minute abgegeben werden. In den Plenardebatten konnte sich das einzelne Mitglied in auf drei Minuten beschränkten Wortbeiträgen zu den vorgegebenen Themen äußern. mit zahlreichen Nachweisen. Es wäre beispielsweise zielführender gewesen. Dies war in dem Mandat des Gipfels von Laeken angelegt. Lesung). Aufl. warum die Charta der Grundrechte nicht an eine prominentere Stelle in der Verfassung gesetzt wurde. hätte der Entwurf keinerlei Chance gehabt. 273 ff. Öffentlichkeit und Verfassung. Zu dieser konnten wiederum Änderungsanträge eingebracht werden (2. 163 ff.K. nach dem das Präsidium die Aufgabe der Ausarbeitung der Texte hatte. der nicht zuvor die Billigung des Präsidiums erhalten hatte. Insgesamt wurden fast 8000 solcher Änderungsanträge gestellt. die Regierungskonferenz zu passieren. 2006. 2004.) Europäische Öffentlichkeit. Auf dieser Grundlage überarbeitete das Präsidium den Entwurf und legte eine neue Fassung vor. Lesung). die Rolle des einzelnen Mitglieds Auf der Grundlage der ersten Diskussionen und der Ergebnisse der Arbeitsgruppen erarbeitete das Präsidium im Oktober 2002 ein Rohgerüst für den Verfassungsvertrag. S. Nach einer erneuten Überarbeitung und Diskussion im Plenum (3. denn er war nicht repräsentativ zusammengesetzt. bevor man den Konsens feststellen konnte. in: ZfP 1969. Dieses Verfahren räumte dem Präsidium des Konvents eine starke Stellung ein. die aus der Europäischen Union neben der Staatenunion auch eine Union der Unionsbürger macht. bereits P. Sodann wurden sukzessive Vertragsartikel für die diversen Teile des Entwurfs vorgelegt. denn sie weiß eine hervorgehobene Facette politischer Identität zu verkörpern.174 B. Wären aber deren Vertreter regelmäßig überstimmt worden. Es traf sich zu insgesamt 50 Sitzungen und unterbreitete dem Plenum 52 Arbeitspapiere. Im Konvent konnte nicht abgestimmt werden. Kein einziger Text kam in den Verfassungsvertrag. siehe auch den Sammelband von C. unter Beteiligung einer tatsächlich einbezogenen europäischen Öffentlichkeit 493 darüber zu streiten. 4. In der folgenden Plenartagung wurden die Texte und die Änderungsanträge diskutiert. S. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung wo sie in das Blickfeld der Medien gelangte. 493 Den Begriff „europäische Öffentlichkeit“ beleuchten und definieren P.

die außen. S. Orientierungen zu Einzelthemen wie etwa den ergänzenden Zuständigkeiten oder der Verteidigungspolitik zu erarbeiten. Da sich die Präsenz der Mitglieder hier meistens auf ein Dutzend beschränkte. Der Vorsitz selbst arbeitete darauf hin.int) zugänglich. 38. wo es funktioniert (Binnenmarkt). Die meisten Reformansätze in dem Vertrag beruhen auf Vorarbeiten in den Arbeitsgruppen. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 175 Die Beratungen in den Arbeitsgruppen waren wesentlich ergebnisorientierter.eu .und sicherheitspolitischen Kapitel des Entwurfs zu modifizieren und für alle anderen Fragen differenzierte Lösungsmöglichkeiten zu präsentieren. Gleichwohl aber war an vielen Orten auf subtile Weise eine wachsende Stimmung gegen Europa zu spüren. In Nizza waren die Vetokapazitäten zwischen den Staaten gefestigt worden. Nicht selten entstand in der Schlussphase des Konvents der Eindruck. dass Europa dort geschwächt werden sollte. 495 Ein sehr kontro494 Die Beiträge sind auf der Web-Site des Konvents (http://european|-|convention. bis am Ende die Einsicht Platz griff. Innenpolitik). Man hatte nicht selten den Eindruck. Sie tagten nur während eines kurzen Zeitraums von zwei oder drei Monaten und hatten das Ziel. A. 1159 solcher Beiträge sind zum Plenum und zu den Arbeitsgruppen eingegangen. Aufschnüren oder Dynamisieren? Chancen und Risiken der Regierungskonferenz zum EU-Verfassungsvertrag. Maurer. . Nach der Übergabe des Entwurfs durch den Konvent im Juli 2003 begannen im Oktober 2003 die Vorbereitungen zur Regierungskonferenz im Dezember. 1. als sollten dieses Mal die Vetokapazitäten gegenüber den gemeinschaftsbildenden Prozessen und Institutionen gestärkt werden. Ziele und Folgen des Verfassungsprozesses debattiert. SWP-Aktuell Nr. 495 Vgl. war eine intensive und produktive Diskussion der einzelnen Themen möglich. wo die Bürger eindeutig und ausweislich aller demoskopischen Befunde „mehr Europa“ wünschen (Außen-.II. Justiz-. Abstimmung(sprobleme) im Europäischen Rat Allerorten entwickelten sich in der Schlussphase der Arbeit des Konvents überbordende Plattformen für europafreundliche Schriften und Reden. dass das System insgesamt nicht mehr funktionieren würde. Vielfach wurden der Wert und das Ziel einer Balance zwischen den Institutionen der Europäischen Union angerufen. Erneut – wie im Umfeld von Nizza – wurde intensiver über Kompromissspielräume bei den Institutionenfragen als über Maßstäbe. 2003. und dass es dort trotz aller Rhetorik schwach bleiben könnte. Darüber hinaus konnten die Mitglieder wie eben erwähnt Änderungsanträge und „schriftliche Beiträge“ einbringen. 494 (6) Schlussphase der Konventsarbeit. Die Zeit der Vorverhandlungen zur endgültigen Verabschiedung war knapp bemessen – ein Großteil der Verantwortung lag hierbei in den Händen der italienischen Ratspräsidentschaft.

ob ein Misstrauensvotum des Parlaments gegen die Kommission auch eine Amtsniederlegung des Außenministers zur Folge haben sollte (vgl. dass jeder Ministerrat in jeder seinerZusammensetzungen den eigenen Vorsitz autonom wählt. einen einzelnen Punkt des Gesamtkonsensus in Frage. 2003. vgl. Maurer/ S. Entwurf eines Vertrags über eine Verfassung für Europa. Der Entwurf einer Europäischen Verfassung in der Regierungskonferenz. 498 Darunter waren die Funktion und Flexibilität des durch den Konvent vorgeschlagenen Legislativrates im Verhältnis zu den anderen Ratsformationen wie auch die Frage nach Status und Rolle des künftigen Außenministers. 10. 499 496 Vgl. Neben der Dauer des Vorsitzes musste auch die Anzahl der Mitglieder innerhalb einer Gruppenpräsidentschaft diskutiert werden: Laut italienischem Konsenpapier CIG 60/03 ADD 1 sollten dies drei Staaten sein. 2004. in: Journal of Common Market Studies.176 B. Bezug zu. 497 Der „Economist“ äußerte sich hierzu wie folgt: „The Germans. Vermerk des Vorsitzes der Ratspräsidentschaft an die Delegationen CIG 60/03 ADD 1). darunter der Außenministerkonferenz in Neapel Ende November. Fassung vom 06. think that so broad a consensus was reached in the convention that any government wishing to fiddle with the text must find an alternative broad consensus – which is unlikely“. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung verser Verhandlungsverlauf war zu erwarten. dass im Zweifelsfall nationale Interessen stärker die Vorgehensweise der Konferenzteilnehmer bestimmten. 08. Preferences and Power in the European Community: A Liberal Interngovernmentalist Approach. 496 Nicht alle Teilnehmer sahen diese Vereinbarung als verbindlich und konsensual getroffen an. 3. 499 Der italienische Vorsitz zielte auf die Diskussion achtzehnmonatig wechselnder Vorsitze. Artikel I-25. vgl. trug er die Verantwortung für das Finden eines neuen Konsensus. 498 Bei den Diskussionen um den turnusmäßigen Wechsel des Vorsitzes im Ministerrat wurde als endgültige Lösung die „gleichberechtigte Rotation“ im Vertrag festgehalten – eine präzise Ausgestaltung sollte zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. Zur näheren Definition der Rolle des künftigen Außenministers der EU vereinbarte man einen den anderen Kommissionsmitgliedern gleichberechtigten Status (Artikel I – 28. CIG 87/04.: A. Auf dem Weg zum Verfassungsvertrag. 1993. wenn sie ein Gesetzgebungsverfahren durchführen und in diesem Zusammenhang öffentliche Beratungen stattfinden. Artikel I – 24. Schunz. Moravcsik.und Sicherheitspolitik und die Frage. Entwurf eines Vertrags über eine Verfassung für Europa. A. Die Außenministerkonferenz kam hier überein. Diese Regelung ging schließlich in den Vertragstext ein. dass kein eigenständiger Legislativrat gebildet werden sollte. Die Formulierung des Artikel I-24 . Maurer sieht hierin einen Fortschritt zum herkömmlichen „Bargaining“ nach der Theorie A. Zur Effizienzsteigerung hatte man eine Vorgehensweise festgelegt: Stellte ein Mitgliedsstaat eine partielle Regelung. Gegenstände der Einigung waren die Klärung seines Stimmrechtes außerhalb der Bereiche der Gemeinsamen Außen. S. 2003. hatten sich bereits einige institutionelle Fragen in der Vorbereitungsphase des Abschlussgipfels klären lassen. als dieser edle Vorsatz. Fassung vom 06. CIG 87/04). A. Moravcsiks. 08. Auf verschiedenen Foren der Regierungskonferenz. 497 In der Praxis sollte sich zeigen. for instance. Economist vom 04. 2004. Die Alternative wäre gewesen. Nr 4. vielmehr sollten die einzelnen Fachräte immer dann als ein solcher zusammentreten.

CONV 850/03. Der Kommissionspräsident würde einen Kommissar aus einer Dreier-Liste jedes Mitgliedsstaats wählen. 500 Die Kommission sollte laut Konventsentwurf ab dem 1. Gleichwohl: in den meisten Auseinandersetzungen standen sich die sechs Gründungsstaaten und die kleineren Mitgliedsstaaten. während Großbritannien und die Gründungsstaaten für eine Verkleinerung der Kommission eintraten. Die Zusammensetzung und Beschlussfassung der Europäischen Kommission war bereits im Konvent Gegenstand kontroverser Diskussionen gewesen. daher möchte jeder Staat mit der Person des Kommissars über ein „symbolisches Vertretungsdispositiv“ verfügen. Die Ablehnung von Sanktionen gegen Deutschland und Frankreich wegen ihres Verstoßes gegen die Defizitkriterien verschlechterte das Klima zusätzlich. Artikel 25. die unweigerlich zum Abbruch der Verhandlungen hätten führen müssen – da aber aufgrund der großen Streitfrage um die Gestaltung der Mehrheitsverhältnisse im Ministerrat ohnehin ein Scheitern absehbar war. bevorzugte man die Klärung jener Fragen unter Sondierung durch die folgende irische Ratspräsidentschaft. in der endgültigen Fassung ermöglicht eine Änderung des Modus durch das im Vergleich zur Verfassungsänderung einfachere Verfahren des Europäischen Beschlusses.II. 07. 501 Der Verzicht auf einen Kommissar bedeutet für einen Mitgliedsstaat einen nicht geringen Einflussverlust. darunter die Beitrittsstaaten.und Wachstumspaktes entgegen. Fassung vom 18. 501 Vgl. eine Einigung in dieser Frage zunächst auf einen Folgegipfel zu vertagen. 500 Die kleinen Staaten wollten auch weiterhin einen eigenen stimmberechtigten Kommissar stellen. Die Kommissare gelten als Mittler zwischen „Brüssel“ und ihren Herkunftsländern. Es wurde vorgezogen. Entwurf eines Vertrags über eine Verfassung für Europa. Neben dem Präsidenten und dem Vizepräsidenten sollten weitere 13 Kommissare („äußerer Kreis“) vertreten sein. . November 2009 nur noch 15 stimmberechtigte Kommissare („innerer Kreis“) umfassen. da die kleinen Staaten ihr Interesse hier massiv geltend machten. Diese Frage wurde ebenso wenig geklärt wie die der Rechte des Europäischen Parlaments im Haushalt der Europäischen Union und die Neustrukturierung der Parlamentssitze. Die eigennützige Interessenlage beider Defizitsünder trug nicht gerade zu einer affektfreien Diskussion bei. November 2003 verständigten sich schließlich die EU-Botschafter der 25 Mitgliedsstaaten über die Neuordnung der Ratspräsidentschaft: In einem Turnus von 18 Monaten sollte im Regelfall ein jeweils größerer EU-Staat gemeinsam mit einem kleineren bisherigen Mitgliedsstaat sowie mit einem „neuen“ Mitglied die Teampräsidentschaft stellen. Der Besetzungsmodus der Europäischen Kommission war wie die folgenden Diskussionsgegenstände keiner der Gründe. Beide Staaten stellten sich einer im Konventsentwurf vorgesehenen Vergrößerung der Kompetenzen der Kommission im Bereich des Stabilitäts. gegenüber. die nach einem System der gleichberechtigten Rotation ausgewählt würden. 2003. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 177 Am 24.

Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Die Ausweitung der Entscheidungen mit qualifizierter Mehrheit zur Verbesserung der Handlungsfähigkeit und Effizienz war bereits auf den letzten Regierungskonferenzen vorrangiges Ziel gewesen. 12. Die große Konfliktlinie bestand zwischen Großbritannien. Die Regierungen Polens und Spaniens argumentierten. Die Machtfrage europäisch beantworten. Der Abstimmungsmodus berücksichtigte im Vergleich zur Stimmengewichtung im Vertrag von Nizza 503 die tatsächlichen Bevölkerungsverhältnisse. Polen und Spanien lehnten dies als Herabstufung ihrer im Nizza-Vertrag entstandenen Sperrminorität ab.D. Die Abstimmungsregeln von Nizza und Konvent im Vergleich. Sozial. dass sie auf diese Weise Mehrheitsbeschlüsse nicht mehr blockieren und folglich von den bevölkerungsreichsten Staaten der Europäischen Union dominiert werden könnten. . Die „red lines“ der britischen Regierung waren der Vorsatz. Der Einsatz der Verhandlungspartner zielte hier folglich nicht auf direkten eigenen Machtzuwachs 502 Die Einführung des Abstimmungsmodus der qualifizierten Mehrheit sollte in den Politikfeldern Steuern. Mehrheitsentscheidungen in den Feldern Steuer-. Im britischen Fall kann davon ausgegangen werden. Einige Staaten waren nicht bereit.und Justizpolitik wie auch Sozialpolitik und Haushalt erfolgen. 1988) umrissene Verhandlungsparadigma ließe sich auf diese Situation anwenden: Die Kompromissbereitschaft und der Spielraum der Diskussionspartner sind in dem vorliegenden Konfliktfall stark von ihrer europapolitischen Grundposition zur Integration abhängig. 2003. Irland. Da die Einführung eines Mehrheitsvotums regelmäßig national als Abtretung souveräner Kompetenzen wahrgenommen wird. Während erstere für Einstimmigkeit plädierten. Putnam (Diplomacy and Domestic Politics: The Logic of Two-Level-Games. Malta und Slowenien einerseits – und den anderen Staaten andererseits.und Sicherheitspolitik. 503 J. Außen. 3. Innen.und Außenpolitik zu verhindern. dass Verhandlungshärte nicht zur Erreichung von Zugeständnissen an den Tag gelegt wurde. ihre Vetomöglichkeit in für sie sensiblen Bereichen aufzugeben. 2003. die letztlich eine Einigung unmöglich machte.178 B. etwa The International Harald Tribune vom 13. In: International Organization. Die relative Gestaltungsmacht bevölkerungsreicher Staaten wie Deutschland gegenüber den anderen großen Staaten im Rat wäre begünstigt worden. Belgien und Niederlande gerne künftig in diesen Bereichen mit qualifizierter Mehrheit abgestimmt. Emmanouilidis / T. Nr. Fischer. Das von R. vgl. Vielmehr lassen sich von den „roten Linien“ abweichende Ergebnisse innenpolitisch nicht rechtfertigen. hätten vor allem Deutschland. Großbritannien erwies sich in dieser Hinsicht als unbeirrbar in seiner Position: Die vergleichsweise niedrige Steuerquote sollte nicht durch Harmonisierungszwänge modifiziert werden müssen. Die Formulierung von Artikel 24 des Konventsentwurfs wollte dem Doppelcharakter der Europäischen Union als „Union der Staaten“ und „Union der Bürger“ Rechnung tragen. Vor allem aber im Bereich der Außenpolitik gelten Kompetenzabtretungen an die supranationale Ebene als Souveränitätsverluste. Laut Konventsentwurf sollten zum Zustandekommen einer qualifizierten Mehrheit 50 Prozent der Stimmen der Mitgliedsstaaten repräsentiert werden und gleichzeitig hätten 60 Prozent der Bevölkerungszahl darin vertreten sein müssen. wohnte diesem Thema hohes Konfliktpotential innerhalb der Mitgliedsstaaten inne.A. 502 Die Konventsregelung für die Gewichtung der Stimmen im Ministerrat stellte die Streitfrage dar. Tschechien.

Hussein eskalierten. 505 Die Gründe für das Scheitern des Gipfels vom Dezember 2003 waren – wie geschildert – mannigfach. sich auf einen Verfassungsvertrag für die Union zu einigen. In Ermangelung weiterer Verhandlungsmasse verkündete der italienische Premierminister schließlich den Abbruch der Verhandlungen. . Es sei ihnen um die Einführung eines einfachen. 505 Vgl. bis Ende Juni die Beratungen über die EU504 Vgl. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 179 ab. Auch in dieser Hinsicht wurde eine alte Erfahrung bestätigt: Wann immer die transatlantischen Beziehungen in einem schlechten Zustand sind. Am Vorabend der größten Erweiterung in der Geschichte der Europäischen Union schien der größte mögliche Absturz der Hoffnung auf eine Verstärkung des politischen Charakters der Europäischen Union zu stehen. versuchte die Ratspräsidentschaft im „Beichtstuhlverfahren“. Anders als im Dezember 2003 war es den Staats. Machtfragen und psychologische Verstimmungen hatten sich vermischt – Folge einer Kette von Ereignissen und Tendenzen. befindet sich auch der Prozess der europäischen Einigung in einem schlechten Zustand.II. Zum einen wollten die Konferenzteilnehmer ihre Entscheidungsfähigkeit nach der niedrigen Stimmbeteiligung an den Europawahlen und dem Vormarsch der EU-kritischen Parteien in vielen Mitgliedstaaten eindrücklich unter Beweis stellen. L. Auf dem Weg zu einem europäischen Verfassungspatriotismus. So bemerkenswert die konsensuale Übereinstimmung im Verfassungskonvent gewesen war – am Ende stand keine formelle Abstimmung. Allerdings war der Druck für eine Verständigung außerordentlich groß. das Gestaltungsmöglichkeiten eröffne und keine Blockadehaltung konserviere. Die deutsche und die französische Delegation fühlten sich zu Unrecht angegriffen. Der gescheiterte EU-Gipfel vom Dezember 2003 ist in eine weitere Perspektive zu rücken. Kühnhardt. die Fronten aufzuweichen. die seit dem Gipfeltreffen des Jahres 2000 in Nizza ruchbar geworden waren und spätestens im internen kalten Krieg des Westens über die richtige Politik gegenüber der irakischen Diktatur und über die Weisheit des amerikanischen Krieges gegen das Regime von S. transparenten und effizienten Abstimmungsverfahrens gegangen.de/www/de/ausgabe_archiv?archiv_id=5179. 2003. Juli 2004. sondern vielmehr auf die Verhinderung eines als Bedrohung empfundenen „Übergewichts“ der großen Staaten. 16. abrufbar unter www. Von vornherein stand dieser Erfolg nicht fest. Vor allem mangelte es an einem „esprit européenne“ bei vielen der beteiligten Akteure. also bilateralen Einzelgesprächen.auswaertiges-amt . Die Ursachen dafür ließen sich nicht auf die besonders kontroverse Frage der Abstimmungsmodalitäten im Europäischen Rat reduzieren. Regierungserklärung von Bundesaußenminister J. in: NZZ.und Regierungschefs jedoch bei ihrem zweitägigen EU-Gipfeltreffen am 18. 504 Da sich die Diskussion zunehmend im Kreise drehte. Zum andern standen die Regierungsverantwortlichen im Wort. Juni 2004 in Brüssel gelungen. Fischer zum Europäischen Rat vor dem Deutschen Bundestag am 11. 12. denn sie hatten sich im März verpflichtet.

Amato in der FAZ. angegebene Lit. einen „Verfassungsvertrag“ Bezug nimmt. 2000: „Weil es uns ernst ist mit der Zukunft Europas“. 2000. Eine tiefergehender Bericht sowie eine entsprechende Bewertung (die unter dem Namen des damaligen Staatsministers R. den wir dann als erste ‚Europäische Verfassung‘ proklamieren könnten“ 507. findet sich unter www.bzw.. 508 Nahezu alle politischen Protagonisten betonten unterdessen den Verlaufcharakter eines „Konstitutionalisierungsprozesses“. in: FAZ vom 28. 2006. Governing Europe under a Consitution. 9. Häberle. dass manche Akteure. 507 J. weshalb an dieser Stelle lediglich einige beifolgende (und gegebenenfalls von der „Parteilinie“ abweichende) Gedanken sowie „wertende Bruchstücke“ die bunte Fassade der Kommentierungen ergänzen sollen. Chiracs Rede vor dem Deutschen Bundestag (2000) nur einmal auf. 508 So im Redemanuskript beim Internationalen Bertelsmann-Forum 2001: „Das entgrenzte Europa“. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Vertrags-Reform abzuschließen. (1) Systematische Ergänzungen zur Frage: Verfassung oder Verfassungsvertrag? Bei der Verwendung des Begriffs „Verfassung“ waren im Debattenverlauf um die Jahrhundertwende auch unter den politischen Akteuren einige zurückhaltender als andere. sowie in der Regierungserklärung zu Nizza.-J. so die Kommission und die CDU / CSU. Noch bedeutsamer war wohl die zielstrebige und effiziente Verhandlungsführung der irischen EU-Präsidentschaft. dazu die bei P. Chirac. Europäische Verfassungslehre. Blanke / S. Rede vor dem Deutschen Bundestag am 27. qq) Einige Gedanken zum Ergebnis des Verfassungskonvents Eine umfassendere Bewertung des Verfassungsvertrages befindet sich im Anhang 506.pdf?PHPSESSID=eb06875d90a340f2d38d4976.bayern.180 B. 19. 666 ff. das entsprechende Sitzungsprotokoll des Deutschen Bundestages). zudem zu den Inhalten des Verfassungsvertrages die Bibliographie des Verf. taucht der Ausdruck in J. 21. Januar 2001 (vgl. zur Genesis auch die Aufsätze in H. „Grundvertrag“ sprachen. Januar. Während J.) der CSU-Landesgruppe sowie der CDU / CSU Fraktion im Deutschen Bundestag. und dann auch sehr vage: „Nach diesen Arbeiten. Juni 2000. Zudem war auffallend. 19. Bocklet der bayerischen Staatsregierung vorgelegt wurde) des ersten Entwurfes vom Juli 2003.de/. scheinbar unüberbrückbare Differenzen mit kreativen Kompromissvorschlägen zu überwinden. mit G. 6.. S. Aufl./content/stk/allgemein/ergebnisse_eu_konvent_030911 . fast ausschließlich von einem „Verfassungsvertrag“ bzw. Schröder sprach zunächst von einer „verfassungsmäßigen Grundlage“ oder „Verfasstheit“ und erst später von „Verfassung“. S.. 2001. 2006. The Hard Road from the European Treaties to a European Constitutional Treaty. 4. während Bewertungen (unter Mitarbeit des Verf. Auch Bundeskanzler G. die sicherlich einige Jahre in Anspruch nehmen werden. 661 f. Vgl. 506 . (2006). Mangiameli (Hrsg.). Fischer in seiner Humboldt-Rede ganze zehn mal auf eine „Verfassung“. 10 f. hätten zunächst die Regierungen und dann die Völker über einen Text zu befinden. Vgl. die es in allen Phasen der Debatte verstanden hatte.

S. Wird innerhalb eines Staates ein Verfassungsvertrag abgeschlossen. 2006.2. Aufl. Sinn machen. sondern stellt in der Regel eine Vereinbarung zwischen selbständigen Staaten zur Begründung und Ausgestaltung einer bundesstaatlichen oder bundesstaatsähnlichen Einheit dar. Europäische Verfassungslehre. nämlich in welcher Beziehung die künftige Verfassung Europas zur historischen Typologie der Verfassung steht. 342 ff. 1998. die bereits Verfassungscharakter tragen. Verfassungslehre als Kulturwissenschaft.. 4. Andernfalls könnte die Begrifflichkeit über einen verordneten Symbolcharakter nur schwerlich hinausreichen. 511 Vgl. S. 513 Begriff und Methodik der „Textstufenanalyse“ beruhen auf P. 1991. Das Wort „Verfassung“ findet sich bereits in der 509 Europäisches Parlament. S. .. 36. die der Begriff „Verfassung“ mit sich bringt. N. Häberle. Wenn von einem idealen und metahistorischen Begriff der Verfassung sowie von der traditionellen Verbindung zwischen Staat und Verfassung – wie unten dargelegt 511 – abgerückt werden muss. Erst dann würde die Einführung des Wortes „Verfassung“ eine eigentliche Bedeutungskraft entwickeln und eine zielführende Betrachtung. Gleichwohl soll als unverzichtbare interpretatorische Grundlage im Rahmen einer „Textstufenanalyse“ 513 zunächst der eigentliche. Die Debatte um die (Richtigkeit der) Bezeichnung des Ergebnisses des Verfassungskonvents 510 ist auf den ersten Blick ein Scheingefecht. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 181 etwa Fischer beide Begriffe benutzte. Ein „Verfassungsvertrag“ hat aus theoretischer Perspektive grundsätzlich eine schwächere Bedeutung als eine Verfassung. 2. Oktober 2000. S. 512 Der Terminus „Grundvertrag“ ist im Übrigen noch enger gefasst und bezieht sich nur auf die Bündelung der Artikel der Verträge. Dem Europäischen Parlament dagegen erschien „die Wahl des Ausdruckes [. 510 Dieser Frage widmet sich auch P. 12. 4 ff. Aufl. Staat. Studien zur Verfassungstheorie und zum Verfassungsrecht. Jahrhundert sollte dieser konstitutionelle Kompromiss die Souveränitätsfrage überflüssig machen. da keine von beiden konstituierenden Gewalten im Konfliktfall das letzte Wort hatte. Im 19. Der Begriff ‚Verfassung‘ bringt unser europäisches Engagement stärker zum Ausdruck“ 509 .II. Demokratie. Häberle.-W.. Auflage 2006. welche qualitative Änderung der „Verfassungs“-text für die Europäische Union induzieren würde.w. unter B. 647 f. Ausschuss für konstitutionelle Fragen: „Bericht über die Konstitutionalisierung der Verträge“. dann ist immerhin auch zu fragen.f)nn)(2)(d).. bewertet werden soll. ist meist von einer Abmachung zwischen der Exekutive und Volk auszugehen.] von zweitrangiger Bedeutung.II. 4. vorliegende Text selbst einer Prüfung unterzogen werden. Er leitet sich nicht allein von der Volkssouveränität ab. 512 So E. Böckenförde. zum „Textstufenparadigma“ im europäischen Kontext ders. Europäische Verfassungslehre. m. wenn also die Entwicklung der Europäischen Union auf ihrem „Sonderweg“ zur Konstitutionalisierung ohne die gängigen Vorurteile. Verfassung.

48 EUV vorgeschriebene und vereinheitlichte Verfahren der Vertragsänderung modifiziert. Durch die Vertragsform wird die Verfassung letztlich gegründet (worauf die französischen Fassung hin deutet: „Traité instituant la Constitution“). dass er mit mehreren Protokollen versehen ist. Dagegen ist im 4. 374 f. Zumindest im Falle des Entwurfs wird die Form des Vertrags gebraucht. IV-6 des Textes bestätigen lässt.IV. Dies mag sich unter anderem daraus erklären. 516 Ausführlich zum Änderungsverfahren unten B. formell aber um einen Vertrag. Diese in der „Verfassung“ zu lesende Zwischenstaatlichkeit der Europäischen Union wird durch das in Art. dass die Schlussbestimmungen formelle Fragen behandeln. 515 Nun könnte man dazu neigen. dem „Vertrag über die Verfassung“. an den die Interpretation föderaler Verfassungsordnungen angestoßen ist. 517 514 Bemerkenswert an diesem Satz ist zudem das seitens des Konvents formulierte „Selbstlob durch Dritte“. An dieser Stelle 516 sei lediglich die Notwendigkeit der Ratifizierung jeder Änderung durch alle Staaten nach ihren eigenen nationalen Verfassungsbestimmungen benannt. 1989. was zur Folge hat. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Präambel. 515 Ein Umstand. 514 In den drei ersten Teilen bezeichnet sich der Text ausnahmslos mit dem Wort „Verfassung“. dazu C.2. dass der die Verfassung gründende Vertrag also auch formell ein Vertrag bleibt. der die „Lesbarkeit“ des Gesamtwerkes – einer der wichtigen Aufträge des Konvents nach der Erklärung von Laeken – nicht unbedingt fördert. dass es sich vorliegend materiell um eine Verfassung handelt. was sich mit Art. um über die Verfassung zu entscheiden (in der deutschen Sprachfassung heißt es „Vertrag über die Verfassung“). Sezessionsrecht war stets der neuralgische Punkt. Verfassungslehre. Im Ergebnis erweist sich die europäische Integration als weiterhin zwischenstaatlich gegründet. In der Bestimmung wird das im Art. Eine gewisse vertragsrechtliche Form des Textes zeigt sich auch dadurch. 517 Vgl.182 B. Schmitt. Mit Blick auf die amerikanische Verfassungsgeschichte sei nur an Calhoun und seine „States Rights“-Doktrin erinnert. womit er die Stellung der Südstaaten vor dem Sezessionskrieg begründete. Offensichtlich wird aber auch ein „Vertragsmoment“ in diesem Sinne fortdauern. S.. 7. Teil (Schlussbestimmungen) nur noch die Rede von einem „Vertrag“ („le traité instituant la Constitution“ in der französischen Fassung). I-59 niedergelegte Recht auf „freiwilligen Austritt aus der Union“ noch verstärkt.b). wonach den „Hohen Vertragsparteien“ eine „dankende Anerkennung der Leistung der Mitglieder des Europäischen Konvents“ dafür zugeschrieben wird. Teil des Textes untermauert schließlich diese These. dass diese Mitglieder „diese Verfassung im Namen der Bürgerinnen und Bürger und der Staaten Europas ausgearbeitet haben“. Die vertragsmäßige Gründung des Deutschen Reichs 1866 –1871 sollte auch bei dem bayerischen Staats- . Der IV. Aufl.

so wären die daraus hervorgehenden Rechtsakte im deutschen Hoheitsbereich nicht verbindlich. L’URSS: Droit. politique. I-9. 520 Dieses Prinzip wird in Art.“ Hiermit wird offenkundig. I-9 Abs. sondern eine begrenzte Zahl an Zuständigkeiten gestaltet. dass seine Ausübung auf jeden Fall durch die unwahrscheinliche Bewilligung der Union bedingt und folglich faktisch unmöglich war (vgl.II. wie er dem deutschen Zustimmungsgesetz zugrundeliegt.“ Art. Eine solche klare Begrenzung des dem EU-Recht zukommenden Vorrangs steht im Übrigen der vom deutschen Bundesverfassungsgericht in seiner Maastricht-Entscheidung behaupteten Prüfungskompetenz nicht entgegen. Eine weitere Akzentuierung erfährt der derivative Charakter der EU-Zuständigkeiten in der Formulierung von Art. Paris 1962. I-17).). 518 Im Konventsentwurf lautete Art.M. vgl. die den Rückgriff auf die neu gestaltete Flexibilitätsklausel einrahmen (Art. BVerfGE 89. I-9 Abs. 155: „Würden etwa europäische Einrichtungen oder Organe den Unions-Vertrag in einer Weise handhaben oder fortbilden. Dementsprechend prüft das Bundesverfassungsgericht. Damit soll die viel diskutierte Gefahr einer durch diese . die ihr die Mitgliedstaaten 519 in der Verfassung zur Verwirklichung der in ihr niedergelegten Ziele zugewiesen haben. Die deutschen Staatsorgane wären aus verfassungsrechtlichen Gründen gehindert.“ Man kann auch eine gewisse Zurückhaltung in den vorgesehenen Garantien erkennen. In Letzterem ist das sogenannte Prinzip der Einzelermächtigung wie folgt ausformuliert: „Die Gemeinschaft wird innerhalb der Grenzen der ihr in diesem Vertrag zugewiesenen Befugnisse und gesetzten Ziele tätig. économie. 1 noch: „Nach dem Grundsatz der begrenzten Einzelermächtigung wird die Union innerhalb der Grenzen der Zuständigkeiten tätig. in : Centre de recherches sur l’URSS et les Pays de l’Est (Hrsg. nicht mehr gedeckt wäre. 520 rechtler M. Alle der Union nicht in der Verfassung zugewiesenen Zuständigkeiten verbleiben bei den Mitgliedstaaten. von Seydel das Sezessionsrecht der Länder gewähren. S. sociologie. änderte sich bemerkenswerterweise in eine engere Fassung (nunmehr: „zugewiesen haben“). I-5a im Kontext des Grundsatzes vom Vorrang des EURechts wiederholt: „Die Verfassung und das von den Organen der Union in Ausübung der ihnen zugewiesenen Zuständigkeiten gesetzte Recht haben Vorrang vor dem Recht der Mitgliedstaaten“. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 183 Insgesamt ist mit der Anerkennung eines Austrittsrechts eine gewisse Schwächung der integrativen Symbolik verbunden. die ihr von den Mitgliedstaaten in der Verfassung zur Verwirklichung der in ihr niedergelegten Ziele zugewiesen werden. Les contradictions du fédéralisme soviétique. 519 Kursivsetzung erfolgte durch den Verf. die man dem Terminus „Verfassung“ beimisst. 25. auch im Lichte von Art. 2 lautet (mittlerweile 518): „Nach dem Grundsatz der begrenzten Einzelermächtigung wird die Union innerhalb der Grenzen der Zuständigkeiten tätig. Für eine Auslegung der Sowjetverfassung als zwischenstaatlich abgeschlossenen Vertrag war schließlich kein Raum. II S. ob Rechtsakte der europäischen Einrichtungen und Organe sich in den Grenzen der ihnen eingeräumten Hoheitsrechte halten oder aus ihnen ausbrechen. die von den Staaten zugewiesen sind. die von dem Vertrag . Umgekehrt wurde das vom sowjetischen Föderalismus immer formell anerkannte Austrittsrecht der autonomen Republiken schon von Lenin so interpretiert. dass die Verfassung keine originäre Macht. S.“ Die zukunftsoffene Formulierung bezüglich der Zuständigkeiten. 5 EGV. die der Union „zugewiesen werden“. culture. t. Mouskhely.). diese Rechtsakte in Deutschland anzuwenden. 1.

europäische Debatte wider. Ist das Verfassungsprojekt ein Turm zu Babel. 334. nicht in einer „revolutionären“ Situation. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Auch im Hinblick auf die Ausgangslage des Konvents ist einer unreflektierten Bezeichnung des Textes als „Verfassung“ mit Skepsis zu begegnen. Nach wie vor wird die Geltung und die Anwendung von Europarecht in Deutschland „von dem Rechtsanwendungsbefehl des (zur Ratifizierung der ‚Verfassung‘ verabschiedeten) Zustimmungsgesetzes“ abhängen. Mehr als ein „Vertrag über eine Verfassung für Europa“ konnte daraus als Gesamtwerk nicht erwachsen. Levacher et autres. die es zu ersetzen gilt. Er sollte auf der Basis eines Mandats der Mitgliedstaaten der Europäischen Union sowie geltender internationaler Verträge arbeiten. Die ratifizierte EU-Verfassung könnte auch diesen Weg zur nationalen Rechtsordnung über den Art. dass der Begriff „Verfassungsvertrag“ in der öffentlichen Diskussion zur „Verfassung“ verkürzt werden würde. wie die bisherigen „Verträge“ entgegen ihrer Benennung und angesichts unbestreitbarer Verfassungselemente nur zu einem (wenngleich großen) Teil „Verträge“ im engeren Sinne sind. Nach der französischen Rechtsprechung ist diese Bestimmung der Geltungsgrund des primären sowie des sekundären EG Rechts in der nationalen Rechtsordnung. Damit ist aber auch ein Vorbehalt zum Vorrangsanspruch des EU-Rechts verbunden: nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung in Frankreich gilt diese „höhere Rechtskraft“ der internationalen Verträge den Verfassungsbestimmungen gegenüber nicht (vgl. 521 Ein Text mit lediglich (wenngleich zahlreichen) verfassungscharakteristischen Bestandteilen ist ebenso nur partiell „Verfassung“. vorausgesetzt. Les Grands Arrêts de la Jurisprudence Administrative. Die Bezeichnung des Vertrags als „Verfassung“ kann an dieser vom Bundesverfassungsgericht in seiner Maastricht-Entscheidung ausgesprochenen Behauptung nichts ändern. Auch hier mit unterschiedlichen Traditionshintergründen. S. was wiederum die Zustimmung aller Mitgliedstaaten erfordert. K. unterschiedlichen Verfassungsverständnissen und unterschiedlichen Wahrnehmungen.184 B. der wegen seiner überrissenen Dimension und der SprachFlexibilität ins System möglicherweise einfliessenden Kompetenz-Kompetenz der Europäischen Union abgewandt werden. sondern umgekehrt. Mademoiselle Fraisse. S. wie bereits angedeutet. Aufl. 331 ff. 55 der französischen Verfassung nehmen.. 13. 30. 2000. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch der Blick nach Frankreich. 2. 865. . Oktober 1998. M Sarran. Auch war es dem Konventspräsidium laut K. Nr. 55 der französischen Verfassung wird eine Unions-Verfassung aus der französischen nationalen Perspektive nie vor der nationalen Verfassung Vorrang haben. dass die Abkommen oder Verträge von den Vertragspartnern angewandt werden“ (Übersetzung des Verf. Cour de cassation. In Art. Die Diskussion um die Bezeichnung des Konventstextes spiegelt im Ergebnis eine mittlerweile „typisch“ zu nennende. 55 der nationalen Verfassung heißt es: „Die ordnungsgemäß ratifizierten oder genehmigten Verträge oder Abkommen erlangen mit ihrer Veröffentlichung höhere Rechtskraft als die Gesetze. Conseil d’Etat. 2001. 521 Vgl. Diese Tatsache ließe sich auch durch das Wort „Verfassung“ nicht korrigieren. 113 . Anders gesagt: über den Weg des Art.). M.. Hänsch. Mathieu et Verpeaux). Der Konvent tagte. Der Konvent – unkonventionell. Hänsch durchaus bewusst. die einen Bruch mit dem bestehenden Recht oder eine Staatsgründung gestattet hätte. Anm. in: Integration 4/2003. Juni 2000.

Die Verfassung(svertrag)surkunde 524 unterscheidet sich freilich erheblich von früheren Verträgen der Europäischen Union und in vielerlei Hinsicht auch von Zum Verfassungsbegriff und Verfassungsverständnis ausführlich unter B. Welche Bezeichnung man dem Papier schließlich gibt. das mit einem einheitlichen. Immerhin sind Fortschritte gemacht worden.II. Zum dritten ein funktionelles Verfassungsverständnis (als insgesamt problemadäquatestes).2. 523 522 . sondern prinzipiell gegen. solche. dass das Produkt gerade nicht für die Ewigkeit gemacht und revidierbar ist. Zum einen das (national) staatszentrierte Verfassungsverständnis. drei Ausgangsverständnissen 522 zugeordnet werden. während die „Erweiterung“ weiterhin (und bei aller politischen Ermüdung etwa angesichts des in mancherlei Hinsicht ernüchternden Beitritts Rumäniens und Bulgariens) große Sprünge macht. Es ergänzt vielmehr in einem Mehrebenen-Modell die nationalen Verfassungen um eine supranationale „Hausordnung“ – unabhängig von den Ansichten um die Beschaffenheit des „Hauses Europa“. Die „Vertiefung“ der Europäischen Union entwickelt sich weiter auf ihre traditionelle Weise. Die „Finalität“ der Union – ob Vereinigte Staaten von Europa 523 oder etwas anderes „sui generis“ – bleibt auf der Grundlage des Textes unbeantwortet. die das eher lamentable Ergebnis des Gipfeltreffens von Nizza hinter sich lassen. das sich nicht in der Frage verliert. vereinfachend und zusammenfassend. Schritt für Schritt. aber faktisch nie diesen Status erreichen wird? Redeten letztlich alle vom Gleichen. Mehr war realistischerweise nicht zu erwarten. Das Mischwort „Verfassungsvertrag“ dürfte auch unter diesem Blickwinkel die angemessene Konsenslösung sein. Unausgesprochen oder lediglich schüchtern erwähnt blieb bislang der Umstand. das der Europäischen Gemeinschaft grundsätzlich die Verfassungsfähigkeit abspricht. Reid. The United States Of Europe: The New Superpower and the End of American Supremacy. Präambel und „Leitmotto“. denen das Verabschiedete entweder des Guten zuviel oder zu wenig ist. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 185 verwirrung zwar formell fertig gestellt erscheint. Die unterschiedlichen Vorstellungen können. unsicher über das Ziel. mühsam. meinten jedoch Grundverschiedenes? Es wird stets Stimmen geben. ob mit der Organisation der Dinge zugleich eine wie immer geartete Staatlichkeit entstehe oder diese voraussetze.f)nn).II. ist dann von sekundärer Bedeutung. langsam. Daneben ein lediglich formales Verfassungsverständnis. 2005. kohärenten und einprägsamen Dokument zufrieden ist. Plädoyer für eine „Europäische Gesprächskultur“ Obgleich Beethoven mit – von vielen als „Europa-Hymne“ apostrophierter – „Freude schöner Götterfunken“ bemüht wurde. T. vielleicht für die Zukunft offensteht. Vgl. zur Entflammung europäischer Herzen genügt das Dokument nicht.R. (2) Inhaltliche Anmerkungen.

Handkommentar. 527 Damit sollte einer bisher „schleichenden“ Kompetenzaushöhlung regionaler und nationaler Kompetenzen durch die Europäische Union vorgebeugt werden. die man landläufig als historische Vorbilder heranziehen könnte.b) aufgezeigt. Schäuble. sich auf eine Europäische Verfassung einzulassen. Ein insgesamt abwegiger Gedanke.2. welche Kompetenzen die Europäische Union ausschließlich. nach einem verheerenden Krieg oder nach einer Revolution. und welche sie in Form einer mit den Mitgliedstaaten geteilten (oder konkurrierenden) Kompetenz wahrnehmen soll.186 B. Eine optimierte Organisation der „geteilten“ Kompetenzen zwischen europäischen und nationalen Behörden bleibt unabhängig von den Regelungen. Verschiedene Versuche. jedoch letztlich die gesamte Verfassungsgeschichte zur Grundlage nehmen müsste. 528 Vgl. Darüber hinaus: in seinem evolutionären Charakter ist der Prozess der europäischen Integration einzigartig. Europa vor der Krise?. eindeutige Kompetenzabgrenzungskataloge zu entwickeln. Im Gegenteil: es ist abzusehen. nämlich C. 2000. in: Le Figaro vom 15. Häberle) und Errungenschaften des vergangenen halben Jahrhunderts aufzubauen weiß. 2007. beispielsweise von deutschen Landesregierungen. 528 Doch Überzeugung allein führt in dieser Frage bis heute nicht weiter. sondern sie rekurriert auf das. was ist und was die Nationen. der zwar auf den Gedanken sowie einem Ensemble von Teilverfassungen (P. Picaper. 526 Möglichkeiten und Wege der Verfassungsänderung werden unter B. Im deutsch-französischen Dialog über diese Frage wurden zwischenzeitlich auch Teile des politischen Spektrums in Frankreich von der Notwendigkeit eines Kompetenzkatalogs überzeugt. Vedder / W. Europäischer Verfassungsvertrag. 527 Siehe bereits W. dass sich die europäische Verfassung in den kommenden Jahren und Jahrzehnten mit viel höherer Frequenz verändern wird 526 als wir dies von anderen Verfassungen gewohnt sind. Die Aufgabe der eigenen Staatlichkeit der Mitgliedsländer ist keine Bedingung zur Erreichung dieser Ziele (und kann deshalb auch kein – und schon gar nicht das einzige – Kriterium für die Durchführung einer Volksabstimmung sein). dass die politische Bereitschaft.-P. 525 Sofern man den Beginn des Verfassungsschöpfungsprozesses nicht bereits in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts sehen will. sind bisher angesichts der immanenten Komplexität wenig fruchtbar gewesen. Der nunmehr vorliegende Entwurf einer europäischen Verfassung setzt hier keinesfalls einen Endpunkt. die Kulturen und die Religionen bewahren und zukünftig leisten wollen. in: FAZ vom 8. 6. je klarer und unzweifelhafter durch einen eindeutigen Kompetenzkatalog festgelegt wäre. J. . die Regionen. 2000. um so größer wäre. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung nahezu allen Verfassungen.). nachdem der aktuelle Konvent ein originärer Vorgang ist. 12. Sie entsteht nicht nach einer historischen Katastrophe 525. Heintschel von Heinegg (Hrsg.IV. die im 524 Zum Verfassungsvertrag ist ein vollständiger Kommentar erschienen. Ein weiterer Punkt: auf den ersten Blick ist das Argument einleuchtend. Le RPR et l’UDF se rapprochent sur l’Europe.

S. um Auskunft über die Frage zu bekommen. würde freilich zu weit führen. ZEI Discussion-Paper. 6 f. 28 ff. ebenda. den Kompetenzkatalog dazu zu nutzen. bleibt das – uneitlen Erwägungen wohl nicht gänzlich ferne – (Er-)Schöpfungsrätsel der Konventsmitglieder. Auch die formulierten „Ziele der europäischen Einigung“ werden eher in trockener Sprache. 2003. verloren geglaubte Kompetenzen zurück zu gewinnen bzw. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 187 Verfassungsvertrag gefunden wurden ein wichtiges Thema. in: IP 2/2001. Die Akzentuierung der Repräsentativorgane (Könige?) ist weniger Endstadium als Einleitung eines erwünschten Devolutiveffekts. Eine Verfassung für Europa – Neue Regeln für den alten Kontinent?. 530 Vgl. Erforderlich ist im Wesentlichen eine klare Vereinbarung von Grundsätzen und Instrumenten für die Wahrnehmung politischer Verantwortung und für die Mitgestaltungsmöglichkeiten von nationalen (und subnationalen) Einheiten in der Europa-Politik. auch U. Künhardt. Die Präambel ist im Vergleich zu manch anderen Verfassungstexten wenig eindrucksvoll ausgefallen. sondern die von Schülern und Studenten in ganz Europa studiert wird..“ wird auf absehbare Zeit kaum am Schluss einer evolutiven Stufenleiter stehen. wenngleich die Diskussion über die fortwirkende Bedeutung des religiösen Erbes für die europäische Identität bemerkenswert lebendig und substantiell gewesen ist. Bewertung der Strukturentscheidungen.: „Dass den Verfassungsschöpfern Dank gebührt. wo die politische Verantwortung themenbezogen am geeignetsten ausgeübt würde. auch L. 529 Einige Worte zur Präambel des Verfassungsvertrages: Ist die fehlende Nennung der Bürger in der Präambel nun ein rückschrittliches Element. Eher ist hierin eine Aufforderung zur konkreten Ausgestaltung und Neubestimmung durch die europäische Bevölkerung zu sehen. 531 Vgl. was die politische Identität Europas bedeutet?“ 532 Siehe aber L. die Abkehr von mittlerweile gewohnten Verfassungselementen? Wohl nicht. 529 . Die Gefahr aber lag und liegt stets darin. Was der Dank an die „Verfassungsschöpfer“ in einer Präambel zu suchen meint. In der Konsequenz einen Verzicht auf die Präambel zu erwägen und den Verfassungstext stattdessen unmittelbar mit der Evokation der Grundrechte in der Europäischen Union beginnen zu lassen. Kühnhardt. noch vorhandene „gegen Europa“ zu verteidigen. Der Verfassungsentwurf des EU-Konvents. entsprechend dem Kommuniqué-Stil von EUGipfeltreffen abgehandelt. Aber was hat dieser Dank in der Präambel einer Verfassung zu suchen. S.. 531 Der Präambeltext bewegt sich auffällig fern allen (auch literarischen) Schwunges sowie des gerne belächelten Pathos und Zielorientierung der amerikanischen Verfassung.II.II. 532 Vgl. hierzu unter C. Ein europäisches „We the People . Nicht nur erscheint der Bezug zum religiösen und geistigen Erbe Europas dürr 530. die nicht nur politischen Akteuren als Referenzpunkt dienen soll. ist wohl wahr. Guérot. und dies relativ unabhängig von der eigentlich wichtigen Frage.

Weshalb sollte man also nicht auch die Währung als „Transporteur“ von Kernbotschaften nutzen? Das Beispiel der USA („In God We Trust“ – auf allen Geldscheinen) ist diesbezüglich wegweisend.“ war einer der wichtigsten Punkte der „inneren Reichsgründung“ erreicht. 7. Als das neue Deutsche Reich am 9. sich eine Verfassung zu geben. Die vordergründigen Barrieren der Vielsprachigkeit und gelegentlich diametraler Interessen in nahezu allen Politikbereichen müssen dabei weniger als unüberwindbare Begrenzung denn vielmehr als Sprungbrett zu einem ehrlichen interkulturellen Dialog mit dem Ziel einer auf gemeinsamen Werten basierenden Verfassungsgemeinschaft empfunden werden. 2001. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Gelungen ist allerdings das Motto. das Konventspräsident Giscard d’Estaing in letzter Minute für den Text der Präambel einbrachte: „In Vielfalt geeint“ (es wird in Artikel IV-1 VerfV: „Die Symbole der Union“ wiederholt). Diese Floskel besitzt durchaus Chancen. 533 Um die Kommunikationshemmnisse zu überwinden. deren zentrale Stellung innerhalb der Verfassungsdebatte lassen angesichts der integritätsstiftenden Wirkung einer Währung diese Beobachtung umso evidenter erscheinen. zum (wenngleich stets zu überprüfenden und höchstens im Hinblick auf eine erfolgreiche Implementierung des Verfassungsvertrages geltenden) Leitmotto der Europäischen Union auf Jahre und Jahrzehnte hinweg zu werden. 1873 ein Münzgesetz erließ und dort erklärte „An die Stelle der in Deutschland geltenden Landeswährungen tritt die Reichsgoldwährung . Allein das „Dogma“ der Integration. Der Verfasser dieser Zeilen erhebt den bislang vereinzelten und schüchternen Ruf. In den einzelnen Staaten sind noch durchaus Mangelerscheinungen an der erforderlichen politischen Substruktur. rr) Elemente einer Ratifikationskrise Ein vordergründig trivialer Vorgang entwickelte sich nunmehr zur nahezu unüberwindbar erscheinenden Hürde: der Verfassungsvertrag.. Die Verfassung und die Politik. ob Europa bereits reif ist. wenn er von den Unterzeichnerstaaten angenommen beziehungsweise ratifiziert wurde. der alle derzeitigen europäischen Verträge durch einen einzigen Rechtsakt ersetzen sollte. Grimm. insbesondere an den Voraussetzungen für eine echte politische Kommunikation auf europäischer Ebene zu beobachten. die „Europäische Gesprächskultur“ nachhaltig zu fördern. 533 Siehe zu dieser Argumentation auch D. die Devise „In Vielfalt geeint“ eines Tages – in lateinischer Fassung – auch auf den EURO-Geldscheinen lesen können.. konnte erst in Kraft treten. Es stellt sich freilich die Frage. gilt es im besonderen Maße. Zumindestens in der Perzeption der Bevölkerung kann die Etablierung einer Währung – wie auch der Verzicht – den „Verfassungsbestätigungsprozess“ begleiten.188 B. zur Forderung. Der Ratifizierungsprozess sollte ursprünglich in allen Mitgliedsstaaten bis November 2006 abgeschlossen sein. .

Einige betrafen die Frage des Beitritts – oder der Fortsetzung der Mitgliedschaft – eines Landes zum europäischen Einigungsprozess in seiner jeweiligen Form oder zur verstärkten bilateralen Kooperation mit der Europäischen Union. 536 In einem „europäischen Verfassungsreferendum“ müsste verfahrensmäßig der föderale Aspekt zum Tragen kommen. Ein Referendum entschied über den Beitritt anderer Länder. Europäische Paradoxien – ein Kommentar zur Lage der EU. Schmitt (Hrsg. 2003. A. 534 Referenda zu Fragen der europäischen Integration sind freilich kein Novum. IRI Europe Country Index on Citizenlawmaking. die von Regierungen. Referenda. 536 Bisher haben über 40 Referenda über Aspekte der Weiterentwicklung der europäischen Integration stattgefunden. . In drei Mitgliedsstaaten stand die Methode der Annahme noch nicht fest. S.). SWP-Papier. Referendums in Global Perspective. auf Europa bezogenen Referenden können diesen Minderheitenschutz nicht leisten. 20 f. A Report on Design and Rating of the I&R Requirements and Practices of 32 European States. und solche.. 535 Vgl. S. Es dürfte nicht nur auf die Zustimmung der gesamten europäischen Bürgerschaft ankommen. Ratifikation durch Referendum. 2003. Neue Nüchternheit und kritische Öffentlichkeit – die Niederlande und die europäische Integration. Referenda mit Wirkung auf das Land. die von der jeweiligen Opposition eingebracht worden sind. Pijpers. in: integration 30/2007. 449 ff. Maurer / S. auch S. 2003 sowie 2004. Darüber hinaus traf der Verfassungsvertrag in zahlreichen Ländern weiterhin auf Widerstand und Ablehnung in Gesellschaft und Politik. Herausforderungen der repräsentativen Demokratie. 537 534 Vgl. um die Majorisierung von Bürgern kleiner Mitgliedstaaten (deren auch-nationale Identität zu respektieren ist) zu verhindern. 503 ff.). 737 ff. Hölscheidt / I. Eine Reihe von Referenda wurde über Aspekte der konstitutionellen Vertiefung der europäischen Integration abgehalten. S. Die Frage nach der konstitutionellen Legitimität einer vertieften Integration stellt sich überhaupt nur dort. hierzu IRI Europe (Hrsg. sondern es wäre auch die regionale Verteilung der Zustimmung zu berücksichtigen. Seit dem Abschluss der Einheitlichen Europäischen Akte 1986 ist dies ein Indikator dafür geworden. Europas Verfassung nach der Regierungskonferenz. Putz. wo der nächste politische Schritt tatsächlich eine Vertiefung des Integrationsprozesses bedeutet. sowie L. K. 535 Unterschieden werden muss dabei zwischen verschiedenen Typen: bindende und nichtbindende Referenda. The Politics of Direct Democracy. Vgl. Zu der Diskussion in den Niederlande A. Goulard. 2003. S. Allerdings: ein gesamteuropäisches Referendum (gar mit dem geschilderten föderalen Mechanismus) bleibt utopisch. und Referenda mit Wirkung auf den EU-Prozess insgesamt. Referenden in Europa.II. Dies kulminierte schließlich in den ablehnenden Referenda in Frankreich und den Niederlande. S. Die bloß parallelen nationalen. in: integration 30/2007. Schunz. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung 189 Zunächst gab es lediglich differierende Annahmeverfahren und einige Unklarheiten zu konstatieren: während in zehn Mitgliedsstaaten die Ratifizierung per Referendum stattfinden sollte. dass die europäische Integration auf die Identität ihrer Mitgliedsstaaten zurückwirkt. in: DÖV 18 (2003). das das Referendum durchführt. konnten in weiteren zwölf Ländern grundsätzlich die nationalen Parlamente die Verfassung ratifizieren. LeDuc.

Was in einem solchen Fall konkret Vgl. 539 Die Architekten des EU-Verfassungsvertrags haben mögliche Pannen beim Ratifizierungsprozess nicht wirklich bedacht.“ 538 Die zweifachen Abstimmungen in Dänemark (1992 und 1993) und Irland (2001 und 2003) über den konstitutionellen Fortgang des Integrationsprozesses ragten bis zu den „schwarzen Tagen“ in Frankreich und den Niederlande tatsächlich aus dem Kontext der Erfahrungen mit Referenden zu Fragen der europäischen Integration heraus: In beiden Fällen hatte das Votum eines Mitgliedslandes Auswirkungen für alle anderen Mitgliedsländer und ihren Integrationswillen. wie die Erarbeitung des nun zur Abstimmung stehenden Textes selbst es gewesen ist.190 B. 537 . dass in einer solchen Situation in einigen Ländern der EU die Referendumsfrage virulent wurde – und bei der europäischen Verfassung wieder virulent geworden ist. In beiden Fällen obsiegte ein gewisser Sinn für Pragmatismus. 539 Vgl. dass ein Land nicht die ganze Europäische Union zur Geisel nehmen dürfe. Es ist nicht verwunderlich. dass der Urnengang für innenpolitische Zwecke instrumentalisiert würde (Frankreich. der in der Europäischen Union offenbar vor jeder Form von Purismus immer dann obwaltet. wo im ersten Anlauf der Vertrag von Nizza verworfen wurde. wenn das Einigungswerk insgesamt in eine Sackgasse zu geraten droht. die mit gewisser stereotypischer Kontinuität über die Haltung einzelner Völker zum europäischen Einigungswerk gemacht werden. Juli 2004: „Wo dies der Fall ist. verbunden mit deutlichen Worten von außen. in: NZZ. Im irischen Fall – bei dem doppelten Votum der Iren zum Vertrag von Nizza – wurde das zweite Votum nach einer Periode des Wartens angesetzt. Im Falle Dänemark geschah dies nach Konzessionen an die dänischen Kritiker des Maastricht-Vertrages („opting out“-Klauseln). warum in beiden Fällen ein zweites Referendum angesetzt wurde. 16. geht es um die Übertragung nationalstaatlicher Souveränität auf die EU. Kühnhardt. Niederlande!). Die Debatte über die Ratifikationsprozedur war und ist in sich selbst ein Teil des Diskurses zur europäischen Verfassung. Dies geschah bereits in Irland. vor allem nicht mit Blick auf Länder mit einer europaskeptischen Grundströmung wie Großbritannien oder Dänemark. das in den frühen neunziger Jahren schon einmal den Aufstand geprobt und zunächst den Vertrag von Maastricht abgelehnt hatte. Der Prozess der Ratifizierung einer europäischen Verfassung ist ebenso Teil der Formierung einer europäischen Öffentlichkeit. Auf dem Weg zu einem europäischen Verfassungspatriotismus. Im dänischen Fall wurde die integrationspolitische Logik des erzielten Kompromisses kritisiert. Kühnhardt (2004). 538 Schließlich sollte der weitere „Abstimmungskampf“ um die EUVerfassung weiterhin maßgeblich von der „Türkei-Frage“ beeinflusst werden. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Über den Ausgang der Referenda über den Verfassungsvertrag ließen sich anfangs nur schwerlich klare Prognosen anstellen (was für das „französische Referendum“ 2005 nur beschränkt galt). Dies war letztlich der – sowohl integrationstheoretisch wie auch demokratietheoretisch nachvollziehbare – Grund. L. im irischen Fall die demokratietheoretische Logik des zweiten Referendums. In den als integrationsfreundlich geltenden Ländern wiederum bestand die berechtigte Gefahr. Andere Staaten votierten schon in früheren Fällen – und auch jetzt wieder – für die primäre Verantwortung ihrer frei gewählten und dadurch entsprechend zur Abstimmung mandatierten Parlamente. L. Sie rückt Prognosen in das Licht der Öffentlichkeit.

II. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung

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geschehen sollte, stand gänzlich offen. Entschieden (und mittlerweile revidiert) war lediglich, dass sich die Staats- und Regierungschefs bei „Schwierigkeiten“ in einem oder mehreren Mitgliedstaaten und unter der Voraussetzung, dass zwei Jahre nach Unterzeichnung, also im Oktober 2006, mindestens 80 Prozent der Länder den Verfassungsvertrag ratifiziert haben, der „Frage“ annehmen würden. Fazit: Der Europäischen Union stand eine Zitterpartie bezüglich ihrer Verfassung bevor, bestenfalls keine Periode integrationspolitischer Wirrnis und Konfusion (was angesichts des Beginns der Beitrittsverhandlungen mit der Türkei (sowie mit Kroatien) am 3. Oktober 2005, der Debatte um Rumänien und Bulgarien sowie der Perspektive des restlichen westlichen Balkans („Thessaloniki goals“) eher illusionär sein sollte). Nach dem Scheitern der Referenda in Frankreich und den Niederlanden sprachen sich viele Politiker, Kommentatoren und Wissenschaftler für eine „Rettung“ des Vertrages aus, dessen baldiges Inkrafttreten realistischerweise unwahrscheinlich war. Sowohl die französische wie die niederländische Regierung häten bei einer zeitnahen neuen Abstimmung „politischen Selbstmord“ begangen. Der Vorwurf des Ignorierens des Wählerwillens wäre allenfalls dann überwindbar, wenn das unbedingte Festhalten am Verfassungsvertrag innerhalb der Europäischen Union eine breite Unterstützung fände. Diese ist bis heute weder auf EU-Ebene noch in den Mitgliedstaaten auszumachen. Zudem war insbesondere in Großbritannien und Irland ein klares „Ja“ nicht zu erwarten. Folglich dachten Viele über mögliche Alternativen nach. Es wurde eine ganze Reihe von „Plan B-Optionen“ diskutiert 540: eine umfassende Neuverhandlung, der „cherry-picking-Ansatz“ (sog. Nizza-Plus), ein Zusatzvertrag zum geltenden Vertrag von Nizza in der Form eines Verfassungsvertrages light oder eines Änderungsvertrages, ein Europa der zwei Geschwindigkeiten mit den beiden Optionen eines freiwilligen Austritts der Nichtratifizierer oder der Gründung einer neuen Union, die Beibehaltung des primärrechtlichen Status quo sowie die erneute Reform der europäischen Verträge in einigen Jahren im Sinne einer „Verfassung II“. Einige der Alternativvorschläge stellten keine reelle Option dar. Aber auch die übrigen konnten nur „second-best-Lösungen“ anbieten, da sie stets mit gewissen Einschränkungen oder Hindernissen verbunden sind. Welcher der diskutierten
540 Vgl. umfassend und m.w. N. B. Thalmaier, Nach den gescheiterten Referenden: Die Zukunft des Verfassungsvertrages, C.A.P.-Analyse, 2005; siehe auch C. Closa, Ratifying the EU-Constitution: Referendums and their Implications, 2004. Vgl. auch D. Göler / H. Marhold, Die Zukunft der Verfassung – Überlegungen zum Beginn der Reflexionsphase, in: integration 28/2005, S. 332 ff.; D. Göler/ M. Jopp, Die europäische Verfassungskrise und die Strategie des „langen Atems“, in: integration 29/2006, S. 91 ff.; B. Laffan / I. Sudbury, Zur Ratifizierungskrise des Verfassungsvertrages – drei politikwissenschaftliche Lesarten und ihre Kritik, in: integration 29/2006, S. 271 ff.; D. Thym, Weiche Konstitutionalisierung – Optionen der Umsetzung einzelner Reformschritte des Verfassungsvertrages ohne Vertragsänderung, in: integration 28/2005, S. 307 ff.

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B. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung

Plan B-Optionen auch immer im Rahmen des Vertrages von Lissabon zum Tragen käme, die Ratifikation sollte nur gestoppt werden, wenn eine klare Alternative vorhanden ist, die ambitioniert genug ist, die EU-27 demokratischer und effizienter zu gestalten. Der Ausgang der Referenden belegt ein „So geht es nicht weiter!“. Ein schlichtes Einstellen der Bemühungen um Reformen und ein Weitermachen wie bisher kommen nicht in Betracht. Den Verfassungsvertrag bzw. nunmehr den Vertrag von Lissabon zu „begraben“, ist daher keine tragfähige Option. Die Staats- und Regierungschefs hatten schließlich auf dem EU-Gipfel am 16. / 17. Juni 2005 in Brüssel beschlossen, bis zum Ende der österreichischen Ratspräsidentschaft im Juni 2006 eine „Phase der Reflexion“ im Prozess der Ratifizierung des Vertrages über eine Verfassung für Europa einzulegen. 541 Die Fortsetzung des Ratifikationsprozesses wurde dadurch nicht Frage gestellt, zeitlich ist er aber zunächst bis Mitte 2007 verlängert worden. Infolgedessen hatten Großbritannien, Portugal, Polen, die Tschechische Republik, Dänemark, Irland, Schweden und Finnland ihre nationalen Ratifikationsverfahren auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Schließlich ein grundsätzlicher Gedanke: Ein einmaliger, punktueller Akt kann eine Verfassung ohnehin nicht legitimieren. Denn dieser bezieht sich immer nur auf den Status quo. Wenn sich Verfassungsinhalte nicht bewähren oder wenn sich die Umstände ändern, dann bringt die vergangene einmalige Zustimmung letztlich nichts. Für die nachfolgenden Generationen, die unter dieser Verfassung leben müssen, hat dieser Akt – wenn es auf die Zustimmung der Bürger ankommen soll – ohnehin keine Legitimationswirkung. Ein Umstand, der bereits Ende des 18. Jahrhunderts von Republikanern und Jakobinern erkannt worden ist. Demzufolge wird eine Verfassung weniger durch die Art und Weise ihrer „Erzeugung“ legitimiert als über ihre – nur ex post feststellbaren – Leistungen und kontinuierliche Akzeptanz. 542 3. Drei Folgerungen In der Absicht, abschließend die Geschichte Europas als Ganzes in den Blick zu nehmen, ergeben sich aus dieser (limitierten) tour d’horizon einige Folgerungen, die gleichzeitig einer weitergehenden interdisziplinären Bearbeitung bedürften. Zum einen: Die Geschichte Europas ist in weiten Teilen ihre eigene Rezeptionsgeschichte. Die longue durée ist ein Zivilisationsprozess, der in hohem Maße aus
541 Diese Reflexionsphase wurde auf dem Gipfel Ende Juni 2006 nunmehr erneut verlängert. 542 Die unbestrittene Legitimität des deutschen GG, das bekanntlich an diversen „Geburtsmakeln“ litt, illustriert diese These, vgl. zu alledem auch A. Peters, Stellungnahme, in: G. Kreis (Hrsg.), Der Beitrag der Wissenschaften zur künftigen Verfassung der EU. Interdisziplinäres Verfassungssymposium anlässlich des 10 Jahre Jubiläums des Europainstituts der Universität Basel. Basler Schriften zur europäischen Integration, Nr. 66, 2003, S. 24 ff.

II. Eckpunkte und Grundlagen der europäischen Verfassungsentwicklung

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Traditionswahrnehmungen gespeist wird. Für Europa gilt, was B. Anderson über die Nationen gesagt hat: Es ist eine „imagined community“, besteht also, wenn es besteht, vor allem in den Köpfen der Menschen. 543 Möglicherweise, das wäre das zweite Ergebnis, ließe sich das analytische Instrumentarium für eine Verfassungsgeschichte Europas verfeinern. Das oft genutzte Begriffspaar Rationalisierung und Modernisierung als Leitfaden einer europäischen Geschichte ist für sich alleine eine zu grobe und übrigens auch zu vieldeutige Kategorisierung, um zur Beschreibung einer Langen Dauer der abendländischen Zivilisation zu taugen. Hilfreicher als ein lineares Fortschrittsmodell wäre eines, das an jedem Zeitpunkt der Entwicklung auch die dazugehörige Reflexion über diese Entwicklung einbezöge: welche historischen Weltbilder liefern den Wahrnehmungs- und Urteilsrahmen, innerhalb dessen sich die Entwicklungsschritte vollziehen? Welche kollektiven Erinnerungen, welche Vorbilder, welche Mythen, welche Metaphern, welche rückwärtsgewandten Utopien bilden die „Folie“, auf deren Hintergrund der Prozess der Zivilisation abläuft? Erst wenn der Zusammenhang zwischen Logos und Mythos, zwischen Zukunftsentwurf und Vergangenheitsbild hergestellt sein wird, kann man die lange Renaissance Europas, die Verwestlichung des Abendlandes angemessen beschreiben und damit der Verfassungsgeschichte einen tatsächlich würdigen Rahmen ermöglichen. Im übrigen wird – drittens und letztens – ersichtlich, dass es nicht ausreicht, einzelne Epochen der europäischen Geschichte jeweils für sich zu betrachten und zu analysieren. In jeden Zeitpunkt ist die ganze europäische Vorgeschichte mit eingeschlossen und muss jeweils mitgedacht werden, und zwar zugleich auf zwei Ebenen: Als Realgeschichte wie als mythisch vermittelte Vergangenheitswahrnehmung, als welche sich Geschichte in dauernder Verwandlung ständig wiederholt. 544 Der tiefste Grund für den Aufstieg wie auch für die Gefährdung Europas liegt vielleicht in dieser immerwährenden Suche nach der verlorenen, der geahnten und erhofften aurea aetas.

543 B. Anderson, Imagined Communities. Reflections on the Origin and Spread of Nationalism, 1983. 544 Namentlich Letzteres spricht übrigens gegen das Verfahren namhafter Historiker, die Antike aus der europäischen Geschichte auszugrenzen und Europa irgendwann zwischen Spätantike und Hochmittelalter entstehen zu lassen, vgl. nur H. Pirenne, Geschichte Europas. Von der Völkerwanderung bis zur Reformation, 1956; D. Gerhard, Das Abendland 800 –1800. Ursprung und Gegenbild unserer Zeit, 1981; F. Heer, Europäische Geistesgeschichte, 1953; A. Mirgeler, Revision der europäischen Geschichte, 1971. Tatsächlich reicht die Antike als historisch wirkende Kraft bis in unserer Gegenwart, ist also auch Neueste Geschichte, und zwar in erster Linie in Gestalt ihrer Verwandlungen, die sie im Laufe der Zeit in den Köpfen und Herzen der Menschen durchgemacht hat.

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B. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung

III. Der Einfluss der amerikanischen Verfassung und des Verfassungsverständnisses auf europäische Rechtskultur(en), Rechtskulturzusammenhänge
Amerikanische Verfassungsprinzipien und -elemente waren in den vergangenen, annähernd zweieinhalb Jahrhunderten einer weitreichenden Rezeption in Europa unterworfen. 545 Durch Rousseau waren im vorrevolutionären Frankreich demokratische Ideen lebendig geworden. Die Physiokraten erhoben die Forderung nach Freiheit wirtschaftlicher Betätigung und Niederhaltung staatlicher Einmischung. 546 Zeitgleich war in Amerika die Verbriefung solcher Freiheiten in Grundrechtskatalogen nur eine Kodifizierung von bereits weitgehend geltenden Grundsätzen in der damaligen Verfassungswirklichkeit. Das revolutionäre Frankreich stand angesichts der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte vor einer gänzlich unterschiedlichen politischen wie verfassungsrechtlichen Situation. 547 Lafayette wurde jedoch maßgeblich durch die Bill of Rights of Virginia angeregt, in der französischen Constituante den Antrag für eine Erklärung der Menschenrechte zu erlassen. Und wieder führt die Spur zu Jefferson, der angesichts seiner Mitwirkung an dem eingebrachten Entwurf 548 tatsächlich zum Grenzgänger zweier Verfassungswelten wurde und wohl als der eigentliche „Pionier transatlantischer Verfassungsrezeption“ bezeichnet werden muss. In Frankreich betonte man im kosmopolitischen Geist der Aufklärung die Gemeinsamkeiten zwischen den beiden „Revolutionen“. Die amerikanischen Verfassungen erschienen in französischen Übersetzungen und Lafayette verehrte seinem Freund Washington in einer symbolischen Geste den Schlüssel der Bastille. 549

545 Dazu etwa H. Steinberger, 200 Jahre amerikanische Bundesverfassung, 1987, S. 1 ff., 23 f.; B. Pieroth, Amerikanischer Verfassungsexport nach Deutschland, in: NJW 1989, S. 1333 ff. 546 Vgl. D. Klippel, Der Einfluss der Physiokraten, in: Der Staat 1984, S. 205 ff. 547 Dazu umfassend W. Rees, Die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789, 1912 (Neudr. 1968); S.-J. Samwer, Die französische Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789/91, 1970. 548 Diese Konstellation beschreibt O. Vossler, Studien zur Erklärung der Menschenrechte, in: R. Schnur (Hrsg.), Zur Geschichte der Erklärung Menschenrechte und Grundfreiheiten, 1964 (2. Aufl. 1974), S. 166 ff., S. 193 ff. Die amerikanischen Revolutionsideale in ihrem Verhältnis zu den europäischen beschreibt ebenfalls O. Vossler in seiner gleichnamigen Monographie (1929). 549 Zu den wechselseitigen Wirkungen der Französischen Revolution und der Amerikanischen Revolution auf das Frankreich und Amerika des ausgehenden 18. und frühen 19. Jahrhunderts vgl. J. Heideking, Geschichte der USA, 2. Aufl. 1999, S. 79 ff.

III. Der Einfluss der amerikanischen Verfassung

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Insbesondere das US-amerikanische Prinzip der Verfassungskontrolle ist im Europa des 19. Jahrhunderts stellenweise rezipiert worden. Portugal, Griechenland und Norwegen übernahmen sogar die Grundzüge des amerikanischen Vorbilds. 550 Das Präsidialsystem hat – in Konkurrenz zum System mit Premierminister – weltweite Verbreitung gefunden. Ebenso die Verfassungsgerichtsbarkeit.
„[T]he Federalist Constitution has proved to be a brilliant success, which unitary nation states and parliamentary democracies all over the world would do well to copy. I give it most of the credit for the fact that ours is the wealthiest, most technologically advanced, and most socially just society in human history, not to mention the fact that we have with ease become a military superpower. [...] The rest of the world is quite rightly impressed with us, and it is thus no accident that the United States of America has become the biggest single exporter of public law in the history of humankind. Almost wherever one looks, written constitutions, federalism, separation of powers, bills of rights, and judicial review are on the ascendancy all over the world right now – and for a good reason. They work better than any of the alternatives that have been tried.“ 551

Die triumphalen und schwerlich bescheiden zu nennenden Zeilen Calabresis sind beredtes Zeugnis für ein amerikanisches Selbstverständnis, dass neben aller gelegentlichen Hybris doch in einem tatsächlich fruchtbaren „VerfassungsNährboden“ wurzelt. 552 Freilich: Die Unabhängigkeitserklärung von 1776 und die amerikanische Bundesverfassung von 1787 zählen zu den wichtigsten Innovationen für den westlichen Staatsbildungsprozess überhaupt. Uralte Gegenseitigkeitsprinzipien fanden auf der Grundlage allgemeiner Volkssouveränität eine Transformation in modernes Selbstbestimmungsrecht. Eine Nation gründete sich mittels einer Verfassungsurkunde erstmalig selbst, einer Verfassung, die wie oben kursorisch ausgeführt auch inhaltlich innovativ war – eigentlich weniger durch die Verankerung der Gewaltenteilung als in der Errichtung eines Bundesstaates mit klar aufgeteilter Souveränität. 553 Die – regelmäßig in einem fundamentalen Verfassungsgesetz rechtlich fixierte – Verfassung ist konstitutives Merkmal des modernen politischen Gemeinwesens. Der moderne Konstitutionalismus wiederum erwächst den großen Revolutionen des ausgehenden 18. Jahrhunderts. In vielerlei Gestalt hat die „Konstitutio550 Vgl. M. Fromont, La justice constitutionelle dans la monde, 1996, S. 15; R. Grote, Rechtskreise im öffentlichen Recht, in: AöR 126 (2001), S. 10ff, 49. 551 S.G. Calabresi, An Agenda for Constitutional Reform, in: W.N. Eskridge / S. Levinson (Hrsg.), Constitutional Stupidities, Constitutional Tragedies, 1998, S. 22. 552 Etwas nüchterner in der Betrachtung B. Ackerman, The New Separation of Powers, in: 113 Harvard L. Rev. (2000), S. 633 ff. 553 Tatsächlich gelang es mit der North West Ordinance 1787, das weitere Wachstum der Nation verbindlich vorzuprogrammieren, eine gänzlich neuartige, rationale Planung des politischen Prozesses.

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B. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung

nalisierung der Herrschaft“ (D. Grimm) 554 seither die historisch-politische Welt geprägt und darüber hinaus im Zuge der Globalisierung der Politik die nichtwestlichen Gesellschaften erfasst. Dort, wo seiner Grundidee nach der moderne Begriff der Verfassung als „Ordnung des Politischen“ 555 konzipiert wird, wird gleichzeitig ein zentraler Sinngehalt der politischen Kultur ausgedrückt. In diesem Kontext entspringt der modernen Verfassung eine Mehrfachfunktion: zum einen deutet sie ihrer symbolischen Funktion entsprechend die Ordnungsgehalte der politischen Kultur der Gesellschaft und normiert dieselben. Gemäß ihrer instrumentellen Funktion liefert sie zudem das (Spiel-)Regelwerk für die politischen Prozesse des politischen Systems. Als „quasi-kanonischer Text“ steht sie einmal für eine Hermeneutik der gesellschaftlichen Existenz mit einem Verbindlichkeit fordernden Geltungsanspruch. Zum anderen ist sie Anker- und Kristallisationspunkt für einen permanenten hermeneutischen Prozess der Interpretation der durch sie verbürgten Prinzipien im Medium der politischen Deutungskultur der Gesellschaft. Wo ein Interpretationsmonopol der Verfassungsgerichtsbarkeit zukommt, hat sich eine in sich stets kontroverse Tradition der Verfassungshermeneutik herausgebildet, die unter modernen kulturhermeneutischen Vorzeichen zu analysieren ist bzw. wäre. 556

Vgl. D. Grimm, Die Zukunft der Verfassung, 1991. Dazu weitergehend in U.K. Preuß (Hrsg.), Zum Begriff der Verfassung, 1994. 556 Es entspricht der hier vorgeschlagenen Problemstellung, dass sowohl an die Resultate der historisch und vergleichend ausgerichteten Forschungen zum Konstitutionalismus als auch an die jeweilige nationale Verfassungsgeschichtsschreibung anzuknüpfen ist. Hierbei liegt das Gewicht in der Regel auf der Behandlung des westlichen Konstitutionalismus. Bezeichnend ist, dass der von K. Löwenstein in seiner Verfassungslehre (1959) konzipierte historisch-vergleichende Ansatz erst in den vergangenen Jahrzehnten wiederaufgenommen wurde. Ein Grund hierfür mag darin zu sehen sein, dass der Strukturfunktionalismus als dominante Richtung der „comparative politics“ die Verfassungsfragen marginalisierte. Die Arbeiten von J. Elster / R. Slagstat (Hrsg.), Constitutionalism and Democracy, 1988, D. Grimm, Die Zukunft der Verfassung, 1991, U.K. Preuß (Hrsg.), Zum Begriff der Verfassung, 1994, J. Gebhardt/ R. Schmalz-Bruns (Hrsg.), Demokratie, Verfassung und Nation, 1994, A. Kimmel (Hrsg.), Verfassungen als Fundament und Instrument der Politik, 1995 und H. Vorländer, Die Verfassung. Idee und Geschichte, 1999, haben in unterschiedlicher Perspektive die Bedeutung des Konstitutionellen für die moderne Staatlichkeit erneut thematisiert. Die Problemstellung der Hybridisierung und Indigenisierung konstitutioneller Formen wurde erst in der neueren Forschung als ein eigenständiger Untersuchungsgegenstand begriffen (Y. Mèny (Hrsg.), Le Politiques du mimétisme institutionel, 1993; W. Reinhard (Hrsg.), Verstaatlichung der Welt, 1998). Hier ist insbesondere auf die regionalspezifische verfassungsgeschichtliche Forschung zu islamischen (aus der Lit. M. Bayat, The Constitutionalization of Power in Shia Iran, in: J. Gebhardt (Hrsg.), Verfassung und politische Kultur, 1999; dies., Iran’s First Revolution, Shi’ism, and the Constitutional Revolution, 1991; H.G. Ebert, Die Interdependenz von Staat, Verfassung und Islam im Nahen und Mittleren Osten in der Gegenwart, 1991; A. Schirazi, The Constitution of Iran, 1997) und ostasiatischen (K.J. Antoni, Der himmlische Herrscher und sein Staat, 1991; W. Seifert, Verfassung und Politische Kultur am Bespiel der Meiji-Verfassung von 1889,
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III. Der Einfluss der amerikanischen Verfassung

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Der in der amerikanischen Revolution formulierte Katalog konstitutioneller Ordnungsprinzipien wurde schon im Verlauf des „westlichen“ Konstitutionalisierungsprozesses jeweils unterschiedlichen historisch-politischen Formensprachen unterworfen, woraus durch Verschmelzung von Eigenem und Fremdem eine Vielfalt der Verfassungskulturen resultierte. Letztlich ein dynamischer Prozess der Übernahme, Umformung, Anpassung und Umdeutung konstitutioneller Paradigmata. 557 Diese verschmolzenen, hybriden Formen des institutionellen Mimetismus erwiesen sich durchaus als exemplarisch für Staaten Lateinamerikas, Afrikas und Osteuropas. 558 Im Iran, in Japan und der Türkei bedienten sich unterschiedliche Reformbewegungen aus dem Fundus des westlichen Konstitutionalismus, um indigene politische Ausprägungen der gesellschaftlichen Existenz zu entwickeln. Die Rezeption des Konstitutionalismus in den „nicht-westlichen“ Zivilisationen resultierte im Wesentlichen jedoch nicht in einer Modernisierung durch Verwestlichung, sondern in einer Entfaltung pluraler Formen der Modernität, in denen die jeweiligen eigenen historischen Traditionen oftmals in der Begegnung mit westlichen konstitutionellen Formen eine indigenisierte konstitutionelle Politik generierten, die in den Strukturen analog, aber nicht identisch zu bzw. mit dem westlichen Modell sind. 1. Die Vereinigten Staaten von Amerika – ein Faktor des europäischen Einigungsprozesses Es wäre trotz aller (regelmäßig wiederkehrender) Friktionsfelder falsch, die historisch fördernde Rolle der USA im europäischen Einigungsprozess wegzudiskutieren und die strategische wie gesellschaftliche Bedeutung eines gut funktionierenden, transatlantisch partnerschaftlichen Verhältnisses zu unterschätzen. 559
in: J. Gebhardt (Hrsg.), Verfassung und politische Kultur, 1999, S. 139 ff.; M. Schmiegelow, Democracy in Asia, 1997) Gesellschaften zu verweisen. 557 Von Y. Mèny (Hrsg.), Le Politiques du mimétisme institutionel – La greffe et le rejet, 1993 im Vorwort als „mimètisme constitutionel“ bezeichnet. 558 Während Hybridisierung für jeden Fall der Verfassungsübernahme charakteristisch ist, gilt für den Fall eines gelungenen Konstitutionalisierungsprozesses, dass die mimetische Anverwandlung der institutionellen Form an die geschichtlich-kulturellen Vorgänge, d. h. die Indigenisierung des Konstitutionalismus in einer politischen Kultur gebunden ist. 559 Zustimmung verdient G. Burghardt, Die Europäische Verfassungsentwicklung aus dem Blickwinkel der USA, Vortrag an der Humboldt-Universität zu Berlin am 6. Juni 2002, abgedruckt in: Walter Hallstein-Institut für Europäisches Verfassungsrecht (Hrsg.), Die europäische Verfassung im globalen Kontext, 2004, S. 41 ff., 41, der hinsichtlich des derzeitigen transatlantischen Verhältnisses feststellt: „Indessen gleicht das Verhältnis der USA und der EU einer langjährigen partnerschaftlichen Beziehung, die beide Partner als so selbstverständlich ansehen, dass sie sich über den Grad der Belastbarkeit beim Austragen von Streitigkeiten keine Sorgen zu machen glauben. Das ‚taking for granted‘ aber ist ein schleichendes Gift, das die soliden Grundlagen in Vergessenheit geraten lassen und den Blick für die gemeinsame Bewältigung zukünftiger Aufgaben trüben kann.“

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B. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung

Ein nüchterner Blick bleibt angebracht: Die Einigung Europas ist in erster Linie eine Verantwortung und gestalterische „Hausaufgabe“ der Europäer selbst. Gleichwohl ist die Haltung der Vereinigten Staaten – unterstützend, kritisch wohlwollend begleitend oder skeptisch abwartend – stets auch ein Faktor der Beschleunigung oder der Verzögerung gewesen. Die Reden W. Churchills in Fulton / Missouri (1946) 560 und G. Marshalls in Harvard (1947) 561 konnten inspirierende Wirkkraft entfalten. Persönliche Bindungen mit „transatlantisch prägender Dimension“ fristen in der rechts- und politikwissenschaftlichen Betrachtung ein eher kümmerliches Dasein. Umso erstaunlicher, da etwa jeder grenzüberschreitende, „rechtskulturelle“ Ansatz auf personalisierte Bindeglieder, zumal „Transporteure“ angewiesen sein müsste. Beispielhaft darf angeführt werden, dass drei amerikanische Nachkriegspräsidenten, Truman, Eisenhower und Kennedy, mit J. Monnet in persönlicher Freundschaft und gegenseitigem Respekt verbunden waren. G. Ball war J. Monnets engster amerikanischer Berater. J.F. Kennedys Konzept der Partnerschaft von Gleichen, sein Einfluss auf Mac Millans Beitrittsgesuch zur Europäischen Gemeinschaft 1961 und die frühe Beschäftigung amerikanischer Universitäten mit der Theorie und Praxis europäischer Integration sind weitere Beispiele konstruktiven amerikanischen Interesses. W. Hallstein hat diese Interaktion zwischen amerikanischem Interesse und notwendiger Erklärung komplexer europäischer Vorgänge prägend mitgestaltet. In Teilen ungebrochen aktuell lesen sich Hallsteins Clayton-Vorlesungen mit dem Titel „Die Einheit Europas – Herausforderung und Hoffnung“ im April 1962 in Boston 562 oder die (selbst verfassten) Berichte über seine regelmäßigen Gespräche mit Präsident Kennedy sowie seine Reden in Washington und New York aus den Jahren 1961 –63 563. Ernst Haas hat schon Anfang der 50er Jahre an der Universität Berkeley eine Vorlesung über die Rechtsnatur der EGKS eingerichtet. Heute beherbergen mehr als 15 amerikanische Universitäten ein „European Union Center“, zahlreiche Institute und Forschungseinrichtungen mit dem Schwerpunkt „Europäische Union“ wurden und werden etabliert.

Abrufbar unter www.nato.int/docu/speech/1946/s460305a_e.htm. Abrufbar unter www.georgecmarshall.org/lt/speeches/marshall_plan.cfm. 562 W. Hallstein, United Europe: Challenge and Opportunity. The William L. Clayton Lectures on International Economic affairs and Foreign Policy, 1962. 563 Die Reden sind abrufbar unter www.ena.lu/europe/19571968-successes-crises /indexEN.html.
561

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III. Der Einfluss der amerikanischen Verfassung

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2. Die konkrete Rolle der USA im europäischen Einigungsprozess 564 Es wird im Folgenden darum gehen, die grundlegende Unterstützung der USA für den Prozess der supranationalen Integration Europas in den verschiedenen Phasen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs noch genauer nachzuzeichnen. Dabei wird zu zeigen sein, dass es sich um eine Unterstützung handelte, die in Abhängigkeit von den jeweils dominanten Motiven und Interessenlagen sowie den spezifischen Kontexten und Problemen unterschiedlich intensiv ausfallen und verschiedenartige Ausprägungen annehmen konnte. a) Eine neue amerikanische Europapolitik nach dem zweiten Weltkrieg? Bereits unmittelbar nach Kriegsende setzte das amerikanische Engagement für den Wiederaufbau des vom Krieg zerstörten (West-) Europa ein. Dabei standen zunächst die „Notwendigkeiten der Nachkriegszeit“ im Vordergrund. Seinen sichtbarsten Ausdruck fand das europapolitische Engagement der USA in der Verabschiedung des so genannten „Marshallplans“ durch den US-Kongress im Jahre 1948. Bekanntlich hat dieses nach dem amerikanischen Außenminister G. Marshall benannte Europäische Wiederaufbauprogramm (ERP) mit seinen materiellen und finanziellen Hilfen und Dienstleistungen erheblich zum Wiederaufbau der europäischen Länder nach 1945 beigetragen. Auch wenn dem Marshallplan die primäre Zielsetzung zugrunde gelegen hat, die materiellen Nöte der vom Krieg geschundenen Bevölkerung zu lindern und langfristig den ökonomischen Wiederaufstieg der westeuropäischen Staaten zu fundieren, war bereits dieses frühe europapolitische Engagement der USA auch mit der Absicht verknüpft, die politische, wirtschaftliche und militärische Integration Westeuropas zu befördern. Die 1953 vom amerikanischen Außenminister J.F. Dulles vor dem National Security Council vorgetragene These, „There was no hope for Europe without integration“ 565, lag bis in die sechziger Jahre als eine Art Leitmotiv der Europapolitik aller amerikanischen Nachkriegs-Administrationen zugrunde. Die Hintergründe und Motive dieser gegenüber der Vorkriegszeit grundlegend veränderten handlungsleitenden Grundmaxime der amerikanischen Europapolitik waren vielfältig. Ohne Frage hat die destruktive und destabilisierende Wirkung der von permanenten, gefährlichen Krisen erschütterten zwischenstaatlichen Beziehungen der europäischen Nationalstaaten in der Vorkriegszeit, die schließlich
564 Die nachfolgenden Thesen stützen sich auf einen Vortrag des Verf. am 17. 11. 2005 in Washington, zu dem eine vom Verf. in Auftrag gegebene Ausarbeitung der Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages (vom 25. 10. 2005) wesentliche Impulse zu setzen wusste. 565 Zitiert nach B. Neuss, Der „gütige Hegemon“ und Europa. Die Rolle der USA bei der europäischen Einigung, in: R.C. Meier-Walser / B. Rill (Hrsg.), Der europäische Gedanke. Hintergrund und Finalität, 2001, S. 155 ff., 155.

dass die Gründungsväter Europas auf beiden Seiten des Atlantiks nicht (oder zumindest nicht allein) aus visionärer Einsicht das bisherige nationalstaatliche Paradigma zurückdrängten sowie gänzlich selbstlos und ohne handfeste ökonomische und nationale Während die 1952 beschlossene EVG ebenso wie das EPG-Projekt 1954 definitiv scheiterte. S. die westeuropäischen Staaten zu einem der USA ebenbürtigen Verbund von Staaten zusammenzuschließen. Dagegen sah man bei einer Restauration des traditionellen europäischen Nationalstaatensystems das Wiederaufleben schwerer internationaler Krisen und kriegerischer Auseinandersetzungen als geradezu unvermeidlich an. Lexikon der internationalen Politik. Gegenwarts. Amerika und Westeuropa. der international seine eigenen Ziele und Interessen verfolgen würde. dass den Vereinigten Staaten hieraus eines Tages ein potentieller Konkurrent erwachsen könne. 1997. Schuman. Hrbek. Die USA und die EG. 288 ff. vgl. 131 ff.. Spannungen und Möglichkeiten. 566 . Die Übereinstimmung in der grundsätzlichen Ausrichtung erleichterte die amerikanisch-westeuropäische Zusammenarbeit in der Integrationspolitik sehr und zeitigte in den – angesichts der Komplexität und Reichweite der Materie – überraschend zügig zum Abschluss gebrachten Verhandlungen über die Verträge zur Errichtung der EGKS. Hillenbrand. In der politischen Praxis der ersten Nachkriegsjahre kam dieser neuen Ausrichtung der amerikanischen Europapolitik zugute. J. Die amerikanische Führung unterstützte daher alle Ansätze. selbst auf die Gefahr hin.J. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung in der Katastrophe des Zweiten Weltkrieges mündeten. Vogler (Hrsg. de Gasperi.und Zukunftsprobleme. 566 In Abgrenzung zur älteren idealistischen Sicht der Integrationsgeschichtsschreibung wird in der jüngeren Forschung allerdings geltend gemacht. bei den außenpolitischen Eliten in Washington eine gründliche Revision der tradierten Denkmuster und Handlungsstrategien hervorgerufen. Albrecht / H. Frankreich. Monnet und K.P. die darauf abzielten. Nur eine Abkehr von der herkömmlichen Nationalstaatspolitik und eine weit reichende supranationale Integration der europäischen Staaten bei einem mehr oder weniger großen Verzicht auf nationale Souveränitätsrechte konnte nach einer in den maßgeblichen amerikanischen Führungskreisen weithin verbreiteten Überzeugung eine stabile friedliche sowie eine politisch wie ökonomisch gedeihliche Entwicklung garantieren. in: K. der EVG sowie der beide Organisationen überwölbenden EPG mit föderativer Struktur erste konkrete Ergebnisse. A. in: U. auch R. Adenauer ebenfalls eine stärkere Einbindung ihrer Staaten in übernationale westeuropäische Strukturen befürwortete. Europa in der internationalen Politik. Italien und Deutschland im April 1951 begründete EKGS als erster entscheidender Schritt im europäischen Integrationsprozess und kann als „Keimzelle“ der späteren Europäischen Gemeinschaft betrachtet werden. Kaiser / H.200 B. 1977. im größeren Kontext M. Schwarz (Hrsg.. S. 132 f. dass eine Reihe von führenden westeuropäischen Staatsmännern der Wiederaufbauzeit wie R. erwies sich die von den Beneluxstaaten.).).

Eisenhower mit der Einflussnahme auf Verhandlungen und der Ausübung von Druck als Antreiber und Vermittler im europäischen Einigungsprozess gewirkt haben.de/rezensionen/2004 -4-049. 21. Neuss. 2004. Siehe auch dies. Lundestad.K.K. 6. Rill (Hrsg. in: R. Rill (Hrsg. Meier-Walser / B. The United States and Europe since 1945. Truman und D. Rezension zu G. 2001. S.huberlin. K. S.). 568 Selbst wenn das amerikanische Interesse an einer europäischen Einigung somit primär sicherheitspolitisch begründet war. politischer und militärischer Hinsicht schuf.). 13 f. 10. etwa K. Lundestad. The United States and European Integration 1945 –1997. dass sich ihre Hoffnungen auf eine friedliche Nachkriegsordnung in Europa und anderen Teilen der Welt zerschlagen hätten. G. ohne den supranationale Integration keineswegs so schnell und in dieser Form vorangeschritten wäre. das den Ausbruch neuer europäischer Kriege wirksam unterband. „Empire“ by Integration.C. Patel.geschichte. S. 155. Der „gütige Hegemon“ und Europa. 155. From „Empire by Invitation“ to Transatlantic Drift. In ihren strategischen Überlegungen für den heraufziehenden Kalten Krieg wiesen die Amerikaner Europa die gewichtige Rolle eines starken und geeinten Partners bei der Herstellung des globalen Gleichgewichts zwischen den beiden Militärblöcken zu. 569 So der Titel einer Monographie von B. . 2001. Diesem Befund widerspricht nicht. in: R.. Die Rolle der USA bei der europäischen Einigung. ähnlich auch B. Voraussetzung hierfür war nach amerikanischer Überzeugung allerdings die Errichtung eines Systems zwischenstaatlicher Strukturen in Westeuropa. Der europäische Gedanke. in: H-Soz-u-Kult. dass die amerikanischen Regierungen unter H.. 155 ff. S. 2000. 567 Während aus europäischer Perspektive nur ein bestimmtes Maß an supranationaler Integration und ein damit einhergehender Teilverzicht auf Souveränitätsrechte das Überleben der Nationalstaaten und deren wirtschaftlichen Wiederaufstieg garantieren sollten und überdies militärische Schutzinteressen und die Aussicht auf ökonomische Hilfsleistungen eine enge Anlehnung an die USA ratsam erscheinen ließen. deshalb vor allem Deutschland als den größten Unruheherd der zurückliegenden Jahrzehnte und voraussichtlich stärksten Machtfaktor der Zukunft wirksam einband sowie die Grundlagen für eine positive Entwicklung der westeuropäischen Staaten in wirtschaftlicher. Neuss. Denn eine Stabilisierung und wachsende Integration der westeuropäischen Staaten versprach nicht 567 Vgl. Meier-Walser / B. Die Rolle der USA bei der europäischen Einigung. Patel (2004).C. 568 Vgl. 155 ff. Der Einfluss der amerikanischen Verfassung 201 Interessen handelten. abrufbar unter http://hsozkult. 2003. Der „gütige Hegemon“ und Europa. dass die USA tatsächlich als „Geburtshelfer Europas“ 569 gewirkt haben. bleibt dennoch anzuerkennen. 1998. sollte es für die Amerikaner schon bald nach Kriegsende klar gewesen sein.III. Der europäische Gedanke. Hintergrund und Finalität. Geburtshelfer Europas? Die Rolle der Vereinigten Staaten im europäischen Integrationsprozess 1945 –1958. Insofern lässt sich durchaus mit einer gewissen Berechtigung konstatieren. Hintergrund und Finalität. dass die USA mit ihrem auf Integration ausgerichteten Europakurs durchaus eigene politische Interessen verfolgten...

dass die Europäer die amerikanische Einflussnahme nicht nur mehr oder weniger zustimmend akzeptiert haben.). S. 571 Im Gegensatz zu älteren Forschungspositionen. Vielmehr zeigten sich die Europäer durchaus in der Lage. besteht nach neuerer Ansicht weitgehend Konsens darüber. 17 f. 2003. die gewaltigen Kosten. 1999. Nach einer inzwischen weithin akzeptierten These suchten die westeuropäischen Staaten nach dem Krieg die enge Anlehnung an die Vereinigten Staaten. Dietl / F. hebt diesen Aspekt wiederholt hervor. sondern eröffnete langfristig auch die Aussicht.. noch die Einflüsse und Machtansprüche der kommunistischen Parteien in ihren eigenen durch den Krieg sozial zerrütteten und wirtschaftlich schwachen Staaten zurückzudrängen. was sich unter anderem an der erfolgreichen Zurückweisung der 570 Dazu etwa D. 573 In diesem Kontext ist allerdings festzuhalten. 573 G. 2003. N. Begegnungen zweier Kontinente. auch ökonomische Nachteile in Kauf zu nehmen.202 B. durch Lastenverteilung („burden sharing“) mit den in Zukunft auch wirtschaftlich erstarkten europäischen Staaten zu senken. Die Vereinigten Staaten. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung nur einen Zugewinn an äußerer Sicherheit und damit eine Stärkung der amerikanischen Positionen in der Konfrontation der Blöcke. K. From „Empire by Invitation“ to Transatlatic Drift. da sie sich alleine weder im Stande sahen.w. Lundestad. Ebenso dürften die US-Administrationen in ihren integrationspolitischen Bemühungen für Westeuropa auch von der Hoffnung auf das Entstehen lukrativer neuer Märkte in den zukünftig stärker verflochtenen Volkswirtschaften Europas angetrieben und bestärkt worden sein. Heideking. Krüger. die die Wahrnehmung der weltpolitischen Rolle der USA mit sich brachte. sondern die Vereinigten Staaten nachgerade aufgefordert haben. 570 Dies ändert freilich nach Ansicht einer Reihe von Historikern und Politikwissenschaftlern nichts an der Tatsache. 7. 17 ff. 572 Siehe etwa noch J. dass die USA ihre Vorstellungen keinesfalls eins zu eins durchsetzen konnten. ihre zerstörten Volkswirtschaften wieder aufzubauen. die dem europapolitischen Engagement der Amerikaner hauptsächlich ökonomischen Eigennutz und hegemoniale Absichten bei nur geringem Interesse an einem föderalen Europa unterstellten 572. 17 m. . Knipping (Hrsg. Patel (2004).K. sich an der Lösung der innereuropäischen Probleme zu beteiligen. der Marshall-Plan und die Anfänge der europäischen Integration. S. in: R. amerikanische Vorhaben abzuändern und eigene Akzente zu setzen. Die Vereinigten Staaten und Europa seit dem Ersten Weltkrieg. dass die sicherheitspolitischen Ziele in der amerikanischen Europapolitik gerade in den ersten Nachkriegsjahren gegenüber den ökonomischen Erwägungen eindeutig im Vordergrund gestanden haben und die Amerikaner für die Durchsetzung ihrer Sicherheitsbedürfnisse sogar bereit waren. 571 Vgl. noch sich gegen die äußere Bedrohung vor allem durch die sowjetischen Expansionsgelüste in Europa zur Wehr zu setzen. The United States and Europe since 1945. S. Sicherheit durch Integration? Die wirtschaftliche und politische Integration Westeuropas 1947 bis 1957.

als die Europäer sich bereits zurückgezogen hatten. 574 . 288. Überhaupt scheint die NATO. B. vgl. S. S. sowie umfassend ders. aber auch an der Einflussnahme vor allem Frankreichs und Großbritanniens auf die integrationspolitischen Vorstellungen Washingtons belegen lässt. 575 Das insgesamt einigende Bekenntnis zu demokratischen und rechtsstaatlichen Prinzipien setzt der Einflussnahme seitens der amerikanischen Vormacht freilich messbare Grenzen und lässt Kritik und Gegenvorschläge der abhängigen Staaten nicht von vorneherein aussichtslos erscheinen. 2 ff. Der Einfluss der amerikanischen Verfassung 203 immer wieder vorgetragenen amerikanischen Forderungen nach größeren Rüstungsanstrengungen seitens der Europäer. S. die Westeuropäer der Notwendigkeit enthoben zu haben. 157 f. Der europäische Gedanke. Schwarz (Hrsg.-P.. Lundestad die Position der USA in Westeuropa als „empire by invitation“. Der „gütige Hegemon“ und Europa. Kaiser / H. das auch und vor allem mit Hilfe seiner integrationspolitischen Bemühungen seine Einflusssphäre auf eine Reihe unabhängiger Staaten ausdehnt. M.R. 1998.J. Hintergrund und Finalität. Dabei versteht Lundestad „empire“ in Abgrenzung zu älteren Formen direkter Herrschaft wertneutral als hierarchisches System mit einem Zentrum. 576 Bei allem Einsatz für eine stärkere Integration der europäischen Staaten in den fünfziger Jahren war die amerikanische Politik nicht frei von Brüchen und Widersprüchen. 2003. in: R. Spannungen und Möglichkeiten. Amerika und Westeuropa. 2001.. Rill (Hrsg.III. Neuss. in: K. nachdem sie sich als leistungsfähiges und erfolgreiches Instrument zur Lösung der inneren und äußeren Sicherheitsprobleme erwiesen hatte. Gegenwarts. 2003 sowie B. sondern im Gegenteil vielfach auf deren erklärten Wunsch hin zustande kam. From „Empire by Invitation“ to Transatlatic Drift. dass die amerikanische Einflussnahme auf Westeuropa keineswegs gegen den Widerstand der betroffenen Länder erfolgte. „Empire“ by Integration. Die transatlantische Einbindung garantierte größtmögliche Sicherheit (wenngleich auch eine allzu eingeschränkte Sicht. The United States and European Integration 1945 –1997. 574 Vor diesem Hintergrund charakterisiert G. womit er zum Ausdruck bringt. gegenüber der Herausforderung des Ostblocks eine politisch voll integrierte Gemeinschaft aufzubauen. Hammerich.und Zukunftsprobleme. The United States and Europe since 1945. ließen seit etwa 1954 auch die Amerikaner in ihren Integrationsbemühungen nach und konzentrierten sich mehr auf ihr Verhältnis zu Großbritannien und zur NATO. Die USA und die EG. Meier-Walser / B. 576 Insbesondere in Situationen. Jeder für sich und Amerika gegen alle? Die Lastenteilung der NATO am Beispiel des Temporary Council Comittee 1949 bis 1954. der Errichtung der EGKS oder beim Scheitern von EVG und EPG. 159 ff. wie dies etwa bei Frankreich angesichts der bei Umsetzung der EVG-Pläne befürchteten militärischen Aufwertung der Bundesrepublik der Fall war. in denen einzelne europäische Länder sich in ihren existenziellen Grundlagen bedroht sahen. Hatten die USA zunächst noch von den Europäern initiierte supranationale Initiativen unterstützt. bei der gescheiteren supranationalen Umorganisation der OEEC.und Empfindungslage) und machte einen weiteren So z. Die Rolle der USA bei der europäischen Einigung.).. 155 ff. kann auch noch so großer Druck der USA die betroffenen europäischen Staaten nicht zum Einlenken bewegen.C. 288 ff. 1977.). 575 G. Siehe auch H. Hillenbrand. Lundestad.

wirtschaftliche und militärische Integration Europas voranzutreiben. Neuss (2001) S. 163 f. Lexikon der internationalen Politik. war mit amerikanischer Unterstützung vor allem im wirtschaftlichen Bereich ein enges organisatorisches Beziehungsgeflecht in Kontinentaleuropa entstanden. dass die zu erwartenden Vorteile – unter anderem das Erreichen einer weiteren europäischen Integrationsstufe. erwies sich die EWG als entscheidender Kristallisationspunkt für alle weiteren europäischen Einigungsbestrebungen. Wie oben bereits dargestellt konnten nach langwierigen. Schaffung eines großen europäischen Binnenmarkts (mit neuen Marktchancen auch für die amerikanische Wirtschaft) – die befürchteten Nachteile vor allem für die amerikanische Wirtschaft (durch Subventionen oder Schutzzölle im Agrarbereich sowie Erhöhung des Konkurrenzdrucks und Exporteinbußen für die amerikanische Industrie) unter allgemein. 133. Angesichts der Verlagerung der europapolitischen Anstrengungen der Amerikaner kann es kaum verwundern.wie sicherheitspolitischen Gesichtspunkten rechtfertigten. in: U. das in den beteiligten Staaten neben einer gedeihlichen wirtschaftlichen und insgesamt stabilen inneren Entwicklung auch das friedliche Zusammenleben beförderte. Gleichwohl unterstützte die amerikanische Regierung auf Drängen der Europäer beide Projekte und vermittelte hinter den Kulissen zwischen den Verhandlungspartnern. S. dass auch die beiden gegen Ende der fünfziger Jahre ausgehandelten und für den weiteren europäischen Einigungsprozess besonders erfolgreichen Projekte. . Die nun einsetzende Dynamik des europäischen Integrationsprozesses und die wieder erlangte 577 Umfassend B. die Euratom und die EWG auf rein europäischen Initiativen basierten und hinsichtlich ihrer Realisierungschancen von Washington äußerst skeptisch beurteilt wurden. Kontrolle der militärisch orientierten Atomforschung. da sie zu der Überzeugung gelangt war. föderalen Europas (vordergründig) überflüssig. Während die politische Bedeutung von Euratom insgesamt gering blieb und ihre integrationspolitischen Wirkungen bescheiden ausfielen. Sicherung der Energieversorgung. 577 b) Die 60er Jahre: amerikanische Europapolitik im doppelten Spannungsfeld zwischen Kooperation und Ambivalenz Etwa ein Jahrzehnt nach Beginn der Bestrebungen.). Europa in der internationalen Politik. Vertiefung der Anbindung Deutschlands an den Westen. Albrecht / H. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Souveränitätsverzicht der auf ihre nationalstaatliche Eigenständigkeit bedachten westeuropäischen Staaten zugunsten eines stärker integrierten.. aber letztlich erfolgreichen Verhandlungen im Frühjahr 1957 die EWG und die Euratom mit der Ratifizierung der „Römischen Verträge“ ins Leben gerufen werden. 1997.204 B.. Hrbek. Vogler (Hrsg. siehe auch R. 131 ff. die westeuropäischen Staaten in supranationale Strukturen einzubinden und damit die politische.

entwickelten sich nun mehr und mehr Frankreich und Deutschland zum eigentlichen Motor der europäischen Einigung. der – aufgrund amerikanischer Bevorzugung Großbritanniens eingeleitete – atomare Alleingang der Franzosen. den de Gaulle im Sinne der europäischen Führungspläne Frankreichs gegen die USA auszuspielen beabsichtigte. militärisch und politisch starkes und geeintes Europa eine tragende Rolle als zweite gleichberechtigte Säule neben der amerikanischen einnehmen. Wir betrachten ein starkes und vereintes Europa nicht als Rivalen.III. Kennedy. Schweitzer.F.F. Rede in Philadelphia am 4.“ 579 Trotz allem: jenseits derartiger langfristiger strategischer Überlegungen nahm im politischen Alltag die Zahl der Differenzen und Konflikte zwischen Amerikanern und Europäern zu. der deutschfranzösische Freundschaftsvertrag von 1963. S. Einführung und Dokumente. zit. vor allem die von Frankreich vorangetriebene Ausgestaltung des gemeinsamen Agrarmarktes. 578 In seiner weithin beachteten Rede vom 4. 579 J. 580 Anlass zu Irritationen und Konflikten boten unter anderem der Gemeinsame Markt. bekannte sich J. der bis heute durchzuscheinen. mehr noch: in ihren strategischen Konzepten wiesen sie Europa eine zentrale Rolle zu. autonome. 254. Auch wenn die USA die grundlegenden Leitlinien ihrer Europapolitik nicht veränderten und nach wie vor fördernd in den europäischen Einigungsprozess eingriffen. war siebzehn Jahre lang das Hauptanliegen unserer Außenpolitik. Seinen Fortschritt zu unterstützen. der Rückzug Frankreichs aus der Verteidigungsorganisation der NATO im . nach M. ebenda. Hillenbrand (1977). Juli 1962. Kennedy daher auch ausdrücklich zur europäischen Integration: „Die Vereinigten Staaten sehen auf dieses große neue Unterfangen mit Hoffnung und Bewunderung. 580 Ein Umstand. auch E. Kennedy. Juli 1962 in Philadelphia. 289. 1989. The Goal of an Atlantic Partnership.J. 578 J. S.C. Trotz eines zunehmend selbstbewussten Auftretens der europäischen Staaten verstanden sich die USA weiterhin als Förderer der europäischen Einigung. in der er das neue NATO-Konzept vorstellte. gelegentlich Platz zu greifen vermag. von den amerikanischen Hegemonialinteressen unabhängige europäische Strukturen und mit den USA eine gleichberechtigte und gleichgewichtige Partnerschaft aufzubauen (Konzept einer europäischen dritten Kraft). Weltpolitik der USA nach 1945. vgl. der – auf Betreiben Frankreichs erfolgte – Ausschluss Großbritanniens aus dem Gemeinsamen Markt. Insbesondere die französische Regierung unter Präsident de Gaulle forderte mit seinen Versuchen. die amerikanische Führungsrolle in Europa ein ums andere Mal heraus. Czempiel / C. In dem von der Kennedy-Administration entwickelten „Grand Design“ für die transatlantische Gemeinschaft sollte ein ökonomisch.F.-O. sondern als Partner. der mit seinen protektionistischen Praktiken amerikanischen Wirtschaftsinteressen tendenziell zu schaden drohte. die durch den Übergang von der Strategie der „massiven Vergeltung“ zur Strategie der „flexiblen Antwort“ bei den Europäern ausgelöste Sorge vor einer Aufweichung des atomaren Schutzschilds der USA für Europa. Der Einfluss der amerikanischen Verfassung 205 wirtschaftliche Stärke und politisch-gesellschaftliche Stabilität der europäischen Staaten hatte auch Auswirkungen auf die europäische Rolle der USA und die transatlantischen Beziehungen.

S.de/fb5/frieden/themen/Europa/wallerstein. März 1966. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Auf wirtschaftlichem Gebiet war der amerikanischen Einflussnahme in Europa nur bedingt Erfolg beschieden. vgl.206 B. Einführung und Dokumente. konnten ihn die Amerikaner aber vor allem mit Verweis auf die fehlende politische Einheit und großen militärtechnischen Defizite der Europäer zumindest auf sicherheitspolitischem Gebiet weiterhin geltend machen. Wallerstein. S. 256 f. 120 sowie jüngst I.). 117. Weltpolitik der USA nach 1945.-C. 1989. . sich in die Rüstungskontrollgespräche mit der Sowjetunion einbinden zu lassen. 1995. Zollvereinbarungen mit der EWG auf den Weg zu bringen und durch Senkung der Zölle auf Industrieprodukte eine erhebliche Liberalisierung des Handels zwischen den Industriestaaten herzustellen. Schweitzer. Link. durch Gründung der OECD die aufstrebende EWG in den größeren Zusammenhang der (westlichen) Industriestaaten zum Zwecke der Koordinierung der Wirtschaftspolitik und Kooperation bei der Auslandshilfe einzubetten. deren geopolitische Bedeutung nach wie vor unumstritten war. durch Errichtung einer europäischen Freihandelszone mit der EWG. Die USA und Europa – 1945 bis heute.-O. Andererseits empfand man insbesondere die EWG-Agrarpolitik und die Bevorzugung des Mittelmeerraums und Afrikas durch die EWG als Diskriminierung mit negativen Auswirkungen auf den eigenen Export. wenn nicht sogar auf kurz oder lang eine Beendigung der amerikanischen Führungsrolle in Europa zur Folge haben musste. Historische Kontinuitäten und Diskontinuitäten im transatlantischen Verhältnis – Folgerungen für die Zukunft. 49 ff. Europa nach der Zeitenwende – die Wiederkehr der Geschichte.uni-kassel. Auch war es noch unter der Kennedy-Administration gelungen. Link (Hrsg. Auch erkannte die amerikanische Wirtschaft die neuen ökonomischen Chancen der EWG und nutzte den durch diese hergestellten größeren Markt für eine Steigerung ihrer Direktinvestitionen in Europa (was dort Ängste vor „amerikanischer Überfremdung“ auslöste).html. Kahler / W. in: M. Auch wenn der amerikanische Führungsanspruch sich mit dem bereits von Kennedy propagierten Partnerschaftsmodell schwer vereinbaren ließ. Großbritannien und dem Commonwealth eine kontinentaleuropäische Blockbildung zu verhindern. hierzu W. im Internet unter: www. 581 Differenzen und Fehlschläge dieser Art verstärkten eine bereits Anfang der sechziger Jahre unter amerikanischen Führungsgruppen spürbare ambivalente Haltung gegenüber dem europäischen Einigungsprozess: Einerseits gab es eine breite Unterstützung für die europäischen Einigungsbemühungen. Vor allem aber tat man sich jenseits des Atlantiks schwer damit anzuerkennen. Dagegen scheiterte der amerikanische Plan. So gelang es den USA. Czempiel / C. 581 Vgl. die Weigerung. dass die aus der Einigung resultierende machtpolitische Stärkung Europas zwangsläufig eine Relativierung.. E.

Spannungen und Möglichkeiten.. Der Einfluss der amerikanischen Verfassung 207 c) Die 70er Jahre: Das Abfedern von transatlantischen Rivalitäten und Friktionsfeldern Nachdem sich bereits in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts andeutete.und Zukunftsprobleme.III. 1977. Washington 1970. lässt sich an der Kongressrede Präsident Nixons vom Februar 1970 ablesen. dann schadete dies mehr dem Fortschritt. dass es nur einen Weg zu diesem Ziel gibt. U. die innereuropäischen Entwicklungen nur noch indirekt über ihre bilateralen Beziehungen zu den einzelnen Mitgliedsländern der Gemeinschaft mehr zu begleiten als zu beeinflussen.. Grand Designs and Visions of Unity. sondern ebenso durch unsere bilateralen Beziehung zu den verschiedenen Staaten Europas. Amerika und Westeuropa.S.J. Wir glauben.. der in hohem Maße ökonomisch motiviert war. . Kaiser / H. Wir können Europa nicht vereinigen. Bericht des Präsidenten an den Kongress. Ausweitung des transatlantischen Konfliktpotentials und wachsenden Gestaltungswillen der zu neuem Selbstbewusstsein gelangten Europäer mit nachlassendem Interesse an der europäischen Integration reagierten 582. sich aber von ihrer einstmaligen Rolle als Antreiber und Impulsgeber des europäischen Integrationsprozesses nunmehr endgültig verabschiedet hatte. Nixon. 583 R. in der er die Grundlinien seines neuen Ansatzes in der Europapolitik vorstellte: „Die Struktur Europas [. Während die US-Wirtschaft stagnierte bzw. nach M.]“ 583 Dies bedeutete nichts anderes. zit. dass wir den Prozess der europäischen Einigung nicht nur durch unsere Rolle in der Nordatlantischen Allianz und durch unsere Beziehungen zu europäischen Institutionen unterstützen können.).. 288 ff. Gegenwarts. und wir glauben nicht. scheint sich diese Haltung in der Europapolitik in den siebziger Jahren weiter verfestigt zu haben. Dass dieser Kurswechsel auch einen Reflex auf die bisherigen Misserfolge in der Europapolitik darstellte. Hillenbrand. A New Strategy for Peace. Die USA und die EG. 300. dass die Amerikaner auf europapolitische Misserfolge. S. als dass die Administration der Vereinigten Staaten zwar weiterhin das Ziel einer europäischen Vereinigung unterstützte. als es ihm half.G.M.. The Atlantic Powers and the Reorganization of Western Europe. Schwarz (Hrsg. zumindest zeichnete sich damals der europapolitische Kurs der USA durch wachsende Distanz gegenüber den europäischen Partnern und ihren Integrationsbemühungen sowie durch eine insgesamt veränderte weltpolitische Prioritätensetzung aus. stiegen die 582 Siehe auch J. Giauque. Foreign Policy for the 1970’s.-P. Stattdessen zogen sie es vor. Wenn die Vereinigten Staaten sich in früheren Regierungsperioden zum eifrigen Anwalt machten. Die Wendung in der Europapolitik der USA war Ausfluss eines sich seit Ende der sechziger Jahre abzeichnenden grundlegenden Richtungswechsels in der amerikanischen Außenpolitik. 1958 – 1963. in eine Rezession fiel. in: K. 2002. Für die weitere Zukunft werden diese Beziehungen die wesentlichen transatlantischen Bindungen darstellen [.] ist grundsätzlich die Aufgabe der Europäer.

585 Erwartungsgemäß reagierte die US-Administration auf derartige Bestrebungen äußerst verstört. Kapitalabflüsse ins Ausland und eine dramatische Abnahme der Goldreserven brachten die amerikanische Währung zunehmend in Schwierigkeiten.)..-C. Block-Floating gegenüber dem Dollar) von den gravierenden Problemen der US-Wirtschaft abzukoppeln. Kissinger zwar stets eine stärkere außenpolitische Zusammenarbeit der Europäer eingefordert und bei diesen moniert. E. die neu gewonnene wirtschaftliche Stärke dazu zu nutzten. dass die westeuropäischen Staaten wirtschaftlich inzwischen weit fortgeschritten sich im Aufholprozess befanden und sich anschickten. ihre Unabhängigkeit gegenüber der „hegemonialen Führungsmacht“ jenseits des Atlantiks auszuweiten. Einführung und Dokumente. war nicht mehr zu übersehen. welche „Telefonnummer“ er in Europa bei einer Verständigung im Krisenfall anrufen solle. dass er nicht wisse. sich etwa durch währungspolitische Koordinierungsbemühungen (europäische Währungsschlange. Die amerikanischen Militärausgaben im Ausland (insbesondere während des Vietnamkriegs). Europa nach der Zeitenwende – die Wiederkehr der Geschichte. 584 Ausbildungen dieser Art signalisierten augenfällig. 257. Kahler / W. 585 Neben dem Bestreben.. S. dass die Europäer nun versuchten. S. Link (1995). S. Lundestad. Vor allem die Staaten der Europäischen Gemeinschaft entwickelten ein der USWirtschaft nahezu ebenbürtiges Wirtschaftspotential. dass die Regierung Nixon im August 1971 völlig überraschend die Goldbindung und Konvertibilität des Dollars aufhob (und damit das von den USA etablierte Weltwährungssystem von Bretton Woods beendete).-O. vgl.. S. Schweitzer. Link. 123 ff. 96 ff. Dies lässt sich unter anderem an den Reaktionen der amerikanischen Regierung auf das Streben der EG-Mitglieder nach Harmonisierung ihrer Außenpolitik im Rahmen der Europäischen Politischen Zusammenarbeit (EPZ) erkennen. 313 f. Weltpolitik der USA nach 1945. So hatte der von diesem Vorhaben eher verunsicherte US-Außenminister H. umfangreiche Auslandshilfen sowie beträchtliche wirtschaftliche Investitionen der Amerikaner in Europa hatten den US-Staatshaushalt arg strapaziert. dass ihm eine „freischwimmende 584 Ausführlicher G. auch W. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Kosten des weltpolitischen Engagements der USA ins Unermessliche. 122 f. Es war deshalb wenig verwunderlich. „Empire“ by Integration.208 B. in: M. andererseits machte er aber keinen Hehl daraus. Czempiel / C. 49 ff. Auch wenn die dominante Weltmachtstellung der Vereinigten Staaten weiterhin unangetastet blieb. The United States and European Integration 1945 –1997. Historische Kontinuitäten und Diskontinuitäten im transatlantischen Verhältnis – Folgerungen für die Zukunft. . W. 1995. was schließlich dazu führte. Link (Hrsg. zielten die europäischen Emanzipationsversuche auch auf eine größere Eigenständigkeit des sich vereinigenden Europa in der Weltpolitik – ohne allerdings die enge Anlehnung an die westliche Vormacht in Sicherheitsfragen sowie die feste Einbindung in die NATO in Frage zu stellen (ohne pointierte „Ausbruchsversuche“ Frankreichs außer Acht zu lassen). 1998. dass sich zumindest im wirtschaftlichen Bereich die überragende Position der USA zu relativieren begann. das globale wirtschaftliche Kräfteverhältnis zu verändern. 1989.

weil die im Zuge der Entspannungspolitik forcierten bilateralen amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen die Gefahr einer Durchlöcherung des amerikanischen Schutzschilds für Europa heraufzubeschwören drohten. Ein Schlüsselmoment ereignete sich auf der Konferenz auf Schloss Gymnich bei Bonn im April 1974: dort sicherten die Europäer zu. vgl auch B. den H. die amerikanische Interessen berühren. zu konsultieren sind. Statt den Europäern größere politische Unabhängigkeit zuzugestehen. 1989. in der die bisherige Aufgabenteilung (globale Rolle der USA. 165. Link (1995). mehrfach dementiert hat. S. in der Diskussion über die als Folge der ersten Ölkrise notwendig gewordenen Änderungen der energiepolitischen Strategie des Westens. Der „gütige Hegemon“ und Europa. Rigoros lehnte er eine weitere Kooperation auf sicherheitspolitischem Gebiet für den Fall ab. dass die USA bei EPZ-Beschlussfassungen. in der er eine Neuordnung der transatlantischen Beziehungen vorschlug. Der europäische Gedanke. 124f. Auf Vermittlung der Bundesrepublik Deutschland. 589 Dazu E. 588 So z. Der Einfluss der amerikanischen Verfassung 209 europäische Außenpolitik“ überaus suspekt war. 257. die als Frontstaat im Kalten Krieg existenziell auf den militärischen Schutz der USA angewiesen war. dass die Europäer ihren wirtschaftlichen und politischen Konfrontationskurs weiterhin fortsetzten. die Kosten für ihr weltpolitisches Engagement zu reduzieren. Neuss. S. Weltpolitik der USA nach 1945. lenkten die Europäer schließlich ein. Kissinger nunmehr in persönlichen Gesprächen mit dem Verf. in: R. Schweitzer. Die Rolle der USA bei der europäischen Einigung.-C. verfolgten die USA unter dem Eindruck der geschilderten ökonomischen Probleme seit Anfang der siebziger Jahre das Ziel. Meier-Walser / B. Hintergrund und Finalität. Rill (Hrsg.). die Europäer aber als Gegenleistung für die amerikanische Sicherheitsgarantie wirtschaftliche Zugeständnisse machen und einen Teil der gewaltigen militärischen Lasten übernehmen sollten. 313.. 2001. B. 587 Zitiert nach W. regionale Zuständigkeiten der europäischen Staaten) zwar grundsätzlich beibehalten. 155 ff.-O. Einführung und Dokumente. In diesem Sinne ist auch der Entwurf Kissingers für eine Atlantik-Charta von 1973 zu verstehen. Czempiel / C. S.C. Die im Juni 1974 in Brüssel unterzeichnete „Atlantische Deklaration“ verpflichtete die europäischen Bündnispartner als Gegenleistung für die amerikanische Sicherheits586 Ein Umstand.III. erwies sich schließlich als erfolgreich – nicht zuletzt auch deshalb. 589 Die amerikanische Strategie. ohne international an Einfluss zu verlieren und die hegemoniale Grundstruktur des transatlantischen Bündnissystems aufzugeben. 586 Nixon stufte die auf politische Eigenständigkeit und Gleichberechtigung mit den USA zielenden Bestrebungen der EPZ in seiner Chicagoer Rede von April 1974 587 gar als „ganging up“ der Europäer gegen die Vereinigten Staaten ein und stellte angesichts der auch auf anderen Feldern 588 sichtbar gewordenen Differenzen in aller Öffentlichkeit die Bündnisfrage. . die sicherheitspolitische Abhängigkeit der europäischen Staaten von der westlichen Schutzmacht gegen die wirtschaftlichen und politischen Eigenständigkeitsbestrebungen der Europäer auszuspielen.

