Gebirgsbildung

Prozesse der Gebirgsbildung
Nach heutigem Verständnis ist die Gebirgsbildung mit wenigen Ausnahmen auf plattentektonische Vorgänge zurückzuführen. Die Art des Gesteins, sein inneres Gefüge und der Wassergehalt der beteiligten Sedimente beeinflussen den Vorgang, ebenso äußere Einflüsse wie klimatische Faktoren und Erosionsprozesse. Sie bestimmen darüber, welche Form ein Gebirge (Prosen) annimmt, wie hoch es bei einer bestimmten Hebungsrate wird, und wie lange sein Aufbau oder seine allmähliche Einebnung dauern. Nach früheren Vorstellungen ist einer Orogenese die Bildung einer so genannten Geosvnklinaie vorausgegangen: einer großen Einsenkung, in der sich mächtige Schichten von Tiefsee-und anderen Sedimenten ablagerten, bevor die Senkung durch großtektonische Vorgänge zu einem Hebungsgebiet wurde. Diese Gesteine wurden später umgewandelt und teilweise über hunderte Kilometer verschoben, sodass sie sich heute in den Gebirgen finden. Nach heutigen Vorstellungen entspricht die „Geosynklinale" dem bei plattentektonischen Vorgängen zwischen den beteiligten Kontinentalplatten befindlichen Ozean oder Randmeer.

Kollision von Kontinentalplatten

£3 Schema des alpidischen Gebirgsgürtels. Die Erdoberfläche setzt sich nach der Theorie der Plattentektonik aus zehn größeren und einigen kleineren Lithosphärenplatten zusammen, die sich mit einigen Zentimetern pro Jahr gegeneinander verschieben. Treffen zwei Platten aufeinander, so treten Schubkräfte auf, die zu einer Auffaltung oder Stapelung der Krustengesteine fuhren. Hierdurch entsteht eine Gebirgskette entlang der Plattengrenze. Der Himalava entstand so durch das Auftreffen der indischen Platte auf die asiatische Platte. Etwa zur gleichen Zeit, vor 30-50 Millionen Jahren, begann die Auffaltung der Alpen durch die Kollision der eurasischen Platte mit einem Teil der afrikanischen Platte. Diese Gebirge werden als Kollisionsgebirge bezeichnet.

Subduktion von ozeanischen Platten
Trifft eine Kontinentalplatte auf eine ozeanische Platte, so taucht die ozeanische Platte wegen der höheren Dichte meistens in den Erdmantel ab und wird dort wieder aufgeschmolzen. Dies wird als Subduktion bezeichnet. In den Subduktionszonen treten häufig Erdbeben und Vulkanausbrüche auf. Gebirge entstehen durch aufgeschüttete Lava, aber auch durch Aufsteigen von leichteren Gesteinsbereichen, die während der Subduktion im Erdinneren entstanden sind. Die Anden sind eine Folge des Aufeinandertreffens der Nazca-Platte mit der südamerikanischen Platte. Weitere Beispiele hierfür sind das nordamerikanische Kaskadengebirge und die Japanischen Inseln.

Obduktion von ozeanischen Platten
Bei der Kollision von ozeanischen Platten mit anderen kommt es in manchen Fällen nicht zu einer vollständigen Subduktion der ozeanischen Kruste. Teile der ozeanischen Platte werden von ihrem Unterlager abgeschürft und auf die obere Platte aufgeschoben ("Obduktion"). Solche Gesteinskörper finden sich in vielen Gebirgen, meist als linsenförmige und wenig ausgedehnte Vorkommen. Die dort aufgeschlossenen Gesteine werden Ophiolithe genannt und besitzen eine sehr charakteristische Ausbildung, welche sich von den umgebenden Gesteinen

deutlich unterscheidet. In seltenen Fällen werden größere Teile der Ozeankruste obduziert, so etwa im Ophiolithkomplex von Oman. 1 Die Gebirgsbildung oder Orogenese (zusammengesetzt aus den griechischen Wörtern öpoq dros ,Berg' und y6v£ai<; genesis .Entstehen, Zeugung, Geburt') wird durch tektonische Vorgänge verursacht, die in vielen Fällen direkt durch die Verschiebung von Kontinentalplatten erzeugt werden. Spezialfälle der Orogenese betreffen die Bildung von Bruchschollengebirgen und Bruchfaltengebirgen, die nicht direkt durch die Verschiebung von Kontinentalplatten erzeugt werden. Eine Orogenese wurde früher als ein zeitlich begrenzter Vorgang verstanden, da nur die das Geftige der betroffenen Gesteine bestimmenden Vorgänge betrachtet wurden.111 Die Untersuchung aktiver Orogene wie etwa der Gebirge an der pazifischen Küste Amerikas zeigt jedoch, dass es sich um oft zeitlich ausgedehnte und andauernde Vorgänge handelt.

Phasen der Gebirgsbildung in der Erdgeschichte
Auf Hans Stille geht die Unterteilung des geologischen Werdegangs von Europa in vier wesentliche Gebirgsbildungsphasen zurück: die fennosarmatische. kaledonische. variskische und alpidische Phase. Fast alle , jungen" Faltengebirge der Erde sind in den letzten 20-40 Millionen Jahren in der alpinen Gebirgsbildung, der letzten dieser Phasen, entstanden. In dieser Phase entstanden unter anderem der Hohe Atlas, die Pyrenäen, die Alpen und die Karpaten. Die Hebung der Alpen hält bis heute an (mit 1-3 mm pro Jahr), sie wird durch etwa gleichstarke Erosion wettgemacht.

alpidischKreide. Känozoikum 100 50 rezent wachsend Alpen. Himalava, Karpaten Kontinent Eurasien und Subkontinent Indien

variskischmittleres Paläozoikum 400 300 Erosion Südliche Appalachen. die pre-Rockv Mountains und Anden. Ural. Schwarzwald. Harz. Rheinisches Schiefergebirge Superkontinent Pangaea

kaledomisehfrühes Paläozoikum 510 410 Erosion Nördliche Appalachen, Schottland. Norwegen Alte Großkontinente Laurussia. Laurasia