Soziale Sicherung Weltweit

Empirische Erfahrungen aus Otjivero

Rev. Dr. Claudia Haarmann & Rev. Dr. Dirk Haarmann

Namibia
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Arbeitslosenquote = 51% (2009) 30% der Kinder unter fünf Jahren leiden an Unterernährung (UNICEF 2008) HIV Infektionsrate = 18.7% (MHSS 2011) Weltweit eine der größten Kluft zwischen Arm und Reich:

Gini-Koeffizient von 0.743 Verlust von 44.3% im IHD Index (UNDP 2010)

Ein BIG in Namibia

Monatliche bedingungslose staatliche Zuwendung (N$100 / € 9) für jede(n) Namibianer

Vorschlag durch Steuerkommission der Regierung (2002)

Geldtransfers mittlerweile akzeptiert, aber gebunden an:

Zielgruppen und Bedingungen → führt zu negativen Anreizen, Bestrafung und Misstrauen → 'Sicherheitsnetz', in dem man sich auch verfangen kann

Unterschied des BIGs:
    

Universalität Rechtsanspruch Vertrauen / Glaube an die Menschen Umverteilung, durch steuerliche Refinanzierung Trampolin-Effekt – BIG fängt auf, aber befähigt auch zum

Das Pilotprojekt
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Laufzeit: zwei Jahre Jan 08 bis Dez 09 Ort: Otjivero-Omitara (100km westl. der Hauptstadt) 930 Menschen von 0 bis 59 Jahren Forschung:
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Ausgangserhebung im November 07 Panel-Befragung im Juli 08 und Nov 08 Interviews mit 'key informants' Fallstudien Externe Daten (Klinik, Schule, Polizei) Beratung und Prüfung der Forschung durch internationales Expertenteam

Leben vor dem BIG
Jeder Tag ist ein Kampf, Essen für die Kinder zu bekommen. Es tut mir weh, meine Kinder nicht zur Schule schicken zu können. Ich wünschte, ich hätte sie nicht....(Willemin a Gawises)

Veränderungen durch den BIG
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Ernährungssicherheit Gesundheit Wirtschaftliche Aktivitäten und Einkommen Bildung Kriminalität

Ernährungssicherheit
Unterernährung von Kindern ist innerhalb von 12 Monate von 42% auf 10% gesunken Seit Januar gab es keinen einzig Fall von Unterernäh rung mehr,
.5 0 -4 .1 .2 .3 .4

-2 Nov 2007 Nov 2008

0 x

2 Jun 2008 WHO normal

4

Bildung
Vor der Einführung des BIG sind fast die Hälfte der Kinder nicht regelmäßig zur Schule gegangen, nur 40% haben das Schuljahr bestanden und weniger als die Hälfte der Eltern haben das Schulgeld bezahlt. Innerhalb von 12 Monaten haben, 90% bezahlt und es gib so gut wie keine Schulabbrecher mehr

Kriminalität
Comparision of Crime Cases - Omitara Police Station
15 Jan - 31 Oct 07 (before BIG) 15 Jan - 31 Oct 08 (w ith BIG)

90 80 70 60 50 40 30

85

Kriminalität ist insgesamt um 37% gesunken Illegale Jagd und unbefugtes Betreten um 95% Tierdiebstahl/Wilder ei fiel um 43%


54

28 21 16 9 1 17 20

27

20 10 0
o r te l r ep e d c r im k Stoc

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Wirtschaftliche Entwicklung
Average monthly per capita income in N$ - excluding BIG
N$ 160

N$ 150

N$ 140

Income (wage, self-employment, farming)

N$ 130
N$ 152

N$ 120
N$ 134

Einkommen durch:  Lohnarbeit stieg um 19%  selbständige Arbeit um 301%  Landwirtschaft um 36%

N$ 110

N$ 118

N$ 100 Nov 07 Jul 08 Nov 08

Entstehung von Kleinunternehmen

Gründe für Universalität und Bedingungslosigkeit

Warum soll jeder ohne Bedingungen Geld bekommen?
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Erreichung der Zielgruppe durch Steuerinstrumente Keine Armutsfalle und Abhängigkeit: Armut macht abhängig, BIG befähigt zu wirtschaftlichen Aktivitäten Es ist billiger und gerechter zu finanzieren:  weniger Verwaltungsaufwand  Umverteilung durch Steuer möglich, ohne Schlechterstellung der „working poor“ Reduzierung der Korruptionsgefahr Stärkung des sozialen Zusammenhaltes Bedingungen sind bevormundend vs .Förderung der Eigenverantwortung in der heutige Gesellschaft ist Geld überlebenswichtig (Menschenrechtsansatz)