Deutschland-Dokumentation.210 B. 1974 06 26 – FOT –. Januar 2004. die europäischen Partner in wichtigen internationalen Fragen zu konsultieren und mit ihnen bei der Lösung anstehender Probleme zu kooperieren. an denen neben den USA. Januar 1945 – 31. Großbritannien. 591 Ihren sichtbarsten Ausdruck fand der Aufstieg Westeuropas als gleichberechtigter Partner in der Weltwirtschaft in den seit 1975 jährlich tagenden Weltwirtschaftsgipfeln. S. 590 . Italien und Deutschland) teilnahmen. Forndran. 591 Auch die währungspolitischen Koordinierungsbestrebungen der europäischen Staaten. Der NATO-Doppelbeschluß – oder: Die Diskussion über die Nachrüstung. Frankreich und Deutschland getroffenen Grundsatzentscheidung über den NATO-Doppelbeschluss im Januar 1979 erkennen. 590 Obgleich es den Amerikanern somit aufgrund ihres in der Blockkonfrontation nicht zu kompensierenden militärischen Potentials gelungen war. widerspiegelten deren Bestreben. die die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den USA und Westeuropa im Sinne einer weitgehend gleichrangigen Partnerschaft umformte. die Rahmenbedingungen ihrer wirtschaftlichen Entwicklung autonom zu gestalten. 1. 592 d) Die 80er Jahre: Konflikt und Kooperation Die wesentliche Prägung des transatlantischen Verhältnisses zu Beginn der achtziger Jahre erwuchs aus den Auseinandersetzungen um ein angemessenes Vgl. 592 Vgl. Zudem verständigten sich die NATO-Partner darauf. auch E. die geopolitischen Eigenständigkeitsbestrebungen der europäischen Staaten einzufangen und machtstrategisch ihre hegemoniale Vorherrschaft im Atlantischen Bündnis weiterhin zu behaupten. die 1978/79 mit der Errichtung eines Europäischen Währungssystems ihren vorläufigen Höhepunkt erreichten. 293 ff. 2005. German Chancellor Schmidt and French Prime Minister Chirac at the North Atlantic Council Meeting in Brussels. in: Gegenwartskunde 3/1981. Die damit verbundene zunehmende Anerkennung des machtpolitischen Gewichts Westeuropas durch die USA ließ sich unter anderem an der relativ unabhängigen europäischen Rolle während der KSZE-Verhandlungen seit Ende der siebziger Jahre sowie an der gemeinsam von den USA und den drei europäischen Führungsmächten Großbritannien. entwickelte sich dank der organisatorischen Ausweitung und institutionellen Verfestigung der europäischen Wirtschaftmacht in der EG eine Dynamik. Lehmann (Hrsg.G. Japan und Kanada auch die vier europäischen Führungsmächte (Frankreich. Dass das Wirtschaftspotential des nunmehr zur „ökonomischen Supermacht“ aufgestiegenen Westeuropa auf kurz oder lang auch das weltpolitische Gewicht der Europäer stärken musste. die „Sicherheitsbeziehungen durch harmonische Beziehungen auf politischem und wirtschaftlichem Gebiet“ zu stärken. ließ sich schon gegen Ende der siebziger Jahre absehen. So gab es in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts auch von amerikanischer Seite verstärkte Bemühungen.). Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung garantie zur Übernahme eines angemessenen Anteils an den Verteidigungslasten. in: H.

als Chance. Ihre Bemühungen. 132 f.). der auch Sanktionen gegen die Staaten des Warschauer Paktes nicht ausschloss. dass diese nicht ihr konventionelles Verteidigungspotential deutlich stärkten (was den sofortigen Rückgriff auf die nukleare Option im Verteidigungsfall unnötig machen sollte). Obwohl zwischen Westeuropäern und Amerikanern Einigkeit darüber bestand. 594 Die Europäer reagierten auf die neuerlichen hegemonialen und unilateralen Neigungen der Amerikaner mit einer Intensivierung und Ausweitung der westeuropäischen Kooperation und eigenständigen Initiativen gegenüber dem Ostblock. das sich aus der massiven sowjetischen Aufrüstung im eurostrategischen und interkontinentalen Bereich sowie der militärischen Intervention der Sowjetunion in Afghanistan ergab. dass die europäischen Interessen nur durch ein einiges und starkes Europa wirk593 Vgl. S. Kahler / W. nicht hingenommen werden durfte.w. 1995.und Sanktionsstrategie (und stießen daher ein ums andere Mal auf den energischen Widerspruch der USA). S. an der Entspannungspolitik festhalten wollten. zogen die Vereinigten Staaten einen strikten Konfrontationskurs vor. Europa nach der Zeitenwende – die Wiederkehr der Geschichte. ausführlich W. anstelle des eben erst eingeführten kooperativen Führungsstils ihre frühere hegemoniale Vormachtstellung in der Allianz wiederherzustellen und ihre transatlantischen Partner zur Gefolgschaft und stärkeren Beteiligung an den sicherheitspolitischen Kosten zu verpflichten. vgl. in: M. Die transatlantischen Gegensätze und Rivalitäten in diesen wie in anderen Fragen bestärkten aber in Europa die Einsicht. Link (Hrsg. Während die westeuropäischen Staaten. W. N.. Reagan die Notwendigkeit. .III. dass die in dieser Phase aufgenommenen bilateralen Abrüstungsverhandlungen zwischen der Sowjetunion und den USA eine Durchlöcherung des amerikanischen Schutzschildes für Europa zum Ergebnis hätten. dass eine Verschiebung des militärischen und machtpolitischen Gleichgewichts. Historische Kontinuitäten und Diskontinuitäten im transatlantischen Verhältnis – Folgerungen für die Zukunft. die militärische Stärke des Westens wiederherzustellen. die während der Entspannungspolitik der siebziger Jahre aufgebauten Wirtschafts. stritten die westlichen Verbündeten dies und jenseits des Atlantiks heftig über die richtige Antwort auf die neuen Herausforderungen. 49 ff. widersprachen zwar der amerikanischen Konfrontations. Der Einfluss der amerikanischen Verfassung 211 Vorgehen angesichts der seit Ende der siebziger Jahre wieder einsetzenden Hochrüstung der beiden Militärblöcke. 594 Unter anderem drohten sie ihren europäischen Bündnispartnern für den Fall. Link (1995). insbesondere die Bundesrepublik. m. 593 Die Amerikaner begriffen vor allem in der Amtszeit von Präsident R. Link.und Handelsbeziehungen zum Osten fortzuführen und die rüstungspolitischen Konflikte mit dem Warschauer Pakt durch Kompromisslösungen auf dem Verhandlungsweg zu lösen. eine drastische Reduzierung der amerikanischen Truppen in Europa an. Auch die von den Amerikanern vorgelegten neuen Konzepte für einen auf Europa beschränkten Krieg mit konventionellen und nuklearen Waffen widersprachen angesichts der damit verbundenen riesigen Zerstörungen (vor allem in der Bundesrepublik) den existenziellen Interessen der europäischen Verbündeten. Auch befürchteten die Europäer erneut. 135 f.

dass die Konfliktbereitschaft gegenüber den Amerikanern unter den europäischen Regierungen sehr unterschiedlich ausgeprägt war. Schmidt formulierte Devise „Europa muss sich selbst behaupten“ 595. Gorbatschow und die von ihm eingeleitete Entspannungspolitik gegenüber dem Westen hatte dann auch eine spürbare Klimaaufbesserung innerhalb des westlichen Bündnisses zur Folge. ihre militärstrategische Handlungsfähigkeit unter Beweis zu stellen und ihr machtpolitisches Gewicht zu stärken. From „Empire“ by Integration to Transatlantic Drift. Kohl und Außenminister H. In den nun einsetzenden Abrüstungsverhandlungen mit den Warschauer-Pakt-Staaten griffen die Bündnispartner wieder verstärkt auf kollektive Beratungs. S. Schmidt. So erfolgte etwa die Stationierung der Mittelstreckenraketen (Pershing II. bis 1993 einen einheitlichen Binnenmarkt zu schaffen (was bei den Amerikanern sogleich Befürchtungen vor einer sich abschottenden „Festung Europa“ heraufbeschwor). In Anlehnung an die von H. 596 So auch G. Marschflugkörper) in Westeuropa zu Beginn des Jahrzehnts mit einhelliger Zustimmung der europäischen Regierungen (jedoch gegen den Widerstand großer Teile der Bevölkerung in den europäischen Staaten). revitalisierten die Europäer auf verteidigungspolitischem Gebiet die WEU. Insgesamt war es der atlantischen Allianz mit der Nachrüstung gelungen. und weiteten die deutsch-französischen Kooperation im militärischen Bereich aus. Lundestad. 2002. da hiermit eine Abkoppelung der interkontinentalen von der europäischen Abschreckung wirksam unterbunden wurde. Die Selbstbehauptung Europas. The United States and Western Europe since 1945. Überhaupt ist festzustellen. 232. Auch ihre Anstrengungen.und währungspolitisch von den negativen Auswirkungen der Reagan’schen Wirtschaftspolitik abzukoppeln.und Entscheidungsmechanismen zurück.-D. Genscher hatte an ihrer ununumstößlichen Loyalität zur NATO und zu den Vereinigten Staaten nie einen Zweifel aufkommen lassen und war deshalb als Vermittler und Balancefaktor bei Streitigkeiten innerhalb der Allianz geradezu prädestiniert. 2003. bekundeten mit der Unterzeichnung der Einheitlichen Europäischen Akte den Willen. . bestätigten die bereits in den siebziger Jahren erkennbare Tatsache. 596 Allerdings: das Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und Westeuropa war auch in den achtziger Jahren nicht lediglich von Gegensätzen und Streit bestimmt. Westeuropa wirtschafts.212 B. Insbesondere die deutsche Regierung unter Bundeskanzler H. dass die Fortschritte bei der europäischen Integration weniger von den Konsultationen und der Zusammenarbeit mit den USA bewirkt wurden als vielmehr von den Reaktionen der Europäer auf Gegensätze und Konflikte mit der Vormacht des transatlantischen Bündnisses. was auf erhebliches Misstrauen in Washington stieß. Auf dieser Basis 595 Eine wiederkehrende These des Altkanzlers. und forcierten somit die integrationspolitischen Bemühungen der westeuropäischen Staaten. zuletzt H. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung sam vertreten werden können. Die 1985 erfolgte Übernahme des Amts des Generalsekretärs der KPdSU durch M.

Meier-Walser / B. 155 ff. 598 Im Bereich der internationalen Politik haben die globalen Entwicklungen seit 1990 gezeigt. 165. insbesondere die (mit Einverständnis der Bundesrepublik) gegenüber der Sowjetunion letztlich erfolgreich erhobenen Forderung nach einer unbedingten Einbindung eines wiedervereinigten Deutschlands in das westliche Bündnis (als wirksamer Schutz vor möglichen deutschen Sonderwegen oder einer kontinentalen deutsch-russischen Blockbildung) eine der wesentlichen Voraussetzungen für die internationale Zustimmung zur Wiedervereinigung Deutschlands am 3. Rill (Hrsg.) oder Streitigkeiten über die Besetzung von Führungspositionen in Weltwirtschaftsinstitutionen äußern. Der europäische Gedanke.C. dass der transatlantischen Gemeinschaft bei der internationalen Konfliktregulierung und Aufrechterhaltung einer stabilen internationalen Ordnung nach wie vor eine gewichtige Rolle zukommt und dass für eine angemessene Funktionswahrnehmung dieser internationalen Rolle das machtpolitische Gewicht der Europäer noch stärker anwachsen muss. S. die deshalb bei den Europäern stets geeignete Maßnahmen zur effektiveren Wahrnehmung ihrer internationalen Aufgaben und Verpflichtungen angemahnt haben. . Zudem schuf das einheitliche Auftreten der transatlantischen Allianz im Umfeld der Verhandlungen über eine Vereinigung der beiden deutschen Staaten nach dem annus mirabilis (Häberle) mit dem Fall der Mauer. Der Einfluss der amerikanischen Verfassung 213 gelang es im Rahmen der KSZE-Verhandlungen. den Osten durch Abbau seiner überlegenen konventionellen Streitkräfte zur Aufgabe seiner Invasionsfähigkeit zu bewegen und die Grundlagen für eine gesamteuropäische Friedensordnung nach dem Ende des Ost-West-Konflikts zu schaffen. Die Rolle der USA bei der europäischen Einigung. 228 ff.III.und Bananenkrieg.). in: R. Gerade weil die USA angesichts der neuen weltpolitischen Herausforderungen auf einen starken handlungsfähigen Partner angewiesen sind. 2001. Oktober 1990.. Zwar haben die USA die Gleichberechtigung der Europäischen Union auf wirtschaftlichem Gebiet grundsätzlich akzeptiert und die gewachsene europäische Wirtschaftskraft für eigene ökonomische Interessen zu nutzen gewusst. 597 e) Die Folgejahre nach 1989/90 sowie ein Ausblick Auch nach Ende des Ost-West-Konflikts setzte sich die bereits seit den sechziger Jahren konstatierte ambivalente Haltung der USA gegenüber den europäischen Integrationsbestrebungen weiter fort. Der „gütige Hegemon“ und Europa. Genmais-Konflikt etc. 598 Ausführlicher B. S. Lundestad (2003). aber allzu häufig münden wirtschaftlicher Konkurrenzdruck und Rivalitäten in politische Streitigkeiten. die sich etwa in politisch forcierten Handelskriegen (Hähnchen. Hintergrund und Finalität. Neuss. Die Ansicht wird auch von den Amerikanern geteilt. 597 Hierzu mit dem interessanten norwegischen Blickwinkel G.

2005 sowie vom 27. 2004. 2003. oftmals offen skeptisch gegenüber steht.und Verteidigungspolitik (ESVP). die beide als Haupttriebfedern einer „neuen“ transatlantischen Emanzipationsbewegung zu sehen sind). 2004. z. 17. 10. 6. 599 Die immer häufiger und immer offener zu Tage tretenden Auseinandersetzungen und Brüche in den transatlantischen Beziehungen sind unter anderem auch 599 Vgl zu alledem umfassend die Bundestagsreden des Verf. dass die amerikanische Supermacht allenfalls bei Konflikten im regionalen Umfeld der Europäischen Union zur Kooperation bereit ist. 2005 (hierzu die jeweiligen BT-Plenarprotokolle des Sitzungstages). vom 4. vom 25. wenn es ernst wird und ihre vitalen Interessen betroffen sind. sich nicht das Heft aus der Hand nehmen lassen. B. dass die Differenzen mit den Vereinigten Staaten über die Ausrichtung der Politik der westlichen Welt und die Erfahrung. vom 20. Die EU-Staaten haben ihrerseits zunehmend deutlich gemacht. . (noch) nicht über ein ausreichendes außen. Bush hat mehrfach deutlich gemacht. 3. 10. 3. 2004. vom 27. 11. 12. zufallen. Temporär aufkeimende Gegengewichtsphantasien haben sich zuletzt relativiert (insbesondere durch die wachsende Schwäche der Regierung Chirac in Frankreich und durch die Abwahl des deutschen Bundeskanzlers Schröder. haben sie daher in den neunziger Jahren verstärkt (und gelegentlich allzu brachial – Stichwort „Pralinen Gipfel“ 2003) damit begonnen. ansonsten aber einer aktiven Rolle der Europäischen Union (etwa jüngst die „Kongo Mission EUFOR“) eher reserviert.und Ausbau einer Gemeinsamen Europäischen Außen und Sicherheitspolitik (GASP) und insbesondere einer Europäischen Sicherheits. vom 17. vom 26. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung haben sie sich immer wieder darüber beklagt. 5. Andererseits haben die USA in den internationalen Krisen der jüngsten Vergangenheit den Europäern deutlich zu verstehen gegeben. 2004. dass die Europäer weder über wirksame Entscheidungsmechanismen noch über die richtigen außenpolitischen Instrumente verfügten. 2003. aufzubauen. um zügig und konsequent auf internationale Krisen reagieren zu können. weniger durch Belebung und Ausweitung der WEU als durch den Auf.und sicherheitspolitisches Instrumentarium zur angemessenen und eigenständigen Bewältigung der wachsenden an Europa herangetragenen internationalem Aufgaben und Herausforderungen zu verfügen. wonach die USA die großen Leitlinien vorgeben und den Europäern lediglich unterstützende Funktionen. dass sie immer dann. 2002. vom 15. 3. vom 5. die Europäer zu verstärkten Integrationsanstrengungen und damit zur Stärkung ihres eigenständigen Gewichts in der Welt angespornt haben. dass sie die traditionelle Rollenverteilung im Bündnis. bei der Finanzierung friedensstabilisierender Maßnahmen.214 B. Auch für die internationale Entwicklung nach dem Ende der Blockkonfrontation gilt somit. 3. 5. vom 23. 2004. nicht mehr länger gewillt sind hinzunehmen.W. 2003. Trotz der traditionellen Reserviertheit der USA gegenüber eigenständigen verteidigungspolitischen Vorstößen der Europäer. Gerade die Administration von G. ein eigenes geostrategisches Potenzial.

der USA unverändert als Schutz. Stürmer. Während eine Richtung angesichts der großen Zukunftsaufgaben des 21. wegen amerikanischer strategischer Bedürfnisse bei Raketenabwehr (NMD). 2001. wenngleich die Europäische Union zunehmend in diese Rolle selbst hineinzuwachsen scheint. dass ein Verschieben der europäischen (Gleich?-)Gewichte eintritt. Letzteres ließe Distanzierungen von Paris und London befürchten. Dez. Grund hierfür ist zum einen die neue weltpolitische Bedeutung Russlands – u. Der Einfluss der amerikanischen Verfassung 215 Kennzeichen dafür. Europas Sicherheitsarchitektur wankt. solange sie. ist auch in diesem Kontext die neue Rolle Russlands zu beachten. in: DIE WELT. Gleichwohl ist es mittelfristig nicht ausgeschlossen. dass die internationale Ordnung auch 15 Jahre nach Ende des Kalten Krieges immer noch von bedeutenden Umwälzungsprozessen erfasst wird und die Re-Definition von Positionen und Rollen in der internationalen Politik immer noch nicht zu einem Abschluss gekommen ist. S. Ein nicht unbeträchtlicher Teil der politischen wie wissenschaftlichen Kontroversen (auf beiden Seiten des Atlantiks!) befasst sich mit der Frage. Proliferation und in Innerasien – zum anderen aber die europäische Energielage. dass sich Europäer wiederkehrend von vorderDie Entwicklungen Chinas und Indiens sind in diesem Kontext politisch wie wissenschaftlich aufmerksamer zu begleiten. je mehr sich der Nahe Osten in unvereinbaren Interessen und Konflikten verzettelt. 600 . Jahrhunderts auch für ein stärker integriertes und machtpolitisch gewichtigeres Europa keine Alternative zur engen Anlehnung an das „amerikanische Empire“ sieht. Diese wird umso unsicherer. wie Europa für die Vereinigten Staaten so unentbehrlich ist wie umgekehrt. a. Sollten die Vereinigten Staaten in Reaktion auf weltpolitische Erfordernisse und europäische Selbstmarginalisierung einmal aufhören. 601 Ähnlich auch M.und Vermittlungsbemühungen unter „europäischer Flagge“ im Nahen Osten oder etwa in Bosnien-Herzegowina genannt. welche Rolle ein sich vereinigendes Europa zukünftig im internationalen Mächtekonzert spielen wird. Zukünftig wird dieser Umstand nur in dem Maße Geltung besitzen können. das sich in einer solchen Situation Deutschland annähern könnte. sprechen andere Positionen bis heute einem vereinigten Europa das Potential zu. 11.III. nicht lediglich eine Macht in Europa. 602 3. Bislang war Amerika eine europäische Macht. Europäische Einflusssphären im amerikanischen Rechtsdenken – Schlaglichter Eine wesentliche Ursache des Verkennens politischer wie rechtlicher Realitäten der USA liegt eventuell darin. mit oder ohne Verfassung keine real tragfähige Konstruktion (auch im militärischen Bereich) ausbilden. Ebenso als Gleichgewichtsstifter. 602 Beispielhaft seien nur die Friedens. ein partnerschaftliches Verhältnis auf gleicher Augenhöhe zu den Vereinigten Staaten aufzubauen oder sich eben als Gegengewicht oder Konkurrent zu der derzeit einzigen „Supermacht“ 600 zu etablieren.und Garantiemacht. tatsächlich europäische Macht zu sein. 8. 601 Die Europäer bedürfen.

gewannen diese in einer völlig neuartigen Umgebung spezifisch amerikanische Charakteristika. wie ihre Glaubensbekenntnisse das Überkommene selbst dort veränderten. als er um die Wende zum 20. die aus dem Fundus der Tradition stammten und die sie teilweise auch über den Atlantik in die „Neue Welt“ übernahmen. An dieser Stelle sei nur – und undifferenziert hinsichtlich sprachlicher wie inhaltlicher Unterschiede – auf den Föderalismus als amerikanische Erfindung im Bereich des Staatsrechts erinnert. wie etwa allein schon das „Dogma der Volkssouveränität“ und das Gleichheitsprinzip überkommene Herrschaftseinrichtungen grundlegend veränderten. Jahrhundert die offene Grenze. wo man es zu bewahren suchte.. Sie neigen dazu. de Tocqueville hat in seinem klassischen Werk „Über die Demokratie in Amerika“ (1835) an zahlreichen Beispielen den Nachweis geführt. So nutzten sie sowohl exakte Kenntnisse der politischen Philosophie seit den Tagen der Antike oder der politischen Aufklärungsliteratur des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts in Europa sowie ihr Wissen über die Strukturen und Funktionsweisen des britischen Regierungssystems. Der US-Historiker F. Sie gingen einerseits von weithin bekannten Ideen und Einrichtungen des „abendländisch-europäischen Kulturkreises“ aus. sondern kreativ zur Schaffung neuer. deren wichtigster Zug die Freiheit des Individuums zum Aufstieg im Rahmen sozialer Mobilität und deren Ziel die Freiheit und das Wohlergehen der Massen war. die mit europäischen Modellen kaum noch zu vergleichen waren. Diese Vorstellungen haben die gesamte amerikanische Demokratie mit Lebenskraft erfüllt und sie in scharfen Gegensatz zu den Demokratien der Geschichte gebracht und zu den modernen Bemühungen in Europa.] Die amerikanische Demokratie ist im Grunde das Ergebnis der Erfahrungen des amerikanischen Volkes in der Auseinandersetzung mit dem Westen. Die westliche Demokratie fördert während der ganzen früheren Zeit die Entstehung einer Gesellschaft. ein künstliches demokratisches Ordnungssystem mit Hilfe von Gesetzen zu errichten. durchaus revolutionärer Institutionen.“ 603 . die mannigfaltig die politischen Ordnungsverhältnisse in den amerikanischen Kolonien geprägt hatten. A. Turner meinte ähnliches. Und selbst wo die Verfassungsväter Ideen und Einrichtungen aus Europa übernahmen (etwa den Gedanken der Repräsentation). wie die eigentümliche „Ausgangslage“ der „Neuen Welt“.216 B. das Erlebnis der Weite des Westens und die Erfahrung der Ungewißheit für die gesamte politisch-soziale Entwicklung der USA (mit)verantwortlich machte: „Vom Beginn der Besiedlung Amerikas an hat die Region der Grenze ständig ihren Einfluß auf die amerikanische Demokratie ausgeübt [. wo tatsächlich Struktur. Ableitbar ist dieses Fehlurteil auch aus einer gewissen Ambivalenz mit der die amerikanischen Verfassungsväter die Schaffung ihrer Republik ins Werk setzten.. Varianten desselben Herrschaftsmodus zu identifizieren.und Funktionsunterschiede der politischen Institutionenordnungen vorhanden sind. Vorgaben und Begrifflichkeiten nicht lediglich zur Imitation europäischer Modelle. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung gründigen Identitäten und formalen Parallelen der Herrschaftssysteme diesseits und jenseits des Atlantiks täuschen lassen. Gleichwohl nutzten sie all diese Kenntnisse. Man arbeitete mit politischen Begriffen.J.

hierzu D. Solidarität und Subsidiarität. die ihren eigenen Verfassungsordnungen entstammten. 1920. Inkurs: Teilaspekte einer Europäischen Rechtskultur. 1834. vgl. 20 Fn. Deutsch sei nur wegen des Votums eines Deutschen nicht die Amtssprache der Vereinigten Staaten geworden. Aufl. Diese drei Faktoren verstehen sich ausZitiert nach der website der US-Amerikanischen Botschaft in Deutschland. 6. 32.usembassy. Erfolglos blieb dagegen ein Versuch deutschstämmiger Siedler 1794/95 in Pennsylvania und Virginia. Blumenwitz. usa . Europaverständnis Europas Werteordnung ist im Besonderen von drei Grundgedanken bestimmt: Personalität. Mühlenberg. dass in diesen politischen Systemen Parlamente an den staatlichen Willensbildungs.und Entscheidungsprozessen teilhaben.1893 sowie ders. Diese Unterschiede schlagen sich notwendigerweise auch in der Sphäre der policy. der Institutionen.html.C. wurde er im Plenum mit 42 zu 41 Stimmen abgelehnt.).III. wie im anglo-amerikanischen Rechtsund Kulturkreis die politischen Prozesse umschrieben werden. mit Verweis auf American State Papers. auch F. das verfassungsmäßig festgelegte Befugnisse bei der politischen Willensbildung hat. 605 4.. Strukturen und konstitutiven Normen ebenso wie im Bereich der politics. München 1998. a.A. The Significance of the Frontier in American History.de/etexts/gov/bpb/body_i_199_1. 605 Vgl. den Code Civil aus dem Jahre 1808.C. trennt sie doch vieles 604: im Rahmen der polity. Unabhängig davon. dass in dieser Herrschaftsordnung ein Parlament existiert. Andernfalls würde Verschiedenes zu einer künstlichen Einheit zusammengefügt – die Präsidialdemokratie der USA ebenso wie das Direktorialsystem der Schweiz oder die parlamentarischen Regierungsformen westeuropäischer Staaten. mit Vorstellungen und Begriffen begegneten.J. soll „die entscheidende Stimme der Speaker of the House. Vgl. Miscellaneous. Dies war der Anlaß für die in Deutschland immer wieder hochgespielte Legende.“ 603 . 114. Einführung in das anglo-amerikanische Recht. die Gesetze der Union auch in deutscher Sprache zu veröffentlichen. 604 Bei der Definition des parlamentarischen Regierungssystems kommt es nicht in erster Linie darauf an. The Frontier in American History. I. S. 222. Die Strukturprinzipien der parlamentarischen Regierungssysteme europäischdeutscher Prägung unterscheiden sich allerdings erheblich von jenen der amerikanischen Präsidialdemokratie.. Allerdings: Lousiana übernahm kurz nach seiner Aufnahme in die Union Gesetzbücher nach französischem Vorbild. Der Einfluss der amerikanischen Verfassung 217 Viele Europäer haben die Eigentümlichkeiten des amerikanischen Herrschaftssystems missverstanden. S. Washington D. von vordergründigen Parallelen der Regierungsweisen diesseits und jenseits des Atlantiks getäuscht. da sie ihm. Turner. abgegeben haben (. bei der Planung und Durchführung konkreter politischer Gestaltungsaufgaben. Laut Blumenwitz (1998). nieder. Nachdem sich zwei Kongressausschüsse für den Antrag ausgesprochen hatten. u. der deutschstämmige F.

Auch im 21. dass die jeweils kleinere Einheit selbstverantwortlich alle die Herausforderungen erledigt. Im Gegenteil: Europa erfährt seine Prägung durch seine Nationen mit den ihnen eigenen Besonderheiten. Die nationale Prägung ist für die Menschen dabei sowohl stabiles Bindeglied zu sich selbst wie zu den Nachbarländern (im wechselseitigen Verständnis) als auch Teil ihrer unverwechselbaren Identität. weil er in ein gesamteuropäisches Wertesystem eingebunden war.218 B. Schließlich bedeutet Subsidiarität in diesem Kontext. wohlverstandenen Patriotismus der europäischen Nationen bündeln sich die gemeinsame Geschichte und Kultur unseres Kontinents. aber Europa war auch immer gekennzeichnet vom gegenseitigen Durchdringen der Kulturen. der nicht anstrebenswertes Ziel einer überstaatlichen Vereinigung sondern bereits Grundlage hierfür sein muss und nirgends besser wachsen kann als aus den Staaten selbst heraus – von einem Gemeinschaftsbewusstsein ihrer Bürger getragen. sondern auch eine des ständigen Austauschs durch Handel. dass der Mensch als ein mit Würde ausgestattes Einzelwesen zu sehen ist. des Alltags und der sozialen Standards vermuten lassen. Um dieses Werte. insbesondere vom einzelnen Bürger anerkanntes supranationales „Gebilde“ etabliert ist. das zunächst für sich verantwortlich ist. bedarf es jedoch der Verflechtung mit dem Recht. Jahrhundert bleiben die Garanten des Rechts primär die Staaten. Sie haben eine seit dem frühen Mittelalter auf engem Raum und in ständiger Auseinandersetzung entwickelte (letztlich gemeinsame) Geschichte. und zwar nicht lediglich eine Kriegsgeschichte. das in der Gemeinschaft lebt und Verantwortung trägt für diejenigen. die latent drohende Gefahr einer Unterhöhlung des legitimen und friedensstiftenden Gewaltmonopols abwenden. Dieser ständige Prozess des Austausches – ohne Verlust der eigenen Identität – war nur möglich. die sie selbst schultern kann und erst dann die nächst größere zu Hilfe kommt. mit großem Selbstbewusstsein die notwendigen Aufgaben nach dem gewaltigen Schock gemeinsam zu erledigen. Migrationen. wie es die Vielfalt der Sprachen und die Unterschiede der Kulturen. Kulturelle Verwurzelung und nationale Identität stehen dabei zur Weltoffenheit oder zu einem gemeineuropäischen Verständnis nicht im Widerspruch. September 2001 ein beeindruckendes Beispiel für den Willen. Auch im vereinten Europa haben die Nationalstaaten ihre Berechtigung nicht verloren. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung drücklich als Säulen der Werteordnung. je mehr sie von einem Gemeinschaftsbewusstsein ihrer Bürger getragen werden. Die Vereinigten Staaten lieferten nach dem 11.und Gedankengerüst dem Reich der Ideen zu entreißen. Der Gedanke der Solidarität knüpft an das Verständnis des Menschen als Sozialwesen an. Sie sind im Gegenteil gerade unentbehrlicher Bestandteil einer zu vermittelnden europäischen Kultur. Vereinfacht ist unter Personalität zu verstehen. bevor nicht ein stabiles. Ein Umstand im übrigen. Im positiv gemäßigten. Sie allein können. Die europäischen Völker und Staaten sind sich auch nicht annähernd so fremd. Missionierung . Sie können dies umso besser. sie ziehen sich aber gleichzeitig (neben anderen Axiomen) durch alle Bestimmungsversuche einer europäischen Rechtskultur. die sich aus eigener Kraft nicht helfen können.

der Grundfiguren rechtlicher Ordnung und gewaltfreien Güteraustauschs. in: NJW 2002. sondern auch unübersehbare historische Prinzipien. dann durch Fundamentalgesetze. Amerikanische Rechtskultur und europäisches Privatrecht. Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen der europäischen und der amerikanischen „Rechtskultur“ zu erarbeiten.). die diese Beschränkungen kontrollieren. 1995. Constitutions-Akte und schließlich durch jeweils moderne Verfassungen unterworfen. Verhältnismäßigkeit von Anlass und Eingriff. allerdings R. dass die regierende Macht bei ihren Handlungen fundamentalen Beschränkungen unterliegt. 1022 ff.. S. Zudem erkennen die Staaten Grundprinzipien des Rechtsstaats an. im Alltag kaum noch bewusste Zivilisationsleistung. 1023. S. Zum anderen sind Verfassungsgerichte geschaffen worden. Jahrhundert sich ausbreitende Schulung professioneller Juristen am wiederentdeckten römischen Recht sowie an dem für alle Lebensverhältnisse maßgeblichen Recht der römischen Kirche. 608 Im 19.. 608 So im Hinblick auf die europäische Verfassungsgeschichte auch M. also die Bindung an demokratisch zu Stande gekommene Normen. 1991 mit Blick auf die römischrechtliche Tradition. Stolleis. Bills of Rights. 606 5. ders. Europa nach Nizza. Sie hat sich ihnen anfangs durch Eide und Verträge. Dieses besteht zunächst aus internalisierten Sätzen einer vielfach gemeinsamen. das sich aus Theologie und Naturrecht. in den Anfängen noch europäischen Rechtskultur. vgl.III.Mit anderen Worten: Die Idee der Bindung der Staatsgewalt an Grundrechte und die effektive Kontrolle durch gerichtsförmige Verfassungsorgane oder funktionale Äquivalente gehören heute zum Standard. Mit anderen Worten: Eine künftige Verfassung Europas kann auf einem durch lange Erfahrungen gesicherten Fundament aufbauen. Europa nach Nizza. 1023. Stolleis. European Law. faires Verfahren und ausgebauten Rechtsschutz durch unabhängige Gerichte. in: NJW 2002. Ein historisch gewachsenes „transatlantisches Verfassungsfundament“ Insgesamt ist ein transatlantisches „Verfassungsfundament“ zu konstatieren. Das Gleiche gilt für die Entwicklung des neuzeitlichen Völkerrechts. Contemporary Law. Die Einübung der Rechtssprache. 606 . Verfahren der politischen und staatlichen Willensbildung. Zimmermann (Hrsg. 1022 ff. und 20. der differenzierten Verfahren und der typischen Verfahrensfehler bedeuteten eine außerordentliche. Roman Law. 607 Es gibt bislang nur zaghafte Versuche. Der Einfluss der amerikanischen Verfassung 219 und Kulturtransfer. Zum Kulturtransfer gehört auch die seit dem 12. Diese besagen zum einen. Ebenso M. Gewohnheitsrecht und Doktrin langsam verfestigte und schrittweise positiviert wurde. Die historische Dimension. Jahrhundert ist die „egalitäre Demokratie“ hinzugekommen. Es entstanden Sicherungen der politischen Partizipation aller mündigen Bürgerinnen und Bürger. 607 Es gibt nicht nur positives Verfassungsrecht. Die historische Dimension..

sprachliche oder ethnische Besonderheiten muss es Legitimationsstrukturen vor Ort geben. die traditional geformte Räume. Stolleis (2002). aber doch im Bereich ihrer Kompetenzen als „Staaten“ auftreten. Formelkompromisse und „praktische Konkordanzen“.(oder End-)punkt bei den Kommunen. vgl. die den so ermittelten Volkswillen in einen annähernd handlungsfähigen Regierungswillen überführen. und zwar durch allgemeine. Wie eingespielt diese allgemeine Funktionsteilung mittlerweile auch auf europäischer Ebene ist. das Parlament als Beschlussorgan und politische „Schaubühne“. Niederlande). Ministerrat. sei es über die Wahl von Repräsentanten. So differierend die Reaktionen auf das mittelalterliche Postulat „quod omnes tangit ab omnibus approbetur“ auch ausfallen mögen. 1023. Ausklammerung streitiger Themen und „Herunterzonen“. folgen jedoch weitgehend einem Grundmuster: Parteien als „Agenturen“ zur Bündelung des Volkswillens. etwa durch Garantien von Mandaten. Vetorechten. die französischen Départements und „Regionen“. dass in größeren Staaten nicht alle Fragen am grünen Tisch in der Hauptstadt entschieden werden können. Gewiss sind die englischen Grafschaften. die Opposition als politischer Gegner. Dies hat seinen Ausgangs. spezifische Mentali609 Das schließt Minderheitenschutz durch intelligente Verfahren ein. die ungarischen Komitate und die polnischen Wojewodschaften keine „Länder“ im Sinne der deutschen oder „Staaten“ (states) gemäß der amerikanischen Tradition. sondern auch die horizontale Ausgliederung von Aufgaben zur selbstverantwortlichen Erledigung. Gerichte). es gibt auch hierfür „Leitsätze“. Wechsel im Vorsitz. Zu den kraft historischer Langzeiterfahrung internalisierten Sätzen atlantischer Rechtskultur gehört nicht nur die vertikale Funktionsteilung. . die sich in überschaubaren Einheiten aufbauen lassen. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung einschließlich der Anerkennung von Parteien. sei es über die Sachfrage selbst. S. M. die schwedischen Provinzen (län). dass diejenigen Politiken. Regionen (Italien) oder Länder heißen. gewinnt aber seine größte Bedeutung auf der mittleren Ebene semiautonomer „Teilstaaten“. Für regionale.220 B. gleiche und geheime Abstimmung nach Mehrheitsprinzip. freie. die Regierung als Exekutivorgan des Mehrheitswillens. ist der letztlich banale Grundgedanke. kulturelle. sind überaus vielfältig. Kommission. Unterschiedlich ist auf beiden Seiten des Atlantiks freilich das Verständnis von der Notwendigkeit einer Trennung von Staatsoberhaupt und Regierungschef. die spanischen Comunidades Autónomas. die in der transatlantischen Verfassungsgeschichte der letzten zweihundert Jahre eingeübt worden sind: Jeder gesunde Erwachsene soll ohne Ansehung von Rang und Stand eine periodisch wiederkehrende Chance der politischen Mitbestimmung haben. 609 Die institutionellen Arrangements. mögen sie im europäischen „Gewand“ Provinzen (Belgien. offenbaren bei aller Dringlichkeit einer neuen Gewichtsverteilung die dort gebildeten Organe (Parlament. Was aber alle verbindet. Das hat den geschichtlich unzählige Male bestätigten Vorteil. die zwar wesentliche Aufgaben dem Zentralstaat überlassen.

Als zweite Säule der Verfassunggebung und Standpunkt im obigen Sinne lässt sich als eigentlicher Impulsgeber und Kontrolleur amerikanischer Verfassungswerdung der US-Supreme Court als „ständiger Verfassungskonvent“ 610 und bedeutsamster Verfassungsinterpret ausmachen. 2006. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 221 täten. So haben sich in den letzten Jahrzehnten auch alte europäische Zentralstaaten zu einer gewissen Diversifizierung ihrer Verwaltung bereitgefunden. in der deutschsprachigen Literatur bereits: W. .S. Mit Blick auf die Europäische Union sind die Instrumente zur Änderung der Verträge sowie des Verfassungsvertrages näher zu betrachten. Bedürfnisse von ganzen „Landschaften“. Aufl. Explicit and Authentic Acts: Amending the U. Europäische Verfassungslehre. 1996. die Verfassungsgeschichte zu prägen wußten. Zum einen sind im Kontext der amerikanischen Verfassunggebung die Amendments als Zeugnis eines sich wandelnden gesellschaftlichen und politischen. als dies die Verfassungstexte zunächst erahnen lassen. Häberle. Gerichtshöfen und Verfassungsprinzipien findet sich schließlich eine höhere Schnittmenge. auf europäischer Ebene ist die diesbezügliche Rolle des EuGH in einzelnen Punkten zu prüfen. Corwin / J. Understanding the Constitution. gleichwohl fortentwickelnden kulturellen Umfelds zu nennen. Supreme Court und Politik in den USA. 12. der Verfassungsgemeinschaft (EU) durch Verfassunggebung. 610 Diese Bezeichnung wird Präsident W. konfessionelle oder sprachliche Besonderheiten den Betroffenen zur eigenverantwortlichen Regelung überlassen. Beide Gerichte nehmen gleichzeitig eine bedeutende Rolle für Entfaltung und Fortgang der jeweils verankerten Verfassungsprinzipien ein. S. Kyvig. S. Fragen der Justiziabilität in der höchstrichterlichen Rechtsprechung. der sich unter den Begriff „amerikanische bzw. nur P. 645. Zwischen Amendments. die drittens als Grundgedanken und Strukturelemente eines Verfassungsstaates (USA) und einer Verfassungsgemeinschaft 611 (Europäische Union) in einer Auswahl einem Vergleich unterzogen werden. wiederkehrend auch in D.IV. Constitution.S. 1988. Wilson zugeschrieben: „The Supreme Court is a constitutional convention in continuous session“ (zitiert nach E. die mit unterschiedlichem Blickwinkel. S. vielmehr ist die stete Wandlungsfähigkeit erst Voraussetzung einer blühenden Kultur. 1972. 4. aber einem Zielpunkt. 11. 611 Vgl. Verfassungsinterpretation und Verfassungsprinzipien Das Unterfangen einer (verkürzten) historischen Betrachtung der amerikanischen und europäischen Verfassungsentwicklung erlaubt (und erfordert) die Hervorhebung dreier Standpunkte. letztlich die effektiveren sind. Peltason. 125. IV. 1776 –1995. Vollzogener Wandel und Fortentwicklung sind in diesem Kontext nicht gleichzusetzen. Haller. europäische Verfassungskultur“ fassen lässt. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates (USA) bzw. Aufl.

49. sachgerechter als der inflationär gebrauchte Begriff der „Verfassungsänderung“. ihrer mehr als 200-jährigen Verfassungsgeschichte 613 und lassen sich am ehesten als „Verfassungsergänzung“ begreifen.222 B. der Bill of Rights. Freilich wurden mit Hilfe der Amendments Anwendungsbereiche einzelner Artikel geändert. The Constitutional Amending Process in American Political Thought.). Verfassungsrecht und Verfassungspraxis der Vereinigten Staaten. Hobbes sah bereits den Akt der Ver- Vgl. 1992. sondern vielmehr textliche Erweiterungen erfuhr. Tatsächlich vereinten seit der Verfassungsratifikation in mehr als zweihundert Jahren lediglich 27 vorgeschlagene Amendments die erforderlichen Mehrheiten im Kongress und den Staaten auf sich. 1993. Der Terminus „Verfassungsergänzung“ ist angesichts des Umstandes. die das Ringen um eine Fortentwicklung angesichts des revidierten Textes selten erkennen lassen. 35. Trotzdem wirkt in einer Gesamtschau jede Änderung letztlich solange ergänzend bis es tatsächlich zu einer Totalrevision kommt. 4 Vol. 613 Zur Geschichte der Amendments in großer Ausführlichkeit R. R Vile. indem er die Verfassung nur anlässlich „certain great and extraordinary ocassions“ irgendwelcher Modifikationen unterwerfen wollte. The Theory and Practice of Constitutional Change in America : a Collection of Original Source Materials. auch . die schwer zu verändern. Siehe auch die Quellensammlung von ders. die ihrerseits den verankerten und sich entwickelnden Prinzipien den gebührenden Respekt sichern würde. Im festen Glauben an eine eherne Verfassungsstruktur. 612 . Den Bezug zum politikwissenschaftlichen Ansatz arbeitet J. Madison unterstrich dieses Bewußtsein in The Federalist No.. T. dass die Urfassung der amerikanischen Bundesverfassung bislang keine Wortlaut-Änderungen. Gebundene Verfassunggebung – Wege zur Verfassungsergänzung und Verfassungsänderung a) USA: Die Amendments als Abbilder einer Verfassungsergänzung – Spiegelung amerikanischer Kulturgeschichte Die Gründungsväter schufen bewusst eine Verfassung. insoweit ein Sonderstatus einzuräumen ist. revidieren oder ergänzen sein sollte. 612 Die Amendments sind das Abbild unmittelbarer Verfassunggebung in Amerika. wobei den ersten zehn Amendments. J. die Gültigkeit einzelner Bestimmungen gegebenenfalls aufgehoben. The Constitution and its Amendments.). Newman (ed. 1999. heraus. Die amerikanische Verfassung bleibt angesichts des Festhaltens an ihren Bestimmungen damit Spiegelung ihrer Kulturgeschichte – im Gegensatz zu vielen anderen Verfassungen. S. Loewenstein. 1959.K.(ed. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung 1. als sie als untrennbarer Bestandteil der Gründungsverfassung gesehen werden müssen und deren Aufnahme von Anfang an vorgesehen war. gingen sie von einem lediglich begrenzten Spielraum für Änderungen aus. K.

The Federal and State Constitutions. in: 9 Midsouth Pol. R. S. dessen Entwurf der Charter of Delaware (1701) unter dem Eindruck der Forderungen nach Religions. Thorpe.“ Darüberhinaus fand sich in der Charter eine Garantie. Territories. Penn. Leviathan..] without the Consent of the Governor [. 31 ff. (1973). 6. 1960. Verfassungsrecht und Verfassungspolitik in Umbruchsituationen. Ideas of Legal Change: Precursors of the Constitutional Amending Process. tatsächlich jedoch einander streng bedingenden Säulen jeder Rechtsordnung – rechtliche Stabilität und notwendige Anpassungsfähigkeit zum gesellschaftlich bedeutsamen Wechsel – die Balance und Beständigkeit gab. Journal (1988). 615 Siehe das Buch Esther Kap. The Rise and Fall of Athens: Nine Greek Lives. die nach der Unabhängigkeitserklärung geschaffen wurden. L. 616 Vgl. Hobbes. a. wohingegen die meist separat verabschiedeten „Bill of Rights“ meist für unabänderlich erklärt wurden.. Penn formulierte.] and Six Parts of Seven of the Assembly [.). 26. 19. inviolably for ever“.].. chap. S. (Hrsg.. Die Steuerungsfunktion von Verfassungsrecht in Umbruchsituationen.. T. 614 . 64 ff. 614 Diese These wurde in den Vereinigten Staaten von Amerika auch in formeller Hinsicht erfüllt. 1. Rev. das den so gegensätzlich erscheinenden. was schon Plutarch bezüglich des schnellen Wandels der ursprünglich für hundert Jahre niedergelegten Gesetze Solons festgehalten hatte 616 und was schließlich Zeitgenossen der amerikanischen Verfassungsväter in philosophischen und politischen Schriften forderten 617 – die Liaison von Tradition Vgl. 2 ff. without any Alteration. war die Möglichkeit zukünftiger Modifizierungen auf Änderungen der staatsorganisatorischen Struktur beschränkt. Hesse u. aa) Artikel V der Bundesverfassung – ein Faktor der Stabilität und Flexibilität Darüberhinaus wurde mit dem Instrument der Amendments ein Gerüst geschaffen. 1909. 1651. 49.. in englischer Übersetzung Plutarch. in: 6 Ind. dass „the First Article of this Charter relating to liberty of Conscience.und Gewissensfreieit sowie angesichts der banalen Erfahrung von der Sterblichkeit der Menschen bereits einen „amendingprocess“ vorsah.R.J. change or diminish the Form or Effect of this Charter [. S. in: J. die in der vorhergegangenen Geschichte oftmals erstrebt und letztlich nie im erforderlichen Maße erreicht wurde. In einigen der einzelstaatlichen Verfassungen. sowie Daniel.] shall be kept and remain. Was also bereits im alten Testament im Buch Esther und beim Propheten Daniel angesichts der kaum intendierten Auswirkungen unabänderlicher Gesetze von Medern und Persern angedeutet worden war 615. S. 560. 699 ff. Sci.IV. and every Part and Clause therein [. 67 ff. Kirchhof greift diesen Gedanken ebenfalls auf in ders. S. Colonial Charters and Other Organic Laws of the States. 9. P. Law or Ordinance whatever“ shall „alter... Vile.. Taylor. Bemerkenswert sind in diesem Kontext auch die frühen Gedanken des Quäkers W. zitiert nach F. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 223 fassunggebung in Kulturstaaten eher als einen Akt der Verfassungweitergebung. Jahrhundert gibt J. 1999. Kap. 617 Einen profunden Überblick über die amerikanischen Ansätze im 18. vgl. dass „no Act.. A New Look at Article V and the Bill of Rights. and Colonies Now or Heretofore Forming the United States of America.

XIII der Articles of Confederation. . forms ought to give way to substance. das sich nach überwiegender Meinung als unpraktikables Mittel zu Stillstand und potentieller Separation instrumentalisieren ließ 619. 253 U. 51. It does not comprehend the popular referendum which has subsequently become a part of the legislative process in many of the States. shall be valid to all Intents and Purposes. So konnten noch die Articles of Confederation nicht ohne die Zustimmung der Legislaturen 618 aller Einzelstaaten geändert werden – ein System. Die Unzufriedenheit mit den Regelungen der Articles und die daraus zu ziehenden Konsequenzen brachte Madison im Federalist No.. on the Application of the Legislatures of two thirds of the several States.“ Über dem Verfassungskonvent von Philadelphia schwebte – wie erwähnt – stetig der Geist des Kompromisses. shall be deprived of its equal Suffrage in the Senate. in all great changes of established governments. when ratified by the Legislatures of three fourths of the several States. and it transcends any limitations sought to be imposed by the people of a State. 258 U. und einer allzu rigiden Ordnung ohne jegliche Möglichkeit zur gelegentlich notwendigen Neuorientierung. is a federal function derived from the Federal Constitution. like the function of Congress in proposing the amendment. or. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung und Moderne. leicht zu ändernden Verfassung. nor may a State validly condition ratification of a proposed constitutional amendment on its approval by such a referendum“. V der Verfassung von 1787 erstmalig Einzug in eine Rechtsordnung: „The Congress. whenever two thirds of both Houses shall deem it necessary.“ 619 Siehe Art. 137 (1922): „[t]he function of a state legislature in ratifying a proposed amendment to the Federal Constitution. shall call a Convention for proposing Amendments. 1958. Das Urteil des US-Supreme Court in Hawke v. Garnett. shall propose Amendments to this Constitution. in either Case. or by Conventions in three fourths thereof. without its Consent. als er das Vorhaben der Verfassungsväter auch insoweit rechtfertigte. Smith.. which. „ [. 221. S. as Part of this Constitution.S. 40 zum Ausdruck. 231 (1920)sowie Leser v. The Federal Convention and the Formation of the Union of the American States. representative bodies of the type which in 1789 exercised the legislative power in the several States.S.224 B. Art. Provided that no Amendment which may be made prior to the Year One thousand eight hundred and eight shall in any Manner affect the first and fourth Clauses in the Ninth Section of the first Article. as the one or the other Mode of Ratification may be proposed by the Congress. Hinsichtlich der Amendmentregelung wurde der Wille zur „aurea mediocritas“ schließlich exemplarisch umgesetzt. Dazu W.] that. V übernahm hierbei eine bedeutsame Rolle. and that no State. die Verbindung eines erhaltenden mit einem wandlungsfähigen Element – fand mit der Möglichkeit der Verfassungsergänzung mittels Amendments in Art. 130. die beispielsweise keinerlei Schutz vor unerwünschtem politischen Wandel geboten hätte. vgl. Solberg. that a rigid adherence in such cases to the former would render nominal and nugatory the transcendent and precious right of the people to ‚abolish or alter their 618 Der Begriff „legislatures“ in Artikel V bezeichnet „deliberative. indem man einen Mittelweg fand zwischen einer „fließenden“.

F. The Debates in State Conventions on the Adoption of the Federal Constitution. Nachdem die rechtlichen Zwänge gegenüber denen der Articles vergleichsweise gelockert waren. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 225 governments as to them shall seem most likely to effect their safety and happiness. in an easy. 1956. Madison freilich vertröstete die Anhänger dieser Idee auf den Zeitraum nach der Ratifizierung und versicherte die anschließende Aufnahme einer Bill of Rights. 202. Andere forderten in regelmäßigen Abständen Überprüfungen der Verfassung („periodically scheduled reviews“). Freilich erfolglos auf Bundesebene – wobei jedoch nicht verschwiegen werden soll. Essays in the Constitutional History of the United States in the Formative Period. The Movement Towards a Second Constitutional Convention in 1788. dazu auch J. The Records of the Federal Convention. which would render the Constitution too mutable. 1888.‘ since it is impossible for the people spontaneously and universally to move in concert toward their object. 46 ff. E. Farrand. brachten die Verfassungsväter eine neuartige Alternative auf den Weg. in: 25 AJLH (1991). S. American Views of the Constitutional Amending Process: An Intellectual History of Article V. made by some patriotic and respectable citizen or number of citizens. in: J. die gegebenen „legal constraints“ seien durch eine selbst auferlegte Zurückhaltung („self-restraint“) zu ergänzen. and it is therefore essential that such changes be instituted by some informed and unauthorized propositions. Smith. vgl. 621 Bei den Anti-Federalists war die Befürchtung. S. S. 44 ff. . Henry vor dem Ratifizierungskonvent in Virginia. Jameson. zitiert bei J. dass Amendments vonnöten seien und es wäre „better to provide for them. 39) Heilmittel gegen alle erdenklichen Fehler in der Verfassung. 213 ff. 49 f. 48 sowie die Einschätzung von W. 498 ff. 620 Verglichen mit den Articles of Confederation steht Art..“ Nachdem sich das Prinzip der Einstimmigkeit also als untaugliches Mittel für den unumgänglichen Wandel erwiesen hatte. Vgl. Der Delegierte Col. Vile. S. Bd. Livingston. Principles Governing the Interpretation of Exercises of Article V Powers.IV. vgl. dass die grundsätzlich notwendige Aufnahme und Garantie einer Bill of Rights eines zweiten Verfassungskonvents vor der eigentlichen Verfassungsratifizierung bedürfte. 3. glaubten nun einige Konventsmitglieder. Die „amending articles“ verteidigte er im übrigen als ein „neither wholly national nor wholly federal“ (The Federalist No. Weber. Mason aus Virginia meinte etwa. Bd. Federalism and Constitutional Change.P.R. (1982). rev. in: 35 The Western Pol. P. das Amendment-Verfahren sei zu schwierig (siehe die Kritik von P. 622 620 Obgleich alle Aufzeichnungen des Verfassungskonvents wiederholt Gegenstand intensiver Untersuchungen im Hinblick auf Hintergründe des Amendment-Prozesses waren. 1889.) eng mit der Auffassung verknüpft. versehen mit der Funktion „equally against that extreme facility. da er zwar hohe Hürden im Amendmentprozess vorschreibt 621. Elliott. in: 20 POLITY (1988). V für ein höheres Maß an Flexibilität. Gaugush. regular and Constitutional way than to trust chance and violence“. 1. 1775 – 1789. gleichwohl jedoch (unterschiedliche) Mehrheiten im Verfahren genügen lässt. Q. S.. and that extreme difficulty. S. 1937 sowie 1966 (hier zitiert). which might perpetuate its discovered faults“ (The Federalist No. zitiert nach M. dass diese Idee immerhin in einige einzelstaatliche Verfassungen inkorporiert wurde. 242 ff. S.ed. 43) zu wachen. Madison’s Opposition to a Second Convention. hatte es innerhalb des Konvents kaum Diskussionen über die Notwendigkeit der neuen Verfahrensform gegeben. S.

623 Hierzu zählt kurioserweise auch das letzte.) 393 (1857). Georgia 626 Klagen von Bürgern eines Einzelstaates gegen einen anderen Einzelstaat. 1967. höchstrichterliche Entscheidungen de facto aufzuheben. in 22 Pennsylv.1997. 50. 19. (1913). Farmers Loan & Trust Co. 626 Chisholm v. Vile (1991). Georgia. etwa die Hälfte. 2 U.R. die größtenteils dazu dienten. Avins. Methods of State Constitutional Reform. (1898). 429 (1895).) 419 (1793). of Hist.L. M. entweder das Wahlrecht auszuweiten 625 oder die Amtszeit des Präsidenten zu regulieren. (1868) und 15. 624 Dies sind das 13. besser glückte die Selbstverpflichtung zum „self-restraint“ in den ersten zwei Jahrhunderten nach dem Gründungsakt. J. wovon letztlich nur die benannten 27 auch von den Staaten ratifiziert wurden. Garner. (1865). 23. Siehe auch A. Amendment of State Constitutions.E. Bond. Reconstruction and the Ratification of the Fourteenth Amendment. 24.S. Das 14. Amendment aus dem Jahre 1971 eine Beschränkung des Wahlrechts von Personen über achtzehn und 622 Vgl. Farmers Loan & Trust Co. vereinten lediglich 33 die erforderlichen Kongressmehrheiten auf sich.P. S. 1907. 265 ff.L.and Bio. Mit dem 16. No Easy Walk to Freedom. Amendment (1913) wurde im Widerspruch zu Pollock v.000 Amendment-Vorschläge für die Verfassung in den Kongress eingebracht wurden. jedoch erst im Jahre 1992 ratifiziert wurde. and 15th Amendments. Zum Amendment-Prozess in den Einzelstaaten bereits J. Amendment (1868) aus der Reconstruction-Ära ermöglicht allen in den USA geborenen oder eingebürgerten Personen die amerikanische Staatsbürgerschaft und setzte sich damit über Dred Scott v. Kendrigan.S. das ursprünglich bereits Bestandteil des dem ersten Kongress 1791 zugegangenen Amendment-„Pakets“ war. Constitutional Revision in Other States. 627 Pollock v. Daneben bleiben lediglich dreizehn „sonstige“ Amendments der Verfassung. The Council of Censors. Amendment. Amendment (1971) sowie die „Reconstruction Amendments“ 14 (1868) und 15 (1870) zum Gegenstand.. Zu den Schwierigkeiten im Zusammenhang mit dem 14. In Pennsylvania gab es für die „reviews“die Institution eines „Council of Censors“. Meador. So verbietet das 11. The Legislative History and Contemporary Debates in Congress on the 13th. 157 U. (2 Dall. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung bb) „Self-Restraint“ in der Verfassunggebung Insgesamt gedieh. 14. (1964) und 26. die Ausschlag für die sogenannten „Reconstruction Amendments“ 624 geben sollte. 625 Das amerikanische Wahlrecht haben das 17. 627 die Einkommenssteuer ermöglicht.W. Amendment J. Sandford 628 ebenso klar hinweg wie das 26. (19 How. Amendment (1870).S. sowie A. Sandford 60 U. 27. entstammen zwei bahnbrechenden Perioden amerikanischer Geschichte – dem Zeitraum der Verfassungschöpfung 623. .226 B.Mag. sowie der umwälzenden Phase des Bürgerkrieges. Obwohl in diesem Zeitraum mehr als 11. Vier Amendments blieb es vorbehalten. (1961). 1965. S. Sturm. 1954. (1920). Amendment (1798) entgegen der Entscheidung Chisholm v. dazu S. Die nach allgemeiner Ansicht bedeutsamsten Amendments. 14th. 628 Dred Scott v. The Reconstruction Amendments‘ Debates. die 1791 ihre Vollendung mit der Bill of Rights gefunden hatte.

In den letzten Jahren waren jedoch im Hinblick auf Amendment-Bemühungen Anzeichen eines weniger strengen „self-restraint“-Bewußtseins zu beobachten. Wahlkampffinanzierung. 258 U. die Religionsfreiheit. die jedem Staat das gleiche Stimmrecht im Senat gewährt. aus dem Jahre 1992 hatte man. Garnett. Religionsfreiheit. 130 (1922). 400 U. die nicht diesen Kategorien unterfallen – die sogenannten Prohibition Amendments 630– bilden zudem das bislang einmalige Beispiel einer Aufhebung eines Amendents durch ein weiteres Amendment. 112 (1971). Das 18.D. für fundamentale Prinzipien wie das Recht der freien Meinungsäußerung. Die grundsätzliche Änderungsbefugnis unterstrich der Supreme Court ausdrücklich in den 20er Jahren des 20. 79 III GG. a. Constitutional Aspects of National Prohibition: a Review of the Antecedents of the Eighteenth Amendment.S. 631 Im Gegensatz etwa zum deutschen Grundgesetz. einschneidende Veränderungen zur Folge hätten. dass nicht mehr wie ursprünglich in Artikel I § 3 par. Die einzigen Amendments. (1933) Amendment. sollten sie in Kraft treten. aber auch Flaggenentweihung („flag desecration“) betreffend) das Plenum einer der beiden oder beider Kammern des 630 629 . Guthrie. die nicht geändert werden darf 631. Mitchell. Mitchell 629 obsolet machte. wie beispielsweise die „Ewigkeit“ der republikanischen Regierungsform in den Verfassungen der französischen dritten bis fünften Republik oder in der italienischen Verfassung. 1 der Verfassung vorgesehen die Staatsparlamente ihre Senatoren ernennen sollten.S. wie bereits erwähnt. Obgleich seit 1971 kein neu vorgeschlagenes Amendment (das 27. vgl. Art.IV. Jahrhunderts. Dazu W. die National Prohibition Cases. In der amerikanischen Verfassung gibt es lediglich eine Vorschrift. Tatsächlich wurde mit Erlaubnis des beeinrächtigten Staates diese Regelung mit dem 17. Verfahren zur Erhebung neuer Steuern. 632 Vor allem aber die erforderliche Beteiligung der Einzelstaaten stellte sich in der Vergangenheit als schwer zu überwindendes Hindernis gegen häufige und übereilte Ergänzungen des Verfassungstextes dar. nämlich laut Art. 350 (1920) sowie Leser v. (1919) und 21. ergab sich ein plötzlicher Anstieg vorgeschlagener Ergänzungen. 1932. den strafrechtlichen Schutz der Bill of Rights und die Methodik. September 2001 eine Potenzierung von Amendment-Vorhaben zu erkennen. and the Advisability of its Modification. the Objections to its Repeal. 632 Vgl. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 227 damit das Urteil Oregon v. 633 Darüber hinaus ist im Zuge der terroristischen Anschläge vom 11. Das Problem der „unabänderlichen Verfassungsnormen“. sondern das Volk diese in Direktwahl zu bestimmen hätte. schon im Zuge der Inkorporierung der Bill of Rights initiiert) mehr angenommen wurde. V letzter Halbsatz die Bestimmung. besteht also in dieser Form in den Vereinigten Staaten nicht. 253 U. auf die der Kongress für die Zuweisung von Mitteln zurückgreift. Amendment (1913) schließlich auch dahingehend geändert. die den Verfahrensweg bereits ungewöhnlich weit beschritten haben und die.S. 633 Innerhalb weniger Jahre haben etwa in den 1990er Jahren sechs vorgeschlagene Verfassungsergänzungen (u. einen ausgeglichenen Haushalt. wobei Oregon v.

J. May 24. 634 Jedoch gab es bereits vor dem 11. die insbesondere verschärfte Maßnahmen im Rahmen der inneren Sicherheit ermöglichen sollten. 636 Die Gründe für dieses neu erweckte politische Amendment-Interesse sind vielfältig. Unter den Demokraten gibt es bis heute nicht wenige. Subcommittee on the Constitution. vgl. 1995. Hearing before the Subcommittee on the Constitution of the Committee on the Judiciary. a bill proprosing an amendment to the Constitution of the United States to require a balanced budget. im Senat dreizehn solche Vorschläge (http://thomas.htm bzw. second session. 1995. Leahy vor dem Senate Judiciary Committee. gleichwohl ist nicht zuletzt aufgrund des amerikanischen Verfassungsselbstverständnisses und -patriotismus’ gerade dieser Umstand eher Hemmnis denn Antrieb für allzu extensive AmendmentAbsichten.J. Zwar haben Bemühungen um die amerikanische Verfassunggebung seit der Declaration of Independence nicht mehr Anlass zur Vermutung gegeben. Für manchen Republikaner spielte gewiß der Umstand. das politische Klima zugunsten weiterer Amendments zu verändern. BalancedBudget Amendment. die amerikanische Staatsbürgerschaft neu zu definieren oder die Erfordernisse für zukünftige Amendments zu erleichtern. äußeren Einflussfaktoren geschuldet zu sein. 1994. seit mehreren Generationen erstmals wieder die Mehrheit in beiden Häusern des Kongresses zu stellen. „Patriot Act“. eine nicht unbedeutende Rolle. 636 Allein im 106. 1997.J.gov / cgi-bin / query / L?c106:. Res. Res. Balanced-Budget Amendment to the Constitution. United States Congress. first session. dazu nur die breite Berichterstattung etwa zum sog. One Hundred Third Congress. 1997. House – Committee on the Judiciary.J. first session on S. Flag Desecration Amendment to the Constitution. September 2001 – insbesondere in der Parteienlandschaft – Tendenzen. .J. judiciary. 1995. 79. 1999. 1. Hearings before the Committee on the Judiciary. February 15. Zum „flag desecration amendment“: United States. Kongress wurden im Repräsentantenhaus bis Dezember 2001 fünfzig „proposals of an amendment“ (vgl. 16. die Auflistung im Einzelnen unter http://thomas . vgl.gov/cgi|-|bin/query/L?c106:./list/c106hj. die Verfassung um ein „victim’s rights – amendment“ 635 zu ergänzen ebenso politische Unterstützung wie Konzepte. on H. dazu die Stellungnahmen der Senatoren R. Res. January 17 and 22.loc. eine Version des „balanced budged amendment“ verfehlte die erforderliche Senatsmehrheit zweimal jeweils nur um eine Stimme. Hearings before the Subcommittee on the Constitution of the Committee on the Judiciary. die ihrer Frustration über Kongresses erreicht. Senate – Committee on the Judiciary. / list / c106sj.lst:1) behandelt. Senate -Committee on the Judiciary. www. Res. One Hundred Fourth Congress.gov/93099rf.senate.judiciary.senate. September in den Vereinigten Staaten (wie in vielen Ländern Europas) eine Flut von Gesetzgebungsinitiativen zur Folge.228 B. United States. Subcommittee on the Constitution. United States Senate. dass die Unmittelbarkeit der Reaktion (ein Wesensmerkmal von politisch gesteuertem Aktionismus) über die Momentaufnahme hinaus ihre Grenzen in der bisherigen Verfassungs-Ergänzungs-Tradition finde dürfte. on S.loc. 41. Feingold und P. One Hundred Fifth Congress. 635 Vgl. United States Senate. Dabei wurden zwei („balanced budged amendment“ und „flag desecration amendment“) vom Repräsentantenhaus verabschiedet.gov/93099pl2. So fanden Vorschläge. and 17.htm. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung aber weitgehend davon ausgegangen wird. 3) September 30. Congress.lst:1). Congress. 634 Freilich hatte der 11. Executive Business Meeting: „The Victims’ Rights Amendment“ (S.

1 ff. 2001. 635 ff. dass der überwiegende Teil der intendierten Verfassungsergänzungen Problemstellungen betrifft.B. S. Tradition and Morality in Constitutional Law. dass der Kongress auf Antrag von zwei Dritteln der gesetzgebenden Körperschaften der Einzelstaaten einen Konvent zur Änderung der Verfassung einzuberufen hätte. 4. dass seit 1791 lediglich siebzehn eigentliche Verfassungsergänzungen erfolgreich durchgeführt wurden. 637 Insbesondere sind aber parteiübergreifend Bestrebungen auszumachen. vgl. Farrand. S. 1990. The Records of the Federal Convention of 1787. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 229 ein in ihren Augen durch umfangreiche Walkampfspenden korrumpiertes System mit einer Änderung des Verhältnisses „between money and speech“ Ausdruck verleihen wollen. 1986. angestellt. in: W. cc) Initiative und Ratifikation – das Verfahren (1) Das Modell „congressional proposal“ – der Regelfall Das Verfassungsergänzungsverfahren teilt sich in zwei Abschnitte: der Initiative („proposal“) folgt die Ratifikation.F. Courts. 2. Bd. 85. in: 47 Indiana Law Journal (1979). vgl. Farrand (1937). 202 f.. Donnelly. dass „provision ought to be made for the amendment [of the Constitution] whensoever it shall seem necessary“ – ohne jegliche Beteiligung des Kongresses. S. Bd. Der grundsätzlichen Bedeutung gescheiterter Empfehlungen zur Verfassungsergänzung oder -änderung für die Verfassungsentwicklung wird an späterer Stelle noch eingehender gedacht. Zunächst wurde erwogen. die richtigerweise Gegenstand der „normalen“ Gesetzgebung sein müssten. ders. 1. The Tempting of America. Bork. des „original intent“ in der Verfassungsinterpretation siehe einen der prominentesten Vertreter des sog. The Political Seduction of the Law.H. Judges & Politics. An Introduction to the Judicial Process.H. 638 Zum Stellenwert der „original meaning“ bzw. „originalism“ R. Ein interessanter Vergleich zwischen amerikanischer und europäischer Methodik der Wahlkampfund Parteienfinanzierung wird im Sammelband von A. Aufl. 1993. Auf dieser Grundlage gestaltete die Detailkommission einen Absatz.ed. die auf eine Beschränkung des höchstrichterlichen „judicial activism“ und eine Rückbesinnung auf den ursprünglich in der Verfassung vorgesehenen Amendment-Prozess abzielen. Murphy / C. ders.. Are Elections for Sale?. 22... Bd. Pritchett (eds. 639 Ersteres erfordert einen gemeinsamen Beschluss („joint resolution“) von Senat und Repräsentantenhaus mit Zweidrittel637 Siehe zu dieser Problematik D. Auch darf der Umstand. 639 Bereits im Verfassungskonvent von 1787 wurde die Ausgestaltung eines Änderungsverfahrens kontrovers diskutiert. 638 Die Fülle der eingebrachten Amendment-Vorschläge sollte allerdings nicht darüber hinwegsehen lassen.IV. nicht den Blick auf die Flut in den Kongress eingebrachter und letztlich gescheiterter Amendment-Vorschläge verschleiern. M. S. 1.. wobei die Initiative entweder vom Kongress oder den Staaten eingeleitet werden kann. . Letzteres geschieht vorwiegend unter Berufung auf die sogenannte „original meaning“ des Verfassungsdokuments. Gunlicks (ed. der vorsah. rev. Campaign and Party Finance in North America and Western Europe.). 1937 (hier zitiert) sowie 1966. 237. Neutral Principles and Some First Amendment Problems.).

S. beabsichtigte er eigentlich eine Inkorporation der entsprechenden Bestimmungen in den Verfassungstext. 46 ff. 558. 642 Schlicht ignoriert wurde dabei eine Empfehlung. 3 Dall.R. Allerdings sind dem Präsidenten indirekte Handhaben der Einflussnahme auf den Kongress gegeben. 1 (1789). Andere prophezeiten. American Views of the Constitutional Amending Process: An Intellectual History of Article V. in: 25 AJLH (1991). 1889. S. 310 ff. unterbreitete. zunächst beide Kammern des Kongresses beschließen S. which would render the Constitution too mutable. um gegebenenfalls gegen eine Verfassungsergänzung einzuschreiten. S.P. Bd. 640 Bislang haben sich hinsichtlich dieses Initiativrechtes nur vereinzelt verfassungsrechtliche Probleme ergeben. Bricker-Amendments. erläutert dies K. 641 Das Repräsentantenhaus entschied sich dahingegen bekanntlich für die bis heute praktizierte Methode. Bd. Smith. Als etwa Madison dem Repräsentantenhaus den Vorschlag zur Aufnahme eines Grundrechtekataloges. and that extreme difficulty. The Movement Towards a Second Constitutional Convention in 1788. S. 433 ff. E. Gleichzeitig war bei den AntiFederalists die Befürchtung. S. Bd. 44 ff. Ergänzungen in Form zusätzlicher Artikel vorzuschlagen. 557 f. Hollingsworth v. Essays in the Constitutional History of the United States in the Formative Period. 43) zu wachen. dem letztlich die Bill of Rights entsprang. . vgl. Schließlich wurde der Vorschlag Madisons angenommen. eine Übertragung der „Verfahrenshoheit“ auf die Einzelstaaten hingegen bedeuten könnte. S. eng mit der Auffassung verknüpft. in: J.F. 640 Vgl. Loewenstein Verfassungsrecht und Verfassungspraxis in den Vereinigten Staaten. besitzt der amerikanische Präsident gegenüber der „joint resolution“ des Kongresses weder ein Vetorecht noch ist seine Zustimmung erforderlich. 1775 –1789. vgl. vgl. auch J.230 B. 41. Da das „proposal of an Amendment“ nicht als Gesetzgebungsakt einzustufen ist. (3 U. Den Gouverneuren der Staaten steht ebensowenig ein Veto zu. siehe Farrand (1937). Zum einen wurde die Gefahr einer subversiven Dominanz von zwei Dritteln der Staaten über die Minderheit befürchtet. which might perpetuate its discovered faults“ (The Federalist No. S. 717. das Votum Hamiltons bei Farrand (1937).S. 1959. Am Beispiel des sog. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung mehrheit. Jameson. 1. 188. In den bislang eingebrachten dreiundreißig Verfassungsergänzungsinitiativen wurde in allen Fällen auf die genannte Alternative des Verfahrens über den Kongress zurückgegriffen. 641 Siehe Annals of Congress. 49 f. der ein Amendment-Initiativrecht sowohl des Kongresses als auch von den gesetzgebende Körperschaften von zwei Dritteln der Einzelstaaten vorsah.) 378 (1798). 642 Vgl. 1 (1789). begründete Aussicht auf Erfolg hätten. die die Machtposition der Staaten festigen würden. Die „amending articles“ verteidigte er im übrigen als ein „neither wholly national nor wholly federal“ (The Federalist No. was freilich zu heftigen Kontroversen führte. Annals of Congress. dass die grundsätzlich notwendige Beifügung und Garantie einer Bill of Rights eines zweiten Verfassungskonvents vor der eigentlichen Verfassungsratifizierung bedürfte. dass der Kongress wohl als Erster ein Amendment für notwendig erachten würde. dass lediglich Veränderungen. das Amendment-Verfahren sei zu schwierig. Vile. 39) Heilmittel gegen alle erdenklichen Fehler in der Verfassung.. Virginia. so der Delegierte Gerry. versehen mit der Funktion „equally against that extreme facility. das die außenpolitische Bewegungsfreiheit der Präsidialgewalt einschränken wollte. Madison freilich vertröstete die Anhänger dieser Idee auf den Zeitraum nach der Ratifizierung und versicherte die anschließende Aufnahme einer Bill of Rights.

646 Eine große Auswahl verschiedener Vorschläge findet sich bei D. Vile. in: ders. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 231 zu lassen. April 1999 kam in der Schweiz eine zweite große Totalrevision nach 1874 zur Abstimmung und wurde trotz niedriger Stimmbeteiligung (35. 239 ff. V lediglich von „Amendments Ebenda S. Ausschnitte der langen Diskussion um eine Totalrevision der Schweizer Verfassung bieten etwa M. Reforming American Government. vom Supreme Court festgestellt.R. 219 ff. Das Projekt einer Totalrevision der schweizerischen Bundesverfassung. wie sie sein könnte (1959). Schweizer.J. Den wichtigen Bezug schweizerischer Verfassungsstrukturen zu Europa stellt P. 1991. Die Bundesverfassung. Die Totalrevision der schweizerischen Bundesverfassung. 1985. 386 (1920): „The adoption by both Houses of Congress. Nunmehr R.. her. S. Europäische Rechtskultur (1994). Wildhaber. 644 (2) Das Modell „constitutional convention“ – Option zur Totalrevision? Das zweite verfassungsmäßig vorgesehene Modell. wurde in der Vergangenheit mehrfach vorgeschlagen. dass die zwei Kammern des Kongresses durch den Vorschlag eines Amendments konkludent die Notwendigkeit einer Revision zum Ausdruck brächten. der „constitutional convention“ wurde bislang noch nicht erfolgreich bemüht. Staat und Recht. 643 Der Supreme Court entschied schließlich in den National Prohibition Cases. Der gegenwärtige Stand des Vorhabens. of a joint resolution proposing an amendment to the Constitution. Selbst die Annahme einer gänzlich neuen Verfassumg wäre im Rahmen des Möglichen. L. 263 ff. An express declaration that they regarded it as necessary is not essential. 138 der Schweizer Bundesverfassung. S. 1997. bevor detaillierte Vorschläge in Betracht gezogen würden. 644 643 . in: ZaörV 47 (1987). in: JöR 48 (2000). Hierbei müssen zwei Drittel der Gesetzgebungskörperschaften aller Einzelstaaten die Einberufung eines Verfassungskonvents beschließen.4%) deutlich angenommen. Imboden.. „Werkstatt Schweiz“: Verfassungspolitik im Blick auf das künftige Gesamteuropa. Am 18. Die neue Verfassung trat am 1. Siehe National Prohibition Cases 253 U. wie sie beispielsweise in der Schweizer Verfassung vorgesehen ist 645. Die erneuerte schweizerische Bundesverfassung. 646 Die Bundesverfassung unterscheidet nicht ausdrücklich zwischen Teil. S. S. (zum Bericht der Expertenkommission für die Vorbereitung einer Totalrevision der Bundesverfassung. 1971.IV.und Gesamtänderungen der Verfassung. Für eine genauere Beschreibung und Analyse der einzelnen Vorschläge: J. in: JöR 26 (1977). S. alle erdenklichen Ergänzungen sowie de facto Änderungen der Verfassung vorzunehmen. Taschenb. in: ders. 645 Art..S. each by a two-thirds vote. wonach für das „proposal“ die Zweidrittelmehrheit der anwesenden Kongressmitglieder ausreichend sein sollte. An Examination of Proposals from Reconstruction to the Present. sondem spricht in Art. Rewriting the United States Constitution. Ehrenzeller. 699 ff. The Bicentennial Papers of the Committee on the Constitutional System. der dann die Freiheit besäße. Eine solche Totalrevision.2000 in Kraft. Robinson (Hrsg. 430.). 1977) und B. ob Amendments überhaupt notwendig („necessary“) seien. 350.1. sufficiently shows that the proposal was deemed necessary by all who voted for it. 355 ff. None of the resolutions whereby prior amendments were proposed contained such a declaration.“ Im selben Fall wurde im übrigen auch das bereits oben genannte Quorum. Häberle.

647 . 17 ff. gehen die Meinungen darüber auseinander.A. 650 In der amerikanischen Politikwissenschaft und Staatsrechtslehre üben wenige Themenkreise eine ähnlich – kontrovers diskutierte – Faszination aus wie die Möglichkeit der Einberufung eines weiteren Verfassungskonvents.. 649 Diese Frage ist nicht mit der Problemstellung zu verwechseln. American Bar. zu diesem Streit mit einer Darstellung der unterschiedlichen Positionen W. (1934). A Constitutional Convention: Threat or Challenge?. Da die Alternative des Konvents nie erfolgreich durchgeführt wurde. 1988. 648 Wann und wie ist ein Verfassungskonvent einzuberufen? Müssen die Amendment-Anträge der erforderlichen Anzahl von Einzelstaaten identisch sein. Brickfield. welches Organ die Obliegenheit einer Totalrevision wahrzunehmen befugt ist. Constitutional Brinksmanship. 671 f. vgl. Amending the Constitution by National Convention. Martin. der dem „constitutional convention“ anhaftet. 1957. Soweit die Verfassungsrechtslehre gleichwohl an diese Unterscheidung anknüpft. Platz. D. Amending the Constitution: the Bottleneck in the Judiciary Committees. inhaltlich das gleiche Amendment erstreben oder lediglich eine ähnliche Angelegenheit betreffen? Kommt es bei dem notwendigen Quorum auf ein gleichzeitiges Einreichen der Petitionen an oder können diese gar über mehrere Jahre gestreckt werden? 649 Kann ein Konvent nur auf die Beratung eines Amendments oder auf den materiellen Gehalt des Amendments begrenzt werden? Diese Fragen sind eine bloße Facette des unüberschaubar erscheinenden Problemkataloges. Article V of the Federal Constitution.L. S. 1981. 85th Congress. 218.. Federalism and Constitutional Change. 647 Im Unterschied dazu lehnt eine verbreitete. ist diese Methode mit etlichen rechtlichen Fragen behaftet. ehe er als überholt gelten kann. S. S. 90th Congress. 666 ff. 1959. Verfassungsrecht und Verfassungspraxis der Vereinigten Staaten. Livingston. K. sei es um das Dokument von 1787 einer Totalrevision zu unterziehen oder sei es „nur“ einzelner Amendments willen. 1974. das „geltungszeitliche“ Auslegungselement betonende Auffassung solche organspezifischen Kompetenzzuweisungen ab und räumt Kongress und Verfassungskonvent gleichermaßen die Befugnis zur Vornahme von Total. während das Unternehmen einer Totalrevision von dem als Pouvoir constituant eingesetzten Verfassungskonvent durchzuführen ist.. wie lange ein vom Kongress den Staatenlegislaturen zur Ratifikation überwiesener Vorschlag in Umlauf bleiben kann oder soll. 650 Eine gründliche Analyse der einzelnen Fragestellungen mit einigen bemerkenswerten Lösungsansätzen geben Brickfield (1957) und Caplan (1988). W. 24 f. 1956. 1st sess. Teiländerungen der Verfassung vorzuschlagen. Siehe auch R.S.232 B. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung to this Constitution“. 648 Eine umfängliche Studie der „convention method“ gibt C. W. Edel. Hearings before the Senate Judiciary Subcommittee on Separation of Powers. 1st sess. (1967).und Teilrevision ein. Nach einer entstehungszeitlich argumentierenden Richtung ist der Kongress ausschließlich ermächtigt.P. Die Konvents-Alternative scheiterte einige Vgl. in: 9 Harvard Journal on Legislation (1971/72). Caplan.. Rev. Association (Hrsg. Lacy / P.). Siehe auch Federal Constitutional Convention. Problems Relating to a Federal Constitutional Convention. in: 3 The George Washington L. Loewenstein. 41. S. Amendment of the Constitution by the Convention Method under Article V.

Stumbling Toward a Convention. J. das die Direktwahl der Senatoren gestatten sollte. insbesondere der ehemalige Senator S. Kean. 73 ff. 651 In den 60er Jahren des 20. setzen andere in zuweilen dramatischen Worten eher warnende Akzente 656.J. 29 ff. Rev.T. S. A.. S. dass bislang nicht einmal ein Gesetz zur Regelung eines solchen Konvents verabschiedet wurde. The Constitution and the Budget.Col. (1979). in: Sat. ein Konvent zur Revision der umstrittenen Supreme Court Entscheidungen zur Anpassung der Wahlbezirke („reapportionment decisions“) zu initiieren. Zum Dazu Brickfield (1957). The Quiet Campaign to Rewrite the Constitution. Brickfield (1957).T. Marshall L. einen Gesetzentwurf zu formulieren mit dem Vorsatz. 657 Freilich unternahmen einige. Weber.. S. The Convention Method of Constitutional Amendment – Its Meaning. Sorenson.. in: 4 Det. S. of L. Siehe aber auch W. L. Vgl.. Proposed Legislation on the Convention Method of Amending the United States Constitution. Proposals for a Constitutional Convention to Require a Balanced Federal Budget. in: 20 The J. nachdem der Senat die lang diskutierte Verabschiedung eines Amendments. Ervin. zahlreiche Sicherungshebel würden einen Konvent als risikolose politische Option erscheinen lassen 655. The Amendment Process and Limited Constitutional Conventions. American Enterprise Institute. Barker. (1968). vgl... Caplan (1988). G. in: 65 Amer. S. 657 Unter dem Strich haben wohl zwei Fragestellungen die Debatten um einen Konvent dominiert. in: 10 Pac. (1986). 653 Vgl. S. den Versuch. S. 641 ff. Noonan. S. Juli 1967. Penner. 875 ff. of Law & Politics (1986). 655 Siehe nur Caplan (1988). Letztere verweisen unter anderem auf den Umstand.IV. Rees. zugelassen hatte. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 233 Male nur knapp. in: 85 Harvard L. 66 f. Bar Assoc. Gunther. S. Zum einen wurde der Problematik einer etwaigen Begrenzung der Verhandlungspunkte in einem Konvent viel Aufmerksamkeit geschenkt. S. 1612 ff. Während in der amerikanischen Verfassungslehre einige die Auffassung vertreten. in: 3 The J. (1977). 7. 654 Gründliche Diskussionen zu diesem „proposal“ finden sich in: W. in: 2 Benchmark (1986). 8 f. S. 1980. Rev. Rev. vom 15. Moore / R. Rev. Usefulness and Wisdom. 1979. Jahrhunderts missglückte aufgrund nur eines fehlenden Staates zur erforderlichen Zweidrittel-Mehrheit der Versuch. siehe auch ders. Rev. So fehlte ein einziger Staat für die Einberufung eines Konvents. The Constitutional Convention: A Safe Political Option. der viele der einzelnen Petitionen für diesen Konvent für rechtsunwirksam hält. 89. 652 651 . Constitutional Brinkmanship. A Status Report on the ‚Balanced Budget‘ Constitutional Convention. (1986). S. etwa L.. G. Ervin. 17 ff. 89. 652 Zwei Staaten fehlten zu einer erfolgreichen Petition für eine Begrenzung der Einkommenssteuerraten 653 sowie für ein „balanced budget amendment“ 654. (1979). 51 ff. J. den wissenschaftlichen Spekulationen um die Einzelheiten eines ungenutzten Instruments ein Ende zu bereiten. 1087 ff.. A constitutional Convention Would Threaten Rights We Have Cherished for 200 Years. 1046 ff. Proposed Legislation to Implement the Convention Mechanism of Amending the Constitution. in: 66 Michigan L. 656 Vgl. P. S.

American Views of the Constitutional Amending Process: An Intellectual History of Article V.. Dellinger. im Vordergrund. The Legitimacy of Constitutional Change: Rethinking the Amending Process. Rev. Rees. Diamond. Eine Begrenzung des Verfassungskonvents auf lediglich „stückweise Änderungen“ („piecemeal changes“) schlägt A. 80. Black. S.. die auf eine solche Begrenzung abzielte demnach unwirksam sei. Die Option einer „limited constitutional convention“ untersuchte insbesondere W. 658 . der es den Gliedstaaten durchaus selbst überlassen will. inwieweit ein Konvent eine Begrenzung erfährt. vorzuschlagen und zu ratifizieren. S. 659 Dellinger (1979). S. den Staaten lediglich die Wahl zwischen einem von allen Fesseln befreiten oder eben keinem Konvent zu geben. Obgleich sich auch Rees selbst nicht als Befürworter eines erneuten Verfassungskonvents sieht. 44 ff. um schließlich festzustellen. Ann Diamond on an Unlimited Constitutional Convention. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung anderen stand immer wieder das Thema. Während Dellinger das gesamte Amendment-Verfahren als eine „series of formalities“ beziehungsweise ein „set of formal rules rather than as the embodiment of vague policy objectives“ 662 einschätzt. vgl. Vile.. in: 88 Yale L. Dellinger. A Convention for Proposing Amendments. 432. 1623 ff. welche Kontrolle entweder der Kongress oder die Justiz über das Konventsverfahren ausüben könnten. Dellinger.J. S. dem Kongress ebensowenig ein exklusives Vorschlagsrecht für Amendments zu gewähren wie den Legislaturen der Einzelstaaten einzuräumen. was zur Folge habe. S. Amendments. vor. in: 25 AJLH (1991). 386 ff. dass der Konvent viele seiner kennzeichnenden Angelegenheiten selbst zu erledigen habe und den Gerichten allgemeine Aufsichtsfunktionen zugewiesen werden müssten. in: 19 PUBLIUS (1989). 1630. 65. 97 Harvard L. „housekeeping rules“ 661 zu erlassen. dass eine inhaltliche Begrenzung des Konvents abzulehnen und jede gliedstaatliche Petition. Eine ähnliche Sichtweise offenbart auch C. (1979). in: 11 PUBLIUS (1981). Amendments vorzuschlagen würden nach Artikel V zumindest „ungefähre“ Parallelen zu den dort genannten Kompetenzen des Kongresses aufweisen. Rees. in: 82 Yale L. Dagegen J. The Constitution’s Other Method. S. G. sowie ders. Rev.234 B. 418. The Recurring Question of the ‚Limited‘ Constitutional Convention. The Amendment Process and Limited Constitutional Conventions. in. 660 Vgl. S. S. Allerdings unter diametralen Prämissen. S. 660 Die einzelstaatlichen Befugnisse. Auf Widerstand stieß diese Auffassung unter anderem bei G. stellt Rees den Gedanken des „contemporary consensus“ Siehe W.R. (1983). 658 Diese Position gründet auf der Überzeugung. liefe man Gefahr die eben genannten Grundsätze auszuhöhlen. so widerspricht er doch Dellinger insoweit als er keinen Anlass erkennt.L. 86. die die gliedstaatlichen Befugnisse auf Kosten der Bundesregierung ausweiten würden. 66 ff. in: 2 Benchmark (1986). 659 Würde nun einem von beiden die Berechtigung zur Begrenzung zugebilligt. Dies gelte dann auch entsprechend hinsichtlich einer Kontrollkompetenz des Kongresses über einzelne Punkte des Konvents. dessen Aufgabe es im Wesentlichen sei. 662 Siehe W. 189 ff. 177 ff. 661 Ebenda S. (1972). ebenda. Amending the Constitution: A Letter to a Congressman. 1113 ff. Sowohl Rees als auch Dellinger koppelten also die Problemstellungen der Organkompetenz und der Begrenzungsoption.

. 630. 21 ff. der Gerichte und Einzelstaaten und deren klarer Abgrenzung untereinander im gesamten Amendment-Verfahren ist. und 19. ders. indem sie darauf hinwiesen. 667 Jahre später befanden sich die formelle und materielle Rechtsgültigkeit des 18. S. alle zukünftigen Amendments zu blockieren. 667 Vgl. beendete der Ausbruch des amerikanischen Bürgerkriegs vorzeitig den Fortgang dieses Vorhabens. Tribe. Siehe auch J. S. H. 66 Cong.. da er zum einen nicht den konstruiert erscheinenden Weg über eine sehr weite Auslegung von Artikel V gehen muss und letztlich konsequenter in den Folgefragen bezüglich der Stellung des Kongresses. 663 (3) Versuche zur Begrenzung von „amending power“ Obgleich die beiden vorgesehenen Methoden der Verfassungsergänzung einer weitreichenden. 664 Ein weiterer Anlauf. (1983). with the domestic institutions thereof [. Globe 1263 (1861). Doc. 2d sess. Rev.. of Law & Politics (1986). Amendments (Verbot der Sklaverei) zu verhindern. 353. als der Kongress den Staaten nahelegte. die den Kongress autorisieren würden. in: 97 Harvard L. 666 Dazu ausführlich H.R. 1483 –1488 (1864). um die erforderlichen qualifizierten Mehrheiten zu erlangen. „to interfere. M. 1424 – 1425. die „amending power“ einer verstärkten Begrenzung auszusetzen wurde 1861 unternommen. 1897. 419 ff. pt. (1983).H. V um die Klausel „no State shall without its consent be affected in its internal policy“ zu ergänzen. 363. S. 433 ff. The Proposed Amendments to the Constitution of the United States During the First Century of Its History. Für Dellinger kommt dagegen höchstens eine Justiziabilität der formellen Kriterien durch die Gerichte in Betracht. dass der „amending process“ nicht für eine derart große Veränderung innerer Angelegenheiten der Einzelstaaten missbraucht werden dürfte. vgl. . within any State. bundesweiten Einbeziehung der Regionen und Einzelstaaten bedürfen. die vorgebenen Barrieren noch zu verschärfen. 665 Siehe 57 Cong. das er grundsätzlich befürwortet. 1. Farrand. mangelte es in der Vergangenheit nicht an Versuchen. A Constitution We Are Amending: In Defense of a Restrained Judicial Role. Ihm ist im Ergebnis zuzustimmen. Globe 921. Nachdem bereits drei Staaten einen diesbezüglichen Entwurf ratifiziert hatten. Vile. 664 Vgl. 666 Wenig später versuchten einige Kongressmitglieder vergeblich die Verabschiedung des 13. Ames. Bd. Amendments (das bundesweite Alkoholverbot sowie die Ausdeh663 Dazu zählen etwa die zahlreichen Streitpunkte bezüglich der Ratifikation (siehe sogleich). Revised Edition 1937 (hier zitiert) sowie 1966. Bereits dem Verfassungskonvent von 1787 wurde der letztlich gescheiterte Vorschlag unterbreitet. Judicial Review of the Amending Process: the DellingerTribe Debate. Kritisch allerdings L. die Dellinger durch seine stringente Haltung mit klaren Kompetenzabgrenzungen bewältigt. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 235 in den Vordergrund.IV. 2. in: 3 J. Letzterer nimmt diesen Gedanken auch zum Maßstab eines gerichtlichen Eingreifens in Amendment-Angelegenheiten. S. S. Art.]“ 665. 54th Congress. 1444 – 1447. The Records of the Federal Convention of 1787.

S.R. 1 der Verfassung bei beiden Initiativ-Modellen eine Mehrheit von drei Vierteln der einzelstaatlichen Legislaturen. 670 Vgl. ist dem amerikanischen Rechtsdenken fremd. National Prohibition Cases und Leser v. da man sich hiervon eine raschere Umsetzung versprach. 673 Seit dem 18. 253 U. 669 Die Berücksichtigung „überpositiver“ Grundsätze. welche die Wahrnehmung souveräner Gewalt der Gliedstaaten oder deren Verzicht darauf berühren würde. mit dem „amendment-proposal“ ein angemessenes („reasonable“) Zeitlimit zu verbinden. der das Amendment nicht ratifiziert habe. ebenda 671 Zur Ratifikation der Gründungsverfassung und der Bill of Rights C. V der Verfassung umfasst sei. and reasonably be allowed or required. Amendment wurde unter anderem vorgebracht. 203 Jahre nach seinem „proposal“. die auch den Verfassungsgesetzgeber binden würden. 670 (4) Ratifikationserfordernisse und Problemlagen – das Kuriosum 27. Amendment ratifiziert. 668 Zudem habe der Kongress keine verfassungsmäßige Kompetenz. 350 (1920). Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung nung des Wahlrechts auf Frauen) auf dem Prüfstand. 258 U. National Prohibition Cases. im Anschluß an die Wahrnehmung seines Initiativrechts die Ratifizierung entweder durch die gesetzgebenden Körperschaften der Staaten oder durch speziell von den Staaten einzuberufende Verfassungskonvente vorzuschreiben. and to the attending circumstances“.236 B. Vgl. Garnett. wonach das Vgl. having regard to the nature of the act or duty. In der Diskussion wurde hinsichtlich der Reichweite der Amendments betont. dass ihr eigentlicher Anwendungsbereich die Korrektur von Fehlern der ursprünglichen Verfassungsversion sei und dass insbesondere nicht die Annahme zusätzlicher oder ergänzender Vorschriften von Art. Amendments vorzuschlagen. Amendments (Aufheben der Prohibition) bemüht. 672 Die zweite Alternative wurde nur einmal. Gegen das 19. or of the subject-matter. einem Gliedstaat. Dies warf freilich die Frage nach der erlaubten zeitlichen Anhängigkeit eines Amendments auf. Diesbezügliche Gedankengänge wurden vom Supreme Court als unerheblich eingestuft. und mit der Ausnahme des 19. properly. 1993. Garnett. To Form a More Perfect Union. Leser v. 1787 – 1791. V S. Amendments hatte der Kongress allen Ergänzungsvorschlägen eine Formulierung beigefügt. Grundsätzlich wurde dem Kongress das Recht zugestanden. 669 668 . Amendment Die Ratifikation 671 erfordert laut Art. 673 In Black’s Law Dictionary wird „reasonable time“ definiert als „such length of time as may fairly.S. nämlich anlässlich des 21. die beiden Amendments entgegen aller Einwände letztlich aufrechterhalten. 130 (1922). The Ratification of the Constitution and the Bill of Rights. Allerdings steht es im freien Ermessen des Kongresses. würde das Recht auf „equal suffrage“ im Senat vorenthalten. Smith. 672 Zur großen Überraschung der amerikanischen Bevölkerung wurde 1992 das bereits erwähnte 27.

indem er feststellte: „how long a ‚reasonable time‘ ought to be is not defined in law. wenn die erforderlichen Dreiviertel der Gliedstaaten dem Amendment-Vorschlag zugestimmt hätten.2.). 368 (1921). Gloss das Recht des Kongresses unterstrichen. 587. dass deutlich zeitferne „proposals“ nicht länger einer Ratifikation zugänglich gemacht werden dürften. dass ein funktionierender „amending process“ als solcher das gewichtigste Argument gegen eine grenzenlose Ausweitung des Ratifizierungsverfahrens liefere. 676 In Coleman v.IV. wurde auch der Frage nachgegangen.IV. the natural inference being that they are not to be widely separated in time. 677 Zudem deutete der Gerichtshof bereits an. H. Garner (ed. dass damit eine Stimme mehr für das Zustandekommen der Dreiviertelmehrheit gegeben sei. wurden jedoch nicht ratifiziert. In seiner berühmten und heftig umstrittenen Entscheidung Coleman v.S. 674 Dies sei eine „political question“ 675. Black’s Law Dictionary.“ 674 Coleman v. Obgleich der Supreme Court zugestand. nicht ermöglicht. Vgl. 1959. 6 th edition 1990. Black. Den wahren Bezugspunkt dieser Definition hat der Supreme Court in Twin Lick Oil Co. Miller 307 U. 678 Ebenda 374. 677 Dillon v. der ein „proposal“ bereits angenommen hat. Loewenstein. but is left to the discretion of the judges.A. 433 (1939). zwei „proposals“ aus dem Jahre 1789. der Wortlaut von Artikel V der Bundesverfassung enthalte tatsächlich keinen Hinweis auf etwaige zeitliche Beschränkungen. zeitliche Begrenzungen für die einzelstaatlichen Ratifikationen zu setzen. 1483 (vgl. diesen wieder wirksam abzulehnen. v.S. dazu auch kritisch K. 42. it is only when there is deemed to be a necessity therefor that amendments are to be proposed. ebenda. Secondly. 91 U. die schließlich 1810 beziehungsweise 1861 vorgelegt wurden. der bereits einmal einen Ergänzungsvorschlag abgelehnt hat. 675 Hierzu kursorisch unter B.b)cc)(2). Verfassungsrecht und Verfassungspraxis der Vereinigten Staaten. 591. Der Supreme Court erklärte diese Konstellation für zulässig mit der etwas seltsam anmutenden Begründung. die der Kongress zu lösen habe. 2006). Miller. Miller weigerte sich der Supreme Court darüber zu befinden. Umgekehrt ist es aber einem Staat. . so wies das Gericht doch nachdrücklich auf den Umstand hin. In den früheren Vorschlägen war diesbezüglich nichts zu lesen. Marbury. S. ob das den Staaten 1924 vorgelegte „child labor amendment“ 13 Jahre später ratifiziert werden könnte. gingen im Verfahren bereits an die Gliedstaaten. proposal and ratification are not treated as unrelated acts but as succeeding steps in a single endeavor. the reasonable implication being that when proposed vgl. 676 Bereits 1921 hatte der Supreme Court in Dillon v.S. 328 hergestellt. Gloss 256 U. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 237 jeweilige Amendment nach einer Ratifikationsfrist von sieben Jahren ungültig sein sollte. 678 Drei logisch miteinander verknüpfte Gesichtspunkte sollten die Ansicht des Supreme Court untermauern: „First. 23 L. S.C. sich nachträglich anders entscheiden und ihn doch annehmen kann. Eine Fristsetzung seitens des Gerichtshofs komme daher nicht in Betracht. Ed. auch die achte Neuauflage von B. inwieweit ein Staat.

offensichtlich von der Notwendigkeit des Amendments ausgegangen wären. die die amerikanische Geschichte wechselvoll prägte. Dies umso mehr als die Staaten. and in our opinion it is quite untenable. Allerdings sage das Argument. ein Amendment solle seine Notwendigkeit widerspiegeln gerade nichts über die Länge des verfügbaren Zeitraums aus. erwies sich 1992 in Exekutive und Kongress als durchaus vertretbar. S. wie eng das verfassungsrechtliche Instrument Verfassungsergänzung an die politische Wirklichkeit gebunden ist. das Verfahren müsse eher kurz denn ausgedehnt sein. as part of this Constitution‘ when ‚ratified‘ by three-fourths of the states – not that it might face a veto for tardiness. wird auch an diesem Beispiel offenkundig. there is a fair implication that that it must be sufficiently contemporaneous in that number of States to reflect the will of the people in all sections at relatively the same period. Angesichts der Kampagne zum 27. Mai 1992. Amendment zeigte sich auch. 681 So schrieb beispielsweise L. Amendment noch von einer „reasonable time period“ die Rede sein konnte. 16 Ops. Vier Amendmentvorschläge.H. das die wesentlichen Bezüge zur Dillon-Entscheidung des Supreme Courts herstellte. die im Jahre 1789 den Staaten zugeleitet wurden „are still pending and in a situation where their ratification is some of the States many years since by representatives of generations now largely forgotten may be effectively supplemented in enough more States to make three-fourths by representatives of the present or some future generation. 682 Dabei wurden die drei oben genannten „considerations“ des Gerichtshofs als nicht überzeugend qualifiziert. Auch deute der Umstand.“ 682 Vgl. 680 679 . of the Office of Legal Counsel (1992). Inwieweit eim 27. 681 Das Office of Legal Counsel des Justizdepartments legte damals dem Weißen Haus ein Memorandum vor. Tribe. which of course ratification scattered through a long series of years would not do. structure or history. 102 ff.“ 679 Weiter führte das Gericht diese Lösung deshalb als die tragfähigste an. dass ein Amendment das Resultat Ebenda 374 f. als sie entgegen der anderen Ansicht nicht die Konsequenz jahrhundertelanger schwebender „proposals“ mit sich brächte. wozu die zwei zu zählen wären. Thirdly. no speedy ratification rule may be extracted from Article V’s text. A15: „Article V says an amendment ‚shall be valid to all Intents and Purposes. Die Korrelation zwischen Verfassungsrecht und Politik. So setze der Supreme Court zwar voraus. die erst kürzlich ratifiziert hatten. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung they are to be considered and disposed of presently. as ratification is but the expression of the approbation of the people and is to be effective when had in three-fourths of the States.“ 680 Was also dem Supreme Court 1921 ohne Gegenstimme untragbar („untenable“) erschien. S.238 B. To that view few would be able to subscribe. 13. in: Wall Street Journal. The 27th Amendment Joins the Constitution. Despite the Supreme Court’s suggestion. Ebenda. war heftig umstritten. da Vorschlag und Ratifikation als Schritte in einem einzigen Verfahren zu sehen seien.

Amendments wirft indessen die Frage auf. um ihren Standpunkt zu untermauern. Befürworter und Gegner dieser ausschießlichen Befugnis des Kongresses zur Fristsetzung und etwaigen -verlängerung bemühten mit unterschiedlicher Stoßrichtung jeweils die „political question doctrine“. Senate Document No. etwa Art. Art. II § 1 par. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 239 eines Konsenses sein sollte. 103 –6 and 1998 Supplement: Cases Decided to June 26. 904. die selbst nach vielen Jahren noch eine tatsächliche Aktualität beinhalten. 106 – 8. nur: Equal Rights Amendment Extension. Analysis and Interpretation. die einzig angebrachte Form der Auslegung von Art. 687 Ebenda. Die Bemühungen um Flexibilität im Wortlaut unterstreichen diese Bemühungen. I § 7 par. 3. Die Problematik. Allerdings zeigt eben auch gerade die amerikanische Bundesverfassung. Annotations of Cases Decided by the Supreme Court of the United States. 687 Es würde auch zu weit führen. S. 2d sess. Senate Document No. das Zustandekommen des 27. Artikel V enthält keinerlei Hinweis auf etwaige Fristen. Freilich ist – mit Ausnahme von Regelungen. Hearings before the House Judiciary Subcommittee on Civil and Constitutional Rights. nirgends auf eine Zeitgleichheit der Übereinstimmung hin. without any need to inquire into the timeliness or substantive validity of the consensus achieved by means of the ratification process. (1978). any interpretation that would introduce confusion must be disfavored. dazu Congressional Research Center. 686 Dies kann jedoch höchstens für „proposals“ gelten. vgl. 95th Congress. ob einem Amendmentvorschlag eine „Ewigkeitsgarantie“ innewohne. Art. verlängern darf. verwickelte schließlich angesichts des vorgeschlagenen „Equal Rights Amendment“ sowohl Kongress als auch die Staaten und Gerichte in eine anhaltende Diskussion. die bereits ratifiziert haben. Hearings before the Senate Judiciary Subcommittee on the Constitution. dass selbst unbedingte Vorschriften Ergänzungen und Veränderungen erfahren mussten. S. wohingegen die Verfassung an anderen Stellen sehr wohl Fristsetzungen aufweist. 3 („immediately“).IV. 1992. Amendment gleichzeitig einen Präzedenzfall (und als solcher wird es in den unterschiedlichsten Zusammenhängen gerne bezeichnet) für die etwaige Unwirksamkeit vom Kongress gesetzter Umsetzungsfristen zu nennen – sei es mittels des Textes selbst oder aufgrund der den Vorschlag begleitenden Resolution. 2. II § 2 par. 1992 Edition: Cases Decided to June 29. 111 f. 95th Congress. (1977 –78). 113. S. Ebenda. 685 Vgl. die Inhalte mögen auf Dauer Geltungskraft besitzen. Bereits die in Artikel V der Verfassung vorgesehene hervorgehobene Stellung des Kongresses während des Amendment-Verfahrens legt eine solche Sichtweise nahe. 685 Die Verabschiedung des 27. die an eine Bedingung oder Frist gebundenen sind – den meisten Verfassungsvorschriften der Wille der jeweiligen „Verfassungsväter“ zugrunde zu legen. ob nun der Kongress eine bereits gesetzte Ratifikationsfrist ohne Hinzuziehung der Staaten. 1998. Accordingly. V sei „ to provide a clear rule that is capable of mechanical application. 1st/2d sess. 683 Schließlich wurde in besagtem Memorandum der Hinweis gewagt. 686 Vgl. 684 683 . Equal Rights Amendment Extension.“ 684 Dieser Ansicht ist unter Berufung auf eine enge Wortlautauslegung der Verfassung grundsätzlich zuzustimmen.

vgl. die. 95th Congress. 103 –6 and 1998 Supplement: Cases Decided to June 26. (1977 –78). Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Im Kontext des Ratifikationsverfahrens stellte sich wiederkehrend die Frage. Analysis and Interpretation. lediglich einer eingeschränkten Justiziabilität zugänglich ist. Senate Document No. 16 Ops. 102 ff. 1992. 690 Vgl. 905. dazu insgesamt ausführlich Congressional Research Center. entbrannte ein Streit sowohl über die Wirksamkeit der Widerrufe als auch der Gültigkeit einer Ratifikation nach bereits erfolgter Zurückweisung. 448. Amendments 689 stützen diese Einschätzung. 691 Ebenda. das Vorgehen des Kongresses bezüglich des 14. wenn überhaupt. vorgeschlagenen „Equal Rights Amendment“. S. Amendments seitens der Staaten Ohio und New Jersey und insbesondere nach Ratifikation – durch neu eingesetzte Regierungen – dreier Staaten (Georgia.. in: 27 Notre Dame Lawyer (1951). Amendments als „aberration“ bezeichnet. Es handelt sich letzlich um eine „political question“. 1992 Edition: Cases Decided to June 29. der bereits ratifiziert hat. dass der Kongress im Gegensatz zu den amerikanischen Gerichten 307 U. Zudem sei eine derartige Ausdehnung der Befugnisse des Kongresses schwer mit dem Grundgedanken der „separation of powers“ und des Föderalismus zu vereinbaren. 106 –8..S.S. Insgesamt legt die bisherige Praxis den Schluss der Unwirksamkeit eines solchen Vorgehens einzelner Staaten nahe.L. Corwin / M. Der Kongress selbst stellte schließlich die Wirksamkeit der Ratifikation fest. 688 . Hearings before the Senate Judiciary Subcommittee on the Constitution. 2d sess. Equal Rights Amendment Extension. mit weiteren Argumenten. of the Office of Legal Counsel (1992). (1939): „Thus. Andeutungen des Supreme Court in Coleman v. Ebenso könnte insoweit von einer ausschließlichen Kompetenz des Kongresses ausgegangen werden. South Carolina). (1978). Ramsey. 185 ff. diesen Schritt wieder mit der Folge rückgängig machen kann.240 B. dass der Kongress diesen Staat nicht der erforderlichen Mehrheit zurechnen darf. 690 Als Begründung wurde unter anderem vorgebracht. 691 Will man sich einer Lösung dieses Problems annähern. Amendments. ob ein Staat. indem er die Widerrufe Ohios und New Jerseys schlicht überging. Senate Document No. The Constitutional Law of Constitutional Amendment. der Kongress werde durch Artikel V der Verfassung nur zum Vorschlag eines Amendments und zu Empfehlungen bezüglich der „Mode of Ratification“ ermächtigt. Erneut debattiert wurden diese Fragen im Kontext des bereits genannten. Die Coleman-Entscheidung wurde als nicht bindend. 201 ff. 95th Congress. 1998. S. die im Vorfeld bereits die Ratifikation versagt hatten. S. 125. Allerdings konnte angesichts des gescheiterten „amendment-proposal“ keine Klärung der Angelegenheit erzielt werden. North Carolina. Annotations of Cases Decided by the Supreme Court of the United States. S. Siehe auch E. Hearings before the House Judiciary Subcommittee on Civil and Constitutional Rights. Eine andere Ansicht in dieser Angelegenheit vertrat das Office of Legal Counsel des Justizdepartments erneut im Verfahren des 27. so gilt es zunächst festzustellen. siehe Equal Rights Amendment Extension. 121 ff. 433. the political departments of the Government dealt with the effect of previous rejection and of attempted withdrawal and determined that both were ineffectual in the presence of an actual ratification. Miller 688 und die Maßnahmen des Kongresses bei der Ratifikation des 14. 1st/2d sess.“ 689 Nach den Widerrufen der Ratifikation des 14.

speaking solely of ratification. dass der Kongress einen Widerruf der Ratifikation nicht auch – stillschweigend – hinnehmen könnte. Journal 1928. 1998 sowie G. Siehe bereits H. der „no basis in either Constitution or statute“ fand. Die Änderung der Rechtsprechung durch das Bundesverfassungsgericht. 597 ff. Indes muss eine Bezugnahme auf diese Entscheidung nicht bedeuten. so wird man annehmen dürfen. 368 (1921). Miller 696 nicht als Präzedenzfälle in dieser Gegebenheit erachtet werden können. 433 (1939). so lässt sich doch auf einige grundsätzliche Erwägungen des Supreme Courts. die der Supreme Court in Dillon v. . was wiederum die Einflussmöglichkeiten der Gerichte beschneidet.IV.J. Stare Decisis. R. Is There a ‚Political Question‘ Doctrine?. aber gleichzeitig „political questions“ darstellen. 694 Auch wenn die Entscheidungen Dillon v. Leder. S. 433. Die Beantwortung von Fragen. inwieweit es sich hierbei um eine „political question“ handelt L. Oliphant. Teil I.S. (1939). in: 85 Yale L. in: American Bar Ass. ebenda 453 f. die letztlich einer Verfassungsinterpretation bedürfen. da ihnen ein anderer Sachverhalt zugrundelag. 1998. welche naturgemäß nicht immer die Klärung eines Problems bereits inhaltlich liefern kann. Die sichtbare und die unsichtbare Hand in der Evolution des Rechts. The Fundamentals and the Significance of Anglo-Saxon Case Law. Dazu zählen insbesondere die oben genannten drei Schritte der Begründung. Entscheidungen des Kongresses binden also keineswegs spätere Zusammensetzungen der Kammern. Seyfarth. Allerdings werden beide per Eid an eine Verfassung gebunden 693. der Widerruf würde nicht die erforderliche „contemporaneous expression 692 Eingehender zu diesem Prinzip aus der deutschsprachigen Lit. mit zahlreichen Nachweisen M. Wenn aber die Verfassung die Entscheidung in einer Sache etwa dem Kongress auferlegt und keinerlei Regelungen über das Zustandekommen dieser Entscheidungen zu erkennen gibt. 696 307 U. Gleichwohl ist auch der Kongress aufgerufen. insb. A Return to Stare Decisis. Henkin. beziehungsweise einzelner Richter in Sondervoten zurückgreifen. (1976). sind auch auf die Frage einer späteren Ratifikationsrücknahme übertragbar.A. Gloss angestellt hatte. wie lange ein Amendment-Vorschlag „reasonably“ schweben dürfe bevor er unwirksam würde. gewisse Grundregeln im Umgang mit verfassungsrechtlichen Problemen einzuhalten.S. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 241 nicht unter dem Diktat des Prinzips der „stare decisis“ 692 handeln muss. autark zu beschließen und im Ergebnis die Maßnahme „politisch“ zu nennen. obliegt grundsätzlich zunächst den „politischen Gewalten“ Legislative und Exekutive. 307 U. „Article V. S. der Gerichtsbarkeit entsprechende Eingriffsbefugnisse zuzusprechen. Miller. contains no provision as to rejection. 695 256 U. wenn er etwa zu der Einsicht gelangte.S. vgl. 693 Siehe Artikel VI § 3 der Bundesverfassung. dass der Kongress die Freiheit besitzt. Laun. 694 Ähnlich Chief Justice Hughes in Coleman v. Gloss 695 und Coleman v. 71 ff. 450 ff.. Die Einlassungen des Gerichts. Siehe insgesamt zur Fragestellung.“ Hinsichtlich einer etwaigen Fristsetzungskompetenz des Supreme Courts befand Hughes: „Where are to be found the criteria for such a judicial determination? None are to be found in Constitution or statute“. 1947.

697 Überdies unterstrich der Supreme Court in derselben Entscheidung. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung of the people’s will“ untergraben. dessen Wortlaut lediglich die „Ratifikation“ und diesbezüglich keine weitergehenden Optionen nennt.. in Congressional Research Center. über die letztlich erneut nur der Supreme Court entscheiden könnte. 184. 1992 Edition: Cases Decided to June 29. Eine solche Sichtweise würde dem Kongress gerade die „Handlungshoheit“ hinsichtlich Erfolg und Scheitern einer Ratifikation erhalten. An adoption for a limited time would be as defective as an adoption of some of the articles only. (5) Beendigung des Amendment-Verfahrens Das Amendment-Verfahren endete früher mit der offiziellen Unterrichtung des von dem Amendment betroffenen Ministers durch die einzelstaatliche LegislaNach der Gegenauffassung müsste diese Kompetenz auf einen „executive official“ (heute den sog. Senate Document No. Analysis and Interpretation. In short any condition whatever must viciate the ratification“. ebenda 456.242 B. S. bereits Madison habe darauf hingewiesen.S. „Archivist“) übertragen werden. It has been so adopted by the other States. 700 Hierauf wird u. 452 ff.“ 698 In Coleman v. Bezug genommen. indem er diese „matters of detail“ ausdrücklich dem Kompetenzbereich des Kongresses zuordnete und den Gerichten diesbezüglich jegliche Zuständigkeit absprach. S. 116 ff. 1962. 433. Vgl. 699 Coleman v. Das gelegentlich vorgetragene Argument. dass ein Staat nach dem Akt der Ratifikation keine weitere rechtswirksame Beurteilung mit der Folge der Rücknahme der Ratifikation des Amendments vornehmen kann. 458. The Papers of Alexander Hamilton. Zudem forderte Black die Formulierung „reasonable time“ aus Dillon v. nachdem der Kongress bei diesem Ansatz keinerlei Entscheidungsautorität besäße. auch 16 Ops. Miller 307 U. Madison. (1939). Gloss zu verwerfen. Annotations of Cases Decided by the Supreme Court of the United States. 103 –6 and 1998 Supplement: Cases Decided to June 26. Syrett (Hrsg. 1992. Im Wortlaut befand J. 1998.). als in New York die Ratifizierung der Verfassung unter der Bedingung einer Berücksichtigung gewisser Amendments diskutiert wurde: „The Constitution requires an adoption in toto and for ever. der bei Fragen etwa nach der Gültigkeit eines Widerrufs der Ratifikation wiederum das Justizdepartment konsultieren könnte. Bd. Diese Konstruktion ist jedoch weder mit den vorgesehenen ministeriellen Funktionen des „Archivist“ zu vereinen noch leistet sie einen Beitrag zur Lösung einer „political question“. 698 Ebenda 375 f. 106 –8. 697 . 699 Ferner lässt Artikel V. S. der sowohl den Kongress als auch den Gerichtshof in gewissen Fragestellungen im Zusammenhang von Artikel V für berufen hält. Differenzierend in diesem Kontext das Sondervotum von Justice Black. Artikel V überlasse dem Kongress die Autorität „to deal with subsidiary matters of detail as the public interest and changing conditions may require. 102 ff. ein Gliedstaat könne nicht bedingt ratifizieren. denn eine Annahme habe „in toto and for ever“ zu erfolgen 700 lässt sich dagegen kaum auf die Frage einer späteren Rücknahme übertragen. 908. of the Office of Legal Counsel (1992). Senate Document No. zitiert nach: H. darauf schließen. Miller vertiefte Chief Justice Hughes den Gedanken. a. 5.

Reorg.IV. 98 Stat. Vor 1939 erklärte sich der Supreme Court (trotz der Erkenntnis von der Endgültigkeit einer Ratifikation nach der offiziellen Bekanntmachung durch die jeweiligen Gliedstaaten 705) bei einigen Einsprüchen gegen die Gültigkeit von Amendments zwar für zuständig. Garnett. zum dritten seien die Kompetenzen des Vizegouverneurs im Ratifikationsverfahren überschritten worden. 2.H. 1999. 3 Stat. I 1. Amendment mit dem Zeitpunkt der Ratifikation des (damals für die erforderliche Mehrheit entscheidenden) 36. als der Supreme Court konstatierte.C. Koukoutchos. 1818. Streitpunkt war die erfolgte Bestätigung einer Ratifikationsresolution des Staates Kansas. So bindend dieses Amendment für den Minister war. Ch. 376 (1921). Sec. 106b. 258 U. 703 National Archives and Records Administration Act of 1984. dass das 18. Gloss erklärte der Supreme Court. 701 Diese ministerielle Aufgabe war sodann auf einen Funktionär. Hughes.S. Miller bedeutete schließlich einen Wendepunkt in der Haltung des Gerichtshofs. 705 Leser v. wovon keine von mehr als vier Richtern 701 Vgl. Miller: A major reduction of the jurisdiction of the Supreme Court. 130 (1922). Sec. 1942. 2291. 433 (1939).S. 704 Auf die deckungsgleiche heutige Verkündung durch den Archivist ist diese Regelung zweifellos entsprechend anwendbar. 704 Dillon v. R. Coleman v. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 243 turen. den sogenannten Administrator of General Services 702 übertragen worden. 706 der nicht weniger als vier unterschiedliche Meinungen in seinen Reihen vereinte. 439 sowie Leser v. Cases in Constitutional Law. Gloss. 1272.S. Plan No. 702 Siehe 65 Stat. dd) Möglichkeit der Interpretation von Amendments Inwieweit Artikel V der Bundesverfassung tatsächlich richterlicher Auslegung zugänglich ist.S. 126 (1922). Die in vielerlei Hinsicht unbefriedigende Entscheidung Coleman v.S.S. 258 U.F. 706 Vgl. 64 Stat. darüberhinaus sei für die Ratifikation ein „unreasonable“ Zeitraum. indem seine Stimme als die entscheidende zugunsten der Ratifikation gewertet wurde. ließ jedoch alle Begehren an der Begründetheit scheitern. Clark. Staates in Kraft getreten sei und nicht erst mit dem Datum der Proklamation des Ministers. Miller. 256 U. Ausführlich zu dieser Entscheidung statt vieler H. 368. dass sie das vorgeschlagene Amendment ordnungsgemäß ratifiziert hatten. nämlich dreizehn Jahre verstrichen. 307 U. 2. Sec. 1 U. Siehe aber auch bereits Fairchild v. 258 U. gehört wie bereits mehrfach erwähnt zu den umstrittendsten Fragen im Kontext des Amendment-Verfahrens. Sec. Fairchild Cushman / B. 130. 137 (1922). die bestätigten („authenticate“). 710 –711. Garnett. 20 of 1950. In der Entscheidung Dillon v. Coleman v. Act of April 20. bevor man zuletzt den Archivist of the United States für zuständig erklärte 703. so endgültig war dessen Bestätigung durch Verkündung („proclamation“) für die Gerichte sowohl im Hinblick auf etwaige folgende Einwände als auch angesichts der vermuteten Richtigkeit des legislativen Ratifikationsverfahrens. die sich aus dreierlei Gründen Angriffen ausgesetzt sah: zum einen sei das Amendment („child labor amendment“) bereits einmal zurückgewiesen worden. 1(c). 9.S. eine private Person könne nicht vor . Aufl.

Hearings before the House Judiciary Subcommittee on Civil and Constitutional Rights. 809 (1982). The Legitimacy of Constitutional Change: Rethinking the Amendment Process. (1983). Rev. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung unterstützt wurde. Hearings before the Senate Judiciary Subcommittee on the Constitution.244 B. 390 F. Rev. 95th Congress. 435 ff. ob diese überhaupt Gegenstand richterlicher Kontrolle sein dürften. 1107 (D. in: 97 Harvard L. 707 Dazu neben den Sondervoten in Coleman v. 369 U. A Question for the Court. jedoch mit klaren Einschränkungen auf lediglich „formale Fragen“ W. S. der eine generelle Befugnis des Supreme Court zum „judicial review“ befürwortet. 186. Rev. 710 Eine Überzeugung..C. Rees. Ill. Idaho v. 1981). Materiell ging es freilich wie oben bereits angedeutet stets um die Frage. 896ff. A Constitution We Are Amending: In Defense of a Restrained Judicial Role. Eine Vielzahl von Argumenten zu dieser Thematik findet sich auch in den „Hearings“ zur Equal Rights Amendment Extension. Comment.. Miller – der „political question doctrine“ annäherte: „[Coleman] held that the questions of how long a proposed amendment to the Federal Constitution remained open to ratification. Miller für die Erkenntnis. indem er sich erneut – auch unter Bezugnahme auf Coleman v. dass die Kläger – Mitglieder des Senats von Kansas – jedenfalls ein ausreichendes Interesse geltend machen konnten. wenn dies zu befürworten sei. 386 ff. 2d sess. 711 den Bundesgerichten eine indirekte Entscheidung über die Gültigkeit und Annahme eines Amendments erstreiten.H. Supp. were committed to congressional resolution and involved criteria of decision that necessarily escaped the judicial grasp. 214 (1962). Miller der bereits oben im Zusammenhang mit dem Steit um Einzelfragen des Konvents erwähnte G. (1983).N.“ 709 Beide genannten Aspekte hob der Gerichtshof erneut als „political questions“ hervor. um abschließend und angemessen über Amendments zu befinden. Carr. Rescinding Ratification of Proposed Constitutional Amendments. 459 U. die in späteren Entscheidungen bestätigt werden sollte. Zudem befassten sich zwei gliedstaatliche Gerichte mit der Problematik. Im Ergebnis ähnlich. Tribe. um zu dem Schluß einer zumindest eingeschränkten Justiziabilität zu kommen. aufgehoben und „remanded to dismiss“ durch den Supreme Court. ders.. 886 ff. Dellinger. Dyer v.S. Supp. . in: 58 Texas L. 529 F. 708 Baker v. in: 97 Harvard L. 1st/2d sess. and what effect a prior rejection had on a subsequent ratification. Idaho. dass einige Entscheidungen hinsichtlich „proposal“ und Ratifikation von Amendments ausschließlich dem Kongress vorbehalten sind – sei es angesichts des klaren Wortlauts der wesentlichen Bestimmung (Art. 709 Ebenda. (1980). S.D. L.. 414 ff. 1975). 707 Letzten Endes steht Coleman v. Rev. (1978). 875 ff. um die Zuständigkeit der Bundesgerichte zu begründen. Die Mehrheit urteilte. Equal Rights Amendment Extension. 95th Congress..C. S. inwieweit es sich bei den strittigen Punkten um „political questions“ handele und. S.S. Carr 708. in: 37 La. V) oder sei es aufgrund fehlender Entscheidungskriterien seitens der Gerichte. Throwing Away the Key: The Unconstitutionality of the Equal Rights Amendment Extension. 1291 (D. (1977 –78). (1977). Freeman.D. Der Supreme Court akzentuierte diesen Gedanken in Baker v. 433 ff. Siehe weiterhin L. Blair.

468 U. Dieser Aspekt gerät allzu leicht in Vergessenheit. The Constitution of 1787.S. December 18. and the Amending Process of the Constitution.S. 413 U. jedoch nicht an ihr vollzogen. 713 Die Ratifizierung des zunächst letzten. . 1986. Morgan. J. Manbridge. Vol. je nachdem wie weit ein Amendment-Vorschlag im Verfahren fortgeschritten ist. Bestandteil und – insbesondere wenn sie öffentlich ausgetragen wird – Mittlerin einer lebendigen Verfassungskultur. Allerdings kann dieser Gesichtspunkt nicht derart pauschal bewertet werden. dazu bereits vor der erfolgten Ratifikation S. Neben den 27 durch die erforderliche Dreiviertelmehrheit der Staaten ratifizierten Amendments wurden den Staaten sechs weitere Vorschläge zur Entscheidung vorgelegt. Constitution.L. das über 200-jährige Verfahren trug unterdessen nicht wesentlich zur Prägung der amerikanischen Verfassungskultur bei. Why we lost the ERA. „Amendments Proposed by the Peace Conference. Why ERA Failed: Politics. 1986. 2. da auch (bereits im Kongress) gescheiterte „proposals“ durchaus zu hitzigen Debatten in der Öffentlichkeit geführt haben 712 und andere fast unbemerkt zuletzt sogar ratifiziert wurden 713. 444 U. 1989. Women’s Rights. 1 (1972). aber auch einschränkend Uhler v. The Federalist. James Madison and John Jay edited with notes. Dabei scheint sich zunächst eine unterschiedliche Betrachtungsweise aufzudrängen. bereits geschilderten 27. The Politics and Process of Ratification of the 27th Amendment to the U. AFLCIO. Carter. 1001 (1979). McCormack.). Allein die Diskussion einer etwaigen Verfassungsergänzung – oder Verfassungsänderung außerhalb der Vereinigten Staaten – leistet mehr als lediglich einen Beitrag zur Fortentwicklung eines gewachsenen Verfassungsverständnisses. 1861“ (im Wortlaut abgedruckt bei P. 714 Da diese sechs „proposals“ bislang in der deutschsprachigen Literatur nicht zu finden sind (vgl. sie ist Ausdruck.“ 711 Siehe Powell v.S. Zu dem prominenten. Anastaplo. 409 U. M. S. Ford. The Equal Rights Amendment. 1310 (1984) und das Sondervotum von Justice Powell in Goldwater v. Brown. Berry.S.S. Das Ausschlußprinzip wird somit zwar an der Verfassung ausgerichtet. werden sie im Originaltext im Anhang abgebildet. Vgl. aber G. 486 (1969). O’Brien v. Gleichzeitig werden unverzichtbare Fundamente für jede erfolgreiche Verfassunggebung errichtet. 1860“ bzw. February 8 –27. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 245 ee) Die generellen Wirkkräfte des Amendment-Verfahrens Auch nicht ratifizierte Vorschläge für eine Verfassungsänderung oder -ergänzung können eine Verfassungskultur prägen. (ed. illustrative documents and a copious index by Paul Leicester Ford. 298 f. 395 U. Crittenden. 1982.). Gilligan v. 712 Siehe beispielsweise im Kontext des Bürgerkrieges die „Amendments Proposed in Congress by Senator John J. 996. Slavin. or a lack of judicially discoverable and manageable standards for resolving it. vgl. Amendment überraschte selbst Kenner des amerikanischen Verfassungslebens. 1 (1973). A commentary on the Constitution of the United States by Alexander Hamilton. gescheiterten „Equal Rights Amendment“ vgl. 1898). die jedoch nie ratifiziert wurden. 714 Von den zwölf vorgeschlagenen Amendment-Artikeln aus dem Jahre 1789 wurden die Artikel III bis XII rati710 Ebenda 217: „a textually demonstrable constitutional commitment of the issue to a coordinate political department.IV.S.

The Trial of the Constitution. Link (ed. The Storrs Lectures: Discovering the Constitution. Madison. Ford (ed. (1988). 150 (1833) bemerkenswert. Madison. wiederkehrend Spannungen und heftige Kontroversen über Einzelheiten und Leitgedanken des Amendmentverfahrens auf.. 176 (1803) ist seine Charakterisierung von Artikel V der Verfassung als „unwieldly and cumberous machinery“ in Barron v. 5 U. 719 Periodisch traten offen kundgetane Sorgen um die eigentliche Angemessenheit und die anti-demokratischen Wesenszüge des Amendment-Prozesses zutage. S.246 B. what is the difference. 242. in: 93 Yale L. 717 Siehe insbesondere W. auch in der unerbittlichen Haltung der konträr vertretenen Positionen nicht abzusprechen. Wilson 717 oder C. The Papers of Woodrow Wilson.. 137. which are published and enacted in the enforcement of the written Constitution. 3 ff. Pet. Cahn. 7.S. Rev.). Baltimore. Ackerman. Amendment (1992).S. 1013 ff. S.G. whether their consent be expressed by a Legislature or by a Convention which they have elected. 55 die berühmt gewordenen rhetorischen Fragen stellte: „Why should they not be made by Congress. 1972 (Neudruck der Ausgabe von 1862). S. ders. und dem Favorisieren einer Verfassungsanpassung durch eine starke Gerichtsbarkeit. Marshall 716 und später W. Jefferson im Briefwechsel mit J. or before or after the alteration be made it . Tiedeman 718 deutlich werden lassen. S. 43: „[the] flesh and blood of the Constitution [are found] in the decisions of the courts and acts of legislature. P.. S. was wiederum Äußerungen von Chief Justice J. Der zunächst vorgesehene Artikel II mündete schließlich im schon mehrfach genannten 27. Tiedeman. vgl. Jefferson pointierte 715. in: 101 Harvard L. 719 Fundierte Einblicke in das Wechselspiel zwischen Artikel V und der Rolle der Gerichtsbarkeit gibt B. Wilson. 4. Transformative Appointments. 25.). 1890. 1904 – 5. The Unwritten Constitution of the United States. in: A. (1984). Obgleich die Option einer formalen Verfassungsergänzung mittels des Amendment-Prozesses nie grundsätzlich in Frage gestellt wurde. das bereits T.J. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung fiziert und gingen als die ersten zehn Amendments unter dem Begriff „Bill of Rights“ in die Bundesverfassung ein. 1954.. 720 Naturgemäß waren diese Bedenken stets am Ende langer Zeitspannen zu konsta715 So bereits T. Supreme Court and Supreme Law. der in ders. 134 f. Zu nennen ist etwa der Grundkonflikt zwischen dem Bedürfnis nach einem formalen Verfahren nach Artikel V. S. Congressional Government.L. vgl. as they would be by an English Parliament? Should they be approved and ratified by the people. Neben den Anmerkungen Marshalls zur Rechtfertigung einer Stärkung der Gerichtsbarkeit in der bahnbrechenden Entscheidung Marbury v. 6. Fisher. 720 So beispielsweise in den Schriften von S. 1968. 1164 ff. dazu mit Textbeispielen N. 716 Marshall sah sogar breit angelegte Konstruktionen durch die Gerichtsbarkeit als erstrebenswerte Alternative zu konstanten Textänderungen der Verfassung oder zu späteren Verfassungskonventen. if demanded by necessity. The Works of Thomas Jefferson. Einigen Problemstellungen ist allerdings eine gewisse Konstanz. Vol. tauchten doch in der amerikanischen Verfassungsgeschichte. S. wie an den obigen Beispielen illustriert. Vol. 718 C. wo er die Rolle des Supreme Court für eine Fortentwicklung der Verfassung prägnant hervorhebt.“ Das Werk kann als „Klassiker“ amerikanischer Verfassungsliteratur bezeichnet werden. An American Contribution.

722 Bei J. 289 ff. .G. it would be thus established as a precedent to be engrafted on the Constitution. 111 ff.. S. 723 Der Gerichtshof hat trotz der selbst auferlegten Zurückhaltung allein schon in der Begründung derselben gewichtige Argumente für gewisse zeitliche Regelungen und Fristen getroffen. 724 Vgl. Einerseits bestimmen Gerichtshof und Kongress letztlich das „Uhrwerk“ der Verfassung. Gloss. der Artikel V als „the most formidable legal obstacle in the path of progressive democratic fulfilment“ zu portraitieren wußte. vgl. 1978. während derer keine Amendments in die Verfassung Einzug hielten. 725 Derlei Bestrebungen stehen in einem steten Spannungsfeld zu den ebenso „geistreichen“ Empfehlungen „moderner Madisons“. Peisl / A. Vile. 433 (1939).S. die einen Verschleiß des Amendment-Instruments befürchten und daher gewisse verfassungsrechtliche Fragen ohne Rückgriff auf die Verfassung lösen would still be the wishes of the same people carried into effect. 307 U. 44 ff.“ Weiter bekräftigte Fisher. S. not to those of 1787“. If they continue to be satisfied after the alteration is tried. Democracy and the Amendments to the Constitution. Wohingegen in Zeiten höchster Amendment-Kreativität 721 diesbezüglich höchstens gedämpfte Kassandrarufe zu vernehmen waren.). 1909.). just as the English Constitution has been modified by Parliament“. Miller. S. 721 Eine Darstellung auffälliger „amendment clusters“ bietet A. S.R. „[t]he Constitution belongs to the people of 1862. American Views of the Constitutional Amending Process: An Intellectual History of Article V. Zeit und Verfassungskultur. findet sich eine historische Zusammenstellung aller Bedenkenträger. they can say so through another Congress. 722 Die Rechtsfragen im Zusammenhang mit der formalen. die mit unterschiedlichen Argumenten Artikel V der „Büchse der Pandora“ gleichstellen. 67 f. 723 Grundsätzlich zu „Zeit und Verfassung“: P. S. gebundenen Verfassunggebung in den Vereinigten Staaten legen einige Grundsätze des amerikanischen Verfassungsverständnisses offen. 157 f. woraus er schließlich folgert: „[i]t must and will be modified to suit the wishes of the former. Progressive Democracy. in: A. Probleme der Verfassungsinterpretation. 293 ff. 96 f. Ähnlich später H. siehe nur den Ansatz von R. by their representatives in Congress. Zeit und Verfassung findet in ihrer inneren Bedingtheit eine Kontrolle. as is the case in England. Tugwell. eindrucksvolles Zeugnis ihres tief verwurzelten Engagements um einen funktionierenden „Konstitutionalismus“. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 247 tieren – wie von 1804 bis 1865 und von 1870 bis 1913 –. Häberle. 1983. Dreier / F. Dabei entspricht es einer verbreiteten Ansicht. 130. 1974. Verfassungsergänzungen im Zuge eines formalen Verfahrens durchzuführen. tiefgreifende Regierungsprobleme seien gegebenenfalls durch eine Revision der Verfassung zu lösen. The Emerging Constitution. 368. Mohler (Hrsg. in: 25 AJLH (1991). If the people should be dissatisfied. 376 (1921) und Coleman v. wiederabgedruckt in: R. in: ZfP 21 (1974). Schwegmann (Hrsg. Zeit und Verfassung. Die Zeit. 256 U. Siehe auch ders.S. erneut die Entscheidungen Dillon v. S. Grimes. ebenda. 1976. 725 Wobei gelegentlich selbst eine neue Verfassung vorgeschlagen wurde... S. Croly. 724 Weiterhin ist die unbestrittene Aufmerksamkeit der amerikanischen Öffentlichkeit gegenüber der grundsätzlichen Option.IV.

N J. Die beispielhafte Anpassungsfähigkeit der amerikanischen Verfassung hat neben der Möglichkeit der formalen Verfassungsergänzung also weitere Gründe. die verfassungsschöpfenden wie verfassungsändernden Charakter hatten. ethischen und politischen Umfeld 727 erscheint das parallele „Wachstum“ der amerikanischen Verfassung um zehn plus siebzehn Amendments nur auf den ersten Blick dürr. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung wollen. Die amerikanische Bundesverfassung entspringt einer emotional aufgeladen Stimmung Ende des 18. Annaheim. die Einführung einer Bundeseinkommenssteuer (16. Amendment). Jahrhunderts und sie lebt in der Aufrechterhaltung emotionaler Bindungen zu ihr fort. 727 Einen Einblick in den Amendment-Prozess und dessen Konnexität zur amerikanischen politischen Realität gewährt R. dass neben den bereits genannten Gründen die Urfassung der amerikanischen Verfassung vergleichsweise unberührt blieb. 728 b) Europäische Union: von der Vertragsänderung zur Verfassungs(vertrags)änderung Aus der verfassungshistorischen Betrachtung der heutigen Europäischen Union ergaben sich bereits unterschiedliche Entwicklungsschritte. 61 ff. 44 ff. vgl. dass bislang alle Verfassungsergänzungen auf Vorlagen des Kongresses beruhten. auch mit Betonung der gliedstaatlichen Aspekte J. dass die im 20. sondern vielmehr Ergebnis richterlicher Verfassungsinterpretation sind. S. Amendment). Vile. dazu auch kritisch m.248 B. Die Geschichte der amerikanischen Revisionspraxis zeichnet sich insgesamt und in föderativer Hinsicht durch zwei Merkmale aus: Formell wie gesehen dadurch. 1993. Die Gliedstaaten im amerikanischen Bundesstaat. Die wesentlichen Veränderungen – und eben nicht lediglich Ergänzungen – sind demzufolge auch auf anderen Wegen als dem der gebundenen Verfassunggebung durchgesetzt worden. 4. und materiell schließlich dadurch. dass die unter bundesstaatlicher Sichtweise besonders wichtigen Amendments allesamt noch vor den sogenannten „New Deal“-Reformen angenommen wurden: so die „Bill of Rights“. 220 mit Fn. Es drängt sich daher auch 726 Vgl. Amending America. die Abschaffung der Sklaverei (13. S. die Gliedstaaten ihr Recht auf Einberufung eines Verfassungskonvents somit noch nie durchgesetzt haben. Bernstein. wirtschaftlichen. 726 Letztlich ist es aber auch gerade den „stabilen“ Gegensätzlichkeiten innerhalb der endlosen Diskussion zuzuschreiben. Trotz fundamentaler Umwälzungen innerhalb der letzten zwei Jahrhunderte im gesellschaftlichen. in: 25 AJLH (1991). sozialen. American Views of the Constitutional Amending Process: An Intellectual History of Article V. 1992. .. Die genannten Konflikte allein im AmendmentVerfahren leisten hierzu durch aus ihren Beitrag. Jahrhundert gewachsenen Kompetenzverlagerungen auf den Bund weniger eine Folge förmlicher Anpassungen des Verfassungstextes. Amendment).R. das Recht auf „due process“ (14. 728 Es ist daher durchaus schlüssig. Amendment) und die Volkswahl der Senatoren (17.w.

der sowohl die Verträge als auch den Verfassungsvertrag und die jeweiligen Verfahrensschritte umfassen soll. Öhlinger. nämlich den Staaten. / 12. die sich innerhalb des von ihnen betroffenen Herrschaftsverbandes mit der Autorität einer Verfassung im normativen Sinne durchsetzen. Art. es kann aber auch grundsätzlich ein anderer Machtträger sein. 1999). ohne dass der Text etwa des Grundgesetzes (GG) geändert würde: Art. die vertragsändernde ist eine begrenzte. Im Übrigen: jede Vertragsänderung bewirkt zugleich eine materielle Verfassungsänderung auf nationaler Ebene. denn die Verfassung könne als die höchstrangige Rechtsquelle in einem völkerrechtlichen Verfassungsverband nur in einem als Verfassung ausgestalteten Gründungsvertrag (Verfassungsvertrag) 729 Vgl. 729 In der Supranationalen Union bestimmt sich bereits der Verfassunggeber anders als im Staat und die Institution der Verfassung ist zunächst nicht auf einen bestimmten Anwenderkreis festgelegt. SinclairHaus-Gespräch.79 Abs. Pernice. erst mit dem Vertrag geschaffene Gewalt. Mai 2001. Schmitz ist in der Supranationalen Union hingegen die verfassunggebende Gewalt bei den Mitgliedstaaten fixiert. Dabei erscheint die Unterscheidung zwischen einer verfassunggebenden und einer verfassungsändernden Gewalt in der Supranationalen Union nicht unproblematisch. und seine Änderung keinen Einschränkungen unterliegt. 40 I WVRK). 16. nicht aber auf Absatz 1. 11. Nach T. Die Europäische Verfassung. 2 und 3. etwa die Änderung durch eine qualifizierte Mehrheit der Mitgliedstaaten oder die autonome Vertragsänderung durch die Unionsorgane. Wenn beispielsweise in Österreich der Beitritt zur Europäischen Union als Gesamtänderung der Bundesverfassung behandelt wurde (vgl. ohne dass dies im Verfassungstext zum Ausdruck kommen muss. Grundlagenpapier. Verfassunggeber im weiten Sinne ist. verdeutlicht dies. In diesem Falle ist die Unterscheidung ohne Schwierigkeit zu bewerkstelligen. in welchem Maße allein die Mitgliedschaft in der Europäischen Union auf nationaler Ebene materielle Verfassungsänderungen mit sich bringt. Jedoch erlaubt es das Recht der völkerrechtlichen Verträge. dazu T. Normen zu erlassen. auf demselben Wege geändert wie geschlossen wird. Verfassungsfragen einer Mitgliedschaft zur Europäischen Union. andere Verfahren der Vertragsänderung zu vereinbaren (vgl. aa) Verfassunggebung in der Supranationalen Union Von Interesse ist zunächst die generelle Frage nach den Voraussetzungen der Verfassunggebung in der Supranationalen Union.23 Abs. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 249 ein Blick auf die „gebundene Verfassunggebung“ in Europa auf. Im Staat soll das beispielsweise das Volk. in dem für jede Grundgesetzänderung eine ausdrückliche Änderung des Textes vorgeschrieben wird. auch I. insbesondere da ein völkerrechtlicher Vertrag üblicherweise von denselben Beteiligten. 1 GG verweist konsequent auf Art. . wem es gelingt.IV.

Das europäische Organisationsmodell einer prozesshaften geo-regionalen Integration und seine rechtlichen und staatstheoretischen Implikationen. Integration in der Supranationalen Union. welche die Verfassungsnormen entstehen lässt. sei nach dem Völkerrecht den Staaten vorbehalten. nämlich der Vertragsschluss als die Maßnahme. Demzufolge kann es eine verfassunggebende Gewalt des Volkes i. ist die Verfassunggebung selbst. S. ausschließlich ihnen zuzurechnen. 730 Selbst wenn diese Andere beteiligen. d.250 B.und Integrationskraft vermittelnde Verfahrensschritte ergänzt wird oder (aus heutiger Sicht mit Blick auf den zunächst gescheiterten Verfassungsvertrag) worden wäre. 2001. völkerrechtliche Verträge zu schaffen. Schmitz. Nicht. Einen dieser Schritte könnte neben einem öffentlich hinreichend begleiteten Konvent ein „duales Plebiszit“ darstellen. demokratischen Verfassungstheorie in einem völkerrechtlichen Verfassungsverband nach dieser Darstellung nicht geben. zunächst einen Vorvertrag über die Modalitäten der Verfassunggebung zu schließen“. Solche Schritte ließen es zudem „sinnvoll erscheinen. 432 ff. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung liegen. 440 ff. 731 T. das zwar kein Staatsvolk ist. bei dem der völkerrechtliche Vertragsschluss durch begleitende Legitimitäts.Einbeziehung des Volkes in das Verfahren der Verfassunggebung ist damit keineswegs verbunden. und die Rechtsmacht. aber nach der hier vertretenen Auffassung als allgemeine politische Gemeinschaft von Menschen wenigstens für seinen Herrschaftsverband demokratische Legitimation vermitteln kann. Schmitz (2001). 731 Sie würden dabei als Angehörige zweier „Völker“ im demokratietheoretischen Sinne auftreten: des nationalen Staatsvolkes und eines „Unionsvolkes“. in dem die Bürger gleichzeitig als Unionsbürger über die Billigung der Unionsverfassung und als Staatsbürger über die Ratifizierung des Verfassungsvertrages durch ihren Mitgliedstaat entscheiden. Aus Sicht der Allgemeinen Staatslehre kommt es zudem auf eine entsprechend weit gehende Integrationskraft der Unionsverfassung an. Im Lichte der demokratischen Verfassungstheorie muss die Unionsverfassung in ihrer Legitimität der vom Volk gegebenen Verfassung wenigstens weitmöglichst angenähert werden. . um die Verfassungen der Mitgliedstaaten in ihrer bereits beeinträchtigten Integrationsfunktion effektiv zu ergänzen. S. Dieser Ansatz bedarf allerdings einer wichtigen Ergänzung: Eine Ausblendung bzw. Beides würde freilich eine besondere Ausgestaltung des Verfahrens nahe legen. spricht mit ähnlicher Ausrichtung von einem „Doppelreferendum“ und schlägt weitere „Schritte“ wie etwa eine „vorbereitende Verfassungsversammlung“ deren notwendige Unterstützung „durch eine breite öffentliche Diskussion durch flankierende Maßnahmen zur Förderung einer unionsweiten öffentlichen Verfassungsdiskussion“ gesichert würde. S. 730 So T.

An die Stelle des Gemeinschaftsinteresses treten die koordinierten nationalen Partikularinteressen. Das Bild einer supranationalen Gemeinschaftsebene. Mit einer schrittweisen Reduzierung der Legislativfunktion der Kommission nimmt das Gemeinschaftssystem Abschied von der ursprünglichen Konzeption einer spezifischen. Eine Rückbesinnung auf die tradierte gemeinschaftsspezifische Funktionenteilung ist angesichts gefestigter Verfahrenspraktiken weder normativ noch faktisch gangbar. Auf diesen Tätigkeitsfeldern gibt es entsprechend und mittlerweile fast traditionell stärkere Beharrungstendenzen der Mitgliedstaaten.bzw.IV. welche die Interpretation des Primärrechts auf der Grundlage der tatsächlichen Entwicklung fortschreibt. Diese Zusammenarbeit bestimmt alle Phasen des umfassend zu verstehenden Normgebungsprozesses: Neben der vorlegislatorischen Politikformulierung sowie der Umsetzungs. Rat und Kommission und entwickelt sich zu einer Gewaltenteilung nationalstaatlicher Prägung mit einem Zweikammersystem. In Einklang mit der konstatierten Verfassungsentwicklung und -praxis steht nur eine Lösung. die der nationalen Ebene übergeordnet ist und auf diese durch ein-seitige Hoheitsakte einwirkt. Damit wird nicht nur das Primärrecht. Die Organisationsstruktur der Union kann (noch) nicht als in sich geschlossenes institutionelles System verstanden werden. Angesichts des gegenwärtigen Entwicklungstands werden weitere Integrationsfortschritte vor allem durch eine aktive Ausweitung gemeinschaftlicher Politikbereiche erreicht. Anwendungskontrolle im nachlegislatorischen Stadium bestimmt sie vor allem die Entscheidungsfindung in der legislatorischen Phase und die Normpräzisierung im Rahmen der Komitologie („tertiäre Rechtsetzung“). Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 251 bb) Europäische Rechtsetzung als Spiegelbild der institutionellen Ordnung. Das Gemeinschaftssystem ist durch weitere Aufwertung des Europäischen Parlaments und Ausrichtung auf eine ebenenübergreifende Kooperation fortzuschreiben. Die ursprünglichen Vorgaben des EG-Vertrags zur Durchsetzung der Gemeinschaftsziele waren vorrangig auf eine Beseitigung der Behinderungen innerhalb des Gemeinsamen Marktes gerichtet. . auf die Durchsetzung des Gemeinschaftsinteresses ausgerichteten Funktionenteilung zwischen Parlament. blendet die in nicht unwesentlichen Teilbereichen weiterhin dominierende nationale Ebene aus und ist eher zu ersetzen durch das Bild eines interdependent-kooperativen Systems. Europäische Rechtsetzung wird durch die Kooperation der Mitgliedstaaten mit den Organen der Europäischen Union geprägt. Die überstaatliche Kooperation entspricht den Erfordernissen des fortgeschrittenen Entwicklungsstandes der Europäischen Union. Die Einbußen der Kommission verringern die Durchsetzungsmöglichkeit genuiner Gemeinschaftsinteressen und ermöglichen eine verstärkte Einflussnahme seitens der nationalen Exekutiven auf die Organe der Gemeinschaft. sondern auch das Sekundärrecht durch die Regierungen der Mitgliedstaaten geprägt. der dynamische Charakter des Unionsrechts Die europäische Rechtsetzung ist das Spiegelbild der institutionellen Ordnung der Europäischen Union.

Angesichts kooperativer Steuerungsmechanismen haben ihre Regierungen verstärkt Mitwirkungsmöglichkeiten bei der Gestaltung öffentlicher Aufgaben zurückgewonnen. also auf unmittelbare Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten. Die Abänderbarkeit der derzeitigen europäischen Verträge. S. die noch bestehenden Defizite in der Verwirklichung der funktionalen Grundsätze zu überwinden. Unvereinbar mit dem derzeitigen Integrationsverlauf erscheint deshalb eine Sichtweise. 34 ff. die europäische Rechtsetzung intergouvernemental. Dix. Ursache waren die in vergleichbarem Maße wachsenden Befürchtungen.252 B. Gleichzeitig sind die Regierungen und die nationalen Interessenverbände bestrebt. 733 Nicht weiter thematisiert wird im Folgenden die Kategorie des ungeschriebenen Primärrechts. die Mitgliedstaaten könnten dabei zuviel von ihrer Souveränität und Identität einbüßen. . Noch stärker als die nationalen Verfassungen sind die Verfahrensregeln der Europäischen Union ständigem Wandel unterworfen. die den Kern des europäischen Primärrechts ausmachen 733. durch explizite Vertragsänderung ist in Art. Solche Befürchtungen manifestierten sich auch in den Exekutiven der Mitgliedstaaten. die europäischen Rechtsetzungsverfahren in Analogie zu den vertrauten Paradigmata nationaler Normgebungsverfahren auszugestalten. 732 cc) Die Abänderbarkeit der Europäischen Verträge Fraglich war freilich. Grundrechtecharta und Konvent – auf neuen Wegen zur Reform der EU?. ob das Verfahren der Vertragsänderung für eine solche öffentliche Debatte Raum lässt. sondern stärkt ihn letztlich. Trotz der durch zunehmende Kompetenzübertragung auf die Union herbeigeführten zentripetalen Entwicklung bleiben die Mitgliedstaaten bei der Erfüllung öffentlicher Aufgaben auf europäischer Ebene die zentralen Akteure. Mit zunehmender (und eigentlich wünschenswerter) Vertiefungsdebatte der Union wurde es schwieriger. Abhilfe verspricht bis heute deshalb wohl nur eine breite öffentliche Debatte unter Einbeziehung der Parlamente und aller gesellschaftlichen Gruppierungen. 48 EUV geregelt. Ihre Ausgestaltung wird durch die vertragsändernde und vertragsergänzende Verfassungsentwicklung im Zuge der Vertragsrevisionen sowie durch die verfassungsimmanenten Formen einer gestaltenden Fortbildung fortlaufend verändert. Das kooperative europäische Regelungssystem hebt den Nationalstaat nicht auf. Die Entwicklung zu einer Gewaltenteilung nationalstaatlicher Prägung wird begleitet von dem erkennbar zunehmenden politischen Druck seitens der Mitgliedstaaten. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Dieses Ergebnis entspricht dem dynamischen Charakter des Unionsrechts. auszurichten. in: Integration 1/2001. Danach kann die Regierung jedes Mitgliedstaates oder 732 So W. nach der die Mitgliedstaaten im Zuge der weiteren Integration künftig in einer neuen „staatlichen Einheit“ aufgehen oder von ihr überlagert werden.

schon um die spätere Zustimmung in den Parlamenten und Volksabstimmungen nicht zu gefährden. „vereinfachte“ Verfahren unterscheidet sich von dem in Art. Rn.IV. 23 GG. Auch deshalb haben sich die vertraglichen Grundlagen der Union zu einem sehr komplexen Gebilde von Kompromisslösungen entwickelt. auf denen die Union beruht. Andererseits begünstigt es eine Fortschreibung des vertraglichen Acquis. 2000. Daneben bestehen jedoch weitere Mechanismen der Änderung von Primärrecht außerhalb des Verfahrens des Art. vgl. Dieses Verfahren sichert zwar den Regierungen größtmögliche Handlungsfreiheit für die Aushandlung der Vertragsänderungen. mit umfangreichen Nachweisen. 48 EUV. Vielmehr erforderte der Entwicklungsstand der Union neue Verfahren.). Schwarze (Hrsg. 10. Bereits den Regierungskonferenzen von Maastricht und Amsterdam wurde der Vorwurf gemacht. Art. vorlegen. um endgültig in Kraft zu treten. 48 EUV vorgesehenen regulären Vertragsänderungsverfahren dadurch. . In Deutschland bemisst sich der Ratifizierungsprozess nach Art. Hier ist zunächst das in Art. Herrnfeld. 2003) im Auftrag des Verf. geändertes Primärrecht zum Gegenstand hat. 48 EUV erfolgen. Dieses Verfahren für die Weiterentwicklung der Union. werden die geplanten Änderungen auf einer vom Präsidenten des Rates einzuberufenden Regierungskonferenz von den Vertretern der Regierungen der Mitgliedstaaten beraten und beschlossen.-H. EU-Kommentar. Sie bedürfen. dass 734 Dazu ausführlich H. auch eine Ausarbeitung der Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages (vom 24. welches in Gestalt der jeweiligen Beitrittsverträge neues bzw. der (völkerrechtlichen) Ratifizierung durch die Mitgliedstaaten nach deren jeweiligen verfassungsrechtlichen Vorschriften. Nach einem unionsinternen Verfahren. Änderungen des Primärrechts können jedoch auch außerhalb des Verfahrens nach Art. die sich möglichst eng an den bisherigen Texten orientiert. die Kommission als auch der Rat einbezogen sind. in: J. 49 EUV geregelte Verfahren des Beitritts neuer Mitgliedstaaten zu nennen. ihre Ergebnisse seien ohne breite politische Debatte und über die Köpfe der Parlamente und der Bevölkerung hinweg zustande gekommen. in das sowohl das Europäische Parlament. 48. 11. die zunehmend supranationale Hoheitsrechte der Gesetzgebung ausübt und nicht nur völkerrechtliche Verpflichtungen ihrer Mitgliedstaaten begründet. Auch hier greift jedoch letztendlich der Ratifizierungsvorbehalt aller Mitgliedstaaten nach ihren jeweiligen verfassungsrechtlichen Vorschriften. erwies sich als kaum ausreichend. 734 Das sog. In diesem Zusammenhang ist zwischen „vereinfachten“ und „autonomen“ Verfahren der Vertragsänderung zu unterscheiden. die eine stärkere Einbeziehung der Parlamente und der Öffentlichkeit schon während Verhandlungen ermöglichen. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 253 die Kommission dem Rat Entwürfe zur Änderung der Verträge.

ohne inhaltliche Begrenzung jede Art von Änderungen oder Ergänzungen der Verträge. in: H. Ehlermann (Hrsg. Vgl. N. 2 (Übergang von der Einstimmigkeit zur qualifizierten Mehrheit im Bereich Justiz und Inneres). Das Recht der Europäischen Union. Art. Art. Art. 190 Abs.). 735 Demgegenüber fehlt es an diesem Ratifizierungserfordernis im Rahmen des „autonomen“ Vertragsänderungsverfahrens. 2 (Änderung der Satzung des EuGH). Herrnfeld (2000).w. 2002. vorzunehmen. 5. 738 Nicht hierzu zählt aber etwa der bereits erreichte Stand der Integration. Rn. wie sie etwa für den deutschen (Verfassungs-)Gesetzgeber bzgl.P. Hilf (Hrsg. 7 Abs. 187 (Verfahren der Assoziierung). 737 Dementsprechend sind die Mitgliedstaaten nach dem Wortlaut der Verträge frei. 245 Abs. Art. 48. 213 Abs. 3 EUV (Aussetzung des Stimmrechts bestimmter Mitgliedstaaten). in: C. Ein mitgliedstaatliches Ratifizierungserfordernis nach den jeweiligen Vorgaben der nationalen Verfassungen besteht jedoch auch im Rahmen dieses Verfahrens. 48. Art. Gemeinschaftsrechts. 3 GG niedergelegt sind. zu den umfangreichen weiteren Anwendungsgebieten dieses Verfahrens nur die Auflistung bei H. verfassungsrechtliche Selbstbindung der Mitgliedstaaten stützen.bzw. Art. Erg. Rn. Rn. sondern durch diesen lediglich anerkannt werden (in diesem Sinne auch W. 12. dass die Strukturprinzipien als allen Mitgliedstaaten gemeinsame. 737 H. C. mit ausführlichen weiteren Nachweisen aus dem Schrifttum. 67 Abs. Meng. Art.). 17 Abs. 4. 736 Das EU-Recht kennt hinsichtlich der gemäß Art. Art. N. Vedder / H. 738 In diesem Sinne m. 1 EUV (Festlegung einer gemeinsamen Verteidigungspolitik).D. Rn. der Abänderungsmöglichkeiten des Grundgesetzes in Art. 4 EGV (einheitliches Wahlverfahren für das Europäische Parlament). 79 Abs. Aufl. 22 EGV (Begründung neuer Rechte im Rahmen der Unionsbürgerschaft).). 2003 (Stand: 21. Aufl. 48 EU-Vertrag vorzunehmenden Abänderung von Primärrecht keine vergleichbaren inhaltlichen Schranken. 735 . 1 (Änderung der Zahl der Kommissionsmitglieder). vorsieht. auf denen die Union beruht. Kommentar. es gebe einen (ungeschriebenen) änderungsfesten Kern des Unions. ihrer Verfügungsgewalt entzogene Grundsätze auch dem Unionsvertrag bereits vorgegeben seien und damit nicht erst durch diesen gewährt. zumeist für technische Anpassungen. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung an Stelle einer Regierungskonferenz Vertragsänderungen durch den Rat mit einstimmigem Votum vorgenommen werden.254 B. Art. Calliess / M. der dies damit begründet. Gleichwohl wird im Schrifttum der Standpunkt vertreten. das eine – in der Regel vom Rat einstimmig auszuübende – Vertragsänderungsbefugnis der EU-Organe. 42 EUV (Überführung von Teilen der bisherigen dritten Säule des EUV in den EG-Vertrag). von der Groeben / J. Eine „Umgehung“ der genannten ausdrücklichen Vertragsänderungsverfahren durch implizite Vertragsänderungen hält der EuGH nach ständiger RechtspreBeispielhaft seien an dieser Stelle die folgenden Anwendungsgebiete dieses Verfahrens genannt: Art. Rn.-J. allerdings mit abweichender Begründung H. 8. 736 Hierzu zählen etwa die Bereiche: Art. Dazu werden etwa die in der Union zugrunde liegenden Strukturprinzipien des Bekenntnisses zu den Menschenrechten und zu Demokratie und Rechtstaatlichkeit gezählt. Grabitz / M. 48 EUV. Art. Herrnfeld (2000).Lieferung).-H. 59 f). Art.-H. Im Ergebnis ebenso. Ruffert (Hrsg. Cremer. 48. 1999. Art. in: E. 2. Kommentar zu EU-Vertrag und EG-Vertrag. die diese Aussage auf eine angebliche völkerrechtliche Verpflichtung bzw. Thiesing / C. Folz. 20. Kommentar zum EGV / EUV.

P. rn. Art. so dass sich an der parlamentarischen Mitwirkungsbefugnis der nationalen Parlamente in diesem Fall nichts ändern würde. Völkerrecht. das Verfahren des Art. 2002. 855. 43/75. Slg. Rn. Gemeinschaftsrecht führen. Rn. Folz. das eine konkludente Vertragsänderung durch einen sonstigen Änderungsvertrag für möglich hält. 529 hält auch eine nachträgliche Änderung durch Erzeugung von Gewohnheitsrecht für denkbar. Art. selbst bei einem Einverständnis aller Mitgliedstaaten nicht möglich. So auch etwa H. wissenschaftlich komplexen Debatte nur C. 740 Dazu ausführlich H. Art.Lieferung). Vgl. 1976. 742 Diese Befugnis der Mitgliedstaaten folgt aus ihrer Eigenschaft als „Herren der Verträge“ und der Tatsache. 1 (82). 1994. gleichzeitig mit einem Organakt von den Mitgliedstaaten abgeschlossenen Änderungsvertrag oder durch Erzeugung von Gewohnheitsrecht. Hilf (Hrsg. Aufl. 8. Rn. Vedder / H. zur hierzu geführten. differenzierend aber H. 455. 16. Cremer. Danach seien Änderungen der Verträge grundsätzlich nur im Wege der vertraglich vorgesehenen Änderungsverfahren möglich. in: C. 2003 (Stand: 21. Slg. 740 Daneben kommt auch eine implizite Abänderung von Vertragsvorschriften durch bloßes Organhandeln. 68/86. Kommentar zu EU-Vertrag und EG-Vertrag. in: E. 48. 48 EUV erfolgenden Änderungen von Primärrecht die verfassungsrechtlichen Ratifizierungsanforderungen an den jeweiligen völkerrechtlichen Änderungsakt. Das Recht der Europäischen Union. 48 EUV. 48.-H. Art. Rn 4 f. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 255 chung für ausgeschlossen. der eine (unionsrechtliche) Bindung der Mitgliedstaaten annimmt. Ruffert (Hrsg. 2002.-J. Kommentar zu EU-Vertrag und EG-Vertrag. wie etwa durch eine schlichte Praxis des Rates nicht in Betracht. vgl. 16. Ruffert (Hrsg. Aufhebung von Primärrecht durch die Mitgliedstaaten nach Maßgabe des allgemeinen Völkerrechts grundsätzlich auch außerhalb des Verfahrens des Art. Herrnfeld (2000). außerhalb von Art. in: C. 739 EuGH. Herrnfeld. Kommentar. 2. 48 EUV möglich sein. Art.). (2000). 1988.bzw. Rn. 24 (Vereinigtes Königreich / Rat).-H. Seidl-Hohenveldern. Aufgrund der grundsätzlichen Gleichrangigkeit aller Akte des Völkerrechts wäre demzufolge eine Abänderbarkeit dieser Verträge auf die dargestellte Art und Weise grundsätzlich möglich. Calliess / M. Grabitz / M. 56/58 (Defrenne / Sabena). Jedoch stehe dieser unionsrechtlichen Selbstverpflichtung der Mitgliedstaaten die in diesen verbliebene völkerrechtliche Kompetenz gegenüber.-J. . 742 Diese völkerrechtlich wirksame Vorgehensweise kann aber zu einem Konflikt mit Unions. sich durch eine gegenteilige Übereinkunft von dieser Selbstverpflichtung zu lösen. Rn. Die allgemeinen Regelungen des Völkerrechts sollen demgegenüber durch Art. 48. 739 Nach dieser Auffassung ist eine implizite Änderung der Verträge. Aufl. dass das Unions.). 741 Demgegenüber soll nach überwiegender Auffassung im wissenschaftlichen Schrifttum die ausdrückliche Änderung bzw.). etwa durch konkludenten. Rs. 48 EUV. 5.bzw. Aufl. Erg. 48 EUV zu respektieren. Cremer. 2. 48 EUV verdrängt worden sein. Gemeinschaftsrecht nach wie vor auf den zwischen den Mitgliedstaaten geschlossenen völkerrechtlichen Verträgen beruht. Anders aber BVerfGE 68. Rn. I.IV. Gleichwohl greifen auch bei derartigen. 741 In diesem Sinne EuGH Rs. hierzu auch H. 46 ff. Calliess / M.

(1) Das Fünfstufenmodell des Verfassungsvertrages Durch den Verfassungsvertrag wird eine fünfgliedrige Verfahrenskette zur Änderung und Anpassung des gesamten Vertrages sowie einzelner verfahrensrechtlicher und substantieller Aspekte normiert: 743 . Hierfür werden aber in Zukunft nicht mehr einstimmige Totalrevisionen erforderlich sein. bei denen Einstimmigkeit erforderlich ist.“ Obschon am Ende wiederum eine Regierungskonferenz stehen soll. „wenn seine Einberufung aufgrund des Umfangs der geplanten Änderungen nicht gerechtfertigt ist. so als müsste dem derzeit möglichen Verfassungsergebnis eine Ewigkeitsgarantie gewährt werden. durch ein mitgliedstaatliches Ratifizierungserfordernis flankiert werden.und Anforderungsprozess der Europäischen Union in Einklang gebracht werden. der für künftige Verfassungsänderungen gefunden wird. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Zusammenfassend kann deshalb festgehalten werden. Verfassungsergänzungen und Verfassungsänderungen im Sinne amerikanischer Amendments könnten im Prinzip mit qualifizierter Mehrheit möglich werden. Die Ausnahmetatbestände. sind selbstredend. Nach Art. Jedenfalls darf Zwang zur Einstimmigkeit bei künftigen Verfassungsergänzungen nicht die faktische Unveränderbarkeit der Verfassung in einer Europäischen Union mit 27 oder mehr Staaten bedeuten. sofern der Europäische Rat am Ende im Normalfall mit qualifizierter Mehrheit entscheiden kann. den Konvent nicht einzuberufen. dass alle bisherigen. dd) Verfassungsänderung nach dem Verfassungsvertrag – die neuen Verfahren Ein Schlüssel dafür. sieht man einmal von den beim Verfahren der „autonomen“ Vertragsänderung geltenden Besonderheiten ab. „um die an dem Vertrag wahrzunehmenden Änderungen zu vereinbaren“. expliziten oder impliziten Verfahren der Änderung von Vertragsprimärrecht. ist der vorgesehene Modus für Verfassungsergänzungen eine bedeutende Stärkung des föderalen Unionsprinzips. ob eine europäische Verfassung auf Dauer handlungssteigernd sein wird. Aber nur mit Hilfe einer klaren Trennung von fundamentalen und eher technischen Fragen der Verfassungsentwicklung kann europäische Verfassungskontinuität mit dem lebendig sich weiterentwickelnden politischen Erfahrungs.256 B. liegt in dem Mechanismus. Bei technischen Änderungen kann der Rat mit einfacher Mehrheit beschließen. IV-7 VerfV (Allgemeine und Schlussbestimmungen) wird die Konventsmethode als Mechanismus häufiger Verfassungsänderungsdebatten eingeführt. Verfassungsergänzungen werden unvermeidlich sein und sind fraglos Ausdruck einer gewissen Normalität.

A. Für den Fall. Dem Konvent ist es vorbehalten. einstimmig eine Überführung in den Entscheidungsmodus der qualifizierten Mehrheit beschließen. Maurer. wenn auch nur ein einziges nationales Parlament innerhalb von sechs Monaten nach Übermittlung einer entsprechenden Vertragsänderungsinitiative sein Veto einlegt. wobei in der ersten Variante „Konvent plus Regierungskonferenz“ der Präsident des Europäischen Rates einen Konvent einberufen muss. diese europäischen Gesetze oder Rahmengesetze in das „ordentliche Gesetzgebungsverfahren“ zu überführen. IV-443 VerfV. IV-444 VerfV die Regeln für ein vereinfachtes Vertragsänderungsverfahren. Auf der zweiten (übergeordneten) Stufe bestimmt Art. Hierbei lassen sich zwei „Reformfelder“ ausmachen. wird auf der Grundlage eines Mandats des Europäischen Rates eine Regierungskonferenz zur Prüfung und zu etwaigen Änderungen des Vertrages einberufen. auf die Einberufung eines Konvents zu verzichten. 2005. um die Substanz des Verfassungsvertrages ohne notwendige Einberufung einer Regierungskonferenz oder eines Konvents zu ändern: So kann der Europäische Rat zum einen in Bereichen. wenn das Konventsverfahren aufgrund „des Umfangs der geplanten Änderungen nicht gerechtfertigt ist“. einstimmig beschließen. dass die Zustimmung des Europäischen Parlaments hierzu vorliegt. in welchen er europäische Gesetze und Rahmengesetze nicht nach dem ordentlichen Gesetzgebungs-. Allerdings entfällt im Gegenzug die Verpflichtung zur Ratifikation der Vertragsänderungsbeschlüsse. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 257 Die erste Stufe bilden nunmehr zwei „ordentliche“ Verfahren zur Änderung des Verfassungsvertrages gemäß Art. Und zum zweiten kann der Europäische Rat in den Bereichen. SWP-Diskussionspapier. Das vereinfachte Vertragsänderungsverfahren scheitert. Verweigert hingegen das Parlament die Zustimmung. Der Vertrag über eine Verfassung für Europa. In der zweiten Variante „Regierungskonferenz ohne Konvent“ kann der Europäische Rat jedoch mit einfacher Mehrheit nach Zustimmung des Europäischen Parlaments beschließen. hat die Regierungskonferenz auf der Grundlage der dann im Konsensverfahren von einem Konvent angenommenen Empfehlungen zu arbeiten. sondern nach „besonderen Gesetzgebungsverfahren“ annimmt. Vgl. Dieses Verfahren beinhaltet zwei Varianten.IV. in denen der Rat nach den Bestimmungen des Verfassungsvertrages einstimmig entscheiden muss. die Änderungsentwürfe zu prüfen und im „Konsensverfahren“ eine Empfehlung für die nachfolgende Regierungskonferenz abzugeben. Beide genannten Beschlüsse unterliegen freilich der Zustimmung des Europäischen Parlaments sowie einem Vorbehaltsrecht der jeweiligen nationalen Parlamente. Die neuen Handlungsermächtigungen der Organe. sollte der Europäische Rat nach Anhörung des Europäischen Parlaments und der Kommission mit einfacher Mehrheit die Prüfung der vorgeschlagenen Änderungen beschließen. 743 .

745 Der entsprechende Änderungsbeschluss des Europäischen Rates erfolgt einstimmig nach Anhörung des Europäischen Parlaments und der Kommission. Art. Rat und Kommission deutlich zugunsten des Rates bzw. Befugniserweiterung der Union. bei denen es im Konvent bzw. Die nationalen Parlamente verfügen im Gegensatz zu den ersten beiden Fällen nicht über ein Vetorecht. Jedoch treten Vertragsänderungen erst nach Zustimmung der Mitgliedstaaten im Einklang mit ihren jeweiligen Verfassungsbestimmungen in Kraft. das durch die spezifischen Kompetenznormen selbst nicht 744 Andererseits stellt die Passerelle als Befugniserweiterung des Europäischen Rates einen Schritt dar.und Justizpolitik bis hin zur Gesundheits. In der Umsetzung von Art. auch A. in der Regierungskonferenz (zum Teil erwartbar) nicht gelungen ist. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Art. dann kann der Rat einstimmig auf Vorschlag der Europäischen Kommission nach Zustimmung des Europäischen Parlaments die geeigneten Maßnahmen erlassen. 744 Der Verfassungsvertrag sieht nunmehr auf einer dritten Stufe vor. Währungs-. über einen längerfristigen Zeitraum auch diejenigen Politikfelder und Bereiche in die qualifizierte Mehrheit zu übertragen. IV-444 VerfV findet seine weitgehende Entsprechung in der Passerelle innerhalb der ehemaligen. Allerdings beschränkt Art. 25. I-18 VerfV hingegen nicht. Innen. IV-444 werden sich daher wohl auch grundsätzlichere Fragen der demokratischen Kontrolle des Europäischen Rates und seines Vorsitzenden stellen. Durch die Einstimmigkeit der Übergangsentscheidung behält somit jeder Staat die Entscheidungshoheit über diesen signifikanten Schritt. des Europäischen Rates verändert. obgleich „ein tätig werden der Union im Rahmen der in Teil III festgelegten Politikbereiche erforderlich“ erscheint. IV-445 VerfV auch die Eingriffstiefe der jeweiligen Reformen. Eine Änderung des Verfassungsvertrags gestattet Art. Konsequenterweise ist hierzu letztlich wieder der Rückgriff auf das ordentliche Vertragsänderungsverfahren vonnöten. dass gemäß Art. Maurer (2005). Hieraus ergibt sich die Voraussetzung. vgl.258 B. 42 EUV): Durch dieses Verfahren wird die Möglichkeit eröffnet. 745 Diese Formulierung bezieht alle internen Politiken der Union vom Binnenmarkt über die Wirtschafts-.und Bildungspolitik mit ein. I-18 VerfV schließlich eine Bestätigung der schon länger geltenden Flexibilitätsklausel zur einstimmigen Ergänzung bereits vertraglich sanktionierter Politiken. Die vierte Stufe beinhaltet gem. durch den Maastrichter Vertrag festgelegten Justizund Innenpolitik (Art. S. dass der Verfassungsvertrag ein entsprechend konkretes Unionsziel bestimmt. der die institutionelle Balance zwischen den Organen Parlament. weshalb die nach diesem Verfahren angenommenen Vertragsänderungen nicht zu einer Ausdehnung der der Union übertragenen Zuständigkeiten führen dürfen. sondern lediglich eine auf den Einzelfall begrenzte Präzisierung bzw. Sind im Verfassungsvertrag die zur Erreichung eines bestimmten Ziels notwendigen Befugnisse nicht vorgesehen. . IV-445 VerfV der Europäische Rat eine „Änderung aller oder eines Teils der Bestimmungen von Teil III Titel III erlassen“ kann.

und Verwaltungsvorschriften bei der Diskriminierungsbekämpfung. obwohl die betroffene Vertragsbestimmung jedwede Harmonisierung ausschließt. ordentlichen Gesetzgebungsverfahren einen Vorbehalt geltend machen kann.2 VerfV). vom irischen Ratsvorsitzenden vorgeschlagene Option den Weg für eine Konsenslinie zwischen jenen Regierungen. III-270. S. Lässt sich analog zu den Bestimmungen aus Art.und Sportpolitik. Ausbildungs-. III-136. kann automatisch eine verstärkte Zusammenarbeit eingeleitet werden. Im Bereich der sozialen Sicherheit zeitigt die „Notbremse“ wohl keine weiteren Konsequenzen für die faktische Fortentwicklung der Integration. an der sich mindestens ein Drittel der Mitgliedstaaten beteiligen muss (Art. Art. sowie im Katastrophenschutz und der Zusammenarbeit der Verwaltungen hinauslaufen würden.4 VerfV). Maurer (2005). 26. Bildung-. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 259 gedeckt ist. wenn und weil der geplante Rechtsstaat „die Kosten oder die Finanzstruktur seines sozialen Systems verletzen oder dessen finanzielles Gleichgewicht beeinträchtigen“ könnte (Art. Demzufolge sind flexible Vertragsergänzungen ausgeschlossen. der ein europäisches Rahmengesetz als mit den grundlegenden Prinzipien seiner Strafrechtsordnung für unvereinbar hält. 748 Dahingegen eröffnet das Vetoverfahren in der Strafrechtszusammenarbeit de facto eine FortDazu A.IV. Auch im weiten Bereich der Justiz. der Tourismuspolitik. und denjenigen (vor allem Großbritannien). So wird etwa im Rahmen des freien Dienstleistungsverkehrs für Maßnahmen zur sozialen Sicherheit der Arbeitnehmer festgehalten. der Beschäftigungspolitik. dass ein Mitgliedstaat im laufenden. die auf eine Harmonisierung der Rechts. 136 VerfV wohl eher den „Rückbau“ der Integration sanktionieren. die weitere Integrationsschritte zugunsten der strafrechtlichen Kooperation forderten. der Sozialpolitik. verfügt im Bereich der Strafrechtszusammenarbeit ebenfalls über ein suspensives Vetorecht. 747 Sodann muss sich der Europäische Rat mit der Frage befassen und innerhalb einer Frist von vier Monaten entscheiden. Der Europäische Rat muss sich mit der Frage befassen und kann den geplanten Rechtsakt entweder an den Rat zur Weiterbehandlung zurück überweisen oder aber die Kommission um die Vorlage eines neuen Vorschlags ersuchen. 746 Zuletzt benennt und etabliert der Verfassungsvertrag auf einer fünften Stufe so genannte „Notbremsen“ für die sekundärrechtliche Weiterentwicklung bestimmter Politikfelder. der Gesundheitspolitik.und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten abzielen würden. der Kultur-. III-136 VerfV keine Einigung erzielen. Im Kontext der sozialen Sicherheitspolitiken wird das Entscheidungsverfahren nach einem Staatsvorbehalt zunächst angehalten. die auf eine Harmonisierung der Rechts. 748 Bei entsprechend extensiver Praxis würde Art. 747 746 .3 VerfV. Jugend. Jeder Staat. Ausgenommen sind hiervon jedoch explizit Maßnahmen. die sich in Zurückhaltung übten.und Innenpolitik eröffnete erst eine solche. um das jeweils laufende Ratsverfahren zu stoppen. III-270. der Forschungspolitik.

Nixon. die den konkreten Fall löst. Damit wird die Stellung von Deutschem Bundestag und Bundesrat erheblich geschwächt. Diese Funktion ist zunächst nur insoweit an eine gesetzliche Grundlage gebunden als man letztere zum Gegenstand der Tätigkeit bestimmt. Maryland 17 U. hat der Supreme Court der USA bereits 1819 dekretiert. Der Richter hat innerhalb des Interpretationsrahmens durch Auslegung die normative Aussage zu finden. wird die Interpretation der Verfassung erforderlich. Kreative Verfassunggebung – Verfassungsinterpretation. 750 749 . McCulloch vs.S. 23 GG bei Hoheitsübertragungen vorgesehene 2/3-Erfordernis entfällt. 418 U. die sich nicht zweifelsfrei mittels der Verfassung selbst lösen lässt. 703 (1974). ob Staaten die „Notbremse“ in jeder Phase des Gesetzgebungsverfahrens oder nur in einer bestimmten Phase der ratsinternen Vorabstimmung ziehen dürfen. ob für einen Politikbereich zur Mehrheitsentscheidung übergegangen wird. insbesondere die Rolle der Obersten Gerichte „In the performance of assigned constitutional duties each branch of the Government must initially interpret the Constitution. Die spezifische „Gestimmtheit des Verfassungsrechts“ (K. 2. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung entwicklung dieses Politikfelds unterhalb der Schwelle der Vertragsreform.“ 749 Besser hätte der Supreme Court kaum seiner eigenen Rolle als auch der aller Verfassungsorgane bei der zweiten „Alternative“ der Einflussnahme auf die Entwicklung der amerikanischen Bundesverfassung Ausdruck verleihen können. Dies ist besonders problematisch. Hierfür steht ihm etwa in Deutschland eine gefestigte Methodik zur Verfügung. wenn die sich aus der betroffenen Rechtsgrundlage ergebenden Kompetenzen nicht klar abgegrenzt sind.260 B. and the interpretation of its powers by any branch is due great respect from the others. Die Parlamente und insbesondere die Opposition werden dadurch nicht unerheblich geschwächt. Der Deutsche Bundestag und der Bundesrat müssen nur unterrichtet werden. da das in Art. So wird es sich gegebenenfalls nur im Rahmen eines Interinstitutionellen Abkommens zwischen Europäischem Parlament und Rat klären lassen. 750 United States v. Gilt es nun eine verfassungsrechtliche Frage zu beantworten. (2) Gemeinschaftsautonome Verfassungsänderung betreffend einen Übergang in die Mehrheitsentscheidung Der Europäische Rat entscheidet nach dem Entwurf des Verfassungsvertrages künftig ohne Ratifikationserfordernis. Stern) führt zu Besonderheiten bei der Interpretation. 316 (407). „We must never forget that it is a constitution we are expounding“. 683.S. Mit Blick auf beide „Notbremsen“ mag sich die Unbestimmtheit des Verfahrenszeitpunkts als problematisch erweisen.

1976. verbietet ihm grundsätzlich. the judges. der die Worte des Gesetzes verkündet). der sich jede Epoche unter ihren jeweiligen Bedingungen neu zu stellen hat. it is“ (zitiert nach en. zuweilen auch zu Konflikten. insbesondere die umfangreiche Lit.thinkexist. Europäische Verfssungslehre. „Prinzipien der Verfassungsinterpretation“ – so das Thema der Freiburger Tagung der Vereinigung Deutscher Staatsrechtslehrer von 1961 – herauszuarbeiten. . S. Siehe auch K.IV. 1999).). 751 Dabei wird erschöpfend die „Komplexität der Interpretationsaufgabe“ oder ihre „Unerschöpflichkeit“. der im Gesetz angesprochen wird.com/quotation/we_are_under_a_constitution||but_the_constitution/158023. an die sie gebunden sind. Noch immer gilt der klassische Ansatz von Savigny. Aufl. we are under the constitution. wonach Auslegung „die Rekonstruktion des klaren oder unklaren Gedankens ist. Häberle. ebenda. Diese Kompetenz versteht sich nicht von selbst. Grundzüge des Verfassungsrechts der Bundesrepublik Deutschland. arbeitsteilige Modalitäten im Rechtsfindungsprozess zu sehen. 4. das Recht erforderlichenfalls fortzuentwickeln und Lücken zu füllen. dass Richter.“ Die Aufgabe des Richters. what the judges say. 19 ff. 1995 (Neudr. insbesondere durch die „Rechtsvergleichung“ anzureichern ist (P. wie überhaupt ein Großteil der jüngeren Arbeiten zum Thema Auslegung der Verfassungsauslegung gewidmet sind. betont. etwa durch Analogien. Diesen Zwiespalt brachte der Richter am US-Supreme Court Hughes treffend auf den Punkt: „We. die Entscheidung einer Streitfrage zu verweigern.und Funktionenordnung der Verfassung zur generellen Rechtserzeugung berufenen Parlamenten und den Verfassungsgerichten. mit den Fn. Anders im angelsächsischen Recht. 247 ff. Der Richter war – entgegen der Forderung von Montesquieu – in Europa niemals lediglich „la bouche qui prononce les paroles de la loi“(der Mund. S. und dessen wichtige eigene Analyse des Themenfeldes. zugleich die Kompetenz haben sollen. Dahinter steht eine dem angelsächsischen Rechtskreis vertraute Tendenz. die mit den Stichworten „Wortlaut der Norm“. Probleme der Verfassungsinterpretation. Dreier/ F. 258 ff.-Darstellung bei P. Unzweifelhaft führt vor allem die Rechtsbildung zu Spannungen. Im kontinentaleuropäischen Recht ist deshalb die Kompetenz des Richters zur Fortentwicklung des geschriebenen Rechts feste Praxis. but the constitution is. 751 Vgl.. insofern er aus dem Gesetz erkennbar ist. 165 ff. Gesetzesrecht und Richterrecht zunehmend als sich wechselseitig ergänzende.. Dieses insbesondere im französischen Recht entwickelte Verbot der Rechtsverweigerung („déni de justice“) gibt dem Richter die Kompetenz. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 261 Demgemäß hat sich die Wissenschaft seit langem bemüht. 20. Häberle).html). 2006. zwischen den nach der Gewalten. Recht zu sprechen. S. Aufl. Scheint es doch auf den ersten Blick durchaus paradox. Hesse. die dem gesetzten Recht unterworfen sind. dieses Recht fortzubilden und damit in gewissem Sinne selbst die Normen zu schaffen. Schwegmann (Hrsg. „Wille des Gesetzgebers“ und „Teleologie“ angedeutet sei. R. Vielfach wird etwa die Besorgnis zu zunehmender Nebenordnung und Annäherung von parlamentarischer und verfassungsgerichtlicher Rechtsbildung betont. Zu den „Prinzipien der Verfassungsinterpretation“ ders.

durch eine verfassungskonforme Auslegung würde der Handlungsspielraum des Gesetzgebers stärker als durch eine Kassation beschnitten. Bd. auch BVerfGE 54. intersubjektiv prüfbares Verfahren ist. 1995. h.. Ebeling). Schleiermacher. 79 ff. Das Staatsrecht der Bundesrepublik Deutschland.w. ders. S.D.E. 1979. . K. 1982. Aquin. W. d. moralis und anagogicus. in: ders. 2. jeweils m. Kimmerle). 10 – die Idee eines „Auslegungskanons“ war demnach früh geboren und im theologischen Kontext nicht wie vielfach behauptet erst seit Schleiermacher diskussionswürdig). T. Bd. vgl. Aufl. Die Differenz zwischen Methodologie. Hesse sieht 752 Dazu etwa K. H. K. die vor allem in der Frage kulminieren. Jahrhundert nach dem griechischen ερμηνευειν „Hermeneutik“ genannt) gab es bereit seit der Antike und im Mittelalter (vgl. Stern. R. in: ders. auch zuletzt J. 753 Vgl. birgt aber durchaus auch die Gefahr von Funktionsverwischungen. Beispiele späterer musikalischer Hermeneutik . Entwicklungstendenzen der juristischen Interpretationstheorie von 1500 bis 1850. E. diesen Sachverhalt nach seinen Vorstellungen neu zu gestalten. Unrichtig ist es allerdings anzunehmen. N. Gesammelte Schriften.D. 52 ff. so hindert den Gesetzgeber nichts. 1. 754 Justice Brandeis in seiner Dissenting Vote zu Ashwander v. S. 7. Aufl.262 B. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Ein kurzes Wort zur verfassungskonformen Auslegung. Aufl.) und spielte eine gewichtige Rolle in der Theologie (als Lehre vom vierfachen Schriftsinn – sensus litteralis. Bultmann.). von H. Erweist sich unter mehreren möglichen eine bestimmte Auslegung einer Norm als verfassungswidrig.E. 752 Sie ist ein ebenso unentbehrliches und – in nicht ganz leicht zu definierenden Grenzen 753 – auch allgemein anerkanntes Instrument der Normerhaltung (wie etwa im amerikanischen Rechtskreis bereits treffend von Justice Brandeis festgestellt wurde 754). Gadamer. 135 ff.. Aufl. a) Allgemeine Erwägungen zur Verfassungsinterpretation Die juristische Hermeneutik teilt grundsätzlich die Probleme der allgemeinen Hermeneutik 755.-G. Dilthey entwickelt worden. bestehen aber neben der in diesem begrenzten Umfang aufrechterhaltenen Norm andere Möglichkeiten zur Regelung des ihren Gegenstand bildenden Sachverhalts. vgl. Die lange Jahre geführte Kontroverse zwischen analytischer Wissenschaftstheorie und geisteswissenschaftlicher Hermeneutik hat sich dagegen entschärft. (Hrsg. Aufl. 7. als Kunstlehre von den Regeln der Auskegung (ars interpretandi) und Strukturtheorie als Lehre vom Zusammenhang zwischen Zeichen Bedeutung (signum et res) spiegelt sich in der jüngeren Hermeneutikdebatte vor allem bei Gadamer und Betti.. (Hrsg. Betti. nachdem auch die analytische Wissenschaftstheorie das Problem des Sinnverstehens in ihre Überlegungen einbezieht. § 4 III 8 d. Gesammelte Schriften. Die Theorie der Interpretation (seit dem 15. Die Entstehung der Hermeneutik. 7. F. nur die eine – verfassungswidrige – Lösung bleibt ihm verwehrt. ob das Sinnverstehen ein rational kontrollierbares.). Dilthey. Bd. Der Einfluss beider reicht bis in die Gegenwart (M. Hesse. 5. Schleiermacher und W. G.(1936). 2. 1984. 297 US 288. Heidegger. Rdnr. Hermeneutik (hrsg. 277 (299 f. in: ZNR 2002. allegoricus. Schröder. 1974. Jahrhundert insbesondere von F.. 755 Eine „allgemeine Hermeneutik“ als Grundlagendisziplin der Geisteswissenschaften ist im 19. 20. 1 q. v. 346 ff.). Entwürfe zur Kritik der historischen Vernunft. Tennessee Valley Authority. Grundzüge des Verfassungsrechts der Bundesrepublik Deutschland. Summa theologiae I.

die „transatlantisch“ Geltung beanspruchen kann. Konsensfähigkeit. Grundsätzlich finden sich so viele Arten der Interpretation wie es Rechtsquellen gibt. 757 Zur mangelnden Bewältigung der gesetzten Aufgabe in der deutschen Verfassungswirklichkeit vgl. Häberle. Harmonisierung. soziale Gleichheit. der Europäischen Union respektive der Europäischen Gemeinschaften. Aufl. 21. 14): Gerechtigkeit. Unter dem Strich ist dabei eher eine fruchtbare Ergänzung und weitere Auskleidung des Kulturbegriffes zu erwarten als ein ungeordnetes Nebeneinander wirrer Termini unter einer vagen Bezeichnung. Interessenausgleich. v. Hesse. ebenda. 757 Die Suche nach den Aufgaben und Zielen der Verfassungsinterpretation mündet oftmals zwangsläufig in einer Katalogisierung von Schlagworten 758. 1998. Sachgerechtigkeit. wenngleich ihrer Umsetzung kaum nachgekommen wird. Wie am Beispiel der Vereinigten Staaten bereits illustriert ist die – in der Regel in einem fundamentalen Verfassungsgesetz rechtlich fixierte – Verfassung konstitutives Merkmal des modernen politischen Gemeinwesens. Dabei könnte möglicherweise ein kulturwissenschaftlicher Ansatz einen Rahmen bilden. Scherings Deutung der Musik L. eine Ummantelung der begrifflichen Nacktheit fehlt. Praktikabilität. „das verfassungsmäßig . Der moderne Konstitutionalismus entspringt u. 2. Eine Betrachtung der möglichen Interpretations-„Objekte“ legt die Vielfalt juristischer Hermeneutik offen.richtige‘ Ergebnis in einem rationalen und kontrollierbaren Verfahren zu finden. Methodenklarheit. Neudr. Auflage 1998. 756 K. Im Mittelpunkt dieser Untersuchung steht in erster Linie die Verfassung als „Quelle interpretatorischer Tätigkeit“ und die obersten Gerichte der Vereinigten Staaten bzw. Häberle. denen jedoch in der Regel das verbindende Element. Berechenbarkeit. Grundzüge des Verfassungsrechts der Bundesrepublik Deutschland. K. dieses Ergebnis rational und kontrollierbar zu begründen und auf diese Weise Rechtsgewißheit und Voraussehbarkeit zu schaffen – nicht etwa nur. Verfassungslehre als Kulturwissenschaft. funktionelle Richtigkeit. Offenheit. a. Hesse. Transparenz. Billigkeit. befriedendes und befriedigendes Ergebnis. S.“ . Beethovens. 2. S. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 263 demgemäß idealtypisch die Aufgabe der Verfassungs-Interpretation zutreffend darin.“ 756 Eine Einschätzung. 228 Fn. um differierend anmutende Zielsetzungen und Aufgabenstellungen ebenso einer übergeordneten Sichtweise unterzuordnen wie dies im Kontext verschiedener methodischer Ansätze bereits vorgenommen wird 759. den bieten der Versuch einer Wiederbelebung der Affektenlehre durch H. 758 So werden an Aufgaben genannt (zitiert nach einer Aufzählung von P. Verfassungslehre als Kulturwissenschaft. Einheitsbildung. Aufl. Vernünftigkeit. 20.IV. 1999. 759 Vgl. (gemeinwohl)gerechte („gute“) öffentliche Ordnung. S. P. effektive grundrechtliche Freiheit. Rechtssicherheit. Kretzschmar sowie A. könnte die kulturwissenschaftliche Verfassungsinterpretation einen Rahmen für die Kombination der Methoden bei der Verfassungsauslegung bieten. normative Kraft der Verfassung. um der Entscheidung willen zu entscheiden. was kulturell in der Zeit geschieht. 227: „Da die einzelnen Interpretationsmethoden unterschiedliche Ausschnitte dessen beibringen. die nicht falsch sein müssen.

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B. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung

großen „Revolutionen“ des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Seitdem hat die „Konstitutionalisierung der Herrschaft“ (D. Grimm 760) in unterschiedlicher Gestalt der historisch-politischen Welt ihre Prägung verliehen und darüber hinaus im Zuge der Globalisierung der Politik und der Ausbreitung mancher Aspekte der Verfassungslehre die nicht-westlichen Gesellschaften erfaßt. Seiner Grundidee nach drückt sich im modernen Begriff der Verfassung dort, wo sie als „Ordnung des Politischen“ (U.K. Preuß 761) konzipiert wird, der zentrale Sinngehalt der politischen Kultur aus. Unter diesem Aspekt kommt der modernen Verfassung eine doppelte Funktion zu: ihrer symbolischen Funktion entsprechend deutet und normiert sie die Ordnungsgehalte der politischen Kultur der Gesellschaft. Ihrer instrumentellen Funktion entsprechend liefert sie das Spielregelwerk für die politischen Prozesse des politischen Systems. 762 Als quasi-kanonischer Text steht sie einmal für eine Hermeneutik der gesellschaftlichen Existenz mit einem verbindlichkeitsfordernden Geltungsanspruch. Zum anderen ist sie Kristallisationspunkt für einen permanenten hermeneutischen Prozess der Auslegung der durch sie verbürgten Prinzipien im Medium der politischen Deutungskultur der Gesellschaft. Ein weitreichender wissenschaftlicher und politischer Diskurs über das Wesen der Verfassungshermeneutik ist vorläufig nur in den Vereinigten Staaten und neuerdings auch in Kanada aufgenommen worden. 763 Er bewegt sich „Toward a Constitutional Hermeneutics“

Vgl. D. Grimm, Die Zukunft der Verfassung, Frankfurt 1991. Siehe den Titel des von U.K. Preuß herausgegebenen Sammelbandes „Zum Begriff der Verfassung. Die Ordnung des Politischen, 1994“. 762 Eine „Hermeneutik des Politischen“ bewegt sich auf zwei Ebenen. Analytisch ist sie eine empirisch-hermeneutische Theorie. Sie analysiert die soziokulturellen Ordnungsgefüge auf die ihnen unterliegende Ordnungslogik hin und versteht das durch die Pluralität von Ordnungs- und Symboltypen vermessene geschichtliche Feld menschlicher Selbstverständigung und -aktualisierung als Manifestation des Politischen. In diesem solchermaßen umrissenen Objektbereich der empirisch-hermeneutischen Theorie spiegelt sich wiederum der anthropologische Sachverhalt des Menschen als eines sich selbst interpretierenden Wesens, als animal symbolicum. Dabei entspringen Ordnungsinterpretationen in einem sehr grundsätzlichen Sinn der fundamentalen menschlichen Existenzerfahrung. Insoweit gehen in die Hermeneutik stets Realerfahrungen der historisch-sozialen Lage ein. Zweitens bauen auf einer solchen Grundhermeneutik des Menschlichen eine Vielzahl von Deutungen jeweils sozialer Kontexte auf, deren Ordnungszentrum eine hegemoniale Identitätsdeutung des Menschlichen ist, die in peripheren Deutungen ausstrahlt. Drittens, das Specificum einer solchen Hermeneutik des Politischen ist deren Verankerung in der Machtstruktur, insofern sie Ausdruck des Ringens um das Deutungsmonopol für die politische Kultur (die „Wahrheit“ der Gesellschaft), dessen Durchsetzung und Aufrechterhaltung ist. Das Medium der Hermeneutik des Politischen ist die politische Deutungskultur einer Gesellschaft. Die machtgestützte Hermeneutik des Politischen und deren Manifestation in der politischen Ordnungslogik garantiert einerseits eine gewisse gesellschaftliche Stabilität, andererseits ist sie stets der Herausforderung durch alternative Hermeneutiken ausgesetzt. Das Deutungsmonopol der hegemonialen Hermeneutik ist niemals absolut, vgl. zu dieser Thematik ausführlich J. Gebhardt, Verfassung und Politische Kultur in Deutschland, in: ders. (Hrsg.), Verfassung und politische Kultur, 1999.
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760

IV. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates

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(G. Leyh) 764, wie sie sich in der Debatte zwischen textimmanent argumentierenden „interpretists“ und verfassungsgestaltenden „noninterpretivists“ niederschlägt 765 und in einen weiteren hermeneutischen Zusammenhang von „katholischen“ und „protestantischen“ Interpretationsschemata erstellt wird 766. In diesen naturgemäß stets politisch aufgeladenen Debatten zeichnet sich das Problemfeld einer vergleichend untersuchenden Verfassungshermeneutik 767 in den mit verfassungsrichterlichem Prüfungsrecht ausgestatteten Politien etwa der USA, Deutschlands, Kanadas, Australiens und Frankreichs ab, wobei in einigen Ländern in der Rechtsaber auch Politikwissenschaft vordergründig ein Interpretationsmonopol der Verfassungsgerichtsbarkeit behauptet wird. Insgesamt hat sich eine in sich kontroverse Tradition der Verfassungshermeneutik herausgebildet, die auch unter modernen kulturhermeneutischen 768 Vorzeichen zu analysieren wäre. 769 Dieser Untersuchung vorgelagert ist jedoch die Frage, ob es tatsächlich die Inhaberschaft eines Interpretationsmonopols geben kann – einen interpretatorischen
763 Siehe H. Belz, Constitutional and Legal History in the 1980s: Reflections on American Constitutionalism, in: 4 Benchmark (1988), S. 243 ff.; M.A. Graber, Why Interpret? Political Justification and American Constitutionalism, in: 56 The Review of Politics (1994), S. 415 ff. Zur amerikanischen Verfassungskultur aus dem deutschen Schrifttum J. Gebhardt, Verfassungspatriotismus. Anmerkungen zur symbolischen Funktion der Verfassung in den USA, in: Akademie für politische Bildung (Hrsg.), Zum Staatsverständnis der Gegenwart, 1987. 764 G. Leyh, Toward a Constitutional Hermeneutics, in: 32 American Journal of Political Science (1988), No. 2, S. 369 ff. 765 Vgl. P. Kommers, The Supreme Court and the Constitution: The Continuing Debate on Judicial Review, in: 47 The Review of Politics (1985), No. 3, S. 113 ff. 766 Dazu H. Levinson, Constitutional Faith, 1989. 767 Hierzu gibt es Ansätze bei J. Gebhardt/ R. Schmalz-Bruns (Hrsg.), Demokratie, Verfassung und Nation, 1994 und im Gesamtwerk P. Häberles. Bedeutsam vor allem das Werk von D.N. MacCormick / R. S. Summers, Interpreting Statutes: a Comparative Study, 1991. 768 Es grenzt an eine Tautologie, von „Kulturhermeneutik“ zu sprechen, da Hermeneutik immer mit „Kultur“ zu tun hat: zum einen sind ihre Gegenstände zweifellos Erzeugnisse kultureller Praxis, anfangs vor allem religiöse, juristisch-politische und philosophische Texte. Zweitens stellen hermeneutische Bemühungen ihrerseits ein kulturelles Phänomen dar, oft direkt in kulturelle Reflexivität einmündend. Drittens zielt Hermeneutik stets auf kulturelle Praxis, auf die Herstellung eines Zusammenhangs zwischen verschiedenen, meist auch räumlich und zeitlich getrennten kulturellen Dokumenten sowie zwischen deren Verfassern. Zum Begriff der „Kultur“ sehr detailliert P. Häberle, Verfassungslehre als Kulturwissenschaft, 2. Auflage 1998, S. 2ff; ders., Kulturverfassungsrecht im Bundesstaat, 1980, S. 13 ff.; ders., Vom Kulturstaat zum Kulturverfassungsrecht, in: ders., Kulturstaatlichkeit und Kulturverfassungsrecht, 1982, S. 1, 27 ff., jeweils mit zahlreichen Nachweisen weiterführender Literatur. 769 Diese Forderung erhebt auch J. Gebhardt, Verfassungspatriotismus (1987). Im vollausgebildeten Konstitutionalismus wird gebetsmühlenartig die Frage des verfassungsgerichtlichen Interpretationsmonopols behandelt, so wie es sich scheinbar in den USA herausgebildet haben soll.

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B. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung

Alleinanspruch über Verfassungsbestimmungen, die wegen ihres besonderen Charakters nicht allein durch „schlichte“ juristische Interpretation etwa im Sinne des Savignyschen Kanons zu erschließen sind, die aufgrund der normativen, materialen und funktionalen Besonderheiten des Verfassungsrechts einen „Kunstgriff“ erforderlich machen, der in der deutschen Verfassungslehre weithin als „Konkretisierung“ bezeichnet wird. 770 Einer solchen Konkretisierung bedarf es im Verfassungsstaat namentlich bei den fundamentalen Staatsstrukturprinzipien, wie Demokratie, sozialer Rechtsstaat, Bundesstaat und Gewaltenteilung, bei nahezu allen Grundrechten, schließlich bei Staatszielbestimmungen. Rechtsvergleichend lässt sich dieser Gedanke auch auf andere Verfassungsstaaten übertragen, wobei die Konkretisierungsaufgabe für das Verfassungsrecht zunächst auf die Verfassungsgerichtsbarkeit wegen ihrer Letztentscheidungsfunktion „fokussiert“ scheint. Also doch insgesamt ein Interpretationsmonopol der Verfassungsgerichtsbarkeit? Mitnichten, selbst wenn man einer Letztentscheidungsfunktion monopolähnliche Strukturen nur schwer absprechen kann. Gleichwohl wird die richterliche Entscheidung durch vorhergehende Interpretationen anderer Teilnehmer am „Verfassungsleben“ wesentlich mitbeeinflusst. P. Häberle spricht zu Recht von einer „offenen Gesellschaft der Verfassungsinterpreten“ und bezieht in die Prozesse der Verfassungsinterpretation „potentiell alle Staatsorgane, alle öffentlichen Potenzen, alle Bürger und Gruppen“ ein. 771 Häberles Gedanke wird in den Vereinigten Staaten zwar bislang (noch) nicht unverhohlen rezipiert, findet jedoch zunehmend theoretische Entsprechungen. 772 So formuliert etwa W. Murphy treffend:
„A final definitional matter is important, especially for Americans who often assume that judges have a monopoly on constitutional interpretation. In fact, however, even in a constitutional democracy with a constitutional text and judicial review, all public officials sometimes interpret – and properly if not always conrectly so – the constitution. Not only judges but also legislators interpret when they resolve constitutional doubts for or against a bill as do executive officials when they decide they can, or cannot, consistently with their oaths of office carry out a particular Public policy. Even police officers engage in constitutional interpretation when they decide they can or cannnot arrest and / or search a suspect. Moreover, leaders of interest groups frequently offer
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Vgl. etwa H. Huber, Rechtstheorie, Verfassungsrecht, Völkerrecht, 1971, S. 340. Siehe P. Häberle, Verfassungslehre als Kulturwissenschaft, 2. Auflage 1998, S. 228 ff., 229. Grundlegend ders., Die offene Gesellschaft der Verfassungsinterpreten, in: JZ 1975, S. 297 ff., auch in: ders., Verfassung als öffentlicher Prozess, 3. Auflage 1998, S. 155 ff.; vgl. auch ders., Verfassungsinterpretation als öffentlicher Prozess – ein Pluralismuskonzept, in: Verfassung als öffentlicher Prozess, 3. Auflage 1998, S. 121 ff. 772 Freilich im Wesentlichen nach dem hier so passenden Prinzip J. Pauls: „Unter einem freundlichen Ausleger mein’ ich den, welcher in einem fremden Buche seine eigne Meinung, obwohl tief vergraben, entdeckt und mit seiner Wünschelrute erhebt“, vgl. ders., Politische Fastenpredigten während Deutschlands Marterwoche, 1817.
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IV. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates

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interpretations of the constitution, both to advance and defend their goals. Individual voters can also join in the interpretive process by taking the time before casting their ballots to leam about and judge the validity of specific items on candidates’ platforms.“ 773

Einige Beispiele außergerichtlicher Verfassungsinterpretation sollen die Geltungskraft dieser Aussage diesseits und jenseits des Atlantiks unterstreichen. 1861 setzte A. Lincoln einen Markstein interpretatorischer Tätigkeit außerhalb des obersten Gerichtshofs als er feststellte: „I hold, that in contemplation of universal law, and of the Constitution, the Union of these States is perpetual.“ 774 Diese Auslegung war freilich nicht vollends abwegig, allerdings zu jener Zeit weder offensichtlich noch unbedingt allerorts populär. Da das Verfassungsdokument Lincolns Sätze textlich nicht explizit zu stützen wußte, soll erneut die Präambel der Verfassung in Erinnerung gerufen werden, in der es unter anderem heißt „[...]in Order to form a more perfect Union[...]“. Es ist also weder von einer allein „perfect“ geschweige denn von einer „perpetual Union“ die Rede. 775 Das zweite Exempel mag ungewöhnlich erscheinen und doch ist es Abbild verfassungsinterpretatorischer Tätigkeit. Im Jahre 1936 wirkte die Mehrheit der amerikanischen Bevölkerung als „Verfassungsinterpret“ als sie entgegen massiver
773 W.F. Murphy, Constitutional Interpretation as Constitutional Creation, 1999 –2000 Harry Eckstein Lecture, Princeton 2000, www.democ.uci.edu/democ/papers/murphy.htm. Siehe auch W.F. Murphy / J.E. Fleming / S.A. Barber, American Constitutional Interpretation, 2 nd ed., 1995, Part III; W.F. Murphy, Who Shall Interpret the Constitution?, in: 48 Review of Politics, 1986, S. 401 ff.; ders., Constitutions, Constitutionalism, and Democracy, in: D. Greenberg / S.N. Katz / M.B. Oliviero / S.C. Wheatley (eds.), Constitutionalism and Democracy, 1993, S. 14 ff. jeweils mit weiteren Nachweisen. Entsprechend seines Einsatzes für eine „representative“ und gegen eine „constitutional democracy“ Demokratie tendiert etwa R.A. Dahl zu einer Interpretationsvorherrschaft der gewählten gesetzgebenden Körperschaft, die sich einer Prüfung lediglich durch die Wahlen auszusetzen habe. Ein richterliches Einschreiten wäre höchstens vertretbar, um einen reibungslosen Ablauf der Wahlprozesse zu gewährleisten „for an independent body to strike down laws that seriously damage rights and interests that[,] while not external to the democratic process[,] are demonstrably necessary to it would not seem to constitute a violation of the democratic process.“, vgl. ders., Democracy end Ist Critics, 1989, S. 191. Ähnlich M. Walzer, Philosophy and Democracy, in: 9 Political Theory (1981), S. 379 ff. 397: „The judges must hold themselves as closely as they can to the decisions of the democratic assembly, enforcing first of all the basic political rights that serve to sustain the character of the assembly and protecting its members from discriminatory legislation. They are not to enforce rights beyond these unless authorized to do so by a democratic decision.“ Eine solche Nähe der Richterschaft zu politischen Entscheidungen erleichtert jedoch in der Regel die Rechtfertigung jeglicher Interpretation der Verfassung, zu dieser Problematik umfassend J.H. Ely, Democracy & Distrust, 1980. 774 A. Lincoln, First Inaugural Address, in: R.P. Basler (Hrsg.), The Collected Works of Abraham Lincoln, Vol. IV 1953, S. 262 f. 775 Die folgenden vier Jahre Civil War und dessen Ergebnis straften Lincolns Interpretation – wenngleich bis heute patriotisch bejubelt – im Grunde Lügen. Die Nation, die letztlich aus diesem Konflikt erwuchs, wies auch erhebliche Unterschiede zu den (mehr oder weniger) „united states“ vor dem Bürgerkrieg auf.

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B. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung

höchstrichterlicher Ablehnung der „New Deal“-Gesetzgebung dem amtierenden Präsidenten F.D. Roosevelt mit einem Erdrutschsieg bei den Wahlen (46 von 48 Staaten Zustimmung) erneut ins Amt verhalf. Auch H. Kohls entschlossener Griff nach dem Stundenzeiger historischer Zeitenwenden im Jahre 1990 muss als bedeutender Beitrag zur Interpretation einer Verfassung erachtet werden. Die Entscheidung, die Wiedervereinigung und Aufnahme neuer Bundesländer unter die damalige Fassung von Artikel 23 GG zu legen, war ein interpretatorischer Vorgang, der es allen Beteiligten ermöglichte, annähernd ohne richterliche „Beaufsichtigung“ die Bedingungen der Wiedervereinigung zu verhandeln. Zudem blieb das Grundgesetz mit lediglich kleineren Modifikationen auch die Verfassung der vereinten Nation. Die zunächst plausibler erscheinende Interpretationsalternative, nämlich Artikel 146 GG a. F., hätte eine Volksabstimmung über eine neue Verfassung erfordert, die schließlich die Bedingungen für die Wiedervereinigung enthalten hätte. 776 Es ist also festzuhalten, dass zur Interpretation der Verfassung weder nur die Verfassungsgerichtsbarkeit berufen noch dieser die ausschließliche Wirkkraft einer Auslegung zuzuschreiben ist. Diese Beobachtung führt zurück zu der Forderung, Verfassungsinterpretation unter kulturhermeneutischen Vorzeichen zu betreiben. Das Verfassungsgericht ist ebenso wenig repräsentatives Spiegelbild einer gewachsenen Verfassungskultur wie der Verfassungstext selbst alleiniger Bezugspunkt verantwortlicher Interpretationstätigkeit sein kann. Das Zusammenspiel unterschiedlichster Auslegungskräfte und -intentionen aller am Verfassungsleben Beteiligten – ein „polyphones Konzert“ der Verfassungsinterpreten – findet eine gemeinsame Zielsetzung in der Harmonisierung der eigenen Wunschvorstellungen mit den Realitäten der bestehenden Kultur und gibt letzterer damit stets eine kleinere oder größere Neuausrichtung ihrer Prägung, je nachdem wer oder welche Institution(en) an der Interpretation beteiligt sind. Dennoch werden westliche Konstitutionalismen und – dem Prinzip des institutionellen Mimetismus folgend – auch ansatzweise nicht-westliche Verfassungsstaaten nun zunehmend von einer Institutionalisierung eines autoritativ gesteuerten und gesamtgesellschaftlich wirksamen hermeneutischen Prozesses der Verfassungskultur gekennzeichnet, was der vorangegangenen These der „offenen Gesellschaft der Verfassungsinterpreten“ nicht widerspricht, allerdings Zeugnis einer differieAus der überbordenden Literatur dazu etwa C. Tomuschat, Wege zur deutschen Einheit, in: VVDStRL 49 (1990), S. 39 ff.; das Sammelwerk von K. Stern (Hrsg.), Deutsche Wiedervereinigung, Bde., 1991; siehe auch L. Michael, Die Wiedervereinigung und die europäische Integration als Argumentationstopoi in der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts. Zur Bedeutung der Art. 23 S. 2 a. F. und 23 Abs. 1 S. 1 n. F. GG, in: AöR 124 (1999), S. 583 ff. Interessant ist diesbezüglich auch die Sichtweise aus dem amerikanischen Rechtskreis, vgl. nur P. Quint, The Constitutional Law of German Unification, in: 50 Md. L. Rev. (1991), S. 475 ff. und ders., The Imperfect Union: Constitutional Structures of German Unification, 1997.
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IV. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates

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renden Gewichtung unter den Verfassungsinterpreten ist. Die freilich unscharfe Kategorisierung in das Verfassungsleben mitformende „Prae-interpreten“ und die letztliche Verantwortung tragende „Final-interpreten“ (wie etwa US-Supreme Court, Bundesverfassungsgericht oder der französische Conseil Constitutionnel) soll eine kaum bestrittene Realität akzentuieren, die durchaus mit der Bezeichnung „Demokratisierung der Verfassungsinterpretation“ 777 belegt werden kann. Dass „Post-Interpreten“ (beispielsweise die Verfassungslehre aber auch jeder „Verfassungsanwender“) selbst wieder gleichzeitig „Prae-Interpreten“ sind, lässt ein Kuriosum offenkundig werden: Die Gestaltung und Fortentwicklung von Verfassungskultur basiert auf einem „Kreislauf“ der Verfassungsinterpreten. In den Vereinigten Staaten bringt vor allem der Supreme Court durch seine ständige Auslegung sowohl einzelner Verfassungsbestimmungen wie der Verfassung als Ganzes den Text der Verfassung in Übereinstimmung mit sozialen, wirtschaftlichen und gegebenenfalls ethischen Zeitumständen. 778 Dies geschieht auch unabhängig von Zeiten selbst verordneter politischer Zurückhaltung und bedeutet in der Konsequenz bei aller Diskussion um die „political question doctrine“ und „judicial restraint“ ein stetes, mehr oder weniger sanftes Einwirken auf politische Gegebenheiten. Auch wenn die Verfassungsinterpretation zweifellos der zentrale Baustein kreativer Verfassunggebung ist, so gründet sich letztere in den Vereinigten Staaten (wie auch anderswo) fraglos auf weiteren Faktoren. Zu nennen ist etwa die immer wieder modifizierte Handhabung verfassungsmäßiger Aufgaben durch oberste Verfassungsorgane wie Kongress und Präsident, aber auch die Verfassungsfortbildung in der Tradition der englischen „conventions“ durch ungeschriebene Verfassungsbräuche und -gewohnheiten, wodurch neben einer Ausfüllung der Lücken im knapp bemessenen Verfassungstext auch die Verfassungsbestimmungen selbst einem steten Wandel unterzogen werden. 779

777 So P. Häberle, Verfassungslehre als Kulturwissenschaft, 2. Auflage 1998, S. 230; siehe auch ders., Zeit und Verfassung, in: ZfP 21 (1974), S. 111ff, 118 ff. 778 Siehe hierzu und im folgenden auch K. Loewenstein, Verfassungsrecht und Verfassungspraxis in den Vereinigten Staaten, 1959, S. 36 f. 779 Als Beispiele der Lückenausfüllung sollen zum einen der Aufbau der Bundesgerichtsbarkeit durch die „judiciary acts“ dienen, da die Verfassung nur einen obersten Gerichtshof vorschreibt und die Schaffung von untergeordneten Gerichten dem Kongress überlässt (Artikel III § 1 der Bundesverfassung); darüberhinaus die Organisationshoheit für die Schaffung von Bundesbehörden, die allein dem Kongress zusteht; oder die Nachfolgeregelung, wenn sowohl Präsident als auch Vizepräsident an der Ausübung ihrer Ämter gehindert sind. Als ein bedeutendes Kapitel der Verfassunggebung durch den Kongress erwiesen sich die verfassungsrechtlich zugewiesenen Bundeszuständigkeiten. Berühmtheit erlangte dabei die Auslegung der sogenannten „commerce“-Klausel (Artikel I § 8 par. 3 der Bundesverfassung) seitens des Kongresses. Diese Klausel unterstellt den Handel der Bundeszuständigkeit, wobei der Kongress zu bestimmen hat, was letztlich unter Handel zu verstehen ist. Jeweils mit Zustimmung des Supreme Court dehnte der Kongress über Jahrzehnte den Begriff weit über die ursprüngliche enge Bedeutung des einfachen Wa-

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B. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung

Die folgende Betrachtung einzelner Gesichtspunkte der (richterlichen) Verfassungsinterpretation in den Vereinigten Staaten und später in der Europäischen Union versucht dem hohen Anspruch einer Berücksichtigung kultureller Prämissen zu folgen und legt seinen Schwerpunkt auf eine Untersuchung kreativer Verfassunggebung durch die obersten Gerichtshöfe. Diese Einführung sollte sich nur auf einen Anriss der genannten Vorfragen nach den Verfassungsinterpreten und der Beziehung von Verfassungsinterpretation zur Verfassungs-Kultur beschränken. Laut P. Häberle „färbt“ kultureller Wandel die Verfassungsinterpretation. 780 Diese Aussage lässt sich aufgrund des oben Gesagten freilich auch insoweit umdrehen als Verfassungsinterpretation seit jeher den kulturellen Wandel zu „färben“, jedenfalls zu beeinflussen verstanden hat. Das symbiotische Verhältnis von Verfassungsinterpretation und Verfassunggebung gilt letztlich auch für die europäische Ebene. Das oben aufgezeigte Verfassungsverständnis und der zugrunde zu legende „europäische Verfassungsbegriff“ lassen demzufolge die Übertragung einer Vielzahl der vorgenannten Überlegungen auf die europäische Rangstufe zu ( – mit Ausnahme der gänzlich „staatsfixierten“ Aspekte). 781

renaustausches aus. Heute umfaßt er alles, was mit zwischenstaatlichem Handel auch im entferntesten in Verbindung steht. Aus der in Artikel I § 8 par. 3 der Bundesverfassung vorgesehenen eigentlichen Zuständigkeit zur Kreditaufnahme („borrowing money“) leitete der Kongress die Regelung des gesamten Geld-, Bank-, und Börsenwesens ab. Eine Rechtsfigur, die später auch in den Europäischen Gemeinschaften eine gewichtige Rolle spielen sollte, nahm in den Vereinigten Staaten mittels der unterstellten Vollmachten des Kongresses ihren Anfang: die „implied powers“. Aber auch dem Präsidenten bzw. den zuständigen Departments kommt in der Verfassunggebung durch Zuhilfenahme der „implied powers“-Regel oder durch die selbständige Auslegung von Verfassungsbestimmungen im Rahmen der Amtsgeschäfte ein erhebliches Gewicht zu. Exemplarisch für die Verfassungsfortbildung durch ungeschriebene Verfassungsbräuche und –gewohnheiten seien genannt: der heutige Gebrauch des Präsidialvetos (dazu bereits: G.F. Milton, The Use of Presidential Powers 1789 –1943, 1944); die Rolle der Unterausschüsse im Kongress und der gewachsene Einfluss politischer Parteien auf Verfassungsorgane und Verfassungsentwicklung. 780 P. Häberle, Verfassungslehre als Kulturwissenschaft, 2. Auflage 1998, S. 226. 781 Zur Interpretation und insbeondere Verfassungsinterpretation (insb. durch den EuGH) im europäischen Kontext (P. Häberle, Europäische Verfassungslehre, 4. Aufl. 2006, S. 268 ff. spricht von einer „offenen Gesellschaft der Verfassungsinterpreten in Europa“): C. Buck, Über die Auslegungsmethoden des Gerichtshofs der Europäischen Gemeinschaften, 1998; J. Ukrow, Richterliche Rechtsfortbildung durch den EuGH, 1995; J. Anweiler, Die Auslegungsmethoden des Gerichtshofs der Europäischen Gemeinschaften, 1997; W. Dänzer-Vanotti, Der Europäische Gerichtshof zwischen Rechtsprechung und Rechtsetzung, in: O. Due u. a. (Hrsg.), Festschrift für U. Everling, 1995, Band 1, S. 205 ff.

IV. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates

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b) Der US-Supreme Court als ständiger Verfassungskonvent – die Wiege der Verfassungsgerichtsbarkeit Die amerikanische Verfassung ist oberflächlich zunächst lediglich eine Darstellungsform allgemeiner Prinzipien, aus denen sich wiederum im einzelnen Gesetze und Kodifizierungen herausgebildet haben. Der Erfolg dieses Dokuments, der sich im Besonderen durch den Erhalt der Fundamente amerikanischer Regierungsstrukturen bestätigt sieht, gründet sich vornehmlich auf dem Umstand, dass es im Anschluss an die Gründergeneration nachfolgenden Besetzungen von Kongress und Supreme Court 782 ermöglicht wurde, die Verfassung zu interpretieren oder sie gegebenenfalls den Anforderungen wechselnder Zeiten anzupassen. Der amerikanische Föderalismus 783 hat in Verbindung mit angelsächsischen Traditionen ein Rechtswesen geschaffen, das sich unter anderem durch zwei vertikale Gerichtssysteme auszeichnet- die Bundesjudikative als dreistufige Pyramide mit Distriktgerichten, Appellationsinstanzen und dem Supreme Court einerseits, das gleichfalls mehrstufige Gerichtswesen der Einzelstaaten andererseits. Dem Föderalismus ist auch der Ansatz geschuldet, dass der Zivil- und Strafrechtsbereich, von verfassungsmäßig festgelegten Ausnahmen abgesehen, der Souveränität der Einzelstaaten unterliegt. Dies trägt zu jenem charakteristischen Farbenreichtum der Rechtsauffassungen bei, der durch das angelsächsische Common Law noch begünstigt wird. aa) Die Geburtsstunde der Verfassungsgerichtsbarkeit – Marbury vs. Madison Heute erscheint selbstverständlich, dass im Rahmen „moderner Staatlichkeit“ die Bindung der Staatsgewalt an die Prinzipien Gewaltenteilung, Grundrechte der Bürger gegen den Staat und demokratische Mitwirkungsrechte durch die Gerichte, letztlich durch ein Verfassungsgericht, überprüft wird. So eindeutig war diese Fundierung des modernen demokratischen Rechtsstaats aber nicht, als der Supreme Court der Vereinigten Staaten 1803 den Rechtsstreit Marbury vs. Madison zu entscheiden hatte. 784 In diesem Fall entwarf der U.S. Supreme Court

782 Aus der deutschspr. Lit: W. Haller, Supreme Court und Politik in den USA, 1972; B. Maaßen, Der US-Supreme Court im gewaltenteilenden amerikanischen Rechtssystem (1787 –1972), 1977; W. Brugger, Verfassungsinterpretation in den Vereinigten Staaten von Amerika, in: JöR 42 (1994), S. 571 ff. Siehe auch (streitbar) M. Tushnet, Taking the Constitution away from the Courts, 1999; A.S. Miller, The Supreme Court. Myth and Reality, 1978; L. Tribe, Constitutional Choices, 1985; W.H. Rehnquist, The Supreme Court. How It Was – How It Is, 1987. 783 Hierzu ausführlich unter B.IV.3b)aa). 784 Vgl. Marbury v. Madison, 5 U.S. 137 (1803). Vgl. aus der deutschspr. Lit. auch U. Thiele, Verfassunggebende Volkssouveränität und Verfassungsgerichtsbarkeit. Die Po-

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B. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung

zum ersten Mal vier Kriterien, die im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts einen Siegeszug durch die westlichen Rechtsordnungen antreten sollten 785: − Verfassungen sollten schriftlich formuliert sein, um mehr Rechtssicherheit zu verbürgen als Gemeinschaften, deren politische Entscheidungsmechanismen auf Tradition und Übung beruhen. − Die Verfassung hat Vorrang gegenüber Legislative, Exekutive und Judikative. − Es ist Aufgabe der Gerichte, und letztlich des höchsten Gerichts, diese Verfassungsbindung zu überprüfen. − Verstößt ein Akt von Exekutive oder auch Legislative gegen die Verfassung, kann das höchste Gericht die Verfassungswidrigkeit aussprechen. Der Geburtsort, die Wiege der Verfassungsgerichtsbarkeit liegt in den Vereinigten Staaten von Amerika, ihre Geburtsstunde, die „Inthronisation“ 786 als „gleichberechtigter Hüter und Formgeber“ der Verfassung 787 also in der viel zitierten Entscheidung Marbury v. Madison. Bevor man sich jedoch dieser zuwendet, sollte erneut ein Blick auf die Unabhängigkeitserklärung von 1776 gewagt und dort ein gerne übersehener erster „Zeugungsakt“ für die spätere Verwirklichung verfassungsgerichtlicher Kontrolle in Augenschein genommen werden. Er findet sich nach der Aufzählung der unabänderlichen Rechte im ersten Teil der Erklärung:
„That to secure these rights, Governments are instituted among Men, deriving their just powers from the consent of the governed, – That whenever any Form of Government becomes destructive of these ends, it is the Right of People to alter or to abolish it, and to institute new Government, laying its foundation on such principles and organizing sition der Federalists im Fadenkreuz der zeitgenössischen Kritik, in: Der Staat 39 (2000), S. 397 ff. 785 Vgl. hierzu W. Brugger, Verfassungen im Vergleich: USA & Deutschland, in: Ruperto Carola – Forschungsmagazin der Universität Heidelberg, Heft 3/1994, S. 22 ff., 22. Im deutschen GG finden sich diese Leitlinien in den Artikeln 1, 20, 92 und 93. 786 So W. Brugger, Grundrechte und Verfassungsgerichtsbarkeit in den Vereinigten Staaten von Amerika, 1987, S. 5. 787 Vor allen Arten von „Hüterideologie“ warnt P. Häberle, da entgegen der oft zitierten These, der Staatspräsident oder das Verfassungsgericht seien „Hüter“ der Verfassung, der Schutz derselben gerade allen Bürgern und allen Staatsorganen gleichermaßen anvertraut sei. Zum anderen sei die Verfassung „öffentlicher Prozess“, was sich in der Bewahrung von Vorhandenem nicht erschöpfe, vgl. ders., Das Bundesverfassungsgericht als Muster einer selbständigen Verfassungsgerichtsbarkeit, in: P. Badura / H. Dreier (Hrsg.), Festschrift 50 Jahre Bundesverfassungsgericht, Bd. 1, S. 311 ff., 316. M.E. birgt die Bezeichnung des „Hütens“ jenseits aller ideologischen Anklänge allerdings auch die Verpflichtung zur Fortentwicklung, wenn man so will zur „Erziehung“ in sich und darf daher nicht lediglich als starres Bewahren verstanden werden, da ein verantwortungsvolles „Be-hüten“ nur in der Vermittlung einer Zukunftsperspektive aufgehen kann. Der gleichzeitige Hinweis auf den „gleichberechtigten Hüter“ nimmt darüberhinaus keinen am Verfassungsleben Beteiligten aus. Häberle, ebenda, mit Verweis auf die Verfassungen der Ukraine und Burundis, ist freilich zuzustimmen, dass es fehl geht, die Verfassungsgerichtsbarkeit als „authentischen“ Verfassungsinterpreten zu bezeichnen.

Concise Dictionary of American History. a. S.W. pursuing invariably the same Object. evinces a design to reduce them under absolute Despotism. S. 1983.. Artikel III § 2 par. 2 schließlich die Aufgaben des Supreme Court. it is their right. die der Kongress errichtet.“ 788 Die Betonung der „new Guards“. Fleiner-Gerster erkennt in seiner „Allgemeinen Staatslehre. dass es ein logisch unausweichliches Prinzip der Rechtsprechung sei. Gemäß Artikel III § 1 wird die Judikative der Vereinigten Staaten von einem obersten Gericht und denjenigen nachgeordneten Gerichten ausgeübt. Hamilton bemühte sich nun. Aufl. diesen Widerspruch durch eine eher metaphysische denn empirische Deutung des „Volkswillens“ zu zerstreuen. T. 279 f. 78. 789 So auch Fleiner-Gerster (1995). originären Gewalt.] But when a long train of abuses and usurpations. eröffnen die Kontrollmöglichkeiten einer eigenen. 264.IV.). [. allerdings mit richtigem Ergebnis. Hamilton im Federalist bereits ein Wesensmerkmal der künftigen Verfassungsgerichtsbarkeit hervorgehoben. 790 Im selben Artikel des Federalist betonte er außerdem die Existenz einer Rangordnung von Gesetzen und wies darauf hin. als er das Spannungsverhältnis von der gelegentlichen Rolle des Gerichts als politischer Entscheidungsträger zum Prinzip der demokratischen Volkssouveränität offenlegte. S. Daneben bestehen in den Einzelstaaten vollständige Gerichtssysteme. die auf verschiedener Stufe stehen. it is their duty. durch Bevorzugung des höherrangigen Gesetzes zu lösen. die den 788 Zitiert nach D. Die Verfassung von 1789 behandelt die Funktionen des Supreme Courts lediglich mit mageren Worten. lediglich temporär durch Wahlen ausgedrückten Volkswillen gegenüberstellte. von Locke geprägte Auffassung bildete auch die Grundlage für die Verwirklichung der Verfassungsgerichtsbarkeit“. die gelegentlich fälschlich in deutscher Übersetzung als „Regierung“ im Sinne von „Government“ gedeutet wurden 789. nämlich bei Beteiligung eines Mitgliedes des diplomatischen Corps oder eines Bundesstaates am Verfahren. 2. Artikel III § 2 par. 1 der Bundesverfassung regelt die Zuständigkeit der Bundesgerichte.“ bereits diesen ursprünglichen gedanklichen Zusammenhang: die „u. indem er die Verfassung als seine dauerhafte Artikulation und den Supreme Court als dessen Sprachrohr dem wankelmütigen. 790 Vgl.. 263 f. Voorhees (Hrsg. wonach dieser in erster Instanz („original jurisdiction“) nur in zwei Fällen zuständig ist. Hamilton im Federalist Nr. Ferner hat A. A. da die Richter – wenn auch (indirekt) durch politisch legitimierte Organe in ihr Amt berufen – für ihre Entscheidungen „dem Volk“ nicht direkt verantwortlich sind. to throw off such Government. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 273 its powers in such form. 1995. as to them shall seem most likely to effect their Safety and Happiness. . wie sie sich später in der Etablierung der Verfassungsgerichtsbarkeit einstellen sollten. and to provide new Guards for their future security. einen Widerspruch zwischen Gesetzen. wohingegen er als Rechtsmittelgericht („appellate jurisdiction“) grundsätzlich alle Fälle.

S. S. 793 Unter der Leitung von Chief Justice J. und in: 9 Michigan L.P.. 93 I Nr. 2. in denen Gerichte Gesetze. die den Supreme Court ermächtigen würde. Allerdings gab es bereits in den amerikanischen Kolonien und nach der Unabhängigkeit von England in Einzelstaaten Präzedenzfälle. vgl. C. 793 Dazu umfänglich D.. 795 Dazu u. Jahrhunderts befasste sich der Supreme Court in einigen grundlegenden Entscheidungen mit der Reichweite seiner eigenen Zuständigkeiten wie auch der anderer Verfassungsorgane. (1906). Madison. in: 69 Harvard L. aktuell sprach man wegen des seit 1986 (und bis 2006) amtierenden Chief Justice W. da das Gericht in der Auslegung einer „Charter“ oder Verfassung unvermeidlich und oft mit folgenschweren gesellschaftlichen Konsequenzen in die Rolle der Politik schlüpft. 791 Vergeblich sucht man hingegen eine ausdrückliche Regelung. in: 4 Michigan L. Anfang des 19. in: 9 Michigan L.. 283 ff. über die Auslegung der Verfassung und die Vereinbarkeit von nachrangigem Recht mit der Verfassung zu entscheiden. S. Rehnquist vom Rehnquist-Court. S. Currie. Frankfurter. Artikel III § 2 par. 794 In den Vereinigten Staaten ist es gängige Praxis. ders. Marshall-Court entschieden. sondern in der Regel zu Festlegungen. in welchen Fällen eine Verpflichtung des Supreme Courts zur Entscheidungsannahme und in welchen Fällen ein Annahmeermessen besteht. (1910). 1. die gegen königliche „Charters“ und später gegen die gliedstaatlichen Verfassungen verstießen. The Supreme Court and Unconstitutional Acts of Congress. John Marshall and the Judicial Function. insbesondere des Kongresses. 100 I GG. 2 S. Schon zu dieser Zeit entbrannte die bis heute gelegentlich erbittert geführte Debatte über die diesbezügliche gerichtliche Kompetenz.S.274 B. 795 Das tatsächlich einschneidendste Ereignis auf dem Entwicklungswege des Supreme Court in seiner Eigenschaft als oberstes Verfassungsgericht zu ei791 Jedoch ist der Kongress ermächtigt. insoweit Ausnahmen zu erklären und das Verfahren einer Regelung zu unterwerfen. The Constitution in the Supreme Court: The First Hundred Years 1789 –1888. 416 ff. 417. 616 ff. . (1911). 2 der Bundesverfassung. außer Kraft gesetzt hatten. F. Rev. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Bundesgerichten zugewiesen sind. Rev. 4b und Art. 4a. 792 Die Funktion der Normenkontrolle als Überprüfung von Gesetzgebung und exekutivem Handeln auf ihre Verfassungsmäßigkeit ist dem Supreme Court in der Verfassung nicht explizit zugewiesen. den Supreme Court begrifflich mit dem jeweiligen Chief Justice zu identifizieren. 792 Das deutsche Recht etwa gestattet dies dem Bundesverfassungsgericht in Art. Rev. S. Marbury v. Marshall 794 wurden bis heute tragende Weichen für die künftige methodische Ausrichtung zur Konkretisierung der Bundesverfassung gestellt. (1955). In der Praxis kam es aber nicht zu nennenswerten Einschränkungen der Zuständigkeit des Supreme Court. Madison wude vom sog. insbesondere wenn es um die historische Einordnung „bewegter“ gerichtlicher Zeiten geht. in: ZvglRWiss 88 (1989). siehe auch die einflussreichen Schriften von E. Rev. a.. Corwin: beispielsweise ders.. Verfassungsrechtsprechung des Supreme Court der USA: die Wurzeln des Prinzips des „judicial review“ in Marbury v. 102 ff. 61 ff. Egerer. 217 ff. in tatsächlicher wie rechtlicher Hinsicht überprüfen kann. 1985. S. The Establishment of Judicial Review.

ders. 1987. Im (Wahl-)Jahr 1912 empfahl Präsident T. Marshall getroffene Entscheidung in Marbury v. S..L.G. die ihm von der Verfassung ausdrücklich nicht zustanden. Entscheidungen des Supreme Court. (1914). (2001). Die Begründung aus der Feder J. Currie. The American Doctrine of Judicial Supremacy. 4 ff. Haines. Kramer. S. Corwin. S. Nelson. soll er hier nur kursorisch veranschaulicht werden. D. ein Gesetz des Kongresses – den „Judiciary Act“ von 1789 – für verfassungswidrig zu erklären. 797 Die Kritik an diesem Urteil ist seither nie gänzlich verstummt. Die Verfassung sei höchstes Recht. 418 ff. Die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika. da jener sich auf ein Gesetz berufen hatte. Madison and Judicial Review. Egerer (1989). S. S. 796 Mit dieser Entscheidung machte sich der Supreme Court de facto selbst zu einem Verfassungsgerichtshof und damit zur – gerichtlich – höchsten Autorität in Verfassungsfragen. S. 1997 sowie W.. 1974. 1921. Damit reklamierte der Supreme Court für sich das benannte Recht. Madison. Madison and the Construction of America. überwacht der Supreme Court also die Beachtung der verfassungsmäßiDa der Fall auch im deutschsprachigen Schrifttum eine umfängliche Darstellung erfahren hat. 15 ff. dazu K. Siehe auch L. 5 ff.P. A Critical Guide to Marbury v. Grundrechte und Verfassungsgerichtsbarkeit in den Vereinigten Staaten von Amerika. Jahrhundert. zum Urteil ausführlich etwa W. Marshalls muss neben ihrer inhaltlichen Bedeutung zu den wenigen Stücken weltweit gewichtiger Verfassungsliteratur gezählt werden. Marbury v. Der Supreme Court der Vereinigte Staaten von Amerika. Madison: The Origins and Legacy of Judicial Review. 685 ff. in: EuGRZ 1985. Rev. Gesetze auf ihre Vereinbarkeit mit der Verfassung zu überprüfen und im Falle ihrer Unvereinbarleit in concreto nicht anzuwenden. van Alstyne.J.. Der Supreme Court gab im Rechtsstreit Marburys Begehren nicht statt. Foreword: We the Court.. S. Stourzh. Madison and the Doctrine of Judicial Review. S. Rev. in welcher das Gericht für sich in Anspruch nahm. R.. Bereits im Jahre 1803 gab es Initiativen auf Einleitung eines Amtsenthebungsverfahren („impeachment“) gegen die Richter.W. zur historischen Einordnung vgl. aus jüngerer Zeit die umstrittenen Monographien von P.E. C. 2 nd ed. 686. 1989. Heller. 2. 17 ff. mit welchen ein gliedstaatliches Gesetz für nichtig erklärt wurde. Marbury v. der föderalen Struktur und den Grundrechten angelegte „Zwang“ zu Mäßigung und Ausgleich zu erfordern schien. John Marshall and the Constitution: A Chronicle of the Supreme Court. Brugger. Um das Prinzip der „checks and balances“ zu sichern. Marbury v.. Madison. 7 ff. einer Volksabstimmung zu unterziehen. Aus der Flut der amerikanischen Literatur: E. weil der Kongress darin dem Supreme Court Aufgaben zugewiesen hatte. Probleme eines Höchstgerichts.IV.S. 1988. Clinton. dem sich alles andere Recht unterzuordnen habe. ders. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 275 nem zentralen Organ der Integration und nationalen Vereinheitlichung war aber eben seine unter J. die ihm Madison auf Anordnung Jeffersons verweigert hatte. in: 12 Michigan L. in: 1969 Duke L.. Auflage 2001. Kahn.. 796 . 538 ff. das der Supreme letztlich für unvereinbar mit der Verfassung erklärte. das der zu dieser Zeit besonders im Dualismus von Kongress und Präsident. in: 115 Harvard L.W. Siehe auch W. Einführung in das öffentliche Recht der USA. 1 ff. G. vgl. 797 Diese Entscheidung war gewissermaßen auch eine Reaktion auf das Bedürfnis nach einem dritten.. die sich eine derartige Gewalt über die gesetzgebenden Organe anmaßten. zunächst nicht offen an der Macht beteiligten Staatsorgan. 1959. In der Streitsache ging es um die Zustellung der Ernennungsurkunde an Marbury zum „Justice of the Peace“.D. The Reign of Law: Marbury v. Vgl. C. Vom Widerstandsrecht zur Verfassungsgerichtsbarkeit: zum Problem der Verfassungswidrigkeit im 18. 2000.. Roosevelt.

hat sich der Supreme Court doch lediglich zwischen 1890 –1937 tatsächlich extensiv auf politischem Parkett bewegt. die Grundprinzipien der Verfassung seit Verabschiedung der Bundesverfassung in der politischen Überzeugung der amerikanischen Bevölkerung. Der in der Gesetzesanwendung geschulte Richter war und ist nun dazu berufen. De facto hat sich der Supreme Court diese Stellung aber judiziell „erarbeitet“. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung gen Funktionsverteilung zwischen Kongress und Präsident. 799 J. Marshall in Marbury v. Marshall wird gerne ein wenig pathetisch betrachtet. entscheidet Konflikte zwischen Bund und Gliedstaaten oder mehreren Gliedstaaten und garantiert in letzter Instanz den Freiheitsbereich des Einzelnen gegenüber der Staatsgewalt. der berühmte Vorsitzende auch schon gelegentlich als „zweiter Schöpfer der Verfassung bezeichnet“. dass der Supreme Court gerade in dieser Zeit durch richtungsweisende und schöpferische Ausübung seines originären und ausgeweiteten Entscheidungsrechts seine Vorrangstellung („judicial supremacy“) als Interpret und Gestalter der Verfassung begründete.und wirtschaftspolitischen Inhalts zurückwies und vor allem in den ersten Jahren des Roosevelt’schen New Deal sozialreformerische Initiativen des Staates zur Überwindung der Weltwirtschaftskrise blockierte. dass erst die frühe „Suprematie“ der richterlichen Gewalt die tatsächliche „Herrschaft der Verfassung“ zu verbürgen wußte. ebenda. 798 . nachdem über die Kernsubstanz. letztlich der gesamten „Verfassungsöffentlichkeit“ ein weitgehender. der Supreme Court sei lediglich gleichberechtigter Teil einer Verfassungsöffentlichkeit sowie einer „offenen Gesellschaft der Verfassungsinterpreten“. und die vorhandenen Möglichkeiten. Gleichwohl wird ein Idealzustand gelegentlich von den Realitäten hierarchisch gegliederter Gesellschaftsformen eingeholt. jedoch gerade im Hinblick auf die „checks and balances“ zuweilen sehr kritisch beurteilt. Gleichwohl scheint die Annahme einer „Judiziokratie“ übertrieben. um die „Suprematie“ etwa durch nachgeordnete Verfassunggebung seitens der anderen Gewalten oder durch die Insbesondere unter amerikanischen Sozialwissenschaftlern ist der Begriff „judicial supremacy“ von scharfen Debatten begleitet. Demzufolge kann die amerikanische „judicial supremacy“ 798 – als bislang fassbares „Endstadium“ vorgenannter Entwicklung – in hohem Maße der philosophischen und verfassungspolitischen Homogenität des Landes zugeschrieben werden. die als „supreme law of the land“ (Artikel VI § 2) absolute Wahrung ihres Vorrangs beansprucht. wobei letzteres sich aus der Bundesverfassung selbst ergibt. Es ist nicht allzu verwegen zu behaupten. Nicht umsonst ist bis heute der Ausspruch „the Court will decide“ gelebter Maßstab amerikanischer Verfassungspolitik. als er ca. Diese Bereiche des Verfassungsrechts waren justiziabel geworden. Dies widerspricht nicht der oben angestellten Betrachtung. Die Ära unter Chief Justice J. Gleichwohl ist nicht abzustreiten. „what the law is“ 799. oft bedingungsloser Grundkonsens geherrscht hatte. Madison. Er wird zwar größtenteils zu Recht als Faktum anerkannt.276 B. 35 Gesetze oder Präsidialakte sozial. als „gleichberechtigter Hüter der Verfassung“ zu entscheiden.

137 (1803). 804 Siehe E. 1987. against the wishes of legisla- Siehe oben B. Marbury v.S. vgl. 538 ff.. um höchstrichterliche Entscheidungen aufzuheben.. 683 (1974). S.S. ders. dass die Verfassung im Verhältnis zu allem sonstigen Recht höherrangig sei. Bickel.IV. schließlich die Erkenntnis. Dabei entpuppte sich das Instrument des „judicial review“. als elementarer Bestandteil amerikanischer Verfassunggebung. bb) Anmerkungen zum Wesen des „judicial review“ Der Supreme Court muss demzufolge auch zu den markantesten Faktoren des amerikanischen Verfassungs(fort)lebens gezählt werden. Während nämlich die rechtsschöpferischen Akte und Bemühungen nachgeordneter Gerichte von den zuständigen Legislativen durch einfaches Gesetz beseitigt werden können. v. Corwin enthält das Konzept des „judicial review“ drei Feststellungen: zum einen.. Grundrechte und Verfassungsgerichtsbarkeit in den Vereinigten Staaten. S. wurden in den Vereinigten Staaten höchst selten oder im Falle des Konvents noch nie ergriffen.. dass es lediglich vier Amendments bedurfte. „judicial review“ sei „[.S. 5 U.1.S.] the power to apply and construe the Constitution in matters of the greatest moment. zweitens. Unvergessen die Entscheidung U. 2. Brugger wird „judicial review“ – gerichtliche Überprüfung – in den Vereinigten Staaten üblicherweise im Sinn der (verfassungs-)gerichtlichen Kontrolle staatlicher Akte anhand der Verfassung verstanden.S. 801 800 .IV. 803 Laut W. 418 U. Corwin. Unabhängig von der „political questions doctrine“ hat sich der Supreme Court auch nicht gescheut. Was ist aber nun das Wesen des „judicial review“? 803 Nach E. Madison and the Doctrine of Judicial Review. Rev. So betonte auch A. die Machtposition gegenüber Hoheitsakten der Exekutive 801 sowie – praeter constitutionem – der Legislative des Bundes 802 und der Einzelstaaten. in Rechtsfragen von erheblicher Bedeutung gegen politische Organe zu entscheiden. dass die rechtsprechende Gewalt die Zuständigkeit zur Auslegung der Verfassung und zu deren Anwendung auf Rechtstreitigkeiten umfasse. Madison. die Verfassung gerade in wesentlichen Fragestellungen gegen den Willen der parlamentarischen Mehrheit auszulegen und diese Interpretationen auch durchzusetzen. Nixon. 1 Fn. durch die Präsident Nixon während der Watergate-Affäre zur Herausgabe von 64 Tonbändern aufgefordert wurde. 804 Dadurch erlangt das Mittel des „judicial review“ noch eine weitere Dimension. in: 12 Michigan L. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 277 Bevölkerung (constitutional convention) zu entwerten. (1914). die Auslegungen des Gerichts seien geltendes Recht und bindend auch für die anderen Gewalten. beinhaltet „judicial review“ die Befugnis. ist bei einer Betrachtung der Flut verfassungserheblicher Entscheidungen des Supreme Courts jedoch wiederum verschwindend gering. Im Kontext des Amendment-Verfahrens wurde bereits angesprochen.a). 800 Dies erscheint angesichts der geringen Anzahl an Amendments zunächst viel. 552. 802 Vgl. Marbury v.

dass Bickel dem zugrunde liegenden Urteil Marbury v. Verfassungsorganen verselbständigte Institution mit bestimmten Kompetenzen bzw.278 B. 257 (1821). 19 U. (6 Wheat. würde es Kredit verspielen und als Kontrollorgan unbrauchbar.. 809 Marbury v. 14 U. powerless to affect the judicial decision“ 805. Ed.-O. Hunter’s Lessee. 3 L. Diesen Zusammenhang erkennt auch B. in turn. Martin v.S. „Die geniale Art und Weise. Madison „zementierte“ den Gedanken der selbständigen Verfassungsgerichtsbarkeit. Gesetze für nichtig („void“) zu erklären. Bickel in seinem berühmten und umstrittenen Werk „The Least Dangerous Branch“. 805 A. Der Supreme Court ergriff anläßlich dreier weiterer Fälle früh die Gelegenheit. Durch ein Infragestellen der grundsätzlichen Möglichkeit einer rechtlichen Lösung des Konflikts. gegenüber anderen Staats-. 806 Schließlich wurde mit der Etablierung des „judicial review“ durch Marbury v. dass Gerichte befugt seien. 807 Vgl. 97 (1816). bzw. Folke Schuppert / K. 1962. 1999. Madison die Grundlage für das richterliche Prüfungsrecht gelegt hat. Bryde.S. dass Jefferson die inhärente Schwäche jeden Gerichts gegenüber dem Machthaber nicht durch schlichtes Ignorieren des Urteils aufzeigen konnte.) 264. die sich nicht gegen die These von der Rangordnung der Gesetze richtet. S. 807 Eine offene Konfrontation mit mächtigen politischen Akteuren könne es in einer noch ungeklärten Lage kaum gewinnen.“ 808 Es ist Bryde zuzustimmen. 16. um das richterliche Prüfungsrecht auch gegen etwaige populistische Einwirkungen abzusichern. Bryde. Bickels Beanstandung kann allerdings nicht überzeugen. wenn er den „Einfluß.)... J. Bickel (1962). Hesse / G. selten beachteter Gesichtspunkt verfassungsgerichtlicher Einflussnahme ins Spiel gebracht. Judicial Review in Comparative Law. B. Das Zitat soll allerdings nicht darüber hinwegtäuschen. ist bis heute das klassische Beispiel solcher richterlichen Verfassungspolitik. da seine Alternativen nicht rechtlicher. Zeige es hingegen zu viel Zurückhaltung. sondern durchweg politischer Natur sind. . Ein Konflikt zwischen Verfassung und einfachem Gesetz könne ebensogut durch die Gesetzgebung selbst. S. sondern gegen die scheinbar logische Schlußfolgerung. den Grundsatz des „judicial review“ auch auf die Einzelstaaten anzuwenden und diesbezüglich auszudehnen. 197 ff.] gewinnt [. 806 Siehe Fletcher v.] auch von seinem eigenen strategischen Verhalten“ abhängig macht. (1 Wheat. Die Rolle der Verfassungsgerichtsbarkeit in Umbruchsituationen. in der Marshall in Marbury v. Marshall scharfe Kritik entgegenbringt. 809 Zum Instrument des „judicial review“ aus rechtsvergleichender Perspektive: A. in: J. Bryde.S.-O. Ed. 4 L. Marshalls Entscheidung war nämlich gleichzeitig mit einer ausgeklügelten politischen Strategie unterlegt. Madison und der Begründungsarbeit von J.J. Verfassungsrecht und -politik in Umbruchsituationen. dass alle erfolgreichen Verfassungsgerichte späterer Epochen von diesem Beispiel profitiert haben. 199. ebenda. Funktionen“ 810 voraussetzt. nämlich so. Brewer-Casrias. S. 1989. 5 L. Harms (Hrsg. den Präsidenten und schließlich durch das Volk bei Wahlen gelöst werden... Ed. vgl. which is. den ein Gericht [. zieht man im selben Atemzuge auch den Stufenbau der Rechtsordnung als logisches Grundprinzip in Zweifel. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung tive majority. 808 B.-O. (6 Cranch) 87.) 304. Madison ein weiterer. die begrifflich eine „unabhängige. 162 (1810). Peck 10 U. 1 ff.

soll lediglich eine Auswahl vorgenommen werden. Badura / H. Jellinek. deren Beitrag zu den großen Linien gesellschaftlicher Entwicklungen möglicherweise lediglich marginal ist. vorantreibendes Verhalten bis zu gelegentlich hemmenden Aktionen gegenüber gesellschaftlichen Strukturveränderungen. Der Gerichtshof bekleidete dabei unterschiedliche Rollen – von einem eher ruhigen.IV. dazu wegweisend G. Ein Verfassungsgerichtshof für Österreich. 313 f. über ein forderndes. (1) Momentaufnahmen einer Verfassungsgerichtshistorie Im Anschluss an 1789 bildete der alles überlagernde Gedanken einer „Stärkung der Union“ eine erste Phase. Ohne den im einzelnen sicher notwendigen Blick auf ausgewählte wichtige Abschnitte zu verlieren.)..I. in: VVDStRL 5 (1929). bevor in einem dritten bis heute reichenden Abschnitt ein verstärkter Schutz individueller Rechte und die Herstellung von Rechtsgleichheit in den Vordergrund rückte. 30 ff. 811 Freilich ließen sich die strukturellen Neuerungen in immer kleinere. S. 810 . so lassen sich diese als langfristige Entwicklungskonstanten (nicht So P. Das Bundesverfassungsgericht als Muster einer selbständigen Verfassungsgerichtsbarkeit. Daran knüpfte sich der Zeitraum. die dieser gröberen Einteilung untergeordnet sind. Häberle. mit allen Verästelungen und etwaigen Sackgassen. etwa ders. In Europa begründeten dieses Konzept freilich zunächst Österreich (1867 – auf der Grundlage des Bundesverfassungsgesetzes 1920 wieder aufgelebt. Betrachtet man darüberhinaus die beiden Begriffe „Zentralisierung“ und „Demokratisierung“ nicht grundsätzlich als unvereinbar und als in der Kombination widersprüchlich. spürbaren Struktur und Wirkung der amerikanischen Verfassung zur Folge.7. in: P. 811 Siehe oben B. vertiefend die Ideen H. Wesen und Entwicklung der Staatsgerichtsbarkeit. kürzere Abschnitte unterteilen ohne unbedingt die Berechtigung bedeutender Perioden zu verlieren. Dreier (Hrsg. Damit soll auch der Versuch einer Antwort auf das oben beschriebene Problem des „Wendengeflechts“ gegeben werden.. die sich im selben Atemzuge durch jeweils grundlegende Richtungen richterlicher Verfassungsinterpretation auszeichnen. 1885) bzw. der den Schutz des „laissez-faire“-Systems und privatwirtschaftlicher Interessen gegen staatliche Interventionen zum wesensbildenden Merkmal hatte. begleitenden Auftreten. Das Wirken des Supreme Court kann dabei in drei größere Phasen unterteilt werden. Gleichwohl birgt eine solche Unter-Gliederung stets die Gefahr einer banalen Aufzählung schlichter historischer Daten. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 279 cc) Der Supreme Court als erheblicher Bestandteil von Rezeption und Bestätigung gesellschaftlichen Wandels Tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen in Amerika hatten von Beginn an auch Modifikationen in der durch den Supreme Court geprägten. Kelsens (vgl. 311 ff. 2001. S. Festschrift 50 Jahre Bundesverfassungsgericht. sondern eher zueinander in einem dialektischen Bezug und Spannungsververhältnis stehend.

den Respekt vor der Rechtsprechung mit wenigen Ausnahmen grundsätzlich zu wahren. dass es dem Supreme Court in mehr als 200 Jahren bis heute gelungen ist. but the Constitution is what the judges say it is. Sie beruht einzig und allein in der gesellschaftlichen Anerkennung der Funktionen des obersten Gerichtes. Die „Demokratisierung“ bezieht sich in diesem Kontext primär auf die amerikanische Bundesverfassung und muss im Zusammenspiel mit der ebenso erfolgten „Liberalisierung“ derselben gesehen werden.IV. Die Autorität der höchsten Gerichtsbarkeit ist nicht mit der anderer Verfassungsorgane. Madison dem Supreme Court. 1986. C. S. Lockhart u. die ihre Entscheidungen auch mit anderen Mitteln (als ultima (ir)ratio sei nur an die Heranziehung des Heeres gedacht) gegebenenfalls durchsetzen können. Unter den amerikanischen Verfassungsorganen wirkt er einzig unmittelbar sowohl auf Bundesrecht wie auch auf die den Gliedstaaten vorbehaltenen Bereiche der Rechtsetzung ein. Aus einer Rede von C. dass die Entscheidungen des Gerichts ausschließich in dem schwerfälligen AmendmentVerfahren außer Kraft gesetzt werden können. hat sich der Supreme Court eine Stellung von einzigartigem Einfluss auf gesellschaftliche wie politische Verhältnisse geschaffen. Nachdem der nahezu ehern entwickelte Grundsatz des „judicial review“ im Zusammenspiel und in annähernder Kongruenz mit dem Begriff der „judicial supremacy“ letztlich dazu führt. den der Gerichtshof in seiner bewegten Geschichte gründlich (aus)genutzt hat. Das mag banal klingen. ist jedoch angesichts vehementer Gerichtsschelte in anderen Verfassungsstaaten (mit kürzerer Verfassungsgeschichte) alles andere als eine Selbstverständlichkeit.2b)cc)(2).280 B. zitiert nach N. hat es dem Supreme Court ermöglicht. etwa des Parlaments oder der Regierung.E. 813 812 .“ 813 Wie bereits dargestellt ermöglichte es Marbury v. Kongress und Regierungen anhand konkreter Rechtsstreitigkeiten zu überprüfen und gegebenenDazu unten B. Ein Umstand. Hughes wußte diese Gegebenheit mit leicht resignativem Unterton zu kommentieren: „We are under a Constitution. Seine Stellung als letzte und damit allgemein verbindliche Interpretationsinstanz für die Verfassung. a.E. Madison beruht.. Hughes. in praktisch alle Lebensbereiche einzuwirken. 1907. 8. eine Position die auf Marbury v. vergleichbar. Cases-Comments-Questions. Ein wesentlicher Gesichtspunkt für die Begründung dieses Umstandes ist freilich der noch zu diskutierende Schutz der Rechtsprechung vor Missbrauch für politische Zwecke 812 – und sei es nur in der öffentlichen Wahrnehmung. Hierbei ist in einer ersten oberflächlichen Definition unter „Zentralisierung“ im Wesentlichen die Stärkung der Stellung der Bundesorgane gegenüber den Einzelstaaten zu verstehen. Es ist höchst anerkennenswert. Constitutional Law. Gesetze und Verwaltungsakte von gliedstaatlichen Parlamenten. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung ohne gelegentliche Gegenbewegungen) konstatieren.

) 304 (1816). let it be within the scope of the constitution. which are plainly adapted to that end. which are not prohibited. (9 Wheat. (4 Wheat. I § 8 der Bundesverfassung. 817 22 U. um die Befugnisse von Bundesregierung und Gliedstaaten gegeneinander abzugrenzen und um das Privateigentum vor unangemessenen Eingriffen der Einzelstaaten als auch des Bundes zu schützen. 421.“ 816 Bis heute beansprucht diese Interpretation Geltung für die Beurteilung der Grenzen der Bundesgesetzgebungskompetenz. Der Supreme Court erklärte hierin die Besteuerung einer Bundesbank (Second Bank of the United States) durch den Staat Maryland mit dem Ziel.S. die von einem Ringen um die Determinierung der Bundeskompetenzen und der Grenzziehung zu den Kompetenzen der Gliedstaaten geprägt waren. and all means which are appropriate. in Artikel I § 8 der Bundesverfassung genannten Gegenstände der Bundesgesetzgebung zu erweitern. 14 U. Maryland aus dem Jahre 1819 wird die Tendenz des Supreme Courts deutlich.S. Bereits damals stützte sich der Supreme Court auf eine überaus extensive (und in der Zwischenzeit völlig konturlose) Auslegung der „interstate commerce-clause“ in Art.) 1 (1824). Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 281 falls für verfassungswidrig zu erklären. In die Amtszeit J. are constitutional. ebenda. 816 McCulloch v. Mit Martin v. Vgl. Hiervon machte der oberste Gerichtshof anfangs über lange Jahr nur in begrenztem Ausmaße Gebrauch. (1 Wheat. Die zunächst unaufhaltsam scheinende Expansion reglementierender Bundesgewalt gegenüber den Gliedstaaten wird durch die Entscheidung Gibbons v. Marshalls: „Let the end be legitimate. Maryland. Ogden 817 ausgelöst. die sich mit dem Verhältnis des Bundes zu den einzelnen Staaten auseinandersetzten. but consist with the letter and spirit of the constitution.IV. Marshalls (bis 1835) fielen jedoch auch die bis heute wegweisenden Fälle. seine Kompetenzen gegenüber den weiteren Trägern der Staatsgewalt zu bestimmen und letztlich zu festigen. McCulloch v. Hunter’s Lessee 814 dehnte der Supreme Court seine Entscheidungskompetenz auch auf Akte von Einzelstaaten aus. die jeweiligen Kompetenzen des Kongresses trügen gleichzeitig die Befugnis in sich. Bedeutsam für die Entwicklung einer Methodik der amerikanischen Verfassungsinterpretation wurden dabei die folgenden Worte J. Beide genannten Entscheidungen sind deutliche Beispiele für das anfängliche Bemühen des Supreme Courts.S. deren Filiale in Maryland zu schließen. S. 17 U. für verfassungswidrig. 815 Der Supreme Court stellte in der Begründung die in Artikel I § 8 aufgeführte „necessary and proper“-Klausel mit dem Hinweis heraus. die ursprünglich limitierten. alle zu ihrer Umsetzung notwendigen und angemessenen Gesetze zu erlassen. 815 814 . Maryland. In der Entscheidung McCulloch v.) 316 (1819).

(19 How. Siehe nur L. die Kirche. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung 1857 traf der Oberste Gerichtshof mit Dred Scott v. 24 mit einer breiten Darstelung der Entscheidung und des Sachverhaltes. Namens der Mehrheit des Gerichts verkündete Chief Justice Taney. Hall / J. 24 f. American Constitutional Law. Wiecek in: K. W. das als „prononcierteste Frühentscheidung des Supreme Court zur Sklaverei ein bis zum heutigen Tage nicht völlig überwundenes Problem der amerikanischen Gesellschaft [markiert] und [. S.. Grossman / W. politische Kultur und ihre Grundwerte.W. 3 rd ed.. Die Ansichten über zivilisiertes Verhalten.“ 820 C. Das gelte für den Missouri-Kompromiss und implizit ebenso für den Kompromiss von 1850 und das Kansas-Nebraska-Gesetz von 1854. die Wirtschaft und die allgemeinen Wertvorstellungen ging.. das dem besonderen Schutz der Verfassung unterliege. fanden keinen gemeinsamen Nenner mehr.“ 820 Der Fall hatte die Frage zum Inhalt. S. so dass alle Gesetze. Lincolns im Jahre 1860 finden lassen sollte. Dred Scott verstärkte einen bereits im Ansatz deutlich erkennbaren Riss. The Oxford companion to the Supreme Court of the United States. es fehlte lediglich noch der Anlass. neben ihrer Einordnung als erheblicher Bestandteil von Rezeption und Bestätigung gesellschaftlichen Wandels auch stets die latente Gefahr inne. Andererseits ist es auch der Dred Scott-Entscheidung mit zuzuschreiben. Auslöser gesellschaftlicher Brüche oder wenigstens „Wenden“ im bereits genannten Sinne zu sein.. Rau. selbst Sklavenhalter aus Maryland. 60 U. S. Sklaven seien Eigentum.B. wie bereits dieses Beispiel anschaulich darlegt.H. 1996. Verfassungsgerichten wohnt also. dass Schwarze keine Bürger der Vereinigten Staaten seien und folglich kein Klagerecht hätten.. Tribe. ob ein Sklave durch den Aufenthalt in einem fremden Staat oder Territorium seine Freiheit erlangt hätte. denn selbst eine Berufung auf die Volkssouveränität könne den übergeordneten Schutz des Eigentums nicht außer Kraft setzen.. 549: „[. 380: „[. Sandford 818 eine Entscheidung.. Der Boden für eine gewaltsame Lösung war bereitet.] the greatest disaster the Supreme Court has ever inflicted on the nation. Wiecek (eds. die den Bürger um sein verbrieftes Eigentumsrecht brächten. was Recht und Unrecht war..] Zeugnis von einem Geburtsfehler des amerikanischen Verfassungsstaates ab[legt].) 393 (1857). a. Bis heute wird Dred Scott als eines der verheerendsten und juristisch selbstherrlichsten Urteile in der amerikanischen Verfassungsgeschichte erachtet 819. die Parteien.282 B. Selbst entwickelte Grenzen in der Rechtsprechung des United States Supreme Court und des Bundesverfassungsgerichts.] infamous decision [. der durch die gesamte amerikanische Gesellschaft.. die ihm geballte. ja über das. null und nichtig seien.]“. O. 2000. Damit hatte Taney den Verfassungskonsens im Sinne der Sklavenhalter pervertiert. 1992. S. der sich schließlich in der Präsidentenwahl A. 819 818 . Ely / J. aus den Reihen der Nordstaaten wütende Entrüstung entgegenbrachte und die einen nicht unerheblichen Beitrag zum später folgenden Bürgerkrieg zu leisten wußte.] often recalled for its politically disastrous dictum [.).. a..S.

. Allerdings begann der Supreme Court im 20. im Besonderen durch seine Entscheidungen in Grundrechtsfragen. 822 71 U. Johnson 822 einstimmig das Klagebegehren. die Verfassung und das politische System fortzuentwickeln und den Alltag der Bürger zunehmend mitzubestimmen. mit der Feststellung zurück. Gewissens.IV. Eine vergleichbare Zurückhaltung offenbarte der Supreme Court in Ex parte McCardle 823. Anschließend wies Chief Justice Chase die Klage wegen fehlender Zuständigkeit des Supreme Court ab. dessen Zusammenhalt unter der Bedrohung einer Sezession der Südstaaten stand. 1998. Jahrhundert immer deutlicher. Amendments sowie die Garantie eines fairen Prozesses für den Angeklagten. Die Richter entschlossen sich nach der mündlichen Verhandlung im März 1868 mehrheitlich für eine Verzögerung der Entscheidung bis der Kongress die die Zuständigkeit des Gerichts begründende Norm außer Kraft gesetzt hatte. alle in den Vereinigten Staaten geborenen Menschen als Bürger eingestuft und das Wahlrecht ausgeweitet.und Religionsfreiheit. gegen das beispielsweise die von Einzelstaaten angeordneten Verbote von Verhütungsmitteln und Abtreibungen verstießen. Es folgten das Verbot der Rassentrennung und der Diskriminierung von Minderheiten auf der Grundlage des 14. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 283 dass nach dem Bürgerkrieg die Verfassung um die schon benannten Amendments 13 und 14 ergänzt wurde. 475 (1867). 823 74 U. 68 f. S. 821 Als „reconstruction“ wird die mit dem Ende des Bürgerkrieges beginnende und etwa ein Jahrzehnt dauernde Periode des „Wiederaufbaus“ des amerikanischen Bundesstaates bezeichnet. Einführung in die amerikanische Geschichte. 824 Hierunter fiel anfangs vor allem die relativ weite Auslegung der Meinungs-. Die Phase fand ihre gesetzgeberische Unterlegung insbesondere mit den „reconstruction amendments“ (13 –15) zur amerikanischen Verfassung und mit dem „reconstruction act“ aus dem Jahre 1867. In dieser Entscheidung hatte der Gerichtshof als Rechtsmittelinstanz über die Verfassungsmäßigkeit des Reconstruction Act zu urteilen. Erwähnung verdient auch das in der Verfassung nicht ausdrücklich erwähnte Recht auf eine Privatsphäre. Der gegen das präsidentielle Veto verabschiedete „reconstruction act“ verlieh den Südstaatenregierungen einen lediglich provisorischen Status und stellte sie bis zur Verabschiedung von Einzelstaatsverfassungen und Durchführung von Neuwahlen unter militärische Kontrolle. 821 So wies der Gerichtshof in Mississippi v. dem Präsidenten die Anwendung des „reconstruction act“ zu untersagen.S. das Gericht könne den Präsidenten nicht an einer Anwendung eines angeblich verfassungswidrigen Gesetzes hindern. Heideking. Mit den Amendments wurde unter anderem die Sklaverei abgeschafft. 824 Aus der deutschen Literatur J. die tief in das gesamte Polizei und Justizwesen eingriff. die ihre Verankerung im ersten Amendment findet und die nunmehr nicht nur gegen Einschränkungsversuche der Bundesregierung sondern auch der Gliedstaaten behauptet wurde.S. Das zweifellos beschädigte Vertrauen in die Rechtsprechung des Supreme Court konnte dieser durch gezielt eingesetzte Zurückhaltung in einigen prekären Entscheidung während der „reconstruction era“ genannten Phase wieder verbessern. womit Dred Scott letztlich ad absurdum geführt wurde. 506 (1869).

die im Verfassungskontext als „Funktionen“ zu betrachten sind. Board of Education 825). Die Judikatur des Supreme Court bietet auch dafür zahlreiche Beispiele. Badura / H. Diesem Aspekt könnte auch eine Zuordnung der drei letzten genannten Verfassungsfunktionen unterworfen werden. 311 ff.J. dass die Tatsache der Rassentrennung (Segregation) mit diesem Grundsatz vereinbar sei.Aufgaben“ zu. Zur Rolle des Rechts in staatlichen Transformationsprozessen in Europa. eine „Schutzaufgabe durch Machtbegrenzung“ oder eine „Integrationsaufgabe“ zuweisen? Andere „Funktionen“ der Verfassung lassen sich wohl schwieriger direkt in eine „Aufgabe“ übertragen (etwa die der als „rechtliche Grundordnung“ oder die „programmatische Funktion – Verfassung als ‚Verhaltensentwurf‘“ und die „Legitimationsfunktion“). Wieso sollte man der Verfassungsgerichtsbarkeit also nicht auch die Aufgabe der „Bestandssicherung für Verfassungsnormen als ranghöchste Normen“. Geändert hatten sich Gesellschaft und gesellschaftliches Bewusstsein. S. dass die Segregation der Verfassung widerspreche und deshalb aufzuheben sei. in: J. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Jede Interpretation der Verfassung ist aber in der Umkehrung auch abhängig von gesellschaftlichen Bedingungen. 2001. 1999. Hesse / G. Häberle der Begriff der „rationalen Rechtsprechungstätigkeit“. so muss das oberste Rechtsprechungsorgan (auch unter gelegentlichem „Bewahren“) zwangsläufig ein „Bewähren“ aller Verfassungsfunktionen gewährleisten. So interpretierte der Supreme Court bis 1954 die Verfassung der USA und das darin verankerte Prinzip der Gleichheit aller Menschen so. Dort fand sich unter Berufung auf P. 66 ff. Häberle. Schulze-Fielitz. Harms (Hrsg. Wenn man nämlich Verfassungsgerichtsbarkeit unter dem Lichte des „Bewährens der Verfassung“ betrachtet. S. 827 Siehe auch P. Dieser einschneidende Wandel geschah mit Berufung auf die Verfassung – aber ohne. Das Bundesverfassungsgericht als Muster einer selbständigen Verfassungsgerichtsbarkeit. Im übrigen können sich im Zusammenhang der Rolle der Verfassungsgerichtsbarkeit im Prozess des gesellschaftlichen Wandels durchaus Ähnlichkeiten.). wobei es nach diesem dabei auch um eine „Tätigkeit im Dienste der ‚Bewährung‘ nicht bloßer ‚Bewahrung‘ der Verfassung“ geht. Festschrift 50 Jahre Bundesverfassungsgericht. eine Verfassung zu lesen. 316 ff. Schuppert / K. dass sich diese geändert hätte. 826 825 .F. so fallen der Verfassungsgerichtsbarkeit einige „. Diese muss in Verbindung mit realer Politik gebracht werden. Dreier (Hrsg.. Dazu eingehend und in einer allgemeinen Darstellung etwa H. wenn nicht sogar Überschneidungen zu den Funktionen der Verfassung 826 ergeben. 347 US 483 (1954). genügt es daher nicht. Verfassungsrecht und Verfassungspolitik in Umbruchsituationen. Die deutsche Wiedervereinigung und das Grundgesetz. die einem steten Wandel unterworfen sind.. Wagt man den Schritt von der „Funktion“ zur „Aufgabe“. Es soll jedoch an die oben bereits genannten „typischen Elemente selbständiger Verfassungsgerichtsbarkeit“ 827 und „Funktionen der Verfassungsgerichtsbarkeit“ erinnert werden.). 65 ff. Um den politischen Wandel zu verstehen. 1954 urteilte eben dieser Gerichtshof in seiner wegweisenden Entscheidung (Brown vs.284 B. in: P.

Kriele. Der Gedanke zur Entpolitisierung der Entscheidungen wird jedoch prinzipiell nicht für abwegig gehalten. S. dass zwar trennscharf bei einer Darstellung der Prinzipien und Funktionen der einzelnen Teilbereiche (wie „Verfassung“. die von erheblichen politischem Einschlag sind. Dennoch sind es nur wenige Stimmen in der Literatur. in: ZRP 1977. Selbst entwickelte Grenzen in der Rechtsprechung des United States Supreme Court und des BVerfG.). K. C. lautet. dass die Richter des Bundesverfassungsgerichtes zwar unparteiisch. 1996. 177 ff. 777 ff. S. in: NJW 1976. insbesondere aber auch gegen die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichtes erhoben wird. 175. gleichwohl jedoch mit einer Rückbesinnung auf die inneren Abhängigkeiten dieser Bereiche auch die Überschneidungen. in Hinblick auf die Ablehnung von Entscheidungen mit hohen politischen Wert durch das Bundesverfassungsgericht. S. die eine Anwendung der Doktrin für möglich halten. Dass ihre Entscheidungen durch die massive Beeinflussung im Zuge der juristischen Argumentation an politischer Macht verlieren. 2. Die überwiegende Literatur hält diese Doktrin für unvereinbar mit der Verfassung der Bundesrepublik und lehnt ihre Anwendung durch das Bundesverfassungsgericht ab (S. aber nicht neutral bleiben sollten (dazu M. vgl. gelegentlich die Kongruenz gewisser Axiome im Blick zu behalten sind. Unvereinbarkeitserklärung statt Normkassation durch das Bundesverfassungsgericht. Bundesverfassungsgericht und Gesetzgeber. Benda. der gegen die Verfassungsgerichtsbarkeit im Allgemeinen.. S. einmal im Zusammenhang mit den „geheimen“ Wahlen und dem enormen politischen Einfluss durch die politische Nominierung und des weiteren aus der politischen Entscheidungskraft der einzelnen Richter. EuGH. (2) Der Verfassungsrichter zwischen Recht und Politik – Anmerkungen zur „political question doctrine“ Nachdem nahezu jeder gesellschaftliche Konflikt als Freiheits. darf die Frage aufgeworfen werden. 1996. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 285 Ein deutliches Beispiel. S. E. 1998. EuGH. ob Verfassungsgerichte in jedem dieser Konflikte das letzte Wort haben sollen. ja .. 11. wird sogar durch Misstrauensverfahren nachgewiesen (vgl.). 1 ff. Die Literatur versucht eine Trennung von Unparteilichkeit und Neutralität anzustellen und dabei wird klar. u. etwa C. Landfried. Blüggel. über das die Verfassungsrichter genauso unterschiedliche Ansichten vertreten wie Bürger und Politiker? Die herrschende.. 4. Die Problematik ergibt sich aus den Kompetenzen des Bundesverfassungsgerichtes. a.IV. „Verfassungsgerichtsbarkeit“ oder „Verfassungsinterpretation“) vorzugehen ist. Das Bundesverfassungsgericht im Spannungsfeld von Recht und Politik. Die Diskussion über die Möglichkeiten und Grenzen der Verfassungsgerichtsbarkeit gegenüber anderen Verfassungsorganen wird auch in Deutschland oft unter dem Stichwort der political question doctrine geführt. Rau. das über Fragestellungen zu entscheiden hat. Aufl.und Gleichheitsproblem formuliert werden kann. dass Politik im Gewand des Rechts betrieben werde. 1987. Verfassungsgerichtsbarkeit und Gesetzgebung. Die richterliche Stellung wird doppelt kritisiert. J.. gleichwohl heftig bekämpfte Meinung 828 in den USA bejaht diese Frage. 500). Recht und Politik in der Verfassungsrechtsprechung. S. selbst wenn die Verfassung nur ein vages Prinzip von Persönlichkeitsentfaltung und Gleichbehandlung vorgibt. EuGRZ 1983. 230. S. S. EuGRZ 1976. 151. Dabei werden die Möglichkeiten der Anwendung dieses aus dem amerikanischen Recht bekannten Prinzips analysiert. Das Spannungsfeld 828 Freilich handelt es sich auch um eine deutsche Debatte: der zentrale Einwand. Chryssogonos.

23. Grenzen der richterlichen Verantwortung. so ist die Debatte über die Beschneidung verfassungsgerichtlicher Prüfungskompetenzen letztlich unvermeidlich. Will man gleichzeitig die Kompetenzen des demokratischen politischen Prozesses sichern und stärken und insgesamt in diesem Bereich mehr Qualität fordern. dass sie entscheidbar sind. 1965. inwieweit den Entscheidungen Folge geleistet wird. 831 sogar dessen Anwendung durch das Bundesverfassungsgericht schon als vorhanden ansehen (so R. Brugger. Heft 3/1994. 29 ff. und (3) die inhaltliche Kontrolle aller Ergebnisse des politischen Prozesses über die Berufung auch auf allgemeine Freiheits. Allgemein und freilich simplifiziert beruht der Legitimitätsanspruch der Gerichte auf ihrer Fähigkeit. vielleicht sogar Optimierung der Fairneß des demokratischen Prozesses. 57 (70)). Daran gemessen erreichen manche Verfassungsgerichte bereits die Grenzen der Akzeptanzbereitschaft innerhalb der jeweiligen Rechtskultur. Nicht nur in den Vereinigten Staaten lösen Entscheidungen zunehmend symbolische Kreuzzüge aus. 1982.W. Die Vereinigten Staaten als Ursprung der hier diskutierten Gestalt der Verfassungsgerichtsbarkeit waren fast zwingend auch der Ausgangspunkt der verfassungsrechtlichen Sensibilität für die sogenannte „political question“. Vgl. bringt sie selbst in die politische Diskussion. 1969. seine Rechtsprechung bis in politische Maßnahmen hineinreichen zu lassen. Verfassungskonkretisierung durch das Bundesverfassungsgericht und durch politische Verfassungsorgane. Verfassungen im Vergleich: USA & Deutschland. Kontroversen solchermaßen in rechtliche Argumente zu übersetzen. 829 Vgl. die über Wirksamkeit oder Unwirksamkeit des Verfassungsgerichts entscheiden : zum einen. . in: Ruperto Carola – Forschungsmagazin der Universität Heidelberg. 1 ff. (2) die Sicherung. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung zum Prinzip demokratischer Selbstbestimmung ist aber unübersehbar. sondern auch inwieweit diese andere Entscheidungsarenen determinieren. 22ff. 831 Hierzu insbesondere F. 830 Vgl. ohne dem Verlierer noch eine Chance der Unterstützung für die Fortsetzung des Streits zu geben.286 B. die Ersetzung der legislativen Prioritäten durch eine Herrschaft der Richter. wenigstens bei ausufernder Inanspruchnahme der Prüfungskompetenzen.und Gleichheitspostulate. Verfassungsgerichtsbarkeit und politischer Prozess. 829 Gerade hinsichtlich des dritten Punktes droht. 1968. auch N. und zudem die Verfassung als fortwährende Weiterentwicklung immer neu zu interpretieren. S. Legitimation durch Verfahren. Laufer. 830 Lässt ein Urteil mehrere Varianten der Auslegung zu. Scharpf. Die Political-question-Doktrin in der Rechtsprechung des amerikanischen Supreme Court. S. am Bsp. Luhmann. von EuGRZ 1983. gerät das Gericht konsequenterweise selbst in den Streit. S. anstatt politische Diskussionen beizulegen. auch W. ruft man sich drei Stufen verfassungsgerichtlicher Kompetenzen in Erinnerung: (1) die Sicherung verfassungstextlich spezifizierter Grundrechte gegen legislative Eingriffe. Sie gefährdet damit zwei Erfolgskriterien. Diese Tendenz des Gerichts. auch den Überblick bei H. Dolzer.

109 ff. Wohingegen sich der Gerichtshof in der sogenannten „NachLochner-Ära“ nach 1937 spürbar zurücknahm und ein Gesetz regelmäßig nur dann für verfassungswidrig erklärte. wenn es willkürlich. Stone bemerkenswert. Vordergründig sollte die Rolle des Richters als politisches Gegengewicht zur Exekutive und Legislative beschränkt werden.IV. aber lauernden Beobachters“ kann durchaus auch bereits eine politische Dimension in sich tragen. Wittmann. Allerdings: Die Rolle des „stillen. Ed. um zunächst der Entscheidung politischer Fragen auszuweichen. S. das der Gesetzgeber frei wählen konnte („rational basis test“). die Doktrin der „political question“ eingeführt. 944 ff. 947. One is that courts are concerned only with the power to enact statutes. 12 L. Aus dem erstgenannten Stadium der Rechtsprechung ist eine dissenting opinion des Richters H. 1987. S. .. forderte der Supreme Court zu deren Rechtfertigung substantiell gewichtige öffentliche Interessen. in der der Supreme Court ein landwirtschaftliches Sanierungsprogramm des Präsidenten Rossevelt für verfassungswidrig erklärt hatte. not with their wisdom. Kroll. solche Gesetze würden die Vertragsfreiheit und im besonderen Maße das Eigentumsrecht beschränken. Der Supreme Court – das oberste Gericht der USA. der 1936 in der Blütezeit der sogenannten „New Deal“-Gesetzgebung. Rill (Hrsg. 833 So viel zur Theorie. Vom Rechtsstaat zum Rechtswegestaat. 834 In der nach dem Präsidenten des obersten Gerichts benannten „Lochner-Ära“ (etwa zwischen 1905 und 1937) wurde das vorwiegend wirtschaftslenkende Gesetzeswerk einer umfassenden Kontrolle unterzogen („strict scrutinity test“). 110 ff. Self-restraint als Ausdruck der Gewaltenteilung. Siehe auch B.) 1. The other is that while unconstitutional exercise of power by the executive and legislative 832 833 48 US (7 How. Grundrechte und Verfassungsgerichtsbarkeit in den Vereinigten Staaten.). In anderen Worten: weitreichende politische Reformen sollten durch den politischen Gesetzgeber und nicht durch den Supreme Court eingeleitet werden. diskriminierend oder nachweisbar ungeeignet zur Ereichung des Ziels war. S. deren Vorliegen er im einzelnen überprüfte.. Brugger. seine abweichende Meinung wie folgt begründete: „The power of courts to declare a statute unconstitutional is subject to two guiding principles of decision which ought never to be absent from judicial consciousness. 581. In der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts lassen sich in der Rechtsprechung des Supreme Court zwei Phasen unterschiedlicher Kontrolle feststellen. in: JuS 1987. 834 Dazu aus dem deutschen Schrifttum J. 38 ff. und vor allem W. in: B. Fünfzig Jahre freiheitlich-demokratischer Rechtsstaat.F. Basierend auf der Erwägung. Annähernd 160 Gesetze hielten schließlich dieser Überprüfung nicht stand. sich bei verfassungsrechtlich nicht eindeutig entscheidbaren Fällen nicht in den demokratischen Prozess einzumischen. Borden (1849) 832 hat der Supreme Court. Der Grundgedanke dieser These ist darin zu sehen. 1999. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 287 Mit dem Fall Luther v.

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B. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung

branches of the government is subject to judicial restraint, the only check upon our own exercise of power is our own sense of self-restraint. For the removal of unwise laws from the statute books appeal lies, not to the courts, but to the ballot and to the processes of democratic government.“ 835

Soweit ersichtlich taucht an dieser Stelle der Begriff „self-restraint“ im Zusammenhang mit der Verfassungsgerichtsbarkeit erstmalig auf. Im Wesentlichen geht es bei der Beantwortung der Frage, ob nun eine „political question“ vorliege stets um die selben Problemkreise: Handelt es sich um eine Rechtsfrage, was ist also justiziabel, und was eine „political question“? Im Ergebnis lässt sich dabei keine stringente Rechtsprechung des Supreme Court erkennen. Studiert man die Fülle der Entscheidungen des Supreme Court zur political-question-Theorie, so lässt sich eine klare Linie schwerlich feststellen; sie wird äußerst flexibel gehandhabt. Nur zählt es zum Geheimnis des Supreme Court festzulegen, wann er eine politicalquestion annimmt und wann nicht. Manche Sozialwissenschaftler haben zuweilen von einer richterlichen Vorherrschaft im amerikanischen Herrschaftsprozess gesprochen. Bei näherer Betrachtung der geschichtlichen Entwicklung der USA erscheint jedoch etwa der Begriff „Judiziokratie“ übertrieben, hat sich der Supreme Court doch lediglich zwischen 1890 – 1937 extensiver auf politischem Parkett bewegt, als er ca. 35 Gesetze oder Präsidialakte sozial- und wirtschaftspolitischen Inhalts zurückwies und vor allem in den ersten Jahren des Rooseveltschen New Deal sozialreformerische Initiativen des Staates zur Überwindung der Weltwirtschaftskrise blockierte. Ansonsten aber hat sich das Oberste Bundesgericht in vergleichsweise nüchterner Einschätzung etwaiger Friktionsfelder und potentieller Ansehensverluste politischen Auseinandersetzungen eher entzogen und sich bevorzugt für unzuständig erklärt als in öffentliche Konflikte eingemischt. 836 Alles in allem hat aber die mehr als zweihundertjährige Rechtsprechung dem Obersten Gericht soviel Autorität eingetragen, dass es längst zum respektierten Partner im Geflecht der checks and balances, der politischen Willensbildung und Machtausübung geworden ist. Demoskopische Erhebungen haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten immer wieder belegt, dass das Ansehen der Institution Supreme Court in der Bevölkerung viel größer ist als dasjenige der Präsidentschaft, vom Kongress ganz zu schweigen.

United States v. Butler, 297 U.S. 1 (1936). Das Oberste Gericht kann sich also weigern, dort Recht zu sprechen, wo es die Verantwortung für die Folgen seiner Entscheidung nicht übernehmen kann. Es erklärt dann solche Fälle zu „political questions“. Als solche werden vor allem Rechtsstreitigkeiten mit möglichen internationalen Implikationen betrachtet, etwa Konflikte im Bereich der auswärtigen Beziehungen (über die Geltung bzw. Einhaltung von Verträgen, Grenzstreitigkeiten, Anerkennung von Staaten, Einreiseverweigerungen für Ausländer oder deren Ausweisung).
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IV. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates

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(3) Inkurs: „counter-majoritarianism“ Die Praxis des Supreme Courts, durch ständige Auslegung den Verfassungstext veränderten äußeren Umständen anzupassen ist letztlich bedeutsamer als die die gelegentlich spannungsgeladenere und im Ausland bis heute mehr beachtete Ausübung des richterlichen Prüfungsrechts, das jedoch in Wirklichkeit nur einen kleinen Ausschnitt aus der fortlaufenden Interpretationstechnik der Verfassung durch die amerikanische Gerichtsbarkeit darstellt. 837 In den Vereinigten Staaten wird die Betrachtung von Problemkreisen der Verfassungsgerichtsbarkeit gerne auf den Begriff der „counter-majoritarianism“ reduziert, also auf das Problem der „gegen-Mehrheitlichkeit“. Anders als etwa in Deutschland oder Österreich dient letzteres vielen als eines der führenden Paradigmen des amerikanischen Verfassungsrechts schlechthin. 838 Grundsätzlich ist die Debatte über das Verhältnis zwischen Verfassungsgerichtsbarkeit, Demokratie und Rechtsstaat umfangreich und kann hier nicht verfolgt werden. 839 Hierbei wird bemängelt, dass meist auf lange Zeit gewählten und nur unzureichend oder gar nicht verantwortlichen Richtern die Kompetenz erteilt wird, Gesetze eines demokratisch legitimierten Parlaments zu annullieren. Gerichte würden auch diesbezüglich Politik treiben, anstatt Recht zu sprechen. Befürworter wollen dagegen das demokratische Prinzip durch Theorien über die „Selbstbindung“ der Legislative und die Wahrung von Menschen- und Bürgerrechten retten 840. Für
So bereits K. Loewenstein, Verfassungsrecht und Verfassungspraxis in den Vereinigten Staaten, 1959, S. 36. 838 Hierzu insbesondere A. Bickel, The Least Dangerous Branch – The Supreme Court at the Bar of Politics, 1962. Es sind jedoch vermehrt Stimmen vernehmbar, die einer allzu erhöhten Stellung dieses Gedankens kritisch gegenüberstehen, vgl. nur B.A. Ackerman, The Storrs Lectures: Discovering the Constitution, in: 93 Yale L.J. (1984), S. 1013ff, S. 1016: „Hardly a year goes by without some learned professor announcing that he has discovered the final solution to the countermajoritarian difficulty, or, even more darkly, that the countermajoritarian difficulty is insolvable.“ Siehe auch E. Chemerinsky, The Supreme Court 1988 Term – Foreword: The Vanishing Constitution, in: 103 Harvard L. Rev. (1989), S. 43 ff.; ders., The Price of Asking the Wrong Question: An Essay on Constitutional Scholarship and Judicial Review, in: 62 Texas L. Rev. (1984), S. 1207 ff.; B. Friedman, Dialogue and Judicial Review, in: 91 Michigan L. Rev. (1993), S. 577 ff.; M.V. Tushnet, Anti-Formalism in Recent Constitutional Theory, in: 83 Michigan L. Rev. (1985), S. 1502 ff.; mit dem Versuch einer Umkehrung der Problematik („the majoritarian difficulty“) auch S. Croley, The Majoritarian Difficulty: Elective Judiciaries and the Rule of Law, in: 62 The University of Chicago L. Rev. (1995), S. 689 ff. 839 Für die amerikanische Diskussion wohl am bekanntesten A. Bickel (1962) und J.H. Ely, Democracy & Distrust, 1980; vgl. allgemein M. Cappelletti, The Judicial Process in Comparative Perspective, 1989, S. 3 ff.; für das deutsche Recht ist die Auseinandersetzung in der Weimarer Republik zwischen C. Schmitt und H. Kelsen immer noch äußerst beachtenswert. 840 Vgl. etwa U.K. Preuß, Umrisse einer neuen konstitutionellen Form des Politischen, in: ders., Revolution, Fortschritt und Verfassung, erw. Neuausg. 1994, S. 123 ff.
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B. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung

M. Cappelletti drücken Verfassungen die Positivierung höherer Werte aus, und Verfassungsgerichtsbarkeit sei die Methode zur Durchsetzung dieser Werte 841. Dieser normative Streit muss an dieser Stelle nicht gelöst werden, unabhängig davon, dass er wohl kaum plausibel auflösbar ist. 842. Entscheidend ist, dass diese Debatte – mit annähernd den gleichen Argumenten auf beiden Seiten – überall dort auftreten wird, wo die Verfassungsgerichtsbarkeit eingeführt wird und sich gegenüber der Politik emanzipiert. Auf der einen Seite steht dabei typischerweise die Ideologie der „Volkssouveränität“, die verfassungsgerichtliche Beschränkungen des Mehrheitswillens als „undemokratisch“ verwirft. Auf der anderen Seite offenbart sich der „Konstitutionalismus“, welcher die Bindung der Politik an eine Verfassung als Eigenwert begreift und den Mehrheitswillen diesen Bindungen unterordnet. Der „Legalismus“ steht wohl zwischen diesen Prinzipien. Er verweist zwar auf die Herrschaft des Rechts über die Politik – und damit auf den „Rechtsstaat“, ist aber weniger mit einer starken Verfassungsgerichtsbarkeit, als eher mit dem gesetzgebenden Parlament verbunden. c) Übergreifende Funktionen und Kompetenzen der Verfassungsgerichtsbarkeit – Richtwerte für den EuGH? Gerade im Hinblick auf eine Überprüfung der verfassungsgerichtlichen Elemente des EuGH sollen auch übergreifend kennzeichnende Funktionen und Kompetenzen der Verfassungsgerichtsbarkeit wenigstens angerissen werden, wobei bereits hier festgestellt werden darf, dass es bei den Kompetenzen und Funktionen durchaus zu Verschränkungen kommen kann, was auf dem Umstand beruht, dass beide unmittelbar einander zu bedingen wissen. Wie anders sollte beispielsweise die Funktion der Wahrung der Gewaltenbalance ohne die Kompetenz über Organstreitigkeiten aufrecht zu erhalten sein? Oder eine wirkungsvolle, evolutive Grundrechtssicherung ohne wenigstens eine dem Verfassungsbeschwerdeverfahren ähnliche Kompetenz herstellbar sein?

841 M. Cappelletti (1989), S. 118, 120. Freilich ließe sich pragmatisch argumentieren, dass es schlicht sinnvoll sei, eine Instanz zu schaffen, die auf juristischem Wege politische Konflikte letztendlich entscheidet. Dies setzt aber voraus, dass man dieVorherrschaft des Rechts anerkennt. 842 Einiges mag dafür sprechen, die Institution des Verfassungsgerichts als „Dritte Kammer“ des legislativen Prozesses zu begreifen (vgl. A. Stone, The Birth of Judicial Politics in France, 1992, S. 209 ff.). Wie bereits der „Schöpfer“ des europäischen Modells der Verfassungsgerichtsbarkeit, H. Kelsen, festgestellt hat, wird ein Verfassungsgericht unvermeidlich legislativ tätig.

IV. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates

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aa) Verfassungsgerichtliche Interpretationspotentiale im Verfassungsstaat – Entwicklungsstufen und Komponenten Im vollausgebildeten Konstitutionalismus stellt sich zudem die Frage des verfassungsgerichtlichen Interpretationsmonopols, so wie es sich in den USA herausgebildet hat. Diese Institutionalisierung eines autoritativ gesteuerten und gesamtgesellschaftlich wirksamen hermeneutischen Prozesses der Verfassungskultur prägt zunehmend „westliche“, auch ansatzweise „nicht-westliche“ Verfassungsstaaten. Ein wissenschaftlicher und politischer Diskurs über das Wesen der Verfassungshermeneutik ist umfassend und jenseits schüchterener Debatten vorläufig nur in den USA in Gang gekommen. Er bewegt sich „Toward a Constitutional Hermeneutics“ 843, wie sie sich in der Debatte zwischen textimmanent argumentierenden „interpretists“ und verfassungsgestaltenden „noninterpretivists“ niederschlägt 844 und in einen weiteren Zusammenhang von „katholischen“ und „protestantischen“ Interpretationsschemata erstellt wird 845. Diese stets politisch aufgeladenen Diskurse offenbaren die grundsätzliche Notwendigkeit einer vergleichend untersuchenden Verfassungshermeneutik in den mit verfassungs-richterlichem Prüfungsrecht ausgestatteten Politien der USA, Deutschlands, Kanadas, Australiens und Frankreichs. Die Idee und Praxis der Verfassungsgerichtsbarkeit griff in Europa erst spät Platz. Zwar gab es in Westeuropa Anfang des 20. Jahrhunderts in verschiedenen Ländern einige Bestrebungen, die Gesetzgebung einer Verfassungsmäßigkeitsprüfung zu unterwerfen. Aber nur in Österreich gelang es 1920 unter dem Einfluss des Staatsrechtlers H. Kelsens, ein wirklich aktives Verfassungsgericht in der Verfassung zu verankern. Die Ausbreitung dieser Institution fand in Westeuropa erst nach dem zweiten Weltkrieg statt. Dass die Verfassungsgerichtsbarkeit kein unabdingbares Element einer Demokratie ist, zeigen die vielen als demokratisch verstandenen Staaten, die über diese Institution nicht verfügen, so wie etwa England. Auch Frankreichs court constitutionel verfügt nicht über die Kompetenzen z. B. des deutschen Verfassungsgerichts und hat sich erst in den letzten Jahrzehnten eine größere Rolle im politischen System erkämpfen können. Mit Vorsicht ist eine Einordnung der Verfassungsgerichtsbarkeit in die historische Entwicklung des „Rechtsstaats“ oder der „Rule of Law“ zu behandeln, wie das deutsche und das englische Beispiel zeigen. 846
G. Leyh, Toward a Constitutional Hermeneutics, in: American Journal of Political Science, No. 2, vol. 32, 1988, S. 369 ff. 844 Dazu etwa D.P. Kommers, The Supreme Court and the Constitution: The Continuing Debate on Judicial Review, in: The Review of Politics, No. 3, vol. 47, 1985, S. 113 ff. 845 Hierzu beispielsweise das wichtige Werk von H. Levinson, Constitutional Faith, 1989. 846 Die Konzeption des Rechtsstaats war alles andere als eine universelle Idee, sondern hat sich in einem ganz bestimmten sozio-politischen Umfeld entwickelt. Sie entstand in
843

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B. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung

Die Verfassungsgerichtsbarkeit findet weltweit zur Durchsetzung ihrer jeweiligen Verfassung immer weitere Verbreitung und trägt damit in den entsprechenden Ländern implizit zur Festigung oder Ausformung gewisser gesellschaftlicher Strukturen bei. Zur Verwirklichung der normativen Anforderungen und zur Erhaltung des verfassungsrechtlichen Konsenses leisten Verfassungsgerichte einen wesentlichen Beitrag. Die Verfassung wäre ohne die Verfassungsgerichtsbarkeit lediglich auf ihren sozialen, gesellschaftlichen Rückhalt verwiesen. 847 Um aber eine in Konfliktfällen drohende Aufzehrung des verfassungsrechtlichen Konsenses zu vermeiden, ist die Einrichtung der Verfassungsgerichtsbarkeit nahezu unverzichtbar. Vefassungsgerichten ist grundsätzlich die Möglichkeit gegeben, einen von politischen und Handlungszwängen sowie Machterhaltungsinteressen vergleichsweise unabhängigen Blick auf die Verfassung zu werfen. Politisch wie gesellschaftlich bedeutsam und gegebenenfalls wirkungsvoller als die konkrete Gerichtsentscheidung kann dabei die generelle Existenz der gerichtlichen Kontrolle bereits im Vorfeld einer „drohenden“ Auseinandersetzung mit anschließender Entscheidung in einer Streitsache sein, da Beteiligte wie politische Instanzen gezwungen sein können, die Verfassungsfrage bereits verhältnismäßig früh und unabhängig zu stellen. 848
Deutschland aus dem für die Restaurationszeit nach den Unruhen von 1848 charakteristischen Kompromiss zwischen Liberalismus und Konservatismus. Deswegen unterscheidet sie sich historisch auch grundlegend von der Idee der „Rule of Law“. Die Ideologie der „Rule of Law“ entstand historisch in England unter dem Einfluss einer starken Mittelklasse, die das Parlament kontrollierte und einer relativ schwachen königlichen Bürokratie, während die kontinentalen Rechtsstaatsprinzipien sich vor dem Hintergrund von machtvollen und zentralisierten Bürokratien entwickelten, dessen Türen die „Bourgeoise“ nicht niederreißen konnte, sondern an denen sie anklopfen musste, um Zugeständnisse zu erreichen. Der „Rechtsstaat“ erwies sich flexibel genug, um im monarchisch-bürokratischen Kaiserreich genau wie der Weimarer Republik und der Bundesrepublik eine der tragenden Staatsprinzipien zu sein. Der Inhalt des Begriffs hat sich jedoch seit seinem ersten Gebrauch radikal verändert, wenn man seine heutige Bedeutung im deutschen Staatsrecht, die auch demokratische und sozialstaatliche Aspekte umfaßt mit der Vorstellung vergleicht, die seine frühen Verfechter hatten. Ähnliches gilt für die „Rule of law“. War diese Doktrin anfänglich vor allem eine liberale Philosophie, hat in den USA unter ihrem Banner der Supreme Court eine Rechtsprechung geschaffen, die den Staat auf die Durchsetzung von Bürgerrechten verpflichtet – eine am Anfang des 19. Jahrhunderts undenkbare Entwicklung. Eine Minimaldefinition des „Rechtsstaats“ könnte gleichwohl auch den Begriff „Rule of Law“ umfassen. Eine umfassende Bibliographie zum Themenkomplex „Rule of Law“ findet sich auf der Website der Weltbank unter http://www1.worldbank.org/publicsector/legal/annotated.pdf. 847 Auch wenn der soziale Rückhalt hinreichen sollte, absichtliche Verfassungsverstöße zu verhindern, kann er doch nicht divergierende Auffassungen über konkrete verfassungsrechtliche Anforderungen ausschließen, vgl. auch D. Grimm, Verfassung, in: Staatslexikon, hrsg. v. d. Görres-Gesellschaft, 7. Aufl., Bd. 5, 1989 und 1995, S. 634 ff., 639. 848 Bei einem Scheitern dieser „vor-gerichtlichen Wirkung“ ist es dann Aufgabe eines funktionierenden Verfassungsgerichts, die Verfassung dem politischen oder gesellschaftlichen Streit zu entziehen und ihrer in diesem Fall entscheidenden Funktion als Konsensbasis widerstreitender Interessen wieder zuzuführen. D. Grimm (1989 und 1995) betont aber

IV. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates

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Mit dem Argument, auch Verfassungsgerichte seien gesellschaftlich oder öffentlich verantwortlich, wird teilweise in der Politik- und Rechtslehre der Versuch angestellt, eine der Politik äquivalente Verantwortlichkeit der Verfassungsgerichtsbarkeit zu formulieren. 849 Dieser Gedanke verdient Unterstützung, da er alle Beteiligten der Verfassungsöffentlichkeit daran erinnert, was „Verfassung“ neben allen anderen Definitionen noch ist: ein Leitfaden für Verantwortungsübernahme, ein Dokument zur Regelung gesellschaftlicher Verantwortlichkeit. Dabei sollte im verfassungsgerichtlichen Kontext allerdings eine Differenzierung von individueller Verantwortlichkeit der Richter und institutioneller Verantwortlichkeit des Gerichts vorgenommen werden. 850 Selbstverständlich sind zu den verfassungsgerichtlichen Kompetenzen neben den beiden bereits genannten die konkrete und abstrakte, die vorbeugende und auch gegebenenfalls völkerrechtliche Normenkontrolle, unterschiedliche Verfassungsschutzverfahren sowie in föderalen Ordnungen Bundesstaatsstreitigkeiten zu zählen. Wahlprüfungsverfahren und Gutachtenkompetenzen sollen nicht unerwähnt bleiben, wenngleich für den berechtigten Status eines Gerichts als Verfassungsgericht insgesamt nicht alle Kompetenzen gegeben sein müssen. Allerdings ist ein Mindestmaß an verfassungsgerichtlichen Funktionen zu fordern, die von der Grundrechtssicherung über den Schutz maßgeblicher Verfassungsprinzipien (wie Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Vorrang der Verfassung 851, Gewaltenbalance im Kontext mit der Trennung der Staatsgewalten) bis zur Sicherung des Pluralismus und implizit dem Minderheitenschutz zu reichen haben. 852 Für die europäischen, einzelstaatlichen Verfassungsgerichte ist das Aufrechterhalten einer kooperativen
zutreffend, dass „[d]ie Bereitschaft, Machtfragen durch Gerichte schlichten zu lassen, [...] freilich soziale und kulturelle Wurzeln [hat], die keineswegs überall, wo eine Verfassung besteht, gegeben sind. Fehlen sie, werden Verfassungsgerichte mit den Machthabern kurzgeschlossen oder zur Bedeutungslosigkeit verurteilt. Beide Male ist der Schaden für die Verfassung größer als beim völligen Verzicht auf Verfassungsgerichtsbarkeit.“ 849 Siehe etwa M. Cappelletti, Who Watches the Watchmen?, in: ders., The Judicial Process in Comparative Perspective, 1989, S. 57 ff., 79 ff.; dazu auch U. Haltern, Verfassungsgerichtsbarkeit, Demokratie und Mißtrauen, 1998, S. 200 f. 850 Siehe auch B. Friedman, Dialogue and Judicial Review, in: 91 Michigan L. Rev. (1993), S. 577 ff. 851 Über die Verfassungsgerichtsbarkeit als „Instrument zur Sicherung des Vorrangs der Verfassung“ sehr instruktiv C. Starck, Vorrang der Verfassung und Verfassungsgerichtsbarkeit, in: C. Starck / A. Weber (Hrsg.), Verfassungsgerichtsbarkeit in Westeuropa, Teilband I: Berichte, 1986, S. 11 ff. Zu den antiken Grundlagen auch des Prinzips des Vorrangs der Verfassung vgl. bereits E.S. Corwin, The „Higher Law“. Background of American Constitutional Law, in: 42 Harvard L. Rev. (1928), S. 149ff, 153 ff. 852 Vgl. auch die Aufzählung bei P. Häberle, Das Bundesverfassungsgericht als Muster einer selbständigen Verfassungsgerichtsbarkeit, in: P. Badura / H. Dreier (Hrsg.), Festschrift 50 Jahre Bundesverfassungsgericht, 2001, S. 311 ff., S. 319, der noch die „friedliche Einordnung des nationalen Verfassungsstaates in regionale Verantwortungsgemeinschaften“ unter dem Stichwort der „Völkerrechtsfreundlichkeit“ und „die behutsame, buchstäblich so verstandene ‚Fortschreibung‘ der Verfassung“ nennt.

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B. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung

Beziehung zum EuGH miteinzubeziehen (ohne dabei näher auf den vom BVerfG geprägten Begriff des „Kooperationsverhältnisses“ eingehen zu müssen). 853 Daneben lässt sich an weiteren Variablen, die den genannten Elementen einer selbständigen Verfassungsgerichtsbarkeit hinzugefügt werden sollen, der Institutionalisierungsgrad von Verfassungsgerichten messen 854 Dabei ist zunächst die Autonomie zu nennen, als Fähigkeit von Institutionen, unabhängige Entscheidungen zu treffen und umzusetzen. Je weniger sie dabei in Abhängigkeit zu anderen Institutionen stehen, desto höher der Institutionalisierungsgrad. Trotz ihres Ranges als Verfassungsorgan sind die Verfassungsgerichte nicht in der Lage, ihre Entscheidungen selbst durchzusetzen, sondern hängen dabei von der Akzeptanz ihrer Judikate bei den Adressaten ab, bzw. von deren Bereitschaft, überhaupt eine judizielle Konfliktbeilegung zu wählen und nicht in andere Formen der Konfliktbewältigung auszuweichen. Diesbezüglich wird man dem Supreme Court der Vereinigten Staaten einen hohen Grad an institutioneller Autonomie zubilligen können. Prinzipiell dürfte aber der Autonomiegrad im Bereich der Entscheidungsfindung wesentlich höher als im Bereich der Umsetzung sein, was die Verfassungsgerichte wiederum durch spezielle Formen wie Apellentscheidungen, verfassungskonforme Auslegung oder auch Fristsetzungen zu kompensieren suchen. 855

Vgl. beispielsweise U. Everling, Bundesverfassungsgericht und Gerichtshof der Europäischen Gemeinschaften. Nach dem Maastricht-Urteil, in: A. Randelzhofer u. a. (Hrsg.), Gedächtnisschrift E. Grabitz, 1995, S. 57 ff.; ders., Die Rolle des Europäischen Gerichtshofs, in: W. Weidenfeld (Hrsg.), Reform der Europäischen Union, 1995, S. 256 ff.; M.A. Dauses, Aufgabenteilung und judizieller Dialog zwischen den einzelstaatlichen Gerichten und dem EuGH als Funktionselemente des Vorabentscheidungsverfahrens, in: O. Due u. a. (Hrsg.), Festschrift für U. Everling, 1995, Band 1, S. 223 ff.; C. Tomuschat, Die Europäische Union unter der Aufsicht des. Bundesverfassungsgerichts, in: EuGRZ 1993, 489 ff., 494 f.; M. Schröder, Das Bundesverfassungsgericht als Hüter des Staates im Prozess der europäischen Integration – Bemerkungen zum Maastricht Urteil, in: DVBl. 1994, S. 316 ff., 323 f.; H. Gersdorf, Das Kooperationsverhältnis zwischen deutscher Gerichtsbarkeit und EuGH, in: DVBl. 1994, S. 674 ff. 854 Diese folgenden Elemente (und gegebenenfalls Prinzipien) sind teilweise an Gedanken von R. Lhotta, Paper zur gemeinsamen Tagung von DVPW, ÖGPW und SVPW am 8. / 9. Juni 2001 in Berlin zum Thema: „Der Wandel föderativer Strukturen“, Verfassungsgerichte im Wandel föderativer Strukturen – eine institutionentheoretische Analyse am Beispiel der BRD, der Schweiz und Österreichs, 2001, angelehnt. Lhotta bettet seine Überlegungen freilich primär in eine Betrachtung bundesstaatlicher Besonderheiten ein. 855 Bei den als hochgradig politisch rezipierten Entscheidungen kann jedoch die Akzeptanz verfassungsgerichtlicher Entscheidungen rasch absinken. Dies hat etwa der Nachhall zum Präsidentschaftsurteil „Bush-Gore“ in den Vereinigten Staaten (1998/99) oder in Deutschland auf den „Kruzifix-Beschlusses“ (BVerfGE 93,1) des BVerfG gezeigt. Soweit eine unterlegene Prozesspartei scharfe Kritik übt, ist sie verständlich und meist auch bald vergessen. (vgl. zur „Richterschelte in Deutschand“ etwa H.-J. Vogel, Videant Judices! Zur aktuellen Kritik am. Bundesverfassungsgericht, in: DÖV 1978, S. 665 ff.). In

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IV. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates

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Als weiterer Aspekt ist die grundsätzliche Anpassungsfähigkeit von Verfassungsgerichten hervorzuheben, womit die Möglichkeit von Institutionen gemeint ist, sich an Veränderungen ihres Kontextes, Adressatenkreises und institutionellen Umfeldes anzupassen und diesen (aktiv oder lediglich durch vorbildhaftes Wirken) zu beeinflussen. Ein vergleichender Blick zeigt allerdings, dass die Verfassungsgerichte im Umgang mit den Kompetenzkatalogen der jeweiligen Verfassungen einen eher restriktiven, gelegentlich dem Bild der Stagnation nicht fernen Kurs verfolgen, der im deutschsprachigen Raum in der sog. „Versteinerungstheorie“ gipfelt. Auch die Selbstorganisation als die Fähigkeit einer Institution, interne Strukturen herauszubilden, um ihre Ziele zu verwirklichen und mit ihrer Umwelt umzugehen, gehört in den Reigen typischer, zumindest wünschenswerter Merkmale der Verfassungsgerichtsbarkeit. Hier ist auf die Selbstorganisationsfähigkeit der Verfassungsgerichte zu achten sowie auf die Art und Weise, wie das Selbstverständnis der Gerichte in eine eher streitentscheidende (richtende) oder streitvermittelnde (integrierende) Tätigkeit und / oder aktivistische bzw. zurückhaltende Spruchpraxis umgesetzt wird. 856 Daneben ist die Fähigkeit der Institution hervorzuheben, ihr eigenes Arbeitsaufkommen selbst zu steuern und Prozeduren zu entwickeln sowie Aufgaben schnell und effizient zu lösen. 857 Unter den Begriff der verfassungsgerichtlichen Kongruenz soll der Grad gefasst werden, in dem intrainstitutionelle Beziehungen die sozialen Beziehungen abbilden, die sie zu regeln beanspruchen. Hier wird man zweierlei zu berücksichtigen haben: Zum einen richtersoziologische Aspekte, die sich darauf beziehen, inwieweit sich die parteipolitische sowie bikamerale Mitbestimmung bei der Richterwahl signifikant auf die Spruchpraxis der Verfassungsgerichte auswirken. Allem Anschein nach ist dies (soweit hierzu überhaupt Daten vorliegen) weder in
jüngster Zeit indessen wird die Kritik anläßlich einiger Entscheidungen des Gerichts oder seiner Kammern grundsätzlicher. E.W. Böckenförde etwa hat die Gefahr des Übergangs zum „verfassungsgerichtlichen Jurisdiktionsstaat“ bzw. „Verfassungs-Areopag“ beschworen (siehe ders., Grundrechte als Grundsatznormen, in: Der Staat 29 (1990), S. 1 ff., 25), B. Großfeld von „Götterdämmerung“ geschrieben (ders., Götterdämmerung? Zur Stellung des Bundesverfassungsgerichts, in: NJW 1995, S. 1719 ff.) andere haben den Autoritätsverlust des Gerichts beklagt. Politik, Publizistik und Volkesmeinung in Leserbriefen und Demonstrationen reagierten nach den sog. „Soldaten sind Mörder“-Entscheidungen (BVerfGE 86, 1 ff.; BVerfG, NJW 1994, 2943 ff.) und dem sog. Kruzifix-Beschluß des Ersten Senats noch viel schärfer. Frühere Kritiken sprachen vom „government of judges“, von „richterlicher Zensur“, von „richterlichem Veto“ oder ähnlichen Charakterisierungen (siehe m.w. N. die Zusammenstellung bei K. Stern, Verfassungsgerichtsbarkeit zwischen Recht und Politik, 1980, S. 17). 856 So auch R. Lhotta (2001). 857 Hier geht es primär um Variablen wie die Zahl der Richter, der Senate, der Assistenten, der Vorselektionsverfahren für Annahme / Ablehnung sowie Geschäftsordnungen, mit denen die Verfassungsgerichte institutionell auf die anfallenden Aufgaben reagieren.

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B. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung

den USA noch in den mit einer Verfassungsgerichtsbarkeit ausgestatteten europäischen Staaten erschöpfend nachweisbar. Zum anderen, inwieweit es nicht gerade die hochgradig konsensual und parteipolitisch sowie konkordanzdemokratisch geprägten Richterwahlverfahren sind, aus denen Verfassungsgerichte durchaus ihre Autorität und Akzeptanz ableiten können. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass Durchbrechungen des Konsensprinzips bei der Richterbestellung auch zu signifikanten Autoritätseinbußen sowie zu legitimitätsschwächenden Diskussionen um die Politisierung der Richter führen können – ein sowohl in Deutschland als auch in Österreich wohlbekanntes Phänomen. Der Supreme Court ist im Gegensatz etwa zum deutschen Bundesverfassungsgericht kein genuiner Verfassungsgerichtshof, der nur über Verfassungsrecht zu entscheiden hätte. Angelegt und von den Verfassungsvätern angedacht war er zunächst als reines Rechtsmittelgericht, sowohl gegenüber Rechtsstreitigkeiten, die vor den Bundesgerichten ausgetragen werden, wie auch gegenüber bestimmten Streitsachen, die ihren Ausgang vor den Einzelstaatsgerichten nehmen. 858 Die bereits benannte, in der Bundesverfassung vorgesehene erstinstanzliche Zuständigkeit fällt dagegen kaum nennenswert ins Gewicht. Wollte man nun eine Gewichtung der oben aufgezählten verfassungsgerichtlichen Kompetenzen vornehmen, so müßte die Befugnis zur inzidenten Normenkonrolle schon eine herausgehobene Stellung erhalten. Allein diese bedeutsame verfassungsgerichtliche Komponente gestattet es, den Supreme Court seit Marbury v. Madison primär als Verfassungsgericht anzusehen. Eine künftige Aufgabe der vergleichenden Forschung sollte es sein, die institutionellen Merkmale und Variablen zur Ermittlung des Einflusses von Verfassungsgerichten auch in ihren Unterschieden klarer herauszuarbeiten und besser aufeinander abzustimmen, um die zweifellos weiter notwendige Analyse von Entscheidungen der Verfassungsgerichte institutionentheoretisch rückzukoppeln und auf diese Weise mehr über den faktischen Wirkungsgrad und die Rolle der Verfassungsgerichte als maßgebliche Beteiligte am staatlichen und gesellschaftlichen Wandel zu erfahren.

858 Einen hohen praktischen Stellenwert für seine Funktion als Rechtsmittelgericht nehmen die die Appellationszuständigkeit begründenden Normen von 28 U.S.C. Section 1254 (von Bundesgerichten aus) bzw. Section 1257 (von Einzelstaatsgerichten aus) ein. Nach einer erheblichen Beschränkung des als „appeal“ bezeichneten Rechtsbehelfs durch den 1988 erlassenen Judicial Improvements and Access to Justice Act, biden die sogenannten „certiorari-Verfahren“ den bei weitem größten Teil der zum Supreme Court kommenden Verfahren. Dabei bittet die unterlegene Partei das Gericht in einer „petition for certiorari“, den Fall zur Entscheidung anzunehmen, vgl. hierzu auch C. Rau, Selbst entwickelte Grenzen in der Rechtsprechung des United States Supreme Court und des Bundesverfassungsgerichts, 1996, S. 17 f.

). in: NJW 2001. Herrmann. 2000. „Beherrschen“ sie auch (ganz oder teilweise) die Medien. 860 Sie wird umso wichtiger. Kürzlich H. S. sondern vor allem auch eine materielle. Die unabdingbare Garantie richterlicher Unabhängigkeit ist dabei von besonderer Bedeutung. 861 Im Kontext mit dem Grundsatz der Gewaltenteilung steht es außer Zweifel. Die richterliche Unabhängigkeit und ihre Schranken. 320) begann. Lehrbuch des Deutschen Staatsrechts. 862 Siehe auch J. 860 Vgl. die Gesetzgebung und die Verwaltung. der im übrigen nicht erst mit der Reichsgerichtsentscheidung vom 4. zeigt es sich noch deutlicher: Die Richter haben einen (relativ) staatsfreien Lebensbereich im Sinne des Gewaltenteilungsprinzips zu sichern. dass die Kontrolle der rechtsetzenden Tätigkeit vor allem der Parlamente durch die Verfassungsgerichte der neuralgische Punkt ausgewogener Balancierung zwischen Erster und Dritter Gewalt ist. November 1925 (vgl. dass ein einmal in ein bedeutendes Amt vorge- . Aufl. Ob sich wenigstens einige dieser Elemente zu „Prinzipien der Verfassungsgerichtsbarkeit“ erheben ließen. Aufl. Die Entscheidungsqualität richterlicher Urteile ist aber durch die Unabhängigkeitsgarantie strukturell eine andere als jene der Verwaltungsbehörden. S. 1089 ff.und Strafrechts den Richtern zur Entscheidung zugewiesen sein. Ein Bericht über den Internationalen RichterKongress in Rouen.IV. Seite 158 ff. Das erfordert nicht nur eine formelle (kein Gericht darf zugleich Verwaltungsbehörde sein). 4. Jahrhundert hineinreicht (zur Geschichte G.J. 859 Dazu zählt zum einen die Verfassungsorganqualität mit ihrer notwendigen textlichen Verankerung in der Verfassung (Art. ausführlich zum Themenkreis der richterlichen Unabhängigkeit in den Vereinigten Staaten J. 736 ff. Madison über den Kampf um das richterliche Prüfungsrecht auch in Deutschland. 2006. S. Europäische Verfassungslehre. Es wird naturgemäß vereinzelt Fehlurteile geben. Papier. S. Da die richterliche Unabhängigkeit die Gefahr mit sich bringt. 862 859 Die folgende Aufzählung ist – auch bezüglich inhaltlicher Komponenten – angelehnt an eine Katalogisierung typischer Elemente der Verfassungsgerichtsbarkeit durch P. Meyer-Anschütz. sachliche Gewaltenteilung: so sollte ein ausreichender Kernbereich des Privat. wo eine Auflistung entscheidender Kompetenzen des Supreme Courts zu finden ist). Die Unabhängigkeit des Richters?. je weniger die beiden anderen Staatsgewalten. 1919. voneinander getrennt sind: Die politischen Parteien beherrschen Parlament und Regierung. in: Deutsche Richterzeitung 1953. 465 ff. Die Unabhängigkeit der Richter. 861 Es geht um Freiheitssicherung durch einen von der politischen Macht (möglichst) abgeschirmten Richter. Decker. in: Deutsche Richterzeitung 1982. Dies belegt ein Blick auf die Geschichte der Verfassungsmäßigkeitsprüfung von Gesetzen seit Marbury v. 7. sondern weit in das 19. Bereits früh in rechtsvergleichender Perspektive F. sei als (noch) offene Frage nur angedeutet. Richterliche Unabhängigkeit und Richterauswahl in den USA und Deutschland. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 297 bb) Charakteristika selbständiger Verfassungsgerichtsbarkeit Darüber hinaus steht der amerikanische Supreme Court exemplarisch und pionierhaft für eine Anzahl charakteristischer Komponenten selbständiger Verfassungsgerichtsbarkeit. um Schutz vor der staatlichen Willkür. III der amerikanischen Bundesverfassung. Zätzsch. RGZ 111. 286 ff. Häberle.

Verfassungsgerichtsbarkeit hat damit notwendig eine politische Dimension. Häberle) nicht gänzlich außer Acht gelassen werden. S. The Symbolic Constitution. Roermund (Hrsg. P. 466. 863 P. 4. v. Witteveen. Verfassungsrechtliche Streitigkeiten können durch ihre Nähe zum Spannungsfeld. sondern wesentlich auf die Materie des „Politischen“ bezogen und wird auch in gewisser Hinsicht von daher bestimmt. S. . 864 Vgl. Vielmehr bleibt der Grundsatz bestehen. Aufl. Vernünftige Einwände hinsichtlich dieses „undemokratischen“ Vorgehens werden schon gerne mit dem Beschwörung des Verfassungsdokuments und der Bezugnahme auf die darin enthaltenen Grundsätze der Staatlichkeit weggewischt. da diese Streitfragen ja nicht deswegen weniger oder keine „rechtliche Streitigkeiten“ sind. gerade nicht ein von politischen Aspekten abgetrennter Komplex zu sein.. 863 Sie zeichne sich vielmehr durch in ihren Methoden rational nachprüfbare. Allerdings ist Verfassungsrecht nach seinem Gegenstand und seiner Zielsetzung nicht nur beiläufig. Es ist daher umso eher ein Wesensmerkmal von Verfassungsgerichtsbarkeit. Verfassungsrechtsprechung sei nicht „Politik“. wenn sie ihre Aufgabe sachlich und ihrer Verantwortung entsprechend wahrnehmen will. 2006. W.298 B. das den Begriff der „politischen Macht“ umgibt. nötigenfalls zu gestalten. 864 Der Gesichtspunkt der demokratischen Legitimation ist im Hinblick auf seine tatsächliche Befolgung seit den Anfängen heftig umstritten. Demzufolge sei als weiteres – der rationalen Rechtsprechungstätigkeit entwicklungslogisch folgendes – Merkmal selbständiger Verfassungsgerichtsbarkeit das Spannungsfeldbewußtsein der höchsten Gerichte hervorgehoben. Häberle. 1993. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Der Forderung nach einer unabhängigen Rechtsprechungstätigkeit steht die nach einer rationalen Entscheidungsfindung nahe. dass in der Regel ein vom Volk nicht direkt legitimiertes Gremium von Richtern eine Parlamentsentscheidung der gewählten Volksvertreter außer Kraft zu setzen vermag. Hieraus ergibt sich auch kein Konflikt zu der Aussage Häberles. jedoch nicht zu verwechseln mit der ebenso hitzig geführten Debatte. aber eben auch zu begrenzen weiß. Ebenso ein Charakteristikum selbständiger Verfassungsgerichtsbarkeit ist die demokratische Legitimation des Verfassungsgerichts. P.J. Durch Anwendung und Interpretation des Verfassungsrechts wenden Verfassungsgerichte ein Rechtsgebiet an. nicht von diesem abgetrennt werden. diese einzig und allein nach rechtlichen Grundsätzen zu entscheiden.). Constitutional Review – Verfassungsgerichtsbarkeit – Constitutionele Toetsing: Theoretical and Comparative Perspectives. Grundsätzlich darf bei aller Richtigkeit gewisser „Legitimationsketten vom Volk zu den Staatsorganen“ (U. 79 ff. gibt es in vielen Staaten die Möglichkeit der Richteranklage. 79. in: B. inwieweit Verfassungsgerückter Richter dieses gegen die Demokratie missbrauchen kann. Europäische Verfassungslehre. oft schöpferische „Anwendung“ von „Gesetz und Recht“ aus. Häberle betont zu Recht. das Politik und deren immanenten Prozess näher zu bestimmen. Scheuner.

d.). Der Einfluß der Verfassungsgerichte auf die Gesetzgebung in Bund und Ländern. h. Aber auch ein anderer Ausgangspunkt. Die neun Richter des Supreme Court werden vom Präsidenten der Vereinigten Staaten nominiert (Art. das 12. ein gedankliches „decrescendo“. Stern (Hrsg. . 235 ff. II § 2 par. 1987. so ist es nur konsequent. The Supreme Court. Weshalb also ist die „Legitimationskette“ in den Vereinigten Staaten klarer? Die Bundesverfassung sieht für die Wahl des Präsidenten eigentlich eine indirekte Wahl durch ein vom Volk gewähltes Wahlpersonenkollegium (electoral college) vor (vgl. 867 aber auch wie bereits mehrfach angedeutet Wege zur Verfassungsentwicklung 868 ohne permanente Verfassungsänderung offenhalten. 1996. als alle parlamentarischen Kontrollmechanismen durch Mehrheitsbeschlüsse überwindbar sind. Sendler / K. da nach der Volkswahl der Wahlpersonen die zukünftigen Amtsinhaber praktisch bereits feststehen. 319 ff. Rehnquist. obwohl die Wahlpersonen in ihrer Stimmabgabe durch das gliedstaatliche Recht nur selten gebunden werden. in: H. Bei der Legitimationsfrage geht es darum. weil es kein Organ über ihm gibt. § 6 BVerfGG). so entscheidet zwangsläufig allein der Gesetzgeber. der Senat muss sie bestätigen. Stern. Amendment). die Richtschnur staatlichen Handelns ist. Ist es aber eine Rechtsnorm. so ist sie zunächst darin zu erblicken. 867 Vgl. ob er sich im Rahmen der Verfassung hält oder nicht. das Verfassungsschranken überwacht. Verfassungsstabilität durch Verfassungsgerichtsbarkeit? Beobachtungen aus deutsch-amerikanischer Sicht. W. Interne Studien der Konrad Adenauer Stiftung Nr. dass die Interpretation und Wahrung dieses Rechts in die Hand eines Organs der rechtsprechenden Gewalt gelegt wird. 119/1996. S. 866 Ist keine Verfassungsgerichtsbarkeit vorhanden. 866 Siehe auch K. 2 der Bundesverfassung). in: StWissStPr 1993. How It Was – How It Is. einer spezifisch für die Rechtskontrolle eingerichteten Institution und nicht eines genuin politischen Organs. Verfassungsstabilität zu sichern.H. ob sich Verfassungsgerichtsbarkeit in einer logischen. lässt sich für die Legitimation verfassungsgerichtlicher Tätigkeit finden. Brugger. wobei regelmäßig eine öffentliche Anhörung der Kandidaten stattfindet. Verfassungsgerichtsbarkeit soll dabei helfen. In den Vereinigten Staaten ist dies klarer gewährleistet als etwa in Deutschland (Ernennung durch Wahlmänner aus den Fraktionen des Bundestags.H. S. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 299 richtsbarkeit per se „demokratisch“ ist. Die Verfassungsmäßigkeitsprüfung würde allein bei ihm selbst ruhen. 865 Vgl. 865 Der Chief Justice wird vom Präsidenten alleine ernannt. dass die Verfassung als oberste Norm die Ausübung aller Staatsgewalt bestimmt. auch W. Klein / H. In der politischen Realität ist die Stimmabgabe durch dieses Kollegium jedoch zur reinen Formsache geworden. Sucht man nämlich nach der Rechtfertigung für den verfassungsgerichtlich geprägten Verfassungsstaat. Justiz und Politik im demokratischen Rechtsstaat. im „crescendo“ einander bedingenden Abfolge legitimierender Elemente vom Volk zu sich selbst als Staatsorgan wiederfindet.IV. Dies aber ist solange bedenklich.

4. Diese Fragestellung hängt eng mit der Problematik zusammen. 162 ff. ergibt sich – soviel an dieser Stelle – insbesondere aus der Verknüpfung von drei Eigentümlichkeiten: nämlich dem Prinzip des „Vorrangs der Verfassung“. Bryde. Die der Verfassungsgerichtsbarkeit innewohnende. rechtfertigen? Die Verfassung. so schreibt er eine „dissenting opinion“ oder / und schließt sich der eines Kollegen an. 2006. einzigartige Interpretationsmacht. Vgl. die das Volk (als die Gesamtheit der Bürgerinnen und Bürger eines Landes) in der Regel über Kom868 Siehe B. zu Bedeutung. nicht aber mit deren Begründung oder Herleitung überein. Concurrences und Dissents können sich auch nur auf Teile einer Entscheidung beziehen. Häberle zu Recht „tragendes Organisationsprinzip für Status und Verfahren der Verfassungsgerichtsbarkeit“ 869. Stabilität und Dynamik im Verfassungsrecht der Bundesrepublik Deutschland. S. Stimmt ein Richter zwar mit dem Ergebnis der von einer Mehrheit getragenen Entscheidung. 870 Lediglich die Verkündung eines Urteils mit einer knappen Bemerkung zu den Mehrheitsverhältnissen innerhalb eines Gremiums kann nicht genügen. Millgramm. Wie kann man also ein Letztentscheidungsrecht der Gerichtsbarkeit in staatlichen Ordnungen. 317. S. der letztverbindlichen Interpretationszuständigkeit und dem Fehlen eines allgemein akzeptierten Kanons der Interpretationsmethoden. Ist er mit dem tatsächlichen Ergebnis nicht einverstanden. wie sich die Idee einer Verfassungsgerichtsbarkeit im demokratischen Staat überhaupt begründen lässt. so verfasst er im Allgemeinen eine „concurring opinion“. in der er seine Rechtsauffasung darlegt. Hierzu tragen etwa neben der zu fordernden öffentlichen Entscheidungsverkündung gerade in den Vereinigten Staaten auch die oftmals mitveröffentlichten – und die Diskussion in der Wissenschaft wie in der Bevölkerung bereichernden – Sondervoten einzelner Richter bei. Praxis und Geschichte der Sondervoten beim Supreme Court. Die Frage des „Letztentscheidungsrechts“.-H. um insbesondere bei höchstrichterlichen Entscheidungen das Öffentlichkeitserfordernis zu wahren.300 B. K. Häberle. der Gerichtssaal kann selbst bei „öffentlicher Verhandlung“ nicht als notwendiger Multiplikator einer kontroversen Entscheidungsfindung dienen. Die Tragweite einer solchen Entscheidung reicht gewöhnlich über die unmittelbar am Verfahren Beteiligten hinaus. 59 ff. die zumindestens auf dem Papier die Staatsgewalt dem „Volke“ oder den „people“ überlassen. Europäische Verfassungslehre. wurde bereits im Vorfeld von 1787 in den Gründungsstaaten der Vereinigten Staaten diskutiert und soll im Zuge einer Betrachtung ausgewählter spezifischer Eigenheiten der amerikanischen Entwicklung der Verfassungsgerichtsbarkeit und ihrer Ausstrahlungswirkung nicht unerwähnt bleiben. Verfassungsentwicklung. . Aufl. S. 869 Siehe P. 1982. Separate Opinion und Sondervotum in der Rechtsprechung des Supreme Court of the United States und des Bundesverfassungsgerichts. 1985.-O. die nur allzu oft die Befindlichkeiten unterschiedlicher Rechtsverständnisse auch in der Bevölkerung wiederspiegelt. Beide stehen in der Tradition der aus der englischen Gerichtspraxis stammenden „seriatim opinions“. 870 Heute ergehen nur noch wenige Entscheidungen des Supreme Courts einstimmig. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Das Prinzip Öffentlichkeit nennt P.

55 ff. 876 E. 64.die Grundrechtsbestimmungen des Grundgesetzes wie auch anderer rechtstaatlicher Verfassungen genannt. Böckenförde. Iredell aus North-Carolina auf eine Republik hin. 1529 f. 1989. das die Verfassung beschlossen hat. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 301 petenzen. sich selbst dem Vorwurf des lapidaren Vorgehens auszusetzen . Wege zur Grundrechtsdemokratie. Legitimation.. Organisation. in: NJW 27 (1974). 78 die weite Kompetenz der Verfassungsgerichtsbarkeit mit einem demokratischen Ansatz: „Wenn man leugne.“ 874 Und A. nichtig seien. 297 ff. Studien zur Begriffs. 875 So P. 873 Auf der Grundlage der Unterscheidung von „pouvoir constituant“ und „pouvoirs constitués“. Verfassungsgerichtsbarkeit.. Zum Problem der Verfassungswidrigkeit im 18. Stourzh. Grundrechtstheorie und Grundrechtsinterpretation. Wahl. Hamilton rechtfertigt im bereits benannten Federalist-Artikel Nr.W. erfährt ihren besonderen Rang und Vorrang 871 aus der Vorgabe als normative Grundlage und verbindlicher Rahmen eben durch das Volk. wie man an der 871 Zum Vorrang der Verfassung u.W.IV. Daher prägen oft erst die Interpretationen der Gerichte ihre (immanent stets gegebene) Bedeutung. in: NJW 1999. dass Gesetze. Verfahren und Begrenzungen staatlicher Gewaltausübung (jedenfalls mit-)entscheiden lässt. 11 f. 872 Dazu auch E. Die offene Gesellschaft der Verfassungsinterpreten. aber insbesondere Bewahrers des Ranges und der Funktionen der Verfassung mit dem Auftrag den in ihr verbrieften Rechten und Verfahren Geltung zu verschaffen. and the constitution superior even to the Legislature. 872 Darin geht schlussendlich auch ein Wesensmerkmal der Gewaltenteilung auf. „Lapidarformeln“ hat Böckenförde – wohl im Bewusstsein. in: Juristenzeitung 1975. . a. S. Vom Widerstandsrecht zur Verfassungsgerichtsbarkeit. die der Verfassung widersprechen. dass die Repräsentanten des Volkes über dem Volk selber. die sich nicht wie die anderer Rechtsbereiche zum rechtsdogmatischen Interpretationsmonopol eigne. behaupte man. Böckenförde. Strukturfragen. Der Vorrang der Verfassung. Jahrhundert. S. in: ders. In neu gebildeten Staaten weisen sie der Institutionalisierung von Recht und Politik die Richtung. „where the law is superior to any or all individuals. Eine wesentliche Rolle der Verfassungsgerichtsbarkeit ist demzufolge zunächst die des unabhängigen Moderators. Häberle. S. 9 ff. „die aus sich selbst heraus inhaltlicher Eindeutigkeiten weitgehend entbehren“ 876. allgemein R. in: Der Staat 20 (1981).. 874 Das Zitat findet sich bei G. 873 Der „Vorabend“ der Bundesverfassung in den Vereinigten Staaten bot dabei bereits eine beachtliche Begründungsarbeit: im Jahre 1783 weist der Jurist J. and of which the judges are the guardians and protectors. S. 485 ff.“ d) Der EuGH als Verfassungsgericht.und Institutionengeschichte des liberalen Verfassungsstaates. Verfassungsrechtsprechung Die Verfassungsrechtsprechung wird gelegentlich als eine „offene Gesellschaft“ dargestellt 875. S. stünden.

Buck. Pernthaler. S. 694 f. 143ff.f)nn)..II. 1996. dem Raad van State) überlassen. Vgl. stabilisierender Baustein der Brücke zwischen europäischem Bürger und europäischen Institutionen wäre mit einer Betonung der verfassungsgerichtlichen Elemente der europäischen Gerichtsbarkeit gesetzt.P. so beträchtlich ist der Bedarf einer weitergehenden. um seine Bestimmung als Versicherung und Triebfeder Europas zu akzentuieren.. 1999. 880 Auf eine eingehendere Darstellung des zweiten „europäischen Verfassungsgerichts“. 877 In den Niederlanden wird hingegen der politische Test an der Verfassung eher politischen Institutionen (einschließlich dem „politisch-rechtlichen Halbblut“. Bernhardt. außer bei den unmittelbar am Verfahren Beteiligten. gewiss nicht ohne Zutun einer veränderten Medienlandschaft. H. Videant Judices! – Zur aktuellen Kritik am Bundesverfassungsgericht. 119 ff. vgl. S. vgl.. hinsichtlich der gesteigerten Kritik am Bundesverfassungsgericht: H. 1997. 665ff. dass „[e]ine an sich selbst gewöhnte Demokratie wie etwa die der Niederlande bislang an jegliche richterliche Kontrolle der Gesetze an der Verfassung verzichten zu können [glaubt]. Obgleich diese anfänglich eher historisch ausgerichtet und klar vom Vorrang und der Lückenlosigkeit des gesetzten Rechts. 878 Beispielhaft das gesteigerte öffentliche Interesse in Deutschland. Grundsätzlich fand die französische Gerichtsbarkeit einen starken Widerhall in der europäischen Verfassungsgerichtsbarkeit. Zur Demontage des Bundesverfassungsgerichts. . R. Blankenburg. Europäische Menschengerichtsbarkeit. noch weitaus geringere Empfindungen als die höchsten Gerichte einiger Staaten.302 B. zunehmend zu polarisieren. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte auf dem Weg zu einem europäischen Verfassungsgerichtshof. JBl 2000. Weidmann. Lamprecht. Roth (Hrsg. Acht an die Macht! Das BVerfG als Reparaturbetrieb des Parlamentarismus?.-C. Vogel. 1303 ff. 877 Den Verfassungsgerichten kommt hierbei eine besondere Rolle zu. Müller-Graff / H. Dabei ist in besonderem Maße die formale Prägung durch gewisse Auslegungsmethoden und Stilelemente spürbar.). sie muss sich dann gelegentlich von europäischen Richtern vorhalten lassen. die Verfassungsgerichten in den nach 1990 glücklich „gewendeten“ Staaten rund um das zerfallene Sowjetreich oder auch in Südafrika zuerkannt wird. in: NJW 1999.2. siehe auch Benthem vs Staat der Nederlande. wird an dieser Stelle verzichtet. aber K. dazu auch C.J. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Priorität erkennen kann. 58 ff. So sehr sich Wissenschaft und Politik um einen europäischen Verfassungsbegriff müh(t)en 879. wahrnehmbaren Konturierung des EuGH (auch) als Verfassungsgericht 880. was auch mit einer dort gewachsenen Verfassungs-Identifikation und -Sensibilität zusammenhängen mag. S. 1985. Die Praxis des Richterberufs. in: P. Schneider. Dabei verursacht der EuGH. Die Herrschaft der Richter im Recht ohne Staat. DÖV 1978. auch E. S. S.W. 879 Dazu oben B. dem EGMR. Über die Auslegungsmethoden des Gerichtshofs der Europäischen Gemeinschaft (1998). 691 ff. 101 ff. P. Ein erster. beeinflusst waren. die allgemeine Diskussionsbereitschaft zu bereichern wissen 878. des Code Napoleon. vgl. nachdem ihre Entscheidungen. R. Die Verfassungsbeschwerde – politisches Instrument und Klagemauer von Bürgern. der darauf verweist. dass ihre Institutionen nicht den inzwischen normierten Vorstellungen von Rechtsstaatlichkeit oder Grundrechtsverwirklichung entsprechen“. das durch sozial relevante und kontroverse Entscheidungen und Beschlüsse des Bundesverfassungsgerichtes geweckt wurde. EGMR 23 Oktober 1985.

Mager. Ursprung und Legitimation der rechtsgestaltenden Funktionen des EuGH. We the Court. M. Pernthaler. Der Gerichtshof muss hier die Rolle eines Schiedsrichters zwischen der Gemeinschaft und den Mitgliedstaaten einnehmen. Verfassungsrecht und Verfassungsgerichtsbarkeit im Zeichen Europas. Dem Gerichtshof kommt nach den Gemeinschaftsverträgen eine starke Rolle als „Hüter des Gemeinschaftsrechts“ zu. P. Diese ergeben sich insbesondere aus der besonderen Fragilität des föderalen Gleichgewichts in der Europäischen Union. 478 ff. 1998. Das Erfordernis föderaler Unparteilichkeit kann allerdings auch in Widerspruch zur Rolle des EuGH bei der Fortentwicklung des Gemeinschaftsrechts treten. Der Europäische Gerichtshof als Förderer und Hüter der Integration. Europäische Verfassungslehre. 691 ff. Hirsch. in: AöR 125 (2000). S. in: NJW 2000. Auf diesem Gebiet hat der EuGH durch seine Rechtsprechung die Entstehung eines hoch effizienten Systems zur Sicherung 881 Aus der uferlosen Lit. Der Europäische Gerichtshof zwischen Recht und Politik. G. 1988. 386 ff. S.). Schwarze (Hrsg.G. P. Rechtswahrung und Rechtsschutz nach Amsterdam – Zu den neuen Zuständigkeiten des EuGH. S. das stets besonders im Blickfeld des Gerichtshofs steht.. Aufl.. 1997. vgl. S. The European Court of Justice and the European economic Constitution. 161 ff. Häberle. 1998.IV. 4. Der Europäische Gerichtshof als Verfassungsgericht und Rechtsschutzinstanz. 2006.. Saner.P. Bedingt durch diese Komplexität sowie die zunehmende Dynamik des europäischen Integrationsprozesses ist die Bestimmung der angemessenen Rolle der dritten Gewalt in der Europäischen Union mit noch größeren Schwierigkeiten verbunden als in staatlichen Herrschaftssystemen. Graf Vitzthum. 1817 ff. Wolf-Niedermaier. Eine weitere wesentliche Aufgabe des Gerichtshofs liegt in der Sicherung der Einheit des Gemeinschaftsrechts. A. Dieser Funktion kommt nach wie vor eine hohe Bedeutung für die Funktionsfähigkeit des föderalen Gefüges der Europäischen Union zu. Gemeinschaftsgericht und Verfassungsgericht – rechtsvergleichende Aspekte. aa) Das Rollengeflecht des EuGH Trotz der grundsätzlichen Vergleichbarkeit der Funktionen der Gerichtsbarkeit in staatlichen Ordnungen und in der Europäischen Union ist die Rolle des EuGH jedoch auch von vielen Besonderheiten gekennzeichnet. S. Insbesondere hat er wesentlich zum Ausbau der Gemeinschaft als „Rechtsgemeinschaft“ beigetragen. W. 1983. in: Juristische Blätter 2000. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 303 Schon bislang war das interne Gewaltengefüge der Europäischen Union durch ein hohes Maß an Komplexität gekennzeichnet. in: JZ 1998. G. zum EuGH: J. Die Herrschaft der Richter im Recht ohne Staat. Schwarze. Der EuGH im Spannungsfeld zwischen Gemeinschaftsrecht und nationalem Recht. O. In Ausführung dieser ihm übertragenen Aufgabe hat der Gerichtshof über Jahrzehnte eine bestimmende Rolle im Integrationprozess innegehabt.. Dörr / U. . Die dritte Gewalt wird in der Europäischen Union durch den EuGH 881 sowie das ihm beigeordnete Gericht erster Instanz (EuG) ausgeübt. Maduro. auch den Sammelband von J.

und Handelssachen (EuGVÜ) von 1968. Fraglich ist allerdings. Es ist zu erwarten. Es ist jedoch durchaus fraglich. 709 ff. N. geschildert. Oppermann. Lange Zeit wurde die Förderung des Integrationsprozesses als eine wesentliche vom EuGH wahrgenommene Funktion angesehen. ob der Gerichtshof heute noch vorrangig als „Motor der Integration“ angesehen werden kann. indem er – wie erwähnt – verwaltungsgerichtliche Elemente. Dem Gerichtshof ist der Schutz der Rechte des Einzelnen gegenüber den Organen der Gemeinschaft anvertraut. Rdnrn. dass die Wahrung der institutionellen Balance als Aufgabe des Gerichtshofs in Zukunft noch an Bedeutung gewinnen wird. „Europäische Verfassungsgerichte“ zu sein – den Vertragszielen und dem großen Ziel einer tatsächlich europäischen Gemeinschaft verpflichtet und damit gelegentlich einem europäischen Verfassungsrecht näher als vielleicht der EuGH selbst erscheint. ob auch die verfahrensrechtlichen Möglichkeiten für Individualrechtssschutz ausreichend sind. Der EuGH hat auf diesen Wandel mit seiner Rechtsprechung sensibel reagiert. 2. Einige Verfassungsgerichte in Mitgliedstaaten der Europäischen Union könnten bereits für sich in Anspruch nehmen. Diese Aufgabe wird mit der zunehmenden Vertiefung der Integration und ihrem Vordringen in grundrechtsrelevante Bereiche noch an Bedeutung gewinnen.w. 372 ff. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung der einheitlichen Anwendung und Auslegung des Gemeinschaftsrechts gefördert. . Mit der zunehmenden Demokratisierung und Politisierung des Europäischen Integrationsprozesses haben sich hier auch die Spielräume für den Gerichtshof verengt.und Vollstreckungsübereinkommen in Zivil. aber auch zivilrechtliche und zivilprozessuale Zuständigkeiten 882 882 Zivilprozessualer Art sind die Zuständigkeiten des EuGH nach dem Europäischen Gerichtsstands.304 B. Vom Motor der Integration wird der EuGH vorrangig zum Hüter der Rechtsgemeinschaft. Diese Aufgabe steht jedoch unter dem Vorbehalt der Wahrung der Verantwortungsspielräume der anderen Gewalten. Nun geht der Aufgabenbereich des EuGH über den allgemeinen Bereich der Verfassungsgerichtsbarkeit hinaus. Europarecht. m. Das institutionelle Gleichgewicht ist mit dem Prozess der Demokratisierung der Union und der damit verbundenen Bedeutungszunahme des Europäischen Parlaments noch komplexer geworden. Zwar gehört die Fortentwicklung der Rechtsordnung seit jeher zur Aufgabe der Rechtsprechung in gewaltenteiligen Systemen. Aufl 1999. Die Ausarbeitung eines eigenständigen Grundrechtskatalogs könnte auch eine Stärkung des EuGH bedeuten. Die unterschiedlichen Aufgabenbereiche werden ausführlich von T. Dies ist insbesondere außerhalb des Anwendungsbereichs der Gemeinschaftsverträge problematisch. Gerade dieses System ist allerdings stets in seinen Funktionsvoraussetzungen durch die gleichzeitigen Prozesse von Vertiefung und Erweiterung gefährdet. Dem EuGH obliegt zudem die Wahrung des institutionellen Gleichgewichts in der Europäischen Union. Durch etwaige (weitere) Reformen darf jedoch der Grundsatz der einheitlichen Anwendung und Auslegung des Gemeinschaftsrechts im gesamten Vertragsgebiet nicht gefährdet werden..

S. in: ders. J. 56. J. J. 51ff. Freilich wurde dieser Begriff im europäischen Zusammenhang bereits sehr früh geprägt: W.. Rdnr.). 1993. unter dessen Führung die urkundlich kaum skizzierte Verfassung der Vereinigten Staaten in der Gerichtspraxis Inhalt und Festigkeit gewann. J. F. Zur Zukunft des Gerichtssystems der EU. 31 ff. Hallstein. „Taking Rights Seriously“ Seriously: The European Court and its Fundamental Rights Jurisprudence. Dordrecht 1994. Schermers.). EAGV. II. Die Fragestellung. Weiler / N. . Zur Funktion des Gerichtshofs der Europäischen Gemeinschaften als Verwaltungsgericht. Manche sprechen angesichts dieser Multifunktionalität bereits vom EuGH als „Supreme Court“ Europas 883. nennt den EuGH „Universalgericht“. Curtin / D. Jedoch sind im gemeinschaftsrechtlichen Zusammenhang bislang kaum Ansätze erkennbar. war bereits im unterschiedlichen Kontext Gegenstand mancher rechtswissenschaftlichen Untersuchung 886. 52 ff. Curtin / T. Constitutional Adjucation in European Community and National Law... The European Court of Justice: Taking Rights Seriously?. S. O’Neill. Der Europäische Gerichtshof als Verfassungsgericht und Rechtsschutzinstanz. seit 1958 ist er laut Art. Heukels (eds. EGV. in: D. 3. 293 ff. S. Oppermann (1999). Essays in Honour of Henry G.IV. 426 ff. Lockhart. in: ZRP 2000. 3 f. 1979. 487 ff.H. m. des Abkommens über gemeinsame Organe für die Europäischen Gemeinschaften vom 25.. Schwarze. Festschrift für Konrad Redeker.). Dublin 1992. O‘Keeffe (eds. in: 32 CMLRev. das im vollen Sinn des Wortes Verfassungsorgan war. Public Law 1999. S. 294. Rinze. The Procedural Guarantees in the Recent Case-law of the European Court of Justice. Vol.H.. in: 29 CMLRev. Art. 884 Von 1952 –1957 war der EuGH zunächst Gerichtshof der EGKS. Aufl. 886 Siehe hierzu J. 382. in883 So etwa T. einem Gericht wie der amerikanische Supreme Court in seiner glänzenden Zeit unter dem Chief Justice John Marshall. S. 5. Institutional Dynamics of European Integration. 669 ff. Schwarze. (Hrsg. 20 f. (1992). schwebte uns ein ehrgeiziger Gedanke vor: die Verfassungsstruktur der Gemeinschaft mit einem obersten Gericht zu krönen.V. Hallstein hat 1970 im Rückblick auf die Grundlegung des EuGH 884 illustriert: „Als wir den Europäischen Gerichtshof schufen. in: B. Is the Court of Justice of the European Communities a Constitutional Court?. Der Europäische Gerichtshof als Verfassungsgericht und Rechtsschutzinstanz. welche Elemente einer europäischen Verfassungsgerichtsbarkeit überhaupt innewohnen (müssten) und worauf diese weniger theoretisch-dogmatisch als institutionell beruhen (sollten). Bender (Hrsg.. S. U. Everling. 59 ff. in: Eur. 1957 i. 220 ff. EGKSV gemeinsamer Gerichtshof der drei Gemeinschaften. Einführung und Problemaufriß. 110. in: D. Jacobs. The Role of the European Court of Justice as Federal Constitutional Court. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 305 auf sich vereint. H. Rechtsstaat zwischen Sozialgestaltung und Rechtsschutz. 136 ff. Die Europäische Gemeinschaft. S. S. (1995). insbesondere und gerade im Hinblick auf eine verfassungsgerichtliche Methodik des EuGH. Coppel / A. 1983. 885 W.). Rösler.“ 885 Lässt sich Hallsteins Ehrgeiz in heutiger Betrachtung nach aristotelischer Unterscheidung als unmäßig oder maßvoll und vernünftig einordnen? Gab oder gibt es tatsächlich übergreifende Entwicklungstendenzen des EuGH zum „Supreme Court“ Europas oder verlässt der EuGH bereits abgetretene Pfade hin zu einem „Verfassungsgericht eigener Natur“? Aufhellung könnte ein aktueller Vergleich mit genanntem US-amerikanischen Supreme Court bringen.

Rösler (2000). methodische Ansatzpunkte für eine „europäische“ Theorie der Verfassungsgerichtsbarkeit erkennen zu lassen.. S. Die amerikanische Fasson der Verfassungsgerichtsbarkeit kann einem fruchtbaren Rechtsvergleich dienen. Der EuGH selbst hat 1999 ein Reflexionspapier veröffentlicht (www. Angesichts des Vorbildcharakters der amerikanischen Verfassung für eine Vielzahl europäischer Verfassungen liegt für die Europäische Union neben einem Vergleich des jeweiligen Verfassungsverständnisses eben auch eine Gegenüberstellung der höchsten Gerichte nahe. tatsächlich aber verschmolzen durch das belastungsfähige Band der inneren Bedingtheit.int/de/pres/persp. der EuGH sei (auch) ein europäisches Verfassungsgericht. Dazu G. 887 Eine Gegenüberstellung beider Gerichtshöfe sollte aber den oben angeführten Grundgedanken der Verflechtung von „Konservative“. die diesen gedanklichen „Treffpunkt“ mit Leben erfüllen. dogmatischer und organisatorischer Grundlagen der Verfassungsgerichtsbarkeit auf die europäische Wirklichkeit zu untersuchen wäre. Eine diesbezügliche Betrachtung der Methodik hat folglich den Blickwinkel methodischer Instrumente einzubeziehen. 53 ff. Dezentralisierung des Gerichtssystems der Europäischen Union?.eu. Die zunehmend energischer vorgebrachte Feststellung. wobei neben jeweils originären Merkmalen auch die Übertragbarkeit gewisser traditioneller theoretischer. deren Wahrnehmbarkeit in der Öffentlichkeit hingegen begrenzt ist: die Verknüpfung des Schöpferischen mit dem Element des Bewahrens. kann eben bereits mittels einer Analyse seiner verfassungsgerichtlichen Methodik bekräftigt werden. 57 ff. im Sinne des lateinischen conservare. Auch hier treffen sich Konservative und Moderne. das die Forderung nach institutionellen Reformen zum Inhalt hat. Hallstein selbst deutet mit besagtem Zitat bereits Sockel und Artefakt im Gesamtkunstwerk gelungener Verfassungsgerichtsbarkeit an: Verfassungsinterpretation und Verfassunggebung. Hirsch. S. . in: ZRP 2000. Im Übrigen ergeben sich aus dem Verfassungsvertrag unmittelbar kaum Veränderungen für die Rolle des EuGH als (einem der) Hüter der europäischen Verfassung. und „Moderne“ zum Inhalt und zur Leitlinie haben. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung wieweit gerade die amerikanische Verfassungstheorie im Rahmen struktureller Gemeinsamkeiten und trotz bestehender Unterschiede Anhaltspunkte für ein stabiles Modell europäischer Verfassungsgerichtsbarkeit bieten könnte oder bereits geboten hat.306 B. Verfassungsgerichte können über die allgemeinen. Basierend auf der theoretischen Diskussion ließe sich zudem die etwaige Möglichkeit zur Adaption zukunftsfähiger institutioneller Charakteristika analysieren.htm). soweit sich die Erfahrungen einer konstruktiven Rezeption zuführen lassen.curia. offensichtlichen Funktionen hinaus zwei Bestimmungen erfahren. nur vordergründig ein Paradoxon. H. deren Existenz unbestritten. Die erhaltenden und innovativen Komponenten höchstrichterlichen Handelns finden gerade hierin ihren Niederschlag. 888 Dies gilt auch für das von der Debatte um eine Grundrechtsbe887 Mit Hilfe „transatlantischer Rechtsvergleichung“ könnte der Versuch unternommen werden.

Die europäische wie die amerikanische Verfassungslehre beruft sich gemeinhin auf Prinzipien innerhalb methodischer und dogmatischer Untersuchungen. Art. 4. Die jetzige Änderung von Art. wie Veränderungen im institutionellen Gefüge. Wer soll Hüter der Europäischen Verfassung sein?.. zuweilen auch dessen Statik. S. Häberle. 1999). Rodriguez Iglesias zur Rolle und zum Selbstverständnis des Gerichtshofes dennoch nicht aus. Den genannten Problemkreisen liegt dabei eine gemeinsame Fragestellung zugrunde. dass Art. R.. Die Verschiebungen im institutionellen Gefüge sind in ihren Folgen derzeit noch nicht prognostizierbar. Prinzipien der Verfassungsinterpretation 889 oder möglicherweise einmal solche der Verfassungsgerichtsbarkeit. die wiederum spiegelbildlich moderne und konservative Ansatzpunkte zu reflektieren weiß: Wie wirkt sich der Entwicklungsgrad einer Verfassung auf das (Selbst-)Verständnis von Verfassungsgerichtsbarkeit aus? Höchstrichterliches 888 Ausführlich etwa F. Mayer. So schrieb er in einem Artikel über den Gerichtshof als Verfassungsgericht (vgl. seien es Verfassungsprinzipien. als Eingriff seitens des Verfassungsgebers in die auch in der Gemeinschaftsordnung herrschende Gewaltenteilung. 2006. F des Maastrichter Vertrages – der Grundrechtsschutzartikel – zwar eine vertragliche und damit verfassungsrechtliche Bestätigung der Rechtsprechung des Gerichtshofes darstellt. ders. Offen ist indessen. Siehe auch K. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 307 schwerde übrig gebliebene Mehr an Individualrechtsschutz in Art. Hesse. 19 ff. Schwegmann (Hrsg. die justizfreie Räume insgesamt verringern werden. . F aber vorenthielt. L des Maastrichter Vertrages dem Gerichtshof die Rechtsprechungsbefugnis über Art. Positiv dürften sich die Aufhebung der Säulenstruktur und die Angleichung der Rechtsformen auswirken. An anderer Stelle kritisierte er in unmissverständlicher Weise das dem Maastricht-Vertrag beigefügte sogenannte „Barber-Protokoll“. Europäische Verfassungslehre. In diesem Kontext interessant: die dem Richteramt angemessene Zurückhaltung schloß manches deutliche Wort in den Arbeiten etwa von G. das der noch zu entscheidenden Auslegung eines Urteils des Gerichtshofes vorzugreifen versuchte. 1992): „Die Rolle des Gerichtshofes als sogenannter ‚Motor der Integration‘ soll nicht seiner Rolle als ‚Hüter der Gemeinschaftsverfassung‘ gegenüber gestellt werden.IV. Es handelt sich vielmehr um einen Bestandteil seiner Rolle als Hüter der Gemeinschaftsverfassung“. S. Probleme der Verfassungsinterpretation. auf den EuGH rückwirken. Dreier / F.C. Der Gerichtshof der Europäischen Gemeinschaften als Verfassungsgericht. dass die Entscheidungen der Regierungskonferenz über das institutionelle System in ihren Folgen nicht ohne weiteres überschaubar sind. S. Auflage 1995 (Neudr. mag man aufgrund der im Amsterdamer Vertrag vorgenommenen Änderung des Art.). Prinzipien dienen dabei der Ummantelung eines Gedankengerüstes. die Rodriguez Iglesias damals als notwendig und systemgerecht beschrieben hatte. 258 ff. L im Vertrag von Amsterdam übertrug dem EuGH ziemlich genau jene Jurisdiktion hinsichtlich Art. Aufl. 1976. die die Rolle der Kommission schwächen. III-365 VerfV. L des Unionsvertrages vermuten: In dem eben genannten Beitrag hatte Rodriguez Iglesias seine Verwunderung darüber ausgedrückt. 889 P.C. in: AöR 129 (2004). 411 ff. F. 20. Dies hängt nicht nur damit zusammen. Dass die mit aller gebotenen Zurückhaltung eines amtierenden Richters geäußerte Auffassung auch Wirkung haben kann. Grundzüge des Verfassungsrechts der Bundesrepublik Deutschland.

Festschrift für Ulrich Everling. ob Verfassungsgerichtsbarkeit selbst gänzlich ohne Verfassung im hergebrachten Sinne existieren könnte. 227 ff. den gleichlautenden Aufsatz in der Financial Times vom 22. Legt aber nicht gerade die Einzigartigkeit gemeineuropäischer Rechts. illustriert.308 B.. Während allein eine weitgehend unabhängige Rechtsprechung der obersten Gerichte bereits tragendes Fundament abendländischer und amerikanischer Rechtskultur ist.und Verfassungskultur wie auch ihre praktische Umsetzung eine differenzierte. Wenigstens unter dem Blickwinkel eines gewohnten. Vgl. Schaffenskraft mit Erhaltungswillen in Einklang gebracht zu haben. je nachdem ob es sich aktiv an einer Entwicklung oder einer Fort-Entwicklung beteiligt. Siehe auch K. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Auftreten kann durchaus unterschiedliche Ausprägungen zur Folge haben. The European Court and National Courts. Zum Begriff „Motor . in: Journal of Common Market Studies 31 (1993). Weiler. Verfassungsgerichtsbarkeit in den Vereinigten Staaten von Amerika und in Europa. Green. Lutter / J. optimistischere Betrachtung nahe? bb) Der EuGH als „Motor der europäischen Integration“? Die Rechtsprechung des EuGH erwies sich letztlich als „more powerful than intended“. Der Europäische Gerichtshof zwischen Rechtsprechung und Rechtsetzung. S. Lenaerts. Slaughter / A. Für viele (gleichwohl nicht unumstritten) ist der EuGH ein „Motor der europäischen Integration“ (U.). Schwarze (Hrsg. Political Integration by Jurisprudence.W. August 1974. in: A.J.“. 205ff. Band 1. W.). in: Yearbook of European Law 12 (1992). Gemeinschaften (aber auch aufgrund eines „Ensembles von Teilverfassungen“ (P. Journey to an Unknown Destination. 1995.H. 891 Aufgrund seiner „expansiven“ Rolle geriet er zunehmend unter den Zwang der Rechtfertigung. 890 Im europäischen Kontext ist diesbezüglich auch dem Entwicklungsstand einer europäischen Verfassung Rechnung zu tragen. 891 890 . J.II. Some Thoughts about the Interaction between Judges and Politicians in the European Community. 417 ff. VII: „The court builds a system of community law. schon A. Zum Satz „More Powerful Than Intended“ vgl. S. Everling). und V. S. 892 Vgl. The Work of the Court of Justice of the European Communities in European Political Integration. Due / M. was angesichts der Vertragsstruktur der Europäischen Union bzw. der antreibt. 1 ff. S. 1969.H. A Retrospective and Prospective of the European Court of Justice in the Arena of Political Integration. Everling. Kap.-M. Weiler (Hrsg. 1998. nicht aber seine Richtung bestimmt. K. Häberle)!) nahe liegen könnte. StoneSweet / J. Fernerhin hat in diese Überlegungen der Gedanke einzufließen.. Der US-Supreme Court hat mit zahlreichen Entscheidungen die Möglichkeit vor Augen geführt. befindet sich die Europäische Union also noch scheinbar im verfassungsgerichtlichen Konsolidierungsprozess. Dänzer-Vanotti. Explaining National Court Acceptance of European Court Jurisprudence. Legal Change in its Social Context. Doctrine and Jurisprudence. in: O.H.H. Alter.“ U. 892 Wird vor diesem Hintergrund die „ever closer union“ Dieser Zusammenhang wird unten in B. 227. A Critical Evaluation of Theories of Legal Integration. einzelstaatlich geprägten Verständnisses von Verfassung und Verfassungsgerichtsbarkeit..

1986. Demgegenüber hat H. The Making of a Constitution for Europe. G. S. Eine rechtsvergleichende Untersuchung am Beispiel der Umweltpolitik. S. vgl. in: West European Politics 19 (1996).. 1997. 21 ff. in: Yearbook of European Law (1981). Wilke (Hrsg. S. Scholz / D. . Weiler. Rasmussens Kritik ist auf fruchtbaren Boden gefallen.H.. in: International Organization 52 (1998).L. 57 ff..J. in: Common Market Law Review 29 (1992). Randelzhofer / R. 19. Rasmussen dem EuGH vorgeworfen. Einigkeit und Recht und Freiheit. 73 f. 2403 ff. its Law and Lawyers.). Quelles réformes pour l’Europe de demain?. Who Are the „Masters of the Treaty“? European Governments and the European Court of Justice. 595 ff. The Transfomation of Europe.. 267 ff.H. The European Court of Justice. The European Court’s Political Power. 895 Aus der Lit.). 213 ff.. S. siehe auch ders. Volcansek. 895 Die französische Nationalversammlung beklagte in einer Erklärung wortreich die ausgedehnte Kompetenzanmaßung des EuGH. in: Common Market Law Review 26 (1989). in: JuristenZeitung 53 (1998). 218. E. Rupp. sondern als „besonderes Verdienst“ 893 und als Ausgangspunkt für einen „normative supranationalism“. 896 Nahezu zeitgleich legte die britische Regierung ihr Memorandum zur sogenannten „korrigierenden Kodifikation“ europäischen Die Zukunft der europäischen Gerichtsbarkeit in einer erweiterten Europäischen Union. Gedächtnisschrift für Eberhard Grabitz..H. M. S. Zur Bedeutung des EuGH als Motor der Integration C. S. 17 ff.F. in: A. 462. Institutionelle Herausforderungen im Neuen Europa. J. in: S. 1ff. deren Kompetenzen an sich gerissen zu haben. Anweiler. Die Auslegungsmethoden des Gerichtshofs der Europäischen Gemeinschaften. dies. Wirkung und Anpassung. 109 ff. S. Börner u. Zeitgleich unternahmen die Mitgliedstaaten mit der Verabschiedung der Einheitlichen Europäischen Akte den Versuch. The European Communities. 121 ff. Festschrift für Karl Carstens zum 70. 24. B. 398 ff. 24. S. 213 ff. Die Mitwirkung der deutschen Länder und der belgischen Regionen an EG-Entscheidungen. Alter. H. The Dual Character of Supranationalism. Schultz / C. The Transfomation of Europe. 896 Assemblée Nationale. J. Community Law and National Constitutional Values. 1995. The Community System. S. 215. The Emergence of an Authoritative International Court in the European Union. Matthes / K.. 109. Mancini.. (Hrsg. S. S. Weiler...H. 132 f. in: Europarecht 32 (1997). Sell (Hrsg. in: Yale Law Journal 100 (1991). 1984. ja. Legitimität. 2403 ff. in: Legal Issues of European Integration (1991/92). in: B. H. G.). 1998. Roller. Europäische Grundrechtsperspektiven.. S. Everling. in: West-European Politics 15 (1992). S. 398 f. Schultz. 458 ff. fällt die Beurteilung der richterlichen Tätigkeit entsprechend günstig aus.. In diesem Fall gilt die normschöpfende Rechtsprechung nicht lediglich als Usurpation politischer Vorrechte. K. in: AöR 123 (1998). 893 So K.IV. Rapport d’information no 1939. Die Legitimitätsprobleme des Europäischen Gerichtshofes und die Auswirkungen auf seine institutionelle Autonomie.. ohne demokratisches Mandat weit außerhalb der vertraglichen Ermächtigung zu agieren und dabei die erkennbaren Absichten der Mitgliedstaaten ignoriert.. S. S. On Law and Policy in the European Court of Justice. de Witte. verlorenes Terrain gegenüber dem EuGH zurückzugewinnen. Paris 1996.. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 309 als begrüßenswert erachtet. 3. in: Yale Law Journal 100 (1991).H. U.-D. 57 ff. S. S. Ausschaltung des Bundesverfassungsgerichts durch den Amsterdamer Vertrag?. Bahlmann. Bundesverfassungsgericht und Gerichtshof der Europäischen Gemeinschaften nach dem Maastricht-Urteil. Geburtstag. 894 J.. 1.. Pfahl / E. a. Rasmussen. 894 Die Kritik am EuGH nahm in den neunziger Jahren zu. Supranational Policy-Making. Ehlermann.

Das Vereinigte Königreich strebte an. Protokoll des Tages). Juli 1996.310 B. wenn sie ihre Kompetenzen überschreitet. dass er dem Gemeinschaftsgesetzgeber eine allgemeine Kompetenz zur Regelung des Binnenmarktes gewähre. S. 898 So etwa W. merkte kritisch an: „Der Gerichtshof nimmt seine Rolle als Schutzmann in Europa nicht wahr. Vom „Gesetzesstaat zum Richterstaat“ und wieder retour? Reflexionen über das britische Memorandum über der EuGH vom 23. auch BVerfGE 89. beileibe kein Kritiker der europäischen Integration (wenngleich auch selten das Florett diplomatischer Differenzierung führend). S. Tabakwerbeverbot). 901 897 Memorandum des Vereinigten Königreichs über den Europäischen Gerichtshof vom 23. am 3. das Amtl. sondern wäre auch unvereinbar mit dem in Artikel 3b EG-Vertrag niedergelegten Grundsatz. 901 Vgl. Er sagt nicht nein zur Union. nicht als „neutraler Richter“. 83 ausgeführte Begründung: „Diesen Artikel [i. Quis Custodiet the European Court of Justice?. als sei diese erst mit diesem Artikel normiert worden. urteilte der EuGH am 5. Europäisches Parlament (2000). Obwexer. 899 Dazu etwa die Editorial Comments. damal. vgl. Oktober 2000 über die RL 98/43/EG (sog. Selbst J. Urteile des EuGH durch die heimische Gesetzgebung zu korrigieren. Beyer. er sei sein eigener Wächter 899. Oktober 2000 erstmals. e.“ Das Gericht bezieht sich auf Art. S..C. in: EZW (1997) 10. 301 ff. auch W. dass die Gemeinschaft jenseits ihrer Ermächtigung agiert habe. Rs. 897 Der EuGH zog das Misstrauen der Mitgliedstaaten vor allem deswegen auf sich .] die der Kompetenzstruktur der Gemeinschaft schon bislang nicht gerecht werdende Postulierung eines ‚Prinzips der (begrenzten) Einzelermächtigung‘ der Vergangenheit angehören“ sollte (vgl. Vgl. Weiler. Dezember 1999 in der Bundestagsdebatte zur Regierungserklärung zum EU-Gipfel in Helsinki (vgl.W. dass die Befugnisse der Gemeinschaft auf Einzelermächtigungen beruhen. obwohl diese Formel erst gerade in den Maastricht Vertrag aufge- .H. 1996 zur Frage der „korrigierenden Kodifikation“ von Richterrecht des EuGH. 900 Interview in DIE ZEIT vom 22. Verfassungserweckung und Verfassungsbestätigung Rechts vor. Schäuble. Urteil vom 5.“ 900 Nicht zuletzt durch diese Kritik in seiner Selbstgewissheit erschüttert. C-378/98 Deutschland v. Hummer / W. in: Common Market Law Review 30 (1993).H. widerspräche nicht nur dem Wortlaut der genannten Bestimmungen. „In der Unterwelt der Ausschüsse“. 189 ff. sondern als das „Integrationsorgan der Europäischen Union“. wenn sie zu weitreichend erschienen. 9. Die Ermächtigung der Europäischen Union und ihrer Gemeinschaften. Vorsitzender der CDU / CSU-Bundestagsfraktion. CONF 3883/96. 3b EG-Vertrag. Oktober 1998. 898 Die Zusicherung des Gerichtshofs. 295 ff. Anlage. 155 (Maastricht-Entscheidung). fand in der Rechtsprechung keine Bestätigung. Besondere Aufmerksamkeit verdient die unter Rdnr. dass „[s]pätestens mit Maastricht [. 7. S. Diese hatte in den Augen eines Beobachters nämlich einen Zustand erreicht.. Art. in: Der Staat 35 (1996). T. Das war aber allem Anschein nach im Lauf der Jahre angesichts der Spruchpraxis des EuGH unkenntlich geworden. 899 ff. Dabei war diese seit jeher das vorwaltende Organisationsprinzip der Gemeinschaft.). 100a EGV] dahin auszulegen. um mit der begrenzten Einzelermächtigung die Nichtzuständigkeit der Gemeinschaft festzustellen.. weil er nicht als Hüter der nach dem Prinzip der begrenzten Einzelermächtigung konstruierten Kompetenzordnung der Gemeinschaft erschien.

G. 88.. national homogenen Gesellschaft diskutiert werden kann. dass er die Vertragsänderung von Maastricht zum Anlass nimmt. sind mithin vergangen. Die Bestätigung und Festigung des Verfassungsstaates 311 Insgesamt bediente sich der EuGH zur Funktionssicherung der Gemeinschaft einer Rechtsprechung. dass das Prinzip durch den Maastricht-Vertrag gestärkt wurde (vgl. Die Zeiten. in denen die Rechtsprechung als Spiegelbild einer geschlossenen. ist jeder nationale Richter auch Gemeinschaftsrichter. In einem entsprechenden Entwicklungsprozess hat sich auch die Rolle der Richter in Europa gewandelt. der im Sinne des berühmten Hauptwerks von J. dem impliziten Wunsch der Politik zu entsprechen und das Subsidiaritätsprinzip zum neuen Maßstab seiner Rechtsprechung zu machen. Es war also nicht allgemein abzusehen. Nach Einschätzung des früheren Richters am EuGH. dann nommen worden war. die homogenisierend auf die mitgliedstaatlichen Rechtsordnungen wirkte. Bedenkt man die Anzahl der nationalen Gesetze. in: Jahrbuch des öffentlichen Rechts der Gegenwart. Die Rolle des Europäischen Gerichtshofs bei der europäischen Integration. hatte der EuGH in der Zwischenzeit „auf berechtigte Kritik an einzelnen Urteilen reagiert“ 902 und eine kooperativere Haltung eingenommen. auf das er hinweist. die inzwischen unmittelbar oder mittelbar auf Europarecht beruhen. das die Rechtsprechung in der Vergangenheit dominiert hatte. die sie anwenden. Dabei ließ er Nützlichkeits. Hirsch. das er aber nicht mehr korrigiert. dass etwa eine nationale Regelung.IV. er ist jedoch nicht mehr nur dem nationalen Recht verpflichtet. Da jedoch Europarecht von den nationalen Behörden und Gerichten unmittelbar anzuwenden ist und im Kollisionsfall grundsätzlich Vorrang vor nationalem Recht hat. sondern auch der autonomen Rechtsordnung der Europäischen Union. um somit vom „Prinzip der Funktionssicherung“ abzurücken. Sollte die Rechtsprechung ein Spiegelbild der Gesellscha